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		<summary type="html">&lt;p&gt;ElkeJura: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Datei:GA102.jpg|thumb|{{RSV|102}}]]&lt;br /&gt;
__NOTOC__&lt;br /&gt;
&amp;lt;div class=&amp;quot;center&amp;quot; &amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;h3&amp;gt;RUDOLF STEINER&amp;lt;/h3&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;h3&amp;gt;VORTRÄGE&amp;lt;/h3&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;h4&amp;gt;VORTRÄGE VOR MITGLIEDERN&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
DER ANTHROPOSOPHISCHEN GESELLSCHAFT&amp;lt;/h4&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;h3&amp;gt;Das Hereinwirken&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
geistiger Wesenheiten in den&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Menschen&amp;lt;/h3&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;h5&amp;gt;Dreizehn Vorträge, gehalten in Berlin&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
zwischen dem 6. Januar und 11. Juni 1908&amp;lt;/h5&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;h3&amp;gt;GA 102&amp;lt;/h3&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;h3&amp;gt;1984&amp;lt;/h3&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Inhaltsverzeichnis =&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;font-family: &#039;Baar Zeitgeist&#039;; font-size: 100%;&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
* [[GA 102#ERSTER VORTRAG, Berlin, 6. Januar 1908|ERSTER VORTRAG, Berlin, 6. Januar 1908]]&lt;br /&gt;
* [[GA 102#ZWEITER VORTRAG, Berlin, 27. Januar 1908|ZWEITER VORTRAG, Berlin, 27. Januar 1908]]&lt;br /&gt;
* [[GA 102#DRITTER VORTRAG, Berlin, 15. Februar 1908|DRITTER VORTRAG, Berlin, 15. Februar 1908]]&lt;br /&gt;
* [[GA 102#VIERTER VORTRAG, Berlin, 29. Februar 1908|VIERTER VORTRAG, Berlin, 29. Februar 1908]]&lt;br /&gt;
* [[GA 102#FÜNFTER VORTRAG, Berlin, 16. März 1908|FÜNFTER VORTRAG, Berlin, 16. März 1908]]&lt;br /&gt;
* [[GA 102#SECHSTER VORTRAG, Berlin, 24. März 1908|SECHSTER VORTRAG, Berlin, 24. März 1908]]&lt;br /&gt;
* [[GA 102#SIEBENTER VORTRAG, Berlin, 13. April 1908|SIEBENTER VORTRAG, Berlin, 13. April 1908]]&lt;br /&gt;
* [[GA 102#ACHTER VORTRAG, Berlin, 20. April 1908|ACHTER VORTRAG, Berlin, 20. April 1908]]&lt;br /&gt;
* [[GA 102#NEUNTER VORTRAG, Berlin, 13. Mai 1908|NEUNTER VORTRAG, Berlin, 13. Mai 1908]]&lt;br /&gt;
* [[GA 102#ZEHNTER VORTRAG, Berlin, 16. Mai 1908|10 EHNTER VORTRAG, Berlin, 16. Mai 1908]]&lt;br /&gt;
* [[GA 102#ELFTER VORTRAG, Berlin, 1. Juni 1908|ELFTER VORTRAG, Berlin, 1. Juni 1908]]&lt;br /&gt;
* [[GA 102#ZWÖLFTER VORTRAG, Berlin, 4. Juni 1908|ZWÖLFTER VORTRAG, Berlin, 4. Juni 1908]]&lt;br /&gt;
* [[GA 102#DREIZEHNTER VORTRAG, Berlin, 11. Juni 1908|DREIZEHNTER VORTRAG, Berlin, 11. Juni 1908]]&lt;br /&gt;
* [[GA 102#Notizbucheintragungen zum Vortrag 16. Mai 1908|Notizbucheintragungen zum Vortrag 16. Mai 1908]]&lt;br /&gt;
* [[GA 102#Hinweise|Hinweise]]&lt;br /&gt;
* [[GA 102#Namenregister|Namenregister]]&lt;br /&gt;
* [[GA 102#Über die Vortragsnachschriften|Über die Vortragsnachschriften]]&lt;br /&gt;
* [[GA 102#Literatur|Literatur]]&lt;br /&gt;
&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|13}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= ERSTER VORTRAG, Berlin, 6. Januar 1908 =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heute werden wir einiges zu besprechen haben vom geisteswissenschaftlichen Standpunkt aus über Tatsachen und Wesenheiten in höheren Welten und über den Zusammenhang solcher Wesenheiten und Tatsachen mit dem Menschen. Von vornherein muß, obwohl es scheinen könnte, daß dies in einem solchen theosophischen Zweig nicht notwendig sei, darauf aufmerksam gemacht werden, daß der heutige Vortrag zu denjenigen gehören wird, die man für Theosophen in einem vorgeschrittenen Stadium hält. Auch so etwas muß ja einmal möglich sein in einem theosophischen Zweig. Wer daher vielleicht erst seit kürzerer Zeit an diesen Montagvorträgen teilnimmt, kann sich durch manches, was heute besprochen wird, noch etwas befremdet fühlen; aber wir würden nicht weiterkommen, wenn wir nicht auch einmal Dinge der höheren Gebiete der Theosophie besprechen wollten. Wer etwa ein ganzer Neuling ist und vielleicht erst darauf wartet, von den geisteswissenschaftlichen Wahrheiten überzeugt zu werden, könnte in mancherlei, was heute zur Sprache kommt, etwas wie Wahnwitz finden; aber solche Gebiete müssen auch einmal berührt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus den Vorträgen, die in den letzten Zeiten hier gehalten worden sind, konnten Sie entnehmen, daß, wenn wir von dem physischen Plan hellseherisch hinaufsteigen in die höheren Welten, wir da Wesen antreffen, die zwar nicht unserer physischen Welt angehören, die aber als Wesen der höheren Welten so in sich abgeschlossene Wesenheiten sind, daß wir sie für jene Welten ebenso als Personen bezeichnen können, wie wir die Menschen hier auf dem physischen Plan als Personen bezeichnen. Sie haben gesehen, daß ganze, gleich oder ähnlich gestaltete Gruppen von Tieren zusammen zu einer Gruppenseele oder einem Gruppen-Ich gehören, und daß wir die Löwenseele, die Tigerseele und andere Gruppen-Iche der Tiere wie abgeschlossene Personen auf dem Astralplan treffen, denen wir dort begegnen können, wenn wir trivial gesprochen auf dem Astralplan spazierengehen, so wie wir den Menschen der physischen Welt hier begegnen können. Ebenso finden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|14}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wir in noch höheren Gebieten, auf dem Devachanplan, die Iche von ganzen Pflanzengruppen, und in den höchsten Partien des Devachans finden wir die Iche der Mineralien als abgeschlossene Persönlichkeiten, wie es hier die Menschen auf dem physischen Plan sind. Daraus sehen wir, daß wir in diesen höheren Welten gewisse Wesenheiten antreffen, die sozusagen ihre Organe, ihre einzelnen Glieder hinunterstrecken bis in die physische Welt. Wenn der Mensch seine Finger zeigen würde, indem er sie durch einen Vorhang oder durch eine Papierwand, in der ein Loch ist, hindurchstreckte, so würden wir da nur die zehn Finger vom Menschen sehen; er selbst wäre hinter der Wand. So ist es mit den Gruppen-Ichen der Tiere. Wir sehen hier mit den physischen Augen das, was von höheren Wesenheiten des Astralplans als Glieder heruntergestreckt wird, und das eigentliche Ich ist hinter der Wand hinter jener Wand, welche die physische Welt von der astralischen trennt. Und so ist es in entsprechender Weise mit den anderen Gruppen-Ichen, mit den Gruppen-Ichen der Pflanzen oder der mineralischen Welt. Wenn wir uns von diesem Ausgangspunkt der physischen Welt aus hinaufbegeben in höhere Welten, treffen wir dort nicht allein die eben hier genannten Wesen an, die ihre Glieder hier in die physische Welt hinuntererstrecken, sondern wir treffen eine ganze Anzahl anderer Wesenheiten, die wir ebenso als für sich abgeschlossene Persönlichkeiten für jene Welten bezeichnen können, deren physische Glieder aber nicht so unmittelbar anschaulich und nachweislich sind wie die der genannten Gruppen-Iche der Tiere, Pflanzen und Mineralien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der astralische Plan und der Devachanplan sind eben sehr bevölkerte Welten, und mancherlei Wesenheiten finden wir dort, die, wenn sie auch nicht in so handgreiflicher Art in ihren Offenbarungen hier zu beobachten sind, dennoch ihre Wirkungen, ihre Taten hier auf dem physischen Plan äußern, und die mit dem physischen Plan, mit unserem ganzen heutigen menschlichen Leben sehr viel zu tun haben. Man begreift das Menschenleben nicht, wenn man nicht weiß, daß innerhalb des menschlichen Lebens solche Wesen tätig sind, die oben in höheren Welten leben. Im menschlichen Leibe selber geht vieles vor, worüber der Mensch nicht Herr ist, was nicht Ausdruck des mensch-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|15}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
lichen Ich ist, sondern Tat, Wirkung, Offenbarung von Wesenheiten der höheren Welten. Von solchen Dingen wollen wir heute sprechen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir den astralischen Plan betrachten, treffen wir dort gewisse Wesenheiten an nur eine Art unter vielen anderen , die unter den Wesenheiten des physischen Plans, die wir zunächst beobachten, scheinbar keine Äußerung, keine Offenbarung haben, die aber doch mit unserem physischen Plan zusammenhängen. Wir treffen sie dort auf dem astralischen Plan als astralische Wesenheiten mit einem ausgesprochenen Willen, mit ausgesprochenen Absichten. Solche Wesenheiten haben innerhalb unserer unmittelbaren Welt ein solches Dasein, daß wir sie, wie gesagt, auf dem astralischen Plan antreffen können; aber sie sind verwandt, sie gehören zu derselben Art von Wesenheiten, die unseren heutigen Mond bewohnen, die auf unserem jetzigen Mond sogar ein gewisses physisches Dasein haben. Derjenige, der sich diesen Dingen hellseherisch zu nähern vermag, weiß, daß das Wesenheiten sind, die dort auf dem Schauplatz des Mondes in einer gewissen Beziehung menschenähnliche Wesen sind, nur daß sie dem Menschen gegenüber wie Zwerge sind, denn sie erreichen kaum die Höhe eines sechs- bis siebenjährigen Kindes. Dort auf dem Mond bietet sich ihnen eine eigentümliche Gelegenheit zu ihrer Betätigung. Dort sind die physischen Verhältnisse ganz andere; die Atmosphäre ist zum Beispiel eine ganz andere, und die Folge davon ist, daß diese Wesenheiten, wenn sie sich sozusagen nach ihrer Heimat zurückziehen, dort die Fähigkeit erlangen, ungeheuer zu brüllen, ungeheuer starke, furchtbare Töne von sich zu geben. Diese zwerghaften Wesenheiten können sich innerhalb unserer Welt aufhalten als astralische Wesenheiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie müssen sich nämlich die Verhältnisse in den höheren Welten viel komplizierter vorstellen, als man das gewöhnlich tut. Es besteht, sobald wir von den höheren Welten reden, durchaus ein Zusammenhang zwischen den einzelnen Planeten, und so besteht ein Zusammenhang zwischen dem Mond und der Erde in einer ähnlichen Weise, wie Sie zum Beispiel von Berlin nach Hamburg telephonieren, so daß solche Wesenheiten, die auf dem Monde leben, also ihre Wirkungen mit Hilfe astralischer Kräfte auf der Erde ausüben können. Diese Wesenheiten sind, man könnte sagen, nur die schlimme Kehrseite von&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|16}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
anderen Wesenheiten, die wir ebenfalls in der astralen Welt finden: von gutartigen Wesen, die, verglichen mit der gegenwärtigen, auch sanftesten Menschennatur, noch viel, viel sanfter sind, sehr sanft auch in bezug auf die Sprache. Das sind Wesenheiten, deren Sprache nicht von jener Sprödigkeit ist wie die menschliche Sprache, bei der erst lange überlegt werden muß, wenn der Mensch sich äußern soll, wenn er seine Gedanken und Vorstellungen in Worte kleiden soll. Man könnte sagen, diesen Wesenheiten fließen die Gedanken von den Lippen, nicht bloß der Ausdruck der Gedanken in Worten, sondern die Gedanken selbst fließen ihnen in einer sanften Sprache von den Lippen. Diese Wesenheiten finden Sie auch innerhalb unserer astralischen Welt; ihren eigentlichen Schauplatz haben sie wiederum auf einem anderen Planeten. Wie die erstgenannten Wesenheiten auf dem Mond, so haben diese zweiten auf dem Mars ihre Heimat; den bewohnen sie, und da sind sie sogar die hauptsächlichste Bevölkerung, so wie gewisse Menschenrassen die hauptsächlichste Bevölkerung auf unserer Erde sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir dann weiter aufsteigen nach dem Devachanplan, finden wir gewisse Wesenheiten, die in ihrer Eigenart auch sanfter, friedlicher Natur sind, und die in einer gewissen Beziehung außerordentlich klug sind. Solche Wesenheiten, die wir auf dem Devachanplan finden, haben ihre eigentliche Heimat wie die anderen Wesenheiten auf Mond und Mars auf dem Planeten Venus. Auch auf der Venus finden wir noch eine zweite Art von Wesenheiten, die im Gegensatz zu den sanften, lieblichen eine wilde, rasende Varietät darstellen, deren hauptsächlichste Beschäftigung im gegenseitigen Krieg und Raub besteht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann finden wir auf den höheren Partien des Devachanplans gewisse Wesenheiten von zweierlei Art, die sehr schwer zu beschreiben sind. Wir können sie nur vergleichsweise beschreiben, indem wir sagen, daß sie unendlich erfinderisch sind, in jedem Augenblick des Lebens etwas ausfindig machen, denn es wäre falsch, wenn man sagen würde: sie denken es aus. Bei ihnen ist diese erfinderische Gabe etwa so vorhanden, wie wenn man eine Sache anschauen würde und einem in demselben Augenblick schon beim Anschauen der Einfall käme, wie man das anders gestalten könnte. Sogleich erfolgt da bei ihnen die&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|17}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erfindung. Diesen Wesenheiten, die ihre Heimat auf dem Saturn haben, stehen andere gegenüber, die wiederum wie ihre Kehrseite sich ausnehmen: wilde, schaurige Wesenheiten, die alles, was etwa im Menschen an wilder sinnlicher Gier und Begierde lebt, in einem weitaus höheren, furchtbareren Grade besitzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese eben genannten Wesenheiten sind nun keineswegs ohne Beziehung zu unserem Leben, sondern sie erstrecken ihre Taten, ihre Wirkungen und Offenbarungen durchaus in unser Leben hinein, und namentlich ist ihre Wirkung für den hellseherisch begabten Menschen dann zu verspüren, wenn gewisse Verhältnisse auf der Erde eintreten. So sind zum Beispiel jene Wesenheiten, die ihre Heimat auf dem Mond haben natürlich als astrale Wesenheiten , auf der Erde unter den mannigfaltigsten Verhältnissen vorhanden, beispielsweise wenn irgendwo ein Mensch von Wahnideen befallen ist, wenn irgendwo Irrsinnige sind. Namentlich in der Nähe von Irrenhäusern halten sich solche Wesenheiten als astralische Wesenheiten mit ganz besonderer Vorliebe auf. Auch finden sie sich fast immer in der Nähe von Medien und Somnambulen, die zum Teil ganz umschwirrt sind von solchen Wesenheiten, und ein großer Teil von den Einflüssen, die auf solche Menschen ausgeübt werden, rührt von der Anwesenheit solcher Geschöpfe her. Wo dagegen Liebe und Wohltätigkeit waltet, wo humanitäres Wesen entfaltet wird, da finden Sie die vorhin charakterisierten sanften, milden Marswesenheiten als astralische Geschöpfe anwesend, und diese Wesenheiten wirken in den Kräften, die sich da entfalten. Das ist für sie ihre Nahrung, die Atmosphäre, in der sie leben können und von der aus sie wiederum ihren Einfluß auf den Menschen ausüben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da, wo menschliche Erfindungen gemacht werden, wo Ingenieure arbeiten, in den technischen Werkstätten, da ist die Atmosphäre geschaffen für jene Art von erfinderischen Saturnwesenheiten, die beschrieben wurden, während dort, wo irgendwelche Akte sich entfalten, die mit Geistesgegenwart etwas zu tun haben, Wesenheiten anwesend sind, die auf der Venus ihren Sitz haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So sehen Sie, wie der Mensch in den verschiedensten Lebenslagen fortwährend umgeben und umschwirrt ist von solchen elementarischen Wesenheiten, wie man sie auch nennt. Er ist wirklich niemals allein,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|18}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sondern was er auch tut und was er unternimmt, ist zu gleicher Zeit Gelegenheit für die Entfaltung einer Anzahl von Wesenheiten. Die feineren und gröberen Taten der Menschen, die ideellsten und idealsten Taten und die wüstesten Taten, sie alle sind Gelegenheitsursachen für die Anwesenheit solcher Geschöpfe, die eingreifen in die Kräfte der Menschen und sich da betätigen und die man kennen muß, wenn man das Leben wahrhaftig durchschauen will. Wer diese Dinge nicht durchschaut, geht ja durchaus blind durch das Leben. Es ist nicht etwa bloß eine Theorie oder eine theoretische Forderung, um die es sich da handelt, sondern es handelt sich hier darum, daß alle diese Dinge unmittelbar praktisch werden. Denn erst dann wird der Mensch nach und nach in der Zukunft der Erdenentwickelung lernen, sich in der richtigen Weise zu verhalten und zu benehmen, wenn er immer mehr und mehr erkennt, welche Geschöpfe durch diese oder jene Taten und Umstände herbeigerufen werden. Alles, was der Mensch tut, ist wie ein Ruf an unbekannte Wesenheiten. Nicht nur an Irre oder an Medien können sich die Mondwesenheiten, unter denen recht böswillige Racker sind, heranwagen, sondern zum Beispiel auch an junge Kinder, wenn sie in so unsinniger Weise überfüttert werden, daß bei ihnen die Freßgier erregt wird; dann können sie sich an sie heranmachen und ihre Entwickelung verderben. Da sehen Sie, wie notwendig es ist zu wissen, was der Mensch eigentlich durch sein ganzes Gebaren und durch sein ganzes Gehabe in der Welt um sich herum wachruft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun sind diese Wesenheiten auch sonst durchaus nicht ohne Beziehung zum Menschen. Sie haben vielmehr eine tiefe Beziehung zu unserem unmittelbaren menschlichen Bau. Von dem, was sich im menschlichen Leibe findet, gehört eigentlich nur eines dem Menschen an oder kann ihm immer mehr angehören: das ist sein Blut. Des Menschen Blutsaft ist das, was unmittelbar der Ausdruck seines Ich ist. Wenn aber der Mensch nicht immer mehr und mehr darauf schaut, sein Ich durch einen starken und kräftigen Willen, durch seine starke und kräftige Seele innerlich zu festigen, wenn ihm sozusagen sein Ich abhanden kommt, dann können sich auch in seinem Blut andere Wesenheiten verankern, und das ist dann sehr schlimm und böse für den Menschen. Dagegen sind in anderen Teilen des menschlichen Organismus heute&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|19}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
noch viele andere Wesenheiten verankert, sind in ihm enthalten, und wir wollen einmal sehen, was da eigentlich alles seine Fühlhörner in diesen menschlichen Leib hineinerstreckt, was da im menschlichen Leibe sich alles verankert. Da müssen wir ein wenig eingehen auf diesen menschlichen physischen Leib.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie wissen, daß das Blut, das durch die Adern rinnt und sich im Menschenleib ausbreitet, der Ausdruck des menschlichen Ich ist und daß es immer stärker und stärker der Ausdruck des Ich wird, wenn das Ich selbst immer stärker und kräftiger in sich seinen Mittelpunkt, sein inneres Kraftzentrum findet. In bezug auf andere Teile, auf andere Einschlüsse des Organismus wird das Ich des Menschen erst in einer viel künftigeren Zeit die Herrschaft erhalten. Heute sind in diesen Ingredienzien des menschlichen Leibes noch viele andere Wesenheiten enthalten. Wir wollen die drei Säftestufen Chylus, Lymphe und Blut jetzt einmal zum Zwecke unserer Betrachtung näher ins Auge fassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie wissen vielleicht, welche Bedeutung diese drei Arten von Säften für den Menschen haben. Sie wissen, wenn der Mensch seine Nahrung genießt, so wird sie zunächst durch die vorbereitenden Organe in den Magen befördert und mit den entsprechenden Säften, die aus den Drüsen abgesondert werden, untermischt und zubereitet, so daß sie durch die Gedärme verarbeitet werden kann. Da ist die Speise in einen flüssigen Zustand gebracht, den Speisebrei, der durch die Gedärme vorwärtsgeführt wird. Das, was für den Menschen Nahrungsstoff sein kann, wird dann durch kleine Organe, die man die Darmzotten nennt, in den Leib übergeführt, um für diesen Leib als Nahrungssäfte zu dienen, um den Leib immer wieder neu aufzubauen. Das ist eine Sorte von Substanzen, die wir im Leibe haben, die wir den Chylus nennen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann wissen Sie vielleicht auch, daß außer diesem Chylus, der dadurch zustande kommt, daß von außen die Nahrung in den menschlichen Leib eindringt, auch noch im Inneren des menschlichen Leibes ganz gleichlaufende Gefäße sind, die eine Art von Saft führen, der in einer gewissen Beziehung ähnlich ist der weißen Substanz in unserem Blut. Dieser Saft fließt auch durch den ganzen menschlichen Organismus in gewissen Gefäßen, und diese Gefäße laufen vielfach&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|20}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
zusammen mit denjenigen Blutgefäßen, die wir die Venen nennen, weil sie blaurotes Blut enthalten. Diese Gefäße nehmen sogar auch den Chylus auf. Die Flüssigkeit, die sie enthalten, das ist die Lymphe. Das ist ein Saft, der, man möchte sagen, vergeistigt ist gegenüber dem eigentlichen Speisesaft, dem Chylus. Diese Lymphgefäße, welche die Lymphflüssigkeit führen, haben ihren Verlauf im ganzen menschlichen Leib; sie durchziehen sogar das Knochenmark in einer gewissen Beziehung, und das, was sie führen, nimmt dann auch den Speisebrei auf, den Chylus. Alles, was in der linken Körperhälfte und in den unteren Extremitäten ist von der linken Kopfseite, linken Seite des Rumpfes bis zur linken Hand und den beiden Beinen , alles, was da an Lymphflüssigkeit ausgebreitet ist und zerläuft, sammelt sich und fließt in die linke Schlüsselbeinvene hinein und mündet dann ein in den Blutkreislauf. Nur das, was in den Lymphgefäßen in der rechten Kopfseite und in der rechten Seite des Rumpfes ist, vereinigt sich und führt die Lymphe in die rechtsseitige Schlüsselbeinvene, so daß auf diese Weise die Lymphgefäße der Ausdruck einer wichtigen Tatsache werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie sehen, wie der Mensch dadurch in zwei Teile geteilt ist, und zwar nicht symmetrisch, sondern so, daß der eine Teil seine ganzen unteren Körperteile und die linke Hälfte des Rumpfes und des Kopfes umfaßt, während der andere Teil von der rechten Seite des Rumpfes und des Kopfes gebildet wird. Das ist ein zweiter Saft, der im Menschen pulsiert, ein Saft, der dem Seelischen viel näher steht, als dies bei dem Chylus, dem Magen- und Darmsaft des Speisebreis, der Fall ist, obwohl ja seelische Zustände auch auf die Verdauung und den ganzen Kreislauf des Speisesaftes ihren tiefgehenden Einfluß haben. Mit den Lymphsäften hängen aber seelische Zustände viel tiefer zusammen. Bei einem Menschen, der stark tätig ist, der sehr aktiv ist, fließt die Lymphe viel lebhafter als bei einem Menschen, der träge und faul ist und nichts tut. Und so können wir viele seelische Zustände anführen, die mit dem Verlauf der Lymphe im menschlichen Leibe zusammenhängen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der dritte Saft ist das Blut, von dem wir öfter gesprochen haben. Es zerfällt in ein rotes, sauerstoffreiches, lebenspendendes Blut, das in den Arterien fließt, und in ein blaurotes, kohlenstoffreiches Blut, das in den Venen fließt. Ebenso wie unser Blut die Offenbarung, der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|21}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ausdruck ist unseres Ich, so ist die Lymphe in einer gewissen Richtung der Ausdruck, die Offenbarung des menschlichen Astralleibes. Solche Dinge äußern sich da nicht bloß nach einer Richtung. Nach einer anderen Richtung ist der Ausdruck des astralischen Leibes das Nervensystem. Nach der Richtung, die wir heute betrachten wollen, ist in der Tat, die Offenbarung, der Ausdruck des astralischen Leibes die Lymphe. Wie ein Mensch zwei Berufe ausfüllen kann, so ist es auch mit dem menschlichen Astralleib: auf der einen Seite ist er der Aufbauer des Nervensystems, auf der anderen Seite der Aufbauer, der Bildner für die Lymphe. Der menschliche Ätherleib ist ebenso der Aufbauer und Bildner für das ganze Drüsensystem, wie auch in einer anderen Weise der Aufbauer, der Organisator, der Bildner und Regierer des Umlaufes des Chylus, des Speisebreis. So haben Sie zunächst einen Zusammenhang dieser im menschlichen Leibe verlaufenden Säfte mit den Gliedern der menschlichen Natur selber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun müssen wir uns darüber klar sein, daß im menschlichen Astralleib, im menschlichen Ätherleib das Ich durchaus nicht etwa der einzige Herr ist. Der Mensch erlangt durch seine Entwickelung allmählich von seinem Ich aus immer mehr Herrschaft über seinen astralischen und seinen Ätherleib, wenn er seinen astralischen Leib umwandelt in Geistselbst oder Manas, und den Ätherleib umwandelt, daß das Ich die Herrschaft erlangt über den Lebensgeist oder die Buddhi. Aber solange der Mensch nicht die Herrschaft hat über diese Teile seiner Wesenheit, so lange sind andere Wesenheiten im Zusammenhange mit diesen menschlichen Gliedern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im menschlichen Astralleib sind, eingebettet wie die Maden im Käse entschuldigen Sie diesen unappetitlichen Vergleich, aber es ist so , andere Wesenheiten. Und zwar sind ihm eingegliedert, haben etwas zu tun mit diesem Astralleib jene astralischen Wesenheiten, von denen ich Ihnen gesagt habe, daß sie ihre eigentliche Heimat auf dem Mond oder Mars haben, je nachdem sie gutartige oder bösartige Wesenheiten sind. Die verankern sich im Astralleib. Und die Lymphe, jener weißliche Saft, der den Menschen durchläuft, der gehört zum Leibe derjenigen Wesenheiten, die in unserer astralischen Welt leben. So handgreiflich wie die Tiergruppen-Iche sind allerdings diese Wesen-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|22}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
heiten nicht vorhanden, die wir auf dem astralischen Plan als astralische Wesenheiten finden, und die auf dem Mond oder auf dem Mars ihre eigentliche Heimat haben. Aber sie sind solcher astralischer Natur, daß wir in einer gewissen anderen Richtung sagen können: Wie wir in den Tieren, zum Beispiel in einer Gruppe von Löwen, eine Art Offenbarung haben der Wesenheit, die wir auf dem Astralplan als eine geschlossene Persönlichkeit antreffen, als das Löwen-Ich, so haben wir, wenn auch nicht so handgreiflich, in dem, was den menschlichen Leib als Lymphe durchzieht, ebenso die Offenbarung, die ausgestreckten Glieder dieser astralischen Wesenheiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also, so können Sie fragen, haben diese astralischen Wesenheiten ebenso eine Art physisches Dasein wie die Gruppenseelen der Tiere, wie das Gruppen-Ich der Gattung Löwe in den einzelnen Löwenindividuen hier auf dem physischen Plan seine Offenbarung hat? Wenn Sie so fragen, müßte man Ihnen antworten: Ja, das haben sie. Wie wir bei den Tieren sahen, daß das astrale Gruppen-Ich seine einzelnen Glieder ausstreckt in die einzelnen Löwenindividuen, so strecken diese astralischen Wesenheiten ihre physische Wesenheit auch hier hinein. Nur könnten sie sie nicht so von außen in den physischen Plan hereinerstrecken, sondern sie brauchen auf dem physischen Plan Wesenheiten, deren Parasiten sie sind, in die sie sich einklammern und einbohren. Sie sind hier die Parasiten der Menschen. Gäbe es keine menschlichen Wesen hier auf der Erde, so würden sie sehr bald von der Erde ihren Abschied nehmen, weil sie keine Wohnstätten fänden; es würde ihnen hier nicht gefallen. Aber es gibt Wesenheiten, Menschen und höhere Tiere, die Lymphe haben: da, in dieser Lymphe haben diese Wesenheiten ihre physischen Offenbarungen. So pulsiert in unserem Leibe nicht bloß ein materieller Stoff, sondern in jedem solchen Kreislauf bewegen sich, und zwar in ganzen Scharen, solche Wesenheiten, die durch den Menschen rotieren, sich durch ihn hindurchbewegen und in der Lymphe ihren Körper haben, während der eigentliche Mensch, der Ich-Mensch, zunächst im Blute bloß seinen Körper hat. Und ob einen Menschen mehr Mondwesen dieser Art durchkreisen oder mehr Marswesen dieser Art, das gibt seiner Lymphe den besonderen Charakter. Durchkreisen den Leib in einem Menschen mehr&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|23}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mondwesen, so neigt er mehr zur Bosheit, zum Zorn, zum Ingrimm; durchkreisen ihn mehr Marswesen, so ist er ein Mensch, der mehr zur Sanftmut, zum Wohlwollen, zur Milde neigt. So sehen Sie, wie der Mensch nicht bloß von Säften, sondern auch von Geistern durchzogen ist, und wie man den Menschen nur versteht, wenn man weiß, daß er nicht bloß von Säften, sondern auch von Geistern durchzogen ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn Sie nun hellseherisch das erforschen, was man Chylus nennt, was also der äußere Ausdruck zunächst des menschlichen Ätherleibes ist, so haben Sie auch da wiederum ähnliche Wesenheiten verankert und eingegliedert. Das, was da eingegliedert ist, sind zunächst jene Wesenheiten, die wir vorhin charakterisiert haben auf der einen Seite als die guten, auf der anderen Seite als die schlimmen Venuswesenheiten, jene Wesenheiten, die ihre Heimat auf der Venus haben und die sich in unserer devachanischen Welt finden. Dort sind sie für das hellseherische Vermögen Persönlichkeiten, und ihre Äußerung, ihre Offenbarung hier im physischen Leben haben sie in dem menschlichen Speisesaft, in dem Chylus, so sonderbar das auch aussieht. In diesem den menschlichen Leib durchziehenden Speisesaft leben diese Wesenheiten, die ihre eigentliche Heimat auf dem Devachanplan haben und die, insofern sie einen physischen Leib annehmen, auf der Venus ihr physisches Leben haben. Und da die Venus in ihren Kräften in einer gewissen Weise zusammenhängt mit unserer ganzen Erdvegetation und mit allem, was sonst auf unserer Erde lebt, so werden Sie einsehen, welcher Zusammenhang besteht zwischen dem, wovon sich der Mensch ernährt, und dem, was aus dem Menschen durch diese Nahrung wird. Das ist eben ganz und gar nicht gleichgültig. In allen Pflanzen, und natürlich auch in den Tieren, leben die Einflüsse der Venuswesenheiten, auf der einen Seite die der guten, sanften, milden, auf der anderen Seite die jener wilden Venuswesenheiten, die Ihnen geschildert worden sind als raubgierige und miteinander im Kampf befindliche Wesenheiten. Je nachdem die einen oder die anderen Wesenheiten auf unsere Tiere oder Pflanzen wirken, sind das Fleisch oder die Pflanzen so, daß, wenn sie sich in Speisesäfte verwandeln, sie dem Menschen Tugenden oder Laster in seinen Leib hineinbauen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|24}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daran sehen Sie von einem noch höheren Standpunkt aus, als es Ihnen in früheren Vorträgen schon dargestellt werden konnte, die Wichtigkeit, vom geisteswissenschaftlichen Gesichtspunkt aus die menschliche Nahrung zu kennen, zu wissen, unter welchen Einflüssen diese und unter welchen Einflüssen jene Pflanze steht, und welches Tier diesem oder jenem Einfluß unterliegt. Sie können daraus die Lehre entnehmen, daß derjenige zum Beispiel, der da weiß, daß in einem Lande diese oder jene Pflanzen und Tiere gedeihen, die unter diesem oder jenem himmlischen Einfluß stehen, begreift, wie ein ganz bestimmter Volkscharakter sich aufbauen muß, weil in allem, was der Mensch an Nahrung zu sich nimmt, die aus seiner Umgebung gewonnen wird, er nicht nur das ißt, was die Chemie an Stoffen klarlegt, sondern er ißt bestimmte Geister mit, und diese sind es, die durch seinen Mund in den Magen gehen und in seinem Wesen sich ausbreiten. Da eröffnet sich uns die Perspektive, wie man aus der tieferen geographischen Beschaffenheit eines Landes den Charakter eines Volkes erkennen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vergessen Sie nicht eine Bemerkung, die Sie in der Wiedergabe des Vortrags über das Vaterunser finden können, in dem eine solche Tatsache von einem ganz anderen Gesichtspunkt aus dargestellt worden ist, wo Ihnen gesagt worden ist, daß der Mensch hinsichtlich seines Ätherleibes in einer gewissen Beziehung steht zum ganzen Volkstum wie er durch den astralischen Leib mit seiner näheren Umgebung verknüpft ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier sehen Sie wiederum von einem noch tieferen Gesichtspunkt aus beleuchtet, wie der Volkscharakter gebildet wird aus den geistigen Wesenheiten heraus, die mit den Nahrungsmitteln in den Menschen aufgenommen werden. Es ist das eines der Mittel, durch welche die große geistige Führung der Erde die verschiedenen Volkscharaktere verteilte über die Erde, indem sie die Nahrungsmittel, die das eine oder das andere bewirken, so verteilte, daß in der Nahrung, die gewonnen wird, der eine oder der andere Volkscharakter zum Vorschein kommt. Das führt nicht etwa auf einem Umweg zum Materialismus, sondern die Geisteswissenschaft zeigt, wie alles Materielle eine Offenbarung des Geistes ist, und wie auf eine dem Menschen unbekannte Art die geistigen Einflüsse sich selbst im Menschen verbreiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|25}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schwieriger zu verstehen ist die Art, wie die Saturngeister auf den Menschen wirken. Das sind Geister, die rasch, wenn sie etwas anschauen, schon eine Erfindung haben, auf der anderen Seite entwickeln sie furchtbar wüste Leidenschaften sinnlicher Art, gegen die alles, was der Mensch in dieser Beziehung entwickeln kann, ein Kinderspiel ist. Diese Saturngeister schleichen sich auf eine noch geheimnisvollere Art in den menschlichen Leib ein, nämlich durch die Sinnesempfindung. Wenn der Mensch sein Auge richtet auf eine schöne, auf eine reine und edle Sache, so wird eine Vorstellung in ihm erregt; wenn er sein Auge richtet auf eine schmutzige, unedle Sache, so wird eine andere Vorstellung in ihm erregt. Indem nun durch die äußeren Eindrücke eine Vorstellung in der Seele hervorgerufen wird, schleichen sich zu gleicher Zeit die Saturngeister, die guten und die bösen, in den Menschen ein. Und durch alles, was der Mensch durch die bloße Sympathie oder Antipathie für seine Umgebung als das, was er sieht und hört und riecht, um sich herum entfaltet, setzt er sich dem Einschleichen dieser oder jener Saturngeister aus. Durch Augen und Ohren und durch die ganze Haut ziehen sie ein, indem der Mensch empfindet. Es ist zum Beispiel für die okkulte Beobachtung ganz ungeheuerlich, was für wüste Geister in manchen Parfüms, die in der menschlichen Gesellschaft sehr geschätzt werden, sich in die Nasen der Menschen einschleichen, die in solcher Umgebung sind, ganz abgesehen davon, was sich in die Nasen derjenigen einschleicht, die selbst solche Parfüms an sich tragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da sehen Sie, wie fein und intim man selbst die alltäglichsten Dinge vom geistigen Standpunkt aus beobachten muß, wenn man sich über das Leben klar werden will. Es könnte Ihnen viel erzählt werden über Leute, die mehr oder weniger bewußt oder unbewußt verstanden, solche Geister zu kommandieren, die namentlich durch die Gerüche auf den Menschen wirken und mit den Gerüchen sich in den Menschen einschleichen. Wenn Sie manches aus der Geschichte dieser oder jener Zeit tiefer und intimer kennen würden, namentlich aus der Geschichte Frankreichs zur Zeit Ludwigs XIII., XIV., XV., mit all den Künsten, die da entfaltet wurden, wo tatsächlich Aromas eine wichtige Rolle gespielt haben beim Intrigenspiel, dann würden Sie eine Ahnung haben,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|26}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
was Menschen zu tun vermögen, welche, bewußt oder unbewußt, die Geister zu kommandieren verstehen, die sich in den Parfüms und Aromas in das menschliche Sinnesempfinden einschleichen. Ich könnte Sie verweisen auf ein ganz anziehendes Buch, das vor kurzem geschrieben worden ist von dem Minister eines kleinen Hofes. Er schrieb das selbstverständlich ganz ohne Kenntnis dieser Tatsachen, aber über die Wirkungen war er sich klar. Ein sehr interessantes Buch über einen kleinen Hof ist es, an dem sich in den letzten Jahren eine wichtige Katastrophe zugetragen hat. In dem Buch schildert der betreffende Minister und Würdenträger aus seinen Memoiren heraus die Wirkungen einer Person, die in einer gewissen Weise die Aromas mit ihren Geistern zu kommandieren verstand. Und er schildert das mit einer gewissen Befriedigung, weil er gewappnet dagegen war und nicht hereingefallen ist. Sie sehen, die Dinge sind nicht ohne Bedeutung und ohne Wirkung für die Praxis des Lebens. Wenn man das Leben nicht wie ein blinder Materialist, sondern wie ein sehender Mensch auffaßt, dann kann man überall die geistigen Einflüsse spüren, und wer die Einflüsse kennt, der versteht erst das Leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So sehen Sie, wie wir uns den Menschen als ein ganz kompliziertes Wesen vorzustellen haben, als einen Genossen von mancherlei Welten und mancherlei Wesen. Wer auf dem Pfade der okkulten Entwickelung immer mehr und mehr vorschreitet zu höheren Erkenntnissen, der lernt diese Wesenheiten in ihrer Eigenart kennen, und dadurch erst wird er frei von ihnen, erlangt einen freien Überblick über sie. Die Wahrheit über die höheren Welten in sich aufnehmen, heißt, wirklich frei, wirklich reif zu werden, weil wir uns dadurch auskennen lernen in bezug auf die Wirkungen und Impulse, die unser Leben durchpulsen und durchfluten. Sich-auskennen-Lernen heißt zu gleicher Zeit, frei und unabhängig werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und wie man hinweisen kann auf gewisse Säfte, die den Menschen durchpulsen, so kann man auch hindeuten auf einzelne Organe des Menschen, in denen ebenfalls Wesen der höheren Welten ihren Ausdruck, ihre Offenbarung finden. So finden zum Beispiel Wesenheiten, die Ihnen zuletzt geschildert worden sind als die saturnischen Wesenheiten, ihren Ausdruck in einer gewissen Beziehung in der mensch-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|27}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
lichen Leber. Sie müssen sich natürlich klar sein, daß Geisteswissenschaft, wenn man sie wirklich kennenlernen will, ein sehr, sehr kompliziertes Gebiet ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist Ihnen bei der menschlichen Evolution in der Saturnentwickelung klargelegt worden, daß durch die Kräfte des Saturn die Sinne in ihrer ersten Anlage zustande gekommen sind. So wirkt auch heute der Saturn immer noch auf den Menschen ein, und unter den menschlichen Organen, den leiblich-inneren Organen ist es die Leber, auf welche die Saturnkräfte einen starken und intensiven Einfluß haben. Daher muß der Mensch, weil er ja auf dem Wege ist, sich immer mehr und mehr über alles Saturnische hinauszuentwickeln, hinauswachsen über die Kräfte, die in seiner Leber verankert sind. In der Leber sind in der Tat diejenigen Kräfte des Menschen verankert, über die der Mensch immer mehr und mehr hinauswachsen muß, die aber notwendig waren, damit der Mensch zu seiner gegenwärtigen Form und Gestalt gekommen ist. Und die Leber ist dasjenige Organ, das die Kräfte enthält, die der Mensch am meisten überwinden muß. Sie können das an einer äußeren Offenbarung, an einem äußeren Ausdruck in einer gewissen Weise nachprüfen. Sie können sich zum Beispiel überzeugen, daß in der Zeit, in welcher der Mensch vor allem seinen Körper aufbaut, also in der Zeit vor seiner Geburt und gleich nach der Geburt, die Leber im Verhältnis zum übrigen Körper die größte Ausdehnung hat. Dann wird sie im Verhältnis zum übrigen Körper immer kleiner und kleiner. Wenn Sie das Größenverhältnis der Leber zum übrigen menschlichen Leib angeben wollten unmittelbar bei der Geburt, so könnten Sie sagen, es sei wie eins zu achtzehn, während die Leber später so weit zurückgeht, daß sie sich zum übrigen Leib verhält wie eins zu sechsunddreißig. Sie geht verhältnismäßig auf die Hälfte zurück, und der Mensch überwindet schon durch seine rein natürliche Entwickelung die Kräfte, die in der Leber verankert sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Indem der Mensch auf der Erde die Anwartschaft erhält, sich zu immer höherer Geistigkeit zu entwickeln, hat er damit als äußeren physischen Ausdruck die Fähigkeit erlangt, die Leberkräfte zu überwinden. In gewisser Weise ist das entgegengesetzte Organ zu der Leber die Lunge, jenes Organ, das nicht alles Egoistische in den Menschen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|28}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
hineinstopft denn das tut die Leber , sondern das den Menschen frei nach außen öffnet, wo er durch die Luft, die er aufnimmt und wieder abgibt, in einer fortwährenden Kommunikation mit der Außenwelt steht. In. der Lunge findet eine Verbrennung statt. Das rotblaue, kohlenstoffreiche Blut kommt in die Lunge und wird durch die Verbindung mit dem Sauerstoff zu rotem, lebensfähigem Blut umgewandelt. Wie sich bei einer brennenden Flamme die Stoffe mit dem Sauerstoff verbinden, so findet auch in der Lunge ein Verbrennungsprozeß statt. Atmen ist in einer gewissen Weise ein Verbrennungsvorgang, und mit diesem Atmungs- und Brennvorgang ist dem Menschen die Anwartschaft gegeben zu immer höherer und höherer Entwickelung. Aufgebaut haben den Menschen jene Kräfte, die ihren letzten Abschluß erlangen in der Leber. Diesen ihn an die Erde fesselnden Kräften werden ihn diejenigen Kräfte entreißen, die er wie ein Feuer aus der Luft empfängt. Das Feuer, das der Mensch aus der Luft empfängt, das sich in seiner Atmung ausdrückt, ist dasjenige, was ihn zu immer höheren und höheren Sphären hinaufführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Immer ist es die Mythe, die Sage, die tiefer, weisheitsvoller ist als unsere scheinbar so fortgeschrittene Wissenschaft. Der Zug aus dem menschlichen Leben, der jetzt eben erwähnt worden ist, drückt sich in großartiger Weise aus im Prometheus-Mythos. Indem gesagt wird, daß Prometheus den Menschen das Feuer vom Himmel gebracht hat, wird damit ausgedrückt, daß Prometheus an jenem Prozeß beteiligt ist, der in der Atmung sich ausdrückt und der den Menschen immer höher führt. Aber zu gleicher Zeit wird in wunderbarer Weise ausgeführt: Weil Prometheus sich erhebt über die Kräfte, welche die Menschen an das Irdische fesseln, und sich dadurch in einen Gegensatz setzt zu der irdischen Kraft, und weil er derjenige ist, der den Menschen zuerst die Möglichkeit gegeben hat, diese Kraft des Feuers zu haben, darum muß er dafür leiden. Das Leiden wird wunderbar dargestellt als die Tatsache, die dieser Mythe zugrunde liegt: ein Geier frißt dem gefesselten Prometheus an der Leber! Wie könnte man schöner und weisheitsvoller darstellen, daß die Kräfte, die mit dem Atmungsprozeß in uns einströmen, an der Leber nagen, und daß derjenige, der das vorausleistet, was von der Menschheit in einer fernen Zukunft geleistet wird, wie ein&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|29}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gekreuzigter dasteht, wie das, was sich herniedersenkt, was aus der Luft kommt, an der Leber frißt!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So haben in den Mythen, soweit sie von Eingeweihten stammen, Eingeweihte die großen Weisheiten des Daseins zum Ausdruck gebracht. Es gibt keine aus den Mysterien heraus geschöpfte Mythe, die nicht wirklich tiefe Weisheit zum Ausdruck bringt, die wir auch wiederum nachprüfen können. Da stehen wir dann, wenn wir, ausgerüstet mit den Tatsachen der Geheimwissenschaft, an die Mythen herantreten, in Ehrfurcht vor diesen Mythen, die, wie man mit Recht sagt, die höheren geistigen Wesenheiten dem Menschen geoffenbart haben, damit die Menschen zuerst im Bilde lernen, was sie in späteren Zeiten in klaren Vorstellungen erlangen sollen. Das ist es, was immer mehr herauskommen wird: daß die Mythen Weisheit enthalten, und daß, wenn man auf irgendeinem Gebiete des Lebens die tiefste Weisheit dargestellt finden will, man zur Mythe gehen muß. Das haben diejenigen erkannt, die Werke aus den Tiefen der Kunst heraus geschaffen haben. So liegt zum Beispiel dem ganzen Verhältnis Richard Wagners zum Mythos tiefe Wahrheit zugrunde, wenn sie bei ihm auch in künstlerischer Weise zum Ausdruck gekommen ist. Unsere Zeit wird wieder hinaufsteigen von einer bloßen physischen Alltäglichkeit zu einer vollgeistigen Strömung. Wenn Sie so hineinsehen in das, was in unserer Zeit pulsiert, dann werden Sie die Aufgabe der Geisteswissenschaft in einem immer tieferen Sinne erfassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So sind wir ausgegangen von Betrachtungen höherer Welten und haben aus dem Zusammenhang erkannt, welches die eigentliche Mission der Geisteswissenschaft ist: dem Menschen die Möglichkeit zu geben, das Leben kennenzulernen, und ihn bei seinem Wirken und Schaffen immer mehr einzuführen in das, was in geheimnisvoller Weise mitwirkt, wenn er seine Hand rührt, wenn er schafft mit Geist, Seele und Leib. Genossen hat er um sich herum, und durch die Geist-Erkenntnis wird er sich immer mehr dieser Wesen bewußt werden und im Einklange mit ihnen leben und schaffen. So wird ihm die Geistesforschung die volle Wirklichkeit eröffnen und ihn befähigen, Erkenntnis und Weisheit ins Leben hineinzuführen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|30}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= ZWEITER VORTRAG, Berlin, 27. Januar 1908 =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir werden heute einen etwas weitergehenden Ausflug in den Weltenraum machen, wobei sich uns der innere Gang der Weltentwickelung im großen zeigen soll, und zu gleicher Zeit der intime Zusammenhang dieser Weltentwickelung im großen mit dem, was Menschenentwickelung auf der Erde ist. In der Welt ist ja nichts ohne Zusammenhang. Diese komplizierten Zusammenhänge im Weltenall zu verfolgen, dazu gehört natürlich für den Menschen sehr, sehr viel Zeit, und nur nach und nach kommt man sozusagen in die Intimitäten des Weltenwirkens hinein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie haben aus vorhergehenden Vorträgen gesehen, wie gewisse Wesenheiten, die andere Weltenkörper bewohnen, eine Beziehung haben zu unserem eigenen Leben, wie sie einen Einfluß haben auf das, was wir unsere Lymphflüssigkeit nennen, was wir unsere Ernährungsflüssigkeit nennen, ja auch oft auf das, was als die Sinneswahrnehmung durch unsere Sinne in uns ein- und auszieht. Daraus schon konnten Sie entnehmen, wie der Geist durch den Weltenraum weit-, weithin wirkt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heute wollen wir die Sache noch von einer anderen Seite aus betrachten, und dazu wollen wir uns zunächst daran erinnern, was wir öfter schon hervorgehoben haben: daß unsere Erde ähnlich wie der Mensch selbst verschiedene Verkörperungen durchgemacht hat und verschiedene Verkörperungen durchmachen wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir sehen im allgemeinen zurück auf drei Verkörperungen unserer Erde: auf die Verkörperung unmittelbar vor dem jetzigen Zustand, die wir den alten nicht unseren «Mond» nennen; sodann auf eine weitere Verkörperung, die wir als «Sonne» bezeichnen, und auf eine noch weiter zurückliegende, die wir als «Saturn» bezeichnen. Und wir sehen prophetisch voraus, daß unsere Erde sich in einen «Jupiter», in eine «Venus» und in einen «Vulkan» verwandeln wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit haben wir die aufeinanderfolgenden Verkörperungen unseres irdischen Planetenlebens hingestellt. Wenn Sie ein wenig nachdenken über diese Stufenfolge der Entwickelung unserer eigenen Erde, so&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|31}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
können Sie ja daraus entnehmen, was wir in der okkulten Wissenschaft eine «Sonne» nennen, um welche, wenn sie uns so entgegentritt wie unsere heutige Sonne, eine Reihe von Planeten herumkreisen. Wenn wir daneben auch von einem Planetendasein «Sonne» sprechen und sagen, unsere Erde selbst war in einem früheren Entwickelungszustand «Sonne», so sagen wir ja in einer gewissen Beziehung, daß diese Sonne, die heute den Mittelpunkt unseres Planetensystems bildet, nicht immer Sonne war. Sie ist sozusagen zum Sonnenrang, zur Sonnenwürde im Weltenall avanciert. Sie war einstmals mit dem, was früher in unserer Erde an Stoffen und Kräften war, vereint, nahm sich gewissermaßen das Beste daraus weg, das, was heute schon die höchste Entwickelungsmöglichkeit enthält, trennte sich von der Erde und ließ uns und eine Anzahl von Kräften zurück, die angewiesen sind auf eine langsamere Entwickelung. Höhere Wesenheiten hat sie mit sich genommen und sich mit diesen höheren Wesenheiten in den Mittelpunkt unseres Systems gestellt. Was also heute in der Sonne ist, hatte zwei Stufen vorher nur ein Planetendasein und ist vom Planetendasein zum Fixsterndasein aufgerückt. Daraus sehen Sie, wie alles veränderlich ist, in Entwickelung ist im Weltenall. Eine Sonne ist nicht von vornherein eine Sonne. Ein Fixstern ist nicht einfach ein Fixstern geworden, sondern er hatte erst die niedere Schule des Planetendaseins durchzumachen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun können Sie mich natürlich fragen: Wie ist es nun weiter, wenn ein solcher Fixstern sich weiterentwickelt, was geschieht denn dann? So wahr der Fixstern, das Sonnendasein, aus einem Planetendasein sich heraufgeschwungen hat, so wahr geht seine Entwickelung im Kosmos auch weiter. Wir werden allerdings diese Weiterentwickelung noch besser verstehen, wenn wir noch ein klein wenig auf die Weiterentwickelung unserer Erde blicken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wahr ist es, unsere Erde hat sich für eine Wegstrecke ihrer kosmischen Entwickelung von der Sonne getrennt. Die Sonne geht sozusagen mit ihren Wesen einen rasenden Entwickelungsweg vorwärts. Unsere Erde geht mit ihren Wesenheiten heute einen anderen Gang. Aber diese Wesenheiten und die ganze Erde werden einmal so weit kommen, nachdem ihnen nunmehr in einem abgesonderten Dasein die Gelegenheit geboten wurde, ihre jetzige Entwickelung zu vollenden, den&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|32}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anschluß zu finden an die Sonnenwesen; denn unsere Erde wird sich wieder mit der Sonne vereinigen. Sie wird ja schon in unserem heutigen Erdenstadium mit der Sonne wieder zusammengehen, so wie sie sich während der Erdenentwickelung von der Sonne getrennt hat. Dann aber muß sie noch einmal herausgehen während des Jupiterzustands. Diesen Jupiterzustand müssen die Erdenwesen wieder getrennt von der Sonne durchmachen. Dann folgt wieder eine Vereinigung, und während des Venuszustandes wird unsere Erde mit der Sonne dauernd vereinigt sein, in die Sonne dauernd aufgenommen sein. Während des Vulkanzustandes wird unsere Erde innerhalb der Sonne selbst Sonne geworden sein und ein Stück hinzugebracht haben zu der Sonnenentwickelung, ein Stück Dasein, welches die Wesen, die immer in der Sonne geblieben sind, wenn sie auch höher sind, gar nicht hätten selber erreichen können. Das Erdendasein mußte eintreten, damit die Menschen sich so entwickeln, wie sie sich entwickelt haben mit jenem alltäglichen Bewußtsein, das zwischen Wachen und Schlafen abwechselt. Denn das hängt mit der Trennung von der Sonne zusammen. Wesen, die immer in der Sonne leben, haben nicht Tag und Nacht. Dieses Sinnesbewußtsein, das wir das helle Tagesbewußtsein nennen, das sich künftig in höhere Zustände entwickeln wird, das bringt die Erfahrungen des physischen Außenraumes mit in die Sonnenentwickelung. Dadurch geben wir den Wesen der Sonne auch etwas, machen sie reicher. Und aus diesem, was auf der Erde errungen wird, vermehrt um das, was auf der Sonne erobert wird, entsteht das Vulkandasein. Dieser Vulkanzustand ist schon ein höherer Zustand als unser heutiger Sonnenzustand. So entwickelt sich die Erde, so entwickelt sich die Sonne weiter, bis sie sich vereinigen können in der Vulkanentwickelung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun können Sie mich weiter fragen: Was wird nun, wenn so ein Planet sich zur Sonne entwickelt hat, mit dieser Sonne weiter in der kosmischen Entwickelung? Wir dürfen sagen, unsere Erde selbst ist, wenn sie ihren Venuszustand errungen hat, Sonne geworden, und auf der Venus sind alle Wesen Sonnenwesen; ja sie sind sogar mehr, als die Wesen der heutigen Sonne sind. Was wird denn dann aus einer solchen ganzen planetarischen Entwickelung?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|33}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie sehen: das, was wir jetzt besprechen wollen, wird ja für alle die, deren Begriffe fest geworden sind in dem, was man moderne Astronomie nennt, recht grotesk erscheinen und verdreht klingen. Aber es ist wahr, es ist die Wirklichkeit der kosmischen Entwickelung: Wenn ein solcher Planet, wie es unsere Erde ist, aufgestiegen ist zum Sonnendasein, wenn er allmählich mit seiner Sonne sich vereinigt hat und das Ganze noch über das Sonnendasein hinaussteigt, dann entsteht aus dem heraus als noch höhere Stufe der Entwickelung etwas, was Sie auch in gewisser Beziehung am Himmel wahrnehmen können: Dann entsteht das, was wir heute einen «Tierkreis» nennen; das ist die höhere Stufe gegenüber der Fixsternentwickelung. Wenn also die Wesen nicht mehr auf einen bloßen Fixstern beschränkt bleiben, sondern ihre eigene Entwickelung so mächtig ausdehnen, daß sie über Fixsterne sich hinerstreckt, daß die Fixsterne wie in ihnen eingebettete Leiber liegen, dann ist diese höhere Stufe der Entwickelung die Tierkreisentwickelung. Tatsächlich ist es so, daß diejenigen Kräfte, die aus einem Tierkreis auf ein Planetensystem wirken, selbst früher in einem Planetensystem sich entwickelt haben und zu einem Tierkreisstadium hinauf geschritten sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt erinnern Sie sich zurück an die alte Saturnentwickelung, an die erste Verkörperung unserer Erde. Dieser Saturn ist sozusagen einstmals aufgeleuchtet im Weltenraum als die erste sich ankündigende Morgendämmerung unseres Planetendaseins. Sie wissen ja auch, daß auf diesem alten Saturn die erste Anlage sich entwickelt hat zu unserem physischen Leib. Dieser Saturn war selbst in seinem festesten Zustand keineswegs so fest, so physisch fest, wie unsere Erde es jetzt ist. Er hatte ein feines, dünnes Dasein. Das, was heute alle Wesen durchzieht als Wärme, was man im Okkultismus «Feuer» nennt, war seine Materie. Und wir können uns die Tatsache so vorstellen, daß um diesen Saturn, diesen ersten Morgendämmerungszustand unseres planetarischen Daseins, herumstanden die Tierkreisbilder, freilich noch nicht so wie heute. Diese Tierkreisbilder waren dazumal um den alten Saturn so herum, daß man die einzelnen Sterne kaum hat voneinander unterscheiden können. Sie glänzten nur wenig hell, etwa wie aus dem Saturn heraus streifenförmig sich ausbreitende Lichtstreifen. Sie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|34}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
bekommen am leichtesten eine Vorstellung davon, wenn Sie sich diesen alten Saturn, ebenso wie unsere Erde von einem Tierkreis umgeben ist, umgeben denken von Lichtstreifen. Und im Laufe der Erdentwickelung selber verdichteten sich die Lichtmassen zu den heutigen Sternenmassen des Tierkreises, so daß sich der Tierkreis, wenn wir ein abstrahierendes Wort gebrauchen wollen, herausdifferenziert hat aus den ursprünglichen Flammenstreifenmassen. Und woher ist diese Flammenstreifenmasse selbst entstanden?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie ist entstanden aus dem alten planetarischen System, das unserem eigenen planetarischen System vorangegangen ist. Dem Saturn sind ja auch planetarische Entwickelungen vorangegangen in einer Zeit, die wir, wenn wir wirklich astronomisch-okkultistisch sprechen, gar nicht mehr als «Zeit» in unserem Sinne bezeichnen können, denn sie hatte einen etwas anderen Charakter als unsere «Zeit». Wir können sagen, sie ist für das heutige menschliche Vorstellen und für die heutigen menschlichen Begriffe ein so fabelhafter Begriff, daß wir gar kein Wort haben, das auszudrücken. Aber wir können in einer Analogie sagen, daß diejenigen Kräfte, die unserem Planetensystem in einem früheren planetarischen Dasein vorangegangen sind, sich in den Streifen aufgelöst haben, und nur aus einem geringen Teil der Materie ist im Inneren allmählich zusammengeballt worden dieser erste Morgendämmerungszustand der Erde, der alte Saturn, und aus dem Weltenall herunter leuchteten die Kräfte, die im Tierkreis waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist etwas Eigentümliches, wenn wir das planetarische Dasein vergleichen mit dem Tierkreisdasein. Der Okkultist bezeichnet durch zwei Worte den Unterschied des Planetendaseins vom Tierkreisdasein. Er sagt: Alles, was im Tierkreis vereinigt ist, steht im Zeichen der «Dauer»; das, was im Planetendasein vereinigt ist, steht im Zeichen der «Zeit». Sie können sich eine Vorstellung davon machen, was das heißt, wenn Sie sich daran erinnern, daß für weit, weit ausgreifende Begriffe der Tierkreis unverändert bleibt. Jeder der einzelnen Planeten kann lange und sehr voneinander verschiedene Entwickelungsepochen durchmachen, sich sehr verändern; aber das, was da oben im Tierkreis wirkt, bleibt dabei verhältnismäßig dauerhaft, fest. Allerdings sind diese Begriffe nur relativ aufzufassen. Wenn wir dann unsere Begriffe noch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|35}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
weiter erstrecken, so besteht bei diesen Veränderungen nur ein Unterschied in bezug auf die Geschwindigkeit. Die Veränderungen im Tierkreis geschehen langsam; die Veränderungen in der planetarischen Welt und selbst im Fixsterndasein geschehen im Verhältnis zum Geschehen im Tierkreis sehr rasch; also doch nur ein relativer Unterschied. Für alle menschlichen Begriffe, so können wir fast sagen, ist das planetarische Dasein die Sphäre der Endlichkeit, das Tierkreisdasein die Sphäre der Unendlichkeit. Dies ist, wie gesagt, relativ, aber für den menschlichen Begriff vorderhand ausreichend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So dürfen wir eines sagen, und ich bitte Sie, das recht sehr zu berücksichtigen: Dasjenige, was in einem planetarischen Dasein gewirkt hat, was Sonne geworden ist, steigt hinauf bis in himmlisches Dasein, bis zum Tierkreisdasein. Und wenn es bei diesem Tierkreisdasein angekommen ist, was tut es dann? Dann opfert es sich! und ich bitte, eben dieses Wort zu berücksichtigen. Auf geheimnisvolle Weise entstand schon der erste Morgendämmerungszustand der Erde, der alte Saturn, durch ein Opfer des Tierkreises. Die Kräfte, die die erste feine Saturnmasse zusammenballten, waren die Kräfte, die aus dem Tierkreis herniederströmten und die erste Keimanlage des physischen Menschen auf dem Saturn bewirkten. Und immer weiter ging das; denn Sie dürfen sich nicht vorstellen, daß das nur einmal geschieht! Es geschieht im Grunde genommen fortwährend, daß innerhalb dessen, was wir ein Planetensystem nennen, die Kräfte geopfert werden, die sich bis zur höheren Stufe entwickelt haben, nachdem sie selbst durch ein Planetensystem durchgegangen waren. Wir können fast so sagen: Was erst in einem planetarischen System ist, entwickelt sich zum Sonnendasein, dann zum Tierkreisdasein und erlangt dann die Fähigkeit, selbst schöpferisch zu werden, sich hinzuopfern in einem planetarischen Dasein. Und fortwährend «regnen» die Kräfte aus dem Tierkreis in das planetarische Dasein hinunter, und fortwährend steigen sie wieder auf; denn das, was selbst einstmals Tierkreis werden soll von uns, muß ja nach und nach wiederum hinaufsteigen. Wir dürfen daher sagen, daß in unserer Erde die Kräfteverteilung so ist, daß auf der einen Seite herabsteigende Kräfte, auf der anderen hinaufsteigende Kräfte vom und zum Tierkreis sind. Dies ist das geheimnisvolle Zusammen-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|36}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wirken des Tierkreises mit unserer Erde. Kräfte steigen herab, Kräfte steigen hinauf. Das sind die Stufen der geheimnisvollen «Himmelsleiter», auf welcher Kräfte herunter- und hinaufsteigen. Sie werden in den religiösen Schriften verschiedentlich angedeutet; Sie finden sie auch angedeutet in Goethes «Faust»:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie Himmelskräfte auf- und niedersteigen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und sich die goldnen Eimer reichen &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für unser Ermessen, für unsere menschliche Auffassungsgabe begannen diese Kräfte herunterzusteigen mit dem Saturndasein der Erde, und als die Erde in ihrem Mittelpunkt war, da war auch schon wiederum der Schritt getan, daß nach und nach die Kräfte wiederum aufsteigen. Und jetzt sind wir so weit, daß wir die Mitte unserer Entwickelung sozusagen überschritten haben. In der Mitte unserer Entwickelung waren wir ja gerade in der Mitte der atlantischen Zeit; und was die Menschen durchgemacht haben seit der atlantischen Zeit, das ist eigentlich etwas, was eine Strecke über die Mitte unserer Entwickelung hinausgeht. So daß wir sagen dürfen, daß in einer gewissen Weise heute schon mehr Kräfte aufsteigen als herabsteigen aus dem Tierkreis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn Sie sich also den ganzen Tierkreis denken, so haben Sie sich vorzustellen, daß aus diesem Tierkreis ein Teil von Kräften absteigt, ein Teil von Kräften aufsteigt. Diejenigen Kräfte, die heute in aufsteigender Entwickelung begriffen sind, fassen wir zusammen, weil sie diesen Sternbildern auch angehören, unter den Sternbildern Widder, Stier, Zwillinge, Krebs, Löwe, Jungfrau, Waage. Das sind die sieben Sternbilder, die den aufsteigenden Kräften entsprechen. Fünf Sternbilder etwa entsprechen den absteigenden Kräften: Skorpion, Schütze, Steinbock, Wassermann und Fische. Da sehen Sie also, wie aus dem Tierkreis Kräfte niederregnen und aufsteigen wie die aufsteigenden sieben Sternbildern entsprechen, die absteigenden fünf Sternbildern. Diejenigen Kräfte, die aufsteigen, entsprechen auch im Menschen den höheren Gliedern seiner Wesenheit, den höheren, edleren Eigenschaften. Diejenigen Kräfte, die in absteigender Entwickelung sind, müssen erst durch den Menschen durchgehen, müssen erst im Menschen jene Stufe sich erringen, durch die auch sie aufsteigende Kräfte werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|37}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf diese Art werden Sie begreifen, wie alles im Weltenraum aufeinander wirken kann, wie alles im Weltenraum einen Zusammenhang und ein gewisses Verhältnis haben muß. Aber wir müssen durchaus festhalten, daß dieses Wirken immer geschieht, immer da ist. So daß, wenn wir nur in irgendeinem Moment unserer Entwickelung stehen, wir uns immer sagen können: Ja, es sind jetzt gewisse Kräfte da, die im Menschen aus- und einziehen, Kräfte, die heruntersteigen, und Kräfte, die aufsteigen. Für eine jede von solchen Kräften ist einmal der Moment da, wo sie aus niedersteigenden in aufsteigende Kräfte sich verwandeln. Alle Kräfte, die aufsteigende Kräfte werden, sind zuerst niedersteigend. Sie steigen sozusagen bis zum Menschen herunter. Im Menschen erringen sie sich die Kraft des Aufsteigens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als unsere Erde im Mittelpunkt ihrer Entwickelung war, nachdem sie drei planetarische Daseinsstufen: Saturn, Sonne, Mond durchgemacht hatte und als sie angekommen war im vierten planetarischen Zustand und jetzt noch den Jupiter-, Venus- und Vulkanzustand vor sich hat als «Erde» ist sie also in der Mitte ihres Daseins , da hatte sie durchzumachen drei «Lebenszustände», die man auch «Runden» nennt. Drei hat sie durchgemacht, in dem vierten Lebenszustand ist sie jetzt. Dann hatte sie durchzumachen drei «Formzustände», das arupische, das rupische, das astralische, bis sie zum physischen Dasein gelangte. Also auch in bezug auf die Formzustände ist sie in der Mitte ihrer Entwickelung. Als physische Erde, im vierten Formzustand des vierten Lebenszustandes des vierten planetarischen Daseins, hat sie durchzumachen gehabt drei Rassen: die erste die polarische, die zweite die hyperboräische, die dritte die lemurische Rasse. Die atlantische Rasse ist die vierte. In der atlantischen Rasse war die Menschheit gerade in der Mitte jener Entwickelungen, von denen wir überhaupt sprechen. Seit der Mitte der atlantischen Entwickelung ist die Menschheit über diese Mitte hinausgeschritten, und seit der Mitte der atlantischen Rasse ist die Zeit gekommen, in der überhaupt erst für den Menschen diejenigen Zustände begonnen haben, wo ein Übermaß des Aufsteigens da ist. Würden wir das Verhältnis von absteigenden und aufsteigenden Kräften zum Tierkreis vor der Mitte der atlantischen Zeit messen, würden wir sagen müssen: es ist ein Gleichmaß vorhanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|38}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir müßten dann anders sprechen und als die aufsteigenden Kräfte aufzählen: Widder, Stier, Zwillinge, Krebs, Löwe, Jungfrau. Wir müßten die Waage zu der anderen Partie zählen, zu denen, die im Heruntersteigen sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun ist aber mit alledem etwas anderes verknüpft. Sie müssen sich klar sein darüber, daß wenn wir von solchen kosmischen Vorgängen sprechen, wir nicht von physischen oder ätherischen Leibern sprechen, sondern von Wesenheiten, die die betreffenden Himmelskörper bewohnen, die wir benennen. Wenn wir geisteswissenschaftlich vom Menschen sprechen, so sagen wir, der vollständige Mensch, den wir ins Auge fassen, den wir allein auch ins Auge fassen können, ist eine siebengliedrige Wesenheit, die aus physischem Leib, Ätherleib, Astralleib, Ich, Geistselbst, Lebensgeist und Geistesmensch besteht. Er ist heute noch nicht vollständig, er wird es aber sein, wenn seine siebengliedrige Wesenheit zur völligen Ausbildung gekommen ist. Aber es gibt im großen Weltall nicht nur solche Wesenheiten, wie der Mensch es ist in seiner Entwickelung. Es gibt andere Wesenheiten, zum Beispiel solche, bei denen wir nicht sagen können, daß sie wie der heutige Mensch als unterstes Glied einen physischen Leib haben. Es gibt Wesenheiten, bei denen wir anders zählen müssen. Wir können die Glieder der menschlichen Wesenheit so aufschreiben:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
7. Geistesmensch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
6. Lebensgeist&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
5. Geistselbst&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
4. Ich&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3. Astralleib&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2. Ätherleib&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1. Physischer Leib.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun gibt es Wesenheiten, deren unterstes Glied der Ätherleib ist; das sind auch siebengliedrige Wesenheiten, die dann über dem Geistesmenschen noch ein achtes Glied haben. Bei ihnen fängt es mit dem Ätherleib, Astralleib und so weiter an, und sie hören auf bei einem Glied, das über unserem Atma, über dem Geistesmenschen liegt. Andere Wesenheiten gibt es, deren unterstes Glied der astralische Leib ist; dafür&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|39}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
haben sie dann über dem Geistesmenschen noch ein achtes und ein neuntes Glied. Es gibt Wesenheiten, deren unterstes Glied das Ich ist, die also in unserem Sinne einen physischen Leib, Ätherleib und Astralleib nicht haben, sondern die sich so offenbaren, daß das Ich nach außen drängt, ohne die drei Hüllen, Wesenheiten also, die nach außen überall Iche hinschicken. Die haben dafür noch ein achtes, neuntes und zehntes Glied; die sind in der Apokalypse beschrieben als «Wesenheiten ganz voller Augen». Dann gibt es Wesenheiten, die mit dem Geistselbst, mit Manas, als unterstem Glied anfangen. Die haben noch ein elftes Glied. Und endlich gibt es Wesenheiten, die mit dem Lebensgeist anfangen, die haben dann noch ein zwölftes Glied. Es gibt also Wesenheiten, die, so wie der Mensch als unterstes Glied einen physischen Leib hat, als unterstes Glied die Buddhi haben, und die dafür ein höchstes Glied haben, das wir am besten mit der Zahl Zwölf bezeichnen. Das sind hohe, erhabene Wesenheiten, die weit hinaufragen über alles, was der Mensch sich nur vorstellen kann. Wie kann eine Vorstellung überhaupt geliefert werden von diesen wunderbaren, hoch erhabenen Wesenheiten?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir den Menschen nach einer gewissen Seite hin charakterisieren wollen, dann stellt er sich uns dar, dem Weltall gegenüber, als ein Empfangender. Draußen um Sie herum sind die Dinge, die Wesenheiten ausgebreitet; Sie nehmen sie wahr, Sie bilden sich Begriffe von ihnen. Denken Sie, die Welt wäre leer oder finster um Sie herum: Sie könnten sich keine Wahrnehmung verschaffen, keine Dinge würden Ihnen Begriffe geben. Sie sind angewiesen darauf, den Inhalt Ihres Inneren zu empfangen vom Äußeren. Das ist ein Charakteristikum des Menschen, daß er ein empfangendes Wesen ist, daß er seinen Seeleninhalt, sein Inneres zunächst empfängt von außen, daß die Dinge da sein müssen, wenn er zu einem Inhalt kommen will. Des Menschen Ätherleib ist so gestaltet, daß er nichts in sich erleben könnte, wenn er nicht dieses Erleben, alles, was in ihm auftritt, der ganzen Weltenumgebung verdankte. Diese Wesenheiten, die ich Ihnen eben charakterisiert habe, die zu ihrem untersten Glied den Lebensgeist haben, sind in ganz anderer Lage. Diese Wesenheiten sind in bezug auf ihr Leben nicht darauf angewiesen, von außen zu empfangen, sondern sie sind&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|40}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kraftzentren, nach außen gebend, schöpferisch. Sie wissen ja aus der Darstellung, die ich Ihnen immer gegeben habe, wie das Ich auch in den Ätherleib hineinarbeitet, wie die Buddhi nichts anderes ist als ein umgestalteter Ätherleib, so daß der Lebensgeist substantiell auch ein Ätherleib ist. Ja, das zwölfte Glied ist bei diesen hoch erhabenen Wesenheiten auch ein Ätherleib, aber ein Ätherleib, der Leben ausströmt, der so wirkt in der Welt, daß er das Leben nicht empfängt, sondern hingibt, es fortdauernd zu opfern in der Lage ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun fragen wir uns: Können wir uns denn eine Vorstellung machen von einem Wesen, das irgendwie mit uns in Beziehung steht, und das in einer solchen Weise in unserem Weltall Leben ausströmt? Dieses ausströmende Leben ist ein solches, das fortdauernd belebend in die Welt fließt. Können wir uns davon eine Vorstellung machen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kommen wir einmal einen Augenblick zurück auf das, was wir im Anfange unseres heutigen Vortrags sagten. Wir haben gesagt, daß aufsteigende und absteigende Kräfte vorhanden sind, zum Tierkreis aufsteigende, vom Tierkreis absteigende Kräfte. Wodurch ist der Mensch überhaupt in die Lage gekommen, daß von ihm irgend etwas aufströmen kann? Was ist denn mit dem Menschen geschehen, daß von ihm selbst etwas aufströmen kann aus seinem &#039;Wesen heraus? Er ist dadurch in diese Lage gekommen, daß erst lange vorbereitet worden ist und dann immer weiter und weitergeschritten ist sein Ich. Dieses Ich ist lange, lange vorbereitet worden. Denn im Grunde genommen ist alles Dasein auf dem Saturnzustand der Erde, auf dem Sonnenzustand und auf dem Mondzustand, welches die Hüllen geschaffen hatte, die das Ich aufnehmen sollten, Vorbereitung für das Ich. Da haben andere Wesenheiten die Wohnung geschaffen für das Ich. Jetzt auf der Erde ist die Wohnung so weit geschaffen, daß das Ich im Menschen Platz greifen konnte, und von da an fing das Ich im Menschen an, die äußeren leiblichen Hüllen von innen heraus zu bearbeiten. Daß das Ich von innen arbeiten kann, hat zu gleicher Zeit bewirkt, daß das Übermaß, das über die Gleichheit hinausgehende Maß von aufsteigenden und absteigenden Kräften entstanden ist. Solange das Ich im Menschen noch nicht arbeiten konnte, entwickelten sich nach und nach die Kräfte, die die aufsteigenden sind, bis zur Mitte; und als das Ich im&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|41}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Menschen einschlug, waren die Kräfte so weit, daß die aufsteigenden und die absteigenden sich die Waage hielten. Der Einschlag des Ich im Menschen bedeutet, daß die aufsteigenden und absteigenden Kräfte sich die Waage hielten, und am Menschen liegt es, diese Waage in der richtigen Weise zum Ausschlag zu bringen. Daher haben die Okkultisten dasjenige Sternbild, das betreten wurde in dem Moment, wo es anfing an das Ich heranzugehen, die «Waage» genannt. Bis zum Ende der «Jungfrau» wurden die Taten des Ich in unserer planetarischen Entwickelung zwar vorbereitet, aber es kam nicht bis zum Ich. Nun hatte das Ich mit dem Moment der Waage begonnen, selbst seinen Anteil zu nehmen, so daß das Ich einen wichtigen Moment seiner Entwickelung dadurch zustande gebracht hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denken Sie einmal, was das heißt, daß das Ich zu diesem Entwickelungsstadium gekommen ist: Das Ich durfte von nun an teilnehmen an den Kräften, die dem Tierkreis angehören, es durfte hineinwirken in den Tierkreis. Es ist durchaus wahr: je mehr das Ich den höchsten Punkt seiner Entwickelung anstrebt, desto mehr arbeitet es hinein in den Tierkreis. Nichts geschieht im Innersten des Ich, was nicht seine Folgen bis hinauf in den Tierkreis zieht. Das ist durchaus wahr. Und indem der Mensch mit seinem Ich als Mensch eigentlich die Anlage legt, um sich bis zu seinem Atma oder Geistesmenschen zu entwickeln, bildet er immer mehr und mehr die Kräfte aus, welche ihn instand setzen, in die Waage des Tierkreises hinaufzuwirken. Er wird seine volle Macht über diese Waage des Tierkreises erlangen, wenn er sein Ich «durchgedrückt» hat bis zum Atma oder Geistesmenschen. Da wird er ein Wesen sein, das etwas ausströmt, das aus dem Stadium der Zeit in das Stadium der Dauer, der Ewigkeit, übergeht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Indem der Mensch so seinen Weg geht, gibt es aber andere Wesenheiten, bei denen das, was beim Menschen sozusagen höchste Wirkung ist, niederste Wirkung ist. Suchen wir jetzt diese Wesen, bei denen das Niederste ebensolche Wirkung ist wie beim Menschen die Waage im Tierkreis. Wenn wir uns den Menschen im Tierkreis aufschreiben, so haben wir ihn bis zur Waage reichend. Die Wesenheit, die mit ihrem eigentlichen Wesen ganz dem Tierkreis angehört, deren Kräfte ganz dem Tierkreis angehören und die sich im Planetenleben nur in ihrem&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|42}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
niedersten Glied äußert, das mit der Waage bezeichnet ist wie beim Menschen das niederste Glied mit den Fischen bezeichnet ist , das ist diejenige Wesenheit, welche, wie Sie sehen, Leben verbreitet über unser ganzes Weltenall: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:GA102 042.gif|center|600px|Zeichnung aus GA 102, S. 42]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie der Mensch das Leben aufnimmt, strahlt diese Wesenheit Leben über unser ganzes Weltenall aus. Das ist diejenige Wesenheit, die das große Opfer zu bringen vermag, und die im Tierkreis eingeschrieben ist als die sich für unsere Welt opfernde Wesenheit. Wie der Mensch aufstrebt in den Tierkreis hinein, so sendet uns diese Wesenheit aus dem Widder, der ihr angehört wie dem Menschen die Waage, seine Opfergabe dar. Und wie der Mensch sein Ich hinaufwendet zur Waage, so strömt diese Wesenheit ihr Wesen über unsere Sphäre als Opfer. Man bezeichnet diese Wesenheit daher als das sich opfernde «mystische Lamm», denn Lamm ist dasselbe wie Widder; daher die Bezeichnung des sich opfernden Lammes oder Widders für Christus. Christus wird Ihnen jetzt so charakterisiert als dem ganzen Kosmos angehörig. Sein Ich strebt bis zum Widder; und strömt das Ich bis zum Widder, so wird er dadurch das «Große Opfer» selber und steht so mit der ganzen Menschheit in einem Verhältnis, und in einer gewissen Weise sind diese Wesenheiten und Kräfte, die auf der Erde sind, seine Schöpfungen. Er steht seiner ganzen Wesenheit nach in der Sonne und ist in seinen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|43}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schöpfungen mit dem Mond und der Erde verbunden und seine Kraft liegt im Sternbild des Lammes. So liegen die Kräfte, daß er Schöpfer dieser Wesen werden konnte, im Sternbild des Widders oder Lammes. Aus dem Himmel selbst ist die Bezeichnung des «Opferlammes» oder des «mystischen Lammes» herabgeholt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist einer der Aspekte, eine der Ansichten, zu denen man kommt, wenn man von unserem engbegrenzten Dasein aufblickt in Himmelsräume und sieht, wie die Himmelskräfte und Wesenheiten im Weltenraum ineinanderwirken. Und dadurch werden uns allmählich die Kräfte, die von Himmelskörper zu Himmelskörper gehen, ebensolche Kräfte wie die, die von Menschenseele zu Menschenseele gehen als Liebe und Haß. Wir sehen Seelenkräfte von Stern zu Stern herüber- und hinübergehen, und wir lernen erkennen, daß uns am Himmel geschrieben ist, was von solchen Kräften im Weltenraum gewirkt, getan, gehandelt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|44}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= DRITTER VORTRAG, Berlin, 15. Februar 1908 =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Montagvorträge haben das Ziel, vorgerücktere Theosophen, also solche, die sich schon längere Zeit mit theosophischer Weltanschauung und namentlich, was ja noch viel wichtiger ist, mit theosophischer Denkungsart und Gesinnungsart durchdrungen haben, zu immer höheren und höheren Anschauungen emporzuheben. Daher wird es, wenn wir wirklich bei diesen Vorträgen dieses Ziel verfolgen, für diejenigen, die sozusagen als Nachzügler kommen, immer schwieriger werden, zu folgen. Sie sind vielleicht noch imstande, verstandesmäßig zu folgen, aber es wird immer schwieriger werden, dasjenige, was aus den höheren Partien der Theosophie vorgebracht wird, als etwas Vernünftiges und Gesundes anzusehen. Daher wird namentlich für diejenigen, die erst kürzere Zeit hier sind, ein gutes Stück guter Wille dazugehören, diesen Zweigvorträgen mit dem Gefühls- und Empfindungsverständnis zu folgen. Es muß aber immer wieder betont werden, daß wir nicht weiterkommen würden, wenn wir nicht Gelegenheit hätten, an irgendeinem Orte auch in die höheren Partien des geistigen Daseins hineinzuleuchten. Das soll hier in diesen Vorträgen geschehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun habe ich Ihnen in dem letzten Vortrag einen Ausblick gegeben in die Entwickelung unseres ganzen Planetensystems. Vorangegangen war ein Blick in dieses Planetensystem selber, insofern die einzelnen Planeten bewohnt sind von allerlei Wesenheiten, die wiederum einen Einfluß haben auf unseren menschlichen Leib. Das heute Vorzubringende wird sich an diese beiden vorhergehenden Betrachtungen anschließen. Wir werden unseren Ausblick in das Planetensystem noch erweitern und dabei mancherlei von den Geheimnissen unseres Weltendaseins von einem geistigen Gesichtspunkt aus kennenlernen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn Ihnen irgendeine der gebräuchlichen Darstellungen der Entstehung unseres Planetensystems, die ja heute so zahlreich sind, vor Augen tritt, so werden Sie zunächst zurückgeführt zu einer Art Urnebel, zu einem nebelartigen, gewaltig großen Gebilde, aus dem sich unsere Sonne und die um sie kreisenden Planeten gewissermaßen her-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|45}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ausgeballt haben, und es werden ja als Triebkräfte bei diesem Herausballen in der Regel nur physische Kräfte berücksichtigt. Sie wissen, daß man dies die heute vielfach modifizierte Kant-Laplacesche Theorie nennt, und Sie wissen auch, daß die, welche es mit ihrem Verständnis nun gerade so weit gebracht haben, daß sie das allmähliche Herausballen der einzelnen Planeten aus dem Urnebel bis zu dem Zustand, in dem die Planeten, namentlich die Erde, jetzt sind, eingesehen haben, sehr stolz sind auf diese Einsicht, und daß sie immer wieder betonen, wie es doch eigentlich eine recht wenig unserem gewaltigen Fortschritt entsprechende Anschauungsweise sei, bei diesem Herausgliedern der einzelnen Himmelskörper aus dem Urnebel auch noch von geistigen Kräften und geistigen Wesenheiten zu sprechen. Sie wissen, daß es auch populäre Bücher gibt, die solches Sprechen als das rückständigste und abergläubischste bezeichnen, das es nur geben kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun würde ja der Verstand eines Theosophen auch noch ausreichen, um alles das, was auf diesen Gebieten vorgebracht wird, in der richtigen Weise zu verstehen. Nur erstreckt er sich auch noch etwas weiter. Ihm ist es klar, daß es mit den physischen Anziehungs- und Abstoßungskräften und so weiter nicht getan ist, daß da noch allerlei andere Dinge mitspielen. Heute muß es sich die Theosophie noch gefallen lassen, von der gebräuchlichen offiziellen Wissenschaft, die man vielleicht auch die «Antisophie» nennen könnte, als eine recht dicke Dummheit und ein furchtbarer Aberglaube ausgeschrien zu werden. Aber wir leben in einem Zeitalter, das in einer merkwürdigen Art, man könnte sagen, hoffnungsvoll für den Theosophen ist. Man möchte sagen, daß die Theorien, Anschauungen und Erkenntnisse, die die heute gebräuchliche Wissenschaft aus ihren eigenen Tatsachen schöpft, sich wie kleine keuchende, zwerghafte Wesenheiten ausnehmen, die pustend und keuchend in einer weiten Entfernung hinter den Tatsachen herlaufen. Denn die Tatsachen der heutigen Wissenschaft sind dem, was der «Glaube» der heutigen Wissenschaft ist, eigentlich weit voraus. Sie sind so, daß mit ihnen immer neue und neue Bestätigungen der theosophischen Wahrheiten auftauchen. Nur werden sie natürlich nicht als solche durchschaut. Ich möchte nur darauf hinweisen, daß hier oft gesprochen worden ist von der Wirkung des astralischen Leibes während&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|46}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der Nacht: wie während des Tages der physische Leib und der Ätherleib abgenutzt werden, und wie während der Nacht der astralische Leib derjenige ist, der verbessernd und aufbauend und die Ermüdungsstoffe fortschaffend wirkt. Diesen Satz in dieser Form auszusprechen, würde für die heutige Wissenschaft als etwas noch ganz und gar nicht Salonfähiges gelten. Aber die Tatsachen sprechen eine deutliche Sprache: Wenn wir zum Beispiel heute in einer amerikanischen Zeitschrift lesen können, daß ein Forscher die Theorie aufgestellt habe, die Schlaftätigkeit beim Menschen sei eine involvierende, aufbauende, während im Gegensatz dazu die Tätigkeit während des Wachens eine abbauende sei, dann haben Sie da wiederum eine solche wissenschaftliche Tatsache, hinter der die Theorien der Naturwissenschaft nachkeuchen wie die kleinen Zwerge, die nicht nachkommen können, während Sie in der geisteswissenschaftlichen Weltanschauung die lichtvollen, großen Ausblicke haben, die aus einer geistigen Weltanschauung herausgeholt sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir geisteswissenschaftlich die Entstehung unseres heutigen Sonnensystems betrachten, so brauchen wir in keiner Weise, so wenig wie auf anderen Gebieten, dem direkt zu widersprechen, was von der physischen Wissenschaft vorgebracht wird. Denn gegen das, was die physische Wissenschaft einzig und allein zu erkennen anstrebt was Augen hätten sehen können in der Aufeinanderfolge der Entwickelung , dagegen hat keine Theosophie etwas einzuwenden. Wenn sich irgend jemand zur Zeit des Urnebels einen Stuhl in den Weltenraum hinausgestellt und sich daraufgesetzt, über eine genügend lange Lebensdauer verfügt und nun zugeschaut hätte, wie die einzelnen Kugeln sich abgeballt haben, so würde er mit physischen Augen nichts anderes haben sehen können, als was diese physische Wissenschaft konstatiert hat. Aber das wäre ebenso, wie wenn zwei Menschen vor Ihnen stehen und der eine gibt dem anderen eine Ohrfeige, und dann kommt ein Beobachter und sagt: Da hat einer einen leidenschaftlichen Zorn gegen den anderen gehabt, und das hat ihn die Hand ausholen lassen und auf diese Weise hat der seine Ohrfeige bekommen; während der zweite sagen würde: Du bist ein Phantast, ich habe nichts gesehen von Zorn und Leidenschaft, ich habe nur die Hand sich bewegen sehen und&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|47}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
einen Stoß ausführen; dadurch hat der andere eine Ohrfeige weggehabt. Das ist die äußere, materialistische Beschreibung, die Methode, die die heutige Wissenschaft anwendet. Sie widerspricht nicht der geistigen Erforschung der Tatsachen. Nur derjenige, der glaubt, daß diese materialistische Beschreibung der Tatsachen die einzige ist, der fühlt sich in seiner wissenschaftlichen Erhabenheit selbstverständlich sehr weit hinausgehoben über alles, was die Geistesforschung vorzubringen hat. Also was man die modifizierte Kant-Laplacesche Theorie nennt, mag als ein äußeres Ereignis durchaus gelten. Aber innerhalb dieser ganzen Abballung, dieser ganzen Kristallisierung der einzelnen Weltkugeln waren geistige Kräfte und geistige Wesenheiten tätig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Experimentator zeigt uns heute sehr schön, wie das alles vor sich gehen kann nach dieser Kant-Laplaceschen Theorie. Man braucht nur ein verhältnismäßig nicht zu großes Ölkügelchen zu nehmen, das im Wasser schwimmt: Da kann man sehr leicht einen kleinen Kartonkreis in der Äquatorebene anbringen und in der Mitte eine Nadel durchstecken. Wenn man nun die Nadel recht schnell dreht, spalten sich kleine Ölkugeln ab, und man kann sich so sehr gut ein Weltsystem im Kleinen vorstellen und daran zeigen, wie sich im Raum ein Weltsystem abgeballt hat. Nur vergißt der Experimentator dabei eines, nämlich, daß er selbst dabei war und die nötigen Vorbereitungen gemacht hat, daß er dann die Nadel herumgedreht hat, und daß im großen Kosmos nicht von selber gehen kann, was im kleinen auch nicht von selber geht. Da draußen soll es sich von selber machen! Die Dinge sind gar nicht so schwer einzusehen; aber so sehr sind die richtigen physischen Grundsätze abgebraucht, daß diejenigen, die sie nicht sehen wollen, sie auch wirklich nicht zu sehen brauchen. Also bei dieser ganzen Planetenbildung waren geistige Kräfte und geistige Wesenheiten tätig, und wir wollen jetzt einiges davon kennenlernen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erinnern muß ich Sie dabei an die oft wiederholte Tatsache, daß unsere Erde, bevor sie «Erde» wurde, frühere Verkörperungen, andere planetarische Zustände absolviert hat: den Saturnzustand, den Sonnenzustand und den Mondzustand und nach dem Durchgang durch diese erst zu ihrem heutigen Erdenzustand vorgedrungen ist. Nun stellen Sie sich einmal lebendig vor die Seele den uralten, in urferner&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|48}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vergangenheit im Raume schwebenden Saturn, der die erste Verkörperung unserer Erde war. Dieser Saturn hat innerhalb seiner ganzen Wesenheit eigentlich noch gar nichts von dem, was wir heute rings herum sehen als unsere Pflanzen, Mineralien und Tiere. Im Anfang bestand dieser Saturn nur aus der allerersten Anlage des Menschen. Wir sprechen gar nicht anders von diesem alten Saturn als etwa von einem Konglomerat von Menschen. Der Mensch war damals auch nur in der ersten Anlage zu seinem physischen Leib vorhanden. Aus lauter einzelnen physischen Menschenleibern war dieser alte Saturn zusammengesetzt, etwa so wie heute eine Maulbeere oder eine Brombeere aus lauter einzelnen Beerchen zusammengesetzt ist. Und umgeben war dieser alte Saturn, wie heute unsere Erde von Luft, von einer Atmosphäre; aber die war im Verhältnis zu dem, was wir heute als Atmosphäre kennen, geistig. Sie war ganz geistartig, und innerhalb der Saturnentwickelung entwickelte sich der Mensch in seinem Anfang. Dann kam eine Zeit, in der der Saturn in eine ähnliche Lage kam wie heute ein Mensch, wenn er zwischen Tod und einer neuen Geburt in einem devachanischen Zustand ist. Man nennt diesen Zustand, in den ein Weltenkörper kommt, ein Pralaya. Der Saturn ging also durch eine Art von devachanischem Zustand durch und tauchte dann, indem er wieder in eine Art von äußerlich wahrnehmbarem Dasein eintrat, als der zweite planetarische Zustand unserer Erde, als Sonne wiederum auf. Dieser Sonnenzustand brachte den Menschen wieder weiter. Gewisse Wesenheiten, die zurückgeblieben waren, machten sich jetzt als ein zweites Reich auf der Sonne neben dem Menschenreich geltend, so daß wir jetzt zwei Reiche haben. Dann kommt wieder ein devachanischer Zustand der Sonne, ein Pralaya, und dann verwandelt sich der ganze Planet in den Mondzustand; und so geht es wieder durch ein Pralaya hindurch, bis der Mond übergeht in unsere Erde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als unsere Erde aus dem rein geistigen, devachanischen Zustand hervortrat, als sie zum erstenmal eine Art von äußerlich wahrnehmbarem Dasein erhielt, war sie nicht so, wie sie heute ist; sondern da war sie so, daß sie, äußerlich angesehen, wirklich etwa wie ein großer Urnebel aufgefaßt werden könnte, wie ihn die äußere, physische Wissenschaft schildert. Nur müssen wir uns diesen Urnebel groß, weit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|49}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
größer als die heutige Erde denken, und daß er weit über die äußersten Planeten hinausreichte, die heute zu unserem Sonnensystem gehören, bis weit über den Uranus hinaus. Geisteswissenschaftlich stellen wir uns die Sache so vor, daß das, was wir hervorkommen sehen aus einem geistigen Zustand, nicht lediglich eine Art physischer Urnebel ist. Wer das, was da hervorkommt, als eine Art physischen Urnebel und als sonst nichts weiter schildert, ist etwa ebenso weise wie ein Mensch, der einen anderen Menschen gesehen hat und nun, wenn er gefragt wird, was er gesehen hat, sagt: Muskeln, die an Knochen hängen, und Blut habe ich gesehen! der also nur das Physische beschreibt. Denn in dem Urnebel sind eine Fülle von geistigen Kräften und geistigen Wesenheiten enthalten. Die gehören dazu, und was in dem Urnebel geschieht, ist eine Folge der Taten der geistigen Wesenheiten. Alles, was der Physiker beschreibt, ist so, wie wenn er sich einen Stuhl in den Weltenraum hinausstellt und die ganze Geschichte sich anschaut. Er beschreibt wirklich so wie jener Beobachter, der den Zorn und die Leidenschaft, die eine Ohrfeige hervorrufen, leugnet und nur die sich bewegende Hand sieht. In Wahrheit ist das, was da geschieht, das Heraustreten von Weltkörpern und Weltkugeln, Tat von geistigen Wesenheiten; so daß wir in dem Urnebel das Kleid, die äußere Offenbarung einer Fülle von geistigen Wesenheiten sehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da sind geistige Wesenheiten darinnen, die auf den verschiedensten Stufen der Entwickelung stehen. Diese geistigen Wesenheiten kommen da nicht aus dem Nichts heraus, sondern sie haben eine Vergangenheit, sie haben die Saturn-, Sonnen- und Mondvergangenheit hinter sich. Die haben sie alle einmal durchgemacht, und jetzt stehen sie davor, das, was sie durchgemacht haben, anzuwenden als Taten, zu tun, was sie auf Saturn, Sonne und Mond gelernt haben. Und sie stehen auf den verschiedensten Entwickelungshöhen. Es sind Wesenheiten darunter, die schon auf dem alten Saturn so weit waren, wie der Mensch heute auf der Erde ist. Diese haben ihre Menschheitsstufe schon auf dem Saturn durchgemacht, stehen also wesentlich höher als der Mensch im Anfange der Erdentwickelung; sie stehen weit über dem Menschen. Andere Wesenheiten sind da, die ihre Menschheitsstufe auf der Sonne, andere, die sie auf dem Monde durchgemacht haben. Der Mensch wartet&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|50}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
darauf, seine Menschheitsstufe auf der Erde durchzumachen. Wenn wir also nur diese viergliedrige Hierarchie von Wesenheiten betrachten, haben wir schon eine Vielzahl von verschiedenen Wesenheiten auf verschiedenen Entwickelungsstufen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir nennen nun die Wesenheiten, die auf der Sonne ihre Menschenstufe durchgemacht haben, die «Feuergeister». Sie dürfen sich aber nicht vorstellen, daß diese Feuergeister, die auf dem alten Sonnenplaneten Menschen waren, damals äußerlich so ausgesehen haben wie die heutigen Menschen. Sie haben ihre Menschenstufe in einer anderen äußeren Gestalt durchgemacht. Der alte Sonnenplanet hatte eine außerordentlich feine, leichte Materie, viel leichter als unsere heutige Materie. Damals gab es das Feste und das Flüssige noch gar nicht, sondern nur das Gasförmige, und die Körper der Feuergeister waren, trotzdem sie Menschenrang hatten, nur gasförmig. Man kann die Menschheitsstufe in der kosmischen Entwickelung in den verschiedensten Formen durchmachen. Im Fleische macht sie nur der Erdenmensch auf der Erde durch. In einer Art wäßrigem Zustand machten sie diejenigen Wesen durch, die auf dem Mond Menschenrang hatten, und die auch auf dem Mond schon über den Menschen erhaben waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit jenem Urnebel also, der da am Ausgangspunkt unseres Sonnensystems liegt, waren diese Geister und noch eine ganze Fülle anderer Geister verbunden. So zum Beispiel können Sie sich leicht vorstellen, daß das, was für den Menschen auf dem Saturn begonnen hat, auf der Sonne für andere Wesenheiten in irgendeiner Weise begann. So wie auf dem Saturn die erste Anlage zu dem physischen Leib begann, so kamen auf der Sonne andere Wesenheiten nach, wie in der Schule ja auch immer wieder ABC-Schützen nachkommen. Die haben es heute nur so weit gebracht, daß sie jetzt, physisch verkörpert, in unseren heutigen Tieren sind. Auf dem Mond kamen diejenigen Wesenheiten hinzu, die in den heutigen Pflanzen vorhanden sind, und unsere heutigen Mineralien sind überhaupt erst auf der Erde hinzugekommen. Das sind also die jüngsten Genossen unserer Entwickelung, deren Schmerzen und Freuden ich Ihnen in einem vorhergehenden Vortrag geschildert habe. So waren also nicht nur vorgeschrittene Wesenheiten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|51}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
in diesem Urnebel darinnen, sondern auch Wesenheiten, die noch nicht auf der Menschenstufe waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu denen, die ich Ihnen jetzt aufgezählt habe, kommen solche Wesenheiten, von denen wir gesagt haben, daß sie auf gewissen Stufen der kosmischen Entwickelung sitzengeblieben sind. Nehmen wir einmal die Feuergeister. Die Feuergeister haben auf der Sonne schon ihr Menschenstadium vollendet. Jetzt, auf der Erde, sind sie hoch erhabene Wesenheiten, zwei Stufen über den Menschen hinaus. So weit sind sie, daß der Mensch, erst wenn er durch das Jupiter- und Venusdasein hindurch zum Vulkandasein aufgestiegen sein wird, zu einem solchen Dasein reif sein wird, wie die erhabenen Sonnengeister es hatten, als die Erde ihre Entwickelung begann. Nun gibt es aber Wesenheiten, welche zurückgeblieben sind, das heißt solche, die auf der Sonne so weit hätten kommen können wie die Feuergeister, die aber es gibt gewisse Gründe, warum sie zurückgeblieben sind , sich nicht bis zu der vollen Höhe entwickeln konnten, auf der die Feuergeister angekommen waren, als die Erde im Beginne ihrer Entwickelung stand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie erinnern sich alle, daß die Erde in einem gewissen Zustand ihrer Entwickelung, ganz im Anfang und das können Sie leicht mit der Theorie des Urnebels vereinigen noch mit der Sonne und mit dem Mond ein Körper war. Wenn Sie also die drei Himmelskörper Erde, Sonne und Mond in einem riesigen kosmischen Topf durcheinanderrühren würden, so bekämen Sie einen Körper, der einmal da war. Dann kam die Zeit, wo die Sonne sich herauszog und Erde plus Mond zurückließ, und dann kam eine Zeit, wo auch der Mond sich herauszog und unsere Erde so wurde, wie sie heute ist, auf der einen Seite von der Sonne, auf der anderen Seite von dem Mond umgeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun fragen wir uns: Warum geschah denn das, daß da aus einem Körper drei Körper entstanden? Sie werden leicht einsehen, warum das geschah, wenn Sie bedenken, daß solche hoch entwickelten Wesenheiten in dem Urnebel vorhanden waren mit dem äußeren Dasein des Urnebels verknüpft , die zwei Stufen höher standen als der Mensch. Die hätten auf einem Weltkörper wie unsere heutige Erde unmittelbar nichts zu tun gehabt; sie brauchten einen Wohnplatz mit ganz anderen Eigenschaften. Dagegen hätte der Mensch in diesem Dasein&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
sozusagen verzehrt werden müssen, wenn er mit der Sonne verbunden geblieben wäre. Er brauchte ein abgeschwächteres, abgemildertes Dasein. Es mußte also durch die Tat der Feuergeister die Sonne aus der Erde herausgehoben und zu ihrem Schauplatz gemacht werden. Das ist nicht ein bloßes physisches Ereignis; sondern das haben wir aufzufassen als die Tat der Feuergeister selber. Sie haben sich ihren Wohnplatz und alles, was sie brauchten an Substanzen, aus der .Erde herausgelöst und die Sonne zu ihrem Schauplatz gemacht. Sie können es vermöge ihres Wesens vertragen, jene riesenhafte Schnelligkeit in ihrer Entwickelung durchzumachen. Wenn der Mensch dieser riesenhaften Schnelligkeit in der Entwickelung ausgesetzt wäre, so würde er, kaum daß er jung war, schon gleich wieder alt sein. Alle Entwickelung ginge im Sturmschritt vorwärts. Nur solche Wesenheiten, die schon zwei Stufen höher stehen als der Mensch, können ein solches Dasein, wie es das Sonnendasein ist, vertragen. Sie haben sich mit der Sonne abgetrennt und haben die Erde mit dem Mond zurückgelassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun können wir auch die Frage beantworten, warum sich der Mond von der Erde trennen mußte. Wenn der Mond mit der Erde verbunden geblieben wäre, dann hätte der Mensch auf der Erde sein Dasein auch wieder nicht vollziehen können. Der Mond mußte ausgestoßen werden; denn er hätte die ganze Entwickelung der Menschen mumifiziert. Die Menschen hätten nicht eine so rasche Entwickelung durchgemacht, wie wenn die Sonne dageblieben wäre. Sie würden nicht so rasch alt werden, aber sie wären verholzt, zu Mumien vertrocknet, ihre Entwickelung wäre eine so langsame geworden, daß sie mumifiziert worden wären. Damit gerade das für den Menschen dienliche Maß der Entwickelung herauskam, mußte der Mond mit seinen Kräften und seinen untergeordneten Wesenheiten herausexpediert werden. Daher sind auch mit dem Mond jene Wesenheiten verbunden, welche von mir beschrieben worden sind als solche, die zeitlebens auf einer Stufe stehen bleiben, &#039;die heute auf der Erde etwa ein siebenjähriges Kind erreicht. Da sie nur ein Dasein durchmachen wie der Mensch in der Zeit bis zum siebenten Lebensjahr, wo nur der physische Leib sich entwickelt, so brauchten sie einen Schauplatz, wie der Mond es ist. Wenn Sie dazu die Tatsache nehmen, daß nicht nur diese verschiedenen Wesenheiten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
mit dem Urnebel verbunden waren, sondern noch eine ganze Reihe von Wesenheiten, die auf den verschiedensten Stufen der Entwickelung stehen, dann werden Sie begreifen, daß sich aus dem Urnebel nicht nur diese Weltkörper, wie Erde, Sonne und Mond, herausballten, sondern auch noch die anderen Weltkörper; und zwar ballten sich alle heraus, weil Schauplätze entstehen mußten für die entsprechenden Entwickelungsstufen der verschiedenen Wesenheiten. So waren Wesenheiten da, die im Anfange, als unsere Erdentwickelung begann, kaum geeignet waren, die weitere Entwickelung mitzumachen, die noch so jung waren in ihrer ganzen Entwickelung, daß jeder weitere Schritt ihnen Verderben gebracht hätte. Sie mußten sozusagen einen Schauplatz erhalten, auf dem sie sich ihre vollständige Jugendlichkeit bewahren konnten. Alle anderen Schauplätze sind dazu da, denen Wohnstätten zu geben, die schon weiter sind. Für die Wesenheiten, die zuallerletzt während des Monddaseins entstanden, und die deshalb auf einer sehr frühen Entwickelungsstufe stehengeblieben waren, mußte ein Schauplatz abgeballt werden, der deshalb auch nur geringen Zusammenhang mit unserem Erdendasein hat: es ballte sich derjenige Weltkörper ab, den wir als den Uranus bezeichnen. Das ist ein Schauplatz geworden für solche Wesenheiten, die auf einer sehr weit zurückgebliebenen Stufe stehenbleiben mußten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann ging die Entwickelung weiter. Alles, was, abgesehen vom Uranos, in unserem Weltensystem ist, ist jetzt in einer urbreiigen Masse enthalten. Die griechische Mythologie nennt das, was da war, bevor sich dieser Uranos herausgestaltet hat, das «Chaos». Jetzt ist der Uranos herausgestaltet; das andere ist sozusagen noch im Chaos zurückgeblieben. Damit sind jetzt noch Wesenheiten verbunden, die in ihrer damaligen Entwickelung gerade auf der Stufe standen, auf der wir Menschen gestanden haben, als unsere Erde durch den Saturnzustand durchgegangen war. Und für diejenigen, die eben deshalb, weil sie auf dieser Stufe standen, weil sie ihr Dasein erst begonnen hatten, alles spätere nicht mitmachen konnten, für sie wurde ein besonderer Schauplatz «Saturn» geschaffen. Es spaltete sich also ein zweiter Weltkörper ab, der Saturn, den Sie heute im Himmelsraum noch sehen. Er entstand dadurch, daß Wesenheiten da waren auf der Stufe, auf der die&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Menschen gestanden haben zur Zeit des Saturndaseins der Erde. Während also dieser Saturn als ein besonderer Weltkörper entstand, war außer ihm alles andere, was zu unserem heutigen Planetensystem gehört, vorhanden. Auch die Erde mit allen ihren Wesen war in dieser urbreiigen Masse noch darinnen. Nur Uranus und Saturn waren schon draußen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das nächste, was geschah, war, daß sich wieder ein Planet abspaltete, der der Schauplatz für eine gewisse Entwickelungsstufe werden mußte. Das ist jetzt der «Jupiter», der dritte Planet, der sich herausspaltet aus der Nebelmasse, die für uns eigentlich die Erde ist. Während der Jupiter und die anderen Planeten, die wir schon kennen, draußen sind, sind Sonne und Mond mit der Erde immer noch vereint. Diese Planeten waren in der Tat abgespalten aus dem Chaos, als in der Erde noch das vorhanden war, was heute auch in unserer Sonne ist, als unsere Erde noch ganz mit der Sonne und dem Mond eins war. Damals, als der Jupiter sich abgespalten hat, entstanden nach und nach die Vorläufer der heutigen Menschheit, das heißt, es kamen die heutigen Menschen wieder heraus, so wie eine neue Pflanze aus dem Samen herauskommt. Diese Menschensamen hatten sich nach und nach während des alten Saturnzustandes, während des alten Sonnenzustandes und während des alten Mondzustandes gebildet. Jetzt noch war die Sonne mit der Erde verbunden kamen diese Menschensamen wieder heraus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun hätten sich aber die Menschen so nicht weiter entwickeln können; sie konnten dieses Tempo nicht vertragen, als die Erde noch mit der Sonne zusammen war. Und jetzt geschieht etwas, was wir dann gut verstehen, wenn wir uns darüber klar sind, daß diejenigen Wesenheiten, welche wir angesprochen haben als «Feuergeister», sich ihren Schauplatz aus der Erde herausnehmen. Die Sonne drängt sich aus der Erde heraus, und wir haben nun Sonne und dann Erde und Mond zusammen. Während dieser Zeit ist auf irgendeine Art, die jetzt nicht genauer beschrieben werden soll, weil das zu weit führen würde, wiederum als ein Schauplatz für besondere Wesenheiten der «Mars» übriggeblieben, der dann tatsächlich in dem weiteren Fortgang durch Erde und Mond durchgeht, und, während er durchgeht, in der Erde mit dem Mond das zurückläßt, was wir heute als Eisen kennen. Daher ist&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
er auch der Veranlasser alles dessen, was als Eisenteile in den lebendigen Wesen abgelagert ist, also im Blut. Nun könnte jemand sagen: Eisen ist überall, auch in der Sonne und so. weiter. Das ist ja nicht weiter verwunderlich, denn geradeso wie andere Körper in dem Urnebel waren, so war auch der Mars überall darin mit seinem Eisen, das er zurückgelassen hat; das ist auch in allen anderen Planeten! Auch hier liegt wieder die Tatsache vor, daß die Wissenschafter heute schon wunderbare Belege dafür bringen, daß die Sache sich so verhält, wie es hier von der geisteswissenschaftlichen Lehre dargestellt wird. Sie erinnern sich wohl, daß ich Ihnen einmal dargestellt habe, wie man symbolisch übergeht von dem grünen Pflanzensaft, dem Chlorophyll, zum Blut des Menschen. Die Pflanzen sind als solche entstanden, bevor dieser Marsdurchgang stattgefunden hat, und haben ihre Eigenschaft bewahrt. Dann hat sich in die Wesen, die heute höher organisiert sind als die Pflanzen, das Eisen eingelagert, das das rote Blut erfüllt. Es ist durchaus übereinstimmend mit diesen geisteswissenschaftlichen Tatsachen, wenn kürzlich in einem Berner Laboratorium gefunden worden ist, daß das Blut nicht verglichen werden kann mit dem Chlorophyll. Das ist eben, weil es später eingelagert ist. Wir dürfen uns nicht vorstellen, daß das Blut etwa von der Substantialität des chemischen Elementes «Eisen» abhängt. Ich sage das ganz besonders deshalb, weil jemand sagen könnte, daß man gar nicht von einem Zusammenhange des Chlorophyll mit dem Blute reden könne. Heute macht die Wissenschaft die Entdeckung, daß das Blut auf das Element «Eisen» zurückzuführen ist, während das Chlorophyll gar kein Eisen enthält. Es ist aber doch im vollsten Einklange mit dem, was die Geisteswissenschaft zu sagen hat; es handelt sich nur darum, daß man die Dinge in dem richtigen Lichte betrachten muß.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun sondert sich, aus Gründen, die wir schon erwähnt haben, der «Mond» ab, so daß wir die Erde für sich haben und den heutigen Mond als ihren Nebenplaneten. Zur Sonne sind alle Wesenheiten hingezogen, die im wesentlichen höherer Art sind als der Mensch und die wir die Feuergeister genannt haben. Nun sind aber gewisse Wesenheiten da, die nicht so hoch gestiegen sind, daß sie das Sonnendasein wirklich ertragen können. Machen Sie sich klar, was das für Wesenheiten sind:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|56}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
es sind Wesenheiten, die sehr erhaben über den Menschen sind, die aber doch nicht so weit gekommen sind, daß sie, wie die Feuergeister, auf der Sonne leben können. Für diese Wesenheiten mußten Schauplätze geschaffen werden. Alle die anderen Schauplätze hätten ihnen nicht gedient; denn die sind für andersgeartete Wesenheiten, die durchaus nicht das immerhin hohe Alter derjenigen Wesenheiten erreicht haben, die zwar zu den Feuergeistern zu zählen sind, jedoch den kosmischen Kursus nicht ganz absolviert haben. In der Hauptsache waren es zwei Gattungen von Wesenheiten, die zurückgeblieben waren; für diese wurden dadurch zwei besondere Schauplätze geschaffen, daß sich zwei andere Planeten von der Sonne abspalteten, «Merkur» und «Venus». Merkur und Venus sind zwei Planeten, die von der Sonne sich abgespalten haben als die Schauplätze für diejenigen Feuergeister, die weit erhaben sind über menschliches Dasein, die aber das Sonnendasein nicht hätten ertragen können. So haben Sie den Merkur in der Nähe der Sonne als Schauplatz für diejenigen Wesenheiten, die nicht auf der Sonne mit den Feuergeistern hätten leben können, und die Venus als Schauplatz für Wesenheiten, die in gewisser Beziehung hinter den Merkurwesenheiten zurückgeblieben waren, die aber noch weit über dem Menschen standen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:GA102 056.png|center|600px|Zeichnung aus GA 102, S. 56]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So haben Sie aus inneren Gründen, aus geistig wirkenden Tätigkeiten diese verschiedenen Weltenkörper aus dem Urnebel heraus entstehen sehen. Sie haben daraus entnehmen können, daß, wenn man sich&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|57}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nur an das Physische hält, es ja so verläuft, wie es uns die heutige Wissenschaft erzählt; aber es handelt sich darum, die geistigen Gründe wirklich kennenzulernen, warum das so geworden ist. Innerhalb des Urnebels haben sich die Wesen selbst die Wohnungen geschaffen, in denen sie leben konnten. Nun sind diese verschiedenen Wesenheiten, die sozusagen einträchtig nebeneinander waren, solange sich noch nicht alles herausgespalten hatte, nicht ohne Zusammenhang geblieben, sondern sie wirken durchaus durcheinander. Von einem ganz besonderen Interesse ist die Wirkung der Merkur- und der Venuswesenheiten auf die Erde. Versetzen Sie sich zurück in die Zeit, in welcher die Sonne sich gerade herausspaltete aus der Erde, der Mond sich herausspaltete und der Mensch sein Dasein in der heutigen Form begann. Dieses Dasein in der heutigen Form hat der Mensch dadurch erlangt, daß sich einer der Sonnengeister herbeiließ wenn ich mich so ausdrücken darf , sein ferneres Dasein nicht auf der Sonne zu haben, sondern mit dem Mond sich zu verknüpfen. Dadurch entstand ein erhabener Regent vom Mond aus. Auf dem Monde waren sonst niedere Wesenheiten, aber einer der Sonnengeister verband sich mit dem Mondendasein. Dieser Sonnengeist, der mit dem Monde sich verband, der also eigentlich im Weltenall ein versetzter Sonnengeist ist, ist als göttliches Wesen, als geistiges Wesen « Jahve» oder «Jehova», der Regent des Mondes. Wir werden einsehen, warum das geschehen ist, wenn wir uns der folgenden Überlegung hingeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir haben gesehen, daß, wenn die Sonne mit der Erde verbunden geblieben wäre, der Mensch sich in der raschen Folge der Entwickelung verzehrt haben würde; würde bloß der Mond mit seinen Kräften wirken, würde der Mensch mumifiziert werden. Gerade durch den Zusammenklang von Sonnen- und Mondkräften entstand jenes Gleichgewicht, das den Menschen in seinem heutigen Entwickelungstempo erhält. Als die Erde herübergekommen war von dem alten Mond, hatte der Mensch von dem Saturn her seinen physischen Leib, von der Sonne her seinen Ätherleib und vom Mond her seinen astralischen Leib. Aber weil der Mensch die drei Leiber hatte, und jetzt der Same mit den drei Leibern aufging, hatte er eine ganz andere Gestalt. Sie würden große Augen machen, wenn ich Ihnen die schildern wollte; denn die Gestalt,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
die der Mensch heute hat, entstand ganz langsam und allmählich von dem Zeitpunkte der Mondentrennung an. Aber die schlechten, minderwertigen Kräfte des Mondes hätten dem Menschen nicht die heutige Gestalt geben können. Gestalt hätten sie ihm schon geben können, aber eine minderwertige. Wenn die Mondkräfte mit der Erde verbunden geblieben wären, hätten sie den Menschen in einer Gestalt festgehalten. Daraus sehen Sie schon, daß von dem Monde die Kräfte ausgehen müssen, die die Gestalt geben, während von der Sonne die Kräfte ausgehen, die fortwährend die Gestalt verändern. Aber damit der Mensch seine heutige Gestalt erhalten konnte, mußte ein Gestaltenbildner vom Mond aus wirken. Das war gar nicht anders möglich. So geht dazumal die Entwickelung des Ich-Menschen an. Das vierte Glied der menschlichen Wesenheit beginnt, und Jahve gibt dem Menschen den Keim zu einer solchen Gestalt, daß der Mensch ein Ich-Träger werden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt ist aber der Mensch noch nicht fähig, diejenige Arbeit zu leisten, von der ich Ihnen gesprochen habe. Ich habe Ihnen gesagt, daß der Mensch von seinem Ich aus zunächst seinen astralischen Leib, dann seinen Ätherleib und dann seinen physischen Leib umarbeitet. Das kann der Mensch erst nach und nach in Angriff nehmen. Wie das Kind heute noch Lehrer braucht, so brauchte der Mensch, als er schon zubereitet war, ein Ich-Mensch zu werden, eine Anregung auf unserer Erde, um weiterzukommen; und es gab da für den Menschen zwei Anreger. Sie können sich aus der ganzen kosmischen Entwickelung denken, woher sie gekommen sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diejenigen Wesenheiten, die dem Menschen am nächsten standen, waren die Venus- und Merkurwesenheiten. Bis der Mensch am Ende der atlantischen Zeit die ersten schwachen Versuche machen konnte, um von seinem Ich aus selbständig auf die drei Leiber zu wirken denn das ist erst am Ende der atlantischen Zeit möglich , mußte er «Lehrer» haben, die noch weit über diese atlantische Zeit hinaus wirkten. Und diese Lehrer waren diejenigen Wesenheiten, die auf Venus und Merkur wirkten. Aber diese Wesenheiten sind nicht so zu denken, wie heute Lehrer sind; sondern Sie müssen sich vorstellen, daß die Venuswesen diejenigen Wesen sind, die den Menschen begaben mit seiner Intellektualität. Die Menschen wußten äußerlich gar nichts davon,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
daß diese Venuswesenheiten auf sie wirkten, ebensowenig wie sie wußten, daß vom Monde aus gewisse Wesenheiten in bezug auf ihre äußere Gestalt auf sie einwirkten. So wie ich Ihnen gezeigt habe, wie die verschiedenen Säfte auf den Menschen wirken, so wirkten die Kräfte dieser Wesenheiten auf den Menschen ein, bis er selbständig seine Leiber bearbeiten konnte. Was wir heute beim Menschen als Intelligenz finden, wurde dem Menschen vermittelt durch die Geister, die als Feuergeister minderer Sorte auf der Venus zurückgeblieben sind. Außerdem gab es noch andere Lehrer, die in der Tat von den ersten hellsehenden Menschen bewußt als Lehrer wahrgenommen wurden: die Lehrer der großen Mysterien in den alten Zeiten. In den Vorzeiten gab es nicht bloß jene umfassenden Einflüsse der Venusgeister, die mehr oder weniger auf die ganze Menschheit wirkten, sondern es gab auch Mysterienstätten, in denen die damals vorgeschrittensten Menschen auf geistige Art Unterricht bekamen von höheren Wesenheiten, von den Feuergeistern. In den Mysterien lehrten sie selbst, die erhabenen Feuergeister des Merkur. Da erschienen sie zunächst, wenn wir so sagen dürfen, in einer geistigen Verkörperung und waren die Lehrer der ersten Eingeweihten. So wie die ersten Eingeweihten die Lehrer der großen Menschenmassen wurden, so wirkten als die Lehrer der ersten Eingeweihten die Merkurwesenheiten. Auf diese Art sehen Sie zu gleicher Zeit, wie recht wahrnehmbar die Wesenheiten anderer Gestirne auf den Menschen einwirken; aber diese Einwirkungen sind sehr komplizierter Natur. Das können Sie aus folgendem sehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie erinnern sich aus meiner «Theosophie», daß es nur eine grobe Einteilung ist, wenn wir sagen, der Mensch besteht aus physischem Leib, Ätherleib, astralischem Leib, Ich, Geistselbst, Lebensgeist und Geistesmensch. Sie wissen, daß die richtigere Einteilung diese ist: Physischer Leib, Ätherleib, astralischer Leib, und daß wir dann, das, worin das Ich aufgeht, unterscheiden als Empfindungsseele, Verstandes- oder Gemütsseele und Bewußtseinsseele, und daß wir darin erst das Geistselbst oder Manas haben, dann den Lebensgeist oder Buddhi, und zuletzt den Geistesmenschen oder Atman. Das Seelenhafte des Menschen erscheint also eingeschaltet als Empfindungsseele, Verstandesseele und Bewußtseinsseele. Wenn wir die Entwickelung des Menschen auf der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|60}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erde verfolgen, so können wir auch sagen: Es entwickelt sich zuerst zu den drei Bestandteilen, die vom Monde herübergebracht werden, die Empfindungsseele hinzu, dann entsteht die Verstandesseele, und die Bewußtseinsseele entsteht im Grunde genommen erst gegen das Ende der atlantischen Zeit, als der Mensch zum erstenmal lernte, «Ich» zu sich zu sagen. Da erst kann der Mensch lernen, bewußt von innen heraus an den Gliedern seiner Wesenheit zu arbeiten. Wenn wir also den Menschen einteilen in Leib, Seele und Geist, so haben wir die Seele wiederum einzuteilen in Empfindungs-, Verstandes- und Bewußtseinsseele. Die entwickeln sich erst nach und nach; die Bewußtseinsseele kann noch keinen Einfluß haben, denn sie entsteht erst als das letzte. So müssen diese Glieder auch wieder von außen angefacht werden. Dabei sind nun wieder Wesenheiten von außen tätig, und zwar ist es so, daß der Mars mit seinen Wesenheiten auf die Empfindungsseele wirkt. Als die Verstandesseele entstehen soll, ist der Merkur schon abgespalten und wirkt mit seinen Wesenheiten auf die Entstehung der Verstandesseele, und der längst vorhandene Jupiter wirkt auf die Entstehung der Bewußtseinsseele.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So haben Sie also in dem Seelischen des Menschen die Tätigkeit der drei Weltkörper: das Walten des Mars in der Empfindungsseele, des Merkur in der Verstandesseele, des Jupiter in der Bewußtseinsseele; und indem das Geistselbst in die Bewußtseinsseele hineingedrängt wird, ist die Venus mit ihren Wesenheiten tätig. Für die ersten Eingeweihten ist auch wieder der Merkur tätig, so daß also die Merkurwesen eine zweifache Tätigkeit ausüben: zunächst eine dem Menschen ganz unbewußte, indem sie seine Verstandesseele entwickeln; sodann sind sie die ersten Lehrer der Eingeweihten, wobei sie auf eine ganz bewußte Art wirken. Die Merkurwesen haben also stets eine doppelte Tätigkeit, etwa so wie manche Landlehrer die Kinder unterrichten und außerdem. den ihnen zugeteilten Acker bebauen müssen. So haben die Merkurwesen die Verstandesseele zu entwickeln und außerdem noch die großen Schullehrer der großen Eingeweihten zu sein. Alle diese Dinge können Sie auch rein logisch begreifen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun können Sie vielleicht fragen, warum denn gerade Jupiter auf die Bewußtseinsseele wirkt, da er doch ein so weit rückständiger Planet&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|61}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ist. Aber erforscht werden diese Dinge eben nicht durch logische Gründe, sondern so, daß man die Tatsachen der geistigen Welten erforscht. Da würden Sie in der Tat sehen, daß die Bewußtseinsseele angefacht wird von den Jupiterwesen, denen auf der anderen Seite zurückgebliebene Venuswesenheiten zu Hilfe kommen. Im kosmischen Wirken ist es so, daß die Dinge nicht äußerlich-schematisch genommen werden dürfen, sondern man muß sich klar sein, daß wenn ein Planet einmal schon eine Aufgabe erfüllt hat, seine Wesenheiten später noch eine andere Aufgabe erfüllen können. Während der Menschheit der zweiten Menschenrasse haben die Jupiterwesenheiten mitgewirkt an der Ausbildung des Ätherleibes; dann gingen sie selbst ein Stück Wegs weiter, und als der Mensch so weit war, daß sich seine Bewußtseinsseele entwickeln konnte, mußten sie wiederum eingreifen und seine Bewußtseinsseele mitentwickeln. So wirkt dasjenige, was im Raum wirkt, in der mannigfaltigsten Weise ineinander, und man kann durchaus nicht schematisch von dem einen auf das andere übergehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So sehen Sie, wie der Physiker, wenn er hinausschaut in den Weltenraum, nur die rein äußeren Körper geistiger Organismen sieht, und wie uns dann die Geisteswissenschaft hineinführt in die geistigen Untergründe, die das, was der Physiker sieht, erst bewirken. Ich möchte sagen: jetzt haben wir uns nicht der Täuschung hingegeben, welcher derjenige sich hingibt, der das Ölkügelchen nimmt und vergißt, daß er es selber dreht. Wir haben die Wesenheiten selber aufgesucht, die das Abgeballte so machten, wie es eben ist. Wir haben uns nicht der Illusion hingegeben, daß, wenn wir nicht da sind, das Ganze sich weiter dreht; sondern wir haben den «Dreher» gesucht, denjenigen, der als die eigentlich geistig-wirksame Wesenheit dahintersteht, so daß man immer mehr den vollen Einklang finden kann zwischen dem, was die Geisteswissenschaft sagt, und dem, was die äußere Wissenschaft findet. Nur können Sie niemals aus den Tatsachen der äußeren Wissenschaft ableiten, was die Geisteswissenschaft sagt. Da werden Sie höchstens zu einer Analogie kommen. Wenn dagegen die geistigen Tatsachen mit den okkulten Mitteln gefunden werden, dann werden sie, wenn Sie absehen von dem, was von der äußeren Wissenschaft erst noch gefunden werden muß, jederzeit übereinstimmen mit dem, was&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|62}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
auch der Physiker zu sagen hat. So wird der Theosoph jederzeit dem Physiker standhalten können. Er weiß sehr wohl, daß wenn irgend etwas im Physischen geschieht, es ganz gut so sein kann, wie es der Physiker beschreibt. Aber es gibt trotzdem immer noch dazu den geistigen Vorgang. Das hindert nicht, daß mancher Wissenschafter, der sich hoch erhaben fühlt, den Theosophen für einen Dummkopf oder für etwas noch Schlimmeres hält. Aber die Theosophie kann ruhig zusehen. Schon in fünfzig Jahren wird das ganz anders sein; denn der Fortbestand der bloß materialistischen Wissenschaft würde dem Heil und der Gesundheit der Menschheit sehr schlecht bekommen wenn die Dinge wirklich so bleiben würden, wie sie heute sind , wenn nicht die Geisteswissenschaft der Sache entgegenwirken würde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|63}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= VIERTER VORTRAG, Berlin, 29. Februar 1908 =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir werden heute einen Gegenstand behandeln, der in Zusammenhang steht mit den großen, umfassenden Ausblicken in das Gebiet des Weltenraumes, die wir das letzte Mal unternommen haben. Wir werden dabei intimer auf die geistige Entwickelung innerhalb der mehr räumlichen und materiellen Entwickelung eingehen, als es das letzte Mal geschehen ist. Das letzte Mal haben wir gesehen, wie geistige Wesenheiten jenen mächtigen Entwickelungsprozeß dirigieren und leiten, von dem uns die äußere physische Wissenschaft ungenau, die Theosophie oder Geisteswissenschaft genau erzählt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir haben das letzte Mal gesehen, wie die einzelnen Planeten, die einzelnen Körper unseres Weltensystems, aus einem gemeinsamen Urstoff sich herausheben und haben im allgemeinen vorausgesetzt, daß bei all dieser Entwickelung tätig sind geistige Wesenheiten der verschiedensten Art. Wir haben auch in anderen Vorträgen darauf hingewiesen, wie wir auf dem Gebiete der Geisteswissenschaft in den einzelnen Körpern unseres Weltensystems nicht bloß physische, materielle Dinge sehen, sondern Physisches und Materielles verknüpft mit höheren und niederen geistigen Wesenheiten, mit Wesenheiten erhabenster Art, die zum Heile des ganzen Systems die Entwickelung heben, und ebenso mit geistigen Wesenheiten niederer Art, welche hemmend und zerstörend eingreifen. Freilich müssen wir uns klar sein, daß dasjenige, was irgendwo wie Hemmung und Zerstörung erscheint, im großen und ganzen doch wiederum der Weisheit des ganzen Systems eingegliedert ist. Man möchte daher sagen: Wenn etwas scheinbar Zerstörendes, Hemmendes und Böses irgendwo existiert, so wird durch den Gang des Ganzen die Evolution so weise geleitet, daß auch dieses Zerstörende, Hemmende und Böse im Ganzen umgelenkt, umgeleitet wird zum Guten, zum Besten. Was wir aber heute als Empfindung lebhaft vor unsere Seele stellen wollen, ist das Dasein solcher geistigen Wesenheiten und zunächst wollen wir ins Auge fassen geistige Wesenheiten erhabener Art , die zu den schöpferischen Wesenheiten gehören; während der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Mensch noch lange in der Evolution wird arbeiten müssen, bis er zum Range einer schöpferischen Wesenheit aufsteigt. Wir wollen insbesondere eine Klasse derjenigen Wesenheiten ins Auge fassen, die an dem Aufbau unseres Weltsystems beteiligt waren, als die Erde als Saturn ihre Entwickelung in unserer Welt begann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unsere Erde begann als Saturn ihre Entwickelung und ging durch die Sonnen- und Mondentwickelung vorwärts bis zu ihrer heutigen Gestaltung. Damals, als unsere Erde Saturn war, da war allerdings auf diesem Saturn-Weltenkörper alles ganz anders als auf unserem heutigen Erdenplaneten. Auf dem Saturn war das nicht vorhanden, was wir feste Gesteinsmassen, mineralische Welt im heutigen Sinne nennen; es war aber auch kein Wasser im heutigen Sinne vorhanden, nicht einmal Luft, sondern das, was von den heutigen Elementen der Erde damals vorhanden war, läßt sich nur vergleichen mit der Wärme, mit dem «Feuer», wie wir im Okkultismus sagen. Zwar würden Sie auch keine richtige Vorstellung bekommen, wenn Sie sich denken würden, dieses Saturnfeuer habe ausgesehen wie eine heutige Kerzenflamme oder wie eine Gasflamme. Eine richtige Vorstellung erhalten Sie, wenn Sie sich besinnen, was in Ihrem eigenen Leibe auf und ab pulsiert, wenn Sie sich darauf besinnen, welcher Grundunterschied in dieser Beziehung besteht zwischen einem niederen Tierwesen, welches gewisse Stufen der Entwickelung bewahrt hat, und dem Menschen. Ein niederes Tierwesen hat die Wärme seiner Umgebung. Ein Amphibium hat keine eigene innerliche Wärme, sondern es hat die Wärme seiner Umgebung, es ist so kalt oder so warm wie seine Umgebung. Der Mensch hat seine eigene innerliche, gleiche Wärme, wie er sie haben muß. Sein Organismus muß dafür sorgen, daß wenn es äußerlich kalt ist, er trotzdem seine Wärme auf einer gewissen Höhe erhalten kann, und Sie wissen, wenn Störungen eintreten in dieser eigenen Wärme wie Fieber und so weiter, daß da auch eine Störung der Gesundheit des physischen Körpers vorliegt. Sie wissen, es handelt sich darum, daß der Mensch innerlich das Maß seiner Wärme hat, und er muß dieser innerlichen Wärme zugrundeliegend etwas wie eine Kraft denken, die diese Wärme erzeugt. Diese Kraft ist nicht Wasser, nicht Erde, nicht Luft, sondern ein Element für sich, und dieses Element war allein auf dem alten Saturn, der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
ersten Verkörperung unserer Erde, vorhanden. Wenn Sie dazumal im Weltenraum spazieren gegangen wären das ist natürlich eine Phantasie, aber sie ist gut, um sich eine Vorstellung zu bilden, wie es war , hätten Sie den Saturn nicht gesehen; denn Licht hat er in seinem ältesten Zustand gar nicht verbreitet. Dazu müssen die Weltenkörper erst eine Sonne werden oder mit einer Sonne in eine Verbindung treten, um leuchtend zu werden. Wenn Sie sich dem alten Saturn genähert hätten, so würden Sie in seiner Nähe bemerkt haben: da ist Wärme! Sie würden an irgendeiner Stelle bemerkt haben, daß es warm würde, und Sie würden denken, da ist irgendein Raum mit Wärme erfüllt; wie in einen Backofen hinein würden Sie gehen. Allein durch diese Kraft der Wärme hätte sich das Dasein des alten Saturn angekündigt. Das ist ein feiner materieller Zustand, von dem sich der heutige Mensch kaum, am wenigsten ein gelehrter Physiker eine richtige Vorstellung machen kann; aber er ist vorhanden, ein Zustand, feiner als ein Gas, feiner als die Luft, und alles, was damals vom Menschen vorhanden war, nämlich die ersten Anlagen zum physischen Leibe, bestand aus diesem Stoff. Wenn Sie heute alles von sich entfernen könnten außer Ihrer Blutwärme, dann würden Sie jene ersten Anlagen des Menschen wieder vor sich haben. Aber das könnte nicht sein, weil man so nicht leben kann. Heute ist es nicht möglich, mit diesem Mineralreich, Wasserreich und so weiter so zu leben, wie der Mensch auf dem alten Saturn gelebt hat. Damals konnte man es. So müssen Sie sich also heute alles dasjenige entfernt denken, was Sie zum Beispiel an Säften, an Geweben, an festen Bestandteilen an sich haben, müssen auch absehen von dem, was Sie als Sauerstoff von der Luft einsaugen. Sie müssen sich denken, daß von Ihnen einzig und allein die Wärme, die in Ihrem Blute enthalten ist, übrigbleibt, natürlich auch in einer ganz anderen Gestalt: ein physischer Mensch, der nur aus Wärme besteht! Es ist eine grauenhafte Vorstellung für einen heutigen Naturforscher, aber darum eine um so richtigere und realere!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So war die Anlage des Menschen, seines physischen Leibes. Auf diesem Saturn waren alle anderen Wesen, die heute auf der Erde sind, wie Tiere, Pflanzen und Mineralien, nicht vorhanden. Der Saturn bestand dazumal aus lauter Menschenanlagen, die so zusammengeballt waren,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|66}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wie die kleinen Beerchen einer Brombeere eine größere bilden: ebenso war die Saturnmasse eine große Beere, aus lauter Beerchen zusammengesetzt, die Menschen waren. Eine solche Kugel war dieser alte Saturn. Wenn wir nun die Umgebung dieses Saturn prüfen würden, wie wir etwa die Umgebung unserer Erde prüfen, und finden, daß sie umgeben ist von einem Luftmantel, in dem Gebilde vorkommen wie Nebel, Wolken und so weiter, so würden wir in der Umgebung des Saturn nicht Dinge materieller Art finden; aber wir würden in dem Saturnmantel geistige Substanzen, geistige Wesenheiten finden, die durchwegs höherer Art sind, als der Mensch auf dem Saturn dazumal in seiner ersten Anlage war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir wollen uns nun beschäftigen mit einer bestimmten Art von Wesenheiten, die mit dem Saturndasein verknüpft waren. Da finden wir die Geister des Willens, dann die Geister der Weisheit, Geister der Bewegung, der Form, der Persönlichkeit, die Geister der Söhne des Feuers und die Geister der Söhne des Zwielichts. Wir wollen heute insbesondere die Geister der Form ins Auge fassen, weil sie, wie wir sehen werden, eine wichtige Rolle im Beginne unserer jetzigen Erdenentwickelung gespielt haben. Aus der ganzen Reihe der geistigen Wesenheiten, die in der Atmosphäre und in der Umgebung des Saturn vorhanden waren, wollen wir also die Geister der Form herausheben und uns klar sein, daß diese Geister der Form bis heute ebenso eine Entwickelung durchgemacht haben, wie alle Wesen eine Entwickelung durchmachen. Wie der Mensch auf der Sonne den Ätherleib, auf dem Monde den Astralleib, auf der Erde das Ich erhalten hat und dadurch immer vollkommener geworden ist, so haben auch die Geister der Form ihre Entwickelung durchgemacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Geister der Form hatten auf dem Saturn keinen physischen Leib. Sie waren dort so beschaffen, daß sie als unterstes Glied ihrer Wesenheit einen Ätherleib hatten, den man vergleichen kann mit dem Ätherleib des Menschen. Den physischen Leib müßten wir uns also vollständig wegdenken und uns bei den Geistern der Form als unterstes Glied ihrer Wesenheit den Ätherleib vorstellen. Dann haben diese Wesenheiten einen astralischen Leib, ein Ich, Geistselbst oder Manas, Lebensgeist oder Buddhi, Geistesmensch oder Atman, und ein achtes&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|67}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Glied, das um einen Grad höher ist als dasjenige, was der Mensch im Laufe seiner Entwickelung durch die Erdenverkörperungen hindurch erreichen kann. Diese Geister der Form wirken also nach außen auf dem Saturn geradeso durch ihren Ätherleib, wie der Mensch auf der Erde nach außen wirkt durch seinen physischen Leib. Sie haben nicht Hände, durch die sie auf dem Saturn arbeiten, nicht Füße, mit denen sie gehen können und so weiter; denn das alles sind Glieder des physischen Leibes. Aber ihr Ätherleib äußert sich so, daß sie von dem Saturnmantel herein fortwährend in sehr feiner Materie befruchtende Lebenssäfte hereinstrahlen. Wir können uns den Saturn vorstellen, wie wir ihn beschrieben haben, und aus der Umgebung fortwährend und von allen Seiten , aus den Ätherleibern der Geister der Form befruchtende Lebenssäfte wie einen Regen hereinstrahlend auf den Saturn. Der Saturn selber hatte eine solche Eigenschaft, daß er diese befruchtenden Lebenssäfte nicht etwa behielt, sondern daß er sie wie ein Spiegel fortwährend zurückstrahlte. Dadurch entstehen jetzt beschreibe ich genauer dasjenige, was ich in früheren Vorträgen schon erwähnt habe jene Spiegelbilder des Saturn, von denen ich Ihnen gesprochen habe. Sie können sich die warme Materie des Saturn vorstellen, wie sie fortwährend die Strahlen der Ätherleiber der Geister der Form empfängt, und diese wieder zurückstrahlt. Grob können wir uns ein Bild davon machen, wenn wir uns vorstellen, wie der Regen aus den Wolken auf die Erde herniederträufelt, in der Erde sich wiederum sammelt und als Dünste wieder hinaufsteigt. Wir müssen uns dies -aber nicht so vorstellen, daß wir eine Zeit dazwischen haben, sondern uns diesen Vorgang ohne eine Zeit dazwischen vorstellen: wie die üppig wuchernden Lebenssäfte hineinströmen und wieder zurückgespiegelt werden, so daß sich die Bildungen des Saturn, die ersten Anlagen der menschlichen physischen Leiber, wie Spiegelbilder ausnehmen. Sie sind eigentlich aus Spiegelbildern bestehend. Es ist ein gutes Bild für das, was als die physische Anlage des Menschen auf dem Saturn vorhanden war, wenn Sie sich einen Menschen vor sich stehend vorstellen und ihm ins Auge schauen: Sie senden Ihr Licht in das Auge des anderen, und Ihr Bild kommt Ihnen aus seinem Auge entgegengestrahlt. So war es mit den Geistern der Form in der Umgebung des alten Saturn. Sie sandten ihre&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|68}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
lebenspendenden Säfte herunter in die Wärmemasse des Saturn, und es spiegelte sich ihre eigene Gestalt, ihr Ebenbild in dieser Wärmemasse; und dieses Spiegelebenbild waren die ersten Anlagen des menschlichen physischen Leibes. Schon auf dem alten Saturn war der Mensch im wörtlichsten Sinne ein Ebenbild seiner Gottheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir nun weiterschreiten bis zur Sonne, die aus dem alten Saturn entstand, dann geschieht diese Weiterbildung dadurch, daß die Geister der Form einen Äther- oder Lebensleib nicht mehr nötig haben; sie geben den Ätherleib ab. Sie strahlen nun nicht mehr herunter die befruchtenden Lebenssäfte, sondern sie geben den Ätherleib ab, und dadurch durchdringen sich die ersten physischen Anlagen der Menschen mit dem Ätherleib. Der Ätherleib, den die Menschen auf der Sonne bekommen haben, ist zunächst aus dem Ätherleibe der Geister der Form herausgebildet, ein Stück des Ätherleibes der Geister der Form. Diese himmlisch-geistigen Wesenheiten haben sich in dem warmen Saturn gespiegelt und sind allmählich dadurch, daß sie ihm Opfer gebracht haben und Bilder geschaffen haben, selbständiger geworden, sind zu der größeren Tat fähig geworden, ihren Ätherleib abzulegen, ihn hinzuopfern, und das, was sie zuerst als Bild gestaltet haben, jetzt mit Leben, mit eigener Lebenskraft zu durchdringen. Wenn Sie das Spiegelbild, das Ihnen aus dem Auge Ihres Mitmenschen entgegenstrahlt, mit Leben begaben könnten, es selbständig machen, so daß es eigenes Leben hätte und hinaustreten könnte aus dem Auge, so würden Sie eine Tat haben, die die Geister der Form vollbrachten beim Übergang vom alten Saturn zur Sonne. Es war dies ein bedeutsamer Fortschritt für unsere kosmische Entwickelung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie wissen ja ich will dies hier nur einflechten , daß alle Sagen und Mythen immer eine vielfache Bedeutung haben, und wenn wir die wahren Tatsachen der Weltenentwickelung im geistigen Sinne uns vor das Auge stellen, so treten uns die Mythen in einer überraschenden Weise in ihrer Wahrheit entgegen. So kann es auch jetzt geschehen mit einer Mythe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Betrachten wir den Fortschritt, der geschieht vom Saturn zur Sonne herüber. Auf dem alten Saturn war es so, daß die lebenspendenden Kräfte einstrahlten, zurückgeworfen wurden und wieder aufgenommen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
wurden von dem Mantel, von der Atmosphäre des Saturn. In der alten griechischen Mythe hat man die warme Kugel des Saturn «Gäa» genannt und die Atmosphäre den «Kronos». Betrachten Sie jetzt die Mythe: Fortwährend strahlen hinein die lebenspendenden Kräfte von Kronos auf die Gäa, auf den Saturn, und gehen wieder zurück, werden aufgesogen. Es ist Kronos, der fortwährend seine eigenen Kinder verschlingt! Es muß eine solche Wahrheit einer Mythe gefühlt werden. Fühlt man sie nicht, so hat man gar nicht die richtige Stellung dazu. Denn bedenken Sie nur einmal, was es heißt, daß wir in der grauen Vorzeit des alten Griechenland einen Mythos finden, der uns diese Wahrheit in wunderbarer Weise im Bilde darstellt! Es gibt nur eine einzige Möglichkeit für die Erklärung einer solchen Tatsache, und das ist die: Die vorgeschrittensten Individuen der Menschheit, die in den Mysterien die Fortentwickelung der Menschheit leiteten, wußten genau dasjenige von der Weltentwickelung, was wir heute in der Theosophie verkündigen. Genauso wie wir hier reden über diese Dinge, so wurde in den alten Mysterien Griechenlands geredet, und für die großen Massen wurden diese Wahrheiten in Bilder gehüllt, und diese Bilder bildeten dasjenige, was wir heute als Mythos kennen. Sonderbar nehmen sich einer solchen Erkenntnis gegenüber die Menschen aus, die da glauben, daß erst in den letzten vierzig Jahren die Wahrheit von den Menschen entdeckt worden ist, und daß alles das, was frühere Zeiten gekannt haben, nur die Begriffe einer kindlichen Phantasie sind. Aber als eine kindliche Vorstellung muß man es gerade bezeichnen, wenn immer wieder betont wird: Wie wir es heute so herrlich weit gebracht haben. Das ist die wahrhaft kindliche Vorstellung!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So schreiten wir also vor von dem Saturn zur Sonne und betrachten die Entwickelung der Geister der Form weiter. Ihren Ätherleib haben sie abgelegt, von sich «ausgespritzt» und dem Körper der Erde mitgeteilt, indem sich die Menschenleiber mit dem Ätherleib der Geister der Form durchsetzt haben. Sie selbst haben als niederstes Glied ihrer Wesenheit jetzt den astralischen Leib, und ihre Höherentwickelung bedeutet, daß sie nicht nur ein Glied über dem Geistesmenschen oder Atman haben, sondern noch ein weiteres Glied; so daß wir jetzt ihre Wesenheit bezeichnen müssen mit Astralleib, Ich, Geistselbst, Lebens-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|70}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
geist, Geistesmensch, ein achtes Glied und ein neuntes Glied, die erhaben sind über das, was der Mensch zunächst in seiner vollständigen siebengliederigen Entwickelung erlangen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was bieten die Geister der Form für eine «Außenseite»? Die Geister der Form um den Saturn herum haben sozusagen den «Lebensregen» auf den Saturn herabgeträufelt. Die Geister der Form auf der Sonne äußern sich durch die auf die Sonne einstrahlenden Triebe, Begierden, Leidenschaften, durch alles dasjenige, was im astralischen Leibe verankert ist. Wer auf der Sonne gesessen und hinausgesehen hätte in den Weltenraum, er würde nicht Blitze haben zucken sehen und Donner rollen hören, sondern er würde um sich herum in astralischem Lichte die Leidenschaften geistiger Wesenheiten wahrgenommen haben ringsherum überall Leidenschaften , und Sie müßten sich nicht etwa nur niedrige Leidenschaften vorstellen. Diese Leidenschaften, diese Affekte ringsherum schufen nun von außen herein weiter an dem Planeten. Wenn wir die Mythe weiter betrachten, so sehen wir förmlich innerhalb unserer Erdentwickelung die schaffenden «Titanen», die schaffenden Leidenschaften, die von außen herein wirken, von den geistigen Luftkreisen der Sonne, als diese ein Planet war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nunmehr schreiten wir weiter zum Mond die Sonne verwandelt sich in den Mond. Das bedeutet im Laufe der Entwickelung, daß die Geister der Form nun auch ihren astralischen Leib ablegen und daß ihr niederstes Glied das Ich ist. Wenn wir ihr Wesen beschreiben wollten, würden wir sagen: Wie der Mensch als niederstes Glied den physischen Leib hat, so haben diese Geister der Form, die um den Mond herum leben, als niederstes Glied das Ich, haben dann Geistselbst, Lebensgeist, Geistesmenschen, ein achtes, ein neuntes Glied und dann noch ein zehntes Glied. So bieten sie also nach außen hin ihr Ich dar. Es ist sehr merkwürdig, aber es ist so: sie bieten nach außen hin lauter Iche dar; sie strotzen förmlich von lauter Ichen nach außen. Alle Betätigung in der Umgebung des Mondes ist so, wie wenn Sie Wesen gegenüberträten, die Ihnen alle ihre Individualität, alle ihre Eigenheit äußern. Das geschah von der Atmosphäre des Mondes her. Denken Sie sich einmal, alle Ihre Iche, die in Ihren physischen Leibern hier sind, würden plötzlich befreit vom physischen Leibe; der physische Leib, der Ätherleib,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|71}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der astralische Leib wären weg, nur Ihre Iche wären da als das niederste Glied, und sie könnten sich durch den Raum hindurch äußern. Denken Sie sich selbst auf dem alten Monde und Ihre Iche draußen in der Welt, aber so, daß diese Iche eingebettet wären in die geistigen Substanzen, nur die niedersten Glieder der Geister der Form aus der Luft herein wirkend: dann würden Sie eine Vorstellung haben, wie die Geister der Form sich als lauter Iche äußern aus dem Raum herein. Ihren astralischen Leib, den sie auf der Sonne noch hatten, haben sie an die Menschen abgegeben, so daß der Mensch jetzt auf dem Monde besteht aus physischem Leib, Ätherleib und astralischem Leib.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir wollen uns, damit wir uns in diese Sache gut hineinversetzen, einmal eine kleine Skizze in folgender Art davon machen. Wir wollen uns vorstellen, daß dies der Saturnmensch sei, der Saturnmensch, der die ersten Anlagen des physischen Leibes hat. Ober ihm schwebend müssen wir uns Wesenheiten denken, die die Geister der Form sind, die einen Ätherleib, Astralleib, Ich, Geistselbst, Lebensgeist, Geistesmensch haben, bis hinauf zum achten Glied.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt müssen wir uns den nächsten Zustand denken. Beim Sonnenmenschen haben wir den physischen Leib und den Ätherleib. Der Ätherleib war dadurch in den Menschen hineingekommen, daß die&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|72}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Geister der Form ihren Ätherleib ausgegossen haben und nur ihren Astralleib behalten haben, so daß die Geister der Form ihren Astralleib haben, ihr Ich, und weiter hinauf bis zum neunten Gliede.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann gehen wir zum Mond. Wir haben den Menschen aus physischem Leib, Ätherleib und Astralleib bestehend, und der astralische Leib ist nur dadurch entstanden, daß die Geister der Form ihren astralischen Leib hingeopfert und jetzt als ihr unterstes Glied das Ich haben, dann Geistselbst und so weiter bis hinauf zum zehnten Glied. Dadurch ist alles dasjenige, was wir «Mensch» nennen, allmählich heruntergeflossen aus der Umgebung des Planeten, von außen her zusammengesetzt worden. Alles, was innen ist, war einmal außen und hat sich in den Menschen hineinbegeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verfolgen wir jetzt die Entwickelung auf der Erde selber: Im Beginn der Erdenentwickelung hat der Mensch seinen physischen Leib als Anlage, dann seinen Ätherleib und astralischen Leib. Die Geister der Form kommen herüber vom Monde. Ihr niederstes Glied ist das Ich; dieses Ich opfern sie jetzt auch noch hin und befruchten den Menschen in seiner Anlage mit dem Ich, so daß das Ich, wie es auf der Erde auftritt, eine befruchtende Kraft ist, die jetzt ausströmt von den Geistern der Form; und die Geister der Form behalten als niederstes Glied ihrer Wesenheit das Geistselbst oder Manas. Wenn wir sie also beschreiben wollten, müßten wir sagen: Über uns walten in unserer Umgebung in der Erdenatmosphäre die Geister der Form. Ihr niederstes Glied ist Geistselbst oder Manas, in dem leben und weben sie, und geopfert haben sie dasjenige, was sie noch auf dem Monde hatten, das nach allen Seiten wirkende Ich. Das träufelte herunter und befruchtete den Menschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|73}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun wollen wir einmal diesen Gang des Menschen auf der Erde selbst verfolgen. Man kann am Menschen die Stelle angeben, wo das Ich eingeträufelt wird; wir wollen das aber heute nur schematisch betrachten. Der Mensch empfängt sein Ich. Es trifft natürlich dieses Ich zuerst seinen astralischen Leib, der ihn ja wie eine aurische Hülle umgibt; da fließt es zunächst ein, durchdringt diesen astralischen Leib. Das ist zu der Zeit, die wir die «lemurische» nennen. In der lemurischen Zeit, im Laufe langer Zeiträume, verschieden bei verschiedenen Menschen, zieht dieses Ich zuerst in den astralischen Leib ein und befruchtet ihn. Stellen wir uns also jetzt einmal diesen fortentwickelten Menschen vor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der physische Leib hat damals durchaus nicht so wie heute aus Knochen, Fleisch und Blut bestanden, sondern es war eine ganz weiche Anlage, auch noch ohne Knorpel, und durchzogen wurde dieser Leib wie von magnetischen Strömen. So war der physische Leib da, dann war da der Ätherleib als der nächste, und dann der astralische Leib, der mit dem Ich befruchtet wird. Diese Befruchtung müssen wir uns so vorstellen, daß etwas wie ein Loch, wie ein Einschnitt am astralischen Leib entsteht, wie eine Einstülpung. Das ist tatsächlich auch der Fall, daß so etwas wie eine Öffnung oben am astralischen Leib entsteht durch den Hineinfluß des Ich, eine Öffnung bis auf den Ätherleib (siehe Zeichnung S. 74). Das hat eine große Bedeutung und eine große Wirkung gehabt, und die Folge davon ist, daß die erste dämmerhafte Wahrnehmung einer physischen Außenwelt auftritt. In früheren Zuständen nahm der Mensch nichts anderes wahr, als was in seinem Inneren lebte; er war wie hermetisch nach außen abgeschlossen. Nur sich selbst nahm er wahr, und was in seinem Inneren vorging. Jetzt erst öffnete sich ihm der Blick auf eine physische Außenwelt. Ganz selbständig war aber der Mensch noch nicht. Vieles wurde für ihn noch reguliert von anderen, göttlichen Wesenheiten, mit denen er im Zusammenhang stand. Es war noch nicht so, daß der Mensch gleich alles sehen konnte, was um ihn herum war, so wie es heute der Fall ist; sondern weil nur sein astralischer Leib geöffnet war, nahm er auch nur mit diesem Leibe wahr. Es war das ein ganz dämmerhaftes Hellsehen, das darin bestand, daß wenn in dieser alten Vorzeit der Mensch sich hinbewegte über die Erde,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|74}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
er dasjenige wahrnahm, was außer seiner Körperlichkeit war, und zwar, insofern es ihm sympathisch oder unsympathisch, nützlich oder schädlich war. Er nahm, wenn er sich so hinbewegte, zum Beispiel ein grellrotes Farbenbild wahr, das als ein aurisches Farbenbild aufstieg; denn es war erst sein astralischer Leib geöffnet. Jetzt wußte er, wenn da ein rotes Farbenbild aufstieg: da ist ein Wesen in der Nähe, das mir gefährlich ist! Und wenn ein blau-rotes Farbenbild ihm entgegentrat, wußte er, daß er da hingehen konnte. So richtete er sich nach diesen dämmerhaften hellseherischen Wahrnehmungen. Nur das Seelische nahm er wahr; dasjenige, was zum Beispiel in den heutigen Pflanzen vorhanden ist, nahm er noch nicht wahr. Nur das, was als Seelisches in anderen Menschen und in den Tieren vorhanden war, und allerdings auch die Gruppenseelen, nahm er wahr. Das war also die erste Befruchtung mit dem Ich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses Ich gestaltete sich allmählich immer weiter, und zwar so, daß das, was als Befruchtungselement hineinkam in den astralischen Leib, diesen immer mehr durchzog; so daß das Ich immer mehr in den Gefühlen der Lust und der Unlust des astralischen Leibes vorhanden war. Indem so das Ich sich ausbreitete im astralischen Leibe, entstand das, was man in meinem Buche «Theosophie» als Empfindungsseele bezeichnet findet. Das ist die Empfindungsseele, die da entstand. Es ist so, wie wenn das befruchtende Ich seine Kraft ausbreitete über den ganzen astralischen Leib und dadurch die Empfindungsseele bewirkte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun werden wir hier eine wichtige Sache noch einzufügen haben. Wir haben jetzt einen ziemlich normalen Gang der Entwickelung gesehen. Wir haben gesehen, wie auf dem alten Mond die Geister der Form ihr niederstes Glied, ihr Ich, hineingestrahlt haben, und wie sie, als aus dem Mond die Erde geworden war, dieses Ich abgegeben haben und dadurch den Menschen befruchtet haben mit dem Ich. Nun wissen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|75}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wir, daß auf dem Monde gewisse Wesenheiten zurückgeblieben sind, welche mit ihrer Entwickelung auf dem Monde nicht fertig geworden sind. Was heißt das? Das heißt, sie sind nicht bis zu der Stufe vorgeschritten, daß sie die Fähigkeit erlangt haben, ihr Ich ausströmen zu lassen und damit den Menschen zu befruchten. Das konnten sie nicht. Sie standen noch auf der alten Mondenstufe, als sie mit ihrem Ich hineinwirkten in die Atmosphäre der Erde. Es waren in der Umgebung des Menschen zurückgebliebene Wesenheiten, die so wirkten, wie die Art der Geister der Form auf dem Monde war; so wirkten diese zurückgebliebenen Wesen auf der Erde. Der Mensch war in der Atmosphäre der Erde umgeben von Ich-Wesenheiten, die noch nicht ihre Iche abgegeben hatten. Diese Wesenheiten streben jetzt danach, das letzte, was sie auf dem Monde tun mußten, jetzt auf der Erde tun zu können. Dadurch war der Mensch Einflüssen ausgesetzt, die hier in der normalen Entwickelung nicht zu ihm gehört hätten. Diese Einflüsse der Ich-Geister strahlten ein in seinen astralischen Leib. Während durch das eingeträufelte Ich der Geister der Form sein astralischer Leib umgestaltet wurde, strahlten ihm zu gleicher Zeit die Ich-Geister, die es nicht bis zum Standpunkte der Geister der Form gebracht hatten, niedrigere Kräfte zu, als ihm in normaler Entwickelung hätten eingestrahlt werden müssen. Diese niedrigeren Kräfte bewirkten, daß der Mensch zerfiel in einen höheren und in einen niederen Teil. So haben wir durch das Einträufeln des Ich von seiten der Geister der Form das zur Selbstlosigkeit angelegte Ich, und durch das, was durch die zurückgebliebenen Ich-Geister eingeträufelt wird, das andere, zur Selbstigkeit, zum Egoismus veranlagte Ich. Das ist das Ich, das noch nicht los will von den Instinkten, Begierden und Leidenschaften. Die dringen darin ein und durchsetzen den astralischen Leib, so daß im menschlichen astralischen Leib zweierlei vorhanden ist: selbstlose Triebe, solche, die höher hinauf wollen, und solche Leidenschaften, die von Selbstsucht durchsetzt sind; die sind in den Menschen durch den Einfluß der Ich-Geister hineingekommen und verankern sich in ihm.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun wollen wir die Entwickelung selbst weiter betrachten. Wir haben gesehen, wie der astralische Leib von der Kraft des herabge-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|76}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
träufelten Ich ganz durchsetzt worden ist. Das nächste ist nun, daß der Ätherleib auch von dieser Kraft ergriffen wird, so daß im Ätherleib ebenfalls eine Art Loch nach der Außenwelt entsteht. Wenn wir das zeichnen wollen, so müssen wir das so tun, als ob wir in der Mitte einen physischen Leib haben, dann einen durchbrochenen Ätherleib, der von der Kraft des Ich ganz ausgefüllt wird, und dann den astralischen Leib, der ja auch von der Kraft des Ich ausgefüllt wird. So haben wir jetzt im Ätherleib die Kraft, die nach außen will: der Ätherleib öffnet sich der Außenwelt (siehe Zeichnung).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:GA102 076.png|center|150px|Zeichnung aus GA 102, S. 76]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir stehen jetzt ungefähr bei der Gestaltung des Menschen im ersten und zweiten Drittel der atlantischen Zeit. Da war noch ein altes Hellsehen vorhanden, aber nicht so, daß nur das Nützliche und Schädliche, das Sympathische und Unsympathische in Bildern gesehen wurde; sondern es traten so etwas wie lebendige Traumbilder vor dem Menschen auf, die lange stehenblieben. Denn der Ätherleib ist der Träger des Gedächtnisses, und da diese Menschen noch keine Störung von seiten des physischen Leibes hatten, haben sie solche Bilder, die sie von außen aufnahmen, ungeheuer lange behalten. Das Gedächtnis war damals eine ganz besonders hervorragende Seelenkraft. Sie können in «Aus der Akasha-Chronik» lesen, was die Menschen in dieser Beziehung damals waren. Es ist zwar noch immer nicht ein vollständiges Anschauen der Außenwelt, sondern eine Art dämmerhaften Hellsehens. Dieses ist aber umfassender als die Wahrnehmung durch den astralischen Leib. Es umfaßt mehr, läßt alles in gewaltigen Bildern, die deutlich geformt sind, erstehen wie ein Traum, aber schon den äußeren Gegenständen entsprechend; während früher die Bilder nur dazu dienten, dem Menschen zu sagen, wie er sich verhalten sollte, ob er diese oder jene Richtung nehmen sollte. Die äußeren Gegenstände wurden aber noch nicht gesehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|77}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt schreiten wir noch weiter und kommen in das letzte Drittel der atlantischen Zeit. Jetzt wird nicht nur der astralische Leib und der Ätherleib, sondern auch der physische Leib von der Kraft des Ich ergriffen (siehe Zeichnung). Es entsteht im physischen Leibe die Anlage&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:GA102 077.png|center|150px|Zeichnung aus GA 102, S. 77]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
zu einer Ausbuchtung. Der physische Leib wird ausgebuchtet, und um ihn herum haben wir den Ätherleib und den astralischen Leib. Wir wollen uns das ganze jetzt schematisch vorstellen; im Laufe der nächsten Vorträge werden wir die Wirklichkeiten dafür kennenlernen. In einer gewissen Weise war also eine solche Art von Ausbuchtung eingetreten. Der physische Leib nahm das Ich in sich auf. Zwischen den Augenbrauen liegt der Punkt ich habe Ihnen öfter davon gesprochen , wo das Ich aufgenommen wird. Bei dieser Öffnung, die durch die Durchdringung des physischen Leibes mit dem Ich zustande kommt, müssen wir besonders denken an das Öffnen der physischen Sinne. Das Ich durchdringt das Auge, das Gehör; das ist nicht bloß eine Öffnung, sondern es sind eine ganze Reihe von Öffnungen. Das alles geschieht im letzten Drittel der atlantischen Zeit, und dadurch erst wird der physische Menschenleib so umgestaltet, daß er zu dem wird, was er heute ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir nennen nun den umgestalteten Ätherleib, wie er sich in der ersten atlantischen Zeit gebildet hat, die «Verstandesseele» oder «Gemütsseele», und den umgestalteten physischen Leib nennen wir die «Bewußtseinsseele». Da haben Sie also als eine Folge der Evolution dargestellt, was Sie in meiner «Theosophie» geschildert finden, so wie es heute ist. Hier sehen Sie, wie die Dinge sich nach und nach gebildet haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt ist auch der physische Leib nach außen geöffnet und der Mensch lernt jetzt die Außenwelt erst wirklich kennen, und nun&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|78}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
beginnt die bewußte Umgestaltung des astralischen Leibes. Vorher war alles mehr oder weniger eine unbewußte Umgestaltung; denn die Bewußtseinsseele ist jetzt erst da. Wollen wir uns diesen Zustand vorstellen, so müssen wir ihn uns schematisch so denken: aufgeschlossen den astralischen Leib, den Ätherleib und den physischen Leib, und dadurch, daß der Mensch mit der Außenwelt in Beziehung tritt, bildet er in sich hinein einen Einschlag. Das ist alles dasjenige, was das Ich am Verkehr mit der Außenwelt entwickelt, was das Ich lernt während des Verkehrs mit der Außenwelt. Denken Sie sich nun, das Ganze, was das Ich so entwickelt, wird immer größer und größer, und es ist tatsächlich so es ist das zwar schematisch, aber durchaus dem wirklichen Vorgang entsprechend , daß dieses neue Gebilde, das der Mensch nach und nach entwickelt, sich hier herumlegt um seinen astralischen Leib und sich mit seinem astralischen Leib vereinigt und dann im Laufe der Entwickelung diesen selber umgestaltet zu dem eigentlichen menschlichen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:GA102 078.png|center|200px|Zeichnung aus GA 102, S. 78]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Manas oder Geistselbst (siehe Zeichnung). Bei dieser Arbeit ist der Mensch heute, indem er durch das, was er durch seinen Verkehr mit der Außenwelt erlangt, seinen astralischen Leib zu Manas oder Geistselbst umgestaltet. In diesem Prozeß stehen wir noch gegenwärtig darinnen. Überall aber sind wir dadurch, daß die Geister der Form das Ich abgegeben und dem Menschen eingeträufelt haben, mit diesen Geistern der Form umgeben als mit Wesenheiten, deren niederstes Glied ein manasisches, das Geistselbst, ist. Wenn wir also in unserer Umgebung nach diesen Geistern der Form, nach ihrem niedersten Gliede suchen wollen, so finden wir es in dem, was wir selbst als das fünfte Glied&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|79}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nach und nach entwickeln. Was wir als menschliche Weisheit entwickeln, wodurch wir immer weiser und weiser werden müssen, das müßten wir als niederstes Glied der Geister der Form in unserer Umgebung geäußert finden. Betrachten wir einmal, was erhabenere, höhere Wesenheiten um uns gemacht haben, woran wir noch keinen Anteil haben. Sehen wir uns, ich habe es schon oft erwähnt, ein Stück Oberschenkelknochen an, worin Balkenlagen, die hin- und hergehen, zu einem wunderbaren Gerüst zusammengefügt sind, so daß wir uns sagen müssen: weisheitsvoll ist hier mit dem kleinsten Ausmaß des Stoffes das größte Maß von Kraft erreicht! Was der Mensch allmählich in seiner Weisheit erlangt, das sehen wir da hineingeheimnißt. Der Mensch wird allmählich lernen was er heute noch nicht kann , durch seine Ingenieurkunst Brückengerüste zu bauen, die Weisheitsformen sein werden, die so weise eingerichtet sein werden, wie die Oberschenkelknochen als Pfeiler den menschlichen Oberkörper tragen. So weise ist auch der ganze menschliche Leib eingerichtet, ein Ausdruck und eine Offenbarung der Weisheit, und wenn wir hinausgehen in die Natur, tritt uns überall diese Weisheit entgegen. Gehen wir zum Beispiel zu den Bauten, welche sich die Biber anlegen. Da sehen wir, wie sich die Biber in gewissen Jahreszeiten zusammenfinden, wenn das Wasser ein größeres Gefälle erreicht, um unter einem bestimmten Winkel im Wasser einen Bau aufzuführen, wodurch sie das Wasser aufhalten und ein neues Gefälle einrichten, alles technisch so richtig angelegt, als wenn ihnen alle Hilfsmittel der Mathematik und sonstigen Wissenschaften dabei zu Gebote gestanden hätten. Überall in unserer Umgebung finden wir alles angefüllt und imprägniert mit Weisheit, mit dem, womit wir selbst imprägniert sein werden, wenn wir Manas im vollen Umfange entwickelt haben werden. Diese Weisheit, die wir überall finden, ist etwas, was zu den Gliedern der Geister der Form gehört. Wie unser niederstes Glied der physische Leib ist, so ist die Weisheit, die wir um uns herum finden, das unterste Glied der Geister der Form. Dann haben diese Geister der Form Buddhi, Atman, wo wir unseren Ätherleib und astralischen Leib haben, und dann noch das achte, neunte, zehnte und elfte Glied. Sie sehen also, wir haben es hier zu tun mit hoch erhabenen Wesenheiten, zu denen wir aufschauen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|80}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und wenn wir die Weisheit in unserer Umgebung sehen, sehen wir nur das letzte Glied dieser hoch erhabenen Wesenheiten. Wir sind gegenüber diesen erhabenen Wesenheiten so wie ein Tier, ein niederes Wesen, das am Menschen herumkriecht und nur den physischen Leib an seiner Außenseite sieht. Verzeihen Sie mir das Bild, den Vergleich! Wir kriechen auf der Erde herum und sehen die Weisheit, die für die Geister der Form so ist wie für uns der physische Leib. Solch ein Wesen ist dasjenige, was wir den schöpferischen Geist dem Menschen gegenüber nennen; denn dieser schöpferische Geist hat ihm sein Ich eingeflößt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Genau ebenso wie wir uns zu dem Manas erheben auf die geschilderte Art, so werden wir uns einstmals erheben im weiteren Verlauf der Entwickelung durch die Umgestaltung des Ätherleibes: wir gliedern uns den Lebensgeist, die Buddhi, ein. Wir haben in unserer Umwelt Manas oder das Geistselbst als die in der Welt imprägnierte Weisheit. Wie das ein niederstes Glied geistiger Wesenheiten, der Geister der Form, ist, so sind auch andere Wesenheiten verknüpft mit der Erde, deren unterstes Glied nicht unser fünftes, Manas, sondern unser sechstes Glied ist, das heißt der Lebensgeist oder die Buddhi. In unserem Umkreis ist die Atmosphäre für solche Wesenheiten, deren letztes Glied als das Glied höherer Wesenheiten unserem Lebensgeist gleichkommt. Und so wahr es ist, daß im Beginne der Erdentwickelung eine äußere Tat dem Menschen das Ich eingeträufelt hat, so wahr ist es, daß in einem bestimmten Zeitpunkt der Erdentwickelung der erste Eindruck und Einfluß derjenigen Wesenheiten auftrat, welche dem Menschen nach und nach die volle Kraft der Buddhi einträufeln. In der Zeit, in der das Ich herunterträufelte in alter, grauer Vorzeit, da war noch nach zweitausend Jahren nicht viel von solchen Ichen zu bemerken, die in den Menschenleibern waren. Das alles ging nach und nach. Im Laufe von vielen Jahrtausenden kam erst diese Kraft des Ich voll zur Geltung. Niemals darf man sich vorstellen, daß die Einträufelung des Ich ein solches Ereignis war, von dem jemand sagen könnte: Da ist nichts Besonderes geschehen, das erkenne ich nicht an; das ist ein Ereignis, wie es sie auch vorher gegeben hat! Wenn da irgendwelche sonderbar «aufgeklärte» Geister zweitausend Jahre nach der Einträu-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|81}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
felung des Ich auf der Erde gelebt und damals etwa einen Materialismus begründet hätten, so würden sie gesagt haben: Ach, da gibt es unter uns einzelne, die behaupten, eine besondere Kraft sei vom Himmel gekommen und habe alle Menschen vorwärts gebracht; aber das ist ein Dualismus verwerflichster Art; wir müssen als Monisten erklären, daß das etwas ist, was schon früher da war! Diese Dinge traten allmählich und langsam auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ebenso wie im Beginne der lemurischen Zeit ein gewaltiger Ruck vorwärts durch die Einträufelung des Ich stattgefunden hat, wodurch erst später die Möglichkeit geworden ist, das Geistselbst oder Manas auszubilden, ebenso gibt es ein Ereignis, welches eine grundlegende Bedeutung hat, wodurch der Mensch fähig sein wird, innerhalb des ganzen Menschen nicht nur Manas auszubilden, sondern den Lebensgeist oder Buddhi. Und dieses Ereignis ist die Tat von Golgatha, ist die Erscheinung des Christus auf der Erde! Es mag sein, daß diese oder jene Leute das heute leugnen werden; aber dieses Ereignis ist ebenso eine Wirkung aus der Umgebung, wie das andere eine Wirkung aus der Umgebung war. So sehen wir, daß wir den Weltengang von seiner geistigen Seite aus begreifen, wenn wir in die Tiefen dieser Welt hineinsehen. Wir lernen allmählich unseren Blick nicht nur zu einem materiellen Dasein erheben; sondern wir entdecken überall, wo wir hineinschauen in den Weltenraum, geistige Wesen und ihre Taten, und durch das, was wir Theosophie nennen, lernen wir die Taten dieser geistigen Wesenheiten kennen. Wir leben, weben und sind innerhalb der geistigen Wesenheiten und ihrer Taten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So wollen wir das nächste Mal noch etwas genauer auf den menschlichen Organismus eingehen und wollen auf die Punkte hinweisen, wie sie sich wirklich herausgebildet haben, nachdem wir sie heute mehr schematisch betrachtet haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|82}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= FÜNFTER VORTRAG, Berlin, 16. März 1908 =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das letzte Mal besprachen wir in großen Zügen das Werden des Menschen im Zusammenhange mit dem Werden, mit der Entwickelung des Kosmos. Man kann diese Dinge von den allerverschiedensten Gesichtspunkten aus betrachten. Denn wenn wir so den geistig geschärften Blick zurückschweifen lassen in Zeiten urferner Vergangenheit, dann stellt sich uns eine nicht minder reiche Mannigfaltigkeit des Geschehens dar als in unserer unmittelbaren Gegenwart; und man darf nicht glauben, wenn man mit einigen Begriffen und Vorstellungen das Geschehen, die Entwickelung charakterisiert hat, daß man dann schon die Sache völlig begriffen, völlig dargestellt hätte. Es ist vielmehr notwendig, daß man auch diese Zeiten urferner Vergangenheit bis in unsere Gegenwart hinein von den verschiedensten Gesichtspunkten aus charakterisiert. Man wird dann immer klarer und klarer darüber. Man muß sich nur nicht verführen lassen durch scheinbare Widersprüche, die man da und dort finden könnte. Diese scheinbaren Widersprüche rühren davon her, daß man auch geistig eine Sache von den verschiedensten Gesichtspunkten aus anschauen kann. Man kann zum Beispiel um einen Baum herumgehen und von den verschiedensten Seiten ein Bild des Baumes entwerfen. Jedes Bild ist dann wahr. Es können hundert sein. Natürlich ist das nur ein Vergleich; aber in gewisser Beziehung ist es durchaus richtig, daß wir auch die Zeiten unseres Erdgeschehens von den verschiedensten Gesichtspunkten aus betrachten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heute wollen wir unsere Erdentwickelung im Zusammenhange mit unserer Menschheitsentwickelung von einem anderen Punkt aus betrachten, und wir wollen dabei mehr Rücksicht nehmen auf den Menschen selbst. Wir wollen die Vorgänge schildern, die sich in dem, was man «Akasha-Chronik» nennt, dem rückwärts blickenden hellseherischen Auge darstellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir haben schon öfter wiederholt, daß unsere Erde, bevor sie Erde geworden ist, durch eine Reihe von Verkörperungen hindurchgegangen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|83}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ist. Es ging voran die Saturnzeit, die Sonnenzeit, die Mondenzeit; dann erst kommt unsere eigentliche Erdenzeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir noch einmal ganz kurz einen Blick zurückwerfen auf die Zeit des alten Saturn, so erinnern wir uns, daß gesagt worden ist, daß von denjenigen Elementen und körperlichen Zuständen, die heute auf der Erde sind, den festen oder erdigen, den flüssigen oder wäßrigen, den luftförmigen und den feurigen, auf dem alten Saturn nur das Feuer, die Wärme vorhanden war. Wir stellen uns ganz richtig vor, wie diese erste Verkörperung der Erde war, wenn wir folgendes betrachten: Der Saturn hatte noch nicht die Gase in sich, noch keine wäßrigen Bestandteile, geschweige denn irgend etwas Erdiges. Wenn Sie den alten Saturn sozusagen besucht hätten falls Sie damals schon ein Mensch hätten sein können wie heute , so würden Sie, wenn Sie sich dem alten Saturn genähert hätten, nichts von harter, von irgendwie flüssiger oder sonstiger Materie gefunden haben, sondern eine Kugel, die lediglich aus Wärme bestanden hätte. Wie in einen Backofen wären Sie hineingegangen. Sie hätten ihn dadurch empfunden, daß Sie in eine andere Wärmeregion hineingekommen wären. Also lediglich aus Feuer oder Wärme bestand der alte Saturn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Sonne, die die zweite Verkörperung unserer Erde war, zeigte schon die Wärme in einer solchen Verdichtung, daß wir von einem gas- oder luftförmigen Zustande sprechen. Der Mondzustand zeigte dann in seiner früheren Zeit einen wäßrigen Zustand unserer Substanzen; und auch darauf habe ich Sie schon aufmerksam gemacht, daß aus dem alten Monde ein Teil seiner Substanz, die Sonnensubstanz, herausging, und als sie herausgegangen war, trat plötzlich eine mächtige Verdichtung aller Mondwesen ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für uns ist heute die Hauptsache die, daß wir uns noch einmal ganz klar zum Bewußtsein bringen, daß in jedem späteren Entwickelungszustand die früheren in einer gewissen Weise wiederholt werden müssen. So haben wir, wenn wir in der Entwickelung unserer Erde selbst zurückblicken, im Anfange derselben eine Art Saturnentwickelung, nämlich eine Wiederholung des Saturnzustandes; dann haben wir eine Art Sonnenentwickelung, eine Wiederholung des Sonnenzustandes, dann eine Art Mondenentwickelung, eine Wiederholung des Monden-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|84}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
zustandes; und dann beginnt eigentlich erst wirklich die jetzige Verkörperung unserer Erdenentwickelung. Als unsere Erde aus dem Pralayazustand, aus dem Dämmerungszustand herauskam, durch den sie hindurchgegangen war, nachdem sie Mond gewesen war, da war auch unsere Erde wiederum nur eine Feuerkugel. Ich habe es Ihnen ja beschrieben, wie sich die anderen Planeten losgelöst haben. Wir halten zunächst daran fest, daß die Erde eine bloß feurige, bloß Wärmesubstanz in sich enthaltende Kugel war. Innerhalb dieser Wärmekugel, die aus Feuer bestand, war auch der Mensch schon veranlagt. Wie auf dem Saturn die erste Anlage des Menschen vorhanden war, so ist jetzt bei der Wiederholung des Saturnzustandes auf der Erde auch wieder der Mensch vorhanden. Es gab keine anderen Reiche. Der Mensch ist der Erstgeborene des Erdenzustandes. Kein Pflanzenreich, kein Tierreich, kein Mineralreich ist am Anfang unserer Erdenentwickelung vorhanden, so daß auch unsere Erde im Grunde genommen im Beginne ihrer Entwickelung nur aus Menschenleibern zusammengesetzt war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ja, was ist aber nun für ein Unterschied zwischen dem alten Saturnzustand und dem jetzigen Erdenzustand, der den alten Saturnzustand wiederholt? Es ist eben ein erheblicher Unterschied! Er besteht darin, daß die Menschenleiber die jetzt herauskommen, wie die frischen Pflanzen sich aus den Keimen entfalten die drei früheren Entwickelungsstufen durchgemacht haben. Sie sind wesentlich mannigfaltiger, komplizierter gestaltet; denn alle die Kräfte, die im Saturn gewirkt haben, sind in diesem ersten Erdenzustand vorhanden. Auch die alte Sonne und der alte Mond sind darinnen. Die haben sich im Anfange der Erdenentwickelung vereinigt, und sind alle wieder zu einem Körper geworden. Saturn-, Sonnen- und Mondkräfte wirken in ihm zusammen. Daher ist dieses erste Menschenwesen im Beginne der Erdenentwickelung schon viel, viel komplizierter als das alte Saturn-Menschenwesen. Im Saturn war alles undifferenziert, da war alles noch Saturnmensch. Jetzt wirken in der neu entstandenen Erde Saturn, Sonne und Mond zusammen; der Erdenmensch entstand in seiner ersten, sehr komplizierten Anlage.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damals, als die Erde auftauchte, sich sozusagen aus dem Dunkel des Weltenraumes heraushob als ein wärmedurchglühter Raum, da lebten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|85}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
in diesem wärmedurchglühten Raum die ersten Menschenformen selbst als Wärmewesen. Wenn Sie mit dem hellseherischen Auge zurückblicken auf das, was damals vom Menschen vorhanden war, so finden Sie zuerst diese erste Menschenanlage so, als wenn die ganze Wärmesphäre viele, viele Strömungen in sich hätte. Diese Strömungen gehen gegen die Oberfläche der Erde also der neu aufgegangenen Erde zu, senken sich in diese Oberfläche hinein und bilden dort wärmere Massen, als die Umgebung ist. Es unterscheidet sich das Menschenwesen von seiner Umgebung lediglich dadurch, daß man fühlt: gewisse Räume sind wärmer. Nun mache ich Ihnen am leichtesten klar, was damals vom Menschen vorhanden war, wenn ich Ihnen unter den menschlichen Organen das aufzeichne, was damals in der ersten Anlage sich gebildet hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denken Sie sich ein eben geborenes Kind, bei dem oben auf dem Kopfe noch eine ganz weiche Stelle ist. Diese Stelle denken Sie sich ganz offen, und denken Sie sich von außen in diese Öffnung einen Wärmestrom hineingehend. Denken Sie sich diesen Wärmestrom nicht dicht materiell in Blutströmen, sondern in Kraftströmen, und hinuntergehend und eine Art Zentrum bildend da, wo jetzt Ihr eigenes Herz ist, und in einzelnen Adern sich verlaufend, aber Kraftadern, nicht Blutadern. Da haben Sie die erste Wärme-Menschenanlage. Aus dieser Wärme-Menschenanlage ist später in weitergehender Entwickelung das menschliche Herz mit seinen Blutgefäßen, es ist die Blutzirkulation daraus geworden. Und das Organ, welches lange in der Menschheitsentwickelung vorhanden war, das dann verschwunden ist, das war ein leuchtendes Wärmeorgan, das damals ebenfalls in der ersten Anlage vorhanden war. Noch viel später in der Entwickelung der Erde hatte der Mensch ein solches Organ. An der Stelle, wo oben beim Kinde der Kopf weich bleibt, ist sozusagen der Ort bezeichnet, wo eine Art von Wärmeorgan vom Menschen herausging, als der Mensch noch nicht in seine Umgebung sehen konnte. Als er noch Meeresmensch war, als er noch nicht auf die heutige Art wahrnehmen konnte, als er noch im Meere herumschwamm, da mußte er vor allen Dingen wissen, wie die Temperaturzustände sind, ob er sich nach einer Richtung hinbewegen durfte oder nicht. Mit diesem laternenartigen Organ konnte er wahrnehmen, ob er sich da oder dort hinbegeben durfte. Dieses Organ hatte&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|86}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der Mensch noch im dritten Zeitraume, der lemurischen Zeit. Ich habe Ihnen schon einmal angedeutet, daß die Sage von den Zyklopen der Menschen mit dem einen Auge zurückgeht auf diese Menschenaugenform. Es ist kein eigentliches Auge, und wenn es als Auge beschrieben wird, so ist das nicht richtig. Es ist eine Art von Wärmeorgan, und dieses weist dahin, wo er hingehen darf. So würden wir so etwas wie ein becherförmiges Organ haben, das sich nach unten ausweitet zur ersten Anlage des Herzens, und das umgeben war von einer Art von Fangarmen, so daß man oben eine Art von Blüte hatte. So war dieses Organ in der ersten Zeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun trat im Laufe der Erdenzeit etwas ein, was sehr wichtig ist: Es differenzierte sich die Materie, der Stoff. Die einheitliche Wärmematerie differenzierte sich, so daß Luftmaterie entstand, während ein Teil der früheren Wärmematerie als Wärmematerie geblieben ist. Dabei müssen Sie aber ein Gesetz beachten, und es ist notwendig, daß Sie es sich recht klarmachen, wenn Sie diese Menschenteile im Verlauf der Entwickelung betrachten wollen: überall da, wo sich die Wärmematerie verdichtet, so daß sie Luft wird, entsteht gleichzeitig Licht. Wärmematerie ist noch finstere Materie, wird nicht von Licht durchsetzt. Wenn aber in solcher Weltensphäre ein Teil dieser Wärme sich verdichtet zu Gas oder Luft, dann kann ein Teil dieser Materie das Licht durchlassen. Und so war es.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt haben wir die Erde im zweiten Zustande ihrer Entwickelung. Parallel damit gehen alle anderen Aspekte. Wir haben jetzt eine Erde, die teilweise aus Wärme besteht, teilweise aus Luft, und die innerlich leuchtend ist. Und in der Tat, das alles drückt sich jetzt auch aus in der Menschenentwickelung, in der menschlichen Bildung. Dasjenige, was früher bloße Anlage war als Wärmeorgan, das fängt in der Tat an zu leuchten. Der Mensch ist wie eine Art Laterne, er leuchtet. Vor einigen Jahrzehnten hätte man sich noch darüber wundern können, daß es leuchtende Wesen gibt. Heute braucht man sich nicht mehr zu wundern; denn heute weiß bereits die Naturwissenschaft, daß es tief im Meeresgrunde, wo gar keine Lichtstrahlen mehr hindringen, Wesen gibt, die leuchten, die selbst ihr Licht verbreiten. So fing der Mensch damals an aufzuleuchten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|87}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun zeigte sich an dieser menschlichen Bildung etwas höchst eigentümliches: Es setzte sich die erste Anlage an nach und nach entwickelte sie sich dann weiter , um die Luft, die da war, auch zu verwerten, es bildete sich der Anfang eines Atmungsprozesses heraus. So sehen wir also zu dem vorhergehenden Wärmeprozeß eine Art Atmungsprozeß hinzugefügt. Das ist sehr wichtig, daß wir uns klar darüber werden, daß mit der Einlagerung von Luft in die Erde der Atmungsprozeß eintritt, der ja in nichts anderem besteht, als daß sich an die Wärmematerie Luft ansetzt, daß sie von Luftbläschen durchdrungen wird. Das ist die Wirkung der Luft. Aber es ist das noch mit etwas anderem verknüpft; denn die Wirkung des Lichtes ist auch da, und die zeigt sich darin, daß sich die ersten Ansätze zum Nervensystem, und zwar zum inneren Nervensystem bilden. Wohlgemerkt, nicht ein physisch ausgeprägtes Nervensystem, sondern das ganze sind mehr Kraftlinien, die bis zu einer Verdichtung gediehen sind. Sie müssen denken, daß das Ganze gasförmig ist, und nur ganz feine Luftströmungen wie Kraftlinien darin vorhanden sein können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir haben also jetzt eine Menschenanlage, die in aller Feinheit ganz ätherisch, noch ein Wärmewesen, ein Luftwesen ist, und ein Wesen, in dem die ersten Anlagen des Nervensystems sich zeigen. Wenn Sie ein wenig nachdenken darüber, dann wird Ihnen klar sein, daß das der Zustand unserer Erdenentwickelung ist, wo die Sonne noch in der Erde darinnen ist. Natürlich ist die Sonne noch darinnen! Denken Sie sich, wie dieser Weltenkörper sich ausnähme im Weltenraum, wenn jemand von außen zu diesem Weltenkörper hinübersähe. Alle diese Wesen, die wir eben beschrieben haben als erste Menschenwesen, strahlen einzeln Licht aus, und dieses Licht wird das Gesamtlicht, das in den Weltenraum hinausströmt. Sie sehen, daß Sie es wirklich zu tun haben mit einer Sonne, die in den Weltenraum hinausleuchtet. Wenn Sie den Saturnzustand hätten prüfen können, würden Sie gefunden haben, daß Sie sich ihm hätten nähern können, ohne ihn zu sehen; nur durch Wärme machte er sich bemerkbar. Nun haben Sie es aber mit einem innerlich erwärmten, aber sein Licht nach außen in den Weltenraum schickenden Sonnenkörper zu tun.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt kommt nach und nach die Zeit, die ich Ihnen charakterisiert&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|88}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
habe als den Hinausgang der Sonne. Alle höheren Wesen, die mit der Sonne verknüpft waren und die den Menschen die Fähigkeiten gaben, die wir eben besprochen haben, alle diese Wesenheiten mit den feineren Substanzen trennten sich. Die Sonne ging hinaus. Sie schien noch nicht, sie verbreitete noch kein Licht; sie ging hinaus aus der Erde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun haben wir einen Weltenkörper in diesem Entwickelungszustande unserer Erde, der aus Erde und Mond besteht, denn der heutige Mond war dazumal noch in der Erde drinnen. Jetzt geschieht etwas höchst Merkwürdiges. Dadurch, daß alle feineren Kräfte mit der Sonne hinausgegangen sind, geschieht eine verhältnismäßig natürlich sehr rasch erfolgende Verdichtung. Was früher nur Kraftlinien waren, zeigt jetzt schon eine sehr dichte Gestalt. Und wie die feineren Substanzen fortgehen, sehen wir, wie sich der gasförmige Zustand verdichtet zu Wasser. Das Ganze besteht jetzt nicht nur aus Feuer und Luft, sondern auch aus Wasser. Die Leuchtkraft ist fortgegangen mit der hinausziehenden Sonne. Dunkel ist es wieder geworden auf der Erde; nur einen Teil der Leuchtkraft haben sich die Wesen innerlich behalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist dies ein interessanter Zustand der Menschheitsentwickelung. Ich habe Ihnen gesagt, daß durch das Licht die Anlage zum Nervensystem entstand. Dieses Nervensystem ist ein Geschöpf des Lichtes. In allen Ihren Nerven haben Sie nichts anderes als die ursprünglichen Einstrahlungen des Lichtes. Jetzt geht das Licht, die Sonne, hinaus in den Weltenraum. Dadurch verdichtet sich sehr rasch die Masse. Sie wird zwar noch nicht gleich eine solche Nervenmasse, wie sie heute ist, aber sie wird dichter als früher, sie ist nicht mehr bloß eine feine ätherische Masse. Und was das Wesentliche ist: früher war sie nach außen leuchtend, jetzt wird sie nach innen leuchtend. Das heißt, dieses erste Nervensystem des Menschen hat die Fähigkeit, innerliche Lichtbilder zu erzeugen: Visionen, hellseherisches Bewußtsein tritt auf. So geht also die Sonne heraus aus der Erde, läßt sozusagen die Erde ohne Licht. Aber die Wesen erzeugen sich ein innerliches Licht. Früher waren sie so, daß sie sich das Licht von außen gegenseitig zuschienen. Jetzt verloren sie die Fähigkeit, zu leuchten. Die Erde war nicht mehr Sonne, aber innerlich wurde der Bewußtseinsraum erleuchtet, wie wenn Sie heute Ihren Bewußtseinsraum im Schlafe durchleuchten mit der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|89}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ganzen Traumwelt. Nur unendlich bedeutender, viel lebendiger wurde dieser ganze Bewußtseinsraum durchleuchtet in dieser Zeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und nun kommen wir wiederum an eine wichtige Sache. Ebenso wie mit der Entstehung der Luft das Licht entstanden ist, so entstand jetzt mit der Verdichtung der Luft zum Wasser ein Gegenbild. Wie sich nämlich die Luft zum Licht verhält, so verhält sich das Wasser zum Schall, zum Ton. Natürlich kann der Ton durch die Luft gehen und versetzt die Luft in Schwingungen; dadurch ist er hörbar. Aber entstanden, aufgetreten auf der Erde ist der Ton als ein Ton für sich neben der Wasserbildung. Und genau ebenso wie die Luft durchströmt worden ist von der Lichtwirkung, so wird jetzt das ganze Wasser, zu dem sich die Luft verdichtet hat wir haben ja jetzt die Erde bestehend aus Wärme, Luft und Wasser ganz und gar durchvibriert von Tonstrahlen. Es ist jetzt unsere Erde gerade am meisten durchsetzt in denjenigen Teilen, wo sie wäßrig geworden ist, von Sphärenharmonien, von Tönen, die so aus dem Weltenraum in allen möglichen Tonharmonien in unsere Erde hineinströmen; und das Ergebnis dieser Tonwirkungen im Wasser ist ein sehr, sehr wichtiges. Sie müssen sich da natürlich vorstellen, daß in diesem ursprünglichen Wasser, in diesem flüssigen Erdenwasser alle die Substanzen enthalten waren, die heute abgeschieden sind als Metalle, Mineralien und so weiter. Ganz besonders ist es interessant, den geistigen Blick hinzurichten auf diese alte Zeit, zu sehen, wie sich die verschiedensten Formen aus dem Wasser herausbilden, indem der Ton im Wasser Gestalten schafft. Der Ton schafft im Wasser Gestalten. Es ist eine ganz wunderbare Zeit unserer Erdentwickelung. Es ist damals im größten Maße in der Erdentwickelung so etwas geschehen, wie wenn Sie auf eine Metallplatte feinen Staub aufstreuen und mit einem Violinbogen die Platte streichen; da entstehen die Chladnischen Klangfiguren. Sie wissen ja, welche regelmäßigen Figuren da entstehen. So bildeten sich durch die aus dem Weltenraum hineinströmende Musik die mannigfaltigsten Gestalten und Figuren, und die Stoffe, die im Wasser gelöst waren, die selber wäßrig waren, sie gehorchten der Weltenmusik und ordneten sich nach der Weltenmusik. Und die wichtigste Bildung des Tanzes der Stoffe nach der Weltenmusik ist das Eiweiß, das Protoplasma, wie es die&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|90}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Grundlage ist aller lebendigen Bildung. Lassen Sie die Materialisten nachdenken, so viel sie wollen, über die mechanische Zusammenfügung von Eiweiß aus Sauerstoff, Stickstoff, Kohlenstoff und so weiter. Das ursprüngliche Protoplasma, Eiweiß, hat sich gebildet aus dem Weltenstoffe, der sich gebildet hat aus den Harmonien der Weltenmusik. Und so sind die Stoffe im Lebendigen angeordnet im Sinne der Weltenmusik. So gliedert sich jetzt um die feinen Gebilde herum und namentlich in sie ein jener eiweißförmige Stoff, jenes Protoplasma, das alles durchdringt. Längs jener Linien, die ich Ihnen beschrieben habe als Wärmelinien, läuft das nach dem Weltenton zu Eiweiß koagulierte Wasser und geht allmählich in Blutbildung über. In den Nervenlinien setzt sich das koagulierte Wasser als die Eiweißbildung ein. Und zuerst bildete sich das Eiweiß so wie eine Art Hülle, wie eine knorpelige Leimsubstanz möchte man sagen, damit ein Schutz da ist gegen außen. Das alles bildete sich wirklich nach dem Tanz der Stoffe in Gemäßheit der Sphärenmusik.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dies alles war da, bevor es eine einzige Zelle gab. Die Zelle ist nicht das Ursprüngliche des Organismus, sondern das, was ich Ihnen jetzt beschrieben habe, das Geistige, ist das Ursprüngliche des Organismus, zuerst vorhanden als Wärmewesen, dann angedeutet mehr in Kraftlinien, dann sich einlagernd in diese Kraftlinien das, was aus der Sphärenharmonie entstanden ist durch Anordnung der Stoffe; und verhältnismäßig spät, als letzte der Bildungen, entstand erst die Zelle. Die Zelle als letzte Absonderung mußte schon von einem Lebewesen geboren werden. Niemals ist es so gewesen, daß sich Organismen aus Zellen herausgebildet haben, sondern die Zelle hat sich erst aus Lebendigem gebildet. Das Anatomische ist immer erst eine Folge des Zusammengesetzten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das alles haben wir im Anfange jenes Zustandes, wo noch der Mond in der Erde und die Sonne schon draußen war. Aber solange der Mond in der Erde drinnen blieb, geschah eine immer stärkere Verhärtung dieser Eiweißbildung, und es wäre endlich so weit gekommen, wie ich es Ihnen als Mumifizierung beschrieben habe, wenn nicht die gröbsten Substanzen und die gröbsten Wesen hinausgegangen wären aus der Erde. Das letzte, was sich noch herausgebildet hat aus der Menschen-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|91}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wesenheit in dieser Zeit, das waren diejenigen Nerven, die zu den Sinnesorganen hingehen. Aber die Sinnesorgane waren noch nicht geöffnet. Sie waren gebildet worden von innen heraus, aber sie waren noch nicht geöffnet. Und jetzt geht also der Mond mit den gröbsten Substanzen heraus. Die Folge dieser Entwickelungsstufe ist, daß der Mensch allmählich übergehen kann zu einem höheren Zustand dadurch, daß seine Sinne geöffnet werden, daß sozusagen die beiden Körper, die jetzt draußen sind, sich von außen gegenseitig die Waage halten. Während sie, solange sie mit der Erde verbunden waren, den Menschen aufgebaut haben, wirken sie jetzt von außen ein, öffnen sie ihm jetzt seine Sinne und machen ihn zu dem sehenden und hörenden Wesen, als das er uns heute erscheint.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses Hinausgehen des Mondes geschieht etwa um die Mitte der alten lemurischen Zeit. Da haben wir einen Menschen, dessen Sinnesorgane noch nicht geöffnet sind, der aber eine mächtige hellseherische Begabung hat. Ich habe sie Ihnen beschrieben: er kann seinen Bewußtseinsraum ausfüllen mit den verschiedensten Farben- und Wärmeerscheinungen von innen heraus, die alle realen Wert haben und etwas bedeuten; aber er nimmt noch nicht die Gegenstände im Raume wahr. Dies beginnt erst, nachdem der Mond die Erde verlassen hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn Sie diese kurze Skizze, die ich Ihnen jetzt von der alten Erdenentwickelung gegeben habe, ins Auge fassen, so werden Sie sehen, daß der Mensch, wie er heute als Erdenwesen ist, eigentlich seinen Ausgangspunkt genommen hat vom Herzen aus. Natürlich war das Herz nicht als ein solches Organ da, wie es heute ist. Das hat sich erst viel später entwickelt; aber die Anlage zum Herzen ist aus dem Feuer entstanden. Dann kam, aus der Luft heraus geboren, das Atmungssystem hinzu, und aus dem Licht heraus geboren das Nervensystem. Dann kam das, was sich in die Organe als Protoplasmamasse eingliederte, das das Ganze erst zur lebendigen Materie gestaltet hat dadurch, daß die Welttöne die wäßrigen Substanzen koagulierten. In der letzten Zeit der Erdenentwickelung, als die Erde noch mit der Mondensubstanz zusammen war, geschah die Verdichtung zum erdigen Zustande; und erst kurz bevor der Mond herausging, war das entstanden, was man heute gewöhnlich das Mineralreich nennt, da entstand das Erdige aus&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|92}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dem Flüssigen heraus. Das Eiweiß ist ja ein Zustand zwischen dem Festen und Flüssigen mitten drinnen. Aber das Erdige, das Feste ist eigentlich erst in der letzten Zeit entstanden. Wodurch? Es ist entstanden dadurch, daß unter dem Einflusse der Verdichtung denn alles war ja ein fortwährender Verdichtungsprozeß die Elemente selbst immer materieller und materieller geworden sind. Denken Sie einmal an den Beginn der Erdentwickelung. Was hat da die Wärmematerie getan? Sie hat Ihnen das gegeben für Ihre Leiblichkeit, was jetzt in Ihrem Blute pulsiert. Das war nicht dieselbe Wärme wie früher. Sie dürfen nicht glauben, wenn wir von dem ersten Wärmezustand der Erde sprechen, daß wir so von einer Wärme sprechen, wie sie entsteht, wenn Sie ein Zündhölzchen anzünden. Das ist mineralisches Feuer und mineralische Wärme. Wir sprechen von jenem Feuer, von jener Wärme, die in Ihrem Blute pulsiert; das ist lebendige Wärme. Es gibt tatsächlich nicht nur die mineralische Wärme, die draußen im Raume entsteht, sondern es ist eine ganz andere, eine lebendige Wärme, die Sie in sich selber haben. Die war im Beginne der Erde vorhanden, und aus ihr bildete sich die erste menschliche Anlage heraus. Aber mit der fortdauernden Verdichtung ist auch diese lebendige Wärme allmählich leblose Wärme geworden. Dies hing auch zusammen mit jenem Verdichtungsprozeß, der sich vollzog, als die Sonne herausging und der Mond mit der Erde verbunden war. Und diese Wärme, die die mineralische Wärme war, tritt zunächst auf als Verbrennungsprozeß.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier kommen wir zu einer wichtigen Sache, die ich sehr zu beachten bitte. Wir können zwar im Anfange von einem Wärmezustand, von einem Feuerzustand reden; von einer eigentlichen Verbrennung sollten wir aber nicht reden. Das ist nicht das Richtige. Wir sollten von nichts anderem reden als von dem, was wir in unserem eigenen Blute heute warm pulsieren fühlen. Wärme, die entsteht durch eine äußerliche mineralische Verbrennung, trat erst auf, nachdem die Sonne herausgegangen und die Erde mit dem Monde allein geblieben war. Und durch diese Verbrennung, die früher gar nicht vorhanden war, sonderten sich die Stoffe innerhalb der Erdenmasse ab, die man im Okkultismus als «Asche» bezeichnet. Wenn Sie irgend etwas verbrennen, entsteht Asche. Die Asche lagerte sich der Erdenbildung ein, als die&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|93}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erde mit dem Monde allein war. Wir sind so weit gekommen, daß durch den Weltenton, der hereindrang und die Stoffe zum Tanze zwang, sich die Protoplasmamassen eingegliedert haben. Wir haben Wesen, wo sich nach den Kraftlinien früher feine Protoplasmamassen angeordnet haben, in der äußeren Bildung dem ähnlich, wie die Bildung im heutigen Eiweiß ist. Wir haben auch dichtere Massen, die wie zum Schutze da sind, die wie eine Art Leimhülle die betreffenden Wesen umgeben. Was fehlt in diesen Wesen? Die harte Knochenmasse! Wenn ich mich populär ausdrücken darf: Es ist alles noch eine mehr leimartige Masse, und das, was überhaupt mineralisch ist, fehlt ganz und gar in den Wesen bis zu der Zeit, die ich Ihnen jetzt beschrieben habe. Nun müssen Sie sich denken, wie anders diese Wesen waren. Heute haben Sie nichts in Ihrem physischen Körper, das nicht zugleich durchdrungen wäre von der mineralischen Substanz. Der Menschenleib, wie er heute ist, ist also erst verhältnismäßig spät entstanden. Heute besteht der Menschenleib nicht nur aus Knochen, sondern auch aus Muskeln und Blut; allem ist diese mineralische Masse eingegliedert. Denken Sie sich die mineralische Masse fort, die ganze Erde mit ihren Wesen noch ohne mineralische Masse. Dann entsteht durch einen Verbrennungsprozeß die Einlagerung von mineralischer Asche, Asche der verschiedensten Mineralien. In die Menschen, die es eigentlich bisher nur bis zur leimartigen Dichte gebracht hatten, lagerten sich also nach allen Seiten Aschenbestandteile ein. Und die Wesen nehmen die Asche auf wie früher das Eiweiß und gliedern sie sich in ihrer Weise ein, nehmen das Mineralische auf vom dicken Knochen bis zum flüssigen Blute. Sie können sich leicht eine Vorstellung machen, was sich da eingelagert hat: Alles, was als Asche zurückbleibt, wenn der Leib verbrannt wird oder verwest. Was wirklich als Asche zurückbleibt, ist das, was am allerletzten entstanden ist. Alles an Ihnen, was nicht als Asche zurückbleibt, war vorher da; das hat sich diese Asche erst eingegliedert. Der Mensch, der mit sehendem Auge auf diese Asche hinblickt, die aus einem verwesenden Leichnam herkommt, muß sich sagen: Dies ist die mineralische Substanz in mir, die am spätesten eingesogen wurde von dem, was früher da war. Das Mineralische ist also im Laufe der Erdenbildung am spätesten entstanden, und die anderen Reiche haben es&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|94}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sich eingegliedert, nachdem sie früher nur aus anderen Substanzen bestanden haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun können wir uns jetzt noch fragen: Was hat denn bewirkt, daß diese Asche sich eingegliedert hat? Wir tragen ja fortwährend diese Asche mit uns herum, nur ist sie verteilt und wird zurückgelassen, wenn unser Leichnam verbrannt wird oder verwest. Wie drang denn die Asche hinein in diese Linien, die von Eiweißsubstanz angefüllt waren?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir haben gesehen, ursprünglich war Feuer da; daraus bildete sich die Herzanlage; dann bildete sich die Atmungsanlage aus der Luft; das Licht gliederte sich ein und bildete die Nervenanlage; dann kam der Schall und bildete, indem er die Stoffe tanzen ließ, die lebendige Substanz. Was ließ denn das Aschenhafte, das Mineralische hineinströmen in diese Substanz? Das, was die Asche hineindrängt in die menschlichen Leiber, das war nunmehr der Gedanke, der den Schall, den Ton zum Worte macht. Noch in der atlantischen Zeit, als alles ringsum eingetaucht war in Nebel- und Dunstmassen, da war nicht das, was der Mensch sprach, die einzige artikulierte Sprache, sondern der Mensch konnte die Sprache der rauschenden Bäume, der rieselnden Quellen verstehen. Alles, was heute artikulierte Sprache ist, und was sich darinnen ausdrückt, bildete den Tanz der Stoffe; der Ton, das Musikalische darinnen, bildete die Stoffe zur lebendigen Substanz. Der Sinn, die Wortbedeutung drängt die sich im Verbrennungsprozeß bildende Asche hinein in diese lebendige Substanz, und in dem Maße, wie sich nach und nach bis gegen das Ende der atlantischen Zeit hin das Knochensystem verdichtete, wurde der Mensch immer mehr von Gedanken, von Selbstbewußtsein durchdrungen. Sein Intellektualismus leuchtete auf, und er wurde immer mehr und mehr ein selbstbewußtes Wesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von außen hinein sind die Dinge, die in uns sind, erschaffen: Erst unsere Anlage, die im Herzen ihr gipfelndes Organ erhalten hat, dann unser Nervensystem mit der Atmungsanlage, dann die Organe, die aus Lebendigem entstehen als Drüsenorgane. So zeigt sich im Laufe der Erdenentwickelung der umgekehrte Gang von früher. Dann gliedern sich ein das Knochensystem, die festen Stoffe, die von Asche durchdrungen sind, und der Mensch wird ein selbstbewußtes Wesen. So ist der Gang der Entwickelung innerhalb unserer eigenen Erden-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|95}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
verkörperung. Damit sind wir schon fast zum Ende der atlantischen Zeit gekommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn Sie das vergleichen mit dem, was wir früher besprochen haben, so werden Sie sehen: es ist immer zuerst dasjenige dagewesen, was zuletzt wirkt; denn das, was als «Wort» hineindrängt in die Materie, war zuallererst da. Was dem Menschen sein Ich gegeben hat, war zuallererst da. Wenn Sie das, was heute gesagt worden ist, lichtvoll zu verstehen suchen, können Sie auch hierin sehr leicht wiederfinden die Tatsachen für die ersten Sätze im Johannes-Evangelium. Wir werden in einem der nächsten Abende gerade zeigen müssen, wie unsere in den Weltenraum hinausschweifenden Betrachtungen schön wiedergegeben sind im Johannes-Evangelium und auch in den ersten Sätzen der Genesis. Alle diese Dinge werden uns wiedergewonnen, wenn wir also den Gang des Weltenwerdens betrachten. Aber eines wird Ihnen mit Klarheit daraus hervorgehen: Es stellt sich uns, wenn wir die Tatsachen betrachten, diese menschliche Entwickelung anders dar, als es die materialistische Phantastik sich vorstellt, nämlich, daß der Mensch hervorgegangen sei aus dem Grobmateriellen, und daß aus diesem die geistigen Fähigkeiten sich herausgebildet haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun sehen Sie, daß das, was die eigentliche Mission der Erdenentwickelung bildet, das, worin beim Menschen die Liebe zum Ausdruck kommt, zuerst veranlagt ist in dem, was wir als Wärmeorgan haben. Das taucht als erstes auf. Vor dem Organischen ist das Geistige in Form von Kraftlinien; dann gliedert sich das Organische unter der Wunderwirkung der Weltenmusik ein, und dann erst wird das Ganze wie durchimprägniert mit mineralischer Substanz, mit festen Stoffen, durch das Wort oder den Gedanken. Das Dichteste entsteht am spätesten. Der Mensch entwickelt sich aus dem Geistigen heraus, auch wenn wir den Gang der Erdenentwickelung betrachten. Der Mensch hat seinen Ursprung und Urstand, wie jede wahre Weltbetrachtung immer gezeigt hat, nicht in der Materie, sondern im Geiste; und die Materie hat sich erst nach den geistigen Kräften in das Menschenwesen eingegliedert. Das ergibt sich immer mehr aus dieser Betrachtung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|96}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= SECHSTER VORTRAG, Berlin, 24. März 1908 =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer den letzten hier gehaltenen Vortrag noch einmal aufmerksam durchdenkt und sich dabei erinnert, wie die Wiederholung gewisser vorher durchgemachter Zustände in einem späteren Stadium stattfindet also zum Beispiel auf unserer Erde nach und nach ein Saturn-, ein Sonnen- und ein Mondzustand eintritt und dann erst sich unser Erdzustand vollkommen entwickelt , könnte sich zu folgender Bemerkung gedrängt fühlen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er könnte sagen: Es ist doch in verschiedenen früheren Vorträgen behauptet worden, daß auf dem Saturn die erste physische Menschenanlage so etwas durchgemacht hat wie eine Art Sinnessystem, wie wenn diese erste Saturnanlage des menschlichen physischen Leibes aus primitiven, elementaren Sinnesorganen bestanden hätte. Auf der Sonne hätte sich dann ein Drüsensystem entwickelt, auf dem Mond das Nervensystem, und von allem geschah auf unserer Erde eine Wiederholung. Wie reimt sich das aber damit, daß das letzte Mal gesagt wurde: Das erste, was auf der Erde herauskommt, ist die erste Anlage zum Blutsystem, eine Art Wärmemensch; dann, indem sich der Erdzustand verdichtet zum Luftzustand und das Licht hinzutritt, gliedert sich an auf der einen Seite eine Art Luftsystem, das sich dann später zum heutigen Atmungssystem umbildet, während sich das Wärmesystem umbildet zum späteren Blutsystem; und auf der anderen Seite unter der Einwirkung des Lichtes bildet sich heraus eine Art von innerlich schauendem Nervensystem. Weiter wurde geschildert, wie sich das alles noch in einem feinen ätherischen Zustand befindet, und wie es dann gleichsam ausgefüllt wird mit einer Art Eiweißsubstanz, die unter dem Einfluß des Weltenschalles, des Weltentones, sich gliedert zu den einzelnen Stoffen. Wenn ich nun annehme könnte der Betreffende sagen , daß das Drüsensystem doch erst mit der Einlagerung dieses organischen Stoffes beginnt, dann würde zuerst auf der Erde eine Art Wärmesystem da sein, das die erste Anlage zum Blutsystem bildet, und eine Art Nervensystem, das ja allerdings in feinen ätherischen Kraft-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|97}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
linien vorhanden ist; dann würde das Drüsensystem kommen, das in einer gewissen Beziehung ja schon organisch-stofflich ist, und zuletzt würde sich einlagern das Mineralische, wie das das letzte Mal geschildert worden ist. Wenn so diese aufeinanderfolgenden Zustände von Saturn, Sonne und Mond eingetreten sind und diese Zustände sich dann auf der Erde wiederholen, so ist es doch merkwürdig, daß da nicht auch auf der Erde zuerst ein Sinnessystem, dann ein Drüsensystem, ein Nervensystem und zuletzt ein Blutsystem auftritt. Das letzte Mal ist es aber gerade umgekehrt geschildert worden: erst Blut, dann Nerven, Drüsen und zuletzt die festen Einlagerungen, die ja, wie betont worden ist, erst die Sinne nach außen öffnen. Es könnte jemand sagen, dieses Wiederholungsprinzip sei sehr schlecht weggekommen, indem gerade das letzte Mal eine Art umgekehrte Ordnung erzählt worden ist als die, welche man hätte erwarten müssen, wenn eine wirklich buchstäbliche Wiederholung stattfindet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es muß zugegeben werden, daß, wenn jemand aus dem bloßen Intellekt heraus die folgenden Verhältnisse schildern wollte als eine bloße Wiederholung der vorhergehenden, er wahrscheinlich eine Schilderung gegeben haben würde, die das Gegenteil des wirklich Gewesenen bedeutet hätte. Denn der Verstand würde so schließen, daß in schablonenhafter Weise auf der Erde zuerst wiederholt wird, was auf dem Saturn, dann, was auf der Sonne, und dann, was auf dem Mond durchgemacht wurde, und daß dann erst das Blutsystem herauskäme. Es ist schon öfter von mir betont worden, daß man im Okkultismus in der Regel fehlgeht und greuliche Irrtümer begehen kann, wenn man nicht aus den okkulten Tatsachen heraus schildert, sondern sich auf den bloßen Intellekt, auf irgendwelche bloß logischen Schlüsse einläßt. Denn wenn man in der Akasha-Chronik die Entwickelung von Saturn, Sonne und Mond verfolgt, ist es tatsächlich so, daß man sagen muß: auf dem Saturn ist veranlagt eine Art Sinnessystem, auf der Sonne ein Drüsensystem, auf dem Mond ein Nervensystem, und mit der Erde kommt das Blut hinzu. Verfolgt man dann die okkulten Tatsachen weiter, so ist es auf der Erde so, daß zuerst eine Art Blutsystem erscheint, dann ein Drüsensystem, ein Nervensystem, und dann erst bildet sich heraus, was als das Sinnessystem in dieser für die Erdenverhältnisse brauch-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|98}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
baren Gestalt erscheint. Wenn man also von Wiederholungen sprechen will, müßte man den Tatsachen entsprechend von einer umgekehrten Wiederholung reden. Was früher dargestellt worden ist, und was in dem letzten Vortrag dargestellt worden ist, das entspringt keiner Spekulation, sondern das entspricht wirklichen Tatsachen, und da stellt sich eine solche Umkehrung bei dem Tatbestand heraus, und das macht die Wiederholung um vieles komplizierter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir müssen uns nun auch nicht mit der Annahme begnügen, daß wir es mit einer bloßen Umkehrung zu tun hätten. Sondern so wie das Blutsystem zuerst heraustritt bei der ersten Veranlagung auf unserer Erde als eine Art von Wärmemensch, wie ich es das letzte Mal geschildert habe, so ist das Blutsystem wirklich zu gleicher Zeit eine Art Sinnessystem. Es ist nämlich ein Wärme- und Erkenntnissystem. Der Mensch ist sozusagen ganz Blut- oder Wärmemensch. Er ist nicht von Blutsubstanz durchzogen, sondern ätherische Wärmekraftlinien durchziehen ihn, und diese ätherischen Wärmekraftlinien, aus denen später das Blutsystem entsteht, sind in der ersten Veranlagung durchaus eine Art Sinnessystem. Es ist erst in der ersten Anlage und ist selbst ein Sinnessystem, und das Nerven- und Lichtsystem ist auf der Erde zuerst eine Art von Drüsensystem; und wirklich kann sich das spätere Drüsensystem nur dadurch eingliedern, daß die anderen Systeme, das Blutsystem und das Nervensystem, die sich jetzt schon eingegliedert haben, vorrücken in ihrer Entwickelung. Dieses Vorrücken geschieht in der folgenden Weise: Während sich das Nervensystem herausbildet als eine Art Drüsensystem, bleibt vom Blut etwas zurück als die spätere Anlage des Blutes. Aber zu gleicher Zeit bildet sich auch während des zweiten Zustandes das Blutsystem selbst um zu einer Art von Nervensystem; und wenn das erreicht ist und in dem dritten Zustand das Drüsensystem sich eingliedert, gliedern sich wiederum erst die zwei früheren Systeme um, so daß in der Tat das Blutsystem wieder vorrückt um einen Grad und das Nervensystem auch um einen Grad. So also geschehen fortwährend Umformungen, Transformationen. Die Entwickelung ist eben eine sehr komplizierte, und es ist auch nicht so, daß man sich bei dem Begriff der umgekehrten Wiederholung beruhigen dürfte. Denn diese Umkehrung ist auch wieder nur eine teilweise; das&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|99}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Blutsystem ist ein Sinnessystem, das sich später umwandelt, und ebenso ist es beim Nervensystem und so weiter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie sehen also, was vorgegangen ist, damit der Mensch seine gegenwärtige Höhe hat erreichen können, ist durchaus nicht eine bequeme Sache für den Verstand, und es handelt sich darum, daß man mit Geduld und Ausdauer sich hineinfindet in diesen komplizierten Gang der Entwickelung. Dies ist aber nur eine Art Einleitung, die ich geben wollte für die, die sich das, was das letzte Mal gesagt worden ist, noch einmal emsig vor die Seele geführt haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heute soll uns vielmehr etwas ganz anderes als Aufgabe obliegen: den Menschen selbst auf der Erde wiederum von einem ganz anderen Gesichtspunkt aus in seiner Entwickelung zu betrachten, so daß uns immer mehr dieses Menschenwesen ganz und gar anschaulich vor Augen treten soll. Wenn wir zu diesem Zwecke noch einmal zurückblicken auf die vorhergehende Verkörperung unserer Erde, den alten Mond, dann stellt sich uns, wenn wir uns diesen Menschen auf dem alten Mond vor die Seele rücken, dieser Mensch so dar, daß er seinen physischen Leib, seinen Ätherleib, seinen astralischen Leib, aber noch nicht sein persönliches Ich hat, wie er es erst auf der Erde jetzt hat. Wenn wir nun den Bewußtseinszustand eines solchen Mondmenschen untersuchen, so ist dieser in der Tat ein ganz radikal anderer als der Bewußtseinszustand des Erdenmenschen. Der Zustand des Erdenmenschen drückt sich wirklich in dem aus, was man nennen könnte die Persönlichkeit. Mit diesem Wort ist viel zur Charakteristik des Erdenmenschen gesagt; denn eine Persönlichkeit gab es auf dem alten Mond noch nicht. Wir haben gesehen, daß sich erst auf der Erde diese Persönlichkeit nach und nach ganz herausgebildet hat und daß in alten Zeiten sich der Mensch noch viel mehr als ein Glied einer ganzen Zusammengehörigkeit fühlte. Selbst wenn wir gar nicht weit zurückgehen in den Gegenden, wo wir selbst wohnen, ja selbst wenn wir zurückgehen in die ersten nachchristlichen Jahrhunderte, so finden wir da noch letzte Nachklänge eines uralten Bewußtseins. Der alte Cherusker, der alte Sugambrer, Heruler, Brukterer fühlte sich noch nicht in demselben Maße als ein persönlicher Mensch wie der heutige Mensch, sondern er fühlte sich als ein Glied seines Stammes. Und wenn er «Ich»&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|100}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sagte, so bedeutete dieses Ich noch etwas durchaus anderes, als es heute bedeutet. Heute meint der Mensch, wenn er sein Ich ausspricht, das Wesen seiner Persönlichkeit, wie es sozusagen in seiner Haut eingeschlossen ist. Damals fühlte der Mensch sich gegenüber seinem Stamme so, wie ein Glied sich an unserem Organismus fühlt. Er fühlte sich in erster Linie als Sugambrer, Heruler, Brukterer, Cherusker, und erst in zweiter Linie als ein persönliches Ich. Viele Zustände in dieser alten Zeit werden Sie besser begreifen, wenn Sie diese radikale Änderung der Persönlichkeit ins Auge fassen, wenn Sie sich klarmachen, daß zum Beispiel gewisse Formen der Blutrache, der Familienrache, der Stammesrache ihre vollständige Erklärung finden in dem gemeinsamen Bewußtsein des Stammes, in dem Bewußtsein einer Art von Gruppenseele. Die Menschen empfanden sich eben als Gruppen von gemeinsamem Blut, wodurch eine Tötung an dem ganzen Stamme des Mörders gerächt wurde wie an ihm selbst. Und wenn wir noch weiter zurückgehen bis in die klassische alttestamentliche Zeit, in die Zeit des jüdischen Volkes, so wissen wir, daß der einzelne Jude sich durchaus als ein Glied des ganzen jüdischen Volkes fühlte, daß er, wenn er «Ich» aussprach, sich nicht als Repräsentant seines persönlichen Ichs fühlte, sondern daß er das Blut des ganzen jüdischen Volkes fühlte, wie es in den Generationen herabgeströmt ist seit dem Vater Abraham: «Ich und der Vater Abraham sind eins!» In diesem Bewußtsein fühlte sich der Angehörige des Volkes geborgen und gewürdigt. Er fühlte diese Gruppenseele im Blut weit hinauf, bis zum Vater Abraham. Und wenn wir noch weiter zurückgehen in urferne Zeiten der Erde, so finden wir das Gruppenseelenhafte noch viel deutlicher ausgeprägt. Da erinnert sich der Einzelne gedächtnismäßig an das, was die Vorfahren getan haben, bis zu dem Urahn hinauf. Jahrhunderte hinauf reicht die Erinnerung des Nachkommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In unserer Zeit erinnert sich der Mensch unter gewöhnlichen Verhältnissen nicht mehr an das, was sein Vater getan hat, wenn er es nicht gesehen hat. Er erinnert sich nicht mehr an das, was seine Ahnen erlebt haben. Sein Gedächtnis umfaßt nur sein eigenes Leben. In alten Zeiten erinnerte sich der Mensch innerlich durch sein Gedächtnis nicht nur an das, was er selbst erlebt hatte, sondern auch an das, was seine&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|101}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ahnen erlebt hatten, mit denen er gemeinsamen Blutes war, nicht weil er es wußte, sondern weil das Gedächtnis sich fortpflanzte über die Geburt hinaus. Und wir wissen, daß das Alter der alten Patriarchen, des Adam und der nachfolgenden Ahnen des jüdischen Volkes, ursprünglich nichts anderes zu bedeuten hatte als die Länge des Gedächtnisses, wie weit man sich erinnerte in der Ahnenreihe hinauf. Warum lebten Adam und die anderen Patriarchen so lange? Weil man nicht die einzelne Persönlichkeit bezeichnete, sondern weil man sich so weit erinnerte durch die Generationen hindurch, wie man sich heute an seine eigene Jugend erinnert. Das bezeichnete man mit einem gemeinschaftlichen Ausdruck. Die Persönlichkeit kam gar nicht in Betracht. Man erinnerte sich nicht nur an das, was man in seiner Kindheit erlebt hatte, sondern man erinnerte sich, was der Vater in seiner Kindheit erlebt hatte, was der Großvater erlebt hatte, und so durch Jahrhunderte hindurch; und den Inhalt dieser Erinnerung faßte man als eine Einheit zusammen und nannte es meinetwillen «Adam» oder «Noah» und dergleichen. Die abgeschlossene Persönlichkeit hatte in den Urzeiten noch keineswegs den Wert, den sie heute hat; sondern das Gedächtnis reichte über Vater, Mutter, Großvater und so weiter hinaus; und so weit, wie es reichte, gebrauchte man einen gemeinschaftlichen Namen. Das ist etwas, was für die gegenwärtige materialistische Weltanschauung plump und phantastisch aussieht; aber es ist das doch etwas, was eine gründliche Seelenkunde, die mit den Tatsachen zu rechnen weiß, aus den Tiefen der Tatsachen heraus konstatieren muß.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da kommen wir schon auf unserer Erde dahin, daß der Mensch eine Art von Gruppenbewußtsein hatte, das seiner Gruppenseele anhaftete. Würden wir zurückgehen bis zum alten Mond, wo der Mensch nicht ein so begrenztes, im Gruppenbewußtsein eingebettetes Ich hatte, sondern wo er überhaupt noch kein Ich hatte, wo er noch aus physischem Leib, Ätherleib und astralischem Leib bestand, da würden wir finden, daß das Bewußtsein auf diesem alten Mond nicht ein kleineres war, sondern gewaltige, große Gruppen umfaßte, daß in der Tat umfassende Gruppenseelen dem Menschengeschlecht des Mondes zugrunde lagen. Diese Gruppenseelen des Mondes, die sozusagen die einzelnen Mondmenschen nur wie ihre Glieder hinstellten auf dem Mond, waren weise&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|102}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seelen. Wir haben ja auch die Tiergruppenseelen auf der Erde beschrieben, und haben dabei auch die Weisheit als ein hervorstechendes Merkmal gefunden. Diese Gruppenseelen des Mondes haben dazumal unserem Planeten in seiner vorhergehenden Verkörperung jene Weisheit eingepflanzt, die wir heute kennen und bewundern. Und wenn wir heute bewundern, wie jedes Knochenstück, wie Herz und Gehirn, wie jedes Pflanzenblatt durchzogen und durchtränkt ist von Weisheit, dann wissen wir, daß jene Weisheit von den Gruppenseelen, die in der Atmosphäre des alten Mondes waren, herunterträufelte wie die Wolken heute den Regen herunterträufeln lassen und sich eingliederte allen Wesen, die sie als Anlage aufnahmen und sie wieder herausbrachten, als sie nach dem Pralaya auf der Erde wieder entstanden. Also weisheitsvolle, umfassende Gruppenseelen waren auf dem Mond vorhanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir auf dem alten Mond nach einer Eigenschaft suchen würden, die wir heute auf unserer Erde in immer größerem Maßstabe mit dem Fortschreiten der Erdentwickelung finden, so würden wir diese Eigenschaft bei den Mondwesen nicht finden. Diese Eigenschaft ist die Liebe, der Trieb, welcher die Wesen aus freiem Willen zueinanderführt. Liebe ist die Mission unseres Erdenplaneten. Daher nennen wir im Okkultismus den Mond auch den «Kosmos der Weisheit» und die Erde den «Kosmos der Liebe». Und wie wir heute, auf der Erde stehend, die ihr eingegliederte Weisheit bewundern, so werden die Wesen des Jupiter einstmals Wesen gegenüberstehen, aus denen ihnen die Liebe entgegenduften wird. Herausschmecken und herausriechen werden sie sozusagen die Liebe aus den Wesen, die um sie herum sind. So wie uns auf der Erde die Weisheit entgegenleuchtet, so wird auf dem Jupiter den Jupiterwesen entgegenduften, was aus der reinen Geschlechtsliebe bis zu der spinozistischen Gottesliebe hier auf der Erde als Liebe sich entwickelt. Herausduften wird es, wie heute die Pflanzen in den verschiedenen Aromas duften. So werden die Grade der Liebe herausströmen als jener Duft, der aufsteigen wird aus dem Kosmos, den wir als Nachfolger unserer Erde den Jupiter genannt haben. So ändern sich die Verhältnisse im Laufe der Evolution, und immer, wenn irgendein Fortschritt in der Evolution stattfindet, nehmen die Wesen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|103}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
daran teil. Dann steigen die Wesen, die mit der betreffenden planetarischen Entwickelungsstufe verknüpft sind, zu immer höherer Entwickelungsstufe hinan. Heute sind die Menschen, die auf der Erde leben, sozusagen die Werkzeuge der Liebesentwickelung; vorher hat das Tierreich diese verschiedenen Formen der Liebe als zurückgebliebene Formen entwickelt, und insofern als die Liebe bei den Tieren herauskommt, würde eine einfache Betrachtung zeigen, daß das alles Vorstufen der menschlichen, der immer mehr sich vergeistigenden Liebe sind. Wie der Mensch auf der Erde das Werkzeug der Liebesentwickelung ist, so wird er, wenn er sich bis zum Jupiter hin entwickelt haben wird, zur Aufnahme einer noch höheren Eigenschaft fähig sein. So wurden auch diejenigen Wesen, die aus dem Umkreis des Mondes die Weisheit herunterträufelten, einer höheren Entwickelung fähig, indem der Mond Erde wurde; sie stiegen höher hinauf. Diese Wesen, die dazumal die Macht hatten, Weisheit einträufeln zu lassen in die Mondwesen, waren ja ganz genau dieselben, welche an jenem Punkt der Erdentwickelung, als die Sonne aus der Erde sich herausbewegte, so weit waren, daß sie mit der Sonne herausgehen und die Sonne zu ihrem Schauplatz machen konnten. Die Wesenheiten, die auf dem Monde die Geister der Weisheit, der herabträufelnden Weisheit waren es sind das andere Geister der Weisheit als die, welche in Verbindung mit dem Saturn genannt worden sind , diese Geister, oder wenigstens eine große Anzahl von ihnen, wählten sich die Sonne zu ihrem Schauplatz. Nur diejenige Wesenheit, welche man als Jahve oder Jehova bezeichnet, die auf dem Monde zuletzt die volle Reife erlangt hat, wurde der Herr der Form auf der Erde, der Regierer der Mondkräfte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun haben wir aber schon von anderen Wesenheiten gesprochen, die nicht die volle Entwickelung des Mondes bis zu Ende durchgemacht hatten, die sozusagen stehengeblieben waren mitten drinnen zwischen Menschen- und Götterdasein. Wir haben sie in der mannigfaltigsten Weise charakterisiert. Wir haben darauf aufmerksam gemacht, daß die Sonne in einem gewissen Stadium ihrer Entwickelung Venus und Merkur aus sich herausgespalten hat, um diesen Wesen einen Schauplatz zu geben, der für sie geeignet ist. Wir haben auch schon besprochen, wie sich an der fortschreitenden Entwickelung der Menschen Wesenheiten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|104}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
beteiligt haben, die, wie die Venus- und Merkurwesenheiten, für die Menschheit die großen Lehrer in den Mysterien geworden sind. Heute wollen wir von einem anderen Gesichtspunkt aus dieses Bild ergänzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Angedeutet haben wir schon, daß; wenn diejenigen Kräfte und Wesenheiten, die mit der Sonne herausgestiegen sind aus der Erde, in ihrer ursprünglichen Weise mit der Erde verbunden geblieben wären, der Mensch sich in einem raschen Tempo hätte entwickeln müssen, das er nicht hätte aushalten können. Er hätte überhaupt nicht zu seiner Entwickelung kommen können, wenn die Geister der Weisheit mit der Erde verbunden geblieben wären, wie sie mit dem Mond verbunden waren. Sie mußten sich entfernen und von außen einwirken, wenn der Mensch das richtige Zeitmaß in seiner Entwickelung haben sollte. Der Mensch würde sonst, kaum daß er geboren ist, gleich wieder alt sein; er würde ein zu rasches Tempo in seiner Entwickelung durchmachen. Auch in einer anderen Weise kann ich Ihnen das anschaulich machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Geister, die sich selbst bis zum Sonnendasein hinaufentwickelt haben, haben kein Interesse daran, daß der Mensch stufenweise durch die verschiedenen Lebensalter, durch das Kindesalter, Jugendalter, reifes Alter, Greisenalter geht und in der Körperlichkeit langsam und allmählich irdische Erfahrungen sammelt. Sie haben nur ein Interesse an der vollkommenen Entwickelung zur Geistigkeit. Würden sie mit der Erde verbunden geblieben sein, so wären die Körper in einer gewissen Weise verkümmert, verbrannt worden. Ohne die Früchte aus der Eroberung des Erdendaseins zu zeitigen, wäre der Geist einer raschen Entwickelung entgegengegangen und der Mensch wäre alles dessen verlustig gegangen, was er auf dem Schauplatz der Erde lernen kann. Vor allem würde die Einprägung der Liebe in die kosmische Entwickelung verborgen geblieben sein. Damit die Liebe sich auf der Erde entwickeln konnte, mußte zunächst der Körper auf einer primitiven Stufe entwickelt sein. Die Liebe mußte in der niedersten Form als geschlechtliche Liebe angelegt werden, um sich durch die verschiedenen Stufen hinauf zu entwickeln, und zuletzt, wenn die Erde in ihrer Vollendung in ihrer letzten Epoche angekommen ist, wird die Liebe veredelt emporgehoben, zur rein geistigen Liebe sich im Menschen aus-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|105}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
prägen. Alle niedere Liebe ist Schulung für die höhere Liebe. Der Erdenmensch soll die Liebe in sich ausbilden, um sie am Ende seiner Entwickelung der Erde zurückgeben zu können; denn alles, was im Mikrokosmos entwickelt wird, wird dem Makrokosmos zuletzt eingegossen. Der Fortschritt des Menschen wird eine Fortentwickelung des Makrokosmos. Die Weisheit, die in den Mondmenschen eingeströmt ist, leuchtet dem Erdenmenschen entgegen als Weisheit, die seinen Bau durchdringt. Die Liebe, die während der Erde in den Menschen stufenweise eingepflanzt wird, sie wird den Jupiterwesen entgegenduften aus dem ganzen Reiche des Jupiter. Diesen Weg müssen die einzelnen kosmischen Kräfte machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So also war der Ausgangspunkt unserer Erdenmission die Einprägung der Liebe gewissermaßen vor folgende zwei Richtungen gestellt: Die Geister der Weisheit, die Schöpfer der Weisheit, die auf dem Monde den Erdenreichen die Weisheit eingeströmt haben, waren auf der Erde für sich selber, als Geister der Weisheit, uninteressiert an der physischen Leiblichkeit des Menschen. Sie haben, insofern sie nur für die Weisheit interessiert waren, die besondere Erdenmission an die Geister der Liebe abgegeben, die eine andere Klasse sind und die als Geister der Liebe zunächst auch fähig waren, eine Zeitlang mit auf der Sonne sich zu entwickeln. Auf diese Weise haben wir zweierlei in der Entwickelung der Erde: eine Einströmung der Liebe, die sozusagen neu auftritt, und eine Einströmung von Weisheit, die von außen wirkt, weil die Geister, die sich vorzugsweise für Weisheit interessieren, auf den Sonnenschauplatz sich zurückgezogen haben. Das ist sehr wichtig, daß wir dieses Zusammenwirken der Geister der Weisheit und der Geister der Liebe richtig fassen, denn es drückt sich ein unendlich wichtiger Gegensatz aus in diesem Zusammenwirken der Geister der Weisheit und der Geister der Liebe. Wenn ich jetzt in menschliche Sprache umsetzen will, was da geschah, so drückt sich dieser Gegensatz dadurch aus, daß die Geister der Weisheit den einzelnen Menschen zwischen Geburt und Tod, wie er sich da entwickelt, ganz überlassen den Geistern der Liebe und für sich das Regiment der Individualität übernehmen, die durch die verschiedenen Persönlichkeiten im Laufe der Reinkarnationen durchgeht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|106}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt haben Sie, wenn Sie sich den Menschen in seiner Ganzheit vorstellen, auseinandergelegt, unter welchen zwei Regimentern der Mensch steht in der kosmischen Regierung. Was der Mensch zwischen Geburt und Tod ist, was er da in sich entwickelt, weil er in einer Leiblichkeit lebt, was ihn sozusagen so recht zu einem Wesen macht, das mit seinen zwei Beinen hier auf dem Erdengrund steht, das steht unter dem Regiment der Geister der Liebe. Was sich hindurchzieht durch die Persönlichkeiten als die bleibende Individualität, was mit dem Menschen geboren wird, stirbt, wieder geboren wird, wieder stirbt und so weiter, das steht in einer gewissen Beziehung unter dem Regiment der Geister der Weisheit. Nun dürfen Sie aber wiederum nicht schablonisieren und sagen: Du behauptest also, die menschliche Individualität stünde unter dem Einfluß der Geister der Weisheit, und die menschliche Persönlichkeit stünde unter dem der Geister der Liebe. Wenn man schablonisieren würde, dann käme wiederum ein bloßer Unsinn heraus. Denn Begriffe sind nur dann gültig, wenn man sie in ihrer Relativität begreift, wenn man weiß, daß jeder Begriff seine zwei Seiten hat. Nur wenn Sie der Meinung wären, daß dieses eine Leben zwischen Geburt und Tod bedeutungslos wäre für alle folgenden Leben, dann dürften Sie so schablonisieren. Wenn Sie sich aber vor Augen halten, was von mir immer betont worden ist, daß die Früchte jedes einzelnen Erdenlebens, also die Früchte alles dessen, was unter dem Einfluß der Geister der Liebe gewonnen wird, einströmen in alle Entwickelung, in das, was die Geister der Weisheit leiten, und wenn Sie auf der anderen Seite sich klar sind, daß alles unter der Kraft der Geister der Weisheit hervorgeht, was im menschlichen Leibe ist bis zum astralischen Leib hin wir haben ja auch schon beschrieben, wie die auf der Erde gemachten Erfahrungen umgebildet und umgestaltet werden müssen , so wirken auf des Menschen Wesenheit, weil er einen physischen Leib, einen Ätherleib und einen astralischen Leib hat, doch wieder die Geister der Weisheit. Und weil das, was der Mensch als Persönlichkeit unter dem Element der Liebe entwickelt, wenn er es einmal entwickelt hat, bleibend wird für seine Individualität, so wirken wiederum auf dem Umweg der Weisheit die Geister der Liebe hinein in das, was im einzelnen menschlichen Leben entwickelt wird. So wirken sie zusammen. Dann ist das&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Regiment dieser Geister in der Weise wieder getrennt, daß alles, was Persönlichkeit ist, unmittelbar, direkt dem Regiment der Liebe untersteht, und alles, was zwischen Geburt und Tod vorgeht, indirekt dem Element der Weisheit untersteht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So sehen wir, wie des Menschen Persönlichkeit und des Menschen Individualität in verschiedenen Richtungen und Strömungen drinnen sind. Wichtig ist das aus dem folgenden Grunde: Hätten diejenigen Geister der Weisheit, die jetzt gemeint sind, sozusagen das Regiment sich angemaßt, so würde jene sprudelnde, vehemente Entwickelung eingetreten sein, die man auch charakterisieren könnte, indem man sagt: der Mensch würde in einer einzigen Inkarnation alle mögliche Vervollkommnung von allen Inkarnationen zusammengedrängt erlebt haben. So aber wurde das, was die Geister der Weisheit geben sollten, verteilt auf die ganzen aufeinanderfolgenden Inkarnationen auf der Erde. Man drückt das im Okkultismus durch ein ganz bestimmtes Wort aus. Wären die Geister der Weisheit in der Entwickelung geblieben, so hätte der Mensch durch alle Entwickelungsstufen hindurch, körperlich sich verbrennend, sich schnell zur Geistigkeit entwickelt. So aber verzichteten die Geister der Weisheit darauf, den Menschen zu einer solchen vehementen Entwickelung zu bringen. Sie gingen weg von der Erde, um sie zu umkreisen, um die Zeiten, die sonst vehement abgelaufen wären, zu mäßigen, maßvoll zu machen. Man sagt daher im Okkultismus, daß diese Geister der Weisheit «Geister der Umlaufszeiten» wurden. In aufeinanderfolgenden Umlaufszeiten, die geregelt sind durch den Gang der Gestirne, wurden des Menschen aufeinanderfolgende Inkarnationen geregelt. Die Geister der Weisheit wurden Geister der Umlaufszeiten. Sie wären fähig gewesen, den Menschen von der Erde hinwegzuheben durch ihre weisheitsvolle Macht; aber die Menschen hätten darauf verzichten müssen, die Früchte zu zeitigen, die nur innerhalb der Zeit reifen können. Die Früchte der Liebe, der Erdenerfahrung, wären nicht zu gewinnen gewesen. Diejenigen Geheimnisse, welche Wesenheiten haben und beherzigen müssen, um die Früchte der Liebe, der Erdenerfahrung zu zeitigen, waren diesen Geistern der Umlaufszeiten verborgen. Deshalb heißt es in der Schrift: «Sie verhüllten ihr Antlitz vor dem mystischen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Lamm!» Denn das «mystische Lamm» ist der Sonnengeist, der das Geheimnis hat, nicht nur die Geister hinwegzuheben von der Erde, sondern die Leiber von der Erde zu erlösen, sie zu vergeistigen, nachdem sie durch die vielen Inkarnationen hindurchgegangen sind. Der Besitzer des Liebesgeheimnisses, das ist der Sonnengeist, den wir den Christus nennen; und weil er nicht nur ein Interesse hat an der Individualität, sondern unmittelbar an jeder einzelnen Persönlichkeit der Erde, nennen wir ihn deshalb das «große Opfer der Erde» oder das «mystische Lamm».&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So wurden die einen die Geister der Umlaufszeiten und regelten die aufeinanderfolgenden Inkarnationen. Der Christus wurde der Mittelpunkt, insofern die einzelnen Persönlichkeiten der Menschen geheiligt und geläutert werden sollten. Alles, was der Mensch aus der einzelnen Persönlichkeit als Frucht hineinbringen kann in die Individualität, erlangt er dadurch, daß er einen Zusammenhang hat mit dem Christus-Wesen. Das Hinschauen, das Sich-verbunden-Fühlen mit dem Christus-Wesen läutert und veredelt die Persönlichkeit. Wäre die Erdentwickelung verlaufen ohne die Erscheinung des Christus, so wäre der Leib des Menschen, wenn wir den Ausdruck umfassend gebrauchen, böse geblieben; er hätte sich mit der Erde verbinden müssen und wäre für immer der Materialität verfallen. Und wenn trotzdem die Geister der Weisheit nicht darauf verzichtet hätten, den Menschen gleich im Anfange der eigentlichen Erdentwickelung zu vergeistigen, so hätte folgendes eintreten können: Entweder hätten die Geister der Weisheit sogleich bei Beginn der Erdentwickelung also in der lemurischen Zeit den Menschen herausgerissen aus dem Leib, ihn einer raschen geistigen Entwickelung entgegengeführt und seinen Leib rasch verbrannt; dann hätte die Erde niemals ihre Mission erfüllen können. Oder die Geister der Weisheit hätten gesagt: Das wollen wir nicht; wir wollen, daß sich der Leib des Menschen voll entwickle; aber wir selber haben daran kein Interesse, also überlassen wir das dem Spätgeborenen, dem Jehova, der ist der Herr der Form! Dann wäre der Mensch mumifiziert worden, wäre vertrocknet. Der Leib des Menschen aber wäre mit der Erde verbunden geblieben; er wäre niemals einer Vergeistigung entgegengegangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|19}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beide Wege wurden nicht gewählt; sondern damit ein Gleichgewicht eintreten konnte zwischen den Geistern der Weisheit und dem Letztgeborenen des Mondes, dem Herrn der Form, der der Ausgangspunkt für das Schaffen des Mondes ist, wurde eine Mittellage geschaffen; und diese Mittellage bereitete vor die Erscheinung des Christus, der über die Weisheit erhaben ist, vor dem die Geister der Weisheit ihr Antlitz in Demut verhüllen, und der dadurch, daß die Menschen sich immer mehr mit seinem Geiste erfüllen und durchdringen, die Menschen erlösen wird. Und wenn die Erde selbst an dem Punkte anlangt, wo der Mensch sich voll vergeistigt haben wird, dann wird nicht ein trockener Ball herausfallen aus der Evolution, sondern es wird der Mensch durch das, was er aus der Entwickelung hat herausholen können, seine sich immer mehr veredelnde Menschenform der vollständigen Vergeistigung entgegenführen. Und wir sehen, wie die Menschen sich vergeistigen. Wenn wir uns die ursprünglichen Menschenkörper der lemurischen Zeit ansehen würden ich werde niemals in einem öffentlichen Vortrag diese lemurischen Menschenkörper beschreiben! , so würden wir finden, daß sie sich uns an der äußersten Grenze der Häßlichkeit stehend darstellen. Erst allmählich bildet sich der menschliche Körper in der Form, wie wir ihn heute kennen. Und immer veredelter und veredelter treten die Menschen auf, indem sie von der Liebe immer mehr und mehr gereinigt werden. Aber auch über das heutige Menschenantlitz wird sich der Mensch hinausentwickeln. Wie sich der Menschenleib immer mehr vergeistigt hat seit der lemurischen Rasse, so wird sich auch das menschliche Antlitz immer mehr vergeistigen. Wir sind heute in der fünften Rasse. Wie sich jetzt schon im menschlichen Antlitz das Gute und Edle, das in der Seele lebt, ausprägt, so wird in der sechsten Rasse des Menschen Antlitz leuchten von innerer Güte. Eine ganz andere Physiognomie wird der Mensch dann haben, so daß man an der äußeren Gestalt erkennen wird, wie gut und wie edel er ist, und erkennen wird man an dem Antlitz, was für innere seelische Eigenschaften in dem Menschen sind; und immer mehr wird sich das, was an Edelmut und Güte in der Menschenseele enthalten ist, der menschlichen Physiognomie einprägen, bis am Ende der Erdenzeit das Leibliche des Menschen ganz durchdrungen ist vom&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|110}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Geistigen und sich ganz und gar abheben wird von denen, die an der Materialität hängen geblieben sind, die das Abbild des Bösen darstellen werden, die zurückbleiben auf dem mineralischen Standpunkt. Das ist das, was kommen wird, und was man das «Jüngste Gericht» nennt, die Scheidung von Guten und Bösen. Es ist die Vergeistigung des menschlichen Körpers oder, wie man es populär nennt, die «Auferstehung des Fleisches». Man muß diese Dinge nur verstehen mit dem gesunden Sinn aus dem Okkultismus heraus; dann kann gar kein Angriff gegen sie geführt werden. Die Aufklärerei wird allerdings nicht verstehen können, daß das, was Materie ist, einmal etwas anderes werden könnte als Materie. Was im besten Sinne des Wortes genannt werden könnte der «Wahnsinn der Materialität», das wird sich niemals vorstellen können, daß das Materielle sich einmal vergeistigen könnte, das heißt, daß einmal so etwas eintreten wird, was man nennt die Vergeistigung, die Auferstehung des Fleisches. Aber die Dinge sind so, und so ist der Gang der Erdentwickelung, und so ergibt sich der Sinn der Erdentwickelung und die Stellung des Christus innerhalb der Erdentwickelung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir bloß auf alles dasjenige sehen würden, was wir bis jetzt in Betracht gezogen haben innerhalb unserer heutigen Darstellung, dann würde sich uns ein eigentümliches Bild unserer Erdentwickelung ergeben. Dieses Bild würde so sein, daß in der Tat die Waage gehalten würde zwischen den Geistern der Form und den Geistern, die die Geister der Umlaufszeiten geworden sind, den eigentlichen Geistern des Lichtes. Dadurch, daß der Christus von dem Mysterium von Golgatha an die künftige Erdentwickelung zu führen hat, wären diese in der Gleichgewichtslage, und ein sukzessiver Aufstieg würde in der Tat das sein, was da kommen würde. Aber so einfach ist die Sache wiederum nicht. Wir wissen, daß Geister zurückgeblieben sind, Geister, die die volle Reife der Weisheitsentwickelung nicht erlangt hatten, die daher kein Interesse daran haben, ihr Regiment abzutreten an die Strömung der Liebe. Diese Geister wollten fortwirken und weiter die Weisheit einströmen lassen. Sie wirkten auf den Menschen und sie haben deshalb nicht etwa unfruchtbar auf der Erde gewirkt. Sie haben den Menschen die Freiheit gebracht. Hat das Christus-Prinzip die Liebe&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
gebracht, so haben diese Geister, die wir die luziferischen Geister nennen, dem Menschen die Freiheit gebracht, die Freiheit der Persönlichkeit. Sie gaben dem Menschen die Möglichkeit, zwischen Gut und Böse zu wählen. Auch das Zurückbleiben gewisser Geister hat seine sehr gute Seite, und alles, ob Vorschreiten oder Zurückbleiben, ist göttlicher Natur. So gab es also Geister der Umlaufszeiten, welche die fortschreitenden Inkarnationen leiteten, das, was als die Individualität durch alle Inkarnationen hindurchgeht; so gab es Geister der Liebe unter der Führung des Christus-Prinzips, welche diese Individualität so vorbereiteten, daß die Persönlichkeit nach und nach übergehen kann in ein Reich der Liebe. Wenn wir das große Ideal, das uns als ein Reich der Liebe vorschwebt, charakterisieren wollen, so können wir das in folgender Weise tun.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heute ist noch in den weitesten Kreisen der gründliche Irrtum verbreitet, daß das Wohl und Heil der einzelnen Persönlichkeit möglich sei ohne das Wohl und Heil aller anderen Persönlichkeiten der Erde. Wenn auch die Menschen das nicht direkt zugeben, praktisch ist doch alles darauf gebaut, daß so, wie wir heute leben, der Einzelne auf Kosten der anderen lebt, und der Glaube ist weit verbreitet, daß das Wohl des Einzelnen unabhängig ist von dem Wohl der anderen. Die zukünftige Entwickelung wird die volle Gemeinschaft des Geistes entwickeln, das heißt, auf dem Jupiter wird der Glaube zu herrschen beginnen, daß es kein Wohl und Heil des Einzelnen gibt ohne das Wohl und Heil aller übrigen, und zwar eben das gleiche Wohl und Heil aller übrigen Einzelnen. Das Christentum bereitet diese Anschauung vor, und es ist dazu da, sie vorzubereiten. Eine Gemeinsamkeit hat sich auf der Erde zunächst ergeben durch die Liebe, die an das Blut gebunden ist. Dadurch war der pure Egoismus überwunden. Das Christentum hat nun die Aufgabe, in den Menschen diejenige Liebe zu entzünden, die nicht mehr an das Blut gebunden ist, das heißt, sie sollen die reine Liebe finden lernen, wo das Wohl und das Heil des Einzelnen gar nicht gedacht wird ohne das Wohl und das Heil des anderen. Das Reich der Liebe wird sich so darstellen, daß, wie zuerst die Blutsverwandtschaft die Menschen aneinanderband, nun der Mensch in jedem Menschen den Verwandten sehen wird, ohne Rücksicht auf das&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
gemeinsame Blut. Das ist in den Worten angedeutet: «Wer nicht verläßt Vater und Mutter, Weib und Kind, Bruder und Schwester, der kann nicht mein Jünger sein.» Alles andere ist kein wirkliches Christentum. So können wir die Hinentwickelung des Menschen zu einem höheren Zustand charakterisieren. Aber die Hinentwickelung zu einem solchen Zustand geschieht in Zyklen, nicht sukzessive. Sie können sich durch eine einfache Betrachtung diese Zyklen klarmachen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sehen Sie, wie in der ersten Epoche der nachatlantischen Zeit eine Kultur, die brahmanische Kultur, aufgeht, ihren Höhepunkt erreicht und wieder in Dekadenz kommt, wie sie ihren Höhepunkt erlangt auf dem Gebiete der Flucht aus der Materialität, in der sie ihre Erlösung sucht, wie sie aber wieder zurückgehen muß, weil sie ihre Kultur gesucht hat auf dem Gebiete der Nichtanerkennung der Materie. Sie sehen dann, wie ein neuer Zyklus eintritt in der altpersischen Kultur, wie die altpersische Kultur den Erdball erobert dadurch, daß sie die Materie anerkennt, allerdings als eine dem Menschen widerstrebende Macht, die der Mensch durch seine Arbeit bezwingt; und wiederum erreicht diese Kultur ihren Höhepunkt, und versinkt in Dekadenz. Aber eine neue Kultur steigt herauf, die ägyptisch-chaldäisch-assyrisch-babylonische, die nicht mehr bloß die Materie anerkennt, sondern die die Materie durchdringt mit menschlicher Intelligenz, wo die Bahnen der Sterne erforscht werden, wo Bauten aufgeführt werden gemäß dem, was man aus der Sternenweisheit gewonnen hatte, indem menschliche Bebauungen der Erde nach Gesetzen der Geometrie angelegt werden. Die Materie ist jetzt nicht mehr bloß eine widerstrebende Macht, sondern sie wird umgegossen und umgeformt zu dem Geistigen. Die Pyramiden sind ein Abbild von dem, was der Mensch aus den Sternen ersah. Und wir gehen weiter hinüber, nachdem die ägyptisch-chaldäisch-assyrisch-babylonische Kultur in Dekadenz geraten ist, zu der griechisch-lateinischen Kultur, wo der Mensch in der griechischen Kunst die Materie so umgestaltet hat, daß er sein eigenes Abbild in sie hineingeformt hat, wo der Mensch zur Überwindung der Materie durch die Schönheit gelangt. Das war früher nicht der Fall, daß, wie in der griechischen Plastik, griechischen Baukunst und Dramatik, der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Mensch sein eigenes Abbild in die Materie hineinprägt. Die menschliche Persönlichkeit wird als der höchste Ausdruck der Schönheit in der griechischen Kunst verherrlicht. Und mit der römischen Kultur sehen wir hinzukommen den Rechtsbegriff der Persönlichkeit. Es ist auch nur wieder eine ganz verkehrte Gelehrsamkeit ein einziger Blick eines verständigen Menschen kann das erkennen , die da sagt, daß es früher auch schon den Rechtsbegriff gegeben hätte. Das Gesetzbuch des Hammurabi ist etwas ganz anderes, als das, was in Rom geschaffen worden ist als Jurisprudenz. Das ist ein eigentlich römisches Produkt, denn die Jurisprudenz tauchte da auf, wo die einzelne Persönlichkeit sich auch im Recht ihr Abbild schafft; da ist der Mensch ganz auf die eigene Persönlichkeit gestellt. Man studiere und vergleiche das Testament im römischen Recht mit dem, was im Gesetzbuch des Hammurabi zu finden ist, wo die Persönlichkeit des Menschen ganz in eine Theokratie hineingestellt war. Der «römische Bürger» ist ein neues Element in dem Entwickelungszyklus der Menschheit. Noch tiefer herab in die Materie muß der Mensch in der fünften, in der germanischen Kultur; die Überwindung der Naturkräfte, die Triumphe der Technik, sie sind die Folge davon. Doch sind wir über den tiefsten Punkt dieser Entwickelung etwas hinweg. Und ein neuer Zyklus ist derjenige, der dann da sein wird, wenn die Menschen das, was sich heute als Theosophie zeigt, ganz ergriffen haben werden. Wir sehen, wie jeder Zyklus in der Kultur seinen Gipfel erreicht und wieder heruntersinkt, und wie jeder neue Zyklus die Aufgabe hat, die Kultur weiterzubringen. . . [Lücke im Text.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die feste Gleichgewichtslage gibt dem Menschen die Sicherheit, daß er erlöst werden kann von der Erde; und das Auf- und Abstreben ist das, was wir das Streben nach der eigentlichen Freiheit nennen, was die luziferischen Geister der Menschheit eingeprägt haben. So wirken in dem Weltengange zusammen das Christus-Prinzip und die luziferischen Geister und bedingen die Kultur. Es macht nichts, daß man in den ersten Zeiten des Christentums das luziferische Prinzip ausschloß, und die Menschen nur auf das Christus-Prinzip hingewiesen worden sind. Die Menschheit wird schon wieder dazu kommen, sich die Freiheit zu erobern in der vollen Hingabe an das Christus-Prinzip; denn&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
das Christus-Prinzip ist so umfassend, daß nur der es erfassen kann, der es auf der Stufe der höchsten Weisheit zu umspannen versucht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Blicken wir zurück in die vorchristlichen Zeiten. Da finden wir, wie die Religionen da sind als die Vorbereitung für das Christentum. Wir sehen bei den Indern und Persern wohl Religionen, aber Religionen, die geeignet sind für das betreffende Volk, aus dem sie herausgeboren sind. Es sind nationale, Stammes-, Rassenreligionen, die mit dem Volk auftreten, aus dem sie entstanden sind, beschränkt in ihrem inneren Wesen, weil sie in einer gewissen Weise noch hervorgehen aus den Gruppenseelen und mit ihnen verbunden sind. Mit der Christus-Religion tritt in die Menschheitsentwickelung ein Element ein, das so recht das Element der Erdenentwickelung ist. In den ersten Zeiten ist das Christentum so, daß es allerdings sofort alle früheren Religionsprinzipien durchbricht. Schroff stellt es sich entgegen dem Satz: «Ich und der Vater Abraham sind eins.» Zuerst stellt es sich dem entgegen, daß man sich mit irgend etwas, was nur menschliche Gruppe ist, als Einheit fühlen kann; vielmehr muß sich die Seele, die in jeder Persönlichkeit wohnt, mit dem ewigen Weltengrunde, der der «Vater» genannt wird, und der in jeder Seele wohnt, eins fühlen können, und das drückt es aus in dem Satz: «Ich und der Vater sind eins.» Und gegenüber dem Alten Testament, das beginnt mit den Worten: «Am Anfang war das Licht», stellt das Christentum als das Neue Testament die Worte hin: «Im Urbeginne war das Wort!» Damit war einer der größten Fortschritte der Menschheitsentwickelung gegeben. Denn bei dem Licht, das hervortritt, spricht man, soweit man von Licht sprechen kann, von etwas äußerlich Sichtbarem. Daher enthalten die alten Urkunden eine Genesis, die das Physische als eine Offenbarung des Lichtes hinstellt. Das «Wort» aber ist das, was aus dem Inneren des Wesens hervorkommt. Und ehe alle Offenbarung des Lichtes gekommen war, war dasvom Menschen, «was da war, was da ist, was da sein wird» das will sagen das, was mit dem innersten Wesen des Menschen gemeint ist. Im Urbeginn war nicht das Licht, sondern war das Wort. Das Johannes-Evangelium ist ein Dokument, das nicht neben die anderen gestellt werden darf; sondern das die anderen Urkunden erweitert von dem Zeitlichen zu dem Ewigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
So steht das Christentum da nicht als eine Religion, die eine Stammesreligion wäre, sondern es steht da als eine Menschheitsreligion, wenn es richtig verstanden wird. Indem der Christ sich eins fühlt mit dem «Vater», steht Seele der Seele gegenüber, gleichgültig welchem Stamme sie angehört. So werden alle Schranken fallen müssen unter den Einwirkungen des Christentums, und der Jupiterzustand muß vorbereitet werden unter den Einwirkungen dieses Prinzips. Daher hat das Christentum begonnen als Religion, denn die Menschheit war auf Religion gebaut. Religion aber ist etwas, was im Laufe der Menschheitsentwickelung abgelöst werden muß durch Weisheit, durch Erkenntnis. Insofern Religion auf Glauben gebaut ist und nicht von der vollen Erkenntnis durchglüht ist, ist sie etwas, was im Laufe des Menschheitsfortschrittes abgelöst werden muß. Und während der Mensch früher glauben mußte, um zum Wissen zu kommen, wird in Zukunft volle Erkenntnis leuchten, und der Mensch wird wissen und von da aus aufsteigen zur Anerkennung der höchsten geistigen Welten. Von der Religion entwickelt sich die Menschheit zu der von der Liebe wieder durchglühten Weisheit. Erst Weisheit, dann Liebe, dann von der Liebe durchglühte Weisheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun können wir fragen: Wenn aber die Religion aufgehen wird in der Erkenntnis, wenn dem Menschen nicht mehr nach der alten Form Religion gegeben sein wird, daß er bloß dem Glauben nach auf die Weisheit hingewiesen sein wird, welche die Evolution leitet, wird dann auch das Christentum nicht mehr sein? Keine andere Religion wird sein, die auf bloßen Glauben gebaut ist. Das Christentum wird bleiben, denn das Christentum ist zwar in seinem Anfang Religion gewesen, aber das Christentum ist größer als alle Religion! Das ist die Rosenkreuzerweisheit. Umfassender war das religiöse Prinzip des Christentums in seinem Anfange als das religiöse Prinzip aller anderen Religionen. Aber das Christentum ist noch größer als das religiöse Prinzip selbst. Wenn die Glaubenshüllen fortfallen werden, wird es Weisheitsform sein. Es kann ganz und gar die Glaubenshüllen abstreifen und Weisheitsreligion werden, und dazu wird Geisteswissenschaft helfen, die Menschen vorzubereiten. Die Menschen werden ohne die alten Religions- und Glaubensformen leben können, aber sie werden nicht leben&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|116}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
können ohne das Christentum; denn das Christentum ist größer als alle Religion. Das Christentum ist dazu da, alle Religionsformen zu sprengen, und das, was als Christentum die Menschen erfüllt, das wird noch sein, wenn die Menschenseelen hinausgewachsen sind über alles bloße religiöse Leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
= SIEBENTER VORTRAG, Berlin, 13. April 1908 =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das letzte Mal, als wir hier unsere Betrachtungen anstellten, konnte ich damit schließen, daß ich sagte, das Christentum sei weiter, umfassender als dasjenige, was innerhalb des religiösen Elementes eingeschlossen ist, und in jenen Zukünften, in denen die Menschheit hinausgewachsen sein wird über das, was man im Laufe der Zeit gewohnt worden ist, Religion zu nennen, in jenen Zukünften, so wurde gesagt, werde der Inhalt des Christentums, befreit von dem im alten Sinne religiösen Element, ein geistiger Kulturfaktor für die Menschheit geworden sein. Das Christentum vermag also selbst diejenige Form zu überwinden, die wir nach den bisherigen Kulturentwickelungen als die Form des religiösen Lebens aufzufassen das Recht haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit jenem letzten Vortrage sind mannigfaltige Symptome des Kulturlebens an mir vorübergezogen. Sie wissen ja, daß zwischen jener und unserer heutigen Betrachtung ein kleines Stück geisteswissenschaftlicher Arbeit in den drei nördlichen Ländern liegt: in Schweden, Norwegen und Dänemark. Die vorletzte Woche hatte ich unter anderen schwedischen Orten auch in Stockholm vorzutragen. Es wird Ihnen begreiflich sein, .wenn ich Ihnen sage, daß in jenen nördlichen Ländern, in denen ja wegen der geringen Zahl der Einwohner so viel Platz ist für die Menschen, daß sie weiter auseinander wohnen als in unseren mitteleuropäischen Kulturländern wir brauchen uns nur daran zu erinnern, daß ganz Schweden soviel Einwohner hat wie London allein , daß in jenen Gegenden, in denen so viel Platz ist, auch Gelegenheit ist, daß noch hereinspielen die alten nordischen Götter und Wesenheiten des geistigen Lebensumkreises. Man darf wohl sagen: für denjenigen, welcher etwas weiß vom Spirituellen, ist es in gewisser Beziehung so, daß an allen Ecken und Enden herausblicken die Geistesantlitze jener alten nordischen Götterwesen, welche vor dem geistigen Antlitz der nordischen Eingeweihten in den nordischen Mysterien standen in jener Zeit, in welcher noch nicht die christliche Idee hingeflutet ist über die Welt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|118}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Innerhalb dieser nicht bloß im poetischen, sondern auch im spirituellen Sinne sagenumwobenen Gegenden konnte man ein anderes Symptom mitten hineingestellt finden. Zwischen den Tagen der Stockholmer Vorträge hatte ich auch in Uppsala vorzutragen. In der Bibliothek zu Uppsala mitten drinnen zwischen all dem, was an Manifestationen spiritueller Art vorliegt von den alten vorchristlichen Götterzeiten her , da liegt ruhig die erste alte germanische Bibelübersetzung: der sogenannte Silberne Kodex, die vier Evangelien, im 4. Jahrhundert von dem gotischen Bischof Ulfilas Wulfila übersetzt. Merkwürdig: durch eine karmische Verkettung wurde im Dreißigjährigen Kriege dieses Dokument des Christentums aus Prag, wo es bis dahin war, hinauf erbeutet und ist nun aufbewahrt mitten unter denjenigen geistigen Wesenheiten, die wenigstens in ihren Erinnerungen die geistige Atmosphäre jener Gegenden durchschwirren. Und als ob es sich so gehörte, daß jenes Dokument an dieser Stelle ruhte, stellt sich auch noch die merkwürdige Tatsache hinein, daß elf Blätter dieses Silbernen Kodex einst von einem Liebhaber gestohlen wurden. Sein Erbe bekam nach längerer Zeit solche Gewissensbisse, daß er diese elf Blätter wiederum nach Uppsala schicken ließ, so daß sie also jetzt wieder mit den anderen der ersten germanischen Bibelübersetzung zusammenliegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter den drei öffentlichen Vorträgen in Stockholm hatte ich einen zu halten über die leitende Idee in Wagners Nibelungenring, und als man über die Straße ging, da war an den Säulen für die Oper angeschlagen: «Wagner: Ragnarök die Götterdämmerung», als der letzte Abend der Aufführung dieses Nibelungenringes. Es sind das wirkliche Symptome, die sich da in einer merkwürdigen Weise durcheinanderweben: die nordische Sagenwelt, die ja auf ihrem Grunde überall den tieftragischen Zug hat, darauf hinzuweisen, daß da Einer kommen wird, der diese nordische Götter-Geisterwelt ablösen werde. Ich habe Sie öfter darauf aufmerksam gemacht, daß dieser Stimmungszug der nordischen Sagenwelt wie in einem Nachklange selbst noch in der mittelalterlichen Gestalt dadurch herauskommt, daß Siegfried getötet wird an der einzigen Stelle, wo er noch verwundbar war und wie damit prophetisch auf diejenige Stelle hingedeutet wird, die später bei einem anderen zugedeckt wird durch das Kreuz, gleichsam um anzudeuten:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|119}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
hier ist eine Stelle, wo noch etwas fehlt. Das ist nicht bloß eine dichterische, poetische Anspielung, sondern das ist etwas, was tief aus der Inspiration der Sagenwelt herausgeholt ist. Denn dieser tragische Zug ruht sowohl in der nordischen Sage als auch in dem ihr zugrunde liegenden Mysterium, daß an die Stelle der nordischen Götterwelt später das christliche Prinzip treten werde. In den nordischen Mysterien hat man überall darauf aufmerksam gemacht, was diese Götterdämmerung eigentlich bedeute. Es ist zu gleicher Zeit bezeichnend ich meine damit wiederum etwas mehr als ein bloß poetisches Bild , daß bis ins Volksgemüt hinein da oben die Erinnerungen an die alten Götter mit einer großen Friedlichkeit sich vertragen mit dem, was vom Christentum hereingetragen und eingewandert ist. Man empfindet es als Symptom, diese ruhende gotische Bibel inmitten der alten Erinnerungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man kann es weiter als ein Symptom empfinden, als einen Hinweis auf die Zukunft, wenn in dem Lande, wo die Götter der Götterdämmerung so lebendig waren wie nur irgend möglich, diese Götter in der Richard Wagnerischen Form wieder erstehen, auferstehen außerhalb des in engen Grenzen sich bewegenden religiösen Lebens. Denn wer nur ein wenig die Zeichen der Zeit zu deuten vermag, wird in Richard Wagners Kunst den ersten aufleuchtenden Stern sehen, wie das Christentum in seiner tiefsten Idee heraustritt aus dem engen Rahmen des religiösen Lebens in den weiten Umkreis moderner geistiger Kultur. Man möchte es förmlich in Richard Wagners Seele selbst erlauschen, wie die religiöse Idee des Christentums heraustritt, wie sie die religiösen Fesseln sprengt und etwas Umfassenderes wird. Wenn er an den Ufern des Zürichsees von der Villa Wesendonk aus, gerade am Karfreitag des Jahres 1857, hinausblickt auf die ersten aufsprießenden Frühlingsblumen und ihm in diesem aufsprießenden Leben der erste Seelenkeim des «Parsifal» aufgeht, so ist das eine solche Transformation dessen, was, im Christentum zunächst als religiöse Idee lebt, auf einen größeren Plan hinaus. Und nachdem er sich zuerst erhoben hat in seinem Gemüt zu jener prophetischen Vorherverkündigung des Christentums, die bei ihm so gewaltig aufleuchtete in seiner Nibelungenring-Dichtung, ist später im «Parsifal» diese christliche Idee ganz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|120}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
herausgetreten und hat einen weiteren Horizont gewonnen. Damit ist sie der Ausgangspunkt für jene Zukunft geworden, wo das Christentum nicht nur religiöses Leben sein wird, sondern Erkenntnisleben, Kunstleben, Schönheitsleben im umfassenden Sinne des Wortes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das sollte heute hingestellt werden vor Ihre Seele in Anknüpfung an den Schluß unserer vorigen Betrachtung als etwas, was eine Grundempfindung erregen kann für das, was das Christentum einstmals der Menschheit werden kann. Daran anknüpfend wollen wir heute aus den Tiefen der Menschheitsentwickelung heraus die Beziehungen zwischen Religion und Christentum ein wenig ins Auge fassen. Auch der Zeitpunkt, in dem wir diese Betrachtung anstellen, ist nicht ungeeignet, gerade eine solche Betrachtung vor unsere Seele hinzuzaubern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir stehen unmittelbar vor jenem großen symbolischen Fest, das man ausdrücken könnte als das Fest, das anzeigt den Sieg des Geistes über den Tod, wir stehen vor dem Osterfest, und wir erinnern uns vielleicht jener Betrachtung, wo wir Weihnachten zu begreifen versuchten aus den Tiefen des Mysterienwesens heraus. Wenn wir von einem höheren Standpunkte aus auf der einen Seite das Weihnachtsfest, auf der anderen Seite das Osterfest mit seinem Ausblick nach dem Pfingstfeste ins Auge fassen, dann stellt sich uns gerade jenes Verhältnis zwischen Religion und Christentum, wenn wir es recht betrachten, in einer wunderbaren Art vor die geistigen Augen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir werden jetzt etwas weither holen müssen die Grundlage zu dieser Betrachtung, aber wir werden daraus auch sehen, was eigentlich in solchen Festen konserviert ist und was sie in unserer Seele auferwecken können. Weit werden wir zurückgehen in der Menschheitsentwickelung, wenn auch nicht so weit, wie das in unseren letzten Vorträgen der Fall war, weder der Zeit noch dem Raume nach. Aber die Betrachtungen, die wir angestellt haben, werden uns eine Hilfe sein, weil wir daraus den Hergang der Erdentwickelung und ihren Zusammenhang mit der Entwickelung der Wesenheiten des Himmelsraumes ersehen haben. Wir werden heute nur zurückgehen ungefähr bis in die Mitte des atlantischen Zeitalters. Es ist dasjenige Zeitalter, in dem die Vorfahren der heutigen Menschheit im Westen von Europa gewohnt haben, zwischen Europa und Amerika, auf jenem Kontinent, der heute&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
den Boden des Atlantischen Ozeans bildet. Die Erde hat dazumal anders ausgesehen. Was heute Wasseroberfläche ist, war damals Landoberfläche, und da wohnten die Vorfahren der Menschen, die heute die europäisch-asiatische Kulturmenschheit ausmachen. Wenn wir nun einen geistigen Blick auf das Seelenleben dieses vorsintflutlichen atlantischen Volkes werfen, dann stellt sich uns dasselbe ganz anders dar als das Seelenleben der nachatlantischen Menschheit. Wir wissen aus früheren Betrachtungen, wie gewaltig im Laufe der Erdentwickelung sich alles, auch in der Seele der Menschen, geändert hat. Bis zu jenem Wechselzustande hin von täglichem Wachen und nächtlichem Schlafen hat sich alles im menschlichen Bewußtseinsleben geändert seit jener Zeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heute ist es ja das Normale des Menschen, wenn er am Morgen aufwacht, daß er mit seinem Astralleibe und dem Ich in den physischen Leib und Ätherleib untertaucht. Und indem er untertaucht, bedient er sich seiner Augen zum Sehen, seiner Ohren zum Hören und seiner anderen Sinneswerkzeuge, um die Eindrücke aus der Sinneswelt um sich herum wahrzunehmen. Er taucht unter in sein Gehirn und sein Nervensystem und kombiniert die Sinneseindrücke. Das ist sein Tagesleben. Abends zieht er wieder seinen astralischen Leib und sein Ich heraus aus dem physischen und dem Ätherleibe. Und wenn der Mensch einschläft und sein physischer und Ätherleib im Bett liegen, dann versinken alle die Eindrücke der Sinneswelt und des Tageslebens. Da versinken Lust und Leid, Freude und Schmerz, alles, was das innere Seelenleben ausmacht, und dunkel und finster ist das Leben in der Nacht um den Menschen herum.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das war etwa in der Mitte der atlantischen Zeit noch nicht so. Da bietet das Bewußtseinsleben des Menschen ein wesentlich anderes Bild. Wenn der Mensch des Morgens untertauchte in seinen physischen Leib und seinen Ätherleib, dann traten ihm nicht jene bestimmten, scharf umrissenen Bilder der physischen Außenwelt entgegen, sondern die Bilder waren viel unbestimmter, etwa so, wie uns heute die Straßenlaternen im dichten Nebel wie aurisch umsäumt erscheinen von regenbogenförmigen Farbengebilden. Da haben Sie einen kleinen Vergleich, um sich eine Vorstellung von dem zu bilden, was der Atlantier in der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Mitte seines Zeitalters sah. Nur waren diese Farben, die die Gegenstände umsäumten und die ihre scharfen Grenzen, wie sie der Mensch heute sieht, noch nicht zuließen, und auch die Töne, die aus den Gegenständen erklangen, noch nicht solche nüchternen Farben und Töne wie heute. Es drückte sich in diesen Farbenrändern, die auch alle lebenden Wesen umgaben, etwas aus von dem inneren Seelenleben der Wesen, so daß der Mensch, wenn er in seinen physischen und seinen Ätherleib untertauchte, noch sozusagen etwas von dem geistigen Wesen der Dinge, die um ihn herum waren, wahrnahm, zum Unterschied von heute, wo er, wenn er am Morgen untertaucht in seinen physischen und Ätherleib, bloß die physischen Dinge in ihren scharfen Grenzen und farbigen Oberflächen wahrnimmt. Und wenn des Abends der Mensch seinen physischen und seinen Ätherleib verließ, dann breitete sich um ihn herum nicht lautlose Stille und Finsternis aus. Dann waren diese Bilder, die er wahrnahm, höchstens ein wenig anders, aber kaum viel schwächer als am Tage. Es bestand nur der Unterschied, daß er während des Tageslebens die äußeren Gegenstände des mineralischen, pflanzlichen, tierischen und Menschenreiches wahrnahm. Des Nachts aber, wenn der Mensch sich heraushob aus seinem physischen und Ätherleib, dann war ihm der Raum auch von solchen Farbenbildern und Tönen erfüllt, auch von allen möglichen Eindrücken des Geruchs und Geschmacks, von allem, was ringsherum war. Aber diese Farben und Töne und diese Eindrücke von Wärme und Kälte, die er da wahrnahm, das waren die Kleider und Hüllen von geistigen Wesenheiten, welche gar nicht heruntergestiegen waren bis zu einer physischen Verkörperung, von Wesenheiten, deren Namen und Vorstellung in den Sagen und Mythen erhalten sind. Denn Sagen und Mythen sind nicht «Volksdichtungen», sondern Erinnerungen an jene Schauungen, welche die Menschen in alten Zeiten in solchen Zuständen hatten; denn diese Menschen nahmen Geistiges bei Tag und Geistiges bei Nacht wahr. Der Mensch lebte wirklich umgeben in der Nacht von jener nordischen Götterwelt, die in Sagen und Mythen erhalten ist. Odin und Freya und all die anderen Gestalten der nordischen Sage sind nicht erfunden. Sie sind ebenso wahr erlebt worden in der geistigen Welt von jener Vormenschheit, wie heute der Mensch in seiner Umgebung seine Mitmenschen erlebt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Und die Sagen und Mythen sind die Erinnerungen an das, was der Mensch in allem erlebte, was er in seinem dämmerhaften, hellseherischen Zustande durchgemacht hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als dieser Bewußtseinszustand, der sich aus einem noch älteren Zustand entwickelt hat, mehr und mehr herauswuchs, da war am Himmel stehend die Sonne im Zeichen der Waage in dem Zeitpunkt, den wir heute den Frühling nennen. Und indem wir uns jetzt weiterbewegen in der Zeit, die die atlantische heißt, sehen wir, wie sich immer mehr herausbildet der Zustand, den wir heute haben. Immer dumpfer, immer unbeträchtlicher wurden die Eindrücke, die der Mensch hatte, wenn sein Astralkörper und sein Ich in der Nacht aus dem physischen und dem Ätherleibe heraus waren. Immer deutlicher wurden die Tagesbilder, die er empfing, wenn er in seinem physischen und seinem Ätherleibe darinnen war, kurz, immer mehr und mehr so dürfen wir paradox sagen wurde für ihn die Nacht zur Nacht und der Tag zum Tage.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann kam die atlantische Flut, und auf gingen die späteren nachatlantischen Kulturen, jene Kulturen, die ich Ihnen oft geschildert habe, die wir nennen die alte indische Kultur, innerhalb welcher die heiligen Rishis selber die Menschen gelehrt haben, die alte persische, die chaldäisch-assyrisch-babylonisch-ägyptische Kultur, dann die griechisch-lateinische und endlich unsere Kultur. Wollen wir heute die Stimmung schildern, in der die Menschen in der nachatlantischen Zeit und zum Teil auch schon in den letzten Zeiten der atlantischen Epoche waren, so tritt uns diese Stimmung so entgegen: überall waren die Völker, auch die, welche nach dem Osten gezogen waren und sich dort angesiedelt haben als die Nachkommen der atlantischen Völker, noch im Besitz der alten Erinnerungen, der alten Sagen und Mythen, welche wiedergaben, was die Menschen in einer früheren Zeit, in einem früheren Bewußtseinszustande der atlantischen Zeit erlebt haben. Diesen Sagenschatz hatten sich die Völker aus der atlantischen Zeit mitgebracht, und sie bewahrten und erzählten ihn. Das war dasjenige, was sie erfüllte, und die ältesten Bewohner des Nordens spürten durchaus noch die Kraft, die aus den Sagen und Mythen zu ihnen sprach, weil die ältesten Ahnen die Erinnerung daran hatten, daß einst die Vorfahren selbst das gesehen hatten, was da erzählt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|124}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch etwas anderes wurde innerhalb dieser Völker bewahrt, was zwar die Völker nicht erlebt haben, was aber diejenigen erlebt haben, welche die Eingeweihten jener alten Zeiten waren, die Mysterienpriester und Mysterienweisen. Sie hatten geistig hineinschauen dürfen in dieselben Tiefen des Weltendaseins, die heute wiederum durch die Geistesforschung erschlossen werden. Sie hatten hineinschauen dürfen, weil die Seelenzustände der menschlichen Vorfahren innerhalb der Eingeweihtenschaft geradeso waren, wie die der Volksseele, die in den alten Zeiten noch mitten darin lebte in der geistigen Welt. Wenn auch in dämmerhafter Weise, so war doch jener hellsehende Zustand in jenen alten Zeiten noch vorhanden. Bewahrten sich so die Völker ihre Sagen und Märchen und Mythen auf, die in vielfach gebrochenen Strahlen das zeigten, was früher erlebt worden war, so wurde in der uralten Weisheit dasjenige bewahrt, was in den Mysterien erschaut wurde, was in den alten Zeiten gepflegt worden war: eine umfassende Weltanschauung, die dann in den Mysterien denen, die eingeweiht wurden, zum unmittelbaren individuellen Bewußtsein gebracht werden konnte. Nur noch künstlich konnte man in den alten Mysterien jene Zustände hervorrufen, die in den alten Zeiten natürlich waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Warum war in jenen alten Zeiten jener Zustand des geistigen Wahrnehmens natürlich? Deshalb, weil noch ein anderer Zusammenhang zwischen dem physischen und dem Ätherleib bestand. Der heutige Zusammenhang ist erst im Laufe der letzten atlantischen Zeit entstanden. Beim atlantischen Menschen ragte der obere Teil des Ätherkopfes und noch manche andere Teile des ätherischen Leibes weit hinaus über den physischen Kopf, und nach und nach, erst gegen Ende der Atlantis, rückte der Ätherkopf vollständig in den physischen Kopf hinein. Da brachte sich der Ätherleib fast zur Deckung mit dem physischen Leib. Durch dieses Zusammenfallen des physischen und des Ätherteiles des Kopfes wurde der spätere Bewußtseinszustand hervorgerufen, der den Menschen nach der atlantischen Zeit eigen geworden war: die Möglichkeit, in scharfen Grenzen die physischen Gegenstände im heutigen Sinne wahrzunehmen. Daß er die Töne hören kann, die Gerüche empfindet, die Farben an der Oberfläche sieht, wo sie ihm&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|125}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nicht mehr die Zeugen für das geistige Innere der Dinge sind, dies alles war mit jenem festeren Zusammenfügen des physischen Leibes und des Ätherleibes verbunden, das damals nach und nach eintrat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den noch älteren Zeiten, wo der Ätherleib noch zum Teil außerhalb des physischen Leibes war, war es noch so, daß dieser draußen befindliche Teil des Ätherleibes immer noch vom Astralleib seine Eindrücke empfangen konnte, und diese Eindrücke waren die Wahrnehmungen des alten dämmerhaften Hellsehens. Erst als der Ätherleib völlig in den physischen Leib untertauchte, war dem Menschen das alte dämmerhafte Hellsehen völlig entzogen. In jenen alten vorchristlichen Mysterien mußte daher derjenige Zustand bei dem Einzuweihenden von dem Initiierenden künstlich hervorgerufen werden, der in der atlantischen Zeit natürlich war. Da sehen wir, daß die einzuweihenden Schüler in den Mysterientempeln so behandelt wurden, daß, nachdem der astralische Leib die entsprechenden Eindrücke erhalten hatte, der Ätherleib zum Teil herausgehoben wurde durch den einweihenden Priester, wodurch der physische Leib während dreieinhalb Tagen in einen lethargischen Schlaf, in eine Art Lähmungszustand versetzt wurde. Dann konnte, während der Ätherleib frei geworden war, der Astralleib in ihn eindrücken all die Erlebnisse, die der frühere atlantische Mensch in natürlichem Zustand gehabt hat. Da konnte der alte Einzuweihende sehen, was nun nicht mehr bloß durch die Schrift aufbewahrt, nicht für ihn Tradition war, sondern was jetzt für ihn ein individuelles Erlebnis wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vergegenwärtigen wir uns, was der Einzuweihende da durchlebt hat. Während der Mysterienpriester aus dem physischen Leib den Ätherleib zum Teil herausholte und hineinleitete die Eindrücke des Astralleibes in diesen herausgehobenen Ätherleib, da erlebte der Einzuweihende die geistigen Welten so stark, daß er die Erinnerung daran in die physische Welt mit hereinbrachte. Er war Zeuge dessen geworden, was in den geistigen Welten vorging. Er konnte Zeugnis davon ablegen, und er war hinausgehoben über all dasjenige, was sonst geteilt war nach Völkern und Nationen, denn er war eingeweiht in dasjenige, was alle, alle Völker miteinander verbindet: in die Urweisheit, in die Urwahrheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|126}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So war es in den alten Mysterien. So war es auch in denjenigen Augenblicken, von denen ich Ihnen bei dem Weihnachtsmysterium sprechen durfte, wo diejenigen Dinge, welche das eigentlich Charakteristische des späteren Bewußtseins bildeten, vor dem Blicke des Eingeweihten verschwanden. Bedenken Sie einmal, daß ja darin das Wesentliche des nachatlantischen Bewußtseins bestand, daß der Mensch jetzt nicht mehr vermochte in das Innere der Dinge hineinzuschauen, daß eine Grenze zwischen ihm und dem Inneren des Dinges besteht und daß er von den Dingen der physischen Welt nur die Oberfläche sieht. Was undurchschaubar und undurchsichtig geworden war für das Bewußtsein des Menschen der nachatlantischen Zeit, das wurde für den Einzuweihenden durchsichtig und durchschaubar. Er konnte dann, wenn der große Moment an ihn herantrat, in dem, was man Weihenacht nennt, die feste Erde durchschauen, und er konnte «die Sonne um Mitternacht sehen», das Geistige der Sonne «um Mitternacht» sehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im wesentlichen war also diese vorchristliche Einweihung etwas wie ein Zurückrufen dessen, was in alten Zeiten den Menschen natürlich war, was in alten Zeiten die Menschen als ihren natürlichen Bewußtseinszustand erlebten. Immer mehr wuchsen die Menschen heraus aus dieser Erinnerung an die alten Zeiten. Wir haben gesehen, wie Stück für Stück mit den fortschreitenden Kulturzyklen die Menschheit herausgewachsen ist aus jenen alten Erinnerungen und wie ihr immer mehr die Fähigkeit abhanden gekommen ist, außerhalb des physischen Leibes etwas zu erleben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der ersten Zeit der nachatlantischen Epoche, im alten Indertum, in der persischen, chaldäischen, ja sogar in der ägyptischen Kultur gab es noch viele Menschen, welche ihren Ätherleib mit dem physischen Leib durchaus noch nicht so fest verkettet hatten, daß sie nicht noch Eindrücke aus den geistigen Welten wie atavistische Rückbleibsel aus einer früheren Zeit hätten erhalten können. Dann aber, während der griechisch-lateinischen Zeit, schwanden sozusagen alle diese Rückbleibsel aus einer früheren Zeit dahin, und immer weniger ergab sich die Möglichkeit, die alte Einweihung in derselben Weise durchzuführen wie früher. Immer geringer wurde auch die Möglichkeit, die Erinne-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|127}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
rungen an die alte Urweisheit für die Menschheit zu bewahren. Wir nähern uns immer mehr unserem eigenen fünften Zeitalter, das, innerlich angesehen, etwas ganz Besonderes bedeutet innerhalb der Menschheitsevolution.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dem vierten Zeitraum, also in der griechisch-lateinischen Zeit, war die Sache noch so, daß man sagen kann, es war noch ebensogut die Möglichkeit vorhanden, sich zurückzuerinnern an das, was die Menschheit einst geschaut hatte im alten dämmerhaften Hellsehen, wie auf der anderen Seite bei einigen Menschen ein vollständiges Wohnen in dem physischen Leibe vorhanden war und damit ein vollständiges Abgeschlossensein von den geistigen Welten. Unser ganzes Leben zeigt uns, daß der Mensch unseres fünften nachatlantischen Zeitalters noch tiefer in den physischen Leib untergetaucht ist. Das äußere Kennzeichen dafür ist das Auftauchen der materialistischen Vorstellungen. Sie tauchen zuerst in dem vierten Zeitraum auf, bei den althellenischen Atomisten. Dann verschwinden sie und tauchen immer wieder auf, bis sie immer mächtiger werden in den letzten vier Jahrhunderten, so daß der Mensch nicht nur die positiven alten Inhalte der Erinnerung an die geistigen Welten verliert, sondern auch den Glauben an die geistigen Welten überhaupt. Das ist der Tatbestand. So tief ist der Mensch in diesem fünften Zeitraum in den physischen Leib untergetaucht, daß er sogar den Glauben verloren hat. In vielen Menschen ist dieser Glaube an das Vorhandensein der geistigen Welten völlig verlorengegangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fragen wir uns jetzt von einem anderen Gesichtspunkte aus: Wie war also der Gang der Menschheitsentwickelung? Wir blicken zurück in jene alte atlantische Zeit, die wir uns anschaulich zu machen versuchten, und wir können sagen, der Mensch lebte da noch mit seinen Göttern. Er glaubte nicht nur an sich selber und an die drei Reiche der Natur, sondern er glaubte auch an die höheren Reiche der geistigen Welten, denn er war ja ihr Zeuge in der atlantischen Zeit. Es war kein großer Unterschied zwischen seinem nächtlichen und seinem Tagesbewußtsein. Sie hielten sich noch die Waage, und der Mensch wäre ein Tor gewesen, wenn er abgeleugnet hätte, was tatsächlich um ihn herum wahrnehmbar war, denn er sah die Götter. Religion in unserem heutigen Sinne konnte es damals noch nicht geben, denn man&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|128}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
brauchte noch nicht die Religion. Was der Inhalt der Religion ist, war für die Menschen der atlantischen Zeit eine Tatsache. Ebensowenig wie Sie eine Religion brauchen, um an Rosen, Lilien, Felsen und Bäume zu glauben, ebensowenig brauchte der Atlantier eine Religion, um an Götter zu glauben, denn sie waren für ihn Tatsachen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Immer mehr verschwanden aber diese Tatsachen. Immer mehr wurde der Inhalt der geistigen Welten zu einer Erinnerung, zum Teil aufbewahrt in Traditionen von dem, was man aus alten Zeiten erzählte, daß es die Vorväter gesehen hätten, zum Teil aufbewahrt in den Sagen und Mythen und in dem, was einzelne, besonders veranlagte hellsehende Menschen davon noch selbst sahen. Vor allem wurde dieser Inhalt der geistigen Welten aber aufbewahrt in dem, was in den Mysterien die Mysterienpriester hüteten. Alles was die Hermespriester in Ägypten, die Priester des Zarathustra in Persien, was die chaldäischen Weisen, was die indischen Nachfolger der heiligen Rishis bewahrten, das war nichts anderes als die Kunst, den Menschen in der Einweihung wieder zum Zeugen dessen zu machen, was die Vormenschheit auf natürliche Weise in ihrer Umgebung gesehen hat. Und je nachdem ein Volk beschaffen war, mit seinen besonderen Befähigungen und Empfindungen, je nach dem Klima, in dem es lebte, wurde dasjenige, was in den Mysterien aufbewahrt wurde, in der Religion des Volkes verbildlicht, da in dieser und dort in jener Religion. Aber die Urweisheit lag allen diesen Religionen zugrunde als die große Einheit derselben. Diese Urweisheit war die gleiche, eine einheitliche, ob sie Pythagoras in seiner Schule pflegte, ob die Hermesschüler in Ägypten, ob die chaldäischen Weisen in Vorderasien, ob Zarathustra in Persien oder die Brahmanen in Indien sie lehrten: überall die gleiche Urweisheit, nur abgestuft nach den Bedürfnissen und nach den besonderen Verhältnissen in den Volksreligionen, wie sie uns in den einzelnen Gegenden entgegentreten. Da sehen wir das Werden der religiösen Kultur.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was ist also diese religiöse Kultur? Religiöse Kultur ist die eben geschilderte Art der Vermittlung der geistigen Welten für diejenige Menschheit, die nicht mehr die Fähigkeit hat, mit eigenen Wahrnehmungswerkzeugen diese geistige Welt zu erleben. Religion wurde die&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|129}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kunde, die Botschaft von der geistigen Welt für alle diejenigen, die nicht mehr die geistige Welt als Tatsache erleben konnten. So breitete sich das geistige Leben als Kultur in religiöser Form über das Erdenrund aus. Es lebte so in den verschiedenen Kulturperioden, von der altindischen, altpersischen, ägyptisch-chaldäischen, griechisch-lateinischen Epoche bis in unsere Zeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Untergetaucht ist der Mensch in seinen physischen Leib zum Zwecke, die Außenwelt zu erfahren, zu erleben mit den physischen Sinnen, um dasjenige, was er draußen erlebt mit den physischen Sinnen, hineinzunehmen in seine Geistigkeit, um sie künftigen Evolutionsstufen entgegenzuführen. Nun sind wir aber jetzt, insofern wir hinuntergetaucht sind in den physischen Leib, weil wir die Mitte unserer nachatlantischen Kulturen überschritten haben, in einem ganz besonderen Falle. Noch nicht alle, aber zahlreiche Menschen sind schon in diesem Falle. Alle Entwickelung innerhalb der Menschheit geht in merkwürdiger Weise vor sich. Sie geht sozusagen bis zu einem gewissen Punkte voran, und von da ab geht sie dann in entgegengesetzter Richtung. Nachdem die Entwickelung bis zu einem gewissen Punkte heruntergestiegen ist, steigt sie wieder hinauf und kommt wieder an denselben Etappen an, nur in einer höheren Form, so daß der Mensch heute tatsächlich vor einer merkwürdigen Zukunft steht: vor der Zukunft das weiß jeder, der diese tief bedeutsame Tatsache der Menschheitsentwickelung kennt , daß sich sein Ätherleib nach und nach wieder lockert, nachdem er untergetaucht war in den physischen Leib, in welchem er in scharfen Grenzen und Formen alles dasjenige wahrgenommen hat, was in der physischen Welt heute wahrzunehmen ist. Der Ätherleib muß sich wieder lockern, muß sich wieder herausheben, damit der Mensch zu der Vergeistigung aufsteigen kann und in der geistigen Welt wahrnehmen kann. Tatsächlich ist die Menschheit heute schon wiederum an dem Punkte, wo bei einem großen Teil der menschlichen Individuen die Ätherleiber sich wieder lockern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun tritt uns etwas höchst Merkwürdiges entgegen. Es ist geradezu das Geheimnis unserer Kulturzeit, an das wir jetzt streifen, wenn wir uns diese Tatsache vor Augen führen. Wir müssen uns vorstellen, daß der Ätherleib tief in den physischen Leib hineingestiegen ist und nun&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|130}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wieder den Rückweg antreten muß. Er muß mitnehmen aus dem physischen Leibe alles, was er mit seinen physischen Sinnen wahrnehmen konnte. Aber dadurch, daß sich der Ätherleib wieder lockert, wird alles, was früher physische Wirklichkeit war, sich nach und nach wieder vergeistigen müssen. Der Mensch muß nun mitnehmen in die Zukunft hinein das Bewußtsein, die Gewißheit, daß es ein Geistiges auch im Physischen gibt. Denn, was tritt sonst für ihn ein? Sein Ätherleib geht sonst aus dem physischen Leib heraus, aber der Mensch behält nur den Glauben an die physische Welt und ihm fehlt das Bewußtsein, daß das Geistige im Physischen eine Wirklichkeit hat, welche mit dem Ätherleibe selbst als Frucht des im physischen Leibe Erlebten heraustritt. So könnte es passieren, daß die Menschen sozusagen nicht den Anschluß fänden an dieses Heraustreten ihres Ätherleibes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Halten wir genau und bestimmt den Punkt fest, wo der Ätherleib des Menschen ganz und gar darinnensitzt im physischen Leibe und beginnt, wiederum herauszugehen. Nehmen wir nun an, der Mensch entläßt seinen Ätherleib so, daß er verloren hat den Glauben, das Bewußtsein einer geistigen Welt, solange er im physischen Leibe lebte, daß er sich so abgeschnitten hat den Zusammenhang mit der geistigen Welt im physischen Leibe. Nehmen wir an, er ist so fest und tüchtig hinabgestiegen in den physischen Leib, daß er sich nichts hat retten können als den Glauben, daß das physische Leben allein Wirklichkeit sei. Und nun tritt er in die folgende Zeit hinein. Der Ätherleib tritt heraus, verläßt ihn unweigerlich, und der Mensch ist nicht imstande, sich das hineinzuretten in diesen Zustand, daß es ein Bewußtsein einer geistigen Welt gibt. Er erkennt dann diese geistige Welt nicht. Das ist das, was der Menschheit in der nächsten Zeit bevorstehen könnte: daß sie die geistige Welt, die sie durch die Lockerung des Ätherleibes erleben müßte, nicht erkennt, daß sie diese für Einbildung, Phantastik, Illusion hält. Und diejenigen, die in der raffiniertesten Weise vielleicht sagen wir, um nicht anzüglich zu sein: in der subtilsten Art hinabgestiegen sind in den physischen Leib, welche die materialistischen Gelehrten geworden sind, das heißt, sich die starrsten Begriffe über die Materie angeeignet haben, das sind die, welche am stärksten vor der Gefahr stehen, bei der Lockerung ihres Ätherleibes keine Ahnung zu haben,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|131}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
daß es eine geistige Welt gibt. Sie halten dann alles, was sie von einer geistigen Welt erleben, für Illusion, Phantastik, Träumerei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nur ein Beispiel sei vor Sie hingestellt: ein psychologisches Buch ist in der letzten Zeit von einem deutschen Professor erschienen. Darin soll gezeigt werden, daß die Seele eigentlich ganz identisch ist mit dem Gehirn und nur von einer anderen Seite aus die Verrichtungen zeigt, einmal von außen, einmal von innen. Das Innerliche sei Gefühl, Vorstellung und Wille, und das Äußere das Gehirn, anatomisch-physiologisch untersucht. In diesem Buche finden Sie einen merkwürdigen Ausspruch; da wird darauf hingewiesen, daß, wenn eine selbständige Seele da wäre, dann müßte man doch annehmen, daß diese selbständige Seele ihre Kräfte durch alle die Eindrücke, die der Mensch empfängt, vermehren oder vermindern müßte. Aber nun bestehe da das Energiegesetz, das besagt, daß alle diejenigen Kräfte, die der Mensch von außen aufnimmt, auch wieder von ihm ausströmen müssen, und es wird darauf hingewiesen, wie bei einem Menschen auch die ganze Wärmeenergie, die er aufnimmt, wiederum abgegeben werde. Da das dem allgemeinen Energiegesetz unterliegt, und da man sieht, daß das, was hineingeht, auch wieder herauskommt, müsse man daraus schließen, daß darin doch keine selbständige Seele eingriffe, sondern daß da rein materielle Vorgänge vorliegen, die sich da drinnen umsetzen und die wiederum ausströmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nicht soll irgend etwas Abträgliches an Kritik gesagt werden über solch ein Buch und über solch eine Lehre, die an den offiziellen Lehrkanzeln unserer offiziellen Wissenschaft gelehrt wird, denn die Menschen können nichts dafür, daß sie solche Lehren ausdenken; sie leben unter den furchtbarsten Suggestionen. In Wahrheit ist es ebenso gescheit, wenn man untersucht, wieviel Wärme in den Menschen hinein- und wieder herauskommt und daraus schließt, daß er keine Seele habe, wie wenn jemand sich vor dem Büro eines Bankhauses aufstellte und prüfen wollte, wieviel Geldmassen hineingehen und wieder herauskommen und nun daraus schließen wollte, nachdem alle die Energien, also die Geldmassen, wieder herausgekommen sind, daß keine Bankbeamten drinnen seien! Derlei Gedankenformen finden Sie heute fast überall in alledem, was als offizielle Psychologie gilt. Und wie unge-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|132}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
heuer suggestiv wirken sie auf unsere heutige Menschheit! Das ist das Zeitalter, in dem am stärksten in den physischen Leib untergetaucht sind gerade diejenigen, welche die Führer der Menschheit sein wollen und die da glauben, mit einer voraussetzungslosen Wissenschaft zu operieren. Sie haben während des Untertauchens des Ätherleibes in den physischen Leib vollständig das Bewußtsein verloren, daß es eine geistige Welt gibt, und es muß gesagt werden, daß gerade diese Gelehrten am stärksten dem Schicksal verfallen werden, welches ich Ihnen jetzt schildern muß. Was kann denn das Schicksal dieser Menschen in der Zukunft sein?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn der Mensch in der Zukunft sein Leben richtig leben soll, wenn der Ätherleib wieder gelockert ist, muß der Mensch das Bewußtsein haben von dem, was sich diesem Ätherleib bietet und was der Menschheit dann entspricht. Und damit er ein Bewußtsein habe von dem, was sich bietet als Erkenntnis der geistigen Welt, ist es notwendig, daß die Menschheit über den Punkt, wo der Mensch ganz hineinversenkt ist in das Physisch-Sinnliche, sich hinüberbewahre die Erkenntnis, daß es eine geistige Welt gibt. Es darf niemals der Anschluß vom religiösen Leben zum Leben in der Erkenntnis verloren werden. Von dem Leben unter den Göttern ist der Mensch ausgegangen; zu einem Leben mit den Göttern wird er wieder aufsteigen. Aber er wird sie erkennen müssen! Er wird wirklich wissen müssen, daß die Götter Wirklichkeiten sind. An die alten Zeiten wird sich der Mensch nicht mehr erinnern können, wenn sein Ätherleib wieder gelockert wird. Hat er in den mittleren Zeiten das Bewußtsein der geistigen Welt verloren, hat er sich einzig und allein angeeignet den Glauben, daß das Leben im physischen Leibe und das im physischen Leib Schaubare das einzig Wirkliche sind, dann schwebt er für alle Zukunft in der Luft. Dann kennt er sich nicht aus in den geistigen Welten, dann hat er den Boden unter den Füßen verloren. Dann tritt für ihn die Gefahr dessen ein, was man den «geistigen Tod» nennt; denn dasjenige, was um ihn herum ist, ist dann Unwirklichkeit, Illusion, für dessen Wirklichkeit er kein Bewußtsein hat, woran er keinen Glauben hat, und er stirbt ab. Das ist das wirkliche Absterben in der geistigen Welt, ist etwas, was den Menschen droht, wenn sie nicht mitbringen beim Eintritt in die geistigen Welten das Bewußtsein von dieser geistigen Welt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|133}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wo aber ist der Punkt in der Menschheitsevolution, wo völlig errungen werden kann das Bewußtsein von der geistigen Welt? Da ist der Punkt, wo durch ein Hinuntersteigen in einen physischen Leib und durch die Überwindung desselben das große Vorbild vor die Menschen hingestellt worden ist, jenes große Vorbild, das in dem Christus gegeben ist. In dem völligen Verständnis für den Christus ist dasjenige zu erringen, was der Menschheit die Möglichkeit bietet, den Anschluß zu gewinnen an alle Erinnerungen der Vorzeit und an alle Prophetie der Zukunft. Denn alle Religionsstifter vor Christus, worauf wiesen sie hin? Sie wiesen hin auf die früheren Inkarnationen und auf die späteren Inkarnationen des Menschen. Der Christus trat ein in den Leib des Jesus von Nazareth, als der Jesus von Nazareth dreißig Jahre alt war. Christus war die Wesenheit, die in einem physischen Leibe nur einmal lebte. Und durch dieses einmalige Besiegen des Todes, wenn es richtig verstanden wird, wird dem Menschen gezeigt, wie er zu leben hat, um in alle künftigen Zeiten das Bewußtsein hineinzubringen, daß es eine geistige Welt gibt. Das ist die Vereinigung mit dem Christus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und wie wird die Christus-Idee leben in dem Menschen der Zukunft? Der Mensch der Zukunft wird ebenso zurückblicken auf unsere Epoche, wo der Mensch im physischen Leibe gelebt hat, wie der Mensch der nachatlantischen Zeit in die atlantische Zeit zurückblickt, wo die Menschen noch mit den Göttern zusammenlebten. Er wird sich fühlen als der Sieger über dasjenige, was im physischen Leibe erlebt wird. Wenn er dann wieder zum geistigen Plan aufsteigt, wird er herunterweisen auf das Physische als auf das, was überwunden ist. Das sollen wir fühlen in einer großen prophetischen Tat, wenn wir auf das Osterwunder hinschauen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zweierlei Möglichkeiten hat der Mensch der Zukunft vor sich. Die eine Möglichkeit ist diese, daß er sich zurückerinnert an jene Zeit, wo er die Erlebnisse im physischen Leibe gehabt hat und sich sagt: Das allein, was damals war, war wirklich. Wir sind nunmehr in der Welt der Illusionen; die Wirklichkeit war das Leben im physischen Leib. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Mensch blickt hin auf das verlassene Physische wie auf ein Grab, und das, was er in dem Grabe erblickt, ist Leichnam; aber der Leichnam stellt als das Physische für ihn die wahre Wirklichkeit dar. Das&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|134}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ist die eine Möglichkeit. Die andere Möglichkeit ist die, daß der Mensch zurückblickt auf das in der physischen Welt Erlebte wiederum wie auf ein Grab, aber so, daß er denen, die glauben, daß das Physische allein das Wahre, Wirkliche gewesen ist, sagt und tief fühlt die Wahrheit dieser Worte: «Den ihr suchet, der ist nicht mehr da!» Das Grab ist leer und Derjenige, um den es sich handelt, der ist auferstanden! Das leere Grab und der auferstandene Christus, das ist das Mysterium der Prophetie; und so haben wir in dem Ostermysterium das Mysterium der Prophetie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die große Synthesis von dem Weihnachtsmysterium als Wiederholung der alten Mysterien und dem Ostermysterium, als das Mysterium der Zukunft, das Mysterium des auferstandenen Christus, das wollte Christus vor die Menschheit hinstellen. Das ist das Mysterium des Osterfestes. Das wird die Zukunft des Christentums sein, daß die christliche Idee nicht bloß etwas ist wie eine Kunde von höheren Welten, nicht bloß etwas wie Religion ist, sondern daß die christliche Idee ein Bekenntnis und ein Impuls des Lebens ist: ein Bekenntnis, weil der Mensch in dem auferstandenen Christus dasjenige sieht, was er selbst zu erleben hat in aller Zukunft, eine Tat des Lebens, weil der Christus nicht bloß dasjenige ist, zu dem er hinaufschaut, der ihm etwa bloß Trost gewährt, sondern der ihm das große Vorbild ist, dem er nachlebt, indem er den Tod überwindet. Im Geiste des Christentums tätig sein, leben, in dem Christus nicht bloß den Tröster sehen, sondern den Christus als den ansehen, der uns vorangeht und der im tiefsten Sinne mit unserer tiefsten Wesenheit verwandt ist, dem wir nachleben: das ist die Christus-Idee der Zukunft, die zu durchdringen vermag alle Erkenntnis, alle Kunst, alles Leben. Und wenn wir uns erinnern wollen, was alles die Osteridee enthält, so werden wir in ihr ein Symbolum finden des Christentums der wahren Tat und des wahren Lebens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn die Menschen längst nicht mehr brauchen werden die religiösen Mitteilungen, die ihnen Kunde bringen von den Göttern der alten Zeiten, weil sie wieder leben werden unter den Göttern, dann wird ihnen Christus derjenige sein, der sie stark und kräftig machen wird, um den richtigen Standpunkt zu finden mitten unter den Göttern. Der Religion wird es dann nicht mehr bedürfen, um an Götter zu glauben,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|135}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die die Menschen wieder sehen werden, wie es ihrer früher nicht bedurfte, als sie unter Göttern lebten. Da brauchten sie nicht zu glauben, und sie werden nicht brauchen zu glauben an die Götter, die sie wieder sehen werden, wenn sie gestärkt und gekräftigt mit dem, was aus dem Christentum zu gewinnen ist, unter diese Götter treten werden. Dann werden sie selbst vergeistigt unter geistigen Wesenheiten sein und dann ihre Arbeit unter den geistigen Wesenheiten vollbringen können. So wird der Mensch in einer gar nicht so fernen Zukunft wiederum sehen, wie die physische Welt für ihn ihre Bedeutung verliert und wie sozusagen die physischen Dinge verblassen. Ihre Wirklichkeit wird verblassen, auch wenn der Mensch noch lange auf der Erde sein wird. Wenn aber die physischen Dinge ihre Bedeutung und Wichtigkeit verlieren werden und verblassen werden, dann wird der Mensch entweder dahinschwinden sehen die Wesentlichkeit des Physischen und nicht glauben können an die Geistigkeit, die vor ihm aufsteigt, oder aber er wird glauben können und das Bewußtsein sich hinüberretten für die Geistigkeit der Zukunft, und er wird dann nicht den geistigen Tod erleben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einer Wirklichkeit gegenüberstehen, die man nicht als eine solche erkennt, heißt zerrüttet sein im Geiste. In eine geistige Zerrüttung hinein würden die Menschen leben, wenn die geistigen Welten vor ihnen auftauchen würden bei der Lockerung des Ätherleibes und sie sie nicht als solche erkennen würden. Heute könnte schon mancher von den geistigen Welten ein Bewußtsein haben, aber er hat es nicht, und so schlagen sie auf ihn selbst zurück, und das zeigt sich in seiner Nervosität, der Neurasthenie, in der pathologischen Krankheitsfurcht. Das ist nichts anderes als der Rückschlag dessen, was das Nichtbewußtsein von der geistigen Welt hervorruft. Wer das fühlt, der fühlt auch die Notwendigkeit einer geistigen Bewegung, die über die bloße Religion hinauswachsend den Glauben an den Menschen, an den ganzen Menschen, das heißt auch an den geistigen Menschen bewahrt und volle Erkenntnis des geistigen Menschen bringt. Und Christus erkennen heißt, auch den geistigen Menschen erkennen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit der Christus-Idee in die Zukunft der Menschheit hineinleben heißt, selbst das Christentum als Religion überwinden und das&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|136}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Christentum als Erkenntnis auf den weitesten Horizont bringen. Das Christentum wird untertauchen in die Kunst, wird sie erweitern und beleben, wird künstlerische Gestaltungskraft im reichsten Maße geben. Richard Wagners «Parsifal» ist eine Vorbereitung davon. Das Christentum wird in alles Leben und Weben auf der Erde hineintauchen, und wenn die Religionen schon lange nicht mehr für die Menschheit notwendig sein werden, dann wird die Menschheit gerade stark und kräftig sein unter dem Einfluß der christlichen Impulse, die damals der Menschheit gegeben werden mußten, als sie in der Mitte des vierten Kulturzeitraumes war. In der griechisch-lateinischen Kulturzeit trat der Christus unter die Menschheit. Wie die Menschheit hinuntertauchen mußte in die tiefste Tiefe des materiellen Lebens, so muß sie wieder hinaufgebracht werden zu der Erkenntnis des Geistes. Und diesen Impuls hat das Erscheinen des Christus gegeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Empfindungen sollen uns beseligen in den Tagen, in denen wir symbolisch um uns herum haben die Ostermysterien, in der Osterzeit. Denn das Ostermysterium ist nicht bloß ein Mysterium der Erinnerung, sondern auch ein Mysterium der Zukunft, der Prophetie für den Menschen, der sich allmählich immer mehr befreit aus den Banden und den Umgarnungen und Verstrickungen des bloß physisch-sinnlichen Lebens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|137}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= ACHTER VORTRAG, Berlin, 20. April 1908 =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heute möchte ich zu Ihnen über etwas sprechen, das zum Teil aus dem fortlaufenden Rahmen der Vorträge etwas herausfällt, in anderer Beziehung aber wieder eine Ergänzung bildet, indem manches, was wir in den verflossenen Vorträgen gesagt haben, dabei wiederholt werden wird, aber auch in einer gewissen Beziehung besser beleuchtet werden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir wissen ja, daß der Mensch, wie er jetzt ist, in einer langen Evolution erst geworden ist, daß er sich durch planetarische Zustände hindurch bis zu seiner heutigen Höhe entwickelt hat. Wir wissen auch, daß er sich in der Zukunft zu höheren Entwickelungsstufen emporheben wird. Nun haben wir uns ja schon mit dem Gedanken bekanntgemacht, daß damals, als der Mensch auf dem alten Saturn noch in einem ganz dumpfen Bewußtseinszustand war, auch schon Wesen vorhanden waren, welche so hoch standen, wie der Mensch heute steht; es gab auch damals schon Wesenheiten, die weit höher standen, als der Mensch heute steht. Wir wissen, daß es auch heute Wesenheiten gibt, die in der Gegenwart eine Entwickelungsstufe erlangt haben, die der Mensch erst in der Zukunft erlangen wird. So können wir den Blick erheben zu einer wie man sie im Okkultismus nennt Hierarchie von dem Menschen übergeordneten Wesenheiten, die immer eine Stufe höher stehen als der Mensch. Diese nächste Stufe von Wesenheiten, welche über dem Menschen stehen, nennen wir in der esoterisch-christlichen Bezeichnung «Engel», «Angelos». Also sind uns Engel Wesenheiten, die bereits auf der Mondenstufe, dem planetarischen Vorgänger unserer Erde, das Menschenbewußtsein erlangt hatten, und die heute um eine Stufe höher stehen als der Mensch. Der Mensch selbst wird auf der Stufe des Jupiterdaseins dasjenige Bewußtsein haben, das heute das Bewußtsein dieser Wesenheiten ist, die wir als Engel, Angeloi, bezeichnen. Damit haben wir die erste Stufe der über dem Menschen stehenden Wesenheiten bereits ins Auge gefaßt. Wir kennen ja aus gewissen anderen Zusammenhängen bereits die folgenden Stufen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|138}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir wissen, daß wir von den Engeln aufwärts die «Erzengel» haben, «Archangeloi»; dann haben wir die Ordnung der «Urkräfte», die wir auch «Archai» nennen; dann kennen wir die «Offenbarungen» oder «Gewalten», «Exusiai»; dann haben wir die sogenannten «Mächte», «Dynamis», die «Herrschaften», «Kyriotetes»; dann die «Throne», die «Cherubim» und die «Seraphim». Erst dann, jenseits der Seraphim, würden wir von dem sprechen, was man im christlichen Sinne die eigentliche «Gottheit» nennt. Denn der wirkliche Okkultist, die wirkliche Geisteswissenschaft oder der Okkultismus kann nicht die gewöhnliche, triviale Vorstellung teilen, daß der Mensch unmittelbar auf blicken könnte zur höchsten Gottheit; sondern wir haben die ganze Leiter von Wesenheiten, die wir im christlichen Sinne Engel, Erzengel und so weiter nannten, dazwischen stehen. Und in einer gewissen Beziehung muß es uns als eine Bequemlichkeit des Geistes gelten, wenn man heute vielfach hören kann: Ach, was brauchen wir die ganze Stufenleiter von Wesenheiten, der Mensch kann doch in ein unmittelbares Verhältnis zu der Gottheit kommen! Diese Bequemlichkeit kann der Theosoph und Okkultist nicht mitmachen; denn die Wesenheiten sind durchaus wirklich, und wir wollen heute einiges sprechen von der Aufgabe, von der Arbeit dieser Wesen für die Weltevolution und von den Eigentümlichkeiten und Eigenschaften dieser Wesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zunächst wollen wir versuchen, uns eine Vorstellung zu bilden von dem, was man die Wesen der Engel nennt. Wir werden uns über das Bewußtsein dieser Wesenheiten am leichtesten dadurch eine Vorstellung machen können, daß wir einmal dessen eingedenk sind, daß der Mensch in seinem äußeren physischen Bewußtsein heute vier Naturreiche umfaßt, die er sozusagen wahrnehmen kann: mineralische Wesenheiten, pflanzliche Wesenheiten, tierische Wesenheiten und das Menschenreich selber; so daß wir das menschliche Bewußtsein nach seinem Inhalte als ein solches beschreiben können, das diese vier für die äußeren Sinne wahrnehmbaren Reiche umfaßt. Alles was der Mensch wahrnimmt durch seine Sinne, was es auch sei, gehört einem dieser vier Reiche an. Wenn wir uns nun fragen: Wie ist das Bewußtsein der Engelwesenheiten? so bekommen wir zur Antwort: Es ist in einer gewissen Beziehung ein höheres Bewußtsein, und es ist dadurch als ein&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
höheres Bewußtsein charakterisiert, daß es nicht bis zum mineralischen Reiche hinunterreicht. Bis dahin, wo die Steine sind, die Mineralien, reicht das Engelbewußtsein nicht herunter. Dagegen sind in diesem Engelbewußtsein pflanzliche Wesenheiten, tierische Wesenheiten, menschliche Wesenheiten und das eigene Reich der Engel, das dort die gleiche Rolle spielt wie das Reich der Menschen für uns. Daher können wir sagen: diese Engel nehmen mit ihrem Bewußtsein auch vier Reiche wahr, das Reich der Pflanzen, der Tiere, der Menschenwesen und das Reich der Engel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist das Eigentümliche der Engelwesen: sie haben keinen physischen Leib, und aus diesem Grunde also auch keine Organe des physischen Leibes, keine Augen und Ohren und so weiter. Deshalb nehmen sie das physische Reich nicht wahr. Sie haben als ihre niederste Wesenheit ihren ätherischen Leib. Dadurch haben sie eine gewisse Verwandtschaft mit den Pflanzen. Sie können also mit ihrem Bewußtsein herabsteigen bis zu den Pflanzen; sie können Pflanzen noch wahrnehmen. Dagegen wo ein Mineral ist, nehmen sie einen Hohlraum wahr, geradeso wie wir es beschrieben haben für den Menschen während des Devachanzustandes, wo der Mensch auch den Raum, den hier auf dem physischen Plan ein Mineral ausfüllt, als einen Hohlraum wahrnehmen wird. So nehmen diese Engel überall da, wo hier physisches Reich ist, einen Hohlraum wahr. Dagegen ragt ihr Bewußtsein da hinauf, wo des Menschen Bewußtsein heute noch nicht hinaufragt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber wir wissen, daß auch die Menschen heute schon in einer gewissen. Beziehung zueinander stehen als solche, die leiten, und solche, die geleitet werden. Ich will dabei auf gar nichts anderes anspielen als auf die Kinder und die erwachsenen Erzieher: Die Kinder müssen so lange geleitet werden, bis sie so reif sind wie die erwachsenen Erzieher. Die Menschen wachsen in ihrer jetzigen Entwickelung in das Jupiterbewußtsein hinein. Das wird das gleiche sein, das die Engel heute schon haben. Weil das Engelbewußtsein so ist, sind die Engel heute tatsächlich die Führer der Menschen, ihre Leiter, bereiten sie vor, und es besteht ein inniger Zusammenhang zwischen dem, was sich im Menschen allmählich ausbildet, und dem, was die Aufgabe dieser Engelwesen ist. Was bildet sich denn im Menschen für den Rest seines Erdendaseins?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Das haben wir öfter besprochen. Wir haben gesagt, der Mensch hat einen physischen Leib, einen Ätherleib, einen astralischen Leib und ein Ich, und daß er jetzt gerade daran ist, seinen astralischen Leib so umzubilden, daß er nach und nach vollständig das Geistselbst sein wird. Zwar arbeitet der Mensch auch schon an seinen anderen Gliedern; aber das Wesentliche der Erdenentwickelung besteht darin, daß das Geistselbst voll entwickelt werde. Die Engel haben heute bereits das Geistselbst entwickelt; sie hatten es schon entwickelt, als das Erdendasein begonnen hat. Daher sind die Engel in der Hierarchie der Entwickelung diejenigen Geister, welche diese Arbeit, den astralischen Leib in das Geistselbst umzubilden, beim Menschen leiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun fragen wir uns: Wie tun sie das? Da erinnern wir uns einmal daran, daß wir gesagt haben, wenn der Mensch stirbt, so hat er nach dem Tode zunächst das um sich herum, was wir genannt haben das lange Erinnerungstableau an das eben verflossene Leben. Das bleibt zwei bis drei Tage; für die einzelnen Menschen ist das etwas verschieden. Es bleibt in der Regel ungefähr so lange, wie der betreffende Mensch es im Leben aushalten konnte ohne zu schlafen. Die verschiedenen Menschen sind sehr verschieden darin. Der eine ist gewohnt, nach je zwölf Stunden zu schlafen, und es fallen ihm dann die Augen zu; andere dagegen können sich vier bis fünf Tage wachhalten. So lange wie sich der Mensch halten kann ohne zu schlafen, so lange dauert sein Erinnerungstableau. Dann löst sich der Ätherleib auf und es bleibt nur ein Extrakt davon zurück, die Lebensfrucht des vergangenen Lebens. Die wird mitgenommen für die ganzen folgenden Zeiten und wird seiner Wesenheit einverleibt, und bildet das, wonach sich der Mensch in der nächsten Inkarnation seinen physischen Leib aufbauen kann. Dadurch ist er imstande, seinen nächsten Leib vollkommener aufzubauen, weil er die Früchte seines vergangenen Lebens dazu benutzen kann. Also der Mensch hat diese Lebensessenz und bildet sich daraus im folgenden Leben seinen nächsten Leib.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun wissen wir auch noch etwas anderes. Wir wissen, daß der Mensch nicht nur diesen seinen Leib bildet, sondern daß er auch im Devachan gar nicht untätig ist. Es ist eine falsche Vorstellung, wenn wir glauben würden, daß der Mensch sich nur mit sich selbst zu&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|141}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
befassen hätte. So auf den Egoismus ist die Welt gar nicht gebaut. Sie ist so gebaut, daß der Mensch in jeder Lage mitzuarbeiten hat an der Erde; und er arbeitet mit in jener Zeit im Devachan an der Umgestaltung der Erdoberfläche. Wir wissen selbst, daß zum Beispiel der Boden, auf dem wir heute hier stehen, vor noch wenigen Jahrhunderten ganz anders ausgesehen hat als heute. Die Erde wird fortwährend umgestaltet. Zur Zeit, als der Christus Jesus noch auf der Erde wandelte, waren hier mächtige Waldungen; ganz andere Pflanzen und Tiere waren da. So wird das Antlitz der Erde fortwährend umgeändert. Wie die Menschen fortwährend, indem sie auf dem physischen Plan arbeiten, indem sie Städte bauen und so weiter, mit den Kräften arbeiten, die im Physischen wirken, ebenso wirken sie vom Devachan aus mit denjenigen Kräften, welche die Physiognomie der Erde, also auch das Pflanzenreich und das Tierreich, umgestalten. Darum trifft der Mensch in einer neuen Inkarnation wiederum einen Boden, der ein ganz anderes Bild bietet, so daß er also immer etwas Neues erlebt. Denn man wird nicht umsonst in eine neue Inkarnation hineingeboren, sondern damit man etwas Neues erleben soll. Der Mensch trägt selbst dazu bei, diese Erde umzugestalten; aber er kann das nicht ohne Anleitung tun. Er kann nicht die folgenden Inkarnationen bestimmen, denn dann brauchte er nicht erst zu erleben, was in der Zukunft geschehen soll. Und die nächsten leitenden Wesenheiten, die den Menschen anleiten, von den Kräften des Devachan aus an der Umgestaltung der Erde mitzuarbeiten, die den Einklang schaffen zwischen den einzelnen menschlichen Individualitäten und der Evolution der Erde, so wie sie diesen einzelnen Individualitäten entspricht, diese geistigen Wesenheiten sind die Engel. An den Steinen, an der festen Erdrinde können sie nicht mitarbeiten; denn bis zu den Steinen reicht ihr Bewußtsein nicht herunter. Wohl aber reicht es bis zu dem Pflanzenreich herunter, das die Erde trägt. Da können sie zwar nicht schöpferisch, aber doch umgestaltend wirken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und in der Tat, so ist es, daß mit jeder menschlichen Individualität ein solches Engelwesen wirkt, welches den Menschen leitet und lenkt bei seiner Arbeit, das Geistselbst im astralischen Leibe auszubilden, bis er es ausgebildet hat. Daher spricht man in einem Teil der christ-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
lichen Lehre von den menschlichen Schutzengeln. Das ist eine Vorstellung, die durchaus der gesetzmäßigen Realität entspricht. Es sind das die Wesen, die den Einklang schaffen zwischen der einzelnen menschlichen Individualität und dem Gange der Erdenentwickelung, bis der Mensch selbst am Ende der Erdenentwickelung so weit sein wird, daß er seinen Engel ablösen kann, weil er dann selbst ein solches Bewußtsein haben wird, wie es ein Engel hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun werden Sie es leicht verstehen, daß die Erzengel ein Bewußtsein haben, das nicht mehr hinunterreicht bis ins Pflanzenreich, sondern nur bis ins Tierreich. Die Pflanzen sind sozusagen nicht mehr für sie da; diese sind für sie ein zu untergeordnetes, zu unbedeutendes Reich. Im Tierischen haben sie noch Angriffspunkte; das Tierreich nehmen sie wahr. Sie haben keinen Ätherleib, sondern als unterstes Glied ihrer Wesenheit ihren astralischen Leib. Das Tier hat auch einen astralischen Leib; daher wirken die Erzengel in die astralischen Leiber der Tiere durchaus hinein. Dann nehmen sie das Menschenreich wahr, das Reich der Engel und ihr eigenes Reich. Das, wozu sie «Ich» sagen, was so ist wie für den Menschen das Menschen-Ich, das ist das Erzengelreich. Auch diese Wesenheiten haben eine wesentliche Mission, und Sie können schon begreifen, da sie ein um zwei Stufen höheres Bewußtsein haben als der Mensch, daß diese Mission eine sehr hohe sein kann. Denn so hoch ist dieses Bewußtsein der Erzengel, daß sie die Buddhi, den Lebensgeist, vollständig ausgebildet haben, und daher lenkend und leitend sein können in der Erdenevolution aus einer solchen Einsicht heraus, die dem Lebensgeist, der Buddhi, entspricht. Das äußert sich nun darin, daß diese Erzengel zunächst die Lenker und Leiter sind ganzer Volksstämme. Was man Volksgeist nennt, was also der gemeinsame Geist der Völker ist, das ist im Konkreten irgendeiner der Erzengel. Nun werden Sie es auch begreiflich finden, daß diejenigen Völker, die von einem solchen spirituellen Zusammenhange noch ein Bewußtsein hatten, nicht gleich bis zu der höchsten Wesenheit hinaufschauten, sondern daß sie sozusagen die nächsten Wesenheiten, welche sie lenkten und leiteten, ins Auge faßten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen wir das althebräische Volk. Es verehrte als den höchsten Gott den Jahve- oder Jehova-Gott selber. Aber dieser Jahve-Gott&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
gehörte für sie zu der Ordnung der «Offenbarungen». Das war eine erhabene Wesenheit, die sie als ihren Gott anerkannten. Aber sie sagten: Derjenige, der uns lenkt und leitet im Auftrage als der eigentliche Erzbote des Jehova, das ist «Michael», einer der Erzengel er heißt zu deutsch «der vor Gott steht». Im Althebräischen nannte man ihn auch das «Antlitz Gottes», weil der Angehörige des alten Bundes, wenn er zu Gott aufblickte, empfand, daß Michael vor Gott stand und sein Wesen ausdrückte, wie das menschliche Antlitz das Menschenwesen ausdrückt. Man nannte ihn daher wörtlich das Antlitz Gottes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn man von «Volksgeist» spricht, spricht man also im Sinne des Okkultismus nicht von einer unfaßbaren begrifflichen Wesenheit. Wenn man heute in unserem materialistischen Zeitalter vom Volksgeist spricht, meint man damit eigentlich nichts; denn man meint damit eine abstrakte äußere Zusammenfassung der Eigentümlichkeiten des Volkes. In Wahrheit gibt es einen geistigen Repräsentanten, den man Erzengel nennt, und der das ganze Volk als Ganzes lenkt und leitet. Diese Wesenheit reicht herunter bis in die Tierwelt. Die Völker empfanden das auch. Denn es ist ja, man möchte sagen, aus dem Volksinstinkt heraus leicht zu empfinden. Das eine Volk wohnt da, das andere dort. Je nach den verschiedenen Gegenden, in denen die Völker wohnen, mußten sie sich dieser oder jener Tiere bedienen, und das, so empfanden die Völker instinktiv, ist ihnen von ihrem Volksgeist zuerteilt. Der wirkte herein bis in die Tierwelt, so daß der alte Ägypter, der das sehr wohl empfand, sagte: Wenn wir die Pflanzenentwickelung betrachten, so wirken da Engel hinein; wenn wir die Tiere betrachten, so sind diese uns zuerteilt von dem lenkenden Geist des ganzen Volkes! Daher sahen sie die Kraft, die die Tiere zu ihnen führte, als eine heilige Kraft an, und die Art, wie sie sich zu den Tieren verhielten, war ein Ausdruck dieses Bewußtseins. Sie haben nicht von Erzengeln gesprochen; aber sie hatten dabei dieselbe Empfindung. Das ist die eigentliche Empfindung, welche die Ägypter mit dem Tierdienst verbanden; und dem liegt nun wiederum zugrunde, daß da, wo ein Bewußtsein vorhanden war von diesem ganzen spirituellen Zusammenhang, diese Geister zwar nicht mit den Bildern von irdischen Tieren, aber doch mit Bildern von Tieren wie der Sphinx, von geflügelten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|144}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tieren und so weiter, dargestellt wurden, die Sie in den verschiedenen Abbildungen der Völker finden. Das war so, wie wenn hineinschienen die lenkenden Erzengel. Sie können daher in den verschiedenen tierischen Gruppen nachgebildet sehen den esoterischen Ausdruck der waltenden Erzengel, und viele von den ägyptischen Götzenbildern führten auf diese Vorstellung zurück, daß der Erzengel, der leitende Geist des Volkstums, herunterreicht bis in die Tiere. Dies ist im wesentlichen die Aufgabe der Erzengel; es gibt aber noch eine andere.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es sind ja dem heutigen Menschenbewußtsein wie eine Sage aus ferner Urzeit noch bekannt Uriel, Gabriel, Raphael und Michael; aber Sie brauchen nur im Buche Henoch nachsehen, um die Namen noch anderer Erzengel zu finden. So war nämlich auch einer der Erzengel Phanuel; das ist ein wichtiger Erzengel, der nicht nur die Aufgabe hatte, irgendeinen Volksstamm zu lenken, sondern auch noch eine andere. Wir wissen ja, daß die Einweihung darin besteht, daß der Mensch zu einem immer höheren Bewußtsein hinaufzusteigen sich bestrebt, und schon jetzt im Laufe der Erdenevolution zu einem immer höheren Bewußtsein aufsteigt. Nun wußten die Leute in den Einweihungsstätten sehr wohl, daß dazu auch wiederum lenkende und leitende Kräfte gehören. Daher brachten sie diejenigen, die eingeweiht werden sollten, unter den Schutz desjenigen Erzengels, den man Phanuel nannte. Er war der Beschützer, der angerufen wurde von denjenigen, welche die Einweihung anstrebten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Andere dieser geistigen Wesenheiten auf dieser Stufe haben wiederum andere Aufgaben. So ist zum Beispiel wirklich dem ganzen Weltengange, der ganzen Weltenevolution zugrunde liegend eine Summe von Kräften, die von gewissen Wesenheiten geführt wird. So gibt es da einen Erzengel, Surakiel nannte man ihn früher, dessen Aufgabe es ist, besonders weitgehende Untugenden einer Stadt oder eines ganzen Gebietes auszutilgen und umzuformen zu Tugenden. Wer diesen Zusammenhang kennt, der sieht daraus, wie das, was man mit einem allgemeinen abstrakten Wort «Vorsehung» nennt, wirklich geführt wird. Wenn man einmal beflissen ist, die geistigen Welten kennenzulernen, soll man sich nicht zufrieden geben mit den allgemeinen Abstraktionen, sondern eingehen auf diese Einzelheiten. Denn die höchsten Wesen-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|145}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
heiten, die der Mensch erahnend sich noch vorstellen kann, leiten durch solche Mittelwesen, wie wir sie eben kennengelernt haben, den Gang der Weltenentwickelung. Das ist das, was man bezeichnen kann als die verschiedenen Aufgaben der Erzengel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun kommen wir zu der Ordnung der Urkräfte. Es sind das noch erhabenere Wesenheiten, deren Bewußtsein nicht einmal mehr bis zu den Tieren herunterreicht. Wenn der Eingeweihte sich erhebt zu dem Verkehr mit den Urkräften, teilt er ihnen nicht aus seinem Menschenbewußtsein mit, wie die Gestalten der Tiere auf der Erde sind. Denn sie selbst reichen mit ihrem Bewußtsein nur herunter bis zu den Menschen. Dann kennen sie das Reich der Engel, das Reich der Erzengel und ihr eigenes Reich; zu sich selbst sagen sie «Ich», und die Menschen sind es, welche sie zuletzt wahrnehmen. Was der Stein, das mineralische Reich für den Menschen ist, das ist der Mensch für die Urkräfte: das unterste Reich. Damit ist schon gesagt, daß sie aus einer sehr hohen Höhe den Gang der Menschheit leiten. Die Menschen spüren das hier und da, daß es so etwas gibt wie eine Art «Geist der Zeiten», der so verschieden ist je nach den verschiedenen Epochen. Die Menschen spüren, daß es einen «Geist der Epochen» gibt. Wir haben hier öfters gesprochen von dem Geist der Epochen. Wir haben zum Beispiel gesagt, daß in der ersten Kultur der nachatlantischen Zeit, im alten indischen Volke, der Geist der Epoche darin bestand, daß die Menschen das Bewußtsein gehabt haben, daß sie sich wieder zurücksehnten nach den alten atlantischen Zeiten, wo sie um sich herum höhere Reiche dämmerhaft wahrnahmen. Das bildete sich zu dem Jogasystem aus, durch das sie wieder hinauf wollten in die höheren Welten. Mit diesem alten Bewußtsein war verknüpft, daß die Menschen wenig hielten von der äußeren Wirklichkeit, von dem physischen Plan. Maja, Illusion wird für die Menschen der physische Plan. Die uralt indische Kultur hatte sozusagen sehr wenig Interesse für den physischen Plan. Es wird Ihnen sonderbar erscheinen, aber es ist wirklich wahr: Wäre die uralt indische Kultur geblieben, so würde es Eisenbahnen, Telephone und solche Dinge, die es heute auf dem physischen Plan gibt, nie gegeben haben; denn es wäre gar nicht so wichtig erschienen, sich so stark mit den Gesetzen der physischen Welt zu befassen, um diese&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
physische Welt mit alledem zu bevölkern, was sich uns heute als Kulturerrungenschaften darstellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann kam der Geist der persischen Epoche. Der Mensch lernte durch ihn in der Materie ein widerstrebendes Element kennen, das er bearbeiten mußte. Er verband sich mit dem guten Geist Ormuzd gegen den Geist der Materie, Ahriman. Aber der Perser hatte schon Interesse am physischen Plan. Dann kommt der Geist jener Epoche, der auf der einen Seite sich auslebt in der babylonisch-assyrisch-chaldäischen, auf der anderen Seite in der ägyptischen Kultur. Es wird menschliche Wissenschaft begründet. Mit Geometrie sucht man die Erde für den Menschen geeignet zu machen. Man sucht den Sinn des Ganges der Sterne in Astrologie, in Astronomie kennenzulernen, und man richtet das, was auf der Erde geschieht, nach dem Gange der Sterne ein. Gerade im sozialen Leben richtete man sich im alten Ägypten sehr ein nach dem Gange der Sterne. Was man als die Geheimnisse der Sterne erkundete, darnach richtete man sich. Wenn der alte Inder den Weg zu den Göttern abzulauschen versuchte, indem er ganz die Aufmerksamkeit ablenkte von der äußeren Wirklichkeit, studierte der Ägypter die Gesetze, die in der äußeren Wirklichkeit herrschen, um zu untersuchen, wie sich der Wille und der Geist der Götter in den Gesetzen der äußeren Natur zum Ausdruck bringen. Das war wieder eine andere Epoche. So haben Sie für jede Epoche einen bestimmten Geist, und die Entwickelung auf der Erde kommt dadurch zustande, daß ein Geist der Epochen einen anderen Geist der Epochen ablöst. Das ist im einzelnen der Fall. Die Menschen schwingen sich auf zu den Anschauungen der Zeiten, aber sie wissen nicht, daß hinter diesem ganzen Gange der Zeiten Epochalgeister stehen; und die Menschen wissen nicht, daß sie hier auf der Erde, um den Geist ihrer Epoche zum Ausdruck zu bringen, sozusagen nur die Werkzeuge sind dieser hinter ihnen stehenden Geister der Epochen. Denken Sie einmal an Giordano Bruno. Wäre Giordano Bruno als solcher im 8. Jahrhundert geboren worden, er wäre nicht derjenige geworden, der er geworden ist in dem Zeitalter, in dem der Epochalgeist herrschte, dessen Ausdruck er dann wurde. Er war das Werkzeug des Zeitgeistes, und ebenso ist es bei anderen Geistern. Und ebenso die umgekehrte Möglichkeit: Wenn&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Giordano Bruno im 8. Jahrhundert geboren worden wäre, unmöglich hätte der Epochalgeist einen solchen Ausdruck finden können, wie er ihn in Giordano Bruno gefunden hat. An diesen Dingen sehen wir, wie die Menschen die Werkzeuge der Epochalgeister sind, die die lenkenden Wesenheiten der großen Epochen sind und auch der «Geister der Meinungen und Anschauungen» der kleineren Epochen. Das sind die Urkräfte. Sie reichen hinunter bis zum Menschen. Sie lenken nicht etwas, was den Menschen zusammenbringt mit anderen Reichen der Natur; denn bis zum Tierreich reicht ihr Bewußtsein nicht mehr. Die Ordnungen, gemäß denen aus den Zeitgeistern heraus die Menschen sich ihr Leben zubereiten, Staaten gründen, Wissenschaften gründen, ihren Acker bebauen alles, was aus dem Menschen stammt , dieser Gang der Kultur von Anfang bis zu Ende steht unter der Leitung der Urkräfte. Sie leiten die Menschen insofern, als die Menschen es zu tun haben mit den Menschen selber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich habe auch zu verschiedenen Zeiten darauf aufmerksam machen können, wie von jeder Hierarchie der Geister gewisse Wesenheiten zurückbleiben, die nicht so weit aufgestiegen sind wie die anderen, die sozusagen sitzengeblieben sind im Weltengange. Nun werden Sie sich leicht vorstellen können, daß es Wesenheiten gibt, die sozusagen hätten aufsteigen sollen während der Mondenentwickelung zu der Ordnung der Offenbarungen oder Gewalten, und die nur bis zu den Urkräften gekommen sind. Das sind andere Urkräfte als die, welche im regelrechten Gange der Entwickelung aufgestiegen sind zu Urkräften. Es gibt also solche Urkräfte, die auf der Erde eigentlich verkappte Gewalten sind. Wir lernen jetzt von einem anderen Aspekt aus mancherlei kennen, was wir von einer anderen Seite her schon kennengelernt haben. Es verbergen sich also hinter den Urkräften auch solche, die eigentlich schon Gewalten sein könnten; und zu den Urkräften, die eigentlich widerrechtlich da sind, zu denen gehört allerdings nur für diejenigen, die so etwas vom Standpunkte der Geisteswissenschaft aus ansehen dasjenige Wesen, das man mit Recht den «Satan» nennt, Satan, der widerrechtliche Fürst dieser Welt, denn der rechtliche ist eine «Gewalt»: Jahve oder Jehova; der widerrechtliche gehört der Ordnung der Urkräfte an. Er drückt sich dadurch aus, daß er bei den&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Menschen den Zeitgeist fortwährend in Verwirrung bringt, daß er die Menschen dazu bringt, dem Epochalgeist fortwährend zu widersprechen. Das ist die wirkliche Wesenheit des Geistes, den man auch nennt den «Geist der Finsternis» oder den widerrechtlichen Fürsten dieser unserer Erde, der Anspruch darauf macht, eigentlich die Menschen zu lenken und zu leiten. Und Sie werden jetzt begreifen, was für einen tiefen Sinn es hat, daß der Christus erschien, um durch seine Mission sein Licht zu werfen auf die ganze folgende Evolution, und daß er den Kampf ausfechten mußte gegen diesen widerrechtlichen Fürsten dieser Welt. Dahinter liegt die allertiefste Weisheit, die sich in diesem wunderbaren Teil des Evangeliums ausdrückt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist billig, was Sie über Satan heute nicht bloß bei materialistisch gesinnten Leuten hören, sondern auch bei solchen, bei denen noch gewisse alte Vorstellungen spuken, die aber solche Vorstellungen mißverstehen; denn schon seit langem wird über den Satan ziemlich hohnvoll gesprochen. Und selbst Menschen, die gern die anderen geistigen Wesenheiten anerkennen: dem Satan wollen sie nicht gern eine Wirklichkeit zugestehen, den leugnen sie. Das rührt davon her, daß schon im Mittelalter die Menschen ganz kuriose Anschauungen über den Satan hatten und sagten: Er ist doch eigentlich ein zurückgebliebener Geist von der Stufenfolge der Gewalten; wenn er ein Geist von der Stufenfolge der Gewalten ist, so ist er zurückgeblieben. Wo sind die Geister der Gewalten? Sie drücken sich aus in dem, was sich in der Welt an Geist offenbart. Man nannte den Satan einen Geist der Finsternis, aber man sagte: Finsternis ist doch nur eine Negation des Lichtes. Das Licht ist wirklich, aber die Finsternis ist nicht wirklich. Man meinte das auch geistig. So schrieb man den Geistern, die sich im Licht manifestieren, wohl Wirklichkeit zu; aber dem Satan, der sich in der Finsternis manifestiert, sprach man die Wirklichkeit ab. Das ist ungefähr so gescheit, wie wenn jemand, der einem Physiker zugehört hat, sagen würde: Kälte ist nur ein Mangel an Wärme, sie ist eigentlich nichts Wirkliches. Wenn wir die Wärme immer geringer machen, wird es immer kälter, aber wenn wir auch immer mehr Wärme wegnehmen, die Kälte ist kein Wirkliches; also denken wir nicht an den Winter! Aber trotzdem Kälte nur eine Negation von Wärme ist, ist sie doch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
sehr wohl zu spüren, wenn nicht eingeheizt wird. So ist Satan sehr wohl ein Wirkliches, wenn er auch nur die Negation des Lichtes ist.&lt;br /&gt;
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Damit haben wir uns erhoben bis zu schon sehr hohen Geistern, die man «Offenbarungen», «Exusiai» nennt. Zu ihnen gehört zum Beispiel die Wesenheit, die wir in anderem Zusammenhang kennengelernt haben als Jahve oder Jehova und auch seine Genossen, die Elohim. Die Lichtgeister gehören zu der Ordnung der Gewalten oder Offenbarungen. Wir wissen, daß Jahve sechs Genossen hatte, die für sich die Sonne lostrennten. Jahve selbst ging mit dem Monde, der das reflektierte Licht der Sonne der Erde zuströmt; aber er ist ein Genosse der anderen Elohim. Wenn Sie jetzt versuchen, das Bewußtsein dieser Offenbarungen nach der Analogie des vorhergehenden sich zu konstruieren, so werden Sie sich sagen: Um die einzelnen Menschen kümmern sich diese Geister nicht mehr. Der einzelne Mensch wird gelenkt durch die Geister, die wir Engel, Erzengel, Urkräfte genannt haben, bis zu dem, was wir Epochalgeister nannten. Das ganze Bild, in das der Mensch eingebettet ist, die Lenkung und Leitung des Planeten und das, was auf ihm vorgeht, ist jetzt Sache der Offenbarungen oder Gewalten. Denn wir haben gesagt, es hätte die ganze heutige Entwickelung des Menschen nicht vor sich gehen können, wenn nicht auf der einen Seite die fortstürmenden Sonnenkräfte und auf der anderen Seite die hemmenden Mondkräfte wären. Die Offenbarungen oder Gewalten haben es gar nicht mehr mit dem einzelnen Menschen zu tun, sondern mit den Menschengruppen. Sie lenken die äußeren Mächte und Wesenheiten, die den Planeten konfigurieren, und die der Mensch braucht, damit er auf diesem Planeten seine Entwickelung durchmachen kann. Und so sehen wir zuletzt hinauf zu einer hohen Wesenheit, die über alles das hinausgeht, was wir eben besprochen haben, zu der Christus-Wesenheit selbst, die auf die Erde etwas bringt, was nicht mit dem einzelnen Menschen zu tun hat, sondern mit der Lenkung der ganzen Menschheit. Und zu dem Christus muß der Mensch seinen Weg selber finden; denn gezwungen, sich leiten zu lassen, wird er nur noch von den Urkräften; zu dem Christus muß er freiwillig kommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So haben wir uns zunächst von den untersten Stufen der dem Menschen übergeordneten Hierarchien, von den Engeln, Erzengeln und ein&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
wenig auch von den Urkräften und Gewalten, eine Anschauung gebildet, und nur erahnend vermögen wir zu einer noch höheren Wesenheit, zum Christus, aufzublicken. Wir können ein anderes Mal die Gelegenheit benutzen, um das ins Auge zu fassen, was von den «Thronen» und so weiter zu sagen ist. Heute wollte ich Ihnen etwas von dem geistigen Gefüge erzählen, in das der Mensch eingeflochten ist, insofern Engel, Erzengel, Urkräfte und Gewalten daran beteiligt sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
= NEUNTER VORTRAG, Berlin, 13. Mai 1908 =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Vortrag soll ein Thema behandeln, das vom Gesichtspunkte des spirituellen Lebens aus zu betrachten bedeutsam sein wird. Wir werden einiges darüber vorbringen können, wie derjenige, der sich zur geisteswissenschaftlichen Anschauung bekennt, seine Stellung nehmen kann zu anderen geistigen Richtungen, wie er sich verhalten kann zur Entwickelung der heutigen Menschheit, überhaupt zu heutigen Fragen. Ich möchte in großen Umrissen zu Ihnen sprechen über die Entwickelung der religiösen Ideen in der Zeit der nachatlantischen Kultur bis zur Gegenwart.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir werden uns dabei an das erinnern, was wir ja auch schon da oder dort erwähnt haben: daß der Begriff der Religion eigentlich etwas ist, was nur in der nachatlantischen Zeit einen Sinn hat. Vor der großen atlantischen Flut konnte es das, was man Religion nennt, überhaupt nicht geben, weil Religion voraussetzt, daß der Mensch eine unmittelbare Wahrnehmung oder Anschauung von den übersinnlichen Welten nicht hat, wenigstens daß die große Masse der Menschen solche Wahrnehmungen nicht hat. Religion ist die Verbindung des Menschen mit dem Übersinnlichen dann, wenn für die große Masse der Menschen das Übersinnliche nicht wahrnehmbar ist, sondern nur vermittelt werden kann auf verschiedene Weise, durch Propheten, Seher, Weise, Mysterien und so weiter, so wie es in den letzten Jahrtausenden der Fall war. Vor der großen atlantischen Flut, als unsere Vorfahren zum größten Teile in dem Gebiete der alten Atlantis gelebt haben, da hatten die Menschen alle noch mehr oder weniger unmittelbare Erfahrungen, Wahrnehmungen vom Übersinnlichen. In einer Zeit, in der die Menschen in der geistigen Welt selber lebten, in der sie jederzeit Erfahrungen machten wie die heutige Menschheit in der sinnlichen Welt, bedurfte es keiner Religion. Gegen das Ende dieser atlantischen Zeit ist ausgelöscht worden für die weitaus überwiegende Mehrzahl die übersinnliche Erfahrung. Es trat an ihre Stelle die ausgeprägte Sinneserfahrung, welche die Menschheit heute hat. Was ist übriggeblieben aus der alten atlantischen Zeit?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|152}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir in die graue Vorzeit zurückgehen und die Sagen und Mythen durchforschen, die germanischen Götterlehren auf uns wirken lassen, so finden wir Mitteilungen aus übersinnlichen Welten in bildlicher Gestalt. Diese Mitteilungen sind nicht von der Volksphantasie ersonnene Bilder, Personifikationen, wie man es uns vom grünen Tisch aus glauben machen will, sondern es sind wirkliche Erinnerungen aus jener alten Zeit, wo die Menschen selbst noch wußten, was sie erfahren hatten. Die Sagen von Wotan, Thor und so weiter sind solche Erinnerungen. Und das, was bis in die nachatlantische Zeit hinein vorzugsweise dem Menschen geblieben ist, ist im höchsten Sinne des Wortes eine Art Gedächtnisreligion. Am weitesten vorgeschritten ist sie bei den Völkern, die in Asiens Süden leben, bei den indischen Völkern; in anderer Form machte sie sich geltend in Europa. In Indien machte sich die Erinnerung an jene Zeit der Menschheit, wo jeder noch selbst Wahrnehmungen in der geistigen Welt hatte, bemerkbar als eine Sehnsucht nach jener Welt. Man empfand das Wirkliche als Illusion, als Maja, und sehnte sich zurück nach jenen alten Zeiten. Joga nannte man dasjenige, was bei einzelnen Menschen hervorbrachte die Fähigkeit, einzudringen in die übersinnlichen Welten. Nicht alle Völker schritten so vor, daß sie Weise hatten, die sich bis zu Joga aufschwingen konnten. Andere Völker mußten sich mit den Erinnerungen begnügen, so besonders die Völker des Nordens. Ihre Eingeweihten drangen auch ein in die geistigen Welten, hatten auch unmittelbare Erfahrungen in der göttlichen Welt, aber die nordische Natur machte es ihnen schwer, in größerer Zahl einzudringen. Dadurch bildete sich die nordische Mythologie aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eines aber werden wir wie etwas Gemeinsames finden, was sich die Menschen noch erhalten haben in jener nachatlantischen Zeit: das ist ein Nachklang jener viel weiter ausgebildeten Gedächtniskraft, wie sie in der atlantischen Zeit vorhanden war. Damals war das Gedächtnis ganz anders entwickelt als heute. Die Menschen erinnerten sich weiter hinauf, bis zum Leben ferner Ahnen. Was vor Jahrhunderten ein solcher Ahne durchgemacht hatte, das wußten sie, wie ein Greis heute weiß, was er in der Jugend erlebt hatte. Solche Erinnerungen an die Ahnen prägten das aus, was man die Ahnenreligion, den Ahnenkult&lt;br /&gt;
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nennen kann. Ahnenkult, Verehrung der Vorfahren ist in Wahrheit die erste Religion. Das Gedächtnis hatte sich in gewisser Art lebendig erhalten. Diese Regsamkeit des Gedächtnisses war so groß, daß in der Tat für einzelne Menschen, wenn sie sich auch nicht bis zu Joga aufschwingen konnten, doch ein spiritueller Zustand eintreten konnte, daß ihnen im Traume oder in psychischen Zuständen der gemeinsame Ahnherr eines Volkes erschien.&lt;br /&gt;
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Das war nicht bloß Sage, Mythe, was so ein alter Stamm als gemeinschaftlichen Ahnherrn lebendig hatte, sondern es war etwas, was von Zeit zu Zeit dem Menschen erschien, was im psychischen Bewußtsein erschien, was das Volk begleitete. Die einzelnen Völkerschaften, welche durch Europa strömten, hatten die mannigfaltigsten Erlebnisse. Aber ein Erlebnis blieb für viele immer rege und lebendig, und sie erzählten es denen, die in sie Vertrauen hatten, die an sie glaubten: das war das Erscheinen des Ahnherrn, der vom Geistgebiet aus ihr Berater war, mit ihnen in Beziehung stand. Er kam in besonders wichtigen Momenten, war da in zweifelhaften Fällen. Der Ahnenkultus war etwas, was durch die physischen Eigenschaften der Vorfahren durchaus lebendig war.&lt;br /&gt;
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Immer mehr und mehr bildete sich dieser Ahnenkultus zu einer Art Religionssystem aus, welches zwar von gewissen Eingeweihten ausgearbeitet worden war, aber doch auch für viele Nichteingeweihte annehmbar war. In verschiedenen Gebieten trat ein solches Religionssystem auf, zum Beispiel im alten indischen Brahmanismus. Die letzten Nachklänge davon finden wir in der Vedantaphilosophie; aber auch in den ältesten philosophischen Systemen finden wir letzte Nachklänge dieses alten Pantheismus. Es war eine Art esoterischer Pantheismus, wie wir ihn eben im alten Brahmanismus vor uns haben. Er kommt auch schon zum Vorschein in dem eigentlichen System der Ägypter, auch bei den Hebräern. In Wirklichkeit können wir uns vorstellen, daß dieses religiöse System dadurch entstanden ist, daß sich allmählich eine umfassendere Idee von der göttlichen Wesenheit, die alles durchflutete und durchströmte, herausbildete. Der Ahnherr war zusammengewachsen mit den geistigen Grundlagen des Daseins, er war zu einer Art geistiger Urkraft geworden.&lt;br /&gt;
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Dann haben wir in dem, was wir nennen können Anthropomorphismus, eine spezielle Ausgestaltung des esoterischen Pantheismus. Er stellt sich die verschiedenen Götter in menschenähnlichen Bildern vor. Hierher gehört zum Beispiel das griechische Religionssystem. Aber man stellt es sich ganz falsch vor, wenn man denkt, daß hinter den einzelnen Göttern für den gebildeten Griechen nicht waltete die einheitliche geistige Welt. Wenn wir reden von Engeln, Erzengeln und so weiter, überhaupt von den verschiedenen geistigen Wesenheiten, die über dem Menschen stehen, wie wir das getan haben in der kosmischen Evolutionslehre, so reden wir in ganz ähnlicher Weise, wie es damals geschah, wenn man sprach von Zeus, Athene und so weiter im Vergleich zu dem alleinigen Weltengeist. Ein einheitlicher Weltgedanke liegt diesem System zugrunde. Der Pantheismus ist der geistige Untergrund der Dinge; dann werden die Götter als Menschen ausgestaltet.&lt;br /&gt;
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Und wenn wir uns fragen: Womit hängt das zusammen, daß der noch viel abstraktere esoterische Pantheismus überging in die vielgestaltige griechische Götterwelt? so müssen wir darin erkennen ein tiefes Grundbedürfnis der Menschheit überhaupt, ein tiefes Prinzip in der Menschheitsentwickelung. Wenn wir den Übergang vom Ägyptischen zum Griechischen betrachten, so haben wir das Ausleben dieses Prinzips am schönsten vor Augen. Im ganzen Vorstellen vor der griechischen Zeit liegt etwas besonders Gewaltiges, Symbolisches. Die ägyptischen Pyramiden und Sphinxe sind großartige, gewaltige Schöpfungen des Menschengeistes, die in einer etwas abstrakten Form hindeuten auf einen geistigen Urgrund, den man noch nicht wagt, auszubilden. Wie hat der griechische Geist die Fähigkeit bewiesen, das Geistige hineinzuprägen in die bildliche Form! Es liegt darin ein ungeheurer Fortschritt, der sich überall verfolgen läßt. Am reinsten finden Sie diesen Übergang ausgedrückt, wenn Sie im Geiste verfolgen den Übergang von der morgenländischen zur griechischen Baukunst, wenn wir den architektonischen Gedanken in seiner Reinheit erfassen. Der architektonische Gedanke kommt während der ganzen Menschheitsentwickelung in der griechischen Architektur am besten zum Ausdruck. Nirgends finden wir ein solches restloses Ausfließen des Gedankens in die äußere Form wie in der griechischen Architektur. Wir&lt;br /&gt;
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sehen, wie alles so hineingestellt ist in den Raum, wie es den großen kosmischen Gesetzen entspricht.&lt;br /&gt;
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Es ist ja vielleicht nur noch einmal in der Entwickelung der Menschheit geschehen, daß architektonische Gedanken geschaffen wurden: das ist der Gedanke der gotischen Architektur. Und wenn wir den gotischen Gedanken in Gegensatz bringen zu dem griechischen architektonischen Gedanken, so müssen wir sagen: In der Gotik haben wir es eigentlich gar nicht mehr mit einer reinen Architektur zu tun, sondern mit einer in den Formen nur andeutungsweise vorhandenen Ausprägung des in das Gefühl hineindrängenden mystischen Elementes. Die Gotik ist nicht die restlose Ausprägung dieses Gedankens. Der griechische Tempel dagegen ist das Wohnhaus des Gottes und ganz als solches zu verstehen. Denn man denke sich den Gott schöpferisch im Raume, seine Kräfte den Raum durchflutend, wie er sich gleichsam selbst einen Körper bildet, wie er sich ein Kleid webt, so haben wir den griechischen Tempel. Und wir wissen, wenn wir ihn vor uns stehen haben: das ist das Wohnhaus des Gottes. Der gotische Dom ist das nicht; er ist ein Bethaus. Er kann nicht gedacht werden ohne den Besucher, der darin ist, für den er stimmungsvoll erbaut ist. Denken Sie sich den griechischen Tempel ganz für sich hingestellt, nur belebt vom Gott, so haben wir ihn ganz. Das ist nicht symbolisch aufzufassen oder auszudeuten. Zum gotischen Tempel gehört der andächtige Gläubige. Und wer den Raum nicht als Leere versteht, sondern durchzogen von Kräften, wer da weiß, daß sich im Raume Kräfte kristallisieren und wer diese Kräfte spürt, der fühlt, daß sich im griechischen Tempel etwas herauskristallisiert hat aus den dynamischen Kräften der Welt. Wer ein Gefühl dafür hat, so stark, daß er diese Wesenheiten wahrnehmen kann, der weiß, daß durch den Raum Kräfte schießen. Von der Belebtheit des Raumes wußten die Griechen. Man kann am besten sich davon überzeugen, wie das Denken, das Fühlen, das Wollen konkret geworden ist, wenn man mit der griechischen die romanische Baukunst vergleicht, bei der wir vielfach sehen, wie die Säule zum Beispiel herausgehoben ist aus ihrer Raumesaufgabe als Träger. Die romanische Baukunst ist auch groß, hat aber viel Dekoratives, unter anderem eben diese Säulen, für die keine tiefere Motivierung da ist.&lt;br /&gt;
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Es fehlt aber der Sinn dafür, es fehlt der Raumessinn. Die Säule ist da, doch erfüllt sie ihren Zweck nicht. Das alles hängt zusammen mit den Entwickelungsstufen des menschlichen Geistes. Nur durch diesen Anthropomorphismus konnte die Menschheit vorbereitet werden zur Auffassung des Gottmenschen, zur Auffassung des in dem Menschen selbst wohnenden Gottes. Das aber ist das Christentum, das vom Okkultismus auch Theomorphismus genannt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Christentum fließen alle verschiedenen Göttergestalten zusammen in der einen lebendigen Gestalt des Christus Jesus. Dazu war nötig eine große, gewaltige Vertiefung der Menschheit, eine Vertiefung, welche die Menschheit fähig machte, nicht nur die lebendige Form des Raumes zu denken, wie es in der griechischen Plastik zum Ausdruck kommt, sondern die sich aufschwingen konnte zu dem Gedanken, die Innerlichkeit äußerlich zu sehen, zu dem Glauben, daß das Ewige in einer historischen Gestalt wirklich auf Erden im Räumlich-Zeitlichen gelebt hat. Das ist das Wesentliche im Christentum. Diese Idee bedeutete den größten Fortschritt, den die Menschheit auf Erden machen konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir brauchen nur zu vergleichen und wir dürfen diesen Vergleich machen den griechischen Tempel, der ein Wohnhaus des Gottes ist, mit dem, was später die christliche Kirche wird, wie sie am reinsten sich in der Gotik ausprägt, so werden wir sehen, daß in den äußeren Formen sogar ein Rückschritt eintreten muß, wenn man das Ewige im Zeitlichen, Räumlichen dargestellt haben will. Und dasjenige, was eine spätere Kunst erreicht dadurch, daß sie das Innere im Äußeren zum Ausdruck bringt, das steht durchaus unter dem Eindruck der christlichen Geistesströmung. Im Grunde genommen muß man sagen, daß man es begreifen kann, daß die Architektur am schönsten werden konnte da, wo man noch hängen konnte mit ganzer Seele an den äußeren Kräften, die durch den Raum fluten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So sehen wir, wie der religiöse Gedanke sich immer mehr vertieft in der nachatlantischen Zeit, wie die Menschen ihre Hinweise suchen für das Übersinnliche. Nicht schwer wird es werden, in allem, was hier gesagt ist, Hinweise zu sehen für die Sehnsucht der Menschen, einzudringen in die äußere Form, in die äußere Form irgendwie das Über-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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sinnliche zu bannen. Darauf hin zielen die allerursprünglichsten Urgründe der Kunst. Mit dem Christentum haben wir sozusagen unsere Zeit erreicht. Aus diesem jetzt angeführten, im Zusammenhang mit verschiedenem anderen, was über die Entwickelung der nachatlantischen Zeit gesagt ist, werden Sie erkennen, daß der Gang der Menschheit immer mehr und mehr nach der Verinnerlichung hinstrebt. Es gibt auch in den verschiedenen Rassen ein immer größeres Bewußtsein von der Verinnerlichung im Äußeren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir möchten sagen, in den griechischen Götterbildern sehen wir, wie das, was in dem Menschen innerlich lebt, sich herausergießt in die äußere Welt. Im Christentum ist der wichtigste Impuls nach dieser Richtung gegeben. Wir sehen mit dem Christentum dasjenige heraufkommen, was man bis in unsere Zeit Wissenschaft nennt. Denn das, was man heute so nennt, die Erfassung der gedanklichen Urgründe des Daseins, fängt ja erst an in der chaldäischen Zeit. Jetzt, in unserer Zeit, leben wir wirklich in einem großen Umschwunge in der Menschheitsentwickelung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Überblicken wir nun das, was wir skizzenhaft betrachtet haben und fragen wir uns: Warum ist das alles so geschehen, warum hat sich der Mensch dazu entwickelt, das Innere dem Äußeren einzuprägen? so ist die Antwort diese, daß der Mensch durch die Entwickelung seiner Organisation dazu gedrängt worden ist. Die alten Atlantier konnten Wahrnehmungen machen in der übersinnlichen Welt, weil bei ihnen der Ätherleib noch nicht ganz hineingezogen war in den physischen Leib. Ein Punkt des &#039;Ätherkopfes deckte sich noch nicht mit dem entsprechenden Punkt im physischen Kopfe. In dem völligen Durchdringen des Ätherleibes mit dem physischen Leib ist der Grund gegeben dafür, daß der Mensch jetzt mehr hinausgedrängt wird in die äußere Welt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als die Pforten sich schlossen vor der übersinnlichen Welt, brauchte der Mensch in seiner künstlerischen Entwickelung ein Band, eine Verbindung der sinnlichen mit der übersinnlichen Welt. Früher, in der atlantischen Zeit, brauchte er das nicht, denn damals war er noch imstande, aus unmittelbarer Erfahrung die übersinnliche Welt kennenzulernen. Von den Göttern und Geistern brauchte man den Menschen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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erst zu erzählen, als sie die Wahrnehmung dafür verloren hatten, gerade wie man von Pflanzen nur denjenigen Menschen erzählen muß, die sie nie gesehen haben. Das ist der Grund der religiösen Entwickelung der nachatlantischen Zeit. Warum mußte denn ein Wesen übersinnlicher Art wie Christus in einer endlichen Persönlichkeit, in Jesus erscheinen und auf Erden wandeln? Warum mußte Christus eine historische Persönlichkeit werden? Warum mußten die Blicke der Menschen gebannt werden auf diese Gestalt? Wir haben gesagt, daß die Menschen nicht mehr hineinschauen konnten in die übersinnliche Welt. Was mußte geschehen, daß der Gott für sie eine Erfahrung werden konnte? Er mußte sinnlich werden, in einem sinnlich-physischen Leibe sich verkörpern. Das ist die Antwort auf die Frage. Solange die Menschen im Geistigen wahrnehmen konnten, solange sie dort in übersinnlicher Erfahrung die Götter wahrnehmen konnten, hätte kein Gott Mensch zu werden brauchen. Aber jetzt mußte der Gott da sein innerhalb der sinnlichen Welt. Aus diesen Gefühlen heraus sind die Worte der Jünger geflossen zur Bekräftigung dieser Tatsache: «Wir haben unsere Hände in seine Wunden gelegt », und ähnliche. So sehen wir, wie die Erscheinung des Christus Jesus selbst uns aus der Natur der nachatlantischen Menschen klar wird, wie wir erkennen, warum eigentlich Christus für die sinnliche Wahrnehmung sich offenbaren mußte. Die stärkste historische Tatsache mußte da sein für die Menschen. Das geistige Selbst mußte auf sinnliche Art da sein, damit die Menschen einen Anhaltspunkt hatten, der sie verbinden konnte mit der übersinnlichen Welt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die bloße Wissenschaft artete immer mehr aus in eine Verehrung, eine Anbetung der äußeren Welt. Darin haben wir heute einen Höhepunkt erreicht. Das Christentum war eine starke Stütze gegen dieses Aufgehen im Sinnlichen. Heute muß das Christentum erfaßt werden in theosophischer Vertiefung, um in neuem Verständnis vor die Menschen hintreten zu können. Früher, im Mittelalter, gab es noch eine Verbindung zwischen Wissenschaft und Christentum. Heute brauchen wir eine übersinnliche Vertiefung des Wissens, der Weisheit selber, um das Christentum in seiner ganzen Tiefe zu verstehen. So stehen wir vor einer geistigen Auffassung des Christentums. Das ist die nächste&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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Stufe, das theosophische oder geisteswissenschaftliche Christentum. Dagegen wird die auf das Materielle gehende Wissenschaft den Zusammenhang mit den übersinnlichen Welten mehr und mehr verlieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Welches ist nun die Aufgabe der Geisteswissenschaft? Kann der den Geist suchende Mensch hinblicken auf die heutige übliche Wissenschaft? Das, was die heute übliche Wissenschaft ist, das ist gerade das, was immer mehr den Gang der nachatlantischen Entwickelung einschlagen wird und immer mehr nur auf das Äußere, Physische, Materielle hingehen wird, immer mehr den. Zusammenhang verlieren wird mit der geistigen Welt. Verfolgen Sie, welche Wissenschaft es auch sein mag, zurück in frühere Zeiten: Wie viele geistige Elemente waren doch früher darin!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie werden überall sehen, in der Medizin und auf anderen Gebieten, wie der geistige Zusammenhang immer mehr verschwunden ist. Das können Sie überall verfolgen. Und dieser Gang muß so sein, denn der Gang der nachatlantischen Zeit ist so, daß jener ursprüngliche Zusammenhang mit der übersinnlichen Welt immer mehr verlorengehen muß. Wir können heute den Gang der Wissenschaft voraussagen. Die äußere Wissenschaft wird nicht, wieviel auch Versuche gemacht werden, einer spirituellen Vertiefung fähig sein. Sie wird immer mehr in dasjenige übergehen, was eine höhere Anleitung zu technischen Handfertigkeiten ist, ein Mittel zur Beherrschung der äußeren Welt. Mathematik war für den Pythagoreer noch ein Mittel, in den Zusammenhang der höheren Welten, in die Weltenharmonie hineinzusehen; für den heutigen Menschen ist sie ein Mittel, die Technik weiter auszugestalten und damit die äußere Welt zu beherrschen. Verweltlicht, unphilosophisch gemacht das wird der Gang der äußeren Wissenschaft sein. Aus der spirituellen Entwickelung werden sich alle Menschen ihre Impulse zu holen haben. Und diese spirituelle Entwickelung schlägt den Gang zum spirituellen Christentum ein. Die Geisteswissenschaft wird dasjenige sein, was die Impulse für jedes geistige Leben zu geben imstande ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es wird ja die Wissenschaft immer mehr technische Anleitung. Und das Universitätsleben gleitet immer mehr in das Fachschulleben hinüber und das ist das Richtige. Alles Geistige wird sich zu einem freien Menschengut entwickeln, das aus der Wissenschaft heraus muß. Die&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Wissenschaft wird dann in einem ganz anderen Zusammenhange, in einer ganz anderen Form wieder auftreten. Da ist es für die heutige Menschheit notwendig, daß das Wiederanknüpfen an die großen Erfahrungen der übersinnlichen Welten geschehe. Daß es notwendig ist, können Sie sehen, wenn Sie sich klarmachen, was werden wird, wenn das nicht geschieht. Der Ätherkopf ist jetzt hineingezogen in den Menschen; das Verknüpftsein des Ätherleibes mit dem physischen Leibe, das steht heute im Höhepunkt der Entwickelung. Deshalb ist niemals der Prozentsatz der Menschen, die übersinnliche Erfahrungen machen könnten, geringer gewesen. Aber der Gang der Entwickelung der Menschheit bewegt sich so vorwärts, daß ein Wiederheraustreten des Ätherleibes ganz von selbst wieder eintritt. Und das hat jetzt schon angefangen. Wieder tritt der Ätherleib heraus, er wird wieder selbständiger, freier und wird in der Zukunft wieder so außerhalb des physischen Leibes sein wie in früher Vorzeit. Die Lockerung des Ätherleibes muß wieder eintreten, und das hat schon jetzt angefangen. Nun muß aber der Mensch in seinem heraustretenden Ätherleib das mitnehmen, was er im physischen Leibe erlebt hat, besonders das physische Ereignis von Golgatha, das er physisch, das heißt in einem Erdendasein erleben muß. Sonst geht ihm etwas unwiederbringlich verloren: der Ätherleib zöge sich heraus, ohne daß er etwas Wesentliches mitnimmt, und leer im Ätherleib würden solche Menschen bleiben. Aber diejenigen, welche das spirituelle Christentum durcherlebt haben, werden im Ätherleibe in Fülle das haben, was sie im physischen Leibe durchgemacht haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am größten ist die Gefahr bei denjenigen, die durch wissenschaftliche Verführung sich von den spirituellen Wahrheiten abgewandt haben. Aber der Anfang des Heraustretens des Ätherleibes ist schon gemacht. Die Nervosität unserer Zeit ist ein Zeichen dafür. Diese wird immer mehr zunehmen, wenn der Mensch das nicht mit hinausnimmt, was das größte Ereignis im physischen Leibe ist. Dazu hat er zwar noch viel Zeit, denn für die große Masse dauert es noch lange, aber einzelne kommen jetzt schon dazu. Würde es aber einen Menschen geben, der niemals das durchgemacht hat im Physischen, was das größte Ereignis in der physischen Welt ist, der niemals die Tiefe des Christentums&lt;br /&gt;
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erlebt und seinem Ätherleibe einverleibt hat, so würde ihm das bevorstehen, was man nennt den geistigen Tod. Denn die Leere des Ätherleibes wird den geistigen Tod zur Folge haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der atlantische hellsehende Mensch brauchte keine Religion, weil ihm das Erleben des Übersinnlichen Tatsache war. Von einer solchen Zeit ging alle Entwickelung der Menschen aus. Dann schwand die Anschauung der geistigen Welt. Religere heißt verknüpfen, und so ist Religion eine Verknüpfung des Sinnlichen mit dem Übersinnlichen. Die Zeit des heraufziehenden Materialismus brauchte die Religion. Aber es wird die Zeit kommen, in der die Menschen wiederum Erfahrungen haben können in der übersinnlichen Welt. Dann werden sie keine Religion mehr brauchen. Das neue Schauen hat zur Voraussetzung das Mitbringen des spirituellen Christentums, es wird die Konsequenz des Christentums sein. Das begründet den Satz, den ich Sie bitte, sich als besonders wichtig zu merken: Das Christentum hat begonnen als Religion, aber es ist größer als alle Religionen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das, was das Christentum gibt, wird mitgenommen werden in alle Zeiten der Zukunft und wird noch einer der wichtigsten Impulse der Menschheit sein, wenn es keine Religion mehr geben wird. Selbst wenn die Menschen das religiöse Leben überwunden haben werden, wird das Christentum doch bleiben. Daß es erst Religion war, hängt mit der Entwickelung der Menschheit zusammen; aber das Christentum ist als Weltauffassung größer als alle Religionen.&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
= ZEHNTER VORTRAG, Berlin, 16. Mai 1908 =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In unseren letzten Betrachtungen mußte schon darauf aufmerksam gemacht werden, daß jetzt in diesem Zeitabschnitt unserer Zweigentwickelung einiges gesagt werden soll für vorgeschrittene Theosophen, und es wurde schon darauf hingewiesen, daß dieser Ausdruck «vorgeschrittene Theosophen» nicht so gemeint sei, als ob damit etwa eine besondere theoretische, eingehendere Kenntnis der theosophischen Lehren bezeichnet werden soll. Es ist etwas damit gemeint, was wir uns dadurch klarmachen können, daß wir uns vor die Seele rücken, daß das Leben innerhalb eines theosophischen Zweiges, wenn es eine Zeitlang währt, für die Menschenseele etwas zu bedeuten hat. Man eignet sich während dieses theosophischen Zweiglebens nicht nur Vorstellungen und Begriffe an über des Menschen Wesenheit, über höhere Welten, über die Evolution und so weiter, sondern mehr als der Einzelne sich eigentlich zum Bewußtsein bringt, eignet man sich während dieses Zweiglebens eine gewisse Summe von Empfindungen und Gefühlen an, andere als die sind, die man als völliger Neuling, wenn man eben erst in die Theosophie eintritt, mitbringt. Diese Gefühle und Empfindungen beziehen sich namentlich darauf, daß man in aller Ruhe und Gelassenheit mit einer gewissen inneren Gläubigkeit lernt Dinge und Schilderungen anzuhören und sie als etwas hinzunehmen, was keine Phantasterei und keine Träumerei ist, über deren Darstellung man wahrscheinlich vor dem Eintritt in die Theosophie gelacht und sich lustig gemacht hätte und über deren Schilderung sich ganz gewiß die Mehrzahl unserer Zeitgenossen heute als über eine Phantasterei lustig machen würde. Etwas viel Wichtigeres als die Einzelheiten der theosophischen Lehren ist diese Summe von Empfindungen und Gefühlen, die wir so nach und nach unserer Seele eingewöhnen. Denn wir werden in der Tat dadurch nach und nach ganz andere Menschen, und diejenigen, die sich solche Gefühle und Empfindungen gegenüber anderen Welten angeeignet haben, gegenüber denjenigen Welten, die zwar in der unsrigen vorhanden sind und uns fortwährend durchpulsieren,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
die aber für die äußeren Sinne nicht wahrnehmbar sind, solche Menschen, die solche Empfindungen und Gefühle haben, die so zu anderen Welten stehen, wie das angedeutet worden ist, sind hier als vorgeschrittene Theosophen gemeint. Es wird also nicht an Ihre theoretische Erkenntnis, sondern an Ihr Herz und Gefühl appelliert, wenn wir solche Betrachtungen vorurteilsfrei hinnehmen wollen, zu denen die letzte und auch die heutige Betrachtung gehören. Wir würden, wenn wir nur von allgemeinen abstrakten Theorien reden wollten, durch die wir möglichst wenig den sogenannten gesunden Menschenverstand verletzten, uns doch nur etwas vormachen; wir würden nicht den nötigen Willen haben, die Welten, die erschlossen werden müssen durch die theosophische Bewegung, uns auch wirklich nach und nach zu erschließen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das, wovon wir heute ein wenig sprechen wollen, betrifft ein Thema, das uns bekanntmachen soll mit Wesenheiten, die es auch gibt unter uns gibt, wenn wir uns als geistige Wesenheiten betrachten , deren Darstellung aber noch eine geringere Rolle gespielt hat in unseren vorhergehenden Betrachtungen. Wir haben in allen unseren theosophischen Auseinandersetzungen den Menschen als den Mikrokosmos in die Mitte unserer Anschauungen gestellt. Wir haben aber von dem Menschen, um ihn zu verstehen, um seine Evolution kennenzulernen, zumeist aufschauen müssen zu anderen Wesenheiten, zu höheren, geistigen Wesenheiten, die in bezug auf die. Evolution unseres Erdenplaneten ehedem eine solche Rolle gespielt haben, wie heute der Mensch auf der Erde spielt. Wir haben gesehen, daß die Erde, bevor sie in den jetzigen Zustand eingetreten ist, das war, was wir gewohnt sind den alten Mond zu nennen, und wir haben uns klargemacht, daß gewisse geistige Wesenheiten, die höhere Fähigkeiten haben als der Mensch heute, Fähigkeiten, die der Mensch erst in zukünftigen Zuständen der Erde haben wird, dazumal auf dem Monde auf der Stufe der Menschen waren unter anderen Bedingungen. Es sind die Engel oder Angeloi, die Geister des Zwielichts. Und ebenso haben die sogenannten Erzengel oder Archangeloi oder Feuergeister, die heute zwei Stufen höher stehen als der Mensch, ihre Menschenstufe auf der alten Sonne durchgemacht, so wie die Asuras, die Geister der Persönlichkeit, die Archai, die heute&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
in bezug auf gute oder böse Eigenschaften weit über dem Menschen stehen, diese Stufe auf dem alten Saturn durchgemacht haben. So haben wir eine ganze Reihe solcher Wesenheiten im Laufe der Zeit genauer betrachtet, welche an der ganzen Entwickelung der Erde und unseres ganzen Lebens und Seins beteiligt sind. Wir haben eine Reihe solcher Wesenheiten kennengelernt, zu denen wir in einer gewissen Beziehung hinaufschauen müssen. Für den, der hellseherisch solche Wesenheiten betrachtet, ergibt sich ein bedeutsamer Unterschied zwischen diesen Wesenheiten und dem Menschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir den Menschen in bezug auf die feinere Gliederung seiner Natur uns einteilen, lassen wir ihn zerfallen in das, was wir die eigentliche Leiblichkeit nennen, den physischen Leib, den ätherischen Leib und den astralischen Leib. Dann unterscheiden wir von dieser Leiblichkeit die Seele, die wir einteilen in Empfindungsseele, Verstandesseele und Bewußtseinsseele, und als drittes in der menschlichen Wesenheit unterscheiden wir den Geist, der heute erst im Anfange seiner Entwickelung ist. Der Mensch wird ihn zu seiner Höhe in zukünftigen Entwickelungszuständen bringen. Diese drei Teile seiner Wesenheit, das Leibliche, das Seelische und das Geistige, machen die dreigliedrige Wesenheit des Menschen im großen und ganzen aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir nun von dem Menschen hinaufschauen zu jenen höheren Wesenheiten, von denen wir eben gesprochen haben, so dürfen wir sagen: Sie unterscheiden, sich in einer gewissen Weise von dem Menschen dadurch, daß sie die gröbere Leiblichkeit, nach unten gehend, nicht mehr entwickelt haben. Wir können daher bei ihnen die gröbere Leiblichkeit, die für die Sinne wahrnehmbar ist, nicht sehen. Wenn wir die Lunarpitris oder Engel, wie sie die christliche Esoterik nennt, betrachten, die auf dem Monde ihre Entwickelungsstufe als Mensch durchgemacht haben, so wird sich aus dem Verschiedenen, was wir gesagt haben, ergeben, daß wir ihnen eine so grobe Leiblichkeit wie dem Menschen nicht zuschreiben dürfen. Dagegen haben sie die höheren Glieder, die der Mensch erst in der Zukunft ausbilden wird, schon ausgebildet, so daß wir sagen können: Bei ihnen finden wir zum Unterschied vom Menschen das verwirklicht, daß sie Geist und Seele sind, im Gegensatz zum Menschen, der eine dreigliedrige Wesenheit ist: Geist,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Seele und Leib. So haben wir uns vorzugsweise beschäftigt im Kosmos mit denjenigen Wesenheiten, die also eigentlich Menschen sind, die Geist, Seele und Leib haben, und mit Wesenheiten, die über dem Menschen stehen, und die Geist und Seele haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den okkulten Betrachter sind aber tatsächlich noch andere Wesenheiten vorhanden, die namentlich für die heutige menschliche Entwickelungsphase sehr verborgen sind, aber doch eine Rolle in der Evolution des Kosmos spielen. Es gibt nämlich auch Wesenheiten, bei denen derjenige, der mit hellseherischem Blick die Welt durchforscht, das nicht entdecken kann, was wir beim Menschen als «Geist» zu bezeichnen gewohnt sind, sondern die im wesentlichen bestehen aus Leib und Seele. Sie kennen nun eine ganze Gruppe solcher Wesenheiten aus unseren bisherigen Betrachtungen; das sind die Tiere. Sie haben Leib und Seele. Wir wissen aber, daß diese Tiere nach oben zusammenhängen mit ihren Gruppenseelen oder Gruppen-Ichen, und diese sind schon geistiger Natur. So haben wir zwar in dem einzelnen Tier, das in der physischen Welt vor uns steht, ein Wesen vor uns, das nur Leib und Seele hat, aber das setzt sich sozusagen fort nach den höheren Welten und gliedert sich an die Geistigkeit an. Ich habe Ihnen öfter den Vergleich gebracht, den wir in bezug auf diese Gruppen-Iche der Tiere brauchen dürfen: Wenn hier eine Wand wäre und ich meine zehn Finger durch zehn Öffnungen der Wand hindurchstecken würde, und Sie nicht mich, sondern nur meine zehn Finger sehen würden, so würden Sie mit Recht schließen, diese Bewegung meiner Finger müsse von einem Wesen kommen, das hinter der Wand ist. So ist es mit den Tieren und mit den Gruppen-Ichen. Sie sind vorhanden, und das Tier geht nach und nach, graduell, in sie über. Die verschiedenen Tiere, die gleichgeformt sind, hängen mit diesen ihren Gruppen-Ichen zusammen. Also nur wenn wir von dem Teil der Tierheit sprechen, der hier auf dem physischen Plan das einzelne Tier ausmacht, können wir davon sprechen, daß die Tiere Leib und Seele haben; wir sehen dann ab von der Fortsetzung nach dem Astralischen hin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber es gibt andere Wesenheiten, Wesenheiten, die auch nur Leib und Seele haben, die nicht mehr für die physische Betrachtung sichtbar sind. Man nennt sie sehr häufig «Elementargeister» in den verschiedenen theo-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|166}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sophischen Lehren, aber so ungeschickt wie möglich nennt man sie Elementargeister, denn sie sind eben Wesen, die gerade keinen Geist haben, Wesenheiten ohne «Geist», die man also besser Elementarwesen nennt. Warum ihr Leib eigentlich nicht sichtbar ist, werden wir im Laufe der heutigen Betrachtung sehen. Vorläufig, bevor wir nicht mehr wie nur eine Art Definition dieser Wesenheiten geben, wollen wir sagen, daß sie in einer gewissen Weise Wesen aus Leib und Seele sind, die unter dem Menschen stehen. Diese Wesenheiten werden natürlich in unserer aufklärerischen Zeit geleugnet, denn der Mensch in seiner heutigen Entwickelungsphase kann sie nicht wahrnehmen. Wer sie wahrnehmen will, muß bis zu einem gewissen Grade des hellseherischen Bewußtseins vorgeschritten sein. Das, was nicht wahrnehmbar ist, bedingt aber nicht, daß es nicht wirksam ist in unserer Welt. Es spielt durchaus die Wirksamkeit dieser Wesenheiten, die Leib und Seele haben, in unsere Welt hinein. Was sie tun, ist sehr wohl wahrnehmbar, nur sie selbst sind nicht wahrnehmbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun handelt es sich darum, daß wir uns, soweit das ohne eigene Anschauung geht, von solchen Elementarwesen einen Begriff bilden. Diese Elementarwesen sind in mancherlei Gestalten in dem geistigen Raume enthalten, der uns alle aufgenommen hat, und man spricht von ihnen auch als von «Naturgeistern». Man gibt ihnen überhaupt die verschiedensten Namen. Aber diese Namen machen es nicht aus. Daß wir uns einen gewissen Begriff von ihnen verschaffen, das ist das Notwendige. Hier beginnt wirklich bereits dasjenige, was an Ihre theosophischen Gefühle und Empfindungen appelliert, denn ich möchte einmal ganz ungeschminkt erzählen, wie sich solche Wesenheiten dem hellseherischen Blick zeigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da gibt es verschiedene Wesenheiten, die an den verschiedensten Orten der Erde vorhanden sind. So zum Beispiel können Sie sie sehen, wenn Sie namentlich in solche Tiefen der Erde kommen, die nie durchwachsen, nie durchsetzt waren von lebendigen Wesen, von lebenden Gewächsen, also zum Beispiel Stellen in einem Bergwerk, die immer mineralischer Natur waren. Wenn Sie da das metallische oder das gesteinsartige Erdreich heben, so finden Sie da Wesenheiten, die sich zunächst in merkwürdiger Weise bemerkbar machen, wie wenn&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|167}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
etwas zerstieben würde. Es zeigt sich uns, daß sie in einer ungeheuren Menge zusammengekauert waren, und wenn das Erdreich freigelegt wird, bersten sie gleichsam auseinander. Und das ist das Wesentliche, daß sie nicht nur auseinanderbersten, auseinanderfliegen, sondern auch in ihrer eigenen Leiblichkeit größer werden. Sie sind ja, wenn sie auch ihre größte Größe erreicht haben, immer noch kleiner als die Menschen. Der heutige aufgeklärte Mensch kennt diese Wesenheiten nicht. Aber solche Menschen, die noch einen gewissen Natursinn, das heißt, eine gewisse hellseherische Kraft sich bewahrt haben, die alle Menschen einmal gehabt haben, und die verlorengehen mußte durch die Eroberung des äußeren, gegenständlichen Bewußtseins, solche Menschen könnten Ihnen sehr wohl von diesen Wesen erzählen, und sie haben diesen Wesen die verschiedensten Namen gegeben, Kobolde, Gnomen und so weiter. Diese Wesenheiten unterscheiden sich von dem Menschen dadurch, daß sie nicht so wie der Mensch sichtbar sind in ihrer Leiblichkeit; und auch noch ganz wesentlich dadurch, daß ihnen vernünftigerweise niemals irgendeine moralische Verantwortlichkeit zugesprochen werden könnte. Das also, was man beim Menschen moralische Verantwortlichkeit nennt, haben sie nicht. Was sie tun, tun sie wie automatisch. Dabei ist aber das, was sie tun, durchaus nicht unähnlich dem, was zum Beispiel der menschliche Verstand tut, die menschliche Intelligenz. Sie haben sogar im höchsten Grade das, was man «Witz» nennt, und wer mit ihnen in Berührung kommt, kann gute Proben ihres Witzes verspüren, weil sie dem Menschen allerlei Schabernack spielen können, wie jeder Bergmann, der sich noch etwas gesunden Natursinn bewahrt hat, zuweilen noch merken kann, und zwar der Metallbergmann, nicht der Kohlenbergmann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Wesenheiten können ebenso in bezug auf ihre Gliedrigkeit mit den Mitteln des Okkultismus untersucht werden wie der Mensch. Wenn wir den Menschen daraufhin untersuchen, zeigt er uns als sein unterstes Glied den physischen Leib, dann den Ätherleib, astralischen Leib und das Ich. Und das, was sich aus den unteren Gliedern durch die Arbeit des Ich nach und nach entwickelt, nennen wir Geistselbst oder Manas, Lebensgeist oder die Buddhi, und den Geistesmenschen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|168}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
oder Atma. Das Wesentliche, das für die heutige Menschheitsstufe in Betracht kommt, sind die vier Glieder: physischer Leib, Ätherleib, astralischer Leib und Ich, so daß wir sagen, das Ich ist das höchste der Glieder, der physische Leib ist das niederste. Nun tun wir sehr unrecht, wenn wir ganz abstrakt daran festhalten wollten, daß dieser physische Menschenleib nichts zu tun habe mit dem menschlichen Ich. In dem physischen Menschenleib haben wir das Werkzeug für das menschliche Ich. Wir haben gesehen, daß dieser menschliche Leib ein sehr kompliziertes Gebilde ist. Sodann haben wir gesagt, daß das Ich sein physisches Werkzeug im Blutsystem hat, der astralische Leib im Nervensystem, der Ätherleib im Drüsensystem, und der physische Leib selber in den physischen, rein mechanisch wirkenden Organen, so daß wir uns denken müssen, daß alles, was von dem inneren menschlichen Erleben im astralischen Leibe vorgeht, seinen materiellen Ausdruck im Nervensystem, alles, was im Ätherleibe vor sich geht, seinen materiellen Ausdruck im Drüsensystem findet und so weiter. So bildet uns gleichsam der physische Menschenleib ein Abbild der viergliedrigen Wesenheit des Menschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen Sie nun den physischen Menschenleib, wie Sie ihn vor sich haben, und nehmen Sie alles das, was dieser physische Menschenleib ist, als das Werkzeug des denkenden, intelligenten Ich. Sie machen sich am besten klar, was damit gemeint ist, wenn Sie daran denken, daß das Ich selbst von Inkarnation zu Inkarnation dasselbe bleibt, daß aber das Werkzeug mit jeder Inkarnation neu aufgebaut wird. Das nun, was der Mensch an feinerer, materieller Organisation dem Tiere voraus hat, vor allen Dingen also diejenige Organisation, welche die menschliche Intelligenz offenbart, ist dadurch zustande gekommen, daß das Ich langsam und allmählich durch lange Zeit hindurch gelernt hat, an dem astralischen Leibe zu arbeiten. Denn wir wissen ja, daß der astralische Leib bei jedem Menschen aus zwei Teilen besteht, einen Teil, den er von dem Kosmos mitbekommen hat, an dem das Ich noch nichts getan hat, und einen anderen Teil, den das Ich bereits umgestaltet hat. In jedem Menschen sind diese zwei Glieder des astralischen Leibes bis zu einem gewissen Grade ausgebildet. Im höheren Nervensystem, namentlich im Gehirn, das mit jeder Inkarnation neu aufge-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|169}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
baut wird, haben Sie den äußeren materiellen Ausdruck für das, was der Mensch von seinem Ich aus an seinem astralischen Leibe gearbeitet hat, wenn auch zum größten Teil unbewußt. Daß der Mensch ein viel ausgebauteres und vollkommeneres Vordergehirn hat als die Tiere, rührt davon her, daß dieses Vordergehirn der Ausdruck, die Offenbarung ist des vom Ich aus bearbeiteten und umgestalteten astralischen Leibes. Aber der astralische Leib ist es dennoch, der auch in dem Nervensystem seinen äußeren Ausdruck hat. Nun werden wir leicht einsehen können, daß in dem Augenblick, wo irgendein Glied unseres Organismus umgebildet wird, eine Änderung des gesamten übrigen Organismus nötig ist. Warum kann der Mensch nicht auf vier Füßen gehen? Warum hat er seine vorderen Gliedmaßen zu Arbeitsorganen umgebildet? Weil er an seinem astralischen Leib arbeitete, und das bewirkte die notwendige Umgestaltung seiner vorderen Gliedmaßen zu Arbeitsorganen; und so ist auch die Gehirnform des menschlichen Leibes ein Ergebnis dieser inneren Arbeit. Immer ist das Äußere eine wirkliche Offenbarung des Inneren. Alles, was wir im physischen Leibe in seiner gegenwärtigen Entwickelungsphase sehen, ist ein spezifiziertes Ergebnis der geistigen Evolution.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun werden Sie einsehen, daß alles, was im Materiellen existiert, bis auf die Form hin ein Ergebnis dessen ist, was hinter diesem Materiellen als Wirksames steht. Wenn wir also Wesenheiten vor uns haben wie die, die ich eben geschildert habe, denen die Möglichkeit fehlt, ihren astralischen Leib umzuändern denn die Geistigkeit fehlt ihnen, es arbeitet kein Ich an ihrem astralischen Leib , so muß dieser astralische Leib, der aber doch die Summe der Seelenerlebnisse ist, die eben ein astralischer Leib haben kann, in einer materiellen Gestalt zum Ausdruck kommen. Diese materielle Gestalt, die eine solche nicht von einem Ich durchglühte Wesenheit hat, kann in unserer Entwickelungsphase nicht sichtbar sein in der physischen Welt, und sie ist deshalb nicht sichtbar, weil sie um einen Grad tiefer liegt als unsere sichtbare Materie. Fassen Sie das wohl, was damit gemeint ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn Sie sich klarmachen wollen, was Ihren physischen Leib ausmacht, so sagen Sie: Den physischen Leib kann man sehen. Den Ätherleib können Sie nicht sehen, weil er eine Stufe höher liegt mit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|170}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
seiner Substantialität. Den astralischen Leib können Sie auch nicht sehen, weil er wieder eine Stufe höher liegt als der Ätherleib. Aber es liegt nun nicht nur Substantialität oberhalb, sondern auch unter der physischen Materie, und die kann auch wieder nicht gesehen werden, weil von aller Materie nur ein mittleres Streifband sichtbar ist, gerade das, was die physische Materie ausmacht, die mit den physischen Augen gesehen wird. Und geradeso wie sich nach oben das Substantielle fortsetzt in der physischen Grundlage des Ätherischen, des Astralen, so setzt es sich nach unten fort und wird da wiederum unsichtbar. Und jetzt, nachdem wir uns die Gliederung des Menschen vor Augen gestellt haben, werden wir uns auch die Gliederung dieser anderen Wesenheiten vorstellen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir haben gesehen, daß der Mensch, wenn wir ihn von unten betrachten, als erstes seinen physischen Leib hat, dann seinen Ätherleib, seinen astralischen Leib und als viertes sein Ich. Die Wesenheiten, die wir nunmehr als Elementarwesen bezeichnen, denen fehlt das Ich, und darum fehlt ihnen auch die Verantwortlichkeit. Sie haben dafür ein Prinzip unter dem physischen Leibe ausgebildet. Nennen Sie es meinetwillen «minus eins». Bei ihnen sind also die Prinzipien drei, zwei, eins und minus eins ausgebildet. Wir können nun aber noch weitergehen. Es gibt nicht nur Wesenheiten, die mit dem astralischen Leib anfangen und dazu noch minus eins ausgebildet haben, sondern auch solche Wesenheiten, welche bei zwei anfangen, die nur das Prinzip des Ätherleibes haben, dann das Prinzip des physischen Leibes, dann minus eins und auch noch minus zwei. Und endlich haben wir Wesenheiten, die als höchstes Prinzip das haben, was des Menschen unterstes Prinzip ist; die fangen an mit eins, haben dann minus eins, minus zwei und minus drei ausgebildet. Wir können uns noch einen deutlicheren Begriff machen, warum diese Wesenheiten nicht sichtbar sind. Denn Sie könnten einwenden: Wenn sie einen physischen Leib haben, müßten sie doch sichtbar sein. Wenn die höheren Glieder des Menschen nicht wären, wenn der Mensch bloß einen physischen Leib hätte, würde dieser ganz anders aussehen. Wenn der Mensch stirbt, ist der physische Leib allein; dann zerbröckelt er aber, löst sich auf, zerstiebt in alle möglichen Atome. Das ist seine natürliche Gestalt. Daß er so ist,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|171}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wie Sie ihn heute kennen, rührt davon her, daß er von oben durchdrungen ist vom Ich, astralischen Leib und Ätherleib. Gewiß haben die Wesenheiten, die wir Gnomen oder Kobolde nennen, einen physischen Leib, aber ihnen fehlt Ich, astralischer Leib und Ätherleib. Es sind gerade diese Wesenheiten, die den physischen Leib als höchstes haben, die wir als Gnomen bezeichnen. Sie haben drei Prinzipien, die unter dem physischen Leib liegen, die da bewirken, daß ihr physischer Leib viel weniger sichtbar sein kann als der physische Leib des Menschen. Die unter dem physischen Plan gelegenen Kräfte dieser Wesenheiten machen es, daß auch das, was das Prinzip des physischen Leibes ist, nie für gewöhnliche Augen physisch sichtbar sein kann. Sollen sie eine annähernd physische Materie haben, so können sie diese nur haben unter einem gewaltigen Druck, wie es geschieht, wenn die äußere Materie sie zusammenpreßt. Dann wird ihre Leiblichkeit so zusammengepreßt, daß sie in großer Menge zusammengekauert beieinandersitzen und sich entwickeln auf eine so greuliche Art, wie ich es vorhin geschildert habe. Im allgemeinen ist der Prozeß, der für sie eintritt, wenn Sie den äußeren Druck von ihnen wegnehmen, ein Auflösungsprozeß, der mit ungeheurer Schnelligkeit vor sich geht. Der gleiche Prozeß, den Sie beim Menschen nach dem Tode wahrnehmen können, vollzieht sich bei ihnen mit einer ungeheuren Schnelligkeit, wenn Sie das Erdreich hinwegnehmen. Daher können sie niemals sichtbar werden, auch wenn sie einen physischen Leib haben. Für den, der durch diese physische Erde durchschauen kann, haben sie einen kleinen physischen Leib. Dieser physische Leib, den sie dem Prinzip der Kraft nach haben, hat allerdings in sich etwas, was in seiner Struktur, in seiner Organisation ähnlich ist dem menschlichen Denkwerkzeug, dem menschlichen Werkzeug der Intelligenz. Nicht mit Unrecht bilden daher die, welche aus einem gewissen Natursinn heraus Gnomen bilden, gerade die Köpfe besonders charakteristisch heraus. Alle die Symbole, die da gezeichnet werden, haben eine Art Wirklichkeit. Sie finden bei diesen Gnomen eine Art Intelligenz, die geradezu automatisch wirkt. Es ist wirklich so, wie wenn Sie sich Ihr Gehirn herausgenommen denken und dieses nicht durchdrungen wird von Ihren höheren Gliedern; dann wirkt das bei Ihnen auch nicht gerade&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|172}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
im Sinne der oberen Entwickelung, sondern es wirkt der oberen Entwickelung entgegen. Daher haben wir die Wesenheiten, die wir als Gnomen bezeichnen, in dieser Weise vor uns. Wir werden dann noch Licht auf die Wesen, die tiefer stehen als der Mensch, werfen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt müssen wir uns erst einmal, weil das mit der tieferen Aufgabe, die uns obliegt, zusammenhängt, einen Begriff machen, wie eigentlich solche Wesenheiten im Laufe der Entwickelung entstanden. Diese Frage hängt nicht nur mit der vergangenen Evolution zusammen, sondern auch gerade mit der zukünftigen. Das ist das Wesentliche. Um das kennenzulernen, wollen wir ein wenig die Entwickelung des Menschen betrachten. Wir wissen, wie der Mensch fortschreitet von Verkörperung zu Verkörperung. Wir wissen, daß er in eine jede neue Inkarnation sich die Früchte der vorhergehenden Inkarnationen mit hineinbringt. Auf diese Weise ist der Mensch für jede neue Inkarnation selbst mitschöpferisch sowohl für seine Form wie auch für seine Fähigkeiten wie für sein Schicksal. Was er der Außenwelt als seine Taten eingegraben hat, kommt ihm zurück als sein Schicksal; was er in seinen früheren Leben sich selber eingegraben hat, kommt ihm zurück als seine Fähigkeiten und seine Talente. So ist er mitschöpferisch sowohl an seinem äußeren Schicksal wie auch an seiner inneren Organisation. Nun fragen wir uns: Woher stammt denn das, was uns auf eine vollkommenere Stufe bringt? Denn gegen frühere Menschheitszustände steht jeder heutige Durchschnittsmensch auf einer höheren Stufe in dieser Beziehung. Was in uns immer höhere Vollkommenheitsgrade bewirkt, das ist das, was wir uns selbst angeeignet haben in unserem Fortschreiten von Inkarnation zu Inkarnation. Wir nehmen nicht umsonst die Welt wahr, sehen nicht umsonst mit unseren Augen, hören nicht umsonst durch unsere Ohren, sondern wir eignen uns in jeder Inkarnation gewisse Früchte des Lebens an. Die nehmen wir nach dem Tode mit, und was darin wirksam ist, das bildet die Keimkräfte, die beim Aufbau und Ausbau in der nächsten Inkarnation mitwirken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun kann verschiedenes eintreten. Es kann das Zünglein der Waage nach der einen Seite und auch nach der anderen Seite ausschlagen. Der ideale Zustand wäre doch der, daß der Mensch in jeder Inkarnation&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|173}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sein Leben ganz ordentlich benutzen würde, daß er nichts, was er erfahren kann, was er erleben kann und was Früchte tragen kann für die folgenden Inkarnationen, unbenützt ließe, sondern daß er alles mitnähme, was er sich früher angeeignet hat. Das geschieht aber in der Regel nicht. Nach der einen Seite oder nach der anderen Seite artet der Mensch aus. Entweder er benützt sein Leben nicht ordentlich, um alles zu holen, was für ihn zu holen wäre. Dann bleiben gewisse Kräfte unbenützt, und er bringt weniger mit in seine neue Inkarnation, als er mitbringen könnte. Oder aber er dringt zu tief in seine Organisation ein, er verwächst zu sehr mit seiner Inkarnation, mit seiner Körperlichkeit. Es gibt ja zwei Arten von Menschen: die einen möchten gern ganz im Geiste leben, nicht ganz heruntersteigen bis zu ihrer Körperlichkeit. Solche Menschen werden von den Alltagsnaturen Schwärmer, Träumer und so weiter genannt. Und es gibt andere, die steigen zu tief hinunter in ihre Körperlichkeit; sie benützen nicht nur das, was zu holen ist, sondern sie verwachsen mit ihrer Inkarnation. Es ist ihnen sympathisch, es ist ihnen lieb, mit der Inkarnation zusammenzuwachsen. Sie bewahren sich nicht das, was fortgeht von Inkarnation zu Inkarnation. Sie lassen es untersinken in das, was doch nur das Werkzeug für den ewigen Wesenskern des Menschen sein soll.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich habe schon einmal darauf aufmerksam gemacht, daß es einen wichtigen Mythos, eine wichtige Sage gibt, die vor unsere Seele hinstellt, was diejenigen Menschen erleben können, die zu tief hinuntersteigen in das Zeitliche und Vergängliche einer Inkarnation. Wenn wir es uns extrem denken, können wir es uns so vor unsere Seele stellen: Wir können uns einen Menschen denken, der da sagt: Ach, was geht mich das an, was ich alles in meinem ewigen Wesenskern hinübertrage in eine andere Inkarnation. Ich will hier mit dieser Inkarnation verwachsen sein, die gefällt mir, die ist mir recht, und was später werden soll, das kümmert mich nicht weiter. Wozu würde das führen, wenn sich diese Gesinnung radikal ausbildete? Es führt zu einem solchen Charakter, der da sitzt an einer Wegesecke, und vorüber geht einer der großen Führer, die die Wege weisen für die Menschheit. Wer aber so nichts wissen will für die Zukunft, der stößt einen solchen Lehrer, einen solchen großen Menschenführer zurück: Nichts will ich&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|174}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
von dir wissen, der du meinen Wesenskern in künftigen Inkarnationen dahin führen willst, wo die Menschheit vervollkommnet sein wird. Ich will verwachsen mit der gegenwärtigen Gestalt, die ich jetzt habe! Ein solcher Mensch, der einen solchen Menschheitsführer zurückweist, wird wiedererscheinen in derselben Gestalt. Und wenn dieselbe Gesinnung dann wieder ebenso in ihm ist, so wird er auch in der folgenden Inkarnation die Menschheitsführer von sich weisen, und er wird immer wieder in derselben Gestalt erscheinen. Und wenn andere Menschen, welche auf die großen Führer der Menschheit hören und die Seele mit dem ewigen Wesenskern bewahren, in einer vorgeschrittenen Rasse wiedererscheinen, so wird der, der von dem großen Lehrer nichts hat wissen wollen, der den großen Menschheitsführer von sich stößt, immer in derselben Rasse wiedererscheinen, weil er nur die eine Gestalt hat ausbilden können. Das ist die tiefere Idee des Ahasver, der immer in derselben Gestalt wiederkehren muß, weil er die Hand des größten Führers, des Christus, von sich gewiesen hat. So ist die Möglichkeit für den Menschen vorhanden, mit dem Wesen einer Inkarnation zu verwachsen, den Menschheitsführer von sich zu stoßen, oder aber die Wandlung durchzumachen zu höheren Rassen, zu immer höherer Vervollkommnung. Rassen würden gar nicht dekadent werden, gar nicht untergehen, wenn es nicht Seelen gäbe, die nicht weiterrücken können und nicht weiterrücken wollen zu einer höheren Rassenform. Schauen Sie hin auf Rassen, die sich erhalten haben aus früheren Zeiten: Sie sind bloß deshalb da, weil da Seelen nicht höhersteigen konnten. Ich kann heute nicht weiter darüber sprechen, was damit gemeint ist, daß der Mensch «mit der Rasse verwächst». Im Laufe der Erdentwickelung ist eine ganze Reihe von Rassen entstanden und in Dekadenz geraten. Denken Sie zurück an die atlantischen Zeiten. Die Atlantier sind vorgeschritten durch die Rassen hindurch; die Rassen sind verschwunden, aber die Menschenseelen sind übergegangen in andere, höhere Rassen. Für die aber, die stehenbleiben wollen, die mit der Rasse verwachsen wollen, gibt es die Möglichkeit, daß sie «durch ihre eigene Schwere» heruntersteigen und aufgehen im Materiellen. Sechzehn Möglichkeiten gibt es, mit der Rasse zu verwachsen. Man nennt sie die «sechzehn Wege des Verderbens». Durch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|175}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
das Vorwärtsschreiten aber wird der Mensch zu immer höheren und höheren Stufen aufsteigen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So sehen wir, wie es tatsächlich möglich ist, daß der Mensch so verwächst mit der einen Inkarnation, daß er sozusagen hinter der Evolution zurückbleibt. Seine anderen Seelenbrüder sind dann auf einer höheren Stufe, wenn er in einer neuen Inkarnation wiederkehrt. Er aber muß sich dann begnügen mit einer minderen Inkarnation, wie sie ihm geblieben ist von irgendeiner dekadenten Rasse. Das braucht keinem Menschen Furcht einzujagen. Für niemanden liegen heute die Wege so, daß er etwas nicht wieder einholen könnte und damit aus der Evolution herausfallen müßte. Aber wir müssen uns doch diese Möglichkeit vor die Seele rücken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen wir einmal den extremsten Fall: Ein Mensch verwächst so dicht wie möglich mit dem, was das Wesen einer Inkarnation ausmacht. Er kann es nicht gleich, denn er ist nicht stark genug, um es auf einmal zu tun, aber in einer Zeit von sechzehn Inkarnationen könnte er es tun, würde er die sechzehn Fehlwege gehen. Nehmen wir an, er könnte es, dann würde er folgendes erreichen. Die Erde mit ihren Seelen wartet nicht, sie schreitet vorwärts. Aber da das Materielle immer doch ein Ausdruck ist für ein Seelisches, so kommt ein solcher Mensch zuletzt auf einer Stufe an, wo er keine Möglichkeit mehr findet, einen Körper für sich zu bekommen, weil es tatsächlich möglich ist, daß keine Körper mehr da sind für solche Seelen, die zu sehr verwachsen sind mit der Körperlichkeit. Solche Seelen verlieren dabei die Möglichkeit, sich zu inkarnieren und finden keine andere Gelegenheit. Denken Sie, was solche Seelen verlieren, wenn es auch nur in Ausnahmefällen möglich ist, daß dieser Zustand in vollem Maße während der zukünftigen Erdentwickelung eintritt. Nur für ganz besondere Menschen würde schon während des Erdzustandes die Möglichkeit eintreten, daß sie so zum Bösen hinneigen, daß sie gar keine Möglichkeit mehr fänden, sich zu verkörpern, weil gar keine Körper mehr da wären, die für sie schlecht genug sein würden. Sie werden etwas anderes dann auch nicht haben, was der Ausdruck der normalen Entwickelung ist. Nehmen wir an, eine solche Wesenheit würde auf der Erde bleiben. Sie würde dann, wenn die Erde sich in den Jupiter verwandelt da das Spätere immer&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|176}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nur das Ergebnis des Früheren ist , auch da keine für sich geeigneten Leiber finden, denn für die Leiber, die für die untergeordneten Naturreiche da sein werden, sind solche Wesenheiten zu gut, für die Leiber, die die Menschen haben werden, sind sie zu schlecht. Das bedingt, daß sie jetzt eine leiblose Existenz für sich schaffen müssen, daß sie sich richtig abschnüren von dem Gange der Menschheitsentwickelung. Das haben sie sich dadurch verdient, daß sie das Leben nicht benützt haben. Die Welt ist um sie herum. Sie haben die Umwelt nicht benützt, um durch die Sinne ihren inneren Wesenskern zu bereichern und sich immer neue Vollkommenheiten zu schaffen. Sie schreiten mit der Weltentwickelung nicht vorwärts, sie bleiben auf einer gewissen Stufe zurück. Solche Wesenheiten, die auf einer solchen Stufe zurückbleiben, erscheinen dann in späteren Zeiträumen mit dem Charakter ungefähr des früheren Zeitraumes; denn mit dem sind sie verwachsen. Aber sie erscheinen nicht in den Formen und den Gestalten des späteren Zeitraumes, sondern in diesen späteren Zeiträumen als untergeordnete Naturgeister, wie wir sie in ähnlicher Weise vorhin geschildert haben. Das Menschengeschlecht wird in der zweiten Hälfte der Jupiterentwickelung eine ganze Anzahl solcher neuer Naturgeister liefern, denn der Mensch wird auf der Jupiterstufe das fünfte Glied seiner Wesenheit, Manas, ausgebildet haben. Die Menschen aber, welche die Gelegenheit auf der Erde nicht benutzt haben, um das fünfte Glied auszubilden, erscheinen in ihrer Entwickelung auf dem Jupiter als Naturgeister mit vier Grundteilen, mit dem vierten als dem höchsten Grundteil. Während der Mensch auf dem Jupiter fünf, vier, drei, zwei hat, haben sie als das, was äußerlich nicht Gestalt gewinnen kann, vier, drei, zwei, eins. Das würde das Schicksal derjenigen Menschen sein, welche nicht durch die Benutzung des Erdenlebens ihre höheren Grundteile nach und nach entwickelt haben. Sie werden sozusagen unsichtbar wirkende Naturgeister eines künftigen Evolutionszeitraumes sein. Mit unseren heutigen Naturgeistern ist es so ergangen in früheren Evolutionsepochen, nur daß sich das natürlich je nach Charakter der einzelnen Evolutionsepochen fortwährend ändert. Die Naturgeister auf dem Jupiter, die aus den Menschen stammen, werden schon eine gewisse moralische Verantwortlichkeit haben, da wir sie ja hier auf Erden auch haben,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|177}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und dadurch werden sie sich von den Naturwesen des Erdendaseins unterscheiden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt erinnern wir uns einmal daran, was ich gesagt habe, wodurch der Jupiter sich unterscheidet von unserer Erde. Wir haben beschrieben das Wesen der Erde als den Planeten der Liebe, im Gegensatz zu dem Wesen des Mondes, den wir den Planeten der Weisheit genannt haben. Wie sich die Liebe nach und nach hier auf der Erde entwickelt, so hat sich die Weisheit, die wir überall rings um uns herum finden, auf dem Monde entwickelt. Die Liebe ist in der niedersten Form in der lemurischen Zeit aufgesprossen und verwandelt sich in immer höheren Stufen bis zur höchsten geistigen Form der Liebe. Während des Jupiterdaseins werden die Jupiterbewohner auf die Liebe hinschauen wie die Erdenmenschen auf die Weisheit. Wenn der Erdenmensch auf die Weisheit hinblickt, die ihn umgibt, zum Beispiel auf einen Knochen des Oberschenkels, und den wunderbaren Aufbau sieht, wie sich da Balken an Balken aneinander fügt, so muß er sich sagen: Heute kann der Mensch mit der größten Ingenieurkunst noch nicht so etwas zustande bringen, was die kosmische Weisheit in einem Stück Oberschenkelknochen erreicht hat. Der ganze Erdenplanet ist auf diese Weise kristallisierte Weisheit, die sich auf dem Monde ausgebildet hat. Und ebenso bildet sich hier auf der Erde nach und nach die Liebe aus. Wie wir hier die Weisheit um uns herum in jeder Blüte bewundern, so wird der Jupiterbewohner die Liebe sich entgegenduften fühlen, die von allen Wesen ausströmt; wie zu uns die Weisheit spricht, die in die Erde hineingeheimnißt worden ist durch das alte Mondendasein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So schreitet die Erde von Stufe zu Stufe weiter. Die Erde ist der Kosmos der Liebe. Jeder planetarische Zustand hat seine besondere Aufgabe, und erst dann verstehen wir die Aufgabe einer Zeit, wenn wir uns mit dieser Erkenntnis durchdringen werden. Wie die allgemeine Weisheit unsere Erde durchwaltet, so wird den Jupiter die Liebe durchwalten. Und wie die zerstörenden Kräfte in der Weisheit herrühren von den Wesen des alten Mondes, die zurückgeblieben sind, so werden auf dem Jupiter zerstörende Kräfte der Liebe da sein, die mitten in das allgemeine Gewebe hineinversetzt werden als die häßlichen Gestalten der zurückgebliebenen Erdenwesen, die als Natur-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|178}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
geister mit egoistischer Liebe Liebesansprüche haben werden. Sie werden ganz gewaltige, verheerende Mächte im Jupiterdasein bilden. Das Zurückbleiben der einzelnen Menschen schafft die zerstörenden Naturgewalten. So sehen wir, wie die Welt gewoben wird sowohl in ihrem nützlichen wie in ihrem schädlichen Teil. So haben wir ein moralisches Element hineinverwoben in den Weltprozeß.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
| Gnomen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 Udinen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 Sylphen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 Salamander&lt;br /&gt;
|Physischer Leib und darüber&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 1&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 2&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 3&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 4&lt;br /&gt;
|darunter&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 3&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 2&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 1&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 0&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle Naturgeister, die so gestaltet sind, wie unser Schema es zeigt, daß sie ein Glied vom Menschen und drei Glieder unter dem Menschen haben, sind diejenigen, die wir als «Gnomen» bezeichnen, die, welche «Undinen» genannt werden, haben zwei Glieder unter dem Menschen, und die «Sylphen» haben drei Glieder vom Menschen und ein Glied unter dem Menschen. Die sind alle zurückgeblieben in früheren planetarischen Zeiten. Sie haben es zu einem Geist, der heute schon beim Menschen in der Entfaltung ist, nicht gebracht. Sie stehen unter dem Menschen, sie sind «untergeistig» und bestehen nur aus Leib und Seele. Es sind zweigliedrige Wesenheiten und wir nennen sie Gnomen, Undinen und Sylphen. Nun werden Sie mich fragen, wenn Sie den Namen «Salamander» hören, woher kommen denn diese?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gnomen, Undinen und Sylphen sind zurückgebliebene Wesenheiten aus früheren Erdzuständen. Die Salamander sind in einer gewissen Weise dadurch entstanden, daß sie teilweise, aber eben nur teilweise, das vierte Prinzip ausgebildet haben, daß sie aber nicht so weit gekommen sind, daß sie eine menschliche Gestalt annehmen konnten. Woher kommen denn nun die Salamander? Das will ich Ihnen noch zum Schluß klarmachen. Denn wenn Sie diese vierte Art von Wesenheiten verstehen, werden Sie viele von den Geheimnissen der uns umgebenden Natur verstehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir den Menschen zurückverfolgen in der Evolution, so kommen wir zu immer geistigeren und geistigeren Formen. Wir wissen, daß&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|179}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die einzelnen Tiergattungen nach und nach herausgesetzt sind wie die zurückgebliebenen Brüder der menschlichen fortschreitenden Evolution, die auf früheren Stufen stehengeblieben sind. Dadurch ist der Mensch so hoch gekommen, daß er am spätesten mit seinem physischen Wesen herausgekommen ist. Die anderen Wesen sind so geworden, weil sie nicht haben warten können, weil sie sich früher in die physische Inkarnation hineingedrängt haben. Die Tiere haben Gruppenseelen; die sind allerdings etwas, was nur auf dem Astralplan existiert, was aber hineinarbeitet in die physische Welt. Dasjenige, was der Mond unserer Evolution gegeben hat, die Weisheit, sehen wir durch die Gruppenseelen in den Tierformen in der umfassendsten Weise im Tierreich ausgebreitet. Der Mensch darf sich nicht allein die Weisheit zuschreiben. Er schafft mit ihr wohl seine Kultur, aber in einem viel stärkeren Maße ist die Weisheit in dem ganzen Erdenplaneten vorhanden. Ein Mensch, der stolz ist auf die Menschheit, kann sagen: Wie weit hat es der Mensch in der Weisheit gebracht. Die neuen Erfindungen geben Zeugnis davon. Wie wird heute selbst schon dem Schüler in der Schule das aufgezählt, was alles die Weisheit des Menschen zustande gebracht hat! Unter dem, was man aufzählt, werden Sie auch das Papier finden. Gewiß ist das Papier eine Errungenschaft der menschlichen Weisheit, aber die Wespe konnte das Papier schon viel früher machen! Das Wespennest ist ganz genau aus demselben Stoff aufgebaut wie das richtige Papier. Es ist gerade so gemacht, nur durch den Lebensprozeß, wie das menschliche Papier. So könnten wir die ganze Natur durchgehen, und wir würden überall die waltende Weisheit finden. Wieviel früher hat das Gruppen-Ich der Wespengattung das Papier erfunden als der Mensch! Die einzelne Wespe macht das nicht, sondern die Gruppenseele.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So sehen wir, wie das, was menschliche Weisheit ist, eingewoben und eingeprägt ist dem ganzen Erdenwesen. Wir könnten die Erde Stück für Stück durchgehen und würden in der Tat überall diese Weisheit finden. Aber nur bis zu einem gewissen Punkt ist das Verhältnis des Tieres zu seiner Gruppenseele das, was es, wenn ich es so sagen darf, vom kosmischen Gesichtspunkt aus eigentlich sein soll. Welches ist dieses Verhältnis der Gruppenseele zu dem einzelnen Tier?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|180}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denken Sie die Gruppenseele irgendeiner Insektenart. Wenn das einzelne Insekt stirbt, ist es für die Gruppenseele gar nicht anders, als wenn Ihnen ein Haar ausfällt oder ein Nagel abgeschnitten wird. Die Tiere, die immer neu sich bilden, sind nur ausgetauschte neue Glieder der tierischen Gruppenseele. So können Sie Tierreihen weit hinauf verfolgen, und Sie werden finden, daß das, was auf dem physischen Plan ist, wie eine sich immer auflösende und wieder neu sich bildende Wolke erscheint. Es metamorphosiert sich das physische Dasein und der Gruppengeist erneuert nur das, was sich bei ihm nach unten ansetzt. Das geht bis zu einer gewissen Stufe. Dann tritt etwas Neues ein. Bei höheren Tieren und je mehr Sie gerade zu höheren Tieren gehen, immer mehr tritt etwas ein, was gar nicht mehr dem recht ähnlich sieht, was ich Ihnen eben beschrieben habe. Nehmen wir zum Beispiel den Affen. Der Affe nimmt von dem Gruppengeist zuviel hinunter in die einzelne Gestalt, die unten ist; und während sonst beim niederen Tier alles wieder zurückgeht in den Gruppengeist, behält der Affe, weil er zu kompliziert geworden ist, in seiner physischen Organisation etwas zurück. Da ist zuviel eingeflossen vom Gruppengeist, das kann nicht wieder zurück. Das ist der fortschreitende Gruppengeist. Er wirkt so, daß er bei den niederen Tieren ein Glied schafft; dann saugt er das ganze Wesen wieder auf, erzeugt ein neues, saugt das wieder auf und so weiter. Beim Löwen ist das auch so. Wenn Sie aber zum Beispiel einen Affen nehmen, da erzeugt die Gruppenseele den Affen, aber der Affe nimmt aus der Gruppenseele etwas heraus, das kann nicht wieder zurück. Während es beim Löwen, wenn er stirbt, so ist, daß das Physische sich auflöst und das Seelische wieder in den Gruppengeist zurückgeht, ist es beim Affen so, daß dasjenige, was er vom Gruppengeist abschnürt, nicht wieder zurück kann. Beim Menschen haben Sie das Ich so, daß es von Inkarnation zu Inkarnation geht und fähig ist, sich zu entwickeln, weil es neue Inkarnationen annehmen kann. Das haben Sie beim Affen nicht. Die Affen können aber auch nicht wieder zurück. Daher wirkt auf das naive Gemüt der Affe so sonderbar, weil er in der Wirklichkeit ein von dem Gruppengeist abgeschnürtes Wesen ist; es kann nicht mehr zum Gruppengeist zurück, aber es kann sich auch nicht selbst neu inkarnieren. Beuteltiere sind eine&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|181}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
andere Art solcher Tiere, die etwas aus dem Gruppengeist herausreißen. Dasjenige nun, was von diesen sozusagen individuellen Tierseelen zurückbleibt, was sich aber auch nicht wieder inkarnieren kann, das ist der wahre Ursprung einer vierten Gruppe von Elementargeistern. Das sind abgeschnürte Teile solcher Tiere, die nicht wieder zum Gruppengeist zurückkommen können, weil sie in der Evolution den normalen Punkt übersprungen haben. Von zahlreichen Tieren bleiben solche ich-artige Wesenheiten zurück, und das sind dann die Salamander. Das ist die höchste Form der Naturgeister, denn sie ist ich-artig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit habe ich Sie in die Natur einer Reihe von Wesenheiten eingeführt, die wir immer genauer und genauer kennenlernen werden. Jetzt haben wir nur die Art und den Grund ihres Daseins und ihren Zusammenhang kennengelernt. Aber sie wirken in unserer Welt, und ihre Offenbarungen können wahrgenommen werden. Heute wollen wir uns weiter einen Begriff verschaffen von diesen sogenannten Elementargeistern. Diese Salamander kommen auch heute schon das darf durchaus behauptet werden in einer merkwürdigen Art zustande, wenn gewisse besonders niedriggeartete Menschennaturen, die sich aber durchaus weiter inkarnieren, einen Teil ihrer niedrigen Natur zurücklassen. Das sind besonders schlimme Elemente, diese zurückgebliebenen Naturen gewisser niederer Menschen in unserer Evolution, diese also teilweise ausgesonderten Menschennaturen, die als eine Art solcher Naturgeister geblieben sind und unser Dasein durchsetzen. Und vieles, was unseren geistigen Raum durchsetzt, was auf eine merkwürdige Art dem Menschen wahrnehmbar wird wovon Sie sich nichts träumen lassen, nicht einmal, daß es da ist , zeigt sich nur zu sehr in seinen Offenbarungen. Diese geistigen Wesenheiten haben alle eine teilweise Verwandtschaft mit dem Menschen, und sie greifen ein in die menschliche Evolution, wenn auch zumeist in störender Weise. Manche schlimme Kulturerscheinung, die heute als natürlich erscheint, wird erst dann für die Menschen erklärlich werden, wenn sie wissen, mit welchen störenden, retardierenden Kräften sie es zu tun haben. Die Wirkungen werden sich ausleben in manchen Dekadenzerscheinungen in unserer Kultur. Nur weil das durchaus gesehen wird von denen, die die Zeichen der Zeit zu deuten wissen, ist unsere Theosophische Gesell-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|182}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
schaft entstanden, weil nur die Erkenntnis in der Welt gesundend wirkt. Derjenige, welcher ohne Erkenntnis in der Welt steht, muß diese Dinge auf sich wirken lassen und macht sich oft allerlei phantastische Vorstellungen von ihnen. Wer Einsicht hat in die Wirksamkeiten dieser Wesenheiten, der wird erst genügend imstande sein, den Nutzen der theosophischen Bewegung zu erkennen, der wird das tief Geistige und Gesundende der theosophischen Bewegung einsehen. Sie will den Menschen frei machen von den Wesenheiten, die ihn in der Kultur zurückhalten würden. Sonst würde unsere Kultur vollständig in Dekadenz verfallen. Man wird in nächster Zeit mancherlei gräßliche Kulturerscheinungen erleben können; und auch erleben, daß die, welche sich nicht zurechtfinden können, dann diejenigen Träumer und Phantasten nennen, die solche Kulturerscheinungen richtig benennen. Immer mehr und mehr wird die Welt das Gepräge annehmen, daß man diejenigen, welche die geistige, die wahre Wirklichkeit kennen, Träumer und Phantasten nennt, während die wahren Träumer und Phantasten die sind, die die geistige Wirklichkeit für Narretei erklären. Der wahre Fortschritt unserer Kultur liegt aber darin, daß der Mensch das, was feindliche Gewalten sind, durchdringt mit Erkenntnis. Und Erkenntnis ist das, was aus der theosophischen Geistesströmung den Spruch bewahrheitet, den auch der Führer des christlichen Lebens den Seinigen zugerufen hat: «Ihr werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen!» Aber nur eine Wahrheit, die auch die volle und wahre Wirklichkeit umfaßt, kann eine solche sein, die auch den Menschen voll und ganz frei machen wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|183}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= ELFTER VORTRAG, Berlin, 1. Juni 1908 =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es war ja ein etwas gewagtes Gebiet, auf das wir uns das letzte Mal begeben haben, indem wir unsere Aufmerksamkeit auf gewisse Wesenheiten lenkten, welche innerhalb unserer Wirklichkeit als geistige Wesenheiten durchaus existieren, welche aber doch in einer gewissen Art aus dem regelmäßigen Gang der Evolution herausfallen, und deren eigentliche Bedeutung gerade darin besteht, daß sie in einer gewissen Art aus der Evolution herausfallen. Es war das Gebiet der Elementarwesenheiten. Wir haben die Elementarwesenheiten ins Auge gefaßt, die der aufgeklärte Sinn unserer Gegenwart natürlich als äußersten Aberglauben ansieht, die aber gerade durch die Stellung, die sie im Kosmos einnehmen, in einer nicht allzu fernen Zeit unserer geistigen Entwickelung eine bedeutsame Rolle spielen werden. Wir haben gesehen, wie solche Elementarwesenheiten sich bilden, indem sie gleichsam unregelmäßige, abgeschnürte Teile von Gruppenseelen sind. Wir brauchen uns ja nur an das zu erinnern, was wir am Ende der letzten Betrachtung sagten, und wir werden gleich das Wesen solcher Elementargeschöpfe vor unser geistiges Auge gestellt haben. Wir haben auf eine der zuletzt gebildeten Arten dieser Elementarwesenheiten hingewiesen. Wir haben darauf hingewiesen, wie einer jeden Tierform oder, wenn wir im groben Sinne sprechen wollen, einer Summe von gleichgestalteten Tierwesenheiten, eine Gruppenseele entspricht. Wir haben gesagt, daß diese Gruppenseelen gewissermaßen in der astralischen Welt dieselbe Rolle spielen, wie unsere Menschenseele insoweit sie ichbegabt ist in der physischen Welt. Eigentlich ist das Menschen-Ich ein von dem Astralplan zum physischen Plan heruntergestiegenes Gruppen-Ich. Dadurch ist es ein individuelles Ich geworden. Die tierischen Iche sind heute noch regelmäßig auf dem astralischen Plan, und was wir als die einzelnen Tierindividuen hier auf dem physischen Plan haben, das hat auf dem physischen Plan nur physischen Leib, Ätherleib und astralischen Leib, und das Ich hat es in der astralischen Welt, aber so, daß gleichgeformte Tiere gleichsam die Glieder des Gruppen-Ich dieser&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|184}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tiere sind. Wir können uns dadurch auch vorstellen, wie das, was man Geburt und Tod im Menschenleben nennt, für die Tiere nicht dieselbe Bedeutung hat. Denn wenn ein einzelnes Tier stirbt, so bleibt die Gruppenseele oder das Gruppen-Ich lebendig. Es ist gerade so, wie wenn, gesetzt daß das möglich wäre, der Mensch eine Hand verlöre und die Fähigkeit hätte, diese Hand wieder anzusetzen. Sein Ich würde nicht sagen: Ich bin gestorben durch den Verlust der Hand sondern es würde fühlen, wie es ein Glied erneuert hat. So erneuert das Gruppen-Ich der Löwen ein Glied, wenn ein einzelner individueller Löwe stirbt und durch einen anderen ersetzt wird. So können wir verstehen, daß Geburt und Tod für die Gruppenseele der Tiere gar nicht die Bedeutung haben wie für den Menschen des heutigen Entwickelungszyklus. Die Gruppenseele der Tiere kennt Verwandlungen, Metamorphosen, kennt sozusagen das Abschnüren der Glieder, die sich dann vorstrecken in die physische Welt, den Verlust dieser Glieder und ihre Erneuerung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir haben aber gesagt, daß es gewisse Tierformen gibt, die in der Abschnürung zu weit gehen, die nicht mehr imstande sind, alles, was sie herunterholen auf den physischen Plan, wiederum zurückzuschicken zum astralischen Plan. Denn bei einem sterbenden Tier muß dasjenige, was da abfällt, ganz aufgehen in der umliegenden Welt. Wogegen das, was das Tier durchgeistigt und durchseelt, zurückströmen muß in die Gruppenseele, um dann wieder neu vorgestreckt zu werden und zu einem neuen Individuum zu wachsen. Nun gibt es eben gewisse Tierformen, die nicht wieder alles zurückschicken können in die Gruppenseele, und diese übriggebliebenen Dinge, die losgeschnürt, losgerissen sind von der Gruppenseele, führen dann ein vereinzeltes Dasein als Elementarwesenheiten. Und da unsere Evolution die verschiedensten Formen und Stufen durchgemacht hat und auf jeder Stufe solche Elementarwesen abgeschnürt worden sind, können Sie sich wohl vorstellen, daß wir eine größere Anzahl solcher Elementarwesen-Arten um uns herum haben in dem, was wir die uns umgebende übersinnliche Welt nennen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn zum Beispiel der aufgeklärte Mensch sagt: Da spricht man uns von Elementarwesenheiten, die man Sylphen, auch Lemuren nennt; solche Dinge gibt es nicht! so müßte man ihm eine allerdings sonder-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|185}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
bare und paradox klingende Antwort geben: Du siehst diese Dinge deswegen nicht, weil du dich der Entwickelung derjenigen Erkenntnisorgane verschließt, die dich zur Anerkennung dieser Wesenheiten bringen würden. Aber frage einmal die Biene oder, mit anderen Worten, die Seele des Bienenkorbes! Die könnte sich dem Dasein von Sylphen oder Lemuren nicht verschließen! Denn die Elementarwesenheiten, die mit diesen Namen bezeichnet werden, halten sich an ganz bestimmten Orten auf, namentlich da, wo eine gewisse Berührung des Tierreiches mit dem Pflanzenreich stattfindet, und auch da nicht etwa überall, sondern an Orten, wo diese Berührung unter gewissen Verhältnissen stattfindet. Wenn der Ochs Gras frißt, findet allerdings auch eine Berührung des Tierreiches mit dem Pflanzenreich statt; aber das ist sozusagen eine nüchtern-reguläre, die ganz im regulären Fortgang der Evolution liegt. Auf einem ganz anderen Blatt der Weltenevolution steht jene Berührung, die zwischen der Biene und der Blüte stattfindet, und zwar deshalb, weil Biene und Blüte in der Organisation viel weiter auseinander sind und nachträglich wieder zusammenkommen, und weil bei der Berührung von Biene und Blüte allerdings nur für den Okkultisten eine ganz wunderbare Kraft entwickelt wird. Es gehört wenn man den Ausdruck gebrauchen darf, aber wir haben ja für diese subtilen Dinge so wenig treffende Ausdrücke zu den interessanten Beobachtungen der geistig-übersinnlichen Welten jene eigentümliche aurische Hülle, die immer entsteht, wenn eine Biene oder ein anderes solches Insekt an einer Blüte saugt. Das eigentümliche, eigenartige Erlebnis, welches das Bienlein hat, wenn es an der Blüte saugt, ist nicht etwa nur in den Kauwerkzeugen oder in dem Leib der Biene vorhanden; sondern was da als Geschmacksaustausch entsteht zwischen Biene und Blüte, verbreitet etwas wie eine kleine ätherische Aura. Jedesmal, wenn das Bienlein saugt, gibt es eine solche kleine ätherische Aura, und immer, wenn so etwas entsteht in der übersinnlichen Welt, kommen die Wesen, die so etwas brauchen, herbei. Sie werden dadurch angezogen; denn sie finden da, wenn wir es wieder grob ausdrücken wollen, ihre Nahrung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich habe schon einmal bei einer anderen Gelegenheit gesagt, die Frage sollte uns eigentlich gar nicht berühren, die jemand aufwerfen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|186}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
könnte, der sagt: Woher kommen denn alle diese Wesenheiten, von denen ihr sprecht? Wo die Gelegenheit dazu gegeben ist für bestimmte Wesenheiten, da sind sie immer da. Wenn ein Mensch üble, schlimme Empfindungen von sich aus verbreitet, dann sind diese schlimmen, üblen Empfindungen auch etwas, was um ihn herum lebt, und was Wesenheiten anzieht, die da sind, die nur darauf warten, wie irgendeine physische Wesenheit auf die Nahrung wartet. Ich habe es einmal damit verglichen, daß in einem reinen Zimmer keine Fliegen sind; sind aber alle möglichen Speisereste in dem Zimmer, so sind sie da. So ist es mit den übersinnlichen Wesenheiten: man braucht ihnen nur die Nahrungsmittel zuzuführen. Das Bienlein, das an der Blüte saugt, verbreitet eine kleine ätherische Aura, und da kommen solche Wesenheiten herbei, insbesondere wenn sich irgendwo an einem Baum ein ganzer Bienenschwarm niederläßt und dann abzieht, sozusagen mit der Geschmacksempfindung im Leibe, die da war. Dann ist der ganze Bienenschwarm eingehüllt in diese ätherische Aura, aber auch ganz durchdrungen von diesen geistigen Wesenheiten, die man Sylphen oder Lemuren nennt. Namentlich in solchen Grenzgebieten, wo sozusagen verschiedene Reiche miteinander in Berührung kommen, sind diese Wesenheiten da, und sie spielen wirklich eine Rolle. Sie sind nämlich nicht nur dann da, wenn diese geschilderte feine ätherische Aura entsteht; sondern ich möchte sagen, sie sättigen sich nicht bloß, sondern sie haben auch Hunger, und den Hunger bringen sie dadurch zum Ausdruck, daß sie die betreffenden Tiere nach den betreffenden Stätten hinleiten. Sie sind sozusagen ihre Führer in einer gewissen Weise.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So sehen wir, daß solche Wesenheiten, die, sagen wir, ihren Zusammenhang aufgegeben haben mit anderen Welten, mit denen sie früher verbunden waren, dadurch eine merkwürdige Rolle eingetauscht haben. Sie sind Wesenheiten geworden, die gut gebraucht werden können in anderen Welten. Allerdings wird, wenn sie so gebraucht werden, eine Art Organisation eingerichtet: sie unterstehen höheren Wesenheiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es wurde im Anfange der heutigen Betrachtung gesagt, die menschliche Erkenntnis werde in gar nicht zu ferner Zeit sehr wohl nötig haben, von diesen Wesenheiten zu wissen. Es wird in nicht allzu ferner Zukunft die Wissenschaft einen eigentümlichen Gang nehmen. Die&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|187}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wissenschaft wird immer mehr und mehr sozusagen sinnlich-physisch werden, sich lediglich auf eine Beschreibung der äußeren physisch-sinnlichen Tatsachen beschränken. Die Wissenschaft wird sich auf das Grobmaterielle beschränken, wenn auch heute noch ein merkwürdiger Übergangszustand herrscht. Es hat ja eine Zeit des richtigen groben Materialismus in der Wissenschaft gegeben. Sie ist nicht lange hinter uns. Dieser grobe Materialismus wird heute höchstens von denen, die auf dem allerlaienhaftesten Standpunkte stehen, noch als etwas Mögliches angesehen, obzwar nur wenige denkende Köpfe sich bemühen, an seine Stelle etwas anderes zu setzen. Wir sehen da eine ganze Anzahl von abstrakten Theorien auftreten, wo in einer verschämten Weise auf ein Übersinnliches, auf ein Überleibliches hingedeutet wird. Der Gang der Ereignisse aber und die Gewalt der äußeren sinnlichen Tatsachen wird gerade diese merkwürdigen phantastischen Theorien, welche heute die mit der physischen Wissenschaft Unzufriedenen aufstellen, völlig über den Haufen werfen, und eines Tages werden sich die Gelehrten gegenüber diesen Theorien in einer merkwürdigen Situation befinden. Alles, was da ausspintisiert wird über Allwesen und Allbeseeltheit dieser oder jener Welten, alle diese Spekulationen werden über den Haufen geworfen werden, und die Menschen werden nichts weiter in der Hand haben als die rein physisch-sinnlichen Tatsachen auf den Gebieten der Geologie, Biologie, Astronomie und so weiter. Die Theorien, die heute aufgestellt werden, werden die kurzlebigsten sein; und für den, der ein klein wenig auch in den speziellen Gang der Wissenschaft hineinzuschauen vermag, zeigt sich, daß die absoluteste Öde des rein physischen Horizontes da sein wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann wird aber auch die Zeit gekommen sein, wo die Menschheit in einer größeren Anzahl ihrer Vertreter reif sein wird, um diese übersinnlichen Welten anzuerkennen, von denen heute in der Geisteswissenschaft oder theosophischen Weltanschauung geredet wird. Eine solche Erscheinung wie die des Bienenlebens im Zusammenhange mit dem, was man wissen kann aus den übersinnlichen Welten, bietet wunderbare Antwort auf die großen Daseinsrätsel. Und von einer noch anderen Seite sind diese Dinge von einer großen Wichtigkeit: Es wird für die Menschheit immer unerläßlicher werden, das Wesen der Gruppen-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|188}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
seelen zu begreifen. Denn dieses Wesen der Gruppenseelen zu erkennen, wird auch in der rein äußerlichen Entwickelung der Menschheit eine große Rolle spielen. Wenn wir im Laufe der Zeiten Tausende und Tausende von Jahren zurückgehen, so finden wir den Menschen selbst noch als ein zu einer Gruppenseele gehöriges Wesen. Denn des Menschen Entwickelung auf unserer Erde ist die von der Gruppenseelenhaftigkeit zu der individuellen Seele. Immer mehr rückt der Mensch dadurch vor, daß seine ich-begabte Seele herunterrückt in das Physische, und in dem Physischen hat sie Gelegenheit, individuell zu werden. Wir können verschiedene Etappen in der Menschheitsentwickelung betrachten. Da werden wir sehen, wie die Gruppenseele allmählich individuell wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gehen wir zum Beispiel zurück in die Zeit des ersten Drittels der atlantischen Kulturentwickelung. Da ist das Leben des Menschen ein ganz anderes. In den Leibern, in denen wir dazumal verkörpert waren, erlebten unsere Seelen ganz andere Vorgänge. Einen Vorgang, der ja heute im Leben des Menschen, des einzelnen sowohl als des Menschen als soziales Individuum, eine Rolle spielt, können wir uns vor Augen rücken, der seit jener Zeit eine grandiose Veränderung durchgemacht hat: der Wechsel von Wachen und Schlafen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den alten atlantischen Zeiten würden Sie nicht denselben Wechsel von Wachen und Schlafen erlebt haben wie heute. Was ist denn der charakteristische Unterschied im Vergleich mit der gegenwärtigen Menschheit?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn der physische und der ätherische Leib im Bette liegen, der astralische Leib mit dem Ich sich heraushebt, sinkt in dem Maße, wie astralischer Leib und Ich sich herausheben, dasjenige, was man das heutige Bewußtsein nennt, in ein unbestimmtes Dunkel hinunter. Am Morgen, wenn der astralische Leib mit dem Ich wieder hineinzieht in den physischen und den Ätherleib, bedienen sich der astralische Leib und das Ich wieder der physischen Organe, und das Bewußtsein leuchtet auf. Dieser Zustand von täglichem Wachen im Bewußtsein, nächtlichem Schlafen in Bewußtlosigkeit war früher nicht vorhanden. Es war vielmehr so, wenn wir den Ausdruck gebrauchen dürfen es stimmt nicht ganz für die damaligen Verhältnisse; wir brauchen ihn&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|189}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
für den Zustand, in dem der Mensch mit seinem physischen Leib verbunden war , es war so, daß der Mensch bei Tag, wenn er Tag hatte und er in seinen physischen Leib untertauchte, soweit es damals der Fall war, keineswegs die äußeren physischen Wesenheiten und Dinge in solchen Grenzen sah wie heute; sondern er sah alles mit unbestimmten, nach außen verschwimmenden Konturen, wie wenn Sie an einem Nebelabend in den Straßen gehen und die Laternen mit einer Nebelaura umgeben sehen. So war es für den Menschen der damaligen Zeit mit allen Dingen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und wenn so der Tageszustand war, wie war denn der Nachtzustand? Wenn der Mensch während der Nacht hinausging aus dem physischen Leib und Ätherleib, kam nicht absolute Unbewußtheit über ihn. Es war nur eine andere Art des Bewußtseins. In der damaligen Zeit nahm der Mensch auch noch die geistigen Vorgänge und geistigen Wesenheiten um sich herum wahr, nicht mehr genau wie im wirklichen Hellsehen, aber wie in einem letzten Rest, der von dem alten Hellsehen geblieben war. In einer Welt mit verschwommenen, nebulosen Grenzen lebte der Mensch bei Tag. Bei Nacht lebte er unter geistigen Wesenheiten, die um ihn herum waren wie heute die Tagesgegenstände. So war keine strenge Grenze zwischen Tag und Nacht, und das, was Sagen und Mythen enthalten, sind nicht Dinge einer beliebigen Volksphantasie, sondern Erinnerungen an die Erlebnisse, die der alte Mensch in seinem damaligen Bewußtseinszustand in der übersinnlichen Welt hatte. Wotan oder Zeus oder andere übersinnliche geistig-göttliche Wesenheiten, die von diesen oder jenen Völkern anerkannt wurden, sind nicht Erdichtungen der Volksphantasie, wie man am grünen Tisch der Gelehrsamkeit behauptet. Nur der kann so etwas behaupten, der sich niemals mit dem Wesen der Volksphantasie bekanntgemacht hat. Es fällt dem Volke gar nicht ein, so zu personifizieren. Das waren Erfahrungen in alten Zeiten. Wotan und Thor waren Wesen, mit denen der Mensch so umging, wie er heute mit seinem Mitmenschen umgeht, und die Mythen und Sagen sind Erinnerungen an die Zeiten alten Hellsehertums.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir müssen uns aber klar darüber sein, daß mit diesem Hineinleben in die geistig-übersinnlichen Welten etwas anderes verknüpft war. Der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|190}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mensch fühlte sich in diesen Welten nicht als individuelles Wesen. Er fühlte sich als Glied geistiger Wesenheiten, er gehörte sozusagen zu höheren geistigen Wesenheiten, wie die Hände zu uns gehören. Das geringe Individualitätsgefühl, das der Mensch dazumal schon hatte, bekam er, wenn er in seinen physischen Leib untertauchte, wenn er sich sozusagen für kurze Zeit emanzipierte von dem Reigen der geistig-göttlichen Wesenheiten. Das war der Anfang seines Individualitätsgefühles. Es war das in einer Zeit, in welcher sich der Mensch durchaus klar darüber war, daß er eine Gruppenseele hat; er fühlte sich untertauchen in die Gruppenseele, wenn er sich aus seinem physischen Leib entfernte und in das übersinnliche Bewußtsein kam. Das war eine alte Zeit, in der im Menschen mit ungeheurer Stärke das Bewußtsein vorhanden war, zu einer Gruppenseele, zu einem Gruppen-Ich zu gehören.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir betrachten eine zweite Etappe der Menschheitsentwickelung Zwischenetappen lassen wir fort, jene Etappe, auf die hingedeutet wird in der Patriarchengeschichte des Alten Testaments. Was da eigentlich zugrunde liegt, haben wir bereits erwähnt. Wir haben den Grund erwähnt, warum die Patriarchen, Adam, Noah und so weiter, eine so lange Lebenszeit hatten. Sie hatten eine so lange Lebenszeit, weil das Gedächtnis dieser Menschen ein ganz anderes als das des heutigen Menschen war. Das Gedächtnis des heutigen Menschen ist eben auch individuell geworden. Der Mensch erinnert sich an das, was er seit der Geburt mancher auch erst seit einem viel späteren Zeitpunkt erlebt hat. So war es nicht in alten Zeiten. Damals waren die Dinge, die der Vater zwischen Geburt und Tod erlebte, die Erlebnisse, die der Großvater, der Urgroßvater gehabt hatten, ebenso ein Gegenstand der Erinnerung wie die eigenen Erlebnisse zwischen Geburt und Tod. So sonderbar es sich für den heutigen Menschen ausnimmt, wahr ist es, daß es Zeiten gab, in denen eine solche über das Individuum hinausgehende, die ganze Blutsverwandtschaft hinaufgehende Erinnerung da war. Und wenn wir uns fragen, welche äußerlichen Zeichen es dafür gibt, daß eine solche Erinnerung vorhanden war, so sind es eben solche Namen wie Noah, Adam und so weiter. Damit sind nicht einzelne Individuen gemeint zwischen Geburt und Tod. Der Mensch, der ein Gedächtnis hat, das zwischen Geburt und Tod eingeschlossen ist, gibt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|191}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
diesem einen Individuum einen Namen. Die Namensgebungen gingen früher so weit, wie das Gedächtnis in die Generationen hinauf reichte, so weit, wie das durch die Generationen hindurchfließende Blut ging.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Adam ist nichts anderes als ein Name, der so lange dauerte, als man sich erinnerte. Wer nicht weiß, daß die Namengebung früher eine ganz andere war, wird das Wesen dieser Dinge gar nicht verstehen können. In jenen alten Zeiten war eben ein ganz anderes vermittelndes Grundbewußtsein vorhanden. Denken Sie sich, der Ahnherr hätte zwei Kinder gehabt, jedes von diesen wieder zwei, die nächste Generation wieder zwei und so fort. Bei denen allen reicht das Gedächtnis bis zum Ahnherrn hinauf, und sie fühlten sich eins in dem Gedächtnis, das sich sozusagen da oben in einem Punkt begegnet. Das Volk des Alten Testamentes hat das ja zum Ausdruck gebracht, indem es sagte, und das galt für jeden einzelnen Bekenner des Alten Testamentes: «Ich und der Vater Abraham sind eins.» Da fühlte sich der Einzelne geborgen in dem Bewußtsein der Gruppenseele, in dem «Vater Abraham».&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Bewußtsein, das der Christus der Menschheit geschenkt hat, geht darüber hinaus. Das Ich hängt in seinem Bewußtsein direkt zusammen mit der geistigen Welt, und das kommt zum Ausdruck in dem Satz: «Bevor Abraham war, war das Ich oder das Ich bin.» Da kommt der Impuls, das «Ich bin» anzuregen, voll in das einzelne Individuum hinein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So sehen wir eine zweite Etappe der Menschheitsentwickelung, die Gruppenseelenzeit, die ihren äußeren Ausdruck findet in der Blutsverwandtschaft der Generationen. Ein Volk, das das besonders ausgebildet hat, legt ganz besonderen Wert darauf, immer zu betonen: als Volk haben wir eine gemeinschaftliche Volksgruppenseele. Das war für das Volk des Alten Testamentes durchaus der Fall. Deshalb sträubten sich die Konservativen innerhalb dieses alttestamentlichen Volkes gegen das Betonen des «Ich bin», des individuellen Ich. Wer im Johannes-Evangelium liest, der kann das mit Händen, mit geistigen Händen greifen, daß es so ist. Man braucht nur die Erzählung zu lesen über das Gespräch des Jesus mit der Samariterin am Brunnen. Da ist ausdrücklich darauf hingewiesen, daß der Christus Jesus auch zu denen geht, die nicht blutsverwandt sind, die nicht durch Blutsverwandt-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|192}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
schaft zusammengehören. Lesen Sie, wie bemerkenswert darauf hingewiesen wird: «Denn die Juden hielten keine Gemeinschaft mit den Samaritern.» Wer das nach und nach wirklich, und zwar meditativ, durchmachen kann, der wird sehen, wie die Menschheit von der Gruppenseele zu der individuellen Seele vorangeschritten ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Geschichte wird so, wie sie heute betrieben wird, durchaus äußerlich betrieben. Diese Geschichte ist heute vielfach eine Fable convenue, denn sie wird aus Dokumenten geschrieben. Denken Sie sich, es müßte heute etwas auf Grund von Dokumenten beschrieben werden, und die wichtigsten Dokumente wären verloren! Da wird nun nach den zufällig vorhandenen, zusammengewürfelten Dokumenten berichtet. Für die Dinge, die in der geistigen Wirklichkeit wurzeln, braucht man keine Dokumente; denn die sind in der treuen und nichts verwischenden Akasha-Chronik eingeschrieben. Es ist aber schwierig, in der Akasha-Chronik zu lesen, weil die äußeren Dokumente sogar ein Hindernis sind für ein Lesen geistiger «Schriften». Aber wir können sehen, wie selbst in Zeiten, die den unsrigen sehr naheliegen, jene Fortentwickelung von der Gruppenseele zu der individuellen Seele stattgefunden hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer die Geschichte geistig betrachtet, wird im frühen Mittelalter einen höchst wichtigen Zeitabschnitt erkennen müssen. Vorher war der Mensch noch, wenn auch nur äußerlich, in irgendwelchen Gruppen eingeschaltet. In viel höherem Maße, als es der heutige Mensch sich träumen läßt, bekam noch in den ersten Zeiten des Mittelalters der Mensch seine Bedeutung und Geltung auch in bezug auf seine Arbeitskraft von der Verwandtschaft und anderen Zusammenhängen. Es ergab sich sozusagen ganz von selbst, daß der Sohn dasselbe tat, was der Vater tat. Nun kam die Zeit der großen Erfindungen und Entdeckungen. Die Welt stellte immer mehr Anforderungen an die rein persönliche Tüchtigkeit des Menschen, und immer mehr wurde dieser aus den alten Zusammenhängen herausgerissen. Den Ausdruck dessen sehen wir im ganzen Mittelalter in den Städtegründungen, die in einem und demselben Typus durch ganz Europa durchgehen. Wir können heute noch die Städte, die nach diesem Typus gebildet sind, unterscheiden von denen, die nach einem anderen Typus herausgebildet sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|193}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Mitte des Mittelalters ist wiederum ein solcher Fortschritt von der Gruppenseele zu der individuellen Seele. Und wenn wir in die Zukunft hineinblicken, dann müssen wir uns sagen, immer mehr und mehr emanzipiert sich der Mensch von allem Gruppenseelenhaften, immer mehr vereinzelt er sich. Wenn Sie zurückblicken könnten auf frühere Entwickelungsphasen der Menschheit, so würden Sie sehen, daß jene Kulturen, zum Beispiel die ägyptische und die römische, wie aus einem Guß sind. Heute gibt es eine solche Kultur aus einem Guß nur in einem sehr geringen Grade. Bis zu dem Punkt ist jetzt die Menschheit heruntergekommen, wo nicht nur die Sitten und Gebräuche individuell sind, sondern sogar auch die Meinungen und Bekenntnisse, und es gibt sogar schon Menschen unter uns, die es für ein hohes Ideal ansehen, daß jeder Mensch seine eigene Religion habe. Es schwebt ja manchem die Idee vor, daß es einmal eine Zeit geben müsse, in welcher es so viele Religionen und Wahrheiten geben könne wie Menschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Entwickelung wird die Menschheit nicht nehmen. Sie würde sie nehmen, wenn sie den Impuls weiter verfolgen würde, der heute aus dem Materialismus herauskommt. Das würde zur Disharmonie, zur Zersplitterung der Menschheit in einzelne Individuen führen. Einen solchen Entwickelungsgang wird die Menschheit allerdings nur dann nicht nehmen, wenn eine geistige Bewegung wie die der Geisteswissenschaft von der Menschheit aufgenommen wird. Denn was wird eintreten? Es wird sich die große Wahrheit, das große Gesetz ausleben, daß die individuellsten Wahrheiten, die auf die innerlichste Art gefunden werden, zu gleicher Zeit die allgemein gültigsten sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich habe schon einmal darauf aufmerksam gemacht: Heute gibt es allgemeine Übereinstimmung eigentlich nur in den mathematischen Wahrheiten; denn das sind die allertrivialsten. Keiner kann sagen, daß er die mathematischen Wahrheiten durch die äußere Erfahrung findet; sondern man findet sie dadurch, daß alles innerlich eingesehen wird. Wenn man zeigen will, daß die drei Winkel eines Dreiecks zusammen 180 Grad betragen, so tut man das dadurch, daß man eine Parallele durch die Spitze zur Grundlinie zieht und die drei Winkel fächerförmig zusammenlegt; da ist Winkel a = d, b = e, c ist sich selbst gleich; und so sind die drei Winkel gleich einem Gestreckten, gleich 180 Grad. Wer&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|194}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:GA102 194.png|center|250px|Zeichnung aus GA 102, S. 194]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
das einmal eingesehen hat, der weiß, daß es ein für allemal so sein muß, ebenso wie man weiß, nachdem man es einmal eingesehen hat, daß drei mal drei neun ist; und ich glaube nicht, daß man das durch Induktion finden könnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese trivialsten aller Wahrheiten, die rechnerischen, die geometrischen, wurden im Inneren gefunden, und doch streiten sich die Menschen nicht darum. Darüber herrscht absolute Übereinstimmung, weil der Mensch heute so weit ist, diese Dinge einzusehen. Es herrscht nur so lange keine Übereinstimmung, wie die reine Wahrheit getrübt wird durch die Leidenschaften, durch Sympathie und Antipathie. Es kommt eine Zeit, wenn sie auch noch sehr ferne liegt, wo die Menschheit immer mehr und mehr von der Erkenntnis der innerlichen Wahrheitswelt ergriffen werden wird. Dann wird trotz aller Individualität, trotzdem jeder die Wahrheit einzeln in sich finden wird, Übereinstimmung herrschen. Würden heute die mathematischen Wahrheiten nicht so einfach zutage liegen, so würden die Leidenschaften ihrer Anerkennung noch manches in den Weg legen. Wenn es nach der Habgier ginge, so würde vielleicht noch manche Hausfrau dafür stimmen, daß zwei mal zwei fünf ist, und nicht vier. Diese Dinge sind nur so durchsichtig, so einfach, daß sie nicht mehr getrübt werden können von der Sympathie und Antipathie. Immer größere Gebiete werden von dieser Wahrheitsform erfaßt werden, und immer mehr Frieden wird dadurch in die Menschheit kommen können, wenn die Wahrheit so erfaßt wird. Der Mensch ist herausgewachsen aus dem Gruppenseelentum, und immer mehr emanzipiert er sich davon. Wenn wir die Gruppen betrachten statt der Seelen, so haben wir Familienzusammenhänge, Stammes-, Volkszusammenhänge und endlich zusammengehörige Rassen der Menschen. Der Rasse entspricht eine Gruppenseele. Alle diese Gruppenzusammenhänge der Vormenschheit sind solche, aus denen der Mensch heraus-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|195}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wächst, und je mehr wir fortschreiten, desto mehr verliert der Rassenbegriff seine Bedeutung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heute stehen wir an einem Übergang, und nach und nach wird das, was Rasse ist, ganz verschwinden, und etwas ganz anderes an die Stelle treten. Die Menschen, welche die geistige Wahrheit, wie es charakterisiert worden ist, wieder erfassen, werden durch freien Willen zusammengeführt werden. Das sind die Zusammenhänge der späteren Zeit. Die Zusammenhänge der früheren Zeit sind so, daß der Mensch in sie hineingeboren wird. In sein Volk, in seine Rasse wird der Mensch hineingeboren. Später werden wir in Zusammenhängen leben, die die Menschen selber machen, indem sie sich nach Gesichtspunkten gruppieren, wo sie unter völliger Wahrung ihrer Freiheit und ihrer Individualität Zusammenhänge bilden. Daß man das einsieht, ist notwendig zur richtigen Erkenntnis einer solchen Sache, wie es die Theosophische Gesellschaft ist. Die Theosophische Gesellschaft soll ein erstes Beispiel sein eines solchen freiwilligen Zusammenhanges, wobei wir davon absehen, daß es heute noch nicht so weit ist. Es soll der Versuch gemacht werden, einen solchen Zusammenhang zu schaffen, in dem die Menschen sich ohne Unterschied der alten Gruppenseelennatur zusammenfinden, und solcher Zusammenhänge wird es in Zukunft viele geben. Dann werden wir nicht mehr von Rassenzusammenhängen, sondern von intellektuell-ethisch-moralischen Gesichtspunkten über die gebildeten Zusammenhänge zu sprechen haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dadurch, daß die Menschen freiwillig ihre Gefühle zusammenstrahlen lassen, wird wiederum etwas über den bloß emanzipierten Menschen hinaus gebildet. Der emanzipierte Mensch hat seine individuelle Seele; die geht niemals wieder verloren, wenn sie einmal errungen ist. Aber dadurch, daß die Menschen sich in freiwilligen Zusammenhängen zusammenfinden, gruppieren sie sich um Mittelpunkte herum. Die Gefühle, die so zu einem Mittelpunkt zusammenströmen, geben nun wiederum Wesenheiten Veranlassung, wie eine Art von Gruppenseele zu wirken, aber in einem ganz anderen Sinne als die alten Gruppenseelen. Alle früheren Gruppenseelen waren Wesenheiten, die den Menschen unfrei machten. Diese neuen Wesenheiten aber sind vereinbar mit der völligen Freiheit und Aufrechterhaltung der Indi-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|196}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
vidualität der Menschen. Ja, wir dürfen sagen, sie fristen in einer gewissen Beziehung ihr Dasein von der menschlichen Einigkeit; und es wird in den Seelen der Menschen selbst liegen, ob sie möglichst vielen solcher höheren Seelen Gelegenheit geben, herunterzusteigen zu den Menschen, oder ob sie es nicht tun. Je mehr sich die Menschen zersplittern werden, desto weniger erhabene Seelen werden heruntersteigen in das Gebiet der Menschen. Je mehr Zusammenhänge gebildet werden, und je mehr da Gemeinschaftsgefühle bei völliger Freiheit ausgebildet werden, desto mehr erhabene Wesenheiten werden zu den Menschen heruntersteigen und desto schneller wird der Erdenplanet vergeistigt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So sehen wir, daß der Mensch, wenn er überhaupt einen Begriff bekommen kann von der Entwickelung der Zukunft, den Charakter der Gruppenseelenhaftigkeit sehr wohl verstehen muß, weil es sonst passieren kann, daß seine individuelle Seele, wenn sie sich zu lange allein emanzipiert auf der Erde, nicht den Anschluß findet, daß sie den Anschluß verpaßt und dadurch selbst eine Art Elementarwesen wird; und diese Elementarwesen, die aus den Menschen entstehen, würden eine ganz schlimme Art sein. Während die aus früheren Reichen entstandenen Elementarwesenheiten sehr brauchbar sind für unsere Naturordnung, werden die menschlichen Elementarwesenheiten diese Eigenschaft ganz und gar nicht haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir haben darauf hingewiesen, daß in gewissen Grenzgebieten solche abgeschnürte Wesenheiten entstehen, und sie entstehen auch an der Grenze, beim Übergang von dem Gruppenseelentum zu den freien Gruppenzusammenhängen durch ästhetisch-moralisch-intellektuelle Zusammenhänge. Überall, wo solche Zusammenhänge auftreten, sind solche Gruppenwesenheiten da.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn Sie gewisse Stätten beobachten könnten, zum Beispiel Quellen, wo unten der Stein ist und dann Moos darüber wächst, und so eine Art Wand zwischen der Pflanze und dem Stein sich bildet, und dann das Wasser darüber sickert das ist auch notwendig , da würden Sie sehen, daß das, was man Nymphen und Undinen nennt, etwas sehr Reales ist; das zeigt sich da mit besonderer Stärke. Und da, wo Metalle und das sonstige Erdreich zusammenstoßen, liegen ganze Bündel von&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|197}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
jenen Wesenheiten, die man Gnomen nennt. Eine vierte Art sind die Salamander. Die sind sozusagen das jüngste Geschlecht in der Reihe dieser ganzen Elementarwesen; sie sind aber trotzdem vielfach vorhanden. Sie sind zum großen Teil Wesenheiten, die ihr Dasein einem Abschnürungsprozeß aus Tiergruppenseelen verdanken. Solche Wesenheiten suchen auch Gelegenheit, Nahrung zu finden, und sie finden sie namentlich da, wo das Menschenreich in manchmal nicht ganz normale, sondern abnorme Beziehungen zum Tierreich tritt. Wer über solche Dinge etwas weiß, dem ist bekannt, daß sich Elementarwesen, und zwar recht gutartige, entwickeln durch jene familiäre Beziehung zwischen dem Reiter und seinem Roß.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Insbesondere bilden sich durch die Gemütsbeziehungen gewisser Menschen zu Tiergruppen Gefühle aus, Gedanken und Seelenimpulse, die solchen salamanderartigen Elementarwesenheiten eine gute Nahrung geben. Das kann man besonders bemerken in dem Zusammenleben des Schäfers mit seiner Schafherde, überhaupt der Hirten, die mit ihren Tieren zusammenleben. In den Gefühlen, die sich da durch diese Intimität zwischen Mensch und Tier entwickeln, finden gewisse salamanderartige Elementarwesen ihre Nahrung und halten sich da auf, wo so etwas vorhanden ist. Das sind auch recht kluge Wesenheiten, die eine durchaus natürliche Weisheit haben. Da entwickeln sich durch diese Gefühle bei dem Schäfer Fähigkeiten, wodurch diese Elementarwesen dem Menschen das zuraunen können, was sie wissen; und manches der Rezepte, die aus solchen Quellen stammen, haben ihren Ursprung in dem, was da eben auseinandergesetzt worden ist. Es kann durchaus sein, daß ein Mensch zwischen solchen Verhältnissen wie von feinen geistigen Wesenheiten umgeben ist, die ihn mit einem Wissen ausstatten, wovon unsere heutigen Gescheiten sich gar nichts träumen lassen. Alle diese Dinge haben ihren guten Grund und sind durchaus zu beobachten durch die Methoden, welche die okkulte Weisheit ausbilden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum Schluß möchte ich noch auf eine andere Erscheinung hinweisen, die Ihnen zeigen kann, wie gewisse Dinge, von denen man heute nur eine ganz abstrakte Erklärung gibt, in vielem einer tieferen Weisheit entsprungen sind. Ich habe vorhin schon gesagt, daß jene älteren Menschen in der atlantischen Zeit, wenn sie aus ihren Leibern herausge-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|198}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gangen sind in der Nachtzeit, unter jenen geistigen Wesenheiten lebten, die sie die Götter nannten. Diese Menschen waren auf dem Wege, in eine physische Körperlichkeit unterzutauchen. Jene Wesenheiten aber, die sie als die Götter verehrten, zum Beispiel Zeus, Wotan, gehen einen anderen Entwickelungsgang. Die gehen nicht bis in physische Leiber herunter; die berühren nicht die physische Welt. Aber auch da kommen gewisse Übergänge vor. Der Mensch ist ja dadurch entstanden, daß sein ganzes seelisches und geistiges Wesen sich verhärtet hat zu seinem physischen Leib. Beim Menschen haben sich die gesamten Gruppenseelen herunterbegeben auf den physischen Plan, und der physische Leib des Menschen ist ein Abdruck geworden der Gruppenseele. Nehmen wir an, ein Wesen wie Zeus, das durchaus einer Wirklichkeit entspricht, habe gleichsam nur ein bißchen den physischen Plan berührt, nur ein wenig hineingeragt. Das ist, wie wenn Sie eine Kugel ins Wasser tauchen und sie unten gerade noch so benetzt wird. So sind gewisse Wesenheiten in der atlantischen Zeit nur berührt worden von der physischen Welt. Die physischen Augen sehen nicht, was als Geistiges, als Astralisch-Ätherisches bleibt. Nur der kleine Teil davon, der ins Physische hineinragt, wird gesehen. Aus solchen Wahrnehmungen heraus entstand die Symbolik in der Mythologie. Wenn Zeus den Adler als Symbolum hat, so rührt das davon her, daß seine Adlernatur die kleine Kuppe ist, wo ein Wesen der höheren Welt die physische Welt berührte. Ein großer Teil der Vogelwelt sind abgeschnürte Teile solcher sich entwickelnden Wesenheiten der übersinnlichen Welt. Und wie mit den Raben des Wotan oder dem Adler des Zeus, so ist es überall, wo die Symbolik auf okkulte Tatsachen zurückgeht. Manches wird Ihnen klarer werden, wenn Sie so auf den verschiedenen Gebieten Wesen, Wirken und Entwickelung der Gruppenseelen in Betracht ziehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das wollte ich heute hinzufügen zu unseren vorhergehenden Ausführungen, um damit eine abgeschlossene Grundlage zu haben für solche Betrachtungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|199}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= ZWÖLFTER VORTRAG, Berlin, 4. Juni 1908 =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Betrachtungen, die wir nun schon durch mehrere Zweigabende anstellen, sollen ja geeignet sein, dieses oder jenes zu ergänzen oder zu erweitern, was uns im Laufe des Winters beschäftigt hat. Daher mag es wohl selbstverständlich sein, daß in diesen Betrachtungen die eine oder die andere Bemerkung einfließt, die sich wie aphoristisch ausnimmt. Wir wollen ja durch diese Betrachtungen diesen oder jenen Gedanken, diese oder jene Vorstellungen, die in uns erregt worden sind, ergänzen und abrunden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den letzten Betrachtungen hat uns vorzugsweise beschäftigt die Anwesenheit von allerlei geistigen Wesenheiten, die sich sozusagen zwischen den uns umgebenden sinnlich-physischen Naturreichen finden. Insbesondere haben wir in unserer letzten Betrachtung gesehen, wie da, wo sich die Wesen verschiedener Naturreiche berühren, wo die Pflanze an den Stein sich schmiegt wie an der Quelle, wo der gewöhnliche Stein an das Metall sich schmiegt wie unter der Erde in zahlreichen Fällen, wo eine solche Gemeinschaft ist wie zwischen der Biene und der Blume, wie da überall Kräfte entwickelt werden, welche verschiedene derjenigen Wesensarten in das irdische Dasein hineinziehen, die wir Elementarwesen genannt haben. Und im Zusammenhange mit diesen Elementarwesen hat uns die Tatsache beschäftigt, die wir die Abschnürung gewisser Wesenheiten von ihrem großen Zusammenhange nannten. Wir haben gesehen, daß solche Elementarwesenheiten, die man in der Geisteswissenschaft zum Beispiel mit dem Namen «Salamander» bezeichnet, zum Teil ihren Ursprung haben von abgeschnürten Teilen der tierischen Gruppenseelen, die sich sozusagen zu weit vorgewagt haben in unsere physische Welt, und die dann nicht mehr den Weg zurückgefunden haben, um sich nach der Auflösung der Leiber eines Tieres wieder mit der Gruppenseele dieses Tieres zu vereinigen. Denn wir wissen, daß im regelmäßigen Verlaufe des Lebens die Wesen unserer Erde, die Wesen des Tierreiches, des Pflanzenreiches und des mineralischen Reiches ihre wenn wir sie so nennen dürfen &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|200}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
«Ich-Seele» haben, im Grunde genommen ebensolche Ich-Seelen haben wie der Mensch, die sich von der menschlichen nur dadurch unterscheiden, daß die Ich-Seelen der anderen Wesen in anderen Welten sind. Wir wissen, daß der Mensch diejenige Wesenheit in unserem Entwickelungszyklus ist, die das individuelle Ich hier auf dem physischen Plan hat, wenigstens während des Tagwachens. Wir wissen ferner, daß diejenigen Wesenheiten, die wir die Tiere nennen, in einer solchen Lage sind, daß, grob gesprochen, gleichgestaltete Tiere eine Gruppenseele oder ein Gruppen-Ich haben, und daß diese Gruppen-Iche in der sogenannten astralischen Welt sind, ferner, daß diejenigen Wesenheiten, die wir Pflanzen nennen, nur ein traumlos schlafendes Bewußtsein für die physische Welt hier haben, daß sie aber Gruppen-Iche haben, die in den unteren Partien der devachanischen Welt wohnen, und daß endlich die Steine, die Mineralien ihre Gruppenseelen in den oberen Partien der devachanischen Welt haben. Derjenige Mensch, der hellseherisch sich in diesen Welten bewegt, in der astralischen und in der devachanischen Welt, verkehrt dort gewissermaßen mit den Tierseelen, die dort Gruppenseelen sind, mit den Pflanzenseelen und den Mineralseelen so, wie er hier in der physischen Welt während des Tagwachens mit den Menschenseelen oder menschlichen Ichen verkehrt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun müssen wir uns einmal darüber klar werden, daß der Mensch noch in mancherlei Weise ein sehr kompliziertes und zusammengesetztes Wesen ist, ein Wesen, von dem wir ja schon genügend des Komplizierten in den verschiedenen Betrachtungen besprochen haben. Aber er wird uns immer komplizierter und komplizierter erscheinen, je weiter wir uns auf den Zusammenhang mit den großen kosmischen Tatsachen einlassen. Um uns begreiflich zu machen, daß dieser Mensch nicht das ganz einfache Wesen ist, für das ihn vielleicht eine naive Betrachtungsweise ansehen kann, brauchen wir uns ja nur einmal vorzuhalten, daß in der Nacht, vom Einschlafen bis zum Aufwachen, der Mensch des gegenwärtigen Entwickelungszyklus ein ganz anderes Wesen ist als bei Tag. Im Bette liegen sein physischer Leib und sein Ätherleib; herausgehoben aus diesem physischen und Ätherleib ist das Ich mit dem astralischen Leib, Betrachten wir beides, zunächst den physischen Leib und den Ätherleib. Sie liegen da, und sie haben, wenn wir von dem Über-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|201}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gangszustand des traumerfüllten Schlafes absehen, dasjenige, was wir ein inhaltsloses, wahrnehmungsloses und auch traumloses Schlafbewußtsein nennen. Aber auch dasjenige, was aus dem physischen und Ätherleib heraus ist, das Ich mit dem astralischen Leib, hat genau ebenso bei dem Menschen des heutigen Entwickelungszustandes das traumlose Schlafbewußtsein. Dasjenige Bewußtsein, welches hier in der physischen Welt die sich ausbreitende Pflanzendecke hat, das hat der schlafende Mensch sowohl in denjenigen Teilen, die hier in der physischen Welt bleiben, als auch in denjenigen Teilen, die während des Schlafes in der astralischen Welt sind. Nun aber müssen wir uns einmal mit diesen beiden getrennten Teilen des schlafenden Menschen ein wenig befassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir wissen ja aus anderen Betrachtungen, daß dieser Mensch der Gegenwart langsam und allmählich entstanden ist. Wir wissen, daß er in einer in urferner Vergangenheit gelegenen Verkörperung unserer Erde, die wir als Saturnzustand bezeichnen, die erste Anlage zum physischen Leib erhalten hat. Wir wissen, daß er dann auf der zweiten Verkörperung unserer Erde, dem Sonnenzustand, zu dem physischen Leib hinzuerhalten hat den Ätherleib oder Lebensleib, daß er auf der dritten Verkörperung der Erde, dem Mondzustand, den astralischen Leib hinzuerhalten hat, und daß er auf der Erde, der jetzigen Verkörperung des Planeten, dasjenige bekam, was wir das Ich nennen. So hat sich der Mensch ganz langsam und allmählich heranentwickelt. Dieser physische Leib, wie ihn der Mensch heute trägt, ist tatsächlich der älteste und derjenige Teil des Menschen, der die meisten Verwandlungen durchgemacht hat. Viermal hat er sich verwandelt. Die erste Anlage auf dem alten Saturn, die der Mensch erhalten hat und die sich seitdem dreifach vervollkommnet hat einmal auf der Sonne, das zweite Mal auf dem Mond und endlich auf der Erde , sie drückt sich aus in den Sinnesorganen, die der Mensch heute hat. Sie waren ganz andere Organe auf dem alten Saturn; aber damals waren sie in ihrer ersten Anlage da, und der andere menschliche Leib war noch nicht vorhanden. Als ein einziges Wesen mit lauter Sinnesorganen können wir den alten Saturn ansehen, ganz bedeckt mit lauter Sinnesorganen. Auf der Sonne kommt der Ätherleib hinzu. Der menschliche physische&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|202}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Leib bildet sich um, und es entstehen die Organe, die wir heute als Drüsenorgane bezeichnen. Damals sind sie noch sehr unvollkommen, aber in ihrer ersten Anlage sind sie vorhanden; die Sinnesorgane vervollkommnen sich. Dann kommen auf dem Mond diejenigen Organe dazu, die wir heute, nachdem sich durch das Einprägen des astralischen Leibes der physische Leib ein drittes Mal umgewandelt hat, als die Nervenorgane bezeichnen. Und endlich kommt auf unserer Erde hinzu das heutige Blutsystem; denn das ist der Ausdruck des Ich, so wie das Nervensystem der Ausdruck des astralischen Leibes, das Drüsensystem der Ausdruck des Ätherleibes, und das Sinnessystem der physische Ausdruck des physischen Leibes selber ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir haben in unseren bisherigen Vorträgen gesehen, daß eigentlich in unserer Erdentwickelung das Blutsystem zuerst aufgetreten ist. Heute sehen wir den physischen Leib an und fragen uns: Warum fließt Blut in der heutigen Gestalt in den Blutwegen? Was drückt dieses Blut aus? Wir sagen: Dieses Blut ist der Ausdruck des Ich. Dabei wollen wir gleich ein mögliches Mißverständnis ins Auge fassen, daß nämlich der Mensch den heutigen physischen Menschenleib eigentlich mißversteht. Dieser heutige physische Menschenleib ist sozusagen nur eineForm, wie der physische Menschenleib sein kann. Auf dem Monde war er vorhanden, auf der Sonne, auf dem Saturn, aber immer anders. Auf dem Monde gab es zum Beispiel noch gar nicht dasjenige Naturreich, das wir heute das mineralische Reich der Erde nennen; auf der Sonne gab es noch kein Pflanzenreich in unserem Sinne, und auf dem Saturn noch kein Tierreich in unserem Sinne; sondern bloß den Menschen in seiner ersten physischen Anlage. Wenn wir das bedenken, müssen wir uns klarmachen, daß der heutige Menschenleib eigentlich nicht nur physischer Leib, sondern physisch-mineralischer Leib ist, daß er sich zu den Gesetzen der physischen Welt weswegen er der «physische» Leib ist die Gesetze und Substanzen des Mineralreiches angeeignet hat, die ihn heute durchziehen. Auf dem Monde hat sich dieser physische Menschenleib noch nicht die Gesetze des Mineralreiches angeeignet; hätte man ihn damals verbrannt, so hätte es keine mineralische Asche gegeben. Denn Mineralien in dem heutigen irdischen Sinne hat es damals noch nicht gegeben. Also bedenken wir: Physischsein und&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|203}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mineralischsein sind zwei ganz verschiedene Dinge. Der menschliche physische Leib ist physisch, weil er von ganz denselben Gesetzen beherrscht wird wie die Steine; der menschliche physische Leib ist zu gleicher Zeit mineralisch, weil er die mineralischen Stoffe in sich imprägniert hat. Auf dem Saturn war der erste Keim des physischen Leibes vorhanden. Da gab es aber weder feste Körper noch Wasser noch Gase. Es gab auf dem Saturn überhaupt nur Wärme, nur diesen Zustand der Wärme. Der heutige Physiker kennt diesen Zustand der Wärme nicht, weil er glaubt, daß die Wärme nur anGasen, anWasser oder anfesten Körpern auftreten kann. Das ist aber ein Irrtum. Dieser physische Menschenleib, der sich heute das Mineralreich angeeignet hat, war auf dem Saturn ein Zusammenhang von physischen Gesetzen. Es sind physische Gesetze, die in Linien, in Formen wirken, was Sie in der Physik als Gesetze kennenlernen. Äußerlich geoffenbart hat sich dieser physische Menschenleib auf dem Saturn nur als eine Wesenheit, die in Wärme lebte. So müssen wir wohl unterscheiden zwischen dem Mineralischen und dem, was das eigentlich physische Prinzip des Menschenleibes ist. Das sind die physischen Gesetze, die den physischen Leib beherrschen. Es gehört zum Beispiel zum physischen Prinzip, daß unser Ohr, unser Auge so geformt sind, daß sie in einer ganz bestimmten Weise den Ton, das Licht aufnehmen. Zum Mineralischen des Ohres, des Auges gehören jene Stoffe, die in dieses Gerüst von physischen Gesetzen einimprägniert sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem wir uns das klargemacht haben, und namentlich unser Augenmerk darauf richteten, wie die Sinnesorgane, Drüsen, Nerven und Blut die Ausdrücke des vierteiligen Menschen sind, wollen wir uns wieder zurückwenden zu der Betrachtung des schlafenden Menschen. Im Bette liegen beim schlafenden Menschen der physische Leib und der Ätherleib, draußen sind der astralische Leib und das Ich. Nun aber bedenken wir, daß der astralische Leib das Prinzip des Nervensystems ist und das Ich das Prinzip des Blutsystems. Es hat also der astralische Leib während der Nacht dasjenige im physischen Leibe verlassen, von dem er sozusagen die Ursache ist, nämlich das Nervensystem. Denn erst als auf dem Monde der astralische Leib sich in den Menschen eingliederte, konnte das Nervensystem entstehen. Es verläßt also der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|204}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
astralische Leib schnöde dasjenige, was zu ihm gehört, was er eigentlich im Menschen zu versorgen hat; und ebenso verläßt das Ich dasjenige, was es ins Leben gerufen hat. Das Prinzip des Blutsystems und des Nervensystems sind außerhalb des schlafenden physischen Leibes und des schlafenden Ätherleibes. Die sind jetzt durchaus allein. Nun kann aber niemals irgendein Materielles, irgendein Physisches in der Form bestehen, wie es durch ein geistiges Prinzip hervorgerufen ist, ohne dieses geistige Prinzip. Das ist ganz ausgeschlossen. Niemals kann ein Nervensystem leben, ohne daß astralische Wesen an demselben tätig sind, und nie ein Blutsystem, ohne daß Ich-Wesen an ihm tätig sind. So also verlassen Sie alle in der Nacht schnöde in Ihrem Ich und astralischen Leib Ihr Nervensystem und Ihr Blutsystem und überlassen sie anderen Wesenheiten, die astralischer Natur sind. Wesenheiten, die gleicher Natur sind mit Ihrem Ich, steigen jetzt sozusagen hinein in Ihren Organismus. Jede Nacht wird tatsächlich der menschliche Organismus besetzt von solchen Wesenheiten, die geeignet sind, ihn zu unterhalten. Physischer Leib und Ätherleib des Menschen, die im Bette liegen, werden dann gleichzeitig durchdrungen von diesen astralischen und Ich-Wesen, die eigentlich indem physischen Leib sind. Eindringlinge könnten wir sie nennen, aber das ist nicht immer richtig. Wir müßten sie vielfach Schutzgeister nennen; denn sie sind die Erhalter desjenigen, was der Mensch schnöde in der Nacht verläßt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun ist es nicht so schlimm, daß der Mensch jede Nacht seine Leiber verläßt. Ich habe Ihnen bereits gesagt, daß der astralische Leib und das Ich in der Nacht fortwährend tätig sind. Sie schaffen dasjenige aus dem physischen Leibe fort, was die Abnutzung des Tages gegeben hat, was wir im weiten Umfange Ermüdung nennen. Der Mensch ist am Morgen erfrischt und erholt, weil während der Nacht sein astralischer Leib und sein Ich die Ermüdung fortgeschafft haben, die ihn während des Tages durch die Eindrücke des Tageslebens befallen hat. Das ist eine Tatsache für die hellseherische Beobachtung: diese während der ganzen Nacht wahrnehmbare Tätigkeit des astralischen Leibes, die Ermüdungsstoffe fortzuschaffen. Von außen herein arbeiten Ich und astralischer Leib am physischen Leib und Ätherleib. Nun ist aber der Mensch im heutigen Zyklus seiner Entwickelung noch nicht so weit, daß er eine&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|205}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
solche Tätigkeit ganz selbständig ausführen könnte. Er kann sie nur unter der Leitung anderer, höherer Wesenheiten ausführen. So wird sozusagen der Mensch jede Nacht aufgenommen wie in den Schoß höherer Wesenheiten, die ihm die Fähigkeit verleihen, in der richtigen Weise an seinem physischen und Ätherleib zu arbeiten; und das sind zu gleicher Zeit diejenigen Wesenheiten deshalb dürfen wir sie nicht Eindringlinge nennen , die in der Nacht sein Blut- und Nervensystem in der richtigen Weise geistig versorgen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Solange keine Abnormitäten eintreten, hat es seine Richtigkeit mit dem Zusammenwirken geistiger Wesenheiten beim Menschen während der Nacht. Aber solche Unregelmäßigkeiten können sehr wohl eintreten, und hier kommen wir auf ein Kapitel der Geisteswissenschaft, welches außerordentlich wichtig ist für das praktische menschliche Seelenleben, und von dem man möchte, daß es im weitesten Umkreis nicht nur theoretisch bekannt würde, sondern im weitesten Umfange die Grundlage gäbe für gewisse Betätigungen des menschlichen Seelenlebens. Der Mensch stellt sich gewöhnlich nicht vor, daß die Tatsachen des Seelenlebens eine weite, weite Wirkung haben. In gewissen Zusammenhängen habe ich Sie ja schon darauf aufmerksam gemacht, wie die Tatsachen des Seelenlebens erst ihre richtige Erklärung dadurch finden, daß man sie im Sinne der Geisteswissenschaft betrachtet. Wir kennen alle die tiefe Bedeutung des Ausspruches: Geisteswissenschaftlich betrachtet, ist die Lüge eine Art Mord. Und ich habe Ihnen gesagt, daß in der Tat in der astralischen Welt eine Art von Explosion vorgeht, wenn der Mensch eine Lüge sagt in gewisser Weise schon, wenn er sie nur denkt , daß da in der geistigen Welt etwas vorgeht, wenn der Mensch lügt, was für die geistige Welt eine weitaus verheerendere Wirkung hat als irgendein Malheur in der physischen Welt. Aber solche Dinge, die man auch auf einer gewissen Stufe der geisteswissenschaftlichen Betrachtung erwähnt und auch so weit charakterisiert, als es da schon möglich ist, gewinnen immer mehr Deutlichkeit und Begründetheit, wenn man vorschreitet in der geisteswissenschaftlichen Erkenntnis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heute werden wir eine andere Wirkung des Lügens, des Verleumdens kennenlernen, wenn auch die Worte Lügen und Verleumden hier&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|206}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gar nicht in jener wüsten Weise gemeint sind, wie man gewöhnlich diese Worte im groben Sinne anwendet. Aber schon wenn der Mensch in jenem feineren Sinne, zum Beispiel aus Konvention, aus allerlei Gesellschafts- oder Parteirücksichten dieses oder jenes an der Wahrheit färbt, haben wir es im geisteswissenschaftlichen Sinne überall mit einem Lügen zu tun. Vielfach ist das ganze Leben des Menschen, wenn auch nicht von Lügen, so doch von lügenhaft gefärbten Manifestationen durchtränkt. Der materialistisch Aufgeklärte sieht ja allenfalls ein, daß es auf seinen physischen Leib einen Eindruck ausübt, wenn ihm jemand mit einer Axt auf den Schädel schlägt. Er sieht allenfalls auch ein, daß es für seinen physischen Leib eine Wirkung hat, wenn ihm der Kopf von der Eisenbahn abgefahren wird oder er ein Geschwür an irgendeinem Teil seines Leibes erhält oder auch, wenn Bazillen eindringen. Da wird es der aufgeklärte Mensch begreiflich finden, daß Wirkungen auf den physischen Leib ausgeübt werden. Daß der Mensch als geistig angelegtes Wesen eine Einheit ist, daß dasjenige, was in den höheren Gliedern seiner Leiblichkeit, im astralischen Leib und im Ich vorgeht, durchaus so zu betrachten ist, daß es bis herunter in den physischen Teil seiner Leiblichkeit seine Wirkungen fortsetzt, das wird gewöhnlich gar nicht bedacht. Nicht bedacht wird zum Beispiel, daß das Aussprechen von Lügen und Unwahrhaftigkeiten, ja schon Unwahrhaftiges in den Lebensverhältnissen für den menschlichen physischen Leib richtige Wirkungen hat. Hellseherisch können wir folgendes erleben: Wenn der Mensch, sagen wir, eine Lüge begangen hat am Tage, so bleibt die Wirkung dieser Lüge innerhalb des physischen Leibes vorhanden und ist für das hellseherische Wahrnehmen zu sehen, während der Mensch schläft. Nehmen wir nun an, der Mensch sei überhaupt ein lügnerischer Mensch, er häufe die Lügen an. Dann hat er viele solcher Wirkungen in seinem physischen Leib. Das alles verhärtet sich in einer gewissen Weise in der Nacht, und dann geschieht etwas sehr Bedeutungsvolles. Diese Einschlüsse, diese Verhärtungen im physischen Leibe vertragen sich sehr schlecht mit jenen Wesenheiten, die in der Nacht vom physischen Leibe Besitz ergreifen müssen, die also, wie wir gesehen haben, von anderen Welten aus diejenigen Funktionen am physischen Leibe ausüben, die bei Tage astralischer Leib und Ich ausüben. Die Folge davon&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
ist, daß im Verlaufe des Lebens durch einen solchen, man möchte sagen, von Lügen durchseuchten Leib Teile von jenen Wesenheiten abgeschnürt werden, die sich da während der Nacht in dem Menschen niederlassen. Da haben wir wiederum Abschnürungsprozesse. Diese führen dazu, daß, wenn der Mensch stirbt, sein physischer Leib nicht nur diejenigen Wege nimmt, die er im regelmäßigen Verlaufe des Werdens nehmen würde, sondern daß gewisse Wesenheiten übrig bleiben, die sozusagen durch die Wirkung des Lügens und Verleumdens im physischen Leibe erzeugt worden sind und aus der geistigen Welt abgeschnürt werden. Solche auf diesem Umwege abgeschnürte Wesenheiten schwirren nun auch in unserer Welt herum. Sie gehören zu derjenigen Klasse von Wesenheiten, die wir «Phantome» nennen. In ihnen haben wir eine gewisse Gruppe von Elementarwesenheiten, die mit unserem physischen Leib verwandt sind, unsichtbar zunächst für äußere physische Augen, die sich vermehren durch Lügen und Verleumdungen. Tatsächlich bevölkern Lügen und Verleumdungen unser Erdenrund mit solchen Phantomen. Auf diese Art lernen wir eine neue Klasse von Elementarwesen kennen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun aber üben nicht nur Lügen und Verleumdungen, die in der Seele vorhanden sind, sondern auch andere Dinge des Seelenlebens ihre Wirkung auf die menschliche Leiblichkeit aus. Lügen und Verleumdungen sind es gerade, die so auf den physischen Leib wirken, daß sie ihn zum Abschnürer von Phantomen machen. Andere Dinge wieder sind es, die in ähnlicher Weise auf den Ätherleib wirken. Seien Sie nicht erstaunt über solche Erscheinungen des Seelenlebens, man muß im geistigen Leben die Dinge mit aller Ruhe auffassen können. Solche Tatsachen, die ihre schlimme Wirkung auf den Ätherleib haben, sind zum Beispiel schlechte Gesetze oder schlechte soziale Einrichtungen in irgendeiner Gemeinschaft. Alles, was zum Beispiel zum Unfrieden führt, was überhaupt an schlechten Einrichtungen da von Mensch zu Mensch spielt, wirkt durch die Stimmung, die es durch das Zusammenleben der Menschen erzeugt, so, daß sich die Wirkung fortsetzt bis in den Ätherleib. Und was da im Ätherleibe sich ansammelt durch die Wirkung von solchen Seelentatsachen, liefert wiederum Abschnürungen von diesen geistig hereinwirkenden Wesenheiten, die sich nun eben-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|208}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
falls in unserer Umgebung befinden. Man nennt sie «Spektren», im Deutschen würde man sagen «Gespenster». Diese Wesenheiten, die in der Ätherwelt, in der Lebenswelt vorhanden sind, sehen wir wiederum herauswachsen aus dem Leben der Menschen. So kann mancher unter uns herumgehen, und sein physischer Leib ist für den, der geistig diese Dinge zu erkennen vermag, gespickt, dürfen wir sagen, mit Phantomen, sein Ätherleib gespickt mit Spektren oder Gespenstern; und alles das stiebt sozusagen in der Regel auseinander und bevölkert die Welt nach dem Tode des Menschen oder einige Zeit hinterher.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So sehen wir, wie fein sich die geistigen Ereignisse unseres Lebens wie Lügen, Verleumdungen, schlechte soziale Einrichtungen fortsetzen, und wie sie ihre Schöpfungen geistig zwischen uns hier ablagern auf unserem Erdenrund. Nun können Sie aber auch verstehen, daß wenn im normalen menschlichen Tagesleben physischer Leib, Ätherleib, astralischer Leib und Ich zusammengehören, und sozusagen der physische Leib und der Ätherleib sogar andere Wesen in sich eindringen oder etwas mit sich tun lassen müssen, daß da auch der astralische Leib und das Ich nicht in dem normalen Zustand ihres gegenwärtigen Zyklus sind. Allerdings sind sie gegenüber dem physischen Leib und dem Ätherleib in einer etwas anderen Lage. Physischer Leib und Ätherleib haben, während der Mensch schläft, dasselbe Bewußtsein, welches die Pflanzen haben. Aber die Pflanzen haben dafür ihr Ich oben im Devachan. Daher müssen auch physischer Leib und Ätherleib des schlafenden Menschen von solchen Wesenheiten versorgt werden, die vom Devachan aus ihr Bewußtsein entfalten. Nun sind zwar der astralische Leib und das Ich des Menschen um eine Welt höher; aber der Mensch schläft ja auch traumlos wie die Pflanzen. Daß die Pflanzen nur physischen Leib und Ätherleib haben, und der Mensch im schlafenden Zustand noch astralischen Leib und Ich, das macht in bezug auf die Pflanzennatur keinen Unterschied. Zwar ist der Mensch hinaufgerückt in die geistige Welt, in die astralische Welt; aber er ist doch nicht so weit hinaufgerückt mit seinem Ich, daß es sich nicht rechtfertigen würde, daß er schläft. Die Folge davon ist nun, daß auch beim schlafenden Menschen in den astralischen Leib Wesenheiten eindringen müssen. Und so ist es auch: in den astralischen Leib des Menschen dringen fortwährend Einflüsse&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|209}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ein aus der devachanischen Welt. Diese Einflüsse brauchen durchaus keine abnormen zu sein, sie können Einflüsse sein von dem, was wir des Menschen höheres Ich nennen. Denn der Mensch lebt sich ja allmählich hinauf in die devachanische Welt, indem er immer mehr seiner Vergeistigung entgegengeht; und was sich da vorbereitet, das beeinflußt ihn heute schon während des schlafenden Zustandes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun gibt es aber nicht bloß diese normalen Einflüsse. So würde es einzig und allein sein, wenn die Menschen untereinander vollkommen verstehen würden, was Schätzung und Würdigung der Freiheit der Seele des anderen ist. Davon ist aber die gegenwärtige Menschheit noch sehr weit entfernt. Denken Sie nur einmal daran, wie die heutige Seele noch zum größten Teil die Mitseele überwältigen will, wie sie nicht leiden kann, wenn die andere Seele etwas anderes denkt und liebt, wie die eine Seele die andere überwältigen und auf sie wirken will. Bei alledem, was von Seele zu Seele wirkt in unserer Welt, von dem ungerechtfertigten Ratschluß, den man gibt, bis zu all jenen Wirkungsmitteln, die die Menschen anwenden, um Seelen zu überwältigen, bei alledem, was nicht so wirkt, daß die freie Seele der freien Seele gegenübersteht, sondern, und sei es auch nur in geringster Weise, Zwangsmittel der Überzeugung, Zwangsmittel der Überredung angewendet werden, wo nicht bloß geweckt werden soll, was in der anderen Seele schon schlummert, überall da wirken von Menschenseele zu Menschenseele Kräfte, die wiederum diese Seelen so beeinflussen, daß sich das in der Nacht im astralischen Leibe ausdrückt. Der astralische Leib bekommt Einschlüsse, und dadurch werden Wesenheiten abgeschnürt aus anderen Welten, die jetzt wiederum als Elementarwesen unsere Welt durchschwirren. Diese Wesenheiten gehören zur Klasse der «Dämonen». Sie sind nur dadurch in unserer Welt vorhanden, daß in ihr auf die verschiedenste Weise Intoleranz des Gedankens, Vergewaltigung des Gedankens geübt worden ist. Das Heer dieser Dämonen ist auf diese Art in unsere Welt hineingekommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So haben wir heute wiederum Wesenheiten kennengelernt, die da sind, so wahr wie diejenigen Dinge da sind, die man durch physische Sinne wahrnimmt, und die ihre Wirkungen sehr wohl im Menschenleben äußern. Ganz anders würde zum Beispiel die Menschheit fort-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|210}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
geschritten sein, wenn die Menschen nicht durch Intoleranz diese Dämonen schaffen würden, die unsere Welt durchsetzen und auf die Menschen fortwährend Einflüsse ausüben. Die sind zu gleicher Zeit die Geister der Vorurteile. So versteht man das Leben in seinen Feinheiten dadurch, daß man diese Verstrickungen zwischen geistiger Welt im höheren Sinne und unserer menschlichen Welt kennenlernt. Alle diese Wesenheiten sind, wie gesagt, da, und sie durchschwirren die Welt, in der wir leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun erinnern wir uns an etwas anderes, was auch schon gesagt worden ist. Wir haben darauf hingewiesen, daß bei den Menschen des letzten Drittels der atlantischen Zeit, bei den Menschen vor der atlantischen Flut, das Verhältnis des menschlichen Ätherleibes zum physischen Leibe ein ganz anderes war als in vorhergehenden Zeiten. Heute haben wir beim menschlichen Kopf die Verhältnisse so, daß der physische Teil und der Ätherteil des Kopfes sich im wesentlichen decken. Das war in der alten Atlantis noch anders. Da haben wir weit herausragend, namentlich in der Stirngegend, den Ätherteil des Kopfes. Nun haben wir einen Zentralpunkt im Ätherleib des Kopfes und im physischen Leib des Kopfes, ungefähr zwischen den Augenbrauen. Diese beiden Punkte fielen im letzten Drittel der atlantischen Zeit zusammen und decken sich heute. Dadurch ist der Mensch fähig geworden, «ich» zu sich zu sagen und sich als ein selbständiger Mensch zu empfinden. So also haben sich der Ätherleib des Kopfes und der physische Leib des Kopfes zusammengefügt. Das ist geschehen, damit der Mensch dieses Sinneswesen werden konnte, das er innerhalb unserer physischen Welt ist, damit er sein Innenleben bereichern kann durch das, was er aufnimmt durch die Eindrücke der physischen Sinne, durch Geruch, Geschmack, Gesicht und so weiter. Das alles wird seinem Inneren einverleibt, damit er es einmal hat und zur Weiterentwickelung des ganzen Kosmos verwenden kann. Diese Erwerbung könnte auf keine andere Weise gemacht werden. Daher haben wir ja immer gesagt, wir dürfen Geisteswissenschaft nicht im asketischen Sinne auffassen, nicht als eine Flucht aus der physischen Welt heraus; sondern alles, was hier geschieht, wird mitgenommen aus der physischen Welt, und es würde der geistigen Welt verlorengehen, wenn es nicht hier gesammelt würde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|211}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun nähert sich aber der Mensch immer mehr und mehr einem neuen Zustand. In der nachatlantischen Zeit haben wir verschiedene Kulturepochen durchgemacht: die altindische, die uraltpersische, dann diejenige, die wir bezeichnet haben als die babylonisch-assyrisch-chaldäisch-ägyptische Epoche, dann die griechisch-lateinische Epoche, und wir stehen jetzt in der fünften Kulturepoche der nachatlantischen Zeit. Die unsrige wird abgelöst werden von einer sechsten und von einer siebenten Kulturepoche. Während sich im Verlaufe dieses Zeitraums bis in unsere Zeit hinein das Gefüge von Ätherleib und physischem Leib immer mehr gefestigt hat, immer innerlich fester und gebundener wurde, schreitet gegen die Zukunft zu der Mensch einer Periode entgegen, wo sich der Ätherleib nach und nach wieder lockert und selbständig wird. Der Weg wird wieder zurück gemacht. Es gibt heute schon Menschen, die viel lockerere Ätherleiber haben als die anderen. Dieses Lockern des Ätherleibes ist nur dann richtig für den Menschen, wenn er durch die verschiedenen Verkörperungen während jener Kulturepochen, von denen wir gesprochen haben, so viel in sich aufgenommen hat, daß sein Ätherleib, wenn er wieder herausgeht, richtige Früchte aus der physisch-sinnlichen Erdenwelt mitnimmt, Früchte, die geeignet sind, dem Ätherleib, der immer selbständiger wird, einverleibt zu werden. Je geistiger die Vorstellungen sind, die der Mensch innerhalb der physischen Welt hier findet, desto mehr nimmt er in seinem Ätherleib mit. Alles, was der Mensch in unserem jetzigen Erdendasein an Nützlichkeitsvorstellungen, an maschinellen, industriellen Vorstellungen aufnimmt, die nur der äußeren Notdurft, nur dem äußeren Leben dienen, ist ungeeignet, dem Ätherleib einverleibt zu werden. Aber alles, was er aufnimmt an Vorstellungen des Künstlerischen, des Schönen und Religiösen und alles kann in die Sphäre von Weisheit, Kunst und Religion getaucht werden , das alles verleiht seinem Ätherleib die Fähigkeit und Möglichkeit, selbständig organisiert zu sein. Weil das vorauszusehen ist, deshalb wurde hier an dieser Stelle oftmals betont, wie geisteswissenschaftliche Weltanschauung ins praktische Leben hinein ihre Wirkungen und Impulse senden muß, und wie Geisteswissenschaft niemals eine Unterhaltungssache für Teekränzchen bleiben darf oder eine sonst aus dem gewöhnlichen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|212}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Leben herausfallende geistige Beschäftigung, sondern daß sie hineinarbeiten muß in unser ganzes Kulturleben. Wenn man einmal die geisteswissenschaftlichen Gedanken verstehen wird, dann wird man wieder verstehen, wie alles, was unsere Zeit erfüllt, durchdrungen werden muß von geistigen Prinzipien. Manche Geister, wie Richard Wagner, haben auf gewissen Gebieten ein solches Durchdringen mit geistigen Prinzipien vorausgeahnt. Man wird es einmal verstehen, einen Bahnhof so zu bauen, daß er ebenso Weisheit ausströmt wie ein Tempel, wenn er nur wirklich ausdrucksvoll dem angepaßt ist, was in ihm lebt. Da ist noch sehr viel zu tun. Da müssen diese Impulse wirken, und sie werden wirken, wenn der geisteswissenschaftliche Gedanke immer mehr und mehr verstanden wird. Ich erinnere mich noch lebhaft, wie vor ungefähr fünfundzwanzig Jahren bei einer Rektoratsrede ein bedeutender Architekt über den Baustil gesprochen hat und den wunderbaren Satz gesagt hat: Baustile werden nicht erfunden, Baustile wachsen heraus aus dem geistigen Leben! Und zu gleicher Zeit zeigte er, warum unsere Zeit, wenn sie schon Baustile aufleben läßt, nur alte Baustile aufleben läßt und unfähig ist, einen neuen Baustil zu finden, weil sie als solche noch kein inneres spirituelles Leben hat. Wenn die Welt wiederum spirituelles Leben erzeugen wird, dann wird alles möglich sein. Dann werden wir es erleben, daß von allem, was uns anschaut, die menschliche Seele uns entgegenleuchtet, so wie in einer mittelalterlichen Stadt in jedem Türschloß, in jedem Schlüssel der Geist sich aussprach. Erst dann ist die Theosophie verstanden, wenn sie uns überall in dieser Weise wie kristallisiert in ihren Formen entgegentritt. Dann aber lebt auch ein Mensch mit dem anderen wie Geist mit Geist. Dann aber bereitet sich der Mensch immer mehr etwas vor, was er mitnimmt, wenn er wieder in die geistige Welt hinaufrückt, wenn sein Ätherleib selbständig wird. So müssen die Menschen eintauchen in die geistige Welt, wenn die Evolution in entsprechender Weise weitergehen soll.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch nichts wird uns so schön das Durchdringen der Iche mit dem Geiste symbolisiert als durch die Erzählung des Pfingstwunders. Wie prophetisch wird darauf hingewiesen, wenn Sie es überlegen, auf jene Durchströmung und Durchdringung der Welt mit spirituellem&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|213}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Leben durch das Herabsteigen der «feurigen Zungen». Alles muß wieder spirituell belebt werden. Auch jenes abstrakte, begrifflich-verstandesmäßige Verhältnis, das der Mensch zu dem bevorstehenden Feste hat, muß wieder konkret, wieder lebendig werden. Versuchen wir es, mit einem solchen Gedanken, wie er aus der heutigen Betrachtung hervorgehen kann, einmal unsere Seele zu beschäftigen gerade zu der Zeit, die wir die Pfingstzeit nennen. Dann wird wieder ein solches Fest, das ja aus spirituellen Ursachen heraus eingesetzt ist, wiederum etwas Lebendiges für den Menschen zu bedeuten haben, wenn sein Ätherleib reif wird für das geistige Schaffen. Wenn aber der Mensch nicht den Pfingstgeist aufnimmt, dann geht der Ätherleib aus dem physischen Leib heraus und ist vor allen Dingen nicht stark genug, das zu besiegen, was vorher geschaffen worden ist, jene Spektren-, Phantomen- und Dämonenwelten, die die Welt als ihre Nebenerscheinungen schafft. Wie aber die Evolution durch den Geist gefördert wird, was wir darüber prophetisch sagen können, soll der Inhalt unserer nächsten Betrachtung sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|214}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= DREIZEHNTER VORTRAG, Berlin, 11. Juni 1908 =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir haben in den letzten Betrachtungen unserer Zweigabende verschiedene Gesichtspunkte angeführt, welche uns alle darauf hinweisen, wie das geheimnisvolle Zusammenwirken ist zwischen dem Menschen und geistigen Welten, geistigen Wesenheiten, die eigentlich fortwährend um uns herum sind, und nicht nur um uns herum sind, sondern fortwährend in einer gewissen Beziehung auch durch uns hindurchgehen, mit denen wir fortwährend leben. Wir müssen uns aber nicht vorstellen, daß nur in jener, man möchte sagen, gröberen Beziehung, die wir in den letzten Betrachtungen erwähnten, sich ein Verhältnis entwickelt zwischen dem Menschen und geistigen Wesenheiten seiner Umwelt; sondern auch durch die mannigfaltigen, mehr dem menschlichen Gedankenkreis obliegenden Verrichtungen und Taten der Menschen, bildet sich eine Beziehung heraus zwischen dem Menschen und der geistigen Welt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir haben in den beiden vorangegangenen Betrachtungen auf in einer gewissen Beziehung untergeordnetere geistige Wesenheiten hinweisen müssen. Aber wir wissen aus früheren Vorträgen, daß wir es auch mit geistigen Wesenheiten zu tun haben, die über den Menschen stehen, und daß auch Beziehungen und Verhältnisse existieren zwischen dem Menschen und erhabeneren geistigen Wesenheiten. Wir haben erwähnt, daß es erhabene geistige Wesenheiten gibt, die nicht so wie der Mensch bestehen aus physischem Leib, Ätherleib, astralischem Leib und so weiter aufwärts, sondern die als unterstes Glied den Ätherleib haben, die uns also sozusagen umwohnen. Für den gewöhnlichen Blick sind sie nicht sichtbar, weil ihre Körperlichkeit eine feine ätherische ist, so daß der menschliche Blick durch sie hindurchschaut. Und dann kommen wir zu noch höheren geistigen Wesenheiten, deren unterstes Glied der astralische Leib ist, die also eine noch weniger dichte Körperlichkeit dem Menschen darbieten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle diese Wesenheiten stehen aber doch in einer gewissen Beziehung zum Menschen, und was uns heute die Hauptsache ist: der Mensch kann&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|215}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
durchaus etwas tun, um in seinem Leben hier auf dem irdischen Schauplatz in ganz bestimmte Beziehungen zu solchen Wesenheiten zu kommen. Je nachdem die Menschen hier auf der Erde dieses oder jenes tun für ihre Lebensverhältnisse, je nachdem stellen sie immer Beziehungen zu höheren Welten her, so wenig wahrscheinlich das auch ist für einen Menschen der heutigen, wie man sagt, aufgeklärten Zeit, die gar nicht aufgeklärt ist in bezug auf viele tiefe Wahrheiten des Lebens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen wir zunächst Wesenheiten, die als unterste Leiblichkeit einen ätherischen Leib haben, mit diesem feinen Ätherleib um uns herum wohnen, uns umgeben, ihre Wirkungen und Offenbarungen zu uns heruntersenden. Stellen wir solche Wesenheiten im Geiste vor unsere Seele hin und fragen wir uns: Kann der Mensch etwas tun hier auf diesem Erdenrund, oder besser: Taten die Menschen von jeher etwas, damit diese Wesenheiten eine Verbindung, eine Brücke haben, durch die sie zu intensiveren Wirkungen auf den ganzen Menschen kommen? Ja, von jeher taten die Menschen etwas dazu! Wir müssen uns vertiefen in manche Empfindungen und Vorstellungen, die wir in den letzten Stunden aufnehmen konnten, wenn wir uns von dieser Brücke einen deutlichen Gedanken machen wollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir stellen uns also vor, diese Wesenheiten leben sozusagen aus den geistigen Welten heraus und strecken von dort gleichsam ihre Ätherleiber hervor. Sie brauchen keinen physischen Leib, wie der Mensch ihn hat. Aber es gibt eine physische Leiblichkeit, durch die sie ihren &#039;Ätherleib sozusagen in Verbindung setzen können mit unserer irdischen Sphäre, eine irdische Leiblichkeit, die wir sozusagen hinstellen können auf unserer Erde, und die ein Anziehungsband bildet, so daß diese Wesenheiten mit ihren Ätherleibern herabkommen zu dieser irdischen Leiblichkeit und in derselben Gelegenheit nehmen, sich unter den Menschen aufzuhalten. Solche Gelegenheiten für geistige Wesenheiten, um sich unter den Menschen aufzuhalten, sind zum Beispiel die Tempel der griechischen Baukunst, sind die gotischen Dorne. Wenn wir jene Formen physischer Wirklichkeit mit ihren Linien- und Kräfteverhältnissen, wie sie ein Tempel hat, auch wie sie ein plastisches Kunstwerk der Bildhauerkunst hat, in unsere irdische Sphäre hineinstellen, dann bilden sie eine Gelegenheit, daß nach diesen Kräfteverhältnissen sich die äthe-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|216}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
rischen Leiber dieser Wesenheiten nach allen Seiten anschmiegen und einschmiegen können in diese von uns aufgerichteten Kunstwerke. Und Kunst ist ein wahres und wirkliches Verbindungsglied zwischen dem Menschen und geistigen Welten. Bis herauf zu jenen Kunstformen, die sich räumlich ausgestalten, haben wir auf der Erde physische Leiblichkeiten, zu denen sich Wesenheiten mit ätherischen Körpern herabsenken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wesenheiten, welche als ihre niederste Leiblichkeit den astralischen Leib haben, brauchen aber etwas anderes hier auf der Erde als Band zwischen der geistigen Welt und unserer Erde, und das sind die musikalischen, die phonetischen Künste. Ein Raum, der durchströmt wird von den Tönen der Musik, ist eine Gelegenheit, daß der leicht bewegliche, in sich bestimmte astralische Leib höherer Wesenheiten in diesem Raum sich auslebt. Da bekommen die Künste und das, was sie für den Menschen sind, eine sehr reale Bedeutung. Sie bilden die magnetischen Anziehungskräfte für die geistigen Wesenheiten, die nach ihrer Mission, nach ihrer Aufgabe mit dem Menschen etwas zu tun haben sollen und wollen. Da vertiefen sich unsere Gefühle gegenüber menschlichem Kunstschaffen und menschlichem Kunstempfinden, wenn wir die Dinge in dieser Weise anschauen. Und noch mehr kann sich unser Gefühl vertiefen, wenn wir die menschliche Quelle des künstlerischen Schaffens und damit auch des künstlerischen Genießens vom Standpunkte der Geisteswissenschaft in uns aufnehmen. Wenn wir das wollen, müssen wir einmal in einer etwas ausführlicheren Weise die verschiedenen Bewußtseinsformen des Menschen betrachten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir haben ja zu verschiedenen Zwecken darauf aufmerksam gemacht, daß wir in dem tagwachenden Menschen vor uns haben den physischen Leib, den Ätherleib, den astralischen Leib und das Ich, daß wir in dem schlafenden Menschen vor uns haben im Bette liegend den physischen Leib und den Ätherleib, und außerhalb des physischen Leibes und des Ätherleibes das Ich und den astralischen Leib. Es ist gut, wenn wir diese zwei, für jeden Menschen innerhalb vierundzwanzig Stunden wechselnden Bewußtseinszustände zu unserem heutigen Zwecke ausführlicher betrachten. Wir haben zunächst am Menschen den physischen Leib, dann den Äther- oder Lebensleib, dann dasjenige, was wir den astralischen Leib im gröberen Sinne des Wortes nennen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|217}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
den Seelenleib, der zu dem astralischen Leib gehört, aber verbunden ist mit dem Ätherleib. Das ist das Glied des Menschen, das auch das Tier hier in dem physischen Leben unten auf dem physischen Plan hat. Dann aber wissen wir, daß mit diesen drei Gliedern der menschlichen Wesenheit verbunden ist Sie können das in meiner «Theosophie» nachlesen dasjenige, was man sonst zusammenfaßt unter dem «Ich», das eigentlich ein dreigliedriges Wesen ist: Empfindungsseele, Verstandes- oder Gemütsseele und Bewußtseinsseele, und wir wissen, daß dann wiederum die Bewußtseinsseele verknüpft ist mit dem, was wir das Geistselbst oder Manas nennen. Legen wir uns diese ausführlichere Gliederung des Menschen vor, dann können wir sagen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was wir Empfindungsseele nennen und was durchaus sonst dem astralischen Leibe zugehört und auch astralischer Natur ist, das löst sich heraus, wenn der Mensch abends einschläft; aber ein Teil des Seelenleibes bleibt dennoch mit dem Ätherleibe, der im Bette bleibt, verbunden. Im wesentlichen löst sich beim Menschen Empfindungsseele, Verstandesseele und Bewußtseinsseele heraus. Beim tagwachenden Menschen ist das alles miteinander verbunden, und dadurch wirkt das dann auch alles immer im Menschen. Also dasjenige, was im physischen Leibe vorgeht, wirkt auf die ganze Innerlichkeit, auf Empfindungsseele, Verstandesseele und auch auf die Bewußtseinsseele. Was in dem gewöhnlichen, eigentlich recht ungeordneten und chaotischen Leben auf den Menschen wirkt, die ungeordneten Eindrücke, die er vom Morgen bis zum Abend aufnimmt denken Sie nur einmal daran, was Sie für Eindrücke aufnehmen, wenn Sie durch das Gerassel und Gepolter einer Großstadt gehen , das alles sind Eindrücke, die sich fortsetzen in alle die Glieder, die bei dem tagwachenden Bewußtsein mit physischem Leib und Ätherleib verbunden sind. In der Nacht ist die Innerlichkeit Empfindungsseele, Verstandesseele und Bewußtseinsseele in der astralischen Welt, holt sich von dort die Kräfte, die Harmonien, die während des tagwachenden Lebens für sie durch die chaotischen Eindrücke des Tages verlorengehen. Da ist das, was man im umfassenderen Sinne des Menschen Ich-Seele nennt, in einer geordneteren, geistigeren Welt als während des Tagwachens. Am Morgen taucht diese Seeleninnerlichkeit heraus aus dieser Geistigkeit und taucht&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|218}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
unter in die dreifache Leiblichkeit physischer Leib, Ätherleib und den Teil des astralischen Leibes, der eigentlich mit dem Ätherleib verbunden ist und auch in der Nacht mit dem Ätherleib verbunden bleibt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn nun der Mensch nie schlafen würde, das heißt, sich niemals neue stärkende Kräfte aus der geistigen Welt holen würde, dann würde zuletzt alles, was in seinem physischen Leib lebt und seinen physischen Leib an Kräften durchdringt, immer mehr und mehr in Verfall kommen, immer mehr untergraben werden. Dadurch aber, daß jeden Morgen eine starke Innerlichkeit untertaucht in die Kräfte des physischen Leibes, kommt immer neue Ordnung, man möchte sagen, eine Wiedergeburt der Kräfte in diesen physischen Leib hinein. Es bringt sich daher die menschliche Seelenhaftigkeit für jedes der Leibesglieder etwas mit aus der geistigen Welt, etwas, was wirkt, wenn die Seeleninnerlichkeit, die in der Nacht draußen ist, und das äußere physische Werkzeug zusammen sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was nun in dem Wechselwirken zwischen der Seeleninnerlichkeit und dem eigentlichen physischen Werkzeug geschieht, das kann, wenn der Mensch empfänglich ist für die Aufnahme der Harmonien in der geistigen Welt, in der Nacht den physischen Leib in seinen Kräften nicht in seinen Stoffen durchdringen mit den Kräften, die man nennen möchte die Raumeskräfte. Weil der Mensch in unserer gegenwärtigen Kultur so sehr der geistigen Welt entfremdet ist, kommen gerade diese Raumeskräfte bei ihm wenig zur Geltung. Da, wo die Seeleninnerlichkeit zusammenstößt mit dem dichtesten Glied des Menschenleibes, müssen die Kräfte schon sehr stark sein, die mitgebracht werden, wenn sie sich ausleben sollen in dem robusten physischen Leib. In zarter empfindenden Kulturepochen brachten sich die Seeleninnerlichkeiten die Seelenimpulse mit und durchdrangen leichter diesen physischen Leib, und da empfanden die Menschen dann, daß durch den physischen Raum nach allen Seiten immer Kräfte gehen, daß dieser physische Raum durchaus nicht eine gleichgültige leere Räumlichkeit, sondern nach allen Richtungen von Kräften durchzogen ist. Es gibt ein Gefühl für diese Kraftverteilung im Raume; das wird durch die Verhältnisse bewirkt, die eben jetzt geschildert worden sind. Sie müssen sich das durch ein Beispiel vergegenwärtigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|219}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denken Sie sich einen der Maler, die noch großen Kunstzeiten angehörten, wo man noch so recht ein Gefühl für die im Raum wirkenden Kräfte hatte. Bei einem solchen Maler könnten Sie sehen, wie er eine Gruppe von drei Engeln im Raume malt. Sie stehen vor dem Bilde und haben unmittelbar die Empfindung: Diese drei Engel können nicht herunterfallen; es ist selbstverständlich, daß sie schweben, denn sie halten sich gegenseitig durch die wirkenden Raumeskräfte, wie die Weltenkugeln sich halten durch die Kräfte des Raumes. Diejenigen Menschen, die durch jene Wechselwirkung zwischen der Seeleninnerlichkeit und dem physischen Leib diese innere Dynamik sich aneignen, für die ist das Gefühl vorhanden: Das muß so sein; die drei Engel halten sich im Raum. Sie werden das namentlich bei manchen älteren Malern finden, weniger wohl bei den neueren. Man mag Böcklin noch so sehr schätzen; aber diejenige Gestalt, die über der «Pietà» schwebt, ruft bei jedem Menschen das Gefühl hervor, daß sie jeden Augenblick herunterplumpsen müsse; die hält sich nicht im Raum.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle diese im Raum hin- und hergehenden Kräfte, die ein Mensch so recht im Raume fühlt, sind Realitäten, Wirklichkeiten, und aus diesem Raumgefühl geht hervor alle Baukunst. Echte, wahre Baukunst entspringt aus nichts anderem, als daß man in die Linien, die schon im Raume da sein müssen, die Steine oder Ziegel hineinlegt, wobei man gar nichts tut, als nur dasjenige sichtbar zu machen, was im Raume ideell, geistig verteilt schon vorhanden ist, indem man da die Materie hineinstopft. Am reinsten hat dieses Raumgefühl der griechische Baukünstler gehabt, der in seinem Tempel in allen seinen Formen zur Darstellung brachte, was im Raume lebt, was man im Raume fühlen kann. Das einfache Verhältnis: daß die Säule trägt und sie trägt entweder die horizontalen oder die schräggestellten Linienkörper , ist eine Wiedergabe innerhalb des Raums befindlicher geistiger Kräfte. Und der ganze griechische Tempel ist nichts anderes als eine Ausfüllung dessen, was innerhalb des Raumes lebt, mit Materie. Daher ist der griechische Tempel der reinste architektonische Gedanke, kristallisierter Raum. Und so sonderbar das dem modernen Menschen erscheinen mag: der griechische Tempel ist, weil er eine aus Gedanken zusammengefügte physische Leiblichkeit ist, die Gelegenheit, daß diejenigen Gestalten,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|220}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
welche die Griechen als ihre Göttergestalten gekannt haben, mit ihren Ätherleibern die ihnen vertrauten Raumlinien wahrhaftig berühren und darin wohnen konnten. Es ist mehr als eine bloße Phrase, wenn gesagt wird, daß der griechische Tempel ein Wohnhaus des Gottes ist. Der griechische Tempel hat ein Eigentümliches für den, der ein wirkliches Gefühl für solche Sachen hat, er hat das Eigentümliche, daß man sich vorstellen kann: Weit und breit wäre kein Mensch, der ihn besähe, und darinnen wäre auch niemand. Der griechische Tempel braucht keinen Menschen, der ihn anschaut, niemanden, der hineingeht. Denken Sie sich den griechischen Tempel, der allein dasteht, und weit und breit ist kein Mensch. Dann ist er, was er am intensivsten sein soll. Dann ist er die Herberge des Gottes, der darin wohnen soll, weil in den Formen der Gott wohnen kann. Nur so versteht man wirklich die griechische Baukunst, die reinste Baukunst der Welt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ägyptische Baukunst etwa in der Pyramide ist etwas ganz anderes. Wir können jetzt diese Dinge nur berühren. Da sind die Raumverhältnisse, die Raumlinien so angeordnet, daß sie in ihren Verhältnissen und Formen der zu den geistigen Welten aufschwebenden Seele die Wege weisen. Aus den Wegen, welche die Seele nimmt aus der physischen Welt in die geistige Welt hinein, haben wir die Formen gegeben, die sich in der ägyptischen Pyramide ausdrücken. Und so haben wir in jeder Art von Architektonik den nur aus der Geistigkeit heraus begreiflichen Gedanken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der romanischen Baukunst, welche den Rundbogen hat, welche zum Beispiel Kirchengebäude so angeordnet hat, daß wir Hauptschiff und Nebenschiffe, dann aber auch ein Querschiff und eine Apsis haben, so daß das Ganze Kreuzform hat und oben den Kuppelabschluß, da haben wir den Raumgedanken herausgewachsen aus der Grabstätte. Den romanischen Bau können Sie sich nicht ebenso denken wie den griechischen Tempelbau. Der griechische Tempel ist das Wohnhaus des Gottes. Der romanische Bau ist nicht anders zu denken, als daß er eine Begräbnisstätte darstellt. Die Krypta gehört dazu; nicht etwa, daß Menschen im unmittelbaren Leben nicht auch darin stehen; aber es gehört dazu, daß es eine Stätte ist, die alle Gefühle zusammenzieht, die sich auf Bewahrung und Behütung der Toten beziehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|221}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im gotischen Bau haben Sie wieder etwas anderes. So wahr es ist, daß der griechische Tempel weit und breit ohne Menschenseele gedacht werden kann: er ist doch bevölkert, weil er das Wohnhaus des Gottes ist, so wahr ist der gotische Dom, der mit den Spitzbögen oben abschließt, nicht zu denken ohne die gläubige Menge, die darinnen ist. Er ist nichts Vollständiges. Wenn er einsam dasteht, ist er nicht das Ganze. Die Menschen darinnen gehören dazu mit ihren gefalteten Händen, ebenso gefaltet wie die Spitzbögen. Erst dann ist das Ganze da, wenn die Räume erfüllt sind von den Gefühlen der andächtigen Gläubigen. Das sind die in uns wirksam werdenden Kräfte, die im physischen Leibe empfunden werden als ein Sich-Hineinfühlen in den Raum. Der wahre Künstler fühlt so den Raum und gestaltet ihn architektonisch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir jetzt heraufgehen zum Ätherleib, haben wir wiederum das, was sich die Seeleninnerlichkeit des Nachts in der geistigen Welt aneignet und sich mitbringt, wenn sie in den Ätherleib wieder hineinschlüpft. Was wir auf diese Weise als ein im Ätherleib sich Ausdrückendes haben, das empfindet der wirkliche Plastiker, der wirkliche Bildhauer, und er prägt es den lebendigen Gestalten ein. Da ist es nicht der Raumgedanke, sondern die Tendenz, mehr an der lebenden Form zu zeigen und auszugestalten, als was sich ihm in der Natur dargeboten hat. Was der griechische Künstler darin mehr gewußt hat, zum Beispiel bei dem Zeus, das ist das, was er sich mitgebracht hat aus der geistigen Welt, was sich belebt und empfunden wird, wenn es in Wechselbeziehung tritt zu dem Ätherleib.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weiter geschieht eine solche Wechselwirkung mit dem, was wir Seelenleib nennen. Wenn die Seeleninnerlichkeit zusammenkommt mit dem Seelenleib, entsteht auf dieselbe Art das Gefühl für die Führung der Linie, für die ersten Elemente der Malerei. Und dadurch, daß am Morgen die Empfindungsseele sich vereinigt mit dem Seelenleib und ihn durchdringt, entsteht das Gefühl für Farbenharmonik. So haben wir zunächst die drei Kunstformen, die mit den äußeren Mitteln arbeiten, die ihr Material aus der Außenwelt nehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dadurch nun, daß die Verstandes- oder Gemütsseele jede Nacht in die astralische Welt entflieht, geht wieder etwas anderes hervor. Wenn&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|222}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wir im Sinne der Geisteswissenschaft den Ausdruck «Verstandesseele» gebrauchen, müssen wir nicht an den trockenen, nüchternen Verstand denken, an den man denkt, wenn man im gewöhnlichen Leben von Verstand spricht. «Verstand» ist für die Geisteswissenschaft der Sinn für Harmonie, die nicht im äußeren Stoffe verkörpert werden kann, der Sinn für erlebte innere Harmonie. Deshalb sagen wir auch Verstandes- oder Gemütsseele. Wenn nun jede Nacht die Verstandes- oder Gemütsseele eintaucht in die Harmonien der astralischen Welt und sich morgens derselben im astralischen Leibe wieder bewußt wird in demselben astralischen Leibe, der ja zurückkehrt, der aber in der Nacht sich seiner Innerlichkeit nicht bewußt ist beim heutigen Menschen , da geschieht folgendes: In der Nacht lebt die Verstandes- oder Gemütsseele in dem, was wir immer die Sphärenharmonien genannt haben, die innere Gesetzmäßigkeit der geistigen Welt, jene Sphärenharmonien, auf welche die alte pythagoreische Schule hingedeutet hat als auf das, was derjenige, der bis in die geistigen Welten hinein wahrnehmen kann, als die Verhältnisse der großen geistigen Welt vernimmt. Auch Goethe deutete darauf hin, wenn er am Anfange seines «Faust» uns in den Himmel versetzt und das dadurch charakterisiert, daß er sagt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Sonne tönt nach alter Weise&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Brudersphären Wettgesang,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und ihre vorgeschriebne Reise&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vollendet sie mit Donnergang.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und er bleibt im Bilde, wenn er im zweiten Teil, wo Faust wieder hinaufgehoben wird in die geistige Welt, die Worte gebraucht:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tönend wird für Geistesohren&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon der neue Tag geboren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Felsentore knarren rasselnd,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Phöbus Räder rollen prasselnd.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Welch Getöse bringt das Licht!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es trommetet, es posaunet,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|223}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auge blinzt und Ohr erstaunet,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unerhörtes hört sich nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das heißt, die Seele lebt während der Nacht in diesen Sphärenklängen, und diese Sphärenklänge entzünden sich, indem der astralische Leib sich seiner selbst bewußt wird. In dem schaffenden Musiker haben wir keinen anderen Prozeß, als daß die Wahrnehmungen des nächtlichen Bewußtseins während des Tagesbewußtseins sich durchringen, Erinnerung werden, Erinnerungen an die astralischen Erlebnisse oder im besonderen der Verstandes- oder Gemütsseele. Alles, was die Menschheit als musikalische Kunst kennt, sind Ausdrücke, Abprägungen dessen, was unbewußt erlebt wird in den Sphärenharmonien, und musikalisch begabt sein, heißt nichts anderes, als einen astralischen Leib haben, der während des Tageszustandes empfänglich ist für das, was ihn die ganze Nacht durchschwirrt. Unmusikalisch sein heißt: diesen astralischen Leib in einem solchen Zustande haben, daß eine solche Erinnerung nicht stattfinden kann. Es ist das Hereintönen einer geistigen Welt, was der Mensch in der musikalischen Kunst erlebt. Und weil die musikalische Kunst dasjenige in unsere physische Welt hineinschafft, was nur im Astralischen entzündet werden kann, deshalb sagte ich, daß sie den Menschen mit denjenigen Wesenheiten in Zusammenhang bringt, welche zu ihrem untersten Glied den astralischen Leib haben. Mit jenen Wesenheiten lebt der Mensch in der Nacht; ihre Taten erlebt er in der Sphärenharmonie und drückt sie im Tagesleben durch seine irdische Musik aus, so daß diese Sphärenharmonien in der irdischen Musik wie ein Schattenbild erscheinen. Und indem dasjenige, was das Element dieser geistigen Wesenheiten ist, hier in diese irdische Sphäre einschlägt, unsere irdische Sphäre durchschwebt und durchlebt, haben diese geistigen Wesenheiten Gelegenheit, ihre astralischen Leiber wieder einzutauchen in das Wogenmeer der musikalischen Wirkungen, und indem die Verstandesseele ihre Taten erlebt in der Nacht und die empfundenen Eindrücke mitbringt in die physische Welt, ist zwischen diesen Wesenheiten und dem Menschen durch die Kunst eine Brücke geschaffen. Da sehen wir, wie auf einer solchen Stufe das entsteht, was wir die musikalische Kunst nennen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|224}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was vernimmt nun die Bewußtseinsseele, wenn sie in der Nacht in die geistige Welt eintaucht, ohne daß im gegenwärtigen Menschheitszyklus das dem Menschen bewußt werden kann? Sie vernimmt die Worte der geistigen Welt. Mitteilungen erhält sie zugeraunt, die sie nur aus der geistigen Welt empfangen kann. Worte werden ihr zugeraunt, und wenn diese Worte durchgebracht werden ins Tagesbewußtsein, dann erscheinen sie als die Grundkräfte der Dichtkunst, der, Poesie. So ist die Poesie das Schattenbild dessen, was die Bewußtseinsseele in der geistigen Welt während der Nacht erlebt, und wir nehmen da Gelegenheit, wirklich daran zu denken, wie der Mensch durch seine Verbindung mit höheren Welten einzig dadurch in den fünf Künsten, der Baukunst, der Bildhauerei, Malerei, Musik und Poesie, Abschattungen, Offenbarungen der geistigen Wirklichkeit hier auf unserem Erdenrund zustande bringt. Allerdings ist das nur dann der Fall, wenn die Kunst sich wirklich erhebt über die bloße äußere Sinnesanschauung. In dem, was man heute im groben Sinne Naturalismus nennt, wo der Mensch nur nachahmt, was er draußen sieht, ist nichts von dem, was er sich aus der geistigen Welt mitbringt. Und daß wir heute auf vielen Gebieten eine solche rein äußerliche Kunst haben, die nur nachahmen will, was draußen ist, ist nur ein Beweis dafür, wie die Menschen in unserer heutigen Zeit den Zusammenhang mit der geistig-göttlichen Welt verloren haben. Der Mensch, der mit all seinem Interesse aufgeht in der äußeren physischen Welt, in dem, was die äußeren Sinne nur gelten lassen wollen, bearbeitet auch durch dieses bloße Interesse an der äußeren physischen Welt seine astralische Leiblichkeit so stark, daß sie blind und taub wird in der Nacht, wenn sie in den geistigen Welten ist. Da mögen die herrlichsten Sphärenklänge ertönen, da mögen noch so hohe geistige Töne der Seele etwas zuraunen, sie bringt nichts mit in das Tagesleben! Und dann spottet der Mensch über die idealistische, über die spiritualistische Kunst und sagt, die Kunst sei doch nur dazu da, die äußere Wirklichkeit zu photographieren, denn da nur hätte sie ein Reales, ein Wirkliches unter den Füßen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So redet der Mensch, der materialistisch fühlt und empfindet, weil er die Realitäten in der geistigen Welt nicht hat. Der wahre Künstler aber redet anders. Er wird etwa sagen: «Wenn mir erklingen die Töne&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|225}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
des Orchesters, dann ist es mir so, wie wenn ich in ihnen sprechen hörte die Töne einer Urmusik, die schon erklang, als noch keines Menschen Ohr da war, um sie zu hören.» Er kann auch sagen: In dem, was in einer Symphonie ertönt, liegt eine Erkenntnis geistiger Welten, die höher, bedeutsamer ist als alles, was sich logisch beweisen und in Schlußfolgerungen auseinandersetzen läßt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese beiden Aussprüche hat Richard Wagner getan, der der Menschheit so recht zum Gefühl bringen wollte, daß da, wo wahre Kunst einsetzt, zu gleicher Zeit die Erhebung über das Äußerlich-Sinnliche da sein muß. Wenn die geisteswissenschaftliche Anschauung sagt: In dem Menschen lebt etwas, was über den Menschen hinausgeht, etwas Übermenschliches im heutigen Menschen, das in künftigen Inkarnationen immer vollkommener und vollkommener erscheinen muß, so empfindet Richard Wagner das so, daß er sagt: Ich will keine Gestalten, die vor mir stehen und so wie die Menschen des Alltags in der irdischen Sphäre über die Bühne schreiten. Er will Menschen, die herausgehoben sind über den Alltag. Daher nimmt er mythische Gestalten, die einen umfassenderen Gehalt haben als die gewöhnlichen Menschen. Das Übermenschliche sucht er in dem Menschlichen. Den ganzen Menschen mit all den geistigen Welten, wie sie hereinscheinen auf den Menschen des physischen Erdenrundes, will Richard Wagner in der Kunst hinstellen. Vor ihm standen in einem verhältnismäßig frühen Lebensalter zwei Bilder: Shakespeareund Beethoven. Shakespeare erschien ihm in seinen künstlerisch genialen Visionen so, daß er sich sagte: Nehme ich alles zusammen, was Shakespeare der Menschheit gegeben hat, so sehe ich bei Shakespeare Gestalten über die Bühne schreiten, die handeln. Handlungen und Worte sind in diesem Zusammenhang auch Handlungen gehen dann vor, wenn die Seele gefühlt hat, was nicht im Raume äußerlich sich darstellen kann, was sie schon hinter sich hat. Die Seele hat die ganze Skala von Schmerz und Leid bis zur Lust und Seligkeit gefühlt und hat empfunden, wie aus dieser oder jener Nuance diese oder jene Handlung hervorgeht. Im Shakespeare-Drama, meint Richard Wagner, erscheint alles bloß in seinem Resultat, wo es Raumgestalt gewinnt, wo es äußerliche Handlung wird. Das ist eine Dramatik, die einzig und allein das veräußerlichte Innere hinstellen kann;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|226}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und der Mensch kann höchstens ahnen, was in der Seele lebt, was während dieser Handlung vor sich geht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daneben erschien ihm das Bild des Symphonikers, und er erschaute in der Symphonie die Wiedergabe dessen, was in der Seele lebt in der ganzen Empfindungsskala von Leid und Schmerz, Lust und Seligkeit in allen Nuancen. In der Symphonie lebt es sich aus, so sagte er sich, aber es wird nicht Handlung, es tritt nicht heraus in den Raum. Und es stellte sich vor seine Seele hin ein Bild, was ihm gleichsam die Empfindung nahebrachte, daß einmal dieses Innere im künstlerischen Schaffen wie zersprungen ist, um nach außen auszuströmen. Beethoven bleibt in seinem Schaffen im musikalischen Rahmen, aus dem er nur einmal heraustritt, in der Neunten Symphonie, wo die Gefühle so mächtig angeschwollen sind, daß sie sich durch das Wort Bahn brechen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus diesen beiden Künstlererscheinungen entsprang in seiner Seele die Vision: Beethoven und Shakespeare in einem! Und wir müßten einen langen Weg gehen, wenn wir zeigen wollten, wie Richard Wagner durch seine eigenartige Behandlung des Orchesters jenen großen Einklang zu schaffen versuchte zwischen Shakespeare und Beethoven, daß das Innere sich auslebt im Ton und zu gleicher Zeit hineinfließt in die Handlung. Die Profansprache war ihm nicht genug; denn sie ist das Ausdrucksmittel für die Vorgänge des physischen Planes. Jene Sprache, die allein in den Tönen des Gesanges gegeben werden kann, wird ihm das Ausdrucksmittel für das, was über das Physisch-Menschliche als ein Übermenschliches hinauswächst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Theosophie braucht nicht bloß mit Worten ausgesprochen, mit Gedanken gefühlt zu werden. Theosophie ist Leben. Sie lebt im Weltenprozeß, und wenn von ihr gesagt wird, daß sie die verschiedenen getrennten menschlichen Seelenströmungen zusammenführen soll in einen großen Strom, so sehen wir dieses Gefühl leben in dem Künstler, der die einzelnen Ausdrucksmittel versuchte zusammenzubringen, damit in dem Einen zum Ausdruck kommt, was in der Gesamtheit lebt. Richard Wagner will nicht Musiker, nicht Dramatiker, nicht Poet sein. Alles, was wir so haben herunterrinnen sehen aus geistigen Welten, wird ihm Mittel zu einer Vereinigung in der physischen Welt mit etwas noch Höherem, weil er eine Ahnung hat von dem, was die Menschen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|227}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
erleben werden, wenn sie sich immer mehr hineinleben in jene Entwickelungsepoche, in die eben die Menschheit hineinleben muß, wo das Geistselbst oder Manas sich verbindet mit dem, was sich der Mensch seit alten Zeiten mitgebracht hat. Und eine Ahnung von jenem großen Menschheitsimpuls der Vereinigung dessen, was in den Zeiten der Getrenntheit erschienen ist, liegt bei Richard Wagner in dem Zusammenströmen der einzelnen künstlerischen Ausdrucksmittel. Mit anderen Worten, es lebte die Ahnung in ihm, wie die menschliche Kultur sein wird, wenn alles, was so die Seele erlebt, eingetaucht wird in das Geistselbstprinzip oder Manas, wo die Seele untertauchen wird in ihrer Fülle in die geistigen Welten. Geistesgeschichtlich betrachtet, ist es von tiefer Bedeutsamkeit, daß in der Kunst für die Menschheit die erste Morgenröte erschienen ist für das Entgegenleben jener Zukunft, die der Menschheit winkt, wo alles, was sich der Mensch auf den verschiedenen Gebieten erobert hat, zusammenfließen wird in einer Allkultur, in einer Gesamtkultur. In gewisser Weise sind die Künste durchaus die Vorläufer der sich offenbarenden Geistigkeit in der sinnlichen Welt. Und viel wichtiger als einzelne Behauptungen Richard Wagners in seinen Prosaschriften ist der Grundzug, der in ihnen lebt, ein religiös-weisheitsvoller, weihevoller Zug, der sie alle durchströmt und der am schönsten zum Ausdruck kommt in seiner genialen Schrift über Beethoven, wo Sie mehr zwischen den Zeilen lesen müssen, aber wo Sie den Windhauch fühlen können, in welchem sich hier die Morgenröte verkündet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So sehen wir, wie wir vom geisteswissenschaftlichen Gesichtspunkte aus solche menschlichen Verrichtungen vertiefen können, die in den menschlichen Taten sich ausleben. Wir haben es heute auf dem Gebiete der Künste gesehen, daß da der Mensch etwas tut, etwas vollbringt, wodurch, wenn wir so sagen können, die Götter bei ihm wohnen können, wodurch er den Göttern einen Aufenthalt in der irdischen Sphäre gewährt. Wenn durch Geisteswissenschaft dem Menschen zum Bewußtsein gebracht werden soll, daß die Geistigkeit in Wechselwirkung steht mit dem physischen Leben: die Kunst hat es im physischen Leben durchaus getan. Und immer wird die geistige Kunst unsere Kultur durchdringen, wenn die Menschen mit ihren Seelen überhaupt in die Geistigkeit eintauchen werden. Durch solche Betrachtungen erweitert&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|228}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sich das, was sonst in der Geisteswissenschaft als bloße Lehre, bloße Weltanschauung nur erzählt wird, zu Impulsen, die unser Leben durchdringen und uns sagen können, was da werden soll und was da werden muß. In dem Musiker und Dichter Richard Wagner ist zuerst der neue Stern aufgestiegen, der das Licht des geistigen Lebens der Erde zusendet. Immer erweitern und erweitern muß sich dieser von ihm gegebene Lebensimpuls, bis wieder das ganze äußere Leben ein Spiegelbild der Seele sein wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alles, was uns außen entgegentritt, kann ein Spiegelbild der Seele werden. Nehmen Sie das nicht als etwas Äußerliches, sondern als etwas, was man aus der Geisteswissenschaft heraus gewinnen kann. Es wird werden, wie es vor Jahrhunderten war, wo in jedem Türschloß, in jedem Schlüssel uns etwas entgegentrat, was Abbild dessen war, was der Mensch gefühlt und empfunden hatte. Ebenso wird, wenn wahres geistiges Leben wieder in der Menschheit sein wird, das ganze Leben, alles, was uns äußerlich entgegentritt, uns wieder als ein Abbild der Seele erscheinen. Profanbauten sind nur so lange Profanbauten, solange der Mensch nicht die Fähigkeit hat, in sie den Geist hineinzuprägen. Überall kann der Geist hineingeprägt werden. Das Bild des Bahnhofes kann vor uns aufleuchten, das wieder künstlerisch gedacht ist. Heute haben wir es nicht. Aber wenn man wieder fühlen wird, was Formen sein sollen, dann wird man fühlen, daß man die Lokomotive architektonisch gestalten kann, und daß der Bahnhof etwas sein könnte, was sich zur Lokomotive so verhält, wie die äußere Umhüllung zu dem, was die Lokomotive in ihren architektonischen Formen ausdrückt. Dann erst werden sie sich so verhalten wie zwei Dinge, die zusammengehören, wenn sie architektonisch gedacht sind. Dann ist es aber auch nicht gleichgültig, wie wir links oder rechts bei den Formen annehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn der Mensch lernen wird, wie sich im Äußeren das Innere ausdrückt, dann wird es wiederum eine Kultur geben. Wahrhaftig, es hat Zeiten gegeben, wo es keine romanische Baukunst noch gab, keine Gotik noch gab, als diejenigen, welche eine neue, aufgehende Kultur in ihrer Seele getragen haben, unten in den Katakomben der alten Römerstadt zusammenkamen. Aber was da in ihnen gelebt hat, was nur in&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|229}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
spärlichen Formen hineingegraben werden konnte in die alten Erdhöhlen, was Sie an den Särgen der Toten finden, das dämmerte da auf, und das ist das, was uns dann erscheint in dem romanischen Bogen, in der romanischen Säule, in der Apsis. Hinausgetragen worden ist der Gedanke in die Welt. Hätten die ersten Christen nicht den Gedanken in der Seele getragen, er würde uns nicht in dem entgegentreten, was Weltkultur geworden ist. Der Theosoph fühlt sich nur dann als Theosoph, wenn er sich bewußt ist, daß er in seiner Seele eine zukünftige Kultur trägt. Mögen ihm dann die anderen sagen: Was hast du denn schon geleistet? Dann sagt er sich: Ja, was haben denn die Katakombenchristen geleistet, und was ist daraus geworden!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Versuchen wir das, was als geringer Empfindungsimpuls in unserer Seele lebt, wenn wir zusammensitzen, im Geiste zu erweitern, wie etwa der Christen Gedanken sich hatten erweitern können zu den Bogenwundern des späteren Domes. Denken wir uns das in solchen Stunden, wo wir beisammen sind, nach außen sich erweitern und hinausgetragen in die Welt. Dann haben wir jene Impulse in uns, die wir haben sollen, wenn wir uns bewußt sind, daß Theosophie nicht eine Liebhaberei sein soll für einzelne, die zusammensitzen, sondern etwas, was hinausgetragen werden soll in die Welt. Die Seelen, die hier in ihren Leibern sitzen, werden, wenn sie wiederverkörpert erscheinen, mancherlei von dem schon verwirklicht finden, was heute in ihnen lebt. Solche Gedanken nehmen wir mit, wenn wir in einer Saison zum letztenmal zusammen sind und die geisteswissenschaftlichen Gedanken des Winters verarbeiten. Setzen wir die geisteswissenschaftlichen Gedanken so um, daß sie als Kulturimpulse wirken sollen. Versuchen wir, unsere Seele so mit Empfindungen und Gefühlen zu durchtränken, und lassen wir das dem Sommersonnenschein entgegenleben, der uns von außen, im Physischen, die wirkende kosmische Kraft zeigt. Dann wird unsere Seele immer mehr die Stimmung erhalten und fähig sein, dasjenige in die äußere Welt zu tragen, was sie in den geistigen Welten erlebt. Das gehört dazu zur Entwickelung des Theosophen. So werden wir wieder ein Stück vorwärtskommen, wenn wir solche Gefühle und Empfindungen mit uns nehmen und mit ihnen die Stärkung des Sommers aufnehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|230}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|231}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Notizbucheintragungen zum Vortrag 16. Mai 1908 =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Archiv-Nr. NB 352&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
16. 5. 1908 Loge Berlin&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das zu grosse Verknüpftsein mit / der Rasse bringt die Seele in die [...]  / zum Festhalten an der Rasse / &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann aber zurückkehren zur / Gruppenseele. Gnomen: meiden das fruchtbare Erdreich&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Undinen: führen eine Art Krieg gegen / alle Wassertiere.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|232}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Elementargeiste Leib, Seele&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bewußtseinsseele kann nur genügend / ausgebildet werden durch Untertauchen / in den phys. Leib.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn nun die Gelegenheit nicht genügend / benutzt wird, so bleibt die Bewußtseinsseele infantil.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie kann dann in der Zukunft nicht / die Kräfte haben, um ihrerseits / einen genügenden phys. Leib / auszubilden. Sie waltet fort / als Naturgeist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Warum sich die Affen nicht / vervollkommnen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|233}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Hinweise =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu dieser Ausgabe&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die im vorliegenden Band zusammengefaßten Vorträge aus dem ersten Halbjahr 1908 hielt Rudolf Steiner im Berliner Besant-Zweig der Theosophischen Gesellschaft. Sie waren Teil einer kontinuierlichen Arbeit über die Grundlagen der anthroposophisch orientierten Geisteswissenschaft und schließen an die Vorträge vom Oktober und November 1907 (in GA 101) an; sie fanden also vor Hörern statt, die mit der Anthroposophie seit längerem vertraut waren. Über das Hereinwirken geistiger Wesenheiten in den Menschen hat Rudolf Steiner zu dieser Zeit auch in verschiedenen anderen Städten gesprochen; diese Vorträge sind publiziert im Band «Natur- und Geistwesen, ihr Wirken in unserer sichtbaren Welt», GA 98.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einer Weisung Rudolf Steiners entsprechend ist das Wort «Theosophie» in den früheren Auflagen da, wo es angängig war, durch die Worte «Geisteswissenschaft» oder «Anthroposophie» ersetzt worden. Rudolf Steiner wünschte Verwechslungen mit der Theosophischen Gesellschaft zu vermeiden, von der sich die Anthroposophische Gesellschaft in einem schweren Konflikt 1912 getrennt hatte. Diese Abänderung ist in der vorliegenden Ausgabe beibehalten worden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Textgrundlagen: Die Nachschriften dieses Vortragsbandes gehen mit Ausnahme des Vortrages vom 13. Mai 1908 auf Stenogramme von Walter Vegelahn zurück, der viele Vorträge Rudolf Steiners vor und während des ersten Weltkrieges mitgeschrieben hat. Der Vortrag vom 13. Mai 1908 wurde mitgeschrieben von Clara Michels und Magdalena von Spaun. Für einige Vorträge liegen auch Nachschriften vor von Johanna Mücke, Franz Seiler, Agnes Friedländer oder Katharina Schallert; diese Unterlagen wurden ergänzend herangezogen, wodurch einige kleinere Ergänzungen und Berichtigungen schon für die zweite und dritte Auflage eingearbeitet werden konnten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die 4. Auflage 2001 ist textlich unverändert. Sie wurde nochmals durchgesehen von Anna Maria Balastèr und Ulla Trapp; die Hinweise wurden erweitert und ein Namenregister sowie Notizbucheintragungen Rudolf Steiners zum Vortrag vom 16. Mai 1908 hinzugefügt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Titel des Bandes geht auf den Herausgeber der ersten Buchauflage zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Zeichnungen im Text wurden von Hedwig Frey nach den von den Stenographen festgehaltenen Skizzen erstellt. Originale der Wandtafelzeichnungen sind nicht erhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|234}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einzelausgaben&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
13. April 1908: «Ostern, das Mysterium der Zukunft», Dornach 1953&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
13. Mai 1908: 2. Vortrag in «Das Christentum hat begonnen als Religion, aber es ist größer als alle Religionen». Freiburg i. Br. 1952&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
13. April und 13. Mai 1908: «Ostern, das Mysterium der Zukunft. Das Christentum hat begonnen als Religion, aber es ist größer als alle Religionen». Dornach 1961, 1980, 1994.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Veröffentlichungen in Zeitschriften&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
6. und 27. Januar, 15. und 19. Februar, 16. und 24. März, 20. April, 16: Mai, 1. und 11. Juni 1908 in «Blätter für Anthroposophie» (damals noch unter dem Titel «Mitteilungen für die Mitglieder der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft») 2. Jg., Basel 1950, Nrn. 3-11; 3. Jg. 1951, Nrn. 1 und 2.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
13. April 1908 mit dem Titel «Ostern, das Mysterium der Zukunft« im «Nachrichtenblatt» 1935, 12. Jg., Nrn. 16-18.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
13. Mai 1908 mit dem Titel «Das Christentum hat begonnen als Religion, aber es ist größer als alle Religionen», im «Nachrichtenblatt» 1936, 13. Jg., Nrn. 24-27.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hinweise zum Text&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Werke Rudolf Steiners innerhalb der Gesamtausgabe (GA) werden in den Hinweisen mit der Bibliographie-Nummer angegeben. Siehe auch die Übersicht am Schluß des Bandes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu Seite:&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|13&lt;br /&gt;
|Aus den Vorträgen, die in  letzter Zeit hier gehalten worden sind: Die  vorangegangenen Vorträge im Besant-Zweig hatten im Oktober und November 1907  stattgefunden; sie sind publiziert im Band «Mythen und Sagen», GA 101.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|24&lt;br /&gt;
|als es Ihnen in früheren  Vorträgen schon dargestellt werden konnte menschliche Nahrung: Zum Beispiel im Berliner Vortrag vom 4. November 1905, in  «Grundelemente der Esoterik», GA 93a.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|Vortrag über das Vaterunser:  In Berlin am 28. Januar 1907 gehalten, in  «Ursprungsimpulse der Geisteswissenschaft», GA 96.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|26&lt;br /&gt;
|Interessantes Buch über  einen kleinen Hof: Vladan Georgewitsch, «Das Ende  der Obrenowitsch», Leipzig 1905. Bei der «Person» handelt es sich um Draga  Maschin, die am 11. Juni 1903 zusammen mit König Alexander I. von Serbien in  Belgrad ermordet wurde.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|29&lt;br /&gt;
|Richard Wagner, 18131883, schuf u. a. die Musikdramen «Tristan und Isolde»,  «Tannhäuser», «Ring des Nibelungen», «Parsifal».&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|30&lt;br /&gt;
|Sie haben aus vorhergehenden  Vorträgen gesehen: Im ersten Vortrag dieses Bandes.  Siehe Hinweise auch zu S. 13 und 24.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|{{SE|235}}&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|30&lt;br /&gt;
|was wir öfter schon hervorgehoben haben: Siehe Hinweis zu S. 13  und 24.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|36&lt;br /&gt;
|Wie Himmelskräfte auf- und  niedersteigen : Goethe, «Faust» I, Vers 449-450.  39 «Wesenheiten ganz voller Augen»: Apokalypse 4, 6-8.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|39&lt;br /&gt;
|«Wesenheiten ganz voller Augen»: Apokalypse 4,6-8&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|41&lt;br /&gt;
|wenn er sein Ich  «durchgedrückt» hat: Der Ausdruck «durchgedrückt»  steht in allen vier Nachschriften.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|42&lt;br /&gt;
|des sich opfernden Lammes: Apokalypse 5, 6ff.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|45&lt;br /&gt;
|Kant-Laplacesche Theorie: Zusammenfassung der Ansichten von Immanuel Kant (17241804) und Pierre  Simon de Laplace (17491827, französischer Mathematiker und Astronom) über die  Entstehung unseres Planetensystems.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|46&lt;br /&gt;
|in einer amerikanischen  Zeitschrift: Weder der Forscher noch die  Zeitschrift konnten bis jetzt ermittelt werden.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|50&lt;br /&gt;
|in einem vorhergehenden  Vortrag: Zum Beispiel am 26. 12. 1907 in GA 101.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|55&lt;br /&gt;
|was kürzlich in einem Berner  Laboratorium gefunden worden ist: Siehe den  Aufsatz von Prof. Dr. Emil Bürgi (Bern): «Chlorophyll und Chlorosan»,  veröffentlicht in «Korrespondenzblatt für Schweizer Ärzte», Nr. 15, April  1916, wiederabgedruckt mit dem Titel «Das Chlorophyll als Pharmakon», Georg  Thieme Verlag, Leipzig 1932. Bürgi beschreibt darin seine mehrjährigen  Forschungen und Untersuchungen, die er, auch in Zusammenarbeit mit anderen  Wissenschaftlern, gemacht hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 Daß Rudolf Steiner bereits 1908 in  dieser Vortragsreihe auf diese Untersuchungen hinweisen konnte, ist wohl  darauf zurückzuführen, daß er die Familie Bürgi (Bern) persönlich kannte.  Frau Prof. Bürgi war Mitglied der Theosophischen, später Anthroposophischen  Gesellschaft und Zweigleiterin des Berner Johannes-Zweiges.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|daß man gar nicht von einem  Zusammenhange des Chlorophylls mit dem Blute reden könnte: Daß ein Zusammenhang besteht, stellt Bürgi dar (S. 9ff. in seinem  Buche) ebenso wie er den Unterschied hervorhebt. Blut ist eine ähnliche  Verbindung mit Eisen, wie Chlorophyll mit Magnesium. Wörtlich (S. 10): «In  ihm (dem Chlorophyll) ist, wie überhaupt im Chlorophyll und vielen seiner  Derivate, das Magnesium ähnlich gebunden wie das Eisen in den  Blutfarbstoffen.»&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|67&lt;br /&gt;
|was ich in früheren Vorträgen schon erwähnt  habe Saturn: Siehe den Vortrag vom 2. Juni 1907, in GA 99.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|69&lt;br /&gt;
|Wie wir es beute so herrlich  weit gebracht haben: «Und wie wirs dann zuletzt  so herrlich weit gebracht.» Ausspruch Wagners in Goethes «Faust» I, Nacht,  Vers 573.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|72&lt;br /&gt;
|4. Zeile von unten: in dem  leben und weben sie: Abweichender Text in einer Nachschrift: «Ihr  niederstes Glied ist Geistselbst oder Manas, das nun den Mantel bildet, der  die ganze Erde umgibt als der Geist, von dem es heißt Denn in ihm leben,  weben und sind wir.» (Worte des Paulus, Apostelgeschichte 7,28.) Siehe dazu  auch die S. 78 und 81 dieses Bandes.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|76&lt;br /&gt;
|«Aus der Akasha-Cbronik»: Aufsätze aus den Jahren 19041908, erstmals erschienen in der  Zeitschrift «Lucifer-Gnosis». In der Gesamtausgabe GA 11, Kapitel Unsere  atlantischen Vorfahren.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|82&lt;br /&gt;
|«Akasha-Chronik»: Siehe GA 11, Vorwort.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|{{SE|236}}&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|86&lt;br /&gt;
|Ich habe Ihnen schon einmal angedeutet, daß  die Sage von den Zyklopen: Zum Beispiel im Vortrag vom 17. März 1908, in GA  98.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|89&lt;br /&gt;
|Chladnische Klangfiguren: Wurden entdeckt von dem deutschen Physiker Ernst Chladni (17561827).&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|94&lt;br /&gt;
|So zeigt sich der umgekehrte  Gang von früher: Siehe den sechsten Vortrag  dieses Bandes, S. 96ff.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|95&lt;br /&gt;
|Wir werden in einem der nächsten Abende gerade  zeigen müssen:  Siehe den sechsten Vortrag dieses Bandes, S. 114.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|96&lt;br /&gt;
|Es ist doch in verschiedenen  früheren Vorträgen behauptet worden: Zum Beispiel  im Vortrag vom 2. Juni 1907, in «Die Theosophie des Rosenkreuzers», GA 99.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|100&lt;br /&gt;
|Sugambrer, Heruler,  Brukterer, Cherusker: Germanische Volksstämme im  westlichen Deutschland zur Zeit der Völkerwanderung.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|«Ich und der Vater Abraham sind eins»: Paulus, Römer 4, 16.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|101&lt;br /&gt;
|Und wir wissen, daß das Alter der alten  Patriarchen:  1, Mos. 5.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|102&lt;br /&gt;
|spinozistischen Gottesliebe:  Baruch de Spinoza, Philosoph (1632-1677). Siehe  sein Hauptwerk «Ethik».&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|103&lt;br /&gt;
|es sind das andere Geister  der Weisheit: Siehe dazu den vierten Vortrag in  diesem Band, S. 66.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|107&lt;br /&gt;
|«Sie verhüllten ihr Antlitz  vor dem mystischen Lamm»: Siehe hierzu C. G.  Harrison, «Das Transcendentale Weltenall», Reprint der ersten deutschen  Ausgabe, Stuttgart 1990, im sechsten Vortrag: Die Urkräfte des Lichtes,  vollkommene und selige Ausflüsse der göttlichen Weisheit, erkannten in der  göttlichen Liebe eine Absicht, noch himmelhoch über alles hinausragend, was  die höchste Weisheit begreifen konnte. Es war nichts Geringeres als die  Erlösung des Körpers durch das Opfer; und vor diesem Geheimnis legten sie die  Kronen der Weisheit nieder zu den Füßen des mystischen Lammes und  verschleierten ihr Antlitz in Anbetung. (Apk. 4, 10-11: fielen die  vierundzwanzig Ältesten nieder vor dem, der auf dem Stuhl saß und beteten an  den, der da lebt von Ewigkeit zu Ewigkeit und warfen ihre Kronen vor den  Stuhl und sprachen: Herr, du bist würdig, zu nehmen Preis und Ehre und Kraft,  denn du hast alle Dinge geschaffen, und durch deinen Willen haben sie das  Wesen und sind geschaffen).&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|110&lt;br /&gt;
|jüngstes Gericht, Auferstehung: Joh. 6, 39-40.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|112&lt;br /&gt;
|«Wer nicht verläßt Vater und  Mutter »: Luk. 14, 26 und 18, 29-30; Matth. 10,  37.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|113&lt;br /&gt;
|Hammurabi, 17931750 v. Chr., König von Babylon. Er ließ das babylonische Recht  kodifizieren.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|114&lt;br /&gt;
|«Ich und der Vater Abraham sind eins»: Paulus,  Römer 4, 16. «Ich und der Vater sind eins»: Joh. 10, 30.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|«Am Anfang war das Licht»: Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde. Und Gott sprach: Es werde  Licht, und es ward Licht. 1. Mose 1, 3.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|«was da war, was da sein  wird»: «Ich bin, was da war, was da ist, was da  sein wird » Nach Plutarch (über Isis und Osiris). Inschrift auf dem  Isis-Tempel zu Sais in Ägypten.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|{{SE|237}}&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|117&lt;br /&gt;
|Arbeit in den drei  nördlichen Ländern: Im März und April 1908 hielt  Rudolf Steiner Vorträge in Lund, Malmö, Stockholm, Uppsala, Kristiana (Oslo),  Göteborg und Kopenhagen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|118&lt;br /&gt;
|Der sogenannte Silberne  Kodex: Der gotische Bischof Wulfila (griechisch  Ulfilas) übertrug im 4. Jh. n. Chr. die Bibel ins Gotische. Die ehrwürdigste  aller germanischen Handschriften ist mit silbernen und goldenen Lettern auf  purpurgefärbtes Pergament geschrieben. Sie ist nur noch teilweise erhalten,  wurde im 16. Jahrhundert in der Abtei Werden an der Ruhr entdeckt, kam nach  Prag, dann nach Schweden, wurde von da nach Holland verschleppt und dort mit  einem kostbaren Silbereinband versehen (daher der Name codex  argenteus). Heute in der Universitätsbibliothek Uppsala.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|Der öffentliche Vortrag in  Stockholm: «Über den leitenden Gedanken im  Nibelungenring») fand am 1. April 1908 statt. (Keine Nachschrift vorhanden.)&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|119&lt;br /&gt;
|Der erste Seelenkeim des  «Parsifal»: «Am Karfreitag (1857, im Asyl am  grünen Hügel, kleines Landhaus neben der Villa Wesendonk in Zürich) erwachte  ich bei vollem Sonnenschein: das Gärtchen war ergrünt, die Vögel sangen, und  endlich konnte ich mich auf die Zinne des Häuschens setzen, um der langersehnten,  verheißungsvollen Stille mich zu erfreuen. Hiervon erfüllt, sagte ich mir  plötzlich, daß heute ja Karfreitag sei und entsann mich, wie bedeutungsvoll  diese Mahnung mir schon einmal in Wolframs Parsifal aufgefallen war.»  (Richard Wagner: Mein Leben II.)&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|ist später im «Parsifal»: Er wurde vollendet Sommer 1882.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|120&lt;br /&gt;
|Betrachtung, wo wir Weihnachten zu begreifen  versuchten aus den Tiefen des Mysterienwesens heraus: Im Vortrag vom 17.  Dezember 1906, in GA 96.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|122&lt;br /&gt;
|Sagen und Mythen: Vgl. «Mythen und Sagen», vier Vorträge in  Berlin am 7., 14., 21. und 28. Oktober 1907, GA 101.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|127&lt;br /&gt;
|bei den althellenischen  Atomisten: Vor allem Demokrit und Epikur. Siehe  Rudolf Steiners «Die Rätsel der Philosophie, in ihrer Geschichte als Umriß  dargestellt» (1914), GA 18.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|131&lt;br /&gt;
|ein psychologisches Buch: «Abriß der Psychologie» (Leipzig 1908) von Hermann Ebbinghaus  (1850-1909). Die fraglichen Ausführungen stehen auf Seite 34 f, im Abschnitt  über «Wechselwirkung und Parallelismus». Darin wendet sich Ebbinghaus gegen  die Anschauung, das Gehirn sei ein Werkzeug der Seele und entscheidet sich  unter Berufung auf das Prinzip von der Erhaltung der Energie und die Versuche  von Rubner und Atwater für den psycho-physischen Parallelismus.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|134&lt;br /&gt;
|«Den ihr suchet, der ist  nicht mehr da!»: «Ich weiß, daß ihr Jesum, den  Gekreuzigten suchet. Er ist nicht hier. Er ist auferstanden.» Matth. 28, 5,6  u. a.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|Die große Synthesis: Über den Gegensatz und das Zusammenwirken des Weihnachts- und des  Ostergedankens siehe u. a. den Vortrag vom 27. März 1921, in GA 203.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|139&lt;br /&gt;
|geradeso wie wir es beschrieben haben: Im Vortrag vom 1. Juli  1906, in GA 94.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|144&lt;br /&gt;
|aber Sie brauchen nur im  Buche Henoch nachsehen: In «Altjüdisches  Schrifttum, außerhalb der Bibel», übersetzt und erläutert von Paul Riessler  (Dr. Benno Filser Verlag, Augsburg 1928), werden im 20. Kapitel des  Henoch-Buches (S. 368/369) die Erzengel aufgeführt: Uriel, Raphael, Raguel,  Michael, Sarakael, Gabriel,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|{{SE|238}}&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|Remiel, im 40. Kapitel (S. 378/379) die vier  Erzengel: Michael, Raphael, Gabriel und Phanuel.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|144&lt;br /&gt;
|So war nämlich auch einer  der Erzengel Phanuel: Von ihm heißt es im  Henochbuch (S. 379), « und der vierte, der über die Buße und die Hoffnung der  Erben des ewigen Lebens gesetzt ist».&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|So gibt es da einen  Erzengel, Surakiel nannte man ihn früher: Von ihm  heißt es im Henochbuch (S. 369), «Sarakael, einer der heiligen Engel, ist  über die Geister, die die anderen Geister zur Sünde veranlassen, gesetzt.»&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|146&lt;br /&gt;
|Giordano Bruno, 15481600, italienischer Philosoph. Seine Lehre von der Unendlichkeit  des Universums und der Vielheit der Welten brachte ihn in Konflikt mit dem  kirchlichen Dogma. Er endete auf dem Scheiterhaufen der Inquisition.  Hauptwerk «Dellinfinito universo e mondi», 1584.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|147&lt;br /&gt;
|Ich habe darauf aufmerksam machen können, wie  von jeder Hierarchie der Geister gewisse Wesenheiten zurückbleiben: Siehe hierzu vor allem  «Die Geheimwissenschaft im Umriß», GA 13, Kapitel Die Weltentwickelung und  der Mensch.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|148&lt;br /&gt;
|in diesem wunderbaren Teil des Evangeliums: Matth. Kap. 3, Markus  Kap. 4, Lukas, Kap. 1.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|149&lt;br /&gt;
|die wir kennengelernt haben als Jahve: Siehe S. 57 und 108  dieses Bandes.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|158&lt;br /&gt;
|«Wir haben unsere Hände in  seine Wunde gelegt »: «Das da von Anfang war, ,  das wir gesehen haben mit unseren Augen, das unsere Hände betastet haben »  Erster Brief Joh. 1,1, auch Joh. 20, 25-29.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|162&lt;br /&gt;
|einiges gesagt werden soll  für vorgeschrittene Theosophen: Siehe die  einführenden Worte im ersten und dritten Vortrag dieses Bandes.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|165&lt;br /&gt;
|Man nennt sie  «Elementargeister» in den verschiedenen theosophischen Lehren: Wir verweisen hier u. a. auf Paracelsus «Liber de Nymphis, Sylphis,  Pygmaeis et Salemandris».&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|182&lt;br /&gt;
|«Ihr werdet die Wahrheit erkennen, und die  Wahrheit wir euch frei machen»: Joh. 8, 32.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|184&lt;br /&gt;
|Sylphen, auch Lemuren: Siehe Hinweis zu S. 165. Der Ausdruck «Lemuren» für Sylphen konnte  nicht nachgewiesen werden. Vielleicht ein Hörfehler des Stenographen?&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|187&lt;br /&gt;
|ausspintisiert wird über  All-Wesen und All-Beseeltheit: Rudolf Steiner  spielt hier wohl an auf Persönlichkeiten wie Bruno Wille (1860 1928) mit  seinem Roman «Offenbarungen des Wacholderbaumes», und auf den Schriftsteller  Wilhelm Bölsche (1861-1939). Siehe «Mein Lebensgang», GA. 28, XXIX. Kapitel.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|190&lt;br /&gt;
|Patriarchengeschichte des Alten Testaments: 1. Mos. 5.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|191&lt;br /&gt;
|«Bevor Abraham war, war das Ich»: Joh. 8, 58.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|192&lt;br /&gt;
|«Denn die Juden hielten keine Gemeinschaft mit den Samaritern»: Joh. 4, 9.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|193&lt;br /&gt;
|Ich habe schon einmal darauf aufmerksam  gemacht Mathematik: Im Vortrag vom 27. November 1903, in GA 52.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|210&lt;br /&gt;
|Wir haben darauf  hingewiesen: Im siebenten Vortrag dieses Bandes,  S. 124.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|{{SE|239}}&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|212&lt;br /&gt;
|ein bedeutender Architekt: Freiherr Heinrich von Ferstel, 18281883.  Erbauer u. a. der Votivkirche in Wien.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|213&lt;br /&gt;
|durch das Herabsteigen der «feurigen Zungen»: Apostelgeschichte 2,3.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|219&lt;br /&gt;
|Arnold Böcklin, 18271901, Schweizer Maler. Das Bild «Pietà» befindet sich im  Kunstmuseum Basel.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|222&lt;br /&gt;
|«Die Sonne tönt nach alter  Weise »: Goethe, «Faust» I, Prolog im Himmel,  Vers 243ff.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|«Tönend wird für  Geistesohren »: «Faust» II, Vers 46674674, Worte  des Ariel.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|224&lt;br /&gt;
|«Wenn mir erklingen die Töne  des Orchesters »: Zitat aus Richard Wagner, «Eine  Pilgerfahrt zu Beethoven», Gesammelte Schriften, Band 7, S. 98, wörtlich: «In  den Instrumenten repräsentieren sich die Urorgane der Schöpfung und der  Natur; das, was sie ausdrücken, kann nie klar  bestimmt und festgesetzt werden, denn sie geben die Urgefühle selbst wieder,  wie sie aus dem Chaos der ersten Schöpfung hervorgingen, als es selbst vielleicht noch nicht einmal Menschen gab, die  sie in ihr Herz aufnehmen konnten.»&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|225&lt;br /&gt;
|In dem, was in einer  Symphonie ertönt: Dieses Zitat konnte bis jetzt  nicht ermittelt werden, doch ist der in ihm ausgesprochene Gedanke in der  Schrift «Beethoven», die zum hundertsten Geburtstage Beethovens von Wagner in  Triebschen geschrieben wurde, ausführlich dargestellt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|Diese beiden Aussprüche hat  Richard Wagner getan: «Richard Wagners Gesammelte  Schriften», herausgegeben von Julius Kapp, Leipzig 1914.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|William Shakespeare, 15641616. Ludwig van Beethoven, 17701827. Zu  diesen Ausführungen siehe die Schrift Richard Wagners, «Beethoven».  Gesammelte Schriften, Band 8, S. 189ff.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|226&lt;br /&gt;
|in der Neunten Symphonie: Siehe dazu auch die Schrift «Beethoven», S. 181ff.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|Beethoven und Shakespeare in  einem: Siehe Richard Wagner, «Mein Leben»,  München 1911, Band I, S. 41: «In mir entstand bald ein Bild erhabenster,  überirdischer Originalität (von Beethoven, der gerade gestorben war), mit  welcher sich durchaus nichts vergleichen ließ. Dieses Bild floß mit dem  Shakespeares in mir zusammen. In ekstatischen Träumen begegnete ich beiden,  sah und sprach sie, beim Erwachen schwamm ich in Tränen.» Wagner war zu der  Zeit vierzehn Jahre alt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|227&lt;br /&gt;
|in seiner genialen Schrift über Beethoven:  Siehe Hinweis zu S. 224/225.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Namenregister =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|240}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Namenregister&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(H = Hinweis / * = ohne Namensnennung)&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|Beethoven, Ludwig van 225, 226&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Böcklin, Arnold 219&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bruno, Giordano 146&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bürgi, Emil 55&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Chladni, Ernst 89&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ebbinghaus, Hermann 131&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ferstel, Heinrich von 212 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Georgevitsch, Vladan 26&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Goethe, Johann Wolfgang von 36, 69&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hammurabi 113&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|Kant, Immanuel 45&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Laplace, Pierre Simon de 45&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Shakespeare, William 225, 226&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Spinoza, Baruch de 102&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Steiner, Rudolf, Schriften:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 Aus der Akasha-Chronik (GA 11) 76, 82&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 Theosophie (GA 9) 77&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wagner, Richard 29, 224, 225, 227&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wulfila 118&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|243}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Über die Vortragsnachschriften =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus Rudolf Steiners Autobiographie »Mein Lebensgang« (35. Kap., 1925)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es liegen nun aus meinem anthroposophischen Wirken zwei Ergebnisse vor; erstens meine vor aller Welt veröffentlichten Bücher, zweitens eine große Reihe von Kursen, die zunächst als Privatdruck gedacht und verkäuflich nur an Mitglieder der Theosophischen (später Anthroposophischen) Gesellschaft sein sollten. Es waren dies Nachschriften, die bei den Vorträgen mehr oder weniger gut gemacht worden sind und die wegen mangelnder Zeit nicht von mir korrigiert werden konnten. Mir wäre es am liebsten gewesen, wenn mündlich gesprochenes Wort mündlich gesprochenes Wort geblieben wäre. Aber die Mitglieder wollten den Privatdruck der Kurse. Und so kam er zustande. Hätte ich Zeit gehabt, die Dinge zu korrigieren, so hätte vom Anfange an die Einschränkung «Nur für Mitglieder» nicht zu bestehen gebraucht. Jetzt ist sie seit mehr als einem Jahre ja fallen gelassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier in meinem «Lebensgang» ist notwendig, vor allem zu sagen, wie sich die beiden: meine veröffentlichten Bücher und diese Privatdrucke in das einfügen, was ich als Anthroposophie ausarbeitete.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer mein eigenes inneres Ringen und Arbeiten für das Hinstellen der Anthroposophie vor das Bewußtsein der gegenwärtigen Zeit verfolgen will, der muß das an Hand der allgemein veröffentlichten Schriften tun. In ihnen setzte ich mich auch mit alle dem auseinander, was an Erkenntnisstreben in der Zeit vorhanden ist. Da ist gegeben, was sich mir in «geistigem Schauen» immer mehr gestaltete, was zum Gebäude der Anthroposophie allerdings in vieler Hinsicht in unvollkommener Art wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben diese Forderung, die «Anthroposophie» aufzubauen und dabei nur dem zu dienen, was sich ergab, wenn man Mitteilungen aus der Geist-Welt der allgemeinen Bildungswelt von heute zu übergeben hat, trat nun aber die andere, auch dem voll entgegenzukommen, was aus der Mitgliedschaft heraus als Seelenbedürfnis, als Geistessehnsucht sich offenbarte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da war vor allem eine starke Neigung vorhanden, die Evangelien und den Schrift-Inhalt der Bibel überhaupt in dem Lichte dargestellt zu hören, das sich als das anthroposophische ergeben hatte. Man wollte in Kursen über diese der Menschheit gegebenen Offenbarungen hören.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|244}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Indem interne Vortragskurse im Sinne dieser Forderung gehalten wurden, kam dazu noch ein anderes. Bei diesen Vorträgen waren nur Mitglieder. Sie waren mit den Anfangs-Mitteilungen aus Anthroposophie bekannt. Man konnte zu ihnen eben so sprechen, wie zu Vorgeschrittenen auf dem Gebiete der Anthroposophie. Die Haltung dieser internen Vorträge war eine solche, wie sie eben in Schriften nicht sein konnte, die ganz für die Öffentlichkeit bestimmt waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich durfte in internen Kreisen in einer Art über Dinge sprechen, die ich für die öffentliche Darstellung, wenn sie für sie von Anfang an bestimmt gewesen wären, hätte anders gestalten müssen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So liegt in der Zweiheit, den öffentlichen und den privaten Schriften, in der Tat etwas vor, das aus zwei verschiedenen Untergründen stammt. Die ganz öffentlichen Schriften sind das Ergebnis dessen, was in mir rang und arbeitete; in den Privatdrucken ringt und arbeitet die Gesellschaft mit. Ich höre auf die Schwingungen im Seelenleben der Mitgliedschaft, und in meinem lebendigen Drinnenleben in dem, was ich da höre, entsteht die Haltung der Vorträge.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist nirgends auch nur in geringstem Maße etwas gesagt, was nicht reinstes Ergebnis der sich aufbauenden Anthroposophie wäre. Von irgend einer Konzession an Vorurteile oder Vorempfindungen der Mitgliedschaft kann nicht die Rede sein. Wer diese Privatdrucke liest, kann sie im vollsten Sinne eben als das nehmen, was Anthroposophie zu sagen hat. Deshalb konnte ja auch ohne Bedenken, als die Anklagen nach dieser Richtung zu drängend wurden, von der Einrichtung abgegangen werden, diese Drucke nur im Kreise der Mitgliedschaft zu verbreiten. Es wird eben nur hingenommen werden müssen, daß in den von mir nicht nachgesehenen Vorlagen sich Fehlerhaftes findet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Urteil über den Inhalt eines solchen Privatdruckes wird ja allerdings nur demjenigen zugestanden werden können, der kennt, was als Urteils-Voraussetzung angenommen wird. Und das ist für die allermeisten dieser Drucke mindestens die anthroposophische Erkenntnis des Menschen, des Kosmos, insofern sein Wesen in der Anthroposophie dargestellt wird, und dessen, was als «anthroposophische Geschichte» in den Mitteilungen aus der Geist-Welt sich findet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Glossar ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|A}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|A}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Astralplan&lt;br /&gt;
{{GS|Der astralische Plan und der Devachanplan sind eben sehr bevölkerte Welten […] die mit dem physischen Plan, mit unserem ganzen heutigen menschlichen Leben sehr viel zu tun haben. Man begreift das Menschenleben nicht, wenn man nicht weiß, daß innerhalb des menschlichen Lebens solche Wesen tätig sind, die oben in höheren Welten leben.|102|14}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|B}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|B}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|C}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|C}}&lt;br /&gt;
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{{GlossarNavigationArtikel|D}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|D}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Devachan&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Der astralische Plan und der Devachanplan sind eben sehr bevölkerte Welten […] die mit dem physischen Plan, mit unserem ganzen heutigen menschlichen Leben sehr viel zu tun haben. Man begreift das Menschenleben nicht, wenn man nicht weiß, daß innerhalb des menschlichen Lebens solche Wesen tätig sind, die oben in höheren Welten leben.|102|14}}{{GS|Wenn wir dann weiter aufsteigen nach dem Devachanplan, finden wir gewisse Wesenheiten, die in ihrer Eigenart auch sanfter, friedlicher Natur sind […] haben ihre eigentliche Heimat […] auf dem Planeten Venus.|102|16}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|E}}&lt;br /&gt;
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{{BS|E}}&lt;br /&gt;
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{{GlossarNavigationArtikel|F}}&lt;br /&gt;
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{{GS|Alles, was der Mensch tut, ist wie ein Ruf an unbekannte Wesenheiten.|102|18}}&lt;br /&gt;
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= Literatur =&lt;br /&gt;
* [[a:Rudolf Steiner|Rudolf Steiner]]: &#039;&#039;Das Hereinwirken geistiger Wesenheiten in den Menschen&#039;&#039;, [[GA 102]] (2001), ISBN 3-7274-1020-5 {{Vorträge|102}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GA}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:GA 102 Das Hereinwirken geistiger Wesenheiten in den Menschen|!]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:GA]] [[Kategorie:GA (Mitgliedervorträge)]] [[Kategorie:Gesamtausgabe]]&lt;br /&gt;
[[en:GA 102]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>ElkeJura</name></author>
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		<updated>2026-04-01T18:20:08Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;ElkeJura: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Datei:GA102.jpg|thumb|{{RSV|102}}]]&lt;br /&gt;
__NOTOC__&lt;br /&gt;
&amp;lt;div class=&amp;quot;center&amp;quot; &amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;h3&amp;gt;RUDOLF STEINER&amp;lt;/h3&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;h3&amp;gt;VORTRÄGE&amp;lt;/h3&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;h4&amp;gt;VORTRÄGE VOR MITGLIEDERN&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
DER ANTHROPOSOPHISCHEN GESELLSCHAFT&amp;lt;/h4&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;h3&amp;gt;Das Hereinwirken&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
geistiger Wesenheiten in den&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Menschen&amp;lt;/h3&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;h5&amp;gt;Dreizehn Vorträge, gehalten in Berlin&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
zwischen dem 6. Januar und 11. Juni 1908&amp;lt;/h5&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;h3&amp;gt;GA 102&amp;lt;/h3&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;h3&amp;gt;1984&amp;lt;/h3&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Inhaltsverzeichnis =&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;font-family: &#039;Baar Zeitgeist&#039;; font-size: 100%;&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
* [[GA 102#ERSTER VORTRAG, Berlin, 6. Januar 1908|ERSTER VORTRAG, Berlin, 6. Januar 1908]]&lt;br /&gt;
* [[GA 102#ZWEITER VORTRAG, Berlin, 27. Januar 1908|ZWEITER VORTRAG, Berlin, 27. Januar 1908]]&lt;br /&gt;
* [[GA 102#DRITTER VORTRAG, Berlin, 15. Februar 1908|DRITTER VORTRAG, Berlin, 15. Februar 1908]]&lt;br /&gt;
* [[GA 102#VIERTER VORTRAG, Berlin, 29. Februar 1908|VIERTER VORTRAG, Berlin, 29. Februar 1908]]&lt;br /&gt;
* [[GA 102#FÜNFTER VORTRAG, Berlin, 16. März 1908|FÜNFTER VORTRAG, Berlin, 16. März 1908]]&lt;br /&gt;
* [[GA 102#SECHSTER VORTRAG, Berlin, 24. März 1908|SECHSTER VORTRAG, Berlin, 24. März 1908]]&lt;br /&gt;
* [[GA 102#SIEBENTER VORTRAG, Berlin, 13. April 1908|SIEBENTER VORTRAG, Berlin, 13. April 1908]]&lt;br /&gt;
* [[GA 102#ACHTER VORTRAG, Berlin, 20. April 1908|ACHTER VORTRAG, Berlin, 20. April 1908]]&lt;br /&gt;
* [[GA 102#NEUNTER VORTRAG, Berlin, 13. Mai 1908|NEUNTER VORTRAG, Berlin, 13. Mai 1908]]&lt;br /&gt;
* [[GA 102#ZEHNTER VORTRAG, Berlin, 16. Mai 1908|10 EHNTER VORTRAG, Berlin, 16. Mai 1908]]&lt;br /&gt;
* [[GA 102#ELFTER VORTRAG, Berlin, 1. Juni 1908|ELFTER VORTRAG, Berlin, 1. Juni 1908]]&lt;br /&gt;
* [[GA 102#ZWÖLFTER VORTRAG, Berlin, 4. Juni 1908|ZWÖLFTER VORTRAG, Berlin, 4. Juni 1908]]&lt;br /&gt;
* [[GA 102#DREIZEHNTER VORTRAG, Berlin, 11. Juni 1908|DREIZEHNTER VORTRAG, Berlin, 11. Juni 1908]]&lt;br /&gt;
* [[GA 102#Notizbucheintragungen zum Vortrag 16. Mai 1908|Notizbucheintragungen zum Vortrag 16. Mai 1908]]&lt;br /&gt;
* [[GA 102#Hinweise|Hinweise]]&lt;br /&gt;
* [[GA 102#Namenregister|Namenregister]]&lt;br /&gt;
* [[GA 102#Über die Vortragsnachschriften|Über die Vortragsnachschriften]]&lt;br /&gt;
* [[GA 102#Literatur|Literatur]]&lt;br /&gt;
&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|13}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= ERSTER VORTRAG, Berlin, 6. Januar 1908 =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heute werden wir einiges zu besprechen haben vom geisteswissenschaftlichen Standpunkt aus über Tatsachen und Wesenheiten in höheren Welten und über den Zusammenhang solcher Wesenheiten und Tatsachen mit dem Menschen. Von vornherein muß, obwohl es scheinen könnte, daß dies in einem solchen theosophischen Zweig nicht notwendig sei, darauf aufmerksam gemacht werden, daß der heutige Vortrag zu denjenigen gehören wird, die man für Theosophen in einem vorgeschrittenen Stadium hält. Auch so etwas muß ja einmal möglich sein in einem theosophischen Zweig. Wer daher vielleicht erst seit kürzerer Zeit an diesen Montagvorträgen teilnimmt, kann sich durch manches, was heute besprochen wird, noch etwas befremdet fühlen; aber wir würden nicht weiterkommen, wenn wir nicht auch einmal Dinge der höheren Gebiete der Theosophie besprechen wollten. Wer etwa ein ganzer Neuling ist und vielleicht erst darauf wartet, von den geisteswissenschaftlichen Wahrheiten überzeugt zu werden, könnte in mancherlei, was heute zur Sprache kommt, etwas wie Wahnwitz finden; aber solche Gebiete müssen auch einmal berührt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus den Vorträgen, die in den letzten Zeiten hier gehalten worden sind, konnten Sie entnehmen, daß, wenn wir von dem physischen Plan hellseherisch hinaufsteigen in die höheren Welten, wir da Wesen antreffen, die zwar nicht unserer physischen Welt angehören, die aber als Wesen der höheren Welten so in sich abgeschlossene Wesenheiten sind, daß wir sie für jene Welten ebenso als Personen bezeichnen können, wie wir die Menschen hier auf dem physischen Plan als Personen bezeichnen. Sie haben gesehen, daß ganze, gleich oder ähnlich gestaltete Gruppen von Tieren zusammen zu einer Gruppenseele oder einem Gruppen-Ich gehören, und daß wir die Löwenseele, die Tigerseele und andere Gruppen-Iche der Tiere wie abgeschlossene Personen auf dem Astralplan treffen, denen wir dort begegnen können, wenn wir trivial gesprochen auf dem Astralplan spazierengehen, so wie wir den Menschen der physischen Welt hier begegnen können. Ebenso finden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|14}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wir in noch höheren Gebieten, auf dem Devachanplan, die Iche von ganzen Pflanzengruppen, und in den höchsten Partien des Devachans finden wir die Iche der Mineralien als abgeschlossene Persönlichkeiten, wie es hier die Menschen auf dem physischen Plan sind. Daraus sehen wir, daß wir in diesen höheren Welten gewisse Wesenheiten antreffen, die sozusagen ihre Organe, ihre einzelnen Glieder hinunterstrecken bis in die physische Welt. Wenn der Mensch seine Finger zeigen würde, indem er sie durch einen Vorhang oder durch eine Papierwand, in der ein Loch ist, hindurchstreckte, so würden wir da nur die zehn Finger vom Menschen sehen; er selbst wäre hinter der Wand. So ist es mit den Gruppen-Ichen der Tiere. Wir sehen hier mit den physischen Augen das, was von höheren Wesenheiten des Astralplans als Glieder heruntergestreckt wird, und das eigentliche Ich ist hinter der Wand hinter jener Wand, welche die physische Welt von der astralischen trennt. Und so ist es in entsprechender Weise mit den anderen Gruppen-Ichen, mit den Gruppen-Ichen der Pflanzen oder der mineralischen Welt. Wenn wir uns von diesem Ausgangspunkt der physischen Welt aus hinaufbegeben in höhere Welten, treffen wir dort nicht allein die eben hier genannten Wesen an, die ihre Glieder hier in die physische Welt hinuntererstrecken, sondern wir treffen eine ganze Anzahl anderer Wesenheiten, die wir ebenso als für sich abgeschlossene Persönlichkeiten für jene Welten bezeichnen können, deren physische Glieder aber nicht so unmittelbar anschaulich und nachweislich sind wie die der genannten Gruppen-Iche der Tiere, Pflanzen und Mineralien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der astralische Plan und der Devachanplan sind eben sehr bevölkerte Welten, und mancherlei Wesenheiten finden wir dort, die, wenn sie auch nicht in so handgreiflicher Art in ihren Offenbarungen hier zu beobachten sind, dennoch ihre Wirkungen, ihre Taten hier auf dem physischen Plan äußern, und die mit dem physischen Plan, mit unserem ganzen heutigen menschlichen Leben sehr viel zu tun haben. Man begreift das Menschenleben nicht, wenn man nicht weiß, daß innerhalb des menschlichen Lebens solche Wesen tätig sind, die oben in höheren Welten leben. Im menschlichen Leibe selber geht vieles vor, worüber der Mensch nicht Herr ist, was nicht Ausdruck des mensch-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|15}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
lichen Ich ist, sondern Tat, Wirkung, Offenbarung von Wesenheiten der höheren Welten. Von solchen Dingen wollen wir heute sprechen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir den astralischen Plan betrachten, treffen wir dort gewisse Wesenheiten an nur eine Art unter vielen anderen , die unter den Wesenheiten des physischen Plans, die wir zunächst beobachten, scheinbar keine Äußerung, keine Offenbarung haben, die aber doch mit unserem physischen Plan zusammenhängen. Wir treffen sie dort auf dem astralischen Plan als astralische Wesenheiten mit einem ausgesprochenen Willen, mit ausgesprochenen Absichten. Solche Wesenheiten haben innerhalb unserer unmittelbaren Welt ein solches Dasein, daß wir sie, wie gesagt, auf dem astralischen Plan antreffen können; aber sie sind verwandt, sie gehören zu derselben Art von Wesenheiten, die unseren heutigen Mond bewohnen, die auf unserem jetzigen Mond sogar ein gewisses physisches Dasein haben. Derjenige, der sich diesen Dingen hellseherisch zu nähern vermag, weiß, daß das Wesenheiten sind, die dort auf dem Schauplatz des Mondes in einer gewissen Beziehung menschenähnliche Wesen sind, nur daß sie dem Menschen gegenüber wie Zwerge sind, denn sie erreichen kaum die Höhe eines sechs- bis siebenjährigen Kindes. Dort auf dem Mond bietet sich ihnen eine eigentümliche Gelegenheit zu ihrer Betätigung. Dort sind die physischen Verhältnisse ganz andere; die Atmosphäre ist zum Beispiel eine ganz andere, und die Folge davon ist, daß diese Wesenheiten, wenn sie sich sozusagen nach ihrer Heimat zurückziehen, dort die Fähigkeit erlangen, ungeheuer zu brüllen, ungeheuer starke, furchtbare Töne von sich zu geben. Diese zwerghaften Wesenheiten können sich innerhalb unserer Welt aufhalten als astralische Wesenheiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie müssen sich nämlich die Verhältnisse in den höheren Welten viel komplizierter vorstellen, als man das gewöhnlich tut. Es besteht, sobald wir von den höheren Welten reden, durchaus ein Zusammenhang zwischen den einzelnen Planeten, und so besteht ein Zusammenhang zwischen dem Mond und der Erde in einer ähnlichen Weise, wie Sie zum Beispiel von Berlin nach Hamburg telephonieren, so daß solche Wesenheiten, die auf dem Monde leben, also ihre Wirkungen mit Hilfe astralischer Kräfte auf der Erde ausüben können. Diese Wesenheiten sind, man könnte sagen, nur die schlimme Kehrseite von&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|16}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
anderen Wesenheiten, die wir ebenfalls in der astralen Welt finden: von gutartigen Wesen, die, verglichen mit der gegenwärtigen, auch sanftesten Menschennatur, noch viel, viel sanfter sind, sehr sanft auch in bezug auf die Sprache. Das sind Wesenheiten, deren Sprache nicht von jener Sprödigkeit ist wie die menschliche Sprache, bei der erst lange überlegt werden muß, wenn der Mensch sich äußern soll, wenn er seine Gedanken und Vorstellungen in Worte kleiden soll. Man könnte sagen, diesen Wesenheiten fließen die Gedanken von den Lippen, nicht bloß der Ausdruck der Gedanken in Worten, sondern die Gedanken selbst fließen ihnen in einer sanften Sprache von den Lippen. Diese Wesenheiten finden Sie auch innerhalb unserer astralischen Welt; ihren eigentlichen Schauplatz haben sie wiederum auf einem anderen Planeten. Wie die erstgenannten Wesenheiten auf dem Mond, so haben diese zweiten auf dem Mars ihre Heimat; den bewohnen sie, und da sind sie sogar die hauptsächlichste Bevölkerung, so wie gewisse Menschenrassen die hauptsächlichste Bevölkerung auf unserer Erde sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir dann weiter aufsteigen nach dem Devachanplan, finden wir gewisse Wesenheiten, die in ihrer Eigenart auch sanfter, friedlicher Natur sind, und die in einer gewissen Beziehung außerordentlich klug sind. Solche Wesenheiten, die wir auf dem Devachanplan finden, haben ihre eigentliche Heimat wie die anderen Wesenheiten auf Mond und Mars auf dem Planeten Venus. Auch auf der Venus finden wir noch eine zweite Art von Wesenheiten, die im Gegensatz zu den sanften, lieblichen eine wilde, rasende Varietät darstellen, deren hauptsächlichste Beschäftigung im gegenseitigen Krieg und Raub besteht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann finden wir auf den höheren Partien des Devachanplans gewisse Wesenheiten von zweierlei Art, die sehr schwer zu beschreiben sind. Wir können sie nur vergleichsweise beschreiben, indem wir sagen, daß sie unendlich erfinderisch sind, in jedem Augenblick des Lebens etwas ausfindig machen, denn es wäre falsch, wenn man sagen würde: sie denken es aus. Bei ihnen ist diese erfinderische Gabe etwa so vorhanden, wie wenn man eine Sache anschauen würde und einem in demselben Augenblick schon beim Anschauen der Einfall käme, wie man das anders gestalten könnte. Sogleich erfolgt da bei ihnen die&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|17}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erfindung. Diesen Wesenheiten, die ihre Heimat auf dem Saturn haben, stehen andere gegenüber, die wiederum wie ihre Kehrseite sich ausnehmen: wilde, schaurige Wesenheiten, die alles, was etwa im Menschen an wilder sinnlicher Gier und Begierde lebt, in einem weitaus höheren, furchtbareren Grade besitzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese eben genannten Wesenheiten sind nun keineswegs ohne Beziehung zu unserem Leben, sondern sie erstrecken ihre Taten, ihre Wirkungen und Offenbarungen durchaus in unser Leben hinein, und namentlich ist ihre Wirkung für den hellseherisch begabten Menschen dann zu verspüren, wenn gewisse Verhältnisse auf der Erde eintreten. So sind zum Beispiel jene Wesenheiten, die ihre Heimat auf dem Mond haben natürlich als astrale Wesenheiten , auf der Erde unter den mannigfaltigsten Verhältnissen vorhanden, beispielsweise wenn irgendwo ein Mensch von Wahnideen befallen ist, wenn irgendwo Irrsinnige sind. Namentlich in der Nähe von Irrenhäusern halten sich solche Wesenheiten als astralische Wesenheiten mit ganz besonderer Vorliebe auf. Auch finden sie sich fast immer in der Nähe von Medien und Somnambulen, die zum Teil ganz umschwirrt sind von solchen Wesenheiten, und ein großer Teil von den Einflüssen, die auf solche Menschen ausgeübt werden, rührt von der Anwesenheit solcher Geschöpfe her. Wo dagegen Liebe und Wohltätigkeit waltet, wo humanitäres Wesen entfaltet wird, da finden Sie die vorhin charakterisierten sanften, milden Marswesenheiten als astralische Geschöpfe anwesend, und diese Wesenheiten wirken in den Kräften, die sich da entfalten. Das ist für sie ihre Nahrung, die Atmosphäre, in der sie leben können und von der aus sie wiederum ihren Einfluß auf den Menschen ausüben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da, wo menschliche Erfindungen gemacht werden, wo Ingenieure arbeiten, in den technischen Werkstätten, da ist die Atmosphäre geschaffen für jene Art von erfinderischen Saturnwesenheiten, die beschrieben wurden, während dort, wo irgendwelche Akte sich entfalten, die mit Geistesgegenwart etwas zu tun haben, Wesenheiten anwesend sind, die auf der Venus ihren Sitz haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So sehen Sie, wie der Mensch in den verschiedensten Lebenslagen fortwährend umgeben und umschwirrt ist von solchen elementarischen Wesenheiten, wie man sie auch nennt. Er ist wirklich niemals allein,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|18}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sondern was er auch tut und was er unternimmt, ist zu gleicher Zeit Gelegenheit für die Entfaltung einer Anzahl von Wesenheiten. Die feineren und gröberen Taten der Menschen, die ideellsten und idealsten Taten und die wüstesten Taten, sie alle sind Gelegenheitsursachen für die Anwesenheit solcher Geschöpfe, die eingreifen in die Kräfte der Menschen und sich da betätigen und die man kennen muß, wenn man das Leben wahrhaftig durchschauen will. Wer diese Dinge nicht durchschaut, geht ja durchaus blind durch das Leben. Es ist nicht etwa bloß eine Theorie oder eine theoretische Forderung, um die es sich da handelt, sondern es handelt sich hier darum, daß alle diese Dinge unmittelbar praktisch werden. Denn erst dann wird der Mensch nach und nach in der Zukunft der Erdenentwickelung lernen, sich in der richtigen Weise zu verhalten und zu benehmen, wenn er immer mehr und mehr erkennt, welche Geschöpfe durch diese oder jene Taten und Umstände herbeigerufen werden. Alles, was der Mensch tut, ist wie ein Ruf an unbekannte Wesenheiten. Nicht nur an Irre oder an Medien können sich die Mondwesenheiten, unter denen recht böswillige Racker sind, heranwagen, sondern zum Beispiel auch an junge Kinder, wenn sie in so unsinniger Weise überfüttert werden, daß bei ihnen die Freßgier erregt wird; dann können sie sich an sie heranmachen und ihre Entwickelung verderben. Da sehen Sie, wie notwendig es ist zu wissen, was der Mensch eigentlich durch sein ganzes Gebaren und durch sein ganzes Gehabe in der Welt um sich herum wachruft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun sind diese Wesenheiten auch sonst durchaus nicht ohne Beziehung zum Menschen. Sie haben vielmehr eine tiefe Beziehung zu unserem unmittelbaren menschlichen Bau. Von dem, was sich im menschlichen Leibe findet, gehört eigentlich nur eines dem Menschen an oder kann ihm immer mehr angehören: das ist sein Blut. Des Menschen Blutsaft ist das, was unmittelbar der Ausdruck seines Ich ist. Wenn aber der Mensch nicht immer mehr und mehr darauf schaut, sein Ich durch einen starken und kräftigen Willen, durch seine starke und kräftige Seele innerlich zu festigen, wenn ihm sozusagen sein Ich abhanden kommt, dann können sich auch in seinem Blut andere Wesenheiten verankern, und das ist dann sehr schlimm und böse für den Menschen. Dagegen sind in anderen Teilen des menschlichen Organismus heute&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|19}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
noch viele andere Wesenheiten verankert, sind in ihm enthalten, und wir wollen einmal sehen, was da eigentlich alles seine Fühlhörner in diesen menschlichen Leib hineinerstreckt, was da im menschlichen Leibe sich alles verankert. Da müssen wir ein wenig eingehen auf diesen menschlichen physischen Leib.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie wissen, daß das Blut, das durch die Adern rinnt und sich im Menschenleib ausbreitet, der Ausdruck des menschlichen Ich ist und daß es immer stärker und stärker der Ausdruck des Ich wird, wenn das Ich selbst immer stärker und kräftiger in sich seinen Mittelpunkt, sein inneres Kraftzentrum findet. In bezug auf andere Teile, auf andere Einschlüsse des Organismus wird das Ich des Menschen erst in einer viel künftigeren Zeit die Herrschaft erhalten. Heute sind in diesen Ingredienzien des menschlichen Leibes noch viele andere Wesenheiten enthalten. Wir wollen die drei Säftestufen Chylus, Lymphe und Blut jetzt einmal zum Zwecke unserer Betrachtung näher ins Auge fassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie wissen vielleicht, welche Bedeutung diese drei Arten von Säften für den Menschen haben. Sie wissen, wenn der Mensch seine Nahrung genießt, so wird sie zunächst durch die vorbereitenden Organe in den Magen befördert und mit den entsprechenden Säften, die aus den Drüsen abgesondert werden, untermischt und zubereitet, so daß sie durch die Gedärme verarbeitet werden kann. Da ist die Speise in einen flüssigen Zustand gebracht, den Speisebrei, der durch die Gedärme vorwärtsgeführt wird. Das, was für den Menschen Nahrungsstoff sein kann, wird dann durch kleine Organe, die man die Darmzotten nennt, in den Leib übergeführt, um für diesen Leib als Nahrungssäfte zu dienen, um den Leib immer wieder neu aufzubauen. Das ist eine Sorte von Substanzen, die wir im Leibe haben, die wir den Chylus nennen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann wissen Sie vielleicht auch, daß außer diesem Chylus, der dadurch zustande kommt, daß von außen die Nahrung in den menschlichen Leib eindringt, auch noch im Inneren des menschlichen Leibes ganz gleichlaufende Gefäße sind, die eine Art von Saft führen, der in einer gewissen Beziehung ähnlich ist der weißen Substanz in unserem Blut. Dieser Saft fließt auch durch den ganzen menschlichen Organismus in gewissen Gefäßen, und diese Gefäße laufen vielfach&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|20}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
zusammen mit denjenigen Blutgefäßen, die wir die Venen nennen, weil sie blaurotes Blut enthalten. Diese Gefäße nehmen sogar auch den Chylus auf. Die Flüssigkeit, die sie enthalten, das ist die Lymphe. Das ist ein Saft, der, man möchte sagen, vergeistigt ist gegenüber dem eigentlichen Speisesaft, dem Chylus. Diese Lymphgefäße, welche die Lymphflüssigkeit führen, haben ihren Verlauf im ganzen menschlichen Leib; sie durchziehen sogar das Knochenmark in einer gewissen Beziehung, und das, was sie führen, nimmt dann auch den Speisebrei auf, den Chylus. Alles, was in der linken Körperhälfte und in den unteren Extremitäten ist von der linken Kopfseite, linken Seite des Rumpfes bis zur linken Hand und den beiden Beinen , alles, was da an Lymphflüssigkeit ausgebreitet ist und zerläuft, sammelt sich und fließt in die linke Schlüsselbeinvene hinein und mündet dann ein in den Blutkreislauf. Nur das, was in den Lymphgefäßen in der rechten Kopfseite und in der rechten Seite des Rumpfes ist, vereinigt sich und führt die Lymphe in die rechtsseitige Schlüsselbeinvene, so daß auf diese Weise die Lymphgefäße der Ausdruck einer wichtigen Tatsache werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie sehen, wie der Mensch dadurch in zwei Teile geteilt ist, und zwar nicht symmetrisch, sondern so, daß der eine Teil seine ganzen unteren Körperteile und die linke Hälfte des Rumpfes und des Kopfes umfaßt, während der andere Teil von der rechten Seite des Rumpfes und des Kopfes gebildet wird. Das ist ein zweiter Saft, der im Menschen pulsiert, ein Saft, der dem Seelischen viel näher steht, als dies bei dem Chylus, dem Magen- und Darmsaft des Speisebreis, der Fall ist, obwohl ja seelische Zustände auch auf die Verdauung und den ganzen Kreislauf des Speisesaftes ihren tiefgehenden Einfluß haben. Mit den Lymphsäften hängen aber seelische Zustände viel tiefer zusammen. Bei einem Menschen, der stark tätig ist, der sehr aktiv ist, fließt die Lymphe viel lebhafter als bei einem Menschen, der träge und faul ist und nichts tut. Und so können wir viele seelische Zustände anführen, die mit dem Verlauf der Lymphe im menschlichen Leibe zusammenhängen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der dritte Saft ist das Blut, von dem wir öfter gesprochen haben. Es zerfällt in ein rotes, sauerstoffreiches, lebenspendendes Blut, das in den Arterien fließt, und in ein blaurotes, kohlenstoffreiches Blut, das in den Venen fließt. Ebenso wie unser Blut die Offenbarung, der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|21}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ausdruck ist unseres Ich, so ist die Lymphe in einer gewissen Richtung der Ausdruck, die Offenbarung des menschlichen Astralleibes. Solche Dinge äußern sich da nicht bloß nach einer Richtung. Nach einer anderen Richtung ist der Ausdruck des astralischen Leibes das Nervensystem. Nach der Richtung, die wir heute betrachten wollen, ist in der Tat, die Offenbarung, der Ausdruck des astralischen Leibes die Lymphe. Wie ein Mensch zwei Berufe ausfüllen kann, so ist es auch mit dem menschlichen Astralleib: auf der einen Seite ist er der Aufbauer des Nervensystems, auf der anderen Seite der Aufbauer, der Bildner für die Lymphe. Der menschliche Ätherleib ist ebenso der Aufbauer und Bildner für das ganze Drüsensystem, wie auch in einer anderen Weise der Aufbauer, der Organisator, der Bildner und Regierer des Umlaufes des Chylus, des Speisebreis. So haben Sie zunächst einen Zusammenhang dieser im menschlichen Leibe verlaufenden Säfte mit den Gliedern der menschlichen Natur selber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun müssen wir uns darüber klar sein, daß im menschlichen Astralleib, im menschlichen Ätherleib das Ich durchaus nicht etwa der einzige Herr ist. Der Mensch erlangt durch seine Entwickelung allmählich von seinem Ich aus immer mehr Herrschaft über seinen astralischen und seinen Ätherleib, wenn er seinen astralischen Leib umwandelt in Geistselbst oder Manas, und den Ätherleib umwandelt, daß das Ich die Herrschaft erlangt über den Lebensgeist oder die Buddhi. Aber solange der Mensch nicht die Herrschaft hat über diese Teile seiner Wesenheit, so lange sind andere Wesenheiten im Zusammenhange mit diesen menschlichen Gliedern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im menschlichen Astralleib sind, eingebettet wie die Maden im Käse entschuldigen Sie diesen unappetitlichen Vergleich, aber es ist so , andere Wesenheiten. Und zwar sind ihm eingegliedert, haben etwas zu tun mit diesem Astralleib jene astralischen Wesenheiten, von denen ich Ihnen gesagt habe, daß sie ihre eigentliche Heimat auf dem Mond oder Mars haben, je nachdem sie gutartige oder bösartige Wesenheiten sind. Die verankern sich im Astralleib. Und die Lymphe, jener weißliche Saft, der den Menschen durchläuft, der gehört zum Leibe derjenigen Wesenheiten, die in unserer astralischen Welt leben. So handgreiflich wie die Tiergruppen-Iche sind allerdings diese Wesen-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|22}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
heiten nicht vorhanden, die wir auf dem astralischen Plan als astralische Wesenheiten finden, und die auf dem Mond oder auf dem Mars ihre eigentliche Heimat haben. Aber sie sind solcher astralischer Natur, daß wir in einer gewissen anderen Richtung sagen können: Wie wir in den Tieren, zum Beispiel in einer Gruppe von Löwen, eine Art Offenbarung haben der Wesenheit, die wir auf dem Astralplan als eine geschlossene Persönlichkeit antreffen, als das Löwen-Ich, so haben wir, wenn auch nicht so handgreiflich, in dem, was den menschlichen Leib als Lymphe durchzieht, ebenso die Offenbarung, die ausgestreckten Glieder dieser astralischen Wesenheiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also, so können Sie fragen, haben diese astralischen Wesenheiten ebenso eine Art physisches Dasein wie die Gruppenseelen der Tiere, wie das Gruppen-Ich der Gattung Löwe in den einzelnen Löwenindividuen hier auf dem physischen Plan seine Offenbarung hat? Wenn Sie so fragen, müßte man Ihnen antworten: Ja, das haben sie. Wie wir bei den Tieren sahen, daß das astrale Gruppen-Ich seine einzelnen Glieder ausstreckt in die einzelnen Löwenindividuen, so strecken diese astralischen Wesenheiten ihre physische Wesenheit auch hier hinein. Nur könnten sie sie nicht so von außen in den physischen Plan hereinerstrecken, sondern sie brauchen auf dem physischen Plan Wesenheiten, deren Parasiten sie sind, in die sie sich einklammern und einbohren. Sie sind hier die Parasiten der Menschen. Gäbe es keine menschlichen Wesen hier auf der Erde, so würden sie sehr bald von der Erde ihren Abschied nehmen, weil sie keine Wohnstätten fänden; es würde ihnen hier nicht gefallen. Aber es gibt Wesenheiten, Menschen und höhere Tiere, die Lymphe haben: da, in dieser Lymphe haben diese Wesenheiten ihre physischen Offenbarungen. So pulsiert in unserem Leibe nicht bloß ein materieller Stoff, sondern in jedem solchen Kreislauf bewegen sich, und zwar in ganzen Scharen, solche Wesenheiten, die durch den Menschen rotieren, sich durch ihn hindurchbewegen und in der Lymphe ihren Körper haben, während der eigentliche Mensch, der Ich-Mensch, zunächst im Blute bloß seinen Körper hat. Und ob einen Menschen mehr Mondwesen dieser Art durchkreisen oder mehr Marswesen dieser Art, das gibt seiner Lymphe den besonderen Charakter. Durchkreisen den Leib in einem Menschen mehr&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|23}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mondwesen, so neigt er mehr zur Bosheit, zum Zorn, zum Ingrimm; durchkreisen ihn mehr Marswesen, so ist er ein Mensch, der mehr zur Sanftmut, zum Wohlwollen, zur Milde neigt. So sehen Sie, wie der Mensch nicht bloß von Säften, sondern auch von Geistern durchzogen ist, und wie man den Menschen nur versteht, wenn man weiß, daß er nicht bloß von Säften, sondern auch von Geistern durchzogen ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn Sie nun hellseherisch das erforschen, was man Chylus nennt, was also der äußere Ausdruck zunächst des menschlichen Ätherleibes ist, so haben Sie auch da wiederum ähnliche Wesenheiten verankert und eingegliedert. Das, was da eingegliedert ist, sind zunächst jene Wesenheiten, die wir vorhin charakterisiert haben auf der einen Seite als die guten, auf der anderen Seite als die schlimmen Venuswesenheiten, jene Wesenheiten, die ihre Heimat auf der Venus haben und die sich in unserer devachanischen Welt finden. Dort sind sie für das hellseherische Vermögen Persönlichkeiten, und ihre Äußerung, ihre Offenbarung hier im physischen Leben haben sie in dem menschlichen Speisesaft, in dem Chylus, so sonderbar das auch aussieht. In diesem den menschlichen Leib durchziehenden Speisesaft leben diese Wesenheiten, die ihre eigentliche Heimat auf dem Devachanplan haben und die, insofern sie einen physischen Leib annehmen, auf der Venus ihr physisches Leben haben. Und da die Venus in ihren Kräften in einer gewissen Weise zusammenhängt mit unserer ganzen Erdvegetation und mit allem, was sonst auf unserer Erde lebt, so werden Sie einsehen, welcher Zusammenhang besteht zwischen dem, wovon sich der Mensch ernährt, und dem, was aus dem Menschen durch diese Nahrung wird. Das ist eben ganz und gar nicht gleichgültig. In allen Pflanzen, und natürlich auch in den Tieren, leben die Einflüsse der Venuswesenheiten, auf der einen Seite die der guten, sanften, milden, auf der anderen Seite die jener wilden Venuswesenheiten, die Ihnen geschildert worden sind als raubgierige und miteinander im Kampf befindliche Wesenheiten. Je nachdem die einen oder die anderen Wesenheiten auf unsere Tiere oder Pflanzen wirken, sind das Fleisch oder die Pflanzen so, daß, wenn sie sich in Speisesäfte verwandeln, sie dem Menschen Tugenden oder Laster in seinen Leib hineinbauen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|24}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daran sehen Sie von einem noch höheren Standpunkt aus, als es Ihnen in früheren Vorträgen schon dargestellt werden konnte, die Wichtigkeit, vom geisteswissenschaftlichen Gesichtspunkt aus die menschliche Nahrung zu kennen, zu wissen, unter welchen Einflüssen diese und unter welchen Einflüssen jene Pflanze steht, und welches Tier diesem oder jenem Einfluß unterliegt. Sie können daraus die Lehre entnehmen, daß derjenige zum Beispiel, der da weiß, daß in einem Lande diese oder jene Pflanzen und Tiere gedeihen, die unter diesem oder jenem himmlischen Einfluß stehen, begreift, wie ein ganz bestimmter Volkscharakter sich aufbauen muß, weil in allem, was der Mensch an Nahrung zu sich nimmt, die aus seiner Umgebung gewonnen wird, er nicht nur das ißt, was die Chemie an Stoffen klarlegt, sondern er ißt bestimmte Geister mit, und diese sind es, die durch seinen Mund in den Magen gehen und in seinem Wesen sich ausbreiten. Da eröffnet sich uns die Perspektive, wie man aus der tieferen geographischen Beschaffenheit eines Landes den Charakter eines Volkes erkennen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vergessen Sie nicht eine Bemerkung, die Sie in der Wiedergabe des Vortrags über das Vaterunser finden können, in dem eine solche Tatsache von einem ganz anderen Gesichtspunkt aus dargestellt worden ist, wo Ihnen gesagt worden ist, daß der Mensch hinsichtlich seines Ätherleibes in einer gewissen Beziehung steht zum ganzen Volkstum wie er durch den astralischen Leib mit seiner näheren Umgebung verknüpft ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier sehen Sie wiederum von einem noch tieferen Gesichtspunkt aus beleuchtet, wie der Volkscharakter gebildet wird aus den geistigen Wesenheiten heraus, die mit den Nahrungsmitteln in den Menschen aufgenommen werden. Es ist das eines der Mittel, durch welche die große geistige Führung der Erde die verschiedenen Volkscharaktere verteilte über die Erde, indem sie die Nahrungsmittel, die das eine oder das andere bewirken, so verteilte, daß in der Nahrung, die gewonnen wird, der eine oder der andere Volkscharakter zum Vorschein kommt. Das führt nicht etwa auf einem Umweg zum Materialismus, sondern die Geisteswissenschaft zeigt, wie alles Materielle eine Offenbarung des Geistes ist, und wie auf eine dem Menschen unbekannte Art die geistigen Einflüsse sich selbst im Menschen verbreiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|25}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schwieriger zu verstehen ist die Art, wie die Saturngeister auf den Menschen wirken. Das sind Geister, die rasch, wenn sie etwas anschauen, schon eine Erfindung haben, auf der anderen Seite entwickeln sie furchtbar wüste Leidenschaften sinnlicher Art, gegen die alles, was der Mensch in dieser Beziehung entwickeln kann, ein Kinderspiel ist. Diese Saturngeister schleichen sich auf eine noch geheimnisvollere Art in den menschlichen Leib ein, nämlich durch die Sinnesempfindung. Wenn der Mensch sein Auge richtet auf eine schöne, auf eine reine und edle Sache, so wird eine Vorstellung in ihm erregt; wenn er sein Auge richtet auf eine schmutzige, unedle Sache, so wird eine andere Vorstellung in ihm erregt. Indem nun durch die äußeren Eindrücke eine Vorstellung in der Seele hervorgerufen wird, schleichen sich zu gleicher Zeit die Saturngeister, die guten und die bösen, in den Menschen ein. Und durch alles, was der Mensch durch die bloße Sympathie oder Antipathie für seine Umgebung als das, was er sieht und hört und riecht, um sich herum entfaltet, setzt er sich dem Einschleichen dieser oder jener Saturngeister aus. Durch Augen und Ohren und durch die ganze Haut ziehen sie ein, indem der Mensch empfindet. Es ist zum Beispiel für die okkulte Beobachtung ganz ungeheuerlich, was für wüste Geister in manchen Parfüms, die in der menschlichen Gesellschaft sehr geschätzt werden, sich in die Nasen der Menschen einschleichen, die in solcher Umgebung sind, ganz abgesehen davon, was sich in die Nasen derjenigen einschleicht, die selbst solche Parfüms an sich tragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da sehen Sie, wie fein und intim man selbst die alltäglichsten Dinge vom geistigen Standpunkt aus beobachten muß, wenn man sich über das Leben klar werden will. Es könnte Ihnen viel erzählt werden über Leute, die mehr oder weniger bewußt oder unbewußt verstanden, solche Geister zu kommandieren, die namentlich durch die Gerüche auf den Menschen wirken und mit den Gerüchen sich in den Menschen einschleichen. Wenn Sie manches aus der Geschichte dieser oder jener Zeit tiefer und intimer kennen würden, namentlich aus der Geschichte Frankreichs zur Zeit Ludwigs XIII., XIV., XV., mit all den Künsten, die da entfaltet wurden, wo tatsächlich Aromas eine wichtige Rolle gespielt haben beim Intrigenspiel, dann würden Sie eine Ahnung haben,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|26}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
was Menschen zu tun vermögen, welche, bewußt oder unbewußt, die Geister zu kommandieren verstehen, die sich in den Parfüms und Aromas in das menschliche Sinnesempfinden einschleichen. Ich könnte Sie verweisen auf ein ganz anziehendes Buch, das vor kurzem geschrieben worden ist von dem Minister eines kleinen Hofes. Er schrieb das selbstverständlich ganz ohne Kenntnis dieser Tatsachen, aber über die Wirkungen war er sich klar. Ein sehr interessantes Buch über einen kleinen Hof ist es, an dem sich in den letzten Jahren eine wichtige Katastrophe zugetragen hat. In dem Buch schildert der betreffende Minister und Würdenträger aus seinen Memoiren heraus die Wirkungen einer Person, die in einer gewissen Weise die Aromas mit ihren Geistern zu kommandieren verstand. Und er schildert das mit einer gewissen Befriedigung, weil er gewappnet dagegen war und nicht hereingefallen ist. Sie sehen, die Dinge sind nicht ohne Bedeutung und ohne Wirkung für die Praxis des Lebens. Wenn man das Leben nicht wie ein blinder Materialist, sondern wie ein sehender Mensch auffaßt, dann kann man überall die geistigen Einflüsse spüren, und wer die Einflüsse kennt, der versteht erst das Leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So sehen Sie, wie wir uns den Menschen als ein ganz kompliziertes Wesen vorzustellen haben, als einen Genossen von mancherlei Welten und mancherlei Wesen. Wer auf dem Pfade der okkulten Entwickelung immer mehr und mehr vorschreitet zu höheren Erkenntnissen, der lernt diese Wesenheiten in ihrer Eigenart kennen, und dadurch erst wird er frei von ihnen, erlangt einen freien Überblick über sie. Die Wahrheit über die höheren Welten in sich aufnehmen, heißt, wirklich frei, wirklich reif zu werden, weil wir uns dadurch auskennen lernen in bezug auf die Wirkungen und Impulse, die unser Leben durchpulsen und durchfluten. Sich-auskennen-Lernen heißt zu gleicher Zeit, frei und unabhängig werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und wie man hinweisen kann auf gewisse Säfte, die den Menschen durchpulsen, so kann man auch hindeuten auf einzelne Organe des Menschen, in denen ebenfalls Wesen der höheren Welten ihren Ausdruck, ihre Offenbarung finden. So finden zum Beispiel Wesenheiten, die Ihnen zuletzt geschildert worden sind als die saturnischen Wesenheiten, ihren Ausdruck in einer gewissen Beziehung in der mensch-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|27}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
lichen Leber. Sie müssen sich natürlich klar sein, daß Geisteswissenschaft, wenn man sie wirklich kennenlernen will, ein sehr, sehr kompliziertes Gebiet ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist Ihnen bei der menschlichen Evolution in der Saturnentwickelung klargelegt worden, daß durch die Kräfte des Saturn die Sinne in ihrer ersten Anlage zustande gekommen sind. So wirkt auch heute der Saturn immer noch auf den Menschen ein, und unter den menschlichen Organen, den leiblich-inneren Organen ist es die Leber, auf welche die Saturnkräfte einen starken und intensiven Einfluß haben. Daher muß der Mensch, weil er ja auf dem Wege ist, sich immer mehr und mehr über alles Saturnische hinauszuentwickeln, hinauswachsen über die Kräfte, die in seiner Leber verankert sind. In der Leber sind in der Tat diejenigen Kräfte des Menschen verankert, über die der Mensch immer mehr und mehr hinauswachsen muß, die aber notwendig waren, damit der Mensch zu seiner gegenwärtigen Form und Gestalt gekommen ist. Und die Leber ist dasjenige Organ, das die Kräfte enthält, die der Mensch am meisten überwinden muß. Sie können das an einer äußeren Offenbarung, an einem äußeren Ausdruck in einer gewissen Weise nachprüfen. Sie können sich zum Beispiel überzeugen, daß in der Zeit, in welcher der Mensch vor allem seinen Körper aufbaut, also in der Zeit vor seiner Geburt und gleich nach der Geburt, die Leber im Verhältnis zum übrigen Körper die größte Ausdehnung hat. Dann wird sie im Verhältnis zum übrigen Körper immer kleiner und kleiner. Wenn Sie das Größenverhältnis der Leber zum übrigen menschlichen Leib angeben wollten unmittelbar bei der Geburt, so könnten Sie sagen, es sei wie eins zu achtzehn, während die Leber später so weit zurückgeht, daß sie sich zum übrigen Leib verhält wie eins zu sechsunddreißig. Sie geht verhältnismäßig auf die Hälfte zurück, und der Mensch überwindet schon durch seine rein natürliche Entwickelung die Kräfte, die in der Leber verankert sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Indem der Mensch auf der Erde die Anwartschaft erhält, sich zu immer höherer Geistigkeit zu entwickeln, hat er damit als äußeren physischen Ausdruck die Fähigkeit erlangt, die Leberkräfte zu überwinden. In gewisser Weise ist das entgegengesetzte Organ zu der Leber die Lunge, jenes Organ, das nicht alles Egoistische in den Menschen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|28}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
hineinstopft denn das tut die Leber , sondern das den Menschen frei nach außen öffnet, wo er durch die Luft, die er aufnimmt und wieder abgibt, in einer fortwährenden Kommunikation mit der Außenwelt steht. In. der Lunge findet eine Verbrennung statt. Das rotblaue, kohlenstoffreiche Blut kommt in die Lunge und wird durch die Verbindung mit dem Sauerstoff zu rotem, lebensfähigem Blut umgewandelt. Wie sich bei einer brennenden Flamme die Stoffe mit dem Sauerstoff verbinden, so findet auch in der Lunge ein Verbrennungsprozeß statt. Atmen ist in einer gewissen Weise ein Verbrennungsvorgang, und mit diesem Atmungs- und Brennvorgang ist dem Menschen die Anwartschaft gegeben zu immer höherer und höherer Entwickelung. Aufgebaut haben den Menschen jene Kräfte, die ihren letzten Abschluß erlangen in der Leber. Diesen ihn an die Erde fesselnden Kräften werden ihn diejenigen Kräfte entreißen, die er wie ein Feuer aus der Luft empfängt. Das Feuer, das der Mensch aus der Luft empfängt, das sich in seiner Atmung ausdrückt, ist dasjenige, was ihn zu immer höheren und höheren Sphären hinaufführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Immer ist es die Mythe, die Sage, die tiefer, weisheitsvoller ist als unsere scheinbar so fortgeschrittene Wissenschaft. Der Zug aus dem menschlichen Leben, der jetzt eben erwähnt worden ist, drückt sich in großartiger Weise aus im Prometheus-Mythos. Indem gesagt wird, daß Prometheus den Menschen das Feuer vom Himmel gebracht hat, wird damit ausgedrückt, daß Prometheus an jenem Prozeß beteiligt ist, der in der Atmung sich ausdrückt und der den Menschen immer höher führt. Aber zu gleicher Zeit wird in wunderbarer Weise ausgeführt: Weil Prometheus sich erhebt über die Kräfte, welche die Menschen an das Irdische fesseln, und sich dadurch in einen Gegensatz setzt zu der irdischen Kraft, und weil er derjenige ist, der den Menschen zuerst die Möglichkeit gegeben hat, diese Kraft des Feuers zu haben, darum muß er dafür leiden. Das Leiden wird wunderbar dargestellt als die Tatsache, die dieser Mythe zugrunde liegt: ein Geier frißt dem gefesselten Prometheus an der Leber! Wie könnte man schöner und weisheitsvoller darstellen, daß die Kräfte, die mit dem Atmungsprozeß in uns einströmen, an der Leber nagen, und daß derjenige, der das vorausleistet, was von der Menschheit in einer fernen Zukunft geleistet wird, wie ein&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|29}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gekreuzigter dasteht, wie das, was sich herniedersenkt, was aus der Luft kommt, an der Leber frißt!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So haben in den Mythen, soweit sie von Eingeweihten stammen, Eingeweihte die großen Weisheiten des Daseins zum Ausdruck gebracht. Es gibt keine aus den Mysterien heraus geschöpfte Mythe, die nicht wirklich tiefe Weisheit zum Ausdruck bringt, die wir auch wiederum nachprüfen können. Da stehen wir dann, wenn wir, ausgerüstet mit den Tatsachen der Geheimwissenschaft, an die Mythen herantreten, in Ehrfurcht vor diesen Mythen, die, wie man mit Recht sagt, die höheren geistigen Wesenheiten dem Menschen geoffenbart haben, damit die Menschen zuerst im Bilde lernen, was sie in späteren Zeiten in klaren Vorstellungen erlangen sollen. Das ist es, was immer mehr herauskommen wird: daß die Mythen Weisheit enthalten, und daß, wenn man auf irgendeinem Gebiete des Lebens die tiefste Weisheit dargestellt finden will, man zur Mythe gehen muß. Das haben diejenigen erkannt, die Werke aus den Tiefen der Kunst heraus geschaffen haben. So liegt zum Beispiel dem ganzen Verhältnis Richard Wagners zum Mythos tiefe Wahrheit zugrunde, wenn sie bei ihm auch in künstlerischer Weise zum Ausdruck gekommen ist. Unsere Zeit wird wieder hinaufsteigen von einer bloßen physischen Alltäglichkeit zu einer vollgeistigen Strömung. Wenn Sie so hineinsehen in das, was in unserer Zeit pulsiert, dann werden Sie die Aufgabe der Geisteswissenschaft in einem immer tieferen Sinne erfassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So sind wir ausgegangen von Betrachtungen höherer Welten und haben aus dem Zusammenhang erkannt, welches die eigentliche Mission der Geisteswissenschaft ist: dem Menschen die Möglichkeit zu geben, das Leben kennenzulernen, und ihn bei seinem Wirken und Schaffen immer mehr einzuführen in das, was in geheimnisvoller Weise mitwirkt, wenn er seine Hand rührt, wenn er schafft mit Geist, Seele und Leib. Genossen hat er um sich herum, und durch die Geist-Erkenntnis wird er sich immer mehr dieser Wesen bewußt werden und im Einklange mit ihnen leben und schaffen. So wird ihm die Geistesforschung die volle Wirklichkeit eröffnen und ihn befähigen, Erkenntnis und Weisheit ins Leben hineinzuführen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|30}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= ZWEITER VORTRAG, Berlin, 27. Januar 1908 =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir werden heute einen etwas weitergehenden Ausflug in den Weltenraum machen, wobei sich uns der innere Gang der Weltentwickelung im großen zeigen soll, und zu gleicher Zeit der intime Zusammenhang dieser Weltentwickelung im großen mit dem, was Menschenentwickelung auf der Erde ist. In der Welt ist ja nichts ohne Zusammenhang. Diese komplizierten Zusammenhänge im Weltenall zu verfolgen, dazu gehört natürlich für den Menschen sehr, sehr viel Zeit, und nur nach und nach kommt man sozusagen in die Intimitäten des Weltenwirkens hinein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie haben aus vorhergehenden Vorträgen gesehen, wie gewisse Wesenheiten, die andere Weltenkörper bewohnen, eine Beziehung haben zu unserem eigenen Leben, wie sie einen Einfluß haben auf das, was wir unsere Lymphflüssigkeit nennen, was wir unsere Ernährungsflüssigkeit nennen, ja auch oft auf das, was als die Sinneswahrnehmung durch unsere Sinne in uns ein- und auszieht. Daraus schon konnten Sie entnehmen, wie der Geist durch den Weltenraum weit-, weithin wirkt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heute wollen wir die Sache noch von einer anderen Seite aus betrachten, und dazu wollen wir uns zunächst daran erinnern, was wir öfter schon hervorgehoben haben: daß unsere Erde ähnlich wie der Mensch selbst verschiedene Verkörperungen durchgemacht hat und verschiedene Verkörperungen durchmachen wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir sehen im allgemeinen zurück auf drei Verkörperungen unserer Erde: auf die Verkörperung unmittelbar vor dem jetzigen Zustand, die wir den alten nicht unseren «Mond» nennen; sodann auf eine weitere Verkörperung, die wir als «Sonne» bezeichnen, und auf eine noch weiter zurückliegende, die wir als «Saturn» bezeichnen. Und wir sehen prophetisch voraus, daß unsere Erde sich in einen «Jupiter», in eine «Venus» und in einen «Vulkan» verwandeln wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit haben wir die aufeinanderfolgenden Verkörperungen unseres irdischen Planetenlebens hingestellt. Wenn Sie ein wenig nachdenken über diese Stufenfolge der Entwickelung unserer eigenen Erde, so&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|31}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
können Sie ja daraus entnehmen, was wir in der okkulten Wissenschaft eine «Sonne» nennen, um welche, wenn sie uns so entgegentritt wie unsere heutige Sonne, eine Reihe von Planeten herumkreisen. Wenn wir daneben auch von einem Planetendasein «Sonne» sprechen und sagen, unsere Erde selbst war in einem früheren Entwickelungszustand «Sonne», so sagen wir ja in einer gewissen Beziehung, daß diese Sonne, die heute den Mittelpunkt unseres Planetensystems bildet, nicht immer Sonne war. Sie ist sozusagen zum Sonnenrang, zur Sonnenwürde im Weltenall avanciert. Sie war einstmals mit dem, was früher in unserer Erde an Stoffen und Kräften war, vereint, nahm sich gewissermaßen das Beste daraus weg, das, was heute schon die höchste Entwickelungsmöglichkeit enthält, trennte sich von der Erde und ließ uns und eine Anzahl von Kräften zurück, die angewiesen sind auf eine langsamere Entwickelung. Höhere Wesenheiten hat sie mit sich genommen und sich mit diesen höheren Wesenheiten in den Mittelpunkt unseres Systems gestellt. Was also heute in der Sonne ist, hatte zwei Stufen vorher nur ein Planetendasein und ist vom Planetendasein zum Fixsterndasein aufgerückt. Daraus sehen Sie, wie alles veränderlich ist, in Entwickelung ist im Weltenall. Eine Sonne ist nicht von vornherein eine Sonne. Ein Fixstern ist nicht einfach ein Fixstern geworden, sondern er hatte erst die niedere Schule des Planetendaseins durchzumachen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun können Sie mich natürlich fragen: Wie ist es nun weiter, wenn ein solcher Fixstern sich weiterentwickelt, was geschieht denn dann? So wahr der Fixstern, das Sonnendasein, aus einem Planetendasein sich heraufgeschwungen hat, so wahr geht seine Entwickelung im Kosmos auch weiter. Wir werden allerdings diese Weiterentwickelung noch besser verstehen, wenn wir noch ein klein wenig auf die Weiterentwickelung unserer Erde blicken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wahr ist es, unsere Erde hat sich für eine Wegstrecke ihrer kosmischen Entwickelung von der Sonne getrennt. Die Sonne geht sozusagen mit ihren Wesen einen rasenden Entwickelungsweg vorwärts. Unsere Erde geht mit ihren Wesenheiten heute einen anderen Gang. Aber diese Wesenheiten und die ganze Erde werden einmal so weit kommen, nachdem ihnen nunmehr in einem abgesonderten Dasein die Gelegenheit geboten wurde, ihre jetzige Entwickelung zu vollenden, den&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|32}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anschluß zu finden an die Sonnenwesen; denn unsere Erde wird sich wieder mit der Sonne vereinigen. Sie wird ja schon in unserem heutigen Erdenstadium mit der Sonne wieder zusammengehen, so wie sie sich während der Erdenentwickelung von der Sonne getrennt hat. Dann aber muß sie noch einmal herausgehen während des Jupiterzustands. Diesen Jupiterzustand müssen die Erdenwesen wieder getrennt von der Sonne durchmachen. Dann folgt wieder eine Vereinigung, und während des Venuszustandes wird unsere Erde mit der Sonne dauernd vereinigt sein, in die Sonne dauernd aufgenommen sein. Während des Vulkanzustandes wird unsere Erde innerhalb der Sonne selbst Sonne geworden sein und ein Stück hinzugebracht haben zu der Sonnenentwickelung, ein Stück Dasein, welches die Wesen, die immer in der Sonne geblieben sind, wenn sie auch höher sind, gar nicht hätten selber erreichen können. Das Erdendasein mußte eintreten, damit die Menschen sich so entwickeln, wie sie sich entwickelt haben mit jenem alltäglichen Bewußtsein, das zwischen Wachen und Schlafen abwechselt. Denn das hängt mit der Trennung von der Sonne zusammen. Wesen, die immer in der Sonne leben, haben nicht Tag und Nacht. Dieses Sinnesbewußtsein, das wir das helle Tagesbewußtsein nennen, das sich künftig in höhere Zustände entwickeln wird, das bringt die Erfahrungen des physischen Außenraumes mit in die Sonnenentwickelung. Dadurch geben wir den Wesen der Sonne auch etwas, machen sie reicher. Und aus diesem, was auf der Erde errungen wird, vermehrt um das, was auf der Sonne erobert wird, entsteht das Vulkandasein. Dieser Vulkanzustand ist schon ein höherer Zustand als unser heutiger Sonnenzustand. So entwickelt sich die Erde, so entwickelt sich die Sonne weiter, bis sie sich vereinigen können in der Vulkanentwickelung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun können Sie mich weiter fragen: Was wird nun, wenn so ein Planet sich zur Sonne entwickelt hat, mit dieser Sonne weiter in der kosmischen Entwickelung? Wir dürfen sagen, unsere Erde selbst ist, wenn sie ihren Venuszustand errungen hat, Sonne geworden, und auf der Venus sind alle Wesen Sonnenwesen; ja sie sind sogar mehr, als die Wesen der heutigen Sonne sind. Was wird denn dann aus einer solchen ganzen planetarischen Entwickelung?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|33}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie sehen: das, was wir jetzt besprechen wollen, wird ja für alle die, deren Begriffe fest geworden sind in dem, was man moderne Astronomie nennt, recht grotesk erscheinen und verdreht klingen. Aber es ist wahr, es ist die Wirklichkeit der kosmischen Entwickelung: Wenn ein solcher Planet, wie es unsere Erde ist, aufgestiegen ist zum Sonnendasein, wenn er allmählich mit seiner Sonne sich vereinigt hat und das Ganze noch über das Sonnendasein hinaussteigt, dann entsteht aus dem heraus als noch höhere Stufe der Entwickelung etwas, was Sie auch in gewisser Beziehung am Himmel wahrnehmen können: Dann entsteht das, was wir heute einen «Tierkreis» nennen; das ist die höhere Stufe gegenüber der Fixsternentwickelung. Wenn also die Wesen nicht mehr auf einen bloßen Fixstern beschränkt bleiben, sondern ihre eigene Entwickelung so mächtig ausdehnen, daß sie über Fixsterne sich hinerstreckt, daß die Fixsterne wie in ihnen eingebettete Leiber liegen, dann ist diese höhere Stufe der Entwickelung die Tierkreisentwickelung. Tatsächlich ist es so, daß diejenigen Kräfte, die aus einem Tierkreis auf ein Planetensystem wirken, selbst früher in einem Planetensystem sich entwickelt haben und zu einem Tierkreisstadium hinauf geschritten sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt erinnern Sie sich zurück an die alte Saturnentwickelung, an die erste Verkörperung unserer Erde. Dieser Saturn ist sozusagen einstmals aufgeleuchtet im Weltenraum als die erste sich ankündigende Morgendämmerung unseres Planetendaseins. Sie wissen ja auch, daß auf diesem alten Saturn die erste Anlage sich entwickelt hat zu unserem physischen Leib. Dieser Saturn war selbst in seinem festesten Zustand keineswegs so fest, so physisch fest, wie unsere Erde es jetzt ist. Er hatte ein feines, dünnes Dasein. Das, was heute alle Wesen durchzieht als Wärme, was man im Okkultismus «Feuer» nennt, war seine Materie. Und wir können uns die Tatsache so vorstellen, daß um diesen Saturn, diesen ersten Morgendämmerungszustand unseres planetarischen Daseins, herumstanden die Tierkreisbilder, freilich noch nicht so wie heute. Diese Tierkreisbilder waren dazumal um den alten Saturn so herum, daß man die einzelnen Sterne kaum hat voneinander unterscheiden können. Sie glänzten nur wenig hell, etwa wie aus dem Saturn heraus streifenförmig sich ausbreitende Lichtstreifen. Sie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|34}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
bekommen am leichtesten eine Vorstellung davon, wenn Sie sich diesen alten Saturn, ebenso wie unsere Erde von einem Tierkreis umgeben ist, umgeben denken von Lichtstreifen. Und im Laufe der Erdentwickelung selber verdichteten sich die Lichtmassen zu den heutigen Sternenmassen des Tierkreises, so daß sich der Tierkreis, wenn wir ein abstrahierendes Wort gebrauchen wollen, herausdifferenziert hat aus den ursprünglichen Flammenstreifenmassen. Und woher ist diese Flammenstreifenmasse selbst entstanden?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie ist entstanden aus dem alten planetarischen System, das unserem eigenen planetarischen System vorangegangen ist. Dem Saturn sind ja auch planetarische Entwickelungen vorangegangen in einer Zeit, die wir, wenn wir wirklich astronomisch-okkultistisch sprechen, gar nicht mehr als «Zeit» in unserem Sinne bezeichnen können, denn sie hatte einen etwas anderen Charakter als unsere «Zeit». Wir können sagen, sie ist für das heutige menschliche Vorstellen und für die heutigen menschlichen Begriffe ein so fabelhafter Begriff, daß wir gar kein Wort haben, das auszudrücken. Aber wir können in einer Analogie sagen, daß diejenigen Kräfte, die unserem Planetensystem in einem früheren planetarischen Dasein vorangegangen sind, sich in den Streifen aufgelöst haben, und nur aus einem geringen Teil der Materie ist im Inneren allmählich zusammengeballt worden dieser erste Morgendämmerungszustand der Erde, der alte Saturn, und aus dem Weltenall herunter leuchteten die Kräfte, die im Tierkreis waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist etwas Eigentümliches, wenn wir das planetarische Dasein vergleichen mit dem Tierkreisdasein. Der Okkultist bezeichnet durch zwei Worte den Unterschied des Planetendaseins vom Tierkreisdasein. Er sagt: Alles, was im Tierkreis vereinigt ist, steht im Zeichen der «Dauer»; das, was im Planetendasein vereinigt ist, steht im Zeichen der «Zeit». Sie können sich eine Vorstellung davon machen, was das heißt, wenn Sie sich daran erinnern, daß für weit, weit ausgreifende Begriffe der Tierkreis unverändert bleibt. Jeder der einzelnen Planeten kann lange und sehr voneinander verschiedene Entwickelungsepochen durchmachen, sich sehr verändern; aber das, was da oben im Tierkreis wirkt, bleibt dabei verhältnismäßig dauerhaft, fest. Allerdings sind diese Begriffe nur relativ aufzufassen. Wenn wir dann unsere Begriffe noch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|35}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
weiter erstrecken, so besteht bei diesen Veränderungen nur ein Unterschied in bezug auf die Geschwindigkeit. Die Veränderungen im Tierkreis geschehen langsam; die Veränderungen in der planetarischen Welt und selbst im Fixsterndasein geschehen im Verhältnis zum Geschehen im Tierkreis sehr rasch; also doch nur ein relativer Unterschied. Für alle menschlichen Begriffe, so können wir fast sagen, ist das planetarische Dasein die Sphäre der Endlichkeit, das Tierkreisdasein die Sphäre der Unendlichkeit. Dies ist, wie gesagt, relativ, aber für den menschlichen Begriff vorderhand ausreichend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So dürfen wir eines sagen, und ich bitte Sie, das recht sehr zu berücksichtigen: Dasjenige, was in einem planetarischen Dasein gewirkt hat, was Sonne geworden ist, steigt hinauf bis in himmlisches Dasein, bis zum Tierkreisdasein. Und wenn es bei diesem Tierkreisdasein angekommen ist, was tut es dann? Dann opfert es sich! und ich bitte, eben dieses Wort zu berücksichtigen. Auf geheimnisvolle Weise entstand schon der erste Morgendämmerungszustand der Erde, der alte Saturn, durch ein Opfer des Tierkreises. Die Kräfte, die die erste feine Saturnmasse zusammenballten, waren die Kräfte, die aus dem Tierkreis herniederströmten und die erste Keimanlage des physischen Menschen auf dem Saturn bewirkten. Und immer weiter ging das; denn Sie dürfen sich nicht vorstellen, daß das nur einmal geschieht! Es geschieht im Grunde genommen fortwährend, daß innerhalb dessen, was wir ein Planetensystem nennen, die Kräfte geopfert werden, die sich bis zur höheren Stufe entwickelt haben, nachdem sie selbst durch ein Planetensystem durchgegangen waren. Wir können fast so sagen: Was erst in einem planetarischen System ist, entwickelt sich zum Sonnendasein, dann zum Tierkreisdasein und erlangt dann die Fähigkeit, selbst schöpferisch zu werden, sich hinzuopfern in einem planetarischen Dasein. Und fortwährend «regnen» die Kräfte aus dem Tierkreis in das planetarische Dasein hinunter, und fortwährend steigen sie wieder auf; denn das, was selbst einstmals Tierkreis werden soll von uns, muß ja nach und nach wiederum hinaufsteigen. Wir dürfen daher sagen, daß in unserer Erde die Kräfteverteilung so ist, daß auf der einen Seite herabsteigende Kräfte, auf der anderen hinaufsteigende Kräfte vom und zum Tierkreis sind. Dies ist das geheimnisvolle Zusammen-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|36}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wirken des Tierkreises mit unserer Erde. Kräfte steigen herab, Kräfte steigen hinauf. Das sind die Stufen der geheimnisvollen «Himmelsleiter», auf welcher Kräfte herunter- und hinaufsteigen. Sie werden in den religiösen Schriften verschiedentlich angedeutet; Sie finden sie auch angedeutet in Goethes «Faust»:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie Himmelskräfte auf- und niedersteigen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und sich die goldnen Eimer reichen &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für unser Ermessen, für unsere menschliche Auffassungsgabe begannen diese Kräfte herunterzusteigen mit dem Saturndasein der Erde, und als die Erde in ihrem Mittelpunkt war, da war auch schon wiederum der Schritt getan, daß nach und nach die Kräfte wiederum aufsteigen. Und jetzt sind wir so weit, daß wir die Mitte unserer Entwickelung sozusagen überschritten haben. In der Mitte unserer Entwickelung waren wir ja gerade in der Mitte der atlantischen Zeit; und was die Menschen durchgemacht haben seit der atlantischen Zeit, das ist eigentlich etwas, was eine Strecke über die Mitte unserer Entwickelung hinausgeht. So daß wir sagen dürfen, daß in einer gewissen Weise heute schon mehr Kräfte aufsteigen als herabsteigen aus dem Tierkreis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn Sie sich also den ganzen Tierkreis denken, so haben Sie sich vorzustellen, daß aus diesem Tierkreis ein Teil von Kräften absteigt, ein Teil von Kräften aufsteigt. Diejenigen Kräfte, die heute in aufsteigender Entwickelung begriffen sind, fassen wir zusammen, weil sie diesen Sternbildern auch angehören, unter den Sternbildern Widder, Stier, Zwillinge, Krebs, Löwe, Jungfrau, Waage. Das sind die sieben Sternbilder, die den aufsteigenden Kräften entsprechen. Fünf Sternbilder etwa entsprechen den absteigenden Kräften: Skorpion, Schütze, Steinbock, Wassermann und Fische. Da sehen Sie also, wie aus dem Tierkreis Kräfte niederregnen und aufsteigen wie die aufsteigenden sieben Sternbildern entsprechen, die absteigenden fünf Sternbildern. Diejenigen Kräfte, die aufsteigen, entsprechen auch im Menschen den höheren Gliedern seiner Wesenheit, den höheren, edleren Eigenschaften. Diejenigen Kräfte, die in absteigender Entwickelung sind, müssen erst durch den Menschen durchgehen, müssen erst im Menschen jene Stufe sich erringen, durch die auch sie aufsteigende Kräfte werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|37}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf diese Art werden Sie begreifen, wie alles im Weltenraum aufeinander wirken kann, wie alles im Weltenraum einen Zusammenhang und ein gewisses Verhältnis haben muß. Aber wir müssen durchaus festhalten, daß dieses Wirken immer geschieht, immer da ist. So daß, wenn wir nur in irgendeinem Moment unserer Entwickelung stehen, wir uns immer sagen können: Ja, es sind jetzt gewisse Kräfte da, die im Menschen aus- und einziehen, Kräfte, die heruntersteigen, und Kräfte, die aufsteigen. Für eine jede von solchen Kräften ist einmal der Moment da, wo sie aus niedersteigenden in aufsteigende Kräfte sich verwandeln. Alle Kräfte, die aufsteigende Kräfte werden, sind zuerst niedersteigend. Sie steigen sozusagen bis zum Menschen herunter. Im Menschen erringen sie sich die Kraft des Aufsteigens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als unsere Erde im Mittelpunkt ihrer Entwickelung war, nachdem sie drei planetarische Daseinsstufen: Saturn, Sonne, Mond durchgemacht hatte und als sie angekommen war im vierten planetarischen Zustand und jetzt noch den Jupiter-, Venus- und Vulkanzustand vor sich hat als «Erde» ist sie also in der Mitte ihres Daseins , da hatte sie durchzumachen drei «Lebenszustände», die man auch «Runden» nennt. Drei hat sie durchgemacht, in dem vierten Lebenszustand ist sie jetzt. Dann hatte sie durchzumachen drei «Formzustände», das arupische, das rupische, das astralische, bis sie zum physischen Dasein gelangte. Also auch in bezug auf die Formzustände ist sie in der Mitte ihrer Entwickelung. Als physische Erde, im vierten Formzustand des vierten Lebenszustandes des vierten planetarischen Daseins, hat sie durchzumachen gehabt drei Rassen: die erste die polarische, die zweite die hyperboräische, die dritte die lemurische Rasse. Die atlantische Rasse ist die vierte. In der atlantischen Rasse war die Menschheit gerade in der Mitte jener Entwickelungen, von denen wir überhaupt sprechen. Seit der Mitte der atlantischen Entwickelung ist die Menschheit über diese Mitte hinausgeschritten, und seit der Mitte der atlantischen Rasse ist die Zeit gekommen, in der überhaupt erst für den Menschen diejenigen Zustände begonnen haben, wo ein Übermaß des Aufsteigens da ist. Würden wir das Verhältnis von absteigenden und aufsteigenden Kräften zum Tierkreis vor der Mitte der atlantischen Zeit messen, würden wir sagen müssen: es ist ein Gleichmaß vorhanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|38}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir müßten dann anders sprechen und als die aufsteigenden Kräfte aufzählen: Widder, Stier, Zwillinge, Krebs, Löwe, Jungfrau. Wir müßten die Waage zu der anderen Partie zählen, zu denen, die im Heruntersteigen sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun ist aber mit alledem etwas anderes verknüpft. Sie müssen sich klar sein darüber, daß wenn wir von solchen kosmischen Vorgängen sprechen, wir nicht von physischen oder ätherischen Leibern sprechen, sondern von Wesenheiten, die die betreffenden Himmelskörper bewohnen, die wir benennen. Wenn wir geisteswissenschaftlich vom Menschen sprechen, so sagen wir, der vollständige Mensch, den wir ins Auge fassen, den wir allein auch ins Auge fassen können, ist eine siebengliedrige Wesenheit, die aus physischem Leib, Ätherleib, Astralleib, Ich, Geistselbst, Lebensgeist und Geistesmensch besteht. Er ist heute noch nicht vollständig, er wird es aber sein, wenn seine siebengliedrige Wesenheit zur völligen Ausbildung gekommen ist. Aber es gibt im großen Weltall nicht nur solche Wesenheiten, wie der Mensch es ist in seiner Entwickelung. Es gibt andere Wesenheiten, zum Beispiel solche, bei denen wir nicht sagen können, daß sie wie der heutige Mensch als unterstes Glied einen physischen Leib haben. Es gibt Wesenheiten, bei denen wir anders zählen müssen. Wir können die Glieder der menschlichen Wesenheit so aufschreiben:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
7. Geistesmensch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
6. Lebensgeist&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
5. Geistselbst&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
4. Ich&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3. Astralleib&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2. Ätherleib&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1. Physischer Leib.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun gibt es Wesenheiten, deren unterstes Glied der Ätherleib ist; das sind auch siebengliedrige Wesenheiten, die dann über dem Geistesmenschen noch ein achtes Glied haben. Bei ihnen fängt es mit dem Ätherleib, Astralleib und so weiter an, und sie hören auf bei einem Glied, das über unserem Atma, über dem Geistesmenschen liegt. Andere Wesenheiten gibt es, deren unterstes Glied der astralische Leib ist; dafür&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|39}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
haben sie dann über dem Geistesmenschen noch ein achtes und ein neuntes Glied. Es gibt Wesenheiten, deren unterstes Glied das Ich ist, die also in unserem Sinne einen physischen Leib, Ätherleib und Astralleib nicht haben, sondern die sich so offenbaren, daß das Ich nach außen drängt, ohne die drei Hüllen, Wesenheiten also, die nach außen überall Iche hinschicken. Die haben dafür noch ein achtes, neuntes und zehntes Glied; die sind in der Apokalypse beschrieben als «Wesenheiten ganz voller Augen». Dann gibt es Wesenheiten, die mit dem Geistselbst, mit Manas, als unterstem Glied anfangen. Die haben noch ein elftes Glied. Und endlich gibt es Wesenheiten, die mit dem Lebensgeist anfangen, die haben dann noch ein zwölftes Glied. Es gibt also Wesenheiten, die, so wie der Mensch als unterstes Glied einen physischen Leib hat, als unterstes Glied die Buddhi haben, und die dafür ein höchstes Glied haben, das wir am besten mit der Zahl Zwölf bezeichnen. Das sind hohe, erhabene Wesenheiten, die weit hinaufragen über alles, was der Mensch sich nur vorstellen kann. Wie kann eine Vorstellung überhaupt geliefert werden von diesen wunderbaren, hoch erhabenen Wesenheiten?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir den Menschen nach einer gewissen Seite hin charakterisieren wollen, dann stellt er sich uns dar, dem Weltall gegenüber, als ein Empfangender. Draußen um Sie herum sind die Dinge, die Wesenheiten ausgebreitet; Sie nehmen sie wahr, Sie bilden sich Begriffe von ihnen. Denken Sie, die Welt wäre leer oder finster um Sie herum: Sie könnten sich keine Wahrnehmung verschaffen, keine Dinge würden Ihnen Begriffe geben. Sie sind angewiesen darauf, den Inhalt Ihres Inneren zu empfangen vom Äußeren. Das ist ein Charakteristikum des Menschen, daß er ein empfangendes Wesen ist, daß er seinen Seeleninhalt, sein Inneres zunächst empfängt von außen, daß die Dinge da sein müssen, wenn er zu einem Inhalt kommen will. Des Menschen Ätherleib ist so gestaltet, daß er nichts in sich erleben könnte, wenn er nicht dieses Erleben, alles, was in ihm auftritt, der ganzen Weltenumgebung verdankte. Diese Wesenheiten, die ich Ihnen eben charakterisiert habe, die zu ihrem untersten Glied den Lebensgeist haben, sind in ganz anderer Lage. Diese Wesenheiten sind in bezug auf ihr Leben nicht darauf angewiesen, von außen zu empfangen, sondern sie sind&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|40}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kraftzentren, nach außen gebend, schöpferisch. Sie wissen ja aus der Darstellung, die ich Ihnen immer gegeben habe, wie das Ich auch in den Ätherleib hineinarbeitet, wie die Buddhi nichts anderes ist als ein umgestalteter Ätherleib, so daß der Lebensgeist substantiell auch ein Ätherleib ist. Ja, das zwölfte Glied ist bei diesen hoch erhabenen Wesenheiten auch ein Ätherleib, aber ein Ätherleib, der Leben ausströmt, der so wirkt in der Welt, daß er das Leben nicht empfängt, sondern hingibt, es fortdauernd zu opfern in der Lage ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun fragen wir uns: Können wir uns denn eine Vorstellung machen von einem Wesen, das irgendwie mit uns in Beziehung steht, und das in einer solchen Weise in unserem Weltall Leben ausströmt? Dieses ausströmende Leben ist ein solches, das fortdauernd belebend in die Welt fließt. Können wir uns davon eine Vorstellung machen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kommen wir einmal einen Augenblick zurück auf das, was wir im Anfange unseres heutigen Vortrags sagten. Wir haben gesagt, daß aufsteigende und absteigende Kräfte vorhanden sind, zum Tierkreis aufsteigende, vom Tierkreis absteigende Kräfte. Wodurch ist der Mensch überhaupt in die Lage gekommen, daß von ihm irgend etwas aufströmen kann? Was ist denn mit dem Menschen geschehen, daß von ihm selbst etwas aufströmen kann aus seinem &#039;Wesen heraus? Er ist dadurch in diese Lage gekommen, daß erst lange vorbereitet worden ist und dann immer weiter und weitergeschritten ist sein Ich. Dieses Ich ist lange, lange vorbereitet worden. Denn im Grunde genommen ist alles Dasein auf dem Saturnzustand der Erde, auf dem Sonnenzustand und auf dem Mondzustand, welches die Hüllen geschaffen hatte, die das Ich aufnehmen sollten, Vorbereitung für das Ich. Da haben andere Wesenheiten die Wohnung geschaffen für das Ich. Jetzt auf der Erde ist die Wohnung so weit geschaffen, daß das Ich im Menschen Platz greifen konnte, und von da an fing das Ich im Menschen an, die äußeren leiblichen Hüllen von innen heraus zu bearbeiten. Daß das Ich von innen arbeiten kann, hat zu gleicher Zeit bewirkt, daß das Übermaß, das über die Gleichheit hinausgehende Maß von aufsteigenden und absteigenden Kräften entstanden ist. Solange das Ich im Menschen noch nicht arbeiten konnte, entwickelten sich nach und nach die Kräfte, die die aufsteigenden sind, bis zur Mitte; und als das Ich im&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|41}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Menschen einschlug, waren die Kräfte so weit, daß die aufsteigenden und die absteigenden sich die Waage hielten. Der Einschlag des Ich im Menschen bedeutet, daß die aufsteigenden und absteigenden Kräfte sich die Waage hielten, und am Menschen liegt es, diese Waage in der richtigen Weise zum Ausschlag zu bringen. Daher haben die Okkultisten dasjenige Sternbild, das betreten wurde in dem Moment, wo es anfing an das Ich heranzugehen, die «Waage» genannt. Bis zum Ende der «Jungfrau» wurden die Taten des Ich in unserer planetarischen Entwickelung zwar vorbereitet, aber es kam nicht bis zum Ich. Nun hatte das Ich mit dem Moment der Waage begonnen, selbst seinen Anteil zu nehmen, so daß das Ich einen wichtigen Moment seiner Entwickelung dadurch zustande gebracht hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denken Sie einmal, was das heißt, daß das Ich zu diesem Entwickelungsstadium gekommen ist: Das Ich durfte von nun an teilnehmen an den Kräften, die dem Tierkreis angehören, es durfte hineinwirken in den Tierkreis. Es ist durchaus wahr: je mehr das Ich den höchsten Punkt seiner Entwickelung anstrebt, desto mehr arbeitet es hinein in den Tierkreis. Nichts geschieht im Innersten des Ich, was nicht seine Folgen bis hinauf in den Tierkreis zieht. Das ist durchaus wahr. Und indem der Mensch mit seinem Ich als Mensch eigentlich die Anlage legt, um sich bis zu seinem Atma oder Geistesmenschen zu entwickeln, bildet er immer mehr und mehr die Kräfte aus, welche ihn instand setzen, in die Waage des Tierkreises hinaufzuwirken. Er wird seine volle Macht über diese Waage des Tierkreises erlangen, wenn er sein Ich «durchgedrückt» hat bis zum Atma oder Geistesmenschen. Da wird er ein Wesen sein, das etwas ausströmt, das aus dem Stadium der Zeit in das Stadium der Dauer, der Ewigkeit, übergeht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Indem der Mensch so seinen Weg geht, gibt es aber andere Wesenheiten, bei denen das, was beim Menschen sozusagen höchste Wirkung ist, niederste Wirkung ist. Suchen wir jetzt diese Wesen, bei denen das Niederste ebensolche Wirkung ist wie beim Menschen die Waage im Tierkreis. Wenn wir uns den Menschen im Tierkreis aufschreiben, so haben wir ihn bis zur Waage reichend. Die Wesenheit, die mit ihrem eigentlichen Wesen ganz dem Tierkreis angehört, deren Kräfte ganz dem Tierkreis angehören und die sich im Planetenleben nur in ihrem&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|42}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
niedersten Glied äußert, das mit der Waage bezeichnet ist wie beim Menschen das niederste Glied mit den Fischen bezeichnet ist , das ist diejenige Wesenheit, welche, wie Sie sehen, Leben verbreitet über unser ganzes Weltenall: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:GA102 042.gif|center|600px|Zeichnung aus GA 102, S. 42]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie der Mensch das Leben aufnimmt, strahlt diese Wesenheit Leben über unser ganzes Weltenall aus. Das ist diejenige Wesenheit, die das große Opfer zu bringen vermag, und die im Tierkreis eingeschrieben ist als die sich für unsere Welt opfernde Wesenheit. Wie der Mensch aufstrebt in den Tierkreis hinein, so sendet uns diese Wesenheit aus dem Widder, der ihr angehört wie dem Menschen die Waage, seine Opfergabe dar. Und wie der Mensch sein Ich hinaufwendet zur Waage, so strömt diese Wesenheit ihr Wesen über unsere Sphäre als Opfer. Man bezeichnet diese Wesenheit daher als das sich opfernde «mystische Lamm», denn Lamm ist dasselbe wie Widder; daher die Bezeichnung des sich opfernden Lammes oder Widders für Christus. Christus wird Ihnen jetzt so charakterisiert als dem ganzen Kosmos angehörig. Sein Ich strebt bis zum Widder; und strömt das Ich bis zum Widder, so wird er dadurch das «Große Opfer» selber und steht so mit der ganzen Menschheit in einem Verhältnis, und in einer gewissen Weise sind diese Wesenheiten und Kräfte, die auf der Erde sind, seine Schöpfungen. Er steht seiner ganzen Wesenheit nach in der Sonne und ist in seinen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|43}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schöpfungen mit dem Mond und der Erde verbunden und seine Kraft liegt im Sternbild des Lammes. So liegen die Kräfte, daß er Schöpfer dieser Wesen werden konnte, im Sternbild des Widders oder Lammes. Aus dem Himmel selbst ist die Bezeichnung des «Opferlammes» oder des «mystischen Lammes» herabgeholt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist einer der Aspekte, eine der Ansichten, zu denen man kommt, wenn man von unserem engbegrenzten Dasein aufblickt in Himmelsräume und sieht, wie die Himmelskräfte und Wesenheiten im Weltenraum ineinanderwirken. Und dadurch werden uns allmählich die Kräfte, die von Himmelskörper zu Himmelskörper gehen, ebensolche Kräfte wie die, die von Menschenseele zu Menschenseele gehen als Liebe und Haß. Wir sehen Seelenkräfte von Stern zu Stern herüber- und hinübergehen, und wir lernen erkennen, daß uns am Himmel geschrieben ist, was von solchen Kräften im Weltenraum gewirkt, getan, gehandelt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|44}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= DRITTER VORTRAG, Berlin, 15. Februar 1908 =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Montagvorträge haben das Ziel, vorgerücktere Theosophen, also solche, die sich schon längere Zeit mit theosophischer Weltanschauung und namentlich, was ja noch viel wichtiger ist, mit theosophischer Denkungsart und Gesinnungsart durchdrungen haben, zu immer höheren und höheren Anschauungen emporzuheben. Daher wird es, wenn wir wirklich bei diesen Vorträgen dieses Ziel verfolgen, für diejenigen, die sozusagen als Nachzügler kommen, immer schwieriger werden, zu folgen. Sie sind vielleicht noch imstande, verstandesmäßig zu folgen, aber es wird immer schwieriger werden, dasjenige, was aus den höheren Partien der Theosophie vorgebracht wird, als etwas Vernünftiges und Gesundes anzusehen. Daher wird namentlich für diejenigen, die erst kürzere Zeit hier sind, ein gutes Stück guter Wille dazugehören, diesen Zweigvorträgen mit dem Gefühls- und Empfindungsverständnis zu folgen. Es muß aber immer wieder betont werden, daß wir nicht weiterkommen würden, wenn wir nicht Gelegenheit hätten, an irgendeinem Orte auch in die höheren Partien des geistigen Daseins hineinzuleuchten. Das soll hier in diesen Vorträgen geschehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun habe ich Ihnen in dem letzten Vortrag einen Ausblick gegeben in die Entwickelung unseres ganzen Planetensystems. Vorangegangen war ein Blick in dieses Planetensystem selber, insofern die einzelnen Planeten bewohnt sind von allerlei Wesenheiten, die wiederum einen Einfluß haben auf unseren menschlichen Leib. Das heute Vorzubringende wird sich an diese beiden vorhergehenden Betrachtungen anschließen. Wir werden unseren Ausblick in das Planetensystem noch erweitern und dabei mancherlei von den Geheimnissen unseres Weltendaseins von einem geistigen Gesichtspunkt aus kennenlernen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn Ihnen irgendeine der gebräuchlichen Darstellungen der Entstehung unseres Planetensystems, die ja heute so zahlreich sind, vor Augen tritt, so werden Sie zunächst zurückgeführt zu einer Art Urnebel, zu einem nebelartigen, gewaltig großen Gebilde, aus dem sich unsere Sonne und die um sie kreisenden Planeten gewissermaßen her-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|45}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ausgeballt haben, und es werden ja als Triebkräfte bei diesem Herausballen in der Regel nur physische Kräfte berücksichtigt. Sie wissen, daß man dies die heute vielfach modifizierte Kant-Laplacesche Theorie nennt, und Sie wissen auch, daß die, welche es mit ihrem Verständnis nun gerade so weit gebracht haben, daß sie das allmähliche Herausballen der einzelnen Planeten aus dem Urnebel bis zu dem Zustand, in dem die Planeten, namentlich die Erde, jetzt sind, eingesehen haben, sehr stolz sind auf diese Einsicht, und daß sie immer wieder betonen, wie es doch eigentlich eine recht wenig unserem gewaltigen Fortschritt entsprechende Anschauungsweise sei, bei diesem Herausgliedern der einzelnen Himmelskörper aus dem Urnebel auch noch von geistigen Kräften und geistigen Wesenheiten zu sprechen. Sie wissen, daß es auch populäre Bücher gibt, die solches Sprechen als das rückständigste und abergläubischste bezeichnen, das es nur geben kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun würde ja der Verstand eines Theosophen auch noch ausreichen, um alles das, was auf diesen Gebieten vorgebracht wird, in der richtigen Weise zu verstehen. Nur erstreckt er sich auch noch etwas weiter. Ihm ist es klar, daß es mit den physischen Anziehungs- und Abstoßungskräften und so weiter nicht getan ist, daß da noch allerlei andere Dinge mitspielen. Heute muß es sich die Theosophie noch gefallen lassen, von der gebräuchlichen offiziellen Wissenschaft, die man vielleicht auch die «Antisophie» nennen könnte, als eine recht dicke Dummheit und ein furchtbarer Aberglaube ausgeschrien zu werden. Aber wir leben in einem Zeitalter, das in einer merkwürdigen Art, man könnte sagen, hoffnungsvoll für den Theosophen ist. Man möchte sagen, daß die Theorien, Anschauungen und Erkenntnisse, die die heute gebräuchliche Wissenschaft aus ihren eigenen Tatsachen schöpft, sich wie kleine keuchende, zwerghafte Wesenheiten ausnehmen, die pustend und keuchend in einer weiten Entfernung hinter den Tatsachen herlaufen. Denn die Tatsachen der heutigen Wissenschaft sind dem, was der «Glaube» der heutigen Wissenschaft ist, eigentlich weit voraus. Sie sind so, daß mit ihnen immer neue und neue Bestätigungen der theosophischen Wahrheiten auftauchen. Nur werden sie natürlich nicht als solche durchschaut. Ich möchte nur darauf hinweisen, daß hier oft gesprochen worden ist von der Wirkung des astralischen Leibes während&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|46}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der Nacht: wie während des Tages der physische Leib und der Ätherleib abgenutzt werden, und wie während der Nacht der astralische Leib derjenige ist, der verbessernd und aufbauend und die Ermüdungsstoffe fortschaffend wirkt. Diesen Satz in dieser Form auszusprechen, würde für die heutige Wissenschaft als etwas noch ganz und gar nicht Salonfähiges gelten. Aber die Tatsachen sprechen eine deutliche Sprache: Wenn wir zum Beispiel heute in einer amerikanischen Zeitschrift lesen können, daß ein Forscher die Theorie aufgestellt habe, die Schlaftätigkeit beim Menschen sei eine involvierende, aufbauende, während im Gegensatz dazu die Tätigkeit während des Wachens eine abbauende sei, dann haben Sie da wiederum eine solche wissenschaftliche Tatsache, hinter der die Theorien der Naturwissenschaft nachkeuchen wie die kleinen Zwerge, die nicht nachkommen können, während Sie in der geisteswissenschaftlichen Weltanschauung die lichtvollen, großen Ausblicke haben, die aus einer geistigen Weltanschauung herausgeholt sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir geisteswissenschaftlich die Entstehung unseres heutigen Sonnensystems betrachten, so brauchen wir in keiner Weise, so wenig wie auf anderen Gebieten, dem direkt zu widersprechen, was von der physischen Wissenschaft vorgebracht wird. Denn gegen das, was die physische Wissenschaft einzig und allein zu erkennen anstrebt was Augen hätten sehen können in der Aufeinanderfolge der Entwickelung , dagegen hat keine Theosophie etwas einzuwenden. Wenn sich irgend jemand zur Zeit des Urnebels einen Stuhl in den Weltenraum hinausgestellt und sich daraufgesetzt, über eine genügend lange Lebensdauer verfügt und nun zugeschaut hätte, wie die einzelnen Kugeln sich abgeballt haben, so würde er mit physischen Augen nichts anderes haben sehen können, als was diese physische Wissenschaft konstatiert hat. Aber das wäre ebenso, wie wenn zwei Menschen vor Ihnen stehen und der eine gibt dem anderen eine Ohrfeige, und dann kommt ein Beobachter und sagt: Da hat einer einen leidenschaftlichen Zorn gegen den anderen gehabt, und das hat ihn die Hand ausholen lassen und auf diese Weise hat der seine Ohrfeige bekommen; während der zweite sagen würde: Du bist ein Phantast, ich habe nichts gesehen von Zorn und Leidenschaft, ich habe nur die Hand sich bewegen sehen und&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|47}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
einen Stoß ausführen; dadurch hat der andere eine Ohrfeige weggehabt. Das ist die äußere, materialistische Beschreibung, die Methode, die die heutige Wissenschaft anwendet. Sie widerspricht nicht der geistigen Erforschung der Tatsachen. Nur derjenige, der glaubt, daß diese materialistische Beschreibung der Tatsachen die einzige ist, der fühlt sich in seiner wissenschaftlichen Erhabenheit selbstverständlich sehr weit hinausgehoben über alles, was die Geistesforschung vorzubringen hat. Also was man die modifizierte Kant-Laplacesche Theorie nennt, mag als ein äußeres Ereignis durchaus gelten. Aber innerhalb dieser ganzen Abballung, dieser ganzen Kristallisierung der einzelnen Weltkugeln waren geistige Kräfte und geistige Wesenheiten tätig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Experimentator zeigt uns heute sehr schön, wie das alles vor sich gehen kann nach dieser Kant-Laplaceschen Theorie. Man braucht nur ein verhältnismäßig nicht zu großes Ölkügelchen zu nehmen, das im Wasser schwimmt: Da kann man sehr leicht einen kleinen Kartonkreis in der Äquatorebene anbringen und in der Mitte eine Nadel durchstecken. Wenn man nun die Nadel recht schnell dreht, spalten sich kleine Ölkugeln ab, und man kann sich so sehr gut ein Weltsystem im Kleinen vorstellen und daran zeigen, wie sich im Raum ein Weltsystem abgeballt hat. Nur vergißt der Experimentator dabei eines, nämlich, daß er selbst dabei war und die nötigen Vorbereitungen gemacht hat, daß er dann die Nadel herumgedreht hat, und daß im großen Kosmos nicht von selber gehen kann, was im kleinen auch nicht von selber geht. Da draußen soll es sich von selber machen! Die Dinge sind gar nicht so schwer einzusehen; aber so sehr sind die richtigen physischen Grundsätze abgebraucht, daß diejenigen, die sie nicht sehen wollen, sie auch wirklich nicht zu sehen brauchen. Also bei dieser ganzen Planetenbildung waren geistige Kräfte und geistige Wesenheiten tätig, und wir wollen jetzt einiges davon kennenlernen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erinnern muß ich Sie dabei an die oft wiederholte Tatsache, daß unsere Erde, bevor sie «Erde» wurde, frühere Verkörperungen, andere planetarische Zustände absolviert hat: den Saturnzustand, den Sonnenzustand und den Mondzustand und nach dem Durchgang durch diese erst zu ihrem heutigen Erdenzustand vorgedrungen ist. Nun stellen Sie sich einmal lebendig vor die Seele den uralten, in urferner&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|48}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vergangenheit im Raume schwebenden Saturn, der die erste Verkörperung unserer Erde war. Dieser Saturn hat innerhalb seiner ganzen Wesenheit eigentlich noch gar nichts von dem, was wir heute rings herum sehen als unsere Pflanzen, Mineralien und Tiere. Im Anfang bestand dieser Saturn nur aus der allerersten Anlage des Menschen. Wir sprechen gar nicht anders von diesem alten Saturn als etwa von einem Konglomerat von Menschen. Der Mensch war damals auch nur in der ersten Anlage zu seinem physischen Leib vorhanden. Aus lauter einzelnen physischen Menschenleibern war dieser alte Saturn zusammengesetzt, etwa so wie heute eine Maulbeere oder eine Brombeere aus lauter einzelnen Beerchen zusammengesetzt ist. Und umgeben war dieser alte Saturn, wie heute unsere Erde von Luft, von einer Atmosphäre; aber die war im Verhältnis zu dem, was wir heute als Atmosphäre kennen, geistig. Sie war ganz geistartig, und innerhalb der Saturnentwickelung entwickelte sich der Mensch in seinem Anfang. Dann kam eine Zeit, in der der Saturn in eine ähnliche Lage kam wie heute ein Mensch, wenn er zwischen Tod und einer neuen Geburt in einem devachanischen Zustand ist. Man nennt diesen Zustand, in den ein Weltenkörper kommt, ein Pralaya. Der Saturn ging also durch eine Art von devachanischem Zustand durch und tauchte dann, indem er wieder in eine Art von äußerlich wahrnehmbarem Dasein eintrat, als der zweite planetarische Zustand unserer Erde, als Sonne wiederum auf. Dieser Sonnenzustand brachte den Menschen wieder weiter. Gewisse Wesenheiten, die zurückgeblieben waren, machten sich jetzt als ein zweites Reich auf der Sonne neben dem Menschenreich geltend, so daß wir jetzt zwei Reiche haben. Dann kommt wieder ein devachanischer Zustand der Sonne, ein Pralaya, und dann verwandelt sich der ganze Planet in den Mondzustand; und so geht es wieder durch ein Pralaya hindurch, bis der Mond übergeht in unsere Erde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als unsere Erde aus dem rein geistigen, devachanischen Zustand hervortrat, als sie zum erstenmal eine Art von äußerlich wahrnehmbarem Dasein erhielt, war sie nicht so, wie sie heute ist; sondern da war sie so, daß sie, äußerlich angesehen, wirklich etwa wie ein großer Urnebel aufgefaßt werden könnte, wie ihn die äußere, physische Wissenschaft schildert. Nur müssen wir uns diesen Urnebel groß, weit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|49}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
größer als die heutige Erde denken, und daß er weit über die äußersten Planeten hinausreichte, die heute zu unserem Sonnensystem gehören, bis weit über den Uranus hinaus. Geisteswissenschaftlich stellen wir uns die Sache so vor, daß das, was wir hervorkommen sehen aus einem geistigen Zustand, nicht lediglich eine Art physischer Urnebel ist. Wer das, was da hervorkommt, als eine Art physischen Urnebel und als sonst nichts weiter schildert, ist etwa ebenso weise wie ein Mensch, der einen anderen Menschen gesehen hat und nun, wenn er gefragt wird, was er gesehen hat, sagt: Muskeln, die an Knochen hängen, und Blut habe ich gesehen! der also nur das Physische beschreibt. Denn in dem Urnebel sind eine Fülle von geistigen Kräften und geistigen Wesenheiten enthalten. Die gehören dazu, und was in dem Urnebel geschieht, ist eine Folge der Taten der geistigen Wesenheiten. Alles, was der Physiker beschreibt, ist so, wie wenn er sich einen Stuhl in den Weltenraum hinausstellt und die ganze Geschichte sich anschaut. Er beschreibt wirklich so wie jener Beobachter, der den Zorn und die Leidenschaft, die eine Ohrfeige hervorrufen, leugnet und nur die sich bewegende Hand sieht. In Wahrheit ist das, was da geschieht, das Heraustreten von Weltkörpern und Weltkugeln, Tat von geistigen Wesenheiten; so daß wir in dem Urnebel das Kleid, die äußere Offenbarung einer Fülle von geistigen Wesenheiten sehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da sind geistige Wesenheiten darinnen, die auf den verschiedensten Stufen der Entwickelung stehen. Diese geistigen Wesenheiten kommen da nicht aus dem Nichts heraus, sondern sie haben eine Vergangenheit, sie haben die Saturn-, Sonnen- und Mondvergangenheit hinter sich. Die haben sie alle einmal durchgemacht, und jetzt stehen sie davor, das, was sie durchgemacht haben, anzuwenden als Taten, zu tun, was sie auf Saturn, Sonne und Mond gelernt haben. Und sie stehen auf den verschiedensten Entwickelungshöhen. Es sind Wesenheiten darunter, die schon auf dem alten Saturn so weit waren, wie der Mensch heute auf der Erde ist. Diese haben ihre Menschheitsstufe schon auf dem Saturn durchgemacht, stehen also wesentlich höher als der Mensch im Anfange der Erdentwickelung; sie stehen weit über dem Menschen. Andere Wesenheiten sind da, die ihre Menschheitsstufe auf der Sonne, andere, die sie auf dem Monde durchgemacht haben. Der Mensch wartet&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|50}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
darauf, seine Menschheitsstufe auf der Erde durchzumachen. Wenn wir also nur diese viergliedrige Hierarchie von Wesenheiten betrachten, haben wir schon eine Vielzahl von verschiedenen Wesenheiten auf verschiedenen Entwickelungsstufen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir nennen nun die Wesenheiten, die auf der Sonne ihre Menschenstufe durchgemacht haben, die «Feuergeister». Sie dürfen sich aber nicht vorstellen, daß diese Feuergeister, die auf dem alten Sonnenplaneten Menschen waren, damals äußerlich so ausgesehen haben wie die heutigen Menschen. Sie haben ihre Menschenstufe in einer anderen äußeren Gestalt durchgemacht. Der alte Sonnenplanet hatte eine außerordentlich feine, leichte Materie, viel leichter als unsere heutige Materie. Damals gab es das Feste und das Flüssige noch gar nicht, sondern nur das Gasförmige, und die Körper der Feuergeister waren, trotzdem sie Menschenrang hatten, nur gasförmig. Man kann die Menschheitsstufe in der kosmischen Entwickelung in den verschiedensten Formen durchmachen. Im Fleische macht sie nur der Erdenmensch auf der Erde durch. In einer Art wäßrigem Zustand machten sie diejenigen Wesen durch, die auf dem Mond Menschenrang hatten, und die auch auf dem Mond schon über den Menschen erhaben waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit jenem Urnebel also, der da am Ausgangspunkt unseres Sonnensystems liegt, waren diese Geister und noch eine ganze Fülle anderer Geister verbunden. So zum Beispiel können Sie sich leicht vorstellen, daß das, was für den Menschen auf dem Saturn begonnen hat, auf der Sonne für andere Wesenheiten in irgendeiner Weise begann. So wie auf dem Saturn die erste Anlage zu dem physischen Leib begann, so kamen auf der Sonne andere Wesenheiten nach, wie in der Schule ja auch immer wieder ABC-Schützen nachkommen. Die haben es heute nur so weit gebracht, daß sie jetzt, physisch verkörpert, in unseren heutigen Tieren sind. Auf dem Mond kamen diejenigen Wesenheiten hinzu, die in den heutigen Pflanzen vorhanden sind, und unsere heutigen Mineralien sind überhaupt erst auf der Erde hinzugekommen. Das sind also die jüngsten Genossen unserer Entwickelung, deren Schmerzen und Freuden ich Ihnen in einem vorhergehenden Vortrag geschildert habe. So waren also nicht nur vorgeschrittene Wesenheiten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|51}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
in diesem Urnebel darinnen, sondern auch Wesenheiten, die noch nicht auf der Menschenstufe waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu denen, die ich Ihnen jetzt aufgezählt habe, kommen solche Wesenheiten, von denen wir gesagt haben, daß sie auf gewissen Stufen der kosmischen Entwickelung sitzengeblieben sind. Nehmen wir einmal die Feuergeister. Die Feuergeister haben auf der Sonne schon ihr Menschenstadium vollendet. Jetzt, auf der Erde, sind sie hoch erhabene Wesenheiten, zwei Stufen über den Menschen hinaus. So weit sind sie, daß der Mensch, erst wenn er durch das Jupiter- und Venusdasein hindurch zum Vulkandasein aufgestiegen sein wird, zu einem solchen Dasein reif sein wird, wie die erhabenen Sonnengeister es hatten, als die Erde ihre Entwickelung begann. Nun gibt es aber Wesenheiten, welche zurückgeblieben sind, das heißt solche, die auf der Sonne so weit hätten kommen können wie die Feuergeister, die aber es gibt gewisse Gründe, warum sie zurückgeblieben sind , sich nicht bis zu der vollen Höhe entwickeln konnten, auf der die Feuergeister angekommen waren, als die Erde im Beginne ihrer Entwickelung stand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie erinnern sich alle, daß die Erde in einem gewissen Zustand ihrer Entwickelung, ganz im Anfang und das können Sie leicht mit der Theorie des Urnebels vereinigen noch mit der Sonne und mit dem Mond ein Körper war. Wenn Sie also die drei Himmelskörper Erde, Sonne und Mond in einem riesigen kosmischen Topf durcheinanderrühren würden, so bekämen Sie einen Körper, der einmal da war. Dann kam die Zeit, wo die Sonne sich herauszog und Erde plus Mond zurückließ, und dann kam eine Zeit, wo auch der Mond sich herauszog und unsere Erde so wurde, wie sie heute ist, auf der einen Seite von der Sonne, auf der anderen Seite von dem Mond umgeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun fragen wir uns: Warum geschah denn das, daß da aus einem Körper drei Körper entstanden? Sie werden leicht einsehen, warum das geschah, wenn Sie bedenken, daß solche hoch entwickelten Wesenheiten in dem Urnebel vorhanden waren mit dem äußeren Dasein des Urnebels verknüpft , die zwei Stufen höher standen als der Mensch. Die hätten auf einem Weltkörper wie unsere heutige Erde unmittelbar nichts zu tun gehabt; sie brauchten einen Wohnplatz mit ganz anderen Eigenschaften. Dagegen hätte der Mensch in diesem Dasein&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
sozusagen verzehrt werden müssen, wenn er mit der Sonne verbunden geblieben wäre. Er brauchte ein abgeschwächteres, abgemildertes Dasein. Es mußte also durch die Tat der Feuergeister die Sonne aus der Erde herausgehoben und zu ihrem Schauplatz gemacht werden. Das ist nicht ein bloßes physisches Ereignis; sondern das haben wir aufzufassen als die Tat der Feuergeister selber. Sie haben sich ihren Wohnplatz und alles, was sie brauchten an Substanzen, aus der .Erde herausgelöst und die Sonne zu ihrem Schauplatz gemacht. Sie können es vermöge ihres Wesens vertragen, jene riesenhafte Schnelligkeit in ihrer Entwickelung durchzumachen. Wenn der Mensch dieser riesenhaften Schnelligkeit in der Entwickelung ausgesetzt wäre, so würde er, kaum daß er jung war, schon gleich wieder alt sein. Alle Entwickelung ginge im Sturmschritt vorwärts. Nur solche Wesenheiten, die schon zwei Stufen höher stehen als der Mensch, können ein solches Dasein, wie es das Sonnendasein ist, vertragen. Sie haben sich mit der Sonne abgetrennt und haben die Erde mit dem Mond zurückgelassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun können wir auch die Frage beantworten, warum sich der Mond von der Erde trennen mußte. Wenn der Mond mit der Erde verbunden geblieben wäre, dann hätte der Mensch auf der Erde sein Dasein auch wieder nicht vollziehen können. Der Mond mußte ausgestoßen werden; denn er hätte die ganze Entwickelung der Menschen mumifiziert. Die Menschen hätten nicht eine so rasche Entwickelung durchgemacht, wie wenn die Sonne dageblieben wäre. Sie würden nicht so rasch alt werden, aber sie wären verholzt, zu Mumien vertrocknet, ihre Entwickelung wäre eine so langsame geworden, daß sie mumifiziert worden wären. Damit gerade das für den Menschen dienliche Maß der Entwickelung herauskam, mußte der Mond mit seinen Kräften und seinen untergeordneten Wesenheiten herausexpediert werden. Daher sind auch mit dem Mond jene Wesenheiten verbunden, welche von mir beschrieben worden sind als solche, die zeitlebens auf einer Stufe stehen bleiben, &#039;die heute auf der Erde etwa ein siebenjähriges Kind erreicht. Da sie nur ein Dasein durchmachen wie der Mensch in der Zeit bis zum siebenten Lebensjahr, wo nur der physische Leib sich entwickelt, so brauchten sie einen Schauplatz, wie der Mond es ist. Wenn Sie dazu die Tatsache nehmen, daß nicht nur diese verschiedenen Wesenheiten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
mit dem Urnebel verbunden waren, sondern noch eine ganze Reihe von Wesenheiten, die auf den verschiedensten Stufen der Entwickelung stehen, dann werden Sie begreifen, daß sich aus dem Urnebel nicht nur diese Weltkörper, wie Erde, Sonne und Mond, herausballten, sondern auch noch die anderen Weltkörper; und zwar ballten sich alle heraus, weil Schauplätze entstehen mußten für die entsprechenden Entwickelungsstufen der verschiedenen Wesenheiten. So waren Wesenheiten da, die im Anfange, als unsere Erdentwickelung begann, kaum geeignet waren, die weitere Entwickelung mitzumachen, die noch so jung waren in ihrer ganzen Entwickelung, daß jeder weitere Schritt ihnen Verderben gebracht hätte. Sie mußten sozusagen einen Schauplatz erhalten, auf dem sie sich ihre vollständige Jugendlichkeit bewahren konnten. Alle anderen Schauplätze sind dazu da, denen Wohnstätten zu geben, die schon weiter sind. Für die Wesenheiten, die zuallerletzt während des Monddaseins entstanden, und die deshalb auf einer sehr frühen Entwickelungsstufe stehengeblieben waren, mußte ein Schauplatz abgeballt werden, der deshalb auch nur geringen Zusammenhang mit unserem Erdendasein hat: es ballte sich derjenige Weltkörper ab, den wir als den Uranus bezeichnen. Das ist ein Schauplatz geworden für solche Wesenheiten, die auf einer sehr weit zurückgebliebenen Stufe stehenbleiben mußten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann ging die Entwickelung weiter. Alles, was, abgesehen vom Uranos, in unserem Weltensystem ist, ist jetzt in einer urbreiigen Masse enthalten. Die griechische Mythologie nennt das, was da war, bevor sich dieser Uranos herausgestaltet hat, das «Chaos». Jetzt ist der Uranos herausgestaltet; das andere ist sozusagen noch im Chaos zurückgeblieben. Damit sind jetzt noch Wesenheiten verbunden, die in ihrer damaligen Entwickelung gerade auf der Stufe standen, auf der wir Menschen gestanden haben, als unsere Erde durch den Saturnzustand durchgegangen war. Und für diejenigen, die eben deshalb, weil sie auf dieser Stufe standen, weil sie ihr Dasein erst begonnen hatten, alles spätere nicht mitmachen konnten, für sie wurde ein besonderer Schauplatz «Saturn» geschaffen. Es spaltete sich also ein zweiter Weltkörper ab, der Saturn, den Sie heute im Himmelsraum noch sehen. Er entstand dadurch, daß Wesenheiten da waren auf der Stufe, auf der die&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Menschen gestanden haben zur Zeit des Saturndaseins der Erde. Während also dieser Saturn als ein besonderer Weltkörper entstand, war außer ihm alles andere, was zu unserem heutigen Planetensystem gehört, vorhanden. Auch die Erde mit allen ihren Wesen war in dieser urbreiigen Masse noch darinnen. Nur Uranus und Saturn waren schon draußen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das nächste, was geschah, war, daß sich wieder ein Planet abspaltete, der der Schauplatz für eine gewisse Entwickelungsstufe werden mußte. Das ist jetzt der «Jupiter», der dritte Planet, der sich herausspaltet aus der Nebelmasse, die für uns eigentlich die Erde ist. Während der Jupiter und die anderen Planeten, die wir schon kennen, draußen sind, sind Sonne und Mond mit der Erde immer noch vereint. Diese Planeten waren in der Tat abgespalten aus dem Chaos, als in der Erde noch das vorhanden war, was heute auch in unserer Sonne ist, als unsere Erde noch ganz mit der Sonne und dem Mond eins war. Damals, als der Jupiter sich abgespalten hat, entstanden nach und nach die Vorläufer der heutigen Menschheit, das heißt, es kamen die heutigen Menschen wieder heraus, so wie eine neue Pflanze aus dem Samen herauskommt. Diese Menschensamen hatten sich nach und nach während des alten Saturnzustandes, während des alten Sonnenzustandes und während des alten Mondzustandes gebildet. Jetzt noch war die Sonne mit der Erde verbunden kamen diese Menschensamen wieder heraus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun hätten sich aber die Menschen so nicht weiter entwickeln können; sie konnten dieses Tempo nicht vertragen, als die Erde noch mit der Sonne zusammen war. Und jetzt geschieht etwas, was wir dann gut verstehen, wenn wir uns darüber klar sind, daß diejenigen Wesenheiten, welche wir angesprochen haben als «Feuergeister», sich ihren Schauplatz aus der Erde herausnehmen. Die Sonne drängt sich aus der Erde heraus, und wir haben nun Sonne und dann Erde und Mond zusammen. Während dieser Zeit ist auf irgendeine Art, die jetzt nicht genauer beschrieben werden soll, weil das zu weit führen würde, wiederum als ein Schauplatz für besondere Wesenheiten der «Mars» übriggeblieben, der dann tatsächlich in dem weiteren Fortgang durch Erde und Mond durchgeht, und, während er durchgeht, in der Erde mit dem Mond das zurückläßt, was wir heute als Eisen kennen. Daher ist&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
er auch der Veranlasser alles dessen, was als Eisenteile in den lebendigen Wesen abgelagert ist, also im Blut. Nun könnte jemand sagen: Eisen ist überall, auch in der Sonne und so. weiter. Das ist ja nicht weiter verwunderlich, denn geradeso wie andere Körper in dem Urnebel waren, so war auch der Mars überall darin mit seinem Eisen, das er zurückgelassen hat; das ist auch in allen anderen Planeten! Auch hier liegt wieder die Tatsache vor, daß die Wissenschafter heute schon wunderbare Belege dafür bringen, daß die Sache sich so verhält, wie es hier von der geisteswissenschaftlichen Lehre dargestellt wird. Sie erinnern sich wohl, daß ich Ihnen einmal dargestellt habe, wie man symbolisch übergeht von dem grünen Pflanzensaft, dem Chlorophyll, zum Blut des Menschen. Die Pflanzen sind als solche entstanden, bevor dieser Marsdurchgang stattgefunden hat, und haben ihre Eigenschaft bewahrt. Dann hat sich in die Wesen, die heute höher organisiert sind als die Pflanzen, das Eisen eingelagert, das das rote Blut erfüllt. Es ist durchaus übereinstimmend mit diesen geisteswissenschaftlichen Tatsachen, wenn kürzlich in einem Berner Laboratorium gefunden worden ist, daß das Blut nicht verglichen werden kann mit dem Chlorophyll. Das ist eben, weil es später eingelagert ist. Wir dürfen uns nicht vorstellen, daß das Blut etwa von der Substantialität des chemischen Elementes «Eisen» abhängt. Ich sage das ganz besonders deshalb, weil jemand sagen könnte, daß man gar nicht von einem Zusammenhange des Chlorophyll mit dem Blute reden könne. Heute macht die Wissenschaft die Entdeckung, daß das Blut auf das Element «Eisen» zurückzuführen ist, während das Chlorophyll gar kein Eisen enthält. Es ist aber doch im vollsten Einklange mit dem, was die Geisteswissenschaft zu sagen hat; es handelt sich nur darum, daß man die Dinge in dem richtigen Lichte betrachten muß.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun sondert sich, aus Gründen, die wir schon erwähnt haben, der «Mond» ab, so daß wir die Erde für sich haben und den heutigen Mond als ihren Nebenplaneten. Zur Sonne sind alle Wesenheiten hingezogen, die im wesentlichen höherer Art sind als der Mensch und die wir die Feuergeister genannt haben. Nun sind aber gewisse Wesenheiten da, die nicht so hoch gestiegen sind, daß sie das Sonnendasein wirklich ertragen können. Machen Sie sich klar, was das für Wesenheiten sind:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|56}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
es sind Wesenheiten, die sehr erhaben über den Menschen sind, die aber doch nicht so weit gekommen sind, daß sie, wie die Feuergeister, auf der Sonne leben können. Für diese Wesenheiten mußten Schauplätze geschaffen werden. Alle die anderen Schauplätze hätten ihnen nicht gedient; denn die sind für andersgeartete Wesenheiten, die durchaus nicht das immerhin hohe Alter derjenigen Wesenheiten erreicht haben, die zwar zu den Feuergeistern zu zählen sind, jedoch den kosmischen Kursus nicht ganz absolviert haben. In der Hauptsache waren es zwei Gattungen von Wesenheiten, die zurückgeblieben waren; für diese wurden dadurch zwei besondere Schauplätze geschaffen, daß sich zwei andere Planeten von der Sonne abspalteten, «Merkur» und «Venus». Merkur und Venus sind zwei Planeten, die von der Sonne sich abgespalten haben als die Schauplätze für diejenigen Feuergeister, die weit erhaben sind über menschliches Dasein, die aber das Sonnendasein nicht hätten ertragen können. So haben Sie den Merkur in der Nähe der Sonne als Schauplatz für diejenigen Wesenheiten, die nicht auf der Sonne mit den Feuergeistern hätten leben können, und die Venus als Schauplatz für Wesenheiten, die in gewisser Beziehung hinter den Merkurwesenheiten zurückgeblieben waren, die aber noch weit über dem Menschen standen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:GA102 056.png|center|600px|Zeichnung aus GA 102, S. 56]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So haben Sie aus inneren Gründen, aus geistig wirkenden Tätigkeiten diese verschiedenen Weltenkörper aus dem Urnebel heraus entstehen sehen. Sie haben daraus entnehmen können, daß, wenn man sich&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|57}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nur an das Physische hält, es ja so verläuft, wie es uns die heutige Wissenschaft erzählt; aber es handelt sich darum, die geistigen Gründe wirklich kennenzulernen, warum das so geworden ist. Innerhalb des Urnebels haben sich die Wesen selbst die Wohnungen geschaffen, in denen sie leben konnten. Nun sind diese verschiedenen Wesenheiten, die sozusagen einträchtig nebeneinander waren, solange sich noch nicht alles herausgespalten hatte, nicht ohne Zusammenhang geblieben, sondern sie wirken durchaus durcheinander. Von einem ganz besonderen Interesse ist die Wirkung der Merkur- und der Venuswesenheiten auf die Erde. Versetzen Sie sich zurück in die Zeit, in welcher die Sonne sich gerade herausspaltete aus der Erde, der Mond sich herausspaltete und der Mensch sein Dasein in der heutigen Form begann. Dieses Dasein in der heutigen Form hat der Mensch dadurch erlangt, daß sich einer der Sonnengeister herbeiließ wenn ich mich so ausdrücken darf , sein ferneres Dasein nicht auf der Sonne zu haben, sondern mit dem Mond sich zu verknüpfen. Dadurch entstand ein erhabener Regent vom Mond aus. Auf dem Monde waren sonst niedere Wesenheiten, aber einer der Sonnengeister verband sich mit dem Mondendasein. Dieser Sonnengeist, der mit dem Monde sich verband, der also eigentlich im Weltenall ein versetzter Sonnengeist ist, ist als göttliches Wesen, als geistiges Wesen « Jahve» oder «Jehova», der Regent des Mondes. Wir werden einsehen, warum das geschehen ist, wenn wir uns der folgenden Überlegung hingeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir haben gesehen, daß, wenn die Sonne mit der Erde verbunden geblieben wäre, der Mensch sich in der raschen Folge der Entwickelung verzehrt haben würde; würde bloß der Mond mit seinen Kräften wirken, würde der Mensch mumifiziert werden. Gerade durch den Zusammenklang von Sonnen- und Mondkräften entstand jenes Gleichgewicht, das den Menschen in seinem heutigen Entwickelungstempo erhält. Als die Erde herübergekommen war von dem alten Mond, hatte der Mensch von dem Saturn her seinen physischen Leib, von der Sonne her seinen Ätherleib und vom Mond her seinen astralischen Leib. Aber weil der Mensch die drei Leiber hatte, und jetzt der Same mit den drei Leibern aufging, hatte er eine ganz andere Gestalt. Sie würden große Augen machen, wenn ich Ihnen die schildern wollte; denn die Gestalt,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
die der Mensch heute hat, entstand ganz langsam und allmählich von dem Zeitpunkte der Mondentrennung an. Aber die schlechten, minderwertigen Kräfte des Mondes hätten dem Menschen nicht die heutige Gestalt geben können. Gestalt hätten sie ihm schon geben können, aber eine minderwertige. Wenn die Mondkräfte mit der Erde verbunden geblieben wären, hätten sie den Menschen in einer Gestalt festgehalten. Daraus sehen Sie schon, daß von dem Monde die Kräfte ausgehen müssen, die die Gestalt geben, während von der Sonne die Kräfte ausgehen, die fortwährend die Gestalt verändern. Aber damit der Mensch seine heutige Gestalt erhalten konnte, mußte ein Gestaltenbildner vom Mond aus wirken. Das war gar nicht anders möglich. So geht dazumal die Entwickelung des Ich-Menschen an. Das vierte Glied der menschlichen Wesenheit beginnt, und Jahve gibt dem Menschen den Keim zu einer solchen Gestalt, daß der Mensch ein Ich-Träger werden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt ist aber der Mensch noch nicht fähig, diejenige Arbeit zu leisten, von der ich Ihnen gesprochen habe. Ich habe Ihnen gesagt, daß der Mensch von seinem Ich aus zunächst seinen astralischen Leib, dann seinen Ätherleib und dann seinen physischen Leib umarbeitet. Das kann der Mensch erst nach und nach in Angriff nehmen. Wie das Kind heute noch Lehrer braucht, so brauchte der Mensch, als er schon zubereitet war, ein Ich-Mensch zu werden, eine Anregung auf unserer Erde, um weiterzukommen; und es gab da für den Menschen zwei Anreger. Sie können sich aus der ganzen kosmischen Entwickelung denken, woher sie gekommen sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diejenigen Wesenheiten, die dem Menschen am nächsten standen, waren die Venus- und Merkurwesenheiten. Bis der Mensch am Ende der atlantischen Zeit die ersten schwachen Versuche machen konnte, um von seinem Ich aus selbständig auf die drei Leiber zu wirken denn das ist erst am Ende der atlantischen Zeit möglich , mußte er «Lehrer» haben, die noch weit über diese atlantische Zeit hinaus wirkten. Und diese Lehrer waren diejenigen Wesenheiten, die auf Venus und Merkur wirkten. Aber diese Wesenheiten sind nicht so zu denken, wie heute Lehrer sind; sondern Sie müssen sich vorstellen, daß die Venuswesen diejenigen Wesen sind, die den Menschen begaben mit seiner Intellektualität. Die Menschen wußten äußerlich gar nichts davon,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|59}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
daß diese Venuswesenheiten auf sie wirkten, ebensowenig wie sie wußten, daß vom Monde aus gewisse Wesenheiten in bezug auf ihre äußere Gestalt auf sie einwirkten. So wie ich Ihnen gezeigt habe, wie die verschiedenen Säfte auf den Menschen wirken, so wirkten die Kräfte dieser Wesenheiten auf den Menschen ein, bis er selbständig seine Leiber bearbeiten konnte. Was wir heute beim Menschen als Intelligenz finden, wurde dem Menschen vermittelt durch die Geister, die als Feuergeister minderer Sorte auf der Venus zurückgeblieben sind. Außerdem gab es noch andere Lehrer, die in der Tat von den ersten hellsehenden Menschen bewußt als Lehrer wahrgenommen wurden: die Lehrer der großen Mysterien in den alten Zeiten. In den Vorzeiten gab es nicht bloß jene umfassenden Einflüsse der Venusgeister, die mehr oder weniger auf die ganze Menschheit wirkten, sondern es gab auch Mysterienstätten, in denen die damals vorgeschrittensten Menschen auf geistige Art Unterricht bekamen von höheren Wesenheiten, von den Feuergeistern. In den Mysterien lehrten sie selbst, die erhabenen Feuergeister des Merkur. Da erschienen sie zunächst, wenn wir so sagen dürfen, in einer geistigen Verkörperung und waren die Lehrer der ersten Eingeweihten. So wie die ersten Eingeweihten die Lehrer der großen Menschenmassen wurden, so wirkten als die Lehrer der ersten Eingeweihten die Merkurwesenheiten. Auf diese Art sehen Sie zu gleicher Zeit, wie recht wahrnehmbar die Wesenheiten anderer Gestirne auf den Menschen einwirken; aber diese Einwirkungen sind sehr komplizierter Natur. Das können Sie aus folgendem sehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie erinnern sich aus meiner «Theosophie», daß es nur eine grobe Einteilung ist, wenn wir sagen, der Mensch besteht aus physischem Leib, Ätherleib, astralischem Leib, Ich, Geistselbst, Lebensgeist und Geistesmensch. Sie wissen, daß die richtigere Einteilung diese ist: Physischer Leib, Ätherleib, astralischer Leib, und daß wir dann, das, worin das Ich aufgeht, unterscheiden als Empfindungsseele, Verstandes- oder Gemütsseele und Bewußtseinsseele, und daß wir darin erst das Geistselbst oder Manas haben, dann den Lebensgeist oder Buddhi, und zuletzt den Geistesmenschen oder Atman. Das Seelenhafte des Menschen erscheint also eingeschaltet als Empfindungsseele, Verstandesseele und Bewußtseinsseele. Wenn wir die Entwickelung des Menschen auf der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|60}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erde verfolgen, so können wir auch sagen: Es entwickelt sich zuerst zu den drei Bestandteilen, die vom Monde herübergebracht werden, die Empfindungsseele hinzu, dann entsteht die Verstandesseele, und die Bewußtseinsseele entsteht im Grunde genommen erst gegen das Ende der atlantischen Zeit, als der Mensch zum erstenmal lernte, «Ich» zu sich zu sagen. Da erst kann der Mensch lernen, bewußt von innen heraus an den Gliedern seiner Wesenheit zu arbeiten. Wenn wir also den Menschen einteilen in Leib, Seele und Geist, so haben wir die Seele wiederum einzuteilen in Empfindungs-, Verstandes- und Bewußtseinsseele. Die entwickeln sich erst nach und nach; die Bewußtseinsseele kann noch keinen Einfluß haben, denn sie entsteht erst als das letzte. So müssen diese Glieder auch wieder von außen angefacht werden. Dabei sind nun wieder Wesenheiten von außen tätig, und zwar ist es so, daß der Mars mit seinen Wesenheiten auf die Empfindungsseele wirkt. Als die Verstandesseele entstehen soll, ist der Merkur schon abgespalten und wirkt mit seinen Wesenheiten auf die Entstehung der Verstandesseele, und der längst vorhandene Jupiter wirkt auf die Entstehung der Bewußtseinsseele.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So haben Sie also in dem Seelischen des Menschen die Tätigkeit der drei Weltkörper: das Walten des Mars in der Empfindungsseele, des Merkur in der Verstandesseele, des Jupiter in der Bewußtseinsseele; und indem das Geistselbst in die Bewußtseinsseele hineingedrängt wird, ist die Venus mit ihren Wesenheiten tätig. Für die ersten Eingeweihten ist auch wieder der Merkur tätig, so daß also die Merkurwesen eine zweifache Tätigkeit ausüben: zunächst eine dem Menschen ganz unbewußte, indem sie seine Verstandesseele entwickeln; sodann sind sie die ersten Lehrer der Eingeweihten, wobei sie auf eine ganz bewußte Art wirken. Die Merkurwesen haben also stets eine doppelte Tätigkeit, etwa so wie manche Landlehrer die Kinder unterrichten und außerdem. den ihnen zugeteilten Acker bebauen müssen. So haben die Merkurwesen die Verstandesseele zu entwickeln und außerdem noch die großen Schullehrer der großen Eingeweihten zu sein. Alle diese Dinge können Sie auch rein logisch begreifen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun können Sie vielleicht fragen, warum denn gerade Jupiter auf die Bewußtseinsseele wirkt, da er doch ein so weit rückständiger Planet&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|61}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ist. Aber erforscht werden diese Dinge eben nicht durch logische Gründe, sondern so, daß man die Tatsachen der geistigen Welten erforscht. Da würden Sie in der Tat sehen, daß die Bewußtseinsseele angefacht wird von den Jupiterwesen, denen auf der anderen Seite zurückgebliebene Venuswesenheiten zu Hilfe kommen. Im kosmischen Wirken ist es so, daß die Dinge nicht äußerlich-schematisch genommen werden dürfen, sondern man muß sich klar sein, daß wenn ein Planet einmal schon eine Aufgabe erfüllt hat, seine Wesenheiten später noch eine andere Aufgabe erfüllen können. Während der Menschheit der zweiten Menschenrasse haben die Jupiterwesenheiten mitgewirkt an der Ausbildung des Ätherleibes; dann gingen sie selbst ein Stück Wegs weiter, und als der Mensch so weit war, daß sich seine Bewußtseinsseele entwickeln konnte, mußten sie wiederum eingreifen und seine Bewußtseinsseele mitentwickeln. So wirkt dasjenige, was im Raum wirkt, in der mannigfaltigsten Weise ineinander, und man kann durchaus nicht schematisch von dem einen auf das andere übergehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So sehen Sie, wie der Physiker, wenn er hinausschaut in den Weltenraum, nur die rein äußeren Körper geistiger Organismen sieht, und wie uns dann die Geisteswissenschaft hineinführt in die geistigen Untergründe, die das, was der Physiker sieht, erst bewirken. Ich möchte sagen: jetzt haben wir uns nicht der Täuschung hingegeben, welcher derjenige sich hingibt, der das Ölkügelchen nimmt und vergißt, daß er es selber dreht. Wir haben die Wesenheiten selber aufgesucht, die das Abgeballte so machten, wie es eben ist. Wir haben uns nicht der Illusion hingegeben, daß, wenn wir nicht da sind, das Ganze sich weiter dreht; sondern wir haben den «Dreher» gesucht, denjenigen, der als die eigentlich geistig-wirksame Wesenheit dahintersteht, so daß man immer mehr den vollen Einklang finden kann zwischen dem, was die Geisteswissenschaft sagt, und dem, was die äußere Wissenschaft findet. Nur können Sie niemals aus den Tatsachen der äußeren Wissenschaft ableiten, was die Geisteswissenschaft sagt. Da werden Sie höchstens zu einer Analogie kommen. Wenn dagegen die geistigen Tatsachen mit den okkulten Mitteln gefunden werden, dann werden sie, wenn Sie absehen von dem, was von der äußeren Wissenschaft erst noch gefunden werden muß, jederzeit übereinstimmen mit dem, was&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|62}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
auch der Physiker zu sagen hat. So wird der Theosoph jederzeit dem Physiker standhalten können. Er weiß sehr wohl, daß wenn irgend etwas im Physischen geschieht, es ganz gut so sein kann, wie es der Physiker beschreibt. Aber es gibt trotzdem immer noch dazu den geistigen Vorgang. Das hindert nicht, daß mancher Wissenschafter, der sich hoch erhaben fühlt, den Theosophen für einen Dummkopf oder für etwas noch Schlimmeres hält. Aber die Theosophie kann ruhig zusehen. Schon in fünfzig Jahren wird das ganz anders sein; denn der Fortbestand der bloß materialistischen Wissenschaft würde dem Heil und der Gesundheit der Menschheit sehr schlecht bekommen wenn die Dinge wirklich so bleiben würden, wie sie heute sind , wenn nicht die Geisteswissenschaft der Sache entgegenwirken würde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|63}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= VIERTER VORTRAG, Berlin, 29. Februar 1908 =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir werden heute einen Gegenstand behandeln, der in Zusammenhang steht mit den großen, umfassenden Ausblicken in das Gebiet des Weltenraumes, die wir das letzte Mal unternommen haben. Wir werden dabei intimer auf die geistige Entwickelung innerhalb der mehr räumlichen und materiellen Entwickelung eingehen, als es das letzte Mal geschehen ist. Das letzte Mal haben wir gesehen, wie geistige Wesenheiten jenen mächtigen Entwickelungsprozeß dirigieren und leiten, von dem uns die äußere physische Wissenschaft ungenau, die Theosophie oder Geisteswissenschaft genau erzählt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir haben das letzte Mal gesehen, wie die einzelnen Planeten, die einzelnen Körper unseres Weltensystems, aus einem gemeinsamen Urstoff sich herausheben und haben im allgemeinen vorausgesetzt, daß bei all dieser Entwickelung tätig sind geistige Wesenheiten der verschiedensten Art. Wir haben auch in anderen Vorträgen darauf hingewiesen, wie wir auf dem Gebiete der Geisteswissenschaft in den einzelnen Körpern unseres Weltensystems nicht bloß physische, materielle Dinge sehen, sondern Physisches und Materielles verknüpft mit höheren und niederen geistigen Wesenheiten, mit Wesenheiten erhabenster Art, die zum Heile des ganzen Systems die Entwickelung heben, und ebenso mit geistigen Wesenheiten niederer Art, welche hemmend und zerstörend eingreifen. Freilich müssen wir uns klar sein, daß dasjenige, was irgendwo wie Hemmung und Zerstörung erscheint, im großen und ganzen doch wiederum der Weisheit des ganzen Systems eingegliedert ist. Man möchte daher sagen: Wenn etwas scheinbar Zerstörendes, Hemmendes und Böses irgendwo existiert, so wird durch den Gang des Ganzen die Evolution so weise geleitet, daß auch dieses Zerstörende, Hemmende und Böse im Ganzen umgelenkt, umgeleitet wird zum Guten, zum Besten. Was wir aber heute als Empfindung lebhaft vor unsere Seele stellen wollen, ist das Dasein solcher geistigen Wesenheiten und zunächst wollen wir ins Auge fassen geistige Wesenheiten erhabener Art , die zu den schöpferischen Wesenheiten gehören; während der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Mensch noch lange in der Evolution wird arbeiten müssen, bis er zum Range einer schöpferischen Wesenheit aufsteigt. Wir wollen insbesondere eine Klasse derjenigen Wesenheiten ins Auge fassen, die an dem Aufbau unseres Weltsystems beteiligt waren, als die Erde als Saturn ihre Entwickelung in unserer Welt begann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unsere Erde begann als Saturn ihre Entwickelung und ging durch die Sonnen- und Mondentwickelung vorwärts bis zu ihrer heutigen Gestaltung. Damals, als unsere Erde Saturn war, da war allerdings auf diesem Saturn-Weltenkörper alles ganz anders als auf unserem heutigen Erdenplaneten. Auf dem Saturn war das nicht vorhanden, was wir feste Gesteinsmassen, mineralische Welt im heutigen Sinne nennen; es war aber auch kein Wasser im heutigen Sinne vorhanden, nicht einmal Luft, sondern das, was von den heutigen Elementen der Erde damals vorhanden war, läßt sich nur vergleichen mit der Wärme, mit dem «Feuer», wie wir im Okkultismus sagen. Zwar würden Sie auch keine richtige Vorstellung bekommen, wenn Sie sich denken würden, dieses Saturnfeuer habe ausgesehen wie eine heutige Kerzenflamme oder wie eine Gasflamme. Eine richtige Vorstellung erhalten Sie, wenn Sie sich besinnen, was in Ihrem eigenen Leibe auf und ab pulsiert, wenn Sie sich darauf besinnen, welcher Grundunterschied in dieser Beziehung besteht zwischen einem niederen Tierwesen, welches gewisse Stufen der Entwickelung bewahrt hat, und dem Menschen. Ein niederes Tierwesen hat die Wärme seiner Umgebung. Ein Amphibium hat keine eigene innerliche Wärme, sondern es hat die Wärme seiner Umgebung, es ist so kalt oder so warm wie seine Umgebung. Der Mensch hat seine eigene innerliche, gleiche Wärme, wie er sie haben muß. Sein Organismus muß dafür sorgen, daß wenn es äußerlich kalt ist, er trotzdem seine Wärme auf einer gewissen Höhe erhalten kann, und Sie wissen, wenn Störungen eintreten in dieser eigenen Wärme wie Fieber und so weiter, daß da auch eine Störung der Gesundheit des physischen Körpers vorliegt. Sie wissen, es handelt sich darum, daß der Mensch innerlich das Maß seiner Wärme hat, und er muß dieser innerlichen Wärme zugrundeliegend etwas wie eine Kraft denken, die diese Wärme erzeugt. Diese Kraft ist nicht Wasser, nicht Erde, nicht Luft, sondern ein Element für sich, und dieses Element war allein auf dem alten Saturn, der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
ersten Verkörperung unserer Erde, vorhanden. Wenn Sie dazumal im Weltenraum spazieren gegangen wären das ist natürlich eine Phantasie, aber sie ist gut, um sich eine Vorstellung zu bilden, wie es war , hätten Sie den Saturn nicht gesehen; denn Licht hat er in seinem ältesten Zustand gar nicht verbreitet. Dazu müssen die Weltenkörper erst eine Sonne werden oder mit einer Sonne in eine Verbindung treten, um leuchtend zu werden. Wenn Sie sich dem alten Saturn genähert hätten, so würden Sie in seiner Nähe bemerkt haben: da ist Wärme! Sie würden an irgendeiner Stelle bemerkt haben, daß es warm würde, und Sie würden denken, da ist irgendein Raum mit Wärme erfüllt; wie in einen Backofen hinein würden Sie gehen. Allein durch diese Kraft der Wärme hätte sich das Dasein des alten Saturn angekündigt. Das ist ein feiner materieller Zustand, von dem sich der heutige Mensch kaum, am wenigsten ein gelehrter Physiker eine richtige Vorstellung machen kann; aber er ist vorhanden, ein Zustand, feiner als ein Gas, feiner als die Luft, und alles, was damals vom Menschen vorhanden war, nämlich die ersten Anlagen zum physischen Leibe, bestand aus diesem Stoff. Wenn Sie heute alles von sich entfernen könnten außer Ihrer Blutwärme, dann würden Sie jene ersten Anlagen des Menschen wieder vor sich haben. Aber das könnte nicht sein, weil man so nicht leben kann. Heute ist es nicht möglich, mit diesem Mineralreich, Wasserreich und so weiter so zu leben, wie der Mensch auf dem alten Saturn gelebt hat. Damals konnte man es. So müssen Sie sich also heute alles dasjenige entfernt denken, was Sie zum Beispiel an Säften, an Geweben, an festen Bestandteilen an sich haben, müssen auch absehen von dem, was Sie als Sauerstoff von der Luft einsaugen. Sie müssen sich denken, daß von Ihnen einzig und allein die Wärme, die in Ihrem Blute enthalten ist, übrigbleibt, natürlich auch in einer ganz anderen Gestalt: ein physischer Mensch, der nur aus Wärme besteht! Es ist eine grauenhafte Vorstellung für einen heutigen Naturforscher, aber darum eine um so richtigere und realere!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So war die Anlage des Menschen, seines physischen Leibes. Auf diesem Saturn waren alle anderen Wesen, die heute auf der Erde sind, wie Tiere, Pflanzen und Mineralien, nicht vorhanden. Der Saturn bestand dazumal aus lauter Menschenanlagen, die so zusammengeballt waren,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|66}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wie die kleinen Beerchen einer Brombeere eine größere bilden: ebenso war die Saturnmasse eine große Beere, aus lauter Beerchen zusammengesetzt, die Menschen waren. Eine solche Kugel war dieser alte Saturn. Wenn wir nun die Umgebung dieses Saturn prüfen würden, wie wir etwa die Umgebung unserer Erde prüfen, und finden, daß sie umgeben ist von einem Luftmantel, in dem Gebilde vorkommen wie Nebel, Wolken und so weiter, so würden wir in der Umgebung des Saturn nicht Dinge materieller Art finden; aber wir würden in dem Saturnmantel geistige Substanzen, geistige Wesenheiten finden, die durchwegs höherer Art sind, als der Mensch auf dem Saturn dazumal in seiner ersten Anlage war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir wollen uns nun beschäftigen mit einer bestimmten Art von Wesenheiten, die mit dem Saturndasein verknüpft waren. Da finden wir die Geister des Willens, dann die Geister der Weisheit, Geister der Bewegung, der Form, der Persönlichkeit, die Geister der Söhne des Feuers und die Geister der Söhne des Zwielichts. Wir wollen heute insbesondere die Geister der Form ins Auge fassen, weil sie, wie wir sehen werden, eine wichtige Rolle im Beginne unserer jetzigen Erdenentwickelung gespielt haben. Aus der ganzen Reihe der geistigen Wesenheiten, die in der Atmosphäre und in der Umgebung des Saturn vorhanden waren, wollen wir also die Geister der Form herausheben und uns klar sein, daß diese Geister der Form bis heute ebenso eine Entwickelung durchgemacht haben, wie alle Wesen eine Entwickelung durchmachen. Wie der Mensch auf der Sonne den Ätherleib, auf dem Monde den Astralleib, auf der Erde das Ich erhalten hat und dadurch immer vollkommener geworden ist, so haben auch die Geister der Form ihre Entwickelung durchgemacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Geister der Form hatten auf dem Saturn keinen physischen Leib. Sie waren dort so beschaffen, daß sie als unterstes Glied ihrer Wesenheit einen Ätherleib hatten, den man vergleichen kann mit dem Ätherleib des Menschen. Den physischen Leib müßten wir uns also vollständig wegdenken und uns bei den Geistern der Form als unterstes Glied ihrer Wesenheit den Ätherleib vorstellen. Dann haben diese Wesenheiten einen astralischen Leib, ein Ich, Geistselbst oder Manas, Lebensgeist oder Buddhi, Geistesmensch oder Atman, und ein achtes&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|67}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Glied, das um einen Grad höher ist als dasjenige, was der Mensch im Laufe seiner Entwickelung durch die Erdenverkörperungen hindurch erreichen kann. Diese Geister der Form wirken also nach außen auf dem Saturn geradeso durch ihren Ätherleib, wie der Mensch auf der Erde nach außen wirkt durch seinen physischen Leib. Sie haben nicht Hände, durch die sie auf dem Saturn arbeiten, nicht Füße, mit denen sie gehen können und so weiter; denn das alles sind Glieder des physischen Leibes. Aber ihr Ätherleib äußert sich so, daß sie von dem Saturnmantel herein fortwährend in sehr feiner Materie befruchtende Lebenssäfte hereinstrahlen. Wir können uns den Saturn vorstellen, wie wir ihn beschrieben haben, und aus der Umgebung fortwährend und von allen Seiten , aus den Ätherleibern der Geister der Form befruchtende Lebenssäfte wie einen Regen hereinstrahlend auf den Saturn. Der Saturn selber hatte eine solche Eigenschaft, daß er diese befruchtenden Lebenssäfte nicht etwa behielt, sondern daß er sie wie ein Spiegel fortwährend zurückstrahlte. Dadurch entstehen jetzt beschreibe ich genauer dasjenige, was ich in früheren Vorträgen schon erwähnt habe jene Spiegelbilder des Saturn, von denen ich Ihnen gesprochen habe. Sie können sich die warme Materie des Saturn vorstellen, wie sie fortwährend die Strahlen der Ätherleiber der Geister der Form empfängt, und diese wieder zurückstrahlt. Grob können wir uns ein Bild davon machen, wenn wir uns vorstellen, wie der Regen aus den Wolken auf die Erde herniederträufelt, in der Erde sich wiederum sammelt und als Dünste wieder hinaufsteigt. Wir müssen uns dies -aber nicht so vorstellen, daß wir eine Zeit dazwischen haben, sondern uns diesen Vorgang ohne eine Zeit dazwischen vorstellen: wie die üppig wuchernden Lebenssäfte hineinströmen und wieder zurückgespiegelt werden, so daß sich die Bildungen des Saturn, die ersten Anlagen der menschlichen physischen Leiber, wie Spiegelbilder ausnehmen. Sie sind eigentlich aus Spiegelbildern bestehend. Es ist ein gutes Bild für das, was als die physische Anlage des Menschen auf dem Saturn vorhanden war, wenn Sie sich einen Menschen vor sich stehend vorstellen und ihm ins Auge schauen: Sie senden Ihr Licht in das Auge des anderen, und Ihr Bild kommt Ihnen aus seinem Auge entgegengestrahlt. So war es mit den Geistern der Form in der Umgebung des alten Saturn. Sie sandten ihre&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|68}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
lebenspendenden Säfte herunter in die Wärmemasse des Saturn, und es spiegelte sich ihre eigene Gestalt, ihr Ebenbild in dieser Wärmemasse; und dieses Spiegelebenbild waren die ersten Anlagen des menschlichen physischen Leibes. Schon auf dem alten Saturn war der Mensch im wörtlichsten Sinne ein Ebenbild seiner Gottheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir nun weiterschreiten bis zur Sonne, die aus dem alten Saturn entstand, dann geschieht diese Weiterbildung dadurch, daß die Geister der Form einen Äther- oder Lebensleib nicht mehr nötig haben; sie geben den Ätherleib ab. Sie strahlen nun nicht mehr herunter die befruchtenden Lebenssäfte, sondern sie geben den Ätherleib ab, und dadurch durchdringen sich die ersten physischen Anlagen der Menschen mit dem Ätherleib. Der Ätherleib, den die Menschen auf der Sonne bekommen haben, ist zunächst aus dem Ätherleibe der Geister der Form herausgebildet, ein Stück des Ätherleibes der Geister der Form. Diese himmlisch-geistigen Wesenheiten haben sich in dem warmen Saturn gespiegelt und sind allmählich dadurch, daß sie ihm Opfer gebracht haben und Bilder geschaffen haben, selbständiger geworden, sind zu der größeren Tat fähig geworden, ihren Ätherleib abzulegen, ihn hinzuopfern, und das, was sie zuerst als Bild gestaltet haben, jetzt mit Leben, mit eigener Lebenskraft zu durchdringen. Wenn Sie das Spiegelbild, das Ihnen aus dem Auge Ihres Mitmenschen entgegenstrahlt, mit Leben begaben könnten, es selbständig machen, so daß es eigenes Leben hätte und hinaustreten könnte aus dem Auge, so würden Sie eine Tat haben, die die Geister der Form vollbrachten beim Übergang vom alten Saturn zur Sonne. Es war dies ein bedeutsamer Fortschritt für unsere kosmische Entwickelung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie wissen ja ich will dies hier nur einflechten , daß alle Sagen und Mythen immer eine vielfache Bedeutung haben, und wenn wir die wahren Tatsachen der Weltenentwickelung im geistigen Sinne uns vor das Auge stellen, so treten uns die Mythen in einer überraschenden Weise in ihrer Wahrheit entgegen. So kann es auch jetzt geschehen mit einer Mythe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Betrachten wir den Fortschritt, der geschieht vom Saturn zur Sonne herüber. Auf dem alten Saturn war es so, daß die lebenspendenden Kräfte einstrahlten, zurückgeworfen wurden und wieder aufgenommen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|69}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wurden von dem Mantel, von der Atmosphäre des Saturn. In der alten griechischen Mythe hat man die warme Kugel des Saturn «Gäa» genannt und die Atmosphäre den «Kronos». Betrachten Sie jetzt die Mythe: Fortwährend strahlen hinein die lebenspendenden Kräfte von Kronos auf die Gäa, auf den Saturn, und gehen wieder zurück, werden aufgesogen. Es ist Kronos, der fortwährend seine eigenen Kinder verschlingt! Es muß eine solche Wahrheit einer Mythe gefühlt werden. Fühlt man sie nicht, so hat man gar nicht die richtige Stellung dazu. Denn bedenken Sie nur einmal, was es heißt, daß wir in der grauen Vorzeit des alten Griechenland einen Mythos finden, der uns diese Wahrheit in wunderbarer Weise im Bilde darstellt! Es gibt nur eine einzige Möglichkeit für die Erklärung einer solchen Tatsache, und das ist die: Die vorgeschrittensten Individuen der Menschheit, die in den Mysterien die Fortentwickelung der Menschheit leiteten, wußten genau dasjenige von der Weltentwickelung, was wir heute in der Theosophie verkündigen. Genauso wie wir hier reden über diese Dinge, so wurde in den alten Mysterien Griechenlands geredet, und für die großen Massen wurden diese Wahrheiten in Bilder gehüllt, und diese Bilder bildeten dasjenige, was wir heute als Mythos kennen. Sonderbar nehmen sich einer solchen Erkenntnis gegenüber die Menschen aus, die da glauben, daß erst in den letzten vierzig Jahren die Wahrheit von den Menschen entdeckt worden ist, und daß alles das, was frühere Zeiten gekannt haben, nur die Begriffe einer kindlichen Phantasie sind. Aber als eine kindliche Vorstellung muß man es gerade bezeichnen, wenn immer wieder betont wird: Wie wir es heute so herrlich weit gebracht haben. Das ist die wahrhaft kindliche Vorstellung!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So schreiten wir also vor von dem Saturn zur Sonne und betrachten die Entwickelung der Geister der Form weiter. Ihren Ätherleib haben sie abgelegt, von sich «ausgespritzt» und dem Körper der Erde mitgeteilt, indem sich die Menschenleiber mit dem Ätherleib der Geister der Form durchsetzt haben. Sie selbst haben als niederstes Glied ihrer Wesenheit jetzt den astralischen Leib, und ihre Höherentwickelung bedeutet, daß sie nicht nur ein Glied über dem Geistesmenschen oder Atman haben, sondern noch ein weiteres Glied; so daß wir jetzt ihre Wesenheit bezeichnen müssen mit Astralleib, Ich, Geistselbst, Lebens-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|70}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
geist, Geistesmensch, ein achtes Glied und ein neuntes Glied, die erhaben sind über das, was der Mensch zunächst in seiner vollständigen siebengliederigen Entwickelung erlangen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was bieten die Geister der Form für eine «Außenseite»? Die Geister der Form um den Saturn herum haben sozusagen den «Lebensregen» auf den Saturn herabgeträufelt. Die Geister der Form auf der Sonne äußern sich durch die auf die Sonne einstrahlenden Triebe, Begierden, Leidenschaften, durch alles dasjenige, was im astralischen Leibe verankert ist. Wer auf der Sonne gesessen und hinausgesehen hätte in den Weltenraum, er würde nicht Blitze haben zucken sehen und Donner rollen hören, sondern er würde um sich herum in astralischem Lichte die Leidenschaften geistiger Wesenheiten wahrgenommen haben ringsherum überall Leidenschaften , und Sie müßten sich nicht etwa nur niedrige Leidenschaften vorstellen. Diese Leidenschaften, diese Affekte ringsherum schufen nun von außen herein weiter an dem Planeten. Wenn wir die Mythe weiter betrachten, so sehen wir förmlich innerhalb unserer Erdentwickelung die schaffenden «Titanen», die schaffenden Leidenschaften, die von außen herein wirken, von den geistigen Luftkreisen der Sonne, als diese ein Planet war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nunmehr schreiten wir weiter zum Mond die Sonne verwandelt sich in den Mond. Das bedeutet im Laufe der Entwickelung, daß die Geister der Form nun auch ihren astralischen Leib ablegen und daß ihr niederstes Glied das Ich ist. Wenn wir ihr Wesen beschreiben wollten, würden wir sagen: Wie der Mensch als niederstes Glied den physischen Leib hat, so haben diese Geister der Form, die um den Mond herum leben, als niederstes Glied das Ich, haben dann Geistselbst, Lebensgeist, Geistesmenschen, ein achtes, ein neuntes Glied und dann noch ein zehntes Glied. So bieten sie also nach außen hin ihr Ich dar. Es ist sehr merkwürdig, aber es ist so: sie bieten nach außen hin lauter Iche dar; sie strotzen förmlich von lauter Ichen nach außen. Alle Betätigung in der Umgebung des Mondes ist so, wie wenn Sie Wesen gegenüberträten, die Ihnen alle ihre Individualität, alle ihre Eigenheit äußern. Das geschah von der Atmosphäre des Mondes her. Denken Sie sich einmal, alle Ihre Iche, die in Ihren physischen Leibern hier sind, würden plötzlich befreit vom physischen Leibe; der physische Leib, der Ätherleib,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|71}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der astralische Leib wären weg, nur Ihre Iche wären da als das niederste Glied, und sie könnten sich durch den Raum hindurch äußern. Denken Sie sich selbst auf dem alten Monde und Ihre Iche draußen in der Welt, aber so, daß diese Iche eingebettet wären in die geistigen Substanzen, nur die niedersten Glieder der Geister der Form aus der Luft herein wirkend: dann würden Sie eine Vorstellung haben, wie die Geister der Form sich als lauter Iche äußern aus dem Raum herein. Ihren astralischen Leib, den sie auf der Sonne noch hatten, haben sie an die Menschen abgegeben, so daß der Mensch jetzt auf dem Monde besteht aus physischem Leib, Ätherleib und astralischem Leib.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir wollen uns, damit wir uns in diese Sache gut hineinversetzen, einmal eine kleine Skizze in folgender Art davon machen. Wir wollen uns vorstellen, daß dies der Saturnmensch sei, der Saturnmensch, der die ersten Anlagen des physischen Leibes hat. Ober ihm schwebend müssen wir uns Wesenheiten denken, die die Geister der Form sind, die einen Ätherleib, Astralleib, Ich, Geistselbst, Lebensgeist, Geistesmensch haben, bis hinauf zum achten Glied.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt müssen wir uns den nächsten Zustand denken. Beim Sonnenmenschen haben wir den physischen Leib und den Ätherleib. Der Ätherleib war dadurch in den Menschen hineingekommen, daß die&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|72}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Geister der Form ihren Ätherleib ausgegossen haben und nur ihren Astralleib behalten haben, so daß die Geister der Form ihren Astralleib haben, ihr Ich, und weiter hinauf bis zum neunten Gliede.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann gehen wir zum Mond. Wir haben den Menschen aus physischem Leib, Ätherleib und Astralleib bestehend, und der astralische Leib ist nur dadurch entstanden, daß die Geister der Form ihren astralischen Leib hingeopfert und jetzt als ihr unterstes Glied das Ich haben, dann Geistselbst und so weiter bis hinauf zum zehnten Glied. Dadurch ist alles dasjenige, was wir «Mensch» nennen, allmählich heruntergeflossen aus der Umgebung des Planeten, von außen her zusammengesetzt worden. Alles, was innen ist, war einmal außen und hat sich in den Menschen hineinbegeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verfolgen wir jetzt die Entwickelung auf der Erde selber: Im Beginn der Erdenentwickelung hat der Mensch seinen physischen Leib als Anlage, dann seinen Ätherleib und astralischen Leib. Die Geister der Form kommen herüber vom Monde. Ihr niederstes Glied ist das Ich; dieses Ich opfern sie jetzt auch noch hin und befruchten den Menschen in seiner Anlage mit dem Ich, so daß das Ich, wie es auf der Erde auftritt, eine befruchtende Kraft ist, die jetzt ausströmt von den Geistern der Form; und die Geister der Form behalten als niederstes Glied ihrer Wesenheit das Geistselbst oder Manas. Wenn wir sie also beschreiben wollten, müßten wir sagen: Über uns walten in unserer Umgebung in der Erdenatmosphäre die Geister der Form. Ihr niederstes Glied ist Geistselbst oder Manas, in dem leben und weben sie, und geopfert haben sie dasjenige, was sie noch auf dem Monde hatten, das nach allen Seiten wirkende Ich. Das träufelte herunter und befruchtete den Menschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|73}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun wollen wir einmal diesen Gang des Menschen auf der Erde selbst verfolgen. Man kann am Menschen die Stelle angeben, wo das Ich eingeträufelt wird; wir wollen das aber heute nur schematisch betrachten. Der Mensch empfängt sein Ich. Es trifft natürlich dieses Ich zuerst seinen astralischen Leib, der ihn ja wie eine aurische Hülle umgibt; da fließt es zunächst ein, durchdringt diesen astralischen Leib. Das ist zu der Zeit, die wir die «lemurische» nennen. In der lemurischen Zeit, im Laufe langer Zeiträume, verschieden bei verschiedenen Menschen, zieht dieses Ich zuerst in den astralischen Leib ein und befruchtet ihn. Stellen wir uns also jetzt einmal diesen fortentwickelten Menschen vor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der physische Leib hat damals durchaus nicht so wie heute aus Knochen, Fleisch und Blut bestanden, sondern es war eine ganz weiche Anlage, auch noch ohne Knorpel, und durchzogen wurde dieser Leib wie von magnetischen Strömen. So war der physische Leib da, dann war da der Ätherleib als der nächste, und dann der astralische Leib, der mit dem Ich befruchtet wird. Diese Befruchtung müssen wir uns so vorstellen, daß etwas wie ein Loch, wie ein Einschnitt am astralischen Leib entsteht, wie eine Einstülpung. Das ist tatsächlich auch der Fall, daß so etwas wie eine Öffnung oben am astralischen Leib entsteht durch den Hineinfluß des Ich, eine Öffnung bis auf den Ätherleib (siehe Zeichnung S. 74). Das hat eine große Bedeutung und eine große Wirkung gehabt, und die Folge davon ist, daß die erste dämmerhafte Wahrnehmung einer physischen Außenwelt auftritt. In früheren Zuständen nahm der Mensch nichts anderes wahr, als was in seinem Inneren lebte; er war wie hermetisch nach außen abgeschlossen. Nur sich selbst nahm er wahr, und was in seinem Inneren vorging. Jetzt erst öffnete sich ihm der Blick auf eine physische Außenwelt. Ganz selbständig war aber der Mensch noch nicht. Vieles wurde für ihn noch reguliert von anderen, göttlichen Wesenheiten, mit denen er im Zusammenhang stand. Es war noch nicht so, daß der Mensch gleich alles sehen konnte, was um ihn herum war, so wie es heute der Fall ist; sondern weil nur sein astralischer Leib geöffnet war, nahm er auch nur mit diesem Leibe wahr. Es war das ein ganz dämmerhaftes Hellsehen, das darin bestand, daß wenn in dieser alten Vorzeit der Mensch sich hinbewegte über die Erde,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|74}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
er dasjenige wahrnahm, was außer seiner Körperlichkeit war, und zwar, insofern es ihm sympathisch oder unsympathisch, nützlich oder schädlich war. Er nahm, wenn er sich so hinbewegte, zum Beispiel ein grellrotes Farbenbild wahr, das als ein aurisches Farbenbild aufstieg; denn es war erst sein astralischer Leib geöffnet. Jetzt wußte er, wenn da ein rotes Farbenbild aufstieg: da ist ein Wesen in der Nähe, das mir gefährlich ist! Und wenn ein blau-rotes Farbenbild ihm entgegentrat, wußte er, daß er da hingehen konnte. So richtete er sich nach diesen dämmerhaften hellseherischen Wahrnehmungen. Nur das Seelische nahm er wahr; dasjenige, was zum Beispiel in den heutigen Pflanzen vorhanden ist, nahm er noch nicht wahr. Nur das, was als Seelisches in anderen Menschen und in den Tieren vorhanden war, und allerdings auch die Gruppenseelen, nahm er wahr. Das war also die erste Befruchtung mit dem Ich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses Ich gestaltete sich allmählich immer weiter, und zwar so, daß das, was als Befruchtungselement hineinkam in den astralischen Leib, diesen immer mehr durchzog; so daß das Ich immer mehr in den Gefühlen der Lust und der Unlust des astralischen Leibes vorhanden war. Indem so das Ich sich ausbreitete im astralischen Leibe, entstand das, was man in meinem Buche «Theosophie» als Empfindungsseele bezeichnet findet. Das ist die Empfindungsseele, die da entstand. Es ist so, wie wenn das befruchtende Ich seine Kraft ausbreitete über den ganzen astralischen Leib und dadurch die Empfindungsseele bewirkte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun werden wir hier eine wichtige Sache noch einzufügen haben. Wir haben jetzt einen ziemlich normalen Gang der Entwickelung gesehen. Wir haben gesehen, wie auf dem alten Mond die Geister der Form ihr niederstes Glied, ihr Ich, hineingestrahlt haben, und wie sie, als aus dem Mond die Erde geworden war, dieses Ich abgegeben haben und dadurch den Menschen befruchtet haben mit dem Ich. Nun wissen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|75}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wir, daß auf dem Monde gewisse Wesenheiten zurückgeblieben sind, welche mit ihrer Entwickelung auf dem Monde nicht fertig geworden sind. Was heißt das? Das heißt, sie sind nicht bis zu der Stufe vorgeschritten, daß sie die Fähigkeit erlangt haben, ihr Ich ausströmen zu lassen und damit den Menschen zu befruchten. Das konnten sie nicht. Sie standen noch auf der alten Mondenstufe, als sie mit ihrem Ich hineinwirkten in die Atmosphäre der Erde. Es waren in der Umgebung des Menschen zurückgebliebene Wesenheiten, die so wirkten, wie die Art der Geister der Form auf dem Monde war; so wirkten diese zurückgebliebenen Wesen auf der Erde. Der Mensch war in der Atmosphäre der Erde umgeben von Ich-Wesenheiten, die noch nicht ihre Iche abgegeben hatten. Diese Wesenheiten streben jetzt danach, das letzte, was sie auf dem Monde tun mußten, jetzt auf der Erde tun zu können. Dadurch war der Mensch Einflüssen ausgesetzt, die hier in der normalen Entwickelung nicht zu ihm gehört hätten. Diese Einflüsse der Ich-Geister strahlten ein in seinen astralischen Leib. Während durch das eingeträufelte Ich der Geister der Form sein astralischer Leib umgestaltet wurde, strahlten ihm zu gleicher Zeit die Ich-Geister, die es nicht bis zum Standpunkte der Geister der Form gebracht hatten, niedrigere Kräfte zu, als ihm in normaler Entwickelung hätten eingestrahlt werden müssen. Diese niedrigeren Kräfte bewirkten, daß der Mensch zerfiel in einen höheren und in einen niederen Teil. So haben wir durch das Einträufeln des Ich von seiten der Geister der Form das zur Selbstlosigkeit angelegte Ich, und durch das, was durch die zurückgebliebenen Ich-Geister eingeträufelt wird, das andere, zur Selbstigkeit, zum Egoismus veranlagte Ich. Das ist das Ich, das noch nicht los will von den Instinkten, Begierden und Leidenschaften. Die dringen darin ein und durchsetzen den astralischen Leib, so daß im menschlichen astralischen Leib zweierlei vorhanden ist: selbstlose Triebe, solche, die höher hinauf wollen, und solche Leidenschaften, die von Selbstsucht durchsetzt sind; die sind in den Menschen durch den Einfluß der Ich-Geister hineingekommen und verankern sich in ihm.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun wollen wir die Entwickelung selbst weiter betrachten. Wir haben gesehen, wie der astralische Leib von der Kraft des herabge-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|76}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
träufelten Ich ganz durchsetzt worden ist. Das nächste ist nun, daß der Ätherleib auch von dieser Kraft ergriffen wird, so daß im Ätherleib ebenfalls eine Art Loch nach der Außenwelt entsteht. Wenn wir das zeichnen wollen, so müssen wir das so tun, als ob wir in der Mitte einen physischen Leib haben, dann einen durchbrochenen Ätherleib, der von der Kraft des Ich ganz ausgefüllt wird, und dann den astralischen Leib, der ja auch von der Kraft des Ich ausgefüllt wird. So haben wir jetzt im Ätherleib die Kraft, die nach außen will: der Ätherleib öffnet sich der Außenwelt (siehe Zeichnung).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:GA102 076.png|center|150px|Zeichnung aus GA 102, S. 76]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir stehen jetzt ungefähr bei der Gestaltung des Menschen im ersten und zweiten Drittel der atlantischen Zeit. Da war noch ein altes Hellsehen vorhanden, aber nicht so, daß nur das Nützliche und Schädliche, das Sympathische und Unsympathische in Bildern gesehen wurde; sondern es traten so etwas wie lebendige Traumbilder vor dem Menschen auf, die lange stehenblieben. Denn der Ätherleib ist der Träger des Gedächtnisses, und da diese Menschen noch keine Störung von seiten des physischen Leibes hatten, haben sie solche Bilder, die sie von außen aufnahmen, ungeheuer lange behalten. Das Gedächtnis war damals eine ganz besonders hervorragende Seelenkraft. Sie können in «Aus der Akasha-Chronik» lesen, was die Menschen in dieser Beziehung damals waren. Es ist zwar noch immer nicht ein vollständiges Anschauen der Außenwelt, sondern eine Art dämmerhaften Hellsehens. Dieses ist aber umfassender als die Wahrnehmung durch den astralischen Leib. Es umfaßt mehr, läßt alles in gewaltigen Bildern, die deutlich geformt sind, erstehen wie ein Traum, aber schon den äußeren Gegenständen entsprechend; während früher die Bilder nur dazu dienten, dem Menschen zu sagen, wie er sich verhalten sollte, ob er diese oder jene Richtung nehmen sollte. Die äußeren Gegenstände wurden aber noch nicht gesehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|77}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt schreiten wir noch weiter und kommen in das letzte Drittel der atlantischen Zeit. Jetzt wird nicht nur der astralische Leib und der Ätherleib, sondern auch der physische Leib von der Kraft des Ich ergriffen (siehe Zeichnung). Es entsteht im physischen Leibe die Anlage&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:GA102 077.png|center|150px|Zeichnung aus GA 102, S. 77]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
zu einer Ausbuchtung. Der physische Leib wird ausgebuchtet, und um ihn herum haben wir den Ätherleib und den astralischen Leib. Wir wollen uns das ganze jetzt schematisch vorstellen; im Laufe der nächsten Vorträge werden wir die Wirklichkeiten dafür kennenlernen. In einer gewissen Weise war also eine solche Art von Ausbuchtung eingetreten. Der physische Leib nahm das Ich in sich auf. Zwischen den Augenbrauen liegt der Punkt ich habe Ihnen öfter davon gesprochen , wo das Ich aufgenommen wird. Bei dieser Öffnung, die durch die Durchdringung des physischen Leibes mit dem Ich zustande kommt, müssen wir besonders denken an das Öffnen der physischen Sinne. Das Ich durchdringt das Auge, das Gehör; das ist nicht bloß eine Öffnung, sondern es sind eine ganze Reihe von Öffnungen. Das alles geschieht im letzten Drittel der atlantischen Zeit, und dadurch erst wird der physische Menschenleib so umgestaltet, daß er zu dem wird, was er heute ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir nennen nun den umgestalteten Ätherleib, wie er sich in der ersten atlantischen Zeit gebildet hat, die «Verstandesseele» oder «Gemütsseele», und den umgestalteten physischen Leib nennen wir die «Bewußtseinsseele». Da haben Sie also als eine Folge der Evolution dargestellt, was Sie in meiner «Theosophie» geschildert finden, so wie es heute ist. Hier sehen Sie, wie die Dinge sich nach und nach gebildet haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt ist auch der physische Leib nach außen geöffnet und der Mensch lernt jetzt die Außenwelt erst wirklich kennen, und nun&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|78}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
beginnt die bewußte Umgestaltung des astralischen Leibes. Vorher war alles mehr oder weniger eine unbewußte Umgestaltung; denn die Bewußtseinsseele ist jetzt erst da. Wollen wir uns diesen Zustand vorstellen, so müssen wir ihn uns schematisch so denken: aufgeschlossen den astralischen Leib, den Ätherleib und den physischen Leib, und dadurch, daß der Mensch mit der Außenwelt in Beziehung tritt, bildet er in sich hinein einen Einschlag. Das ist alles dasjenige, was das Ich am Verkehr mit der Außenwelt entwickelt, was das Ich lernt während des Verkehrs mit der Außenwelt. Denken Sie sich nun, das Ganze, was das Ich so entwickelt, wird immer größer und größer, und es ist tatsächlich so es ist das zwar schematisch, aber durchaus dem wirklichen Vorgang entsprechend , daß dieses neue Gebilde, das der Mensch nach und nach entwickelt, sich hier herumlegt um seinen astralischen Leib und sich mit seinem astralischen Leib vereinigt und dann im Laufe der Entwickelung diesen selber umgestaltet zu dem eigentlichen menschlichen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:GA102 078.png|center|200px|Zeichnung aus GA 102, S. 78]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Manas oder Geistselbst (siehe Zeichnung). Bei dieser Arbeit ist der Mensch heute, indem er durch das, was er durch seinen Verkehr mit der Außenwelt erlangt, seinen astralischen Leib zu Manas oder Geistselbst umgestaltet. In diesem Prozeß stehen wir noch gegenwärtig darinnen. Überall aber sind wir dadurch, daß die Geister der Form das Ich abgegeben und dem Menschen eingeträufelt haben, mit diesen Geistern der Form umgeben als mit Wesenheiten, deren niederstes Glied ein manasisches, das Geistselbst, ist. Wenn wir also in unserer Umgebung nach diesen Geistern der Form, nach ihrem niedersten Gliede suchen wollen, so finden wir es in dem, was wir selbst als das fünfte Glied&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|79}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nach und nach entwickeln. Was wir als menschliche Weisheit entwickeln, wodurch wir immer weiser und weiser werden müssen, das müßten wir als niederstes Glied der Geister der Form in unserer Umgebung geäußert finden. Betrachten wir einmal, was erhabenere, höhere Wesenheiten um uns gemacht haben, woran wir noch keinen Anteil haben. Sehen wir uns, ich habe es schon oft erwähnt, ein Stück Oberschenkelknochen an, worin Balkenlagen, die hin- und hergehen, zu einem wunderbaren Gerüst zusammengefügt sind, so daß wir uns sagen müssen: weisheitsvoll ist hier mit dem kleinsten Ausmaß des Stoffes das größte Maß von Kraft erreicht! Was der Mensch allmählich in seiner Weisheit erlangt, das sehen wir da hineingeheimnißt. Der Mensch wird allmählich lernen was er heute noch nicht kann , durch seine Ingenieurkunst Brückengerüste zu bauen, die Weisheitsformen sein werden, die so weise eingerichtet sein werden, wie die Oberschenkelknochen als Pfeiler den menschlichen Oberkörper tragen. So weise ist auch der ganze menschliche Leib eingerichtet, ein Ausdruck und eine Offenbarung der Weisheit, und wenn wir hinausgehen in die Natur, tritt uns überall diese Weisheit entgegen. Gehen wir zum Beispiel zu den Bauten, welche sich die Biber anlegen. Da sehen wir, wie sich die Biber in gewissen Jahreszeiten zusammenfinden, wenn das Wasser ein größeres Gefälle erreicht, um unter einem bestimmten Winkel im Wasser einen Bau aufzuführen, wodurch sie das Wasser aufhalten und ein neues Gefälle einrichten, alles technisch so richtig angelegt, als wenn ihnen alle Hilfsmittel der Mathematik und sonstigen Wissenschaften dabei zu Gebote gestanden hätten. Überall in unserer Umgebung finden wir alles angefüllt und imprägniert mit Weisheit, mit dem, womit wir selbst imprägniert sein werden, wenn wir Manas im vollen Umfange entwickelt haben werden. Diese Weisheit, die wir überall finden, ist etwas, was zu den Gliedern der Geister der Form gehört. Wie unser niederstes Glied der physische Leib ist, so ist die Weisheit, die wir um uns herum finden, das unterste Glied der Geister der Form. Dann haben diese Geister der Form Buddhi, Atman, wo wir unseren Ätherleib und astralischen Leib haben, und dann noch das achte, neunte, zehnte und elfte Glied. Sie sehen also, wir haben es hier zu tun mit hoch erhabenen Wesenheiten, zu denen wir aufschauen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
und wenn wir die Weisheit in unserer Umgebung sehen, sehen wir nur das letzte Glied dieser hoch erhabenen Wesenheiten. Wir sind gegenüber diesen erhabenen Wesenheiten so wie ein Tier, ein niederes Wesen, das am Menschen herumkriecht und nur den physischen Leib an seiner Außenseite sieht. Verzeihen Sie mir das Bild, den Vergleich! Wir kriechen auf der Erde herum und sehen die Weisheit, die für die Geister der Form so ist wie für uns der physische Leib. Solch ein Wesen ist dasjenige, was wir den schöpferischen Geist dem Menschen gegenüber nennen; denn dieser schöpferische Geist hat ihm sein Ich eingeflößt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Genau ebenso wie wir uns zu dem Manas erheben auf die geschilderte Art, so werden wir uns einstmals erheben im weiteren Verlauf der Entwickelung durch die Umgestaltung des Ätherleibes: wir gliedern uns den Lebensgeist, die Buddhi, ein. Wir haben in unserer Umwelt Manas oder das Geistselbst als die in der Welt imprägnierte Weisheit. Wie das ein niederstes Glied geistiger Wesenheiten, der Geister der Form, ist, so sind auch andere Wesenheiten verknüpft mit der Erde, deren unterstes Glied nicht unser fünftes, Manas, sondern unser sechstes Glied ist, das heißt der Lebensgeist oder die Buddhi. In unserem Umkreis ist die Atmosphäre für solche Wesenheiten, deren letztes Glied als das Glied höherer Wesenheiten unserem Lebensgeist gleichkommt. Und so wahr es ist, daß im Beginne der Erdentwickelung eine äußere Tat dem Menschen das Ich eingeträufelt hat, so wahr ist es, daß in einem bestimmten Zeitpunkt der Erdentwickelung der erste Eindruck und Einfluß derjenigen Wesenheiten auftrat, welche dem Menschen nach und nach die volle Kraft der Buddhi einträufeln. In der Zeit, in der das Ich herunterträufelte in alter, grauer Vorzeit, da war noch nach zweitausend Jahren nicht viel von solchen Ichen zu bemerken, die in den Menschenleibern waren. Das alles ging nach und nach. Im Laufe von vielen Jahrtausenden kam erst diese Kraft des Ich voll zur Geltung. Niemals darf man sich vorstellen, daß die Einträufelung des Ich ein solches Ereignis war, von dem jemand sagen könnte: Da ist nichts Besonderes geschehen, das erkenne ich nicht an; das ist ein Ereignis, wie es sie auch vorher gegeben hat! Wenn da irgendwelche sonderbar «aufgeklärte» Geister zweitausend Jahre nach der Einträu-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|81}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
felung des Ich auf der Erde gelebt und damals etwa einen Materialismus begründet hätten, so würden sie gesagt haben: Ach, da gibt es unter uns einzelne, die behaupten, eine besondere Kraft sei vom Himmel gekommen und habe alle Menschen vorwärts gebracht; aber das ist ein Dualismus verwerflichster Art; wir müssen als Monisten erklären, daß das etwas ist, was schon früher da war! Diese Dinge traten allmählich und langsam auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ebenso wie im Beginne der lemurischen Zeit ein gewaltiger Ruck vorwärts durch die Einträufelung des Ich stattgefunden hat, wodurch erst später die Möglichkeit geworden ist, das Geistselbst oder Manas auszubilden, ebenso gibt es ein Ereignis, welches eine grundlegende Bedeutung hat, wodurch der Mensch fähig sein wird, innerhalb des ganzen Menschen nicht nur Manas auszubilden, sondern den Lebensgeist oder Buddhi. Und dieses Ereignis ist die Tat von Golgatha, ist die Erscheinung des Christus auf der Erde! Es mag sein, daß diese oder jene Leute das heute leugnen werden; aber dieses Ereignis ist ebenso eine Wirkung aus der Umgebung, wie das andere eine Wirkung aus der Umgebung war. So sehen wir, daß wir den Weltengang von seiner geistigen Seite aus begreifen, wenn wir in die Tiefen dieser Welt hineinsehen. Wir lernen allmählich unseren Blick nicht nur zu einem materiellen Dasein erheben; sondern wir entdecken überall, wo wir hineinschauen in den Weltenraum, geistige Wesen und ihre Taten, und durch das, was wir Theosophie nennen, lernen wir die Taten dieser geistigen Wesenheiten kennen. Wir leben, weben und sind innerhalb der geistigen Wesenheiten und ihrer Taten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So wollen wir das nächste Mal noch etwas genauer auf den menschlichen Organismus eingehen und wollen auf die Punkte hinweisen, wie sie sich wirklich herausgebildet haben, nachdem wir sie heute mehr schematisch betrachtet haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|82}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= FÜNFTER VORTRAG, Berlin, 16. März 1908 =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das letzte Mal besprachen wir in großen Zügen das Werden des Menschen im Zusammenhange mit dem Werden, mit der Entwickelung des Kosmos. Man kann diese Dinge von den allerverschiedensten Gesichtspunkten aus betrachten. Denn wenn wir so den geistig geschärften Blick zurückschweifen lassen in Zeiten urferner Vergangenheit, dann stellt sich uns eine nicht minder reiche Mannigfaltigkeit des Geschehens dar als in unserer unmittelbaren Gegenwart; und man darf nicht glauben, wenn man mit einigen Begriffen und Vorstellungen das Geschehen, die Entwickelung charakterisiert hat, daß man dann schon die Sache völlig begriffen, völlig dargestellt hätte. Es ist vielmehr notwendig, daß man auch diese Zeiten urferner Vergangenheit bis in unsere Gegenwart hinein von den verschiedensten Gesichtspunkten aus charakterisiert. Man wird dann immer klarer und klarer darüber. Man muß sich nur nicht verführen lassen durch scheinbare Widersprüche, die man da und dort finden könnte. Diese scheinbaren Widersprüche rühren davon her, daß man auch geistig eine Sache von den verschiedensten Gesichtspunkten aus anschauen kann. Man kann zum Beispiel um einen Baum herumgehen und von den verschiedensten Seiten ein Bild des Baumes entwerfen. Jedes Bild ist dann wahr. Es können hundert sein. Natürlich ist das nur ein Vergleich; aber in gewisser Beziehung ist es durchaus richtig, daß wir auch die Zeiten unseres Erdgeschehens von den verschiedensten Gesichtspunkten aus betrachten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heute wollen wir unsere Erdentwickelung im Zusammenhange mit unserer Menschheitsentwickelung von einem anderen Punkt aus betrachten, und wir wollen dabei mehr Rücksicht nehmen auf den Menschen selbst. Wir wollen die Vorgänge schildern, die sich in dem, was man «Akasha-Chronik» nennt, dem rückwärts blickenden hellseherischen Auge darstellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir haben schon öfter wiederholt, daß unsere Erde, bevor sie Erde geworden ist, durch eine Reihe von Verkörperungen hindurchgegangen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|83}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ist. Es ging voran die Saturnzeit, die Sonnenzeit, die Mondenzeit; dann erst kommt unsere eigentliche Erdenzeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir noch einmal ganz kurz einen Blick zurückwerfen auf die Zeit des alten Saturn, so erinnern wir uns, daß gesagt worden ist, daß von denjenigen Elementen und körperlichen Zuständen, die heute auf der Erde sind, den festen oder erdigen, den flüssigen oder wäßrigen, den luftförmigen und den feurigen, auf dem alten Saturn nur das Feuer, die Wärme vorhanden war. Wir stellen uns ganz richtig vor, wie diese erste Verkörperung der Erde war, wenn wir folgendes betrachten: Der Saturn hatte noch nicht die Gase in sich, noch keine wäßrigen Bestandteile, geschweige denn irgend etwas Erdiges. Wenn Sie den alten Saturn sozusagen besucht hätten falls Sie damals schon ein Mensch hätten sein können wie heute , so würden Sie, wenn Sie sich dem alten Saturn genähert hätten, nichts von harter, von irgendwie flüssiger oder sonstiger Materie gefunden haben, sondern eine Kugel, die lediglich aus Wärme bestanden hätte. Wie in einen Backofen wären Sie hineingegangen. Sie hätten ihn dadurch empfunden, daß Sie in eine andere Wärmeregion hineingekommen wären. Also lediglich aus Feuer oder Wärme bestand der alte Saturn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Sonne, die die zweite Verkörperung unserer Erde war, zeigte schon die Wärme in einer solchen Verdichtung, daß wir von einem gas- oder luftförmigen Zustande sprechen. Der Mondzustand zeigte dann in seiner früheren Zeit einen wäßrigen Zustand unserer Substanzen; und auch darauf habe ich Sie schon aufmerksam gemacht, daß aus dem alten Monde ein Teil seiner Substanz, die Sonnensubstanz, herausging, und als sie herausgegangen war, trat plötzlich eine mächtige Verdichtung aller Mondwesen ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für uns ist heute die Hauptsache die, daß wir uns noch einmal ganz klar zum Bewußtsein bringen, daß in jedem späteren Entwickelungszustand die früheren in einer gewissen Weise wiederholt werden müssen. So haben wir, wenn wir in der Entwickelung unserer Erde selbst zurückblicken, im Anfange derselben eine Art Saturnentwickelung, nämlich eine Wiederholung des Saturnzustandes; dann haben wir eine Art Sonnenentwickelung, eine Wiederholung des Sonnenzustandes, dann eine Art Mondenentwickelung, eine Wiederholung des Monden-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|84}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
zustandes; und dann beginnt eigentlich erst wirklich die jetzige Verkörperung unserer Erdenentwickelung. Als unsere Erde aus dem Pralayazustand, aus dem Dämmerungszustand herauskam, durch den sie hindurchgegangen war, nachdem sie Mond gewesen war, da war auch unsere Erde wiederum nur eine Feuerkugel. Ich habe es Ihnen ja beschrieben, wie sich die anderen Planeten losgelöst haben. Wir halten zunächst daran fest, daß die Erde eine bloß feurige, bloß Wärmesubstanz in sich enthaltende Kugel war. Innerhalb dieser Wärmekugel, die aus Feuer bestand, war auch der Mensch schon veranlagt. Wie auf dem Saturn die erste Anlage des Menschen vorhanden war, so ist jetzt bei der Wiederholung des Saturnzustandes auf der Erde auch wieder der Mensch vorhanden. Es gab keine anderen Reiche. Der Mensch ist der Erstgeborene des Erdenzustandes. Kein Pflanzenreich, kein Tierreich, kein Mineralreich ist am Anfang unserer Erdenentwickelung vorhanden, so daß auch unsere Erde im Grunde genommen im Beginne ihrer Entwickelung nur aus Menschenleibern zusammengesetzt war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ja, was ist aber nun für ein Unterschied zwischen dem alten Saturnzustand und dem jetzigen Erdenzustand, der den alten Saturnzustand wiederholt? Es ist eben ein erheblicher Unterschied! Er besteht darin, daß die Menschenleiber die jetzt herauskommen, wie die frischen Pflanzen sich aus den Keimen entfalten die drei früheren Entwickelungsstufen durchgemacht haben. Sie sind wesentlich mannigfaltiger, komplizierter gestaltet; denn alle die Kräfte, die im Saturn gewirkt haben, sind in diesem ersten Erdenzustand vorhanden. Auch die alte Sonne und der alte Mond sind darinnen. Die haben sich im Anfange der Erdenentwickelung vereinigt, und sind alle wieder zu einem Körper geworden. Saturn-, Sonnen- und Mondkräfte wirken in ihm zusammen. Daher ist dieses erste Menschenwesen im Beginne der Erdenentwickelung schon viel, viel komplizierter als das alte Saturn-Menschenwesen. Im Saturn war alles undifferenziert, da war alles noch Saturnmensch. Jetzt wirken in der neu entstandenen Erde Saturn, Sonne und Mond zusammen; der Erdenmensch entstand in seiner ersten, sehr komplizierten Anlage.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damals, als die Erde auftauchte, sich sozusagen aus dem Dunkel des Weltenraumes heraushob als ein wärmedurchglühter Raum, da lebten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|85}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
in diesem wärmedurchglühten Raum die ersten Menschenformen selbst als Wärmewesen. Wenn Sie mit dem hellseherischen Auge zurückblicken auf das, was damals vom Menschen vorhanden war, so finden Sie zuerst diese erste Menschenanlage so, als wenn die ganze Wärmesphäre viele, viele Strömungen in sich hätte. Diese Strömungen gehen gegen die Oberfläche der Erde also der neu aufgegangenen Erde zu, senken sich in diese Oberfläche hinein und bilden dort wärmere Massen, als die Umgebung ist. Es unterscheidet sich das Menschenwesen von seiner Umgebung lediglich dadurch, daß man fühlt: gewisse Räume sind wärmer. Nun mache ich Ihnen am leichtesten klar, was damals vom Menschen vorhanden war, wenn ich Ihnen unter den menschlichen Organen das aufzeichne, was damals in der ersten Anlage sich gebildet hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denken Sie sich ein eben geborenes Kind, bei dem oben auf dem Kopfe noch eine ganz weiche Stelle ist. Diese Stelle denken Sie sich ganz offen, und denken Sie sich von außen in diese Öffnung einen Wärmestrom hineingehend. Denken Sie sich diesen Wärmestrom nicht dicht materiell in Blutströmen, sondern in Kraftströmen, und hinuntergehend und eine Art Zentrum bildend da, wo jetzt Ihr eigenes Herz ist, und in einzelnen Adern sich verlaufend, aber Kraftadern, nicht Blutadern. Da haben Sie die erste Wärme-Menschenanlage. Aus dieser Wärme-Menschenanlage ist später in weitergehender Entwickelung das menschliche Herz mit seinen Blutgefäßen, es ist die Blutzirkulation daraus geworden. Und das Organ, welches lange in der Menschheitsentwickelung vorhanden war, das dann verschwunden ist, das war ein leuchtendes Wärmeorgan, das damals ebenfalls in der ersten Anlage vorhanden war. Noch viel später in der Entwickelung der Erde hatte der Mensch ein solches Organ. An der Stelle, wo oben beim Kinde der Kopf weich bleibt, ist sozusagen der Ort bezeichnet, wo eine Art von Wärmeorgan vom Menschen herausging, als der Mensch noch nicht in seine Umgebung sehen konnte. Als er noch Meeresmensch war, als er noch nicht auf die heutige Art wahrnehmen konnte, als er noch im Meere herumschwamm, da mußte er vor allen Dingen wissen, wie die Temperaturzustände sind, ob er sich nach einer Richtung hinbewegen durfte oder nicht. Mit diesem laternenartigen Organ konnte er wahrnehmen, ob er sich da oder dort hinbegeben durfte. Dieses Organ hatte&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|86}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der Mensch noch im dritten Zeitraume, der lemurischen Zeit. Ich habe Ihnen schon einmal angedeutet, daß die Sage von den Zyklopen der Menschen mit dem einen Auge zurückgeht auf diese Menschenaugenform. Es ist kein eigentliches Auge, und wenn es als Auge beschrieben wird, so ist das nicht richtig. Es ist eine Art von Wärmeorgan, und dieses weist dahin, wo er hingehen darf. So würden wir so etwas wie ein becherförmiges Organ haben, das sich nach unten ausweitet zur ersten Anlage des Herzens, und das umgeben war von einer Art von Fangarmen, so daß man oben eine Art von Blüte hatte. So war dieses Organ in der ersten Zeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun trat im Laufe der Erdenzeit etwas ein, was sehr wichtig ist: Es differenzierte sich die Materie, der Stoff. Die einheitliche Wärmematerie differenzierte sich, so daß Luftmaterie entstand, während ein Teil der früheren Wärmematerie als Wärmematerie geblieben ist. Dabei müssen Sie aber ein Gesetz beachten, und es ist notwendig, daß Sie es sich recht klarmachen, wenn Sie diese Menschenteile im Verlauf der Entwickelung betrachten wollen: überall da, wo sich die Wärmematerie verdichtet, so daß sie Luft wird, entsteht gleichzeitig Licht. Wärmematerie ist noch finstere Materie, wird nicht von Licht durchsetzt. Wenn aber in solcher Weltensphäre ein Teil dieser Wärme sich verdichtet zu Gas oder Luft, dann kann ein Teil dieser Materie das Licht durchlassen. Und so war es.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt haben wir die Erde im zweiten Zustande ihrer Entwickelung. Parallel damit gehen alle anderen Aspekte. Wir haben jetzt eine Erde, die teilweise aus Wärme besteht, teilweise aus Luft, und die innerlich leuchtend ist. Und in der Tat, das alles drückt sich jetzt auch aus in der Menschenentwickelung, in der menschlichen Bildung. Dasjenige, was früher bloße Anlage war als Wärmeorgan, das fängt in der Tat an zu leuchten. Der Mensch ist wie eine Art Laterne, er leuchtet. Vor einigen Jahrzehnten hätte man sich noch darüber wundern können, daß es leuchtende Wesen gibt. Heute braucht man sich nicht mehr zu wundern; denn heute weiß bereits die Naturwissenschaft, daß es tief im Meeresgrunde, wo gar keine Lichtstrahlen mehr hindringen, Wesen gibt, die leuchten, die selbst ihr Licht verbreiten. So fing der Mensch damals an aufzuleuchten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|87}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun zeigte sich an dieser menschlichen Bildung etwas höchst eigentümliches: Es setzte sich die erste Anlage an nach und nach entwickelte sie sich dann weiter , um die Luft, die da war, auch zu verwerten, es bildete sich der Anfang eines Atmungsprozesses heraus. So sehen wir also zu dem vorhergehenden Wärmeprozeß eine Art Atmungsprozeß hinzugefügt. Das ist sehr wichtig, daß wir uns klar darüber werden, daß mit der Einlagerung von Luft in die Erde der Atmungsprozeß eintritt, der ja in nichts anderem besteht, als daß sich an die Wärmematerie Luft ansetzt, daß sie von Luftbläschen durchdrungen wird. Das ist die Wirkung der Luft. Aber es ist das noch mit etwas anderem verknüpft; denn die Wirkung des Lichtes ist auch da, und die zeigt sich darin, daß sich die ersten Ansätze zum Nervensystem, und zwar zum inneren Nervensystem bilden. Wohlgemerkt, nicht ein physisch ausgeprägtes Nervensystem, sondern das ganze sind mehr Kraftlinien, die bis zu einer Verdichtung gediehen sind. Sie müssen denken, daß das Ganze gasförmig ist, und nur ganz feine Luftströmungen wie Kraftlinien darin vorhanden sein können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir haben also jetzt eine Menschenanlage, die in aller Feinheit ganz ätherisch, noch ein Wärmewesen, ein Luftwesen ist, und ein Wesen, in dem die ersten Anlagen des Nervensystems sich zeigen. Wenn Sie ein wenig nachdenken darüber, dann wird Ihnen klar sein, daß das der Zustand unserer Erdenentwickelung ist, wo die Sonne noch in der Erde darinnen ist. Natürlich ist die Sonne noch darinnen! Denken Sie sich, wie dieser Weltenkörper sich ausnähme im Weltenraum, wenn jemand von außen zu diesem Weltenkörper hinübersähe. Alle diese Wesen, die wir eben beschrieben haben als erste Menschenwesen, strahlen einzeln Licht aus, und dieses Licht wird das Gesamtlicht, das in den Weltenraum hinausströmt. Sie sehen, daß Sie es wirklich zu tun haben mit einer Sonne, die in den Weltenraum hinausleuchtet. Wenn Sie den Saturnzustand hätten prüfen können, würden Sie gefunden haben, daß Sie sich ihm hätten nähern können, ohne ihn zu sehen; nur durch Wärme machte er sich bemerkbar. Nun haben Sie es aber mit einem innerlich erwärmten, aber sein Licht nach außen in den Weltenraum schickenden Sonnenkörper zu tun.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt kommt nach und nach die Zeit, die ich Ihnen charakterisiert&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|88}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
habe als den Hinausgang der Sonne. Alle höheren Wesen, die mit der Sonne verknüpft waren und die den Menschen die Fähigkeiten gaben, die wir eben besprochen haben, alle diese Wesenheiten mit den feineren Substanzen trennten sich. Die Sonne ging hinaus. Sie schien noch nicht, sie verbreitete noch kein Licht; sie ging hinaus aus der Erde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun haben wir einen Weltenkörper in diesem Entwickelungszustande unserer Erde, der aus Erde und Mond besteht, denn der heutige Mond war dazumal noch in der Erde drinnen. Jetzt geschieht etwas höchst Merkwürdiges. Dadurch, daß alle feineren Kräfte mit der Sonne hinausgegangen sind, geschieht eine verhältnismäßig natürlich sehr rasch erfolgende Verdichtung. Was früher nur Kraftlinien waren, zeigt jetzt schon eine sehr dichte Gestalt. Und wie die feineren Substanzen fortgehen, sehen wir, wie sich der gasförmige Zustand verdichtet zu Wasser. Das Ganze besteht jetzt nicht nur aus Feuer und Luft, sondern auch aus Wasser. Die Leuchtkraft ist fortgegangen mit der hinausziehenden Sonne. Dunkel ist es wieder geworden auf der Erde; nur einen Teil der Leuchtkraft haben sich die Wesen innerlich behalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist dies ein interessanter Zustand der Menschheitsentwickelung. Ich habe Ihnen gesagt, daß durch das Licht die Anlage zum Nervensystem entstand. Dieses Nervensystem ist ein Geschöpf des Lichtes. In allen Ihren Nerven haben Sie nichts anderes als die ursprünglichen Einstrahlungen des Lichtes. Jetzt geht das Licht, die Sonne, hinaus in den Weltenraum. Dadurch verdichtet sich sehr rasch die Masse. Sie wird zwar noch nicht gleich eine solche Nervenmasse, wie sie heute ist, aber sie wird dichter als früher, sie ist nicht mehr bloß eine feine ätherische Masse. Und was das Wesentliche ist: früher war sie nach außen leuchtend, jetzt wird sie nach innen leuchtend. Das heißt, dieses erste Nervensystem des Menschen hat die Fähigkeit, innerliche Lichtbilder zu erzeugen: Visionen, hellseherisches Bewußtsein tritt auf. So geht also die Sonne heraus aus der Erde, läßt sozusagen die Erde ohne Licht. Aber die Wesen erzeugen sich ein innerliches Licht. Früher waren sie so, daß sie sich das Licht von außen gegenseitig zuschienen. Jetzt verloren sie die Fähigkeit, zu leuchten. Die Erde war nicht mehr Sonne, aber innerlich wurde der Bewußtseinsraum erleuchtet, wie wenn Sie heute Ihren Bewußtseinsraum im Schlafe durchleuchten mit der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|89}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ganzen Traumwelt. Nur unendlich bedeutender, viel lebendiger wurde dieser ganze Bewußtseinsraum durchleuchtet in dieser Zeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und nun kommen wir wiederum an eine wichtige Sache. Ebenso wie mit der Entstehung der Luft das Licht entstanden ist, so entstand jetzt mit der Verdichtung der Luft zum Wasser ein Gegenbild. Wie sich nämlich die Luft zum Licht verhält, so verhält sich das Wasser zum Schall, zum Ton. Natürlich kann der Ton durch die Luft gehen und versetzt die Luft in Schwingungen; dadurch ist er hörbar. Aber entstanden, aufgetreten auf der Erde ist der Ton als ein Ton für sich neben der Wasserbildung. Und genau ebenso wie die Luft durchströmt worden ist von der Lichtwirkung, so wird jetzt das ganze Wasser, zu dem sich die Luft verdichtet hat wir haben ja jetzt die Erde bestehend aus Wärme, Luft und Wasser ganz und gar durchvibriert von Tonstrahlen. Es ist jetzt unsere Erde gerade am meisten durchsetzt in denjenigen Teilen, wo sie wäßrig geworden ist, von Sphärenharmonien, von Tönen, die so aus dem Weltenraum in allen möglichen Tonharmonien in unsere Erde hineinströmen; und das Ergebnis dieser Tonwirkungen im Wasser ist ein sehr, sehr wichtiges. Sie müssen sich da natürlich vorstellen, daß in diesem ursprünglichen Wasser, in diesem flüssigen Erdenwasser alle die Substanzen enthalten waren, die heute abgeschieden sind als Metalle, Mineralien und so weiter. Ganz besonders ist es interessant, den geistigen Blick hinzurichten auf diese alte Zeit, zu sehen, wie sich die verschiedensten Formen aus dem Wasser herausbilden, indem der Ton im Wasser Gestalten schafft. Der Ton schafft im Wasser Gestalten. Es ist eine ganz wunderbare Zeit unserer Erdentwickelung. Es ist damals im größten Maße in der Erdentwickelung so etwas geschehen, wie wenn Sie auf eine Metallplatte feinen Staub aufstreuen und mit einem Violinbogen die Platte streichen; da entstehen die Chladnischen Klangfiguren. Sie wissen ja, welche regelmäßigen Figuren da entstehen. So bildeten sich durch die aus dem Weltenraum hineinströmende Musik die mannigfaltigsten Gestalten und Figuren, und die Stoffe, die im Wasser gelöst waren, die selber wäßrig waren, sie gehorchten der Weltenmusik und ordneten sich nach der Weltenmusik. Und die wichtigste Bildung des Tanzes der Stoffe nach der Weltenmusik ist das Eiweiß, das Protoplasma, wie es die&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|90}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Grundlage ist aller lebendigen Bildung. Lassen Sie die Materialisten nachdenken, so viel sie wollen, über die mechanische Zusammenfügung von Eiweiß aus Sauerstoff, Stickstoff, Kohlenstoff und so weiter. Das ursprüngliche Protoplasma, Eiweiß, hat sich gebildet aus dem Weltenstoffe, der sich gebildet hat aus den Harmonien der Weltenmusik. Und so sind die Stoffe im Lebendigen angeordnet im Sinne der Weltenmusik. So gliedert sich jetzt um die feinen Gebilde herum und namentlich in sie ein jener eiweißförmige Stoff, jenes Protoplasma, das alles durchdringt. Längs jener Linien, die ich Ihnen beschrieben habe als Wärmelinien, läuft das nach dem Weltenton zu Eiweiß koagulierte Wasser und geht allmählich in Blutbildung über. In den Nervenlinien setzt sich das koagulierte Wasser als die Eiweißbildung ein. Und zuerst bildete sich das Eiweiß so wie eine Art Hülle, wie eine knorpelige Leimsubstanz möchte man sagen, damit ein Schutz da ist gegen außen. Das alles bildete sich wirklich nach dem Tanz der Stoffe in Gemäßheit der Sphärenmusik.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dies alles war da, bevor es eine einzige Zelle gab. Die Zelle ist nicht das Ursprüngliche des Organismus, sondern das, was ich Ihnen jetzt beschrieben habe, das Geistige, ist das Ursprüngliche des Organismus, zuerst vorhanden als Wärmewesen, dann angedeutet mehr in Kraftlinien, dann sich einlagernd in diese Kraftlinien das, was aus der Sphärenharmonie entstanden ist durch Anordnung der Stoffe; und verhältnismäßig spät, als letzte der Bildungen, entstand erst die Zelle. Die Zelle als letzte Absonderung mußte schon von einem Lebewesen geboren werden. Niemals ist es so gewesen, daß sich Organismen aus Zellen herausgebildet haben, sondern die Zelle hat sich erst aus Lebendigem gebildet. Das Anatomische ist immer erst eine Folge des Zusammengesetzten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das alles haben wir im Anfange jenes Zustandes, wo noch der Mond in der Erde und die Sonne schon draußen war. Aber solange der Mond in der Erde drinnen blieb, geschah eine immer stärkere Verhärtung dieser Eiweißbildung, und es wäre endlich so weit gekommen, wie ich es Ihnen als Mumifizierung beschrieben habe, wenn nicht die gröbsten Substanzen und die gröbsten Wesen hinausgegangen wären aus der Erde. Das letzte, was sich noch herausgebildet hat aus der Menschen-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|91}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wesenheit in dieser Zeit, das waren diejenigen Nerven, die zu den Sinnesorganen hingehen. Aber die Sinnesorgane waren noch nicht geöffnet. Sie waren gebildet worden von innen heraus, aber sie waren noch nicht geöffnet. Und jetzt geht also der Mond mit den gröbsten Substanzen heraus. Die Folge dieser Entwickelungsstufe ist, daß der Mensch allmählich übergehen kann zu einem höheren Zustand dadurch, daß seine Sinne geöffnet werden, daß sozusagen die beiden Körper, die jetzt draußen sind, sich von außen gegenseitig die Waage halten. Während sie, solange sie mit der Erde verbunden waren, den Menschen aufgebaut haben, wirken sie jetzt von außen ein, öffnen sie ihm jetzt seine Sinne und machen ihn zu dem sehenden und hörenden Wesen, als das er uns heute erscheint.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses Hinausgehen des Mondes geschieht etwa um die Mitte der alten lemurischen Zeit. Da haben wir einen Menschen, dessen Sinnesorgane noch nicht geöffnet sind, der aber eine mächtige hellseherische Begabung hat. Ich habe sie Ihnen beschrieben: er kann seinen Bewußtseinsraum ausfüllen mit den verschiedensten Farben- und Wärmeerscheinungen von innen heraus, die alle realen Wert haben und etwas bedeuten; aber er nimmt noch nicht die Gegenstände im Raume wahr. Dies beginnt erst, nachdem der Mond die Erde verlassen hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn Sie diese kurze Skizze, die ich Ihnen jetzt von der alten Erdenentwickelung gegeben habe, ins Auge fassen, so werden Sie sehen, daß der Mensch, wie er heute als Erdenwesen ist, eigentlich seinen Ausgangspunkt genommen hat vom Herzen aus. Natürlich war das Herz nicht als ein solches Organ da, wie es heute ist. Das hat sich erst viel später entwickelt; aber die Anlage zum Herzen ist aus dem Feuer entstanden. Dann kam, aus der Luft heraus geboren, das Atmungssystem hinzu, und aus dem Licht heraus geboren das Nervensystem. Dann kam das, was sich in die Organe als Protoplasmamasse eingliederte, das das Ganze erst zur lebendigen Materie gestaltet hat dadurch, daß die Welttöne die wäßrigen Substanzen koagulierten. In der letzten Zeit der Erdenentwickelung, als die Erde noch mit der Mondensubstanz zusammen war, geschah die Verdichtung zum erdigen Zustande; und erst kurz bevor der Mond herausging, war das entstanden, was man heute gewöhnlich das Mineralreich nennt, da entstand das Erdige aus&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|92}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dem Flüssigen heraus. Das Eiweiß ist ja ein Zustand zwischen dem Festen und Flüssigen mitten drinnen. Aber das Erdige, das Feste ist eigentlich erst in der letzten Zeit entstanden. Wodurch? Es ist entstanden dadurch, daß unter dem Einflusse der Verdichtung denn alles war ja ein fortwährender Verdichtungsprozeß die Elemente selbst immer materieller und materieller geworden sind. Denken Sie einmal an den Beginn der Erdentwickelung. Was hat da die Wärmematerie getan? Sie hat Ihnen das gegeben für Ihre Leiblichkeit, was jetzt in Ihrem Blute pulsiert. Das war nicht dieselbe Wärme wie früher. Sie dürfen nicht glauben, wenn wir von dem ersten Wärmezustand der Erde sprechen, daß wir so von einer Wärme sprechen, wie sie entsteht, wenn Sie ein Zündhölzchen anzünden. Das ist mineralisches Feuer und mineralische Wärme. Wir sprechen von jenem Feuer, von jener Wärme, die in Ihrem Blute pulsiert; das ist lebendige Wärme. Es gibt tatsächlich nicht nur die mineralische Wärme, die draußen im Raume entsteht, sondern es ist eine ganz andere, eine lebendige Wärme, die Sie in sich selber haben. Die war im Beginne der Erde vorhanden, und aus ihr bildete sich die erste menschliche Anlage heraus. Aber mit der fortdauernden Verdichtung ist auch diese lebendige Wärme allmählich leblose Wärme geworden. Dies hing auch zusammen mit jenem Verdichtungsprozeß, der sich vollzog, als die Sonne herausging und der Mond mit der Erde verbunden war. Und diese Wärme, die die mineralische Wärme war, tritt zunächst auf als Verbrennungsprozeß.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier kommen wir zu einer wichtigen Sache, die ich sehr zu beachten bitte. Wir können zwar im Anfange von einem Wärmezustand, von einem Feuerzustand reden; von einer eigentlichen Verbrennung sollten wir aber nicht reden. Das ist nicht das Richtige. Wir sollten von nichts anderem reden als von dem, was wir in unserem eigenen Blute heute warm pulsieren fühlen. Wärme, die entsteht durch eine äußerliche mineralische Verbrennung, trat erst auf, nachdem die Sonne herausgegangen und die Erde mit dem Monde allein geblieben war. Und durch diese Verbrennung, die früher gar nicht vorhanden war, sonderten sich die Stoffe innerhalb der Erdenmasse ab, die man im Okkultismus als «Asche» bezeichnet. Wenn Sie irgend etwas verbrennen, entsteht Asche. Die Asche lagerte sich der Erdenbildung ein, als die&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|93}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erde mit dem Monde allein war. Wir sind so weit gekommen, daß durch den Weltenton, der hereindrang und die Stoffe zum Tanze zwang, sich die Protoplasmamassen eingegliedert haben. Wir haben Wesen, wo sich nach den Kraftlinien früher feine Protoplasmamassen angeordnet haben, in der äußeren Bildung dem ähnlich, wie die Bildung im heutigen Eiweiß ist. Wir haben auch dichtere Massen, die wie zum Schutze da sind, die wie eine Art Leimhülle die betreffenden Wesen umgeben. Was fehlt in diesen Wesen? Die harte Knochenmasse! Wenn ich mich populär ausdrücken darf: Es ist alles noch eine mehr leimartige Masse, und das, was überhaupt mineralisch ist, fehlt ganz und gar in den Wesen bis zu der Zeit, die ich Ihnen jetzt beschrieben habe. Nun müssen Sie sich denken, wie anders diese Wesen waren. Heute haben Sie nichts in Ihrem physischen Körper, das nicht zugleich durchdrungen wäre von der mineralischen Substanz. Der Menschenleib, wie er heute ist, ist also erst verhältnismäßig spät entstanden. Heute besteht der Menschenleib nicht nur aus Knochen, sondern auch aus Muskeln und Blut; allem ist diese mineralische Masse eingegliedert. Denken Sie sich die mineralische Masse fort, die ganze Erde mit ihren Wesen noch ohne mineralische Masse. Dann entsteht durch einen Verbrennungsprozeß die Einlagerung von mineralischer Asche, Asche der verschiedensten Mineralien. In die Menschen, die es eigentlich bisher nur bis zur leimartigen Dichte gebracht hatten, lagerten sich also nach allen Seiten Aschenbestandteile ein. Und die Wesen nehmen die Asche auf wie früher das Eiweiß und gliedern sie sich in ihrer Weise ein, nehmen das Mineralische auf vom dicken Knochen bis zum flüssigen Blute. Sie können sich leicht eine Vorstellung machen, was sich da eingelagert hat: Alles, was als Asche zurückbleibt, wenn der Leib verbrannt wird oder verwest. Was wirklich als Asche zurückbleibt, ist das, was am allerletzten entstanden ist. Alles an Ihnen, was nicht als Asche zurückbleibt, war vorher da; das hat sich diese Asche erst eingegliedert. Der Mensch, der mit sehendem Auge auf diese Asche hinblickt, die aus einem verwesenden Leichnam herkommt, muß sich sagen: Dies ist die mineralische Substanz in mir, die am spätesten eingesogen wurde von dem, was früher da war. Das Mineralische ist also im Laufe der Erdenbildung am spätesten entstanden, und die anderen Reiche haben es&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|94}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sich eingegliedert, nachdem sie früher nur aus anderen Substanzen bestanden haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun können wir uns jetzt noch fragen: Was hat denn bewirkt, daß diese Asche sich eingegliedert hat? Wir tragen ja fortwährend diese Asche mit uns herum, nur ist sie verteilt und wird zurückgelassen, wenn unser Leichnam verbrannt wird oder verwest. Wie drang denn die Asche hinein in diese Linien, die von Eiweißsubstanz angefüllt waren?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir haben gesehen, ursprünglich war Feuer da; daraus bildete sich die Herzanlage; dann bildete sich die Atmungsanlage aus der Luft; das Licht gliederte sich ein und bildete die Nervenanlage; dann kam der Schall und bildete, indem er die Stoffe tanzen ließ, die lebendige Substanz. Was ließ denn das Aschenhafte, das Mineralische hineinströmen in diese Substanz? Das, was die Asche hineindrängt in die menschlichen Leiber, das war nunmehr der Gedanke, der den Schall, den Ton zum Worte macht. Noch in der atlantischen Zeit, als alles ringsum eingetaucht war in Nebel- und Dunstmassen, da war nicht das, was der Mensch sprach, die einzige artikulierte Sprache, sondern der Mensch konnte die Sprache der rauschenden Bäume, der rieselnden Quellen verstehen. Alles, was heute artikulierte Sprache ist, und was sich darinnen ausdrückt, bildete den Tanz der Stoffe; der Ton, das Musikalische darinnen, bildete die Stoffe zur lebendigen Substanz. Der Sinn, die Wortbedeutung drängt die sich im Verbrennungsprozeß bildende Asche hinein in diese lebendige Substanz, und in dem Maße, wie sich nach und nach bis gegen das Ende der atlantischen Zeit hin das Knochensystem verdichtete, wurde der Mensch immer mehr von Gedanken, von Selbstbewußtsein durchdrungen. Sein Intellektualismus leuchtete auf, und er wurde immer mehr und mehr ein selbstbewußtes Wesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von außen hinein sind die Dinge, die in uns sind, erschaffen: Erst unsere Anlage, die im Herzen ihr gipfelndes Organ erhalten hat, dann unser Nervensystem mit der Atmungsanlage, dann die Organe, die aus Lebendigem entstehen als Drüsenorgane. So zeigt sich im Laufe der Erdenentwickelung der umgekehrte Gang von früher. Dann gliedern sich ein das Knochensystem, die festen Stoffe, die von Asche durchdrungen sind, und der Mensch wird ein selbstbewußtes Wesen. So ist der Gang der Entwickelung innerhalb unserer eigenen Erden-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|95}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
verkörperung. Damit sind wir schon fast zum Ende der atlantischen Zeit gekommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn Sie das vergleichen mit dem, was wir früher besprochen haben, so werden Sie sehen: es ist immer zuerst dasjenige dagewesen, was zuletzt wirkt; denn das, was als «Wort» hineindrängt in die Materie, war zuallererst da. Was dem Menschen sein Ich gegeben hat, war zuallererst da. Wenn Sie das, was heute gesagt worden ist, lichtvoll zu verstehen suchen, können Sie auch hierin sehr leicht wiederfinden die Tatsachen für die ersten Sätze im Johannes-Evangelium. Wir werden in einem der nächsten Abende gerade zeigen müssen, wie unsere in den Weltenraum hinausschweifenden Betrachtungen schön wiedergegeben sind im Johannes-Evangelium und auch in den ersten Sätzen der Genesis. Alle diese Dinge werden uns wiedergewonnen, wenn wir also den Gang des Weltenwerdens betrachten. Aber eines wird Ihnen mit Klarheit daraus hervorgehen: Es stellt sich uns, wenn wir die Tatsachen betrachten, diese menschliche Entwickelung anders dar, als es die materialistische Phantastik sich vorstellt, nämlich, daß der Mensch hervorgegangen sei aus dem Grobmateriellen, und daß aus diesem die geistigen Fähigkeiten sich herausgebildet haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun sehen Sie, daß das, was die eigentliche Mission der Erdenentwickelung bildet, das, worin beim Menschen die Liebe zum Ausdruck kommt, zuerst veranlagt ist in dem, was wir als Wärmeorgan haben. Das taucht als erstes auf. Vor dem Organischen ist das Geistige in Form von Kraftlinien; dann gliedert sich das Organische unter der Wunderwirkung der Weltenmusik ein, und dann erst wird das Ganze wie durchimprägniert mit mineralischer Substanz, mit festen Stoffen, durch das Wort oder den Gedanken. Das Dichteste entsteht am spätesten. Der Mensch entwickelt sich aus dem Geistigen heraus, auch wenn wir den Gang der Erdenentwickelung betrachten. Der Mensch hat seinen Ursprung und Urstand, wie jede wahre Weltbetrachtung immer gezeigt hat, nicht in der Materie, sondern im Geiste; und die Materie hat sich erst nach den geistigen Kräften in das Menschenwesen eingegliedert. Das ergibt sich immer mehr aus dieser Betrachtung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|96}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= SECHSTER VORTRAG, Berlin, 24. März 1908 =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer den letzten hier gehaltenen Vortrag noch einmal aufmerksam durchdenkt und sich dabei erinnert, wie die Wiederholung gewisser vorher durchgemachter Zustände in einem späteren Stadium stattfindet also zum Beispiel auf unserer Erde nach und nach ein Saturn-, ein Sonnen- und ein Mondzustand eintritt und dann erst sich unser Erdzustand vollkommen entwickelt , könnte sich zu folgender Bemerkung gedrängt fühlen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er könnte sagen: Es ist doch in verschiedenen früheren Vorträgen behauptet worden, daß auf dem Saturn die erste physische Menschenanlage so etwas durchgemacht hat wie eine Art Sinnessystem, wie wenn diese erste Saturnanlage des menschlichen physischen Leibes aus primitiven, elementaren Sinnesorganen bestanden hätte. Auf der Sonne hätte sich dann ein Drüsensystem entwickelt, auf dem Mond das Nervensystem, und von allem geschah auf unserer Erde eine Wiederholung. Wie reimt sich das aber damit, daß das letzte Mal gesagt wurde: Das erste, was auf der Erde herauskommt, ist die erste Anlage zum Blutsystem, eine Art Wärmemensch; dann, indem sich der Erdzustand verdichtet zum Luftzustand und das Licht hinzutritt, gliedert sich an auf der einen Seite eine Art Luftsystem, das sich dann später zum heutigen Atmungssystem umbildet, während sich das Wärmesystem umbildet zum späteren Blutsystem; und auf der anderen Seite unter der Einwirkung des Lichtes bildet sich heraus eine Art von innerlich schauendem Nervensystem. Weiter wurde geschildert, wie sich das alles noch in einem feinen ätherischen Zustand befindet, und wie es dann gleichsam ausgefüllt wird mit einer Art Eiweißsubstanz, die unter dem Einfluß des Weltenschalles, des Weltentones, sich gliedert zu den einzelnen Stoffen. Wenn ich nun annehme könnte der Betreffende sagen , daß das Drüsensystem doch erst mit der Einlagerung dieses organischen Stoffes beginnt, dann würde zuerst auf der Erde eine Art Wärmesystem da sein, das die erste Anlage zum Blutsystem bildet, und eine Art Nervensystem, das ja allerdings in feinen ätherischen Kraft-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|97}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
linien vorhanden ist; dann würde das Drüsensystem kommen, das in einer gewissen Beziehung ja schon organisch-stofflich ist, und zuletzt würde sich einlagern das Mineralische, wie das das letzte Mal geschildert worden ist. Wenn so diese aufeinanderfolgenden Zustände von Saturn, Sonne und Mond eingetreten sind und diese Zustände sich dann auf der Erde wiederholen, so ist es doch merkwürdig, daß da nicht auch auf der Erde zuerst ein Sinnessystem, dann ein Drüsensystem, ein Nervensystem und zuletzt ein Blutsystem auftritt. Das letzte Mal ist es aber gerade umgekehrt geschildert worden: erst Blut, dann Nerven, Drüsen und zuletzt die festen Einlagerungen, die ja, wie betont worden ist, erst die Sinne nach außen öffnen. Es könnte jemand sagen, dieses Wiederholungsprinzip sei sehr schlecht weggekommen, indem gerade das letzte Mal eine Art umgekehrte Ordnung erzählt worden ist als die, welche man hätte erwarten müssen, wenn eine wirklich buchstäbliche Wiederholung stattfindet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es muß zugegeben werden, daß, wenn jemand aus dem bloßen Intellekt heraus die folgenden Verhältnisse schildern wollte als eine bloße Wiederholung der vorhergehenden, er wahrscheinlich eine Schilderung gegeben haben würde, die das Gegenteil des wirklich Gewesenen bedeutet hätte. Denn der Verstand würde so schließen, daß in schablonenhafter Weise auf der Erde zuerst wiederholt wird, was auf dem Saturn, dann, was auf der Sonne, und dann, was auf dem Mond durchgemacht wurde, und daß dann erst das Blutsystem herauskäme. Es ist schon öfter von mir betont worden, daß man im Okkultismus in der Regel fehlgeht und greuliche Irrtümer begehen kann, wenn man nicht aus den okkulten Tatsachen heraus schildert, sondern sich auf den bloßen Intellekt, auf irgendwelche bloß logischen Schlüsse einläßt. Denn wenn man in der Akasha-Chronik die Entwickelung von Saturn, Sonne und Mond verfolgt, ist es tatsächlich so, daß man sagen muß: auf dem Saturn ist veranlagt eine Art Sinnessystem, auf der Sonne ein Drüsensystem, auf dem Mond ein Nervensystem, und mit der Erde kommt das Blut hinzu. Verfolgt man dann die okkulten Tatsachen weiter, so ist es auf der Erde so, daß zuerst eine Art Blutsystem erscheint, dann ein Drüsensystem, ein Nervensystem, und dann erst bildet sich heraus, was als das Sinnessystem in dieser für die Erdenverhältnisse brauch-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|98}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
baren Gestalt erscheint. Wenn man also von Wiederholungen sprechen will, müßte man den Tatsachen entsprechend von einer umgekehrten Wiederholung reden. Was früher dargestellt worden ist, und was in dem letzten Vortrag dargestellt worden ist, das entspringt keiner Spekulation, sondern das entspricht wirklichen Tatsachen, und da stellt sich eine solche Umkehrung bei dem Tatbestand heraus, und das macht die Wiederholung um vieles komplizierter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir müssen uns nun auch nicht mit der Annahme begnügen, daß wir es mit einer bloßen Umkehrung zu tun hätten. Sondern so wie das Blutsystem zuerst heraustritt bei der ersten Veranlagung auf unserer Erde als eine Art von Wärmemensch, wie ich es das letzte Mal geschildert habe, so ist das Blutsystem wirklich zu gleicher Zeit eine Art Sinnessystem. Es ist nämlich ein Wärme- und Erkenntnissystem. Der Mensch ist sozusagen ganz Blut- oder Wärmemensch. Er ist nicht von Blutsubstanz durchzogen, sondern ätherische Wärmekraftlinien durchziehen ihn, und diese ätherischen Wärmekraftlinien, aus denen später das Blutsystem entsteht, sind in der ersten Veranlagung durchaus eine Art Sinnessystem. Es ist erst in der ersten Anlage und ist selbst ein Sinnessystem, und das Nerven- und Lichtsystem ist auf der Erde zuerst eine Art von Drüsensystem; und wirklich kann sich das spätere Drüsensystem nur dadurch eingliedern, daß die anderen Systeme, das Blutsystem und das Nervensystem, die sich jetzt schon eingegliedert haben, vorrücken in ihrer Entwickelung. Dieses Vorrücken geschieht in der folgenden Weise: Während sich das Nervensystem herausbildet als eine Art Drüsensystem, bleibt vom Blut etwas zurück als die spätere Anlage des Blutes. Aber zu gleicher Zeit bildet sich auch während des zweiten Zustandes das Blutsystem selbst um zu einer Art von Nervensystem; und wenn das erreicht ist und in dem dritten Zustand das Drüsensystem sich eingliedert, gliedern sich wiederum erst die zwei früheren Systeme um, so daß in der Tat das Blutsystem wieder vorrückt um einen Grad und das Nervensystem auch um einen Grad. So also geschehen fortwährend Umformungen, Transformationen. Die Entwickelung ist eben eine sehr komplizierte, und es ist auch nicht so, daß man sich bei dem Begriff der umgekehrten Wiederholung beruhigen dürfte. Denn diese Umkehrung ist auch wieder nur eine teilweise; das&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|99}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Blutsystem ist ein Sinnessystem, das sich später umwandelt, und ebenso ist es beim Nervensystem und so weiter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie sehen also, was vorgegangen ist, damit der Mensch seine gegenwärtige Höhe hat erreichen können, ist durchaus nicht eine bequeme Sache für den Verstand, und es handelt sich darum, daß man mit Geduld und Ausdauer sich hineinfindet in diesen komplizierten Gang der Entwickelung. Dies ist aber nur eine Art Einleitung, die ich geben wollte für die, die sich das, was das letzte Mal gesagt worden ist, noch einmal emsig vor die Seele geführt haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heute soll uns vielmehr etwas ganz anderes als Aufgabe obliegen: den Menschen selbst auf der Erde wiederum von einem ganz anderen Gesichtspunkt aus in seiner Entwickelung zu betrachten, so daß uns immer mehr dieses Menschenwesen ganz und gar anschaulich vor Augen treten soll. Wenn wir zu diesem Zwecke noch einmal zurückblicken auf die vorhergehende Verkörperung unserer Erde, den alten Mond, dann stellt sich uns, wenn wir uns diesen Menschen auf dem alten Mond vor die Seele rücken, dieser Mensch so dar, daß er seinen physischen Leib, seinen Ätherleib, seinen astralischen Leib, aber noch nicht sein persönliches Ich hat, wie er es erst auf der Erde jetzt hat. Wenn wir nun den Bewußtseinszustand eines solchen Mondmenschen untersuchen, so ist dieser in der Tat ein ganz radikal anderer als der Bewußtseinszustand des Erdenmenschen. Der Zustand des Erdenmenschen drückt sich wirklich in dem aus, was man nennen könnte die Persönlichkeit. Mit diesem Wort ist viel zur Charakteristik des Erdenmenschen gesagt; denn eine Persönlichkeit gab es auf dem alten Mond noch nicht. Wir haben gesehen, daß sich erst auf der Erde diese Persönlichkeit nach und nach ganz herausgebildet hat und daß in alten Zeiten sich der Mensch noch viel mehr als ein Glied einer ganzen Zusammengehörigkeit fühlte. Selbst wenn wir gar nicht weit zurückgehen in den Gegenden, wo wir selbst wohnen, ja selbst wenn wir zurückgehen in die ersten nachchristlichen Jahrhunderte, so finden wir da noch letzte Nachklänge eines uralten Bewußtseins. Der alte Cherusker, der alte Sugambrer, Heruler, Brukterer fühlte sich noch nicht in demselben Maße als ein persönlicher Mensch wie der heutige Mensch, sondern er fühlte sich als ein Glied seines Stammes. Und wenn er «Ich»&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|100}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sagte, so bedeutete dieses Ich noch etwas durchaus anderes, als es heute bedeutet. Heute meint der Mensch, wenn er sein Ich ausspricht, das Wesen seiner Persönlichkeit, wie es sozusagen in seiner Haut eingeschlossen ist. Damals fühlte der Mensch sich gegenüber seinem Stamme so, wie ein Glied sich an unserem Organismus fühlt. Er fühlte sich in erster Linie als Sugambrer, Heruler, Brukterer, Cherusker, und erst in zweiter Linie als ein persönliches Ich. Viele Zustände in dieser alten Zeit werden Sie besser begreifen, wenn Sie diese radikale Änderung der Persönlichkeit ins Auge fassen, wenn Sie sich klarmachen, daß zum Beispiel gewisse Formen der Blutrache, der Familienrache, der Stammesrache ihre vollständige Erklärung finden in dem gemeinsamen Bewußtsein des Stammes, in dem Bewußtsein einer Art von Gruppenseele. Die Menschen empfanden sich eben als Gruppen von gemeinsamem Blut, wodurch eine Tötung an dem ganzen Stamme des Mörders gerächt wurde wie an ihm selbst. Und wenn wir noch weiter zurückgehen bis in die klassische alttestamentliche Zeit, in die Zeit des jüdischen Volkes, so wissen wir, daß der einzelne Jude sich durchaus als ein Glied des ganzen jüdischen Volkes fühlte, daß er, wenn er «Ich» aussprach, sich nicht als Repräsentant seines persönlichen Ichs fühlte, sondern daß er das Blut des ganzen jüdischen Volkes fühlte, wie es in den Generationen herabgeströmt ist seit dem Vater Abraham: «Ich und der Vater Abraham sind eins!» In diesem Bewußtsein fühlte sich der Angehörige des Volkes geborgen und gewürdigt. Er fühlte diese Gruppenseele im Blut weit hinauf, bis zum Vater Abraham. Und wenn wir noch weiter zurückgehen in urferne Zeiten der Erde, so finden wir das Gruppenseelenhafte noch viel deutlicher ausgeprägt. Da erinnert sich der Einzelne gedächtnismäßig an das, was die Vorfahren getan haben, bis zu dem Urahn hinauf. Jahrhunderte hinauf reicht die Erinnerung des Nachkommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In unserer Zeit erinnert sich der Mensch unter gewöhnlichen Verhältnissen nicht mehr an das, was sein Vater getan hat, wenn er es nicht gesehen hat. Er erinnert sich nicht mehr an das, was seine Ahnen erlebt haben. Sein Gedächtnis umfaßt nur sein eigenes Leben. In alten Zeiten erinnerte sich der Mensch innerlich durch sein Gedächtnis nicht nur an das, was er selbst erlebt hatte, sondern auch an das, was seine&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|101}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ahnen erlebt hatten, mit denen er gemeinsamen Blutes war, nicht weil er es wußte, sondern weil das Gedächtnis sich fortpflanzte über die Geburt hinaus. Und wir wissen, daß das Alter der alten Patriarchen, des Adam und der nachfolgenden Ahnen des jüdischen Volkes, ursprünglich nichts anderes zu bedeuten hatte als die Länge des Gedächtnisses, wie weit man sich erinnerte in der Ahnenreihe hinauf. Warum lebten Adam und die anderen Patriarchen so lange? Weil man nicht die einzelne Persönlichkeit bezeichnete, sondern weil man sich so weit erinnerte durch die Generationen hindurch, wie man sich heute an seine eigene Jugend erinnert. Das bezeichnete man mit einem gemeinschaftlichen Ausdruck. Die Persönlichkeit kam gar nicht in Betracht. Man erinnerte sich nicht nur an das, was man in seiner Kindheit erlebt hatte, sondern man erinnerte sich, was der Vater in seiner Kindheit erlebt hatte, was der Großvater erlebt hatte, und so durch Jahrhunderte hindurch; und den Inhalt dieser Erinnerung faßte man als eine Einheit zusammen und nannte es meinetwillen «Adam» oder «Noah» und dergleichen. Die abgeschlossene Persönlichkeit hatte in den Urzeiten noch keineswegs den Wert, den sie heute hat; sondern das Gedächtnis reichte über Vater, Mutter, Großvater und so weiter hinaus; und so weit, wie es reichte, gebrauchte man einen gemeinschaftlichen Namen. Das ist etwas, was für die gegenwärtige materialistische Weltanschauung plump und phantastisch aussieht; aber es ist das doch etwas, was eine gründliche Seelenkunde, die mit den Tatsachen zu rechnen weiß, aus den Tiefen der Tatsachen heraus konstatieren muß.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da kommen wir schon auf unserer Erde dahin, daß der Mensch eine Art von Gruppenbewußtsein hatte, das seiner Gruppenseele anhaftete. Würden wir zurückgehen bis zum alten Mond, wo der Mensch nicht ein so begrenztes, im Gruppenbewußtsein eingebettetes Ich hatte, sondern wo er überhaupt noch kein Ich hatte, wo er noch aus physischem Leib, Ätherleib und astralischem Leib bestand, da würden wir finden, daß das Bewußtsein auf diesem alten Mond nicht ein kleineres war, sondern gewaltige, große Gruppen umfaßte, daß in der Tat umfassende Gruppenseelen dem Menschengeschlecht des Mondes zugrunde lagen. Diese Gruppenseelen des Mondes, die sozusagen die einzelnen Mondmenschen nur wie ihre Glieder hinstellten auf dem Mond, waren weise&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|102}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seelen. Wir haben ja auch die Tiergruppenseelen auf der Erde beschrieben, und haben dabei auch die Weisheit als ein hervorstechendes Merkmal gefunden. Diese Gruppenseelen des Mondes haben dazumal unserem Planeten in seiner vorhergehenden Verkörperung jene Weisheit eingepflanzt, die wir heute kennen und bewundern. Und wenn wir heute bewundern, wie jedes Knochenstück, wie Herz und Gehirn, wie jedes Pflanzenblatt durchzogen und durchtränkt ist von Weisheit, dann wissen wir, daß jene Weisheit von den Gruppenseelen, die in der Atmosphäre des alten Mondes waren, herunterträufelte wie die Wolken heute den Regen herunterträufeln lassen und sich eingliederte allen Wesen, die sie als Anlage aufnahmen und sie wieder herausbrachten, als sie nach dem Pralaya auf der Erde wieder entstanden. Also weisheitsvolle, umfassende Gruppenseelen waren auf dem Mond vorhanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir auf dem alten Mond nach einer Eigenschaft suchen würden, die wir heute auf unserer Erde in immer größerem Maßstabe mit dem Fortschreiten der Erdentwickelung finden, so würden wir diese Eigenschaft bei den Mondwesen nicht finden. Diese Eigenschaft ist die Liebe, der Trieb, welcher die Wesen aus freiem Willen zueinanderführt. Liebe ist die Mission unseres Erdenplaneten. Daher nennen wir im Okkultismus den Mond auch den «Kosmos der Weisheit» und die Erde den «Kosmos der Liebe». Und wie wir heute, auf der Erde stehend, die ihr eingegliederte Weisheit bewundern, so werden die Wesen des Jupiter einstmals Wesen gegenüberstehen, aus denen ihnen die Liebe entgegenduften wird. Herausschmecken und herausriechen werden sie sozusagen die Liebe aus den Wesen, die um sie herum sind. So wie uns auf der Erde die Weisheit entgegenleuchtet, so wird auf dem Jupiter den Jupiterwesen entgegenduften, was aus der reinen Geschlechtsliebe bis zu der spinozistischen Gottesliebe hier auf der Erde als Liebe sich entwickelt. Herausduften wird es, wie heute die Pflanzen in den verschiedenen Aromas duften. So werden die Grade der Liebe herausströmen als jener Duft, der aufsteigen wird aus dem Kosmos, den wir als Nachfolger unserer Erde den Jupiter genannt haben. So ändern sich die Verhältnisse im Laufe der Evolution, und immer, wenn irgendein Fortschritt in der Evolution stattfindet, nehmen die Wesen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|103}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
daran teil. Dann steigen die Wesen, die mit der betreffenden planetarischen Entwickelungsstufe verknüpft sind, zu immer höherer Entwickelungsstufe hinan. Heute sind die Menschen, die auf der Erde leben, sozusagen die Werkzeuge der Liebesentwickelung; vorher hat das Tierreich diese verschiedenen Formen der Liebe als zurückgebliebene Formen entwickelt, und insofern als die Liebe bei den Tieren herauskommt, würde eine einfache Betrachtung zeigen, daß das alles Vorstufen der menschlichen, der immer mehr sich vergeistigenden Liebe sind. Wie der Mensch auf der Erde das Werkzeug der Liebesentwickelung ist, so wird er, wenn er sich bis zum Jupiter hin entwickelt haben wird, zur Aufnahme einer noch höheren Eigenschaft fähig sein. So wurden auch diejenigen Wesen, die aus dem Umkreis des Mondes die Weisheit herunterträufelten, einer höheren Entwickelung fähig, indem der Mond Erde wurde; sie stiegen höher hinauf. Diese Wesen, die dazumal die Macht hatten, Weisheit einträufeln zu lassen in die Mondwesen, waren ja ganz genau dieselben, welche an jenem Punkt der Erdentwickelung, als die Sonne aus der Erde sich herausbewegte, so weit waren, daß sie mit der Sonne herausgehen und die Sonne zu ihrem Schauplatz machen konnten. Die Wesenheiten, die auf dem Monde die Geister der Weisheit, der herabträufelnden Weisheit waren es sind das andere Geister der Weisheit als die, welche in Verbindung mit dem Saturn genannt worden sind , diese Geister, oder wenigstens eine große Anzahl von ihnen, wählten sich die Sonne zu ihrem Schauplatz. Nur diejenige Wesenheit, welche man als Jahve oder Jehova bezeichnet, die auf dem Monde zuletzt die volle Reife erlangt hat, wurde der Herr der Form auf der Erde, der Regierer der Mondkräfte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun haben wir aber schon von anderen Wesenheiten gesprochen, die nicht die volle Entwickelung des Mondes bis zu Ende durchgemacht hatten, die sozusagen stehengeblieben waren mitten drinnen zwischen Menschen- und Götterdasein. Wir haben sie in der mannigfaltigsten Weise charakterisiert. Wir haben darauf aufmerksam gemacht, daß die Sonne in einem gewissen Stadium ihrer Entwickelung Venus und Merkur aus sich herausgespalten hat, um diesen Wesen einen Schauplatz zu geben, der für sie geeignet ist. Wir haben auch schon besprochen, wie sich an der fortschreitenden Entwickelung der Menschen Wesenheiten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|104}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
beteiligt haben, die, wie die Venus- und Merkurwesenheiten, für die Menschheit die großen Lehrer in den Mysterien geworden sind. Heute wollen wir von einem anderen Gesichtspunkt aus dieses Bild ergänzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Angedeutet haben wir schon, daß; wenn diejenigen Kräfte und Wesenheiten, die mit der Sonne herausgestiegen sind aus der Erde, in ihrer ursprünglichen Weise mit der Erde verbunden geblieben wären, der Mensch sich in einem raschen Tempo hätte entwickeln müssen, das er nicht hätte aushalten können. Er hätte überhaupt nicht zu seiner Entwickelung kommen können, wenn die Geister der Weisheit mit der Erde verbunden geblieben wären, wie sie mit dem Mond verbunden waren. Sie mußten sich entfernen und von außen einwirken, wenn der Mensch das richtige Zeitmaß in seiner Entwickelung haben sollte. Der Mensch würde sonst, kaum daß er geboren ist, gleich wieder alt sein; er würde ein zu rasches Tempo in seiner Entwickelung durchmachen. Auch in einer anderen Weise kann ich Ihnen das anschaulich machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Geister, die sich selbst bis zum Sonnendasein hinaufentwickelt haben, haben kein Interesse daran, daß der Mensch stufenweise durch die verschiedenen Lebensalter, durch das Kindesalter, Jugendalter, reifes Alter, Greisenalter geht und in der Körperlichkeit langsam und allmählich irdische Erfahrungen sammelt. Sie haben nur ein Interesse an der vollkommenen Entwickelung zur Geistigkeit. Würden sie mit der Erde verbunden geblieben sein, so wären die Körper in einer gewissen Weise verkümmert, verbrannt worden. Ohne die Früchte aus der Eroberung des Erdendaseins zu zeitigen, wäre der Geist einer raschen Entwickelung entgegengegangen und der Mensch wäre alles dessen verlustig gegangen, was er auf dem Schauplatz der Erde lernen kann. Vor allem würde die Einprägung der Liebe in die kosmische Entwickelung verborgen geblieben sein. Damit die Liebe sich auf der Erde entwickeln konnte, mußte zunächst der Körper auf einer primitiven Stufe entwickelt sein. Die Liebe mußte in der niedersten Form als geschlechtliche Liebe angelegt werden, um sich durch die verschiedenen Stufen hinauf zu entwickeln, und zuletzt, wenn die Erde in ihrer Vollendung in ihrer letzten Epoche angekommen ist, wird die Liebe veredelt emporgehoben, zur rein geistigen Liebe sich im Menschen aus-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|105}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
prägen. Alle niedere Liebe ist Schulung für die höhere Liebe. Der Erdenmensch soll die Liebe in sich ausbilden, um sie am Ende seiner Entwickelung der Erde zurückgeben zu können; denn alles, was im Mikrokosmos entwickelt wird, wird dem Makrokosmos zuletzt eingegossen. Der Fortschritt des Menschen wird eine Fortentwickelung des Makrokosmos. Die Weisheit, die in den Mondmenschen eingeströmt ist, leuchtet dem Erdenmenschen entgegen als Weisheit, die seinen Bau durchdringt. Die Liebe, die während der Erde in den Menschen stufenweise eingepflanzt wird, sie wird den Jupiterwesen entgegenduften aus dem ganzen Reiche des Jupiter. Diesen Weg müssen die einzelnen kosmischen Kräfte machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So also war der Ausgangspunkt unserer Erdenmission die Einprägung der Liebe gewissermaßen vor folgende zwei Richtungen gestellt: Die Geister der Weisheit, die Schöpfer der Weisheit, die auf dem Monde den Erdenreichen die Weisheit eingeströmt haben, waren auf der Erde für sich selber, als Geister der Weisheit, uninteressiert an der physischen Leiblichkeit des Menschen. Sie haben, insofern sie nur für die Weisheit interessiert waren, die besondere Erdenmission an die Geister der Liebe abgegeben, die eine andere Klasse sind und die als Geister der Liebe zunächst auch fähig waren, eine Zeitlang mit auf der Sonne sich zu entwickeln. Auf diese Weise haben wir zweierlei in der Entwickelung der Erde: eine Einströmung der Liebe, die sozusagen neu auftritt, und eine Einströmung von Weisheit, die von außen wirkt, weil die Geister, die sich vorzugsweise für Weisheit interessieren, auf den Sonnenschauplatz sich zurückgezogen haben. Das ist sehr wichtig, daß wir dieses Zusammenwirken der Geister der Weisheit und der Geister der Liebe richtig fassen, denn es drückt sich ein unendlich wichtiger Gegensatz aus in diesem Zusammenwirken der Geister der Weisheit und der Geister der Liebe. Wenn ich jetzt in menschliche Sprache umsetzen will, was da geschah, so drückt sich dieser Gegensatz dadurch aus, daß die Geister der Weisheit den einzelnen Menschen zwischen Geburt und Tod, wie er sich da entwickelt, ganz überlassen den Geistern der Liebe und für sich das Regiment der Individualität übernehmen, die durch die verschiedenen Persönlichkeiten im Laufe der Reinkarnationen durchgeht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|106}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt haben Sie, wenn Sie sich den Menschen in seiner Ganzheit vorstellen, auseinandergelegt, unter welchen zwei Regimentern der Mensch steht in der kosmischen Regierung. Was der Mensch zwischen Geburt und Tod ist, was er da in sich entwickelt, weil er in einer Leiblichkeit lebt, was ihn sozusagen so recht zu einem Wesen macht, das mit seinen zwei Beinen hier auf dem Erdengrund steht, das steht unter dem Regiment der Geister der Liebe. Was sich hindurchzieht durch die Persönlichkeiten als die bleibende Individualität, was mit dem Menschen geboren wird, stirbt, wieder geboren wird, wieder stirbt und so weiter, das steht in einer gewissen Beziehung unter dem Regiment der Geister der Weisheit. Nun dürfen Sie aber wiederum nicht schablonisieren und sagen: Du behauptest also, die menschliche Individualität stünde unter dem Einfluß der Geister der Weisheit, und die menschliche Persönlichkeit stünde unter dem der Geister der Liebe. Wenn man schablonisieren würde, dann käme wiederum ein bloßer Unsinn heraus. Denn Begriffe sind nur dann gültig, wenn man sie in ihrer Relativität begreift, wenn man weiß, daß jeder Begriff seine zwei Seiten hat. Nur wenn Sie der Meinung wären, daß dieses eine Leben zwischen Geburt und Tod bedeutungslos wäre für alle folgenden Leben, dann dürften Sie so schablonisieren. Wenn Sie sich aber vor Augen halten, was von mir immer betont worden ist, daß die Früchte jedes einzelnen Erdenlebens, also die Früchte alles dessen, was unter dem Einfluß der Geister der Liebe gewonnen wird, einströmen in alle Entwickelung, in das, was die Geister der Weisheit leiten, und wenn Sie auf der anderen Seite sich klar sind, daß alles unter der Kraft der Geister der Weisheit hervorgeht, was im menschlichen Leibe ist bis zum astralischen Leib hin wir haben ja auch schon beschrieben, wie die auf der Erde gemachten Erfahrungen umgebildet und umgestaltet werden müssen , so wirken auf des Menschen Wesenheit, weil er einen physischen Leib, einen Ätherleib und einen astralischen Leib hat, doch wieder die Geister der Weisheit. Und weil das, was der Mensch als Persönlichkeit unter dem Element der Liebe entwickelt, wenn er es einmal entwickelt hat, bleibend wird für seine Individualität, so wirken wiederum auf dem Umweg der Weisheit die Geister der Liebe hinein in das, was im einzelnen menschlichen Leben entwickelt wird. So wirken sie zusammen. Dann ist das&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Regiment dieser Geister in der Weise wieder getrennt, daß alles, was Persönlichkeit ist, unmittelbar, direkt dem Regiment der Liebe untersteht, und alles, was zwischen Geburt und Tod vorgeht, indirekt dem Element der Weisheit untersteht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So sehen wir, wie des Menschen Persönlichkeit und des Menschen Individualität in verschiedenen Richtungen und Strömungen drinnen sind. Wichtig ist das aus dem folgenden Grunde: Hätten diejenigen Geister der Weisheit, die jetzt gemeint sind, sozusagen das Regiment sich angemaßt, so würde jene sprudelnde, vehemente Entwickelung eingetreten sein, die man auch charakterisieren könnte, indem man sagt: der Mensch würde in einer einzigen Inkarnation alle mögliche Vervollkommnung von allen Inkarnationen zusammengedrängt erlebt haben. So aber wurde das, was die Geister der Weisheit geben sollten, verteilt auf die ganzen aufeinanderfolgenden Inkarnationen auf der Erde. Man drückt das im Okkultismus durch ein ganz bestimmtes Wort aus. Wären die Geister der Weisheit in der Entwickelung geblieben, so hätte der Mensch durch alle Entwickelungsstufen hindurch, körperlich sich verbrennend, sich schnell zur Geistigkeit entwickelt. So aber verzichteten die Geister der Weisheit darauf, den Menschen zu einer solchen vehementen Entwickelung zu bringen. Sie gingen weg von der Erde, um sie zu umkreisen, um die Zeiten, die sonst vehement abgelaufen wären, zu mäßigen, maßvoll zu machen. Man sagt daher im Okkultismus, daß diese Geister der Weisheit «Geister der Umlaufszeiten» wurden. In aufeinanderfolgenden Umlaufszeiten, die geregelt sind durch den Gang der Gestirne, wurden des Menschen aufeinanderfolgende Inkarnationen geregelt. Die Geister der Weisheit wurden Geister der Umlaufszeiten. Sie wären fähig gewesen, den Menschen von der Erde hinwegzuheben durch ihre weisheitsvolle Macht; aber die Menschen hätten darauf verzichten müssen, die Früchte zu zeitigen, die nur innerhalb der Zeit reifen können. Die Früchte der Liebe, der Erdenerfahrung, wären nicht zu gewinnen gewesen. Diejenigen Geheimnisse, welche Wesenheiten haben und beherzigen müssen, um die Früchte der Liebe, der Erdenerfahrung zu zeitigen, waren diesen Geistern der Umlaufszeiten verborgen. Deshalb heißt es in der Schrift: «Sie verhüllten ihr Antlitz vor dem mystischen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Lamm!» Denn das «mystische Lamm» ist der Sonnengeist, der das Geheimnis hat, nicht nur die Geister hinwegzuheben von der Erde, sondern die Leiber von der Erde zu erlösen, sie zu vergeistigen, nachdem sie durch die vielen Inkarnationen hindurchgegangen sind. Der Besitzer des Liebesgeheimnisses, das ist der Sonnengeist, den wir den Christus nennen; und weil er nicht nur ein Interesse hat an der Individualität, sondern unmittelbar an jeder einzelnen Persönlichkeit der Erde, nennen wir ihn deshalb das «große Opfer der Erde» oder das «mystische Lamm».&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So wurden die einen die Geister der Umlaufszeiten und regelten die aufeinanderfolgenden Inkarnationen. Der Christus wurde der Mittelpunkt, insofern die einzelnen Persönlichkeiten der Menschen geheiligt und geläutert werden sollten. Alles, was der Mensch aus der einzelnen Persönlichkeit als Frucht hineinbringen kann in die Individualität, erlangt er dadurch, daß er einen Zusammenhang hat mit dem Christus-Wesen. Das Hinschauen, das Sich-verbunden-Fühlen mit dem Christus-Wesen läutert und veredelt die Persönlichkeit. Wäre die Erdentwickelung verlaufen ohne die Erscheinung des Christus, so wäre der Leib des Menschen, wenn wir den Ausdruck umfassend gebrauchen, böse geblieben; er hätte sich mit der Erde verbinden müssen und wäre für immer der Materialität verfallen. Und wenn trotzdem die Geister der Weisheit nicht darauf verzichtet hätten, den Menschen gleich im Anfange der eigentlichen Erdentwickelung zu vergeistigen, so hätte folgendes eintreten können: Entweder hätten die Geister der Weisheit sogleich bei Beginn der Erdentwickelung also in der lemurischen Zeit den Menschen herausgerissen aus dem Leib, ihn einer raschen geistigen Entwickelung entgegengeführt und seinen Leib rasch verbrannt; dann hätte die Erde niemals ihre Mission erfüllen können. Oder die Geister der Weisheit hätten gesagt: Das wollen wir nicht; wir wollen, daß sich der Leib des Menschen voll entwickle; aber wir selber haben daran kein Interesse, also überlassen wir das dem Spätgeborenen, dem Jehova, der ist der Herr der Form! Dann wäre der Mensch mumifiziert worden, wäre vertrocknet. Der Leib des Menschen aber wäre mit der Erde verbunden geblieben; er wäre niemals einer Vergeistigung entgegengegangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|19}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beide Wege wurden nicht gewählt; sondern damit ein Gleichgewicht eintreten konnte zwischen den Geistern der Weisheit und dem Letztgeborenen des Mondes, dem Herrn der Form, der der Ausgangspunkt für das Schaffen des Mondes ist, wurde eine Mittellage geschaffen; und diese Mittellage bereitete vor die Erscheinung des Christus, der über die Weisheit erhaben ist, vor dem die Geister der Weisheit ihr Antlitz in Demut verhüllen, und der dadurch, daß die Menschen sich immer mehr mit seinem Geiste erfüllen und durchdringen, die Menschen erlösen wird. Und wenn die Erde selbst an dem Punkte anlangt, wo der Mensch sich voll vergeistigt haben wird, dann wird nicht ein trockener Ball herausfallen aus der Evolution, sondern es wird der Mensch durch das, was er aus der Entwickelung hat herausholen können, seine sich immer mehr veredelnde Menschenform der vollständigen Vergeistigung entgegenführen. Und wir sehen, wie die Menschen sich vergeistigen. Wenn wir uns die ursprünglichen Menschenkörper der lemurischen Zeit ansehen würden ich werde niemals in einem öffentlichen Vortrag diese lemurischen Menschenkörper beschreiben! , so würden wir finden, daß sie sich uns an der äußersten Grenze der Häßlichkeit stehend darstellen. Erst allmählich bildet sich der menschliche Körper in der Form, wie wir ihn heute kennen. Und immer veredelter und veredelter treten die Menschen auf, indem sie von der Liebe immer mehr und mehr gereinigt werden. Aber auch über das heutige Menschenantlitz wird sich der Mensch hinausentwickeln. Wie sich der Menschenleib immer mehr vergeistigt hat seit der lemurischen Rasse, so wird sich auch das menschliche Antlitz immer mehr vergeistigen. Wir sind heute in der fünften Rasse. Wie sich jetzt schon im menschlichen Antlitz das Gute und Edle, das in der Seele lebt, ausprägt, so wird in der sechsten Rasse des Menschen Antlitz leuchten von innerer Güte. Eine ganz andere Physiognomie wird der Mensch dann haben, so daß man an der äußeren Gestalt erkennen wird, wie gut und wie edel er ist, und erkennen wird man an dem Antlitz, was für innere seelische Eigenschaften in dem Menschen sind; und immer mehr wird sich das, was an Edelmut und Güte in der Menschenseele enthalten ist, der menschlichen Physiognomie einprägen, bis am Ende der Erdenzeit das Leibliche des Menschen ganz durchdrungen ist vom&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|110}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Geistigen und sich ganz und gar abheben wird von denen, die an der Materialität hängen geblieben sind, die das Abbild des Bösen darstellen werden, die zurückbleiben auf dem mineralischen Standpunkt. Das ist das, was kommen wird, und was man das «Jüngste Gericht» nennt, die Scheidung von Guten und Bösen. Es ist die Vergeistigung des menschlichen Körpers oder, wie man es populär nennt, die «Auferstehung des Fleisches». Man muß diese Dinge nur verstehen mit dem gesunden Sinn aus dem Okkultismus heraus; dann kann gar kein Angriff gegen sie geführt werden. Die Aufklärerei wird allerdings nicht verstehen können, daß das, was Materie ist, einmal etwas anderes werden könnte als Materie. Was im besten Sinne des Wortes genannt werden könnte der «Wahnsinn der Materialität», das wird sich niemals vorstellen können, daß das Materielle sich einmal vergeistigen könnte, das heißt, daß einmal so etwas eintreten wird, was man nennt die Vergeistigung, die Auferstehung des Fleisches. Aber die Dinge sind so, und so ist der Gang der Erdentwickelung, und so ergibt sich der Sinn der Erdentwickelung und die Stellung des Christus innerhalb der Erdentwickelung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir bloß auf alles dasjenige sehen würden, was wir bis jetzt in Betracht gezogen haben innerhalb unserer heutigen Darstellung, dann würde sich uns ein eigentümliches Bild unserer Erdentwickelung ergeben. Dieses Bild würde so sein, daß in der Tat die Waage gehalten würde zwischen den Geistern der Form und den Geistern, die die Geister der Umlaufszeiten geworden sind, den eigentlichen Geistern des Lichtes. Dadurch, daß der Christus von dem Mysterium von Golgatha an die künftige Erdentwickelung zu führen hat, wären diese in der Gleichgewichtslage, und ein sukzessiver Aufstieg würde in der Tat das sein, was da kommen würde. Aber so einfach ist die Sache wiederum nicht. Wir wissen, daß Geister zurückgeblieben sind, Geister, die die volle Reife der Weisheitsentwickelung nicht erlangt hatten, die daher kein Interesse daran haben, ihr Regiment abzutreten an die Strömung der Liebe. Diese Geister wollten fortwirken und weiter die Weisheit einströmen lassen. Sie wirkten auf den Menschen und sie haben deshalb nicht etwa unfruchtbar auf der Erde gewirkt. Sie haben den Menschen die Freiheit gebracht. Hat das Christus-Prinzip die Liebe&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
gebracht, so haben diese Geister, die wir die luziferischen Geister nennen, dem Menschen die Freiheit gebracht, die Freiheit der Persönlichkeit. Sie gaben dem Menschen die Möglichkeit, zwischen Gut und Böse zu wählen. Auch das Zurückbleiben gewisser Geister hat seine sehr gute Seite, und alles, ob Vorschreiten oder Zurückbleiben, ist göttlicher Natur. So gab es also Geister der Umlaufszeiten, welche die fortschreitenden Inkarnationen leiteten, das, was als die Individualität durch alle Inkarnationen hindurchgeht; so gab es Geister der Liebe unter der Führung des Christus-Prinzips, welche diese Individualität so vorbereiteten, daß die Persönlichkeit nach und nach übergehen kann in ein Reich der Liebe. Wenn wir das große Ideal, das uns als ein Reich der Liebe vorschwebt, charakterisieren wollen, so können wir das in folgender Weise tun.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heute ist noch in den weitesten Kreisen der gründliche Irrtum verbreitet, daß das Wohl und Heil der einzelnen Persönlichkeit möglich sei ohne das Wohl und Heil aller anderen Persönlichkeiten der Erde. Wenn auch die Menschen das nicht direkt zugeben, praktisch ist doch alles darauf gebaut, daß so, wie wir heute leben, der Einzelne auf Kosten der anderen lebt, und der Glaube ist weit verbreitet, daß das Wohl des Einzelnen unabhängig ist von dem Wohl der anderen. Die zukünftige Entwickelung wird die volle Gemeinschaft des Geistes entwickeln, das heißt, auf dem Jupiter wird der Glaube zu herrschen beginnen, daß es kein Wohl und Heil des Einzelnen gibt ohne das Wohl und Heil aller übrigen, und zwar eben das gleiche Wohl und Heil aller übrigen Einzelnen. Das Christentum bereitet diese Anschauung vor, und es ist dazu da, sie vorzubereiten. Eine Gemeinsamkeit hat sich auf der Erde zunächst ergeben durch die Liebe, die an das Blut gebunden ist. Dadurch war der pure Egoismus überwunden. Das Christentum hat nun die Aufgabe, in den Menschen diejenige Liebe zu entzünden, die nicht mehr an das Blut gebunden ist, das heißt, sie sollen die reine Liebe finden lernen, wo das Wohl und das Heil des Einzelnen gar nicht gedacht wird ohne das Wohl und das Heil des anderen. Das Reich der Liebe wird sich so darstellen, daß, wie zuerst die Blutsverwandtschaft die Menschen aneinanderband, nun der Mensch in jedem Menschen den Verwandten sehen wird, ohne Rücksicht auf das&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
gemeinsame Blut. Das ist in den Worten angedeutet: «Wer nicht verläßt Vater und Mutter, Weib und Kind, Bruder und Schwester, der kann nicht mein Jünger sein.» Alles andere ist kein wirkliches Christentum. So können wir die Hinentwickelung des Menschen zu einem höheren Zustand charakterisieren. Aber die Hinentwickelung zu einem solchen Zustand geschieht in Zyklen, nicht sukzessive. Sie können sich durch eine einfache Betrachtung diese Zyklen klarmachen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sehen Sie, wie in der ersten Epoche der nachatlantischen Zeit eine Kultur, die brahmanische Kultur, aufgeht, ihren Höhepunkt erreicht und wieder in Dekadenz kommt, wie sie ihren Höhepunkt erlangt auf dem Gebiete der Flucht aus der Materialität, in der sie ihre Erlösung sucht, wie sie aber wieder zurückgehen muß, weil sie ihre Kultur gesucht hat auf dem Gebiete der Nichtanerkennung der Materie. Sie sehen dann, wie ein neuer Zyklus eintritt in der altpersischen Kultur, wie die altpersische Kultur den Erdball erobert dadurch, daß sie die Materie anerkennt, allerdings als eine dem Menschen widerstrebende Macht, die der Mensch durch seine Arbeit bezwingt; und wiederum erreicht diese Kultur ihren Höhepunkt, und versinkt in Dekadenz. Aber eine neue Kultur steigt herauf, die ägyptisch-chaldäisch-assyrisch-babylonische, die nicht mehr bloß die Materie anerkennt, sondern die die Materie durchdringt mit menschlicher Intelligenz, wo die Bahnen der Sterne erforscht werden, wo Bauten aufgeführt werden gemäß dem, was man aus der Sternenweisheit gewonnen hatte, indem menschliche Bebauungen der Erde nach Gesetzen der Geometrie angelegt werden. Die Materie ist jetzt nicht mehr bloß eine widerstrebende Macht, sondern sie wird umgegossen und umgeformt zu dem Geistigen. Die Pyramiden sind ein Abbild von dem, was der Mensch aus den Sternen ersah. Und wir gehen weiter hinüber, nachdem die ägyptisch-chaldäisch-assyrisch-babylonische Kultur in Dekadenz geraten ist, zu der griechisch-lateinischen Kultur, wo der Mensch in der griechischen Kunst die Materie so umgestaltet hat, daß er sein eigenes Abbild in sie hineingeformt hat, wo der Mensch zur Überwindung der Materie durch die Schönheit gelangt. Das war früher nicht der Fall, daß, wie in der griechischen Plastik, griechischen Baukunst und Dramatik, der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Mensch sein eigenes Abbild in die Materie hineinprägt. Die menschliche Persönlichkeit wird als der höchste Ausdruck der Schönheit in der griechischen Kunst verherrlicht. Und mit der römischen Kultur sehen wir hinzukommen den Rechtsbegriff der Persönlichkeit. Es ist auch nur wieder eine ganz verkehrte Gelehrsamkeit ein einziger Blick eines verständigen Menschen kann das erkennen , die da sagt, daß es früher auch schon den Rechtsbegriff gegeben hätte. Das Gesetzbuch des Hammurabi ist etwas ganz anderes, als das, was in Rom geschaffen worden ist als Jurisprudenz. Das ist ein eigentlich römisches Produkt, denn die Jurisprudenz tauchte da auf, wo die einzelne Persönlichkeit sich auch im Recht ihr Abbild schafft; da ist der Mensch ganz auf die eigene Persönlichkeit gestellt. Man studiere und vergleiche das Testament im römischen Recht mit dem, was im Gesetzbuch des Hammurabi zu finden ist, wo die Persönlichkeit des Menschen ganz in eine Theokratie hineingestellt war. Der «römische Bürger» ist ein neues Element in dem Entwickelungszyklus der Menschheit. Noch tiefer herab in die Materie muß der Mensch in der fünften, in der germanischen Kultur; die Überwindung der Naturkräfte, die Triumphe der Technik, sie sind die Folge davon. Doch sind wir über den tiefsten Punkt dieser Entwickelung etwas hinweg. Und ein neuer Zyklus ist derjenige, der dann da sein wird, wenn die Menschen das, was sich heute als Theosophie zeigt, ganz ergriffen haben werden. Wir sehen, wie jeder Zyklus in der Kultur seinen Gipfel erreicht und wieder heruntersinkt, und wie jeder neue Zyklus die Aufgabe hat, die Kultur weiterzubringen. . . [Lücke im Text.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die feste Gleichgewichtslage gibt dem Menschen die Sicherheit, daß er erlöst werden kann von der Erde; und das Auf- und Abstreben ist das, was wir das Streben nach der eigentlichen Freiheit nennen, was die luziferischen Geister der Menschheit eingeprägt haben. So wirken in dem Weltengange zusammen das Christus-Prinzip und die luziferischen Geister und bedingen die Kultur. Es macht nichts, daß man in den ersten Zeiten des Christentums das luziferische Prinzip ausschloß, und die Menschen nur auf das Christus-Prinzip hingewiesen worden sind. Die Menschheit wird schon wieder dazu kommen, sich die Freiheit zu erobern in der vollen Hingabe an das Christus-Prinzip; denn&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
das Christus-Prinzip ist so umfassend, daß nur der es erfassen kann, der es auf der Stufe der höchsten Weisheit zu umspannen versucht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Blicken wir zurück in die vorchristlichen Zeiten. Da finden wir, wie die Religionen da sind als die Vorbereitung für das Christentum. Wir sehen bei den Indern und Persern wohl Religionen, aber Religionen, die geeignet sind für das betreffende Volk, aus dem sie herausgeboren sind. Es sind nationale, Stammes-, Rassenreligionen, die mit dem Volk auftreten, aus dem sie entstanden sind, beschränkt in ihrem inneren Wesen, weil sie in einer gewissen Weise noch hervorgehen aus den Gruppenseelen und mit ihnen verbunden sind. Mit der Christus-Religion tritt in die Menschheitsentwickelung ein Element ein, das so recht das Element der Erdenentwickelung ist. In den ersten Zeiten ist das Christentum so, daß es allerdings sofort alle früheren Religionsprinzipien durchbricht. Schroff stellt es sich entgegen dem Satz: «Ich und der Vater Abraham sind eins.» Zuerst stellt es sich dem entgegen, daß man sich mit irgend etwas, was nur menschliche Gruppe ist, als Einheit fühlen kann; vielmehr muß sich die Seele, die in jeder Persönlichkeit wohnt, mit dem ewigen Weltengrunde, der der «Vater» genannt wird, und der in jeder Seele wohnt, eins fühlen können, und das drückt es aus in dem Satz: «Ich und der Vater sind eins.» Und gegenüber dem Alten Testament, das beginnt mit den Worten: «Am Anfang war das Licht», stellt das Christentum als das Neue Testament die Worte hin: «Im Urbeginne war das Wort!» Damit war einer der größten Fortschritte der Menschheitsentwickelung gegeben. Denn bei dem Licht, das hervortritt, spricht man, soweit man von Licht sprechen kann, von etwas äußerlich Sichtbarem. Daher enthalten die alten Urkunden eine Genesis, die das Physische als eine Offenbarung des Lichtes hinstellt. Das «Wort» aber ist das, was aus dem Inneren des Wesens hervorkommt. Und ehe alle Offenbarung des Lichtes gekommen war, war dasvom Menschen, «was da war, was da ist, was da sein wird» das will sagen das, was mit dem innersten Wesen des Menschen gemeint ist. Im Urbeginn war nicht das Licht, sondern war das Wort. Das Johannes-Evangelium ist ein Dokument, das nicht neben die anderen gestellt werden darf; sondern das die anderen Urkunden erweitert von dem Zeitlichen zu dem Ewigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
So steht das Christentum da nicht als eine Religion, die eine Stammesreligion wäre, sondern es steht da als eine Menschheitsreligion, wenn es richtig verstanden wird. Indem der Christ sich eins fühlt mit dem «Vater», steht Seele der Seele gegenüber, gleichgültig welchem Stamme sie angehört. So werden alle Schranken fallen müssen unter den Einwirkungen des Christentums, und der Jupiterzustand muß vorbereitet werden unter den Einwirkungen dieses Prinzips. Daher hat das Christentum begonnen als Religion, denn die Menschheit war auf Religion gebaut. Religion aber ist etwas, was im Laufe der Menschheitsentwickelung abgelöst werden muß durch Weisheit, durch Erkenntnis. Insofern Religion auf Glauben gebaut ist und nicht von der vollen Erkenntnis durchglüht ist, ist sie etwas, was im Laufe des Menschheitsfortschrittes abgelöst werden muß. Und während der Mensch früher glauben mußte, um zum Wissen zu kommen, wird in Zukunft volle Erkenntnis leuchten, und der Mensch wird wissen und von da aus aufsteigen zur Anerkennung der höchsten geistigen Welten. Von der Religion entwickelt sich die Menschheit zu der von der Liebe wieder durchglühten Weisheit. Erst Weisheit, dann Liebe, dann von der Liebe durchglühte Weisheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun können wir fragen: Wenn aber die Religion aufgehen wird in der Erkenntnis, wenn dem Menschen nicht mehr nach der alten Form Religion gegeben sein wird, daß er bloß dem Glauben nach auf die Weisheit hingewiesen sein wird, welche die Evolution leitet, wird dann auch das Christentum nicht mehr sein? Keine andere Religion wird sein, die auf bloßen Glauben gebaut ist. Das Christentum wird bleiben, denn das Christentum ist zwar in seinem Anfang Religion gewesen, aber das Christentum ist größer als alle Religion! Das ist die Rosenkreuzerweisheit. Umfassender war das religiöse Prinzip des Christentums in seinem Anfange als das religiöse Prinzip aller anderen Religionen. Aber das Christentum ist noch größer als das religiöse Prinzip selbst. Wenn die Glaubenshüllen fortfallen werden, wird es Weisheitsform sein. Es kann ganz und gar die Glaubenshüllen abstreifen und Weisheitsreligion werden, und dazu wird Geisteswissenschaft helfen, die Menschen vorzubereiten. Die Menschen werden ohne die alten Religions- und Glaubensformen leben können, aber sie werden nicht leben&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|116}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
können ohne das Christentum; denn das Christentum ist größer als alle Religion. Das Christentum ist dazu da, alle Religionsformen zu sprengen, und das, was als Christentum die Menschen erfüllt, das wird noch sein, wenn die Menschenseelen hinausgewachsen sind über alles bloße religiöse Leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
= SIEBENTER VORTRAG, Berlin, 13. April 1908 =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das letzte Mal, als wir hier unsere Betrachtungen anstellten, konnte ich damit schließen, daß ich sagte, das Christentum sei weiter, umfassender als dasjenige, was innerhalb des religiösen Elementes eingeschlossen ist, und in jenen Zukünften, in denen die Menschheit hinausgewachsen sein wird über das, was man im Laufe der Zeit gewohnt worden ist, Religion zu nennen, in jenen Zukünften, so wurde gesagt, werde der Inhalt des Christentums, befreit von dem im alten Sinne religiösen Element, ein geistiger Kulturfaktor für die Menschheit geworden sein. Das Christentum vermag also selbst diejenige Form zu überwinden, die wir nach den bisherigen Kulturentwickelungen als die Form des religiösen Lebens aufzufassen das Recht haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit jenem letzten Vortrage sind mannigfaltige Symptome des Kulturlebens an mir vorübergezogen. Sie wissen ja, daß zwischen jener und unserer heutigen Betrachtung ein kleines Stück geisteswissenschaftlicher Arbeit in den drei nördlichen Ländern liegt: in Schweden, Norwegen und Dänemark. Die vorletzte Woche hatte ich unter anderen schwedischen Orten auch in Stockholm vorzutragen. Es wird Ihnen begreiflich sein, .wenn ich Ihnen sage, daß in jenen nördlichen Ländern, in denen ja wegen der geringen Zahl der Einwohner so viel Platz ist für die Menschen, daß sie weiter auseinander wohnen als in unseren mitteleuropäischen Kulturländern wir brauchen uns nur daran zu erinnern, daß ganz Schweden soviel Einwohner hat wie London allein , daß in jenen Gegenden, in denen so viel Platz ist, auch Gelegenheit ist, daß noch hereinspielen die alten nordischen Götter und Wesenheiten des geistigen Lebensumkreises. Man darf wohl sagen: für denjenigen, welcher etwas weiß vom Spirituellen, ist es in gewisser Beziehung so, daß an allen Ecken und Enden herausblicken die Geistesantlitze jener alten nordischen Götterwesen, welche vor dem geistigen Antlitz der nordischen Eingeweihten in den nordischen Mysterien standen in jener Zeit, in welcher noch nicht die christliche Idee hingeflutet ist über die Welt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|118}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Innerhalb dieser nicht bloß im poetischen, sondern auch im spirituellen Sinne sagenumwobenen Gegenden konnte man ein anderes Symptom mitten hineingestellt finden. Zwischen den Tagen der Stockholmer Vorträge hatte ich auch in Uppsala vorzutragen. In der Bibliothek zu Uppsala mitten drinnen zwischen all dem, was an Manifestationen spiritueller Art vorliegt von den alten vorchristlichen Götterzeiten her , da liegt ruhig die erste alte germanische Bibelübersetzung: der sogenannte Silberne Kodex, die vier Evangelien, im 4. Jahrhundert von dem gotischen Bischof Ulfilas Wulfila übersetzt. Merkwürdig: durch eine karmische Verkettung wurde im Dreißigjährigen Kriege dieses Dokument des Christentums aus Prag, wo es bis dahin war, hinauf erbeutet und ist nun aufbewahrt mitten unter denjenigen geistigen Wesenheiten, die wenigstens in ihren Erinnerungen die geistige Atmosphäre jener Gegenden durchschwirren. Und als ob es sich so gehörte, daß jenes Dokument an dieser Stelle ruhte, stellt sich auch noch die merkwürdige Tatsache hinein, daß elf Blätter dieses Silbernen Kodex einst von einem Liebhaber gestohlen wurden. Sein Erbe bekam nach längerer Zeit solche Gewissensbisse, daß er diese elf Blätter wiederum nach Uppsala schicken ließ, so daß sie also jetzt wieder mit den anderen der ersten germanischen Bibelübersetzung zusammenliegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter den drei öffentlichen Vorträgen in Stockholm hatte ich einen zu halten über die leitende Idee in Wagners Nibelungenring, und als man über die Straße ging, da war an den Säulen für die Oper angeschlagen: «Wagner: Ragnarök die Götterdämmerung», als der letzte Abend der Aufführung dieses Nibelungenringes. Es sind das wirkliche Symptome, die sich da in einer merkwürdigen Weise durcheinanderweben: die nordische Sagenwelt, die ja auf ihrem Grunde überall den tieftragischen Zug hat, darauf hinzuweisen, daß da Einer kommen wird, der diese nordische Götter-Geisterwelt ablösen werde. Ich habe Sie öfter darauf aufmerksam gemacht, daß dieser Stimmungszug der nordischen Sagenwelt wie in einem Nachklange selbst noch in der mittelalterlichen Gestalt dadurch herauskommt, daß Siegfried getötet wird an der einzigen Stelle, wo er noch verwundbar war und wie damit prophetisch auf diejenige Stelle hingedeutet wird, die später bei einem anderen zugedeckt wird durch das Kreuz, gleichsam um anzudeuten:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|119}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
hier ist eine Stelle, wo noch etwas fehlt. Das ist nicht bloß eine dichterische, poetische Anspielung, sondern das ist etwas, was tief aus der Inspiration der Sagenwelt herausgeholt ist. Denn dieser tragische Zug ruht sowohl in der nordischen Sage als auch in dem ihr zugrunde liegenden Mysterium, daß an die Stelle der nordischen Götterwelt später das christliche Prinzip treten werde. In den nordischen Mysterien hat man überall darauf aufmerksam gemacht, was diese Götterdämmerung eigentlich bedeute. Es ist zu gleicher Zeit bezeichnend ich meine damit wiederum etwas mehr als ein bloß poetisches Bild , daß bis ins Volksgemüt hinein da oben die Erinnerungen an die alten Götter mit einer großen Friedlichkeit sich vertragen mit dem, was vom Christentum hereingetragen und eingewandert ist. Man empfindet es als Symptom, diese ruhende gotische Bibel inmitten der alten Erinnerungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man kann es weiter als ein Symptom empfinden, als einen Hinweis auf die Zukunft, wenn in dem Lande, wo die Götter der Götterdämmerung so lebendig waren wie nur irgend möglich, diese Götter in der Richard Wagnerischen Form wieder erstehen, auferstehen außerhalb des in engen Grenzen sich bewegenden religiösen Lebens. Denn wer nur ein wenig die Zeichen der Zeit zu deuten vermag, wird in Richard Wagners Kunst den ersten aufleuchtenden Stern sehen, wie das Christentum in seiner tiefsten Idee heraustritt aus dem engen Rahmen des religiösen Lebens in den weiten Umkreis moderner geistiger Kultur. Man möchte es förmlich in Richard Wagners Seele selbst erlauschen, wie die religiöse Idee des Christentums heraustritt, wie sie die religiösen Fesseln sprengt und etwas Umfassenderes wird. Wenn er an den Ufern des Zürichsees von der Villa Wesendonk aus, gerade am Karfreitag des Jahres 1857, hinausblickt auf die ersten aufsprießenden Frühlingsblumen und ihm in diesem aufsprießenden Leben der erste Seelenkeim des «Parsifal» aufgeht, so ist das eine solche Transformation dessen, was, im Christentum zunächst als religiöse Idee lebt, auf einen größeren Plan hinaus. Und nachdem er sich zuerst erhoben hat in seinem Gemüt zu jener prophetischen Vorherverkündigung des Christentums, die bei ihm so gewaltig aufleuchtete in seiner Nibelungenring-Dichtung, ist später im «Parsifal» diese christliche Idee ganz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|120}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
herausgetreten und hat einen weiteren Horizont gewonnen. Damit ist sie der Ausgangspunkt für jene Zukunft geworden, wo das Christentum nicht nur religiöses Leben sein wird, sondern Erkenntnisleben, Kunstleben, Schönheitsleben im umfassenden Sinne des Wortes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das sollte heute hingestellt werden vor Ihre Seele in Anknüpfung an den Schluß unserer vorigen Betrachtung als etwas, was eine Grundempfindung erregen kann für das, was das Christentum einstmals der Menschheit werden kann. Daran anknüpfend wollen wir heute aus den Tiefen der Menschheitsentwickelung heraus die Beziehungen zwischen Religion und Christentum ein wenig ins Auge fassen. Auch der Zeitpunkt, in dem wir diese Betrachtung anstellen, ist nicht ungeeignet, gerade eine solche Betrachtung vor unsere Seele hinzuzaubern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir stehen unmittelbar vor jenem großen symbolischen Fest, das man ausdrücken könnte als das Fest, das anzeigt den Sieg des Geistes über den Tod, wir stehen vor dem Osterfest, und wir erinnern uns vielleicht jener Betrachtung, wo wir Weihnachten zu begreifen versuchten aus den Tiefen des Mysterienwesens heraus. Wenn wir von einem höheren Standpunkte aus auf der einen Seite das Weihnachtsfest, auf der anderen Seite das Osterfest mit seinem Ausblick nach dem Pfingstfeste ins Auge fassen, dann stellt sich uns gerade jenes Verhältnis zwischen Religion und Christentum, wenn wir es recht betrachten, in einer wunderbaren Art vor die geistigen Augen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir werden jetzt etwas weither holen müssen die Grundlage zu dieser Betrachtung, aber wir werden daraus auch sehen, was eigentlich in solchen Festen konserviert ist und was sie in unserer Seele auferwecken können. Weit werden wir zurückgehen in der Menschheitsentwickelung, wenn auch nicht so weit, wie das in unseren letzten Vorträgen der Fall war, weder der Zeit noch dem Raume nach. Aber die Betrachtungen, die wir angestellt haben, werden uns eine Hilfe sein, weil wir daraus den Hergang der Erdentwickelung und ihren Zusammenhang mit der Entwickelung der Wesenheiten des Himmelsraumes ersehen haben. Wir werden heute nur zurückgehen ungefähr bis in die Mitte des atlantischen Zeitalters. Es ist dasjenige Zeitalter, in dem die Vorfahren der heutigen Menschheit im Westen von Europa gewohnt haben, zwischen Europa und Amerika, auf jenem Kontinent, der heute&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
den Boden des Atlantischen Ozeans bildet. Die Erde hat dazumal anders ausgesehen. Was heute Wasseroberfläche ist, war damals Landoberfläche, und da wohnten die Vorfahren der Menschen, die heute die europäisch-asiatische Kulturmenschheit ausmachen. Wenn wir nun einen geistigen Blick auf das Seelenleben dieses vorsintflutlichen atlantischen Volkes werfen, dann stellt sich uns dasselbe ganz anders dar als das Seelenleben der nachatlantischen Menschheit. Wir wissen aus früheren Betrachtungen, wie gewaltig im Laufe der Erdentwickelung sich alles, auch in der Seele der Menschen, geändert hat. Bis zu jenem Wechselzustande hin von täglichem Wachen und nächtlichem Schlafen hat sich alles im menschlichen Bewußtseinsleben geändert seit jener Zeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heute ist es ja das Normale des Menschen, wenn er am Morgen aufwacht, daß er mit seinem Astralleibe und dem Ich in den physischen Leib und Ätherleib untertaucht. Und indem er untertaucht, bedient er sich seiner Augen zum Sehen, seiner Ohren zum Hören und seiner anderen Sinneswerkzeuge, um die Eindrücke aus der Sinneswelt um sich herum wahrzunehmen. Er taucht unter in sein Gehirn und sein Nervensystem und kombiniert die Sinneseindrücke. Das ist sein Tagesleben. Abends zieht er wieder seinen astralischen Leib und sein Ich heraus aus dem physischen und dem Ätherleibe. Und wenn der Mensch einschläft und sein physischer und Ätherleib im Bett liegen, dann versinken alle die Eindrücke der Sinneswelt und des Tageslebens. Da versinken Lust und Leid, Freude und Schmerz, alles, was das innere Seelenleben ausmacht, und dunkel und finster ist das Leben in der Nacht um den Menschen herum.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das war etwa in der Mitte der atlantischen Zeit noch nicht so. Da bietet das Bewußtseinsleben des Menschen ein wesentlich anderes Bild. Wenn der Mensch des Morgens untertauchte in seinen physischen Leib und seinen Ätherleib, dann traten ihm nicht jene bestimmten, scharf umrissenen Bilder der physischen Außenwelt entgegen, sondern die Bilder waren viel unbestimmter, etwa so, wie uns heute die Straßenlaternen im dichten Nebel wie aurisch umsäumt erscheinen von regenbogenförmigen Farbengebilden. Da haben Sie einen kleinen Vergleich, um sich eine Vorstellung von dem zu bilden, was der Atlantier in der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Mitte seines Zeitalters sah. Nur waren diese Farben, die die Gegenstände umsäumten und die ihre scharfen Grenzen, wie sie der Mensch heute sieht, noch nicht zuließen, und auch die Töne, die aus den Gegenständen erklangen, noch nicht solche nüchternen Farben und Töne wie heute. Es drückte sich in diesen Farbenrändern, die auch alle lebenden Wesen umgaben, etwas aus von dem inneren Seelenleben der Wesen, so daß der Mensch, wenn er in seinen physischen und seinen Ätherleib untertauchte, noch sozusagen etwas von dem geistigen Wesen der Dinge, die um ihn herum waren, wahrnahm, zum Unterschied von heute, wo er, wenn er am Morgen untertaucht in seinen physischen und Ätherleib, bloß die physischen Dinge in ihren scharfen Grenzen und farbigen Oberflächen wahrnimmt. Und wenn des Abends der Mensch seinen physischen und seinen Ätherleib verließ, dann breitete sich um ihn herum nicht lautlose Stille und Finsternis aus. Dann waren diese Bilder, die er wahrnahm, höchstens ein wenig anders, aber kaum viel schwächer als am Tage. Es bestand nur der Unterschied, daß er während des Tageslebens die äußeren Gegenstände des mineralischen, pflanzlichen, tierischen und Menschenreiches wahrnahm. Des Nachts aber, wenn der Mensch sich heraushob aus seinem physischen und Ätherleib, dann war ihm der Raum auch von solchen Farbenbildern und Tönen erfüllt, auch von allen möglichen Eindrücken des Geruchs und Geschmacks, von allem, was ringsherum war. Aber diese Farben und Töne und diese Eindrücke von Wärme und Kälte, die er da wahrnahm, das waren die Kleider und Hüllen von geistigen Wesenheiten, welche gar nicht heruntergestiegen waren bis zu einer physischen Verkörperung, von Wesenheiten, deren Namen und Vorstellung in den Sagen und Mythen erhalten sind. Denn Sagen und Mythen sind nicht «Volksdichtungen», sondern Erinnerungen an jene Schauungen, welche die Menschen in alten Zeiten in solchen Zuständen hatten; denn diese Menschen nahmen Geistiges bei Tag und Geistiges bei Nacht wahr. Der Mensch lebte wirklich umgeben in der Nacht von jener nordischen Götterwelt, die in Sagen und Mythen erhalten ist. Odin und Freya und all die anderen Gestalten der nordischen Sage sind nicht erfunden. Sie sind ebenso wahr erlebt worden in der geistigen Welt von jener Vormenschheit, wie heute der Mensch in seiner Umgebung seine Mitmenschen erlebt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Und die Sagen und Mythen sind die Erinnerungen an das, was der Mensch in allem erlebte, was er in seinem dämmerhaften, hellseherischen Zustande durchgemacht hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als dieser Bewußtseinszustand, der sich aus einem noch älteren Zustand entwickelt hat, mehr und mehr herauswuchs, da war am Himmel stehend die Sonne im Zeichen der Waage in dem Zeitpunkt, den wir heute den Frühling nennen. Und indem wir uns jetzt weiterbewegen in der Zeit, die die atlantische heißt, sehen wir, wie sich immer mehr herausbildet der Zustand, den wir heute haben. Immer dumpfer, immer unbeträchtlicher wurden die Eindrücke, die der Mensch hatte, wenn sein Astralkörper und sein Ich in der Nacht aus dem physischen und dem Ätherleibe heraus waren. Immer deutlicher wurden die Tagesbilder, die er empfing, wenn er in seinem physischen und seinem Ätherleibe darinnen war, kurz, immer mehr und mehr so dürfen wir paradox sagen wurde für ihn die Nacht zur Nacht und der Tag zum Tage.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann kam die atlantische Flut, und auf gingen die späteren nachatlantischen Kulturen, jene Kulturen, die ich Ihnen oft geschildert habe, die wir nennen die alte indische Kultur, innerhalb welcher die heiligen Rishis selber die Menschen gelehrt haben, die alte persische, die chaldäisch-assyrisch-babylonisch-ägyptische Kultur, dann die griechisch-lateinische und endlich unsere Kultur. Wollen wir heute die Stimmung schildern, in der die Menschen in der nachatlantischen Zeit und zum Teil auch schon in den letzten Zeiten der atlantischen Epoche waren, so tritt uns diese Stimmung so entgegen: überall waren die Völker, auch die, welche nach dem Osten gezogen waren und sich dort angesiedelt haben als die Nachkommen der atlantischen Völker, noch im Besitz der alten Erinnerungen, der alten Sagen und Mythen, welche wiedergaben, was die Menschen in einer früheren Zeit, in einem früheren Bewußtseinszustande der atlantischen Zeit erlebt haben. Diesen Sagenschatz hatten sich die Völker aus der atlantischen Zeit mitgebracht, und sie bewahrten und erzählten ihn. Das war dasjenige, was sie erfüllte, und die ältesten Bewohner des Nordens spürten durchaus noch die Kraft, die aus den Sagen und Mythen zu ihnen sprach, weil die ältesten Ahnen die Erinnerung daran hatten, daß einst die Vorfahren selbst das gesehen hatten, was da erzählt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|124}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch etwas anderes wurde innerhalb dieser Völker bewahrt, was zwar die Völker nicht erlebt haben, was aber diejenigen erlebt haben, welche die Eingeweihten jener alten Zeiten waren, die Mysterienpriester und Mysterienweisen. Sie hatten geistig hineinschauen dürfen in dieselben Tiefen des Weltendaseins, die heute wiederum durch die Geistesforschung erschlossen werden. Sie hatten hineinschauen dürfen, weil die Seelenzustände der menschlichen Vorfahren innerhalb der Eingeweihtenschaft geradeso waren, wie die der Volksseele, die in den alten Zeiten noch mitten darin lebte in der geistigen Welt. Wenn auch in dämmerhafter Weise, so war doch jener hellsehende Zustand in jenen alten Zeiten noch vorhanden. Bewahrten sich so die Völker ihre Sagen und Märchen und Mythen auf, die in vielfach gebrochenen Strahlen das zeigten, was früher erlebt worden war, so wurde in der uralten Weisheit dasjenige bewahrt, was in den Mysterien erschaut wurde, was in den alten Zeiten gepflegt worden war: eine umfassende Weltanschauung, die dann in den Mysterien denen, die eingeweiht wurden, zum unmittelbaren individuellen Bewußtsein gebracht werden konnte. Nur noch künstlich konnte man in den alten Mysterien jene Zustände hervorrufen, die in den alten Zeiten natürlich waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Warum war in jenen alten Zeiten jener Zustand des geistigen Wahrnehmens natürlich? Deshalb, weil noch ein anderer Zusammenhang zwischen dem physischen und dem Ätherleib bestand. Der heutige Zusammenhang ist erst im Laufe der letzten atlantischen Zeit entstanden. Beim atlantischen Menschen ragte der obere Teil des Ätherkopfes und noch manche andere Teile des ätherischen Leibes weit hinaus über den physischen Kopf, und nach und nach, erst gegen Ende der Atlantis, rückte der Ätherkopf vollständig in den physischen Kopf hinein. Da brachte sich der Ätherleib fast zur Deckung mit dem physischen Leib. Durch dieses Zusammenfallen des physischen und des Ätherteiles des Kopfes wurde der spätere Bewußtseinszustand hervorgerufen, der den Menschen nach der atlantischen Zeit eigen geworden war: die Möglichkeit, in scharfen Grenzen die physischen Gegenstände im heutigen Sinne wahrzunehmen. Daß er die Töne hören kann, die Gerüche empfindet, die Farben an der Oberfläche sieht, wo sie ihm&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|125}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nicht mehr die Zeugen für das geistige Innere der Dinge sind, dies alles war mit jenem festeren Zusammenfügen des physischen Leibes und des Ätherleibes verbunden, das damals nach und nach eintrat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den noch älteren Zeiten, wo der Ätherleib noch zum Teil außerhalb des physischen Leibes war, war es noch so, daß dieser draußen befindliche Teil des Ätherleibes immer noch vom Astralleib seine Eindrücke empfangen konnte, und diese Eindrücke waren die Wahrnehmungen des alten dämmerhaften Hellsehens. Erst als der Ätherleib völlig in den physischen Leib untertauchte, war dem Menschen das alte dämmerhafte Hellsehen völlig entzogen. In jenen alten vorchristlichen Mysterien mußte daher derjenige Zustand bei dem Einzuweihenden von dem Initiierenden künstlich hervorgerufen werden, der in der atlantischen Zeit natürlich war. Da sehen wir, daß die einzuweihenden Schüler in den Mysterientempeln so behandelt wurden, daß, nachdem der astralische Leib die entsprechenden Eindrücke erhalten hatte, der Ätherleib zum Teil herausgehoben wurde durch den einweihenden Priester, wodurch der physische Leib während dreieinhalb Tagen in einen lethargischen Schlaf, in eine Art Lähmungszustand versetzt wurde. Dann konnte, während der Ätherleib frei geworden war, der Astralleib in ihn eindrücken all die Erlebnisse, die der frühere atlantische Mensch in natürlichem Zustand gehabt hat. Da konnte der alte Einzuweihende sehen, was nun nicht mehr bloß durch die Schrift aufbewahrt, nicht für ihn Tradition war, sondern was jetzt für ihn ein individuelles Erlebnis wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vergegenwärtigen wir uns, was der Einzuweihende da durchlebt hat. Während der Mysterienpriester aus dem physischen Leib den Ätherleib zum Teil herausholte und hineinleitete die Eindrücke des Astralleibes in diesen herausgehobenen Ätherleib, da erlebte der Einzuweihende die geistigen Welten so stark, daß er die Erinnerung daran in die physische Welt mit hereinbrachte. Er war Zeuge dessen geworden, was in den geistigen Welten vorging. Er konnte Zeugnis davon ablegen, und er war hinausgehoben über all dasjenige, was sonst geteilt war nach Völkern und Nationen, denn er war eingeweiht in dasjenige, was alle, alle Völker miteinander verbindet: in die Urweisheit, in die Urwahrheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|126}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So war es in den alten Mysterien. So war es auch in denjenigen Augenblicken, von denen ich Ihnen bei dem Weihnachtsmysterium sprechen durfte, wo diejenigen Dinge, welche das eigentlich Charakteristische des späteren Bewußtseins bildeten, vor dem Blicke des Eingeweihten verschwanden. Bedenken Sie einmal, daß ja darin das Wesentliche des nachatlantischen Bewußtseins bestand, daß der Mensch jetzt nicht mehr vermochte in das Innere der Dinge hineinzuschauen, daß eine Grenze zwischen ihm und dem Inneren des Dinges besteht und daß er von den Dingen der physischen Welt nur die Oberfläche sieht. Was undurchschaubar und undurchsichtig geworden war für das Bewußtsein des Menschen der nachatlantischen Zeit, das wurde für den Einzuweihenden durchsichtig und durchschaubar. Er konnte dann, wenn der große Moment an ihn herantrat, in dem, was man Weihenacht nennt, die feste Erde durchschauen, und er konnte «die Sonne um Mitternacht sehen», das Geistige der Sonne «um Mitternacht» sehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im wesentlichen war also diese vorchristliche Einweihung etwas wie ein Zurückrufen dessen, was in alten Zeiten den Menschen natürlich war, was in alten Zeiten die Menschen als ihren natürlichen Bewußtseinszustand erlebten. Immer mehr wuchsen die Menschen heraus aus dieser Erinnerung an die alten Zeiten. Wir haben gesehen, wie Stück für Stück mit den fortschreitenden Kulturzyklen die Menschheit herausgewachsen ist aus jenen alten Erinnerungen und wie ihr immer mehr die Fähigkeit abhanden gekommen ist, außerhalb des physischen Leibes etwas zu erleben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der ersten Zeit der nachatlantischen Epoche, im alten Indertum, in der persischen, chaldäischen, ja sogar in der ägyptischen Kultur gab es noch viele Menschen, welche ihren Ätherleib mit dem physischen Leib durchaus noch nicht so fest verkettet hatten, daß sie nicht noch Eindrücke aus den geistigen Welten wie atavistische Rückbleibsel aus einer früheren Zeit hätten erhalten können. Dann aber, während der griechisch-lateinischen Zeit, schwanden sozusagen alle diese Rückbleibsel aus einer früheren Zeit dahin, und immer weniger ergab sich die Möglichkeit, die alte Einweihung in derselben Weise durchzuführen wie früher. Immer geringer wurde auch die Möglichkeit, die Erinne-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|127}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
rungen an die alte Urweisheit für die Menschheit zu bewahren. Wir nähern uns immer mehr unserem eigenen fünften Zeitalter, das, innerlich angesehen, etwas ganz Besonderes bedeutet innerhalb der Menschheitsevolution.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dem vierten Zeitraum, also in der griechisch-lateinischen Zeit, war die Sache noch so, daß man sagen kann, es war noch ebensogut die Möglichkeit vorhanden, sich zurückzuerinnern an das, was die Menschheit einst geschaut hatte im alten dämmerhaften Hellsehen, wie auf der anderen Seite bei einigen Menschen ein vollständiges Wohnen in dem physischen Leibe vorhanden war und damit ein vollständiges Abgeschlossensein von den geistigen Welten. Unser ganzes Leben zeigt uns, daß der Mensch unseres fünften nachatlantischen Zeitalters noch tiefer in den physischen Leib untergetaucht ist. Das äußere Kennzeichen dafür ist das Auftauchen der materialistischen Vorstellungen. Sie tauchen zuerst in dem vierten Zeitraum auf, bei den althellenischen Atomisten. Dann verschwinden sie und tauchen immer wieder auf, bis sie immer mächtiger werden in den letzten vier Jahrhunderten, so daß der Mensch nicht nur die positiven alten Inhalte der Erinnerung an die geistigen Welten verliert, sondern auch den Glauben an die geistigen Welten überhaupt. Das ist der Tatbestand. So tief ist der Mensch in diesem fünften Zeitraum in den physischen Leib untergetaucht, daß er sogar den Glauben verloren hat. In vielen Menschen ist dieser Glaube an das Vorhandensein der geistigen Welten völlig verlorengegangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fragen wir uns jetzt von einem anderen Gesichtspunkte aus: Wie war also der Gang der Menschheitsentwickelung? Wir blicken zurück in jene alte atlantische Zeit, die wir uns anschaulich zu machen versuchten, und wir können sagen, der Mensch lebte da noch mit seinen Göttern. Er glaubte nicht nur an sich selber und an die drei Reiche der Natur, sondern er glaubte auch an die höheren Reiche der geistigen Welten, denn er war ja ihr Zeuge in der atlantischen Zeit. Es war kein großer Unterschied zwischen seinem nächtlichen und seinem Tagesbewußtsein. Sie hielten sich noch die Waage, und der Mensch wäre ein Tor gewesen, wenn er abgeleugnet hätte, was tatsächlich um ihn herum wahrnehmbar war, denn er sah die Götter. Religion in unserem heutigen Sinne konnte es damals noch nicht geben, denn man&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|128}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
brauchte noch nicht die Religion. Was der Inhalt der Religion ist, war für die Menschen der atlantischen Zeit eine Tatsache. Ebensowenig wie Sie eine Religion brauchen, um an Rosen, Lilien, Felsen und Bäume zu glauben, ebensowenig brauchte der Atlantier eine Religion, um an Götter zu glauben, denn sie waren für ihn Tatsachen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Immer mehr verschwanden aber diese Tatsachen. Immer mehr wurde der Inhalt der geistigen Welten zu einer Erinnerung, zum Teil aufbewahrt in Traditionen von dem, was man aus alten Zeiten erzählte, daß es die Vorväter gesehen hätten, zum Teil aufbewahrt in den Sagen und Mythen und in dem, was einzelne, besonders veranlagte hellsehende Menschen davon noch selbst sahen. Vor allem wurde dieser Inhalt der geistigen Welten aber aufbewahrt in dem, was in den Mysterien die Mysterienpriester hüteten. Alles was die Hermespriester in Ägypten, die Priester des Zarathustra in Persien, was die chaldäischen Weisen, was die indischen Nachfolger der heiligen Rishis bewahrten, das war nichts anderes als die Kunst, den Menschen in der Einweihung wieder zum Zeugen dessen zu machen, was die Vormenschheit auf natürliche Weise in ihrer Umgebung gesehen hat. Und je nachdem ein Volk beschaffen war, mit seinen besonderen Befähigungen und Empfindungen, je nach dem Klima, in dem es lebte, wurde dasjenige, was in den Mysterien aufbewahrt wurde, in der Religion des Volkes verbildlicht, da in dieser und dort in jener Religion. Aber die Urweisheit lag allen diesen Religionen zugrunde als die große Einheit derselben. Diese Urweisheit war die gleiche, eine einheitliche, ob sie Pythagoras in seiner Schule pflegte, ob die Hermesschüler in Ägypten, ob die chaldäischen Weisen in Vorderasien, ob Zarathustra in Persien oder die Brahmanen in Indien sie lehrten: überall die gleiche Urweisheit, nur abgestuft nach den Bedürfnissen und nach den besonderen Verhältnissen in den Volksreligionen, wie sie uns in den einzelnen Gegenden entgegentreten. Da sehen wir das Werden der religiösen Kultur.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was ist also diese religiöse Kultur? Religiöse Kultur ist die eben geschilderte Art der Vermittlung der geistigen Welten für diejenige Menschheit, die nicht mehr die Fähigkeit hat, mit eigenen Wahrnehmungswerkzeugen diese geistige Welt zu erleben. Religion wurde die&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|129}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kunde, die Botschaft von der geistigen Welt für alle diejenigen, die nicht mehr die geistige Welt als Tatsache erleben konnten. So breitete sich das geistige Leben als Kultur in religiöser Form über das Erdenrund aus. Es lebte so in den verschiedenen Kulturperioden, von der altindischen, altpersischen, ägyptisch-chaldäischen, griechisch-lateinischen Epoche bis in unsere Zeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Untergetaucht ist der Mensch in seinen physischen Leib zum Zwecke, die Außenwelt zu erfahren, zu erleben mit den physischen Sinnen, um dasjenige, was er draußen erlebt mit den physischen Sinnen, hineinzunehmen in seine Geistigkeit, um sie künftigen Evolutionsstufen entgegenzuführen. Nun sind wir aber jetzt, insofern wir hinuntergetaucht sind in den physischen Leib, weil wir die Mitte unserer nachatlantischen Kulturen überschritten haben, in einem ganz besonderen Falle. Noch nicht alle, aber zahlreiche Menschen sind schon in diesem Falle. Alle Entwickelung innerhalb der Menschheit geht in merkwürdiger Weise vor sich. Sie geht sozusagen bis zu einem gewissen Punkte voran, und von da ab geht sie dann in entgegengesetzter Richtung. Nachdem die Entwickelung bis zu einem gewissen Punkte heruntergestiegen ist, steigt sie wieder hinauf und kommt wieder an denselben Etappen an, nur in einer höheren Form, so daß der Mensch heute tatsächlich vor einer merkwürdigen Zukunft steht: vor der Zukunft das weiß jeder, der diese tief bedeutsame Tatsache der Menschheitsentwickelung kennt , daß sich sein Ätherleib nach und nach wieder lockert, nachdem er untergetaucht war in den physischen Leib, in welchem er in scharfen Grenzen und Formen alles dasjenige wahrgenommen hat, was in der physischen Welt heute wahrzunehmen ist. Der Ätherleib muß sich wieder lockern, muß sich wieder herausheben, damit der Mensch zu der Vergeistigung aufsteigen kann und in der geistigen Welt wahrnehmen kann. Tatsächlich ist die Menschheit heute schon wiederum an dem Punkte, wo bei einem großen Teil der menschlichen Individuen die Ätherleiber sich wieder lockern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun tritt uns etwas höchst Merkwürdiges entgegen. Es ist geradezu das Geheimnis unserer Kulturzeit, an das wir jetzt streifen, wenn wir uns diese Tatsache vor Augen führen. Wir müssen uns vorstellen, daß der Ätherleib tief in den physischen Leib hineingestiegen ist und nun&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|130}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wieder den Rückweg antreten muß. Er muß mitnehmen aus dem physischen Leibe alles, was er mit seinen physischen Sinnen wahrnehmen konnte. Aber dadurch, daß sich der Ätherleib wieder lockert, wird alles, was früher physische Wirklichkeit war, sich nach und nach wieder vergeistigen müssen. Der Mensch muß nun mitnehmen in die Zukunft hinein das Bewußtsein, die Gewißheit, daß es ein Geistiges auch im Physischen gibt. Denn, was tritt sonst für ihn ein? Sein Ätherleib geht sonst aus dem physischen Leib heraus, aber der Mensch behält nur den Glauben an die physische Welt und ihm fehlt das Bewußtsein, daß das Geistige im Physischen eine Wirklichkeit hat, welche mit dem Ätherleibe selbst als Frucht des im physischen Leibe Erlebten heraustritt. So könnte es passieren, daß die Menschen sozusagen nicht den Anschluß fänden an dieses Heraustreten ihres Ätherleibes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Halten wir genau und bestimmt den Punkt fest, wo der Ätherleib des Menschen ganz und gar darinnensitzt im physischen Leibe und beginnt, wiederum herauszugehen. Nehmen wir nun an, der Mensch entläßt seinen Ätherleib so, daß er verloren hat den Glauben, das Bewußtsein einer geistigen Welt, solange er im physischen Leibe lebte, daß er sich so abgeschnitten hat den Zusammenhang mit der geistigen Welt im physischen Leibe. Nehmen wir an, er ist so fest und tüchtig hinabgestiegen in den physischen Leib, daß er sich nichts hat retten können als den Glauben, daß das physische Leben allein Wirklichkeit sei. Und nun tritt er in die folgende Zeit hinein. Der Ätherleib tritt heraus, verläßt ihn unweigerlich, und der Mensch ist nicht imstande, sich das hineinzuretten in diesen Zustand, daß es ein Bewußtsein einer geistigen Welt gibt. Er erkennt dann diese geistige Welt nicht. Das ist das, was der Menschheit in der nächsten Zeit bevorstehen könnte: daß sie die geistige Welt, die sie durch die Lockerung des Ätherleibes erleben müßte, nicht erkennt, daß sie diese für Einbildung, Phantastik, Illusion hält. Und diejenigen, die in der raffiniertesten Weise vielleicht sagen wir, um nicht anzüglich zu sein: in der subtilsten Art hinabgestiegen sind in den physischen Leib, welche die materialistischen Gelehrten geworden sind, das heißt, sich die starrsten Begriffe über die Materie angeeignet haben, das sind die, welche am stärksten vor der Gefahr stehen, bei der Lockerung ihres Ätherleibes keine Ahnung zu haben,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|131}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
daß es eine geistige Welt gibt. Sie halten dann alles, was sie von einer geistigen Welt erleben, für Illusion, Phantastik, Träumerei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nur ein Beispiel sei vor Sie hingestellt: ein psychologisches Buch ist in der letzten Zeit von einem deutschen Professor erschienen. Darin soll gezeigt werden, daß die Seele eigentlich ganz identisch ist mit dem Gehirn und nur von einer anderen Seite aus die Verrichtungen zeigt, einmal von außen, einmal von innen. Das Innerliche sei Gefühl, Vorstellung und Wille, und das Äußere das Gehirn, anatomisch-physiologisch untersucht. In diesem Buche finden Sie einen merkwürdigen Ausspruch; da wird darauf hingewiesen, daß, wenn eine selbständige Seele da wäre, dann müßte man doch annehmen, daß diese selbständige Seele ihre Kräfte durch alle die Eindrücke, die der Mensch empfängt, vermehren oder vermindern müßte. Aber nun bestehe da das Energiegesetz, das besagt, daß alle diejenigen Kräfte, die der Mensch von außen aufnimmt, auch wieder von ihm ausströmen müssen, und es wird darauf hingewiesen, wie bei einem Menschen auch die ganze Wärmeenergie, die er aufnimmt, wiederum abgegeben werde. Da das dem allgemeinen Energiegesetz unterliegt, und da man sieht, daß das, was hineingeht, auch wieder herauskommt, müsse man daraus schließen, daß darin doch keine selbständige Seele eingriffe, sondern daß da rein materielle Vorgänge vorliegen, die sich da drinnen umsetzen und die wiederum ausströmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nicht soll irgend etwas Abträgliches an Kritik gesagt werden über solch ein Buch und über solch eine Lehre, die an den offiziellen Lehrkanzeln unserer offiziellen Wissenschaft gelehrt wird, denn die Menschen können nichts dafür, daß sie solche Lehren ausdenken; sie leben unter den furchtbarsten Suggestionen. In Wahrheit ist es ebenso gescheit, wenn man untersucht, wieviel Wärme in den Menschen hinein- und wieder herauskommt und daraus schließt, daß er keine Seele habe, wie wenn jemand sich vor dem Büro eines Bankhauses aufstellte und prüfen wollte, wieviel Geldmassen hineingehen und wieder herauskommen und nun daraus schließen wollte, nachdem alle die Energien, also die Geldmassen, wieder herausgekommen sind, daß keine Bankbeamten drinnen seien! Derlei Gedankenformen finden Sie heute fast überall in alledem, was als offizielle Psychologie gilt. Und wie unge-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|132}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
heuer suggestiv wirken sie auf unsere heutige Menschheit! Das ist das Zeitalter, in dem am stärksten in den physischen Leib untergetaucht sind gerade diejenigen, welche die Führer der Menschheit sein wollen und die da glauben, mit einer voraussetzungslosen Wissenschaft zu operieren. Sie haben während des Untertauchens des Ätherleibes in den physischen Leib vollständig das Bewußtsein verloren, daß es eine geistige Welt gibt, und es muß gesagt werden, daß gerade diese Gelehrten am stärksten dem Schicksal verfallen werden, welches ich Ihnen jetzt schildern muß. Was kann denn das Schicksal dieser Menschen in der Zukunft sein?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn der Mensch in der Zukunft sein Leben richtig leben soll, wenn der Ätherleib wieder gelockert ist, muß der Mensch das Bewußtsein haben von dem, was sich diesem Ätherleib bietet und was der Menschheit dann entspricht. Und damit er ein Bewußtsein habe von dem, was sich bietet als Erkenntnis der geistigen Welt, ist es notwendig, daß die Menschheit über den Punkt, wo der Mensch ganz hineinversenkt ist in das Physisch-Sinnliche, sich hinüberbewahre die Erkenntnis, daß es eine geistige Welt gibt. Es darf niemals der Anschluß vom religiösen Leben zum Leben in der Erkenntnis verloren werden. Von dem Leben unter den Göttern ist der Mensch ausgegangen; zu einem Leben mit den Göttern wird er wieder aufsteigen. Aber er wird sie erkennen müssen! Er wird wirklich wissen müssen, daß die Götter Wirklichkeiten sind. An die alten Zeiten wird sich der Mensch nicht mehr erinnern können, wenn sein Ätherleib wieder gelockert wird. Hat er in den mittleren Zeiten das Bewußtsein der geistigen Welt verloren, hat er sich einzig und allein angeeignet den Glauben, daß das Leben im physischen Leibe und das im physischen Leib Schaubare das einzig Wirkliche sind, dann schwebt er für alle Zukunft in der Luft. Dann kennt er sich nicht aus in den geistigen Welten, dann hat er den Boden unter den Füßen verloren. Dann tritt für ihn die Gefahr dessen ein, was man den «geistigen Tod» nennt; denn dasjenige, was um ihn herum ist, ist dann Unwirklichkeit, Illusion, für dessen Wirklichkeit er kein Bewußtsein hat, woran er keinen Glauben hat, und er stirbt ab. Das ist das wirkliche Absterben in der geistigen Welt, ist etwas, was den Menschen droht, wenn sie nicht mitbringen beim Eintritt in die geistigen Welten das Bewußtsein von dieser geistigen Welt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|133}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wo aber ist der Punkt in der Menschheitsevolution, wo völlig errungen werden kann das Bewußtsein von der geistigen Welt? Da ist der Punkt, wo durch ein Hinuntersteigen in einen physischen Leib und durch die Überwindung desselben das große Vorbild vor die Menschen hingestellt worden ist, jenes große Vorbild, das in dem Christus gegeben ist. In dem völligen Verständnis für den Christus ist dasjenige zu erringen, was der Menschheit die Möglichkeit bietet, den Anschluß zu gewinnen an alle Erinnerungen der Vorzeit und an alle Prophetie der Zukunft. Denn alle Religionsstifter vor Christus, worauf wiesen sie hin? Sie wiesen hin auf die früheren Inkarnationen und auf die späteren Inkarnationen des Menschen. Der Christus trat ein in den Leib des Jesus von Nazareth, als der Jesus von Nazareth dreißig Jahre alt war. Christus war die Wesenheit, die in einem physischen Leibe nur einmal lebte. Und durch dieses einmalige Besiegen des Todes, wenn es richtig verstanden wird, wird dem Menschen gezeigt, wie er zu leben hat, um in alle künftigen Zeiten das Bewußtsein hineinzubringen, daß es eine geistige Welt gibt. Das ist die Vereinigung mit dem Christus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und wie wird die Christus-Idee leben in dem Menschen der Zukunft? Der Mensch der Zukunft wird ebenso zurückblicken auf unsere Epoche, wo der Mensch im physischen Leibe gelebt hat, wie der Mensch der nachatlantischen Zeit in die atlantische Zeit zurückblickt, wo die Menschen noch mit den Göttern zusammenlebten. Er wird sich fühlen als der Sieger über dasjenige, was im physischen Leibe erlebt wird. Wenn er dann wieder zum geistigen Plan aufsteigt, wird er herunterweisen auf das Physische als auf das, was überwunden ist. Das sollen wir fühlen in einer großen prophetischen Tat, wenn wir auf das Osterwunder hinschauen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zweierlei Möglichkeiten hat der Mensch der Zukunft vor sich. Die eine Möglichkeit ist diese, daß er sich zurückerinnert an jene Zeit, wo er die Erlebnisse im physischen Leibe gehabt hat und sich sagt: Das allein, was damals war, war wirklich. Wir sind nunmehr in der Welt der Illusionen; die Wirklichkeit war das Leben im physischen Leib. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Mensch blickt hin auf das verlassene Physische wie auf ein Grab, und das, was er in dem Grabe erblickt, ist Leichnam; aber der Leichnam stellt als das Physische für ihn die wahre Wirklichkeit dar. Das&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|134}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ist die eine Möglichkeit. Die andere Möglichkeit ist die, daß der Mensch zurückblickt auf das in der physischen Welt Erlebte wiederum wie auf ein Grab, aber so, daß er denen, die glauben, daß das Physische allein das Wahre, Wirkliche gewesen ist, sagt und tief fühlt die Wahrheit dieser Worte: «Den ihr suchet, der ist nicht mehr da!» Das Grab ist leer und Derjenige, um den es sich handelt, der ist auferstanden! Das leere Grab und der auferstandene Christus, das ist das Mysterium der Prophetie; und so haben wir in dem Ostermysterium das Mysterium der Prophetie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die große Synthesis von dem Weihnachtsmysterium als Wiederholung der alten Mysterien und dem Ostermysterium, als das Mysterium der Zukunft, das Mysterium des auferstandenen Christus, das wollte Christus vor die Menschheit hinstellen. Das ist das Mysterium des Osterfestes. Das wird die Zukunft des Christentums sein, daß die christliche Idee nicht bloß etwas ist wie eine Kunde von höheren Welten, nicht bloß etwas wie Religion ist, sondern daß die christliche Idee ein Bekenntnis und ein Impuls des Lebens ist: ein Bekenntnis, weil der Mensch in dem auferstandenen Christus dasjenige sieht, was er selbst zu erleben hat in aller Zukunft, eine Tat des Lebens, weil der Christus nicht bloß dasjenige ist, zu dem er hinaufschaut, der ihm etwa bloß Trost gewährt, sondern der ihm das große Vorbild ist, dem er nachlebt, indem er den Tod überwindet. Im Geiste des Christentums tätig sein, leben, in dem Christus nicht bloß den Tröster sehen, sondern den Christus als den ansehen, der uns vorangeht und der im tiefsten Sinne mit unserer tiefsten Wesenheit verwandt ist, dem wir nachleben: das ist die Christus-Idee der Zukunft, die zu durchdringen vermag alle Erkenntnis, alle Kunst, alles Leben. Und wenn wir uns erinnern wollen, was alles die Osteridee enthält, so werden wir in ihr ein Symbolum finden des Christentums der wahren Tat und des wahren Lebens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn die Menschen längst nicht mehr brauchen werden die religiösen Mitteilungen, die ihnen Kunde bringen von den Göttern der alten Zeiten, weil sie wieder leben werden unter den Göttern, dann wird ihnen Christus derjenige sein, der sie stark und kräftig machen wird, um den richtigen Standpunkt zu finden mitten unter den Göttern. Der Religion wird es dann nicht mehr bedürfen, um an Götter zu glauben,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|135}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die die Menschen wieder sehen werden, wie es ihrer früher nicht bedurfte, als sie unter Göttern lebten. Da brauchten sie nicht zu glauben, und sie werden nicht brauchen zu glauben an die Götter, die sie wieder sehen werden, wenn sie gestärkt und gekräftigt mit dem, was aus dem Christentum zu gewinnen ist, unter diese Götter treten werden. Dann werden sie selbst vergeistigt unter geistigen Wesenheiten sein und dann ihre Arbeit unter den geistigen Wesenheiten vollbringen können. So wird der Mensch in einer gar nicht so fernen Zukunft wiederum sehen, wie die physische Welt für ihn ihre Bedeutung verliert und wie sozusagen die physischen Dinge verblassen. Ihre Wirklichkeit wird verblassen, auch wenn der Mensch noch lange auf der Erde sein wird. Wenn aber die physischen Dinge ihre Bedeutung und Wichtigkeit verlieren werden und verblassen werden, dann wird der Mensch entweder dahinschwinden sehen die Wesentlichkeit des Physischen und nicht glauben können an die Geistigkeit, die vor ihm aufsteigt, oder aber er wird glauben können und das Bewußtsein sich hinüberretten für die Geistigkeit der Zukunft, und er wird dann nicht den geistigen Tod erleben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einer Wirklichkeit gegenüberstehen, die man nicht als eine solche erkennt, heißt zerrüttet sein im Geiste. In eine geistige Zerrüttung hinein würden die Menschen leben, wenn die geistigen Welten vor ihnen auftauchen würden bei der Lockerung des Ätherleibes und sie sie nicht als solche erkennen würden. Heute könnte schon mancher von den geistigen Welten ein Bewußtsein haben, aber er hat es nicht, und so schlagen sie auf ihn selbst zurück, und das zeigt sich in seiner Nervosität, der Neurasthenie, in der pathologischen Krankheitsfurcht. Das ist nichts anderes als der Rückschlag dessen, was das Nichtbewußtsein von der geistigen Welt hervorruft. Wer das fühlt, der fühlt auch die Notwendigkeit einer geistigen Bewegung, die über die bloße Religion hinauswachsend den Glauben an den Menschen, an den ganzen Menschen, das heißt auch an den geistigen Menschen bewahrt und volle Erkenntnis des geistigen Menschen bringt. Und Christus erkennen heißt, auch den geistigen Menschen erkennen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit der Christus-Idee in die Zukunft der Menschheit hineinleben heißt, selbst das Christentum als Religion überwinden und das&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|136}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Christentum als Erkenntnis auf den weitesten Horizont bringen. Das Christentum wird untertauchen in die Kunst, wird sie erweitern und beleben, wird künstlerische Gestaltungskraft im reichsten Maße geben. Richard Wagners «Parsifal» ist eine Vorbereitung davon. Das Christentum wird in alles Leben und Weben auf der Erde hineintauchen, und wenn die Religionen schon lange nicht mehr für die Menschheit notwendig sein werden, dann wird die Menschheit gerade stark und kräftig sein unter dem Einfluß der christlichen Impulse, die damals der Menschheit gegeben werden mußten, als sie in der Mitte des vierten Kulturzeitraumes war. In der griechisch-lateinischen Kulturzeit trat der Christus unter die Menschheit. Wie die Menschheit hinuntertauchen mußte in die tiefste Tiefe des materiellen Lebens, so muß sie wieder hinaufgebracht werden zu der Erkenntnis des Geistes. Und diesen Impuls hat das Erscheinen des Christus gegeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Empfindungen sollen uns beseligen in den Tagen, in denen wir symbolisch um uns herum haben die Ostermysterien, in der Osterzeit. Denn das Ostermysterium ist nicht bloß ein Mysterium der Erinnerung, sondern auch ein Mysterium der Zukunft, der Prophetie für den Menschen, der sich allmählich immer mehr befreit aus den Banden und den Umgarnungen und Verstrickungen des bloß physisch-sinnlichen Lebens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|137}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= ACHTER VORTRAG, Berlin, 20. April 1908 =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heute möchte ich zu Ihnen über etwas sprechen, das zum Teil aus dem fortlaufenden Rahmen der Vorträge etwas herausfällt, in anderer Beziehung aber wieder eine Ergänzung bildet, indem manches, was wir in den verflossenen Vorträgen gesagt haben, dabei wiederholt werden wird, aber auch in einer gewissen Beziehung besser beleuchtet werden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir wissen ja, daß der Mensch, wie er jetzt ist, in einer langen Evolution erst geworden ist, daß er sich durch planetarische Zustände hindurch bis zu seiner heutigen Höhe entwickelt hat. Wir wissen auch, daß er sich in der Zukunft zu höheren Entwickelungsstufen emporheben wird. Nun haben wir uns ja schon mit dem Gedanken bekanntgemacht, daß damals, als der Mensch auf dem alten Saturn noch in einem ganz dumpfen Bewußtseinszustand war, auch schon Wesen vorhanden waren, welche so hoch standen, wie der Mensch heute steht; es gab auch damals schon Wesenheiten, die weit höher standen, als der Mensch heute steht. Wir wissen, daß es auch heute Wesenheiten gibt, die in der Gegenwart eine Entwickelungsstufe erlangt haben, die der Mensch erst in der Zukunft erlangen wird. So können wir den Blick erheben zu einer wie man sie im Okkultismus nennt Hierarchie von dem Menschen übergeordneten Wesenheiten, die immer eine Stufe höher stehen als der Mensch. Diese nächste Stufe von Wesenheiten, welche über dem Menschen stehen, nennen wir in der esoterisch-christlichen Bezeichnung «Engel», «Angelos». Also sind uns Engel Wesenheiten, die bereits auf der Mondenstufe, dem planetarischen Vorgänger unserer Erde, das Menschenbewußtsein erlangt hatten, und die heute um eine Stufe höher stehen als der Mensch. Der Mensch selbst wird auf der Stufe des Jupiterdaseins dasjenige Bewußtsein haben, das heute das Bewußtsein dieser Wesenheiten ist, die wir als Engel, Angeloi, bezeichnen. Damit haben wir die erste Stufe der über dem Menschen stehenden Wesenheiten bereits ins Auge gefaßt. Wir kennen ja aus gewissen anderen Zusammenhängen bereits die folgenden Stufen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|138}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir wissen, daß wir von den Engeln aufwärts die «Erzengel» haben, «Archangeloi»; dann haben wir die Ordnung der «Urkräfte», die wir auch «Archai» nennen; dann kennen wir die «Offenbarungen» oder «Gewalten», «Exusiai»; dann haben wir die sogenannten «Mächte», «Dynamis», die «Herrschaften», «Kyriotetes»; dann die «Throne», die «Cherubim» und die «Seraphim». Erst dann, jenseits der Seraphim, würden wir von dem sprechen, was man im christlichen Sinne die eigentliche «Gottheit» nennt. Denn der wirkliche Okkultist, die wirkliche Geisteswissenschaft oder der Okkultismus kann nicht die gewöhnliche, triviale Vorstellung teilen, daß der Mensch unmittelbar auf blicken könnte zur höchsten Gottheit; sondern wir haben die ganze Leiter von Wesenheiten, die wir im christlichen Sinne Engel, Erzengel und so weiter nannten, dazwischen stehen. Und in einer gewissen Beziehung muß es uns als eine Bequemlichkeit des Geistes gelten, wenn man heute vielfach hören kann: Ach, was brauchen wir die ganze Stufenleiter von Wesenheiten, der Mensch kann doch in ein unmittelbares Verhältnis zu der Gottheit kommen! Diese Bequemlichkeit kann der Theosoph und Okkultist nicht mitmachen; denn die Wesenheiten sind durchaus wirklich, und wir wollen heute einiges sprechen von der Aufgabe, von der Arbeit dieser Wesen für die Weltevolution und von den Eigentümlichkeiten und Eigenschaften dieser Wesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zunächst wollen wir versuchen, uns eine Vorstellung zu bilden von dem, was man die Wesen der Engel nennt. Wir werden uns über das Bewußtsein dieser Wesenheiten am leichtesten dadurch eine Vorstellung machen können, daß wir einmal dessen eingedenk sind, daß der Mensch in seinem äußeren physischen Bewußtsein heute vier Naturreiche umfaßt, die er sozusagen wahrnehmen kann: mineralische Wesenheiten, pflanzliche Wesenheiten, tierische Wesenheiten und das Menschenreich selber; so daß wir das menschliche Bewußtsein nach seinem Inhalte als ein solches beschreiben können, das diese vier für die äußeren Sinne wahrnehmbaren Reiche umfaßt. Alles was der Mensch wahrnimmt durch seine Sinne, was es auch sei, gehört einem dieser vier Reiche an. Wenn wir uns nun fragen: Wie ist das Bewußtsein der Engelwesenheiten? so bekommen wir zur Antwort: Es ist in einer gewissen Beziehung ein höheres Bewußtsein, und es ist dadurch als ein&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
höheres Bewußtsein charakterisiert, daß es nicht bis zum mineralischen Reiche hinunterreicht. Bis dahin, wo die Steine sind, die Mineralien, reicht das Engelbewußtsein nicht herunter. Dagegen sind in diesem Engelbewußtsein pflanzliche Wesenheiten, tierische Wesenheiten, menschliche Wesenheiten und das eigene Reich der Engel, das dort die gleiche Rolle spielt wie das Reich der Menschen für uns. Daher können wir sagen: diese Engel nehmen mit ihrem Bewußtsein auch vier Reiche wahr, das Reich der Pflanzen, der Tiere, der Menschenwesen und das Reich der Engel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist das Eigentümliche der Engelwesen: sie haben keinen physischen Leib, und aus diesem Grunde also auch keine Organe des physischen Leibes, keine Augen und Ohren und so weiter. Deshalb nehmen sie das physische Reich nicht wahr. Sie haben als ihre niederste Wesenheit ihren ätherischen Leib. Dadurch haben sie eine gewisse Verwandtschaft mit den Pflanzen. Sie können also mit ihrem Bewußtsein herabsteigen bis zu den Pflanzen; sie können Pflanzen noch wahrnehmen. Dagegen wo ein Mineral ist, nehmen sie einen Hohlraum wahr, geradeso wie wir es beschrieben haben für den Menschen während des Devachanzustandes, wo der Mensch auch den Raum, den hier auf dem physischen Plan ein Mineral ausfüllt, als einen Hohlraum wahrnehmen wird. So nehmen diese Engel überall da, wo hier physisches Reich ist, einen Hohlraum wahr. Dagegen ragt ihr Bewußtsein da hinauf, wo des Menschen Bewußtsein heute noch nicht hinaufragt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber wir wissen, daß auch die Menschen heute schon in einer gewissen. Beziehung zueinander stehen als solche, die leiten, und solche, die geleitet werden. Ich will dabei auf gar nichts anderes anspielen als auf die Kinder und die erwachsenen Erzieher: Die Kinder müssen so lange geleitet werden, bis sie so reif sind wie die erwachsenen Erzieher. Die Menschen wachsen in ihrer jetzigen Entwickelung in das Jupiterbewußtsein hinein. Das wird das gleiche sein, das die Engel heute schon haben. Weil das Engelbewußtsein so ist, sind die Engel heute tatsächlich die Führer der Menschen, ihre Leiter, bereiten sie vor, und es besteht ein inniger Zusammenhang zwischen dem, was sich im Menschen allmählich ausbildet, und dem, was die Aufgabe dieser Engelwesen ist. Was bildet sich denn im Menschen für den Rest seines Erdendaseins?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Das haben wir öfter besprochen. Wir haben gesagt, der Mensch hat einen physischen Leib, einen Ätherleib, einen astralischen Leib und ein Ich, und daß er jetzt gerade daran ist, seinen astralischen Leib so umzubilden, daß er nach und nach vollständig das Geistselbst sein wird. Zwar arbeitet der Mensch auch schon an seinen anderen Gliedern; aber das Wesentliche der Erdenentwickelung besteht darin, daß das Geistselbst voll entwickelt werde. Die Engel haben heute bereits das Geistselbst entwickelt; sie hatten es schon entwickelt, als das Erdendasein begonnen hat. Daher sind die Engel in der Hierarchie der Entwickelung diejenigen Geister, welche diese Arbeit, den astralischen Leib in das Geistselbst umzubilden, beim Menschen leiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun fragen wir uns: Wie tun sie das? Da erinnern wir uns einmal daran, daß wir gesagt haben, wenn der Mensch stirbt, so hat er nach dem Tode zunächst das um sich herum, was wir genannt haben das lange Erinnerungstableau an das eben verflossene Leben. Das bleibt zwei bis drei Tage; für die einzelnen Menschen ist das etwas verschieden. Es bleibt in der Regel ungefähr so lange, wie der betreffende Mensch es im Leben aushalten konnte ohne zu schlafen. Die verschiedenen Menschen sind sehr verschieden darin. Der eine ist gewohnt, nach je zwölf Stunden zu schlafen, und es fallen ihm dann die Augen zu; andere dagegen können sich vier bis fünf Tage wachhalten. So lange wie sich der Mensch halten kann ohne zu schlafen, so lange dauert sein Erinnerungstableau. Dann löst sich der Ätherleib auf und es bleibt nur ein Extrakt davon zurück, die Lebensfrucht des vergangenen Lebens. Die wird mitgenommen für die ganzen folgenden Zeiten und wird seiner Wesenheit einverleibt, und bildet das, wonach sich der Mensch in der nächsten Inkarnation seinen physischen Leib aufbauen kann. Dadurch ist er imstande, seinen nächsten Leib vollkommener aufzubauen, weil er die Früchte seines vergangenen Lebens dazu benutzen kann. Also der Mensch hat diese Lebensessenz und bildet sich daraus im folgenden Leben seinen nächsten Leib.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun wissen wir auch noch etwas anderes. Wir wissen, daß der Mensch nicht nur diesen seinen Leib bildet, sondern daß er auch im Devachan gar nicht untätig ist. Es ist eine falsche Vorstellung, wenn wir glauben würden, daß der Mensch sich nur mit sich selbst zu&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|141}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
befassen hätte. So auf den Egoismus ist die Welt gar nicht gebaut. Sie ist so gebaut, daß der Mensch in jeder Lage mitzuarbeiten hat an der Erde; und er arbeitet mit in jener Zeit im Devachan an der Umgestaltung der Erdoberfläche. Wir wissen selbst, daß zum Beispiel der Boden, auf dem wir heute hier stehen, vor noch wenigen Jahrhunderten ganz anders ausgesehen hat als heute. Die Erde wird fortwährend umgestaltet. Zur Zeit, als der Christus Jesus noch auf der Erde wandelte, waren hier mächtige Waldungen; ganz andere Pflanzen und Tiere waren da. So wird das Antlitz der Erde fortwährend umgeändert. Wie die Menschen fortwährend, indem sie auf dem physischen Plan arbeiten, indem sie Städte bauen und so weiter, mit den Kräften arbeiten, die im Physischen wirken, ebenso wirken sie vom Devachan aus mit denjenigen Kräften, welche die Physiognomie der Erde, also auch das Pflanzenreich und das Tierreich, umgestalten. Darum trifft der Mensch in einer neuen Inkarnation wiederum einen Boden, der ein ganz anderes Bild bietet, so daß er also immer etwas Neues erlebt. Denn man wird nicht umsonst in eine neue Inkarnation hineingeboren, sondern damit man etwas Neues erleben soll. Der Mensch trägt selbst dazu bei, diese Erde umzugestalten; aber er kann das nicht ohne Anleitung tun. Er kann nicht die folgenden Inkarnationen bestimmen, denn dann brauchte er nicht erst zu erleben, was in der Zukunft geschehen soll. Und die nächsten leitenden Wesenheiten, die den Menschen anleiten, von den Kräften des Devachan aus an der Umgestaltung der Erde mitzuarbeiten, die den Einklang schaffen zwischen den einzelnen menschlichen Individualitäten und der Evolution der Erde, so wie sie diesen einzelnen Individualitäten entspricht, diese geistigen Wesenheiten sind die Engel. An den Steinen, an der festen Erdrinde können sie nicht mitarbeiten; denn bis zu den Steinen reicht ihr Bewußtsein nicht herunter. Wohl aber reicht es bis zu dem Pflanzenreich herunter, das die Erde trägt. Da können sie zwar nicht schöpferisch, aber doch umgestaltend wirken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und in der Tat, so ist es, daß mit jeder menschlichen Individualität ein solches Engelwesen wirkt, welches den Menschen leitet und lenkt bei seiner Arbeit, das Geistselbst im astralischen Leibe auszubilden, bis er es ausgebildet hat. Daher spricht man in einem Teil der christ-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
lichen Lehre von den menschlichen Schutzengeln. Das ist eine Vorstellung, die durchaus der gesetzmäßigen Realität entspricht. Es sind das die Wesen, die den Einklang schaffen zwischen der einzelnen menschlichen Individualität und dem Gange der Erdenentwickelung, bis der Mensch selbst am Ende der Erdenentwickelung so weit sein wird, daß er seinen Engel ablösen kann, weil er dann selbst ein solches Bewußtsein haben wird, wie es ein Engel hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun werden Sie es leicht verstehen, daß die Erzengel ein Bewußtsein haben, das nicht mehr hinunterreicht bis ins Pflanzenreich, sondern nur bis ins Tierreich. Die Pflanzen sind sozusagen nicht mehr für sie da; diese sind für sie ein zu untergeordnetes, zu unbedeutendes Reich. Im Tierischen haben sie noch Angriffspunkte; das Tierreich nehmen sie wahr. Sie haben keinen Ätherleib, sondern als unterstes Glied ihrer Wesenheit ihren astralischen Leib. Das Tier hat auch einen astralischen Leib; daher wirken die Erzengel in die astralischen Leiber der Tiere durchaus hinein. Dann nehmen sie das Menschenreich wahr, das Reich der Engel und ihr eigenes Reich. Das, wozu sie «Ich» sagen, was so ist wie für den Menschen das Menschen-Ich, das ist das Erzengelreich. Auch diese Wesenheiten haben eine wesentliche Mission, und Sie können schon begreifen, da sie ein um zwei Stufen höheres Bewußtsein haben als der Mensch, daß diese Mission eine sehr hohe sein kann. Denn so hoch ist dieses Bewußtsein der Erzengel, daß sie die Buddhi, den Lebensgeist, vollständig ausgebildet haben, und daher lenkend und leitend sein können in der Erdenevolution aus einer solchen Einsicht heraus, die dem Lebensgeist, der Buddhi, entspricht. Das äußert sich nun darin, daß diese Erzengel zunächst die Lenker und Leiter sind ganzer Volksstämme. Was man Volksgeist nennt, was also der gemeinsame Geist der Völker ist, das ist im Konkreten irgendeiner der Erzengel. Nun werden Sie es auch begreiflich finden, daß diejenigen Völker, die von einem solchen spirituellen Zusammenhange noch ein Bewußtsein hatten, nicht gleich bis zu der höchsten Wesenheit hinaufschauten, sondern daß sie sozusagen die nächsten Wesenheiten, welche sie lenkten und leiteten, ins Auge faßten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen wir das althebräische Volk. Es verehrte als den höchsten Gott den Jahve- oder Jehova-Gott selber. Aber dieser Jahve-Gott&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
gehörte für sie zu der Ordnung der «Offenbarungen». Das war eine erhabene Wesenheit, die sie als ihren Gott anerkannten. Aber sie sagten: Derjenige, der uns lenkt und leitet im Auftrage als der eigentliche Erzbote des Jehova, das ist «Michael», einer der Erzengel er heißt zu deutsch «der vor Gott steht». Im Althebräischen nannte man ihn auch das «Antlitz Gottes», weil der Angehörige des alten Bundes, wenn er zu Gott aufblickte, empfand, daß Michael vor Gott stand und sein Wesen ausdrückte, wie das menschliche Antlitz das Menschenwesen ausdrückt. Man nannte ihn daher wörtlich das Antlitz Gottes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn man von «Volksgeist» spricht, spricht man also im Sinne des Okkultismus nicht von einer unfaßbaren begrifflichen Wesenheit. Wenn man heute in unserem materialistischen Zeitalter vom Volksgeist spricht, meint man damit eigentlich nichts; denn man meint damit eine abstrakte äußere Zusammenfassung der Eigentümlichkeiten des Volkes. In Wahrheit gibt es einen geistigen Repräsentanten, den man Erzengel nennt, und der das ganze Volk als Ganzes lenkt und leitet. Diese Wesenheit reicht herunter bis in die Tierwelt. Die Völker empfanden das auch. Denn es ist ja, man möchte sagen, aus dem Volksinstinkt heraus leicht zu empfinden. Das eine Volk wohnt da, das andere dort. Je nach den verschiedenen Gegenden, in denen die Völker wohnen, mußten sie sich dieser oder jener Tiere bedienen, und das, so empfanden die Völker instinktiv, ist ihnen von ihrem Volksgeist zuerteilt. Der wirkte herein bis in die Tierwelt, so daß der alte Ägypter, der das sehr wohl empfand, sagte: Wenn wir die Pflanzenentwickelung betrachten, so wirken da Engel hinein; wenn wir die Tiere betrachten, so sind diese uns zuerteilt von dem lenkenden Geist des ganzen Volkes! Daher sahen sie die Kraft, die die Tiere zu ihnen führte, als eine heilige Kraft an, und die Art, wie sie sich zu den Tieren verhielten, war ein Ausdruck dieses Bewußtseins. Sie haben nicht von Erzengeln gesprochen; aber sie hatten dabei dieselbe Empfindung. Das ist die eigentliche Empfindung, welche die Ägypter mit dem Tierdienst verbanden; und dem liegt nun wiederum zugrunde, daß da, wo ein Bewußtsein vorhanden war von diesem ganzen spirituellen Zusammenhang, diese Geister zwar nicht mit den Bildern von irdischen Tieren, aber doch mit Bildern von Tieren wie der Sphinx, von geflügelten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|144}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tieren und so weiter, dargestellt wurden, die Sie in den verschiedenen Abbildungen der Völker finden. Das war so, wie wenn hineinschienen die lenkenden Erzengel. Sie können daher in den verschiedenen tierischen Gruppen nachgebildet sehen den esoterischen Ausdruck der waltenden Erzengel, und viele von den ägyptischen Götzenbildern führten auf diese Vorstellung zurück, daß der Erzengel, der leitende Geist des Volkstums, herunterreicht bis in die Tiere. Dies ist im wesentlichen die Aufgabe der Erzengel; es gibt aber noch eine andere.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es sind ja dem heutigen Menschenbewußtsein wie eine Sage aus ferner Urzeit noch bekannt Uriel, Gabriel, Raphael und Michael; aber Sie brauchen nur im Buche Henoch nachsehen, um die Namen noch anderer Erzengel zu finden. So war nämlich auch einer der Erzengel Phanuel; das ist ein wichtiger Erzengel, der nicht nur die Aufgabe hatte, irgendeinen Volksstamm zu lenken, sondern auch noch eine andere. Wir wissen ja, daß die Einweihung darin besteht, daß der Mensch zu einem immer höheren Bewußtsein hinaufzusteigen sich bestrebt, und schon jetzt im Laufe der Erdenevolution zu einem immer höheren Bewußtsein aufsteigt. Nun wußten die Leute in den Einweihungsstätten sehr wohl, daß dazu auch wiederum lenkende und leitende Kräfte gehören. Daher brachten sie diejenigen, die eingeweiht werden sollten, unter den Schutz desjenigen Erzengels, den man Phanuel nannte. Er war der Beschützer, der angerufen wurde von denjenigen, welche die Einweihung anstrebten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Andere dieser geistigen Wesenheiten auf dieser Stufe haben wiederum andere Aufgaben. So ist zum Beispiel wirklich dem ganzen Weltengange, der ganzen Weltenevolution zugrunde liegend eine Summe von Kräften, die von gewissen Wesenheiten geführt wird. So gibt es da einen Erzengel, Surakiel nannte man ihn früher, dessen Aufgabe es ist, besonders weitgehende Untugenden einer Stadt oder eines ganzen Gebietes auszutilgen und umzuformen zu Tugenden. Wer diesen Zusammenhang kennt, der sieht daraus, wie das, was man mit einem allgemeinen abstrakten Wort «Vorsehung» nennt, wirklich geführt wird. Wenn man einmal beflissen ist, die geistigen Welten kennenzulernen, soll man sich nicht zufrieden geben mit den allgemeinen Abstraktionen, sondern eingehen auf diese Einzelheiten. Denn die höchsten Wesen-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|145}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
heiten, die der Mensch erahnend sich noch vorstellen kann, leiten durch solche Mittelwesen, wie wir sie eben kennengelernt haben, den Gang der Weltenentwickelung. Das ist das, was man bezeichnen kann als die verschiedenen Aufgaben der Erzengel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun kommen wir zu der Ordnung der Urkräfte. Es sind das noch erhabenere Wesenheiten, deren Bewußtsein nicht einmal mehr bis zu den Tieren herunterreicht. Wenn der Eingeweihte sich erhebt zu dem Verkehr mit den Urkräften, teilt er ihnen nicht aus seinem Menschenbewußtsein mit, wie die Gestalten der Tiere auf der Erde sind. Denn sie selbst reichen mit ihrem Bewußtsein nur herunter bis zu den Menschen. Dann kennen sie das Reich der Engel, das Reich der Erzengel und ihr eigenes Reich; zu sich selbst sagen sie «Ich», und die Menschen sind es, welche sie zuletzt wahrnehmen. Was der Stein, das mineralische Reich für den Menschen ist, das ist der Mensch für die Urkräfte: das unterste Reich. Damit ist schon gesagt, daß sie aus einer sehr hohen Höhe den Gang der Menschheit leiten. Die Menschen spüren das hier und da, daß es so etwas gibt wie eine Art «Geist der Zeiten», der so verschieden ist je nach den verschiedenen Epochen. Die Menschen spüren, daß es einen «Geist der Epochen» gibt. Wir haben hier öfters gesprochen von dem Geist der Epochen. Wir haben zum Beispiel gesagt, daß in der ersten Kultur der nachatlantischen Zeit, im alten indischen Volke, der Geist der Epoche darin bestand, daß die Menschen das Bewußtsein gehabt haben, daß sie sich wieder zurücksehnten nach den alten atlantischen Zeiten, wo sie um sich herum höhere Reiche dämmerhaft wahrnahmen. Das bildete sich zu dem Jogasystem aus, durch das sie wieder hinauf wollten in die höheren Welten. Mit diesem alten Bewußtsein war verknüpft, daß die Menschen wenig hielten von der äußeren Wirklichkeit, von dem physischen Plan. Maja, Illusion wird für die Menschen der physische Plan. Die uralt indische Kultur hatte sozusagen sehr wenig Interesse für den physischen Plan. Es wird Ihnen sonderbar erscheinen, aber es ist wirklich wahr: Wäre die uralt indische Kultur geblieben, so würde es Eisenbahnen, Telephone und solche Dinge, die es heute auf dem physischen Plan gibt, nie gegeben haben; denn es wäre gar nicht so wichtig erschienen, sich so stark mit den Gesetzen der physischen Welt zu befassen, um diese&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
physische Welt mit alledem zu bevölkern, was sich uns heute als Kulturerrungenschaften darstellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann kam der Geist der persischen Epoche. Der Mensch lernte durch ihn in der Materie ein widerstrebendes Element kennen, das er bearbeiten mußte. Er verband sich mit dem guten Geist Ormuzd gegen den Geist der Materie, Ahriman. Aber der Perser hatte schon Interesse am physischen Plan. Dann kommt der Geist jener Epoche, der auf der einen Seite sich auslebt in der babylonisch-assyrisch-chaldäischen, auf der anderen Seite in der ägyptischen Kultur. Es wird menschliche Wissenschaft begründet. Mit Geometrie sucht man die Erde für den Menschen geeignet zu machen. Man sucht den Sinn des Ganges der Sterne in Astrologie, in Astronomie kennenzulernen, und man richtet das, was auf der Erde geschieht, nach dem Gange der Sterne ein. Gerade im sozialen Leben richtete man sich im alten Ägypten sehr ein nach dem Gange der Sterne. Was man als die Geheimnisse der Sterne erkundete, darnach richtete man sich. Wenn der alte Inder den Weg zu den Göttern abzulauschen versuchte, indem er ganz die Aufmerksamkeit ablenkte von der äußeren Wirklichkeit, studierte der Ägypter die Gesetze, die in der äußeren Wirklichkeit herrschen, um zu untersuchen, wie sich der Wille und der Geist der Götter in den Gesetzen der äußeren Natur zum Ausdruck bringen. Das war wieder eine andere Epoche. So haben Sie für jede Epoche einen bestimmten Geist, und die Entwickelung auf der Erde kommt dadurch zustande, daß ein Geist der Epochen einen anderen Geist der Epochen ablöst. Das ist im einzelnen der Fall. Die Menschen schwingen sich auf zu den Anschauungen der Zeiten, aber sie wissen nicht, daß hinter diesem ganzen Gange der Zeiten Epochalgeister stehen; und die Menschen wissen nicht, daß sie hier auf der Erde, um den Geist ihrer Epoche zum Ausdruck zu bringen, sozusagen nur die Werkzeuge sind dieser hinter ihnen stehenden Geister der Epochen. Denken Sie einmal an Giordano Bruno. Wäre Giordano Bruno als solcher im 8. Jahrhundert geboren worden, er wäre nicht derjenige geworden, der er geworden ist in dem Zeitalter, in dem der Epochalgeist herrschte, dessen Ausdruck er dann wurde. Er war das Werkzeug des Zeitgeistes, und ebenso ist es bei anderen Geistern. Und ebenso die umgekehrte Möglichkeit: Wenn&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Giordano Bruno im 8. Jahrhundert geboren worden wäre, unmöglich hätte der Epochalgeist einen solchen Ausdruck finden können, wie er ihn in Giordano Bruno gefunden hat. An diesen Dingen sehen wir, wie die Menschen die Werkzeuge der Epochalgeister sind, die die lenkenden Wesenheiten der großen Epochen sind und auch der «Geister der Meinungen und Anschauungen» der kleineren Epochen. Das sind die Urkräfte. Sie reichen hinunter bis zum Menschen. Sie lenken nicht etwas, was den Menschen zusammenbringt mit anderen Reichen der Natur; denn bis zum Tierreich reicht ihr Bewußtsein nicht mehr. Die Ordnungen, gemäß denen aus den Zeitgeistern heraus die Menschen sich ihr Leben zubereiten, Staaten gründen, Wissenschaften gründen, ihren Acker bebauen alles, was aus dem Menschen stammt , dieser Gang der Kultur von Anfang bis zu Ende steht unter der Leitung der Urkräfte. Sie leiten die Menschen insofern, als die Menschen es zu tun haben mit den Menschen selber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich habe auch zu verschiedenen Zeiten darauf aufmerksam machen können, wie von jeder Hierarchie der Geister gewisse Wesenheiten zurückbleiben, die nicht so weit aufgestiegen sind wie die anderen, die sozusagen sitzengeblieben sind im Weltengange. Nun werden Sie sich leicht vorstellen können, daß es Wesenheiten gibt, die sozusagen hätten aufsteigen sollen während der Mondenentwickelung zu der Ordnung der Offenbarungen oder Gewalten, und die nur bis zu den Urkräften gekommen sind. Das sind andere Urkräfte als die, welche im regelrechten Gange der Entwickelung aufgestiegen sind zu Urkräften. Es gibt also solche Urkräfte, die auf der Erde eigentlich verkappte Gewalten sind. Wir lernen jetzt von einem anderen Aspekt aus mancherlei kennen, was wir von einer anderen Seite her schon kennengelernt haben. Es verbergen sich also hinter den Urkräften auch solche, die eigentlich schon Gewalten sein könnten; und zu den Urkräften, die eigentlich widerrechtlich da sind, zu denen gehört allerdings nur für diejenigen, die so etwas vom Standpunkte der Geisteswissenschaft aus ansehen dasjenige Wesen, das man mit Recht den «Satan» nennt, Satan, der widerrechtliche Fürst dieser Welt, denn der rechtliche ist eine «Gewalt»: Jahve oder Jehova; der widerrechtliche gehört der Ordnung der Urkräfte an. Er drückt sich dadurch aus, daß er bei den&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Menschen den Zeitgeist fortwährend in Verwirrung bringt, daß er die Menschen dazu bringt, dem Epochalgeist fortwährend zu widersprechen. Das ist die wirkliche Wesenheit des Geistes, den man auch nennt den «Geist der Finsternis» oder den widerrechtlichen Fürsten dieser unserer Erde, der Anspruch darauf macht, eigentlich die Menschen zu lenken und zu leiten. Und Sie werden jetzt begreifen, was für einen tiefen Sinn es hat, daß der Christus erschien, um durch seine Mission sein Licht zu werfen auf die ganze folgende Evolution, und daß er den Kampf ausfechten mußte gegen diesen widerrechtlichen Fürsten dieser Welt. Dahinter liegt die allertiefste Weisheit, die sich in diesem wunderbaren Teil des Evangeliums ausdrückt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist billig, was Sie über Satan heute nicht bloß bei materialistisch gesinnten Leuten hören, sondern auch bei solchen, bei denen noch gewisse alte Vorstellungen spuken, die aber solche Vorstellungen mißverstehen; denn schon seit langem wird über den Satan ziemlich hohnvoll gesprochen. Und selbst Menschen, die gern die anderen geistigen Wesenheiten anerkennen: dem Satan wollen sie nicht gern eine Wirklichkeit zugestehen, den leugnen sie. Das rührt davon her, daß schon im Mittelalter die Menschen ganz kuriose Anschauungen über den Satan hatten und sagten: Er ist doch eigentlich ein zurückgebliebener Geist von der Stufenfolge der Gewalten; wenn er ein Geist von der Stufenfolge der Gewalten ist, so ist er zurückgeblieben. Wo sind die Geister der Gewalten? Sie drücken sich aus in dem, was sich in der Welt an Geist offenbart. Man nannte den Satan einen Geist der Finsternis, aber man sagte: Finsternis ist doch nur eine Negation des Lichtes. Das Licht ist wirklich, aber die Finsternis ist nicht wirklich. Man meinte das auch geistig. So schrieb man den Geistern, die sich im Licht manifestieren, wohl Wirklichkeit zu; aber dem Satan, der sich in der Finsternis manifestiert, sprach man die Wirklichkeit ab. Das ist ungefähr so gescheit, wie wenn jemand, der einem Physiker zugehört hat, sagen würde: Kälte ist nur ein Mangel an Wärme, sie ist eigentlich nichts Wirkliches. Wenn wir die Wärme immer geringer machen, wird es immer kälter, aber wenn wir auch immer mehr Wärme wegnehmen, die Kälte ist kein Wirkliches; also denken wir nicht an den Winter! Aber trotzdem Kälte nur eine Negation von Wärme ist, ist sie doch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
sehr wohl zu spüren, wenn nicht eingeheizt wird. So ist Satan sehr wohl ein Wirkliches, wenn er auch nur die Negation des Lichtes ist.&lt;br /&gt;
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Damit haben wir uns erhoben bis zu schon sehr hohen Geistern, die man «Offenbarungen», «Exusiai» nennt. Zu ihnen gehört zum Beispiel die Wesenheit, die wir in anderem Zusammenhang kennengelernt haben als Jahve oder Jehova und auch seine Genossen, die Elohim. Die Lichtgeister gehören zu der Ordnung der Gewalten oder Offenbarungen. Wir wissen, daß Jahve sechs Genossen hatte, die für sich die Sonne lostrennten. Jahve selbst ging mit dem Monde, der das reflektierte Licht der Sonne der Erde zuströmt; aber er ist ein Genosse der anderen Elohim. Wenn Sie jetzt versuchen, das Bewußtsein dieser Offenbarungen nach der Analogie des vorhergehenden sich zu konstruieren, so werden Sie sich sagen: Um die einzelnen Menschen kümmern sich diese Geister nicht mehr. Der einzelne Mensch wird gelenkt durch die Geister, die wir Engel, Erzengel, Urkräfte genannt haben, bis zu dem, was wir Epochalgeister nannten. Das ganze Bild, in das der Mensch eingebettet ist, die Lenkung und Leitung des Planeten und das, was auf ihm vorgeht, ist jetzt Sache der Offenbarungen oder Gewalten. Denn wir haben gesagt, es hätte die ganze heutige Entwickelung des Menschen nicht vor sich gehen können, wenn nicht auf der einen Seite die fortstürmenden Sonnenkräfte und auf der anderen Seite die hemmenden Mondkräfte wären. Die Offenbarungen oder Gewalten haben es gar nicht mehr mit dem einzelnen Menschen zu tun, sondern mit den Menschengruppen. Sie lenken die äußeren Mächte und Wesenheiten, die den Planeten konfigurieren, und die der Mensch braucht, damit er auf diesem Planeten seine Entwickelung durchmachen kann. Und so sehen wir zuletzt hinauf zu einer hohen Wesenheit, die über alles das hinausgeht, was wir eben besprochen haben, zu der Christus-Wesenheit selbst, die auf die Erde etwas bringt, was nicht mit dem einzelnen Menschen zu tun hat, sondern mit der Lenkung der ganzen Menschheit. Und zu dem Christus muß der Mensch seinen Weg selber finden; denn gezwungen, sich leiten zu lassen, wird er nur noch von den Urkräften; zu dem Christus muß er freiwillig kommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So haben wir uns zunächst von den untersten Stufen der dem Menschen übergeordneten Hierarchien, von den Engeln, Erzengeln und ein&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
wenig auch von den Urkräften und Gewalten, eine Anschauung gebildet, und nur erahnend vermögen wir zu einer noch höheren Wesenheit, zum Christus, aufzublicken. Wir können ein anderes Mal die Gelegenheit benutzen, um das ins Auge zu fassen, was von den «Thronen» und so weiter zu sagen ist. Heute wollte ich Ihnen etwas von dem geistigen Gefüge erzählen, in das der Mensch eingeflochten ist, insofern Engel, Erzengel, Urkräfte und Gewalten daran beteiligt sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
= NEUNTER VORTRAG, Berlin, 13. Mai 1908 =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Vortrag soll ein Thema behandeln, das vom Gesichtspunkte des spirituellen Lebens aus zu betrachten bedeutsam sein wird. Wir werden einiges darüber vorbringen können, wie derjenige, der sich zur geisteswissenschaftlichen Anschauung bekennt, seine Stellung nehmen kann zu anderen geistigen Richtungen, wie er sich verhalten kann zur Entwickelung der heutigen Menschheit, überhaupt zu heutigen Fragen. Ich möchte in großen Umrissen zu Ihnen sprechen über die Entwickelung der religiösen Ideen in der Zeit der nachatlantischen Kultur bis zur Gegenwart.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir werden uns dabei an das erinnern, was wir ja auch schon da oder dort erwähnt haben: daß der Begriff der Religion eigentlich etwas ist, was nur in der nachatlantischen Zeit einen Sinn hat. Vor der großen atlantischen Flut konnte es das, was man Religion nennt, überhaupt nicht geben, weil Religion voraussetzt, daß der Mensch eine unmittelbare Wahrnehmung oder Anschauung von den übersinnlichen Welten nicht hat, wenigstens daß die große Masse der Menschen solche Wahrnehmungen nicht hat. Religion ist die Verbindung des Menschen mit dem Übersinnlichen dann, wenn für die große Masse der Menschen das Übersinnliche nicht wahrnehmbar ist, sondern nur vermittelt werden kann auf verschiedene Weise, durch Propheten, Seher, Weise, Mysterien und so weiter, so wie es in den letzten Jahrtausenden der Fall war. Vor der großen atlantischen Flut, als unsere Vorfahren zum größten Teile in dem Gebiete der alten Atlantis gelebt haben, da hatten die Menschen alle noch mehr oder weniger unmittelbare Erfahrungen, Wahrnehmungen vom Übersinnlichen. In einer Zeit, in der die Menschen in der geistigen Welt selber lebten, in der sie jederzeit Erfahrungen machten wie die heutige Menschheit in der sinnlichen Welt, bedurfte es keiner Religion. Gegen das Ende dieser atlantischen Zeit ist ausgelöscht worden für die weitaus überwiegende Mehrzahl die übersinnliche Erfahrung. Es trat an ihre Stelle die ausgeprägte Sinneserfahrung, welche die Menschheit heute hat. Was ist übriggeblieben aus der alten atlantischen Zeit?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|152}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir in die graue Vorzeit zurückgehen und die Sagen und Mythen durchforschen, die germanischen Götterlehren auf uns wirken lassen, so finden wir Mitteilungen aus übersinnlichen Welten in bildlicher Gestalt. Diese Mitteilungen sind nicht von der Volksphantasie ersonnene Bilder, Personifikationen, wie man es uns vom grünen Tisch aus glauben machen will, sondern es sind wirkliche Erinnerungen aus jener alten Zeit, wo die Menschen selbst noch wußten, was sie erfahren hatten. Die Sagen von Wotan, Thor und so weiter sind solche Erinnerungen. Und das, was bis in die nachatlantische Zeit hinein vorzugsweise dem Menschen geblieben ist, ist im höchsten Sinne des Wortes eine Art Gedächtnisreligion. Am weitesten vorgeschritten ist sie bei den Völkern, die in Asiens Süden leben, bei den indischen Völkern; in anderer Form machte sie sich geltend in Europa. In Indien machte sich die Erinnerung an jene Zeit der Menschheit, wo jeder noch selbst Wahrnehmungen in der geistigen Welt hatte, bemerkbar als eine Sehnsucht nach jener Welt. Man empfand das Wirkliche als Illusion, als Maja, und sehnte sich zurück nach jenen alten Zeiten. Joga nannte man dasjenige, was bei einzelnen Menschen hervorbrachte die Fähigkeit, einzudringen in die übersinnlichen Welten. Nicht alle Völker schritten so vor, daß sie Weise hatten, die sich bis zu Joga aufschwingen konnten. Andere Völker mußten sich mit den Erinnerungen begnügen, so besonders die Völker des Nordens. Ihre Eingeweihten drangen auch ein in die geistigen Welten, hatten auch unmittelbare Erfahrungen in der göttlichen Welt, aber die nordische Natur machte es ihnen schwer, in größerer Zahl einzudringen. Dadurch bildete sich die nordische Mythologie aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eines aber werden wir wie etwas Gemeinsames finden, was sich die Menschen noch erhalten haben in jener nachatlantischen Zeit: das ist ein Nachklang jener viel weiter ausgebildeten Gedächtniskraft, wie sie in der atlantischen Zeit vorhanden war. Damals war das Gedächtnis ganz anders entwickelt als heute. Die Menschen erinnerten sich weiter hinauf, bis zum Leben ferner Ahnen. Was vor Jahrhunderten ein solcher Ahne durchgemacht hatte, das wußten sie, wie ein Greis heute weiß, was er in der Jugend erlebt hatte. Solche Erinnerungen an die Ahnen prägten das aus, was man die Ahnenreligion, den Ahnenkult&lt;br /&gt;
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nennen kann. Ahnenkult, Verehrung der Vorfahren ist in Wahrheit die erste Religion. Das Gedächtnis hatte sich in gewisser Art lebendig erhalten. Diese Regsamkeit des Gedächtnisses war so groß, daß in der Tat für einzelne Menschen, wenn sie sich auch nicht bis zu Joga aufschwingen konnten, doch ein spiritueller Zustand eintreten konnte, daß ihnen im Traume oder in psychischen Zuständen der gemeinsame Ahnherr eines Volkes erschien.&lt;br /&gt;
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Das war nicht bloß Sage, Mythe, was so ein alter Stamm als gemeinschaftlichen Ahnherrn lebendig hatte, sondern es war etwas, was von Zeit zu Zeit dem Menschen erschien, was im psychischen Bewußtsein erschien, was das Volk begleitete. Die einzelnen Völkerschaften, welche durch Europa strömten, hatten die mannigfaltigsten Erlebnisse. Aber ein Erlebnis blieb für viele immer rege und lebendig, und sie erzählten es denen, die in sie Vertrauen hatten, die an sie glaubten: das war das Erscheinen des Ahnherrn, der vom Geistgebiet aus ihr Berater war, mit ihnen in Beziehung stand. Er kam in besonders wichtigen Momenten, war da in zweifelhaften Fällen. Der Ahnenkultus war etwas, was durch die physischen Eigenschaften der Vorfahren durchaus lebendig war.&lt;br /&gt;
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Immer mehr und mehr bildete sich dieser Ahnenkultus zu einer Art Religionssystem aus, welches zwar von gewissen Eingeweihten ausgearbeitet worden war, aber doch auch für viele Nichteingeweihte annehmbar war. In verschiedenen Gebieten trat ein solches Religionssystem auf, zum Beispiel im alten indischen Brahmanismus. Die letzten Nachklänge davon finden wir in der Vedantaphilosophie; aber auch in den ältesten philosophischen Systemen finden wir letzte Nachklänge dieses alten Pantheismus. Es war eine Art esoterischer Pantheismus, wie wir ihn eben im alten Brahmanismus vor uns haben. Er kommt auch schon zum Vorschein in dem eigentlichen System der Ägypter, auch bei den Hebräern. In Wirklichkeit können wir uns vorstellen, daß dieses religiöse System dadurch entstanden ist, daß sich allmählich eine umfassendere Idee von der göttlichen Wesenheit, die alles durchflutete und durchströmte, herausbildete. Der Ahnherr war zusammengewachsen mit den geistigen Grundlagen des Daseins, er war zu einer Art geistiger Urkraft geworden.&lt;br /&gt;
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Dann haben wir in dem, was wir nennen können Anthropomorphismus, eine spezielle Ausgestaltung des esoterischen Pantheismus. Er stellt sich die verschiedenen Götter in menschenähnlichen Bildern vor. Hierher gehört zum Beispiel das griechische Religionssystem. Aber man stellt es sich ganz falsch vor, wenn man denkt, daß hinter den einzelnen Göttern für den gebildeten Griechen nicht waltete die einheitliche geistige Welt. Wenn wir reden von Engeln, Erzengeln und so weiter, überhaupt von den verschiedenen geistigen Wesenheiten, die über dem Menschen stehen, wie wir das getan haben in der kosmischen Evolutionslehre, so reden wir in ganz ähnlicher Weise, wie es damals geschah, wenn man sprach von Zeus, Athene und so weiter im Vergleich zu dem alleinigen Weltengeist. Ein einheitlicher Weltgedanke liegt diesem System zugrunde. Der Pantheismus ist der geistige Untergrund der Dinge; dann werden die Götter als Menschen ausgestaltet.&lt;br /&gt;
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Und wenn wir uns fragen: Womit hängt das zusammen, daß der noch viel abstraktere esoterische Pantheismus überging in die vielgestaltige griechische Götterwelt? so müssen wir darin erkennen ein tiefes Grundbedürfnis der Menschheit überhaupt, ein tiefes Prinzip in der Menschheitsentwickelung. Wenn wir den Übergang vom Ägyptischen zum Griechischen betrachten, so haben wir das Ausleben dieses Prinzips am schönsten vor Augen. Im ganzen Vorstellen vor der griechischen Zeit liegt etwas besonders Gewaltiges, Symbolisches. Die ägyptischen Pyramiden und Sphinxe sind großartige, gewaltige Schöpfungen des Menschengeistes, die in einer etwas abstrakten Form hindeuten auf einen geistigen Urgrund, den man noch nicht wagt, auszubilden. Wie hat der griechische Geist die Fähigkeit bewiesen, das Geistige hineinzuprägen in die bildliche Form! Es liegt darin ein ungeheurer Fortschritt, der sich überall verfolgen läßt. Am reinsten finden Sie diesen Übergang ausgedrückt, wenn Sie im Geiste verfolgen den Übergang von der morgenländischen zur griechischen Baukunst, wenn wir den architektonischen Gedanken in seiner Reinheit erfassen. Der architektonische Gedanke kommt während der ganzen Menschheitsentwickelung in der griechischen Architektur am besten zum Ausdruck. Nirgends finden wir ein solches restloses Ausfließen des Gedankens in die äußere Form wie in der griechischen Architektur. Wir&lt;br /&gt;
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sehen, wie alles so hineingestellt ist in den Raum, wie es den großen kosmischen Gesetzen entspricht.&lt;br /&gt;
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Es ist ja vielleicht nur noch einmal in der Entwickelung der Menschheit geschehen, daß architektonische Gedanken geschaffen wurden: das ist der Gedanke der gotischen Architektur. Und wenn wir den gotischen Gedanken in Gegensatz bringen zu dem griechischen architektonischen Gedanken, so müssen wir sagen: In der Gotik haben wir es eigentlich gar nicht mehr mit einer reinen Architektur zu tun, sondern mit einer in den Formen nur andeutungsweise vorhandenen Ausprägung des in das Gefühl hineindrängenden mystischen Elementes. Die Gotik ist nicht die restlose Ausprägung dieses Gedankens. Der griechische Tempel dagegen ist das Wohnhaus des Gottes und ganz als solches zu verstehen. Denn man denke sich den Gott schöpferisch im Raume, seine Kräfte den Raum durchflutend, wie er sich gleichsam selbst einen Körper bildet, wie er sich ein Kleid webt, so haben wir den griechischen Tempel. Und wir wissen, wenn wir ihn vor uns stehen haben: das ist das Wohnhaus des Gottes. Der gotische Dom ist das nicht; er ist ein Bethaus. Er kann nicht gedacht werden ohne den Besucher, der darin ist, für den er stimmungsvoll erbaut ist. Denken Sie sich den griechischen Tempel ganz für sich hingestellt, nur belebt vom Gott, so haben wir ihn ganz. Das ist nicht symbolisch aufzufassen oder auszudeuten. Zum gotischen Tempel gehört der andächtige Gläubige. Und wer den Raum nicht als Leere versteht, sondern durchzogen von Kräften, wer da weiß, daß sich im Raume Kräfte kristallisieren und wer diese Kräfte spürt, der fühlt, daß sich im griechischen Tempel etwas herauskristallisiert hat aus den dynamischen Kräften der Welt. Wer ein Gefühl dafür hat, so stark, daß er diese Wesenheiten wahrnehmen kann, der weiß, daß durch den Raum Kräfte schießen. Von der Belebtheit des Raumes wußten die Griechen. Man kann am besten sich davon überzeugen, wie das Denken, das Fühlen, das Wollen konkret geworden ist, wenn man mit der griechischen die romanische Baukunst vergleicht, bei der wir vielfach sehen, wie die Säule zum Beispiel herausgehoben ist aus ihrer Raumesaufgabe als Träger. Die romanische Baukunst ist auch groß, hat aber viel Dekoratives, unter anderem eben diese Säulen, für die keine tiefere Motivierung da ist.&lt;br /&gt;
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Es fehlt aber der Sinn dafür, es fehlt der Raumessinn. Die Säule ist da, doch erfüllt sie ihren Zweck nicht. Das alles hängt zusammen mit den Entwickelungsstufen des menschlichen Geistes. Nur durch diesen Anthropomorphismus konnte die Menschheit vorbereitet werden zur Auffassung des Gottmenschen, zur Auffassung des in dem Menschen selbst wohnenden Gottes. Das aber ist das Christentum, das vom Okkultismus auch Theomorphismus genannt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Christentum fließen alle verschiedenen Göttergestalten zusammen in der einen lebendigen Gestalt des Christus Jesus. Dazu war nötig eine große, gewaltige Vertiefung der Menschheit, eine Vertiefung, welche die Menschheit fähig machte, nicht nur die lebendige Form des Raumes zu denken, wie es in der griechischen Plastik zum Ausdruck kommt, sondern die sich aufschwingen konnte zu dem Gedanken, die Innerlichkeit äußerlich zu sehen, zu dem Glauben, daß das Ewige in einer historischen Gestalt wirklich auf Erden im Räumlich-Zeitlichen gelebt hat. Das ist das Wesentliche im Christentum. Diese Idee bedeutete den größten Fortschritt, den die Menschheit auf Erden machen konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir brauchen nur zu vergleichen und wir dürfen diesen Vergleich machen den griechischen Tempel, der ein Wohnhaus des Gottes ist, mit dem, was später die christliche Kirche wird, wie sie am reinsten sich in der Gotik ausprägt, so werden wir sehen, daß in den äußeren Formen sogar ein Rückschritt eintreten muß, wenn man das Ewige im Zeitlichen, Räumlichen dargestellt haben will. Und dasjenige, was eine spätere Kunst erreicht dadurch, daß sie das Innere im Äußeren zum Ausdruck bringt, das steht durchaus unter dem Eindruck der christlichen Geistesströmung. Im Grunde genommen muß man sagen, daß man es begreifen kann, daß die Architektur am schönsten werden konnte da, wo man noch hängen konnte mit ganzer Seele an den äußeren Kräften, die durch den Raum fluten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So sehen wir, wie der religiöse Gedanke sich immer mehr vertieft in der nachatlantischen Zeit, wie die Menschen ihre Hinweise suchen für das Übersinnliche. Nicht schwer wird es werden, in allem, was hier gesagt ist, Hinweise zu sehen für die Sehnsucht der Menschen, einzudringen in die äußere Form, in die äußere Form irgendwie das Über-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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sinnliche zu bannen. Darauf hin zielen die allerursprünglichsten Urgründe der Kunst. Mit dem Christentum haben wir sozusagen unsere Zeit erreicht. Aus diesem jetzt angeführten, im Zusammenhang mit verschiedenem anderen, was über die Entwickelung der nachatlantischen Zeit gesagt ist, werden Sie erkennen, daß der Gang der Menschheit immer mehr und mehr nach der Verinnerlichung hinstrebt. Es gibt auch in den verschiedenen Rassen ein immer größeres Bewußtsein von der Verinnerlichung im Äußeren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir möchten sagen, in den griechischen Götterbildern sehen wir, wie das, was in dem Menschen innerlich lebt, sich herausergießt in die äußere Welt. Im Christentum ist der wichtigste Impuls nach dieser Richtung gegeben. Wir sehen mit dem Christentum dasjenige heraufkommen, was man bis in unsere Zeit Wissenschaft nennt. Denn das, was man heute so nennt, die Erfassung der gedanklichen Urgründe des Daseins, fängt ja erst an in der chaldäischen Zeit. Jetzt, in unserer Zeit, leben wir wirklich in einem großen Umschwunge in der Menschheitsentwickelung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Überblicken wir nun das, was wir skizzenhaft betrachtet haben und fragen wir uns: Warum ist das alles so geschehen, warum hat sich der Mensch dazu entwickelt, das Innere dem Äußeren einzuprägen? so ist die Antwort diese, daß der Mensch durch die Entwickelung seiner Organisation dazu gedrängt worden ist. Die alten Atlantier konnten Wahrnehmungen machen in der übersinnlichen Welt, weil bei ihnen der Ätherleib noch nicht ganz hineingezogen war in den physischen Leib. Ein Punkt des &#039;Ätherkopfes deckte sich noch nicht mit dem entsprechenden Punkt im physischen Kopfe. In dem völligen Durchdringen des Ätherleibes mit dem physischen Leib ist der Grund gegeben dafür, daß der Mensch jetzt mehr hinausgedrängt wird in die äußere Welt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als die Pforten sich schlossen vor der übersinnlichen Welt, brauchte der Mensch in seiner künstlerischen Entwickelung ein Band, eine Verbindung der sinnlichen mit der übersinnlichen Welt. Früher, in der atlantischen Zeit, brauchte er das nicht, denn damals war er noch imstande, aus unmittelbarer Erfahrung die übersinnliche Welt kennenzulernen. Von den Göttern und Geistern brauchte man den Menschen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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erst zu erzählen, als sie die Wahrnehmung dafür verloren hatten, gerade wie man von Pflanzen nur denjenigen Menschen erzählen muß, die sie nie gesehen haben. Das ist der Grund der religiösen Entwickelung der nachatlantischen Zeit. Warum mußte denn ein Wesen übersinnlicher Art wie Christus in einer endlichen Persönlichkeit, in Jesus erscheinen und auf Erden wandeln? Warum mußte Christus eine historische Persönlichkeit werden? Warum mußten die Blicke der Menschen gebannt werden auf diese Gestalt? Wir haben gesagt, daß die Menschen nicht mehr hineinschauen konnten in die übersinnliche Welt. Was mußte geschehen, daß der Gott für sie eine Erfahrung werden konnte? Er mußte sinnlich werden, in einem sinnlich-physischen Leibe sich verkörpern. Das ist die Antwort auf die Frage. Solange die Menschen im Geistigen wahrnehmen konnten, solange sie dort in übersinnlicher Erfahrung die Götter wahrnehmen konnten, hätte kein Gott Mensch zu werden brauchen. Aber jetzt mußte der Gott da sein innerhalb der sinnlichen Welt. Aus diesen Gefühlen heraus sind die Worte der Jünger geflossen zur Bekräftigung dieser Tatsache: «Wir haben unsere Hände in seine Wunden gelegt », und ähnliche. So sehen wir, wie die Erscheinung des Christus Jesus selbst uns aus der Natur der nachatlantischen Menschen klar wird, wie wir erkennen, warum eigentlich Christus für die sinnliche Wahrnehmung sich offenbaren mußte. Die stärkste historische Tatsache mußte da sein für die Menschen. Das geistige Selbst mußte auf sinnliche Art da sein, damit die Menschen einen Anhaltspunkt hatten, der sie verbinden konnte mit der übersinnlichen Welt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die bloße Wissenschaft artete immer mehr aus in eine Verehrung, eine Anbetung der äußeren Welt. Darin haben wir heute einen Höhepunkt erreicht. Das Christentum war eine starke Stütze gegen dieses Aufgehen im Sinnlichen. Heute muß das Christentum erfaßt werden in theosophischer Vertiefung, um in neuem Verständnis vor die Menschen hintreten zu können. Früher, im Mittelalter, gab es noch eine Verbindung zwischen Wissenschaft und Christentum. Heute brauchen wir eine übersinnliche Vertiefung des Wissens, der Weisheit selber, um das Christentum in seiner ganzen Tiefe zu verstehen. So stehen wir vor einer geistigen Auffassung des Christentums. Das ist die nächste&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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Stufe, das theosophische oder geisteswissenschaftliche Christentum. Dagegen wird die auf das Materielle gehende Wissenschaft den Zusammenhang mit den übersinnlichen Welten mehr und mehr verlieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Welches ist nun die Aufgabe der Geisteswissenschaft? Kann der den Geist suchende Mensch hinblicken auf die heutige übliche Wissenschaft? Das, was die heute übliche Wissenschaft ist, das ist gerade das, was immer mehr den Gang der nachatlantischen Entwickelung einschlagen wird und immer mehr nur auf das Äußere, Physische, Materielle hingehen wird, immer mehr den. Zusammenhang verlieren wird mit der geistigen Welt. Verfolgen Sie, welche Wissenschaft es auch sein mag, zurück in frühere Zeiten: Wie viele geistige Elemente waren doch früher darin!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie werden überall sehen, in der Medizin und auf anderen Gebieten, wie der geistige Zusammenhang immer mehr verschwunden ist. Das können Sie überall verfolgen. Und dieser Gang muß so sein, denn der Gang der nachatlantischen Zeit ist so, daß jener ursprüngliche Zusammenhang mit der übersinnlichen Welt immer mehr verlorengehen muß. Wir können heute den Gang der Wissenschaft voraussagen. Die äußere Wissenschaft wird nicht, wieviel auch Versuche gemacht werden, einer spirituellen Vertiefung fähig sein. Sie wird immer mehr in dasjenige übergehen, was eine höhere Anleitung zu technischen Handfertigkeiten ist, ein Mittel zur Beherrschung der äußeren Welt. Mathematik war für den Pythagoreer noch ein Mittel, in den Zusammenhang der höheren Welten, in die Weltenharmonie hineinzusehen; für den heutigen Menschen ist sie ein Mittel, die Technik weiter auszugestalten und damit die äußere Welt zu beherrschen. Verweltlicht, unphilosophisch gemacht das wird der Gang der äußeren Wissenschaft sein. Aus der spirituellen Entwickelung werden sich alle Menschen ihre Impulse zu holen haben. Und diese spirituelle Entwickelung schlägt den Gang zum spirituellen Christentum ein. Die Geisteswissenschaft wird dasjenige sein, was die Impulse für jedes geistige Leben zu geben imstande ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es wird ja die Wissenschaft immer mehr technische Anleitung. Und das Universitätsleben gleitet immer mehr in das Fachschulleben hinüber und das ist das Richtige. Alles Geistige wird sich zu einem freien Menschengut entwickeln, das aus der Wissenschaft heraus muß. Die&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Wissenschaft wird dann in einem ganz anderen Zusammenhange, in einer ganz anderen Form wieder auftreten. Da ist es für die heutige Menschheit notwendig, daß das Wiederanknüpfen an die großen Erfahrungen der übersinnlichen Welten geschehe. Daß es notwendig ist, können Sie sehen, wenn Sie sich klarmachen, was werden wird, wenn das nicht geschieht. Der Ätherkopf ist jetzt hineingezogen in den Menschen; das Verknüpftsein des Ätherleibes mit dem physischen Leibe, das steht heute im Höhepunkt der Entwickelung. Deshalb ist niemals der Prozentsatz der Menschen, die übersinnliche Erfahrungen machen könnten, geringer gewesen. Aber der Gang der Entwickelung der Menschheit bewegt sich so vorwärts, daß ein Wiederheraustreten des Ätherleibes ganz von selbst wieder eintritt. Und das hat jetzt schon angefangen. Wieder tritt der Ätherleib heraus, er wird wieder selbständiger, freier und wird in der Zukunft wieder so außerhalb des physischen Leibes sein wie in früher Vorzeit. Die Lockerung des Ätherleibes muß wieder eintreten, und das hat schon jetzt angefangen. Nun muß aber der Mensch in seinem heraustretenden Ätherleib das mitnehmen, was er im physischen Leibe erlebt hat, besonders das physische Ereignis von Golgatha, das er physisch, das heißt in einem Erdendasein erleben muß. Sonst geht ihm etwas unwiederbringlich verloren: der Ätherleib zöge sich heraus, ohne daß er etwas Wesentliches mitnimmt, und leer im Ätherleib würden solche Menschen bleiben. Aber diejenigen, welche das spirituelle Christentum durcherlebt haben, werden im Ätherleibe in Fülle das haben, was sie im physischen Leibe durchgemacht haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am größten ist die Gefahr bei denjenigen, die durch wissenschaftliche Verführung sich von den spirituellen Wahrheiten abgewandt haben. Aber der Anfang des Heraustretens des Ätherleibes ist schon gemacht. Die Nervosität unserer Zeit ist ein Zeichen dafür. Diese wird immer mehr zunehmen, wenn der Mensch das nicht mit hinausnimmt, was das größte Ereignis im physischen Leibe ist. Dazu hat er zwar noch viel Zeit, denn für die große Masse dauert es noch lange, aber einzelne kommen jetzt schon dazu. Würde es aber einen Menschen geben, der niemals das durchgemacht hat im Physischen, was das größte Ereignis in der physischen Welt ist, der niemals die Tiefe des Christentums&lt;br /&gt;
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erlebt und seinem Ätherleibe einverleibt hat, so würde ihm das bevorstehen, was man nennt den geistigen Tod. Denn die Leere des Ätherleibes wird den geistigen Tod zur Folge haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der atlantische hellsehende Mensch brauchte keine Religion, weil ihm das Erleben des Übersinnlichen Tatsache war. Von einer solchen Zeit ging alle Entwickelung der Menschen aus. Dann schwand die Anschauung der geistigen Welt. Religere heißt verknüpfen, und so ist Religion eine Verknüpfung des Sinnlichen mit dem Übersinnlichen. Die Zeit des heraufziehenden Materialismus brauchte die Religion. Aber es wird die Zeit kommen, in der die Menschen wiederum Erfahrungen haben können in der übersinnlichen Welt. Dann werden sie keine Religion mehr brauchen. Das neue Schauen hat zur Voraussetzung das Mitbringen des spirituellen Christentums, es wird die Konsequenz des Christentums sein. Das begründet den Satz, den ich Sie bitte, sich als besonders wichtig zu merken: Das Christentum hat begonnen als Religion, aber es ist größer als alle Religionen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das, was das Christentum gibt, wird mitgenommen werden in alle Zeiten der Zukunft und wird noch einer der wichtigsten Impulse der Menschheit sein, wenn es keine Religion mehr geben wird. Selbst wenn die Menschen das religiöse Leben überwunden haben werden, wird das Christentum doch bleiben. Daß es erst Religion war, hängt mit der Entwickelung der Menschheit zusammen; aber das Christentum ist als Weltauffassung größer als alle Religionen.&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
= ZEHNTER VORTRAG, Berlin, 16. Mai 1908 =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In unseren letzten Betrachtungen mußte schon darauf aufmerksam gemacht werden, daß jetzt in diesem Zeitabschnitt unserer Zweigentwickelung einiges gesagt werden soll für vorgeschrittene Theosophen, und es wurde schon darauf hingewiesen, daß dieser Ausdruck «vorgeschrittene Theosophen» nicht so gemeint sei, als ob damit etwa eine besondere theoretische, eingehendere Kenntnis der theosophischen Lehren bezeichnet werden soll. Es ist etwas damit gemeint, was wir uns dadurch klarmachen können, daß wir uns vor die Seele rücken, daß das Leben innerhalb eines theosophischen Zweiges, wenn es eine Zeitlang währt, für die Menschenseele etwas zu bedeuten hat. Man eignet sich während dieses theosophischen Zweiglebens nicht nur Vorstellungen und Begriffe an über des Menschen Wesenheit, über höhere Welten, über die Evolution und so weiter, sondern mehr als der Einzelne sich eigentlich zum Bewußtsein bringt, eignet man sich während dieses Zweiglebens eine gewisse Summe von Empfindungen und Gefühlen an, andere als die sind, die man als völliger Neuling, wenn man eben erst in die Theosophie eintritt, mitbringt. Diese Gefühle und Empfindungen beziehen sich namentlich darauf, daß man in aller Ruhe und Gelassenheit mit einer gewissen inneren Gläubigkeit lernt Dinge und Schilderungen anzuhören und sie als etwas hinzunehmen, was keine Phantasterei und keine Träumerei ist, über deren Darstellung man wahrscheinlich vor dem Eintritt in die Theosophie gelacht und sich lustig gemacht hätte und über deren Schilderung sich ganz gewiß die Mehrzahl unserer Zeitgenossen heute als über eine Phantasterei lustig machen würde. Etwas viel Wichtigeres als die Einzelheiten der theosophischen Lehren ist diese Summe von Empfindungen und Gefühlen, die wir so nach und nach unserer Seele eingewöhnen. Denn wir werden in der Tat dadurch nach und nach ganz andere Menschen, und diejenigen, die sich solche Gefühle und Empfindungen gegenüber anderen Welten angeeignet haben, gegenüber denjenigen Welten, die zwar in der unsrigen vorhanden sind und uns fortwährend durchpulsieren,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
die aber für die äußeren Sinne nicht wahrnehmbar sind, solche Menschen, die solche Empfindungen und Gefühle haben, die so zu anderen Welten stehen, wie das angedeutet worden ist, sind hier als vorgeschrittene Theosophen gemeint. Es wird also nicht an Ihre theoretische Erkenntnis, sondern an Ihr Herz und Gefühl appelliert, wenn wir solche Betrachtungen vorurteilsfrei hinnehmen wollen, zu denen die letzte und auch die heutige Betrachtung gehören. Wir würden, wenn wir nur von allgemeinen abstrakten Theorien reden wollten, durch die wir möglichst wenig den sogenannten gesunden Menschenverstand verletzten, uns doch nur etwas vormachen; wir würden nicht den nötigen Willen haben, die Welten, die erschlossen werden müssen durch die theosophische Bewegung, uns auch wirklich nach und nach zu erschließen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das, wovon wir heute ein wenig sprechen wollen, betrifft ein Thema, das uns bekanntmachen soll mit Wesenheiten, die es auch gibt unter uns gibt, wenn wir uns als geistige Wesenheiten betrachten , deren Darstellung aber noch eine geringere Rolle gespielt hat in unseren vorhergehenden Betrachtungen. Wir haben in allen unseren theosophischen Auseinandersetzungen den Menschen als den Mikrokosmos in die Mitte unserer Anschauungen gestellt. Wir haben aber von dem Menschen, um ihn zu verstehen, um seine Evolution kennenzulernen, zumeist aufschauen müssen zu anderen Wesenheiten, zu höheren, geistigen Wesenheiten, die in bezug auf die. Evolution unseres Erdenplaneten ehedem eine solche Rolle gespielt haben, wie heute der Mensch auf der Erde spielt. Wir haben gesehen, daß die Erde, bevor sie in den jetzigen Zustand eingetreten ist, das war, was wir gewohnt sind den alten Mond zu nennen, und wir haben uns klargemacht, daß gewisse geistige Wesenheiten, die höhere Fähigkeiten haben als der Mensch heute, Fähigkeiten, die der Mensch erst in zukünftigen Zuständen der Erde haben wird, dazumal auf dem Monde auf der Stufe der Menschen waren unter anderen Bedingungen. Es sind die Engel oder Angeloi, die Geister des Zwielichts. Und ebenso haben die sogenannten Erzengel oder Archangeloi oder Feuergeister, die heute zwei Stufen höher stehen als der Mensch, ihre Menschenstufe auf der alten Sonne durchgemacht, so wie die Asuras, die Geister der Persönlichkeit, die Archai, die heute&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
in bezug auf gute oder böse Eigenschaften weit über dem Menschen stehen, diese Stufe auf dem alten Saturn durchgemacht haben. So haben wir eine ganze Reihe solcher Wesenheiten im Laufe der Zeit genauer betrachtet, welche an der ganzen Entwickelung der Erde und unseres ganzen Lebens und Seins beteiligt sind. Wir haben eine Reihe solcher Wesenheiten kennengelernt, zu denen wir in einer gewissen Beziehung hinaufschauen müssen. Für den, der hellseherisch solche Wesenheiten betrachtet, ergibt sich ein bedeutsamer Unterschied zwischen diesen Wesenheiten und dem Menschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir den Menschen in bezug auf die feinere Gliederung seiner Natur uns einteilen, lassen wir ihn zerfallen in das, was wir die eigentliche Leiblichkeit nennen, den physischen Leib, den ätherischen Leib und den astralischen Leib. Dann unterscheiden wir von dieser Leiblichkeit die Seele, die wir einteilen in Empfindungsseele, Verstandesseele und Bewußtseinsseele, und als drittes in der menschlichen Wesenheit unterscheiden wir den Geist, der heute erst im Anfange seiner Entwickelung ist. Der Mensch wird ihn zu seiner Höhe in zukünftigen Entwickelungszuständen bringen. Diese drei Teile seiner Wesenheit, das Leibliche, das Seelische und das Geistige, machen die dreigliedrige Wesenheit des Menschen im großen und ganzen aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir nun von dem Menschen hinaufschauen zu jenen höheren Wesenheiten, von denen wir eben gesprochen haben, so dürfen wir sagen: Sie unterscheiden, sich in einer gewissen Weise von dem Menschen dadurch, daß sie die gröbere Leiblichkeit, nach unten gehend, nicht mehr entwickelt haben. Wir können daher bei ihnen die gröbere Leiblichkeit, die für die Sinne wahrnehmbar ist, nicht sehen. Wenn wir die Lunarpitris oder Engel, wie sie die christliche Esoterik nennt, betrachten, die auf dem Monde ihre Entwickelungsstufe als Mensch durchgemacht haben, so wird sich aus dem Verschiedenen, was wir gesagt haben, ergeben, daß wir ihnen eine so grobe Leiblichkeit wie dem Menschen nicht zuschreiben dürfen. Dagegen haben sie die höheren Glieder, die der Mensch erst in der Zukunft ausbilden wird, schon ausgebildet, so daß wir sagen können: Bei ihnen finden wir zum Unterschied vom Menschen das verwirklicht, daß sie Geist und Seele sind, im Gegensatz zum Menschen, der eine dreigliedrige Wesenheit ist: Geist,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Seele und Leib. So haben wir uns vorzugsweise beschäftigt im Kosmos mit denjenigen Wesenheiten, die also eigentlich Menschen sind, die Geist, Seele und Leib haben, und mit Wesenheiten, die über dem Menschen stehen, und die Geist und Seele haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den okkulten Betrachter sind aber tatsächlich noch andere Wesenheiten vorhanden, die namentlich für die heutige menschliche Entwickelungsphase sehr verborgen sind, aber doch eine Rolle in der Evolution des Kosmos spielen. Es gibt nämlich auch Wesenheiten, bei denen derjenige, der mit hellseherischem Blick die Welt durchforscht, das nicht entdecken kann, was wir beim Menschen als «Geist» zu bezeichnen gewohnt sind, sondern die im wesentlichen bestehen aus Leib und Seele. Sie kennen nun eine ganze Gruppe solcher Wesenheiten aus unseren bisherigen Betrachtungen; das sind die Tiere. Sie haben Leib und Seele. Wir wissen aber, daß diese Tiere nach oben zusammenhängen mit ihren Gruppenseelen oder Gruppen-Ichen, und diese sind schon geistiger Natur. So haben wir zwar in dem einzelnen Tier, das in der physischen Welt vor uns steht, ein Wesen vor uns, das nur Leib und Seele hat, aber das setzt sich sozusagen fort nach den höheren Welten und gliedert sich an die Geistigkeit an. Ich habe Ihnen öfter den Vergleich gebracht, den wir in bezug auf diese Gruppen-Iche der Tiere brauchen dürfen: Wenn hier eine Wand wäre und ich meine zehn Finger durch zehn Öffnungen der Wand hindurchstecken würde, und Sie nicht mich, sondern nur meine zehn Finger sehen würden, so würden Sie mit Recht schließen, diese Bewegung meiner Finger müsse von einem Wesen kommen, das hinter der Wand ist. So ist es mit den Tieren und mit den Gruppen-Ichen. Sie sind vorhanden, und das Tier geht nach und nach, graduell, in sie über. Die verschiedenen Tiere, die gleichgeformt sind, hängen mit diesen ihren Gruppen-Ichen zusammen. Also nur wenn wir von dem Teil der Tierheit sprechen, der hier auf dem physischen Plan das einzelne Tier ausmacht, können wir davon sprechen, daß die Tiere Leib und Seele haben; wir sehen dann ab von der Fortsetzung nach dem Astralischen hin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber es gibt andere Wesenheiten, Wesenheiten, die auch nur Leib und Seele haben, die nicht mehr für die physische Betrachtung sichtbar sind. Man nennt sie sehr häufig «Elementargeister» in den verschiedenen theo-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|166}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sophischen Lehren, aber so ungeschickt wie möglich nennt man sie Elementargeister, denn sie sind eben Wesen, die gerade keinen Geist haben, Wesenheiten ohne «Geist», die man also besser Elementarwesen nennt. Warum ihr Leib eigentlich nicht sichtbar ist, werden wir im Laufe der heutigen Betrachtung sehen. Vorläufig, bevor wir nicht mehr wie nur eine Art Definition dieser Wesenheiten geben, wollen wir sagen, daß sie in einer gewissen Weise Wesen aus Leib und Seele sind, die unter dem Menschen stehen. Diese Wesenheiten werden natürlich in unserer aufklärerischen Zeit geleugnet, denn der Mensch in seiner heutigen Entwickelungsphase kann sie nicht wahrnehmen. Wer sie wahrnehmen will, muß bis zu einem gewissen Grade des hellseherischen Bewußtseins vorgeschritten sein. Das, was nicht wahrnehmbar ist, bedingt aber nicht, daß es nicht wirksam ist in unserer Welt. Es spielt durchaus die Wirksamkeit dieser Wesenheiten, die Leib und Seele haben, in unsere Welt hinein. Was sie tun, ist sehr wohl wahrnehmbar, nur sie selbst sind nicht wahrnehmbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun handelt es sich darum, daß wir uns, soweit das ohne eigene Anschauung geht, von solchen Elementarwesen einen Begriff bilden. Diese Elementarwesen sind in mancherlei Gestalten in dem geistigen Raume enthalten, der uns alle aufgenommen hat, und man spricht von ihnen auch als von «Naturgeistern». Man gibt ihnen überhaupt die verschiedensten Namen. Aber diese Namen machen es nicht aus. Daß wir uns einen gewissen Begriff von ihnen verschaffen, das ist das Notwendige. Hier beginnt wirklich bereits dasjenige, was an Ihre theosophischen Gefühle und Empfindungen appelliert, denn ich möchte einmal ganz ungeschminkt erzählen, wie sich solche Wesenheiten dem hellseherischen Blick zeigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da gibt es verschiedene Wesenheiten, die an den verschiedensten Orten der Erde vorhanden sind. So zum Beispiel können Sie sie sehen, wenn Sie namentlich in solche Tiefen der Erde kommen, die nie durchwachsen, nie durchsetzt waren von lebendigen Wesen, von lebenden Gewächsen, also zum Beispiel Stellen in einem Bergwerk, die immer mineralischer Natur waren. Wenn Sie da das metallische oder das gesteinsartige Erdreich heben, so finden Sie da Wesenheiten, die sich zunächst in merkwürdiger Weise bemerkbar machen, wie wenn&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|167}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
etwas zerstieben würde. Es zeigt sich uns, daß sie in einer ungeheuren Menge zusammengekauert waren, und wenn das Erdreich freigelegt wird, bersten sie gleichsam auseinander. Und das ist das Wesentliche, daß sie nicht nur auseinanderbersten, auseinanderfliegen, sondern auch in ihrer eigenen Leiblichkeit größer werden. Sie sind ja, wenn sie auch ihre größte Größe erreicht haben, immer noch kleiner als die Menschen. Der heutige aufgeklärte Mensch kennt diese Wesenheiten nicht. Aber solche Menschen, die noch einen gewissen Natursinn, das heißt, eine gewisse hellseherische Kraft sich bewahrt haben, die alle Menschen einmal gehabt haben, und die verlorengehen mußte durch die Eroberung des äußeren, gegenständlichen Bewußtseins, solche Menschen könnten Ihnen sehr wohl von diesen Wesen erzählen, und sie haben diesen Wesen die verschiedensten Namen gegeben, Kobolde, Gnomen und so weiter. Diese Wesenheiten unterscheiden sich von dem Menschen dadurch, daß sie nicht so wie der Mensch sichtbar sind in ihrer Leiblichkeit; und auch noch ganz wesentlich dadurch, daß ihnen vernünftigerweise niemals irgendeine moralische Verantwortlichkeit zugesprochen werden könnte. Das also, was man beim Menschen moralische Verantwortlichkeit nennt, haben sie nicht. Was sie tun, tun sie wie automatisch. Dabei ist aber das, was sie tun, durchaus nicht unähnlich dem, was zum Beispiel der menschliche Verstand tut, die menschliche Intelligenz. Sie haben sogar im höchsten Grade das, was man «Witz» nennt, und wer mit ihnen in Berührung kommt, kann gute Proben ihres Witzes verspüren, weil sie dem Menschen allerlei Schabernack spielen können, wie jeder Bergmann, der sich noch etwas gesunden Natursinn bewahrt hat, zuweilen noch merken kann, und zwar der Metallbergmann, nicht der Kohlenbergmann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Wesenheiten können ebenso in bezug auf ihre Gliedrigkeit mit den Mitteln des Okkultismus untersucht werden wie der Mensch. Wenn wir den Menschen daraufhin untersuchen, zeigt er uns als sein unterstes Glied den physischen Leib, dann den Ätherleib, astralischen Leib und das Ich. Und das, was sich aus den unteren Gliedern durch die Arbeit des Ich nach und nach entwickelt, nennen wir Geistselbst oder Manas, Lebensgeist oder die Buddhi, und den Geistesmenschen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|168}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
oder Atma. Das Wesentliche, das für die heutige Menschheitsstufe in Betracht kommt, sind die vier Glieder: physischer Leib, Ätherleib, astralischer Leib und Ich, so daß wir sagen, das Ich ist das höchste der Glieder, der physische Leib ist das niederste. Nun tun wir sehr unrecht, wenn wir ganz abstrakt daran festhalten wollten, daß dieser physische Menschenleib nichts zu tun habe mit dem menschlichen Ich. In dem physischen Menschenleib haben wir das Werkzeug für das menschliche Ich. Wir haben gesehen, daß dieser menschliche Leib ein sehr kompliziertes Gebilde ist. Sodann haben wir gesagt, daß das Ich sein physisches Werkzeug im Blutsystem hat, der astralische Leib im Nervensystem, der Ätherleib im Drüsensystem, und der physische Leib selber in den physischen, rein mechanisch wirkenden Organen, so daß wir uns denken müssen, daß alles, was von dem inneren menschlichen Erleben im astralischen Leibe vorgeht, seinen materiellen Ausdruck im Nervensystem, alles, was im Ätherleibe vor sich geht, seinen materiellen Ausdruck im Drüsensystem findet und so weiter. So bildet uns gleichsam der physische Menschenleib ein Abbild der viergliedrigen Wesenheit des Menschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen Sie nun den physischen Menschenleib, wie Sie ihn vor sich haben, und nehmen Sie alles das, was dieser physische Menschenleib ist, als das Werkzeug des denkenden, intelligenten Ich. Sie machen sich am besten klar, was damit gemeint ist, wenn Sie daran denken, daß das Ich selbst von Inkarnation zu Inkarnation dasselbe bleibt, daß aber das Werkzeug mit jeder Inkarnation neu aufgebaut wird. Das nun, was der Mensch an feinerer, materieller Organisation dem Tiere voraus hat, vor allen Dingen also diejenige Organisation, welche die menschliche Intelligenz offenbart, ist dadurch zustande gekommen, daß das Ich langsam und allmählich durch lange Zeit hindurch gelernt hat, an dem astralischen Leibe zu arbeiten. Denn wir wissen ja, daß der astralische Leib bei jedem Menschen aus zwei Teilen besteht, einen Teil, den er von dem Kosmos mitbekommen hat, an dem das Ich noch nichts getan hat, und einen anderen Teil, den das Ich bereits umgestaltet hat. In jedem Menschen sind diese zwei Glieder des astralischen Leibes bis zu einem gewissen Grade ausgebildet. Im höheren Nervensystem, namentlich im Gehirn, das mit jeder Inkarnation neu aufge-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|169}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
baut wird, haben Sie den äußeren materiellen Ausdruck für das, was der Mensch von seinem Ich aus an seinem astralischen Leibe gearbeitet hat, wenn auch zum größten Teil unbewußt. Daß der Mensch ein viel ausgebauteres und vollkommeneres Vordergehirn hat als die Tiere, rührt davon her, daß dieses Vordergehirn der Ausdruck, die Offenbarung ist des vom Ich aus bearbeiteten und umgestalteten astralischen Leibes. Aber der astralische Leib ist es dennoch, der auch in dem Nervensystem seinen äußeren Ausdruck hat. Nun werden wir leicht einsehen können, daß in dem Augenblick, wo irgendein Glied unseres Organismus umgebildet wird, eine Änderung des gesamten übrigen Organismus nötig ist. Warum kann der Mensch nicht auf vier Füßen gehen? Warum hat er seine vorderen Gliedmaßen zu Arbeitsorganen umgebildet? Weil er an seinem astralischen Leib arbeitete, und das bewirkte die notwendige Umgestaltung seiner vorderen Gliedmaßen zu Arbeitsorganen; und so ist auch die Gehirnform des menschlichen Leibes ein Ergebnis dieser inneren Arbeit. Immer ist das Äußere eine wirkliche Offenbarung des Inneren. Alles, was wir im physischen Leibe in seiner gegenwärtigen Entwickelungsphase sehen, ist ein spezifiziertes Ergebnis der geistigen Evolution.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun werden Sie einsehen, daß alles, was im Materiellen existiert, bis auf die Form hin ein Ergebnis dessen ist, was hinter diesem Materiellen als Wirksames steht. Wenn wir also Wesenheiten vor uns haben wie die, die ich eben geschildert habe, denen die Möglichkeit fehlt, ihren astralischen Leib umzuändern denn die Geistigkeit fehlt ihnen, es arbeitet kein Ich an ihrem astralischen Leib , so muß dieser astralische Leib, der aber doch die Summe der Seelenerlebnisse ist, die eben ein astralischer Leib haben kann, in einer materiellen Gestalt zum Ausdruck kommen. Diese materielle Gestalt, die eine solche nicht von einem Ich durchglühte Wesenheit hat, kann in unserer Entwickelungsphase nicht sichtbar sein in der physischen Welt, und sie ist deshalb nicht sichtbar, weil sie um einen Grad tiefer liegt als unsere sichtbare Materie. Fassen Sie das wohl, was damit gemeint ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn Sie sich klarmachen wollen, was Ihren physischen Leib ausmacht, so sagen Sie: Den physischen Leib kann man sehen. Den Ätherleib können Sie nicht sehen, weil er eine Stufe höher liegt mit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|170}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
seiner Substantialität. Den astralischen Leib können Sie auch nicht sehen, weil er wieder eine Stufe höher liegt als der Ätherleib. Aber es liegt nun nicht nur Substantialität oberhalb, sondern auch unter der physischen Materie, und die kann auch wieder nicht gesehen werden, weil von aller Materie nur ein mittleres Streifband sichtbar ist, gerade das, was die physische Materie ausmacht, die mit den physischen Augen gesehen wird. Und geradeso wie sich nach oben das Substantielle fortsetzt in der physischen Grundlage des Ätherischen, des Astralen, so setzt es sich nach unten fort und wird da wiederum unsichtbar. Und jetzt, nachdem wir uns die Gliederung des Menschen vor Augen gestellt haben, werden wir uns auch die Gliederung dieser anderen Wesenheiten vorstellen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir haben gesehen, daß der Mensch, wenn wir ihn von unten betrachten, als erstes seinen physischen Leib hat, dann seinen Ätherleib, seinen astralischen Leib und als viertes sein Ich. Die Wesenheiten, die wir nunmehr als Elementarwesen bezeichnen, denen fehlt das Ich, und darum fehlt ihnen auch die Verantwortlichkeit. Sie haben dafür ein Prinzip unter dem physischen Leibe ausgebildet. Nennen Sie es meinetwillen «minus eins». Bei ihnen sind also die Prinzipien drei, zwei, eins und minus eins ausgebildet. Wir können nun aber noch weitergehen. Es gibt nicht nur Wesenheiten, die mit dem astralischen Leib anfangen und dazu noch minus eins ausgebildet haben, sondern auch solche Wesenheiten, welche bei zwei anfangen, die nur das Prinzip des Ätherleibes haben, dann das Prinzip des physischen Leibes, dann minus eins und auch noch minus zwei. Und endlich haben wir Wesenheiten, die als höchstes Prinzip das haben, was des Menschen unterstes Prinzip ist; die fangen an mit eins, haben dann minus eins, minus zwei und minus drei ausgebildet. Wir können uns noch einen deutlicheren Begriff machen, warum diese Wesenheiten nicht sichtbar sind. Denn Sie könnten einwenden: Wenn sie einen physischen Leib haben, müßten sie doch sichtbar sein. Wenn die höheren Glieder des Menschen nicht wären, wenn der Mensch bloß einen physischen Leib hätte, würde dieser ganz anders aussehen. Wenn der Mensch stirbt, ist der physische Leib allein; dann zerbröckelt er aber, löst sich auf, zerstiebt in alle möglichen Atome. Das ist seine natürliche Gestalt. Daß er so ist,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|171}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wie Sie ihn heute kennen, rührt davon her, daß er von oben durchdrungen ist vom Ich, astralischen Leib und Ätherleib. Gewiß haben die Wesenheiten, die wir Gnomen oder Kobolde nennen, einen physischen Leib, aber ihnen fehlt Ich, astralischer Leib und Ätherleib. Es sind gerade diese Wesenheiten, die den physischen Leib als höchstes haben, die wir als Gnomen bezeichnen. Sie haben drei Prinzipien, die unter dem physischen Leib liegen, die da bewirken, daß ihr physischer Leib viel weniger sichtbar sein kann als der physische Leib des Menschen. Die unter dem physischen Plan gelegenen Kräfte dieser Wesenheiten machen es, daß auch das, was das Prinzip des physischen Leibes ist, nie für gewöhnliche Augen physisch sichtbar sein kann. Sollen sie eine annähernd physische Materie haben, so können sie diese nur haben unter einem gewaltigen Druck, wie es geschieht, wenn die äußere Materie sie zusammenpreßt. Dann wird ihre Leiblichkeit so zusammengepreßt, daß sie in großer Menge zusammengekauert beieinandersitzen und sich entwickeln auf eine so greuliche Art, wie ich es vorhin geschildert habe. Im allgemeinen ist der Prozeß, der für sie eintritt, wenn Sie den äußeren Druck von ihnen wegnehmen, ein Auflösungsprozeß, der mit ungeheurer Schnelligkeit vor sich geht. Der gleiche Prozeß, den Sie beim Menschen nach dem Tode wahrnehmen können, vollzieht sich bei ihnen mit einer ungeheuren Schnelligkeit, wenn Sie das Erdreich hinwegnehmen. Daher können sie niemals sichtbar werden, auch wenn sie einen physischen Leib haben. Für den, der durch diese physische Erde durchschauen kann, haben sie einen kleinen physischen Leib. Dieser physische Leib, den sie dem Prinzip der Kraft nach haben, hat allerdings in sich etwas, was in seiner Struktur, in seiner Organisation ähnlich ist dem menschlichen Denkwerkzeug, dem menschlichen Werkzeug der Intelligenz. Nicht mit Unrecht bilden daher die, welche aus einem gewissen Natursinn heraus Gnomen bilden, gerade die Köpfe besonders charakteristisch heraus. Alle die Symbole, die da gezeichnet werden, haben eine Art Wirklichkeit. Sie finden bei diesen Gnomen eine Art Intelligenz, die geradezu automatisch wirkt. Es ist wirklich so, wie wenn Sie sich Ihr Gehirn herausgenommen denken und dieses nicht durchdrungen wird von Ihren höheren Gliedern; dann wirkt das bei Ihnen auch nicht gerade&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|172}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
im Sinne der oberen Entwickelung, sondern es wirkt der oberen Entwickelung entgegen. Daher haben wir die Wesenheiten, die wir als Gnomen bezeichnen, in dieser Weise vor uns. Wir werden dann noch Licht auf die Wesen, die tiefer stehen als der Mensch, werfen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt müssen wir uns erst einmal, weil das mit der tieferen Aufgabe, die uns obliegt, zusammenhängt, einen Begriff machen, wie eigentlich solche Wesenheiten im Laufe der Entwickelung entstanden. Diese Frage hängt nicht nur mit der vergangenen Evolution zusammen, sondern auch gerade mit der zukünftigen. Das ist das Wesentliche. Um das kennenzulernen, wollen wir ein wenig die Entwickelung des Menschen betrachten. Wir wissen, wie der Mensch fortschreitet von Verkörperung zu Verkörperung. Wir wissen, daß er in eine jede neue Inkarnation sich die Früchte der vorhergehenden Inkarnationen mit hineinbringt. Auf diese Weise ist der Mensch für jede neue Inkarnation selbst mitschöpferisch sowohl für seine Form wie auch für seine Fähigkeiten wie für sein Schicksal. Was er der Außenwelt als seine Taten eingegraben hat, kommt ihm zurück als sein Schicksal; was er in seinen früheren Leben sich selber eingegraben hat, kommt ihm zurück als seine Fähigkeiten und seine Talente. So ist er mitschöpferisch sowohl an seinem äußeren Schicksal wie auch an seiner inneren Organisation. Nun fragen wir uns: Woher stammt denn das, was uns auf eine vollkommenere Stufe bringt? Denn gegen frühere Menschheitszustände steht jeder heutige Durchschnittsmensch auf einer höheren Stufe in dieser Beziehung. Was in uns immer höhere Vollkommenheitsgrade bewirkt, das ist das, was wir uns selbst angeeignet haben in unserem Fortschreiten von Inkarnation zu Inkarnation. Wir nehmen nicht umsonst die Welt wahr, sehen nicht umsonst mit unseren Augen, hören nicht umsonst durch unsere Ohren, sondern wir eignen uns in jeder Inkarnation gewisse Früchte des Lebens an. Die nehmen wir nach dem Tode mit, und was darin wirksam ist, das bildet die Keimkräfte, die beim Aufbau und Ausbau in der nächsten Inkarnation mitwirken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun kann verschiedenes eintreten. Es kann das Zünglein der Waage nach der einen Seite und auch nach der anderen Seite ausschlagen. Der ideale Zustand wäre doch der, daß der Mensch in jeder Inkarnation&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|173}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sein Leben ganz ordentlich benutzen würde, daß er nichts, was er erfahren kann, was er erleben kann und was Früchte tragen kann für die folgenden Inkarnationen, unbenützt ließe, sondern daß er alles mitnähme, was er sich früher angeeignet hat. Das geschieht aber in der Regel nicht. Nach der einen Seite oder nach der anderen Seite artet der Mensch aus. Entweder er benützt sein Leben nicht ordentlich, um alles zu holen, was für ihn zu holen wäre. Dann bleiben gewisse Kräfte unbenützt, und er bringt weniger mit in seine neue Inkarnation, als er mitbringen könnte. Oder aber er dringt zu tief in seine Organisation ein, er verwächst zu sehr mit seiner Inkarnation, mit seiner Körperlichkeit. Es gibt ja zwei Arten von Menschen: die einen möchten gern ganz im Geiste leben, nicht ganz heruntersteigen bis zu ihrer Körperlichkeit. Solche Menschen werden von den Alltagsnaturen Schwärmer, Träumer und so weiter genannt. Und es gibt andere, die steigen zu tief hinunter in ihre Körperlichkeit; sie benützen nicht nur das, was zu holen ist, sondern sie verwachsen mit ihrer Inkarnation. Es ist ihnen sympathisch, es ist ihnen lieb, mit der Inkarnation zusammenzuwachsen. Sie bewahren sich nicht das, was fortgeht von Inkarnation zu Inkarnation. Sie lassen es untersinken in das, was doch nur das Werkzeug für den ewigen Wesenskern des Menschen sein soll.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich habe schon einmal darauf aufmerksam gemacht, daß es einen wichtigen Mythos, eine wichtige Sage gibt, die vor unsere Seele hinstellt, was diejenigen Menschen erleben können, die zu tief hinuntersteigen in das Zeitliche und Vergängliche einer Inkarnation. Wenn wir es uns extrem denken, können wir es uns so vor unsere Seele stellen: Wir können uns einen Menschen denken, der da sagt: Ach, was geht mich das an, was ich alles in meinem ewigen Wesenskern hinübertrage in eine andere Inkarnation. Ich will hier mit dieser Inkarnation verwachsen sein, die gefällt mir, die ist mir recht, und was später werden soll, das kümmert mich nicht weiter. Wozu würde das führen, wenn sich diese Gesinnung radikal ausbildete? Es führt zu einem solchen Charakter, der da sitzt an einer Wegesecke, und vorüber geht einer der großen Führer, die die Wege weisen für die Menschheit. Wer aber so nichts wissen will für die Zukunft, der stößt einen solchen Lehrer, einen solchen großen Menschenführer zurück: Nichts will ich&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|174}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
von dir wissen, der du meinen Wesenskern in künftigen Inkarnationen dahin führen willst, wo die Menschheit vervollkommnet sein wird. Ich will verwachsen mit der gegenwärtigen Gestalt, die ich jetzt habe! Ein solcher Mensch, der einen solchen Menschheitsführer zurückweist, wird wiedererscheinen in derselben Gestalt. Und wenn dieselbe Gesinnung dann wieder ebenso in ihm ist, so wird er auch in der folgenden Inkarnation die Menschheitsführer von sich weisen, und er wird immer wieder in derselben Gestalt erscheinen. Und wenn andere Menschen, welche auf die großen Führer der Menschheit hören und die Seele mit dem ewigen Wesenskern bewahren, in einer vorgeschrittenen Rasse wiedererscheinen, so wird der, der von dem großen Lehrer nichts hat wissen wollen, der den großen Menschheitsführer von sich stößt, immer in derselben Rasse wiedererscheinen, weil er nur die eine Gestalt hat ausbilden können. Das ist die tiefere Idee des Ahasver, der immer in derselben Gestalt wiederkehren muß, weil er die Hand des größten Führers, des Christus, von sich gewiesen hat. So ist die Möglichkeit für den Menschen vorhanden, mit dem Wesen einer Inkarnation zu verwachsen, den Menschheitsführer von sich zu stoßen, oder aber die Wandlung durchzumachen zu höheren Rassen, zu immer höherer Vervollkommnung. Rassen würden gar nicht dekadent werden, gar nicht untergehen, wenn es nicht Seelen gäbe, die nicht weiterrücken können und nicht weiterrücken wollen zu einer höheren Rassenform. Schauen Sie hin auf Rassen, die sich erhalten haben aus früheren Zeiten: Sie sind bloß deshalb da, weil da Seelen nicht höhersteigen konnten. Ich kann heute nicht weiter darüber sprechen, was damit gemeint ist, daß der Mensch «mit der Rasse verwächst». Im Laufe der Erdentwickelung ist eine ganze Reihe von Rassen entstanden und in Dekadenz geraten. Denken Sie zurück an die atlantischen Zeiten. Die Atlantier sind vorgeschritten durch die Rassen hindurch; die Rassen sind verschwunden, aber die Menschenseelen sind übergegangen in andere, höhere Rassen. Für die aber, die stehenbleiben wollen, die mit der Rasse verwachsen wollen, gibt es die Möglichkeit, daß sie «durch ihre eigene Schwere» heruntersteigen und aufgehen im Materiellen. Sechzehn Möglichkeiten gibt es, mit der Rasse zu verwachsen. Man nennt sie die «sechzehn Wege des Verderbens». Durch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|175}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
das Vorwärtsschreiten aber wird der Mensch zu immer höheren und höheren Stufen aufsteigen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So sehen wir, wie es tatsächlich möglich ist, daß der Mensch so verwächst mit der einen Inkarnation, daß er sozusagen hinter der Evolution zurückbleibt. Seine anderen Seelenbrüder sind dann auf einer höheren Stufe, wenn er in einer neuen Inkarnation wiederkehrt. Er aber muß sich dann begnügen mit einer minderen Inkarnation, wie sie ihm geblieben ist von irgendeiner dekadenten Rasse. Das braucht keinem Menschen Furcht einzujagen. Für niemanden liegen heute die Wege so, daß er etwas nicht wieder einholen könnte und damit aus der Evolution herausfallen müßte. Aber wir müssen uns doch diese Möglichkeit vor die Seele rücken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen wir einmal den extremsten Fall: Ein Mensch verwächst so dicht wie möglich mit dem, was das Wesen einer Inkarnation ausmacht. Er kann es nicht gleich, denn er ist nicht stark genug, um es auf einmal zu tun, aber in einer Zeit von sechzehn Inkarnationen könnte er es tun, würde er die sechzehn Fehlwege gehen. Nehmen wir an, er könnte es, dann würde er folgendes erreichen. Die Erde mit ihren Seelen wartet nicht, sie schreitet vorwärts. Aber da das Materielle immer doch ein Ausdruck ist für ein Seelisches, so kommt ein solcher Mensch zuletzt auf einer Stufe an, wo er keine Möglichkeit mehr findet, einen Körper für sich zu bekommen, weil es tatsächlich möglich ist, daß keine Körper mehr da sind für solche Seelen, die zu sehr verwachsen sind mit der Körperlichkeit. Solche Seelen verlieren dabei die Möglichkeit, sich zu inkarnieren und finden keine andere Gelegenheit. Denken Sie, was solche Seelen verlieren, wenn es auch nur in Ausnahmefällen möglich ist, daß dieser Zustand in vollem Maße während der zukünftigen Erdentwickelung eintritt. Nur für ganz besondere Menschen würde schon während des Erdzustandes die Möglichkeit eintreten, daß sie so zum Bösen hinneigen, daß sie gar keine Möglichkeit mehr fänden, sich zu verkörpern, weil gar keine Körper mehr da wären, die für sie schlecht genug sein würden. Sie werden etwas anderes dann auch nicht haben, was der Ausdruck der normalen Entwickelung ist. Nehmen wir an, eine solche Wesenheit würde auf der Erde bleiben. Sie würde dann, wenn die Erde sich in den Jupiter verwandelt da das Spätere immer&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|176}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nur das Ergebnis des Früheren ist , auch da keine für sich geeigneten Leiber finden, denn für die Leiber, die für die untergeordneten Naturreiche da sein werden, sind solche Wesenheiten zu gut, für die Leiber, die die Menschen haben werden, sind sie zu schlecht. Das bedingt, daß sie jetzt eine leiblose Existenz für sich schaffen müssen, daß sie sich richtig abschnüren von dem Gange der Menschheitsentwickelung. Das haben sie sich dadurch verdient, daß sie das Leben nicht benützt haben. Die Welt ist um sie herum. Sie haben die Umwelt nicht benützt, um durch die Sinne ihren inneren Wesenskern zu bereichern und sich immer neue Vollkommenheiten zu schaffen. Sie schreiten mit der Weltentwickelung nicht vorwärts, sie bleiben auf einer gewissen Stufe zurück. Solche Wesenheiten, die auf einer solchen Stufe zurückbleiben, erscheinen dann in späteren Zeiträumen mit dem Charakter ungefähr des früheren Zeitraumes; denn mit dem sind sie verwachsen. Aber sie erscheinen nicht in den Formen und den Gestalten des späteren Zeitraumes, sondern in diesen späteren Zeiträumen als untergeordnete Naturgeister, wie wir sie in ähnlicher Weise vorhin geschildert haben. Das Menschengeschlecht wird in der zweiten Hälfte der Jupiterentwickelung eine ganze Anzahl solcher neuer Naturgeister liefern, denn der Mensch wird auf der Jupiterstufe das fünfte Glied seiner Wesenheit, Manas, ausgebildet haben. Die Menschen aber, welche die Gelegenheit auf der Erde nicht benutzt haben, um das fünfte Glied auszubilden, erscheinen in ihrer Entwickelung auf dem Jupiter als Naturgeister mit vier Grundteilen, mit dem vierten als dem höchsten Grundteil. Während der Mensch auf dem Jupiter fünf, vier, drei, zwei hat, haben sie als das, was äußerlich nicht Gestalt gewinnen kann, vier, drei, zwei, eins. Das würde das Schicksal derjenigen Menschen sein, welche nicht durch die Benutzung des Erdenlebens ihre höheren Grundteile nach und nach entwickelt haben. Sie werden sozusagen unsichtbar wirkende Naturgeister eines künftigen Evolutionszeitraumes sein. Mit unseren heutigen Naturgeistern ist es so ergangen in früheren Evolutionsepochen, nur daß sich das natürlich je nach Charakter der einzelnen Evolutionsepochen fortwährend ändert. Die Naturgeister auf dem Jupiter, die aus den Menschen stammen, werden schon eine gewisse moralische Verantwortlichkeit haben, da wir sie ja hier auf Erden auch haben,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|177}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und dadurch werden sie sich von den Naturwesen des Erdendaseins unterscheiden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt erinnern wir uns einmal daran, was ich gesagt habe, wodurch der Jupiter sich unterscheidet von unserer Erde. Wir haben beschrieben das Wesen der Erde als den Planeten der Liebe, im Gegensatz zu dem Wesen des Mondes, den wir den Planeten der Weisheit genannt haben. Wie sich die Liebe nach und nach hier auf der Erde entwickelt, so hat sich die Weisheit, die wir überall rings um uns herum finden, auf dem Monde entwickelt. Die Liebe ist in der niedersten Form in der lemurischen Zeit aufgesprossen und verwandelt sich in immer höheren Stufen bis zur höchsten geistigen Form der Liebe. Während des Jupiterdaseins werden die Jupiterbewohner auf die Liebe hinschauen wie die Erdenmenschen auf die Weisheit. Wenn der Erdenmensch auf die Weisheit hinblickt, die ihn umgibt, zum Beispiel auf einen Knochen des Oberschenkels, und den wunderbaren Aufbau sieht, wie sich da Balken an Balken aneinander fügt, so muß er sich sagen: Heute kann der Mensch mit der größten Ingenieurkunst noch nicht so etwas zustande bringen, was die kosmische Weisheit in einem Stück Oberschenkelknochen erreicht hat. Der ganze Erdenplanet ist auf diese Weise kristallisierte Weisheit, die sich auf dem Monde ausgebildet hat. Und ebenso bildet sich hier auf der Erde nach und nach die Liebe aus. Wie wir hier die Weisheit um uns herum in jeder Blüte bewundern, so wird der Jupiterbewohner die Liebe sich entgegenduften fühlen, die von allen Wesen ausströmt; wie zu uns die Weisheit spricht, die in die Erde hineingeheimnißt worden ist durch das alte Mondendasein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So schreitet die Erde von Stufe zu Stufe weiter. Die Erde ist der Kosmos der Liebe. Jeder planetarische Zustand hat seine besondere Aufgabe, und erst dann verstehen wir die Aufgabe einer Zeit, wenn wir uns mit dieser Erkenntnis durchdringen werden. Wie die allgemeine Weisheit unsere Erde durchwaltet, so wird den Jupiter die Liebe durchwalten. Und wie die zerstörenden Kräfte in der Weisheit herrühren von den Wesen des alten Mondes, die zurückgeblieben sind, so werden auf dem Jupiter zerstörende Kräfte der Liebe da sein, die mitten in das allgemeine Gewebe hineinversetzt werden als die häßlichen Gestalten der zurückgebliebenen Erdenwesen, die als Natur-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|178}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
geister mit egoistischer Liebe Liebesansprüche haben werden. Sie werden ganz gewaltige, verheerende Mächte im Jupiterdasein bilden. Das Zurückbleiben der einzelnen Menschen schafft die zerstörenden Naturgewalten. So sehen wir, wie die Welt gewoben wird sowohl in ihrem nützlichen wie in ihrem schädlichen Teil. So haben wir ein moralisches Element hineinverwoben in den Weltprozeß.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
| Gnomen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 Udinen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 Sylphen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 Salamander&lt;br /&gt;
|Physischer Leib und darüber&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 1&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 2&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 3&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 4&lt;br /&gt;
|darunter&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 3&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 2&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 1&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 0&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle Naturgeister, die so gestaltet sind, wie unser Schema es zeigt, daß sie ein Glied vom Menschen und drei Glieder unter dem Menschen haben, sind diejenigen, die wir als «Gnomen» bezeichnen, die, welche «Undinen» genannt werden, haben zwei Glieder unter dem Menschen, und die «Sylphen» haben drei Glieder vom Menschen und ein Glied unter dem Menschen. Die sind alle zurückgeblieben in früheren planetarischen Zeiten. Sie haben es zu einem Geist, der heute schon beim Menschen in der Entfaltung ist, nicht gebracht. Sie stehen unter dem Menschen, sie sind «untergeistig» und bestehen nur aus Leib und Seele. Es sind zweigliedrige Wesenheiten und wir nennen sie Gnomen, Undinen und Sylphen. Nun werden Sie mich fragen, wenn Sie den Namen «Salamander» hören, woher kommen denn diese?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gnomen, Undinen und Sylphen sind zurückgebliebene Wesenheiten aus früheren Erdzuständen. Die Salamander sind in einer gewissen Weise dadurch entstanden, daß sie teilweise, aber eben nur teilweise, das vierte Prinzip ausgebildet haben, daß sie aber nicht so weit gekommen sind, daß sie eine menschliche Gestalt annehmen konnten. Woher kommen denn nun die Salamander? Das will ich Ihnen noch zum Schluß klarmachen. Denn wenn Sie diese vierte Art von Wesenheiten verstehen, werden Sie viele von den Geheimnissen der uns umgebenden Natur verstehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir den Menschen zurückverfolgen in der Evolution, so kommen wir zu immer geistigeren und geistigeren Formen. Wir wissen, daß&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|179}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die einzelnen Tiergattungen nach und nach herausgesetzt sind wie die zurückgebliebenen Brüder der menschlichen fortschreitenden Evolution, die auf früheren Stufen stehengeblieben sind. Dadurch ist der Mensch so hoch gekommen, daß er am spätesten mit seinem physischen Wesen herausgekommen ist. Die anderen Wesen sind so geworden, weil sie nicht haben warten können, weil sie sich früher in die physische Inkarnation hineingedrängt haben. Die Tiere haben Gruppenseelen; die sind allerdings etwas, was nur auf dem Astralplan existiert, was aber hineinarbeitet in die physische Welt. Dasjenige, was der Mond unserer Evolution gegeben hat, die Weisheit, sehen wir durch die Gruppenseelen in den Tierformen in der umfassendsten Weise im Tierreich ausgebreitet. Der Mensch darf sich nicht allein die Weisheit zuschreiben. Er schafft mit ihr wohl seine Kultur, aber in einem viel stärkeren Maße ist die Weisheit in dem ganzen Erdenplaneten vorhanden. Ein Mensch, der stolz ist auf die Menschheit, kann sagen: Wie weit hat es der Mensch in der Weisheit gebracht. Die neuen Erfindungen geben Zeugnis davon. Wie wird heute selbst schon dem Schüler in der Schule das aufgezählt, was alles die Weisheit des Menschen zustande gebracht hat! Unter dem, was man aufzählt, werden Sie auch das Papier finden. Gewiß ist das Papier eine Errungenschaft der menschlichen Weisheit, aber die Wespe konnte das Papier schon viel früher machen! Das Wespennest ist ganz genau aus demselben Stoff aufgebaut wie das richtige Papier. Es ist gerade so gemacht, nur durch den Lebensprozeß, wie das menschliche Papier. So könnten wir die ganze Natur durchgehen, und wir würden überall die waltende Weisheit finden. Wieviel früher hat das Gruppen-Ich der Wespengattung das Papier erfunden als der Mensch! Die einzelne Wespe macht das nicht, sondern die Gruppenseele.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So sehen wir, wie das, was menschliche Weisheit ist, eingewoben und eingeprägt ist dem ganzen Erdenwesen. Wir könnten die Erde Stück für Stück durchgehen und würden in der Tat überall diese Weisheit finden. Aber nur bis zu einem gewissen Punkt ist das Verhältnis des Tieres zu seiner Gruppenseele das, was es, wenn ich es so sagen darf, vom kosmischen Gesichtspunkt aus eigentlich sein soll. Welches ist dieses Verhältnis der Gruppenseele zu dem einzelnen Tier?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|180}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denken Sie die Gruppenseele irgendeiner Insektenart. Wenn das einzelne Insekt stirbt, ist es für die Gruppenseele gar nicht anders, als wenn Ihnen ein Haar ausfällt oder ein Nagel abgeschnitten wird. Die Tiere, die immer neu sich bilden, sind nur ausgetauschte neue Glieder der tierischen Gruppenseele. So können Sie Tierreihen weit hinauf verfolgen, und Sie werden finden, daß das, was auf dem physischen Plan ist, wie eine sich immer auflösende und wieder neu sich bildende Wolke erscheint. Es metamorphosiert sich das physische Dasein und der Gruppengeist erneuert nur das, was sich bei ihm nach unten ansetzt. Das geht bis zu einer gewissen Stufe. Dann tritt etwas Neues ein. Bei höheren Tieren und je mehr Sie gerade zu höheren Tieren gehen, immer mehr tritt etwas ein, was gar nicht mehr dem recht ähnlich sieht, was ich Ihnen eben beschrieben habe. Nehmen wir zum Beispiel den Affen. Der Affe nimmt von dem Gruppengeist zuviel hinunter in die einzelne Gestalt, die unten ist; und während sonst beim niederen Tier alles wieder zurückgeht in den Gruppengeist, behält der Affe, weil er zu kompliziert geworden ist, in seiner physischen Organisation etwas zurück. Da ist zuviel eingeflossen vom Gruppengeist, das kann nicht wieder zurück. Das ist der fortschreitende Gruppengeist. Er wirkt so, daß er bei den niederen Tieren ein Glied schafft; dann saugt er das ganze Wesen wieder auf, erzeugt ein neues, saugt das wieder auf und so weiter. Beim Löwen ist das auch so. Wenn Sie aber zum Beispiel einen Affen nehmen, da erzeugt die Gruppenseele den Affen, aber der Affe nimmt aus der Gruppenseele etwas heraus, das kann nicht wieder zurück. Während es beim Löwen, wenn er stirbt, so ist, daß das Physische sich auflöst und das Seelische wieder in den Gruppengeist zurückgeht, ist es beim Affen so, daß dasjenige, was er vom Gruppengeist abschnürt, nicht wieder zurück kann. Beim Menschen haben Sie das Ich so, daß es von Inkarnation zu Inkarnation geht und fähig ist, sich zu entwickeln, weil es neue Inkarnationen annehmen kann. Das haben Sie beim Affen nicht. Die Affen können aber auch nicht wieder zurück. Daher wirkt auf das naive Gemüt der Affe so sonderbar, weil er in der Wirklichkeit ein von dem Gruppengeist abgeschnürtes Wesen ist; es kann nicht mehr zum Gruppengeist zurück, aber es kann sich auch nicht selbst neu inkarnieren. Beuteltiere sind eine&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|181}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
andere Art solcher Tiere, die etwas aus dem Gruppengeist herausreißen. Dasjenige nun, was von diesen sozusagen individuellen Tierseelen zurückbleibt, was sich aber auch nicht wieder inkarnieren kann, das ist der wahre Ursprung einer vierten Gruppe von Elementargeistern. Das sind abgeschnürte Teile solcher Tiere, die nicht wieder zum Gruppengeist zurückkommen können, weil sie in der Evolution den normalen Punkt übersprungen haben. Von zahlreichen Tieren bleiben solche ich-artige Wesenheiten zurück, und das sind dann die Salamander. Das ist die höchste Form der Naturgeister, denn sie ist ich-artig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit habe ich Sie in die Natur einer Reihe von Wesenheiten eingeführt, die wir immer genauer und genauer kennenlernen werden. Jetzt haben wir nur die Art und den Grund ihres Daseins und ihren Zusammenhang kennengelernt. Aber sie wirken in unserer Welt, und ihre Offenbarungen können wahrgenommen werden. Heute wollen wir uns weiter einen Begriff verschaffen von diesen sogenannten Elementargeistern. Diese Salamander kommen auch heute schon das darf durchaus behauptet werden in einer merkwürdigen Art zustande, wenn gewisse besonders niedriggeartete Menschennaturen, die sich aber durchaus weiter inkarnieren, einen Teil ihrer niedrigen Natur zurücklassen. Das sind besonders schlimme Elemente, diese zurückgebliebenen Naturen gewisser niederer Menschen in unserer Evolution, diese also teilweise ausgesonderten Menschennaturen, die als eine Art solcher Naturgeister geblieben sind und unser Dasein durchsetzen. Und vieles, was unseren geistigen Raum durchsetzt, was auf eine merkwürdige Art dem Menschen wahrnehmbar wird wovon Sie sich nichts träumen lassen, nicht einmal, daß es da ist , zeigt sich nur zu sehr in seinen Offenbarungen. Diese geistigen Wesenheiten haben alle eine teilweise Verwandtschaft mit dem Menschen, und sie greifen ein in die menschliche Evolution, wenn auch zumeist in störender Weise. Manche schlimme Kulturerscheinung, die heute als natürlich erscheint, wird erst dann für die Menschen erklärlich werden, wenn sie wissen, mit welchen störenden, retardierenden Kräften sie es zu tun haben. Die Wirkungen werden sich ausleben in manchen Dekadenzerscheinungen in unserer Kultur. Nur weil das durchaus gesehen wird von denen, die die Zeichen der Zeit zu deuten wissen, ist unsere Theosophische Gesell-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|182}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
schaft entstanden, weil nur die Erkenntnis in der Welt gesundend wirkt. Derjenige, welcher ohne Erkenntnis in der Welt steht, muß diese Dinge auf sich wirken lassen und macht sich oft allerlei phantastische Vorstellungen von ihnen. Wer Einsicht hat in die Wirksamkeiten dieser Wesenheiten, der wird erst genügend imstande sein, den Nutzen der theosophischen Bewegung zu erkennen, der wird das tief Geistige und Gesundende der theosophischen Bewegung einsehen. Sie will den Menschen frei machen von den Wesenheiten, die ihn in der Kultur zurückhalten würden. Sonst würde unsere Kultur vollständig in Dekadenz verfallen. Man wird in nächster Zeit mancherlei gräßliche Kulturerscheinungen erleben können; und auch erleben, daß die, welche sich nicht zurechtfinden können, dann diejenigen Träumer und Phantasten nennen, die solche Kulturerscheinungen richtig benennen. Immer mehr und mehr wird die Welt das Gepräge annehmen, daß man diejenigen, welche die geistige, die wahre Wirklichkeit kennen, Träumer und Phantasten nennt, während die wahren Träumer und Phantasten die sind, die die geistige Wirklichkeit für Narretei erklären. Der wahre Fortschritt unserer Kultur liegt aber darin, daß der Mensch das, was feindliche Gewalten sind, durchdringt mit Erkenntnis. Und Erkenntnis ist das, was aus der theosophischen Geistesströmung den Spruch bewahrheitet, den auch der Führer des christlichen Lebens den Seinigen zugerufen hat: «Ihr werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen!» Aber nur eine Wahrheit, die auch die volle und wahre Wirklichkeit umfaßt, kann eine solche sein, die auch den Menschen voll und ganz frei machen wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|183}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= ELFTER VORTRAG, Berlin, 1. Juni 1908 =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es war ja ein etwas gewagtes Gebiet, auf das wir uns das letzte Mal begeben haben, indem wir unsere Aufmerksamkeit auf gewisse Wesenheiten lenkten, welche innerhalb unserer Wirklichkeit als geistige Wesenheiten durchaus existieren, welche aber doch in einer gewissen Art aus dem regelmäßigen Gang der Evolution herausfallen, und deren eigentliche Bedeutung gerade darin besteht, daß sie in einer gewissen Art aus der Evolution herausfallen. Es war das Gebiet der Elementarwesenheiten. Wir haben die Elementarwesenheiten ins Auge gefaßt, die der aufgeklärte Sinn unserer Gegenwart natürlich als äußersten Aberglauben ansieht, die aber gerade durch die Stellung, die sie im Kosmos einnehmen, in einer nicht allzu fernen Zeit unserer geistigen Entwickelung eine bedeutsame Rolle spielen werden. Wir haben gesehen, wie solche Elementarwesenheiten sich bilden, indem sie gleichsam unregelmäßige, abgeschnürte Teile von Gruppenseelen sind. Wir brauchen uns ja nur an das zu erinnern, was wir am Ende der letzten Betrachtung sagten, und wir werden gleich das Wesen solcher Elementargeschöpfe vor unser geistiges Auge gestellt haben. Wir haben auf eine der zuletzt gebildeten Arten dieser Elementarwesenheiten hingewiesen. Wir haben darauf hingewiesen, wie einer jeden Tierform oder, wenn wir im groben Sinne sprechen wollen, einer Summe von gleichgestalteten Tierwesenheiten, eine Gruppenseele entspricht. Wir haben gesagt, daß diese Gruppenseelen gewissermaßen in der astralischen Welt dieselbe Rolle spielen, wie unsere Menschenseele insoweit sie ichbegabt ist in der physischen Welt. Eigentlich ist das Menschen-Ich ein von dem Astralplan zum physischen Plan heruntergestiegenes Gruppen-Ich. Dadurch ist es ein individuelles Ich geworden. Die tierischen Iche sind heute noch regelmäßig auf dem astralischen Plan, und was wir als die einzelnen Tierindividuen hier auf dem physischen Plan haben, das hat auf dem physischen Plan nur physischen Leib, Ätherleib und astralischen Leib, und das Ich hat es in der astralischen Welt, aber so, daß gleichgeformte Tiere gleichsam die Glieder des Gruppen-Ich dieser&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|184}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tiere sind. Wir können uns dadurch auch vorstellen, wie das, was man Geburt und Tod im Menschenleben nennt, für die Tiere nicht dieselbe Bedeutung hat. Denn wenn ein einzelnes Tier stirbt, so bleibt die Gruppenseele oder das Gruppen-Ich lebendig. Es ist gerade so, wie wenn, gesetzt daß das möglich wäre, der Mensch eine Hand verlöre und die Fähigkeit hätte, diese Hand wieder anzusetzen. Sein Ich würde nicht sagen: Ich bin gestorben durch den Verlust der Hand sondern es würde fühlen, wie es ein Glied erneuert hat. So erneuert das Gruppen-Ich der Löwen ein Glied, wenn ein einzelner individueller Löwe stirbt und durch einen anderen ersetzt wird. So können wir verstehen, daß Geburt und Tod für die Gruppenseele der Tiere gar nicht die Bedeutung haben wie für den Menschen des heutigen Entwickelungszyklus. Die Gruppenseele der Tiere kennt Verwandlungen, Metamorphosen, kennt sozusagen das Abschnüren der Glieder, die sich dann vorstrecken in die physische Welt, den Verlust dieser Glieder und ihre Erneuerung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir haben aber gesagt, daß es gewisse Tierformen gibt, die in der Abschnürung zu weit gehen, die nicht mehr imstande sind, alles, was sie herunterholen auf den physischen Plan, wiederum zurückzuschicken zum astralischen Plan. Denn bei einem sterbenden Tier muß dasjenige, was da abfällt, ganz aufgehen in der umliegenden Welt. Wogegen das, was das Tier durchgeistigt und durchseelt, zurückströmen muß in die Gruppenseele, um dann wieder neu vorgestreckt zu werden und zu einem neuen Individuum zu wachsen. Nun gibt es eben gewisse Tierformen, die nicht wieder alles zurückschicken können in die Gruppenseele, und diese übriggebliebenen Dinge, die losgeschnürt, losgerissen sind von der Gruppenseele, führen dann ein vereinzeltes Dasein als Elementarwesenheiten. Und da unsere Evolution die verschiedensten Formen und Stufen durchgemacht hat und auf jeder Stufe solche Elementarwesen abgeschnürt worden sind, können Sie sich wohl vorstellen, daß wir eine größere Anzahl solcher Elementarwesen-Arten um uns herum haben in dem, was wir die uns umgebende übersinnliche Welt nennen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn zum Beispiel der aufgeklärte Mensch sagt: Da spricht man uns von Elementarwesenheiten, die man Sylphen, auch Lemuren nennt; solche Dinge gibt es nicht! so müßte man ihm eine allerdings sonder-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|185}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
bare und paradox klingende Antwort geben: Du siehst diese Dinge deswegen nicht, weil du dich der Entwickelung derjenigen Erkenntnisorgane verschließt, die dich zur Anerkennung dieser Wesenheiten bringen würden. Aber frage einmal die Biene oder, mit anderen Worten, die Seele des Bienenkorbes! Die könnte sich dem Dasein von Sylphen oder Lemuren nicht verschließen! Denn die Elementarwesenheiten, die mit diesen Namen bezeichnet werden, halten sich an ganz bestimmten Orten auf, namentlich da, wo eine gewisse Berührung des Tierreiches mit dem Pflanzenreich stattfindet, und auch da nicht etwa überall, sondern an Orten, wo diese Berührung unter gewissen Verhältnissen stattfindet. Wenn der Ochs Gras frißt, findet allerdings auch eine Berührung des Tierreiches mit dem Pflanzenreich statt; aber das ist sozusagen eine nüchtern-reguläre, die ganz im regulären Fortgang der Evolution liegt. Auf einem ganz anderen Blatt der Weltenevolution steht jene Berührung, die zwischen der Biene und der Blüte stattfindet, und zwar deshalb, weil Biene und Blüte in der Organisation viel weiter auseinander sind und nachträglich wieder zusammenkommen, und weil bei der Berührung von Biene und Blüte allerdings nur für den Okkultisten eine ganz wunderbare Kraft entwickelt wird. Es gehört wenn man den Ausdruck gebrauchen darf, aber wir haben ja für diese subtilen Dinge so wenig treffende Ausdrücke zu den interessanten Beobachtungen der geistig-übersinnlichen Welten jene eigentümliche aurische Hülle, die immer entsteht, wenn eine Biene oder ein anderes solches Insekt an einer Blüte saugt. Das eigentümliche, eigenartige Erlebnis, welches das Bienlein hat, wenn es an der Blüte saugt, ist nicht etwa nur in den Kauwerkzeugen oder in dem Leib der Biene vorhanden; sondern was da als Geschmacksaustausch entsteht zwischen Biene und Blüte, verbreitet etwas wie eine kleine ätherische Aura. Jedesmal, wenn das Bienlein saugt, gibt es eine solche kleine ätherische Aura, und immer, wenn so etwas entsteht in der übersinnlichen Welt, kommen die Wesen, die so etwas brauchen, herbei. Sie werden dadurch angezogen; denn sie finden da, wenn wir es wieder grob ausdrücken wollen, ihre Nahrung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich habe schon einmal bei einer anderen Gelegenheit gesagt, die Frage sollte uns eigentlich gar nicht berühren, die jemand aufwerfen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|186}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
könnte, der sagt: Woher kommen denn alle diese Wesenheiten, von denen ihr sprecht? Wo die Gelegenheit dazu gegeben ist für bestimmte Wesenheiten, da sind sie immer da. Wenn ein Mensch üble, schlimme Empfindungen von sich aus verbreitet, dann sind diese schlimmen, üblen Empfindungen auch etwas, was um ihn herum lebt, und was Wesenheiten anzieht, die da sind, die nur darauf warten, wie irgendeine physische Wesenheit auf die Nahrung wartet. Ich habe es einmal damit verglichen, daß in einem reinen Zimmer keine Fliegen sind; sind aber alle möglichen Speisereste in dem Zimmer, so sind sie da. So ist es mit den übersinnlichen Wesenheiten: man braucht ihnen nur die Nahrungsmittel zuzuführen. Das Bienlein, das an der Blüte saugt, verbreitet eine kleine ätherische Aura, und da kommen solche Wesenheiten herbei, insbesondere wenn sich irgendwo an einem Baum ein ganzer Bienenschwarm niederläßt und dann abzieht, sozusagen mit der Geschmacksempfindung im Leibe, die da war. Dann ist der ganze Bienenschwarm eingehüllt in diese ätherische Aura, aber auch ganz durchdrungen von diesen geistigen Wesenheiten, die man Sylphen oder Lemuren nennt. Namentlich in solchen Grenzgebieten, wo sozusagen verschiedene Reiche miteinander in Berührung kommen, sind diese Wesenheiten da, und sie spielen wirklich eine Rolle. Sie sind nämlich nicht nur dann da, wenn diese geschilderte feine ätherische Aura entsteht; sondern ich möchte sagen, sie sättigen sich nicht bloß, sondern sie haben auch Hunger, und den Hunger bringen sie dadurch zum Ausdruck, daß sie die betreffenden Tiere nach den betreffenden Stätten hinleiten. Sie sind sozusagen ihre Führer in einer gewissen Weise.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So sehen wir, daß solche Wesenheiten, die, sagen wir, ihren Zusammenhang aufgegeben haben mit anderen Welten, mit denen sie früher verbunden waren, dadurch eine merkwürdige Rolle eingetauscht haben. Sie sind Wesenheiten geworden, die gut gebraucht werden können in anderen Welten. Allerdings wird, wenn sie so gebraucht werden, eine Art Organisation eingerichtet: sie unterstehen höheren Wesenheiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es wurde im Anfange der heutigen Betrachtung gesagt, die menschliche Erkenntnis werde in gar nicht zu ferner Zeit sehr wohl nötig haben, von diesen Wesenheiten zu wissen. Es wird in nicht allzu ferner Zukunft die Wissenschaft einen eigentümlichen Gang nehmen. Die&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|187}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wissenschaft wird immer mehr und mehr sozusagen sinnlich-physisch werden, sich lediglich auf eine Beschreibung der äußeren physisch-sinnlichen Tatsachen beschränken. Die Wissenschaft wird sich auf das Grobmaterielle beschränken, wenn auch heute noch ein merkwürdiger Übergangszustand herrscht. Es hat ja eine Zeit des richtigen groben Materialismus in der Wissenschaft gegeben. Sie ist nicht lange hinter uns. Dieser grobe Materialismus wird heute höchstens von denen, die auf dem allerlaienhaftesten Standpunkte stehen, noch als etwas Mögliches angesehen, obzwar nur wenige denkende Köpfe sich bemühen, an seine Stelle etwas anderes zu setzen. Wir sehen da eine ganze Anzahl von abstrakten Theorien auftreten, wo in einer verschämten Weise auf ein Übersinnliches, auf ein Überleibliches hingedeutet wird. Der Gang der Ereignisse aber und die Gewalt der äußeren sinnlichen Tatsachen wird gerade diese merkwürdigen phantastischen Theorien, welche heute die mit der physischen Wissenschaft Unzufriedenen aufstellen, völlig über den Haufen werfen, und eines Tages werden sich die Gelehrten gegenüber diesen Theorien in einer merkwürdigen Situation befinden. Alles, was da ausspintisiert wird über Allwesen und Allbeseeltheit dieser oder jener Welten, alle diese Spekulationen werden über den Haufen geworfen werden, und die Menschen werden nichts weiter in der Hand haben als die rein physisch-sinnlichen Tatsachen auf den Gebieten der Geologie, Biologie, Astronomie und so weiter. Die Theorien, die heute aufgestellt werden, werden die kurzlebigsten sein; und für den, der ein klein wenig auch in den speziellen Gang der Wissenschaft hineinzuschauen vermag, zeigt sich, daß die absoluteste Öde des rein physischen Horizontes da sein wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann wird aber auch die Zeit gekommen sein, wo die Menschheit in einer größeren Anzahl ihrer Vertreter reif sein wird, um diese übersinnlichen Welten anzuerkennen, von denen heute in der Geisteswissenschaft oder theosophischen Weltanschauung geredet wird. Eine solche Erscheinung wie die des Bienenlebens im Zusammenhange mit dem, was man wissen kann aus den übersinnlichen Welten, bietet wunderbare Antwort auf die großen Daseinsrätsel. Und von einer noch anderen Seite sind diese Dinge von einer großen Wichtigkeit: Es wird für die Menschheit immer unerläßlicher werden, das Wesen der Gruppen-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|188}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
seelen zu begreifen. Denn dieses Wesen der Gruppenseelen zu erkennen, wird auch in der rein äußerlichen Entwickelung der Menschheit eine große Rolle spielen. Wenn wir im Laufe der Zeiten Tausende und Tausende von Jahren zurückgehen, so finden wir den Menschen selbst noch als ein zu einer Gruppenseele gehöriges Wesen. Denn des Menschen Entwickelung auf unserer Erde ist die von der Gruppenseelenhaftigkeit zu der individuellen Seele. Immer mehr rückt der Mensch dadurch vor, daß seine ich-begabte Seele herunterrückt in das Physische, und in dem Physischen hat sie Gelegenheit, individuell zu werden. Wir können verschiedene Etappen in der Menschheitsentwickelung betrachten. Da werden wir sehen, wie die Gruppenseele allmählich individuell wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gehen wir zum Beispiel zurück in die Zeit des ersten Drittels der atlantischen Kulturentwickelung. Da ist das Leben des Menschen ein ganz anderes. In den Leibern, in denen wir dazumal verkörpert waren, erlebten unsere Seelen ganz andere Vorgänge. Einen Vorgang, der ja heute im Leben des Menschen, des einzelnen sowohl als des Menschen als soziales Individuum, eine Rolle spielt, können wir uns vor Augen rücken, der seit jener Zeit eine grandiose Veränderung durchgemacht hat: der Wechsel von Wachen und Schlafen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den alten atlantischen Zeiten würden Sie nicht denselben Wechsel von Wachen und Schlafen erlebt haben wie heute. Was ist denn der charakteristische Unterschied im Vergleich mit der gegenwärtigen Menschheit?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn der physische und der ätherische Leib im Bette liegen, der astralische Leib mit dem Ich sich heraushebt, sinkt in dem Maße, wie astralischer Leib und Ich sich herausheben, dasjenige, was man das heutige Bewußtsein nennt, in ein unbestimmtes Dunkel hinunter. Am Morgen, wenn der astralische Leib mit dem Ich wieder hineinzieht in den physischen und den Ätherleib, bedienen sich der astralische Leib und das Ich wieder der physischen Organe, und das Bewußtsein leuchtet auf. Dieser Zustand von täglichem Wachen im Bewußtsein, nächtlichem Schlafen in Bewußtlosigkeit war früher nicht vorhanden. Es war vielmehr so, wenn wir den Ausdruck gebrauchen dürfen es stimmt nicht ganz für die damaligen Verhältnisse; wir brauchen ihn&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|189}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
für den Zustand, in dem der Mensch mit seinem physischen Leib verbunden war , es war so, daß der Mensch bei Tag, wenn er Tag hatte und er in seinen physischen Leib untertauchte, soweit es damals der Fall war, keineswegs die äußeren physischen Wesenheiten und Dinge in solchen Grenzen sah wie heute; sondern er sah alles mit unbestimmten, nach außen verschwimmenden Konturen, wie wenn Sie an einem Nebelabend in den Straßen gehen und die Laternen mit einer Nebelaura umgeben sehen. So war es für den Menschen der damaligen Zeit mit allen Dingen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und wenn so der Tageszustand war, wie war denn der Nachtzustand? Wenn der Mensch während der Nacht hinausging aus dem physischen Leib und Ätherleib, kam nicht absolute Unbewußtheit über ihn. Es war nur eine andere Art des Bewußtseins. In der damaligen Zeit nahm der Mensch auch noch die geistigen Vorgänge und geistigen Wesenheiten um sich herum wahr, nicht mehr genau wie im wirklichen Hellsehen, aber wie in einem letzten Rest, der von dem alten Hellsehen geblieben war. In einer Welt mit verschwommenen, nebulosen Grenzen lebte der Mensch bei Tag. Bei Nacht lebte er unter geistigen Wesenheiten, die um ihn herum waren wie heute die Tagesgegenstände. So war keine strenge Grenze zwischen Tag und Nacht, und das, was Sagen und Mythen enthalten, sind nicht Dinge einer beliebigen Volksphantasie, sondern Erinnerungen an die Erlebnisse, die der alte Mensch in seinem damaligen Bewußtseinszustand in der übersinnlichen Welt hatte. Wotan oder Zeus oder andere übersinnliche geistig-göttliche Wesenheiten, die von diesen oder jenen Völkern anerkannt wurden, sind nicht Erdichtungen der Volksphantasie, wie man am grünen Tisch der Gelehrsamkeit behauptet. Nur der kann so etwas behaupten, der sich niemals mit dem Wesen der Volksphantasie bekanntgemacht hat. Es fällt dem Volke gar nicht ein, so zu personifizieren. Das waren Erfahrungen in alten Zeiten. Wotan und Thor waren Wesen, mit denen der Mensch so umging, wie er heute mit seinem Mitmenschen umgeht, und die Mythen und Sagen sind Erinnerungen an die Zeiten alten Hellsehertums.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir müssen uns aber klar darüber sein, daß mit diesem Hineinleben in die geistig-übersinnlichen Welten etwas anderes verknüpft war. Der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|190}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mensch fühlte sich in diesen Welten nicht als individuelles Wesen. Er fühlte sich als Glied geistiger Wesenheiten, er gehörte sozusagen zu höheren geistigen Wesenheiten, wie die Hände zu uns gehören. Das geringe Individualitätsgefühl, das der Mensch dazumal schon hatte, bekam er, wenn er in seinen physischen Leib untertauchte, wenn er sich sozusagen für kurze Zeit emanzipierte von dem Reigen der geistig-göttlichen Wesenheiten. Das war der Anfang seines Individualitätsgefühles. Es war das in einer Zeit, in welcher sich der Mensch durchaus klar darüber war, daß er eine Gruppenseele hat; er fühlte sich untertauchen in die Gruppenseele, wenn er sich aus seinem physischen Leib entfernte und in das übersinnliche Bewußtsein kam. Das war eine alte Zeit, in der im Menschen mit ungeheurer Stärke das Bewußtsein vorhanden war, zu einer Gruppenseele, zu einem Gruppen-Ich zu gehören.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir betrachten eine zweite Etappe der Menschheitsentwickelung Zwischenetappen lassen wir fort, jene Etappe, auf die hingedeutet wird in der Patriarchengeschichte des Alten Testaments. Was da eigentlich zugrunde liegt, haben wir bereits erwähnt. Wir haben den Grund erwähnt, warum die Patriarchen, Adam, Noah und so weiter, eine so lange Lebenszeit hatten. Sie hatten eine so lange Lebenszeit, weil das Gedächtnis dieser Menschen ein ganz anderes als das des heutigen Menschen war. Das Gedächtnis des heutigen Menschen ist eben auch individuell geworden. Der Mensch erinnert sich an das, was er seit der Geburt mancher auch erst seit einem viel späteren Zeitpunkt erlebt hat. So war es nicht in alten Zeiten. Damals waren die Dinge, die der Vater zwischen Geburt und Tod erlebte, die Erlebnisse, die der Großvater, der Urgroßvater gehabt hatten, ebenso ein Gegenstand der Erinnerung wie die eigenen Erlebnisse zwischen Geburt und Tod. So sonderbar es sich für den heutigen Menschen ausnimmt, wahr ist es, daß es Zeiten gab, in denen eine solche über das Individuum hinausgehende, die ganze Blutsverwandtschaft hinaufgehende Erinnerung da war. Und wenn wir uns fragen, welche äußerlichen Zeichen es dafür gibt, daß eine solche Erinnerung vorhanden war, so sind es eben solche Namen wie Noah, Adam und so weiter. Damit sind nicht einzelne Individuen gemeint zwischen Geburt und Tod. Der Mensch, der ein Gedächtnis hat, das zwischen Geburt und Tod eingeschlossen ist, gibt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|191}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
diesem einen Individuum einen Namen. Die Namensgebungen gingen früher so weit, wie das Gedächtnis in die Generationen hinauf reichte, so weit, wie das durch die Generationen hindurchfließende Blut ging.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Adam ist nichts anderes als ein Name, der so lange dauerte, als man sich erinnerte. Wer nicht weiß, daß die Namengebung früher eine ganz andere war, wird das Wesen dieser Dinge gar nicht verstehen können. In jenen alten Zeiten war eben ein ganz anderes vermittelndes Grundbewußtsein vorhanden. Denken Sie sich, der Ahnherr hätte zwei Kinder gehabt, jedes von diesen wieder zwei, die nächste Generation wieder zwei und so fort. Bei denen allen reicht das Gedächtnis bis zum Ahnherrn hinauf, und sie fühlten sich eins in dem Gedächtnis, das sich sozusagen da oben in einem Punkt begegnet. Das Volk des Alten Testamentes hat das ja zum Ausdruck gebracht, indem es sagte, und das galt für jeden einzelnen Bekenner des Alten Testamentes: «Ich und der Vater Abraham sind eins.» Da fühlte sich der Einzelne geborgen in dem Bewußtsein der Gruppenseele, in dem «Vater Abraham».&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Bewußtsein, das der Christus der Menschheit geschenkt hat, geht darüber hinaus. Das Ich hängt in seinem Bewußtsein direkt zusammen mit der geistigen Welt, und das kommt zum Ausdruck in dem Satz: «Bevor Abraham war, war das Ich oder das Ich bin.» Da kommt der Impuls, das «Ich bin» anzuregen, voll in das einzelne Individuum hinein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So sehen wir eine zweite Etappe der Menschheitsentwickelung, die Gruppenseelenzeit, die ihren äußeren Ausdruck findet in der Blutsverwandtschaft der Generationen. Ein Volk, das das besonders ausgebildet hat, legt ganz besonderen Wert darauf, immer zu betonen: als Volk haben wir eine gemeinschaftliche Volksgruppenseele. Das war für das Volk des Alten Testamentes durchaus der Fall. Deshalb sträubten sich die Konservativen innerhalb dieses alttestamentlichen Volkes gegen das Betonen des «Ich bin», des individuellen Ich. Wer im Johannes-Evangelium liest, der kann das mit Händen, mit geistigen Händen greifen, daß es so ist. Man braucht nur die Erzählung zu lesen über das Gespräch des Jesus mit der Samariterin am Brunnen. Da ist ausdrücklich darauf hingewiesen, daß der Christus Jesus auch zu denen geht, die nicht blutsverwandt sind, die nicht durch Blutsverwandt-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|192}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
schaft zusammengehören. Lesen Sie, wie bemerkenswert darauf hingewiesen wird: «Denn die Juden hielten keine Gemeinschaft mit den Samaritern.» Wer das nach und nach wirklich, und zwar meditativ, durchmachen kann, der wird sehen, wie die Menschheit von der Gruppenseele zu der individuellen Seele vorangeschritten ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Geschichte wird so, wie sie heute betrieben wird, durchaus äußerlich betrieben. Diese Geschichte ist heute vielfach eine Fable convenue, denn sie wird aus Dokumenten geschrieben. Denken Sie sich, es müßte heute etwas auf Grund von Dokumenten beschrieben werden, und die wichtigsten Dokumente wären verloren! Da wird nun nach den zufällig vorhandenen, zusammengewürfelten Dokumenten berichtet. Für die Dinge, die in der geistigen Wirklichkeit wurzeln, braucht man keine Dokumente; denn die sind in der treuen und nichts verwischenden Akasha-Chronik eingeschrieben. Es ist aber schwierig, in der Akasha-Chronik zu lesen, weil die äußeren Dokumente sogar ein Hindernis sind für ein Lesen geistiger «Schriften». Aber wir können sehen, wie selbst in Zeiten, die den unsrigen sehr naheliegen, jene Fortentwickelung von der Gruppenseele zu der individuellen Seele stattgefunden hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer die Geschichte geistig betrachtet, wird im frühen Mittelalter einen höchst wichtigen Zeitabschnitt erkennen müssen. Vorher war der Mensch noch, wenn auch nur äußerlich, in irgendwelchen Gruppen eingeschaltet. In viel höherem Maße, als es der heutige Mensch sich träumen läßt, bekam noch in den ersten Zeiten des Mittelalters der Mensch seine Bedeutung und Geltung auch in bezug auf seine Arbeitskraft von der Verwandtschaft und anderen Zusammenhängen. Es ergab sich sozusagen ganz von selbst, daß der Sohn dasselbe tat, was der Vater tat. Nun kam die Zeit der großen Erfindungen und Entdeckungen. Die Welt stellte immer mehr Anforderungen an die rein persönliche Tüchtigkeit des Menschen, und immer mehr wurde dieser aus den alten Zusammenhängen herausgerissen. Den Ausdruck dessen sehen wir im ganzen Mittelalter in den Städtegründungen, die in einem und demselben Typus durch ganz Europa durchgehen. Wir können heute noch die Städte, die nach diesem Typus gebildet sind, unterscheiden von denen, die nach einem anderen Typus herausgebildet sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|193}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Mitte des Mittelalters ist wiederum ein solcher Fortschritt von der Gruppenseele zu der individuellen Seele. Und wenn wir in die Zukunft hineinblicken, dann müssen wir uns sagen, immer mehr und mehr emanzipiert sich der Mensch von allem Gruppenseelenhaften, immer mehr vereinzelt er sich. Wenn Sie zurückblicken könnten auf frühere Entwickelungsphasen der Menschheit, so würden Sie sehen, daß jene Kulturen, zum Beispiel die ägyptische und die römische, wie aus einem Guß sind. Heute gibt es eine solche Kultur aus einem Guß nur in einem sehr geringen Grade. Bis zu dem Punkt ist jetzt die Menschheit heruntergekommen, wo nicht nur die Sitten und Gebräuche individuell sind, sondern sogar auch die Meinungen und Bekenntnisse, und es gibt sogar schon Menschen unter uns, die es für ein hohes Ideal ansehen, daß jeder Mensch seine eigene Religion habe. Es schwebt ja manchem die Idee vor, daß es einmal eine Zeit geben müsse, in welcher es so viele Religionen und Wahrheiten geben könne wie Menschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Entwickelung wird die Menschheit nicht nehmen. Sie würde sie nehmen, wenn sie den Impuls weiter verfolgen würde, der heute aus dem Materialismus herauskommt. Das würde zur Disharmonie, zur Zersplitterung der Menschheit in einzelne Individuen führen. Einen solchen Entwickelungsgang wird die Menschheit allerdings nur dann nicht nehmen, wenn eine geistige Bewegung wie die der Geisteswissenschaft von der Menschheit aufgenommen wird. Denn was wird eintreten? Es wird sich die große Wahrheit, das große Gesetz ausleben, daß die individuellsten Wahrheiten, die auf die innerlichste Art gefunden werden, zu gleicher Zeit die allgemein gültigsten sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich habe schon einmal darauf aufmerksam gemacht: Heute gibt es allgemeine Übereinstimmung eigentlich nur in den mathematischen Wahrheiten; denn das sind die allertrivialsten. Keiner kann sagen, daß er die mathematischen Wahrheiten durch die äußere Erfahrung findet; sondern man findet sie dadurch, daß alles innerlich eingesehen wird. Wenn man zeigen will, daß die drei Winkel eines Dreiecks zusammen 180 Grad betragen, so tut man das dadurch, daß man eine Parallele durch die Spitze zur Grundlinie zieht und die drei Winkel fächerförmig zusammenlegt; da ist Winkel a = d, b = e, c ist sich selbst gleich; und so sind die drei Winkel gleich einem Gestreckten, gleich 180 Grad. Wer&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|194}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:GA102 194.png|center|250px|Zeichnung aus GA 102, S. 194]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
das einmal eingesehen hat, der weiß, daß es ein für allemal so sein muß, ebenso wie man weiß, nachdem man es einmal eingesehen hat, daß drei mal drei neun ist; und ich glaube nicht, daß man das durch Induktion finden könnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese trivialsten aller Wahrheiten, die rechnerischen, die geometrischen, wurden im Inneren gefunden, und doch streiten sich die Menschen nicht darum. Darüber herrscht absolute Übereinstimmung, weil der Mensch heute so weit ist, diese Dinge einzusehen. Es herrscht nur so lange keine Übereinstimmung, wie die reine Wahrheit getrübt wird durch die Leidenschaften, durch Sympathie und Antipathie. Es kommt eine Zeit, wenn sie auch noch sehr ferne liegt, wo die Menschheit immer mehr und mehr von der Erkenntnis der innerlichen Wahrheitswelt ergriffen werden wird. Dann wird trotz aller Individualität, trotzdem jeder die Wahrheit einzeln in sich finden wird, Übereinstimmung herrschen. Würden heute die mathematischen Wahrheiten nicht so einfach zutage liegen, so würden die Leidenschaften ihrer Anerkennung noch manches in den Weg legen. Wenn es nach der Habgier ginge, so würde vielleicht noch manche Hausfrau dafür stimmen, daß zwei mal zwei fünf ist, und nicht vier. Diese Dinge sind nur so durchsichtig, so einfach, daß sie nicht mehr getrübt werden können von der Sympathie und Antipathie. Immer größere Gebiete werden von dieser Wahrheitsform erfaßt werden, und immer mehr Frieden wird dadurch in die Menschheit kommen können, wenn die Wahrheit so erfaßt wird. Der Mensch ist herausgewachsen aus dem Gruppenseelentum, und immer mehr emanzipiert er sich davon. Wenn wir die Gruppen betrachten statt der Seelen, so haben wir Familienzusammenhänge, Stammes-, Volkszusammenhänge und endlich zusammengehörige Rassen der Menschen. Der Rasse entspricht eine Gruppenseele. Alle diese Gruppenzusammenhänge der Vormenschheit sind solche, aus denen der Mensch heraus-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|195}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wächst, und je mehr wir fortschreiten, desto mehr verliert der Rassenbegriff seine Bedeutung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heute stehen wir an einem Übergang, und nach und nach wird das, was Rasse ist, ganz verschwinden, und etwas ganz anderes an die Stelle treten. Die Menschen, welche die geistige Wahrheit, wie es charakterisiert worden ist, wieder erfassen, werden durch freien Willen zusammengeführt werden. Das sind die Zusammenhänge der späteren Zeit. Die Zusammenhänge der früheren Zeit sind so, daß der Mensch in sie hineingeboren wird. In sein Volk, in seine Rasse wird der Mensch hineingeboren. Später werden wir in Zusammenhängen leben, die die Menschen selber machen, indem sie sich nach Gesichtspunkten gruppieren, wo sie unter völliger Wahrung ihrer Freiheit und ihrer Individualität Zusammenhänge bilden. Daß man das einsieht, ist notwendig zur richtigen Erkenntnis einer solchen Sache, wie es die Theosophische Gesellschaft ist. Die Theosophische Gesellschaft soll ein erstes Beispiel sein eines solchen freiwilligen Zusammenhanges, wobei wir davon absehen, daß es heute noch nicht so weit ist. Es soll der Versuch gemacht werden, einen solchen Zusammenhang zu schaffen, in dem die Menschen sich ohne Unterschied der alten Gruppenseelennatur zusammenfinden, und solcher Zusammenhänge wird es in Zukunft viele geben. Dann werden wir nicht mehr von Rassenzusammenhängen, sondern von intellektuell-ethisch-moralischen Gesichtspunkten über die gebildeten Zusammenhänge zu sprechen haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dadurch, daß die Menschen freiwillig ihre Gefühle zusammenstrahlen lassen, wird wiederum etwas über den bloß emanzipierten Menschen hinaus gebildet. Der emanzipierte Mensch hat seine individuelle Seele; die geht niemals wieder verloren, wenn sie einmal errungen ist. Aber dadurch, daß die Menschen sich in freiwilligen Zusammenhängen zusammenfinden, gruppieren sie sich um Mittelpunkte herum. Die Gefühle, die so zu einem Mittelpunkt zusammenströmen, geben nun wiederum Wesenheiten Veranlassung, wie eine Art von Gruppenseele zu wirken, aber in einem ganz anderen Sinne als die alten Gruppenseelen. Alle früheren Gruppenseelen waren Wesenheiten, die den Menschen unfrei machten. Diese neuen Wesenheiten aber sind vereinbar mit der völligen Freiheit und Aufrechterhaltung der Indi-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|196}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
vidualität der Menschen. Ja, wir dürfen sagen, sie fristen in einer gewissen Beziehung ihr Dasein von der menschlichen Einigkeit; und es wird in den Seelen der Menschen selbst liegen, ob sie möglichst vielen solcher höheren Seelen Gelegenheit geben, herunterzusteigen zu den Menschen, oder ob sie es nicht tun. Je mehr sich die Menschen zersplittern werden, desto weniger erhabene Seelen werden heruntersteigen in das Gebiet der Menschen. Je mehr Zusammenhänge gebildet werden, und je mehr da Gemeinschaftsgefühle bei völliger Freiheit ausgebildet werden, desto mehr erhabene Wesenheiten werden zu den Menschen heruntersteigen und desto schneller wird der Erdenplanet vergeistigt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So sehen wir, daß der Mensch, wenn er überhaupt einen Begriff bekommen kann von der Entwickelung der Zukunft, den Charakter der Gruppenseelenhaftigkeit sehr wohl verstehen muß, weil es sonst passieren kann, daß seine individuelle Seele, wenn sie sich zu lange allein emanzipiert auf der Erde, nicht den Anschluß findet, daß sie den Anschluß verpaßt und dadurch selbst eine Art Elementarwesen wird; und diese Elementarwesen, die aus den Menschen entstehen, würden eine ganz schlimme Art sein. Während die aus früheren Reichen entstandenen Elementarwesenheiten sehr brauchbar sind für unsere Naturordnung, werden die menschlichen Elementarwesenheiten diese Eigenschaft ganz und gar nicht haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir haben darauf hingewiesen, daß in gewissen Grenzgebieten solche abgeschnürte Wesenheiten entstehen, und sie entstehen auch an der Grenze, beim Übergang von dem Gruppenseelentum zu den freien Gruppenzusammenhängen durch ästhetisch-moralisch-intellektuelle Zusammenhänge. Überall, wo solche Zusammenhänge auftreten, sind solche Gruppenwesenheiten da.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn Sie gewisse Stätten beobachten könnten, zum Beispiel Quellen, wo unten der Stein ist und dann Moos darüber wächst, und so eine Art Wand zwischen der Pflanze und dem Stein sich bildet, und dann das Wasser darüber sickert das ist auch notwendig , da würden Sie sehen, daß das, was man Nymphen und Undinen nennt, etwas sehr Reales ist; das zeigt sich da mit besonderer Stärke. Und da, wo Metalle und das sonstige Erdreich zusammenstoßen, liegen ganze Bündel von&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|197}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
jenen Wesenheiten, die man Gnomen nennt. Eine vierte Art sind die Salamander. Die sind sozusagen das jüngste Geschlecht in der Reihe dieser ganzen Elementarwesen; sie sind aber trotzdem vielfach vorhanden. Sie sind zum großen Teil Wesenheiten, die ihr Dasein einem Abschnürungsprozeß aus Tiergruppenseelen verdanken. Solche Wesenheiten suchen auch Gelegenheit, Nahrung zu finden, und sie finden sie namentlich da, wo das Menschenreich in manchmal nicht ganz normale, sondern abnorme Beziehungen zum Tierreich tritt. Wer über solche Dinge etwas weiß, dem ist bekannt, daß sich Elementarwesen, und zwar recht gutartige, entwickeln durch jene familiäre Beziehung zwischen dem Reiter und seinem Roß.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Insbesondere bilden sich durch die Gemütsbeziehungen gewisser Menschen zu Tiergruppen Gefühle aus, Gedanken und Seelenimpulse, die solchen salamanderartigen Elementarwesenheiten eine gute Nahrung geben. Das kann man besonders bemerken in dem Zusammenleben des Schäfers mit seiner Schafherde, überhaupt der Hirten, die mit ihren Tieren zusammenleben. In den Gefühlen, die sich da durch diese Intimität zwischen Mensch und Tier entwickeln, finden gewisse salamanderartige Elementarwesen ihre Nahrung und halten sich da auf, wo so etwas vorhanden ist. Das sind auch recht kluge Wesenheiten, die eine durchaus natürliche Weisheit haben. Da entwickeln sich durch diese Gefühle bei dem Schäfer Fähigkeiten, wodurch diese Elementarwesen dem Menschen das zuraunen können, was sie wissen; und manches der Rezepte, die aus solchen Quellen stammen, haben ihren Ursprung in dem, was da eben auseinandergesetzt worden ist. Es kann durchaus sein, daß ein Mensch zwischen solchen Verhältnissen wie von feinen geistigen Wesenheiten umgeben ist, die ihn mit einem Wissen ausstatten, wovon unsere heutigen Gescheiten sich gar nichts träumen lassen. Alle diese Dinge haben ihren guten Grund und sind durchaus zu beobachten durch die Methoden, welche die okkulte Weisheit ausbilden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum Schluß möchte ich noch auf eine andere Erscheinung hinweisen, die Ihnen zeigen kann, wie gewisse Dinge, von denen man heute nur eine ganz abstrakte Erklärung gibt, in vielem einer tieferen Weisheit entsprungen sind. Ich habe vorhin schon gesagt, daß jene älteren Menschen in der atlantischen Zeit, wenn sie aus ihren Leibern herausge-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|198}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gangen sind in der Nachtzeit, unter jenen geistigen Wesenheiten lebten, die sie die Götter nannten. Diese Menschen waren auf dem Wege, in eine physische Körperlichkeit unterzutauchen. Jene Wesenheiten aber, die sie als die Götter verehrten, zum Beispiel Zeus, Wotan, gehen einen anderen Entwickelungsgang. Die gehen nicht bis in physische Leiber herunter; die berühren nicht die physische Welt. Aber auch da kommen gewisse Übergänge vor. Der Mensch ist ja dadurch entstanden, daß sein ganzes seelisches und geistiges Wesen sich verhärtet hat zu seinem physischen Leib. Beim Menschen haben sich die gesamten Gruppenseelen herunterbegeben auf den physischen Plan, und der physische Leib des Menschen ist ein Abdruck geworden der Gruppenseele. Nehmen wir an, ein Wesen wie Zeus, das durchaus einer Wirklichkeit entspricht, habe gleichsam nur ein bißchen den physischen Plan berührt, nur ein wenig hineingeragt. Das ist, wie wenn Sie eine Kugel ins Wasser tauchen und sie unten gerade noch so benetzt wird. So sind gewisse Wesenheiten in der atlantischen Zeit nur berührt worden von der physischen Welt. Die physischen Augen sehen nicht, was als Geistiges, als Astralisch-Ätherisches bleibt. Nur der kleine Teil davon, der ins Physische hineinragt, wird gesehen. Aus solchen Wahrnehmungen heraus entstand die Symbolik in der Mythologie. Wenn Zeus den Adler als Symbolum hat, so rührt das davon her, daß seine Adlernatur die kleine Kuppe ist, wo ein Wesen der höheren Welt die physische Welt berührte. Ein großer Teil der Vogelwelt sind abgeschnürte Teile solcher sich entwickelnden Wesenheiten der übersinnlichen Welt. Und wie mit den Raben des Wotan oder dem Adler des Zeus, so ist es überall, wo die Symbolik auf okkulte Tatsachen zurückgeht. Manches wird Ihnen klarer werden, wenn Sie so auf den verschiedenen Gebieten Wesen, Wirken und Entwickelung der Gruppenseelen in Betracht ziehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das wollte ich heute hinzufügen zu unseren vorhergehenden Ausführungen, um damit eine abgeschlossene Grundlage zu haben für solche Betrachtungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|199}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= ZWÖLFTER VORTRAG, Berlin, 4. Juni 1908 =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Betrachtungen, die wir nun schon durch mehrere Zweigabende anstellen, sollen ja geeignet sein, dieses oder jenes zu ergänzen oder zu erweitern, was uns im Laufe des Winters beschäftigt hat. Daher mag es wohl selbstverständlich sein, daß in diesen Betrachtungen die eine oder die andere Bemerkung einfließt, die sich wie aphoristisch ausnimmt. Wir wollen ja durch diese Betrachtungen diesen oder jenen Gedanken, diese oder jene Vorstellungen, die in uns erregt worden sind, ergänzen und abrunden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den letzten Betrachtungen hat uns vorzugsweise beschäftigt die Anwesenheit von allerlei geistigen Wesenheiten, die sich sozusagen zwischen den uns umgebenden sinnlich-physischen Naturreichen finden. Insbesondere haben wir in unserer letzten Betrachtung gesehen, wie da, wo sich die Wesen verschiedener Naturreiche berühren, wo die Pflanze an den Stein sich schmiegt wie an der Quelle, wo der gewöhnliche Stein an das Metall sich schmiegt wie unter der Erde in zahlreichen Fällen, wo eine solche Gemeinschaft ist wie zwischen der Biene und der Blume, wie da überall Kräfte entwickelt werden, welche verschiedene derjenigen Wesensarten in das irdische Dasein hineinziehen, die wir Elementarwesen genannt haben. Und im Zusammenhange mit diesen Elementarwesen hat uns die Tatsache beschäftigt, die wir die Abschnürung gewisser Wesenheiten von ihrem großen Zusammenhange nannten. Wir haben gesehen, daß solche Elementarwesenheiten, die man in der Geisteswissenschaft zum Beispiel mit dem Namen «Salamander» bezeichnet, zum Teil ihren Ursprung haben von abgeschnürten Teilen der tierischen Gruppenseelen, die sich sozusagen zu weit vorgewagt haben in unsere physische Welt, und die dann nicht mehr den Weg zurückgefunden haben, um sich nach der Auflösung der Leiber eines Tieres wieder mit der Gruppenseele dieses Tieres zu vereinigen. Denn wir wissen, daß im regelmäßigen Verlaufe des Lebens die Wesen unserer Erde, die Wesen des Tierreiches, des Pflanzenreiches und des mineralischen Reiches ihre wenn wir sie so nennen dürfen &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|200}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
«Ich-Seele» haben, im Grunde genommen ebensolche Ich-Seelen haben wie der Mensch, die sich von der menschlichen nur dadurch unterscheiden, daß die Ich-Seelen der anderen Wesen in anderen Welten sind. Wir wissen, daß der Mensch diejenige Wesenheit in unserem Entwickelungszyklus ist, die das individuelle Ich hier auf dem physischen Plan hat, wenigstens während des Tagwachens. Wir wissen ferner, daß diejenigen Wesenheiten, die wir die Tiere nennen, in einer solchen Lage sind, daß, grob gesprochen, gleichgestaltete Tiere eine Gruppenseele oder ein Gruppen-Ich haben, und daß diese Gruppen-Iche in der sogenannten astralischen Welt sind, ferner, daß diejenigen Wesenheiten, die wir Pflanzen nennen, nur ein traumlos schlafendes Bewußtsein für die physische Welt hier haben, daß sie aber Gruppen-Iche haben, die in den unteren Partien der devachanischen Welt wohnen, und daß endlich die Steine, die Mineralien ihre Gruppenseelen in den oberen Partien der devachanischen Welt haben. Derjenige Mensch, der hellseherisch sich in diesen Welten bewegt, in der astralischen und in der devachanischen Welt, verkehrt dort gewissermaßen mit den Tierseelen, die dort Gruppenseelen sind, mit den Pflanzenseelen und den Mineralseelen so, wie er hier in der physischen Welt während des Tagwachens mit den Menschenseelen oder menschlichen Ichen verkehrt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun müssen wir uns einmal darüber klar werden, daß der Mensch noch in mancherlei Weise ein sehr kompliziertes und zusammengesetztes Wesen ist, ein Wesen, von dem wir ja schon genügend des Komplizierten in den verschiedenen Betrachtungen besprochen haben. Aber er wird uns immer komplizierter und komplizierter erscheinen, je weiter wir uns auf den Zusammenhang mit den großen kosmischen Tatsachen einlassen. Um uns begreiflich zu machen, daß dieser Mensch nicht das ganz einfache Wesen ist, für das ihn vielleicht eine naive Betrachtungsweise ansehen kann, brauchen wir uns ja nur einmal vorzuhalten, daß in der Nacht, vom Einschlafen bis zum Aufwachen, der Mensch des gegenwärtigen Entwickelungszyklus ein ganz anderes Wesen ist als bei Tag. Im Bette liegen sein physischer Leib und sein Ätherleib; herausgehoben aus diesem physischen und Ätherleib ist das Ich mit dem astralischen Leib, Betrachten wir beides, zunächst den physischen Leib und den Ätherleib. Sie liegen da, und sie haben, wenn wir von dem Über-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|201}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gangszustand des traumerfüllten Schlafes absehen, dasjenige, was wir ein inhaltsloses, wahrnehmungsloses und auch traumloses Schlafbewußtsein nennen. Aber auch dasjenige, was aus dem physischen und Ätherleib heraus ist, das Ich mit dem astralischen Leib, hat genau ebenso bei dem Menschen des heutigen Entwickelungszustandes das traumlose Schlafbewußtsein. Dasjenige Bewußtsein, welches hier in der physischen Welt die sich ausbreitende Pflanzendecke hat, das hat der schlafende Mensch sowohl in denjenigen Teilen, die hier in der physischen Welt bleiben, als auch in denjenigen Teilen, die während des Schlafes in der astralischen Welt sind. Nun aber müssen wir uns einmal mit diesen beiden getrennten Teilen des schlafenden Menschen ein wenig befassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir wissen ja aus anderen Betrachtungen, daß dieser Mensch der Gegenwart langsam und allmählich entstanden ist. Wir wissen, daß er in einer in urferner Vergangenheit gelegenen Verkörperung unserer Erde, die wir als Saturnzustand bezeichnen, die erste Anlage zum physischen Leib erhalten hat. Wir wissen, daß er dann auf der zweiten Verkörperung unserer Erde, dem Sonnenzustand, zu dem physischen Leib hinzuerhalten hat den Ätherleib oder Lebensleib, daß er auf der dritten Verkörperung der Erde, dem Mondzustand, den astralischen Leib hinzuerhalten hat, und daß er auf der Erde, der jetzigen Verkörperung des Planeten, dasjenige bekam, was wir das Ich nennen. So hat sich der Mensch ganz langsam und allmählich heranentwickelt. Dieser physische Leib, wie ihn der Mensch heute trägt, ist tatsächlich der älteste und derjenige Teil des Menschen, der die meisten Verwandlungen durchgemacht hat. Viermal hat er sich verwandelt. Die erste Anlage auf dem alten Saturn, die der Mensch erhalten hat und die sich seitdem dreifach vervollkommnet hat einmal auf der Sonne, das zweite Mal auf dem Mond und endlich auf der Erde , sie drückt sich aus in den Sinnesorganen, die der Mensch heute hat. Sie waren ganz andere Organe auf dem alten Saturn; aber damals waren sie in ihrer ersten Anlage da, und der andere menschliche Leib war noch nicht vorhanden. Als ein einziges Wesen mit lauter Sinnesorganen können wir den alten Saturn ansehen, ganz bedeckt mit lauter Sinnesorganen. Auf der Sonne kommt der Ätherleib hinzu. Der menschliche physische&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|202}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Leib bildet sich um, und es entstehen die Organe, die wir heute als Drüsenorgane bezeichnen. Damals sind sie noch sehr unvollkommen, aber in ihrer ersten Anlage sind sie vorhanden; die Sinnesorgane vervollkommnen sich. Dann kommen auf dem Mond diejenigen Organe dazu, die wir heute, nachdem sich durch das Einprägen des astralischen Leibes der physische Leib ein drittes Mal umgewandelt hat, als die Nervenorgane bezeichnen. Und endlich kommt auf unserer Erde hinzu das heutige Blutsystem; denn das ist der Ausdruck des Ich, so wie das Nervensystem der Ausdruck des astralischen Leibes, das Drüsensystem der Ausdruck des Ätherleibes, und das Sinnessystem der physische Ausdruck des physischen Leibes selber ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir haben in unseren bisherigen Vorträgen gesehen, daß eigentlich in unserer Erdentwickelung das Blutsystem zuerst aufgetreten ist. Heute sehen wir den physischen Leib an und fragen uns: Warum fließt Blut in der heutigen Gestalt in den Blutwegen? Was drückt dieses Blut aus? Wir sagen: Dieses Blut ist der Ausdruck des Ich. Dabei wollen wir gleich ein mögliches Mißverständnis ins Auge fassen, daß nämlich der Mensch den heutigen physischen Menschenleib eigentlich mißversteht. Dieser heutige physische Menschenleib ist sozusagen nur eineForm, wie der physische Menschenleib sein kann. Auf dem Monde war er vorhanden, auf der Sonne, auf dem Saturn, aber immer anders. Auf dem Monde gab es zum Beispiel noch gar nicht dasjenige Naturreich, das wir heute das mineralische Reich der Erde nennen; auf der Sonne gab es noch kein Pflanzenreich in unserem Sinne, und auf dem Saturn noch kein Tierreich in unserem Sinne; sondern bloß den Menschen in seiner ersten physischen Anlage. Wenn wir das bedenken, müssen wir uns klarmachen, daß der heutige Menschenleib eigentlich nicht nur physischer Leib, sondern physisch-mineralischer Leib ist, daß er sich zu den Gesetzen der physischen Welt weswegen er der «physische» Leib ist die Gesetze und Substanzen des Mineralreiches angeeignet hat, die ihn heute durchziehen. Auf dem Monde hat sich dieser physische Menschenleib noch nicht die Gesetze des Mineralreiches angeeignet; hätte man ihn damals verbrannt, so hätte es keine mineralische Asche gegeben. Denn Mineralien in dem heutigen irdischen Sinne hat es damals noch nicht gegeben. Also bedenken wir: Physischsein und&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|203}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mineralischsein sind zwei ganz verschiedene Dinge. Der menschliche physische Leib ist physisch, weil er von ganz denselben Gesetzen beherrscht wird wie die Steine; der menschliche physische Leib ist zu gleicher Zeit mineralisch, weil er die mineralischen Stoffe in sich imprägniert hat. Auf dem Saturn war der erste Keim des physischen Leibes vorhanden. Da gab es aber weder feste Körper noch Wasser noch Gase. Es gab auf dem Saturn überhaupt nur Wärme, nur diesen Zustand der Wärme. Der heutige Physiker kennt diesen Zustand der Wärme nicht, weil er glaubt, daß die Wärme nur anGasen, anWasser oder anfesten Körpern auftreten kann. Das ist aber ein Irrtum. Dieser physische Menschenleib, der sich heute das Mineralreich angeeignet hat, war auf dem Saturn ein Zusammenhang von physischen Gesetzen. Es sind physische Gesetze, die in Linien, in Formen wirken, was Sie in der Physik als Gesetze kennenlernen. Äußerlich geoffenbart hat sich dieser physische Menschenleib auf dem Saturn nur als eine Wesenheit, die in Wärme lebte. So müssen wir wohl unterscheiden zwischen dem Mineralischen und dem, was das eigentlich physische Prinzip des Menschenleibes ist. Das sind die physischen Gesetze, die den physischen Leib beherrschen. Es gehört zum Beispiel zum physischen Prinzip, daß unser Ohr, unser Auge so geformt sind, daß sie in einer ganz bestimmten Weise den Ton, das Licht aufnehmen. Zum Mineralischen des Ohres, des Auges gehören jene Stoffe, die in dieses Gerüst von physischen Gesetzen einimprägniert sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem wir uns das klargemacht haben, und namentlich unser Augenmerk darauf richteten, wie die Sinnesorgane, Drüsen, Nerven und Blut die Ausdrücke des vierteiligen Menschen sind, wollen wir uns wieder zurückwenden zu der Betrachtung des schlafenden Menschen. Im Bette liegen beim schlafenden Menschen der physische Leib und der Ätherleib, draußen sind der astralische Leib und das Ich. Nun aber bedenken wir, daß der astralische Leib das Prinzip des Nervensystems ist und das Ich das Prinzip des Blutsystems. Es hat also der astralische Leib während der Nacht dasjenige im physischen Leibe verlassen, von dem er sozusagen die Ursache ist, nämlich das Nervensystem. Denn erst als auf dem Monde der astralische Leib sich in den Menschen eingliederte, konnte das Nervensystem entstehen. Es verläßt also der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|204}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
astralische Leib schnöde dasjenige, was zu ihm gehört, was er eigentlich im Menschen zu versorgen hat; und ebenso verläßt das Ich dasjenige, was es ins Leben gerufen hat. Das Prinzip des Blutsystems und des Nervensystems sind außerhalb des schlafenden physischen Leibes und des schlafenden Ätherleibes. Die sind jetzt durchaus allein. Nun kann aber niemals irgendein Materielles, irgendein Physisches in der Form bestehen, wie es durch ein geistiges Prinzip hervorgerufen ist, ohne dieses geistige Prinzip. Das ist ganz ausgeschlossen. Niemals kann ein Nervensystem leben, ohne daß astralische Wesen an demselben tätig sind, und nie ein Blutsystem, ohne daß Ich-Wesen an ihm tätig sind. So also verlassen Sie alle in der Nacht schnöde in Ihrem Ich und astralischen Leib Ihr Nervensystem und Ihr Blutsystem und überlassen sie anderen Wesenheiten, die astralischer Natur sind. Wesenheiten, die gleicher Natur sind mit Ihrem Ich, steigen jetzt sozusagen hinein in Ihren Organismus. Jede Nacht wird tatsächlich der menschliche Organismus besetzt von solchen Wesenheiten, die geeignet sind, ihn zu unterhalten. Physischer Leib und Ätherleib des Menschen, die im Bette liegen, werden dann gleichzeitig durchdrungen von diesen astralischen und Ich-Wesen, die eigentlich indem physischen Leib sind. Eindringlinge könnten wir sie nennen, aber das ist nicht immer richtig. Wir müßten sie vielfach Schutzgeister nennen; denn sie sind die Erhalter desjenigen, was der Mensch schnöde in der Nacht verläßt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun ist es nicht so schlimm, daß der Mensch jede Nacht seine Leiber verläßt. Ich habe Ihnen bereits gesagt, daß der astralische Leib und das Ich in der Nacht fortwährend tätig sind. Sie schaffen dasjenige aus dem physischen Leibe fort, was die Abnutzung des Tages gegeben hat, was wir im weiten Umfange Ermüdung nennen. Der Mensch ist am Morgen erfrischt und erholt, weil während der Nacht sein astralischer Leib und sein Ich die Ermüdung fortgeschafft haben, die ihn während des Tages durch die Eindrücke des Tageslebens befallen hat. Das ist eine Tatsache für die hellseherische Beobachtung: diese während der ganzen Nacht wahrnehmbare Tätigkeit des astralischen Leibes, die Ermüdungsstoffe fortzuschaffen. Von außen herein arbeiten Ich und astralischer Leib am physischen Leib und Ätherleib. Nun ist aber der Mensch im heutigen Zyklus seiner Entwickelung noch nicht so weit, daß er eine&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|205}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
solche Tätigkeit ganz selbständig ausführen könnte. Er kann sie nur unter der Leitung anderer, höherer Wesenheiten ausführen. So wird sozusagen der Mensch jede Nacht aufgenommen wie in den Schoß höherer Wesenheiten, die ihm die Fähigkeit verleihen, in der richtigen Weise an seinem physischen und Ätherleib zu arbeiten; und das sind zu gleicher Zeit diejenigen Wesenheiten deshalb dürfen wir sie nicht Eindringlinge nennen , die in der Nacht sein Blut- und Nervensystem in der richtigen Weise geistig versorgen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Solange keine Abnormitäten eintreten, hat es seine Richtigkeit mit dem Zusammenwirken geistiger Wesenheiten beim Menschen während der Nacht. Aber solche Unregelmäßigkeiten können sehr wohl eintreten, und hier kommen wir auf ein Kapitel der Geisteswissenschaft, welches außerordentlich wichtig ist für das praktische menschliche Seelenleben, und von dem man möchte, daß es im weitesten Umkreis nicht nur theoretisch bekannt würde, sondern im weitesten Umfange die Grundlage gäbe für gewisse Betätigungen des menschlichen Seelenlebens. Der Mensch stellt sich gewöhnlich nicht vor, daß die Tatsachen des Seelenlebens eine weite, weite Wirkung haben. In gewissen Zusammenhängen habe ich Sie ja schon darauf aufmerksam gemacht, wie die Tatsachen des Seelenlebens erst ihre richtige Erklärung dadurch finden, daß man sie im Sinne der Geisteswissenschaft betrachtet. Wir kennen alle die tiefe Bedeutung des Ausspruches: Geisteswissenschaftlich betrachtet, ist die Lüge eine Art Mord. Und ich habe Ihnen gesagt, daß in der Tat in der astralischen Welt eine Art von Explosion vorgeht, wenn der Mensch eine Lüge sagt in gewisser Weise schon, wenn er sie nur denkt , daß da in der geistigen Welt etwas vorgeht, wenn der Mensch lügt, was für die geistige Welt eine weitaus verheerendere Wirkung hat als irgendein Malheur in der physischen Welt. Aber solche Dinge, die man auch auf einer gewissen Stufe der geisteswissenschaftlichen Betrachtung erwähnt und auch so weit charakterisiert, als es da schon möglich ist, gewinnen immer mehr Deutlichkeit und Begründetheit, wenn man vorschreitet in der geisteswissenschaftlichen Erkenntnis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heute werden wir eine andere Wirkung des Lügens, des Verleumdens kennenlernen, wenn auch die Worte Lügen und Verleumden hier&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|206}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gar nicht in jener wüsten Weise gemeint sind, wie man gewöhnlich diese Worte im groben Sinne anwendet. Aber schon wenn der Mensch in jenem feineren Sinne, zum Beispiel aus Konvention, aus allerlei Gesellschafts- oder Parteirücksichten dieses oder jenes an der Wahrheit färbt, haben wir es im geisteswissenschaftlichen Sinne überall mit einem Lügen zu tun. Vielfach ist das ganze Leben des Menschen, wenn auch nicht von Lügen, so doch von lügenhaft gefärbten Manifestationen durchtränkt. Der materialistisch Aufgeklärte sieht ja allenfalls ein, daß es auf seinen physischen Leib einen Eindruck ausübt, wenn ihm jemand mit einer Axt auf den Schädel schlägt. Er sieht allenfalls auch ein, daß es für seinen physischen Leib eine Wirkung hat, wenn ihm der Kopf von der Eisenbahn abgefahren wird oder er ein Geschwür an irgendeinem Teil seines Leibes erhält oder auch, wenn Bazillen eindringen. Da wird es der aufgeklärte Mensch begreiflich finden, daß Wirkungen auf den physischen Leib ausgeübt werden. Daß der Mensch als geistig angelegtes Wesen eine Einheit ist, daß dasjenige, was in den höheren Gliedern seiner Leiblichkeit, im astralischen Leib und im Ich vorgeht, durchaus so zu betrachten ist, daß es bis herunter in den physischen Teil seiner Leiblichkeit seine Wirkungen fortsetzt, das wird gewöhnlich gar nicht bedacht. Nicht bedacht wird zum Beispiel, daß das Aussprechen von Lügen und Unwahrhaftigkeiten, ja schon Unwahrhaftiges in den Lebensverhältnissen für den menschlichen physischen Leib richtige Wirkungen hat. Hellseherisch können wir folgendes erleben: Wenn der Mensch, sagen wir, eine Lüge begangen hat am Tage, so bleibt die Wirkung dieser Lüge innerhalb des physischen Leibes vorhanden und ist für das hellseherische Wahrnehmen zu sehen, während der Mensch schläft. Nehmen wir nun an, der Mensch sei überhaupt ein lügnerischer Mensch, er häufe die Lügen an. Dann hat er viele solcher Wirkungen in seinem physischen Leib. Das alles verhärtet sich in einer gewissen Weise in der Nacht, und dann geschieht etwas sehr Bedeutungsvolles. Diese Einschlüsse, diese Verhärtungen im physischen Leibe vertragen sich sehr schlecht mit jenen Wesenheiten, die in der Nacht vom physischen Leibe Besitz ergreifen müssen, die also, wie wir gesehen haben, von anderen Welten aus diejenigen Funktionen am physischen Leibe ausüben, die bei Tage astralischer Leib und Ich ausüben. Die Folge davon&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
ist, daß im Verlaufe des Lebens durch einen solchen, man möchte sagen, von Lügen durchseuchten Leib Teile von jenen Wesenheiten abgeschnürt werden, die sich da während der Nacht in dem Menschen niederlassen. Da haben wir wiederum Abschnürungsprozesse. Diese führen dazu, daß, wenn der Mensch stirbt, sein physischer Leib nicht nur diejenigen Wege nimmt, die er im regelmäßigen Verlaufe des Werdens nehmen würde, sondern daß gewisse Wesenheiten übrig bleiben, die sozusagen durch die Wirkung des Lügens und Verleumdens im physischen Leibe erzeugt worden sind und aus der geistigen Welt abgeschnürt werden. Solche auf diesem Umwege abgeschnürte Wesenheiten schwirren nun auch in unserer Welt herum. Sie gehören zu derjenigen Klasse von Wesenheiten, die wir «Phantome» nennen. In ihnen haben wir eine gewisse Gruppe von Elementarwesenheiten, die mit unserem physischen Leib verwandt sind, unsichtbar zunächst für äußere physische Augen, die sich vermehren durch Lügen und Verleumdungen. Tatsächlich bevölkern Lügen und Verleumdungen unser Erdenrund mit solchen Phantomen. Auf diese Art lernen wir eine neue Klasse von Elementarwesen kennen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun aber üben nicht nur Lügen und Verleumdungen, die in der Seele vorhanden sind, sondern auch andere Dinge des Seelenlebens ihre Wirkung auf die menschliche Leiblichkeit aus. Lügen und Verleumdungen sind es gerade, die so auf den physischen Leib wirken, daß sie ihn zum Abschnürer von Phantomen machen. Andere Dinge wieder sind es, die in ähnlicher Weise auf den Ätherleib wirken. Seien Sie nicht erstaunt über solche Erscheinungen des Seelenlebens, man muß im geistigen Leben die Dinge mit aller Ruhe auffassen können. Solche Tatsachen, die ihre schlimme Wirkung auf den Ätherleib haben, sind zum Beispiel schlechte Gesetze oder schlechte soziale Einrichtungen in irgendeiner Gemeinschaft. Alles, was zum Beispiel zum Unfrieden führt, was überhaupt an schlechten Einrichtungen da von Mensch zu Mensch spielt, wirkt durch die Stimmung, die es durch das Zusammenleben der Menschen erzeugt, so, daß sich die Wirkung fortsetzt bis in den Ätherleib. Und was da im Ätherleibe sich ansammelt durch die Wirkung von solchen Seelentatsachen, liefert wiederum Abschnürungen von diesen geistig hereinwirkenden Wesenheiten, die sich nun eben-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|208}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
falls in unserer Umgebung befinden. Man nennt sie «Spektren», im Deutschen würde man sagen «Gespenster». Diese Wesenheiten, die in der Ätherwelt, in der Lebenswelt vorhanden sind, sehen wir wiederum herauswachsen aus dem Leben der Menschen. So kann mancher unter uns herumgehen, und sein physischer Leib ist für den, der geistig diese Dinge zu erkennen vermag, gespickt, dürfen wir sagen, mit Phantomen, sein Ätherleib gespickt mit Spektren oder Gespenstern; und alles das stiebt sozusagen in der Regel auseinander und bevölkert die Welt nach dem Tode des Menschen oder einige Zeit hinterher.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So sehen wir, wie fein sich die geistigen Ereignisse unseres Lebens wie Lügen, Verleumdungen, schlechte soziale Einrichtungen fortsetzen, und wie sie ihre Schöpfungen geistig zwischen uns hier ablagern auf unserem Erdenrund. Nun können Sie aber auch verstehen, daß wenn im normalen menschlichen Tagesleben physischer Leib, Ätherleib, astralischer Leib und Ich zusammengehören, und sozusagen der physische Leib und der Ätherleib sogar andere Wesen in sich eindringen oder etwas mit sich tun lassen müssen, daß da auch der astralische Leib und das Ich nicht in dem normalen Zustand ihres gegenwärtigen Zyklus sind. Allerdings sind sie gegenüber dem physischen Leib und dem Ätherleib in einer etwas anderen Lage. Physischer Leib und Ätherleib haben, während der Mensch schläft, dasselbe Bewußtsein, welches die Pflanzen haben. Aber die Pflanzen haben dafür ihr Ich oben im Devachan. Daher müssen auch physischer Leib und Ätherleib des schlafenden Menschen von solchen Wesenheiten versorgt werden, die vom Devachan aus ihr Bewußtsein entfalten. Nun sind zwar der astralische Leib und das Ich des Menschen um eine Welt höher; aber der Mensch schläft ja auch traumlos wie die Pflanzen. Daß die Pflanzen nur physischen Leib und Ätherleib haben, und der Mensch im schlafenden Zustand noch astralischen Leib und Ich, das macht in bezug auf die Pflanzennatur keinen Unterschied. Zwar ist der Mensch hinaufgerückt in die geistige Welt, in die astralische Welt; aber er ist doch nicht so weit hinaufgerückt mit seinem Ich, daß es sich nicht rechtfertigen würde, daß er schläft. Die Folge davon ist nun, daß auch beim schlafenden Menschen in den astralischen Leib Wesenheiten eindringen müssen. Und so ist es auch: in den astralischen Leib des Menschen dringen fortwährend Einflüsse&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|209}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ein aus der devachanischen Welt. Diese Einflüsse brauchen durchaus keine abnormen zu sein, sie können Einflüsse sein von dem, was wir des Menschen höheres Ich nennen. Denn der Mensch lebt sich ja allmählich hinauf in die devachanische Welt, indem er immer mehr seiner Vergeistigung entgegengeht; und was sich da vorbereitet, das beeinflußt ihn heute schon während des schlafenden Zustandes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun gibt es aber nicht bloß diese normalen Einflüsse. So würde es einzig und allein sein, wenn die Menschen untereinander vollkommen verstehen würden, was Schätzung und Würdigung der Freiheit der Seele des anderen ist. Davon ist aber die gegenwärtige Menschheit noch sehr weit entfernt. Denken Sie nur einmal daran, wie die heutige Seele noch zum größten Teil die Mitseele überwältigen will, wie sie nicht leiden kann, wenn die andere Seele etwas anderes denkt und liebt, wie die eine Seele die andere überwältigen und auf sie wirken will. Bei alledem, was von Seele zu Seele wirkt in unserer Welt, von dem ungerechtfertigten Ratschluß, den man gibt, bis zu all jenen Wirkungsmitteln, die die Menschen anwenden, um Seelen zu überwältigen, bei alledem, was nicht so wirkt, daß die freie Seele der freien Seele gegenübersteht, sondern, und sei es auch nur in geringster Weise, Zwangsmittel der Überzeugung, Zwangsmittel der Überredung angewendet werden, wo nicht bloß geweckt werden soll, was in der anderen Seele schon schlummert, überall da wirken von Menschenseele zu Menschenseele Kräfte, die wiederum diese Seelen so beeinflussen, daß sich das in der Nacht im astralischen Leibe ausdrückt. Der astralische Leib bekommt Einschlüsse, und dadurch werden Wesenheiten abgeschnürt aus anderen Welten, die jetzt wiederum als Elementarwesen unsere Welt durchschwirren. Diese Wesenheiten gehören zur Klasse der «Dämonen». Sie sind nur dadurch in unserer Welt vorhanden, daß in ihr auf die verschiedenste Weise Intoleranz des Gedankens, Vergewaltigung des Gedankens geübt worden ist. Das Heer dieser Dämonen ist auf diese Art in unsere Welt hineingekommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So haben wir heute wiederum Wesenheiten kennengelernt, die da sind, so wahr wie diejenigen Dinge da sind, die man durch physische Sinne wahrnimmt, und die ihre Wirkungen sehr wohl im Menschenleben äußern. Ganz anders würde zum Beispiel die Menschheit fort-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|210}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
geschritten sein, wenn die Menschen nicht durch Intoleranz diese Dämonen schaffen würden, die unsere Welt durchsetzen und auf die Menschen fortwährend Einflüsse ausüben. Die sind zu gleicher Zeit die Geister der Vorurteile. So versteht man das Leben in seinen Feinheiten dadurch, daß man diese Verstrickungen zwischen geistiger Welt im höheren Sinne und unserer menschlichen Welt kennenlernt. Alle diese Wesenheiten sind, wie gesagt, da, und sie durchschwirren die Welt, in der wir leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun erinnern wir uns an etwas anderes, was auch schon gesagt worden ist. Wir haben darauf hingewiesen, daß bei den Menschen des letzten Drittels der atlantischen Zeit, bei den Menschen vor der atlantischen Flut, das Verhältnis des menschlichen Ätherleibes zum physischen Leibe ein ganz anderes war als in vorhergehenden Zeiten. Heute haben wir beim menschlichen Kopf die Verhältnisse so, daß der physische Teil und der Ätherteil des Kopfes sich im wesentlichen decken. Das war in der alten Atlantis noch anders. Da haben wir weit herausragend, namentlich in der Stirngegend, den Ätherteil des Kopfes. Nun haben wir einen Zentralpunkt im Ätherleib des Kopfes und im physischen Leib des Kopfes, ungefähr zwischen den Augenbrauen. Diese beiden Punkte fielen im letzten Drittel der atlantischen Zeit zusammen und decken sich heute. Dadurch ist der Mensch fähig geworden, «ich» zu sich zu sagen und sich als ein selbständiger Mensch zu empfinden. So also haben sich der Ätherleib des Kopfes und der physische Leib des Kopfes zusammengefügt. Das ist geschehen, damit der Mensch dieses Sinneswesen werden konnte, das er innerhalb unserer physischen Welt ist, damit er sein Innenleben bereichern kann durch das, was er aufnimmt durch die Eindrücke der physischen Sinne, durch Geruch, Geschmack, Gesicht und so weiter. Das alles wird seinem Inneren einverleibt, damit er es einmal hat und zur Weiterentwickelung des ganzen Kosmos verwenden kann. Diese Erwerbung könnte auf keine andere Weise gemacht werden. Daher haben wir ja immer gesagt, wir dürfen Geisteswissenschaft nicht im asketischen Sinne auffassen, nicht als eine Flucht aus der physischen Welt heraus; sondern alles, was hier geschieht, wird mitgenommen aus der physischen Welt, und es würde der geistigen Welt verlorengehen, wenn es nicht hier gesammelt würde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|211}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun nähert sich aber der Mensch immer mehr und mehr einem neuen Zustand. In der nachatlantischen Zeit haben wir verschiedene Kulturepochen durchgemacht: die altindische, die uraltpersische, dann diejenige, die wir bezeichnet haben als die babylonisch-assyrisch-chaldäisch-ägyptische Epoche, dann die griechisch-lateinische Epoche, und wir stehen jetzt in der fünften Kulturepoche der nachatlantischen Zeit. Die unsrige wird abgelöst werden von einer sechsten und von einer siebenten Kulturepoche. Während sich im Verlaufe dieses Zeitraums bis in unsere Zeit hinein das Gefüge von Ätherleib und physischem Leib immer mehr gefestigt hat, immer innerlich fester und gebundener wurde, schreitet gegen die Zukunft zu der Mensch einer Periode entgegen, wo sich der Ätherleib nach und nach wieder lockert und selbständig wird. Der Weg wird wieder zurück gemacht. Es gibt heute schon Menschen, die viel lockerere Ätherleiber haben als die anderen. Dieses Lockern des Ätherleibes ist nur dann richtig für den Menschen, wenn er durch die verschiedenen Verkörperungen während jener Kulturepochen, von denen wir gesprochen haben, so viel in sich aufgenommen hat, daß sein Ätherleib, wenn er wieder herausgeht, richtige Früchte aus der physisch-sinnlichen Erdenwelt mitnimmt, Früchte, die geeignet sind, dem Ätherleib, der immer selbständiger wird, einverleibt zu werden. Je geistiger die Vorstellungen sind, die der Mensch innerhalb der physischen Welt hier findet, desto mehr nimmt er in seinem Ätherleib mit. Alles, was der Mensch in unserem jetzigen Erdendasein an Nützlichkeitsvorstellungen, an maschinellen, industriellen Vorstellungen aufnimmt, die nur der äußeren Notdurft, nur dem äußeren Leben dienen, ist ungeeignet, dem Ätherleib einverleibt zu werden. Aber alles, was er aufnimmt an Vorstellungen des Künstlerischen, des Schönen und Religiösen und alles kann in die Sphäre von Weisheit, Kunst und Religion getaucht werden , das alles verleiht seinem Ätherleib die Fähigkeit und Möglichkeit, selbständig organisiert zu sein. Weil das vorauszusehen ist, deshalb wurde hier an dieser Stelle oftmals betont, wie geisteswissenschaftliche Weltanschauung ins praktische Leben hinein ihre Wirkungen und Impulse senden muß, und wie Geisteswissenschaft niemals eine Unterhaltungssache für Teekränzchen bleiben darf oder eine sonst aus dem gewöhnlichen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|212}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Leben herausfallende geistige Beschäftigung, sondern daß sie hineinarbeiten muß in unser ganzes Kulturleben. Wenn man einmal die geisteswissenschaftlichen Gedanken verstehen wird, dann wird man wieder verstehen, wie alles, was unsere Zeit erfüllt, durchdrungen werden muß von geistigen Prinzipien. Manche Geister, wie Richard Wagner, haben auf gewissen Gebieten ein solches Durchdringen mit geistigen Prinzipien vorausgeahnt. Man wird es einmal verstehen, einen Bahnhof so zu bauen, daß er ebenso Weisheit ausströmt wie ein Tempel, wenn er nur wirklich ausdrucksvoll dem angepaßt ist, was in ihm lebt. Da ist noch sehr viel zu tun. Da müssen diese Impulse wirken, und sie werden wirken, wenn der geisteswissenschaftliche Gedanke immer mehr und mehr verstanden wird. Ich erinnere mich noch lebhaft, wie vor ungefähr fünfundzwanzig Jahren bei einer Rektoratsrede ein bedeutender Architekt über den Baustil gesprochen hat und den wunderbaren Satz gesagt hat: Baustile werden nicht erfunden, Baustile wachsen heraus aus dem geistigen Leben! Und zu gleicher Zeit zeigte er, warum unsere Zeit, wenn sie schon Baustile aufleben läßt, nur alte Baustile aufleben läßt und unfähig ist, einen neuen Baustil zu finden, weil sie als solche noch kein inneres spirituelles Leben hat. Wenn die Welt wiederum spirituelles Leben erzeugen wird, dann wird alles möglich sein. Dann werden wir es erleben, daß von allem, was uns anschaut, die menschliche Seele uns entgegenleuchtet, so wie in einer mittelalterlichen Stadt in jedem Türschloß, in jedem Schlüssel der Geist sich aussprach. Erst dann ist die Theosophie verstanden, wenn sie uns überall in dieser Weise wie kristallisiert in ihren Formen entgegentritt. Dann aber lebt auch ein Mensch mit dem anderen wie Geist mit Geist. Dann aber bereitet sich der Mensch immer mehr etwas vor, was er mitnimmt, wenn er wieder in die geistige Welt hinaufrückt, wenn sein Ätherleib selbständig wird. So müssen die Menschen eintauchen in die geistige Welt, wenn die Evolution in entsprechender Weise weitergehen soll.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch nichts wird uns so schön das Durchdringen der Iche mit dem Geiste symbolisiert als durch die Erzählung des Pfingstwunders. Wie prophetisch wird darauf hingewiesen, wenn Sie es überlegen, auf jene Durchströmung und Durchdringung der Welt mit spirituellem&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|213}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Leben durch das Herabsteigen der «feurigen Zungen». Alles muß wieder spirituell belebt werden. Auch jenes abstrakte, begrifflich-verstandesmäßige Verhältnis, das der Mensch zu dem bevorstehenden Feste hat, muß wieder konkret, wieder lebendig werden. Versuchen wir es, mit einem solchen Gedanken, wie er aus der heutigen Betrachtung hervorgehen kann, einmal unsere Seele zu beschäftigen gerade zu der Zeit, die wir die Pfingstzeit nennen. Dann wird wieder ein solches Fest, das ja aus spirituellen Ursachen heraus eingesetzt ist, wiederum etwas Lebendiges für den Menschen zu bedeuten haben, wenn sein Ätherleib reif wird für das geistige Schaffen. Wenn aber der Mensch nicht den Pfingstgeist aufnimmt, dann geht der Ätherleib aus dem physischen Leib heraus und ist vor allen Dingen nicht stark genug, das zu besiegen, was vorher geschaffen worden ist, jene Spektren-, Phantomen- und Dämonenwelten, die die Welt als ihre Nebenerscheinungen schafft. Wie aber die Evolution durch den Geist gefördert wird, was wir darüber prophetisch sagen können, soll der Inhalt unserer nächsten Betrachtung sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|214}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= DREIZEHNTER VORTRAG, Berlin, 11. Juni 1908 =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir haben in den letzten Betrachtungen unserer Zweigabende verschiedene Gesichtspunkte angeführt, welche uns alle darauf hinweisen, wie das geheimnisvolle Zusammenwirken ist zwischen dem Menschen und geistigen Welten, geistigen Wesenheiten, die eigentlich fortwährend um uns herum sind, und nicht nur um uns herum sind, sondern fortwährend in einer gewissen Beziehung auch durch uns hindurchgehen, mit denen wir fortwährend leben. Wir müssen uns aber nicht vorstellen, daß nur in jener, man möchte sagen, gröberen Beziehung, die wir in den letzten Betrachtungen erwähnten, sich ein Verhältnis entwickelt zwischen dem Menschen und geistigen Wesenheiten seiner Umwelt; sondern auch durch die mannigfaltigen, mehr dem menschlichen Gedankenkreis obliegenden Verrichtungen und Taten der Menschen, bildet sich eine Beziehung heraus zwischen dem Menschen und der geistigen Welt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir haben in den beiden vorangegangenen Betrachtungen auf in einer gewissen Beziehung untergeordnetere geistige Wesenheiten hinweisen müssen. Aber wir wissen aus früheren Vorträgen, daß wir es auch mit geistigen Wesenheiten zu tun haben, die über den Menschen stehen, und daß auch Beziehungen und Verhältnisse existieren zwischen dem Menschen und erhabeneren geistigen Wesenheiten. Wir haben erwähnt, daß es erhabene geistige Wesenheiten gibt, die nicht so wie der Mensch bestehen aus physischem Leib, Ätherleib, astralischem Leib und so weiter aufwärts, sondern die als unterstes Glied den Ätherleib haben, die uns also sozusagen umwohnen. Für den gewöhnlichen Blick sind sie nicht sichtbar, weil ihre Körperlichkeit eine feine ätherische ist, so daß der menschliche Blick durch sie hindurchschaut. Und dann kommen wir zu noch höheren geistigen Wesenheiten, deren unterstes Glied der astralische Leib ist, die also eine noch weniger dichte Körperlichkeit dem Menschen darbieten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle diese Wesenheiten stehen aber doch in einer gewissen Beziehung zum Menschen, und was uns heute die Hauptsache ist: der Mensch kann&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|215}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
durchaus etwas tun, um in seinem Leben hier auf dem irdischen Schauplatz in ganz bestimmte Beziehungen zu solchen Wesenheiten zu kommen. Je nachdem die Menschen hier auf der Erde dieses oder jenes tun für ihre Lebensverhältnisse, je nachdem stellen sie immer Beziehungen zu höheren Welten her, so wenig wahrscheinlich das auch ist für einen Menschen der heutigen, wie man sagt, aufgeklärten Zeit, die gar nicht aufgeklärt ist in bezug auf viele tiefe Wahrheiten des Lebens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen wir zunächst Wesenheiten, die als unterste Leiblichkeit einen ätherischen Leib haben, mit diesem feinen Ätherleib um uns herum wohnen, uns umgeben, ihre Wirkungen und Offenbarungen zu uns heruntersenden. Stellen wir solche Wesenheiten im Geiste vor unsere Seele hin und fragen wir uns: Kann der Mensch etwas tun hier auf diesem Erdenrund, oder besser: Taten die Menschen von jeher etwas, damit diese Wesenheiten eine Verbindung, eine Brücke haben, durch die sie zu intensiveren Wirkungen auf den ganzen Menschen kommen? Ja, von jeher taten die Menschen etwas dazu! Wir müssen uns vertiefen in manche Empfindungen und Vorstellungen, die wir in den letzten Stunden aufnehmen konnten, wenn wir uns von dieser Brücke einen deutlichen Gedanken machen wollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir stellen uns also vor, diese Wesenheiten leben sozusagen aus den geistigen Welten heraus und strecken von dort gleichsam ihre Ätherleiber hervor. Sie brauchen keinen physischen Leib, wie der Mensch ihn hat. Aber es gibt eine physische Leiblichkeit, durch die sie ihren &#039;Ätherleib sozusagen in Verbindung setzen können mit unserer irdischen Sphäre, eine irdische Leiblichkeit, die wir sozusagen hinstellen können auf unserer Erde, und die ein Anziehungsband bildet, so daß diese Wesenheiten mit ihren Ätherleibern herabkommen zu dieser irdischen Leiblichkeit und in derselben Gelegenheit nehmen, sich unter den Menschen aufzuhalten. Solche Gelegenheiten für geistige Wesenheiten, um sich unter den Menschen aufzuhalten, sind zum Beispiel die Tempel der griechischen Baukunst, sind die gotischen Dorne. Wenn wir jene Formen physischer Wirklichkeit mit ihren Linien- und Kräfteverhältnissen, wie sie ein Tempel hat, auch wie sie ein plastisches Kunstwerk der Bildhauerkunst hat, in unsere irdische Sphäre hineinstellen, dann bilden sie eine Gelegenheit, daß nach diesen Kräfteverhältnissen sich die äthe-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|216}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
rischen Leiber dieser Wesenheiten nach allen Seiten anschmiegen und einschmiegen können in diese von uns aufgerichteten Kunstwerke. Und Kunst ist ein wahres und wirkliches Verbindungsglied zwischen dem Menschen und geistigen Welten. Bis herauf zu jenen Kunstformen, die sich räumlich ausgestalten, haben wir auf der Erde physische Leiblichkeiten, zu denen sich Wesenheiten mit ätherischen Körpern herabsenken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wesenheiten, welche als ihre niederste Leiblichkeit den astralischen Leib haben, brauchen aber etwas anderes hier auf der Erde als Band zwischen der geistigen Welt und unserer Erde, und das sind die musikalischen, die phonetischen Künste. Ein Raum, der durchströmt wird von den Tönen der Musik, ist eine Gelegenheit, daß der leicht bewegliche, in sich bestimmte astralische Leib höherer Wesenheiten in diesem Raum sich auslebt. Da bekommen die Künste und das, was sie für den Menschen sind, eine sehr reale Bedeutung. Sie bilden die magnetischen Anziehungskräfte für die geistigen Wesenheiten, die nach ihrer Mission, nach ihrer Aufgabe mit dem Menschen etwas zu tun haben sollen und wollen. Da vertiefen sich unsere Gefühle gegenüber menschlichem Kunstschaffen und menschlichem Kunstempfinden, wenn wir die Dinge in dieser Weise anschauen. Und noch mehr kann sich unser Gefühl vertiefen, wenn wir die menschliche Quelle des künstlerischen Schaffens und damit auch des künstlerischen Genießens vom Standpunkte der Geisteswissenschaft in uns aufnehmen. Wenn wir das wollen, müssen wir einmal in einer etwas ausführlicheren Weise die verschiedenen Bewußtseinsformen des Menschen betrachten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir haben ja zu verschiedenen Zwecken darauf aufmerksam gemacht, daß wir in dem tagwachenden Menschen vor uns haben den physischen Leib, den Ätherleib, den astralischen Leib und das Ich, daß wir in dem schlafenden Menschen vor uns haben im Bette liegend den physischen Leib und den Ätherleib, und außerhalb des physischen Leibes und des Ätherleibes das Ich und den astralischen Leib. Es ist gut, wenn wir diese zwei, für jeden Menschen innerhalb vierundzwanzig Stunden wechselnden Bewußtseinszustände zu unserem heutigen Zwecke ausführlicher betrachten. Wir haben zunächst am Menschen den physischen Leib, dann den Äther- oder Lebensleib, dann dasjenige, was wir den astralischen Leib im gröberen Sinne des Wortes nennen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|217}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
den Seelenleib, der zu dem astralischen Leib gehört, aber verbunden ist mit dem Ätherleib. Das ist das Glied des Menschen, das auch das Tier hier in dem physischen Leben unten auf dem physischen Plan hat. Dann aber wissen wir, daß mit diesen drei Gliedern der menschlichen Wesenheit verbunden ist Sie können das in meiner «Theosophie» nachlesen dasjenige, was man sonst zusammenfaßt unter dem «Ich», das eigentlich ein dreigliedriges Wesen ist: Empfindungsseele, Verstandes- oder Gemütsseele und Bewußtseinsseele, und wir wissen, daß dann wiederum die Bewußtseinsseele verknüpft ist mit dem, was wir das Geistselbst oder Manas nennen. Legen wir uns diese ausführlichere Gliederung des Menschen vor, dann können wir sagen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was wir Empfindungsseele nennen und was durchaus sonst dem astralischen Leibe zugehört und auch astralischer Natur ist, das löst sich heraus, wenn der Mensch abends einschläft; aber ein Teil des Seelenleibes bleibt dennoch mit dem Ätherleibe, der im Bette bleibt, verbunden. Im wesentlichen löst sich beim Menschen Empfindungsseele, Verstandesseele und Bewußtseinsseele heraus. Beim tagwachenden Menschen ist das alles miteinander verbunden, und dadurch wirkt das dann auch alles immer im Menschen. Also dasjenige, was im physischen Leibe vorgeht, wirkt auf die ganze Innerlichkeit, auf Empfindungsseele, Verstandesseele und auch auf die Bewußtseinsseele. Was in dem gewöhnlichen, eigentlich recht ungeordneten und chaotischen Leben auf den Menschen wirkt, die ungeordneten Eindrücke, die er vom Morgen bis zum Abend aufnimmt denken Sie nur einmal daran, was Sie für Eindrücke aufnehmen, wenn Sie durch das Gerassel und Gepolter einer Großstadt gehen , das alles sind Eindrücke, die sich fortsetzen in alle die Glieder, die bei dem tagwachenden Bewußtsein mit physischem Leib und Ätherleib verbunden sind. In der Nacht ist die Innerlichkeit Empfindungsseele, Verstandesseele und Bewußtseinsseele in der astralischen Welt, holt sich von dort die Kräfte, die Harmonien, die während des tagwachenden Lebens für sie durch die chaotischen Eindrücke des Tages verlorengehen. Da ist das, was man im umfassenderen Sinne des Menschen Ich-Seele nennt, in einer geordneteren, geistigeren Welt als während des Tagwachens. Am Morgen taucht diese Seeleninnerlichkeit heraus aus dieser Geistigkeit und taucht&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|218}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
unter in die dreifache Leiblichkeit physischer Leib, Ätherleib und den Teil des astralischen Leibes, der eigentlich mit dem Ätherleib verbunden ist und auch in der Nacht mit dem Ätherleib verbunden bleibt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn nun der Mensch nie schlafen würde, das heißt, sich niemals neue stärkende Kräfte aus der geistigen Welt holen würde, dann würde zuletzt alles, was in seinem physischen Leib lebt und seinen physischen Leib an Kräften durchdringt, immer mehr und mehr in Verfall kommen, immer mehr untergraben werden. Dadurch aber, daß jeden Morgen eine starke Innerlichkeit untertaucht in die Kräfte des physischen Leibes, kommt immer neue Ordnung, man möchte sagen, eine Wiedergeburt der Kräfte in diesen physischen Leib hinein. Es bringt sich daher die menschliche Seelenhaftigkeit für jedes der Leibesglieder etwas mit aus der geistigen Welt, etwas, was wirkt, wenn die Seeleninnerlichkeit, die in der Nacht draußen ist, und das äußere physische Werkzeug zusammen sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was nun in dem Wechselwirken zwischen der Seeleninnerlichkeit und dem eigentlichen physischen Werkzeug geschieht, das kann, wenn der Mensch empfänglich ist für die Aufnahme der Harmonien in der geistigen Welt, in der Nacht den physischen Leib in seinen Kräften nicht in seinen Stoffen durchdringen mit den Kräften, die man nennen möchte die Raumeskräfte. Weil der Mensch in unserer gegenwärtigen Kultur so sehr der geistigen Welt entfremdet ist, kommen gerade diese Raumeskräfte bei ihm wenig zur Geltung. Da, wo die Seeleninnerlichkeit zusammenstößt mit dem dichtesten Glied des Menschenleibes, müssen die Kräfte schon sehr stark sein, die mitgebracht werden, wenn sie sich ausleben sollen in dem robusten physischen Leib. In zarter empfindenden Kulturepochen brachten sich die Seeleninnerlichkeiten die Seelenimpulse mit und durchdrangen leichter diesen physischen Leib, und da empfanden die Menschen dann, daß durch den physischen Raum nach allen Seiten immer Kräfte gehen, daß dieser physische Raum durchaus nicht eine gleichgültige leere Räumlichkeit, sondern nach allen Richtungen von Kräften durchzogen ist. Es gibt ein Gefühl für diese Kraftverteilung im Raume; das wird durch die Verhältnisse bewirkt, die eben jetzt geschildert worden sind. Sie müssen sich das durch ein Beispiel vergegenwärtigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|219}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denken Sie sich einen der Maler, die noch großen Kunstzeiten angehörten, wo man noch so recht ein Gefühl für die im Raum wirkenden Kräfte hatte. Bei einem solchen Maler könnten Sie sehen, wie er eine Gruppe von drei Engeln im Raume malt. Sie stehen vor dem Bilde und haben unmittelbar die Empfindung: Diese drei Engel können nicht herunterfallen; es ist selbstverständlich, daß sie schweben, denn sie halten sich gegenseitig durch die wirkenden Raumeskräfte, wie die Weltenkugeln sich halten durch die Kräfte des Raumes. Diejenigen Menschen, die durch jene Wechselwirkung zwischen der Seeleninnerlichkeit und dem physischen Leib diese innere Dynamik sich aneignen, für die ist das Gefühl vorhanden: Das muß so sein; die drei Engel halten sich im Raum. Sie werden das namentlich bei manchen älteren Malern finden, weniger wohl bei den neueren. Man mag Böcklin noch so sehr schätzen; aber diejenige Gestalt, die über der «Pietà» schwebt, ruft bei jedem Menschen das Gefühl hervor, daß sie jeden Augenblick herunterplumpsen müsse; die hält sich nicht im Raum.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle diese im Raum hin- und hergehenden Kräfte, die ein Mensch so recht im Raume fühlt, sind Realitäten, Wirklichkeiten, und aus diesem Raumgefühl geht hervor alle Baukunst. Echte, wahre Baukunst entspringt aus nichts anderem, als daß man in die Linien, die schon im Raume da sein müssen, die Steine oder Ziegel hineinlegt, wobei man gar nichts tut, als nur dasjenige sichtbar zu machen, was im Raume ideell, geistig verteilt schon vorhanden ist, indem man da die Materie hineinstopft. Am reinsten hat dieses Raumgefühl der griechische Baukünstler gehabt, der in seinem Tempel in allen seinen Formen zur Darstellung brachte, was im Raume lebt, was man im Raume fühlen kann. Das einfache Verhältnis: daß die Säule trägt und sie trägt entweder die horizontalen oder die schräggestellten Linienkörper , ist eine Wiedergabe innerhalb des Raums befindlicher geistiger Kräfte. Und der ganze griechische Tempel ist nichts anderes als eine Ausfüllung dessen, was innerhalb des Raumes lebt, mit Materie. Daher ist der griechische Tempel der reinste architektonische Gedanke, kristallisierter Raum. Und so sonderbar das dem modernen Menschen erscheinen mag: der griechische Tempel ist, weil er eine aus Gedanken zusammengefügte physische Leiblichkeit ist, die Gelegenheit, daß diejenigen Gestalten,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|220}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
welche die Griechen als ihre Göttergestalten gekannt haben, mit ihren Ätherleibern die ihnen vertrauten Raumlinien wahrhaftig berühren und darin wohnen konnten. Es ist mehr als eine bloße Phrase, wenn gesagt wird, daß der griechische Tempel ein Wohnhaus des Gottes ist. Der griechische Tempel hat ein Eigentümliches für den, der ein wirkliches Gefühl für solche Sachen hat, er hat das Eigentümliche, daß man sich vorstellen kann: Weit und breit wäre kein Mensch, der ihn besähe, und darinnen wäre auch niemand. Der griechische Tempel braucht keinen Menschen, der ihn anschaut, niemanden, der hineingeht. Denken Sie sich den griechischen Tempel, der allein dasteht, und weit und breit ist kein Mensch. Dann ist er, was er am intensivsten sein soll. Dann ist er die Herberge des Gottes, der darin wohnen soll, weil in den Formen der Gott wohnen kann. Nur so versteht man wirklich die griechische Baukunst, die reinste Baukunst der Welt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ägyptische Baukunst etwa in der Pyramide ist etwas ganz anderes. Wir können jetzt diese Dinge nur berühren. Da sind die Raumverhältnisse, die Raumlinien so angeordnet, daß sie in ihren Verhältnissen und Formen der zu den geistigen Welten aufschwebenden Seele die Wege weisen. Aus den Wegen, welche die Seele nimmt aus der physischen Welt in die geistige Welt hinein, haben wir die Formen gegeben, die sich in der ägyptischen Pyramide ausdrücken. Und so haben wir in jeder Art von Architektonik den nur aus der Geistigkeit heraus begreiflichen Gedanken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der romanischen Baukunst, welche den Rundbogen hat, welche zum Beispiel Kirchengebäude so angeordnet hat, daß wir Hauptschiff und Nebenschiffe, dann aber auch ein Querschiff und eine Apsis haben, so daß das Ganze Kreuzform hat und oben den Kuppelabschluß, da haben wir den Raumgedanken herausgewachsen aus der Grabstätte. Den romanischen Bau können Sie sich nicht ebenso denken wie den griechischen Tempelbau. Der griechische Tempel ist das Wohnhaus des Gottes. Der romanische Bau ist nicht anders zu denken, als daß er eine Begräbnisstätte darstellt. Die Krypta gehört dazu; nicht etwa, daß Menschen im unmittelbaren Leben nicht auch darin stehen; aber es gehört dazu, daß es eine Stätte ist, die alle Gefühle zusammenzieht, die sich auf Bewahrung und Behütung der Toten beziehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|221}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im gotischen Bau haben Sie wieder etwas anderes. So wahr es ist, daß der griechische Tempel weit und breit ohne Menschenseele gedacht werden kann: er ist doch bevölkert, weil er das Wohnhaus des Gottes ist, so wahr ist der gotische Dom, der mit den Spitzbögen oben abschließt, nicht zu denken ohne die gläubige Menge, die darinnen ist. Er ist nichts Vollständiges. Wenn er einsam dasteht, ist er nicht das Ganze. Die Menschen darinnen gehören dazu mit ihren gefalteten Händen, ebenso gefaltet wie die Spitzbögen. Erst dann ist das Ganze da, wenn die Räume erfüllt sind von den Gefühlen der andächtigen Gläubigen. Das sind die in uns wirksam werdenden Kräfte, die im physischen Leibe empfunden werden als ein Sich-Hineinfühlen in den Raum. Der wahre Künstler fühlt so den Raum und gestaltet ihn architektonisch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir jetzt heraufgehen zum Ätherleib, haben wir wiederum das, was sich die Seeleninnerlichkeit des Nachts in der geistigen Welt aneignet und sich mitbringt, wenn sie in den Ätherleib wieder hineinschlüpft. Was wir auf diese Weise als ein im Ätherleib sich Ausdrückendes haben, das empfindet der wirkliche Plastiker, der wirkliche Bildhauer, und er prägt es den lebendigen Gestalten ein. Da ist es nicht der Raumgedanke, sondern die Tendenz, mehr an der lebenden Form zu zeigen und auszugestalten, als was sich ihm in der Natur dargeboten hat. Was der griechische Künstler darin mehr gewußt hat, zum Beispiel bei dem Zeus, das ist das, was er sich mitgebracht hat aus der geistigen Welt, was sich belebt und empfunden wird, wenn es in Wechselbeziehung tritt zu dem Ätherleib.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weiter geschieht eine solche Wechselwirkung mit dem, was wir Seelenleib nennen. Wenn die Seeleninnerlichkeit zusammenkommt mit dem Seelenleib, entsteht auf dieselbe Art das Gefühl für die Führung der Linie, für die ersten Elemente der Malerei. Und dadurch, daß am Morgen die Empfindungsseele sich vereinigt mit dem Seelenleib und ihn durchdringt, entsteht das Gefühl für Farbenharmonik. So haben wir zunächst die drei Kunstformen, die mit den äußeren Mitteln arbeiten, die ihr Material aus der Außenwelt nehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dadurch nun, daß die Verstandes- oder Gemütsseele jede Nacht in die astralische Welt entflieht, geht wieder etwas anderes hervor. Wenn&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|222}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wir im Sinne der Geisteswissenschaft den Ausdruck «Verstandesseele» gebrauchen, müssen wir nicht an den trockenen, nüchternen Verstand denken, an den man denkt, wenn man im gewöhnlichen Leben von Verstand spricht. «Verstand» ist für die Geisteswissenschaft der Sinn für Harmonie, die nicht im äußeren Stoffe verkörpert werden kann, der Sinn für erlebte innere Harmonie. Deshalb sagen wir auch Verstandes- oder Gemütsseele. Wenn nun jede Nacht die Verstandes- oder Gemütsseele eintaucht in die Harmonien der astralischen Welt und sich morgens derselben im astralischen Leibe wieder bewußt wird in demselben astralischen Leibe, der ja zurückkehrt, der aber in der Nacht sich seiner Innerlichkeit nicht bewußt ist beim heutigen Menschen , da geschieht folgendes: In der Nacht lebt die Verstandes- oder Gemütsseele in dem, was wir immer die Sphärenharmonien genannt haben, die innere Gesetzmäßigkeit der geistigen Welt, jene Sphärenharmonien, auf welche die alte pythagoreische Schule hingedeutet hat als auf das, was derjenige, der bis in die geistigen Welten hinein wahrnehmen kann, als die Verhältnisse der großen geistigen Welt vernimmt. Auch Goethe deutete darauf hin, wenn er am Anfange seines «Faust» uns in den Himmel versetzt und das dadurch charakterisiert, daß er sagt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Sonne tönt nach alter Weise&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Brudersphären Wettgesang,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und ihre vorgeschriebne Reise&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vollendet sie mit Donnergang.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und er bleibt im Bilde, wenn er im zweiten Teil, wo Faust wieder hinaufgehoben wird in die geistige Welt, die Worte gebraucht:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tönend wird für Geistesohren&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon der neue Tag geboren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Felsentore knarren rasselnd,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Phöbus Räder rollen prasselnd.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Welch Getöse bringt das Licht!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es trommetet, es posaunet,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|223}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auge blinzt und Ohr erstaunet,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unerhörtes hört sich nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das heißt, die Seele lebt während der Nacht in diesen Sphärenklängen, und diese Sphärenklänge entzünden sich, indem der astralische Leib sich seiner selbst bewußt wird. In dem schaffenden Musiker haben wir keinen anderen Prozeß, als daß die Wahrnehmungen des nächtlichen Bewußtseins während des Tagesbewußtseins sich durchringen, Erinnerung werden, Erinnerungen an die astralischen Erlebnisse oder im besonderen der Verstandes- oder Gemütsseele. Alles, was die Menschheit als musikalische Kunst kennt, sind Ausdrücke, Abprägungen dessen, was unbewußt erlebt wird in den Sphärenharmonien, und musikalisch begabt sein, heißt nichts anderes, als einen astralischen Leib haben, der während des Tageszustandes empfänglich ist für das, was ihn die ganze Nacht durchschwirrt. Unmusikalisch sein heißt: diesen astralischen Leib in einem solchen Zustande haben, daß eine solche Erinnerung nicht stattfinden kann. Es ist das Hereintönen einer geistigen Welt, was der Mensch in der musikalischen Kunst erlebt. Und weil die musikalische Kunst dasjenige in unsere physische Welt hineinschafft, was nur im Astralischen entzündet werden kann, deshalb sagte ich, daß sie den Menschen mit denjenigen Wesenheiten in Zusammenhang bringt, welche zu ihrem untersten Glied den astralischen Leib haben. Mit jenen Wesenheiten lebt der Mensch in der Nacht; ihre Taten erlebt er in der Sphärenharmonie und drückt sie im Tagesleben durch seine irdische Musik aus, so daß diese Sphärenharmonien in der irdischen Musik wie ein Schattenbild erscheinen. Und indem dasjenige, was das Element dieser geistigen Wesenheiten ist, hier in diese irdische Sphäre einschlägt, unsere irdische Sphäre durchschwebt und durchlebt, haben diese geistigen Wesenheiten Gelegenheit, ihre astralischen Leiber wieder einzutauchen in das Wogenmeer der musikalischen Wirkungen, und indem die Verstandesseele ihre Taten erlebt in der Nacht und die empfundenen Eindrücke mitbringt in die physische Welt, ist zwischen diesen Wesenheiten und dem Menschen durch die Kunst eine Brücke geschaffen. Da sehen wir, wie auf einer solchen Stufe das entsteht, was wir die musikalische Kunst nennen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|224}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was vernimmt nun die Bewußtseinsseele, wenn sie in der Nacht in die geistige Welt eintaucht, ohne daß im gegenwärtigen Menschheitszyklus das dem Menschen bewußt werden kann? Sie vernimmt die Worte der geistigen Welt. Mitteilungen erhält sie zugeraunt, die sie nur aus der geistigen Welt empfangen kann. Worte werden ihr zugeraunt, und wenn diese Worte durchgebracht werden ins Tagesbewußtsein, dann erscheinen sie als die Grundkräfte der Dichtkunst, der, Poesie. So ist die Poesie das Schattenbild dessen, was die Bewußtseinsseele in der geistigen Welt während der Nacht erlebt, und wir nehmen da Gelegenheit, wirklich daran zu denken, wie der Mensch durch seine Verbindung mit höheren Welten einzig dadurch in den fünf Künsten, der Baukunst, der Bildhauerei, Malerei, Musik und Poesie, Abschattungen, Offenbarungen der geistigen Wirklichkeit hier auf unserem Erdenrund zustande bringt. Allerdings ist das nur dann der Fall, wenn die Kunst sich wirklich erhebt über die bloße äußere Sinnesanschauung. In dem, was man heute im groben Sinne Naturalismus nennt, wo der Mensch nur nachahmt, was er draußen sieht, ist nichts von dem, was er sich aus der geistigen Welt mitbringt. Und daß wir heute auf vielen Gebieten eine solche rein äußerliche Kunst haben, die nur nachahmen will, was draußen ist, ist nur ein Beweis dafür, wie die Menschen in unserer heutigen Zeit den Zusammenhang mit der geistig-göttlichen Welt verloren haben. Der Mensch, der mit all seinem Interesse aufgeht in der äußeren physischen Welt, in dem, was die äußeren Sinne nur gelten lassen wollen, bearbeitet auch durch dieses bloße Interesse an der äußeren physischen Welt seine astralische Leiblichkeit so stark, daß sie blind und taub wird in der Nacht, wenn sie in den geistigen Welten ist. Da mögen die herrlichsten Sphärenklänge ertönen, da mögen noch so hohe geistige Töne der Seele etwas zuraunen, sie bringt nichts mit in das Tagesleben! Und dann spottet der Mensch über die idealistische, über die spiritualistische Kunst und sagt, die Kunst sei doch nur dazu da, die äußere Wirklichkeit zu photographieren, denn da nur hätte sie ein Reales, ein Wirkliches unter den Füßen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So redet der Mensch, der materialistisch fühlt und empfindet, weil er die Realitäten in der geistigen Welt nicht hat. Der wahre Künstler aber redet anders. Er wird etwa sagen: «Wenn mir erklingen die Töne&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|225}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
des Orchesters, dann ist es mir so, wie wenn ich in ihnen sprechen hörte die Töne einer Urmusik, die schon erklang, als noch keines Menschen Ohr da war, um sie zu hören.» Er kann auch sagen: In dem, was in einer Symphonie ertönt, liegt eine Erkenntnis geistiger Welten, die höher, bedeutsamer ist als alles, was sich logisch beweisen und in Schlußfolgerungen auseinandersetzen läßt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese beiden Aussprüche hat Richard Wagner getan, der der Menschheit so recht zum Gefühl bringen wollte, daß da, wo wahre Kunst einsetzt, zu gleicher Zeit die Erhebung über das Äußerlich-Sinnliche da sein muß. Wenn die geisteswissenschaftliche Anschauung sagt: In dem Menschen lebt etwas, was über den Menschen hinausgeht, etwas Übermenschliches im heutigen Menschen, das in künftigen Inkarnationen immer vollkommener und vollkommener erscheinen muß, so empfindet Richard Wagner das so, daß er sagt: Ich will keine Gestalten, die vor mir stehen und so wie die Menschen des Alltags in der irdischen Sphäre über die Bühne schreiten. Er will Menschen, die herausgehoben sind über den Alltag. Daher nimmt er mythische Gestalten, die einen umfassenderen Gehalt haben als die gewöhnlichen Menschen. Das Übermenschliche sucht er in dem Menschlichen. Den ganzen Menschen mit all den geistigen Welten, wie sie hereinscheinen auf den Menschen des physischen Erdenrundes, will Richard Wagner in der Kunst hinstellen. Vor ihm standen in einem verhältnismäßig frühen Lebensalter zwei Bilder: Shakespeareund Beethoven. Shakespeare erschien ihm in seinen künstlerisch genialen Visionen so, daß er sich sagte: Nehme ich alles zusammen, was Shakespeare der Menschheit gegeben hat, so sehe ich bei Shakespeare Gestalten über die Bühne schreiten, die handeln. Handlungen und Worte sind in diesem Zusammenhang auch Handlungen gehen dann vor, wenn die Seele gefühlt hat, was nicht im Raume äußerlich sich darstellen kann, was sie schon hinter sich hat. Die Seele hat die ganze Skala von Schmerz und Leid bis zur Lust und Seligkeit gefühlt und hat empfunden, wie aus dieser oder jener Nuance diese oder jene Handlung hervorgeht. Im Shakespeare-Drama, meint Richard Wagner, erscheint alles bloß in seinem Resultat, wo es Raumgestalt gewinnt, wo es äußerliche Handlung wird. Das ist eine Dramatik, die einzig und allein das veräußerlichte Innere hinstellen kann;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|226}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und der Mensch kann höchstens ahnen, was in der Seele lebt, was während dieser Handlung vor sich geht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daneben erschien ihm das Bild des Symphonikers, und er erschaute in der Symphonie die Wiedergabe dessen, was in der Seele lebt in der ganzen Empfindungsskala von Leid und Schmerz, Lust und Seligkeit in allen Nuancen. In der Symphonie lebt es sich aus, so sagte er sich, aber es wird nicht Handlung, es tritt nicht heraus in den Raum. Und es stellte sich vor seine Seele hin ein Bild, was ihm gleichsam die Empfindung nahebrachte, daß einmal dieses Innere im künstlerischen Schaffen wie zersprungen ist, um nach außen auszuströmen. Beethoven bleibt in seinem Schaffen im musikalischen Rahmen, aus dem er nur einmal heraustritt, in der Neunten Symphonie, wo die Gefühle so mächtig angeschwollen sind, daß sie sich durch das Wort Bahn brechen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus diesen beiden Künstlererscheinungen entsprang in seiner Seele die Vision: Beethoven und Shakespeare in einem! Und wir müßten einen langen Weg gehen, wenn wir zeigen wollten, wie Richard Wagner durch seine eigenartige Behandlung des Orchesters jenen großen Einklang zu schaffen versuchte zwischen Shakespeare und Beethoven, daß das Innere sich auslebt im Ton und zu gleicher Zeit hineinfließt in die Handlung. Die Profansprache war ihm nicht genug; denn sie ist das Ausdrucksmittel für die Vorgänge des physischen Planes. Jene Sprache, die allein in den Tönen des Gesanges gegeben werden kann, wird ihm das Ausdrucksmittel für das, was über das Physisch-Menschliche als ein Übermenschliches hinauswächst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Theosophie braucht nicht bloß mit Worten ausgesprochen, mit Gedanken gefühlt zu werden. Theosophie ist Leben. Sie lebt im Weltenprozeß, und wenn von ihr gesagt wird, daß sie die verschiedenen getrennten menschlichen Seelenströmungen zusammenführen soll in einen großen Strom, so sehen wir dieses Gefühl leben in dem Künstler, der die einzelnen Ausdrucksmittel versuchte zusammenzubringen, damit in dem Einen zum Ausdruck kommt, was in der Gesamtheit lebt. Richard Wagner will nicht Musiker, nicht Dramatiker, nicht Poet sein. Alles, was wir so haben herunterrinnen sehen aus geistigen Welten, wird ihm Mittel zu einer Vereinigung in der physischen Welt mit etwas noch Höherem, weil er eine Ahnung hat von dem, was die Menschen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|227}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
erleben werden, wenn sie sich immer mehr hineinleben in jene Entwickelungsepoche, in die eben die Menschheit hineinleben muß, wo das Geistselbst oder Manas sich verbindet mit dem, was sich der Mensch seit alten Zeiten mitgebracht hat. Und eine Ahnung von jenem großen Menschheitsimpuls der Vereinigung dessen, was in den Zeiten der Getrenntheit erschienen ist, liegt bei Richard Wagner in dem Zusammenströmen der einzelnen künstlerischen Ausdrucksmittel. Mit anderen Worten, es lebte die Ahnung in ihm, wie die menschliche Kultur sein wird, wenn alles, was so die Seele erlebt, eingetaucht wird in das Geistselbstprinzip oder Manas, wo die Seele untertauchen wird in ihrer Fülle in die geistigen Welten. Geistesgeschichtlich betrachtet, ist es von tiefer Bedeutsamkeit, daß in der Kunst für die Menschheit die erste Morgenröte erschienen ist für das Entgegenleben jener Zukunft, die der Menschheit winkt, wo alles, was sich der Mensch auf den verschiedenen Gebieten erobert hat, zusammenfließen wird in einer Allkultur, in einer Gesamtkultur. In gewisser Weise sind die Künste durchaus die Vorläufer der sich offenbarenden Geistigkeit in der sinnlichen Welt. Und viel wichtiger als einzelne Behauptungen Richard Wagners in seinen Prosaschriften ist der Grundzug, der in ihnen lebt, ein religiös-weisheitsvoller, weihevoller Zug, der sie alle durchströmt und der am schönsten zum Ausdruck kommt in seiner genialen Schrift über Beethoven, wo Sie mehr zwischen den Zeilen lesen müssen, aber wo Sie den Windhauch fühlen können, in welchem sich hier die Morgenröte verkündet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So sehen wir, wie wir vom geisteswissenschaftlichen Gesichtspunkte aus solche menschlichen Verrichtungen vertiefen können, die in den menschlichen Taten sich ausleben. Wir haben es heute auf dem Gebiete der Künste gesehen, daß da der Mensch etwas tut, etwas vollbringt, wodurch, wenn wir so sagen können, die Götter bei ihm wohnen können, wodurch er den Göttern einen Aufenthalt in der irdischen Sphäre gewährt. Wenn durch Geisteswissenschaft dem Menschen zum Bewußtsein gebracht werden soll, daß die Geistigkeit in Wechselwirkung steht mit dem physischen Leben: die Kunst hat es im physischen Leben durchaus getan. Und immer wird die geistige Kunst unsere Kultur durchdringen, wenn die Menschen mit ihren Seelen überhaupt in die Geistigkeit eintauchen werden. Durch solche Betrachtungen erweitert&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|228}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sich das, was sonst in der Geisteswissenschaft als bloße Lehre, bloße Weltanschauung nur erzählt wird, zu Impulsen, die unser Leben durchdringen und uns sagen können, was da werden soll und was da werden muß. In dem Musiker und Dichter Richard Wagner ist zuerst der neue Stern aufgestiegen, der das Licht des geistigen Lebens der Erde zusendet. Immer erweitern und erweitern muß sich dieser von ihm gegebene Lebensimpuls, bis wieder das ganze äußere Leben ein Spiegelbild der Seele sein wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alles, was uns außen entgegentritt, kann ein Spiegelbild der Seele werden. Nehmen Sie das nicht als etwas Äußerliches, sondern als etwas, was man aus der Geisteswissenschaft heraus gewinnen kann. Es wird werden, wie es vor Jahrhunderten war, wo in jedem Türschloß, in jedem Schlüssel uns etwas entgegentrat, was Abbild dessen war, was der Mensch gefühlt und empfunden hatte. Ebenso wird, wenn wahres geistiges Leben wieder in der Menschheit sein wird, das ganze Leben, alles, was uns äußerlich entgegentritt, uns wieder als ein Abbild der Seele erscheinen. Profanbauten sind nur so lange Profanbauten, solange der Mensch nicht die Fähigkeit hat, in sie den Geist hineinzuprägen. Überall kann der Geist hineingeprägt werden. Das Bild des Bahnhofes kann vor uns aufleuchten, das wieder künstlerisch gedacht ist. Heute haben wir es nicht. Aber wenn man wieder fühlen wird, was Formen sein sollen, dann wird man fühlen, daß man die Lokomotive architektonisch gestalten kann, und daß der Bahnhof etwas sein könnte, was sich zur Lokomotive so verhält, wie die äußere Umhüllung zu dem, was die Lokomotive in ihren architektonischen Formen ausdrückt. Dann erst werden sie sich so verhalten wie zwei Dinge, die zusammengehören, wenn sie architektonisch gedacht sind. Dann ist es aber auch nicht gleichgültig, wie wir links oder rechts bei den Formen annehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn der Mensch lernen wird, wie sich im Äußeren das Innere ausdrückt, dann wird es wiederum eine Kultur geben. Wahrhaftig, es hat Zeiten gegeben, wo es keine romanische Baukunst noch gab, keine Gotik noch gab, als diejenigen, welche eine neue, aufgehende Kultur in ihrer Seele getragen haben, unten in den Katakomben der alten Römerstadt zusammenkamen. Aber was da in ihnen gelebt hat, was nur in&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|229}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
spärlichen Formen hineingegraben werden konnte in die alten Erdhöhlen, was Sie an den Särgen der Toten finden, das dämmerte da auf, und das ist das, was uns dann erscheint in dem romanischen Bogen, in der romanischen Säule, in der Apsis. Hinausgetragen worden ist der Gedanke in die Welt. Hätten die ersten Christen nicht den Gedanken in der Seele getragen, er würde uns nicht in dem entgegentreten, was Weltkultur geworden ist. Der Theosoph fühlt sich nur dann als Theosoph, wenn er sich bewußt ist, daß er in seiner Seele eine zukünftige Kultur trägt. Mögen ihm dann die anderen sagen: Was hast du denn schon geleistet? Dann sagt er sich: Ja, was haben denn die Katakombenchristen geleistet, und was ist daraus geworden!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Versuchen wir das, was als geringer Empfindungsimpuls in unserer Seele lebt, wenn wir zusammensitzen, im Geiste zu erweitern, wie etwa der Christen Gedanken sich hatten erweitern können zu den Bogenwundern des späteren Domes. Denken wir uns das in solchen Stunden, wo wir beisammen sind, nach außen sich erweitern und hinausgetragen in die Welt. Dann haben wir jene Impulse in uns, die wir haben sollen, wenn wir uns bewußt sind, daß Theosophie nicht eine Liebhaberei sein soll für einzelne, die zusammensitzen, sondern etwas, was hinausgetragen werden soll in die Welt. Die Seelen, die hier in ihren Leibern sitzen, werden, wenn sie wiederverkörpert erscheinen, mancherlei von dem schon verwirklicht finden, was heute in ihnen lebt. Solche Gedanken nehmen wir mit, wenn wir in einer Saison zum letztenmal zusammen sind und die geisteswissenschaftlichen Gedanken des Winters verarbeiten. Setzen wir die geisteswissenschaftlichen Gedanken so um, daß sie als Kulturimpulse wirken sollen. Versuchen wir, unsere Seele so mit Empfindungen und Gefühlen zu durchtränken, und lassen wir das dem Sommersonnenschein entgegenleben, der uns von außen, im Physischen, die wirkende kosmische Kraft zeigt. Dann wird unsere Seele immer mehr die Stimmung erhalten und fähig sein, dasjenige in die äußere Welt zu tragen, was sie in den geistigen Welten erlebt. Das gehört dazu zur Entwickelung des Theosophen. So werden wir wieder ein Stück vorwärtskommen, wenn wir solche Gefühle und Empfindungen mit uns nehmen und mit ihnen die Stärkung des Sommers aufnehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|230}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|231}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Notizbucheintragungen zum Vortrag 16. Mai 1908 =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Archiv-Nr. NB 352&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
16. 5. 1908 Loge Berlin&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das zu grosse Verknüpftsein mit / der Rasse bringt die Seele in die [...]  / zum Festhalten an der Rasse / &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann aber zurückkehren zur / Gruppenseele. Gnomen: meiden das fruchtbare Erdreich&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Undinen: führen eine Art Krieg gegen / alle Wassertiere.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|232}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Elementargeiste Leib, Seele&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bewußtseinsseele kann nur genügend / ausgebildet werden durch Untertauchen / in den phys. Leib.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn nun die Gelegenheit nicht genügend / benutzt wird, so bleibt die Bewußtseinsseele infantil.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie kann dann in der Zukunft nicht / die Kräfte haben, um ihrerseits / einen genügenden phys. Leib / auszubilden. Sie waltet fort / als Naturgeist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Warum sich die Affen nicht / vervollkommnen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|233}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Hinweise =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu dieser Ausgabe&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die im vorliegenden Band zusammengefaßten Vorträge aus dem ersten Halbjahr 1908 hielt Rudolf Steiner im Berliner Besant-Zweig der Theosophischen Gesellschaft. Sie waren Teil einer kontinuierlichen Arbeit über die Grundlagen der anthroposophisch orientierten Geisteswissenschaft und schließen an die Vorträge vom Oktober und November 1907 (in GA 101) an; sie fanden also vor Hörern statt, die mit der Anthroposophie seit längerem vertraut waren. Über das Hereinwirken geistiger Wesenheiten in den Menschen hat Rudolf Steiner zu dieser Zeit auch in verschiedenen anderen Städten gesprochen; diese Vorträge sind publiziert im Band «Natur- und Geistwesen, ihr Wirken in unserer sichtbaren Welt», GA 98.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einer Weisung Rudolf Steiners entsprechend ist das Wort «Theosophie» in den früheren Auflagen da, wo es angängig war, durch die Worte «Geisteswissenschaft» oder «Anthroposophie» ersetzt worden. Rudolf Steiner wünschte Verwechslungen mit der Theosophischen Gesellschaft zu vermeiden, von der sich die Anthroposophische Gesellschaft in einem schweren Konflikt 1912 getrennt hatte. Diese Abänderung ist in der vorliegenden Ausgabe beibehalten worden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Textgrundlagen: Die Nachschriften dieses Vortragsbandes gehen mit Ausnahme des Vortrages vom 13. Mai 1908 auf Stenogramme von Walter Vegelahn zurück, der viele Vorträge Rudolf Steiners vor und während des ersten Weltkrieges mitgeschrieben hat. Der Vortrag vom 13. Mai 1908 wurde mitgeschrieben von Clara Michels und Magdalena von Spaun. Für einige Vorträge liegen auch Nachschriften vor von Johanna Mücke, Franz Seiler, Agnes Friedländer oder Katharina Schallert; diese Unterlagen wurden ergänzend herangezogen, wodurch einige kleinere Ergänzungen und Berichtigungen schon für die zweite und dritte Auflage eingearbeitet werden konnten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die 4. Auflage 2001 ist textlich unverändert. Sie wurde nochmals durchgesehen von Anna Maria Balastèr und Ulla Trapp; die Hinweise wurden erweitert und ein Namenregister sowie Notizbucheintragungen Rudolf Steiners zum Vortrag vom 16. Mai 1908 hinzugefügt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Titel des Bandes geht auf den Herausgeber der ersten Buchauflage zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Zeichnungen im Text wurden von Hedwig Frey nach den von den Stenographen festgehaltenen Skizzen erstellt. Originale der Wandtafelzeichnungen sind nicht erhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|234}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einzelausgaben&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
13. April 1908: «Ostern, das Mysterium der Zukunft», Dornach 1953&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
13. Mai 1908: 2. Vortrag in «Das Christentum hat begonnen als Religion, aber es ist größer als alle Religionen». Freiburg i. Br. 1952&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
13. April und 13. Mai 1908: «Ostern, das Mysterium der Zukunft. Das Christentum hat begonnen als Religion, aber es ist größer als alle Religionen». Dornach 1961, 1980, 1994.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Veröffentlichungen in Zeitschriften&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
6. und 27. Januar, 15. und 19. Februar, 16. und 24. März, 20. April, 16: Mai, 1. und 11. Juni 1908 in «Blätter für Anthroposophie» (damals noch unter dem Titel «Mitteilungen für die Mitglieder der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft») 2. Jg., Basel 1950, Nrn. 3-11; 3. Jg. 1951, Nrn. 1 und 2.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
13. April 1908 mit dem Titel «Ostern, das Mysterium der Zukunft« im «Nachrichtenblatt» 1935, 12. Jg., Nrn. 16-18.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
13. Mai 1908 mit dem Titel «Das Christentum hat begonnen als Religion, aber es ist größer als alle Religionen», im «Nachrichtenblatt» 1936, 13. Jg., Nrn. 24-27.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hinweise zum Text&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Werke Rudolf Steiners innerhalb der Gesamtausgabe (GA) werden in den Hinweisen mit der Bibliographie-Nummer angegeben. Siehe auch die Übersicht am Schluß des Bandes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu Seite:&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|13&lt;br /&gt;
|Aus den Vorträgen, die in  letzter Zeit hier gehalten worden sind: Die  vorangegangenen Vorträge im Besant-Zweig hatten im Oktober und November 1907  stattgefunden; sie sind publiziert im Band «Mythen und Sagen», GA 101.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|24&lt;br /&gt;
|als es Ihnen in früheren  Vorträgen schon dargestellt werden konnte menschliche Nahrung: Zum Beispiel im Berliner Vortrag vom 4. November 1905, in  «Grundelemente der Esoterik», GA 93a.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|Vortrag über das Vaterunser:  In Berlin am 28. Januar 1907 gehalten, in  «Ursprungsimpulse der Geisteswissenschaft», GA 96.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|26&lt;br /&gt;
|Interessantes Buch über  einen kleinen Hof: Vladan Georgewitsch, «Das Ende  der Obrenowitsch», Leipzig 1905. Bei der «Person» handelt es sich um Draga  Maschin, die am 11. Juni 1903 zusammen mit König Alexander I. von Serbien in  Belgrad ermordet wurde.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|29&lt;br /&gt;
|Richard Wagner, 18131883, schuf u. a. die Musikdramen «Tristan und Isolde»,  «Tannhäuser», «Ring des Nibelungen», «Parsifal».&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|30&lt;br /&gt;
|Sie haben aus vorhergehenden  Vorträgen gesehen: Im ersten Vortrag dieses Bandes.  Siehe Hinweise auch zu S. 13 und 24.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|{{SE|235}}&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|30&lt;br /&gt;
|was wir öfter schon hervorgehoben haben: Siehe Hinweis zu S. 13  und 24.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|36&lt;br /&gt;
|Wie Himmelskräfte auf- und  niedersteigen : Goethe, «Faust» I, Vers 449-450.  39 «Wesenheiten ganz voller Augen»: Apokalypse 4, 6-8.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|39&lt;br /&gt;
|«Wesenheiten ganz voller Augen»: Apokalypse 4,6-8&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|41&lt;br /&gt;
|wenn er sein Ich  «durchgedrückt» hat: Der Ausdruck «durchgedrückt»  steht in allen vier Nachschriften.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|42&lt;br /&gt;
|des sich opfernden Lammes: Apokalypse 5, 6ff.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|45&lt;br /&gt;
|Kant-Laplacesche Theorie: Zusammenfassung der Ansichten von Immanuel Kant (17241804) und Pierre  Simon de Laplace (17491827, französischer Mathematiker und Astronom) über die  Entstehung unseres Planetensystems.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|46&lt;br /&gt;
|in einer amerikanischen  Zeitschrift: Weder der Forscher noch die  Zeitschrift konnten bis jetzt ermittelt werden.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|50&lt;br /&gt;
|in einem vorhergehenden  Vortrag: Zum Beispiel am 26. 12. 1907 in GA 101.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|55&lt;br /&gt;
|was kürzlich in einem Berner  Laboratorium gefunden worden ist: Siehe den  Aufsatz von Prof. Dr. Emil Bürgi (Bern): «Chlorophyll und Chlorosan»,  veröffentlicht in «Korrespondenzblatt für Schweizer Ärzte», Nr. 15, April  1916, wiederabgedruckt mit dem Titel «Das Chlorophyll als Pharmakon», Georg  Thieme Verlag, Leipzig 1932. Bürgi beschreibt darin seine mehrjährigen  Forschungen und Untersuchungen, die er, auch in Zusammenarbeit mit anderen  Wissenschaftlern, gemacht hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 Daß Rudolf Steiner bereits 1908 in  dieser Vortragsreihe auf diese Untersuchungen hinweisen konnte, ist wohl  darauf zurückzuführen, daß er die Familie Bürgi (Bern) persönlich kannte.  Frau Prof. Bürgi war Mitglied der Theosophischen, später Anthroposophischen  Gesellschaft und Zweigleiterin des Berner Johannes-Zweiges.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|daß man gar nicht von einem  Zusammenhange des Chlorophylls mit dem Blute reden könnte: Daß ein Zusammenhang besteht, stellt Bürgi dar (S. 9ff. in seinem  Buche) ebenso wie er den Unterschied hervorhebt. Blut ist eine ähnliche  Verbindung mit Eisen, wie Chlorophyll mit Magnesium. Wörtlich (S. 10): «In  ihm (dem Chlorophyll) ist, wie überhaupt im Chlorophyll und vielen seiner  Derivate, das Magnesium ähnlich gebunden wie das Eisen in den  Blutfarbstoffen.»&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|67&lt;br /&gt;
|was ich in früheren Vorträgen schon erwähnt  habe Saturn: Siehe den Vortrag vom 2. Juni 1907, in GA 99.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|69&lt;br /&gt;
|Wie wir es beute so herrlich  weit gebracht haben: «Und wie wirs dann zuletzt  so herrlich weit gebracht.» Ausspruch Wagners in Goethes «Faust» I, Nacht,  Vers 573.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|72&lt;br /&gt;
|4. Zeile von unten: in dem  leben und weben sie: Abweichender Text in einer Nachschrift: «Ihr  niederstes Glied ist Geistselbst oder Manas, das nun den Mantel bildet, der  die ganze Erde umgibt als der Geist, von dem es heißt Denn in ihm leben,  weben und sind wir.» (Worte des Paulus, Apostelgeschichte 7,28.) Siehe dazu  auch die S. 78 und 81 dieses Bandes.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|76&lt;br /&gt;
|«Aus der Akasha-Cbronik»: Aufsätze aus den Jahren 19041908, erstmals erschienen in der  Zeitschrift «Lucifer-Gnosis». In der Gesamtausgabe GA 11, Kapitel Unsere  atlantischen Vorfahren.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|82&lt;br /&gt;
|«Akasha-Chronik»: Siehe GA 11, Vorwort.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|{{SE|236}}&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|86&lt;br /&gt;
|Ich habe Ihnen schon einmal angedeutet, daß  die Sage von den Zyklopen: Zum Beispiel im Vortrag vom 17. März 1908, in GA  98.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|89&lt;br /&gt;
|Chladnische Klangfiguren: Wurden entdeckt von dem deutschen Physiker Ernst Chladni (17561827).&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|94&lt;br /&gt;
|So zeigt sich der umgekehrte  Gang von früher: Siehe den sechsten Vortrag  dieses Bandes, S. 96ff.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|95&lt;br /&gt;
|Wir werden in einem der nächsten Abende gerade  zeigen müssen:  Siehe den sechsten Vortrag dieses Bandes, S. 114.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|96&lt;br /&gt;
|Es ist doch in verschiedenen  früheren Vorträgen behauptet worden: Zum Beispiel  im Vortrag vom 2. Juni 1907, in «Die Theosophie des Rosenkreuzers», GA 99.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|100&lt;br /&gt;
|Sugambrer, Heruler,  Brukterer, Cherusker: Germanische Volksstämme im  westlichen Deutschland zur Zeit der Völkerwanderung.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|«Ich und der Vater Abraham sind eins»: Paulus, Römer 4, 16.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|101&lt;br /&gt;
|Und wir wissen, daß das Alter der alten  Patriarchen:  1, Mos. 5.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|102&lt;br /&gt;
|spinozistischen Gottesliebe:  Baruch de Spinoza, Philosoph (1632-1677). Siehe  sein Hauptwerk «Ethik».&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|103&lt;br /&gt;
|es sind das andere Geister  der Weisheit: Siehe dazu den vierten Vortrag in  diesem Band, S. 66.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|107&lt;br /&gt;
|«Sie verhüllten ihr Antlitz  vor dem mystischen Lamm»: Siehe hierzu C. G.  Harrison, «Das Transcendentale Weltenall», Reprint der ersten deutschen  Ausgabe, Stuttgart 1990, im sechsten Vortrag: Die Urkräfte des Lichtes,  vollkommene und selige Ausflüsse der göttlichen Weisheit, erkannten in der  göttlichen Liebe eine Absicht, noch himmelhoch über alles hinausragend, was  die höchste Weisheit begreifen konnte. Es war nichts Geringeres als die  Erlösung des Körpers durch das Opfer; und vor diesem Geheimnis legten sie die  Kronen der Weisheit nieder zu den Füßen des mystischen Lammes und  verschleierten ihr Antlitz in Anbetung. (Apk. 4, 10-11: fielen die  vierundzwanzig Ältesten nieder vor dem, der auf dem Stuhl saß und beteten an  den, der da lebt von Ewigkeit zu Ewigkeit und warfen ihre Kronen vor den  Stuhl und sprachen: Herr, du bist würdig, zu nehmen Preis und Ehre und Kraft,  denn du hast alle Dinge geschaffen, und durch deinen Willen haben sie das  Wesen und sind geschaffen).&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|110&lt;br /&gt;
|jüngstes Gericht, Auferstehung: Joh. 6, 39-40.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|112&lt;br /&gt;
|«Wer nicht verläßt Vater und  Mutter »: Luk. 14, 26 und 18, 29-30; Matth. 10,  37.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|113&lt;br /&gt;
|Hammurabi, 17931750 v. Chr., König von Babylon. Er ließ das babylonische Recht  kodifizieren.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|114&lt;br /&gt;
|«Ich und der Vater Abraham sind eins»: Paulus,  Römer 4, 16. «Ich und der Vater sind eins»: Joh. 10, 30.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|«Am Anfang war das Licht»: Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde. Und Gott sprach: Es werde  Licht, und es ward Licht. 1. Mose 1, 3.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|«was da war, was da sein  wird»: «Ich bin, was da war, was da ist, was da  sein wird » Nach Plutarch (über Isis und Osiris). Inschrift auf dem  Isis-Tempel zu Sais in Ägypten.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|{{SE|237}}&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|117&lt;br /&gt;
|Arbeit in den drei  nördlichen Ländern: Im März und April 1908 hielt  Rudolf Steiner Vorträge in Lund, Malmö, Stockholm, Uppsala, Kristiana (Oslo),  Göteborg und Kopenhagen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|118&lt;br /&gt;
|Der sogenannte Silberne  Kodex: Der gotische Bischof Wulfila (griechisch  Ulfilas) übertrug im 4. Jh. n. Chr. die Bibel ins Gotische. Die ehrwürdigste  aller germanischen Handschriften ist mit silbernen und goldenen Lettern auf  purpurgefärbtes Pergament geschrieben. Sie ist nur noch teilweise erhalten,  wurde im 16. Jahrhundert in der Abtei Werden an der Ruhr entdeckt, kam nach  Prag, dann nach Schweden, wurde von da nach Holland verschleppt und dort mit  einem kostbaren Silbereinband versehen (daher der Name codex  argenteus). Heute in der Universitätsbibliothek Uppsala.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|Der öffentliche Vortrag in  Stockholm: «Über den leitenden Gedanken im  Nibelungenring») fand am 1. April 1908 statt. (Keine Nachschrift vorhanden.)&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|119&lt;br /&gt;
|Der erste Seelenkeim des  «Parsifal»: «Am Karfreitag (1857, im Asyl am  grünen Hügel, kleines Landhaus neben der Villa Wesendonk in Zürich) erwachte  ich bei vollem Sonnenschein: das Gärtchen war ergrünt, die Vögel sangen, und  endlich konnte ich mich auf die Zinne des Häuschens setzen, um der langersehnten,  verheißungsvollen Stille mich zu erfreuen. Hiervon erfüllt, sagte ich mir  plötzlich, daß heute ja Karfreitag sei und entsann mich, wie bedeutungsvoll  diese Mahnung mir schon einmal in Wolframs Parsifal aufgefallen war.»  (Richard Wagner: Mein Leben II.)&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|ist später im «Parsifal»: Er wurde vollendet Sommer 1882.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|120&lt;br /&gt;
|Betrachtung, wo wir Weihnachten zu begreifen  versuchten aus den Tiefen des Mysterienwesens heraus: Im Vortrag vom 17.  Dezember 1906, in GA 96.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|122&lt;br /&gt;
|Sagen und Mythen: Vgl. «Mythen und Sagen», vier Vorträge in  Berlin am 7., 14., 21. und 28. Oktober 1907, GA 101.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|127&lt;br /&gt;
|bei den althellenischen  Atomisten: Vor allem Demokrit und Epikur. Siehe  Rudolf Steiners «Die Rätsel der Philosophie, in ihrer Geschichte als Umriß  dargestellt» (1914), GA 18.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|131&lt;br /&gt;
|ein psychologisches Buch: «Abriß der Psychologie» (Leipzig 1908) von Hermann Ebbinghaus  (1850-1909). Die fraglichen Ausführungen stehen auf Seite 34 f, im Abschnitt  über «Wechselwirkung und Parallelismus». Darin wendet sich Ebbinghaus gegen  die Anschauung, das Gehirn sei ein Werkzeug der Seele und entscheidet sich  unter Berufung auf das Prinzip von der Erhaltung der Energie und die Versuche  von Rubner und Atwater für den psycho-physischen Parallelismus.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|134&lt;br /&gt;
|«Den ihr suchet, der ist  nicht mehr da!»: «Ich weiß, daß ihr Jesum, den  Gekreuzigten suchet. Er ist nicht hier. Er ist auferstanden.» Matth. 28, 5,6  u. a.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|Die große Synthesis: Über den Gegensatz und das Zusammenwirken des Weihnachts- und des  Ostergedankens siehe u. a. den Vortrag vom 27. März 1921, in GA 203.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|139&lt;br /&gt;
|geradeso wie wir es beschrieben haben: Im Vortrag vom 1. Juli  1906, in GA 94.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|144&lt;br /&gt;
|aber Sie brauchen nur im  Buche Henoch nachsehen: In «Altjüdisches  Schrifttum, außerhalb der Bibel», übersetzt und erläutert von Paul Riessler  (Dr. Benno Filser Verlag, Augsburg 1928), werden im 20. Kapitel des  Henoch-Buches (S. 368/369) die Erzengel aufgeführt: Uriel, Raphael, Raguel,  Michael, Sarakael, Gabriel,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|{{SE|238}}&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|Remiel, im 40. Kapitel (S. 378/379) die vier  Erzengel: Michael, Raphael, Gabriel und Phanuel.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|144&lt;br /&gt;
|So war nämlich auch einer  der Erzengel Phanuel: Von ihm heißt es im  Henochbuch (S. 379), « und der vierte, der über die Buße und die Hoffnung der  Erben des ewigen Lebens gesetzt ist».&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|So gibt es da einen  Erzengel, Surakiel nannte man ihn früher: Von ihm  heißt es im Henochbuch (S. 369), «Sarakael, einer der heiligen Engel, ist  über die Geister, die die anderen Geister zur Sünde veranlassen, gesetzt.»&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|146&lt;br /&gt;
|Giordano Bruno, 15481600, italienischer Philosoph. Seine Lehre von der Unendlichkeit  des Universums und der Vielheit der Welten brachte ihn in Konflikt mit dem  kirchlichen Dogma. Er endete auf dem Scheiterhaufen der Inquisition.  Hauptwerk «Dellinfinito universo e mondi», 1584.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|147&lt;br /&gt;
|Ich habe darauf aufmerksam machen können, wie  von jeder Hierarchie der Geister gewisse Wesenheiten zurückbleiben: Siehe hierzu vor allem  «Die Geheimwissenschaft im Umriß», GA 13, Kapitel Die Weltentwickelung und  der Mensch.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|148&lt;br /&gt;
|in diesem wunderbaren Teil des Evangeliums: Matth. Kap. 3, Markus  Kap. 4, Lukas, Kap. 1.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|149&lt;br /&gt;
|die wir kennengelernt haben als Jahve: Siehe S. 57 und 108  dieses Bandes.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|158&lt;br /&gt;
|«Wir haben unsere Hände in  seine Wunde gelegt »: «Das da von Anfang war, ,  das wir gesehen haben mit unseren Augen, das unsere Hände betastet haben »  Erster Brief Joh. 1,1, auch Joh. 20, 25-29.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|162&lt;br /&gt;
|einiges gesagt werden soll  für vorgeschrittene Theosophen: Siehe die  einführenden Worte im ersten und dritten Vortrag dieses Bandes.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|165&lt;br /&gt;
|Man nennt sie  «Elementargeister» in den verschiedenen theosophischen Lehren: Wir verweisen hier u. a. auf Paracelsus «Liber de Nymphis, Sylphis,  Pygmaeis et Salemandris».&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|182&lt;br /&gt;
|«Ihr werdet die Wahrheit erkennen, und die  Wahrheit wir euch frei machen»: Joh. 8, 32.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|184&lt;br /&gt;
|Sylphen, auch Lemuren: Siehe Hinweis zu S. 165. Der Ausdruck «Lemuren» für Sylphen konnte  nicht nachgewiesen werden. Vielleicht ein Hörfehler des Stenographen?&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|187&lt;br /&gt;
|ausspintisiert wird über  All-Wesen und All-Beseeltheit: Rudolf Steiner  spielt hier wohl an auf Persönlichkeiten wie Bruno Wille (1860 1928) mit  seinem Roman «Offenbarungen des Wacholderbaumes», und auf den Schriftsteller  Wilhelm Bölsche (1861-1939). Siehe «Mein Lebensgang», GA. 28, XXIX. Kapitel.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|190&lt;br /&gt;
|Patriarchengeschichte des Alten Testaments: 1. Mos. 5.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|191&lt;br /&gt;
|«Bevor Abraham war, war das Ich»: Joh. 8, 58.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|192&lt;br /&gt;
|«Denn die Juden hielten keine Gemeinschaft mit den Samaritern»: Joh. 4, 9.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|193&lt;br /&gt;
|Ich habe schon einmal darauf aufmerksam  gemacht Mathematik: Im Vortrag vom 27. November 1903, in GA 52.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|210&lt;br /&gt;
|Wir haben darauf  hingewiesen: Im siebenten Vortrag dieses Bandes,  S. 124.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|{{SE|239}}&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|212&lt;br /&gt;
|ein bedeutender Architekt: Freiherr Heinrich von Ferstel, 18281883.  Erbauer u. a. der Votivkirche in Wien.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|213&lt;br /&gt;
|durch das Herabsteigen der «feurigen Zungen»: Apostelgeschichte 2,3.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|219&lt;br /&gt;
|Arnold Böcklin, 18271901, Schweizer Maler. Das Bild «Pietà» befindet sich im  Kunstmuseum Basel.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|222&lt;br /&gt;
|«Die Sonne tönt nach alter  Weise »: Goethe, «Faust» I, Prolog im Himmel,  Vers 243ff.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|«Tönend wird für  Geistesohren »: «Faust» II, Vers 46674674, Worte  des Ariel.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|224&lt;br /&gt;
|«Wenn mir erklingen die Töne  des Orchesters »: Zitat aus Richard Wagner, «Eine  Pilgerfahrt zu Beethoven», Gesammelte Schriften, Band 7, S. 98, wörtlich: «In  den Instrumenten repräsentieren sich die Urorgane der Schöpfung und der  Natur; das, was sie ausdrücken, kann nie klar  bestimmt und festgesetzt werden, denn sie geben die Urgefühle selbst wieder,  wie sie aus dem Chaos der ersten Schöpfung hervorgingen, als es selbst vielleicht noch nicht einmal Menschen gab, die  sie in ihr Herz aufnehmen konnten.»&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|225&lt;br /&gt;
|In dem, was in einer  Symphonie ertönt: Dieses Zitat konnte bis jetzt  nicht ermittelt werden, doch ist der in ihm ausgesprochene Gedanke in der  Schrift «Beethoven», die zum hundertsten Geburtstage Beethovens von Wagner in  Triebschen geschrieben wurde, ausführlich dargestellt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|Diese beiden Aussprüche hat  Richard Wagner getan: «Richard Wagners Gesammelte  Schriften», herausgegeben von Julius Kapp, Leipzig 1914.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|William Shakespeare, 15641616. Ludwig van Beethoven, 17701827. Zu  diesen Ausführungen siehe die Schrift Richard Wagners, «Beethoven».  Gesammelte Schriften, Band 8, S. 189ff.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|226&lt;br /&gt;
|in der Neunten Symphonie: Siehe dazu auch die Schrift «Beethoven», S. 181ff.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|Beethoven und Shakespeare in  einem: Siehe Richard Wagner, «Mein Leben»,  München 1911, Band I, S. 41: «In mir entstand bald ein Bild erhabenster,  überirdischer Originalität (von Beethoven, der gerade gestorben war), mit  welcher sich durchaus nichts vergleichen ließ. Dieses Bild floß mit dem  Shakespeares in mir zusammen. In ekstatischen Träumen begegnete ich beiden,  sah und sprach sie, beim Erwachen schwamm ich in Tränen.» Wagner war zu der  Zeit vierzehn Jahre alt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|227&lt;br /&gt;
|in seiner genialen Schrift über Beethoven:  Siehe Hinweis zu S. 224/225.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Namenregister =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|240}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Namenregister&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(H = Hinweis / * = ohne Namensnennung)&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|Beethoven, Ludwig van 225, 226&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Böcklin, Arnold 219&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bruno, Giordano 146&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bürgi, Emil 55&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Chladni, Ernst 89&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ebbinghaus, Hermann 131&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ferstel, Heinrich von 212 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Georgevitsch, Vladan 26&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Goethe, Johann Wolfgang von 36, 69&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hammurabi 113&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|Kant, Immanuel 45&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Laplace, Pierre Simon de 45&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Shakespeare, William 225, 226&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Spinoza, Baruch de 102&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Steiner, Rudolf, Schriften:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 Aus der Akasha-Chronik (GA 11) 76, 82&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 Theosophie (GA 9) 77&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wagner, Richard 29, 224, 225, 227&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wulfila 118&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|243}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Über die Vortragsnachschriften =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus Rudolf Steiners Autobiographie »Mein Lebensgang« (35. Kap., 1925)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es liegen nun aus meinem anthroposophischen Wirken zwei Ergebnisse vor; erstens meine vor aller Welt veröffentlichten Bücher, zweitens eine große Reihe von Kursen, die zunächst als Privatdruck gedacht und verkäuflich nur an Mitglieder der Theosophischen (später Anthroposophischen) Gesellschaft sein sollten. Es waren dies Nachschriften, die bei den Vorträgen mehr oder weniger gut gemacht worden sind und die wegen mangelnder Zeit nicht von mir korrigiert werden konnten. Mir wäre es am liebsten gewesen, wenn mündlich gesprochenes Wort mündlich gesprochenes Wort geblieben wäre. Aber die Mitglieder wollten den Privatdruck der Kurse. Und so kam er zustande. Hätte ich Zeit gehabt, die Dinge zu korrigieren, so hätte vom Anfange an die Einschränkung «Nur für Mitglieder» nicht zu bestehen gebraucht. Jetzt ist sie seit mehr als einem Jahre ja fallen gelassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier in meinem «Lebensgang» ist notwendig, vor allem zu sagen, wie sich die beiden: meine veröffentlichten Bücher und diese Privatdrucke in das einfügen, was ich als Anthroposophie ausarbeitete.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer mein eigenes inneres Ringen und Arbeiten für das Hinstellen der Anthroposophie vor das Bewußtsein der gegenwärtigen Zeit verfolgen will, der muß das an Hand der allgemein veröffentlichten Schriften tun. In ihnen setzte ich mich auch mit alle dem auseinander, was an Erkenntnisstreben in der Zeit vorhanden ist. Da ist gegeben, was sich mir in «geistigem Schauen» immer mehr gestaltete, was zum Gebäude der Anthroposophie allerdings in vieler Hinsicht in unvollkommener Art wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben diese Forderung, die «Anthroposophie» aufzubauen und dabei nur dem zu dienen, was sich ergab, wenn man Mitteilungen aus der Geist-Welt der allgemeinen Bildungswelt von heute zu übergeben hat, trat nun aber die andere, auch dem voll entgegenzukommen, was aus der Mitgliedschaft heraus als Seelenbedürfnis, als Geistessehnsucht sich offenbarte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da war vor allem eine starke Neigung vorhanden, die Evangelien und den Schrift-Inhalt der Bibel überhaupt in dem Lichte dargestellt zu hören, das sich als das anthroposophische ergeben hatte. Man wollte in Kursen über diese der Menschheit gegebenen Offenbarungen hören.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|244}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Indem interne Vortragskurse im Sinne dieser Forderung gehalten wurden, kam dazu noch ein anderes. Bei diesen Vorträgen waren nur Mitglieder. Sie waren mit den Anfangs-Mitteilungen aus Anthroposophie bekannt. Man konnte zu ihnen eben so sprechen, wie zu Vorgeschrittenen auf dem Gebiete der Anthroposophie. Die Haltung dieser internen Vorträge war eine solche, wie sie eben in Schriften nicht sein konnte, die ganz für die Öffentlichkeit bestimmt waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich durfte in internen Kreisen in einer Art über Dinge sprechen, die ich für die öffentliche Darstellung, wenn sie für sie von Anfang an bestimmt gewesen wären, hätte anders gestalten müssen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So liegt in der Zweiheit, den öffentlichen und den privaten Schriften, in der Tat etwas vor, das aus zwei verschiedenen Untergründen stammt. Die ganz öffentlichen Schriften sind das Ergebnis dessen, was in mir rang und arbeitete; in den Privatdrucken ringt und arbeitet die Gesellschaft mit. Ich höre auf die Schwingungen im Seelenleben der Mitgliedschaft, und in meinem lebendigen Drinnenleben in dem, was ich da höre, entsteht die Haltung der Vorträge.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist nirgends auch nur in geringstem Maße etwas gesagt, was nicht reinstes Ergebnis der sich aufbauenden Anthroposophie wäre. Von irgend einer Konzession an Vorurteile oder Vorempfindungen der Mitgliedschaft kann nicht die Rede sein. Wer diese Privatdrucke liest, kann sie im vollsten Sinne eben als das nehmen, was Anthroposophie zu sagen hat. Deshalb konnte ja auch ohne Bedenken, als die Anklagen nach dieser Richtung zu drängend wurden, von der Einrichtung abgegangen werden, diese Drucke nur im Kreise der Mitgliedschaft zu verbreiten. Es wird eben nur hingenommen werden müssen, daß in den von mir nicht nachgesehenen Vorlagen sich Fehlerhaftes findet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Urteil über den Inhalt eines solchen Privatdruckes wird ja allerdings nur demjenigen zugestanden werden können, der kennt, was als Urteils-Voraussetzung angenommen wird. Und das ist für die allermeisten dieser Drucke mindestens die anthroposophische Erkenntnis des Menschen, des Kosmos, insofern sein Wesen in der Anthroposophie dargestellt wird, und dessen, was als «anthroposophische Geschichte» in den Mitteilungen aus der Geist-Welt sich findet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Glossar ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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= Literatur =&lt;br /&gt;
* [[a:Rudolf Steiner|Rudolf Steiner]]: &#039;&#039;Das Hereinwirken geistiger Wesenheiten in den Menschen&#039;&#039;, [[GA 102]] (2001), ISBN 3-7274-1020-5 {{Vorträge|102}}&lt;br /&gt;
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{{GA}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:GA 102 Das Hereinwirken geistiger Wesenheiten in den Menschen|!]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:GA]] [[Kategorie:GA (Mitgliedervorträge)]] [[Kategorie:Gesamtausgabe]]&lt;br /&gt;
[[en:GA 102]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>ElkeJura</name></author>
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		<title>GA 120</title>
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		<updated>2026-01-14T19:47:03Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;ElkeJura: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Artikel oben}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:GA120.jpg|thumb|{{RSV|120}}]]&lt;br /&gt;
__NOTOC__&lt;br /&gt;
&amp;lt;div class=&amp;quot;center&amp;quot; &amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;h3&amp;gt;RUDOLF STEINER&amp;lt;/h3&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;h3&amp;gt;VORTRÄGE&amp;lt;/h3&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;h4&amp;gt;VORTRÄGE VOR MITGLIEDERN&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
DER ANTHROPOSOPHISCHEN GESELLSCHAFT&amp;lt;/h4&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;h3&amp;gt;Die Offenbarungen&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
des Karma&amp;lt;/h3&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;h5&amp;gt;Ein Zyklus von elf Vorträgen&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
gehalten in Hamburg&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
zwischen dem 16. und 28. Mai 1910&amp;lt;/h5&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;h3&amp;gt;GA 120&amp;lt;/h3&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;h3&amp;gt;1992&amp;lt;/h3&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Inhaltsverzeichnis =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[GA 120#ERSTER VORTRAG Hamburg, 16. Mai 1910|ERSTER VORTRAG Hamburg, 16. Mai 1910]]&lt;br /&gt;
* [[GA 120#ZWEITER VORTRAG Hamburg, 17. Mai 1910|ZWEITER VORTRAG Hamburg, 17. Mai 1910]]&lt;br /&gt;
* [[GA 120#DRITTER VORTRAG Hamburg, 18. Mai 1910|DRITTER VORTRAG Hamburg, 18. Mai 1910]]&lt;br /&gt;
* [[GA 120#VIERTER VORTRAG Hamburg, 19. Mai 1910|VIERTER VORTRAG Hamburg, 19. Mai 1910]]&lt;br /&gt;
* [[GA 120#FÜNFTER VORTRAG Hamburg, 20. Mai 1910|FÜNFTER VORTRAG Hamburg, 20. Mai 1910]]&lt;br /&gt;
* [[GA 120#SECHSTER VORTRAG Hamburg, 21. Mai 1910|SECHSTER VORTRAG Hamburg, 21. Mai 1910]]&lt;br /&gt;
* [[GA 120#SIEBENTER VORTRAG Hamburg, 22. Mai 1910|SIEBENTER VORTRAG Hamburg, 22. Mai 1910]]&lt;br /&gt;
* [[GA 120#ACHTER VORTRAG Hamburg, 25. Mai 1910|ACHTER VORTRAG Hamburg, 25. Mai 1910]]&lt;br /&gt;
* [[GA 120#NEUNTER VORTRAG Hamburg, 26. Mai 1910|NEUNTER VORTRAG Hamburg, 26. Mai 1910]]&lt;br /&gt;
* [[GA 120#ZEHNTER VORTRAG Hamburg, 27. Mai 1910|ZEHNTER VORTRAG Hamburg, 27. Mai 1910]]&lt;br /&gt;
* [[GA 120#ELFTER VORTRAG Hamburg, 28. Mai 1910|ELFTER VORTRAG Hamburg, 28. Mai 1910]]&lt;br /&gt;
* [[GA 120#EINLADUNG ZUM VORTRAGSZYKLUS|EINLADUNG ZUM VORTRAGSZYKLUS]]&lt;br /&gt;
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* [[GA 120#Glossar|Glossar]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|9}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= ERSTER VORTRAG Hamburg, 16. Mai 1910 =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Zyklus von Vorträgen soll Fragen behandeln aus dem Gebiete der Geisteswissenschaft, die tief in das Leben einschneidend sind. Aus den verschiedenen Darstellungen, die im Laufe der Zeit gegeben wor den sind, ist es uns ja geläufig, daß Geisteswissenschaft nicht eine ab strakte Theorie sein soll, nicht eine bloße Doktrin oder Lehre, sondern ein Quell für Leben und Lebenstüchtigkeit, und sie erfüllt erst dann ihre Aufgabe, wenn durch das, was sie an Erkenntnissen zu geben vermag, etwas hineinfließt in unsere Seelen, was das Leben reicher, verständlicher, was unsere Seelen tüchtiger und tatkräftiger machen kann. Wenn sich nun allerdings derjenige, der sich zu dieser unserer Weltanschauung bekennt, jenes Ideal, das eben mit ein paar Worten gekennzeichnet worden ist, vorhält und in der Gegenwart dann ein wenig Umschau hält, inwiefern er imstande ist, das, was ihm aus der Theosophie erfließt, in diesem Leben umzusetzen, dann könnte er vielleicht zu einem recht wenig erfreulichen Eindruck kommen. Denn wenn man unbefangen alles betrachtet, was heute die Welt meint zu «wissen», was in unserer Gegenwart die Menschen zu diesen oder jenen Gefühlen oder Handlungen treibt, so könnte man sagen, daß dies alles von den theosophischen Ideen und Idealen so unendlich weit verschieden ist, daß der Theosoph gar keine Möglichkeit habe, unmittelbar in das Leben einzugreifen mit dem, was er aus den Quellen der Geisteswissenschaft heraus sich aneignet.- Das wäre aber dennoch eine recht oberflächliche Betrachtung der Sachlage, oberflächlich aus dem Grunde, weil bei einer solchen Betrachtung nicht gerechnet würde mit dem, was wir aus unserer Weltanschauung selber dadurch entnehmen müssen, daß wir uns sagen: Wenn einmal wirklich jene Kräfte, die wir durch Theosophie aufnehmen, stark genug sein werden, dann werden sie auch die MögIichkeit finden, in die Welt einzugreifen; wenn aber niemals etwas dazu getan würde, diese Kräfte immer stärker und stärker zu machen, so würde eben ihr Eingreifen in die Welt unmöglich sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber es ist noch etwas anderes, was uns sozusagen Trost geben kann,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|10}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
selbst wenn wir durch eine solche Betrachtung trostlos werden möchten, und das ist es gerade, was uns aus den Betrachtungen dieses Vortragszyklus folgen soll: Betrachtungen über das, was man menschliches Karma und Karma überhaupt nennt. Denn wir werden mit jeder Stunde, die wir hier verbringen, mehr sehen, wie wir gar nicht genug tun können an der Herbeiführung der Möglichkeit, mit theosophischen Kräften in das Leben einzugreifen, und wie wir, wenn wir ernsthaft an Karma glauben und festhalten, voraussetzen müssen, daß uns Karma selber dasjenige zuwerfen wird, was wir über kurz oder lang zu tun haben werden für unsere Kräfte. Wir werden sehen: Wenn wir vermeinen, wir könnten die aus unsererWeltanschauung gewonnenen Kräfte noch nicht anwenden, dann haben wir eben diese Kräfte noch nicht genügend stark gemacht, damit sie bewirken können, daß Karma es uns auch ermögliche, in die Welt mit diesen Kräften einzugreifen. So soll nicht nur eine Summe von Erkenntnissen über Karma in diesen Vorträgen leben, sondern es soll mit jeder Stunde mehr das Vertrauen in Karma geweckt werden, die Gewißheit, daß, wenn die Zeit gekommen sein wird, ob es nun morgen oder übermorgen oder nach vielen Jahren sein wird, unser Karma uns Aufgaben bringen wird, insofern wir als Bekenner unserer Weltanschauung Aufgaben zu verrichten haben. Karma wird sich uns darstellen als eine Lehre, welche uns nicht nur sagt, wie dieses oder jenes in der Welt sich verhält, sondern welche mit den Aufschlüssen, die sie uns bringt, zu gleicher Zeit uns Lebensbefriedigung und Lebenserhöhung bringen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Allerdings, wenn Karma eine solche Aufgabe erfüllen soll, ist es schon notwendig, daß wir das damit gemeinte Gesetz etwas tiefer ins Auge fassen, sozusagen in seiner Ausbreitung über die Welt. Dazu ist aber diesmal etwas notwendig, was sonst nicht eigentlich in meinem Gebrauche liegt bei geisteswissenschaftlichen Betrachtungen, nämlich eine Definition, eineWorterklärung zu geben. Ich pflege das sonst nicht zu tun, weil mit solchen Worterklärungen in der Regel nicht viel getan ist. Bei unseren Betrachtungen wird in der Regel begonnen mit der Darstellung von Tatsachen, und wenn diese Tatsachen in der entsprechenden Weise gruppiert und geordnet sind, ergeben sich die Begriffe und Vorstellungen von selbst. Wollten wir nun allerdings für die umfassenden &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|11}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fragen, die wir in den nächsten Tagen zu besprechen haben, einen ähnlichen Gang einschlagen, so müßten wir viel mehr Zeit zur Verfügung haben, als uns geboten ist. Deshalb ist es diesmal zur Verständigung notwendig, daß wir, wenn auch nicht eine Definition, so doch eine Art Beschreibung des Begriffes geben, der uns längere Zeit beschäftigen wird. Definitionen haben ja auch nur den Zweck, sich darüber zu verständigen, was man meint, wenn man dieses oder jenes Wort anschlägt oder ausspricht. In diesem Stile soll eine Beschreibung des Begriffes «Karma» gegeben werden, damit wir wissen, wovon wir sprechen, wenn in diesen Vorträgen der Ausdruck «Karma» gebraucht wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus mancherlei Betrachtungen hat wohl ein jeder von uns sich schon einen Begriff gebildet von dem, was Karma ist. Ein recht abstrakter Begriff von Karma ist wohl der, wenn man Karma das «geistige Ursachengesetz» nennt, das Gesetz, wonach auf gewisse Ursachen, die im geistigen Leben liegen, gewisse Wirkungen folgen. Das ist aber ein zu abstrakter Begriff von Karma, weil er zum Teil zu eng, zum Teil aber auch viel zu weit sein würde. Wenn wir Karma überhaupt auffassen wollen als ein Ursachengesetz, so stellen wir es zusammen mit dem, was wir sonst in der Welt als das Gesetz der Kausalität, als das Gesetz von Ursache und Wirkung bezeichnen. Verständigen wir uns einmal darüber, was wir sonst unter dem Ursachengesetz auf dem allgemeinen Gebiete verstehen, wo wir noch nicht von geistigen Tatsachen und geistigen Ereignissen sprechen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es wird heute so oft von der äußeren Wissenschaft betont, daß die eigentliche Bedeutung dieser Wissenschaft darinnen liege, daß sie baue auf das umfassende Ursachengesetz, daß sie überall Wirkungen auf entsprechende Ursachen zu rück führe. Wie dieses Zurückführen von Wirkungen auf Ursachen geschieht, darüber sind sich allerdings die Menschen schon viel weniger klar. Denn Sie werden wohl auch heute noch in Büchern, die da glauben, recht gelehrt zu sein und recht philosophisch die Begriffe klarzulegen, immer noch Aussprüche finden können wie etwa den: Eine Wirkung ist dasjenige, was aus einer Ursache folgt. - Wenn man aber sagt, daß eine Wirkung aus einer Ursache folge, dann redet man an den Tatsachen ganz gewaltig vorbei. Denn wenn wir zum Beispiel den erwärmenden Sonnenstrahl betrachten, der auf eine Metallplatte &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|12}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
auffällt, so daß diese Metallplatte dadurch wärmer geworden ist, dann werden wir von Ursache und Wirkung in der Welt draußen reden. Aber werden wir jemals sagen können, daß die Wirkung - die Erwärmung der Metallplatte - aus der Ursache des warmen Sonnenstrahles folge? Wenn der warme Sonnenstrahl diese Wirkung schon in sich hätte, so würde es die Tatsache nicht geben, da der warme Sonnenstrahl eine Metallplatte gar nicht erwärmt, wenn sie ihm nicht entgegenkommt. Damit in der Welt der Erscheinungen, in der leblosen Welt, die wir zunächst um uns herum haben, eine Wirkung auf eine Ursache folge, ist stets notwendig, daß dieser Ursache etwas entgegenkommt. Und ohne daß etwas der Ursache entgegenkommt, ist niemals von dem Folgen einer Wirkung auf eine Ursache zu sprechen. - Es ist nicht überflüssig, daß wir eine solche scheinbar recht philosophisch und abstrakt klingende Bemerkung vorausschicken; denn man muß sich schon einmal angewöhnen, wenn man fruchtbar vorwärtskommen will auf theosophischem Gebiete, die Begriffe recht genau zu fassen und nicht so nachlässig, wie sie zuweilen in den andern Wissenschaften gefaßt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun aber dürfte niemand von Karma sprechen, wenn bloß in einer solchen Weise eine Wirkung eintreten würde, wie sie vorhanden ist, wenn der wärmende Sonnenstrahl eine Metallplatte erwärmt. Da ist zwar die Kausalität vorhanden, der Zusammenhang von Ursache und Wirkung, aber wir würden niemals zu einem gehörigen Begriff von Karma kommen,wenn wir nur auf diesem Gebiete von Karma sprechen würden. Wir können also nicht von Karma sprechen, wenn bloß eine Wirkung mit einer Ursache in Zusammenhang steht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir können nun weitergehen und uns einen etwas höheren Begriff von dem Zusammenhang zwischen Ursache und Wirkung bilden. Wenn wir zum Beispiel einen Bogen haben, ihn spannen und dann mit diesem Bogen einen Pfeil abschießen, dann ist durch das Spannen des Bogens eine Wirkung eingetreten. Diese Wirkung des abgeschossenen Pfeiles im Zusammenhang mit seiner Ursache werden wir ebensowenig mit dem Ausdruck «Karma» belegen dürfen wie das, was eben gesagt worden ist. Wenn wir aber bei diesem Vorgang etwas anderes betrachten, kommen wir in gewisser Weise schon dem Karma nahe, wenn wir auch &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|13}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dabei noch immer nicht den Karmabegriff fassen: wenn wir nämlich bedenken, daß der Bogen, wenn er recht oft gespannt wird, mit der Zeit schlaff wird. Da wird durch das, was der Bogen tut, was` mit ihm geschieht&amp;gt; nicht bloß eine Wirkung folgen, die sich nach außen hin zeigt, sondern es wird eine Wirkung folgen, die auf den Bogen selber zurück- geht. Es geschieht durch das fortwährende Spannen des Bogens etwas mit dem Bogen selbst. Etwas, das durch das Spannen geschieht, fällt also sozusagen wieder auf den Bogen selbst zurück. Eine Wirkung wird also erzielt, welche auf den Gegenstand zurück fällt, von dem diese Wirkung selbst veranlaßt worden ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das gehört nun schon in den Karmabegriff hinein. Ohne daß eine Wirkung erzeugt wird, die wieder zurückfällt auf das Ding oder die Wesenheit, welche diese Wirkung hervorbringt, ohne diese Eigentümlichkeit des Zurückwirkens der Wirkung auf das verursachende Wesen ist der Karmabegriff nicht zu denken. Da kommen wir also dem Karmabegriff schon insofern etwas näher, als uns klar wird, daß die von einem Ding oder Wesen verursachte Wirkung wieder zurückschlagen muß auf dieses Ding oder Wesen selber. Aber dennoch dürfen wir das Schlaffwerden des Bogens durch das fortwährende Spannen nicht das Karma des Bogens nennen, und zwar aus folgendem Grunde nicht: Wenn wir den Bogen etwa drei bis vier Wochen recht oft gespannt haben, und er ist nach vier Wochen schlaff geworden, dann haben wir in dem schlaffen Bogen eigentlich etwas ganz anderes vor uns, als vor vier Wochen in dem straffen Bogen; der Bogen ist etwas anderes geworden, er ist nicht dasselbe geblieben. Wenn also die zurückschlagende Wirkung so ist, daß sie durchaus etwas anderes aus dem Ding oder Wesen macht, dann dürfen wir doch noch nicht von einem Karma sprechen. Wir dürfen erst von einem Karma sprechen, wenn die Wirkung, die auf das Wesen zurückschlägt, beim Zurückschlagen auf dasselbe Wesen trifft, oder wenn das Wesen wenigstens in einem gewissen Sinne dasselbe geblieben ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So also sind wir dem Karmabegriff wieder um ein Stück nähergekommen. Aber wir bekommen, wenn wir den Karmabegriff so beschreiben wollen, im Grunde genommen von ihm doch nur eine recht ab- strakte Vorstellung. Dennoch werden wir diesen Begriff, wenn wir ihn &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|14}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
abstrakt fassen wollen, kaum genauer fassen können, als wenn wir ihn in der Weise ausdrücken, wie wir es eben jetzt getan haben. Nur das eine müssen wir zum Karmabegriff noch hinzufügen: Wenn die Wirkung, die auf das Wesen zurückschlägt, in demselben Zeitpunkte erfolgt, wenn also Verursachung und zurückschlagende Wirkung in demselben Zeitpunkte stattfinden, dann werden wir kaum von Karma sprechen können. Denn in diesem Falle würde das Wesen, von dem die Wirkung ausgeht, im Grunde genommen die Wirkung unmittelbar hervorbringen wollen, würde also diese Wirkung voraussetzen, würde durchschauen alle Elemente, die zu dieser Wirkung führen. Wenn das&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der Fall ist, sprechen wir doch nicht von Karma. So zum Beispiel werden wir nicht von Karma sprechen, wenn wir einen Menschen vor uns haben, der eine bestimmte Tat vollbringt, mit der er dieses oder jenes beabsichtigt, und wenn dann - gemäß seiner Absicht - diese oder jene Wirkung, die er eben gewollt hat, eintritt. Das heißt, es muß zwischen der Ursache und der Wirkung etwas liegen, was sich dem Wesen bei der Herbeiführung der Ursache unmittelbar entzieht, so daß der Zusammenhang von Ursache und Wirkung zwar vorhanden ist, aber nicht eigentlich von dem Wesen selber beabsichtigt ist. Wenn dieser Zusammenhang von dem Wesen, das verursacht, nicht beabsichtigt ist, dann muß der Grund, warum ein Zusammenhang besteht zwischen Ursache und Wirkung, woanders liegen als in den Absichten des betreffenden Wesens. Das heißt, es muß dieser Grund liegen in einer bestimmten Gesetzmäßigkeit. Das gehört also noch zum Karma dazu, daß der Zusammenhang zwischen Ursache und Wirkung ein gesetzmäßiger ist, der hinübergeht über das, was das Wesen unmittelbar beabsichtigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So hätten wir einige Elemente zusammengetragen, welche uns den Karmabegriff erläutern können. Aber wir müssen alle diese Elemente in dem Karmabegriff darinnen haben und nicht bei einer abstrakten Definition stehenbleiben. Denn sonst werden wir nicht die Offenbarungen des Karma auf den verschiedenen Gebieten der Welt begreifen können. Diese Offenbarungen des Karma werden wir nun zuerst dort aufzusuchen haben, wo uns Karma zunächst entgegentritt: im einzelnen Menschenleben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Können wir im einzelnen Menschenleben so etwas finden und wann&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|15}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
können wir es finden, was wir jetzt eben durch unsere Erläuterung des Karmabegriffes dargestellt haben?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir würden so etwas finden, wenn zum Beispiel ein Erlebnis in unser Leben hineinträte, bei dem wir uns sagen könnten: Dieses Erlebnis, das da für uns auftritt, steht in einem gewissen Zusammenhange mit einem früheren Erlebnis, an dem wir selber beteiligt sind, zu dem wir selber Veranlassung gegeben haben. Versuchen wir einmal - zunächst rein durch Beobachtung des Lebens - festzustellen, ob es so etwas gibt. Wir wollen uns jetzt also rein auf den Standpunkt der äußeren Beobachtung stellen. Wer solche Beobachtungen nicht anstellt, kann auch nie zum Erkennen eines gesetzmäßigen Zusammenhanges im Leben kommen; er kann es ebensowenig, wie derjenige das Gesetz des elastischen Stoßes an zwei Billardkugeln kennenlernen kann, der diesen Stoß nicht beobachten wird. Beobachtung des Lebens kann uns in der Tat zu der Anschauung eines gesetzmäßigen Zusammenhanges führen. Greifen wir dazu gleich einen bestimmten Zusammenhang heraus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sagen wir, ein junger Mensch wäre im achtzehnten Jahre seines Lebens aus dem Berufe, der ihm bis dahin vorgezeichnet zu sein schien, durch irgendein Ereignis herausgewöorfen worden. Nehmen wir an, dieser Mensch hätte bis dahin ein Studium betrieben, hätte sich durch das Studium vorbereitet zu einem Berufe, wie er aus solchem Studium hervorgehen kann, und nun wäre er, zum Beispiel durch einen Unglücksfall seiner Eltern, daraus herausgeworfen worden und mit achtzehn Jahren in den Kaufmannsberuf hineingetrieben worden. Wer solche Fälle unbefangen im Leben beobachtet - mit einem solchen Blick, wie man in der Physik die Erscheinung des Stoßes elastischer Kugeln betrachtet -, der wird dann zum Beispiel finden, daß die Erlebnisse des Kaufmannsberufes, in den der junge Mensch hineingetrieben worden ist, zunächst anregend wirken, daß er darin seine Pflichten ausführt, etwas lernt, vielleicht auch etwas ganz Tüchtiges wird. Aber man kann auch beobachten, daß nach einiger Zeit etwas ganz anderes auch eintritt: ein gewisser Überdruß, eine gewisse Unzufriedenheit. Nicht gleich wird eine solche Unzufriedenheit eintreten. Wenn mit achtzehn Jahren sich der Berufswechsel vollzogen hat, werden vielleicht die nächsten Jahre ruhig vorübergehen. Aber vielleicht um das dreiundzwanzigste &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|16}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jahr herum wird es deutlich werden, daß sich etwas in der Seele festsetzt, was sich wie etwas Unerklärliches zeigt. Wenn man dann weiter nachforscht, kann man häufig bemerken, wenn der Fall klarliegt, daß der Überdruß fünf Jahre nach dem Berufswechsel seine Erklärung findet durch das dreizehnte oder vierzehnte Jahr. Denn die Ursachen für eine solche Erscheinung werden wir sehr häufig zu suchen haben ungefähr eine ebensolche Zeitspanne vor dem Berufswechsel, wie nach demselben ein Ereignis eingetreten ist, wie wir es eben beschrieben haben. Da kann der betreffende Mensch in seinem dreizehnten Jahre während seiner Lernzeit - also fünf Jahre vor seinem Berufswechsel - etwas in seine Gefühlswelt aufgenommen haben, was ihm eine gewisse innere Beseligung gewährte. Nehmen wir an, der Berufswechsel wäre nicht eingetreten; dann würde das, woran sich der junge Mensch im dreizehnten Jahre gewöhnt hatte, im späteren Leben sich ausgelebt und diese oder jene Frucht getragen haben. Nun kam aber der Berufswechsei, der zunächst den jungen Menschen interessiert hat, der seine Seele eingenommen hat. Was dadurch in sein Seelenleben gekommen ist, das hat zurückgedrängt, was früher darinnen war. Eine gewisse Zeit hindurch kann das zurückgedrängt werden, aber indem es zurückgedrängt wird, gewinnt es gerade im Inneren eine besondere Kraft; da sammelt es sozusagen Spannkraft im Inneren an. Da ist es ähnlich, wie wenn wir einen elastischen Ball zusammendrücken: Wir können ihn bis zu einer gewissen Grenze drücken, dann leistet er Widerstand; und wenn er zum Zurückschnellen veranlaßt wird, wird er mit einer um so größeren Kraft zurückschnellen, je mehr wir ihn vorher zusammengedrückt haben. Solche Erlebnisse, wie die eben angedeuteten, die ein junger Mensch aufgenommen hat im dreizehnten Jahre seines Lebens und welche sich dann bis zum Berufswechsel befestigt haben, können auch in gewisser Weise zurückgedrängt werden; dann aber macht sich nach einiger Zeit ein Widerstand in der Seele geltend. Und dann kann man sehen, wie dieser Widerstand stark genug geworden ist, um sich nun in seiner Wirkung zu zeigen. Weil der Seele das fehlt, was sie sonst haben würde, wenn der Berufswechsel nicht gekommen wäre, macht sich das Zurückgedrängte geltend und kommt jetzt so zum Vorschein, daß Unbefriedigung, Überdruß an dem, was die Umgebung bietet, eintritt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|17}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da also haben wir einen Fall, wo der betreffende Mensch etwas er- lebt hat, etwas getan hat in seinem dreizehnten bis vierzehnten Lebens jahre, und wo er später etwas anderes getan hat, nämlich den Berufs wechsel vollzogen hat, und wir sehen, wie diese Ursachen so sich aus- leben, daß sie in ihrer Wirkung später zurückfallen, zurückschlagen auf dasselbe Wesen. In einem solchen Falle würden wir den Karma begriff zunächst auf das Einzelleben des Menschen anwenden müssen. -&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man sollte aber nun nicht dagegen einwenden: Wir haben aber Fälle kennengelernt, wo sich so etwas ganz und gar nicht zeigte! - Das kann sein. Aber es wird auch keinem Physiker einfallen, wenn er die Gesetze des fallenden Steines untersuchen will, der mit dieser oder jener Geschwindigkeit fällt, daß er sich sagen müßte, das Gesetz wäre nicht richtig, wenn der Stein etwa durch einen Schlag aus seiner Richtung geschleudert würde. Man muß lernen, in der richtigen Weise zu beobachten, und diejenigen Erscheinungen ausschließen, welche nicht zur Bildung des Gesetzes gehören. Gewiß würde ein solcher Mensch, der, wenn nichts anderes eintreten würde, mit dreiundzwanzig Jahren die Eindrücke seines dreizehnten Jahres in ihrer Wirkung als Überdruß empfindet, zu diesem Überdruß nicht kommen, wenn er zum Beispiel in der Zwischenzeit geheiratet hätte. Aber da hätten wir es mit etwas zu tun, was für die Feststellung des Grundgesetzes ohne Einfluß ist. Darauf aber kommt es an, daß wir die richtigen Faktoren finden, die uns auf ein Gesetz führen können. Beobachtung an sich ist noch gar nichts; erst geregelte Beobachtung bringt uns zur Erkenntnis des Gesetzes. Nun handelt es sich aber auch darum, solche geregelte Beobachtungen, wenn wir das Gesetz des Karma studieren wollen, in der rechten Weise anzustellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen wir an, um für einen einzelnen Menschen das Karma zu erkennen, jemanden träfe im fünfundzwanzigsten Lebensjahre ein schwerer Schicksalsschlag, der ihm Schmerz und Leid verursacht. Wenn wir nun einfach unsere Beobachtungen so anstellen, daß wir sagen, dieser schwere Schicksalsschlag ist eben in das Leben hereingebrochen und hat es mit Schmerz und Leid erfüllt, wenn wir also bei der bloßen Beobachtung stehenbleiben, werden wir nie zum Erkennen des karmischen Zusammenhanges kommen. Wenn wir aber weiterschreiten und das &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|18}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Leben eines solchen Menschen, der im fünfundzwanzigsten Jahre einen derartigen Schicksalsschlag erlebt hat, in seinem fünfzigsten Jahre betrachten, dann werden wir vielleicht zu einer Anschauung kommen, die wir etwa so ausdrücken können: Der Mensch, den wir da betrachten, ist ein Mensch geworden, fleißig und regsam, der tüchtig im Leben da- steht; jetzt schauen wir weiter zurück in sein Leben. Mit zwanzig Jahren - so finden wir dann - war er noch ein Taugenichts und hat überhaupt nichts tun wollen; mit fünfundzwanzig Jahren hat ihn dann der schwere Schicksalsschlag getroffen. Hätte ihn dieser Schlag nicht getroffen - so können wir jetzt sagen -, so wäre er ein Taugenichts geblieben. Also ist der schwere Schicksalsschlag die Ursache dazu gewesen, daß wir im fünfzigsten Jahre einen regsamen und tüchtigen Menschen vor uns haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine solche Tatsache lehrt uns, daß wir fehlgehen, wenn wir den Schicksalsschlag vom fünfundzwanzigsten Jahre als eine bloße Wirkung betrachten. Denn wenn wir fragen: Was hat er verursacht?, können wir nicht bei der bloßen Beobachtung stehenbleiben.Wenn wir aber einen solchen Schlag nicht als Wirkung betrachten und an das Ende der Erscheinungen stellen, die vorausgegangen sind, sondern wenn wir ihn an den Anfang der nachfolgenden Ereignisse stellen und ihn als Ursache betrachten, dann lernen wir erkennen, daß wir allerdings sogar unser Gefühlsurteil, unser Empfindungsurteil ganz wesentlich ändern können gegenüber diesem Schicksalsschlag. Wir werden vielleicht traurig sein, wenn wir ihn bloß als Wirkung betrachten, daß diesen Menschen dieser Schlag getroffen hat. Betrachten wir ihn dagegen als Ursache eines Späteren, dann können wir vielleicht froh sein und Freude darüber empfinden. Denn diesem Schicksalsschlag ist es zu verdanken - so können wir sagen -, daß der Betreffende ein ordentlicher Mensch geworden ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So sehen wir, daß es an unseren Empfindungen etwas Wesentliches ändern kann, je nachdem wir eine Tatsache des Lebens als Wirkung oder als Ursache betrachten. Es ist also nicht gleichgültig, ob wir irgend etwas, was im Leben den Menschen trifft, als bloße Wirkung oder als Ursache betrachten. Freilich, wenn wir in dem Zeitpunkt die Beobachtung anstellen, wo das schmerzliche Ereignis eingetreten ist, können wir &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|19}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
noch nicht die unmittelbare Wirkung wahrnehmen. Wenn wir uns aber das Karmagesetz gebildet haben aus ähnlichen Beobachtungen, dann kann dieses Karmagesetz selber uns sagen: Jetzt ist vielleicht ein Ereignis schmerzlich, weil es uns bloß als Wirkung des Vorhergehenden entgegentritt; aber es kann auch so betrachtet werden, daß es als Ausgangspunkt für ein Folgendes angesehen wird. Dann können wir sagen: Wir ahnen, daß hier der Ausgangspunkt die Ursache ist von Wirkungen, welche die Sache in ein ganz anderes Licht stellen! So kann das Karmagesetz selber der Quell sein einerTröstung. Die Tröstung wäre nicht da, wenn wir uns gewöhnten, ein Ereignis nur an das Ende und nicht an den Anfang einer Erscheinungsreihe zu setzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es kommt also darauf an, daß wir lernen, das Leben geregelt zu beobachten und in entsprechender Weise die Dinge als Wirkung und Ursache zueinander zu stellen. Wenn wir solche Beobachtungen wirklich durchgreifend anstellen, werden uns im einzelnen Menschenleben Ergebnisse zutage treten, die mit einer gewissen Regelmäßigkeit für das einzelne Menschenleben ablaufen, und andere Ergebnisse werden zutage treten, die uns unregelmäßig in diesem Leben erscheinen. So kann der, welcher das Menschenleben beobachtet - und zwar nicht nur so weit, als gerade die Nase reicht -, merkwürdige Zusammenhänge in diesem Menschenleben finden. Nur werden die Erscheinungen des menschlichen Lebens leider heute nur über kurze Zeitspannen, kaum über einige Jahre, beobachtet; und was nach einer größeren Anzahl von Jahren eintritt&amp;gt; das ist man nicht gewohnt, mit dem in Zusammenhang zu bringen, was etwa früher als Ursache vorhanden sein konnte. Daher werden nur wenige Menschen sich heute finden, die Anfang und Ende des Menschenlebens in einen gewissen Zusammenhang bringen. Dennoch ist dieser Zusammenhang außerordentlich lehrreich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen wir an, wir haben ein Kind in den ersten sieben Jahren seines Lebens so erzogen, daß also wir nicht das getan haben, was gewöhnlich geschieht,daß wir nicht von dem Glauben ausgegangen sind: Wenn einer ein ordentlicher Mensch im Leben werden soll, muß er so und so sein, muß unseren Anschauungen von einem ordentlichen Menschen unbedingt entsprechen. Denn in einem solchen Falle würden wir dem Kinde möglichst genau das alles eintrichtern wollen, was es eben in &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|20}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
unserem Sinne zu einem ordentlichen Menschen machen sollte. Wenn wir aber von der Erkenntnis ausgehen, daß man ein ordentlicher Mensch auf vielerlei Arten sein kann und daß man noch gar keine Vorstellung zu haben braucht, auf welche Art der, der als Kind erst heranwächst, ein ordentlicher Mensch werden soll nach seiner individuellen Anlage, dann werden wir sagen: Was ich auch immer für Begriffe von einem ordentlichen Menschen habe, der Mensch, der aus diesem Kinde entstehen soll, muß dadurch entstehen, daß die besten Anlagen aus ihm herausgeholt werden - was ich vielleicht erst als Rätsel lösen muß! Und man wird sich daher sagen: Was kommt es darauf an, daß ich diesen oder jenen Geboten und dergleichen verpflichtet bin? Das Kind selbst muß ein Bedürfnis fühlen, dieses oder jenes zu tun! Wenn ich das Kind nach seinen individuellen Anlagen entwickeln will, werde ich versuchen, diejenigen Bedürfnisse, die in ihm veranlagt sind, zu entwickeln, herauszuholen, so (iaß vor allen Dingen ein Bedürfnis nach den Handlungen eintritt, das Kind also die Handlungen aus eigenem Bedürfnis tut. - Wir sehen daraus, daß es zwei ganz verschiedene Methoden gibt, auf ein Kind in den ersten sieben Jahren seines Lebens zu wirken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir nun das weitere Leben des Kindes beobachten, wird sich uns lange Zeit nicht zeigen, was die ausgesprochenste Wirkung dessen sein wird, was wir in den ersten Jahren auf diese Weise in das Kind hineingebracht haben. In der Lebensbeobachtung ergibt sich nämlich, daß die eigentlichen Wirkungen dessen, was als Ursachen in die kindliche Seele hineingelegt worden ist, am allerspätesten erst eintreten, das heißt am Lebensabend. Der Mensch kann einen in sich regen Geist bis an sein Lebensende dadurch haben, daß wir ihn als Kind in der Weise erzogen haben, wie es jetzt eben beschrieben worden ist: daß wir auf sein Seelenleben, auf alles, was lebendig in ihm sitzt, Rücksicht genommen haben. Wenn wir das herausgeholt und zur Entwickelung gebracht haben, was an inneren Kräften in ihm vorhanden ist, dann werden wir die Früchte am Lebensabend herauskommen sehen in Gestalt eines reichen Seelenlebens. Dagegen in einer verdorrten und verarmten Seele und demgemäß auch - weil, wie wir später sehen werden, eine verdorrte Seele auch auf den Leib wirkt - in den leiblichen Gebresten &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|21}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
des Alters tritt das auf, was wir in der frühesten Kindheit an dem Menschen Unrichtiges getan haben. Da sehen wir etwas, was sich in gewisser Weise regulär, so daß es für jeden Menschen gültig ist, im Menschenleben als Zusammenhang von Ursache und Wirkung darstellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So könnten wir auch für die mittleren Lebensabschnitte solche Zusammenhänge finden, und wir werden darauf noch aufmerksam machen. - Wie wir einen Menschen vom siebenten bis vierzehnten Jahre behandeln, das tritt in seinen Wirkungen wieder im vorletzten Lebensabschnitt hervor. So sehen wir Ursache und Wirkung zyklisch, wie im Kreise, sich abspielen. Was an Ursachen am frühesten vorhanden war, das tritt als Wirkung am spätesten auf. Aber nicht nur solche Wir kungen und Ursachen sind im einzelnen Menschenleben vorhanden, sondern es geht neben dem zyklischen Verlauf ein geradliniger einher.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An unserem Beispiel, wie das dreizehnte Jahr in das dreiundzwan zigste hineinspielen kann, haben wir gesehen, wie Ursache und Wirkung Im Menschenleben so zusammenhängen, daß dasjenige, was der Mensch in sich erlebt hat, Wirkungen nach sich zieht, die dann wieder auf dasselbe Menschenwesen zurückschlagen. So erfüllt sich Karma im einzelnen Menschenleben. Wir werden aber zu einer Erklärung des Menschenlebens nicht kommen, wenn wir Zusammenhänge zwischen Ursache und Wirkung nur in diesem einzelnen Menschenleben suchen. Wie der Gedanke, der jetzt angeschlagen ist, weiter zu begründen und auszuführen ist, darüber werden wir in den nächsten Stunden sprechen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt soll nur auf etwas hingedeutet werden, das ja bereits bekannt ist: daß die Geisteswissenschaft zeigt, wie dieses Menschenleben zwischen Geburt und Tod die Wiederholung ist früherer Menschenleben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir nun das Charakteristische aufsuchen für das Leben zwischen Geburt und Tod, so können wir als solches bezeichnen die Aus dehnung eines und desselben Bewußtseins - im wesentlichen wenigstens - für die ganze Zeit zwischen Geburt und Tod. Wenn Sie sich zurückerinnern an Ihre früheren Lebensabschnitte, so werden Sie sagen: Es gibt einen Zeitpunkt, der nicht mit meiner Geburt zusammenfällt, sondern etwas später liegt, wo meine Lebenserinnerungen beginnen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das werden alle Menschen sagen, die nicht zu den Eingeweihten gehören; und sie werden dann davon sprechen, daß ihr Bewußtsein soweit &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|22}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nur reicht. Im Grunde genommen haben wir es in dem Zeitraum von der Geburt bis zum Tod in bezug auf den Beginn dieser Lebenserinnerungen mit etwas sehr Eigentümlichem zu tun, und wir werden auch darauf noch zurückkommen; das wird uns in bedeutsame Dinge hinein- leuchten. Wenn wir das aber nicht berücksichtigen, können wir sagen: Charakteristisch für das Leben zwischen Geburt und Tod ist es, daß ein Bewußtsein sich ausdehnt für diese Zeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn nun auch der Mensch im gewöhnlichen Leben, wenn ihn im späteren Lebensalter etwas trifft, die Ursachen dazu in früheren Lebensabschnitten nicht aufsucht, so könnte er es aber dennoch, wenn er nur auf alles aufmerksam genug wäre und alles erforschen würde. Er könnte es mit dem Bewußtsein, das ihm als Erinnerungsbewußtsein zur Verfügung steht. Und wenn er durch die Erinnerung versuchte, sich den Zusammenhang zwischen Früherem und Späterem im karmischen Sinne vor die Seele zu stellen, so würde er zu folgendem Ergebnis kommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er würde zum Beispiel sagen: Ich sehe, daß gewisse Ereignisse, die bei mir eingetreten sind, nicht gekommen wären, wenn nicht das oder jenes in einem früheren Lebensabschnitt eingetreten wäre. - Er würde vielleicht sagen: Für das, was meine Erziehung an mir getan hat, muß ich jetzt büßen. - Aber wenn er auch nur den Zusammenhang einsieht zwischen dem, was nicht er gesündigt hat, sondern was an ihm gesündigt worden ist, und späteren Ereignissen, dann wird ihm schon das eine Hilfe sein. Er wird leichter Mittel und Wege finden, um Schäden, die an ihm begangen worden sind&amp;gt; auszugleichen. Die Erkenntnis eines solchen Zusammenhanges zwischen Ursachen und Wirkungen in unseren einzelnen Lebensabschnitten, die wir durch unser gewöhnliches Bewußtsein überschauen können, kann uns schon im höchsten Grade förderlich sein im Leben. Ja, wenn wir uns diese Erkenntnis erwerben, können wir vielleicht noch etwas anderes tun. - Wenn allerdings ein Mensch achtzig Jahre alt geworden ist und dann zurückschaut auf das, was man als Ursachen zu Ereignissen im achtzigsten Jahre in frühester Kindheit zu suchen hat, so wird es für ihn vielleicht recht schwierig sein, Gegenmittel zu finden, um auszugleichen, was an ihm getan worden ist, und wenn er sich dann belehren läßt, so wird das nicht mehr allzuviel helfen. Wenn er sich aber vorher belehren läßt und hinblickt &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
auf die Sünden, die an ihm begangen sind, und, sagen wir, schon im vierzigsten Jahre dagegen Vorsorge trifft, dann hat er vielleicht doch noch Zeit, um gewisse Gegenmittel zu ergreifen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir sehen also, daß wir uns nicht allein für das unmittelbar Nächst- liegende des Lebenskarma belehren lassen sollen, sondern über Karma und den gesetzmäßigen Zusammenhang, den Karma bedeutet, überhaupt. Das kann uns förderlich sein für unser Leben. - Was tut denn aber ein Mensch, der im vierzigsten Jahre etwas unternimmt, damit die Schäden gewisser Sünden nicht eintreten, die zum Beispiel im zwölften Jahre an ihm begangen worden sind, oder die er selbst begangen hat? Er wird versuchen, was er gesündigt hat oder was an ihm getan worden ist, auszugleichen und alles zu tun, was der Wirkung, die eintreten müßte, vorbeugt. Er wird in gewisser Weise sogar die notwendige Wirkung, die ohne sein Zutun eintreten würde, durch eine andere ersetzen. Die Erkenntnis dessen, was es im zwölften Jahre gegeben hat, wird ihn selbst zu einer bestimmten Handlung im vierzigsten Jahre führen. Diese Handlung hätte er nicht getan, wenn er nicht erkannt hätte, daß es dieses oder jenes im zwölften Jahre gegeben hat. Was hat der Mensch also durch sein Zurückblicken auf sein früheres Leben getan? Er hat selber durch sein Bewußtsein folgen lassen auf eine Ursache eine bestimmte Wirkung. Er hat gewollt die Wirkung, welche er jetzt herbeigeführt hat. - Das zeigt uns, wie in die Linie der karmischen Folgen unser Wille eingreifen und etwas schaffen kann, was an Stelle von sonst eingetretenen karmischen Wirkungen steht. Nehmen wir einen solchen Zusammenhang, wo unser Bewußtsein ganz bewußt eine Verbindung zwischen Ursache und Wirkung im Lebenslauf herbeiführt, so werden wir uns sagen: Bei einem solchen Menschen ist Karma oder karmische Gesetzmäßigkeit ins Bewußtsein hineingetreten, er hat selbst in gewisser Weise die karmischeWirkung herbeigeführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen wir nun aber einmal an, wir legen einer ähnlichen Betrach tung dasjenige zugrunde, was wir über die wiederholten Erdenläufe eines Menschen wissen. Das Bewußtsein, von dem wir eben gesprochen haben, das sich ausdehnt mit der angedeuteten Ausnahme auf unser Leben zwischen Geburt und Tod, das entsteht dadurch, daß sich der Mensch des Instrumentes seines Gehirns bedienen kann. Wenn der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Mensch durch die Pforte des Todes schreitet, tritt ein andersgeartetes Bewußtsein auf, das unabhängig ist vom Gehirn und an wesentlich andere Bedingungen gebunden ist. Und wir wissen, daß für dieses Bewußtsein, das bis zur neuen Geburt dauert, eine Art Rückblick auftritt über alles, was der Mensch in dem Leben zwischen Geburt und Tod vollbracht hat. Im Leben zwischen Geburt und Tod muß sich der Mensch erst die Absicht bilden, zurückzublicken auf irgendwelche Sünden, die an ihm begangen worden sind, wenn er die Wirkung dieser Sünden wirklich karmisch in sein Leben einführen soll. Nach dem Tode schaut der Mensch im Zurückblicken auf sein Leben auf dasjenige, was er an Sünden oder überhaupt an Handlungen vollbracht hat. Da schaut er auch zugleich das&amp;gt; was diese Handlungen an seiner Seele oder aus seiner Seele gemacht haben. Da sieht der Mensch, wie er dadurch, daß er eine bestimmte Handlung getan hat, in seinem Werte gesunken oder gestiegen ist. Haben wir einem andern zum Beispiel irgendein Leid zugefügt, so ist unser Wert dadurch gesunken; wir sind sozusagen weniger wert geworden, sind unvollkommener geworden, indem wir dem andern das Leid zugefügt haben. Wenn wir nun nach dem Tode zurückblicken, sehen wir auf zahlreiche solche Fälle zurück, bei denen w1r uns sagen: Wir sind dadurch unvollkommener geworden. Daraus aber folgt für das Bewußtsein nach dem Tode, daß in ihm die Kraft und der Wille entstehen, wenn es wieder Gelegenheit dazu hat, alles zu tun, um jenen Wert wieder zu erringen, welchen es verloren hat, das heißt der Wille, alles Leid auszugleichen&amp;gt; das es zugefügt hat. Der Mensch nimmt also zwischen Tod und neuer Geburt die Tendenz, die Absicht auf, was er Schlechtes getan hat, wieder auszugleichen, damit er überhaupt den Standpunkt der Vollkommenheit wieder erringen kann, den er als Mensch haben soll und der verhindert worden ist durch die entsprechende Tat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun tritt der Mensch wieder ins Dasein. Sein Bewußtsein wird wieder ein anderes; er erinnert sich nicht zurück an die Zeit zwischen Tod und neuer Geburt und auch nicht daran, wie er die Absicht gefaßt hat, etwas auszugleichen. Aber diese Absicht sitzt in ihm. Und wenn er auch nicht weiß: Du mußt dies oder das tun, um das oder jenes auszugleichen! -, so wird er doch durch die Kraft, die in ihm sitzt, zu irgendeiner&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Handlung hingetrieben, die ein Ausgleich ist. Und jetzt können wir uns eine Vorstellung machen, was vor sich geht, wenn einen Menschen zum Beispiel im zwanzigsten Jahre etwas sehr Schmerzliches trifft. Mit seinem Bewußtsein, das er hat zwischen Geburt und Tod, wird er niedergedrückt sein durch seinen Schmerz. Würde er sich aber daran erinnern, was er in dem Leben zwischen Tod und neuer Geburt an Absichten aufgenommen hat, dann würde er auch die Kraft spüren, die ihn hingetrieben hat an die Stelle, wo er diesen Schmerz hat erleiden können, weil er gefühlt hat, daß er den Grad von Vollkommenheit, den er sich verscherzt hat und den er wiedererringen soll, nur dadurch wieder erreichen kann, daß er diesen Schmerz durchmacht. Wenn also auch das gewöhnliche Bewußtsein sagt: Der Schmerz ist da; du leidest darunter! - und nur den Schmerz in der Wirkung betrachtet, so könnte doch für das Bewußtsein, welches auch die Zeit zwischen Tod und neuer Geburt überblickt, gerade das Aufsuchen des Schmerzes oder irgendeines Unglückes in der Absicht liegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das stellt sich uns tatsächlich dar, wenn wir von einem höheren Gesichtspunkt aus das Menschenleben betrachten. Da können wir sehen, daß im Menschenleben Schicksalsfälle eintreten, die sich nicht darstellen als Wirkungen von Ursachen des einzelnen Lebenslaufes, sondern die aus einem andern Bewußtsein heraus verursacht sind, nämlich aus einem solchen Bewußtsein, das jenseits der Geburt liegt und das unser Leben fortsetzt in frühere Zeiten, als diejenigen sind, die erst seit unserer Geburt abgelaufen sind. Wenn wir diesen Gedanken genau fassen, werden wir sagen: Wir haben zunächst ein Bewußtsein, das sich aus- dehnt über die Zeit zwischen Geburt und Tod und welches wir das Bewußtsein der Einzelpersönlichkeit nennen wollen, und wir wollen als Einzelpersönlichkeit dasjenige bezeichnen, was zwischen Geburt und Tod verläuft. Sodann sehen wir, wie ein Bewußtsein wirken kann über Geburt und Tod hinaus, von dem der Mensch in seinem gewöhnlichen Bewußtsein nichts weiß, das aber gerade so wirken kann wie dieses gewöhnliche Bewußtsein. Wir haben deshalb zunächst geschildert, wie jemand selbst sein Karma übernimmt und im vierzigsten Jahre zum Beispiel etwas ausgleicht, damit ihn die Ursachen vom zwölftenJahre nicht treffen. Da nimmt er Karma in sein Einzelpersön&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
lichkeitsbewußtsein hinein. Wenn dagegen der Mensch irgendwohin getrieben wird, wo er einen Schmerz erleiden kann, um etwas auszugleichen, um ein besserer Mensch zu werden, so kommt das auch aus dem Menschen; nur kommt es nicht aus dem Einzelpersönlichkeitsbewußtsein, sondern aus einem umfassenderen Bewußtsein, das mitumfaßt die Zeit zwischen Tod und neuer Geburt. Dasjenige Wesen im Menschen, welches von diesem Bewußtsein umfaßt wird, wollen wir die «Individualität» des Menschen nennen; und dieses Bewußtsein, das also fortwährend unterbrochen wird durch das Persönlichkeitsbewußtsein, wollen wir das «individuelle Bewußtsein» nennen, im Gegensatz zum Einzelpersönlichkeitsbewußtsein. So sehen wir Karma wirksam in bezug auf die Individualität des Menschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun würden wir das menschliche Leben aber trotzdem nicht verstehen, wenn wir nur die Reihe der Erscheinungen verfolgen würden, wie wir es bis jetzt getan haben, indem wir nur dasjenige ins Auge faßten, was im Menschen um des Menschen selber willen an Ursachen liegt und an Wirkungen aufgesucht wird. Wir brauchen uns nur einen einfachen Fall vor die Seele zu führen, der nur so dargestellt werden soll, daß er anschaulicher wirkt, und wir werden gleich sehen, daß wir das menschliche Leben nicht verstehen, wenn wir nur dasjenige in Betracht ziehen, was wir jetzt eben gesagt haben. - Nehmen wir einen Erfinder oder Entdecker, zum Beispiel Kolumbus oder den Entdecker der Dampfmaschine oder irgendeinen andern. In der Entdeckung liegt eine bestimmte Handlung, eine bestimmte Tat. Wenn wir diese Tat ins Auge fassen, so wie sie der Mensch getan hat, und dann die Ursache suchen, warum sie der Mensch getan hat, dann werden wir immer solche Ursachen finden, welche in der Richtung liegen, wie wir sie jetzt an- gegeben haben. Warum Kolumbus zum Beispiel nach Amerika fuhr, warum er gerade in einem bestimmten Zeitpunkt diese Absicht faßte, dazu werden wir die Ursachen finden in seinem individuellen und persönlichen Karma. Aber wir werden uns jetzt fragen können: Wird diese Ursache nur im persönlichen und individuellen Karma gesucht werden müssen? Und wird die Tat als Wirkung nur betrachtet werden müssen für die Individualität, die in Kolumbus wirksam war? - Daß Kolumbus Amerika entdeckt hat, hat eine bestimmte Wirkung für ihn gehabt. Er &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
ist dadurch gestiegen, ist vollkommener geworden. Das wird sich zeigen in der Fortentwickelung seiner Individualität im folgenden Leben. Aber welche Wirkungen hat diese Tat noch für andere Menschen gehabt? Müßte sie nicht auch als Ursache betrachtet werden, die in unzählige Menschenleben eingegriffen hat?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist aber noch eine ziemlich abstrakte Betrachtung einer solchen Sache, die wir viel tiefer erfassen können, wenn wir das Menschenleben über große Zeitspannen hin betrachten. Nehmen wir an, wir betrachten das Menschenleben,wie es sich abgespielt hat im ägyptisch-chaldäischen Zeitalter, das dem griechisch-lateinischen vorangegangen ist. Wenn wir dieses Zeitalter prüfen in bezug auf das, was es den Menschen gegeben hat und was die Menschen damals erfahren haben, dann zeigt sich uns etwas höchst Eigentümliches. Wenn wir diese Epoche vergleichen mit unserer eigenen, dann werden wir erkennen, daß dasjenige, was in unserem eigenen Zeitalter geschieht, zusammenhängt mit dem, was in der ägyptisch-chaldäischen Kulturperiode vor sich gegangen ist. Das griechisch-lateinische Zeitalter steht zwischen beiden darinnen. In unserer Zeit würden gewisse Dinge nicht geschehen, wenn nicht gewisse Dinge in der ägyptisch-chaldäischen Kultur geschehen wären. Wenn die gegenwärtige Naturwissenschaft dieses oder jenes an Ergebnissen zustande gebracht hat, so rührt das allerdings auch von Kräften her, welche sich aus der Menschenseele entwickelt und entfaltet haben. Aber die Menschenseelen, die in unserer Zeit gewirkt haben, waren auch verkörpert im ägyptisch-chaldäischen Zeitalter und haben dort gewisse Erlebnisse aufgenommen, ohne welche sie das nicht verrichten könnten, was sie heute verrichten. Hätten nicht die Schüler der altägyptischen Tempelpriester die ägyptische Astrologie über die Zusammenhänge des Himmels aufgenommen, so hätten sie nicht auf ihre Art später ein- dringen können in die Weltengeheimnisse, und es wären in gewissen Seelen unserer Zeit nicht die Kräfte gewesen, welche die Menschheit jetzt in unserer Zeit hin ausgeführt haben in die Himmelsräume. Wie kam zum Beispiel Kepler zu seinen Entdeckungen?` Er kam dazu, weil eine Seele in ihm lebte, die im ägyptisch-chaldäischen Zeitraum die Kräfte zu jenen Entdeckungen aufgenommen hatte, welche sie im fünften Zeitraum dann machen konnte. Es erfüllt uns mit einer gewissen &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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inneren Befriedigung, wenn in einzelnen Geistern gleichsam Erinnerungen auftauchen in der Art, daß die Keime zu dem, was sie jetzt tun, in der Vergangenheit gelegt worden sind. Einer der Geister, der Wichtiges geleistet hat in bezug auf die Erforschung der Himmelsgesetze, Kepler, sagt von sich selbst:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
«J~t,ich bin es, ich habe die goldenen Gefäße der Ägypter geraubt, um mt:..,jnem Gott aus ihnen ein Heiligtum zu errichten, fern von den Grenze.n Ägyptens. Wenn ihr mir vergebt, werde ich mich freuen, wenn ihr zürnt, werde ich es tragen; - hier werf ich den Würfel und schreibe dies Buch für den heutigen wie den dereinstigen Leser - was liegt daran? Und wen es auf seinen Leser hundert Jahre warten muß: Gott selbst hat sechs Jahrtausende dessen geharrt, der sein Werk erkennend er- blickt. »&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist eine sporadisch auftauchende Erinnerung des Kepler an das, was er als Keim aufgenommen hat zu dem, was er in seinem persönlichen Dasein als Kepler vollbringen konnte. So könnten Hunderte von ähnlichen Beispielen angeführt werden. - Da sehen wir aber noch etwas anderes als bloß die Tatsache, daß bei Kepler etwas auftaucht, was die Wirkung ist von Erlebnissen eines früheren Erdenlebens. Wir sehen etwas auftauchen, was als die gesetzmäßige Wirkung erscheint für die ganze Menschheit von etwas, was wiederum bedeutsam war für die Menschheit in einer früheren Zeit. Wir sehen, wie der Mensch hin- gestellt wird an einen Ort, um für die ganze Menschheit etwas zu leisten. Wir sehen, daß nicht nur im individuellen Menschenleben, sondern daß in der ganzen Menschheit Zusammenhänge bestehen zwischen Ursachen und Wirkungen, die sich über weite Zeiträume hin erstrecken. Und wir können daraus entnehmen, daß sich das individuelle Karmagesetz kreuzen wird mit den Gesetzen, welche wir nennen können die karmischen Menschheitsgesetze. Manchmal ist dieses Kreuzen allerdings wenig durchsichtig. Denken Sie, was wäre aus unserer Astronomie geworden, wenn einstmals nicht das Fernrohr erfunden worden wäre, das in einer bestimmten Zeit erfunden worden ist. Verfolgen Sie unsere Astronomie zurück, und Sie werden sehen, daß unendlich vieles an der Erfindung des Fernrohres hängt. Nun ist es ja bekannt, daß das Fernrohr dadurch erfunden worden ist, daß in einer optischen Werkstatt einmal Kinder &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
mit Linsen gespielt haben, wobei sie durch einen «Zufall», so könnte man sagen, optische Linsen so zusammengestellt haben, daß hernach jemand darauf gekommen ist: Dadurch könnte sich so etwas ergeben wIe ein Fernrohr. - Denken Sie, wie tief Sie suchen müssen, um zu dem individuellen Karma der Kinder und dem Karma der Menschheit zu kommen, daß in einem bestimmten Zeitpunkt das Fernrohr erfunden worden ist! Versuchen Sie das zusammenzudenken, und Sie werden sehen, wie in merkwürdiger Art das Karma einzelner Individualitäten und das Karma der ganzen Menschheit sich kreuzen und ineinanderweben! Da werden Sie sich sagen: Man müßte sich die ganze Menschheitsentwickelung anders denken, wenn nicht zu einer bestimmten Zeit dies oder jenes eingetreten ware.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Frage ist gewöhnlich ganz müßig: Was wäre mit dem Römischen Reiche geworden, wenn nicht die Griechen in einer bestimmten Zeit den persischen Angriff in den Perserkriegen zurückgeschlagen hätten? - Aber nicht müßig ist die Frage: Wodurch ist es gekommen, daß die Perserkriege gerade in dieser Weise verlaufen sind? - Wer dieser Frage nachgeht und eine Antwort sucht, der wird sehen, daß im Orient ganz bestimmte Errungenschaften nur dadurch zustande kamen, daß gewisse despotische Herrscher da waren, die nur für ihre Person etwas wollten und sich zu diesem Zwecke verbanden mit den Opferpriestern und so weiter. Die ganzen damaligen Staatseinrichtungen waren notwendig, damit im Orient etwas geschaffen werden konnte, aber diese Einrichtungen haben es mit sich gebracht&amp;gt; daß auch alle die Schäden eintraten, die dann eingetreten sind. Und damit hängt es zusammen, daß ein andersgeaitetes Volk - die Griechen - im entsprechenden Moment den morgenländischen Angriff zurückschlagen konnte. Wenn wir das bedenken, werden wir fragen: Wie steht es mit dem Karma der Persönlichkeiten, die in Griechenland gewirkt haben, um den persischen An- griff zurückzuschlagen? - Da werden wir manches Persönliche finden im Karma der betreffenden Menschen; aber wir werden auch finden, daß das persönliche Karma mit dem Volks- und Menschheitskarma verknüpft ist, so daß es berechtigt ist zu sagen: Das ganze Menschheitskarma hat gerade diese bestimmten Persönlichkeiten an diesen Ort in diese Zeit gestellt! - Wir sehen da hineinspielen Menschheitskarma in &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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das Einzelkarma. Und wir werden uns weiter fragen müssen, wie diese Dinge zusammenspielen. Aber wir können noch weitergehen und einen andern Zusammenhang betrachten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir können zurückblicken im Sinne der Geisteswissenschaft auf eine Zeit unserer Erdenentwickelung, in der es auf unserer Erde noch kein Mineralreich gegeben hat. Unserer Erdenentwickelung gingen voran die Saturn-, die Sonnen- und die Mondentwickelung, wo es noch kein mineralisches Reich in unserem Sinne gegeben hat. Erst auf der Erde sind unsere heutigen Mineralien in ihren heutigen Formen entstanden. Dadurch aber, daß sich das Mineralreich ausgeschieden hat im Verlaufe der Erdentwickelung, ist es als ein besonderes Reich für alle Folgezeit da. Vorher haben sich Menschen, Tiere und Pflanzen so entwickelt, daß kein ihnen zugrunde liegendes Mineralreich vorhanden war. Damit die andern Reiche einen späteren Fortschritt erreichen konnten, mußten sie das Mineralreich ausscheiden. Aber nachdem sie es ausgeschieden haben, können sie sich nur so entwickeln, wie sie sich entwickeln auf einem Planeten, der eine feste mineralische Grundlage hat. Und nie wird etwas anderes entstehen als das, was unter der Voraussetzung geschah, daß die Bildung eines Mineralreiches zustande kam. Das Mineral reich ist da, und alle späteren Schicksale der andern Reiche hängen ab von der Entstehung des Mineralreiches, das sich einmal in unserem Erdendasein in einer urfernen Vergangenheit gebildet hat. - So ist mit der Tatsache der Entstehung des Mineral reiches etwas geschehen, womit alle spätere Erdentwickelung zu rechnen hat. Es wird sich an allen andern Wesen erfüllen, was aus der Entstehung des Mineralreiches folgt. Da haben wir wieder in späteren Zeitaltern die karmische Erfüllung für etwas, was früher geschehen ist. Auf der Erde erfüllt sich, was sich auf der Erde vorbereitet hat. Es ist ein Zusammenhang von dem,was früher, und dem, was später geschehen ist, aber auch ein solcher Zusammenhang, der in der Wirkung zurückschlägt auf das verursachende Wesen. Menschen, Tiere und Pflanzen haben das Mineralreich ausgeschieden, und das Mineral reich schlägt wieder auf sie zurück. Da sehen wir, daß es möglich ist, von einem Karma der Erde zu sprechen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und endlich können wir etwas hervorheben, wozu sich die Grund-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|31}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
lagen in den allgemeinen Ausführungen der «Geheimwissenschaft im Umriß» finden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir wissen, daß gewisse Wesenheiten zurückgeblieben sind auf der Stufe der alten Mondentwickelung, und daß diese Wesen zurückgeblieben sind, um dem Menschen der Erde ganz bestimmte Eigenschaften beizubringen. Aber nicht nur Wesenheiten sind zurückgeblieben von der alten Mondenzeit der Erde, sondern auch Substantialitäten. Auf der Mondenstufe sind Wesen stehengeblieben, die als luziferische Wesenheiten in unser Erdendasein hineinwirken. Durch diese Tatsache des Stehenbleibens und des Hereinwirkens in unser Erdendasein vollziehen sich im Erdendasein Wirkungen, zu denen die Ursachen schon im Mondendasein gelegt worden sind. Aber auch substantiell vollzieht sich so etwas. - Wenn wir heute unser Sonnensystem ansehen, finden wir es zusammengesetzt aus Weltenkörpern, die regelmäßig wiederkehrende und eine gewisse innere Geschlossenheit zeigende Bewegungen ausführen. Aber andere Weltenkörper finden wir, die sich zwar auch mit einem gewissen Rhythmus bewegen, die aber sozusagen die gewöhnlichen Gesetze des Sonnensystems durchbrechen, nämlich die Kometen. Nun ist die Substanz eines Kometen nicht eine solche mit Gesetzen, wie sie in unserem gewöhnlichen, regulären Sonnensystem bestehen, sondern mit Gesetzen, wie sie im alten Mondendasein existiert haben. In der Tat hat sich im kometarischen Dasein erhalten die Gesetzmäßigkeit des alten Mondendaseins. Ich habe schon öfter erwähnt, daß die Geistes- wissenschaft diese Gesetzmäßigkeit nachgewiesen hat, bevor eine Bestätigung von seiten der Naturwissenschaft eingetreten ist. Im Jahre 1906 habe ich in Paris auf die Tatsache aufmerksam gemacht, daß während des alten Mondendaseins gewisse Verbindungen von Kohlenstoff und Stickstoff eine ähnliche Rolle spielten wie heute auf der Erde Verbindungen von Sauerstoff und Kohlenstoff, also Kohlensäure, Kohlendioxyd und so weiter. Diese letzteren Verbindungen haben etwas Ertötendes. Eine ähnliche Rolle haben Zyanverbindungen, blausäureartige Verbindungen während des alten Mondendaseins gespielt. Auf diese Tatsache wurde hingewiesen von der Geisteswissenschaft 1906. Auch in andern Vorträgen wurde darauf hingewiesen, daß das kometarische Dasein die Gesetze des alten Mondendaseins hineinführt &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|32}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
in unser Sonnensystem, so daß also nicht nur zurückgeblieben sind die luziferischen Wesen, sondern auch die Gesetzmäßigkeit der alten Mondensubstanz, die in unregelmäßiger Weise hineinwirkt in unser Sonnensystem. Und es wurde immer gesagt, das kometarische Dasein müsse heute noch etwas enthalten wie Zyanverbindungen in der Kometenatmosphäre. Erst viel später, als das durch die Geisteswissenschaft verkündet worden ist, in diesem Jahre erst, ist durch die Spektralanalyse das Blausäurespektrum im Kometendasein gefunden worden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier haben Sie einen der Beweise dafür, wenn gesagt wird: Zeigt uns einmal, wie man wirklich mit der Geisteswissenschaft etwas finden kann! - Solche Dinge gibt es mehr; sie sollten nur beobachtet werden. So wirkt also etwas hinein von unserem alten Mondendasein in das jetzige Erdendasein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun fragen wir uns: Darf behauptet werden, daß äußeren sinnlichen Erscheinungen zugrunde liegt ein Geistiges?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den, der sich zur Geisteswissenschaft bekennt, ist es klar, daß hinter allem sinnlich Wirklichen auch ein Geistiges liegt. Wenn substantiell etwas vom alten Mondendasein hineinwirkt in unser Erden- dasein, wenn der Komet unser Erdendasein bestrahlt,,so wirkt dahinter auch etwas Geistiges. Und wir könnten sogar angeben, welches Geistige sich zum Beispiel anzeigt durch den Halleyschen Kometen. Der Halleysche Komet ist der äußere Ausdruck - jedesmal, wenn er in die Sphäre unseres Erdendaseins hineinkommt - zu einem neuen Impuls zum Materialismus. Das mag der heutigen Welt abergläubisch erscheinen. Aber die Menschen sollten sich dann nur darauf besinnen, wie sie selbst geistige Wirkungen von Konstellationen der Sterne herleiten. Oder wer würde nicht sagen, daß der Eskimo deshalb ein andersgeartetes Menschenwesen ist als zum Beispiel der Hindu, weil in der Polargegend die Sonnenstrahlen unter einem andern Winkel einfallen? Überall führen auch die Naturwissenschafter auf Sternkonstellationen geistige Wirkungen in der Menschheit zurück. - Also ein geistiger Impuls zum Materialismus erfolgt parallel dem Halleyschen Kometen. Dieser Impuls kann nachgewiesen werden: Auf das Erscheinen des Halleyschen Kometen vom Jahre 1835 folgte jene materialistische Zeitströmung, die man bezeichnen kann als den Materialismus der zweiten Hälfte des &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|33}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
vorIgen Jahrhunderts; auf die Erscheinung vorher folgte die materialistische Aufhlärerei der französischen Enzyklopädisten. Das ist der Zusammenhang.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit gewisse Dinge eintreten im Erdensein, mußten die Ursachen dazu früher, außerhalb des Erdendaseins gelegt werden. Und hier haben wir es sogar mit einem Weltenkarma zu tun. Denn warum ist auf dem alten Monde Geistiges und Substantielles ausgeschaltet worden? Damit gewisse Wirkungen wieder zurückstrahlen können auf die jenigen Wesenheiten, welche dieses ausgeschieden haben. Die luziferisehen Wesenheiten sind ausgeschieden worden, haben eine andere Entwickelung durchmachen müssen, damit für die Wesen, die auf der Erde sind, freier Wille und die Möglichkeit zum Bösen auf der Erde entstehen konnten. Da haben wir etwas, was an karmischen Wirkungen über unser Erdendasein hinausgeht: einen Ausblick auf das Weltenkarma.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So konnten wir heute sprechen über den Karmabegriff, über seine Bedeutung für die einzelne Persönlichkeit, für die Individualität, für die ganze Menschheit, innerhalb der Wirkungen unserer Erde und über die Erde hinaus - und wir haben noch etwas gefunden, was wir als Weltenkarma ansprechen können. So finden wir das Karmagesetz, das wir nennen können ein Gesetz vom Zusammenhang zwischen Ursache und Wirkung, aber in der Weise, daß die Wirkung wieder auf die Ursache zurückschlägt und daß sich beim Zurückschlagen noch das Wesen erhalten hat, dasselbe geblieben ist. Wir finden diese karmische Gesetzmäßigkeit überall in der Welt, insofern wir die Welt als eine geistige betrachten. Wir ahnen, daß sich das Karma auf den verschiedensten Gebieten in der verschiedensten Weise offenbaren wird. Und wir ahnen, wie die verschiedenen karmischen Strömungen - persönliches Karma, Menschheitskarma, Erdenkarma, Weltenkarma und so weiter - sich kreuzen werden und daß uns gerade dadurch die Aufschlüsse werden, die wir brauchen, um das Leben zu verstehen. Und an seinen einzelnen Punkten ist das Leben nur zu verstehen, wenn wir das Zusammenwirken der verschiedensten karmischen Strömungen finden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
= ZWEITER VORTRAG Hamburg, 17. Mai 1910 =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bevor wir zu unseren eigentlichen menschlichen Karmafragen kommen, wie sie angekündigt sind, sind eine Reihe von Vorbetrachtungen notwendig. Dazu gehört das, was gestern gesagt worden ist: eine Art Beschreibung des Karmabegriffes. Dazu gehört auch das, was heute zu sagen sein wird über Karma und Tierreich. Was man nennen könnte äußere Beweise für die Wirklichkeit der karmischen Gesetzmäßigkeit, das werden Sie im Laufe des Zyklus an denjenigen Stellen finden, wo gerade Veranlassung sein wird, auf diese äußeren Beweise besonders hinzudeuten. Bei diesen Gelegenheiten werden Sie auch die Möglichkeit finden, über die Begründung der Karmaidee zu Außenstehenden zu sprechen, welche Sie, über dies oder jenes als Zweifler an der ganzen Karmaidee, befragen werden. Zu alledem sind aber einige Vorbetrachtungen notwendig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was läge denn näher, als zu fragen: Wie verhalten sich tierisches Leben, tierisches Schicksal zu dem, was wir den Verlauf des menschlichen Karma nennen, in dem wir - wie sich zeigen wird - die wichtigsten und tiefeingreifendsten Schicksals fragen für den Menschen beschlossen finden?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Verhältnis der Menschen auf der Erde zur Tierwelt ist ja im Laufe der Zeit und auch je nach den verschiedenen Völkern ein verschiedenes. Und es ist gewiß nicht uninteressant, zu sehen, wie bei Völkerschaften, die sich die besten Teile der uralt heiligen Weisheit der Menschheit bewahrt haben, eine weitgehend mitleidvolle, liebevolle Behandlung der Tiere Platz gegriffen hat. Innerhalb der Welt des Buddhismus zum Beispiel, der sich wichtige Teile alter Weltanschauungen bewahrt hat, wie sie die Menschen in ihrer Urzeit hatten, haben wir eine tiefgehend mitleidvolle Behandlung der Tiere, eine Behandlung der Tiere und Gefühle gegenüber der Tierwelt, die in Europa unzählige Menschen noch nicht verstehen können. Aber auch bei andern Völkern - ich erinnere nur an den Araber in bezug auf Behandlung seines Pferdes -, insbesondere wenn diese Völker sich etwas bewahrt &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
haben von den alten Anschauungen, wie sie als alte Erbstücke da und dort auftreten, finden Sie eine Art «Freundschaft» zu den Tieren, etwas wie menschliche Behandlung der Tiere. Dagegen darf man Wohl sagen, daß in denjenigen Gegenden, in denen sich eine Art von Weltanschauung der Zukunft vorbereitet, in den abendländischen Gegenden, wenig Verständnis für solches Mitleid mit der Tierwelt Platz gegriffen hat. Und charakteristisch ist es, daß im Verlaufe des Mittelalters und dann auch bis in unsere Zeit hinein gerade in Ländern, in denen die christlicheWeltanschauung Ausbreitung gewonnen hat, die Anschauung auf tauchen konnte, daß die Tiere überhaupt nicht als Wesen zu betrachten seien mit einem eigentlichen Seelenleben, sondern als eine Art Auto maten. Und es ist vielleicht nicht mit Unrecht darauf aufmerksam gemacht worden - wenn auch nicht immer mit einem großen Verständ nls -, daß diese Anschauungen, welche von der abendländischen Philosophie vielfach vertreten worden sind, daß die Tiere Automaten seien und ein eigentliches Seelen leben nicht haben, hinuntergesickert sind in die Volkskreise, die kein Mitleid und oft auch keine Grenze kennen in der grausamen Behandlung der ~iere. Ja, die Sache ist so weit gegangen, daß man einen großen Philosophen der Neuzeit, Cartesius, in seinen Gedanken über die Tierwelt recht gründlich hat mißverstehen können.Wir müssen uns natürlich klar sein, daß von den eigentlich bedeutenden Geistern der abendländischen Kulturentwickelung diese Anschauung,daß dieTiere nur Automaten seien, niemals vertreten worden ist. Es hat auch Cartesius nicht diese Anschauung vertreten, obwohl Sie In vielen Büchern über Philosophie lesen können, daß Cartesius eine solche Anschauung vertreten habe. Das ist aber nicht wahr; sondern&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wer Cartesius kennt, der weiß, daß er den Tieren zwar nicht ein solches Seelisches zuschreibt, das sich dazu entwickeln kann, aus dem Ich- Bewußtsein heraus zu elnem Beweise für das Dasein Gottes zu kommen, aber er schreibt dennoch dem ,Tiere zu, daß es durchströmt, durchseelt ist mit den sogenannten Lebensgeistern, die allerdings nicht eine so einheitlicbe Individualität darstellen wie das Ich des Menschen, aber doch in der tierischen Organisation als Seele wirken. Und es ist gerade das Charakteristische, daß man Cartesius in dieser Beziehung hat gründlich mißverstehen können. Denn das zeigt uns, daß in den verflossenen &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Jahrhunderten unserer abendländischen Entwickelung die Tendenz vorhanden war, den Tieren etwas bloß Automatisches zuzuschreiben, und diese Tendenz hat man selbst da hineingelesen, wo man sie nicht hätte hineinlesen können, wenn man gewissenhaft zu Werke gegangen wäre, nämlich bei Cartesius. Die abendländische Kulturentwickelung hat das Eigentümliche, daß sie sich herausbilden mußte aus den Elementen des Materialismus. Und man kann sogar sagen: Der Aufgang des Christentums hat sich so vollzogen, daß dieser bedeutungsvolle Impuls der Menschheitsentwickelung zuerst in eine materialistische abendländische Gesinnung hineinverpflanzt worden ist. Der Materialismus der neueren Zeit ist nur eine Folge dessen, daß auch das spirituellste Religionsbekenntnis, das Christentum, zunächst im Abendlande eine materialistische Auffassung hat finden können. Es ist einmal - wenn wir so sagen dürfen - das Menschheitsschicksal der abendländischen Völker, daß sie sich emporarbeiten müssen aus materialistischen Untergründen und gerade in der Überwindung der materialistischen Ansichten und Tendenzen die starken Kräfte werden entfalten müssen zu einem höchsten Spiritualismus. Damit, daß dieses Schicksal, dieses Karma den abendländischen Völkern geworden ist, ist auch bei ihnen jener Zug entstanden, die Tiere nur wie Automaten zu betrachten. Wer nicht gut das Wirken des geistigen Lebens durchschauen kann, wer nur sich halten kann an das, was uns in der sinnlichen Außenwelt umgibt, der wird aus den Eindrücken dieser sinnlichen Außenwelt heraus leicht zu einer Auffassung über die Tierwelt kommen können, welche die Tiere möglichst niedrig stellt. Dagegen haben solche Weltanschauungen, die noch Elemente der alten spirituellen Weltanschauungen der Urweisheit der Menschheit in sich behalten haben, sich eine Art Erkenntnis bewahrt über das, was auch in der Tierwelt geistig ist; und trotz allen Mißverständnissen, trotz all dem, was sich in ihre Weltanschauungen eingeschlichen und deren Reinheit verdorben hat, konnten sie doch nicht vergessen&amp;gt; daß geistige Tätigkeiten, geistige Gesetze an dem Ausleben und Ausgestalten des Tierischen betätigt sind. Wenn wir also auf der einen Seite gerade in dem Mangel geistiger Weltanschauungen ein Unverständnis des Tierisch-Seelischen erblicken müssen, so dürfen wir uns auf der andern Seite nicht darüber täuschen, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
daß auch das wiederum nur ein Ausfluß einer rein materialistischen Weltanschauung wäre, wenn wir die Karmaidee, wie sie uns dienen wird, menschliches Schicksal und menschliches Karma zu verstehen, ohne weiteres auf die tierische Welt anwenden würden. Das dürfen wir nicht. Es ist schon gestern darauf hingewiesen worden, daß es notwendig ist, den Begriff des Karma ganz genau zu fassen. Und wir würden fehlgehen,wenn wir das&amp;gt; was wir gefordert haben als ein Rückschlagen der Wirkung auf das Wesen, von dem die Verursachung ausgegangen ist, wenn wir das auch in der tierischen Welt suchen würden; denn in einem umfassenderen Maße werden wir die karmische Gesetzmäßigkeit erst dadurch kennenlernen können, daß wir über das einzelne menschliche Leben zwischen Geburt und Tod hinausgehen, den Menschen verfolgen durch die Aufeinanderfolge seiner Wiederverkörperungen und daß wir finden werden, daß jener Rückschlag einer Ursache, welche wir in einem Leben gelegt haben, erst in einem späteren Leben kommen kann, so daß sich die karmische Gesetzmäßigkeit von Leben zu Leben zieht, und die Wirkungen von Ursachen eben nicht einzutreten brauchen - ja, wenn wir Karma im großen betrachten, auch ganz gewiß nicht eintreten in demselben Leben zwischen Geburt und Tod.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun wissen wir schon aus den äußeren geisteswissenschaftlichen Betrachtungen, daß wir beim T`lere von einer solchenWiederverkörperung, wie sie beim Menschen stattfindet, nicht sprechen können. Für jene menschliche Individualität, welche sich erhält, wenn der Mensch durch die Pforte des Todes schreitet, welche durchlebt ein besonderes Leben im Geistigen in der Zeit vom Tode bis zur neuen Geburt, um dann durch eine neue Geburt wieder ins Dasein zu treten, für diese menschliche Individualität finden wir etwas Ähnliches oder gar etwas ganz Gleiches in der tierischen Welt durchaus nicht. Wir können nicht in derselben Weise, wie wir den menschlichen Tod auffassen, von dem tierischen Tode sprechen. Denn alles, was wir beschreiben als die Schicksale der menschlichen Individualität, nachdem der Mensch durch die Pforte des Todes gesch ritten ist, verhält sich in der Tierwelt nicht in der gleichen Art; und wenn man glauben würde, daß wir in einem tierischen Individuum das wiederverkörperte Wesen eines schon früher auf der Erde vorhanden gewesenen Tieres suchen könnten, wie wir das beim Menschen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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tun müssen, dann würden wir uns durchaus einem Irrtum hingeben. Heute, wo man gern alles, was sich uns in der Welt darbietet, nur seiner Außenseite nach betrachtet und nicht auf das Innere eingeht, können ja die eigentlichen großen Gegensätze, die wichtigsten Unterscheidungen zwischen Mensch und Tier gar nicht vor Augen treten. Äußerlich - rein materialistisch betrachtet - nimmt sich die Erscheinung des Todes bei Mensch und Tier in der gleichen Art aus. Da kann man leicht glauben, wenn man das Leben eines Tieres betrachtet, daß man einzelne Erscheinungen dieses individuellen Lebens des Tieres vergleichen könnte mit einzelnen Erscheinungen des persönlichen Lebens des Menschen zwischen Geburt und Tod. Aber da würde man ganz fehlgehen. Deshalb soll auf die durchgreifenden Unterschiede zwischen demYierischen und dem Menschlichen zunächst an einzelnen Beispielen hingedeutet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nur derjenige kann sich nämlich diesen Unterschied zwischen Tier und Mensch vollständig klarlegen, der unbefangen nicht nur auf die sich seinem äußeren sinnlichen Anschauen, sondern auch auf die seinem kombinierenden Denken sich ergebenden Tatsachen eingeht. Da finden wir eine Erscheinung, die auch von den Naturforschern hervorgehoben wird, mit der aber die Naturforscher der Gegenwart nichts Rechtes anzufangen wissen, nämlich die Erscheinung, daß der Mensch eigentlich das Allereinfachste erst lernen muß: den Gebrauch der einfachsten Werkzeuge hat der Mensch im Laufe seiner Geschichte lernen müssen, und unsere Kinder müssen heute noch die allereinfachsten Sachen eben lernen, und sie müssen eine gewisse Zeit anwenden, um sie zu lernen. Es kostet Mühe, dem Menschen etwas beizubringen, einfache Handgriffe, Verfertigung von Instrumenten und Werkzeugen und so weiter. Wenn wir dagegen die Tiere betrachten, müssen wir sagen: Wieviel besser haben es die Tiere in dieser Beziehung! - Denken wir uns, wie der Biber seinen komplizierten kunstvollen Bau aufführt. Er braucht es nicht zu lernen; er kann es, indem er es mitbringt als eine ihm eingeprägte Gesetzmäßigkeit, wie wir uns als Menschen mitbringen die Möglichkeit, die «Kunst», um das siebente Jahr unsere Zähne zu wechseln. Das braucht auch keiner zu lernen. So bringen sich die Tiere eine solche Fähigkeit mit, wie sie der Biber hat, seinen Bau aufzuführen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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Und wenn Sie Umschau halten im Tierreich, werden Sie finden, daß die Tiere sich ganz bestimmte Kunstfertigkeiten mitbringen, durch welche etwas zustande gebracht werden kann, an das menschliche Kunst fertigkeit bei allem, wie wir es so herrlich weit gebracht haben, noch lange nicht heran reicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun kann die Frage entstehen: Wie kommt es denn eigentlich, daß der Mensch, wenn er geboren wird, unfähiger ist als zum Beispiel ein Huhn oder ein Biber, daß er das, was diese Wesenheiten sich schon mit- bringen, erst mühevoll sich aneignen muß? Das ist eine große Frage. Und daß es eine große Frage ist, muß man vor allen Dingen empfinden lernen. Denn es kommt bei dem, was der Mensch für seineWeltanschauung gewinnen muß&amp;gt; viel weniger darauf an, daß man auf wichtige Tatsachen hinweist, als daß man weiß, wo wichtige Fragen zu stellen sind. Tatsachen können richtig sein, brauchen aber nicht immer wertvoll zu sein für unsere Weltanschauung. Nun würde es, obwohl wir noch heute auf die Ursachen dieser Erscheinungen geisteswissenschaftlich eingehen werden, doch zu weit führen, wenn man in allen Einzelheiten zeigen würde, warum das so ist. Aber zunächst kann doch mit ein paar Worten darauf hingewiesen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir geisteswissenschaftlich zurückgehen in der menschlichen Entwickelung bis in urferne Vergangenheiten, so werden wir finden, daß diejenigen Kräfte und Elemente, welche sozusagen dem Biber oder einem andern Tiere zur Verfügung stehen, um solche Kunstfertigkeiten mit sich auf die Welt zu bringen, dem Menschen auch zur Verfügung gestanden haben. Der Mensch hat ja nicht gerade in seine Anlage in urferner Vergangenheit bloß die Ungeschicklichkeit aufgenommen und dem Tiere überlassen müssen die primitive Geschicklichkeit. Er hat diese Anlage auch empfangen, ja im Grunde genommen in einem weit reicheren Maße als die Tiere. Denn wenn auch die Tiere gewisse große Kunstfertigkeiten mit auf die Welt bringen, so sind diese doch im Leben einseitig. Der Mensch kann im Grunde genommen gar nichts, wenn er ins Leben tritt, er muß alles erst lernen, was sich auf die äußere Welt bezieht. Das ist etwas radikal ausgedrückt, aber wir werden uns verstehen. Wenn der Mensch aber dann lernt, zeigt sich bald, daß er vielseitiger, daß seine Entwickelung eine reichere werden kann in bezug &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
auf die Ausprägung gewisser Kunstfertigkeiten und dergleichen, als das beim Tiere der Fall ist. Also der Mensch hat reiche Anlagen ursprünglich mitbekommen - und dennoch hat er sie heute nicht. Nun tritt die eigentümliche Erscheinung zutage, daß ursprünglich Mensch und Tier in gleicher Weise ausgestattet waren. Und wenn wir zurückgehen würden bis zur alten Saturnentwickelung, so würden wir finden, daß eine Unterscheidung der menschlichen und tierischen Entwickelung noch gar nicht stattgefunden hatte. Da waren beide vollständig gleich veranlagt. - Was ist nun in der Zwischenzeit geschehen, daß das Tier alle möglichenGeschicklichkeiten mit ins Dasein trägt,während der Mensch ein so ungeschickter Genosse des Weltendaseins ist? Wie hat sich der Mensch eigentlich benommen in der Zwischenzeit, daß er jetzt plötzlich alles das nicht hat,was er mitbekommen hatte? Hat er das im Laufe der Entwickelung sinnlos verschwendet, während es sich die Tiere als sparsame Haushalter bewahrt haben? Diese Frage kann aus dem wirklichen Tatbestand heraus aufgeworfen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Mensch hat diese Anlagen, die heute das Tier in äußerer Geschicklichkeit auslebt, nicht verschwendet; er hat sie auch verwendet, aber zu etwas anderem als die Tiere. Die Tiere prägen sie in äußeren Geschicklichkeiten aus; Biber und Wespe bauen ihr Nest. Der Mensch hat dieselben Kräfte, welche die Tiere in dieser Art ausleben, in sich selber hineingetan und verwendet. Und er hat dadurch zustande gebracht, was wir seine höhere menschliche Organisation nennen. Daß der Mensch heute seinen Gang aufrecht hat, daß er das vollkommenere Gehirn, überhaupt eine vollkommenere innere Organisation hat, das bedurfte auch gewisser Kräfte; und das sind dieselben Kräfte, mit denen sich der Biber seinen Biberbau errichtet. Der Biber baut sich sein Nest. Der Mensch hat die Kräfte auf sich verwendet, zu seinem Gehirn, zu seinem Nervensystem und so weiter. Daher hat der Mensch zunächst nichts übrig behalten, um in derselben Weise nach außen zu arbeiten. Also, daß wir heute unter den Tieren schreiten mit einem vollkommeneren Bau, das rührt davon her, daß wir alles, was der Biber draußen verarbeitet, einmal im Laufe der Entwickelung auf unseren inneren Bau verwendet haben.Wir haben drinnen unseren Biberbau und können daher nach außen diese Kräfte nicht mehr in derselben Weise entfalten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Da sehen wir, wenn wir an einer einheitlichen Weltauffassung festhalten, wohin die verschiedenen Anlagen, die in den Wesen vorhanden sind, kommen und wie sie uns heute entgegentreten. Indem der Mensch in seiner Weise diese Kräfte verwendet hat, wurde für ihn in seiner Erdentwickelung eine ganz besondere Einrichtung notwendig, die wir zum Teil schon kennen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Warum mußten beim Menschen die Kräfte, von denen jetzt eben gesprochen worden ist und die uns bei den verschiedenen Arten und Gattungen des Tierreiches in äußeren Verrichtungen entgegentreten, auf das Innere der menschlichen Organisation verwendet werden? Weil der Mensch nur dadurch, daß er sich die innere Organisation verschaffen konnte, der Träger dessen werden konnte, was heute das Ich ist, was von Inkarnation zu Inkarnation schreitet. Eine andere Organisation hätte kein solcher Ich-Träger werden können; denn es hängt durchaus von dem äußeren Gehäuse ab, ob eine Ich-Individualität sich im Erden- dasein betätigen kann oder nicht. Sie könnte es nicht, wenn die äußere Organisation nicht der Ich-Individualität angemessen wäre. Alles lief also darauf hinaus, die äußere Organisation dieser Ich-Individualität angemessen zu machen. Dazu mußte eine besondere Einrichtung geschaffen werden, und die kennen wir schon ihrer wesentlichen Seite nach.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir wissen, daß unserer Erdentwickelung vorangegangen ist die Mondentwickelung, dieser wieder die Sonnenentwickelung und dieser eine Saturnentwickelung. Als die alte Mondentwickelung zu Ende war, war der Mensch auf einer Stufe in bezug auf sein äußeres Dasein, die man als Tier-Menschlichkeit bezeichnen kann. Aber damals war diese äußere menschliche 0rganisation noch nicht so weit, daß sie der Träger einer Ich-Individualität hätte werden können. Erst die Erdentwickelung des Menschen hatte die Aufgabe, dieser Organisation das Ich einzuverleiben. Das konnte aber nur dadurch geschehen, daß die Vorgänge unserer Erdentwickelung in einer ganz eigenartigen Weise eingerichtet wurden. - Als die alte Mondentwickelung zu Ende gegangen war, löste sich alles sozusagen in ein Chaos auf. Daraus ging nach einer entsprechenden Zeit kosmischer Dämmerung wieder hervor der neue Kosmos unserer Erdentwickelung. In diesem Kosmos der Erdentwickelung war &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|42}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
damals alles enthalten, v`as heute als unser Sonnensystem mit uns und der Erde verbunden ist. Aus diesem Zusammenhang, aus dieser kosmischen Einheit haben sich dann erst abgespalten alle andern Weltkörper von unserer eigentlichen Erde. Wir brauchen nicht einzugehen auf die Art und Weise, wie sich die andern Planeten, Jupiter, Mars und so weiter, abgespalten haben. Wir müssen nur darauf hinweisen, daß in einem bestimmten Zeitpunkt der Erdentwickelung sich unsere Erde und unsere Sonne getrennt haben. Als dann schon die Sonne abgetrennt war und ihre Wirkungen von außen auf die Erde hereinsandte, war unsere Erde noch mit dem heutigen Monde verbunden, so daß die Substanzen und geistigen Kräfte, die heute an den Mond gekettet sind, damals noch mit unserer Erde verbunden waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist öfter schon die Frage berührt worden, was geschehen wäre, wenn sich die Sonne nicht abgespalten hätte von der Erde und nicht übergegangen wäre zu jenem Zustande, in dem sie wie heute von außen auf die Erde wirkt. Indem zunächst die Erde noch mit der Sonne verbunden war, waren bei den ganz anders gearteten Verhältnissen noch das ganze kosmische System und auch die Vorfahren der menschlichen Organisation miteinander vereinigt. Es ist natürlich ein Unding, die heutigen Verhältnisse anzuschauen und dann zu sagen: Was ist das für ein Unsinn von den Theosophen; da hätten ja alle die organisierten Wesen verbrennen müssen! - Diese Wesen waren eben so, daß sie unter den damaligen Verhältnissen in dieser ganz anders gearteten kosmischen Einheit bestehen konnten. - Wenn nun die Sonne in Verbindung mit der Erde geblieben wäre, dann wären ganz andere, viel heftigere Kräfte mit der Erde verbunden geblieben, und die Folge wäre gewesen, daß die ganze Entwickelung der Erde mit einer solchen Heftigkeit und Schnelligkeit fortgeschritten wäre, daß es gar nicht möglich gewesen wäre, daß die menschliche Organisation sich hätte so ausleben können, wie sie sich ausleben mußte. Daher war es notwendig, daß der Erde ein langsameres Tempo und dichtere Kräfte zur Verfügung gestellt wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das konnte nur dadurch geschehen, daß die stürmischen, vehementen Kräfte sich herauszogen aus der Erde. So wirkten die Kräfte der Sonne vor allen Dingen dadurch schwächer, daß sie jetzt von außen durch die Entfernung auf die Erde wirkten. Dadurch aber war nun etwas anderes &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|43}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
eingetreten. Es war jetzt die Erde in einem Zustande, daß die Menschen wiederum nicht hätten in der richtigen Weise vorwärtskommen können. Die Verhältnisse waren jetzt zu dicht, zu sehr verholzend und verdorrend für alles Leben. Der Mensch hätte wieder nicht zu seiner Entwickelung kommen können, wenn es so geblieben wäre. Abgeholfen wurde dem durch eine besondere Einrichtung, indem nämlich einige Zeit nach dem Sonnenaustritt der heutige Mond die Erde verlassen hat und die verlangsamenden Kräfte, die das Leben hätten zu einem langsamen Tode kommen lassen, mit sich fortgenommen hat. So blieb die Erde zwischen Sonne und Mond zurück, gerade das richtige Tempo wählend für die menschliche Organisation, um ein Ich als einen Träger der Individualität, die von Inkarnation zu Inkarnation geht, wirklich aufzunehmen. Die menschliche Organisation, wie sie heute ist, war unter gar keinen andern Umständen aus dem Kosmos heraus herzu stellen als durch diesen Vorgang zunächst der Sonnen- und dann der Mondentrennung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es könnte vielleicht jemand sagen: Wenn ich der Herrgott gewesen wäre, so hätte ich es anders gemacht; ich hätte gleich eine solche Mischung hergestellt, daß die menschliche Organisation in einer solchenWeise hätte fortschreiten können, wie sie hat fortschreiten müssen. Warum nun war es nötig, daß zuerst die Sonne heraustreten mußte und daß dann noch einmal ein Mondaustritt notwendig wurde?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer so denkt, denkt viel zu abstrakt. Er denkt nicht daran, daß, wenn in der Weltordnung eine innerliche Mannigfaltigkeit herbeigeführt werden soll, wie es die menschliche Organisation ist, für jeden einzelnen Teil eine besondere Einrichtung notwendig ist und daß man das nicht in die Wirklichkeit umsetzen kann, was sich der menschliche Gedanke spintisierend ausdenkt. In abstracto kann man alles denken; aber in der wirklichen Geisteswissenschaft muß man lernen, konkret zu denken, so daß man sich sagt: Die menschliche Organisation ist ja keine einfache. Sie besteht aus einem physischen Leib, einem Ätherleib und einem astralischen Leib. Diese drei Glieder mußten erst in ein bestimmtes Gleichgewicht gebracht werden, so daß die einzelnen Teile in einem richtigen Verhältnisse zueinander stehen. Das konnte nur durch diesen dreifachen Vorgang stattfinden: Zuerst die Bildung des einheit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|44}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
lichen Kosmos, der ganzen kosmischen Einheit Erde, Sonne und Mond zusammen. Dann mußte vollzogen werden für sich dasjenige, was im menschlichen Ätherleib verlangsamend wirken konnte, weil er sonst zu stürmisch alle Entwickelung verzehrt hätte - und das geschah, indem die Sonne hinausgeführt worden ist. Und dann wieder mußte, weil der astralische Leib sonst die menschliche Organisation zu einem Ersterben gebracht hätte, der Mond hinausgeführt werden. Weil der Mensch in seiner Organisation drei Glieder hat, mußten auch diese drei Vorgänge&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
stattfinden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So sehen wir, daß der Mensch sein Dasein, seine gegenwärtigen Eigenschaften einer komplizierten Einrichtung im Kosmos verdankt. Wirwissen aber auch, daß die Entwickelung aller Naturreiche keineswegs gleichen Schritt halten kann mit der allgemeinen Entwickelung. Wir wissen aus den allgemeinen Betrachtungen der letzten Jahre, daß immer auf den einzelnen planetarischenVerkörperungen unserer Erde gewisse Wesenheiten zurückblieben hinter der allgemeinen Entwickelung, welche dann, wenn die Entwickelung vorwärtsschritt, in Zuständen lebten, die der Entwickelung nicht vollständig entsprachen. Wir wissen aber auch, daß alle Entwickelung im Grunde durch solches Zurückbleiben erst richtig in Fluß gebracht werden konnte. Wissen wir doch, daß gewisseWesen während der alten Mondentwickelung zurückgeblieben sind als die «luziferischen Wesenheiten», daß durch sie manches Schlimme verschuldet worden ist, daß wir ihnen aber auch das verdanken, was uns erst das Menschsein möglich macht, nämlich die Möglichkeit der Freiheit, der freien Entfaltung unseres Innenwesens. Ja, wir können sagen: In gewisser Beziehung war das Zurückbleiben der luziferischen Wesenheiten ein Opfer. Sie sind zurückgeblieben, damit sie während des Erdendaseins ganz besondere Tätigkeiten ausüben konnten, näm lich dem Menschen die Leidenschaften verleihen, die mit seiner menschlichen Würde und Selbstbestimmung zusammengehören. - Wir müssen uns eben angewöhnen, ganz andere Begriffe zu gebrauchen, als sie sonst üblich sind, denn aus den gewöhnlichen Begriffen heraus könnte man vielleicht sagen, es hätten die luziferischen Geister gehörig «nachsitzen» müssen, und man wird ihnen ihre Nachlässigkeit nicht verzeihen. Aber es hat sich nicht um eine Nachlässigkeit der luziferischen Wesen ge&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
handelt. Ihr Zurückbleiben ist in gewisser Beziehung ein Opfer gewesen, um durch das, was sie sich durch dieses Opfer angeeignet haben, auf unsere Erdenmenschheit wirken zu können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon aus den gestrigen Andeutungen wissen Sie, daß nicht nur Wesenheiten, sondern auch Substanzen zurückgeblieben sind und sich Gesetze bewahrt haben, die in früheren planetarischen Zuständen die richtigen waren und die sie dann hineingetragen haben in die spätere Entwickelung. So durchkreuzen sich Entwickelungsphasen von alter Zeit mit Entwickelungsphasen von neuer Zeit, sie gehen durcheinander.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dadurch wird die Mannigfaltigkeit des Lebens eigentlich erst möglich. - So stellen sich uns die verschiedensten Grade dar in der Entwickelung der Wesenheiten. Nicht möglich gewesen wäre es, daß neben dem Menschenreich sich überhaupt ein Tierreich entwickelt hätte, wenn nicht nach der Saturnperiode gewisse Wesen zurückgeblieben wären, um - während sich auf der Sonne die Menschen schon zu einer höheren Stufe entwickelt hatten - ein zweites Reich zu bilden und als erste Vorläufer unseres heutigen Tierreiches hervorzukommen. Für die Grundlage späterer Bildungen ist dieses Zurückbleiben durchaus notwendig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn nun die Frage aufgeworfen wird: Warum müssen Wesenheiten und Substanzen zurückbleiben? - so möchte ich das durch einen Vergleich klarmachen. Die Entwickelung des Menschen sollte vorwärts- schreiten von Stufe zu Stufe. Das konnte sie nur dadurch, daß der Mensch sich immer mehr und mehr verfeinerte. Hätte er immer mit denselben Kräften gewirkt&amp;gt; mit denen er während der Saturnphase wirkte, so wäre er nicht vorwärtsgekommen. Er wäre stehengeblieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deshalb mußte er seine Kräfte verfeinern. - Nun nehmen wir, um ein Bild zu haben, einmal ein Glas Wasser an, in welchem irgendein Stoff aufgelöst ist. Da wird alles von oben bis unten in diesem Glas gleiche Färbung zeigen, gleiche Dichtigkeit und so weiter, es wird alles gleich sein. Nehmen wir nun an, es setzen sich die gröberen Stoffe zu Boden, dann bleiben das reinere Wasser und die feineren Substanzen oben. Das Wasser konnte sich also nur dadurch verfeinern, daß es das Gröbere ausgeschieden hat. - So etwas war auch nötig, nachdem die Saturnentwickelung abgelaufen war, es mußte ein solcher Bodensatz entstehen, es mußte die ganze Menschheit etwas ausscheiden und sich &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|46}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die feineren Teile zurückbehalten. Was ausgeschieden worden war, das wurden dann die~iere. Durch das Ausscheiden konnten sich die andern verfeinern und um einen Schritt höher kommen. Und auf jeder solchen Stufe mußten Wesenheiten ausgeschieden werden, damit der Mensch immer höher und höher kommen konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir haben also eine Menschheit, die nur dadurch möglich geworden ist, daß der Mensch sich befreit hat von denjenigen Wesenheiten, die um uns herum in den untergeordneten Reichen leben. Wir haben diese Wesenheiten mit allen ihren Kräften einmal in dem Strom der Entwickelung darinnen gehabt, sie waren damit verbunden wie in dem Wasser die dichteren Bestandteile. Wir haben sie zu Boden sinken lassen und haben uns daraus emporgehoben. Dadurch ist unsere Entwickelung möglich geworden.Wir sehen also hinunter auf die drei neben uns lebenden Naturreiche und sagen: In alledem sehen wir etwas, was unser Boden hat werden müssen, damit wir uns haben entwickeln können. Diese Wesenheiten sind hinuntergesunken, damit wir haben empor- steigen können. So blicken wir in der richtigen Art auf die untergeordneten Naturreiche.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir nun die Erdentwickelung betrachten, wird sich uns dieser Vorgang noch anschaulicher in seinen Einzelheiten darstellen können. Wir müssen uns klar sein, daß alle Tatsachen innerhalb unserer Erdentwickelung doch gewisse Verhältnisse und Zusammenhänge haben. Nun haben wir gesehen, daß die Abtrennung der Sonne und des Mondes von der Erde eigentlich geschehen ist, damit die menschliche Organisation während der Erdentwickelung hat zu derjenigen Höhe kommen können, um eine Individualität zu werden; das gehörte dazu, um die menschliche Organisation gleichsam zu reinigen. Aber dadurch, daß diese Abtrennungen im Weltenall um des Menschen willen geschahen, ist durch solche eingreifende Veränderung in unserem ganzen Sonnensystem doch auch ein Einfluß auf alle drei andern Naturreiche ausgeübt worden, vor allem auf das Tierreich, das uns zunächst steht. Und wenn wir diesen Einfluß verstehen wollen, der auf das Tierreich durch die Vorgänge der Sonnen- und Mondabspaltung geschah, dann bekommen wir aus der Geistesforschung folgenden Aufschluß.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Mensch war auf einer gewissen Stufe seiner Entwickelung, als&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|47}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sich die Sonne abgespalten hatte. Hätte er nun diese Stufe beibehalten müssen, die er während der Zeit hatte, als der Mond noch mit der Erde verbunden war, so hätte der Mensch seine gegenwärtige Organisation nicht erlangen können, er hätte einer gewissen Verödung und Verdorrung entgegengehen müssen. DieMondenkräfte mußten erst heraus- gehen. Daß diese menschliche Organisation möglich geworden ist, ist aber nur dem Umstande zu verdanken, daß der Mensch während der Zeit, als der Mond noch in der Erde war, sich eine Organisation bewahrt hatte, welche noch erweicht werden konnte; denn es wäre möglich gewesen, daß seine Organisation bereits so hart gewesen wäre, daß das Hinausgehen des Mondes nichts mehr genutzt hätte. Auf dieser Stufe, daß die Organisation noch erweicht werden konnte, standen tatsächlich nur die Menschenvorfahren. - Der Mond mußte also zu einer bestimmten Zeit hinausgehen. Was geschah nun bis zu dem Zeitpunkt, wo der Mond heraustrat?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die menschliche Organisation wurde immer gröber und gröber. Der Mensch hat zwar nicht ausgesehen wie Holz. Das wäre eine zu grobe Vorstellung. Es war die damalige Organisation trotz ihrer Grobheit immer noch feiner, als es die jetzige Organisation ist. Aber für die damalige Zeit war die Organisation des Menschen so grob, daß der geistigere Teil des Menschen, der auch dazumal in einer gewissen Weise abwechselnd mit dem physischen Leib zusammen und ohne ihn gelebt hat, in der Zeit zwischen Sonnen- und Mondaustritt endlich dahin gekommen war, daß er, wenn er wieder hat seinen physischen Leib aufsuchen wollen&amp;gt; diesen Leib durch die Vorgänge der Erde so dicht gefunden hat, daß er keine Möglichkeit mehr hatte, in ihn hineinzuziehen und ihn als Gehäuse zu benutzen. Daher geschah es auch, daß der geistig-seelische Teil vieler Menschenvorfahren von der Erde überhaupt Abschied nahm und für eine gewisse Zeit das Fortkommen suchte auf andern, zu unserem Sonnensystem gehörigen Planeten. Nur ein ganz geringer Teil der physischen Leiber war weiter brauchbar und rettete sich über diese Zeit hinüber. Das habe ich auch schon öfter dargestellt, daß die weitaus größte Zahl der Menschenseelen in den Himmelsraum hinauszogen, daß aber die fortlaufende Entwickelungsströmung festgehalten wurde von einem kleinen Teil, nämlich von denjenigen mensch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|48}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
lichen Seelen, die am robustesten waren und das alles ertragen und überwinden konnten. Diese robusten Seelen retteten die Entwickelung über die kritische Periode hinüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während dieses ganzenVorganges handelte es sich noch nicht eigentlich um das, was wir menschliche Ichheit, menschliche Individualität nennen. Es war noch mehr der Charakter derGattungsseele vorhanden. Die Seelen gingen, wenn sie sich zurückzogen, auf in die GattungsSeelenhaftigkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann kam der Mondaustritt, und damit war wieder die Möglichkeit gegeben, daß die menschliche Organisation verfeinert wurde, so daß sie die Seelen&amp;gt; welche sich früher hinweggeflüchtet hatten, wieder aufnehmen konnte. Und diese Seelen kamen nach und nach - bis in die atlantische Zeit hinein - wieder herunter und bezogen die menschlichen Leiber. Aber es waren immerhin gewisse Organisationen zurückgeblieben, die sich während der kritischen Zeit herausgebildet hatten. Fortgepflanzt hatten sie sich während dieser Zeit, nur konnten sie nicht Träger werden der menschlichen Seelenhaftigkeit. Es waren eben grobe Organisationen. Es hatten sich also dazumal neben jenen Organisationen, die sich später verfeinern konnten, solche erhalten aus der kritischen Erdenperiode. Diese wurden nun die Vorläufer einer gröberen Organisation, und dadurch kam es, daß neben jenen Organisationen, welche Träger von menschlichen Individualitäten werden konnten, auch solche Organisationen sich fortpflanzten, die nicht Träger menschlicher Individualitäten werden konnten und die die Nachkommen waren der von menschlichen Seelen verlassenen Organismen aus jener Zeit, als die Sonne schon fort und der Mond noch mit der Erde verbunden war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also sehen wir neben dem Menschen sich förmlich herausbilden ein Reich von Organismen, die durch das Beibehalten des Mondcharakters unfähig geworden waren, Träger menschlicher Individualitäten zu sein. Diese Organisationen sind im wesentlichen die, welche die Organisationen unserer heutigen Tiere wurden. Es könnte sonderbar erscheinen, daß diese gröberen Organisationen der heutigen Tiere nun doch wieder gewisse Fähigkeiten haben, welche sogar weisheitsvoll wirken können in der Welt, wie zum Beispiel in dem Biberbau. Das aber kann uns &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|49}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
erklärlich werden, wenn wir uns eben die Dinge nicht gar zu einfach vorstellen, sondern uns klar sind, daß gerade die Organisationen dieser Wesenheiten, welche nicht von menschlichen Seelen bezogen worden sind, die äußeren Einrichtungen de`s tierischen Baues, eines gewissen Nervenbaues und dergleichen ausgebildet hatten, die es möglich machten, sich mit den Gesetzen des Erdendaseins ganz in Einklang zu versetzen. Denn jeneWesenheiten, die nicht fähig geblieben waren, menschliche Seelen aufzunehmen, waren während der ganzen Zeit mit der Erde verbunden geblieben. Die andern Organisationen, die sich später verfeinert haben, so daß sie menschliche Individualitäten aufnehmen konnten, waren zwar auch zusammen mit der Erde; aber weil sie später Veränderungen eingehen mußten, als der Mond draußen war, haben sie gerade, was sie sich bis dahin angeeignet hatten, dadurch verloren, daß sie sich verfeinerten, daß sie diese Veränderungen eingehen mußten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also merken wir: Als sich der Mond getrennt hatte von der Erde, waren auf der Erde gewisse Organisationen, die sich einfach fortgepflanzt hatten in der geraden Linie, wie sie hatten entstehen müssen, solange der Mond mit der Erde früher verbunden war. Diese Organisationen waren grob geblieben, hatten sich die Gesetze, die sie hatten, bewahrt und waren in sich so fest geworden, daß, als der Mond heraus- gegangen war, mit ihnen keine Veränderung möglich war. Sie pflanzten sich einfach steif fort. Die andern Organisationen, die Träger von menschlichen Individualitäten wurden, mußten sich verändern, konnten sich nicht steif fortpflanzen. Sie veränderten sich so, daß jetzt hin- einwirken konnten die Wesenheiten, die in der Zwischenzeit gar nicht mit der Erde verbunden waren, die ganz woanders waren und sich erst wieder zusammenfügen mußten mit der Erde. - Da haben Sie den Unterschied zwischen jenen Wesenheiten, die den alten steifen Mondcharakter fortbewahrt hatten, und jenen, die sich verändert hatten. Worin bestand nun die Veränderung?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als die Seelen, die von der Erde fortgegangen waren, wieder zurückkamen und wieder Besitz ergriffen von den Leibern, fingen sie an, das Nervensystem, das Gehirn und so weiter umzubauen.Was sie als Kräfte hatten, das verwendeten sie gleichsam zum inneren Ausbau. An den andern Wesenheiten, die sich versteift hatten, konnte nichts mehr geändert&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|50}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
werden. Von diesen letzteren Organisationen nahmen jetzt andere Wesenheiten Besitz, die sich noch nicht darauf ein ließen, in die Organisation einzugreifen, die noch auf ihren früheren Stufen stehen- geblieben waren, die überhaupt nicht so weit kommen, daß sie in die inneren Organisationen hineinwirken, sondern die von außen wirken wie die tierischen Gattungsseelen. So erhielten diejenigen Organisationen, welche dazu geeignet waren, nach dem Mondaustritt die menschliche Seele; und diese Wesenheiten bearbeiteten dann die Organisation so, daß sie zu dem vollkommenen Menschenbau führte. Die während der Mondenzeit steif gebliebenen Organisationen konnten nicht mehr geändert werden. Von denen ergreifen jetzt Besitz jene Seelen, die überhaupt noch nicht so weit waren, in eine Individualität einzuziehen, die auf der Mondenstufe stehengeblieben waren, die alles ausgebildet hat- ten, was auf der Mondenstufe zu erreichen war, und die daher jetzt als Gattungsseelen von diesen Organisationen Besitz ergriffen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So erklärt sich uns der Unterschied zwischen Mensch und Tier aus den kosmischen Vorgängen heraus. Gerade durch die kosmischen Vorgänge bei der Erdentwickelung ergeben sich uns zweierlei Organisationen. Hätten wir bei dem Bau der unmittelbar unter dem Menschen stehenden Wesenheiten stehenbleiben müssen, so müßten wir jetzt mit unserem Ich die Erde umschweben, weil die Organisationen zu steif geworden sind. Wir könnten nicht herunter, und obwohl wir vollkommenere Wesen geworden sind, müßten wir da sein, wo die Organisationen der Gattungsseelen der Tiere sind. Da aber unsere Organisationen sich verfeinern konnten, so konnten wir in sie einziehen und sie als unsere Wohnplätze benutzen, das heißt, wir konnten in fleischliche Verkörperungen bis zur Erde hinuntersteigen. Die Gattungsseelen hatten kein Bedürfnis danach. Sie wirken von der geistigen Welt in die Wesen hinein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir sehen also in dem Tierreich, das uns umgibt, etwas, was wir heute auch wären, wenn wir eben nicht unsere Organisation der geschilderten Einrichtung verdankten. Fragen wir uns jetzt Wodurch sind denn die unter uns stehenden Tiere mit ihren versteiften Organisationen auf die Erde gekommen? - Durch uns selber sind sie herunter- gekommen! Sie sind die Nachkommen jener Körper, die wir nach dem &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|51}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mondaustritt nicht mehr beziehen wollten, weil sie zu grob geworden waren. Wir haben diese Körper zurückgelassen, um später andere zu finden.Wir hätten später andere nicht finden können, wenn wir damals jene ersten nicht verlassen hätten. Denn wir mußten nach dem Heraus- treten der Sonne auf der Erde unser Fortkommen suchen. - Da haben wir gerade den Vorgang, daß wir sozusagen unter uns zurückließen gewisse Wesenheiten, damit wir selber die Möglichkeit finden konnten, höher hinaufzukommen. Um höher zu kommen, mußten wir zu andern Planeten gehen und die Leiber da unten verkommen lassen. Was unten zurückgeblieben ist, dem verdanken wir in gewisser Beziehung das, was wir sind. Ja, wir können dieses «Verdanken» noch viel genauer schildem. Wir können uns fragen: Wie ist es denn überhaupt möglich geworden, daß wir während der kritischen Periode die Erde verlassen konnten? So ohne weiteres geht das ja nicht, daß ein Wesen hingehen kann, wo es will.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da trat während der Erdentwickelung zum ersten Male dasjenige ein, was wir wiederum den luziferischen Geistern verdanken. Die luziferischen Wesenheiten waren unsere Führer, die uns in der kritischen Periode von der Erdentwickelung hinweggenommen haben. Sie haben uns gleichsam gesagt: Da unten kommt jetzt eine kritische Zeit; da müßt ihr die Erde verlassen! - Die luziferischen Geister waren es, unter deren Führung wir die Erde verlassen haben, dieselben luziferischen Geister, die in unseren damaligen astralischen Leib das luziferische Prinzip, den Hang zu allem, was wir die Möglichkeit des Bösen in uns nennen, hineinbrachten, damit zugleich aber allerdings auch die Möglichkeit der Freiheit. Hätten sie uns damals nicht fortgenommen von der Erde, so wären wir immer gekettet geblieben an die Gestalt, die wir damals geschaffen hatten, und wir könnten jetzt die Gestalt höchstens von oben umschweben, würden sie aber niemals beziehen können. So nahmen sie uns fort und verbanden ihr eigenes Wesen mit unserem Wesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir das ins Auge fassen, wird es uns jetzt verständlich, daß wir, während wir fortgingen, die luziferischen Einflüsse aufnahmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Organisationen, welche dieses Schicksal nicht teilten, damals in ganz besondere Weltgebiete geführt zu werden, die mit der Erde verbunden blieben, die blieben unten ohne den luziferischen Einfluß. Sie &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
mußten mit uns die Erdenschicksale teilen - konnten aber nicht mit uns unser Himmelsschicksal teilen. Und als wir auf die Erde zurückkamen, hatten wir den luziferischen Einschlag in uns, nicht aber jene andern Wesen, und dadurch wurde es uns möglich, das Leben in einem physischen Körper und doch ein von dem physischen Körper unabhängiges Leben zu führen, so daß wir auch immer mehr und mehr unabhängig von dem physischen Körper werden konnten. Diese andern Wesen aber, die den luziferischen Einschlag nicht in sich hatten, stellten dar, was wir aus ihnen gemacht hatten, was unsere astralischen Leiber waren in der Zwischenzeit zwischen Sonnen- und Mondaustritt, also dasjenige, von dem wir uns befreiten. Wir schauen auf die Tiere und sagen: Alles, was die Tiere darstellen an Grausamkeit, an Gefräßigkeit, an allen tierischen Untugenden, neben der Geschicklichkeit, die sie haben, das hätten wir in uns, wenn wir sie nicht hätten aus uns heraussetzen können! - Wir verdanken die Befreiung unseres astralischen Leibes dem Umstande, daß alle gröberen astralischen Eigenschaften zurückgeblieben sind im Tierreich der Erde. Und wir können sagen: Wohl uns, daß wir das nicht mehr in uns haben: die Grausamkeit des Löwen, die List des Fuchses, daß es aus uns herausgezogen ist und außer uns ein selbständiges Dasein führt!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So haben die Tiere das mit uns gemeinschaftlich, was unser astralischer Leib ist, und haben dadurch die Möglichkeit, Schmerzen empfinden zu können. Aber sie haben gerade durch das, was jetzt gesagt worden ist, nicht die Möglichkeit erlangen können, durch den Schmerz und durch die Überwindung des Schmerzes immer höher und höher zu steigen. Denn sie haben keine Individualität. Dadurch sind die Tiere viel, viel übler daran als wir. Wir müssen die Schmerzen ertragen; aber jeder Schmerz ist für uns ein Mittel zur Vervollkommnung; indem wir ihn überwinden, steigen wir höher durch den Schmerz. Die Tiere haben wir zurückgelassen als etwas, was zwar die Schmerzfähigkeit schon hatte, aber noch nicht das, was sie über den Schmerz erheben konnte, wodurch sie den Schmerz überwinden. Das ist das Schicksal der Tiere. Sie zeigen uns unsere eigene Organisation auf der Stufe, da wir schmerzfähig waren, aber noch nicht durch Überwindung den Schmerz ins Heilsame für die Menschheit umwandeln konnten. So haben wir den &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Tieren im Laufe der Erdentwickelung unser schlimmeres Teil gegeben, und sie stehen um uns herum als Wahrzeichen dessen, daß wir zu unserer Vervollkommnung kamen. Wir hätten den Bodensatz nicht los- bekommen, hätten wir nicht die Tiere zurückgelassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Solche Tatsachen müssen wir nicht als Theorien betrachten lernen, sondern mit kosmischem Weltengefühl. Wir müssen hinblicken auf die Tiere mit dem Gefühl: Da draußen seid ihr, Tiere. Wenn ihr leidet, leidet ihr etwas, was uns Menschen zugute kommt.Wir Menschen haben die Möglichkeit, das Leiden zu überwinden; ihr müßt das Leiden er- dulden. Wir aber haben euch das Leiden gelassen - und uns die Überwindung genommen!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn man dieses kosmische Gefühl aus der Theorie entwickelt, wird es zu dem umfassenden Mitgefühl mit der Tierwelt. Wo daher das kosmische Gefühl aus der Urweisheit der Menschheit entsproß, wo die Menschen sich noch bewahrt hatten eine Erinnerung an das Urwissen, das jedem aus dem dämmerhaften Hellsehen sagte, wie die Dinge einst lagen, da hatte man sich damit auch das Mitgefühl für die Tierwelt bewahrt, und da tritt das Mitgefühl für die Tiere in einem hohen Maße hervor. - Dieses Mitgefühl wird wiederkommen, wenn die Menschen sich angewöhnen werden, spirituelle Weisheit aufzunehmen, wenn die Menschen wiederum einsehen werden, wie das Menschheitskarma mit dem Weltenkarma verbunden ist. In den Zeiten, welche sozusagen Zeiten der Verdunkelung waren, in denen das materialistische Denken Platz griff, hat man von diesen Zusammenhängen keine rechte Ahnung haben können. Da blickte man nur auf das, was im Raume nebeneinander ist, ohne zu berücksichtigen, daß dieses, was nebeneinander im Raume ist, einen einheitlichen Ursprung hat und sich nur in der Entwickelung getrennt hat. Und da fühlte man natürlich auch nicht, was die Menschen mit den Tieren verbindet. Und auf allen Gebieten der Erde, wo man die Mission gehabt hat, zu überdecken das Bewußtsein vom Zusammenhange des Menschen mit der Tierwelt, wo an Stelle dieses Bewußtseins nur ein solches getreten ist, das sich auf den äußeren physischen Raum beschränkt, da hat der Mensch den Tieren das, was er ihnen verdankt, in einer eigenartigen Weise vergolten - indem er sie eben aufgegessen hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Diese Dinge zeigen uns aber zugleich, wie Weltanschauungen zu- sammenhängen mit der menschlichen Empfindungs- und Gefühlswelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Empfindungen und Gefühle sind letzten Endes Folgen derWeltanschauungen, und wie sich die Weltanschauungen und Erkenntnisse ändern, so werden sich auch die Empfindungen und Gefühle innerhalb des Menschheitszusammenhanges ändern. Der Mensch konnte nicht anders, als sich höher entwickeln; er mußte andere Wesen in den Abgrund stoßen, um selbst höher zu steigen. Er konnte den Tieren nicht geben eine Individualität, die im Karma ausgleicht, was die Tiere leiden müssen; er konnte ihnen nur den Schmerz überliefern, ohne ihnen die&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
karmische Gesetzmäßigkeit des Ausgleiches geben zu können. Was er ihnen aber früher nicht geben konnte, das wird ihnen der Mensch einst geben,wenn er zur Freiheit und zum Selbstlos-Sein seiner Individualität gekommen ist. Dann wird er - in bewußter Weise - auch auf diesem Gebiet die karmische Gesetzmäßigkeit fassen und wird sagen: Den Tieren verdanke ich, was ich bin. Was ich den einzelnen tierischen Wesen nicht mehr geben kann, welche von einem Einzeldasein in ein Schattendasein hinuntergegangen sind, was ich sozusagen einstmals an den Tieren verschuldet habe, das muß ich jetzt an den Tieren wieder gutmachen durch die Behandlung, welche ich ihnen angedeihen lasse! - Daher wird mit dem Fortschreiten der Entwickelung durch das Bewußtsein der karmischen Verhältnisse auch wieder ein besseres Verhältnis des Menschen zum Tierreich eintreten, als es jetzt, besonders im Abendlande, vorhanden ist. Eine Behandlung der Tiere wird kommen, durch welche der Mensch die Tiere, die er hinuntergestoßen hat, wieder heraufzieht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So sehen wir Karma und Tierreich denn doch in einem gewissen Verhältnis zueinander. Was das Tier als Schicksal erlebt, das können wir, wenn wir nicht alles durcheinanderwerfen wollen, nicht mit dem menschlichen Karma vergleichen. Aber wenn wir die ganze Erdentwikkelung betrachten und was um der Menschheit und ihrer Entwickelung willen geschehen mußte, dann werden wir sehen, daß wir in der Tat von einer Beziehung des Menschheitskarma zu der Tierwelt sprechen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
= DRITTER VORTRAG Hamburg, 18. Mai 1910 =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Solche Betrachtungen, wie wir sie heute und in den allernächstenTagen anzustellen haben, können sehr leicht einem gewissen Mißverständnis unterworfen sein. Wir werden es zu tun haben mit mancherlei Krankheits- und Gesundheitsfragen vom Gesichtspunkte des Karma, und bei der Gegensätzlichkeit unserer heutigen Zeitströmungen gerade auf diesem Gebiete könnte leicht eine mißverständliche Auffassung der geisteswissenschaftlichen Grundlagen Platz greifen,wenn dieses Kapitel - der Zusammenhang von Krankheit und Gesundheit mit dem Karma - berührt wird. Sie wissen ja, daß in den weitesten Kreisen die Diskussion mit ziemlicher Heftigkeit und Leidenschaftlichkeit wogt, wenn Gesundheits- und Krankheitsfragen in Betracht kommen. Es ist Ihnen ja allen bekannt, wie sehr von seiten der Laien sowohl als auch von seiten dieser oder jener Ärzte Partei ergriffen wird gegen das, was man die wissenschaftliche Medizin nennt. Auf der andern Seite kann leicht bemerkt werden, wie die Vertreter der wissenschaftlichen Medizin vielleicht gerade herausgefordert werden durch manchen ungerechten Angriff, so daß sie nicht nur in eine Art von Leidenschaft verfallen, wenn es sich darum handelt - was ihr gutes Recht ist -, einzutreten für das, was die Wissenschaft dazu zu sagen hat, sondern daß von dieser Seite heute auch ein zum Teil recht arger Kampf geführt wird gegen das, was von andern Gesichtspunkten als den in der offiziellen Medizin vertretenen irgendwie gesagt wird über das in Betracht kommende Gebiet. Theosophie oder Geisteswissenschaft wird nur dann ihren hohen Aufgaben gerecht werden können, wenn sie auf einem solchen, von Diskussionen vielfach verdunkelten Gebiet das unbefangene und objektive Urteil wahrt. Wer ähnliche Vorträge von mir gehört hat, wird wissen, wie wenig es mir darum zu tun ist, einzustimmen in den Chor, der heute das, was man als «Schulmedizin» bezeichnet, diskreditieren will.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von einem Einstimmen in diese oder jene Parteirichtung kann bei der Geisteswissenschaft auch nicht im entferntesten die Rede sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es darf vielleicht gerade bei dieser Gelegenheit eiirleitend betont&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|56}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
werden, daß die Leistungen in bezug auf die Tatsachen und tatsächlichen Erforschungen der Erscheinungen gerade auf dem Gebiet des Krankheitswesens und der Gesundheitsfragen der Menschheit in den letzten Jahren und Jahrzehnten wahrhaftig zu ebensolchem Lobreden, Anerkennen und Bewundern herausfordern wie zahlreiche andere naturwissenschaftliche Ergebnisse. Und von dem, was auf diesem Gebiete an Tatsächlichem geleistet worden ist, darf auch gesagt werden: Wenn sich irgend jemand freuen darf über das, was die Medizin in den letzten Jahren geleistet hat, so kann dies gerade die Geisteswissenschaft sein. Auf der andern Seite muß aber auch betont werden, was gerade für die Naturwissenschaft gilt, daß die Errungenschaften und tatsächlichen Erkenntnisse und Entdeckungen zuweilen recht wenig richtige und befriedigende Interpretationen und Erklärungen finden durch das, was heute wissenschaftliche Meinungen sind. Das ist ja das Hervorstechendste in unserer Zeit für viele Gebiete naturwissenschaftlicher Forschung, daß die Meinungen, die Theorien nicht gewachsen sind den zuweilen wunderbaren Tatsachenergebnissen. Und erst das Licht, das von der Geisteswissenschaft ausgeht, wird Klarheit über das bringen, was auf diesem Gebiet in den letzten Jahren errungen worden ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem das vorausgeschickt worden ist, wird es klar sein, daß es sich nicht um irgendwelches Einstimmen in billige Bekämpfung dessen handelt, was auf dem Gebiet der wissenschaftlichen Medizin heute geleistet werden kann. Dann darf aber auch gesagt werden, daß die bewundernswerten Tatsachen, die zutage getreten sind, nicht fruchtbar werden können in unserer Zeit zum Heile der Menschheit, weil auf der andern Seite geradezu materialistisch gefärbte Meinungen und TheorIen diese Fruchtbarkeit verhindern. Daher ist es für die Theosophie viel besser, daß sie anspruchslos das sagt, was sie zu sagen hat, als in irgendeinen Parteikampf einzugreifen. Es werden dadurch viel weniger die Leidenschaften aufgeregt werden, als sie es heute schon sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir überhaupt einen Gesichtspunkt gewinnen wollen zu den Fragen, die uns beschäftigen sollen, dann müssen wir uns damit bekanntmachen, daß die Ursachen zu irgendeiner Erscheinung in der inannigfaltigsten Weise gesucht werden müssen, nähere und entferntere Ursachen, und daß die Theosophie, wenn es sich darum handeln &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|57}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wird, karmische Ursachen zu Gesundheitsfragen zu suchen, es ein wenig zu tun haben wird mit den entfernteren Ursachen, die nicht an der Oberfläche liegen. Machen wir uns das durch einen Vergleich klar. Wenn Sie den Vergleich überdenken, werden Sie schon auf das kommen, was eigentlich gemeint ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen wir an, irgend jemand stehe auf dem Standpunkt, «wie wir es heute so herrlich weit gebracht haben» auf diesem Gebiete, und er verachte ganz die Meinungen, welche in den vergangenen Jahrhunderten über Gesundheit und Krankheit zutage getreten sind. Wenn Sie versuchen, einen Überblick über die Krankheits- und Gesundheitsfragen zu finden, werden Sie den Eindruck bekommen, daß die Darsteller eines solchen Gebietes gewöhnlich das Urteil haben: Was in den letzten zwanzig bis dreißig Jahren auf diesem Gebiete zutage getreten ist, das ist eine Art absoluter Wahrheit, die zwar ergänzt werden kann, aber nie ein solches absprechen des Urteil erfahren kann wie das, welches solche Beurteiler leider selbst abgeben über das meiste, was auf diesem Gebiete vorangegangen ist an menschlichem Sinnen und Trachten. Es wird zum Beispiel häufig gesagt: Wir finden gerade auf diesem Gebiete in den verflossenen Zeiten den krassesten Aberglauben -, und es werden dann recht abschreckende Beispiele angeführt, wie in den verflossenen Jahrhunderten versucht worden sei, dies oder das zu heilen. Insbesondere schlimm findet man, wenn man irgendwo auf Ausdrücke stößt, welche in der damaligen Bedeutung dem heutigen Bewußtsein längst verlorengegangen sind, sich aber dennoch in das heutige Bewußtsein eingeschlichen haben&amp;gt; und mit denen so, wie sie der heutige Mensch denkt, nichts anzufangen ist. So sagen einige: Da gab es Zeiten, in denen man eine jede Krankheit Gott oder dem Teufel zuschrieb! So schlimm, wie es solche Darsteller machen, liegt es deshalb nicht, weil sie nicht wissen, welcher Komplex von Anschauungen bei einem solchen Begriff ~Gott» oder «Teufel» gemeint war. Durch einen Vergleich können wir uns das klarmachen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen wir an, zwei Leute reden miteinander. Da erzählt der eine dem andern: Eben habe ich eine Stube gesehen, die ganz voller Fliegen ist. Nun sagt mir jemand, das sei ganz natürlich; und das glaube ich auch, denn die Stube ist sehr schmutzig, und dadurch finden die&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Fliegen ihr Fortkommen. Es ist ganz erklärlich, daß man das als Grund für das Vorhandensein der Fliegen annimmt, und ich glaube auch, daß derjenige ganz recht hat, der da sagt, die Fliegen werden nicht mehr in der Stube sein, wenn man einmal gründlich reinemacht! - Nun hat aber ein anderer erzählt, daß er noch etwas anderes wüßte, warum so viele Fliegen in dem Zimmer wären; und die Ursache könne er nicht anders ,bezeichnen,als daß in jenem Zimmer seit langem eine grundfaule Hausfrau hause. - Aber nun sieh einmal, was das für ein grenzenloser Aber- glaube ist: daß die Faulheit wie eine Art Persönlichkeit sei, die nur zu winken brauchte, und dann kämen die Fliegen herein! Da ist die andere Erklärung doch richtiger, die das Vorhandensein der Fliegen durch den angehäuften Schmutz erklärt!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nicht viel anders ist es auf einem andern Gebiete, wenn man sagt: Es ist jemand von einer Krankheit befallen, da er eben eine Infektion durch irgendeine Bazillenart erhalten hat; treibt man die Bazillen aus, so Ist die Heilung da. Nun reden aber da noch Leute von irgendeiner geistigen Ursache, die tiefer liege! Man braucht doch nichts anderes zu tun, als die Bazillen fortzutreiben! - Es ist nicht mehrAberglaube, von einer geistigen Ursache zu sprechen bei Erkrankungen, doch alles übrige anzuerkennen, als in dem Falle, wo die Ursache für das Dasein der Fliegen in einer grundfaulen Hausfrau gesehen wird. Und man braucht nicht zu wettern, wenn man sagt: Die Fliegen werden nicht mehr da sein, wenn einmal reinegemacht wird. Nicht darum handelt es sich, daß der eine den andern bekämpft, sondern daß man lernt, sich gegenseitig zu verstehen und einzugehen auf das, was der eine will und was der andere will. Das muß man durchaus berücksichtigen, wenn von den unmittelbar naheliegenden Ursachen mit Recht gesprochen wird und wenn von den entfernteren Ursachen gesprochen wird. Der objektive Theosoph wird sich durchaus nicht auf den Standpunkt stellen, daß die Faulheit nur eine Art von Wink zu geben brauche, damit die Fliegen in das Zimmer kommen; er wird wissen, daß auch andere materielle Dinge dabei in Betracht kommen, daß aber alles, was materiell zum Ausdruck kommt, seine geistigen Hintergründe hat und daß diese geistigen Hintergründe zum Heile der Menschheit gesucht werden müssen. Diejenigen aber, welche in den Kampf gern einstimmen möchten, die sollen &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
auch daran erinnert werden, daß die geistigen Ursachen nicht immer in derselben Weise aufgefaßt werden dürfen und auch nicht in der gleichen Art bekämpft werden können wie die gewöhnlichen materiellen Ursachen. Und man darf auch nicht denken, daß man durch das Bekämpfen der geistigen Ursachen enthoben wäre der Bekämpfung der materiellen Ursachen; denn sonst könnte man die Stube schmutzig lassen und brauchte nur gegen die Faulheit der Hausfrau zu Felde zu ziehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir nun das Karma betrachten, müssen wir sprechen von Zusammenhängen zwischen Ereignissen, wie sie im Menschenleben eintreten in einer früheren Zeit und wie sie ihre Wirkung auf dasselbe Menschenwesen zeigen in einer späteren Zeit. Wenn wir sprechen von Gesundheit und Krankheit vom Gesichtspunkte des Karma aus, so heißt das nichts anderes als: Wie können wir uns vorstellen, daß der gesunde oder kranke Zustand eines Menschen seine Begründung findet in früheren Taten, Verrichtungen und Erlebnissen dieses Menschen? Und wie können wir uns vorstellen, daß sein gegenwärtiger Gesundheits- oder Krankheitszustand mit zukünftigen Wirkungen, die auf dasselbe esen zurückfallen, im Zusammenhang steht?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am liebsten wird der heutige Mensch überhaupt glauben, daß eine Krankheit mit den allernächsten Ursachen nur im Zusammenhange stehe. Denn der Grundnerv unserer heutigen Weltanschauung auf allen Gebieten ist ja der, daß man Bequemlichkeit sucht; und stehenbleiben bei den allernächsten Ursachen ist eine bequeme Sache. Daher werden gerade in bezug auf Erkrankungen nur die allernächsten Ursachen berücksichtigt - und am meisten geschieht das von den Kranken selbst. Denn wie wäre es zu leugnen, daß die Kranken selbst veranlaßt sind, solche Bequemlichkeit zu üben? Aus diesem Umstande heraus ergibt sich so viel Unzufriedenheit, wenn ein solcher Glaube existiert, die Krankheit müsse die allernächsten Ursachen haben, welche von dem kundigen Arzt gefunden werden müssen; und wenn der Arzt dann nicht helfen kann, hat er irgend etwas verpfuscht. Aus dieser Bequemlichkeit des Urteils gebt vieles von dem hervor, was heute auf diesem Gebiete gesagt wird. Wer Karma in seinen weitverzweigten Wirkungen zu betrachten versteht, der wird immer mehr seinen Blick erweitern von dem, was heute geschieht, zu Ereignissen, die verhältnismäßig sehr &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
weit zurückliegen. Und er wird vor allen Dingen die Überzeugung gewinnen, daß eine durchgreifende Erkenntnis eines Sachverhaltes, der den Menschen trifft, nur möglich ist, wenn man den Blick erweitern kann über das, was weiter zurückliegt. Insbesondere beim erkrankten Menschen ist das der Fall.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir vom kranken und auch vom gesunden Menschen sprechen, drängt sich uns die Frage auf die Lippen: Wie können wir uns von dem Kranksein überhaupt einen Begriff machen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn die geisteswissenschaftlicheForschung direkt vorgeht und den hellseherischen Blick zu Hilfe nimmt, wird sie immer, wenn es sich um Erkrankungen des Menschen handelt, Unregelmäßigkeiten bemerken, nicht nur im physischen Leibe des Menschen, sondern auch in den höheren Wesensgliedern des Menschen, im Ätherleibe und im astralischen Leibe. Und der hellseherische Forscher wird bei einem Krankheitsfall immer in Betracht ziehen müssen&amp;gt; welches in dem betreffenden Falle der Anteil sein kann des physischen Leibes auf der einen Seite und des Ätherleibes und des astralischen Leibes auf der andern Seite; denn alle drei Wesensglieder des Menschen können an der Erkrankung beteiligt sein. Nun entsteht die Frage: Welche Vorstellungen können wir über das Wie der Krankheit gewinnen? - Dem kommt man am leichtesten bei, wenn man in Betracht zieht, wieweit man den Begriff «Krankheit» überhaupt ausdehnen darf. Diejenigen, die gern in allerlei allegorisch-symbolischen Begriffen sprechen, auch da, wo sie nicht hin- gehören, denen mag es überlassen bleiben, wenn sie auch bei Mineralien oder Metallen von Erkrankungen sprechen, indem sie zum Beispiel sagen, wenn der Rost das Eisen frißt, sei das eine Krankheit des Eisens. Man muß sich dabei nur darüber klar sein, daß man durch solche abstrakten Begriffe zu einem wirklichen gedeihlichen Erfassen des Lebens nicht kommen kann; man kann nur kommen zu einer Art spielerischen Erkenntnis des Lebens, nicht aber zu einem Erkennen, das wirklich eingreift in die Tatsachen.Wer zu einem realen Krankheitsbegriff und auch zu einem realen Gesundheitsbegriff kommen will, muß sich hüten, davon zu sprechen, daß Mineralien und Metalle auch erkranken können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun ist die Sache schon anders, wenn wir ins Pflanzenreich hinaufgehen. Da dürfen wir gewiß von Erkrankungen der Pflanzen sprechen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|61}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber gerade Pflanzenkrankheiten sind für das reale Erfassen der Vorstellung «Krankheit» von einem ganz besonderen Interesse und von ganz besonderer Wichtigkeit. Bei Pflanzen wird man, wenn man wieder nicht spielerisch zu Werke geht, nicht leicht sprechen können von inneren Krankheitsursachen. In demselben Maße,wie man bei Tier und Mensch von inneren Krankheitsursachen sprechen kann, kann man bei Pflanzen nicht davon sprechen. Die Erkrankungen im Pflanzenreiche werden Sie immer zurückzuführen haben auf äußere Veranlassungen, auf diese oder jene schädlichen Einflüsse des Bodens, ungenügende Belichtungen, auf diese oder jene Wirkungen des Windes und auf sonstige elementare und Naturwirkungen. Oder Sie werden solche Erkrankungen von Pflanzen zurückzuführen haben auf Einflüsse von Parasiten, die sich an die Pflanzen heranmachen und sie schädigen. Und wir werden innerhalb des Pflanzen reiches mit Recht davon sprechen, daß der Begriff «innere Krankheitsursache» im Grunde gar keine Berechtigung hat. - Es ist natürlich nicht möglich, da ich nicht ein halbes Jahr über dieses Thema sprechen kann, daß ich mit unzähligen Belegen versehe, was ich jetzt angedeutet habe. Aber je tiefer wir in die Pflanzenpathologie eindringen, desto mehr werden wir sehen, daß von dem Begriff «innere Krankheitsursache» bei den Pflanzen nicht die Rede sein kann, sondern daß es sich da um äußere Veranlassungen und Schädigungen, um äußere Einflüsse handelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun haben wir in der Pflanze, wie sie uns zunächst in der äußeren Welt entgegentritt, ein Wesen vor uns, das uns ein Gefüge von einem physischen Leibe und einem Atherleibe zeigt. Und wir haben damit zugleich ein Wesen vor uns, das uns sozusagen aufmerksam darauf macht, daß ein solches Wesen mit physischem Leib und Ätherleib im Grunde dem Prinzip nach gesund ist und daß es warten muß, bis es eine äußere Schädigung erfährt, wenn es krank werden soll. Damit stimmt auch durchaus der geisteswissenschaftliche Tatbestand.Während wir durch die Methoden der hellseherischen Forschung im Tier- und Menschenreich bei Erkrankungen ganz entschieden im Inneren des Wesens - in den übersinnlichen Teilen - Veränderungen erblicken, können wir innerhalb einer erkrankten Pflanze niemals davon sprechen, daß der ursprüngliche Ätherleib selber verändert wäre, sondern nur &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|62}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
davon, daß sich von außen allerlei Störungen und schädliche Einflüsse in den physischen Leib und namentlich in den Ätherleib hineingedrängt haben. Der geisteswissenschaftliche Tatbestand rechtfertigt durchaus das, was wir als allgemeinen Schluß gewinnen: daß in dem, was bei den Pflanzen in Betracht kommt - nämlich physischer Leib und Ätherleib -, etwas ursprünglich Gesundes vorliegt. Aber etwas anderes ist es, wie die Pflanze imstande ist, wenn sie äußere Schädigungen erfährt, alles mögliche aufzuwenden, um in Wachstum und Entwickelung sich gegen die Schädigungen zu wehren, sich zu heilen. Beobachten Sie einmal, wenn Sie eine Pflanze anschneiden, wie sie versucht, die beschädigte Stelle zu umwachsen, zu umgehen, was ihr da im Wege liegt und sie schädigt. Und wir können es fast mit Händen greifen,wie in der Pflanze eine innere Abwehr, eine Heilkraft vorhanden ist, wenn eine äußere Schädigung eintritt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So sehen wir, daß wir in dem Ätherleib und physischen Leib der Pflanze etwas vor uns haben, was imstande ist, mit inneren Heilkräften zu antworten auf äußere Schädigungen. Das ist eine außerordentlich wichtige Tatsache, wenn man auf diesem Gebiete zur Klarheit kommen will. Ein Wesen wie die Pflanze mit physischem Leibe und Ätherleib zeigt uns also nicht nur, daß der physische Leib und der Ätherleib ursprünglich Prinzipien der Gesundheit in sich haben, soviel notwendig ist zur Entwickelung und zum Wachstum des betreffenden Wesens, sondern es zeigt uns ein solches Wesen sogar, daß ein Überschuß vorhanden ist von solchen Kräften, die sich in den Heilkräften ausleben können, wenn von außen Schädigungen kommen. - Woher müssen denn diese Heilkräfte stammen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn Sie in einen bloß physischen Körper hineinschneiden, wird die Schädigung bleiben. Er wird aus sich heraus nichts tun können, um die Schädigung sozusagen zu heilen. Deshalb können wir bei einem bloß physischen Körper nicht von einer Erkrankung sprechen, und am wenigsten davon,daß Krankheit und Heilung in Beziehung zueinander stehen können. Das können wir am besten sehen, wenn eine Krankheit bei einer Pflanze zutage tritt. Da haben wir das Prinzip der inneren Heilkraft zu suchen im Ätherleibe. Das zeigt wiederum im eminentesten Maße der geisteswissenschaftliche Tatbestand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|62}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
davon, daß sich von außen allerlei Störungen und schädliche Einflüsse in den physischen Leib und namentlich in denÄtherleib hineingedrängt haben. Der geisteswissenschaftliche Tatbestand rechtfertigt durchaus das, was wir als allgemeinen Schluß gewinnen: daß in dem, was bei den Pflanzen in Betracht kommt - nämlich physischer Leib und Ätherleib -, etwas ursprünglich Gesundes vorliegt. Aber etwas anderes ist es, wie die Pflanze imstande ist, wenn sie äußere Schädigungen erfährt, alles mögliche aufzuwenden, um in Wachstum und Entwickelung sich gegen die Schädigungen zu wehren, sich zu heilen. Beobachten Sie einmal, wenn Sie eine Pflanze anschneiden, wie sie versucht, die beschädigte Stelle zu umwachsen, zu umgehen, was ihr da im Wege liegt und sie schädigt.Und wir können es fast mit Händen greifen,wie in der Pflanze eine innere Abwehr, eine Heilkraft vorhanden ist, wenn eine äußere Schädigung eintritt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So sehen wir, daß wir in dem Ätherleib und physischen Leib der Pflanze etwas vor uns haben, was imstande ist, mit inneren Heilkräften zu antworten auf äußere Schädigungen. Das ist eine außerordentlich wichtige Tatsache, wenn man auf diesem Gebiete zur Klarheit kommen will. Ein Wesen wie die Pflanze mit physischem Leibe und Ätherleib zeigt uns also nicht nur, daß der physische Leib und der Ätherleib ursprünglich Prinzipien der Gesundheit in sich haben, soviel notwendig ist zur Entwickelung und zum Wachstum des betreffenden Wesens, sondern es zeigt uns ein solches Wesen sogar, daß ein Überschuß vorhanden ist von solchen Kräften, die sich in den Heilkräften ausleben können, wenn von außen Schädigungen kommen. - Woher müssen denn diese Heilkräfte stammen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn Sie in einen bloß physischen Körper hineinschneiden, wird die Schädigung bleiben. Er wird aus sich heraus nichts tun können, um die Schädigung sozusagen zu heilen. Deshalb können wir bei einem bloß physischen Körper nicht von einer Erkrankung sprechen, und am wenigsten davon, daß Krankheit und Heilung in Beziehung zueinander stehen können. Das können wir am besten sehen, wenn eine Krankheit bei einer Pflanze zutage tritt. Da haben wir das Prinzip der inneren Heilkraft zu suchen im Ätherleibe. Das zeigt wiederum im eminentesten Maße der geisteswissenschaftliche Tatbestand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|63}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denn um die Wunde einer Pflanze herum beginnt der Ätherleib der Pflanze ein viel regeres Leben, als er vorher dort entfaltete. Er bringt ganz andere Formen aus sich heraus, entwickelt ganz andere Strömungen. Das ist das außerordentlich Interessante, daß wir geradezu älen Ätherieib der Pflanze herausfordern zu einer erhöhten Tätigkeit, wenn wir der Pflanze in bezug auf den physischen Leib eine Schädigung bei- bringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit haben wir zwar nicht den Begriff der Krankheit definiert; aber wir haben etwas getan, um zum Wie der Krankheit zu kommen, und wir haben etwas erreicht, was uns eine Ahnung verschafft über das innere Wie der Heilung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt gehen wir einmal - immer am Leitfaden der inneren, hellseherischen Beobachtung - weiter und versuchen wir, die äußeren Erscheinungen vernunftgemäß zu begreifen, zu denen uns die Geisteswissenschaft führt. Dann können wir jetzt aufsteigen von den Schädigungen, welche wir Pflanzen beibringen, zu gewissen Schädigungen, welche wir Tieren beibringen, die also Wesen sind, die schon einen astralischen Leib haben. Wenn wir da im groben Sinne zu Werke gehen, so werden wir sehen, daß wir bei den höheren Tieren verhältnismäßig sehr wenig - und immer weniger, je höher das Tier steht - von dem erblicken können, was bei den Pflanzen in umfassendem Maße hervortritt: nämlich jenes Antworten des Ätherleibes auf äußere Schädigungen. Wenn wir grobe Schädigungen dem physischen Leibe eines niederen oder auch eines höheren Säugetieres beibringen, reißen wir zum Beispiel einem Hunde ein Bein aus oder dergleichen, dann werden wir finden, daß der Ätherleib des Hundes nicht so leicht mit seiner Heilkraft antworten kann, wie der Atherleib der Pflanze antwortet auf eine Schädigung, die in ahnlicherWeise der Pflanze zugefügt worden ist. Aber auch im Tierreich ist das noch in großem Maße zu sehen. - Nehmen wir an, wir steigen hinunter bis zu ganz niedrigen tierischen Wesen, zu den Tritonen oder ähnlichen. Solche niederen Tierwesen können Sie zerschneiden; schneiden wir einem solchenWesen gewisse Organe ab, so ist das, könnte man sagen, dem Tiere gar nicht besonders unangenehm. Die Organe wachsen mit großer Schnelligkeit wieder nach, und das Tier sieht bald wieder so aus wie früher. Da ist etwas Ähnliches wie bei der Pflanze &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|64}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
geschehen: Wir haben eine gewisse Heilkraft im Ätherleibe herausgefordert. Wer würde leugnen, daß die Herausforderung, Heilkräfte im Ätherleib zu entwickeln, beim Menschen oder beim höheren Tier eine erhebliche Gefährdung der Gesundheit bedeuten würde? Das niedere Tier dagegen wird in seinem Ätherleibe nur herausgefordert, ein an- deres Glied aus seinem Inneren durch seinen Ätherleib herauswachsen zu lassen. Nun steigen wir etwas weiter hinauf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir jetzt zum Beispiel bei Krebsen ein Glied abschneiden, so sind die Krebse nicht sogleich imstande, ein anderes Glied aus sich her- auswachsen zu lassen. Aber wenn sie sich das nächste Mal häuten,wenn sie bei der nächsten Übergangsstufe ihres Lebens ankommen, dann schon treibt für das abgebrochene Glied ein Stumpf heraus; beim zweitenmal wird er schon größer sein, und wenn sich das Tier genügend oft häuten würde, so würde das Glied ersetzt werden durch ein neues. - Da haben Sie die Erscheinung, daß in solchem Ätherleib schon mehr dazu gehört, damit die innere Heilkraft herausgefordert wird. Und bei den höheren Tieren ist das nun gar nicht mehr in diesem Maße der Fall. Wenn wirein höheres Tier verstümmeln, kann es zunächst nicht diese Heilkraft aus seinem Ätherleibe heraus aufbringen. Aber es muß immer wieder betont werden,was heute in einen bedeutsamen naturwissenschaftlichen Streit hineinspielt: Wenn Sie das Tier verstümmeln, und das Tier hat Nachkommen, so übertragen sich diese Verstümmelungen nicht auf die Nachkommen; die nächste Generation hat wieder die vollen Glieder. Wenn der Ätherleib seine Eigenschaften auf die Nachkommen überträgt,wird er wieder angeregt, einen vollständigen Organismus heraus zusetzen. Beim Tritonen wirkt der Ätherleib noch in demselben Tiere, beim Krebs erst in der Häutung; bei den höheren Tieren tritt dasselbe erst bei den Nachkommen ein; da ersetzt der Ätherleib,was in der vor hergehenden Generation verstümmelt worden ist. Wir müssen also solche Erscheinungen in der Natur gradweise betrachten, dann wird es uns klarwerden, daß selbst dann noch von einer Heilkraft im Ätherleibe gesprochen werden muß, wenn die Vererbungen von den Vorfahren auf die Nachkommen gehen, und daß der Ätherleib sich so vererbt, daß er wieder das ganze, ungeteilte Tier hervorbringt. Da haben Sie sozusagen ein Aufsuchen des Wie der Heilkräfte im Ätherleib.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|65}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun können wir die Frage aufwerfen:Woran liegt es denn, je weiter wir in der Tierreihe hinaufsteigen - und wenn wir das Menschen reich äußerlich betrachten, gilt das auch -, daß der Ätherleib immer mehr Anstrengungen machen muß, um überhaupt die Heilkräfte herauszubekommen? - Das liegt daran, daß der Ätherleib in der verschiedensten Weise mit dem physischen Leibe verbunden sein kann. Es gibt zwischen dem physischen Leibe und dem Ätherleibe sozusagen eine innigere Gemeinschaft und eine losere. Nehmen wir zum Beispiel ein niederes Tier, den Triton, bei dem ein abgeschnittenes Glied sich sogleich wieder ansetzt. Da müssen wir eine lose Verbindung annehmen zwischen Ätherleib und physischem Leib. Und in noch höherem Maße gilt das bei der Pflanzenwelt. Da müssen wir sagen: Die Verbindung ist eine derartige, daß der physische Leib nicht imstande ist, auch auf den Ätherleib zurückzuwirken, so daß der Ätherleib ungeschoren bleibt durch das, was im physischen Leibe geschieht, und daß der Ätherleib in gewisser Beziehung unabhängig ist vom physischen Leibe. Nun ist das Wesen des Ätherleibes das des Tätigseins, des Hervorbringens, des Wachstumförderns. Er fördert das Wachstum bis zu einer bestimmten Grenze. In dem Augenblick, da wir bei Pflanzen oder niederen Tieren ein Glied abschneiden, ist der Ätherleib gleich wieder bereit, das Glied zu ergänzen, das heißt, die volle Tätigkeit zu entfalten. Was muß aber vorliegen, wenn er die volle Tätigkeit nicht entfalten kann? Dann müßte er mehr gebunden sein an die Tätigkeit des betreffenden Gliedes. Und&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
das ist in der Tat bei den höheren Tieren der Fall. Da ist eine viel innigere, dichtereVerbindung zwischen Ätherleib und physischem Leib vorhanden. Wenn der physische Leib seine Formen ausbildet, wirken diese Formen - also was in der physischen Natur ist - wieder zurück auf den Ätherleib.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir anschaulich sprechen wollen: Bei ganz niederen Tieren oder bei Pflanzen wirkt das, was draußen ist, nicht zurück auf den Atherleib, läßt ihn ungeschoren, führt ein selbständiges Dasein. Sobald wir zu höheren Tieren kommen, drängen die Formen des physischen Leibes rückwärts sich dem Ätherleibe auf; da ist der Ätherleib ganz angepaßt dem physischen Leibe, und wir verletzen mit dem physischen Leibe zugleich den Ätherleib. Dann muß natürlich derÄtherleib tiefere &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Kräfte anwenden, weil er zuerst sich selber wieder herstellen muß - und dann erst die betreffenden Gliedmaßen. Daher müssen wir an tiefere Heilkräfte appellieren,wenn wir an denÄtherleib eines höheren Tieres herangehen. Womit hängt das aber zusammen? Warum ist der Ätherleib eines höheren Tieres so abhängig von den Formen des physischen Leibes?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Je weiter wir in der Tierreihe vorschreiten, um so mehr haben wir zu berücksichtigen nicht nur die Tätigkeit des physischen Leibes und des Ätherleibes, sondern auch die des astralischen Leibes. Der astralische Leib kommt bei den niederen Tieren in seiner Wirksamkeit noch außerordentlich wenig in Betracht. Daher haben die niederen Tiere noch so viel Pflanzenähnliches. Je höher wir hinaufsteigen, desto mehr kommt der astralische Leib in Betracht. Der wirkt aber nun so, daß er den Ätherleib von sich abhängig macht. EinWesen wie die Pflanze, das nur physischen Leib und Ätherleib hat, hat mit der Außenwelt wenig zu tun; es werden Reize ausgeübt, aber die drücken sich nicht aus in inneren Vorgängen. Wo dagegen ein astralischer Leib wirksam ist, da spiegeln sich die äußeren Eindrücke in inneren Vorgängen. Ein Wesen, das den astralischen Leib nicht wirksam hat, ist innerlich mehr abgeschlossen der Außenwelt gegenüber. Es öffnet sich ein Wesen um so mehr der Außenwelt, als der astralische Leib wirksam ist. Also verbindet der astralische Leib das Innere eines Wesens mit der Außenwelt. Die zunehmende Wirksamkeit des astralischen Leibes macht, daß der Ätherleib viel stärkere Kräfte aufwenden muß, um auftretende Schädigungen wieder auszugleichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir aber jetzt hinaufsteigen vom Tier zum Menschen, ist noch etwas anderes zu berücksichtigen. Da werden in diesen astralischen Leib nicht nur hineingeprägt, hineingetragen die vorgeschriebenen Verrichtungen, wie es mehr beim Tiere der Fall ist: das Tier lebt mehr mit einer gebundenen Marschroute, lebt mehr mit einem gebundenen Lebensprogramm. Sie werden nicht leicht beim Tiere davon sprechen können, daß es in besonderem Maße gegenüber seinen Instinkten ausschwcifend wäre oder sich mehr in seinen Instinkten der Mäßigkeit hingeben könne. Es folgt seinem Lebensprogramm. Was sich beim Tier ausdrückt, ist einer Art von typischem Programm unterworfen. Der &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|67}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mensch aber ist in der Lage, gerade dadurch, daß er höher hinaufgestiegen ist in der Stufenleiter der Entwickelung, alle möglichen Unterschiede - zwischen Richtig und Unrichtig, Wahrheit und Lüge, Gut und Böse - auszuleben. In der verschiedensten Weise kommt er durch nur individuelle Anlässe mit der Außenwelt in Berührung. Alle diese Arten von Berührungen fallen zurück, machen Eindruck auf seinen astralischen Leib. Und die Folge ist, daß auch die Wechselwirkung zwischen astralischem Leib und Ätherleib jetzt nach diesen äußeren Erlebnissen ausfallen muß. Wenn also ein Mensch in irgendeiner Beziehung ein ausschweifendes Leben führt, so bedeutet das einen Eindruck auf seinen astralischen Leib. Wir haben aber gesehen, daß der astralische Leib wieder den Ätherleib beeinflußt - wie, das wird ab- hängen von dem, was in den astralischen Leib hineingelegt worden ist. Daher werden wir jetzt verstehen können, daß der Ätherleib des Menschen geändert wird, je nachdem der Mensch dieses oder jenes Leben führt in den Grenzen von Gut und Böse, Richtig oder Unrichtig, von Wahrheit oder Lüge und so weiter. Das übt einen Einfluß auf den Ätherleib des Menschen aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun erinnern wir uns, wie die Vorgänge sind, wenn der Mensch durch die Pforte des Todes tritt. Wir wissen, daß der physische Leib abgelegt wird und daß zurückbleibt der Ätherleib, der nun mit dem astralischen Leib und dem Ich verbunden ist.Wenn nun nach dem Tode eine Zeit vergangen ist, die sich nur nach Tagen bemißt, wird das Hauptsächlichste des Ätherleibes als ein zweiter Leichnam abgeworfen; es bleibt jedoch ein Extrakt des Ätherleibes zurück, der mitgenommen wird und erhalten bleibt für alle kommenden Zeiten. In diesem Extrakt des Ätherleibes ist nun alles wie in einer Essenz darinnen, was im Leben hineingekommen ist zum Beispiel von einem ausschweifenden Leben, oder was der Mensch aufgenommen hat als das Ergebnis eines richtigen oder unrichtigen Denkens, Handelns und Fühlens. Das enthält der Ätherleib, und das nimmt der Mensch mit in die Zeit bis zur neuen Geburt. Weil das Tier solche Erlebnisse überhaupt nicht hat, kann es natürlich nichts in derselbenWciöse hinter die Pforte des Todes hinüberbringen. Wenn nun der Mensch wieder durch eine Geburt ins Dasein tritt, ist die Essenz seines früheren Ätherleibes etwas, was sich wieder &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|68}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
hineinergießt in seinen neuen Ätherleib, was den neuen Ätherleib beim Aufbau durchdringt. Daher hat der Mensch in seinem neuen Dasein im Ätherleib darinnen die Ergebnisse dessen, wie er im früheren Leben gelebt hat. Und da der Ätherleib der Auferbauer ist einer ganz neuen Organisation nach einer neuen Geburt, so prägt sich das jetzt alles auch in seinen physischen Leib hinein. Warum kann sich das in den physischen Leib hineinprägen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die geisteswissenschaftliche Forschung zeigt uns, daß wir in der Form eines Menschenleibes, der durch die Geburt ins Dasein tritt, ungefähr sehen können, welche Taten der Mensch in einem früheren Leben verrichtet hat. Aber werden wir auch eine ganz vernunftgemäße Erklärung finden für das, was sich uns dargestellt hat als abnehmende Heilkraft in der aufsteigenden Entwickelungsreihe der Tiere? Da wir bei einem Tiere nicht-davon sprechen können, daß es bei seiner Geburt eine wiederverkörperte Individualität aus einem früheren Erdendasein mitbringt, so werden wir nur den allgemeinen astralischen Leib dieser Tiergattung wirksam finden, und der wird bei diesem Tier die Heilkräfte des Ätherleibes beschränken. Beim Menschen aber finden wir, daß nicht nur sein astralischer Leib, sondern auch sein Ätherleib imprägniert ist mit den Ergebnissen der Taten des vorhergehenden Lebens. Und weil der Ätherleib für sich die Kraft hat, das hervorzubringen, was er von früher her in sich hat, so werden wir auch begreifen, daß er, wenn jetzt eine andere Kraft in ihm auftritt, auch imstande sein wird, in den ganzen Aufbau der Organisation das hineinzulegen, was er aus früheren Verkörperungen sich mitbringt. Und wir werden j`etzt verstehen, wie hinüberw`irken können unsere Taten aus einem Leben in unseren Gesundheitszustand in dem nächsten Leben und wie wir in unserem Gesundheitszustande vielfach eine karmische Wirkung unserer Taten aus einem vorhergehenden Leben zu suchen haben. Wir können aber noch auf eine andere Weise der Sache beikommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir können fragen: Wirkt nun alles, was wir in dem Leben zwischen Geburt und Tod verrichten, in gleicher Art zurück auf unseren Ätherleib? - Schon im gewöhnlichen Leben können Sie einen gewaltigen Unterschied wahrnehmen zwischen dem Zurückwirken dessen, was wir als bewußte Menschen erleben, und mancherlei andern Erlebnissen auf &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
unsere eigentliche innere Organisation. Da ergibt sich eine höchst interessante Tatsache, die durch die Geisteswissenschaft so recht aufgeklärt werden kann, die aber auch ganz vernunftgemäß zu begreifen ist. Der Mensch hat im Verlaufe seines Lebens eine ganze Summe von Erlebnissen, welche er bewußt aufnimmt und mit seinem Ich verbindet. Die werden in ihm zu Vorstellungen, und er verarbeitet diese Vorstellungen. Aber nun besinnen Sie sich einmal, wie unendlich viele Erlebnisse, Erfahrungen und Eindrücke es gar nicht bis zur Vorstellung bringen und eigentlich doch im Grunde beim Menschen da sind und auf ihn wirken. Es wird Ihnen oft passieren, daß Ihnen jemand sagt: Ich habe dich heute auf der Straße gesehen; du hast mich sogar angeschaut! - und Sie wissen gar nichts davon. So ist es vielfach. Eindruck hat so etwas natürlich gemacht. Ihr Auge hat zwar den andern gesehen; aber der unmittelbare Eindruck ist nicht bis zur Vorstellung gekommen. - Solcher Eindrücke gibt es unzählige, sodaß unser Leben eigentlich in zwei Teile zerfällt: in eine solche Lebensseelenreihe, welche aus bewußten Vorstellungen besteht, und in eine solche, welche wir niemals ganz zum klaren Bewußtsein gebracht haben. Aber es sind noch weitere Unterschiede: Sie werden leicht unterscheiden können zwischen solchen Eindrücken, die Sie in Ihrem Leben gehabt haben und die für Sie zu erinnern sind, also Eindrücke, die so auf Sie gemacht worden sind, daß sie immer in die Erinnerung hineinfallen können; und Sie werden solche Eindrücke gehabt haben, an welche Sie sich nicht erinnern können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also unser Seelen leben zerfällt in ganz verschiedene Kategorien. Und es ist tatsächlich ein ganz beträchtlicher Unterschied zwischen den verschiedenen Kategorien, wenn wir die Wirkung auf das innere Wesen des Menschen betrachten. - Bleiben wir jetzt für ein paar Minuten beim Leben des Menschen zwischen Geburt und Tod. Wenn wir da genau beobachten, zeigt sich uns, daß ein gewaltiger Unterschied ist zwischen denjenigen Vorstellungen, die immer wieder in unser Bewußtsein hineinfallen können, und solchen, die wieder vergessen worden sind, so daß sie eine Erinnerungsfähigkeit nicht eigentlich entwickelt haben. Dieser Unterschied kann am leichtesten durch folgendes klargemacht werden. Denken Sie einen Eindruck, der bei Ihnen eine klare Vorstellung hervorrief. Nehmen wir an, es sei ein Eindruck, der in Ihnen &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|70}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Freude oder Schmerz erregte&amp;gt; also ein Eindruck, der von einem Gefühl begleitet war. Halten wir das fest, daß die meisten Eindrücke - eigentlich alle Eindrücke, die auf uns gemacht werden - von Gefühlen begleitet sind. Und die Gefühle drücken sich nicht nur an der bewußten Oberfläche des Lebens aus, sondern sie wirken tief hinein bis in den physischen Leib. Sie brauchen nur daran wieder zu denken, wie ein Eindruck Sie erblassen läßt, ein anderer Sie erröten macht. Bis in die Umlagerung des Blutes wirken da die Eindrücke. Und nun gehen Sie über zu dem, was entweder überhaupt nicht oder nur flüchtig zum Bewußtsein kommt - und es nicht bis zur Erinnerung bringt. Da zeigt uns die Geisteswissenschaft, daß solche Eindrücke keineswegs weniger von ähnlichen Erregungen begleitet sind als die bewußten. Wenn Sie einen Eindruck empfangen von der Außenwelt, der, wenn Sie ihn bewußt empfangen hätten, Sie erschreckt hätte, daß vielleicht Ihr Herz gepocht hätte, so bleibt derselbe Eindruck, wenn er nicht bewußt wird, doch nicht ohne Wirkung. Er macht aber nicht nur einen Eindruck, sondern er geht auch bis in den physischen Leib. Es tritt da sogar das Eigentümliche auf, daß ein Eindruck, der eine bewußte Vorstellung hervorruft, eine Art von Widerstand findet beim Hinein wirken in die tiefere menschliche Organisation; wenn aber der Eindruck auf uns einfach wirkt, ohne daß wir es zur bewußten Vorstellung bringen, dann hemmt ihn nichts, aber er ist deshalb nicht weniger wirksam. Es ist das menschliche Leben ein viel reicheres als das, was uns davon bewußt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt eine Zeit im menschlichen Leben, wo solche Eindrücke, die so lebendig auf die menschliche Organisation wirken und keine Erinnerungsfähigkeit haben, in besonders reichem Maße erlebt werden. In der ganzen Zeit von der Geburt bis zu dem Zeitpunkt, an dem die Erinnerung beginnt, sind unzählige reiche Eindrücke auf den Menschen gemacht worden, welche alle im Menschen drinnensitzen und auch in dieser Zeit den Menschen verändert haben. Sie wirken ebenso wie die bewußten Eindrücke; aber ihnen steht, besonders wenn sie vergessen sind, nichts entgegen von dem, was sich sonst einordnet in das Seelen- leben als bewußte Vorstellungen und dadurch gleichsam einen Damm bildet. Und diese unbewußten Eindrücke dringen am allertiefsten. Nun kann man schon durch das äußere Leben vielfach die Bestätigung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|71}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
finden, daß es Momente im menschlichen Leben gibt, wo die zweite Sorte von inneren Wirkungen zum Ausdruck kommt. Manche Ereignisse des späteren Menschenlebens können Sie sich nicht erklären. Sie finden gar nicht, wie Sie dazu kommen, gerade in dieser Weise jetzt dieses oder jenes erleben zu müssen. Sie erleben zum Beispiel etwas, das macht auf Sie einen so erschütternden Eindruck, daß Sie sich gar nicht erklären können, wie ein verhältnismäßig so gleichgültiges Erlebnis einen so erschütternden Eindruck machen kann. Wenn Sie nun nach- forschen, werden Sie vielleicht finden, daß Sie gerade in der kritischen Zeit - zwischen der Geburt und dem letzten Zeitpunkt, bis zu dem man sich erinnern kann - ein ähnliches Erlebnis hatten, das Sie aber vergessen haben. Keine Vorstellung ist davon zurückgeblieben. Damals hatten Sie einen erschütterndenEindruck gehabt; der lebt fort und verbindet sich mit dem jetzigen und verstärkt ihn. Und was Sie sonst jetzt viel weniger erschüttert hätte, das macht nun einen besonders starken Eindruck. - Wer das einsieht, wird sich eine Vorstellung davon bilden, wie unendlich verantwortungsvoll die Erziehung in der ersten Kindheit ist und wie etwas seine ganz bedeutungsvollen Schatten oder auch Lichter auf das spätere Leben wirft. Da wirkt also etwas vom Früheren hinüber auf das spätere Leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun kann sich herausstellen, daß solche Eindrücke der Kindheit - besonders wenn sie sich wiederholt haben - die ganze Lebensstimmung so beeinflussen, daß von einem gewissen Zeitpunkt an eine Gemütsverstimmung eintritt, die unerklärlich ist und die nur erklärlich wird, wenn man zurückgeht und weiß, welche Eindrücke aus der früheren Zeit ihre Lichter oder Schatten hineinwerfen in das spätere Leben; denn die sind es, die jetzt in einer dauernden Gemütsverstimmung zum Ausdruck kommen. Man wird dann finden, daß die Ereignisse besonders stark wirken, die nicht gleichgültig an dem Kind vorübergegangen sind und die schon damals besonderen Eindruck auf das Kind gemacht haben. - Wir werden also sagen können: Wenn Affekte, Gefühle und Empfindungen besonders mitwirkend sind an den Eindrücken, die später vergessen werden, dann sind diese Affekte und Gefühlsergüsse ganz besonders wirksam in dem Hervortreiben solch ähnlicher Erlebnisse.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun erinnern Sie sich an die Darstellungen, die von mir öfters gegeben&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|72}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
worden sind über das Leben während der Kamalokazeit. Nachdem der Ätherleib des Menschen als ein zweiter Leichnam abgelegt worden ist, lebt der Mensch sein ganzes letztes Leben zurück, geht vorüber an allen seinen Erlebnissen, welche er gehabt hat; aber er geht nicht so vorüber, daß sie ihm gleichgültig bleiben. Gerade während der Kamalokazeit, weil der Mensch seinen alten astralischen Leib noch hat, bewirkt das Durchgemachte die tiefsten Gefühlserlebnisse. - Nehmen wir zum Beispiel an, jemand sterbe mit siebzig Jahren, lebe sein Leben zurück bis in sein vierzigstes Jahr, wo er jemandem eine Ohrfeige gegeben hat. Da erlebt er den Schmerz, welchen er dem andern zugefügt hat. Dadurch wird hervorgerufen eine Art Selbstvorwurf; der bleibt dann als Sehnsucht, und diese Sehnsucht bringt er im nächsten Leben mit, um diese Sache im späteren Leben auszugleichen. Und Sie können begreifen, da in dieser Zeit zwischen Tod und neuer Geburt solche astralischen Erlebnisse vorhanden sind, daß dasjenige, was von uns als Handlung erlebt wird, sich um so sicherer und tiefer einprägt unserem inneren Wesen und beim Aufbau der neuen Leiblichkeit mitwirkt.Wenn wir also schon im gewöhnlichen Leben so stark berührt werden können durch gewisse Erlebnisse, besonders wenn es Gefühlseindrücke waren, daß sie eine Gemütsverstimmung bewirken können, so werden wir begreifen, daß die viel stärkeren Eindrücke des Kamalokalebens sich so eindrücken können, daß sie bei einer neuen Inkarnation bis tief in die Organisation des physischen Leibes hineinwirken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da sehen Sie eine Steigerung einer Erscheinung, die Sie bei aufmerk samer Beobachtung schon im Leben zwischen Geburt und Tod finden können. Solche Vorstellungen, denen mit dem Bewußtsein kein Damm entgegengebracht wird, werden schon zu mehr Unregelmäßigkeiten in der Seele führen können: zu Neurasthenie, zu nervenkrankheitsartigen Erscheinungen, vielleicht auch zu Geisteskrankheiten. Alle diese Erscheinungen stellen sich uns dar wie ursächliche Zusammenhänge von früheren mit späteren Ereignissen und geben uns ein anschauliches Bild dafür.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wollen wir jetzt den Begriff steigern, so können wir sagen: Was wir als Handlungen in einem Leben voll führen, das wird im Leben nach dem Tode umgesetzt in einen mächtigen Affekt, und dieser Affekt, der &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|73}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
jetzt durch keine physische Vorstellung geschwächt wird und durch kein gewöhnliches Bewußtsein gehemmt ist - denn das Gehirn ist hierbei nicht nötig -, der durch die andere, tiefer hineinwirkende Form des Bewußtseins erlebt wird, bewirkt nun, daß unsere Taten und unser ganzes Wesen vom vorigen Leben in unserer Anlage und Organisation in einem neuen Leben erscheint. Daher werden wir es begreiflich finden können, daß ein Mensch, der in einer Verkörperung sehr egoistisch gedacht, gefühlt und gehandelt hat, wenn er nach dem Tode vor sich sieht die Früchte seines egoistischen Denkens, Fühlens und Handelns, sich durchzieht mit mächtigen Affekten gegen seine früheren Handlungen. Das ist in der Tat der Fall. Er bekommt Tendenzen in sich, die gegen sein eigenes Wesen gerichtet sind. Und diese Tendenzen, insofern sie aus einem egoistischen Wesen des vorigen Lebens hervorgegangen sind, drücken sich aus in einer in sich schwachen Organisation im neuen Leben. «Schwache 0rganisation&amp;gt; ist hier dem Wesen nach genommen, nicht dem äußeren Eindruck nach. Wir müssen uns daher klar sein, daß eine schwache Organisation zurückgeführt werden kann karmisch auf ein egoistisches Handeln in einem vorhergehenden Leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gehen wir weiter. Nehmen wir an, in einem Leben zeige ein Mensch einen besonderen Hang zur Lügenhaftigkeit. Das ist schon ein Hang, der geht aus einer tieferen Organisation der Seele hervor. Denn wenn sich der Mensch nur dem überläßt, was in seinem allerbewußtesten Leben ist, so wird er nicht eigentlich lügen; nur Affekte und Gefühle, welche aus dem Unterbewußtsein heraus wirken, verleiten zum Lügen. Da haben wir schon etwas Tieferes sitzen. Wenn der Mensch lügenhaft war, werden seine Handlungen, die aus der Lügenhaftigkeit hervorgehen, wieder die heftigsten Affekte im Leben nach dem Tode gegen den Menschen selbst erzeugen, und eine starke Tendenz gegen die Lügenhaftigkeit wird sich zeigen. Dann wird sich der Mensch mitbringen im späteren Leben ni,cht nur eine schwache Organisation, sondern - die Geisteswissenschaft zeigt uns das - eine Organisation, die sozusagen unrichtig gebaut ist,-die regellos gebaute innere Organe in der -feineren Organisation zeigt. Es stimmt da etwas nicht recht zusammen. Das ist bedingt durch früheren Hang zur Lügenhaftigkeit. - Und woher ist der Hang zur Lügenhaftigkeit selbst gekommen? Denn &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|74}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
in dem Hang zur Lügenhaftigkeit hat der Mensch ja schon etwas, was auch nicht stimmt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da müssen wir noch weiter zurückgehen. Und da zeigt die Geistes- wissenschaft, daß ein flatterhaftes Leben, das keine Hingabe und keine Liebe kennt, daß ein oberflächliches Leben in der einen Verkörperung sich ausdrückt in dem Hang zur Lügenhaftigkeit in der nächsten Verkörperung; und der Hang zur Lügenhaftigkeit zeigt sich in der zweit- nächsten Inkarnation in den unrichtig gebauten Organen. - So können wir drei aufeinanderfolgende Inkarnationen in ihren Wirkungen karmisch verfolgen: Oberflächlichkeit und Flatterhaftigkeit in der ersten Inkarnation, Hang zur Lügenhaftigkeit in der zweiten und physische Krankheitsdisposition in der dritten Inkarnation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da sehen wir Karma an Gesundheit und Krankheit arbeiten. - Was jetzt gesagt worden ist, ist so gesagt, daß die Tatsachen selber heraus- geholt worden sind aus der geisteswissenschaftlichen Forschung. Nicht Theorien sollten aufgestellt werden, sondern es sind beobachtete Fälle, die durch die Methoden der Geisteswissenschaft untersucht werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir haben also zunächst hingewiesen auf die allergewöhnlichsten Tatsachen - auf die Heilkräfte des Ätherleibes bei den Pflanzen. Wir zeigten dann, wie durch das Hinzutreten des astralischen Leibes bei den Tieren der Ätherleib weniger wirksam ist, und wir sahen ferner, wie durch die Aufnahme des Ich, das ein individuelles Leben im Guten und Bösen, Wahren und Falschen entwickelt&amp;gt; der astralische Leib, der mit dem Hinaufsteigen in der Tierreihe die Heilkräfte nur hemmt, wieder etwas Neues dem Menschen einfügt: die aus dem individuellen Leben ihm ein fließenden karmischen Krankheitseinflüsse. Bei der Pflanze gibt es noch keine inneren Krankheitsursachen, weil die Krankheit noch im Äußerlichen ist und die Heilkräfte des Ätherleibes ungeschwächt wirken. Bei den niederen Tieren haben wir noch einen Ätherleib mit solchen Heilkräften, daß er selbst Glieder ersetzen kann; aber je weiter wir hinaufsteigen, desto mehr prägt sich der astralisc`he Leib dem Ätherleib ein, und dadurch schränkt der Astralleib die Heilkräfte des Ätherleibes ein. Aber weil sich die Tiere nicht in Reinkarnationen fortpflanzen, hängt das, was im Ätherleibe ist, nicht zusammen mit irgendwelchen &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|75}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
moralisch-intellektuellen oder individuellen Qualitäten, sondern mit dem allgemeinen Typus. Beim Menschen jedoch wirkt das, was er in seinem Ich erlebt, zwischen Geburt und Tod hinein bis in den Ätherleib.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Warum kommen denn die Erlebnisse der Kindheit bei den genannten Gemütswirkungen nur in leichten Erkrankungen zum Vorschein? Weil wir die Ursachen zu vielem, was sich in Neurasthenie, Neurose, Hysterie und so weiter zeigt, werden finden können in demselben Leben. Die Ursachen zu tieferen Krankheitsfällen aber werden wir zu suchen haben in einem vorhergehenden Leben, weil sich erst beim Übergang zu einer neuen Geburt dasjenige recht in den Ätherleib hineinverpflanzen kann, was moralisch und intellektuell erlebt wird. Im allgemeinen kann der Atherleib beim Menschen tiefere moralische Wirkungen in einem Leben nicht einverleibt erhalten, obwohl wir einzelne&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ausnahmefälle - und sogar sehr bedeutende Fälle - noch kennenlernen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So haben wir einen Zusammenhang zwischen unserem Leben im Guten und Bösen, im Moralischen und Intellektuellen in der einen In karnation, und unserer Gesundheit oder Krankheit in der nächsten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|76}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= VIERTER VORTRAG Hamburg, 19. Mai 1910 =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es darf die Voraussetzung gemacht werden, daß gerade über die beiden Begriffe, welche den Gegenstand unserer heutigen Betrachtung bilden sollen, nämlich Heilbarkeit und Unheilbarkeit vQn Krankheiten, deutlichere und, man kann sagen, menschenfreundlichere Vorstellungen herrschen werden, wenn einmal die Ideen von Karma und karmischen Zusammenhängen im Leben in weiteren Kreisen werden Platz gegriffen haben. Man darf ja sagen, daß in bezug auf die Begriffe Heilbarkeit und Unheilbarkeit von Krankheiten in den verschiedensten Jahrhunderten die verschiedensten Meinungen verbreitet waren. Und man braucht nicht sehr weit zurückzugehen, um zu sehen, wie ungeheuerlich sich diese Begriffe verändert haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da finden wir eine Zeit - sie ist die Wende zwischen dem Mittel- alter und der neueren Zeit, so etwa das 16., 17. Jahrhundert -, da entwickelten sich allmählich die Vorstellungen, daß man die Krankheitsformen in einer strengen Weise eingrenzen könne und daß es eigentlich für eine jede Krankheit irgendein Kräutlein, irgendeine Mixtur gebe, durch welche die betreffende Krankheit unbedingt geheilt werden müsse. Dieser Glaube dauerte im Grunde recht lange, sogar bis in das 19. Jahrhundert hinein. Und wenn man als Laie oder als Mensch, der die heutigen Zeitbegriffe in sich aufgenommen hat, nachlesen wollte in den Mitteilungen von Krankenbehandlungen vom Ende des 18. oder&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dem Beginn des 19. Jahrhunderts und bis weit in das 19. Jahrhundert hinein, so würde man ersIaunen über all die Mittel und Mittelchen, die damals reichlich angewendet worden sind, von Tees, Mixturen bis zu gefährlicheren Arzneien, Aderlässen und so weiter. Aber gerade das 19. Jahrhundert war es, welches in medizinischen Kreisen, und zwar in angesehenen medizinischen Kreisen, diese Ansicht in das genaue Gegenteil verkehrt hat. Und ich darf wohl selbst sagen, daß mir vieles von` diesen gegenteiligen Ansichten während meiner jüngeren Jahre in den verschiedensten Nuancen und Motiven vor Augen getreten ist. Es war die Gelegenheit dazu gegeben, wenn man etwa die Strömung der nihi&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|77}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
listischen medizinischen Schule mitmachte, die sich um die Mitte des 19. Jahrhunderts in Wien vorbereitete und eigentlich immer mehr und mehr an Ansehen gewann. Der Ausgangspunkt zu einer radikalen Änderung in bezug auf die Anschauungen über Heilbarkeit und Unheilbarkeit von Krankheiten war das, was der bedeutende Mediziner Dietl über den Verlauf der Lungenentzündung und ähnlicher Krankheiten zutage förderte. Er war durch allerlei Betrachtungen dazu gekommen, sich zu sagen, daß im Grunde gar kein rechter Einfluß von diesem oder jenem Mittel auf den Verlauf dieser oder jener Krankheit zu bemerken sei. Und gerade unter dem Einfluß von Dietls Schule lernten die damaligen jungen Mediziner über den Heilwert der seit Jahrhunderten heraufgekommenen Heilmittel so denken, daß sie auf alle alten Mittel übertrugen, was mit dem bekannten Sprichwort gemeint ist: Kräht der Hahn auf dem Mist, so ändert sich das Wetter, oder es bleibt, wie es ist! - Sie waren der Meinung, daß es ziemlich einerlei sei für den Verlauf einer Krankheit, ob man diese oder jene Mittel verabreiche oder nicht. Und Dietl war einer, der eine für die damalige Zeit recht überzeugende Statistik zustande brachte, die besagte, daß bei der von ihm eingeführten sogenannten abwartenden Behandlungsweise ungefähr ebenso viele Menschen, die an Lungenentzündung erkrankt waren, geheilt wurden oder starben als bei der früheren Behandlung mit den altehrwürdigen Heilmitteln. Die von Dietl begründete, von Skoda weiter fortgeführte abwartende Behandlung bestand darin, daß man den Kranken in die äußere Lebenslage brachte, die ihn instande setzte, die selbstheilenden Kräfte am allerbesten in Anwendung zu bringen, sie hervorzuholen aus seinem Organismus, und dem Arzte wies man kaum eine andere Stellung an, als den Verlauf der Krankheit zu überwachen, damit er da war, wenn irgend etwas eintrat, wo man mit menschlichen Mitteln sachgemäß Hilfe leisten kann. Im übrigen beschränkte man sich darauf, die Krankheit sozusagen kommen zu sehen, abzuwarten, wie die selbstheilenden Kräfte aus dem Organismus herauskamen, bis das Fieber nach einiger Zeit abfiel und die Selbstheilung durch den Organismus eintrat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese medizinische Schule wurde und wird noch heute mit dem Ausdruck der «nihilistischen Schule» belegt, weil sie auf einem Ausspruch &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|78}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
von Professor Skoda fußte, der ungefähr sagte: Wir können vielleicht lernen, Krankheiten zu diagnostizieren, sie zu beschreiben, vielleicht auch zu erklären - heilen aber können wir sie nicht! - Ich erzähle Ihnen Dinge, von denen Sie als von Tatsachen, welche sich im Laufe des 19. Jahrhunderts herausgebildet haben, Notiz nehmen sollen, damit Sie eine Empfindung dafür erhalten, wie sich Vorstellungen auf diesem Gebiete geändert haben. Aber es möge niemand glauben, daß, wenn dies oder jenes hier in rein erzählender Form ausgesprochen wird, deshalb gleich in der einen oder andern Weise Partei ergriffen werden soll. Denn selbstverständlich war der Ausspruch des berühmten Professors Skoda eine Art Radikalismus, und es würde leicht sein, die Grenzen, innerhalb welcher ein solcher Ausspruch gilt, aufzuzeigen. Auf eins aber war mit solcher Meinung hingewiesen, ohne daß man eigentlich die Mittel hatte, bewußt diesen Hinweis irgendwie zu begründen oder zu umschreiben oder in Worte zu bringen - ja nicht einmal in Gedanken konnte man ihn bringen; das heißt, man konnte in den Kreisen, in welchen man ihn aussprach, nicht einmal daran gehen, diesen Hinweis zu denken. Es wurde darauf hingewiesen, daß sich allerdings im Menschen etwas finden müsse, was in gewisser Beziehung bestimmend ist für den Ausgang und für den Verlauf einer Krankheit und was als solches im Grunde genommen doch jenseits dessen liegt, was menschliche Hilfe leisten kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es war also der Hinweis auf etwas gegeben, was jenseits der menschlichen Hilfe liegt; und dieser Hinweis kann niemals, wenn man wirklich den Dingen zu Leibe geht, sich auf etwas anderes beziehen als auf das Gesetz von Karma und auf die Wirksamkeit von Karma im Verlaufe des menschlichen Lebens. Wenn wir den Verlauf einer Krankheit im menschlichen Leben verfolgen - das Heraufkommen der Krankheit, die aus dem Organismus selbst hervorsprießenden Heilkräfte -, wenn wir die Heilentwickelung verfolgen, dann werden wir bei unbefangener Betrachtungsweise, besonders wenn wir darauf Rücksicht nehmen, wie in dem einen Falle Heilung eintritt, während in einem andern Falle keine Heilung möglich erscheint, dahin getrieben werden, nach tieferer Gesetzmäßigkeit zu suchen. Darf diese tiefere Gesetzmäßigkeit gesucht werden in den früheren Erdenleben des Menschen? Das ist für uns die Frage. Darf davon gesprochen werden, daß sich der Mensch gewisse &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|79}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorbedingungen mitbringt, die ihn geradezu vorausbestimmt machen, in einem besonderen Falle seine Heilkräfte aus dem Organismus aufrufen zu können, die aber in einem andern Falle so vorausbestimmt sind, daß er trotz aller Anstrengungen nicht imstande ist, die Krankheit zu heilen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn Sie sich an das erinnern, was namentlich gestern ausgeführt worden ist, so werden Sie begreifen, daß in den Vorgängen, die sich abspielen zwischen dem Tode und der neuen Geburt, allerdings ganz besondere Kräfte aufgenommen werden in die menschliche Individualität. Haben wir doch gesagt, daß dem Menschen während der Kamalokazeit die Ereignisse seines letzten Lebens, seine von ihm verrichteten Handlungen im Guten und Bösen, seine Charaktereigenschaften und so weiter vor die Seele treten und daß er durch die Anschauung seines eigenen Lebens in sich die Tendenz aufnimmt, für alles, was unvollkommen in ihm ist und was sich als eine unrichtige Handlung gezeigt hat, Abhilfe und Ausgleich zu schaffen, sich die betreffenden Eigenschaften einzuprägen, welche ihn auf diesem oder jenem Gebiete vollkommener machen. Haben wir das begriffen, so können wir sagen: Diese Absicht, diese Tendenz behält nun der Mensch und geht durch eine neue Geburt mit dieser Absicht wieder ins Dasein. - Der Mensch baut aber selbst an dem neuen Leibe, der sich ihm angliedert und ihn umgliedert im neuen Leben, und er baut ihn auf gemäß den Kräften, welche er sich mitgebracht hat aus früheren Lebensläufen und aus der Zeit zwischen Tod und neuer Geburt. Mit diesen Kräften ist er ausgestattet und webt sie hinein in selne neue Körperlichkeit. Damit haben wir begriffen, daß diese neue Körperlichkeit schwach oder stark ist, je nachdem der Mensch schwache oder starke Kräfte in sie hineinweben kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun müssen wir uns aber doch klar sein, daß eine gewisse Folge eintreten wird, wenn zum Beispiel der Mensch während des Kamalokalebens gesehen hat: Du warst im letzten Leben ein Mensch, der viele Handlungen begangen hat unter dem Einflusse seiner Affekte, von Zorn, Furcht, Abscheu und so weiter. - Solche Handlungen stehen nun lebendig vor seiner Seele in der Kamalokazeit, und da bildet sich heraus in dieser Seele der Gedanke - die Ausdrücke, die uns für diese Kräfte erwachsen können sind natürlich für das physische Leben geprägt! -: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|80}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Du mußt an dir etwas tun, damit du in dieser Beziehung vollkommener wirst, damit du in der Zukunft nicht mehr geneigt bist, Handlungen unter dem Einflusse deiner Affekte zu begehen! - Dieser Gedanke wird ein Bestandteil der menschlichen Seelenindividualität, und beim Durch- gehen durch eine neue Geburt prägt sich dieser Gedanke weiter ein als eine Kraft in den neu entstehenden Leib. Und in diesen fließt dadurch ein die Tendenz, so etwas zu vollführen mit der ganzen Organisation von physischem Leib, Ätherleib und astralischem Leib, was dem Menschen es jetzt unmöglich macht, aus seinen Affekten heraus, aus Zorn, Haß, Neid und so weiter gewisse Handlungen zu begehen, damit er imstande ist, in dieser Beziehung wirklich sich vollkommener zu machen. Und dadurch wird er dazu kommen, neue Handlungen zu vollführen, welche jetzt den Ausgleich früherer Handlungen bewirken können. So läßt der Mensch aus einer seine gewöhnliche Vernünftigkeit weit überragenden Vernünftigkeit die Absicht in sich hinein fließen, die ihn zu einer höheren Vollkommenheit auf einem bestimmten Gebiete und zum Ausgleich bestimmter Handlungen führen kann. -Wenn Sie in Betracht ziehen, wie mannigfaltig das Leben ist, wie der Mensch von Tag zu Tag solche Handlungen vollführt, die einen derartigen Ausgleich erfordern, so werden Sie begreifen, daß viele solcher nach Ausgleich harrender Gedanken in der Seele sind, wenn die Seele durch eine neue Geburt ins Dasein tritt, und daß diese mannigfaltigen Gedanken sich kreuzen, so daß dadurch der menschliche physische Leib und Ätherleib eine Konfiguration erhalten, in welche alle diese Tendenzen hineinverwoben sind. Um uns nun das verständlich zu machen, nehmen wir einen ganz eklatanten Fall an. Gerade heute aber muß ich ganz besonders betonen, was ich auch sonst stets betone: daß ich vermeide, aus irgendeiner Theorie oder Hypothesenmacherei zu sprechen und daß ich, wenn ich Beispiele anführe, nur solche anführe, die von der Geisteswissenschaft wohl geprüft sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen wir an, jemand habe im letzten Leben so gelebt, daß er aus einem viel zu schwachen Ich-Gefühl heraus gewirkt hat, aus einem IchGefühl, welches in der Hingabe an die äußere Welt viel zu weit ging, so weit, daß es mit einer Unselbständigkeit, Selbstverlorenheit wirkte, wie es für unseren heutigen Menschheitszyklus nicht mehr angemessen &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|81}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ist. Also das fehlende Selbstgefühl war es, welches einen Menschen in einer Inkarnation zu diesen oder jenen Handlungen geführt hat. Nun hat er während der Kamalokazeit die Handlungen vor sich gehabt, die aus diesem fehlenden Selbstgefühl herausgeflossen sind. Er nimmt daraus zunächst die Tendenz auf: Du mußt in dir Kräfte entwickeln, welche dein Selbstgefühl erhöhen, du mußt in einer nächsten Inkarnation dir die Gelegenheit schaffen, gegen den Widerstand deiner Leiblichkeit, gegen die Kräfte, welche dir entgegenkommen werden aus physischem Leib, Ätherleib und astralischem Leib, dein Selbstgefühl zu stählen, damit es gleichsam eine Schule durchmacht. Du mußt dir einen Leib anschaffen, der dir zeigt, wie aus der Leiblichkeit heraus die Anlage zu einem schwachen Selbstgefühl wirkt!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was sich dann in der nächsten Inkarnation abspielen wird, wird wenig ins Bewußtsein treten, es wird sich mehr oder weniger in einer unterbewußten Region abspielen. Der Betreffende wird hinstreben zu einer solchen Inkarnation, welche gerade die derbsten Widerstände seinem Selbstgefühl entgegensetzt, so daß er es nötig hat, sein Selbstgefühl im höchsten Maße anzuspannen. Dadurch wird er wie magnetisch hingezogen werden zu solchen Gegenden und solchen Gelegenheiten, wo sich ihm tiefere Hindernisse entgegenstellen, wo sich sein Selbstgefühl ausleben soll gegen die Organisation der drei Leiber. So sonderbar es Ihnen klingen mag: Solche Individualitäten, die mit diesem Karma belastet sind, daß sie in der charakterisierten Weise durch die Geburt ins Dasein hineinstreben, suchen den Zugang zu Gelegenheiten, wo sie zum Beispiel einer Seuche wie der Cholera ausgesetzt sein können; denn diese bietet ihnen Gelegenheit, jene Widerstände, welche eben gekennzeichnet worden sind, zu finden. Was dabei durchzumachen ist im Inneren gegen die Widerstände der drei Leiber in dem Erkrankten&amp;gt; das kann dann bewirken, daß in der nächsten Inkarnation das Selbstgefühl in einem erheblichen Grade gewachsen ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen wir einen andern eklatanten Fall an, und zwar, damit Sie den Zusammenhang durchschauen können, jetzt gerade den entgegengesetzten Fall. Ein Mensch sieht während der Kamalokazeit, daß er unter einem zu starken Selbstgefühl eine Reihe von Handlungen vollführt hat, die aus einem zu starken Auf-sich-selbst-Bauen geflossen &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|82}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sind. Er sieht, daß er sich mäßigen muß in bezug auf sein Selbstgefühl, daß er es zurückdämmen muß. Da muß er wieder eine Gelegenheit aufsuchen, wo ihm in der nächsten Inkarnation seine drei Leiber die Möglichkeit geben, daß das Selbstgefühl überall in der Leiblichkeit - wie es sich auch anstrenge - keine Schranken findet, daß es überall ins Boden- lose hinein und sich selbst ad absurdum führt. Die Bedingungen dazu sind hergestellt, wenn der Betreffende hingezogen wird zu einer Gelegenheit, die ihm die Malaria bringt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da haben Sie einen Krankheitsfall des karmischen Wirkens und sogar den Satz dargelegt, daß im Grunde der Mensch aus einer höheren Vernünftigkeit, als diejenige ist, welche er mit seinem gewöhnlichen Bewußtsein überschauen kann, hingeleitet wird zu den Gelegenheiten, wo er sich im Verlaufe seines Karma weiter fortentwickeln kann. Wenn Sie namentlich die Dinge ins Auge fassen, welche jetzt eben gesagt worden sind, wird es Ihnen sehr erleichtert werden, Verständnis zu gewinnen gerade für das Epidemische bei den Krankheiten. Wir könnten die verschiedensten Beispiele anführen, die uns alle zeigen, wie der Mensch aus den Erfahrungen seiner Kamalokazeit heraus geradezu die Gelegenheiten aufsucht, diese oder jene Krankheit zu bekommen, um durch, ihre Überwindung und durch die Entfaltung der selbstheilenden Kräfte die Kräfte zu gewinnen, welche ihn die Lebensbahn im ganzen hinauf- führen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorhin sagte ich, wenn ein Mensch viel unter dem Einfluß von Affekten gehandelt hat, so wird er in der Kamalokazeit ebenfalls Handlungen durchleben, die unter dem Einfluß von Affekten überhaupt geschehen sind. Das wird ihm die Tendenz geben, in seiner neuen Inkarnation, in seiner eigenen Leiblichkeit so etwas zu erleben, durch dessen Überwindung er Handlungen vollführt, welche ausgleichend wirken können auf gewisse Handlungen seines früheren Lebens. Insbesondere ist es da jene Form der Erkrankung, die wir in der neueren Zeit als Diphtherie kennen, die in vielen Fällen zutage tritt, wenn eine solche karmische Verwicklung vorliegt, wo sich der Betreffende früher in der Weise ausgelebt hat, daß er vielfach aus allerlei Aufwallungen, Affekten und so weiter gehandelt hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir werden im Verlaufe dieser Vorträge noch manches zu hören&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|83}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
bekommen darüber, wie diese oder jene Krankheit bedingt ist. Wir müssen aber jetzt auf noch tiefere Grundlagen eingehen, wenn wir uns die Frage beantworten wollen: Wie kommt es, daß, wenn der Mensch durch die Geburt ins Dasein tritt und er sich durch sein Karma dieTendenz mitbringt, durch die Überwindung dieses oder jenes Leidens das eine oder das andere zu erreichen, wie kommt es, daß es ihm einmal gelingt, wirklich Sieger zu sein, die Krankheit zu überwinden und Kräfte in sich aufzunehmen, die ihn höher bringen, während er das andere Mal unterliegt und die Krankheit Sieger bleibt? Da müssen wir auf die geistigen Prinzipien zurückgehen, die überhaupt das Kranksein im Menschenleben möglich machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daß der Mensch überhaupt erkranken kann, daß er geradezu das Kranksein - sogar aus seinem Karma heraus - suchen kann, das kommt zuletzt aus keinen andern Prinzipien heraus als aus denjenigen, die wir schon oft in den verschiedensten Zusammenhängen unserer theosophischen Betrachtungen uns haben vor die Seele treten lassen. - Wir wissen, daß in einem bestimmten Punkte der Erdentwickelung diejenigen Kräfte in die menschliche Entwickelung eingetreten sind, welche wir die luziferischen Kräfte nennen, welche solchen Wesenheiten angehören, die während der alten Mondentwickelung zurückgeblieben sind und nicht so weit vorgeschritten sind, ~daß sie sozusagen an dem normalen Punkt ihrer Erdentwickelung angelangt wären. Dadurch wurde dem astralischen Leibe des Menschen, bevor sein Ich in der entsprechenden Weise wirken konnte, etwas eingepflanzt, was aus diesen luziferischen Wesen herausströmte. Der Einfluß dieser luziferischen Wesenheiten ist daher ein solcher, der vorzugsweise auf unseren astralischen Leib einstmals ausgeübt worden ist und den der Mensch für die Folgezeit durch seine Entwickelung hindurch in seinem astralischen Leib hatte. Dieser luziferische Einfluß bedeutet in der menschlichen Entwickelung mancherlei. Für unseren heutigen Zweck ist es aber wichtig, hervorzuheben, daß der Mensch, indem er die luziferischen Kräfte in sich hatte, in seinem Inneren einen Verführer hatte, weniger gut zu sein, als er gewesen wäre, wenn der luziferische Einfluß nicht gekommen wäre; und ebenso hatte er dadurch einen Einfluß, mehr aus allerlei Affekten, Leidenschaften und Begierden heraus zu handeln und zu ur&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|84}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
teilen, als er geurteilt und gehandelt haben würde,wenn der luziferische Einfluß nicht gewirkt hätte. Durch diesen Einfluß wurde des Menschen eigentliche Individualität veranlaßt, anders zu sein, sozusagen mehr hingegeben zu sein an das, was wir die Begierdenwelt nennen können, als es sonst der Fall gewesen wäre. Und dadurch ist es gekommen, daß der Mensch viel tiefer hineinverstrickt worden ist in die physische Erdenwelt, als es sonst geschehen wäre. Der Mensch drängt sich durch den luziferischen Einfluß mehr hinein in seine Leiblichkeit, identifiziert sich mehr mit der Leiblichkeit, als er sie durchdrungen hätte, wenn kein luziferischer Einfluß gekommen wäre. Denn wäre der Einfluß der luziferischenWesenheiten nicht gekommen, so wäre so mancherlei von dem, was den Menschen auf der Erde locken kann, dieses oder jenes zu begehren, nicht gekommen. Der Mensch wäre gleichgültig an den Eindrücken dieser oder jener Lockmittel vorbeigegangen. Durch Luzifers Einfluß entstanden die Verlockungen der äußeren sinnlichen Welt; diese Verlockungen nahm der Mensch in sich auf. Die Individualität, die durch das Ich gegeben war, wurde durchtränkt mit den Wirkungen, die aus dem luziferischen Prinzip heraus kamen. Und so kam es, daß der Mensch bei seinen ersten Erdeninkarnationen auch den ersten Verlockungen des luziferischen Prinzips verfallen war und diese Verlockungen mitnahm in die späteren Leben. Das heißt, daß die Art und Weise, wie der Mensch den Verlockungen des luziferischen Prinzips verfiel, zu einem Bestandteil seines Karma wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn nun der Mensch nur dieses Prinzip in sich aufgenommen hätte, so würde er immer mehr und mehr den Verlockungen der physischen Erdenwelt verfallen sein; er würde sozusagen immer mehr die Aussicht verloren haben, von dieser physischen Erdenwelt wieder loszukommen. Wir wissen, daß der spätere Einfluß - der Christus-Einfluß - dem luziferischen Prinzip entgegengewirkt hat und es gleichsam wieder zum Ausgleich gebracht hat, so daß der Mensch im Laufe seiner Entwickelung wieder Mittel erhalten hat, diesen luziferischen Einfluß aus sich herauszutreiben. Aber mit dem luziferischen Einfluß war zugleich etwas anderes gegeben. Dadurch,daß der Mensch in seinem astralischen Leib den luziferischen Einfluß aufgenommen hatte, erschien ihm auch die ganze äußere Welt, in die er eintrat, ganz anders, als sie ihm erschienen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|85}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wäre, wenn er dem luziferischen Einfluß nicht hingegeben gewesen wäre. Luzifer drang in des Menschen Inneres. Der Mensch sah mit Luzifer im Inneren die Welt um sich herum. Dadurch trübte sich sein Blick für die Erdenwelt, und es mischte sich nun in die äußeren Eindrücke hinein der ahrimanische Einfluß. Nur dadurch konnte sich AhrIman eInmischen und die äußere Welt zur Illusion gestalten, weil wir uns schon früher von innen heraus die Anlage zur Illusion, zu Maja geschaffen hatten. So war der ahrimanische Einfluß, der hineinzog in die äußere Welt, die den Menschen umgab, die Folge des luziferischen Einflusses. Wir können sagen: Der Mensch saugte ein, weil einmal die Iuziferischen Kräfte in ihm waren, die Möglichkeit, sich mehr in die Sinnenwelt zu verstricken, als er sich ohne den luziferischen Einfluß in das sinnliche Erdenleben verstrickt hätte. Dadurch hat er sich aber auch die Möglichkeit geschaffen, mit allen äußeren Wahrnehmungen von außen den ahrimanischen Einfluß einzusaugen. Und so lebt in der menschlichen Individualität, indem sie durch die verschiedenen Erdeninkarnationen hindurchgeht, der luziferische Einfluß, und als das Ergebnis des luziferischen Einflusses der ahrimanische Einfluß. Diese zwei Mächte kämpfen fortwährend in der menschlichen Individualität. Und die menschliche Individualität ist der Schauplatz geworden für den Kampf von Luzifer und Ahriman.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Mensch ist mit seinem gewöhnlichen Bewußtsein auch heute noch ausgesetzt sowohl den Verlockungen Luzifers, der aus den Leidenschaften und Affekten seines astralischen Leibes heraus wirkt, wie auch den Verlockungen Ahrimans, der durch Irrtümer, Täuschungen in bezug auf die äußere Welt von außen in den Menschen eindringt. Solange nun der Mensch in einer Inkarnation lebt und die Vorstellungen einen Riegel vorschieben, so daß das, was von Luzifer und Ahriman geschieht, nicht tiefer eindringen kann und ein Hindernis findet an den Vorstellungen, so lange bleibe das, was der Mensch tut, dem moralischen oder dem intellektuellen Urteil unterworfen. Solange der Mensch zwischen Geburt und Tod gegen die Moral sündigt, indem er Luzifer folgt, oder sich gegen die Logik und das gesunde Denken versündigt, indem er Ahriman folgt, so lange bleibt das eine Angelegenheit des gewöhnlichen bewußten Seelenlebens. Wenn der Mensch aber durch die Pforte &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|86}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
des Todes schreitet, hört das Vorstellungsleben auf, das an das Instrument des Gehirns gebunden ist. Da beginnt eine andere Form des Bewußtseinslebens. Da dringen in der Tat alle die Dinge, welche im Leben zwischen Geburt und Tod dem moralischen oder dem vernünftigen Urteil unterworfen sind, herunter in die Untergründe des menschlichen Wesens und greifen ein in das, was dann nach dem Kamaloka für das nächste Dasein organisierend wirkt und sich hineinprägt in die plastischen Kräfte, die nun die dreifache menschliche Leiblichkeit aufbauen. Da werden Irrtümer, welche aus der Hingabe an Ahriman folgen, zu Krankheitskräften, die vom Ätherleib her den Menschen infizieren,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und Ausschweifungen, also Dinge, welche im Leben dem moralischen Urteil unterworfen sind, werden zu Krankheitsursachen, welche mehr vom astralischen Leib her wirken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dadurch sehen wir, wie in der Tat unsere Irrtümer aus dem Ahrimanischen in uns - und dazu sind auch die bewußten Irrtümer: Lügen, Unwahrheiten zu rechnen - zu Krankheitsursachen werden, wenn wir allerdings nicht bei einer Inkarnation stehenbleiben, sondern die Wirkung einer Inkarnation auf die folgende betrachten; und wir sehen, wie auch die luziferischen Einflüsse zu Krankheitsursachen auf demselben Wege werden. Wir können in der Tat sagen: Wir begehen unsere Irrtümer nicht ungestraft! Wir tragen den Stempel unserer Irrtümer in unserer nächsten Inkarnation an uns, aber wir tun es aus einer höheren Vernünftigkeit heraus, als diejenige unseres gewöhnlichen Lebens ist, aus derjenigen Vernünftigkeit, welche uns während der Zeit zwischen Tod und neuer Geburt anweist, uns so stark und kräftig zu machen, daß wir fernerhin diesenVerlockungen nicht mehr ausgesetzt sind. So reihen sich Krankheiten sogar ein als mächtige Erzieher in unser Leben. -Wenn wir Krankheiten so betrachten, können wir förmlich sehen, wie bei der Ausbildung einer Krankheit entweder luziferische oder ahrimanische Einflüsse wirksam sind. Wenn einmal diese Dinge werden durchschaut werden von denen, die unter dem Einfluß der geisteswissenschaftlichen Weltanschauung Heiler sein werden, dann werden die Einflüsse dieser Heiler auf den menschlichen Organismus viel intimere sein, als sie heute sein können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir können geradezu in diesem Sinne den Organismus gewisser&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|87}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Krankheitsformen durchschauen. Nehmen wir zum Beispiel eine solche Krankheit wie die Lungenentzündung. Sie ist eine Wirkung in der karmischen Folge, welche dadurch entsteht, daß der Betreffende während seiner Kamalokazeit zurückblicken kann auf einen Charakter, der in sich hatte Hang und Neigung zu sinnlichen Ausschweifungen, der in sich hatte sozusagen ein Bedürfnis, sinnlich zu leben. Verwechseln wir ja nicht, was jetzt einem früheren Bewußtsein zugeschrieben wird, mit dem, was im Bewußtsein der nächsten Inkarnation auftritt. Damit hat es zunächst nichts zu tun.Wohl aber wird das, was der Mensch während der Kamalokazeit sieht, sich so umwandeln, daß sich ihm Kräfte ein- prägen zuVorgängen,welche die Lungenentzündung überwinden. Denn gerade in der Überwindung der Lungenentzündung, in der Selbst heilung,welche dabei vom Menschen angestrebt wird,wirkt die menschliche Individualität entgegen den luziferischen Mächten, führt einen förmlichen Krieg gerade gegen die luziferischen Mächte. Daher ist in der Überwindung der Lungenentzündung eine Gelegenheit, dasjenige abzulegen, was ein Charaktermangel in einer vorherigen Inkarnation war. So sehen wir förmlich wirken in der Lungenentzündung den Kampf des Menschen gegen die luziferischen Mächte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anders stellt sich uns die Sache dar, wenn wir bei dem, was wir im heutigen Sprachgebrauch Lungentuberkulose nennen, die eigentümlichen Prozesse auftreten sehen, wenn die selbstheilenden Kräfte in Tätigkeit übergehen, die sich dadurch äußern, daß die schädigenden Einflüsse, welche da entstehen, umgeben werden, umrandet werden von Umhüllungen wie Bindegewebe; dann wird das Ganze ausgefüllt mit kalk-salzhaltiger Materie, welche feste Einschlüsse bildet. Solche Einschlüsse kann der Mensch in seiner Lunge haben, und viel mehr Menschen tragen solche Dinge mit sich herum, als man gewöhnlich glaubt; denn das sind diejenigen Menschen, bei denen eine tuberkulöse Lunge in Heilung übergegangen ist. Wo derartiges vor sich ging, ist wieder ein Kampf aufgeführt worden der menschlichen inneren Wesenheit gegen das, was ahrimanische Kräfte angestellt haben. Es ist ein Abwehrprozeß nach außen, ein Anstürmen gegen das, was durch äußere Materialität hergebracht wird, um zur Selbständigkeit der menschlichen Wesenheit in diesem Sinne zu führen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|88}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit haben wir gezeigt, wie in der Tat die beiden Prinzipien, das ahrimanische und das luziferische, im letzten Grunde im Krankheitsverlauf tätig sind. Und es könnte in vieler Beziehung für diese oder jene Krankheitsform gezeigt werden, wie man eigentlich zwei Typen von Krankheiten unterscheiden müßte: ahrimanische und luziferische Krankheiten. Wenn man das beachten würde, so würde man auch rich tige Prinzipien gewinnen können für die entsprechende Hilfe, welche man den Kranken angedeihen lassen kann. Denn luziferische Krankheitsprozesse werden ganz andere Hilfe erfordern als ahrimanische. Wenn heute noch in einer ziemlich kritiklosen Weise, zum Beispiel im äußeren Heilverfahren, Kräfte angewendet werden, die in der heutigen Elektrotherapie, in der Kaltwasserbehandlung oder in ähnlichem ent halten sind, so muß gesagt werden, daß von vornherein durch die Geisteswissenschaft ein Licht darauf geworfen werden kann, ob man die eine oder die andere Methode anwenden soll, dadurch, daß man unterscheiden würde, ob man es mit einer luziferischen oder einer ahrimanischen Krankheit zu tun hat. Kein Mensch sollte zum Beispiel das Verfahren der Elektrotherapie anwenden bei Erkrankungen, die aus dem Luziferischen stammen; sondern man sollte sie nur bei ahrimanischen Krankheitsformen anwenden. Denn eine Hilfe kann bei luziferischen Krankheitsformen niemals etwas sein, was überhaupt mit dem Wirken des Luzifer gar nichts zu tun hat, nämlich die Prinzipien der Elektrizität; denn diese fallen in das Bereich der ahrimanischen Wesenheiten, wobei sich natürlich nicht nur die ahrimanischen Wesenheiten der Kräfte der Elektrizität bedienen. Dagegen ist ein ganz besonderes Gebiet des Luziferischen dasjenige, was sich bezieht, grob ausgedrückt, auf Warm und Kalt. Alles, was damit zu tun hat, daß die menschliche Organisation wärmer oder kälter wird oder was sie selbst durch äußere Einflüsse wärmer oder kälter macht, das gehört in das Bereich des Luzifer. Und bei alledem, wo wir es zu tun haben mit Warm oder Kalt, haben wir einen Typus luziferischer Krankheitsformen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So also sehen wir, wie Karma in dem Kranksein wirkt und wie es zur Überwindung von Kranksein wirkt. Nun wird es nicht mehr unbegreiflich erscheinen, daß im Karma auch die Heilbarkeit oder Unheilbarkeit einer Krankheit liegt. Wenn Sie sich klarmachen, daß ja das &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|89}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ziel, das karmische Ziel des Erkrankens das ist, den Menschen zu fördern und vollkommener zu machen, so ist die Voraussetzung die, daß der Mensch, wenn er nach der Vernünftigkeit, die er sich aus der Kamalokazeit beim Eintritt in ein neues Dasein mitbringt, einer Krankheit verfällt, jene Heilkräfte dann entwickelt, welche eine Stählung seines inneren Menschen bedeuten und die Möglichkeit, höher zu kommen. Nehmen wir an, die Sache liege so, daß der Mensch in dem Leben, das er noch zubringen kann, vermöge seiner sonstigen Organisation und seines übrigen Karma die Kräfte hat, mit dem, was er durch die Krankheit errungen hat, in diesem Leben selbst weiterzukommen. Dann hat die Heilung einen Sinn. Dann tritt Heilung ein und der Mensch hat in diesem Falle das errungen, was er erringen sollte und was sich an dem Vorhandensein der Krankheit zeigte. Durch das Überwinden der Krankheit hat er sich instand gesetzt, dort vollkommene Kräfte zu haben, wo er früher unvollkommene Kräfte hatte. Ist er durch sein Karma mit solchen Kräften ausgerüstet und durch die günstigen Umstände seines früheren Schicksals so in die Welt gesetzt, daß er die neuen Kräfte anwenden kann und wirken kann, um sich und andern von Nutzen zu sein, dann tritt die Heilung ein; dann windet er sich durch die Krankheit hindurch.&lt;br /&gt;
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Nehmen wir nun an, die Sache liege für den Menschen so, daß er die Krankheit überwindet und die Heilkräfte entwickelt und nunmehr vor einem Leben stünde, welches an ihn Anforderungen stellen würde, die mit dem Maß, das er sich jetzt schon errungen hat an Vollkommenem, nicht erfüllt werden können: Er würde zwar einiges erringen durch die geheilte Krankheit, aber es wäre doch nicht möglich, daß er so viel erringt - weil sein übriges Karma das nicht zuläßt -, daß er mit dem, was er sich errungen hat, den andern zum Heile werden kann. Dann tritt das ein, daß sein tieferes Unterbewußtsein sagt: Hier hast du keine Gelegenheit, die volle Kraft von dem zu empfangen, was du eigentlich haben sollst. Du mußtest in diese Inkarnation hineingehen, weil du das Maß an Vollkommenheit gewinnen mußtest, das du nur im physischen Leibe durch die Überwindung einer Krankheit erringen kannst. Das mußtest du erringen; aber weiter ausbilden kannst du es nicht. Nun mußt du in die Verhältnisse gehen, wo dein physischer Leib und andere &lt;br /&gt;
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Kräfte dich nicht stören und wo du frei verarbeiten kannst, was du in der Krankheit gewonnen hast. - Das heißt, es sucht eine solche Individualität den Tod, um zwischen Tod und neuer Geburt das weiterzuverarbeiten, was sie im Leben zwischen Geburt und Tod nicht verarbeiten kann. Es geht eine solche Seele durch das Leben zwischen Tod und neuer Geburt durch, um jetzt mit um so stärkeren Kräften, die sie beim Überwinden der Krankheit gewonnen hat, ihre Organisation weiter auszubilden, damit sie im neuen Leben um so mehr wirken kann. In dieser Weise kann förmlich durch die Anwesenheit einer Krankheit eine Art Abschlagszahlung bewirkt werden, die dann erst ergänzt wird nach dem Durchgehen durch den Tod zu dem, was sie sein soll.&lt;br /&gt;
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Wenn wir die Sache so betrachten, werden wir uns sagen müssen: Es erscheint durchaus im Karma begründet, daß die eine Krankheit ausgeht mit der Heilung, die andere mit dem Tod. - Wenn wir so die Krankheiten ansehen, werden wir von einem höheren Gesichtspunkt aus durch Karma eine Art Versöhnung, eine tiefe Versöhnung mit dem Leben gewinnen; denn wir werden wissen, daß es in der Gesetzmäßigkeit von Karma liegt, daß, selbst wenn eine Krankheit mit dem Tode ausgeht, der Mensch gefördert wird, daß selbst in einem solchen Falle die Krankheit das Ziel hat, den Menschen höher zu bringen. Nun darf niemand daraus etwa den Schluß ziehen: dann könnte es auch sein, daß wir geradezu den Tod herbeiwünschen müßten in gewissen Krankheitsfällen. Das darf niemand sagen, weil die Entscheidung darüber, was eintreten soll, ob Heilung oder Unheilbarkeit, einer höheren Vernünf tigkeit zufällt, als die ist, welche wir mit unserem gewöhnlichen Bewußtsein umfassen können. Mit unserem gewöhnlichen Bewußtsein müssen wir uns bescheiden innerhalb der Welt zwischen Geburt und Tod, bei solchen Fragen stehenzubleiben. Mit unserem höheren Bewußtsein dürfen wir uns allerdings selbst auf den Standpunkt stellen, der sogar den Tod hinnimmt als ein Geschenk der höheren geistigen Mächte. Mit demjenigen Bewußtsein aber, das helfen und eingreifen soll ins Leben, dürfen wir uns nicht vermessen, uns auf diesen höheren Gesichtspunkt zu stellen. Da könnten wir uns leicht irren und würden in einer unerhörten Weise eingreifen in etwas, worin wir nie eingreifen dürfen:&lt;br /&gt;
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in die menschliche Freiheitssphäre. Wenn wir einem Menschen helfen&lt;br /&gt;
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können, damit er die selbstheilenden Kräfte entwickelt, oder indem wir selbst der Natur zu Hilfe kommen, damit Heilung eintritt, so müssen wir das tun. Und soll die Entscheidung darüber fallen, ob der Mensch weiterleben soll oder ob er mehr gefördert wird, wenn der Tod eintritt, dann kann sie niemals anders als so fallen, daß unsere Hilfe eine Hilfe in der Heilung sein kann. Ist sie dies, so setzen wir es in des Menschen eigene Individualität, seine Kräfte anzuwenden, und die ärztliche Hilfe kann dabei nur eine solche sein, die ihn darin unterstützt. Dann wirkt sie nicht hinein in die menschliche Individualität. Ganz anders wäre es, wenn wir eines Menschen Unheilbarkeit in der Weise fördern würden, daß er sein weiteres Fortkommen in einer anderen Welt suchte. Da würden wir in seine Individualität eingreifen und seine Individualität einer andern Wirkungssphäre übergeben. Dann hätten wir unseren Willen der andern Individualität aufgedrängt. Diese Entscheidung müssen wir der Individualität selbst überlassen. Das heißt mit andern Worten: Wir müssen so viel als möglich tun, damit eine Heilung geschieht. Denn alle Überlegungen, die zu einer Heilung führen, kommen aus dem Bewußtsein, das für unsere Erde berechtigt ist; alle andern Maßnahmen würden übergreifen über unsere Erdensphäre; da müssen andere Kräfte eingreifen als die, welche in unser gewöhnliches Bewußtsein hineinfallen.&lt;br /&gt;
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So sehen wir, daß ein richtiges karmisches Verständnis über Heilbarkeit und Unheilbarkeit von Krankheiten dazu führt, daß wir alles aufbringen werden, um dem Menschen zu helfen in der Krankheit; und auf der andern Seite führt es uns auch dazu, daß wir, wenn aus andern Sphären eine andere Entscheidung getroffen wird, diese ebenfalls zu unserer Befriedigung hinnehmen. Etwas anderes haben wir in bezug auf diese andere Entscheidung auch gar nicht nötig. Nötig haben wir, daß wir einen Gesichtspunkt finden, daß uns die Unheilbarkeit einer Krankheit nicht niederdrückt,als ob dieWelt nur das Unvollkommene, das Schlimme und Schlechte hätte. Karmisches Verständnis lähmt nicht unsere Tatkraft in bezug auf das Heilen. Karmisches Verständnis wird uns auf der andern Seite auch wieder in Harmonie bringen mit dem schwersten Schicksal in bezug auf Unheilbarkeit dieser oder jener Krankheit.&lt;br /&gt;
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So haben wir heute gesehen, wie uns karmisches Verständnis allein möglich macht, den Verlauf einer Krankheit in der richtigen Weise aufzufassen und zu begreifen, daß wir geradezu hineinleuchten sehen die karmischen Wirkungen aus unseren früheren Leben in das gegenwärtige. Beispiele im einzelnen werden sich uns noch bei Besprechung der nächsten Fragen darbieten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun wird es uns obliegen, zu unterscheiden zwischen zwei besonderen Krankheitsformen, zwischen denjenigen, welche aus dem menschlichen Inneren kommen, und die ganz besonders erscheinen als durch das Karma herbeigetragen, und zwischen jenen Erkrankungen, die uns scheinbar zufällig treffen dadurch, daß wir äußeren Schädigungen aus gesetzt sind, daß uns dieses oder jenes passiert. Kurz, es wird sich darum handeln: Wie können wir zu einem karmischen Verständnis auch dann kommen, wenn wir zum Beispiel unter die Räder eines Eisenbahnzuges kommen? Das heißt, wie sind sogenannte «zufällige» Erkrankungen durch das Karma zu begreifen?&lt;br /&gt;
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= FÜNFTER VORTRAG Hamburg, 20. Mai 1910 =&lt;br /&gt;
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Der Inhalt des gestrigen Vortrages ist von großer Wichtigkeit sowohl für unsere nächsten Betrachtungen wie auch für das Verständnis der karmischen Zusammenhänge überhaupt. Deshalb - wegen dieser ein- schneidenden Wichtigkeit - lassen Sie mich heute noch einmal in den Hauptzügen kurz zusammenfassen, was der gestrige Vortrag enthalten hat.&lt;br /&gt;
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Wir gingen davon aus, daß sich die Anschauungen über Heilung und über Heilmittel im Laufe verhältnismäßig kurzer Zeiten im letzten Jahrhundert ziemlich radikal verändert haben. Und wir haben darauf hingewiesen, wie im 16. und 17. Jahrhundert namentlich eine Anschauung sich ausbildete, welche ganz und gar auf dem Boden fußte: Für eine jede Krankheit, die mit einem Namen bezeichnet wurde und die man glaubte begrifflich abgrenzen zu können, müßten sich auch diese oder jene Heilmittel in der Welt finden. Und man glaubte mit Sicherheit, daß, wenn das betreffende Mittel angewendet würde, es auf den Verlauf der Krankheit einen Einfluß haben müsse. Wir haben dann darauf hingewiesen, wie sich diese Anschauung mehr oder weniger bis ins 19. Jahrhundert hinein erhalten hat, dann aber danebengestellt den absoluten Gegensatz dieser Anschauung, der sich namentlich zum Ausdruck gebracht hat in dem Nihilismus derWiener medizinischen Schule, der seinen Ausgangspunkt genommen hat von dem berühmten Mediziner Dietl, und seinen Fortgang gefunden hat in Skoda und dessen verschiedenen Schülern. Und wir haben die nihilistische Richtung dadurch charakterisiert, daß wir sagten: Sie fing nicht nur an, über den` absoluten Zusammenhang zwischen diesem oder jenem Heilmittel, zwischen diesen oder jenen Handgriffen in bezug auf die Krankheitsbehandlung und die Krankheit selber gründliche Zweifel zu haben, sondern sie wollte von einem solchen Zusammenhang nichts mehr wissen. Und es kam in die Gemüter der unter dem Einfluß dieser Schule stehenden jungen Ärzte die Anschauung von der sogenannten «Selbstheilung&amp;gt; hinein. Skoda selbst hat ja den für diese Schule bedeutungs&lt;br /&gt;
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vollen Satz ausgesprochen: Wir können eine Krankheit diagnostizieren, wir können sie vielleicht auch erklären und beschreiben; aber Mittel haben wir gegen die Krankheit nicht. - Und de,n Ausgangspunkt nahm diese Richtung davon, daß Dietl nachweisen konnte, daß bei der ab- wartenden Behandlung eine Krankheit wie die Lungenentzündung so verläuft, daß sie innerhalb einer bestimmten Zeit die selbstheilenden Kräfte entwickelt, wenn man nur die nötigen Bedingungen dafür schafft. Und er konnte statistisch nachweisen, daß bei der abwartenden Behandlung ebenso viele Menschen geheilt wurden oder auch starben wie bei Verabreichung der sonst gebräuchlichen Mittel. Damals war die Bezeichnung «therapeutischer Nihilismus» durchaus nicht unberechtigt; denn es war eine absolute Wahrheit, daß sich die Ärzte dieser Schule gar nicht schützen konnten gegen die Meinung der Kranken, daß ein Mittel, ein Rezept eben da sein muß. Der Kranke gab nicht nach, seine Umgebung auch nicht - Mittel mußten verschrieben werden, und die Anhänger dieser Schule halfen sich dann gewöhnlich dadurch, daß sie dünn aufgelösten arabischen Gummi verschrieben, der nach der Meinung der Anhänger der Schule ganz dieselbe Wirkung haben sollte wie die früher angewendeten Mittel. Wir haben daraus erkennen gelernt, wie geradezu hindrängt die moderne wissenschaftliche Tatsachenwelt zu dem, was wir den karmischen Zusammenhang im Leben nennen können. Denn wir mußten uns nun die Frage beantworten: Wie geschieht denn eigentlich das, was man nennen könnte «Selbstheilung»? Oder besser gesagt: Warum geschieht es? Und warum kann in einem andern Falle eine Selbstheilung oder überhaupt eine Heilung nicht eintreten?&lt;br /&gt;
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Wenn eine ganze Schule, an deren Spitze medizinische Koryphäen standen, darauf verfallen konnte, den Begriff der Selbstheilung einzuführen, so hätte einer, der darüber nachdenkt, dazu kommen müssen, zu sagen: Also wird im Krankheitsprozeß etwas wachgerufen, was zur Überwindung der Krankheit führt! Und das hätte weiter dazu führen müssen, den geheimeren Gründen des Krankheitsverlaufes nachzuspüren. Wir haben nun versucht, darauf hinzuweisen, wie ein solcher karmischer Zusammenhang innerhalb der Menschheitsentwickelung für den Krankheitsverlauf gesucht werden kann. Wir haben gezeigt, daß &lt;br /&gt;
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allerdings das, was der Mensch in seinem gewöhnlichen Leben vollführt an guten und bösen Handlungen, an gescheiten und unsinnigen Handlungen, was er erlebt an richtigen und verkehrten Gemütsauffassungen, daß alles das nicht tief hineingeht in die Untergründe der menschlichen Organisation. Und wir haben den Grund aufgezeigt, warum das, was für das gewöhnliche Leben der moralischen, der intellektuellen und gemüthaften Beurteilung unterliegt, nur an der Oberfläche des gewöhnlichen Lebens sitzenbleibt und nicht dem Gesetze unterliegt, das wir im andern Falle aufzeigen konnten: die tieferliegenden Kräfte der Menschenorganisation zu beeinflussen. Wir haben gezeigt, daß es gleichsam eine Art von Hemmnis gibt gegen das Eindringen der Unmoralität in die tieferen Kräfte des Organismus. Und diese Abwehr gegen das Eindringen dessen, was wir tun und denken, in die Kräfte unserer Organisation liegt darin, daß wir unsere Handlungen, die wir zwischen Geburt und Tod vollbringen, mit unseren bewußten Vorstellungen begleiten. Indem wir eine Handlung oder ein sonstiges Erlebnis mit einer bewußten Vorstellung begleiten, schaffen wir eine Schutzwehr dagegen, daß das Resultat unserer Handlungen hinunterrückt in unseren Organismus. Wir haben dann darauf hingewiesen, welche Bedeutung jenen Erleb nissen zukommt, die unwiederbringlich vergessen worden sind. Da liegt nicht mehr die Möglichkeit vor, sie wieder ins bewußte Vorstellungsleben hinaufzurücken; sondern von solchen Erlebnissen mußten wir sagen, daß sie schon in bestimmter Weise, weil die Schutzwehr derVorstellung fehlt, hinunterdringen in unsere innere Organisation und dort mitwirken können an den gestaltenden Kräften unseres Organismus. Und wir haben hinweisen können auf die Krankheitsformen, welche noch mehr an der Oberfläche liegen: Neurose, Neurasthenie und dergleichen. Sogar hysterische Zustände erfahren da eine Beleuchtung. Wir sagten, daß die Ursachen für solche Zustände gesucht werden müssen in den aus dem Bewußtseinskomplex herausgefallenen,vergessenenVorstellungen, die hinuntergesunken sind in das Innere und sich - wie Einschiebsel unseres Seelenlebens - als Krankheiten geltend machen. - Wir haben darauf hingewiesen, welche ungeheure Bedeutung jener Zeitraum hat, der verläuft von der Geburt bis zu dem Zeitpunkt, wo sich der Mensch an seine Erlebnisse zurückerinnern kann, und es wurde darauf &lt;br /&gt;
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aufmerksam gemacht, wie das, was früher vergessen worden ist, im lebenden Organismus fortwirkt, indem es gleichsam mit den tieferen Kräften der Organisation einen Bund schließt und von dort aus unsere Organisation selber beeinflußt. Es muß also ein Komplex von Vorstellungen, eine Reihe von Erlebnissen hinuntersinken in tiefere Untergründe unseres Wesens, bevor er eingreifen kann in unsere Organisation.-Wir haben dann darauf hingewiesen,wie am gründlichsten dieses Hinuntersinken geschieht, wenn der Mensch durch die Pforte des Todes gegangen ist und das weitere Dasein durchlebt zwischen Tod und neuer Geburt. Da verwandeln sich alle Erlebnisse in ihren Qualitäten in solche Kräfte, welche jetzt organisierend wirken. Und was der Mensch in der Zeit zwischen Tod und neuer Geburt empfunden und gefühlt hat, das nimmt er auf in die plastischen Kräfte, die beteiligt sind am neuen Aufbau des Leibes, wenn der Mensch jetzt neu ins Dasein tritt. Da hat er jetzt in den Bildungskräften das Resultat dessen da rinnen, was er früher noch in seinem Seelenleben, vielleicht auch sogar in seinem bewußten Vorstellungsleben hatte. Und nun konnten wir darauf hin- weisen, daß der Mensch mit seinem vom Ich durchtränkten Vorstellungsleben hin und her pendelt zwischen zwei Einflüssen: zwischen dem luziferischen und dem ahrimanischen Einfluß. Wenn der Mensch eine Verfehlung begeht, die hervorgerufen wird durch Eigenschaften seines astralischen Leibes, durch schlimme Affekte, Zorn und dergleichen, wird er zu Handlungen getrieben durch luziferische Mächte. Wenn dann solche Handlungen jenen Weg gehen, der eben jetzt bezeichnet worden ist, daß sie zu Bildungskräften werden, so haben wir sie in den gestaltenden Kräften, die nunmehr der neuen Leiblichkeit zugrunde liegen als luziferische Krankheitsursachen. Wir haben dann gesehen, wie der Mensch unterliegt den ahrimanischen Kräften, die mehr von außen hereinwirken. Und wieder mußten wir von den ahrimanischen Einflüssen sagen, daß sie sich umwandeln in Bildungskräfte, in gestaltende Kräfte des neu gebauten Organismus, der zustande kommt, wenn der Mensch durch die Geburt ins Dasein tritt. Und insofern sich die Einflüsse Ahrimans in die Bildungskräfte hineinmischen, können wir von Krankheitsanlagen sprechen mit ahrimanischem Charakter. Dann haben wir im einzelnen darauf hingewiesen, wie diese &lt;br /&gt;
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Kräfte, die sich in dieser Weise herausbilden, wirken. Und ich habe Ihnen radikale Beispiele gezeigt für dieses Wirken, weil an radikalen Beispielen die Vorstellung eine deutlichere, scharf umrissene wird. Ich sagte, man nehme an, daß ein Mensch im vorigen Lebenslauf alles das getan hat, was ihn nur zu einem geringen Selbstgefühl und Selbstvertrauen bringen kann, daß er sein Ich so präpariert hat, daß es nichts auf sich gehalten hat, nur in Allgemeinheiten aufging und so weiter. Ein solcher Mensch nimmt nach dem Tode die Tendenz auf, jenen Widerstand zu überwinden und die Kräfte aufzunehmen, welche ihn fähig machen, später im weiteren Verlauf der Inkarnation sein Ich kräftiger, vollkommener zu machen. Das wirkt so, daß er solche Verhältnisse dann sucht, die es ihm möglich machen, gegen dasjenige anzukämpfen, gegen was es gut ist, anzukämpfen mit einem schwachen Selbstgefühl, so daß ein schwaches Selbstgefühl sich an dem Widerstande stärken kann. Und wahr ist es, daß eine solche Tendenz den Menschen dazu führt, sozusagen Gelegenheiten aufzusuchen zur Cholera, weil er darin etwas vor sich hat, was ihm Gelegenheit bietet, jene Widerstände zu überwinden. Und in der Überwindung dieser Widerstände liegt das, was in der nächsten Inkarnation oder aber auch bei eingetretener Heilung in derselben Inkarnation zu einem stärkeren Selbstgefühl führen kann oder zu Kräften, welche ein stärkeres Selbstgefühl durch Selbsterziehung nach und nach heranreifen lassen. Wir haben dann gesagt, daß bei einer Krankheit wie der Malaria die Gelegenheit gegeben ist, etwas auszugleichen, was sich die Seele in einem früheren Leben als ein übermäßiges Selbstgefühl herangezüchtet hat durch ihre Handlungen und Empfindungen. - Diejenigen von Ihnen, welche frühere Betrachtungen unseres theosophischen Lebens mitgemacht haben, werden sich verdeutlichen können einen solchen Verlauf. Es wurde immer gesagt, daß das Ich des Menschen seinen physischen Ausdruck findet im Blut. Nun hängen die beiden Krankheiten, von denen wir eben gesprochen haben, mit dem Blut und den Gesetzen vom Blut zusammen; sie hängen so zusammen, daß beim Cholerafall eine Verdickung des Blutes eintritt. Diese Verdickung ist es, was als Widerstand zu bezeichnen ist, den das schwache Selbstgefühl durchmachen muß und an dem es sich heraner~iehen will. Ebenso können Sie es sich &lt;br /&gt;
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verdeutlichen, daß bei der Malaria eine Art Blutzerfall stattfindet und daß ein überstarkes Selbstgefühl die Möglichkeit braucht, daß es ad absurdum geführt wird, daß im Blutzerfall ein überstarkes Ich in seiner Anstrengung zur Nichtigkeit geführt wird. Das wird in dem Zerfall des Blutes geboten. - Die Dinge sind natürlich außerordentlich intim im Organismus zusammenhängend; aber wenn Sie darauf eingehen, werden Sie sie sich schon zum Verständnis bringen.&lt;br /&gt;
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Aus all dem ergab sich uns: Wenn wir einen Organismus haben, der gebildet ist von einer Seele, die in sich die Tendenz hat, dieses oder jenes nach der einen oder der andern Richtung zu überwinden, so führt diese Tendenz den Menschen dazu, in sich hineinzuprägen die Möglichkeit zur Krankheit, aber auch zugleich die Möglichkeit, anzukämpfen gegen die Krankheit, weil ja die Krankheit aus keinem andern Grunde hervorgerufen wird als aus dem, die Möglichkeit der Heilung zu haben. Und Heilung tritt dann ein, wenn der Mensch nach seinem Gesamtkarma durch die Überwindung der betreffenden Krankheit sich solche Kräfte aneignet, daß er in dem restlichen Leben bis zum Tode durch seine Arbeit auf dem physischen Plan wirklich sich vorwärtsbringen kann. Das heißt, wenn die zu erregenden Kräfte so stark sind, daß er auf dem physischen Plan das auch erreichen kann,weswegen die Krankheit hervorgerufen worden ist, dann arbeitet der Mensch gerade mit den ihm aus dem Heilprozeß zugeflossenen verstärkten Kräften weiter, die er früher nicht gehabt hat. Liegt aber sein Gesamtkarma so, daß er zwar die Absicht gehabt hat, seinen Organismus so zu gestalten, daß er durch die Überwindung der betreffenden Krankheit sich Kräfte zu- führt, welche zu seiner Vervollkommnung führen, daß aber, weil die Dinge mannigfaltig sind, er gleichzeitig den Organismus nach einer andern Richtung hin hat schwach sein lassen müssen, dann kann der Fall eintreten, daß diejenigen Kräfte, welche der Mensch herausstellt und anwendet im Heilprozeß, ihn zwar verstärken, aber doch nicht so weit, daß er dem Arbeiten auf dem physischen Plan schon gewachsen ist. Dann wird er das Stück, was er schon gewonnen hat - weil es auf dem physischen Plan nicht verwendbar ist -,verwenden,wenn er durch die Pforte des Todes geht, und er wird versuchen, das seinen Kräften hinzuzufügeri,was er auf dem physischen Plan nicht hinzufügen konnte, &lt;br /&gt;
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um diese Kräfte in der Ausgestaltung des nächsten Leibes zu zeigen, wenn er wieder in die Geburt tritt. Es bleibt uns noch, wenn wir das vor Augen haben, einen Hinweis zu geben, wie es sich mit denjenigen Krankheitsformen verhält, welche weder zu einer ordentlichen Heilung noch zum Tode führen, sondern zu chronischen Zuständen, zu einer Art von Siechtum oder dergleichen.&lt;br /&gt;
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Da liegt allerdings etwas vor,was im eminentesten Sinne für die meisten Menschen von einer großen Wichtigkeit ist zu wissen. Da liegt das vor, daß allerdings durch den Heilungsprozeß innerhalb der menschlichen Körperhüllen eingetreten ist, was nur zu erreichen war, daß also in gewissem Sinne die Krankheit überwunden ist. Aber in einem anderen Sinne ist sie doch nicht überwunden; das heißt, daß alles das, was an Ausgleich hat geschaffen werden sollen zwischen Ätherleib und physischem Leib, zwar erreicht worden ist, nicht aber das ausgeglichen worden ist, was an Disharmonie vorhanden war zwischen Ätherleib und astralischem Leib. Das bleibt zurück, und der Mensch pendelt hin und her zwischen Versuchen, zu heilen, und nicht heilen zu können. In einem solchen Falle ist es immer von einer ganz besonderen Wichtigkeit, daß der Mensch möglichst ausnutzt, was er an wirklicher Heilung errungen hat. Und das geschieht am allerwenigsten im Leben. Denn gerade bei solchen Krankheiten, die chronisch werden, befindet sich der Mensch in einem rechten Kreistanz darinnen. Wenn der Mensch in einem solchen Falle imstande sein würde, den Teil seiner Organisation, welcher in sich eine gewisse Heilung erfahren hat, zu isolieren, für sich sozusagen leben zu lassen, und wenn er davon dasjenige zurückziehen könnte, was da noch rumort und nicht in Ordnung ist und was in solchem Falle gewöhnlich mehr gegen das innere Seelenhafte zu liegt, dann würde sich der Mensch sehr viel helfen können. Aber dagegen wirkt das Allerverschiedenste, namentlich das, daß der Mensch, wenn er irgendeine Krankheit gehabt hat und ein chronischer Zustand zurückgeblieben ist, fortwährend unter dem Einflusse dieses Zustandes lebt und daß er - wenn ich mich grob ausdrücken darf - eigentlich niemals gründlich vergessen kann seinen Zustand, niemals gründlich dazu kommt, das, was in ihm doch noch nicht gesund ist, zurückzuziehen von diesem Zustande und es für sich zu behandeln; sondern er wird &lt;br /&gt;
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durch das, was man nennen kann das fortwährende Denken an den andern Teil der Organisation, veranlaßt, gleichsam seinen gesunden Teil wieder in irgendeinen Zusammenhang zu bringen mit dem früher kranken Teil und diesen so neuerdings zu irritieren. Das ist ein besonderer Prozeß. Und um Ihnen diesen Prozeß klarzumachen, möchte ich Ihnen einmal den geisteswissenschaftlichen Tatbestand klarlegen, das, was das hellseherische Bewußtsein sieht, wenn jemand eine Krankheit durchgemacht und dabei etwas zurückbehalten hat, was man als etwas Chronisches bezeichnen kann. Dasselbe geschieht übrigens auch dann, wenn nicht eine besonders auffällige akute Erkrankung vorlag, sondern wenn sich ein Chronisches einstellt, ohne daß ein Akutes besonders bemerkt worden ist. Dann kann man in der Tat sehen, daß sich in den meisten Fällen ein gewisser schwankender Gleichgewichtszustand herausstellt zwischen dem Ätherleibe und dem physischen Leibe, ein Hinund-her-Pendeln von Kräften, wie es nicht sein soll, bei dem es sich aber doch leben läßt. Bei diesem Hin-und-her-Pendeln von Kräften des Ätherleibes und des physischen Leibes wird der betreffende Mensch fortwährend irritiert und dadurch erfüllt von fortdauernden Erregungszuständen. Die sieht das hellseherische Bewußtsein fortwährend auftauchen im astralischen Leibe, und diese Erregungszustände drängen sich fortwährend hinein in den halb kranken und halb gesunden Teil der Organisation, wodurch dann nicht ein stabiles, sondern ein labiles Gleichgewicht zustande kommt. Durch dieses Hineindringen der astralischen Erregungszustände wird der menschliche Zustand, der sonst viel besser sein könnte, in der Tat sehr verschlechtert. Ich bitte zu berücksichtigen, daß das Astralische in diesem Falle nicht zusammenfällt mit dem Bewußtsein, sondern daß es vorzugsweise mit dem zusammenfällt, was innere seelische Erregungen sind, die sich aber der Patient nicht eingestehen will. Weil in solchem Falle das Hemmende der Vorstellungen nicht da ist, deshalb wirken diese Zustände und Affekte, die Gemütserschütterungen, die fortwährenden Zustände des Überdrusses, des In-sich-unzufrieden-Seins nicht immer wie bewußte Kräfte, sondern wIe organisierende, wie Lebenskräfte, die in der tieferen Wesenheit des Menschen sitzen und fortwährend den halb gesunden, halb kranken Teil irritieren. Könnte nun der betreffende Patient es wirklich durch &lt;br /&gt;
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starken Willen, durch Seelenkultur dazu bringen, wenigstens für eine gewisse Zeit seinen Zustand zu vergessen, so würde er daraus solche Befriedigung schöpfen, daß er dann schon aus dieser Befriedigung die Kraft ziehen könnte, um das weiter durchzuführen. Könnte er seinen Zustand vergessen, ganz von ihm absehen, mit starkem Willen sagen: Ich will mich jetzt nicht kümmern um meinen Zustand! - und würde er sodann die Seelenkräfte, welche er dadurch frei bekommt, auf etwas von geistigem Inhalt verwenden, was ihn erhebt, was ihn innerlich sättigt in seiner Seele, würde er diese Kräfte, die sich sonst immer damit beschäftigen, die Gefühle des Schmerzes, des Drückens und Stechens und was da alles ist, zu durchleben, frei bekommen, so würde ihm das eine große Befriedigung gewähren. Denn wenn man diese Gefühle nicht durchlebt, hat man die Kräfte ja frei; dann sind sie verfügbar. Freilich hilft es nicht viel, wenn man sich bloß sagt, man will dieses Klemmen und Stechen und so weiter nicht bemerken; denn wenn man die Kräfte, welche man da frei bekommt, nicht auf etwas Geistiges verwendet, werden die früheren Zustände bald wieder da sein. Wenn man aber die frei gewordenen Kräfte verwendet auf einen die Seele ganz in Anspruch nehmenden geistigen Inhalt, dann wird man bemerken, daß man auf einem komplizierten Wege das erreicht, was sonst unsere Organisation selber ohne unser Zutun in der Überwindung des Krankheitsprozesses erreicht. Es ist ja natürlich, daß der Betreffende dann sorgfältig darauf sehen muß, daß er nicht gerade seine Seele auf einem solchen Wege erfüllt, der wieder direkt zusammenhängt mit dem, was seine Erkrankung ist. Wenn jemand zum Beispiel an einer Schwäche seiner Augen leidet, und er beschäftigt sich, um nicht an die Schwäche seiner Augen zu denken, damit, daß er viel liest, um geistige Kräfte aufzunehmen, so ist es selbstverständlich, daß ihn das nicht zum Ziele führen kann. Aber ganz so weit herzuholen brauchen Sie sich die sogenannten kleinen Belege dafür nicht. Jeder kann an sich selbst bemerken, wenn er eine kleine Unpäßlichkeit hat, wie sehr es ihm nützt, wenn er es zu einem Vergessen seiner Unpäßlichkeit bringt, namentlich zu einem solchen Vergessen, das hervorgerufen wird durch eine anderweitige Beschäftigung. Das ist also ein positives, gesundes Vergessen! Da haben Sie schon einen Hinweis, daß wir nicht ganz machtlos sind gegen die &lt;br /&gt;
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karmischen Wirkungen unserer Verfehlungen in früheren Lebensläufen, welche sich in Krankheiten zum Ausdruck bringen. Denn wir müssen uns sagen: Wenn wir zugeben, daß das, was im Leben zwischen Geburt und Tod einer moralischen, gemüthaften und intellektuellen Beurteilung unterliegt, in einem Leben nicht so tief gehen kann, daß es die Ursache zu einer organischen Erkrankung wird, daß es sich aber in der Zeit nach dem Tode bis zur neuen Geburt so tief in das Leben hinein- senken kann, daß es Krankheit bewirkt, dann müßte es doch auch möglich sein, diesen Prozeß wieder zurückzuverwandeln in einen Bewußtseinsprozeß!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Frage kann auch so gestellt werden: Wenn Krankheiten sich ausleben wie eine karmische Wirkung von geistigen oder sonstigen durch die Seele hervorgerufenen oder erfahrenen Erlebnissen, wenn sie also die Umwandlung solcher Ursachen sind, können wir uns dann nicht auch denken - oder erzählen uns davon die geistigen Tatsachen nichts -, daß das Umwandlungsprodukt, die Krankheit, vermeidbar ist, insofern vermeidbar, als wir statt des Heilungsprozesses, statt dessen, was aus den organischen Regionen herausgeholt wird, als Krankheit herbeigeholt wird zu unserer Erziehung, das geistige Gegenstück, das geistige Äquivalent dafür setzen? Daß wir, wenn wir klug genug sind, die Krankheit umwandeln in einen geistigen Prozeß und die Selbsterziehung, die wir durch die Krankheit ausführen sollen, sozusagen durch die Kräfte unserer Seele ausführen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daß so etwas in den Bereich derTatsachen gehört, möchte icil wieder durch ein Beispiel illustrieren. Wieder muß aber hierbei gesagt werden, daß nur solche Beispiele angeführt werden, die geisteswissenschaftlich untersucht sind; es sind nicht Hypothesenaufstellungen, sondern Fälle. Daher können Sie von mir nicht gerade eine Vollständigkeit verlangen - weil nicht Hypothesen aufgestellt werden, sondern Fälle, die als solche hingenommen werden müssen. Nehmen wir an, im späteren Leben bekommt eine Persönlichkeit Masern, und wir suchen nach dem karmischen Zusammenhang dieses Falles. Wir finden dabei, daß dieser Masernfall aufgetreten ist als eine karmischeWirkung von solchen Vorgängen in einem vorangegangenen Leben, die wir etwa so beschreiben können: Die betreffende Individualität war in einem vorhergehenden &lt;br /&gt;
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Leben eine solche, die sich nicht gern um die äußere Welt bekümmert hat, sich nicht gerade im grob egoistischen Sinne, aber doch viel mit sich selber beschäftigt hat; eine Persönlichkeit also, die viel nachgeforscht hat, nachgedacht hat, aber nicht an den Tatsachen der äußeren Welt, sondern die im inneren Seelenleben geblieben ist. Sie finden auch heute sehr viele Menschen, welche glauben, daß sie durch In-sich-abgeschlossen-Sein, durch Grübeln und so weiter zur Lösung von Welträtseln kommen können. Bei der Persönlichkeit, die ich meine, handelte es sich darum, daß sie mit dem Leben so fertigzuwerden suchte, daß sie innerlich nachgrübelte, wie man sich in diesem oder jenem Falle verhalten soll. Die Schwäche der Seele, welche sich daraus ergeben hat im Verlaufe des Lebens, führte dazu, daß im Leben zwischen Tod und neuer Geburt Kräfte erzeugt wurden, welche den Organismus in verhältnismäßig später Lebenszeit noch einem Masernanfall aussetzten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt können wir uns fragen: Wir haben auf der einen Seite den Masernanfall, der die physisch-karmische Wirkung ist eines früheren Lebens. Wie ist es denn aber nun mit dem Seelenzustand? Denn das frühere Leben gibt ja als karmische Wirkung auch einen gewissen Seelenzustand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Seelenzustand stellt sich so dar, daß die betreffende Persönlichkeit in dem Leben, wo sie auch den Masernanfall hatte, immer wieder und wieder Selbsttäuschungen unterworfen war. Da haben Sie also die Selbsttäuschungen anzusehen als die seelisch-karmische Folge dieses früheren Lebens und den Eintritt döer Masern als die physischkarmische Folge jenes Lebens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen wir nun an, dieser Persönlichkeit wäre es gelungen, bevor der Masernfall eintrat, etwas zu tun, um sich gründlich zu bessern, das heißt, um eine solche Stärke der Seele sich anzueignen, daß sie nicht mehr ausgesetzt wäre allen möglichen Selbsttäuschungen. Dann würde diese dadurch heranerzogene Seelenstärke dazu geführt haben, daß die Masernerkrankung hätte unterbleiben können, weil das, was im Organismus schon hervorgerufen war bei der Bildung dieser Organisation, seinen Ausgleich gefunden hätte durch die stärkeren Seelenkräfte, welche durch die Selbsterziehung herangezogen worden wären. Ich kann natürlich nicht ein halbes Jahr über diese Sachen reden; aber wenn Sie &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|104}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
weit im Leben herumschauen und alle Einzelheiten, welche sich als Erfahrungen darbieten, von diesem hier gegebenen Ausgangspunkt aus betrachten würden, so würden Sie immer finden,daß das äußereWissen voll bestätigen würde - bis in alle Einzelheiten -, was hier gesagt worden ist. Und was ich jetzt gesagt habe über eine Masernerkrankung, das kann zu Gesichtspunkten führen, die erklären, warum Masern gerade zu den gebräuchlichen Kinderkrankheiten gehören. Denn die Eigenschaften, die genannt worden sind, kommen in sehr vielen Leben vor. Insbesondere in gewissen Zeitperioden haben sie in vielen Leben grassiert. Und wenn dann eine solche Persönlichkeit ins Dasein tritt, wird sie so schnell wie möglich Korrektur üben wollen auf diesem Gebiet und in der Zeit zwischen der Geburt und dem gewöhnlichen Auftreten der Kinderkrankheiten, um organische Selbsterziehung zu üben, die Masern durchmachen; denn von einer seelischen Erziehung kann ja in der Regel in diesem Alter nicht die Rede sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daraus sehen Sie, daß wir wirklich davon sprechen können, daß die Krankheit in gewisser Beziehung wieder zurückverwandelt werden kann in einen geistigen Prozeß. Und das ist das ungeheuer Bedeutsame, daß wenn dieser Prozeß in die Seele als Lebensmaxime aufgenommen wird, er eine Anschauung erzeugt, die gesundend auf die Seele wirkt. In unserer Zeit braucht man sich nicht besonders zu wundern, daß man so wenig auf die Seelen wirken kann. Und wer die Zeit heute vom geisteswissenschaftlichen Standpunkt aus durchschaut, der wird es begreifen, daß so viele Mediziner, so viele Ärzte Materialisten werden, können, das heißt, verzweifeln an einem seelischen Einfluß. Denn die Mehrzahl der Menschen beschäftigt sich ja überhaupt nicht mit etwas, was eine befruchtende Kraft hat. All das Zeug, was heute durch die gebräuchliche Literatur geht, hat für die Seelen keine befruchtende Kraft. Deshalb fühlt der, welcher für die Geisteswissenschaft wirken will, in diesem theosophischen Wirken auch etwas im eminenten Sinne Gesundendes, weil das geisteswissenschaftliche Wissen der Menschheit wieder etwas bringen kann, was sich so in die Seelen hineinergießt, daß die Seele abgezogen wird von dem, was die leibliche Organisation bildete. Man darf nur nicht verwechseln, was im Anfang einer solchen Bewegung auftritt, mit dem, was die Bewegung wirklich sein kann. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|105}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es werden ja in die theosophische Bewegung tatsächlich Dinge hinein- gebracht, welche in der äußeren Welt auch grassieren, das heißt, es bringen die Menschen, wenn sie Theosophen werden, vielfach genau dieselben Interessen der Theosophie entgegen, die sie für die Dinge draußen auch haben, und auch alle Unarten, die sie draußen haben. Da wird vieles hineingetragen von den Schattenseiten unseres Zeitalters. Dann aber, wenn sich irgendwelche Schattenseiten bei den Betreffenden zeigen, sagt man, das habe die Theosophie bewirkt. Das ist natürlich eine sehr billige Auskunft!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir so den karmischen Faden sich ziehen sehen von einer Inkarnation in die andere, so haben wir damit die entsprechende Wahrheit doch nur von einer Seite erfaßt. Es werden sich demjenigen, der ein Gefühl dafür erhält, wie sich der karmische Faden von Inkarnation zu Inkarnation hindurchzieht, noch viele Fragen ergeben, die im Laufe der Vorträge berührt werden sollen. Vor allen Dingen muß die Frage berührt werden: Wie hat man zu unterscheiden zwischen einer Krankheit, bei der man äußere Ursachen angeben kann, und einer solchen Krankheit, die voll veranlagt liegt in der menschlichen Organisation selber, so daß man glaubt, was da vorliegt, damit abfertigen zu können, daß man sagt, die Krankheit ist ganz von selbst gekommen, und eine äußere Veranlassung liege nicht vor. - Ganz so stehen ja die Dinge nicht. Aber von gewisser Seite ist es doch berechtigt zu sagen, daß Krankheiten auftreten, für die der Mensch durch sein Inneres besonders disponiert ist. Für zahlreiche Krankheitserscheinungen wird man da- gegen doch äußere Ursachen angeben können. Natürlich nicht für alles, was uns passiert, aber für manches, was uns von außen her zustößt, zum Beispiel, wenn wir ein Bein brechen, müssen wir äußere Ursachen ins Feld führen. Auch das müssen wir zu den äußeren Ursachen zählen, was durch die Witterung geschieht, und ebenso die zahlreichen Krankheitsfälle, deren Ursachen in den schlechten städtischen Wohnungen zu suchen sind. Da eröffnet sich uns wieder ein weites Feld. Und für den, der mit Erfahrungen in die Welt blickt, ist es auch jetzt erklärlich, daß die heutige Moderichtung der Medizin dazu kommt, Krankheitsursachen in den äußeren Einwirkungen, besonders in den Bazillen, zu suchen, von denen ein geistreicher Herr nicht mit Unrecht gesagt hat: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|106}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heute kommen Krankheiten von den Bazillen, wie man ehedem gesagt hat, Krankheiten kommen von Gott oder vom Teufel. Im 13.Jahr- hundert sagte man, Krankheiten kommen von Gott, im 15. Jahrhundert sagte man, sie kommen vom Teufel. Später hieß es dann, sie kommen von den Säften, und heute sagt man, die Krankheiten kommen von den Bazillen. Das sind die Ansichten, die sich abgelöst haben im Laufe der Zeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So müssen wir also sprechen von äußeren Ursachen des menschlichen Krankseins oder Gesundseins. Und da kann der gegenwärtige Mensch leicht versucht sein, ein Wort zu gebrauchen, welches im Grunde sehr geeignet ist, in unsere ganze Weltauffassung Unordnung hineinzubringen. Wenn jemand, der vorher ganz gesund war, in eine durch Influenza oder Diphtherie verseuchte Gegend kommt und hernach erkrankt, so wird der heutige Mensch ganz gewiß geneigt sein zu sagen, daß der Betreffende den Krankheitskeim dadurch aufgenommen hat, daß er in jene Gegend gekommen ist, und er wird dann leicht das Wort Zufall gebrauchen. Von zufälligen Einflüssen wird man heute leicht sprechen. - Das Wort Zufall ist so recht eine Crux, ein Kreuz für jede Weltanschauung. Und solange man eigentlich nicht einmal den Versuch macht, sich ein wenig klarzuwerden über das, was man so leicht mit Zufall bezeichnet, wird man auch nicht vordringen können zu einer einigermaßen befriedigenden Weltanschauung. So stehen wir nun am Ausgangspunkt des Kapitels «Natürliche und zufällige Erkrankungen des Menschen». Da geht es aber nicht anders, als daß wir einleitend heute versuchen, auf das Wort Zufall ein wenig Licht zu werfen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ist nicht der Zufall selber etwas, was uns mißtrauisch machen könnte gegen das, was sich der Mensch heute leicht dabei denkt? Ich habe schon früher einmal darauf aufmerksam gemacht, daß ein geistvoller Mann im 18.Jahrhundert nicht ganz unrecht hatte, als er über die Sitte, großen Entdeckern, Erfindern und so weiter Denkmäler zu errichten, den Ausspruch tat, man müßte doch, wenn man den geschichtlichen Verlauf objektiv betrachtet, die weitaus meisten Denkmäler dem «Zufall» errichten! Und sonderbar: Wenn man eingeht auf die Geschichte, kann man merkwürdige Entdeckungen machen über &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|107}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
das, was sich hinter dem Zufall verbirgt. Ich habe Ihnen erzählt, daß die Erfindung des Fernrohres dem Spiel zu verdanken ist, das Kinder in einer optischen Werkstätte mit optischen Gläsern getrieben haben; dabei kam eine Konstellation zustande, durch die jemand das Fernrohr zustande brachte. Man könnte auch hinweisen auf die berühmte Lampe im Dom zu Pisa, die schon früher vor Tausenden und Tausenden von Menschen ihre Schwingungen mit derselben Regelmäßigkeit ausgeführt hat wie vor Galilei. Aber erst Galilei probierte, wie die Schwingungen zusammenstimmten mit dem Gang seiner Blutzirkulation, und dadurch kam er zu der Auffindung der Pendelgesetze. Würden wir die Pendelgesetze nicht gehabt haben, so würde unser ganzes Kulturleben einen andern Anstrich bekommen haben. Versuchen Sie, ob Sie nicht in der Menschheitsentwickelung einen Sinn suchen können und ob Sie dann noch sagen möchten, daß nur ein Zufall gewaltet hat, zum Beispiel bei Galilei, und ihn zu dieser wichtigen Entdeckung gebracht hat. Aber nehmen wir einen andern Fall.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denken wir daran, was die Luthersche Bibelübersetzung bedeutet für die Kulturländer der europäischen Welt. Machen wir uns klar, was für einen tiefgehenden Einfluß sie genommen hat auf das religiöse Fühlen und Denken und anderseits auf die Heranbildung dessen, was wir die deutsche Schriftsprache nennen. Ich will nur die Tatsache hin- stellen, ohne davon zu sprechen, wie man über sie denken soll; nur daß sie diesen tiefgehenden Einfluß gehabt hat, will ich betonen. Sie müssen nun doch versuchen, einen Sinn zu sehen in jener Erziehung der Menschheit, die seit mehreren Jahrhunderten durch die Luthersche Bibelübersetzung bewirkt worden ist. Wenn Sie es versuchen, darin einen Sinn zu sehen, dann stellen Sie einmal neben dasjenige, was Sie so geistvoll wie möglich über den Sinn der Entwickelung seit dem 16. bis 17. Jahrhundert sagen können, die folgende Tatsache:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Luther hat sich bis zu einer gewissen Zeit seines Lebens tief beschäftigt mit allem, was seine eigene Persönlichkeit zu einer Art von Gotteskindschaft führen könnte durch die Bibellektüre. Er war übergegangen von der Gepflogenheit der Augustiner, vorzugsweise die Kirchenväter zu lesen, zu dem Genuß des Lesens der Bibel selber. Aber alles sprach jetzt dafür, daß sich in seiner Seele entzünden sollte die Gotteskind&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|108}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
schaft in einem umfassenden Gefühl. Und von diesem Gesichtspunkt aus oblag er seinem theologischen Lehramt in der ersten Wittenberger Period,e. Die Tatsache, die ich nun hervorheben möchte, ist die, daß Luther eine gewisse Abneigung hatte, sich den theologischen Doktortitel zu verschaffen, und daß er in einer zufälligen Unterredung, als er einmal zusammensaß mit einem alten Freunde des ErfurterAugustinerklosters, wirklich überredet worden ist, sich den theologischen Doktorhut zu erringen. Das hieß aber nun für ihn ein nochmaliges und wie,der-~ holtes Studium der Bibel. Da hat also das zufällige Zusammensitzen mit seinem Freunde zu einem nochmaligen Studium der Bibel geführt und dann zu alledem, was dadurch zum Ausdruck gekommen ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Versuchen Sie den Sinn für das, was für die letzten Jahrhunderte angedeutet worden ist, zusammenzuhalten mit der Tatsache, daß Luther einmal mit jenem Freunde zusammengesessen hat und sich zur Erringung des theologischen Doktorhutes hat überreden lassen: Da werden Sie eine merkwürdig groteske Zusammenstellung zu machen genötigt sein zwischen dem Sinn der Entwickelung und dem zufälligen Ereignis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was Sie zunächst aus dem Gesagten herauslesen werden, ist, daß es sich vielleicht doch mit der Bedeutung des Zufalles etwas anders verhalten könne, als man gewöhnlich denkt. Gewöhnlich denkt man, daß der Zufall etwas sei, was sozusagen durch die Naturgesetze, durch die Gesetze des Lebens sich überhaupt nicht restlos erklären lasse, daß er eine Art von Überschuß bilde gegenüber dem, was sich erklären läßt. Nehmen Sie nun zu dem, was eben gesagt worden ist, die Tatsache, die uns ja schon zum Verständnis so vieler Seiten des Lebens verholfen hat: daß der Mensch in seiner Individualität seit seinem Erdendasein unterworfen war den beiden Kräften des luziferischen und des ahrimanischen Prinzips. Diese Kräfte und Prinzipien spielen fortwährend in den Menschen hinein, wobei die luziferischen Kräfte mehr dadurch wirken, daß sie das Innere des astralischen Leibes des Menschen ergreifen, während die ahrimanischen Kräfte mehr wirken durch das, was der Mensch als äußere Eindrücke empfängt. In dem, was wir von der Außenwelt empfangen, sitzen die ahrimanischen Kräfte; und in dem, was als Lust oder Unlust, als Affekte und so weiter in der Seele aufsteigt und wirkt, sitzen die luziferischen Kräfte. Nun führt sowohl das &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|109}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Iuziferische wie das ahrimanische Prinzip dazu, daß wir uns Täuschungen hingeben; das luziferische Prinzip führt dazu, daß wir uns über unser eigenes Inneres Täuschungen hingeben, daß wir über unser eigenes Inneres falsch urteilen können, eine Illusion im eigenen Inneren schauen können. Es wird Ihnen nicht schwer werden, wenn Sie das Leben vernünftig betrachten, diese Maja im eigenen Seelenleben gewahr zu werden. Versuchen Sie es zu betrachten, wie unendlich oft sich der Mensch einredet, er tue dieses oder jenes aus diesem oder jenem Grunde. Er tut es aber gewöhnlich aus einem ganz andern Grunde, der wesentlich tiefer sitzt; aber er erklärt sich die Handlung, zu der er getrieben wird durch Zorn und Leidenschaft, in seinem Oberbewußtsein auf eine ganz andere Art. Namentlich versucht er das, was in der Welt nicht geschätzt wird, hinwegzudekretieren. Und wenn der Mensch aus recht egoistischen Affekten heraus zu etwas getrieben wird, werden Sie es oft erleben können, daß er seinen grobklotzig-egoistischen Trieben ein unegoistisches Mäntelchen umhängt und erklärt, warum es hat geschehen müssen. Der Mensch weiß aber gewöhnlich selbst nicht, daß er so vorgeht. Wenn er es weiß, tritt gewöhnlich schon der Anfang zu einer Besserung mit einem gewissen Schamgefühl ein. Das schlimmste ist, daß der Mensch aus der Tiefe seiner Seele heraus zu etwas getrieben wird - und sich dann ein Motiv ausdenkt, aus dem er die betreffende Handlung getan habe. Das haben auch schon die modernen Psychologen bemerkt. Aber nur weil heute so wenig psychologische Bildung vorhanden ist, kommen derartig groteske Ausbildungen solcherWahrheiten zustande, wie das bei den heutigen materialistischen Psychologen der Fall ist. Sie kommen zu ganz eigenartigen Ausdeutungen des Lebens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Derjenige, der als Geistesforscher eine solche Tatsache bemerkt, wird sie natürlich in ihrer wahren Bedeutung durchschauen und so charakterisieren, daß in der Tat die zwei Dinge zusammenwirken: das Bewußtsein, und das, was als die tieferen Gründe unter der Schwelle des Bewußtseins waltet. Bemerkt es aber ein materialistischer Psychologe, so wird er die Sache anders behandeln. Da spintisiert er gleich eine Theorie heraus über den Unterschied zwischen dem Vorwand, den der Mensch zu einer Handlung annimmt, und zwischen dem eigentlichen Motiv. - Wenn zum Beispiel ein Psychologe spricht über die heute so &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|110}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
viel notierten Schülerselbstmorde, so sagt er, was als Vorwand dazu angeführt würde, das sei nicht das eigentliche Motiv; die eigentlichen Motive lägen viel tiefer: sie lägen meistens in einem irregeleiteten Geschlechtsleben. Diese würden umgewandelt, so daß sie dann dem Bewußtsein diese oder jene Gründe vortäuschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine solche Sache kann oft richtig sein. Aber es würde sie derjenige nIe zu einer umfassenden Theorie machen, der nur ein wenig berührt worden wäre von einer wahrhaft tieferen psychologischen Denkungsart. Eine solche Theorie kann leicht widerlegt werden, denn der Betreffende müßte bedenken: Wenn wirklich der Fall so liegt, daß der Vorwand nichts ist und das Motiv alles, so müßte man das auch bei diesem Psychologen anwenden können und sagen: Es ist also auch bei dir dasjenige, was du hier vorbringst und als Theorie entwickelst, nur Vorwand; suchen wir nach den tieferen Gründen, so sind vielleicht deine angegebenen Gründe ganz derselben Natur. - Hätte ein solcher Psychologe ernsthaft gelernt, warum ein Urteil unmöglich ist, das nach einem solchen Schluß aufgebaut ist wie: Alle Kretenser sind Lügner -, und daß ein solches Urteil schief ist, wenn es ein Kretenser selbst sagt; hätte er gelernt den Grund, warum das so ist, so hätte er auch gelernt, was für sonderbare Zirkelschlüsse dadurch herauskommen, daß man auf gewissen Gebieten Behauptungen auf sich selber zurücktreiben kann. Aber es ist eben fast in dem ganzen Umfange unserer Literatur eine außerordentlich geringe wirklich tiefere Bildung vorhanden. Daher bemerken die Leute dasjenige, was sie selbst tun, gewöhnlich durchaus nicht mehr. Deshalb wird es gerade für die Geisteswissenschaft durchaus notwendig sein, daß solche logischen Konfusionen nach jeder Hinsicht vermieden werden. Am wenigsten vermeiden solche logischen Konfusionen die modernen Philosophen, die sich mit Seelenwissenschaft beschäftigen. Und unser Beispiel ist ein typisches dafür. Wir sehen daran die Streiche, die luziferische Einflüsse dem Menschen spielen, so daß sie ihm das Seelenleben in eine Maja verwandeln und daß er sich ganz andere Motive vortäuschen kann, als sie wirklich in seinem Inneren walten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf diesem Gebiete sollte der Mensch versuchen, eine strengere Selbsterziehung zu handhaben. Heute handhabt sich das Wort gewöhnlich&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|111}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sehr leicht. Aber dieses Wort ist auch ein furchtbarer Verführer. Und wenn das Wort nur schön klingt und nur ein klein wenig den Eindruck macht, daß ein Satz eine wohltätige Handlung vorstellt, dann wird schon das Schönklingen des Satzes Verführer sein, zu glauben, daß das betreffende Motiv in der Seele sei, während in Wahrheit das egoistische Prinzip dahinterstecken kann, von dem der Betreffende gar keine Ahnung zu haben braucht, weil er gar nicht den Willen hat, wirkliche Selbsterkenntnis zu treiben. So sehen wir Luzifer auf der einen Seite wirken. Wie wirkt nun Ahriman auf der andern Seite?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ahriman ist das Prinzip, das sich in unsere Wahrnehmungen mischt und von außen in uns hineinzieht. Nun wirkt Ahriman am allerstärksten in den Fällen, wo wir das Gefühl haben: Hier kommst du mit deinem Denken nicht mehr nach; da stehst du an einem kritischen Punkt mit deinem Denken, da fängt sich das Denken wie in einem Gedankenknäuel. - Da ergreift das ahrimanische Prinzip die Gelegenheit, um wie durch einen Spalt der Außenwelt in uns einzudringen. Wenn wir den Gang der Weltereignisse verfolgen und die mehr offenbaren Ereignisse ansehen, wenn wir zum Beispiel die heutige Physik zurückverfolgen bis zu dem Moment, wo Galilei vor der schwingenden Kirchenlampe im Dom zu Pisa saß, so können wir ein Gedankennetz über alle Ereignisse spinnen, das uns die Sache leicht erklärt; überall werden uns die Dinge erklärlich werden. Da aber, an der Stelle, wo wir zu der schwingenden Kirchenlampe kommen, da verwickeln sich unsere Gedanken. Da ist das Fenster, wo die ahrimanischen Kräfte am allerstärksten in uns eindringen, und da hört unser Denken auf, dasjenige aus den Erscheinungen zu begreifen,wasVernunft und Verständnis in die Sache hineinbringen kann. Da sitzt aber auch das, was man den Zufall nennt. Er sitzt da, wo uns Ahriman am allergefährlichsten wird. Diejenigen Erscheinungen nennt der Mensch zufällig, bei denen er durch den ahrimanischen Einfluß am allerleichtesten getäuscht werden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So wird der Mensch verstehen lernen, daß es nicht in der Natur der Tatsachen liegt, wenn er irgendwo veranlaßt wird, von Zufall zu sprechen, sondern daß es an ihm, an seiner Entwickelung liegen wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und er wird sich nach und nach dazu erziehen müssen, Maja und Illusion zu durchdringen, das heißt, dort die Dinge zu durchdringen, wo&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|112}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ahriman am stärksten wirkt. Und gerade wo wir zu sprechen haben von wichtigen Krankheitsursachen und von einem Licht, das sich über manchen Krankheitsverlauf breiten soll, da werden wir es nötig haben, von dieser Seite her die Erscheinungen anzugreifen. Da werden wir zuerst zu verstehen suchen, inwiefern es kein Zufall ist, wenn ein Mensch gerade mit demjenigen Eisenbahnzug fährt, durch den er umkommen kann, oder wie die Dinge liegen, durch die ein Mensch gerade in einer bestimmten Zeit irgendeinem von außen wirkenden Krankheitskeim ausgesetzt ist oder einer andern Krankheitsursache. Und wenn wir mit eIner geschärften Erkenntnis den Dingen nachgehen können, werden wir imstande sein, das wahre Wesen und die ganze Bedeutung des Krankseins und des Gesundseins für das menschliche Leben noch tiefer zu begreifen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich mußte heute in ausführlicherer Weise zeigen, wie im Inneren des Menschen Luzifer zur Illusion führt und wie Ahriman sich in die äußeren Wahrnehmungen mischt und dort zur Maja führt; wie es eine Wirkung Luzifers ist, wenn sich der Mensch ein falsches Motiv vor- täuscht, und wie die falsche Annahme gegenüber der Welt der Erscheinungen - die Täuschung durch Ahriman - uns zu der Annahme eines Zufalls bringt. Diesen Grund mußte ich schaffen, bevor ich zeigen kann, wie die karmischen Ereignisse, die Ergebnisse des früheren Lebens, beim Menschen auch da wirken und auch da die Erscheinungen erklären, wo scheinbar zufällige äußere Veranlassungen zur Erzeugung von Krankheiten wirken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|113}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= SECHSTER VORTRAG Hamburg, 21. Mai 1910 =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daß eine karmische Gesetzmäßigkeit dann wirken kann, wenn in dem gestern und vorgestern angedeuteten Sinne von dem Inneren des Menschen heraus die Krankheitsursache sich geltend macht, das wird ja leicht begreiflich sein. Wenn aber die Krankheitsursache in gewissem Sinne von außen hereinwirkt - und für wie vielerlei wird heute von der Wissenschaft die Krankheitsursache draußen gesucht in der Infektion -, wenn also das Hauptaugenmerk gerichtet werden muß auf eine äußere Veranlassung zur Krankheit: daß dann die karmische Gesetzmäßigkeit - das, was sich der Mensch als Wirkungen der Erlebnisse und Handlungen seines früheren Lebens mitgebracht hat durch die Geburt - auch in der Weise wirken kann, daß sie diese äußeren Krankheitsursachen herbeischafft, das scheint gewiß vielen noch, und mit Recht, weniger begreiflich zu sein. Dennoch aber werden wir, wenn wir noch weiter die eigentliche Wesenheit des Karma verfolgen, nicht nur verstehen lernen, wie äußere Ursachen zusammenhängen können mit dem, was wir in früheren Leben erlebt und getan haben, sondern wir werden sogar begreifen lernen, daß äußere Lebensunfälle, die uns treffen, also Ereignisse, die man so gern heute zufällig nennen möchte, in einem gesetzmäßigen Zusammenhange stehen können mit dem Verlauf voriger Leben. Allerdings werden wir noch etwas tiefer eindringen müssen in die ganze Natur der menschlichen Wesenheit, wenn wir gerade derartige, eigentlich durch unser ganzes menschliches Anschauen verschleierte Verhältnisse beleuchten wollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir haben ja gestern damit geschlossen, daß wir gezeigt haben, wie der Zufall uns immer eigentlich in einer verschleierten Gestalt das äußere Ereignis darbietet, weil an den Stellen, wo wir vom Zufall sprechen, die Möglichkeit der äußeren Täuschung, die durch die ahrimanischen Mächte herbeigeführt wird, am größten ist. Nun wollen wir einmal das Zustandekommen solcher Zufälligkeiten, das heißt solcher Ereignisse, die man im gewöhnlichen Leben als «Zufälligkeiten» bezeichnet, in einzelnen Fällen vor uns hinstellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|114}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da ist es notwendig, daß wir uns zuerst ein Gesetz, eine Wahrheit, eine Erkenntnis vorhalten: daß im Leben gar manches,was wir mit dem Ausdruck bezeichnen «von innen herauskommend», «von dem Inneren des Menschen stammend», sich schon eigentlich in eine Täuschung kleidet, weil mancherlei, was wir zunächst als im Inneren des Menschen verursacht glauben, wenn wir in Wahrheit über die Illusion hinaus- kommen, schon als etwas von außen nach innen Strömendes bezeichnet werden muß. Und ein solches tritt uns immer da entgegen, wo wir es zu tun haben mit allen jenen Erlebnissen des Menschen, allen jenen Wirkungen auf den Menschen, welche wir begreifen unter dem Namen der «vererbten Merkmale». Die vererbten Merkmale, die uns so entgegen- treten, als ob wir sie nur deshalb hätten, weil sie unsere Vorfahren auch hatten, können uns im eminentesten Maße erscheinen, als ob sie uns ohne unsere Schuld, ohne unser Zutun zugefallen wären. Und wir können leicht zu einer falschen Unterscheidung dessen kommen, was wir uns aus unseren früheren Inkarnationen mitbringen, von dem, was wir von Eltern oderVoreltern geerbt haben. Nun aber geschieht das Wieder- ein treten in eine Verkörperung keineswegs so, als ob wir ohne irgendeine Veranlassung, die mit unserem Inneren zusammenhängt, zu diesem oder jenem Elternpaar, zu diesem oder jenem Volk, in diese oder jene Gegend hingedrängt würden. Schon bei den durchaus nicht in das Gebiet der Krankheiten hineinfallenden vererbten Merkmalen dürfen wir so etwas keineswegs voraussetzen, sondern wir müssen uns sagen: Wenn zum Beispiel in einer Familie, wie der des Musikers Bach, durch viele Generationen hindurch immer wieder und wieder kleinere und größere Musiker geboren wurden - der eine ist dann gewöhnlich hervorragender, aber in der Familie Bach sind über zwanzig mehr oder weniger begabte Musiker geboren worden -, so könnte man leicht glauben, daß man es mit der reinen Vererbungslinie zu tun hätte, daß also Merkmale von den Vorfahren vererbt werden und daß der Mensch gerade deshalb, weil solche Merkmale vorliegen, gewisse aus früheren Inkarnationen mitgebrachte Eigenschaften zu musikalischen Talenten entfaltet. Das ist aber nicht so, sondern die Sache verhält sich vielmehr ganz anders.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen wir an, es würde jemand in einem Leben zwischen Geburt und Tod Gelegenheit haben, viele musikalische Eindrücke zu empfangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|115}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese musikalischen Eindrücke gingen aber in diesem Leben an ihm vorüber, einfach aus dem Grunde, weil er kein musikalisches Ohr hatte. Andere Eindrücke seines Lebens werden nicht an ihm in derselben Weise vorübergehen, weil er gerade so gebaute Organe hat, daß er die Erlebnisse und Eindrücke in eigene Fähigkeiten umsetzen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daher werden wir sagen können, ein Mensch habe in seinem Leben solche Eindrücke, die er durch die Anlage, welche er von seiner letzten Geburt mitbekommen hat, umzusetzen vermag in Fähigkeiten und Talente; andere Eindrücke hat er, welche er vermöge seines Gesamt karma, weil er durch dieses nicht die entsprechenden Anlagen erhalten hat, nicht umsetzen kann in die entsprechenden Fähigkeiten. Die bleiben aber vorhanden, bleiben aufgespeichert und bilden sich um in der Zeit zwischen Tod und neuer Geburt zu der besonderen Tendenz, in der nächsten Inkarnation nunmehr zum Ausleben zu gelangen. Und diese Tendenz führt den Menschen dahin, im nächsten Leben seine Leiblichkeit gerade in einer solchen Familie zu suchen, welche ihm die entsprechenden Anlagen geben kann. Hat also jemand viele musikalische Eindrücke empfangen und sie wegen eines unmusikalischen Ohres nicht umwandeln können in musikalische Fähigkeiten oder Genüsse, so wird gerade diese Unmöglichkeit die Tendenz in seiner Seele hervorrufen, in eine solche Familie hineinzukommen,welche ihm ein musikalisches Ohr vererben kann. So verstehen wir es, daß, wenn in einer Familie sich der Bau des Ohres ebenso vererbt wie etwa die äußere Form der Nase, alle diejenigen Individualitäten sich zusammendrängen werden in diese Familie, die gerade lechzen - infolge ihrer früheren Inkarnation - nach dem Besitz eines musikalischen Ohres. Und so sehen wir, daß der Mensch in der Tat nicht «zufällig» in irgendeiner Inkarnation ein musikalisches Ohr oder ähnliches geerbt hat, sondern daß er diese vererbten Merkmale gesucht hat, wirklich aufgesucht hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beobachten wir jetzt einen solchen Menschen vom Zeitpunkt seiner Geburt an, dann wird es uns so vorkommen, als ob das musikalische Ohr in ihm wäre, eine Eigenschaft in seinem Inneren. Würden wir aber mit unseren Betrachtungen hinübergehen vor seine Geburt, so würden wir finden, wie das musikalische Ohr, das er sich erst aufgesucht hat, etwas ist, was von außen an ihn herangekommen ist. Vor der Geburt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|116}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
oder Empfängnis war das musikalische Ohr nicht etwas, was in seinem Inneren war, sondern da war nur die Tendenz vorhanden, zu einem solchen Ohr hingetrieben zu werden. Da hat der Mensch ein Äußeres an sich herangezogen. Vor der Wiederverkörperung war die Eigenschaft, die wir nachher eine vererbte nennen, etwas Äußeres; das ist an den Menschen herangekommen, er ist dazu hingeeilt. Mit der Verkörperung wird es dann etwas Inneres und tritt in dem Inneren dieses Menschen auf. - Reden wir also von «vererbten Anlagen», so geben wir uns wieder einer Täuschung hin, welche darin besteht, daß wir etwas, was erst ein Innres geworden ist, nicht in jenem Zeitpunkt betrachten, wo es noch ein Äußeres war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fragen wir uns nun einmal, ob es so wie in diesem Falle, den wir jetzt angeführt haben, nicht auch mit äußeren Ereignissen sein könnte, welche während unseres Lebens zwischen Geburt und Tod eintreten, daß auch da ein Äußeres sich in ein Inneres verwandeln könnte? - Diese Frage würden wir uns nicht beantworten können, wenn wir nicht noch tiefer als bisher das Wesen von Krankheit und Gesundheit ins Auge fassen. Wir haben mancherlei angeführt, um Krankheit und Gesundheit zu charakterisieren, und Sie wissen, daß ich nicht definiere, sondern versuche, nach und nach die Dinge zu beschreiben, immer mehr Merkmale zu den Dingen hinzuzufügen, damit sie nach und nach begreiflich werden. Also mehr Merkmale wollen wir jetzt hinzufügen zu den schon gewonnenen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir müssen Krankheit und Gesundheit vergleichen mit etwas, was Im normalen Leben auftritt; dann werden wir etwas noch Tieferes finden&amp;gt; nämlich den Vergleich mit Schlafen und Wachen. Was geschieht im Menschenwesen, wenn die täglichen Zustände Wachen und Schlafen miteinander abwechseln? Wir wissen&amp;gt; daß beim Einschlafen im Bette zurückgelassen wird der physische Leib und der Ätherleib und daß herausgehen aus dem physischen Leib und dem Ätherleib der astralische Leib und das Ich. Es ist also das Einschlafen für uns ein Herausziehen von Ich und astralischem Leib aus physischem Leib und Ätherleib; das Aufwachen dagegen ist ein Wiederhineingehen des astralischen Leibes und des Ich in den physischen Leib und Ätherleib. Jeden Morgen beim Aufwachen taucht also der Mensch unter in seinen physischen Leib und&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|117}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ätherleib mit dem, was er als innerer Mensch, als astralischer Leib und als Ich ist. Was geschieht nun in bezug auf das, was sich im Menschenwesen als Erlebnis abspielt beim Einschlafen und beim Aufwachen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir den Moment des Einschlafens ins Auge fassen, so stellt ersich uns so dar, daß alle Erlebnisse, die vom Morgen bis zum Abend inunserem Leben auf und ab fluten, daß vor allem die Seelenerlebnisse Lust und Leid, Freude und Schmerz, Leidenschaften, Vorstellungen und so weiter hinuntersinken in ein Unbewußtes. Wir selber sind im normalen Leben, wenn wir schlafen, einem Unbewußten hingegeben.Warum werden wir mit dem Einschlafen unbewußt? - Wir wissen ja, daß wir während des Schlafzustandes von einer geistigen Welt umgeben sind, wie wir imWachzustande umgeben sind von den Dingen und Tatsachen der physisch-sinnlichen Welt. Warum sehen wir diese geistige Welt nicht? Im gewöhnlichen normalen Leben sehen wir die geistigen Tatsachen und geistigen Dinge, die um uns herum sind, aus dem Grunde nicht, weil für uns dieses Sehen bei der gegenwärtigen Menschenreife vom Einschlafen bis zum Aufwachen im höchsten Grade gefahrbringend wäre. In dem Augenblick, wo der Mensch heute bewußt übergehen würde in die Welt, die ihn zwischen Einschlafen und Aufwachen um- gibt, würde zwar sein astralischer Leib, der ja während der alten Mondenzeit seine volle Ausbildung erfahren hat, in die geistige Welt aus- fließen; aber nicht könnte es das Ich, das ja erst während der Erdenzeit sich entwickeln soll und vollständig entwickelt sein wird am Ende der Erdenzeit. Das Ich ist noch nicht so voll entwickelt, daß es vom Einschlafen bis zum Aufwachen seine volle Tätigkeit entfalten könnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist mit dem Ich so, daß wir den Zustand, in den es käme, wenn der Mensch bewußt einschlafen würde, damit vergleichen könnten, daß wir sagen: Nehmen wir an, wir haben ein kleines Tröpfchen einer gefärbten Flüssigkeit, das bringen wir in ein Bassin mit Wasser und lassen es sich darinnen verteilen. Dann wird man von der Farbe dieses Tröpfchens nichts mehr sehen, weil es sich in der ganzen breiten Masse hat auflösen müssen. - So etwas geschieht auch, wenn der Mensch im Einschlafen aus dem physischen Leib und Ätherleib herausgeht. Physischer Leib und Ätherleib sind das, was die ganze menschliche Wesenheit zusammenhält. In dem Augenblick, wo der astralische Leib und das Ich &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|118}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die beiden unteren Glieder verlassen, streben sie auseinander nach allen Seiten hin, haben nur das Bestreben, sich fortwährend auszudehnen. Es würde also dem Ich so gehen, daß es aufgelöst würde, und der Mensch würde vor sich haben zwar die Bilder der geistigen Welt, aber er würde sie mit denjenigen Kräften, die nur sein Ich entfalten kann - denn das Ich wäre ja aufgelöst -, also mit Urteilskräften und Begriffsvermögen und so weiter, nicht verfolgen können, also nicht mit demselben Bewußtsein, mit welchem er die Zustände des Alltags verfolgt. Er würde außer sich sein, würde hin und her gerissen, wesens- und richtungslos schwimmend auf dem Meere der astralischen Eindrücke. Aus diesem Grunde, weil das Ich noch nicht stark genug ist im normalen Zustande des Menschen, wird das Ich so lange zurückwirken auf den astralischen Leib und ihn verhindern, bewußt einzutreten in seine eigentliche Heimat, in die geistige Welt, bis das Ich selber überall mit hin kann, wohin der astralische Leib dringt. So also hat es einen guten Sinn, daß wir das Bewußtsein verlieren im Einschlafen. Wir könnten unser Ich nicht erhalten. Wir werden es erst erhalten können in genügender Weise, wenn die Erdentwickelung an ihrem Ende angekommen sein wird. Deshalb sollen wir auch unseren astralischen Leib nicht entfalten können in bezug auf seine Bewußtseinsfähigkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gerade das Umgekehrte tritt ein, wenn der Mensch aufwacht. Wenn er aufwacht und untertaucht in den physischen Leib und Ätherleib, würde er eigentlich erleben müssen das Innere des physischen Leibes und des Ätherleibes. Das tut er aber nicht. Im Augenblick des Aufwachens wird er verhindert, hineinzuschauen in das Innere seiner Leiblichkeit, denn da wird gleich die Aufmerksamkeit auf die äußeren Erlebnisse gelenkt. Da wird nicht seine Sehkraft, seine Erkenntniskraft dahin gelenkt, sein Inneres zu durchschauen, sondern sie wird abgelenkt auf die Außenwelt. Würde der Mensch sich im Inneren ergreifen, so würde genau das Gegenteil eintreten von dem, was eintritt, wenn sich der Mensch bewußt beim Einschlafen in die geistige Welt hineinbegeben könnte. Alles, was der Mensch sich schon im Verlaufe des Erdenlebens an Geistigem durch sein Ich errungen hat, das würde sich zusammendrängen und es würde jetzt im physischen Leibe und Ätherleibe nach demUntertauchen mit aller Kraft auf ihn wirken. Das würde zur Folge &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
haben, daß alles, was nur irgendwie egoistische Eigenschaft ist, sich mit aller Macht entfalten würde. Und der Mensch würde hinuntertauchen mit seinem Ich und würde mit jedem Stück, mit dem er hinuntertaucht, seine Leidenschaften,Triebe und Begierden in einem immer kraftvolleren Egoismus ergießen. Aller Egoismus würde sich ergießen in sein Trieb- leben. Damit das nicht geschieht, werden wir abgelenkt auf die Außenwelt und nicht mit unserem Bewußtsein in unser Inneres hineingelassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daß das so ist, kann auch aus den Berichten derjenigen hervorgehen, die als Mystiker versuchten, wirklich hineinzukommen in das menschliche Innere. Sehen Sie sich um bei Meister Eckart, bei Johannes Tauler oder bei sonstigen Mystikern des Mittelalters, welche wirklich den Gang in das menschliche Innere unternommen haben. Da haben Sie Mystiker, welche sich hingegeben haben einem Zustand, wo sie ihre Aufmerksamkeit vollständig ablenkten von dem, was sie an der Außenwelt interessieren konnte, um hinunterzusteigen in das eigene Innere. Lesen Sie die Biographien der Heiligen oder der Mystiker, die in das eigene Innere hineinzusteigen versuchten. Was haben sie erfahren? Versuchungen, Anfechtungen und dergleichen, die sie in lebendigen Farben schildern. Das war dasjenige, was sich aus dem zusammengepreßten astralischen Leib und Ich als eine Widerkraft geltend machte. Daher haben diejenigen, welche sozusagen ungeschoren als Mystiker in das eigene Innere hinuntersteigen wollten, mit aller Macht darauf gedrungen, daß in demselben Maße, als sie hinunterstiegen, das Ich ausgelöscht würde. Ein schönes Wort hat sogar Meister Eckart gefunden, um dieses Hinuntersteigen in die eigene Leiblichkeit zu bezeichnen. Er spricht von «Entwerdung&amp;gt;, das heißt Auslöschen des Ich. Und lesen Sie in der «Deutschen Theologie», wie der Verfasser darstellt den mystischen Gang in das menschliche Innere, wie er darauf dringt, daß derjenige, der hinuntersteigen will in die Leiblichkeit, nic`ht mehr aus seinem Ich handelt, sondern daß in ihm der Christus handelt, mit dem er sich ganz durchdrungen hat. Auslöschen wollten solche Mystiker ihr Ich. Nicht sie sollen denken, fühlen und wollen, sondern der Christus in ihnen soll denken, fühlen und wollen, damit nicht dasjenige aus ihnen herauskommt, was in ihnen als Leidenschaften, Trieb und Begierde lebt, sondern damit dasjenige herauskommt, was sich als der &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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Christus in sie ergießt. Daher sagt Paulus: «Nicht ich, sondern der Christus in mir»! Aus solchen Tiefen gehen solche Dinge hervor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So können wir schildern Aufwachen und Einschlafen als innere Erlebnisse der menschlichen Wesenheit: Aufwachen als ein Hinunter- tauchen der zusammengepreßten Ichheit in die Leiblichkeit des Menschen, Einschlafen als ein Sich-Befreien vom Bewußtsein, weil man noch nicht reif ist, in jener Welt zu schauen, in die man eigentlich hin- eindringen muß beim Einschlafen. Dadurch verstehen wir Wachen und Schlafen in jenem Sinne, in welchem wir mancherlei in der Welt verstehen müssen: als das Sich-Durchdringen der verschiedenen Glieder der menschlichenWesenheit. Betrachten wir von diesem Gesichtspunkte aus einen wachenden Menschen, so sagen wir: In dem wachenden Menschen stecken darinnen vier Glieder der menschlichen Wesenheit: physischer Leib, Ätherleib, astralischer Leib und Ich, und sie stecken in einer bestimmtenWeise ineinander.Was folgt daraus? Eben das Wachen! Denn es könnte der Mensch nicht wachen, wenn er nicht so hineinsteigen würde in seine Leiblichkeit, daß die Aufmerksamkeit durch die Außenwelt abgelenkt würde. Gerade von einem ganz bestimmten, geregelten Zusammenwirken der vier Glieder des Menschen hängt es ab, daß der Mensch wacht. Und wieder von dem richtigen Getrenntsein seiner vier Glieder hängt es ab, daß der Mensch schläft. Wir reichen damit nicht aus, daß wir sagen: Der Mensch besteht aus physischem Leib, Ätherleib, astralischem Leib und Ich, sondern wir verstehen den Menschen erst dann&amp;gt; wenn wir wissen, in welchem Grade die verschiedenen Glieder bei einem bestimmten Zustande miteinander verknüpft sind, wie sie ineinanderstecken. Das ist dasWesentliche für die Erkenntnis der menschlichen Natur. Nun betrachten wir die Art des Zusammengefügtseins der vier Glieder des Menschen, wie es uns beim wachen- den Menschen entgegentritt, als das Normale. Wir wollen einmal von diesem Begriff ausgehen: als das Normale den Zustand des wachenden Menschen zu betrachten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun werden sich die meisten von Ihnen erinnern, daß das Bewußtsein, welches wir gegenwärtig als Erdenmenschen haben zwischen Geburt und Tod, nur eine ist von den überhaupt möglichen Bewußtseinsformen. Wenn Sie zum Beispiel die «Geheimwissenschaft im Umriß» &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
oder die früheren Aufsätze «Aus der Akasha-Chronik» studieren, so werden Sie sehen, daß das heutige Bewußtsein eine Bewußtseinsstufe unter sieben verschiedenen Bewußtseinsstufen ist, daß dieses Bewußtsein, das wir heute haben, sich erst entwickelt hat aus drei andern, vorangegangenen Bewußtseinszuständen und sich später entwickeln wird zu drei andern, nachfolgenden Bewußtseinsformen. Während der Mensch Mondenmensch war, hatte er noch kein Ich. Das Ich verband sich mit dem Menschen erst während der Erdenzeit. Daher konnte der Mensch auch die heutige Art des Bewußtseins erst während der Erden- zeit haben. Ein solches Bewußtsein wie das, was wir heute haben zwischen Geburt und Tod, setzt voraus, daß das Ich genau so, wie es heute der Fall ist, mit den andern drei Gliedern zusammenwirkt und das h&amp;amp;hste ist unter den vier Gliedern der menschlichen Wesenheit. Bevor der Mensch mit dem Ich befruchtet worden ist, bestand er nur aus physischem Leib, Ätherleib und astralischem Leib. Da war der astralische Leib sein höchstes Glied, und sein Bewußtseinszustand war ein solcher, daß wir ihn heute höchstens, wenn wir etwas aus dem gewöhnlichen Leben nehmen, mit dem vergleichen könnten, was der Mensch sich wie ein altes Erbstück erhalten hat im Traumbewußtsein. Aber Sie müssen sich nicht das heutigeTraumbewußtsein vorstellen, sondern ein solches, das in den Bildern des Traumes Realitäten`wiedergibt. Wenn Sie den heutigen Traum studieren, werden Sie in den yerschiedensten Bildern recht viel Chaotisches finden, weil das heutige Traumbewußtsein ein altes Erbstück ist. Aber wenn Sie das Bewußtsein, welches dem heutigen vorangegangen ist, studieren würden, dann würden Sie finden, daß Sie äußere Gegenstände, zum Beispiel Pflanzen, damals nicht würden gesehen haben. Also es wäre ein äußerer Eindruck auf den Menschen unmöglich gewesen. Wenn etwas in die Nähe des Menschen gekommen wäre, hätten Sie einen Eindruck bekommen, der seinen Umweg nimmt über das Traumbild in das menschliche Innere, das also ein Sinnbild ist, welches aber einem bestimmten äußeren Gegenstande und Eindruck entsprochen haben würde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also wir haben es vor dem Ich-Bewußtsein zu tun mit einem solchen Bewußtsein, das an den astralischen Leib als das damals höchste Glied gebunden ist, das astralische Bewußtsein, das dumpf und dämmerhaft &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|122}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ist und noch nicht durchleuchtet ist von dem Lichte des Ich. Dieses astralische Bewußtsein ist beim Menschen, als er Erdenmensch geworden ist, überleuchtet worden, übertönt worden von dem Ich-Bewußtsein. Nun ist aber der astralische Leib noch immer in uns, und wir können fragen: Wodurch ist das geschehen, daß unser astralisches Bewußtsein überhaupt hat übertönt, ausgeschaltet werden können, so daß das Ich-Bewußtsein ganz an seine Stelle treten konnte? - Das wurde dadurch möglich, daß durch die Befruchtung des Menschen mit dem Ich die frühere Verbindung zwischen astralischem Leib und Ätherleib zu einer viel loseren gemacht worden ist. Es ist sozusagen die frühere innigere Verbindung gelöst worden. Also es war vor dem Ich-Bewußtsein eine viel innigereVerbindung vorhanden zwischen dem astralischen Leib des Menschen und den niedrigeren Gliedern seiner Wesenheit. Esdrängte sich der astralische Leib viel mehr hinein in die andern Glieder, als er es heute tut. Entrissen worden ist in einer gewissen Beziehung der` astralische Leib dem Ätherleib und dem physischen Leib.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun müssen wir uns einmal diesen Vorgang des sozusagen teilweisen Herausgehens, des Losemachens des astralischen Leibes von Ätherleib und physischem Leib ganz klarmachen. Dann werden wir uns fragen: Gibt es vielleicht auch heute noch die Möglichkeit, bei unserem gewöhnlichen Ich-Bewußtsein etwas herzustellen, was dieser alten Verbindung ähnlich wäre? Könnte es auch heute im Menschenleben geschehen, daß der astralische Leib tiefer hinein will in die andern Glieder, als er soll, sich mehr mit allerlei imprägniert und durchdringt, als es ihm zukommt?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also ein gewisses Normalmaß ist notwendig für das Durchdringen des astralischen Leibes mit Ätherleib und physischem Leib. Nehmen wir nun an, das Normalmaß wird nach irgendeiner Richtung hin überschritten. Dann wird eine Störung eintreten müssen im ganzen menschlichen Organismus; denn was der Mensch heute ist, das hängt davon ab, daß dieses bestimmte Verhältnis zwischen den verschiedenen Wesensgliedern da ist, das uns im wachenden Menschen vor Augen tritt. In dem Augenblicke, wo sich der astralische Leib unrichtig benimmt, wo er tiefer hineindringt in physischen Leib und Ätherleib, muß eine Störung auftreten. Nun haben wir aber in den letzten Betrachtungen gesehen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|123}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
daß das, was wir jetzt folgern, wirklich geschieht. Wir haben den ganzen Vorgang nur von der andern Seite her dargestellt. Wann geschieht es denn?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es geschieht dann, wenn der Mensch in einem früheren Leben in seinen astralischen Leib etwas hineingeprägt hat, irgend etwas hat ein- fließen lassen, was wir für das frühere Leben als eine moralische oder intellektuelle Verfehlung auffassen. Das hat sich dem astralischen Leib eingegraben. Das ist jetzt etwas, wenn der Mensch neuerdings ins Leben tritt, was in der Tat den astralischen Leib veranlassen kann, einen andern Zusammenhang zu suchen mit dem physischen Leib und Ätherleib, als er ihn gesucht hätte, wenn er nicht diese Verfehlung im vorigen Leben in sich hineingeprägt hätte. Also gerade unsere Verfehlungen sind es, die sich unter dem Einfluß von Ahriman und Luzifer vollzogen haben und sich umgestaltet haben in organisierende Kräfte, welche im neuen Leben den astralischen Leib veranlassen, sich anders zum physischen Leib und Ätherleib zu stellen, als er es tun würde, wenn sich solche Kräfte nicht in ihn hineingedrängt hätten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So sehen wir, wie gerade dieWirkungen früherer Gedanken, Empfindungen und Gefühle den astralischen Leib zu dem veranlassen, was Unordnung hervorrufen muß in der menschlichen Organisation. Wenn aber solche Unordnung hervorgerufen wird, was tritt dann ein? Wenn sich der astralische Leib mehr hineindrängt in den physischen Leib und Ätherleib, als er es beim normalen Menschen sollte, so tut er etwas ganz Ähnliches, wie wir des Morgens tun beim Aufwachen, wo wir in dem Moment des Aufwachens mit unserem Ich in unsere zwei Leiber hinuntertauchen. Aufwachen besteht im Hinuntertauchen des Ich-Menschen in den physischen Leib und Ätherleib. Worin besteht nun das, was der astralische Leib tut, wenn er mehr in den physischen Leib und Äther leib hineintritt, als er soll, veranlaßt durch die Wirkungen früherer Erlebnisse? - Was sonst eintritt, wenn wir mit dem Ich und astralischen Leib untertauchen in den physischen Leib und Ätherleib, wenn wir des Morgens aufwachen und etwas wahrnehmen, das zeigt sich gerade darin, daß wir aufwachen. Wie der ganze Wachzustand die Folge ist des Untertauchens des Ich-Menschen in den physischen Leib und Ätherleib, so muß jetzt etwas auftreten, was der astralische Leib tut, also &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|124}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
etwas, was wir sonst als Ich-Menschen tun. Er taucht unter in den Äther- und physischen Leib. Wenn wir also einen Menschen vor uns haben, bei dem der astralische Leib die Tendenz aufgenommen hat, sich mehr zu vereinigen mit Ätherleib und physischem Leib, als es normalerweise der Fall sein sollte, so haben wir dieselbe Erscheinung für den Astralleib vor uns, welche wir sonst beim Aufwachen für den Ich Menschen vor uns haben. Was ist dieses zu starke Eindringen des astralischen Leibes in den Ätherleib und physischen Leib? Das ist etwas, was wir sonst als das Wesen der Krankheit bezeichnen können. Wenn unser astralischer Leib dasselbe tut, was wir sonst beim Aufwachen tun, nämlich sich hineindrängt in den physischen Leib und Ätherleib, wenn der astralische Leib, der sonst bei uns kein Bewußtsein entwickeln sollte, nach einem Bewußtsein strebt im physischen Leib und Ätherleib, wenn er in uns aufwachen will, dann werden wir krank. Krankheit ist ein abnormer Wachzustand unseres astralischen Leibes. Was tun wir denn eigentlich, wenn wir im normalen Wohlbefinden stehen, wenn wir im gewöhnlichen Wachzustand leben? Dann wachen wir für das gewöhnliche Leben. Aber damit wir das gewöhnliche Wachbewußtsein haben können, mußten wir ja den astralischen Leib früher in eine andere Verbindung bringen. Wir mußten ihn zum Schlafen bringen. Der astralische Leib muß, wenn wIr am Tage unser Ich-Bewußtsein haben, schlafen; wir können nur gesund sein, wenn unser astralischer Leib schläft in uns. Daher können wir jetzt das Wesen von Gesundheit und Krankheit in folgender Weise auffassen: Krankheit ist ein abnormes Auf- wachen des astralischen Leibes im Menschen, und Gesundheit ist der normale Zustand des Schlafens des astralischen Leibes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und was ist denn das Bewußtsein dieses astralischen Leibes? Wenn wirklich Krankheit das Aufwachen des astralischen Leibes wäre, müßte ja etwas bei ihm eintreten wie ein Bewußtsein. Er wacht abnormerweise auf; also könnten wir ein abnormes Bewußtsein erwarten; aber ein Bewußtsein müßte da sein. Wenn wir in die Krankheit verfallen, müßte etwas Ähnliches entstehen, wie es sonst des Morgens beim Aufwachen eintritt. Es müßte unser Erleben abgelenkt werden auf irgend etwas anderes. Am Morgen taucht sonst unser gewöhnliches Bewußtsein auf. Weiin wir nun krank werden, taucht dann ein Bewußtsein auf? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Ja, es taucht ein Bewußtsein auf, das der Mensch nur allzugut kennt. Und welches ist dieses Bewußtsein? Ein Bewußtsein drückt sich in Erlebnissen aus! Das Bewußtsein, was da auftaucht, drückt sich aus in dem, was wir den Krankheitsschmerz nennen, den wir nicht haben im normalen Wohlbefinden des Wachzustandes, weil da unser astralischer Leib gerade schläft. Schlafen des astralischen Leibes heißt, daß er sich in regelmäßigem Zusammenhang befindet mit physischem Leib und Ätherleib, bedeutet Schmerzlosigkeit. Der Schmerz ist der Ausdruck dafür, daß der astralische Leib sich so hineinpreßt in den physischen Leib und Ätherleib, wie er nicht drinnen sein soll - und zum Bewußtsein kommt. Das ist der Schmerz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun handelt es sich darum, daß wir nicht etwa das, was eben gesagt worden ist, wieder grenzenlos ausdehnen. Es muß, wenn geisteswissenschaftlich gesprochen wird, immer die Grenze eingehalten werden, innerhalb deren etwas gesagt wird. - Es ist gesagt worden, daß wenn unser astralischer Leib aufwacht, ein Bewußtsein entsteht, das von Schmerz durchtränkt ist. Daraus dürfen wir aber nicht schließen, daß Schmerz und Krankheit immer zusammenfallen. Es ist durchaus ein jegliches Hineinpressen des astralischen Leibes in den Ätherleib und physischen Leib ein Kranksein. Aber umgekehrt besteht nicht jedes Kranksein darin, und daß Kranksein auch einen anderen Charakter haben kann, werden wir uns dadurch begreiflich machen können, daß keineswegs alles Kranksein von Schmerzen begleitet ist. Das beachten nur die meisten Menschen deshalb nicht, weil sie zumeist im Leben nicht anstreben, gesund zu sein, sondern sie streben an, schmerzlos zu sein, und wenn sie schmerzlos sind, halten sie das für gesund. Das ist nicht immer so; aber in sehr vielen Fällen wird der Mensch glauben, wenn er schmerzlos ist, sei er gesund. Wir würden uns einer gewaltigen Täuschung hingeben, wenn wir glauben wollten, daß Schmerzempfinden und Kranksein zusammenfällt. Es kann die Leber eines Menschen durch und durch beschädigt sein; wenn der Schaden nicht ein solcher ist, daß durch ihn zum Beispiel das Bauchfell affiziert wird, so tritt gar kein Schmerz auf. Es kann der Mensch einen Krankheitsprozeß in sich haben, der sich gar nicht in Schmerzen äußert. Das kann in vielen Fällen so sein.Vor einer objektiveren Betrachtung sind diese Erkrankungen sogardie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|126}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
schlimmeren. Denn wenn der Mensch Schmerzen empfindet, geht er darauf aus, die Schmerzen loszuwerden; wenn er keine Schmerzen hat, gibt er sich nicht besonders viel Mühe, die Krankheit loszubekommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie verhält es sich nun mit den Erscheinungen, wo keine Schmerzen mit den Krankheitsfällen parallel gehen? Was haben wir da getan? - Da brauchen wir uns nur zu erinnern, daß wir uns wirklich als menschliche Wesen, wie wir heute sind, nach und nach entwickelt haben, daß wir während der Erdenzeit das Ich hinzugefügt haben zu astralischem Leib, Ätherleib und physischem Leib. Aber wir waren auch einmal ein Mensch, der nur physischen Leib und Ätherleib gehabt hat. Ein Wesen, das nur physischen Leib und Ätherleib hat, ist wie eine heutige Pflanze. Bei solchen Wesen kommen wir zu einem dritten Grade von Bewußtsein, einem viel, viel dumpferen Bewußtsein, das nicht einmal bis zur Helligkeit des heutigen Traumbewußtseins hinaufreicht. Es ist ja durchaus ein Irrwm, wenn wir glauben, daß der Mensch im Schlafe kein Bewußtsein hat. Er hat ein Bewußtsein; nur ist es so dumpf, daß er es nicht bis zur Erinnerung in seinem Ich heraufrufen kann. Aber auch in der Pflanze sitzt ein solches Bewußtsein. Es ist eine Art Schlafbewußtsein, also ein noch tieferes als das astralische Bewußtsein. Da kommen wir herunter zu einem noch tieferen Bewußtsein des Menschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen wir nun an, der Mensch habe durch Erlebnisse in früheren Inkarnationen nicht nur solche Unordnung hineingebracht in seine Organisation, welche den astralischen Leib veranlaßt, sich in unordentlicher Weise hineinzuversenken in den physischen Leib und Ätherleib, sondern er habe so etwas vollführt, was den Ätherleib veranlassen kann, in unrichtigerWeise sich in den physischen Leib hineinzudrängen. Es kann durchaus ein solcher Zustand eintreten, daß auch die Verbindung zwischen Ätherleib und physischem Leib nicht die für den heutigen Menschen normale ist, daß sich der Ätherleib zu tief hineindrängt in den physischen Leib. Der astralische Leib, sagen wir, wäre dabei gar nicht beteiligt, sondern was da im früheren Leben veranlagt worden ist, das bewirkt in der menschlichen Organisation eine dichtere Zusammenfügung von Ätherleib und physischem Leib, als es sonst sein soll. Da haben wir dasselbe bei dem Ätherleib, was wir bei dem astralischen Leibe haben im Schmerzbewußtsein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Wenn der Ätherleib sich nun seinerseits zu tief hineinversenkt in den physischen Leib, so taucht ein Bewußtsein auf ähnlich wie des Menschen Schlafbewußtsein, wie das Pflanzenbewußtsein. Kein Wunder daher, daß das auch ein Zustand ist, der vom Menschen gar nicht empfunden wird. Wie er nicht im Schlaf empfindet, so empfindet er auch jetzt diesen Zustand nicht. Und doch ist es ein Aufwachen! Wie unser astralischer Leib abnormerweise aufwacht, wenn er zu tief hinunter- taucht in den Ätherleib und physischen Leib, so wacht der Ätherleib in abnormer Weise auf, wenn er zu tief in den physischen Leib hinein- taucht. Nur kann es der Mensch nicht wahrnehmen, weil es das Auf- wachen zu einem noch dumpferen Bewußtsein als das Schmerzbewußtsein ist. Aber nehmen wir an, der Mensch hätte wirklich in einem früheren Leben so etwas vollzogen, was sich zwischen Tod und neuer Geburt dazu umwirkt, daß der Ätherleib für sich aufwacht, das heißt, intensiven Besitz ergreift vom physischen Leib. Wenn das geschehen ist, lebt auf im Menschen ein tiefes Bewußtsein, das aber nicht in der Weise wahrgenommen werden kann, wie die sonstigen Erlebnisse der menschlichen Seele wahrgenommen werden. Braucht es deshalb nicht zu wirken, weil es nicht wahrgenommen wird? Versuchen wir uns klarzumachen, was ein Bewußtsein für eine eigentümliche Tendenz erhält, wenn es anfängt, um einen Grad tiefer zu liegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn Sie einen solchen äußeren Eindruck erleben, wie zum Beispiel wenn Sie sich verbrennen, so verursacht das Schmerz.Wenn ein Schmerz entstehen soll, so muß das Bewußtsein wenigstens den Grad des Bewußtseins des astralischen Leibes haben. Ein Schmerz muß im astralischen Leibe leben. Wo also irgendeinmal in der Menschenseele Schmerz entsteht, ist eine Tatsache des astralischen Leibes vorhanden. Nehmen wir aber einmal an, es geschehe etwas, was nicht mit Schmerzen verbunden wäre, was dennoch aber einen äußeren Reiz, einen äußeren Eindruck hervorruft. Wenn irgend etwas auf Ihr Auge zufliegt, so verursacht das einen äußeren Reiz; das Auge schließt sich. Schmerz ist damit nicht verbunden. Was ruft der Reiz hervor? Eine Bewegung. Das ist etwas Ähnliches, wie wenn Ihre Fußsohle berührt wird: Schmerz ist es nicht - dennoch zuckt der Fuß. Es gibt also auch solche Eindrücke auf den Menschen, die nicht von Schmerzen begleitet sind, die dennoch &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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aber herausfordern irgendein Geschehnis, eine Bewegung. Da weiß der Mensch nicht - weil er nicht bis in diesen tiefen Grad des Bewußtseins hinunterdringen kann -, wie so etwas zustande kommt, daß eine Bewegung folgt auf den Reiz. Wenn Sie Schmerz empfinden, und Sie weisen dadurch etwas zurück, so ist es der Schmerz, der Sie aufmerksam gemacht hat auf das, was Sie dann zurückweisen. Es kann aber etwas auftreten, was Sie zu einer inneren Bewegung drängt, zu einer Reflexbewegung. Da dringt das Bewußtsein nicht bis zu dem Grade hinunter, wo der Reiz in Bewegung umgesetzt wird. Da haben Sie einen solchen Bewußtseinsgrad, der nicht in Ihre astralischen Erlebnisse hineinkommt, der bewußt nicht erlebt wird, der in einer Art von Schlafbewußtseinssphäre verläuft, der aber darum doch nicht so ist, daß er nicht zu Geschehnissen führen könnte. Wenn ein solches tieferes Eindringen des Ätherleibes in den physischen Leib stattfindet, so ist dies das Hervorbringen eines Bewußtseins, das nicht ein Schmerzbewußtsein ist, weil sich der astralische Leib nicht daran beteiligt, sondern das so dumpf ist, daß es der Mensch nicht wahrnimmt. Damit ist aber nicht gesagt, daß der Mensch in diesem Bewußtsein keine Handlungen ausführen kann, nicht etwas tun könnte, was der ganzen Sachlage entspräche. Der Mensch führt ja auch sonst Handlungen aus, bei denen sein Bewußtsein nicht dabei ist. Sie brauchen nur daran zu denken, wo das gewöhnliche Tagesbewußtsein ausgelöscht ist und der Mensch als Nachtwandler alle möglichen Handlungen ausführt. Da ist nicht etwa gar kein Bewußtsein vorhanden, sondern es ist ein solches Bewußtsein daran beteiligt, das der Mensch nicht miterleben kann, weil er nur die zwei höchsten Bewußtseinsformen erleben kann: das astralische Bewußtsein als Lust und Leid und dergleichen und das Ich-Bewußtsein als Urteil und als gewöhnliches Tagesbewußtsein. Deshalb ist aber die Sache doch nicht so, daß der Mensch aus diesem Schlafbewußtsein heraus nicht handeln könnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun haben wir also auch ein solches tiefes Bewußtsein, das der Mensch nicht mehr erreichen kann, wenn der Ätherleib hinuntersteigt in den physischen Leib. Nehmen wir an, er will aber doch etwas tun, wovon er im normalen Leben nichts wissen kann, was irgendwie mit der Sachlage zusammenhängt, dann wird er das tun, ohne daß er davon &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
etwas weiß. In ihm wird etwas, wird die Sache selbst das tun, ohne daß er selber davon weiß. - Betrachten wir jetzt einen Menschen, der durch irgendwelche Vorkommnisse in einem früheren Leben Ursachen in sich gelegt hat, welche in der Zeit zwischen Tod und neuer Geburt hinunterwirken bis dahin, wo sie zu einem tieferen Eindringen des Ätherleibes in den physischen Leib führen. Dann werden daraus Handlungen hervorgehen, welche zum Auswirken von tieferliegenden Krankheits prozessen führen. Da wird der Mensch dazu gedrängt werden können, äußere Veranlassungen zu Krankheiten geradezu aufzusuchen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es kann sonderbar erscheinen, daß das nicht klar erscheint für das gewöhnliche Ich-Bewußtsein. Der Mensch würde es aber aus seinem gewöhnlichen Ich-Bewußtsein heraus auch nie tun. Er wird sich nie aus seinem gewöhnlichen Ich-Bewußtsein heraus befehlen, in einen Herd von Bazillen einzudringen. Nehmen wir aber an, jenes dumpfe Bewußt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
seIn findet, daß es nötig ist, daß eine äußere Schädigung eintrete und daß sich das abspielen kann, was wir gestern genannt haben den ganzen Sinn des Krankseins. Dann sucht dieses Bewußtsein&amp;gt; das in den physischen Leib hineindringt, die Krankheitsursache auf. Es ist das eigene Wesen des Menschen, das die Krankheitsursache aufsucht, um das zu erreichen, was wir gestern den Krankheitsprozeß genannt haben. So werden Sie aus dem tieferen Wesen der Krankheit heraus begreifen, daß selbst dann, wenn noch keine Schmerzen auftreten, noch immer Gegenwirkungen auftreten können. Und auch wenn Schmerzen sich zeigen, kann noch immer, wenn nur der Ätherleib zu stark eindringt in den physischen Leib, dasjenige eintreten, was man nennen kann das Suchen von äußeren Krankheitsursachen durch tiefergelegene Schichten des menschlichen Bewußtseins selbst. So grotesk es klingt, so ist es doch richtig: Wir suchen uns, ebenso wie unsere vererbten Merkmale, mit einem andern Bewußtseinsgrade unsere äußeren Krankheitsursachen, wenn wir sie brauchen. Das eben Gesagte gilt aber wieder nur in den Grenzen dessen, wie es heute dargestellt ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heute hat es sich vorzugsweise darum gehandelt, gerade klarzulegen, daß der Mensch imstande sein kann, ohne daß er es mit dem ihm bekannten Bewußtseinsgrade verfolgen kann, die Krankheit dadurch zu suchen, daß ein abnormer&amp;gt; tieferer Bewußtseinszustand hergestellt &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
wird. Darum handelte es sich: zu zeigen, daß wir es in der Krankheit zu tun haben mit einem Erwachen von Bewußtseinsstadien, welche wir als Menschen früher schon überwunden haben. Dadurch, daß wir in einem früheren Leben Fehler auf uns geladen haben, verursachen wir, daß wir tiefere Bewußtseinsgrade hervorbringen, als es uns sonst für unser jetziges Leben geziemte. Und was wir aus den Antrieben dieser Bewußtseinsgrade tun, das beeinflußt den Verlauf des Krankheitsprozesses wie auch den Prozeß, der überhaupt erst zur Krankheit führt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da sehen wir, daß in den abnormen Zuständen alte Bewußtseinsstufen heraufsteigen, welche der Mensch längst überwunden hat. Wenn Sie nur ein wenig die Tatsachen des gewöhnlichen Lebens betrachten, können Sie sich schon ein wenig verdeutlichen, was heute gesagt worden ist. Es ist ja so, daß der Mensch durch seine Schmerzen gewissermaßen tiefer hinuntersteigt in sein Wesen. Sie kennen ja den Ausspruch, daß er dann erst weiß, daß er ein Organ hat, wenn es angefangen hat, ihn zu schmerzen. Das ist ein populärer Ausspruch; aber er ist nicht so ganz dumm. Warum weiß der Mensch im normalen Bewußtsein davon nichts? Weil sein Bewußtsein im normalen Falle so weit schläft, daß es nicht intensiv genug untertaucht in den astralischen Leib. Taucht es aber unter, dann entsteht Schmerz, und durch den Schmerz erfährt der Mensch, daß er das betreffende Organ hat. In gar manchen Aussprüchen des gewöhnlichen Lebens liegt etwas durchaus Wahres, weil sie Erbstücke sind aus den früheren Bewußtseinsstadien, in welchen der Mensch, als er i« die geistige Welt hineingesehen hat, noch vieles gewußt hat von dem, was wir heute mühselig wieder heraufholen müssen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn Sie begreifen, daß der Mensch tiefere Schichten des Bewußtseins erleben kann, dann werden Sie auch die Möglichkeit haben, zu begreifen, daß nicht nur äußere Krankheitsursachen, sondern auch äußere Schicksalsschläge vom Menschen aufgesucht werden können, welche sich der Mensch nicht als vernünftig auslegen kann, aber deren Vernunft so wirkt, daß auf tiefere Schichten des Bewußtseins gewirkt wird. - So kann es auch wohl denkbar erscheinen, daß sich der Mensch bei gewöhnlicher Überlegung nicht gerade dorthin stellen wird, wo ihn ein Blitz treffen kann. Mit dem Oberbewußtsein wird er das vermeiden. Aber es könnte in ihm ein Bewußtsein tätig sein, das viel tiefer liegt als &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|131}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
das Oberbewußtsein und das ihn gerade an die Stelle hinführt, wo ihn der Blitz treffen kann, unter einer Voraussicht, welche das Ober bewußtsein nicht hat, ein Bewußtsein, das also will, daß der Blitz ihn trifft, so daß der Mensch den Unfall geradezu aufsucht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daß durch karmische Wirkungen Unglücksfälle aufgesucht werden oder auch äußere Krankheitsursachen, das haben wir heute der Möglichkeit nach erst begriffen. Wie das im einzelnen geschieht, wie die Kräfte im Menschen wirken, welche in tieferen Bewußtseinsschichten sind, und wie es damit steht, ob unser Oberbewußtsein solche Unglücksfälle vermeiden darf, das ist wieder eine Frage, die uns auch noch beschäftigen wird. Wie wir verstehen können, daß, wenn der Mensch in eine Gegend geht, wo eine Infektion auf ihn ausgeübt werden kann, da ein Bewußtseinsgrad wirkt, der ihn dorthin getrieben hat, so müssen wir auch verstehen können, wie es sich damit verhält, daß der Mensch Einrichtungen trifft, damit solche Infektionen immer weniger wirken können, daß wir also durch hygienische Maßregeln durch das Oberbewußtsein die Dinge wieder abwenden können. Wir können auch begreifen die Möglichkeit, durch das Oberbewußtsein diese Wirkung abzulenken, und müssen sagen, daß es etwas höchst Unvernünftiges wäre, daß das Unterbewußtsein Krankheitskeime aufsuchen kann, wenn nicht auch auf der andern Seite Krankheitsursachen durch das Oberbewußtsein vermieden werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir werden sehen, daß es «vernünftig» ist, Krankheitskeime aufzusuchen, und daß es auch «vernünftig&amp;gt; ist, von dem Oberbewußtsein aus hygienische Maßregeln zu ergreifen gegen das Eindringen von Infektionsstoffen, um dadurch Krankheitsursachen zu verhindern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
= SIEBENTER VORTRAG Hamburg, 22. Mai 1910 =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie haben in diesen Vorträgen schon gesehen, daß wir uns unserem Ziele stückweise nähern, indem wir aber auch mit jedem Stück, das wir weiterschreiten, tiefer in die Sache einzudringen versuchen. Wir haben zuletzt gesprochen über das Wesen von Schmerzen, die mit einem Krankheitsverlauf verbunden sind; wir haben aber auch darauf aufmerksam gemacht, wie in andern Fällen der Krankheitsverlauf - in gewisser Beziehung wenigstens - sich abspielen kann, ohne daß er begleitet ist von Schmerzerlebnissen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun müssen wir auf das Wesen des Schmerzes noch etwas genauer eingehen. Wir müssen uns noch einmal vor Augen halten, daß Schmerz eintreten kann als eine neben der Erkrankung einherlaufende Erscheinung. Denn das mußten wir ja schon aus der vorigen Betrachtung entnehmen, daß wir Krankheit und Schmerz als etwas Zusammengehöriges nicht betrachten dürfen. Wir müssen uns gegenwärtig halten, daß, wenn mit einer Krankheit Schmerz verknüpft ist, noch etwas anderes dabei im Spiele sein muß als das bloße Erkranktsein. Nun haben wir bereits darauf aufmerksam gemacht, daß bei jenem Vorgang, der beim Übergang von einer Inkarnation in die andere sich abspielt, wo Erlebnisse früherer Inkarnationen in Krankheitsursachen umgewandelt werden, daß da auf der einen Seite das luziferische Prinzip und auf der andern Seite das ahrimanische Prinzip mit hineinspielt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wodurch legt sich denn eigentlich der Mensch den Grund zu Krankheitsprozessen? Warum nimmt er in sich die Tendenz auf, krank zu sein? Was führt ihn dazu, zwischen Tod und neuer Geburt - wir haben ja charakterisiert, wie das die Zeit ist, welche die die Krankheit bewirkenden Kräfte zusammenbringt - solche Kräfte vorzubereiten, welche sich im nächsten Leben in der Krankheit ausleben? - Was den Menschen dazu bringt, ist, daß er auf der einen Seite verfallen kann der Versuchung der luziferischen Macht, und auf der andern Seite der Versuchung der ahrimanischen Macht. Wir wissen ja auch schon, was es heißt: Verfallen der luziferischen Macht. - Alles, was in uns wirkt als &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Begierde, als Eigenschaft der Selbstsucht, des Ehrgeizes, des Hochmutes, der Eitelkeit&amp;gt; alle Eigenschaften, welche zusammenhängen mit einer Art Aufspreizung unseres Ich, sich besonders geltend zu machen, das alles hängt zusammen mit der Versuchung der luziferischen Mächte in uns. Verfallen wir mit andern Worten den Kräften, die in unserem astralischen Leibe wirken und die sich darin ausdrücken, daß wir ego istische Begierden und Leidenschaften haben, dann begehen wir in der entsprechenden Inkarnation Handlungen, zu denen die Verführung von Luzifer, ausgegangen ist. Und wir sehen dann das Resultat solcher von Luzifer beeinflußter Handlungen in der Zeit vom Tode bis zur neuen Geburt und nehmen da in uns die Tendenz auf&amp;gt; uns so zu inkarnieren, daß wir einen Krankheitsprozeß durchmachen, der dazu beitragen kann, wenn wir ihn überwinden, uns aus den Fangarmen dieser luziferischen Mächte wieder zu befreien. Würden also die luziferischen Mächte überhaupt nicht da sein, so würden wir nicht den Versuchungen verfallen können, welche uns dazu bringen, solche Kräfte in uns aufzunehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn nun nichts anderes bestünde im Leben als einzig und allein das, was Luzifer in uns bewirkt, daß wir diese oder jene egoistischen Triebe und Leidenschaften entfalten, dann würden wir eigentlich niemals von den luziferischenVersuchungen loskommen können im Leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir würden sie auch nicht durch die aufeinanderfolgenden Inkarnationen losbekommen können, denn wir würden ihnen immer wieder von neuem verfallen. Wenn wir zum Beispiel einfach in der Erdentwickelung uns selber überlassen worden wären und der luziferische Einfluß doch dagewesen wäre, so würden wir in einer Inkarnation die Versuchungen der luziferischen Mächte haben, würden dann nach dem Tode wahrnehmen, wozu sie uns gebracht haben, würden herbeiführen einen Erkrankungsprozeß; aber wenn wirklich nichts anderes mit ins Spiel käme, würde uns dieser Krankheitsprozeß in dem Leben, wo er sich auslebt, zu keiner besonderen Besserung führen. Er führt uns nur dadurch zu einer Besserung, daß von denjenigen Mächten, deren Gegner Luzifer ist, nun etwas hinzugefügt wird zu dem ganzen Prozeß.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also wenn wir auf der einen Seite den luziferischen Mächten verfallen, stellen sich gleich als eine Gegenwirkung die Mächte ein, deren Gegner &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
die luziferischen Mächte sind, und diese versuchen nun eine Gegenkraft zu entfalten, wodurch der luziferische Einfluß wirklich aus uns ausgetrieben werden kann. Und diese Mächte, deren Gegner also die luziferischen Mächte sind, fügen hinzu zu dem Prozeß, der unter dem Einfluß Luzifers verursacht wird, den Schmerz. So müssen wir den Schmerz als etwas ansehen, was - wenn wir die luziferischen Mächte die bösen Mächte nennen - uns von den guten Mächten zugefügt wird, damit wir gerade durch den Schmerz uns den Fangarmen der bösen Mächte entreißen können und ihnen nicht mehr verfallen. Würde bei dem Krankheitsprozeß, der sich ergibt als eine Folge des Verfallenseins an die luziferischen Mächte, nicht Schmerz eintreten, so würden wir an uns die Erfahrung machen: Es ist ja gar nicht so schlimm, den luziferischen Mächten zu verfallen! - Und wir würden nichts haben in uns, was uns dahin bringen würde, unsere Kräfte anzuwenden, um uns den luziferischen Mächten zu entreißen. Der Schmerz, der das Bewußtwerden des unrichtig wachenden astralischen Leibes ist, er ist zugleich auch das, was uns davon abbringen kann, den luziferischen Mächten auf diesem Gebiet, wo wir ihnen schon verfallen sind, immer weiter zu verfallen. So wird der Schmerz in bezug auf die Versuchungen der luziferischen Mächte unser Erzieher.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sagen Sie nun nicht: Wie kann der Schmerz unser Erzieher sein, wenn wir in uns den Schmerz nur empfinden und seiner wohltätigen Kraft gar nicht gewahr werden? Daß wir seiner wohltätigen Kraft nicht gewahr werden, ist nur eine Folge unseres Ich-Bewußtseins. In dem Bewußtsein&amp;gt; das ich als unter dem Ich-Bewußtsein liegend geschildert habe, spielt sich schon der Prozeß ab, wenn auch der Mensch mit dem Tagesbewußtsein nichts davon weiß: Jetzt erfahre ich Schmerz, und der ist die Folge der durch die guten Mächte mir gegebenen Beigabe zu meinen Verfehlungen! - Das ist im Unterbewußtsein eine Kraft, welche so recht als eine karmische Erfüllung, als ein Impuls wirkt, nicht mehr den Handlungen, Trieben und Begierden, die gerade diese Krankheit hervorgerufen haben, zu verfallen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So sehen wir, wie Karma wirkt,~wie wir den luziferischen Mächten verfallen und wie uns die luziferischen Mächte eine solche Krankheit bringen, die herbeigeführt wird in einer nächsten Inkarnation; und &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
wir sehen, wie wohltätige Mächte uns den Schmerz hinzufügen zu der bloßen Schädigung unserer Organe, damit wir an dem Schmerz ein unter der Oberfläche unseres Bewußtseins liegendes Erziehungsmittel haben. Deshalb können wir sagen: Überall, wo bei einer Krankheit Schmerz auftritt, da ist es eine luziferische Macht, welche diese Krankheit bewirkt hat. Es ist der Schmerz geradezu ein Kennzeichen dafür, daß wir es zu tun haben mit dem Zugrundeliegen von luziferischer Macht. - Menschen, die gerne einteilen, werden ein Bedürfnis danach haben, nun überhaupt zu unterscheiden solche Krankheiten, die rein auf luziferischem Einfluß beruhen, und solche, die rein auf ahrimanischen Einfluß zurückzuführen sind; denn bei allen theoretischen Beschäftigungen ist ja das Einteilen, das Schemenmachen das Allerbequemste, und man glaubt, dadurch sehr viel begriffen zu haben. Aber in Wirklichkeit benehmen sich die Dinge nicht so, daß man sie mit diesen bequemen Mitteln erfassen kann. Da kreuzen sie sich fortwährend und laufen ineinander. Und wir werden auch leicht begreifen können, wenn ein wirklicher Krankheitsprozeß vorliegt, daß ein Teil zurückgeführt werden kann auf luziferischen Einfluß, also auf Dinge, welche mehr in den Eigenschaften unseres astralischen Leibes zu suchen sind, und ein an- derer Teil auch zugleich auf Dinge, die in dem ahrimanischen Einfluß zu suchen sind. So darf auch niemand glauben, wenn ihm irgend etwas wehtut, das sei nur auf luziferischen Einfluß zurückzuführen. Daß er Schmerzen hat, das zeigt ihm denjenigen Teil der Krankheit, der auf luziferischen Einfluß zurückzuführen ist. Aber wir werden das noch leichter verstehen, wenn wir uns fragen: Woher kommt denn der ahrimanische Einfluß?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dem ahrimanischen Einfluß wären die Menschen überhaupt nicht verfallen, wenn sie nicht zuerst dem luziferischen Einfluß verfallen wären. Dadurch, daß die Menschen den luziferischen Einfluß in sich aufnahmen,kam eine solcheVerbindung der vier menschlichen Glieder: physischer Leib, Ätherleib, astralischer Leib und Ich zustande, wie sie nicht zustande gekommen wäre, wenn Luzifer nicht gewirkt hätte und wenn nur die Mächte gewirkt hätten, deren Gegner Luzifer ist. Dann hätte sich der Mensch anders entwickelt. Also hat in bezug auf das menschliche Innere das luziferische Prinzip eine Störung hervorgerufen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Aber es hängt vom menschlichen Inneren ab, wie der Mensch die Außenwelt an sich herantreten läßt. Und gerade so, wie Sie mit einem Auge, in welchem etwas zerstört ist, wegen des inneren Fehlers die Außenwelt nicht richtig sehen, so bekommt der Mensch die Außenwelt durch den luziferischen Einfluß überhaupt nicht so zu sehen, wie sie ist. Und weil ein Grund gegeben war für den Menschen, die Außenwelt nicht so zu sehen, wie sie ist, so konnte sich in das nicht richtige Bild der Außenwelt der ahrimanische Einfluß hineindrängen, so daß das Herankommen Ahrimans an den Menschen nur dadurch hat geschehen können, daß erst der luziferische Einfluß gewirkt hatte. Der ahrimanische Einfiuß bewirkte, daß der Mensch nicht nur den egoistischen Leidenschaften, Trieben, Begierden, der Eitelkeit, dem Hochmut und so weiter verfallen kann, sondern daß jetzt in einem menschlichen Organismus, wo der Egoismus in solcher Weise wirkte, sich Organe aus- bildeten, welche die Außenwelt schief und unrichtig sehen mußten. Dadurch konnte sich in die unrichtigen Bilder der Außenwelt Ahriman mischen. Es kam Ahriman heran, und dadurch war der Mensch dem anderen Einflusse ausgesetzt, so daß er nicht nur den inneren Verlockungen verfallen kann, sondern auch in Irrtum und - bei der Beurteilung der Außenwelt und bei seinen Aussagen über die Außenwelt - in Lüge verfallen kann. So ist Ahriman zwar von außen wirkend, aber wir haben ihm erst die Möglichkeit gegeben, daß er an uns herankommen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So also stehen ahrimanischer und luziferischer Einfluß eigentlich nie für sich allein. Sie wirken immer aufeinander, halten sich in gewisser Weise das Gleichgewicht. Von innen drängt Luzifer heraus, von außen wirkt Ahriman herein, und dazwischen bildet sich das Weltenbild. Wenn in irgendeiner Inkarnation das Innere des Menschen stärker wird, wenn er mehr den inneren Einflüssen ausgesetzt ist, dann wird er für die Dinge, wo das Innere so wirkt, daß der Mensch mehr erfaßt wird von Hochmut, Eitelkeit und so weiter, sich mehr dem luziferischen Einfluß hingeben. In einer Inkarnation, wo der Mensch weniger durch sein Gesamtkarma dazu gestimmt ist, den inneren Einflüssen nachzugeben, wird er leichter den Irrtümern und den Verführungen des Ahriman verfallen können. So ist es in der Tat in unserem Leben. Wie wir &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
täglich durch das Leben gehen, fallen wir bald mehr den Verlockungen des Luzifer, bald mehr den Verlockungen des Ahriman zum Opfer. Und wir pendeln hin und her zwischen diesen beiden, die uns auf der einen Seite dazu führen, uns in unserem Inneren aufzublähen, auf der andern Seite dazu, uns über die äußere Welt Illusionen vorzumachen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es darf an dieser Stelle erwähnt werden - weil es außerordentlich wichtig ist -&amp;gt; daß den Verlockungen von beiden Seiten insbesondere derjenige Widerstand leisten muß, welcher versucht, eine höhere Entwickelung anzustreben und in die geistige Welt einzudringen, sei esdadurch, daß er hinter die Erscheinungen der Außenwelt bis in das Geistige eindringen will oder daß er in das eigene Innere mystisch hinuntersteigen will. Beim Eindringen in die geistige Außenwelt, die hinter der physischen Welt liegt, steht immer das, was Ahriman an täuschenden Bildern vorgaukelt; wenn der Mensch mystisch hinuntersteigen will in die eigene Seele, sind immer die Verlockungen Luzifers in besonderem Maße möglich. Wenn der Mensch Mystiker wird und mit Glück hinunterstrebt, ohne daß er vorher darauf gesehen hat, durch seine Charakterbildung Gegenmittel zu ergreifen gegen Hochmut, Eitelkeit und dergleichen, wenn es ihm gelingt, als Mystiker zu leben, aber ohne besondere moralische Kultur, dann kann er um so mehr den Verlockungen Luzifers verfallen, der von innen herauf in die Seele hinein- wirkt. Wenn daher der Mystiker nicht sehr gesehen hat auf seine moralische Kultur, dann kann er, wenn es ihm gelingt, ein wenig hineinzudringen in sein Inneres, in die große Gefahr kommen, daß er noch stärker, als das bisher der Fall war, die rückschlagende Kraft des luziferischen Einflusses aufruft und daß er noch eitler und hochmütiger wird als vorher. Deshalb ist es so notwendig, daß man vorher durch Charakterbildung dafür sorgt, daß man gegen die in allen Fällen an uns herantretenden Verlockungen der Eitelkeit, des Größenwahnes, des Hochmutes ein Gegenmittel hat. Und wir können nicht genug darin tun, uns gerade diejenigen Eigenschaften anzueignen, welche zur Bescheidenheit und zur Demut führen. Das ist im eminenten Maße notwendig für die Seite unserer höheren Entwickelung, die wir die mysti sche nennen. Auf der andern Seite ist es notwendig, daß sich der Mensch auch gegen die Wahngebilde des Ahriman schützt, wenn er versucht, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
durch eine Entwickelung, die hinter die Erscheinungen der Außenwelt führt, bis zu den geistigen Urgründen der Dinge zu kommen. Wenn er da nicht versucht, eine Charakterbildung zu erlangen, welche ihn innerlich stark und kräftig macht, die ihn fest gebaut sein läßt auf sein Inneres, dann wird es sehr leicht vorkommen können, daß der betreffende Mensch - und zwar gerade, wenn er Glück hat mit dem Hinausgehen in die geistige Welt - dem Ahriman verfällt, daß Ahriman ihm vorgaukelt Illusion über Illusion, Halluzination über Halluzination.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man kommt häufig in den Fall, daß einen die Menschen in gewisser Beziehung «beim Wort nehmen». Weil so oft betont wird, daß die höhere Entwickelung, die hinter die Erscheinungen der Außenwelt kommen will, verknüpft sein muß mit vollem Bewußtsein, kommt es vor, daß einem die Leute immer wieder halb somnambule Personen bringen, welche versichern: Ja, da nehme ich die geistige Welt wahr, und zwar bei vollem Bewußtsein! - Da kann man immer nur sagen: Wenn du nur nicht bei Bewußtsein sein möchtest; das wäre viel gescheiter! - Denn über dieses «Bewußtsein» täuschen sich die Leute. Es ist ein bloßes Bilderbewußtsein, ein astralisches Bewußtsein; denn wenn diese Personen nicht in einem unterbewußten Grade bewußt wären, würden sie das ja nicht wahrnehmen. Aber darum handelt es sich, daß man, wenn man in die geistige Welt hineingeht, sein Ich-Bewußtsein zusammenhält. An das Ich-Bewußtsein aber ist gebunden Urteilskraft und ein deutliches Unterscheidungsvermögen! Das haben dann die Menschen nicht für die Gestalten, welche sie in der geistigen Welt sehen. Daß sie ein Bewußtsein haben, ist nicht weiter wunderbar; aber jenes Bewußtsein, das mit der Kultur unseres Ich verknüpft ist, das müssen wir haben. Daher wird nicht etwa betont bei einer Entwickelung zum Schauen der höheren Welten, daß die Menschen so schnell wie möglich hineinkommen in eine höhere Welt und allerlei Gestalten sehen oder vielleicht auch allerlei Stimmen hören, sondern es wird betont, daß das Hineingehen in die geistige Welt von Glück und von Vorteil nur dann sein kann, wenn man das Bewußtsein und das Unterscheidungsvermögen und die Urteilskraft schärft. Und das kann nicht besser geschehen als durch das Studium der geisteswissenschaftlichen Wahrheiten. Daher wird betont, daß das Sich-Befassen mit geisteswissenschaftlichen Wahr- &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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heiten ein Schutz ist gegen das vermeintliche Sehen von allerlei Gestalten, über das keine Urteilskraft sich ausbreiten kann. Wer wirklich geschult ist in dieser Weise, der wird nicht jede beliebige Erscheinung für dies oder jenes halten, sondern er wird vor allen Dingen unterscheiden können zwischen Realität und Nebelbild, und er wird sich vor allen Dingen auch klar sein, daß man namentlich auch mit den Dingen, welche als Gehörswahrnehmungen auftreten, besonders vorsichtig sein muß, weil nie eine Gehörswahrnehmung eine richtige sein kann, wenn der Betreffende nicht durchgegangen ist durch die Sphäre der absoluten Ruhe. Und wer nicht zuerst die absolute Stille und Lautlosigkeit der geistigen Welt erfahren hat, der kann sich ganz gewiß sagen, daß es Trugbilder sind, die er wahrnimmt, und wenn sie ihm etwas noch so Gescheites sagen. Nur wer sich Mühe gegeben hat, seine Urteilskraft zu schärfen gerade dadurch, daß er zu begreifen versucht die Wahrheiten der höheren Welten, nur der kann sich gegen Trugbilder schützen. Die Mittel der äußeren Wissenschaft reichen dazu nicht aus. Die äußere Wissenschaft gibt keine so scharfe, stärkende Urteilskraft, wie sie notwendig ist, um in einer geistigen Welt wirklich zu unterscheiden. Darum kann man wirklich sagen: Wenn Leute etwas mitteilen aus höheren Welten, die nicht vorher sorgfältig darauf geachtet haben, ihre Urteils- kraft zu schärfen - was besonders durch das Studium der Geisteswissenschaft möglich ist -, dann sind solche Mitteilungen immer im höchsten Grade anfechtbar, und sie müßten mindestens immer erst kontrolliert werden durch diejenigen Methoden, die unter der Voraussetzung der wirklichen Schulung errungen sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt nur eine Macht, vor der sich Luzifer zurückzieht: das ist die Moralität. Das ist etwas, was den Luzifer brennt wie das furchtbarste Feuer. Und es gibt kein anderes Mittel, welches dem Ahriman entgegenwlrkt, als an der Geisteswissenschaft geschulte Urteilskraft und Unterscheidungsvermögen. Denn was wir uns auf der Erde als gesunde Urteilskraft aneignen, das ist etwas, was Ahriman furchtbar flieht. Er hat im Grunde vor nichts einen so großen Widerwillen als vor dem, was wir uns durch eine gesunde Schulung unseres Ich-Bewußtseins erringen. Denn wir werden sehen, daß Ahriman einer ganz andern Region angehört, die weit entfernt ist von dem, was wir als unsere gesunde Urteilskraft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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entwickeln. Im Augenblick, wo Ahriman mit dem zusammen- trifft, was wir uns im Erdendasein als gesunde Urteilskraft errungen haben, bekommt er einen furchtbaren Schreck, denn das ist etwas ganz Unbekanntes für ihn, davor hat er eine große Furcht. Je mehr wir uns daher bemühen, das auszubilden, was im Leben zwischen Geburt und Tod an gesunderUrteilskraft gegeben werden kann, desto mehr arbeiten wir Ahriman entgegen. Das zeigt sich besonders bei allerlei Persönlichkeiten, welche einem gebracht werden und die dann «das Blaue vom Himmel herunter» von all den geistigen Welten erzählen, die sie da gesehen haben. Und wenn man dann den allergeringsten Versuch macht, diesen Persönlichkeiten etwas klarzumachen, ihnen Verständnis und Unterscheidungsvermögen beizubringen, dann hat sie Ahriman gewöhnlich so sehr in der Gewalt, daß sie kaum darauf eingehen können; und das wird um so stärker, je mehr sich die Verlockungen Ahrimans nach der akustischen Seite hin ausdrücken. Gegen das, was sich in visionären Bildern zeigt&amp;gt; gibt es noch mehr Mittel als gegen das, was akustisch sich zeigt, wie gehörte Stimmen und so weiter. Solche Leute haben eine große Abneigung, etwas zu lernen, was für das Ich-Bewußtsein zwischen Geburt und Tod errungen werden muß. Sie mögen es nicht. Aber sie selber sind das nicht, die das nicht mögen. Es sind die ahrimanischen Mächte, welche sie davon wegzerren. Wenn man einen solchen Menschen dann aber so weit bringt, gesunde Urteilskraft zu entwickeln, und er darauf eingeht, Belehrungen anzunehmen, dann zeigt sich sehr bald folgendes. Dann hören die Stimmen und die Halluzinationen auf, weil sie vorher nur ahrimanische Nebelbilder waren und weil Ahriman eine furchtbare Angst bekommt, sobald er verspürI: Da, vom Menschen her, kommt eine gesunde Uiteilskraft!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So ist in der Tat das beste Mittel gegen diese den Menschen besonders schädigenden Erkrankungen des durch Ahriman bewirkten Sehens und halluzinatorischen Hörens dies: den Menschen mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln dazu zu bringen, sich eine gesunde und vernünftige Urteilskraft zu erringen. Das ist für manche Persönlichkeiten außerordentlich schwierig. Denn sie sind in dem Falle, daß es die andere Macht ihnen sehr bequem macht, diese andere Macht leitet sie. Wer aber diese Macht austreiben will, kann es sich nicht so bequem machen. Bei &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
solchen Persönlichkeiten kommt man dann recht schwer an, denn sie behaupten, man hätte ihnen das genommen, was sie früher in die geistige Welt hinaufgeführt hat, während man sie in Wahrheit gesund gemacht hat und davor bewahrt hat, daß diese Mächte immer mehr und mehr Gewalt über sie bekommen!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir sehen also, wovor die luziferischen und ahrimanischen Mächte einen recht großen Widerwillen haben. Demut, Bescheidenheit beim Menschen, sich nicht für mehr halten, als wozu ein gesundes Urteil berechtigt, das ist etwas, was dem Luzifer gar nicht gefällt. Dagegen ist er da wie die Fliegen in einer unreinen Stube, wenn irgendwo die Eigen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
schaften des Ehrgeizes, der Eitelkeit heraus wollen. Alles dies und besonders die Dinge, welche auf falschen Vorstellungen über sich selbst beruhen, wirken nun wieder dahin, daß wir uns auch für Ahriman bereit machen. Gegen Ahriman schützt aber nichts mehr, als wenn wir uns wirklich im Leben Mühe geben, gesund zu denken, wie es uns das Leben zwischen Geburt und Tod lehrt. Und gerade diejenigen, welche auf dem Boden der Geisteswissenschaft stehen, haben alle Veranlassung, so intensiv, als es nur möglich ist, immer wieder zu betonen, daß es uns als Erdenmenschen nicht geziemt, zu übersehen, was uns gerade durch das Erdenleben gegeben werden soll. Die Menschen, welche es verschmähen, sich ein gesundes Urteil und vernünftiges Unterscheidungsvermögen anzueignen, und leicht ohne dieses hinauf wollen in eine geistige Welt, sie wollen sich im Grunde genommen dem Erdenleben entziehen. Sie wollen so hinschweben über das Erdenleben; sie finden, daß es eigentlich für sie eine viel zu geringe Beschäftigung ist, sich mit allerlei Dingen abzugeben, die zum Verständnis des Erdenlebens führen können. Sie halten sich für etwas Besseres. Gerade eine solche Empfindung ist aber ein neuer Grund zum Hochmut. Daher können wir es immer wieder sehen, daß Persönlichkeiten, die zur Schwärmerei neigen, zu einem Nicht-berührtsein-Wollen von den Erdendingen und dem Erdenleben, es ablehnen, zu lernen, «weil sie ja schon in allem darinnenstehen&amp;gt; und nicht Gemeinschaft machen wollen mit einer solchen Strömung wie der unserigen. Solche Menschen sagen: In die geistige Welt muß ja die Menschheit hinein!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gewiß, aber es gibt nur einen gesunden Paß da hinein, und das ist&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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die auf der Erde errungene Moralität im höheren Sinne, die uns nicht uns selbst überschätzen läßt, die uns nicht zu einem falschen Urteil über uns selbst führt, uns auch nicht abhängig sein läßt von unseren Trieben, Begierden und Leidenschaften; und auf der andern Seite ist es ein emsiges, gesundes Mitarbeiten mit den Verhältnissen des Erdenlebens, nicht ein Über-den-Verhältnissen-des-Erdenlebens-schweben-Wollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit haben wir aus den Tiefen des Karma etwas herausgeholt, was mit den Tiefen des geistigen Lebens zusammenhängt. Von großem Wert kann das sein. Aber nichts ist von Wert für die Entwickelung des Menschen und seiner Individualität, was ohne gesunde Vernunft aus der geistigen Welt herausgeholt wird; und von Wert ist auch das nicht, was ohne Moralität herausgeholt wird. Das kann man einsehen aus den Tatsachen, die das letzte Mal und heute dargestellt worden sind. Und wenn wir das einsehen, können wir uns sagen: Warum sollte der luziferische Einfluß, gerade weil er von früher her wirkt und sich umgewandelt hat in die Krankheit und ausgeglichen wird durch den Schmerz, warum sollte er nicht beim Menschen gleichsam nach sich ziehen den ahrimanischen Einfluß? Und warum sollte nicht bei dem, was uns Schmerz bereitet und uns den luziferischen Verlauf einer Krankheit anzeigt, mitspielen gerade als Folge des luziferischen Einflusses der ahrimanische Einfluß? Wie aber wirkt der ahrimanische Einfluß? Und wie wandeln sich die Verlockungen des Ahriman in Krankheitsursachen um? Wie tritt das auf in einer späteren Inkarnation?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was ahrimanischem Einfluß zuzuschreiben ist, das ist mittelbar doch auf Luzifer zurückzuführen; aber wenn der luziferische Einfluß so stark war, daß er den ahrimanischen Einfluß herausgefordert hat, dann ist der ahrimanische Einfluß der heimtückischere. Er liegt tiefer unten, nicht nur in den Verfehlungen des astralischen Leibes, sondern in den Verfehlungen des Ätherleibes. In einem Bewußtsein, das unter dem Schmerzbewußtsein liegt, tritt der ahrimanische Einfluß auf mit einer Schädigung, welche nicht von Schmerz begleitet zu werden braucht, mit einer solcben Schädigung, die in dem betreffenden Organe, wo sich die Schädigung ausdrückt, zu einem Unbrauchbarwerden dieses Organs führt. - Nehmen wir an, in einer Inkarnation hätte ein ahrimanischer Einfluß gewirkt und hätte das hervorgerufen, was eben ein ahrimani&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|143}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
scher Einfiuß hervorrufen kann. Der Mensch durchlebt nun die Zeit zwischen Tod und neuer Geburt - und tritt wieder auf in einer neuen Inkarnation. Dann zeigt sich, daß irgendein Organ ergriffen ist von der ahrimanischenWirkung, mit andern Worten: In diesem Organ sitzt der Ätherleib viel tiefer darinnen, als er darinsitzen sollte; das Organ ist viel stärker durchdrungen von dem Ätherleib, als es sein sollte. In solchem Falle wird der Mensch wegen des fehlerhaften Organs verleitet, sich nur noch mehr in den Irrtum - das, was Ahriman vollbringt in der Welt - zu verstricken. Mit dem Organ, welches dem ahrimanischen Einfluß seine Schädigung verdankt, in das sich so recht tief hineinversetzt hat der Atherleib, würde der Mensch, wenn er diesen ganzen Prozeß ausleben wollte, sich tiefer in das verstricken, was Ahriman bewirken kann: in die Maja. Da nun aber alles das, was die Außenwelt als Maja erzeugt, nicht mitgenommen werden kann in die geistige Welt, so entzieht sich uns die geistige Welt immer mehr. Denn dort gibt es nur Wahrheit, nicht Illusion! Je mehr wir also in die durch Ahriman bewirkte Illusion hineinverstrickt werden, desto mehr werden wir gerade dazu gedrängt, uns noch viel mehr in die sinnlich-äußere Welt, in die Illusion des Physisch-Sinnlichen hineinzuversetzen, als wir es ohne ein solches schadhaftes Organ tun würden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da aber tritt die gegensätzliche Wirkung ebenso auf, wie die gegensätzliche Wirkung im Schmerz bei dem luziferischen Einfluß auftritt. Da tritt die gegensätzliche Wirkung nun so auf, daß in dem Augenblick, wo die Gefahr vorhanden ist, daß wir uns zu sehr an die physisch- sinnliche Welt ketten und uns dadurch zu viel rauben von dem, was uns hinaufführen könnte in die geistige Welt, daß in diesem Augenblick das Organ zerstört wird, daß es entweder gelähmt oder zu schwach gemacht wird zum Wirken. Es tritt also ein Zerstörungsprozeß ein. - Sehen wir also, daß ein Organ zerstört wird, so müssen wir uns klar seIn, daß wir dies eigentlich wohltätigen Mächten verdanken müssen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
das Organ wird uns genommen, damit wir wieder den Rückweg finden in die geistige Welt. So ist es in der Tat, daß uns - wenn es nicht anders geht - durch gewisse Mächte Organe zerstört werden oder daß wir mit kranken Organen ausgerüstet werden, damit wir nicht zu tief in die Illusion hineingestoßen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Wenn also jemand zum Beispiel eine Leberkrankheit hat, die als solche nicht von schmerzlichen Erlebnissen begleitet ist, so haben wir es zu tun mit der Wirkung eines vorhergehenden ahrimanischen Einflusses, der dazu geführt hat, der Leber die betreffende Schädigung zuzufügen, weil wir sonst durch die Kräfte, welche verbunden sind mit dem Tieferhineingehen des Ätherleibes, zu sehr in Maja hineingeführt würden, wenn uns dieses Organ nicht genommen würde. Sagen und Mythen haben immer die tiefste Weisheit gewußt und haben sie in sich ausgedrückt. Gerade die Leber ist ein gutes Beispiel dafür. Denn sie ist ein Organ, das am leichtesten für das Hineingleiten des Menschen in die physisch-illusorische Welt wirksam sein kann. Und die Leber ist zugleich das Organ, das uns eigentlich an die Erde kettet. Mit dieser Wahrheit hängt zusammen, daß bei derjenigen Wesenheit, welche den Menschen der Sage nach die Kraft gebracht hat, die sie in das Erdenleben hineinführen und dort recht wirksam machen soll - nämlich bei Prometheus -, gerade an der Leber ein Geier nagt. Ein Geier nagt an der Leber, nicht etwa darum, weil das dem Prometheus einen besonders tiefen Schmerz verursachen soll; denn in diesem Falle würde die Sage nicht stimmen mit den wirklichen Tatsachen. Aber Sagen stimmen immer überein mit den physiologischen Tatsachen! Der Geier nagt an der Leber, weil es nicht wehtut! Denn es sollte darauf hingewiesen werden, daß Prometheus der Menschheit etwas brachte, was sie tiefer hineinverstricken könnte in das Ahrimanische,wenn nicht die gegenteilige, ausgleichende Wirkung geschehen könnte. Okkulte Urkunden sind Immer im Einklang mit den Wahrheiten, welche wir in der Geisteswissenschaft verkünden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich habe Ihnen heute rein aus der Sache heraus gezeigt, daß es die guten Mächte sind, welche über den Menschen den Schmerz verhängen gegenüber dem Einfluß Luzifers. Bringen Sie das einmal in Zusammenhang mit der Urkunde des AltenTestamentes. Als der Einfluß des Luzifer geschehen war, wie er uns symbolisiert wird durch die Schl,ange, welche die Eva verführt, mußte also von den Gegnern des Luzifer gerade über das, wozu Luzifer die Menschen bringen wollte, der Schmerz verhängt werden. Es mußte die Macht, deren Gegner Luzifer ist, jetzt kommen und davon sprechen, daß von nun an Schmerz über die Menschheit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|145}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gebracht wird. Das tut Jahve oder Jehovah, indem er sagt: «Unter Schmerzen sollst du Kinder gebären!»&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Dinge in den okkulten Urkunden weiß man in der Regel nicht zu deuten, solange man die geisteswissenschaftlichen Erklärungen als solche noch nicht hat. Nachher kommt man dann darauf, wie tief diese Urkunden sind. Daher können Sie auch von mir nicht verlangen, daß ich Ihnen aus dem Nichts heraus - ohne die entsprechenden Voraus setzungen - die Dinge ohne weiteres erklären kann. Damit es überhaupt möglich ist, über die Stelle zu sprechen: «Unter Schmerzen sollst du Kinder gebären!», müssen vorausgehen die Betrachtungen über das Karma; denn erst an der betreffenden Stelle kann man die Erklärung darüber einfügen. Daher nutzt es auch nicht viel, wenn man dieses oder jenes erklärt haben will aus den okkulten Urkunden, bevor man die betreffende Stelle in der okkulten Entwickelung erreicht hat. Und es ist immer eine mißliche Sache, zu fragen: Was bedeutet dies? Was bedeutet jenes? - Der Mensch muß immer warten und Geduld haben, bis die betreffende Stelle herangekommen ist; mit den Erklärungen allein würde man nichts erreichen. So sehen wir in unser Leben hineinwirken auf der einen Seite die iuziferischen Mächte, auf der andern Seite diejenigen Mächte, deren Gegner Luzifer ist. Dann wirken die ahrimanischen Mächte in unser Leben hinein, und wir müssen uns klarmachen, daß die Mächte, welche uns Organe unbrauchbar machen, wenn wir dem ahrimanischen Einfluß verfallen, zu den guten Mächten zu rechnen sind, deren Gegner eben Ahriman ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn Sie Ihren Ausgangspunkt nehmen von all dem, was jetzt gesagt worden ist, werden Sie tief hineinschauen können in das komplizierte Getriebe der Menschennatur, und Sie werden dazu kommen können, sich zu sagen: Die luziferischen Mächte sind solche, die während der alten Mondenzeit zurückgeblieben sind; sie wirken heute in unserer Erdentwickelung mit denjenigen Kräften in das menschliche Leben hinein, die eigentlich Mondenkräfte sind, die sich in demjenigen Welten plan, der zum Beispiel nur jenen Mächten entspricht, deren Gegner Luzifer ist, gar nicht innerhalb unserer Erdentwickelung abspielen können. So wirkt Luzifer hinein in den Plan einer anderen Wesenheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Wir können aber nun zurückgehen zu weiter zurückliegenden Epochen der Entwickelung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir auf der einen Seite sehen, daß auf dem Monde Wesenheiten zurückblieben in ihrer Entwickelung, um auf der Erde einzugreifen in das menschliche Leben, dann kann uns erklärlich erscheinen, daß auch auf der alten Sonne Wesen zurückgeblieben sind, die dann auf dem Mond eine ähnliche Rolle gespielt haben wie die luziferischen Wesenheiten jetzt auf der Erde. Wir haben heute in der menschlichen Wesenheit etwas, was wir eigentlich als einen Kampf bezeichnen können: der Kampf, der sich abspielt zwischen den luziferischen Gewalten, welche sich in unseren astralischen Leib hineinsetzen, und denjenigen Mächten, die durch unser Ich, durch unsere Erdenerrungenschaften auf uns wirken. Denn die Mächte, deren Gegner Luzifer ist, können ja nur durch unser Ich auf uns wirken. Wenn wIr uns Klarheit und richtige Schätzung über uns selbst aneignen, so können wir das nur mit Hilfe derjenigen Mächte, die auf unser Ich wirken. Dazu müssen wir schon unser Ich anwenden. Deshalb können wir sagen: Indem sich unser Ich aufbäumt gegen die luziferischen Mächte, kämpft in uns Jahve oder Jehovah gegen Luzifer; da kämpft das, was den guten Weltenplan besorgt, gegen das, was sich auflehnt gegen diesen Weltenplan In seiner alleinigen Geltung, und wir sind mit unserem innerstenWesen darinnenstehend in diesem Kampf des Luzifer mit andern Wesenheiten. Wir sind selbst der Schauplatz dieses Kampfes. Und daß wir der Schauplatz dieses Kampfes sind, das zieht uns in Karma hinein - aber nur mittelbar dadurch, daß dieser Kampf mit dem Luzifer sich abspielt. Wenn wir dagegen den Blick nach außen richten, werden wir in die ahrimanischen Mächte hineingezogen. Da spielt sich etwas ab, was von draußen kommt, und hier kommt Ahriman in uns herein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun wissen wir, daß Wesenheiten auf dem alten Monde gelebt haben, die in ähnlicher Weise damals ihre Menschheitsstufe durchgemacht haben, wie wir sie Im Laufe der Erdentwickelung durchmachen. In der «Akasha-Chronik» und in der «Geheimwissenschaft» finden Sie diese Wesen bezeichnet als Engel, Angeloi, Dhyanis; auf den Namen kommt es nicht an. Im Inneren dieser Wesenheiten spielte sich damals aber ein ähnlicher Kampf ab wie der luziferische Kampf in unserer &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
eigenenWesenheit. DieseWesen waren auf dem alten Monde der Schauplatz eines Kampfes, der sich abspielte durch jene Wesenheiten, welche wieder auf der Sonne zurückgeblieben waren. Dieser Kampf auf dem Monde hat mit unserem inneren Ich nichts zu tun, denn auf dem Monde hatten wir unser Ich noch nicht. Er steht außerhalb dessen, woran unser Ich beteiligt sein kann, er hat sich auf dem alten Monde «in der Brust der Engel» abgespielt. Dadurch sind diese Wesenheiten damals etwas geworden, was sie nur werden konnten unter dem Einfluß von andern Wesenheiten, die zurückgeblieben waren gegenüber der normalen Sonnenentwickelung und die damals für die Angeloi dieselbe Rolle spielten, wie sie die luziferischen Wesenheiten heute für uns spielen. Und das waren die ahrimanischen Wesenheiten, welche während der Sonnenentwickelung ebenso zurückgeblieben sind wie die luziferischen Wesenheiten während der Mondentwickelung. Daher können wir zu diesen Wesenheiten auch nur mittelbar kommen. Ahriman war es aber, der sozusagen der Versucher in der Brust der Angeloi war, und er wirkte in ihnen. Durch ihn sind die Angeloi das geworden, was sie dann geworden sind, und sie haben das, was sie durch Ahriman geworden sind, ebenso herübergebracht wie das&amp;gt; was sie im Guten erreicht haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir haben als Gutes von Luzifer die Möglichkeit, zwischen Gut und Böse zu unterscheiden, freies Entscheidungsvermögen zu entwickeln, freien Willen zu erringen. Das ist für uns nur durch Luzifer zu erreichen. DieseWesenheiten aber haben etwas erreicht und mit hinübergenommen in das Erdendasein,wovon wir sagen können: Wie uns die Angeloi jetzt umgeben als Geistwesen, so haben sie sich zu ihrem jetzigen Sein vorbereitet durch den ahrimanischen Kampf in ihrer Seele zur Zeit der alten Mondentwickelung. Was diese Wesenheiten durchgemacht haben und was sie als Wirkungen in sich haben von dem, was sie durchgemacht haben, das geht uns in unserem innersten Ich nichts an, daran sind wir mit unserem Ich nicht beteiligt. - Wir werden sehen, wie wir mittelbar dazu kommen, weil ja der ahrimanische Einfluß doch wieder in uns hereinwirkt. - Was diese Wesenheiten sich unter dem Einflusse Ahrimans errungen haben, das sind gewisse Wirkungen, zu denen sie die Ursachen während ihres Mondendaseins aufgenommen haben. Während desMondendaseins nahmen dieseWesenheiten durch den ahrimanischen &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Einfluß in sich etwas auf, was sie hineingetragen haben in unser Erden- dasein. Versuchen wir einmal, in unserem Erdendasein das aufzufinden, was uns erscheinen kann als eine solche Wirkung des damaligen ahrimanischen Kampfes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn dieser ahrimanische Kampf auf dem alten Monde nicht stattgefunden hätte, so könnten diese Wesenheiten nicht in unser Erden- dasein hineintragen, was dem alten Mondendasein angehört hat. Denn das würde aufgehört haben, nachdem der alte Mond zugrunde gegangen war. Dadurch, daß die Angeloi den ahrimanischen Einfluß aufgenommen haben, sind sie verstrickt worden in das Mondendasein, geradeso wie wir verstrickt werden durch den luziferischen Einfluß in das Erden- dasein. Sie haben das, was Mondelement ist, in ihr Innerstes aufgenommen und haben es hinübergebracht in unser Erdendasein. Dadurch sind sie imstande geworden, gerade dasjenige in unserem Erdendasein hervorzurufen, was hervorgerufen werden muß, damit unsere Erde nicht ganz dem Einfluß Luzifers verfällt. Unsere Erde würde im ganzen dem Einflusse Luzifers verfallen müssen, wenn diese Tatsache, welche dem Kampfe der Engel mit Ahriman auf dem Monde entspricht, nicht in unser Erdendasein hineingebracht worden wäre.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Welches sind denn die Vorgänge im Erdendasein, die wir als die normalen bezeichnen? Als sich unser jetziges Sonnensystem entsprechend dem Erdenziele geordnet hat, ist das aufgetreten, was wir als die regelmäßigen Bewegungen der Sonne, der Erde und der andern Planeten sehen und was bewirkte, daß,wirTag und Nacht haben, daß die Jahreszeiten in der regelmäßigen Weise aufeinanderfolgen, daß wir Sonnenschein und Regen haben, daß unsere Früchte auf den Feldern gedeihen und so weiter. Das sind Ordnungen, die sich immer wiederholen nach dem Rhythmus des Kosmos, der sich für das jetzige Erdendasein herausgebildet hat, nachdem das Mondendasein in die Dämmerung hinuntergestiegen ist. Aber innerhalb des Erdendaseins wirkt Luzifer. Und wir werden sehen, daß er noch viel mehr wirkt als nur in dem Gebiet, wo wir ihn schon verfolgen konnten, in dem Menschen selbst, wo er sich allerdings seinen wichtigsten Schauplatz ausgesucht hat. Aber selbst wenn Luzifer nur innerhalb des Erdendaseins vorhanden wäre, und schon durch alle die Ordnungen, welche eintreten durch den regelmäßi&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
gen Gang der Planeten um die Sonne, durch den Wechsel von Sommer und Winter, Regen und Sonnenschein und so weiter, würden die Menschen in das verfallen, was wir nennen können «luziferische Verführung&amp;gt;. Wenn den Menschen alles das zukommen würde, was ihnen aus dem geordneten Kosmos zukommen kann,was die regelmäßigen, rhythmischen Bewegungen des Sonnensystems hervorbringen, wenn nur die Gesetze herrschten, welche unserem jetzigen Kosmos angemessen sind, so müßte der Mensch dem luziferischen Einfluß verfallen, müßte das Wohlleben lieber gewinnen als das, was er gewinnen soll zu seinem kosmischen Heil, müßte den regelmäßigen Gang lieber gewinnen als das, was er sich erringen soll.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daher mußten Gegenkräfte geschaffen werden. Es mußten Gegenkräfte wirken, welche dadurch zustande kamen, daß sich hineinmisch ten in die regelmäßigen kosmischen Vorgänge unseres Erdenlebens solche Vorgänge, die für den alten Mond höchst wohltätige und normale waren, die aber heute, wenn sie auf das Erdendasein wirken, abnorme sInd und den regelmäßigen Erdengang gefährden. Diese Einflüsse treten so auf, daß sie gewissermaßen zurechtrücken, was, wenn der bloße Rhythmus vorhanden wäre, als Hang zum Wohlleben, als Behaglichkeit und Üppigkeit entstehen würde; und es zeigen sich uns solche Kräfte zum Beispiel in dem, was als der heftige Hagel dahinstürmt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und wenn das, was sonst unter den regelrechten Kräften der Erde ge schaffen würde, zerstört wird, so wird in einem solchen Falle eine Korrektur geschaffen, die im ganzen wohltätig wirkt, wenn es auch der Mensch zunächst nicht einsieht, weil es eine höhere Vernünftigkeit gibt als die, welche der Mensch begreift. Wenn der Hagel hereinstürmt in die Felder, dann können wir sagen: Auf dem alten Monde waren diese Kräfte, welche im Hagel heranstürmen, segenbringende Kräfte wie heute diejenigen Kräfte, welche segenbringend im Regen und Sonnen schein wirken. Heute stürmen sie herein, damit Korrektur geschaffen wird für das, was der luziferische Einfluß sonst anrichten würde. Und wenn der regelmäßige Gang fortgeht, stürmen sie in immer heftigerer Weise herein, um noch mehr Korrektur zu schaffen. Alles, was zur regelmäßigen Fortentwickelung führt, gehört den Kräften der Erde selber an. Wenn der Vulkan seine Laven hinausschleudert, so wirken &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
darin Kräfte, welche als verspätete Kräfte vom alten Mond mit herübergebracht worden sind, damit sie Korrektur schaffen im Erden- leben. So ist es mit den Erdbeben und mit den Elementarereignissen überhaupt.Und wir können sehen,daßmanches,was von außen kommt, im Gesamtgange der Entwickelung seine vernünftige Begründung findet. Wie das mit dem menschlichen Ich-Bewußtsein zusammenhängt, das werden wir noch sehen; was unbefriedigend am heutigen Vortrag erscheint, wird sich dadurch morgen ausgleichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir müssen uns aber doch das eine klarlegen, daß diese Dinge alle nur die eine Seite des menschlichen Daseins&amp;gt; des Erdendaseins, des kosmischen Daseins überhaupt, darstellen. Und wenn wir auf der einen Seite sagen, wenn uns ein Organ zerstört wird, sind es wohltätige Wirkungen geistiger Mächte, und wenn wir heute gefunden haben, daß sogar der ganze Gang der Erdentwickelung wieder korrigiert werden muß durch Kräfte aus dem alten Mondendasein, so müssen wir jetzt fragen: Wie steht es nun damit, daß wir versuchen müssen, als Erden- menschen auf der andern Seite wieder Korrektur zu schaffen für die schädlichen Einflüsse der alten Mondenkräfte? - Wir werden ja schon ahnen, daß wir als Erdenmenschen nicht gerade herbeisehnen dürfen Vulkanausbrüche und Erdbeben, daß wir nicht selber Organe zerstören dürfen, um die segensreiche Wirkung der geistigen Mächte zu unterstützen. Aber wir werden uns auch sagen können, und das hat gewiß seIne Berechtigung: Bricht irgendwo eine Epidemie aus, so wird dadurch etwas herbeigeführt, was der Mensch geradezu sucht, damit in ihm etwas ausgeglichen wird. Und wir können annehmen, daß der Mensch hineingetrieben wird in gewisse Verhältnisse, um eine Schädigung zu erfahren, durch deren Überwindung er sich derVervollkommnung nähert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie steht es aber dann mit hygienischen und sanitären Maßregeln?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Könnte nicht jemand sagen: Also werden Epidemien sehr Gutes wirken können? Ist es dann nicht falsch, durch allerlei gesundheitsfördernde Einrichtungen, durch krankheitsvorbeugende Maßnahmen die Möglichkeit zu vermindern, daß solche Einflüsse geschehen? Es könnte jemand darauf kommen, daß man nichts tun sollte, um elementare Ereignisse abzuschwächen, und könnte es damit motivieren, daß es ganz im Sinne der heutigen und gestrigen Ausführungen liege.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|151}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir werden sehen, daß das nicht der Fall ist, aber wieder nur unter gewissen Voraussetzungen nicht der Fall ist. Wir werden nämlich jetzt erst in der richtigen Weise dazu vorbereitet sein, um bei der nächsten Betrachtung derVerhältnisse einerseits zu verstehen, wie uns wohltätige Einflüsse geradezu die Schädigung eines Organs zufügen, damit wir der Wirkung der Maja nicht verfallen, und anderseits uns jener Wirkung bewußt zu werden, die wir hervorrufen, wenn wir uns selbst der Auswirkung solcher wohltätiger Einflüsse entziehen, indem wir sanitäre und hygienische Maßnahmen gegen die Krankheiten ergreifen. - Wir werden sehen, daß wir hier an einem Punkt stehen, an dem der Mensch so häufig steht: Wenn ein scheinbarer Widerspruch auftaucht und ihn die ganze Kraft des Widerspruchs tfeibt, dann ist er nahe daran, an einen solchen Punkt zu kommen, wo die ahrimanischen Mächte einen großen Einfluß auf ihn ausüben können. Nirgends liegt die Möglichkeit so nahe, uns~i~öuschungen hinzugeben,wie jetzt,wo wir in einen solchen Engpaß hineingekommen sind. Und es ist gut, daß wir jetzt da hinein- gekommen sind; denn jetzt können wir sagen: Wohltätige Mächte sind es, welche uns ein Organ unbrauchbar machen, denn das ist eine Gegenwirkung gegen Ahriman; also müßten es jetzt die Schädlinge der Menschheit sein, welche nicht das fordern, was man nennen kann «wohltätige Gegenwirkungen gegen die ahrimanischen Mächte». Denn hygienische Maßregeln und dergleichen würden diese wohltätige Gegenwirkung einschränken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir sind in einem Engpaß. Und es ist gut, daß wir einmal in diesen Widerspruch geführt sind, damit wir darüber nachdenken, daß solche Widersprüche möglich und sogar eine gute Schulung für unseren Geist sind. Denn wenn wir gesehen haben werden, wie wir uns aus diesem Widerspruch herausretten können, dann werden wir aus uns selbst heraus etwas getan haben, was uns Kraft geben kann, um uns den Täuschungen des Ahriman zu entziehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|152}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= ACHTER VORTRAG Hamburg, 25. Mai 1910 =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir zurückdenken an den Widerspruch, den wir am Ende unserer letzten Betrachtung vor uns hin gestellt haben, so müssen wir zu seiner Lösung heute nochmals zurückblicken auf die beiden Kräfte, auf die beiden Prinzipien, die uns nun im Laufe der Zeit geradezu wie die Herausforderer und auch wieder wie die Regulatoren unseres Karma erschienen sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir haben gesehen, daß unser. Karma erst dadurch in Bewegung gebracht wird, daß wir die Einflüsse der luziferischen Gewalten auf unseren astralischen Leib erleiden, daß wir durch die Versuchung dieser Gewalten zu Gefühls-, Trieb- und Leidenschaftsäußerungen kommen, die uns in gewisser Beziehung unvollkommener machen, als wir sonst wären. Wenn nun die luziferischen Einflüsse auf uns wirken, dann fordern sie auf der andern Seite heraus die ahrimanischen Einflüsse, jene Kräfte, welche nun nicht von innen heraus, sondern von außen her auf uns wirken, die im Wechselverkehr mit der Welt durch dasjenige hindurchwirken,was uns eben von außen entgegentritt. So ist es im Grunde Ahriman, der herausgefordert wird durch Luzifer, und wir Menschen sind eigentlich so lebendig hineingestellt in den Streit dieser beiden Prinzipien. Und wir müssen im Leben versuchen, gerade dadurch vorwärtszukommen, daß wir, wenn wir einmal in die Fangarme Luzifers oder Ahrimans gekommen sind, nach Mitteln und Wegen suchen, um wieder durch Überwindung dessen, was in uns angerichtet worden ist, höher zu steigen. Ganz deutlich aber können wir sehen, wie in der Tat dieses Wechselspiel zwischen luziferischen und ahrimanischen Mächten um unsere Person herum stattfindet, wenn wir uns den Fall in einer etwas andern Form noch einmal vor Augen rücken, den wir schon das letzte Mal angeführt haben: den Fall, daß jemand ahrimanischen Einflüssen verfällt, so daß er allerlei Vorspiegelungen,Täuschungen erlebt, daß er glaubt, dies oder jenes werde ihm besonders mitgeteilt oder mache auf ihn nach dieser oder jener Richtung hin einen Eindruck, woraus aber für einen andern, der sich seine gesunde Urteilskraft bewahrt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|153}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
hat, leicht zu erkennen ist, daß der Betreffende Irrtümern und Täuschungen verfallen ist. Das letzte Mal haben wir gesprochen von den Fällen, wo jemand hellseherischen, aber im schlimmen Sinne hellseherischenTäuschungen der geistigen Welt unterworfen wird. Da haben wir ausdrücklich angeführt, daß dies dann ~uschungen sind, die durch ahrimanische Kräfte hervorgerufen werden. Und wir haben gesehen, daß gegen solche Täuschungen, welche durch unrichtiges Hellsehen hervorgerufen werden, es kein anderes oder wenigstens kein günstigeres Mittel gibt als die gesunde Urteilskraft, die erworben wird im physischen Leben zwischen Geburt und Tod.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was wir im letzten Vortrage gesagt haben, ist etwas Bedeutungsvolles und Wesentliches, wenn wir es mit hellseherischen Verirrungen zu tun haben. Denn bei einem Hellsehen, das nicht durch regelrechte Schulung, nicht durch systematische Übungen erreicht worden ist, die streng und richtig geleitet werden, sondern das durch alte vererbte Merkmale eintritt, in Bildern oder Hören in Tönen und dergleichen, bei einem solchen unrichtigen Hellsehen können wir immer finden, daß es zurückgeht, daß es aufhört sogar, wenn der Betreffende die Möglichkeit findet und die Neigung hat, sich ernstlich auf theosophische Studien einzulassen, theosophische Erkenntnis wirklich aufzunehmen, oder gar sich einläßt auf eine wirkliche, sinn- und sachgemäße Schulung. Also in einem solchen Falle, wo wir es mit Verirrungen der übersinnlichen Erkenntnis zu tun haben, können wir sagen, daß die echten Quellen der Erkenntnis, wenn der Betreffende ihnen zugänglich ist, auch immer für ihn eine Hilfe sein werden, die ihn auf den rechten Weg bringen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dagegen dürfen Sie das, was gerade als eine Gegenüberstellung vor- gebracht werden muß und was eine so triviale Wahrheit ist, daß jeder sie kennt, nicht anführen. Jeder weiß, daß wenn jemand durch karmische Verwicklungen dazu gekommen ist, Zustände zu entwickeln, welche ihn zu den Symptomen des Verfolgungswahnes, des Größenwahnes führen, daß er dann in seiner Seele ein ganzes System vonWahnideen ausbilden kann, die von ihm so logisch wie nur möglich begründet werden, die aber doch eben Wahnideen sind. Es kann zum Beispiel vorkommen, daß jemand auf andern Gebieten des Lebens ganz richtig und &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
logisch denkt, daß er jedoch die`Wahnidee hat, er werde überall verfolgt um dieses oder jenes Grundes willen. Er wird dann imstande sein, wo er hinkommt, aus den geringsten Vorkommnissen Kombinationen geistreichster Art zu machen: Da ist wieder eine Clique, die nichts anderes will, als mir dies oder das anzutun! - Und er wird Ihnen in der geistreichstenArt beweisen,wie begründet seinVerdacht ist. So kann jemand ein ganz logischer Kopf sein und doch in sich gewisse Symptome der Verrücktheit ausleben. Da wird es ganz unmöglich sein, einen solchen Menschen mit logischen Gründen zu widerlegen. Im Gegenteil, wenn man in einem solchen Falle mit logischen Gründen kommt, dann kann es geschehen, daß die Wahnideen, die in dem Inneren des Betreffenden sitzen, erst recht herausgefordert werden und noch schärfere Beweismittel suchen für das, was er als den Inhalt seinerVerfolgungswahnidee geltend macht. - Wenn im geisteswissenschaftlichen Sinne gesprochen wird, müssen die Dinge ganz genau genommen werden. Wenn vorhin und auch das letzte Mal betont worden ist, daß man in den geisteswissenschaftlichen Erkenntnissen, denen sich jemand mit aller Mühe oder sogar in einer prinzipiellen systematischen Schulung hingibt, eine Gegenmacht hat gegen eine Verirrung der hellseherischen Kräfte, so ist damit ein ganz anderer Fall gemeint als der, welcher soeben charakterisiert worden ist. Jetzt handelt es sich nicht darum, daß man dem Betreffenden mit geisteswissenschaftlichen Erkenntnissen beikommt. In der Regel will man ihm beikommen mit Gründen aus dem Gebiet der gewöhnlichen Vernünftigkeit. Für die aber ist ein solcher Mensch absolut unzugänglich. Warum ist das der Fall?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn ein solches Krankheitsbild auftaucht, wie es sich in den geschilderten Symptomen auslebt, haben wir es damit zu tun, daß der Betreffende darin eine karmische Ursache von früheren Verkörperungen, von früheren Verirrungen zutage treten läßt. Was als eine Verirrung des Inneren anzusehen ist, liegt nicht und kann nicht in diesem Falle in der gegenwärtigen Inkarnation liegen, sondern das liegt in einer vorhergehenden Inkarnation. Nun machen wir uns ein Bild, wie so etwas aus der früheren Inkarnation in die gegenwärtige herüberkommt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dazu müssen wir ins Auge fassen, wie eigentlich unsere Seelenentwickelung verläuft. Wir bestehen als äußerer Mensch aus physischem &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Leib, Ätherleib und astralischem Leib, haben dann im Laufe der Zeit hineingebaut in diese Hüllen durch die Arbeit des Ich die Empfindungsseele in den Empfindungsleib, die Verstandes- oder Gemütsseele in den Atherleib und die Bewußtseinsseele in den physischen Leib. Was wir in unserem Inneren als die drei Seelenglieder entwickeln, das haben wir hineingebaut in die drei Hüllen, das lebt jetzt in diesen drei Hüllen. Nun nehmen wir an, in irgendeiner Inkarnation werden wir durch den Einfluß Luzifers - also dadurch, daß wir in uns egoistische oder sonstige, dem luziferischen Einfluß zuzuschreibende Triebe, Begierden, Instinkte entwickeln - so verführt, daß wir Verfehlungen auf unsere Seele laden. Diese Verfehlungen können nun sein in der Empfindungsseele, können sein in der Verstandes- oder Gemütsseele oder auch in der Bewußtseinsseele. Das ist dann die Ursache, die in irgendeiner folgenden Inkarnation in einem der drei Seelenglieder gegeben ist. Nehmen wir an, es sei ein Fehler, der besonders auf den Kräften der Verstandesseele beruht. Der wird dann in dem Zustande zwischen Tod und neuer Geburt so umgewandelt, daß dasjenige, was zum Beispiel die Verstandesseele verbrochen hat, in seiner Wirkung sich zeigt im Ätherleib. Das ist mittlerweile beim Durchgehen durch den Tod bis zur neuen Geburt hineingearbeitet worden in den Ätherleib. Wir stoßen also in der neuen Inkarnation auf eine Wirkung in dem Ätherleib, die zurückzuführen ist auf eine Ursache in der Verstandesseele in einer vorhergehenden Inkarnation. Nun arbeitet aber dieVerstandesseele der nächsten Inkarnation wieder für sich selbständig in dieser Inkarnation, und es ist nun ein Unterschied, ob der Mensch jene Verfehlung früher begangen hat oder nicht. Hat er sie in einer früheren Inkarnation begangen, so hat er jetzt einen Fehler in seinem Ätherleibe. Das sitzt nun tiefer, der sitzt nicht in der Verstandesseele, sondern im Ätherleibe. Aber was der Mensch sich auf dem physischen Plan als Vernünftigkeit, als Verständigkeit erarbeiten kann, das wirkt ja nur auf seine Verstandesseele; das wirkt nicht auf das, wie seine Verstandesseele in einer früheren Inkarnation sich betätigt hat und was jetzt schon in den Ätherleib hineingearbeitet ist. Daher kann es vorkommen, daß die Kräfte der Verstandesseele,wie sie uns jetzt bei einem Menschen entgegentreten, logisch intakt arbeiten, so daß also das eigentliche menschliche Innere ganz intakt ist, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
daß aber durch das Zusammenarbeiten zwischen Verstandesseele und dem krankhaften Teil des Ätherleibes von diesem Ätherleib aus nach einer gewissen Richtung hin ein Irrtum projiziert wird. Dann kann man zwar mit den Gründen, die man auf dem physischen Plan aufbringen kann, auf die Verstandesseele wirken, nicht aber unmittelbar auf den Ätherleib. Daher können Sie durch Logik, durch Überzeugung nichts ausrichten, ebensowenig wie Sie mit Logik etwas anfangen können, wenn Sie einen Menschen vor einen konvex gebogenen Spiegel hin- stellen, so daß der Betreffende darin sein verzerrtes Bild sieht, und Sie ihm dann beweisen wollen, daß er unrecht hat, das Bild so zu sehen. Er sieht doch ein verzerrtes Bild. So hängt es auch nicht vom Menschen ab, daß er in einer krankhaften Weise etwas falsch versteht, denn es wird seine sonst gesunde Logik von seinem Ätherleibe aus nicht in einer gesunden Weise gespiegelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf diese Weise können wir die karmische Wirkung früherer Inkarnationen in unserer tieferen Organisation in uns tragen. Und wir können geradezu angeben, wie in einem bestimmten Teig derselben - wie hier in unserem Ätherleib - das Schadhafte vorhanden ist. Daran sehen wir, was wir durch den luziferischen Einfluß in einer früheren Verkörperung herausgefordert und dann umgewandelt haben. Und in der Zwischenzeit zwischen Tod und neuer Geburt kommt die Umwandlung zustande von einem Inneren in ein Äußeres, und dann wirkt uns Ahriman aus unserem eigenen Ätherleibe entgegen. Das zeigt uns, wie Ahriman herangelockt wird an unseren eigenen Ätherleib durch Luzifer. Die frühere Verfehlung war eine luziferische, das Umgewandelte aber ist ein solches, daß uns gleichsam die Quittung dafür in der nächsten Inkarnation durch Ahriman gegeben wird. Und dann handelt es sich darum, daß der Mensch diese Schädigung seines Ätherleibes aus sich herausbringen muß. Das kann nur dadurch geschehen, daß tiefer in seine Organisation ein gegriffen wird, als es mit den gewöhnlichen Mitteln der äußeren Vernunft in einer Inkarnation möglich ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer so etwas durchmacht, daß er zum Beispiel den Symptomen des Verfolgungswahnes in einer bestimmten Inkarnation verfällt, der wird, wenn er neuerdings wieder durch die Pforte des Todes tritt, alle die Tatsachen vor sich haben, welche er sich geleistet hat infolge seiner &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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ahrimanischen Schädigung, und er wird sie in ihrer ganzen Absurdität vor sich haben. Das wird für ihn wieder die Kraft sein, welche ihn für seine nächste Inkarnation gründlich heilt. Denn er kann nur dadurch geheilt werden, daß dasjenige, was er unter dem Einfluß der entsprechenden Symptome vollzogen hat, ihm in der äußeren Welt für die Folge als absurd erscheint. Damit haben Sie etwas gegeben, was von uns zu einer solchen Heilung getan werden kann. Wenn jemand unter derartigen Wahnideen leidet, werden Sie ihn am wenigsten durch logische Gründe von seinen Wahnideen abbringen können. Sie werden dadurch nur seinen Widerspruch erst recht herausfordern. Aber Sie werden etwas erreichen, besonders wenn sich in früher Jugend so etwas zeigt, wenn Sie den Menschen in Lagen bringen, wo sich ihm die Folgen seiner Symptome kraß als unsinnig darstellen, wenn Sie ihn vor Tatsachen führen, die er hervorruft und die als kraß unsinnige wieder auf ihn zurückschlagen. Dadurch können Sie in gewisser Weise eine Heilung hervorrufen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie können auch dann heilend wirken, wenn Sie selbst so weit im Besitze der geisteswissenschaftlichen Wahrheiten sind, daß sie inneres Eigentum Ihrer Seele geworden sind. Sind sie so Ihr Besitz geworden, daß sie stehen und fallen mit Ihrer ganzen Persönlichkeit, dann haben Sie sie ja als den denkbar stärksten Glauben; dann ist Ihre ganze Persönlichkeit ein Ausstrahler dieser geisteswissenschaftlichen Wahrheiten. Mit diesen Wahrheiten, welche hereinströmen in das Leben zwischen Geburt und Tod und es erfüllen, die aber dennoch über dieses Leben selbst hinausragen, die Erkenntnisse sind aus übersinnlicher Welt, mit ihnen können Sie tiefergehende Wirkungen erzielen als mit äußeren Vernunftwahrheiten. Während Sie mit äußeren logischen Gründen nichts anfangen können, werden Sie, wenn Sie die geisteswissenschaftlichen Wahrheiten anwenden und wenn Sie genug Zeit und Gelegenheit dazu haben, allerdings so weit Impulse auf den betreffenden Menschen ausüben können, daß Sie sozusagen in der einen Inkarnation das vermögen, was sonst nur auf dem Umwege von einer auf die andere Inkarnation geschehen kann: nämlich hineinzuwirken von der Verstandesseele in den Ätherleib. Denn die Wahrheiten des physischen Planes sind nicht imstande, auch nur im geringsten die Kluft zwischen Empfin&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
dungsseele und Empfindungsleib, zwischen Verstandesseele und Ätherleib oder gar zwischen Bewußtseinsseele und physischem Leib zu überspringen. Daher werden Sie immer erleben, daß jemand auf dem physischen Plan noch so viel Weisheit über die sinnliche Welt aufnehmen kann: diese Weisheit wird in sehr geringem Zusammenhange stehen mit seiner Gemütswelt, mit dem, was wir nennen das Durchdrungensein seines Empfindungsleibes mit den entsprechenden Impulsen und Leidenschaften. Daher kommt es vor, daß jemand ein sehr gelehrtes Haus sein kann, ein großes theoretisches Wissen haben kann über die Dinge der physischen Welt, ein alter Professor geworden sein kann - und es im Inneren nicht zu einer Umwandlung seiner Triebe und Empfindungen und Leidenschaften gebracht hat, die sich im Empfindungsleib abspielen. Er kann im Grunde viel wissen über die physische Welt und ein krasser Egoist sein, weil er die Impulse dazu in der Jugend aufgenommen hat. - Natürlich kann ganz gut nebeneinander herlaufen äußere physische Wissenschaft und Durchbildung des Empfindungsleibes und Ätherleibes von innen heraus.Und ebenso kann der Mensch Verstandeswahrheiten aufnehmen, mancherlei, was sich als Kräfte der Gemütsseele aufnehmen läßt in bezug auf den physischen Plan, aber er kann jene tiefe Kluft nicht überspringen, welche zwischen der Verstandesseele und dem Ätherleib besteht. Mit andern Worten, Sie können immer wieder finden: Wenn jemand äußerliche Wahrheiten aufnimmt, wenn er auch noch so viel lernt - das eine werden Sie selten finden, daß dieses Gelernte wirklich Gewalt hat auf die formenden Kräfte seines Leibes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei einem Menschen, bei dem die Wahrheiten so wirken, daß sie sein ganzes Sein ergreifen, da werden Sie erleben können, daß sich im Laufe von zehn Jahren seine Physiognomie verändert, daß Sie ihm an der Stirn ablesen können, wie er gerungen hat, wie er zum Beispiel mit gewIssen Zweifeln in seinem Herzen gerungen hat. Oder auch an seinen Gesten können Sie es bemerken, wenn er zum Beispiel aus eigenem Verhalten ein ruhiger Mensch geworden ist. Da drängt sich das in die formenden Kräfte des Organismus hinein, und es wird der Organismus in den feinsten Teilen davon ergriffen. Da wirkt das, was der Mensch spirituell aufnimmt, bis in die feinsten Teile seiner Organisation hinein. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|159}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn das, was das Gemüt ergreift, nicht nur auf den physischen Plan weist, dann ist der Mensch nach zehn Jahren auch ein anderer. Aber die Änderung liegt in der normalen Richtung, wie die Anlagen sich im normalen gewöhnlichen Leben ausbilden und ändern. Man kann vielleicht im Verlaufe von zehn Jahren einen andern Gesichtsausdruck bekommen; aber wenn man nicht in der inneren Weise den Abgrund überspringt, sind es äußere Einflüsse gewesen. Da ist es keine den Menschen vom Inneren ergreifende Kraft, was ihn umgestaltet. Daran können wir sehen, daß nur das Spirituelle, was sich im Innersten wirklich mit unserem innersten Menschen verbindet, in der Lage ist, schon in der Zeit zwischen Geburt und Tod umwandelnd auf die formenden Kräfte zu wirken, daß aber mit Sicherheit dieser Übergang, dieses Überschreiten des Abgrundes stattfindet in der karmischen Wirksamkeit zwischen dem Tode und einer neuen Geburt. Wenn zum Beispiel das, was die Empfindungsseele erlebt hat,hineingesenkt wird in jeneWelten, die wir durchschreiten in der Zwischenzeit zwischen Tod und neuer Geburt, dann macht es sich gewiß in der nächsten Inkarnation als formende, bildende Kraft geltend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf diese Weise haben wir das gegenseitige Zusammenwirken Ahrimans und Luzifers begriffen. Und nun fragen wir uns: Wie stellt sich dieses Zusammenwirken dar, wenn die Dinge noch etwas entfernter liegen, wenn sie zum Beispiel als luziferischer Einfluß nicht nur den Abgrund zu überschreiten haben von der Verstandesseele bis zum Ätherleib, sondern wenn sie sozusagen einen weiteren Weg haben?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen wir an, wir unterliegen in einem Leben ganz besonders stark dem Einflusse Luzifers. In einem solchen Falle sind wir mit unserem ganzen inneren Menschen um ein ganzes Stück unvollkommener gewordeh, als wir vorher waren, und in der Kamalokazeit haben wir dann in der eminentesten Weise das vor Augen, daß wir uns sagen: Du mußt etwas ganz Mächtiges tun, um diese Unvollkommenheit wieder auszugleichen! - Wir nehmen also diese Tendenz in uns auf und bilden in der nächsten oder einer der nächsten Inkarnationen mit dem, was jetzt formende Kräfte geworden sind, unseren neuen Organismus so, daß dieser die Tendenz haben muß, den Ausgleich des früher Durchlebten herbeizuführen. Aber nehmen wir an, dasjenige, was den luziferischen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|160}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einfluß ausgelöst hat, sei durch ein Äußeres veranlaßt gewesen, sei eine äußere Begierde gewesen. Dann muß doch wieder Luzifer als ein Einfluß dagewesen sein. Das Äußere hätte nicht auf uns wirken können, wenn nicht Luzifer in uns gewirkt hätte. Wir haben also die Tendenz in uns, das, was wir unter dem luziferischen Einfluß geworden sind, wieder auszugleichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber nun haben wir gesehen, daß der luziferische Einfluß in einer Inkarnation herausfordert den ahrimanischen Einfluß in einer nächsten Inkarnation, daß er ihn herbeizieht, so daß die beiden durchaus in Wechselwirkung miteinander stehen. Der luziferische Einfluß ist aber ein solcher, daß wir sagen konnten: Er zeigt sich für uns im Bewußtsein, das heißt&amp;gt; wir können mit unserem Bewußtsein noch notdürftig hinunterreichen in unseren astralischen Leib. Wir haben gesagt, wenn Schmerzen sich uns zum Bewußtsein bringen, so ist das luziferischer Einfluß. Aber wir können nicht in diejenigen Gebiete hinunter, die wir bezeichnen können als Bewußtsein unseres Ätherleibes und unseres physischen Leibes. Wir haben zwar auch im traumlosen Schlaf ein Bewußtsein, aber ein Bewußtsein von so niederem Grade, daß der Mensch im gewöhnlichen Leben nicht in der Lage ist, von diesem Bewußtsein überhaupt etwas zu wissen. Aber das ist durchaus kein Anlaß, daß wir in diesem Bewußtsein nichts tun. Dieses Bewußtsein hat zum Beispiel normalerweise die Pflanze, die ja nur aus physischem Leib und Ätherleib besteht. Die Pflanze lebt fortwährend in einem traumlosen Schlafbewußtsein. Unser Bewußtsein des Ätherleibes und des physischen Leibes ist auch im Tagwachen vorhanden; aber wir können nicht bis zu ihm hinuntersteigen. Daß aber dieses Bewußtsein handeln kann, das zeigt sich uns zum Beispiel, wenn wir im Schlafe somnambule Handlungen,nachtwandlerische Handlungen ausführen,von denen wir nichts wissen. Das ist das traumlose Schlafbewußtsein, das diese Handlungen vollführt. Das gewöhnliche Ich-Bewußtsein und das astralische Bewußtsein reichen nicht hinunter bis dahin, wo zum Beispiel die Handlungen des Nachtwandlers ausgeführt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber wir dürfen nicht glauben, weil wir bei Tage im Ich-Bewußtsein und astralischen Bewußtsein leben, daß nicht mit uns leben die andern Bewußtseinsarten. Wir wissen nur von ihnen nichts. Nehmen wir nun &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|161}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
an, wir haben durch einen luziferischen Einfluß in einer früheren Inkarnation einen starken ahrimanischen Einfluß herausgefordert; dann wird dieser ahrimanische Einfluß nicht wirken können auf unser gewöhnliches Bewußtsein. Er wird aber ergreifen das Bewußtsein,welches in unserem Ätherleibe sitzt, und dieses Bewußtsein wird uns dann nicht bloß zu einer gewissen Organisation unseres Ätherleibes führen können, sondern sogar zu Handlungen, welche sich so ausleben, daß uns das Bewußtsein unseres Ätherleibes sagt: Du kannst jetzt nur dasjenige aus dir heraus entfernen, was der luziferische Einfluß, dem du in der früheren Inkarnation so mächtig verfallen bist, in dir angestellt hat; und&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
das kannst du dadurch, daß du jetzt eine Handlung begehst, die genau in der umgekehrten Linie liegt als die frühere luziferische Verfehlung!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen wir an, wir seien durch einen luziferischen Einfluß dazu gebracht worden, von einem vorhergehenden religiösen oder nach dem Geistigen hinzielenden Standpunkt zu einem solchen überzugehen, wo der Mensch sagt: Ich will das Leben hier genießen! -, wo er also den Sprung in das Sinnliche mit aller Macht getan hat. Dann fordert so etwas den ahrimanischen Einfluß in der Art heraus, daß genau das Umgekehrte verursacht wird. Da kommt es denn vor, daß der Mensch, wenn er durch das Leben schreitet, einen Punkt aufsucht, wo er aus dem sinnlichen Leben in das geistige mit einem Sprunge wieder hineingehenkann. Dort ist er mit einem Sprunge in das Sinnliche verfallen - hier will er mit einem Sprunge in das geistige Leben zurück. Das Oberbewußtsein bemerkt das nicht; aber das geheimnisvolle Unterbewußtsein, das an den physischen Leib und Ätherleib gekettet ist, treibt jetzt den Menschen dazu&amp;gt; den Ort aufzusuchen, wo man ein Gewitter ab- warten kann, wo eine Eiche steht, eine Bank darunter, und - der Blitz schlägt ein! Da hat sein Unterbewußtsein den Menschen erfüllen lassen, was er in einer früheren Inkarnation getan hat. Da haben wir das Umgekehrte. So begreifen wir eine Wirkung unter einem luziferischen Einfluß in einem früheren Leben, und als Folge einen Einfluß Ahrimans in dein jetzigen Leben. Ahriman muß hier mitwirken zu dem Zwecke, daß wir unser 0berbewußtsein so weit ausschalten, daß in diesem Falle unser ganzer Mensch nur dem Bewußtsein des Ätherleibes oder des physischen Leibes folgt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|162}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf diese Weise begreifen wir mancherlei Dinge, die auch sonst im Leben geschehen. Aber wir dürfen,wenn zum Beispiel jemand im Leben zum Tode kommt oder eine schwere Verwundung erleidet, nicht jeden solchen Fall auf etwas Ähnliches zurückführen. Da würden wir in einer sehr engen Weise das Karma auffassen. Aber es gibt wirklich Strömungen auch in unserer theosophischen Bewegung, welche das Karma in einer recht engen Weise auffassen, die zwar glauben, daß sie in dem Karma wirklich etwas haben, was zu einem höheren Gesichtspunkt führt, es aber nicht wirklich kennen. Sie fassen das Karma so auf, daß, wenn es wirklich so wäre, wie sie es auffassen, immer die ganze Weltordnung wegen eines jeden einzelnen Menschen besonders eingerichtet sein müßte, damit sie zum harmonischen Verlauf und zum Ausgleich eines jeden einzelnen im Menschenleben diente, daß also in einem Leben die Verhältnisse immer so zusammengeführt werden, daß ganz genau der Ausgleich für das geschaffen werden muß, was in einem früheren Leben entstanden ist. Dieser Standpunkt ist aber nicht haltbar. Wie wäre es denn, wenn sich jemand hinstellte vor einen Menschen, dem ein Unglück passiert ist, und ihm sagt: Das ist dein Karma, das ist die karmische Wirkung aus einem früheren Leben; das hast du damals verschuldet! - Wenn aber jetzt der Betreffende diesen oder jenen Glücksfall erlebt, dann sagt der andere: Das führt zurück auf ein Gutes, das du früher getan hast! - Wenn das aber einen wirklichen Wert haben soll, so müßte doch derjenige, der so spricht, erst sehen, was in dem früheren Leben geschehen ist, das diese Wirkung hervorgebracht haben soll. Hätte er sich in das frühere Leben gestellt, so würde er da die Ursachen sehen, die aus jenem Leben kommen, und müßte dann auf die spätere Inkarnation hinschauen, wenn er die Wirkungen erblicken will.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daraus folgt aber für uns logisch folgendes: Es treten in jeder Inkarnation Tatsachen ein, die erste Ereignisse darstellen in dem Leben jedes Menschen, wie es sich von Verkörperung zu Verkörperung abspielt, und diese werden ihren k~rmischen Ausgleich im nächsten Leben haben. Wenn man im nächsten Leben sich dann die Wirkungen anschaut, dann kann man auf die Ursachen hinblicken. Wenn aber jetzt ein Unglücksfall geschieht und man mit allen Mitteln im früheren Leben keine Ursachen dafür findet, dann muß man sich sagen, es findet eben der Aus- &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|163}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gleich in einem späteren Leben statt. Karma ist kein Fatum! Es wird aus jedem Leben etwas in die späteren hineingetragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir das verstehen, werden wir es auch begreiflich finden, daß der Mensch sinnvoll und bedeutungsvoll neue Ereignisse in seinem Leben finden kann. Denken wir daran, daß ja die großen Ereignisse im Gange der Menschheitsentwickelung nur dadurch zustande kommen können, daß sie von bestimmten Personen getragen werden. Personen müssen in einem bestimmten Zeitpunkt die Absichten der Entwickelung übernehmen. Denken Sie daran, wie die mittelalterliche Entwickelung verlaufen wäre, wenn nicht in einer bestimmten Zeit Karl der Große eingegriffen hätte, oder wie das Geistesleben der alten Zeiten verlaufen wäre, wenn nicht in einer bestimmten Zeit Aristoteles gewirkt hätte. Denken Sie, daß Sie, wenn Sie den Gang der Menschheitsentwickelung begreifen wollen, den Aristoteles in die Zeit hineindenken müssen, wo er gelebt hat; denn ohne ihn würde später vieles anders geworden sein. Dadurch sehen wir, daß solche Persönlichkeiten, wie Karl der Große, Aristoteles, Luther und so weiter nicht um ihretwillen, sondern um der Welt willen in der betreffenden Zeit leben mußten. Ihre persönlichen Schicksale sind darum doch innig verflochten mit dem, was in derWelt geschieht. Können wir aber deshalb sagen, daß das, was sie wirken, zusammentrifft mit dem, was sie sich früher verdient oder was sie früher verschuldet haben?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen Sie den Fall von Luther: Alles, was er erlebt und erduldet hat, können Sie nicht nur auf sein karmisches Konto schreiben; Sie müssen sich klar sein, daß dasjenige, was in einem bestimmten Zeitpunkt in der Menschheitsentwickelung geschehen soll, durch das Hineingestelltsein bestimmter Individualitäten geschieht. Diese Individualitäten müssen heruntergeführt werden aus der geistigen Welt ohne Rücksicht darauf, ob sie für sich selbst weit genug sind, um heruntergeführt zu werden, denn sie werden heruntergeführt zu den Zwecken der Menschheitsentwickelung. Und es muß vielleicht ein karmischer Weg frühzeitig unterbrochen oder verlängert werden, damit die betreffenden Persönlichkeiten zu einem bestimmten Zeitpunkt in das Leben hineingestellt werden können. Da werden über Personen Schicksale verhängt, die mit dem vorangegangenen Karma nichts zu tun zu haben &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|164}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
brauchen. Aber wenn man als Mensch einmal so hineingestellt worden ist und wenn man das getan hat, was man zwischen Geburt und Tod tun kann, so bildet das karmische Ursachen. So wahr es also ist, daß ein Luther hineingestellt wird in das Leben um der Menschheit willen und Schicksale erdulden kann, welche nichts zu tun haben mit seinem früheren Karma, so wahr ist es, daß mit seinem späteren Karma dasjenige, was er da vollbringt, wieder etwas zu tun haben wird. Karma ist ein allgemeines Gesetz, und jeder muß es durchleben. Aber wir dürfen es nicht so auffassen, daß wir nur in frühere Verkörperungen zurückblicken, sondern wir müssen es so auffassen, daß wir auch vorwärts- blicken müssen. Deshalb können wir durchaus sagen: Es kann sich uns von diesem Gesichtspunkt aus ergeben, daß allerdings erst ein späteres Leben rechtfertigen kann auch vorhergehende Inkarnationen, indem uns schon Dinge zugefallen sind,welche gar nicht in unserer karmischen Linie liegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen wir folgenden Fall an, der sich tatsächlich zugetragen hat: Bei einer Naturkatastrophe hatten eine Anzahl von Seelen den Untergang gefunden. Wir brauchen durchaus nicht zu glauben, das wäre ihr Karma gewesen, daß sie alle zusammen dabei zugrunde gegangen sind; denn das wäre eine sehr billige Annahme. Es braucht gar nicht so zu sein, daß es immer auf frühere Verschuldungen zurückführt. Es gibt einen erforschten Fall, wo eine Anzahl von Menschen bei einer Naturkatastrophe zugrunde gegangen sind. Das hat dann aber dazu geführt, daß diese Menschen in einer späteren Zeit sich gemeinsam verbunden fühlten und durch das gemeinsame Schicksal sich als stark erwiesen, etwas Gemeinsames in der Welt zu unternehmen. Durch jene Katastrophe war die Ursache gebildet, daß sie im späteren Leben sich gründlich abgewöhnt hatten, nur an der Materie zu hängen, so daß sie sich für ihr späteres Leben eine Gesinnung mitgebracht haben, welche sie zum Spirituellen geführt hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was ist in diesem Falle geschehen? Gehen wir zurück in das vorige Leben, so finden wir, daß als ein besonderes Ereignis das zusammen Untergehen bei einem Erdbeben eingetreten ist: da hat sich ihnen die Wertlosigkeit des Materiellen in dem Augenblicke des Erdbebens vor die Seele gedrängt, und da hat sich bei ihnen die Gesinnung nach dem &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|165}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Spirituellen entwickelt. Daran sehen wir, wie Menschen, die ein Spirituelles der Welt zu bringen hatten, dazu vorbereitet waren durch einen solchen Fall, der uns die Weisheit der Entwickelung zeigt, der geisteswissenschaftlich untersucht ist und sich durchaus zugetragen hat. - So können wir zeigen, daß wir zum ersten Male Ereignisse ins Menschenleben eintreten sehen und daß wir auch beim Untergang eines oder mehrerer Menschen bei einer Katastrophe oder einem Unglücksfall den frühzeitigen Tod eines Menschen nicht immer auf eine frühere Verschuldung zurückführen dürfen, sondern daß so etwas als erste Ursache auftreten kann und daß im nächsten Leben der Ausgleich erfolgt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es sind aber noch andere Fälle möglich. Es kann vorkommen, daß jemand in zwei, drei aufeinanderfoigenden Inkarnationen ein Leben frühzeitig zu beschließen hat. Das kann eintreten,weil diese Individualität dazu berufen ist, der Menschheit durch drei Inkarnationen hindurch etwas zu bringen, was man nur bringen kann, wenn man in der physischen Welt mit solchen Kräften lebt, die sich in einem sich aufbauenden Körper ergeben. Es ist ein ganz anderes, ob man in einem Körper lebt, der sich bis zum fünfunddreißigsten Jahre entwickelt, oder in einem Körper des späteren Alters. Denn bis zum fünfunddreißigsten Jahre schickt der Mensch seine Kraft in die Körperlichkeit, so daß er die Kraft von innen heraus entfaltet. Dann aber beginnt, vom fünfunddreißigsten Jahre angefangen, ein Leben, wo der Mensch nur innerlich weiterschreitet und fortwährend mit seinen Lebenskräften anzustürmen hat gegen die äußeren Kräfte. Diese zwei Lebenshälften sind durchaus verschieden voneinander, wenn wir auf die innere Organisation sehen. Nehmen wir nun an, man braucht gemäß der Weisheit der Entwickelung der Menschheit solche Menschen, welche nur gedeihen können, wenn sie nicht anzustürmen haben gegen das, was sich uns entgegendrängt in der zweiten Lebenshälfte, dann kann es sein, daß die Inkarnationen frühzeitig abgerissen werden. Solche Fälle gibt es. Und wir haben selbst schon bei unseren Zusammenkünften hingewiesen auf eine Individualität, welche nacheinander erschienen ist als großer Prophet, als ein bedeutender Maler und als großer Dichter, und immer mit einem frühzeitigen Tode ihr Leben beschlossen hat, weil das, was diese Individualität in drei Inkarnationen zu leisten hatte, nur dadurch &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|166}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
möglich war, daß die Inkarnationen abgebrochen wurden vor einem Sich-Hineinleben in die zweite Lebenshälfte. Darin haben Sie das Eigentümliche des Verstricktseins von menschlichem individuellem Karma und allgemeinem Menschheitskarma.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir können noch tiefer gehen und können im allgemeinen Menschheitskarma gewisse karmische Ursachen aufsuchen, welche sich in späteren Zeiten dann in ihren Wirkungen zeigen; da muß sich der einzelne Mensch wieder hineingestellt sehen in das Menschheitskarma.Wenn wir die nachatlantische Entwickelung in Betracht ziehen, haben wir die griechisch-lateinische Zeit in der Mitte liegend, voran ging ihr die ägyptisch-chaldäische Zeit, und ihr folgte die unsrige als der fünfte Kulturzeitraum. Auf unsere Zeit wird folgen eine sechste und dann eine siebente Kulturepoche. Aber auch bei anderer Gelegenheit habe ich schon darauf hingewiesen, daß in gewisser Beziehung ein Kreislauf&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
stattfindet in der Aufeinanderfolge der verschiedenen Kulturen, so daß die griechisch-lateinische Kultur als eine besondere für sich dasteht, da`ß dann aber die ägyptisch-chaldäische Epoche in der unsrigen sich wiederholt. Nun habe ich auch schon in diesem Zyklus hervorgehoben, wie Kepler in unserer Kulturepoche lebte und wie früher dieselbe Individualität in einem ägyptischen Leibe lebte und damals unter dem Einfluß der ägyptischen Priesterweisen den Blick hinauflenken durfte zum Himmelsgewölbe, so daß ihr die Geheimnisse der Sterne wie von oben enthüllt wurden. Das brachte sie dann wieder heraus in ihrer KeplerInkarnation, die dort hingestellt worden ist, wo der fünfte Zeitraum den dritten in gewisser Weise wiederholt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber das geht noch weiter. Von der Geisteswissenschaft aus kannman wirklich behaupten, daß die Weltentwickelung und das Menschenleben von den meisten Menschen heute noch in rechter Blindheit angeschaut wird. Bis in die Einzelheiten hinein könnten Sie diese Entsprechungen, diese Wiederholungen, dieses Leben in Zyklen verfolgen. Wenn man einen gewissen Zeitpunkt in der Menschheitsentwickelung nimmt, der etwa in das Jahr 747 vor Christus fällt, so haben Sie darin eine Art Hypomochlion, eine Art Nullpunkt, und was vor und nach diesem Zeitpunkt liegt, entspricht sich in einer ganz bestimmten Weise. Wir können zurückgehen in eine Zeit der ägyptischen Entwickelung &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|167}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und finden dort gewisse Zeremonialgesetze und Gebote, welche als «Gebote der Götter» erschienen. Und das waren sie auch. Es waren Gebote, die sich darauf bezogen, daß der Ägypter zum Beispiel am Tage ganz bestimmte Waschungen, also durch Zeremoniengebräuche und rituelle Vorschriften geregelte Waschungen, vollziehen mußte. Und man sagte dem Ägypter, daß er nur leben könne, wie es die Götter wollen, wenn er an diesem oder jenem Tage so und so viele Waschungen vornimmt. Das war ein Göttergebot, das sich in gewissen Reinlichkeitskulten auslebte. Und wenn wir dann in eine etwas weniger reinliche Zeit in der Zwischenzeit kommen und jetzt wieder, in unserer Zeit, auf hygienische Maßregeln stoßen, wie sie jetzt aus materialistischen Gründen der Menschheit gegeben werden, so sehen wir bei uns richtig sich wiederholen, was in einer entsprechenden Zeit in Ägypten untergegangen ist. Ganz merkwürdig stellt sich die Erfüllung des Früheren im Gesamtkarma dar. Nur ist der Gesamtcharakter immer ein anderer. Kepler hatte in seiner ägyptischen Inkarnation den Blick hinaufgelenkt zum Sternenhimmel; und was diese Individualität dort sah, das prägte sie aus in den großen spirituellen Wahrheiten der ägyptischen Astrologie. Bei ihrer Wiederverkörperung in dem Zeitalter, dem der Beruf des Materialismus zu fiel, prägte dieselbe Individualität diese Tatsachen - unserem Zeitalter entsprechend - in den drei materialistisch gefärbten Keplerschen Gesetzen aus. - Im alten Ägypten waren die Gesetze der Reinigung «gottgeoffenbarte» Gesetze. Der Ägypter glaubte nur dadurch seine Pflicht der Menschheit gegenüber zu erfüllen, daß er bei jeder Gelegenheit in der unglaublichstenWeise für seine Reinigung Sorge trug. Das kommt heute wieder heraus, nur unter ganz materialistischen Gedankeneinflüssen. Der Mensch von heute denkt nicht daran, daß er den Göttern dient, wenn er solche Vorschriften beobachtet, sondern daß er sich selbst dient. Aber es kommt das Frühere wieder heraus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So erfüllt sich alles in der Welt, und zwar in gewissem Sinne ganz zyklisch. Und jetzt werden Sie ahnen, daß es mit den Dingen, die wir das letzte Mal in einem Widerspruch zusammen formuliert haben, sich doch nicht so einfach verhält, wie man anzunehmen geneigt ist. Wenn in einer bestimmten Zeit die Menschen nicht in der Lage waren, gegen Epidemien gewisse Maßregeln zu ergreifen, so waren das die Zeiten, wo &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|168}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
es die Menschen deshalb nicht konnten, weil die Epidemien nach dem allgemeinen weisheitsvollen Weltenplan wirken sollten, damit die Menschenseelen Gelegenheit fanden, auszugleichen, was durch den ahrimanischen Einfluß und durch gewisse frühere luziferische Einflüsse bewirkt worden war. Wenn jetzt andere Bedingungen herbeigeführt werden, so unterliegt das wieder ebenfalls bestimmten großen karmischen Gesetzen. Wir können daraus entnehmen, daß wir diese Fragen wahrhaftig nicht oberflächlich betrachten dürfen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie stimmt das nun zusammen: Wir sagten, wenn der Mensch die Gelegenheit aufsucht, um eine Epidemie, eine Infektion aufzunehmen, so ist das die notwendige Gegenwirkung gegen eine frühere karmische Ursache. Dürfen wir nun hygienische und andere Maßregeln dagegen ergreifen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Frage ist tief, und wir müssen erst das richtige Material herbei- tragen, um sie zu entscheiden. Wir müssen uns klar sein, daß da, wo - ob gleichzeitig oder in längeren Zeiträumen - das luziferische und das ahrimanische Prinzip zusammenwirken oder wo sie sich entgegen- wirken, gewisse Komplikationen im menschlichen Leben eintreten.Und diese Komplikationen wirken so, daß sie uns in den verschiedensten Fällen in der mannigfaltigsten Art entgegentreten, so daß wir nicht zwei Fälle in der gleichen Art sehen werden.Wenn wir aber das menschliche Leben studieren, werden wir uns in folgender Weise dabei hindurchfinden: Wenn wir das Zusammenwirken von Luzifer und Ahriman aufsuchen in dem entsprechenden einzelnen Fall, so werden wir überall einen Faden finden, um durch diesen Zusammenhang hindurch- zukommen. Wir müssen aber dabei scharf unterscheiden zwischen dem inneren und dem äußeren Menschen. Wir mußten heute schon scharf unterscheiden zwischen dem, was sich in der Verstandesseele auslebt, und dem, was als Wirkung derVerstandesseele sich im Ätherleibe zeigt. Wir müssen den Fortgang betrachten, in welchem Karma sich vollzieht, und wir müssen uns zugleich klar sein, daß wir aber doch wieder die Möglichkeit haben, durch entsprechende karmische Einflüsse so auf das Innere zu wirken, daß durch das Innere ein anderer karmischer Ausgleich in der Zukunft vorbereitet wird. Dadurch ist es möglich, daß nun dieses eintreten kann:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|169}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es kann der Mensch ganz besonders in einem früheren Leben durch Empfindungen, Gefühle und so weiter durchgegangen sein, die ihn zur Lieblosigkeit gegen seine Nächsten getrieben haben. Denken wir uns zum Beispiel, daß er durch etwas hindurchgegangen ist, wo er durch karmischeWirkung die Lieblosigkeit in sich aufgenommen hat. Es kann durchaus so sein, daß wir, wie auf absteigender Linie fortfahrend, das Böse erzeugen, daß wir also erst auf einer absteigenden Bahn gehen, damit die entgegengesetzte Spannkraft entwickelt wird, um dann wieder aufzusteigen. Nehmen wir also an, ein Mensch hat sich durch Hin- gabe an gewisse Einflüsse zu einer gewissen Lieblosigkeit hingeneigt; dann tritt die Lieblosigkeit in einem späteren Leben als karmische Wirkung ein und bildet innere Kräfte in seiner Organisation aus. Nun können wir ein Zweifaches tun, bewußt oder auch nicht bewußt; denn unsere Kultur ist noch nicht so weit, es bewußt zu tun. Wir werden bei einem solchen Menschen Vorsorge treffen können, daß jene Eigenschaften in seiner Organisation, welche von der Lieblosigkeit kommen, her- ausgetrieben werden. Wir können da etwas tun, was ein Gegenmittel ist gegen die Wirkung in der äußeren Organisation, die sich als Lieblosigkeit zeigt; aber es wird damit noch nicht immer alle Lieblosigkeit in der Seele aufgehoben sein, es wird nur das äußere Organ der Lieblosigkeit fortgeschafft sein. Denn wenn wir weiter nichts tun, haben wir nur halbe Arbeit geleistet, vielleicht auch gar keine. Wir haben vielleicht dem Menschen physisch, äußerlich geholfen; seelisch aber haben wir ihm nicht geholfen. Indem wir ihm in der äußeren Leiblichkeit das Organ für die Lieblosigkeit fortgenommen haben, kann er jetzt die Lieblosigkeit nicht ausleben; er muß sie in seiner inneren Organisation behalten für eine nächste Inkarnation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen wir an, eine ganze Anzahl von Menschen hätte sich wegen Lieblosigkeit gegen die Menschen hingezogen gefühlt, gewisse Infektionsstoffe aufzunehmen, um einer Epidemie zu verfallen. Nehmen wir weiter an, wir könnten gegen die Epidemie etwas tun. Wir würden dann in einem solchen Falle die äußere Leiblichkeit davor bewahren, die Lieblosigkeit zum Ausdruck zu bringen, aber wir würden dadurch noch nicht die innere Neigung zur Lieblosigkeit fortgeschafft haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denken wir uns aber den Fall so, daß wir, wenn wir das äußere Organ&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|170}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der Lieblosigkeit fortschaffen, die Verpflichtung übernehmen, auf die Seele so zu wirken, daß wir auch der Seele die Neigung zur Lieblosigkeit nehmen. Das Organ der Lieblosigkeit wird im eminenten Sinne getötet - im äußeren leiblichen Sinne - in der Pockenimpfung. Da zeigt sich zum Beispiel folgendes, was geisteswissenschaftlich erforscht ist: In einer Kulturperiode traten die Blattern auf, als die allgemeine Neigung bestand, im höheren Maße Egoismus, Lieblosigkeit zu entwickeln. Da traten die Blattern auf, auch in der äußeren Organisation; das ist so. Man ist in der Theosophie durchaus verpflichtet, die Wahrheit zu sagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun können wir es begreifen, daß in unserer Zeit der Impfschutz aufgetreten ist. Wir können aber noch etwas anderes begreifen, daß nämlich bei den besten Geistern unserer Zeit etwas wie ein Widerwille gegen Impfung vorhanden ist. Das steht mit einem Inneren in Korrespondenz, das ist das Äußere eines Inneren. Und wir können jetzt sagen: Wenn wir auf der einen Seite das Organ töten, hätten wir auch die Verpflichtung, als Gegenstück dazu bei diesem Menschen den materialistischen Charakter durch eine entsprechende spirituelle Erziehung anders zu gestalten. Das müßte das notwendige Gegenstück sein. Wir leisten sonst nur halbe Arbeit. Ja, wir leisten nur eine Arbeit, zu der der Mensch selber in einer späteren Inkarnation in irgendeiner Weise wird das Gegenstück schaffen müssen, wenn er das Pockengift in sich hat und die Eigenschaft aus sich herausgeschafft hat, durch die man geradezu hinneigt zur Blatterner krankung. Hat man die Empfänglichkeit für die Blattern herausgeschafft, so hat man nur die äußere Seite der karmischen Wirksamkeit ins Auge gefaßt. Wenn man auf der einen Seite Hygiene übt, muß man anderseits die Verpflichtung fühlen, den Menschen, deren Organisation man umgewandelt hat, auch etwas für die Seele zu geben. Impfung wird keinem Menschen schaden, welcher nach der Impfung im späteren Leben eine spirituelle Erziehung erhält. Wir haben die Waagschale zu stark zum Sinken gebracht, wenn wir nur auf die eine Seite abzielen und auf die andere keinen Wert legen. Das fühlt man im Grunde in den Kreisen, wo man sagt: Wo hygienische Maßregeln zu weit gehen, würden nur schwache Naturen fortgepflanzt. Das ist zwar unberechtigt; aber Sie sehen, wesentlich ist, daß man eine Aufgabe nicht ohne die andere übernehmen darf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|171}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da kommen wir zu einem wichtigen Gesetz in der Menschheitsentwickelung, das so wirkt, daß immer ein Äußeres und ein Inneres sich die Waage halten müssen und daß man nicht bloß auf das eine sehen darf, sondern auch das andere nicht unberücksichtigt bleiben darf. Da sehen wir in einen großen Zusammenhang hinein und sind jetzt noch nicht einmal zur Behandlung der Frage gekommen: Wie verhalten sich Hygiene und Karma zueinander? Sie werden sehen, daß uns die Beantwortung dieser Frage noch tiefer hineinführt in das Karma. Und wir werden noch sehen, wie auch zwischen der Geburt und dem Tode des Menschen karmische Zusammenhänge bestehen und ferner, wie andere Persönlichkeiten hineinspielen in ein Menschenleben und wie sich der freie Wille des Menschen und das Karma im Einklange befinden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|172}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= NEUNTER VORTRAG Hamburg, 26. Mai 1910 =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es wird ja, wie ich wiederholt bemerkte, nur möglich sein, die großen karmischen Gesetzmäßigkeiten in einigen skizzenhaften Linien anzudeuten, um Anregungen zu geben auf diesem schier unermeßlichen Gebiete.Wenn Sie alles bedenken, was wir in den letzten Tagen besprochen haben, so werden Sie es nicht mehr auffällig finden, daß der Mensch geradezu aus gewissen Bewußtseinsschichten heraus getrieben wird, die ausgleichenden Wirkungen für karmische Ursachen, die er sich selber einverleibt hat, auch in der Außenwelt zu suchen. Er kann geradezu dorthin getrieben werden, wo er zum Beispiel eine Infektion erhalten kann, um in dieser die ausgleichenden Wirkungen für eine sich einverleibte karmische Ursache zu suchen, und selbst zu dem,was man Lebensunfälle nennen kann, kann der Mensch hingetrieben werden, um mit dem Hereinbrechen eines solchen Lebensunfalles eine Ausgleichung zu suchen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie ist es nun mit dem karmischen Verlauf, wenn wir durch irgendwelche Maßnahmen in die Lage kommen, den Menschen daran zu hindern, diesen Ausgleich zu suchen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen wir an, daß wir durch gewisse hygienische Maßnahmen dahin wirken, daß gewisse Ursachen, gewisse Dinge, für die vielleicht der Mensch vermöge seiner karmischen Zusammenhänge Neigung haben muß, überhaupt nicht da sein können. Denken wir uns, es gelänge durch hygienische Maßnahmen, gewisse Krankheitserreger auf einem bestimmten Gebiet zu bekämpfen. Nun haben wir uns bereits vor die Seele geführt, daß es keineswegs im Belieben der Menschen steht, solche Maßnahmen zu treffen. Wir haben gesehen, wie in einem bestimmten Zeitalter zum Beispiel die Neigung zu Reinlichkeitsgesetzen daher entsteht, weil einfach diese Neigung, die in der Zwischenzeit verschwunden war, jetzt bei der umgekehrten Wiederholung in der Entwickelung wieder auftaucht. Daraus haben wir gesehen, daß es in den großen Gesetzen des Menschheitskarma überhaupt liegt, daß in einem bestimmten Zeitpunkt der Mensch dazu kommt, diese oder jene Maßnahmeii zu treffen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|173}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir werden es aber auch leicht begreifen, daß der Mensch in einem früheren Zeitalter nicht dazu gekommen ist, derartige Maßnahmen zu treffen, weil die Menschheit in einem früheren Zeitraum die Epidemien brauchte, die jetzt durch die hygienischen Maßnahmen aus der Welt geschafft werden sollen. In bezug auf große Einrichtungen im Leben unterliegt wirklich die Menschheitsentwickelung ganz bestimmten Gesetzen, und bevor etwas für die gesamte Menschheitsentwickelung von Bedeutung und von Nutzen sein kann, tritt gar nicht die Möglichkeit ein, solche Maßnahmen zu treffen. Denn aus dem vollbewußten, vernünftigen, verständigen Leben, das sich der Mensch zwischen Geburt und Tod aneignen kann, kommen ja solche Maßnahmen nicht, sondern sie kommen aus dem Gesamtgeist der Menschheit. Und Sie brauchen sich nur einmal vor Augen zu halten, wie diese oder jene Erfindung oder Entdeckung auch erst dann auftritt, wenn die Menschheit wirklich dafür reif ist. Ein kleiner Überblick über die Geschichte der Entwickelung der Menschheit auf der Erde kann Ihnen da so manches bieten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denken Sie nur daran, daß unsere Vorfahren - das heißt unsere eigenen Seelen - in Leibern von ganz anderer Gestalt als die heutigen Menschenleiber auf dem alten atlantischen Kontinent gelebt haben, daß dann dieser atlantische Kontinent hinuntergesunken ist und daß die Einrichtungen, die wir heute treffen, sich erst im Bereiche unserer heutigen Kontinente gebildet haben. Es wurden dann in einem ga`nz bestimmten Zeitalter erst die Bewohner der einen aufgetauchten Erdhälfte mit den Bewohnern der andern zusammengeführt. Erst vor kurzem, in einer gar nicht so fernen Vergangenheit, konnten die Völker Europas die Gebiete wieder erreichen, die nach der andern Seite des atlantischen Kontinents sich abgegliedert haben. In solchen Dingen herrschen wirklich große Gesetze. Und ob diese oder jene Dinge entdeckt werden oder ob Maßnahmen getroffen werden, welche es in dieser oder jener Richtung möglich machen, karmisch einzugreifen, das hängt nicht von der Meinung oder der Willkür der Menschen ab, sondern das tritt ein, wenn es eintreten soll. Aber dessen ungeachtet: Wenn wir gewisse Ursachen hinwegräumen, welche sonst dagewesen wären und die durch ihre karmische Verwicklung gewisse Menschen aufgesucht hätten, so können wir dadurch das Karma der Menschen beeinflussen. Dieses Beeinflussen &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|174}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
heißt aber nicht, daß wir es hinwegschaffen, sondern es heißt, daß wir es in eine andere Richtung lenken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denken wir uns also den Fall, eine Anzahl von Menschen würde sich durch karmische Verwicklung gedrängt fühlen, bestimmte Einflüsse aufzusuchen, welche ein karmischer Ausgleich sein würden. Durch hygienische Maßnahmen sind nun einstweilen diese Einflüsse oder Verhältnisse hinweggeräumt worden, die Menschen können sie nicht mehr suchen. Darum aber werden diese Menschen nicht befreit von dem, was in ihnen als karmische Wirkung herausgefordert wird, sondern sie werden gedrängt, andere Wirkungen aufzusuchen. Seinem Karma entkommt der Mensch nicht. Er wird durch solche Maßnahmen nicht entlastet von dem, was er sonst aufgesucht hätte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daraus können Sie entnehmen, daß für einen karmischen Ausgleich, den wir in der Lage wären, nach einer Seite wegzuschaffen, wieder ein Ausgleich nach einer andern Richtung entstehen müßte. Wir schaffen nur die Notwendigkeit, andere Gelegenheiten und Einflüsse aufzusuchen, wenn wir irgendwelche Einflüsse hinwegräumen. Nehmen wir nun an, daß viele Epidemien, gemeinsame Krankheitsursachen, einfach darauf zurückzuführen sind, daß die Menschen, welche diese Krankheitsursachen aufsuchen, hinwegräuriien wollen, was sie sich karmisch anerzogen haben, wie zum Beispiel bei der Pockenepidemie Organe der Lieblosigkeit. Brächten wir es zustande, diese Organe hinwegzuräumen, so bliebe die Ursache der Lieblosigkeit trotzdem bestehen, und die betreffenden Seelen müßten dann in dieser oder einer andern Inkarnation den entsprechenden Ausgleich in einer andern Weise suchen. Wir können begreifen,was da stattfindet, wenn wir auf etwas hinweisen, worauf wir sicher zählen müssen, und das ist das Folgende.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heute werden in der Tat eine ganze Menge von äußeren Einflüssen und Ursachen hinweggeräumt, die sonst aufgesucht worden wären zum Ausgleich gewisser karmischer Dinge, welche die Menschheit in früheren Zeitaltern auf sich geladen hat. Dadurch aber schaffen wir nur die Möglichkeit hinweg, daß der Mensch äußeren Einflüssen verfällt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir machen ihm das äußere Leben angenehmer oder auch gesünder. Dadurch erreichen wir aber nur, daß dasjenige, was der Mensch in dem entsprechenden Krankheitsverhältnis sich als karmischen Ausgleich gesucht &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
hätte, nun auf anderem Wege gesucht werden muß. Die Seelen, welche auf diesem Wege heute in gesundheitlicher Beziehung gerettet werden, werden also dazu verurteilt, in einer andern Weise diesen karmischen Ausgleich zu suchen. Und Sie werden ihn suchen müssen in zahlreichen Fällen, die gerade zu den geschilderten gehören. Indem ihnen durch ein gesünderes Leben größere physische Annehmlichkeit bereitet wird, indem ihnen das physische Leben erleichtert wird, wird die Seele dadurch in der entgegengesetzten Weise beeinflußt; sie wird so beeinflußt, daß sie nach und nach eine gewisse Leerheit, eine Unbefriedigtheit, eine Unerfülltheit empfinden wird. Und wenn es so fortgehen würde, daß das äußere Leben immer angenehmer, immer gesünder würde, wie man es nach den allgemeinen Vorstellungen im rein materialistischen Leben haben kann, dann würden solche Seelen immer weniger Ansporn haben, in sich selber weiterzukommen. Eine Verödung der Seelen würde in gewissem Sinne parallel einhergehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer sich genauer das Leben ansieht, kann das heute schon bemerken. In kaum einem Zeitalter hat es so viele Menschen gegeben, welche in so angenehmen äußeren Verhältnissen leben, aber mit öden, unbeschäftigten Seelen einhergehen, wie es heute der Fall ist. Diese Menschen eilen darum von Sensation zu Sensation; dann, wenn das Pekuniäre reicht, reisen sie von Stadt zu Stadt, um etwas zu sehen, oder wenn sie in derselben Stadt bleiben müssen, eilen sie jeden Abend von Vergnügen zu Vergnügen. Die Seele bleibt aber darum doch öde, weiß zuletzt selber nicht mehr, was sie aufsuchen soll in der Welt, um einen Inhalt zu bekommen. Namentlich wird durch ein Leben in rein äußeren, physisch annehmlichen Zuständen der Hang erzeugt, nur über das Physische nachzudenken. Und wenn diese Neigung, sich nur mit dem Physischen zu beschäftigen, nicht schon lange vorhanden wäre, so würde auch nicht die Neigung zum theoretischen Materialismus so stark geworden sein, wie es in unserer Zeit der Fall ist. So werden die Seelen leidender, während das äußere Leben gesünder gemacht wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am wenigsten hat derTheosoph über eine solche Tatsache zu klagen, weil überall die Theosophie uns Verständnis der Dinge schafft und damit ein Einsehen, wo der Ausgleich ist. Die Seelen können nur bis zu einem gewissen Grade leer bleiben; dann werden sie wie durch die &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
eigene Elastizität nach der andern Seite hingeschnellt. Sie suchen dann einen Inhalt, der verwandt ist mit den Tiefen der eigenen Seele, und sie werden dann einsehen, wie notwendig sie es haben, zu einer theosophischen Weltanschauung zu gelangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So sehen wir, wie das, was aus den materialistischen Lebensauffassungen herauskommt, wohl das äußere Leben erleichtert, aber Schwierigkeiten des inneren Lebens schafft, die dahin führen, aus den Leiden der Seele heraus den Inhalt einer spirituellenWeltanschauung zu suchen. Die spirituelle Weltanschauung, wie sie sich heute als die theosophische kundgibt, kommt so den Seelen entgegen, die in der Verödung, an dem, was das äußere Leben, das ganz angenehm eingerichtet sein kann, ihnen an Eindrücken zu geben vermag, keine Befriedigung finden können. Die Seelen werden so lange suchen, immer wieder Neues aufzunehmen, bis die Elastizität von der andern Seite so stark wirkt, daß die Seelen mit dem sich vereinigen werden, was man spirituelles Leben nenneön kann. So gibt es eine Beziehung zwischen Hygiene und den Zukunftshoffnungen der geisteswissenschaftlichen Weltanschauung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie können das heute im Kleinen schon bemerken. Es gibt heute solche Seelen, welche zu andern Äußerlichkeiten eine neue Äußerlichkeit fügen: sich zu interessieren für die theosophische Weltanschauung, welche als neue Sensation die theosophische Weltanschauung aufnehmen. Das ist etwas, was sich bei jeder Strömung in der Menschheitsentwickelung zeigt, daß das, was tiefe, innere Bedeutung hat, auch als Mode, als Sensation wirkt. Aber die wahrhaft für die Theosophie vorbereiteten Seelen sind solche, welche sich entweder unbefriedigt fühlen durch die äußeren Sensationen oder auch einsehen, daß die äußere Wissenschaft mit all ihren Erklärungen die Tatsachen nicht erklären kann. Diese Seelen sind es, welche durch ihr Gesamtkarma so präpariert sind, daß sie sich mit den innersten Gliedern ihres Seelenlebens mit der Theosophie verbinden können. Geisteswissenschaft gehört auch zum Gesamtkarma der Menschheit, und sie wird sich als solche darin einfügen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So können wir das Karma der Menschen nach der einen oder andern Seite in eine andere Richtung bringen; aber wir können nicht die Rückwirkung auf den Menschen beseitigen. In irgendeiner Weise kommt das &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
zurück, was sich der Mensch in früheren Lebensläufen selber zubereitet hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie nun das Karma sinnvoll in der Welt wirkt, das kann am besten eine Betrachtung lehren, wo Karma sozusagen noch ohne moralischen Beigeschmack wirkt, wo es in der großen Welt selber wirkt, ohne daß es etwas zu tun hat mit dem, was der Mensch aus der Seele heraus an moralischen Impulsen entwickelt und was dann zu moralischen oder unmoralischen Handlungen führt. Wir wollen ein Gebiet des Karma vor unsere Seele stellen, in dem das Moralische noch keine Rolle spielt, sondern wo sich etwas Neutrales als karmische Verkettung darstellt. Nehmen wir an, eine Frau lebt in einer bestimmten Inkarnation. Nun werden Sie nicht in Abrede stellen, daß die Frau einfach dadurch, daß sie Frau ist, andere Erlebnisse haben muß als der Mann und daß diese Erlebnisse nicht nur bloß zusammenhängen mit inneren Seelenvorgängen, sondern daß sie im breitesten Maße zusammenhängen mit äußeren Geschehnissen, mit Lebenslagen, in welche die Frau nur dadurch kommt, daß sie Frau ist, und die wieder zurückwirken auf die ganze Seelenverfassung und Seelenstimmung. Daher können wir davon sprechen, daß die Frau zu gewissen Handlungen geführt wird, die im innigsten Zusammenhang stehen mit dem Frauendasein. Der Ausgleich zwischen Mann und Frau findet ja erst auf dem Gebiete des geistigen Zusammenlebens statt. Je tiefer wir nun hinuntersteigen in das bloß Seelische und in das Äußere des Menschen, desto größer wird der Unterschied zwischen Mann und Frau in bezug auf ihr Leben. Und so können wir sagen, daß die Frau auch in gewissen Eigenschaften der Seele verschieden ist vom Manne, daß sie mehr neigt zu jenen Eigenschaften der Seele, die zu Impulsen führen&amp;gt; welche als emotionelle bezeichnet werden müssen; und wir finden sie dazu veranlagt, mehr als der Mann psychische Erlebnisse zu haben. Dafür sind im Leben des Mannes Intellektualismus und Materialismus - dasjenige also, was durch den Mann gekommen ist - mehr zuhause, was auf das Seelenleben einen großen Einfluß hat. Psychisches und Emotionelles bei der Frau, intellektuelle und materialistische Momente beim Mann - so werden sie durch ihre Naturen geradezu bestimmt. Daher hat nun auch die Frau gewisse Nuancen des Seelenlebens dadurch, daß sie Frau ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Nun haben wir ja geschildert,daß dasjenige, was wir als Eigenschaften in der Seele erleben zwischen Tod und neuer Geburt, sich hineindrängt in unsere nächste leibliche Organisation, Was nun stärker psychisch ist, was stärker emotionell ist und im Leben zwischen Geburt und Tod mehr nach dem Inneren der Seele geht, das hat auch mehr Neigung, tiefer einzugreifen in die Organisation, sie viel intensiver zu imprägnieren. Und dadurch, daß die Frau solche Eindrücke aufnimmt, welche mit dem Psychismus, mit dem Emotionalismus zusammenhängen, nimmt sie in tiefere Seelengründe hinein auch die Erfahrungen des Lebens. Der Mann mag reichere Erfahrungen machen, auch wissenschaftlichere: so tief gehen bei ihm die Erfahrungen nicht in das Seelen- leben hinein, wie es bei der Frau der Fall ist. Bei der Frau prägt sich die ganze Erfahrungsumwelt tief ein in die Seele. Dadurch haben die Erlebnisse eine stärkere Tendenz, in die Organisation hineinzuwirken, die Organisation in der Zukunft stärker zu umklammern. Und so nimmt ein Frauenleben die Tendenz auf, durch ihre Erlebnisse in einer Inkarnation tief in den Organismus hineinzugreifen und damit in der nächsten Inkarnation den Organismus selber zu gestalten. Ein tiefes Hinein- arbeiten, ein tiefes Durcharbeiten des Organismus bedeutet nun aber: einen männlichen Organismus hervorbringen. Ein männlicher Organismus wird dadurch hervorgebracht, daß die Kräfte der Seele sich tiefer in das Materielle hineinprägen wollen. Daraus sehen Sie, daß aus den Frauenerlebnissen einer Inkarnation die Wirkung hervorgeht, in der nächsten Inkarnation einen männlichen Organismus hervorzubringen. Da haben Sie aus der Natur des Okkultismus einen Zusammenhang gegeben, der jenseits des Moralischen liegt. Deshalb sagt man im Okkultismus: Der Mann ist das Karma der Frau. - In der Tat ist die Mannesorganisation in einer späteren Inkarnation das Ergebnis der Erfahrungen und Erlebnisse in einer vorhergehenden Fraueninkarnation. Selbst auf die Gefahr hin, daß ich etwa unsympathische Gedanken erwecke bei einigen der Versammelten - es kommt ja immer vor, daß Männer der Gegenwart einen heil losen Respekt davor haben, als Frau inkarniert zu werden -, muß ich diese Dinge als Tatsachen auch wieder ganz objektiv beleuchten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie ist es nun mit den Manneserlebnissen? Mit den Manneserleb&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
nissen verhält es sich so, daß wir sie am besten verstehen, wenn wir gleich von dem ausgehen, was wir jetzt eben dargestellt haben. Bei der Mannesorganisation hat der innere Mensch sich gründlicher in das Materielle hineingelebt, hat es mehr umklammert als bei der Frau. Die Frau behält mehr von dem Geistigen im Unkörperlichen zurück; sie lebt sich nicht so tief in das Materielle hinein, sie erhält ihre Körperlichkeit weicher. Sie trennt sich nicht so weit von dem Geistigen. Das ist das Charakteristische der Frauennatur, daß sie mehr zurückbehält von freier Geistigkeit und sich daher weniger in die Materie hineinarbeitet und vor allem das Gehirn weicher erhält. Daher ist es nicht zu verwundern, daß die Frauen für Neues, insbesondere auf geistigem Gebiete, eben eine besondere Neigung haben, weil sie das Geistige freier behalten haben und weil weniger Widerstand da ist. Und es ist kein Zufall, sondern es entspricht einer tiefen Gesetzmäßigkeit, daß bei einer Bewegung, die durch ihre Natur mit dem Spirituellen zu tun hat, sich eine größere Anzahl von Frauen einfindet als Männer. Und wer Mann ist, der weiß,was für ein schwieriges Instrument das Mannesgehirn oftmals ist. Es bildet furchtbare Hindernisse, wenn man es für biegsamere Gedankengänge brauchen will. Da will es nicht mitgehen. Es muß erst mit allen möglichen Mitteln herangebildet werden, um sich aus der Steifigkeit zu erlösen. Das kann durchaus ein eigenes Erlebnis der Manneserfahrung sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Mannesnatur ist also kondensierter, zusammengezogener; sie ist mehr gepreßt worden, steifer, härter gemacht worden durch das, was der innere Mensch im Manne ist; sie ist materieller gemacht worden. Nun ist ein steiferes Gehirn vor allem ein Instrument für das Intellektuelle, weniger für das Psychische. Denn das Intellektuelle ist etwas, was sich viel mehr auf den physischen Plan bezieht. Was als Intellektualismus des Mannes zu bezeichnen ist, das kommt von seinem steiferen, verfestigten Gehirn. Man könnte dabei von einem gewissen Grade von «Eingefrorenheit&amp;gt; des Gehirns sprechen. Es muß erst auftauen, wenn es sich in feinere Gedankengänge hinein finden soll. Dadurch aber wird der Mann veranlaßt, mehr die Äußerlichkeiten zu erfassen, weniger von denjenigen Erlebnissen aufzunehmen, die mit den Tiefen des Seelenlebens zusammenhängen. Und was er aufnimmt, das geht dann auch &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|180}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nicht tief. Ein äußerer Beweis dafür ist der, wie wenig tief die äußere Wissenschaft geht und wie wenig sie das Innere erfaßt - wie zwar immer im weiten Umkreis gedacht wird, aber wie wenig gründlich die Tatsachen zusammengezogen werden. Wer durch seine eigene Selbstzucht im Denken genötigt ist, die Tatsachen zusammenzufügen, dem könnte von dem, was die äußere Wissenschaft sich nicht scheut, als nebeneinander bestehend hinzustellen, manchmal recht übel werden. Da kann man sehen, wie wenig tief die Dinge gehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Beispiel dafür, wie oberflächlich die Dinge der heutigen Wissenschaft sein können: Nehmen Sie an, ein junger Mensch ist in irgendeinem Kolleg, wo ein enragierter Darwinianer vorträgt. Und bei diesem Vertreter der Selektionstheorie kann der Student etwa solche Dinge vertreten hören: Woher kommt es, daß der Gockel zum Beispiel so schöne, blauschillernde Farben an seinen Federn hat? Das ist auf eine geschlechtliche Zuchtwahl zurückzuführen; denn durch die Farben zieht er die Hennen &#039;an, und die Hennen wählen dann unten den Gockeln diejenigen, welche die bläulichschillernden Federn haben. Dabei kommen dann die andern zu kurz, und es bildet sich infolgedessen besonders die eine Sorte aus. Das ist eine Höherentwickelung, das ist «geschlechtliche Zuchtwahl»! - Und der Student ist froh, daß er weiß, wie eine Aufwärtsentwickelung zustande kommen kann. Jetzt geht er ins nächste Kolleg, wo, sagen wir, das Gebiet der Sinnesphysiologie behandelt wird. Und hier kann es jetzt vorkommen, daß derselbe Student nun im zweiten Kolleg etwa folgendes zu hören bekommt: Man hat Versuche gemacht, welche zeigen, wie verschieden die Farben des Spektrums auf die verschiedenen Wesenheiten wirken. Man kann nachweisen, daß zum Beispiel die Hühner von den gesamten Farben des Spektrums das nicht wahrnehmen, was zum Blau und Violett gehört, sondern daß sie nur dasjenige wahrnehmen, was vom Grünen zum Orange, Rot und Ultrarot geht!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt ist der Student, wenn er diese beiden Tatsachen, die er heute wirklich hören kann, zusammendenken will, darauf angewiesen, die Dinge oberflächlich zu nehmen. Es ist die ganze Selektionstheorie darauf gebaut, daß die Hennen am Gockel etwas sehen sollen an bunten Farben, was ihnen besondere Freude machen soll, was sie aber &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|181}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
in Wirklichkeit gar nicht sehen, was für sie wie rabenschwarz erscheint.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist nur ein Beispiel. Aber die Dinge sind so, daß sie dem, der wirklich wissenschaftlich forschen will, auf Schritt und Tritt so begegnen. Daraus sehen Sie, daß die Intellektualität nicht gerade sehr tief elngreift in das Leben, daß sie an der Oberfläche stehenbIeibt. Ich wähle absichtlich die krassen Beispiele. Man wird es ja nicht so leicht glauben wollen, daß die Intellektualität etwas ist, was sich mehr äußerlich abspielt, nicht tief eingreift in das Seelenleben, was wenig das Innere des Menschen ergreift. Und die materialistische Gesinnung ergreift das Seelenleben erst recht nicht. Die Folge davon ist aber die, daß der Mensch aus einer solchen Inkarnation, wo er wenig hineinwirkt in die Seele, die Tendenz aufnimmt zwischen Geburt und Tod, in der nächsten Inkarnation weniger in die Organisation einzudringen. Es ist ja die Kraft dazu weniger aufgenommen worden; deshalb wirkt sie jetzt so, daß der Mensch weniger seine Leiblichkeit imprägniert. Daraus entsteht nun aber die Neigung, in der nächsten Inkarnation einen Frauenleib aufzubauen. Wiederum ist es richtig, wenn man im Okkultismus sagt: Das Weib ist das Karma des Mannes!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf diesem moralisch neutralen Gebiete sehen wir, wie das, was sich der Mensch in einer Inkarnation vorbereitet, in der nächsten Inkarnation seine Leiblichkeit organisiert. Und weil diese D`inge nicht nur tief eingreifen in unser inneres Leben, sondern auch in unsere äußeren Erlebnisse und in unser Handeln&amp;gt; so müssen wir sagen: Indem der Mensch in einer Inkarnation Mannes- oder Frauenerlebnisse hat, wird in der nächsten Inkarnation sein äußeres Handeln in dieser oder jener Weise bestimmt, weil er durch die Frauenerlebnisse die Neigung hat, eine Mannesorganisation sich zu bilden, und umgekehrt durch die Manneserlebnisse eine Frauenorganisation. Nur in seltenen Fällen wiederholt sich die gleiche geschlechtliche Inkarnation; sie kann sich höchstens siebenmal wiederholen. Die Regel jedoch ist die, daß jede männliche Organisation in der nächsten Inkarnation danach strebt, weiblich zu werden, und umgekehrt. Da nützt alle Abneigung nichts, denn es kommt nicht darauf an, was man in der physischen Welt möchte, sondern es kommt auf die Neigungen an, die man in der Zeit zwischen Tod&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
und neuer Geburt hat, und die werden durch vernünftigere Gründe bestimmt als solche, daß man etwa in einer männlichen Inkarnation einen Horror davor hat, in der nächsten Inkarnation sich als Frau zu inkarnieren. Da können Sie sehen, wie das spätere Leben karmisch bestimmt wird durch das frühere und wie auch die Handlungen des späteren Lebens bestimmt werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun handelt es sich darum, daß wir noch einen andern karmischen Zusammenhang einsehen lernen, den wir auch noch benötigen, wenn wir auf die wichtigen Betrachtungen der nächsten Tage Licht werfen wollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Blicken wir dazu noch einmal zurück auf einen recht fernliegenden Zeitpunkt der menschlichen Entwickelung: auf den Zeitpunkt, wo einmal auf der Erde die menschlichen Inkarnationen angefangen haben. Das geschah in der alten lemurischen Zeit. Nun handelt es sich darum, daß damals auf den Menschen zuerst in einer durchgreifenden Art gewirkt hat der luziferische Einfluß und daß dieser dann den ahrimanischen Einfluß herausgefordert hat. Versuchen wir uns einmal vor die Seele zu stellen, wie der luziferische Einfluß äußerlich im Menschen- leben gewirkt hat. - Dadurch, daß der Mensch überhaupt in die Lage gekommen ist, in jenen alten Zeiten den luziferischen Einfluß in sich aufzunehmen, also seinen astralischen Leib mit dem luziferischen Einfluß zu durchdringen, dadurch wurde sein astralischer Leib geneigt, viel tiefer noch in die Organisation einzugreifen, in das Materielle des physischen Leibes viel tiefer hinunterzusteigen, und vor allem auch ganz anders, als er ohne den luziferischen Einfluß hinuntergestiegen wäre. Der Mensch wurde durch den luziferischen Einfluß materieller. Hätte der luziferische Einfluß nicht gewirkt, dann wäre eine geringere Neigung des Menschen entstanden, in die materielle Welt hinunterzusteigen, der Mensch hätte sich als solcher in höheren Regionen des Daseins gehalten. Also es ist eine viel stärkere Durchdringung von äußerem und innerem Menschen geschehen, als es ohne den luziferischen Einfluß der Fall gewesen wäre. Diese Durchdringung war nun zunächst dieVeranlassung dafür, daß der Mensch durch die stärkere Verbindung mit dem Materiellen des äußeren Leibes den Rückblick auf die Ereignisse, welche seiner Einkörperung vorangegangen sind, verloren hat. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|183}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Mensch trat jetzt durch eine so geartete Geburt ins Dasein, daß er sich tief mit dem Materiellen verband und dadurch alle Rückschau auf die früheren Erlebnisse auslöschte. Der Mensch hätte sich sonst die Erinnerung bewahrt an das, was er vor der Geburt im Geistigen erlebt hat. Durch den luziferischen Einfluß wurde nun die Geburt ein Akt, durch den der Mensch so intensive Verbindungen zwischen äußerem und innerem Menschen herstellt, daß ausgelöscht wurde, was der Mensch in derZeit vorher in der geistigenWelt erleben kann. Es wurde der Mensch durch den luziferischen Einfluß beraubt seiner Erinnerungen an die vorhergehenden geistigen Erlebnisse. Die Verbindung mit der äußeren Leiblichkeit macht es, daß der Mensch nicht zurückblicken kann auf das Frühere. Dadurch aber ist der Mensch während seines Lebens darauf angewiesen, immer nur aus der Außenwelt seine Erfahrungen und Erlebnisse zu holen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun wären Sie aber auf einem ganz falschen Wege, wenn Sie glauben würden, daß nur die groben äußeren Stoffe, die der Mensch in sich aufnimmt&amp;gt; auf ihn wirken. Es wirken auf den Menschen nicht nur die Nahrungsmittel und -kräfte, sondern auch die sonstigen Erfahrungen, welche er macht, auch die Dinge, welche durch seine Sinne in ihn ein- fließen. Aber durch das gröbere Verbinden mit der Materie wirken auch die Nahrungsmittel anders. Stellen Sie sich vor, der luziferische Einfluß wäre nicht dagewesen; dann würde von den Nahrungsmitteln bis zu den Sinneseindrücken alles auf den Menschen weit feiner wirken. Er würde alles, was er als Wechselwirkung mit der Außenwelt erlebt, durchdringen mit dem, was er zwischen Tod und neuer Geburt erlebt hat. Dadurch, daß der Mensch die Materialität dichter gestaltet hat, ist er geneigt, auch viel Dichteres aufzunehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es wirkt also der luziferische Einfluß so, daß der Mensch durch die Verdichtung der Materie auch aus der Außenwelt viel Dichteres heranzieht, als er sonst herangezogen hätte. Das Dichtere, was er nun von außen heranzieht, ist aber ganz anders als das sonst weniger Dichte. Das weniger Dichte würde die Erinnerungen an das frühere Leben aufrechterhalten haben; es würde auch bewirken,daß er die Sicherheit hat, daß alles, was der Mensch erlebt zwischen Geburt und Tod, seine Wirkungen hineinerstreckt in einen nie endenden Zeitraum. Der Mensch &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|184}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
würde wissen: Es tritt zwar äußerlich der Tod ein, aber alles, was geschieht, wirkt weiter. Dadurch, daß der Mensch Dichteres aufnehmen mußte, schafft er von Geburt an eine starke Wechselwirkung zwischen seiner eigenen leiblichen Natur und der Außenwelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was hat nun dieser Wechselzustand zur Folge? Die geistige Welt ist ausgelöscht seit der Geburt. Und damit der Mensch im Geistigen leben, in der geistigen Welt aufwachen kann, muß erst wieder jener Zustand eintreten, wo alles, was von außen als dichtere Materialität in uns hineinkommt, wieder von den Menschen genommen wird. Weil wir uns eine dichtere Materialität angeeignet haben, müssen wir, um wieder in das Geistige hineinzukommen, auf den Zeitpunkt warten, wo die äußere materielle Leiblichkeit von uns genommen wird. Was nun da als dichtere Materialität in uns hineindringt&amp;gt; das zerstört stückweise, von unserer Geburt an, unsere menschliche Leiblichkeit. Was da hereinfließt, das ist etwas, was immer mehr und mehr die Leiblichkeit zerstört, bis es sie endlich ganz zerstört hat, daß sie nicht mehr bestehen kann. Von unserer Geburt angefangen, nehmen wir eine dichtere Materialität auf, als wir ohne den luziferischen Einfluß aufgenommen hätten, so daß wir unsere Leiblichkeit langsam vernichten, bis sie mit dem Eintreten` d&amp;amp; Todes ganz unbrauchbar geworden ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daran sehen wir&amp;gt; wie der luziferische Einfluß die karmische Ursache des Todes des Menschen ist. Gäbe es nicht diese Form der Geburt, so gäbe es nicht diese Form des Todes für den Menschen. Der Mensch würde sonst so vor dem Tode stehen, daß ihm die sichere Aussicht auf Kommendes vor Augen stehen würde. Der Tod ist die karmische Folge der Geburt, Geburt und Tod hängen karmisch zusammen. Ohne Geburt, wie sie der Mensch heute erlebt, gäbe es keinen Tod, wie ihn der Mensch erlebt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich habe vorhin schon gesagt, daß beim Tier nicht in demselben Sinne von Karma gesprochen werden kann wie beim Menschen. Wenn jemand sagen würde, daß auch beim Tier Geburt und Tod karmisch zusammenhängen, so.wüßte der Betreffende eben nicht, daß Geburt und Tod für den Menschen etwas ganz anderes sind als für das Tier. Was sich da äußerlich gleich sieht, ist innerlich nicht dasselbe; es handelt sich bei Geburt und Tod nicht um das äußerliche Aufbauen, sondern &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|185}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
um das innere Erleben. Beim Tier erlebt nur die Gattungsseele, die Gruppenseele. Das Absterben eines Tieres bedeutet für die Gruppenseele ungefähr dasselbe, was Sie erleben, wenn- Sie sich beim Herankommen des Sommers die Haare kürzer schneiden lassen, die dann wieder langsam nachwachsen. Es fühlt die Gruppenseele einer Tiergattung das Absterben eines Tieres wie das Absterben eines Gliedes, das sich nach und nach wieder ersetzt. Also die Gattungsseele ist das, was wir mit dem menschlichen Ich vergleichen dürfen. Sie kennt nicht Geburt und Tod, sie sieht auf das, was der Geburt vorangeht, fortwährend, und auch auf das, was dem Tode nachfolgt, sieht sie fortwährend. Von Geburt und Tod beim Tier zu sprechen, wie man davon beim Menschen spricht, ist ein Unsinn, weil ganz andere Ursachen vorangehen. Und man leugnet die innere Wirksamkeit des Geistes, wenn man glaubt, was sich äußerlich gleich darstelle, das sei auch von innerlich gleichen Ursachen bewirkt. Gleichheit der äußeren Vorgänge weist nie mit Sicherheit auf gleiche Ursachen hin. Der Geburt des Menschen liegen ganz andere Ursachen zugrunde als der des Tieres, und ebenso stirbt der Mensch aus ganz andern Ursachen heraus als das Tier.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn man ein wenig nachdenken würde, wie das Äußere sich ganz gleich ausnehmen kann, ohne daß das Innere im entferntesten Gleiches erlebt, dann würde man auch schon methodologisch darauf kommen, daß es sich so verhält. Sie können sogar auf höchst einfache Weise darauf kommen, daß der äußere Sinnenschein kein Beweis ist für das innere Leben. Denken Sie sich zwei Menschen; Sie kommen um neun Uhr an einen bestimmten Ort und sehen dort die zwei Menschen nebeneinanderstehen. Um drei Uhr gehen Sie wieder an den betreffenden Ort, nachdem Sie in der Zwischenzeit nicht dort gewesen sind. Da stehen die zwei Menschen wieder an derselben Stelle. Nun könnten Sie schließen: A steht immer noch an demselben Ort, B steht immer noch an demselben Ort, wo er um neun Uhr schon gestanden hat. Untersuchen Sie aber, was diese beiden Menschen inzwischen getan haben, dann werden Sie vielleicht finden, daß der eine da stillgestanden hat, während der andere unterdessen einen weiten Gang getan hat und in der Zwischenzeit müde geworden ist. Da liegen dann ganz andere Vorgänge zugrunde. Und wie es unsinnig wäre, wenn die beiden Menschen &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|186}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
um drei Uhr wieder an derselben Stelle stehen, zu sagen, daß in ihrem Inneren das Gleiche vorgegangen sei, ebenso unsinnig ist es, wenn man zwei gleichgeformte Zellen findet, aus ihrer gleichen Struktur schließen zu wollen, daß sie innerlich die gleiche Bedeutung haben. Es handelt sich darum, den ganzen Zusammenhang der Tatsachen zu kennen, der eine Zelle an den betreffenden Ort hingeführt hat. Daher ist die moderne Zellenphysiologie, die ausgeht von der Untersuchung der inneren Struktur der Zellen, auf ganz falschem Wege. Niemals kann das, was sich dem äußeren Sinnenschein darbietet, ausschlaggebend sein für das innere Wesen des Dinges.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So etwas muß man durchdenken, wenn man solche Dinge einsehen will, wie sie sich dem Okkultisten aus den okkulten Beobachtungen ergeben, wie zum Beispiel Geborenwerden und Sterben etwas ganz anderes ist beim Menschen als beim Säugetier oder gar bei den Vögeln. Diese Dinge zu studieren wird erst möglich sein, wenn die Leute wieder ein wenig auf das eingehen, was die geistige Forschung zu sagen hat. Bevor nicht darauf eingegangen wird, wird die äußere Wissenschaft, die beim Sinnenschein und bei den äußeren Tatsachen stehenbleibt, zwar sehr schöne Tatsachen zutage bringen; aber alles, was Menschen meinen können unter solchen Voraussetzungen über solche Tatsachen, das wird niemals maßgebend sein für die Wirklichkeit. Daher ist alles, was heute theoretische Wissenschaft ist, ein phantastisches Gebilde, das dadurch entstanden ist, daß man die äußeren Tatsachen nach dem äußeren Schein kombiniert. Auf manchen Gebieten drängen geradezu die äußeren Tatsachen dazu, in der richtigen Weise zu interpretieren; aber durch die heutigen Meinungen kommt man nicht dazu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So haben wir heute zwei neutrale Gebiete auf dem Felde der karmischen Gesetzmäßigkeit auf uns wirken lassen, und Sie werden sehen, daß sie uns eine Grundlage sein werden für die weiteren Betrachtungen. Wir haben eingesehen, wie die Frauenorganisation die karmische Folge der Manneserlebnisse ist und die Mannesorganisation eine karmische Folge der Frauenerlebnisse; und wir haben endlich eingesehen, daß der Tod eine karmischeWirkung der Geburt im Menschenleben ist. Das ist etwas, was, wenn man versucht, es nach und nach zu verstehen, uns tief hineinführen kann in die karmischen Zusammenhänge des Menschenlebens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|187}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= ZEHNTER VORTRAG Hamburg, 27. Mai 1910 =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gewisse tiefere Fragen des karmischen Zusammenhanges, die sich namentlich auf unseren menschlichen Einfluß auf das Karma und besonders auf das Karma anderer Menschen beziehen, solche Fragen also, die sich auf eine Richtungsänderung des Karma im Kleinen und im Großen beziehen, kann man nicht beantworten, auch nicht eine Vorstellung hervorrufen, wie sie beantwortet werden müssen, wenn man nicht in der Weise, wie wir es heute tun wollen, gewisse bedeutsame Geheimnisse unseres Weltendaseins berührt. Solche Fragen können sich vielleicht dann für jeden aus dem Gesagten ergeben, wenn Sie diesen oder jenen Gedanken, der angeschlagen und von der einen oder andern Seite beleuchtet worden ist, für sich selber weiter ausführen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So kann sich die Frage aufwerfen: Was geschieht, wenn im karmischen Zusammenhange eines Menschen durch das, was er früher erlebt und getan hat, ein Krankheitsprozeß zur Hinwegschaffung dieser karmischen Tatsache notwendig ist und wenn diesem Menschen durch Heilmittel oder durch einen andern Eingriff in derWeise geholfen wird, daß er durch menschliche Hilfe wirklich geheilt wird? Was liegt da vor, und wie verhält sich eine solche Tatsache zu den tieferen Auffassungen von der karmischen Gesetzmäßigkeit?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun bemerke ich von vornherein: Um überhaupt auch nur einige wesentlichere Lichter auf diese Frage zu werfen, müssen Dinge berührt werden, die der heutigen Wissenschaft und dem heutigen Denken der Menschen ganz fern liegen und welche auch nur sozusagen unter Theosophen besprochen werden können, die sich für solche Dinge schon dadurch vorbereitet haben, daß sie mancherlei Wahrheiten aufgenommen haben, die sich auf tiefere Untergründe des Daseins beziehen, und die sich auch ein Gefühl dafür erworben haben, wie Dinge,welche heute nur angedeutet werden können, sich doch voll begründen lassen. Dennoch möchte ich bei dieser Gelegenheit eine Bitte einfügen: Was ich genötigt bin zu sagen über die tieferen Untergründe des Erdendaseins, zum Beispiel was ich mich bemühen werde, in der präzisesten Form auszusprechen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
und was sogleich falsch sein würde, wenn es in anderem Zusammenhang oder gar ohne Zusammenhang gesagt würde und deshalb zu Mißverständnissen Veranlassung geben würde, davon bitte ich, daß es nicht anders behandelt werde als so, daß man es eben aufnimmt. Auch ich muß daher gerade bei diesen Dingen darauf halten, daß niemand sie als ein Lehrgut betrachten sollte, das er irgendwie weitergeben könnte, weil nur der Zusammenhang eine solche Darstellung rechtfertigt und weil eine solche Darstellung nur gerechIfertigt ist, wenn dahinter das Bewußtsein liegt, wie man solche Worte zu prägen hat, um derartiges in Gedanken zum Ausdruck zu bringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um was es sich nun handelt, das ist die Frage nach dem tieferen Wesen des materiellen Daseins auf der einen Seite und nach dem Wesen des seelischen Daseins auf der andern Seite. Eine tiefere Auffassung vom Seelischen und Materiellen werden wir uns heute notwendig aneignen müssen, und zwar werden wir es nötig haben aus einem ganz bestimmten Grunde heraus, aus dem Grunde, weil wir in den verflossenenVorträgen angeführt haben,daß das Seelische des Menschen mehr oder weniger tief hineindringen kann in das Materielle. Ja, wir haben gestern das Wesen des Männlichen dadurch charakterisieren können, daß wir sagten, beim Manne dringe das Seelische tiefer in das Materielle hinein, präge sich tiefer ein, während das Seelische beim Weiblichen in gewisser Beziehung sich mehr zurückzieht und sich mehr ein selbständiges Dasein gegenüber dem Materiellen aneignet. So haben wir gesehen, daß vieles im karmischen Ausleben darauf beruht, wie die Durchdringung des Seelischen und des Materiellen stattfindet. Wir haben auch gesehen, wie ein gewisser Krankheitsprozeß, der in einer Inkarnation auftritt, sich darstellt als die karmische Folge von Verfehlungen, welche die Seele in früheren Verkörperungen begangen hat, indem die Seele damals ihre Taten, Erlebnisse und Impulse in sich verarbeitet und dann auf dem Wege zwischen Tod und neuer Geburt die Tendenz auf- genommen hat, dasjenige, was früher bloß als ein Merkmal, als ein Einfluß des Seelischen sich abgespielt hat, hineinzudrängen in das Körperliche, in das Materielle. Und indem dann die menschliche Wesenheit durchtränkt wird von einem solchen Seelischen, das den luziferischen oder ahrimanischen Einfluß in sich aufgenommen hat, wird gerade dadurch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
das menschliche Materielle verdorben. Darinnen liegt ja dann der Krankheitsverlauf. Daher können wir sagen: In einem kranken Leibe steckt ein verdorbenes Seelisches, das einen unrichtigen Einfluß erfahren hat, einen luziferischen oder ahrimanischen Einfluß; und in dem Augenblick, wo wir den luziferischen oder ahrimanischen Einfluß aus dem Seelischen herausbringen könnten, würde die richtige Durchdringung von Seele und Leib eintreten, das heißt, es würde Gesundheit eintreten. - Wir müssen also fragen: Wie verhält es sich mit diesen zwei Wesensgliedern des irdischen menschlichen Daseins, welche uns da vor Augen treten, mit der Materie und dem Seelischen? Was sind sie in ihrem tieferen Wesen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn diese Frage aufgeworfen wird, so hat der heutige Mensch gewöhnlich die Meinung, daß die Antwort auf die Frage: Was ist Materie? Was ist Seele? - überall inderWelt gleich ausfallen müßte;und ich glaube nicht, daß es einem Menschen leicht würde, sich mit der Meinung bekanntzumachen, daß für Wesen, welche auf dem alten Monde gelebt haben&amp;gt; die Antwort auf die Frage: Was ist Materie? Was ist Seele? - ganz anders hätte ausfallen müssen als für Wesen, welche auf der Erde leben. Aber das Dasein ist so sehr in Entwickelung, daß sich selbst solche Dinge ändern wie die Vorstellungen, welche sich ein Wesen machen kann von den tieferen Grundlagen seines eigenen Wesens. Und so ändert sich auch dasjenige, was als Antwort gegeben werden muß auf die Frage: Was ist Materie? Was ist Seele? Es ist daher von vornherein zu betonen, daß die Antworten, die gegeben werden, nur Antworten sind, welche der Erdenmensch geben kann und die nur für diesen Erdenmenschen eine Bedeutung haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
«Materie&amp;gt; wird ja der Mensch zunächst nach dem beurteilen, was ihm in der Außenwelt an den verschiedenen Wesenheiten und Dingen entgegentritt und was auf ihn in irgendeiner Weise Eindruck macht. Der Mensch findet dann, daß es verschiedene Arten von Materien gibt, und ich brauche ja darin dicht sehr weit auszuholen, denn was darüber zu sagen wäre, wenn wir mehr Zeit hätten, können Sie in allen entsprechenden Trivialschriften finden. Ich sage daher für jetzt genug, wenn ich darauf hinweise, daß sich Materie verschieden darstellt für den Menschen, indem er die verschiedenen Metalle sieht, Gold, Kupfer, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Blei und so weiter, oder wenn er dasjenige sieht, was nicht in die Reihe der Metalle gehört. Sie wissen auch, daß die Chemie diese Materien nach und nach zurückgeführt hat auf gewisse Grundstoffe der Materie, die sie Elemente nennt. Diese Elemente wurden ja noch bis ins 19. Jahrhundert hinein so angesehen, daß sie Materien sind, die sich nicht weiter zerlegen lassen. Während wir irgendeine Substanz, welche uns als Materie entgegentritt, zum Beispiel Wasser, trennen können in Wasserstoff und Sauerstoff, haben wir in Wasserstoff und Sauerstoff solche Materie vor uns, die nach der Meinung der Chemie des 19. Jahrhunderts nicht weiter zerlegt werden kann. Bis siebzig solcher Elemente hat man unterschieden. Und Sie wissen wohl auch, daß durch die Erscheinungen, welche in Anknüpfung an einige besondere Elemente, zum Beispiel Radium, haben angestellt werden können, oder daß auch in Anknüpfung an mancherlei Erscheinungen der Elektrizitätslehre der Begriff der Elemente verschiedentlich erschüttert worden ist, daß man zu der Ansicht gekommen ist, daß es nur eine vorläufige Grenze der Materie sei, was man als die etwa siebzig Elemente kennt, und daß man die Zerlegbarkeit weiter zurückführen kann auf eine einzige Grundmaterie, die dann nur durch die innere Kombination, durch das innere Wesenselement, das eine Mal sich zu Gold, das andere Mal zu Kalium, Kalzium und so weiter spezialisiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das sind veränderliche wissenschaftliche Theorien. Und geradeso wie sich die wissenschaftlichen Theorien im Laufe von je fünfzig Jahren im 19. Jahrhundert verändert haben, wie es dahin kommen konnte,daß gewisse Physiker in dem, was Materie sein soll, etwas mit Entitäten, mit Wesenheiten zu Bezeichnendes sahen, etwas, was von der Elektrizität hergenommen ist, wie jetzt die Ionentheorie - das sind wissenschaftliche Moden -, ebenso werden in gar nicht so ferner Zeit andere wissenschaftliche Moden existieren, und man wird sich die Materie anders konstituiert denken. Das sind Tatsachen. Die wissenschaftlichen Meinungen sind veränderlich, müssen auch veränderlich sein, denn sie hängen ganz ab von den jeweiligen Tatsachen, die gerade auf ein Zeitalter besonders signifikant wirken. Dagegen hat die geisteswissenschaftliche Lehre durch alle Epochen hindurchgehend, so lange es Erdenkulturen gibt - und sie wird so lange hindurchgehen, solange es eine &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Erdenkultur geben wird -, immer eine einheitliche, gleiche Anschauung gehabt über das Wesen des materiellen Daseins, über die Materie. Um Sie auf das zu führen, was die Geisteswissenschaft als das Wesentliche der Materie, des Materiellen ansieht, möchte ich folgendes sagen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie kennen den ganz gewöhnlichen Vorgang: wenn wir Eis haben, ist das ein fester Körper, eine feste Materie. Diese Materie ist nicht fest durch ihre eigentliche Wesenheit, sondern sie ist eine feste Materie nur durch äußere Umstände. Sie ist sofort keine feste Materie mehr, wenn wir die Temperatur in entsprechender Weise erhöhen; da ist sie eine flüssige Materie. Wie sich eine Materie in der äußeren Welt darlebt, das hängt also nicht ab von dem, was in ihr selber ist, sondern von den ganzen Verhältnissen des umgebenden Weltalls. - Dann können wir weiter dieser Materie Wärme zuführen, und aus dem Wasser wird von einem bestimmten Punkt ab Dampf. So haben wir Eis, Wasser, Dampf und haben durch die Erhöhung der Temperatur der Umgebung etwas herbeigeführt, was wir bezeichnen können als «die Materie in den verschiedensten Formen». So haben wir an der Materie, wie sie sich uns darstellt, nicht nach einer innerlichen, sie konstituierenden Wesensart zu unterscheiden, sondern wir müssen uns klar sein, daß die Art, wie Materie uns entgegentritt, von der Art der Gesamtkonstitution des Weltalls abhängt und daß man nichts vom ganzen Weltall in einzelne Materien trennen darf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun liegen allerdings die Dinge so, daß die Methoden der heutigen Wissenschaft überhaupt nicht ausreichen, um zu dem zu kommen, wozu Geisteswissenschaft kommen kann. Es kann die heutige Wissenschaft mit ihren Mitteln die Materie, die in der Form eines Stückes Eis durch Temperaturerhöhung erst flüssig und dann dampfförmig wird, niemals so weit führen, daß sie bis zu dem auf der Erde als letzten erreichbaren Zustand kommt, in welchen jede Materie überzuführen ist. Es ist nicht möglich, heute mit wissenschaftlichen Mitteln solche Verhältnisse her- beizuführen, wodurch etwa gezeigt werden könnte: Wenn du Gold nimmst und es immer weiter verdünnst, so weit als du es nur auf der Erde verdünnen kannst, dann kommst du zuletzt zu diesem oder jenem Zustand. Wenn du mit Silber dasselbe machst, ist es ebenso, bei Kupfer auch, und so weiter. - Die Geisteswissenschaft kann das, weil sie zuletzt &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
fußt auf den hellseherischen Forschungsmethoden. Dadurch ist sie im- stande, eines zu beobachten: Wie in den, man könnte sagen, Zwischen- räumen unserer Materien immer sich ein Gleiches überall findet, ein Gleiches, welches in der Tat die äußerste Grenze darstellt, zu dem überhaupt Materie gebracht werden könnte, was für eine Materie es auch immer sein mag. Es gibt wirklich einen für hellseherische Forschung erreichbaren Auflösungszustand aller Materie, wo sich alle Materie in einem dabei Gleichen zeigt; nur ist das, was da auftritt, nicht mehr Materie, sondern etwas, was jenseits aller spezialisierten Materien liegt, die uns umgeben. Und jede einzelne Materie stellt sich dann dar als ein aus dieser Grundmaterie - es ist ja keine Materie mehr - Kondensiertes, Verdichtetes, ob Sie Gold, Silber oder was immer für eine Materie haben. Es gibt ein Grundwesen unseres materiellen Erdenseins, von dem alles Materielle nur durch Verdichtung zustande gekommen ist. Und auf die Frage: Was ist das für eine Grundmaterie unseres Erdendaseins? - antwortet die Geisteswissenschaft: Jede Materie auf der Erde ist kondensiertes Licht! Es gibt nichts im materiellen Dasein, was etwas anderes wäre als in irgendeiner Form verdichtetes Licht. Daher sehen Sie, daß es für denjenigen, der die Tatsachen kennt, nicht eine Theorie zu begründen gibt wie etwa die Schwingungshypothese des 19.Jahrhunderts, in welcher man versuchte, Licht darzustellen mit Mitteln, die selber gröber sind als das Licht. Licht ist nicht auf etwas anderes in unserem materiellen Dasein zurückzuführen. Wo Sie hin- greifen und eine Materie anfühlen, da haben Sie überall kondensiertes, zusammengepreßtes Licht. Materie ist ihrem Wesen nach Licht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit haben wir vom geisteswissenschaftlichen Standpunkt aus auf die eine Seite der Sache hingewiesen. Wir haben also dasjenige, was allem materiellen Dasein zugrunde liegt, im Lichte zu sehen. Und wenn wir den materiellen Menschenleib ansehen, so ist auch er, insofern er materiell ist, nichts anderes als aus Licht Gewobenes. Insofern der Mensch ein materielles Wesen ist, ist er aus Licht gewoben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nunmehr nehmen wir die andere Frage: Was ist das Wesen des Seelischen? - Wenn wir in ähnlicher Weise mit geisteswissenschaftlichen Mitteln das Substantielle, das wirkliche Grundwesen des Seelischen erforschen würden, so würde sich uns darstellen - so wie alles Materielle &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
nur zusammengepreßtes Licht ist -, daß alle noch so verschiedenen seelischen Erscheinungen auf der Erde sich uns ergeben als Modifikationen, als mannigfaltige Umformungen dessen, was genannt werden muß, wenn wir die Grundbedeutung dieses Wortes wirklich erfassen: Liebe. Jede Regung seelischer Art, wo sie auch immer auftritt, ist in irgendeiner Weise modifizierte Liebe. Und wenn wir Inneres und Äußeres beim Menschen gleichsam ineinandergesteckt haben, ineinandergeprägt haben, so haben wir seine äußere Leiblichkeit gewoben aus Licht, sein inneres Seelisches haben wir gewoben in einer vergeistigten Weise aus Liebe. Liebe und Licht sind in der Tat in allen Erscheinungen unseres Erdendaseins irgendwie ineinandergewoben. Und wer geisteswissenschaftlich die Dinge zu begreifen hat, der fragt in allererster Linie: Wie sind in irgendeinem Grade Liebe und Licht ineinander verwoben?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Liebe und Licht sind die zwei Elemente, die zwei Komponenten, die alles Erdendasein durchsetzen: Liebe als seelisches Erdendasein, Licht als äußeres materielles Erdendasein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun aber tritt gerade jetzt dasjenige ein, daß für die beiden Elemente Licht und Liebe, die sonst eigentlich nach dem großen Gange des Weltendaseins nebeneinanderstehen würden, ein Vermittler da sein muß, der das eine Element in das andere hineinverwebt, der Licht in Liebe hineinverwebt. Das muß eine Macht sein, welche sozusagen kein besonderes Interesse hat an der Liebe, die also hineinverwebt in das Element der Liebe das Licht - die nur Interesse daran hat, dem Lichte die größtmögliche Ausbreitung zu geben, die also Licht hineinstrahlen läßt in das Element der Liebe. Eine solche Macht kann keine Erden- macht sein, denn die Erde ist gerade der Kosmos der Liebe. Die Erde hat die Mission, die Liebe überall hineinzuverweben. Also alles, was mit dem Erdendasein so recht verknüpft ist, hat kein Interesse, das nicht irgendwie von der Liebe berührt sein würde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein solches Interesse aber haben die luziferischen Wesenheiten; die sind gerade auf dem Monde zurückgeblieben, auf dem Kosmos der Weisheit. Sie haben besonders das Interesse, Licht in Liebe hineinzuweben. Daher sind in der Tat die luziferischen Wesenheiten überall am Werke, wo unser Inneres, das eigentlich aus Liebe gewoben ist, irgendwie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
in Zusammenhang tritt mit dem Lichte, wo es in, irgendeiner Form vorhanden ist; und Licht tritt uns ja in allem materiellen Dasein entgegen. Kommen wir nur irgendwie mit dem Licht in Zusammenhang, so treten die luziferischen Wesenheiten auf, und es verwebt sich das Luziferische in die Liebe. Dadurch ist der Mensch im Laufe der Verkörperungen überhaupt erst in das luziferische Element hineingekommen: Luzifer hat sich verwoben mit dem Elemente der Liebe. So daß in dasjenige, was aus Liebe gewoben ist, sich hineinpreßt das Element des Luzifer, das uns allein dasjenige bringen kann, was die Liebe nicht nur eine restlose Hingabe sein läßt, sondern was die Liebe durchsetzt mit Weisheit, so daß sie eine aus einem Innersten mit Weisheit durch- setzte Liebe ist. Denn sonst, ohne diese Weisheit, wäre die Liebe eine selbstverständliche Kraft, für die der Mensch nicht verantwortlich sein könnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So aber wird die Liebe zur eigentlichen Ich-Kraft, in die hineinverwoben wird das luziferische Element, das sonst nur draußen im Materiellen war. Dadurch wird es erst möglich, daß unser Inneres, dem im Erdendasein das Merkmal der Liebe in allem Umfange zukommen müßte, durchsetzt wird von all dem andern, was wir als ein Wirken des Luzifer bezeichnen können und was von dieser Seite her zu einer Durchdringung des äußeren Materiellen führt, so daß Liebe nicht nur von dem durchwoben wird, was vom Licht gewoben ist, sondern daß solche Liebe entsteht, die von Luzifer durchzogen ist. Indem der Mensch das luziferische Element aufnimmt, durchwebt er das materielle Dasein in seiner eigenen Leiblichkeit mit einem solchen Seelischen, das zwar aus Liebe gewoben ist, wo aber hineinverwoben ist das luziferische Element. Die mit dem luziferischen Element durchsetzte Liebe, die sich in das Materielle hineinimprägniert, das ist die von innen heraus wirkende Krankheitsursache. Und in Anknüpfung an alles, was wir früher angeführt haben als eine notwendige Folge der aus dem luziferischen Element herrührenden Erkrankung, dürfen wir jetzt sagen: Was wir als eine solche Folge im Schmerz zu sehen haben - wir haben ja gesehen, wie der Schmerz eine Folge des luziferischen Elementes ist -, das zeigt uns die Wirkung der karmischen Gesetzmäßigkeit in der Weise, daß die Wirkung einer Tat oder einer Versuchung, die von Luzifer her- &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
rührt, sich karmisch dergestalt aus lebt, daß im Schmerz sich kundgibt, was zur Überwindung der betreffenden Wirkung führen soll.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie ist es nun aber damit, ob wir in einem solchen Falle helfen dürfen? Dürfen wir hier helfen? Dürfen wir alles, was sich aus dem luziferischen Element hineingedrängt hat mit seinen ganzen Folgen in den Schmerz, in irgendeiner Weise beseitigen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der Antwort auf die Frage nach dem Wesen des Seelischen ergibt sich uns als Notwendigkeit, daß wir das nur tun dürfen, wenn wir für einen Menschen, der das luziferische Element als Krankheitsursache in sich hat, das Mittel finden, um das Luziferische in der entsprechenden Weise zu vertreiben. Was ist das für ein Mittel allein, was stärker wirken muß, damit das luziferische Element in der richtigen Weise entfernt wird? Was ist verunreinigt durch das luziferische Element unserer Erde? - Die Liebe! Daher können wir nur durch Zuführung von Liebe wirkliche Hilfeleistung haben, damit das karmische Element sich in der entsprechend richtigen Weise abspielt. So haben wir letzten Endes bei allem, was in dieser Richtung zu Krankheitsursachen wird, in dem Element der Liebe, das beeinträchtigt worden ist im Seelischen durch den luziferischen Einfluß, etwas zu sehen, dem wir etwas zuführen müssen. Wir müssen Liebe einflößen, damit das, was als Liebestat einfließt, eine Hilfe sein kann. Diesen Charakter zugeführter Liebe haben alle diejenigen Heilungstaten, die sich mehr oder weniger auf das stützen, was man psychische Heilungsprozesse nennen kann. In irgendeiner Form hängt das, was bei psychischen Heilungsprozessen angewendet wird, zusammen mit der Zuführung von Liebe. Liebe ist es, was wir als Balsam dem andern Menschen einflößen. Auf Liebe muß es zuletzt zurückgeführt werden können. Und das kann es auch. Auf Liebe kann es zurückgeführt werden, wenn wir einfache psychische Faktoren in Bewegung setzen, wenn wir einen andern veranlassen, vielleicht auch nur sein herabgedrücktes Gemüt in Ordnung zu bringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das muß alles seinen Impuls in der Liebe haben, von einfachen Heilprozessen ausgehend bis zu dem, was heute oft in laienhafter Weise mit dem Namen «Magnetisieren» benannt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was wird dabei in Wirklichkeit von dem Heiler demjenigen mit- geteilt, der geheilt werden soll? Es ist - wenn wir mit einem Ausdruck &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
der Physik sprechen wollen - ein «Austausch von Spannungen». Was in dem Heiler lebt, namentlich gewisse Prozesse im Ätherleibe&amp;gt; das wird dadurch, daß es in ein gewisses Verhältnis tritt zu dem, der geheilt wer&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
den soll, in eine Art Polarität gebracht zu dem zu Heilenden. Polarität wird hervorgerufen gerade so, wie Sie sonst in einem abstrakteren Sinne Polarität hervorrufen, wenn Sie die eine Art von Elektrizität, die positive, hervorrufen und die entsprechend andere, die negative, in einer gewissen Weise erscheint. Es werden Polaritäten hervorgerufen. Und das ist im eminentesten Sinne als eine Opfertat aufzufassen. Man ruft in sich selber in der Tat einen Prozeß hervor, der nicht nur dazu bestimmt ist, in uns selber eine Bedeutung zu haben - sonst ruft man nur einen Prozeß hervor; in diesem Fall soll aber der Prozeß dazu bestimmt sein, in dem andern eine Polarität zu dem ersten Prozesse hervorzurufen. Und diese Poiarität, die natürlich davon abhängt, daß der Heiler und der zu Heilende in irgendeinem Sinne in Zusammenhang gebracht werden, diesen andern Prozeß in dem andern hervorzurufen, ist im eminentesten Sinne die Hinopferung einer Kraft, die nichts anderes ist als umgewandelte Liebeskraft, Liebestat in irgendeiner Form. Das ist das eigentlich Wirkende bei solchen psychischen Heilungen: die in irgendeine Form umgewandelte Liebeskraft. Und wir müssen uns daher klar sein, daß ohne die zugrunde liegende Liebeskraft die Sache immer etwas haben wird, was nicht zu dem richtigen Ziele führen kann. Aber Liebesprozesse brauchen ja nicht immer nur so zu verlaufen, daß sich der Mensch dessen im gewöhnlichen Tagesbewußtsein vollständig bewußt ist; sie verlaufen auch in den unterbewußten Schichten. Sogar in dem, was als Technik der Heilprozesse angesehen werden kann, selbst in der Art, wie man zum Beispiel die Handstriche macht, wie sie technisch in ein System gebracht werden, auch da liegt schon darinnen, daß sie ein Abbild sind einer Opfertat. Also selbst da, wo wir nicht unmittelbar in einem Heilprozesse den Zusammenhang erblicken, wo wir nicht sehen, was getan wird, liegt doch vor eine Liebestat, wenn sie auch ganz und gar in Technik umgewandelt ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So sehen wir, daß wir deshalb, weil das Seelische im Grundwesen Liebe ist, mit psychischen Heilfaktoren eingreifen können, die scheinbar sehr nach der Peripherie des menschlichen Wesens liegende Prozesse &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
sein können, und daß durch solche Heilfaktoren das, was im Grund- wesen Liebe ist, sich bereichert mit dem, was es braucht als Liebe. Da sehen wir die Hilfe von der einen Seite, die Hilfe, die wir leisten dürfen,weil wir dem Menschen Beistand gewähren müssen, damit er, nachdem er in die Fangarme Luzifers gekommen ist, sich auch wieder aus ihnen befreien kann. Weil das Grundwesen des Seelischen Liebe ist, dürfen wir sehr wohl das Karma in seiner Richtung beeinflussen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun - nach der andern Seite - fragen wir, was ist geworden aus dem aus Licht gewobenen Materiellen, wo das Seelische darinnensteckt? Was ist geschehen mit dem aus Licht gewobenen Materiellen des Menschen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen wir die Körperlichkeit eines Menschen, den äußeren Menschen in seiner materiellen Leiblichkeit.Würde nicht aus dem Seelischen heraus durch den karmischen Prozeß in das Materielle eingeprägt sein eine solche Liebessubstanz, die von Luzifer oder Ahriman durchsetzt wäre, würde nur eine reine Liebessubstanz ein fließen, dann würden wir diese Liebessubstanz nicht als verunreinigend, als verschlechternd empfinden können für die aus Licht gewobene Materie. Würde bloß Liebe einfließen in die Materie, so würde sie so ein fließen in die menschliche Leiblichkeit, daß diese nicht verschlechtert werden könnte; nur weil Liebe ein fließen kann, welche luziferische oder ahrimanische Kräfte aufgenommen hat, kann die aus Licht gewobene Materie schlechter werden, als sie ursprünglich sein sollte. Also kann es nur herrühren von den während der aufeinanderfolgenden Inkarnationen in die Menschen eingeflossenen luziferischen oder ahrimanischen Schädigungen, daß wir in der menschlichen Organisation etwas vor uns haben, was nicht so ist, wie es sein sollte. Wäre es so, wie es sein sollte, so würde es die gesunde Menschenmaterie darstellen; aber da es die Wirkungen Ahrimans und Luzifers in sich aufgenommen hat, kann es krankes Leibliches sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie können wir nun von außen herausbringen die entsprechenden Einflüsse, die von innen durch ein nicht richtiges Seelisches, durch eine nicht richtige Liebessubstanz eingeflossen sind? Was geschieht denn mit dem Leiblichen dadurch, daß etwas Unrichtiges einfließt? Für die Geisteswissenschaft geschieht dadurch etwas, was aus gewobenem Lichte in irgendeiner Weise sein Gegenteil macht. Licht hat sein Gegenteil in einer irgendwie gearteten Finsternis. Alles, was sich real - so sonderbar &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
es auch klingt - als die Verunreinigung dessen darstellt, das aus Licht gewoben ist, ist eine aus ahrimanischem oder luziferischem Einfluß hineingewobene Finsternis oder Dunkelheit. So sehen wir im menschlichen Materiellen hineingewobene Finsternis. Aber diese Finsternis wurde erst dadurch hineinverwoben, daß diese menschliche LeiblichkeitTräger wurde von dem, was sich als «Ich» durch die Inkarnationen hindurchlebt. Das war früher nicht darinnen. Nur ein menschliches Leibliches kann gerade spezifisch diese Verschlechterungen haben. Die waren früher nicht in dem, was das Licht gewoben hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun nimmt der Mensch heute die Grundlage zum Materiellen aus dem, was er im Verlaufe der Entwickelung nach und nach aus sich herausgesetzt hat. Das ist das Tierreich, das pflanzliche und das mineralische Reich. Diese enthalten auch die verschiedenen Materien, das heißt für das Erdendasein aus Licht Gewobenes. Aber in all diesen Materien ist noch nicht das da rinnen, was im Verlaufe des menschlichen Karma hat vom Inneren des Menschen hineinkommen können in das menschliche materielle Dasein. Wir haben also in den drei Reichen um uns herum etwas, auf das der Mensch durch seinen luziferischen oder ahrimanischen Einfluß von sich aus, insofern er von seiner Liebessubstanz aus wirkt, niemals hat verunreinigend wirken können. Da drinnen ist nichts von ihm, so daß in seiner Reinheit hat ausgebreitet werden können dasjenige, was in bezug auf seine Reinheit beim Menschen- verunreinigt ist. Wenn wir zum Beispiel draußen eine mineralische Materie haben, ein Salz oder etwas anderes, so ist das eine Materie, die der Mensch auch in sich trägt oder tragen kann; bei ihm ist sie aber durchwoben von dem, was wir die von Ahriman oder Luzifer verunreinigte Liebessubstanz nennen können. Draußen aber ist sie rein. So unterscheidet sich jede Substanz draußen von dem, was der Mensch als Substanz in sich trägt. Draußen ist es immer anders, als es im Menschen ist, weil es bei ihm durchwoben ist vom ahrimanischen und luziferischen Einfluß. Das ist der Grund, warum für alles, was der Mensch mehr oder weniger an seiner äußeren Substantialität verderben kann, draußen etwas zu finden sein muß, was das Entsprechende im reinen Zustande darstellt, ohne daß die menschliche Schädigung darinnen ist. Was draußen existiert in der Welt ohne Schädigung, das ist das äußere Heil- &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
mittel für das entsprechend Geschädigte. Führen Sie das der menschlichen Wesenheit zu in richtiger Weise, dann haben Sie das Spezifikum für die entsprechende Schädigung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da haben Sie ganz objektiv dasjenige, was Sie dem menschlichen Leib als Heilmittel zuführen. Da haben Sie charakterisiert die Schädigung als spezifizierte Dunkelheit, dasjenige, was noch nicht dunkel ist, als das außen gewobene reine Licht - und Sie sehen, warum Sie die im Menschen befindliche Dunkelheit, die dunkle Materie, aufheben können, wenn Sie ihm reine, aus Licht gewobene Materie beibringen können. So haben wir in der reinen, aus Licht gewobenen Materie ein spezifisches Heilmittel gegen die Schädigung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es handelt sich nun darum - und oft wurde darauf aufmerksam gemacht, daß es ein Irrtum ist, dem gerade die Theosophie nicht verfallen darf-,daß es eine Engherzigkeit wäre, wenn man leugnen wollte, daß es eigentlich doch in solchen Fällen etwas gibt, was man bei dieser oder jener Schädigung als ein auf dieses oder jenes Organ wirksames spezifisches Heilmittel verabreichen kann. Es wurde freilich oft gesagt, daß der Organismus die Kräfte habe, sich zu helfen; aber wenn auch das richtig ist, was dieWiener Schule der nihilistischenTherapie geltend gemacht hat: durch die Aufrufung der Gegenkräfte den Heilprozeß einzuleiten -, so können wir dennoch durch spezifische Mittel dem Heilprozeß entgegenkommen. Hier sehen wir einen Parallelismus herrschen, den man aus der Geisteswissenschaft heraus schildern kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus dem, was ich geschildert habe zum Beispiel über Diphtherie, können Sie entnehmen, daß es sich dabei um etwas handelt, was ganz besonders in der karmischen Ursache den astralischen Leib getroffen hat. Nun finden wir etwas, was diesem astralischen Leib am nächsten verwandt ist, in der Umgebung des Menschen, in dem Tierreich. Daher werden Sie bei denjenigen Krankheitsformen, die dem astralischen Leib eminent nahe stehen, immer finden, daß die Heilwissenschaft unbewußt, aus einem dunklen Triebe heraus, nach Mitteln sucht, die aus dem Tierreich hergenommen sind. Bei solchen Krankheiten, deren Ursache im Ätherleib liegt, greift die Heilwissenschaft nach Mitteln aus dem Pflanzenreich. Und es könnte jetzt ein interessanter Vortrag gehalten werden zum Beispiel über die Beziehung der Digitalis purpurea &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
zu gewissen Herzkrankheiten. Das sind Dinge, die, insofern sie auf Wirklichkeit beruhen, nicht bloß fünf Jahre richtig sind und dann anfangen falsch zu werden, wie ein Mediziner sagte und wie es tatsächlich der Fall ist, wann nur aus äußeren Symptomen geschlossen wird. Aber es gibt einen gewissen Schatz von Heilmitteln, der immer auf irgendeinen Zusammenhang mit der Geisteswissensc1iaft zurück- geht, der sich vererbt hat, ohne daß die Leute wissen, woher er gekommen ist. Ebenso wie es heute die Astronomen nicht wissen, daß die Kant-Laplacesche Theorie aus den Geheimschulen des Mittelalters gekommen ist, so wissen es die Leute nicht, woher die eigentlichen Heilschätze oft stammen. - Und Krankheitsursachen, die mit der Wesenheit des physischen Leibes zusammenhängen, führen dann zur Anwendung von Heilmitteln aus dem Mineralreich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Selbst durch diese analogen Anschauungen kann also ein Fingerzeig auf die Sache gegeben werden. Daher ist für den Menschen durch den Zusammenhang mit der uns umgebenden Welt die Möglichkeit vor- handen, daß ihm von zwei Seiten her geholfen wird: indem man ihm auf der einen Seite modifizierte Liebe beibringt in den psychischen Heilprozessen, oder anderseits in der verschiedensten Weise modifiziertes Licht bei jenen Prozessen, die irgendwie mit äußeren Heilprozessen zusammenhängen. Alles, was getan werden kann, wird entweder mit inneren psychischen Mitteln, mit Liebe, oder mit äußeren Mitteln, mit irgendwie verdichtetem Licht, geleistet. Und wenn einmal die Wissenschaft so weit sein wird, daß sie lernen wird, an das Übersinnliche zu glauben und an den Satz: Materie ist irgendwie kondensiertes Licht -, dann wird von diesem Grundsatz aus ein geistiges Licht geworfen werden auf das systematische Suchen nach der Art, wonach mit äußeren&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mitteln dem Menschen geholfen werden kann. Daraus sehen wir, wie in dem, was während langer Zeiträume aus den Geheimschulen des alten Ägypten und des alten Griechenland heraus nach und nach dem Heilschatze zugefügt worden ist, nicht nur ein bloßer Unsinn steckt, sondern daß in den Sachen überall ein gesunder Kern vorhanden ist. Theosophie ist nicht dazu da, um eine gewisse Partei zu ergreifen, um etwa zu sagen: Das ist eine Richtung, die bringt dem Menschen Gift bei! - Das Wort Gift wirkt ja heute geradezu suggestiv, und die Leute &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|201}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
denken nicht daran, wie relativ dieses Wort ist. Was ist denn eigentlich ein Gift? Jeder Stoff kann ein Gift sein. Es kommt nur auf die Heilweise an und auf die Menge, die auf einmal genossen wird. Wasser ist ein starkes Gift, wenn man zehn Liter auf einmal genießt. Diese Wirkung, innerlich chemisch erfaßt, unterscheidet sich gar nicht besonders davon, daß man dem Menschen irgendeinen an,dern Stoff zu führt. Es kommt immer auf die Menge an, denn alle diese Begriffe sind relativ.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus dem, was wir heute durchschaut haben, können wir sagen: Wir können froh sein, daß selbst für das, was sich der Mensch an Schädigung einverleiben kann, in alledem, was uns als Natur umgibt - wie wir jetzt den Weltprozeß ansehen -, das Gesundende sich irgendwie finden muß, so daß der Mensch die Schädigung wieder überwinden kann. Und das ist auch ein schönes Gefühl, das wir gegenüber der Außenwelt haben können: Wir können uns nicht nur über die Außenwelt freuen, weil sie uns sprießende Blumen schenkt oder uns im Lichtglanz die Berge erstrahlen läßt, sondern wir können uns auch deshalb über sie freuen, weil alles um uns herum in einer so innigen Beziehung steht zu dem, was im Menschen selbst als gut oder böse bezeichnet werden kann. Wir können uns in der Natur nicht nur über das freuen, was uns zunächst anspricht; sondern je tiefer wir eindringen in das, was sich bis zum äußeren materiellen Dasein verdichtet hat, desto mehr werden wir finden: Diese uns erfreuende Natur hat in sich zugleich den mächtigen Heiler für alles&amp;gt; was sich der Mensch als Schädigung zuführen kann, irgendwie ist der Hei 1er in der Natur verborgen. Es handelt sich nur darum, die Sprache des Heilers nicht bloß zu verstehen, sondern ihr auch zu gehorchen und sie wirklich auszuführen. Und heute haben wir in den meisten Fällen aus dem Grunde nicht die Möglichkeit, der Sprache der heilenden Natur zu gehorchen, weil die Verkennung des Lichtes, weil die Finsternis, die sich auch in die Erkenntnis hineingemischt hat, in vieler Beziehung Zustände herbeigeführt hat, welche es nicht gestatten, der reineR Sprache der Natur zu folgen. Und so müssen wir uns darüber klar sein: Wo in einem Falle keine Hilfe geleistet, wo ein Leiden wegen karmischer Zusammenhänge nicht gemildert werden kann, würde das nicht bedeuten, daß es absolut nicht gemildert werden könnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
So sehen wir auch hier wieder einen merkwürdigen Zusammenhang, der uns doch wieder die ganze große Welt einschließlich des Menschen ais ein Wesen erscheinen läßt. In dem Satze: Materie ist gewobenes Licht, Seelisches ist in irgendeiner Weise verdünnte Liebe -, liegen die Schlüssel für unzählige Geheimnisse des Erdendaseins. Die gelten aber nur für das Erdendasein und für kein anderes Gebiet desWeltendaseins. Damit haben wir ja nichts Geringeres gezeigt, als daß wir, wenn wir dem Karma irgendeine Richtungsänderung geben, uns in dem einen oder andern Falle mit dem verbinden, was gerade die zusammensetzen- den Elemente unseres Erdendaseins sind: auf der einen Seite mit dem zur Materie gewordenen Licht, auf der andern Seite mit der zum Seelischen gewordenen Liebe. Wir entnehmen das Heilmittel entweder aus der Umgebung, aus dem dichtgewordenen Licht oder aus unserer ei- genen Seele, aus der heilenden Liebestat, Opfertat, und heilen dann mit der au der Liebe gewonnenen seelischen Kraft. Wir verbinden uns mit dem, was auf der Erde im tiefsten Inneren berechtigt ist, wenn wir uns auf der einen Seite verbinden mit dem Licht, auf der andern Seite mit der Liebe. Alle Erdenzustände sind irgendwie Gleichgewichtszustände zwischen Licht und Liebe. Und ungesund ist eine Störung in dem Gleichgewicht zwischen Licht und Liebe. Ist irgendwo die Störung in der Liebe, so können wir helfen, indem wir die Kraft der Liebe selbst entfalten; und ist die Störung im Lichte, so können wir helfen, indem wir uns im Weltall irgendwie dasjenige Licht verschaffen, welches die Finsternis in uns aufheben kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da haben Sie die Grundelemente des menschlichen Helfens. Sie zeigen, wie alles im Erdendasein auf Gleichgewichtslagen beruht von einander entgegengesetzten oder einander gegenüberstehenden Elementen. Licht und Liebe sind eigentlich sich gegenüberstehende Elemente. Aber auf ihrem Ineinanderverwobensein beruht zuletzt alles, was in unserem Erden leben an Seelischem und an Materiellem vor sich geht. Daher dürfen wir uns nicht wundern, wenn auf allen Gebieten des Menschenlebens von Epoche zu Epoche die Fortentwickelung so geschieht, daß gleichsam die Gleichgewichtslage nach der einen Seite besonders ausschlägt und dann nach der andern Seite wieder versucht wird, sie einzurenken, wenn also unsere Entwickelung so verläuft, daß &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
sie einem Wellenschlage gleicht. In der Tat gleicht unsere Entwickelung einer Art Wellenschlag: sie geht herunter und sie geht hinauf, und es wird immer der gestörte Gleichgewichtszustand ausgeglichen durch das, was nach der andern Seite wieder den entsprechend andern, über die Gleichgewichtslage hinausgehenden Pendelschlag bedeutet. Wenn Sie darauf eingehen, daß es sich im Menschenleben überall handelt um eine Störung des Gleichgewichtes nach der einen oder andern Richtung, dann werden Sie finden, wie Sie dadurch selbst die intimsten Kulturprozesse in irgendeiner Weise beleuchten können. Wenn Sie eine Zeitepoche betrachten, wo in der menschlichen Entwickelung gewisse Schädigungen dadurch eingetreten sind, daß die Menschen nur auf das Innere gesehen haben und nicht auch auf das Äußere, wie zum Beispiel im Mittelalter, wo bei der starken Blüte der Mystik das Äußere unberücksichtigt geblieben ist und auch zu Mißverständnissen nicht nur im Erkennen, sondern auch im Handeln geführt hat, so sehen Sie dann auf der andern Seite jene Zeit folgen, in welcher man die Mystik absolut nicht ertragen kann, dafür aber den Blick in die Außenwelt richtet, um alles zu tun, was das Pendel wieder nach der andern Seite ausschlagen läßt. Da haben Sie Übergänge zwischen Mittelalter und neuerer Zeit. Und Sie werden in der mannigfaltigsten Art solche Störungen der Gleichgewichtslage finden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dabei möchte ich anführen, daß in der Tat in solchen Zeiten wie den unsrigen eine charakteristische Eigenschaft vieler Menschen sich darin zeigt, daß sie völlig vergessen und ganz aus der Aufmerksamkeit verlieren, was man nennen könnte ein Bewußtsein von einer übersinniichen Welt. Das heißt, es gibt in unserer Zeit zahlreiche Menschen, die völlig außer acht lassen, daß es eine geistige Welt gibt, und die also die Gedanken an die geistige Welt ablehnen. In einer solchen Zeit - und überhaupt in solchen Zeiten - ist immer auch in einer gewissen Beziehung das Gegenbild davon vorhanden. Ich möchte das in einer ganz einfachen Weise charakterisieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn es Menschen auf dem physischen Plane gibt, die sich so sehr in das Physische verstricken, daß sie das Geistige ganz und gar vergessen, dann haben jene Menschen, die zwischen Tod und neuer Geburt in der geistigen Welt leben, auf der andern Seite dafür den entgegengesetzten &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Drang, der hervorgerufen ist wie durch ein Karma, das vom physischen Plan hinüberwirkt auf den geistigen Plan: den Drang nämlich, in irgendeiner Weise sich mit Dingen zu beschäftigen, die aus der geistigen Welt in die physische hinein spielen. Das liegt in der Tat zugrunde man- cherlei Hereinwirkungen in die physische Welt von seiten von Menschen, die in der Zeit vor einer neuen Geburt stehen. In die physische Welt wirken dann diese Menschen so hinein, wie sich eben gerade die Mittel ergeben, auf dem Umwege über solche Menschen, die im höheren Maße diesen Einflüssen aus der geistigen Welt zugänglich sind. - Hat man auf diesen Gebieten Klarheit zu bringen, so wird man ja vieles ablehnen müssen, was von dieser oder jener Seite her erzählt wird als Offenbarungen der geistigen Welt von Menschen, die zwischen Tod und neuer Geburt stehen. Und man wird die charakteristischen Fälle gut heraussondern können, wo die Toten - um das Pendel nach der andern Seite ausschlagen zu machen - sehr stark darauf verfallen, irgendwie den Menschen handgreiflich zu zeigen: Es gibt doch eine geistige Welt! Dafür, daß es in unserer Zeit Menschen gibt, die völlig umnachtet sind, die so viel Finsternis in ihr Geistiges hineinverwoben haben, daß sie gar nichts wissen wollen von der geistigen Welt, dafür gibt es Tote, welche aus diesem Mangel heraus den Drang haben, hineinzuwirken in die physische Welt. Am meisten geschehen solche Dinge, wenn von den Menschen auf dem physischen Plan gar nichts dazu getan wird. Und am charakteristischsten sind die Dinge, die sich ohne künstliche Versuche anbieten, die sozusagen auftreten als Kundgebungen aus der geistigen Welt. Daher der Zusammenhang von Menschen auf dem materialistischen Felde auf der einen Seite, und der Drang, der besteht, von der geistigen Welt aus belehrend hereinzuwirken auf der andern Seite.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie werden vieles, was dafür Beleg sein kann, finden in dem Buche unseres Freundes Ludwig Deinhard «Das Mysterium des Menschen». Da ist vieles zusammengestellt und systematisiert von dem, was Sie gerade brauchen und was heute in der Literatur, wo sie wissenschaftlich ist, so zerstreut ist, daß nicht für jeden möglich ist, es sich zusammenzuholen. Daher ist es sehr schön, daß Sie in diesem Buche eine Zusammenstellung haben gerade dieser Seite der geisteswissenschaftlichen Tatsachen, die, wie Sie jetzt sehen, im eminenten Sinne sogar &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|205}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
charakteristisch sind für unsere Zeit. Insbesondere finden Sie darin mit großem Glück verzeichnet eine charakteristische Tatsache von einem Forscher, welcher in seinem hiesigen Erdenleben alles mögliche versuchte, um auf dem Wege der materialistischen Methode zum Beweise von der geistigen Welt zu kommen - der verstorbene Frederick Myers - und der dann nach seinem Tode den starken Drang fühlte, dasjenige, was er hier angestrebt hat, durch Hereinstrahlungen aus der geisötigen Welt, mit Hilfen aus der geistigen Welt, hier den Menschen zu zeigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das sollte eine Illustration sein zu dem Satze, daß wir in der Welt und dem Weltendasein zu sehen haben fortwährende Störungen von Gleichgewichten und wiederum das Suchen von Gleichgewichten. Im Erdendasein haben wir als tiefste Elemente dieses sich immerfort störenden und wiederherstellenden Gleichgewichtes die beiden Elemente Licht und Liebe. Und im menschlichen Karma wirken nun von Inkarnation zu Inkarnation die beiden Elemente Licht und Liebe ausgleichend auf die gestörten Gleichgewichtslagen. Denn im Grunde genommen haben` wir in dem durch alle Inkarnationen sich durchschlängelnden Karma gestörte Gleichgewichtslagen, und in Licht und Liebe haben wir den fortwährenden Versuch, das Gleichgewicht wiederherzustellen. Bis einst in ferner Zukunft der Mensch in dem Durchgehen durch seine Inkarnationen endlich dahin gekommen sein wird, einen letzten, durch die Erde erreichbaren Gleichgewichtszustand auszubilden, der dahin führen wird, daß die Menschheit die Erdenmission erfüllt haben wird und das Erdendasein sich in eine neue planetarische Form hinüber- entwickeln wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So habe ich versucht, etwas auseinanderzusetzen, ohne das eine tiefere Begründung der karmischen Zusammenhänge und Gesetze nicht möglich ist. Ich habe mich darum auch nicht gescheut, die geheöimnisvollen Grundlagen, für die unsere heutigeWissenschaft noch lange nicht reif sein wird, einmal heute abzuhandeln: daß Materie in Wahrheit verwobenes Licht ist und daß Seelisches in irgendeiner Beziehung verdünnte Liebe ist. Das sind alte okkulte Sätze, aber Sätze, die für alle folgenden Zeiten wahr bleiben werden und die sich fruchtbar erweisen werden in der Menschheitsentwickelung nicht nur für die Erkenntnis, sondern auch für das menschliche Wirken und Handeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|205}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= ELFTER VORTRAG Hamburg, 28. Mai 1910 =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vieles wäre noch zu sagen über die verschiedenen Offenbarungen des Karma. Aber da wir heute die letzte unserer Betrachtungen haben und die Zeit überhaupt für ein so reiches Thema notwendigerweise kurz sein mußte, so werden Sie es begreiflich finden, daß mancherlei von dem zu Besprechenden, mancherlei vielleicht auch von dem, was Ihnen als Fragen auf der Seele liegt, diesmal nicht seine Erledigung finden kann. Aber unsere Bewegung wird ja weitergehen, und wir werden das, was bei einem Kursus notwendigerweise unerledigt bleiben muß, bei einem andern weiter ausführen und erledigen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was Ihnen wiederholt vor die Seele getreten sein wird, das ist, daß der Mensch die karmische Gesetzmäßigkeit als etwas erlebt, was sozusagen in jedem Augenblick, in dem er lebt, etwas vollkommen Bestimmtes ist, so daß wir in jedem Augenblick unseres Lebens zurückblicken können auf das, was wir durchgemacht haben, was wir getan&amp;gt; gedacht, gefühlt haben in den Inkarnationen, die der betreffenden vorangegangen sind, in welcher wir unsere Betrachtungen anstellen. Und immer werden wir finden, daß unser augenblickliches menschliches inneres und äußeres Schicksal dadurch gefaßt werden kann, daß wir sozusagen eine Art «Lebenskonto» haben, wo wir alle klugen, verständigen, weisen Erlebnisse auf die eine Seite schreiben, und alles Unverständige, alles Böse und Häßliche auf die andere Seite. Auf irgendeiner Seite wird sich dabei ein Überschuß ergeben, und der bedeutet in einem Augenblicke des Lebens auch das Schicksal dieses Augenblickes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun können verschiedene Fragen dabei auftauchen, und die nächste muß die sein: Wie verhält sich das, was die Menschen in ihrem Zusammenleben tun, was sie vollbringen als menschliche Gemeinschaft, zu demjenigen, was wir das individuelle Karma des einzelnen Menschen nennen? Wir haben diese Fragen von andern Seiten her schon berührt. Wenn wir auf irgendein Ereignis der Geschichte zurückblicken, zum Beispiel auf die Perserkriege, so können Sie unmöglich glauben, daß dieses Ereignis, zunächst von griechischer Seite aus ancharakteristisch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|206}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sind für unsere Zeit. Insbesondere finden Sie darin mit großem Glück verzeichnet eine charakteristische Tatsache von einem Forscher, welcher in seinem hiesigen Erdenleben alles mögliche versuchte, um auf dem Wege der materialistischen Methode zum Beweise von der geistigen Welt zu kommen - der verstorbene Frederick Myers - und der dann nach seinem Tode den starken Drang fühlte, dasjenige, was er hier angestrebt hat, durch Hereinstrahlungen aus der geis`tigen Welt, mit Hilfen aus der geistigen Welt, hier den Menschen zu zeigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das sollte eine Illustration sein zu dem Satze, daß wir in der Welt und dem Weltendasein zu sehen haben fortwährende Störungen von Gleichgewichten und wiederum das Suchen von Gleichgewichten. Im Erdendasein haben wir als tiefste Elemente dieses sich immerfort störenden und wiederherstellenden Gleichgewichtes die beiden Elemente Licht und Liebe. Und im menschlichen Karma wirken nun von Inkarnation zu Inkarnation die beiden Elemente Licht und Liebe ausgleichend auf die gestörten Gleichgewichtslagen. Denn im Grunde genommen haben` wir in dem durch alle Inkarnationen sich durchschlängelnden Karma gestörte Gleichgewichtslagen, und in Licht und Liebe haben wir den fortwährenden Versuch, das Gleichgewicht wiederherzustellen. Bis einst in ferner Zukunft der Mensch in dem Durchgehen durch seine Inkarnationen endlich dahin gekommen sein wird, einen letzten, durch die Erde erreichbaren Gleichgewichtszustand auszubilden, der dahin führen wird, daß die Menschheit die Erdenmission erfüllt haben wird und das Erdendasein sich in eine neue planetarische Form hinüber- entwickeln wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So habe ich versucht, etwas auseinanderzusetzen, ohne das eine tiefere Begründung der karmischen Zusammenhänge und Gesetze nicht möglich ist. Ich habe mich darum auch nicht gescheut, die geheöimnisvollen Grundlagen, für die unsere heutigeWissenschaft noch lange nicht reif sein wird, einmal heute abzuhandeln: daß Materie in Wahrheit verwobenes Licht ist und daß Seelisches in irgendeiner Beziehung verdünnte Liebe ist. Das sind alte okkuite Sätze, aber Sätze, die für alle folgenden Zeiten wahr bleiben werden und die sich fruchtbar erweisen werden in der Menschheitsentwickelung nicht nur für die Erkenntnis, sondern auch für das menschliche Wirken und Handeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
gesehen, etwas darstellt, was nur in das Schicksalsbuch der einzelnen Menschen zu schreiben wäre, die auf dem äußeren physischen Plan als zunächst daran beteiligt zu gelten haben. Denken Sie an alle die Führer der Perserkriege, an alle die Menschen, welche sich damals aufgeopfert haben, denken Sie an alles, was von den Führern bis zu dem einzelnen damals im griechischen Heere getan worden ist: Werden Sie jemals, wenn Sie nur einigermaßen vernunftgemäß ein solches Ereignis auf sich wirken lassen, das, was die einzelnen Menschen damals getan haben, bei jedem einzelnen Menschen nur auf das karmische Konto dieser einzelnen Persönlichkeiten schreiben können? Unmöglich werden Sie das können. Denn Sie werden unmöglich sich vorstellen können, daß bei den Ereignissen, die ein ganzes Volk oder einen großen Teil der zivilisierten Menschheit angehen, nichts anderes geschieht, als daß jede einzelne menschliche Individualität nur ihr Karma auslebt. Und so müssen Sie im Verlauf der geschichtlichen Entwickelung immer wieder von Ereignis zu Ereignis gehen, und Sie werden sehen, daß innerhalb der Menschheitsentwickelung selber Sinn und Bedeutung zu finden sind, daß aber solche Ereignisse nicht eines sein können mit dem individuellen Karma des einzelnen Menschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir können eine Angelegenheit wie die Perserkriege auf unsere Seele wirken lassen und uns dann fragen: Was haben sie im Entwickelungsgang der Menschheit für eine Bedeutung? Im Orient hatte sich eine gewisse Kultur entwickelt, die große, gewaltige Lichtseiten hatte. Aber wie jedes Licht seine Schatten mit sich bringt, so müssen wir uns auch klar sein, daß die ganze Kultur des Orients nur dadurch für die Menschheit zu erreichen war, daß auch mancherlei Schattenseiten, die nicht in der menschlichen Entwickelung hätten weitergeführt werden dürfen, sich in jene Kultur hineingedrängt haben. Vor allem war eine solche Schattenseite die, daß der Orient den Drang hatte, durch äußere, rein auf dem physischen Plan liegende Machtmittel sich immer mehr zu vergrößern. Wäre dieser Vergrößerungstrieb nicht erstanden, so wäre natürlich die ganze orientalische Kultur nicht zustande gekommen. Eines ist nicht ohne das andere zu denken. Aber damit die Menschheit sich weiterentwickeln konnte, mußte aus ganz andern Voraussetzungen heraus sich zum Beispiel die griechische Kultur entwickeln. Die griechische&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|208}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kultur hätte aber nicht einen unmittelbaren Anfang nehmen können, sie mußte gewisse Voraussetzungen a,nderswoher bekommen. Und sie hat in der Tat wichtige Voraussetzungen aus der orientalischen Kultur entlehnt. Verschiedene Sagen von Heroen, die von Griechenland hinüberzogen nach dem Orient, stellen nichts weiter dar, als daß Schüler gewisser griechischer Schulen hinübergezogen waren nach dem Orient und den Griechen jene Güter gebracht haben, die nur innerhalb der orientalischen Kultur gewonnen werden konnten, die dann aber weitergepflegt und umgewandelt werden konnten durch das, was aus dem griechischen Volkscharakter, durch das griechische Volkstalent sich herangebildet hatte. Aber dazu mußte aus diesen herübergebrachten Gütern ausgemerzt werden, was ihre Schattenseite war: der Drang, durch rein äußere Machtmittel sich so nach dem Westen hinüber auszudehnen, wie sie waren. Das Römertum, das später entstand als das Griechentum, und alles, was die weiteren Voraussetzungen waren für die Weiterentwickelung der europäischen Menschheit, das hätte sich nicht herausbilden können, wenn nicht die Griechen sich den freien Boden geschaffen hätten für die Fortentwickelung der orientalischen Kultur, wenn sie nicht die Perser und das, was dazugehört, zurück- geschlagen hätten. So konnte filtriert werden, was in Asien geschaffen worden war, indem man die Asiaten zurückschlug.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von diesem Gesichtspunkt aus sind viele Ereignisse in der Weltentwickelung zu betrachten, und man bekommt dann ein eigentümliches Bild. Wenn wir bei einem Vortragszyklus, der drei bis vier Jahre dauern würde, diesen Gedanken nur für die uns geschichtlich überlieferten Dokumente der Menschheit ausführen könnten, so würde sich uns etwas ergeben, was wir wirklich nennen könnten einen Plan in der Entwickelung der Menschheit. Wir würden dann einen solchen Plan überschauen und uns sagen: Dies mußte errungen werden; das hatte diese Schattenseiten, die wieder ausgemerzt werden mußten; das errungene Gut mußte einem andern übergeben und dort weiter ausgebildet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf dieseWeise würden wir einen Plan der Menschheitsentwickelung herausbekommen und würden bei Besprechung dieses Planes eigentlich gar nicht auf den Gedanken verfallen können: Wie ist denn das zustande&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|209}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gekommen, daß zum Beispiel gerade Xerxes oder Miltiades oder Leonidas dieses oder jenes individuelle Karma hatten? Dieses individuelle Karma müssen wir als etwas betrachten, was für sich entschieden und hineinverflochten werden muß in den Plan der Menschheitsentwickelung. Anders ist die Sache durchaus nicht zu fassen. Und so ist es auch für die geisteswissenschaftliche Anschauung. Wenn aber das der Fall ist, müssen wir sagen: In diesem planvollen Fortgang der Menschheitsentwickelung müssen wir für sich etwas sehen, was in ähnlicher Weise in sich zusammenhängt, wie die karmischen Ereignisse im individuellen Menschenleben zusammenhängen. Und dann können wir weiter fragen: Was hat ein solcher Plan in der ganzen Menschheitsentwickelung für eine Beziehung zum einzelnen individuellen Karma des Menschen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Betrachten wir zunächst einmal das, was man nennen könnte das Geschick in der menschlichen Entwickelung selber. Wenn wir zurückblicken, sehen wir, wie Kultur nach Kultur, Volksentwickelung nach Volksentwickelung aufsteigen. Wir sehen weiter, wie Volk für Volk dieses oder jenes Neue leistet, wie etwas bleibt als Unvergängliches aus den einzelnen Volkskulturen, wie aber geradezu die Völker sterben müssen, um das Volksgut, die Errungenschaften der einzelnen Völker zu retten für die entsprechend späteren Epochen der Menschheitsentwickelung. Da müssen wir doch verständlich finden, was die Geisteswissenschaft zu sagen hat, daß in diesem fortlaufenden Gang der Menschheitsentwickelung genau zwei Strömungen zunächst zu unterscheiden sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Betrachten Sie im ganzen Gang der Menschheitsentwickelung das, was wir als fortlaufende Strömung ansehen können, innerhalb welcher sich Welle nach Welle entwickelt, wobei aber das errungene Gut der vorangegangenen Welle für die nachfolgende erhalten bleibt. Wir würden ein Bild davon bekommen, wenn wir hinschauen auf die erste Kultur der nachatlantischen Zeit, auf das, was im alten Indertum an Großartigkeit geleistet worden ist. Wenn wir dieses Großartige aber vergleichen mit dem schwachen Nachklang, der in den Veden davon enthalten ist, die zwar immer noch bewundernswürdig sind, aber eben doch nur ein schwacher Abglanz sind von dem, was die Rishis geleistet haben und was uns die Geisteswissenschaft von dem großen Kultureinschlag der Inder berichtet, dann werden wir sagen müssen: Es war &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|210}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die ursprüngliche Größe dessen, was dieses Volk für die Menschheit zu leisten hatte, schon im Niedergange, als man daran ging, in jenen herrlichen dichterischen Darstellungen dieses Kulturgut der Menschheit aufzubewahren. Aber was die indische Kultur zunächst zu leisten hatte, das floß hinein in den ganzen Gang der Menschheitsentwickelung. Und nur unter dieser Voraussetzung konnte sich das später entwickeln, was wieder ein junges Volkstum brauchte - nicht ein altgewordenes Volk. Es mußten zuerst die Inder zurückgedrängt werden auf die südliche Halbinsel, und es entwickelte sich dann in Persien die Weltanschauung des Zarathustra. Was hatte diese Weltanschauung an Großem in der Zeit, als sie entstand - und wie war sie in verhältnismäßig gar nicht langer Zeit verfallen bei dem Volke, das sie geschaffen! Wir haben dann beim Ägyptertum und Chaldäertum denselben Vorgang. Dann sehen wir das Hinübergehen orientalischerWeisheit nach Griechenland, und sehen, wie die Griechen zurückschlagen das, was auf dem äußeren physischen Plan das Orientalische ist. Wir sehen dann, wie in den Schoß des Griechentums aufgenommen wird, was der ganze Orient geleistet hat, und wie es verwoben wird mit mancherlei, was bis dahin in andern europäischen Gebieten geleistet worden ist. Daraus wird dann ein neuer Kultureinschlag geschaffen, welcher auf vielen Umwegen fähig geworden ist, den christlichen Impuls aufzunehmen und ihn nach dem Westen weiterzuverpfianzen. Und so würden wir auch späterhin einen fortlaufenden Kulturstrom finden, in welchem wir Glied an Glied anreihen können, und jedes folgende Glied erscheint uns zugleich als eine Fortsetzung des vorhergehenden und immer als etwas Neues, was der Menschheit gegeben werden mußte. Aber woraus mußte das hervorwachsen,was sich so von Epoche zu Epoche weiterentwickelt?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denken Sie an alles, was jedes einzelne Volk mit seinem Kulturgebiet erlebt! Denken Sie an alles, was in jedem einzelnen Volke vorgegangen sein muß als eine Summe von Gefühlen und Empfindungen bei unzähligen Menschen, von Wünschen und Enthusiasmus für das, was als das am höchsten Begehrenswerte erscheinen muß und was gerade auf diesem Gebiete als Kultureinschlag gegeben werden soll! Denken Sie, wie die Seelen der einzelnen Menschen bei dem einzelnen Kultureinschlag mit dem, was sie wünschen und erstreben, ganz dabei sein &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
müssen! Und außerdem war notwendig durch unzählige Jahrhunderte der Menschheitsentwickelung hindurch, daß die Völker, wie sie die einzelnen aufeinanderfolgenden Kultureinschläge entwickelten, immer in einer Art Illusion lebten - in der Illusion, daß jedes solche Volk gerade den Kulturschatz, den es selber auszuarbeiten hatte, als etwas Ewiges und Unvergängliches betrachtete, was nimmermehr von ihm genommen werden könnte. Dadurch erst war das hingebungsvolle Arbeiten der einzelnen Völker an der Kultur möglich, daß diese Illusion immer wieder und wieder auftauchte: daß das, was da geschaffen wurde, mit allem, was daran hing, einen ewigen Bestand haben würde. Auch heute ist diese Illusion ja vorhanden; und wenn man sich ihr auch nicht mehr in so positiver Weise hingibt und von der «Ewigkeit» dieser oder jener Kultur redet, so ist sie doch in der Form vorhanden, daß man nicht an das Ende denkt - nicht im Kleinen und nicht im Großen -, daß man sozusagen keine Aufmerksamkeit darauf verwendet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da haben Sie zweierlei, was die Volkskulturen brauchten und was im Grunde genommen erst in unserer Zeit anfängt eine Art von Änderung zu erfahren. Denn das erste Gebiet menschlichen Geisteslebens, wo gründlich solche Illusionen nicht mehr erwachen werden, das wird das theosophische Geistesleben sein. Denn es wäre ein arges Mißverständnis, wenn jemand, der fest auf dem Boden unserer Geistesbewegung steht, glauben wollte, daß die Formen, in welche wir unsere Erkenntnisse gießen, daß die Gedankenausführungen, die wir heute geben können, daß das, was wir heute aus unserem theosophischen Denken, Fühlen und Wollen geben können, einen ewigen Bestand hätte. Sehr kurzsichtig wäre es, zu behaupten, in drei Jahrtausenden würde es noch Menschen geben, die genau ebenso sprechen würden von den theosophischen Wahrheiten, wie wir es heute tun. Wir wissen, daß wir durch unsere Zeitverhältnisse veranlaßt sind, etwas von dem fortlaufenden Entwickelungsprodukt in die gegenwärtigen Formen zu prägen und daß unsere Nachfahren in ganz anderen Formen des Erlebens diese Dinge zum Ausdruck bringen werden. Warum ist das so? Aus einem ähnlichen Grunde, weshalb es durch viele Jahrhunderte und Jahrtausende der Menschheitsentwickelung hindurch geschah, daß Volkskultur über Volkskultur die einzelnen Menschen vieles erleben lassen mußte, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
damit der Beitrag sich aus der gesamten Volksentwickelung heraus- bilden konnte. Denken Sie an die unzähligen Erlebnisse, die im alten Griechenland durchgemacht wurden, und denken Sie an das, was sich als Extrakt daraus für die spätere gesamte Menschheit ergeben hat! Da werden Sie sagen: Es steckt noch mehr darin als nur die einzelnen Strömungen. Es geschehen viele Dinge um dieser Kernströmung willen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deshalb haben wir zwei Dinge zu beobachten: Erstens etwas, was entstehen und zugrunde gehen muß, damit aus diesem Ganzen das zweite - der Quantität nach der kleinste Teil - als ein Bleibendes fort- dauern kann. Wenn wir wissen, daß, seitdem das menschliche Einzelkarma besteht, in der Menschheitsentwickelung zwei Mächte wirken, die wir immer wirksam gefunden haben, Luzifer und Ahriman, dann erst werden wir den Fortgang der Menschheitsentwickelung verstehen. Denn das müssen wir zum Plan der Menschheitsentwickelung rechnen, daß zuletzt, wenn die Erde an ihrem Ziel angelangt sein wird, die Ergebnisse, die so aus den einzelnen Kulturen nach und nach der gesamten Menschheitsentwickelung einverleibt werden, fruchtbar gemacht werden für alle einzelnen lndividualitäten, ganz gleichgültig,welche Schicksale sie durchgemacht haben. Auf dieses Ziel blicken wir aber erst da- durch, daß wir die Weltentwickelung in theosophischem Sinne ansehen. Denn man gebe sich keiner Täuschung hin: Solches Ziel in der richtigen Weise zu denken, unter vollem Bestande der menschlichen Individualität, ohne ein Verschwimmen der Individualität in irgendeine nebulose pantheistische Einheit, sondern so, daß die Individualität voll erhalten bleibt und wieder in sie dasjenige einfließt, was sich die Menschheit im Großen erobert hat - klar und scharf kann dieses Ziel erst der theosophischen Seelenkultur vor Augen stehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir also auf die früheren Kulturen zurückblicken, können wir uns von vornherein sagen: Seit überhaupt menschliche Individualitäten sich inkarnieren, sind beteiligt an der Menschheitsentwickelung Luzifer und Ahriman. Luzifer ist daran so beteiligt, daß er an dem fortlaufenden Kulturstrom immer teilzunehmen sucht, indem er sich einnistet in die menschlichen Astralleiber und sie imprägniert mit dem luziferischen Impuls. Das ist, was Luzifer im Gange der Menschheitsentwickelung vollführt; er wirkt hinein in die menschlichen Astralleiber. Die Menschen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
könnten das, was Luzifer ihnen gibt, niemals bloß von denjenigen Mächten erhalten, welche den fortlaufenden, eben charakterisierten Kulturstrom bewirken. Trennen Sie diesen Kulturstrom aus dem ganzen Fortgang der Menschheit heraus, dann haben Sie das, was die normal fortschreitenden Geistwesen der Hierarchien herunterströmen lassen in die Menschheit als immer neue Reichtümer. Indem wir hinauf- schauen zu.den Hierarchien, müssen wir sagen: Diejenigen Geistwesen, welche ihre normale Entwickelung durchmachen, gaben der irdischen Kultur das,was bleibendes Gut der Menschheit ist, was zwar später um- gewandelt wurde, aber doch bleibendes Gut der Menschheit geworden Ist. Es ist gleichsam so, wie wenn wir einen Baum haben und in ihm das Mark. So gewinnen wir einen fortlaufend lebendigen Strom der fort- laufenden Kultur.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch diese Mächte, die eine normale Entwickelung für sich durchmachen, hätte es auf diese Weise geschehen können, daß der Mensch sein Ich immer mehr und mehr erfüllt hätte mit dieser fortschreitenden Bereicherung der menschlichen Entwickelung. Hineinfließen würde von Zeit zu Zeit das, was den Menschen weiterbringt; der Mensch würde sich immer mehr anfüllen mit den Gaben der geistigen Welt, und zuletzt, wenn die Erde an ihrem Ziel sein würde, wäre es selbstverständlich, daß der Mensch alles, was aus den geistigen Welten gegeben worden wäre, in sich hätte. Aber eines wäre nicht möglich: daß der Mensch ureigensten, heiligen Eifer entwickelte, Hingebung und Feuer für das, was da geschaffen wird von Kulturepoche zu Kulturepoche. Aus demselben Untergrunde, aus dem jeder Wunsch und jede Begierde herauswächst, erwächst auch der Wunsch nach den großen Idealen, erwächst auch die Begierde nach Menschenbeglückung, nach Leistungen der Künste in den aufeinanderfolgenden menschlichen Kulturepochen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus demselben Grunde, aus dem verderbliche, nach dem Bösen gehende Begierden erwachsen, erwachsen auch die Bestrebungen nach dem Höchsten, was auf der Erde geleistet werden kann. Und es würde das nicht da sein, für was die menschliche Seele als für ein höchstes Gut entbrennt, wenn es nicht auf der andern Seite möglich wäre, daß dieselbe Begierde auch nach der andern Seite in das Laster und in das Böse hinuntersinken kann. Daß es diese Möglichkeit in der Menschheitsentwik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|214}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
kelung gibt, das ist das Werk der luziferischen Geister. So dürfen wir nicht verkennen, daß die luziferischen Geister für die Menschen Freiheit gebracht haben zugleich mit der Möglichkeit des Bösen, freie Empfänglichkeit für das, was sonst in die menschliche Seele nur ein fließen würde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber wir haben auch gesehen, daß alles, was Luzifer herausfordert, seine Antwort findet durch Ahriman. So sehen wir Luzifer mit seinem ganzen Heere wirken in dem, was dann im Konkreten den Einschlag der griechischen Kult`ur der ganzen menschlichen Entwickelung geben soll: in den griechischen Heroen, in den griechischen Helden und Künstlern. Luzifer dringt hinein in die astralischen Leiber, läßt sie entbrennen für das, was sie als das Höchste verehren. So wird dasjenige, was mit dem Griechentum in die Entwickelung ein fließen soll, zugleich zum Enthusiasmus der Volksseele. Gerade da steckt Luzifer darinnen. Und weil Luzifer der Mond-, nicht der Erdentwickelung seine Kraft verdankt, fordert er Ahriman heraus; und indem Luzifer von Zeitepoche zu Zeitepoche seine Tätigkeit entwickelt, gliedert sich Ahriman dazu - und verdirbt dasjenige stückweise, was Luzifer auf der Erde bewirkt hat. - Es ist die Weltentwickelung der Menschen ein fortwährendes Wirken zwischen Ahriman und Luzifer. Wirkte Luzifer nicht in der Menschheit, so fehlte der Eifer und das Feuer für den fortlaufenden Strom der Menschheitsentwickelung; wäre Ahriman nicht da, der von Volk zu Volk wieder zerstört, was nicht aus dem fortlaufenden Strom, sondern nur aus dem luziferischen Einschlag kommt, dann würde Luzifer die Einzelkulturen ewig fortführen wollen. So sehen Sie hier Luzifer seIn eigenes Karma sich heraufbeschwören, das eine notwendige Folge der Entwickelung auf dem alten Monde ist. Und die Folge ist nun, daß er Ahriman immerfort an seine Ferse ketten muß. Ahriman ist die karmische Erfüllung des Luzifer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da blicken wir hinein in das Karma der höheren Wesenheiten an dem Beispiel der ahrimanischen und luziferischen Wesenheiten. Da oben ist auch Karma. Überall ist Karma, wo Iche sind. Und Luzifer und Ahriman bergen natürlich Iche in sich; deshalb können die Wirkungen ihrer Taten auf sie selber zurückschlagen. Auf viele dieser Geheimnisse wird erst im Sommer bei dem Zyklus über die biblische &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|215}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schöpfungsgeschichte hingewiesen werden können; nur auf eine Stelle möchte ich schon hier hinweisen, die Ihnen so recht wird zeigen können, von wie unendlicher Tiefe jedes einzelne Wort in den wahren okkulten Urkunden ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Haben Sie nie darüber nachgedacht, warum in der biblischen Schöpfungsgeschichte am Ende eines jeden Schöpfungstages der Satz steht: «Und die Elohim sahen das Werk, und sie sahen, daß es sehr gut war», daß es «aufs beste war»? Das ist ein bedeutungsvolles Wort. Warum steht es da? Der Satz zeigt ja selber, daß er als eine Charakteristik der Elohim gemeint ist, die sich auf dem Monde in normaler Weise entwickelt haben und deren Gegner Luzifer ist. Es ist etwas, das zur Charakteristik der Elohim gehört, daß sie nach jedem Schöpfungstag sahen, daß es «aufs beste war». Aus dem Grunde wird es angegeben, weil dieser Grad die Errungenschaft der Elohim war. Sie konnten auf dem Monde das Werk nur so lange sehen, als sie es taten, konnten nicht ein nachträgliches Bewußtsein davon haben. Daß sie nachträglich zurück- schauen können im nachschauenden Denken auf das Werk, das ist eine besondere Stufe im Bewußtsein der Elohim. Das war erst auf der Erde möglich; und zwar zeigt sich ihr innerer Charakter darin, daß dasWillensmäßige so herausströmt aus ihrem Wesen, daß,wenn sie es ansahen, sie sahen, daß es aufs beste war. Das waren die Elohim,welche ihrWerk auf dem Monde abgeschlossen hatten und die, wenn sie es auf der Erde hinterher beschauten, sagen konnten:Es kann bleiben, es ist aufs beste! - Dazu mußte aber die alte Mondentwickelung vollendet sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie ist es nun mit den luziferischenWesenheiten, also mit denjenigen Wesenheiten, die ihre Mondentwickelung nicht vollendet haben? Die werden also auf der Erde auch versuchen müssen, ihr Werk hinterher anzuschauen, so zum Beispiel wenn sie den Beitrag gegeben haben an Feuer und Enthusiasmus in der griechischen Kultur. Und sie werden dann sehen, wie es ihnen stückweise Ahriman abgebröckelt hat! Und sie werden sagen müssen, weil sie es nicht vollendet haben: Sie sahen ihr Tagewerk, und sie sahen, daß es nicht zum besten war, daß es ausgelöscht werden mußte!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist die große Enttäuschung der luziferischen Geister, daß sie immer von neuem ihr Werk versuchen, immer von neuem das Pendel &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
nach der andern Seite zum Ausschlag bringen wollen - und immer von neuem ihr Werk durch Ahriman zerstört finden. Sie müssen sich innerhalb der Menschheitsentwickelung ein Auf-und-ab-Wogen denken, ein fortwährendes Anfachen von neuen Kräften durch Wesenheiten, die höher sind als wir selber, und daß diese Wesenheiten fortwährende Enttäuschungen erleben. Das ist enthalten in dem Erleben der luziferischen Geister in der Erdentwickelung. Und dieses Karma mußte die Menschheit in sich aufnehmen, weil der Mensch nur dadurch zur wirklichen Freiheit kommen konnte. Freiheit kann nur dadurch ersprießen, daß der Mensch sich den höchsten Inhalt seines Erden-Ich selber gibt. Dasjenige Ich, das der Mensch haben würde, wenn ihm alle Ziele am Ende der Erdentwickelung gegeben würden, kann nicht frei sein; denn es ist von vornherein bestimmt gewesen, alle Güter der Erdentwickelung in die Menschen ein fließen zu lassen. Frei werden konnte der Mensch nur, indem er zu diesem Ich ein anderes, irrtumfähiges Ich hinzuschafft, das in der Lage ist, immer wieder und wieder nach der Seite des Guten und nach der Seite des Bösen zu pendeln und das immer wieder hinauf- streben kann zu dem, was der Inhalt aller Erdentwickelung ist. Das niedere Ich mußte dem Menschen beigegeben werden durch Luzifer, damit das Hinaufarbeiten des Menschen zum höheren Ich seine ureigenste Tat sein kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nur so ist auch freier Wille in der Menschheit möglich. Freier Wille ist etwas, was sich der Mensch nach und nach erringen kann; denn der Mensch ist dazu so gestellt, daß ihm im Leben der freie Wille als ein Ideal vorschwebt. Wo ist denn in einem Mittelzustand der Entwickelung der menschliche Wille frei? Er ist niemals frei, weil er in jedem Augenblick dem luziferischen und ahrimanischen Element verfallen kann; er ist nicht frei, weil jeder Mensch, wenn er die Pforte des Todes durchschritten hat, in der aufsteigenden Zeit der Läuterung - vielleicht durch Jahrzehnte hindurch - einen ganz bestimmten Eindruck hat. Das ist das Wesentliche des Kamalokalebens, daß wir sehen, in welchem Grade wir selber unvollkommen sind durch das, was wir an Unvollkommenem in der Welt getan haben, daß wir Stück für Stück sehen, in welcher Weise wir unvollkommen geworden sind. Daraus geht dann die entschiedene Absicht hervor, alles wieder auszumerzen, was wir un&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
vollkommen gemacht haben. So ist das Leben in der Kamalokazeit, daß Absicht zu Absicht gefügt wird und der Gesamtentschluß gefaßt wird: Du mußt alles das wieder ausbessern, was du so gedacht und getan hast, daß es dich heruntergebracht hat! - Was der Mensch da fühlt, das prägt er seinem weiteren Leben ein und tritt mit dieser Absicht bei der Geburt ins Dasein - und ladet dadurch sein Karma auf sich. Daher können wir nicht sagen, daß wir, wenn wir durch die Geburt ins Dasein getreten sind, einen freien Willen haben. Einzig und allein können wir davon sprechen, daß wir uns einem freien Willen in dem Maße nähern, als es uns gelungen ist, Herr zu werden über die Einflüsse Luzifers und Ahrimans. Und Herr werden über die luziferischen und ahrimanischen Ein- flüsse können wir durch nichts anderes als durch Erkenntnis. Einmal durch Selbsterkenntnis, indem wir uns immer fähiger machen - auch im Leben zwischen Geburt und Tod -, unsere Schwachheiten in allen drei Seelenmerkmalen kennenzulernen, in Denken, Fühlen und Wollen. Wenn wir uns immer mehr bemühen, uns keiner Illusion mehr hinzu- geben, dann wächst ja in unserem Ich die Kraft, den luziferischen Einfluß entbehren zu können, denn dann werden wir immer mehr fähig, zu entscheiden, welche Hingabe die Güter der Menschheit, die nach und nach erobert wurden, verdienen. Sodann durch Erkenntnis der Außenwelt, die sich ergänzen muß mit der Selbsterkenntnis; beide müssen zusammenwirken. Selbsterkenntnis und Erkenntnis der Außenwelt müssen wir mit unserem Wesen vereinigen; dann werden wir imstande sein, ein klares Verhältnis zu Luzifer zu gewinnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist gerade die Eigentümlichkeit dessen, was wir uns als theosophische Erkenntnis aneignen, daß wir Aufschluß gewinnen darüber, wie weit an jedem menschlichen Tun Neigung und Leidenschaft, Luzifer und Ahriman beteiligt sind. Was haben wir in dieser Reihe von Vorträgen anderes getan, als uns Aufklärung verschafft darüber, wie luziferische und ahrimanische Kräfte in der mannigfaltigsten Weise in unser Leben hineinwirken! In dem gegenwärtigen Zeitalter aber kann die Aufklärung über die luziferischen und ahrimanischen Kräfte beginnen. Und der Mensch muß aufgeklärt sein, wenn er wirklich etwas beitragen will zur Erreichung des Erden-Menschheitszieles. - Wohin Sie den Blick richten, überall wo menschlich gefühlt und gedacht wird, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
können Sie sehen, wie weit die Menschen noch entfernt sind von einer echten, wahren Aufklärung über die Einflüsse Luzifers und Ahrimans. Da sehen Sie den weitaus größten Teil der Menschheit überhaupt keine solche Aufklärung wollen. Da sehen Sie einen großen Teil der Menschen in einen gewissen religiösen Egoismus verfallen: nur ja mit dieser Seele selbst jenen Zustand des Wohlbefindens zu erreichen, den man sich nur vorstellen kann. Das ist ein Egoismus, von dem sich die Menschen gar nicht bewußt sind, daß sich da die größten Begierden hineinmischen können. Und nirgends mischt sich Luzifer mehr in unsere Gefühle hin- ein als da, wo die Menschen aus ihren Leidenschaften und Begierden heraus nach dem Göttlichen streben, ohne das Göttliche durchleuchtet zu bekommen mit dem Licht der Erkenntnis. Glauben Sie nicht, daß Luzifer gerade da vielfach am Werke ist, wo die Menschen glauben, nach dem Höchsten zu streben? Aber die Formen, die in dieser Weise erstrebt werden, werden ebenfalls zu den Enttäuschungen Luzifers gehören müssen. Und diejenigen, die nun glauben, aus den wüsten Begierden diese oder jene Form einer geistigen Kultur erhalten zu können, die immer wieder und wieder predigen, daß diese Theosophie so schlimm ist, weil sie etwas Neues glaubt, die sollten bedenken, daß es nicht vom Menschenwillen abhängt, wenn sich Ahriman an die Fersen des Luzifer heftet. Und was entstanden ist im Laufe der Entwickelung an Formen, das wird, weil Ahriman sich hineinmischt, durch Luzifer auch wieder untergehen. Retten wird sich allein der fortlaufende Strom der Menschheitsentwickelung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So schauen wir dadurch zurück auf eine vorangegangene Entwickelung, wo als Opfer für uns zurückgeblieben sind gewisse Wesenheiten. Wir wissen jetzt, daß diese Wesenheiten ihr Karma ausleben müssen um unsertwillen, damit wir in normaler Weise ausleben können, was diese Wesenheiten uns einflößen können. Ja, wahrhaftig, Jahve hat dem Menschen ursprünglich eingeflößt durch den göttlichen Odem die Fähigkeit zum Ich; aber wäre nur der göttliche Odem gekommen, der im menschlichen Blut pulsiert, und nicht auch das, was immer wieder abirren kann von dem, was der Jahve-Odem geben kann, würden nicht darinnen arbeiten sowohl luziferische wie ahrimanische Impulse, so würde der Mensch zwar das Was erlangen können der Jahve-Gabe, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|219}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
aber nicht das Wie: daß er es mit einem selbstbewußten freien Ich empfindet. So liegt es doch im Sinne der Weltentwickelung, daß gewisse Wesenheiten auf dem alten Monde zurückgeblieben sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir leben heute in einem Zeit~lter, wo wir in der Tat zurückblicken dürfen auf viele Enttäuschungen Luzifers, wo wir aber auch hinblicken können auf eine Zukunft, in der wir immer mehr verstehen lernen, was der fortlaufende Strom der Entwickelung ist. Und Theosophie wird das Instrument sein zum Verständnis für diesen fortlaufenden Strom der Entwickelung, damit wir uns immer bewußter zu den Einflüssen Luzifers stellen können und immer mehr in die Lage kommen können, luziferische Impulse in uns selber zu erkennen und sie in der richtigen Weise nutzbringend für die Menschheitsentwickelung bewußt zu verwerten, während sie vorher in der Menschheit als ein dunkler Drang gewirkt haben, dessen sich der Mensch nicht bewußt war. Und ebenso ist es mit den ahrimanischen Einflüssen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier ist eines derGebiete,wo man darauf aufmerksam machen kann, wie sozusagen gerade in der Gegenwart eine wichtige Entwickelungsepoche der Menschheit vorliegt, nämlich jene Epoche, in der in gewisser Beziehung tatsächlich die Seelenkräfte sich umkehren. Für viele von Ihnen ist es ja schon charakterisiert worden, daß wir vor einer Epoche stehen, in welcher gewisse Menschen, einzelne Menschen, andere Seelenfähigkeiten entwickeln werden als diejenigen, die man heute gelten läßt. Was heute zum Beispiel die Theosophie aus den Erkenntnissen der Geistesforschung heraus zu sagen weiß, daß der Mensch einen Ätherleib hat außer dem physischen Leib, das wissen aus der Anschauung heraus heute nur die, welche eine methodische Schulung durchgemacht haben. Aber noch vor Ablauf der Mitte des 20. Jahrhunderts - das wissen wir aus dem Lesen der Akasha-Chronik - wird es Menschen geben, die eine natürliche Entwickelung haben werden für ein ätherisches Hellsehen und die, weil die Menschheit an diesen Zeitpunkt gekommen ist, wo sich diese Dinge als natürliche Gabe entwickeln werden, als den physischen Leib durchdringend und am Rande über ihn hinausragend den Ätherleib wahrnehmen werden. Wie der Mensch von einem Hineinschauen in die geistige Welt sich herunterentwickelt hat zum heutigen nur äußerlichen physischen Wahrnehmen und verstandesmäßigen &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|220}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Begreifen der Außenwelt, so beginnt er sich jetzt zu neuen, aber bewußten Fähigkeiten nach und nach zu entwickeln. Diese neuen Fähigkeiten treten zu den alten hinzu, und eine besondere Fähigkeit wird die sein, die ich so charakterisieren kann:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es wird Menschen geben - einzelne zunächst, denn erst im Laufe der nächsten zwei bis drei Jahrtausende wird sich bei einer größeren Anzahl diese Fähigkeit entwickeln, und die ersten Vorläufer werden da sein noch vor Ablauf der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts -, bei denen wird etw`a folgendes eintreten: Die Menschen werden irgendeine Tat erlebt haben, und sie werden versucht sein, etwas zurückzutreten von der Tat. Sie werden dann ein Bild vor sich haben, das von der betreffenden Tat kommt. Sie werden es zuerst nicht kennen, werden keinen Bezug finden zu dem, was sie getan haben. Aber dann werden sie vielleicht schon etwas von der Geisteswissenschaft gehört haben, und dann werden sie erfahren, daß dieses Bild, das ihnen wie eine Art bewußtes Traumbild erscheint, das Gegenbild der eigenen Handlung ist, das Bild für jene Handlung, die geschehen muß, damit das, was eben getan worden ist, seine karmische Erfüllung findet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So steht die Menschheit in der Tat vor einer Epoche, in der sie anfangen wird, Karma nicht nur zu begreifen nach den Lehren und Darstellungen der Geisteswissenschaft, sondern wo sie anfangen wird, Karma nach und nach zu schauen. Während bisher Karma für die Menschen ein dunkler Drang, eine dunkle Begierde war und erst im nächsten Leben ausgelebt werden konnte, erst im Leben zwischen Tod und neuer Geburt umgewandelt werden konnte in eine Absicht, entwickeln sich allmählich die Menschen dahin, daß sie in die Lage kommen, bewußt die Schöpfungen Luzifers wahrzunehmen, zu sehen, wie sie sich ausnehmen werden in ihren Wirkungen. Allerdings werden mit diesem ätherischen Hellsehen nur diejenigen Menschen etwas anfangen können, die Erkenntnis und Selbsterkenntnis angestrebt haben. Immer mehr und mehr werden die Menschen im normalen Zustande vor sich haben die karmischen Bilder für ihre Handlungen. Das wird etwas sein, was die Menschen immer weiterbringen wird, weil sie dadurch wissen werden, was sie der Welt noch schuldig sind, was in ihrem Karma noch als Schuldkonto dasteht. Das ist es ja, was den Menschen unfrei macht, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|221}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
daß er nicht weiß, was er der Welt noch schuldig ist. So darf man also beim Karma gar nicht von vornherein von einem freien Willen sprechen. Das Wort «freier Wille» ist schon falsch; denn man muß sagen: Frei wird der Mensch erst durch seine sich immer steigernde Erkenntnis und dadurch, daß er immer höher steigt und immer mehr hineinwächst in die geistige Welt. Dadurch erfüllt er sich immer mehr und mehr mit dem Inhalt der geistigen Welt und wird immer mehr ein Wesen, das seinen Willen bestimmt. Nicht der Wille kann frei werden, sondern der Mensch als solcher kann frei werden, indem er sich durchdringt mit dem, was er auf dem vergeistigten Gebiet des Weltendaseins erkennen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So blicken wöir auf die Enttäuschungen Luzifers und seine Taten und sagen: So ist seit Jahrtausenden der Grund gelegt zu dem, wo wir stehen; denn würden wir nicht dort stehen, wo wir stehen, so würden wir uns nicht zur Freiheit entwickeln können. Nachdem wir uns aber Aufklärung verschaffen können über Luzifer und Ahriman, können wir ein anderes Verhältnis zu diesen Mächten gewinnen, können die Früchte ziehen von dem, was getan worden ist, können Luzifer und Ahriman sozusagen ihre Arbeiten abnehmen. Da werden sich allerdings die Taten des Luzifer, die er bewirkt hat und die immerfort zu Enttäuschungen geführt haben, wenn sie von uns selbst begangen werden, sich in ihr Gegenteil verkehren müssen. Die Taten Luzifers mußten Begierden erregen, mußten den Menschen hinführen zu dem, was in das Böse einmünden konnte. Wir haben ja gesehen, was für eine gegenteilige Kraft es sein muß, die Luzifer entgegenwirkt: Wenn wir selber Luzifer entgegenwirken sollen, wenn wir seine Angelegenheiten in der Zukunft besorgen sollen, wird es bei uns nur die Liebe sein können&amp;gt; die an die Stelle der Taten des Luzifer treten kann; die Liebe aber wird es sein können. Und ebenso wird es dasjenige sein können, was uns auch aus der Außenwelt fließt, indem wir immer mehr die Dunkelheit wegnehmen, die wir einweben in die äußere Materie. Wenn wir immer mehr diese Dunkelheit hinwegbringen, wenn sie schwindet, und wir dazu gelangen, den ahrimanischen Einfluß auf diese Weise völlig zu überwinden, dann werden wir in der Lage sein, die Welt so zu erkennen, wie sie wirklich als Erdenwelt ist. Dann werden wir uns allmählich nähern solcher Erkenntnis, wie sie heute nur Gut der Geisteswissenschaft sein &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|222}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
kann: Wir werden durchdringen zu dem, was die Materie wirklich ist, zu der Natur des Lichtes. Heute gibt sich selbst die Wissenschaft immer noch über die Natur des Lichtes den mannigfaltigsten Täuschungen hin. Mancher glaubt, daß man das Licht mit physischen Augen sieht. Das ist nicht richtig. Mit physischen Augen sieht man nicht Licht, sondern nur beleuchtete Körper; man sieht Farben an den Körpern. Man sieht nicht Licht, sondern man sieht durch das Licht. Alle solche Täuschungen werden weggeräumt sein. Dadurch wird sich verwandeln das Bild der Welt, das notwendigerweise unter dem Einflusse Abrimans von Irrtum durchwoben sein mußte, und es wird sich durchsetzen mit dem Inhalt der Weisheit. Indem der Mensch zum Licht vordringt, wird er selbst das seelische Gegenbild des Lichtes entwickeln. Und das seelische Gegenbild des Lichtes ist die Weisheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dadurch wird Liebe und Weisheit in die menschliche Seele einziehen. Und Liebe und Weisheit werden die praktische Kraft sein, der eigentliche Lebensimpuls, der sich aus der theosophischen Weltanschauung ergeben soll und ergeben wird. Weisheit, die das innere Gegenbild des Lichtes ist, Weisheit, die sich verbinden kann mit der Liebe, und Liebe, die sich mit Weisheit durchdringt, werden den rechten Weg finden, um wieder zurückzuwirken auf das, was in die Weisheit der äußeren Welt eingetaucht ist. Wenn wir nach und nach der andern Hälfte der Entwickelung teilhaftig werden sollen, Luzifer und Ahriman wieder zu überwinden, dann müssen wir uns durchdringen mit Weisheit und Liebe. Indem wir Weisheit und Liebe entwickeln, entwickeln wir diejenigen Elemente, die wieder von unseren Seelen selber ausfließen werden als Gaben für die, die in der ersten Hälfte der Erdentwickelung sich hin- geopfert haben als luziferische und ahrimanische Mächte, um uns das zu geben, was wir zur Erringung unserer Freiheit brauchen. Diesen Mächten werden wir geben müssen, was wir an Weisheit und Liebe so entwickeln werden. Wir müssen uns aber bewußt sein: Weil Leben in der Welt sein muß, müssen wir Kulturen annehmen, die uns Ausdrucksmittel dieses Lebens sind.Wir wollen uns gern und mit Liebe einer theosophischen Kultur hingeben, die nicht ewig sein wird, aber wir wollen es mit Enthusiasmus hinnehmen und mit Liebe das schaffen, wozu wir früher unter dem Einfluß Luzifers getrieben worden sind. Weil wir jetzt &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
erkennen, daß wir aus Liebe das schaffen müssen, wozu wir früher durch den luziferischen Einfluß, durch Begierden und Leidenschaften getrieben werden mußten, werden wir jetzt hinter alldem desto mehr überschüssige Liebe entwickeln. Wenn wir nur die notwendige Liebe entwickeln würden, würden wir es nicht dahin bringen, Kultur über Kultur zu entwickeln. Theosophie soll etwas sein, was jede der Zeit entsprechende Forderung mit Hingabe und Liebe leistet, mit demselben Enthusiasmus, mit dem einst die Menschen unter dem Einflusse Luzifers gewirkt haben.Wir werden nicht mehr die Illusion haben, daß das, was wir tun, ewig dauern wird. Aber indem wir in immer sich steigernder Liebe Kultur über Kultur schaffen, schaffen wir damit überschüssige Liebe. Die kommt Luzifer zugute; dadurch werden auch seine Enttäuschungen gutgemacht. An uns liegt es, daß an Luzifer wieder das gutgemacht werden kann, was er an Enttäuschungen erleiden muß, wenn wir nach der andern Seite das zuruööckgeben,was für uns geleistet worden ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist der andere Teil des Karma der höheren Wesenheiten, daß wir eine Liebe entwickeln, die nicht bloß in der Menschheit bleibt, sondern die dazu berufen ist, in den Kosmos einzudringen. In Wesenheiten, die höher sind als wir, werden wir die Liebe einströmen lassen können, und diese Wesenheiten werden sie als Opfer empfinden. Es wird Seelenopfer sein. Seelenopfer wird hinaufströmen zu denen, die einst ihre Gaben herunterströmen ließen, wie einst die Rauchopfer hinaufstrebten zu den Geistern in Zeiten, wo Menschen die spirituellen Güter noch hatten. Damals konnten die Menschen nur die symbolischen Rauchopfer zu den Göttern hinaufsenden. In der Zukunft werden die Menschen Liebesströme hinaufsenden zu den Geistern, und aus dem Liebesopfer wird wieder etwas herunterströmen: dem Menschen werden zu- strömen höhere Kräfte, die, von Geistigem dirigiert, mit immer größerer Macht eingreifen werden in unsere physische Welt. Das werden dann im wahren Sinne magische Kräfte sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So sehen wir den Gang der Menschheitsentwickelung, indem sich Menschheitskarma und Karma der höheren Wesenheiten auslebt. Und wir begreifen jetzt auch,wie sich der Plan der Entwickelung zum einzelnen menschlichen Karma stellt. Nehmen wir an, eine übermenschliche Individualität hätte im Jahre 1910 dieses oder jenes gewirkt, das dann &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|224}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
auf dem physischen Plan durch einen Menschen ausgeführt wurde, so ist dadurch ein Kontakt geschlossen zwischen dieser übermenschlichen Individualität und dem Menschen. Der Mensch ist dann verwoben in das Karma der höheren Wesenheiten. Das ist eine abgeschlossene Korrespondenz. Dann strnöömt ihm aber zu aus den höheren Welten eine Strömung, die ihm etwas in sein Leben hineinbringt; darin hat er nun einen neuen Posten, der zu seinem Karma hinzugefügt ist und der nach der einen oder andern Seite den Ausschlag gibt. So wird menschliches Karma befruchtet von dem allgemeinen Karma, das durch die Welt strömt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sehen wir zum Beispiel auf Miltiades oder irgendeine andere Persönlichkeit: Da hatten sie zu stehen auf dem großen Plan der Geschichte ihres Volkes, da war dies oder jenes durch das Karma der höheren Mächte bedingt - und da wurden sie hingestellt auf ihren Posten. In ihr einzelkarmisches Konto strömte ein, was der ganzen Menschheit zuteil werden sollte. Und indem sie es ausführten, indem sie Taten und Leistungen daran anschlossen, wurde es ihr Einzelkarma. - So leben und weben wir auch mit unserem einzelnen Karma iön dem Makrokosmos als eine kleine Welt, als ein Mikrokosmos.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit sind wir zwar am Ende des Kursus,wenn auch nicht am Ende der Sache. Aber das geht ja nicht anders. Wenn ich nur mit zwei Worten noch sagen darf, daß ich diese Reihe von Vorträgen, gerade über jene menschlichen Fragen, die so tief das menschliche Herz bewegen können und die doch wiederum mit dem größten Schicksal selbst höherer Wesenheiten zusammenhängen, wenii ich sage, daß ich diesen Kursus gehalten habe wirklich aus tiefster Seele heraus und froh bin, daß es möglich war, in einem theosophischen Zweige auch einmal über diese Dinge zu sprechen, unter theosophischen Freunden, die von allen Seiten herbeigeeiit waren, um sich den Betrachtungen über diese Fragen zu widmen, so spreche ich auch diese Worte aus tiefstem Herzen heraus. Diejenigen, welche Gelegenheit haben werden, weitere Kurse zu hören, werden sehen, daß mancherlei von dem sich beantworten wird, was jemand im Anschluß an diesen Zyklus auf` der Seele haben wird. Aber auch die, welche diese Sommerkurse nicht hören können, werden später Gelegenheit haben, so etwas mit mir zu besprechen. Und so darf ich auch diesmal wieder sagen, daß ich die Dinge, die zu besprechen waren, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|225}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
so entgegengenommen haben möchte, daß sie nicht bloß abstrakte Er- kenntnisse sein sollen, sondern solche, die übergehen in unser ganzes Denken, Fühlen und Wollen, in unser ganzes Leben. So daß man an den Theosophen in der Welt sehen möchte Gleichnis und Bild dessen, was man die tiefsten theosophischen Wahrheiten nennen kann. Versuchen wir, uns ganz zu einem solchen Bild und Gleichnis zu machen; dann erst haben wir in der Welt eine theosophische Geistesströmung. In unserem engen Kreise muß diese theosophische Geistesströmung zunächst Betrachtung der spirituellen Erkenntnis sein. Dann aber müssen - zunächst in unserem Mitgliederkreise - diese Erkenntnisse Gesinnungen werden und als solche der Welt gegenübertreten. Und die Welt wird nach und nach einsehen, daß es nicht umsonst war, daß es um die Wende des 20. Jahrhunderts ehrliche und aufrichtige Theosophen gegeben hat, Leute, die aufrichtig und ehrlich an die Gewalt der spirituellen Mächte geglaubt haben. Und indem sie daran geglaubt haben, sind sie selbst durchsetzt worden mit der Kraft, auch dafür zu wirken. Schneller und schneller wird die Kultur in unserem Leben gehen, wenn Sie selber das, was Sie hören, umwandeln in Gesinnung, in Handlung und Tat. Nicht dadurch, daß wir die Menschen überzeugen! Dazu ist die gegenwärtige Kultur nur wenig geeignet. Wahrhaft überzeugt werden immer nur die werden, die aus tiefstem Drang des Herzens an die Theosophie herankommen; die andern werden nicht überzeugt werden. Dieses Karma haben wir auch in geistigen Kreisen als etwas, was der Materialismus hat hervorrufen müssen, und wir müssen diese Schädigungen als etwas betrachten, demgegenüber Geisteswissenschaft sich erweisen muß als eine geistige Macht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So müssen wir das, was wir der Welt geben können, aus unserer Gesinnung heraus geben. Jeder, der Theosophie in das innere Leben der Seele umgewandelt haben wird, wird ein spiritueller Kraftquell sein. Und wer an das Übersinnliche glaubt, darf durchaus die Überzeugung haben, daß unsere theosophischen Erkenntnisse und Gesinnungen spirituell wirken, das heißt, sich unsichtbar in die Welt hinaus verbreiten, wenn wir uns wirklich zu einem bewußten, von dem theosophischen Leben durchdrungenen Werkzeug machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|226}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= EINLADUNG ZUM VORTRAGSZYKLUS =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Zeit vom 15. bis 28. Mai dieses Jahres wird Dr. RUDOLF STEINER in HAMBURG einen Zyklus von Vorträgen halten über das Thema:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;DIE OFFENBARUNGEN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DES KARMA&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wesen und Bedeutung des Karma In Einzelpersönlichkeit, Individualität, Menschheit, Erde, Welt - Karma und Tierreich. - Krankheit und Oesundhelt In Beziehung zu Karma. - Heilung und Unheilbarkelt In Beziehimg zu Karma. - Natilrliche und zufällige Erkrankungen in Beziehung zu Karma. - Lebeusunfälle In Beziehung zu Karma. - EIernentarereignisse, VulkanansbrUche, Erdbeben, Epldernlen In Beziehung zu Karma. - Karma der höheren Wesenheiten. - Tod und Oeburt Im Verhältnis zu Karma. - Freier Wille und Karma in der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zukunft der Menschheitsentwicklung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir laden alle Mitglieder der Theosophischen Gesellschaft hierzu herzlichst ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Zyklus wird mit einer Pfingstfeier am Pfingstsonntag, abends 6 Uhr, im ,,Patriotischen Hause&amp;quot; (beim alten Rathause) eröffnet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle übrigen Vorträge werden pünktlich abends 8 Uhr im ,,Patriotischen Hause&amp;quot; beginnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|227}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für Dienstag, den 24. Mai, ist ein öffentlicher Vortrag vorgesehen, worüber Näheres noch bekanntgegeben wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anmeldungen zum Besuche des Vortrags.Zyklus werderi bald- möglichst erbeten an Herrn G. F. Scharlau, Hamburg, Repsoldstr. 21 a, woselbst auch die Einiaßkarten gegen Einsendung des auf Mk. 10.- festgesetzten Beitrages zu haben sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auskunft über Wohnungsangelegenheiten erteilt Fräulein Victoria Paulsen, Tarpenbeckstraße 31, Mathildenstift.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir hoffen, recht viele theosophische Freunde bei uns begrüßen zu können und sind&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
mit theosophischem Gruß&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Pythagoras - Zweig, Hamburg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
HAMBURG, März 1910.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|228}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= HINWEISE =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu dieser Ausgabe&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Zyklus «Die Offenbarungen des Karma» fand auf Einladung des theosophischen «Pythagoras-Zweiges» im «Patriotischen Hause» beim alten Rathaus in Hamburg vom 15. bis 28. Mai 1910 statt (siehe Programm S. 226-227). Bemerkenswert ist, daß auf dem im März 1910 vorliegenden Programm die Titel der einzelnen Vorträge genannt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum Thema «Offenbarungen des Karma» siehe auch den Band «Wiederverkörperung und Karma», GA 135, die Vorträge «Das Karma des Berufes des Menschen in Anlmüpfung an Goethes Leben», GA 172, sowie die sechs Bände «Esoterische Betrachtungen karmischer Zusammenhänge», GA 235 bis 240.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum Gebrauch der Worte «Theosophie» und «theosophisch»: Diese Worte sind im Sinne von Rudolf Steiners grundlegendem Werk «Theosophie» (1904, GA 9) zu verstehen. Rudolf Steiner wirkte von 1902 bis 1913 als Generalsekretär der deutschen Sektion der damaligen Theosophischen Gesellschaft (Adyar), dann, als es im Zusammenhang mit Zerfallserscheinungen in dieser Gesellschaft zum Ausschluß der deutschen Sektion kam, im Rahmen der von ihm und anderen begründeten «Anthroposophischen Gesellschaft». Er hli von Anfang an ausschließlich die Ergebnisse seiner Geistesforschung vertreten. «Niemand blieb im unklaren darüber, daß ich in der Theosophischen Gesellschaft nur die Ergebnisse meines eigenen forschenden Schauens vorbringen werde» (aus «Mein Lebensgesang», GA 28). Von einer Ersetzung des Ausdrucks «Theosophie» durch «Anthroposophie», wie sie in den ersten zwei Jahrzehnten nach der Trennung von der Theosophischen Gesellschaft auf Rudolf Steiners eigene Weisung hin vorgenommen worden ist, wurde in dieser Ausgabe Abstand genommen; der Leser muß sich jedoch bewußt sein, daß mit «Theosophie», wie sie hier gemeint ist, die von Rudolf Steiner geschaffene Anthroposophie identisch ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Textgrundlagen: Der Text der vorliegenden Ausgabe ist, abgesehen von geringfügigen Abweichungen, mit dem Text des Manuskriptdruckes von 1911 (Zyklus XII) identisch. Dieser wurde anhand von Teilnehmernachschriften erstellt und vom Vortragenden nicht durchgesehen. Die Originalstenogramme liegen nicht mehr vor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Titel des Bandes und die Titel der Vorträge entsprechen den Titeln des damaligen Vortragszyklus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachweis früherer Veröffentlichungen: 1. Aufl. als Manuskriptdruck (Zyklus XII) in Berlin (I911)~ 2. Aufl. (1. Aufl. in Buchform) Dornach 1932 / 3. Aufl. Dornach 1944 / 4. Aufl. Dornach 1949 (photomechanischer Nachdruck der 3. Aufl.) / 5., durchgesehene, mit den vorhandenen Unterlagen verglichene Aufl., Gesamtausgabe Dornach 1956 / 6., durchgesehene, im wesentlichen unveränderte Aufl. Gesamtausgabe Dornach 1968 / 7., unveränderte Aufl., Gesamtausgabe Dornach 1975.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die im wesentlichen unveränderte 8. Au)!age, 1992, wurde von Robert Friedenthal und Martina Sam durchgesehen, die Hinweise zum Text überarbeitet und erweitert sowie ein Namenregister und ausführliche Inhaltsangaben hinzugefügt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|229}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hinweise zum Text&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Werke Rudolf Steiners innerhalb der Gesamtausgabe (GA) werden in den Hinweisen mit der Bibliographie-Nummer angegeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
zu Seite&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
26 Christoph Kolumbus, 1446-1506, entdeckte 1492 auf der Suche nach einem Seeweg nach Indien zunächst Kuba und Halti, von 1493-1504 auch Mittel- und Südamerika. - Über die Bedeutung der Entdeckung Amerikas für die Menschheit siehe auch den Vortrag vom 25. Juni 1923 in «Rhythmen im Kosmos und im Menschenwesen. Wie kommt man zum Schauen der geistigen Welt?», GA 350.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Entdecker der Dampfmaschine: Dem Eisenhändler Newcomen (1663-1729) gelang zusammen mit seinem Kompagnon Cowley die Konstruktion einer Kolben-Dampfmaschine, die von 1712 an zu pralttischen Zwecken verwendet wurde. James Watt (l73618l9) ermöglichte durch Verbesserungen der Konstruktion eine Nutzung der Dampfmaschine auf breitestem Felde, so daß sie zu einer der Grundlagen der Industrialisierung im 19. Jh. wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
27 johannes Kepler, 1571-1630, Mathematiker, Physiker, Astronom. Er stellte auf den Grundlagen des kopemikanischen Planetensystems und der Beobachtungsdaten seines Lehrers Tycho de Brahe seine drei Planetengesetze auf, mit denen er die Dynamik der Planetenbahnen zu deuten versuchte und das Kräftezentrum in die Sonne verlegte. Vgl. über Kepler auch «Die geistige Führung des Menschen und der Menschheit», GA 15, S. 52 und 83; zu den drei Planetengesetzen «Das Verhältnis der verschiedenen naturwissenschaftlichen Gebiete zur Astronomie», GA 323, insbesondere die Vorträge vom 3. und 4. Januar 1921.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
28 Kepler, sagt von sich selbst: Aus der Vorrede zu Keplers Buch «Harmonices mundi» («Weltharmonik», Linz 1619), 5. Buch: «Die vollkommene Harmonie in den himmlischen Bewegungen und die daher rührende Entstehung der Exzentrizitäten, Bahnhalbmesser und Umlaufszeiten».&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
E,findung des Femrohres: Wohl um das Jahr 1608 in Holland.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
31 Auf diese Tatsache wurde hingewiesen von der Ceisteswissenschaft 1906: Siehe den Vortrag vom 11. Juni 1906, enthalten in GA 94 «Kosmogonie». Vgl. Edouard Schure` «Esquisse d`une cosmogonie psychologique d`apre`s des conferences faites ä Paris en 1906 par Rudolf Steiner», Paris 1928, S. 101.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
32 Zyanverbindungen in der Kometenatmo&amp;amp;phäre: Über die Rolle der Zyanverbindungen und ihrem Vorkommen in der Kometenatmosphäre siehe auch die Vorträge vom l0. Oktober und insbesondere vom 24. Oktober 1923 in «Mensch und Welt. Das Wirken des Geistes in der Natur. Über das Wesen der Bienen.», GA 351. - Über Kome«en im allgemeinen vgl. auch die Vorträge vom 5. März 1910 in «Das Ereignis der Christus-Erscheinung in der ätherischen Welt», GA 118; vom 25. Oktober 1909 und vom 9. März 1910 in «Der Christus-Impuls und die Entwickelung des IchBewußtseins», GA 116; vom 10. April 1912 in «Die geistigen Wesenheiten in den Himmelskörpern und Naturreichen», GA 136; vom 17. November I923 in «Der übersinnliche Mensch anthroposophisch eriaßt», GA 231; vom 18. Januar 1921 in Das Verhältnis der verschiedenen naturwissenschaftlichen Gebiete zur Astronomie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|230}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
«, GA 323, und vom 13. September 1924 in «Die Schöpfung der Welt und des Menschen», GA354.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
32 Halleyscher Komet: So genannt nach dem ersten Berechner seiner Bahn, dem englischen Astronomen Edmund Halley (1656-1742). Ihm war bei seinen Berechnungen aufgefallen, daß die Bahn des großen Komeren von 1682 den Bahnen der Kometen von 1531 und 1607 ähnelte. Daraus schloß er, daß es sich bei allen drei Erscheinungen um ein- und denselben Kometen handeln müsse. Halley sagte seine Wiederkunft entsprechend diesem Zyklus von 75/76 Jahren für 1759 richtig voraus. Somit war der erste periodisch wiederkehrende Komet entdeckt. - Dies war insofern von großer Bedeutung, als damit «die geheimnisvollen Kometen... ihres Nimbus entkleidet und in den Gültigkeitsbereich der allgemeinen Naturgesetze eingereiht worden waren« (Max Gerstenberger, Kometen - Außenseiter am Himmelszelr. Stuttgart 1951).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Außerdem meinte man dadurch zumindest den wiederkehrenden Kometen wie den Planeten eine elliptische Bahn zugrunde legen zu können. - Über die Aufgabe des Halleyschen Kometen siehe auch die Vorträge Rudolf Steiners vom 25. Oktober 1909 und 9. März 1910 in «Der Christus-Impuls und die Enrwickelung des Ich-Bewußtseins«, GA 116, und vom 5. März 1910 in «Das Ereignis der Christus-Erscheinung in der ätherischen Welt«, GA 118.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
35 Cartesius in seinen Gedanken über die Tierwelt: Vgl. «Discours de la methode«, 5. Abschnitt, ferner «Traite` de l`homme» sowie «Primae cogitariones circa generationen animalium».&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
41 Wir wissen, daß unserer Erdenentwickelung vorangegangen ist die Mondentwickelung: Siehe hierzu das Kapitel «Die Weltentwickelung und der Mensch» in Rudolf Steiners «Die Geheimwissenschaft im Umriß», GA 13.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
44 Leidenschaften: Es könnte sich eventuell um einen Hörfehler handeln und statt «Leidenschaften« «Eigenschaften« geheißen haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
57 «wie wir es heute so herrlich weit gebracht haben»: Wagner in Goethes «Faust I«, Nacht, Vers 57fl574: «Verzeiht! es ist ein groß Ergerzen, / Sich in den Geist der Zeiten zu versetzen; / Zu schauen, wie vor uns ein weiser Mann gedacht, / Und wie wir`s dann zuletzt so herrlich weit gebracht. «&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
69 wie unendlich viele Erlebnisse, E,fahrungen und Eindrücke es gar nicht bis zur Vorstellung bringen: Vgl. hierzu auch Rudolf Steiners Vortrag vom 18. April 1918 in «Das Ewige in der Menschenseele. Unsterblichkeit und Freiheit«, GA 67.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
77 joseph Dietl, 18O4~1878, studierte Philosophie und Medizin. Als Krankenhausarzt in Wien beschäftigte er sich vor allem mit der Lungenentzündung und veröffentlichte&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
eine Abhandlung über den «Aderlaß in der Lungenentzündung«. Ab 1865 Professor für innere Medizin in Krakau; daneben auch als Landtags- sowie Reichsragsabgeordneter und als polnischer Schriftsteller tätig. Vertreter eines krassen Nihilismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
joseph Skoda, 1805-1881, bedeutender Intemisr, Professor in Wien. Er beschäftigte sich insbesondere mit den physikalischen Methoden der Krankenuntersuchung; seine Abhandlung «Über Perkussion und Auskultation« (1839) begründete die moderne Diagnostik. In der Therapie dagegen verhielt er sich eher zurückhaltend; zusammen mit Carl Roltitansky (18041878) Hauptrepräsentant der jüngeren «Wiener Schule« in der Medizin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|231}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
92 Wie können wir zu einem karmischen Verständnis auch dann kommen, wenn wir zum Beispiel unter die Räder eines Eisenbahnzuges kommen?: Über die karmischen Zusammenhänge von Zivilisationskatastrophen siehe auch Rudolf Steiners Vortrag vom 29. Juni 1924 in «Esoterische Betrachrungen karmischer Zusammenhänge.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zweiter Band», GA 236.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
105 ein geistreicher Herr: Frederik Troels-Lund (184~1921), dänischer Historiker und Professor an der Militärakademie in Kopenhagen, der den hier erwähnten einzelnen Ansichten über die Herkunft der Krankheiten in seinem Buche «Gesundheit und Krankheit in der Anschauung alter Zeiten» (Leipzig 1901) jeweils ein ganzes Kapitel widmet. Dieses Buch befindet sich in der Bibliothek Rudolf Steiners.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
106 ein geistvoller Mann im 18. jahrhundert: Vermutlich Voltaire; konnte jedoch noch nicht nachgewiesen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
107 Galileo Galilei, 15~l642, italienischer Physiker, Mathematiker und Astronom.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Martin LNther&amp;gt; 14831546, Inaugurator der deutschen Reformation. Vgl. auch Rudolf Steiners Ausführungen über ihn in den Vorträgen vom 11. und 18. September 1917 in «Menschliche und menschheitliche Enrwicklungswahrheiten. Das Karma des Materialismus», GA 176.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
114 in einer Familie wie die des Musikers Bach: Johann Sebastian Bach (1685-1750), der größte Musiker in der Reihe bedeutender Komponisten, die die thüringische «Musikerfamilie« Bach im 17. und 18. Jh. hervorbrachte. Vgl. hierzu auch Rudolf Steiners Vortrag vom 26. November 1906 in «Das Wesen des Musikalischen», GA 283.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
119 Meister Eckart, 125~1327, Dominikaner und bedeutender Denker der deutschen Mystik; in seinem letzten Lebensjahr der Häresie angeklagt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Johannes Tauler, um I30fll36l, Dominikaner, Schüler Meister Eckarts. - Zu Tauler, Meister Eckart und die Mystik im allgemeinen vgl. auch Rudolf Steiners Schrift «Die Mystik im Aufgange des neuzeitlichen Geisteslebens und ihr Verhältnis zur modernen Weltanschauung», GA 7.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und lesen Sie in der «Deutschen Theologie«: «Theologia deutsch - Die lerer gar manchen lieblichen underscheit gotlicher warheit und seit gar hohe und gar schone ding von einem volkomen leben», nach der einzigen bis jetzt bekannten Handschrift hrsg. von Franz Pfeiffer, 2. verbesserte und mit einer neudeutschen Übersetzung vermehrte Auflage 1855.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
120 «Nicht ich, sondern der Christus in mir«: Galater 2, 20 «Ich lebe aber; doch nun nicht ich, sondern der Christus lebt in mir«.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
«Die Geheimwissenschaft im Umr`ß« (1910), GA 13.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
121 «Aus d«`rAkasha-Chronik« (19041908), GA 11.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
l36 Der ahrimanische Einfluß bewirkte dann: In der 7. Auflage 1975 hieß es «Der luziferische Einfluß», was den Korrekturvorschlägen einiger Leser entsprach. Jedoch sind die Herausgeber nach gründlicher Prüfung zu dem Ergebnis gekommen, daß es zweifellos «Der ahrimanische Einfluß» heißen muß, da dies aus dem weiteren Vortrag eindeutig hervorgeht; siehe insbesondere S. 142f. «Was ahrimanischem Einfluß zuzuschreiben ..... .&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|232}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
144 mit der Urkunde des Alten Testamentes: Genesis 3.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
146 daß Wesenheiten ... in ähnlicher Art damals ihre Menschheitsstufe durchgemacht haben: Siehe Kap. «Das Leben auf dem Monde», S. 187ff. in «Aus der AkashaChronik&amp;gt;, GA 11, und das Kap. «Die Weltentwickelung und der Mensch«, S. 208 und 215 in «Die Geheimwissenschaft im Umriß», GA 13.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
158 daß sich im Laufe von zehnjahren seine Physiognomie verändert: Vgl. hierzu auch die Ausführungen Rudolf Steiners über den Zusammenhang der Begriffe mit der Gesichtsphysiognomie im Vortrag vom 30. August 1919 in «Allgemeine Menschen- kunde«, GA293.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
163 Karl der Große 742-814, König der Franken und römischer Kaiser.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aristoteles, 384322, Schüler Platos, Erzieher Alexander des Großen, grundlegend für die kulturelle und wissenschaftliche Entwicklung des Abendlandes waren vor allem seine Werke über die Logik.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Martin Luther, siehe Hinw. zu S. I07.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
164 das Zusammen-Untergehen hei einem Erdbeben: Vgl. hierzu auch die Vorrräge Rudolf Steiners vom 27. und 29. Juni 1924 in «Esoterische Betrachtungen karmischer Zusammenhänge, Zweiter Band«, GA 236.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
165 wir haben ... hingewiesen auf eine Individualität: Siehe hierzu auch die Ansprache Rudolf Steiners vom 28. September 1924 in «Esoterische Betrachtungen karmischer Zusammenhänge, Vierter Band«, GA 238, und die Einzelausgabe von vier Vorträgen «Das Weihnachtsmysterium. Novalis, der Seher und Christuskünder«.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
I77 desto größer wird der Unterschied zwischen Mann und Frau in bezug auf ihr Leben:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über den Gegensatz von Männlichem und Weiblichem vgl. auch die Vorrräge vom 5. und 13. März und vom 10. Mai 1910 in «Das Ereignis der Christus-Erscheinung in der ätherischen Welt», GA 118.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
204 Ludwig Deinhard, 1847-1917, Ingenieur und Industrieller. Mit Hübbe-Schleiden zusammeti ältestes Mitglied der deutschen Theosophischen Gesellschaft und 189496 Leiter eines der ersten theosophischen Zweige in München. Er wirkte seit 1900 mit Günther Wagner für die Bildung einer deutschen Sektion und gehörte 1902 bis 1908 zu deren Vorstand. Nach anfänglichen Bedenken schloß er sich später immer enger an Rudolf Steiner an. Sein Buch «Das Mysterium des Menschen im Lichte der psychischen Forschung. Eine Einführung in den Okkultismus«, Berlin 1910, wurde von Rudolf Steiner sehr geschätzt. Vgl. auch den Vortrag vom 19. Mai 1917 im Band «Mitteleuropa zwischen Ost und West», GA 1 74a, und «Zur Geschichte und aus den Inhalten der ersten Abteilung der Esoterischen Schule 19041914«, GA 264.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
205 Frederick W. H. Myers, 1843-1901, Dichter, Spiritist, SchrifrsteIler, Freund von Sir Oliver Lodge; 1882 einer der Gründer der Sociery for Psychical Research in London. - Über die Vorkommnisse um ihn im Zusammenhang mit Sie Oliver Lodge spricht Rudolf Steiner ausführlich im Vortrag vom 27. November 1916 in dem Band «Das Karma des Berufes«, GA 172.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|233}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
206 Perserkriege: Die von 490449 v. Chr. zwischen Persern und Griechen geführten Kriege; von den Persern unternommen, um die Griechen für ihre Teilnahme am ionischen Aufstand zu bestrafen und zu unrerweifen. Trotz zehnfacher Übermacht wurden die Perser von den Griechen unter Miltiades` Führung 490 bei Marathon geschlagen; die Florte des Perserkönigs Xerxes wurde 480 v. Chr. bei Salamis besiegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
209 Xer:zes, um 520465 v. Chr., Perserkönig, Sohn des Dareios; er zog gegen Hellas, um die Niederlage seines Vaters bei Marathon zu rächen, erzwang den Durchgang durch den von Leonidas besetzten Engpaß Thermopylä, unterlag jedoch ebenfalls in der Schlacht bei Salamis 480.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Miltiades, atbenischer Feldherr, schlug die Perser 490 v. Chr. bei Marathon (siehe Hinw. zu S. 209).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Leonidtis, (~ 480 v. Chr.), spartanischer König, fiel im Kampf mit dem Perserkönig Xerxes um den Engpaß Thermopylä.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
214 im Sommer bei dem Zyklus über die biblische Schöpfungsgeschichte: Elf Vorträge in München vom 16. bis 26. August I910; «Die Geheimnisse der biblischen Schöpfungsgeschichte. Das Sechstagewerk im 1. Buch Moses», GA 122.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
215 in der bab~li~chen Schöpfungsgeschichte: I. Buch Moses (Genesis), 1.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|234}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= NAMENREGISTER =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(* = nicht namentlich erwähnt)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aristoteles 163 Myers, Frederick 205&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bach (Familie) 114 Novalis 165*&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bach, Johann Sebastian 114 Paulus, Apostel 120&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Cartesius, Renatus (Descartes, Prometheus 144&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rene) 35f. Skoda, Joseph 77f., 93&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dietl, Joseph 77, 93? Steiner, Rudolf&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deinhard, Ludwig 204 Werke und Vorträge:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eckart, Meister 1 I9 Aus der Akasha-Chronik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eva 144 (GA 11) 121,146&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Galilei, Galileo 107, l1l Die Geheimwissenschaft im Umriß&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Halleyscher Komet 32 (GA 13) 31, 120, 146&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Karl der Große l63 Die Geheimnisse der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kepler, Johannes 27?, l66f. biblischen Schöpfungsgeschichte&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kolumbus, Christoph 26 (GA 122) 214f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Luther, Martin l07?, l63f. Tauler, Johannes 119&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Leonidas 209 Troels-Lund, Frederik 105&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Miltiades 209, 224 Xerxes 209&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Glossar==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|A}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|A}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ägyptische Kultur [CHALDÄISCH-ÄGYPTISCH-ASSYRISCH-BABYLONISCHE-KULTUR, DRITTE KULTUEPOCHE]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Im alten Ägypten waren die Gesetze der Reinigung «gottgeoffenbarte» Gesetze. […] Das kommt heute wieder heraus, nur unter ganz materialistischen Gedankeneinflüssen. Der Mensch von heute denkt nicht daran, daß er den Göttern dient, wenn er solche Vorschriften beobachtet, sondern daß er sich selbst dient.|120|167}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ahriman&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|[…] wie in der Tat die beiden Prinzipien, das ahrimanische und das luziferische, im letzten Grunde im Krankheitsverlauf tätig sind. Und es könnte in vieler Beziehung für diese oder jene Krankheitsform gezeigt werden, wie man eigentlich zwei Typen von Krankheiten unterscheiden müßte: ahrimanische und luziferische Krankheiten.|120|88}}{{GS|Da sitzt aber auch das, was man den Zufall nennt. Er sitzt da, wo uns Ahriman am allergefährlichsten wird. Diejenigen Erscheinungen nennt der Mensch zufällig, bei denen er durch den ahrimanischen Einfluß am allerleichtesten getäuscht werden kann.|120|111}}{{GS|[…] zeigen, wie im Inneren des Menschen Luzifer zur Illusion führt und wie Ahriman sich in die äußeren Wahrnehmungen mischt und dort zur Maja führt […]|120|112}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ätherleib&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|[…] wenn der Mensch durch die Pforte des Todes tritt […]  wird das Hauptsächlichste des Ätherleibes als ein zweiter Leichnam abgeworfen; es bleibt jedoch ein Extrakt des Ätherleibes zurück, der mitgenommen wird und erhalten bleibt für alle kommenden Zeiten.|120|67}}{{GS|So sehen wir, daß wir in dem Ätherleib und physischen Leib der Pflanze etwas vor uns haben, was imstande ist, mit inneren Heilkräften zu antworten auf äußere Schädigungen.|120|62}}Astral&lt;br /&gt;
{{GS|Also wir haben es vor dem Ich-Bewußtsein zu tun mit einem solchen Bewußtsein, das an den astralischen Leib als das damals höchste Glied gebunden ist, das astralische Bewußtsein, das dumpf und dämmerhaft&lt;br /&gt;
ist und noch nicht durchleuchtet ist von dem Lichte des Ich.|120|122}}{{GS|Krankheit ist ein abnormer Wachzustand unseres astralischen Leibes.|120|124}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|B}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|B}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bewusstsein&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Die Erkenntnis eines solchen Zusammenhanges zwischen Ursachen und Wirkungen in unseren einzelnen Lebensabschnitten, die wir durch unser gewöhnliches Bewußtsein überschauen können, kann uns schon im höchsten Grade förderlich sein im Leben.|120|22}}{{GS|Das Bewußtsein, […] das sich ausdehnt […]  auf unser Leben zwischen Geburt und Tod, das entsteht dadurch, daß sich der Mensch des Instrumentes seines Gehirns bedienen kann. Wenn der Mensch durch die Pforte des Todes schreitet, tritt ein andersgeartetes Bewußtsein auf, das unabhängig ist vom Gehirn und an wesentlich andere Bedingungen gebunden ist.|120|24}}{{GS|Wenn der Mensch aber durch die Pforte des Todes schreitet, hört das Vorstellungsleben auf, das an das Instrument des Gehirns gebunden ist. Da beginnt eine andere Form des Bewußtseinslebens.|120|86}}{{GS|Wir haben gezeigt, daß es gleichsam eine Art von Hemmnis gibt gegen das Eindringen der Unmoralität in die tieferen Kräfte des Organismus. […] Indem wir eine Handlung oder ein sonstiges Erlebnis mit einer bewußten Vorstellung begleiten, schaffen wir eine Schutzwehr dagegen, daß das Resultat unserer Handlungen hinunterrückt in unseren Organismus.|129|95}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|C}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|C}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Charakter&lt;br /&gt;
{{GS|Deshalb ist es so notwendig, daß man vorher durch Charakterbildung dafür sorgt, daß man gegen die in allen Fällen an uns herantretenden Verlockungen der Eitelkeit, des Größenwahnes, des Hochmutes ein Gegenmittel hat. Und wir können nicht genug darin tun, uns gerade diejenigen Eigenschaften anzueignen, welche zur Bescheidenheit und zur Demut führen.|120|137}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|D}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|D}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Demut&lt;br /&gt;
{{GS|Deshalb ist es so notwendig, daß man vorher durch Charakterbildung dafür sorgt, daß man gegen die in allen Fällen an uns herantretenden Verlockungen der Eitelkeit, des Größenwahnes, des Hochmutes ein Gegenmittel hat. Und wir können nicht genug darin tun, uns gerade diejenigen Eigenschaften anzueignen, welche zur Bescheidenheit und zur Demut führen.|120|137}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|E}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|E}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|F}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|F}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|G}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|G}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gehirn&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Das Bewußtsein, […] das sich ausdehnt […]  auf unser Leben zwischen Geburt und Tod, das entsteht dadurch, daß sich der Mensch des Instrumentes seines Gehirns bedienen kann. Wenn der Mensch durch die Pforte des Todes schreitet, tritt ein andersgeartetes Bewußtsein auf, das unabhängig ist vom Gehirn und an wesentlich andere Bedingungen gebunden ist.|120|24}}{{GS|Wenn der Mensch aber durch die Pforte des Todes schreitet, hört das Vorstellungsleben auf, das an das Instrument des Gehirns gebunden ist. Da beginnt eine andere Form des Bewußtseinslebens.|120|86}}&lt;br /&gt;
Geist&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Der Mensch kann einen in sich regen Geist bis an sein Lebensende dadurch haben, daß wir ihn als Kind in der Weise erzogen haben, wie es jetzt eben beschrieben worden ist: daß wir auf sein Seelenleben, auf alles, was lebendig in ihm sitzt, Rücksicht genommen haben.|120|20}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Geisteswissenschaft&lt;br /&gt;
{{GS|[…] Geisteswissenschaft nicht eine abstrakte Theorie sein soll […] erfüllt erst dann ihre Aufgabe, wenn … etwas hineinfließt in unsere Seelen … was unsere Seelen tüchtiger und tatkräftiger machen kann.|120|9}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|H}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|H}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|I}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|I}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich&lt;br /&gt;
{{GS|Also wir haben es vor dem Ich-Bewußtsein zu tun mit einem solchen Bewußtsein, das an den astralischen Leib als das damals höchste Glied gebunden ist, das astralische Bewußtsein, das dumpf und dämmerhaft ist und noch nicht durchleuchtet ist von dem Lichte des Ich.|120|122}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|J}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|J}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|K}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|K}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kamaloka&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Wenn wir also schon im gewöhnlichen Leben so stark berührt werden können durch gewisse Erlebnisse, besonders wenn es Gefühlseindrücke waren, daß sie eine Gemütsverstimmung bewirken können, so werden wir begreifen, daß die viel stärkeren Eindrücke des Kamalokalebens sich so eindrücken können, daß sie bei einer neuen Inkarnation bis tief in die Organisation des physischen Leibes hineinwirken.|120|72}}{{GS|Gerade während der Kamalokazeit, weil der Mensch seinen alten astralischen Leib noch hat, bewirkt das Durchgemachte die tiefsten Gefühlserlebnisse.|120|72}}{{GS|Wir könnten die verschiedensten Beispiele anführen, die uns alle zeigen, wie der Mensch aus den Erfahrungen seiner Kamalokazeit heraus geradezu die Gelegenheiten aufsucht, diese oder jene Krankheit zu bekommen, um durch ihre Überwindung und durch die Entfaltung der selbstheilenden Kräfte die Kräfte zu gewinnen, welche ihn die Lebensbahn im ganzen hinauf- führen.|120|82}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Karma&lt;br /&gt;
{{GS|Ohne daß eine Wirkung erzeugt wird, die wieder zurückfällt auf das Ding oder die Wesenheit, welche diese Wirkung hervorbringt, ohne diese Eigentümlichkeit des Zurückwirkens der Wirkung auf das verursachende Wesen ist der Karmabegriff nicht zu denken.|120|13}}&lt;br /&gt;
{{GS|Wir dürfen erst von einem Karma sprechen, wenn die Wirkung, die auf das Wesen zurückschlägt, beim Zurückschlagen auf dasselbe Wesen trifft, […]|120|13}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Karmische Folgen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Das zeigt uns, wie in die Linie der karmischen Folgen unser Wille eingreifen und etwas schaffen kann, was an Stelle von sonst eingetretenen karmischen Wirkungen steht.|120|23}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Karmische Wirkung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Das zeigt uns, wie in die Linie der karmischen Folgen unser Wille eingreifen und etwas schaffen kann, was an Stelle von sonst eingetretenen karmischen Wirkungen steht.|120|23}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kind&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Der Mensch kann einen in sich regen Geist bis an sein Lebensende dadurch haben, daß wir ihn als Kind in der Weise erzogen haben, wie es jetzt eben beschrieben worden ist: daß wir auf sein Seelenleben, auf alles, was lebendig in ihm sitzt, Rücksicht genommen haben.|120|20}}Komet&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Nun ist die Substanz eines Kometen nicht eine solche mit Gesetzen, wie sie in unserem gewöhnlichen, regulären Sonnensystem bestehen, sondern mit Gesetzen, wie sie im alten Mondendasein existiert haben.|120|31}}{{GS|Der Halleysche Komet ist der äußere Ausdruck - jedesmal, wenn er in die Sphäre unseres Erdendaseins hineinkommt - zu einem neuen Impuls zum Materialismus.|120|32}}Krankheit&lt;br /&gt;
{{GS|Wir könnten die verschiedensten Beispiele anführen, die uns alle zeigen, wie der Mensch aus den Erfahrungen seiner Kamalokazeit heraus geradezu die Gelegenheiten aufsucht, diese oder jene Krankheit zu bekommen, um durch ihre Überwindung und durch die Entfaltung der selbstheilenden Kräfte die Kräfte zu gewinnen, welche ihn die Lebensbahn im ganzen hinauf- führen.|120|82}}{{GS|Krankheit ist ein abnormer Wachzustand unseres astralischen Leibes.|120|124}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|L}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|L}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Luzifer&lt;br /&gt;
{{GS|[…] zeigen, wie im Inneren des Menschen Luzifer zur Illusion führt und wie Ahriman sich in die äußeren Wahrnehmungen mischt und dort zur Maja führt […]|120|112}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|M}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|M}}Medizin&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Wer ähnliche Vorträge von mir gehört hat, wird wissen, wie wenig es mir darum zu tun ist, einzustimmen in den Chor, der heute das, was man als «Schulmedizin» bezeichnet, diskreditieren will.|55|120}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mensch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Und der hellseherische Forscher wird bei einem Krankheitsfall immer in Betracht ziehen müssen, welches in dem betreffenden Falle der Anteil sein kann des physischen Leibes auf der einen Seite und des Ätherleibes und des astralischen Leibes auf der andern Seite; denn alle drei Wesensglieder des Menschen können an der Erkrankung beteiligt sein.|120|60}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mond&lt;br /&gt;
{{GS|Also sehen wir neben dem Menschen sich förmlich herausbilden ein Reich von Organismen, die durch das Beibehalten des Mondcharakters unfähig geworden waren, Träger menschlicher Individualitäten zu sein. Diese Organisationen sind im wesentlichen die, welche die Organisationen unserer heutigen Tiere wurden.|120|48}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|N}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|N}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|O}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|O}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Organismus&lt;br /&gt;
{{GS|Wir haben gezeigt, daß es gleichsam eine Art von Hemmnis gibt gegen das Eindringen der Unmoralität in die tieferen Kräfte des Organismus. […] Indem wir eine Handlung oder ein sonstiges Erlebnis mit einer bewußten Vorstellung begleiten, schaffen wir eine Schutzwehr dagegen, daß das Resultat unserer Handlungen hinunterrückt in unseren Organismus.|129|95}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|P}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|P}}Pflanzen&lt;br /&gt;
{{GS|Aber je tiefer wir in die Pflanzenpathologie eindringen, desto mehr werden wir sehen, daß von dem Begriff «innere Krankheitsursache» bei den Pflanzen nicht die Rede sein kann, sondern daß es sich da um äußere Veranlassungen und Schädigungen, um äußere Einflüsse handelt.|120|61}}{{GS|Aber je tiefer wir in die Pflanzenpathologie eindringen, desto mehr werden wir sehen, daß von dem Begriff «innere Krankheitsursache» bei den Pflanzen nicht die Rede sein kann, sondern daß es sich da um […] äußere Einflüsse handelt.|120|61}}{{GS|So sehen wir, daß wir in dem Ätherleib und physischen Leib der Pflanze etwas vor uns haben, was imstande ist, mit inneren Heilkräften zu antworten auf äußere Schädigungen.|120|62}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|Q}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|Q}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|R}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|R}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|S}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|S}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schicksalsschlag&lt;br /&gt;
{{GS|Schicksalsschlag […] wenn wir ihn an den Anfang der nachfolgenden Ereignisse stellen und ihn als Ursache betrachten […] Wir werden vielleicht traurig sein […] Betrachten wir ihn dagegen als Ursache eines Späteren, dann können wir vielleicht froh sein und Freude darüber empfinden.|120|18}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schmerz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Der Schmerz, der das Bewußtwerden des unrichtig wachenden astralischen Leibes ist, er ist zugleich auch das, was uns davon abbringen kann, den luziferischen Mächten auf diesem Gebiet, wo wir ihnen schon verfallen sind, immer weiter zu verfallen. So wird der Schmerz in bezug auf die Versuchungen der luziferischen Mächte unser Erzieher.|120|134}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seelenleben&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Der Mensch kann einen in sich regen Geist bis an sein Lebensende dadurch haben, daß wir ihn als Kind in der Weise erzogen haben, wie es jetzt eben beschrieben worden ist: daß wir auf sein Seelenleben, auf alles, was lebendig in ihm sitzt, Rücksicht genommen haben.|120|20}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|T}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|T}}Tier&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Wir können nicht in derselben Weise, wie wir den menschlichen Tod auffassen, von dem tierischen Tode sprechen.|120|37}}{{GS|Und wenn Sie Umschau halten im Tierreich, werden Sie finden, daß die Tiere sich ganz bestimmte Kunstfertigkeiten mitbringen, durch welche etwas zustande gebracht werden kann, an das menschliche Kunst fertigkeit bei allem, wie wir es so herrlich weit gebracht haben, noch lange nicht heran reicht.|120|39}}{{GS|Also sehen wir neben dem Menschen sich förmlich herausbilden ein Reich von Organismen, die durch das Beibehalten des Mondcharakters unfähig geworden waren, Träger menschlicher Individualitäten zu sein. Diese Organisationen sind im wesentlichen die, welche die Organisationen unserer heutigen Tiere wurden.|120|48}}{{GS|Wir schauen auf die Tiere und sagen: Alles, was die Tiere darstellen an Grausamkeit, an Gefräßigkeit, an allen tierischen Untugenden, neben der Geschicklichkeit, die sie haben, das hätten wir in uns, wenn wir sie nicht hätten aus uns heraussetzen können!|120|52}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tod&lt;br /&gt;
{{GS|Das Bewußtsein, […] das sich ausdehnt […] auf unser Leben zwischen Geburt und Tod, das entsteht dadurch, daß sich der Mensch des Instrumentes seines Gehirns bedienen kann. Wenn der Mensch durch die Pforte des Todes schreitet, tritt ein andersgeartetes Bewußtsein auf, das unabhängig ist vom Gehirn und an wesentlich andere Bedingungen gebunden ist.|120|24}}{{GS|Wir können nicht in derselben Weise, wie wir den menschlichen Tod auffassen, von dem tierischen Tode sprechen.|120|37}}{{GS|[…] wenn der Mensch durch die Pforte des Todes tritt […]  wird das Hauptsächlichste des Ätherleibes als ein zweiter Leichnam abgeworfen; es bleibt jedoch ein Extrakt des Ätherleibes zurück, der mitgenommen wird und erhalten bleibt für alle kommenden Zeiten.|120|67}}{{GS|Wenn der Mensch aber durch die Pforte des Todes schreitet, hört das Vorstellungsleben auf, das an das Instrument des Gehirns gebunden ist. Da beginnt eine andere Form des Bewußtseinslebens.|120|86}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|U}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|U}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ursache und Wirkung&lt;br /&gt;
{{GS|Damit in der Welt der Erscheinungen, in der leblosen Welt, die wir zunächst um uns herum haben, eine Wirkung auf eine Ursache folge, ist stets notwendig, daß dieser Ursache etwas entgegenkommt. Und ohne daß etwas der Ursache entgegenkommt, ist niemals von dem Folgen einer Wirkung auf eine Ursache zu sprechen.|120|12}}{{GS|Wir werden aber zu einer Erklärung des Menschenlebens nicht kommen, wenn wir Zusammenhänge zwischen Ursache und Wirkung nur in diesem einzelnen Menschenleben suchen.|120|21}}{{GS|Die Erkenntnis eines solchen Zusammenhanges zwischen Ursachen und Wirkungen in unseren einzelnen Lebensabschnitten, die wir durch unser gewöhnliches Bewußtsein überschauen können, kann uns schon im höchsten Grade förderlich sein im Leben.|120|22}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|V}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|V}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vergessen&lt;br /&gt;
{{GS|Jeder kann an sich selbst bemerken, wenn er eine kleine Unpäßlichkeit hat, wie sehr es ihm nützt, wenn er es zu einem Vergessen seiner Unpäßlichkeit bringt, namentlich zu einem solchen Vergessen, das hervorgerufen wird durch eine anderweitige Beschäftigung. Das ist also ein positives, gesundes Vergessen!|120|101}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|W}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|W}}Wesensglieder&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Und der hellseherische Forscher wird bei einem Krankheitsfall immer in Betracht ziehen müssen, welches in dem betreffenden Falle der Anteil sein kann des physischen Leibes auf der einen Seite und des Ätherleibes und des astralischen Leibes auf der andern Seite; denn alle drei Wesensglieder des Menschen können an der Erkrankung beteiligt sein.|120|60}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wille&lt;br /&gt;
{{GS|Das zeigt uns, wie in die Linie der karmischen Folgen unser Wille eingreifen und etwas schaffen kann, was an Stelle von sonst eingetretenen karmischen Wirkungen steht.|120|23}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|X}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|X}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|Y}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|Y}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|Z}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|Z}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zufall&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Da sitzt aber auch das, was man den Zufall nennt. Er sitzt da, wo uns Ahriman am allergefährlichsten wird. Diejenigen Erscheinungen nennt der Mensch zufällig, bei denen er durch den ahrimanischen Einfluß am allerleichtesten getäuscht werden kann.|120|111}}{{GS|[…] zeigen, wie im Inneren des Menschen Luzifer zur Illusion führt und wie Ahriman sich in die äußeren Wahrnehmungen mischt und dort zur Maja führt […]|120|112}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|0-9}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|0-9}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Literatur =&lt;br /&gt;
* [[a:Rudolf Steiner|Rudolf Steiner]]: &#039;&#039;Die Offenbarungen des Karma&#039;&#039;, [[GA 120]] (1992), ISBN 3-7274-1200-3 {{Vorträge|120}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GA}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:GA 120 Die Offenbarungen des Karma|!]] [[Kategorie:Taschenbücher]] [[Kategorie:Karma]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:GA]] [[Kategorie:GA (Mitgliedervorträge)]]  [[Kategorie: GA (Zyklus)]] [[Kategorie:Gesamtausgabe]]&lt;br /&gt;
[[en:GA 120]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Artikel unten}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>ElkeJura</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://steiner.wiki/index.php?title=Gesamtglossar_T&amp;diff=11347</id>
		<title>Gesamtglossar T</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://steiner.wiki/index.php?title=Gesamtglossar_T&amp;diff=11347"/>
		<updated>2026-01-14T19:46:50Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;ElkeJura: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Artikel oben}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tag&lt;br /&gt;
{{GS|Daß aber Sonne und Erde in solchen Verhältnissen zueinander gestanden haben, wird in der Genesis erst vom vierten Zeitraum, vom vierten «Tage» der Schöpfung erzählt. «Tage» können daher überhaupt erst am vierten Tage der Schöpfungsgeschichte anfangen.|103|18}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tagesbewusstsein&lt;br /&gt;
{{GS|Was ist denn im Sinne der christlichen Esoterik das, was im hellen Tagesbewußtsein sichtbar wird, woraus sich die Erde im weiten Umfange zusammensetzt? Es ist eine Offenbarung der göttlichen Kräfte, eine äußere materielle Offenbarung des innerlich Geistigen.|103|51}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Taufe&lt;br /&gt;
{{GS|Der Christus Jesus sollte mit etwas anderem taufen. Er sollte die Menschen nicht auf die Vergangenheit weisen, sondern durch die Entwickelung der Geistigkeit in ihrem Innern auf die Zukunft.|103|94}}&lt;br /&gt;
{{GS|Die Wassertaufe war eine Erinnerungstaufe. Die Taufe aber mit dem «heiligen Geist» ist eine prophetische Taufe […].|103|95}}&lt;br /&gt;
{{GS|«Reinigung» ist das, was durch die Taufe bewirkt wird.|103|97}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tier&lt;br /&gt;
{{GS|Wenn es auch Tierwesen gibt, welche heute schon tönen können, so ist das doch etwas anderes; sie stehen noch in ganz anderen Zuständen, zwar tönen sie, aber es tönt die Gottheit in ihnen.|103|38}}&lt;br /&gt;
{{GS|Wenn der einzelne Löwe «Ich» sagen könnte, wäre damit nicht das einzelne Tier gemeint, sondern das Gruppen-Ich in der astralischen Welt; alle Löwen würden dazu «Ich» sagen. So sagen ganze Gruppen von gleichgeformten Tieren zu dem im Astralischen übersinnlich-wahrnehmbaren Gruppen-Ich «Ich».|103|71}}&lt;br /&gt;
{{GS|Bei jedem Tiere finden wir, daß […] in der physischen Welt die Wesenheit dieses Tieres besteht aus dem physischen Leibe, dem Äther- oder Lebensleibe und dem astralischen Leibe […] wenn er zu dem eigentlichen Ich des Tieres kommen will […] da muß er hinaufsteigen in die astralische Welt. Da ist die Gruppenseele oder das Gruppen-Ich der Tiere.|103|137}}&lt;br /&gt;
{{GS|Also sehen wir neben dem Menschen sich förmlich herausbilden ein Reich von Organismen, die durch das Beibehalten des Mondcharakters unfähig geworden waren, Träger menschlicher Individualitäten zu sein. Diese Organisationen sind im wesentlichen die, welche die Organisationen unserer heutigen Tiere wurden.|120|48}}&lt;br /&gt;
{{GS|Wir schauen auf die Tiere und sagen: Alles, was die Tiere darstellen an Grausamkeit, an Gefräßigkeit, an allen tierischen Untugenden, neben der Geschicklichkeit, die sie haben, das hätten wir in uns, wenn wir sie nicht hätten aus uns heraussetzen können!|120|52}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tod, Tätigkeit des Menschen&lt;br /&gt;
{{GS|So also ist die Arbeit der Menschen zwischen Tod und neuer Geburt im Devachan. […]. kein untätiges Ruhen; Schaffende sind sie am Werdegang […], und so verstehen wir, wie das Weltenwerden geschieht.|99|49}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tod&lt;br /&gt;
{{GS|[…] dadurch, daß der physische Leib noch nicht vom Ich durchkraftet ist, dadurch ist möglich Krankheit und Tod.|103|129}}&lt;br /&gt;
{{GS|Das Bewußtsein, […] das sich ausdehnt […] auf unser Leben zwischen Geburt und Tod, das entsteht dadurch, daß sich der Mensch des Instrumentes seines Gehirns bedienen kann. Wenn der Mensch durch die Pforte des Todes schreitet, tritt ein andersgeartetes Bewußtsein auf, das unabhängig ist vom Gehirn und an wesentlich andere Bedingungen gebunden ist.|120|24}}&lt;br /&gt;
{{GS|[…] wenn der Mensch durch die Pforte des Todes tritt […] wird das Hauptsächlichste des Ätherleibes als ein zweiter Leichnam abgeworfen; es bleibt jedoch ein Extrakt des Ätherleibes zurück, der mitgenommen wird und erhalten bleibt für alle kommenden Zeiten.|120|67}}{{GS|Wenn der Mensch aber durch die Pforte des Todes schreitet, hört das Vorstellungsleben auf, das an das Instrument des Gehirns gebunden ist. Da beginnt eine andere Form des Bewußtseinslebens.|120|86}}{{GS|[…] schon gesagt, daß beim Tier nicht in demselben Sinne von Karma gesprochen werden kann wie beim Menschen. […] es handelt sich bei Geburt und Tod […] um das innere Erleben. Beim Tier erlebt nur die Gattungsseele, die Gruppenseele.|120|184}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ton&lt;br /&gt;
{{GS|Die ganze Natur fängt an, dem Menschen durch ihr Ertönen Geheimnisse zuzuraunen. Was vorher seiner Seele unverständlicher Schall war, wird dadurch sinnvolle Sprache der Natur. Und wobei er vorher nur Ton gehört hat, beim Erklingen des sogenannten Leblosen, vernimmt er jetzt eine neue Sprache der Seele. […]. Er fängt an, mit der Seele zu hören.|10|49}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tote&lt;br /&gt;
{{GS|Das Licht, das uns umgibt, bildet den Körper der Toten.|99|48}}&lt;br /&gt;
{{GS|Es erfreut sich die Pflanze der Einwirkung der toten Menschen, die sie umschweben und die im Lichte um sie wirken und weben.|99|49}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Traum&lt;br /&gt;
{{GS|Der Traum hat die Zeit nach rückwärts verlegt, er gehorcht nicht den Verhältnissen der Welt, er ist ein Zeitbildner.|99|87}}&lt;br /&gt;
{{Artikel unten}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>ElkeJura</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://steiner.wiki/index.php?title=Gesamtglossar_K&amp;diff=11346</id>
		<title>Gesamtglossar K</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://steiner.wiki/index.php?title=Gesamtglossar_K&amp;diff=11346"/>
		<updated>2026-01-14T19:45:21Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;ElkeJura: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Artikel oben}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kamaloka&lt;br /&gt;
{{GS|Im physischen Leben ist es der Astralleib, der sich freut, der leidet, der seine Begierden, Triebe und Wünsche befriedigt durch die Organe des physischen Leibes. Nach dem Tode fehlen ihm diese physischen Instrumente. Die Begierde aber bleibt dem Menschen […]. Kama heißt Begierde, Wunsch; loka wäre der Ort, doch ist es in Wirklichkeit kein Ort, sondern ein Zustand. Kamaloka-Zeit bedeutet eben eine Zeit des Abgewöhnens der sinnlichen Lüste und Triebe. Diese Zeit dauert ungefähr ein Drittel des gewöhnlichen Lebens.|99|39f}}&lt;br /&gt;
{{GS|Wenn wir also schon im gewöhnlichen Leben so stark berührt werden können durch gewisse Erlebnisse, besonders wenn es Gefühlseindrücke waren, daß sie eine Gemütsverstimmung bewirken können, so werden wir begreifen, daß die viel stärkeren Eindrücke des Kamalokalebens sich so eindrücken können, daß sie bei einer neuen Inkarnation bis tief in die Organisation des physischen Leibes hineinwirken.|120|72}}&lt;br /&gt;
{{GS|Gerade während der Kamalokazeit, weil der Mensch seinen alten astralischen Leib noch hat, bewirkt das Durchgemachte die tiefsten Gefühlserlebnisse.|120|72}}&lt;br /&gt;
{{GS|Wir könnten die verschiedensten Beispiele anführen, die uns alle zeigen, wie der Mensch aus den Erfahrungen seiner Kamalokazeit heraus geradezu die Gelegenheiten aufsucht, diese oder jene Krankheit zu bekommen, um durch ihre Überwindung und durch die Entfaltung der selbstheilenden Kräfte die Kräfte zu gewinnen, welche ihn die Lebensbahn im ganzen hinauf- führen.|120|82}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Karma&lt;br /&gt;
{{GS|Wenn aber einer wirklich an das «Ich-bin» im christlichen Sinne glaubt, richtet er nicht; dann sagt er: Ich weiß, daß das Karma der große Ausgleicher ist.|103|133}}&lt;br /&gt;
{{GS|Ohne daß eine Wirkung erzeugt wird, die wieder zurückfällt auf das Ding oder die Wesenheit, welche diese Wirkung hervorbringt, ohne diese Eigentümlichkeit des Zurückwirkens der Wirkung auf das verursachende Wesen ist der Karmabegriff nicht zu denken.|120|13}}&lt;br /&gt;
{{GS|Wir dürfen erst von einem Karma sprechen, wenn die Wirkung, die auf das Wesen zurückschlägt, beim Zurückschlagen auf dasselbe Wesen trifft, […].|120|13}}{{GS|[…] schon gesagt, daß beim Tier nicht in demselben Sinne von Karma gesprochen werden kann wie beim Menschen. […] es handelt sich bei Geburt und Tod […] um das innere Erleben. Beim Tier erlebt nur die Gattungsseele, die Gruppenseele.|120|184}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Karmagesetz&lt;br /&gt;
{{GS|[…] Dieses Gesetz, dem wir da begegnen, wie Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Menschen zusammenhängen, wird in der geisteswissenschaftlichen Literatur das Karmagesetz genannt. Es ist das wahre Schicksalsgesetz des Menschen.&amp;quot;[…] &amp;quot;denn was wir das Karmagesetz nennen, ist ein ganz allgemein kosmisches Gesetz, und seine Geltung im menschlichen Leben ist nur ein Spezialfall.|99|62}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Karmische Folgen&lt;br /&gt;
{{GS|Das zeigt uns, wie in die Linie der karmischen Folgen unser Wille eingreifen und etwas schaffen kann, was an Stelle von sonst eingetretenen karmischen Wirkungen steht.|120|23}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Karmische Wirkungen&lt;br /&gt;
{{GS|Das zeigt uns, wie in die Linie der karmischen Folgen unser Wille eingreifen und etwas schaffen kann, was an Stelle von sonst eingetretenen karmischen Wirkungen steht.|120|23}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Katharsis [Reinigung]&lt;br /&gt;
{{GS|Man nennt mit einem alten Ausdruck die Bearbeitung des astralischen Leibes auf dem Umwege durch Meditation und Konzentration «Katharsis», Reinigung. Diese Katharsis oder Reinigung hat ja das Ziel, alles das aus dem astralischen Leibe herauszuwerfen, was ihn hindert, harmonisch und regulär organisiert zu sein, so daß er höhere Organe erlangen kann […].|103|195}}&lt;br /&gt;
{{GS|Geläutert und gereinigt, veredelt, der Katharsis unterworfen werden muß des Menschen Inneres, mit anderen Worten, sein Astralleib. Dann kann er erwarten, daß das äußere Geistige zu seiner Erleuchtung in ihn einströmt […] und dadurch seine inneren Erkenntnisorgane ausgebildet hat.|103|200}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kausalkörper&lt;br /&gt;
{{GS|[…] kommt der Moment, wo der Astralleib […] wiederum sich herauslöst aus dem Ätherleib. Dieser letztere trennt sich ab, das Erinnerungs-Tableau verglimmt. […]. eine Art Essenz bleibt davon […]. Er nimmt sie wie eine Art Extrakt aus dem Lebens-Tableau mit in alle seine zukünftigen Inkarnationen […]. Das, what sich aus diesem Erinnerungsextrakt bildet, nennt man konkret-real den Kausalleib.|99|38f}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kehlkopf&lt;br /&gt;
{{GS|[…] die Art der Fortpflanzung wird sich ändern. […]. Dasjenige Organ, das sich heute schon darauf vorbereitet, das zukünftige Fortpflanzungsorgan zu werden, ist der menschliche Kehlkopf.|99|147}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kind&lt;br /&gt;
{{GS|Der Mensch kann einen in sich regen Geist bis an sein Lebensende dadurch haben, daß wir ihn als Kind in der Weise erzogen haben, wie es jetzt eben beschrieben worden ist: daß wir auf sein Seelenleben, auf alles, was lebendig in ihm sitzt, Rücksicht genommen haben.|120|20}}&lt;br /&gt;
{{GS|Nützlich ist es für jeden, in solcher Art Kindern zuzuhören. Auch der Weiseste kann unermeßlich viel von Kindern lernen. So bringt es der Mensch dazu, die Worte des anderen ganz selbstlos zu hören, mit vollkommener Ausschaltung seiner eigenen Person, deren Meinung und Gefühlsweise.|10|51}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kinder Gottes&lt;br /&gt;
{{GS|[…] die Eingeweihten; die erhoben sich zu den geistigen Welten; die trugen immer den Namen «Kinder Gottes», weil sie eine Erkenntnis hatten von dem Logos, von dem Licht und Leben, und immer davon Zeugnis ablegen konnten.|103|76}}&lt;br /&gt;
{{GS|Diejenigen, die früher «Gotteskinder» genannt wurden, waren immer schon in gewisser Weise die «Eingeborenen»; und die Lehre von dem Gottessohn ist die Lehre von dem «Eingeborenen».|103|78}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Komet&lt;br /&gt;
{{GS|Nun ist die Substanz eines Kometen nicht eine solche mit Gesetzen, wie sie in unserem gewöhnlichen, regulären Sonnensystem bestehen, sondern mit Gesetzen, wie sie im alten Mondendasein existiert haben.|120|31}}&lt;br /&gt;
{{GS|Der Halleysche Komet ist der äußere Ausdruck - jedesmal, wenn er in die Sphäre unseres Erdendaseins hineinkommt - zu einem neuen Impuls zum Materialismus.|120|32}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kontemplation&lt;br /&gt;
{{GS|[…] Meditation, Konzentration oder Kontemplation. Das sind Übungen, die ebenso streng vorgeschrieben sind in den entsprechenden Schulen wie in den Laboratorien das Mikroskopieren und so weiter. Wenn ein Mensch solche Übungen macht, wirken sie so intensiv auf ihn ein, daß der astralische Leib, wenn er herausrutscht während des Schlafes, sich plastisch umgestaltet.|103|189}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Konzentration&lt;br /&gt;
{{GS|[…] Meditation, Konzentration oder Kontemplation. Das sind Übungen, die ebenso streng vorgeschrieben sind in den entsprechenden Schulen wie in den Laboratorien das Mikroskopieren und so weiter. Wenn ein Mensch solche Übungen macht, wirken sie so intensiv auf ihn ein, daß der astralische Leib, wenn er herausrutscht während des Schlafes, sich plastisch umgestaltet.|103|189}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kosmos der Weisheit&lt;br /&gt;
{{GS|Wir haben den alten Mond den «Kosmos der Weisheit» genannt. Dieser alte Mond hatte auf einer gewissen Stufe seiner Entwickelung das nicht, was wir heute Erde, feste Erde nennen.|103|107}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kraft&lt;br /&gt;
{{GS|Der Geheimschüler muß die Kraft suchen, sich selbst in gewissen Zeiten wie ein Fremder gegenüberzustehen.|10|31}}&lt;br /&gt;
{{GS|Es gehört gewiß in mancher Lebenslage eine große Kraft dazu, sich Augenblicke innerer Ruhe zu schaffen. Aber je größer die notwendige Kraft, desto bedeutender ist auch das, was erreicht wird.|10|36}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Krankheit&lt;br /&gt;
{{GS|Krankheiten, die man erträgt, kommen im nächsten Leben oftmals als besondere Schönheit in der Körperlichkeit zum Vorschein, […]. Erst durch eine Krankheit der Muschel entsteht die Perle.|99|68}}{{GS|Krankheit ist ein abnormer Wachzustand unseres astralischen Leibes.|120|124}}{{GS|[…] dadurch, daß der physische Leib noch nicht vom Ich durchkraftet ist, dadurch ist möglich Krankheit und Tod.|103|129}}&lt;br /&gt;
{{GS|Wir könnten die verschiedensten Beispiele anführen, die uns alle zeigen, wie der Mensch aus den Erfahrungen seiner Kamalokazeit heraus geradezu die Gelegenheiten aufsucht, diese oder jene Krankheit zu bekommen, um durch ihre Überwindung und durch die Entfaltung der selbstheilenden Kräfte die Kräfte zu gewinnen, welche ihn die Lebensbahn im ganzen hinauf- führen.|120|82}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Krieg aller gegen alle&lt;br /&gt;
{{GS|Das sie­ben­te Kul­tur­zei­tal­ter spielt sich ab vor dem Krieg al­ler ge­gen al­le. Da se­hen wir die­se furcht­ba­re Ver­wüs­tung der Kul­tur her­an­kom­men und se­hen das klei­ne Häuf­lein von Men­schen, das ver­stan­den hat, das spi­ri­tu­el­le Prin­zip in sich auf­zu­neh­men und das sich hin­weg­ret­ten wird ge­gen­über der all­ge­mei­nen Zer­trüm­me­rung durch den Ego­is­mus.|104|68}}{{GS|[…] daß un­se­re sie­ben Kul­tur­stu­fen ihr En­de fin­den wer­den durch den Krieg al­ler ge­gen al­le […] Wir müs­sen nur ein­mal ins Au­ge fas­sen, was die Grund­la­ge, die ei­gent­li­che Ur­sa­che die­ses Krie­ges ist. Die­se Grund­la­ge oder Ur­sa­che ist das Über­hand­neh­men des Ego­is­mus, der Ich­sucht, der Selbst­heit der Men­schen.|104|156}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kulturentwicklungsperioden, Kulturepochen&lt;br /&gt;
{{GS|[…] erinnern wir uns, daß uns klar geworden […] daß die nachatlantische Menschheit, also diejenige Menschheit, zu der wir im engeren Sinne selbst gehören, die sich entwickelt hat nach der atlantischen Flut, in sieben Unterabteilungen zerfällt […]. Es handelt sich um Kulturentwickelungsperioden […].|103|168}}&lt;br /&gt;
{{GS|[…] die nachatlantische Zeit einteilen erstens in die alte indische Epoche, zweitens in die altpersische, drittens in die babylonisch-assyrisch-chaldäisch-ägyptische, viertens in die griechisch-lateinische und fünftens in die Epoche, in der wir jetzt leben; die unsrige wird abgelöst werden von einer sechsten und einer siebenten Entwickelungsepoche.|103|169}}&lt;br /&gt;
{{GS|Das sie­ben­te Kul­tur­zei­tal­ter spielt sich ab vor dem Krieg al­ler ge­gen al­le. Da se­hen wir die­se furcht­ba­re Ver­wüs­tung der Kul­tur her­an­kom­men und se­hen das klei­ne Häuf­lein von Men­schen, das ver­stan­den hat, das spi­ri­tu­el­le Prin­zip in sich auf­zu­neh­men und das sich hin­weg­ret­ten wird ge­gen­über der all­ge­mei­nen Zer­trüm­me­rung durch den Ego­is­mus.|104|68}}&lt;br /&gt;
{{GS|Des­halb sp­re­chen wir auch von Kul­tur­zei­tal­tern im Ge­gen­satz zu Ras­sen. Al­les das, was et­wa ver­knüpft ist mit dem Ras­sen­be­griff, ist noch Über­b­leib­sel des Zei­trau­mes, der dem un­se­ren vor­an­ge­gan­gen ist, des at­lan­ti­schen. Wir le­ben im Zei­traum der Kul­tu­re­po­chen.|104|69}}&lt;br /&gt;
{{GS|So ha­ben wir im ent­schie­dens­ten Sin­ne ei­nen ab­s­tei­gen­den Kul­tur­weg bis in un­se­re Zeit, in die fünf­te Kul­tu­re­po­che hin­ein, und im­mer tie­fer und tie­fer wür­de es hin­un­ter­ge­hen. Des­halb muß vor dem völ­li­gen Hin­un­ter­g­lei­ten in die Ma­te­rie die Mensch­heit durch ei­nen neu­en Im­puls be­wahrt wer­den. So tief ist vor­her noch nie­mals das We­sen des Men­schen hin­un­ter­ge­s­tie­gen in die Ma­te­rie.|104|77}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1. Kulturepoche, Ephesos&lt;br /&gt;
{{GS|Die­se ers­te Epo­che in der nachat­lan­ti­schen Zeit ist al­so re­prä­sen­tiert in der ephe­si­schen Ge­mein­de, und das, was zu ver­kün­den ist, soll in ei­nem Brie­fe an die Ge­mein­de von Ephe­sus ver­kün­det wer­den.|104|77}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2. Kulturepoche Smyrna&lt;br /&gt;
{{GS|Der Re­prä­sen­tant der zwei­ten Kul­tu­re­po­che ist die Ge­mein­de oder Kir­che zu Smyr­na. Die­se re­det der Füh­rer der Mensch­heit an in sei­nem zwei­ten Vor­fah­ren, in dem In­spi­ra­tor und Meis­ter der uralt-per­si­schen Kul­tur.|104|79}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3. Kulturepoche Pergamon&lt;br /&gt;
{{GS|Nun ge­hen wir wei­ter, zur Ge­mein­de zu Per­ga­mus. Sie ist der Re­prä­sen­tant je­ner Epo­che der Mensch­heit, die mehr und mehr her­au­s­t­rat auf den phy­si­schen Plan, wo der Mensch in der Ster­nen­schrift sah, was sein Geist er­grün­den konn­te.|104|80}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
4. Kulturepoche Thyatira&lt;br /&gt;
{{GS|[…] die vier­te Kul­tu­re­po­che. Da er­scheint der Er­lö­ser, Chris­tus Je­sus, sel­ber. Es ist die Ge­mein­de zu Thya­ti­ra. Da kün­digt er sich an als der «Sohn Got­tes, der Au­gen hat wie Feu­er­flam­men und sei­ne Fü­ße gleich wie Mes­sing». Jetzt kün­digt er sich an als Sohn Got­tes, jetzt ist er der Füh­rer der vier­ten Kul­tu­re­po­che […].|104|82}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Artikel unten}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>ElkeJura</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://steiner.wiki/index.php?title=GA_120&amp;diff=11345</id>
		<title>GA 120</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://steiner.wiki/index.php?title=GA_120&amp;diff=11345"/>
		<updated>2026-01-14T19:44:23Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;ElkeJura: /* Glossar */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Artikel oben}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:GA120.jpg|thumb|{{RSV|120}}]]&lt;br /&gt;
__NOTOC__&lt;br /&gt;
&amp;lt;div class=&amp;quot;center&amp;quot; &amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;h3&amp;gt;RUDOLF STEINER&amp;lt;/h3&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;h3&amp;gt;VORTRÄGE&amp;lt;/h3&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;h4&amp;gt;VORTRÄGE VOR MITGLIEDERN&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
DER ANTHROPOSOPHISCHEN GESELLSCHAFT&amp;lt;/h4&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;h3&amp;gt;Die Offenbarungen&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
des Karma&amp;lt;/h3&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;h5&amp;gt;Ein Zyklus von elf Vorträgen&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
gehalten in Hamburg&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
zwischen dem 16. und 28. Mai 1910&amp;lt;/h5&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;h3&amp;gt;GA 120&amp;lt;/h3&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;h3&amp;gt;1992&amp;lt;/h3&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Inhaltsverzeichnis =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[GA 120#ERSTER VORTRAG Hamburg, 16. Mai 1910|ERSTER VORTRAG Hamburg, 16. Mai 1910]]&lt;br /&gt;
* [[GA 120#ZWEITER VORTRAG Hamburg, 17. Mai 1910|ZWEITER VORTRAG Hamburg, 17. Mai 1910]]&lt;br /&gt;
* [[GA 120#DRITTER VORTRAG Hamburg, 18. Mai 1910|DRITTER VORTRAG Hamburg, 18. Mai 1910]]&lt;br /&gt;
* [[GA 120#VIERTER VORTRAG Hamburg, 19. Mai 1910|VIERTER VORTRAG Hamburg, 19. Mai 1910]]&lt;br /&gt;
* [[GA 120#FÜNFTER VORTRAG Hamburg, 20. Mai 1910|FÜNFTER VORTRAG Hamburg, 20. Mai 1910]]&lt;br /&gt;
* [[GA 120#SECHSTER VORTRAG Hamburg, 21. Mai 1910|SECHSTER VORTRAG Hamburg, 21. Mai 1910]]&lt;br /&gt;
* [[GA 120#SIEBENTER VORTRAG Hamburg, 22. Mai 1910|SIEBENTER VORTRAG Hamburg, 22. Mai 1910]]&lt;br /&gt;
* [[GA 120#ACHTER VORTRAG Hamburg, 25. Mai 1910|ACHTER VORTRAG Hamburg, 25. Mai 1910]]&lt;br /&gt;
* [[GA 120#NEUNTER VORTRAG Hamburg, 26. Mai 1910|NEUNTER VORTRAG Hamburg, 26. Mai 1910]]&lt;br /&gt;
* [[GA 120#ZEHNTER VORTRAG Hamburg, 27. Mai 1910|ZEHNTER VORTRAG Hamburg, 27. Mai 1910]]&lt;br /&gt;
* [[GA 120#ELFTER VORTRAG Hamburg, 28. Mai 1910|ELFTER VORTRAG Hamburg, 28. Mai 1910]]&lt;br /&gt;
* [[GA 120#EINLADUNG ZUM VORTRAGSZYKLUS|EINLADUNG ZUM VORTRAGSZYKLUS]]&lt;br /&gt;
* [[GA 120#HINWEISE|HINWEISE]]&lt;br /&gt;
* [[GA 120#NAMENREGISTER|NAMENREGISTER]]&lt;br /&gt;
* [[GA 120#Literatur|Literatur]]&lt;br /&gt;
* [[GA 120#Glossar|Glossar]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|9}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= ERSTER VORTRAG Hamburg, 16. Mai 1910 =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Zyklus von Vorträgen soll Fragen behandeln aus dem Gebiete der Geisteswissenschaft, die tief in das Leben einschneidend sind. Aus den verschiedenen Darstellungen, die im Laufe der Zeit gegeben wor den sind, ist es uns ja geläufig, daß Geisteswissenschaft nicht eine ab strakte Theorie sein soll, nicht eine bloße Doktrin oder Lehre, sondern ein Quell für Leben und Lebenstüchtigkeit, und sie erfüllt erst dann ihre Aufgabe, wenn durch das, was sie an Erkenntnissen zu geben vermag, etwas hineinfließt in unsere Seelen, was das Leben reicher, verständlicher, was unsere Seelen tüchtiger und tatkräftiger machen kann. Wenn sich nun allerdings derjenige, der sich zu dieser unserer Weltanschauung bekennt, jenes Ideal, das eben mit ein paar Worten gekennzeichnet worden ist, vorhält und in der Gegenwart dann ein wenig Umschau hält, inwiefern er imstande ist, das, was ihm aus der Theosophie erfließt, in diesem Leben umzusetzen, dann könnte er vielleicht zu einem recht wenig erfreulichen Eindruck kommen. Denn wenn man unbefangen alles betrachtet, was heute die Welt meint zu «wissen», was in unserer Gegenwart die Menschen zu diesen oder jenen Gefühlen oder Handlungen treibt, so könnte man sagen, daß dies alles von den theosophischen Ideen und Idealen so unendlich weit verschieden ist, daß der Theosoph gar keine Möglichkeit habe, unmittelbar in das Leben einzugreifen mit dem, was er aus den Quellen der Geisteswissenschaft heraus sich aneignet.- Das wäre aber dennoch eine recht oberflächliche Betrachtung der Sachlage, oberflächlich aus dem Grunde, weil bei einer solchen Betrachtung nicht gerechnet würde mit dem, was wir aus unserer Weltanschauung selber dadurch entnehmen müssen, daß wir uns sagen: Wenn einmal wirklich jene Kräfte, die wir durch Theosophie aufnehmen, stark genug sein werden, dann werden sie auch die MögIichkeit finden, in die Welt einzugreifen; wenn aber niemals etwas dazu getan würde, diese Kräfte immer stärker und stärker zu machen, so würde eben ihr Eingreifen in die Welt unmöglich sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber es ist noch etwas anderes, was uns sozusagen Trost geben kann,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|10}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
selbst wenn wir durch eine solche Betrachtung trostlos werden möchten, und das ist es gerade, was uns aus den Betrachtungen dieses Vortragszyklus folgen soll: Betrachtungen über das, was man menschliches Karma und Karma überhaupt nennt. Denn wir werden mit jeder Stunde, die wir hier verbringen, mehr sehen, wie wir gar nicht genug tun können an der Herbeiführung der Möglichkeit, mit theosophischen Kräften in das Leben einzugreifen, und wie wir, wenn wir ernsthaft an Karma glauben und festhalten, voraussetzen müssen, daß uns Karma selber dasjenige zuwerfen wird, was wir über kurz oder lang zu tun haben werden für unsere Kräfte. Wir werden sehen: Wenn wir vermeinen, wir könnten die aus unsererWeltanschauung gewonnenen Kräfte noch nicht anwenden, dann haben wir eben diese Kräfte noch nicht genügend stark gemacht, damit sie bewirken können, daß Karma es uns auch ermögliche, in die Welt mit diesen Kräften einzugreifen. So soll nicht nur eine Summe von Erkenntnissen über Karma in diesen Vorträgen leben, sondern es soll mit jeder Stunde mehr das Vertrauen in Karma geweckt werden, die Gewißheit, daß, wenn die Zeit gekommen sein wird, ob es nun morgen oder übermorgen oder nach vielen Jahren sein wird, unser Karma uns Aufgaben bringen wird, insofern wir als Bekenner unserer Weltanschauung Aufgaben zu verrichten haben. Karma wird sich uns darstellen als eine Lehre, welche uns nicht nur sagt, wie dieses oder jenes in der Welt sich verhält, sondern welche mit den Aufschlüssen, die sie uns bringt, zu gleicher Zeit uns Lebensbefriedigung und Lebenserhöhung bringen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Allerdings, wenn Karma eine solche Aufgabe erfüllen soll, ist es schon notwendig, daß wir das damit gemeinte Gesetz etwas tiefer ins Auge fassen, sozusagen in seiner Ausbreitung über die Welt. Dazu ist aber diesmal etwas notwendig, was sonst nicht eigentlich in meinem Gebrauche liegt bei geisteswissenschaftlichen Betrachtungen, nämlich eine Definition, eineWorterklärung zu geben. Ich pflege das sonst nicht zu tun, weil mit solchen Worterklärungen in der Regel nicht viel getan ist. Bei unseren Betrachtungen wird in der Regel begonnen mit der Darstellung von Tatsachen, und wenn diese Tatsachen in der entsprechenden Weise gruppiert und geordnet sind, ergeben sich die Begriffe und Vorstellungen von selbst. Wollten wir nun allerdings für die umfassenden &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|11}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fragen, die wir in den nächsten Tagen zu besprechen haben, einen ähnlichen Gang einschlagen, so müßten wir viel mehr Zeit zur Verfügung haben, als uns geboten ist. Deshalb ist es diesmal zur Verständigung notwendig, daß wir, wenn auch nicht eine Definition, so doch eine Art Beschreibung des Begriffes geben, der uns längere Zeit beschäftigen wird. Definitionen haben ja auch nur den Zweck, sich darüber zu verständigen, was man meint, wenn man dieses oder jenes Wort anschlägt oder ausspricht. In diesem Stile soll eine Beschreibung des Begriffes «Karma» gegeben werden, damit wir wissen, wovon wir sprechen, wenn in diesen Vorträgen der Ausdruck «Karma» gebraucht wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus mancherlei Betrachtungen hat wohl ein jeder von uns sich schon einen Begriff gebildet von dem, was Karma ist. Ein recht abstrakter Begriff von Karma ist wohl der, wenn man Karma das «geistige Ursachengesetz» nennt, das Gesetz, wonach auf gewisse Ursachen, die im geistigen Leben liegen, gewisse Wirkungen folgen. Das ist aber ein zu abstrakter Begriff von Karma, weil er zum Teil zu eng, zum Teil aber auch viel zu weit sein würde. Wenn wir Karma überhaupt auffassen wollen als ein Ursachengesetz, so stellen wir es zusammen mit dem, was wir sonst in der Welt als das Gesetz der Kausalität, als das Gesetz von Ursache und Wirkung bezeichnen. Verständigen wir uns einmal darüber, was wir sonst unter dem Ursachengesetz auf dem allgemeinen Gebiete verstehen, wo wir noch nicht von geistigen Tatsachen und geistigen Ereignissen sprechen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es wird heute so oft von der äußeren Wissenschaft betont, daß die eigentliche Bedeutung dieser Wissenschaft darinnen liege, daß sie baue auf das umfassende Ursachengesetz, daß sie überall Wirkungen auf entsprechende Ursachen zu rück führe. Wie dieses Zurückführen von Wirkungen auf Ursachen geschieht, darüber sind sich allerdings die Menschen schon viel weniger klar. Denn Sie werden wohl auch heute noch in Büchern, die da glauben, recht gelehrt zu sein und recht philosophisch die Begriffe klarzulegen, immer noch Aussprüche finden können wie etwa den: Eine Wirkung ist dasjenige, was aus einer Ursache folgt. - Wenn man aber sagt, daß eine Wirkung aus einer Ursache folge, dann redet man an den Tatsachen ganz gewaltig vorbei. Denn wenn wir zum Beispiel den erwärmenden Sonnenstrahl betrachten, der auf eine Metallplatte &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|12}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
auffällt, so daß diese Metallplatte dadurch wärmer geworden ist, dann werden wir von Ursache und Wirkung in der Welt draußen reden. Aber werden wir jemals sagen können, daß die Wirkung - die Erwärmung der Metallplatte - aus der Ursache des warmen Sonnenstrahles folge? Wenn der warme Sonnenstrahl diese Wirkung schon in sich hätte, so würde es die Tatsache nicht geben, da der warme Sonnenstrahl eine Metallplatte gar nicht erwärmt, wenn sie ihm nicht entgegenkommt. Damit in der Welt der Erscheinungen, in der leblosen Welt, die wir zunächst um uns herum haben, eine Wirkung auf eine Ursache folge, ist stets notwendig, daß dieser Ursache etwas entgegenkommt. Und ohne daß etwas der Ursache entgegenkommt, ist niemals von dem Folgen einer Wirkung auf eine Ursache zu sprechen. - Es ist nicht überflüssig, daß wir eine solche scheinbar recht philosophisch und abstrakt klingende Bemerkung vorausschicken; denn man muß sich schon einmal angewöhnen, wenn man fruchtbar vorwärtskommen will auf theosophischem Gebiete, die Begriffe recht genau zu fassen und nicht so nachlässig, wie sie zuweilen in den andern Wissenschaften gefaßt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun aber dürfte niemand von Karma sprechen, wenn bloß in einer solchen Weise eine Wirkung eintreten würde, wie sie vorhanden ist, wenn der wärmende Sonnenstrahl eine Metallplatte erwärmt. Da ist zwar die Kausalität vorhanden, der Zusammenhang von Ursache und Wirkung, aber wir würden niemals zu einem gehörigen Begriff von Karma kommen,wenn wir nur auf diesem Gebiete von Karma sprechen würden. Wir können also nicht von Karma sprechen, wenn bloß eine Wirkung mit einer Ursache in Zusammenhang steht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir können nun weitergehen und uns einen etwas höheren Begriff von dem Zusammenhang zwischen Ursache und Wirkung bilden. Wenn wir zum Beispiel einen Bogen haben, ihn spannen und dann mit diesem Bogen einen Pfeil abschießen, dann ist durch das Spannen des Bogens eine Wirkung eingetreten. Diese Wirkung des abgeschossenen Pfeiles im Zusammenhang mit seiner Ursache werden wir ebensowenig mit dem Ausdruck «Karma» belegen dürfen wie das, was eben gesagt worden ist. Wenn wir aber bei diesem Vorgang etwas anderes betrachten, kommen wir in gewisser Weise schon dem Karma nahe, wenn wir auch &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|13}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dabei noch immer nicht den Karmabegriff fassen: wenn wir nämlich bedenken, daß der Bogen, wenn er recht oft gespannt wird, mit der Zeit schlaff wird. Da wird durch das, was der Bogen tut, was` mit ihm geschieht&amp;gt; nicht bloß eine Wirkung folgen, die sich nach außen hin zeigt, sondern es wird eine Wirkung folgen, die auf den Bogen selber zurück- geht. Es geschieht durch das fortwährende Spannen des Bogens etwas mit dem Bogen selbst. Etwas, das durch das Spannen geschieht, fällt also sozusagen wieder auf den Bogen selbst zurück. Eine Wirkung wird also erzielt, welche auf den Gegenstand zurück fällt, von dem diese Wirkung selbst veranlaßt worden ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das gehört nun schon in den Karmabegriff hinein. Ohne daß eine Wirkung erzeugt wird, die wieder zurückfällt auf das Ding oder die Wesenheit, welche diese Wirkung hervorbringt, ohne diese Eigentümlichkeit des Zurückwirkens der Wirkung auf das verursachende Wesen ist der Karmabegriff nicht zu denken. Da kommen wir also dem Karmabegriff schon insofern etwas näher, als uns klar wird, daß die von einem Ding oder Wesen verursachte Wirkung wieder zurückschlagen muß auf dieses Ding oder Wesen selber. Aber dennoch dürfen wir das Schlaffwerden des Bogens durch das fortwährende Spannen nicht das Karma des Bogens nennen, und zwar aus folgendem Grunde nicht: Wenn wir den Bogen etwa drei bis vier Wochen recht oft gespannt haben, und er ist nach vier Wochen schlaff geworden, dann haben wir in dem schlaffen Bogen eigentlich etwas ganz anderes vor uns, als vor vier Wochen in dem straffen Bogen; der Bogen ist etwas anderes geworden, er ist nicht dasselbe geblieben. Wenn also die zurückschlagende Wirkung so ist, daß sie durchaus etwas anderes aus dem Ding oder Wesen macht, dann dürfen wir doch noch nicht von einem Karma sprechen. Wir dürfen erst von einem Karma sprechen, wenn die Wirkung, die auf das Wesen zurückschlägt, beim Zurückschlagen auf dasselbe Wesen trifft, oder wenn das Wesen wenigstens in einem gewissen Sinne dasselbe geblieben ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So also sind wir dem Karmabegriff wieder um ein Stück nähergekommen. Aber wir bekommen, wenn wir den Karmabegriff so beschreiben wollen, im Grunde genommen von ihm doch nur eine recht ab- strakte Vorstellung. Dennoch werden wir diesen Begriff, wenn wir ihn &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|14}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
abstrakt fassen wollen, kaum genauer fassen können, als wenn wir ihn in der Weise ausdrücken, wie wir es eben jetzt getan haben. Nur das eine müssen wir zum Karmabegriff noch hinzufügen: Wenn die Wirkung, die auf das Wesen zurückschlägt, in demselben Zeitpunkte erfolgt, wenn also Verursachung und zurückschlagende Wirkung in demselben Zeitpunkte stattfinden, dann werden wir kaum von Karma sprechen können. Denn in diesem Falle würde das Wesen, von dem die Wirkung ausgeht, im Grunde genommen die Wirkung unmittelbar hervorbringen wollen, würde also diese Wirkung voraussetzen, würde durchschauen alle Elemente, die zu dieser Wirkung führen. Wenn das&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der Fall ist, sprechen wir doch nicht von Karma. So zum Beispiel werden wir nicht von Karma sprechen, wenn wir einen Menschen vor uns haben, der eine bestimmte Tat vollbringt, mit der er dieses oder jenes beabsichtigt, und wenn dann - gemäß seiner Absicht - diese oder jene Wirkung, die er eben gewollt hat, eintritt. Das heißt, es muß zwischen der Ursache und der Wirkung etwas liegen, was sich dem Wesen bei der Herbeiführung der Ursache unmittelbar entzieht, so daß der Zusammenhang von Ursache und Wirkung zwar vorhanden ist, aber nicht eigentlich von dem Wesen selber beabsichtigt ist. Wenn dieser Zusammenhang von dem Wesen, das verursacht, nicht beabsichtigt ist, dann muß der Grund, warum ein Zusammenhang besteht zwischen Ursache und Wirkung, woanders liegen als in den Absichten des betreffenden Wesens. Das heißt, es muß dieser Grund liegen in einer bestimmten Gesetzmäßigkeit. Das gehört also noch zum Karma dazu, daß der Zusammenhang zwischen Ursache und Wirkung ein gesetzmäßiger ist, der hinübergeht über das, was das Wesen unmittelbar beabsichtigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So hätten wir einige Elemente zusammengetragen, welche uns den Karmabegriff erläutern können. Aber wir müssen alle diese Elemente in dem Karmabegriff darinnen haben und nicht bei einer abstrakten Definition stehenbleiben. Denn sonst werden wir nicht die Offenbarungen des Karma auf den verschiedenen Gebieten der Welt begreifen können. Diese Offenbarungen des Karma werden wir nun zuerst dort aufzusuchen haben, wo uns Karma zunächst entgegentritt: im einzelnen Menschenleben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Können wir im einzelnen Menschenleben so etwas finden und wann&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|15}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
können wir es finden, was wir jetzt eben durch unsere Erläuterung des Karmabegriffes dargestellt haben?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir würden so etwas finden, wenn zum Beispiel ein Erlebnis in unser Leben hineinträte, bei dem wir uns sagen könnten: Dieses Erlebnis, das da für uns auftritt, steht in einem gewissen Zusammenhange mit einem früheren Erlebnis, an dem wir selber beteiligt sind, zu dem wir selber Veranlassung gegeben haben. Versuchen wir einmal - zunächst rein durch Beobachtung des Lebens - festzustellen, ob es so etwas gibt. Wir wollen uns jetzt also rein auf den Standpunkt der äußeren Beobachtung stellen. Wer solche Beobachtungen nicht anstellt, kann auch nie zum Erkennen eines gesetzmäßigen Zusammenhanges im Leben kommen; er kann es ebensowenig, wie derjenige das Gesetz des elastischen Stoßes an zwei Billardkugeln kennenlernen kann, der diesen Stoß nicht beobachten wird. Beobachtung des Lebens kann uns in der Tat zu der Anschauung eines gesetzmäßigen Zusammenhanges führen. Greifen wir dazu gleich einen bestimmten Zusammenhang heraus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sagen wir, ein junger Mensch wäre im achtzehnten Jahre seines Lebens aus dem Berufe, der ihm bis dahin vorgezeichnet zu sein schien, durch irgendein Ereignis herausgewöorfen worden. Nehmen wir an, dieser Mensch hätte bis dahin ein Studium betrieben, hätte sich durch das Studium vorbereitet zu einem Berufe, wie er aus solchem Studium hervorgehen kann, und nun wäre er, zum Beispiel durch einen Unglücksfall seiner Eltern, daraus herausgeworfen worden und mit achtzehn Jahren in den Kaufmannsberuf hineingetrieben worden. Wer solche Fälle unbefangen im Leben beobachtet - mit einem solchen Blick, wie man in der Physik die Erscheinung des Stoßes elastischer Kugeln betrachtet -, der wird dann zum Beispiel finden, daß die Erlebnisse des Kaufmannsberufes, in den der junge Mensch hineingetrieben worden ist, zunächst anregend wirken, daß er darin seine Pflichten ausführt, etwas lernt, vielleicht auch etwas ganz Tüchtiges wird. Aber man kann auch beobachten, daß nach einiger Zeit etwas ganz anderes auch eintritt: ein gewisser Überdruß, eine gewisse Unzufriedenheit. Nicht gleich wird eine solche Unzufriedenheit eintreten. Wenn mit achtzehn Jahren sich der Berufswechsel vollzogen hat, werden vielleicht die nächsten Jahre ruhig vorübergehen. Aber vielleicht um das dreiundzwanzigste &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|16}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jahr herum wird es deutlich werden, daß sich etwas in der Seele festsetzt, was sich wie etwas Unerklärliches zeigt. Wenn man dann weiter nachforscht, kann man häufig bemerken, wenn der Fall klarliegt, daß der Überdruß fünf Jahre nach dem Berufswechsel seine Erklärung findet durch das dreizehnte oder vierzehnte Jahr. Denn die Ursachen für eine solche Erscheinung werden wir sehr häufig zu suchen haben ungefähr eine ebensolche Zeitspanne vor dem Berufswechsel, wie nach demselben ein Ereignis eingetreten ist, wie wir es eben beschrieben haben. Da kann der betreffende Mensch in seinem dreizehnten Jahre während seiner Lernzeit - also fünf Jahre vor seinem Berufswechsel - etwas in seine Gefühlswelt aufgenommen haben, was ihm eine gewisse innere Beseligung gewährte. Nehmen wir an, der Berufswechsel wäre nicht eingetreten; dann würde das, woran sich der junge Mensch im dreizehnten Jahre gewöhnt hatte, im späteren Leben sich ausgelebt und diese oder jene Frucht getragen haben. Nun kam aber der Berufswechsei, der zunächst den jungen Menschen interessiert hat, der seine Seele eingenommen hat. Was dadurch in sein Seelenleben gekommen ist, das hat zurückgedrängt, was früher darinnen war. Eine gewisse Zeit hindurch kann das zurückgedrängt werden, aber indem es zurückgedrängt wird, gewinnt es gerade im Inneren eine besondere Kraft; da sammelt es sozusagen Spannkraft im Inneren an. Da ist es ähnlich, wie wenn wir einen elastischen Ball zusammendrücken: Wir können ihn bis zu einer gewissen Grenze drücken, dann leistet er Widerstand; und wenn er zum Zurückschnellen veranlaßt wird, wird er mit einer um so größeren Kraft zurückschnellen, je mehr wir ihn vorher zusammengedrückt haben. Solche Erlebnisse, wie die eben angedeuteten, die ein junger Mensch aufgenommen hat im dreizehnten Jahre seines Lebens und welche sich dann bis zum Berufswechsel befestigt haben, können auch in gewisser Weise zurückgedrängt werden; dann aber macht sich nach einiger Zeit ein Widerstand in der Seele geltend. Und dann kann man sehen, wie dieser Widerstand stark genug geworden ist, um sich nun in seiner Wirkung zu zeigen. Weil der Seele das fehlt, was sie sonst haben würde, wenn der Berufswechsel nicht gekommen wäre, macht sich das Zurückgedrängte geltend und kommt jetzt so zum Vorschein, daß Unbefriedigung, Überdruß an dem, was die Umgebung bietet, eintritt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|17}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da also haben wir einen Fall, wo der betreffende Mensch etwas er- lebt hat, etwas getan hat in seinem dreizehnten bis vierzehnten Lebens jahre, und wo er später etwas anderes getan hat, nämlich den Berufs wechsel vollzogen hat, und wir sehen, wie diese Ursachen so sich aus- leben, daß sie in ihrer Wirkung später zurückfallen, zurückschlagen auf dasselbe Wesen. In einem solchen Falle würden wir den Karma begriff zunächst auf das Einzelleben des Menschen anwenden müssen. -&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man sollte aber nun nicht dagegen einwenden: Wir haben aber Fälle kennengelernt, wo sich so etwas ganz und gar nicht zeigte! - Das kann sein. Aber es wird auch keinem Physiker einfallen, wenn er die Gesetze des fallenden Steines untersuchen will, der mit dieser oder jener Geschwindigkeit fällt, daß er sich sagen müßte, das Gesetz wäre nicht richtig, wenn der Stein etwa durch einen Schlag aus seiner Richtung geschleudert würde. Man muß lernen, in der richtigen Weise zu beobachten, und diejenigen Erscheinungen ausschließen, welche nicht zur Bildung des Gesetzes gehören. Gewiß würde ein solcher Mensch, der, wenn nichts anderes eintreten würde, mit dreiundzwanzig Jahren die Eindrücke seines dreizehnten Jahres in ihrer Wirkung als Überdruß empfindet, zu diesem Überdruß nicht kommen, wenn er zum Beispiel in der Zwischenzeit geheiratet hätte. Aber da hätten wir es mit etwas zu tun, was für die Feststellung des Grundgesetzes ohne Einfluß ist. Darauf aber kommt es an, daß wir die richtigen Faktoren finden, die uns auf ein Gesetz führen können. Beobachtung an sich ist noch gar nichts; erst geregelte Beobachtung bringt uns zur Erkenntnis des Gesetzes. Nun handelt es sich aber auch darum, solche geregelte Beobachtungen, wenn wir das Gesetz des Karma studieren wollen, in der rechten Weise anzustellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen wir an, um für einen einzelnen Menschen das Karma zu erkennen, jemanden träfe im fünfundzwanzigsten Lebensjahre ein schwerer Schicksalsschlag, der ihm Schmerz und Leid verursacht. Wenn wir nun einfach unsere Beobachtungen so anstellen, daß wir sagen, dieser schwere Schicksalsschlag ist eben in das Leben hereingebrochen und hat es mit Schmerz und Leid erfüllt, wenn wir also bei der bloßen Beobachtung stehenbleiben, werden wir nie zum Erkennen des karmischen Zusammenhanges kommen. Wenn wir aber weiterschreiten und das &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Leben eines solchen Menschen, der im fünfundzwanzigsten Jahre einen derartigen Schicksalsschlag erlebt hat, in seinem fünfzigsten Jahre betrachten, dann werden wir vielleicht zu einer Anschauung kommen, die wir etwa so ausdrücken können: Der Mensch, den wir da betrachten, ist ein Mensch geworden, fleißig und regsam, der tüchtig im Leben da- steht; jetzt schauen wir weiter zurück in sein Leben. Mit zwanzig Jahren - so finden wir dann - war er noch ein Taugenichts und hat überhaupt nichts tun wollen; mit fünfundzwanzig Jahren hat ihn dann der schwere Schicksalsschlag getroffen. Hätte ihn dieser Schlag nicht getroffen - so können wir jetzt sagen -, so wäre er ein Taugenichts geblieben. Also ist der schwere Schicksalsschlag die Ursache dazu gewesen, daß wir im fünfzigsten Jahre einen regsamen und tüchtigen Menschen vor uns haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine solche Tatsache lehrt uns, daß wir fehlgehen, wenn wir den Schicksalsschlag vom fünfundzwanzigsten Jahre als eine bloße Wirkung betrachten. Denn wenn wir fragen: Was hat er verursacht?, können wir nicht bei der bloßen Beobachtung stehenbleiben.Wenn wir aber einen solchen Schlag nicht als Wirkung betrachten und an das Ende der Erscheinungen stellen, die vorausgegangen sind, sondern wenn wir ihn an den Anfang der nachfolgenden Ereignisse stellen und ihn als Ursache betrachten, dann lernen wir erkennen, daß wir allerdings sogar unser Gefühlsurteil, unser Empfindungsurteil ganz wesentlich ändern können gegenüber diesem Schicksalsschlag. Wir werden vielleicht traurig sein, wenn wir ihn bloß als Wirkung betrachten, daß diesen Menschen dieser Schlag getroffen hat. Betrachten wir ihn dagegen als Ursache eines Späteren, dann können wir vielleicht froh sein und Freude darüber empfinden. Denn diesem Schicksalsschlag ist es zu verdanken - so können wir sagen -, daß der Betreffende ein ordentlicher Mensch geworden ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So sehen wir, daß es an unseren Empfindungen etwas Wesentliches ändern kann, je nachdem wir eine Tatsache des Lebens als Wirkung oder als Ursache betrachten. Es ist also nicht gleichgültig, ob wir irgend etwas, was im Leben den Menschen trifft, als bloße Wirkung oder als Ursache betrachten. Freilich, wenn wir in dem Zeitpunkt die Beobachtung anstellen, wo das schmerzliche Ereignis eingetreten ist, können wir &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|19}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
noch nicht die unmittelbare Wirkung wahrnehmen. Wenn wir uns aber das Karmagesetz gebildet haben aus ähnlichen Beobachtungen, dann kann dieses Karmagesetz selber uns sagen: Jetzt ist vielleicht ein Ereignis schmerzlich, weil es uns bloß als Wirkung des Vorhergehenden entgegentritt; aber es kann auch so betrachtet werden, daß es als Ausgangspunkt für ein Folgendes angesehen wird. Dann können wir sagen: Wir ahnen, daß hier der Ausgangspunkt die Ursache ist von Wirkungen, welche die Sache in ein ganz anderes Licht stellen! So kann das Karmagesetz selber der Quell sein einerTröstung. Die Tröstung wäre nicht da, wenn wir uns gewöhnten, ein Ereignis nur an das Ende und nicht an den Anfang einer Erscheinungsreihe zu setzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es kommt also darauf an, daß wir lernen, das Leben geregelt zu beobachten und in entsprechender Weise die Dinge als Wirkung und Ursache zueinander zu stellen. Wenn wir solche Beobachtungen wirklich durchgreifend anstellen, werden uns im einzelnen Menschenleben Ergebnisse zutage treten, die mit einer gewissen Regelmäßigkeit für das einzelne Menschenleben ablaufen, und andere Ergebnisse werden zutage treten, die uns unregelmäßig in diesem Leben erscheinen. So kann der, welcher das Menschenleben beobachtet - und zwar nicht nur so weit, als gerade die Nase reicht -, merkwürdige Zusammenhänge in diesem Menschenleben finden. Nur werden die Erscheinungen des menschlichen Lebens leider heute nur über kurze Zeitspannen, kaum über einige Jahre, beobachtet; und was nach einer größeren Anzahl von Jahren eintritt&amp;gt; das ist man nicht gewohnt, mit dem in Zusammenhang zu bringen, was etwa früher als Ursache vorhanden sein konnte. Daher werden nur wenige Menschen sich heute finden, die Anfang und Ende des Menschenlebens in einen gewissen Zusammenhang bringen. Dennoch ist dieser Zusammenhang außerordentlich lehrreich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen wir an, wir haben ein Kind in den ersten sieben Jahren seines Lebens so erzogen, daß also wir nicht das getan haben, was gewöhnlich geschieht,daß wir nicht von dem Glauben ausgegangen sind: Wenn einer ein ordentlicher Mensch im Leben werden soll, muß er so und so sein, muß unseren Anschauungen von einem ordentlichen Menschen unbedingt entsprechen. Denn in einem solchen Falle würden wir dem Kinde möglichst genau das alles eintrichtern wollen, was es eben in &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|20}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
unserem Sinne zu einem ordentlichen Menschen machen sollte. Wenn wir aber von der Erkenntnis ausgehen, daß man ein ordentlicher Mensch auf vielerlei Arten sein kann und daß man noch gar keine Vorstellung zu haben braucht, auf welche Art der, der als Kind erst heranwächst, ein ordentlicher Mensch werden soll nach seiner individuellen Anlage, dann werden wir sagen: Was ich auch immer für Begriffe von einem ordentlichen Menschen habe, der Mensch, der aus diesem Kinde entstehen soll, muß dadurch entstehen, daß die besten Anlagen aus ihm herausgeholt werden - was ich vielleicht erst als Rätsel lösen muß! Und man wird sich daher sagen: Was kommt es darauf an, daß ich diesen oder jenen Geboten und dergleichen verpflichtet bin? Das Kind selbst muß ein Bedürfnis fühlen, dieses oder jenes zu tun! Wenn ich das Kind nach seinen individuellen Anlagen entwickeln will, werde ich versuchen, diejenigen Bedürfnisse, die in ihm veranlagt sind, zu entwickeln, herauszuholen, so (iaß vor allen Dingen ein Bedürfnis nach den Handlungen eintritt, das Kind also die Handlungen aus eigenem Bedürfnis tut. - Wir sehen daraus, daß es zwei ganz verschiedene Methoden gibt, auf ein Kind in den ersten sieben Jahren seines Lebens zu wirken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir nun das weitere Leben des Kindes beobachten, wird sich uns lange Zeit nicht zeigen, was die ausgesprochenste Wirkung dessen sein wird, was wir in den ersten Jahren auf diese Weise in das Kind hineingebracht haben. In der Lebensbeobachtung ergibt sich nämlich, daß die eigentlichen Wirkungen dessen, was als Ursachen in die kindliche Seele hineingelegt worden ist, am allerspätesten erst eintreten, das heißt am Lebensabend. Der Mensch kann einen in sich regen Geist bis an sein Lebensende dadurch haben, daß wir ihn als Kind in der Weise erzogen haben, wie es jetzt eben beschrieben worden ist: daß wir auf sein Seelenleben, auf alles, was lebendig in ihm sitzt, Rücksicht genommen haben. Wenn wir das herausgeholt und zur Entwickelung gebracht haben, was an inneren Kräften in ihm vorhanden ist, dann werden wir die Früchte am Lebensabend herauskommen sehen in Gestalt eines reichen Seelenlebens. Dagegen in einer verdorrten und verarmten Seele und demgemäß auch - weil, wie wir später sehen werden, eine verdorrte Seele auch auf den Leib wirkt - in den leiblichen Gebresten &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|21}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
des Alters tritt das auf, was wir in der frühesten Kindheit an dem Menschen Unrichtiges getan haben. Da sehen wir etwas, was sich in gewisser Weise regulär, so daß es für jeden Menschen gültig ist, im Menschenleben als Zusammenhang von Ursache und Wirkung darstellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So könnten wir auch für die mittleren Lebensabschnitte solche Zusammenhänge finden, und wir werden darauf noch aufmerksam machen. - Wie wir einen Menschen vom siebenten bis vierzehnten Jahre behandeln, das tritt in seinen Wirkungen wieder im vorletzten Lebensabschnitt hervor. So sehen wir Ursache und Wirkung zyklisch, wie im Kreise, sich abspielen. Was an Ursachen am frühesten vorhanden war, das tritt als Wirkung am spätesten auf. Aber nicht nur solche Wir kungen und Ursachen sind im einzelnen Menschenleben vorhanden, sondern es geht neben dem zyklischen Verlauf ein geradliniger einher.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An unserem Beispiel, wie das dreizehnte Jahr in das dreiundzwan zigste hineinspielen kann, haben wir gesehen, wie Ursache und Wirkung Im Menschenleben so zusammenhängen, daß dasjenige, was der Mensch in sich erlebt hat, Wirkungen nach sich zieht, die dann wieder auf dasselbe Menschenwesen zurückschlagen. So erfüllt sich Karma im einzelnen Menschenleben. Wir werden aber zu einer Erklärung des Menschenlebens nicht kommen, wenn wir Zusammenhänge zwischen Ursache und Wirkung nur in diesem einzelnen Menschenleben suchen. Wie der Gedanke, der jetzt angeschlagen ist, weiter zu begründen und auszuführen ist, darüber werden wir in den nächsten Stunden sprechen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt soll nur auf etwas hingedeutet werden, das ja bereits bekannt ist: daß die Geisteswissenschaft zeigt, wie dieses Menschenleben zwischen Geburt und Tod die Wiederholung ist früherer Menschenleben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir nun das Charakteristische aufsuchen für das Leben zwischen Geburt und Tod, so können wir als solches bezeichnen die Aus dehnung eines und desselben Bewußtseins - im wesentlichen wenigstens - für die ganze Zeit zwischen Geburt und Tod. Wenn Sie sich zurückerinnern an Ihre früheren Lebensabschnitte, so werden Sie sagen: Es gibt einen Zeitpunkt, der nicht mit meiner Geburt zusammenfällt, sondern etwas später liegt, wo meine Lebenserinnerungen beginnen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das werden alle Menschen sagen, die nicht zu den Eingeweihten gehören; und sie werden dann davon sprechen, daß ihr Bewußtsein soweit &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|22}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nur reicht. Im Grunde genommen haben wir es in dem Zeitraum von der Geburt bis zum Tod in bezug auf den Beginn dieser Lebenserinnerungen mit etwas sehr Eigentümlichem zu tun, und wir werden auch darauf noch zurückkommen; das wird uns in bedeutsame Dinge hinein- leuchten. Wenn wir das aber nicht berücksichtigen, können wir sagen: Charakteristisch für das Leben zwischen Geburt und Tod ist es, daß ein Bewußtsein sich ausdehnt für diese Zeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn nun auch der Mensch im gewöhnlichen Leben, wenn ihn im späteren Lebensalter etwas trifft, die Ursachen dazu in früheren Lebensabschnitten nicht aufsucht, so könnte er es aber dennoch, wenn er nur auf alles aufmerksam genug wäre und alles erforschen würde. Er könnte es mit dem Bewußtsein, das ihm als Erinnerungsbewußtsein zur Verfügung steht. Und wenn er durch die Erinnerung versuchte, sich den Zusammenhang zwischen Früherem und Späterem im karmischen Sinne vor die Seele zu stellen, so würde er zu folgendem Ergebnis kommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er würde zum Beispiel sagen: Ich sehe, daß gewisse Ereignisse, die bei mir eingetreten sind, nicht gekommen wären, wenn nicht das oder jenes in einem früheren Lebensabschnitt eingetreten wäre. - Er würde vielleicht sagen: Für das, was meine Erziehung an mir getan hat, muß ich jetzt büßen. - Aber wenn er auch nur den Zusammenhang einsieht zwischen dem, was nicht er gesündigt hat, sondern was an ihm gesündigt worden ist, und späteren Ereignissen, dann wird ihm schon das eine Hilfe sein. Er wird leichter Mittel und Wege finden, um Schäden, die an ihm begangen worden sind&amp;gt; auszugleichen. Die Erkenntnis eines solchen Zusammenhanges zwischen Ursachen und Wirkungen in unseren einzelnen Lebensabschnitten, die wir durch unser gewöhnliches Bewußtsein überschauen können, kann uns schon im höchsten Grade förderlich sein im Leben. Ja, wenn wir uns diese Erkenntnis erwerben, können wir vielleicht noch etwas anderes tun. - Wenn allerdings ein Mensch achtzig Jahre alt geworden ist und dann zurückschaut auf das, was man als Ursachen zu Ereignissen im achtzigsten Jahre in frühester Kindheit zu suchen hat, so wird es für ihn vielleicht recht schwierig sein, Gegenmittel zu finden, um auszugleichen, was an ihm getan worden ist, und wenn er sich dann belehren läßt, so wird das nicht mehr allzuviel helfen. Wenn er sich aber vorher belehren läßt und hinblickt &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
auf die Sünden, die an ihm begangen sind, und, sagen wir, schon im vierzigsten Jahre dagegen Vorsorge trifft, dann hat er vielleicht doch noch Zeit, um gewisse Gegenmittel zu ergreifen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir sehen also, daß wir uns nicht allein für das unmittelbar Nächst- liegende des Lebenskarma belehren lassen sollen, sondern über Karma und den gesetzmäßigen Zusammenhang, den Karma bedeutet, überhaupt. Das kann uns förderlich sein für unser Leben. - Was tut denn aber ein Mensch, der im vierzigsten Jahre etwas unternimmt, damit die Schäden gewisser Sünden nicht eintreten, die zum Beispiel im zwölften Jahre an ihm begangen worden sind, oder die er selbst begangen hat? Er wird versuchen, was er gesündigt hat oder was an ihm getan worden ist, auszugleichen und alles zu tun, was der Wirkung, die eintreten müßte, vorbeugt. Er wird in gewisser Weise sogar die notwendige Wirkung, die ohne sein Zutun eintreten würde, durch eine andere ersetzen. Die Erkenntnis dessen, was es im zwölften Jahre gegeben hat, wird ihn selbst zu einer bestimmten Handlung im vierzigsten Jahre führen. Diese Handlung hätte er nicht getan, wenn er nicht erkannt hätte, daß es dieses oder jenes im zwölften Jahre gegeben hat. Was hat der Mensch also durch sein Zurückblicken auf sein früheres Leben getan? Er hat selber durch sein Bewußtsein folgen lassen auf eine Ursache eine bestimmte Wirkung. Er hat gewollt die Wirkung, welche er jetzt herbeigeführt hat. - Das zeigt uns, wie in die Linie der karmischen Folgen unser Wille eingreifen und etwas schaffen kann, was an Stelle von sonst eingetretenen karmischen Wirkungen steht. Nehmen wir einen solchen Zusammenhang, wo unser Bewußtsein ganz bewußt eine Verbindung zwischen Ursache und Wirkung im Lebenslauf herbeiführt, so werden wir uns sagen: Bei einem solchen Menschen ist Karma oder karmische Gesetzmäßigkeit ins Bewußtsein hineingetreten, er hat selbst in gewisser Weise die karmischeWirkung herbeigeführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen wir nun aber einmal an, wir legen einer ähnlichen Betrach tung dasjenige zugrunde, was wir über die wiederholten Erdenläufe eines Menschen wissen. Das Bewußtsein, von dem wir eben gesprochen haben, das sich ausdehnt mit der angedeuteten Ausnahme auf unser Leben zwischen Geburt und Tod, das entsteht dadurch, daß sich der Mensch des Instrumentes seines Gehirns bedienen kann. Wenn der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|24}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mensch durch die Pforte des Todes schreitet, tritt ein andersgeartetes Bewußtsein auf, das unabhängig ist vom Gehirn und an wesentlich andere Bedingungen gebunden ist. Und wir wissen, daß für dieses Bewußtsein, das bis zur neuen Geburt dauert, eine Art Rückblick auftritt über alles, was der Mensch in dem Leben zwischen Geburt und Tod vollbracht hat. Im Leben zwischen Geburt und Tod muß sich der Mensch erst die Absicht bilden, zurückzublicken auf irgendwelche Sünden, die an ihm begangen worden sind, wenn er die Wirkung dieser Sünden wirklich karmisch in sein Leben einführen soll. Nach dem Tode schaut der Mensch im Zurückblicken auf sein Leben auf dasjenige, was er an Sünden oder überhaupt an Handlungen vollbracht hat. Da schaut er auch zugleich das&amp;gt; was diese Handlungen an seiner Seele oder aus seiner Seele gemacht haben. Da sieht der Mensch, wie er dadurch, daß er eine bestimmte Handlung getan hat, in seinem Werte gesunken oder gestiegen ist. Haben wir einem andern zum Beispiel irgendein Leid zugefügt, so ist unser Wert dadurch gesunken; wir sind sozusagen weniger wert geworden, sind unvollkommener geworden, indem wir dem andern das Leid zugefügt haben. Wenn wir nun nach dem Tode zurückblicken, sehen wir auf zahlreiche solche Fälle zurück, bei denen w1r uns sagen: Wir sind dadurch unvollkommener geworden. Daraus aber folgt für das Bewußtsein nach dem Tode, daß in ihm die Kraft und der Wille entstehen, wenn es wieder Gelegenheit dazu hat, alles zu tun, um jenen Wert wieder zu erringen, welchen es verloren hat, das heißt der Wille, alles Leid auszugleichen&amp;gt; das es zugefügt hat. Der Mensch nimmt also zwischen Tod und neuer Geburt die Tendenz, die Absicht auf, was er Schlechtes getan hat, wieder auszugleichen, damit er überhaupt den Standpunkt der Vollkommenheit wieder erringen kann, den er als Mensch haben soll und der verhindert worden ist durch die entsprechende Tat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun tritt der Mensch wieder ins Dasein. Sein Bewußtsein wird wieder ein anderes; er erinnert sich nicht zurück an die Zeit zwischen Tod und neuer Geburt und auch nicht daran, wie er die Absicht gefaßt hat, etwas auszugleichen. Aber diese Absicht sitzt in ihm. Und wenn er auch nicht weiß: Du mußt dies oder das tun, um das oder jenes auszugleichen! -, so wird er doch durch die Kraft, die in ihm sitzt, zu irgendeiner&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|25}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Handlung hingetrieben, die ein Ausgleich ist. Und jetzt können wir uns eine Vorstellung machen, was vor sich geht, wenn einen Menschen zum Beispiel im zwanzigsten Jahre etwas sehr Schmerzliches trifft. Mit seinem Bewußtsein, das er hat zwischen Geburt und Tod, wird er niedergedrückt sein durch seinen Schmerz. Würde er sich aber daran erinnern, was er in dem Leben zwischen Tod und neuer Geburt an Absichten aufgenommen hat, dann würde er auch die Kraft spüren, die ihn hingetrieben hat an die Stelle, wo er diesen Schmerz hat erleiden können, weil er gefühlt hat, daß er den Grad von Vollkommenheit, den er sich verscherzt hat und den er wiedererringen soll, nur dadurch wieder erreichen kann, daß er diesen Schmerz durchmacht. Wenn also auch das gewöhnliche Bewußtsein sagt: Der Schmerz ist da; du leidest darunter! - und nur den Schmerz in der Wirkung betrachtet, so könnte doch für das Bewußtsein, welches auch die Zeit zwischen Tod und neuer Geburt überblickt, gerade das Aufsuchen des Schmerzes oder irgendeines Unglückes in der Absicht liegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das stellt sich uns tatsächlich dar, wenn wir von einem höheren Gesichtspunkt aus das Menschenleben betrachten. Da können wir sehen, daß im Menschenleben Schicksalsfälle eintreten, die sich nicht darstellen als Wirkungen von Ursachen des einzelnen Lebenslaufes, sondern die aus einem andern Bewußtsein heraus verursacht sind, nämlich aus einem solchen Bewußtsein, das jenseits der Geburt liegt und das unser Leben fortsetzt in frühere Zeiten, als diejenigen sind, die erst seit unserer Geburt abgelaufen sind. Wenn wir diesen Gedanken genau fassen, werden wir sagen: Wir haben zunächst ein Bewußtsein, das sich aus- dehnt über die Zeit zwischen Geburt und Tod und welches wir das Bewußtsein der Einzelpersönlichkeit nennen wollen, und wir wollen als Einzelpersönlichkeit dasjenige bezeichnen, was zwischen Geburt und Tod verläuft. Sodann sehen wir, wie ein Bewußtsein wirken kann über Geburt und Tod hinaus, von dem der Mensch in seinem gewöhnlichen Bewußtsein nichts weiß, das aber gerade so wirken kann wie dieses gewöhnliche Bewußtsein. Wir haben deshalb zunächst geschildert, wie jemand selbst sein Karma übernimmt und im vierzigsten Jahre zum Beispiel etwas ausgleicht, damit ihn die Ursachen vom zwölftenJahre nicht treffen. Da nimmt er Karma in sein Einzelpersön&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|26}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
lichkeitsbewußtsein hinein. Wenn dagegen der Mensch irgendwohin getrieben wird, wo er einen Schmerz erleiden kann, um etwas auszugleichen, um ein besserer Mensch zu werden, so kommt das auch aus dem Menschen; nur kommt es nicht aus dem Einzelpersönlichkeitsbewußtsein, sondern aus einem umfassenderen Bewußtsein, das mitumfaßt die Zeit zwischen Tod und neuer Geburt. Dasjenige Wesen im Menschen, welches von diesem Bewußtsein umfaßt wird, wollen wir die «Individualität» des Menschen nennen; und dieses Bewußtsein, das also fortwährend unterbrochen wird durch das Persönlichkeitsbewußtsein, wollen wir das «individuelle Bewußtsein» nennen, im Gegensatz zum Einzelpersönlichkeitsbewußtsein. So sehen wir Karma wirksam in bezug auf die Individualität des Menschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun würden wir das menschliche Leben aber trotzdem nicht verstehen, wenn wir nur die Reihe der Erscheinungen verfolgen würden, wie wir es bis jetzt getan haben, indem wir nur dasjenige ins Auge faßten, was im Menschen um des Menschen selber willen an Ursachen liegt und an Wirkungen aufgesucht wird. Wir brauchen uns nur einen einfachen Fall vor die Seele zu führen, der nur so dargestellt werden soll, daß er anschaulicher wirkt, und wir werden gleich sehen, daß wir das menschliche Leben nicht verstehen, wenn wir nur dasjenige in Betracht ziehen, was wir jetzt eben gesagt haben. - Nehmen wir einen Erfinder oder Entdecker, zum Beispiel Kolumbus oder den Entdecker der Dampfmaschine oder irgendeinen andern. In der Entdeckung liegt eine bestimmte Handlung, eine bestimmte Tat. Wenn wir diese Tat ins Auge fassen, so wie sie der Mensch getan hat, und dann die Ursache suchen, warum sie der Mensch getan hat, dann werden wir immer solche Ursachen finden, welche in der Richtung liegen, wie wir sie jetzt an- gegeben haben. Warum Kolumbus zum Beispiel nach Amerika fuhr, warum er gerade in einem bestimmten Zeitpunkt diese Absicht faßte, dazu werden wir die Ursachen finden in seinem individuellen und persönlichen Karma. Aber wir werden uns jetzt fragen können: Wird diese Ursache nur im persönlichen und individuellen Karma gesucht werden müssen? Und wird die Tat als Wirkung nur betrachtet werden müssen für die Individualität, die in Kolumbus wirksam war? - Daß Kolumbus Amerika entdeckt hat, hat eine bestimmte Wirkung für ihn gehabt. Er &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|27}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ist dadurch gestiegen, ist vollkommener geworden. Das wird sich zeigen in der Fortentwickelung seiner Individualität im folgenden Leben. Aber welche Wirkungen hat diese Tat noch für andere Menschen gehabt? Müßte sie nicht auch als Ursache betrachtet werden, die in unzählige Menschenleben eingegriffen hat?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist aber noch eine ziemlich abstrakte Betrachtung einer solchen Sache, die wir viel tiefer erfassen können, wenn wir das Menschenleben über große Zeitspannen hin betrachten. Nehmen wir an, wir betrachten das Menschenleben,wie es sich abgespielt hat im ägyptisch-chaldäischen Zeitalter, das dem griechisch-lateinischen vorangegangen ist. Wenn wir dieses Zeitalter prüfen in bezug auf das, was es den Menschen gegeben hat und was die Menschen damals erfahren haben, dann zeigt sich uns etwas höchst Eigentümliches. Wenn wir diese Epoche vergleichen mit unserer eigenen, dann werden wir erkennen, daß dasjenige, was in unserem eigenen Zeitalter geschieht, zusammenhängt mit dem, was in der ägyptisch-chaldäischen Kulturperiode vor sich gegangen ist. Das griechisch-lateinische Zeitalter steht zwischen beiden darinnen. In unserer Zeit würden gewisse Dinge nicht geschehen, wenn nicht gewisse Dinge in der ägyptisch-chaldäischen Kultur geschehen wären. Wenn die gegenwärtige Naturwissenschaft dieses oder jenes an Ergebnissen zustande gebracht hat, so rührt das allerdings auch von Kräften her, welche sich aus der Menschenseele entwickelt und entfaltet haben. Aber die Menschenseelen, die in unserer Zeit gewirkt haben, waren auch verkörpert im ägyptisch-chaldäischen Zeitalter und haben dort gewisse Erlebnisse aufgenommen, ohne welche sie das nicht verrichten könnten, was sie heute verrichten. Hätten nicht die Schüler der altägyptischen Tempelpriester die ägyptische Astrologie über die Zusammenhänge des Himmels aufgenommen, so hätten sie nicht auf ihre Art später ein- dringen können in die Weltengeheimnisse, und es wären in gewissen Seelen unserer Zeit nicht die Kräfte gewesen, welche die Menschheit jetzt in unserer Zeit hin ausgeführt haben in die Himmelsräume. Wie kam zum Beispiel Kepler zu seinen Entdeckungen?` Er kam dazu, weil eine Seele in ihm lebte, die im ägyptisch-chaldäischen Zeitraum die Kräfte zu jenen Entdeckungen aufgenommen hatte, welche sie im fünften Zeitraum dann machen konnte. Es erfüllt uns mit einer gewissen &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|28}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
inneren Befriedigung, wenn in einzelnen Geistern gleichsam Erinnerungen auftauchen in der Art, daß die Keime zu dem, was sie jetzt tun, in der Vergangenheit gelegt worden sind. Einer der Geister, der Wichtiges geleistet hat in bezug auf die Erforschung der Himmelsgesetze, Kepler, sagt von sich selbst:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
«J~t,ich bin es, ich habe die goldenen Gefäße der Ägypter geraubt, um mt:..,jnem Gott aus ihnen ein Heiligtum zu errichten, fern von den Grenze.n Ägyptens. Wenn ihr mir vergebt, werde ich mich freuen, wenn ihr zürnt, werde ich es tragen; - hier werf ich den Würfel und schreibe dies Buch für den heutigen wie den dereinstigen Leser - was liegt daran? Und wen es auf seinen Leser hundert Jahre warten muß: Gott selbst hat sechs Jahrtausende dessen geharrt, der sein Werk erkennend er- blickt. »&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist eine sporadisch auftauchende Erinnerung des Kepler an das, was er als Keim aufgenommen hat zu dem, was er in seinem persönlichen Dasein als Kepler vollbringen konnte. So könnten Hunderte von ähnlichen Beispielen angeführt werden. - Da sehen wir aber noch etwas anderes als bloß die Tatsache, daß bei Kepler etwas auftaucht, was die Wirkung ist von Erlebnissen eines früheren Erdenlebens. Wir sehen etwas auftauchen, was als die gesetzmäßige Wirkung erscheint für die ganze Menschheit von etwas, was wiederum bedeutsam war für die Menschheit in einer früheren Zeit. Wir sehen, wie der Mensch hin- gestellt wird an einen Ort, um für die ganze Menschheit etwas zu leisten. Wir sehen, daß nicht nur im individuellen Menschenleben, sondern daß in der ganzen Menschheit Zusammenhänge bestehen zwischen Ursachen und Wirkungen, die sich über weite Zeiträume hin erstrecken. Und wir können daraus entnehmen, daß sich das individuelle Karmagesetz kreuzen wird mit den Gesetzen, welche wir nennen können die karmischen Menschheitsgesetze. Manchmal ist dieses Kreuzen allerdings wenig durchsichtig. Denken Sie, was wäre aus unserer Astronomie geworden, wenn einstmals nicht das Fernrohr erfunden worden wäre, das in einer bestimmten Zeit erfunden worden ist. Verfolgen Sie unsere Astronomie zurück, und Sie werden sehen, daß unendlich vieles an der Erfindung des Fernrohres hängt. Nun ist es ja bekannt, daß das Fernrohr dadurch erfunden worden ist, daß in einer optischen Werkstatt einmal Kinder &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|29}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
mit Linsen gespielt haben, wobei sie durch einen «Zufall», so könnte man sagen, optische Linsen so zusammengestellt haben, daß hernach jemand darauf gekommen ist: Dadurch könnte sich so etwas ergeben wIe ein Fernrohr. - Denken Sie, wie tief Sie suchen müssen, um zu dem individuellen Karma der Kinder und dem Karma der Menschheit zu kommen, daß in einem bestimmten Zeitpunkt das Fernrohr erfunden worden ist! Versuchen Sie das zusammenzudenken, und Sie werden sehen, wie in merkwürdiger Art das Karma einzelner Individualitäten und das Karma der ganzen Menschheit sich kreuzen und ineinanderweben! Da werden Sie sich sagen: Man müßte sich die ganze Menschheitsentwickelung anders denken, wenn nicht zu einer bestimmten Zeit dies oder jenes eingetreten ware.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Frage ist gewöhnlich ganz müßig: Was wäre mit dem Römischen Reiche geworden, wenn nicht die Griechen in einer bestimmten Zeit den persischen Angriff in den Perserkriegen zurückgeschlagen hätten? - Aber nicht müßig ist die Frage: Wodurch ist es gekommen, daß die Perserkriege gerade in dieser Weise verlaufen sind? - Wer dieser Frage nachgeht und eine Antwort sucht, der wird sehen, daß im Orient ganz bestimmte Errungenschaften nur dadurch zustande kamen, daß gewisse despotische Herrscher da waren, die nur für ihre Person etwas wollten und sich zu diesem Zwecke verbanden mit den Opferpriestern und so weiter. Die ganzen damaligen Staatseinrichtungen waren notwendig, damit im Orient etwas geschaffen werden konnte, aber diese Einrichtungen haben es mit sich gebracht&amp;gt; daß auch alle die Schäden eintraten, die dann eingetreten sind. Und damit hängt es zusammen, daß ein andersgeaitetes Volk - die Griechen - im entsprechenden Moment den morgenländischen Angriff zurückschlagen konnte. Wenn wir das bedenken, werden wir fragen: Wie steht es mit dem Karma der Persönlichkeiten, die in Griechenland gewirkt haben, um den persischen An- griff zurückzuschlagen? - Da werden wir manches Persönliche finden im Karma der betreffenden Menschen; aber wir werden auch finden, daß das persönliche Karma mit dem Volks- und Menschheitskarma verknüpft ist, so daß es berechtigt ist zu sagen: Das ganze Menschheitskarma hat gerade diese bestimmten Persönlichkeiten an diesen Ort in diese Zeit gestellt! - Wir sehen da hineinspielen Menschheitskarma in &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|30}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
das Einzelkarma. Und wir werden uns weiter fragen müssen, wie diese Dinge zusammenspielen. Aber wir können noch weitergehen und einen andern Zusammenhang betrachten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir können zurückblicken im Sinne der Geisteswissenschaft auf eine Zeit unserer Erdenentwickelung, in der es auf unserer Erde noch kein Mineralreich gegeben hat. Unserer Erdenentwickelung gingen voran die Saturn-, die Sonnen- und die Mondentwickelung, wo es noch kein mineralisches Reich in unserem Sinne gegeben hat. Erst auf der Erde sind unsere heutigen Mineralien in ihren heutigen Formen entstanden. Dadurch aber, daß sich das Mineralreich ausgeschieden hat im Verlaufe der Erdentwickelung, ist es als ein besonderes Reich für alle Folgezeit da. Vorher haben sich Menschen, Tiere und Pflanzen so entwickelt, daß kein ihnen zugrunde liegendes Mineralreich vorhanden war. Damit die andern Reiche einen späteren Fortschritt erreichen konnten, mußten sie das Mineralreich ausscheiden. Aber nachdem sie es ausgeschieden haben, können sie sich nur so entwickeln, wie sie sich entwickeln auf einem Planeten, der eine feste mineralische Grundlage hat. Und nie wird etwas anderes entstehen als das, was unter der Voraussetzung geschah, daß die Bildung eines Mineralreiches zustande kam. Das Mineral reich ist da, und alle späteren Schicksale der andern Reiche hängen ab von der Entstehung des Mineralreiches, das sich einmal in unserem Erdendasein in einer urfernen Vergangenheit gebildet hat. - So ist mit der Tatsache der Entstehung des Mineral reiches etwas geschehen, womit alle spätere Erdentwickelung zu rechnen hat. Es wird sich an allen andern Wesen erfüllen, was aus der Entstehung des Mineralreiches folgt. Da haben wir wieder in späteren Zeitaltern die karmische Erfüllung für etwas, was früher geschehen ist. Auf der Erde erfüllt sich, was sich auf der Erde vorbereitet hat. Es ist ein Zusammenhang von dem,was früher, und dem, was später geschehen ist, aber auch ein solcher Zusammenhang, der in der Wirkung zurückschlägt auf das verursachende Wesen. Menschen, Tiere und Pflanzen haben das Mineralreich ausgeschieden, und das Mineral reich schlägt wieder auf sie zurück. Da sehen wir, daß es möglich ist, von einem Karma der Erde zu sprechen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und endlich können wir etwas hervorheben, wozu sich die Grund-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|31}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
lagen in den allgemeinen Ausführungen der «Geheimwissenschaft im Umriß» finden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir wissen, daß gewisse Wesenheiten zurückgeblieben sind auf der Stufe der alten Mondentwickelung, und daß diese Wesen zurückgeblieben sind, um dem Menschen der Erde ganz bestimmte Eigenschaften beizubringen. Aber nicht nur Wesenheiten sind zurückgeblieben von der alten Mondenzeit der Erde, sondern auch Substantialitäten. Auf der Mondenstufe sind Wesen stehengeblieben, die als luziferische Wesenheiten in unser Erdendasein hineinwirken. Durch diese Tatsache des Stehenbleibens und des Hereinwirkens in unser Erdendasein vollziehen sich im Erdendasein Wirkungen, zu denen die Ursachen schon im Mondendasein gelegt worden sind. Aber auch substantiell vollzieht sich so etwas. - Wenn wir heute unser Sonnensystem ansehen, finden wir es zusammengesetzt aus Weltenkörpern, die regelmäßig wiederkehrende und eine gewisse innere Geschlossenheit zeigende Bewegungen ausführen. Aber andere Weltenkörper finden wir, die sich zwar auch mit einem gewissen Rhythmus bewegen, die aber sozusagen die gewöhnlichen Gesetze des Sonnensystems durchbrechen, nämlich die Kometen. Nun ist die Substanz eines Kometen nicht eine solche mit Gesetzen, wie sie in unserem gewöhnlichen, regulären Sonnensystem bestehen, sondern mit Gesetzen, wie sie im alten Mondendasein existiert haben. In der Tat hat sich im kometarischen Dasein erhalten die Gesetzmäßigkeit des alten Mondendaseins. Ich habe schon öfter erwähnt, daß die Geistes- wissenschaft diese Gesetzmäßigkeit nachgewiesen hat, bevor eine Bestätigung von seiten der Naturwissenschaft eingetreten ist. Im Jahre 1906 habe ich in Paris auf die Tatsache aufmerksam gemacht, daß während des alten Mondendaseins gewisse Verbindungen von Kohlenstoff und Stickstoff eine ähnliche Rolle spielten wie heute auf der Erde Verbindungen von Sauerstoff und Kohlenstoff, also Kohlensäure, Kohlendioxyd und so weiter. Diese letzteren Verbindungen haben etwas Ertötendes. Eine ähnliche Rolle haben Zyanverbindungen, blausäureartige Verbindungen während des alten Mondendaseins gespielt. Auf diese Tatsache wurde hingewiesen von der Geisteswissenschaft 1906. Auch in andern Vorträgen wurde darauf hingewiesen, daß das kometarische Dasein die Gesetze des alten Mondendaseins hineinführt &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|32}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
in unser Sonnensystem, so daß also nicht nur zurückgeblieben sind die luziferischen Wesen, sondern auch die Gesetzmäßigkeit der alten Mondensubstanz, die in unregelmäßiger Weise hineinwirkt in unser Sonnensystem. Und es wurde immer gesagt, das kometarische Dasein müsse heute noch etwas enthalten wie Zyanverbindungen in der Kometenatmosphäre. Erst viel später, als das durch die Geisteswissenschaft verkündet worden ist, in diesem Jahre erst, ist durch die Spektralanalyse das Blausäurespektrum im Kometendasein gefunden worden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier haben Sie einen der Beweise dafür, wenn gesagt wird: Zeigt uns einmal, wie man wirklich mit der Geisteswissenschaft etwas finden kann! - Solche Dinge gibt es mehr; sie sollten nur beobachtet werden. So wirkt also etwas hinein von unserem alten Mondendasein in das jetzige Erdendasein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun fragen wir uns: Darf behauptet werden, daß äußeren sinnlichen Erscheinungen zugrunde liegt ein Geistiges?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den, der sich zur Geisteswissenschaft bekennt, ist es klar, daß hinter allem sinnlich Wirklichen auch ein Geistiges liegt. Wenn substantiell etwas vom alten Mondendasein hineinwirkt in unser Erden- dasein, wenn der Komet unser Erdendasein bestrahlt,,so wirkt dahinter auch etwas Geistiges. Und wir könnten sogar angeben, welches Geistige sich zum Beispiel anzeigt durch den Halleyschen Kometen. Der Halleysche Komet ist der äußere Ausdruck - jedesmal, wenn er in die Sphäre unseres Erdendaseins hineinkommt - zu einem neuen Impuls zum Materialismus. Das mag der heutigen Welt abergläubisch erscheinen. Aber die Menschen sollten sich dann nur darauf besinnen, wie sie selbst geistige Wirkungen von Konstellationen der Sterne herleiten. Oder wer würde nicht sagen, daß der Eskimo deshalb ein andersgeartetes Menschenwesen ist als zum Beispiel der Hindu, weil in der Polargegend die Sonnenstrahlen unter einem andern Winkel einfallen? Überall führen auch die Naturwissenschafter auf Sternkonstellationen geistige Wirkungen in der Menschheit zurück. - Also ein geistiger Impuls zum Materialismus erfolgt parallel dem Halleyschen Kometen. Dieser Impuls kann nachgewiesen werden: Auf das Erscheinen des Halleyschen Kometen vom Jahre 1835 folgte jene materialistische Zeitströmung, die man bezeichnen kann als den Materialismus der zweiten Hälfte des &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|33}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
vorIgen Jahrhunderts; auf die Erscheinung vorher folgte die materialistische Aufhlärerei der französischen Enzyklopädisten. Das ist der Zusammenhang.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit gewisse Dinge eintreten im Erdensein, mußten die Ursachen dazu früher, außerhalb des Erdendaseins gelegt werden. Und hier haben wir es sogar mit einem Weltenkarma zu tun. Denn warum ist auf dem alten Monde Geistiges und Substantielles ausgeschaltet worden? Damit gewisse Wirkungen wieder zurückstrahlen können auf die jenigen Wesenheiten, welche dieses ausgeschieden haben. Die luziferisehen Wesenheiten sind ausgeschieden worden, haben eine andere Entwickelung durchmachen müssen, damit für die Wesen, die auf der Erde sind, freier Wille und die Möglichkeit zum Bösen auf der Erde entstehen konnten. Da haben wir etwas, was an karmischen Wirkungen über unser Erdendasein hinausgeht: einen Ausblick auf das Weltenkarma.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So konnten wir heute sprechen über den Karmabegriff, über seine Bedeutung für die einzelne Persönlichkeit, für die Individualität, für die ganze Menschheit, innerhalb der Wirkungen unserer Erde und über die Erde hinaus - und wir haben noch etwas gefunden, was wir als Weltenkarma ansprechen können. So finden wir das Karmagesetz, das wir nennen können ein Gesetz vom Zusammenhang zwischen Ursache und Wirkung, aber in der Weise, daß die Wirkung wieder auf die Ursache zurückschlägt und daß sich beim Zurückschlagen noch das Wesen erhalten hat, dasselbe geblieben ist. Wir finden diese karmische Gesetzmäßigkeit überall in der Welt, insofern wir die Welt als eine geistige betrachten. Wir ahnen, daß sich das Karma auf den verschiedensten Gebieten in der verschiedensten Weise offenbaren wird. Und wir ahnen, wie die verschiedenen karmischen Strömungen - persönliches Karma, Menschheitskarma, Erdenkarma, Weltenkarma und so weiter - sich kreuzen werden und daß uns gerade dadurch die Aufschlüsse werden, die wir brauchen, um das Leben zu verstehen. Und an seinen einzelnen Punkten ist das Leben nur zu verstehen, wenn wir das Zusammenwirken der verschiedensten karmischen Strömungen finden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
= ZWEITER VORTRAG Hamburg, 17. Mai 1910 =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bevor wir zu unseren eigentlichen menschlichen Karmafragen kommen, wie sie angekündigt sind, sind eine Reihe von Vorbetrachtungen notwendig. Dazu gehört das, was gestern gesagt worden ist: eine Art Beschreibung des Karmabegriffes. Dazu gehört auch das, was heute zu sagen sein wird über Karma und Tierreich. Was man nennen könnte äußere Beweise für die Wirklichkeit der karmischen Gesetzmäßigkeit, das werden Sie im Laufe des Zyklus an denjenigen Stellen finden, wo gerade Veranlassung sein wird, auf diese äußeren Beweise besonders hinzudeuten. Bei diesen Gelegenheiten werden Sie auch die Möglichkeit finden, über die Begründung der Karmaidee zu Außenstehenden zu sprechen, welche Sie, über dies oder jenes als Zweifler an der ganzen Karmaidee, befragen werden. Zu alledem sind aber einige Vorbetrachtungen notwendig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was läge denn näher, als zu fragen: Wie verhalten sich tierisches Leben, tierisches Schicksal zu dem, was wir den Verlauf des menschlichen Karma nennen, in dem wir - wie sich zeigen wird - die wichtigsten und tiefeingreifendsten Schicksals fragen für den Menschen beschlossen finden?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Verhältnis der Menschen auf der Erde zur Tierwelt ist ja im Laufe der Zeit und auch je nach den verschiedenen Völkern ein verschiedenes. Und es ist gewiß nicht uninteressant, zu sehen, wie bei Völkerschaften, die sich die besten Teile der uralt heiligen Weisheit der Menschheit bewahrt haben, eine weitgehend mitleidvolle, liebevolle Behandlung der Tiere Platz gegriffen hat. Innerhalb der Welt des Buddhismus zum Beispiel, der sich wichtige Teile alter Weltanschauungen bewahrt hat, wie sie die Menschen in ihrer Urzeit hatten, haben wir eine tiefgehend mitleidvolle Behandlung der Tiere, eine Behandlung der Tiere und Gefühle gegenüber der Tierwelt, die in Europa unzählige Menschen noch nicht verstehen können. Aber auch bei andern Völkern - ich erinnere nur an den Araber in bezug auf Behandlung seines Pferdes -, insbesondere wenn diese Völker sich etwas bewahrt &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
haben von den alten Anschauungen, wie sie als alte Erbstücke da und dort auftreten, finden Sie eine Art «Freundschaft» zu den Tieren, etwas wie menschliche Behandlung der Tiere. Dagegen darf man Wohl sagen, daß in denjenigen Gegenden, in denen sich eine Art von Weltanschauung der Zukunft vorbereitet, in den abendländischen Gegenden, wenig Verständnis für solches Mitleid mit der Tierwelt Platz gegriffen hat. Und charakteristisch ist es, daß im Verlaufe des Mittelalters und dann auch bis in unsere Zeit hinein gerade in Ländern, in denen die christlicheWeltanschauung Ausbreitung gewonnen hat, die Anschauung auf tauchen konnte, daß die Tiere überhaupt nicht als Wesen zu betrachten seien mit einem eigentlichen Seelenleben, sondern als eine Art Auto maten. Und es ist vielleicht nicht mit Unrecht darauf aufmerksam gemacht worden - wenn auch nicht immer mit einem großen Verständ nls -, daß diese Anschauungen, welche von der abendländischen Philosophie vielfach vertreten worden sind, daß die Tiere Automaten seien und ein eigentliches Seelen leben nicht haben, hinuntergesickert sind in die Volkskreise, die kein Mitleid und oft auch keine Grenze kennen in der grausamen Behandlung der ~iere. Ja, die Sache ist so weit gegangen, daß man einen großen Philosophen der Neuzeit, Cartesius, in seinen Gedanken über die Tierwelt recht gründlich hat mißverstehen können.Wir müssen uns natürlich klar sein, daß von den eigentlich bedeutenden Geistern der abendländischen Kulturentwickelung diese Anschauung,daß dieTiere nur Automaten seien, niemals vertreten worden ist. Es hat auch Cartesius nicht diese Anschauung vertreten, obwohl Sie In vielen Büchern über Philosophie lesen können, daß Cartesius eine solche Anschauung vertreten habe. Das ist aber nicht wahr; sondern&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wer Cartesius kennt, der weiß, daß er den Tieren zwar nicht ein solches Seelisches zuschreibt, das sich dazu entwickeln kann, aus dem Ich- Bewußtsein heraus zu elnem Beweise für das Dasein Gottes zu kommen, aber er schreibt dennoch dem ,Tiere zu, daß es durchströmt, durchseelt ist mit den sogenannten Lebensgeistern, die allerdings nicht eine so einheitlicbe Individualität darstellen wie das Ich des Menschen, aber doch in der tierischen Organisation als Seele wirken. Und es ist gerade das Charakteristische, daß man Cartesius in dieser Beziehung hat gründlich mißverstehen können. Denn das zeigt uns, daß in den verflossenen &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Jahrhunderten unserer abendländischen Entwickelung die Tendenz vorhanden war, den Tieren etwas bloß Automatisches zuzuschreiben, und diese Tendenz hat man selbst da hineingelesen, wo man sie nicht hätte hineinlesen können, wenn man gewissenhaft zu Werke gegangen wäre, nämlich bei Cartesius. Die abendländische Kulturentwickelung hat das Eigentümliche, daß sie sich herausbilden mußte aus den Elementen des Materialismus. Und man kann sogar sagen: Der Aufgang des Christentums hat sich so vollzogen, daß dieser bedeutungsvolle Impuls der Menschheitsentwickelung zuerst in eine materialistische abendländische Gesinnung hineinverpflanzt worden ist. Der Materialismus der neueren Zeit ist nur eine Folge dessen, daß auch das spirituellste Religionsbekenntnis, das Christentum, zunächst im Abendlande eine materialistische Auffassung hat finden können. Es ist einmal - wenn wir so sagen dürfen - das Menschheitsschicksal der abendländischen Völker, daß sie sich emporarbeiten müssen aus materialistischen Untergründen und gerade in der Überwindung der materialistischen Ansichten und Tendenzen die starken Kräfte werden entfalten müssen zu einem höchsten Spiritualismus. Damit, daß dieses Schicksal, dieses Karma den abendländischen Völkern geworden ist, ist auch bei ihnen jener Zug entstanden, die Tiere nur wie Automaten zu betrachten. Wer nicht gut das Wirken des geistigen Lebens durchschauen kann, wer nur sich halten kann an das, was uns in der sinnlichen Außenwelt umgibt, der wird aus den Eindrücken dieser sinnlichen Außenwelt heraus leicht zu einer Auffassung über die Tierwelt kommen können, welche die Tiere möglichst niedrig stellt. Dagegen haben solche Weltanschauungen, die noch Elemente der alten spirituellen Weltanschauungen der Urweisheit der Menschheit in sich behalten haben, sich eine Art Erkenntnis bewahrt über das, was auch in der Tierwelt geistig ist; und trotz allen Mißverständnissen, trotz all dem, was sich in ihre Weltanschauungen eingeschlichen und deren Reinheit verdorben hat, konnten sie doch nicht vergessen&amp;gt; daß geistige Tätigkeiten, geistige Gesetze an dem Ausleben und Ausgestalten des Tierischen betätigt sind. Wenn wir also auf der einen Seite gerade in dem Mangel geistiger Weltanschauungen ein Unverständnis des Tierisch-Seelischen erblicken müssen, so dürfen wir uns auf der andern Seite nicht darüber täuschen, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
daß auch das wiederum nur ein Ausfluß einer rein materialistischen Weltanschauung wäre, wenn wir die Karmaidee, wie sie uns dienen wird, menschliches Schicksal und menschliches Karma zu verstehen, ohne weiteres auf die tierische Welt anwenden würden. Das dürfen wir nicht. Es ist schon gestern darauf hingewiesen worden, daß es notwendig ist, den Begriff des Karma ganz genau zu fassen. Und wir würden fehlgehen,wenn wir das&amp;gt; was wir gefordert haben als ein Rückschlagen der Wirkung auf das Wesen, von dem die Verursachung ausgegangen ist, wenn wir das auch in der tierischen Welt suchen würden; denn in einem umfassenderen Maße werden wir die karmische Gesetzmäßigkeit erst dadurch kennenlernen können, daß wir über das einzelne menschliche Leben zwischen Geburt und Tod hinausgehen, den Menschen verfolgen durch die Aufeinanderfolge seiner Wiederverkörperungen und daß wir finden werden, daß jener Rückschlag einer Ursache, welche wir in einem Leben gelegt haben, erst in einem späteren Leben kommen kann, so daß sich die karmische Gesetzmäßigkeit von Leben zu Leben zieht, und die Wirkungen von Ursachen eben nicht einzutreten brauchen - ja, wenn wir Karma im großen betrachten, auch ganz gewiß nicht eintreten in demselben Leben zwischen Geburt und Tod.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun wissen wir schon aus den äußeren geisteswissenschaftlichen Betrachtungen, daß wir beim T`lere von einer solchenWiederverkörperung, wie sie beim Menschen stattfindet, nicht sprechen können. Für jene menschliche Individualität, welche sich erhält, wenn der Mensch durch die Pforte des Todes schreitet, welche durchlebt ein besonderes Leben im Geistigen in der Zeit vom Tode bis zur neuen Geburt, um dann durch eine neue Geburt wieder ins Dasein zu treten, für diese menschliche Individualität finden wir etwas Ähnliches oder gar etwas ganz Gleiches in der tierischen Welt durchaus nicht. Wir können nicht in derselben Weise, wie wir den menschlichen Tod auffassen, von dem tierischen Tode sprechen. Denn alles, was wir beschreiben als die Schicksale der menschlichen Individualität, nachdem der Mensch durch die Pforte des Todes gesch ritten ist, verhält sich in der Tierwelt nicht in der gleichen Art; und wenn man glauben würde, daß wir in einem tierischen Individuum das wiederverkörperte Wesen eines schon früher auf der Erde vorhanden gewesenen Tieres suchen könnten, wie wir das beim Menschen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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tun müssen, dann würden wir uns durchaus einem Irrtum hingeben. Heute, wo man gern alles, was sich uns in der Welt darbietet, nur seiner Außenseite nach betrachtet und nicht auf das Innere eingeht, können ja die eigentlichen großen Gegensätze, die wichtigsten Unterscheidungen zwischen Mensch und Tier gar nicht vor Augen treten. Äußerlich - rein materialistisch betrachtet - nimmt sich die Erscheinung des Todes bei Mensch und Tier in der gleichen Art aus. Da kann man leicht glauben, wenn man das Leben eines Tieres betrachtet, daß man einzelne Erscheinungen dieses individuellen Lebens des Tieres vergleichen könnte mit einzelnen Erscheinungen des persönlichen Lebens des Menschen zwischen Geburt und Tod. Aber da würde man ganz fehlgehen. Deshalb soll auf die durchgreifenden Unterschiede zwischen demYierischen und dem Menschlichen zunächst an einzelnen Beispielen hingedeutet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nur derjenige kann sich nämlich diesen Unterschied zwischen Tier und Mensch vollständig klarlegen, der unbefangen nicht nur auf die sich seinem äußeren sinnlichen Anschauen, sondern auch auf die seinem kombinierenden Denken sich ergebenden Tatsachen eingeht. Da finden wir eine Erscheinung, die auch von den Naturforschern hervorgehoben wird, mit der aber die Naturforscher der Gegenwart nichts Rechtes anzufangen wissen, nämlich die Erscheinung, daß der Mensch eigentlich das Allereinfachste erst lernen muß: den Gebrauch der einfachsten Werkzeuge hat der Mensch im Laufe seiner Geschichte lernen müssen, und unsere Kinder müssen heute noch die allereinfachsten Sachen eben lernen, und sie müssen eine gewisse Zeit anwenden, um sie zu lernen. Es kostet Mühe, dem Menschen etwas beizubringen, einfache Handgriffe, Verfertigung von Instrumenten und Werkzeugen und so weiter. Wenn wir dagegen die Tiere betrachten, müssen wir sagen: Wieviel besser haben es die Tiere in dieser Beziehung! - Denken wir uns, wie der Biber seinen komplizierten kunstvollen Bau aufführt. Er braucht es nicht zu lernen; er kann es, indem er es mitbringt als eine ihm eingeprägte Gesetzmäßigkeit, wie wir uns als Menschen mitbringen die Möglichkeit, die «Kunst», um das siebente Jahr unsere Zähne zu wechseln. Das braucht auch keiner zu lernen. So bringen sich die Tiere eine solche Fähigkeit mit, wie sie der Biber hat, seinen Bau aufzuführen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Und wenn Sie Umschau halten im Tierreich, werden Sie finden, daß die Tiere sich ganz bestimmte Kunstfertigkeiten mitbringen, durch welche etwas zustande gebracht werden kann, an das menschliche Kunst fertigkeit bei allem, wie wir es so herrlich weit gebracht haben, noch lange nicht heran reicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun kann die Frage entstehen: Wie kommt es denn eigentlich, daß der Mensch, wenn er geboren wird, unfähiger ist als zum Beispiel ein Huhn oder ein Biber, daß er das, was diese Wesenheiten sich schon mit- bringen, erst mühevoll sich aneignen muß? Das ist eine große Frage. Und daß es eine große Frage ist, muß man vor allen Dingen empfinden lernen. Denn es kommt bei dem, was der Mensch für seineWeltanschauung gewinnen muß&amp;gt; viel weniger darauf an, daß man auf wichtige Tatsachen hinweist, als daß man weiß, wo wichtige Fragen zu stellen sind. Tatsachen können richtig sein, brauchen aber nicht immer wertvoll zu sein für unsere Weltanschauung. Nun würde es, obwohl wir noch heute auf die Ursachen dieser Erscheinungen geisteswissenschaftlich eingehen werden, doch zu weit führen, wenn man in allen Einzelheiten zeigen würde, warum das so ist. Aber zunächst kann doch mit ein paar Worten darauf hingewiesen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir geisteswissenschaftlich zurückgehen in der menschlichen Entwickelung bis in urferne Vergangenheiten, so werden wir finden, daß diejenigen Kräfte und Elemente, welche sozusagen dem Biber oder einem andern Tiere zur Verfügung stehen, um solche Kunstfertigkeiten mit sich auf die Welt zu bringen, dem Menschen auch zur Verfügung gestanden haben. Der Mensch hat ja nicht gerade in seine Anlage in urferner Vergangenheit bloß die Ungeschicklichkeit aufgenommen und dem Tiere überlassen müssen die primitive Geschicklichkeit. Er hat diese Anlage auch empfangen, ja im Grunde genommen in einem weit reicheren Maße als die Tiere. Denn wenn auch die Tiere gewisse große Kunstfertigkeiten mit auf die Welt bringen, so sind diese doch im Leben einseitig. Der Mensch kann im Grunde genommen gar nichts, wenn er ins Leben tritt, er muß alles erst lernen, was sich auf die äußere Welt bezieht. Das ist etwas radikal ausgedrückt, aber wir werden uns verstehen. Wenn der Mensch aber dann lernt, zeigt sich bald, daß er vielseitiger, daß seine Entwickelung eine reichere werden kann in bezug &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
auf die Ausprägung gewisser Kunstfertigkeiten und dergleichen, als das beim Tiere der Fall ist. Also der Mensch hat reiche Anlagen ursprünglich mitbekommen - und dennoch hat er sie heute nicht. Nun tritt die eigentümliche Erscheinung zutage, daß ursprünglich Mensch und Tier in gleicher Weise ausgestattet waren. Und wenn wir zurückgehen würden bis zur alten Saturnentwickelung, so würden wir finden, daß eine Unterscheidung der menschlichen und tierischen Entwickelung noch gar nicht stattgefunden hatte. Da waren beide vollständig gleich veranlagt. - Was ist nun in der Zwischenzeit geschehen, daß das Tier alle möglichenGeschicklichkeiten mit ins Dasein trägt,während der Mensch ein so ungeschickter Genosse des Weltendaseins ist? Wie hat sich der Mensch eigentlich benommen in der Zwischenzeit, daß er jetzt plötzlich alles das nicht hat,was er mitbekommen hatte? Hat er das im Laufe der Entwickelung sinnlos verschwendet, während es sich die Tiere als sparsame Haushalter bewahrt haben? Diese Frage kann aus dem wirklichen Tatbestand heraus aufgeworfen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Mensch hat diese Anlagen, die heute das Tier in äußerer Geschicklichkeit auslebt, nicht verschwendet; er hat sie auch verwendet, aber zu etwas anderem als die Tiere. Die Tiere prägen sie in äußeren Geschicklichkeiten aus; Biber und Wespe bauen ihr Nest. Der Mensch hat dieselben Kräfte, welche die Tiere in dieser Art ausleben, in sich selber hineingetan und verwendet. Und er hat dadurch zustande gebracht, was wir seine höhere menschliche Organisation nennen. Daß der Mensch heute seinen Gang aufrecht hat, daß er das vollkommenere Gehirn, überhaupt eine vollkommenere innere Organisation hat, das bedurfte auch gewisser Kräfte; und das sind dieselben Kräfte, mit denen sich der Biber seinen Biberbau errichtet. Der Biber baut sich sein Nest. Der Mensch hat die Kräfte auf sich verwendet, zu seinem Gehirn, zu seinem Nervensystem und so weiter. Daher hat der Mensch zunächst nichts übrig behalten, um in derselben Weise nach außen zu arbeiten. Also, daß wir heute unter den Tieren schreiten mit einem vollkommeneren Bau, das rührt davon her, daß wir alles, was der Biber draußen verarbeitet, einmal im Laufe der Entwickelung auf unseren inneren Bau verwendet haben.Wir haben drinnen unseren Biberbau und können daher nach außen diese Kräfte nicht mehr in derselben Weise entfalten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Da sehen wir, wenn wir an einer einheitlichen Weltauffassung festhalten, wohin die verschiedenen Anlagen, die in den Wesen vorhanden sind, kommen und wie sie uns heute entgegentreten. Indem der Mensch in seiner Weise diese Kräfte verwendet hat, wurde für ihn in seiner Erdentwickelung eine ganz besondere Einrichtung notwendig, die wir zum Teil schon kennen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Warum mußten beim Menschen die Kräfte, von denen jetzt eben gesprochen worden ist und die uns bei den verschiedenen Arten und Gattungen des Tierreiches in äußeren Verrichtungen entgegentreten, auf das Innere der menschlichen Organisation verwendet werden? Weil der Mensch nur dadurch, daß er sich die innere Organisation verschaffen konnte, der Träger dessen werden konnte, was heute das Ich ist, was von Inkarnation zu Inkarnation schreitet. Eine andere Organisation hätte kein solcher Ich-Träger werden können; denn es hängt durchaus von dem äußeren Gehäuse ab, ob eine Ich-Individualität sich im Erden- dasein betätigen kann oder nicht. Sie könnte es nicht, wenn die äußere Organisation nicht der Ich-Individualität angemessen wäre. Alles lief also darauf hinaus, die äußere Organisation dieser Ich-Individualität angemessen zu machen. Dazu mußte eine besondere Einrichtung geschaffen werden, und die kennen wir schon ihrer wesentlichen Seite nach.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir wissen, daß unserer Erdentwickelung vorangegangen ist die Mondentwickelung, dieser wieder die Sonnenentwickelung und dieser eine Saturnentwickelung. Als die alte Mondentwickelung zu Ende war, war der Mensch auf einer Stufe in bezug auf sein äußeres Dasein, die man als Tier-Menschlichkeit bezeichnen kann. Aber damals war diese äußere menschliche 0rganisation noch nicht so weit, daß sie der Träger einer Ich-Individualität hätte werden können. Erst die Erdentwickelung des Menschen hatte die Aufgabe, dieser Organisation das Ich einzuverleiben. Das konnte aber nur dadurch geschehen, daß die Vorgänge unserer Erdentwickelung in einer ganz eigenartigen Weise eingerichtet wurden. - Als die alte Mondentwickelung zu Ende gegangen war, löste sich alles sozusagen in ein Chaos auf. Daraus ging nach einer entsprechenden Zeit kosmischer Dämmerung wieder hervor der neue Kosmos unserer Erdentwickelung. In diesem Kosmos der Erdentwickelung war &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|42}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
damals alles enthalten, v`as heute als unser Sonnensystem mit uns und der Erde verbunden ist. Aus diesem Zusammenhang, aus dieser kosmischen Einheit haben sich dann erst abgespalten alle andern Weltkörper von unserer eigentlichen Erde. Wir brauchen nicht einzugehen auf die Art und Weise, wie sich die andern Planeten, Jupiter, Mars und so weiter, abgespalten haben. Wir müssen nur darauf hinweisen, daß in einem bestimmten Zeitpunkt der Erdentwickelung sich unsere Erde und unsere Sonne getrennt haben. Als dann schon die Sonne abgetrennt war und ihre Wirkungen von außen auf die Erde hereinsandte, war unsere Erde noch mit dem heutigen Monde verbunden, so daß die Substanzen und geistigen Kräfte, die heute an den Mond gekettet sind, damals noch mit unserer Erde verbunden waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist öfter schon die Frage berührt worden, was geschehen wäre, wenn sich die Sonne nicht abgespalten hätte von der Erde und nicht übergegangen wäre zu jenem Zustande, in dem sie wie heute von außen auf die Erde wirkt. Indem zunächst die Erde noch mit der Sonne verbunden war, waren bei den ganz anders gearteten Verhältnissen noch das ganze kosmische System und auch die Vorfahren der menschlichen Organisation miteinander vereinigt. Es ist natürlich ein Unding, die heutigen Verhältnisse anzuschauen und dann zu sagen: Was ist das für ein Unsinn von den Theosophen; da hätten ja alle die organisierten Wesen verbrennen müssen! - Diese Wesen waren eben so, daß sie unter den damaligen Verhältnissen in dieser ganz anders gearteten kosmischen Einheit bestehen konnten. - Wenn nun die Sonne in Verbindung mit der Erde geblieben wäre, dann wären ganz andere, viel heftigere Kräfte mit der Erde verbunden geblieben, und die Folge wäre gewesen, daß die ganze Entwickelung der Erde mit einer solchen Heftigkeit und Schnelligkeit fortgeschritten wäre, daß es gar nicht möglich gewesen wäre, daß die menschliche Organisation sich hätte so ausleben können, wie sie sich ausleben mußte. Daher war es notwendig, daß der Erde ein langsameres Tempo und dichtere Kräfte zur Verfügung gestellt wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das konnte nur dadurch geschehen, daß die stürmischen, vehementen Kräfte sich herauszogen aus der Erde. So wirkten die Kräfte der Sonne vor allen Dingen dadurch schwächer, daß sie jetzt von außen durch die Entfernung auf die Erde wirkten. Dadurch aber war nun etwas anderes &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|43}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
eingetreten. Es war jetzt die Erde in einem Zustande, daß die Menschen wiederum nicht hätten in der richtigen Weise vorwärtskommen können. Die Verhältnisse waren jetzt zu dicht, zu sehr verholzend und verdorrend für alles Leben. Der Mensch hätte wieder nicht zu seiner Entwickelung kommen können, wenn es so geblieben wäre. Abgeholfen wurde dem durch eine besondere Einrichtung, indem nämlich einige Zeit nach dem Sonnenaustritt der heutige Mond die Erde verlassen hat und die verlangsamenden Kräfte, die das Leben hätten zu einem langsamen Tode kommen lassen, mit sich fortgenommen hat. So blieb die Erde zwischen Sonne und Mond zurück, gerade das richtige Tempo wählend für die menschliche Organisation, um ein Ich als einen Träger der Individualität, die von Inkarnation zu Inkarnation geht, wirklich aufzunehmen. Die menschliche Organisation, wie sie heute ist, war unter gar keinen andern Umständen aus dem Kosmos heraus herzu stellen als durch diesen Vorgang zunächst der Sonnen- und dann der Mondentrennung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es könnte vielleicht jemand sagen: Wenn ich der Herrgott gewesen wäre, so hätte ich es anders gemacht; ich hätte gleich eine solche Mischung hergestellt, daß die menschliche Organisation in einer solchenWeise hätte fortschreiten können, wie sie hat fortschreiten müssen. Warum nun war es nötig, daß zuerst die Sonne heraustreten mußte und daß dann noch einmal ein Mondaustritt notwendig wurde?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer so denkt, denkt viel zu abstrakt. Er denkt nicht daran, daß, wenn in der Weltordnung eine innerliche Mannigfaltigkeit herbeigeführt werden soll, wie es die menschliche Organisation ist, für jeden einzelnen Teil eine besondere Einrichtung notwendig ist und daß man das nicht in die Wirklichkeit umsetzen kann, was sich der menschliche Gedanke spintisierend ausdenkt. In abstracto kann man alles denken; aber in der wirklichen Geisteswissenschaft muß man lernen, konkret zu denken, so daß man sich sagt: Die menschliche Organisation ist ja keine einfache. Sie besteht aus einem physischen Leib, einem Ätherleib und einem astralischen Leib. Diese drei Glieder mußten erst in ein bestimmtes Gleichgewicht gebracht werden, so daß die einzelnen Teile in einem richtigen Verhältnisse zueinander stehen. Das konnte nur durch diesen dreifachen Vorgang stattfinden: Zuerst die Bildung des einheit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|44}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
lichen Kosmos, der ganzen kosmischen Einheit Erde, Sonne und Mond zusammen. Dann mußte vollzogen werden für sich dasjenige, was im menschlichen Ätherleib verlangsamend wirken konnte, weil er sonst zu stürmisch alle Entwickelung verzehrt hätte - und das geschah, indem die Sonne hinausgeführt worden ist. Und dann wieder mußte, weil der astralische Leib sonst die menschliche Organisation zu einem Ersterben gebracht hätte, der Mond hinausgeführt werden. Weil der Mensch in seiner Organisation drei Glieder hat, mußten auch diese drei Vorgänge&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
stattfinden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So sehen wir, daß der Mensch sein Dasein, seine gegenwärtigen Eigenschaften einer komplizierten Einrichtung im Kosmos verdankt. Wirwissen aber auch, daß die Entwickelung aller Naturreiche keineswegs gleichen Schritt halten kann mit der allgemeinen Entwickelung. Wir wissen aus den allgemeinen Betrachtungen der letzten Jahre, daß immer auf den einzelnen planetarischenVerkörperungen unserer Erde gewisse Wesenheiten zurückblieben hinter der allgemeinen Entwickelung, welche dann, wenn die Entwickelung vorwärtsschritt, in Zuständen lebten, die der Entwickelung nicht vollständig entsprachen. Wir wissen aber auch, daß alle Entwickelung im Grunde durch solches Zurückbleiben erst richtig in Fluß gebracht werden konnte. Wissen wir doch, daß gewisseWesen während der alten Mondentwickelung zurückgeblieben sind als die «luziferischen Wesenheiten», daß durch sie manches Schlimme verschuldet worden ist, daß wir ihnen aber auch das verdanken, was uns erst das Menschsein möglich macht, nämlich die Möglichkeit der Freiheit, der freien Entfaltung unseres Innenwesens. Ja, wir können sagen: In gewisser Beziehung war das Zurückbleiben der luziferischen Wesenheiten ein Opfer. Sie sind zurückgeblieben, damit sie während des Erdendaseins ganz besondere Tätigkeiten ausüben konnten, näm lich dem Menschen die Leidenschaften verleihen, die mit seiner menschlichen Würde und Selbstbestimmung zusammengehören. - Wir müssen uns eben angewöhnen, ganz andere Begriffe zu gebrauchen, als sie sonst üblich sind, denn aus den gewöhnlichen Begriffen heraus könnte man vielleicht sagen, es hätten die luziferischen Geister gehörig «nachsitzen» müssen, und man wird ihnen ihre Nachlässigkeit nicht verzeihen. Aber es hat sich nicht um eine Nachlässigkeit der luziferischen Wesen ge&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|45}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
handelt. Ihr Zurückbleiben ist in gewisser Beziehung ein Opfer gewesen, um durch das, was sie sich durch dieses Opfer angeeignet haben, auf unsere Erdenmenschheit wirken zu können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon aus den gestrigen Andeutungen wissen Sie, daß nicht nur Wesenheiten, sondern auch Substanzen zurückgeblieben sind und sich Gesetze bewahrt haben, die in früheren planetarischen Zuständen die richtigen waren und die sie dann hineingetragen haben in die spätere Entwickelung. So durchkreuzen sich Entwickelungsphasen von alter Zeit mit Entwickelungsphasen von neuer Zeit, sie gehen durcheinander.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dadurch wird die Mannigfaltigkeit des Lebens eigentlich erst möglich. - So stellen sich uns die verschiedensten Grade dar in der Entwickelung der Wesenheiten. Nicht möglich gewesen wäre es, daß neben dem Menschenreich sich überhaupt ein Tierreich entwickelt hätte, wenn nicht nach der Saturnperiode gewisse Wesen zurückgeblieben wären, um - während sich auf der Sonne die Menschen schon zu einer höheren Stufe entwickelt hatten - ein zweites Reich zu bilden und als erste Vorläufer unseres heutigen Tierreiches hervorzukommen. Für die Grundlage späterer Bildungen ist dieses Zurückbleiben durchaus notwendig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn nun die Frage aufgeworfen wird: Warum müssen Wesenheiten und Substanzen zurückbleiben? - so möchte ich das durch einen Vergleich klarmachen. Die Entwickelung des Menschen sollte vorwärts- schreiten von Stufe zu Stufe. Das konnte sie nur dadurch, daß der Mensch sich immer mehr und mehr verfeinerte. Hätte er immer mit denselben Kräften gewirkt&amp;gt; mit denen er während der Saturnphase wirkte, so wäre er nicht vorwärtsgekommen. Er wäre stehengeblieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deshalb mußte er seine Kräfte verfeinern. - Nun nehmen wir, um ein Bild zu haben, einmal ein Glas Wasser an, in welchem irgendein Stoff aufgelöst ist. Da wird alles von oben bis unten in diesem Glas gleiche Färbung zeigen, gleiche Dichtigkeit und so weiter, es wird alles gleich sein. Nehmen wir nun an, es setzen sich die gröberen Stoffe zu Boden, dann bleiben das reinere Wasser und die feineren Substanzen oben. Das Wasser konnte sich also nur dadurch verfeinern, daß es das Gröbere ausgeschieden hat. - So etwas war auch nötig, nachdem die Saturnentwickelung abgelaufen war, es mußte ein solcher Bodensatz entstehen, es mußte die ganze Menschheit etwas ausscheiden und sich &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|46}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die feineren Teile zurückbehalten. Was ausgeschieden worden war, das wurden dann die~iere. Durch das Ausscheiden konnten sich die andern verfeinern und um einen Schritt höher kommen. Und auf jeder solchen Stufe mußten Wesenheiten ausgeschieden werden, damit der Mensch immer höher und höher kommen konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir haben also eine Menschheit, die nur dadurch möglich geworden ist, daß der Mensch sich befreit hat von denjenigen Wesenheiten, die um uns herum in den untergeordneten Reichen leben. Wir haben diese Wesenheiten mit allen ihren Kräften einmal in dem Strom der Entwickelung darinnen gehabt, sie waren damit verbunden wie in dem Wasser die dichteren Bestandteile. Wir haben sie zu Boden sinken lassen und haben uns daraus emporgehoben. Dadurch ist unsere Entwickelung möglich geworden.Wir sehen also hinunter auf die drei neben uns lebenden Naturreiche und sagen: In alledem sehen wir etwas, was unser Boden hat werden müssen, damit wir uns haben entwickeln können. Diese Wesenheiten sind hinuntergesunken, damit wir haben empor- steigen können. So blicken wir in der richtigen Art auf die untergeordneten Naturreiche.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir nun die Erdentwickelung betrachten, wird sich uns dieser Vorgang noch anschaulicher in seinen Einzelheiten darstellen können. Wir müssen uns klar sein, daß alle Tatsachen innerhalb unserer Erdentwickelung doch gewisse Verhältnisse und Zusammenhänge haben. Nun haben wir gesehen, daß die Abtrennung der Sonne und des Mondes von der Erde eigentlich geschehen ist, damit die menschliche Organisation während der Erdentwickelung hat zu derjenigen Höhe kommen können, um eine Individualität zu werden; das gehörte dazu, um die menschliche Organisation gleichsam zu reinigen. Aber dadurch, daß diese Abtrennungen im Weltenall um des Menschen willen geschahen, ist durch solche eingreifende Veränderung in unserem ganzen Sonnensystem doch auch ein Einfluß auf alle drei andern Naturreiche ausgeübt worden, vor allem auf das Tierreich, das uns zunächst steht. Und wenn wir diesen Einfluß verstehen wollen, der auf das Tierreich durch die Vorgänge der Sonnen- und Mondabspaltung geschah, dann bekommen wir aus der Geistesforschung folgenden Aufschluß.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Mensch war auf einer gewissen Stufe seiner Entwickelung, als&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|47}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sich die Sonne abgespalten hatte. Hätte er nun diese Stufe beibehalten müssen, die er während der Zeit hatte, als der Mond noch mit der Erde verbunden war, so hätte der Mensch seine gegenwärtige Organisation nicht erlangen können, er hätte einer gewissen Verödung und Verdorrung entgegengehen müssen. DieMondenkräfte mußten erst heraus- gehen. Daß diese menschliche Organisation möglich geworden ist, ist aber nur dem Umstande zu verdanken, daß der Mensch während der Zeit, als der Mond noch in der Erde war, sich eine Organisation bewahrt hatte, welche noch erweicht werden konnte; denn es wäre möglich gewesen, daß seine Organisation bereits so hart gewesen wäre, daß das Hinausgehen des Mondes nichts mehr genutzt hätte. Auf dieser Stufe, daß die Organisation noch erweicht werden konnte, standen tatsächlich nur die Menschenvorfahren. - Der Mond mußte also zu einer bestimmten Zeit hinausgehen. Was geschah nun bis zu dem Zeitpunkt, wo der Mond heraustrat?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die menschliche Organisation wurde immer gröber und gröber. Der Mensch hat zwar nicht ausgesehen wie Holz. Das wäre eine zu grobe Vorstellung. Es war die damalige Organisation trotz ihrer Grobheit immer noch feiner, als es die jetzige Organisation ist. Aber für die damalige Zeit war die Organisation des Menschen so grob, daß der geistigere Teil des Menschen, der auch dazumal in einer gewissen Weise abwechselnd mit dem physischen Leib zusammen und ohne ihn gelebt hat, in der Zeit zwischen Sonnen- und Mondaustritt endlich dahin gekommen war, daß er, wenn er wieder hat seinen physischen Leib aufsuchen wollen&amp;gt; diesen Leib durch die Vorgänge der Erde so dicht gefunden hat, daß er keine Möglichkeit mehr hatte, in ihn hineinzuziehen und ihn als Gehäuse zu benutzen. Daher geschah es auch, daß der geistig-seelische Teil vieler Menschenvorfahren von der Erde überhaupt Abschied nahm und für eine gewisse Zeit das Fortkommen suchte auf andern, zu unserem Sonnensystem gehörigen Planeten. Nur ein ganz geringer Teil der physischen Leiber war weiter brauchbar und rettete sich über diese Zeit hinüber. Das habe ich auch schon öfter dargestellt, daß die weitaus größte Zahl der Menschenseelen in den Himmelsraum hinauszogen, daß aber die fortlaufende Entwickelungsströmung festgehalten wurde von einem kleinen Teil, nämlich von denjenigen mensch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|48}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
lichen Seelen, die am robustesten waren und das alles ertragen und überwinden konnten. Diese robusten Seelen retteten die Entwickelung über die kritische Periode hinüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während dieses ganzenVorganges handelte es sich noch nicht eigentlich um das, was wir menschliche Ichheit, menschliche Individualität nennen. Es war noch mehr der Charakter derGattungsseele vorhanden. Die Seelen gingen, wenn sie sich zurückzogen, auf in die GattungsSeelenhaftigkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann kam der Mondaustritt, und damit war wieder die Möglichkeit gegeben, daß die menschliche Organisation verfeinert wurde, so daß sie die Seelen&amp;gt; welche sich früher hinweggeflüchtet hatten, wieder aufnehmen konnte. Und diese Seelen kamen nach und nach - bis in die atlantische Zeit hinein - wieder herunter und bezogen die menschlichen Leiber. Aber es waren immerhin gewisse Organisationen zurückgeblieben, die sich während der kritischen Zeit herausgebildet hatten. Fortgepflanzt hatten sie sich während dieser Zeit, nur konnten sie nicht Träger werden der menschlichen Seelenhaftigkeit. Es waren eben grobe Organisationen. Es hatten sich also dazumal neben jenen Organisationen, die sich später verfeinern konnten, solche erhalten aus der kritischen Erdenperiode. Diese wurden nun die Vorläufer einer gröberen Organisation, und dadurch kam es, daß neben jenen Organisationen, welche Träger von menschlichen Individualitäten werden konnten, auch solche Organisationen sich fortpflanzten, die nicht Träger menschlicher Individualitäten werden konnten und die die Nachkommen waren der von menschlichen Seelen verlassenen Organismen aus jener Zeit, als die Sonne schon fort und der Mond noch mit der Erde verbunden war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also sehen wir neben dem Menschen sich förmlich herausbilden ein Reich von Organismen, die durch das Beibehalten des Mondcharakters unfähig geworden waren, Träger menschlicher Individualitäten zu sein. Diese Organisationen sind im wesentlichen die, welche die Organisationen unserer heutigen Tiere wurden. Es könnte sonderbar erscheinen, daß diese gröberen Organisationen der heutigen Tiere nun doch wieder gewisse Fähigkeiten haben, welche sogar weisheitsvoll wirken können in der Welt, wie zum Beispiel in dem Biberbau. Das aber kann uns &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|49}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
erklärlich werden, wenn wir uns eben die Dinge nicht gar zu einfach vorstellen, sondern uns klar sind, daß gerade die Organisationen dieser Wesenheiten, welche nicht von menschlichen Seelen bezogen worden sind, die äußeren Einrichtungen de`s tierischen Baues, eines gewissen Nervenbaues und dergleichen ausgebildet hatten, die es möglich machten, sich mit den Gesetzen des Erdendaseins ganz in Einklang zu versetzen. Denn jeneWesenheiten, die nicht fähig geblieben waren, menschliche Seelen aufzunehmen, waren während der ganzen Zeit mit der Erde verbunden geblieben. Die andern Organisationen, die sich später verfeinert haben, so daß sie menschliche Individualitäten aufnehmen konnten, waren zwar auch zusammen mit der Erde; aber weil sie später Veränderungen eingehen mußten, als der Mond draußen war, haben sie gerade, was sie sich bis dahin angeeignet hatten, dadurch verloren, daß sie sich verfeinerten, daß sie diese Veränderungen eingehen mußten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also merken wir: Als sich der Mond getrennt hatte von der Erde, waren auf der Erde gewisse Organisationen, die sich einfach fortgepflanzt hatten in der geraden Linie, wie sie hatten entstehen müssen, solange der Mond mit der Erde früher verbunden war. Diese Organisationen waren grob geblieben, hatten sich die Gesetze, die sie hatten, bewahrt und waren in sich so fest geworden, daß, als der Mond heraus- gegangen war, mit ihnen keine Veränderung möglich war. Sie pflanzten sich einfach steif fort. Die andern Organisationen, die Träger von menschlichen Individualitäten wurden, mußten sich verändern, konnten sich nicht steif fortpflanzen. Sie veränderten sich so, daß jetzt hin- einwirken konnten die Wesenheiten, die in der Zwischenzeit gar nicht mit der Erde verbunden waren, die ganz woanders waren und sich erst wieder zusammenfügen mußten mit der Erde. - Da haben Sie den Unterschied zwischen jenen Wesenheiten, die den alten steifen Mondcharakter fortbewahrt hatten, und jenen, die sich verändert hatten. Worin bestand nun die Veränderung?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als die Seelen, die von der Erde fortgegangen waren, wieder zurückkamen und wieder Besitz ergriffen von den Leibern, fingen sie an, das Nervensystem, das Gehirn und so weiter umzubauen.Was sie als Kräfte hatten, das verwendeten sie gleichsam zum inneren Ausbau. An den andern Wesenheiten, die sich versteift hatten, konnte nichts mehr geändert&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|50}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
werden. Von diesen letzteren Organisationen nahmen jetzt andere Wesenheiten Besitz, die sich noch nicht darauf ein ließen, in die Organisation einzugreifen, die noch auf ihren früheren Stufen stehen- geblieben waren, die überhaupt nicht so weit kommen, daß sie in die inneren Organisationen hineinwirken, sondern die von außen wirken wie die tierischen Gattungsseelen. So erhielten diejenigen Organisationen, welche dazu geeignet waren, nach dem Mondaustritt die menschliche Seele; und diese Wesenheiten bearbeiteten dann die Organisation so, daß sie zu dem vollkommenen Menschenbau führte. Die während der Mondenzeit steif gebliebenen Organisationen konnten nicht mehr geändert werden. Von denen ergreifen jetzt Besitz jene Seelen, die überhaupt noch nicht so weit waren, in eine Individualität einzuziehen, die auf der Mondenstufe stehengeblieben waren, die alles ausgebildet hat- ten, was auf der Mondenstufe zu erreichen war, und die daher jetzt als Gattungsseelen von diesen Organisationen Besitz ergriffen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So erklärt sich uns der Unterschied zwischen Mensch und Tier aus den kosmischen Vorgängen heraus. Gerade durch die kosmischen Vorgänge bei der Erdentwickelung ergeben sich uns zweierlei Organisationen. Hätten wir bei dem Bau der unmittelbar unter dem Menschen stehenden Wesenheiten stehenbleiben müssen, so müßten wir jetzt mit unserem Ich die Erde umschweben, weil die Organisationen zu steif geworden sind. Wir könnten nicht herunter, und obwohl wir vollkommenere Wesen geworden sind, müßten wir da sein, wo die Organisationen der Gattungsseelen der Tiere sind. Da aber unsere Organisationen sich verfeinern konnten, so konnten wir in sie einziehen und sie als unsere Wohnplätze benutzen, das heißt, wir konnten in fleischliche Verkörperungen bis zur Erde hinuntersteigen. Die Gattungsseelen hatten kein Bedürfnis danach. Sie wirken von der geistigen Welt in die Wesen hinein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir sehen also in dem Tierreich, das uns umgibt, etwas, was wir heute auch wären, wenn wir eben nicht unsere Organisation der geschilderten Einrichtung verdankten. Fragen wir uns jetzt Wodurch sind denn die unter uns stehenden Tiere mit ihren versteiften Organisationen auf die Erde gekommen? - Durch uns selber sind sie herunter- gekommen! Sie sind die Nachkommen jener Körper, die wir nach dem &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|51}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mondaustritt nicht mehr beziehen wollten, weil sie zu grob geworden waren. Wir haben diese Körper zurückgelassen, um später andere zu finden.Wir hätten später andere nicht finden können, wenn wir damals jene ersten nicht verlassen hätten. Denn wir mußten nach dem Heraus- treten der Sonne auf der Erde unser Fortkommen suchen. - Da haben wir gerade den Vorgang, daß wir sozusagen unter uns zurückließen gewisse Wesenheiten, damit wir selber die Möglichkeit finden konnten, höher hinaufzukommen. Um höher zu kommen, mußten wir zu andern Planeten gehen und die Leiber da unten verkommen lassen. Was unten zurückgeblieben ist, dem verdanken wir in gewisser Beziehung das, was wir sind. Ja, wir können dieses «Verdanken» noch viel genauer schildem. Wir können uns fragen: Wie ist es denn überhaupt möglich geworden, daß wir während der kritischen Periode die Erde verlassen konnten? So ohne weiteres geht das ja nicht, daß ein Wesen hingehen kann, wo es will.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da trat während der Erdentwickelung zum ersten Male dasjenige ein, was wir wiederum den luziferischen Geistern verdanken. Die luziferischen Wesenheiten waren unsere Führer, die uns in der kritischen Periode von der Erdentwickelung hinweggenommen haben. Sie haben uns gleichsam gesagt: Da unten kommt jetzt eine kritische Zeit; da müßt ihr die Erde verlassen! - Die luziferischen Geister waren es, unter deren Führung wir die Erde verlassen haben, dieselben luziferischen Geister, die in unseren damaligen astralischen Leib das luziferische Prinzip, den Hang zu allem, was wir die Möglichkeit des Bösen in uns nennen, hineinbrachten, damit zugleich aber allerdings auch die Möglichkeit der Freiheit. Hätten sie uns damals nicht fortgenommen von der Erde, so wären wir immer gekettet geblieben an die Gestalt, die wir damals geschaffen hatten, und wir könnten jetzt die Gestalt höchstens von oben umschweben, würden sie aber niemals beziehen können. So nahmen sie uns fort und verbanden ihr eigenes Wesen mit unserem Wesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir das ins Auge fassen, wird es uns jetzt verständlich, daß wir, während wir fortgingen, die luziferischen Einflüsse aufnahmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Organisationen, welche dieses Schicksal nicht teilten, damals in ganz besondere Weltgebiete geführt zu werden, die mit der Erde verbunden blieben, die blieben unten ohne den luziferischen Einfluß. Sie &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|52}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
mußten mit uns die Erdenschicksale teilen - konnten aber nicht mit uns unser Himmelsschicksal teilen. Und als wir auf die Erde zurückkamen, hatten wir den luziferischen Einschlag in uns, nicht aber jene andern Wesen, und dadurch wurde es uns möglich, das Leben in einem physischen Körper und doch ein von dem physischen Körper unabhängiges Leben zu führen, so daß wir auch immer mehr und mehr unabhängig von dem physischen Körper werden konnten. Diese andern Wesen aber, die den luziferischen Einschlag nicht in sich hatten, stellten dar, was wir aus ihnen gemacht hatten, was unsere astralischen Leiber waren in der Zwischenzeit zwischen Sonnen- und Mondaustritt, also dasjenige, von dem wir uns befreiten. Wir schauen auf die Tiere und sagen: Alles, was die Tiere darstellen an Grausamkeit, an Gefräßigkeit, an allen tierischen Untugenden, neben der Geschicklichkeit, die sie haben, das hätten wir in uns, wenn wir sie nicht hätten aus uns heraussetzen können! - Wir verdanken die Befreiung unseres astralischen Leibes dem Umstande, daß alle gröberen astralischen Eigenschaften zurückgeblieben sind im Tierreich der Erde. Und wir können sagen: Wohl uns, daß wir das nicht mehr in uns haben: die Grausamkeit des Löwen, die List des Fuchses, daß es aus uns herausgezogen ist und außer uns ein selbständiges Dasein führt!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So haben die Tiere das mit uns gemeinschaftlich, was unser astralischer Leib ist, und haben dadurch die Möglichkeit, Schmerzen empfinden zu können. Aber sie haben gerade durch das, was jetzt gesagt worden ist, nicht die Möglichkeit erlangen können, durch den Schmerz und durch die Überwindung des Schmerzes immer höher und höher zu steigen. Denn sie haben keine Individualität. Dadurch sind die Tiere viel, viel übler daran als wir. Wir müssen die Schmerzen ertragen; aber jeder Schmerz ist für uns ein Mittel zur Vervollkommnung; indem wir ihn überwinden, steigen wir höher durch den Schmerz. Die Tiere haben wir zurückgelassen als etwas, was zwar die Schmerzfähigkeit schon hatte, aber noch nicht das, was sie über den Schmerz erheben konnte, wodurch sie den Schmerz überwinden. Das ist das Schicksal der Tiere. Sie zeigen uns unsere eigene Organisation auf der Stufe, da wir schmerzfähig waren, aber noch nicht durch Überwindung den Schmerz ins Heilsame für die Menschheit umwandeln konnten. So haben wir den &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|53}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tieren im Laufe der Erdentwickelung unser schlimmeres Teil gegeben, und sie stehen um uns herum als Wahrzeichen dessen, daß wir zu unserer Vervollkommnung kamen. Wir hätten den Bodensatz nicht los- bekommen, hätten wir nicht die Tiere zurückgelassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Solche Tatsachen müssen wir nicht als Theorien betrachten lernen, sondern mit kosmischem Weltengefühl. Wir müssen hinblicken auf die Tiere mit dem Gefühl: Da draußen seid ihr, Tiere. Wenn ihr leidet, leidet ihr etwas, was uns Menschen zugute kommt.Wir Menschen haben die Möglichkeit, das Leiden zu überwinden; ihr müßt das Leiden er- dulden. Wir aber haben euch das Leiden gelassen - und uns die Überwindung genommen!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn man dieses kosmische Gefühl aus der Theorie entwickelt, wird es zu dem umfassenden Mitgefühl mit der Tierwelt. Wo daher das kosmische Gefühl aus der Urweisheit der Menschheit entsproß, wo die Menschen sich noch bewahrt hatten eine Erinnerung an das Urwissen, das jedem aus dem dämmerhaften Hellsehen sagte, wie die Dinge einst lagen, da hatte man sich damit auch das Mitgefühl für die Tierwelt bewahrt, und da tritt das Mitgefühl für die Tiere in einem hohen Maße hervor. - Dieses Mitgefühl wird wiederkommen, wenn die Menschen sich angewöhnen werden, spirituelle Weisheit aufzunehmen, wenn die Menschen wiederum einsehen werden, wie das Menschheitskarma mit dem Weltenkarma verbunden ist. In den Zeiten, welche sozusagen Zeiten der Verdunkelung waren, in denen das materialistische Denken Platz griff, hat man von diesen Zusammenhängen keine rechte Ahnung haben können. Da blickte man nur auf das, was im Raume nebeneinander ist, ohne zu berücksichtigen, daß dieses, was nebeneinander im Raume ist, einen einheitlichen Ursprung hat und sich nur in der Entwickelung getrennt hat. Und da fühlte man natürlich auch nicht, was die Menschen mit den Tieren verbindet. Und auf allen Gebieten der Erde, wo man die Mission gehabt hat, zu überdecken das Bewußtsein vom Zusammenhange des Menschen mit der Tierwelt, wo an Stelle dieses Bewußtseins nur ein solches getreten ist, das sich auf den äußeren physischen Raum beschränkt, da hat der Mensch den Tieren das, was er ihnen verdankt, in einer eigenartigen Weise vergolten - indem er sie eben aufgegessen hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|54}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Dinge zeigen uns aber zugleich, wie Weltanschauungen zu- sammenhängen mit der menschlichen Empfindungs- und Gefühlswelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Empfindungen und Gefühle sind letzten Endes Folgen derWeltanschauungen, und wie sich die Weltanschauungen und Erkenntnisse ändern, so werden sich auch die Empfindungen und Gefühle innerhalb des Menschheitszusammenhanges ändern. Der Mensch konnte nicht anders, als sich höher entwickeln; er mußte andere Wesen in den Abgrund stoßen, um selbst höher zu steigen. Er konnte den Tieren nicht geben eine Individualität, die im Karma ausgleicht, was die Tiere leiden müssen; er konnte ihnen nur den Schmerz überliefern, ohne ihnen die&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
karmische Gesetzmäßigkeit des Ausgleiches geben zu können. Was er ihnen aber früher nicht geben konnte, das wird ihnen der Mensch einst geben,wenn er zur Freiheit und zum Selbstlos-Sein seiner Individualität gekommen ist. Dann wird er - in bewußter Weise - auch auf diesem Gebiet die karmische Gesetzmäßigkeit fassen und wird sagen: Den Tieren verdanke ich, was ich bin. Was ich den einzelnen tierischen Wesen nicht mehr geben kann, welche von einem Einzeldasein in ein Schattendasein hinuntergegangen sind, was ich sozusagen einstmals an den Tieren verschuldet habe, das muß ich jetzt an den Tieren wieder gutmachen durch die Behandlung, welche ich ihnen angedeihen lasse! - Daher wird mit dem Fortschreiten der Entwickelung durch das Bewußtsein der karmischen Verhältnisse auch wieder ein besseres Verhältnis des Menschen zum Tierreich eintreten, als es jetzt, besonders im Abendlande, vorhanden ist. Eine Behandlung der Tiere wird kommen, durch welche der Mensch die Tiere, die er hinuntergestoßen hat, wieder heraufzieht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So sehen wir Karma und Tierreich denn doch in einem gewissen Verhältnis zueinander. Was das Tier als Schicksal erlebt, das können wir, wenn wir nicht alles durcheinanderwerfen wollen, nicht mit dem menschlichen Karma vergleichen. Aber wenn wir die ganze Erdentwikkelung betrachten und was um der Menschheit und ihrer Entwickelung willen geschehen mußte, dann werden wir sehen, daß wir in der Tat von einer Beziehung des Menschheitskarma zu der Tierwelt sprechen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|55}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= DRITTER VORTRAG Hamburg, 18. Mai 1910 =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Solche Betrachtungen, wie wir sie heute und in den allernächstenTagen anzustellen haben, können sehr leicht einem gewissen Mißverständnis unterworfen sein. Wir werden es zu tun haben mit mancherlei Krankheits- und Gesundheitsfragen vom Gesichtspunkte des Karma, und bei der Gegensätzlichkeit unserer heutigen Zeitströmungen gerade auf diesem Gebiete könnte leicht eine mißverständliche Auffassung der geisteswissenschaftlichen Grundlagen Platz greifen,wenn dieses Kapitel - der Zusammenhang von Krankheit und Gesundheit mit dem Karma - berührt wird. Sie wissen ja, daß in den weitesten Kreisen die Diskussion mit ziemlicher Heftigkeit und Leidenschaftlichkeit wogt, wenn Gesundheits- und Krankheitsfragen in Betracht kommen. Es ist Ihnen ja allen bekannt, wie sehr von seiten der Laien sowohl als auch von seiten dieser oder jener Ärzte Partei ergriffen wird gegen das, was man die wissenschaftliche Medizin nennt. Auf der andern Seite kann leicht bemerkt werden, wie die Vertreter der wissenschaftlichen Medizin vielleicht gerade herausgefordert werden durch manchen ungerechten Angriff, so daß sie nicht nur in eine Art von Leidenschaft verfallen, wenn es sich darum handelt - was ihr gutes Recht ist -, einzutreten für das, was die Wissenschaft dazu zu sagen hat, sondern daß von dieser Seite heute auch ein zum Teil recht arger Kampf geführt wird gegen das, was von andern Gesichtspunkten als den in der offiziellen Medizin vertretenen irgendwie gesagt wird über das in Betracht kommende Gebiet. Theosophie oder Geisteswissenschaft wird nur dann ihren hohen Aufgaben gerecht werden können, wenn sie auf einem solchen, von Diskussionen vielfach verdunkelten Gebiet das unbefangene und objektive Urteil wahrt. Wer ähnliche Vorträge von mir gehört hat, wird wissen, wie wenig es mir darum zu tun ist, einzustimmen in den Chor, der heute das, was man als «Schulmedizin» bezeichnet, diskreditieren will.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von einem Einstimmen in diese oder jene Parteirichtung kann bei der Geisteswissenschaft auch nicht im entferntesten die Rede sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es darf vielleicht gerade bei dieser Gelegenheit eiirleitend betont&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|56}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
werden, daß die Leistungen in bezug auf die Tatsachen und tatsächlichen Erforschungen der Erscheinungen gerade auf dem Gebiet des Krankheitswesens und der Gesundheitsfragen der Menschheit in den letzten Jahren und Jahrzehnten wahrhaftig zu ebensolchem Lobreden, Anerkennen und Bewundern herausfordern wie zahlreiche andere naturwissenschaftliche Ergebnisse. Und von dem, was auf diesem Gebiete an Tatsächlichem geleistet worden ist, darf auch gesagt werden: Wenn sich irgend jemand freuen darf über das, was die Medizin in den letzten Jahren geleistet hat, so kann dies gerade die Geisteswissenschaft sein. Auf der andern Seite muß aber auch betont werden, was gerade für die Naturwissenschaft gilt, daß die Errungenschaften und tatsächlichen Erkenntnisse und Entdeckungen zuweilen recht wenig richtige und befriedigende Interpretationen und Erklärungen finden durch das, was heute wissenschaftliche Meinungen sind. Das ist ja das Hervorstechendste in unserer Zeit für viele Gebiete naturwissenschaftlicher Forschung, daß die Meinungen, die Theorien nicht gewachsen sind den zuweilen wunderbaren Tatsachenergebnissen. Und erst das Licht, das von der Geisteswissenschaft ausgeht, wird Klarheit über das bringen, was auf diesem Gebiet in den letzten Jahren errungen worden ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem das vorausgeschickt worden ist, wird es klar sein, daß es sich nicht um irgendwelches Einstimmen in billige Bekämpfung dessen handelt, was auf dem Gebiet der wissenschaftlichen Medizin heute geleistet werden kann. Dann darf aber auch gesagt werden, daß die bewundernswerten Tatsachen, die zutage getreten sind, nicht fruchtbar werden können in unserer Zeit zum Heile der Menschheit, weil auf der andern Seite geradezu materialistisch gefärbte Meinungen und TheorIen diese Fruchtbarkeit verhindern. Daher ist es für die Theosophie viel besser, daß sie anspruchslos das sagt, was sie zu sagen hat, als in irgendeinen Parteikampf einzugreifen. Es werden dadurch viel weniger die Leidenschaften aufgeregt werden, als sie es heute schon sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir überhaupt einen Gesichtspunkt gewinnen wollen zu den Fragen, die uns beschäftigen sollen, dann müssen wir uns damit bekanntmachen, daß die Ursachen zu irgendeiner Erscheinung in der inannigfaltigsten Weise gesucht werden müssen, nähere und entferntere Ursachen, und daß die Theosophie, wenn es sich darum handeln &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|57}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wird, karmische Ursachen zu Gesundheitsfragen zu suchen, es ein wenig zu tun haben wird mit den entfernteren Ursachen, die nicht an der Oberfläche liegen. Machen wir uns das durch einen Vergleich klar. Wenn Sie den Vergleich überdenken, werden Sie schon auf das kommen, was eigentlich gemeint ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen wir an, irgend jemand stehe auf dem Standpunkt, «wie wir es heute so herrlich weit gebracht haben» auf diesem Gebiete, und er verachte ganz die Meinungen, welche in den vergangenen Jahrhunderten über Gesundheit und Krankheit zutage getreten sind. Wenn Sie versuchen, einen Überblick über die Krankheits- und Gesundheitsfragen zu finden, werden Sie den Eindruck bekommen, daß die Darsteller eines solchen Gebietes gewöhnlich das Urteil haben: Was in den letzten zwanzig bis dreißig Jahren auf diesem Gebiete zutage getreten ist, das ist eine Art absoluter Wahrheit, die zwar ergänzt werden kann, aber nie ein solches absprechen des Urteil erfahren kann wie das, welches solche Beurteiler leider selbst abgeben über das meiste, was auf diesem Gebiete vorangegangen ist an menschlichem Sinnen und Trachten. Es wird zum Beispiel häufig gesagt: Wir finden gerade auf diesem Gebiete in den verflossenen Zeiten den krassesten Aberglauben -, und es werden dann recht abschreckende Beispiele angeführt, wie in den verflossenen Jahrhunderten versucht worden sei, dies oder das zu heilen. Insbesondere schlimm findet man, wenn man irgendwo auf Ausdrücke stößt, welche in der damaligen Bedeutung dem heutigen Bewußtsein längst verlorengegangen sind, sich aber dennoch in das heutige Bewußtsein eingeschlichen haben&amp;gt; und mit denen so, wie sie der heutige Mensch denkt, nichts anzufangen ist. So sagen einige: Da gab es Zeiten, in denen man eine jede Krankheit Gott oder dem Teufel zuschrieb! So schlimm, wie es solche Darsteller machen, liegt es deshalb nicht, weil sie nicht wissen, welcher Komplex von Anschauungen bei einem solchen Begriff ~Gott» oder «Teufel» gemeint war. Durch einen Vergleich können wir uns das klarmachen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen wir an, zwei Leute reden miteinander. Da erzählt der eine dem andern: Eben habe ich eine Stube gesehen, die ganz voller Fliegen ist. Nun sagt mir jemand, das sei ganz natürlich; und das glaube ich auch, denn die Stube ist sehr schmutzig, und dadurch finden die&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|58}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fliegen ihr Fortkommen. Es ist ganz erklärlich, daß man das als Grund für das Vorhandensein der Fliegen annimmt, und ich glaube auch, daß derjenige ganz recht hat, der da sagt, die Fliegen werden nicht mehr in der Stube sein, wenn man einmal gründlich reinemacht! - Nun hat aber ein anderer erzählt, daß er noch etwas anderes wüßte, warum so viele Fliegen in dem Zimmer wären; und die Ursache könne er nicht anders ,bezeichnen,als daß in jenem Zimmer seit langem eine grundfaule Hausfrau hause. - Aber nun sieh einmal, was das für ein grenzenloser Aber- glaube ist: daß die Faulheit wie eine Art Persönlichkeit sei, die nur zu winken brauchte, und dann kämen die Fliegen herein! Da ist die andere Erklärung doch richtiger, die das Vorhandensein der Fliegen durch den angehäuften Schmutz erklärt!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nicht viel anders ist es auf einem andern Gebiete, wenn man sagt: Es ist jemand von einer Krankheit befallen, da er eben eine Infektion durch irgendeine Bazillenart erhalten hat; treibt man die Bazillen aus, so Ist die Heilung da. Nun reden aber da noch Leute von irgendeiner geistigen Ursache, die tiefer liege! Man braucht doch nichts anderes zu tun, als die Bazillen fortzutreiben! - Es ist nicht mehrAberglaube, von einer geistigen Ursache zu sprechen bei Erkrankungen, doch alles übrige anzuerkennen, als in dem Falle, wo die Ursache für das Dasein der Fliegen in einer grundfaulen Hausfrau gesehen wird. Und man braucht nicht zu wettern, wenn man sagt: Die Fliegen werden nicht mehr da sein, wenn einmal reinegemacht wird. Nicht darum handelt es sich, daß der eine den andern bekämpft, sondern daß man lernt, sich gegenseitig zu verstehen und einzugehen auf das, was der eine will und was der andere will. Das muß man durchaus berücksichtigen, wenn von den unmittelbar naheliegenden Ursachen mit Recht gesprochen wird und wenn von den entfernteren Ursachen gesprochen wird. Der objektive Theosoph wird sich durchaus nicht auf den Standpunkt stellen, daß die Faulheit nur eine Art von Wink zu geben brauche, damit die Fliegen in das Zimmer kommen; er wird wissen, daß auch andere materielle Dinge dabei in Betracht kommen, daß aber alles, was materiell zum Ausdruck kommt, seine geistigen Hintergründe hat und daß diese geistigen Hintergründe zum Heile der Menschheit gesucht werden müssen. Diejenigen aber, welche in den Kampf gern einstimmen möchten, die sollen &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|59}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
auch daran erinnert werden, daß die geistigen Ursachen nicht immer in derselben Weise aufgefaßt werden dürfen und auch nicht in der gleichen Art bekämpft werden können wie die gewöhnlichen materiellen Ursachen. Und man darf auch nicht denken, daß man durch das Bekämpfen der geistigen Ursachen enthoben wäre der Bekämpfung der materiellen Ursachen; denn sonst könnte man die Stube schmutzig lassen und brauchte nur gegen die Faulheit der Hausfrau zu Felde zu ziehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir nun das Karma betrachten, müssen wir sprechen von Zusammenhängen zwischen Ereignissen, wie sie im Menschenleben eintreten in einer früheren Zeit und wie sie ihre Wirkung auf dasselbe Menschenwesen zeigen in einer späteren Zeit. Wenn wir sprechen von Gesundheit und Krankheit vom Gesichtspunkte des Karma aus, so heißt das nichts anderes als: Wie können wir uns vorstellen, daß der gesunde oder kranke Zustand eines Menschen seine Begründung findet in früheren Taten, Verrichtungen und Erlebnissen dieses Menschen? Und wie können wir uns vorstellen, daß sein gegenwärtiger Gesundheits- oder Krankheitszustand mit zukünftigen Wirkungen, die auf dasselbe esen zurückfallen, im Zusammenhang steht?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am liebsten wird der heutige Mensch überhaupt glauben, daß eine Krankheit mit den allernächsten Ursachen nur im Zusammenhange stehe. Denn der Grundnerv unserer heutigen Weltanschauung auf allen Gebieten ist ja der, daß man Bequemlichkeit sucht; und stehenbleiben bei den allernächsten Ursachen ist eine bequeme Sache. Daher werden gerade in bezug auf Erkrankungen nur die allernächsten Ursachen berücksichtigt - und am meisten geschieht das von den Kranken selbst. Denn wie wäre es zu leugnen, daß die Kranken selbst veranlaßt sind, solche Bequemlichkeit zu üben? Aus diesem Umstande heraus ergibt sich so viel Unzufriedenheit, wenn ein solcher Glaube existiert, die Krankheit müsse die allernächsten Ursachen haben, welche von dem kundigen Arzt gefunden werden müssen; und wenn der Arzt dann nicht helfen kann, hat er irgend etwas verpfuscht. Aus dieser Bequemlichkeit des Urteils gebt vieles von dem hervor, was heute auf diesem Gebiete gesagt wird. Wer Karma in seinen weitverzweigten Wirkungen zu betrachten versteht, der wird immer mehr seinen Blick erweitern von dem, was heute geschieht, zu Ereignissen, die verhältnismäßig sehr &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
weit zurückliegen. Und er wird vor allen Dingen die Überzeugung gewinnen, daß eine durchgreifende Erkenntnis eines Sachverhaltes, der den Menschen trifft, nur möglich ist, wenn man den Blick erweitern kann über das, was weiter zurückliegt. Insbesondere beim erkrankten Menschen ist das der Fall.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir vom kranken und auch vom gesunden Menschen sprechen, drängt sich uns die Frage auf die Lippen: Wie können wir uns von dem Kranksein überhaupt einen Begriff machen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn die geisteswissenschaftlicheForschung direkt vorgeht und den hellseherischen Blick zu Hilfe nimmt, wird sie immer, wenn es sich um Erkrankungen des Menschen handelt, Unregelmäßigkeiten bemerken, nicht nur im physischen Leibe des Menschen, sondern auch in den höheren Wesensgliedern des Menschen, im Ätherleibe und im astralischen Leibe. Und der hellseherische Forscher wird bei einem Krankheitsfall immer in Betracht ziehen müssen&amp;gt; welches in dem betreffenden Falle der Anteil sein kann des physischen Leibes auf der einen Seite und des Ätherleibes und des astralischen Leibes auf der andern Seite; denn alle drei Wesensglieder des Menschen können an der Erkrankung beteiligt sein. Nun entsteht die Frage: Welche Vorstellungen können wir über das Wie der Krankheit gewinnen? - Dem kommt man am leichtesten bei, wenn man in Betracht zieht, wieweit man den Begriff «Krankheit» überhaupt ausdehnen darf. Diejenigen, die gern in allerlei allegorisch-symbolischen Begriffen sprechen, auch da, wo sie nicht hin- gehören, denen mag es überlassen bleiben, wenn sie auch bei Mineralien oder Metallen von Erkrankungen sprechen, indem sie zum Beispiel sagen, wenn der Rost das Eisen frißt, sei das eine Krankheit des Eisens. Man muß sich dabei nur darüber klar sein, daß man durch solche abstrakten Begriffe zu einem wirklichen gedeihlichen Erfassen des Lebens nicht kommen kann; man kann nur kommen zu einer Art spielerischen Erkenntnis des Lebens, nicht aber zu einem Erkennen, das wirklich eingreift in die Tatsachen.Wer zu einem realen Krankheitsbegriff und auch zu einem realen Gesundheitsbegriff kommen will, muß sich hüten, davon zu sprechen, daß Mineralien und Metalle auch erkranken können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun ist die Sache schon anders, wenn wir ins Pflanzenreich hinaufgehen. Da dürfen wir gewiß von Erkrankungen der Pflanzen sprechen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Aber gerade Pflanzenkrankheiten sind für das reale Erfassen der Vorstellung «Krankheit» von einem ganz besonderen Interesse und von ganz besonderer Wichtigkeit. Bei Pflanzen wird man, wenn man wieder nicht spielerisch zu Werke geht, nicht leicht sprechen können von inneren Krankheitsursachen. In demselben Maße,wie man bei Tier und Mensch von inneren Krankheitsursachen sprechen kann, kann man bei Pflanzen nicht davon sprechen. Die Erkrankungen im Pflanzenreiche werden Sie immer zurückzuführen haben auf äußere Veranlassungen, auf diese oder jene schädlichen Einflüsse des Bodens, ungenügende Belichtungen, auf diese oder jene Wirkungen des Windes und auf sonstige elementare und Naturwirkungen. Oder Sie werden solche Erkrankungen von Pflanzen zurückzuführen haben auf Einflüsse von Parasiten, die sich an die Pflanzen heranmachen und sie schädigen. Und wir werden innerhalb des Pflanzen reiches mit Recht davon sprechen, daß der Begriff «innere Krankheitsursache» im Grunde gar keine Berechtigung hat. - Es ist natürlich nicht möglich, da ich nicht ein halbes Jahr über dieses Thema sprechen kann, daß ich mit unzähligen Belegen versehe, was ich jetzt angedeutet habe. Aber je tiefer wir in die Pflanzenpathologie eindringen, desto mehr werden wir sehen, daß von dem Begriff «innere Krankheitsursache» bei den Pflanzen nicht die Rede sein kann, sondern daß es sich da um äußere Veranlassungen und Schädigungen, um äußere Einflüsse handelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun haben wir in der Pflanze, wie sie uns zunächst in der äußeren Welt entgegentritt, ein Wesen vor uns, das uns ein Gefüge von einem physischen Leibe und einem Atherleibe zeigt. Und wir haben damit zugleich ein Wesen vor uns, das uns sozusagen aufmerksam darauf macht, daß ein solches Wesen mit physischem Leib und Ätherleib im Grunde dem Prinzip nach gesund ist und daß es warten muß, bis es eine äußere Schädigung erfährt, wenn es krank werden soll. Damit stimmt auch durchaus der geisteswissenschaftliche Tatbestand.Während wir durch die Methoden der hellseherischen Forschung im Tier- und Menschenreich bei Erkrankungen ganz entschieden im Inneren des Wesens - in den übersinnlichen Teilen - Veränderungen erblicken, können wir innerhalb einer erkrankten Pflanze niemals davon sprechen, daß der ursprüngliche Ätherleib selber verändert wäre, sondern nur &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|62}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
davon, daß sich von außen allerlei Störungen und schädliche Einflüsse in den physischen Leib und namentlich in den Ätherleib hineingedrängt haben. Der geisteswissenschaftliche Tatbestand rechtfertigt durchaus das, was wir als allgemeinen Schluß gewinnen: daß in dem, was bei den Pflanzen in Betracht kommt - nämlich physischer Leib und Ätherleib -, etwas ursprünglich Gesundes vorliegt. Aber etwas anderes ist es, wie die Pflanze imstande ist, wenn sie äußere Schädigungen erfährt, alles mögliche aufzuwenden, um in Wachstum und Entwickelung sich gegen die Schädigungen zu wehren, sich zu heilen. Beobachten Sie einmal, wenn Sie eine Pflanze anschneiden, wie sie versucht, die beschädigte Stelle zu umwachsen, zu umgehen, was ihr da im Wege liegt und sie schädigt. Und wir können es fast mit Händen greifen,wie in der Pflanze eine innere Abwehr, eine Heilkraft vorhanden ist, wenn eine äußere Schädigung eintritt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So sehen wir, daß wir in dem Ätherleib und physischen Leib der Pflanze etwas vor uns haben, was imstande ist, mit inneren Heilkräften zu antworten auf äußere Schädigungen. Das ist eine außerordentlich wichtige Tatsache, wenn man auf diesem Gebiete zur Klarheit kommen will. Ein Wesen wie die Pflanze mit physischem Leibe und Ätherleib zeigt uns also nicht nur, daß der physische Leib und der Ätherleib ursprünglich Prinzipien der Gesundheit in sich haben, soviel notwendig ist zur Entwickelung und zum Wachstum des betreffenden Wesens, sondern es zeigt uns ein solches Wesen sogar, daß ein Überschuß vorhanden ist von solchen Kräften, die sich in den Heilkräften ausleben können, wenn von außen Schädigungen kommen. - Woher müssen denn diese Heilkräfte stammen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn Sie in einen bloß physischen Körper hineinschneiden, wird die Schädigung bleiben. Er wird aus sich heraus nichts tun können, um die Schädigung sozusagen zu heilen. Deshalb können wir bei einem bloß physischen Körper nicht von einer Erkrankung sprechen, und am wenigsten davon,daß Krankheit und Heilung in Beziehung zueinander stehen können. Das können wir am besten sehen, wenn eine Krankheit bei einer Pflanze zutage tritt. Da haben wir das Prinzip der inneren Heilkraft zu suchen im Ätherleibe. Das zeigt wiederum im eminentesten Maße der geisteswissenschaftliche Tatbestand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|62}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
davon, daß sich von außen allerlei Störungen und schädliche Einflüsse in den physischen Leib und namentlich in denÄtherleib hineingedrängt haben. Der geisteswissenschaftliche Tatbestand rechtfertigt durchaus das, was wir als allgemeinen Schluß gewinnen: daß in dem, was bei den Pflanzen in Betracht kommt - nämlich physischer Leib und Ätherleib -, etwas ursprünglich Gesundes vorliegt. Aber etwas anderes ist es, wie die Pflanze imstande ist, wenn sie äußere Schädigungen erfährt, alles mögliche aufzuwenden, um in Wachstum und Entwickelung sich gegen die Schädigungen zu wehren, sich zu heilen. Beobachten Sie einmal, wenn Sie eine Pflanze anschneiden, wie sie versucht, die beschädigte Stelle zu umwachsen, zu umgehen, was ihr da im Wege liegt und sie schädigt.Und wir können es fast mit Händen greifen,wie in der Pflanze eine innere Abwehr, eine Heilkraft vorhanden ist, wenn eine äußere Schädigung eintritt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So sehen wir, daß wir in dem Ätherleib und physischen Leib der Pflanze etwas vor uns haben, was imstande ist, mit inneren Heilkräften zu antworten auf äußere Schädigungen. Das ist eine außerordentlich wichtige Tatsache, wenn man auf diesem Gebiete zur Klarheit kommen will. Ein Wesen wie die Pflanze mit physischem Leibe und Ätherleib zeigt uns also nicht nur, daß der physische Leib und der Ätherleib ursprünglich Prinzipien der Gesundheit in sich haben, soviel notwendig ist zur Entwickelung und zum Wachstum des betreffenden Wesens, sondern es zeigt uns ein solches Wesen sogar, daß ein Überschuß vorhanden ist von solchen Kräften, die sich in den Heilkräften ausleben können, wenn von außen Schädigungen kommen. - Woher müssen denn diese Heilkräfte stammen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn Sie in einen bloß physischen Körper hineinschneiden, wird die Schädigung bleiben. Er wird aus sich heraus nichts tun können, um die Schädigung sozusagen zu heilen. Deshalb können wir bei einem bloß physischen Körper nicht von einer Erkrankung sprechen, und am wenigsten davon, daß Krankheit und Heilung in Beziehung zueinander stehen können. Das können wir am besten sehen, wenn eine Krankheit bei einer Pflanze zutage tritt. Da haben wir das Prinzip der inneren Heilkraft zu suchen im Ätherleibe. Das zeigt wiederum im eminentesten Maße der geisteswissenschaftliche Tatbestand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|63}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denn um die Wunde einer Pflanze herum beginnt der Ätherleib der Pflanze ein viel regeres Leben, als er vorher dort entfaltete. Er bringt ganz andere Formen aus sich heraus, entwickelt ganz andere Strömungen. Das ist das außerordentlich Interessante, daß wir geradezu älen Ätherieib der Pflanze herausfordern zu einer erhöhten Tätigkeit, wenn wir der Pflanze in bezug auf den physischen Leib eine Schädigung bei- bringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit haben wir zwar nicht den Begriff der Krankheit definiert; aber wir haben etwas getan, um zum Wie der Krankheit zu kommen, und wir haben etwas erreicht, was uns eine Ahnung verschafft über das innere Wie der Heilung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt gehen wir einmal - immer am Leitfaden der inneren, hellseherischen Beobachtung - weiter und versuchen wir, die äußeren Erscheinungen vernunftgemäß zu begreifen, zu denen uns die Geisteswissenschaft führt. Dann können wir jetzt aufsteigen von den Schädigungen, welche wir Pflanzen beibringen, zu gewissen Schädigungen, welche wir Tieren beibringen, die also Wesen sind, die schon einen astralischen Leib haben. Wenn wir da im groben Sinne zu Werke gehen, so werden wir sehen, daß wir bei den höheren Tieren verhältnismäßig sehr wenig - und immer weniger, je höher das Tier steht - von dem erblicken können, was bei den Pflanzen in umfassendem Maße hervortritt: nämlich jenes Antworten des Ätherleibes auf äußere Schädigungen. Wenn wir grobe Schädigungen dem physischen Leibe eines niederen oder auch eines höheren Säugetieres beibringen, reißen wir zum Beispiel einem Hunde ein Bein aus oder dergleichen, dann werden wir finden, daß der Ätherleib des Hundes nicht so leicht mit seiner Heilkraft antworten kann, wie der Atherleib der Pflanze antwortet auf eine Schädigung, die in ahnlicherWeise der Pflanze zugefügt worden ist. Aber auch im Tierreich ist das noch in großem Maße zu sehen. - Nehmen wir an, wir steigen hinunter bis zu ganz niedrigen tierischen Wesen, zu den Tritonen oder ähnlichen. Solche niederen Tierwesen können Sie zerschneiden; schneiden wir einem solchenWesen gewisse Organe ab, so ist das, könnte man sagen, dem Tiere gar nicht besonders unangenehm. Die Organe wachsen mit großer Schnelligkeit wieder nach, und das Tier sieht bald wieder so aus wie früher. Da ist etwas Ähnliches wie bei der Pflanze &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|64}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
geschehen: Wir haben eine gewisse Heilkraft im Ätherleibe herausgefordert. Wer würde leugnen, daß die Herausforderung, Heilkräfte im Ätherleib zu entwickeln, beim Menschen oder beim höheren Tier eine erhebliche Gefährdung der Gesundheit bedeuten würde? Das niedere Tier dagegen wird in seinem Ätherleibe nur herausgefordert, ein an- deres Glied aus seinem Inneren durch seinen Ätherleib herauswachsen zu lassen. Nun steigen wir etwas weiter hinauf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir jetzt zum Beispiel bei Krebsen ein Glied abschneiden, so sind die Krebse nicht sogleich imstande, ein anderes Glied aus sich her- auswachsen zu lassen. Aber wenn sie sich das nächste Mal häuten,wenn sie bei der nächsten Übergangsstufe ihres Lebens ankommen, dann schon treibt für das abgebrochene Glied ein Stumpf heraus; beim zweitenmal wird er schon größer sein, und wenn sich das Tier genügend oft häuten würde, so würde das Glied ersetzt werden durch ein neues. - Da haben Sie die Erscheinung, daß in solchem Ätherleib schon mehr dazu gehört, damit die innere Heilkraft herausgefordert wird. Und bei den höheren Tieren ist das nun gar nicht mehr in diesem Maße der Fall. Wenn wirein höheres Tier verstümmeln, kann es zunächst nicht diese Heilkraft aus seinem Ätherleibe heraus aufbringen. Aber es muß immer wieder betont werden,was heute in einen bedeutsamen naturwissenschaftlichen Streit hineinspielt: Wenn Sie das Tier verstümmeln, und das Tier hat Nachkommen, so übertragen sich diese Verstümmelungen nicht auf die Nachkommen; die nächste Generation hat wieder die vollen Glieder. Wenn der Ätherleib seine Eigenschaften auf die Nachkommen überträgt,wird er wieder angeregt, einen vollständigen Organismus heraus zusetzen. Beim Tritonen wirkt der Ätherleib noch in demselben Tiere, beim Krebs erst in der Häutung; bei den höheren Tieren tritt dasselbe erst bei den Nachkommen ein; da ersetzt der Ätherleib,was in der vor hergehenden Generation verstümmelt worden ist. Wir müssen also solche Erscheinungen in der Natur gradweise betrachten, dann wird es uns klarwerden, daß selbst dann noch von einer Heilkraft im Ätherleibe gesprochen werden muß, wenn die Vererbungen von den Vorfahren auf die Nachkommen gehen, und daß der Ätherleib sich so vererbt, daß er wieder das ganze, ungeteilte Tier hervorbringt. Da haben Sie sozusagen ein Aufsuchen des Wie der Heilkräfte im Ätherleib.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|65}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun können wir die Frage aufwerfen:Woran liegt es denn, je weiter wir in der Tierreihe hinaufsteigen - und wenn wir das Menschen reich äußerlich betrachten, gilt das auch -, daß der Ätherleib immer mehr Anstrengungen machen muß, um überhaupt die Heilkräfte herauszubekommen? - Das liegt daran, daß der Ätherleib in der verschiedensten Weise mit dem physischen Leibe verbunden sein kann. Es gibt zwischen dem physischen Leibe und dem Ätherleibe sozusagen eine innigere Gemeinschaft und eine losere. Nehmen wir zum Beispiel ein niederes Tier, den Triton, bei dem ein abgeschnittenes Glied sich sogleich wieder ansetzt. Da müssen wir eine lose Verbindung annehmen zwischen Ätherleib und physischem Leib. Und in noch höherem Maße gilt das bei der Pflanzenwelt. Da müssen wir sagen: Die Verbindung ist eine derartige, daß der physische Leib nicht imstande ist, auch auf den Ätherleib zurückzuwirken, so daß der Ätherleib ungeschoren bleibt durch das, was im physischen Leibe geschieht, und daß der Ätherleib in gewisser Beziehung unabhängig ist vom physischen Leibe. Nun ist das Wesen des Ätherleibes das des Tätigseins, des Hervorbringens, des Wachstumförderns. Er fördert das Wachstum bis zu einer bestimmten Grenze. In dem Augenblick, da wir bei Pflanzen oder niederen Tieren ein Glied abschneiden, ist der Ätherleib gleich wieder bereit, das Glied zu ergänzen, das heißt, die volle Tätigkeit zu entfalten. Was muß aber vorliegen, wenn er die volle Tätigkeit nicht entfalten kann? Dann müßte er mehr gebunden sein an die Tätigkeit des betreffenden Gliedes. Und&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
das ist in der Tat bei den höheren Tieren der Fall. Da ist eine viel innigere, dichtereVerbindung zwischen Ätherleib und physischem Leib vorhanden. Wenn der physische Leib seine Formen ausbildet, wirken diese Formen - also was in der physischen Natur ist - wieder zurück auf den Ätherleib.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir anschaulich sprechen wollen: Bei ganz niederen Tieren oder bei Pflanzen wirkt das, was draußen ist, nicht zurück auf den Atherleib, läßt ihn ungeschoren, führt ein selbständiges Dasein. Sobald wir zu höheren Tieren kommen, drängen die Formen des physischen Leibes rückwärts sich dem Ätherleibe auf; da ist der Ätherleib ganz angepaßt dem physischen Leibe, und wir verletzen mit dem physischen Leibe zugleich den Ätherleib. Dann muß natürlich derÄtherleib tiefere &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Kräfte anwenden, weil er zuerst sich selber wieder herstellen muß - und dann erst die betreffenden Gliedmaßen. Daher müssen wir an tiefere Heilkräfte appellieren,wenn wir an denÄtherleib eines höheren Tieres herangehen. Womit hängt das aber zusammen? Warum ist der Ätherleib eines höheren Tieres so abhängig von den Formen des physischen Leibes?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Je weiter wir in der Tierreihe vorschreiten, um so mehr haben wir zu berücksichtigen nicht nur die Tätigkeit des physischen Leibes und des Ätherleibes, sondern auch die des astralischen Leibes. Der astralische Leib kommt bei den niederen Tieren in seiner Wirksamkeit noch außerordentlich wenig in Betracht. Daher haben die niederen Tiere noch so viel Pflanzenähnliches. Je höher wir hinaufsteigen, desto mehr kommt der astralische Leib in Betracht. Der wirkt aber nun so, daß er den Ätherleib von sich abhängig macht. EinWesen wie die Pflanze, das nur physischen Leib und Ätherleib hat, hat mit der Außenwelt wenig zu tun; es werden Reize ausgeübt, aber die drücken sich nicht aus in inneren Vorgängen. Wo dagegen ein astralischer Leib wirksam ist, da spiegeln sich die äußeren Eindrücke in inneren Vorgängen. Ein Wesen, das den astralischen Leib nicht wirksam hat, ist innerlich mehr abgeschlossen der Außenwelt gegenüber. Es öffnet sich ein Wesen um so mehr der Außenwelt, als der astralische Leib wirksam ist. Also verbindet der astralische Leib das Innere eines Wesens mit der Außenwelt. Die zunehmende Wirksamkeit des astralischen Leibes macht, daß der Ätherleib viel stärkere Kräfte aufwenden muß, um auftretende Schädigungen wieder auszugleichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir aber jetzt hinaufsteigen vom Tier zum Menschen, ist noch etwas anderes zu berücksichtigen. Da werden in diesen astralischen Leib nicht nur hineingeprägt, hineingetragen die vorgeschriebenen Verrichtungen, wie es mehr beim Tiere der Fall ist: das Tier lebt mehr mit einer gebundenen Marschroute, lebt mehr mit einem gebundenen Lebensprogramm. Sie werden nicht leicht beim Tiere davon sprechen können, daß es in besonderem Maße gegenüber seinen Instinkten ausschwcifend wäre oder sich mehr in seinen Instinkten der Mäßigkeit hingeben könne. Es folgt seinem Lebensprogramm. Was sich beim Tier ausdrückt, ist einer Art von typischem Programm unterworfen. Der &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Mensch aber ist in der Lage, gerade dadurch, daß er höher hinaufgestiegen ist in der Stufenleiter der Entwickelung, alle möglichen Unterschiede - zwischen Richtig und Unrichtig, Wahrheit und Lüge, Gut und Böse - auszuleben. In der verschiedensten Weise kommt er durch nur individuelle Anlässe mit der Außenwelt in Berührung. Alle diese Arten von Berührungen fallen zurück, machen Eindruck auf seinen astralischen Leib. Und die Folge ist, daß auch die Wechselwirkung zwischen astralischem Leib und Ätherleib jetzt nach diesen äußeren Erlebnissen ausfallen muß. Wenn also ein Mensch in irgendeiner Beziehung ein ausschweifendes Leben führt, so bedeutet das einen Eindruck auf seinen astralischen Leib. Wir haben aber gesehen, daß der astralische Leib wieder den Ätherleib beeinflußt - wie, das wird ab- hängen von dem, was in den astralischen Leib hineingelegt worden ist. Daher werden wir jetzt verstehen können, daß der Ätherleib des Menschen geändert wird, je nachdem der Mensch dieses oder jenes Leben führt in den Grenzen von Gut und Böse, Richtig oder Unrichtig, von Wahrheit oder Lüge und so weiter. Das übt einen Einfluß auf den Ätherleib des Menschen aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun erinnern wir uns, wie die Vorgänge sind, wenn der Mensch durch die Pforte des Todes tritt. Wir wissen, daß der physische Leib abgelegt wird und daß zurückbleibt der Ätherleib, der nun mit dem astralischen Leib und dem Ich verbunden ist.Wenn nun nach dem Tode eine Zeit vergangen ist, die sich nur nach Tagen bemißt, wird das Hauptsächlichste des Ätherleibes als ein zweiter Leichnam abgeworfen; es bleibt jedoch ein Extrakt des Ätherleibes zurück, der mitgenommen wird und erhalten bleibt für alle kommenden Zeiten. In diesem Extrakt des Ätherleibes ist nun alles wie in einer Essenz darinnen, was im Leben hineingekommen ist zum Beispiel von einem ausschweifenden Leben, oder was der Mensch aufgenommen hat als das Ergebnis eines richtigen oder unrichtigen Denkens, Handelns und Fühlens. Das enthält der Ätherleib, und das nimmt der Mensch mit in die Zeit bis zur neuen Geburt. Weil das Tier solche Erlebnisse überhaupt nicht hat, kann es natürlich nichts in derselbenWciöse hinter die Pforte des Todes hinüberbringen. Wenn nun der Mensch wieder durch eine Geburt ins Dasein tritt, ist die Essenz seines früheren Ätherleibes etwas, was sich wieder &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
hineinergießt in seinen neuen Ätherleib, was den neuen Ätherleib beim Aufbau durchdringt. Daher hat der Mensch in seinem neuen Dasein im Ätherleib darinnen die Ergebnisse dessen, wie er im früheren Leben gelebt hat. Und da der Ätherleib der Auferbauer ist einer ganz neuen Organisation nach einer neuen Geburt, so prägt sich das jetzt alles auch in seinen physischen Leib hinein. Warum kann sich das in den physischen Leib hineinprägen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die geisteswissenschaftliche Forschung zeigt uns, daß wir in der Form eines Menschenleibes, der durch die Geburt ins Dasein tritt, ungefähr sehen können, welche Taten der Mensch in einem früheren Leben verrichtet hat. Aber werden wir auch eine ganz vernunftgemäße Erklärung finden für das, was sich uns dargestellt hat als abnehmende Heilkraft in der aufsteigenden Entwickelungsreihe der Tiere? Da wir bei einem Tiere nicht-davon sprechen können, daß es bei seiner Geburt eine wiederverkörperte Individualität aus einem früheren Erdendasein mitbringt, so werden wir nur den allgemeinen astralischen Leib dieser Tiergattung wirksam finden, und der wird bei diesem Tier die Heilkräfte des Ätherleibes beschränken. Beim Menschen aber finden wir, daß nicht nur sein astralischer Leib, sondern auch sein Ätherleib imprägniert ist mit den Ergebnissen der Taten des vorhergehenden Lebens. Und weil der Ätherleib für sich die Kraft hat, das hervorzubringen, was er von früher her in sich hat, so werden wir auch begreifen, daß er, wenn jetzt eine andere Kraft in ihm auftritt, auch imstande sein wird, in den ganzen Aufbau der Organisation das hineinzulegen, was er aus früheren Verkörperungen sich mitbringt. Und wir werden j`etzt verstehen, wie hinüberw`irken können unsere Taten aus einem Leben in unseren Gesundheitszustand in dem nächsten Leben und wie wir in unserem Gesundheitszustande vielfach eine karmische Wirkung unserer Taten aus einem vorhergehenden Leben zu suchen haben. Wir können aber noch auf eine andere Weise der Sache beikommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir können fragen: Wirkt nun alles, was wir in dem Leben zwischen Geburt und Tod verrichten, in gleicher Art zurück auf unseren Ätherleib? - Schon im gewöhnlichen Leben können Sie einen gewaltigen Unterschied wahrnehmen zwischen dem Zurückwirken dessen, was wir als bewußte Menschen erleben, und mancherlei andern Erlebnissen auf &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
unsere eigentliche innere Organisation. Da ergibt sich eine höchst interessante Tatsache, die durch die Geisteswissenschaft so recht aufgeklärt werden kann, die aber auch ganz vernunftgemäß zu begreifen ist. Der Mensch hat im Verlaufe seines Lebens eine ganze Summe von Erlebnissen, welche er bewußt aufnimmt und mit seinem Ich verbindet. Die werden in ihm zu Vorstellungen, und er verarbeitet diese Vorstellungen. Aber nun besinnen Sie sich einmal, wie unendlich viele Erlebnisse, Erfahrungen und Eindrücke es gar nicht bis zur Vorstellung bringen und eigentlich doch im Grunde beim Menschen da sind und auf ihn wirken. Es wird Ihnen oft passieren, daß Ihnen jemand sagt: Ich habe dich heute auf der Straße gesehen; du hast mich sogar angeschaut! - und Sie wissen gar nichts davon. So ist es vielfach. Eindruck hat so etwas natürlich gemacht. Ihr Auge hat zwar den andern gesehen; aber der unmittelbare Eindruck ist nicht bis zur Vorstellung gekommen. - Solcher Eindrücke gibt es unzählige, sodaß unser Leben eigentlich in zwei Teile zerfällt: in eine solche Lebensseelenreihe, welche aus bewußten Vorstellungen besteht, und in eine solche, welche wir niemals ganz zum klaren Bewußtsein gebracht haben. Aber es sind noch weitere Unterschiede: Sie werden leicht unterscheiden können zwischen solchen Eindrücken, die Sie in Ihrem Leben gehabt haben und die für Sie zu erinnern sind, also Eindrücke, die so auf Sie gemacht worden sind, daß sie immer in die Erinnerung hineinfallen können; und Sie werden solche Eindrücke gehabt haben, an welche Sie sich nicht erinnern können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also unser Seelen leben zerfällt in ganz verschiedene Kategorien. Und es ist tatsächlich ein ganz beträchtlicher Unterschied zwischen den verschiedenen Kategorien, wenn wir die Wirkung auf das innere Wesen des Menschen betrachten. - Bleiben wir jetzt für ein paar Minuten beim Leben des Menschen zwischen Geburt und Tod. Wenn wir da genau beobachten, zeigt sich uns, daß ein gewaltiger Unterschied ist zwischen denjenigen Vorstellungen, die immer wieder in unser Bewußtsein hineinfallen können, und solchen, die wieder vergessen worden sind, so daß sie eine Erinnerungsfähigkeit nicht eigentlich entwickelt haben. Dieser Unterschied kann am leichtesten durch folgendes klargemacht werden. Denken Sie einen Eindruck, der bei Ihnen eine klare Vorstellung hervorrief. Nehmen wir an, es sei ein Eindruck, der in Ihnen &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Freude oder Schmerz erregte&amp;gt; also ein Eindruck, der von einem Gefühl begleitet war. Halten wir das fest, daß die meisten Eindrücke - eigentlich alle Eindrücke, die auf uns gemacht werden - von Gefühlen begleitet sind. Und die Gefühle drücken sich nicht nur an der bewußten Oberfläche des Lebens aus, sondern sie wirken tief hinein bis in den physischen Leib. Sie brauchen nur daran wieder zu denken, wie ein Eindruck Sie erblassen läßt, ein anderer Sie erröten macht. Bis in die Umlagerung des Blutes wirken da die Eindrücke. Und nun gehen Sie über zu dem, was entweder überhaupt nicht oder nur flüchtig zum Bewußtsein kommt - und es nicht bis zur Erinnerung bringt. Da zeigt uns die Geisteswissenschaft, daß solche Eindrücke keineswegs weniger von ähnlichen Erregungen begleitet sind als die bewußten. Wenn Sie einen Eindruck empfangen von der Außenwelt, der, wenn Sie ihn bewußt empfangen hätten, Sie erschreckt hätte, daß vielleicht Ihr Herz gepocht hätte, so bleibt derselbe Eindruck, wenn er nicht bewußt wird, doch nicht ohne Wirkung. Er macht aber nicht nur einen Eindruck, sondern er geht auch bis in den physischen Leib. Es tritt da sogar das Eigentümliche auf, daß ein Eindruck, der eine bewußte Vorstellung hervorruft, eine Art von Widerstand findet beim Hinein wirken in die tiefere menschliche Organisation; wenn aber der Eindruck auf uns einfach wirkt, ohne daß wir es zur bewußten Vorstellung bringen, dann hemmt ihn nichts, aber er ist deshalb nicht weniger wirksam. Es ist das menschliche Leben ein viel reicheres als das, was uns davon bewußt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt eine Zeit im menschlichen Leben, wo solche Eindrücke, die so lebendig auf die menschliche Organisation wirken und keine Erinnerungsfähigkeit haben, in besonders reichem Maße erlebt werden. In der ganzen Zeit von der Geburt bis zu dem Zeitpunkt, an dem die Erinnerung beginnt, sind unzählige reiche Eindrücke auf den Menschen gemacht worden, welche alle im Menschen drinnensitzen und auch in dieser Zeit den Menschen verändert haben. Sie wirken ebenso wie die bewußten Eindrücke; aber ihnen steht, besonders wenn sie vergessen sind, nichts entgegen von dem, was sich sonst einordnet in das Seelen- leben als bewußte Vorstellungen und dadurch gleichsam einen Damm bildet. Und diese unbewußten Eindrücke dringen am allertiefsten. Nun kann man schon durch das äußere Leben vielfach die Bestätigung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|71}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
finden, daß es Momente im menschlichen Leben gibt, wo die zweite Sorte von inneren Wirkungen zum Ausdruck kommt. Manche Ereignisse des späteren Menschenlebens können Sie sich nicht erklären. Sie finden gar nicht, wie Sie dazu kommen, gerade in dieser Weise jetzt dieses oder jenes erleben zu müssen. Sie erleben zum Beispiel etwas, das macht auf Sie einen so erschütternden Eindruck, daß Sie sich gar nicht erklären können, wie ein verhältnismäßig so gleichgültiges Erlebnis einen so erschütternden Eindruck machen kann. Wenn Sie nun nach- forschen, werden Sie vielleicht finden, daß Sie gerade in der kritischen Zeit - zwischen der Geburt und dem letzten Zeitpunkt, bis zu dem man sich erinnern kann - ein ähnliches Erlebnis hatten, das Sie aber vergessen haben. Keine Vorstellung ist davon zurückgeblieben. Damals hatten Sie einen erschütterndenEindruck gehabt; der lebt fort und verbindet sich mit dem jetzigen und verstärkt ihn. Und was Sie sonst jetzt viel weniger erschüttert hätte, das macht nun einen besonders starken Eindruck. - Wer das einsieht, wird sich eine Vorstellung davon bilden, wie unendlich verantwortungsvoll die Erziehung in der ersten Kindheit ist und wie etwas seine ganz bedeutungsvollen Schatten oder auch Lichter auf das spätere Leben wirft. Da wirkt also etwas vom Früheren hinüber auf das spätere Leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun kann sich herausstellen, daß solche Eindrücke der Kindheit - besonders wenn sie sich wiederholt haben - die ganze Lebensstimmung so beeinflussen, daß von einem gewissen Zeitpunkt an eine Gemütsverstimmung eintritt, die unerklärlich ist und die nur erklärlich wird, wenn man zurückgeht und weiß, welche Eindrücke aus der früheren Zeit ihre Lichter oder Schatten hineinwerfen in das spätere Leben; denn die sind es, die jetzt in einer dauernden Gemütsverstimmung zum Ausdruck kommen. Man wird dann finden, daß die Ereignisse besonders stark wirken, die nicht gleichgültig an dem Kind vorübergegangen sind und die schon damals besonderen Eindruck auf das Kind gemacht haben. - Wir werden also sagen können: Wenn Affekte, Gefühle und Empfindungen besonders mitwirkend sind an den Eindrücken, die später vergessen werden, dann sind diese Affekte und Gefühlsergüsse ganz besonders wirksam in dem Hervortreiben solch ähnlicher Erlebnisse.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun erinnern Sie sich an die Darstellungen, die von mir öfters gegeben&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|72}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
worden sind über das Leben während der Kamalokazeit. Nachdem der Ätherleib des Menschen als ein zweiter Leichnam abgelegt worden ist, lebt der Mensch sein ganzes letztes Leben zurück, geht vorüber an allen seinen Erlebnissen, welche er gehabt hat; aber er geht nicht so vorüber, daß sie ihm gleichgültig bleiben. Gerade während der Kamalokazeit, weil der Mensch seinen alten astralischen Leib noch hat, bewirkt das Durchgemachte die tiefsten Gefühlserlebnisse. - Nehmen wir zum Beispiel an, jemand sterbe mit siebzig Jahren, lebe sein Leben zurück bis in sein vierzigstes Jahr, wo er jemandem eine Ohrfeige gegeben hat. Da erlebt er den Schmerz, welchen er dem andern zugefügt hat. Dadurch wird hervorgerufen eine Art Selbstvorwurf; der bleibt dann als Sehnsucht, und diese Sehnsucht bringt er im nächsten Leben mit, um diese Sache im späteren Leben auszugleichen. Und Sie können begreifen, da in dieser Zeit zwischen Tod und neuer Geburt solche astralischen Erlebnisse vorhanden sind, daß dasjenige, was von uns als Handlung erlebt wird, sich um so sicherer und tiefer einprägt unserem inneren Wesen und beim Aufbau der neuen Leiblichkeit mitwirkt.Wenn wir also schon im gewöhnlichen Leben so stark berührt werden können durch gewisse Erlebnisse, besonders wenn es Gefühlseindrücke waren, daß sie eine Gemütsverstimmung bewirken können, so werden wir begreifen, daß die viel stärkeren Eindrücke des Kamalokalebens sich so eindrücken können, daß sie bei einer neuen Inkarnation bis tief in die Organisation des physischen Leibes hineinwirken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da sehen Sie eine Steigerung einer Erscheinung, die Sie bei aufmerk samer Beobachtung schon im Leben zwischen Geburt und Tod finden können. Solche Vorstellungen, denen mit dem Bewußtsein kein Damm entgegengebracht wird, werden schon zu mehr Unregelmäßigkeiten in der Seele führen können: zu Neurasthenie, zu nervenkrankheitsartigen Erscheinungen, vielleicht auch zu Geisteskrankheiten. Alle diese Erscheinungen stellen sich uns dar wie ursächliche Zusammenhänge von früheren mit späteren Ereignissen und geben uns ein anschauliches Bild dafür.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wollen wir jetzt den Begriff steigern, so können wir sagen: Was wir als Handlungen in einem Leben voll führen, das wird im Leben nach dem Tode umgesetzt in einen mächtigen Affekt, und dieser Affekt, der &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|73}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
jetzt durch keine physische Vorstellung geschwächt wird und durch kein gewöhnliches Bewußtsein gehemmt ist - denn das Gehirn ist hierbei nicht nötig -, der durch die andere, tiefer hineinwirkende Form des Bewußtseins erlebt wird, bewirkt nun, daß unsere Taten und unser ganzes Wesen vom vorigen Leben in unserer Anlage und Organisation in einem neuen Leben erscheint. Daher werden wir es begreiflich finden können, daß ein Mensch, der in einer Verkörperung sehr egoistisch gedacht, gefühlt und gehandelt hat, wenn er nach dem Tode vor sich sieht die Früchte seines egoistischen Denkens, Fühlens und Handelns, sich durchzieht mit mächtigen Affekten gegen seine früheren Handlungen. Das ist in der Tat der Fall. Er bekommt Tendenzen in sich, die gegen sein eigenes Wesen gerichtet sind. Und diese Tendenzen, insofern sie aus einem egoistischen Wesen des vorigen Lebens hervorgegangen sind, drücken sich aus in einer in sich schwachen Organisation im neuen Leben. «Schwache 0rganisation&amp;gt; ist hier dem Wesen nach genommen, nicht dem äußeren Eindruck nach. Wir müssen uns daher klar sein, daß eine schwache Organisation zurückgeführt werden kann karmisch auf ein egoistisches Handeln in einem vorhergehenden Leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gehen wir weiter. Nehmen wir an, in einem Leben zeige ein Mensch einen besonderen Hang zur Lügenhaftigkeit. Das ist schon ein Hang, der geht aus einer tieferen Organisation der Seele hervor. Denn wenn sich der Mensch nur dem überläßt, was in seinem allerbewußtesten Leben ist, so wird er nicht eigentlich lügen; nur Affekte und Gefühle, welche aus dem Unterbewußtsein heraus wirken, verleiten zum Lügen. Da haben wir schon etwas Tieferes sitzen. Wenn der Mensch lügenhaft war, werden seine Handlungen, die aus der Lügenhaftigkeit hervorgehen, wieder die heftigsten Affekte im Leben nach dem Tode gegen den Menschen selbst erzeugen, und eine starke Tendenz gegen die Lügenhaftigkeit wird sich zeigen. Dann wird sich der Mensch mitbringen im späteren Leben ni,cht nur eine schwache Organisation, sondern - die Geisteswissenschaft zeigt uns das - eine Organisation, die sozusagen unrichtig gebaut ist,-die regellos gebaute innere Organe in der -feineren Organisation zeigt. Es stimmt da etwas nicht recht zusammen. Das ist bedingt durch früheren Hang zur Lügenhaftigkeit. - Und woher ist der Hang zur Lügenhaftigkeit selbst gekommen? Denn &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|74}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
in dem Hang zur Lügenhaftigkeit hat der Mensch ja schon etwas, was auch nicht stimmt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da müssen wir noch weiter zurückgehen. Und da zeigt die Geistes- wissenschaft, daß ein flatterhaftes Leben, das keine Hingabe und keine Liebe kennt, daß ein oberflächliches Leben in der einen Verkörperung sich ausdrückt in dem Hang zur Lügenhaftigkeit in der nächsten Verkörperung; und der Hang zur Lügenhaftigkeit zeigt sich in der zweit- nächsten Inkarnation in den unrichtig gebauten Organen. - So können wir drei aufeinanderfolgende Inkarnationen in ihren Wirkungen karmisch verfolgen: Oberflächlichkeit und Flatterhaftigkeit in der ersten Inkarnation, Hang zur Lügenhaftigkeit in der zweiten und physische Krankheitsdisposition in der dritten Inkarnation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da sehen wir Karma an Gesundheit und Krankheit arbeiten. - Was jetzt gesagt worden ist, ist so gesagt, daß die Tatsachen selber heraus- geholt worden sind aus der geisteswissenschaftlichen Forschung. Nicht Theorien sollten aufgestellt werden, sondern es sind beobachtete Fälle, die durch die Methoden der Geisteswissenschaft untersucht werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir haben also zunächst hingewiesen auf die allergewöhnlichsten Tatsachen - auf die Heilkräfte des Ätherleibes bei den Pflanzen. Wir zeigten dann, wie durch das Hinzutreten des astralischen Leibes bei den Tieren der Ätherleib weniger wirksam ist, und wir sahen ferner, wie durch die Aufnahme des Ich, das ein individuelles Leben im Guten und Bösen, Wahren und Falschen entwickelt&amp;gt; der astralische Leib, der mit dem Hinaufsteigen in der Tierreihe die Heilkräfte nur hemmt, wieder etwas Neues dem Menschen einfügt: die aus dem individuellen Leben ihm ein fließenden karmischen Krankheitseinflüsse. Bei der Pflanze gibt es noch keine inneren Krankheitsursachen, weil die Krankheit noch im Äußerlichen ist und die Heilkräfte des Ätherleibes ungeschwächt wirken. Bei den niederen Tieren haben wir noch einen Ätherleib mit solchen Heilkräften, daß er selbst Glieder ersetzen kann; aber je weiter wir hinaufsteigen, desto mehr prägt sich der astralisc`he Leib dem Ätherleib ein, und dadurch schränkt der Astralleib die Heilkräfte des Ätherleibes ein. Aber weil sich die Tiere nicht in Reinkarnationen fortpflanzen, hängt das, was im Ätherleibe ist, nicht zusammen mit irgendwelchen &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
moralisch-intellektuellen oder individuellen Qualitäten, sondern mit dem allgemeinen Typus. Beim Menschen jedoch wirkt das, was er in seinem Ich erlebt, zwischen Geburt und Tod hinein bis in den Ätherleib.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Warum kommen denn die Erlebnisse der Kindheit bei den genannten Gemütswirkungen nur in leichten Erkrankungen zum Vorschein? Weil wir die Ursachen zu vielem, was sich in Neurasthenie, Neurose, Hysterie und so weiter zeigt, werden finden können in demselben Leben. Die Ursachen zu tieferen Krankheitsfällen aber werden wir zu suchen haben in einem vorhergehenden Leben, weil sich erst beim Übergang zu einer neuen Geburt dasjenige recht in den Ätherleib hineinverpflanzen kann, was moralisch und intellektuell erlebt wird. Im allgemeinen kann der Atherleib beim Menschen tiefere moralische Wirkungen in einem Leben nicht einverleibt erhalten, obwohl wir einzelne&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ausnahmefälle - und sogar sehr bedeutende Fälle - noch kennenlernen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So haben wir einen Zusammenhang zwischen unserem Leben im Guten und Bösen, im Moralischen und Intellektuellen in der einen In karnation, und unserer Gesundheit oder Krankheit in der nächsten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|76}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= VIERTER VORTRAG Hamburg, 19. Mai 1910 =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es darf die Voraussetzung gemacht werden, daß gerade über die beiden Begriffe, welche den Gegenstand unserer heutigen Betrachtung bilden sollen, nämlich Heilbarkeit und Unheilbarkeit vQn Krankheiten, deutlichere und, man kann sagen, menschenfreundlichere Vorstellungen herrschen werden, wenn einmal die Ideen von Karma und karmischen Zusammenhängen im Leben in weiteren Kreisen werden Platz gegriffen haben. Man darf ja sagen, daß in bezug auf die Begriffe Heilbarkeit und Unheilbarkeit von Krankheiten in den verschiedensten Jahrhunderten die verschiedensten Meinungen verbreitet waren. Und man braucht nicht sehr weit zurückzugehen, um zu sehen, wie ungeheuerlich sich diese Begriffe verändert haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da finden wir eine Zeit - sie ist die Wende zwischen dem Mittel- alter und der neueren Zeit, so etwa das 16., 17. Jahrhundert -, da entwickelten sich allmählich die Vorstellungen, daß man die Krankheitsformen in einer strengen Weise eingrenzen könne und daß es eigentlich für eine jede Krankheit irgendein Kräutlein, irgendeine Mixtur gebe, durch welche die betreffende Krankheit unbedingt geheilt werden müsse. Dieser Glaube dauerte im Grunde recht lange, sogar bis in das 19. Jahrhundert hinein. Und wenn man als Laie oder als Mensch, der die heutigen Zeitbegriffe in sich aufgenommen hat, nachlesen wollte in den Mitteilungen von Krankenbehandlungen vom Ende des 18. oder&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dem Beginn des 19. Jahrhunderts und bis weit in das 19. Jahrhundert hinein, so würde man ersIaunen über all die Mittel und Mittelchen, die damals reichlich angewendet worden sind, von Tees, Mixturen bis zu gefährlicheren Arzneien, Aderlässen und so weiter. Aber gerade das 19. Jahrhundert war es, welches in medizinischen Kreisen, und zwar in angesehenen medizinischen Kreisen, diese Ansicht in das genaue Gegenteil verkehrt hat. Und ich darf wohl selbst sagen, daß mir vieles von` diesen gegenteiligen Ansichten während meiner jüngeren Jahre in den verschiedensten Nuancen und Motiven vor Augen getreten ist. Es war die Gelegenheit dazu gegeben, wenn man etwa die Strömung der nihi&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|77}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
listischen medizinischen Schule mitmachte, die sich um die Mitte des 19. Jahrhunderts in Wien vorbereitete und eigentlich immer mehr und mehr an Ansehen gewann. Der Ausgangspunkt zu einer radikalen Änderung in bezug auf die Anschauungen über Heilbarkeit und Unheilbarkeit von Krankheiten war das, was der bedeutende Mediziner Dietl über den Verlauf der Lungenentzündung und ähnlicher Krankheiten zutage förderte. Er war durch allerlei Betrachtungen dazu gekommen, sich zu sagen, daß im Grunde gar kein rechter Einfluß von diesem oder jenem Mittel auf den Verlauf dieser oder jener Krankheit zu bemerken sei. Und gerade unter dem Einfluß von Dietls Schule lernten die damaligen jungen Mediziner über den Heilwert der seit Jahrhunderten heraufgekommenen Heilmittel so denken, daß sie auf alle alten Mittel übertrugen, was mit dem bekannten Sprichwort gemeint ist: Kräht der Hahn auf dem Mist, so ändert sich das Wetter, oder es bleibt, wie es ist! - Sie waren der Meinung, daß es ziemlich einerlei sei für den Verlauf einer Krankheit, ob man diese oder jene Mittel verabreiche oder nicht. Und Dietl war einer, der eine für die damalige Zeit recht überzeugende Statistik zustande brachte, die besagte, daß bei der von ihm eingeführten sogenannten abwartenden Behandlungsweise ungefähr ebenso viele Menschen, die an Lungenentzündung erkrankt waren, geheilt wurden oder starben als bei der früheren Behandlung mit den altehrwürdigen Heilmitteln. Die von Dietl begründete, von Skoda weiter fortgeführte abwartende Behandlung bestand darin, daß man den Kranken in die äußere Lebenslage brachte, die ihn instande setzte, die selbstheilenden Kräfte am allerbesten in Anwendung zu bringen, sie hervorzuholen aus seinem Organismus, und dem Arzte wies man kaum eine andere Stellung an, als den Verlauf der Krankheit zu überwachen, damit er da war, wenn irgend etwas eintrat, wo man mit menschlichen Mitteln sachgemäß Hilfe leisten kann. Im übrigen beschränkte man sich darauf, die Krankheit sozusagen kommen zu sehen, abzuwarten, wie die selbstheilenden Kräfte aus dem Organismus herauskamen, bis das Fieber nach einiger Zeit abfiel und die Selbstheilung durch den Organismus eintrat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese medizinische Schule wurde und wird noch heute mit dem Ausdruck der «nihilistischen Schule» belegt, weil sie auf einem Ausspruch &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|78}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
von Professor Skoda fußte, der ungefähr sagte: Wir können vielleicht lernen, Krankheiten zu diagnostizieren, sie zu beschreiben, vielleicht auch zu erklären - heilen aber können wir sie nicht! - Ich erzähle Ihnen Dinge, von denen Sie als von Tatsachen, welche sich im Laufe des 19. Jahrhunderts herausgebildet haben, Notiz nehmen sollen, damit Sie eine Empfindung dafür erhalten, wie sich Vorstellungen auf diesem Gebiete geändert haben. Aber es möge niemand glauben, daß, wenn dies oder jenes hier in rein erzählender Form ausgesprochen wird, deshalb gleich in der einen oder andern Weise Partei ergriffen werden soll. Denn selbstverständlich war der Ausspruch des berühmten Professors Skoda eine Art Radikalismus, und es würde leicht sein, die Grenzen, innerhalb welcher ein solcher Ausspruch gilt, aufzuzeigen. Auf eins aber war mit solcher Meinung hingewiesen, ohne daß man eigentlich die Mittel hatte, bewußt diesen Hinweis irgendwie zu begründen oder zu umschreiben oder in Worte zu bringen - ja nicht einmal in Gedanken konnte man ihn bringen; das heißt, man konnte in den Kreisen, in welchen man ihn aussprach, nicht einmal daran gehen, diesen Hinweis zu denken. Es wurde darauf hingewiesen, daß sich allerdings im Menschen etwas finden müsse, was in gewisser Beziehung bestimmend ist für den Ausgang und für den Verlauf einer Krankheit und was als solches im Grunde genommen doch jenseits dessen liegt, was menschliche Hilfe leisten kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es war also der Hinweis auf etwas gegeben, was jenseits der menschlichen Hilfe liegt; und dieser Hinweis kann niemals, wenn man wirklich den Dingen zu Leibe geht, sich auf etwas anderes beziehen als auf das Gesetz von Karma und auf die Wirksamkeit von Karma im Verlaufe des menschlichen Lebens. Wenn wir den Verlauf einer Krankheit im menschlichen Leben verfolgen - das Heraufkommen der Krankheit, die aus dem Organismus selbst hervorsprießenden Heilkräfte -, wenn wir die Heilentwickelung verfolgen, dann werden wir bei unbefangener Betrachtungsweise, besonders wenn wir darauf Rücksicht nehmen, wie in dem einen Falle Heilung eintritt, während in einem andern Falle keine Heilung möglich erscheint, dahin getrieben werden, nach tieferer Gesetzmäßigkeit zu suchen. Darf diese tiefere Gesetzmäßigkeit gesucht werden in den früheren Erdenleben des Menschen? Das ist für uns die Frage. Darf davon gesprochen werden, daß sich der Mensch gewisse &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|79}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorbedingungen mitbringt, die ihn geradezu vorausbestimmt machen, in einem besonderen Falle seine Heilkräfte aus dem Organismus aufrufen zu können, die aber in einem andern Falle so vorausbestimmt sind, daß er trotz aller Anstrengungen nicht imstande ist, die Krankheit zu heilen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn Sie sich an das erinnern, was namentlich gestern ausgeführt worden ist, so werden Sie begreifen, daß in den Vorgängen, die sich abspielen zwischen dem Tode und der neuen Geburt, allerdings ganz besondere Kräfte aufgenommen werden in die menschliche Individualität. Haben wir doch gesagt, daß dem Menschen während der Kamalokazeit die Ereignisse seines letzten Lebens, seine von ihm verrichteten Handlungen im Guten und Bösen, seine Charaktereigenschaften und so weiter vor die Seele treten und daß er durch die Anschauung seines eigenen Lebens in sich die Tendenz aufnimmt, für alles, was unvollkommen in ihm ist und was sich als eine unrichtige Handlung gezeigt hat, Abhilfe und Ausgleich zu schaffen, sich die betreffenden Eigenschaften einzuprägen, welche ihn auf diesem oder jenem Gebiete vollkommener machen. Haben wir das begriffen, so können wir sagen: Diese Absicht, diese Tendenz behält nun der Mensch und geht durch eine neue Geburt mit dieser Absicht wieder ins Dasein. - Der Mensch baut aber selbst an dem neuen Leibe, der sich ihm angliedert und ihn umgliedert im neuen Leben, und er baut ihn auf gemäß den Kräften, welche er sich mitgebracht hat aus früheren Lebensläufen und aus der Zeit zwischen Tod und neuer Geburt. Mit diesen Kräften ist er ausgestattet und webt sie hinein in selne neue Körperlichkeit. Damit haben wir begriffen, daß diese neue Körperlichkeit schwach oder stark ist, je nachdem der Mensch schwache oder starke Kräfte in sie hineinweben kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun müssen wir uns aber doch klar sein, daß eine gewisse Folge eintreten wird, wenn zum Beispiel der Mensch während des Kamalokalebens gesehen hat: Du warst im letzten Leben ein Mensch, der viele Handlungen begangen hat unter dem Einflusse seiner Affekte, von Zorn, Furcht, Abscheu und so weiter. - Solche Handlungen stehen nun lebendig vor seiner Seele in der Kamalokazeit, und da bildet sich heraus in dieser Seele der Gedanke - die Ausdrücke, die uns für diese Kräfte erwachsen können sind natürlich für das physische Leben geprägt! -: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Du mußt an dir etwas tun, damit du in dieser Beziehung vollkommener wirst, damit du in der Zukunft nicht mehr geneigt bist, Handlungen unter dem Einflusse deiner Affekte zu begehen! - Dieser Gedanke wird ein Bestandteil der menschlichen Seelenindividualität, und beim Durch- gehen durch eine neue Geburt prägt sich dieser Gedanke weiter ein als eine Kraft in den neu entstehenden Leib. Und in diesen fließt dadurch ein die Tendenz, so etwas zu vollführen mit der ganzen Organisation von physischem Leib, Ätherleib und astralischem Leib, was dem Menschen es jetzt unmöglich macht, aus seinen Affekten heraus, aus Zorn, Haß, Neid und so weiter gewisse Handlungen zu begehen, damit er imstande ist, in dieser Beziehung wirklich sich vollkommener zu machen. Und dadurch wird er dazu kommen, neue Handlungen zu vollführen, welche jetzt den Ausgleich früherer Handlungen bewirken können. So läßt der Mensch aus einer seine gewöhnliche Vernünftigkeit weit überragenden Vernünftigkeit die Absicht in sich hinein fließen, die ihn zu einer höheren Vollkommenheit auf einem bestimmten Gebiete und zum Ausgleich bestimmter Handlungen führen kann. -Wenn Sie in Betracht ziehen, wie mannigfaltig das Leben ist, wie der Mensch von Tag zu Tag solche Handlungen vollführt, die einen derartigen Ausgleich erfordern, so werden Sie begreifen, daß viele solcher nach Ausgleich harrender Gedanken in der Seele sind, wenn die Seele durch eine neue Geburt ins Dasein tritt, und daß diese mannigfaltigen Gedanken sich kreuzen, so daß dadurch der menschliche physische Leib und Ätherleib eine Konfiguration erhalten, in welche alle diese Tendenzen hineinverwoben sind. Um uns nun das verständlich zu machen, nehmen wir einen ganz eklatanten Fall an. Gerade heute aber muß ich ganz besonders betonen, was ich auch sonst stets betone: daß ich vermeide, aus irgendeiner Theorie oder Hypothesenmacherei zu sprechen und daß ich, wenn ich Beispiele anführe, nur solche anführe, die von der Geisteswissenschaft wohl geprüft sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen wir an, jemand habe im letzten Leben so gelebt, daß er aus einem viel zu schwachen Ich-Gefühl heraus gewirkt hat, aus einem IchGefühl, welches in der Hingabe an die äußere Welt viel zu weit ging, so weit, daß es mit einer Unselbständigkeit, Selbstverlorenheit wirkte, wie es für unseren heutigen Menschheitszyklus nicht mehr angemessen &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|81}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ist. Also das fehlende Selbstgefühl war es, welches einen Menschen in einer Inkarnation zu diesen oder jenen Handlungen geführt hat. Nun hat er während der Kamalokazeit die Handlungen vor sich gehabt, die aus diesem fehlenden Selbstgefühl herausgeflossen sind. Er nimmt daraus zunächst die Tendenz auf: Du mußt in dir Kräfte entwickeln, welche dein Selbstgefühl erhöhen, du mußt in einer nächsten Inkarnation dir die Gelegenheit schaffen, gegen den Widerstand deiner Leiblichkeit, gegen die Kräfte, welche dir entgegenkommen werden aus physischem Leib, Ätherleib und astralischem Leib, dein Selbstgefühl zu stählen, damit es gleichsam eine Schule durchmacht. Du mußt dir einen Leib anschaffen, der dir zeigt, wie aus der Leiblichkeit heraus die Anlage zu einem schwachen Selbstgefühl wirkt!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was sich dann in der nächsten Inkarnation abspielen wird, wird wenig ins Bewußtsein treten, es wird sich mehr oder weniger in einer unterbewußten Region abspielen. Der Betreffende wird hinstreben zu einer solchen Inkarnation, welche gerade die derbsten Widerstände seinem Selbstgefühl entgegensetzt, so daß er es nötig hat, sein Selbstgefühl im höchsten Maße anzuspannen. Dadurch wird er wie magnetisch hingezogen werden zu solchen Gegenden und solchen Gelegenheiten, wo sich ihm tiefere Hindernisse entgegenstellen, wo sich sein Selbstgefühl ausleben soll gegen die Organisation der drei Leiber. So sonderbar es Ihnen klingen mag: Solche Individualitäten, die mit diesem Karma belastet sind, daß sie in der charakterisierten Weise durch die Geburt ins Dasein hineinstreben, suchen den Zugang zu Gelegenheiten, wo sie zum Beispiel einer Seuche wie der Cholera ausgesetzt sein können; denn diese bietet ihnen Gelegenheit, jene Widerstände, welche eben gekennzeichnet worden sind, zu finden. Was dabei durchzumachen ist im Inneren gegen die Widerstände der drei Leiber in dem Erkrankten&amp;gt; das kann dann bewirken, daß in der nächsten Inkarnation das Selbstgefühl in einem erheblichen Grade gewachsen ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen wir einen andern eklatanten Fall an, und zwar, damit Sie den Zusammenhang durchschauen können, jetzt gerade den entgegengesetzten Fall. Ein Mensch sieht während der Kamalokazeit, daß er unter einem zu starken Selbstgefühl eine Reihe von Handlungen vollführt hat, die aus einem zu starken Auf-sich-selbst-Bauen geflossen &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
sind. Er sieht, daß er sich mäßigen muß in bezug auf sein Selbstgefühl, daß er es zurückdämmen muß. Da muß er wieder eine Gelegenheit aufsuchen, wo ihm in der nächsten Inkarnation seine drei Leiber die Möglichkeit geben, daß das Selbstgefühl überall in der Leiblichkeit - wie es sich auch anstrenge - keine Schranken findet, daß es überall ins Boden- lose hinein und sich selbst ad absurdum führt. Die Bedingungen dazu sind hergestellt, wenn der Betreffende hingezogen wird zu einer Gelegenheit, die ihm die Malaria bringt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da haben Sie einen Krankheitsfall des karmischen Wirkens und sogar den Satz dargelegt, daß im Grunde der Mensch aus einer höheren Vernünftigkeit, als diejenige ist, welche er mit seinem gewöhnlichen Bewußtsein überschauen kann, hingeleitet wird zu den Gelegenheiten, wo er sich im Verlaufe seines Karma weiter fortentwickeln kann. Wenn Sie namentlich die Dinge ins Auge fassen, welche jetzt eben gesagt worden sind, wird es Ihnen sehr erleichtert werden, Verständnis zu gewinnen gerade für das Epidemische bei den Krankheiten. Wir könnten die verschiedensten Beispiele anführen, die uns alle zeigen, wie der Mensch aus den Erfahrungen seiner Kamalokazeit heraus geradezu die Gelegenheiten aufsucht, diese oder jene Krankheit zu bekommen, um durch, ihre Überwindung und durch die Entfaltung der selbstheilenden Kräfte die Kräfte zu gewinnen, welche ihn die Lebensbahn im ganzen hinauf- führen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorhin sagte ich, wenn ein Mensch viel unter dem Einfluß von Affekten gehandelt hat, so wird er in der Kamalokazeit ebenfalls Handlungen durchleben, die unter dem Einfluß von Affekten überhaupt geschehen sind. Das wird ihm die Tendenz geben, in seiner neuen Inkarnation, in seiner eigenen Leiblichkeit so etwas zu erleben, durch dessen Überwindung er Handlungen vollführt, welche ausgleichend wirken können auf gewisse Handlungen seines früheren Lebens. Insbesondere ist es da jene Form der Erkrankung, die wir in der neueren Zeit als Diphtherie kennen, die in vielen Fällen zutage tritt, wenn eine solche karmische Verwicklung vorliegt, wo sich der Betreffende früher in der Weise ausgelebt hat, daß er vielfach aus allerlei Aufwallungen, Affekten und so weiter gehandelt hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir werden im Verlaufe dieser Vorträge noch manches zu hören&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
bekommen darüber, wie diese oder jene Krankheit bedingt ist. Wir müssen aber jetzt auf noch tiefere Grundlagen eingehen, wenn wir uns die Frage beantworten wollen: Wie kommt es, daß, wenn der Mensch durch die Geburt ins Dasein tritt und er sich durch sein Karma dieTendenz mitbringt, durch die Überwindung dieses oder jenes Leidens das eine oder das andere zu erreichen, wie kommt es, daß es ihm einmal gelingt, wirklich Sieger zu sein, die Krankheit zu überwinden und Kräfte in sich aufzunehmen, die ihn höher bringen, während er das andere Mal unterliegt und die Krankheit Sieger bleibt? Da müssen wir auf die geistigen Prinzipien zurückgehen, die überhaupt das Kranksein im Menschenleben möglich machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daß der Mensch überhaupt erkranken kann, daß er geradezu das Kranksein - sogar aus seinem Karma heraus - suchen kann, das kommt zuletzt aus keinen andern Prinzipien heraus als aus denjenigen, die wir schon oft in den verschiedensten Zusammenhängen unserer theosophischen Betrachtungen uns haben vor die Seele treten lassen. - Wir wissen, daß in einem bestimmten Punkte der Erdentwickelung diejenigen Kräfte in die menschliche Entwickelung eingetreten sind, welche wir die luziferischen Kräfte nennen, welche solchen Wesenheiten angehören, die während der alten Mondentwickelung zurückgeblieben sind und nicht so weit vorgeschritten sind, ~daß sie sozusagen an dem normalen Punkt ihrer Erdentwickelung angelangt wären. Dadurch wurde dem astralischen Leibe des Menschen, bevor sein Ich in der entsprechenden Weise wirken konnte, etwas eingepflanzt, was aus diesen luziferischen Wesen herausströmte. Der Einfluß dieser luziferischen Wesenheiten ist daher ein solcher, der vorzugsweise auf unseren astralischen Leib einstmals ausgeübt worden ist und den der Mensch für die Folgezeit durch seine Entwickelung hindurch in seinem astralischen Leib hatte. Dieser luziferische Einfluß bedeutet in der menschlichen Entwickelung mancherlei. Für unseren heutigen Zweck ist es aber wichtig, hervorzuheben, daß der Mensch, indem er die luziferischen Kräfte in sich hatte, in seinem Inneren einen Verführer hatte, weniger gut zu sein, als er gewesen wäre, wenn der luziferische Einfluß nicht gekommen wäre; und ebenso hatte er dadurch einen Einfluß, mehr aus allerlei Affekten, Leidenschaften und Begierden heraus zu handeln und zu ur&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
teilen, als er geurteilt und gehandelt haben würde,wenn der luziferische Einfluß nicht gewirkt hätte. Durch diesen Einfluß wurde des Menschen eigentliche Individualität veranlaßt, anders zu sein, sozusagen mehr hingegeben zu sein an das, was wir die Begierdenwelt nennen können, als es sonst der Fall gewesen wäre. Und dadurch ist es gekommen, daß der Mensch viel tiefer hineinverstrickt worden ist in die physische Erdenwelt, als es sonst geschehen wäre. Der Mensch drängt sich durch den luziferischen Einfluß mehr hinein in seine Leiblichkeit, identifiziert sich mehr mit der Leiblichkeit, als er sie durchdrungen hätte, wenn kein luziferischer Einfluß gekommen wäre. Denn wäre der Einfluß der luziferischenWesenheiten nicht gekommen, so wäre so mancherlei von dem, was den Menschen auf der Erde locken kann, dieses oder jenes zu begehren, nicht gekommen. Der Mensch wäre gleichgültig an den Eindrücken dieser oder jener Lockmittel vorbeigegangen. Durch Luzifers Einfluß entstanden die Verlockungen der äußeren sinnlichen Welt; diese Verlockungen nahm der Mensch in sich auf. Die Individualität, die durch das Ich gegeben war, wurde durchtränkt mit den Wirkungen, die aus dem luziferischen Prinzip heraus kamen. Und so kam es, daß der Mensch bei seinen ersten Erdeninkarnationen auch den ersten Verlockungen des luziferischen Prinzips verfallen war und diese Verlockungen mitnahm in die späteren Leben. Das heißt, daß die Art und Weise, wie der Mensch den Verlockungen des luziferischen Prinzips verfiel, zu einem Bestandteil seines Karma wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn nun der Mensch nur dieses Prinzip in sich aufgenommen hätte, so würde er immer mehr und mehr den Verlockungen der physischen Erdenwelt verfallen sein; er würde sozusagen immer mehr die Aussicht verloren haben, von dieser physischen Erdenwelt wieder loszukommen. Wir wissen, daß der spätere Einfluß - der Christus-Einfluß - dem luziferischen Prinzip entgegengewirkt hat und es gleichsam wieder zum Ausgleich gebracht hat, so daß der Mensch im Laufe seiner Entwickelung wieder Mittel erhalten hat, diesen luziferischen Einfluß aus sich herauszutreiben. Aber mit dem luziferischen Einfluß war zugleich etwas anderes gegeben. Dadurch,daß der Mensch in seinem astralischen Leib den luziferischen Einfluß aufgenommen hatte, erschien ihm auch die ganze äußere Welt, in die er eintrat, ganz anders, als sie ihm erschienen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|85}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wäre, wenn er dem luziferischen Einfluß nicht hingegeben gewesen wäre. Luzifer drang in des Menschen Inneres. Der Mensch sah mit Luzifer im Inneren die Welt um sich herum. Dadurch trübte sich sein Blick für die Erdenwelt, und es mischte sich nun in die äußeren Eindrücke hinein der ahrimanische Einfluß. Nur dadurch konnte sich AhrIman eInmischen und die äußere Welt zur Illusion gestalten, weil wir uns schon früher von innen heraus die Anlage zur Illusion, zu Maja geschaffen hatten. So war der ahrimanische Einfluß, der hineinzog in die äußere Welt, die den Menschen umgab, die Folge des luziferischen Einflusses. Wir können sagen: Der Mensch saugte ein, weil einmal die Iuziferischen Kräfte in ihm waren, die Möglichkeit, sich mehr in die Sinnenwelt zu verstricken, als er sich ohne den luziferischen Einfluß in das sinnliche Erdenleben verstrickt hätte. Dadurch hat er sich aber auch die Möglichkeit geschaffen, mit allen äußeren Wahrnehmungen von außen den ahrimanischen Einfluß einzusaugen. Und so lebt in der menschlichen Individualität, indem sie durch die verschiedenen Erdeninkarnationen hindurchgeht, der luziferische Einfluß, und als das Ergebnis des luziferischen Einflusses der ahrimanische Einfluß. Diese zwei Mächte kämpfen fortwährend in der menschlichen Individualität. Und die menschliche Individualität ist der Schauplatz geworden für den Kampf von Luzifer und Ahriman.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Mensch ist mit seinem gewöhnlichen Bewußtsein auch heute noch ausgesetzt sowohl den Verlockungen Luzifers, der aus den Leidenschaften und Affekten seines astralischen Leibes heraus wirkt, wie auch den Verlockungen Ahrimans, der durch Irrtümer, Täuschungen in bezug auf die äußere Welt von außen in den Menschen eindringt. Solange nun der Mensch in einer Inkarnation lebt und die Vorstellungen einen Riegel vorschieben, so daß das, was von Luzifer und Ahriman geschieht, nicht tiefer eindringen kann und ein Hindernis findet an den Vorstellungen, so lange bleibe das, was der Mensch tut, dem moralischen oder dem intellektuellen Urteil unterworfen. Solange der Mensch zwischen Geburt und Tod gegen die Moral sündigt, indem er Luzifer folgt, oder sich gegen die Logik und das gesunde Denken versündigt, indem er Ahriman folgt, so lange bleibt das eine Angelegenheit des gewöhnlichen bewußten Seelenlebens. Wenn der Mensch aber durch die Pforte &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
des Todes schreitet, hört das Vorstellungsleben auf, das an das Instrument des Gehirns gebunden ist. Da beginnt eine andere Form des Bewußtseinslebens. Da dringen in der Tat alle die Dinge, welche im Leben zwischen Geburt und Tod dem moralischen oder dem vernünftigen Urteil unterworfen sind, herunter in die Untergründe des menschlichen Wesens und greifen ein in das, was dann nach dem Kamaloka für das nächste Dasein organisierend wirkt und sich hineinprägt in die plastischen Kräfte, die nun die dreifache menschliche Leiblichkeit aufbauen. Da werden Irrtümer, welche aus der Hingabe an Ahriman folgen, zu Krankheitskräften, die vom Ätherleib her den Menschen infizieren,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und Ausschweifungen, also Dinge, welche im Leben dem moralischen Urteil unterworfen sind, werden zu Krankheitsursachen, welche mehr vom astralischen Leib her wirken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dadurch sehen wir, wie in der Tat unsere Irrtümer aus dem Ahrimanischen in uns - und dazu sind auch die bewußten Irrtümer: Lügen, Unwahrheiten zu rechnen - zu Krankheitsursachen werden, wenn wir allerdings nicht bei einer Inkarnation stehenbleiben, sondern die Wirkung einer Inkarnation auf die folgende betrachten; und wir sehen, wie auch die luziferischen Einflüsse zu Krankheitsursachen auf demselben Wege werden. Wir können in der Tat sagen: Wir begehen unsere Irrtümer nicht ungestraft! Wir tragen den Stempel unserer Irrtümer in unserer nächsten Inkarnation an uns, aber wir tun es aus einer höheren Vernünftigkeit heraus, als diejenige unseres gewöhnlichen Lebens ist, aus derjenigen Vernünftigkeit, welche uns während der Zeit zwischen Tod und neuer Geburt anweist, uns so stark und kräftig zu machen, daß wir fernerhin diesenVerlockungen nicht mehr ausgesetzt sind. So reihen sich Krankheiten sogar ein als mächtige Erzieher in unser Leben. -Wenn wir Krankheiten so betrachten, können wir förmlich sehen, wie bei der Ausbildung einer Krankheit entweder luziferische oder ahrimanische Einflüsse wirksam sind. Wenn einmal diese Dinge werden durchschaut werden von denen, die unter dem Einfluß der geisteswissenschaftlichen Weltanschauung Heiler sein werden, dann werden die Einflüsse dieser Heiler auf den menschlichen Organismus viel intimere sein, als sie heute sein können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir können geradezu in diesem Sinne den Organismus gewisser&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Krankheitsformen durchschauen. Nehmen wir zum Beispiel eine solche Krankheit wie die Lungenentzündung. Sie ist eine Wirkung in der karmischen Folge, welche dadurch entsteht, daß der Betreffende während seiner Kamalokazeit zurückblicken kann auf einen Charakter, der in sich hatte Hang und Neigung zu sinnlichen Ausschweifungen, der in sich hatte sozusagen ein Bedürfnis, sinnlich zu leben. Verwechseln wir ja nicht, was jetzt einem früheren Bewußtsein zugeschrieben wird, mit dem, was im Bewußtsein der nächsten Inkarnation auftritt. Damit hat es zunächst nichts zu tun.Wohl aber wird das, was der Mensch während der Kamalokazeit sieht, sich so umwandeln, daß sich ihm Kräfte ein- prägen zuVorgängen,welche die Lungenentzündung überwinden. Denn gerade in der Überwindung der Lungenentzündung, in der Selbst heilung,welche dabei vom Menschen angestrebt wird,wirkt die menschliche Individualität entgegen den luziferischen Mächten, führt einen förmlichen Krieg gerade gegen die luziferischen Mächte. Daher ist in der Überwindung der Lungenentzündung eine Gelegenheit, dasjenige abzulegen, was ein Charaktermangel in einer vorherigen Inkarnation war. So sehen wir förmlich wirken in der Lungenentzündung den Kampf des Menschen gegen die luziferischen Mächte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anders stellt sich uns die Sache dar, wenn wir bei dem, was wir im heutigen Sprachgebrauch Lungentuberkulose nennen, die eigentümlichen Prozesse auftreten sehen, wenn die selbstheilenden Kräfte in Tätigkeit übergehen, die sich dadurch äußern, daß die schädigenden Einflüsse, welche da entstehen, umgeben werden, umrandet werden von Umhüllungen wie Bindegewebe; dann wird das Ganze ausgefüllt mit kalk-salzhaltiger Materie, welche feste Einschlüsse bildet. Solche Einschlüsse kann der Mensch in seiner Lunge haben, und viel mehr Menschen tragen solche Dinge mit sich herum, als man gewöhnlich glaubt; denn das sind diejenigen Menschen, bei denen eine tuberkulöse Lunge in Heilung übergegangen ist. Wo derartiges vor sich ging, ist wieder ein Kampf aufgeführt worden der menschlichen inneren Wesenheit gegen das, was ahrimanische Kräfte angestellt haben. Es ist ein Abwehrprozeß nach außen, ein Anstürmen gegen das, was durch äußere Materialität hergebracht wird, um zur Selbständigkeit der menschlichen Wesenheit in diesem Sinne zu führen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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Damit haben wir gezeigt, wie in der Tat die beiden Prinzipien, das ahrimanische und das luziferische, im letzten Grunde im Krankheitsverlauf tätig sind. Und es könnte in vieler Beziehung für diese oder jene Krankheitsform gezeigt werden, wie man eigentlich zwei Typen von Krankheiten unterscheiden müßte: ahrimanische und luziferische Krankheiten. Wenn man das beachten würde, so würde man auch rich tige Prinzipien gewinnen können für die entsprechende Hilfe, welche man den Kranken angedeihen lassen kann. Denn luziferische Krankheitsprozesse werden ganz andere Hilfe erfordern als ahrimanische. Wenn heute noch in einer ziemlich kritiklosen Weise, zum Beispiel im äußeren Heilverfahren, Kräfte angewendet werden, die in der heutigen Elektrotherapie, in der Kaltwasserbehandlung oder in ähnlichem ent halten sind, so muß gesagt werden, daß von vornherein durch die Geisteswissenschaft ein Licht darauf geworfen werden kann, ob man die eine oder die andere Methode anwenden soll, dadurch, daß man unterscheiden würde, ob man es mit einer luziferischen oder einer ahrimanischen Krankheit zu tun hat. Kein Mensch sollte zum Beispiel das Verfahren der Elektrotherapie anwenden bei Erkrankungen, die aus dem Luziferischen stammen; sondern man sollte sie nur bei ahrimanischen Krankheitsformen anwenden. Denn eine Hilfe kann bei luziferischen Krankheitsformen niemals etwas sein, was überhaupt mit dem Wirken des Luzifer gar nichts zu tun hat, nämlich die Prinzipien der Elektrizität; denn diese fallen in das Bereich der ahrimanischen Wesenheiten, wobei sich natürlich nicht nur die ahrimanischen Wesenheiten der Kräfte der Elektrizität bedienen. Dagegen ist ein ganz besonderes Gebiet des Luziferischen dasjenige, was sich bezieht, grob ausgedrückt, auf Warm und Kalt. Alles, was damit zu tun hat, daß die menschliche Organisation wärmer oder kälter wird oder was sie selbst durch äußere Einflüsse wärmer oder kälter macht, das gehört in das Bereich des Luzifer. Und bei alledem, wo wir es zu tun haben mit Warm oder Kalt, haben wir einen Typus luziferischer Krankheitsformen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So also sehen wir, wie Karma in dem Kranksein wirkt und wie es zur Überwindung von Kranksein wirkt. Nun wird es nicht mehr unbegreiflich erscheinen, daß im Karma auch die Heilbarkeit oder Unheilbarkeit einer Krankheit liegt. Wenn Sie sich klarmachen, daß ja das &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Ziel, das karmische Ziel des Erkrankens das ist, den Menschen zu fördern und vollkommener zu machen, so ist die Voraussetzung die, daß der Mensch, wenn er nach der Vernünftigkeit, die er sich aus der Kamalokazeit beim Eintritt in ein neues Dasein mitbringt, einer Krankheit verfällt, jene Heilkräfte dann entwickelt, welche eine Stählung seines inneren Menschen bedeuten und die Möglichkeit, höher zu kommen. Nehmen wir an, die Sache liege so, daß der Mensch in dem Leben, das er noch zubringen kann, vermöge seiner sonstigen Organisation und seines übrigen Karma die Kräfte hat, mit dem, was er durch die Krankheit errungen hat, in diesem Leben selbst weiterzukommen. Dann hat die Heilung einen Sinn. Dann tritt Heilung ein und der Mensch hat in diesem Falle das errungen, was er erringen sollte und was sich an dem Vorhandensein der Krankheit zeigte. Durch das Überwinden der Krankheit hat er sich instand gesetzt, dort vollkommene Kräfte zu haben, wo er früher unvollkommene Kräfte hatte. Ist er durch sein Karma mit solchen Kräften ausgerüstet und durch die günstigen Umstände seines früheren Schicksals so in die Welt gesetzt, daß er die neuen Kräfte anwenden kann und wirken kann, um sich und andern von Nutzen zu sein, dann tritt die Heilung ein; dann windet er sich durch die Krankheit hindurch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen wir nun an, die Sache liege für den Menschen so, daß er die Krankheit überwindet und die Heilkräfte entwickelt und nunmehr vor einem Leben stünde, welches an ihn Anforderungen stellen würde, die mit dem Maß, das er sich jetzt schon errungen hat an Vollkommenem, nicht erfüllt werden können: Er würde zwar einiges erringen durch die geheilte Krankheit, aber es wäre doch nicht möglich, daß er so viel erringt - weil sein übriges Karma das nicht zuläßt -, daß er mit dem, was er sich errungen hat, den andern zum Heile werden kann. Dann tritt das ein, daß sein tieferes Unterbewußtsein sagt: Hier hast du keine Gelegenheit, die volle Kraft von dem zu empfangen, was du eigentlich haben sollst. Du mußtest in diese Inkarnation hineingehen, weil du das Maß an Vollkommenheit gewinnen mußtest, das du nur im physischen Leibe durch die Überwindung einer Krankheit erringen kannst. Das mußtest du erringen; aber weiter ausbilden kannst du es nicht. Nun mußt du in die Verhältnisse gehen, wo dein physischer Leib und andere &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Kräfte dich nicht stören und wo du frei verarbeiten kannst, was du in der Krankheit gewonnen hast. - Das heißt, es sucht eine solche Individualität den Tod, um zwischen Tod und neuer Geburt das weiterzuverarbeiten, was sie im Leben zwischen Geburt und Tod nicht verarbeiten kann. Es geht eine solche Seele durch das Leben zwischen Tod und neuer Geburt durch, um jetzt mit um so stärkeren Kräften, die sie beim Überwinden der Krankheit gewonnen hat, ihre Organisation weiter auszubilden, damit sie im neuen Leben um so mehr wirken kann. In dieser Weise kann förmlich durch die Anwesenheit einer Krankheit eine Art Abschlagszahlung bewirkt werden, die dann erst ergänzt wird nach dem Durchgehen durch den Tod zu dem, was sie sein soll.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir die Sache so betrachten, werden wir uns sagen müssen: Es erscheint durchaus im Karma begründet, daß die eine Krankheit ausgeht mit der Heilung, die andere mit dem Tod. - Wenn wir so die Krankheiten ansehen, werden wir von einem höheren Gesichtspunkt aus durch Karma eine Art Versöhnung, eine tiefe Versöhnung mit dem Leben gewinnen; denn wir werden wissen, daß es in der Gesetzmäßigkeit von Karma liegt, daß, selbst wenn eine Krankheit mit dem Tode ausgeht, der Mensch gefördert wird, daß selbst in einem solchen Falle die Krankheit das Ziel hat, den Menschen höher zu bringen. Nun darf niemand daraus etwa den Schluß ziehen: dann könnte es auch sein, daß wir geradezu den Tod herbeiwünschen müßten in gewissen Krankheitsfällen. Das darf niemand sagen, weil die Entscheidung darüber, was eintreten soll, ob Heilung oder Unheilbarkeit, einer höheren Vernünf tigkeit zufällt, als die ist, welche wir mit unserem gewöhnlichen Bewußtsein umfassen können. Mit unserem gewöhnlichen Bewußtsein müssen wir uns bescheiden innerhalb der Welt zwischen Geburt und Tod, bei solchen Fragen stehenzubleiben. Mit unserem höheren Bewußtsein dürfen wir uns allerdings selbst auf den Standpunkt stellen, der sogar den Tod hinnimmt als ein Geschenk der höheren geistigen Mächte. Mit demjenigen Bewußtsein aber, das helfen und eingreifen soll ins Leben, dürfen wir uns nicht vermessen, uns auf diesen höheren Gesichtspunkt zu stellen. Da könnten wir uns leicht irren und würden in einer unerhörten Weise eingreifen in etwas, worin wir nie eingreifen dürfen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
in die menschliche Freiheitssphäre. Wenn wir einem Menschen helfen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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können, damit er die selbstheilenden Kräfte entwickelt, oder indem wir selbst der Natur zu Hilfe kommen, damit Heilung eintritt, so müssen wir das tun. Und soll die Entscheidung darüber fallen, ob der Mensch weiterleben soll oder ob er mehr gefördert wird, wenn der Tod eintritt, dann kann sie niemals anders als so fallen, daß unsere Hilfe eine Hilfe in der Heilung sein kann. Ist sie dies, so setzen wir es in des Menschen eigene Individualität, seine Kräfte anzuwenden, und die ärztliche Hilfe kann dabei nur eine solche sein, die ihn darin unterstützt. Dann wirkt sie nicht hinein in die menschliche Individualität. Ganz anders wäre es, wenn wir eines Menschen Unheilbarkeit in der Weise fördern würden, daß er sein weiteres Fortkommen in einer anderen Welt suchte. Da würden wir in seine Individualität eingreifen und seine Individualität einer andern Wirkungssphäre übergeben. Dann hätten wir unseren Willen der andern Individualität aufgedrängt. Diese Entscheidung müssen wir der Individualität selbst überlassen. Das heißt mit andern Worten: Wir müssen so viel als möglich tun, damit eine Heilung geschieht. Denn alle Überlegungen, die zu einer Heilung führen, kommen aus dem Bewußtsein, das für unsere Erde berechtigt ist; alle andern Maßnahmen würden übergreifen über unsere Erdensphäre; da müssen andere Kräfte eingreifen als die, welche in unser gewöhnliches Bewußtsein hineinfallen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So sehen wir, daß ein richtiges karmisches Verständnis über Heilbarkeit und Unheilbarkeit von Krankheiten dazu führt, daß wir alles aufbringen werden, um dem Menschen zu helfen in der Krankheit; und auf der andern Seite führt es uns auch dazu, daß wir, wenn aus andern Sphären eine andere Entscheidung getroffen wird, diese ebenfalls zu unserer Befriedigung hinnehmen. Etwas anderes haben wir in bezug auf diese andere Entscheidung auch gar nicht nötig. Nötig haben wir, daß wir einen Gesichtspunkt finden, daß uns die Unheilbarkeit einer Krankheit nicht niederdrückt,als ob dieWelt nur das Unvollkommene, das Schlimme und Schlechte hätte. Karmisches Verständnis lähmt nicht unsere Tatkraft in bezug auf das Heilen. Karmisches Verständnis wird uns auf der andern Seite auch wieder in Harmonie bringen mit dem schwersten Schicksal in bezug auf Unheilbarkeit dieser oder jener Krankheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
So haben wir heute gesehen, wie uns karmisches Verständnis allein möglich macht, den Verlauf einer Krankheit in der richtigen Weise aufzufassen und zu begreifen, daß wir geradezu hineinleuchten sehen die karmischen Wirkungen aus unseren früheren Leben in das gegenwärtige. Beispiele im einzelnen werden sich uns noch bei Besprechung der nächsten Fragen darbieten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun wird es uns obliegen, zu unterscheiden zwischen zwei besonderen Krankheitsformen, zwischen denjenigen, welche aus dem menschlichen Inneren kommen, und die ganz besonders erscheinen als durch das Karma herbeigetragen, und zwischen jenen Erkrankungen, die uns scheinbar zufällig treffen dadurch, daß wir äußeren Schädigungen aus gesetzt sind, daß uns dieses oder jenes passiert. Kurz, es wird sich darum handeln: Wie können wir zu einem karmischen Verständnis auch dann kommen, wenn wir zum Beispiel unter die Räder eines Eisenbahnzuges kommen? Das heißt, wie sind sogenannte «zufällige» Erkrankungen durch das Karma zu begreifen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
= FÜNFTER VORTRAG Hamburg, 20. Mai 1910 =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Inhalt des gestrigen Vortrages ist von großer Wichtigkeit sowohl für unsere nächsten Betrachtungen wie auch für das Verständnis der karmischen Zusammenhänge überhaupt. Deshalb - wegen dieser ein- schneidenden Wichtigkeit - lassen Sie mich heute noch einmal in den Hauptzügen kurz zusammenfassen, was der gestrige Vortrag enthalten hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir gingen davon aus, daß sich die Anschauungen über Heilung und über Heilmittel im Laufe verhältnismäßig kurzer Zeiten im letzten Jahrhundert ziemlich radikal verändert haben. Und wir haben darauf hingewiesen, wie im 16. und 17. Jahrhundert namentlich eine Anschauung sich ausbildete, welche ganz und gar auf dem Boden fußte: Für eine jede Krankheit, die mit einem Namen bezeichnet wurde und die man glaubte begrifflich abgrenzen zu können, müßten sich auch diese oder jene Heilmittel in der Welt finden. Und man glaubte mit Sicherheit, daß, wenn das betreffende Mittel angewendet würde, es auf den Verlauf der Krankheit einen Einfluß haben müsse. Wir haben dann darauf hingewiesen, wie sich diese Anschauung mehr oder weniger bis ins 19. Jahrhundert hinein erhalten hat, dann aber danebengestellt den absoluten Gegensatz dieser Anschauung, der sich namentlich zum Ausdruck gebracht hat in dem Nihilismus derWiener medizinischen Schule, der seinen Ausgangspunkt genommen hat von dem berühmten Mediziner Dietl, und seinen Fortgang gefunden hat in Skoda und dessen verschiedenen Schülern. Und wir haben die nihilistische Richtung dadurch charakterisiert, daß wir sagten: Sie fing nicht nur an, über den` absoluten Zusammenhang zwischen diesem oder jenem Heilmittel, zwischen diesen oder jenen Handgriffen in bezug auf die Krankheitsbehandlung und die Krankheit selber gründliche Zweifel zu haben, sondern sie wollte von einem solchen Zusammenhang nichts mehr wissen. Und es kam in die Gemüter der unter dem Einfluß dieser Schule stehenden jungen Ärzte die Anschauung von der sogenannten «Selbstheilung&amp;gt; hinein. Skoda selbst hat ja den für diese Schule bedeutungs&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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vollen Satz ausgesprochen: Wir können eine Krankheit diagnostizieren, wir können sie vielleicht auch erklären und beschreiben; aber Mittel haben wir gegen die Krankheit nicht. - Und de,n Ausgangspunkt nahm diese Richtung davon, daß Dietl nachweisen konnte, daß bei der ab- wartenden Behandlung eine Krankheit wie die Lungenentzündung so verläuft, daß sie innerhalb einer bestimmten Zeit die selbstheilenden Kräfte entwickelt, wenn man nur die nötigen Bedingungen dafür schafft. Und er konnte statistisch nachweisen, daß bei der abwartenden Behandlung ebenso viele Menschen geheilt wurden oder auch starben wie bei Verabreichung der sonst gebräuchlichen Mittel. Damals war die Bezeichnung «therapeutischer Nihilismus» durchaus nicht unberechtigt; denn es war eine absolute Wahrheit, daß sich die Ärzte dieser Schule gar nicht schützen konnten gegen die Meinung der Kranken, daß ein Mittel, ein Rezept eben da sein muß. Der Kranke gab nicht nach, seine Umgebung auch nicht - Mittel mußten verschrieben werden, und die Anhänger dieser Schule halfen sich dann gewöhnlich dadurch, daß sie dünn aufgelösten arabischen Gummi verschrieben, der nach der Meinung der Anhänger der Schule ganz dieselbe Wirkung haben sollte wie die früher angewendeten Mittel. Wir haben daraus erkennen gelernt, wie geradezu hindrängt die moderne wissenschaftliche Tatsachenwelt zu dem, was wir den karmischen Zusammenhang im Leben nennen können. Denn wir mußten uns nun die Frage beantworten: Wie geschieht denn eigentlich das, was man nennen könnte «Selbstheilung»? Oder besser gesagt: Warum geschieht es? Und warum kann in einem andern Falle eine Selbstheilung oder überhaupt eine Heilung nicht eintreten?&lt;br /&gt;
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Wenn eine ganze Schule, an deren Spitze medizinische Koryphäen standen, darauf verfallen konnte, den Begriff der Selbstheilung einzuführen, so hätte einer, der darüber nachdenkt, dazu kommen müssen, zu sagen: Also wird im Krankheitsprozeß etwas wachgerufen, was zur Überwindung der Krankheit führt! Und das hätte weiter dazu führen müssen, den geheimeren Gründen des Krankheitsverlaufes nachzuspüren. Wir haben nun versucht, darauf hinzuweisen, wie ein solcher karmischer Zusammenhang innerhalb der Menschheitsentwickelung für den Krankheitsverlauf gesucht werden kann. Wir haben gezeigt, daß &lt;br /&gt;
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allerdings das, was der Mensch in seinem gewöhnlichen Leben vollführt an guten und bösen Handlungen, an gescheiten und unsinnigen Handlungen, was er erlebt an richtigen und verkehrten Gemütsauffassungen, daß alles das nicht tief hineingeht in die Untergründe der menschlichen Organisation. Und wir haben den Grund aufgezeigt, warum das, was für das gewöhnliche Leben der moralischen, der intellektuellen und gemüthaften Beurteilung unterliegt, nur an der Oberfläche des gewöhnlichen Lebens sitzenbleibt und nicht dem Gesetze unterliegt, das wir im andern Falle aufzeigen konnten: die tieferliegenden Kräfte der Menschenorganisation zu beeinflussen. Wir haben gezeigt, daß es gleichsam eine Art von Hemmnis gibt gegen das Eindringen der Unmoralität in die tieferen Kräfte des Organismus. Und diese Abwehr gegen das Eindringen dessen, was wir tun und denken, in die Kräfte unserer Organisation liegt darin, daß wir unsere Handlungen, die wir zwischen Geburt und Tod vollbringen, mit unseren bewußten Vorstellungen begleiten. Indem wir eine Handlung oder ein sonstiges Erlebnis mit einer bewußten Vorstellung begleiten, schaffen wir eine Schutzwehr dagegen, daß das Resultat unserer Handlungen hinunterrückt in unseren Organismus. Wir haben dann darauf hingewiesen, welche Bedeutung jenen Erleb nissen zukommt, die unwiederbringlich vergessen worden sind. Da liegt nicht mehr die Möglichkeit vor, sie wieder ins bewußte Vorstellungsleben hinaufzurücken; sondern von solchen Erlebnissen mußten wir sagen, daß sie schon in bestimmter Weise, weil die Schutzwehr derVorstellung fehlt, hinunterdringen in unsere innere Organisation und dort mitwirken können an den gestaltenden Kräften unseres Organismus. Und wir haben hinweisen können auf die Krankheitsformen, welche noch mehr an der Oberfläche liegen: Neurose, Neurasthenie und dergleichen. Sogar hysterische Zustände erfahren da eine Beleuchtung. Wir sagten, daß die Ursachen für solche Zustände gesucht werden müssen in den aus dem Bewußtseinskomplex herausgefallenen,vergessenenVorstellungen, die hinuntergesunken sind in das Innere und sich - wie Einschiebsel unseres Seelenlebens - als Krankheiten geltend machen. - Wir haben darauf hingewiesen, welche ungeheure Bedeutung jener Zeitraum hat, der verläuft von der Geburt bis zu dem Zeitpunkt, wo sich der Mensch an seine Erlebnisse zurückerinnern kann, und es wurde darauf &lt;br /&gt;
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aufmerksam gemacht, wie das, was früher vergessen worden ist, im lebenden Organismus fortwirkt, indem es gleichsam mit den tieferen Kräften der Organisation einen Bund schließt und von dort aus unsere Organisation selber beeinflußt. Es muß also ein Komplex von Vorstellungen, eine Reihe von Erlebnissen hinuntersinken in tiefere Untergründe unseres Wesens, bevor er eingreifen kann in unsere Organisation.-Wir haben dann darauf hingewiesen,wie am gründlichsten dieses Hinuntersinken geschieht, wenn der Mensch durch die Pforte des Todes gegangen ist und das weitere Dasein durchlebt zwischen Tod und neuer Geburt. Da verwandeln sich alle Erlebnisse in ihren Qualitäten in solche Kräfte, welche jetzt organisierend wirken. Und was der Mensch in der Zeit zwischen Tod und neuer Geburt empfunden und gefühlt hat, das nimmt er auf in die plastischen Kräfte, die beteiligt sind am neuen Aufbau des Leibes, wenn der Mensch jetzt neu ins Dasein tritt. Da hat er jetzt in den Bildungskräften das Resultat dessen da rinnen, was er früher noch in seinem Seelenleben, vielleicht auch sogar in seinem bewußten Vorstellungsleben hatte. Und nun konnten wir darauf hin- weisen, daß der Mensch mit seinem vom Ich durchtränkten Vorstellungsleben hin und her pendelt zwischen zwei Einflüssen: zwischen dem luziferischen und dem ahrimanischen Einfluß. Wenn der Mensch eine Verfehlung begeht, die hervorgerufen wird durch Eigenschaften seines astralischen Leibes, durch schlimme Affekte, Zorn und dergleichen, wird er zu Handlungen getrieben durch luziferische Mächte. Wenn dann solche Handlungen jenen Weg gehen, der eben jetzt bezeichnet worden ist, daß sie zu Bildungskräften werden, so haben wir sie in den gestaltenden Kräften, die nunmehr der neuen Leiblichkeit zugrunde liegen als luziferische Krankheitsursachen. Wir haben dann gesehen, wie der Mensch unterliegt den ahrimanischen Kräften, die mehr von außen hereinwirken. Und wieder mußten wir von den ahrimanischen Einflüssen sagen, daß sie sich umwandeln in Bildungskräfte, in gestaltende Kräfte des neu gebauten Organismus, der zustande kommt, wenn der Mensch durch die Geburt ins Dasein tritt. Und insofern sich die Einflüsse Ahrimans in die Bildungskräfte hineinmischen, können wir von Krankheitsanlagen sprechen mit ahrimanischem Charakter. Dann haben wir im einzelnen darauf hingewiesen, wie diese &lt;br /&gt;
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Kräfte, die sich in dieser Weise herausbilden, wirken. Und ich habe Ihnen radikale Beispiele gezeigt für dieses Wirken, weil an radikalen Beispielen die Vorstellung eine deutlichere, scharf umrissene wird. Ich sagte, man nehme an, daß ein Mensch im vorigen Lebenslauf alles das getan hat, was ihn nur zu einem geringen Selbstgefühl und Selbstvertrauen bringen kann, daß er sein Ich so präpariert hat, daß es nichts auf sich gehalten hat, nur in Allgemeinheiten aufging und so weiter. Ein solcher Mensch nimmt nach dem Tode die Tendenz auf, jenen Widerstand zu überwinden und die Kräfte aufzunehmen, welche ihn fähig machen, später im weiteren Verlauf der Inkarnation sein Ich kräftiger, vollkommener zu machen. Das wirkt so, daß er solche Verhältnisse dann sucht, die es ihm möglich machen, gegen dasjenige anzukämpfen, gegen was es gut ist, anzukämpfen mit einem schwachen Selbstgefühl, so daß ein schwaches Selbstgefühl sich an dem Widerstande stärken kann. Und wahr ist es, daß eine solche Tendenz den Menschen dazu führt, sozusagen Gelegenheiten aufzusuchen zur Cholera, weil er darin etwas vor sich hat, was ihm Gelegenheit bietet, jene Widerstände zu überwinden. Und in der Überwindung dieser Widerstände liegt das, was in der nächsten Inkarnation oder aber auch bei eingetretener Heilung in derselben Inkarnation zu einem stärkeren Selbstgefühl führen kann oder zu Kräften, welche ein stärkeres Selbstgefühl durch Selbsterziehung nach und nach heranreifen lassen. Wir haben dann gesagt, daß bei einer Krankheit wie der Malaria die Gelegenheit gegeben ist, etwas auszugleichen, was sich die Seele in einem früheren Leben als ein übermäßiges Selbstgefühl herangezüchtet hat durch ihre Handlungen und Empfindungen. - Diejenigen von Ihnen, welche frühere Betrachtungen unseres theosophischen Lebens mitgemacht haben, werden sich verdeutlichen können einen solchen Verlauf. Es wurde immer gesagt, daß das Ich des Menschen seinen physischen Ausdruck findet im Blut. Nun hängen die beiden Krankheiten, von denen wir eben gesprochen haben, mit dem Blut und den Gesetzen vom Blut zusammen; sie hängen so zusammen, daß beim Cholerafall eine Verdickung des Blutes eintritt. Diese Verdickung ist es, was als Widerstand zu bezeichnen ist, den das schwache Selbstgefühl durchmachen muß und an dem es sich heraner~iehen will. Ebenso können Sie es sich &lt;br /&gt;
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verdeutlichen, daß bei der Malaria eine Art Blutzerfall stattfindet und daß ein überstarkes Selbstgefühl die Möglichkeit braucht, daß es ad absurdum geführt wird, daß im Blutzerfall ein überstarkes Ich in seiner Anstrengung zur Nichtigkeit geführt wird. Das wird in dem Zerfall des Blutes geboten. - Die Dinge sind natürlich außerordentlich intim im Organismus zusammenhängend; aber wenn Sie darauf eingehen, werden Sie sie sich schon zum Verständnis bringen.&lt;br /&gt;
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Aus all dem ergab sich uns: Wenn wir einen Organismus haben, der gebildet ist von einer Seele, die in sich die Tendenz hat, dieses oder jenes nach der einen oder der andern Richtung zu überwinden, so führt diese Tendenz den Menschen dazu, in sich hineinzuprägen die Möglichkeit zur Krankheit, aber auch zugleich die Möglichkeit, anzukämpfen gegen die Krankheit, weil ja die Krankheit aus keinem andern Grunde hervorgerufen wird als aus dem, die Möglichkeit der Heilung zu haben. Und Heilung tritt dann ein, wenn der Mensch nach seinem Gesamtkarma durch die Überwindung der betreffenden Krankheit sich solche Kräfte aneignet, daß er in dem restlichen Leben bis zum Tode durch seine Arbeit auf dem physischen Plan wirklich sich vorwärtsbringen kann. Das heißt, wenn die zu erregenden Kräfte so stark sind, daß er auf dem physischen Plan das auch erreichen kann,weswegen die Krankheit hervorgerufen worden ist, dann arbeitet der Mensch gerade mit den ihm aus dem Heilprozeß zugeflossenen verstärkten Kräften weiter, die er früher nicht gehabt hat. Liegt aber sein Gesamtkarma so, daß er zwar die Absicht gehabt hat, seinen Organismus so zu gestalten, daß er durch die Überwindung der betreffenden Krankheit sich Kräfte zu- führt, welche zu seiner Vervollkommnung führen, daß aber, weil die Dinge mannigfaltig sind, er gleichzeitig den Organismus nach einer andern Richtung hin hat schwach sein lassen müssen, dann kann der Fall eintreten, daß diejenigen Kräfte, welche der Mensch herausstellt und anwendet im Heilprozeß, ihn zwar verstärken, aber doch nicht so weit, daß er dem Arbeiten auf dem physischen Plan schon gewachsen ist. Dann wird er das Stück, was er schon gewonnen hat - weil es auf dem physischen Plan nicht verwendbar ist -,verwenden,wenn er durch die Pforte des Todes geht, und er wird versuchen, das seinen Kräften hinzuzufügeri,was er auf dem physischen Plan nicht hinzufügen konnte, &lt;br /&gt;
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um diese Kräfte in der Ausgestaltung des nächsten Leibes zu zeigen, wenn er wieder in die Geburt tritt. Es bleibt uns noch, wenn wir das vor Augen haben, einen Hinweis zu geben, wie es sich mit denjenigen Krankheitsformen verhält, welche weder zu einer ordentlichen Heilung noch zum Tode führen, sondern zu chronischen Zuständen, zu einer Art von Siechtum oder dergleichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da liegt allerdings etwas vor,was im eminentesten Sinne für die meisten Menschen von einer großen Wichtigkeit ist zu wissen. Da liegt das vor, daß allerdings durch den Heilungsprozeß innerhalb der menschlichen Körperhüllen eingetreten ist, was nur zu erreichen war, daß also in gewissem Sinne die Krankheit überwunden ist. Aber in einem anderen Sinne ist sie doch nicht überwunden; das heißt, daß alles das, was an Ausgleich hat geschaffen werden sollen zwischen Ätherleib und physischem Leib, zwar erreicht worden ist, nicht aber das ausgeglichen worden ist, was an Disharmonie vorhanden war zwischen Ätherleib und astralischem Leib. Das bleibt zurück, und der Mensch pendelt hin und her zwischen Versuchen, zu heilen, und nicht heilen zu können. In einem solchen Falle ist es immer von einer ganz besonderen Wichtigkeit, daß der Mensch möglichst ausnutzt, was er an wirklicher Heilung errungen hat. Und das geschieht am allerwenigsten im Leben. Denn gerade bei solchen Krankheiten, die chronisch werden, befindet sich der Mensch in einem rechten Kreistanz darinnen. Wenn der Mensch in einem solchen Falle imstande sein würde, den Teil seiner Organisation, welcher in sich eine gewisse Heilung erfahren hat, zu isolieren, für sich sozusagen leben zu lassen, und wenn er davon dasjenige zurückziehen könnte, was da noch rumort und nicht in Ordnung ist und was in solchem Falle gewöhnlich mehr gegen das innere Seelenhafte zu liegt, dann würde sich der Mensch sehr viel helfen können. Aber dagegen wirkt das Allerverschiedenste, namentlich das, daß der Mensch, wenn er irgendeine Krankheit gehabt hat und ein chronischer Zustand zurückgeblieben ist, fortwährend unter dem Einflusse dieses Zustandes lebt und daß er - wenn ich mich grob ausdrücken darf - eigentlich niemals gründlich vergessen kann seinen Zustand, niemals gründlich dazu kommt, das, was in ihm doch noch nicht gesund ist, zurückzuziehen von diesem Zustande und es für sich zu behandeln; sondern er wird &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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durch das, was man nennen kann das fortwährende Denken an den andern Teil der Organisation, veranlaßt, gleichsam seinen gesunden Teil wieder in irgendeinen Zusammenhang zu bringen mit dem früher kranken Teil und diesen so neuerdings zu irritieren. Das ist ein besonderer Prozeß. Und um Ihnen diesen Prozeß klarzumachen, möchte ich Ihnen einmal den geisteswissenschaftlichen Tatbestand klarlegen, das, was das hellseherische Bewußtsein sieht, wenn jemand eine Krankheit durchgemacht und dabei etwas zurückbehalten hat, was man als etwas Chronisches bezeichnen kann. Dasselbe geschieht übrigens auch dann, wenn nicht eine besonders auffällige akute Erkrankung vorlag, sondern wenn sich ein Chronisches einstellt, ohne daß ein Akutes besonders bemerkt worden ist. Dann kann man in der Tat sehen, daß sich in den meisten Fällen ein gewisser schwankender Gleichgewichtszustand herausstellt zwischen dem Ätherleibe und dem physischen Leibe, ein Hinund-her-Pendeln von Kräften, wie es nicht sein soll, bei dem es sich aber doch leben läßt. Bei diesem Hin-und-her-Pendeln von Kräften des Ätherleibes und des physischen Leibes wird der betreffende Mensch fortwährend irritiert und dadurch erfüllt von fortdauernden Erregungszuständen. Die sieht das hellseherische Bewußtsein fortwährend auftauchen im astralischen Leibe, und diese Erregungszustände drängen sich fortwährend hinein in den halb kranken und halb gesunden Teil der Organisation, wodurch dann nicht ein stabiles, sondern ein labiles Gleichgewicht zustande kommt. Durch dieses Hineindringen der astralischen Erregungszustände wird der menschliche Zustand, der sonst viel besser sein könnte, in der Tat sehr verschlechtert. Ich bitte zu berücksichtigen, daß das Astralische in diesem Falle nicht zusammenfällt mit dem Bewußtsein, sondern daß es vorzugsweise mit dem zusammenfällt, was innere seelische Erregungen sind, die sich aber der Patient nicht eingestehen will. Weil in solchem Falle das Hemmende der Vorstellungen nicht da ist, deshalb wirken diese Zustände und Affekte, die Gemütserschütterungen, die fortwährenden Zustände des Überdrusses, des In-sich-unzufrieden-Seins nicht immer wie bewußte Kräfte, sondern wIe organisierende, wie Lebenskräfte, die in der tieferen Wesenheit des Menschen sitzen und fortwährend den halb gesunden, halb kranken Teil irritieren. Könnte nun der betreffende Patient es wirklich durch &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
starken Willen, durch Seelenkultur dazu bringen, wenigstens für eine gewisse Zeit seinen Zustand zu vergessen, so würde er daraus solche Befriedigung schöpfen, daß er dann schon aus dieser Befriedigung die Kraft ziehen könnte, um das weiter durchzuführen. Könnte er seinen Zustand vergessen, ganz von ihm absehen, mit starkem Willen sagen: Ich will mich jetzt nicht kümmern um meinen Zustand! - und würde er sodann die Seelenkräfte, welche er dadurch frei bekommt, auf etwas von geistigem Inhalt verwenden, was ihn erhebt, was ihn innerlich sättigt in seiner Seele, würde er diese Kräfte, die sich sonst immer damit beschäftigen, die Gefühle des Schmerzes, des Drückens und Stechens und was da alles ist, zu durchleben, frei bekommen, so würde ihm das eine große Befriedigung gewähren. Denn wenn man diese Gefühle nicht durchlebt, hat man die Kräfte ja frei; dann sind sie verfügbar. Freilich hilft es nicht viel, wenn man sich bloß sagt, man will dieses Klemmen und Stechen und so weiter nicht bemerken; denn wenn man die Kräfte, welche man da frei bekommt, nicht auf etwas Geistiges verwendet, werden die früheren Zustände bald wieder da sein. Wenn man aber die frei gewordenen Kräfte verwendet auf einen die Seele ganz in Anspruch nehmenden geistigen Inhalt, dann wird man bemerken, daß man auf einem komplizierten Wege das erreicht, was sonst unsere Organisation selber ohne unser Zutun in der Überwindung des Krankheitsprozesses erreicht. Es ist ja natürlich, daß der Betreffende dann sorgfältig darauf sehen muß, daß er nicht gerade seine Seele auf einem solchen Wege erfüllt, der wieder direkt zusammenhängt mit dem, was seine Erkrankung ist. Wenn jemand zum Beispiel an einer Schwäche seiner Augen leidet, und er beschäftigt sich, um nicht an die Schwäche seiner Augen zu denken, damit, daß er viel liest, um geistige Kräfte aufzunehmen, so ist es selbstverständlich, daß ihn das nicht zum Ziele führen kann. Aber ganz so weit herzuholen brauchen Sie sich die sogenannten kleinen Belege dafür nicht. Jeder kann an sich selbst bemerken, wenn er eine kleine Unpäßlichkeit hat, wie sehr es ihm nützt, wenn er es zu einem Vergessen seiner Unpäßlichkeit bringt, namentlich zu einem solchen Vergessen, das hervorgerufen wird durch eine anderweitige Beschäftigung. Das ist also ein positives, gesundes Vergessen! Da haben Sie schon einen Hinweis, daß wir nicht ganz machtlos sind gegen die &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
karmischen Wirkungen unserer Verfehlungen in früheren Lebensläufen, welche sich in Krankheiten zum Ausdruck bringen. Denn wir müssen uns sagen: Wenn wir zugeben, daß das, was im Leben zwischen Geburt und Tod einer moralischen, gemüthaften und intellektuellen Beurteilung unterliegt, in einem Leben nicht so tief gehen kann, daß es die Ursache zu einer organischen Erkrankung wird, daß es sich aber in der Zeit nach dem Tode bis zur neuen Geburt so tief in das Leben hinein- senken kann, daß es Krankheit bewirkt, dann müßte es doch auch möglich sein, diesen Prozeß wieder zurückzuverwandeln in einen Bewußtseinsprozeß!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Frage kann auch so gestellt werden: Wenn Krankheiten sich ausleben wie eine karmische Wirkung von geistigen oder sonstigen durch die Seele hervorgerufenen oder erfahrenen Erlebnissen, wenn sie also die Umwandlung solcher Ursachen sind, können wir uns dann nicht auch denken - oder erzählen uns davon die geistigen Tatsachen nichts -, daß das Umwandlungsprodukt, die Krankheit, vermeidbar ist, insofern vermeidbar, als wir statt des Heilungsprozesses, statt dessen, was aus den organischen Regionen herausgeholt wird, als Krankheit herbeigeholt wird zu unserer Erziehung, das geistige Gegenstück, das geistige Äquivalent dafür setzen? Daß wir, wenn wir klug genug sind, die Krankheit umwandeln in einen geistigen Prozeß und die Selbsterziehung, die wir durch die Krankheit ausführen sollen, sozusagen durch die Kräfte unserer Seele ausführen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daß so etwas in den Bereich derTatsachen gehört, möchte icil wieder durch ein Beispiel illustrieren. Wieder muß aber hierbei gesagt werden, daß nur solche Beispiele angeführt werden, die geisteswissenschaftlich untersucht sind; es sind nicht Hypothesenaufstellungen, sondern Fälle. Daher können Sie von mir nicht gerade eine Vollständigkeit verlangen - weil nicht Hypothesen aufgestellt werden, sondern Fälle, die als solche hingenommen werden müssen. Nehmen wir an, im späteren Leben bekommt eine Persönlichkeit Masern, und wir suchen nach dem karmischen Zusammenhang dieses Falles. Wir finden dabei, daß dieser Masernfall aufgetreten ist als eine karmischeWirkung von solchen Vorgängen in einem vorangegangenen Leben, die wir etwa so beschreiben können: Die betreffende Individualität war in einem vorhergehenden &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Leben eine solche, die sich nicht gern um die äußere Welt bekümmert hat, sich nicht gerade im grob egoistischen Sinne, aber doch viel mit sich selber beschäftigt hat; eine Persönlichkeit also, die viel nachgeforscht hat, nachgedacht hat, aber nicht an den Tatsachen der äußeren Welt, sondern die im inneren Seelenleben geblieben ist. Sie finden auch heute sehr viele Menschen, welche glauben, daß sie durch In-sich-abgeschlossen-Sein, durch Grübeln und so weiter zur Lösung von Welträtseln kommen können. Bei der Persönlichkeit, die ich meine, handelte es sich darum, daß sie mit dem Leben so fertigzuwerden suchte, daß sie innerlich nachgrübelte, wie man sich in diesem oder jenem Falle verhalten soll. Die Schwäche der Seele, welche sich daraus ergeben hat im Verlaufe des Lebens, führte dazu, daß im Leben zwischen Tod und neuer Geburt Kräfte erzeugt wurden, welche den Organismus in verhältnismäßig später Lebenszeit noch einem Masernanfall aussetzten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt können wir uns fragen: Wir haben auf der einen Seite den Masernanfall, der die physisch-karmische Wirkung ist eines früheren Lebens. Wie ist es denn aber nun mit dem Seelenzustand? Denn das frühere Leben gibt ja als karmische Wirkung auch einen gewissen Seelenzustand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Seelenzustand stellt sich so dar, daß die betreffende Persönlichkeit in dem Leben, wo sie auch den Masernanfall hatte, immer wieder und wieder Selbsttäuschungen unterworfen war. Da haben Sie also die Selbsttäuschungen anzusehen als die seelisch-karmische Folge dieses früheren Lebens und den Eintritt döer Masern als die physischkarmische Folge jenes Lebens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen wir nun an, dieser Persönlichkeit wäre es gelungen, bevor der Masernfall eintrat, etwas zu tun, um sich gründlich zu bessern, das heißt, um eine solche Stärke der Seele sich anzueignen, daß sie nicht mehr ausgesetzt wäre allen möglichen Selbsttäuschungen. Dann würde diese dadurch heranerzogene Seelenstärke dazu geführt haben, daß die Masernerkrankung hätte unterbleiben können, weil das, was im Organismus schon hervorgerufen war bei der Bildung dieser Organisation, seinen Ausgleich gefunden hätte durch die stärkeren Seelenkräfte, welche durch die Selbsterziehung herangezogen worden wären. Ich kann natürlich nicht ein halbes Jahr über diese Sachen reden; aber wenn Sie &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
weit im Leben herumschauen und alle Einzelheiten, welche sich als Erfahrungen darbieten, von diesem hier gegebenen Ausgangspunkt aus betrachten würden, so würden Sie immer finden,daß das äußereWissen voll bestätigen würde - bis in alle Einzelheiten -, was hier gesagt worden ist. Und was ich jetzt gesagt habe über eine Masernerkrankung, das kann zu Gesichtspunkten führen, die erklären, warum Masern gerade zu den gebräuchlichen Kinderkrankheiten gehören. Denn die Eigenschaften, die genannt worden sind, kommen in sehr vielen Leben vor. Insbesondere in gewissen Zeitperioden haben sie in vielen Leben grassiert. Und wenn dann eine solche Persönlichkeit ins Dasein tritt, wird sie so schnell wie möglich Korrektur üben wollen auf diesem Gebiet und in der Zeit zwischen der Geburt und dem gewöhnlichen Auftreten der Kinderkrankheiten, um organische Selbsterziehung zu üben, die Masern durchmachen; denn von einer seelischen Erziehung kann ja in der Regel in diesem Alter nicht die Rede sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daraus sehen Sie, daß wir wirklich davon sprechen können, daß die Krankheit in gewisser Beziehung wieder zurückverwandelt werden kann in einen geistigen Prozeß. Und das ist das ungeheuer Bedeutsame, daß wenn dieser Prozeß in die Seele als Lebensmaxime aufgenommen wird, er eine Anschauung erzeugt, die gesundend auf die Seele wirkt. In unserer Zeit braucht man sich nicht besonders zu wundern, daß man so wenig auf die Seelen wirken kann. Und wer die Zeit heute vom geisteswissenschaftlichen Standpunkt aus durchschaut, der wird es begreifen, daß so viele Mediziner, so viele Ärzte Materialisten werden, können, das heißt, verzweifeln an einem seelischen Einfluß. Denn die Mehrzahl der Menschen beschäftigt sich ja überhaupt nicht mit etwas, was eine befruchtende Kraft hat. All das Zeug, was heute durch die gebräuchliche Literatur geht, hat für die Seelen keine befruchtende Kraft. Deshalb fühlt der, welcher für die Geisteswissenschaft wirken will, in diesem theosophischen Wirken auch etwas im eminenten Sinne Gesundendes, weil das geisteswissenschaftliche Wissen der Menschheit wieder etwas bringen kann, was sich so in die Seelen hineinergießt, daß die Seele abgezogen wird von dem, was die leibliche Organisation bildete. Man darf nur nicht verwechseln, was im Anfang einer solchen Bewegung auftritt, mit dem, was die Bewegung wirklich sein kann. &lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Es werden ja in die theosophische Bewegung tatsächlich Dinge hinein- gebracht, welche in der äußeren Welt auch grassieren, das heißt, es bringen die Menschen, wenn sie Theosophen werden, vielfach genau dieselben Interessen der Theosophie entgegen, die sie für die Dinge draußen auch haben, und auch alle Unarten, die sie draußen haben. Da wird vieles hineingetragen von den Schattenseiten unseres Zeitalters. Dann aber, wenn sich irgendwelche Schattenseiten bei den Betreffenden zeigen, sagt man, das habe die Theosophie bewirkt. Das ist natürlich eine sehr billige Auskunft!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir so den karmischen Faden sich ziehen sehen von einer Inkarnation in die andere, so haben wir damit die entsprechende Wahrheit doch nur von einer Seite erfaßt. Es werden sich demjenigen, der ein Gefühl dafür erhält, wie sich der karmische Faden von Inkarnation zu Inkarnation hindurchzieht, noch viele Fragen ergeben, die im Laufe der Vorträge berührt werden sollen. Vor allen Dingen muß die Frage berührt werden: Wie hat man zu unterscheiden zwischen einer Krankheit, bei der man äußere Ursachen angeben kann, und einer solchen Krankheit, die voll veranlagt liegt in der menschlichen Organisation selber, so daß man glaubt, was da vorliegt, damit abfertigen zu können, daß man sagt, die Krankheit ist ganz von selbst gekommen, und eine äußere Veranlassung liege nicht vor. - Ganz so stehen ja die Dinge nicht. Aber von gewisser Seite ist es doch berechtigt zu sagen, daß Krankheiten auftreten, für die der Mensch durch sein Inneres besonders disponiert ist. Für zahlreiche Krankheitserscheinungen wird man da- gegen doch äußere Ursachen angeben können. Natürlich nicht für alles, was uns passiert, aber für manches, was uns von außen her zustößt, zum Beispiel, wenn wir ein Bein brechen, müssen wir äußere Ursachen ins Feld führen. Auch das müssen wir zu den äußeren Ursachen zählen, was durch die Witterung geschieht, und ebenso die zahlreichen Krankheitsfälle, deren Ursachen in den schlechten städtischen Wohnungen zu suchen sind. Da eröffnet sich uns wieder ein weites Feld. Und für den, der mit Erfahrungen in die Welt blickt, ist es auch jetzt erklärlich, daß die heutige Moderichtung der Medizin dazu kommt, Krankheitsursachen in den äußeren Einwirkungen, besonders in den Bazillen, zu suchen, von denen ein geistreicher Herr nicht mit Unrecht gesagt hat: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Heute kommen Krankheiten von den Bazillen, wie man ehedem gesagt hat, Krankheiten kommen von Gott oder vom Teufel. Im 13.Jahr- hundert sagte man, Krankheiten kommen von Gott, im 15. Jahrhundert sagte man, sie kommen vom Teufel. Später hieß es dann, sie kommen von den Säften, und heute sagt man, die Krankheiten kommen von den Bazillen. Das sind die Ansichten, die sich abgelöst haben im Laufe der Zeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So müssen wir also sprechen von äußeren Ursachen des menschlichen Krankseins oder Gesundseins. Und da kann der gegenwärtige Mensch leicht versucht sein, ein Wort zu gebrauchen, welches im Grunde sehr geeignet ist, in unsere ganze Weltauffassung Unordnung hineinzubringen. Wenn jemand, der vorher ganz gesund war, in eine durch Influenza oder Diphtherie verseuchte Gegend kommt und hernach erkrankt, so wird der heutige Mensch ganz gewiß geneigt sein zu sagen, daß der Betreffende den Krankheitskeim dadurch aufgenommen hat, daß er in jene Gegend gekommen ist, und er wird dann leicht das Wort Zufall gebrauchen. Von zufälligen Einflüssen wird man heute leicht sprechen. - Das Wort Zufall ist so recht eine Crux, ein Kreuz für jede Weltanschauung. Und solange man eigentlich nicht einmal den Versuch macht, sich ein wenig klarzuwerden über das, was man so leicht mit Zufall bezeichnet, wird man auch nicht vordringen können zu einer einigermaßen befriedigenden Weltanschauung. So stehen wir nun am Ausgangspunkt des Kapitels «Natürliche und zufällige Erkrankungen des Menschen». Da geht es aber nicht anders, als daß wir einleitend heute versuchen, auf das Wort Zufall ein wenig Licht zu werfen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ist nicht der Zufall selber etwas, was uns mißtrauisch machen könnte gegen das, was sich der Mensch heute leicht dabei denkt? Ich habe schon früher einmal darauf aufmerksam gemacht, daß ein geistvoller Mann im 18.Jahrhundert nicht ganz unrecht hatte, als er über die Sitte, großen Entdeckern, Erfindern und so weiter Denkmäler zu errichten, den Ausspruch tat, man müßte doch, wenn man den geschichtlichen Verlauf objektiv betrachtet, die weitaus meisten Denkmäler dem «Zufall» errichten! Und sonderbar: Wenn man eingeht auf die Geschichte, kann man merkwürdige Entdeckungen machen über &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
das, was sich hinter dem Zufall verbirgt. Ich habe Ihnen erzählt, daß die Erfindung des Fernrohres dem Spiel zu verdanken ist, das Kinder in einer optischen Werkstätte mit optischen Gläsern getrieben haben; dabei kam eine Konstellation zustande, durch die jemand das Fernrohr zustande brachte. Man könnte auch hinweisen auf die berühmte Lampe im Dom zu Pisa, die schon früher vor Tausenden und Tausenden von Menschen ihre Schwingungen mit derselben Regelmäßigkeit ausgeführt hat wie vor Galilei. Aber erst Galilei probierte, wie die Schwingungen zusammenstimmten mit dem Gang seiner Blutzirkulation, und dadurch kam er zu der Auffindung der Pendelgesetze. Würden wir die Pendelgesetze nicht gehabt haben, so würde unser ganzes Kulturleben einen andern Anstrich bekommen haben. Versuchen Sie, ob Sie nicht in der Menschheitsentwickelung einen Sinn suchen können und ob Sie dann noch sagen möchten, daß nur ein Zufall gewaltet hat, zum Beispiel bei Galilei, und ihn zu dieser wichtigen Entdeckung gebracht hat. Aber nehmen wir einen andern Fall.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denken wir daran, was die Luthersche Bibelübersetzung bedeutet für die Kulturländer der europäischen Welt. Machen wir uns klar, was für einen tiefgehenden Einfluß sie genommen hat auf das religiöse Fühlen und Denken und anderseits auf die Heranbildung dessen, was wir die deutsche Schriftsprache nennen. Ich will nur die Tatsache hin- stellen, ohne davon zu sprechen, wie man über sie denken soll; nur daß sie diesen tiefgehenden Einfluß gehabt hat, will ich betonen. Sie müssen nun doch versuchen, einen Sinn zu sehen in jener Erziehung der Menschheit, die seit mehreren Jahrhunderten durch die Luthersche Bibelübersetzung bewirkt worden ist. Wenn Sie es versuchen, darin einen Sinn zu sehen, dann stellen Sie einmal neben dasjenige, was Sie so geistvoll wie möglich über den Sinn der Entwickelung seit dem 16. bis 17. Jahrhundert sagen können, die folgende Tatsache:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Luther hat sich bis zu einer gewissen Zeit seines Lebens tief beschäftigt mit allem, was seine eigene Persönlichkeit zu einer Art von Gotteskindschaft führen könnte durch die Bibellektüre. Er war übergegangen von der Gepflogenheit der Augustiner, vorzugsweise die Kirchenväter zu lesen, zu dem Genuß des Lesens der Bibel selber. Aber alles sprach jetzt dafür, daß sich in seiner Seele entzünden sollte die Gotteskind&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
schaft in einem umfassenden Gefühl. Und von diesem Gesichtspunkt aus oblag er seinem theologischen Lehramt in der ersten Wittenberger Period,e. Die Tatsache, die ich nun hervorheben möchte, ist die, daß Luther eine gewisse Abneigung hatte, sich den theologischen Doktortitel zu verschaffen, und daß er in einer zufälligen Unterredung, als er einmal zusammensaß mit einem alten Freunde des ErfurterAugustinerklosters, wirklich überredet worden ist, sich den theologischen Doktorhut zu erringen. Das hieß aber nun für ihn ein nochmaliges und wie,der-~ holtes Studium der Bibel. Da hat also das zufällige Zusammensitzen mit seinem Freunde zu einem nochmaligen Studium der Bibel geführt und dann zu alledem, was dadurch zum Ausdruck gekommen ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Versuchen Sie den Sinn für das, was für die letzten Jahrhunderte angedeutet worden ist, zusammenzuhalten mit der Tatsache, daß Luther einmal mit jenem Freunde zusammengesessen hat und sich zur Erringung des theologischen Doktorhutes hat überreden lassen: Da werden Sie eine merkwürdig groteske Zusammenstellung zu machen genötigt sein zwischen dem Sinn der Entwickelung und dem zufälligen Ereignis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was Sie zunächst aus dem Gesagten herauslesen werden, ist, daß es sich vielleicht doch mit der Bedeutung des Zufalles etwas anders verhalten könne, als man gewöhnlich denkt. Gewöhnlich denkt man, daß der Zufall etwas sei, was sozusagen durch die Naturgesetze, durch die Gesetze des Lebens sich überhaupt nicht restlos erklären lasse, daß er eine Art von Überschuß bilde gegenüber dem, was sich erklären läßt. Nehmen Sie nun zu dem, was eben gesagt worden ist, die Tatsache, die uns ja schon zum Verständnis so vieler Seiten des Lebens verholfen hat: daß der Mensch in seiner Individualität seit seinem Erdendasein unterworfen war den beiden Kräften des luziferischen und des ahrimanischen Prinzips. Diese Kräfte und Prinzipien spielen fortwährend in den Menschen hinein, wobei die luziferischen Kräfte mehr dadurch wirken, daß sie das Innere des astralischen Leibes des Menschen ergreifen, während die ahrimanischen Kräfte mehr wirken durch das, was der Mensch als äußere Eindrücke empfängt. In dem, was wir von der Außenwelt empfangen, sitzen die ahrimanischen Kräfte; und in dem, was als Lust oder Unlust, als Affekte und so weiter in der Seele aufsteigt und wirkt, sitzen die luziferischen Kräfte. Nun führt sowohl das &lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Iuziferische wie das ahrimanische Prinzip dazu, daß wir uns Täuschungen hingeben; das luziferische Prinzip führt dazu, daß wir uns über unser eigenes Inneres Täuschungen hingeben, daß wir über unser eigenes Inneres falsch urteilen können, eine Illusion im eigenen Inneren schauen können. Es wird Ihnen nicht schwer werden, wenn Sie das Leben vernünftig betrachten, diese Maja im eigenen Seelenleben gewahr zu werden. Versuchen Sie es zu betrachten, wie unendlich oft sich der Mensch einredet, er tue dieses oder jenes aus diesem oder jenem Grunde. Er tut es aber gewöhnlich aus einem ganz andern Grunde, der wesentlich tiefer sitzt; aber er erklärt sich die Handlung, zu der er getrieben wird durch Zorn und Leidenschaft, in seinem Oberbewußtsein auf eine ganz andere Art. Namentlich versucht er das, was in der Welt nicht geschätzt wird, hinwegzudekretieren. Und wenn der Mensch aus recht egoistischen Affekten heraus zu etwas getrieben wird, werden Sie es oft erleben können, daß er seinen grobklotzig-egoistischen Trieben ein unegoistisches Mäntelchen umhängt und erklärt, warum es hat geschehen müssen. Der Mensch weiß aber gewöhnlich selbst nicht, daß er so vorgeht. Wenn er es weiß, tritt gewöhnlich schon der Anfang zu einer Besserung mit einem gewissen Schamgefühl ein. Das schlimmste ist, daß der Mensch aus der Tiefe seiner Seele heraus zu etwas getrieben wird - und sich dann ein Motiv ausdenkt, aus dem er die betreffende Handlung getan habe. Das haben auch schon die modernen Psychologen bemerkt. Aber nur weil heute so wenig psychologische Bildung vorhanden ist, kommen derartig groteske Ausbildungen solcherWahrheiten zustande, wie das bei den heutigen materialistischen Psychologen der Fall ist. Sie kommen zu ganz eigenartigen Ausdeutungen des Lebens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Derjenige, der als Geistesforscher eine solche Tatsache bemerkt, wird sie natürlich in ihrer wahren Bedeutung durchschauen und so charakterisieren, daß in der Tat die zwei Dinge zusammenwirken: das Bewußtsein, und das, was als die tieferen Gründe unter der Schwelle des Bewußtseins waltet. Bemerkt es aber ein materialistischer Psychologe, so wird er die Sache anders behandeln. Da spintisiert er gleich eine Theorie heraus über den Unterschied zwischen dem Vorwand, den der Mensch zu einer Handlung annimmt, und zwischen dem eigentlichen Motiv. - Wenn zum Beispiel ein Psychologe spricht über die heute so &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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viel notierten Schülerselbstmorde, so sagt er, was als Vorwand dazu angeführt würde, das sei nicht das eigentliche Motiv; die eigentlichen Motive lägen viel tiefer: sie lägen meistens in einem irregeleiteten Geschlechtsleben. Diese würden umgewandelt, so daß sie dann dem Bewußtsein diese oder jene Gründe vortäuschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine solche Sache kann oft richtig sein. Aber es würde sie derjenige nIe zu einer umfassenden Theorie machen, der nur ein wenig berührt worden wäre von einer wahrhaft tieferen psychologischen Denkungsart. Eine solche Theorie kann leicht widerlegt werden, denn der Betreffende müßte bedenken: Wenn wirklich der Fall so liegt, daß der Vorwand nichts ist und das Motiv alles, so müßte man das auch bei diesem Psychologen anwenden können und sagen: Es ist also auch bei dir dasjenige, was du hier vorbringst und als Theorie entwickelst, nur Vorwand; suchen wir nach den tieferen Gründen, so sind vielleicht deine angegebenen Gründe ganz derselben Natur. - Hätte ein solcher Psychologe ernsthaft gelernt, warum ein Urteil unmöglich ist, das nach einem solchen Schluß aufgebaut ist wie: Alle Kretenser sind Lügner -, und daß ein solches Urteil schief ist, wenn es ein Kretenser selbst sagt; hätte er gelernt den Grund, warum das so ist, so hätte er auch gelernt, was für sonderbare Zirkelschlüsse dadurch herauskommen, daß man auf gewissen Gebieten Behauptungen auf sich selber zurücktreiben kann. Aber es ist eben fast in dem ganzen Umfange unserer Literatur eine außerordentlich geringe wirklich tiefere Bildung vorhanden. Daher bemerken die Leute dasjenige, was sie selbst tun, gewöhnlich durchaus nicht mehr. Deshalb wird es gerade für die Geisteswissenschaft durchaus notwendig sein, daß solche logischen Konfusionen nach jeder Hinsicht vermieden werden. Am wenigsten vermeiden solche logischen Konfusionen die modernen Philosophen, die sich mit Seelenwissenschaft beschäftigen. Und unser Beispiel ist ein typisches dafür. Wir sehen daran die Streiche, die luziferische Einflüsse dem Menschen spielen, so daß sie ihm das Seelenleben in eine Maja verwandeln und daß er sich ganz andere Motive vortäuschen kann, als sie wirklich in seinem Inneren walten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf diesem Gebiete sollte der Mensch versuchen, eine strengere Selbsterziehung zu handhaben. Heute handhabt sich das Wort gewöhnlich&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
sehr leicht. Aber dieses Wort ist auch ein furchtbarer Verführer. Und wenn das Wort nur schön klingt und nur ein klein wenig den Eindruck macht, daß ein Satz eine wohltätige Handlung vorstellt, dann wird schon das Schönklingen des Satzes Verführer sein, zu glauben, daß das betreffende Motiv in der Seele sei, während in Wahrheit das egoistische Prinzip dahinterstecken kann, von dem der Betreffende gar keine Ahnung zu haben braucht, weil er gar nicht den Willen hat, wirkliche Selbsterkenntnis zu treiben. So sehen wir Luzifer auf der einen Seite wirken. Wie wirkt nun Ahriman auf der andern Seite?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ahriman ist das Prinzip, das sich in unsere Wahrnehmungen mischt und von außen in uns hineinzieht. Nun wirkt Ahriman am allerstärksten in den Fällen, wo wir das Gefühl haben: Hier kommst du mit deinem Denken nicht mehr nach; da stehst du an einem kritischen Punkt mit deinem Denken, da fängt sich das Denken wie in einem Gedankenknäuel. - Da ergreift das ahrimanische Prinzip die Gelegenheit, um wie durch einen Spalt der Außenwelt in uns einzudringen. Wenn wir den Gang der Weltereignisse verfolgen und die mehr offenbaren Ereignisse ansehen, wenn wir zum Beispiel die heutige Physik zurückverfolgen bis zu dem Moment, wo Galilei vor der schwingenden Kirchenlampe im Dom zu Pisa saß, so können wir ein Gedankennetz über alle Ereignisse spinnen, das uns die Sache leicht erklärt; überall werden uns die Dinge erklärlich werden. Da aber, an der Stelle, wo wir zu der schwingenden Kirchenlampe kommen, da verwickeln sich unsere Gedanken. Da ist das Fenster, wo die ahrimanischen Kräfte am allerstärksten in uns eindringen, und da hört unser Denken auf, dasjenige aus den Erscheinungen zu begreifen,wasVernunft und Verständnis in die Sache hineinbringen kann. Da sitzt aber auch das, was man den Zufall nennt. Er sitzt da, wo uns Ahriman am allergefährlichsten wird. Diejenigen Erscheinungen nennt der Mensch zufällig, bei denen er durch den ahrimanischen Einfluß am allerleichtesten getäuscht werden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So wird der Mensch verstehen lernen, daß es nicht in der Natur der Tatsachen liegt, wenn er irgendwo veranlaßt wird, von Zufall zu sprechen, sondern daß es an ihm, an seiner Entwickelung liegen wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und er wird sich nach und nach dazu erziehen müssen, Maja und Illusion zu durchdringen, das heißt, dort die Dinge zu durchdringen, wo&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|112}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ahriman am stärksten wirkt. Und gerade wo wir zu sprechen haben von wichtigen Krankheitsursachen und von einem Licht, das sich über manchen Krankheitsverlauf breiten soll, da werden wir es nötig haben, von dieser Seite her die Erscheinungen anzugreifen. Da werden wir zuerst zu verstehen suchen, inwiefern es kein Zufall ist, wenn ein Mensch gerade mit demjenigen Eisenbahnzug fährt, durch den er umkommen kann, oder wie die Dinge liegen, durch die ein Mensch gerade in einer bestimmten Zeit irgendeinem von außen wirkenden Krankheitskeim ausgesetzt ist oder einer andern Krankheitsursache. Und wenn wir mit eIner geschärften Erkenntnis den Dingen nachgehen können, werden wir imstande sein, das wahre Wesen und die ganze Bedeutung des Krankseins und des Gesundseins für das menschliche Leben noch tiefer zu begreifen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich mußte heute in ausführlicherer Weise zeigen, wie im Inneren des Menschen Luzifer zur Illusion führt und wie Ahriman sich in die äußeren Wahrnehmungen mischt und dort zur Maja führt; wie es eine Wirkung Luzifers ist, wenn sich der Mensch ein falsches Motiv vor- täuscht, und wie die falsche Annahme gegenüber der Welt der Erscheinungen - die Täuschung durch Ahriman - uns zu der Annahme eines Zufalls bringt. Diesen Grund mußte ich schaffen, bevor ich zeigen kann, wie die karmischen Ereignisse, die Ergebnisse des früheren Lebens, beim Menschen auch da wirken und auch da die Erscheinungen erklären, wo scheinbar zufällige äußere Veranlassungen zur Erzeugung von Krankheiten wirken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|113}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= SECHSTER VORTRAG Hamburg, 21. Mai 1910 =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daß eine karmische Gesetzmäßigkeit dann wirken kann, wenn in dem gestern und vorgestern angedeuteten Sinne von dem Inneren des Menschen heraus die Krankheitsursache sich geltend macht, das wird ja leicht begreiflich sein. Wenn aber die Krankheitsursache in gewissem Sinne von außen hereinwirkt - und für wie vielerlei wird heute von der Wissenschaft die Krankheitsursache draußen gesucht in der Infektion -, wenn also das Hauptaugenmerk gerichtet werden muß auf eine äußere Veranlassung zur Krankheit: daß dann die karmische Gesetzmäßigkeit - das, was sich der Mensch als Wirkungen der Erlebnisse und Handlungen seines früheren Lebens mitgebracht hat durch die Geburt - auch in der Weise wirken kann, daß sie diese äußeren Krankheitsursachen herbeischafft, das scheint gewiß vielen noch, und mit Recht, weniger begreiflich zu sein. Dennoch aber werden wir, wenn wir noch weiter die eigentliche Wesenheit des Karma verfolgen, nicht nur verstehen lernen, wie äußere Ursachen zusammenhängen können mit dem, was wir in früheren Leben erlebt und getan haben, sondern wir werden sogar begreifen lernen, daß äußere Lebensunfälle, die uns treffen, also Ereignisse, die man so gern heute zufällig nennen möchte, in einem gesetzmäßigen Zusammenhange stehen können mit dem Verlauf voriger Leben. Allerdings werden wir noch etwas tiefer eindringen müssen in die ganze Natur der menschlichen Wesenheit, wenn wir gerade derartige, eigentlich durch unser ganzes menschliches Anschauen verschleierte Verhältnisse beleuchten wollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir haben ja gestern damit geschlossen, daß wir gezeigt haben, wie der Zufall uns immer eigentlich in einer verschleierten Gestalt das äußere Ereignis darbietet, weil an den Stellen, wo wir vom Zufall sprechen, die Möglichkeit der äußeren Täuschung, die durch die ahrimanischen Mächte herbeigeführt wird, am größten ist. Nun wollen wir einmal das Zustandekommen solcher Zufälligkeiten, das heißt solcher Ereignisse, die man im gewöhnlichen Leben als «Zufälligkeiten» bezeichnet, in einzelnen Fällen vor uns hinstellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|114}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da ist es notwendig, daß wir uns zuerst ein Gesetz, eine Wahrheit, eine Erkenntnis vorhalten: daß im Leben gar manches,was wir mit dem Ausdruck bezeichnen «von innen herauskommend», «von dem Inneren des Menschen stammend», sich schon eigentlich in eine Täuschung kleidet, weil mancherlei, was wir zunächst als im Inneren des Menschen verursacht glauben, wenn wir in Wahrheit über die Illusion hinaus- kommen, schon als etwas von außen nach innen Strömendes bezeichnet werden muß. Und ein solches tritt uns immer da entgegen, wo wir es zu tun haben mit allen jenen Erlebnissen des Menschen, allen jenen Wirkungen auf den Menschen, welche wir begreifen unter dem Namen der «vererbten Merkmale». Die vererbten Merkmale, die uns so entgegen- treten, als ob wir sie nur deshalb hätten, weil sie unsere Vorfahren auch hatten, können uns im eminentesten Maße erscheinen, als ob sie uns ohne unsere Schuld, ohne unser Zutun zugefallen wären. Und wir können leicht zu einer falschen Unterscheidung dessen kommen, was wir uns aus unseren früheren Inkarnationen mitbringen, von dem, was wir von Eltern oderVoreltern geerbt haben. Nun aber geschieht das Wieder- ein treten in eine Verkörperung keineswegs so, als ob wir ohne irgendeine Veranlassung, die mit unserem Inneren zusammenhängt, zu diesem oder jenem Elternpaar, zu diesem oder jenem Volk, in diese oder jene Gegend hingedrängt würden. Schon bei den durchaus nicht in das Gebiet der Krankheiten hineinfallenden vererbten Merkmalen dürfen wir so etwas keineswegs voraussetzen, sondern wir müssen uns sagen: Wenn zum Beispiel in einer Familie, wie der des Musikers Bach, durch viele Generationen hindurch immer wieder und wieder kleinere und größere Musiker geboren wurden - der eine ist dann gewöhnlich hervorragender, aber in der Familie Bach sind über zwanzig mehr oder weniger begabte Musiker geboren worden -, so könnte man leicht glauben, daß man es mit der reinen Vererbungslinie zu tun hätte, daß also Merkmale von den Vorfahren vererbt werden und daß der Mensch gerade deshalb, weil solche Merkmale vorliegen, gewisse aus früheren Inkarnationen mitgebrachte Eigenschaften zu musikalischen Talenten entfaltet. Das ist aber nicht so, sondern die Sache verhält sich vielmehr ganz anders.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen wir an, es würde jemand in einem Leben zwischen Geburt und Tod Gelegenheit haben, viele musikalische Eindrücke zu empfangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|115}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese musikalischen Eindrücke gingen aber in diesem Leben an ihm vorüber, einfach aus dem Grunde, weil er kein musikalisches Ohr hatte. Andere Eindrücke seines Lebens werden nicht an ihm in derselben Weise vorübergehen, weil er gerade so gebaute Organe hat, daß er die Erlebnisse und Eindrücke in eigene Fähigkeiten umsetzen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daher werden wir sagen können, ein Mensch habe in seinem Leben solche Eindrücke, die er durch die Anlage, welche er von seiner letzten Geburt mitbekommen hat, umzusetzen vermag in Fähigkeiten und Talente; andere Eindrücke hat er, welche er vermöge seines Gesamt karma, weil er durch dieses nicht die entsprechenden Anlagen erhalten hat, nicht umsetzen kann in die entsprechenden Fähigkeiten. Die bleiben aber vorhanden, bleiben aufgespeichert und bilden sich um in der Zeit zwischen Tod und neuer Geburt zu der besonderen Tendenz, in der nächsten Inkarnation nunmehr zum Ausleben zu gelangen. Und diese Tendenz führt den Menschen dahin, im nächsten Leben seine Leiblichkeit gerade in einer solchen Familie zu suchen, welche ihm die entsprechenden Anlagen geben kann. Hat also jemand viele musikalische Eindrücke empfangen und sie wegen eines unmusikalischen Ohres nicht umwandeln können in musikalische Fähigkeiten oder Genüsse, so wird gerade diese Unmöglichkeit die Tendenz in seiner Seele hervorrufen, in eine solche Familie hineinzukommen,welche ihm ein musikalisches Ohr vererben kann. So verstehen wir es, daß, wenn in einer Familie sich der Bau des Ohres ebenso vererbt wie etwa die äußere Form der Nase, alle diejenigen Individualitäten sich zusammendrängen werden in diese Familie, die gerade lechzen - infolge ihrer früheren Inkarnation - nach dem Besitz eines musikalischen Ohres. Und so sehen wir, daß der Mensch in der Tat nicht «zufällig» in irgendeiner Inkarnation ein musikalisches Ohr oder ähnliches geerbt hat, sondern daß er diese vererbten Merkmale gesucht hat, wirklich aufgesucht hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beobachten wir jetzt einen solchen Menschen vom Zeitpunkt seiner Geburt an, dann wird es uns so vorkommen, als ob das musikalische Ohr in ihm wäre, eine Eigenschaft in seinem Inneren. Würden wir aber mit unseren Betrachtungen hinübergehen vor seine Geburt, so würden wir finden, wie das musikalische Ohr, das er sich erst aufgesucht hat, etwas ist, was von außen an ihn herangekommen ist. Vor der Geburt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|116}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
oder Empfängnis war das musikalische Ohr nicht etwas, was in seinem Inneren war, sondern da war nur die Tendenz vorhanden, zu einem solchen Ohr hingetrieben zu werden. Da hat der Mensch ein Äußeres an sich herangezogen. Vor der Wiederverkörperung war die Eigenschaft, die wir nachher eine vererbte nennen, etwas Äußeres; das ist an den Menschen herangekommen, er ist dazu hingeeilt. Mit der Verkörperung wird es dann etwas Inneres und tritt in dem Inneren dieses Menschen auf. - Reden wir also von «vererbten Anlagen», so geben wir uns wieder einer Täuschung hin, welche darin besteht, daß wir etwas, was erst ein Innres geworden ist, nicht in jenem Zeitpunkt betrachten, wo es noch ein Äußeres war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fragen wir uns nun einmal, ob es so wie in diesem Falle, den wir jetzt angeführt haben, nicht auch mit äußeren Ereignissen sein könnte, welche während unseres Lebens zwischen Geburt und Tod eintreten, daß auch da ein Äußeres sich in ein Inneres verwandeln könnte? - Diese Frage würden wir uns nicht beantworten können, wenn wir nicht noch tiefer als bisher das Wesen von Krankheit und Gesundheit ins Auge fassen. Wir haben mancherlei angeführt, um Krankheit und Gesundheit zu charakterisieren, und Sie wissen, daß ich nicht definiere, sondern versuche, nach und nach die Dinge zu beschreiben, immer mehr Merkmale zu den Dingen hinzuzufügen, damit sie nach und nach begreiflich werden. Also mehr Merkmale wollen wir jetzt hinzufügen zu den schon gewonnenen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir müssen Krankheit und Gesundheit vergleichen mit etwas, was Im normalen Leben auftritt; dann werden wir etwas noch Tieferes finden&amp;gt; nämlich den Vergleich mit Schlafen und Wachen. Was geschieht im Menschenwesen, wenn die täglichen Zustände Wachen und Schlafen miteinander abwechseln? Wir wissen&amp;gt; daß beim Einschlafen im Bette zurückgelassen wird der physische Leib und der Ätherleib und daß herausgehen aus dem physischen Leib und dem Ätherleib der astralische Leib und das Ich. Es ist also das Einschlafen für uns ein Herausziehen von Ich und astralischem Leib aus physischem Leib und Ätherleib; das Aufwachen dagegen ist ein Wiederhineingehen des astralischen Leibes und des Ich in den physischen Leib und Ätherleib. Jeden Morgen beim Aufwachen taucht also der Mensch unter in seinen physischen Leib und&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|117}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ätherleib mit dem, was er als innerer Mensch, als astralischer Leib und als Ich ist. Was geschieht nun in bezug auf das, was sich im Menschenwesen als Erlebnis abspielt beim Einschlafen und beim Aufwachen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir den Moment des Einschlafens ins Auge fassen, so stellt ersich uns so dar, daß alle Erlebnisse, die vom Morgen bis zum Abend inunserem Leben auf und ab fluten, daß vor allem die Seelenerlebnisse Lust und Leid, Freude und Schmerz, Leidenschaften, Vorstellungen und so weiter hinuntersinken in ein Unbewußtes. Wir selber sind im normalen Leben, wenn wir schlafen, einem Unbewußten hingegeben.Warum werden wir mit dem Einschlafen unbewußt? - Wir wissen ja, daß wir während des Schlafzustandes von einer geistigen Welt umgeben sind, wie wir imWachzustande umgeben sind von den Dingen und Tatsachen der physisch-sinnlichen Welt. Warum sehen wir diese geistige Welt nicht? Im gewöhnlichen normalen Leben sehen wir die geistigen Tatsachen und geistigen Dinge, die um uns herum sind, aus dem Grunde nicht, weil für uns dieses Sehen bei der gegenwärtigen Menschenreife vom Einschlafen bis zum Aufwachen im höchsten Grade gefahrbringend wäre. In dem Augenblick, wo der Mensch heute bewußt übergehen würde in die Welt, die ihn zwischen Einschlafen und Aufwachen um- gibt, würde zwar sein astralischer Leib, der ja während der alten Mondenzeit seine volle Ausbildung erfahren hat, in die geistige Welt aus- fließen; aber nicht könnte es das Ich, das ja erst während der Erdenzeit sich entwickeln soll und vollständig entwickelt sein wird am Ende der Erdenzeit. Das Ich ist noch nicht so voll entwickelt, daß es vom Einschlafen bis zum Aufwachen seine volle Tätigkeit entfalten könnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist mit dem Ich so, daß wir den Zustand, in den es käme, wenn der Mensch bewußt einschlafen würde, damit vergleichen könnten, daß wir sagen: Nehmen wir an, wir haben ein kleines Tröpfchen einer gefärbten Flüssigkeit, das bringen wir in ein Bassin mit Wasser und lassen es sich darinnen verteilen. Dann wird man von der Farbe dieses Tröpfchens nichts mehr sehen, weil es sich in der ganzen breiten Masse hat auflösen müssen. - So etwas geschieht auch, wenn der Mensch im Einschlafen aus dem physischen Leib und Ätherleib herausgeht. Physischer Leib und Ätherleib sind das, was die ganze menschliche Wesenheit zusammenhält. In dem Augenblick, wo der astralische Leib und das Ich &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|118}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die beiden unteren Glieder verlassen, streben sie auseinander nach allen Seiten hin, haben nur das Bestreben, sich fortwährend auszudehnen. Es würde also dem Ich so gehen, daß es aufgelöst würde, und der Mensch würde vor sich haben zwar die Bilder der geistigen Welt, aber er würde sie mit denjenigen Kräften, die nur sein Ich entfalten kann - denn das Ich wäre ja aufgelöst -, also mit Urteilskräften und Begriffsvermögen und so weiter, nicht verfolgen können, also nicht mit demselben Bewußtsein, mit welchem er die Zustände des Alltags verfolgt. Er würde außer sich sein, würde hin und her gerissen, wesens- und richtungslos schwimmend auf dem Meere der astralischen Eindrücke. Aus diesem Grunde, weil das Ich noch nicht stark genug ist im normalen Zustande des Menschen, wird das Ich so lange zurückwirken auf den astralischen Leib und ihn verhindern, bewußt einzutreten in seine eigentliche Heimat, in die geistige Welt, bis das Ich selber überall mit hin kann, wohin der astralische Leib dringt. So also hat es einen guten Sinn, daß wir das Bewußtsein verlieren im Einschlafen. Wir könnten unser Ich nicht erhalten. Wir werden es erst erhalten können in genügender Weise, wenn die Erdentwickelung an ihrem Ende angekommen sein wird. Deshalb sollen wir auch unseren astralischen Leib nicht entfalten können in bezug auf seine Bewußtseinsfähigkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gerade das Umgekehrte tritt ein, wenn der Mensch aufwacht. Wenn er aufwacht und untertaucht in den physischen Leib und Ätherleib, würde er eigentlich erleben müssen das Innere des physischen Leibes und des Ätherleibes. Das tut er aber nicht. Im Augenblick des Aufwachens wird er verhindert, hineinzuschauen in das Innere seiner Leiblichkeit, denn da wird gleich die Aufmerksamkeit auf die äußeren Erlebnisse gelenkt. Da wird nicht seine Sehkraft, seine Erkenntniskraft dahin gelenkt, sein Inneres zu durchschauen, sondern sie wird abgelenkt auf die Außenwelt. Würde der Mensch sich im Inneren ergreifen, so würde genau das Gegenteil eintreten von dem, was eintritt, wenn sich der Mensch bewußt beim Einschlafen in die geistige Welt hineinbegeben könnte. Alles, was der Mensch sich schon im Verlaufe des Erdenlebens an Geistigem durch sein Ich errungen hat, das würde sich zusammendrängen und es würde jetzt im physischen Leibe und Ätherleibe nach demUntertauchen mit aller Kraft auf ihn wirken. Das würde zur Folge &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|119}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
haben, daß alles, was nur irgendwie egoistische Eigenschaft ist, sich mit aller Macht entfalten würde. Und der Mensch würde hinuntertauchen mit seinem Ich und würde mit jedem Stück, mit dem er hinuntertaucht, seine Leidenschaften,Triebe und Begierden in einem immer kraftvolleren Egoismus ergießen. Aller Egoismus würde sich ergießen in sein Trieb- leben. Damit das nicht geschieht, werden wir abgelenkt auf die Außenwelt und nicht mit unserem Bewußtsein in unser Inneres hineingelassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daß das so ist, kann auch aus den Berichten derjenigen hervorgehen, die als Mystiker versuchten, wirklich hineinzukommen in das menschliche Innere. Sehen Sie sich um bei Meister Eckart, bei Johannes Tauler oder bei sonstigen Mystikern des Mittelalters, welche wirklich den Gang in das menschliche Innere unternommen haben. Da haben Sie Mystiker, welche sich hingegeben haben einem Zustand, wo sie ihre Aufmerksamkeit vollständig ablenkten von dem, was sie an der Außenwelt interessieren konnte, um hinunterzusteigen in das eigene Innere. Lesen Sie die Biographien der Heiligen oder der Mystiker, die in das eigene Innere hineinzusteigen versuchten. Was haben sie erfahren? Versuchungen, Anfechtungen und dergleichen, die sie in lebendigen Farben schildern. Das war dasjenige, was sich aus dem zusammengepreßten astralischen Leib und Ich als eine Widerkraft geltend machte. Daher haben diejenigen, welche sozusagen ungeschoren als Mystiker in das eigene Innere hinuntersteigen wollten, mit aller Macht darauf gedrungen, daß in demselben Maße, als sie hinunterstiegen, das Ich ausgelöscht würde. Ein schönes Wort hat sogar Meister Eckart gefunden, um dieses Hinuntersteigen in die eigene Leiblichkeit zu bezeichnen. Er spricht von «Entwerdung&amp;gt;, das heißt Auslöschen des Ich. Und lesen Sie in der «Deutschen Theologie», wie der Verfasser darstellt den mystischen Gang in das menschliche Innere, wie er darauf dringt, daß derjenige, der hinuntersteigen will in die Leiblichkeit, nic`ht mehr aus seinem Ich handelt, sondern daß in ihm der Christus handelt, mit dem er sich ganz durchdrungen hat. Auslöschen wollten solche Mystiker ihr Ich. Nicht sie sollen denken, fühlen und wollen, sondern der Christus in ihnen soll denken, fühlen und wollen, damit nicht dasjenige aus ihnen herauskommt, was in ihnen als Leidenschaften, Trieb und Begierde lebt, sondern damit dasjenige herauskommt, was sich als der &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|120}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Christus in sie ergießt. Daher sagt Paulus: «Nicht ich, sondern der Christus in mir»! Aus solchen Tiefen gehen solche Dinge hervor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So können wir schildern Aufwachen und Einschlafen als innere Erlebnisse der menschlichen Wesenheit: Aufwachen als ein Hinunter- tauchen der zusammengepreßten Ichheit in die Leiblichkeit des Menschen, Einschlafen als ein Sich-Befreien vom Bewußtsein, weil man noch nicht reif ist, in jener Welt zu schauen, in die man eigentlich hin- eindringen muß beim Einschlafen. Dadurch verstehen wir Wachen und Schlafen in jenem Sinne, in welchem wir mancherlei in der Welt verstehen müssen: als das Sich-Durchdringen der verschiedenen Glieder der menschlichenWesenheit. Betrachten wir von diesem Gesichtspunkte aus einen wachenden Menschen, so sagen wir: In dem wachenden Menschen stecken darinnen vier Glieder der menschlichen Wesenheit: physischer Leib, Ätherleib, astralischer Leib und Ich, und sie stecken in einer bestimmtenWeise ineinander.Was folgt daraus? Eben das Wachen! Denn es könnte der Mensch nicht wachen, wenn er nicht so hineinsteigen würde in seine Leiblichkeit, daß die Aufmerksamkeit durch die Außenwelt abgelenkt würde. Gerade von einem ganz bestimmten, geregelten Zusammenwirken der vier Glieder des Menschen hängt es ab, daß der Mensch wacht. Und wieder von dem richtigen Getrenntsein seiner vier Glieder hängt es ab, daß der Mensch schläft. Wir reichen damit nicht aus, daß wir sagen: Der Mensch besteht aus physischem Leib, Ätherleib, astralischem Leib und Ich, sondern wir verstehen den Menschen erst dann&amp;gt; wenn wir wissen, in welchem Grade die verschiedenen Glieder bei einem bestimmten Zustande miteinander verknüpft sind, wie sie ineinanderstecken. Das ist dasWesentliche für die Erkenntnis der menschlichen Natur. Nun betrachten wir die Art des Zusammengefügtseins der vier Glieder des Menschen, wie es uns beim wachen- den Menschen entgegentritt, als das Normale. Wir wollen einmal von diesem Begriff ausgehen: als das Normale den Zustand des wachenden Menschen zu betrachten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun werden sich die meisten von Ihnen erinnern, daß das Bewußtsein, welches wir gegenwärtig als Erdenmenschen haben zwischen Geburt und Tod, nur eine ist von den überhaupt möglichen Bewußtseinsformen. Wenn Sie zum Beispiel die «Geheimwissenschaft im Umriß» &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|121}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
oder die früheren Aufsätze «Aus der Akasha-Chronik» studieren, so werden Sie sehen, daß das heutige Bewußtsein eine Bewußtseinsstufe unter sieben verschiedenen Bewußtseinsstufen ist, daß dieses Bewußtsein, das wir heute haben, sich erst entwickelt hat aus drei andern, vorangegangenen Bewußtseinszuständen und sich später entwickeln wird zu drei andern, nachfolgenden Bewußtseinsformen. Während der Mensch Mondenmensch war, hatte er noch kein Ich. Das Ich verband sich mit dem Menschen erst während der Erdenzeit. Daher konnte der Mensch auch die heutige Art des Bewußtseins erst während der Erden- zeit haben. Ein solches Bewußtsein wie das, was wir heute haben zwischen Geburt und Tod, setzt voraus, daß das Ich genau so, wie es heute der Fall ist, mit den andern drei Gliedern zusammenwirkt und das h&amp;amp;hste ist unter den vier Gliedern der menschlichen Wesenheit. Bevor der Mensch mit dem Ich befruchtet worden ist, bestand er nur aus physischem Leib, Ätherleib und astralischem Leib. Da war der astralische Leib sein höchstes Glied, und sein Bewußtseinszustand war ein solcher, daß wir ihn heute höchstens, wenn wir etwas aus dem gewöhnlichen Leben nehmen, mit dem vergleichen könnten, was der Mensch sich wie ein altes Erbstück erhalten hat im Traumbewußtsein. Aber Sie müssen sich nicht das heutigeTraumbewußtsein vorstellen, sondern ein solches, das in den Bildern des Traumes Realitäten`wiedergibt. Wenn Sie den heutigen Traum studieren, werden Sie in den yerschiedensten Bildern recht viel Chaotisches finden, weil das heutige Traumbewußtsein ein altes Erbstück ist. Aber wenn Sie das Bewußtsein, welches dem heutigen vorangegangen ist, studieren würden, dann würden Sie finden, daß Sie äußere Gegenstände, zum Beispiel Pflanzen, damals nicht würden gesehen haben. Also es wäre ein äußerer Eindruck auf den Menschen unmöglich gewesen. Wenn etwas in die Nähe des Menschen gekommen wäre, hätten Sie einen Eindruck bekommen, der seinen Umweg nimmt über das Traumbild in das menschliche Innere, das also ein Sinnbild ist, welches aber einem bestimmten äußeren Gegenstande und Eindruck entsprochen haben würde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also wir haben es vor dem Ich-Bewußtsein zu tun mit einem solchen Bewußtsein, das an den astralischen Leib als das damals höchste Glied gebunden ist, das astralische Bewußtsein, das dumpf und dämmerhaft &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|122}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ist und noch nicht durchleuchtet ist von dem Lichte des Ich. Dieses astralische Bewußtsein ist beim Menschen, als er Erdenmensch geworden ist, überleuchtet worden, übertönt worden von dem Ich-Bewußtsein. Nun ist aber der astralische Leib noch immer in uns, und wir können fragen: Wodurch ist das geschehen, daß unser astralisches Bewußtsein überhaupt hat übertönt, ausgeschaltet werden können, so daß das Ich-Bewußtsein ganz an seine Stelle treten konnte? - Das wurde dadurch möglich, daß durch die Befruchtung des Menschen mit dem Ich die frühere Verbindung zwischen astralischem Leib und Ätherleib zu einer viel loseren gemacht worden ist. Es ist sozusagen die frühere innigere Verbindung gelöst worden. Also es war vor dem Ich-Bewußtsein eine viel innigereVerbindung vorhanden zwischen dem astralischen Leib des Menschen und den niedrigeren Gliedern seiner Wesenheit. Esdrängte sich der astralische Leib viel mehr hinein in die andern Glieder, als er es heute tut. Entrissen worden ist in einer gewissen Beziehung der` astralische Leib dem Ätherleib und dem physischen Leib.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun müssen wir uns einmal diesen Vorgang des sozusagen teilweisen Herausgehens, des Losemachens des astralischen Leibes von Ätherleib und physischem Leib ganz klarmachen. Dann werden wir uns fragen: Gibt es vielleicht auch heute noch die Möglichkeit, bei unserem gewöhnlichen Ich-Bewußtsein etwas herzustellen, was dieser alten Verbindung ähnlich wäre? Könnte es auch heute im Menschenleben geschehen, daß der astralische Leib tiefer hinein will in die andern Glieder, als er soll, sich mehr mit allerlei imprägniert und durchdringt, als es ihm zukommt?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also ein gewisses Normalmaß ist notwendig für das Durchdringen des astralischen Leibes mit Ätherleib und physischem Leib. Nehmen wir nun an, das Normalmaß wird nach irgendeiner Richtung hin überschritten. Dann wird eine Störung eintreten müssen im ganzen menschlichen Organismus; denn was der Mensch heute ist, das hängt davon ab, daß dieses bestimmte Verhältnis zwischen den verschiedenen Wesensgliedern da ist, das uns im wachenden Menschen vor Augen tritt. In dem Augenblicke, wo sich der astralische Leib unrichtig benimmt, wo er tiefer hineindringt in physischen Leib und Ätherleib, muß eine Störung auftreten. Nun haben wir aber in den letzten Betrachtungen gesehen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|123}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
daß das, was wir jetzt folgern, wirklich geschieht. Wir haben den ganzen Vorgang nur von der andern Seite her dargestellt. Wann geschieht es denn?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es geschieht dann, wenn der Mensch in einem früheren Leben in seinen astralischen Leib etwas hineingeprägt hat, irgend etwas hat ein- fließen lassen, was wir für das frühere Leben als eine moralische oder intellektuelle Verfehlung auffassen. Das hat sich dem astralischen Leib eingegraben. Das ist jetzt etwas, wenn der Mensch neuerdings ins Leben tritt, was in der Tat den astralischen Leib veranlassen kann, einen andern Zusammenhang zu suchen mit dem physischen Leib und Ätherleib, als er ihn gesucht hätte, wenn er nicht diese Verfehlung im vorigen Leben in sich hineingeprägt hätte. Also gerade unsere Verfehlungen sind es, die sich unter dem Einfluß von Ahriman und Luzifer vollzogen haben und sich umgestaltet haben in organisierende Kräfte, welche im neuen Leben den astralischen Leib veranlassen, sich anders zum physischen Leib und Ätherleib zu stellen, als er es tun würde, wenn sich solche Kräfte nicht in ihn hineingedrängt hätten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So sehen wir, wie gerade dieWirkungen früherer Gedanken, Empfindungen und Gefühle den astralischen Leib zu dem veranlassen, was Unordnung hervorrufen muß in der menschlichen Organisation. Wenn aber solche Unordnung hervorgerufen wird, was tritt dann ein? Wenn sich der astralische Leib mehr hineindrängt in den physischen Leib und Ätherleib, als er es beim normalen Menschen sollte, so tut er etwas ganz Ähnliches, wie wir des Morgens tun beim Aufwachen, wo wir in dem Moment des Aufwachens mit unserem Ich in unsere zwei Leiber hinuntertauchen. Aufwachen besteht im Hinuntertauchen des Ich-Menschen in den physischen Leib und Ätherleib. Worin besteht nun das, was der astralische Leib tut, wenn er mehr in den physischen Leib und Äther leib hineintritt, als er soll, veranlaßt durch die Wirkungen früherer Erlebnisse? - Was sonst eintritt, wenn wir mit dem Ich und astralischen Leib untertauchen in den physischen Leib und Ätherleib, wenn wir des Morgens aufwachen und etwas wahrnehmen, das zeigt sich gerade darin, daß wir aufwachen. Wie der ganze Wachzustand die Folge ist des Untertauchens des Ich-Menschen in den physischen Leib und Ätherleib, so muß jetzt etwas auftreten, was der astralische Leib tut, also &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|124}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
etwas, was wir sonst als Ich-Menschen tun. Er taucht unter in den Äther- und physischen Leib. Wenn wir also einen Menschen vor uns haben, bei dem der astralische Leib die Tendenz aufgenommen hat, sich mehr zu vereinigen mit Ätherleib und physischem Leib, als es normalerweise der Fall sein sollte, so haben wir dieselbe Erscheinung für den Astralleib vor uns, welche wir sonst beim Aufwachen für den Ich Menschen vor uns haben. Was ist dieses zu starke Eindringen des astralischen Leibes in den Ätherleib und physischen Leib? Das ist etwas, was wir sonst als das Wesen der Krankheit bezeichnen können. Wenn unser astralischer Leib dasselbe tut, was wir sonst beim Aufwachen tun, nämlich sich hineindrängt in den physischen Leib und Ätherleib, wenn der astralische Leib, der sonst bei uns kein Bewußtsein entwickeln sollte, nach einem Bewußtsein strebt im physischen Leib und Ätherleib, wenn er in uns aufwachen will, dann werden wir krank. Krankheit ist ein abnormer Wachzustand unseres astralischen Leibes. Was tun wir denn eigentlich, wenn wir im normalen Wohlbefinden stehen, wenn wir im gewöhnlichen Wachzustand leben? Dann wachen wir für das gewöhnliche Leben. Aber damit wir das gewöhnliche Wachbewußtsein haben können, mußten wir ja den astralischen Leib früher in eine andere Verbindung bringen. Wir mußten ihn zum Schlafen bringen. Der astralische Leib muß, wenn wIr am Tage unser Ich-Bewußtsein haben, schlafen; wir können nur gesund sein, wenn unser astralischer Leib schläft in uns. Daher können wir jetzt das Wesen von Gesundheit und Krankheit in folgender Weise auffassen: Krankheit ist ein abnormes Auf- wachen des astralischen Leibes im Menschen, und Gesundheit ist der normale Zustand des Schlafens des astralischen Leibes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und was ist denn das Bewußtsein dieses astralischen Leibes? Wenn wirklich Krankheit das Aufwachen des astralischen Leibes wäre, müßte ja etwas bei ihm eintreten wie ein Bewußtsein. Er wacht abnormerweise auf; also könnten wir ein abnormes Bewußtsein erwarten; aber ein Bewußtsein müßte da sein. Wenn wir in die Krankheit verfallen, müßte etwas Ähnliches entstehen, wie es sonst des Morgens beim Aufwachen eintritt. Es müßte unser Erleben abgelenkt werden auf irgend etwas anderes. Am Morgen taucht sonst unser gewöhnliches Bewußtsein auf. Weiin wir nun krank werden, taucht dann ein Bewußtsein auf? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|125}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ja, es taucht ein Bewußtsein auf, das der Mensch nur allzugut kennt. Und welches ist dieses Bewußtsein? Ein Bewußtsein drückt sich in Erlebnissen aus! Das Bewußtsein, was da auftaucht, drückt sich aus in dem, was wir den Krankheitsschmerz nennen, den wir nicht haben im normalen Wohlbefinden des Wachzustandes, weil da unser astralischer Leib gerade schläft. Schlafen des astralischen Leibes heißt, daß er sich in regelmäßigem Zusammenhang befindet mit physischem Leib und Ätherleib, bedeutet Schmerzlosigkeit. Der Schmerz ist der Ausdruck dafür, daß der astralische Leib sich so hineinpreßt in den physischen Leib und Ätherleib, wie er nicht drinnen sein soll - und zum Bewußtsein kommt. Das ist der Schmerz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun handelt es sich darum, daß wir nicht etwa das, was eben gesagt worden ist, wieder grenzenlos ausdehnen. Es muß, wenn geisteswissenschaftlich gesprochen wird, immer die Grenze eingehalten werden, innerhalb deren etwas gesagt wird. - Es ist gesagt worden, daß wenn unser astralischer Leib aufwacht, ein Bewußtsein entsteht, das von Schmerz durchtränkt ist. Daraus dürfen wir aber nicht schließen, daß Schmerz und Krankheit immer zusammenfallen. Es ist durchaus ein jegliches Hineinpressen des astralischen Leibes in den Ätherleib und physischen Leib ein Kranksein. Aber umgekehrt besteht nicht jedes Kranksein darin, und daß Kranksein auch einen anderen Charakter haben kann, werden wir uns dadurch begreiflich machen können, daß keineswegs alles Kranksein von Schmerzen begleitet ist. Das beachten nur die meisten Menschen deshalb nicht, weil sie zumeist im Leben nicht anstreben, gesund zu sein, sondern sie streben an, schmerzlos zu sein, und wenn sie schmerzlos sind, halten sie das für gesund. Das ist nicht immer so; aber in sehr vielen Fällen wird der Mensch glauben, wenn er schmerzlos ist, sei er gesund. Wir würden uns einer gewaltigen Täuschung hingeben, wenn wir glauben wollten, daß Schmerzempfinden und Kranksein zusammenfällt. Es kann die Leber eines Menschen durch und durch beschädigt sein; wenn der Schaden nicht ein solcher ist, daß durch ihn zum Beispiel das Bauchfell affiziert wird, so tritt gar kein Schmerz auf. Es kann der Mensch einen Krankheitsprozeß in sich haben, der sich gar nicht in Schmerzen äußert. Das kann in vielen Fällen so sein.Vor einer objektiveren Betrachtung sind diese Erkrankungen sogardie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|126}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
schlimmeren. Denn wenn der Mensch Schmerzen empfindet, geht er darauf aus, die Schmerzen loszuwerden; wenn er keine Schmerzen hat, gibt er sich nicht besonders viel Mühe, die Krankheit loszubekommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie verhält es sich nun mit den Erscheinungen, wo keine Schmerzen mit den Krankheitsfällen parallel gehen? Was haben wir da getan? - Da brauchen wir uns nur zu erinnern, daß wir uns wirklich als menschliche Wesen, wie wir heute sind, nach und nach entwickelt haben, daß wir während der Erdenzeit das Ich hinzugefügt haben zu astralischem Leib, Ätherleib und physischem Leib. Aber wir waren auch einmal ein Mensch, der nur physischen Leib und Ätherleib gehabt hat. Ein Wesen, das nur physischen Leib und Ätherleib hat, ist wie eine heutige Pflanze. Bei solchen Wesen kommen wir zu einem dritten Grade von Bewußtsein, einem viel, viel dumpferen Bewußtsein, das nicht einmal bis zur Helligkeit des heutigen Traumbewußtseins hinaufreicht. Es ist ja durchaus ein Irrwm, wenn wir glauben, daß der Mensch im Schlafe kein Bewußtsein hat. Er hat ein Bewußtsein; nur ist es so dumpf, daß er es nicht bis zur Erinnerung in seinem Ich heraufrufen kann. Aber auch in der Pflanze sitzt ein solches Bewußtsein. Es ist eine Art Schlafbewußtsein, also ein noch tieferes als das astralische Bewußtsein. Da kommen wir herunter zu einem noch tieferen Bewußtsein des Menschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen wir nun an, der Mensch habe durch Erlebnisse in früheren Inkarnationen nicht nur solche Unordnung hineingebracht in seine Organisation, welche den astralischen Leib veranlaßt, sich in unordentlicher Weise hineinzuversenken in den physischen Leib und Ätherleib, sondern er habe so etwas vollführt, was den Ätherleib veranlassen kann, in unrichtigerWeise sich in den physischen Leib hineinzudrängen. Es kann durchaus ein solcher Zustand eintreten, daß auch die Verbindung zwischen Ätherleib und physischem Leib nicht die für den heutigen Menschen normale ist, daß sich der Ätherleib zu tief hineindrängt in den physischen Leib. Der astralische Leib, sagen wir, wäre dabei gar nicht beteiligt, sondern was da im früheren Leben veranlagt worden ist, das bewirkt in der menschlichen Organisation eine dichtere Zusammenfügung von Ätherleib und physischem Leib, als es sonst sein soll. Da haben wir dasselbe bei dem Ätherleib, was wir bei dem astralischen Leibe haben im Schmerzbewußtsein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|127}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn der Ätherleib sich nun seinerseits zu tief hineinversenkt in den physischen Leib, so taucht ein Bewußtsein auf ähnlich wie des Menschen Schlafbewußtsein, wie das Pflanzenbewußtsein. Kein Wunder daher, daß das auch ein Zustand ist, der vom Menschen gar nicht empfunden wird. Wie er nicht im Schlaf empfindet, so empfindet er auch jetzt diesen Zustand nicht. Und doch ist es ein Aufwachen! Wie unser astralischer Leib abnormerweise aufwacht, wenn er zu tief hinunter- taucht in den Ätherleib und physischen Leib, so wacht der Ätherleib in abnormer Weise auf, wenn er zu tief in den physischen Leib hinein- taucht. Nur kann es der Mensch nicht wahrnehmen, weil es das Auf- wachen zu einem noch dumpferen Bewußtsein als das Schmerzbewußtsein ist. Aber nehmen wir an, der Mensch hätte wirklich in einem früheren Leben so etwas vollzogen, was sich zwischen Tod und neuer Geburt dazu umwirkt, daß der Ätherleib für sich aufwacht, das heißt, intensiven Besitz ergreift vom physischen Leib. Wenn das geschehen ist, lebt auf im Menschen ein tiefes Bewußtsein, das aber nicht in der Weise wahrgenommen werden kann, wie die sonstigen Erlebnisse der menschlichen Seele wahrgenommen werden. Braucht es deshalb nicht zu wirken, weil es nicht wahrgenommen wird? Versuchen wir uns klarzumachen, was ein Bewußtsein für eine eigentümliche Tendenz erhält, wenn es anfängt, um einen Grad tiefer zu liegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn Sie einen solchen äußeren Eindruck erleben, wie zum Beispiel wenn Sie sich verbrennen, so verursacht das Schmerz.Wenn ein Schmerz entstehen soll, so muß das Bewußtsein wenigstens den Grad des Bewußtseins des astralischen Leibes haben. Ein Schmerz muß im astralischen Leibe leben. Wo also irgendeinmal in der Menschenseele Schmerz entsteht, ist eine Tatsache des astralischen Leibes vorhanden. Nehmen wir aber einmal an, es geschehe etwas, was nicht mit Schmerzen verbunden wäre, was dennoch aber einen äußeren Reiz, einen äußeren Eindruck hervorruft. Wenn irgend etwas auf Ihr Auge zufliegt, so verursacht das einen äußeren Reiz; das Auge schließt sich. Schmerz ist damit nicht verbunden. Was ruft der Reiz hervor? Eine Bewegung. Das ist etwas Ähnliches, wie wenn Ihre Fußsohle berührt wird: Schmerz ist es nicht - dennoch zuckt der Fuß. Es gibt also auch solche Eindrücke auf den Menschen, die nicht von Schmerzen begleitet sind, die dennoch &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
aber herausfordern irgendein Geschehnis, eine Bewegung. Da weiß der Mensch nicht - weil er nicht bis in diesen tiefen Grad des Bewußtseins hinunterdringen kann -, wie so etwas zustande kommt, daß eine Bewegung folgt auf den Reiz. Wenn Sie Schmerz empfinden, und Sie weisen dadurch etwas zurück, so ist es der Schmerz, der Sie aufmerksam gemacht hat auf das, was Sie dann zurückweisen. Es kann aber etwas auftreten, was Sie zu einer inneren Bewegung drängt, zu einer Reflexbewegung. Da dringt das Bewußtsein nicht bis zu dem Grade hinunter, wo der Reiz in Bewegung umgesetzt wird. Da haben Sie einen solchen Bewußtseinsgrad, der nicht in Ihre astralischen Erlebnisse hineinkommt, der bewußt nicht erlebt wird, der in einer Art von Schlafbewußtseinssphäre verläuft, der aber darum doch nicht so ist, daß er nicht zu Geschehnissen führen könnte. Wenn ein solches tieferes Eindringen des Ätherleibes in den physischen Leib stattfindet, so ist dies das Hervorbringen eines Bewußtseins, das nicht ein Schmerzbewußtsein ist, weil sich der astralische Leib nicht daran beteiligt, sondern das so dumpf ist, daß es der Mensch nicht wahrnimmt. Damit ist aber nicht gesagt, daß der Mensch in diesem Bewußtsein keine Handlungen ausführen kann, nicht etwas tun könnte, was der ganzen Sachlage entspräche. Der Mensch führt ja auch sonst Handlungen aus, bei denen sein Bewußtsein nicht dabei ist. Sie brauchen nur daran zu denken, wo das gewöhnliche Tagesbewußtsein ausgelöscht ist und der Mensch als Nachtwandler alle möglichen Handlungen ausführt. Da ist nicht etwa gar kein Bewußtsein vorhanden, sondern es ist ein solches Bewußtsein daran beteiligt, das der Mensch nicht miterleben kann, weil er nur die zwei höchsten Bewußtseinsformen erleben kann: das astralische Bewußtsein als Lust und Leid und dergleichen und das Ich-Bewußtsein als Urteil und als gewöhnliches Tagesbewußtsein. Deshalb ist aber die Sache doch nicht so, daß der Mensch aus diesem Schlafbewußtsein heraus nicht handeln könnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun haben wir also auch ein solches tiefes Bewußtsein, das der Mensch nicht mehr erreichen kann, wenn der Ätherleib hinuntersteigt in den physischen Leib. Nehmen wir an, er will aber doch etwas tun, wovon er im normalen Leben nichts wissen kann, was irgendwie mit der Sachlage zusammenhängt, dann wird er das tun, ohne daß er davon &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
etwas weiß. In ihm wird etwas, wird die Sache selbst das tun, ohne daß er selber davon weiß. - Betrachten wir jetzt einen Menschen, der durch irgendwelche Vorkommnisse in einem früheren Leben Ursachen in sich gelegt hat, welche in der Zeit zwischen Tod und neuer Geburt hinunterwirken bis dahin, wo sie zu einem tieferen Eindringen des Ätherleibes in den physischen Leib führen. Dann werden daraus Handlungen hervorgehen, welche zum Auswirken von tieferliegenden Krankheits prozessen führen. Da wird der Mensch dazu gedrängt werden können, äußere Veranlassungen zu Krankheiten geradezu aufzusuchen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es kann sonderbar erscheinen, daß das nicht klar erscheint für das gewöhnliche Ich-Bewußtsein. Der Mensch würde es aber aus seinem gewöhnlichen Ich-Bewußtsein heraus auch nie tun. Er wird sich nie aus seinem gewöhnlichen Ich-Bewußtsein heraus befehlen, in einen Herd von Bazillen einzudringen. Nehmen wir aber an, jenes dumpfe Bewußt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
seIn findet, daß es nötig ist, daß eine äußere Schädigung eintrete und daß sich das abspielen kann, was wir gestern genannt haben den ganzen Sinn des Krankseins. Dann sucht dieses Bewußtsein&amp;gt; das in den physischen Leib hineindringt, die Krankheitsursache auf. Es ist das eigene Wesen des Menschen, das die Krankheitsursache aufsucht, um das zu erreichen, was wir gestern den Krankheitsprozeß genannt haben. So werden Sie aus dem tieferen Wesen der Krankheit heraus begreifen, daß selbst dann, wenn noch keine Schmerzen auftreten, noch immer Gegenwirkungen auftreten können. Und auch wenn Schmerzen sich zeigen, kann noch immer, wenn nur der Ätherleib zu stark eindringt in den physischen Leib, dasjenige eintreten, was man nennen kann das Suchen von äußeren Krankheitsursachen durch tiefergelegene Schichten des menschlichen Bewußtseins selbst. So grotesk es klingt, so ist es doch richtig: Wir suchen uns, ebenso wie unsere vererbten Merkmale, mit einem andern Bewußtseinsgrade unsere äußeren Krankheitsursachen, wenn wir sie brauchen. Das eben Gesagte gilt aber wieder nur in den Grenzen dessen, wie es heute dargestellt ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heute hat es sich vorzugsweise darum gehandelt, gerade klarzulegen, daß der Mensch imstande sein kann, ohne daß er es mit dem ihm bekannten Bewußtseinsgrade verfolgen kann, die Krankheit dadurch zu suchen, daß ein abnormer&amp;gt; tieferer Bewußtseinszustand hergestellt &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
wird. Darum handelte es sich: zu zeigen, daß wir es in der Krankheit zu tun haben mit einem Erwachen von Bewußtseinsstadien, welche wir als Menschen früher schon überwunden haben. Dadurch, daß wir in einem früheren Leben Fehler auf uns geladen haben, verursachen wir, daß wir tiefere Bewußtseinsgrade hervorbringen, als es uns sonst für unser jetziges Leben geziemte. Und was wir aus den Antrieben dieser Bewußtseinsgrade tun, das beeinflußt den Verlauf des Krankheitsprozesses wie auch den Prozeß, der überhaupt erst zur Krankheit führt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da sehen wir, daß in den abnormen Zuständen alte Bewußtseinsstufen heraufsteigen, welche der Mensch längst überwunden hat. Wenn Sie nur ein wenig die Tatsachen des gewöhnlichen Lebens betrachten, können Sie sich schon ein wenig verdeutlichen, was heute gesagt worden ist. Es ist ja so, daß der Mensch durch seine Schmerzen gewissermaßen tiefer hinuntersteigt in sein Wesen. Sie kennen ja den Ausspruch, daß er dann erst weiß, daß er ein Organ hat, wenn es angefangen hat, ihn zu schmerzen. Das ist ein populärer Ausspruch; aber er ist nicht so ganz dumm. Warum weiß der Mensch im normalen Bewußtsein davon nichts? Weil sein Bewußtsein im normalen Falle so weit schläft, daß es nicht intensiv genug untertaucht in den astralischen Leib. Taucht es aber unter, dann entsteht Schmerz, und durch den Schmerz erfährt der Mensch, daß er das betreffende Organ hat. In gar manchen Aussprüchen des gewöhnlichen Lebens liegt etwas durchaus Wahres, weil sie Erbstücke sind aus den früheren Bewußtseinsstadien, in welchen der Mensch, als er i« die geistige Welt hineingesehen hat, noch vieles gewußt hat von dem, was wir heute mühselig wieder heraufholen müssen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn Sie begreifen, daß der Mensch tiefere Schichten des Bewußtseins erleben kann, dann werden Sie auch die Möglichkeit haben, zu begreifen, daß nicht nur äußere Krankheitsursachen, sondern auch äußere Schicksalsschläge vom Menschen aufgesucht werden können, welche sich der Mensch nicht als vernünftig auslegen kann, aber deren Vernunft so wirkt, daß auf tiefere Schichten des Bewußtseins gewirkt wird. - So kann es auch wohl denkbar erscheinen, daß sich der Mensch bei gewöhnlicher Überlegung nicht gerade dorthin stellen wird, wo ihn ein Blitz treffen kann. Mit dem Oberbewußtsein wird er das vermeiden. Aber es könnte in ihm ein Bewußtsein tätig sein, das viel tiefer liegt als &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
das Oberbewußtsein und das ihn gerade an die Stelle hinführt, wo ihn der Blitz treffen kann, unter einer Voraussicht, welche das Ober bewußtsein nicht hat, ein Bewußtsein, das also will, daß der Blitz ihn trifft, so daß der Mensch den Unfall geradezu aufsucht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daß durch karmische Wirkungen Unglücksfälle aufgesucht werden oder auch äußere Krankheitsursachen, das haben wir heute der Möglichkeit nach erst begriffen. Wie das im einzelnen geschieht, wie die Kräfte im Menschen wirken, welche in tieferen Bewußtseinsschichten sind, und wie es damit steht, ob unser Oberbewußtsein solche Unglücksfälle vermeiden darf, das ist wieder eine Frage, die uns auch noch beschäftigen wird. Wie wir verstehen können, daß, wenn der Mensch in eine Gegend geht, wo eine Infektion auf ihn ausgeübt werden kann, da ein Bewußtseinsgrad wirkt, der ihn dorthin getrieben hat, so müssen wir auch verstehen können, wie es sich damit verhält, daß der Mensch Einrichtungen trifft, damit solche Infektionen immer weniger wirken können, daß wir also durch hygienische Maßregeln durch das Oberbewußtsein die Dinge wieder abwenden können. Wir können auch begreifen die Möglichkeit, durch das Oberbewußtsein diese Wirkung abzulenken, und müssen sagen, daß es etwas höchst Unvernünftiges wäre, daß das Unterbewußtsein Krankheitskeime aufsuchen kann, wenn nicht auch auf der andern Seite Krankheitsursachen durch das Oberbewußtsein vermieden werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir werden sehen, daß es «vernünftig» ist, Krankheitskeime aufzusuchen, und daß es auch «vernünftig&amp;gt; ist, von dem Oberbewußtsein aus hygienische Maßregeln zu ergreifen gegen das Eindringen von Infektionsstoffen, um dadurch Krankheitsursachen zu verhindern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|132}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= SIEBENTER VORTRAG Hamburg, 22. Mai 1910 =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie haben in diesen Vorträgen schon gesehen, daß wir uns unserem Ziele stückweise nähern, indem wir aber auch mit jedem Stück, das wir weiterschreiten, tiefer in die Sache einzudringen versuchen. Wir haben zuletzt gesprochen über das Wesen von Schmerzen, die mit einem Krankheitsverlauf verbunden sind; wir haben aber auch darauf aufmerksam gemacht, wie in andern Fällen der Krankheitsverlauf - in gewisser Beziehung wenigstens - sich abspielen kann, ohne daß er begleitet ist von Schmerzerlebnissen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun müssen wir auf das Wesen des Schmerzes noch etwas genauer eingehen. Wir müssen uns noch einmal vor Augen halten, daß Schmerz eintreten kann als eine neben der Erkrankung einherlaufende Erscheinung. Denn das mußten wir ja schon aus der vorigen Betrachtung entnehmen, daß wir Krankheit und Schmerz als etwas Zusammengehöriges nicht betrachten dürfen. Wir müssen uns gegenwärtig halten, daß, wenn mit einer Krankheit Schmerz verknüpft ist, noch etwas anderes dabei im Spiele sein muß als das bloße Erkranktsein. Nun haben wir bereits darauf aufmerksam gemacht, daß bei jenem Vorgang, der beim Übergang von einer Inkarnation in die andere sich abspielt, wo Erlebnisse früherer Inkarnationen in Krankheitsursachen umgewandelt werden, daß da auf der einen Seite das luziferische Prinzip und auf der andern Seite das ahrimanische Prinzip mit hineinspielt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wodurch legt sich denn eigentlich der Mensch den Grund zu Krankheitsprozessen? Warum nimmt er in sich die Tendenz auf, krank zu sein? Was führt ihn dazu, zwischen Tod und neuer Geburt - wir haben ja charakterisiert, wie das die Zeit ist, welche die die Krankheit bewirkenden Kräfte zusammenbringt - solche Kräfte vorzubereiten, welche sich im nächsten Leben in der Krankheit ausleben? - Was den Menschen dazu bringt, ist, daß er auf der einen Seite verfallen kann der Versuchung der luziferischen Macht, und auf der andern Seite der Versuchung der ahrimanischen Macht. Wir wissen ja auch schon, was es heißt: Verfallen der luziferischen Macht. - Alles, was in uns wirkt als &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|133}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Begierde, als Eigenschaft der Selbstsucht, des Ehrgeizes, des Hochmutes, der Eitelkeit&amp;gt; alle Eigenschaften, welche zusammenhängen mit einer Art Aufspreizung unseres Ich, sich besonders geltend zu machen, das alles hängt zusammen mit der Versuchung der luziferischen Mächte in uns. Verfallen wir mit andern Worten den Kräften, die in unserem astralischen Leibe wirken und die sich darin ausdrücken, daß wir ego istische Begierden und Leidenschaften haben, dann begehen wir in der entsprechenden Inkarnation Handlungen, zu denen die Verführung von Luzifer, ausgegangen ist. Und wir sehen dann das Resultat solcher von Luzifer beeinflußter Handlungen in der Zeit vom Tode bis zur neuen Geburt und nehmen da in uns die Tendenz auf&amp;gt; uns so zu inkarnieren, daß wir einen Krankheitsprozeß durchmachen, der dazu beitragen kann, wenn wir ihn überwinden, uns aus den Fangarmen dieser luziferischen Mächte wieder zu befreien. Würden also die luziferischen Mächte überhaupt nicht da sein, so würden wir nicht den Versuchungen verfallen können, welche uns dazu bringen, solche Kräfte in uns aufzunehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn nun nichts anderes bestünde im Leben als einzig und allein das, was Luzifer in uns bewirkt, daß wir diese oder jene egoistischen Triebe und Leidenschaften entfalten, dann würden wir eigentlich niemals von den luziferischenVersuchungen loskommen können im Leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir würden sie auch nicht durch die aufeinanderfolgenden Inkarnationen losbekommen können, denn wir würden ihnen immer wieder von neuem verfallen. Wenn wir zum Beispiel einfach in der Erdentwickelung uns selber überlassen worden wären und der luziferische Einfluß doch dagewesen wäre, so würden wir in einer Inkarnation die Versuchungen der luziferischen Mächte haben, würden dann nach dem Tode wahrnehmen, wozu sie uns gebracht haben, würden herbeiführen einen Erkrankungsprozeß; aber wenn wirklich nichts anderes mit ins Spiel käme, würde uns dieser Krankheitsprozeß in dem Leben, wo er sich auslebt, zu keiner besonderen Besserung führen. Er führt uns nur dadurch zu einer Besserung, daß von denjenigen Mächten, deren Gegner Luzifer ist, nun etwas hinzugefügt wird zu dem ganzen Prozeß.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also wenn wir auf der einen Seite den luziferischen Mächten verfallen, stellen sich gleich als eine Gegenwirkung die Mächte ein, deren Gegner &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|134}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die luziferischen Mächte sind, und diese versuchen nun eine Gegenkraft zu entfalten, wodurch der luziferische Einfluß wirklich aus uns ausgetrieben werden kann. Und diese Mächte, deren Gegner also die luziferischen Mächte sind, fügen hinzu zu dem Prozeß, der unter dem Einfluß Luzifers verursacht wird, den Schmerz. So müssen wir den Schmerz als etwas ansehen, was - wenn wir die luziferischen Mächte die bösen Mächte nennen - uns von den guten Mächten zugefügt wird, damit wir gerade durch den Schmerz uns den Fangarmen der bösen Mächte entreißen können und ihnen nicht mehr verfallen. Würde bei dem Krankheitsprozeß, der sich ergibt als eine Folge des Verfallenseins an die luziferischen Mächte, nicht Schmerz eintreten, so würden wir an uns die Erfahrung machen: Es ist ja gar nicht so schlimm, den luziferischen Mächten zu verfallen! - Und wir würden nichts haben in uns, was uns dahin bringen würde, unsere Kräfte anzuwenden, um uns den luziferischen Mächten zu entreißen. Der Schmerz, der das Bewußtwerden des unrichtig wachenden astralischen Leibes ist, er ist zugleich auch das, was uns davon abbringen kann, den luziferischen Mächten auf diesem Gebiet, wo wir ihnen schon verfallen sind, immer weiter zu verfallen. So wird der Schmerz in bezug auf die Versuchungen der luziferischen Mächte unser Erzieher.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sagen Sie nun nicht: Wie kann der Schmerz unser Erzieher sein, wenn wir in uns den Schmerz nur empfinden und seiner wohltätigen Kraft gar nicht gewahr werden? Daß wir seiner wohltätigen Kraft nicht gewahr werden, ist nur eine Folge unseres Ich-Bewußtseins. In dem Bewußtsein&amp;gt; das ich als unter dem Ich-Bewußtsein liegend geschildert habe, spielt sich schon der Prozeß ab, wenn auch der Mensch mit dem Tagesbewußtsein nichts davon weiß: Jetzt erfahre ich Schmerz, und der ist die Folge der durch die guten Mächte mir gegebenen Beigabe zu meinen Verfehlungen! - Das ist im Unterbewußtsein eine Kraft, welche so recht als eine karmische Erfüllung, als ein Impuls wirkt, nicht mehr den Handlungen, Trieben und Begierden, die gerade diese Krankheit hervorgerufen haben, zu verfallen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So sehen wir, wie Karma wirkt,~wie wir den luziferischen Mächten verfallen und wie uns die luziferischen Mächte eine solche Krankheit bringen, die herbeigeführt wird in einer nächsten Inkarnation; und &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
wir sehen, wie wohltätige Mächte uns den Schmerz hinzufügen zu der bloßen Schädigung unserer Organe, damit wir an dem Schmerz ein unter der Oberfläche unseres Bewußtseins liegendes Erziehungsmittel haben. Deshalb können wir sagen: Überall, wo bei einer Krankheit Schmerz auftritt, da ist es eine luziferische Macht, welche diese Krankheit bewirkt hat. Es ist der Schmerz geradezu ein Kennzeichen dafür, daß wir es zu tun haben mit dem Zugrundeliegen von luziferischer Macht. - Menschen, die gerne einteilen, werden ein Bedürfnis danach haben, nun überhaupt zu unterscheiden solche Krankheiten, die rein auf luziferischem Einfluß beruhen, und solche, die rein auf ahrimanischen Einfluß zurückzuführen sind; denn bei allen theoretischen Beschäftigungen ist ja das Einteilen, das Schemenmachen das Allerbequemste, und man glaubt, dadurch sehr viel begriffen zu haben. Aber in Wirklichkeit benehmen sich die Dinge nicht so, daß man sie mit diesen bequemen Mitteln erfassen kann. Da kreuzen sie sich fortwährend und laufen ineinander. Und wir werden auch leicht begreifen können, wenn ein wirklicher Krankheitsprozeß vorliegt, daß ein Teil zurückgeführt werden kann auf luziferischen Einfluß, also auf Dinge, welche mehr in den Eigenschaften unseres astralischen Leibes zu suchen sind, und ein an- derer Teil auch zugleich auf Dinge, die in dem ahrimanischen Einfluß zu suchen sind. So darf auch niemand glauben, wenn ihm irgend etwas wehtut, das sei nur auf luziferischen Einfluß zurückzuführen. Daß er Schmerzen hat, das zeigt ihm denjenigen Teil der Krankheit, der auf luziferischen Einfluß zurückzuführen ist. Aber wir werden das noch leichter verstehen, wenn wir uns fragen: Woher kommt denn der ahrimanische Einfluß?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dem ahrimanischen Einfluß wären die Menschen überhaupt nicht verfallen, wenn sie nicht zuerst dem luziferischen Einfluß verfallen wären. Dadurch, daß die Menschen den luziferischen Einfluß in sich aufnahmen,kam eine solcheVerbindung der vier menschlichen Glieder: physischer Leib, Ätherleib, astralischer Leib und Ich zustande, wie sie nicht zustande gekommen wäre, wenn Luzifer nicht gewirkt hätte und wenn nur die Mächte gewirkt hätten, deren Gegner Luzifer ist. Dann hätte sich der Mensch anders entwickelt. Also hat in bezug auf das menschliche Innere das luziferische Prinzip eine Störung hervorgerufen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Aber es hängt vom menschlichen Inneren ab, wie der Mensch die Außenwelt an sich herantreten läßt. Und gerade so, wie Sie mit einem Auge, in welchem etwas zerstört ist, wegen des inneren Fehlers die Außenwelt nicht richtig sehen, so bekommt der Mensch die Außenwelt durch den luziferischen Einfluß überhaupt nicht so zu sehen, wie sie ist. Und weil ein Grund gegeben war für den Menschen, die Außenwelt nicht so zu sehen, wie sie ist, so konnte sich in das nicht richtige Bild der Außenwelt der ahrimanische Einfluß hineindrängen, so daß das Herankommen Ahrimans an den Menschen nur dadurch hat geschehen können, daß erst der luziferische Einfluß gewirkt hatte. Der ahrimanische Einfiuß bewirkte, daß der Mensch nicht nur den egoistischen Leidenschaften, Trieben, Begierden, der Eitelkeit, dem Hochmut und so weiter verfallen kann, sondern daß jetzt in einem menschlichen Organismus, wo der Egoismus in solcher Weise wirkte, sich Organe aus- bildeten, welche die Außenwelt schief und unrichtig sehen mußten. Dadurch konnte sich in die unrichtigen Bilder der Außenwelt Ahriman mischen. Es kam Ahriman heran, und dadurch war der Mensch dem anderen Einflusse ausgesetzt, so daß er nicht nur den inneren Verlockungen verfallen kann, sondern auch in Irrtum und - bei der Beurteilung der Außenwelt und bei seinen Aussagen über die Außenwelt - in Lüge verfallen kann. So ist Ahriman zwar von außen wirkend, aber wir haben ihm erst die Möglichkeit gegeben, daß er an uns herankommen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So also stehen ahrimanischer und luziferischer Einfluß eigentlich nie für sich allein. Sie wirken immer aufeinander, halten sich in gewisser Weise das Gleichgewicht. Von innen drängt Luzifer heraus, von außen wirkt Ahriman herein, und dazwischen bildet sich das Weltenbild. Wenn in irgendeiner Inkarnation das Innere des Menschen stärker wird, wenn er mehr den inneren Einflüssen ausgesetzt ist, dann wird er für die Dinge, wo das Innere so wirkt, daß der Mensch mehr erfaßt wird von Hochmut, Eitelkeit und so weiter, sich mehr dem luziferischen Einfluß hingeben. In einer Inkarnation, wo der Mensch weniger durch sein Gesamtkarma dazu gestimmt ist, den inneren Einflüssen nachzugeben, wird er leichter den Irrtümern und den Verführungen des Ahriman verfallen können. So ist es in der Tat in unserem Leben. Wie wir &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
täglich durch das Leben gehen, fallen wir bald mehr den Verlockungen des Luzifer, bald mehr den Verlockungen des Ahriman zum Opfer. Und wir pendeln hin und her zwischen diesen beiden, die uns auf der einen Seite dazu führen, uns in unserem Inneren aufzublähen, auf der andern Seite dazu, uns über die äußere Welt Illusionen vorzumachen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es darf an dieser Stelle erwähnt werden - weil es außerordentlich wichtig ist -&amp;gt; daß den Verlockungen von beiden Seiten insbesondere derjenige Widerstand leisten muß, welcher versucht, eine höhere Entwickelung anzustreben und in die geistige Welt einzudringen, sei esdadurch, daß er hinter die Erscheinungen der Außenwelt bis in das Geistige eindringen will oder daß er in das eigene Innere mystisch hinuntersteigen will. Beim Eindringen in die geistige Außenwelt, die hinter der physischen Welt liegt, steht immer das, was Ahriman an täuschenden Bildern vorgaukelt; wenn der Mensch mystisch hinuntersteigen will in die eigene Seele, sind immer die Verlockungen Luzifers in besonderem Maße möglich. Wenn der Mensch Mystiker wird und mit Glück hinunterstrebt, ohne daß er vorher darauf gesehen hat, durch seine Charakterbildung Gegenmittel zu ergreifen gegen Hochmut, Eitelkeit und dergleichen, wenn es ihm gelingt, als Mystiker zu leben, aber ohne besondere moralische Kultur, dann kann er um so mehr den Verlockungen Luzifers verfallen, der von innen herauf in die Seele hinein- wirkt. Wenn daher der Mystiker nicht sehr gesehen hat auf seine moralische Kultur, dann kann er, wenn es ihm gelingt, ein wenig hineinzudringen in sein Inneres, in die große Gefahr kommen, daß er noch stärker, als das bisher der Fall war, die rückschlagende Kraft des luziferischen Einflusses aufruft und daß er noch eitler und hochmütiger wird als vorher. Deshalb ist es so notwendig, daß man vorher durch Charakterbildung dafür sorgt, daß man gegen die in allen Fällen an uns herantretenden Verlockungen der Eitelkeit, des Größenwahnes, des Hochmutes ein Gegenmittel hat. Und wir können nicht genug darin tun, uns gerade diejenigen Eigenschaften anzueignen, welche zur Bescheidenheit und zur Demut führen. Das ist im eminenten Maße notwendig für die Seite unserer höheren Entwickelung, die wir die mysti sche nennen. Auf der andern Seite ist es notwendig, daß sich der Mensch auch gegen die Wahngebilde des Ahriman schützt, wenn er versucht, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
durch eine Entwickelung, die hinter die Erscheinungen der Außenwelt führt, bis zu den geistigen Urgründen der Dinge zu kommen. Wenn er da nicht versucht, eine Charakterbildung zu erlangen, welche ihn innerlich stark und kräftig macht, die ihn fest gebaut sein läßt auf sein Inneres, dann wird es sehr leicht vorkommen können, daß der betreffende Mensch - und zwar gerade, wenn er Glück hat mit dem Hinausgehen in die geistige Welt - dem Ahriman verfällt, daß Ahriman ihm vorgaukelt Illusion über Illusion, Halluzination über Halluzination.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man kommt häufig in den Fall, daß einen die Menschen in gewisser Beziehung «beim Wort nehmen». Weil so oft betont wird, daß die höhere Entwickelung, die hinter die Erscheinungen der Außenwelt kommen will, verknüpft sein muß mit vollem Bewußtsein, kommt es vor, daß einem die Leute immer wieder halb somnambule Personen bringen, welche versichern: Ja, da nehme ich die geistige Welt wahr, und zwar bei vollem Bewußtsein! - Da kann man immer nur sagen: Wenn du nur nicht bei Bewußtsein sein möchtest; das wäre viel gescheiter! - Denn über dieses «Bewußtsein» täuschen sich die Leute. Es ist ein bloßes Bilderbewußtsein, ein astralisches Bewußtsein; denn wenn diese Personen nicht in einem unterbewußten Grade bewußt wären, würden sie das ja nicht wahrnehmen. Aber darum handelt es sich, daß man, wenn man in die geistige Welt hineingeht, sein Ich-Bewußtsein zusammenhält. An das Ich-Bewußtsein aber ist gebunden Urteilskraft und ein deutliches Unterscheidungsvermögen! Das haben dann die Menschen nicht für die Gestalten, welche sie in der geistigen Welt sehen. Daß sie ein Bewußtsein haben, ist nicht weiter wunderbar; aber jenes Bewußtsein, das mit der Kultur unseres Ich verknüpft ist, das müssen wir haben. Daher wird nicht etwa betont bei einer Entwickelung zum Schauen der höheren Welten, daß die Menschen so schnell wie möglich hineinkommen in eine höhere Welt und allerlei Gestalten sehen oder vielleicht auch allerlei Stimmen hören, sondern es wird betont, daß das Hineingehen in die geistige Welt von Glück und von Vorteil nur dann sein kann, wenn man das Bewußtsein und das Unterscheidungsvermögen und die Urteilskraft schärft. Und das kann nicht besser geschehen als durch das Studium der geisteswissenschaftlichen Wahrheiten. Daher wird betont, daß das Sich-Befassen mit geisteswissenschaftlichen Wahr- &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
heiten ein Schutz ist gegen das vermeintliche Sehen von allerlei Gestalten, über das keine Urteilskraft sich ausbreiten kann. Wer wirklich geschult ist in dieser Weise, der wird nicht jede beliebige Erscheinung für dies oder jenes halten, sondern er wird vor allen Dingen unterscheiden können zwischen Realität und Nebelbild, und er wird sich vor allen Dingen auch klar sein, daß man namentlich auch mit den Dingen, welche als Gehörswahrnehmungen auftreten, besonders vorsichtig sein muß, weil nie eine Gehörswahrnehmung eine richtige sein kann, wenn der Betreffende nicht durchgegangen ist durch die Sphäre der absoluten Ruhe. Und wer nicht zuerst die absolute Stille und Lautlosigkeit der geistigen Welt erfahren hat, der kann sich ganz gewiß sagen, daß es Trugbilder sind, die er wahrnimmt, und wenn sie ihm etwas noch so Gescheites sagen. Nur wer sich Mühe gegeben hat, seine Urteilskraft zu schärfen gerade dadurch, daß er zu begreifen versucht die Wahrheiten der höheren Welten, nur der kann sich gegen Trugbilder schützen. Die Mittel der äußeren Wissenschaft reichen dazu nicht aus. Die äußere Wissenschaft gibt keine so scharfe, stärkende Urteilskraft, wie sie notwendig ist, um in einer geistigen Welt wirklich zu unterscheiden. Darum kann man wirklich sagen: Wenn Leute etwas mitteilen aus höheren Welten, die nicht vorher sorgfältig darauf geachtet haben, ihre Urteils- kraft zu schärfen - was besonders durch das Studium der Geisteswissenschaft möglich ist -, dann sind solche Mitteilungen immer im höchsten Grade anfechtbar, und sie müßten mindestens immer erst kontrolliert werden durch diejenigen Methoden, die unter der Voraussetzung der wirklichen Schulung errungen sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt nur eine Macht, vor der sich Luzifer zurückzieht: das ist die Moralität. Das ist etwas, was den Luzifer brennt wie das furchtbarste Feuer. Und es gibt kein anderes Mittel, welches dem Ahriman entgegenwlrkt, als an der Geisteswissenschaft geschulte Urteilskraft und Unterscheidungsvermögen. Denn was wir uns auf der Erde als gesunde Urteilskraft aneignen, das ist etwas, was Ahriman furchtbar flieht. Er hat im Grunde vor nichts einen so großen Widerwillen als vor dem, was wir uns durch eine gesunde Schulung unseres Ich-Bewußtseins erringen. Denn wir werden sehen, daß Ahriman einer ganz andern Region angehört, die weit entfernt ist von dem, was wir als unsere gesunde Urteilskraft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
entwickeln. Im Augenblick, wo Ahriman mit dem zusammen- trifft, was wir uns im Erdendasein als gesunde Urteilskraft errungen haben, bekommt er einen furchtbaren Schreck, denn das ist etwas ganz Unbekanntes für ihn, davor hat er eine große Furcht. Je mehr wir uns daher bemühen, das auszubilden, was im Leben zwischen Geburt und Tod an gesunderUrteilskraft gegeben werden kann, desto mehr arbeiten wir Ahriman entgegen. Das zeigt sich besonders bei allerlei Persönlichkeiten, welche einem gebracht werden und die dann «das Blaue vom Himmel herunter» von all den geistigen Welten erzählen, die sie da gesehen haben. Und wenn man dann den allergeringsten Versuch macht, diesen Persönlichkeiten etwas klarzumachen, ihnen Verständnis und Unterscheidungsvermögen beizubringen, dann hat sie Ahriman gewöhnlich so sehr in der Gewalt, daß sie kaum darauf eingehen können; und das wird um so stärker, je mehr sich die Verlockungen Ahrimans nach der akustischen Seite hin ausdrücken. Gegen das, was sich in visionären Bildern zeigt&amp;gt; gibt es noch mehr Mittel als gegen das, was akustisch sich zeigt, wie gehörte Stimmen und so weiter. Solche Leute haben eine große Abneigung, etwas zu lernen, was für das Ich-Bewußtsein zwischen Geburt und Tod errungen werden muß. Sie mögen es nicht. Aber sie selber sind das nicht, die das nicht mögen. Es sind die ahrimanischen Mächte, welche sie davon wegzerren. Wenn man einen solchen Menschen dann aber so weit bringt, gesunde Urteilskraft zu entwickeln, und er darauf eingeht, Belehrungen anzunehmen, dann zeigt sich sehr bald folgendes. Dann hören die Stimmen und die Halluzinationen auf, weil sie vorher nur ahrimanische Nebelbilder waren und weil Ahriman eine furchtbare Angst bekommt, sobald er verspürI: Da, vom Menschen her, kommt eine gesunde Uiteilskraft!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So ist in der Tat das beste Mittel gegen diese den Menschen besonders schädigenden Erkrankungen des durch Ahriman bewirkten Sehens und halluzinatorischen Hörens dies: den Menschen mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln dazu zu bringen, sich eine gesunde und vernünftige Urteilskraft zu erringen. Das ist für manche Persönlichkeiten außerordentlich schwierig. Denn sie sind in dem Falle, daß es die andere Macht ihnen sehr bequem macht, diese andere Macht leitet sie. Wer aber diese Macht austreiben will, kann es sich nicht so bequem machen. Bei &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|141}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
solchen Persönlichkeiten kommt man dann recht schwer an, denn sie behaupten, man hätte ihnen das genommen, was sie früher in die geistige Welt hinaufgeführt hat, während man sie in Wahrheit gesund gemacht hat und davor bewahrt hat, daß diese Mächte immer mehr und mehr Gewalt über sie bekommen!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir sehen also, wovor die luziferischen und ahrimanischen Mächte einen recht großen Widerwillen haben. Demut, Bescheidenheit beim Menschen, sich nicht für mehr halten, als wozu ein gesundes Urteil berechtigt, das ist etwas, was dem Luzifer gar nicht gefällt. Dagegen ist er da wie die Fliegen in einer unreinen Stube, wenn irgendwo die Eigen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
schaften des Ehrgeizes, der Eitelkeit heraus wollen. Alles dies und besonders die Dinge, welche auf falschen Vorstellungen über sich selbst beruhen, wirken nun wieder dahin, daß wir uns auch für Ahriman bereit machen. Gegen Ahriman schützt aber nichts mehr, als wenn wir uns wirklich im Leben Mühe geben, gesund zu denken, wie es uns das Leben zwischen Geburt und Tod lehrt. Und gerade diejenigen, welche auf dem Boden der Geisteswissenschaft stehen, haben alle Veranlassung, so intensiv, als es nur möglich ist, immer wieder zu betonen, daß es uns als Erdenmenschen nicht geziemt, zu übersehen, was uns gerade durch das Erdenleben gegeben werden soll. Die Menschen, welche es verschmähen, sich ein gesundes Urteil und vernünftiges Unterscheidungsvermögen anzueignen, und leicht ohne dieses hinauf wollen in eine geistige Welt, sie wollen sich im Grunde genommen dem Erdenleben entziehen. Sie wollen so hinschweben über das Erdenleben; sie finden, daß es eigentlich für sie eine viel zu geringe Beschäftigung ist, sich mit allerlei Dingen abzugeben, die zum Verständnis des Erdenlebens führen können. Sie halten sich für etwas Besseres. Gerade eine solche Empfindung ist aber ein neuer Grund zum Hochmut. Daher können wir es immer wieder sehen, daß Persönlichkeiten, die zur Schwärmerei neigen, zu einem Nicht-berührtsein-Wollen von den Erdendingen und dem Erdenleben, es ablehnen, zu lernen, «weil sie ja schon in allem darinnenstehen&amp;gt; und nicht Gemeinschaft machen wollen mit einer solchen Strömung wie der unserigen. Solche Menschen sagen: In die geistige Welt muß ja die Menschheit hinein!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gewiß, aber es gibt nur einen gesunden Paß da hinein, und das ist&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|142}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die auf der Erde errungene Moralität im höheren Sinne, die uns nicht uns selbst überschätzen läßt, die uns nicht zu einem falschen Urteil über uns selbst führt, uns auch nicht abhängig sein läßt von unseren Trieben, Begierden und Leidenschaften; und auf der andern Seite ist es ein emsiges, gesundes Mitarbeiten mit den Verhältnissen des Erdenlebens, nicht ein Über-den-Verhältnissen-des-Erdenlebens-schweben-Wollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit haben wir aus den Tiefen des Karma etwas herausgeholt, was mit den Tiefen des geistigen Lebens zusammenhängt. Von großem Wert kann das sein. Aber nichts ist von Wert für die Entwickelung des Menschen und seiner Individualität, was ohne gesunde Vernunft aus der geistigen Welt herausgeholt wird; und von Wert ist auch das nicht, was ohne Moralität herausgeholt wird. Das kann man einsehen aus den Tatsachen, die das letzte Mal und heute dargestellt worden sind. Und wenn wir das einsehen, können wir uns sagen: Warum sollte der luziferische Einfluß, gerade weil er von früher her wirkt und sich umgewandelt hat in die Krankheit und ausgeglichen wird durch den Schmerz, warum sollte er nicht beim Menschen gleichsam nach sich ziehen den ahrimanischen Einfluß? Und warum sollte nicht bei dem, was uns Schmerz bereitet und uns den luziferischen Verlauf einer Krankheit anzeigt, mitspielen gerade als Folge des luziferischen Einflusses der ahrimanische Einfluß? Wie aber wirkt der ahrimanische Einfluß? Und wie wandeln sich die Verlockungen des Ahriman in Krankheitsursachen um? Wie tritt das auf in einer späteren Inkarnation?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was ahrimanischem Einfluß zuzuschreiben ist, das ist mittelbar doch auf Luzifer zurückzuführen; aber wenn der luziferische Einfluß so stark war, daß er den ahrimanischen Einfluß herausgefordert hat, dann ist der ahrimanische Einfluß der heimtückischere. Er liegt tiefer unten, nicht nur in den Verfehlungen des astralischen Leibes, sondern in den Verfehlungen des Ätherleibes. In einem Bewußtsein, das unter dem Schmerzbewußtsein liegt, tritt der ahrimanische Einfluß auf mit einer Schädigung, welche nicht von Schmerz begleitet zu werden braucht, mit einer solcben Schädigung, die in dem betreffenden Organe, wo sich die Schädigung ausdrückt, zu einem Unbrauchbarwerden dieses Organs führt. - Nehmen wir an, in einer Inkarnation hätte ein ahrimanischer Einfluß gewirkt und hätte das hervorgerufen, was eben ein ahrimani&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|143}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
scher Einfiuß hervorrufen kann. Der Mensch durchlebt nun die Zeit zwischen Tod und neuer Geburt - und tritt wieder auf in einer neuen Inkarnation. Dann zeigt sich, daß irgendein Organ ergriffen ist von der ahrimanischenWirkung, mit andern Worten: In diesem Organ sitzt der Ätherleib viel tiefer darinnen, als er darinsitzen sollte; das Organ ist viel stärker durchdrungen von dem Ätherleib, als es sein sollte. In solchem Falle wird der Mensch wegen des fehlerhaften Organs verleitet, sich nur noch mehr in den Irrtum - das, was Ahriman vollbringt in der Welt - zu verstricken. Mit dem Organ, welches dem ahrimanischen Einfluß seine Schädigung verdankt, in das sich so recht tief hineinversetzt hat der Atherleib, würde der Mensch, wenn er diesen ganzen Prozeß ausleben wollte, sich tiefer in das verstricken, was Ahriman bewirken kann: in die Maja. Da nun aber alles das, was die Außenwelt als Maja erzeugt, nicht mitgenommen werden kann in die geistige Welt, so entzieht sich uns die geistige Welt immer mehr. Denn dort gibt es nur Wahrheit, nicht Illusion! Je mehr wir also in die durch Ahriman bewirkte Illusion hineinverstrickt werden, desto mehr werden wir gerade dazu gedrängt, uns noch viel mehr in die sinnlich-äußere Welt, in die Illusion des Physisch-Sinnlichen hineinzuversetzen, als wir es ohne ein solches schadhaftes Organ tun würden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da aber tritt die gegensätzliche Wirkung ebenso auf, wie die gegensätzliche Wirkung im Schmerz bei dem luziferischen Einfluß auftritt. Da tritt die gegensätzliche Wirkung nun so auf, daß in dem Augenblick, wo die Gefahr vorhanden ist, daß wir uns zu sehr an die physisch- sinnliche Welt ketten und uns dadurch zu viel rauben von dem, was uns hinaufführen könnte in die geistige Welt, daß in diesem Augenblick das Organ zerstört wird, daß es entweder gelähmt oder zu schwach gemacht wird zum Wirken. Es tritt also ein Zerstörungsprozeß ein. - Sehen wir also, daß ein Organ zerstört wird, so müssen wir uns klar seIn, daß wir dies eigentlich wohltätigen Mächten verdanken müssen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
das Organ wird uns genommen, damit wir wieder den Rückweg finden in die geistige Welt. So ist es in der Tat, daß uns - wenn es nicht anders geht - durch gewisse Mächte Organe zerstört werden oder daß wir mit kranken Organen ausgerüstet werden, damit wir nicht zu tief in die Illusion hineingestoßen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|144}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn also jemand zum Beispiel eine Leberkrankheit hat, die als solche nicht von schmerzlichen Erlebnissen begleitet ist, so haben wir es zu tun mit der Wirkung eines vorhergehenden ahrimanischen Einflusses, der dazu geführt hat, der Leber die betreffende Schädigung zuzufügen, weil wir sonst durch die Kräfte, welche verbunden sind mit dem Tieferhineingehen des Ätherleibes, zu sehr in Maja hineingeführt würden, wenn uns dieses Organ nicht genommen würde. Sagen und Mythen haben immer die tiefste Weisheit gewußt und haben sie in sich ausgedrückt. Gerade die Leber ist ein gutes Beispiel dafür. Denn sie ist ein Organ, das am leichtesten für das Hineingleiten des Menschen in die physisch-illusorische Welt wirksam sein kann. Und die Leber ist zugleich das Organ, das uns eigentlich an die Erde kettet. Mit dieser Wahrheit hängt zusammen, daß bei derjenigen Wesenheit, welche den Menschen der Sage nach die Kraft gebracht hat, die sie in das Erdenleben hineinführen und dort recht wirksam machen soll - nämlich bei Prometheus -, gerade an der Leber ein Geier nagt. Ein Geier nagt an der Leber, nicht etwa darum, weil das dem Prometheus einen besonders tiefen Schmerz verursachen soll; denn in diesem Falle würde die Sage nicht stimmen mit den wirklichen Tatsachen. Aber Sagen stimmen immer überein mit den physiologischen Tatsachen! Der Geier nagt an der Leber, weil es nicht wehtut! Denn es sollte darauf hingewiesen werden, daß Prometheus der Menschheit etwas brachte, was sie tiefer hineinverstricken könnte in das Ahrimanische,wenn nicht die gegenteilige, ausgleichende Wirkung geschehen könnte. Okkulte Urkunden sind Immer im Einklang mit den Wahrheiten, welche wir in der Geisteswissenschaft verkünden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich habe Ihnen heute rein aus der Sache heraus gezeigt, daß es die guten Mächte sind, welche über den Menschen den Schmerz verhängen gegenüber dem Einfluß Luzifers. Bringen Sie das einmal in Zusammenhang mit der Urkunde des AltenTestamentes. Als der Einfluß des Luzifer geschehen war, wie er uns symbolisiert wird durch die Schl,ange, welche die Eva verführt, mußte also von den Gegnern des Luzifer gerade über das, wozu Luzifer die Menschen bringen wollte, der Schmerz verhängt werden. Es mußte die Macht, deren Gegner Luzifer ist, jetzt kommen und davon sprechen, daß von nun an Schmerz über die Menschheit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|145}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gebracht wird. Das tut Jahve oder Jehovah, indem er sagt: «Unter Schmerzen sollst du Kinder gebären!»&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Dinge in den okkulten Urkunden weiß man in der Regel nicht zu deuten, solange man die geisteswissenschaftlichen Erklärungen als solche noch nicht hat. Nachher kommt man dann darauf, wie tief diese Urkunden sind. Daher können Sie auch von mir nicht verlangen, daß ich Ihnen aus dem Nichts heraus - ohne die entsprechenden Voraus setzungen - die Dinge ohne weiteres erklären kann. Damit es überhaupt möglich ist, über die Stelle zu sprechen: «Unter Schmerzen sollst du Kinder gebären!», müssen vorausgehen die Betrachtungen über das Karma; denn erst an der betreffenden Stelle kann man die Erklärung darüber einfügen. Daher nutzt es auch nicht viel, wenn man dieses oder jenes erklärt haben will aus den okkulten Urkunden, bevor man die betreffende Stelle in der okkulten Entwickelung erreicht hat. Und es ist immer eine mißliche Sache, zu fragen: Was bedeutet dies? Was bedeutet jenes? - Der Mensch muß immer warten und Geduld haben, bis die betreffende Stelle herangekommen ist; mit den Erklärungen allein würde man nichts erreichen. So sehen wir in unser Leben hineinwirken auf der einen Seite die iuziferischen Mächte, auf der andern Seite diejenigen Mächte, deren Gegner Luzifer ist. Dann wirken die ahrimanischen Mächte in unser Leben hinein, und wir müssen uns klarmachen, daß die Mächte, welche uns Organe unbrauchbar machen, wenn wir dem ahrimanischen Einfluß verfallen, zu den guten Mächten zu rechnen sind, deren Gegner eben Ahriman ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn Sie Ihren Ausgangspunkt nehmen von all dem, was jetzt gesagt worden ist, werden Sie tief hineinschauen können in das komplizierte Getriebe der Menschennatur, und Sie werden dazu kommen können, sich zu sagen: Die luziferischen Mächte sind solche, die während der alten Mondenzeit zurückgeblieben sind; sie wirken heute in unserer Erdentwickelung mit denjenigen Kräften in das menschliche Leben hinein, die eigentlich Mondenkräfte sind, die sich in demjenigen Welten plan, der zum Beispiel nur jenen Mächten entspricht, deren Gegner Luzifer ist, gar nicht innerhalb unserer Erdentwickelung abspielen können. So wirkt Luzifer hinein in den Plan einer anderen Wesenheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|146}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir können aber nun zurückgehen zu weiter zurückliegenden Epochen der Entwickelung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir auf der einen Seite sehen, daß auf dem Monde Wesenheiten zurückblieben in ihrer Entwickelung, um auf der Erde einzugreifen in das menschliche Leben, dann kann uns erklärlich erscheinen, daß auch auf der alten Sonne Wesen zurückgeblieben sind, die dann auf dem Mond eine ähnliche Rolle gespielt haben wie die luziferischen Wesenheiten jetzt auf der Erde. Wir haben heute in der menschlichen Wesenheit etwas, was wir eigentlich als einen Kampf bezeichnen können: der Kampf, der sich abspielt zwischen den luziferischen Gewalten, welche sich in unseren astralischen Leib hineinsetzen, und denjenigen Mächten, die durch unser Ich, durch unsere Erdenerrungenschaften auf uns wirken. Denn die Mächte, deren Gegner Luzifer ist, können ja nur durch unser Ich auf uns wirken. Wenn wIr uns Klarheit und richtige Schätzung über uns selbst aneignen, so können wir das nur mit Hilfe derjenigen Mächte, die auf unser Ich wirken. Dazu müssen wir schon unser Ich anwenden. Deshalb können wir sagen: Indem sich unser Ich aufbäumt gegen die luziferischen Mächte, kämpft in uns Jahve oder Jehovah gegen Luzifer; da kämpft das, was den guten Weltenplan besorgt, gegen das, was sich auflehnt gegen diesen Weltenplan In seiner alleinigen Geltung, und wir sind mit unserem innerstenWesen darinnenstehend in diesem Kampf des Luzifer mit andern Wesenheiten. Wir sind selbst der Schauplatz dieses Kampfes. Und daß wir der Schauplatz dieses Kampfes sind, das zieht uns in Karma hinein - aber nur mittelbar dadurch, daß dieser Kampf mit dem Luzifer sich abspielt. Wenn wir dagegen den Blick nach außen richten, werden wir in die ahrimanischen Mächte hineingezogen. Da spielt sich etwas ab, was von draußen kommt, und hier kommt Ahriman in uns herein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun wissen wir, daß Wesenheiten auf dem alten Monde gelebt haben, die in ähnlicher Weise damals ihre Menschheitsstufe durchgemacht haben, wie wir sie Im Laufe der Erdentwickelung durchmachen. In der «Akasha-Chronik» und in der «Geheimwissenschaft» finden Sie diese Wesen bezeichnet als Engel, Angeloi, Dhyanis; auf den Namen kommt es nicht an. Im Inneren dieser Wesenheiten spielte sich damals aber ein ähnlicher Kampf ab wie der luziferische Kampf in unserer &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|147}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
eigenenWesenheit. DieseWesen waren auf dem alten Monde der Schauplatz eines Kampfes, der sich abspielte durch jene Wesenheiten, welche wieder auf der Sonne zurückgeblieben waren. Dieser Kampf auf dem Monde hat mit unserem inneren Ich nichts zu tun, denn auf dem Monde hatten wir unser Ich noch nicht. Er steht außerhalb dessen, woran unser Ich beteiligt sein kann, er hat sich auf dem alten Monde «in der Brust der Engel» abgespielt. Dadurch sind diese Wesenheiten damals etwas geworden, was sie nur werden konnten unter dem Einfluß von andern Wesenheiten, die zurückgeblieben waren gegenüber der normalen Sonnenentwickelung und die damals für die Angeloi dieselbe Rolle spielten, wie sie die luziferischen Wesenheiten heute für uns spielen. Und das waren die ahrimanischen Wesenheiten, welche während der Sonnenentwickelung ebenso zurückgeblieben sind wie die luziferischen Wesenheiten während der Mondentwickelung. Daher können wir zu diesen Wesenheiten auch nur mittelbar kommen. Ahriman war es aber, der sozusagen der Versucher in der Brust der Angeloi war, und er wirkte in ihnen. Durch ihn sind die Angeloi das geworden, was sie dann geworden sind, und sie haben das, was sie durch Ahriman geworden sind, ebenso herübergebracht wie das&amp;gt; was sie im Guten erreicht haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir haben als Gutes von Luzifer die Möglichkeit, zwischen Gut und Böse zu unterscheiden, freies Entscheidungsvermögen zu entwickeln, freien Willen zu erringen. Das ist für uns nur durch Luzifer zu erreichen. DieseWesenheiten aber haben etwas erreicht und mit hinübergenommen in das Erdendasein,wovon wir sagen können: Wie uns die Angeloi jetzt umgeben als Geistwesen, so haben sie sich zu ihrem jetzigen Sein vorbereitet durch den ahrimanischen Kampf in ihrer Seele zur Zeit der alten Mondentwickelung. Was diese Wesenheiten durchgemacht haben und was sie als Wirkungen in sich haben von dem, was sie durchgemacht haben, das geht uns in unserem innersten Ich nichts an, daran sind wir mit unserem Ich nicht beteiligt. - Wir werden sehen, wie wir mittelbar dazu kommen, weil ja der ahrimanische Einfluß doch wieder in uns hereinwirkt. - Was diese Wesenheiten sich unter dem Einflusse Ahrimans errungen haben, das sind gewisse Wirkungen, zu denen sie die Ursachen während ihres Mondendaseins aufgenommen haben. Während desMondendaseins nahmen dieseWesenheiten durch den ahrimanischen &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|148}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einfluß in sich etwas auf, was sie hineingetragen haben in unser Erden- dasein. Versuchen wir einmal, in unserem Erdendasein das aufzufinden, was uns erscheinen kann als eine solche Wirkung des damaligen ahrimanischen Kampfes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn dieser ahrimanische Kampf auf dem alten Monde nicht stattgefunden hätte, so könnten diese Wesenheiten nicht in unser Erden- dasein hineintragen, was dem alten Mondendasein angehört hat. Denn das würde aufgehört haben, nachdem der alte Mond zugrunde gegangen war. Dadurch, daß die Angeloi den ahrimanischen Einfluß aufgenommen haben, sind sie verstrickt worden in das Mondendasein, geradeso wie wir verstrickt werden durch den luziferischen Einfluß in das Erden- dasein. Sie haben das, was Mondelement ist, in ihr Innerstes aufgenommen und haben es hinübergebracht in unser Erdendasein. Dadurch sind sie imstande geworden, gerade dasjenige in unserem Erdendasein hervorzurufen, was hervorgerufen werden muß, damit unsere Erde nicht ganz dem Einfluß Luzifers verfällt. Unsere Erde würde im ganzen dem Einflusse Luzifers verfallen müssen, wenn diese Tatsache, welche dem Kampfe der Engel mit Ahriman auf dem Monde entspricht, nicht in unser Erdendasein hineingebracht worden wäre.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Welches sind denn die Vorgänge im Erdendasein, die wir als die normalen bezeichnen? Als sich unser jetziges Sonnensystem entsprechend dem Erdenziele geordnet hat, ist das aufgetreten, was wir als die regelmäßigen Bewegungen der Sonne, der Erde und der andern Planeten sehen und was bewirkte, daß,wirTag und Nacht haben, daß die Jahreszeiten in der regelmäßigen Weise aufeinanderfolgen, daß wir Sonnenschein und Regen haben, daß unsere Früchte auf den Feldern gedeihen und so weiter. Das sind Ordnungen, die sich immer wiederholen nach dem Rhythmus des Kosmos, der sich für das jetzige Erdendasein herausgebildet hat, nachdem das Mondendasein in die Dämmerung hinuntergestiegen ist. Aber innerhalb des Erdendaseins wirkt Luzifer. Und wir werden sehen, daß er noch viel mehr wirkt als nur in dem Gebiet, wo wir ihn schon verfolgen konnten, in dem Menschen selbst, wo er sich allerdings seinen wichtigsten Schauplatz ausgesucht hat. Aber selbst wenn Luzifer nur innerhalb des Erdendaseins vorhanden wäre, und schon durch alle die Ordnungen, welche eintreten durch den regelmäßi&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|149}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gen Gang der Planeten um die Sonne, durch den Wechsel von Sommer und Winter, Regen und Sonnenschein und so weiter, würden die Menschen in das verfallen, was wir nennen können «luziferische Verführung&amp;gt;. Wenn den Menschen alles das zukommen würde, was ihnen aus dem geordneten Kosmos zukommen kann,was die regelmäßigen, rhythmischen Bewegungen des Sonnensystems hervorbringen, wenn nur die Gesetze herrschten, welche unserem jetzigen Kosmos angemessen sind, so müßte der Mensch dem luziferischen Einfluß verfallen, müßte das Wohlleben lieber gewinnen als das, was er gewinnen soll zu seinem kosmischen Heil, müßte den regelmäßigen Gang lieber gewinnen als das, was er sich erringen soll.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daher mußten Gegenkräfte geschaffen werden. Es mußten Gegenkräfte wirken, welche dadurch zustande kamen, daß sich hineinmisch ten in die regelmäßigen kosmischen Vorgänge unseres Erdenlebens solche Vorgänge, die für den alten Mond höchst wohltätige und normale waren, die aber heute, wenn sie auf das Erdendasein wirken, abnorme sInd und den regelmäßigen Erdengang gefährden. Diese Einflüsse treten so auf, daß sie gewissermaßen zurechtrücken, was, wenn der bloße Rhythmus vorhanden wäre, als Hang zum Wohlleben, als Behaglichkeit und Üppigkeit entstehen würde; und es zeigen sich uns solche Kräfte zum Beispiel in dem, was als der heftige Hagel dahinstürmt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und wenn das, was sonst unter den regelrechten Kräften der Erde ge schaffen würde, zerstört wird, so wird in einem solchen Falle eine Korrektur geschaffen, die im ganzen wohltätig wirkt, wenn es auch der Mensch zunächst nicht einsieht, weil es eine höhere Vernünftigkeit gibt als die, welche der Mensch begreift. Wenn der Hagel hereinstürmt in die Felder, dann können wir sagen: Auf dem alten Monde waren diese Kräfte, welche im Hagel heranstürmen, segenbringende Kräfte wie heute diejenigen Kräfte, welche segenbringend im Regen und Sonnen schein wirken. Heute stürmen sie herein, damit Korrektur geschaffen wird für das, was der luziferische Einfluß sonst anrichten würde. Und wenn der regelmäßige Gang fortgeht, stürmen sie in immer heftigerer Weise herein, um noch mehr Korrektur zu schaffen. Alles, was zur regelmäßigen Fortentwickelung führt, gehört den Kräften der Erde selber an. Wenn der Vulkan seine Laven hinausschleudert, so wirken &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|150}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
darin Kräfte, welche als verspätete Kräfte vom alten Mond mit herübergebracht worden sind, damit sie Korrektur schaffen im Erden- leben. So ist es mit den Erdbeben und mit den Elementarereignissen überhaupt.Und wir können sehen,daßmanches,was von außen kommt, im Gesamtgange der Entwickelung seine vernünftige Begründung findet. Wie das mit dem menschlichen Ich-Bewußtsein zusammenhängt, das werden wir noch sehen; was unbefriedigend am heutigen Vortrag erscheint, wird sich dadurch morgen ausgleichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir müssen uns aber doch das eine klarlegen, daß diese Dinge alle nur die eine Seite des menschlichen Daseins&amp;gt; des Erdendaseins, des kosmischen Daseins überhaupt, darstellen. Und wenn wir auf der einen Seite sagen, wenn uns ein Organ zerstört wird, sind es wohltätige Wirkungen geistiger Mächte, und wenn wir heute gefunden haben, daß sogar der ganze Gang der Erdentwickelung wieder korrigiert werden muß durch Kräfte aus dem alten Mondendasein, so müssen wir jetzt fragen: Wie steht es nun damit, daß wir versuchen müssen, als Erden- menschen auf der andern Seite wieder Korrektur zu schaffen für die schädlichen Einflüsse der alten Mondenkräfte? - Wir werden ja schon ahnen, daß wir als Erdenmenschen nicht gerade herbeisehnen dürfen Vulkanausbrüche und Erdbeben, daß wir nicht selber Organe zerstören dürfen, um die segensreiche Wirkung der geistigen Mächte zu unterstützen. Aber wir werden uns auch sagen können, und das hat gewiß seIne Berechtigung: Bricht irgendwo eine Epidemie aus, so wird dadurch etwas herbeigeführt, was der Mensch geradezu sucht, damit in ihm etwas ausgeglichen wird. Und wir können annehmen, daß der Mensch hineingetrieben wird in gewisse Verhältnisse, um eine Schädigung zu erfahren, durch deren Überwindung er sich derVervollkommnung nähert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie steht es aber dann mit hygienischen und sanitären Maßregeln?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Könnte nicht jemand sagen: Also werden Epidemien sehr Gutes wirken können? Ist es dann nicht falsch, durch allerlei gesundheitsfördernde Einrichtungen, durch krankheitsvorbeugende Maßnahmen die Möglichkeit zu vermindern, daß solche Einflüsse geschehen? Es könnte jemand darauf kommen, daß man nichts tun sollte, um elementare Ereignisse abzuschwächen, und könnte es damit motivieren, daß es ganz im Sinne der heutigen und gestrigen Ausführungen liege.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|151}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir werden sehen, daß das nicht der Fall ist, aber wieder nur unter gewissen Voraussetzungen nicht der Fall ist. Wir werden nämlich jetzt erst in der richtigen Weise dazu vorbereitet sein, um bei der nächsten Betrachtung derVerhältnisse einerseits zu verstehen, wie uns wohltätige Einflüsse geradezu die Schädigung eines Organs zufügen, damit wir der Wirkung der Maja nicht verfallen, und anderseits uns jener Wirkung bewußt zu werden, die wir hervorrufen, wenn wir uns selbst der Auswirkung solcher wohltätiger Einflüsse entziehen, indem wir sanitäre und hygienische Maßnahmen gegen die Krankheiten ergreifen. - Wir werden sehen, daß wir hier an einem Punkt stehen, an dem der Mensch so häufig steht: Wenn ein scheinbarer Widerspruch auftaucht und ihn die ganze Kraft des Widerspruchs tfeibt, dann ist er nahe daran, an einen solchen Punkt zu kommen, wo die ahrimanischen Mächte einen großen Einfluß auf ihn ausüben können. Nirgends liegt die Möglichkeit so nahe, uns~i~öuschungen hinzugeben,wie jetzt,wo wir in einen solchen Engpaß hineingekommen sind. Und es ist gut, daß wir jetzt da hinein- gekommen sind; denn jetzt können wir sagen: Wohltätige Mächte sind es, welche uns ein Organ unbrauchbar machen, denn das ist eine Gegenwirkung gegen Ahriman; also müßten es jetzt die Schädlinge der Menschheit sein, welche nicht das fordern, was man nennen kann «wohltätige Gegenwirkungen gegen die ahrimanischen Mächte». Denn hygienische Maßregeln und dergleichen würden diese wohltätige Gegenwirkung einschränken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir sind in einem Engpaß. Und es ist gut, daß wir einmal in diesen Widerspruch geführt sind, damit wir darüber nachdenken, daß solche Widersprüche möglich und sogar eine gute Schulung für unseren Geist sind. Denn wenn wir gesehen haben werden, wie wir uns aus diesem Widerspruch herausretten können, dann werden wir aus uns selbst heraus etwas getan haben, was uns Kraft geben kann, um uns den Täuschungen des Ahriman zu entziehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|152}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= ACHTER VORTRAG Hamburg, 25. Mai 1910 =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir zurückdenken an den Widerspruch, den wir am Ende unserer letzten Betrachtung vor uns hin gestellt haben, so müssen wir zu seiner Lösung heute nochmals zurückblicken auf die beiden Kräfte, auf die beiden Prinzipien, die uns nun im Laufe der Zeit geradezu wie die Herausforderer und auch wieder wie die Regulatoren unseres Karma erschienen sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir haben gesehen, daß unser. Karma erst dadurch in Bewegung gebracht wird, daß wir die Einflüsse der luziferischen Gewalten auf unseren astralischen Leib erleiden, daß wir durch die Versuchung dieser Gewalten zu Gefühls-, Trieb- und Leidenschaftsäußerungen kommen, die uns in gewisser Beziehung unvollkommener machen, als wir sonst wären. Wenn nun die luziferischen Einflüsse auf uns wirken, dann fordern sie auf der andern Seite heraus die ahrimanischen Einflüsse, jene Kräfte, welche nun nicht von innen heraus, sondern von außen her auf uns wirken, die im Wechselverkehr mit der Welt durch dasjenige hindurchwirken,was uns eben von außen entgegentritt. So ist es im Grunde Ahriman, der herausgefordert wird durch Luzifer, und wir Menschen sind eigentlich so lebendig hineingestellt in den Streit dieser beiden Prinzipien. Und wir müssen im Leben versuchen, gerade dadurch vorwärtszukommen, daß wir, wenn wir einmal in die Fangarme Luzifers oder Ahrimans gekommen sind, nach Mitteln und Wegen suchen, um wieder durch Überwindung dessen, was in uns angerichtet worden ist, höher zu steigen. Ganz deutlich aber können wir sehen, wie in der Tat dieses Wechselspiel zwischen luziferischen und ahrimanischen Mächten um unsere Person herum stattfindet, wenn wir uns den Fall in einer etwas andern Form noch einmal vor Augen rücken, den wir schon das letzte Mal angeführt haben: den Fall, daß jemand ahrimanischen Einflüssen verfällt, so daß er allerlei Vorspiegelungen,Täuschungen erlebt, daß er glaubt, dies oder jenes werde ihm besonders mitgeteilt oder mache auf ihn nach dieser oder jener Richtung hin einen Eindruck, woraus aber für einen andern, der sich seine gesunde Urteilskraft bewahrt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|153}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
hat, leicht zu erkennen ist, daß der Betreffende Irrtümern und Täuschungen verfallen ist. Das letzte Mal haben wir gesprochen von den Fällen, wo jemand hellseherischen, aber im schlimmen Sinne hellseherischenTäuschungen der geistigen Welt unterworfen wird. Da haben wir ausdrücklich angeführt, daß dies dann ~uschungen sind, die durch ahrimanische Kräfte hervorgerufen werden. Und wir haben gesehen, daß gegen solche Täuschungen, welche durch unrichtiges Hellsehen hervorgerufen werden, es kein anderes oder wenigstens kein günstigeres Mittel gibt als die gesunde Urteilskraft, die erworben wird im physischen Leben zwischen Geburt und Tod.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was wir im letzten Vortrage gesagt haben, ist etwas Bedeutungsvolles und Wesentliches, wenn wir es mit hellseherischen Verirrungen zu tun haben. Denn bei einem Hellsehen, das nicht durch regelrechte Schulung, nicht durch systematische Übungen erreicht worden ist, die streng und richtig geleitet werden, sondern das durch alte vererbte Merkmale eintritt, in Bildern oder Hören in Tönen und dergleichen, bei einem solchen unrichtigen Hellsehen können wir immer finden, daß es zurückgeht, daß es aufhört sogar, wenn der Betreffende die Möglichkeit findet und die Neigung hat, sich ernstlich auf theosophische Studien einzulassen, theosophische Erkenntnis wirklich aufzunehmen, oder gar sich einläßt auf eine wirkliche, sinn- und sachgemäße Schulung. Also in einem solchen Falle, wo wir es mit Verirrungen der übersinnlichen Erkenntnis zu tun haben, können wir sagen, daß die echten Quellen der Erkenntnis, wenn der Betreffende ihnen zugänglich ist, auch immer für ihn eine Hilfe sein werden, die ihn auf den rechten Weg bringen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dagegen dürfen Sie das, was gerade als eine Gegenüberstellung vor- gebracht werden muß und was eine so triviale Wahrheit ist, daß jeder sie kennt, nicht anführen. Jeder weiß, daß wenn jemand durch karmische Verwicklungen dazu gekommen ist, Zustände zu entwickeln, welche ihn zu den Symptomen des Verfolgungswahnes, des Größenwahnes führen, daß er dann in seiner Seele ein ganzes System vonWahnideen ausbilden kann, die von ihm so logisch wie nur möglich begründet werden, die aber doch eben Wahnideen sind. Es kann zum Beispiel vorkommen, daß jemand auf andern Gebieten des Lebens ganz richtig und &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|154}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
logisch denkt, daß er jedoch die`Wahnidee hat, er werde überall verfolgt um dieses oder jenes Grundes willen. Er wird dann imstande sein, wo er hinkommt, aus den geringsten Vorkommnissen Kombinationen geistreichster Art zu machen: Da ist wieder eine Clique, die nichts anderes will, als mir dies oder das anzutun! - Und er wird Ihnen in der geistreichstenArt beweisen,wie begründet seinVerdacht ist. So kann jemand ein ganz logischer Kopf sein und doch in sich gewisse Symptome der Verrücktheit ausleben. Da wird es ganz unmöglich sein, einen solchen Menschen mit logischen Gründen zu widerlegen. Im Gegenteil, wenn man in einem solchen Falle mit logischen Gründen kommt, dann kann es geschehen, daß die Wahnideen, die in dem Inneren des Betreffenden sitzen, erst recht herausgefordert werden und noch schärfere Beweismittel suchen für das, was er als den Inhalt seinerVerfolgungswahnidee geltend macht. - Wenn im geisteswissenschaftlichen Sinne gesprochen wird, müssen die Dinge ganz genau genommen werden. Wenn vorhin und auch das letzte Mal betont worden ist, daß man in den geisteswissenschaftlichen Erkenntnissen, denen sich jemand mit aller Mühe oder sogar in einer prinzipiellen systematischen Schulung hingibt, eine Gegenmacht hat gegen eine Verirrung der hellseherischen Kräfte, so ist damit ein ganz anderer Fall gemeint als der, welcher soeben charakterisiert worden ist. Jetzt handelt es sich nicht darum, daß man dem Betreffenden mit geisteswissenschaftlichen Erkenntnissen beikommt. In der Regel will man ihm beikommen mit Gründen aus dem Gebiet der gewöhnlichen Vernünftigkeit. Für die aber ist ein solcher Mensch absolut unzugänglich. Warum ist das der Fall?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn ein solches Krankheitsbild auftaucht, wie es sich in den geschilderten Symptomen auslebt, haben wir es damit zu tun, daß der Betreffende darin eine karmische Ursache von früheren Verkörperungen, von früheren Verirrungen zutage treten läßt. Was als eine Verirrung des Inneren anzusehen ist, liegt nicht und kann nicht in diesem Falle in der gegenwärtigen Inkarnation liegen, sondern das liegt in einer vorhergehenden Inkarnation. Nun machen wir uns ein Bild, wie so etwas aus der früheren Inkarnation in die gegenwärtige herüberkommt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dazu müssen wir ins Auge fassen, wie eigentlich unsere Seelenentwickelung verläuft. Wir bestehen als äußerer Mensch aus physischem &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|155}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Leib, Ätherleib und astralischem Leib, haben dann im Laufe der Zeit hineingebaut in diese Hüllen durch die Arbeit des Ich die Empfindungsseele in den Empfindungsleib, die Verstandes- oder Gemütsseele in den Atherleib und die Bewußtseinsseele in den physischen Leib. Was wir in unserem Inneren als die drei Seelenglieder entwickeln, das haben wir hineingebaut in die drei Hüllen, das lebt jetzt in diesen drei Hüllen. Nun nehmen wir an, in irgendeiner Inkarnation werden wir durch den Einfluß Luzifers - also dadurch, daß wir in uns egoistische oder sonstige, dem luziferischen Einfluß zuzuschreibende Triebe, Begierden, Instinkte entwickeln - so verführt, daß wir Verfehlungen auf unsere Seele laden. Diese Verfehlungen können nun sein in der Empfindungsseele, können sein in der Verstandes- oder Gemütsseele oder auch in der Bewußtseinsseele. Das ist dann die Ursache, die in irgendeiner folgenden Inkarnation in einem der drei Seelenglieder gegeben ist. Nehmen wir an, es sei ein Fehler, der besonders auf den Kräften der Verstandesseele beruht. Der wird dann in dem Zustande zwischen Tod und neuer Geburt so umgewandelt, daß dasjenige, was zum Beispiel die Verstandesseele verbrochen hat, in seiner Wirkung sich zeigt im Ätherleib. Das ist mittlerweile beim Durchgehen durch den Tod bis zur neuen Geburt hineingearbeitet worden in den Ätherleib. Wir stoßen also in der neuen Inkarnation auf eine Wirkung in dem Ätherleib, die zurückzuführen ist auf eine Ursache in der Verstandesseele in einer vorhergehenden Inkarnation. Nun arbeitet aber dieVerstandesseele der nächsten Inkarnation wieder für sich selbständig in dieser Inkarnation, und es ist nun ein Unterschied, ob der Mensch jene Verfehlung früher begangen hat oder nicht. Hat er sie in einer früheren Inkarnation begangen, so hat er jetzt einen Fehler in seinem Ätherleibe. Das sitzt nun tiefer, der sitzt nicht in der Verstandesseele, sondern im Ätherleibe. Aber was der Mensch sich auf dem physischen Plan als Vernünftigkeit, als Verständigkeit erarbeiten kann, das wirkt ja nur auf seine Verstandesseele; das wirkt nicht auf das, wie seine Verstandesseele in einer früheren Inkarnation sich betätigt hat und was jetzt schon in den Ätherleib hineingearbeitet ist. Daher kann es vorkommen, daß die Kräfte der Verstandesseele,wie sie uns jetzt bei einem Menschen entgegentreten, logisch intakt arbeiten, so daß also das eigentliche menschliche Innere ganz intakt ist, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
daß aber durch das Zusammenarbeiten zwischen Verstandesseele und dem krankhaften Teil des Ätherleibes von diesem Ätherleib aus nach einer gewissen Richtung hin ein Irrtum projiziert wird. Dann kann man zwar mit den Gründen, die man auf dem physischen Plan aufbringen kann, auf die Verstandesseele wirken, nicht aber unmittelbar auf den Ätherleib. Daher können Sie durch Logik, durch Überzeugung nichts ausrichten, ebensowenig wie Sie mit Logik etwas anfangen können, wenn Sie einen Menschen vor einen konvex gebogenen Spiegel hin- stellen, so daß der Betreffende darin sein verzerrtes Bild sieht, und Sie ihm dann beweisen wollen, daß er unrecht hat, das Bild so zu sehen. Er sieht doch ein verzerrtes Bild. So hängt es auch nicht vom Menschen ab, daß er in einer krankhaften Weise etwas falsch versteht, denn es wird seine sonst gesunde Logik von seinem Ätherleibe aus nicht in einer gesunden Weise gespiegelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf diese Weise können wir die karmische Wirkung früherer Inkarnationen in unserer tieferen Organisation in uns tragen. Und wir können geradezu angeben, wie in einem bestimmten Teig derselben - wie hier in unserem Ätherleib - das Schadhafte vorhanden ist. Daran sehen wir, was wir durch den luziferischen Einfluß in einer früheren Verkörperung herausgefordert und dann umgewandelt haben. Und in der Zwischenzeit zwischen Tod und neuer Geburt kommt die Umwandlung zustande von einem Inneren in ein Äußeres, und dann wirkt uns Ahriman aus unserem eigenen Ätherleibe entgegen. Das zeigt uns, wie Ahriman herangelockt wird an unseren eigenen Ätherleib durch Luzifer. Die frühere Verfehlung war eine luziferische, das Umgewandelte aber ist ein solches, daß uns gleichsam die Quittung dafür in der nächsten Inkarnation durch Ahriman gegeben wird. Und dann handelt es sich darum, daß der Mensch diese Schädigung seines Ätherleibes aus sich herausbringen muß. Das kann nur dadurch geschehen, daß tiefer in seine Organisation ein gegriffen wird, als es mit den gewöhnlichen Mitteln der äußeren Vernunft in einer Inkarnation möglich ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer so etwas durchmacht, daß er zum Beispiel den Symptomen des Verfolgungswahnes in einer bestimmten Inkarnation verfällt, der wird, wenn er neuerdings wieder durch die Pforte des Todes tritt, alle die Tatsachen vor sich haben, welche er sich geleistet hat infolge seiner &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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ahrimanischen Schädigung, und er wird sie in ihrer ganzen Absurdität vor sich haben. Das wird für ihn wieder die Kraft sein, welche ihn für seine nächste Inkarnation gründlich heilt. Denn er kann nur dadurch geheilt werden, daß dasjenige, was er unter dem Einfluß der entsprechenden Symptome vollzogen hat, ihm in der äußeren Welt für die Folge als absurd erscheint. Damit haben Sie etwas gegeben, was von uns zu einer solchen Heilung getan werden kann. Wenn jemand unter derartigen Wahnideen leidet, werden Sie ihn am wenigsten durch logische Gründe von seinen Wahnideen abbringen können. Sie werden dadurch nur seinen Widerspruch erst recht herausfordern. Aber Sie werden etwas erreichen, besonders wenn sich in früher Jugend so etwas zeigt, wenn Sie den Menschen in Lagen bringen, wo sich ihm die Folgen seiner Symptome kraß als unsinnig darstellen, wenn Sie ihn vor Tatsachen führen, die er hervorruft und die als kraß unsinnige wieder auf ihn zurückschlagen. Dadurch können Sie in gewisser Weise eine Heilung hervorrufen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie können auch dann heilend wirken, wenn Sie selbst so weit im Besitze der geisteswissenschaftlichen Wahrheiten sind, daß sie inneres Eigentum Ihrer Seele geworden sind. Sind sie so Ihr Besitz geworden, daß sie stehen und fallen mit Ihrer ganzen Persönlichkeit, dann haben Sie sie ja als den denkbar stärksten Glauben; dann ist Ihre ganze Persönlichkeit ein Ausstrahler dieser geisteswissenschaftlichen Wahrheiten. Mit diesen Wahrheiten, welche hereinströmen in das Leben zwischen Geburt und Tod und es erfüllen, die aber dennoch über dieses Leben selbst hinausragen, die Erkenntnisse sind aus übersinnlicher Welt, mit ihnen können Sie tiefergehende Wirkungen erzielen als mit äußeren Vernunftwahrheiten. Während Sie mit äußeren logischen Gründen nichts anfangen können, werden Sie, wenn Sie die geisteswissenschaftlichen Wahrheiten anwenden und wenn Sie genug Zeit und Gelegenheit dazu haben, allerdings so weit Impulse auf den betreffenden Menschen ausüben können, daß Sie sozusagen in der einen Inkarnation das vermögen, was sonst nur auf dem Umwege von einer auf die andere Inkarnation geschehen kann: nämlich hineinzuwirken von der Verstandesseele in den Ätherleib. Denn die Wahrheiten des physischen Planes sind nicht imstande, auch nur im geringsten die Kluft zwischen Empfin&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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dungsseele und Empfindungsleib, zwischen Verstandesseele und Ätherleib oder gar zwischen Bewußtseinsseele und physischem Leib zu überspringen. Daher werden Sie immer erleben, daß jemand auf dem physischen Plan noch so viel Weisheit über die sinnliche Welt aufnehmen kann: diese Weisheit wird in sehr geringem Zusammenhange stehen mit seiner Gemütswelt, mit dem, was wir nennen das Durchdrungensein seines Empfindungsleibes mit den entsprechenden Impulsen und Leidenschaften. Daher kommt es vor, daß jemand ein sehr gelehrtes Haus sein kann, ein großes theoretisches Wissen haben kann über die Dinge der physischen Welt, ein alter Professor geworden sein kann - und es im Inneren nicht zu einer Umwandlung seiner Triebe und Empfindungen und Leidenschaften gebracht hat, die sich im Empfindungsleib abspielen. Er kann im Grunde viel wissen über die physische Welt und ein krasser Egoist sein, weil er die Impulse dazu in der Jugend aufgenommen hat. - Natürlich kann ganz gut nebeneinander herlaufen äußere physische Wissenschaft und Durchbildung des Empfindungsleibes und Ätherleibes von innen heraus.Und ebenso kann der Mensch Verstandeswahrheiten aufnehmen, mancherlei, was sich als Kräfte der Gemütsseele aufnehmen läßt in bezug auf den physischen Plan, aber er kann jene tiefe Kluft nicht überspringen, welche zwischen der Verstandesseele und dem Ätherleib besteht. Mit andern Worten, Sie können immer wieder finden: Wenn jemand äußerliche Wahrheiten aufnimmt, wenn er auch noch so viel lernt - das eine werden Sie selten finden, daß dieses Gelernte wirklich Gewalt hat auf die formenden Kräfte seines Leibes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei einem Menschen, bei dem die Wahrheiten so wirken, daß sie sein ganzes Sein ergreifen, da werden Sie erleben können, daß sich im Laufe von zehn Jahren seine Physiognomie verändert, daß Sie ihm an der Stirn ablesen können, wie er gerungen hat, wie er zum Beispiel mit gewIssen Zweifeln in seinem Herzen gerungen hat. Oder auch an seinen Gesten können Sie es bemerken, wenn er zum Beispiel aus eigenem Verhalten ein ruhiger Mensch geworden ist. Da drängt sich das in die formenden Kräfte des Organismus hinein, und es wird der Organismus in den feinsten Teilen davon ergriffen. Da wirkt das, was der Mensch spirituell aufnimmt, bis in die feinsten Teile seiner Organisation hinein. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Wenn das, was das Gemüt ergreift, nicht nur auf den physischen Plan weist, dann ist der Mensch nach zehn Jahren auch ein anderer. Aber die Änderung liegt in der normalen Richtung, wie die Anlagen sich im normalen gewöhnlichen Leben ausbilden und ändern. Man kann vielleicht im Verlaufe von zehn Jahren einen andern Gesichtsausdruck bekommen; aber wenn man nicht in der inneren Weise den Abgrund überspringt, sind es äußere Einflüsse gewesen. Da ist es keine den Menschen vom Inneren ergreifende Kraft, was ihn umgestaltet. Daran können wir sehen, daß nur das Spirituelle, was sich im Innersten wirklich mit unserem innersten Menschen verbindet, in der Lage ist, schon in der Zeit zwischen Geburt und Tod umwandelnd auf die formenden Kräfte zu wirken, daß aber mit Sicherheit dieser Übergang, dieses Überschreiten des Abgrundes stattfindet in der karmischen Wirksamkeit zwischen dem Tode und einer neuen Geburt. Wenn zum Beispiel das, was die Empfindungsseele erlebt hat,hineingesenkt wird in jeneWelten, die wir durchschreiten in der Zwischenzeit zwischen Tod und neuer Geburt, dann macht es sich gewiß in der nächsten Inkarnation als formende, bildende Kraft geltend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf diese Weise haben wir das gegenseitige Zusammenwirken Ahrimans und Luzifers begriffen. Und nun fragen wir uns: Wie stellt sich dieses Zusammenwirken dar, wenn die Dinge noch etwas entfernter liegen, wenn sie zum Beispiel als luziferischer Einfluß nicht nur den Abgrund zu überschreiten haben von der Verstandesseele bis zum Ätherleib, sondern wenn sie sozusagen einen weiteren Weg haben?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen wir an, wir unterliegen in einem Leben ganz besonders stark dem Einflusse Luzifers. In einem solchen Falle sind wir mit unserem ganzen inneren Menschen um ein ganzes Stück unvollkommener gewordeh, als wir vorher waren, und in der Kamalokazeit haben wir dann in der eminentesten Weise das vor Augen, daß wir uns sagen: Du mußt etwas ganz Mächtiges tun, um diese Unvollkommenheit wieder auszugleichen! - Wir nehmen also diese Tendenz in uns auf und bilden in der nächsten oder einer der nächsten Inkarnationen mit dem, was jetzt formende Kräfte geworden sind, unseren neuen Organismus so, daß dieser die Tendenz haben muß, den Ausgleich des früher Durchlebten herbeizuführen. Aber nehmen wir an, dasjenige, was den luziferischen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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Einfluß ausgelöst hat, sei durch ein Äußeres veranlaßt gewesen, sei eine äußere Begierde gewesen. Dann muß doch wieder Luzifer als ein Einfluß dagewesen sein. Das Äußere hätte nicht auf uns wirken können, wenn nicht Luzifer in uns gewirkt hätte. Wir haben also die Tendenz in uns, das, was wir unter dem luziferischen Einfluß geworden sind, wieder auszugleichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber nun haben wir gesehen, daß der luziferische Einfluß in einer Inkarnation herausfordert den ahrimanischen Einfluß in einer nächsten Inkarnation, daß er ihn herbeizieht, so daß die beiden durchaus in Wechselwirkung miteinander stehen. Der luziferische Einfluß ist aber ein solcher, daß wir sagen konnten: Er zeigt sich für uns im Bewußtsein, das heißt&amp;gt; wir können mit unserem Bewußtsein noch notdürftig hinunterreichen in unseren astralischen Leib. Wir haben gesagt, wenn Schmerzen sich uns zum Bewußtsein bringen, so ist das luziferischer Einfluß. Aber wir können nicht in diejenigen Gebiete hinunter, die wir bezeichnen können als Bewußtsein unseres Ätherleibes und unseres physischen Leibes. Wir haben zwar auch im traumlosen Schlaf ein Bewußtsein, aber ein Bewußtsein von so niederem Grade, daß der Mensch im gewöhnlichen Leben nicht in der Lage ist, von diesem Bewußtsein überhaupt etwas zu wissen. Aber das ist durchaus kein Anlaß, daß wir in diesem Bewußtsein nichts tun. Dieses Bewußtsein hat zum Beispiel normalerweise die Pflanze, die ja nur aus physischem Leib und Ätherleib besteht. Die Pflanze lebt fortwährend in einem traumlosen Schlafbewußtsein. Unser Bewußtsein des Ätherleibes und des physischen Leibes ist auch im Tagwachen vorhanden; aber wir können nicht bis zu ihm hinuntersteigen. Daß aber dieses Bewußtsein handeln kann, das zeigt sich uns zum Beispiel, wenn wir im Schlafe somnambule Handlungen,nachtwandlerische Handlungen ausführen,von denen wir nichts wissen. Das ist das traumlose Schlafbewußtsein, das diese Handlungen vollführt. Das gewöhnliche Ich-Bewußtsein und das astralische Bewußtsein reichen nicht hinunter bis dahin, wo zum Beispiel die Handlungen des Nachtwandlers ausgeführt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber wir dürfen nicht glauben, weil wir bei Tage im Ich-Bewußtsein und astralischen Bewußtsein leben, daß nicht mit uns leben die andern Bewußtseinsarten. Wir wissen nur von ihnen nichts. Nehmen wir nun &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
an, wir haben durch einen luziferischen Einfluß in einer früheren Inkarnation einen starken ahrimanischen Einfluß herausgefordert; dann wird dieser ahrimanische Einfluß nicht wirken können auf unser gewöhnliches Bewußtsein. Er wird aber ergreifen das Bewußtsein,welches in unserem Ätherleibe sitzt, und dieses Bewußtsein wird uns dann nicht bloß zu einer gewissen Organisation unseres Ätherleibes führen können, sondern sogar zu Handlungen, welche sich so ausleben, daß uns das Bewußtsein unseres Ätherleibes sagt: Du kannst jetzt nur dasjenige aus dir heraus entfernen, was der luziferische Einfluß, dem du in der früheren Inkarnation so mächtig verfallen bist, in dir angestellt hat; und&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
das kannst du dadurch, daß du jetzt eine Handlung begehst, die genau in der umgekehrten Linie liegt als die frühere luziferische Verfehlung!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen wir an, wir seien durch einen luziferischen Einfluß dazu gebracht worden, von einem vorhergehenden religiösen oder nach dem Geistigen hinzielenden Standpunkt zu einem solchen überzugehen, wo der Mensch sagt: Ich will das Leben hier genießen! -, wo er also den Sprung in das Sinnliche mit aller Macht getan hat. Dann fordert so etwas den ahrimanischen Einfluß in der Art heraus, daß genau das Umgekehrte verursacht wird. Da kommt es denn vor, daß der Mensch, wenn er durch das Leben schreitet, einen Punkt aufsucht, wo er aus dem sinnlichen Leben in das geistige mit einem Sprunge wieder hineingehenkann. Dort ist er mit einem Sprunge in das Sinnliche verfallen - hier will er mit einem Sprunge in das geistige Leben zurück. Das Oberbewußtsein bemerkt das nicht; aber das geheimnisvolle Unterbewußtsein, das an den physischen Leib und Ätherleib gekettet ist, treibt jetzt den Menschen dazu&amp;gt; den Ort aufzusuchen, wo man ein Gewitter ab- warten kann, wo eine Eiche steht, eine Bank darunter, und - der Blitz schlägt ein! Da hat sein Unterbewußtsein den Menschen erfüllen lassen, was er in einer früheren Inkarnation getan hat. Da haben wir das Umgekehrte. So begreifen wir eine Wirkung unter einem luziferischen Einfluß in einem früheren Leben, und als Folge einen Einfluß Ahrimans in dein jetzigen Leben. Ahriman muß hier mitwirken zu dem Zwecke, daß wir unser 0berbewußtsein so weit ausschalten, daß in diesem Falle unser ganzer Mensch nur dem Bewußtsein des Ätherleibes oder des physischen Leibes folgt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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Auf diese Weise begreifen wir mancherlei Dinge, die auch sonst im Leben geschehen. Aber wir dürfen,wenn zum Beispiel jemand im Leben zum Tode kommt oder eine schwere Verwundung erleidet, nicht jeden solchen Fall auf etwas Ähnliches zurückführen. Da würden wir in einer sehr engen Weise das Karma auffassen. Aber es gibt wirklich Strömungen auch in unserer theosophischen Bewegung, welche das Karma in einer recht engen Weise auffassen, die zwar glauben, daß sie in dem Karma wirklich etwas haben, was zu einem höheren Gesichtspunkt führt, es aber nicht wirklich kennen. Sie fassen das Karma so auf, daß, wenn es wirklich so wäre, wie sie es auffassen, immer die ganze Weltordnung wegen eines jeden einzelnen Menschen besonders eingerichtet sein müßte, damit sie zum harmonischen Verlauf und zum Ausgleich eines jeden einzelnen im Menschenleben diente, daß also in einem Leben die Verhältnisse immer so zusammengeführt werden, daß ganz genau der Ausgleich für das geschaffen werden muß, was in einem früheren Leben entstanden ist. Dieser Standpunkt ist aber nicht haltbar. Wie wäre es denn, wenn sich jemand hinstellte vor einen Menschen, dem ein Unglück passiert ist, und ihm sagt: Das ist dein Karma, das ist die karmische Wirkung aus einem früheren Leben; das hast du damals verschuldet! - Wenn aber jetzt der Betreffende diesen oder jenen Glücksfall erlebt, dann sagt der andere: Das führt zurück auf ein Gutes, das du früher getan hast! - Wenn das aber einen wirklichen Wert haben soll, so müßte doch derjenige, der so spricht, erst sehen, was in dem früheren Leben geschehen ist, das diese Wirkung hervorgebracht haben soll. Hätte er sich in das frühere Leben gestellt, so würde er da die Ursachen sehen, die aus jenem Leben kommen, und müßte dann auf die spätere Inkarnation hinschauen, wenn er die Wirkungen erblicken will.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daraus folgt aber für uns logisch folgendes: Es treten in jeder Inkarnation Tatsachen ein, die erste Ereignisse darstellen in dem Leben jedes Menschen, wie es sich von Verkörperung zu Verkörperung abspielt, und diese werden ihren k~rmischen Ausgleich im nächsten Leben haben. Wenn man im nächsten Leben sich dann die Wirkungen anschaut, dann kann man auf die Ursachen hinblicken. Wenn aber jetzt ein Unglücksfall geschieht und man mit allen Mitteln im früheren Leben keine Ursachen dafür findet, dann muß man sich sagen, es findet eben der Aus- &lt;br /&gt;
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gleich in einem späteren Leben statt. Karma ist kein Fatum! Es wird aus jedem Leben etwas in die späteren hineingetragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir das verstehen, werden wir es auch begreiflich finden, daß der Mensch sinnvoll und bedeutungsvoll neue Ereignisse in seinem Leben finden kann. Denken wir daran, daß ja die großen Ereignisse im Gange der Menschheitsentwickelung nur dadurch zustande kommen können, daß sie von bestimmten Personen getragen werden. Personen müssen in einem bestimmten Zeitpunkt die Absichten der Entwickelung übernehmen. Denken Sie daran, wie die mittelalterliche Entwickelung verlaufen wäre, wenn nicht in einer bestimmten Zeit Karl der Große eingegriffen hätte, oder wie das Geistesleben der alten Zeiten verlaufen wäre, wenn nicht in einer bestimmten Zeit Aristoteles gewirkt hätte. Denken Sie, daß Sie, wenn Sie den Gang der Menschheitsentwickelung begreifen wollen, den Aristoteles in die Zeit hineindenken müssen, wo er gelebt hat; denn ohne ihn würde später vieles anders geworden sein. Dadurch sehen wir, daß solche Persönlichkeiten, wie Karl der Große, Aristoteles, Luther und so weiter nicht um ihretwillen, sondern um der Welt willen in der betreffenden Zeit leben mußten. Ihre persönlichen Schicksale sind darum doch innig verflochten mit dem, was in derWelt geschieht. Können wir aber deshalb sagen, daß das, was sie wirken, zusammentrifft mit dem, was sie sich früher verdient oder was sie früher verschuldet haben?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen Sie den Fall von Luther: Alles, was er erlebt und erduldet hat, können Sie nicht nur auf sein karmisches Konto schreiben; Sie müssen sich klar sein, daß dasjenige, was in einem bestimmten Zeitpunkt in der Menschheitsentwickelung geschehen soll, durch das Hineingestelltsein bestimmter Individualitäten geschieht. Diese Individualitäten müssen heruntergeführt werden aus der geistigen Welt ohne Rücksicht darauf, ob sie für sich selbst weit genug sind, um heruntergeführt zu werden, denn sie werden heruntergeführt zu den Zwecken der Menschheitsentwickelung. Und es muß vielleicht ein karmischer Weg frühzeitig unterbrochen oder verlängert werden, damit die betreffenden Persönlichkeiten zu einem bestimmten Zeitpunkt in das Leben hineingestellt werden können. Da werden über Personen Schicksale verhängt, die mit dem vorangegangenen Karma nichts zu tun zu haben &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
brauchen. Aber wenn man als Mensch einmal so hineingestellt worden ist und wenn man das getan hat, was man zwischen Geburt und Tod tun kann, so bildet das karmische Ursachen. So wahr es also ist, daß ein Luther hineingestellt wird in das Leben um der Menschheit willen und Schicksale erdulden kann, welche nichts zu tun haben mit seinem früheren Karma, so wahr ist es, daß mit seinem späteren Karma dasjenige, was er da vollbringt, wieder etwas zu tun haben wird. Karma ist ein allgemeines Gesetz, und jeder muß es durchleben. Aber wir dürfen es nicht so auffassen, daß wir nur in frühere Verkörperungen zurückblicken, sondern wir müssen es so auffassen, daß wir auch vorwärts- blicken müssen. Deshalb können wir durchaus sagen: Es kann sich uns von diesem Gesichtspunkt aus ergeben, daß allerdings erst ein späteres Leben rechtfertigen kann auch vorhergehende Inkarnationen, indem uns schon Dinge zugefallen sind,welche gar nicht in unserer karmischen Linie liegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen wir folgenden Fall an, der sich tatsächlich zugetragen hat: Bei einer Naturkatastrophe hatten eine Anzahl von Seelen den Untergang gefunden. Wir brauchen durchaus nicht zu glauben, das wäre ihr Karma gewesen, daß sie alle zusammen dabei zugrunde gegangen sind; denn das wäre eine sehr billige Annahme. Es braucht gar nicht so zu sein, daß es immer auf frühere Verschuldungen zurückführt. Es gibt einen erforschten Fall, wo eine Anzahl von Menschen bei einer Naturkatastrophe zugrunde gegangen sind. Das hat dann aber dazu geführt, daß diese Menschen in einer späteren Zeit sich gemeinsam verbunden fühlten und durch das gemeinsame Schicksal sich als stark erwiesen, etwas Gemeinsames in der Welt zu unternehmen. Durch jene Katastrophe war die Ursache gebildet, daß sie im späteren Leben sich gründlich abgewöhnt hatten, nur an der Materie zu hängen, so daß sie sich für ihr späteres Leben eine Gesinnung mitgebracht haben, welche sie zum Spirituellen geführt hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was ist in diesem Falle geschehen? Gehen wir zurück in das vorige Leben, so finden wir, daß als ein besonderes Ereignis das zusammen Untergehen bei einem Erdbeben eingetreten ist: da hat sich ihnen die Wertlosigkeit des Materiellen in dem Augenblicke des Erdbebens vor die Seele gedrängt, und da hat sich bei ihnen die Gesinnung nach dem &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Spirituellen entwickelt. Daran sehen wir, wie Menschen, die ein Spirituelles der Welt zu bringen hatten, dazu vorbereitet waren durch einen solchen Fall, der uns die Weisheit der Entwickelung zeigt, der geisteswissenschaftlich untersucht ist und sich durchaus zugetragen hat. - So können wir zeigen, daß wir zum ersten Male Ereignisse ins Menschenleben eintreten sehen und daß wir auch beim Untergang eines oder mehrerer Menschen bei einer Katastrophe oder einem Unglücksfall den frühzeitigen Tod eines Menschen nicht immer auf eine frühere Verschuldung zurückführen dürfen, sondern daß so etwas als erste Ursache auftreten kann und daß im nächsten Leben der Ausgleich erfolgt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es sind aber noch andere Fälle möglich. Es kann vorkommen, daß jemand in zwei, drei aufeinanderfoigenden Inkarnationen ein Leben frühzeitig zu beschließen hat. Das kann eintreten,weil diese Individualität dazu berufen ist, der Menschheit durch drei Inkarnationen hindurch etwas zu bringen, was man nur bringen kann, wenn man in der physischen Welt mit solchen Kräften lebt, die sich in einem sich aufbauenden Körper ergeben. Es ist ein ganz anderes, ob man in einem Körper lebt, der sich bis zum fünfunddreißigsten Jahre entwickelt, oder in einem Körper des späteren Alters. Denn bis zum fünfunddreißigsten Jahre schickt der Mensch seine Kraft in die Körperlichkeit, so daß er die Kraft von innen heraus entfaltet. Dann aber beginnt, vom fünfunddreißigsten Jahre angefangen, ein Leben, wo der Mensch nur innerlich weiterschreitet und fortwährend mit seinen Lebenskräften anzustürmen hat gegen die äußeren Kräfte. Diese zwei Lebenshälften sind durchaus verschieden voneinander, wenn wir auf die innere Organisation sehen. Nehmen wir nun an, man braucht gemäß der Weisheit der Entwickelung der Menschheit solche Menschen, welche nur gedeihen können, wenn sie nicht anzustürmen haben gegen das, was sich uns entgegendrängt in der zweiten Lebenshälfte, dann kann es sein, daß die Inkarnationen frühzeitig abgerissen werden. Solche Fälle gibt es. Und wir haben selbst schon bei unseren Zusammenkünften hingewiesen auf eine Individualität, welche nacheinander erschienen ist als großer Prophet, als ein bedeutender Maler und als großer Dichter, und immer mit einem frühzeitigen Tode ihr Leben beschlossen hat, weil das, was diese Individualität in drei Inkarnationen zu leisten hatte, nur dadurch &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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möglich war, daß die Inkarnationen abgebrochen wurden vor einem Sich-Hineinleben in die zweite Lebenshälfte. Darin haben Sie das Eigentümliche des Verstricktseins von menschlichem individuellem Karma und allgemeinem Menschheitskarma.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir können noch tiefer gehen und können im allgemeinen Menschheitskarma gewisse karmische Ursachen aufsuchen, welche sich in späteren Zeiten dann in ihren Wirkungen zeigen; da muß sich der einzelne Mensch wieder hineingestellt sehen in das Menschheitskarma.Wenn wir die nachatlantische Entwickelung in Betracht ziehen, haben wir die griechisch-lateinische Zeit in der Mitte liegend, voran ging ihr die ägyptisch-chaldäische Zeit, und ihr folgte die unsrige als der fünfte Kulturzeitraum. Auf unsere Zeit wird folgen eine sechste und dann eine siebente Kulturepoche. Aber auch bei anderer Gelegenheit habe ich schon darauf hingewiesen, daß in gewisser Beziehung ein Kreislauf&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
stattfindet in der Aufeinanderfolge der verschiedenen Kulturen, so daß die griechisch-lateinische Kultur als eine besondere für sich dasteht, da`ß dann aber die ägyptisch-chaldäische Epoche in der unsrigen sich wiederholt. Nun habe ich auch schon in diesem Zyklus hervorgehoben, wie Kepler in unserer Kulturepoche lebte und wie früher dieselbe Individualität in einem ägyptischen Leibe lebte und damals unter dem Einfluß der ägyptischen Priesterweisen den Blick hinauflenken durfte zum Himmelsgewölbe, so daß ihr die Geheimnisse der Sterne wie von oben enthüllt wurden. Das brachte sie dann wieder heraus in ihrer KeplerInkarnation, die dort hingestellt worden ist, wo der fünfte Zeitraum den dritten in gewisser Weise wiederholt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber das geht noch weiter. Von der Geisteswissenschaft aus kannman wirklich behaupten, daß die Weltentwickelung und das Menschenleben von den meisten Menschen heute noch in rechter Blindheit angeschaut wird. Bis in die Einzelheiten hinein könnten Sie diese Entsprechungen, diese Wiederholungen, dieses Leben in Zyklen verfolgen. Wenn man einen gewissen Zeitpunkt in der Menschheitsentwickelung nimmt, der etwa in das Jahr 747 vor Christus fällt, so haben Sie darin eine Art Hypomochlion, eine Art Nullpunkt, und was vor und nach diesem Zeitpunkt liegt, entspricht sich in einer ganz bestimmten Weise. Wir können zurückgehen in eine Zeit der ägyptischen Entwickelung &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
und finden dort gewisse Zeremonialgesetze und Gebote, welche als «Gebote der Götter» erschienen. Und das waren sie auch. Es waren Gebote, die sich darauf bezogen, daß der Ägypter zum Beispiel am Tage ganz bestimmte Waschungen, also durch Zeremoniengebräuche und rituelle Vorschriften geregelte Waschungen, vollziehen mußte. Und man sagte dem Ägypter, daß er nur leben könne, wie es die Götter wollen, wenn er an diesem oder jenem Tage so und so viele Waschungen vornimmt. Das war ein Göttergebot, das sich in gewissen Reinlichkeitskulten auslebte. Und wenn wir dann in eine etwas weniger reinliche Zeit in der Zwischenzeit kommen und jetzt wieder, in unserer Zeit, auf hygienische Maßregeln stoßen, wie sie jetzt aus materialistischen Gründen der Menschheit gegeben werden, so sehen wir bei uns richtig sich wiederholen, was in einer entsprechenden Zeit in Ägypten untergegangen ist. Ganz merkwürdig stellt sich die Erfüllung des Früheren im Gesamtkarma dar. Nur ist der Gesamtcharakter immer ein anderer. Kepler hatte in seiner ägyptischen Inkarnation den Blick hinaufgelenkt zum Sternenhimmel; und was diese Individualität dort sah, das prägte sie aus in den großen spirituellen Wahrheiten der ägyptischen Astrologie. Bei ihrer Wiederverkörperung in dem Zeitalter, dem der Beruf des Materialismus zu fiel, prägte dieselbe Individualität diese Tatsachen - unserem Zeitalter entsprechend - in den drei materialistisch gefärbten Keplerschen Gesetzen aus. - Im alten Ägypten waren die Gesetze der Reinigung «gottgeoffenbarte» Gesetze. Der Ägypter glaubte nur dadurch seine Pflicht der Menschheit gegenüber zu erfüllen, daß er bei jeder Gelegenheit in der unglaublichstenWeise für seine Reinigung Sorge trug. Das kommt heute wieder heraus, nur unter ganz materialistischen Gedankeneinflüssen. Der Mensch von heute denkt nicht daran, daß er den Göttern dient, wenn er solche Vorschriften beobachtet, sondern daß er sich selbst dient. Aber es kommt das Frühere wieder heraus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So erfüllt sich alles in der Welt, und zwar in gewissem Sinne ganz zyklisch. Und jetzt werden Sie ahnen, daß es mit den Dingen, die wir das letzte Mal in einem Widerspruch zusammen formuliert haben, sich doch nicht so einfach verhält, wie man anzunehmen geneigt ist. Wenn in einer bestimmten Zeit die Menschen nicht in der Lage waren, gegen Epidemien gewisse Maßregeln zu ergreifen, so waren das die Zeiten, wo &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|168}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
es die Menschen deshalb nicht konnten, weil die Epidemien nach dem allgemeinen weisheitsvollen Weltenplan wirken sollten, damit die Menschenseelen Gelegenheit fanden, auszugleichen, was durch den ahrimanischen Einfluß und durch gewisse frühere luziferische Einflüsse bewirkt worden war. Wenn jetzt andere Bedingungen herbeigeführt werden, so unterliegt das wieder ebenfalls bestimmten großen karmischen Gesetzen. Wir können daraus entnehmen, daß wir diese Fragen wahrhaftig nicht oberflächlich betrachten dürfen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie stimmt das nun zusammen: Wir sagten, wenn der Mensch die Gelegenheit aufsucht, um eine Epidemie, eine Infektion aufzunehmen, so ist das die notwendige Gegenwirkung gegen eine frühere karmische Ursache. Dürfen wir nun hygienische und andere Maßregeln dagegen ergreifen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Frage ist tief, und wir müssen erst das richtige Material herbei- tragen, um sie zu entscheiden. Wir müssen uns klar sein, daß da, wo - ob gleichzeitig oder in längeren Zeiträumen - das luziferische und das ahrimanische Prinzip zusammenwirken oder wo sie sich entgegen- wirken, gewisse Komplikationen im menschlichen Leben eintreten.Und diese Komplikationen wirken so, daß sie uns in den verschiedensten Fällen in der mannigfaltigsten Art entgegentreten, so daß wir nicht zwei Fälle in der gleichen Art sehen werden.Wenn wir aber das menschliche Leben studieren, werden wir uns in folgender Weise dabei hindurchfinden: Wenn wir das Zusammenwirken von Luzifer und Ahriman aufsuchen in dem entsprechenden einzelnen Fall, so werden wir überall einen Faden finden, um durch diesen Zusammenhang hindurch- zukommen. Wir müssen aber dabei scharf unterscheiden zwischen dem inneren und dem äußeren Menschen. Wir mußten heute schon scharf unterscheiden zwischen dem, was sich in der Verstandesseele auslebt, und dem, was als Wirkung derVerstandesseele sich im Ätherleibe zeigt. Wir müssen den Fortgang betrachten, in welchem Karma sich vollzieht, und wir müssen uns zugleich klar sein, daß wir aber doch wieder die Möglichkeit haben, durch entsprechende karmische Einflüsse so auf das Innere zu wirken, daß durch das Innere ein anderer karmischer Ausgleich in der Zukunft vorbereitet wird. Dadurch ist es möglich, daß nun dieses eintreten kann:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|169}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es kann der Mensch ganz besonders in einem früheren Leben durch Empfindungen, Gefühle und so weiter durchgegangen sein, die ihn zur Lieblosigkeit gegen seine Nächsten getrieben haben. Denken wir uns zum Beispiel, daß er durch etwas hindurchgegangen ist, wo er durch karmischeWirkung die Lieblosigkeit in sich aufgenommen hat. Es kann durchaus so sein, daß wir, wie auf absteigender Linie fortfahrend, das Böse erzeugen, daß wir also erst auf einer absteigenden Bahn gehen, damit die entgegengesetzte Spannkraft entwickelt wird, um dann wieder aufzusteigen. Nehmen wir also an, ein Mensch hat sich durch Hin- gabe an gewisse Einflüsse zu einer gewissen Lieblosigkeit hingeneigt; dann tritt die Lieblosigkeit in einem späteren Leben als karmische Wirkung ein und bildet innere Kräfte in seiner Organisation aus. Nun können wir ein Zweifaches tun, bewußt oder auch nicht bewußt; denn unsere Kultur ist noch nicht so weit, es bewußt zu tun. Wir werden bei einem solchen Menschen Vorsorge treffen können, daß jene Eigenschaften in seiner Organisation, welche von der Lieblosigkeit kommen, her- ausgetrieben werden. Wir können da etwas tun, was ein Gegenmittel ist gegen die Wirkung in der äußeren Organisation, die sich als Lieblosigkeit zeigt; aber es wird damit noch nicht immer alle Lieblosigkeit in der Seele aufgehoben sein, es wird nur das äußere Organ der Lieblosigkeit fortgeschafft sein. Denn wenn wir weiter nichts tun, haben wir nur halbe Arbeit geleistet, vielleicht auch gar keine. Wir haben vielleicht dem Menschen physisch, äußerlich geholfen; seelisch aber haben wir ihm nicht geholfen. Indem wir ihm in der äußeren Leiblichkeit das Organ für die Lieblosigkeit fortgenommen haben, kann er jetzt die Lieblosigkeit nicht ausleben; er muß sie in seiner inneren Organisation behalten für eine nächste Inkarnation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen wir an, eine ganze Anzahl von Menschen hätte sich wegen Lieblosigkeit gegen die Menschen hingezogen gefühlt, gewisse Infektionsstoffe aufzunehmen, um einer Epidemie zu verfallen. Nehmen wir weiter an, wir könnten gegen die Epidemie etwas tun. Wir würden dann in einem solchen Falle die äußere Leiblichkeit davor bewahren, die Lieblosigkeit zum Ausdruck zu bringen, aber wir würden dadurch noch nicht die innere Neigung zur Lieblosigkeit fortgeschafft haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denken wir uns aber den Fall so, daß wir, wenn wir das äußere Organ&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|170}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der Lieblosigkeit fortschaffen, die Verpflichtung übernehmen, auf die Seele so zu wirken, daß wir auch der Seele die Neigung zur Lieblosigkeit nehmen. Das Organ der Lieblosigkeit wird im eminenten Sinne getötet - im äußeren leiblichen Sinne - in der Pockenimpfung. Da zeigt sich zum Beispiel folgendes, was geisteswissenschaftlich erforscht ist: In einer Kulturperiode traten die Blattern auf, als die allgemeine Neigung bestand, im höheren Maße Egoismus, Lieblosigkeit zu entwickeln. Da traten die Blattern auf, auch in der äußeren Organisation; das ist so. Man ist in der Theosophie durchaus verpflichtet, die Wahrheit zu sagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun können wir es begreifen, daß in unserer Zeit der Impfschutz aufgetreten ist. Wir können aber noch etwas anderes begreifen, daß nämlich bei den besten Geistern unserer Zeit etwas wie ein Widerwille gegen Impfung vorhanden ist. Das steht mit einem Inneren in Korrespondenz, das ist das Äußere eines Inneren. Und wir können jetzt sagen: Wenn wir auf der einen Seite das Organ töten, hätten wir auch die Verpflichtung, als Gegenstück dazu bei diesem Menschen den materialistischen Charakter durch eine entsprechende spirituelle Erziehung anders zu gestalten. Das müßte das notwendige Gegenstück sein. Wir leisten sonst nur halbe Arbeit. Ja, wir leisten nur eine Arbeit, zu der der Mensch selber in einer späteren Inkarnation in irgendeiner Weise wird das Gegenstück schaffen müssen, wenn er das Pockengift in sich hat und die Eigenschaft aus sich herausgeschafft hat, durch die man geradezu hinneigt zur Blatterner krankung. Hat man die Empfänglichkeit für die Blattern herausgeschafft, so hat man nur die äußere Seite der karmischen Wirksamkeit ins Auge gefaßt. Wenn man auf der einen Seite Hygiene übt, muß man anderseits die Verpflichtung fühlen, den Menschen, deren Organisation man umgewandelt hat, auch etwas für die Seele zu geben. Impfung wird keinem Menschen schaden, welcher nach der Impfung im späteren Leben eine spirituelle Erziehung erhält. Wir haben die Waagschale zu stark zum Sinken gebracht, wenn wir nur auf die eine Seite abzielen und auf die andere keinen Wert legen. Das fühlt man im Grunde in den Kreisen, wo man sagt: Wo hygienische Maßregeln zu weit gehen, würden nur schwache Naturen fortgepflanzt. Das ist zwar unberechtigt; aber Sie sehen, wesentlich ist, daß man eine Aufgabe nicht ohne die andere übernehmen darf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|171}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da kommen wir zu einem wichtigen Gesetz in der Menschheitsentwickelung, das so wirkt, daß immer ein Äußeres und ein Inneres sich die Waage halten müssen und daß man nicht bloß auf das eine sehen darf, sondern auch das andere nicht unberücksichtigt bleiben darf. Da sehen wir in einen großen Zusammenhang hinein und sind jetzt noch nicht einmal zur Behandlung der Frage gekommen: Wie verhalten sich Hygiene und Karma zueinander? Sie werden sehen, daß uns die Beantwortung dieser Frage noch tiefer hineinführt in das Karma. Und wir werden noch sehen, wie auch zwischen der Geburt und dem Tode des Menschen karmische Zusammenhänge bestehen und ferner, wie andere Persönlichkeiten hineinspielen in ein Menschenleben und wie sich der freie Wille des Menschen und das Karma im Einklange befinden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|172}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= NEUNTER VORTRAG Hamburg, 26. Mai 1910 =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es wird ja, wie ich wiederholt bemerkte, nur möglich sein, die großen karmischen Gesetzmäßigkeiten in einigen skizzenhaften Linien anzudeuten, um Anregungen zu geben auf diesem schier unermeßlichen Gebiete.Wenn Sie alles bedenken, was wir in den letzten Tagen besprochen haben, so werden Sie es nicht mehr auffällig finden, daß der Mensch geradezu aus gewissen Bewußtseinsschichten heraus getrieben wird, die ausgleichenden Wirkungen für karmische Ursachen, die er sich selber einverleibt hat, auch in der Außenwelt zu suchen. Er kann geradezu dorthin getrieben werden, wo er zum Beispiel eine Infektion erhalten kann, um in dieser die ausgleichenden Wirkungen für eine sich einverleibte karmische Ursache zu suchen, und selbst zu dem,was man Lebensunfälle nennen kann, kann der Mensch hingetrieben werden, um mit dem Hereinbrechen eines solchen Lebensunfalles eine Ausgleichung zu suchen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie ist es nun mit dem karmischen Verlauf, wenn wir durch irgendwelche Maßnahmen in die Lage kommen, den Menschen daran zu hindern, diesen Ausgleich zu suchen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen wir an, daß wir durch gewisse hygienische Maßnahmen dahin wirken, daß gewisse Ursachen, gewisse Dinge, für die vielleicht der Mensch vermöge seiner karmischen Zusammenhänge Neigung haben muß, überhaupt nicht da sein können. Denken wir uns, es gelänge durch hygienische Maßnahmen, gewisse Krankheitserreger auf einem bestimmten Gebiet zu bekämpfen. Nun haben wir uns bereits vor die Seele geführt, daß es keineswegs im Belieben der Menschen steht, solche Maßnahmen zu treffen. Wir haben gesehen, wie in einem bestimmten Zeitalter zum Beispiel die Neigung zu Reinlichkeitsgesetzen daher entsteht, weil einfach diese Neigung, die in der Zwischenzeit verschwunden war, jetzt bei der umgekehrten Wiederholung in der Entwickelung wieder auftaucht. Daraus haben wir gesehen, daß es in den großen Gesetzen des Menschheitskarma überhaupt liegt, daß in einem bestimmten Zeitpunkt der Mensch dazu kommt, diese oder jene Maßnahmeii zu treffen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|173}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir werden es aber auch leicht begreifen, daß der Mensch in einem früheren Zeitalter nicht dazu gekommen ist, derartige Maßnahmen zu treffen, weil die Menschheit in einem früheren Zeitraum die Epidemien brauchte, die jetzt durch die hygienischen Maßnahmen aus der Welt geschafft werden sollen. In bezug auf große Einrichtungen im Leben unterliegt wirklich die Menschheitsentwickelung ganz bestimmten Gesetzen, und bevor etwas für die gesamte Menschheitsentwickelung von Bedeutung und von Nutzen sein kann, tritt gar nicht die Möglichkeit ein, solche Maßnahmen zu treffen. Denn aus dem vollbewußten, vernünftigen, verständigen Leben, das sich der Mensch zwischen Geburt und Tod aneignen kann, kommen ja solche Maßnahmen nicht, sondern sie kommen aus dem Gesamtgeist der Menschheit. Und Sie brauchen sich nur einmal vor Augen zu halten, wie diese oder jene Erfindung oder Entdeckung auch erst dann auftritt, wenn die Menschheit wirklich dafür reif ist. Ein kleiner Überblick über die Geschichte der Entwickelung der Menschheit auf der Erde kann Ihnen da so manches bieten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denken Sie nur daran, daß unsere Vorfahren - das heißt unsere eigenen Seelen - in Leibern von ganz anderer Gestalt als die heutigen Menschenleiber auf dem alten atlantischen Kontinent gelebt haben, daß dann dieser atlantische Kontinent hinuntergesunken ist und daß die Einrichtungen, die wir heute treffen, sich erst im Bereiche unserer heutigen Kontinente gebildet haben. Es wurden dann in einem ga`nz bestimmten Zeitalter erst die Bewohner der einen aufgetauchten Erdhälfte mit den Bewohnern der andern zusammengeführt. Erst vor kurzem, in einer gar nicht so fernen Vergangenheit, konnten die Völker Europas die Gebiete wieder erreichen, die nach der andern Seite des atlantischen Kontinents sich abgegliedert haben. In solchen Dingen herrschen wirklich große Gesetze. Und ob diese oder jene Dinge entdeckt werden oder ob Maßnahmen getroffen werden, welche es in dieser oder jener Richtung möglich machen, karmisch einzugreifen, das hängt nicht von der Meinung oder der Willkür der Menschen ab, sondern das tritt ein, wenn es eintreten soll. Aber dessen ungeachtet: Wenn wir gewisse Ursachen hinwegräumen, welche sonst dagewesen wären und die durch ihre karmische Verwicklung gewisse Menschen aufgesucht hätten, so können wir dadurch das Karma der Menschen beeinflussen. Dieses Beeinflussen &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|174}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
heißt aber nicht, daß wir es hinwegschaffen, sondern es heißt, daß wir es in eine andere Richtung lenken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denken wir uns also den Fall, eine Anzahl von Menschen würde sich durch karmische Verwicklung gedrängt fühlen, bestimmte Einflüsse aufzusuchen, welche ein karmischer Ausgleich sein würden. Durch hygienische Maßnahmen sind nun einstweilen diese Einflüsse oder Verhältnisse hinweggeräumt worden, die Menschen können sie nicht mehr suchen. Darum aber werden diese Menschen nicht befreit von dem, was in ihnen als karmische Wirkung herausgefordert wird, sondern sie werden gedrängt, andere Wirkungen aufzusuchen. Seinem Karma entkommt der Mensch nicht. Er wird durch solche Maßnahmen nicht entlastet von dem, was er sonst aufgesucht hätte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daraus können Sie entnehmen, daß für einen karmischen Ausgleich, den wir in der Lage wären, nach einer Seite wegzuschaffen, wieder ein Ausgleich nach einer andern Richtung entstehen müßte. Wir schaffen nur die Notwendigkeit, andere Gelegenheiten und Einflüsse aufzusuchen, wenn wir irgendwelche Einflüsse hinwegräumen. Nehmen wir nun an, daß viele Epidemien, gemeinsame Krankheitsursachen, einfach darauf zurückzuführen sind, daß die Menschen, welche diese Krankheitsursachen aufsuchen, hinwegräuriien wollen, was sie sich karmisch anerzogen haben, wie zum Beispiel bei der Pockenepidemie Organe der Lieblosigkeit. Brächten wir es zustande, diese Organe hinwegzuräumen, so bliebe die Ursache der Lieblosigkeit trotzdem bestehen, und die betreffenden Seelen müßten dann in dieser oder einer andern Inkarnation den entsprechenden Ausgleich in einer andern Weise suchen. Wir können begreifen,was da stattfindet, wenn wir auf etwas hinweisen, worauf wir sicher zählen müssen, und das ist das Folgende.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heute werden in der Tat eine ganze Menge von äußeren Einflüssen und Ursachen hinweggeräumt, die sonst aufgesucht worden wären zum Ausgleich gewisser karmischer Dinge, welche die Menschheit in früheren Zeitaltern auf sich geladen hat. Dadurch aber schaffen wir nur die Möglichkeit hinweg, daß der Mensch äußeren Einflüssen verfällt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir machen ihm das äußere Leben angenehmer oder auch gesünder. Dadurch erreichen wir aber nur, daß dasjenige, was der Mensch in dem entsprechenden Krankheitsverhältnis sich als karmischen Ausgleich gesucht &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|175}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
hätte, nun auf anderem Wege gesucht werden muß. Die Seelen, welche auf diesem Wege heute in gesundheitlicher Beziehung gerettet werden, werden also dazu verurteilt, in einer andern Weise diesen karmischen Ausgleich zu suchen. Und Sie werden ihn suchen müssen in zahlreichen Fällen, die gerade zu den geschilderten gehören. Indem ihnen durch ein gesünderes Leben größere physische Annehmlichkeit bereitet wird, indem ihnen das physische Leben erleichtert wird, wird die Seele dadurch in der entgegengesetzten Weise beeinflußt; sie wird so beeinflußt, daß sie nach und nach eine gewisse Leerheit, eine Unbefriedigtheit, eine Unerfülltheit empfinden wird. Und wenn es so fortgehen würde, daß das äußere Leben immer angenehmer, immer gesünder würde, wie man es nach den allgemeinen Vorstellungen im rein materialistischen Leben haben kann, dann würden solche Seelen immer weniger Ansporn haben, in sich selber weiterzukommen. Eine Verödung der Seelen würde in gewissem Sinne parallel einhergehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer sich genauer das Leben ansieht, kann das heute schon bemerken. In kaum einem Zeitalter hat es so viele Menschen gegeben, welche in so angenehmen äußeren Verhältnissen leben, aber mit öden, unbeschäftigten Seelen einhergehen, wie es heute der Fall ist. Diese Menschen eilen darum von Sensation zu Sensation; dann, wenn das Pekuniäre reicht, reisen sie von Stadt zu Stadt, um etwas zu sehen, oder wenn sie in derselben Stadt bleiben müssen, eilen sie jeden Abend von Vergnügen zu Vergnügen. Die Seele bleibt aber darum doch öde, weiß zuletzt selber nicht mehr, was sie aufsuchen soll in der Welt, um einen Inhalt zu bekommen. Namentlich wird durch ein Leben in rein äußeren, physisch annehmlichen Zuständen der Hang erzeugt, nur über das Physische nachzudenken. Und wenn diese Neigung, sich nur mit dem Physischen zu beschäftigen, nicht schon lange vorhanden wäre, so würde auch nicht die Neigung zum theoretischen Materialismus so stark geworden sein, wie es in unserer Zeit der Fall ist. So werden die Seelen leidender, während das äußere Leben gesünder gemacht wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am wenigsten hat derTheosoph über eine solche Tatsache zu klagen, weil überall die Theosophie uns Verständnis der Dinge schafft und damit ein Einsehen, wo der Ausgleich ist. Die Seelen können nur bis zu einem gewissen Grade leer bleiben; dann werden sie wie durch die &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|176}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
eigene Elastizität nach der andern Seite hingeschnellt. Sie suchen dann einen Inhalt, der verwandt ist mit den Tiefen der eigenen Seele, und sie werden dann einsehen, wie notwendig sie es haben, zu einer theosophischen Weltanschauung zu gelangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So sehen wir, wie das, was aus den materialistischen Lebensauffassungen herauskommt, wohl das äußere Leben erleichtert, aber Schwierigkeiten des inneren Lebens schafft, die dahin führen, aus den Leiden der Seele heraus den Inhalt einer spirituellenWeltanschauung zu suchen. Die spirituelle Weltanschauung, wie sie sich heute als die theosophische kundgibt, kommt so den Seelen entgegen, die in der Verödung, an dem, was das äußere Leben, das ganz angenehm eingerichtet sein kann, ihnen an Eindrücken zu geben vermag, keine Befriedigung finden können. Die Seelen werden so lange suchen, immer wieder Neues aufzunehmen, bis die Elastizität von der andern Seite so stark wirkt, daß die Seelen mit dem sich vereinigen werden, was man spirituelles Leben nenneön kann. So gibt es eine Beziehung zwischen Hygiene und den Zukunftshoffnungen der geisteswissenschaftlichen Weltanschauung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie können das heute im Kleinen schon bemerken. Es gibt heute solche Seelen, welche zu andern Äußerlichkeiten eine neue Äußerlichkeit fügen: sich zu interessieren für die theosophische Weltanschauung, welche als neue Sensation die theosophische Weltanschauung aufnehmen. Das ist etwas, was sich bei jeder Strömung in der Menschheitsentwickelung zeigt, daß das, was tiefe, innere Bedeutung hat, auch als Mode, als Sensation wirkt. Aber die wahrhaft für die Theosophie vorbereiteten Seelen sind solche, welche sich entweder unbefriedigt fühlen durch die äußeren Sensationen oder auch einsehen, daß die äußere Wissenschaft mit all ihren Erklärungen die Tatsachen nicht erklären kann. Diese Seelen sind es, welche durch ihr Gesamtkarma so präpariert sind, daß sie sich mit den innersten Gliedern ihres Seelenlebens mit der Theosophie verbinden können. Geisteswissenschaft gehört auch zum Gesamtkarma der Menschheit, und sie wird sich als solche darin einfügen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So können wir das Karma der Menschen nach der einen oder andern Seite in eine andere Richtung bringen; aber wir können nicht die Rückwirkung auf den Menschen beseitigen. In irgendeiner Weise kommt das &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|177}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
zurück, was sich der Mensch in früheren Lebensläufen selber zubereitet hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie nun das Karma sinnvoll in der Welt wirkt, das kann am besten eine Betrachtung lehren, wo Karma sozusagen noch ohne moralischen Beigeschmack wirkt, wo es in der großen Welt selber wirkt, ohne daß es etwas zu tun hat mit dem, was der Mensch aus der Seele heraus an moralischen Impulsen entwickelt und was dann zu moralischen oder unmoralischen Handlungen führt. Wir wollen ein Gebiet des Karma vor unsere Seele stellen, in dem das Moralische noch keine Rolle spielt, sondern wo sich etwas Neutrales als karmische Verkettung darstellt. Nehmen wir an, eine Frau lebt in einer bestimmten Inkarnation. Nun werden Sie nicht in Abrede stellen, daß die Frau einfach dadurch, daß sie Frau ist, andere Erlebnisse haben muß als der Mann und daß diese Erlebnisse nicht nur bloß zusammenhängen mit inneren Seelenvorgängen, sondern daß sie im breitesten Maße zusammenhängen mit äußeren Geschehnissen, mit Lebenslagen, in welche die Frau nur dadurch kommt, daß sie Frau ist, und die wieder zurückwirken auf die ganze Seelenverfassung und Seelenstimmung. Daher können wir davon sprechen, daß die Frau zu gewissen Handlungen geführt wird, die im innigsten Zusammenhang stehen mit dem Frauendasein. Der Ausgleich zwischen Mann und Frau findet ja erst auf dem Gebiete des geistigen Zusammenlebens statt. Je tiefer wir nun hinuntersteigen in das bloß Seelische und in das Äußere des Menschen, desto größer wird der Unterschied zwischen Mann und Frau in bezug auf ihr Leben. Und so können wir sagen, daß die Frau auch in gewissen Eigenschaften der Seele verschieden ist vom Manne, daß sie mehr neigt zu jenen Eigenschaften der Seele, die zu Impulsen führen&amp;gt; welche als emotionelle bezeichnet werden müssen; und wir finden sie dazu veranlagt, mehr als der Mann psychische Erlebnisse zu haben. Dafür sind im Leben des Mannes Intellektualismus und Materialismus - dasjenige also, was durch den Mann gekommen ist - mehr zuhause, was auf das Seelenleben einen großen Einfluß hat. Psychisches und Emotionelles bei der Frau, intellektuelle und materialistische Momente beim Mann - so werden sie durch ihre Naturen geradezu bestimmt. Daher hat nun auch die Frau gewisse Nuancen des Seelenlebens dadurch, daß sie Frau ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|178}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun haben wir ja geschildert,daß dasjenige, was wir als Eigenschaften in der Seele erleben zwischen Tod und neuer Geburt, sich hineindrängt in unsere nächste leibliche Organisation, Was nun stärker psychisch ist, was stärker emotionell ist und im Leben zwischen Geburt und Tod mehr nach dem Inneren der Seele geht, das hat auch mehr Neigung, tiefer einzugreifen in die Organisation, sie viel intensiver zu imprägnieren. Und dadurch, daß die Frau solche Eindrücke aufnimmt, welche mit dem Psychismus, mit dem Emotionalismus zusammenhängen, nimmt sie in tiefere Seelengründe hinein auch die Erfahrungen des Lebens. Der Mann mag reichere Erfahrungen machen, auch wissenschaftlichere: so tief gehen bei ihm die Erfahrungen nicht in das Seelen- leben hinein, wie es bei der Frau der Fall ist. Bei der Frau prägt sich die ganze Erfahrungsumwelt tief ein in die Seele. Dadurch haben die Erlebnisse eine stärkere Tendenz, in die Organisation hineinzuwirken, die Organisation in der Zukunft stärker zu umklammern. Und so nimmt ein Frauenleben die Tendenz auf, durch ihre Erlebnisse in einer Inkarnation tief in den Organismus hineinzugreifen und damit in der nächsten Inkarnation den Organismus selber zu gestalten. Ein tiefes Hinein- arbeiten, ein tiefes Durcharbeiten des Organismus bedeutet nun aber: einen männlichen Organismus hervorbringen. Ein männlicher Organismus wird dadurch hervorgebracht, daß die Kräfte der Seele sich tiefer in das Materielle hineinprägen wollen. Daraus sehen Sie, daß aus den Frauenerlebnissen einer Inkarnation die Wirkung hervorgeht, in der nächsten Inkarnation einen männlichen Organismus hervorzubringen. Da haben Sie aus der Natur des Okkultismus einen Zusammenhang gegeben, der jenseits des Moralischen liegt. Deshalb sagt man im Okkultismus: Der Mann ist das Karma der Frau. - In der Tat ist die Mannesorganisation in einer späteren Inkarnation das Ergebnis der Erfahrungen und Erlebnisse in einer vorhergehenden Fraueninkarnation. Selbst auf die Gefahr hin, daß ich etwa unsympathische Gedanken erwecke bei einigen der Versammelten - es kommt ja immer vor, daß Männer der Gegenwart einen heil losen Respekt davor haben, als Frau inkarniert zu werden -, muß ich diese Dinge als Tatsachen auch wieder ganz objektiv beleuchten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie ist es nun mit den Manneserlebnissen? Mit den Manneserleb&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|179}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nissen verhält es sich so, daß wir sie am besten verstehen, wenn wir gleich von dem ausgehen, was wir jetzt eben dargestellt haben. Bei der Mannesorganisation hat der innere Mensch sich gründlicher in das Materielle hineingelebt, hat es mehr umklammert als bei der Frau. Die Frau behält mehr von dem Geistigen im Unkörperlichen zurück; sie lebt sich nicht so tief in das Materielle hinein, sie erhält ihre Körperlichkeit weicher. Sie trennt sich nicht so weit von dem Geistigen. Das ist das Charakteristische der Frauennatur, daß sie mehr zurückbehält von freier Geistigkeit und sich daher weniger in die Materie hineinarbeitet und vor allem das Gehirn weicher erhält. Daher ist es nicht zu verwundern, daß die Frauen für Neues, insbesondere auf geistigem Gebiete, eben eine besondere Neigung haben, weil sie das Geistige freier behalten haben und weil weniger Widerstand da ist. Und es ist kein Zufall, sondern es entspricht einer tiefen Gesetzmäßigkeit, daß bei einer Bewegung, die durch ihre Natur mit dem Spirituellen zu tun hat, sich eine größere Anzahl von Frauen einfindet als Männer. Und wer Mann ist, der weiß,was für ein schwieriges Instrument das Mannesgehirn oftmals ist. Es bildet furchtbare Hindernisse, wenn man es für biegsamere Gedankengänge brauchen will. Da will es nicht mitgehen. Es muß erst mit allen möglichen Mitteln herangebildet werden, um sich aus der Steifigkeit zu erlösen. Das kann durchaus ein eigenes Erlebnis der Manneserfahrung sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Mannesnatur ist also kondensierter, zusammengezogener; sie ist mehr gepreßt worden, steifer, härter gemacht worden durch das, was der innere Mensch im Manne ist; sie ist materieller gemacht worden. Nun ist ein steiferes Gehirn vor allem ein Instrument für das Intellektuelle, weniger für das Psychische. Denn das Intellektuelle ist etwas, was sich viel mehr auf den physischen Plan bezieht. Was als Intellektualismus des Mannes zu bezeichnen ist, das kommt von seinem steiferen, verfestigten Gehirn. Man könnte dabei von einem gewissen Grade von «Eingefrorenheit&amp;gt; des Gehirns sprechen. Es muß erst auftauen, wenn es sich in feinere Gedankengänge hinein finden soll. Dadurch aber wird der Mann veranlaßt, mehr die Äußerlichkeiten zu erfassen, weniger von denjenigen Erlebnissen aufzunehmen, die mit den Tiefen des Seelenlebens zusammenhängen. Und was er aufnimmt, das geht dann auch &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|180}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nicht tief. Ein äußerer Beweis dafür ist der, wie wenig tief die äußere Wissenschaft geht und wie wenig sie das Innere erfaßt - wie zwar immer im weiten Umkreis gedacht wird, aber wie wenig gründlich die Tatsachen zusammengezogen werden. Wer durch seine eigene Selbstzucht im Denken genötigt ist, die Tatsachen zusammenzufügen, dem könnte von dem, was die äußere Wissenschaft sich nicht scheut, als nebeneinander bestehend hinzustellen, manchmal recht übel werden. Da kann man sehen, wie wenig tief die Dinge gehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Beispiel dafür, wie oberflächlich die Dinge der heutigen Wissenschaft sein können: Nehmen Sie an, ein junger Mensch ist in irgendeinem Kolleg, wo ein enragierter Darwinianer vorträgt. Und bei diesem Vertreter der Selektionstheorie kann der Student etwa solche Dinge vertreten hören: Woher kommt es, daß der Gockel zum Beispiel so schöne, blauschillernde Farben an seinen Federn hat? Das ist auf eine geschlechtliche Zuchtwahl zurückzuführen; denn durch die Farben zieht er die Hennen &#039;an, und die Hennen wählen dann unten den Gockeln diejenigen, welche die bläulichschillernden Federn haben. Dabei kommen dann die andern zu kurz, und es bildet sich infolgedessen besonders die eine Sorte aus. Das ist eine Höherentwickelung, das ist «geschlechtliche Zuchtwahl»! - Und der Student ist froh, daß er weiß, wie eine Aufwärtsentwickelung zustande kommen kann. Jetzt geht er ins nächste Kolleg, wo, sagen wir, das Gebiet der Sinnesphysiologie behandelt wird. Und hier kann es jetzt vorkommen, daß derselbe Student nun im zweiten Kolleg etwa folgendes zu hören bekommt: Man hat Versuche gemacht, welche zeigen, wie verschieden die Farben des Spektrums auf die verschiedenen Wesenheiten wirken. Man kann nachweisen, daß zum Beispiel die Hühner von den gesamten Farben des Spektrums das nicht wahrnehmen, was zum Blau und Violett gehört, sondern daß sie nur dasjenige wahrnehmen, was vom Grünen zum Orange, Rot und Ultrarot geht!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt ist der Student, wenn er diese beiden Tatsachen, die er heute wirklich hören kann, zusammendenken will, darauf angewiesen, die Dinge oberflächlich zu nehmen. Es ist die ganze Selektionstheorie darauf gebaut, daß die Hennen am Gockel etwas sehen sollen an bunten Farben, was ihnen besondere Freude machen soll, was sie aber &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|181}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
in Wirklichkeit gar nicht sehen, was für sie wie rabenschwarz erscheint.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist nur ein Beispiel. Aber die Dinge sind so, daß sie dem, der wirklich wissenschaftlich forschen will, auf Schritt und Tritt so begegnen. Daraus sehen Sie, daß die Intellektualität nicht gerade sehr tief elngreift in das Leben, daß sie an der Oberfläche stehenbIeibt. Ich wähle absichtlich die krassen Beispiele. Man wird es ja nicht so leicht glauben wollen, daß die Intellektualität etwas ist, was sich mehr äußerlich abspielt, nicht tief eingreift in das Seelenleben, was wenig das Innere des Menschen ergreift. Und die materialistische Gesinnung ergreift das Seelenleben erst recht nicht. Die Folge davon ist aber die, daß der Mensch aus einer solchen Inkarnation, wo er wenig hineinwirkt in die Seele, die Tendenz aufnimmt zwischen Geburt und Tod, in der nächsten Inkarnation weniger in die Organisation einzudringen. Es ist ja die Kraft dazu weniger aufgenommen worden; deshalb wirkt sie jetzt so, daß der Mensch weniger seine Leiblichkeit imprägniert. Daraus entsteht nun aber die Neigung, in der nächsten Inkarnation einen Frauenleib aufzubauen. Wiederum ist es richtig, wenn man im Okkultismus sagt: Das Weib ist das Karma des Mannes!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf diesem moralisch neutralen Gebiete sehen wir, wie das, was sich der Mensch in einer Inkarnation vorbereitet, in der nächsten Inkarnation seine Leiblichkeit organisiert. Und weil diese D`inge nicht nur tief eingreifen in unser inneres Leben, sondern auch in unsere äußeren Erlebnisse und in unser Handeln&amp;gt; so müssen wir sagen: Indem der Mensch in einer Inkarnation Mannes- oder Frauenerlebnisse hat, wird in der nächsten Inkarnation sein äußeres Handeln in dieser oder jener Weise bestimmt, weil er durch die Frauenerlebnisse die Neigung hat, eine Mannesorganisation sich zu bilden, und umgekehrt durch die Manneserlebnisse eine Frauenorganisation. Nur in seltenen Fällen wiederholt sich die gleiche geschlechtliche Inkarnation; sie kann sich höchstens siebenmal wiederholen. Die Regel jedoch ist die, daß jede männliche Organisation in der nächsten Inkarnation danach strebt, weiblich zu werden, und umgekehrt. Da nützt alle Abneigung nichts, denn es kommt nicht darauf an, was man in der physischen Welt möchte, sondern es kommt auf die Neigungen an, die man in der Zeit zwischen Tod&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|182}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und neuer Geburt hat, und die werden durch vernünftigere Gründe bestimmt als solche, daß man etwa in einer männlichen Inkarnation einen Horror davor hat, in der nächsten Inkarnation sich als Frau zu inkarnieren. Da können Sie sehen, wie das spätere Leben karmisch bestimmt wird durch das frühere und wie auch die Handlungen des späteren Lebens bestimmt werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun handelt es sich darum, daß wir noch einen andern karmischen Zusammenhang einsehen lernen, den wir auch noch benötigen, wenn wir auf die wichtigen Betrachtungen der nächsten Tage Licht werfen wollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Blicken wir dazu noch einmal zurück auf einen recht fernliegenden Zeitpunkt der menschlichen Entwickelung: auf den Zeitpunkt, wo einmal auf der Erde die menschlichen Inkarnationen angefangen haben. Das geschah in der alten lemurischen Zeit. Nun handelt es sich darum, daß damals auf den Menschen zuerst in einer durchgreifenden Art gewirkt hat der luziferische Einfluß und daß dieser dann den ahrimanischen Einfluß herausgefordert hat. Versuchen wir uns einmal vor die Seele zu stellen, wie der luziferische Einfluß äußerlich im Menschen- leben gewirkt hat. - Dadurch, daß der Mensch überhaupt in die Lage gekommen ist, in jenen alten Zeiten den luziferischen Einfluß in sich aufzunehmen, also seinen astralischen Leib mit dem luziferischen Einfluß zu durchdringen, dadurch wurde sein astralischer Leib geneigt, viel tiefer noch in die Organisation einzugreifen, in das Materielle des physischen Leibes viel tiefer hinunterzusteigen, und vor allem auch ganz anders, als er ohne den luziferischen Einfluß hinuntergestiegen wäre. Der Mensch wurde durch den luziferischen Einfluß materieller. Hätte der luziferische Einfluß nicht gewirkt, dann wäre eine geringere Neigung des Menschen entstanden, in die materielle Welt hinunterzusteigen, der Mensch hätte sich als solcher in höheren Regionen des Daseins gehalten. Also es ist eine viel stärkere Durchdringung von äußerem und innerem Menschen geschehen, als es ohne den luziferischen Einfluß der Fall gewesen wäre. Diese Durchdringung war nun zunächst dieVeranlassung dafür, daß der Mensch durch die stärkere Verbindung mit dem Materiellen des äußeren Leibes den Rückblick auf die Ereignisse, welche seiner Einkörperung vorangegangen sind, verloren hat. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|183}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Mensch trat jetzt durch eine so geartete Geburt ins Dasein, daß er sich tief mit dem Materiellen verband und dadurch alle Rückschau auf die früheren Erlebnisse auslöschte. Der Mensch hätte sich sonst die Erinnerung bewahrt an das, was er vor der Geburt im Geistigen erlebt hat. Durch den luziferischen Einfluß wurde nun die Geburt ein Akt, durch den der Mensch so intensive Verbindungen zwischen äußerem und innerem Menschen herstellt, daß ausgelöscht wurde, was der Mensch in derZeit vorher in der geistigenWelt erleben kann. Es wurde der Mensch durch den luziferischen Einfluß beraubt seiner Erinnerungen an die vorhergehenden geistigen Erlebnisse. Die Verbindung mit der äußeren Leiblichkeit macht es, daß der Mensch nicht zurückblicken kann auf das Frühere. Dadurch aber ist der Mensch während seines Lebens darauf angewiesen, immer nur aus der Außenwelt seine Erfahrungen und Erlebnisse zu holen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun wären Sie aber auf einem ganz falschen Wege, wenn Sie glauben würden, daß nur die groben äußeren Stoffe, die der Mensch in sich aufnimmt&amp;gt; auf ihn wirken. Es wirken auf den Menschen nicht nur die Nahrungsmittel und -kräfte, sondern auch die sonstigen Erfahrungen, welche er macht, auch die Dinge, welche durch seine Sinne in ihn ein- fließen. Aber durch das gröbere Verbinden mit der Materie wirken auch die Nahrungsmittel anders. Stellen Sie sich vor, der luziferische Einfluß wäre nicht dagewesen; dann würde von den Nahrungsmitteln bis zu den Sinneseindrücken alles auf den Menschen weit feiner wirken. Er würde alles, was er als Wechselwirkung mit der Außenwelt erlebt, durchdringen mit dem, was er zwischen Tod und neuer Geburt erlebt hat. Dadurch, daß der Mensch die Materialität dichter gestaltet hat, ist er geneigt, auch viel Dichteres aufzunehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es wirkt also der luziferische Einfluß so, daß der Mensch durch die Verdichtung der Materie auch aus der Außenwelt viel Dichteres heranzieht, als er sonst herangezogen hätte. Das Dichtere, was er nun von außen heranzieht, ist aber ganz anders als das sonst weniger Dichte. Das weniger Dichte würde die Erinnerungen an das frühere Leben aufrechterhalten haben; es würde auch bewirken,daß er die Sicherheit hat, daß alles, was der Mensch erlebt zwischen Geburt und Tod, seine Wirkungen hineinerstreckt in einen nie endenden Zeitraum. Der Mensch &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|184}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
würde wissen: Es tritt zwar äußerlich der Tod ein, aber alles, was geschieht, wirkt weiter. Dadurch, daß der Mensch Dichteres aufnehmen mußte, schafft er von Geburt an eine starke Wechselwirkung zwischen seiner eigenen leiblichen Natur und der Außenwelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was hat nun dieser Wechselzustand zur Folge? Die geistige Welt ist ausgelöscht seit der Geburt. Und damit der Mensch im Geistigen leben, in der geistigen Welt aufwachen kann, muß erst wieder jener Zustand eintreten, wo alles, was von außen als dichtere Materialität in uns hineinkommt, wieder von den Menschen genommen wird. Weil wir uns eine dichtere Materialität angeeignet haben, müssen wir, um wieder in das Geistige hineinzukommen, auf den Zeitpunkt warten, wo die äußere materielle Leiblichkeit von uns genommen wird. Was nun da als dichtere Materialität in uns hineindringt&amp;gt; das zerstört stückweise, von unserer Geburt an, unsere menschliche Leiblichkeit. Was da hereinfließt, das ist etwas, was immer mehr und mehr die Leiblichkeit zerstört, bis es sie endlich ganz zerstört hat, daß sie nicht mehr bestehen kann. Von unserer Geburt angefangen, nehmen wir eine dichtere Materialität auf, als wir ohne den luziferischen Einfluß aufgenommen hätten, so daß wir unsere Leiblichkeit langsam vernichten, bis sie mit dem Eintreten` d&amp;amp; Todes ganz unbrauchbar geworden ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daran sehen wir&amp;gt; wie der luziferische Einfluß die karmische Ursache des Todes des Menschen ist. Gäbe es nicht diese Form der Geburt, so gäbe es nicht diese Form des Todes für den Menschen. Der Mensch würde sonst so vor dem Tode stehen, daß ihm die sichere Aussicht auf Kommendes vor Augen stehen würde. Der Tod ist die karmische Folge der Geburt, Geburt und Tod hängen karmisch zusammen. Ohne Geburt, wie sie der Mensch heute erlebt, gäbe es keinen Tod, wie ihn der Mensch erlebt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich habe vorhin schon gesagt, daß beim Tier nicht in demselben Sinne von Karma gesprochen werden kann wie beim Menschen. Wenn jemand sagen würde, daß auch beim Tier Geburt und Tod karmisch zusammenhängen, so.wüßte der Betreffende eben nicht, daß Geburt und Tod für den Menschen etwas ganz anderes sind als für das Tier. Was sich da äußerlich gleich sieht, ist innerlich nicht dasselbe; es handelt sich bei Geburt und Tod nicht um das äußerliche Aufbauen, sondern&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|185}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
um das innere Erleben. Beim Tier erlebt nur die Gattungsseele, die Gruppenseele. Das Absterben eines Tieres bedeutet für die Gruppenseele ungefähr dasselbe, was Sie erleben, wenn- Sie sich beim Herankommen des Sommers die Haare kürzer schneiden lassen, die dann wieder langsam nachwachsen. Es fühlt die Gruppenseele einer Tiergattung das Absterben eines Tieres wie das Absterben eines Gliedes, das sich nach und nach wieder ersetzt. Also die Gattungsseele ist das, was wir mit dem menschlichen Ich vergleichen dürfen. Sie kennt nicht Geburt und Tod, sie sieht auf das, was der Geburt vorangeht, fortwährend, und auch auf das, was dem Tode nachfolgt, sieht sie fortwährend. Von Geburt und Tod beim Tier zu sprechen, wie man davon beim Menschen spricht, ist ein Unsinn, weil ganz andere Ursachen vorangehen. Und man leugnet die innere Wirksamkeit des Geistes, wenn man glaubt, was sich äußerlich gleich darstelle, das sei auch von innerlich gleichen Ursachen bewirkt. Gleichheit der äußeren Vorgänge weist nie mit Sicherheit auf gleiche Ursachen hin. Der Geburt des Menschen liegen ganz andere Ursachen zugrunde als der des Tieres, und ebenso stirbt der Mensch aus ganz andern Ursachen heraus als das Tier.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn man ein wenig nachdenken würde, wie das Äußere sich ganz gleich ausnehmen kann, ohne daß das Innere im entferntesten Gleiches erlebt, dann würde man auch schon methodologisch darauf kommen, daß es sich so verhält. Sie können sogar auf höchst einfache Weise darauf kommen, daß der äußere Sinnenschein kein Beweis ist für das innere Leben. Denken Sie sich zwei Menschen; Sie kommen um neun Uhr an einen bestimmten Ort und sehen dort die zwei Menschen nebeneinanderstehen. Um drei Uhr gehen Sie wieder an den betreffenden Ort, nachdem Sie in der Zwischenzeit nicht dort gewesen sind. Da stehen die zwei Menschen wieder an derselben Stelle. Nun könnten Sie schließen: A steht immer noch an demselben Ort, B steht immer noch an demselben Ort, wo er um neun Uhr schon gestanden hat. Untersuchen Sie aber, was diese beiden Menschen inzwischen getan haben, dann werden Sie vielleicht finden, daß der eine da stillgestanden hat, während der andere unterdessen einen weiten Gang getan hat und in der Zwischenzeit müde geworden ist. Da liegen dann ganz andere Vorgänge zugrunde. Und wie es unsinnig wäre, wenn die beiden Menschen &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|186}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
um drei Uhr wieder an derselben Stelle stehen, zu sagen, daß in ihrem Inneren das Gleiche vorgegangen sei, ebenso unsinnig ist es, wenn man zwei gleichgeformte Zellen findet, aus ihrer gleichen Struktur schließen zu wollen, daß sie innerlich die gleiche Bedeutung haben. Es handelt sich darum, den ganzen Zusammenhang der Tatsachen zu kennen, der eine Zelle an den betreffenden Ort hingeführt hat. Daher ist die moderne Zellenphysiologie, die ausgeht von der Untersuchung der inneren Struktur der Zellen, auf ganz falschem Wege. Niemals kann das, was sich dem äußeren Sinnenschein darbietet, ausschlaggebend sein für das innere Wesen des Dinges.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So etwas muß man durchdenken, wenn man solche Dinge einsehen will, wie sie sich dem Okkultisten aus den okkulten Beobachtungen ergeben, wie zum Beispiel Geborenwerden und Sterben etwas ganz anderes ist beim Menschen als beim Säugetier oder gar bei den Vögeln. Diese Dinge zu studieren wird erst möglich sein, wenn die Leute wieder ein wenig auf das eingehen, was die geistige Forschung zu sagen hat. Bevor nicht darauf eingegangen wird, wird die äußere Wissenschaft, die beim Sinnenschein und bei den äußeren Tatsachen stehenbleibt, zwar sehr schöne Tatsachen zutage bringen; aber alles, was Menschen meinen können unter solchen Voraussetzungen über solche Tatsachen, das wird niemals maßgebend sein für die Wirklichkeit. Daher ist alles, was heute theoretische Wissenschaft ist, ein phantastisches Gebilde, das dadurch entstanden ist, daß man die äußeren Tatsachen nach dem äußeren Schein kombiniert. Auf manchen Gebieten drängen geradezu die äußeren Tatsachen dazu, in der richtigen Weise zu interpretieren; aber durch die heutigen Meinungen kommt man nicht dazu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So haben wir heute zwei neutrale Gebiete auf dem Felde der karmischen Gesetzmäßigkeit auf uns wirken lassen, und Sie werden sehen, daß sie uns eine Grundlage sein werden für die weiteren Betrachtungen. Wir haben eingesehen, wie die Frauenorganisation die karmische Folge der Manneserlebnisse ist und die Mannesorganisation eine karmische Folge der Frauenerlebnisse; und wir haben endlich eingesehen, daß der Tod eine karmischeWirkung der Geburt im Menschenleben ist. Das ist etwas, was, wenn man versucht, es nach und nach zu verstehen, uns tief hineinführen kann in die karmischen Zusammenhänge des Menschenlebens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|187}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= ZEHNTER VORTRAG Hamburg, 27. Mai 1910 =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gewisse tiefere Fragen des karmischen Zusammenhanges, die sich namentlich auf unseren menschlichen Einfluß auf das Karma und besonders auf das Karma anderer Menschen beziehen, solche Fragen also, die sich auf eine Richtungsänderung des Karma im Kleinen und im Großen beziehen, kann man nicht beantworten, auch nicht eine Vorstellung hervorrufen, wie sie beantwortet werden müssen, wenn man nicht in der Weise, wie wir es heute tun wollen, gewisse bedeutsame Geheimnisse unseres Weltendaseins berührt. Solche Fragen können sich vielleicht dann für jeden aus dem Gesagten ergeben, wenn Sie diesen oder jenen Gedanken, der angeschlagen und von der einen oder andern Seite beleuchtet worden ist, für sich selber weiter ausführen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So kann sich die Frage aufwerfen: Was geschieht, wenn im karmischen Zusammenhange eines Menschen durch das, was er früher erlebt und getan hat, ein Krankheitsprozeß zur Hinwegschaffung dieser karmischen Tatsache notwendig ist und wenn diesem Menschen durch Heilmittel oder durch einen andern Eingriff in derWeise geholfen wird, daß er durch menschliche Hilfe wirklich geheilt wird? Was liegt da vor, und wie verhält sich eine solche Tatsache zu den tieferen Auffassungen von der karmischen Gesetzmäßigkeit?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun bemerke ich von vornherein: Um überhaupt auch nur einige wesentlichere Lichter auf diese Frage zu werfen, müssen Dinge berührt werden, die der heutigen Wissenschaft und dem heutigen Denken der Menschen ganz fern liegen und welche auch nur sozusagen unter Theosophen besprochen werden können, die sich für solche Dinge schon dadurch vorbereitet haben, daß sie mancherlei Wahrheiten aufgenommen haben, die sich auf tiefere Untergründe des Daseins beziehen, und die sich auch ein Gefühl dafür erworben haben, wie Dinge,welche heute nur angedeutet werden können, sich doch voll begründen lassen. Dennoch möchte ich bei dieser Gelegenheit eine Bitte einfügen: Was ich genötigt bin zu sagen über die tieferen Untergründe des Erdendaseins, zum Beispiel was ich mich bemühen werde, in der präzisesten Form auszusprechen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|188}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und was sogleich falsch sein würde, wenn es in anderem Zusammenhang oder gar ohne Zusammenhang gesagt würde und deshalb zu Mißverständnissen Veranlassung geben würde, davon bitte ich, daß es nicht anders behandelt werde als so, daß man es eben aufnimmt. Auch ich muß daher gerade bei diesen Dingen darauf halten, daß niemand sie als ein Lehrgut betrachten sollte, das er irgendwie weitergeben könnte, weil nur der Zusammenhang eine solche Darstellung rechtfertigt und weil eine solche Darstellung nur gerechIfertigt ist, wenn dahinter das Bewußtsein liegt, wie man solche Worte zu prägen hat, um derartiges in Gedanken zum Ausdruck zu bringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um was es sich nun handelt, das ist die Frage nach dem tieferen Wesen des materiellen Daseins auf der einen Seite und nach dem Wesen des seelischen Daseins auf der andern Seite. Eine tiefere Auffassung vom Seelischen und Materiellen werden wir uns heute notwendig aneignen müssen, und zwar werden wir es nötig haben aus einem ganz bestimmten Grunde heraus, aus dem Grunde, weil wir in den verflossenenVorträgen angeführt haben,daß das Seelische des Menschen mehr oder weniger tief hineindringen kann in das Materielle. Ja, wir haben gestern das Wesen des Männlichen dadurch charakterisieren können, daß wir sagten, beim Manne dringe das Seelische tiefer in das Materielle hinein, präge sich tiefer ein, während das Seelische beim Weiblichen in gewisser Beziehung sich mehr zurückzieht und sich mehr ein selbständiges Dasein gegenüber dem Materiellen aneignet. So haben wir gesehen, daß vieles im karmischen Ausleben darauf beruht, wie die Durchdringung des Seelischen und des Materiellen stattfindet. Wir haben auch gesehen, wie ein gewisser Krankheitsprozeß, der in einer Inkarnation auftritt, sich darstellt als die karmische Folge von Verfehlungen, welche die Seele in früheren Verkörperungen begangen hat, indem die Seele damals ihre Taten, Erlebnisse und Impulse in sich verarbeitet und dann auf dem Wege zwischen Tod und neuer Geburt die Tendenz auf- genommen hat, dasjenige, was früher bloß als ein Merkmal, als ein Einfluß des Seelischen sich abgespielt hat, hineinzudrängen in das Körperliche, in das Materielle. Und indem dann die menschliche Wesenheit durchtränkt wird von einem solchen Seelischen, das den luziferischen oder ahrimanischen Einfluß in sich aufgenommen hat, wird gerade dadurch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|189}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
das menschliche Materielle verdorben. Darinnen liegt ja dann der Krankheitsverlauf. Daher können wir sagen: In einem kranken Leibe steckt ein verdorbenes Seelisches, das einen unrichtigen Einfluß erfahren hat, einen luziferischen oder ahrimanischen Einfluß; und in dem Augenblick, wo wir den luziferischen oder ahrimanischen Einfluß aus dem Seelischen herausbringen könnten, würde die richtige Durchdringung von Seele und Leib eintreten, das heißt, es würde Gesundheit eintreten. - Wir müssen also fragen: Wie verhält es sich mit diesen zwei Wesensgliedern des irdischen menschlichen Daseins, welche uns da vor Augen treten, mit der Materie und dem Seelischen? Was sind sie in ihrem tieferen Wesen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn diese Frage aufgeworfen wird, so hat der heutige Mensch gewöhnlich die Meinung, daß die Antwort auf die Frage: Was ist Materie? Was ist Seele? - überall inderWelt gleich ausfallen müßte;und ich glaube nicht, daß es einem Menschen leicht würde, sich mit der Meinung bekanntzumachen, daß für Wesen, welche auf dem alten Monde gelebt haben&amp;gt; die Antwort auf die Frage: Was ist Materie? Was ist Seele? - ganz anders hätte ausfallen müssen als für Wesen, welche auf der Erde leben. Aber das Dasein ist so sehr in Entwickelung, daß sich selbst solche Dinge ändern wie die Vorstellungen, welche sich ein Wesen machen kann von den tieferen Grundlagen seines eigenen Wesens. Und so ändert sich auch dasjenige, was als Antwort gegeben werden muß auf die Frage: Was ist Materie? Was ist Seele? Es ist daher von vornherein zu betonen, daß die Antworten, die gegeben werden, nur Antworten sind, welche der Erdenmensch geben kann und die nur für diesen Erdenmenschen eine Bedeutung haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
«Materie&amp;gt; wird ja der Mensch zunächst nach dem beurteilen, was ihm in der Außenwelt an den verschiedenen Wesenheiten und Dingen entgegentritt und was auf ihn in irgendeiner Weise Eindruck macht. Der Mensch findet dann, daß es verschiedene Arten von Materien gibt, und ich brauche ja darin dicht sehr weit auszuholen, denn was darüber zu sagen wäre, wenn wir mehr Zeit hätten, können Sie in allen entsprechenden Trivialschriften finden. Ich sage daher für jetzt genug, wenn ich darauf hinweise, daß sich Materie verschieden darstellt für den Menschen, indem er die verschiedenen Metalle sieht, Gold, Kupfer, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|190}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Blei und so weiter, oder wenn er dasjenige sieht, was nicht in die Reihe der Metalle gehört. Sie wissen auch, daß die Chemie diese Materien nach und nach zurückgeführt hat auf gewisse Grundstoffe der Materie, die sie Elemente nennt. Diese Elemente wurden ja noch bis ins 19. Jahrhundert hinein so angesehen, daß sie Materien sind, die sich nicht weiter zerlegen lassen. Während wir irgendeine Substanz, welche uns als Materie entgegentritt, zum Beispiel Wasser, trennen können in Wasserstoff und Sauerstoff, haben wir in Wasserstoff und Sauerstoff solche Materie vor uns, die nach der Meinung der Chemie des 19. Jahrhunderts nicht weiter zerlegt werden kann. Bis siebzig solcher Elemente hat man unterschieden. Und Sie wissen wohl auch, daß durch die Erscheinungen, welche in Anknüpfung an einige besondere Elemente, zum Beispiel Radium, haben angestellt werden können, oder daß auch in Anknüpfung an mancherlei Erscheinungen der Elektrizitätslehre der Begriff der Elemente verschiedentlich erschüttert worden ist, daß man zu der Ansicht gekommen ist, daß es nur eine vorläufige Grenze der Materie sei, was man als die etwa siebzig Elemente kennt, und daß man die Zerlegbarkeit weiter zurückführen kann auf eine einzige Grundmaterie, die dann nur durch die innere Kombination, durch das innere Wesenselement, das eine Mal sich zu Gold, das andere Mal zu Kalium, Kalzium und so weiter spezialisiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das sind veränderliche wissenschaftliche Theorien. Und geradeso wie sich die wissenschaftlichen Theorien im Laufe von je fünfzig Jahren im 19. Jahrhundert verändert haben, wie es dahin kommen konnte,daß gewisse Physiker in dem, was Materie sein soll, etwas mit Entitäten, mit Wesenheiten zu Bezeichnendes sahen, etwas, was von der Elektrizität hergenommen ist, wie jetzt die Ionentheorie - das sind wissenschaftliche Moden -, ebenso werden in gar nicht so ferner Zeit andere wissenschaftliche Moden existieren, und man wird sich die Materie anders konstituiert denken. Das sind Tatsachen. Die wissenschaftlichen Meinungen sind veränderlich, müssen auch veränderlich sein, denn sie hängen ganz ab von den jeweiligen Tatsachen, die gerade auf ein Zeitalter besonders signifikant wirken. Dagegen hat die geisteswissenschaftliche Lehre durch alle Epochen hindurchgehend, so lange es Erdenkulturen gibt - und sie wird so lange hindurchgehen, solange es eine &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|191}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erdenkultur geben wird -, immer eine einheitliche, gleiche Anschauung gehabt über das Wesen des materiellen Daseins, über die Materie. Um Sie auf das zu führen, was die Geisteswissenschaft als das Wesentliche der Materie, des Materiellen ansieht, möchte ich folgendes sagen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie kennen den ganz gewöhnlichen Vorgang: wenn wir Eis haben, ist das ein fester Körper, eine feste Materie. Diese Materie ist nicht fest durch ihre eigentliche Wesenheit, sondern sie ist eine feste Materie nur durch äußere Umstände. Sie ist sofort keine feste Materie mehr, wenn wir die Temperatur in entsprechender Weise erhöhen; da ist sie eine flüssige Materie. Wie sich eine Materie in der äußeren Welt darlebt, das hängt also nicht ab von dem, was in ihr selber ist, sondern von den ganzen Verhältnissen des umgebenden Weltalls. - Dann können wir weiter dieser Materie Wärme zuführen, und aus dem Wasser wird von einem bestimmten Punkt ab Dampf. So haben wir Eis, Wasser, Dampf und haben durch die Erhöhung der Temperatur der Umgebung etwas herbeigeführt, was wir bezeichnen können als «die Materie in den verschiedensten Formen». So haben wir an der Materie, wie sie sich uns darstellt, nicht nach einer innerlichen, sie konstituierenden Wesensart zu unterscheiden, sondern wir müssen uns klar sein, daß die Art, wie Materie uns entgegentritt, von der Art der Gesamtkonstitution des Weltalls abhängt und daß man nichts vom ganzen Weltall in einzelne Materien trennen darf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun liegen allerdings die Dinge so, daß die Methoden der heutigen Wissenschaft überhaupt nicht ausreichen, um zu dem zu kommen, wozu Geisteswissenschaft kommen kann. Es kann die heutige Wissenschaft mit ihren Mitteln die Materie, die in der Form eines Stückes Eis durch Temperaturerhöhung erst flüssig und dann dampfförmig wird, niemals so weit führen, daß sie bis zu dem auf der Erde als letzten erreichbaren Zustand kommt, in welchen jede Materie überzuführen ist. Es ist nicht möglich, heute mit wissenschaftlichen Mitteln solche Verhältnisse her- beizuführen, wodurch etwa gezeigt werden könnte: Wenn du Gold nimmst und es immer weiter verdünnst, so weit als du es nur auf der Erde verdünnen kannst, dann kommst du zuletzt zu diesem oder jenem Zustand. Wenn du mit Silber dasselbe machst, ist es ebenso, bei Kupfer auch, und so weiter. - Die Geisteswissenschaft kann das, weil sie zuletzt &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|192}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
fußt auf den hellseherischen Forschungsmethoden. Dadurch ist sie im- stande, eines zu beobachten: Wie in den, man könnte sagen, Zwischen- räumen unserer Materien immer sich ein Gleiches überall findet, ein Gleiches, welches in der Tat die äußerste Grenze darstellt, zu dem überhaupt Materie gebracht werden könnte, was für eine Materie es auch immer sein mag. Es gibt wirklich einen für hellseherische Forschung erreichbaren Auflösungszustand aller Materie, wo sich alle Materie in einem dabei Gleichen zeigt; nur ist das, was da auftritt, nicht mehr Materie, sondern etwas, was jenseits aller spezialisierten Materien liegt, die uns umgeben. Und jede einzelne Materie stellt sich dann dar als ein aus dieser Grundmaterie - es ist ja keine Materie mehr - Kondensiertes, Verdichtetes, ob Sie Gold, Silber oder was immer für eine Materie haben. Es gibt ein Grundwesen unseres materiellen Erdenseins, von dem alles Materielle nur durch Verdichtung zustande gekommen ist. Und auf die Frage: Was ist das für eine Grundmaterie unseres Erdendaseins? - antwortet die Geisteswissenschaft: Jede Materie auf der Erde ist kondensiertes Licht! Es gibt nichts im materiellen Dasein, was etwas anderes wäre als in irgendeiner Form verdichtetes Licht. Daher sehen Sie, daß es für denjenigen, der die Tatsachen kennt, nicht eine Theorie zu begründen gibt wie etwa die Schwingungshypothese des 19.Jahrhunderts, in welcher man versuchte, Licht darzustellen mit Mitteln, die selber gröber sind als das Licht. Licht ist nicht auf etwas anderes in unserem materiellen Dasein zurückzuführen. Wo Sie hin- greifen und eine Materie anfühlen, da haben Sie überall kondensiertes, zusammengepreßtes Licht. Materie ist ihrem Wesen nach Licht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit haben wir vom geisteswissenschaftlichen Standpunkt aus auf die eine Seite der Sache hingewiesen. Wir haben also dasjenige, was allem materiellen Dasein zugrunde liegt, im Lichte zu sehen. Und wenn wir den materiellen Menschenleib ansehen, so ist auch er, insofern er materiell ist, nichts anderes als aus Licht Gewobenes. Insofern der Mensch ein materielles Wesen ist, ist er aus Licht gewoben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nunmehr nehmen wir die andere Frage: Was ist das Wesen des Seelischen? - Wenn wir in ähnlicher Weise mit geisteswissenschaftlichen Mitteln das Substantielle, das wirkliche Grundwesen des Seelischen erforschen würden, so würde sich uns darstellen - so wie alles Materielle &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|193}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nur zusammengepreßtes Licht ist -, daß alle noch so verschiedenen seelischen Erscheinungen auf der Erde sich uns ergeben als Modifikationen, als mannigfaltige Umformungen dessen, was genannt werden muß, wenn wir die Grundbedeutung dieses Wortes wirklich erfassen: Liebe. Jede Regung seelischer Art, wo sie auch immer auftritt, ist in irgendeiner Weise modifizierte Liebe. Und wenn wir Inneres und Äußeres beim Menschen gleichsam ineinandergesteckt haben, ineinandergeprägt haben, so haben wir seine äußere Leiblichkeit gewoben aus Licht, sein inneres Seelisches haben wir gewoben in einer vergeistigten Weise aus Liebe. Liebe und Licht sind in der Tat in allen Erscheinungen unseres Erdendaseins irgendwie ineinandergewoben. Und wer geisteswissenschaftlich die Dinge zu begreifen hat, der fragt in allererster Linie: Wie sind in irgendeinem Grade Liebe und Licht ineinander verwoben?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Liebe und Licht sind die zwei Elemente, die zwei Komponenten, die alles Erdendasein durchsetzen: Liebe als seelisches Erdendasein, Licht als äußeres materielles Erdendasein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun aber tritt gerade jetzt dasjenige ein, daß für die beiden Elemente Licht und Liebe, die sonst eigentlich nach dem großen Gange des Weltendaseins nebeneinanderstehen würden, ein Vermittler da sein muß, der das eine Element in das andere hineinverwebt, der Licht in Liebe hineinverwebt. Das muß eine Macht sein, welche sozusagen kein besonderes Interesse hat an der Liebe, die also hineinverwebt in das Element der Liebe das Licht - die nur Interesse daran hat, dem Lichte die größtmögliche Ausbreitung zu geben, die also Licht hineinstrahlen läßt in das Element der Liebe. Eine solche Macht kann keine Erden- macht sein, denn die Erde ist gerade der Kosmos der Liebe. Die Erde hat die Mission, die Liebe überall hineinzuverweben. Also alles, was mit dem Erdendasein so recht verknüpft ist, hat kein Interesse, das nicht irgendwie von der Liebe berührt sein würde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein solches Interesse aber haben die luziferischen Wesenheiten; die sind gerade auf dem Monde zurückgeblieben, auf dem Kosmos der Weisheit. Sie haben besonders das Interesse, Licht in Liebe hineinzuweben. Daher sind in der Tat die luziferischen Wesenheiten überall am Werke, wo unser Inneres, das eigentlich aus Liebe gewoben ist, irgendwie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|194}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
in Zusammenhang tritt mit dem Lichte, wo es in, irgendeiner Form vorhanden ist; und Licht tritt uns ja in allem materiellen Dasein entgegen. Kommen wir nur irgendwie mit dem Licht in Zusammenhang, so treten die luziferischen Wesenheiten auf, und es verwebt sich das Luziferische in die Liebe. Dadurch ist der Mensch im Laufe der Verkörperungen überhaupt erst in das luziferische Element hineingekommen: Luzifer hat sich verwoben mit dem Elemente der Liebe. So daß in dasjenige, was aus Liebe gewoben ist, sich hineinpreßt das Element des Luzifer, das uns allein dasjenige bringen kann, was die Liebe nicht nur eine restlose Hingabe sein läßt, sondern was die Liebe durchsetzt mit Weisheit, so daß sie eine aus einem Innersten mit Weisheit durch- setzte Liebe ist. Denn sonst, ohne diese Weisheit, wäre die Liebe eine selbstverständliche Kraft, für die der Mensch nicht verantwortlich sein könnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So aber wird die Liebe zur eigentlichen Ich-Kraft, in die hineinverwoben wird das luziferische Element, das sonst nur draußen im Materiellen war. Dadurch wird es erst möglich, daß unser Inneres, dem im Erdendasein das Merkmal der Liebe in allem Umfange zukommen müßte, durchsetzt wird von all dem andern, was wir als ein Wirken des Luzifer bezeichnen können und was von dieser Seite her zu einer Durchdringung des äußeren Materiellen führt, so daß Liebe nicht nur von dem durchwoben wird, was vom Licht gewoben ist, sondern daß solche Liebe entsteht, die von Luzifer durchzogen ist. Indem der Mensch das luziferische Element aufnimmt, durchwebt er das materielle Dasein in seiner eigenen Leiblichkeit mit einem solchen Seelischen, das zwar aus Liebe gewoben ist, wo aber hineinverwoben ist das luziferische Element. Die mit dem luziferischen Element durchsetzte Liebe, die sich in das Materielle hineinimprägniert, das ist die von innen heraus wirkende Krankheitsursache. Und in Anknüpfung an alles, was wir früher angeführt haben als eine notwendige Folge der aus dem luziferischen Element herrührenden Erkrankung, dürfen wir jetzt sagen: Was wir als eine solche Folge im Schmerz zu sehen haben - wir haben ja gesehen, wie der Schmerz eine Folge des luziferischen Elementes ist -, das zeigt uns die Wirkung der karmischen Gesetzmäßigkeit in der Weise, daß die Wirkung einer Tat oder einer Versuchung, die von Luzifer her- &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|195}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
rührt, sich karmisch dergestalt aus lebt, daß im Schmerz sich kundgibt, was zur Überwindung der betreffenden Wirkung führen soll.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie ist es nun aber damit, ob wir in einem solchen Falle helfen dürfen? Dürfen wir hier helfen? Dürfen wir alles, was sich aus dem luziferischen Element hineingedrängt hat mit seinen ganzen Folgen in den Schmerz, in irgendeiner Weise beseitigen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der Antwort auf die Frage nach dem Wesen des Seelischen ergibt sich uns als Notwendigkeit, daß wir das nur tun dürfen, wenn wir für einen Menschen, der das luziferische Element als Krankheitsursache in sich hat, das Mittel finden, um das Luziferische in der entsprechenden Weise zu vertreiben. Was ist das für ein Mittel allein, was stärker wirken muß, damit das luziferische Element in der richtigen Weise entfernt wird? Was ist verunreinigt durch das luziferische Element unserer Erde? - Die Liebe! Daher können wir nur durch Zuführung von Liebe wirkliche Hilfeleistung haben, damit das karmische Element sich in der entsprechend richtigen Weise abspielt. So haben wir letzten Endes bei allem, was in dieser Richtung zu Krankheitsursachen wird, in dem Element der Liebe, das beeinträchtigt worden ist im Seelischen durch den luziferischen Einfluß, etwas zu sehen, dem wir etwas zuführen müssen. Wir müssen Liebe einflößen, damit das, was als Liebestat einfließt, eine Hilfe sein kann. Diesen Charakter zugeführter Liebe haben alle diejenigen Heilungstaten, die sich mehr oder weniger auf das stützen, was man psychische Heilungsprozesse nennen kann. In irgendeiner Form hängt das, was bei psychischen Heilungsprozessen angewendet wird, zusammen mit der Zuführung von Liebe. Liebe ist es, was wir als Balsam dem andern Menschen einflößen. Auf Liebe muß es zuletzt zurückgeführt werden können. Und das kann es auch. Auf Liebe kann es zurückgeführt werden, wenn wir einfache psychische Faktoren in Bewegung setzen, wenn wir einen andern veranlassen, vielleicht auch nur sein herabgedrücktes Gemüt in Ordnung zu bringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das muß alles seinen Impuls in der Liebe haben, von einfachen Heilprozessen ausgehend bis zu dem, was heute oft in laienhafter Weise mit dem Namen «Magnetisieren» benannt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was wird dabei in Wirklichkeit von dem Heiler demjenigen mit- geteilt, der geheilt werden soll? Es ist - wenn wir mit einem Ausdruck &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|196}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der Physik sprechen wollen - ein «Austausch von Spannungen». Was in dem Heiler lebt, namentlich gewisse Prozesse im Ätherleibe&amp;gt; das wird dadurch, daß es in ein gewisses Verhältnis tritt zu dem, der geheilt wer&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
den soll, in eine Art Polarität gebracht zu dem zu Heilenden. Polarität wird hervorgerufen gerade so, wie Sie sonst in einem abstrakteren Sinne Polarität hervorrufen, wenn Sie die eine Art von Elektrizität, die positive, hervorrufen und die entsprechend andere, die negative, in einer gewissen Weise erscheint. Es werden Polaritäten hervorgerufen. Und das ist im eminentesten Sinne als eine Opfertat aufzufassen. Man ruft in sich selber in der Tat einen Prozeß hervor, der nicht nur dazu bestimmt ist, in uns selber eine Bedeutung zu haben - sonst ruft man nur einen Prozeß hervor; in diesem Fall soll aber der Prozeß dazu bestimmt sein, in dem andern eine Polarität zu dem ersten Prozesse hervorzurufen. Und diese Poiarität, die natürlich davon abhängt, daß der Heiler und der zu Heilende in irgendeinem Sinne in Zusammenhang gebracht werden, diesen andern Prozeß in dem andern hervorzurufen, ist im eminentesten Sinne die Hinopferung einer Kraft, die nichts anderes ist als umgewandelte Liebeskraft, Liebestat in irgendeiner Form. Das ist das eigentlich Wirkende bei solchen psychischen Heilungen: die in irgendeine Form umgewandelte Liebeskraft. Und wir müssen uns daher klar sein, daß ohne die zugrunde liegende Liebeskraft die Sache immer etwas haben wird, was nicht zu dem richtigen Ziele führen kann. Aber Liebesprozesse brauchen ja nicht immer nur so zu verlaufen, daß sich der Mensch dessen im gewöhnlichen Tagesbewußtsein vollständig bewußt ist; sie verlaufen auch in den unterbewußten Schichten. Sogar in dem, was als Technik der Heilprozesse angesehen werden kann, selbst in der Art, wie man zum Beispiel die Handstriche macht, wie sie technisch in ein System gebracht werden, auch da liegt schon darinnen, daß sie ein Abbild sind einer Opfertat. Also selbst da, wo wir nicht unmittelbar in einem Heilprozesse den Zusammenhang erblicken, wo wir nicht sehen, was getan wird, liegt doch vor eine Liebestat, wenn sie auch ganz und gar in Technik umgewandelt ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So sehen wir, daß wir deshalb, weil das Seelische im Grundwesen Liebe ist, mit psychischen Heilfaktoren eingreifen können, die scheinbar sehr nach der Peripherie des menschlichen Wesens liegende Prozesse &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|197}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sein können, und daß durch solche Heilfaktoren das, was im Grund- wesen Liebe ist, sich bereichert mit dem, was es braucht als Liebe. Da sehen wir die Hilfe von der einen Seite, die Hilfe, die wir leisten dürfen,weil wir dem Menschen Beistand gewähren müssen, damit er, nachdem er in die Fangarme Luzifers gekommen ist, sich auch wieder aus ihnen befreien kann. Weil das Grundwesen des Seelischen Liebe ist, dürfen wir sehr wohl das Karma in seiner Richtung beeinflussen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun - nach der andern Seite - fragen wir, was ist geworden aus dem aus Licht gewobenen Materiellen, wo das Seelische darinnensteckt? Was ist geschehen mit dem aus Licht gewobenen Materiellen des Menschen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen wir die Körperlichkeit eines Menschen, den äußeren Menschen in seiner materiellen Leiblichkeit.Würde nicht aus dem Seelischen heraus durch den karmischen Prozeß in das Materielle eingeprägt sein eine solche Liebessubstanz, die von Luzifer oder Ahriman durchsetzt wäre, würde nur eine reine Liebessubstanz ein fließen, dann würden wir diese Liebessubstanz nicht als verunreinigend, als verschlechternd empfinden können für die aus Licht gewobene Materie. Würde bloß Liebe einfließen in die Materie, so würde sie so ein fließen in die menschliche Leiblichkeit, daß diese nicht verschlechtert werden könnte; nur weil Liebe ein fließen kann, welche luziferische oder ahrimanische Kräfte aufgenommen hat, kann die aus Licht gewobene Materie schlechter werden, als sie ursprünglich sein sollte. Also kann es nur herrühren von den während der aufeinanderfolgenden Inkarnationen in die Menschen eingeflossenen luziferischen oder ahrimanischen Schädigungen, daß wir in der menschlichen Organisation etwas vor uns haben, was nicht so ist, wie es sein sollte. Wäre es so, wie es sein sollte, so würde es die gesunde Menschenmaterie darstellen; aber da es die Wirkungen Ahrimans und Luzifers in sich aufgenommen hat, kann es krankes Leibliches sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie können wir nun von außen herausbringen die entsprechenden Einflüsse, die von innen durch ein nicht richtiges Seelisches, durch eine nicht richtige Liebessubstanz eingeflossen sind? Was geschieht denn mit dem Leiblichen dadurch, daß etwas Unrichtiges einfließt? Für die Geisteswissenschaft geschieht dadurch etwas, was aus gewobenem Lichte in irgendeiner Weise sein Gegenteil macht. Licht hat sein Gegenteil in einer irgendwie gearteten Finsternis. Alles, was sich real - so sonderbar &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|198}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
es auch klingt - als die Verunreinigung dessen darstellt, das aus Licht gewoben ist, ist eine aus ahrimanischem oder luziferischem Einfluß hineingewobene Finsternis oder Dunkelheit. So sehen wir im menschlichen Materiellen hineingewobene Finsternis. Aber diese Finsternis wurde erst dadurch hineinverwoben, daß diese menschliche LeiblichkeitTräger wurde von dem, was sich als «Ich» durch die Inkarnationen hindurchlebt. Das war früher nicht darinnen. Nur ein menschliches Leibliches kann gerade spezifisch diese Verschlechterungen haben. Die waren früher nicht in dem, was das Licht gewoben hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun nimmt der Mensch heute die Grundlage zum Materiellen aus dem, was er im Verlaufe der Entwickelung nach und nach aus sich herausgesetzt hat. Das ist das Tierreich, das pflanzliche und das mineralische Reich. Diese enthalten auch die verschiedenen Materien, das heißt für das Erdendasein aus Licht Gewobenes. Aber in all diesen Materien ist noch nicht das da rinnen, was im Verlaufe des menschlichen Karma hat vom Inneren des Menschen hineinkommen können in das menschliche materielle Dasein. Wir haben also in den drei Reichen um uns herum etwas, auf das der Mensch durch seinen luziferischen oder ahrimanischen Einfluß von sich aus, insofern er von seiner Liebessubstanz aus wirkt, niemals hat verunreinigend wirken können. Da drinnen ist nichts von ihm, so daß in seiner Reinheit hat ausgebreitet werden können dasjenige, was in bezug auf seine Reinheit beim Menschen- verunreinigt ist. Wenn wir zum Beispiel draußen eine mineralische Materie haben, ein Salz oder etwas anderes, so ist das eine Materie, die der Mensch auch in sich trägt oder tragen kann; bei ihm ist sie aber durchwoben von dem, was wir die von Ahriman oder Luzifer verunreinigte Liebessubstanz nennen können. Draußen aber ist sie rein. So unterscheidet sich jede Substanz draußen von dem, was der Mensch als Substanz in sich trägt. Draußen ist es immer anders, als es im Menschen ist, weil es bei ihm durchwoben ist vom ahrimanischen und luziferischen Einfluß. Das ist der Grund, warum für alles, was der Mensch mehr oder weniger an seiner äußeren Substantialität verderben kann, draußen etwas zu finden sein muß, was das Entsprechende im reinen Zustande darstellt, ohne daß die menschliche Schädigung darinnen ist. Was draußen existiert in der Welt ohne Schädigung, das ist das äußere Heil- &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|199}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
mittel für das entsprechend Geschädigte. Führen Sie das der menschlichen Wesenheit zu in richtiger Weise, dann haben Sie das Spezifikum für die entsprechende Schädigung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da haben Sie ganz objektiv dasjenige, was Sie dem menschlichen Leib als Heilmittel zuführen. Da haben Sie charakterisiert die Schädigung als spezifizierte Dunkelheit, dasjenige, was noch nicht dunkel ist, als das außen gewobene reine Licht - und Sie sehen, warum Sie die im Menschen befindliche Dunkelheit, die dunkle Materie, aufheben können, wenn Sie ihm reine, aus Licht gewobene Materie beibringen können. So haben wir in der reinen, aus Licht gewobenen Materie ein spezifisches Heilmittel gegen die Schädigung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es handelt sich nun darum - und oft wurde darauf aufmerksam gemacht, daß es ein Irrtum ist, dem gerade die Theosophie nicht verfallen darf-,daß es eine Engherzigkeit wäre, wenn man leugnen wollte, daß es eigentlich doch in solchen Fällen etwas gibt, was man bei dieser oder jener Schädigung als ein auf dieses oder jenes Organ wirksames spezifisches Heilmittel verabreichen kann. Es wurde freilich oft gesagt, daß der Organismus die Kräfte habe, sich zu helfen; aber wenn auch das richtig ist, was dieWiener Schule der nihilistischenTherapie geltend gemacht hat: durch die Aufrufung der Gegenkräfte den Heilprozeß einzuleiten -, so können wir dennoch durch spezifische Mittel dem Heilprozeß entgegenkommen. Hier sehen wir einen Parallelismus herrschen, den man aus der Geisteswissenschaft heraus schildern kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus dem, was ich geschildert habe zum Beispiel über Diphtherie, können Sie entnehmen, daß es sich dabei um etwas handelt, was ganz besonders in der karmischen Ursache den astralischen Leib getroffen hat. Nun finden wir etwas, was diesem astralischen Leib am nächsten verwandt ist, in der Umgebung des Menschen, in dem Tierreich. Daher werden Sie bei denjenigen Krankheitsformen, die dem astralischen Leib eminent nahe stehen, immer finden, daß die Heilwissenschaft unbewußt, aus einem dunklen Triebe heraus, nach Mitteln sucht, die aus dem Tierreich hergenommen sind. Bei solchen Krankheiten, deren Ursache im Ätherleib liegt, greift die Heilwissenschaft nach Mitteln aus dem Pflanzenreich. Und es könnte jetzt ein interessanter Vortrag gehalten werden zum Beispiel über die Beziehung der Digitalis purpurea &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|200}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
zu gewissen Herzkrankheiten. Das sind Dinge, die, insofern sie auf Wirklichkeit beruhen, nicht bloß fünf Jahre richtig sind und dann anfangen falsch zu werden, wie ein Mediziner sagte und wie es tatsächlich der Fall ist, wann nur aus äußeren Symptomen geschlossen wird. Aber es gibt einen gewissen Schatz von Heilmitteln, der immer auf irgendeinen Zusammenhang mit der Geisteswissensc1iaft zurück- geht, der sich vererbt hat, ohne daß die Leute wissen, woher er gekommen ist. Ebenso wie es heute die Astronomen nicht wissen, daß die Kant-Laplacesche Theorie aus den Geheimschulen des Mittelalters gekommen ist, so wissen es die Leute nicht, woher die eigentlichen Heilschätze oft stammen. - Und Krankheitsursachen, die mit der Wesenheit des physischen Leibes zusammenhängen, führen dann zur Anwendung von Heilmitteln aus dem Mineralreich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Selbst durch diese analogen Anschauungen kann also ein Fingerzeig auf die Sache gegeben werden. Daher ist für den Menschen durch den Zusammenhang mit der uns umgebenden Welt die Möglichkeit vor- handen, daß ihm von zwei Seiten her geholfen wird: indem man ihm auf der einen Seite modifizierte Liebe beibringt in den psychischen Heilprozessen, oder anderseits in der verschiedensten Weise modifiziertes Licht bei jenen Prozessen, die irgendwie mit äußeren Heilprozessen zusammenhängen. Alles, was getan werden kann, wird entweder mit inneren psychischen Mitteln, mit Liebe, oder mit äußeren Mitteln, mit irgendwie verdichtetem Licht, geleistet. Und wenn einmal die Wissenschaft so weit sein wird, daß sie lernen wird, an das Übersinnliche zu glauben und an den Satz: Materie ist irgendwie kondensiertes Licht -, dann wird von diesem Grundsatz aus ein geistiges Licht geworfen werden auf das systematische Suchen nach der Art, wonach mit äußeren&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mitteln dem Menschen geholfen werden kann. Daraus sehen wir, wie in dem, was während langer Zeiträume aus den Geheimschulen des alten Ägypten und des alten Griechenland heraus nach und nach dem Heilschatze zugefügt worden ist, nicht nur ein bloßer Unsinn steckt, sondern daß in den Sachen überall ein gesunder Kern vorhanden ist. Theosophie ist nicht dazu da, um eine gewisse Partei zu ergreifen, um etwa zu sagen: Das ist eine Richtung, die bringt dem Menschen Gift bei! - Das Wort Gift wirkt ja heute geradezu suggestiv, und die Leute &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|201}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
denken nicht daran, wie relativ dieses Wort ist. Was ist denn eigentlich ein Gift? Jeder Stoff kann ein Gift sein. Es kommt nur auf die Heilweise an und auf die Menge, die auf einmal genossen wird. Wasser ist ein starkes Gift, wenn man zehn Liter auf einmal genießt. Diese Wirkung, innerlich chemisch erfaßt, unterscheidet sich gar nicht besonders davon, daß man dem Menschen irgendeinen an,dern Stoff zu führt. Es kommt immer auf die Menge an, denn alle diese Begriffe sind relativ.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus dem, was wir heute durchschaut haben, können wir sagen: Wir können froh sein, daß selbst für das, was sich der Mensch an Schädigung einverleiben kann, in alledem, was uns als Natur umgibt - wie wir jetzt den Weltprozeß ansehen -, das Gesundende sich irgendwie finden muß, so daß der Mensch die Schädigung wieder überwinden kann. Und das ist auch ein schönes Gefühl, das wir gegenüber der Außenwelt haben können: Wir können uns nicht nur über die Außenwelt freuen, weil sie uns sprießende Blumen schenkt oder uns im Lichtglanz die Berge erstrahlen läßt, sondern wir können uns auch deshalb über sie freuen, weil alles um uns herum in einer so innigen Beziehung steht zu dem, was im Menschen selbst als gut oder böse bezeichnet werden kann. Wir können uns in der Natur nicht nur über das freuen, was uns zunächst anspricht; sondern je tiefer wir eindringen in das, was sich bis zum äußeren materiellen Dasein verdichtet hat, desto mehr werden wir finden: Diese uns erfreuende Natur hat in sich zugleich den mächtigen Heiler für alles&amp;gt; was sich der Mensch als Schädigung zuführen kann, irgendwie ist der Hei 1er in der Natur verborgen. Es handelt sich nur darum, die Sprache des Heilers nicht bloß zu verstehen, sondern ihr auch zu gehorchen und sie wirklich auszuführen. Und heute haben wir in den meisten Fällen aus dem Grunde nicht die Möglichkeit, der Sprache der heilenden Natur zu gehorchen, weil die Verkennung des Lichtes, weil die Finsternis, die sich auch in die Erkenntnis hineingemischt hat, in vieler Beziehung Zustände herbeigeführt hat, welche es nicht gestatten, der reineR Sprache der Natur zu folgen. Und so müssen wir uns darüber klar sein: Wo in einem Falle keine Hilfe geleistet, wo ein Leiden wegen karmischer Zusammenhänge nicht gemildert werden kann, würde das nicht bedeuten, daß es absolut nicht gemildert werden könnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
So sehen wir auch hier wieder einen merkwürdigen Zusammenhang, der uns doch wieder die ganze große Welt einschließlich des Menschen ais ein Wesen erscheinen läßt. In dem Satze: Materie ist gewobenes Licht, Seelisches ist in irgendeiner Weise verdünnte Liebe -, liegen die Schlüssel für unzählige Geheimnisse des Erdendaseins. Die gelten aber nur für das Erdendasein und für kein anderes Gebiet desWeltendaseins. Damit haben wir ja nichts Geringeres gezeigt, als daß wir, wenn wir dem Karma irgendeine Richtungsänderung geben, uns in dem einen oder andern Falle mit dem verbinden, was gerade die zusammensetzen- den Elemente unseres Erdendaseins sind: auf der einen Seite mit dem zur Materie gewordenen Licht, auf der andern Seite mit der zum Seelischen gewordenen Liebe. Wir entnehmen das Heilmittel entweder aus der Umgebung, aus dem dichtgewordenen Licht oder aus unserer ei- genen Seele, aus der heilenden Liebestat, Opfertat, und heilen dann mit der au der Liebe gewonnenen seelischen Kraft. Wir verbinden uns mit dem, was auf der Erde im tiefsten Inneren berechtigt ist, wenn wir uns auf der einen Seite verbinden mit dem Licht, auf der andern Seite mit der Liebe. Alle Erdenzustände sind irgendwie Gleichgewichtszustände zwischen Licht und Liebe. Und ungesund ist eine Störung in dem Gleichgewicht zwischen Licht und Liebe. Ist irgendwo die Störung in der Liebe, so können wir helfen, indem wir die Kraft der Liebe selbst entfalten; und ist die Störung im Lichte, so können wir helfen, indem wir uns im Weltall irgendwie dasjenige Licht verschaffen, welches die Finsternis in uns aufheben kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da haben Sie die Grundelemente des menschlichen Helfens. Sie zeigen, wie alles im Erdendasein auf Gleichgewichtslagen beruht von einander entgegengesetzten oder einander gegenüberstehenden Elementen. Licht und Liebe sind eigentlich sich gegenüberstehende Elemente. Aber auf ihrem Ineinanderverwobensein beruht zuletzt alles, was in unserem Erden leben an Seelischem und an Materiellem vor sich geht. Daher dürfen wir uns nicht wundern, wenn auf allen Gebieten des Menschenlebens von Epoche zu Epoche die Fortentwickelung so geschieht, daß gleichsam die Gleichgewichtslage nach der einen Seite besonders ausschlägt und dann nach der andern Seite wieder versucht wird, sie einzurenken, wenn also unsere Entwickelung so verläuft, daß &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|203}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sie einem Wellenschlage gleicht. In der Tat gleicht unsere Entwickelung einer Art Wellenschlag: sie geht herunter und sie geht hinauf, und es wird immer der gestörte Gleichgewichtszustand ausgeglichen durch das, was nach der andern Seite wieder den entsprechend andern, über die Gleichgewichtslage hinausgehenden Pendelschlag bedeutet. Wenn Sie darauf eingehen, daß es sich im Menschenleben überall handelt um eine Störung des Gleichgewichtes nach der einen oder andern Richtung, dann werden Sie finden, wie Sie dadurch selbst die intimsten Kulturprozesse in irgendeiner Weise beleuchten können. Wenn Sie eine Zeitepoche betrachten, wo in der menschlichen Entwickelung gewisse Schädigungen dadurch eingetreten sind, daß die Menschen nur auf das Innere gesehen haben und nicht auch auf das Äußere, wie zum Beispiel im Mittelalter, wo bei der starken Blüte der Mystik das Äußere unberücksichtigt geblieben ist und auch zu Mißverständnissen nicht nur im Erkennen, sondern auch im Handeln geführt hat, so sehen Sie dann auf der andern Seite jene Zeit folgen, in welcher man die Mystik absolut nicht ertragen kann, dafür aber den Blick in die Außenwelt richtet, um alles zu tun, was das Pendel wieder nach der andern Seite ausschlagen läßt. Da haben Sie Übergänge zwischen Mittelalter und neuerer Zeit. Und Sie werden in der mannigfaltigsten Art solche Störungen der Gleichgewichtslage finden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dabei möchte ich anführen, daß in der Tat in solchen Zeiten wie den unsrigen eine charakteristische Eigenschaft vieler Menschen sich darin zeigt, daß sie völlig vergessen und ganz aus der Aufmerksamkeit verlieren, was man nennen könnte ein Bewußtsein von einer übersinniichen Welt. Das heißt, es gibt in unserer Zeit zahlreiche Menschen, die völlig außer acht lassen, daß es eine geistige Welt gibt, und die also die Gedanken an die geistige Welt ablehnen. In einer solchen Zeit - und überhaupt in solchen Zeiten - ist immer auch in einer gewissen Beziehung das Gegenbild davon vorhanden. Ich möchte das in einer ganz einfachen Weise charakterisieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn es Menschen auf dem physischen Plane gibt, die sich so sehr in das Physische verstricken, daß sie das Geistige ganz und gar vergessen, dann haben jene Menschen, die zwischen Tod und neuer Geburt in der geistigen Welt leben, auf der andern Seite dafür den entgegengesetzten &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|204}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Drang, der hervorgerufen ist wie durch ein Karma, das vom physischen Plan hinüberwirkt auf den geistigen Plan: den Drang nämlich, in irgendeiner Weise sich mit Dingen zu beschäftigen, die aus der geistigen Welt in die physische hinein spielen. Das liegt in der Tat zugrunde man- cherlei Hereinwirkungen in die physische Welt von seiten von Menschen, die in der Zeit vor einer neuen Geburt stehen. In die physische Welt wirken dann diese Menschen so hinein, wie sich eben gerade die Mittel ergeben, auf dem Umwege über solche Menschen, die im höheren Maße diesen Einflüssen aus der geistigen Welt zugänglich sind. - Hat man auf diesen Gebieten Klarheit zu bringen, so wird man ja vieles ablehnen müssen, was von dieser oder jener Seite her erzählt wird als Offenbarungen der geistigen Welt von Menschen, die zwischen Tod und neuer Geburt stehen. Und man wird die charakteristischen Fälle gut heraussondern können, wo die Toten - um das Pendel nach der andern Seite ausschlagen zu machen - sehr stark darauf verfallen, irgendwie den Menschen handgreiflich zu zeigen: Es gibt doch eine geistige Welt! Dafür, daß es in unserer Zeit Menschen gibt, die völlig umnachtet sind, die so viel Finsternis in ihr Geistiges hineinverwoben haben, daß sie gar nichts wissen wollen von der geistigen Welt, dafür gibt es Tote, welche aus diesem Mangel heraus den Drang haben, hineinzuwirken in die physische Welt. Am meisten geschehen solche Dinge, wenn von den Menschen auf dem physischen Plan gar nichts dazu getan wird. Und am charakteristischsten sind die Dinge, die sich ohne künstliche Versuche anbieten, die sozusagen auftreten als Kundgebungen aus der geistigen Welt. Daher der Zusammenhang von Menschen auf dem materialistischen Felde auf der einen Seite, und der Drang, der besteht, von der geistigen Welt aus belehrend hereinzuwirken auf der andern Seite.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie werden vieles, was dafür Beleg sein kann, finden in dem Buche unseres Freundes Ludwig Deinhard «Das Mysterium des Menschen». Da ist vieles zusammengestellt und systematisiert von dem, was Sie gerade brauchen und was heute in der Literatur, wo sie wissenschaftlich ist, so zerstreut ist, daß nicht für jeden möglich ist, es sich zusammenzuholen. Daher ist es sehr schön, daß Sie in diesem Buche eine Zusammenstellung haben gerade dieser Seite der geisteswissenschaftlichen Tatsachen, die, wie Sie jetzt sehen, im eminenten Sinne sogar &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|205}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
charakteristisch sind für unsere Zeit. Insbesondere finden Sie darin mit großem Glück verzeichnet eine charakteristische Tatsache von einem Forscher, welcher in seinem hiesigen Erdenleben alles mögliche versuchte, um auf dem Wege der materialistischen Methode zum Beweise von der geistigen Welt zu kommen - der verstorbene Frederick Myers - und der dann nach seinem Tode den starken Drang fühlte, dasjenige, was er hier angestrebt hat, durch Hereinstrahlungen aus der geisötigen Welt, mit Hilfen aus der geistigen Welt, hier den Menschen zu zeigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das sollte eine Illustration sein zu dem Satze, daß wir in der Welt und dem Weltendasein zu sehen haben fortwährende Störungen von Gleichgewichten und wiederum das Suchen von Gleichgewichten. Im Erdendasein haben wir als tiefste Elemente dieses sich immerfort störenden und wiederherstellenden Gleichgewichtes die beiden Elemente Licht und Liebe. Und im menschlichen Karma wirken nun von Inkarnation zu Inkarnation die beiden Elemente Licht und Liebe ausgleichend auf die gestörten Gleichgewichtslagen. Denn im Grunde genommen haben` wir in dem durch alle Inkarnationen sich durchschlängelnden Karma gestörte Gleichgewichtslagen, und in Licht und Liebe haben wir den fortwährenden Versuch, das Gleichgewicht wiederherzustellen. Bis einst in ferner Zukunft der Mensch in dem Durchgehen durch seine Inkarnationen endlich dahin gekommen sein wird, einen letzten, durch die Erde erreichbaren Gleichgewichtszustand auszubilden, der dahin führen wird, daß die Menschheit die Erdenmission erfüllt haben wird und das Erdendasein sich in eine neue planetarische Form hinüber- entwickeln wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So habe ich versucht, etwas auseinanderzusetzen, ohne das eine tiefere Begründung der karmischen Zusammenhänge und Gesetze nicht möglich ist. Ich habe mich darum auch nicht gescheut, die geheöimnisvollen Grundlagen, für die unsere heutigeWissenschaft noch lange nicht reif sein wird, einmal heute abzuhandeln: daß Materie in Wahrheit verwobenes Licht ist und daß Seelisches in irgendeiner Beziehung verdünnte Liebe ist. Das sind alte okkulte Sätze, aber Sätze, die für alle folgenden Zeiten wahr bleiben werden und die sich fruchtbar erweisen werden in der Menschheitsentwickelung nicht nur für die Erkenntnis, sondern auch für das menschliche Wirken und Handeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|205}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= ELFTER VORTRAG Hamburg, 28. Mai 1910 =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vieles wäre noch zu sagen über die verschiedenen Offenbarungen des Karma. Aber da wir heute die letzte unserer Betrachtungen haben und die Zeit überhaupt für ein so reiches Thema notwendigerweise kurz sein mußte, so werden Sie es begreiflich finden, daß mancherlei von dem zu Besprechenden, mancherlei vielleicht auch von dem, was Ihnen als Fragen auf der Seele liegt, diesmal nicht seine Erledigung finden kann. Aber unsere Bewegung wird ja weitergehen, und wir werden das, was bei einem Kursus notwendigerweise unerledigt bleiben muß, bei einem andern weiter ausführen und erledigen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was Ihnen wiederholt vor die Seele getreten sein wird, das ist, daß der Mensch die karmische Gesetzmäßigkeit als etwas erlebt, was sozusagen in jedem Augenblick, in dem er lebt, etwas vollkommen Bestimmtes ist, so daß wir in jedem Augenblick unseres Lebens zurückblicken können auf das, was wir durchgemacht haben, was wir getan&amp;gt; gedacht, gefühlt haben in den Inkarnationen, die der betreffenden vorangegangen sind, in welcher wir unsere Betrachtungen anstellen. Und immer werden wir finden, daß unser augenblickliches menschliches inneres und äußeres Schicksal dadurch gefaßt werden kann, daß wir sozusagen eine Art «Lebenskonto» haben, wo wir alle klugen, verständigen, weisen Erlebnisse auf die eine Seite schreiben, und alles Unverständige, alles Böse und Häßliche auf die andere Seite. Auf irgendeiner Seite wird sich dabei ein Überschuß ergeben, und der bedeutet in einem Augenblicke des Lebens auch das Schicksal dieses Augenblickes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun können verschiedene Fragen dabei auftauchen, und die nächste muß die sein: Wie verhält sich das, was die Menschen in ihrem Zusammenleben tun, was sie vollbringen als menschliche Gemeinschaft, zu demjenigen, was wir das individuelle Karma des einzelnen Menschen nennen? Wir haben diese Fragen von andern Seiten her schon berührt. Wenn wir auf irgendein Ereignis der Geschichte zurückblicken, zum Beispiel auf die Perserkriege, so können Sie unmöglich glauben, daß dieses Ereignis, zunächst von griechischer Seite aus ancharakteristisch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|206}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sind für unsere Zeit. Insbesondere finden Sie darin mit großem Glück verzeichnet eine charakteristische Tatsache von einem Forscher, welcher in seinem hiesigen Erdenleben alles mögliche versuchte, um auf dem Wege der materialistischen Methode zum Beweise von der geistigen Welt zu kommen - der verstorbene Frederick Myers - und der dann nach seinem Tode den starken Drang fühlte, dasjenige, was er hier angestrebt hat, durch Hereinstrahlungen aus der geis`tigen Welt, mit Hilfen aus der geistigen Welt, hier den Menschen zu zeigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das sollte eine Illustration sein zu dem Satze, daß wir in der Welt und dem Weltendasein zu sehen haben fortwährende Störungen von Gleichgewichten und wiederum das Suchen von Gleichgewichten. Im Erdendasein haben wir als tiefste Elemente dieses sich immerfort störenden und wiederherstellenden Gleichgewichtes die beiden Elemente Licht und Liebe. Und im menschlichen Karma wirken nun von Inkarnation zu Inkarnation die beiden Elemente Licht und Liebe ausgleichend auf die gestörten Gleichgewichtslagen. Denn im Grunde genommen haben` wir in dem durch alle Inkarnationen sich durchschlängelnden Karma gestörte Gleichgewichtslagen, und in Licht und Liebe haben wir den fortwährenden Versuch, das Gleichgewicht wiederherzustellen. Bis einst in ferner Zukunft der Mensch in dem Durchgehen durch seine Inkarnationen endlich dahin gekommen sein wird, einen letzten, durch die Erde erreichbaren Gleichgewichtszustand auszubilden, der dahin führen wird, daß die Menschheit die Erdenmission erfüllt haben wird und das Erdendasein sich in eine neue planetarische Form hinüber- entwickeln wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So habe ich versucht, etwas auseinanderzusetzen, ohne das eine tiefere Begründung der karmischen Zusammenhänge und Gesetze nicht möglich ist. Ich habe mich darum auch nicht gescheut, die geheöimnisvollen Grundlagen, für die unsere heutigeWissenschaft noch lange nicht reif sein wird, einmal heute abzuhandeln: daß Materie in Wahrheit verwobenes Licht ist und daß Seelisches in irgendeiner Beziehung verdünnte Liebe ist. Das sind alte okkuite Sätze, aber Sätze, die für alle folgenden Zeiten wahr bleiben werden und die sich fruchtbar erweisen werden in der Menschheitsentwickelung nicht nur für die Erkenntnis, sondern auch für das menschliche Wirken und Handeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|207}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gesehen, etwas darstellt, was nur in das Schicksalsbuch der einzelnen Menschen zu schreiben wäre, die auf dem äußeren physischen Plan als zunächst daran beteiligt zu gelten haben. Denken Sie an alle die Führer der Perserkriege, an alle die Menschen, welche sich damals aufgeopfert haben, denken Sie an alles, was von den Führern bis zu dem einzelnen damals im griechischen Heere getan worden ist: Werden Sie jemals, wenn Sie nur einigermaßen vernunftgemäß ein solches Ereignis auf sich wirken lassen, das, was die einzelnen Menschen damals getan haben, bei jedem einzelnen Menschen nur auf das karmische Konto dieser einzelnen Persönlichkeiten schreiben können? Unmöglich werden Sie das können. Denn Sie werden unmöglich sich vorstellen können, daß bei den Ereignissen, die ein ganzes Volk oder einen großen Teil der zivilisierten Menschheit angehen, nichts anderes geschieht, als daß jede einzelne menschliche Individualität nur ihr Karma auslebt. Und so müssen Sie im Verlauf der geschichtlichen Entwickelung immer wieder von Ereignis zu Ereignis gehen, und Sie werden sehen, daß innerhalb der Menschheitsentwickelung selber Sinn und Bedeutung zu finden sind, daß aber solche Ereignisse nicht eines sein können mit dem individuellen Karma des einzelnen Menschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir können eine Angelegenheit wie die Perserkriege auf unsere Seele wirken lassen und uns dann fragen: Was haben sie im Entwickelungsgang der Menschheit für eine Bedeutung? Im Orient hatte sich eine gewisse Kultur entwickelt, die große, gewaltige Lichtseiten hatte. Aber wie jedes Licht seine Schatten mit sich bringt, so müssen wir uns auch klar sein, daß die ganze Kultur des Orients nur dadurch für die Menschheit zu erreichen war, daß auch mancherlei Schattenseiten, die nicht in der menschlichen Entwickelung hätten weitergeführt werden dürfen, sich in jene Kultur hineingedrängt haben. Vor allem war eine solche Schattenseite die, daß der Orient den Drang hatte, durch äußere, rein auf dem physischen Plan liegende Machtmittel sich immer mehr zu vergrößern. Wäre dieser Vergrößerungstrieb nicht erstanden, so wäre natürlich die ganze orientalische Kultur nicht zustande gekommen. Eines ist nicht ohne das andere zu denken. Aber damit die Menschheit sich weiterentwickeln konnte, mußte aus ganz andern Voraussetzungen heraus sich zum Beispiel die griechische Kultur entwickeln. Die griechische&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|208}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kultur hätte aber nicht einen unmittelbaren Anfang nehmen können, sie mußte gewisse Voraussetzungen a,nderswoher bekommen. Und sie hat in der Tat wichtige Voraussetzungen aus der orientalischen Kultur entlehnt. Verschiedene Sagen von Heroen, die von Griechenland hinüberzogen nach dem Orient, stellen nichts weiter dar, als daß Schüler gewisser griechischer Schulen hinübergezogen waren nach dem Orient und den Griechen jene Güter gebracht haben, die nur innerhalb der orientalischen Kultur gewonnen werden konnten, die dann aber weitergepflegt und umgewandelt werden konnten durch das, was aus dem griechischen Volkscharakter, durch das griechische Volkstalent sich herangebildet hatte. Aber dazu mußte aus diesen herübergebrachten Gütern ausgemerzt werden, was ihre Schattenseite war: der Drang, durch rein äußere Machtmittel sich so nach dem Westen hinüber auszudehnen, wie sie waren. Das Römertum, das später entstand als das Griechentum, und alles, was die weiteren Voraussetzungen waren für die Weiterentwickelung der europäischen Menschheit, das hätte sich nicht herausbilden können, wenn nicht die Griechen sich den freien Boden geschaffen hätten für die Fortentwickelung der orientalischen Kultur, wenn sie nicht die Perser und das, was dazugehört, zurück- geschlagen hätten. So konnte filtriert werden, was in Asien geschaffen worden war, indem man die Asiaten zurückschlug.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von diesem Gesichtspunkt aus sind viele Ereignisse in der Weltentwickelung zu betrachten, und man bekommt dann ein eigentümliches Bild. Wenn wir bei einem Vortragszyklus, der drei bis vier Jahre dauern würde, diesen Gedanken nur für die uns geschichtlich überlieferten Dokumente der Menschheit ausführen könnten, so würde sich uns etwas ergeben, was wir wirklich nennen könnten einen Plan in der Entwickelung der Menschheit. Wir würden dann einen solchen Plan überschauen und uns sagen: Dies mußte errungen werden; das hatte diese Schattenseiten, die wieder ausgemerzt werden mußten; das errungene Gut mußte einem andern übergeben und dort weiter ausgebildet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf dieseWeise würden wir einen Plan der Menschheitsentwickelung herausbekommen und würden bei Besprechung dieses Planes eigentlich gar nicht auf den Gedanken verfallen können: Wie ist denn das zustande&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|209}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gekommen, daß zum Beispiel gerade Xerxes oder Miltiades oder Leonidas dieses oder jenes individuelle Karma hatten? Dieses individuelle Karma müssen wir als etwas betrachten, was für sich entschieden und hineinverflochten werden muß in den Plan der Menschheitsentwickelung. Anders ist die Sache durchaus nicht zu fassen. Und so ist es auch für die geisteswissenschaftliche Anschauung. Wenn aber das der Fall ist, müssen wir sagen: In diesem planvollen Fortgang der Menschheitsentwickelung müssen wir für sich etwas sehen, was in ähnlicher Weise in sich zusammenhängt, wie die karmischen Ereignisse im individuellen Menschenleben zusammenhängen. Und dann können wir weiter fragen: Was hat ein solcher Plan in der ganzen Menschheitsentwickelung für eine Beziehung zum einzelnen individuellen Karma des Menschen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Betrachten wir zunächst einmal das, was man nennen könnte das Geschick in der menschlichen Entwickelung selber. Wenn wir zurückblicken, sehen wir, wie Kultur nach Kultur, Volksentwickelung nach Volksentwickelung aufsteigen. Wir sehen weiter, wie Volk für Volk dieses oder jenes Neue leistet, wie etwas bleibt als Unvergängliches aus den einzelnen Volkskulturen, wie aber geradezu die Völker sterben müssen, um das Volksgut, die Errungenschaften der einzelnen Völker zu retten für die entsprechend späteren Epochen der Menschheitsentwickelung. Da müssen wir doch verständlich finden, was die Geisteswissenschaft zu sagen hat, daß in diesem fortlaufenden Gang der Menschheitsentwickelung genau zwei Strömungen zunächst zu unterscheiden sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Betrachten Sie im ganzen Gang der Menschheitsentwickelung das, was wir als fortlaufende Strömung ansehen können, innerhalb welcher sich Welle nach Welle entwickelt, wobei aber das errungene Gut der vorangegangenen Welle für die nachfolgende erhalten bleibt. Wir würden ein Bild davon bekommen, wenn wir hinschauen auf die erste Kultur der nachatlantischen Zeit, auf das, was im alten Indertum an Großartigkeit geleistet worden ist. Wenn wir dieses Großartige aber vergleichen mit dem schwachen Nachklang, der in den Veden davon enthalten ist, die zwar immer noch bewundernswürdig sind, aber eben doch nur ein schwacher Abglanz sind von dem, was die Rishis geleistet haben und was uns die Geisteswissenschaft von dem großen Kultureinschlag der Inder berichtet, dann werden wir sagen müssen: Es war &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|210}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die ursprüngliche Größe dessen, was dieses Volk für die Menschheit zu leisten hatte, schon im Niedergange, als man daran ging, in jenen herrlichen dichterischen Darstellungen dieses Kulturgut der Menschheit aufzubewahren. Aber was die indische Kultur zunächst zu leisten hatte, das floß hinein in den ganzen Gang der Menschheitsentwickelung. Und nur unter dieser Voraussetzung konnte sich das später entwickeln, was wieder ein junges Volkstum brauchte - nicht ein altgewordenes Volk. Es mußten zuerst die Inder zurückgedrängt werden auf die südliche Halbinsel, und es entwickelte sich dann in Persien die Weltanschauung des Zarathustra. Was hatte diese Weltanschauung an Großem in der Zeit, als sie entstand - und wie war sie in verhältnismäßig gar nicht langer Zeit verfallen bei dem Volke, das sie geschaffen! Wir haben dann beim Ägyptertum und Chaldäertum denselben Vorgang. Dann sehen wir das Hinübergehen orientalischerWeisheit nach Griechenland, und sehen, wie die Griechen zurückschlagen das, was auf dem äußeren physischen Plan das Orientalische ist. Wir sehen dann, wie in den Schoß des Griechentums aufgenommen wird, was der ganze Orient geleistet hat, und wie es verwoben wird mit mancherlei, was bis dahin in andern europäischen Gebieten geleistet worden ist. Daraus wird dann ein neuer Kultureinschlag geschaffen, welcher auf vielen Umwegen fähig geworden ist, den christlichen Impuls aufzunehmen und ihn nach dem Westen weiterzuverpfianzen. Und so würden wir auch späterhin einen fortlaufenden Kulturstrom finden, in welchem wir Glied an Glied anreihen können, und jedes folgende Glied erscheint uns zugleich als eine Fortsetzung des vorhergehenden und immer als etwas Neues, was der Menschheit gegeben werden mußte. Aber woraus mußte das hervorwachsen,was sich so von Epoche zu Epoche weiterentwickelt?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denken Sie an alles, was jedes einzelne Volk mit seinem Kulturgebiet erlebt! Denken Sie an alles, was in jedem einzelnen Volke vorgegangen sein muß als eine Summe von Gefühlen und Empfindungen bei unzähligen Menschen, von Wünschen und Enthusiasmus für das, was als das am höchsten Begehrenswerte erscheinen muß und was gerade auf diesem Gebiete als Kultureinschlag gegeben werden soll! Denken Sie, wie die Seelen der einzelnen Menschen bei dem einzelnen Kultureinschlag mit dem, was sie wünschen und erstreben, ganz dabei sein &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
müssen! Und außerdem war notwendig durch unzählige Jahrhunderte der Menschheitsentwickelung hindurch, daß die Völker, wie sie die einzelnen aufeinanderfolgenden Kultureinschläge entwickelten, immer in einer Art Illusion lebten - in der Illusion, daß jedes solche Volk gerade den Kulturschatz, den es selber auszuarbeiten hatte, als etwas Ewiges und Unvergängliches betrachtete, was nimmermehr von ihm genommen werden könnte. Dadurch erst war das hingebungsvolle Arbeiten der einzelnen Völker an der Kultur möglich, daß diese Illusion immer wieder und wieder auftauchte: daß das, was da geschaffen wurde, mit allem, was daran hing, einen ewigen Bestand haben würde. Auch heute ist diese Illusion ja vorhanden; und wenn man sich ihr auch nicht mehr in so positiver Weise hingibt und von der «Ewigkeit» dieser oder jener Kultur redet, so ist sie doch in der Form vorhanden, daß man nicht an das Ende denkt - nicht im Kleinen und nicht im Großen -, daß man sozusagen keine Aufmerksamkeit darauf verwendet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da haben Sie zweierlei, was die Volkskulturen brauchten und was im Grunde genommen erst in unserer Zeit anfängt eine Art von Änderung zu erfahren. Denn das erste Gebiet menschlichen Geisteslebens, wo gründlich solche Illusionen nicht mehr erwachen werden, das wird das theosophische Geistesleben sein. Denn es wäre ein arges Mißverständnis, wenn jemand, der fest auf dem Boden unserer Geistesbewegung steht, glauben wollte, daß die Formen, in welche wir unsere Erkenntnisse gießen, daß die Gedankenausführungen, die wir heute geben können, daß das, was wir heute aus unserem theosophischen Denken, Fühlen und Wollen geben können, einen ewigen Bestand hätte. Sehr kurzsichtig wäre es, zu behaupten, in drei Jahrtausenden würde es noch Menschen geben, die genau ebenso sprechen würden von den theosophischen Wahrheiten, wie wir es heute tun. Wir wissen, daß wir durch unsere Zeitverhältnisse veranlaßt sind, etwas von dem fortlaufenden Entwickelungsprodukt in die gegenwärtigen Formen zu prägen und daß unsere Nachfahren in ganz anderen Formen des Erlebens diese Dinge zum Ausdruck bringen werden. Warum ist das so? Aus einem ähnlichen Grunde, weshalb es durch viele Jahrhunderte und Jahrtausende der Menschheitsentwickelung hindurch geschah, daß Volkskultur über Volkskultur die einzelnen Menschen vieles erleben lassen mußte, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
damit der Beitrag sich aus der gesamten Volksentwickelung heraus- bilden konnte. Denken Sie an die unzähligen Erlebnisse, die im alten Griechenland durchgemacht wurden, und denken Sie an das, was sich als Extrakt daraus für die spätere gesamte Menschheit ergeben hat! Da werden Sie sagen: Es steckt noch mehr darin als nur die einzelnen Strömungen. Es geschehen viele Dinge um dieser Kernströmung willen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deshalb haben wir zwei Dinge zu beobachten: Erstens etwas, was entstehen und zugrunde gehen muß, damit aus diesem Ganzen das zweite - der Quantität nach der kleinste Teil - als ein Bleibendes fort- dauern kann. Wenn wir wissen, daß, seitdem das menschliche Einzelkarma besteht, in der Menschheitsentwickelung zwei Mächte wirken, die wir immer wirksam gefunden haben, Luzifer und Ahriman, dann erst werden wir den Fortgang der Menschheitsentwickelung verstehen. Denn das müssen wir zum Plan der Menschheitsentwickelung rechnen, daß zuletzt, wenn die Erde an ihrem Ziel angelangt sein wird, die Ergebnisse, die so aus den einzelnen Kulturen nach und nach der gesamten Menschheitsentwickelung einverleibt werden, fruchtbar gemacht werden für alle einzelnen lndividualitäten, ganz gleichgültig,welche Schicksale sie durchgemacht haben. Auf dieses Ziel blicken wir aber erst da- durch, daß wir die Weltentwickelung in theosophischem Sinne ansehen. Denn man gebe sich keiner Täuschung hin: Solches Ziel in der richtigen Weise zu denken, unter vollem Bestande der menschlichen Individualität, ohne ein Verschwimmen der Individualität in irgendeine nebulose pantheistische Einheit, sondern so, daß die Individualität voll erhalten bleibt und wieder in sie dasjenige einfließt, was sich die Menschheit im Großen erobert hat - klar und scharf kann dieses Ziel erst der theosophischen Seelenkultur vor Augen stehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir also auf die früheren Kulturen zurückblicken, können wir uns von vornherein sagen: Seit überhaupt menschliche Individualitäten sich inkarnieren, sind beteiligt an der Menschheitsentwickelung Luzifer und Ahriman. Luzifer ist daran so beteiligt, daß er an dem fortlaufenden Kulturstrom immer teilzunehmen sucht, indem er sich einnistet in die menschlichen Astralleiber und sie imprägniert mit dem luziferischen Impuls. Das ist, was Luzifer im Gange der Menschheitsentwickelung vollführt; er wirkt hinein in die menschlichen Astralleiber. Die Menschen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
könnten das, was Luzifer ihnen gibt, niemals bloß von denjenigen Mächten erhalten, welche den fortlaufenden, eben charakterisierten Kulturstrom bewirken. Trennen Sie diesen Kulturstrom aus dem ganzen Fortgang der Menschheit heraus, dann haben Sie das, was die normal fortschreitenden Geistwesen der Hierarchien herunterströmen lassen in die Menschheit als immer neue Reichtümer. Indem wir hinauf- schauen zu.den Hierarchien, müssen wir sagen: Diejenigen Geistwesen, welche ihre normale Entwickelung durchmachen, gaben der irdischen Kultur das,was bleibendes Gut der Menschheit ist, was zwar später um- gewandelt wurde, aber doch bleibendes Gut der Menschheit geworden Ist. Es ist gleichsam so, wie wenn wir einen Baum haben und in ihm das Mark. So gewinnen wir einen fortlaufend lebendigen Strom der fort- laufenden Kultur.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch diese Mächte, die eine normale Entwickelung für sich durchmachen, hätte es auf diese Weise geschehen können, daß der Mensch sein Ich immer mehr und mehr erfüllt hätte mit dieser fortschreitenden Bereicherung der menschlichen Entwickelung. Hineinfließen würde von Zeit zu Zeit das, was den Menschen weiterbringt; der Mensch würde sich immer mehr anfüllen mit den Gaben der geistigen Welt, und zuletzt, wenn die Erde an ihrem Ziel sein würde, wäre es selbstverständlich, daß der Mensch alles, was aus den geistigen Welten gegeben worden wäre, in sich hätte. Aber eines wäre nicht möglich: daß der Mensch ureigensten, heiligen Eifer entwickelte, Hingebung und Feuer für das, was da geschaffen wird von Kulturepoche zu Kulturepoche. Aus demselben Untergrunde, aus dem jeder Wunsch und jede Begierde herauswächst, erwächst auch der Wunsch nach den großen Idealen, erwächst auch die Begierde nach Menschenbeglückung, nach Leistungen der Künste in den aufeinanderfolgenden menschlichen Kulturepochen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus demselben Grunde, aus dem verderbliche, nach dem Bösen gehende Begierden erwachsen, erwachsen auch die Bestrebungen nach dem Höchsten, was auf der Erde geleistet werden kann. Und es würde das nicht da sein, für was die menschliche Seele als für ein höchstes Gut entbrennt, wenn es nicht auf der andern Seite möglich wäre, daß dieselbe Begierde auch nach der andern Seite in das Laster und in das Böse hinuntersinken kann. Daß es diese Möglichkeit in der Menschheitsentwik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
kelung gibt, das ist das Werk der luziferischen Geister. So dürfen wir nicht verkennen, daß die luziferischen Geister für die Menschen Freiheit gebracht haben zugleich mit der Möglichkeit des Bösen, freie Empfänglichkeit für das, was sonst in die menschliche Seele nur ein fließen würde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber wir haben auch gesehen, daß alles, was Luzifer herausfordert, seine Antwort findet durch Ahriman. So sehen wir Luzifer mit seinem ganzen Heere wirken in dem, was dann im Konkreten den Einschlag der griechischen Kult`ur der ganzen menschlichen Entwickelung geben soll: in den griechischen Heroen, in den griechischen Helden und Künstlern. Luzifer dringt hinein in die astralischen Leiber, läßt sie entbrennen für das, was sie als das Höchste verehren. So wird dasjenige, was mit dem Griechentum in die Entwickelung ein fließen soll, zugleich zum Enthusiasmus der Volksseele. Gerade da steckt Luzifer darinnen. Und weil Luzifer der Mond-, nicht der Erdentwickelung seine Kraft verdankt, fordert er Ahriman heraus; und indem Luzifer von Zeitepoche zu Zeitepoche seine Tätigkeit entwickelt, gliedert sich Ahriman dazu - und verdirbt dasjenige stückweise, was Luzifer auf der Erde bewirkt hat. - Es ist die Weltentwickelung der Menschen ein fortwährendes Wirken zwischen Ahriman und Luzifer. Wirkte Luzifer nicht in der Menschheit, so fehlte der Eifer und das Feuer für den fortlaufenden Strom der Menschheitsentwickelung; wäre Ahriman nicht da, der von Volk zu Volk wieder zerstört, was nicht aus dem fortlaufenden Strom, sondern nur aus dem luziferischen Einschlag kommt, dann würde Luzifer die Einzelkulturen ewig fortführen wollen. So sehen Sie hier Luzifer seIn eigenes Karma sich heraufbeschwören, das eine notwendige Folge der Entwickelung auf dem alten Monde ist. Und die Folge ist nun, daß er Ahriman immerfort an seine Ferse ketten muß. Ahriman ist die karmische Erfüllung des Luzifer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da blicken wir hinein in das Karma der höheren Wesenheiten an dem Beispiel der ahrimanischen und luziferischen Wesenheiten. Da oben ist auch Karma. Überall ist Karma, wo Iche sind. Und Luzifer und Ahriman bergen natürlich Iche in sich; deshalb können die Wirkungen ihrer Taten auf sie selber zurückschlagen. Auf viele dieser Geheimnisse wird erst im Sommer bei dem Zyklus über die biblische &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Schöpfungsgeschichte hingewiesen werden können; nur auf eine Stelle möchte ich schon hier hinweisen, die Ihnen so recht wird zeigen können, von wie unendlicher Tiefe jedes einzelne Wort in den wahren okkulten Urkunden ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Haben Sie nie darüber nachgedacht, warum in der biblischen Schöpfungsgeschichte am Ende eines jeden Schöpfungstages der Satz steht: «Und die Elohim sahen das Werk, und sie sahen, daß es sehr gut war», daß es «aufs beste war»? Das ist ein bedeutungsvolles Wort. Warum steht es da? Der Satz zeigt ja selber, daß er als eine Charakteristik der Elohim gemeint ist, die sich auf dem Monde in normaler Weise entwickelt haben und deren Gegner Luzifer ist. Es ist etwas, das zur Charakteristik der Elohim gehört, daß sie nach jedem Schöpfungstag sahen, daß es «aufs beste war». Aus dem Grunde wird es angegeben, weil dieser Grad die Errungenschaft der Elohim war. Sie konnten auf dem Monde das Werk nur so lange sehen, als sie es taten, konnten nicht ein nachträgliches Bewußtsein davon haben. Daß sie nachträglich zurück- schauen können im nachschauenden Denken auf das Werk, das ist eine besondere Stufe im Bewußtsein der Elohim. Das war erst auf der Erde möglich; und zwar zeigt sich ihr innerer Charakter darin, daß dasWillensmäßige so herausströmt aus ihrem Wesen, daß,wenn sie es ansahen, sie sahen, daß es aufs beste war. Das waren die Elohim,welche ihrWerk auf dem Monde abgeschlossen hatten und die, wenn sie es auf der Erde hinterher beschauten, sagen konnten:Es kann bleiben, es ist aufs beste! - Dazu mußte aber die alte Mondentwickelung vollendet sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie ist es nun mit den luziferischenWesenheiten, also mit denjenigen Wesenheiten, die ihre Mondentwickelung nicht vollendet haben? Die werden also auf der Erde auch versuchen müssen, ihr Werk hinterher anzuschauen, so zum Beispiel wenn sie den Beitrag gegeben haben an Feuer und Enthusiasmus in der griechischen Kultur. Und sie werden dann sehen, wie es ihnen stückweise Ahriman abgebröckelt hat! Und sie werden sagen müssen, weil sie es nicht vollendet haben: Sie sahen ihr Tagewerk, und sie sahen, daß es nicht zum besten war, daß es ausgelöscht werden mußte!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist die große Enttäuschung der luziferischen Geister, daß sie immer von neuem ihr Werk versuchen, immer von neuem das Pendel &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
nach der andern Seite zum Ausschlag bringen wollen - und immer von neuem ihr Werk durch Ahriman zerstört finden. Sie müssen sich innerhalb der Menschheitsentwickelung ein Auf-und-ab-Wogen denken, ein fortwährendes Anfachen von neuen Kräften durch Wesenheiten, die höher sind als wir selber, und daß diese Wesenheiten fortwährende Enttäuschungen erleben. Das ist enthalten in dem Erleben der luziferischen Geister in der Erdentwickelung. Und dieses Karma mußte die Menschheit in sich aufnehmen, weil der Mensch nur dadurch zur wirklichen Freiheit kommen konnte. Freiheit kann nur dadurch ersprießen, daß der Mensch sich den höchsten Inhalt seines Erden-Ich selber gibt. Dasjenige Ich, das der Mensch haben würde, wenn ihm alle Ziele am Ende der Erdentwickelung gegeben würden, kann nicht frei sein; denn es ist von vornherein bestimmt gewesen, alle Güter der Erdentwickelung in die Menschen ein fließen zu lassen. Frei werden konnte der Mensch nur, indem er zu diesem Ich ein anderes, irrtumfähiges Ich hinzuschafft, das in der Lage ist, immer wieder und wieder nach der Seite des Guten und nach der Seite des Bösen zu pendeln und das immer wieder hinauf- streben kann zu dem, was der Inhalt aller Erdentwickelung ist. Das niedere Ich mußte dem Menschen beigegeben werden durch Luzifer, damit das Hinaufarbeiten des Menschen zum höheren Ich seine ureigenste Tat sein kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nur so ist auch freier Wille in der Menschheit möglich. Freier Wille ist etwas, was sich der Mensch nach und nach erringen kann; denn der Mensch ist dazu so gestellt, daß ihm im Leben der freie Wille als ein Ideal vorschwebt. Wo ist denn in einem Mittelzustand der Entwickelung der menschliche Wille frei? Er ist niemals frei, weil er in jedem Augenblick dem luziferischen und ahrimanischen Element verfallen kann; er ist nicht frei, weil jeder Mensch, wenn er die Pforte des Todes durchschritten hat, in der aufsteigenden Zeit der Läuterung - vielleicht durch Jahrzehnte hindurch - einen ganz bestimmten Eindruck hat. Das ist das Wesentliche des Kamalokalebens, daß wir sehen, in welchem Grade wir selber unvollkommen sind durch das, was wir an Unvollkommenem in der Welt getan haben, daß wir Stück für Stück sehen, in welcher Weise wir unvollkommen geworden sind. Daraus geht dann die entschiedene Absicht hervor, alles wieder auszumerzen, was wir un&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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vollkommen gemacht haben. So ist das Leben in der Kamalokazeit, daß Absicht zu Absicht gefügt wird und der Gesamtentschluß gefaßt wird: Du mußt alles das wieder ausbessern, was du so gedacht und getan hast, daß es dich heruntergebracht hat! - Was der Mensch da fühlt, das prägt er seinem weiteren Leben ein und tritt mit dieser Absicht bei der Geburt ins Dasein - und ladet dadurch sein Karma auf sich. Daher können wir nicht sagen, daß wir, wenn wir durch die Geburt ins Dasein getreten sind, einen freien Willen haben. Einzig und allein können wir davon sprechen, daß wir uns einem freien Willen in dem Maße nähern, als es uns gelungen ist, Herr zu werden über die Einflüsse Luzifers und Ahrimans. Und Herr werden über die luziferischen und ahrimanischen Ein- flüsse können wir durch nichts anderes als durch Erkenntnis. Einmal durch Selbsterkenntnis, indem wir uns immer fähiger machen - auch im Leben zwischen Geburt und Tod -, unsere Schwachheiten in allen drei Seelenmerkmalen kennenzulernen, in Denken, Fühlen und Wollen. Wenn wir uns immer mehr bemühen, uns keiner Illusion mehr hinzu- geben, dann wächst ja in unserem Ich die Kraft, den luziferischen Einfluß entbehren zu können, denn dann werden wir immer mehr fähig, zu entscheiden, welche Hingabe die Güter der Menschheit, die nach und nach erobert wurden, verdienen. Sodann durch Erkenntnis der Außenwelt, die sich ergänzen muß mit der Selbsterkenntnis; beide müssen zusammenwirken. Selbsterkenntnis und Erkenntnis der Außenwelt müssen wir mit unserem Wesen vereinigen; dann werden wir imstande sein, ein klares Verhältnis zu Luzifer zu gewinnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist gerade die Eigentümlichkeit dessen, was wir uns als theosophische Erkenntnis aneignen, daß wir Aufschluß gewinnen darüber, wie weit an jedem menschlichen Tun Neigung und Leidenschaft, Luzifer und Ahriman beteiligt sind. Was haben wir in dieser Reihe von Vorträgen anderes getan, als uns Aufklärung verschafft darüber, wie luziferische und ahrimanische Kräfte in der mannigfaltigsten Weise in unser Leben hineinwirken! In dem gegenwärtigen Zeitalter aber kann die Aufklärung über die luziferischen und ahrimanischen Kräfte beginnen. Und der Mensch muß aufgeklärt sein, wenn er wirklich etwas beitragen will zur Erreichung des Erden-Menschheitszieles. - Wohin Sie den Blick richten, überall wo menschlich gefühlt und gedacht wird, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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können Sie sehen, wie weit die Menschen noch entfernt sind von einer echten, wahren Aufklärung über die Einflüsse Luzifers und Ahrimans. Da sehen Sie den weitaus größten Teil der Menschheit überhaupt keine solche Aufklärung wollen. Da sehen Sie einen großen Teil der Menschen in einen gewissen religiösen Egoismus verfallen: nur ja mit dieser Seele selbst jenen Zustand des Wohlbefindens zu erreichen, den man sich nur vorstellen kann. Das ist ein Egoismus, von dem sich die Menschen gar nicht bewußt sind, daß sich da die größten Begierden hineinmischen können. Und nirgends mischt sich Luzifer mehr in unsere Gefühle hin- ein als da, wo die Menschen aus ihren Leidenschaften und Begierden heraus nach dem Göttlichen streben, ohne das Göttliche durchleuchtet zu bekommen mit dem Licht der Erkenntnis. Glauben Sie nicht, daß Luzifer gerade da vielfach am Werke ist, wo die Menschen glauben, nach dem Höchsten zu streben? Aber die Formen, die in dieser Weise erstrebt werden, werden ebenfalls zu den Enttäuschungen Luzifers gehören müssen. Und diejenigen, die nun glauben, aus den wüsten Begierden diese oder jene Form einer geistigen Kultur erhalten zu können, die immer wieder und wieder predigen, daß diese Theosophie so schlimm ist, weil sie etwas Neues glaubt, die sollten bedenken, daß es nicht vom Menschenwillen abhängt, wenn sich Ahriman an die Fersen des Luzifer heftet. Und was entstanden ist im Laufe der Entwickelung an Formen, das wird, weil Ahriman sich hineinmischt, durch Luzifer auch wieder untergehen. Retten wird sich allein der fortlaufende Strom der Menschheitsentwickelung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So schauen wir dadurch zurück auf eine vorangegangene Entwickelung, wo als Opfer für uns zurückgeblieben sind gewisse Wesenheiten. Wir wissen jetzt, daß diese Wesenheiten ihr Karma ausleben müssen um unsertwillen, damit wir in normaler Weise ausleben können, was diese Wesenheiten uns einflößen können. Ja, wahrhaftig, Jahve hat dem Menschen ursprünglich eingeflößt durch den göttlichen Odem die Fähigkeit zum Ich; aber wäre nur der göttliche Odem gekommen, der im menschlichen Blut pulsiert, und nicht auch das, was immer wieder abirren kann von dem, was der Jahve-Odem geben kann, würden nicht darinnen arbeiten sowohl luziferische wie ahrimanische Impulse, so würde der Mensch zwar das Was erlangen können der Jahve-Gabe, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|219}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
aber nicht das Wie: daß er es mit einem selbstbewußten freien Ich empfindet. So liegt es doch im Sinne der Weltentwickelung, daß gewisse Wesenheiten auf dem alten Monde zurückgeblieben sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir leben heute in einem Zeit~lter, wo wir in der Tat zurückblicken dürfen auf viele Enttäuschungen Luzifers, wo wir aber auch hinblicken können auf eine Zukunft, in der wir immer mehr verstehen lernen, was der fortlaufende Strom der Entwickelung ist. Und Theosophie wird das Instrument sein zum Verständnis für diesen fortlaufenden Strom der Entwickelung, damit wir uns immer bewußter zu den Einflüssen Luzifers stellen können und immer mehr in die Lage kommen können, luziferische Impulse in uns selber zu erkennen und sie in der richtigen Weise nutzbringend für die Menschheitsentwickelung bewußt zu verwerten, während sie vorher in der Menschheit als ein dunkler Drang gewirkt haben, dessen sich der Mensch nicht bewußt war. Und ebenso ist es mit den ahrimanischen Einflüssen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier ist eines derGebiete,wo man darauf aufmerksam machen kann, wie sozusagen gerade in der Gegenwart eine wichtige Entwickelungsepoche der Menschheit vorliegt, nämlich jene Epoche, in der in gewisser Beziehung tatsächlich die Seelenkräfte sich umkehren. Für viele von Ihnen ist es ja schon charakterisiert worden, daß wir vor einer Epoche stehen, in welcher gewisse Menschen, einzelne Menschen, andere Seelenfähigkeiten entwickeln werden als diejenigen, die man heute gelten läßt. Was heute zum Beispiel die Theosophie aus den Erkenntnissen der Geistesforschung heraus zu sagen weiß, daß der Mensch einen Ätherleib hat außer dem physischen Leib, das wissen aus der Anschauung heraus heute nur die, welche eine methodische Schulung durchgemacht haben. Aber noch vor Ablauf der Mitte des 20. Jahrhunderts - das wissen wir aus dem Lesen der Akasha-Chronik - wird es Menschen geben, die eine natürliche Entwickelung haben werden für ein ätherisches Hellsehen und die, weil die Menschheit an diesen Zeitpunkt gekommen ist, wo sich diese Dinge als natürliche Gabe entwickeln werden, als den physischen Leib durchdringend und am Rande über ihn hinausragend den Ätherleib wahrnehmen werden. Wie der Mensch von einem Hineinschauen in die geistige Welt sich herunterentwickelt hat zum heutigen nur äußerlichen physischen Wahrnehmen und verstandesmäßigen &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Begreifen der Außenwelt, so beginnt er sich jetzt zu neuen, aber bewußten Fähigkeiten nach und nach zu entwickeln. Diese neuen Fähigkeiten treten zu den alten hinzu, und eine besondere Fähigkeit wird die sein, die ich so charakterisieren kann:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es wird Menschen geben - einzelne zunächst, denn erst im Laufe der nächsten zwei bis drei Jahrtausende wird sich bei einer größeren Anzahl diese Fähigkeit entwickeln, und die ersten Vorläufer werden da sein noch vor Ablauf der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts -, bei denen wird etw`a folgendes eintreten: Die Menschen werden irgendeine Tat erlebt haben, und sie werden versucht sein, etwas zurückzutreten von der Tat. Sie werden dann ein Bild vor sich haben, das von der betreffenden Tat kommt. Sie werden es zuerst nicht kennen, werden keinen Bezug finden zu dem, was sie getan haben. Aber dann werden sie vielleicht schon etwas von der Geisteswissenschaft gehört haben, und dann werden sie erfahren, daß dieses Bild, das ihnen wie eine Art bewußtes Traumbild erscheint, das Gegenbild der eigenen Handlung ist, das Bild für jene Handlung, die geschehen muß, damit das, was eben getan worden ist, seine karmische Erfüllung findet.&lt;br /&gt;
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So steht die Menschheit in der Tat vor einer Epoche, in der sie anfangen wird, Karma nicht nur zu begreifen nach den Lehren und Darstellungen der Geisteswissenschaft, sondern wo sie anfangen wird, Karma nach und nach zu schauen. Während bisher Karma für die Menschen ein dunkler Drang, eine dunkle Begierde war und erst im nächsten Leben ausgelebt werden konnte, erst im Leben zwischen Tod und neuer Geburt umgewandelt werden konnte in eine Absicht, entwickeln sich allmählich die Menschen dahin, daß sie in die Lage kommen, bewußt die Schöpfungen Luzifers wahrzunehmen, zu sehen, wie sie sich ausnehmen werden in ihren Wirkungen. Allerdings werden mit diesem ätherischen Hellsehen nur diejenigen Menschen etwas anfangen können, die Erkenntnis und Selbsterkenntnis angestrebt haben. Immer mehr und mehr werden die Menschen im normalen Zustande vor sich haben die karmischen Bilder für ihre Handlungen. Das wird etwas sein, was die Menschen immer weiterbringen wird, weil sie dadurch wissen werden, was sie der Welt noch schuldig sind, was in ihrem Karma noch als Schuldkonto dasteht. Das ist es ja, was den Menschen unfrei macht, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
daß er nicht weiß, was er der Welt noch schuldig ist. So darf man also beim Karma gar nicht von vornherein von einem freien Willen sprechen. Das Wort «freier Wille» ist schon falsch; denn man muß sagen: Frei wird der Mensch erst durch seine sich immer steigernde Erkenntnis und dadurch, daß er immer höher steigt und immer mehr hineinwächst in die geistige Welt. Dadurch erfüllt er sich immer mehr und mehr mit dem Inhalt der geistigen Welt und wird immer mehr ein Wesen, das seinen Willen bestimmt. Nicht der Wille kann frei werden, sondern der Mensch als solcher kann frei werden, indem er sich durchdringt mit dem, was er auf dem vergeistigten Gebiet des Weltendaseins erkennen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So blicken wöir auf die Enttäuschungen Luzifers und seine Taten und sagen: So ist seit Jahrtausenden der Grund gelegt zu dem, wo wir stehen; denn würden wir nicht dort stehen, wo wir stehen, so würden wir uns nicht zur Freiheit entwickeln können. Nachdem wir uns aber Aufklärung verschaffen können über Luzifer und Ahriman, können wir ein anderes Verhältnis zu diesen Mächten gewinnen, können die Früchte ziehen von dem, was getan worden ist, können Luzifer und Ahriman sozusagen ihre Arbeiten abnehmen. Da werden sich allerdings die Taten des Luzifer, die er bewirkt hat und die immerfort zu Enttäuschungen geführt haben, wenn sie von uns selbst begangen werden, sich in ihr Gegenteil verkehren müssen. Die Taten Luzifers mußten Begierden erregen, mußten den Menschen hinführen zu dem, was in das Böse einmünden konnte. Wir haben ja gesehen, was für eine gegenteilige Kraft es sein muß, die Luzifer entgegenwirkt: Wenn wir selber Luzifer entgegenwirken sollen, wenn wir seine Angelegenheiten in der Zukunft besorgen sollen, wird es bei uns nur die Liebe sein können&amp;gt; die an die Stelle der Taten des Luzifer treten kann; die Liebe aber wird es sein können. Und ebenso wird es dasjenige sein können, was uns auch aus der Außenwelt fließt, indem wir immer mehr die Dunkelheit wegnehmen, die wir einweben in die äußere Materie. Wenn wir immer mehr diese Dunkelheit hinwegbringen, wenn sie schwindet, und wir dazu gelangen, den ahrimanischen Einfluß auf diese Weise völlig zu überwinden, dann werden wir in der Lage sein, die Welt so zu erkennen, wie sie wirklich als Erdenwelt ist. Dann werden wir uns allmählich nähern solcher Erkenntnis, wie sie heute nur Gut der Geisteswissenschaft sein &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
kann: Wir werden durchdringen zu dem, was die Materie wirklich ist, zu der Natur des Lichtes. Heute gibt sich selbst die Wissenschaft immer noch über die Natur des Lichtes den mannigfaltigsten Täuschungen hin. Mancher glaubt, daß man das Licht mit physischen Augen sieht. Das ist nicht richtig. Mit physischen Augen sieht man nicht Licht, sondern nur beleuchtete Körper; man sieht Farben an den Körpern. Man sieht nicht Licht, sondern man sieht durch das Licht. Alle solche Täuschungen werden weggeräumt sein. Dadurch wird sich verwandeln das Bild der Welt, das notwendigerweise unter dem Einflusse Abrimans von Irrtum durchwoben sein mußte, und es wird sich durchsetzen mit dem Inhalt der Weisheit. Indem der Mensch zum Licht vordringt, wird er selbst das seelische Gegenbild des Lichtes entwickeln. Und das seelische Gegenbild des Lichtes ist die Weisheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dadurch wird Liebe und Weisheit in die menschliche Seele einziehen. Und Liebe und Weisheit werden die praktische Kraft sein, der eigentliche Lebensimpuls, der sich aus der theosophischen Weltanschauung ergeben soll und ergeben wird. Weisheit, die das innere Gegenbild des Lichtes ist, Weisheit, die sich verbinden kann mit der Liebe, und Liebe, die sich mit Weisheit durchdringt, werden den rechten Weg finden, um wieder zurückzuwirken auf das, was in die Weisheit der äußeren Welt eingetaucht ist. Wenn wir nach und nach der andern Hälfte der Entwickelung teilhaftig werden sollen, Luzifer und Ahriman wieder zu überwinden, dann müssen wir uns durchdringen mit Weisheit und Liebe. Indem wir Weisheit und Liebe entwickeln, entwickeln wir diejenigen Elemente, die wieder von unseren Seelen selber ausfließen werden als Gaben für die, die in der ersten Hälfte der Erdentwickelung sich hin- geopfert haben als luziferische und ahrimanische Mächte, um uns das zu geben, was wir zur Erringung unserer Freiheit brauchen. Diesen Mächten werden wir geben müssen, was wir an Weisheit und Liebe so entwickeln werden. Wir müssen uns aber bewußt sein: Weil Leben in der Welt sein muß, müssen wir Kulturen annehmen, die uns Ausdrucksmittel dieses Lebens sind.Wir wollen uns gern und mit Liebe einer theosophischen Kultur hingeben, die nicht ewig sein wird, aber wir wollen es mit Enthusiasmus hinnehmen und mit Liebe das schaffen, wozu wir früher unter dem Einfluß Luzifers getrieben worden sind. Weil wir jetzt &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
erkennen, daß wir aus Liebe das schaffen müssen, wozu wir früher durch den luziferischen Einfluß, durch Begierden und Leidenschaften getrieben werden mußten, werden wir jetzt hinter alldem desto mehr überschüssige Liebe entwickeln. Wenn wir nur die notwendige Liebe entwickeln würden, würden wir es nicht dahin bringen, Kultur über Kultur zu entwickeln. Theosophie soll etwas sein, was jede der Zeit entsprechende Forderung mit Hingabe und Liebe leistet, mit demselben Enthusiasmus, mit dem einst die Menschen unter dem Einflusse Luzifers gewirkt haben.Wir werden nicht mehr die Illusion haben, daß das, was wir tun, ewig dauern wird. Aber indem wir in immer sich steigernder Liebe Kultur über Kultur schaffen, schaffen wir damit überschüssige Liebe. Die kommt Luzifer zugute; dadurch werden auch seine Enttäuschungen gutgemacht. An uns liegt es, daß an Luzifer wieder das gutgemacht werden kann, was er an Enttäuschungen erleiden muß, wenn wir nach der andern Seite das zuruööckgeben,was für uns geleistet worden ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist der andere Teil des Karma der höheren Wesenheiten, daß wir eine Liebe entwickeln, die nicht bloß in der Menschheit bleibt, sondern die dazu berufen ist, in den Kosmos einzudringen. In Wesenheiten, die höher sind als wir, werden wir die Liebe einströmen lassen können, und diese Wesenheiten werden sie als Opfer empfinden. Es wird Seelenopfer sein. Seelenopfer wird hinaufströmen zu denen, die einst ihre Gaben herunterströmen ließen, wie einst die Rauchopfer hinaufstrebten zu den Geistern in Zeiten, wo Menschen die spirituellen Güter noch hatten. Damals konnten die Menschen nur die symbolischen Rauchopfer zu den Göttern hinaufsenden. In der Zukunft werden die Menschen Liebesströme hinaufsenden zu den Geistern, und aus dem Liebesopfer wird wieder etwas herunterströmen: dem Menschen werden zu- strömen höhere Kräfte, die, von Geistigem dirigiert, mit immer größerer Macht eingreifen werden in unsere physische Welt. Das werden dann im wahren Sinne magische Kräfte sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So sehen wir den Gang der Menschheitsentwickelung, indem sich Menschheitskarma und Karma der höheren Wesenheiten auslebt. Und wir begreifen jetzt auch,wie sich der Plan der Entwickelung zum einzelnen menschlichen Karma stellt. Nehmen wir an, eine übermenschliche Individualität hätte im Jahre 1910 dieses oder jenes gewirkt, das dann &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|224}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
auf dem physischen Plan durch einen Menschen ausgeführt wurde, so ist dadurch ein Kontakt geschlossen zwischen dieser übermenschlichen Individualität und dem Menschen. Der Mensch ist dann verwoben in das Karma der höheren Wesenheiten. Das ist eine abgeschlossene Korrespondenz. Dann strnöömt ihm aber zu aus den höheren Welten eine Strömung, die ihm etwas in sein Leben hineinbringt; darin hat er nun einen neuen Posten, der zu seinem Karma hinzugefügt ist und der nach der einen oder andern Seite den Ausschlag gibt. So wird menschliches Karma befruchtet von dem allgemeinen Karma, das durch die Welt strömt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sehen wir zum Beispiel auf Miltiades oder irgendeine andere Persönlichkeit: Da hatten sie zu stehen auf dem großen Plan der Geschichte ihres Volkes, da war dies oder jenes durch das Karma der höheren Mächte bedingt - und da wurden sie hingestellt auf ihren Posten. In ihr einzelkarmisches Konto strömte ein, was der ganzen Menschheit zuteil werden sollte. Und indem sie es ausführten, indem sie Taten und Leistungen daran anschlossen, wurde es ihr Einzelkarma. - So leben und weben wir auch mit unserem einzelnen Karma iön dem Makrokosmos als eine kleine Welt, als ein Mikrokosmos.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit sind wir zwar am Ende des Kursus,wenn auch nicht am Ende der Sache. Aber das geht ja nicht anders. Wenn ich nur mit zwei Worten noch sagen darf, daß ich diese Reihe von Vorträgen, gerade über jene menschlichen Fragen, die so tief das menschliche Herz bewegen können und die doch wiederum mit dem größten Schicksal selbst höherer Wesenheiten zusammenhängen, wenii ich sage, daß ich diesen Kursus gehalten habe wirklich aus tiefster Seele heraus und froh bin, daß es möglich war, in einem theosophischen Zweige auch einmal über diese Dinge zu sprechen, unter theosophischen Freunden, die von allen Seiten herbeigeeiit waren, um sich den Betrachtungen über diese Fragen zu widmen, so spreche ich auch diese Worte aus tiefstem Herzen heraus. Diejenigen, welche Gelegenheit haben werden, weitere Kurse zu hören, werden sehen, daß mancherlei von dem sich beantworten wird, was jemand im Anschluß an diesen Zyklus auf` der Seele haben wird. Aber auch die, welche diese Sommerkurse nicht hören können, werden später Gelegenheit haben, so etwas mit mir zu besprechen. Und so darf ich auch diesmal wieder sagen, daß ich die Dinge, die zu besprechen waren, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|225}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
so entgegengenommen haben möchte, daß sie nicht bloß abstrakte Er- kenntnisse sein sollen, sondern solche, die übergehen in unser ganzes Denken, Fühlen und Wollen, in unser ganzes Leben. So daß man an den Theosophen in der Welt sehen möchte Gleichnis und Bild dessen, was man die tiefsten theosophischen Wahrheiten nennen kann. Versuchen wir, uns ganz zu einem solchen Bild und Gleichnis zu machen; dann erst haben wir in der Welt eine theosophische Geistesströmung. In unserem engen Kreise muß diese theosophische Geistesströmung zunächst Betrachtung der spirituellen Erkenntnis sein. Dann aber müssen - zunächst in unserem Mitgliederkreise - diese Erkenntnisse Gesinnungen werden und als solche der Welt gegenübertreten. Und die Welt wird nach und nach einsehen, daß es nicht umsonst war, daß es um die Wende des 20. Jahrhunderts ehrliche und aufrichtige Theosophen gegeben hat, Leute, die aufrichtig und ehrlich an die Gewalt der spirituellen Mächte geglaubt haben. Und indem sie daran geglaubt haben, sind sie selbst durchsetzt worden mit der Kraft, auch dafür zu wirken. Schneller und schneller wird die Kultur in unserem Leben gehen, wenn Sie selber das, was Sie hören, umwandeln in Gesinnung, in Handlung und Tat. Nicht dadurch, daß wir die Menschen überzeugen! Dazu ist die gegenwärtige Kultur nur wenig geeignet. Wahrhaft überzeugt werden immer nur die werden, die aus tiefstem Drang des Herzens an die Theosophie herankommen; die andern werden nicht überzeugt werden. Dieses Karma haben wir auch in geistigen Kreisen als etwas, was der Materialismus hat hervorrufen müssen, und wir müssen diese Schädigungen als etwas betrachten, demgegenüber Geisteswissenschaft sich erweisen muß als eine geistige Macht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So müssen wir das, was wir der Welt geben können, aus unserer Gesinnung heraus geben. Jeder, der Theosophie in das innere Leben der Seele umgewandelt haben wird, wird ein spiritueller Kraftquell sein. Und wer an das Übersinnliche glaubt, darf durchaus die Überzeugung haben, daß unsere theosophischen Erkenntnisse und Gesinnungen spirituell wirken, das heißt, sich unsichtbar in die Welt hinaus verbreiten, wenn wir uns wirklich zu einem bewußten, von dem theosophischen Leben durchdrungenen Werkzeug machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|226}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= EINLADUNG ZUM VORTRAGSZYKLUS =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Zeit vom 15. bis 28. Mai dieses Jahres wird Dr. RUDOLF STEINER in HAMBURG einen Zyklus von Vorträgen halten über das Thema:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;DIE OFFENBARUNGEN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DES KARMA&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wesen und Bedeutung des Karma In Einzelpersönlichkeit, Individualität, Menschheit, Erde, Welt - Karma und Tierreich. - Krankheit und Oesundhelt In Beziehung zu Karma. - Heilung und Unheilbarkelt In Beziehimg zu Karma. - Natilrliche und zufällige Erkrankungen in Beziehung zu Karma. - Lebeusunfälle In Beziehung zu Karma. - EIernentarereignisse, VulkanansbrUche, Erdbeben, Epldernlen In Beziehung zu Karma. - Karma der höheren Wesenheiten. - Tod und Oeburt Im Verhältnis zu Karma. - Freier Wille und Karma in der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zukunft der Menschheitsentwicklung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir laden alle Mitglieder der Theosophischen Gesellschaft hierzu herzlichst ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Zyklus wird mit einer Pfingstfeier am Pfingstsonntag, abends 6 Uhr, im ,,Patriotischen Hause&amp;quot; (beim alten Rathause) eröffnet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle übrigen Vorträge werden pünktlich abends 8 Uhr im ,,Patriotischen Hause&amp;quot; beginnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|227}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für Dienstag, den 24. Mai, ist ein öffentlicher Vortrag vorgesehen, worüber Näheres noch bekanntgegeben wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anmeldungen zum Besuche des Vortrags.Zyklus werderi bald- möglichst erbeten an Herrn G. F. Scharlau, Hamburg, Repsoldstr. 21 a, woselbst auch die Einiaßkarten gegen Einsendung des auf Mk. 10.- festgesetzten Beitrages zu haben sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auskunft über Wohnungsangelegenheiten erteilt Fräulein Victoria Paulsen, Tarpenbeckstraße 31, Mathildenstift.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir hoffen, recht viele theosophische Freunde bei uns begrüßen zu können und sind&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
mit theosophischem Gruß&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Pythagoras - Zweig, Hamburg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
HAMBURG, März 1910.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|228}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= HINWEISE =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu dieser Ausgabe&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Zyklus «Die Offenbarungen des Karma» fand auf Einladung des theosophischen «Pythagoras-Zweiges» im «Patriotischen Hause» beim alten Rathaus in Hamburg vom 15. bis 28. Mai 1910 statt (siehe Programm S. 226-227). Bemerkenswert ist, daß auf dem im März 1910 vorliegenden Programm die Titel der einzelnen Vorträge genannt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum Thema «Offenbarungen des Karma» siehe auch den Band «Wiederverkörperung und Karma», GA 135, die Vorträge «Das Karma des Berufes des Menschen in Anlmüpfung an Goethes Leben», GA 172, sowie die sechs Bände «Esoterische Betrachtungen karmischer Zusammenhänge», GA 235 bis 240.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum Gebrauch der Worte «Theosophie» und «theosophisch»: Diese Worte sind im Sinne von Rudolf Steiners grundlegendem Werk «Theosophie» (1904, GA 9) zu verstehen. Rudolf Steiner wirkte von 1902 bis 1913 als Generalsekretär der deutschen Sektion der damaligen Theosophischen Gesellschaft (Adyar), dann, als es im Zusammenhang mit Zerfallserscheinungen in dieser Gesellschaft zum Ausschluß der deutschen Sektion kam, im Rahmen der von ihm und anderen begründeten «Anthroposophischen Gesellschaft». Er hli von Anfang an ausschließlich die Ergebnisse seiner Geistesforschung vertreten. «Niemand blieb im unklaren darüber, daß ich in der Theosophischen Gesellschaft nur die Ergebnisse meines eigenen forschenden Schauens vorbringen werde» (aus «Mein Lebensgesang», GA 28). Von einer Ersetzung des Ausdrucks «Theosophie» durch «Anthroposophie», wie sie in den ersten zwei Jahrzehnten nach der Trennung von der Theosophischen Gesellschaft auf Rudolf Steiners eigene Weisung hin vorgenommen worden ist, wurde in dieser Ausgabe Abstand genommen; der Leser muß sich jedoch bewußt sein, daß mit «Theosophie», wie sie hier gemeint ist, die von Rudolf Steiner geschaffene Anthroposophie identisch ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Textgrundlagen: Der Text der vorliegenden Ausgabe ist, abgesehen von geringfügigen Abweichungen, mit dem Text des Manuskriptdruckes von 1911 (Zyklus XII) identisch. Dieser wurde anhand von Teilnehmernachschriften erstellt und vom Vortragenden nicht durchgesehen. Die Originalstenogramme liegen nicht mehr vor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Titel des Bandes und die Titel der Vorträge entsprechen den Titeln des damaligen Vortragszyklus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachweis früherer Veröffentlichungen: 1. Aufl. als Manuskriptdruck (Zyklus XII) in Berlin (I911)~ 2. Aufl. (1. Aufl. in Buchform) Dornach 1932 / 3. Aufl. Dornach 1944 / 4. Aufl. Dornach 1949 (photomechanischer Nachdruck der 3. Aufl.) / 5., durchgesehene, mit den vorhandenen Unterlagen verglichene Aufl., Gesamtausgabe Dornach 1956 / 6., durchgesehene, im wesentlichen unveränderte Aufl. Gesamtausgabe Dornach 1968 / 7., unveränderte Aufl., Gesamtausgabe Dornach 1975.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die im wesentlichen unveränderte 8. Au)!age, 1992, wurde von Robert Friedenthal und Martina Sam durchgesehen, die Hinweise zum Text überarbeitet und erweitert sowie ein Namenregister und ausführliche Inhaltsangaben hinzugefügt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|229}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hinweise zum Text&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Werke Rudolf Steiners innerhalb der Gesamtausgabe (GA) werden in den Hinweisen mit der Bibliographie-Nummer angegeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
zu Seite&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
26 Christoph Kolumbus, 1446-1506, entdeckte 1492 auf der Suche nach einem Seeweg nach Indien zunächst Kuba und Halti, von 1493-1504 auch Mittel- und Südamerika. - Über die Bedeutung der Entdeckung Amerikas für die Menschheit siehe auch den Vortrag vom 25. Juni 1923 in «Rhythmen im Kosmos und im Menschenwesen. Wie kommt man zum Schauen der geistigen Welt?», GA 350.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Entdecker der Dampfmaschine: Dem Eisenhändler Newcomen (1663-1729) gelang zusammen mit seinem Kompagnon Cowley die Konstruktion einer Kolben-Dampfmaschine, die von 1712 an zu pralttischen Zwecken verwendet wurde. James Watt (l73618l9) ermöglichte durch Verbesserungen der Konstruktion eine Nutzung der Dampfmaschine auf breitestem Felde, so daß sie zu einer der Grundlagen der Industrialisierung im 19. Jh. wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
27 johannes Kepler, 1571-1630, Mathematiker, Physiker, Astronom. Er stellte auf den Grundlagen des kopemikanischen Planetensystems und der Beobachtungsdaten seines Lehrers Tycho de Brahe seine drei Planetengesetze auf, mit denen er die Dynamik der Planetenbahnen zu deuten versuchte und das Kräftezentrum in die Sonne verlegte. Vgl. über Kepler auch «Die geistige Führung des Menschen und der Menschheit», GA 15, S. 52 und 83; zu den drei Planetengesetzen «Das Verhältnis der verschiedenen naturwissenschaftlichen Gebiete zur Astronomie», GA 323, insbesondere die Vorträge vom 3. und 4. Januar 1921.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
28 Kepler, sagt von sich selbst: Aus der Vorrede zu Keplers Buch «Harmonices mundi» («Weltharmonik», Linz 1619), 5. Buch: «Die vollkommene Harmonie in den himmlischen Bewegungen und die daher rührende Entstehung der Exzentrizitäten, Bahnhalbmesser und Umlaufszeiten».&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
E,findung des Femrohres: Wohl um das Jahr 1608 in Holland.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
31 Auf diese Tatsache wurde hingewiesen von der Ceisteswissenschaft 1906: Siehe den Vortrag vom 11. Juni 1906, enthalten in GA 94 «Kosmogonie». Vgl. Edouard Schure` «Esquisse d`une cosmogonie psychologique d`apre`s des conferences faites ä Paris en 1906 par Rudolf Steiner», Paris 1928, S. 101.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
32 Zyanverbindungen in der Kometenatmo&amp;amp;phäre: Über die Rolle der Zyanverbindungen und ihrem Vorkommen in der Kometenatmosphäre siehe auch die Vorträge vom l0. Oktober und insbesondere vom 24. Oktober 1923 in «Mensch und Welt. Das Wirken des Geistes in der Natur. Über das Wesen der Bienen.», GA 351. - Über Kome«en im allgemeinen vgl. auch die Vorträge vom 5. März 1910 in «Das Ereignis der Christus-Erscheinung in der ätherischen Welt», GA 118; vom 25. Oktober 1909 und vom 9. März 1910 in «Der Christus-Impuls und die Entwickelung des IchBewußtseins», GA 116; vom 10. April 1912 in «Die geistigen Wesenheiten in den Himmelskörpern und Naturreichen», GA 136; vom 17. November I923 in «Der übersinnliche Mensch anthroposophisch eriaßt», GA 231; vom 18. Januar 1921 in Das Verhältnis der verschiedenen naturwissenschaftlichen Gebiete zur Astronomie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|230}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
«, GA 323, und vom 13. September 1924 in «Die Schöpfung der Welt und des Menschen», GA354.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
32 Halleyscher Komet: So genannt nach dem ersten Berechner seiner Bahn, dem englischen Astronomen Edmund Halley (1656-1742). Ihm war bei seinen Berechnungen aufgefallen, daß die Bahn des großen Komeren von 1682 den Bahnen der Kometen von 1531 und 1607 ähnelte. Daraus schloß er, daß es sich bei allen drei Erscheinungen um ein- und denselben Kometen handeln müsse. Halley sagte seine Wiederkunft entsprechend diesem Zyklus von 75/76 Jahren für 1759 richtig voraus. Somit war der erste periodisch wiederkehrende Komet entdeckt. - Dies war insofern von großer Bedeutung, als damit «die geheimnisvollen Kometen... ihres Nimbus entkleidet und in den Gültigkeitsbereich der allgemeinen Naturgesetze eingereiht worden waren« (Max Gerstenberger, Kometen - Außenseiter am Himmelszelr. Stuttgart 1951).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Außerdem meinte man dadurch zumindest den wiederkehrenden Kometen wie den Planeten eine elliptische Bahn zugrunde legen zu können. - Über die Aufgabe des Halleyschen Kometen siehe auch die Vorträge Rudolf Steiners vom 25. Oktober 1909 und 9. März 1910 in «Der Christus-Impuls und die Enrwickelung des Ich-Bewußtseins«, GA 116, und vom 5. März 1910 in «Das Ereignis der Christus-Erscheinung in der ätherischen Welt«, GA 118.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
35 Cartesius in seinen Gedanken über die Tierwelt: Vgl. «Discours de la methode«, 5. Abschnitt, ferner «Traite` de l`homme» sowie «Primae cogitariones circa generationen animalium».&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
41 Wir wissen, daß unserer Erdenentwickelung vorangegangen ist die Mondentwickelung: Siehe hierzu das Kapitel «Die Weltentwickelung und der Mensch» in Rudolf Steiners «Die Geheimwissenschaft im Umriß», GA 13.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
44 Leidenschaften: Es könnte sich eventuell um einen Hörfehler handeln und statt «Leidenschaften« «Eigenschaften« geheißen haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
57 «wie wir es heute so herrlich weit gebracht haben»: Wagner in Goethes «Faust I«, Nacht, Vers 57fl574: «Verzeiht! es ist ein groß Ergerzen, / Sich in den Geist der Zeiten zu versetzen; / Zu schauen, wie vor uns ein weiser Mann gedacht, / Und wie wir`s dann zuletzt so herrlich weit gebracht. «&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
69 wie unendlich viele Erlebnisse, E,fahrungen und Eindrücke es gar nicht bis zur Vorstellung bringen: Vgl. hierzu auch Rudolf Steiners Vortrag vom 18. April 1918 in «Das Ewige in der Menschenseele. Unsterblichkeit und Freiheit«, GA 67.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
77 joseph Dietl, 18O4~1878, studierte Philosophie und Medizin. Als Krankenhausarzt in Wien beschäftigte er sich vor allem mit der Lungenentzündung und veröffentlichte&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
eine Abhandlung über den «Aderlaß in der Lungenentzündung«. Ab 1865 Professor für innere Medizin in Krakau; daneben auch als Landtags- sowie Reichsragsabgeordneter und als polnischer Schriftsteller tätig. Vertreter eines krassen Nihilismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
joseph Skoda, 1805-1881, bedeutender Intemisr, Professor in Wien. Er beschäftigte sich insbesondere mit den physikalischen Methoden der Krankenuntersuchung; seine Abhandlung «Über Perkussion und Auskultation« (1839) begründete die moderne Diagnostik. In der Therapie dagegen verhielt er sich eher zurückhaltend; zusammen mit Carl Roltitansky (18041878) Hauptrepräsentant der jüngeren «Wiener Schule« in der Medizin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|231}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
92 Wie können wir zu einem karmischen Verständnis auch dann kommen, wenn wir zum Beispiel unter die Räder eines Eisenbahnzuges kommen?: Über die karmischen Zusammenhänge von Zivilisationskatastrophen siehe auch Rudolf Steiners Vortrag vom 29. Juni 1924 in «Esoterische Betrachrungen karmischer Zusammenhänge.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zweiter Band», GA 236.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
105 ein geistreicher Herr: Frederik Troels-Lund (184~1921), dänischer Historiker und Professor an der Militärakademie in Kopenhagen, der den hier erwähnten einzelnen Ansichten über die Herkunft der Krankheiten in seinem Buche «Gesundheit und Krankheit in der Anschauung alter Zeiten» (Leipzig 1901) jeweils ein ganzes Kapitel widmet. Dieses Buch befindet sich in der Bibliothek Rudolf Steiners.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
106 ein geistvoller Mann im 18. jahrhundert: Vermutlich Voltaire; konnte jedoch noch nicht nachgewiesen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
107 Galileo Galilei, 15~l642, italienischer Physiker, Mathematiker und Astronom.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Martin LNther&amp;gt; 14831546, Inaugurator der deutschen Reformation. Vgl. auch Rudolf Steiners Ausführungen über ihn in den Vorträgen vom 11. und 18. September 1917 in «Menschliche und menschheitliche Enrwicklungswahrheiten. Das Karma des Materialismus», GA 176.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
114 in einer Familie wie die des Musikers Bach: Johann Sebastian Bach (1685-1750), der größte Musiker in der Reihe bedeutender Komponisten, die die thüringische «Musikerfamilie« Bach im 17. und 18. Jh. hervorbrachte. Vgl. hierzu auch Rudolf Steiners Vortrag vom 26. November 1906 in «Das Wesen des Musikalischen», GA 283.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
119 Meister Eckart, 125~1327, Dominikaner und bedeutender Denker der deutschen Mystik; in seinem letzten Lebensjahr der Häresie angeklagt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Johannes Tauler, um I30fll36l, Dominikaner, Schüler Meister Eckarts. - Zu Tauler, Meister Eckart und die Mystik im allgemeinen vgl. auch Rudolf Steiners Schrift «Die Mystik im Aufgange des neuzeitlichen Geisteslebens und ihr Verhältnis zur modernen Weltanschauung», GA 7.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und lesen Sie in der «Deutschen Theologie«: «Theologia deutsch - Die lerer gar manchen lieblichen underscheit gotlicher warheit und seit gar hohe und gar schone ding von einem volkomen leben», nach der einzigen bis jetzt bekannten Handschrift hrsg. von Franz Pfeiffer, 2. verbesserte und mit einer neudeutschen Übersetzung vermehrte Auflage 1855.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
120 «Nicht ich, sondern der Christus in mir«: Galater 2, 20 «Ich lebe aber; doch nun nicht ich, sondern der Christus lebt in mir«.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
«Die Geheimwissenschaft im Umr`ß« (1910), GA 13.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
121 «Aus d«`rAkasha-Chronik« (19041908), GA 11.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
l36 Der ahrimanische Einfluß bewirkte dann: In der 7. Auflage 1975 hieß es «Der luziferische Einfluß», was den Korrekturvorschlägen einiger Leser entsprach. Jedoch sind die Herausgeber nach gründlicher Prüfung zu dem Ergebnis gekommen, daß es zweifellos «Der ahrimanische Einfluß» heißen muß, da dies aus dem weiteren Vortrag eindeutig hervorgeht; siehe insbesondere S. 142f. «Was ahrimanischem Einfluß zuzuschreiben ..... .&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|232}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
144 mit der Urkunde des Alten Testamentes: Genesis 3.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
146 daß Wesenheiten ... in ähnlicher Art damals ihre Menschheitsstufe durchgemacht haben: Siehe Kap. «Das Leben auf dem Monde», S. 187ff. in «Aus der AkashaChronik&amp;gt;, GA 11, und das Kap. «Die Weltentwickelung und der Mensch«, S. 208 und 215 in «Die Geheimwissenschaft im Umriß», GA 13.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
158 daß sich im Laufe von zehnjahren seine Physiognomie verändert: Vgl. hierzu auch die Ausführungen Rudolf Steiners über den Zusammenhang der Begriffe mit der Gesichtsphysiognomie im Vortrag vom 30. August 1919 in «Allgemeine Menschen- kunde«, GA293.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
163 Karl der Große 742-814, König der Franken und römischer Kaiser.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aristoteles, 384322, Schüler Platos, Erzieher Alexander des Großen, grundlegend für die kulturelle und wissenschaftliche Entwicklung des Abendlandes waren vor allem seine Werke über die Logik.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Martin Luther, siehe Hinw. zu S. I07.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
164 das Zusammen-Untergehen hei einem Erdbeben: Vgl. hierzu auch die Vorrräge Rudolf Steiners vom 27. und 29. Juni 1924 in «Esoterische Betrachtungen karmischer Zusammenhänge, Zweiter Band«, GA 236.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
165 wir haben ... hingewiesen auf eine Individualität: Siehe hierzu auch die Ansprache Rudolf Steiners vom 28. September 1924 in «Esoterische Betrachtungen karmischer Zusammenhänge, Vierter Band«, GA 238, und die Einzelausgabe von vier Vorträgen «Das Weihnachtsmysterium. Novalis, der Seher und Christuskünder«.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
I77 desto größer wird der Unterschied zwischen Mann und Frau in bezug auf ihr Leben:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über den Gegensatz von Männlichem und Weiblichem vgl. auch die Vorrräge vom 5. und 13. März und vom 10. Mai 1910 in «Das Ereignis der Christus-Erscheinung in der ätherischen Welt», GA 118.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
204 Ludwig Deinhard, 1847-1917, Ingenieur und Industrieller. Mit Hübbe-Schleiden zusammeti ältestes Mitglied der deutschen Theosophischen Gesellschaft und 189496 Leiter eines der ersten theosophischen Zweige in München. Er wirkte seit 1900 mit Günther Wagner für die Bildung einer deutschen Sektion und gehörte 1902 bis 1908 zu deren Vorstand. Nach anfänglichen Bedenken schloß er sich später immer enger an Rudolf Steiner an. Sein Buch «Das Mysterium des Menschen im Lichte der psychischen Forschung. Eine Einführung in den Okkultismus«, Berlin 1910, wurde von Rudolf Steiner sehr geschätzt. Vgl. auch den Vortrag vom 19. Mai 1917 im Band «Mitteleuropa zwischen Ost und West», GA 1 74a, und «Zur Geschichte und aus den Inhalten der ersten Abteilung der Esoterischen Schule 19041914«, GA 264.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
205 Frederick W. H. Myers, 1843-1901, Dichter, Spiritist, SchrifrsteIler, Freund von Sir Oliver Lodge; 1882 einer der Gründer der Sociery for Psychical Research in London. - Über die Vorkommnisse um ihn im Zusammenhang mit Sie Oliver Lodge spricht Rudolf Steiner ausführlich im Vortrag vom 27. November 1916 in dem Band «Das Karma des Berufes«, GA 172.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|233}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
206 Perserkriege: Die von 490449 v. Chr. zwischen Persern und Griechen geführten Kriege; von den Persern unternommen, um die Griechen für ihre Teilnahme am ionischen Aufstand zu bestrafen und zu unrerweifen. Trotz zehnfacher Übermacht wurden die Perser von den Griechen unter Miltiades` Führung 490 bei Marathon geschlagen; die Florte des Perserkönigs Xerxes wurde 480 v. Chr. bei Salamis besiegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
209 Xer:zes, um 520465 v. Chr., Perserkönig, Sohn des Dareios; er zog gegen Hellas, um die Niederlage seines Vaters bei Marathon zu rächen, erzwang den Durchgang durch den von Leonidas besetzten Engpaß Thermopylä, unterlag jedoch ebenfalls in der Schlacht bei Salamis 480.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Miltiades, atbenischer Feldherr, schlug die Perser 490 v. Chr. bei Marathon (siehe Hinw. zu S. 209).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Leonidtis, (~ 480 v. Chr.), spartanischer König, fiel im Kampf mit dem Perserkönig Xerxes um den Engpaß Thermopylä.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
214 im Sommer bei dem Zyklus über die biblische Schöpfungsgeschichte: Elf Vorträge in München vom 16. bis 26. August I910; «Die Geheimnisse der biblischen Schöpfungsgeschichte. Das Sechstagewerk im 1. Buch Moses», GA 122.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
215 in der bab~li~chen Schöpfungsgeschichte: I. Buch Moses (Genesis), 1.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|234}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= NAMENREGISTER =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(* = nicht namentlich erwähnt)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aristoteles 163 Myers, Frederick 205&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bach (Familie) 114 Novalis 165*&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bach, Johann Sebastian 114 Paulus, Apostel 120&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Cartesius, Renatus (Descartes, Prometheus 144&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rene) 35f. Skoda, Joseph 77f., 93&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dietl, Joseph 77, 93? Steiner, Rudolf&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deinhard, Ludwig 204 Werke und Vorträge:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eckart, Meister 1 I9 Aus der Akasha-Chronik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eva 144 (GA 11) 121,146&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Galilei, Galileo 107, l1l Die Geheimwissenschaft im Umriß&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Halleyscher Komet 32 (GA 13) 31, 120, 146&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Karl der Große l63 Die Geheimnisse der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kepler, Johannes 27?, l66f. biblischen Schöpfungsgeschichte&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kolumbus, Christoph 26 (GA 122) 214f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Luther, Martin l07?, l63f. Tauler, Johannes 119&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Leonidas 209 Troels-Lund, Frederik 105&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Miltiades 209, 224 Xerxes 209&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Glossar==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|A}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|A}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ägyptische Kultur [CHALDÄISCH-ÄGYPTISCH-ASSYRISCH-BABYLONISCHE-KULTUR, DRITTE KULTUEPOCHE]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Im alten Ägypten waren die Gesetze der Reinigung «gottgeoffenbarte» Gesetze. […] Das kommt heute wieder heraus, nur unter ganz materialistischen Gedankeneinflüssen. Der Mensch von heute denkt nicht daran, daß er den Göttern dient, wenn er solche Vorschriften beobachtet, sondern daß er sich selbst dient.|120|167}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ahriman&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|[…] wie in der Tat die beiden Prinzipien, das ahrimanische und das luziferische, im letzten Grunde im Krankheitsverlauf tätig sind. Und es könnte in vieler Beziehung für diese oder jene Krankheitsform gezeigt werden, wie man eigentlich zwei Typen von Krankheiten unterscheiden müßte: ahrimanische und luziferische Krankheiten.|120|88}}{{GS|Da sitzt aber auch das, was man den Zufall nennt. Er sitzt da, wo uns Ahriman am allergefährlichsten wird. Diejenigen Erscheinungen nennt der Mensch zufällig, bei denen er durch den ahrimanischen Einfluß am allerleichtesten getäuscht werden kann.|120|111}}{{GS|[…] zeigen, wie im Inneren des Menschen Luzifer zur Illusion führt und wie Ahriman sich in die äußeren Wahrnehmungen mischt und dort zur Maja führt […]|120|112}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ätherleib&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|[…] wenn der Mensch durch die Pforte des Todes tritt […]  wird das Hauptsächlichste des Ätherleibes als ein zweiter Leichnam abgeworfen; es bleibt jedoch ein Extrakt des Ätherleibes zurück, der mitgenommen wird und erhalten bleibt für alle kommenden Zeiten.|120|67}}{{GS|So sehen wir, daß wir in dem Ätherleib und physischen Leib der Pflanze etwas vor uns haben, was imstande ist, mit inneren Heilkräften zu antworten auf äußere Schädigungen.|120|62}}Astral&lt;br /&gt;
{{GS|Also wir haben es vor dem Ich-Bewußtsein zu tun mit einem solchen Bewußtsein, das an den astralischen Leib als das damals höchste Glied gebunden ist, das astralische Bewußtsein, das dumpf und dämmerhaft&lt;br /&gt;
ist und noch nicht durchleuchtet ist von dem Lichte des Ich.|120|122}}{{GS|Krankheit ist ein abnormer Wachzustand unseres astralischen Leibes.|120|124}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|B}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|B}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bewusstsein&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Die Erkenntnis eines solchen Zusammenhanges zwischen Ursachen und Wirkungen in unseren einzelnen Lebensabschnitten, die wir durch unser gewöhnliches Bewußtsein überschauen können, kann uns schon im höchsten Grade förderlich sein im Leben.|120|22}}{{GS|Das Bewußtsein, […] das sich ausdehnt […]  auf unser Leben zwischen Geburt und Tod, das entsteht dadurch, daß sich der Mensch des Instrumentes seines Gehirns bedienen kann. Wenn der Mensch durch die Pforte des Todes schreitet, tritt ein andersgeartetes Bewußtsein auf, das unabhängig ist vom Gehirn und an wesentlich andere Bedingungen gebunden ist.|120|24}}{{GS|Wenn der Mensch aber durch die Pforte des Todes schreitet, hört das Vorstellungsleben auf, das an das Instrument des Gehirns gebunden ist. Da beginnt eine andere Form des Bewußtseinslebens.|120|86}}{{GS|Wir haben gezeigt, daß es gleichsam eine Art von Hemmnis gibt gegen das Eindringen der Unmoralität in die tieferen Kräfte des Organismus. […] Indem wir eine Handlung oder ein sonstiges Erlebnis mit einer bewußten Vorstellung begleiten, schaffen wir eine Schutzwehr dagegen, daß das Resultat unserer Handlungen hinunterrückt in unseren Organismus.|129|95}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|C}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|C}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Charakter&lt;br /&gt;
{{GS|Deshalb ist es so notwendig, daß man vorher durch Charakterbildung dafür sorgt, daß man gegen die in allen Fällen an uns herantretenden Verlockungen der Eitelkeit, des Größenwahnes, des Hochmutes ein Gegenmittel hat. Und wir können nicht genug darin tun, uns gerade diejenigen Eigenschaften anzueignen, welche zur Bescheidenheit und zur Demut führen.|120|137}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|D}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|D}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Demut&lt;br /&gt;
{{GS|Deshalb ist es so notwendig, daß man vorher durch Charakterbildung dafür sorgt, daß man gegen die in allen Fällen an uns herantretenden Verlockungen der Eitelkeit, des Größenwahnes, des Hochmutes ein Gegenmittel hat. Und wir können nicht genug darin tun, uns gerade diejenigen Eigenschaften anzueignen, welche zur Bescheidenheit und zur Demut führen.|120|137}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|E}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|E}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|F}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|F}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|G}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|G}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gehirn&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Das Bewußtsein, […] das sich ausdehnt […]  auf unser Leben zwischen Geburt und Tod, das entsteht dadurch, daß sich der Mensch des Instrumentes seines Gehirns bedienen kann. Wenn der Mensch durch die Pforte des Todes schreitet, tritt ein andersgeartetes Bewußtsein auf, das unabhängig ist vom Gehirn und an wesentlich andere Bedingungen gebunden ist.|120|24}}{{GS|Wenn der Mensch aber durch die Pforte des Todes schreitet, hört das Vorstellungsleben auf, das an das Instrument des Gehirns gebunden ist. Da beginnt eine andere Form des Bewußtseinslebens.|120|86}}&lt;br /&gt;
Geist&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Der Mensch kann einen in sich regen Geist bis an sein Lebensende dadurch haben, daß wir ihn als Kind in der Weise erzogen haben, wie es jetzt eben beschrieben worden ist: daß wir auf sein Seelenleben, auf alles, was lebendig in ihm sitzt, Rücksicht genommen haben.|120|20}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Geisteswissenschaft&lt;br /&gt;
{{GS|[…] Geisteswissenschaft nicht eine abstrakte Theorie sein soll […] erfüllt erst dann ihre Aufgabe, wenn … etwas hineinfließt in unsere Seelen … was unsere Seelen tüchtiger und tatkräftiger machen kann.|120|9}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|H}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|H}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|I}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|I}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich&lt;br /&gt;
{{GS|Also wir haben es vor dem Ich-Bewußtsein zu tun mit einem solchen Bewußtsein, das an den astralischen Leib als das damals höchste Glied gebunden ist, das astralische Bewußtsein, das dumpf und dämmerhaft ist und noch nicht durchleuchtet ist von dem Lichte des Ich.|120|122}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|J}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|J}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|K}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|K}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kamaloka&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Wenn wir also schon im gewöhnlichen Leben so stark berührt werden können durch gewisse Erlebnisse, besonders wenn es Gefühlseindrücke waren, daß sie eine Gemütsverstimmung bewirken können, so werden wir begreifen, daß die viel stärkeren Eindrücke des Kamalokalebens sich so eindrücken können, daß sie bei einer neuen Inkarnation bis tief in die Organisation des physischen Leibes hineinwirken.|120|72}}{{GS|Gerade während der Kamalokazeit, weil der Mensch seinen alten astralischen Leib noch hat, bewirkt das Durchgemachte die tiefsten Gefühlserlebnisse.|120|72}}{{GS|Wir könnten die verschiedensten Beispiele anführen, die uns alle zeigen, wie der Mensch aus den Erfahrungen seiner Kamalokazeit heraus geradezu die Gelegenheiten aufsucht, diese oder jene Krankheit zu bekommen, um durch ihre Überwindung und durch die Entfaltung der selbstheilenden Kräfte die Kräfte zu gewinnen, welche ihn die Lebensbahn im ganzen hinauf- führen.|120|82}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Karma&lt;br /&gt;
{{GS|Ohne daß eine Wirkung erzeugt wird, die wieder zurückfällt auf das Ding oder die Wesenheit, welche diese Wirkung hervorbringt, ohne diese Eigentümlichkeit des Zurückwirkens der Wirkung auf das verursachende Wesen ist der Karmabegriff nicht zu denken.|120|13}}&lt;br /&gt;
{{GS|Wir dürfen erst von einem Karma sprechen, wenn die Wirkung, die auf das Wesen zurückschlägt, beim Zurückschlagen auf dasselbe Wesen trifft, […]|120|13}}{{GS|[…] schon gesagt, daß beim Tier nicht in demselben Sinne von Karma gesprochen werden kann wie beim Menschen. […] es handelt sich bei Geburt und Tod […] um das innere Erleben. Beim Tier erlebt nur die Gattungsseele, die Gruppenseele.|120|184}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Karmische Folgen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Das zeigt uns, wie in die Linie der karmischen Folgen unser Wille eingreifen und etwas schaffen kann, was an Stelle von sonst eingetretenen karmischen Wirkungen steht.|120|23}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Karmische Wirkung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Das zeigt uns, wie in die Linie der karmischen Folgen unser Wille eingreifen und etwas schaffen kann, was an Stelle von sonst eingetretenen karmischen Wirkungen steht.|120|23}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kind&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Der Mensch kann einen in sich regen Geist bis an sein Lebensende dadurch haben, daß wir ihn als Kind in der Weise erzogen haben, wie es jetzt eben beschrieben worden ist: daß wir auf sein Seelenleben, auf alles, was lebendig in ihm sitzt, Rücksicht genommen haben.|120|20}}Komet&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Nun ist die Substanz eines Kometen nicht eine solche mit Gesetzen, wie sie in unserem gewöhnlichen, regulären Sonnensystem bestehen, sondern mit Gesetzen, wie sie im alten Mondendasein existiert haben.|120|31}}{{GS|Der Halleysche Komet ist der äußere Ausdruck - jedesmal, wenn er in die Sphäre unseres Erdendaseins hineinkommt - zu einem neuen Impuls zum Materialismus.|120|32}}Krankheit&lt;br /&gt;
{{GS|Wir könnten die verschiedensten Beispiele anführen, die uns alle zeigen, wie der Mensch aus den Erfahrungen seiner Kamalokazeit heraus geradezu die Gelegenheiten aufsucht, diese oder jene Krankheit zu bekommen, um durch ihre Überwindung und durch die Entfaltung der selbstheilenden Kräfte die Kräfte zu gewinnen, welche ihn die Lebensbahn im ganzen hinauf- führen.|120|82}}{{GS|Krankheit ist ein abnormer Wachzustand unseres astralischen Leibes.|120|124}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|L}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|L}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Luzifer&lt;br /&gt;
{{GS|[…] zeigen, wie im Inneren des Menschen Luzifer zur Illusion führt und wie Ahriman sich in die äußeren Wahrnehmungen mischt und dort zur Maja führt […]|120|112}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|M}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|M}}Medizin&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Wer ähnliche Vorträge von mir gehört hat, wird wissen, wie wenig es mir darum zu tun ist, einzustimmen in den Chor, der heute das, was man als «Schulmedizin» bezeichnet, diskreditieren will.|55|120}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mensch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Und der hellseherische Forscher wird bei einem Krankheitsfall immer in Betracht ziehen müssen, welches in dem betreffenden Falle der Anteil sein kann des physischen Leibes auf der einen Seite und des Ätherleibes und des astralischen Leibes auf der andern Seite; denn alle drei Wesensglieder des Menschen können an der Erkrankung beteiligt sein.|120|60}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mond&lt;br /&gt;
{{GS|Also sehen wir neben dem Menschen sich förmlich herausbilden ein Reich von Organismen, die durch das Beibehalten des Mondcharakters unfähig geworden waren, Träger menschlicher Individualitäten zu sein. Diese Organisationen sind im wesentlichen die, welche die Organisationen unserer heutigen Tiere wurden.|120|48}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|N}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|N}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|O}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|O}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Organismus&lt;br /&gt;
{{GS|Wir haben gezeigt, daß es gleichsam eine Art von Hemmnis gibt gegen das Eindringen der Unmoralität in die tieferen Kräfte des Organismus. […] Indem wir eine Handlung oder ein sonstiges Erlebnis mit einer bewußten Vorstellung begleiten, schaffen wir eine Schutzwehr dagegen, daß das Resultat unserer Handlungen hinunterrückt in unseren Organismus.|129|95}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|P}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|P}}Pflanzen&lt;br /&gt;
{{GS|Aber je tiefer wir in die Pflanzenpathologie eindringen, desto mehr werden wir sehen, daß von dem Begriff «innere Krankheitsursache» bei den Pflanzen nicht die Rede sein kann, sondern daß es sich da um äußere Veranlassungen und Schädigungen, um äußere Einflüsse handelt.|120|61}}{{GS|Aber je tiefer wir in die Pflanzenpathologie eindringen, desto mehr werden wir sehen, daß von dem Begriff «innere Krankheitsursache» bei den Pflanzen nicht die Rede sein kann, sondern daß es sich da um […] äußere Einflüsse handelt.|120|61}}{{GS|So sehen wir, daß wir in dem Ätherleib und physischen Leib der Pflanze etwas vor uns haben, was imstande ist, mit inneren Heilkräften zu antworten auf äußere Schädigungen.|120|62}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|Q}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|Q}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|R}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|R}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|S}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|S}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schicksalsschlag&lt;br /&gt;
{{GS|Schicksalsschlag […] wenn wir ihn an den Anfang der nachfolgenden Ereignisse stellen und ihn als Ursache betrachten […] Wir werden vielleicht traurig sein […] Betrachten wir ihn dagegen als Ursache eines Späteren, dann können wir vielleicht froh sein und Freude darüber empfinden.|120|18}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schmerz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Der Schmerz, der das Bewußtwerden des unrichtig wachenden astralischen Leibes ist, er ist zugleich auch das, was uns davon abbringen kann, den luziferischen Mächten auf diesem Gebiet, wo wir ihnen schon verfallen sind, immer weiter zu verfallen. So wird der Schmerz in bezug auf die Versuchungen der luziferischen Mächte unser Erzieher.|120|134}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seelenleben&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Der Mensch kann einen in sich regen Geist bis an sein Lebensende dadurch haben, daß wir ihn als Kind in der Weise erzogen haben, wie es jetzt eben beschrieben worden ist: daß wir auf sein Seelenleben, auf alles, was lebendig in ihm sitzt, Rücksicht genommen haben.|120|20}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|T}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|T}}Tier&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Wir können nicht in derselben Weise, wie wir den menschlichen Tod auffassen, von dem tierischen Tode sprechen.|120|37}}{{GS|Und wenn Sie Umschau halten im Tierreich, werden Sie finden, daß die Tiere sich ganz bestimmte Kunstfertigkeiten mitbringen, durch welche etwas zustande gebracht werden kann, an das menschliche Kunst fertigkeit bei allem, wie wir es so herrlich weit gebracht haben, noch lange nicht heran reicht.|120|39}}{{GS|Also sehen wir neben dem Menschen sich förmlich herausbilden ein Reich von Organismen, die durch das Beibehalten des Mondcharakters unfähig geworden waren, Träger menschlicher Individualitäten zu sein. Diese Organisationen sind im wesentlichen die, welche die Organisationen unserer heutigen Tiere wurden.|120|48}}{{GS|Wir schauen auf die Tiere und sagen: Alles, was die Tiere darstellen an Grausamkeit, an Gefräßigkeit, an allen tierischen Untugenden, neben der Geschicklichkeit, die sie haben, das hätten wir in uns, wenn wir sie nicht hätten aus uns heraussetzen können!|120|52}}{{GS|[…] schon gesagt, daß beim Tier nicht in demselben Sinne von Karma gesprochen werden kann wie beim Menschen. […] es handelt sich bei Geburt und Tod […] um das innere Erleben. Beim Tier erlebt nur die Gattungsseele, die Gruppenseele.|120|184}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tod&lt;br /&gt;
{{GS|Das Bewußtsein, […] das sich ausdehnt […] auf unser Leben zwischen Geburt und Tod, das entsteht dadurch, daß sich der Mensch des Instrumentes seines Gehirns bedienen kann. Wenn der Mensch durch die Pforte des Todes schreitet, tritt ein andersgeartetes Bewußtsein auf, das unabhängig ist vom Gehirn und an wesentlich andere Bedingungen gebunden ist.|120|24}}{{GS|Wir können nicht in derselben Weise, wie wir den menschlichen Tod auffassen, von dem tierischen Tode sprechen.|120|37}}{{GS|[…] wenn der Mensch durch die Pforte des Todes tritt […]  wird das Hauptsächlichste des Ätherleibes als ein zweiter Leichnam abgeworfen; es bleibt jedoch ein Extrakt des Ätherleibes zurück, der mitgenommen wird und erhalten bleibt für alle kommenden Zeiten.|120|67}}{{GS|Wenn der Mensch aber durch die Pforte des Todes schreitet, hört das Vorstellungsleben auf, das an das Instrument des Gehirns gebunden ist. Da beginnt eine andere Form des Bewußtseinslebens.|120|86}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|U}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|U}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ursache und Wirkung&lt;br /&gt;
{{GS|Damit in der Welt der Erscheinungen, in der leblosen Welt, die wir zunächst um uns herum haben, eine Wirkung auf eine Ursache folge, ist stets notwendig, daß dieser Ursache etwas entgegenkommt. Und ohne daß etwas der Ursache entgegenkommt, ist niemals von dem Folgen einer Wirkung auf eine Ursache zu sprechen.|120|12}}{{GS|Wir werden aber zu einer Erklärung des Menschenlebens nicht kommen, wenn wir Zusammenhänge zwischen Ursache und Wirkung nur in diesem einzelnen Menschenleben suchen.|120|21}}{{GS|Die Erkenntnis eines solchen Zusammenhanges zwischen Ursachen und Wirkungen in unseren einzelnen Lebensabschnitten, die wir durch unser gewöhnliches Bewußtsein überschauen können, kann uns schon im höchsten Grade förderlich sein im Leben.|120|22}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|V}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|V}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vergessen&lt;br /&gt;
{{GS|Jeder kann an sich selbst bemerken, wenn er eine kleine Unpäßlichkeit hat, wie sehr es ihm nützt, wenn er es zu einem Vergessen seiner Unpäßlichkeit bringt, namentlich zu einem solchen Vergessen, das hervorgerufen wird durch eine anderweitige Beschäftigung. Das ist also ein positives, gesundes Vergessen!|120|101}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|W}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|W}}Wesensglieder&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Und der hellseherische Forscher wird bei einem Krankheitsfall immer in Betracht ziehen müssen, welches in dem betreffenden Falle der Anteil sein kann des physischen Leibes auf der einen Seite und des Ätherleibes und des astralischen Leibes auf der andern Seite; denn alle drei Wesensglieder des Menschen können an der Erkrankung beteiligt sein.|120|60}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wille&lt;br /&gt;
{{GS|Das zeigt uns, wie in die Linie der karmischen Folgen unser Wille eingreifen und etwas schaffen kann, was an Stelle von sonst eingetretenen karmischen Wirkungen steht.|120|23}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|X}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|X}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|Y}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|Y}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|Z}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|Z}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zufall&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Da sitzt aber auch das, was man den Zufall nennt. Er sitzt da, wo uns Ahriman am allergefährlichsten wird. Diejenigen Erscheinungen nennt der Mensch zufällig, bei denen er durch den ahrimanischen Einfluß am allerleichtesten getäuscht werden kann.|120|111}}{{GS|[…] zeigen, wie im Inneren des Menschen Luzifer zur Illusion führt und wie Ahriman sich in die äußeren Wahrnehmungen mischt und dort zur Maja führt […]|120|112}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|0-9}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|0-9}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Literatur =&lt;br /&gt;
* [[a:Rudolf Steiner|Rudolf Steiner]]: &#039;&#039;Die Offenbarungen des Karma&#039;&#039;, [[GA 120]] (1992), ISBN 3-7274-1200-3 {{Vorträge|120}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GA}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:GA 120 Die Offenbarungen des Karma|!]] [[Kategorie:Taschenbücher]] [[Kategorie:Karma]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:GA]] [[Kategorie:GA (Mitgliedervorträge)]]  [[Kategorie: GA (Zyklus)]] [[Kategorie:Gesamtausgabe]]&lt;br /&gt;
[[en:GA 120]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Artikel unten}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>ElkeJura</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://steiner.wiki/index.php?title=GA_120&amp;diff=11340</id>
		<title>GA 120</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://steiner.wiki/index.php?title=GA_120&amp;diff=11340"/>
		<updated>2025-12-03T19:30:58Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;ElkeJura: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Artikel oben}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:GA120.jpg|thumb|{{RSV|120}}]]&lt;br /&gt;
__NOTOC__&lt;br /&gt;
&amp;lt;div class=&amp;quot;center&amp;quot; &amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;h3&amp;gt;RUDOLF STEINER&amp;lt;/h3&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;h3&amp;gt;VORTRÄGE&amp;lt;/h3&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;h4&amp;gt;VORTRÄGE VOR MITGLIEDERN&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
DER ANTHROPOSOPHISCHEN GESELLSCHAFT&amp;lt;/h4&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;h3&amp;gt;Die Offenbarungen&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
des Karma&amp;lt;/h3&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;h5&amp;gt;Ein Zyklus von elf Vorträgen&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
gehalten in Hamburg&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
zwischen dem 16. und 28. Mai 1910&amp;lt;/h5&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;h3&amp;gt;GA 120&amp;lt;/h3&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;h3&amp;gt;1992&amp;lt;/h3&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Inhaltsverzeichnis =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[GA 120#ERSTER VORTRAG Hamburg, 16. Mai 1910|ERSTER VORTRAG Hamburg, 16. Mai 1910]]&lt;br /&gt;
* [[GA 120#ZWEITER VORTRAG Hamburg, 17. Mai 1910|ZWEITER VORTRAG Hamburg, 17. Mai 1910]]&lt;br /&gt;
* [[GA 120#DRITTER VORTRAG Hamburg, 18. Mai 1910|DRITTER VORTRAG Hamburg, 18. Mai 1910]]&lt;br /&gt;
* [[GA 120#VIERTER VORTRAG Hamburg, 19. Mai 1910|VIERTER VORTRAG Hamburg, 19. Mai 1910]]&lt;br /&gt;
* [[GA 120#FÜNFTER VORTRAG Hamburg, 20. Mai 1910|FÜNFTER VORTRAG Hamburg, 20. Mai 1910]]&lt;br /&gt;
* [[GA 120#SECHSTER VORTRAG Hamburg, 21. Mai 1910|SECHSTER VORTRAG Hamburg, 21. Mai 1910]]&lt;br /&gt;
* [[GA 120#SIEBENTER VORTRAG Hamburg, 22. Mai 1910|SIEBENTER VORTRAG Hamburg, 22. Mai 1910]]&lt;br /&gt;
* [[GA 120#ACHTER VORTRAG Hamburg, 25. Mai 1910|ACHTER VORTRAG Hamburg, 25. Mai 1910]]&lt;br /&gt;
* [[GA 120#NEUNTER VORTRAG Hamburg, 26. Mai 1910|NEUNTER VORTRAG Hamburg, 26. Mai 1910]]&lt;br /&gt;
* [[GA 120#ZEHNTER VORTRAG Hamburg, 27. Mai 1910|ZEHNTER VORTRAG Hamburg, 27. Mai 1910]]&lt;br /&gt;
* [[GA 120#ELFTER VORTRAG Hamburg, 28. Mai 1910|ELFTER VORTRAG Hamburg, 28. Mai 1910]]&lt;br /&gt;
* [[GA 120#EINLADUNG ZUM VORTRAGSZYKLUS|EINLADUNG ZUM VORTRAGSZYKLUS]]&lt;br /&gt;
* [[GA 120#HINWEISE|HINWEISE]]&lt;br /&gt;
* [[GA 120#NAMENREGISTER|NAMENREGISTER]]&lt;br /&gt;
* [[GA 120#Literatur|Literatur]]&lt;br /&gt;
* [[GA 120#Glossar|Glossar]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|9}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= ERSTER VORTRAG Hamburg, 16. Mai 1910 =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Zyklus von Vorträgen soll Fragen behandeln aus dem Gebiete der Geisteswissenschaft, die tief in das Leben einschneidend sind. Aus den verschiedenen Darstellungen, die im Laufe der Zeit gegeben wor den sind, ist es uns ja geläufig, daß Geisteswissenschaft nicht eine ab strakte Theorie sein soll, nicht eine bloße Doktrin oder Lehre, sondern ein Quell für Leben und Lebenstüchtigkeit, und sie erfüllt erst dann ihre Aufgabe, wenn durch das, was sie an Erkenntnissen zu geben vermag, etwas hineinfließt in unsere Seelen, was das Leben reicher, verständlicher, was unsere Seelen tüchtiger und tatkräftiger machen kann. Wenn sich nun allerdings derjenige, der sich zu dieser unserer Weltanschauung bekennt, jenes Ideal, das eben mit ein paar Worten gekennzeichnet worden ist, vorhält und in der Gegenwart dann ein wenig Umschau hält, inwiefern er imstande ist, das, was ihm aus der Theosophie erfließt, in diesem Leben umzusetzen, dann könnte er vielleicht zu einem recht wenig erfreulichen Eindruck kommen. Denn wenn man unbefangen alles betrachtet, was heute die Welt meint zu «wissen», was in unserer Gegenwart die Menschen zu diesen oder jenen Gefühlen oder Handlungen treibt, so könnte man sagen, daß dies alles von den theosophischen Ideen und Idealen so unendlich weit verschieden ist, daß der Theosoph gar keine Möglichkeit habe, unmittelbar in das Leben einzugreifen mit dem, was er aus den Quellen der Geisteswissenschaft heraus sich aneignet.- Das wäre aber dennoch eine recht oberflächliche Betrachtung der Sachlage, oberflächlich aus dem Grunde, weil bei einer solchen Betrachtung nicht gerechnet würde mit dem, was wir aus unserer Weltanschauung selber dadurch entnehmen müssen, daß wir uns sagen: Wenn einmal wirklich jene Kräfte, die wir durch Theosophie aufnehmen, stark genug sein werden, dann werden sie auch die MögIichkeit finden, in die Welt einzugreifen; wenn aber niemals etwas dazu getan würde, diese Kräfte immer stärker und stärker zu machen, so würde eben ihr Eingreifen in die Welt unmöglich sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber es ist noch etwas anderes, was uns sozusagen Trost geben kann,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|10}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
selbst wenn wir durch eine solche Betrachtung trostlos werden möchten, und das ist es gerade, was uns aus den Betrachtungen dieses Vortragszyklus folgen soll: Betrachtungen über das, was man menschliches Karma und Karma überhaupt nennt. Denn wir werden mit jeder Stunde, die wir hier verbringen, mehr sehen, wie wir gar nicht genug tun können an der Herbeiführung der Möglichkeit, mit theosophischen Kräften in das Leben einzugreifen, und wie wir, wenn wir ernsthaft an Karma glauben und festhalten, voraussetzen müssen, daß uns Karma selber dasjenige zuwerfen wird, was wir über kurz oder lang zu tun haben werden für unsere Kräfte. Wir werden sehen: Wenn wir vermeinen, wir könnten die aus unsererWeltanschauung gewonnenen Kräfte noch nicht anwenden, dann haben wir eben diese Kräfte noch nicht genügend stark gemacht, damit sie bewirken können, daß Karma es uns auch ermögliche, in die Welt mit diesen Kräften einzugreifen. So soll nicht nur eine Summe von Erkenntnissen über Karma in diesen Vorträgen leben, sondern es soll mit jeder Stunde mehr das Vertrauen in Karma geweckt werden, die Gewißheit, daß, wenn die Zeit gekommen sein wird, ob es nun morgen oder übermorgen oder nach vielen Jahren sein wird, unser Karma uns Aufgaben bringen wird, insofern wir als Bekenner unserer Weltanschauung Aufgaben zu verrichten haben. Karma wird sich uns darstellen als eine Lehre, welche uns nicht nur sagt, wie dieses oder jenes in der Welt sich verhält, sondern welche mit den Aufschlüssen, die sie uns bringt, zu gleicher Zeit uns Lebensbefriedigung und Lebenserhöhung bringen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Allerdings, wenn Karma eine solche Aufgabe erfüllen soll, ist es schon notwendig, daß wir das damit gemeinte Gesetz etwas tiefer ins Auge fassen, sozusagen in seiner Ausbreitung über die Welt. Dazu ist aber diesmal etwas notwendig, was sonst nicht eigentlich in meinem Gebrauche liegt bei geisteswissenschaftlichen Betrachtungen, nämlich eine Definition, eineWorterklärung zu geben. Ich pflege das sonst nicht zu tun, weil mit solchen Worterklärungen in der Regel nicht viel getan ist. Bei unseren Betrachtungen wird in der Regel begonnen mit der Darstellung von Tatsachen, und wenn diese Tatsachen in der entsprechenden Weise gruppiert und geordnet sind, ergeben sich die Begriffe und Vorstellungen von selbst. Wollten wir nun allerdings für die umfassenden &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|11}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fragen, die wir in den nächsten Tagen zu besprechen haben, einen ähnlichen Gang einschlagen, so müßten wir viel mehr Zeit zur Verfügung haben, als uns geboten ist. Deshalb ist es diesmal zur Verständigung notwendig, daß wir, wenn auch nicht eine Definition, so doch eine Art Beschreibung des Begriffes geben, der uns längere Zeit beschäftigen wird. Definitionen haben ja auch nur den Zweck, sich darüber zu verständigen, was man meint, wenn man dieses oder jenes Wort anschlägt oder ausspricht. In diesem Stile soll eine Beschreibung des Begriffes «Karma» gegeben werden, damit wir wissen, wovon wir sprechen, wenn in diesen Vorträgen der Ausdruck «Karma» gebraucht wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus mancherlei Betrachtungen hat wohl ein jeder von uns sich schon einen Begriff gebildet von dem, was Karma ist. Ein recht abstrakter Begriff von Karma ist wohl der, wenn man Karma das «geistige Ursachengesetz» nennt, das Gesetz, wonach auf gewisse Ursachen, die im geistigen Leben liegen, gewisse Wirkungen folgen. Das ist aber ein zu abstrakter Begriff von Karma, weil er zum Teil zu eng, zum Teil aber auch viel zu weit sein würde. Wenn wir Karma überhaupt auffassen wollen als ein Ursachengesetz, so stellen wir es zusammen mit dem, was wir sonst in der Welt als das Gesetz der Kausalität, als das Gesetz von Ursache und Wirkung bezeichnen. Verständigen wir uns einmal darüber, was wir sonst unter dem Ursachengesetz auf dem allgemeinen Gebiete verstehen, wo wir noch nicht von geistigen Tatsachen und geistigen Ereignissen sprechen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es wird heute so oft von der äußeren Wissenschaft betont, daß die eigentliche Bedeutung dieser Wissenschaft darinnen liege, daß sie baue auf das umfassende Ursachengesetz, daß sie überall Wirkungen auf entsprechende Ursachen zu rück führe. Wie dieses Zurückführen von Wirkungen auf Ursachen geschieht, darüber sind sich allerdings die Menschen schon viel weniger klar. Denn Sie werden wohl auch heute noch in Büchern, die da glauben, recht gelehrt zu sein und recht philosophisch die Begriffe klarzulegen, immer noch Aussprüche finden können wie etwa den: Eine Wirkung ist dasjenige, was aus einer Ursache folgt. - Wenn man aber sagt, daß eine Wirkung aus einer Ursache folge, dann redet man an den Tatsachen ganz gewaltig vorbei. Denn wenn wir zum Beispiel den erwärmenden Sonnenstrahl betrachten, der auf eine Metallplatte &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|12}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
auffällt, so daß diese Metallplatte dadurch wärmer geworden ist, dann werden wir von Ursache und Wirkung in der Welt draußen reden. Aber werden wir jemals sagen können, daß die Wirkung - die Erwärmung der Metallplatte - aus der Ursache des warmen Sonnenstrahles folge? Wenn der warme Sonnenstrahl diese Wirkung schon in sich hätte, so würde es die Tatsache nicht geben, da der warme Sonnenstrahl eine Metallplatte gar nicht erwärmt, wenn sie ihm nicht entgegenkommt. Damit in der Welt der Erscheinungen, in der leblosen Welt, die wir zunächst um uns herum haben, eine Wirkung auf eine Ursache folge, ist stets notwendig, daß dieser Ursache etwas entgegenkommt. Und ohne daß etwas der Ursache entgegenkommt, ist niemals von dem Folgen einer Wirkung auf eine Ursache zu sprechen. - Es ist nicht überflüssig, daß wir eine solche scheinbar recht philosophisch und abstrakt klingende Bemerkung vorausschicken; denn man muß sich schon einmal angewöhnen, wenn man fruchtbar vorwärtskommen will auf theosophischem Gebiete, die Begriffe recht genau zu fassen und nicht so nachlässig, wie sie zuweilen in den andern Wissenschaften gefaßt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun aber dürfte niemand von Karma sprechen, wenn bloß in einer solchen Weise eine Wirkung eintreten würde, wie sie vorhanden ist, wenn der wärmende Sonnenstrahl eine Metallplatte erwärmt. Da ist zwar die Kausalität vorhanden, der Zusammenhang von Ursache und Wirkung, aber wir würden niemals zu einem gehörigen Begriff von Karma kommen,wenn wir nur auf diesem Gebiete von Karma sprechen würden. Wir können also nicht von Karma sprechen, wenn bloß eine Wirkung mit einer Ursache in Zusammenhang steht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir können nun weitergehen und uns einen etwas höheren Begriff von dem Zusammenhang zwischen Ursache und Wirkung bilden. Wenn wir zum Beispiel einen Bogen haben, ihn spannen und dann mit diesem Bogen einen Pfeil abschießen, dann ist durch das Spannen des Bogens eine Wirkung eingetreten. Diese Wirkung des abgeschossenen Pfeiles im Zusammenhang mit seiner Ursache werden wir ebensowenig mit dem Ausdruck «Karma» belegen dürfen wie das, was eben gesagt worden ist. Wenn wir aber bei diesem Vorgang etwas anderes betrachten, kommen wir in gewisser Weise schon dem Karma nahe, wenn wir auch &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|13}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dabei noch immer nicht den Karmabegriff fassen: wenn wir nämlich bedenken, daß der Bogen, wenn er recht oft gespannt wird, mit der Zeit schlaff wird. Da wird durch das, was der Bogen tut, was` mit ihm geschieht&amp;gt; nicht bloß eine Wirkung folgen, die sich nach außen hin zeigt, sondern es wird eine Wirkung folgen, die auf den Bogen selber zurück- geht. Es geschieht durch das fortwährende Spannen des Bogens etwas mit dem Bogen selbst. Etwas, das durch das Spannen geschieht, fällt also sozusagen wieder auf den Bogen selbst zurück. Eine Wirkung wird also erzielt, welche auf den Gegenstand zurück fällt, von dem diese Wirkung selbst veranlaßt worden ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das gehört nun schon in den Karmabegriff hinein. Ohne daß eine Wirkung erzeugt wird, die wieder zurückfällt auf das Ding oder die Wesenheit, welche diese Wirkung hervorbringt, ohne diese Eigentümlichkeit des Zurückwirkens der Wirkung auf das verursachende Wesen ist der Karmabegriff nicht zu denken. Da kommen wir also dem Karmabegriff schon insofern etwas näher, als uns klar wird, daß die von einem Ding oder Wesen verursachte Wirkung wieder zurückschlagen muß auf dieses Ding oder Wesen selber. Aber dennoch dürfen wir das Schlaffwerden des Bogens durch das fortwährende Spannen nicht das Karma des Bogens nennen, und zwar aus folgendem Grunde nicht: Wenn wir den Bogen etwa drei bis vier Wochen recht oft gespannt haben, und er ist nach vier Wochen schlaff geworden, dann haben wir in dem schlaffen Bogen eigentlich etwas ganz anderes vor uns, als vor vier Wochen in dem straffen Bogen; der Bogen ist etwas anderes geworden, er ist nicht dasselbe geblieben. Wenn also die zurückschlagende Wirkung so ist, daß sie durchaus etwas anderes aus dem Ding oder Wesen macht, dann dürfen wir doch noch nicht von einem Karma sprechen. Wir dürfen erst von einem Karma sprechen, wenn die Wirkung, die auf das Wesen zurückschlägt, beim Zurückschlagen auf dasselbe Wesen trifft, oder wenn das Wesen wenigstens in einem gewissen Sinne dasselbe geblieben ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So also sind wir dem Karmabegriff wieder um ein Stück nähergekommen. Aber wir bekommen, wenn wir den Karmabegriff so beschreiben wollen, im Grunde genommen von ihm doch nur eine recht ab- strakte Vorstellung. Dennoch werden wir diesen Begriff, wenn wir ihn &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|14}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
abstrakt fassen wollen, kaum genauer fassen können, als wenn wir ihn in der Weise ausdrücken, wie wir es eben jetzt getan haben. Nur das eine müssen wir zum Karmabegriff noch hinzufügen: Wenn die Wirkung, die auf das Wesen zurückschlägt, in demselben Zeitpunkte erfolgt, wenn also Verursachung und zurückschlagende Wirkung in demselben Zeitpunkte stattfinden, dann werden wir kaum von Karma sprechen können. Denn in diesem Falle würde das Wesen, von dem die Wirkung ausgeht, im Grunde genommen die Wirkung unmittelbar hervorbringen wollen, würde also diese Wirkung voraussetzen, würde durchschauen alle Elemente, die zu dieser Wirkung führen. Wenn das&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der Fall ist, sprechen wir doch nicht von Karma. So zum Beispiel werden wir nicht von Karma sprechen, wenn wir einen Menschen vor uns haben, der eine bestimmte Tat vollbringt, mit der er dieses oder jenes beabsichtigt, und wenn dann - gemäß seiner Absicht - diese oder jene Wirkung, die er eben gewollt hat, eintritt. Das heißt, es muß zwischen der Ursache und der Wirkung etwas liegen, was sich dem Wesen bei der Herbeiführung der Ursache unmittelbar entzieht, so daß der Zusammenhang von Ursache und Wirkung zwar vorhanden ist, aber nicht eigentlich von dem Wesen selber beabsichtigt ist. Wenn dieser Zusammenhang von dem Wesen, das verursacht, nicht beabsichtigt ist, dann muß der Grund, warum ein Zusammenhang besteht zwischen Ursache und Wirkung, woanders liegen als in den Absichten des betreffenden Wesens. Das heißt, es muß dieser Grund liegen in einer bestimmten Gesetzmäßigkeit. Das gehört also noch zum Karma dazu, daß der Zusammenhang zwischen Ursache und Wirkung ein gesetzmäßiger ist, der hinübergeht über das, was das Wesen unmittelbar beabsichtigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So hätten wir einige Elemente zusammengetragen, welche uns den Karmabegriff erläutern können. Aber wir müssen alle diese Elemente in dem Karmabegriff darinnen haben und nicht bei einer abstrakten Definition stehenbleiben. Denn sonst werden wir nicht die Offenbarungen des Karma auf den verschiedenen Gebieten der Welt begreifen können. Diese Offenbarungen des Karma werden wir nun zuerst dort aufzusuchen haben, wo uns Karma zunächst entgegentritt: im einzelnen Menschenleben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Können wir im einzelnen Menschenleben so etwas finden und wann&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|15}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
können wir es finden, was wir jetzt eben durch unsere Erläuterung des Karmabegriffes dargestellt haben?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir würden so etwas finden, wenn zum Beispiel ein Erlebnis in unser Leben hineinträte, bei dem wir uns sagen könnten: Dieses Erlebnis, das da für uns auftritt, steht in einem gewissen Zusammenhange mit einem früheren Erlebnis, an dem wir selber beteiligt sind, zu dem wir selber Veranlassung gegeben haben. Versuchen wir einmal - zunächst rein durch Beobachtung des Lebens - festzustellen, ob es so etwas gibt. Wir wollen uns jetzt also rein auf den Standpunkt der äußeren Beobachtung stellen. Wer solche Beobachtungen nicht anstellt, kann auch nie zum Erkennen eines gesetzmäßigen Zusammenhanges im Leben kommen; er kann es ebensowenig, wie derjenige das Gesetz des elastischen Stoßes an zwei Billardkugeln kennenlernen kann, der diesen Stoß nicht beobachten wird. Beobachtung des Lebens kann uns in der Tat zu der Anschauung eines gesetzmäßigen Zusammenhanges führen. Greifen wir dazu gleich einen bestimmten Zusammenhang heraus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sagen wir, ein junger Mensch wäre im achtzehnten Jahre seines Lebens aus dem Berufe, der ihm bis dahin vorgezeichnet zu sein schien, durch irgendein Ereignis herausgewöorfen worden. Nehmen wir an, dieser Mensch hätte bis dahin ein Studium betrieben, hätte sich durch das Studium vorbereitet zu einem Berufe, wie er aus solchem Studium hervorgehen kann, und nun wäre er, zum Beispiel durch einen Unglücksfall seiner Eltern, daraus herausgeworfen worden und mit achtzehn Jahren in den Kaufmannsberuf hineingetrieben worden. Wer solche Fälle unbefangen im Leben beobachtet - mit einem solchen Blick, wie man in der Physik die Erscheinung des Stoßes elastischer Kugeln betrachtet -, der wird dann zum Beispiel finden, daß die Erlebnisse des Kaufmannsberufes, in den der junge Mensch hineingetrieben worden ist, zunächst anregend wirken, daß er darin seine Pflichten ausführt, etwas lernt, vielleicht auch etwas ganz Tüchtiges wird. Aber man kann auch beobachten, daß nach einiger Zeit etwas ganz anderes auch eintritt: ein gewisser Überdruß, eine gewisse Unzufriedenheit. Nicht gleich wird eine solche Unzufriedenheit eintreten. Wenn mit achtzehn Jahren sich der Berufswechsel vollzogen hat, werden vielleicht die nächsten Jahre ruhig vorübergehen. Aber vielleicht um das dreiundzwanzigste &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|16}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jahr herum wird es deutlich werden, daß sich etwas in der Seele festsetzt, was sich wie etwas Unerklärliches zeigt. Wenn man dann weiter nachforscht, kann man häufig bemerken, wenn der Fall klarliegt, daß der Überdruß fünf Jahre nach dem Berufswechsel seine Erklärung findet durch das dreizehnte oder vierzehnte Jahr. Denn die Ursachen für eine solche Erscheinung werden wir sehr häufig zu suchen haben ungefähr eine ebensolche Zeitspanne vor dem Berufswechsel, wie nach demselben ein Ereignis eingetreten ist, wie wir es eben beschrieben haben. Da kann der betreffende Mensch in seinem dreizehnten Jahre während seiner Lernzeit - also fünf Jahre vor seinem Berufswechsel - etwas in seine Gefühlswelt aufgenommen haben, was ihm eine gewisse innere Beseligung gewährte. Nehmen wir an, der Berufswechsel wäre nicht eingetreten; dann würde das, woran sich der junge Mensch im dreizehnten Jahre gewöhnt hatte, im späteren Leben sich ausgelebt und diese oder jene Frucht getragen haben. Nun kam aber der Berufswechsei, der zunächst den jungen Menschen interessiert hat, der seine Seele eingenommen hat. Was dadurch in sein Seelenleben gekommen ist, das hat zurückgedrängt, was früher darinnen war. Eine gewisse Zeit hindurch kann das zurückgedrängt werden, aber indem es zurückgedrängt wird, gewinnt es gerade im Inneren eine besondere Kraft; da sammelt es sozusagen Spannkraft im Inneren an. Da ist es ähnlich, wie wenn wir einen elastischen Ball zusammendrücken: Wir können ihn bis zu einer gewissen Grenze drücken, dann leistet er Widerstand; und wenn er zum Zurückschnellen veranlaßt wird, wird er mit einer um so größeren Kraft zurückschnellen, je mehr wir ihn vorher zusammengedrückt haben. Solche Erlebnisse, wie die eben angedeuteten, die ein junger Mensch aufgenommen hat im dreizehnten Jahre seines Lebens und welche sich dann bis zum Berufswechsel befestigt haben, können auch in gewisser Weise zurückgedrängt werden; dann aber macht sich nach einiger Zeit ein Widerstand in der Seele geltend. Und dann kann man sehen, wie dieser Widerstand stark genug geworden ist, um sich nun in seiner Wirkung zu zeigen. Weil der Seele das fehlt, was sie sonst haben würde, wenn der Berufswechsel nicht gekommen wäre, macht sich das Zurückgedrängte geltend und kommt jetzt so zum Vorschein, daß Unbefriedigung, Überdruß an dem, was die Umgebung bietet, eintritt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|17}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da also haben wir einen Fall, wo der betreffende Mensch etwas er- lebt hat, etwas getan hat in seinem dreizehnten bis vierzehnten Lebens jahre, und wo er später etwas anderes getan hat, nämlich den Berufs wechsel vollzogen hat, und wir sehen, wie diese Ursachen so sich aus- leben, daß sie in ihrer Wirkung später zurückfallen, zurückschlagen auf dasselbe Wesen. In einem solchen Falle würden wir den Karma begriff zunächst auf das Einzelleben des Menschen anwenden müssen. -&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man sollte aber nun nicht dagegen einwenden: Wir haben aber Fälle kennengelernt, wo sich so etwas ganz und gar nicht zeigte! - Das kann sein. Aber es wird auch keinem Physiker einfallen, wenn er die Gesetze des fallenden Steines untersuchen will, der mit dieser oder jener Geschwindigkeit fällt, daß er sich sagen müßte, das Gesetz wäre nicht richtig, wenn der Stein etwa durch einen Schlag aus seiner Richtung geschleudert würde. Man muß lernen, in der richtigen Weise zu beobachten, und diejenigen Erscheinungen ausschließen, welche nicht zur Bildung des Gesetzes gehören. Gewiß würde ein solcher Mensch, der, wenn nichts anderes eintreten würde, mit dreiundzwanzig Jahren die Eindrücke seines dreizehnten Jahres in ihrer Wirkung als Überdruß empfindet, zu diesem Überdruß nicht kommen, wenn er zum Beispiel in der Zwischenzeit geheiratet hätte. Aber da hätten wir es mit etwas zu tun, was für die Feststellung des Grundgesetzes ohne Einfluß ist. Darauf aber kommt es an, daß wir die richtigen Faktoren finden, die uns auf ein Gesetz führen können. Beobachtung an sich ist noch gar nichts; erst geregelte Beobachtung bringt uns zur Erkenntnis des Gesetzes. Nun handelt es sich aber auch darum, solche geregelte Beobachtungen, wenn wir das Gesetz des Karma studieren wollen, in der rechten Weise anzustellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen wir an, um für einen einzelnen Menschen das Karma zu erkennen, jemanden träfe im fünfundzwanzigsten Lebensjahre ein schwerer Schicksalsschlag, der ihm Schmerz und Leid verursacht. Wenn wir nun einfach unsere Beobachtungen so anstellen, daß wir sagen, dieser schwere Schicksalsschlag ist eben in das Leben hereingebrochen und hat es mit Schmerz und Leid erfüllt, wenn wir also bei der bloßen Beobachtung stehenbleiben, werden wir nie zum Erkennen des karmischen Zusammenhanges kommen. Wenn wir aber weiterschreiten und das &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|18}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Leben eines solchen Menschen, der im fünfundzwanzigsten Jahre einen derartigen Schicksalsschlag erlebt hat, in seinem fünfzigsten Jahre betrachten, dann werden wir vielleicht zu einer Anschauung kommen, die wir etwa so ausdrücken können: Der Mensch, den wir da betrachten, ist ein Mensch geworden, fleißig und regsam, der tüchtig im Leben da- steht; jetzt schauen wir weiter zurück in sein Leben. Mit zwanzig Jahren - so finden wir dann - war er noch ein Taugenichts und hat überhaupt nichts tun wollen; mit fünfundzwanzig Jahren hat ihn dann der schwere Schicksalsschlag getroffen. Hätte ihn dieser Schlag nicht getroffen - so können wir jetzt sagen -, so wäre er ein Taugenichts geblieben. Also ist der schwere Schicksalsschlag die Ursache dazu gewesen, daß wir im fünfzigsten Jahre einen regsamen und tüchtigen Menschen vor uns haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine solche Tatsache lehrt uns, daß wir fehlgehen, wenn wir den Schicksalsschlag vom fünfundzwanzigsten Jahre als eine bloße Wirkung betrachten. Denn wenn wir fragen: Was hat er verursacht?, können wir nicht bei der bloßen Beobachtung stehenbleiben.Wenn wir aber einen solchen Schlag nicht als Wirkung betrachten und an das Ende der Erscheinungen stellen, die vorausgegangen sind, sondern wenn wir ihn an den Anfang der nachfolgenden Ereignisse stellen und ihn als Ursache betrachten, dann lernen wir erkennen, daß wir allerdings sogar unser Gefühlsurteil, unser Empfindungsurteil ganz wesentlich ändern können gegenüber diesem Schicksalsschlag. Wir werden vielleicht traurig sein, wenn wir ihn bloß als Wirkung betrachten, daß diesen Menschen dieser Schlag getroffen hat. Betrachten wir ihn dagegen als Ursache eines Späteren, dann können wir vielleicht froh sein und Freude darüber empfinden. Denn diesem Schicksalsschlag ist es zu verdanken - so können wir sagen -, daß der Betreffende ein ordentlicher Mensch geworden ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So sehen wir, daß es an unseren Empfindungen etwas Wesentliches ändern kann, je nachdem wir eine Tatsache des Lebens als Wirkung oder als Ursache betrachten. Es ist also nicht gleichgültig, ob wir irgend etwas, was im Leben den Menschen trifft, als bloße Wirkung oder als Ursache betrachten. Freilich, wenn wir in dem Zeitpunkt die Beobachtung anstellen, wo das schmerzliche Ereignis eingetreten ist, können wir &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|19}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
noch nicht die unmittelbare Wirkung wahrnehmen. Wenn wir uns aber das Karmagesetz gebildet haben aus ähnlichen Beobachtungen, dann kann dieses Karmagesetz selber uns sagen: Jetzt ist vielleicht ein Ereignis schmerzlich, weil es uns bloß als Wirkung des Vorhergehenden entgegentritt; aber es kann auch so betrachtet werden, daß es als Ausgangspunkt für ein Folgendes angesehen wird. Dann können wir sagen: Wir ahnen, daß hier der Ausgangspunkt die Ursache ist von Wirkungen, welche die Sache in ein ganz anderes Licht stellen! So kann das Karmagesetz selber der Quell sein einerTröstung. Die Tröstung wäre nicht da, wenn wir uns gewöhnten, ein Ereignis nur an das Ende und nicht an den Anfang einer Erscheinungsreihe zu setzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es kommt also darauf an, daß wir lernen, das Leben geregelt zu beobachten und in entsprechender Weise die Dinge als Wirkung und Ursache zueinander zu stellen. Wenn wir solche Beobachtungen wirklich durchgreifend anstellen, werden uns im einzelnen Menschenleben Ergebnisse zutage treten, die mit einer gewissen Regelmäßigkeit für das einzelne Menschenleben ablaufen, und andere Ergebnisse werden zutage treten, die uns unregelmäßig in diesem Leben erscheinen. So kann der, welcher das Menschenleben beobachtet - und zwar nicht nur so weit, als gerade die Nase reicht -, merkwürdige Zusammenhänge in diesem Menschenleben finden. Nur werden die Erscheinungen des menschlichen Lebens leider heute nur über kurze Zeitspannen, kaum über einige Jahre, beobachtet; und was nach einer größeren Anzahl von Jahren eintritt&amp;gt; das ist man nicht gewohnt, mit dem in Zusammenhang zu bringen, was etwa früher als Ursache vorhanden sein konnte. Daher werden nur wenige Menschen sich heute finden, die Anfang und Ende des Menschenlebens in einen gewissen Zusammenhang bringen. Dennoch ist dieser Zusammenhang außerordentlich lehrreich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen wir an, wir haben ein Kind in den ersten sieben Jahren seines Lebens so erzogen, daß also wir nicht das getan haben, was gewöhnlich geschieht,daß wir nicht von dem Glauben ausgegangen sind: Wenn einer ein ordentlicher Mensch im Leben werden soll, muß er so und so sein, muß unseren Anschauungen von einem ordentlichen Menschen unbedingt entsprechen. Denn in einem solchen Falle würden wir dem Kinde möglichst genau das alles eintrichtern wollen, was es eben in &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|20}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
unserem Sinne zu einem ordentlichen Menschen machen sollte. Wenn wir aber von der Erkenntnis ausgehen, daß man ein ordentlicher Mensch auf vielerlei Arten sein kann und daß man noch gar keine Vorstellung zu haben braucht, auf welche Art der, der als Kind erst heranwächst, ein ordentlicher Mensch werden soll nach seiner individuellen Anlage, dann werden wir sagen: Was ich auch immer für Begriffe von einem ordentlichen Menschen habe, der Mensch, der aus diesem Kinde entstehen soll, muß dadurch entstehen, daß die besten Anlagen aus ihm herausgeholt werden - was ich vielleicht erst als Rätsel lösen muß! Und man wird sich daher sagen: Was kommt es darauf an, daß ich diesen oder jenen Geboten und dergleichen verpflichtet bin? Das Kind selbst muß ein Bedürfnis fühlen, dieses oder jenes zu tun! Wenn ich das Kind nach seinen individuellen Anlagen entwickeln will, werde ich versuchen, diejenigen Bedürfnisse, die in ihm veranlagt sind, zu entwickeln, herauszuholen, so (iaß vor allen Dingen ein Bedürfnis nach den Handlungen eintritt, das Kind also die Handlungen aus eigenem Bedürfnis tut. - Wir sehen daraus, daß es zwei ganz verschiedene Methoden gibt, auf ein Kind in den ersten sieben Jahren seines Lebens zu wirken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir nun das weitere Leben des Kindes beobachten, wird sich uns lange Zeit nicht zeigen, was die ausgesprochenste Wirkung dessen sein wird, was wir in den ersten Jahren auf diese Weise in das Kind hineingebracht haben. In der Lebensbeobachtung ergibt sich nämlich, daß die eigentlichen Wirkungen dessen, was als Ursachen in die kindliche Seele hineingelegt worden ist, am allerspätesten erst eintreten, das heißt am Lebensabend. Der Mensch kann einen in sich regen Geist bis an sein Lebensende dadurch haben, daß wir ihn als Kind in der Weise erzogen haben, wie es jetzt eben beschrieben worden ist: daß wir auf sein Seelenleben, auf alles, was lebendig in ihm sitzt, Rücksicht genommen haben. Wenn wir das herausgeholt und zur Entwickelung gebracht haben, was an inneren Kräften in ihm vorhanden ist, dann werden wir die Früchte am Lebensabend herauskommen sehen in Gestalt eines reichen Seelenlebens. Dagegen in einer verdorrten und verarmten Seele und demgemäß auch - weil, wie wir später sehen werden, eine verdorrte Seele auch auf den Leib wirkt - in den leiblichen Gebresten &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|21}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
des Alters tritt das auf, was wir in der frühesten Kindheit an dem Menschen Unrichtiges getan haben. Da sehen wir etwas, was sich in gewisser Weise regulär, so daß es für jeden Menschen gültig ist, im Menschenleben als Zusammenhang von Ursache und Wirkung darstellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So könnten wir auch für die mittleren Lebensabschnitte solche Zusammenhänge finden, und wir werden darauf noch aufmerksam machen. - Wie wir einen Menschen vom siebenten bis vierzehnten Jahre behandeln, das tritt in seinen Wirkungen wieder im vorletzten Lebensabschnitt hervor. So sehen wir Ursache und Wirkung zyklisch, wie im Kreise, sich abspielen. Was an Ursachen am frühesten vorhanden war, das tritt als Wirkung am spätesten auf. Aber nicht nur solche Wir kungen und Ursachen sind im einzelnen Menschenleben vorhanden, sondern es geht neben dem zyklischen Verlauf ein geradliniger einher.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An unserem Beispiel, wie das dreizehnte Jahr in das dreiundzwan zigste hineinspielen kann, haben wir gesehen, wie Ursache und Wirkung Im Menschenleben so zusammenhängen, daß dasjenige, was der Mensch in sich erlebt hat, Wirkungen nach sich zieht, die dann wieder auf dasselbe Menschenwesen zurückschlagen. So erfüllt sich Karma im einzelnen Menschenleben. Wir werden aber zu einer Erklärung des Menschenlebens nicht kommen, wenn wir Zusammenhänge zwischen Ursache und Wirkung nur in diesem einzelnen Menschenleben suchen. Wie der Gedanke, der jetzt angeschlagen ist, weiter zu begründen und auszuführen ist, darüber werden wir in den nächsten Stunden sprechen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt soll nur auf etwas hingedeutet werden, das ja bereits bekannt ist: daß die Geisteswissenschaft zeigt, wie dieses Menschenleben zwischen Geburt und Tod die Wiederholung ist früherer Menschenleben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir nun das Charakteristische aufsuchen für das Leben zwischen Geburt und Tod, so können wir als solches bezeichnen die Aus dehnung eines und desselben Bewußtseins - im wesentlichen wenigstens - für die ganze Zeit zwischen Geburt und Tod. Wenn Sie sich zurückerinnern an Ihre früheren Lebensabschnitte, so werden Sie sagen: Es gibt einen Zeitpunkt, der nicht mit meiner Geburt zusammenfällt, sondern etwas später liegt, wo meine Lebenserinnerungen beginnen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das werden alle Menschen sagen, die nicht zu den Eingeweihten gehören; und sie werden dann davon sprechen, daß ihr Bewußtsein soweit &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|22}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nur reicht. Im Grunde genommen haben wir es in dem Zeitraum von der Geburt bis zum Tod in bezug auf den Beginn dieser Lebenserinnerungen mit etwas sehr Eigentümlichem zu tun, und wir werden auch darauf noch zurückkommen; das wird uns in bedeutsame Dinge hinein- leuchten. Wenn wir das aber nicht berücksichtigen, können wir sagen: Charakteristisch für das Leben zwischen Geburt und Tod ist es, daß ein Bewußtsein sich ausdehnt für diese Zeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn nun auch der Mensch im gewöhnlichen Leben, wenn ihn im späteren Lebensalter etwas trifft, die Ursachen dazu in früheren Lebensabschnitten nicht aufsucht, so könnte er es aber dennoch, wenn er nur auf alles aufmerksam genug wäre und alles erforschen würde. Er könnte es mit dem Bewußtsein, das ihm als Erinnerungsbewußtsein zur Verfügung steht. Und wenn er durch die Erinnerung versuchte, sich den Zusammenhang zwischen Früherem und Späterem im karmischen Sinne vor die Seele zu stellen, so würde er zu folgendem Ergebnis kommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er würde zum Beispiel sagen: Ich sehe, daß gewisse Ereignisse, die bei mir eingetreten sind, nicht gekommen wären, wenn nicht das oder jenes in einem früheren Lebensabschnitt eingetreten wäre. - Er würde vielleicht sagen: Für das, was meine Erziehung an mir getan hat, muß ich jetzt büßen. - Aber wenn er auch nur den Zusammenhang einsieht zwischen dem, was nicht er gesündigt hat, sondern was an ihm gesündigt worden ist, und späteren Ereignissen, dann wird ihm schon das eine Hilfe sein. Er wird leichter Mittel und Wege finden, um Schäden, die an ihm begangen worden sind&amp;gt; auszugleichen. Die Erkenntnis eines solchen Zusammenhanges zwischen Ursachen und Wirkungen in unseren einzelnen Lebensabschnitten, die wir durch unser gewöhnliches Bewußtsein überschauen können, kann uns schon im höchsten Grade förderlich sein im Leben. Ja, wenn wir uns diese Erkenntnis erwerben, können wir vielleicht noch etwas anderes tun. - Wenn allerdings ein Mensch achtzig Jahre alt geworden ist und dann zurückschaut auf das, was man als Ursachen zu Ereignissen im achtzigsten Jahre in frühester Kindheit zu suchen hat, so wird es für ihn vielleicht recht schwierig sein, Gegenmittel zu finden, um auszugleichen, was an ihm getan worden ist, und wenn er sich dann belehren läßt, so wird das nicht mehr allzuviel helfen. Wenn er sich aber vorher belehren läßt und hinblickt &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
auf die Sünden, die an ihm begangen sind, und, sagen wir, schon im vierzigsten Jahre dagegen Vorsorge trifft, dann hat er vielleicht doch noch Zeit, um gewisse Gegenmittel zu ergreifen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir sehen also, daß wir uns nicht allein für das unmittelbar Nächst- liegende des Lebenskarma belehren lassen sollen, sondern über Karma und den gesetzmäßigen Zusammenhang, den Karma bedeutet, überhaupt. Das kann uns förderlich sein für unser Leben. - Was tut denn aber ein Mensch, der im vierzigsten Jahre etwas unternimmt, damit die Schäden gewisser Sünden nicht eintreten, die zum Beispiel im zwölften Jahre an ihm begangen worden sind, oder die er selbst begangen hat? Er wird versuchen, was er gesündigt hat oder was an ihm getan worden ist, auszugleichen und alles zu tun, was der Wirkung, die eintreten müßte, vorbeugt. Er wird in gewisser Weise sogar die notwendige Wirkung, die ohne sein Zutun eintreten würde, durch eine andere ersetzen. Die Erkenntnis dessen, was es im zwölften Jahre gegeben hat, wird ihn selbst zu einer bestimmten Handlung im vierzigsten Jahre führen. Diese Handlung hätte er nicht getan, wenn er nicht erkannt hätte, daß es dieses oder jenes im zwölften Jahre gegeben hat. Was hat der Mensch also durch sein Zurückblicken auf sein früheres Leben getan? Er hat selber durch sein Bewußtsein folgen lassen auf eine Ursache eine bestimmte Wirkung. Er hat gewollt die Wirkung, welche er jetzt herbeigeführt hat. - Das zeigt uns, wie in die Linie der karmischen Folgen unser Wille eingreifen und etwas schaffen kann, was an Stelle von sonst eingetretenen karmischen Wirkungen steht. Nehmen wir einen solchen Zusammenhang, wo unser Bewußtsein ganz bewußt eine Verbindung zwischen Ursache und Wirkung im Lebenslauf herbeiführt, so werden wir uns sagen: Bei einem solchen Menschen ist Karma oder karmische Gesetzmäßigkeit ins Bewußtsein hineingetreten, er hat selbst in gewisser Weise die karmischeWirkung herbeigeführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen wir nun aber einmal an, wir legen einer ähnlichen Betrach tung dasjenige zugrunde, was wir über die wiederholten Erdenläufe eines Menschen wissen. Das Bewußtsein, von dem wir eben gesprochen haben, das sich ausdehnt mit der angedeuteten Ausnahme auf unser Leben zwischen Geburt und Tod, das entsteht dadurch, daß sich der Mensch des Instrumentes seines Gehirns bedienen kann. Wenn der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Mensch durch die Pforte des Todes schreitet, tritt ein andersgeartetes Bewußtsein auf, das unabhängig ist vom Gehirn und an wesentlich andere Bedingungen gebunden ist. Und wir wissen, daß für dieses Bewußtsein, das bis zur neuen Geburt dauert, eine Art Rückblick auftritt über alles, was der Mensch in dem Leben zwischen Geburt und Tod vollbracht hat. Im Leben zwischen Geburt und Tod muß sich der Mensch erst die Absicht bilden, zurückzublicken auf irgendwelche Sünden, die an ihm begangen worden sind, wenn er die Wirkung dieser Sünden wirklich karmisch in sein Leben einführen soll. Nach dem Tode schaut der Mensch im Zurückblicken auf sein Leben auf dasjenige, was er an Sünden oder überhaupt an Handlungen vollbracht hat. Da schaut er auch zugleich das&amp;gt; was diese Handlungen an seiner Seele oder aus seiner Seele gemacht haben. Da sieht der Mensch, wie er dadurch, daß er eine bestimmte Handlung getan hat, in seinem Werte gesunken oder gestiegen ist. Haben wir einem andern zum Beispiel irgendein Leid zugefügt, so ist unser Wert dadurch gesunken; wir sind sozusagen weniger wert geworden, sind unvollkommener geworden, indem wir dem andern das Leid zugefügt haben. Wenn wir nun nach dem Tode zurückblicken, sehen wir auf zahlreiche solche Fälle zurück, bei denen w1r uns sagen: Wir sind dadurch unvollkommener geworden. Daraus aber folgt für das Bewußtsein nach dem Tode, daß in ihm die Kraft und der Wille entstehen, wenn es wieder Gelegenheit dazu hat, alles zu tun, um jenen Wert wieder zu erringen, welchen es verloren hat, das heißt der Wille, alles Leid auszugleichen&amp;gt; das es zugefügt hat. Der Mensch nimmt also zwischen Tod und neuer Geburt die Tendenz, die Absicht auf, was er Schlechtes getan hat, wieder auszugleichen, damit er überhaupt den Standpunkt der Vollkommenheit wieder erringen kann, den er als Mensch haben soll und der verhindert worden ist durch die entsprechende Tat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun tritt der Mensch wieder ins Dasein. Sein Bewußtsein wird wieder ein anderes; er erinnert sich nicht zurück an die Zeit zwischen Tod und neuer Geburt und auch nicht daran, wie er die Absicht gefaßt hat, etwas auszugleichen. Aber diese Absicht sitzt in ihm. Und wenn er auch nicht weiß: Du mußt dies oder das tun, um das oder jenes auszugleichen! -, so wird er doch durch die Kraft, die in ihm sitzt, zu irgendeiner&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Handlung hingetrieben, die ein Ausgleich ist. Und jetzt können wir uns eine Vorstellung machen, was vor sich geht, wenn einen Menschen zum Beispiel im zwanzigsten Jahre etwas sehr Schmerzliches trifft. Mit seinem Bewußtsein, das er hat zwischen Geburt und Tod, wird er niedergedrückt sein durch seinen Schmerz. Würde er sich aber daran erinnern, was er in dem Leben zwischen Tod und neuer Geburt an Absichten aufgenommen hat, dann würde er auch die Kraft spüren, die ihn hingetrieben hat an die Stelle, wo er diesen Schmerz hat erleiden können, weil er gefühlt hat, daß er den Grad von Vollkommenheit, den er sich verscherzt hat und den er wiedererringen soll, nur dadurch wieder erreichen kann, daß er diesen Schmerz durchmacht. Wenn also auch das gewöhnliche Bewußtsein sagt: Der Schmerz ist da; du leidest darunter! - und nur den Schmerz in der Wirkung betrachtet, so könnte doch für das Bewußtsein, welches auch die Zeit zwischen Tod und neuer Geburt überblickt, gerade das Aufsuchen des Schmerzes oder irgendeines Unglückes in der Absicht liegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das stellt sich uns tatsächlich dar, wenn wir von einem höheren Gesichtspunkt aus das Menschenleben betrachten. Da können wir sehen, daß im Menschenleben Schicksalsfälle eintreten, die sich nicht darstellen als Wirkungen von Ursachen des einzelnen Lebenslaufes, sondern die aus einem andern Bewußtsein heraus verursacht sind, nämlich aus einem solchen Bewußtsein, das jenseits der Geburt liegt und das unser Leben fortsetzt in frühere Zeiten, als diejenigen sind, die erst seit unserer Geburt abgelaufen sind. Wenn wir diesen Gedanken genau fassen, werden wir sagen: Wir haben zunächst ein Bewußtsein, das sich aus- dehnt über die Zeit zwischen Geburt und Tod und welches wir das Bewußtsein der Einzelpersönlichkeit nennen wollen, und wir wollen als Einzelpersönlichkeit dasjenige bezeichnen, was zwischen Geburt und Tod verläuft. Sodann sehen wir, wie ein Bewußtsein wirken kann über Geburt und Tod hinaus, von dem der Mensch in seinem gewöhnlichen Bewußtsein nichts weiß, das aber gerade so wirken kann wie dieses gewöhnliche Bewußtsein. Wir haben deshalb zunächst geschildert, wie jemand selbst sein Karma übernimmt und im vierzigsten Jahre zum Beispiel etwas ausgleicht, damit ihn die Ursachen vom zwölftenJahre nicht treffen. Da nimmt er Karma in sein Einzelpersön&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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lichkeitsbewußtsein hinein. Wenn dagegen der Mensch irgendwohin getrieben wird, wo er einen Schmerz erleiden kann, um etwas auszugleichen, um ein besserer Mensch zu werden, so kommt das auch aus dem Menschen; nur kommt es nicht aus dem Einzelpersönlichkeitsbewußtsein, sondern aus einem umfassenderen Bewußtsein, das mitumfaßt die Zeit zwischen Tod und neuer Geburt. Dasjenige Wesen im Menschen, welches von diesem Bewußtsein umfaßt wird, wollen wir die «Individualität» des Menschen nennen; und dieses Bewußtsein, das also fortwährend unterbrochen wird durch das Persönlichkeitsbewußtsein, wollen wir das «individuelle Bewußtsein» nennen, im Gegensatz zum Einzelpersönlichkeitsbewußtsein. So sehen wir Karma wirksam in bezug auf die Individualität des Menschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun würden wir das menschliche Leben aber trotzdem nicht verstehen, wenn wir nur die Reihe der Erscheinungen verfolgen würden, wie wir es bis jetzt getan haben, indem wir nur dasjenige ins Auge faßten, was im Menschen um des Menschen selber willen an Ursachen liegt und an Wirkungen aufgesucht wird. Wir brauchen uns nur einen einfachen Fall vor die Seele zu führen, der nur so dargestellt werden soll, daß er anschaulicher wirkt, und wir werden gleich sehen, daß wir das menschliche Leben nicht verstehen, wenn wir nur dasjenige in Betracht ziehen, was wir jetzt eben gesagt haben. - Nehmen wir einen Erfinder oder Entdecker, zum Beispiel Kolumbus oder den Entdecker der Dampfmaschine oder irgendeinen andern. In der Entdeckung liegt eine bestimmte Handlung, eine bestimmte Tat. Wenn wir diese Tat ins Auge fassen, so wie sie der Mensch getan hat, und dann die Ursache suchen, warum sie der Mensch getan hat, dann werden wir immer solche Ursachen finden, welche in der Richtung liegen, wie wir sie jetzt an- gegeben haben. Warum Kolumbus zum Beispiel nach Amerika fuhr, warum er gerade in einem bestimmten Zeitpunkt diese Absicht faßte, dazu werden wir die Ursachen finden in seinem individuellen und persönlichen Karma. Aber wir werden uns jetzt fragen können: Wird diese Ursache nur im persönlichen und individuellen Karma gesucht werden müssen? Und wird die Tat als Wirkung nur betrachtet werden müssen für die Individualität, die in Kolumbus wirksam war? - Daß Kolumbus Amerika entdeckt hat, hat eine bestimmte Wirkung für ihn gehabt. Er &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
ist dadurch gestiegen, ist vollkommener geworden. Das wird sich zeigen in der Fortentwickelung seiner Individualität im folgenden Leben. Aber welche Wirkungen hat diese Tat noch für andere Menschen gehabt? Müßte sie nicht auch als Ursache betrachtet werden, die in unzählige Menschenleben eingegriffen hat?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist aber noch eine ziemlich abstrakte Betrachtung einer solchen Sache, die wir viel tiefer erfassen können, wenn wir das Menschenleben über große Zeitspannen hin betrachten. Nehmen wir an, wir betrachten das Menschenleben,wie es sich abgespielt hat im ägyptisch-chaldäischen Zeitalter, das dem griechisch-lateinischen vorangegangen ist. Wenn wir dieses Zeitalter prüfen in bezug auf das, was es den Menschen gegeben hat und was die Menschen damals erfahren haben, dann zeigt sich uns etwas höchst Eigentümliches. Wenn wir diese Epoche vergleichen mit unserer eigenen, dann werden wir erkennen, daß dasjenige, was in unserem eigenen Zeitalter geschieht, zusammenhängt mit dem, was in der ägyptisch-chaldäischen Kulturperiode vor sich gegangen ist. Das griechisch-lateinische Zeitalter steht zwischen beiden darinnen. In unserer Zeit würden gewisse Dinge nicht geschehen, wenn nicht gewisse Dinge in der ägyptisch-chaldäischen Kultur geschehen wären. Wenn die gegenwärtige Naturwissenschaft dieses oder jenes an Ergebnissen zustande gebracht hat, so rührt das allerdings auch von Kräften her, welche sich aus der Menschenseele entwickelt und entfaltet haben. Aber die Menschenseelen, die in unserer Zeit gewirkt haben, waren auch verkörpert im ägyptisch-chaldäischen Zeitalter und haben dort gewisse Erlebnisse aufgenommen, ohne welche sie das nicht verrichten könnten, was sie heute verrichten. Hätten nicht die Schüler der altägyptischen Tempelpriester die ägyptische Astrologie über die Zusammenhänge des Himmels aufgenommen, so hätten sie nicht auf ihre Art später ein- dringen können in die Weltengeheimnisse, und es wären in gewissen Seelen unserer Zeit nicht die Kräfte gewesen, welche die Menschheit jetzt in unserer Zeit hin ausgeführt haben in die Himmelsräume. Wie kam zum Beispiel Kepler zu seinen Entdeckungen?` Er kam dazu, weil eine Seele in ihm lebte, die im ägyptisch-chaldäischen Zeitraum die Kräfte zu jenen Entdeckungen aufgenommen hatte, welche sie im fünften Zeitraum dann machen konnte. Es erfüllt uns mit einer gewissen &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
inneren Befriedigung, wenn in einzelnen Geistern gleichsam Erinnerungen auftauchen in der Art, daß die Keime zu dem, was sie jetzt tun, in der Vergangenheit gelegt worden sind. Einer der Geister, der Wichtiges geleistet hat in bezug auf die Erforschung der Himmelsgesetze, Kepler, sagt von sich selbst:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
«J~t,ich bin es, ich habe die goldenen Gefäße der Ägypter geraubt, um mt:..,jnem Gott aus ihnen ein Heiligtum zu errichten, fern von den Grenze.n Ägyptens. Wenn ihr mir vergebt, werde ich mich freuen, wenn ihr zürnt, werde ich es tragen; - hier werf ich den Würfel und schreibe dies Buch für den heutigen wie den dereinstigen Leser - was liegt daran? Und wen es auf seinen Leser hundert Jahre warten muß: Gott selbst hat sechs Jahrtausende dessen geharrt, der sein Werk erkennend er- blickt. »&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist eine sporadisch auftauchende Erinnerung des Kepler an das, was er als Keim aufgenommen hat zu dem, was er in seinem persönlichen Dasein als Kepler vollbringen konnte. So könnten Hunderte von ähnlichen Beispielen angeführt werden. - Da sehen wir aber noch etwas anderes als bloß die Tatsache, daß bei Kepler etwas auftaucht, was die Wirkung ist von Erlebnissen eines früheren Erdenlebens. Wir sehen etwas auftauchen, was als die gesetzmäßige Wirkung erscheint für die ganze Menschheit von etwas, was wiederum bedeutsam war für die Menschheit in einer früheren Zeit. Wir sehen, wie der Mensch hin- gestellt wird an einen Ort, um für die ganze Menschheit etwas zu leisten. Wir sehen, daß nicht nur im individuellen Menschenleben, sondern daß in der ganzen Menschheit Zusammenhänge bestehen zwischen Ursachen und Wirkungen, die sich über weite Zeiträume hin erstrecken. Und wir können daraus entnehmen, daß sich das individuelle Karmagesetz kreuzen wird mit den Gesetzen, welche wir nennen können die karmischen Menschheitsgesetze. Manchmal ist dieses Kreuzen allerdings wenig durchsichtig. Denken Sie, was wäre aus unserer Astronomie geworden, wenn einstmals nicht das Fernrohr erfunden worden wäre, das in einer bestimmten Zeit erfunden worden ist. Verfolgen Sie unsere Astronomie zurück, und Sie werden sehen, daß unendlich vieles an der Erfindung des Fernrohres hängt. Nun ist es ja bekannt, daß das Fernrohr dadurch erfunden worden ist, daß in einer optischen Werkstatt einmal Kinder &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
mit Linsen gespielt haben, wobei sie durch einen «Zufall», so könnte man sagen, optische Linsen so zusammengestellt haben, daß hernach jemand darauf gekommen ist: Dadurch könnte sich so etwas ergeben wIe ein Fernrohr. - Denken Sie, wie tief Sie suchen müssen, um zu dem individuellen Karma der Kinder und dem Karma der Menschheit zu kommen, daß in einem bestimmten Zeitpunkt das Fernrohr erfunden worden ist! Versuchen Sie das zusammenzudenken, und Sie werden sehen, wie in merkwürdiger Art das Karma einzelner Individualitäten und das Karma der ganzen Menschheit sich kreuzen und ineinanderweben! Da werden Sie sich sagen: Man müßte sich die ganze Menschheitsentwickelung anders denken, wenn nicht zu einer bestimmten Zeit dies oder jenes eingetreten ware.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Frage ist gewöhnlich ganz müßig: Was wäre mit dem Römischen Reiche geworden, wenn nicht die Griechen in einer bestimmten Zeit den persischen Angriff in den Perserkriegen zurückgeschlagen hätten? - Aber nicht müßig ist die Frage: Wodurch ist es gekommen, daß die Perserkriege gerade in dieser Weise verlaufen sind? - Wer dieser Frage nachgeht und eine Antwort sucht, der wird sehen, daß im Orient ganz bestimmte Errungenschaften nur dadurch zustande kamen, daß gewisse despotische Herrscher da waren, die nur für ihre Person etwas wollten und sich zu diesem Zwecke verbanden mit den Opferpriestern und so weiter. Die ganzen damaligen Staatseinrichtungen waren notwendig, damit im Orient etwas geschaffen werden konnte, aber diese Einrichtungen haben es mit sich gebracht&amp;gt; daß auch alle die Schäden eintraten, die dann eingetreten sind. Und damit hängt es zusammen, daß ein andersgeaitetes Volk - die Griechen - im entsprechenden Moment den morgenländischen Angriff zurückschlagen konnte. Wenn wir das bedenken, werden wir fragen: Wie steht es mit dem Karma der Persönlichkeiten, die in Griechenland gewirkt haben, um den persischen An- griff zurückzuschlagen? - Da werden wir manches Persönliche finden im Karma der betreffenden Menschen; aber wir werden auch finden, daß das persönliche Karma mit dem Volks- und Menschheitskarma verknüpft ist, so daß es berechtigt ist zu sagen: Das ganze Menschheitskarma hat gerade diese bestimmten Persönlichkeiten an diesen Ort in diese Zeit gestellt! - Wir sehen da hineinspielen Menschheitskarma in &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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das Einzelkarma. Und wir werden uns weiter fragen müssen, wie diese Dinge zusammenspielen. Aber wir können noch weitergehen und einen andern Zusammenhang betrachten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir können zurückblicken im Sinne der Geisteswissenschaft auf eine Zeit unserer Erdenentwickelung, in der es auf unserer Erde noch kein Mineralreich gegeben hat. Unserer Erdenentwickelung gingen voran die Saturn-, die Sonnen- und die Mondentwickelung, wo es noch kein mineralisches Reich in unserem Sinne gegeben hat. Erst auf der Erde sind unsere heutigen Mineralien in ihren heutigen Formen entstanden. Dadurch aber, daß sich das Mineralreich ausgeschieden hat im Verlaufe der Erdentwickelung, ist es als ein besonderes Reich für alle Folgezeit da. Vorher haben sich Menschen, Tiere und Pflanzen so entwickelt, daß kein ihnen zugrunde liegendes Mineralreich vorhanden war. Damit die andern Reiche einen späteren Fortschritt erreichen konnten, mußten sie das Mineralreich ausscheiden. Aber nachdem sie es ausgeschieden haben, können sie sich nur so entwickeln, wie sie sich entwickeln auf einem Planeten, der eine feste mineralische Grundlage hat. Und nie wird etwas anderes entstehen als das, was unter der Voraussetzung geschah, daß die Bildung eines Mineralreiches zustande kam. Das Mineral reich ist da, und alle späteren Schicksale der andern Reiche hängen ab von der Entstehung des Mineralreiches, das sich einmal in unserem Erdendasein in einer urfernen Vergangenheit gebildet hat. - So ist mit der Tatsache der Entstehung des Mineral reiches etwas geschehen, womit alle spätere Erdentwickelung zu rechnen hat. Es wird sich an allen andern Wesen erfüllen, was aus der Entstehung des Mineralreiches folgt. Da haben wir wieder in späteren Zeitaltern die karmische Erfüllung für etwas, was früher geschehen ist. Auf der Erde erfüllt sich, was sich auf der Erde vorbereitet hat. Es ist ein Zusammenhang von dem,was früher, und dem, was später geschehen ist, aber auch ein solcher Zusammenhang, der in der Wirkung zurückschlägt auf das verursachende Wesen. Menschen, Tiere und Pflanzen haben das Mineralreich ausgeschieden, und das Mineral reich schlägt wieder auf sie zurück. Da sehen wir, daß es möglich ist, von einem Karma der Erde zu sprechen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und endlich können wir etwas hervorheben, wozu sich die Grund-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
lagen in den allgemeinen Ausführungen der «Geheimwissenschaft im Umriß» finden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir wissen, daß gewisse Wesenheiten zurückgeblieben sind auf der Stufe der alten Mondentwickelung, und daß diese Wesen zurückgeblieben sind, um dem Menschen der Erde ganz bestimmte Eigenschaften beizubringen. Aber nicht nur Wesenheiten sind zurückgeblieben von der alten Mondenzeit der Erde, sondern auch Substantialitäten. Auf der Mondenstufe sind Wesen stehengeblieben, die als luziferische Wesenheiten in unser Erdendasein hineinwirken. Durch diese Tatsache des Stehenbleibens und des Hereinwirkens in unser Erdendasein vollziehen sich im Erdendasein Wirkungen, zu denen die Ursachen schon im Mondendasein gelegt worden sind. Aber auch substantiell vollzieht sich so etwas. - Wenn wir heute unser Sonnensystem ansehen, finden wir es zusammengesetzt aus Weltenkörpern, die regelmäßig wiederkehrende und eine gewisse innere Geschlossenheit zeigende Bewegungen ausführen. Aber andere Weltenkörper finden wir, die sich zwar auch mit einem gewissen Rhythmus bewegen, die aber sozusagen die gewöhnlichen Gesetze des Sonnensystems durchbrechen, nämlich die Kometen. Nun ist die Substanz eines Kometen nicht eine solche mit Gesetzen, wie sie in unserem gewöhnlichen, regulären Sonnensystem bestehen, sondern mit Gesetzen, wie sie im alten Mondendasein existiert haben. In der Tat hat sich im kometarischen Dasein erhalten die Gesetzmäßigkeit des alten Mondendaseins. Ich habe schon öfter erwähnt, daß die Geistes- wissenschaft diese Gesetzmäßigkeit nachgewiesen hat, bevor eine Bestätigung von seiten der Naturwissenschaft eingetreten ist. Im Jahre 1906 habe ich in Paris auf die Tatsache aufmerksam gemacht, daß während des alten Mondendaseins gewisse Verbindungen von Kohlenstoff und Stickstoff eine ähnliche Rolle spielten wie heute auf der Erde Verbindungen von Sauerstoff und Kohlenstoff, also Kohlensäure, Kohlendioxyd und so weiter. Diese letzteren Verbindungen haben etwas Ertötendes. Eine ähnliche Rolle haben Zyanverbindungen, blausäureartige Verbindungen während des alten Mondendaseins gespielt. Auf diese Tatsache wurde hingewiesen von der Geisteswissenschaft 1906. Auch in andern Vorträgen wurde darauf hingewiesen, daß das kometarische Dasein die Gesetze des alten Mondendaseins hineinführt &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|32}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
in unser Sonnensystem, so daß also nicht nur zurückgeblieben sind die luziferischen Wesen, sondern auch die Gesetzmäßigkeit der alten Mondensubstanz, die in unregelmäßiger Weise hineinwirkt in unser Sonnensystem. Und es wurde immer gesagt, das kometarische Dasein müsse heute noch etwas enthalten wie Zyanverbindungen in der Kometenatmosphäre. Erst viel später, als das durch die Geisteswissenschaft verkündet worden ist, in diesem Jahre erst, ist durch die Spektralanalyse das Blausäurespektrum im Kometendasein gefunden worden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier haben Sie einen der Beweise dafür, wenn gesagt wird: Zeigt uns einmal, wie man wirklich mit der Geisteswissenschaft etwas finden kann! - Solche Dinge gibt es mehr; sie sollten nur beobachtet werden. So wirkt also etwas hinein von unserem alten Mondendasein in das jetzige Erdendasein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun fragen wir uns: Darf behauptet werden, daß äußeren sinnlichen Erscheinungen zugrunde liegt ein Geistiges?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den, der sich zur Geisteswissenschaft bekennt, ist es klar, daß hinter allem sinnlich Wirklichen auch ein Geistiges liegt. Wenn substantiell etwas vom alten Mondendasein hineinwirkt in unser Erden- dasein, wenn der Komet unser Erdendasein bestrahlt,,so wirkt dahinter auch etwas Geistiges. Und wir könnten sogar angeben, welches Geistige sich zum Beispiel anzeigt durch den Halleyschen Kometen. Der Halleysche Komet ist der äußere Ausdruck - jedesmal, wenn er in die Sphäre unseres Erdendaseins hineinkommt - zu einem neuen Impuls zum Materialismus. Das mag der heutigen Welt abergläubisch erscheinen. Aber die Menschen sollten sich dann nur darauf besinnen, wie sie selbst geistige Wirkungen von Konstellationen der Sterne herleiten. Oder wer würde nicht sagen, daß der Eskimo deshalb ein andersgeartetes Menschenwesen ist als zum Beispiel der Hindu, weil in der Polargegend die Sonnenstrahlen unter einem andern Winkel einfallen? Überall führen auch die Naturwissenschafter auf Sternkonstellationen geistige Wirkungen in der Menschheit zurück. - Also ein geistiger Impuls zum Materialismus erfolgt parallel dem Halleyschen Kometen. Dieser Impuls kann nachgewiesen werden: Auf das Erscheinen des Halleyschen Kometen vom Jahre 1835 folgte jene materialistische Zeitströmung, die man bezeichnen kann als den Materialismus der zweiten Hälfte des &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
vorIgen Jahrhunderts; auf die Erscheinung vorher folgte die materialistische Aufhlärerei der französischen Enzyklopädisten. Das ist der Zusammenhang.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit gewisse Dinge eintreten im Erdensein, mußten die Ursachen dazu früher, außerhalb des Erdendaseins gelegt werden. Und hier haben wir es sogar mit einem Weltenkarma zu tun. Denn warum ist auf dem alten Monde Geistiges und Substantielles ausgeschaltet worden? Damit gewisse Wirkungen wieder zurückstrahlen können auf die jenigen Wesenheiten, welche dieses ausgeschieden haben. Die luziferisehen Wesenheiten sind ausgeschieden worden, haben eine andere Entwickelung durchmachen müssen, damit für die Wesen, die auf der Erde sind, freier Wille und die Möglichkeit zum Bösen auf der Erde entstehen konnten. Da haben wir etwas, was an karmischen Wirkungen über unser Erdendasein hinausgeht: einen Ausblick auf das Weltenkarma.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So konnten wir heute sprechen über den Karmabegriff, über seine Bedeutung für die einzelne Persönlichkeit, für die Individualität, für die ganze Menschheit, innerhalb der Wirkungen unserer Erde und über die Erde hinaus - und wir haben noch etwas gefunden, was wir als Weltenkarma ansprechen können. So finden wir das Karmagesetz, das wir nennen können ein Gesetz vom Zusammenhang zwischen Ursache und Wirkung, aber in der Weise, daß die Wirkung wieder auf die Ursache zurückschlägt und daß sich beim Zurückschlagen noch das Wesen erhalten hat, dasselbe geblieben ist. Wir finden diese karmische Gesetzmäßigkeit überall in der Welt, insofern wir die Welt als eine geistige betrachten. Wir ahnen, daß sich das Karma auf den verschiedensten Gebieten in der verschiedensten Weise offenbaren wird. Und wir ahnen, wie die verschiedenen karmischen Strömungen - persönliches Karma, Menschheitskarma, Erdenkarma, Weltenkarma und so weiter - sich kreuzen werden und daß uns gerade dadurch die Aufschlüsse werden, die wir brauchen, um das Leben zu verstehen. Und an seinen einzelnen Punkten ist das Leben nur zu verstehen, wenn wir das Zusammenwirken der verschiedensten karmischen Strömungen finden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
= ZWEITER VORTRAG Hamburg, 17. Mai 1910 =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bevor wir zu unseren eigentlichen menschlichen Karmafragen kommen, wie sie angekündigt sind, sind eine Reihe von Vorbetrachtungen notwendig. Dazu gehört das, was gestern gesagt worden ist: eine Art Beschreibung des Karmabegriffes. Dazu gehört auch das, was heute zu sagen sein wird über Karma und Tierreich. Was man nennen könnte äußere Beweise für die Wirklichkeit der karmischen Gesetzmäßigkeit, das werden Sie im Laufe des Zyklus an denjenigen Stellen finden, wo gerade Veranlassung sein wird, auf diese äußeren Beweise besonders hinzudeuten. Bei diesen Gelegenheiten werden Sie auch die Möglichkeit finden, über die Begründung der Karmaidee zu Außenstehenden zu sprechen, welche Sie, über dies oder jenes als Zweifler an der ganzen Karmaidee, befragen werden. Zu alledem sind aber einige Vorbetrachtungen notwendig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was läge denn näher, als zu fragen: Wie verhalten sich tierisches Leben, tierisches Schicksal zu dem, was wir den Verlauf des menschlichen Karma nennen, in dem wir - wie sich zeigen wird - die wichtigsten und tiefeingreifendsten Schicksals fragen für den Menschen beschlossen finden?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Verhältnis der Menschen auf der Erde zur Tierwelt ist ja im Laufe der Zeit und auch je nach den verschiedenen Völkern ein verschiedenes. Und es ist gewiß nicht uninteressant, zu sehen, wie bei Völkerschaften, die sich die besten Teile der uralt heiligen Weisheit der Menschheit bewahrt haben, eine weitgehend mitleidvolle, liebevolle Behandlung der Tiere Platz gegriffen hat. Innerhalb der Welt des Buddhismus zum Beispiel, der sich wichtige Teile alter Weltanschauungen bewahrt hat, wie sie die Menschen in ihrer Urzeit hatten, haben wir eine tiefgehend mitleidvolle Behandlung der Tiere, eine Behandlung der Tiere und Gefühle gegenüber der Tierwelt, die in Europa unzählige Menschen noch nicht verstehen können. Aber auch bei andern Völkern - ich erinnere nur an den Araber in bezug auf Behandlung seines Pferdes -, insbesondere wenn diese Völker sich etwas bewahrt &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|35}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
haben von den alten Anschauungen, wie sie als alte Erbstücke da und dort auftreten, finden Sie eine Art «Freundschaft» zu den Tieren, etwas wie menschliche Behandlung der Tiere. Dagegen darf man Wohl sagen, daß in denjenigen Gegenden, in denen sich eine Art von Weltanschauung der Zukunft vorbereitet, in den abendländischen Gegenden, wenig Verständnis für solches Mitleid mit der Tierwelt Platz gegriffen hat. Und charakteristisch ist es, daß im Verlaufe des Mittelalters und dann auch bis in unsere Zeit hinein gerade in Ländern, in denen die christlicheWeltanschauung Ausbreitung gewonnen hat, die Anschauung auf tauchen konnte, daß die Tiere überhaupt nicht als Wesen zu betrachten seien mit einem eigentlichen Seelenleben, sondern als eine Art Auto maten. Und es ist vielleicht nicht mit Unrecht darauf aufmerksam gemacht worden - wenn auch nicht immer mit einem großen Verständ nls -, daß diese Anschauungen, welche von der abendländischen Philosophie vielfach vertreten worden sind, daß die Tiere Automaten seien und ein eigentliches Seelen leben nicht haben, hinuntergesickert sind in die Volkskreise, die kein Mitleid und oft auch keine Grenze kennen in der grausamen Behandlung der ~iere. Ja, die Sache ist so weit gegangen, daß man einen großen Philosophen der Neuzeit, Cartesius, in seinen Gedanken über die Tierwelt recht gründlich hat mißverstehen können.Wir müssen uns natürlich klar sein, daß von den eigentlich bedeutenden Geistern der abendländischen Kulturentwickelung diese Anschauung,daß dieTiere nur Automaten seien, niemals vertreten worden ist. Es hat auch Cartesius nicht diese Anschauung vertreten, obwohl Sie In vielen Büchern über Philosophie lesen können, daß Cartesius eine solche Anschauung vertreten habe. Das ist aber nicht wahr; sondern&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wer Cartesius kennt, der weiß, daß er den Tieren zwar nicht ein solches Seelisches zuschreibt, das sich dazu entwickeln kann, aus dem Ich- Bewußtsein heraus zu elnem Beweise für das Dasein Gottes zu kommen, aber er schreibt dennoch dem ,Tiere zu, daß es durchströmt, durchseelt ist mit den sogenannten Lebensgeistern, die allerdings nicht eine so einheitlicbe Individualität darstellen wie das Ich des Menschen, aber doch in der tierischen Organisation als Seele wirken. Und es ist gerade das Charakteristische, daß man Cartesius in dieser Beziehung hat gründlich mißverstehen können. Denn das zeigt uns, daß in den verflossenen &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|36}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jahrhunderten unserer abendländischen Entwickelung die Tendenz vorhanden war, den Tieren etwas bloß Automatisches zuzuschreiben, und diese Tendenz hat man selbst da hineingelesen, wo man sie nicht hätte hineinlesen können, wenn man gewissenhaft zu Werke gegangen wäre, nämlich bei Cartesius. Die abendländische Kulturentwickelung hat das Eigentümliche, daß sie sich herausbilden mußte aus den Elementen des Materialismus. Und man kann sogar sagen: Der Aufgang des Christentums hat sich so vollzogen, daß dieser bedeutungsvolle Impuls der Menschheitsentwickelung zuerst in eine materialistische abendländische Gesinnung hineinverpflanzt worden ist. Der Materialismus der neueren Zeit ist nur eine Folge dessen, daß auch das spirituellste Religionsbekenntnis, das Christentum, zunächst im Abendlande eine materialistische Auffassung hat finden können. Es ist einmal - wenn wir so sagen dürfen - das Menschheitsschicksal der abendländischen Völker, daß sie sich emporarbeiten müssen aus materialistischen Untergründen und gerade in der Überwindung der materialistischen Ansichten und Tendenzen die starken Kräfte werden entfalten müssen zu einem höchsten Spiritualismus. Damit, daß dieses Schicksal, dieses Karma den abendländischen Völkern geworden ist, ist auch bei ihnen jener Zug entstanden, die Tiere nur wie Automaten zu betrachten. Wer nicht gut das Wirken des geistigen Lebens durchschauen kann, wer nur sich halten kann an das, was uns in der sinnlichen Außenwelt umgibt, der wird aus den Eindrücken dieser sinnlichen Außenwelt heraus leicht zu einer Auffassung über die Tierwelt kommen können, welche die Tiere möglichst niedrig stellt. Dagegen haben solche Weltanschauungen, die noch Elemente der alten spirituellen Weltanschauungen der Urweisheit der Menschheit in sich behalten haben, sich eine Art Erkenntnis bewahrt über das, was auch in der Tierwelt geistig ist; und trotz allen Mißverständnissen, trotz all dem, was sich in ihre Weltanschauungen eingeschlichen und deren Reinheit verdorben hat, konnten sie doch nicht vergessen&amp;gt; daß geistige Tätigkeiten, geistige Gesetze an dem Ausleben und Ausgestalten des Tierischen betätigt sind. Wenn wir also auf der einen Seite gerade in dem Mangel geistiger Weltanschauungen ein Unverständnis des Tierisch-Seelischen erblicken müssen, so dürfen wir uns auf der andern Seite nicht darüber täuschen, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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daß auch das wiederum nur ein Ausfluß einer rein materialistischen Weltanschauung wäre, wenn wir die Karmaidee, wie sie uns dienen wird, menschliches Schicksal und menschliches Karma zu verstehen, ohne weiteres auf die tierische Welt anwenden würden. Das dürfen wir nicht. Es ist schon gestern darauf hingewiesen worden, daß es notwendig ist, den Begriff des Karma ganz genau zu fassen. Und wir würden fehlgehen,wenn wir das&amp;gt; was wir gefordert haben als ein Rückschlagen der Wirkung auf das Wesen, von dem die Verursachung ausgegangen ist, wenn wir das auch in der tierischen Welt suchen würden; denn in einem umfassenderen Maße werden wir die karmische Gesetzmäßigkeit erst dadurch kennenlernen können, daß wir über das einzelne menschliche Leben zwischen Geburt und Tod hinausgehen, den Menschen verfolgen durch die Aufeinanderfolge seiner Wiederverkörperungen und daß wir finden werden, daß jener Rückschlag einer Ursache, welche wir in einem Leben gelegt haben, erst in einem späteren Leben kommen kann, so daß sich die karmische Gesetzmäßigkeit von Leben zu Leben zieht, und die Wirkungen von Ursachen eben nicht einzutreten brauchen - ja, wenn wir Karma im großen betrachten, auch ganz gewiß nicht eintreten in demselben Leben zwischen Geburt und Tod.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun wissen wir schon aus den äußeren geisteswissenschaftlichen Betrachtungen, daß wir beim T`lere von einer solchenWiederverkörperung, wie sie beim Menschen stattfindet, nicht sprechen können. Für jene menschliche Individualität, welche sich erhält, wenn der Mensch durch die Pforte des Todes schreitet, welche durchlebt ein besonderes Leben im Geistigen in der Zeit vom Tode bis zur neuen Geburt, um dann durch eine neue Geburt wieder ins Dasein zu treten, für diese menschliche Individualität finden wir etwas Ähnliches oder gar etwas ganz Gleiches in der tierischen Welt durchaus nicht. Wir können nicht in derselben Weise, wie wir den menschlichen Tod auffassen, von dem tierischen Tode sprechen. Denn alles, was wir beschreiben als die Schicksale der menschlichen Individualität, nachdem der Mensch durch die Pforte des Todes gesch ritten ist, verhält sich in der Tierwelt nicht in der gleichen Art; und wenn man glauben würde, daß wir in einem tierischen Individuum das wiederverkörperte Wesen eines schon früher auf der Erde vorhanden gewesenen Tieres suchen könnten, wie wir das beim Menschen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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tun müssen, dann würden wir uns durchaus einem Irrtum hingeben. Heute, wo man gern alles, was sich uns in der Welt darbietet, nur seiner Außenseite nach betrachtet und nicht auf das Innere eingeht, können ja die eigentlichen großen Gegensätze, die wichtigsten Unterscheidungen zwischen Mensch und Tier gar nicht vor Augen treten. Äußerlich - rein materialistisch betrachtet - nimmt sich die Erscheinung des Todes bei Mensch und Tier in der gleichen Art aus. Da kann man leicht glauben, wenn man das Leben eines Tieres betrachtet, daß man einzelne Erscheinungen dieses individuellen Lebens des Tieres vergleichen könnte mit einzelnen Erscheinungen des persönlichen Lebens des Menschen zwischen Geburt und Tod. Aber da würde man ganz fehlgehen. Deshalb soll auf die durchgreifenden Unterschiede zwischen demYierischen und dem Menschlichen zunächst an einzelnen Beispielen hingedeutet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nur derjenige kann sich nämlich diesen Unterschied zwischen Tier und Mensch vollständig klarlegen, der unbefangen nicht nur auf die sich seinem äußeren sinnlichen Anschauen, sondern auch auf die seinem kombinierenden Denken sich ergebenden Tatsachen eingeht. Da finden wir eine Erscheinung, die auch von den Naturforschern hervorgehoben wird, mit der aber die Naturforscher der Gegenwart nichts Rechtes anzufangen wissen, nämlich die Erscheinung, daß der Mensch eigentlich das Allereinfachste erst lernen muß: den Gebrauch der einfachsten Werkzeuge hat der Mensch im Laufe seiner Geschichte lernen müssen, und unsere Kinder müssen heute noch die allereinfachsten Sachen eben lernen, und sie müssen eine gewisse Zeit anwenden, um sie zu lernen. Es kostet Mühe, dem Menschen etwas beizubringen, einfache Handgriffe, Verfertigung von Instrumenten und Werkzeugen und so weiter. Wenn wir dagegen die Tiere betrachten, müssen wir sagen: Wieviel besser haben es die Tiere in dieser Beziehung! - Denken wir uns, wie der Biber seinen komplizierten kunstvollen Bau aufführt. Er braucht es nicht zu lernen; er kann es, indem er es mitbringt als eine ihm eingeprägte Gesetzmäßigkeit, wie wir uns als Menschen mitbringen die Möglichkeit, die «Kunst», um das siebente Jahr unsere Zähne zu wechseln. Das braucht auch keiner zu lernen. So bringen sich die Tiere eine solche Fähigkeit mit, wie sie der Biber hat, seinen Bau aufzuführen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Und wenn Sie Umschau halten im Tierreich, werden Sie finden, daß die Tiere sich ganz bestimmte Kunstfertigkeiten mitbringen, durch welche etwas zustande gebracht werden kann, an das menschliche Kunst fertigkeit bei allem, wie wir es so herrlich weit gebracht haben, noch lange nicht heran reicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun kann die Frage entstehen: Wie kommt es denn eigentlich, daß der Mensch, wenn er geboren wird, unfähiger ist als zum Beispiel ein Huhn oder ein Biber, daß er das, was diese Wesenheiten sich schon mit- bringen, erst mühevoll sich aneignen muß? Das ist eine große Frage. Und daß es eine große Frage ist, muß man vor allen Dingen empfinden lernen. Denn es kommt bei dem, was der Mensch für seineWeltanschauung gewinnen muß&amp;gt; viel weniger darauf an, daß man auf wichtige Tatsachen hinweist, als daß man weiß, wo wichtige Fragen zu stellen sind. Tatsachen können richtig sein, brauchen aber nicht immer wertvoll zu sein für unsere Weltanschauung. Nun würde es, obwohl wir noch heute auf die Ursachen dieser Erscheinungen geisteswissenschaftlich eingehen werden, doch zu weit führen, wenn man in allen Einzelheiten zeigen würde, warum das so ist. Aber zunächst kann doch mit ein paar Worten darauf hingewiesen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir geisteswissenschaftlich zurückgehen in der menschlichen Entwickelung bis in urferne Vergangenheiten, so werden wir finden, daß diejenigen Kräfte und Elemente, welche sozusagen dem Biber oder einem andern Tiere zur Verfügung stehen, um solche Kunstfertigkeiten mit sich auf die Welt zu bringen, dem Menschen auch zur Verfügung gestanden haben. Der Mensch hat ja nicht gerade in seine Anlage in urferner Vergangenheit bloß die Ungeschicklichkeit aufgenommen und dem Tiere überlassen müssen die primitive Geschicklichkeit. Er hat diese Anlage auch empfangen, ja im Grunde genommen in einem weit reicheren Maße als die Tiere. Denn wenn auch die Tiere gewisse große Kunstfertigkeiten mit auf die Welt bringen, so sind diese doch im Leben einseitig. Der Mensch kann im Grunde genommen gar nichts, wenn er ins Leben tritt, er muß alles erst lernen, was sich auf die äußere Welt bezieht. Das ist etwas radikal ausgedrückt, aber wir werden uns verstehen. Wenn der Mensch aber dann lernt, zeigt sich bald, daß er vielseitiger, daß seine Entwickelung eine reichere werden kann in bezug &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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auf die Ausprägung gewisser Kunstfertigkeiten und dergleichen, als das beim Tiere der Fall ist. Also der Mensch hat reiche Anlagen ursprünglich mitbekommen - und dennoch hat er sie heute nicht. Nun tritt die eigentümliche Erscheinung zutage, daß ursprünglich Mensch und Tier in gleicher Weise ausgestattet waren. Und wenn wir zurückgehen würden bis zur alten Saturnentwickelung, so würden wir finden, daß eine Unterscheidung der menschlichen und tierischen Entwickelung noch gar nicht stattgefunden hatte. Da waren beide vollständig gleich veranlagt. - Was ist nun in der Zwischenzeit geschehen, daß das Tier alle möglichenGeschicklichkeiten mit ins Dasein trägt,während der Mensch ein so ungeschickter Genosse des Weltendaseins ist? Wie hat sich der Mensch eigentlich benommen in der Zwischenzeit, daß er jetzt plötzlich alles das nicht hat,was er mitbekommen hatte? Hat er das im Laufe der Entwickelung sinnlos verschwendet, während es sich die Tiere als sparsame Haushalter bewahrt haben? Diese Frage kann aus dem wirklichen Tatbestand heraus aufgeworfen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Mensch hat diese Anlagen, die heute das Tier in äußerer Geschicklichkeit auslebt, nicht verschwendet; er hat sie auch verwendet, aber zu etwas anderem als die Tiere. Die Tiere prägen sie in äußeren Geschicklichkeiten aus; Biber und Wespe bauen ihr Nest. Der Mensch hat dieselben Kräfte, welche die Tiere in dieser Art ausleben, in sich selber hineingetan und verwendet. Und er hat dadurch zustande gebracht, was wir seine höhere menschliche Organisation nennen. Daß der Mensch heute seinen Gang aufrecht hat, daß er das vollkommenere Gehirn, überhaupt eine vollkommenere innere Organisation hat, das bedurfte auch gewisser Kräfte; und das sind dieselben Kräfte, mit denen sich der Biber seinen Biberbau errichtet. Der Biber baut sich sein Nest. Der Mensch hat die Kräfte auf sich verwendet, zu seinem Gehirn, zu seinem Nervensystem und so weiter. Daher hat der Mensch zunächst nichts übrig behalten, um in derselben Weise nach außen zu arbeiten. Also, daß wir heute unter den Tieren schreiten mit einem vollkommeneren Bau, das rührt davon her, daß wir alles, was der Biber draußen verarbeitet, einmal im Laufe der Entwickelung auf unseren inneren Bau verwendet haben.Wir haben drinnen unseren Biberbau und können daher nach außen diese Kräfte nicht mehr in derselben Weise entfalten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Da sehen wir, wenn wir an einer einheitlichen Weltauffassung festhalten, wohin die verschiedenen Anlagen, die in den Wesen vorhanden sind, kommen und wie sie uns heute entgegentreten. Indem der Mensch in seiner Weise diese Kräfte verwendet hat, wurde für ihn in seiner Erdentwickelung eine ganz besondere Einrichtung notwendig, die wir zum Teil schon kennen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Warum mußten beim Menschen die Kräfte, von denen jetzt eben gesprochen worden ist und die uns bei den verschiedenen Arten und Gattungen des Tierreiches in äußeren Verrichtungen entgegentreten, auf das Innere der menschlichen Organisation verwendet werden? Weil der Mensch nur dadurch, daß er sich die innere Organisation verschaffen konnte, der Träger dessen werden konnte, was heute das Ich ist, was von Inkarnation zu Inkarnation schreitet. Eine andere Organisation hätte kein solcher Ich-Träger werden können; denn es hängt durchaus von dem äußeren Gehäuse ab, ob eine Ich-Individualität sich im Erden- dasein betätigen kann oder nicht. Sie könnte es nicht, wenn die äußere Organisation nicht der Ich-Individualität angemessen wäre. Alles lief also darauf hinaus, die äußere Organisation dieser Ich-Individualität angemessen zu machen. Dazu mußte eine besondere Einrichtung geschaffen werden, und die kennen wir schon ihrer wesentlichen Seite nach.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir wissen, daß unserer Erdentwickelung vorangegangen ist die Mondentwickelung, dieser wieder die Sonnenentwickelung und dieser eine Saturnentwickelung. Als die alte Mondentwickelung zu Ende war, war der Mensch auf einer Stufe in bezug auf sein äußeres Dasein, die man als Tier-Menschlichkeit bezeichnen kann. Aber damals war diese äußere menschliche 0rganisation noch nicht so weit, daß sie der Träger einer Ich-Individualität hätte werden können. Erst die Erdentwickelung des Menschen hatte die Aufgabe, dieser Organisation das Ich einzuverleiben. Das konnte aber nur dadurch geschehen, daß die Vorgänge unserer Erdentwickelung in einer ganz eigenartigen Weise eingerichtet wurden. - Als die alte Mondentwickelung zu Ende gegangen war, löste sich alles sozusagen in ein Chaos auf. Daraus ging nach einer entsprechenden Zeit kosmischer Dämmerung wieder hervor der neue Kosmos unserer Erdentwickelung. In diesem Kosmos der Erdentwickelung war &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
damals alles enthalten, v`as heute als unser Sonnensystem mit uns und der Erde verbunden ist. Aus diesem Zusammenhang, aus dieser kosmischen Einheit haben sich dann erst abgespalten alle andern Weltkörper von unserer eigentlichen Erde. Wir brauchen nicht einzugehen auf die Art und Weise, wie sich die andern Planeten, Jupiter, Mars und so weiter, abgespalten haben. Wir müssen nur darauf hinweisen, daß in einem bestimmten Zeitpunkt der Erdentwickelung sich unsere Erde und unsere Sonne getrennt haben. Als dann schon die Sonne abgetrennt war und ihre Wirkungen von außen auf die Erde hereinsandte, war unsere Erde noch mit dem heutigen Monde verbunden, so daß die Substanzen und geistigen Kräfte, die heute an den Mond gekettet sind, damals noch mit unserer Erde verbunden waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist öfter schon die Frage berührt worden, was geschehen wäre, wenn sich die Sonne nicht abgespalten hätte von der Erde und nicht übergegangen wäre zu jenem Zustande, in dem sie wie heute von außen auf die Erde wirkt. Indem zunächst die Erde noch mit der Sonne verbunden war, waren bei den ganz anders gearteten Verhältnissen noch das ganze kosmische System und auch die Vorfahren der menschlichen Organisation miteinander vereinigt. Es ist natürlich ein Unding, die heutigen Verhältnisse anzuschauen und dann zu sagen: Was ist das für ein Unsinn von den Theosophen; da hätten ja alle die organisierten Wesen verbrennen müssen! - Diese Wesen waren eben so, daß sie unter den damaligen Verhältnissen in dieser ganz anders gearteten kosmischen Einheit bestehen konnten. - Wenn nun die Sonne in Verbindung mit der Erde geblieben wäre, dann wären ganz andere, viel heftigere Kräfte mit der Erde verbunden geblieben, und die Folge wäre gewesen, daß die ganze Entwickelung der Erde mit einer solchen Heftigkeit und Schnelligkeit fortgeschritten wäre, daß es gar nicht möglich gewesen wäre, daß die menschliche Organisation sich hätte so ausleben können, wie sie sich ausleben mußte. Daher war es notwendig, daß der Erde ein langsameres Tempo und dichtere Kräfte zur Verfügung gestellt wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das konnte nur dadurch geschehen, daß die stürmischen, vehementen Kräfte sich herauszogen aus der Erde. So wirkten die Kräfte der Sonne vor allen Dingen dadurch schwächer, daß sie jetzt von außen durch die Entfernung auf die Erde wirkten. Dadurch aber war nun etwas anderes &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
eingetreten. Es war jetzt die Erde in einem Zustande, daß die Menschen wiederum nicht hätten in der richtigen Weise vorwärtskommen können. Die Verhältnisse waren jetzt zu dicht, zu sehr verholzend und verdorrend für alles Leben. Der Mensch hätte wieder nicht zu seiner Entwickelung kommen können, wenn es so geblieben wäre. Abgeholfen wurde dem durch eine besondere Einrichtung, indem nämlich einige Zeit nach dem Sonnenaustritt der heutige Mond die Erde verlassen hat und die verlangsamenden Kräfte, die das Leben hätten zu einem langsamen Tode kommen lassen, mit sich fortgenommen hat. So blieb die Erde zwischen Sonne und Mond zurück, gerade das richtige Tempo wählend für die menschliche Organisation, um ein Ich als einen Träger der Individualität, die von Inkarnation zu Inkarnation geht, wirklich aufzunehmen. Die menschliche Organisation, wie sie heute ist, war unter gar keinen andern Umständen aus dem Kosmos heraus herzu stellen als durch diesen Vorgang zunächst der Sonnen- und dann der Mondentrennung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es könnte vielleicht jemand sagen: Wenn ich der Herrgott gewesen wäre, so hätte ich es anders gemacht; ich hätte gleich eine solche Mischung hergestellt, daß die menschliche Organisation in einer solchenWeise hätte fortschreiten können, wie sie hat fortschreiten müssen. Warum nun war es nötig, daß zuerst die Sonne heraustreten mußte und daß dann noch einmal ein Mondaustritt notwendig wurde?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer so denkt, denkt viel zu abstrakt. Er denkt nicht daran, daß, wenn in der Weltordnung eine innerliche Mannigfaltigkeit herbeigeführt werden soll, wie es die menschliche Organisation ist, für jeden einzelnen Teil eine besondere Einrichtung notwendig ist und daß man das nicht in die Wirklichkeit umsetzen kann, was sich der menschliche Gedanke spintisierend ausdenkt. In abstracto kann man alles denken; aber in der wirklichen Geisteswissenschaft muß man lernen, konkret zu denken, so daß man sich sagt: Die menschliche Organisation ist ja keine einfache. Sie besteht aus einem physischen Leib, einem Ätherleib und einem astralischen Leib. Diese drei Glieder mußten erst in ein bestimmtes Gleichgewicht gebracht werden, so daß die einzelnen Teile in einem richtigen Verhältnisse zueinander stehen. Das konnte nur durch diesen dreifachen Vorgang stattfinden: Zuerst die Bildung des einheit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
lichen Kosmos, der ganzen kosmischen Einheit Erde, Sonne und Mond zusammen. Dann mußte vollzogen werden für sich dasjenige, was im menschlichen Ätherleib verlangsamend wirken konnte, weil er sonst zu stürmisch alle Entwickelung verzehrt hätte - und das geschah, indem die Sonne hinausgeführt worden ist. Und dann wieder mußte, weil der astralische Leib sonst die menschliche Organisation zu einem Ersterben gebracht hätte, der Mond hinausgeführt werden. Weil der Mensch in seiner Organisation drei Glieder hat, mußten auch diese drei Vorgänge&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
stattfinden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So sehen wir, daß der Mensch sein Dasein, seine gegenwärtigen Eigenschaften einer komplizierten Einrichtung im Kosmos verdankt. Wirwissen aber auch, daß die Entwickelung aller Naturreiche keineswegs gleichen Schritt halten kann mit der allgemeinen Entwickelung. Wir wissen aus den allgemeinen Betrachtungen der letzten Jahre, daß immer auf den einzelnen planetarischenVerkörperungen unserer Erde gewisse Wesenheiten zurückblieben hinter der allgemeinen Entwickelung, welche dann, wenn die Entwickelung vorwärtsschritt, in Zuständen lebten, die der Entwickelung nicht vollständig entsprachen. Wir wissen aber auch, daß alle Entwickelung im Grunde durch solches Zurückbleiben erst richtig in Fluß gebracht werden konnte. Wissen wir doch, daß gewisseWesen während der alten Mondentwickelung zurückgeblieben sind als die «luziferischen Wesenheiten», daß durch sie manches Schlimme verschuldet worden ist, daß wir ihnen aber auch das verdanken, was uns erst das Menschsein möglich macht, nämlich die Möglichkeit der Freiheit, der freien Entfaltung unseres Innenwesens. Ja, wir können sagen: In gewisser Beziehung war das Zurückbleiben der luziferischen Wesenheiten ein Opfer. Sie sind zurückgeblieben, damit sie während des Erdendaseins ganz besondere Tätigkeiten ausüben konnten, näm lich dem Menschen die Leidenschaften verleihen, die mit seiner menschlichen Würde und Selbstbestimmung zusammengehören. - Wir müssen uns eben angewöhnen, ganz andere Begriffe zu gebrauchen, als sie sonst üblich sind, denn aus den gewöhnlichen Begriffen heraus könnte man vielleicht sagen, es hätten die luziferischen Geister gehörig «nachsitzen» müssen, und man wird ihnen ihre Nachlässigkeit nicht verzeihen. Aber es hat sich nicht um eine Nachlässigkeit der luziferischen Wesen ge&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
handelt. Ihr Zurückbleiben ist in gewisser Beziehung ein Opfer gewesen, um durch das, was sie sich durch dieses Opfer angeeignet haben, auf unsere Erdenmenschheit wirken zu können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon aus den gestrigen Andeutungen wissen Sie, daß nicht nur Wesenheiten, sondern auch Substanzen zurückgeblieben sind und sich Gesetze bewahrt haben, die in früheren planetarischen Zuständen die richtigen waren und die sie dann hineingetragen haben in die spätere Entwickelung. So durchkreuzen sich Entwickelungsphasen von alter Zeit mit Entwickelungsphasen von neuer Zeit, sie gehen durcheinander.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dadurch wird die Mannigfaltigkeit des Lebens eigentlich erst möglich. - So stellen sich uns die verschiedensten Grade dar in der Entwickelung der Wesenheiten. Nicht möglich gewesen wäre es, daß neben dem Menschenreich sich überhaupt ein Tierreich entwickelt hätte, wenn nicht nach der Saturnperiode gewisse Wesen zurückgeblieben wären, um - während sich auf der Sonne die Menschen schon zu einer höheren Stufe entwickelt hatten - ein zweites Reich zu bilden und als erste Vorläufer unseres heutigen Tierreiches hervorzukommen. Für die Grundlage späterer Bildungen ist dieses Zurückbleiben durchaus notwendig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn nun die Frage aufgeworfen wird: Warum müssen Wesenheiten und Substanzen zurückbleiben? - so möchte ich das durch einen Vergleich klarmachen. Die Entwickelung des Menschen sollte vorwärts- schreiten von Stufe zu Stufe. Das konnte sie nur dadurch, daß der Mensch sich immer mehr und mehr verfeinerte. Hätte er immer mit denselben Kräften gewirkt&amp;gt; mit denen er während der Saturnphase wirkte, so wäre er nicht vorwärtsgekommen. Er wäre stehengeblieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deshalb mußte er seine Kräfte verfeinern. - Nun nehmen wir, um ein Bild zu haben, einmal ein Glas Wasser an, in welchem irgendein Stoff aufgelöst ist. Da wird alles von oben bis unten in diesem Glas gleiche Färbung zeigen, gleiche Dichtigkeit und so weiter, es wird alles gleich sein. Nehmen wir nun an, es setzen sich die gröberen Stoffe zu Boden, dann bleiben das reinere Wasser und die feineren Substanzen oben. Das Wasser konnte sich also nur dadurch verfeinern, daß es das Gröbere ausgeschieden hat. - So etwas war auch nötig, nachdem die Saturnentwickelung abgelaufen war, es mußte ein solcher Bodensatz entstehen, es mußte die ganze Menschheit etwas ausscheiden und sich &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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die feineren Teile zurückbehalten. Was ausgeschieden worden war, das wurden dann die~iere. Durch das Ausscheiden konnten sich die andern verfeinern und um einen Schritt höher kommen. Und auf jeder solchen Stufe mußten Wesenheiten ausgeschieden werden, damit der Mensch immer höher und höher kommen konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir haben also eine Menschheit, die nur dadurch möglich geworden ist, daß der Mensch sich befreit hat von denjenigen Wesenheiten, die um uns herum in den untergeordneten Reichen leben. Wir haben diese Wesenheiten mit allen ihren Kräften einmal in dem Strom der Entwickelung darinnen gehabt, sie waren damit verbunden wie in dem Wasser die dichteren Bestandteile. Wir haben sie zu Boden sinken lassen und haben uns daraus emporgehoben. Dadurch ist unsere Entwickelung möglich geworden.Wir sehen also hinunter auf die drei neben uns lebenden Naturreiche und sagen: In alledem sehen wir etwas, was unser Boden hat werden müssen, damit wir uns haben entwickeln können. Diese Wesenheiten sind hinuntergesunken, damit wir haben empor- steigen können. So blicken wir in der richtigen Art auf die untergeordneten Naturreiche.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir nun die Erdentwickelung betrachten, wird sich uns dieser Vorgang noch anschaulicher in seinen Einzelheiten darstellen können. Wir müssen uns klar sein, daß alle Tatsachen innerhalb unserer Erdentwickelung doch gewisse Verhältnisse und Zusammenhänge haben. Nun haben wir gesehen, daß die Abtrennung der Sonne und des Mondes von der Erde eigentlich geschehen ist, damit die menschliche Organisation während der Erdentwickelung hat zu derjenigen Höhe kommen können, um eine Individualität zu werden; das gehörte dazu, um die menschliche Organisation gleichsam zu reinigen. Aber dadurch, daß diese Abtrennungen im Weltenall um des Menschen willen geschahen, ist durch solche eingreifende Veränderung in unserem ganzen Sonnensystem doch auch ein Einfluß auf alle drei andern Naturreiche ausgeübt worden, vor allem auf das Tierreich, das uns zunächst steht. Und wenn wir diesen Einfluß verstehen wollen, der auf das Tierreich durch die Vorgänge der Sonnen- und Mondabspaltung geschah, dann bekommen wir aus der Geistesforschung folgenden Aufschluß.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Mensch war auf einer gewissen Stufe seiner Entwickelung, als&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
sich die Sonne abgespalten hatte. Hätte er nun diese Stufe beibehalten müssen, die er während der Zeit hatte, als der Mond noch mit der Erde verbunden war, so hätte der Mensch seine gegenwärtige Organisation nicht erlangen können, er hätte einer gewissen Verödung und Verdorrung entgegengehen müssen. DieMondenkräfte mußten erst heraus- gehen. Daß diese menschliche Organisation möglich geworden ist, ist aber nur dem Umstande zu verdanken, daß der Mensch während der Zeit, als der Mond noch in der Erde war, sich eine Organisation bewahrt hatte, welche noch erweicht werden konnte; denn es wäre möglich gewesen, daß seine Organisation bereits so hart gewesen wäre, daß das Hinausgehen des Mondes nichts mehr genutzt hätte. Auf dieser Stufe, daß die Organisation noch erweicht werden konnte, standen tatsächlich nur die Menschenvorfahren. - Der Mond mußte also zu einer bestimmten Zeit hinausgehen. Was geschah nun bis zu dem Zeitpunkt, wo der Mond heraustrat?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die menschliche Organisation wurde immer gröber und gröber. Der Mensch hat zwar nicht ausgesehen wie Holz. Das wäre eine zu grobe Vorstellung. Es war die damalige Organisation trotz ihrer Grobheit immer noch feiner, als es die jetzige Organisation ist. Aber für die damalige Zeit war die Organisation des Menschen so grob, daß der geistigere Teil des Menschen, der auch dazumal in einer gewissen Weise abwechselnd mit dem physischen Leib zusammen und ohne ihn gelebt hat, in der Zeit zwischen Sonnen- und Mondaustritt endlich dahin gekommen war, daß er, wenn er wieder hat seinen physischen Leib aufsuchen wollen&amp;gt; diesen Leib durch die Vorgänge der Erde so dicht gefunden hat, daß er keine Möglichkeit mehr hatte, in ihn hineinzuziehen und ihn als Gehäuse zu benutzen. Daher geschah es auch, daß der geistig-seelische Teil vieler Menschenvorfahren von der Erde überhaupt Abschied nahm und für eine gewisse Zeit das Fortkommen suchte auf andern, zu unserem Sonnensystem gehörigen Planeten. Nur ein ganz geringer Teil der physischen Leiber war weiter brauchbar und rettete sich über diese Zeit hinüber. Das habe ich auch schon öfter dargestellt, daß die weitaus größte Zahl der Menschenseelen in den Himmelsraum hinauszogen, daß aber die fortlaufende Entwickelungsströmung festgehalten wurde von einem kleinen Teil, nämlich von denjenigen mensch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
lichen Seelen, die am robustesten waren und das alles ertragen und überwinden konnten. Diese robusten Seelen retteten die Entwickelung über die kritische Periode hinüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während dieses ganzenVorganges handelte es sich noch nicht eigentlich um das, was wir menschliche Ichheit, menschliche Individualität nennen. Es war noch mehr der Charakter derGattungsseele vorhanden. Die Seelen gingen, wenn sie sich zurückzogen, auf in die GattungsSeelenhaftigkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann kam der Mondaustritt, und damit war wieder die Möglichkeit gegeben, daß die menschliche Organisation verfeinert wurde, so daß sie die Seelen&amp;gt; welche sich früher hinweggeflüchtet hatten, wieder aufnehmen konnte. Und diese Seelen kamen nach und nach - bis in die atlantische Zeit hinein - wieder herunter und bezogen die menschlichen Leiber. Aber es waren immerhin gewisse Organisationen zurückgeblieben, die sich während der kritischen Zeit herausgebildet hatten. Fortgepflanzt hatten sie sich während dieser Zeit, nur konnten sie nicht Träger werden der menschlichen Seelenhaftigkeit. Es waren eben grobe Organisationen. Es hatten sich also dazumal neben jenen Organisationen, die sich später verfeinern konnten, solche erhalten aus der kritischen Erdenperiode. Diese wurden nun die Vorläufer einer gröberen Organisation, und dadurch kam es, daß neben jenen Organisationen, welche Träger von menschlichen Individualitäten werden konnten, auch solche Organisationen sich fortpflanzten, die nicht Träger menschlicher Individualitäten werden konnten und die die Nachkommen waren der von menschlichen Seelen verlassenen Organismen aus jener Zeit, als die Sonne schon fort und der Mond noch mit der Erde verbunden war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also sehen wir neben dem Menschen sich förmlich herausbilden ein Reich von Organismen, die durch das Beibehalten des Mondcharakters unfähig geworden waren, Träger menschlicher Individualitäten zu sein. Diese Organisationen sind im wesentlichen die, welche die Organisationen unserer heutigen Tiere wurden. Es könnte sonderbar erscheinen, daß diese gröberen Organisationen der heutigen Tiere nun doch wieder gewisse Fähigkeiten haben, welche sogar weisheitsvoll wirken können in der Welt, wie zum Beispiel in dem Biberbau. Das aber kann uns &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
erklärlich werden, wenn wir uns eben die Dinge nicht gar zu einfach vorstellen, sondern uns klar sind, daß gerade die Organisationen dieser Wesenheiten, welche nicht von menschlichen Seelen bezogen worden sind, die äußeren Einrichtungen de`s tierischen Baues, eines gewissen Nervenbaues und dergleichen ausgebildet hatten, die es möglich machten, sich mit den Gesetzen des Erdendaseins ganz in Einklang zu versetzen. Denn jeneWesenheiten, die nicht fähig geblieben waren, menschliche Seelen aufzunehmen, waren während der ganzen Zeit mit der Erde verbunden geblieben. Die andern Organisationen, die sich später verfeinert haben, so daß sie menschliche Individualitäten aufnehmen konnten, waren zwar auch zusammen mit der Erde; aber weil sie später Veränderungen eingehen mußten, als der Mond draußen war, haben sie gerade, was sie sich bis dahin angeeignet hatten, dadurch verloren, daß sie sich verfeinerten, daß sie diese Veränderungen eingehen mußten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also merken wir: Als sich der Mond getrennt hatte von der Erde, waren auf der Erde gewisse Organisationen, die sich einfach fortgepflanzt hatten in der geraden Linie, wie sie hatten entstehen müssen, solange der Mond mit der Erde früher verbunden war. Diese Organisationen waren grob geblieben, hatten sich die Gesetze, die sie hatten, bewahrt und waren in sich so fest geworden, daß, als der Mond heraus- gegangen war, mit ihnen keine Veränderung möglich war. Sie pflanzten sich einfach steif fort. Die andern Organisationen, die Träger von menschlichen Individualitäten wurden, mußten sich verändern, konnten sich nicht steif fortpflanzen. Sie veränderten sich so, daß jetzt hin- einwirken konnten die Wesenheiten, die in der Zwischenzeit gar nicht mit der Erde verbunden waren, die ganz woanders waren und sich erst wieder zusammenfügen mußten mit der Erde. - Da haben Sie den Unterschied zwischen jenen Wesenheiten, die den alten steifen Mondcharakter fortbewahrt hatten, und jenen, die sich verändert hatten. Worin bestand nun die Veränderung?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als die Seelen, die von der Erde fortgegangen waren, wieder zurückkamen und wieder Besitz ergriffen von den Leibern, fingen sie an, das Nervensystem, das Gehirn und so weiter umzubauen.Was sie als Kräfte hatten, das verwendeten sie gleichsam zum inneren Ausbau. An den andern Wesenheiten, die sich versteift hatten, konnte nichts mehr geändert&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|50}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
werden. Von diesen letzteren Organisationen nahmen jetzt andere Wesenheiten Besitz, die sich noch nicht darauf ein ließen, in die Organisation einzugreifen, die noch auf ihren früheren Stufen stehen- geblieben waren, die überhaupt nicht so weit kommen, daß sie in die inneren Organisationen hineinwirken, sondern die von außen wirken wie die tierischen Gattungsseelen. So erhielten diejenigen Organisationen, welche dazu geeignet waren, nach dem Mondaustritt die menschliche Seele; und diese Wesenheiten bearbeiteten dann die Organisation so, daß sie zu dem vollkommenen Menschenbau führte. Die während der Mondenzeit steif gebliebenen Organisationen konnten nicht mehr geändert werden. Von denen ergreifen jetzt Besitz jene Seelen, die überhaupt noch nicht so weit waren, in eine Individualität einzuziehen, die auf der Mondenstufe stehengeblieben waren, die alles ausgebildet hat- ten, was auf der Mondenstufe zu erreichen war, und die daher jetzt als Gattungsseelen von diesen Organisationen Besitz ergriffen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So erklärt sich uns der Unterschied zwischen Mensch und Tier aus den kosmischen Vorgängen heraus. Gerade durch die kosmischen Vorgänge bei der Erdentwickelung ergeben sich uns zweierlei Organisationen. Hätten wir bei dem Bau der unmittelbar unter dem Menschen stehenden Wesenheiten stehenbleiben müssen, so müßten wir jetzt mit unserem Ich die Erde umschweben, weil die Organisationen zu steif geworden sind. Wir könnten nicht herunter, und obwohl wir vollkommenere Wesen geworden sind, müßten wir da sein, wo die Organisationen der Gattungsseelen der Tiere sind. Da aber unsere Organisationen sich verfeinern konnten, so konnten wir in sie einziehen und sie als unsere Wohnplätze benutzen, das heißt, wir konnten in fleischliche Verkörperungen bis zur Erde hinuntersteigen. Die Gattungsseelen hatten kein Bedürfnis danach. Sie wirken von der geistigen Welt in die Wesen hinein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir sehen also in dem Tierreich, das uns umgibt, etwas, was wir heute auch wären, wenn wir eben nicht unsere Organisation der geschilderten Einrichtung verdankten. Fragen wir uns jetzt Wodurch sind denn die unter uns stehenden Tiere mit ihren versteiften Organisationen auf die Erde gekommen? - Durch uns selber sind sie herunter- gekommen! Sie sind die Nachkommen jener Körper, die wir nach dem &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|51}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mondaustritt nicht mehr beziehen wollten, weil sie zu grob geworden waren. Wir haben diese Körper zurückgelassen, um später andere zu finden.Wir hätten später andere nicht finden können, wenn wir damals jene ersten nicht verlassen hätten. Denn wir mußten nach dem Heraus- treten der Sonne auf der Erde unser Fortkommen suchen. - Da haben wir gerade den Vorgang, daß wir sozusagen unter uns zurückließen gewisse Wesenheiten, damit wir selber die Möglichkeit finden konnten, höher hinaufzukommen. Um höher zu kommen, mußten wir zu andern Planeten gehen und die Leiber da unten verkommen lassen. Was unten zurückgeblieben ist, dem verdanken wir in gewisser Beziehung das, was wir sind. Ja, wir können dieses «Verdanken» noch viel genauer schildem. Wir können uns fragen: Wie ist es denn überhaupt möglich geworden, daß wir während der kritischen Periode die Erde verlassen konnten? So ohne weiteres geht das ja nicht, daß ein Wesen hingehen kann, wo es will.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da trat während der Erdentwickelung zum ersten Male dasjenige ein, was wir wiederum den luziferischen Geistern verdanken. Die luziferischen Wesenheiten waren unsere Führer, die uns in der kritischen Periode von der Erdentwickelung hinweggenommen haben. Sie haben uns gleichsam gesagt: Da unten kommt jetzt eine kritische Zeit; da müßt ihr die Erde verlassen! - Die luziferischen Geister waren es, unter deren Führung wir die Erde verlassen haben, dieselben luziferischen Geister, die in unseren damaligen astralischen Leib das luziferische Prinzip, den Hang zu allem, was wir die Möglichkeit des Bösen in uns nennen, hineinbrachten, damit zugleich aber allerdings auch die Möglichkeit der Freiheit. Hätten sie uns damals nicht fortgenommen von der Erde, so wären wir immer gekettet geblieben an die Gestalt, die wir damals geschaffen hatten, und wir könnten jetzt die Gestalt höchstens von oben umschweben, würden sie aber niemals beziehen können. So nahmen sie uns fort und verbanden ihr eigenes Wesen mit unserem Wesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir das ins Auge fassen, wird es uns jetzt verständlich, daß wir, während wir fortgingen, die luziferischen Einflüsse aufnahmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Organisationen, welche dieses Schicksal nicht teilten, damals in ganz besondere Weltgebiete geführt zu werden, die mit der Erde verbunden blieben, die blieben unten ohne den luziferischen Einfluß. Sie &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|52}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
mußten mit uns die Erdenschicksale teilen - konnten aber nicht mit uns unser Himmelsschicksal teilen. Und als wir auf die Erde zurückkamen, hatten wir den luziferischen Einschlag in uns, nicht aber jene andern Wesen, und dadurch wurde es uns möglich, das Leben in einem physischen Körper und doch ein von dem physischen Körper unabhängiges Leben zu führen, so daß wir auch immer mehr und mehr unabhängig von dem physischen Körper werden konnten. Diese andern Wesen aber, die den luziferischen Einschlag nicht in sich hatten, stellten dar, was wir aus ihnen gemacht hatten, was unsere astralischen Leiber waren in der Zwischenzeit zwischen Sonnen- und Mondaustritt, also dasjenige, von dem wir uns befreiten. Wir schauen auf die Tiere und sagen: Alles, was die Tiere darstellen an Grausamkeit, an Gefräßigkeit, an allen tierischen Untugenden, neben der Geschicklichkeit, die sie haben, das hätten wir in uns, wenn wir sie nicht hätten aus uns heraussetzen können! - Wir verdanken die Befreiung unseres astralischen Leibes dem Umstande, daß alle gröberen astralischen Eigenschaften zurückgeblieben sind im Tierreich der Erde. Und wir können sagen: Wohl uns, daß wir das nicht mehr in uns haben: die Grausamkeit des Löwen, die List des Fuchses, daß es aus uns herausgezogen ist und außer uns ein selbständiges Dasein führt!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So haben die Tiere das mit uns gemeinschaftlich, was unser astralischer Leib ist, und haben dadurch die Möglichkeit, Schmerzen empfinden zu können. Aber sie haben gerade durch das, was jetzt gesagt worden ist, nicht die Möglichkeit erlangen können, durch den Schmerz und durch die Überwindung des Schmerzes immer höher und höher zu steigen. Denn sie haben keine Individualität. Dadurch sind die Tiere viel, viel übler daran als wir. Wir müssen die Schmerzen ertragen; aber jeder Schmerz ist für uns ein Mittel zur Vervollkommnung; indem wir ihn überwinden, steigen wir höher durch den Schmerz. Die Tiere haben wir zurückgelassen als etwas, was zwar die Schmerzfähigkeit schon hatte, aber noch nicht das, was sie über den Schmerz erheben konnte, wodurch sie den Schmerz überwinden. Das ist das Schicksal der Tiere. Sie zeigen uns unsere eigene Organisation auf der Stufe, da wir schmerzfähig waren, aber noch nicht durch Überwindung den Schmerz ins Heilsame für die Menschheit umwandeln konnten. So haben wir den &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|53}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tieren im Laufe der Erdentwickelung unser schlimmeres Teil gegeben, und sie stehen um uns herum als Wahrzeichen dessen, daß wir zu unserer Vervollkommnung kamen. Wir hätten den Bodensatz nicht los- bekommen, hätten wir nicht die Tiere zurückgelassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Solche Tatsachen müssen wir nicht als Theorien betrachten lernen, sondern mit kosmischem Weltengefühl. Wir müssen hinblicken auf die Tiere mit dem Gefühl: Da draußen seid ihr, Tiere. Wenn ihr leidet, leidet ihr etwas, was uns Menschen zugute kommt.Wir Menschen haben die Möglichkeit, das Leiden zu überwinden; ihr müßt das Leiden er- dulden. Wir aber haben euch das Leiden gelassen - und uns die Überwindung genommen!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn man dieses kosmische Gefühl aus der Theorie entwickelt, wird es zu dem umfassenden Mitgefühl mit der Tierwelt. Wo daher das kosmische Gefühl aus der Urweisheit der Menschheit entsproß, wo die Menschen sich noch bewahrt hatten eine Erinnerung an das Urwissen, das jedem aus dem dämmerhaften Hellsehen sagte, wie die Dinge einst lagen, da hatte man sich damit auch das Mitgefühl für die Tierwelt bewahrt, und da tritt das Mitgefühl für die Tiere in einem hohen Maße hervor. - Dieses Mitgefühl wird wiederkommen, wenn die Menschen sich angewöhnen werden, spirituelle Weisheit aufzunehmen, wenn die Menschen wiederum einsehen werden, wie das Menschheitskarma mit dem Weltenkarma verbunden ist. In den Zeiten, welche sozusagen Zeiten der Verdunkelung waren, in denen das materialistische Denken Platz griff, hat man von diesen Zusammenhängen keine rechte Ahnung haben können. Da blickte man nur auf das, was im Raume nebeneinander ist, ohne zu berücksichtigen, daß dieses, was nebeneinander im Raume ist, einen einheitlichen Ursprung hat und sich nur in der Entwickelung getrennt hat. Und da fühlte man natürlich auch nicht, was die Menschen mit den Tieren verbindet. Und auf allen Gebieten der Erde, wo man die Mission gehabt hat, zu überdecken das Bewußtsein vom Zusammenhange des Menschen mit der Tierwelt, wo an Stelle dieses Bewußtseins nur ein solches getreten ist, das sich auf den äußeren physischen Raum beschränkt, da hat der Mensch den Tieren das, was er ihnen verdankt, in einer eigenartigen Weise vergolten - indem er sie eben aufgegessen hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Diese Dinge zeigen uns aber zugleich, wie Weltanschauungen zu- sammenhängen mit der menschlichen Empfindungs- und Gefühlswelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Empfindungen und Gefühle sind letzten Endes Folgen derWeltanschauungen, und wie sich die Weltanschauungen und Erkenntnisse ändern, so werden sich auch die Empfindungen und Gefühle innerhalb des Menschheitszusammenhanges ändern. Der Mensch konnte nicht anders, als sich höher entwickeln; er mußte andere Wesen in den Abgrund stoßen, um selbst höher zu steigen. Er konnte den Tieren nicht geben eine Individualität, die im Karma ausgleicht, was die Tiere leiden müssen; er konnte ihnen nur den Schmerz überliefern, ohne ihnen die&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
karmische Gesetzmäßigkeit des Ausgleiches geben zu können. Was er ihnen aber früher nicht geben konnte, das wird ihnen der Mensch einst geben,wenn er zur Freiheit und zum Selbstlos-Sein seiner Individualität gekommen ist. Dann wird er - in bewußter Weise - auch auf diesem Gebiet die karmische Gesetzmäßigkeit fassen und wird sagen: Den Tieren verdanke ich, was ich bin. Was ich den einzelnen tierischen Wesen nicht mehr geben kann, welche von einem Einzeldasein in ein Schattendasein hinuntergegangen sind, was ich sozusagen einstmals an den Tieren verschuldet habe, das muß ich jetzt an den Tieren wieder gutmachen durch die Behandlung, welche ich ihnen angedeihen lasse! - Daher wird mit dem Fortschreiten der Entwickelung durch das Bewußtsein der karmischen Verhältnisse auch wieder ein besseres Verhältnis des Menschen zum Tierreich eintreten, als es jetzt, besonders im Abendlande, vorhanden ist. Eine Behandlung der Tiere wird kommen, durch welche der Mensch die Tiere, die er hinuntergestoßen hat, wieder heraufzieht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So sehen wir Karma und Tierreich denn doch in einem gewissen Verhältnis zueinander. Was das Tier als Schicksal erlebt, das können wir, wenn wir nicht alles durcheinanderwerfen wollen, nicht mit dem menschlichen Karma vergleichen. Aber wenn wir die ganze Erdentwikkelung betrachten und was um der Menschheit und ihrer Entwickelung willen geschehen mußte, dann werden wir sehen, daß wir in der Tat von einer Beziehung des Menschheitskarma zu der Tierwelt sprechen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
= DRITTER VORTRAG Hamburg, 18. Mai 1910 =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Solche Betrachtungen, wie wir sie heute und in den allernächstenTagen anzustellen haben, können sehr leicht einem gewissen Mißverständnis unterworfen sein. Wir werden es zu tun haben mit mancherlei Krankheits- und Gesundheitsfragen vom Gesichtspunkte des Karma, und bei der Gegensätzlichkeit unserer heutigen Zeitströmungen gerade auf diesem Gebiete könnte leicht eine mißverständliche Auffassung der geisteswissenschaftlichen Grundlagen Platz greifen,wenn dieses Kapitel - der Zusammenhang von Krankheit und Gesundheit mit dem Karma - berührt wird. Sie wissen ja, daß in den weitesten Kreisen die Diskussion mit ziemlicher Heftigkeit und Leidenschaftlichkeit wogt, wenn Gesundheits- und Krankheitsfragen in Betracht kommen. Es ist Ihnen ja allen bekannt, wie sehr von seiten der Laien sowohl als auch von seiten dieser oder jener Ärzte Partei ergriffen wird gegen das, was man die wissenschaftliche Medizin nennt. Auf der andern Seite kann leicht bemerkt werden, wie die Vertreter der wissenschaftlichen Medizin vielleicht gerade herausgefordert werden durch manchen ungerechten Angriff, so daß sie nicht nur in eine Art von Leidenschaft verfallen, wenn es sich darum handelt - was ihr gutes Recht ist -, einzutreten für das, was die Wissenschaft dazu zu sagen hat, sondern daß von dieser Seite heute auch ein zum Teil recht arger Kampf geführt wird gegen das, was von andern Gesichtspunkten als den in der offiziellen Medizin vertretenen irgendwie gesagt wird über das in Betracht kommende Gebiet. Theosophie oder Geisteswissenschaft wird nur dann ihren hohen Aufgaben gerecht werden können, wenn sie auf einem solchen, von Diskussionen vielfach verdunkelten Gebiet das unbefangene und objektive Urteil wahrt. Wer ähnliche Vorträge von mir gehört hat, wird wissen, wie wenig es mir darum zu tun ist, einzustimmen in den Chor, der heute das, was man als «Schulmedizin» bezeichnet, diskreditieren will.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von einem Einstimmen in diese oder jene Parteirichtung kann bei der Geisteswissenschaft auch nicht im entferntesten die Rede sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es darf vielleicht gerade bei dieser Gelegenheit eiirleitend betont&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|56}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
werden, daß die Leistungen in bezug auf die Tatsachen und tatsächlichen Erforschungen der Erscheinungen gerade auf dem Gebiet des Krankheitswesens und der Gesundheitsfragen der Menschheit in den letzten Jahren und Jahrzehnten wahrhaftig zu ebensolchem Lobreden, Anerkennen und Bewundern herausfordern wie zahlreiche andere naturwissenschaftliche Ergebnisse. Und von dem, was auf diesem Gebiete an Tatsächlichem geleistet worden ist, darf auch gesagt werden: Wenn sich irgend jemand freuen darf über das, was die Medizin in den letzten Jahren geleistet hat, so kann dies gerade die Geisteswissenschaft sein. Auf der andern Seite muß aber auch betont werden, was gerade für die Naturwissenschaft gilt, daß die Errungenschaften und tatsächlichen Erkenntnisse und Entdeckungen zuweilen recht wenig richtige und befriedigende Interpretationen und Erklärungen finden durch das, was heute wissenschaftliche Meinungen sind. Das ist ja das Hervorstechendste in unserer Zeit für viele Gebiete naturwissenschaftlicher Forschung, daß die Meinungen, die Theorien nicht gewachsen sind den zuweilen wunderbaren Tatsachenergebnissen. Und erst das Licht, das von der Geisteswissenschaft ausgeht, wird Klarheit über das bringen, was auf diesem Gebiet in den letzten Jahren errungen worden ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem das vorausgeschickt worden ist, wird es klar sein, daß es sich nicht um irgendwelches Einstimmen in billige Bekämpfung dessen handelt, was auf dem Gebiet der wissenschaftlichen Medizin heute geleistet werden kann. Dann darf aber auch gesagt werden, daß die bewundernswerten Tatsachen, die zutage getreten sind, nicht fruchtbar werden können in unserer Zeit zum Heile der Menschheit, weil auf der andern Seite geradezu materialistisch gefärbte Meinungen und TheorIen diese Fruchtbarkeit verhindern. Daher ist es für die Theosophie viel besser, daß sie anspruchslos das sagt, was sie zu sagen hat, als in irgendeinen Parteikampf einzugreifen. Es werden dadurch viel weniger die Leidenschaften aufgeregt werden, als sie es heute schon sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir überhaupt einen Gesichtspunkt gewinnen wollen zu den Fragen, die uns beschäftigen sollen, dann müssen wir uns damit bekanntmachen, daß die Ursachen zu irgendeiner Erscheinung in der inannigfaltigsten Weise gesucht werden müssen, nähere und entferntere Ursachen, und daß die Theosophie, wenn es sich darum handeln &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|57}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wird, karmische Ursachen zu Gesundheitsfragen zu suchen, es ein wenig zu tun haben wird mit den entfernteren Ursachen, die nicht an der Oberfläche liegen. Machen wir uns das durch einen Vergleich klar. Wenn Sie den Vergleich überdenken, werden Sie schon auf das kommen, was eigentlich gemeint ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen wir an, irgend jemand stehe auf dem Standpunkt, «wie wir es heute so herrlich weit gebracht haben» auf diesem Gebiete, und er verachte ganz die Meinungen, welche in den vergangenen Jahrhunderten über Gesundheit und Krankheit zutage getreten sind. Wenn Sie versuchen, einen Überblick über die Krankheits- und Gesundheitsfragen zu finden, werden Sie den Eindruck bekommen, daß die Darsteller eines solchen Gebietes gewöhnlich das Urteil haben: Was in den letzten zwanzig bis dreißig Jahren auf diesem Gebiete zutage getreten ist, das ist eine Art absoluter Wahrheit, die zwar ergänzt werden kann, aber nie ein solches absprechen des Urteil erfahren kann wie das, welches solche Beurteiler leider selbst abgeben über das meiste, was auf diesem Gebiete vorangegangen ist an menschlichem Sinnen und Trachten. Es wird zum Beispiel häufig gesagt: Wir finden gerade auf diesem Gebiete in den verflossenen Zeiten den krassesten Aberglauben -, und es werden dann recht abschreckende Beispiele angeführt, wie in den verflossenen Jahrhunderten versucht worden sei, dies oder das zu heilen. Insbesondere schlimm findet man, wenn man irgendwo auf Ausdrücke stößt, welche in der damaligen Bedeutung dem heutigen Bewußtsein längst verlorengegangen sind, sich aber dennoch in das heutige Bewußtsein eingeschlichen haben&amp;gt; und mit denen so, wie sie der heutige Mensch denkt, nichts anzufangen ist. So sagen einige: Da gab es Zeiten, in denen man eine jede Krankheit Gott oder dem Teufel zuschrieb! So schlimm, wie es solche Darsteller machen, liegt es deshalb nicht, weil sie nicht wissen, welcher Komplex von Anschauungen bei einem solchen Begriff ~Gott» oder «Teufel» gemeint war. Durch einen Vergleich können wir uns das klarmachen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen wir an, zwei Leute reden miteinander. Da erzählt der eine dem andern: Eben habe ich eine Stube gesehen, die ganz voller Fliegen ist. Nun sagt mir jemand, das sei ganz natürlich; und das glaube ich auch, denn die Stube ist sehr schmutzig, und dadurch finden die&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|58}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fliegen ihr Fortkommen. Es ist ganz erklärlich, daß man das als Grund für das Vorhandensein der Fliegen annimmt, und ich glaube auch, daß derjenige ganz recht hat, der da sagt, die Fliegen werden nicht mehr in der Stube sein, wenn man einmal gründlich reinemacht! - Nun hat aber ein anderer erzählt, daß er noch etwas anderes wüßte, warum so viele Fliegen in dem Zimmer wären; und die Ursache könne er nicht anders ,bezeichnen,als daß in jenem Zimmer seit langem eine grundfaule Hausfrau hause. - Aber nun sieh einmal, was das für ein grenzenloser Aber- glaube ist: daß die Faulheit wie eine Art Persönlichkeit sei, die nur zu winken brauchte, und dann kämen die Fliegen herein! Da ist die andere Erklärung doch richtiger, die das Vorhandensein der Fliegen durch den angehäuften Schmutz erklärt!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nicht viel anders ist es auf einem andern Gebiete, wenn man sagt: Es ist jemand von einer Krankheit befallen, da er eben eine Infektion durch irgendeine Bazillenart erhalten hat; treibt man die Bazillen aus, so Ist die Heilung da. Nun reden aber da noch Leute von irgendeiner geistigen Ursache, die tiefer liege! Man braucht doch nichts anderes zu tun, als die Bazillen fortzutreiben! - Es ist nicht mehrAberglaube, von einer geistigen Ursache zu sprechen bei Erkrankungen, doch alles übrige anzuerkennen, als in dem Falle, wo die Ursache für das Dasein der Fliegen in einer grundfaulen Hausfrau gesehen wird. Und man braucht nicht zu wettern, wenn man sagt: Die Fliegen werden nicht mehr da sein, wenn einmal reinegemacht wird. Nicht darum handelt es sich, daß der eine den andern bekämpft, sondern daß man lernt, sich gegenseitig zu verstehen und einzugehen auf das, was der eine will und was der andere will. Das muß man durchaus berücksichtigen, wenn von den unmittelbar naheliegenden Ursachen mit Recht gesprochen wird und wenn von den entfernteren Ursachen gesprochen wird. Der objektive Theosoph wird sich durchaus nicht auf den Standpunkt stellen, daß die Faulheit nur eine Art von Wink zu geben brauche, damit die Fliegen in das Zimmer kommen; er wird wissen, daß auch andere materielle Dinge dabei in Betracht kommen, daß aber alles, was materiell zum Ausdruck kommt, seine geistigen Hintergründe hat und daß diese geistigen Hintergründe zum Heile der Menschheit gesucht werden müssen. Diejenigen aber, welche in den Kampf gern einstimmen möchten, die sollen &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|59}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
auch daran erinnert werden, daß die geistigen Ursachen nicht immer in derselben Weise aufgefaßt werden dürfen und auch nicht in der gleichen Art bekämpft werden können wie die gewöhnlichen materiellen Ursachen. Und man darf auch nicht denken, daß man durch das Bekämpfen der geistigen Ursachen enthoben wäre der Bekämpfung der materiellen Ursachen; denn sonst könnte man die Stube schmutzig lassen und brauchte nur gegen die Faulheit der Hausfrau zu Felde zu ziehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir nun das Karma betrachten, müssen wir sprechen von Zusammenhängen zwischen Ereignissen, wie sie im Menschenleben eintreten in einer früheren Zeit und wie sie ihre Wirkung auf dasselbe Menschenwesen zeigen in einer späteren Zeit. Wenn wir sprechen von Gesundheit und Krankheit vom Gesichtspunkte des Karma aus, so heißt das nichts anderes als: Wie können wir uns vorstellen, daß der gesunde oder kranke Zustand eines Menschen seine Begründung findet in früheren Taten, Verrichtungen und Erlebnissen dieses Menschen? Und wie können wir uns vorstellen, daß sein gegenwärtiger Gesundheits- oder Krankheitszustand mit zukünftigen Wirkungen, die auf dasselbe esen zurückfallen, im Zusammenhang steht?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am liebsten wird der heutige Mensch überhaupt glauben, daß eine Krankheit mit den allernächsten Ursachen nur im Zusammenhange stehe. Denn der Grundnerv unserer heutigen Weltanschauung auf allen Gebieten ist ja der, daß man Bequemlichkeit sucht; und stehenbleiben bei den allernächsten Ursachen ist eine bequeme Sache. Daher werden gerade in bezug auf Erkrankungen nur die allernächsten Ursachen berücksichtigt - und am meisten geschieht das von den Kranken selbst. Denn wie wäre es zu leugnen, daß die Kranken selbst veranlaßt sind, solche Bequemlichkeit zu üben? Aus diesem Umstande heraus ergibt sich so viel Unzufriedenheit, wenn ein solcher Glaube existiert, die Krankheit müsse die allernächsten Ursachen haben, welche von dem kundigen Arzt gefunden werden müssen; und wenn der Arzt dann nicht helfen kann, hat er irgend etwas verpfuscht. Aus dieser Bequemlichkeit des Urteils gebt vieles von dem hervor, was heute auf diesem Gebiete gesagt wird. Wer Karma in seinen weitverzweigten Wirkungen zu betrachten versteht, der wird immer mehr seinen Blick erweitern von dem, was heute geschieht, zu Ereignissen, die verhältnismäßig sehr &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|60}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
weit zurückliegen. Und er wird vor allen Dingen die Überzeugung gewinnen, daß eine durchgreifende Erkenntnis eines Sachverhaltes, der den Menschen trifft, nur möglich ist, wenn man den Blick erweitern kann über das, was weiter zurückliegt. Insbesondere beim erkrankten Menschen ist das der Fall.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir vom kranken und auch vom gesunden Menschen sprechen, drängt sich uns die Frage auf die Lippen: Wie können wir uns von dem Kranksein überhaupt einen Begriff machen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn die geisteswissenschaftlicheForschung direkt vorgeht und den hellseherischen Blick zu Hilfe nimmt, wird sie immer, wenn es sich um Erkrankungen des Menschen handelt, Unregelmäßigkeiten bemerken, nicht nur im physischen Leibe des Menschen, sondern auch in den höheren Wesensgliedern des Menschen, im Ätherleibe und im astralischen Leibe. Und der hellseherische Forscher wird bei einem Krankheitsfall immer in Betracht ziehen müssen&amp;gt; welches in dem betreffenden Falle der Anteil sein kann des physischen Leibes auf der einen Seite und des Ätherleibes und des astralischen Leibes auf der andern Seite; denn alle drei Wesensglieder des Menschen können an der Erkrankung beteiligt sein. Nun entsteht die Frage: Welche Vorstellungen können wir über das Wie der Krankheit gewinnen? - Dem kommt man am leichtesten bei, wenn man in Betracht zieht, wieweit man den Begriff «Krankheit» überhaupt ausdehnen darf. Diejenigen, die gern in allerlei allegorisch-symbolischen Begriffen sprechen, auch da, wo sie nicht hin- gehören, denen mag es überlassen bleiben, wenn sie auch bei Mineralien oder Metallen von Erkrankungen sprechen, indem sie zum Beispiel sagen, wenn der Rost das Eisen frißt, sei das eine Krankheit des Eisens. Man muß sich dabei nur darüber klar sein, daß man durch solche abstrakten Begriffe zu einem wirklichen gedeihlichen Erfassen des Lebens nicht kommen kann; man kann nur kommen zu einer Art spielerischen Erkenntnis des Lebens, nicht aber zu einem Erkennen, das wirklich eingreift in die Tatsachen.Wer zu einem realen Krankheitsbegriff und auch zu einem realen Gesundheitsbegriff kommen will, muß sich hüten, davon zu sprechen, daß Mineralien und Metalle auch erkranken können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun ist die Sache schon anders, wenn wir ins Pflanzenreich hinaufgehen. Da dürfen wir gewiß von Erkrankungen der Pflanzen sprechen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Aber gerade Pflanzenkrankheiten sind für das reale Erfassen der Vorstellung «Krankheit» von einem ganz besonderen Interesse und von ganz besonderer Wichtigkeit. Bei Pflanzen wird man, wenn man wieder nicht spielerisch zu Werke geht, nicht leicht sprechen können von inneren Krankheitsursachen. In demselben Maße,wie man bei Tier und Mensch von inneren Krankheitsursachen sprechen kann, kann man bei Pflanzen nicht davon sprechen. Die Erkrankungen im Pflanzenreiche werden Sie immer zurückzuführen haben auf äußere Veranlassungen, auf diese oder jene schädlichen Einflüsse des Bodens, ungenügende Belichtungen, auf diese oder jene Wirkungen des Windes und auf sonstige elementare und Naturwirkungen. Oder Sie werden solche Erkrankungen von Pflanzen zurückzuführen haben auf Einflüsse von Parasiten, die sich an die Pflanzen heranmachen und sie schädigen. Und wir werden innerhalb des Pflanzen reiches mit Recht davon sprechen, daß der Begriff «innere Krankheitsursache» im Grunde gar keine Berechtigung hat. - Es ist natürlich nicht möglich, da ich nicht ein halbes Jahr über dieses Thema sprechen kann, daß ich mit unzähligen Belegen versehe, was ich jetzt angedeutet habe. Aber je tiefer wir in die Pflanzenpathologie eindringen, desto mehr werden wir sehen, daß von dem Begriff «innere Krankheitsursache» bei den Pflanzen nicht die Rede sein kann, sondern daß es sich da um äußere Veranlassungen und Schädigungen, um äußere Einflüsse handelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun haben wir in der Pflanze, wie sie uns zunächst in der äußeren Welt entgegentritt, ein Wesen vor uns, das uns ein Gefüge von einem physischen Leibe und einem Atherleibe zeigt. Und wir haben damit zugleich ein Wesen vor uns, das uns sozusagen aufmerksam darauf macht, daß ein solches Wesen mit physischem Leib und Ätherleib im Grunde dem Prinzip nach gesund ist und daß es warten muß, bis es eine äußere Schädigung erfährt, wenn es krank werden soll. Damit stimmt auch durchaus der geisteswissenschaftliche Tatbestand.Während wir durch die Methoden der hellseherischen Forschung im Tier- und Menschenreich bei Erkrankungen ganz entschieden im Inneren des Wesens - in den übersinnlichen Teilen - Veränderungen erblicken, können wir innerhalb einer erkrankten Pflanze niemals davon sprechen, daß der ursprüngliche Ätherleib selber verändert wäre, sondern nur &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|62}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
davon, daß sich von außen allerlei Störungen und schädliche Einflüsse in den physischen Leib und namentlich in den Ätherleib hineingedrängt haben. Der geisteswissenschaftliche Tatbestand rechtfertigt durchaus das, was wir als allgemeinen Schluß gewinnen: daß in dem, was bei den Pflanzen in Betracht kommt - nämlich physischer Leib und Ätherleib -, etwas ursprünglich Gesundes vorliegt. Aber etwas anderes ist es, wie die Pflanze imstande ist, wenn sie äußere Schädigungen erfährt, alles mögliche aufzuwenden, um in Wachstum und Entwickelung sich gegen die Schädigungen zu wehren, sich zu heilen. Beobachten Sie einmal, wenn Sie eine Pflanze anschneiden, wie sie versucht, die beschädigte Stelle zu umwachsen, zu umgehen, was ihr da im Wege liegt und sie schädigt. Und wir können es fast mit Händen greifen,wie in der Pflanze eine innere Abwehr, eine Heilkraft vorhanden ist, wenn eine äußere Schädigung eintritt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So sehen wir, daß wir in dem Ätherleib und physischen Leib der Pflanze etwas vor uns haben, was imstande ist, mit inneren Heilkräften zu antworten auf äußere Schädigungen. Das ist eine außerordentlich wichtige Tatsache, wenn man auf diesem Gebiete zur Klarheit kommen will. Ein Wesen wie die Pflanze mit physischem Leibe und Ätherleib zeigt uns also nicht nur, daß der physische Leib und der Ätherleib ursprünglich Prinzipien der Gesundheit in sich haben, soviel notwendig ist zur Entwickelung und zum Wachstum des betreffenden Wesens, sondern es zeigt uns ein solches Wesen sogar, daß ein Überschuß vorhanden ist von solchen Kräften, die sich in den Heilkräften ausleben können, wenn von außen Schädigungen kommen. - Woher müssen denn diese Heilkräfte stammen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn Sie in einen bloß physischen Körper hineinschneiden, wird die Schädigung bleiben. Er wird aus sich heraus nichts tun können, um die Schädigung sozusagen zu heilen. Deshalb können wir bei einem bloß physischen Körper nicht von einer Erkrankung sprechen, und am wenigsten davon,daß Krankheit und Heilung in Beziehung zueinander stehen können. Das können wir am besten sehen, wenn eine Krankheit bei einer Pflanze zutage tritt. Da haben wir das Prinzip der inneren Heilkraft zu suchen im Ätherleibe. Das zeigt wiederum im eminentesten Maße der geisteswissenschaftliche Tatbestand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
davon, daß sich von außen allerlei Störungen und schädliche Einflüsse in den physischen Leib und namentlich in denÄtherleib hineingedrängt haben. Der geisteswissenschaftliche Tatbestand rechtfertigt durchaus das, was wir als allgemeinen Schluß gewinnen: daß in dem, was bei den Pflanzen in Betracht kommt - nämlich physischer Leib und Ätherleib -, etwas ursprünglich Gesundes vorliegt. Aber etwas anderes ist es, wie die Pflanze imstande ist, wenn sie äußere Schädigungen erfährt, alles mögliche aufzuwenden, um in Wachstum und Entwickelung sich gegen die Schädigungen zu wehren, sich zu heilen. Beobachten Sie einmal, wenn Sie eine Pflanze anschneiden, wie sie versucht, die beschädigte Stelle zu umwachsen, zu umgehen, was ihr da im Wege liegt und sie schädigt.Und wir können es fast mit Händen greifen,wie in der Pflanze eine innere Abwehr, eine Heilkraft vorhanden ist, wenn eine äußere Schädigung eintritt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So sehen wir, daß wir in dem Ätherleib und physischen Leib der Pflanze etwas vor uns haben, was imstande ist, mit inneren Heilkräften zu antworten auf äußere Schädigungen. Das ist eine außerordentlich wichtige Tatsache, wenn man auf diesem Gebiete zur Klarheit kommen will. Ein Wesen wie die Pflanze mit physischem Leibe und Ätherleib zeigt uns also nicht nur, daß der physische Leib und der Ätherleib ursprünglich Prinzipien der Gesundheit in sich haben, soviel notwendig ist zur Entwickelung und zum Wachstum des betreffenden Wesens, sondern es zeigt uns ein solches Wesen sogar, daß ein Überschuß vorhanden ist von solchen Kräften, die sich in den Heilkräften ausleben können, wenn von außen Schädigungen kommen. - Woher müssen denn diese Heilkräfte stammen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn Sie in einen bloß physischen Körper hineinschneiden, wird die Schädigung bleiben. Er wird aus sich heraus nichts tun können, um die Schädigung sozusagen zu heilen. Deshalb können wir bei einem bloß physischen Körper nicht von einer Erkrankung sprechen, und am wenigsten davon, daß Krankheit und Heilung in Beziehung zueinander stehen können. Das können wir am besten sehen, wenn eine Krankheit bei einer Pflanze zutage tritt. Da haben wir das Prinzip der inneren Heilkraft zu suchen im Ätherleibe. Das zeigt wiederum im eminentesten Maße der geisteswissenschaftliche Tatbestand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|63}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denn um die Wunde einer Pflanze herum beginnt der Ätherleib der Pflanze ein viel regeres Leben, als er vorher dort entfaltete. Er bringt ganz andere Formen aus sich heraus, entwickelt ganz andere Strömungen. Das ist das außerordentlich Interessante, daß wir geradezu älen Ätherieib der Pflanze herausfordern zu einer erhöhten Tätigkeit, wenn wir der Pflanze in bezug auf den physischen Leib eine Schädigung bei- bringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit haben wir zwar nicht den Begriff der Krankheit definiert; aber wir haben etwas getan, um zum Wie der Krankheit zu kommen, und wir haben etwas erreicht, was uns eine Ahnung verschafft über das innere Wie der Heilung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt gehen wir einmal - immer am Leitfaden der inneren, hellseherischen Beobachtung - weiter und versuchen wir, die äußeren Erscheinungen vernunftgemäß zu begreifen, zu denen uns die Geisteswissenschaft führt. Dann können wir jetzt aufsteigen von den Schädigungen, welche wir Pflanzen beibringen, zu gewissen Schädigungen, welche wir Tieren beibringen, die also Wesen sind, die schon einen astralischen Leib haben. Wenn wir da im groben Sinne zu Werke gehen, so werden wir sehen, daß wir bei den höheren Tieren verhältnismäßig sehr wenig - und immer weniger, je höher das Tier steht - von dem erblicken können, was bei den Pflanzen in umfassendem Maße hervortritt: nämlich jenes Antworten des Ätherleibes auf äußere Schädigungen. Wenn wir grobe Schädigungen dem physischen Leibe eines niederen oder auch eines höheren Säugetieres beibringen, reißen wir zum Beispiel einem Hunde ein Bein aus oder dergleichen, dann werden wir finden, daß der Ätherleib des Hundes nicht so leicht mit seiner Heilkraft antworten kann, wie der Atherleib der Pflanze antwortet auf eine Schädigung, die in ahnlicherWeise der Pflanze zugefügt worden ist. Aber auch im Tierreich ist das noch in großem Maße zu sehen. - Nehmen wir an, wir steigen hinunter bis zu ganz niedrigen tierischen Wesen, zu den Tritonen oder ähnlichen. Solche niederen Tierwesen können Sie zerschneiden; schneiden wir einem solchenWesen gewisse Organe ab, so ist das, könnte man sagen, dem Tiere gar nicht besonders unangenehm. Die Organe wachsen mit großer Schnelligkeit wieder nach, und das Tier sieht bald wieder so aus wie früher. Da ist etwas Ähnliches wie bei der Pflanze &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|64}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
geschehen: Wir haben eine gewisse Heilkraft im Ätherleibe herausgefordert. Wer würde leugnen, daß die Herausforderung, Heilkräfte im Ätherleib zu entwickeln, beim Menschen oder beim höheren Tier eine erhebliche Gefährdung der Gesundheit bedeuten würde? Das niedere Tier dagegen wird in seinem Ätherleibe nur herausgefordert, ein an- deres Glied aus seinem Inneren durch seinen Ätherleib herauswachsen zu lassen. Nun steigen wir etwas weiter hinauf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir jetzt zum Beispiel bei Krebsen ein Glied abschneiden, so sind die Krebse nicht sogleich imstande, ein anderes Glied aus sich her- auswachsen zu lassen. Aber wenn sie sich das nächste Mal häuten,wenn sie bei der nächsten Übergangsstufe ihres Lebens ankommen, dann schon treibt für das abgebrochene Glied ein Stumpf heraus; beim zweitenmal wird er schon größer sein, und wenn sich das Tier genügend oft häuten würde, so würde das Glied ersetzt werden durch ein neues. - Da haben Sie die Erscheinung, daß in solchem Ätherleib schon mehr dazu gehört, damit die innere Heilkraft herausgefordert wird. Und bei den höheren Tieren ist das nun gar nicht mehr in diesem Maße der Fall. Wenn wirein höheres Tier verstümmeln, kann es zunächst nicht diese Heilkraft aus seinem Ätherleibe heraus aufbringen. Aber es muß immer wieder betont werden,was heute in einen bedeutsamen naturwissenschaftlichen Streit hineinspielt: Wenn Sie das Tier verstümmeln, und das Tier hat Nachkommen, so übertragen sich diese Verstümmelungen nicht auf die Nachkommen; die nächste Generation hat wieder die vollen Glieder. Wenn der Ätherleib seine Eigenschaften auf die Nachkommen überträgt,wird er wieder angeregt, einen vollständigen Organismus heraus zusetzen. Beim Tritonen wirkt der Ätherleib noch in demselben Tiere, beim Krebs erst in der Häutung; bei den höheren Tieren tritt dasselbe erst bei den Nachkommen ein; da ersetzt der Ätherleib,was in der vor hergehenden Generation verstümmelt worden ist. Wir müssen also solche Erscheinungen in der Natur gradweise betrachten, dann wird es uns klarwerden, daß selbst dann noch von einer Heilkraft im Ätherleibe gesprochen werden muß, wenn die Vererbungen von den Vorfahren auf die Nachkommen gehen, und daß der Ätherleib sich so vererbt, daß er wieder das ganze, ungeteilte Tier hervorbringt. Da haben Sie sozusagen ein Aufsuchen des Wie der Heilkräfte im Ätherleib.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|65}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun können wir die Frage aufwerfen:Woran liegt es denn, je weiter wir in der Tierreihe hinaufsteigen - und wenn wir das Menschen reich äußerlich betrachten, gilt das auch -, daß der Ätherleib immer mehr Anstrengungen machen muß, um überhaupt die Heilkräfte herauszubekommen? - Das liegt daran, daß der Ätherleib in der verschiedensten Weise mit dem physischen Leibe verbunden sein kann. Es gibt zwischen dem physischen Leibe und dem Ätherleibe sozusagen eine innigere Gemeinschaft und eine losere. Nehmen wir zum Beispiel ein niederes Tier, den Triton, bei dem ein abgeschnittenes Glied sich sogleich wieder ansetzt. Da müssen wir eine lose Verbindung annehmen zwischen Ätherleib und physischem Leib. Und in noch höherem Maße gilt das bei der Pflanzenwelt. Da müssen wir sagen: Die Verbindung ist eine derartige, daß der physische Leib nicht imstande ist, auch auf den Ätherleib zurückzuwirken, so daß der Ätherleib ungeschoren bleibt durch das, was im physischen Leibe geschieht, und daß der Ätherleib in gewisser Beziehung unabhängig ist vom physischen Leibe. Nun ist das Wesen des Ätherleibes das des Tätigseins, des Hervorbringens, des Wachstumförderns. Er fördert das Wachstum bis zu einer bestimmten Grenze. In dem Augenblick, da wir bei Pflanzen oder niederen Tieren ein Glied abschneiden, ist der Ätherleib gleich wieder bereit, das Glied zu ergänzen, das heißt, die volle Tätigkeit zu entfalten. Was muß aber vorliegen, wenn er die volle Tätigkeit nicht entfalten kann? Dann müßte er mehr gebunden sein an die Tätigkeit des betreffenden Gliedes. Und&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
das ist in der Tat bei den höheren Tieren der Fall. Da ist eine viel innigere, dichtereVerbindung zwischen Ätherleib und physischem Leib vorhanden. Wenn der physische Leib seine Formen ausbildet, wirken diese Formen - also was in der physischen Natur ist - wieder zurück auf den Ätherleib.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir anschaulich sprechen wollen: Bei ganz niederen Tieren oder bei Pflanzen wirkt das, was draußen ist, nicht zurück auf den Atherleib, läßt ihn ungeschoren, führt ein selbständiges Dasein. Sobald wir zu höheren Tieren kommen, drängen die Formen des physischen Leibes rückwärts sich dem Ätherleibe auf; da ist der Ätherleib ganz angepaßt dem physischen Leibe, und wir verletzen mit dem physischen Leibe zugleich den Ätherleib. Dann muß natürlich derÄtherleib tiefere &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|66}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kräfte anwenden, weil er zuerst sich selber wieder herstellen muß - und dann erst die betreffenden Gliedmaßen. Daher müssen wir an tiefere Heilkräfte appellieren,wenn wir an denÄtherleib eines höheren Tieres herangehen. Womit hängt das aber zusammen? Warum ist der Ätherleib eines höheren Tieres so abhängig von den Formen des physischen Leibes?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Je weiter wir in der Tierreihe vorschreiten, um so mehr haben wir zu berücksichtigen nicht nur die Tätigkeit des physischen Leibes und des Ätherleibes, sondern auch die des astralischen Leibes. Der astralische Leib kommt bei den niederen Tieren in seiner Wirksamkeit noch außerordentlich wenig in Betracht. Daher haben die niederen Tiere noch so viel Pflanzenähnliches. Je höher wir hinaufsteigen, desto mehr kommt der astralische Leib in Betracht. Der wirkt aber nun so, daß er den Ätherleib von sich abhängig macht. EinWesen wie die Pflanze, das nur physischen Leib und Ätherleib hat, hat mit der Außenwelt wenig zu tun; es werden Reize ausgeübt, aber die drücken sich nicht aus in inneren Vorgängen. Wo dagegen ein astralischer Leib wirksam ist, da spiegeln sich die äußeren Eindrücke in inneren Vorgängen. Ein Wesen, das den astralischen Leib nicht wirksam hat, ist innerlich mehr abgeschlossen der Außenwelt gegenüber. Es öffnet sich ein Wesen um so mehr der Außenwelt, als der astralische Leib wirksam ist. Also verbindet der astralische Leib das Innere eines Wesens mit der Außenwelt. Die zunehmende Wirksamkeit des astralischen Leibes macht, daß der Ätherleib viel stärkere Kräfte aufwenden muß, um auftretende Schädigungen wieder auszugleichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir aber jetzt hinaufsteigen vom Tier zum Menschen, ist noch etwas anderes zu berücksichtigen. Da werden in diesen astralischen Leib nicht nur hineingeprägt, hineingetragen die vorgeschriebenen Verrichtungen, wie es mehr beim Tiere der Fall ist: das Tier lebt mehr mit einer gebundenen Marschroute, lebt mehr mit einem gebundenen Lebensprogramm. Sie werden nicht leicht beim Tiere davon sprechen können, daß es in besonderem Maße gegenüber seinen Instinkten ausschwcifend wäre oder sich mehr in seinen Instinkten der Mäßigkeit hingeben könne. Es folgt seinem Lebensprogramm. Was sich beim Tier ausdrückt, ist einer Art von typischem Programm unterworfen. Der &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|67}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mensch aber ist in der Lage, gerade dadurch, daß er höher hinaufgestiegen ist in der Stufenleiter der Entwickelung, alle möglichen Unterschiede - zwischen Richtig und Unrichtig, Wahrheit und Lüge, Gut und Böse - auszuleben. In der verschiedensten Weise kommt er durch nur individuelle Anlässe mit der Außenwelt in Berührung. Alle diese Arten von Berührungen fallen zurück, machen Eindruck auf seinen astralischen Leib. Und die Folge ist, daß auch die Wechselwirkung zwischen astralischem Leib und Ätherleib jetzt nach diesen äußeren Erlebnissen ausfallen muß. Wenn also ein Mensch in irgendeiner Beziehung ein ausschweifendes Leben führt, so bedeutet das einen Eindruck auf seinen astralischen Leib. Wir haben aber gesehen, daß der astralische Leib wieder den Ätherleib beeinflußt - wie, das wird ab- hängen von dem, was in den astralischen Leib hineingelegt worden ist. Daher werden wir jetzt verstehen können, daß der Ätherleib des Menschen geändert wird, je nachdem der Mensch dieses oder jenes Leben führt in den Grenzen von Gut und Böse, Richtig oder Unrichtig, von Wahrheit oder Lüge und so weiter. Das übt einen Einfluß auf den Ätherleib des Menschen aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun erinnern wir uns, wie die Vorgänge sind, wenn der Mensch durch die Pforte des Todes tritt. Wir wissen, daß der physische Leib abgelegt wird und daß zurückbleibt der Ätherleib, der nun mit dem astralischen Leib und dem Ich verbunden ist.Wenn nun nach dem Tode eine Zeit vergangen ist, die sich nur nach Tagen bemißt, wird das Hauptsächlichste des Ätherleibes als ein zweiter Leichnam abgeworfen; es bleibt jedoch ein Extrakt des Ätherleibes zurück, der mitgenommen wird und erhalten bleibt für alle kommenden Zeiten. In diesem Extrakt des Ätherleibes ist nun alles wie in einer Essenz darinnen, was im Leben hineingekommen ist zum Beispiel von einem ausschweifenden Leben, oder was der Mensch aufgenommen hat als das Ergebnis eines richtigen oder unrichtigen Denkens, Handelns und Fühlens. Das enthält der Ätherleib, und das nimmt der Mensch mit in die Zeit bis zur neuen Geburt. Weil das Tier solche Erlebnisse überhaupt nicht hat, kann es natürlich nichts in derselbenWciöse hinter die Pforte des Todes hinüberbringen. Wenn nun der Mensch wieder durch eine Geburt ins Dasein tritt, ist die Essenz seines früheren Ätherleibes etwas, was sich wieder &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
hineinergießt in seinen neuen Ätherleib, was den neuen Ätherleib beim Aufbau durchdringt. Daher hat der Mensch in seinem neuen Dasein im Ätherleib darinnen die Ergebnisse dessen, wie er im früheren Leben gelebt hat. Und da der Ätherleib der Auferbauer ist einer ganz neuen Organisation nach einer neuen Geburt, so prägt sich das jetzt alles auch in seinen physischen Leib hinein. Warum kann sich das in den physischen Leib hineinprägen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die geisteswissenschaftliche Forschung zeigt uns, daß wir in der Form eines Menschenleibes, der durch die Geburt ins Dasein tritt, ungefähr sehen können, welche Taten der Mensch in einem früheren Leben verrichtet hat. Aber werden wir auch eine ganz vernunftgemäße Erklärung finden für das, was sich uns dargestellt hat als abnehmende Heilkraft in der aufsteigenden Entwickelungsreihe der Tiere? Da wir bei einem Tiere nicht-davon sprechen können, daß es bei seiner Geburt eine wiederverkörperte Individualität aus einem früheren Erdendasein mitbringt, so werden wir nur den allgemeinen astralischen Leib dieser Tiergattung wirksam finden, und der wird bei diesem Tier die Heilkräfte des Ätherleibes beschränken. Beim Menschen aber finden wir, daß nicht nur sein astralischer Leib, sondern auch sein Ätherleib imprägniert ist mit den Ergebnissen der Taten des vorhergehenden Lebens. Und weil der Ätherleib für sich die Kraft hat, das hervorzubringen, was er von früher her in sich hat, so werden wir auch begreifen, daß er, wenn jetzt eine andere Kraft in ihm auftritt, auch imstande sein wird, in den ganzen Aufbau der Organisation das hineinzulegen, was er aus früheren Verkörperungen sich mitbringt. Und wir werden j`etzt verstehen, wie hinüberw`irken können unsere Taten aus einem Leben in unseren Gesundheitszustand in dem nächsten Leben und wie wir in unserem Gesundheitszustande vielfach eine karmische Wirkung unserer Taten aus einem vorhergehenden Leben zu suchen haben. Wir können aber noch auf eine andere Weise der Sache beikommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir können fragen: Wirkt nun alles, was wir in dem Leben zwischen Geburt und Tod verrichten, in gleicher Art zurück auf unseren Ätherleib? - Schon im gewöhnlichen Leben können Sie einen gewaltigen Unterschied wahrnehmen zwischen dem Zurückwirken dessen, was wir als bewußte Menschen erleben, und mancherlei andern Erlebnissen auf &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
unsere eigentliche innere Organisation. Da ergibt sich eine höchst interessante Tatsache, die durch die Geisteswissenschaft so recht aufgeklärt werden kann, die aber auch ganz vernunftgemäß zu begreifen ist. Der Mensch hat im Verlaufe seines Lebens eine ganze Summe von Erlebnissen, welche er bewußt aufnimmt und mit seinem Ich verbindet. Die werden in ihm zu Vorstellungen, und er verarbeitet diese Vorstellungen. Aber nun besinnen Sie sich einmal, wie unendlich viele Erlebnisse, Erfahrungen und Eindrücke es gar nicht bis zur Vorstellung bringen und eigentlich doch im Grunde beim Menschen da sind und auf ihn wirken. Es wird Ihnen oft passieren, daß Ihnen jemand sagt: Ich habe dich heute auf der Straße gesehen; du hast mich sogar angeschaut! - und Sie wissen gar nichts davon. So ist es vielfach. Eindruck hat so etwas natürlich gemacht. Ihr Auge hat zwar den andern gesehen; aber der unmittelbare Eindruck ist nicht bis zur Vorstellung gekommen. - Solcher Eindrücke gibt es unzählige, sodaß unser Leben eigentlich in zwei Teile zerfällt: in eine solche Lebensseelenreihe, welche aus bewußten Vorstellungen besteht, und in eine solche, welche wir niemals ganz zum klaren Bewußtsein gebracht haben. Aber es sind noch weitere Unterschiede: Sie werden leicht unterscheiden können zwischen solchen Eindrücken, die Sie in Ihrem Leben gehabt haben und die für Sie zu erinnern sind, also Eindrücke, die so auf Sie gemacht worden sind, daß sie immer in die Erinnerung hineinfallen können; und Sie werden solche Eindrücke gehabt haben, an welche Sie sich nicht erinnern können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also unser Seelen leben zerfällt in ganz verschiedene Kategorien. Und es ist tatsächlich ein ganz beträchtlicher Unterschied zwischen den verschiedenen Kategorien, wenn wir die Wirkung auf das innere Wesen des Menschen betrachten. - Bleiben wir jetzt für ein paar Minuten beim Leben des Menschen zwischen Geburt und Tod. Wenn wir da genau beobachten, zeigt sich uns, daß ein gewaltiger Unterschied ist zwischen denjenigen Vorstellungen, die immer wieder in unser Bewußtsein hineinfallen können, und solchen, die wieder vergessen worden sind, so daß sie eine Erinnerungsfähigkeit nicht eigentlich entwickelt haben. Dieser Unterschied kann am leichtesten durch folgendes klargemacht werden. Denken Sie einen Eindruck, der bei Ihnen eine klare Vorstellung hervorrief. Nehmen wir an, es sei ein Eindruck, der in Ihnen &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|70}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Freude oder Schmerz erregte&amp;gt; also ein Eindruck, der von einem Gefühl begleitet war. Halten wir das fest, daß die meisten Eindrücke - eigentlich alle Eindrücke, die auf uns gemacht werden - von Gefühlen begleitet sind. Und die Gefühle drücken sich nicht nur an der bewußten Oberfläche des Lebens aus, sondern sie wirken tief hinein bis in den physischen Leib. Sie brauchen nur daran wieder zu denken, wie ein Eindruck Sie erblassen läßt, ein anderer Sie erröten macht. Bis in die Umlagerung des Blutes wirken da die Eindrücke. Und nun gehen Sie über zu dem, was entweder überhaupt nicht oder nur flüchtig zum Bewußtsein kommt - und es nicht bis zur Erinnerung bringt. Da zeigt uns die Geisteswissenschaft, daß solche Eindrücke keineswegs weniger von ähnlichen Erregungen begleitet sind als die bewußten. Wenn Sie einen Eindruck empfangen von der Außenwelt, der, wenn Sie ihn bewußt empfangen hätten, Sie erschreckt hätte, daß vielleicht Ihr Herz gepocht hätte, so bleibt derselbe Eindruck, wenn er nicht bewußt wird, doch nicht ohne Wirkung. Er macht aber nicht nur einen Eindruck, sondern er geht auch bis in den physischen Leib. Es tritt da sogar das Eigentümliche auf, daß ein Eindruck, der eine bewußte Vorstellung hervorruft, eine Art von Widerstand findet beim Hinein wirken in die tiefere menschliche Organisation; wenn aber der Eindruck auf uns einfach wirkt, ohne daß wir es zur bewußten Vorstellung bringen, dann hemmt ihn nichts, aber er ist deshalb nicht weniger wirksam. Es ist das menschliche Leben ein viel reicheres als das, was uns davon bewußt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt eine Zeit im menschlichen Leben, wo solche Eindrücke, die so lebendig auf die menschliche Organisation wirken und keine Erinnerungsfähigkeit haben, in besonders reichem Maße erlebt werden. In der ganzen Zeit von der Geburt bis zu dem Zeitpunkt, an dem die Erinnerung beginnt, sind unzählige reiche Eindrücke auf den Menschen gemacht worden, welche alle im Menschen drinnensitzen und auch in dieser Zeit den Menschen verändert haben. Sie wirken ebenso wie die bewußten Eindrücke; aber ihnen steht, besonders wenn sie vergessen sind, nichts entgegen von dem, was sich sonst einordnet in das Seelen- leben als bewußte Vorstellungen und dadurch gleichsam einen Damm bildet. Und diese unbewußten Eindrücke dringen am allertiefsten. Nun kann man schon durch das äußere Leben vielfach die Bestätigung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|71}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
finden, daß es Momente im menschlichen Leben gibt, wo die zweite Sorte von inneren Wirkungen zum Ausdruck kommt. Manche Ereignisse des späteren Menschenlebens können Sie sich nicht erklären. Sie finden gar nicht, wie Sie dazu kommen, gerade in dieser Weise jetzt dieses oder jenes erleben zu müssen. Sie erleben zum Beispiel etwas, das macht auf Sie einen so erschütternden Eindruck, daß Sie sich gar nicht erklären können, wie ein verhältnismäßig so gleichgültiges Erlebnis einen so erschütternden Eindruck machen kann. Wenn Sie nun nach- forschen, werden Sie vielleicht finden, daß Sie gerade in der kritischen Zeit - zwischen der Geburt und dem letzten Zeitpunkt, bis zu dem man sich erinnern kann - ein ähnliches Erlebnis hatten, das Sie aber vergessen haben. Keine Vorstellung ist davon zurückgeblieben. Damals hatten Sie einen erschütterndenEindruck gehabt; der lebt fort und verbindet sich mit dem jetzigen und verstärkt ihn. Und was Sie sonst jetzt viel weniger erschüttert hätte, das macht nun einen besonders starken Eindruck. - Wer das einsieht, wird sich eine Vorstellung davon bilden, wie unendlich verantwortungsvoll die Erziehung in der ersten Kindheit ist und wie etwas seine ganz bedeutungsvollen Schatten oder auch Lichter auf das spätere Leben wirft. Da wirkt also etwas vom Früheren hinüber auf das spätere Leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun kann sich herausstellen, daß solche Eindrücke der Kindheit - besonders wenn sie sich wiederholt haben - die ganze Lebensstimmung so beeinflussen, daß von einem gewissen Zeitpunkt an eine Gemütsverstimmung eintritt, die unerklärlich ist und die nur erklärlich wird, wenn man zurückgeht und weiß, welche Eindrücke aus der früheren Zeit ihre Lichter oder Schatten hineinwerfen in das spätere Leben; denn die sind es, die jetzt in einer dauernden Gemütsverstimmung zum Ausdruck kommen. Man wird dann finden, daß die Ereignisse besonders stark wirken, die nicht gleichgültig an dem Kind vorübergegangen sind und die schon damals besonderen Eindruck auf das Kind gemacht haben. - Wir werden also sagen können: Wenn Affekte, Gefühle und Empfindungen besonders mitwirkend sind an den Eindrücken, die später vergessen werden, dann sind diese Affekte und Gefühlsergüsse ganz besonders wirksam in dem Hervortreiben solch ähnlicher Erlebnisse.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun erinnern Sie sich an die Darstellungen, die von mir öfters gegeben&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
worden sind über das Leben während der Kamalokazeit. Nachdem der Ätherleib des Menschen als ein zweiter Leichnam abgelegt worden ist, lebt der Mensch sein ganzes letztes Leben zurück, geht vorüber an allen seinen Erlebnissen, welche er gehabt hat; aber er geht nicht so vorüber, daß sie ihm gleichgültig bleiben. Gerade während der Kamalokazeit, weil der Mensch seinen alten astralischen Leib noch hat, bewirkt das Durchgemachte die tiefsten Gefühlserlebnisse. - Nehmen wir zum Beispiel an, jemand sterbe mit siebzig Jahren, lebe sein Leben zurück bis in sein vierzigstes Jahr, wo er jemandem eine Ohrfeige gegeben hat. Da erlebt er den Schmerz, welchen er dem andern zugefügt hat. Dadurch wird hervorgerufen eine Art Selbstvorwurf; der bleibt dann als Sehnsucht, und diese Sehnsucht bringt er im nächsten Leben mit, um diese Sache im späteren Leben auszugleichen. Und Sie können begreifen, da in dieser Zeit zwischen Tod und neuer Geburt solche astralischen Erlebnisse vorhanden sind, daß dasjenige, was von uns als Handlung erlebt wird, sich um so sicherer und tiefer einprägt unserem inneren Wesen und beim Aufbau der neuen Leiblichkeit mitwirkt.Wenn wir also schon im gewöhnlichen Leben so stark berührt werden können durch gewisse Erlebnisse, besonders wenn es Gefühlseindrücke waren, daß sie eine Gemütsverstimmung bewirken können, so werden wir begreifen, daß die viel stärkeren Eindrücke des Kamalokalebens sich so eindrücken können, daß sie bei einer neuen Inkarnation bis tief in die Organisation des physischen Leibes hineinwirken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da sehen Sie eine Steigerung einer Erscheinung, die Sie bei aufmerk samer Beobachtung schon im Leben zwischen Geburt und Tod finden können. Solche Vorstellungen, denen mit dem Bewußtsein kein Damm entgegengebracht wird, werden schon zu mehr Unregelmäßigkeiten in der Seele führen können: zu Neurasthenie, zu nervenkrankheitsartigen Erscheinungen, vielleicht auch zu Geisteskrankheiten. Alle diese Erscheinungen stellen sich uns dar wie ursächliche Zusammenhänge von früheren mit späteren Ereignissen und geben uns ein anschauliches Bild dafür.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wollen wir jetzt den Begriff steigern, so können wir sagen: Was wir als Handlungen in einem Leben voll führen, das wird im Leben nach dem Tode umgesetzt in einen mächtigen Affekt, und dieser Affekt, der &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
jetzt durch keine physische Vorstellung geschwächt wird und durch kein gewöhnliches Bewußtsein gehemmt ist - denn das Gehirn ist hierbei nicht nötig -, der durch die andere, tiefer hineinwirkende Form des Bewußtseins erlebt wird, bewirkt nun, daß unsere Taten und unser ganzes Wesen vom vorigen Leben in unserer Anlage und Organisation in einem neuen Leben erscheint. Daher werden wir es begreiflich finden können, daß ein Mensch, der in einer Verkörperung sehr egoistisch gedacht, gefühlt und gehandelt hat, wenn er nach dem Tode vor sich sieht die Früchte seines egoistischen Denkens, Fühlens und Handelns, sich durchzieht mit mächtigen Affekten gegen seine früheren Handlungen. Das ist in der Tat der Fall. Er bekommt Tendenzen in sich, die gegen sein eigenes Wesen gerichtet sind. Und diese Tendenzen, insofern sie aus einem egoistischen Wesen des vorigen Lebens hervorgegangen sind, drücken sich aus in einer in sich schwachen Organisation im neuen Leben. «Schwache 0rganisation&amp;gt; ist hier dem Wesen nach genommen, nicht dem äußeren Eindruck nach. Wir müssen uns daher klar sein, daß eine schwache Organisation zurückgeführt werden kann karmisch auf ein egoistisches Handeln in einem vorhergehenden Leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gehen wir weiter. Nehmen wir an, in einem Leben zeige ein Mensch einen besonderen Hang zur Lügenhaftigkeit. Das ist schon ein Hang, der geht aus einer tieferen Organisation der Seele hervor. Denn wenn sich der Mensch nur dem überläßt, was in seinem allerbewußtesten Leben ist, so wird er nicht eigentlich lügen; nur Affekte und Gefühle, welche aus dem Unterbewußtsein heraus wirken, verleiten zum Lügen. Da haben wir schon etwas Tieferes sitzen. Wenn der Mensch lügenhaft war, werden seine Handlungen, die aus der Lügenhaftigkeit hervorgehen, wieder die heftigsten Affekte im Leben nach dem Tode gegen den Menschen selbst erzeugen, und eine starke Tendenz gegen die Lügenhaftigkeit wird sich zeigen. Dann wird sich der Mensch mitbringen im späteren Leben ni,cht nur eine schwache Organisation, sondern - die Geisteswissenschaft zeigt uns das - eine Organisation, die sozusagen unrichtig gebaut ist,-die regellos gebaute innere Organe in der -feineren Organisation zeigt. Es stimmt da etwas nicht recht zusammen. Das ist bedingt durch früheren Hang zur Lügenhaftigkeit. - Und woher ist der Hang zur Lügenhaftigkeit selbst gekommen? Denn &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
in dem Hang zur Lügenhaftigkeit hat der Mensch ja schon etwas, was auch nicht stimmt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da müssen wir noch weiter zurückgehen. Und da zeigt die Geistes- wissenschaft, daß ein flatterhaftes Leben, das keine Hingabe und keine Liebe kennt, daß ein oberflächliches Leben in der einen Verkörperung sich ausdrückt in dem Hang zur Lügenhaftigkeit in der nächsten Verkörperung; und der Hang zur Lügenhaftigkeit zeigt sich in der zweit- nächsten Inkarnation in den unrichtig gebauten Organen. - So können wir drei aufeinanderfolgende Inkarnationen in ihren Wirkungen karmisch verfolgen: Oberflächlichkeit und Flatterhaftigkeit in der ersten Inkarnation, Hang zur Lügenhaftigkeit in der zweiten und physische Krankheitsdisposition in der dritten Inkarnation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da sehen wir Karma an Gesundheit und Krankheit arbeiten. - Was jetzt gesagt worden ist, ist so gesagt, daß die Tatsachen selber heraus- geholt worden sind aus der geisteswissenschaftlichen Forschung. Nicht Theorien sollten aufgestellt werden, sondern es sind beobachtete Fälle, die durch die Methoden der Geisteswissenschaft untersucht werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir haben also zunächst hingewiesen auf die allergewöhnlichsten Tatsachen - auf die Heilkräfte des Ätherleibes bei den Pflanzen. Wir zeigten dann, wie durch das Hinzutreten des astralischen Leibes bei den Tieren der Ätherleib weniger wirksam ist, und wir sahen ferner, wie durch die Aufnahme des Ich, das ein individuelles Leben im Guten und Bösen, Wahren und Falschen entwickelt&amp;gt; der astralische Leib, der mit dem Hinaufsteigen in der Tierreihe die Heilkräfte nur hemmt, wieder etwas Neues dem Menschen einfügt: die aus dem individuellen Leben ihm ein fließenden karmischen Krankheitseinflüsse. Bei der Pflanze gibt es noch keine inneren Krankheitsursachen, weil die Krankheit noch im Äußerlichen ist und die Heilkräfte des Ätherleibes ungeschwächt wirken. Bei den niederen Tieren haben wir noch einen Ätherleib mit solchen Heilkräften, daß er selbst Glieder ersetzen kann; aber je weiter wir hinaufsteigen, desto mehr prägt sich der astralisc`he Leib dem Ätherleib ein, und dadurch schränkt der Astralleib die Heilkräfte des Ätherleibes ein. Aber weil sich die Tiere nicht in Reinkarnationen fortpflanzen, hängt das, was im Ätherleibe ist, nicht zusammen mit irgendwelchen &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|75}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
moralisch-intellektuellen oder individuellen Qualitäten, sondern mit dem allgemeinen Typus. Beim Menschen jedoch wirkt das, was er in seinem Ich erlebt, zwischen Geburt und Tod hinein bis in den Ätherleib.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Warum kommen denn die Erlebnisse der Kindheit bei den genannten Gemütswirkungen nur in leichten Erkrankungen zum Vorschein? Weil wir die Ursachen zu vielem, was sich in Neurasthenie, Neurose, Hysterie und so weiter zeigt, werden finden können in demselben Leben. Die Ursachen zu tieferen Krankheitsfällen aber werden wir zu suchen haben in einem vorhergehenden Leben, weil sich erst beim Übergang zu einer neuen Geburt dasjenige recht in den Ätherleib hineinverpflanzen kann, was moralisch und intellektuell erlebt wird. Im allgemeinen kann der Atherleib beim Menschen tiefere moralische Wirkungen in einem Leben nicht einverleibt erhalten, obwohl wir einzelne&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ausnahmefälle - und sogar sehr bedeutende Fälle - noch kennenlernen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So haben wir einen Zusammenhang zwischen unserem Leben im Guten und Bösen, im Moralischen und Intellektuellen in der einen In karnation, und unserer Gesundheit oder Krankheit in der nächsten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|76}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= VIERTER VORTRAG Hamburg, 19. Mai 1910 =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es darf die Voraussetzung gemacht werden, daß gerade über die beiden Begriffe, welche den Gegenstand unserer heutigen Betrachtung bilden sollen, nämlich Heilbarkeit und Unheilbarkeit vQn Krankheiten, deutlichere und, man kann sagen, menschenfreundlichere Vorstellungen herrschen werden, wenn einmal die Ideen von Karma und karmischen Zusammenhängen im Leben in weiteren Kreisen werden Platz gegriffen haben. Man darf ja sagen, daß in bezug auf die Begriffe Heilbarkeit und Unheilbarkeit von Krankheiten in den verschiedensten Jahrhunderten die verschiedensten Meinungen verbreitet waren. Und man braucht nicht sehr weit zurückzugehen, um zu sehen, wie ungeheuerlich sich diese Begriffe verändert haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da finden wir eine Zeit - sie ist die Wende zwischen dem Mittel- alter und der neueren Zeit, so etwa das 16., 17. Jahrhundert -, da entwickelten sich allmählich die Vorstellungen, daß man die Krankheitsformen in einer strengen Weise eingrenzen könne und daß es eigentlich für eine jede Krankheit irgendein Kräutlein, irgendeine Mixtur gebe, durch welche die betreffende Krankheit unbedingt geheilt werden müsse. Dieser Glaube dauerte im Grunde recht lange, sogar bis in das 19. Jahrhundert hinein. Und wenn man als Laie oder als Mensch, der die heutigen Zeitbegriffe in sich aufgenommen hat, nachlesen wollte in den Mitteilungen von Krankenbehandlungen vom Ende des 18. oder&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dem Beginn des 19. Jahrhunderts und bis weit in das 19. Jahrhundert hinein, so würde man ersIaunen über all die Mittel und Mittelchen, die damals reichlich angewendet worden sind, von Tees, Mixturen bis zu gefährlicheren Arzneien, Aderlässen und so weiter. Aber gerade das 19. Jahrhundert war es, welches in medizinischen Kreisen, und zwar in angesehenen medizinischen Kreisen, diese Ansicht in das genaue Gegenteil verkehrt hat. Und ich darf wohl selbst sagen, daß mir vieles von` diesen gegenteiligen Ansichten während meiner jüngeren Jahre in den verschiedensten Nuancen und Motiven vor Augen getreten ist. Es war die Gelegenheit dazu gegeben, wenn man etwa die Strömung der nihi&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|77}}&lt;br /&gt;
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listischen medizinischen Schule mitmachte, die sich um die Mitte des 19. Jahrhunderts in Wien vorbereitete und eigentlich immer mehr und mehr an Ansehen gewann. Der Ausgangspunkt zu einer radikalen Änderung in bezug auf die Anschauungen über Heilbarkeit und Unheilbarkeit von Krankheiten war das, was der bedeutende Mediziner Dietl über den Verlauf der Lungenentzündung und ähnlicher Krankheiten zutage förderte. Er war durch allerlei Betrachtungen dazu gekommen, sich zu sagen, daß im Grunde gar kein rechter Einfluß von diesem oder jenem Mittel auf den Verlauf dieser oder jener Krankheit zu bemerken sei. Und gerade unter dem Einfluß von Dietls Schule lernten die damaligen jungen Mediziner über den Heilwert der seit Jahrhunderten heraufgekommenen Heilmittel so denken, daß sie auf alle alten Mittel übertrugen, was mit dem bekannten Sprichwort gemeint ist: Kräht der Hahn auf dem Mist, so ändert sich das Wetter, oder es bleibt, wie es ist! - Sie waren der Meinung, daß es ziemlich einerlei sei für den Verlauf einer Krankheit, ob man diese oder jene Mittel verabreiche oder nicht. Und Dietl war einer, der eine für die damalige Zeit recht überzeugende Statistik zustande brachte, die besagte, daß bei der von ihm eingeführten sogenannten abwartenden Behandlungsweise ungefähr ebenso viele Menschen, die an Lungenentzündung erkrankt waren, geheilt wurden oder starben als bei der früheren Behandlung mit den altehrwürdigen Heilmitteln. Die von Dietl begründete, von Skoda weiter fortgeführte abwartende Behandlung bestand darin, daß man den Kranken in die äußere Lebenslage brachte, die ihn instande setzte, die selbstheilenden Kräfte am allerbesten in Anwendung zu bringen, sie hervorzuholen aus seinem Organismus, und dem Arzte wies man kaum eine andere Stellung an, als den Verlauf der Krankheit zu überwachen, damit er da war, wenn irgend etwas eintrat, wo man mit menschlichen Mitteln sachgemäß Hilfe leisten kann. Im übrigen beschränkte man sich darauf, die Krankheit sozusagen kommen zu sehen, abzuwarten, wie die selbstheilenden Kräfte aus dem Organismus herauskamen, bis das Fieber nach einiger Zeit abfiel und die Selbstheilung durch den Organismus eintrat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese medizinische Schule wurde und wird noch heute mit dem Ausdruck der «nihilistischen Schule» belegt, weil sie auf einem Ausspruch &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
von Professor Skoda fußte, der ungefähr sagte: Wir können vielleicht lernen, Krankheiten zu diagnostizieren, sie zu beschreiben, vielleicht auch zu erklären - heilen aber können wir sie nicht! - Ich erzähle Ihnen Dinge, von denen Sie als von Tatsachen, welche sich im Laufe des 19. Jahrhunderts herausgebildet haben, Notiz nehmen sollen, damit Sie eine Empfindung dafür erhalten, wie sich Vorstellungen auf diesem Gebiete geändert haben. Aber es möge niemand glauben, daß, wenn dies oder jenes hier in rein erzählender Form ausgesprochen wird, deshalb gleich in der einen oder andern Weise Partei ergriffen werden soll. Denn selbstverständlich war der Ausspruch des berühmten Professors Skoda eine Art Radikalismus, und es würde leicht sein, die Grenzen, innerhalb welcher ein solcher Ausspruch gilt, aufzuzeigen. Auf eins aber war mit solcher Meinung hingewiesen, ohne daß man eigentlich die Mittel hatte, bewußt diesen Hinweis irgendwie zu begründen oder zu umschreiben oder in Worte zu bringen - ja nicht einmal in Gedanken konnte man ihn bringen; das heißt, man konnte in den Kreisen, in welchen man ihn aussprach, nicht einmal daran gehen, diesen Hinweis zu denken. Es wurde darauf hingewiesen, daß sich allerdings im Menschen etwas finden müsse, was in gewisser Beziehung bestimmend ist für den Ausgang und für den Verlauf einer Krankheit und was als solches im Grunde genommen doch jenseits dessen liegt, was menschliche Hilfe leisten kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es war also der Hinweis auf etwas gegeben, was jenseits der menschlichen Hilfe liegt; und dieser Hinweis kann niemals, wenn man wirklich den Dingen zu Leibe geht, sich auf etwas anderes beziehen als auf das Gesetz von Karma und auf die Wirksamkeit von Karma im Verlaufe des menschlichen Lebens. Wenn wir den Verlauf einer Krankheit im menschlichen Leben verfolgen - das Heraufkommen der Krankheit, die aus dem Organismus selbst hervorsprießenden Heilkräfte -, wenn wir die Heilentwickelung verfolgen, dann werden wir bei unbefangener Betrachtungsweise, besonders wenn wir darauf Rücksicht nehmen, wie in dem einen Falle Heilung eintritt, während in einem andern Falle keine Heilung möglich erscheint, dahin getrieben werden, nach tieferer Gesetzmäßigkeit zu suchen. Darf diese tiefere Gesetzmäßigkeit gesucht werden in den früheren Erdenleben des Menschen? Das ist für uns die Frage. Darf davon gesprochen werden, daß sich der Mensch gewisse &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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Vorbedingungen mitbringt, die ihn geradezu vorausbestimmt machen, in einem besonderen Falle seine Heilkräfte aus dem Organismus aufrufen zu können, die aber in einem andern Falle so vorausbestimmt sind, daß er trotz aller Anstrengungen nicht imstande ist, die Krankheit zu heilen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn Sie sich an das erinnern, was namentlich gestern ausgeführt worden ist, so werden Sie begreifen, daß in den Vorgängen, die sich abspielen zwischen dem Tode und der neuen Geburt, allerdings ganz besondere Kräfte aufgenommen werden in die menschliche Individualität. Haben wir doch gesagt, daß dem Menschen während der Kamalokazeit die Ereignisse seines letzten Lebens, seine von ihm verrichteten Handlungen im Guten und Bösen, seine Charaktereigenschaften und so weiter vor die Seele treten und daß er durch die Anschauung seines eigenen Lebens in sich die Tendenz aufnimmt, für alles, was unvollkommen in ihm ist und was sich als eine unrichtige Handlung gezeigt hat, Abhilfe und Ausgleich zu schaffen, sich die betreffenden Eigenschaften einzuprägen, welche ihn auf diesem oder jenem Gebiete vollkommener machen. Haben wir das begriffen, so können wir sagen: Diese Absicht, diese Tendenz behält nun der Mensch und geht durch eine neue Geburt mit dieser Absicht wieder ins Dasein. - Der Mensch baut aber selbst an dem neuen Leibe, der sich ihm angliedert und ihn umgliedert im neuen Leben, und er baut ihn auf gemäß den Kräften, welche er sich mitgebracht hat aus früheren Lebensläufen und aus der Zeit zwischen Tod und neuer Geburt. Mit diesen Kräften ist er ausgestattet und webt sie hinein in selne neue Körperlichkeit. Damit haben wir begriffen, daß diese neue Körperlichkeit schwach oder stark ist, je nachdem der Mensch schwache oder starke Kräfte in sie hineinweben kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun müssen wir uns aber doch klar sein, daß eine gewisse Folge eintreten wird, wenn zum Beispiel der Mensch während des Kamalokalebens gesehen hat: Du warst im letzten Leben ein Mensch, der viele Handlungen begangen hat unter dem Einflusse seiner Affekte, von Zorn, Furcht, Abscheu und so weiter. - Solche Handlungen stehen nun lebendig vor seiner Seele in der Kamalokazeit, und da bildet sich heraus in dieser Seele der Gedanke - die Ausdrücke, die uns für diese Kräfte erwachsen können sind natürlich für das physische Leben geprägt! -: &lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Du mußt an dir etwas tun, damit du in dieser Beziehung vollkommener wirst, damit du in der Zukunft nicht mehr geneigt bist, Handlungen unter dem Einflusse deiner Affekte zu begehen! - Dieser Gedanke wird ein Bestandteil der menschlichen Seelenindividualität, und beim Durch- gehen durch eine neue Geburt prägt sich dieser Gedanke weiter ein als eine Kraft in den neu entstehenden Leib. Und in diesen fließt dadurch ein die Tendenz, so etwas zu vollführen mit der ganzen Organisation von physischem Leib, Ätherleib und astralischem Leib, was dem Menschen es jetzt unmöglich macht, aus seinen Affekten heraus, aus Zorn, Haß, Neid und so weiter gewisse Handlungen zu begehen, damit er imstande ist, in dieser Beziehung wirklich sich vollkommener zu machen. Und dadurch wird er dazu kommen, neue Handlungen zu vollführen, welche jetzt den Ausgleich früherer Handlungen bewirken können. So läßt der Mensch aus einer seine gewöhnliche Vernünftigkeit weit überragenden Vernünftigkeit die Absicht in sich hinein fließen, die ihn zu einer höheren Vollkommenheit auf einem bestimmten Gebiete und zum Ausgleich bestimmter Handlungen führen kann. -Wenn Sie in Betracht ziehen, wie mannigfaltig das Leben ist, wie der Mensch von Tag zu Tag solche Handlungen vollführt, die einen derartigen Ausgleich erfordern, so werden Sie begreifen, daß viele solcher nach Ausgleich harrender Gedanken in der Seele sind, wenn die Seele durch eine neue Geburt ins Dasein tritt, und daß diese mannigfaltigen Gedanken sich kreuzen, so daß dadurch der menschliche physische Leib und Ätherleib eine Konfiguration erhalten, in welche alle diese Tendenzen hineinverwoben sind. Um uns nun das verständlich zu machen, nehmen wir einen ganz eklatanten Fall an. Gerade heute aber muß ich ganz besonders betonen, was ich auch sonst stets betone: daß ich vermeide, aus irgendeiner Theorie oder Hypothesenmacherei zu sprechen und daß ich, wenn ich Beispiele anführe, nur solche anführe, die von der Geisteswissenschaft wohl geprüft sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen wir an, jemand habe im letzten Leben so gelebt, daß er aus einem viel zu schwachen Ich-Gefühl heraus gewirkt hat, aus einem IchGefühl, welches in der Hingabe an die äußere Welt viel zu weit ging, so weit, daß es mit einer Unselbständigkeit, Selbstverlorenheit wirkte, wie es für unseren heutigen Menschheitszyklus nicht mehr angemessen &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
ist. Also das fehlende Selbstgefühl war es, welches einen Menschen in einer Inkarnation zu diesen oder jenen Handlungen geführt hat. Nun hat er während der Kamalokazeit die Handlungen vor sich gehabt, die aus diesem fehlenden Selbstgefühl herausgeflossen sind. Er nimmt daraus zunächst die Tendenz auf: Du mußt in dir Kräfte entwickeln, welche dein Selbstgefühl erhöhen, du mußt in einer nächsten Inkarnation dir die Gelegenheit schaffen, gegen den Widerstand deiner Leiblichkeit, gegen die Kräfte, welche dir entgegenkommen werden aus physischem Leib, Ätherleib und astralischem Leib, dein Selbstgefühl zu stählen, damit es gleichsam eine Schule durchmacht. Du mußt dir einen Leib anschaffen, der dir zeigt, wie aus der Leiblichkeit heraus die Anlage zu einem schwachen Selbstgefühl wirkt!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was sich dann in der nächsten Inkarnation abspielen wird, wird wenig ins Bewußtsein treten, es wird sich mehr oder weniger in einer unterbewußten Region abspielen. Der Betreffende wird hinstreben zu einer solchen Inkarnation, welche gerade die derbsten Widerstände seinem Selbstgefühl entgegensetzt, so daß er es nötig hat, sein Selbstgefühl im höchsten Maße anzuspannen. Dadurch wird er wie magnetisch hingezogen werden zu solchen Gegenden und solchen Gelegenheiten, wo sich ihm tiefere Hindernisse entgegenstellen, wo sich sein Selbstgefühl ausleben soll gegen die Organisation der drei Leiber. So sonderbar es Ihnen klingen mag: Solche Individualitäten, die mit diesem Karma belastet sind, daß sie in der charakterisierten Weise durch die Geburt ins Dasein hineinstreben, suchen den Zugang zu Gelegenheiten, wo sie zum Beispiel einer Seuche wie der Cholera ausgesetzt sein können; denn diese bietet ihnen Gelegenheit, jene Widerstände, welche eben gekennzeichnet worden sind, zu finden. Was dabei durchzumachen ist im Inneren gegen die Widerstände der drei Leiber in dem Erkrankten&amp;gt; das kann dann bewirken, daß in der nächsten Inkarnation das Selbstgefühl in einem erheblichen Grade gewachsen ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen wir einen andern eklatanten Fall an, und zwar, damit Sie den Zusammenhang durchschauen können, jetzt gerade den entgegengesetzten Fall. Ein Mensch sieht während der Kamalokazeit, daß er unter einem zu starken Selbstgefühl eine Reihe von Handlungen vollführt hat, die aus einem zu starken Auf-sich-selbst-Bauen geflossen &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
sind. Er sieht, daß er sich mäßigen muß in bezug auf sein Selbstgefühl, daß er es zurückdämmen muß. Da muß er wieder eine Gelegenheit aufsuchen, wo ihm in der nächsten Inkarnation seine drei Leiber die Möglichkeit geben, daß das Selbstgefühl überall in der Leiblichkeit - wie es sich auch anstrenge - keine Schranken findet, daß es überall ins Boden- lose hinein und sich selbst ad absurdum führt. Die Bedingungen dazu sind hergestellt, wenn der Betreffende hingezogen wird zu einer Gelegenheit, die ihm die Malaria bringt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da haben Sie einen Krankheitsfall des karmischen Wirkens und sogar den Satz dargelegt, daß im Grunde der Mensch aus einer höheren Vernünftigkeit, als diejenige ist, welche er mit seinem gewöhnlichen Bewußtsein überschauen kann, hingeleitet wird zu den Gelegenheiten, wo er sich im Verlaufe seines Karma weiter fortentwickeln kann. Wenn Sie namentlich die Dinge ins Auge fassen, welche jetzt eben gesagt worden sind, wird es Ihnen sehr erleichtert werden, Verständnis zu gewinnen gerade für das Epidemische bei den Krankheiten. Wir könnten die verschiedensten Beispiele anführen, die uns alle zeigen, wie der Mensch aus den Erfahrungen seiner Kamalokazeit heraus geradezu die Gelegenheiten aufsucht, diese oder jene Krankheit zu bekommen, um durch, ihre Überwindung und durch die Entfaltung der selbstheilenden Kräfte die Kräfte zu gewinnen, welche ihn die Lebensbahn im ganzen hinauf- führen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorhin sagte ich, wenn ein Mensch viel unter dem Einfluß von Affekten gehandelt hat, so wird er in der Kamalokazeit ebenfalls Handlungen durchleben, die unter dem Einfluß von Affekten überhaupt geschehen sind. Das wird ihm die Tendenz geben, in seiner neuen Inkarnation, in seiner eigenen Leiblichkeit so etwas zu erleben, durch dessen Überwindung er Handlungen vollführt, welche ausgleichend wirken können auf gewisse Handlungen seines früheren Lebens. Insbesondere ist es da jene Form der Erkrankung, die wir in der neueren Zeit als Diphtherie kennen, die in vielen Fällen zutage tritt, wenn eine solche karmische Verwicklung vorliegt, wo sich der Betreffende früher in der Weise ausgelebt hat, daß er vielfach aus allerlei Aufwallungen, Affekten und so weiter gehandelt hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir werden im Verlaufe dieser Vorträge noch manches zu hören&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
bekommen darüber, wie diese oder jene Krankheit bedingt ist. Wir müssen aber jetzt auf noch tiefere Grundlagen eingehen, wenn wir uns die Frage beantworten wollen: Wie kommt es, daß, wenn der Mensch durch die Geburt ins Dasein tritt und er sich durch sein Karma dieTendenz mitbringt, durch die Überwindung dieses oder jenes Leidens das eine oder das andere zu erreichen, wie kommt es, daß es ihm einmal gelingt, wirklich Sieger zu sein, die Krankheit zu überwinden und Kräfte in sich aufzunehmen, die ihn höher bringen, während er das andere Mal unterliegt und die Krankheit Sieger bleibt? Da müssen wir auf die geistigen Prinzipien zurückgehen, die überhaupt das Kranksein im Menschenleben möglich machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daß der Mensch überhaupt erkranken kann, daß er geradezu das Kranksein - sogar aus seinem Karma heraus - suchen kann, das kommt zuletzt aus keinen andern Prinzipien heraus als aus denjenigen, die wir schon oft in den verschiedensten Zusammenhängen unserer theosophischen Betrachtungen uns haben vor die Seele treten lassen. - Wir wissen, daß in einem bestimmten Punkte der Erdentwickelung diejenigen Kräfte in die menschliche Entwickelung eingetreten sind, welche wir die luziferischen Kräfte nennen, welche solchen Wesenheiten angehören, die während der alten Mondentwickelung zurückgeblieben sind und nicht so weit vorgeschritten sind, ~daß sie sozusagen an dem normalen Punkt ihrer Erdentwickelung angelangt wären. Dadurch wurde dem astralischen Leibe des Menschen, bevor sein Ich in der entsprechenden Weise wirken konnte, etwas eingepflanzt, was aus diesen luziferischen Wesen herausströmte. Der Einfluß dieser luziferischen Wesenheiten ist daher ein solcher, der vorzugsweise auf unseren astralischen Leib einstmals ausgeübt worden ist und den der Mensch für die Folgezeit durch seine Entwickelung hindurch in seinem astralischen Leib hatte. Dieser luziferische Einfluß bedeutet in der menschlichen Entwickelung mancherlei. Für unseren heutigen Zweck ist es aber wichtig, hervorzuheben, daß der Mensch, indem er die luziferischen Kräfte in sich hatte, in seinem Inneren einen Verführer hatte, weniger gut zu sein, als er gewesen wäre, wenn der luziferische Einfluß nicht gekommen wäre; und ebenso hatte er dadurch einen Einfluß, mehr aus allerlei Affekten, Leidenschaften und Begierden heraus zu handeln und zu ur&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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teilen, als er geurteilt und gehandelt haben würde,wenn der luziferische Einfluß nicht gewirkt hätte. Durch diesen Einfluß wurde des Menschen eigentliche Individualität veranlaßt, anders zu sein, sozusagen mehr hingegeben zu sein an das, was wir die Begierdenwelt nennen können, als es sonst der Fall gewesen wäre. Und dadurch ist es gekommen, daß der Mensch viel tiefer hineinverstrickt worden ist in die physische Erdenwelt, als es sonst geschehen wäre. Der Mensch drängt sich durch den luziferischen Einfluß mehr hinein in seine Leiblichkeit, identifiziert sich mehr mit der Leiblichkeit, als er sie durchdrungen hätte, wenn kein luziferischer Einfluß gekommen wäre. Denn wäre der Einfluß der luziferischenWesenheiten nicht gekommen, so wäre so mancherlei von dem, was den Menschen auf der Erde locken kann, dieses oder jenes zu begehren, nicht gekommen. Der Mensch wäre gleichgültig an den Eindrücken dieser oder jener Lockmittel vorbeigegangen. Durch Luzifers Einfluß entstanden die Verlockungen der äußeren sinnlichen Welt; diese Verlockungen nahm der Mensch in sich auf. Die Individualität, die durch das Ich gegeben war, wurde durchtränkt mit den Wirkungen, die aus dem luziferischen Prinzip heraus kamen. Und so kam es, daß der Mensch bei seinen ersten Erdeninkarnationen auch den ersten Verlockungen des luziferischen Prinzips verfallen war und diese Verlockungen mitnahm in die späteren Leben. Das heißt, daß die Art und Weise, wie der Mensch den Verlockungen des luziferischen Prinzips verfiel, zu einem Bestandteil seines Karma wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn nun der Mensch nur dieses Prinzip in sich aufgenommen hätte, so würde er immer mehr und mehr den Verlockungen der physischen Erdenwelt verfallen sein; er würde sozusagen immer mehr die Aussicht verloren haben, von dieser physischen Erdenwelt wieder loszukommen. Wir wissen, daß der spätere Einfluß - der Christus-Einfluß - dem luziferischen Prinzip entgegengewirkt hat und es gleichsam wieder zum Ausgleich gebracht hat, so daß der Mensch im Laufe seiner Entwickelung wieder Mittel erhalten hat, diesen luziferischen Einfluß aus sich herauszutreiben. Aber mit dem luziferischen Einfluß war zugleich etwas anderes gegeben. Dadurch,daß der Mensch in seinem astralischen Leib den luziferischen Einfluß aufgenommen hatte, erschien ihm auch die ganze äußere Welt, in die er eintrat, ganz anders, als sie ihm erschienen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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wäre, wenn er dem luziferischen Einfluß nicht hingegeben gewesen wäre. Luzifer drang in des Menschen Inneres. Der Mensch sah mit Luzifer im Inneren die Welt um sich herum. Dadurch trübte sich sein Blick für die Erdenwelt, und es mischte sich nun in die äußeren Eindrücke hinein der ahrimanische Einfluß. Nur dadurch konnte sich AhrIman eInmischen und die äußere Welt zur Illusion gestalten, weil wir uns schon früher von innen heraus die Anlage zur Illusion, zu Maja geschaffen hatten. So war der ahrimanische Einfluß, der hineinzog in die äußere Welt, die den Menschen umgab, die Folge des luziferischen Einflusses. Wir können sagen: Der Mensch saugte ein, weil einmal die Iuziferischen Kräfte in ihm waren, die Möglichkeit, sich mehr in die Sinnenwelt zu verstricken, als er sich ohne den luziferischen Einfluß in das sinnliche Erdenleben verstrickt hätte. Dadurch hat er sich aber auch die Möglichkeit geschaffen, mit allen äußeren Wahrnehmungen von außen den ahrimanischen Einfluß einzusaugen. Und so lebt in der menschlichen Individualität, indem sie durch die verschiedenen Erdeninkarnationen hindurchgeht, der luziferische Einfluß, und als das Ergebnis des luziferischen Einflusses der ahrimanische Einfluß. Diese zwei Mächte kämpfen fortwährend in der menschlichen Individualität. Und die menschliche Individualität ist der Schauplatz geworden für den Kampf von Luzifer und Ahriman.&lt;br /&gt;
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Der Mensch ist mit seinem gewöhnlichen Bewußtsein auch heute noch ausgesetzt sowohl den Verlockungen Luzifers, der aus den Leidenschaften und Affekten seines astralischen Leibes heraus wirkt, wie auch den Verlockungen Ahrimans, der durch Irrtümer, Täuschungen in bezug auf die äußere Welt von außen in den Menschen eindringt. Solange nun der Mensch in einer Inkarnation lebt und die Vorstellungen einen Riegel vorschieben, so daß das, was von Luzifer und Ahriman geschieht, nicht tiefer eindringen kann und ein Hindernis findet an den Vorstellungen, so lange bleibe das, was der Mensch tut, dem moralischen oder dem intellektuellen Urteil unterworfen. Solange der Mensch zwischen Geburt und Tod gegen die Moral sündigt, indem er Luzifer folgt, oder sich gegen die Logik und das gesunde Denken versündigt, indem er Ahriman folgt, so lange bleibt das eine Angelegenheit des gewöhnlichen bewußten Seelenlebens. Wenn der Mensch aber durch die Pforte &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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des Todes schreitet, hört das Vorstellungsleben auf, das an das Instrument des Gehirns gebunden ist. Da beginnt eine andere Form des Bewußtseinslebens. Da dringen in der Tat alle die Dinge, welche im Leben zwischen Geburt und Tod dem moralischen oder dem vernünftigen Urteil unterworfen sind, herunter in die Untergründe des menschlichen Wesens und greifen ein in das, was dann nach dem Kamaloka für das nächste Dasein organisierend wirkt und sich hineinprägt in die plastischen Kräfte, die nun die dreifache menschliche Leiblichkeit aufbauen. Da werden Irrtümer, welche aus der Hingabe an Ahriman folgen, zu Krankheitskräften, die vom Ätherleib her den Menschen infizieren,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und Ausschweifungen, also Dinge, welche im Leben dem moralischen Urteil unterworfen sind, werden zu Krankheitsursachen, welche mehr vom astralischen Leib her wirken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dadurch sehen wir, wie in der Tat unsere Irrtümer aus dem Ahrimanischen in uns - und dazu sind auch die bewußten Irrtümer: Lügen, Unwahrheiten zu rechnen - zu Krankheitsursachen werden, wenn wir allerdings nicht bei einer Inkarnation stehenbleiben, sondern die Wirkung einer Inkarnation auf die folgende betrachten; und wir sehen, wie auch die luziferischen Einflüsse zu Krankheitsursachen auf demselben Wege werden. Wir können in der Tat sagen: Wir begehen unsere Irrtümer nicht ungestraft! Wir tragen den Stempel unserer Irrtümer in unserer nächsten Inkarnation an uns, aber wir tun es aus einer höheren Vernünftigkeit heraus, als diejenige unseres gewöhnlichen Lebens ist, aus derjenigen Vernünftigkeit, welche uns während der Zeit zwischen Tod und neuer Geburt anweist, uns so stark und kräftig zu machen, daß wir fernerhin diesenVerlockungen nicht mehr ausgesetzt sind. So reihen sich Krankheiten sogar ein als mächtige Erzieher in unser Leben. -Wenn wir Krankheiten so betrachten, können wir förmlich sehen, wie bei der Ausbildung einer Krankheit entweder luziferische oder ahrimanische Einflüsse wirksam sind. Wenn einmal diese Dinge werden durchschaut werden von denen, die unter dem Einfluß der geisteswissenschaftlichen Weltanschauung Heiler sein werden, dann werden die Einflüsse dieser Heiler auf den menschlichen Organismus viel intimere sein, als sie heute sein können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir können geradezu in diesem Sinne den Organismus gewisser&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Krankheitsformen durchschauen. Nehmen wir zum Beispiel eine solche Krankheit wie die Lungenentzündung. Sie ist eine Wirkung in der karmischen Folge, welche dadurch entsteht, daß der Betreffende während seiner Kamalokazeit zurückblicken kann auf einen Charakter, der in sich hatte Hang und Neigung zu sinnlichen Ausschweifungen, der in sich hatte sozusagen ein Bedürfnis, sinnlich zu leben. Verwechseln wir ja nicht, was jetzt einem früheren Bewußtsein zugeschrieben wird, mit dem, was im Bewußtsein der nächsten Inkarnation auftritt. Damit hat es zunächst nichts zu tun.Wohl aber wird das, was der Mensch während der Kamalokazeit sieht, sich so umwandeln, daß sich ihm Kräfte ein- prägen zuVorgängen,welche die Lungenentzündung überwinden. Denn gerade in der Überwindung der Lungenentzündung, in der Selbst heilung,welche dabei vom Menschen angestrebt wird,wirkt die menschliche Individualität entgegen den luziferischen Mächten, führt einen förmlichen Krieg gerade gegen die luziferischen Mächte. Daher ist in der Überwindung der Lungenentzündung eine Gelegenheit, dasjenige abzulegen, was ein Charaktermangel in einer vorherigen Inkarnation war. So sehen wir förmlich wirken in der Lungenentzündung den Kampf des Menschen gegen die luziferischen Mächte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anders stellt sich uns die Sache dar, wenn wir bei dem, was wir im heutigen Sprachgebrauch Lungentuberkulose nennen, die eigentümlichen Prozesse auftreten sehen, wenn die selbstheilenden Kräfte in Tätigkeit übergehen, die sich dadurch äußern, daß die schädigenden Einflüsse, welche da entstehen, umgeben werden, umrandet werden von Umhüllungen wie Bindegewebe; dann wird das Ganze ausgefüllt mit kalk-salzhaltiger Materie, welche feste Einschlüsse bildet. Solche Einschlüsse kann der Mensch in seiner Lunge haben, und viel mehr Menschen tragen solche Dinge mit sich herum, als man gewöhnlich glaubt; denn das sind diejenigen Menschen, bei denen eine tuberkulöse Lunge in Heilung übergegangen ist. Wo derartiges vor sich ging, ist wieder ein Kampf aufgeführt worden der menschlichen inneren Wesenheit gegen das, was ahrimanische Kräfte angestellt haben. Es ist ein Abwehrprozeß nach außen, ein Anstürmen gegen das, was durch äußere Materialität hergebracht wird, um zur Selbständigkeit der menschlichen Wesenheit in diesem Sinne zu führen.&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Damit haben wir gezeigt, wie in der Tat die beiden Prinzipien, das ahrimanische und das luziferische, im letzten Grunde im Krankheitsverlauf tätig sind. Und es könnte in vieler Beziehung für diese oder jene Krankheitsform gezeigt werden, wie man eigentlich zwei Typen von Krankheiten unterscheiden müßte: ahrimanische und luziferische Krankheiten. Wenn man das beachten würde, so würde man auch rich tige Prinzipien gewinnen können für die entsprechende Hilfe, welche man den Kranken angedeihen lassen kann. Denn luziferische Krankheitsprozesse werden ganz andere Hilfe erfordern als ahrimanische. Wenn heute noch in einer ziemlich kritiklosen Weise, zum Beispiel im äußeren Heilverfahren, Kräfte angewendet werden, die in der heutigen Elektrotherapie, in der Kaltwasserbehandlung oder in ähnlichem ent halten sind, so muß gesagt werden, daß von vornherein durch die Geisteswissenschaft ein Licht darauf geworfen werden kann, ob man die eine oder die andere Methode anwenden soll, dadurch, daß man unterscheiden würde, ob man es mit einer luziferischen oder einer ahrimanischen Krankheit zu tun hat. Kein Mensch sollte zum Beispiel das Verfahren der Elektrotherapie anwenden bei Erkrankungen, die aus dem Luziferischen stammen; sondern man sollte sie nur bei ahrimanischen Krankheitsformen anwenden. Denn eine Hilfe kann bei luziferischen Krankheitsformen niemals etwas sein, was überhaupt mit dem Wirken des Luzifer gar nichts zu tun hat, nämlich die Prinzipien der Elektrizität; denn diese fallen in das Bereich der ahrimanischen Wesenheiten, wobei sich natürlich nicht nur die ahrimanischen Wesenheiten der Kräfte der Elektrizität bedienen. Dagegen ist ein ganz besonderes Gebiet des Luziferischen dasjenige, was sich bezieht, grob ausgedrückt, auf Warm und Kalt. Alles, was damit zu tun hat, daß die menschliche Organisation wärmer oder kälter wird oder was sie selbst durch äußere Einflüsse wärmer oder kälter macht, das gehört in das Bereich des Luzifer. Und bei alledem, wo wir es zu tun haben mit Warm oder Kalt, haben wir einen Typus luziferischer Krankheitsformen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So also sehen wir, wie Karma in dem Kranksein wirkt und wie es zur Überwindung von Kranksein wirkt. Nun wird es nicht mehr unbegreiflich erscheinen, daß im Karma auch die Heilbarkeit oder Unheilbarkeit einer Krankheit liegt. Wenn Sie sich klarmachen, daß ja das &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Ziel, das karmische Ziel des Erkrankens das ist, den Menschen zu fördern und vollkommener zu machen, so ist die Voraussetzung die, daß der Mensch, wenn er nach der Vernünftigkeit, die er sich aus der Kamalokazeit beim Eintritt in ein neues Dasein mitbringt, einer Krankheit verfällt, jene Heilkräfte dann entwickelt, welche eine Stählung seines inneren Menschen bedeuten und die Möglichkeit, höher zu kommen. Nehmen wir an, die Sache liege so, daß der Mensch in dem Leben, das er noch zubringen kann, vermöge seiner sonstigen Organisation und seines übrigen Karma die Kräfte hat, mit dem, was er durch die Krankheit errungen hat, in diesem Leben selbst weiterzukommen. Dann hat die Heilung einen Sinn. Dann tritt Heilung ein und der Mensch hat in diesem Falle das errungen, was er erringen sollte und was sich an dem Vorhandensein der Krankheit zeigte. Durch das Überwinden der Krankheit hat er sich instand gesetzt, dort vollkommene Kräfte zu haben, wo er früher unvollkommene Kräfte hatte. Ist er durch sein Karma mit solchen Kräften ausgerüstet und durch die günstigen Umstände seines früheren Schicksals so in die Welt gesetzt, daß er die neuen Kräfte anwenden kann und wirken kann, um sich und andern von Nutzen zu sein, dann tritt die Heilung ein; dann windet er sich durch die Krankheit hindurch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen wir nun an, die Sache liege für den Menschen so, daß er die Krankheit überwindet und die Heilkräfte entwickelt und nunmehr vor einem Leben stünde, welches an ihn Anforderungen stellen würde, die mit dem Maß, das er sich jetzt schon errungen hat an Vollkommenem, nicht erfüllt werden können: Er würde zwar einiges erringen durch die geheilte Krankheit, aber es wäre doch nicht möglich, daß er so viel erringt - weil sein übriges Karma das nicht zuläßt -, daß er mit dem, was er sich errungen hat, den andern zum Heile werden kann. Dann tritt das ein, daß sein tieferes Unterbewußtsein sagt: Hier hast du keine Gelegenheit, die volle Kraft von dem zu empfangen, was du eigentlich haben sollst. Du mußtest in diese Inkarnation hineingehen, weil du das Maß an Vollkommenheit gewinnen mußtest, das du nur im physischen Leibe durch die Überwindung einer Krankheit erringen kannst. Das mußtest du erringen; aber weiter ausbilden kannst du es nicht. Nun mußt du in die Verhältnisse gehen, wo dein physischer Leib und andere &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Kräfte dich nicht stören und wo du frei verarbeiten kannst, was du in der Krankheit gewonnen hast. - Das heißt, es sucht eine solche Individualität den Tod, um zwischen Tod und neuer Geburt das weiterzuverarbeiten, was sie im Leben zwischen Geburt und Tod nicht verarbeiten kann. Es geht eine solche Seele durch das Leben zwischen Tod und neuer Geburt durch, um jetzt mit um so stärkeren Kräften, die sie beim Überwinden der Krankheit gewonnen hat, ihre Organisation weiter auszubilden, damit sie im neuen Leben um so mehr wirken kann. In dieser Weise kann förmlich durch die Anwesenheit einer Krankheit eine Art Abschlagszahlung bewirkt werden, die dann erst ergänzt wird nach dem Durchgehen durch den Tod zu dem, was sie sein soll.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir die Sache so betrachten, werden wir uns sagen müssen: Es erscheint durchaus im Karma begründet, daß die eine Krankheit ausgeht mit der Heilung, die andere mit dem Tod. - Wenn wir so die Krankheiten ansehen, werden wir von einem höheren Gesichtspunkt aus durch Karma eine Art Versöhnung, eine tiefe Versöhnung mit dem Leben gewinnen; denn wir werden wissen, daß es in der Gesetzmäßigkeit von Karma liegt, daß, selbst wenn eine Krankheit mit dem Tode ausgeht, der Mensch gefördert wird, daß selbst in einem solchen Falle die Krankheit das Ziel hat, den Menschen höher zu bringen. Nun darf niemand daraus etwa den Schluß ziehen: dann könnte es auch sein, daß wir geradezu den Tod herbeiwünschen müßten in gewissen Krankheitsfällen. Das darf niemand sagen, weil die Entscheidung darüber, was eintreten soll, ob Heilung oder Unheilbarkeit, einer höheren Vernünf tigkeit zufällt, als die ist, welche wir mit unserem gewöhnlichen Bewußtsein umfassen können. Mit unserem gewöhnlichen Bewußtsein müssen wir uns bescheiden innerhalb der Welt zwischen Geburt und Tod, bei solchen Fragen stehenzubleiben. Mit unserem höheren Bewußtsein dürfen wir uns allerdings selbst auf den Standpunkt stellen, der sogar den Tod hinnimmt als ein Geschenk der höheren geistigen Mächte. Mit demjenigen Bewußtsein aber, das helfen und eingreifen soll ins Leben, dürfen wir uns nicht vermessen, uns auf diesen höheren Gesichtspunkt zu stellen. Da könnten wir uns leicht irren und würden in einer unerhörten Weise eingreifen in etwas, worin wir nie eingreifen dürfen:&lt;br /&gt;
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in die menschliche Freiheitssphäre. Wenn wir einem Menschen helfen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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können, damit er die selbstheilenden Kräfte entwickelt, oder indem wir selbst der Natur zu Hilfe kommen, damit Heilung eintritt, so müssen wir das tun. Und soll die Entscheidung darüber fallen, ob der Mensch weiterleben soll oder ob er mehr gefördert wird, wenn der Tod eintritt, dann kann sie niemals anders als so fallen, daß unsere Hilfe eine Hilfe in der Heilung sein kann. Ist sie dies, so setzen wir es in des Menschen eigene Individualität, seine Kräfte anzuwenden, und die ärztliche Hilfe kann dabei nur eine solche sein, die ihn darin unterstützt. Dann wirkt sie nicht hinein in die menschliche Individualität. Ganz anders wäre es, wenn wir eines Menschen Unheilbarkeit in der Weise fördern würden, daß er sein weiteres Fortkommen in einer anderen Welt suchte. Da würden wir in seine Individualität eingreifen und seine Individualität einer andern Wirkungssphäre übergeben. Dann hätten wir unseren Willen der andern Individualität aufgedrängt. Diese Entscheidung müssen wir der Individualität selbst überlassen. Das heißt mit andern Worten: Wir müssen so viel als möglich tun, damit eine Heilung geschieht. Denn alle Überlegungen, die zu einer Heilung führen, kommen aus dem Bewußtsein, das für unsere Erde berechtigt ist; alle andern Maßnahmen würden übergreifen über unsere Erdensphäre; da müssen andere Kräfte eingreifen als die, welche in unser gewöhnliches Bewußtsein hineinfallen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So sehen wir, daß ein richtiges karmisches Verständnis über Heilbarkeit und Unheilbarkeit von Krankheiten dazu führt, daß wir alles aufbringen werden, um dem Menschen zu helfen in der Krankheit; und auf der andern Seite führt es uns auch dazu, daß wir, wenn aus andern Sphären eine andere Entscheidung getroffen wird, diese ebenfalls zu unserer Befriedigung hinnehmen. Etwas anderes haben wir in bezug auf diese andere Entscheidung auch gar nicht nötig. Nötig haben wir, daß wir einen Gesichtspunkt finden, daß uns die Unheilbarkeit einer Krankheit nicht niederdrückt,als ob dieWelt nur das Unvollkommene, das Schlimme und Schlechte hätte. Karmisches Verständnis lähmt nicht unsere Tatkraft in bezug auf das Heilen. Karmisches Verständnis wird uns auf der andern Seite auch wieder in Harmonie bringen mit dem schwersten Schicksal in bezug auf Unheilbarkeit dieser oder jener Krankheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
So haben wir heute gesehen, wie uns karmisches Verständnis allein möglich macht, den Verlauf einer Krankheit in der richtigen Weise aufzufassen und zu begreifen, daß wir geradezu hineinleuchten sehen die karmischen Wirkungen aus unseren früheren Leben in das gegenwärtige. Beispiele im einzelnen werden sich uns noch bei Besprechung der nächsten Fragen darbieten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun wird es uns obliegen, zu unterscheiden zwischen zwei besonderen Krankheitsformen, zwischen denjenigen, welche aus dem menschlichen Inneren kommen, und die ganz besonders erscheinen als durch das Karma herbeigetragen, und zwischen jenen Erkrankungen, die uns scheinbar zufällig treffen dadurch, daß wir äußeren Schädigungen aus gesetzt sind, daß uns dieses oder jenes passiert. Kurz, es wird sich darum handeln: Wie können wir zu einem karmischen Verständnis auch dann kommen, wenn wir zum Beispiel unter die Räder eines Eisenbahnzuges kommen? Das heißt, wie sind sogenannte «zufällige» Erkrankungen durch das Karma zu begreifen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
= FÜNFTER VORTRAG Hamburg, 20. Mai 1910 =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Inhalt des gestrigen Vortrages ist von großer Wichtigkeit sowohl für unsere nächsten Betrachtungen wie auch für das Verständnis der karmischen Zusammenhänge überhaupt. Deshalb - wegen dieser ein- schneidenden Wichtigkeit - lassen Sie mich heute noch einmal in den Hauptzügen kurz zusammenfassen, was der gestrige Vortrag enthalten hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir gingen davon aus, daß sich die Anschauungen über Heilung und über Heilmittel im Laufe verhältnismäßig kurzer Zeiten im letzten Jahrhundert ziemlich radikal verändert haben. Und wir haben darauf hingewiesen, wie im 16. und 17. Jahrhundert namentlich eine Anschauung sich ausbildete, welche ganz und gar auf dem Boden fußte: Für eine jede Krankheit, die mit einem Namen bezeichnet wurde und die man glaubte begrifflich abgrenzen zu können, müßten sich auch diese oder jene Heilmittel in der Welt finden. Und man glaubte mit Sicherheit, daß, wenn das betreffende Mittel angewendet würde, es auf den Verlauf der Krankheit einen Einfluß haben müsse. Wir haben dann darauf hingewiesen, wie sich diese Anschauung mehr oder weniger bis ins 19. Jahrhundert hinein erhalten hat, dann aber danebengestellt den absoluten Gegensatz dieser Anschauung, der sich namentlich zum Ausdruck gebracht hat in dem Nihilismus derWiener medizinischen Schule, der seinen Ausgangspunkt genommen hat von dem berühmten Mediziner Dietl, und seinen Fortgang gefunden hat in Skoda und dessen verschiedenen Schülern. Und wir haben die nihilistische Richtung dadurch charakterisiert, daß wir sagten: Sie fing nicht nur an, über den` absoluten Zusammenhang zwischen diesem oder jenem Heilmittel, zwischen diesen oder jenen Handgriffen in bezug auf die Krankheitsbehandlung und die Krankheit selber gründliche Zweifel zu haben, sondern sie wollte von einem solchen Zusammenhang nichts mehr wissen. Und es kam in die Gemüter der unter dem Einfluß dieser Schule stehenden jungen Ärzte die Anschauung von der sogenannten «Selbstheilung&amp;gt; hinein. Skoda selbst hat ja den für diese Schule bedeutungs&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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vollen Satz ausgesprochen: Wir können eine Krankheit diagnostizieren, wir können sie vielleicht auch erklären und beschreiben; aber Mittel haben wir gegen die Krankheit nicht. - Und de,n Ausgangspunkt nahm diese Richtung davon, daß Dietl nachweisen konnte, daß bei der ab- wartenden Behandlung eine Krankheit wie die Lungenentzündung so verläuft, daß sie innerhalb einer bestimmten Zeit die selbstheilenden Kräfte entwickelt, wenn man nur die nötigen Bedingungen dafür schafft. Und er konnte statistisch nachweisen, daß bei der abwartenden Behandlung ebenso viele Menschen geheilt wurden oder auch starben wie bei Verabreichung der sonst gebräuchlichen Mittel. Damals war die Bezeichnung «therapeutischer Nihilismus» durchaus nicht unberechtigt; denn es war eine absolute Wahrheit, daß sich die Ärzte dieser Schule gar nicht schützen konnten gegen die Meinung der Kranken, daß ein Mittel, ein Rezept eben da sein muß. Der Kranke gab nicht nach, seine Umgebung auch nicht - Mittel mußten verschrieben werden, und die Anhänger dieser Schule halfen sich dann gewöhnlich dadurch, daß sie dünn aufgelösten arabischen Gummi verschrieben, der nach der Meinung der Anhänger der Schule ganz dieselbe Wirkung haben sollte wie die früher angewendeten Mittel. Wir haben daraus erkennen gelernt, wie geradezu hindrängt die moderne wissenschaftliche Tatsachenwelt zu dem, was wir den karmischen Zusammenhang im Leben nennen können. Denn wir mußten uns nun die Frage beantworten: Wie geschieht denn eigentlich das, was man nennen könnte «Selbstheilung»? Oder besser gesagt: Warum geschieht es? Und warum kann in einem andern Falle eine Selbstheilung oder überhaupt eine Heilung nicht eintreten?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn eine ganze Schule, an deren Spitze medizinische Koryphäen standen, darauf verfallen konnte, den Begriff der Selbstheilung einzuführen, so hätte einer, der darüber nachdenkt, dazu kommen müssen, zu sagen: Also wird im Krankheitsprozeß etwas wachgerufen, was zur Überwindung der Krankheit führt! Und das hätte weiter dazu führen müssen, den geheimeren Gründen des Krankheitsverlaufes nachzuspüren. Wir haben nun versucht, darauf hinzuweisen, wie ein solcher karmischer Zusammenhang innerhalb der Menschheitsentwickelung für den Krankheitsverlauf gesucht werden kann. Wir haben gezeigt, daß &lt;br /&gt;
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allerdings das, was der Mensch in seinem gewöhnlichen Leben vollführt an guten und bösen Handlungen, an gescheiten und unsinnigen Handlungen, was er erlebt an richtigen und verkehrten Gemütsauffassungen, daß alles das nicht tief hineingeht in die Untergründe der menschlichen Organisation. Und wir haben den Grund aufgezeigt, warum das, was für das gewöhnliche Leben der moralischen, der intellektuellen und gemüthaften Beurteilung unterliegt, nur an der Oberfläche des gewöhnlichen Lebens sitzenbleibt und nicht dem Gesetze unterliegt, das wir im andern Falle aufzeigen konnten: die tieferliegenden Kräfte der Menschenorganisation zu beeinflussen. Wir haben gezeigt, daß es gleichsam eine Art von Hemmnis gibt gegen das Eindringen der Unmoralität in die tieferen Kräfte des Organismus. Und diese Abwehr gegen das Eindringen dessen, was wir tun und denken, in die Kräfte unserer Organisation liegt darin, daß wir unsere Handlungen, die wir zwischen Geburt und Tod vollbringen, mit unseren bewußten Vorstellungen begleiten. Indem wir eine Handlung oder ein sonstiges Erlebnis mit einer bewußten Vorstellung begleiten, schaffen wir eine Schutzwehr dagegen, daß das Resultat unserer Handlungen hinunterrückt in unseren Organismus. Wir haben dann darauf hingewiesen, welche Bedeutung jenen Erleb nissen zukommt, die unwiederbringlich vergessen worden sind. Da liegt nicht mehr die Möglichkeit vor, sie wieder ins bewußte Vorstellungsleben hinaufzurücken; sondern von solchen Erlebnissen mußten wir sagen, daß sie schon in bestimmter Weise, weil die Schutzwehr derVorstellung fehlt, hinunterdringen in unsere innere Organisation und dort mitwirken können an den gestaltenden Kräften unseres Organismus. Und wir haben hinweisen können auf die Krankheitsformen, welche noch mehr an der Oberfläche liegen: Neurose, Neurasthenie und dergleichen. Sogar hysterische Zustände erfahren da eine Beleuchtung. Wir sagten, daß die Ursachen für solche Zustände gesucht werden müssen in den aus dem Bewußtseinskomplex herausgefallenen,vergessenenVorstellungen, die hinuntergesunken sind in das Innere und sich - wie Einschiebsel unseres Seelenlebens - als Krankheiten geltend machen. - Wir haben darauf hingewiesen, welche ungeheure Bedeutung jener Zeitraum hat, der verläuft von der Geburt bis zu dem Zeitpunkt, wo sich der Mensch an seine Erlebnisse zurückerinnern kann, und es wurde darauf &lt;br /&gt;
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aufmerksam gemacht, wie das, was früher vergessen worden ist, im lebenden Organismus fortwirkt, indem es gleichsam mit den tieferen Kräften der Organisation einen Bund schließt und von dort aus unsere Organisation selber beeinflußt. Es muß also ein Komplex von Vorstellungen, eine Reihe von Erlebnissen hinuntersinken in tiefere Untergründe unseres Wesens, bevor er eingreifen kann in unsere Organisation.-Wir haben dann darauf hingewiesen,wie am gründlichsten dieses Hinuntersinken geschieht, wenn der Mensch durch die Pforte des Todes gegangen ist und das weitere Dasein durchlebt zwischen Tod und neuer Geburt. Da verwandeln sich alle Erlebnisse in ihren Qualitäten in solche Kräfte, welche jetzt organisierend wirken. Und was der Mensch in der Zeit zwischen Tod und neuer Geburt empfunden und gefühlt hat, das nimmt er auf in die plastischen Kräfte, die beteiligt sind am neuen Aufbau des Leibes, wenn der Mensch jetzt neu ins Dasein tritt. Da hat er jetzt in den Bildungskräften das Resultat dessen da rinnen, was er früher noch in seinem Seelenleben, vielleicht auch sogar in seinem bewußten Vorstellungsleben hatte. Und nun konnten wir darauf hin- weisen, daß der Mensch mit seinem vom Ich durchtränkten Vorstellungsleben hin und her pendelt zwischen zwei Einflüssen: zwischen dem luziferischen und dem ahrimanischen Einfluß. Wenn der Mensch eine Verfehlung begeht, die hervorgerufen wird durch Eigenschaften seines astralischen Leibes, durch schlimme Affekte, Zorn und dergleichen, wird er zu Handlungen getrieben durch luziferische Mächte. Wenn dann solche Handlungen jenen Weg gehen, der eben jetzt bezeichnet worden ist, daß sie zu Bildungskräften werden, so haben wir sie in den gestaltenden Kräften, die nunmehr der neuen Leiblichkeit zugrunde liegen als luziferische Krankheitsursachen. Wir haben dann gesehen, wie der Mensch unterliegt den ahrimanischen Kräften, die mehr von außen hereinwirken. Und wieder mußten wir von den ahrimanischen Einflüssen sagen, daß sie sich umwandeln in Bildungskräfte, in gestaltende Kräfte des neu gebauten Organismus, der zustande kommt, wenn der Mensch durch die Geburt ins Dasein tritt. Und insofern sich die Einflüsse Ahrimans in die Bildungskräfte hineinmischen, können wir von Krankheitsanlagen sprechen mit ahrimanischem Charakter. Dann haben wir im einzelnen darauf hingewiesen, wie diese &lt;br /&gt;
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Kräfte, die sich in dieser Weise herausbilden, wirken. Und ich habe Ihnen radikale Beispiele gezeigt für dieses Wirken, weil an radikalen Beispielen die Vorstellung eine deutlichere, scharf umrissene wird. Ich sagte, man nehme an, daß ein Mensch im vorigen Lebenslauf alles das getan hat, was ihn nur zu einem geringen Selbstgefühl und Selbstvertrauen bringen kann, daß er sein Ich so präpariert hat, daß es nichts auf sich gehalten hat, nur in Allgemeinheiten aufging und so weiter. Ein solcher Mensch nimmt nach dem Tode die Tendenz auf, jenen Widerstand zu überwinden und die Kräfte aufzunehmen, welche ihn fähig machen, später im weiteren Verlauf der Inkarnation sein Ich kräftiger, vollkommener zu machen. Das wirkt so, daß er solche Verhältnisse dann sucht, die es ihm möglich machen, gegen dasjenige anzukämpfen, gegen was es gut ist, anzukämpfen mit einem schwachen Selbstgefühl, so daß ein schwaches Selbstgefühl sich an dem Widerstande stärken kann. Und wahr ist es, daß eine solche Tendenz den Menschen dazu führt, sozusagen Gelegenheiten aufzusuchen zur Cholera, weil er darin etwas vor sich hat, was ihm Gelegenheit bietet, jene Widerstände zu überwinden. Und in der Überwindung dieser Widerstände liegt das, was in der nächsten Inkarnation oder aber auch bei eingetretener Heilung in derselben Inkarnation zu einem stärkeren Selbstgefühl führen kann oder zu Kräften, welche ein stärkeres Selbstgefühl durch Selbsterziehung nach und nach heranreifen lassen. Wir haben dann gesagt, daß bei einer Krankheit wie der Malaria die Gelegenheit gegeben ist, etwas auszugleichen, was sich die Seele in einem früheren Leben als ein übermäßiges Selbstgefühl herangezüchtet hat durch ihre Handlungen und Empfindungen. - Diejenigen von Ihnen, welche frühere Betrachtungen unseres theosophischen Lebens mitgemacht haben, werden sich verdeutlichen können einen solchen Verlauf. Es wurde immer gesagt, daß das Ich des Menschen seinen physischen Ausdruck findet im Blut. Nun hängen die beiden Krankheiten, von denen wir eben gesprochen haben, mit dem Blut und den Gesetzen vom Blut zusammen; sie hängen so zusammen, daß beim Cholerafall eine Verdickung des Blutes eintritt. Diese Verdickung ist es, was als Widerstand zu bezeichnen ist, den das schwache Selbstgefühl durchmachen muß und an dem es sich heraner~iehen will. Ebenso können Sie es sich &lt;br /&gt;
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verdeutlichen, daß bei der Malaria eine Art Blutzerfall stattfindet und daß ein überstarkes Selbstgefühl die Möglichkeit braucht, daß es ad absurdum geführt wird, daß im Blutzerfall ein überstarkes Ich in seiner Anstrengung zur Nichtigkeit geführt wird. Das wird in dem Zerfall des Blutes geboten. - Die Dinge sind natürlich außerordentlich intim im Organismus zusammenhängend; aber wenn Sie darauf eingehen, werden Sie sie sich schon zum Verständnis bringen.&lt;br /&gt;
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Aus all dem ergab sich uns: Wenn wir einen Organismus haben, der gebildet ist von einer Seele, die in sich die Tendenz hat, dieses oder jenes nach der einen oder der andern Richtung zu überwinden, so führt diese Tendenz den Menschen dazu, in sich hineinzuprägen die Möglichkeit zur Krankheit, aber auch zugleich die Möglichkeit, anzukämpfen gegen die Krankheit, weil ja die Krankheit aus keinem andern Grunde hervorgerufen wird als aus dem, die Möglichkeit der Heilung zu haben. Und Heilung tritt dann ein, wenn der Mensch nach seinem Gesamtkarma durch die Überwindung der betreffenden Krankheit sich solche Kräfte aneignet, daß er in dem restlichen Leben bis zum Tode durch seine Arbeit auf dem physischen Plan wirklich sich vorwärtsbringen kann. Das heißt, wenn die zu erregenden Kräfte so stark sind, daß er auf dem physischen Plan das auch erreichen kann,weswegen die Krankheit hervorgerufen worden ist, dann arbeitet der Mensch gerade mit den ihm aus dem Heilprozeß zugeflossenen verstärkten Kräften weiter, die er früher nicht gehabt hat. Liegt aber sein Gesamtkarma so, daß er zwar die Absicht gehabt hat, seinen Organismus so zu gestalten, daß er durch die Überwindung der betreffenden Krankheit sich Kräfte zu- führt, welche zu seiner Vervollkommnung führen, daß aber, weil die Dinge mannigfaltig sind, er gleichzeitig den Organismus nach einer andern Richtung hin hat schwach sein lassen müssen, dann kann der Fall eintreten, daß diejenigen Kräfte, welche der Mensch herausstellt und anwendet im Heilprozeß, ihn zwar verstärken, aber doch nicht so weit, daß er dem Arbeiten auf dem physischen Plan schon gewachsen ist. Dann wird er das Stück, was er schon gewonnen hat - weil es auf dem physischen Plan nicht verwendbar ist -,verwenden,wenn er durch die Pforte des Todes geht, und er wird versuchen, das seinen Kräften hinzuzufügeri,was er auf dem physischen Plan nicht hinzufügen konnte, &lt;br /&gt;
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um diese Kräfte in der Ausgestaltung des nächsten Leibes zu zeigen, wenn er wieder in die Geburt tritt. Es bleibt uns noch, wenn wir das vor Augen haben, einen Hinweis zu geben, wie es sich mit denjenigen Krankheitsformen verhält, welche weder zu einer ordentlichen Heilung noch zum Tode führen, sondern zu chronischen Zuständen, zu einer Art von Siechtum oder dergleichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da liegt allerdings etwas vor,was im eminentesten Sinne für die meisten Menschen von einer großen Wichtigkeit ist zu wissen. Da liegt das vor, daß allerdings durch den Heilungsprozeß innerhalb der menschlichen Körperhüllen eingetreten ist, was nur zu erreichen war, daß also in gewissem Sinne die Krankheit überwunden ist. Aber in einem anderen Sinne ist sie doch nicht überwunden; das heißt, daß alles das, was an Ausgleich hat geschaffen werden sollen zwischen Ätherleib und physischem Leib, zwar erreicht worden ist, nicht aber das ausgeglichen worden ist, was an Disharmonie vorhanden war zwischen Ätherleib und astralischem Leib. Das bleibt zurück, und der Mensch pendelt hin und her zwischen Versuchen, zu heilen, und nicht heilen zu können. In einem solchen Falle ist es immer von einer ganz besonderen Wichtigkeit, daß der Mensch möglichst ausnutzt, was er an wirklicher Heilung errungen hat. Und das geschieht am allerwenigsten im Leben. Denn gerade bei solchen Krankheiten, die chronisch werden, befindet sich der Mensch in einem rechten Kreistanz darinnen. Wenn der Mensch in einem solchen Falle imstande sein würde, den Teil seiner Organisation, welcher in sich eine gewisse Heilung erfahren hat, zu isolieren, für sich sozusagen leben zu lassen, und wenn er davon dasjenige zurückziehen könnte, was da noch rumort und nicht in Ordnung ist und was in solchem Falle gewöhnlich mehr gegen das innere Seelenhafte zu liegt, dann würde sich der Mensch sehr viel helfen können. Aber dagegen wirkt das Allerverschiedenste, namentlich das, daß der Mensch, wenn er irgendeine Krankheit gehabt hat und ein chronischer Zustand zurückgeblieben ist, fortwährend unter dem Einflusse dieses Zustandes lebt und daß er - wenn ich mich grob ausdrücken darf - eigentlich niemals gründlich vergessen kann seinen Zustand, niemals gründlich dazu kommt, das, was in ihm doch noch nicht gesund ist, zurückzuziehen von diesem Zustande und es für sich zu behandeln; sondern er wird &lt;br /&gt;
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durch das, was man nennen kann das fortwährende Denken an den andern Teil der Organisation, veranlaßt, gleichsam seinen gesunden Teil wieder in irgendeinen Zusammenhang zu bringen mit dem früher kranken Teil und diesen so neuerdings zu irritieren. Das ist ein besonderer Prozeß. Und um Ihnen diesen Prozeß klarzumachen, möchte ich Ihnen einmal den geisteswissenschaftlichen Tatbestand klarlegen, das, was das hellseherische Bewußtsein sieht, wenn jemand eine Krankheit durchgemacht und dabei etwas zurückbehalten hat, was man als etwas Chronisches bezeichnen kann. Dasselbe geschieht übrigens auch dann, wenn nicht eine besonders auffällige akute Erkrankung vorlag, sondern wenn sich ein Chronisches einstellt, ohne daß ein Akutes besonders bemerkt worden ist. Dann kann man in der Tat sehen, daß sich in den meisten Fällen ein gewisser schwankender Gleichgewichtszustand herausstellt zwischen dem Ätherleibe und dem physischen Leibe, ein Hinund-her-Pendeln von Kräften, wie es nicht sein soll, bei dem es sich aber doch leben läßt. Bei diesem Hin-und-her-Pendeln von Kräften des Ätherleibes und des physischen Leibes wird der betreffende Mensch fortwährend irritiert und dadurch erfüllt von fortdauernden Erregungszuständen. Die sieht das hellseherische Bewußtsein fortwährend auftauchen im astralischen Leibe, und diese Erregungszustände drängen sich fortwährend hinein in den halb kranken und halb gesunden Teil der Organisation, wodurch dann nicht ein stabiles, sondern ein labiles Gleichgewicht zustande kommt. Durch dieses Hineindringen der astralischen Erregungszustände wird der menschliche Zustand, der sonst viel besser sein könnte, in der Tat sehr verschlechtert. Ich bitte zu berücksichtigen, daß das Astralische in diesem Falle nicht zusammenfällt mit dem Bewußtsein, sondern daß es vorzugsweise mit dem zusammenfällt, was innere seelische Erregungen sind, die sich aber der Patient nicht eingestehen will. Weil in solchem Falle das Hemmende der Vorstellungen nicht da ist, deshalb wirken diese Zustände und Affekte, die Gemütserschütterungen, die fortwährenden Zustände des Überdrusses, des In-sich-unzufrieden-Seins nicht immer wie bewußte Kräfte, sondern wIe organisierende, wie Lebenskräfte, die in der tieferen Wesenheit des Menschen sitzen und fortwährend den halb gesunden, halb kranken Teil irritieren. Könnte nun der betreffende Patient es wirklich durch &lt;br /&gt;
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starken Willen, durch Seelenkultur dazu bringen, wenigstens für eine gewisse Zeit seinen Zustand zu vergessen, so würde er daraus solche Befriedigung schöpfen, daß er dann schon aus dieser Befriedigung die Kraft ziehen könnte, um das weiter durchzuführen. Könnte er seinen Zustand vergessen, ganz von ihm absehen, mit starkem Willen sagen: Ich will mich jetzt nicht kümmern um meinen Zustand! - und würde er sodann die Seelenkräfte, welche er dadurch frei bekommt, auf etwas von geistigem Inhalt verwenden, was ihn erhebt, was ihn innerlich sättigt in seiner Seele, würde er diese Kräfte, die sich sonst immer damit beschäftigen, die Gefühle des Schmerzes, des Drückens und Stechens und was da alles ist, zu durchleben, frei bekommen, so würde ihm das eine große Befriedigung gewähren. Denn wenn man diese Gefühle nicht durchlebt, hat man die Kräfte ja frei; dann sind sie verfügbar. Freilich hilft es nicht viel, wenn man sich bloß sagt, man will dieses Klemmen und Stechen und so weiter nicht bemerken; denn wenn man die Kräfte, welche man da frei bekommt, nicht auf etwas Geistiges verwendet, werden die früheren Zustände bald wieder da sein. Wenn man aber die frei gewordenen Kräfte verwendet auf einen die Seele ganz in Anspruch nehmenden geistigen Inhalt, dann wird man bemerken, daß man auf einem komplizierten Wege das erreicht, was sonst unsere Organisation selber ohne unser Zutun in der Überwindung des Krankheitsprozesses erreicht. Es ist ja natürlich, daß der Betreffende dann sorgfältig darauf sehen muß, daß er nicht gerade seine Seele auf einem solchen Wege erfüllt, der wieder direkt zusammenhängt mit dem, was seine Erkrankung ist. Wenn jemand zum Beispiel an einer Schwäche seiner Augen leidet, und er beschäftigt sich, um nicht an die Schwäche seiner Augen zu denken, damit, daß er viel liest, um geistige Kräfte aufzunehmen, so ist es selbstverständlich, daß ihn das nicht zum Ziele führen kann. Aber ganz so weit herzuholen brauchen Sie sich die sogenannten kleinen Belege dafür nicht. Jeder kann an sich selbst bemerken, wenn er eine kleine Unpäßlichkeit hat, wie sehr es ihm nützt, wenn er es zu einem Vergessen seiner Unpäßlichkeit bringt, namentlich zu einem solchen Vergessen, das hervorgerufen wird durch eine anderweitige Beschäftigung. Das ist also ein positives, gesundes Vergessen! Da haben Sie schon einen Hinweis, daß wir nicht ganz machtlos sind gegen die &lt;br /&gt;
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karmischen Wirkungen unserer Verfehlungen in früheren Lebensläufen, welche sich in Krankheiten zum Ausdruck bringen. Denn wir müssen uns sagen: Wenn wir zugeben, daß das, was im Leben zwischen Geburt und Tod einer moralischen, gemüthaften und intellektuellen Beurteilung unterliegt, in einem Leben nicht so tief gehen kann, daß es die Ursache zu einer organischen Erkrankung wird, daß es sich aber in der Zeit nach dem Tode bis zur neuen Geburt so tief in das Leben hinein- senken kann, daß es Krankheit bewirkt, dann müßte es doch auch möglich sein, diesen Prozeß wieder zurückzuverwandeln in einen Bewußtseinsprozeß!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Frage kann auch so gestellt werden: Wenn Krankheiten sich ausleben wie eine karmische Wirkung von geistigen oder sonstigen durch die Seele hervorgerufenen oder erfahrenen Erlebnissen, wenn sie also die Umwandlung solcher Ursachen sind, können wir uns dann nicht auch denken - oder erzählen uns davon die geistigen Tatsachen nichts -, daß das Umwandlungsprodukt, die Krankheit, vermeidbar ist, insofern vermeidbar, als wir statt des Heilungsprozesses, statt dessen, was aus den organischen Regionen herausgeholt wird, als Krankheit herbeigeholt wird zu unserer Erziehung, das geistige Gegenstück, das geistige Äquivalent dafür setzen? Daß wir, wenn wir klug genug sind, die Krankheit umwandeln in einen geistigen Prozeß und die Selbsterziehung, die wir durch die Krankheit ausführen sollen, sozusagen durch die Kräfte unserer Seele ausführen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daß so etwas in den Bereich derTatsachen gehört, möchte icil wieder durch ein Beispiel illustrieren. Wieder muß aber hierbei gesagt werden, daß nur solche Beispiele angeführt werden, die geisteswissenschaftlich untersucht sind; es sind nicht Hypothesenaufstellungen, sondern Fälle. Daher können Sie von mir nicht gerade eine Vollständigkeit verlangen - weil nicht Hypothesen aufgestellt werden, sondern Fälle, die als solche hingenommen werden müssen. Nehmen wir an, im späteren Leben bekommt eine Persönlichkeit Masern, und wir suchen nach dem karmischen Zusammenhang dieses Falles. Wir finden dabei, daß dieser Masernfall aufgetreten ist als eine karmischeWirkung von solchen Vorgängen in einem vorangegangenen Leben, die wir etwa so beschreiben können: Die betreffende Individualität war in einem vorhergehenden &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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Leben eine solche, die sich nicht gern um die äußere Welt bekümmert hat, sich nicht gerade im grob egoistischen Sinne, aber doch viel mit sich selber beschäftigt hat; eine Persönlichkeit also, die viel nachgeforscht hat, nachgedacht hat, aber nicht an den Tatsachen der äußeren Welt, sondern die im inneren Seelenleben geblieben ist. Sie finden auch heute sehr viele Menschen, welche glauben, daß sie durch In-sich-abgeschlossen-Sein, durch Grübeln und so weiter zur Lösung von Welträtseln kommen können. Bei der Persönlichkeit, die ich meine, handelte es sich darum, daß sie mit dem Leben so fertigzuwerden suchte, daß sie innerlich nachgrübelte, wie man sich in diesem oder jenem Falle verhalten soll. Die Schwäche der Seele, welche sich daraus ergeben hat im Verlaufe des Lebens, führte dazu, daß im Leben zwischen Tod und neuer Geburt Kräfte erzeugt wurden, welche den Organismus in verhältnismäßig später Lebenszeit noch einem Masernanfall aussetzten.&lt;br /&gt;
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Jetzt können wir uns fragen: Wir haben auf der einen Seite den Masernanfall, der die physisch-karmische Wirkung ist eines früheren Lebens. Wie ist es denn aber nun mit dem Seelenzustand? Denn das frühere Leben gibt ja als karmische Wirkung auch einen gewissen Seelenzustand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Seelenzustand stellt sich so dar, daß die betreffende Persönlichkeit in dem Leben, wo sie auch den Masernanfall hatte, immer wieder und wieder Selbsttäuschungen unterworfen war. Da haben Sie also die Selbsttäuschungen anzusehen als die seelisch-karmische Folge dieses früheren Lebens und den Eintritt döer Masern als die physischkarmische Folge jenes Lebens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen wir nun an, dieser Persönlichkeit wäre es gelungen, bevor der Masernfall eintrat, etwas zu tun, um sich gründlich zu bessern, das heißt, um eine solche Stärke der Seele sich anzueignen, daß sie nicht mehr ausgesetzt wäre allen möglichen Selbsttäuschungen. Dann würde diese dadurch heranerzogene Seelenstärke dazu geführt haben, daß die Masernerkrankung hätte unterbleiben können, weil das, was im Organismus schon hervorgerufen war bei der Bildung dieser Organisation, seinen Ausgleich gefunden hätte durch die stärkeren Seelenkräfte, welche durch die Selbsterziehung herangezogen worden wären. Ich kann natürlich nicht ein halbes Jahr über diese Sachen reden; aber wenn Sie &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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weit im Leben herumschauen und alle Einzelheiten, welche sich als Erfahrungen darbieten, von diesem hier gegebenen Ausgangspunkt aus betrachten würden, so würden Sie immer finden,daß das äußereWissen voll bestätigen würde - bis in alle Einzelheiten -, was hier gesagt worden ist. Und was ich jetzt gesagt habe über eine Masernerkrankung, das kann zu Gesichtspunkten führen, die erklären, warum Masern gerade zu den gebräuchlichen Kinderkrankheiten gehören. Denn die Eigenschaften, die genannt worden sind, kommen in sehr vielen Leben vor. Insbesondere in gewissen Zeitperioden haben sie in vielen Leben grassiert. Und wenn dann eine solche Persönlichkeit ins Dasein tritt, wird sie so schnell wie möglich Korrektur üben wollen auf diesem Gebiet und in der Zeit zwischen der Geburt und dem gewöhnlichen Auftreten der Kinderkrankheiten, um organische Selbsterziehung zu üben, die Masern durchmachen; denn von einer seelischen Erziehung kann ja in der Regel in diesem Alter nicht die Rede sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daraus sehen Sie, daß wir wirklich davon sprechen können, daß die Krankheit in gewisser Beziehung wieder zurückverwandelt werden kann in einen geistigen Prozeß. Und das ist das ungeheuer Bedeutsame, daß wenn dieser Prozeß in die Seele als Lebensmaxime aufgenommen wird, er eine Anschauung erzeugt, die gesundend auf die Seele wirkt. In unserer Zeit braucht man sich nicht besonders zu wundern, daß man so wenig auf die Seelen wirken kann. Und wer die Zeit heute vom geisteswissenschaftlichen Standpunkt aus durchschaut, der wird es begreifen, daß so viele Mediziner, so viele Ärzte Materialisten werden, können, das heißt, verzweifeln an einem seelischen Einfluß. Denn die Mehrzahl der Menschen beschäftigt sich ja überhaupt nicht mit etwas, was eine befruchtende Kraft hat. All das Zeug, was heute durch die gebräuchliche Literatur geht, hat für die Seelen keine befruchtende Kraft. Deshalb fühlt der, welcher für die Geisteswissenschaft wirken will, in diesem theosophischen Wirken auch etwas im eminenten Sinne Gesundendes, weil das geisteswissenschaftliche Wissen der Menschheit wieder etwas bringen kann, was sich so in die Seelen hineinergießt, daß die Seele abgezogen wird von dem, was die leibliche Organisation bildete. Man darf nur nicht verwechseln, was im Anfang einer solchen Bewegung auftritt, mit dem, was die Bewegung wirklich sein kann. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Es werden ja in die theosophische Bewegung tatsächlich Dinge hinein- gebracht, welche in der äußeren Welt auch grassieren, das heißt, es bringen die Menschen, wenn sie Theosophen werden, vielfach genau dieselben Interessen der Theosophie entgegen, die sie für die Dinge draußen auch haben, und auch alle Unarten, die sie draußen haben. Da wird vieles hineingetragen von den Schattenseiten unseres Zeitalters. Dann aber, wenn sich irgendwelche Schattenseiten bei den Betreffenden zeigen, sagt man, das habe die Theosophie bewirkt. Das ist natürlich eine sehr billige Auskunft!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir so den karmischen Faden sich ziehen sehen von einer Inkarnation in die andere, so haben wir damit die entsprechende Wahrheit doch nur von einer Seite erfaßt. Es werden sich demjenigen, der ein Gefühl dafür erhält, wie sich der karmische Faden von Inkarnation zu Inkarnation hindurchzieht, noch viele Fragen ergeben, die im Laufe der Vorträge berührt werden sollen. Vor allen Dingen muß die Frage berührt werden: Wie hat man zu unterscheiden zwischen einer Krankheit, bei der man äußere Ursachen angeben kann, und einer solchen Krankheit, die voll veranlagt liegt in der menschlichen Organisation selber, so daß man glaubt, was da vorliegt, damit abfertigen zu können, daß man sagt, die Krankheit ist ganz von selbst gekommen, und eine äußere Veranlassung liege nicht vor. - Ganz so stehen ja die Dinge nicht. Aber von gewisser Seite ist es doch berechtigt zu sagen, daß Krankheiten auftreten, für die der Mensch durch sein Inneres besonders disponiert ist. Für zahlreiche Krankheitserscheinungen wird man da- gegen doch äußere Ursachen angeben können. Natürlich nicht für alles, was uns passiert, aber für manches, was uns von außen her zustößt, zum Beispiel, wenn wir ein Bein brechen, müssen wir äußere Ursachen ins Feld führen. Auch das müssen wir zu den äußeren Ursachen zählen, was durch die Witterung geschieht, und ebenso die zahlreichen Krankheitsfälle, deren Ursachen in den schlechten städtischen Wohnungen zu suchen sind. Da eröffnet sich uns wieder ein weites Feld. Und für den, der mit Erfahrungen in die Welt blickt, ist es auch jetzt erklärlich, daß die heutige Moderichtung der Medizin dazu kommt, Krankheitsursachen in den äußeren Einwirkungen, besonders in den Bazillen, zu suchen, von denen ein geistreicher Herr nicht mit Unrecht gesagt hat: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|106}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heute kommen Krankheiten von den Bazillen, wie man ehedem gesagt hat, Krankheiten kommen von Gott oder vom Teufel. Im 13.Jahr- hundert sagte man, Krankheiten kommen von Gott, im 15. Jahrhundert sagte man, sie kommen vom Teufel. Später hieß es dann, sie kommen von den Säften, und heute sagt man, die Krankheiten kommen von den Bazillen. Das sind die Ansichten, die sich abgelöst haben im Laufe der Zeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So müssen wir also sprechen von äußeren Ursachen des menschlichen Krankseins oder Gesundseins. Und da kann der gegenwärtige Mensch leicht versucht sein, ein Wort zu gebrauchen, welches im Grunde sehr geeignet ist, in unsere ganze Weltauffassung Unordnung hineinzubringen. Wenn jemand, der vorher ganz gesund war, in eine durch Influenza oder Diphtherie verseuchte Gegend kommt und hernach erkrankt, so wird der heutige Mensch ganz gewiß geneigt sein zu sagen, daß der Betreffende den Krankheitskeim dadurch aufgenommen hat, daß er in jene Gegend gekommen ist, und er wird dann leicht das Wort Zufall gebrauchen. Von zufälligen Einflüssen wird man heute leicht sprechen. - Das Wort Zufall ist so recht eine Crux, ein Kreuz für jede Weltanschauung. Und solange man eigentlich nicht einmal den Versuch macht, sich ein wenig klarzuwerden über das, was man so leicht mit Zufall bezeichnet, wird man auch nicht vordringen können zu einer einigermaßen befriedigenden Weltanschauung. So stehen wir nun am Ausgangspunkt des Kapitels «Natürliche und zufällige Erkrankungen des Menschen». Da geht es aber nicht anders, als daß wir einleitend heute versuchen, auf das Wort Zufall ein wenig Licht zu werfen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ist nicht der Zufall selber etwas, was uns mißtrauisch machen könnte gegen das, was sich der Mensch heute leicht dabei denkt? Ich habe schon früher einmal darauf aufmerksam gemacht, daß ein geistvoller Mann im 18.Jahrhundert nicht ganz unrecht hatte, als er über die Sitte, großen Entdeckern, Erfindern und so weiter Denkmäler zu errichten, den Ausspruch tat, man müßte doch, wenn man den geschichtlichen Verlauf objektiv betrachtet, die weitaus meisten Denkmäler dem «Zufall» errichten! Und sonderbar: Wenn man eingeht auf die Geschichte, kann man merkwürdige Entdeckungen machen über &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|107}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
das, was sich hinter dem Zufall verbirgt. Ich habe Ihnen erzählt, daß die Erfindung des Fernrohres dem Spiel zu verdanken ist, das Kinder in einer optischen Werkstätte mit optischen Gläsern getrieben haben; dabei kam eine Konstellation zustande, durch die jemand das Fernrohr zustande brachte. Man könnte auch hinweisen auf die berühmte Lampe im Dom zu Pisa, die schon früher vor Tausenden und Tausenden von Menschen ihre Schwingungen mit derselben Regelmäßigkeit ausgeführt hat wie vor Galilei. Aber erst Galilei probierte, wie die Schwingungen zusammenstimmten mit dem Gang seiner Blutzirkulation, und dadurch kam er zu der Auffindung der Pendelgesetze. Würden wir die Pendelgesetze nicht gehabt haben, so würde unser ganzes Kulturleben einen andern Anstrich bekommen haben. Versuchen Sie, ob Sie nicht in der Menschheitsentwickelung einen Sinn suchen können und ob Sie dann noch sagen möchten, daß nur ein Zufall gewaltet hat, zum Beispiel bei Galilei, und ihn zu dieser wichtigen Entdeckung gebracht hat. Aber nehmen wir einen andern Fall.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denken wir daran, was die Luthersche Bibelübersetzung bedeutet für die Kulturländer der europäischen Welt. Machen wir uns klar, was für einen tiefgehenden Einfluß sie genommen hat auf das religiöse Fühlen und Denken und anderseits auf die Heranbildung dessen, was wir die deutsche Schriftsprache nennen. Ich will nur die Tatsache hin- stellen, ohne davon zu sprechen, wie man über sie denken soll; nur daß sie diesen tiefgehenden Einfluß gehabt hat, will ich betonen. Sie müssen nun doch versuchen, einen Sinn zu sehen in jener Erziehung der Menschheit, die seit mehreren Jahrhunderten durch die Luthersche Bibelübersetzung bewirkt worden ist. Wenn Sie es versuchen, darin einen Sinn zu sehen, dann stellen Sie einmal neben dasjenige, was Sie so geistvoll wie möglich über den Sinn der Entwickelung seit dem 16. bis 17. Jahrhundert sagen können, die folgende Tatsache:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Luther hat sich bis zu einer gewissen Zeit seines Lebens tief beschäftigt mit allem, was seine eigene Persönlichkeit zu einer Art von Gotteskindschaft führen könnte durch die Bibellektüre. Er war übergegangen von der Gepflogenheit der Augustiner, vorzugsweise die Kirchenväter zu lesen, zu dem Genuß des Lesens der Bibel selber. Aber alles sprach jetzt dafür, daß sich in seiner Seele entzünden sollte die Gotteskind&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|108}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
schaft in einem umfassenden Gefühl. Und von diesem Gesichtspunkt aus oblag er seinem theologischen Lehramt in der ersten Wittenberger Period,e. Die Tatsache, die ich nun hervorheben möchte, ist die, daß Luther eine gewisse Abneigung hatte, sich den theologischen Doktortitel zu verschaffen, und daß er in einer zufälligen Unterredung, als er einmal zusammensaß mit einem alten Freunde des ErfurterAugustinerklosters, wirklich überredet worden ist, sich den theologischen Doktorhut zu erringen. Das hieß aber nun für ihn ein nochmaliges und wie,der-~ holtes Studium der Bibel. Da hat also das zufällige Zusammensitzen mit seinem Freunde zu einem nochmaligen Studium der Bibel geführt und dann zu alledem, was dadurch zum Ausdruck gekommen ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Versuchen Sie den Sinn für das, was für die letzten Jahrhunderte angedeutet worden ist, zusammenzuhalten mit der Tatsache, daß Luther einmal mit jenem Freunde zusammengesessen hat und sich zur Erringung des theologischen Doktorhutes hat überreden lassen: Da werden Sie eine merkwürdig groteske Zusammenstellung zu machen genötigt sein zwischen dem Sinn der Entwickelung und dem zufälligen Ereignis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was Sie zunächst aus dem Gesagten herauslesen werden, ist, daß es sich vielleicht doch mit der Bedeutung des Zufalles etwas anders verhalten könne, als man gewöhnlich denkt. Gewöhnlich denkt man, daß der Zufall etwas sei, was sozusagen durch die Naturgesetze, durch die Gesetze des Lebens sich überhaupt nicht restlos erklären lasse, daß er eine Art von Überschuß bilde gegenüber dem, was sich erklären läßt. Nehmen Sie nun zu dem, was eben gesagt worden ist, die Tatsache, die uns ja schon zum Verständnis so vieler Seiten des Lebens verholfen hat: daß der Mensch in seiner Individualität seit seinem Erdendasein unterworfen war den beiden Kräften des luziferischen und des ahrimanischen Prinzips. Diese Kräfte und Prinzipien spielen fortwährend in den Menschen hinein, wobei die luziferischen Kräfte mehr dadurch wirken, daß sie das Innere des astralischen Leibes des Menschen ergreifen, während die ahrimanischen Kräfte mehr wirken durch das, was der Mensch als äußere Eindrücke empfängt. In dem, was wir von der Außenwelt empfangen, sitzen die ahrimanischen Kräfte; und in dem, was als Lust oder Unlust, als Affekte und so weiter in der Seele aufsteigt und wirkt, sitzen die luziferischen Kräfte. Nun führt sowohl das &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Iuziferische wie das ahrimanische Prinzip dazu, daß wir uns Täuschungen hingeben; das luziferische Prinzip führt dazu, daß wir uns über unser eigenes Inneres Täuschungen hingeben, daß wir über unser eigenes Inneres falsch urteilen können, eine Illusion im eigenen Inneren schauen können. Es wird Ihnen nicht schwer werden, wenn Sie das Leben vernünftig betrachten, diese Maja im eigenen Seelenleben gewahr zu werden. Versuchen Sie es zu betrachten, wie unendlich oft sich der Mensch einredet, er tue dieses oder jenes aus diesem oder jenem Grunde. Er tut es aber gewöhnlich aus einem ganz andern Grunde, der wesentlich tiefer sitzt; aber er erklärt sich die Handlung, zu der er getrieben wird durch Zorn und Leidenschaft, in seinem Oberbewußtsein auf eine ganz andere Art. Namentlich versucht er das, was in der Welt nicht geschätzt wird, hinwegzudekretieren. Und wenn der Mensch aus recht egoistischen Affekten heraus zu etwas getrieben wird, werden Sie es oft erleben können, daß er seinen grobklotzig-egoistischen Trieben ein unegoistisches Mäntelchen umhängt und erklärt, warum es hat geschehen müssen. Der Mensch weiß aber gewöhnlich selbst nicht, daß er so vorgeht. Wenn er es weiß, tritt gewöhnlich schon der Anfang zu einer Besserung mit einem gewissen Schamgefühl ein. Das schlimmste ist, daß der Mensch aus der Tiefe seiner Seele heraus zu etwas getrieben wird - und sich dann ein Motiv ausdenkt, aus dem er die betreffende Handlung getan habe. Das haben auch schon die modernen Psychologen bemerkt. Aber nur weil heute so wenig psychologische Bildung vorhanden ist, kommen derartig groteske Ausbildungen solcherWahrheiten zustande, wie das bei den heutigen materialistischen Psychologen der Fall ist. Sie kommen zu ganz eigenartigen Ausdeutungen des Lebens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Derjenige, der als Geistesforscher eine solche Tatsache bemerkt, wird sie natürlich in ihrer wahren Bedeutung durchschauen und so charakterisieren, daß in der Tat die zwei Dinge zusammenwirken: das Bewußtsein, und das, was als die tieferen Gründe unter der Schwelle des Bewußtseins waltet. Bemerkt es aber ein materialistischer Psychologe, so wird er die Sache anders behandeln. Da spintisiert er gleich eine Theorie heraus über den Unterschied zwischen dem Vorwand, den der Mensch zu einer Handlung annimmt, und zwischen dem eigentlichen Motiv. - Wenn zum Beispiel ein Psychologe spricht über die heute so &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
viel notierten Schülerselbstmorde, so sagt er, was als Vorwand dazu angeführt würde, das sei nicht das eigentliche Motiv; die eigentlichen Motive lägen viel tiefer: sie lägen meistens in einem irregeleiteten Geschlechtsleben. Diese würden umgewandelt, so daß sie dann dem Bewußtsein diese oder jene Gründe vortäuschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine solche Sache kann oft richtig sein. Aber es würde sie derjenige nIe zu einer umfassenden Theorie machen, der nur ein wenig berührt worden wäre von einer wahrhaft tieferen psychologischen Denkungsart. Eine solche Theorie kann leicht widerlegt werden, denn der Betreffende müßte bedenken: Wenn wirklich der Fall so liegt, daß der Vorwand nichts ist und das Motiv alles, so müßte man das auch bei diesem Psychologen anwenden können und sagen: Es ist also auch bei dir dasjenige, was du hier vorbringst und als Theorie entwickelst, nur Vorwand; suchen wir nach den tieferen Gründen, so sind vielleicht deine angegebenen Gründe ganz derselben Natur. - Hätte ein solcher Psychologe ernsthaft gelernt, warum ein Urteil unmöglich ist, das nach einem solchen Schluß aufgebaut ist wie: Alle Kretenser sind Lügner -, und daß ein solches Urteil schief ist, wenn es ein Kretenser selbst sagt; hätte er gelernt den Grund, warum das so ist, so hätte er auch gelernt, was für sonderbare Zirkelschlüsse dadurch herauskommen, daß man auf gewissen Gebieten Behauptungen auf sich selber zurücktreiben kann. Aber es ist eben fast in dem ganzen Umfange unserer Literatur eine außerordentlich geringe wirklich tiefere Bildung vorhanden. Daher bemerken die Leute dasjenige, was sie selbst tun, gewöhnlich durchaus nicht mehr. Deshalb wird es gerade für die Geisteswissenschaft durchaus notwendig sein, daß solche logischen Konfusionen nach jeder Hinsicht vermieden werden. Am wenigsten vermeiden solche logischen Konfusionen die modernen Philosophen, die sich mit Seelenwissenschaft beschäftigen. Und unser Beispiel ist ein typisches dafür. Wir sehen daran die Streiche, die luziferische Einflüsse dem Menschen spielen, so daß sie ihm das Seelenleben in eine Maja verwandeln und daß er sich ganz andere Motive vortäuschen kann, als sie wirklich in seinem Inneren walten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf diesem Gebiete sollte der Mensch versuchen, eine strengere Selbsterziehung zu handhaben. Heute handhabt sich das Wort gewöhnlich&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
sehr leicht. Aber dieses Wort ist auch ein furchtbarer Verführer. Und wenn das Wort nur schön klingt und nur ein klein wenig den Eindruck macht, daß ein Satz eine wohltätige Handlung vorstellt, dann wird schon das Schönklingen des Satzes Verführer sein, zu glauben, daß das betreffende Motiv in der Seele sei, während in Wahrheit das egoistische Prinzip dahinterstecken kann, von dem der Betreffende gar keine Ahnung zu haben braucht, weil er gar nicht den Willen hat, wirkliche Selbsterkenntnis zu treiben. So sehen wir Luzifer auf der einen Seite wirken. Wie wirkt nun Ahriman auf der andern Seite?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ahriman ist das Prinzip, das sich in unsere Wahrnehmungen mischt und von außen in uns hineinzieht. Nun wirkt Ahriman am allerstärksten in den Fällen, wo wir das Gefühl haben: Hier kommst du mit deinem Denken nicht mehr nach; da stehst du an einem kritischen Punkt mit deinem Denken, da fängt sich das Denken wie in einem Gedankenknäuel. - Da ergreift das ahrimanische Prinzip die Gelegenheit, um wie durch einen Spalt der Außenwelt in uns einzudringen. Wenn wir den Gang der Weltereignisse verfolgen und die mehr offenbaren Ereignisse ansehen, wenn wir zum Beispiel die heutige Physik zurückverfolgen bis zu dem Moment, wo Galilei vor der schwingenden Kirchenlampe im Dom zu Pisa saß, so können wir ein Gedankennetz über alle Ereignisse spinnen, das uns die Sache leicht erklärt; überall werden uns die Dinge erklärlich werden. Da aber, an der Stelle, wo wir zu der schwingenden Kirchenlampe kommen, da verwickeln sich unsere Gedanken. Da ist das Fenster, wo die ahrimanischen Kräfte am allerstärksten in uns eindringen, und da hört unser Denken auf, dasjenige aus den Erscheinungen zu begreifen,wasVernunft und Verständnis in die Sache hineinbringen kann. Da sitzt aber auch das, was man den Zufall nennt. Er sitzt da, wo uns Ahriman am allergefährlichsten wird. Diejenigen Erscheinungen nennt der Mensch zufällig, bei denen er durch den ahrimanischen Einfluß am allerleichtesten getäuscht werden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So wird der Mensch verstehen lernen, daß es nicht in der Natur der Tatsachen liegt, wenn er irgendwo veranlaßt wird, von Zufall zu sprechen, sondern daß es an ihm, an seiner Entwickelung liegen wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und er wird sich nach und nach dazu erziehen müssen, Maja und Illusion zu durchdringen, das heißt, dort die Dinge zu durchdringen, wo&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Ahriman am stärksten wirkt. Und gerade wo wir zu sprechen haben von wichtigen Krankheitsursachen und von einem Licht, das sich über manchen Krankheitsverlauf breiten soll, da werden wir es nötig haben, von dieser Seite her die Erscheinungen anzugreifen. Da werden wir zuerst zu verstehen suchen, inwiefern es kein Zufall ist, wenn ein Mensch gerade mit demjenigen Eisenbahnzug fährt, durch den er umkommen kann, oder wie die Dinge liegen, durch die ein Mensch gerade in einer bestimmten Zeit irgendeinem von außen wirkenden Krankheitskeim ausgesetzt ist oder einer andern Krankheitsursache. Und wenn wir mit eIner geschärften Erkenntnis den Dingen nachgehen können, werden wir imstande sein, das wahre Wesen und die ganze Bedeutung des Krankseins und des Gesundseins für das menschliche Leben noch tiefer zu begreifen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich mußte heute in ausführlicherer Weise zeigen, wie im Inneren des Menschen Luzifer zur Illusion führt und wie Ahriman sich in die äußeren Wahrnehmungen mischt und dort zur Maja führt; wie es eine Wirkung Luzifers ist, wenn sich der Mensch ein falsches Motiv vor- täuscht, und wie die falsche Annahme gegenüber der Welt der Erscheinungen - die Täuschung durch Ahriman - uns zu der Annahme eines Zufalls bringt. Diesen Grund mußte ich schaffen, bevor ich zeigen kann, wie die karmischen Ereignisse, die Ergebnisse des früheren Lebens, beim Menschen auch da wirken und auch da die Erscheinungen erklären, wo scheinbar zufällige äußere Veranlassungen zur Erzeugung von Krankheiten wirken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
= SECHSTER VORTRAG Hamburg, 21. Mai 1910 =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daß eine karmische Gesetzmäßigkeit dann wirken kann, wenn in dem gestern und vorgestern angedeuteten Sinne von dem Inneren des Menschen heraus die Krankheitsursache sich geltend macht, das wird ja leicht begreiflich sein. Wenn aber die Krankheitsursache in gewissem Sinne von außen hereinwirkt - und für wie vielerlei wird heute von der Wissenschaft die Krankheitsursache draußen gesucht in der Infektion -, wenn also das Hauptaugenmerk gerichtet werden muß auf eine äußere Veranlassung zur Krankheit: daß dann die karmische Gesetzmäßigkeit - das, was sich der Mensch als Wirkungen der Erlebnisse und Handlungen seines früheren Lebens mitgebracht hat durch die Geburt - auch in der Weise wirken kann, daß sie diese äußeren Krankheitsursachen herbeischafft, das scheint gewiß vielen noch, und mit Recht, weniger begreiflich zu sein. Dennoch aber werden wir, wenn wir noch weiter die eigentliche Wesenheit des Karma verfolgen, nicht nur verstehen lernen, wie äußere Ursachen zusammenhängen können mit dem, was wir in früheren Leben erlebt und getan haben, sondern wir werden sogar begreifen lernen, daß äußere Lebensunfälle, die uns treffen, also Ereignisse, die man so gern heute zufällig nennen möchte, in einem gesetzmäßigen Zusammenhange stehen können mit dem Verlauf voriger Leben. Allerdings werden wir noch etwas tiefer eindringen müssen in die ganze Natur der menschlichen Wesenheit, wenn wir gerade derartige, eigentlich durch unser ganzes menschliches Anschauen verschleierte Verhältnisse beleuchten wollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir haben ja gestern damit geschlossen, daß wir gezeigt haben, wie der Zufall uns immer eigentlich in einer verschleierten Gestalt das äußere Ereignis darbietet, weil an den Stellen, wo wir vom Zufall sprechen, die Möglichkeit der äußeren Täuschung, die durch die ahrimanischen Mächte herbeigeführt wird, am größten ist. Nun wollen wir einmal das Zustandekommen solcher Zufälligkeiten, das heißt solcher Ereignisse, die man im gewöhnlichen Leben als «Zufälligkeiten» bezeichnet, in einzelnen Fällen vor uns hinstellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|114}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da ist es notwendig, daß wir uns zuerst ein Gesetz, eine Wahrheit, eine Erkenntnis vorhalten: daß im Leben gar manches,was wir mit dem Ausdruck bezeichnen «von innen herauskommend», «von dem Inneren des Menschen stammend», sich schon eigentlich in eine Täuschung kleidet, weil mancherlei, was wir zunächst als im Inneren des Menschen verursacht glauben, wenn wir in Wahrheit über die Illusion hinaus- kommen, schon als etwas von außen nach innen Strömendes bezeichnet werden muß. Und ein solches tritt uns immer da entgegen, wo wir es zu tun haben mit allen jenen Erlebnissen des Menschen, allen jenen Wirkungen auf den Menschen, welche wir begreifen unter dem Namen der «vererbten Merkmale». Die vererbten Merkmale, die uns so entgegen- treten, als ob wir sie nur deshalb hätten, weil sie unsere Vorfahren auch hatten, können uns im eminentesten Maße erscheinen, als ob sie uns ohne unsere Schuld, ohne unser Zutun zugefallen wären. Und wir können leicht zu einer falschen Unterscheidung dessen kommen, was wir uns aus unseren früheren Inkarnationen mitbringen, von dem, was wir von Eltern oderVoreltern geerbt haben. Nun aber geschieht das Wieder- ein treten in eine Verkörperung keineswegs so, als ob wir ohne irgendeine Veranlassung, die mit unserem Inneren zusammenhängt, zu diesem oder jenem Elternpaar, zu diesem oder jenem Volk, in diese oder jene Gegend hingedrängt würden. Schon bei den durchaus nicht in das Gebiet der Krankheiten hineinfallenden vererbten Merkmalen dürfen wir so etwas keineswegs voraussetzen, sondern wir müssen uns sagen: Wenn zum Beispiel in einer Familie, wie der des Musikers Bach, durch viele Generationen hindurch immer wieder und wieder kleinere und größere Musiker geboren wurden - der eine ist dann gewöhnlich hervorragender, aber in der Familie Bach sind über zwanzig mehr oder weniger begabte Musiker geboren worden -, so könnte man leicht glauben, daß man es mit der reinen Vererbungslinie zu tun hätte, daß also Merkmale von den Vorfahren vererbt werden und daß der Mensch gerade deshalb, weil solche Merkmale vorliegen, gewisse aus früheren Inkarnationen mitgebrachte Eigenschaften zu musikalischen Talenten entfaltet. Das ist aber nicht so, sondern die Sache verhält sich vielmehr ganz anders.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen wir an, es würde jemand in einem Leben zwischen Geburt und Tod Gelegenheit haben, viele musikalische Eindrücke zu empfangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Diese musikalischen Eindrücke gingen aber in diesem Leben an ihm vorüber, einfach aus dem Grunde, weil er kein musikalisches Ohr hatte. Andere Eindrücke seines Lebens werden nicht an ihm in derselben Weise vorübergehen, weil er gerade so gebaute Organe hat, daß er die Erlebnisse und Eindrücke in eigene Fähigkeiten umsetzen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daher werden wir sagen können, ein Mensch habe in seinem Leben solche Eindrücke, die er durch die Anlage, welche er von seiner letzten Geburt mitbekommen hat, umzusetzen vermag in Fähigkeiten und Talente; andere Eindrücke hat er, welche er vermöge seines Gesamt karma, weil er durch dieses nicht die entsprechenden Anlagen erhalten hat, nicht umsetzen kann in die entsprechenden Fähigkeiten. Die bleiben aber vorhanden, bleiben aufgespeichert und bilden sich um in der Zeit zwischen Tod und neuer Geburt zu der besonderen Tendenz, in der nächsten Inkarnation nunmehr zum Ausleben zu gelangen. Und diese Tendenz führt den Menschen dahin, im nächsten Leben seine Leiblichkeit gerade in einer solchen Familie zu suchen, welche ihm die entsprechenden Anlagen geben kann. Hat also jemand viele musikalische Eindrücke empfangen und sie wegen eines unmusikalischen Ohres nicht umwandeln können in musikalische Fähigkeiten oder Genüsse, so wird gerade diese Unmöglichkeit die Tendenz in seiner Seele hervorrufen, in eine solche Familie hineinzukommen,welche ihm ein musikalisches Ohr vererben kann. So verstehen wir es, daß, wenn in einer Familie sich der Bau des Ohres ebenso vererbt wie etwa die äußere Form der Nase, alle diejenigen Individualitäten sich zusammendrängen werden in diese Familie, die gerade lechzen - infolge ihrer früheren Inkarnation - nach dem Besitz eines musikalischen Ohres. Und so sehen wir, daß der Mensch in der Tat nicht «zufällig» in irgendeiner Inkarnation ein musikalisches Ohr oder ähnliches geerbt hat, sondern daß er diese vererbten Merkmale gesucht hat, wirklich aufgesucht hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beobachten wir jetzt einen solchen Menschen vom Zeitpunkt seiner Geburt an, dann wird es uns so vorkommen, als ob das musikalische Ohr in ihm wäre, eine Eigenschaft in seinem Inneren. Würden wir aber mit unseren Betrachtungen hinübergehen vor seine Geburt, so würden wir finden, wie das musikalische Ohr, das er sich erst aufgesucht hat, etwas ist, was von außen an ihn herangekommen ist. Vor der Geburt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|116}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
oder Empfängnis war das musikalische Ohr nicht etwas, was in seinem Inneren war, sondern da war nur die Tendenz vorhanden, zu einem solchen Ohr hingetrieben zu werden. Da hat der Mensch ein Äußeres an sich herangezogen. Vor der Wiederverkörperung war die Eigenschaft, die wir nachher eine vererbte nennen, etwas Äußeres; das ist an den Menschen herangekommen, er ist dazu hingeeilt. Mit der Verkörperung wird es dann etwas Inneres und tritt in dem Inneren dieses Menschen auf. - Reden wir also von «vererbten Anlagen», so geben wir uns wieder einer Täuschung hin, welche darin besteht, daß wir etwas, was erst ein Innres geworden ist, nicht in jenem Zeitpunkt betrachten, wo es noch ein Äußeres war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fragen wir uns nun einmal, ob es so wie in diesem Falle, den wir jetzt angeführt haben, nicht auch mit äußeren Ereignissen sein könnte, welche während unseres Lebens zwischen Geburt und Tod eintreten, daß auch da ein Äußeres sich in ein Inneres verwandeln könnte? - Diese Frage würden wir uns nicht beantworten können, wenn wir nicht noch tiefer als bisher das Wesen von Krankheit und Gesundheit ins Auge fassen. Wir haben mancherlei angeführt, um Krankheit und Gesundheit zu charakterisieren, und Sie wissen, daß ich nicht definiere, sondern versuche, nach und nach die Dinge zu beschreiben, immer mehr Merkmale zu den Dingen hinzuzufügen, damit sie nach und nach begreiflich werden. Also mehr Merkmale wollen wir jetzt hinzufügen zu den schon gewonnenen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir müssen Krankheit und Gesundheit vergleichen mit etwas, was Im normalen Leben auftritt; dann werden wir etwas noch Tieferes finden&amp;gt; nämlich den Vergleich mit Schlafen und Wachen. Was geschieht im Menschenwesen, wenn die täglichen Zustände Wachen und Schlafen miteinander abwechseln? Wir wissen&amp;gt; daß beim Einschlafen im Bette zurückgelassen wird der physische Leib und der Ätherleib und daß herausgehen aus dem physischen Leib und dem Ätherleib der astralische Leib und das Ich. Es ist also das Einschlafen für uns ein Herausziehen von Ich und astralischem Leib aus physischem Leib und Ätherleib; das Aufwachen dagegen ist ein Wiederhineingehen des astralischen Leibes und des Ich in den physischen Leib und Ätherleib. Jeden Morgen beim Aufwachen taucht also der Mensch unter in seinen physischen Leib und&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|117}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ätherleib mit dem, was er als innerer Mensch, als astralischer Leib und als Ich ist. Was geschieht nun in bezug auf das, was sich im Menschenwesen als Erlebnis abspielt beim Einschlafen und beim Aufwachen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir den Moment des Einschlafens ins Auge fassen, so stellt ersich uns so dar, daß alle Erlebnisse, die vom Morgen bis zum Abend inunserem Leben auf und ab fluten, daß vor allem die Seelenerlebnisse Lust und Leid, Freude und Schmerz, Leidenschaften, Vorstellungen und so weiter hinuntersinken in ein Unbewußtes. Wir selber sind im normalen Leben, wenn wir schlafen, einem Unbewußten hingegeben.Warum werden wir mit dem Einschlafen unbewußt? - Wir wissen ja, daß wir während des Schlafzustandes von einer geistigen Welt umgeben sind, wie wir imWachzustande umgeben sind von den Dingen und Tatsachen der physisch-sinnlichen Welt. Warum sehen wir diese geistige Welt nicht? Im gewöhnlichen normalen Leben sehen wir die geistigen Tatsachen und geistigen Dinge, die um uns herum sind, aus dem Grunde nicht, weil für uns dieses Sehen bei der gegenwärtigen Menschenreife vom Einschlafen bis zum Aufwachen im höchsten Grade gefahrbringend wäre. In dem Augenblick, wo der Mensch heute bewußt übergehen würde in die Welt, die ihn zwischen Einschlafen und Aufwachen um- gibt, würde zwar sein astralischer Leib, der ja während der alten Mondenzeit seine volle Ausbildung erfahren hat, in die geistige Welt aus- fließen; aber nicht könnte es das Ich, das ja erst während der Erdenzeit sich entwickeln soll und vollständig entwickelt sein wird am Ende der Erdenzeit. Das Ich ist noch nicht so voll entwickelt, daß es vom Einschlafen bis zum Aufwachen seine volle Tätigkeit entfalten könnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist mit dem Ich so, daß wir den Zustand, in den es käme, wenn der Mensch bewußt einschlafen würde, damit vergleichen könnten, daß wir sagen: Nehmen wir an, wir haben ein kleines Tröpfchen einer gefärbten Flüssigkeit, das bringen wir in ein Bassin mit Wasser und lassen es sich darinnen verteilen. Dann wird man von der Farbe dieses Tröpfchens nichts mehr sehen, weil es sich in der ganzen breiten Masse hat auflösen müssen. - So etwas geschieht auch, wenn der Mensch im Einschlafen aus dem physischen Leib und Ätherleib herausgeht. Physischer Leib und Ätherleib sind das, was die ganze menschliche Wesenheit zusammenhält. In dem Augenblick, wo der astralische Leib und das Ich &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|118}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die beiden unteren Glieder verlassen, streben sie auseinander nach allen Seiten hin, haben nur das Bestreben, sich fortwährend auszudehnen. Es würde also dem Ich so gehen, daß es aufgelöst würde, und der Mensch würde vor sich haben zwar die Bilder der geistigen Welt, aber er würde sie mit denjenigen Kräften, die nur sein Ich entfalten kann - denn das Ich wäre ja aufgelöst -, also mit Urteilskräften und Begriffsvermögen und so weiter, nicht verfolgen können, also nicht mit demselben Bewußtsein, mit welchem er die Zustände des Alltags verfolgt. Er würde außer sich sein, würde hin und her gerissen, wesens- und richtungslos schwimmend auf dem Meere der astralischen Eindrücke. Aus diesem Grunde, weil das Ich noch nicht stark genug ist im normalen Zustande des Menschen, wird das Ich so lange zurückwirken auf den astralischen Leib und ihn verhindern, bewußt einzutreten in seine eigentliche Heimat, in die geistige Welt, bis das Ich selber überall mit hin kann, wohin der astralische Leib dringt. So also hat es einen guten Sinn, daß wir das Bewußtsein verlieren im Einschlafen. Wir könnten unser Ich nicht erhalten. Wir werden es erst erhalten können in genügender Weise, wenn die Erdentwickelung an ihrem Ende angekommen sein wird. Deshalb sollen wir auch unseren astralischen Leib nicht entfalten können in bezug auf seine Bewußtseinsfähigkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gerade das Umgekehrte tritt ein, wenn der Mensch aufwacht. Wenn er aufwacht und untertaucht in den physischen Leib und Ätherleib, würde er eigentlich erleben müssen das Innere des physischen Leibes und des Ätherleibes. Das tut er aber nicht. Im Augenblick des Aufwachens wird er verhindert, hineinzuschauen in das Innere seiner Leiblichkeit, denn da wird gleich die Aufmerksamkeit auf die äußeren Erlebnisse gelenkt. Da wird nicht seine Sehkraft, seine Erkenntniskraft dahin gelenkt, sein Inneres zu durchschauen, sondern sie wird abgelenkt auf die Außenwelt. Würde der Mensch sich im Inneren ergreifen, so würde genau das Gegenteil eintreten von dem, was eintritt, wenn sich der Mensch bewußt beim Einschlafen in die geistige Welt hineinbegeben könnte. Alles, was der Mensch sich schon im Verlaufe des Erdenlebens an Geistigem durch sein Ich errungen hat, das würde sich zusammendrängen und es würde jetzt im physischen Leibe und Ätherleibe nach demUntertauchen mit aller Kraft auf ihn wirken. Das würde zur Folge &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
haben, daß alles, was nur irgendwie egoistische Eigenschaft ist, sich mit aller Macht entfalten würde. Und der Mensch würde hinuntertauchen mit seinem Ich und würde mit jedem Stück, mit dem er hinuntertaucht, seine Leidenschaften,Triebe und Begierden in einem immer kraftvolleren Egoismus ergießen. Aller Egoismus würde sich ergießen in sein Trieb- leben. Damit das nicht geschieht, werden wir abgelenkt auf die Außenwelt und nicht mit unserem Bewußtsein in unser Inneres hineingelassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daß das so ist, kann auch aus den Berichten derjenigen hervorgehen, die als Mystiker versuchten, wirklich hineinzukommen in das menschliche Innere. Sehen Sie sich um bei Meister Eckart, bei Johannes Tauler oder bei sonstigen Mystikern des Mittelalters, welche wirklich den Gang in das menschliche Innere unternommen haben. Da haben Sie Mystiker, welche sich hingegeben haben einem Zustand, wo sie ihre Aufmerksamkeit vollständig ablenkten von dem, was sie an der Außenwelt interessieren konnte, um hinunterzusteigen in das eigene Innere. Lesen Sie die Biographien der Heiligen oder der Mystiker, die in das eigene Innere hineinzusteigen versuchten. Was haben sie erfahren? Versuchungen, Anfechtungen und dergleichen, die sie in lebendigen Farben schildern. Das war dasjenige, was sich aus dem zusammengepreßten astralischen Leib und Ich als eine Widerkraft geltend machte. Daher haben diejenigen, welche sozusagen ungeschoren als Mystiker in das eigene Innere hinuntersteigen wollten, mit aller Macht darauf gedrungen, daß in demselben Maße, als sie hinunterstiegen, das Ich ausgelöscht würde. Ein schönes Wort hat sogar Meister Eckart gefunden, um dieses Hinuntersteigen in die eigene Leiblichkeit zu bezeichnen. Er spricht von «Entwerdung&amp;gt;, das heißt Auslöschen des Ich. Und lesen Sie in der «Deutschen Theologie», wie der Verfasser darstellt den mystischen Gang in das menschliche Innere, wie er darauf dringt, daß derjenige, der hinuntersteigen will in die Leiblichkeit, nic`ht mehr aus seinem Ich handelt, sondern daß in ihm der Christus handelt, mit dem er sich ganz durchdrungen hat. Auslöschen wollten solche Mystiker ihr Ich. Nicht sie sollen denken, fühlen und wollen, sondern der Christus in ihnen soll denken, fühlen und wollen, damit nicht dasjenige aus ihnen herauskommt, was in ihnen als Leidenschaften, Trieb und Begierde lebt, sondern damit dasjenige herauskommt, was sich als der &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|120}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Christus in sie ergießt. Daher sagt Paulus: «Nicht ich, sondern der Christus in mir»! Aus solchen Tiefen gehen solche Dinge hervor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So können wir schildern Aufwachen und Einschlafen als innere Erlebnisse der menschlichen Wesenheit: Aufwachen als ein Hinunter- tauchen der zusammengepreßten Ichheit in die Leiblichkeit des Menschen, Einschlafen als ein Sich-Befreien vom Bewußtsein, weil man noch nicht reif ist, in jener Welt zu schauen, in die man eigentlich hin- eindringen muß beim Einschlafen. Dadurch verstehen wir Wachen und Schlafen in jenem Sinne, in welchem wir mancherlei in der Welt verstehen müssen: als das Sich-Durchdringen der verschiedenen Glieder der menschlichenWesenheit. Betrachten wir von diesem Gesichtspunkte aus einen wachenden Menschen, so sagen wir: In dem wachenden Menschen stecken darinnen vier Glieder der menschlichen Wesenheit: physischer Leib, Ätherleib, astralischer Leib und Ich, und sie stecken in einer bestimmtenWeise ineinander.Was folgt daraus? Eben das Wachen! Denn es könnte der Mensch nicht wachen, wenn er nicht so hineinsteigen würde in seine Leiblichkeit, daß die Aufmerksamkeit durch die Außenwelt abgelenkt würde. Gerade von einem ganz bestimmten, geregelten Zusammenwirken der vier Glieder des Menschen hängt es ab, daß der Mensch wacht. Und wieder von dem richtigen Getrenntsein seiner vier Glieder hängt es ab, daß der Mensch schläft. Wir reichen damit nicht aus, daß wir sagen: Der Mensch besteht aus physischem Leib, Ätherleib, astralischem Leib und Ich, sondern wir verstehen den Menschen erst dann&amp;gt; wenn wir wissen, in welchem Grade die verschiedenen Glieder bei einem bestimmten Zustande miteinander verknüpft sind, wie sie ineinanderstecken. Das ist dasWesentliche für die Erkenntnis der menschlichen Natur. Nun betrachten wir die Art des Zusammengefügtseins der vier Glieder des Menschen, wie es uns beim wachen- den Menschen entgegentritt, als das Normale. Wir wollen einmal von diesem Begriff ausgehen: als das Normale den Zustand des wachenden Menschen zu betrachten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun werden sich die meisten von Ihnen erinnern, daß das Bewußtsein, welches wir gegenwärtig als Erdenmenschen haben zwischen Geburt und Tod, nur eine ist von den überhaupt möglichen Bewußtseinsformen. Wenn Sie zum Beispiel die «Geheimwissenschaft im Umriß» &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
oder die früheren Aufsätze «Aus der Akasha-Chronik» studieren, so werden Sie sehen, daß das heutige Bewußtsein eine Bewußtseinsstufe unter sieben verschiedenen Bewußtseinsstufen ist, daß dieses Bewußtsein, das wir heute haben, sich erst entwickelt hat aus drei andern, vorangegangenen Bewußtseinszuständen und sich später entwickeln wird zu drei andern, nachfolgenden Bewußtseinsformen. Während der Mensch Mondenmensch war, hatte er noch kein Ich. Das Ich verband sich mit dem Menschen erst während der Erdenzeit. Daher konnte der Mensch auch die heutige Art des Bewußtseins erst während der Erden- zeit haben. Ein solches Bewußtsein wie das, was wir heute haben zwischen Geburt und Tod, setzt voraus, daß das Ich genau so, wie es heute der Fall ist, mit den andern drei Gliedern zusammenwirkt und das h&amp;amp;hste ist unter den vier Gliedern der menschlichen Wesenheit. Bevor der Mensch mit dem Ich befruchtet worden ist, bestand er nur aus physischem Leib, Ätherleib und astralischem Leib. Da war der astralische Leib sein höchstes Glied, und sein Bewußtseinszustand war ein solcher, daß wir ihn heute höchstens, wenn wir etwas aus dem gewöhnlichen Leben nehmen, mit dem vergleichen könnten, was der Mensch sich wie ein altes Erbstück erhalten hat im Traumbewußtsein. Aber Sie müssen sich nicht das heutigeTraumbewußtsein vorstellen, sondern ein solches, das in den Bildern des Traumes Realitäten`wiedergibt. Wenn Sie den heutigen Traum studieren, werden Sie in den yerschiedensten Bildern recht viel Chaotisches finden, weil das heutige Traumbewußtsein ein altes Erbstück ist. Aber wenn Sie das Bewußtsein, welches dem heutigen vorangegangen ist, studieren würden, dann würden Sie finden, daß Sie äußere Gegenstände, zum Beispiel Pflanzen, damals nicht würden gesehen haben. Also es wäre ein äußerer Eindruck auf den Menschen unmöglich gewesen. Wenn etwas in die Nähe des Menschen gekommen wäre, hätten Sie einen Eindruck bekommen, der seinen Umweg nimmt über das Traumbild in das menschliche Innere, das also ein Sinnbild ist, welches aber einem bestimmten äußeren Gegenstande und Eindruck entsprochen haben würde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also wir haben es vor dem Ich-Bewußtsein zu tun mit einem solchen Bewußtsein, das an den astralischen Leib als das damals höchste Glied gebunden ist, das astralische Bewußtsein, das dumpf und dämmerhaft &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|122}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ist und noch nicht durchleuchtet ist von dem Lichte des Ich. Dieses astralische Bewußtsein ist beim Menschen, als er Erdenmensch geworden ist, überleuchtet worden, übertönt worden von dem Ich-Bewußtsein. Nun ist aber der astralische Leib noch immer in uns, und wir können fragen: Wodurch ist das geschehen, daß unser astralisches Bewußtsein überhaupt hat übertönt, ausgeschaltet werden können, so daß das Ich-Bewußtsein ganz an seine Stelle treten konnte? - Das wurde dadurch möglich, daß durch die Befruchtung des Menschen mit dem Ich die frühere Verbindung zwischen astralischem Leib und Ätherleib zu einer viel loseren gemacht worden ist. Es ist sozusagen die frühere innigere Verbindung gelöst worden. Also es war vor dem Ich-Bewußtsein eine viel innigereVerbindung vorhanden zwischen dem astralischen Leib des Menschen und den niedrigeren Gliedern seiner Wesenheit. Esdrängte sich der astralische Leib viel mehr hinein in die andern Glieder, als er es heute tut. Entrissen worden ist in einer gewissen Beziehung der` astralische Leib dem Ätherleib und dem physischen Leib.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun müssen wir uns einmal diesen Vorgang des sozusagen teilweisen Herausgehens, des Losemachens des astralischen Leibes von Ätherleib und physischem Leib ganz klarmachen. Dann werden wir uns fragen: Gibt es vielleicht auch heute noch die Möglichkeit, bei unserem gewöhnlichen Ich-Bewußtsein etwas herzustellen, was dieser alten Verbindung ähnlich wäre? Könnte es auch heute im Menschenleben geschehen, daß der astralische Leib tiefer hinein will in die andern Glieder, als er soll, sich mehr mit allerlei imprägniert und durchdringt, als es ihm zukommt?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also ein gewisses Normalmaß ist notwendig für das Durchdringen des astralischen Leibes mit Ätherleib und physischem Leib. Nehmen wir nun an, das Normalmaß wird nach irgendeiner Richtung hin überschritten. Dann wird eine Störung eintreten müssen im ganzen menschlichen Organismus; denn was der Mensch heute ist, das hängt davon ab, daß dieses bestimmte Verhältnis zwischen den verschiedenen Wesensgliedern da ist, das uns im wachenden Menschen vor Augen tritt. In dem Augenblicke, wo sich der astralische Leib unrichtig benimmt, wo er tiefer hineindringt in physischen Leib und Ätherleib, muß eine Störung auftreten. Nun haben wir aber in den letzten Betrachtungen gesehen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|123}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
daß das, was wir jetzt folgern, wirklich geschieht. Wir haben den ganzen Vorgang nur von der andern Seite her dargestellt. Wann geschieht es denn?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es geschieht dann, wenn der Mensch in einem früheren Leben in seinen astralischen Leib etwas hineingeprägt hat, irgend etwas hat ein- fließen lassen, was wir für das frühere Leben als eine moralische oder intellektuelle Verfehlung auffassen. Das hat sich dem astralischen Leib eingegraben. Das ist jetzt etwas, wenn der Mensch neuerdings ins Leben tritt, was in der Tat den astralischen Leib veranlassen kann, einen andern Zusammenhang zu suchen mit dem physischen Leib und Ätherleib, als er ihn gesucht hätte, wenn er nicht diese Verfehlung im vorigen Leben in sich hineingeprägt hätte. Also gerade unsere Verfehlungen sind es, die sich unter dem Einfluß von Ahriman und Luzifer vollzogen haben und sich umgestaltet haben in organisierende Kräfte, welche im neuen Leben den astralischen Leib veranlassen, sich anders zum physischen Leib und Ätherleib zu stellen, als er es tun würde, wenn sich solche Kräfte nicht in ihn hineingedrängt hätten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So sehen wir, wie gerade dieWirkungen früherer Gedanken, Empfindungen und Gefühle den astralischen Leib zu dem veranlassen, was Unordnung hervorrufen muß in der menschlichen Organisation. Wenn aber solche Unordnung hervorgerufen wird, was tritt dann ein? Wenn sich der astralische Leib mehr hineindrängt in den physischen Leib und Ätherleib, als er es beim normalen Menschen sollte, so tut er etwas ganz Ähnliches, wie wir des Morgens tun beim Aufwachen, wo wir in dem Moment des Aufwachens mit unserem Ich in unsere zwei Leiber hinuntertauchen. Aufwachen besteht im Hinuntertauchen des Ich-Menschen in den physischen Leib und Ätherleib. Worin besteht nun das, was der astralische Leib tut, wenn er mehr in den physischen Leib und Äther leib hineintritt, als er soll, veranlaßt durch die Wirkungen früherer Erlebnisse? - Was sonst eintritt, wenn wir mit dem Ich und astralischen Leib untertauchen in den physischen Leib und Ätherleib, wenn wir des Morgens aufwachen und etwas wahrnehmen, das zeigt sich gerade darin, daß wir aufwachen. Wie der ganze Wachzustand die Folge ist des Untertauchens des Ich-Menschen in den physischen Leib und Ätherleib, so muß jetzt etwas auftreten, was der astralische Leib tut, also &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
etwas, was wir sonst als Ich-Menschen tun. Er taucht unter in den Äther- und physischen Leib. Wenn wir also einen Menschen vor uns haben, bei dem der astralische Leib die Tendenz aufgenommen hat, sich mehr zu vereinigen mit Ätherleib und physischem Leib, als es normalerweise der Fall sein sollte, so haben wir dieselbe Erscheinung für den Astralleib vor uns, welche wir sonst beim Aufwachen für den Ich Menschen vor uns haben. Was ist dieses zu starke Eindringen des astralischen Leibes in den Ätherleib und physischen Leib? Das ist etwas, was wir sonst als das Wesen der Krankheit bezeichnen können. Wenn unser astralischer Leib dasselbe tut, was wir sonst beim Aufwachen tun, nämlich sich hineindrängt in den physischen Leib und Ätherleib, wenn der astralische Leib, der sonst bei uns kein Bewußtsein entwickeln sollte, nach einem Bewußtsein strebt im physischen Leib und Ätherleib, wenn er in uns aufwachen will, dann werden wir krank. Krankheit ist ein abnormer Wachzustand unseres astralischen Leibes. Was tun wir denn eigentlich, wenn wir im normalen Wohlbefinden stehen, wenn wir im gewöhnlichen Wachzustand leben? Dann wachen wir für das gewöhnliche Leben. Aber damit wir das gewöhnliche Wachbewußtsein haben können, mußten wir ja den astralischen Leib früher in eine andere Verbindung bringen. Wir mußten ihn zum Schlafen bringen. Der astralische Leib muß, wenn wIr am Tage unser Ich-Bewußtsein haben, schlafen; wir können nur gesund sein, wenn unser astralischer Leib schläft in uns. Daher können wir jetzt das Wesen von Gesundheit und Krankheit in folgender Weise auffassen: Krankheit ist ein abnormes Auf- wachen des astralischen Leibes im Menschen, und Gesundheit ist der normale Zustand des Schlafens des astralischen Leibes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und was ist denn das Bewußtsein dieses astralischen Leibes? Wenn wirklich Krankheit das Aufwachen des astralischen Leibes wäre, müßte ja etwas bei ihm eintreten wie ein Bewußtsein. Er wacht abnormerweise auf; also könnten wir ein abnormes Bewußtsein erwarten; aber ein Bewußtsein müßte da sein. Wenn wir in die Krankheit verfallen, müßte etwas Ähnliches entstehen, wie es sonst des Morgens beim Aufwachen eintritt. Es müßte unser Erleben abgelenkt werden auf irgend etwas anderes. Am Morgen taucht sonst unser gewöhnliches Bewußtsein auf. Weiin wir nun krank werden, taucht dann ein Bewußtsein auf? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Ja, es taucht ein Bewußtsein auf, das der Mensch nur allzugut kennt. Und welches ist dieses Bewußtsein? Ein Bewußtsein drückt sich in Erlebnissen aus! Das Bewußtsein, was da auftaucht, drückt sich aus in dem, was wir den Krankheitsschmerz nennen, den wir nicht haben im normalen Wohlbefinden des Wachzustandes, weil da unser astralischer Leib gerade schläft. Schlafen des astralischen Leibes heißt, daß er sich in regelmäßigem Zusammenhang befindet mit physischem Leib und Ätherleib, bedeutet Schmerzlosigkeit. Der Schmerz ist der Ausdruck dafür, daß der astralische Leib sich so hineinpreßt in den physischen Leib und Ätherleib, wie er nicht drinnen sein soll - und zum Bewußtsein kommt. Das ist der Schmerz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun handelt es sich darum, daß wir nicht etwa das, was eben gesagt worden ist, wieder grenzenlos ausdehnen. Es muß, wenn geisteswissenschaftlich gesprochen wird, immer die Grenze eingehalten werden, innerhalb deren etwas gesagt wird. - Es ist gesagt worden, daß wenn unser astralischer Leib aufwacht, ein Bewußtsein entsteht, das von Schmerz durchtränkt ist. Daraus dürfen wir aber nicht schließen, daß Schmerz und Krankheit immer zusammenfallen. Es ist durchaus ein jegliches Hineinpressen des astralischen Leibes in den Ätherleib und physischen Leib ein Kranksein. Aber umgekehrt besteht nicht jedes Kranksein darin, und daß Kranksein auch einen anderen Charakter haben kann, werden wir uns dadurch begreiflich machen können, daß keineswegs alles Kranksein von Schmerzen begleitet ist. Das beachten nur die meisten Menschen deshalb nicht, weil sie zumeist im Leben nicht anstreben, gesund zu sein, sondern sie streben an, schmerzlos zu sein, und wenn sie schmerzlos sind, halten sie das für gesund. Das ist nicht immer so; aber in sehr vielen Fällen wird der Mensch glauben, wenn er schmerzlos ist, sei er gesund. Wir würden uns einer gewaltigen Täuschung hingeben, wenn wir glauben wollten, daß Schmerzempfinden und Kranksein zusammenfällt. Es kann die Leber eines Menschen durch und durch beschädigt sein; wenn der Schaden nicht ein solcher ist, daß durch ihn zum Beispiel das Bauchfell affiziert wird, so tritt gar kein Schmerz auf. Es kann der Mensch einen Krankheitsprozeß in sich haben, der sich gar nicht in Schmerzen äußert. Das kann in vielen Fällen so sein.Vor einer objektiveren Betrachtung sind diese Erkrankungen sogardie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|126}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
schlimmeren. Denn wenn der Mensch Schmerzen empfindet, geht er darauf aus, die Schmerzen loszuwerden; wenn er keine Schmerzen hat, gibt er sich nicht besonders viel Mühe, die Krankheit loszubekommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie verhält es sich nun mit den Erscheinungen, wo keine Schmerzen mit den Krankheitsfällen parallel gehen? Was haben wir da getan? - Da brauchen wir uns nur zu erinnern, daß wir uns wirklich als menschliche Wesen, wie wir heute sind, nach und nach entwickelt haben, daß wir während der Erdenzeit das Ich hinzugefügt haben zu astralischem Leib, Ätherleib und physischem Leib. Aber wir waren auch einmal ein Mensch, der nur physischen Leib und Ätherleib gehabt hat. Ein Wesen, das nur physischen Leib und Ätherleib hat, ist wie eine heutige Pflanze. Bei solchen Wesen kommen wir zu einem dritten Grade von Bewußtsein, einem viel, viel dumpferen Bewußtsein, das nicht einmal bis zur Helligkeit des heutigen Traumbewußtseins hinaufreicht. Es ist ja durchaus ein Irrwm, wenn wir glauben, daß der Mensch im Schlafe kein Bewußtsein hat. Er hat ein Bewußtsein; nur ist es so dumpf, daß er es nicht bis zur Erinnerung in seinem Ich heraufrufen kann. Aber auch in der Pflanze sitzt ein solches Bewußtsein. Es ist eine Art Schlafbewußtsein, also ein noch tieferes als das astralische Bewußtsein. Da kommen wir herunter zu einem noch tieferen Bewußtsein des Menschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen wir nun an, der Mensch habe durch Erlebnisse in früheren Inkarnationen nicht nur solche Unordnung hineingebracht in seine Organisation, welche den astralischen Leib veranlaßt, sich in unordentlicher Weise hineinzuversenken in den physischen Leib und Ätherleib, sondern er habe so etwas vollführt, was den Ätherleib veranlassen kann, in unrichtigerWeise sich in den physischen Leib hineinzudrängen. Es kann durchaus ein solcher Zustand eintreten, daß auch die Verbindung zwischen Ätherleib und physischem Leib nicht die für den heutigen Menschen normale ist, daß sich der Ätherleib zu tief hineindrängt in den physischen Leib. Der astralische Leib, sagen wir, wäre dabei gar nicht beteiligt, sondern was da im früheren Leben veranlagt worden ist, das bewirkt in der menschlichen Organisation eine dichtere Zusammenfügung von Ätherleib und physischem Leib, als es sonst sein soll. Da haben wir dasselbe bei dem Ätherleib, was wir bei dem astralischen Leibe haben im Schmerzbewußtsein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Wenn der Ätherleib sich nun seinerseits zu tief hineinversenkt in den physischen Leib, so taucht ein Bewußtsein auf ähnlich wie des Menschen Schlafbewußtsein, wie das Pflanzenbewußtsein. Kein Wunder daher, daß das auch ein Zustand ist, der vom Menschen gar nicht empfunden wird. Wie er nicht im Schlaf empfindet, so empfindet er auch jetzt diesen Zustand nicht. Und doch ist es ein Aufwachen! Wie unser astralischer Leib abnormerweise aufwacht, wenn er zu tief hinunter- taucht in den Ätherleib und physischen Leib, so wacht der Ätherleib in abnormer Weise auf, wenn er zu tief in den physischen Leib hinein- taucht. Nur kann es der Mensch nicht wahrnehmen, weil es das Auf- wachen zu einem noch dumpferen Bewußtsein als das Schmerzbewußtsein ist. Aber nehmen wir an, der Mensch hätte wirklich in einem früheren Leben so etwas vollzogen, was sich zwischen Tod und neuer Geburt dazu umwirkt, daß der Ätherleib für sich aufwacht, das heißt, intensiven Besitz ergreift vom physischen Leib. Wenn das geschehen ist, lebt auf im Menschen ein tiefes Bewußtsein, das aber nicht in der Weise wahrgenommen werden kann, wie die sonstigen Erlebnisse der menschlichen Seele wahrgenommen werden. Braucht es deshalb nicht zu wirken, weil es nicht wahrgenommen wird? Versuchen wir uns klarzumachen, was ein Bewußtsein für eine eigentümliche Tendenz erhält, wenn es anfängt, um einen Grad tiefer zu liegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn Sie einen solchen äußeren Eindruck erleben, wie zum Beispiel wenn Sie sich verbrennen, so verursacht das Schmerz.Wenn ein Schmerz entstehen soll, so muß das Bewußtsein wenigstens den Grad des Bewußtseins des astralischen Leibes haben. Ein Schmerz muß im astralischen Leibe leben. Wo also irgendeinmal in der Menschenseele Schmerz entsteht, ist eine Tatsache des astralischen Leibes vorhanden. Nehmen wir aber einmal an, es geschehe etwas, was nicht mit Schmerzen verbunden wäre, was dennoch aber einen äußeren Reiz, einen äußeren Eindruck hervorruft. Wenn irgend etwas auf Ihr Auge zufliegt, so verursacht das einen äußeren Reiz; das Auge schließt sich. Schmerz ist damit nicht verbunden. Was ruft der Reiz hervor? Eine Bewegung. Das ist etwas Ähnliches, wie wenn Ihre Fußsohle berührt wird: Schmerz ist es nicht - dennoch zuckt der Fuß. Es gibt also auch solche Eindrücke auf den Menschen, die nicht von Schmerzen begleitet sind, die dennoch &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
aber herausfordern irgendein Geschehnis, eine Bewegung. Da weiß der Mensch nicht - weil er nicht bis in diesen tiefen Grad des Bewußtseins hinunterdringen kann -, wie so etwas zustande kommt, daß eine Bewegung folgt auf den Reiz. Wenn Sie Schmerz empfinden, und Sie weisen dadurch etwas zurück, so ist es der Schmerz, der Sie aufmerksam gemacht hat auf das, was Sie dann zurückweisen. Es kann aber etwas auftreten, was Sie zu einer inneren Bewegung drängt, zu einer Reflexbewegung. Da dringt das Bewußtsein nicht bis zu dem Grade hinunter, wo der Reiz in Bewegung umgesetzt wird. Da haben Sie einen solchen Bewußtseinsgrad, der nicht in Ihre astralischen Erlebnisse hineinkommt, der bewußt nicht erlebt wird, der in einer Art von Schlafbewußtseinssphäre verläuft, der aber darum doch nicht so ist, daß er nicht zu Geschehnissen führen könnte. Wenn ein solches tieferes Eindringen des Ätherleibes in den physischen Leib stattfindet, so ist dies das Hervorbringen eines Bewußtseins, das nicht ein Schmerzbewußtsein ist, weil sich der astralische Leib nicht daran beteiligt, sondern das so dumpf ist, daß es der Mensch nicht wahrnimmt. Damit ist aber nicht gesagt, daß der Mensch in diesem Bewußtsein keine Handlungen ausführen kann, nicht etwas tun könnte, was der ganzen Sachlage entspräche. Der Mensch führt ja auch sonst Handlungen aus, bei denen sein Bewußtsein nicht dabei ist. Sie brauchen nur daran zu denken, wo das gewöhnliche Tagesbewußtsein ausgelöscht ist und der Mensch als Nachtwandler alle möglichen Handlungen ausführt. Da ist nicht etwa gar kein Bewußtsein vorhanden, sondern es ist ein solches Bewußtsein daran beteiligt, das der Mensch nicht miterleben kann, weil er nur die zwei höchsten Bewußtseinsformen erleben kann: das astralische Bewußtsein als Lust und Leid und dergleichen und das Ich-Bewußtsein als Urteil und als gewöhnliches Tagesbewußtsein. Deshalb ist aber die Sache doch nicht so, daß der Mensch aus diesem Schlafbewußtsein heraus nicht handeln könnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun haben wir also auch ein solches tiefes Bewußtsein, das der Mensch nicht mehr erreichen kann, wenn der Ätherleib hinuntersteigt in den physischen Leib. Nehmen wir an, er will aber doch etwas tun, wovon er im normalen Leben nichts wissen kann, was irgendwie mit der Sachlage zusammenhängt, dann wird er das tun, ohne daß er davon &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
etwas weiß. In ihm wird etwas, wird die Sache selbst das tun, ohne daß er selber davon weiß. - Betrachten wir jetzt einen Menschen, der durch irgendwelche Vorkommnisse in einem früheren Leben Ursachen in sich gelegt hat, welche in der Zeit zwischen Tod und neuer Geburt hinunterwirken bis dahin, wo sie zu einem tieferen Eindringen des Ätherleibes in den physischen Leib führen. Dann werden daraus Handlungen hervorgehen, welche zum Auswirken von tieferliegenden Krankheits prozessen führen. Da wird der Mensch dazu gedrängt werden können, äußere Veranlassungen zu Krankheiten geradezu aufzusuchen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es kann sonderbar erscheinen, daß das nicht klar erscheint für das gewöhnliche Ich-Bewußtsein. Der Mensch würde es aber aus seinem gewöhnlichen Ich-Bewußtsein heraus auch nie tun. Er wird sich nie aus seinem gewöhnlichen Ich-Bewußtsein heraus befehlen, in einen Herd von Bazillen einzudringen. Nehmen wir aber an, jenes dumpfe Bewußt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
seIn findet, daß es nötig ist, daß eine äußere Schädigung eintrete und daß sich das abspielen kann, was wir gestern genannt haben den ganzen Sinn des Krankseins. Dann sucht dieses Bewußtsein&amp;gt; das in den physischen Leib hineindringt, die Krankheitsursache auf. Es ist das eigene Wesen des Menschen, das die Krankheitsursache aufsucht, um das zu erreichen, was wir gestern den Krankheitsprozeß genannt haben. So werden Sie aus dem tieferen Wesen der Krankheit heraus begreifen, daß selbst dann, wenn noch keine Schmerzen auftreten, noch immer Gegenwirkungen auftreten können. Und auch wenn Schmerzen sich zeigen, kann noch immer, wenn nur der Ätherleib zu stark eindringt in den physischen Leib, dasjenige eintreten, was man nennen kann das Suchen von äußeren Krankheitsursachen durch tiefergelegene Schichten des menschlichen Bewußtseins selbst. So grotesk es klingt, so ist es doch richtig: Wir suchen uns, ebenso wie unsere vererbten Merkmale, mit einem andern Bewußtseinsgrade unsere äußeren Krankheitsursachen, wenn wir sie brauchen. Das eben Gesagte gilt aber wieder nur in den Grenzen dessen, wie es heute dargestellt ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heute hat es sich vorzugsweise darum gehandelt, gerade klarzulegen, daß der Mensch imstande sein kann, ohne daß er es mit dem ihm bekannten Bewußtseinsgrade verfolgen kann, die Krankheit dadurch zu suchen, daß ein abnormer&amp;gt; tieferer Bewußtseinszustand hergestellt &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
wird. Darum handelte es sich: zu zeigen, daß wir es in der Krankheit zu tun haben mit einem Erwachen von Bewußtseinsstadien, welche wir als Menschen früher schon überwunden haben. Dadurch, daß wir in einem früheren Leben Fehler auf uns geladen haben, verursachen wir, daß wir tiefere Bewußtseinsgrade hervorbringen, als es uns sonst für unser jetziges Leben geziemte. Und was wir aus den Antrieben dieser Bewußtseinsgrade tun, das beeinflußt den Verlauf des Krankheitsprozesses wie auch den Prozeß, der überhaupt erst zur Krankheit führt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da sehen wir, daß in den abnormen Zuständen alte Bewußtseinsstufen heraufsteigen, welche der Mensch längst überwunden hat. Wenn Sie nur ein wenig die Tatsachen des gewöhnlichen Lebens betrachten, können Sie sich schon ein wenig verdeutlichen, was heute gesagt worden ist. Es ist ja so, daß der Mensch durch seine Schmerzen gewissermaßen tiefer hinuntersteigt in sein Wesen. Sie kennen ja den Ausspruch, daß er dann erst weiß, daß er ein Organ hat, wenn es angefangen hat, ihn zu schmerzen. Das ist ein populärer Ausspruch; aber er ist nicht so ganz dumm. Warum weiß der Mensch im normalen Bewußtsein davon nichts? Weil sein Bewußtsein im normalen Falle so weit schläft, daß es nicht intensiv genug untertaucht in den astralischen Leib. Taucht es aber unter, dann entsteht Schmerz, und durch den Schmerz erfährt der Mensch, daß er das betreffende Organ hat. In gar manchen Aussprüchen des gewöhnlichen Lebens liegt etwas durchaus Wahres, weil sie Erbstücke sind aus den früheren Bewußtseinsstadien, in welchen der Mensch, als er i« die geistige Welt hineingesehen hat, noch vieles gewußt hat von dem, was wir heute mühselig wieder heraufholen müssen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn Sie begreifen, daß der Mensch tiefere Schichten des Bewußtseins erleben kann, dann werden Sie auch die Möglichkeit haben, zu begreifen, daß nicht nur äußere Krankheitsursachen, sondern auch äußere Schicksalsschläge vom Menschen aufgesucht werden können, welche sich der Mensch nicht als vernünftig auslegen kann, aber deren Vernunft so wirkt, daß auf tiefere Schichten des Bewußtseins gewirkt wird. - So kann es auch wohl denkbar erscheinen, daß sich der Mensch bei gewöhnlicher Überlegung nicht gerade dorthin stellen wird, wo ihn ein Blitz treffen kann. Mit dem Oberbewußtsein wird er das vermeiden. Aber es könnte in ihm ein Bewußtsein tätig sein, das viel tiefer liegt als &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
das Oberbewußtsein und das ihn gerade an die Stelle hinführt, wo ihn der Blitz treffen kann, unter einer Voraussicht, welche das Ober bewußtsein nicht hat, ein Bewußtsein, das also will, daß der Blitz ihn trifft, so daß der Mensch den Unfall geradezu aufsucht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daß durch karmische Wirkungen Unglücksfälle aufgesucht werden oder auch äußere Krankheitsursachen, das haben wir heute der Möglichkeit nach erst begriffen. Wie das im einzelnen geschieht, wie die Kräfte im Menschen wirken, welche in tieferen Bewußtseinsschichten sind, und wie es damit steht, ob unser Oberbewußtsein solche Unglücksfälle vermeiden darf, das ist wieder eine Frage, die uns auch noch beschäftigen wird. Wie wir verstehen können, daß, wenn der Mensch in eine Gegend geht, wo eine Infektion auf ihn ausgeübt werden kann, da ein Bewußtseinsgrad wirkt, der ihn dorthin getrieben hat, so müssen wir auch verstehen können, wie es sich damit verhält, daß der Mensch Einrichtungen trifft, damit solche Infektionen immer weniger wirken können, daß wir also durch hygienische Maßregeln durch das Oberbewußtsein die Dinge wieder abwenden können. Wir können auch begreifen die Möglichkeit, durch das Oberbewußtsein diese Wirkung abzulenken, und müssen sagen, daß es etwas höchst Unvernünftiges wäre, daß das Unterbewußtsein Krankheitskeime aufsuchen kann, wenn nicht auch auf der andern Seite Krankheitsursachen durch das Oberbewußtsein vermieden werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir werden sehen, daß es «vernünftig» ist, Krankheitskeime aufzusuchen, und daß es auch «vernünftig&amp;gt; ist, von dem Oberbewußtsein aus hygienische Maßregeln zu ergreifen gegen das Eindringen von Infektionsstoffen, um dadurch Krankheitsursachen zu verhindern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
= SIEBENTER VORTRAG Hamburg, 22. Mai 1910 =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie haben in diesen Vorträgen schon gesehen, daß wir uns unserem Ziele stückweise nähern, indem wir aber auch mit jedem Stück, das wir weiterschreiten, tiefer in die Sache einzudringen versuchen. Wir haben zuletzt gesprochen über das Wesen von Schmerzen, die mit einem Krankheitsverlauf verbunden sind; wir haben aber auch darauf aufmerksam gemacht, wie in andern Fällen der Krankheitsverlauf - in gewisser Beziehung wenigstens - sich abspielen kann, ohne daß er begleitet ist von Schmerzerlebnissen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun müssen wir auf das Wesen des Schmerzes noch etwas genauer eingehen. Wir müssen uns noch einmal vor Augen halten, daß Schmerz eintreten kann als eine neben der Erkrankung einherlaufende Erscheinung. Denn das mußten wir ja schon aus der vorigen Betrachtung entnehmen, daß wir Krankheit und Schmerz als etwas Zusammengehöriges nicht betrachten dürfen. Wir müssen uns gegenwärtig halten, daß, wenn mit einer Krankheit Schmerz verknüpft ist, noch etwas anderes dabei im Spiele sein muß als das bloße Erkranktsein. Nun haben wir bereits darauf aufmerksam gemacht, daß bei jenem Vorgang, der beim Übergang von einer Inkarnation in die andere sich abspielt, wo Erlebnisse früherer Inkarnationen in Krankheitsursachen umgewandelt werden, daß da auf der einen Seite das luziferische Prinzip und auf der andern Seite das ahrimanische Prinzip mit hineinspielt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wodurch legt sich denn eigentlich der Mensch den Grund zu Krankheitsprozessen? Warum nimmt er in sich die Tendenz auf, krank zu sein? Was führt ihn dazu, zwischen Tod und neuer Geburt - wir haben ja charakterisiert, wie das die Zeit ist, welche die die Krankheit bewirkenden Kräfte zusammenbringt - solche Kräfte vorzubereiten, welche sich im nächsten Leben in der Krankheit ausleben? - Was den Menschen dazu bringt, ist, daß er auf der einen Seite verfallen kann der Versuchung der luziferischen Macht, und auf der andern Seite der Versuchung der ahrimanischen Macht. Wir wissen ja auch schon, was es heißt: Verfallen der luziferischen Macht. - Alles, was in uns wirkt als &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Begierde, als Eigenschaft der Selbstsucht, des Ehrgeizes, des Hochmutes, der Eitelkeit&amp;gt; alle Eigenschaften, welche zusammenhängen mit einer Art Aufspreizung unseres Ich, sich besonders geltend zu machen, das alles hängt zusammen mit der Versuchung der luziferischen Mächte in uns. Verfallen wir mit andern Worten den Kräften, die in unserem astralischen Leibe wirken und die sich darin ausdrücken, daß wir ego istische Begierden und Leidenschaften haben, dann begehen wir in der entsprechenden Inkarnation Handlungen, zu denen die Verführung von Luzifer, ausgegangen ist. Und wir sehen dann das Resultat solcher von Luzifer beeinflußter Handlungen in der Zeit vom Tode bis zur neuen Geburt und nehmen da in uns die Tendenz auf&amp;gt; uns so zu inkarnieren, daß wir einen Krankheitsprozeß durchmachen, der dazu beitragen kann, wenn wir ihn überwinden, uns aus den Fangarmen dieser luziferischen Mächte wieder zu befreien. Würden also die luziferischen Mächte überhaupt nicht da sein, so würden wir nicht den Versuchungen verfallen können, welche uns dazu bringen, solche Kräfte in uns aufzunehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn nun nichts anderes bestünde im Leben als einzig und allein das, was Luzifer in uns bewirkt, daß wir diese oder jene egoistischen Triebe und Leidenschaften entfalten, dann würden wir eigentlich niemals von den luziferischenVersuchungen loskommen können im Leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir würden sie auch nicht durch die aufeinanderfolgenden Inkarnationen losbekommen können, denn wir würden ihnen immer wieder von neuem verfallen. Wenn wir zum Beispiel einfach in der Erdentwickelung uns selber überlassen worden wären und der luziferische Einfluß doch dagewesen wäre, so würden wir in einer Inkarnation die Versuchungen der luziferischen Mächte haben, würden dann nach dem Tode wahrnehmen, wozu sie uns gebracht haben, würden herbeiführen einen Erkrankungsprozeß; aber wenn wirklich nichts anderes mit ins Spiel käme, würde uns dieser Krankheitsprozeß in dem Leben, wo er sich auslebt, zu keiner besonderen Besserung führen. Er führt uns nur dadurch zu einer Besserung, daß von denjenigen Mächten, deren Gegner Luzifer ist, nun etwas hinzugefügt wird zu dem ganzen Prozeß.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also wenn wir auf der einen Seite den luziferischen Mächten verfallen, stellen sich gleich als eine Gegenwirkung die Mächte ein, deren Gegner &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|134}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die luziferischen Mächte sind, und diese versuchen nun eine Gegenkraft zu entfalten, wodurch der luziferische Einfluß wirklich aus uns ausgetrieben werden kann. Und diese Mächte, deren Gegner also die luziferischen Mächte sind, fügen hinzu zu dem Prozeß, der unter dem Einfluß Luzifers verursacht wird, den Schmerz. So müssen wir den Schmerz als etwas ansehen, was - wenn wir die luziferischen Mächte die bösen Mächte nennen - uns von den guten Mächten zugefügt wird, damit wir gerade durch den Schmerz uns den Fangarmen der bösen Mächte entreißen können und ihnen nicht mehr verfallen. Würde bei dem Krankheitsprozeß, der sich ergibt als eine Folge des Verfallenseins an die luziferischen Mächte, nicht Schmerz eintreten, so würden wir an uns die Erfahrung machen: Es ist ja gar nicht so schlimm, den luziferischen Mächten zu verfallen! - Und wir würden nichts haben in uns, was uns dahin bringen würde, unsere Kräfte anzuwenden, um uns den luziferischen Mächten zu entreißen. Der Schmerz, der das Bewußtwerden des unrichtig wachenden astralischen Leibes ist, er ist zugleich auch das, was uns davon abbringen kann, den luziferischen Mächten auf diesem Gebiet, wo wir ihnen schon verfallen sind, immer weiter zu verfallen. So wird der Schmerz in bezug auf die Versuchungen der luziferischen Mächte unser Erzieher.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sagen Sie nun nicht: Wie kann der Schmerz unser Erzieher sein, wenn wir in uns den Schmerz nur empfinden und seiner wohltätigen Kraft gar nicht gewahr werden? Daß wir seiner wohltätigen Kraft nicht gewahr werden, ist nur eine Folge unseres Ich-Bewußtseins. In dem Bewußtsein&amp;gt; das ich als unter dem Ich-Bewußtsein liegend geschildert habe, spielt sich schon der Prozeß ab, wenn auch der Mensch mit dem Tagesbewußtsein nichts davon weiß: Jetzt erfahre ich Schmerz, und der ist die Folge der durch die guten Mächte mir gegebenen Beigabe zu meinen Verfehlungen! - Das ist im Unterbewußtsein eine Kraft, welche so recht als eine karmische Erfüllung, als ein Impuls wirkt, nicht mehr den Handlungen, Trieben und Begierden, die gerade diese Krankheit hervorgerufen haben, zu verfallen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So sehen wir, wie Karma wirkt,~wie wir den luziferischen Mächten verfallen und wie uns die luziferischen Mächte eine solche Krankheit bringen, die herbeigeführt wird in einer nächsten Inkarnation; und &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|135}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wir sehen, wie wohltätige Mächte uns den Schmerz hinzufügen zu der bloßen Schädigung unserer Organe, damit wir an dem Schmerz ein unter der Oberfläche unseres Bewußtseins liegendes Erziehungsmittel haben. Deshalb können wir sagen: Überall, wo bei einer Krankheit Schmerz auftritt, da ist es eine luziferische Macht, welche diese Krankheit bewirkt hat. Es ist der Schmerz geradezu ein Kennzeichen dafür, daß wir es zu tun haben mit dem Zugrundeliegen von luziferischer Macht. - Menschen, die gerne einteilen, werden ein Bedürfnis danach haben, nun überhaupt zu unterscheiden solche Krankheiten, die rein auf luziferischem Einfluß beruhen, und solche, die rein auf ahrimanischen Einfluß zurückzuführen sind; denn bei allen theoretischen Beschäftigungen ist ja das Einteilen, das Schemenmachen das Allerbequemste, und man glaubt, dadurch sehr viel begriffen zu haben. Aber in Wirklichkeit benehmen sich die Dinge nicht so, daß man sie mit diesen bequemen Mitteln erfassen kann. Da kreuzen sie sich fortwährend und laufen ineinander. Und wir werden auch leicht begreifen können, wenn ein wirklicher Krankheitsprozeß vorliegt, daß ein Teil zurückgeführt werden kann auf luziferischen Einfluß, also auf Dinge, welche mehr in den Eigenschaften unseres astralischen Leibes zu suchen sind, und ein an- derer Teil auch zugleich auf Dinge, die in dem ahrimanischen Einfluß zu suchen sind. So darf auch niemand glauben, wenn ihm irgend etwas wehtut, das sei nur auf luziferischen Einfluß zurückzuführen. Daß er Schmerzen hat, das zeigt ihm denjenigen Teil der Krankheit, der auf luziferischen Einfluß zurückzuführen ist. Aber wir werden das noch leichter verstehen, wenn wir uns fragen: Woher kommt denn der ahrimanische Einfluß?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dem ahrimanischen Einfluß wären die Menschen überhaupt nicht verfallen, wenn sie nicht zuerst dem luziferischen Einfluß verfallen wären. Dadurch, daß die Menschen den luziferischen Einfluß in sich aufnahmen,kam eine solcheVerbindung der vier menschlichen Glieder: physischer Leib, Ätherleib, astralischer Leib und Ich zustande, wie sie nicht zustande gekommen wäre, wenn Luzifer nicht gewirkt hätte und wenn nur die Mächte gewirkt hätten, deren Gegner Luzifer ist. Dann hätte sich der Mensch anders entwickelt. Also hat in bezug auf das menschliche Innere das luziferische Prinzip eine Störung hervorgerufen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|136}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber es hängt vom menschlichen Inneren ab, wie der Mensch die Außenwelt an sich herantreten läßt. Und gerade so, wie Sie mit einem Auge, in welchem etwas zerstört ist, wegen des inneren Fehlers die Außenwelt nicht richtig sehen, so bekommt der Mensch die Außenwelt durch den luziferischen Einfluß überhaupt nicht so zu sehen, wie sie ist. Und weil ein Grund gegeben war für den Menschen, die Außenwelt nicht so zu sehen, wie sie ist, so konnte sich in das nicht richtige Bild der Außenwelt der ahrimanische Einfluß hineindrängen, so daß das Herankommen Ahrimans an den Menschen nur dadurch hat geschehen können, daß erst der luziferische Einfluß gewirkt hatte. Der ahrimanische Einfiuß bewirkte, daß der Mensch nicht nur den egoistischen Leidenschaften, Trieben, Begierden, der Eitelkeit, dem Hochmut und so weiter verfallen kann, sondern daß jetzt in einem menschlichen Organismus, wo der Egoismus in solcher Weise wirkte, sich Organe aus- bildeten, welche die Außenwelt schief und unrichtig sehen mußten. Dadurch konnte sich in die unrichtigen Bilder der Außenwelt Ahriman mischen. Es kam Ahriman heran, und dadurch war der Mensch dem anderen Einflusse ausgesetzt, so daß er nicht nur den inneren Verlockungen verfallen kann, sondern auch in Irrtum und - bei der Beurteilung der Außenwelt und bei seinen Aussagen über die Außenwelt - in Lüge verfallen kann. So ist Ahriman zwar von außen wirkend, aber wir haben ihm erst die Möglichkeit gegeben, daß er an uns herankommen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So also stehen ahrimanischer und luziferischer Einfluß eigentlich nie für sich allein. Sie wirken immer aufeinander, halten sich in gewisser Weise das Gleichgewicht. Von innen drängt Luzifer heraus, von außen wirkt Ahriman herein, und dazwischen bildet sich das Weltenbild. Wenn in irgendeiner Inkarnation das Innere des Menschen stärker wird, wenn er mehr den inneren Einflüssen ausgesetzt ist, dann wird er für die Dinge, wo das Innere so wirkt, daß der Mensch mehr erfaßt wird von Hochmut, Eitelkeit und so weiter, sich mehr dem luziferischen Einfluß hingeben. In einer Inkarnation, wo der Mensch weniger durch sein Gesamtkarma dazu gestimmt ist, den inneren Einflüssen nachzugeben, wird er leichter den Irrtümern und den Verführungen des Ahriman verfallen können. So ist es in der Tat in unserem Leben. Wie wir &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|137}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
täglich durch das Leben gehen, fallen wir bald mehr den Verlockungen des Luzifer, bald mehr den Verlockungen des Ahriman zum Opfer. Und wir pendeln hin und her zwischen diesen beiden, die uns auf der einen Seite dazu führen, uns in unserem Inneren aufzublähen, auf der andern Seite dazu, uns über die äußere Welt Illusionen vorzumachen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es darf an dieser Stelle erwähnt werden - weil es außerordentlich wichtig ist -&amp;gt; daß den Verlockungen von beiden Seiten insbesondere derjenige Widerstand leisten muß, welcher versucht, eine höhere Entwickelung anzustreben und in die geistige Welt einzudringen, sei esdadurch, daß er hinter die Erscheinungen der Außenwelt bis in das Geistige eindringen will oder daß er in das eigene Innere mystisch hinuntersteigen will. Beim Eindringen in die geistige Außenwelt, die hinter der physischen Welt liegt, steht immer das, was Ahriman an täuschenden Bildern vorgaukelt; wenn der Mensch mystisch hinuntersteigen will in die eigene Seele, sind immer die Verlockungen Luzifers in besonderem Maße möglich. Wenn der Mensch Mystiker wird und mit Glück hinunterstrebt, ohne daß er vorher darauf gesehen hat, durch seine Charakterbildung Gegenmittel zu ergreifen gegen Hochmut, Eitelkeit und dergleichen, wenn es ihm gelingt, als Mystiker zu leben, aber ohne besondere moralische Kultur, dann kann er um so mehr den Verlockungen Luzifers verfallen, der von innen herauf in die Seele hinein- wirkt. Wenn daher der Mystiker nicht sehr gesehen hat auf seine moralische Kultur, dann kann er, wenn es ihm gelingt, ein wenig hineinzudringen in sein Inneres, in die große Gefahr kommen, daß er noch stärker, als das bisher der Fall war, die rückschlagende Kraft des luziferischen Einflusses aufruft und daß er noch eitler und hochmütiger wird als vorher. Deshalb ist es so notwendig, daß man vorher durch Charakterbildung dafür sorgt, daß man gegen die in allen Fällen an uns herantretenden Verlockungen der Eitelkeit, des Größenwahnes, des Hochmutes ein Gegenmittel hat. Und wir können nicht genug darin tun, uns gerade diejenigen Eigenschaften anzueignen, welche zur Bescheidenheit und zur Demut führen. Das ist im eminenten Maße notwendig für die Seite unserer höheren Entwickelung, die wir die mysti sche nennen. Auf der andern Seite ist es notwendig, daß sich der Mensch auch gegen die Wahngebilde des Ahriman schützt, wenn er versucht, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|138}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
durch eine Entwickelung, die hinter die Erscheinungen der Außenwelt führt, bis zu den geistigen Urgründen der Dinge zu kommen. Wenn er da nicht versucht, eine Charakterbildung zu erlangen, welche ihn innerlich stark und kräftig macht, die ihn fest gebaut sein läßt auf sein Inneres, dann wird es sehr leicht vorkommen können, daß der betreffende Mensch - und zwar gerade, wenn er Glück hat mit dem Hinausgehen in die geistige Welt - dem Ahriman verfällt, daß Ahriman ihm vorgaukelt Illusion über Illusion, Halluzination über Halluzination.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man kommt häufig in den Fall, daß einen die Menschen in gewisser Beziehung «beim Wort nehmen». Weil so oft betont wird, daß die höhere Entwickelung, die hinter die Erscheinungen der Außenwelt kommen will, verknüpft sein muß mit vollem Bewußtsein, kommt es vor, daß einem die Leute immer wieder halb somnambule Personen bringen, welche versichern: Ja, da nehme ich die geistige Welt wahr, und zwar bei vollem Bewußtsein! - Da kann man immer nur sagen: Wenn du nur nicht bei Bewußtsein sein möchtest; das wäre viel gescheiter! - Denn über dieses «Bewußtsein» täuschen sich die Leute. Es ist ein bloßes Bilderbewußtsein, ein astralisches Bewußtsein; denn wenn diese Personen nicht in einem unterbewußten Grade bewußt wären, würden sie das ja nicht wahrnehmen. Aber darum handelt es sich, daß man, wenn man in die geistige Welt hineingeht, sein Ich-Bewußtsein zusammenhält. An das Ich-Bewußtsein aber ist gebunden Urteilskraft und ein deutliches Unterscheidungsvermögen! Das haben dann die Menschen nicht für die Gestalten, welche sie in der geistigen Welt sehen. Daß sie ein Bewußtsein haben, ist nicht weiter wunderbar; aber jenes Bewußtsein, das mit der Kultur unseres Ich verknüpft ist, das müssen wir haben. Daher wird nicht etwa betont bei einer Entwickelung zum Schauen der höheren Welten, daß die Menschen so schnell wie möglich hineinkommen in eine höhere Welt und allerlei Gestalten sehen oder vielleicht auch allerlei Stimmen hören, sondern es wird betont, daß das Hineingehen in die geistige Welt von Glück und von Vorteil nur dann sein kann, wenn man das Bewußtsein und das Unterscheidungsvermögen und die Urteilskraft schärft. Und das kann nicht besser geschehen als durch das Studium der geisteswissenschaftlichen Wahrheiten. Daher wird betont, daß das Sich-Befassen mit geisteswissenschaftlichen Wahr- &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|139}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
heiten ein Schutz ist gegen das vermeintliche Sehen von allerlei Gestalten, über das keine Urteilskraft sich ausbreiten kann. Wer wirklich geschult ist in dieser Weise, der wird nicht jede beliebige Erscheinung für dies oder jenes halten, sondern er wird vor allen Dingen unterscheiden können zwischen Realität und Nebelbild, und er wird sich vor allen Dingen auch klar sein, daß man namentlich auch mit den Dingen, welche als Gehörswahrnehmungen auftreten, besonders vorsichtig sein muß, weil nie eine Gehörswahrnehmung eine richtige sein kann, wenn der Betreffende nicht durchgegangen ist durch die Sphäre der absoluten Ruhe. Und wer nicht zuerst die absolute Stille und Lautlosigkeit der geistigen Welt erfahren hat, der kann sich ganz gewiß sagen, daß es Trugbilder sind, die er wahrnimmt, und wenn sie ihm etwas noch so Gescheites sagen. Nur wer sich Mühe gegeben hat, seine Urteilskraft zu schärfen gerade dadurch, daß er zu begreifen versucht die Wahrheiten der höheren Welten, nur der kann sich gegen Trugbilder schützen. Die Mittel der äußeren Wissenschaft reichen dazu nicht aus. Die äußere Wissenschaft gibt keine so scharfe, stärkende Urteilskraft, wie sie notwendig ist, um in einer geistigen Welt wirklich zu unterscheiden. Darum kann man wirklich sagen: Wenn Leute etwas mitteilen aus höheren Welten, die nicht vorher sorgfältig darauf geachtet haben, ihre Urteils- kraft zu schärfen - was besonders durch das Studium der Geisteswissenschaft möglich ist -, dann sind solche Mitteilungen immer im höchsten Grade anfechtbar, und sie müßten mindestens immer erst kontrolliert werden durch diejenigen Methoden, die unter der Voraussetzung der wirklichen Schulung errungen sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt nur eine Macht, vor der sich Luzifer zurückzieht: das ist die Moralität. Das ist etwas, was den Luzifer brennt wie das furchtbarste Feuer. Und es gibt kein anderes Mittel, welches dem Ahriman entgegenwlrkt, als an der Geisteswissenschaft geschulte Urteilskraft und Unterscheidungsvermögen. Denn was wir uns auf der Erde als gesunde Urteilskraft aneignen, das ist etwas, was Ahriman furchtbar flieht. Er hat im Grunde vor nichts einen so großen Widerwillen als vor dem, was wir uns durch eine gesunde Schulung unseres Ich-Bewußtseins erringen. Denn wir werden sehen, daß Ahriman einer ganz andern Region angehört, die weit entfernt ist von dem, was wir als unsere gesunde Urteilskraft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|140}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
entwickeln. Im Augenblick, wo Ahriman mit dem zusammen- trifft, was wir uns im Erdendasein als gesunde Urteilskraft errungen haben, bekommt er einen furchtbaren Schreck, denn das ist etwas ganz Unbekanntes für ihn, davor hat er eine große Furcht. Je mehr wir uns daher bemühen, das auszubilden, was im Leben zwischen Geburt und Tod an gesunderUrteilskraft gegeben werden kann, desto mehr arbeiten wir Ahriman entgegen. Das zeigt sich besonders bei allerlei Persönlichkeiten, welche einem gebracht werden und die dann «das Blaue vom Himmel herunter» von all den geistigen Welten erzählen, die sie da gesehen haben. Und wenn man dann den allergeringsten Versuch macht, diesen Persönlichkeiten etwas klarzumachen, ihnen Verständnis und Unterscheidungsvermögen beizubringen, dann hat sie Ahriman gewöhnlich so sehr in der Gewalt, daß sie kaum darauf eingehen können; und das wird um so stärker, je mehr sich die Verlockungen Ahrimans nach der akustischen Seite hin ausdrücken. Gegen das, was sich in visionären Bildern zeigt&amp;gt; gibt es noch mehr Mittel als gegen das, was akustisch sich zeigt, wie gehörte Stimmen und so weiter. Solche Leute haben eine große Abneigung, etwas zu lernen, was für das Ich-Bewußtsein zwischen Geburt und Tod errungen werden muß. Sie mögen es nicht. Aber sie selber sind das nicht, die das nicht mögen. Es sind die ahrimanischen Mächte, welche sie davon wegzerren. Wenn man einen solchen Menschen dann aber so weit bringt, gesunde Urteilskraft zu entwickeln, und er darauf eingeht, Belehrungen anzunehmen, dann zeigt sich sehr bald folgendes. Dann hören die Stimmen und die Halluzinationen auf, weil sie vorher nur ahrimanische Nebelbilder waren und weil Ahriman eine furchtbare Angst bekommt, sobald er verspürI: Da, vom Menschen her, kommt eine gesunde Uiteilskraft!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So ist in der Tat das beste Mittel gegen diese den Menschen besonders schädigenden Erkrankungen des durch Ahriman bewirkten Sehens und halluzinatorischen Hörens dies: den Menschen mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln dazu zu bringen, sich eine gesunde und vernünftige Urteilskraft zu erringen. Das ist für manche Persönlichkeiten außerordentlich schwierig. Denn sie sind in dem Falle, daß es die andere Macht ihnen sehr bequem macht, diese andere Macht leitet sie. Wer aber diese Macht austreiben will, kann es sich nicht so bequem machen. Bei &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|141}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
solchen Persönlichkeiten kommt man dann recht schwer an, denn sie behaupten, man hätte ihnen das genommen, was sie früher in die geistige Welt hinaufgeführt hat, während man sie in Wahrheit gesund gemacht hat und davor bewahrt hat, daß diese Mächte immer mehr und mehr Gewalt über sie bekommen!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir sehen also, wovor die luziferischen und ahrimanischen Mächte einen recht großen Widerwillen haben. Demut, Bescheidenheit beim Menschen, sich nicht für mehr halten, als wozu ein gesundes Urteil berechtigt, das ist etwas, was dem Luzifer gar nicht gefällt. Dagegen ist er da wie die Fliegen in einer unreinen Stube, wenn irgendwo die Eigen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
schaften des Ehrgeizes, der Eitelkeit heraus wollen. Alles dies und besonders die Dinge, welche auf falschen Vorstellungen über sich selbst beruhen, wirken nun wieder dahin, daß wir uns auch für Ahriman bereit machen. Gegen Ahriman schützt aber nichts mehr, als wenn wir uns wirklich im Leben Mühe geben, gesund zu denken, wie es uns das Leben zwischen Geburt und Tod lehrt. Und gerade diejenigen, welche auf dem Boden der Geisteswissenschaft stehen, haben alle Veranlassung, so intensiv, als es nur möglich ist, immer wieder zu betonen, daß es uns als Erdenmenschen nicht geziemt, zu übersehen, was uns gerade durch das Erdenleben gegeben werden soll. Die Menschen, welche es verschmähen, sich ein gesundes Urteil und vernünftiges Unterscheidungsvermögen anzueignen, und leicht ohne dieses hinauf wollen in eine geistige Welt, sie wollen sich im Grunde genommen dem Erdenleben entziehen. Sie wollen so hinschweben über das Erdenleben; sie finden, daß es eigentlich für sie eine viel zu geringe Beschäftigung ist, sich mit allerlei Dingen abzugeben, die zum Verständnis des Erdenlebens führen können. Sie halten sich für etwas Besseres. Gerade eine solche Empfindung ist aber ein neuer Grund zum Hochmut. Daher können wir es immer wieder sehen, daß Persönlichkeiten, die zur Schwärmerei neigen, zu einem Nicht-berührtsein-Wollen von den Erdendingen und dem Erdenleben, es ablehnen, zu lernen, «weil sie ja schon in allem darinnenstehen&amp;gt; und nicht Gemeinschaft machen wollen mit einer solchen Strömung wie der unserigen. Solche Menschen sagen: In die geistige Welt muß ja die Menschheit hinein!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gewiß, aber es gibt nur einen gesunden Paß da hinein, und das ist&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|142}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die auf der Erde errungene Moralität im höheren Sinne, die uns nicht uns selbst überschätzen läßt, die uns nicht zu einem falschen Urteil über uns selbst führt, uns auch nicht abhängig sein läßt von unseren Trieben, Begierden und Leidenschaften; und auf der andern Seite ist es ein emsiges, gesundes Mitarbeiten mit den Verhältnissen des Erdenlebens, nicht ein Über-den-Verhältnissen-des-Erdenlebens-schweben-Wollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit haben wir aus den Tiefen des Karma etwas herausgeholt, was mit den Tiefen des geistigen Lebens zusammenhängt. Von großem Wert kann das sein. Aber nichts ist von Wert für die Entwickelung des Menschen und seiner Individualität, was ohne gesunde Vernunft aus der geistigen Welt herausgeholt wird; und von Wert ist auch das nicht, was ohne Moralität herausgeholt wird. Das kann man einsehen aus den Tatsachen, die das letzte Mal und heute dargestellt worden sind. Und wenn wir das einsehen, können wir uns sagen: Warum sollte der luziferische Einfluß, gerade weil er von früher her wirkt und sich umgewandelt hat in die Krankheit und ausgeglichen wird durch den Schmerz, warum sollte er nicht beim Menschen gleichsam nach sich ziehen den ahrimanischen Einfluß? Und warum sollte nicht bei dem, was uns Schmerz bereitet und uns den luziferischen Verlauf einer Krankheit anzeigt, mitspielen gerade als Folge des luziferischen Einflusses der ahrimanische Einfluß? Wie aber wirkt der ahrimanische Einfluß? Und wie wandeln sich die Verlockungen des Ahriman in Krankheitsursachen um? Wie tritt das auf in einer späteren Inkarnation?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was ahrimanischem Einfluß zuzuschreiben ist, das ist mittelbar doch auf Luzifer zurückzuführen; aber wenn der luziferische Einfluß so stark war, daß er den ahrimanischen Einfluß herausgefordert hat, dann ist der ahrimanische Einfluß der heimtückischere. Er liegt tiefer unten, nicht nur in den Verfehlungen des astralischen Leibes, sondern in den Verfehlungen des Ätherleibes. In einem Bewußtsein, das unter dem Schmerzbewußtsein liegt, tritt der ahrimanische Einfluß auf mit einer Schädigung, welche nicht von Schmerz begleitet zu werden braucht, mit einer solcben Schädigung, die in dem betreffenden Organe, wo sich die Schädigung ausdrückt, zu einem Unbrauchbarwerden dieses Organs führt. - Nehmen wir an, in einer Inkarnation hätte ein ahrimanischer Einfluß gewirkt und hätte das hervorgerufen, was eben ein ahrimani&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|143}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
scher Einfiuß hervorrufen kann. Der Mensch durchlebt nun die Zeit zwischen Tod und neuer Geburt - und tritt wieder auf in einer neuen Inkarnation. Dann zeigt sich, daß irgendein Organ ergriffen ist von der ahrimanischenWirkung, mit andern Worten: In diesem Organ sitzt der Ätherleib viel tiefer darinnen, als er darinsitzen sollte; das Organ ist viel stärker durchdrungen von dem Ätherleib, als es sein sollte. In solchem Falle wird der Mensch wegen des fehlerhaften Organs verleitet, sich nur noch mehr in den Irrtum - das, was Ahriman vollbringt in der Welt - zu verstricken. Mit dem Organ, welches dem ahrimanischen Einfluß seine Schädigung verdankt, in das sich so recht tief hineinversetzt hat der Atherleib, würde der Mensch, wenn er diesen ganzen Prozeß ausleben wollte, sich tiefer in das verstricken, was Ahriman bewirken kann: in die Maja. Da nun aber alles das, was die Außenwelt als Maja erzeugt, nicht mitgenommen werden kann in die geistige Welt, so entzieht sich uns die geistige Welt immer mehr. Denn dort gibt es nur Wahrheit, nicht Illusion! Je mehr wir also in die durch Ahriman bewirkte Illusion hineinverstrickt werden, desto mehr werden wir gerade dazu gedrängt, uns noch viel mehr in die sinnlich-äußere Welt, in die Illusion des Physisch-Sinnlichen hineinzuversetzen, als wir es ohne ein solches schadhaftes Organ tun würden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da aber tritt die gegensätzliche Wirkung ebenso auf, wie die gegensätzliche Wirkung im Schmerz bei dem luziferischen Einfluß auftritt. Da tritt die gegensätzliche Wirkung nun so auf, daß in dem Augenblick, wo die Gefahr vorhanden ist, daß wir uns zu sehr an die physisch- sinnliche Welt ketten und uns dadurch zu viel rauben von dem, was uns hinaufführen könnte in die geistige Welt, daß in diesem Augenblick das Organ zerstört wird, daß es entweder gelähmt oder zu schwach gemacht wird zum Wirken. Es tritt also ein Zerstörungsprozeß ein. - Sehen wir also, daß ein Organ zerstört wird, so müssen wir uns klar seIn, daß wir dies eigentlich wohltätigen Mächten verdanken müssen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
das Organ wird uns genommen, damit wir wieder den Rückweg finden in die geistige Welt. So ist es in der Tat, daß uns - wenn es nicht anders geht - durch gewisse Mächte Organe zerstört werden oder daß wir mit kranken Organen ausgerüstet werden, damit wir nicht zu tief in die Illusion hineingestoßen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|144}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn also jemand zum Beispiel eine Leberkrankheit hat, die als solche nicht von schmerzlichen Erlebnissen begleitet ist, so haben wir es zu tun mit der Wirkung eines vorhergehenden ahrimanischen Einflusses, der dazu geführt hat, der Leber die betreffende Schädigung zuzufügen, weil wir sonst durch die Kräfte, welche verbunden sind mit dem Tieferhineingehen des Ätherleibes, zu sehr in Maja hineingeführt würden, wenn uns dieses Organ nicht genommen würde. Sagen und Mythen haben immer die tiefste Weisheit gewußt und haben sie in sich ausgedrückt. Gerade die Leber ist ein gutes Beispiel dafür. Denn sie ist ein Organ, das am leichtesten für das Hineingleiten des Menschen in die physisch-illusorische Welt wirksam sein kann. Und die Leber ist zugleich das Organ, das uns eigentlich an die Erde kettet. Mit dieser Wahrheit hängt zusammen, daß bei derjenigen Wesenheit, welche den Menschen der Sage nach die Kraft gebracht hat, die sie in das Erdenleben hineinführen und dort recht wirksam machen soll - nämlich bei Prometheus -, gerade an der Leber ein Geier nagt. Ein Geier nagt an der Leber, nicht etwa darum, weil das dem Prometheus einen besonders tiefen Schmerz verursachen soll; denn in diesem Falle würde die Sage nicht stimmen mit den wirklichen Tatsachen. Aber Sagen stimmen immer überein mit den physiologischen Tatsachen! Der Geier nagt an der Leber, weil es nicht wehtut! Denn es sollte darauf hingewiesen werden, daß Prometheus der Menschheit etwas brachte, was sie tiefer hineinverstricken könnte in das Ahrimanische,wenn nicht die gegenteilige, ausgleichende Wirkung geschehen könnte. Okkulte Urkunden sind Immer im Einklang mit den Wahrheiten, welche wir in der Geisteswissenschaft verkünden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich habe Ihnen heute rein aus der Sache heraus gezeigt, daß es die guten Mächte sind, welche über den Menschen den Schmerz verhängen gegenüber dem Einfluß Luzifers. Bringen Sie das einmal in Zusammenhang mit der Urkunde des AltenTestamentes. Als der Einfluß des Luzifer geschehen war, wie er uns symbolisiert wird durch die Schl,ange, welche die Eva verführt, mußte also von den Gegnern des Luzifer gerade über das, wozu Luzifer die Menschen bringen wollte, der Schmerz verhängt werden. Es mußte die Macht, deren Gegner Luzifer ist, jetzt kommen und davon sprechen, daß von nun an Schmerz über die Menschheit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|145}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gebracht wird. Das tut Jahve oder Jehovah, indem er sagt: «Unter Schmerzen sollst du Kinder gebären!»&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Dinge in den okkulten Urkunden weiß man in der Regel nicht zu deuten, solange man die geisteswissenschaftlichen Erklärungen als solche noch nicht hat. Nachher kommt man dann darauf, wie tief diese Urkunden sind. Daher können Sie auch von mir nicht verlangen, daß ich Ihnen aus dem Nichts heraus - ohne die entsprechenden Voraus setzungen - die Dinge ohne weiteres erklären kann. Damit es überhaupt möglich ist, über die Stelle zu sprechen: «Unter Schmerzen sollst du Kinder gebären!», müssen vorausgehen die Betrachtungen über das Karma; denn erst an der betreffenden Stelle kann man die Erklärung darüber einfügen. Daher nutzt es auch nicht viel, wenn man dieses oder jenes erklärt haben will aus den okkulten Urkunden, bevor man die betreffende Stelle in der okkulten Entwickelung erreicht hat. Und es ist immer eine mißliche Sache, zu fragen: Was bedeutet dies? Was bedeutet jenes? - Der Mensch muß immer warten und Geduld haben, bis die betreffende Stelle herangekommen ist; mit den Erklärungen allein würde man nichts erreichen. So sehen wir in unser Leben hineinwirken auf der einen Seite die iuziferischen Mächte, auf der andern Seite diejenigen Mächte, deren Gegner Luzifer ist. Dann wirken die ahrimanischen Mächte in unser Leben hinein, und wir müssen uns klarmachen, daß die Mächte, welche uns Organe unbrauchbar machen, wenn wir dem ahrimanischen Einfluß verfallen, zu den guten Mächten zu rechnen sind, deren Gegner eben Ahriman ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn Sie Ihren Ausgangspunkt nehmen von all dem, was jetzt gesagt worden ist, werden Sie tief hineinschauen können in das komplizierte Getriebe der Menschennatur, und Sie werden dazu kommen können, sich zu sagen: Die luziferischen Mächte sind solche, die während der alten Mondenzeit zurückgeblieben sind; sie wirken heute in unserer Erdentwickelung mit denjenigen Kräften in das menschliche Leben hinein, die eigentlich Mondenkräfte sind, die sich in demjenigen Welten plan, der zum Beispiel nur jenen Mächten entspricht, deren Gegner Luzifer ist, gar nicht innerhalb unserer Erdentwickelung abspielen können. So wirkt Luzifer hinein in den Plan einer anderen Wesenheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|146}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir können aber nun zurückgehen zu weiter zurückliegenden Epochen der Entwickelung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir auf der einen Seite sehen, daß auf dem Monde Wesenheiten zurückblieben in ihrer Entwickelung, um auf der Erde einzugreifen in das menschliche Leben, dann kann uns erklärlich erscheinen, daß auch auf der alten Sonne Wesen zurückgeblieben sind, die dann auf dem Mond eine ähnliche Rolle gespielt haben wie die luziferischen Wesenheiten jetzt auf der Erde. Wir haben heute in der menschlichen Wesenheit etwas, was wir eigentlich als einen Kampf bezeichnen können: der Kampf, der sich abspielt zwischen den luziferischen Gewalten, welche sich in unseren astralischen Leib hineinsetzen, und denjenigen Mächten, die durch unser Ich, durch unsere Erdenerrungenschaften auf uns wirken. Denn die Mächte, deren Gegner Luzifer ist, können ja nur durch unser Ich auf uns wirken. Wenn wIr uns Klarheit und richtige Schätzung über uns selbst aneignen, so können wir das nur mit Hilfe derjenigen Mächte, die auf unser Ich wirken. Dazu müssen wir schon unser Ich anwenden. Deshalb können wir sagen: Indem sich unser Ich aufbäumt gegen die luziferischen Mächte, kämpft in uns Jahve oder Jehovah gegen Luzifer; da kämpft das, was den guten Weltenplan besorgt, gegen das, was sich auflehnt gegen diesen Weltenplan In seiner alleinigen Geltung, und wir sind mit unserem innerstenWesen darinnenstehend in diesem Kampf des Luzifer mit andern Wesenheiten. Wir sind selbst der Schauplatz dieses Kampfes. Und daß wir der Schauplatz dieses Kampfes sind, das zieht uns in Karma hinein - aber nur mittelbar dadurch, daß dieser Kampf mit dem Luzifer sich abspielt. Wenn wir dagegen den Blick nach außen richten, werden wir in die ahrimanischen Mächte hineingezogen. Da spielt sich etwas ab, was von draußen kommt, und hier kommt Ahriman in uns herein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun wissen wir, daß Wesenheiten auf dem alten Monde gelebt haben, die in ähnlicher Weise damals ihre Menschheitsstufe durchgemacht haben, wie wir sie Im Laufe der Erdentwickelung durchmachen. In der «Akasha-Chronik» und in der «Geheimwissenschaft» finden Sie diese Wesen bezeichnet als Engel, Angeloi, Dhyanis; auf den Namen kommt es nicht an. Im Inneren dieser Wesenheiten spielte sich damals aber ein ähnlicher Kampf ab wie der luziferische Kampf in unserer &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|147}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
eigenenWesenheit. DieseWesen waren auf dem alten Monde der Schauplatz eines Kampfes, der sich abspielte durch jene Wesenheiten, welche wieder auf der Sonne zurückgeblieben waren. Dieser Kampf auf dem Monde hat mit unserem inneren Ich nichts zu tun, denn auf dem Monde hatten wir unser Ich noch nicht. Er steht außerhalb dessen, woran unser Ich beteiligt sein kann, er hat sich auf dem alten Monde «in der Brust der Engel» abgespielt. Dadurch sind diese Wesenheiten damals etwas geworden, was sie nur werden konnten unter dem Einfluß von andern Wesenheiten, die zurückgeblieben waren gegenüber der normalen Sonnenentwickelung und die damals für die Angeloi dieselbe Rolle spielten, wie sie die luziferischen Wesenheiten heute für uns spielen. Und das waren die ahrimanischen Wesenheiten, welche während der Sonnenentwickelung ebenso zurückgeblieben sind wie die luziferischen Wesenheiten während der Mondentwickelung. Daher können wir zu diesen Wesenheiten auch nur mittelbar kommen. Ahriman war es aber, der sozusagen der Versucher in der Brust der Angeloi war, und er wirkte in ihnen. Durch ihn sind die Angeloi das geworden, was sie dann geworden sind, und sie haben das, was sie durch Ahriman geworden sind, ebenso herübergebracht wie das&amp;gt; was sie im Guten erreicht haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir haben als Gutes von Luzifer die Möglichkeit, zwischen Gut und Böse zu unterscheiden, freies Entscheidungsvermögen zu entwickeln, freien Willen zu erringen. Das ist für uns nur durch Luzifer zu erreichen. DieseWesenheiten aber haben etwas erreicht und mit hinübergenommen in das Erdendasein,wovon wir sagen können: Wie uns die Angeloi jetzt umgeben als Geistwesen, so haben sie sich zu ihrem jetzigen Sein vorbereitet durch den ahrimanischen Kampf in ihrer Seele zur Zeit der alten Mondentwickelung. Was diese Wesenheiten durchgemacht haben und was sie als Wirkungen in sich haben von dem, was sie durchgemacht haben, das geht uns in unserem innersten Ich nichts an, daran sind wir mit unserem Ich nicht beteiligt. - Wir werden sehen, wie wir mittelbar dazu kommen, weil ja der ahrimanische Einfluß doch wieder in uns hereinwirkt. - Was diese Wesenheiten sich unter dem Einflusse Ahrimans errungen haben, das sind gewisse Wirkungen, zu denen sie die Ursachen während ihres Mondendaseins aufgenommen haben. Während desMondendaseins nahmen dieseWesenheiten durch den ahrimanischen &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|148}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einfluß in sich etwas auf, was sie hineingetragen haben in unser Erden- dasein. Versuchen wir einmal, in unserem Erdendasein das aufzufinden, was uns erscheinen kann als eine solche Wirkung des damaligen ahrimanischen Kampfes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn dieser ahrimanische Kampf auf dem alten Monde nicht stattgefunden hätte, so könnten diese Wesenheiten nicht in unser Erden- dasein hineintragen, was dem alten Mondendasein angehört hat. Denn das würde aufgehört haben, nachdem der alte Mond zugrunde gegangen war. Dadurch, daß die Angeloi den ahrimanischen Einfluß aufgenommen haben, sind sie verstrickt worden in das Mondendasein, geradeso wie wir verstrickt werden durch den luziferischen Einfluß in das Erden- dasein. Sie haben das, was Mondelement ist, in ihr Innerstes aufgenommen und haben es hinübergebracht in unser Erdendasein. Dadurch sind sie imstande geworden, gerade dasjenige in unserem Erdendasein hervorzurufen, was hervorgerufen werden muß, damit unsere Erde nicht ganz dem Einfluß Luzifers verfällt. Unsere Erde würde im ganzen dem Einflusse Luzifers verfallen müssen, wenn diese Tatsache, welche dem Kampfe der Engel mit Ahriman auf dem Monde entspricht, nicht in unser Erdendasein hineingebracht worden wäre.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Welches sind denn die Vorgänge im Erdendasein, die wir als die normalen bezeichnen? Als sich unser jetziges Sonnensystem entsprechend dem Erdenziele geordnet hat, ist das aufgetreten, was wir als die regelmäßigen Bewegungen der Sonne, der Erde und der andern Planeten sehen und was bewirkte, daß,wirTag und Nacht haben, daß die Jahreszeiten in der regelmäßigen Weise aufeinanderfolgen, daß wir Sonnenschein und Regen haben, daß unsere Früchte auf den Feldern gedeihen und so weiter. Das sind Ordnungen, die sich immer wiederholen nach dem Rhythmus des Kosmos, der sich für das jetzige Erdendasein herausgebildet hat, nachdem das Mondendasein in die Dämmerung hinuntergestiegen ist. Aber innerhalb des Erdendaseins wirkt Luzifer. Und wir werden sehen, daß er noch viel mehr wirkt als nur in dem Gebiet, wo wir ihn schon verfolgen konnten, in dem Menschen selbst, wo er sich allerdings seinen wichtigsten Schauplatz ausgesucht hat. Aber selbst wenn Luzifer nur innerhalb des Erdendaseins vorhanden wäre, und schon durch alle die Ordnungen, welche eintreten durch den regelmäßi&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|149}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gen Gang der Planeten um die Sonne, durch den Wechsel von Sommer und Winter, Regen und Sonnenschein und so weiter, würden die Menschen in das verfallen, was wir nennen können «luziferische Verführung&amp;gt;. Wenn den Menschen alles das zukommen würde, was ihnen aus dem geordneten Kosmos zukommen kann,was die regelmäßigen, rhythmischen Bewegungen des Sonnensystems hervorbringen, wenn nur die Gesetze herrschten, welche unserem jetzigen Kosmos angemessen sind, so müßte der Mensch dem luziferischen Einfluß verfallen, müßte das Wohlleben lieber gewinnen als das, was er gewinnen soll zu seinem kosmischen Heil, müßte den regelmäßigen Gang lieber gewinnen als das, was er sich erringen soll.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daher mußten Gegenkräfte geschaffen werden. Es mußten Gegenkräfte wirken, welche dadurch zustande kamen, daß sich hineinmisch ten in die regelmäßigen kosmischen Vorgänge unseres Erdenlebens solche Vorgänge, die für den alten Mond höchst wohltätige und normale waren, die aber heute, wenn sie auf das Erdendasein wirken, abnorme sInd und den regelmäßigen Erdengang gefährden. Diese Einflüsse treten so auf, daß sie gewissermaßen zurechtrücken, was, wenn der bloße Rhythmus vorhanden wäre, als Hang zum Wohlleben, als Behaglichkeit und Üppigkeit entstehen würde; und es zeigen sich uns solche Kräfte zum Beispiel in dem, was als der heftige Hagel dahinstürmt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und wenn das, was sonst unter den regelrechten Kräften der Erde ge schaffen würde, zerstört wird, so wird in einem solchen Falle eine Korrektur geschaffen, die im ganzen wohltätig wirkt, wenn es auch der Mensch zunächst nicht einsieht, weil es eine höhere Vernünftigkeit gibt als die, welche der Mensch begreift. Wenn der Hagel hereinstürmt in die Felder, dann können wir sagen: Auf dem alten Monde waren diese Kräfte, welche im Hagel heranstürmen, segenbringende Kräfte wie heute diejenigen Kräfte, welche segenbringend im Regen und Sonnen schein wirken. Heute stürmen sie herein, damit Korrektur geschaffen wird für das, was der luziferische Einfluß sonst anrichten würde. Und wenn der regelmäßige Gang fortgeht, stürmen sie in immer heftigerer Weise herein, um noch mehr Korrektur zu schaffen. Alles, was zur regelmäßigen Fortentwickelung führt, gehört den Kräften der Erde selber an. Wenn der Vulkan seine Laven hinausschleudert, so wirken &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|150}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
darin Kräfte, welche als verspätete Kräfte vom alten Mond mit herübergebracht worden sind, damit sie Korrektur schaffen im Erden- leben. So ist es mit den Erdbeben und mit den Elementarereignissen überhaupt.Und wir können sehen,daßmanches,was von außen kommt, im Gesamtgange der Entwickelung seine vernünftige Begründung findet. Wie das mit dem menschlichen Ich-Bewußtsein zusammenhängt, das werden wir noch sehen; was unbefriedigend am heutigen Vortrag erscheint, wird sich dadurch morgen ausgleichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir müssen uns aber doch das eine klarlegen, daß diese Dinge alle nur die eine Seite des menschlichen Daseins&amp;gt; des Erdendaseins, des kosmischen Daseins überhaupt, darstellen. Und wenn wir auf der einen Seite sagen, wenn uns ein Organ zerstört wird, sind es wohltätige Wirkungen geistiger Mächte, und wenn wir heute gefunden haben, daß sogar der ganze Gang der Erdentwickelung wieder korrigiert werden muß durch Kräfte aus dem alten Mondendasein, so müssen wir jetzt fragen: Wie steht es nun damit, daß wir versuchen müssen, als Erden- menschen auf der andern Seite wieder Korrektur zu schaffen für die schädlichen Einflüsse der alten Mondenkräfte? - Wir werden ja schon ahnen, daß wir als Erdenmenschen nicht gerade herbeisehnen dürfen Vulkanausbrüche und Erdbeben, daß wir nicht selber Organe zerstören dürfen, um die segensreiche Wirkung der geistigen Mächte zu unterstützen. Aber wir werden uns auch sagen können, und das hat gewiß seIne Berechtigung: Bricht irgendwo eine Epidemie aus, so wird dadurch etwas herbeigeführt, was der Mensch geradezu sucht, damit in ihm etwas ausgeglichen wird. Und wir können annehmen, daß der Mensch hineingetrieben wird in gewisse Verhältnisse, um eine Schädigung zu erfahren, durch deren Überwindung er sich derVervollkommnung nähert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie steht es aber dann mit hygienischen und sanitären Maßregeln?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Könnte nicht jemand sagen: Also werden Epidemien sehr Gutes wirken können? Ist es dann nicht falsch, durch allerlei gesundheitsfördernde Einrichtungen, durch krankheitsvorbeugende Maßnahmen die Möglichkeit zu vermindern, daß solche Einflüsse geschehen? Es könnte jemand darauf kommen, daß man nichts tun sollte, um elementare Ereignisse abzuschwächen, und könnte es damit motivieren, daß es ganz im Sinne der heutigen und gestrigen Ausführungen liege.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|151}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir werden sehen, daß das nicht der Fall ist, aber wieder nur unter gewissen Voraussetzungen nicht der Fall ist. Wir werden nämlich jetzt erst in der richtigen Weise dazu vorbereitet sein, um bei der nächsten Betrachtung derVerhältnisse einerseits zu verstehen, wie uns wohltätige Einflüsse geradezu die Schädigung eines Organs zufügen, damit wir der Wirkung der Maja nicht verfallen, und anderseits uns jener Wirkung bewußt zu werden, die wir hervorrufen, wenn wir uns selbst der Auswirkung solcher wohltätiger Einflüsse entziehen, indem wir sanitäre und hygienische Maßnahmen gegen die Krankheiten ergreifen. - Wir werden sehen, daß wir hier an einem Punkt stehen, an dem der Mensch so häufig steht: Wenn ein scheinbarer Widerspruch auftaucht und ihn die ganze Kraft des Widerspruchs tfeibt, dann ist er nahe daran, an einen solchen Punkt zu kommen, wo die ahrimanischen Mächte einen großen Einfluß auf ihn ausüben können. Nirgends liegt die Möglichkeit so nahe, uns~i~öuschungen hinzugeben,wie jetzt,wo wir in einen solchen Engpaß hineingekommen sind. Und es ist gut, daß wir jetzt da hinein- gekommen sind; denn jetzt können wir sagen: Wohltätige Mächte sind es, welche uns ein Organ unbrauchbar machen, denn das ist eine Gegenwirkung gegen Ahriman; also müßten es jetzt die Schädlinge der Menschheit sein, welche nicht das fordern, was man nennen kann «wohltätige Gegenwirkungen gegen die ahrimanischen Mächte». Denn hygienische Maßregeln und dergleichen würden diese wohltätige Gegenwirkung einschränken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir sind in einem Engpaß. Und es ist gut, daß wir einmal in diesen Widerspruch geführt sind, damit wir darüber nachdenken, daß solche Widersprüche möglich und sogar eine gute Schulung für unseren Geist sind. Denn wenn wir gesehen haben werden, wie wir uns aus diesem Widerspruch herausretten können, dann werden wir aus uns selbst heraus etwas getan haben, was uns Kraft geben kann, um uns den Täuschungen des Ahriman zu entziehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|152}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= ACHTER VORTRAG Hamburg, 25. Mai 1910 =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir zurückdenken an den Widerspruch, den wir am Ende unserer letzten Betrachtung vor uns hin gestellt haben, so müssen wir zu seiner Lösung heute nochmals zurückblicken auf die beiden Kräfte, auf die beiden Prinzipien, die uns nun im Laufe der Zeit geradezu wie die Herausforderer und auch wieder wie die Regulatoren unseres Karma erschienen sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir haben gesehen, daß unser. Karma erst dadurch in Bewegung gebracht wird, daß wir die Einflüsse der luziferischen Gewalten auf unseren astralischen Leib erleiden, daß wir durch die Versuchung dieser Gewalten zu Gefühls-, Trieb- und Leidenschaftsäußerungen kommen, die uns in gewisser Beziehung unvollkommener machen, als wir sonst wären. Wenn nun die luziferischen Einflüsse auf uns wirken, dann fordern sie auf der andern Seite heraus die ahrimanischen Einflüsse, jene Kräfte, welche nun nicht von innen heraus, sondern von außen her auf uns wirken, die im Wechselverkehr mit der Welt durch dasjenige hindurchwirken,was uns eben von außen entgegentritt. So ist es im Grunde Ahriman, der herausgefordert wird durch Luzifer, und wir Menschen sind eigentlich so lebendig hineingestellt in den Streit dieser beiden Prinzipien. Und wir müssen im Leben versuchen, gerade dadurch vorwärtszukommen, daß wir, wenn wir einmal in die Fangarme Luzifers oder Ahrimans gekommen sind, nach Mitteln und Wegen suchen, um wieder durch Überwindung dessen, was in uns angerichtet worden ist, höher zu steigen. Ganz deutlich aber können wir sehen, wie in der Tat dieses Wechselspiel zwischen luziferischen und ahrimanischen Mächten um unsere Person herum stattfindet, wenn wir uns den Fall in einer etwas andern Form noch einmal vor Augen rücken, den wir schon das letzte Mal angeführt haben: den Fall, daß jemand ahrimanischen Einflüssen verfällt, so daß er allerlei Vorspiegelungen,Täuschungen erlebt, daß er glaubt, dies oder jenes werde ihm besonders mitgeteilt oder mache auf ihn nach dieser oder jener Richtung hin einen Eindruck, woraus aber für einen andern, der sich seine gesunde Urteilskraft bewahrt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|153}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
hat, leicht zu erkennen ist, daß der Betreffende Irrtümern und Täuschungen verfallen ist. Das letzte Mal haben wir gesprochen von den Fällen, wo jemand hellseherischen, aber im schlimmen Sinne hellseherischenTäuschungen der geistigen Welt unterworfen wird. Da haben wir ausdrücklich angeführt, daß dies dann ~uschungen sind, die durch ahrimanische Kräfte hervorgerufen werden. Und wir haben gesehen, daß gegen solche Täuschungen, welche durch unrichtiges Hellsehen hervorgerufen werden, es kein anderes oder wenigstens kein günstigeres Mittel gibt als die gesunde Urteilskraft, die erworben wird im physischen Leben zwischen Geburt und Tod.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was wir im letzten Vortrage gesagt haben, ist etwas Bedeutungsvolles und Wesentliches, wenn wir es mit hellseherischen Verirrungen zu tun haben. Denn bei einem Hellsehen, das nicht durch regelrechte Schulung, nicht durch systematische Übungen erreicht worden ist, die streng und richtig geleitet werden, sondern das durch alte vererbte Merkmale eintritt, in Bildern oder Hören in Tönen und dergleichen, bei einem solchen unrichtigen Hellsehen können wir immer finden, daß es zurückgeht, daß es aufhört sogar, wenn der Betreffende die Möglichkeit findet und die Neigung hat, sich ernstlich auf theosophische Studien einzulassen, theosophische Erkenntnis wirklich aufzunehmen, oder gar sich einläßt auf eine wirkliche, sinn- und sachgemäße Schulung. Also in einem solchen Falle, wo wir es mit Verirrungen der übersinnlichen Erkenntnis zu tun haben, können wir sagen, daß die echten Quellen der Erkenntnis, wenn der Betreffende ihnen zugänglich ist, auch immer für ihn eine Hilfe sein werden, die ihn auf den rechten Weg bringen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dagegen dürfen Sie das, was gerade als eine Gegenüberstellung vor- gebracht werden muß und was eine so triviale Wahrheit ist, daß jeder sie kennt, nicht anführen. Jeder weiß, daß wenn jemand durch karmische Verwicklungen dazu gekommen ist, Zustände zu entwickeln, welche ihn zu den Symptomen des Verfolgungswahnes, des Größenwahnes führen, daß er dann in seiner Seele ein ganzes System vonWahnideen ausbilden kann, die von ihm so logisch wie nur möglich begründet werden, die aber doch eben Wahnideen sind. Es kann zum Beispiel vorkommen, daß jemand auf andern Gebieten des Lebens ganz richtig und &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|154}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
logisch denkt, daß er jedoch die`Wahnidee hat, er werde überall verfolgt um dieses oder jenes Grundes willen. Er wird dann imstande sein, wo er hinkommt, aus den geringsten Vorkommnissen Kombinationen geistreichster Art zu machen: Da ist wieder eine Clique, die nichts anderes will, als mir dies oder das anzutun! - Und er wird Ihnen in der geistreichstenArt beweisen,wie begründet seinVerdacht ist. So kann jemand ein ganz logischer Kopf sein und doch in sich gewisse Symptome der Verrücktheit ausleben. Da wird es ganz unmöglich sein, einen solchen Menschen mit logischen Gründen zu widerlegen. Im Gegenteil, wenn man in einem solchen Falle mit logischen Gründen kommt, dann kann es geschehen, daß die Wahnideen, die in dem Inneren des Betreffenden sitzen, erst recht herausgefordert werden und noch schärfere Beweismittel suchen für das, was er als den Inhalt seinerVerfolgungswahnidee geltend macht. - Wenn im geisteswissenschaftlichen Sinne gesprochen wird, müssen die Dinge ganz genau genommen werden. Wenn vorhin und auch das letzte Mal betont worden ist, daß man in den geisteswissenschaftlichen Erkenntnissen, denen sich jemand mit aller Mühe oder sogar in einer prinzipiellen systematischen Schulung hingibt, eine Gegenmacht hat gegen eine Verirrung der hellseherischen Kräfte, so ist damit ein ganz anderer Fall gemeint als der, welcher soeben charakterisiert worden ist. Jetzt handelt es sich nicht darum, daß man dem Betreffenden mit geisteswissenschaftlichen Erkenntnissen beikommt. In der Regel will man ihm beikommen mit Gründen aus dem Gebiet der gewöhnlichen Vernünftigkeit. Für die aber ist ein solcher Mensch absolut unzugänglich. Warum ist das der Fall?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn ein solches Krankheitsbild auftaucht, wie es sich in den geschilderten Symptomen auslebt, haben wir es damit zu tun, daß der Betreffende darin eine karmische Ursache von früheren Verkörperungen, von früheren Verirrungen zutage treten läßt. Was als eine Verirrung des Inneren anzusehen ist, liegt nicht und kann nicht in diesem Falle in der gegenwärtigen Inkarnation liegen, sondern das liegt in einer vorhergehenden Inkarnation. Nun machen wir uns ein Bild, wie so etwas aus der früheren Inkarnation in die gegenwärtige herüberkommt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dazu müssen wir ins Auge fassen, wie eigentlich unsere Seelenentwickelung verläuft. Wir bestehen als äußerer Mensch aus physischem &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|155}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Leib, Ätherleib und astralischem Leib, haben dann im Laufe der Zeit hineingebaut in diese Hüllen durch die Arbeit des Ich die Empfindungsseele in den Empfindungsleib, die Verstandes- oder Gemütsseele in den Atherleib und die Bewußtseinsseele in den physischen Leib. Was wir in unserem Inneren als die drei Seelenglieder entwickeln, das haben wir hineingebaut in die drei Hüllen, das lebt jetzt in diesen drei Hüllen. Nun nehmen wir an, in irgendeiner Inkarnation werden wir durch den Einfluß Luzifers - also dadurch, daß wir in uns egoistische oder sonstige, dem luziferischen Einfluß zuzuschreibende Triebe, Begierden, Instinkte entwickeln - so verführt, daß wir Verfehlungen auf unsere Seele laden. Diese Verfehlungen können nun sein in der Empfindungsseele, können sein in der Verstandes- oder Gemütsseele oder auch in der Bewußtseinsseele. Das ist dann die Ursache, die in irgendeiner folgenden Inkarnation in einem der drei Seelenglieder gegeben ist. Nehmen wir an, es sei ein Fehler, der besonders auf den Kräften der Verstandesseele beruht. Der wird dann in dem Zustande zwischen Tod und neuer Geburt so umgewandelt, daß dasjenige, was zum Beispiel die Verstandesseele verbrochen hat, in seiner Wirkung sich zeigt im Ätherleib. Das ist mittlerweile beim Durchgehen durch den Tod bis zur neuen Geburt hineingearbeitet worden in den Ätherleib. Wir stoßen also in der neuen Inkarnation auf eine Wirkung in dem Ätherleib, die zurückzuführen ist auf eine Ursache in der Verstandesseele in einer vorhergehenden Inkarnation. Nun arbeitet aber dieVerstandesseele der nächsten Inkarnation wieder für sich selbständig in dieser Inkarnation, und es ist nun ein Unterschied, ob der Mensch jene Verfehlung früher begangen hat oder nicht. Hat er sie in einer früheren Inkarnation begangen, so hat er jetzt einen Fehler in seinem Ätherleibe. Das sitzt nun tiefer, der sitzt nicht in der Verstandesseele, sondern im Ätherleibe. Aber was der Mensch sich auf dem physischen Plan als Vernünftigkeit, als Verständigkeit erarbeiten kann, das wirkt ja nur auf seine Verstandesseele; das wirkt nicht auf das, wie seine Verstandesseele in einer früheren Inkarnation sich betätigt hat und was jetzt schon in den Ätherleib hineingearbeitet ist. Daher kann es vorkommen, daß die Kräfte der Verstandesseele,wie sie uns jetzt bei einem Menschen entgegentreten, logisch intakt arbeiten, so daß also das eigentliche menschliche Innere ganz intakt ist, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|156}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
daß aber durch das Zusammenarbeiten zwischen Verstandesseele und dem krankhaften Teil des Ätherleibes von diesem Ätherleib aus nach einer gewissen Richtung hin ein Irrtum projiziert wird. Dann kann man zwar mit den Gründen, die man auf dem physischen Plan aufbringen kann, auf die Verstandesseele wirken, nicht aber unmittelbar auf den Ätherleib. Daher können Sie durch Logik, durch Überzeugung nichts ausrichten, ebensowenig wie Sie mit Logik etwas anfangen können, wenn Sie einen Menschen vor einen konvex gebogenen Spiegel hin- stellen, so daß der Betreffende darin sein verzerrtes Bild sieht, und Sie ihm dann beweisen wollen, daß er unrecht hat, das Bild so zu sehen. Er sieht doch ein verzerrtes Bild. So hängt es auch nicht vom Menschen ab, daß er in einer krankhaften Weise etwas falsch versteht, denn es wird seine sonst gesunde Logik von seinem Ätherleibe aus nicht in einer gesunden Weise gespiegelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf diese Weise können wir die karmische Wirkung früherer Inkarnationen in unserer tieferen Organisation in uns tragen. Und wir können geradezu angeben, wie in einem bestimmten Teig derselben - wie hier in unserem Ätherleib - das Schadhafte vorhanden ist. Daran sehen wir, was wir durch den luziferischen Einfluß in einer früheren Verkörperung herausgefordert und dann umgewandelt haben. Und in der Zwischenzeit zwischen Tod und neuer Geburt kommt die Umwandlung zustande von einem Inneren in ein Äußeres, und dann wirkt uns Ahriman aus unserem eigenen Ätherleibe entgegen. Das zeigt uns, wie Ahriman herangelockt wird an unseren eigenen Ätherleib durch Luzifer. Die frühere Verfehlung war eine luziferische, das Umgewandelte aber ist ein solches, daß uns gleichsam die Quittung dafür in der nächsten Inkarnation durch Ahriman gegeben wird. Und dann handelt es sich darum, daß der Mensch diese Schädigung seines Ätherleibes aus sich herausbringen muß. Das kann nur dadurch geschehen, daß tiefer in seine Organisation ein gegriffen wird, als es mit den gewöhnlichen Mitteln der äußeren Vernunft in einer Inkarnation möglich ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer so etwas durchmacht, daß er zum Beispiel den Symptomen des Verfolgungswahnes in einer bestimmten Inkarnation verfällt, der wird, wenn er neuerdings wieder durch die Pforte des Todes tritt, alle die Tatsachen vor sich haben, welche er sich geleistet hat infolge seiner &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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ahrimanischen Schädigung, und er wird sie in ihrer ganzen Absurdität vor sich haben. Das wird für ihn wieder die Kraft sein, welche ihn für seine nächste Inkarnation gründlich heilt. Denn er kann nur dadurch geheilt werden, daß dasjenige, was er unter dem Einfluß der entsprechenden Symptome vollzogen hat, ihm in der äußeren Welt für die Folge als absurd erscheint. Damit haben Sie etwas gegeben, was von uns zu einer solchen Heilung getan werden kann. Wenn jemand unter derartigen Wahnideen leidet, werden Sie ihn am wenigsten durch logische Gründe von seinen Wahnideen abbringen können. Sie werden dadurch nur seinen Widerspruch erst recht herausfordern. Aber Sie werden etwas erreichen, besonders wenn sich in früher Jugend so etwas zeigt, wenn Sie den Menschen in Lagen bringen, wo sich ihm die Folgen seiner Symptome kraß als unsinnig darstellen, wenn Sie ihn vor Tatsachen führen, die er hervorruft und die als kraß unsinnige wieder auf ihn zurückschlagen. Dadurch können Sie in gewisser Weise eine Heilung hervorrufen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie können auch dann heilend wirken, wenn Sie selbst so weit im Besitze der geisteswissenschaftlichen Wahrheiten sind, daß sie inneres Eigentum Ihrer Seele geworden sind. Sind sie so Ihr Besitz geworden, daß sie stehen und fallen mit Ihrer ganzen Persönlichkeit, dann haben Sie sie ja als den denkbar stärksten Glauben; dann ist Ihre ganze Persönlichkeit ein Ausstrahler dieser geisteswissenschaftlichen Wahrheiten. Mit diesen Wahrheiten, welche hereinströmen in das Leben zwischen Geburt und Tod und es erfüllen, die aber dennoch über dieses Leben selbst hinausragen, die Erkenntnisse sind aus übersinnlicher Welt, mit ihnen können Sie tiefergehende Wirkungen erzielen als mit äußeren Vernunftwahrheiten. Während Sie mit äußeren logischen Gründen nichts anfangen können, werden Sie, wenn Sie die geisteswissenschaftlichen Wahrheiten anwenden und wenn Sie genug Zeit und Gelegenheit dazu haben, allerdings so weit Impulse auf den betreffenden Menschen ausüben können, daß Sie sozusagen in der einen Inkarnation das vermögen, was sonst nur auf dem Umwege von einer auf die andere Inkarnation geschehen kann: nämlich hineinzuwirken von der Verstandesseele in den Ätherleib. Denn die Wahrheiten des physischen Planes sind nicht imstande, auch nur im geringsten die Kluft zwischen Empfin&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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dungsseele und Empfindungsleib, zwischen Verstandesseele und Ätherleib oder gar zwischen Bewußtseinsseele und physischem Leib zu überspringen. Daher werden Sie immer erleben, daß jemand auf dem physischen Plan noch so viel Weisheit über die sinnliche Welt aufnehmen kann: diese Weisheit wird in sehr geringem Zusammenhange stehen mit seiner Gemütswelt, mit dem, was wir nennen das Durchdrungensein seines Empfindungsleibes mit den entsprechenden Impulsen und Leidenschaften. Daher kommt es vor, daß jemand ein sehr gelehrtes Haus sein kann, ein großes theoretisches Wissen haben kann über die Dinge der physischen Welt, ein alter Professor geworden sein kann - und es im Inneren nicht zu einer Umwandlung seiner Triebe und Empfindungen und Leidenschaften gebracht hat, die sich im Empfindungsleib abspielen. Er kann im Grunde viel wissen über die physische Welt und ein krasser Egoist sein, weil er die Impulse dazu in der Jugend aufgenommen hat. - Natürlich kann ganz gut nebeneinander herlaufen äußere physische Wissenschaft und Durchbildung des Empfindungsleibes und Ätherleibes von innen heraus.Und ebenso kann der Mensch Verstandeswahrheiten aufnehmen, mancherlei, was sich als Kräfte der Gemütsseele aufnehmen läßt in bezug auf den physischen Plan, aber er kann jene tiefe Kluft nicht überspringen, welche zwischen der Verstandesseele und dem Ätherleib besteht. Mit andern Worten, Sie können immer wieder finden: Wenn jemand äußerliche Wahrheiten aufnimmt, wenn er auch noch so viel lernt - das eine werden Sie selten finden, daß dieses Gelernte wirklich Gewalt hat auf die formenden Kräfte seines Leibes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei einem Menschen, bei dem die Wahrheiten so wirken, daß sie sein ganzes Sein ergreifen, da werden Sie erleben können, daß sich im Laufe von zehn Jahren seine Physiognomie verändert, daß Sie ihm an der Stirn ablesen können, wie er gerungen hat, wie er zum Beispiel mit gewIssen Zweifeln in seinem Herzen gerungen hat. Oder auch an seinen Gesten können Sie es bemerken, wenn er zum Beispiel aus eigenem Verhalten ein ruhiger Mensch geworden ist. Da drängt sich das in die formenden Kräfte des Organismus hinein, und es wird der Organismus in den feinsten Teilen davon ergriffen. Da wirkt das, was der Mensch spirituell aufnimmt, bis in die feinsten Teile seiner Organisation hinein. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Wenn das, was das Gemüt ergreift, nicht nur auf den physischen Plan weist, dann ist der Mensch nach zehn Jahren auch ein anderer. Aber die Änderung liegt in der normalen Richtung, wie die Anlagen sich im normalen gewöhnlichen Leben ausbilden und ändern. Man kann vielleicht im Verlaufe von zehn Jahren einen andern Gesichtsausdruck bekommen; aber wenn man nicht in der inneren Weise den Abgrund überspringt, sind es äußere Einflüsse gewesen. Da ist es keine den Menschen vom Inneren ergreifende Kraft, was ihn umgestaltet. Daran können wir sehen, daß nur das Spirituelle, was sich im Innersten wirklich mit unserem innersten Menschen verbindet, in der Lage ist, schon in der Zeit zwischen Geburt und Tod umwandelnd auf die formenden Kräfte zu wirken, daß aber mit Sicherheit dieser Übergang, dieses Überschreiten des Abgrundes stattfindet in der karmischen Wirksamkeit zwischen dem Tode und einer neuen Geburt. Wenn zum Beispiel das, was die Empfindungsseele erlebt hat,hineingesenkt wird in jeneWelten, die wir durchschreiten in der Zwischenzeit zwischen Tod und neuer Geburt, dann macht es sich gewiß in der nächsten Inkarnation als formende, bildende Kraft geltend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf diese Weise haben wir das gegenseitige Zusammenwirken Ahrimans und Luzifers begriffen. Und nun fragen wir uns: Wie stellt sich dieses Zusammenwirken dar, wenn die Dinge noch etwas entfernter liegen, wenn sie zum Beispiel als luziferischer Einfluß nicht nur den Abgrund zu überschreiten haben von der Verstandesseele bis zum Ätherleib, sondern wenn sie sozusagen einen weiteren Weg haben?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen wir an, wir unterliegen in einem Leben ganz besonders stark dem Einflusse Luzifers. In einem solchen Falle sind wir mit unserem ganzen inneren Menschen um ein ganzes Stück unvollkommener gewordeh, als wir vorher waren, und in der Kamalokazeit haben wir dann in der eminentesten Weise das vor Augen, daß wir uns sagen: Du mußt etwas ganz Mächtiges tun, um diese Unvollkommenheit wieder auszugleichen! - Wir nehmen also diese Tendenz in uns auf und bilden in der nächsten oder einer der nächsten Inkarnationen mit dem, was jetzt formende Kräfte geworden sind, unseren neuen Organismus so, daß dieser die Tendenz haben muß, den Ausgleich des früher Durchlebten herbeizuführen. Aber nehmen wir an, dasjenige, was den luziferischen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|160}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einfluß ausgelöst hat, sei durch ein Äußeres veranlaßt gewesen, sei eine äußere Begierde gewesen. Dann muß doch wieder Luzifer als ein Einfluß dagewesen sein. Das Äußere hätte nicht auf uns wirken können, wenn nicht Luzifer in uns gewirkt hätte. Wir haben also die Tendenz in uns, das, was wir unter dem luziferischen Einfluß geworden sind, wieder auszugleichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber nun haben wir gesehen, daß der luziferische Einfluß in einer Inkarnation herausfordert den ahrimanischen Einfluß in einer nächsten Inkarnation, daß er ihn herbeizieht, so daß die beiden durchaus in Wechselwirkung miteinander stehen. Der luziferische Einfluß ist aber ein solcher, daß wir sagen konnten: Er zeigt sich für uns im Bewußtsein, das heißt&amp;gt; wir können mit unserem Bewußtsein noch notdürftig hinunterreichen in unseren astralischen Leib. Wir haben gesagt, wenn Schmerzen sich uns zum Bewußtsein bringen, so ist das luziferischer Einfluß. Aber wir können nicht in diejenigen Gebiete hinunter, die wir bezeichnen können als Bewußtsein unseres Ätherleibes und unseres physischen Leibes. Wir haben zwar auch im traumlosen Schlaf ein Bewußtsein, aber ein Bewußtsein von so niederem Grade, daß der Mensch im gewöhnlichen Leben nicht in der Lage ist, von diesem Bewußtsein überhaupt etwas zu wissen. Aber das ist durchaus kein Anlaß, daß wir in diesem Bewußtsein nichts tun. Dieses Bewußtsein hat zum Beispiel normalerweise die Pflanze, die ja nur aus physischem Leib und Ätherleib besteht. Die Pflanze lebt fortwährend in einem traumlosen Schlafbewußtsein. Unser Bewußtsein des Ätherleibes und des physischen Leibes ist auch im Tagwachen vorhanden; aber wir können nicht bis zu ihm hinuntersteigen. Daß aber dieses Bewußtsein handeln kann, das zeigt sich uns zum Beispiel, wenn wir im Schlafe somnambule Handlungen,nachtwandlerische Handlungen ausführen,von denen wir nichts wissen. Das ist das traumlose Schlafbewußtsein, das diese Handlungen vollführt. Das gewöhnliche Ich-Bewußtsein und das astralische Bewußtsein reichen nicht hinunter bis dahin, wo zum Beispiel die Handlungen des Nachtwandlers ausgeführt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber wir dürfen nicht glauben, weil wir bei Tage im Ich-Bewußtsein und astralischen Bewußtsein leben, daß nicht mit uns leben die andern Bewußtseinsarten. Wir wissen nur von ihnen nichts. Nehmen wir nun &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|161}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
an, wir haben durch einen luziferischen Einfluß in einer früheren Inkarnation einen starken ahrimanischen Einfluß herausgefordert; dann wird dieser ahrimanische Einfluß nicht wirken können auf unser gewöhnliches Bewußtsein. Er wird aber ergreifen das Bewußtsein,welches in unserem Ätherleibe sitzt, und dieses Bewußtsein wird uns dann nicht bloß zu einer gewissen Organisation unseres Ätherleibes führen können, sondern sogar zu Handlungen, welche sich so ausleben, daß uns das Bewußtsein unseres Ätherleibes sagt: Du kannst jetzt nur dasjenige aus dir heraus entfernen, was der luziferische Einfluß, dem du in der früheren Inkarnation so mächtig verfallen bist, in dir angestellt hat; und&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
das kannst du dadurch, daß du jetzt eine Handlung begehst, die genau in der umgekehrten Linie liegt als die frühere luziferische Verfehlung!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen wir an, wir seien durch einen luziferischen Einfluß dazu gebracht worden, von einem vorhergehenden religiösen oder nach dem Geistigen hinzielenden Standpunkt zu einem solchen überzugehen, wo der Mensch sagt: Ich will das Leben hier genießen! -, wo er also den Sprung in das Sinnliche mit aller Macht getan hat. Dann fordert so etwas den ahrimanischen Einfluß in der Art heraus, daß genau das Umgekehrte verursacht wird. Da kommt es denn vor, daß der Mensch, wenn er durch das Leben schreitet, einen Punkt aufsucht, wo er aus dem sinnlichen Leben in das geistige mit einem Sprunge wieder hineingehenkann. Dort ist er mit einem Sprunge in das Sinnliche verfallen - hier will er mit einem Sprunge in das geistige Leben zurück. Das Oberbewußtsein bemerkt das nicht; aber das geheimnisvolle Unterbewußtsein, das an den physischen Leib und Ätherleib gekettet ist, treibt jetzt den Menschen dazu&amp;gt; den Ort aufzusuchen, wo man ein Gewitter ab- warten kann, wo eine Eiche steht, eine Bank darunter, und - der Blitz schlägt ein! Da hat sein Unterbewußtsein den Menschen erfüllen lassen, was er in einer früheren Inkarnation getan hat. Da haben wir das Umgekehrte. So begreifen wir eine Wirkung unter einem luziferischen Einfluß in einem früheren Leben, und als Folge einen Einfluß Ahrimans in dein jetzigen Leben. Ahriman muß hier mitwirken zu dem Zwecke, daß wir unser 0berbewußtsein so weit ausschalten, daß in diesem Falle unser ganzer Mensch nur dem Bewußtsein des Ätherleibes oder des physischen Leibes folgt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|162}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf diese Weise begreifen wir mancherlei Dinge, die auch sonst im Leben geschehen. Aber wir dürfen,wenn zum Beispiel jemand im Leben zum Tode kommt oder eine schwere Verwundung erleidet, nicht jeden solchen Fall auf etwas Ähnliches zurückführen. Da würden wir in einer sehr engen Weise das Karma auffassen. Aber es gibt wirklich Strömungen auch in unserer theosophischen Bewegung, welche das Karma in einer recht engen Weise auffassen, die zwar glauben, daß sie in dem Karma wirklich etwas haben, was zu einem höheren Gesichtspunkt führt, es aber nicht wirklich kennen. Sie fassen das Karma so auf, daß, wenn es wirklich so wäre, wie sie es auffassen, immer die ganze Weltordnung wegen eines jeden einzelnen Menschen besonders eingerichtet sein müßte, damit sie zum harmonischen Verlauf und zum Ausgleich eines jeden einzelnen im Menschenleben diente, daß also in einem Leben die Verhältnisse immer so zusammengeführt werden, daß ganz genau der Ausgleich für das geschaffen werden muß, was in einem früheren Leben entstanden ist. Dieser Standpunkt ist aber nicht haltbar. Wie wäre es denn, wenn sich jemand hinstellte vor einen Menschen, dem ein Unglück passiert ist, und ihm sagt: Das ist dein Karma, das ist die karmische Wirkung aus einem früheren Leben; das hast du damals verschuldet! - Wenn aber jetzt der Betreffende diesen oder jenen Glücksfall erlebt, dann sagt der andere: Das führt zurück auf ein Gutes, das du früher getan hast! - Wenn das aber einen wirklichen Wert haben soll, so müßte doch derjenige, der so spricht, erst sehen, was in dem früheren Leben geschehen ist, das diese Wirkung hervorgebracht haben soll. Hätte er sich in das frühere Leben gestellt, so würde er da die Ursachen sehen, die aus jenem Leben kommen, und müßte dann auf die spätere Inkarnation hinschauen, wenn er die Wirkungen erblicken will.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daraus folgt aber für uns logisch folgendes: Es treten in jeder Inkarnation Tatsachen ein, die erste Ereignisse darstellen in dem Leben jedes Menschen, wie es sich von Verkörperung zu Verkörperung abspielt, und diese werden ihren k~rmischen Ausgleich im nächsten Leben haben. Wenn man im nächsten Leben sich dann die Wirkungen anschaut, dann kann man auf die Ursachen hinblicken. Wenn aber jetzt ein Unglücksfall geschieht und man mit allen Mitteln im früheren Leben keine Ursachen dafür findet, dann muß man sich sagen, es findet eben der Aus- &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
gleich in einem späteren Leben statt. Karma ist kein Fatum! Es wird aus jedem Leben etwas in die späteren hineingetragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir das verstehen, werden wir es auch begreiflich finden, daß der Mensch sinnvoll und bedeutungsvoll neue Ereignisse in seinem Leben finden kann. Denken wir daran, daß ja die großen Ereignisse im Gange der Menschheitsentwickelung nur dadurch zustande kommen können, daß sie von bestimmten Personen getragen werden. Personen müssen in einem bestimmten Zeitpunkt die Absichten der Entwickelung übernehmen. Denken Sie daran, wie die mittelalterliche Entwickelung verlaufen wäre, wenn nicht in einer bestimmten Zeit Karl der Große eingegriffen hätte, oder wie das Geistesleben der alten Zeiten verlaufen wäre, wenn nicht in einer bestimmten Zeit Aristoteles gewirkt hätte. Denken Sie, daß Sie, wenn Sie den Gang der Menschheitsentwickelung begreifen wollen, den Aristoteles in die Zeit hineindenken müssen, wo er gelebt hat; denn ohne ihn würde später vieles anders geworden sein. Dadurch sehen wir, daß solche Persönlichkeiten, wie Karl der Große, Aristoteles, Luther und so weiter nicht um ihretwillen, sondern um der Welt willen in der betreffenden Zeit leben mußten. Ihre persönlichen Schicksale sind darum doch innig verflochten mit dem, was in derWelt geschieht. Können wir aber deshalb sagen, daß das, was sie wirken, zusammentrifft mit dem, was sie sich früher verdient oder was sie früher verschuldet haben?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen Sie den Fall von Luther: Alles, was er erlebt und erduldet hat, können Sie nicht nur auf sein karmisches Konto schreiben; Sie müssen sich klar sein, daß dasjenige, was in einem bestimmten Zeitpunkt in der Menschheitsentwickelung geschehen soll, durch das Hineingestelltsein bestimmter Individualitäten geschieht. Diese Individualitäten müssen heruntergeführt werden aus der geistigen Welt ohne Rücksicht darauf, ob sie für sich selbst weit genug sind, um heruntergeführt zu werden, denn sie werden heruntergeführt zu den Zwecken der Menschheitsentwickelung. Und es muß vielleicht ein karmischer Weg frühzeitig unterbrochen oder verlängert werden, damit die betreffenden Persönlichkeiten zu einem bestimmten Zeitpunkt in das Leben hineingestellt werden können. Da werden über Personen Schicksale verhängt, die mit dem vorangegangenen Karma nichts zu tun zu haben &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|164}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
brauchen. Aber wenn man als Mensch einmal so hineingestellt worden ist und wenn man das getan hat, was man zwischen Geburt und Tod tun kann, so bildet das karmische Ursachen. So wahr es also ist, daß ein Luther hineingestellt wird in das Leben um der Menschheit willen und Schicksale erdulden kann, welche nichts zu tun haben mit seinem früheren Karma, so wahr ist es, daß mit seinem späteren Karma dasjenige, was er da vollbringt, wieder etwas zu tun haben wird. Karma ist ein allgemeines Gesetz, und jeder muß es durchleben. Aber wir dürfen es nicht so auffassen, daß wir nur in frühere Verkörperungen zurückblicken, sondern wir müssen es so auffassen, daß wir auch vorwärts- blicken müssen. Deshalb können wir durchaus sagen: Es kann sich uns von diesem Gesichtspunkt aus ergeben, daß allerdings erst ein späteres Leben rechtfertigen kann auch vorhergehende Inkarnationen, indem uns schon Dinge zugefallen sind,welche gar nicht in unserer karmischen Linie liegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen wir folgenden Fall an, der sich tatsächlich zugetragen hat: Bei einer Naturkatastrophe hatten eine Anzahl von Seelen den Untergang gefunden. Wir brauchen durchaus nicht zu glauben, das wäre ihr Karma gewesen, daß sie alle zusammen dabei zugrunde gegangen sind; denn das wäre eine sehr billige Annahme. Es braucht gar nicht so zu sein, daß es immer auf frühere Verschuldungen zurückführt. Es gibt einen erforschten Fall, wo eine Anzahl von Menschen bei einer Naturkatastrophe zugrunde gegangen sind. Das hat dann aber dazu geführt, daß diese Menschen in einer späteren Zeit sich gemeinsam verbunden fühlten und durch das gemeinsame Schicksal sich als stark erwiesen, etwas Gemeinsames in der Welt zu unternehmen. Durch jene Katastrophe war die Ursache gebildet, daß sie im späteren Leben sich gründlich abgewöhnt hatten, nur an der Materie zu hängen, so daß sie sich für ihr späteres Leben eine Gesinnung mitgebracht haben, welche sie zum Spirituellen geführt hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was ist in diesem Falle geschehen? Gehen wir zurück in das vorige Leben, so finden wir, daß als ein besonderes Ereignis das zusammen Untergehen bei einem Erdbeben eingetreten ist: da hat sich ihnen die Wertlosigkeit des Materiellen in dem Augenblicke des Erdbebens vor die Seele gedrängt, und da hat sich bei ihnen die Gesinnung nach dem &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|165}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Spirituellen entwickelt. Daran sehen wir, wie Menschen, die ein Spirituelles der Welt zu bringen hatten, dazu vorbereitet waren durch einen solchen Fall, der uns die Weisheit der Entwickelung zeigt, der geisteswissenschaftlich untersucht ist und sich durchaus zugetragen hat. - So können wir zeigen, daß wir zum ersten Male Ereignisse ins Menschenleben eintreten sehen und daß wir auch beim Untergang eines oder mehrerer Menschen bei einer Katastrophe oder einem Unglücksfall den frühzeitigen Tod eines Menschen nicht immer auf eine frühere Verschuldung zurückführen dürfen, sondern daß so etwas als erste Ursache auftreten kann und daß im nächsten Leben der Ausgleich erfolgt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es sind aber noch andere Fälle möglich. Es kann vorkommen, daß jemand in zwei, drei aufeinanderfoigenden Inkarnationen ein Leben frühzeitig zu beschließen hat. Das kann eintreten,weil diese Individualität dazu berufen ist, der Menschheit durch drei Inkarnationen hindurch etwas zu bringen, was man nur bringen kann, wenn man in der physischen Welt mit solchen Kräften lebt, die sich in einem sich aufbauenden Körper ergeben. Es ist ein ganz anderes, ob man in einem Körper lebt, der sich bis zum fünfunddreißigsten Jahre entwickelt, oder in einem Körper des späteren Alters. Denn bis zum fünfunddreißigsten Jahre schickt der Mensch seine Kraft in die Körperlichkeit, so daß er die Kraft von innen heraus entfaltet. Dann aber beginnt, vom fünfunddreißigsten Jahre angefangen, ein Leben, wo der Mensch nur innerlich weiterschreitet und fortwährend mit seinen Lebenskräften anzustürmen hat gegen die äußeren Kräfte. Diese zwei Lebenshälften sind durchaus verschieden voneinander, wenn wir auf die innere Organisation sehen. Nehmen wir nun an, man braucht gemäß der Weisheit der Entwickelung der Menschheit solche Menschen, welche nur gedeihen können, wenn sie nicht anzustürmen haben gegen das, was sich uns entgegendrängt in der zweiten Lebenshälfte, dann kann es sein, daß die Inkarnationen frühzeitig abgerissen werden. Solche Fälle gibt es. Und wir haben selbst schon bei unseren Zusammenkünften hingewiesen auf eine Individualität, welche nacheinander erschienen ist als großer Prophet, als ein bedeutender Maler und als großer Dichter, und immer mit einem frühzeitigen Tode ihr Leben beschlossen hat, weil das, was diese Individualität in drei Inkarnationen zu leisten hatte, nur dadurch &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|166}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
möglich war, daß die Inkarnationen abgebrochen wurden vor einem Sich-Hineinleben in die zweite Lebenshälfte. Darin haben Sie das Eigentümliche des Verstricktseins von menschlichem individuellem Karma und allgemeinem Menschheitskarma.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir können noch tiefer gehen und können im allgemeinen Menschheitskarma gewisse karmische Ursachen aufsuchen, welche sich in späteren Zeiten dann in ihren Wirkungen zeigen; da muß sich der einzelne Mensch wieder hineingestellt sehen in das Menschheitskarma.Wenn wir die nachatlantische Entwickelung in Betracht ziehen, haben wir die griechisch-lateinische Zeit in der Mitte liegend, voran ging ihr die ägyptisch-chaldäische Zeit, und ihr folgte die unsrige als der fünfte Kulturzeitraum. Auf unsere Zeit wird folgen eine sechste und dann eine siebente Kulturepoche. Aber auch bei anderer Gelegenheit habe ich schon darauf hingewiesen, daß in gewisser Beziehung ein Kreislauf&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
stattfindet in der Aufeinanderfolge der verschiedenen Kulturen, so daß die griechisch-lateinische Kultur als eine besondere für sich dasteht, da`ß dann aber die ägyptisch-chaldäische Epoche in der unsrigen sich wiederholt. Nun habe ich auch schon in diesem Zyklus hervorgehoben, wie Kepler in unserer Kulturepoche lebte und wie früher dieselbe Individualität in einem ägyptischen Leibe lebte und damals unter dem Einfluß der ägyptischen Priesterweisen den Blick hinauflenken durfte zum Himmelsgewölbe, so daß ihr die Geheimnisse der Sterne wie von oben enthüllt wurden. Das brachte sie dann wieder heraus in ihrer KeplerInkarnation, die dort hingestellt worden ist, wo der fünfte Zeitraum den dritten in gewisser Weise wiederholt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber das geht noch weiter. Von der Geisteswissenschaft aus kannman wirklich behaupten, daß die Weltentwickelung und das Menschenleben von den meisten Menschen heute noch in rechter Blindheit angeschaut wird. Bis in die Einzelheiten hinein könnten Sie diese Entsprechungen, diese Wiederholungen, dieses Leben in Zyklen verfolgen. Wenn man einen gewissen Zeitpunkt in der Menschheitsentwickelung nimmt, der etwa in das Jahr 747 vor Christus fällt, so haben Sie darin eine Art Hypomochlion, eine Art Nullpunkt, und was vor und nach diesem Zeitpunkt liegt, entspricht sich in einer ganz bestimmten Weise. Wir können zurückgehen in eine Zeit der ägyptischen Entwickelung &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|167}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und finden dort gewisse Zeremonialgesetze und Gebote, welche als «Gebote der Götter» erschienen. Und das waren sie auch. Es waren Gebote, die sich darauf bezogen, daß der Ägypter zum Beispiel am Tage ganz bestimmte Waschungen, also durch Zeremoniengebräuche und rituelle Vorschriften geregelte Waschungen, vollziehen mußte. Und man sagte dem Ägypter, daß er nur leben könne, wie es die Götter wollen, wenn er an diesem oder jenem Tage so und so viele Waschungen vornimmt. Das war ein Göttergebot, das sich in gewissen Reinlichkeitskulten auslebte. Und wenn wir dann in eine etwas weniger reinliche Zeit in der Zwischenzeit kommen und jetzt wieder, in unserer Zeit, auf hygienische Maßregeln stoßen, wie sie jetzt aus materialistischen Gründen der Menschheit gegeben werden, so sehen wir bei uns richtig sich wiederholen, was in einer entsprechenden Zeit in Ägypten untergegangen ist. Ganz merkwürdig stellt sich die Erfüllung des Früheren im Gesamtkarma dar. Nur ist der Gesamtcharakter immer ein anderer. Kepler hatte in seiner ägyptischen Inkarnation den Blick hinaufgelenkt zum Sternenhimmel; und was diese Individualität dort sah, das prägte sie aus in den großen spirituellen Wahrheiten der ägyptischen Astrologie. Bei ihrer Wiederverkörperung in dem Zeitalter, dem der Beruf des Materialismus zu fiel, prägte dieselbe Individualität diese Tatsachen - unserem Zeitalter entsprechend - in den drei materialistisch gefärbten Keplerschen Gesetzen aus. - Im alten Ägypten waren die Gesetze der Reinigung «gottgeoffenbarte» Gesetze. Der Ägypter glaubte nur dadurch seine Pflicht der Menschheit gegenüber zu erfüllen, daß er bei jeder Gelegenheit in der unglaublichstenWeise für seine Reinigung Sorge trug. Das kommt heute wieder heraus, nur unter ganz materialistischen Gedankeneinflüssen. Der Mensch von heute denkt nicht daran, daß er den Göttern dient, wenn er solche Vorschriften beobachtet, sondern daß er sich selbst dient. Aber es kommt das Frühere wieder heraus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So erfüllt sich alles in der Welt, und zwar in gewissem Sinne ganz zyklisch. Und jetzt werden Sie ahnen, daß es mit den Dingen, die wir das letzte Mal in einem Widerspruch zusammen formuliert haben, sich doch nicht so einfach verhält, wie man anzunehmen geneigt ist. Wenn in einer bestimmten Zeit die Menschen nicht in der Lage waren, gegen Epidemien gewisse Maßregeln zu ergreifen, so waren das die Zeiten, wo &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|168}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
es die Menschen deshalb nicht konnten, weil die Epidemien nach dem allgemeinen weisheitsvollen Weltenplan wirken sollten, damit die Menschenseelen Gelegenheit fanden, auszugleichen, was durch den ahrimanischen Einfluß und durch gewisse frühere luziferische Einflüsse bewirkt worden war. Wenn jetzt andere Bedingungen herbeigeführt werden, so unterliegt das wieder ebenfalls bestimmten großen karmischen Gesetzen. Wir können daraus entnehmen, daß wir diese Fragen wahrhaftig nicht oberflächlich betrachten dürfen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie stimmt das nun zusammen: Wir sagten, wenn der Mensch die Gelegenheit aufsucht, um eine Epidemie, eine Infektion aufzunehmen, so ist das die notwendige Gegenwirkung gegen eine frühere karmische Ursache. Dürfen wir nun hygienische und andere Maßregeln dagegen ergreifen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Frage ist tief, und wir müssen erst das richtige Material herbei- tragen, um sie zu entscheiden. Wir müssen uns klar sein, daß da, wo - ob gleichzeitig oder in längeren Zeiträumen - das luziferische und das ahrimanische Prinzip zusammenwirken oder wo sie sich entgegen- wirken, gewisse Komplikationen im menschlichen Leben eintreten.Und diese Komplikationen wirken so, daß sie uns in den verschiedensten Fällen in der mannigfaltigsten Art entgegentreten, so daß wir nicht zwei Fälle in der gleichen Art sehen werden.Wenn wir aber das menschliche Leben studieren, werden wir uns in folgender Weise dabei hindurchfinden: Wenn wir das Zusammenwirken von Luzifer und Ahriman aufsuchen in dem entsprechenden einzelnen Fall, so werden wir überall einen Faden finden, um durch diesen Zusammenhang hindurch- zukommen. Wir müssen aber dabei scharf unterscheiden zwischen dem inneren und dem äußeren Menschen. Wir mußten heute schon scharf unterscheiden zwischen dem, was sich in der Verstandesseele auslebt, und dem, was als Wirkung derVerstandesseele sich im Ätherleibe zeigt. Wir müssen den Fortgang betrachten, in welchem Karma sich vollzieht, und wir müssen uns zugleich klar sein, daß wir aber doch wieder die Möglichkeit haben, durch entsprechende karmische Einflüsse so auf das Innere zu wirken, daß durch das Innere ein anderer karmischer Ausgleich in der Zukunft vorbereitet wird. Dadurch ist es möglich, daß nun dieses eintreten kann:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|169}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es kann der Mensch ganz besonders in einem früheren Leben durch Empfindungen, Gefühle und so weiter durchgegangen sein, die ihn zur Lieblosigkeit gegen seine Nächsten getrieben haben. Denken wir uns zum Beispiel, daß er durch etwas hindurchgegangen ist, wo er durch karmischeWirkung die Lieblosigkeit in sich aufgenommen hat. Es kann durchaus so sein, daß wir, wie auf absteigender Linie fortfahrend, das Böse erzeugen, daß wir also erst auf einer absteigenden Bahn gehen, damit die entgegengesetzte Spannkraft entwickelt wird, um dann wieder aufzusteigen. Nehmen wir also an, ein Mensch hat sich durch Hin- gabe an gewisse Einflüsse zu einer gewissen Lieblosigkeit hingeneigt; dann tritt die Lieblosigkeit in einem späteren Leben als karmische Wirkung ein und bildet innere Kräfte in seiner Organisation aus. Nun können wir ein Zweifaches tun, bewußt oder auch nicht bewußt; denn unsere Kultur ist noch nicht so weit, es bewußt zu tun. Wir werden bei einem solchen Menschen Vorsorge treffen können, daß jene Eigenschaften in seiner Organisation, welche von der Lieblosigkeit kommen, her- ausgetrieben werden. Wir können da etwas tun, was ein Gegenmittel ist gegen die Wirkung in der äußeren Organisation, die sich als Lieblosigkeit zeigt; aber es wird damit noch nicht immer alle Lieblosigkeit in der Seele aufgehoben sein, es wird nur das äußere Organ der Lieblosigkeit fortgeschafft sein. Denn wenn wir weiter nichts tun, haben wir nur halbe Arbeit geleistet, vielleicht auch gar keine. Wir haben vielleicht dem Menschen physisch, äußerlich geholfen; seelisch aber haben wir ihm nicht geholfen. Indem wir ihm in der äußeren Leiblichkeit das Organ für die Lieblosigkeit fortgenommen haben, kann er jetzt die Lieblosigkeit nicht ausleben; er muß sie in seiner inneren Organisation behalten für eine nächste Inkarnation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen wir an, eine ganze Anzahl von Menschen hätte sich wegen Lieblosigkeit gegen die Menschen hingezogen gefühlt, gewisse Infektionsstoffe aufzunehmen, um einer Epidemie zu verfallen. Nehmen wir weiter an, wir könnten gegen die Epidemie etwas tun. Wir würden dann in einem solchen Falle die äußere Leiblichkeit davor bewahren, die Lieblosigkeit zum Ausdruck zu bringen, aber wir würden dadurch noch nicht die innere Neigung zur Lieblosigkeit fortgeschafft haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denken wir uns aber den Fall so, daß wir, wenn wir das äußere Organ&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|170}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der Lieblosigkeit fortschaffen, die Verpflichtung übernehmen, auf die Seele so zu wirken, daß wir auch der Seele die Neigung zur Lieblosigkeit nehmen. Das Organ der Lieblosigkeit wird im eminenten Sinne getötet - im äußeren leiblichen Sinne - in der Pockenimpfung. Da zeigt sich zum Beispiel folgendes, was geisteswissenschaftlich erforscht ist: In einer Kulturperiode traten die Blattern auf, als die allgemeine Neigung bestand, im höheren Maße Egoismus, Lieblosigkeit zu entwickeln. Da traten die Blattern auf, auch in der äußeren Organisation; das ist so. Man ist in der Theosophie durchaus verpflichtet, die Wahrheit zu sagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun können wir es begreifen, daß in unserer Zeit der Impfschutz aufgetreten ist. Wir können aber noch etwas anderes begreifen, daß nämlich bei den besten Geistern unserer Zeit etwas wie ein Widerwille gegen Impfung vorhanden ist. Das steht mit einem Inneren in Korrespondenz, das ist das Äußere eines Inneren. Und wir können jetzt sagen: Wenn wir auf der einen Seite das Organ töten, hätten wir auch die Verpflichtung, als Gegenstück dazu bei diesem Menschen den materialistischen Charakter durch eine entsprechende spirituelle Erziehung anders zu gestalten. Das müßte das notwendige Gegenstück sein. Wir leisten sonst nur halbe Arbeit. Ja, wir leisten nur eine Arbeit, zu der der Mensch selber in einer späteren Inkarnation in irgendeiner Weise wird das Gegenstück schaffen müssen, wenn er das Pockengift in sich hat und die Eigenschaft aus sich herausgeschafft hat, durch die man geradezu hinneigt zur Blatterner krankung. Hat man die Empfänglichkeit für die Blattern herausgeschafft, so hat man nur die äußere Seite der karmischen Wirksamkeit ins Auge gefaßt. Wenn man auf der einen Seite Hygiene übt, muß man anderseits die Verpflichtung fühlen, den Menschen, deren Organisation man umgewandelt hat, auch etwas für die Seele zu geben. Impfung wird keinem Menschen schaden, welcher nach der Impfung im späteren Leben eine spirituelle Erziehung erhält. Wir haben die Waagschale zu stark zum Sinken gebracht, wenn wir nur auf die eine Seite abzielen und auf die andere keinen Wert legen. Das fühlt man im Grunde in den Kreisen, wo man sagt: Wo hygienische Maßregeln zu weit gehen, würden nur schwache Naturen fortgepflanzt. Das ist zwar unberechtigt; aber Sie sehen, wesentlich ist, daß man eine Aufgabe nicht ohne die andere übernehmen darf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|171}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da kommen wir zu einem wichtigen Gesetz in der Menschheitsentwickelung, das so wirkt, daß immer ein Äußeres und ein Inneres sich die Waage halten müssen und daß man nicht bloß auf das eine sehen darf, sondern auch das andere nicht unberücksichtigt bleiben darf. Da sehen wir in einen großen Zusammenhang hinein und sind jetzt noch nicht einmal zur Behandlung der Frage gekommen: Wie verhalten sich Hygiene und Karma zueinander? Sie werden sehen, daß uns die Beantwortung dieser Frage noch tiefer hineinführt in das Karma. Und wir werden noch sehen, wie auch zwischen der Geburt und dem Tode des Menschen karmische Zusammenhänge bestehen und ferner, wie andere Persönlichkeiten hineinspielen in ein Menschenleben und wie sich der freie Wille des Menschen und das Karma im Einklange befinden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|172}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= NEUNTER VORTRAG Hamburg, 26. Mai 1910 =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es wird ja, wie ich wiederholt bemerkte, nur möglich sein, die großen karmischen Gesetzmäßigkeiten in einigen skizzenhaften Linien anzudeuten, um Anregungen zu geben auf diesem schier unermeßlichen Gebiete.Wenn Sie alles bedenken, was wir in den letzten Tagen besprochen haben, so werden Sie es nicht mehr auffällig finden, daß der Mensch geradezu aus gewissen Bewußtseinsschichten heraus getrieben wird, die ausgleichenden Wirkungen für karmische Ursachen, die er sich selber einverleibt hat, auch in der Außenwelt zu suchen. Er kann geradezu dorthin getrieben werden, wo er zum Beispiel eine Infektion erhalten kann, um in dieser die ausgleichenden Wirkungen für eine sich einverleibte karmische Ursache zu suchen, und selbst zu dem,was man Lebensunfälle nennen kann, kann der Mensch hingetrieben werden, um mit dem Hereinbrechen eines solchen Lebensunfalles eine Ausgleichung zu suchen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie ist es nun mit dem karmischen Verlauf, wenn wir durch irgendwelche Maßnahmen in die Lage kommen, den Menschen daran zu hindern, diesen Ausgleich zu suchen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen wir an, daß wir durch gewisse hygienische Maßnahmen dahin wirken, daß gewisse Ursachen, gewisse Dinge, für die vielleicht der Mensch vermöge seiner karmischen Zusammenhänge Neigung haben muß, überhaupt nicht da sein können. Denken wir uns, es gelänge durch hygienische Maßnahmen, gewisse Krankheitserreger auf einem bestimmten Gebiet zu bekämpfen. Nun haben wir uns bereits vor die Seele geführt, daß es keineswegs im Belieben der Menschen steht, solche Maßnahmen zu treffen. Wir haben gesehen, wie in einem bestimmten Zeitalter zum Beispiel die Neigung zu Reinlichkeitsgesetzen daher entsteht, weil einfach diese Neigung, die in der Zwischenzeit verschwunden war, jetzt bei der umgekehrten Wiederholung in der Entwickelung wieder auftaucht. Daraus haben wir gesehen, daß es in den großen Gesetzen des Menschheitskarma überhaupt liegt, daß in einem bestimmten Zeitpunkt der Mensch dazu kommt, diese oder jene Maßnahmeii zu treffen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|173}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir werden es aber auch leicht begreifen, daß der Mensch in einem früheren Zeitalter nicht dazu gekommen ist, derartige Maßnahmen zu treffen, weil die Menschheit in einem früheren Zeitraum die Epidemien brauchte, die jetzt durch die hygienischen Maßnahmen aus der Welt geschafft werden sollen. In bezug auf große Einrichtungen im Leben unterliegt wirklich die Menschheitsentwickelung ganz bestimmten Gesetzen, und bevor etwas für die gesamte Menschheitsentwickelung von Bedeutung und von Nutzen sein kann, tritt gar nicht die Möglichkeit ein, solche Maßnahmen zu treffen. Denn aus dem vollbewußten, vernünftigen, verständigen Leben, das sich der Mensch zwischen Geburt und Tod aneignen kann, kommen ja solche Maßnahmen nicht, sondern sie kommen aus dem Gesamtgeist der Menschheit. Und Sie brauchen sich nur einmal vor Augen zu halten, wie diese oder jene Erfindung oder Entdeckung auch erst dann auftritt, wenn die Menschheit wirklich dafür reif ist. Ein kleiner Überblick über die Geschichte der Entwickelung der Menschheit auf der Erde kann Ihnen da so manches bieten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denken Sie nur daran, daß unsere Vorfahren - das heißt unsere eigenen Seelen - in Leibern von ganz anderer Gestalt als die heutigen Menschenleiber auf dem alten atlantischen Kontinent gelebt haben, daß dann dieser atlantische Kontinent hinuntergesunken ist und daß die Einrichtungen, die wir heute treffen, sich erst im Bereiche unserer heutigen Kontinente gebildet haben. Es wurden dann in einem ga`nz bestimmten Zeitalter erst die Bewohner der einen aufgetauchten Erdhälfte mit den Bewohnern der andern zusammengeführt. Erst vor kurzem, in einer gar nicht so fernen Vergangenheit, konnten die Völker Europas die Gebiete wieder erreichen, die nach der andern Seite des atlantischen Kontinents sich abgegliedert haben. In solchen Dingen herrschen wirklich große Gesetze. Und ob diese oder jene Dinge entdeckt werden oder ob Maßnahmen getroffen werden, welche es in dieser oder jener Richtung möglich machen, karmisch einzugreifen, das hängt nicht von der Meinung oder der Willkür der Menschen ab, sondern das tritt ein, wenn es eintreten soll. Aber dessen ungeachtet: Wenn wir gewisse Ursachen hinwegräumen, welche sonst dagewesen wären und die durch ihre karmische Verwicklung gewisse Menschen aufgesucht hätten, so können wir dadurch das Karma der Menschen beeinflussen. Dieses Beeinflussen &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|174}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
heißt aber nicht, daß wir es hinwegschaffen, sondern es heißt, daß wir es in eine andere Richtung lenken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denken wir uns also den Fall, eine Anzahl von Menschen würde sich durch karmische Verwicklung gedrängt fühlen, bestimmte Einflüsse aufzusuchen, welche ein karmischer Ausgleich sein würden. Durch hygienische Maßnahmen sind nun einstweilen diese Einflüsse oder Verhältnisse hinweggeräumt worden, die Menschen können sie nicht mehr suchen. Darum aber werden diese Menschen nicht befreit von dem, was in ihnen als karmische Wirkung herausgefordert wird, sondern sie werden gedrängt, andere Wirkungen aufzusuchen. Seinem Karma entkommt der Mensch nicht. Er wird durch solche Maßnahmen nicht entlastet von dem, was er sonst aufgesucht hätte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daraus können Sie entnehmen, daß für einen karmischen Ausgleich, den wir in der Lage wären, nach einer Seite wegzuschaffen, wieder ein Ausgleich nach einer andern Richtung entstehen müßte. Wir schaffen nur die Notwendigkeit, andere Gelegenheiten und Einflüsse aufzusuchen, wenn wir irgendwelche Einflüsse hinwegräumen. Nehmen wir nun an, daß viele Epidemien, gemeinsame Krankheitsursachen, einfach darauf zurückzuführen sind, daß die Menschen, welche diese Krankheitsursachen aufsuchen, hinwegräuriien wollen, was sie sich karmisch anerzogen haben, wie zum Beispiel bei der Pockenepidemie Organe der Lieblosigkeit. Brächten wir es zustande, diese Organe hinwegzuräumen, so bliebe die Ursache der Lieblosigkeit trotzdem bestehen, und die betreffenden Seelen müßten dann in dieser oder einer andern Inkarnation den entsprechenden Ausgleich in einer andern Weise suchen. Wir können begreifen,was da stattfindet, wenn wir auf etwas hinweisen, worauf wir sicher zählen müssen, und das ist das Folgende.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heute werden in der Tat eine ganze Menge von äußeren Einflüssen und Ursachen hinweggeräumt, die sonst aufgesucht worden wären zum Ausgleich gewisser karmischer Dinge, welche die Menschheit in früheren Zeitaltern auf sich geladen hat. Dadurch aber schaffen wir nur die Möglichkeit hinweg, daß der Mensch äußeren Einflüssen verfällt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir machen ihm das äußere Leben angenehmer oder auch gesünder. Dadurch erreichen wir aber nur, daß dasjenige, was der Mensch in dem entsprechenden Krankheitsverhältnis sich als karmischen Ausgleich gesucht &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|175}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
hätte, nun auf anderem Wege gesucht werden muß. Die Seelen, welche auf diesem Wege heute in gesundheitlicher Beziehung gerettet werden, werden also dazu verurteilt, in einer andern Weise diesen karmischen Ausgleich zu suchen. Und Sie werden ihn suchen müssen in zahlreichen Fällen, die gerade zu den geschilderten gehören. Indem ihnen durch ein gesünderes Leben größere physische Annehmlichkeit bereitet wird, indem ihnen das physische Leben erleichtert wird, wird die Seele dadurch in der entgegengesetzten Weise beeinflußt; sie wird so beeinflußt, daß sie nach und nach eine gewisse Leerheit, eine Unbefriedigtheit, eine Unerfülltheit empfinden wird. Und wenn es so fortgehen würde, daß das äußere Leben immer angenehmer, immer gesünder würde, wie man es nach den allgemeinen Vorstellungen im rein materialistischen Leben haben kann, dann würden solche Seelen immer weniger Ansporn haben, in sich selber weiterzukommen. Eine Verödung der Seelen würde in gewissem Sinne parallel einhergehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer sich genauer das Leben ansieht, kann das heute schon bemerken. In kaum einem Zeitalter hat es so viele Menschen gegeben, welche in so angenehmen äußeren Verhältnissen leben, aber mit öden, unbeschäftigten Seelen einhergehen, wie es heute der Fall ist. Diese Menschen eilen darum von Sensation zu Sensation; dann, wenn das Pekuniäre reicht, reisen sie von Stadt zu Stadt, um etwas zu sehen, oder wenn sie in derselben Stadt bleiben müssen, eilen sie jeden Abend von Vergnügen zu Vergnügen. Die Seele bleibt aber darum doch öde, weiß zuletzt selber nicht mehr, was sie aufsuchen soll in der Welt, um einen Inhalt zu bekommen. Namentlich wird durch ein Leben in rein äußeren, physisch annehmlichen Zuständen der Hang erzeugt, nur über das Physische nachzudenken. Und wenn diese Neigung, sich nur mit dem Physischen zu beschäftigen, nicht schon lange vorhanden wäre, so würde auch nicht die Neigung zum theoretischen Materialismus so stark geworden sein, wie es in unserer Zeit der Fall ist. So werden die Seelen leidender, während das äußere Leben gesünder gemacht wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am wenigsten hat derTheosoph über eine solche Tatsache zu klagen, weil überall die Theosophie uns Verständnis der Dinge schafft und damit ein Einsehen, wo der Ausgleich ist. Die Seelen können nur bis zu einem gewissen Grade leer bleiben; dann werden sie wie durch die &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|176}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
eigene Elastizität nach der andern Seite hingeschnellt. Sie suchen dann einen Inhalt, der verwandt ist mit den Tiefen der eigenen Seele, und sie werden dann einsehen, wie notwendig sie es haben, zu einer theosophischen Weltanschauung zu gelangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So sehen wir, wie das, was aus den materialistischen Lebensauffassungen herauskommt, wohl das äußere Leben erleichtert, aber Schwierigkeiten des inneren Lebens schafft, die dahin führen, aus den Leiden der Seele heraus den Inhalt einer spirituellenWeltanschauung zu suchen. Die spirituelle Weltanschauung, wie sie sich heute als die theosophische kundgibt, kommt so den Seelen entgegen, die in der Verödung, an dem, was das äußere Leben, das ganz angenehm eingerichtet sein kann, ihnen an Eindrücken zu geben vermag, keine Befriedigung finden können. Die Seelen werden so lange suchen, immer wieder Neues aufzunehmen, bis die Elastizität von der andern Seite so stark wirkt, daß die Seelen mit dem sich vereinigen werden, was man spirituelles Leben nenneön kann. So gibt es eine Beziehung zwischen Hygiene und den Zukunftshoffnungen der geisteswissenschaftlichen Weltanschauung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie können das heute im Kleinen schon bemerken. Es gibt heute solche Seelen, welche zu andern Äußerlichkeiten eine neue Äußerlichkeit fügen: sich zu interessieren für die theosophische Weltanschauung, welche als neue Sensation die theosophische Weltanschauung aufnehmen. Das ist etwas, was sich bei jeder Strömung in der Menschheitsentwickelung zeigt, daß das, was tiefe, innere Bedeutung hat, auch als Mode, als Sensation wirkt. Aber die wahrhaft für die Theosophie vorbereiteten Seelen sind solche, welche sich entweder unbefriedigt fühlen durch die äußeren Sensationen oder auch einsehen, daß die äußere Wissenschaft mit all ihren Erklärungen die Tatsachen nicht erklären kann. Diese Seelen sind es, welche durch ihr Gesamtkarma so präpariert sind, daß sie sich mit den innersten Gliedern ihres Seelenlebens mit der Theosophie verbinden können. Geisteswissenschaft gehört auch zum Gesamtkarma der Menschheit, und sie wird sich als solche darin einfügen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So können wir das Karma der Menschen nach der einen oder andern Seite in eine andere Richtung bringen; aber wir können nicht die Rückwirkung auf den Menschen beseitigen. In irgendeiner Weise kommt das &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
zurück, was sich der Mensch in früheren Lebensläufen selber zubereitet hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie nun das Karma sinnvoll in der Welt wirkt, das kann am besten eine Betrachtung lehren, wo Karma sozusagen noch ohne moralischen Beigeschmack wirkt, wo es in der großen Welt selber wirkt, ohne daß es etwas zu tun hat mit dem, was der Mensch aus der Seele heraus an moralischen Impulsen entwickelt und was dann zu moralischen oder unmoralischen Handlungen führt. Wir wollen ein Gebiet des Karma vor unsere Seele stellen, in dem das Moralische noch keine Rolle spielt, sondern wo sich etwas Neutrales als karmische Verkettung darstellt. Nehmen wir an, eine Frau lebt in einer bestimmten Inkarnation. Nun werden Sie nicht in Abrede stellen, daß die Frau einfach dadurch, daß sie Frau ist, andere Erlebnisse haben muß als der Mann und daß diese Erlebnisse nicht nur bloß zusammenhängen mit inneren Seelenvorgängen, sondern daß sie im breitesten Maße zusammenhängen mit äußeren Geschehnissen, mit Lebenslagen, in welche die Frau nur dadurch kommt, daß sie Frau ist, und die wieder zurückwirken auf die ganze Seelenverfassung und Seelenstimmung. Daher können wir davon sprechen, daß die Frau zu gewissen Handlungen geführt wird, die im innigsten Zusammenhang stehen mit dem Frauendasein. Der Ausgleich zwischen Mann und Frau findet ja erst auf dem Gebiete des geistigen Zusammenlebens statt. Je tiefer wir nun hinuntersteigen in das bloß Seelische und in das Äußere des Menschen, desto größer wird der Unterschied zwischen Mann und Frau in bezug auf ihr Leben. Und so können wir sagen, daß die Frau auch in gewissen Eigenschaften der Seele verschieden ist vom Manne, daß sie mehr neigt zu jenen Eigenschaften der Seele, die zu Impulsen führen&amp;gt; welche als emotionelle bezeichnet werden müssen; und wir finden sie dazu veranlagt, mehr als der Mann psychische Erlebnisse zu haben. Dafür sind im Leben des Mannes Intellektualismus und Materialismus - dasjenige also, was durch den Mann gekommen ist - mehr zuhause, was auf das Seelenleben einen großen Einfluß hat. Psychisches und Emotionelles bei der Frau, intellektuelle und materialistische Momente beim Mann - so werden sie durch ihre Naturen geradezu bestimmt. Daher hat nun auch die Frau gewisse Nuancen des Seelenlebens dadurch, daß sie Frau ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Nun haben wir ja geschildert,daß dasjenige, was wir als Eigenschaften in der Seele erleben zwischen Tod und neuer Geburt, sich hineindrängt in unsere nächste leibliche Organisation, Was nun stärker psychisch ist, was stärker emotionell ist und im Leben zwischen Geburt und Tod mehr nach dem Inneren der Seele geht, das hat auch mehr Neigung, tiefer einzugreifen in die Organisation, sie viel intensiver zu imprägnieren. Und dadurch, daß die Frau solche Eindrücke aufnimmt, welche mit dem Psychismus, mit dem Emotionalismus zusammenhängen, nimmt sie in tiefere Seelengründe hinein auch die Erfahrungen des Lebens. Der Mann mag reichere Erfahrungen machen, auch wissenschaftlichere: so tief gehen bei ihm die Erfahrungen nicht in das Seelen- leben hinein, wie es bei der Frau der Fall ist. Bei der Frau prägt sich die ganze Erfahrungsumwelt tief ein in die Seele. Dadurch haben die Erlebnisse eine stärkere Tendenz, in die Organisation hineinzuwirken, die Organisation in der Zukunft stärker zu umklammern. Und so nimmt ein Frauenleben die Tendenz auf, durch ihre Erlebnisse in einer Inkarnation tief in den Organismus hineinzugreifen und damit in der nächsten Inkarnation den Organismus selber zu gestalten. Ein tiefes Hinein- arbeiten, ein tiefes Durcharbeiten des Organismus bedeutet nun aber: einen männlichen Organismus hervorbringen. Ein männlicher Organismus wird dadurch hervorgebracht, daß die Kräfte der Seele sich tiefer in das Materielle hineinprägen wollen. Daraus sehen Sie, daß aus den Frauenerlebnissen einer Inkarnation die Wirkung hervorgeht, in der nächsten Inkarnation einen männlichen Organismus hervorzubringen. Da haben Sie aus der Natur des Okkultismus einen Zusammenhang gegeben, der jenseits des Moralischen liegt. Deshalb sagt man im Okkultismus: Der Mann ist das Karma der Frau. - In der Tat ist die Mannesorganisation in einer späteren Inkarnation das Ergebnis der Erfahrungen und Erlebnisse in einer vorhergehenden Fraueninkarnation. Selbst auf die Gefahr hin, daß ich etwa unsympathische Gedanken erwecke bei einigen der Versammelten - es kommt ja immer vor, daß Männer der Gegenwart einen heil losen Respekt davor haben, als Frau inkarniert zu werden -, muß ich diese Dinge als Tatsachen auch wieder ganz objektiv beleuchten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie ist es nun mit den Manneserlebnissen? Mit den Manneserleb&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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nissen verhält es sich so, daß wir sie am besten verstehen, wenn wir gleich von dem ausgehen, was wir jetzt eben dargestellt haben. Bei der Mannesorganisation hat der innere Mensch sich gründlicher in das Materielle hineingelebt, hat es mehr umklammert als bei der Frau. Die Frau behält mehr von dem Geistigen im Unkörperlichen zurück; sie lebt sich nicht so tief in das Materielle hinein, sie erhält ihre Körperlichkeit weicher. Sie trennt sich nicht so weit von dem Geistigen. Das ist das Charakteristische der Frauennatur, daß sie mehr zurückbehält von freier Geistigkeit und sich daher weniger in die Materie hineinarbeitet und vor allem das Gehirn weicher erhält. Daher ist es nicht zu verwundern, daß die Frauen für Neues, insbesondere auf geistigem Gebiete, eben eine besondere Neigung haben, weil sie das Geistige freier behalten haben und weil weniger Widerstand da ist. Und es ist kein Zufall, sondern es entspricht einer tiefen Gesetzmäßigkeit, daß bei einer Bewegung, die durch ihre Natur mit dem Spirituellen zu tun hat, sich eine größere Anzahl von Frauen einfindet als Männer. Und wer Mann ist, der weiß,was für ein schwieriges Instrument das Mannesgehirn oftmals ist. Es bildet furchtbare Hindernisse, wenn man es für biegsamere Gedankengänge brauchen will. Da will es nicht mitgehen. Es muß erst mit allen möglichen Mitteln herangebildet werden, um sich aus der Steifigkeit zu erlösen. Das kann durchaus ein eigenes Erlebnis der Manneserfahrung sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Mannesnatur ist also kondensierter, zusammengezogener; sie ist mehr gepreßt worden, steifer, härter gemacht worden durch das, was der innere Mensch im Manne ist; sie ist materieller gemacht worden. Nun ist ein steiferes Gehirn vor allem ein Instrument für das Intellektuelle, weniger für das Psychische. Denn das Intellektuelle ist etwas, was sich viel mehr auf den physischen Plan bezieht. Was als Intellektualismus des Mannes zu bezeichnen ist, das kommt von seinem steiferen, verfestigten Gehirn. Man könnte dabei von einem gewissen Grade von «Eingefrorenheit&amp;gt; des Gehirns sprechen. Es muß erst auftauen, wenn es sich in feinere Gedankengänge hinein finden soll. Dadurch aber wird der Mann veranlaßt, mehr die Äußerlichkeiten zu erfassen, weniger von denjenigen Erlebnissen aufzunehmen, die mit den Tiefen des Seelenlebens zusammenhängen. Und was er aufnimmt, das geht dann auch &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
nicht tief. Ein äußerer Beweis dafür ist der, wie wenig tief die äußere Wissenschaft geht und wie wenig sie das Innere erfaßt - wie zwar immer im weiten Umkreis gedacht wird, aber wie wenig gründlich die Tatsachen zusammengezogen werden. Wer durch seine eigene Selbstzucht im Denken genötigt ist, die Tatsachen zusammenzufügen, dem könnte von dem, was die äußere Wissenschaft sich nicht scheut, als nebeneinander bestehend hinzustellen, manchmal recht übel werden. Da kann man sehen, wie wenig tief die Dinge gehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Beispiel dafür, wie oberflächlich die Dinge der heutigen Wissenschaft sein können: Nehmen Sie an, ein junger Mensch ist in irgendeinem Kolleg, wo ein enragierter Darwinianer vorträgt. Und bei diesem Vertreter der Selektionstheorie kann der Student etwa solche Dinge vertreten hören: Woher kommt es, daß der Gockel zum Beispiel so schöne, blauschillernde Farben an seinen Federn hat? Das ist auf eine geschlechtliche Zuchtwahl zurückzuführen; denn durch die Farben zieht er die Hennen &#039;an, und die Hennen wählen dann unten den Gockeln diejenigen, welche die bläulichschillernden Federn haben. Dabei kommen dann die andern zu kurz, und es bildet sich infolgedessen besonders die eine Sorte aus. Das ist eine Höherentwickelung, das ist «geschlechtliche Zuchtwahl»! - Und der Student ist froh, daß er weiß, wie eine Aufwärtsentwickelung zustande kommen kann. Jetzt geht er ins nächste Kolleg, wo, sagen wir, das Gebiet der Sinnesphysiologie behandelt wird. Und hier kann es jetzt vorkommen, daß derselbe Student nun im zweiten Kolleg etwa folgendes zu hören bekommt: Man hat Versuche gemacht, welche zeigen, wie verschieden die Farben des Spektrums auf die verschiedenen Wesenheiten wirken. Man kann nachweisen, daß zum Beispiel die Hühner von den gesamten Farben des Spektrums das nicht wahrnehmen, was zum Blau und Violett gehört, sondern daß sie nur dasjenige wahrnehmen, was vom Grünen zum Orange, Rot und Ultrarot geht!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt ist der Student, wenn er diese beiden Tatsachen, die er heute wirklich hören kann, zusammendenken will, darauf angewiesen, die Dinge oberflächlich zu nehmen. Es ist die ganze Selektionstheorie darauf gebaut, daß die Hennen am Gockel etwas sehen sollen an bunten Farben, was ihnen besondere Freude machen soll, was sie aber &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
in Wirklichkeit gar nicht sehen, was für sie wie rabenschwarz erscheint.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist nur ein Beispiel. Aber die Dinge sind so, daß sie dem, der wirklich wissenschaftlich forschen will, auf Schritt und Tritt so begegnen. Daraus sehen Sie, daß die Intellektualität nicht gerade sehr tief elngreift in das Leben, daß sie an der Oberfläche stehenbIeibt. Ich wähle absichtlich die krassen Beispiele. Man wird es ja nicht so leicht glauben wollen, daß die Intellektualität etwas ist, was sich mehr äußerlich abspielt, nicht tief eingreift in das Seelenleben, was wenig das Innere des Menschen ergreift. Und die materialistische Gesinnung ergreift das Seelenleben erst recht nicht. Die Folge davon ist aber die, daß der Mensch aus einer solchen Inkarnation, wo er wenig hineinwirkt in die Seele, die Tendenz aufnimmt zwischen Geburt und Tod, in der nächsten Inkarnation weniger in die Organisation einzudringen. Es ist ja die Kraft dazu weniger aufgenommen worden; deshalb wirkt sie jetzt so, daß der Mensch weniger seine Leiblichkeit imprägniert. Daraus entsteht nun aber die Neigung, in der nächsten Inkarnation einen Frauenleib aufzubauen. Wiederum ist es richtig, wenn man im Okkultismus sagt: Das Weib ist das Karma des Mannes!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf diesem moralisch neutralen Gebiete sehen wir, wie das, was sich der Mensch in einer Inkarnation vorbereitet, in der nächsten Inkarnation seine Leiblichkeit organisiert. Und weil diese D`inge nicht nur tief eingreifen in unser inneres Leben, sondern auch in unsere äußeren Erlebnisse und in unser Handeln&amp;gt; so müssen wir sagen: Indem der Mensch in einer Inkarnation Mannes- oder Frauenerlebnisse hat, wird in der nächsten Inkarnation sein äußeres Handeln in dieser oder jener Weise bestimmt, weil er durch die Frauenerlebnisse die Neigung hat, eine Mannesorganisation sich zu bilden, und umgekehrt durch die Manneserlebnisse eine Frauenorganisation. Nur in seltenen Fällen wiederholt sich die gleiche geschlechtliche Inkarnation; sie kann sich höchstens siebenmal wiederholen. Die Regel jedoch ist die, daß jede männliche Organisation in der nächsten Inkarnation danach strebt, weiblich zu werden, und umgekehrt. Da nützt alle Abneigung nichts, denn es kommt nicht darauf an, was man in der physischen Welt möchte, sondern es kommt auf die Neigungen an, die man in der Zeit zwischen Tod&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|182}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und neuer Geburt hat, und die werden durch vernünftigere Gründe bestimmt als solche, daß man etwa in einer männlichen Inkarnation einen Horror davor hat, in der nächsten Inkarnation sich als Frau zu inkarnieren. Da können Sie sehen, wie das spätere Leben karmisch bestimmt wird durch das frühere und wie auch die Handlungen des späteren Lebens bestimmt werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun handelt es sich darum, daß wir noch einen andern karmischen Zusammenhang einsehen lernen, den wir auch noch benötigen, wenn wir auf die wichtigen Betrachtungen der nächsten Tage Licht werfen wollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Blicken wir dazu noch einmal zurück auf einen recht fernliegenden Zeitpunkt der menschlichen Entwickelung: auf den Zeitpunkt, wo einmal auf der Erde die menschlichen Inkarnationen angefangen haben. Das geschah in der alten lemurischen Zeit. Nun handelt es sich darum, daß damals auf den Menschen zuerst in einer durchgreifenden Art gewirkt hat der luziferische Einfluß und daß dieser dann den ahrimanischen Einfluß herausgefordert hat. Versuchen wir uns einmal vor die Seele zu stellen, wie der luziferische Einfluß äußerlich im Menschen- leben gewirkt hat. - Dadurch, daß der Mensch überhaupt in die Lage gekommen ist, in jenen alten Zeiten den luziferischen Einfluß in sich aufzunehmen, also seinen astralischen Leib mit dem luziferischen Einfluß zu durchdringen, dadurch wurde sein astralischer Leib geneigt, viel tiefer noch in die Organisation einzugreifen, in das Materielle des physischen Leibes viel tiefer hinunterzusteigen, und vor allem auch ganz anders, als er ohne den luziferischen Einfluß hinuntergestiegen wäre. Der Mensch wurde durch den luziferischen Einfluß materieller. Hätte der luziferische Einfluß nicht gewirkt, dann wäre eine geringere Neigung des Menschen entstanden, in die materielle Welt hinunterzusteigen, der Mensch hätte sich als solcher in höheren Regionen des Daseins gehalten. Also es ist eine viel stärkere Durchdringung von äußerem und innerem Menschen geschehen, als es ohne den luziferischen Einfluß der Fall gewesen wäre. Diese Durchdringung war nun zunächst dieVeranlassung dafür, daß der Mensch durch die stärkere Verbindung mit dem Materiellen des äußeren Leibes den Rückblick auf die Ereignisse, welche seiner Einkörperung vorangegangen sind, verloren hat. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|183}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Mensch trat jetzt durch eine so geartete Geburt ins Dasein, daß er sich tief mit dem Materiellen verband und dadurch alle Rückschau auf die früheren Erlebnisse auslöschte. Der Mensch hätte sich sonst die Erinnerung bewahrt an das, was er vor der Geburt im Geistigen erlebt hat. Durch den luziferischen Einfluß wurde nun die Geburt ein Akt, durch den der Mensch so intensive Verbindungen zwischen äußerem und innerem Menschen herstellt, daß ausgelöscht wurde, was der Mensch in derZeit vorher in der geistigenWelt erleben kann. Es wurde der Mensch durch den luziferischen Einfluß beraubt seiner Erinnerungen an die vorhergehenden geistigen Erlebnisse. Die Verbindung mit der äußeren Leiblichkeit macht es, daß der Mensch nicht zurückblicken kann auf das Frühere. Dadurch aber ist der Mensch während seines Lebens darauf angewiesen, immer nur aus der Außenwelt seine Erfahrungen und Erlebnisse zu holen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun wären Sie aber auf einem ganz falschen Wege, wenn Sie glauben würden, daß nur die groben äußeren Stoffe, die der Mensch in sich aufnimmt&amp;gt; auf ihn wirken. Es wirken auf den Menschen nicht nur die Nahrungsmittel und -kräfte, sondern auch die sonstigen Erfahrungen, welche er macht, auch die Dinge, welche durch seine Sinne in ihn ein- fließen. Aber durch das gröbere Verbinden mit der Materie wirken auch die Nahrungsmittel anders. Stellen Sie sich vor, der luziferische Einfluß wäre nicht dagewesen; dann würde von den Nahrungsmitteln bis zu den Sinneseindrücken alles auf den Menschen weit feiner wirken. Er würde alles, was er als Wechselwirkung mit der Außenwelt erlebt, durchdringen mit dem, was er zwischen Tod und neuer Geburt erlebt hat. Dadurch, daß der Mensch die Materialität dichter gestaltet hat, ist er geneigt, auch viel Dichteres aufzunehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es wirkt also der luziferische Einfluß so, daß der Mensch durch die Verdichtung der Materie auch aus der Außenwelt viel Dichteres heranzieht, als er sonst herangezogen hätte. Das Dichtere, was er nun von außen heranzieht, ist aber ganz anders als das sonst weniger Dichte. Das weniger Dichte würde die Erinnerungen an das frühere Leben aufrechterhalten haben; es würde auch bewirken,daß er die Sicherheit hat, daß alles, was der Mensch erlebt zwischen Geburt und Tod, seine Wirkungen hineinerstreckt in einen nie endenden Zeitraum. Der Mensch &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|184}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
würde wissen: Es tritt zwar äußerlich der Tod ein, aber alles, was geschieht, wirkt weiter. Dadurch, daß der Mensch Dichteres aufnehmen mußte, schafft er von Geburt an eine starke Wechselwirkung zwischen seiner eigenen leiblichen Natur und der Außenwelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was hat nun dieser Wechselzustand zur Folge? Die geistige Welt ist ausgelöscht seit der Geburt. Und damit der Mensch im Geistigen leben, in der geistigen Welt aufwachen kann, muß erst wieder jener Zustand eintreten, wo alles, was von außen als dichtere Materialität in uns hineinkommt, wieder von den Menschen genommen wird. Weil wir uns eine dichtere Materialität angeeignet haben, müssen wir, um wieder in das Geistige hineinzukommen, auf den Zeitpunkt warten, wo die äußere materielle Leiblichkeit von uns genommen wird. Was nun da als dichtere Materialität in uns hineindringt&amp;gt; das zerstört stückweise, von unserer Geburt an, unsere menschliche Leiblichkeit. Was da hereinfließt, das ist etwas, was immer mehr und mehr die Leiblichkeit zerstört, bis es sie endlich ganz zerstört hat, daß sie nicht mehr bestehen kann. Von unserer Geburt angefangen, nehmen wir eine dichtere Materialität auf, als wir ohne den luziferischen Einfluß aufgenommen hätten, so daß wir unsere Leiblichkeit langsam vernichten, bis sie mit dem Eintreten` d&amp;amp; Todes ganz unbrauchbar geworden ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daran sehen wir&amp;gt; wie der luziferische Einfluß die karmische Ursache des Todes des Menschen ist. Gäbe es nicht diese Form der Geburt, so gäbe es nicht diese Form des Todes für den Menschen. Der Mensch würde sonst so vor dem Tode stehen, daß ihm die sichere Aussicht auf Kommendes vor Augen stehen würde. Der Tod ist die karmische Folge der Geburt, Geburt und Tod hängen karmisch zusammen. Ohne Geburt, wie sie der Mensch heute erlebt, gäbe es keinen Tod, wie ihn der Mensch erlebt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich habe vorhin schon gesagt, daß beim Tier nicht in demselben Sinne von Karma gesprochen werden kann wie beim Menschen. Wenn jemand sagen würde, daß auch beim Tier Geburt und Tod karmisch zusammenhängen, so.wüßte der Betreffende eben nicht, daß Geburt und Tod für den Menschen etwas ganz anderes sind als für das Tier. Was sich da äußerlich gleich sieht, ist innerlich nicht dasselbe; es handelt sich bei Geburt und Tod nicht um das äußerliche Aufbauen, sondern&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
um das innere Erleben. Beim Tier erlebt nur die Gattungsseele, die Gruppenseele. Das Absterben eines Tieres bedeutet für die Gruppenseele ungefähr dasselbe, was Sie erleben, wenn- Sie sich beim Herankommen des Sommers die Haare kürzer schneiden lassen, die dann wieder langsam nachwachsen. Es fühlt die Gruppenseele einer Tiergattung das Absterben eines Tieres wie das Absterben eines Gliedes, das sich nach und nach wieder ersetzt. Also die Gattungsseele ist das, was wir mit dem menschlichen Ich vergleichen dürfen. Sie kennt nicht Geburt und Tod, sie sieht auf das, was der Geburt vorangeht, fortwährend, und auch auf das, was dem Tode nachfolgt, sieht sie fortwährend. Von Geburt und Tod beim Tier zu sprechen, wie man davon beim Menschen spricht, ist ein Unsinn, weil ganz andere Ursachen vorangehen. Und man leugnet die innere Wirksamkeit des Geistes, wenn man glaubt, was sich äußerlich gleich darstelle, das sei auch von innerlich gleichen Ursachen bewirkt. Gleichheit der äußeren Vorgänge weist nie mit Sicherheit auf gleiche Ursachen hin. Der Geburt des Menschen liegen ganz andere Ursachen zugrunde als der des Tieres, und ebenso stirbt der Mensch aus ganz andern Ursachen heraus als das Tier.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn man ein wenig nachdenken würde, wie das Äußere sich ganz gleich ausnehmen kann, ohne daß das Innere im entferntesten Gleiches erlebt, dann würde man auch schon methodologisch darauf kommen, daß es sich so verhält. Sie können sogar auf höchst einfache Weise darauf kommen, daß der äußere Sinnenschein kein Beweis ist für das innere Leben. Denken Sie sich zwei Menschen; Sie kommen um neun Uhr an einen bestimmten Ort und sehen dort die zwei Menschen nebeneinanderstehen. Um drei Uhr gehen Sie wieder an den betreffenden Ort, nachdem Sie in der Zwischenzeit nicht dort gewesen sind. Da stehen die zwei Menschen wieder an derselben Stelle. Nun könnten Sie schließen: A steht immer noch an demselben Ort, B steht immer noch an demselben Ort, wo er um neun Uhr schon gestanden hat. Untersuchen Sie aber, was diese beiden Menschen inzwischen getan haben, dann werden Sie vielleicht finden, daß der eine da stillgestanden hat, während der andere unterdessen einen weiten Gang getan hat und in der Zwischenzeit müde geworden ist. Da liegen dann ganz andere Vorgänge zugrunde. Und wie es unsinnig wäre, wenn die beiden Menschen &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
um drei Uhr wieder an derselben Stelle stehen, zu sagen, daß in ihrem Inneren das Gleiche vorgegangen sei, ebenso unsinnig ist es, wenn man zwei gleichgeformte Zellen findet, aus ihrer gleichen Struktur schließen zu wollen, daß sie innerlich die gleiche Bedeutung haben. Es handelt sich darum, den ganzen Zusammenhang der Tatsachen zu kennen, der eine Zelle an den betreffenden Ort hingeführt hat. Daher ist die moderne Zellenphysiologie, die ausgeht von der Untersuchung der inneren Struktur der Zellen, auf ganz falschem Wege. Niemals kann das, was sich dem äußeren Sinnenschein darbietet, ausschlaggebend sein für das innere Wesen des Dinges.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So etwas muß man durchdenken, wenn man solche Dinge einsehen will, wie sie sich dem Okkultisten aus den okkulten Beobachtungen ergeben, wie zum Beispiel Geborenwerden und Sterben etwas ganz anderes ist beim Menschen als beim Säugetier oder gar bei den Vögeln. Diese Dinge zu studieren wird erst möglich sein, wenn die Leute wieder ein wenig auf das eingehen, was die geistige Forschung zu sagen hat. Bevor nicht darauf eingegangen wird, wird die äußere Wissenschaft, die beim Sinnenschein und bei den äußeren Tatsachen stehenbleibt, zwar sehr schöne Tatsachen zutage bringen; aber alles, was Menschen meinen können unter solchen Voraussetzungen über solche Tatsachen, das wird niemals maßgebend sein für die Wirklichkeit. Daher ist alles, was heute theoretische Wissenschaft ist, ein phantastisches Gebilde, das dadurch entstanden ist, daß man die äußeren Tatsachen nach dem äußeren Schein kombiniert. Auf manchen Gebieten drängen geradezu die äußeren Tatsachen dazu, in der richtigen Weise zu interpretieren; aber durch die heutigen Meinungen kommt man nicht dazu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So haben wir heute zwei neutrale Gebiete auf dem Felde der karmischen Gesetzmäßigkeit auf uns wirken lassen, und Sie werden sehen, daß sie uns eine Grundlage sein werden für die weiteren Betrachtungen. Wir haben eingesehen, wie die Frauenorganisation die karmische Folge der Manneserlebnisse ist und die Mannesorganisation eine karmische Folge der Frauenerlebnisse; und wir haben endlich eingesehen, daß der Tod eine karmischeWirkung der Geburt im Menschenleben ist. Das ist etwas, was, wenn man versucht, es nach und nach zu verstehen, uns tief hineinführen kann in die karmischen Zusammenhänge des Menschenlebens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|187}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= ZEHNTER VORTRAG Hamburg, 27. Mai 1910 =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gewisse tiefere Fragen des karmischen Zusammenhanges, die sich namentlich auf unseren menschlichen Einfluß auf das Karma und besonders auf das Karma anderer Menschen beziehen, solche Fragen also, die sich auf eine Richtungsänderung des Karma im Kleinen und im Großen beziehen, kann man nicht beantworten, auch nicht eine Vorstellung hervorrufen, wie sie beantwortet werden müssen, wenn man nicht in der Weise, wie wir es heute tun wollen, gewisse bedeutsame Geheimnisse unseres Weltendaseins berührt. Solche Fragen können sich vielleicht dann für jeden aus dem Gesagten ergeben, wenn Sie diesen oder jenen Gedanken, der angeschlagen und von der einen oder andern Seite beleuchtet worden ist, für sich selber weiter ausführen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So kann sich die Frage aufwerfen: Was geschieht, wenn im karmischen Zusammenhange eines Menschen durch das, was er früher erlebt und getan hat, ein Krankheitsprozeß zur Hinwegschaffung dieser karmischen Tatsache notwendig ist und wenn diesem Menschen durch Heilmittel oder durch einen andern Eingriff in derWeise geholfen wird, daß er durch menschliche Hilfe wirklich geheilt wird? Was liegt da vor, und wie verhält sich eine solche Tatsache zu den tieferen Auffassungen von der karmischen Gesetzmäßigkeit?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun bemerke ich von vornherein: Um überhaupt auch nur einige wesentlichere Lichter auf diese Frage zu werfen, müssen Dinge berührt werden, die der heutigen Wissenschaft und dem heutigen Denken der Menschen ganz fern liegen und welche auch nur sozusagen unter Theosophen besprochen werden können, die sich für solche Dinge schon dadurch vorbereitet haben, daß sie mancherlei Wahrheiten aufgenommen haben, die sich auf tiefere Untergründe des Daseins beziehen, und die sich auch ein Gefühl dafür erworben haben, wie Dinge,welche heute nur angedeutet werden können, sich doch voll begründen lassen. Dennoch möchte ich bei dieser Gelegenheit eine Bitte einfügen: Was ich genötigt bin zu sagen über die tieferen Untergründe des Erdendaseins, zum Beispiel was ich mich bemühen werde, in der präzisesten Form auszusprechen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|188}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und was sogleich falsch sein würde, wenn es in anderem Zusammenhang oder gar ohne Zusammenhang gesagt würde und deshalb zu Mißverständnissen Veranlassung geben würde, davon bitte ich, daß es nicht anders behandelt werde als so, daß man es eben aufnimmt. Auch ich muß daher gerade bei diesen Dingen darauf halten, daß niemand sie als ein Lehrgut betrachten sollte, das er irgendwie weitergeben könnte, weil nur der Zusammenhang eine solche Darstellung rechtfertigt und weil eine solche Darstellung nur gerechIfertigt ist, wenn dahinter das Bewußtsein liegt, wie man solche Worte zu prägen hat, um derartiges in Gedanken zum Ausdruck zu bringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um was es sich nun handelt, das ist die Frage nach dem tieferen Wesen des materiellen Daseins auf der einen Seite und nach dem Wesen des seelischen Daseins auf der andern Seite. Eine tiefere Auffassung vom Seelischen und Materiellen werden wir uns heute notwendig aneignen müssen, und zwar werden wir es nötig haben aus einem ganz bestimmten Grunde heraus, aus dem Grunde, weil wir in den verflossenenVorträgen angeführt haben,daß das Seelische des Menschen mehr oder weniger tief hineindringen kann in das Materielle. Ja, wir haben gestern das Wesen des Männlichen dadurch charakterisieren können, daß wir sagten, beim Manne dringe das Seelische tiefer in das Materielle hinein, präge sich tiefer ein, während das Seelische beim Weiblichen in gewisser Beziehung sich mehr zurückzieht und sich mehr ein selbständiges Dasein gegenüber dem Materiellen aneignet. So haben wir gesehen, daß vieles im karmischen Ausleben darauf beruht, wie die Durchdringung des Seelischen und des Materiellen stattfindet. Wir haben auch gesehen, wie ein gewisser Krankheitsprozeß, der in einer Inkarnation auftritt, sich darstellt als die karmische Folge von Verfehlungen, welche die Seele in früheren Verkörperungen begangen hat, indem die Seele damals ihre Taten, Erlebnisse und Impulse in sich verarbeitet und dann auf dem Wege zwischen Tod und neuer Geburt die Tendenz auf- genommen hat, dasjenige, was früher bloß als ein Merkmal, als ein Einfluß des Seelischen sich abgespielt hat, hineinzudrängen in das Körperliche, in das Materielle. Und indem dann die menschliche Wesenheit durchtränkt wird von einem solchen Seelischen, das den luziferischen oder ahrimanischen Einfluß in sich aufgenommen hat, wird gerade dadurch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|189}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
das menschliche Materielle verdorben. Darinnen liegt ja dann der Krankheitsverlauf. Daher können wir sagen: In einem kranken Leibe steckt ein verdorbenes Seelisches, das einen unrichtigen Einfluß erfahren hat, einen luziferischen oder ahrimanischen Einfluß; und in dem Augenblick, wo wir den luziferischen oder ahrimanischen Einfluß aus dem Seelischen herausbringen könnten, würde die richtige Durchdringung von Seele und Leib eintreten, das heißt, es würde Gesundheit eintreten. - Wir müssen also fragen: Wie verhält es sich mit diesen zwei Wesensgliedern des irdischen menschlichen Daseins, welche uns da vor Augen treten, mit der Materie und dem Seelischen? Was sind sie in ihrem tieferen Wesen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn diese Frage aufgeworfen wird, so hat der heutige Mensch gewöhnlich die Meinung, daß die Antwort auf die Frage: Was ist Materie? Was ist Seele? - überall inderWelt gleich ausfallen müßte;und ich glaube nicht, daß es einem Menschen leicht würde, sich mit der Meinung bekanntzumachen, daß für Wesen, welche auf dem alten Monde gelebt haben&amp;gt; die Antwort auf die Frage: Was ist Materie? Was ist Seele? - ganz anders hätte ausfallen müssen als für Wesen, welche auf der Erde leben. Aber das Dasein ist so sehr in Entwickelung, daß sich selbst solche Dinge ändern wie die Vorstellungen, welche sich ein Wesen machen kann von den tieferen Grundlagen seines eigenen Wesens. Und so ändert sich auch dasjenige, was als Antwort gegeben werden muß auf die Frage: Was ist Materie? Was ist Seele? Es ist daher von vornherein zu betonen, daß die Antworten, die gegeben werden, nur Antworten sind, welche der Erdenmensch geben kann und die nur für diesen Erdenmenschen eine Bedeutung haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
«Materie&amp;gt; wird ja der Mensch zunächst nach dem beurteilen, was ihm in der Außenwelt an den verschiedenen Wesenheiten und Dingen entgegentritt und was auf ihn in irgendeiner Weise Eindruck macht. Der Mensch findet dann, daß es verschiedene Arten von Materien gibt, und ich brauche ja darin dicht sehr weit auszuholen, denn was darüber zu sagen wäre, wenn wir mehr Zeit hätten, können Sie in allen entsprechenden Trivialschriften finden. Ich sage daher für jetzt genug, wenn ich darauf hinweise, daß sich Materie verschieden darstellt für den Menschen, indem er die verschiedenen Metalle sieht, Gold, Kupfer, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|190}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Blei und so weiter, oder wenn er dasjenige sieht, was nicht in die Reihe der Metalle gehört. Sie wissen auch, daß die Chemie diese Materien nach und nach zurückgeführt hat auf gewisse Grundstoffe der Materie, die sie Elemente nennt. Diese Elemente wurden ja noch bis ins 19. Jahrhundert hinein so angesehen, daß sie Materien sind, die sich nicht weiter zerlegen lassen. Während wir irgendeine Substanz, welche uns als Materie entgegentritt, zum Beispiel Wasser, trennen können in Wasserstoff und Sauerstoff, haben wir in Wasserstoff und Sauerstoff solche Materie vor uns, die nach der Meinung der Chemie des 19. Jahrhunderts nicht weiter zerlegt werden kann. Bis siebzig solcher Elemente hat man unterschieden. Und Sie wissen wohl auch, daß durch die Erscheinungen, welche in Anknüpfung an einige besondere Elemente, zum Beispiel Radium, haben angestellt werden können, oder daß auch in Anknüpfung an mancherlei Erscheinungen der Elektrizitätslehre der Begriff der Elemente verschiedentlich erschüttert worden ist, daß man zu der Ansicht gekommen ist, daß es nur eine vorläufige Grenze der Materie sei, was man als die etwa siebzig Elemente kennt, und daß man die Zerlegbarkeit weiter zurückführen kann auf eine einzige Grundmaterie, die dann nur durch die innere Kombination, durch das innere Wesenselement, das eine Mal sich zu Gold, das andere Mal zu Kalium, Kalzium und so weiter spezialisiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das sind veränderliche wissenschaftliche Theorien. Und geradeso wie sich die wissenschaftlichen Theorien im Laufe von je fünfzig Jahren im 19. Jahrhundert verändert haben, wie es dahin kommen konnte,daß gewisse Physiker in dem, was Materie sein soll, etwas mit Entitäten, mit Wesenheiten zu Bezeichnendes sahen, etwas, was von der Elektrizität hergenommen ist, wie jetzt die Ionentheorie - das sind wissenschaftliche Moden -, ebenso werden in gar nicht so ferner Zeit andere wissenschaftliche Moden existieren, und man wird sich die Materie anders konstituiert denken. Das sind Tatsachen. Die wissenschaftlichen Meinungen sind veränderlich, müssen auch veränderlich sein, denn sie hängen ganz ab von den jeweiligen Tatsachen, die gerade auf ein Zeitalter besonders signifikant wirken. Dagegen hat die geisteswissenschaftliche Lehre durch alle Epochen hindurchgehend, so lange es Erdenkulturen gibt - und sie wird so lange hindurchgehen, solange es eine &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|191}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erdenkultur geben wird -, immer eine einheitliche, gleiche Anschauung gehabt über das Wesen des materiellen Daseins, über die Materie. Um Sie auf das zu führen, was die Geisteswissenschaft als das Wesentliche der Materie, des Materiellen ansieht, möchte ich folgendes sagen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie kennen den ganz gewöhnlichen Vorgang: wenn wir Eis haben, ist das ein fester Körper, eine feste Materie. Diese Materie ist nicht fest durch ihre eigentliche Wesenheit, sondern sie ist eine feste Materie nur durch äußere Umstände. Sie ist sofort keine feste Materie mehr, wenn wir die Temperatur in entsprechender Weise erhöhen; da ist sie eine flüssige Materie. Wie sich eine Materie in der äußeren Welt darlebt, das hängt also nicht ab von dem, was in ihr selber ist, sondern von den ganzen Verhältnissen des umgebenden Weltalls. - Dann können wir weiter dieser Materie Wärme zuführen, und aus dem Wasser wird von einem bestimmten Punkt ab Dampf. So haben wir Eis, Wasser, Dampf und haben durch die Erhöhung der Temperatur der Umgebung etwas herbeigeführt, was wir bezeichnen können als «die Materie in den verschiedensten Formen». So haben wir an der Materie, wie sie sich uns darstellt, nicht nach einer innerlichen, sie konstituierenden Wesensart zu unterscheiden, sondern wir müssen uns klar sein, daß die Art, wie Materie uns entgegentritt, von der Art der Gesamtkonstitution des Weltalls abhängt und daß man nichts vom ganzen Weltall in einzelne Materien trennen darf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun liegen allerdings die Dinge so, daß die Methoden der heutigen Wissenschaft überhaupt nicht ausreichen, um zu dem zu kommen, wozu Geisteswissenschaft kommen kann. Es kann die heutige Wissenschaft mit ihren Mitteln die Materie, die in der Form eines Stückes Eis durch Temperaturerhöhung erst flüssig und dann dampfförmig wird, niemals so weit führen, daß sie bis zu dem auf der Erde als letzten erreichbaren Zustand kommt, in welchen jede Materie überzuführen ist. Es ist nicht möglich, heute mit wissenschaftlichen Mitteln solche Verhältnisse her- beizuführen, wodurch etwa gezeigt werden könnte: Wenn du Gold nimmst und es immer weiter verdünnst, so weit als du es nur auf der Erde verdünnen kannst, dann kommst du zuletzt zu diesem oder jenem Zustand. Wenn du mit Silber dasselbe machst, ist es ebenso, bei Kupfer auch, und so weiter. - Die Geisteswissenschaft kann das, weil sie zuletzt &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|192}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
fußt auf den hellseherischen Forschungsmethoden. Dadurch ist sie im- stande, eines zu beobachten: Wie in den, man könnte sagen, Zwischen- räumen unserer Materien immer sich ein Gleiches überall findet, ein Gleiches, welches in der Tat die äußerste Grenze darstellt, zu dem überhaupt Materie gebracht werden könnte, was für eine Materie es auch immer sein mag. Es gibt wirklich einen für hellseherische Forschung erreichbaren Auflösungszustand aller Materie, wo sich alle Materie in einem dabei Gleichen zeigt; nur ist das, was da auftritt, nicht mehr Materie, sondern etwas, was jenseits aller spezialisierten Materien liegt, die uns umgeben. Und jede einzelne Materie stellt sich dann dar als ein aus dieser Grundmaterie - es ist ja keine Materie mehr - Kondensiertes, Verdichtetes, ob Sie Gold, Silber oder was immer für eine Materie haben. Es gibt ein Grundwesen unseres materiellen Erdenseins, von dem alles Materielle nur durch Verdichtung zustande gekommen ist. Und auf die Frage: Was ist das für eine Grundmaterie unseres Erdendaseins? - antwortet die Geisteswissenschaft: Jede Materie auf der Erde ist kondensiertes Licht! Es gibt nichts im materiellen Dasein, was etwas anderes wäre als in irgendeiner Form verdichtetes Licht. Daher sehen Sie, daß es für denjenigen, der die Tatsachen kennt, nicht eine Theorie zu begründen gibt wie etwa die Schwingungshypothese des 19.Jahrhunderts, in welcher man versuchte, Licht darzustellen mit Mitteln, die selber gröber sind als das Licht. Licht ist nicht auf etwas anderes in unserem materiellen Dasein zurückzuführen. Wo Sie hin- greifen und eine Materie anfühlen, da haben Sie überall kondensiertes, zusammengepreßtes Licht. Materie ist ihrem Wesen nach Licht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit haben wir vom geisteswissenschaftlichen Standpunkt aus auf die eine Seite der Sache hingewiesen. Wir haben also dasjenige, was allem materiellen Dasein zugrunde liegt, im Lichte zu sehen. Und wenn wir den materiellen Menschenleib ansehen, so ist auch er, insofern er materiell ist, nichts anderes als aus Licht Gewobenes. Insofern der Mensch ein materielles Wesen ist, ist er aus Licht gewoben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nunmehr nehmen wir die andere Frage: Was ist das Wesen des Seelischen? - Wenn wir in ähnlicher Weise mit geisteswissenschaftlichen Mitteln das Substantielle, das wirkliche Grundwesen des Seelischen erforschen würden, so würde sich uns darstellen - so wie alles Materielle &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|193}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nur zusammengepreßtes Licht ist -, daß alle noch so verschiedenen seelischen Erscheinungen auf der Erde sich uns ergeben als Modifikationen, als mannigfaltige Umformungen dessen, was genannt werden muß, wenn wir die Grundbedeutung dieses Wortes wirklich erfassen: Liebe. Jede Regung seelischer Art, wo sie auch immer auftritt, ist in irgendeiner Weise modifizierte Liebe. Und wenn wir Inneres und Äußeres beim Menschen gleichsam ineinandergesteckt haben, ineinandergeprägt haben, so haben wir seine äußere Leiblichkeit gewoben aus Licht, sein inneres Seelisches haben wir gewoben in einer vergeistigten Weise aus Liebe. Liebe und Licht sind in der Tat in allen Erscheinungen unseres Erdendaseins irgendwie ineinandergewoben. Und wer geisteswissenschaftlich die Dinge zu begreifen hat, der fragt in allererster Linie: Wie sind in irgendeinem Grade Liebe und Licht ineinander verwoben?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Liebe und Licht sind die zwei Elemente, die zwei Komponenten, die alles Erdendasein durchsetzen: Liebe als seelisches Erdendasein, Licht als äußeres materielles Erdendasein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun aber tritt gerade jetzt dasjenige ein, daß für die beiden Elemente Licht und Liebe, die sonst eigentlich nach dem großen Gange des Weltendaseins nebeneinanderstehen würden, ein Vermittler da sein muß, der das eine Element in das andere hineinverwebt, der Licht in Liebe hineinverwebt. Das muß eine Macht sein, welche sozusagen kein besonderes Interesse hat an der Liebe, die also hineinverwebt in das Element der Liebe das Licht - die nur Interesse daran hat, dem Lichte die größtmögliche Ausbreitung zu geben, die also Licht hineinstrahlen läßt in das Element der Liebe. Eine solche Macht kann keine Erden- macht sein, denn die Erde ist gerade der Kosmos der Liebe. Die Erde hat die Mission, die Liebe überall hineinzuverweben. Also alles, was mit dem Erdendasein so recht verknüpft ist, hat kein Interesse, das nicht irgendwie von der Liebe berührt sein würde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein solches Interesse aber haben die luziferischen Wesenheiten; die sind gerade auf dem Monde zurückgeblieben, auf dem Kosmos der Weisheit. Sie haben besonders das Interesse, Licht in Liebe hineinzuweben. Daher sind in der Tat die luziferischen Wesenheiten überall am Werke, wo unser Inneres, das eigentlich aus Liebe gewoben ist, irgendwie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|194}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
in Zusammenhang tritt mit dem Lichte, wo es in, irgendeiner Form vorhanden ist; und Licht tritt uns ja in allem materiellen Dasein entgegen. Kommen wir nur irgendwie mit dem Licht in Zusammenhang, so treten die luziferischen Wesenheiten auf, und es verwebt sich das Luziferische in die Liebe. Dadurch ist der Mensch im Laufe der Verkörperungen überhaupt erst in das luziferische Element hineingekommen: Luzifer hat sich verwoben mit dem Elemente der Liebe. So daß in dasjenige, was aus Liebe gewoben ist, sich hineinpreßt das Element des Luzifer, das uns allein dasjenige bringen kann, was die Liebe nicht nur eine restlose Hingabe sein läßt, sondern was die Liebe durchsetzt mit Weisheit, so daß sie eine aus einem Innersten mit Weisheit durch- setzte Liebe ist. Denn sonst, ohne diese Weisheit, wäre die Liebe eine selbstverständliche Kraft, für die der Mensch nicht verantwortlich sein könnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So aber wird die Liebe zur eigentlichen Ich-Kraft, in die hineinverwoben wird das luziferische Element, das sonst nur draußen im Materiellen war. Dadurch wird es erst möglich, daß unser Inneres, dem im Erdendasein das Merkmal der Liebe in allem Umfange zukommen müßte, durchsetzt wird von all dem andern, was wir als ein Wirken des Luzifer bezeichnen können und was von dieser Seite her zu einer Durchdringung des äußeren Materiellen führt, so daß Liebe nicht nur von dem durchwoben wird, was vom Licht gewoben ist, sondern daß solche Liebe entsteht, die von Luzifer durchzogen ist. Indem der Mensch das luziferische Element aufnimmt, durchwebt er das materielle Dasein in seiner eigenen Leiblichkeit mit einem solchen Seelischen, das zwar aus Liebe gewoben ist, wo aber hineinverwoben ist das luziferische Element. Die mit dem luziferischen Element durchsetzte Liebe, die sich in das Materielle hineinimprägniert, das ist die von innen heraus wirkende Krankheitsursache. Und in Anknüpfung an alles, was wir früher angeführt haben als eine notwendige Folge der aus dem luziferischen Element herrührenden Erkrankung, dürfen wir jetzt sagen: Was wir als eine solche Folge im Schmerz zu sehen haben - wir haben ja gesehen, wie der Schmerz eine Folge des luziferischen Elementes ist -, das zeigt uns die Wirkung der karmischen Gesetzmäßigkeit in der Weise, daß die Wirkung einer Tat oder einer Versuchung, die von Luzifer her- &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|195}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
rührt, sich karmisch dergestalt aus lebt, daß im Schmerz sich kundgibt, was zur Überwindung der betreffenden Wirkung führen soll.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie ist es nun aber damit, ob wir in einem solchen Falle helfen dürfen? Dürfen wir hier helfen? Dürfen wir alles, was sich aus dem luziferischen Element hineingedrängt hat mit seinen ganzen Folgen in den Schmerz, in irgendeiner Weise beseitigen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der Antwort auf die Frage nach dem Wesen des Seelischen ergibt sich uns als Notwendigkeit, daß wir das nur tun dürfen, wenn wir für einen Menschen, der das luziferische Element als Krankheitsursache in sich hat, das Mittel finden, um das Luziferische in der entsprechenden Weise zu vertreiben. Was ist das für ein Mittel allein, was stärker wirken muß, damit das luziferische Element in der richtigen Weise entfernt wird? Was ist verunreinigt durch das luziferische Element unserer Erde? - Die Liebe! Daher können wir nur durch Zuführung von Liebe wirkliche Hilfeleistung haben, damit das karmische Element sich in der entsprechend richtigen Weise abspielt. So haben wir letzten Endes bei allem, was in dieser Richtung zu Krankheitsursachen wird, in dem Element der Liebe, das beeinträchtigt worden ist im Seelischen durch den luziferischen Einfluß, etwas zu sehen, dem wir etwas zuführen müssen. Wir müssen Liebe einflößen, damit das, was als Liebestat einfließt, eine Hilfe sein kann. Diesen Charakter zugeführter Liebe haben alle diejenigen Heilungstaten, die sich mehr oder weniger auf das stützen, was man psychische Heilungsprozesse nennen kann. In irgendeiner Form hängt das, was bei psychischen Heilungsprozessen angewendet wird, zusammen mit der Zuführung von Liebe. Liebe ist es, was wir als Balsam dem andern Menschen einflößen. Auf Liebe muß es zuletzt zurückgeführt werden können. Und das kann es auch. Auf Liebe kann es zurückgeführt werden, wenn wir einfache psychische Faktoren in Bewegung setzen, wenn wir einen andern veranlassen, vielleicht auch nur sein herabgedrücktes Gemüt in Ordnung zu bringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das muß alles seinen Impuls in der Liebe haben, von einfachen Heilprozessen ausgehend bis zu dem, was heute oft in laienhafter Weise mit dem Namen «Magnetisieren» benannt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was wird dabei in Wirklichkeit von dem Heiler demjenigen mit- geteilt, der geheilt werden soll? Es ist - wenn wir mit einem Ausdruck &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|196}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der Physik sprechen wollen - ein «Austausch von Spannungen». Was in dem Heiler lebt, namentlich gewisse Prozesse im Ätherleibe&amp;gt; das wird dadurch, daß es in ein gewisses Verhältnis tritt zu dem, der geheilt wer&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
den soll, in eine Art Polarität gebracht zu dem zu Heilenden. Polarität wird hervorgerufen gerade so, wie Sie sonst in einem abstrakteren Sinne Polarität hervorrufen, wenn Sie die eine Art von Elektrizität, die positive, hervorrufen und die entsprechend andere, die negative, in einer gewissen Weise erscheint. Es werden Polaritäten hervorgerufen. Und das ist im eminentesten Sinne als eine Opfertat aufzufassen. Man ruft in sich selber in der Tat einen Prozeß hervor, der nicht nur dazu bestimmt ist, in uns selber eine Bedeutung zu haben - sonst ruft man nur einen Prozeß hervor; in diesem Fall soll aber der Prozeß dazu bestimmt sein, in dem andern eine Polarität zu dem ersten Prozesse hervorzurufen. Und diese Poiarität, die natürlich davon abhängt, daß der Heiler und der zu Heilende in irgendeinem Sinne in Zusammenhang gebracht werden, diesen andern Prozeß in dem andern hervorzurufen, ist im eminentesten Sinne die Hinopferung einer Kraft, die nichts anderes ist als umgewandelte Liebeskraft, Liebestat in irgendeiner Form. Das ist das eigentlich Wirkende bei solchen psychischen Heilungen: die in irgendeine Form umgewandelte Liebeskraft. Und wir müssen uns daher klar sein, daß ohne die zugrunde liegende Liebeskraft die Sache immer etwas haben wird, was nicht zu dem richtigen Ziele führen kann. Aber Liebesprozesse brauchen ja nicht immer nur so zu verlaufen, daß sich der Mensch dessen im gewöhnlichen Tagesbewußtsein vollständig bewußt ist; sie verlaufen auch in den unterbewußten Schichten. Sogar in dem, was als Technik der Heilprozesse angesehen werden kann, selbst in der Art, wie man zum Beispiel die Handstriche macht, wie sie technisch in ein System gebracht werden, auch da liegt schon darinnen, daß sie ein Abbild sind einer Opfertat. Also selbst da, wo wir nicht unmittelbar in einem Heilprozesse den Zusammenhang erblicken, wo wir nicht sehen, was getan wird, liegt doch vor eine Liebestat, wenn sie auch ganz und gar in Technik umgewandelt ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So sehen wir, daß wir deshalb, weil das Seelische im Grundwesen Liebe ist, mit psychischen Heilfaktoren eingreifen können, die scheinbar sehr nach der Peripherie des menschlichen Wesens liegende Prozesse &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|197}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sein können, und daß durch solche Heilfaktoren das, was im Grund- wesen Liebe ist, sich bereichert mit dem, was es braucht als Liebe. Da sehen wir die Hilfe von der einen Seite, die Hilfe, die wir leisten dürfen,weil wir dem Menschen Beistand gewähren müssen, damit er, nachdem er in die Fangarme Luzifers gekommen ist, sich auch wieder aus ihnen befreien kann. Weil das Grundwesen des Seelischen Liebe ist, dürfen wir sehr wohl das Karma in seiner Richtung beeinflussen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun - nach der andern Seite - fragen wir, was ist geworden aus dem aus Licht gewobenen Materiellen, wo das Seelische darinnensteckt? Was ist geschehen mit dem aus Licht gewobenen Materiellen des Menschen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen wir die Körperlichkeit eines Menschen, den äußeren Menschen in seiner materiellen Leiblichkeit.Würde nicht aus dem Seelischen heraus durch den karmischen Prozeß in das Materielle eingeprägt sein eine solche Liebessubstanz, die von Luzifer oder Ahriman durchsetzt wäre, würde nur eine reine Liebessubstanz ein fließen, dann würden wir diese Liebessubstanz nicht als verunreinigend, als verschlechternd empfinden können für die aus Licht gewobene Materie. Würde bloß Liebe einfließen in die Materie, so würde sie so ein fließen in die menschliche Leiblichkeit, daß diese nicht verschlechtert werden könnte; nur weil Liebe ein fließen kann, welche luziferische oder ahrimanische Kräfte aufgenommen hat, kann die aus Licht gewobene Materie schlechter werden, als sie ursprünglich sein sollte. Also kann es nur herrühren von den während der aufeinanderfolgenden Inkarnationen in die Menschen eingeflossenen luziferischen oder ahrimanischen Schädigungen, daß wir in der menschlichen Organisation etwas vor uns haben, was nicht so ist, wie es sein sollte. Wäre es so, wie es sein sollte, so würde es die gesunde Menschenmaterie darstellen; aber da es die Wirkungen Ahrimans und Luzifers in sich aufgenommen hat, kann es krankes Leibliches sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie können wir nun von außen herausbringen die entsprechenden Einflüsse, die von innen durch ein nicht richtiges Seelisches, durch eine nicht richtige Liebessubstanz eingeflossen sind? Was geschieht denn mit dem Leiblichen dadurch, daß etwas Unrichtiges einfließt? Für die Geisteswissenschaft geschieht dadurch etwas, was aus gewobenem Lichte in irgendeiner Weise sein Gegenteil macht. Licht hat sein Gegenteil in einer irgendwie gearteten Finsternis. Alles, was sich real - so sonderbar &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|198}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
es auch klingt - als die Verunreinigung dessen darstellt, das aus Licht gewoben ist, ist eine aus ahrimanischem oder luziferischem Einfluß hineingewobene Finsternis oder Dunkelheit. So sehen wir im menschlichen Materiellen hineingewobene Finsternis. Aber diese Finsternis wurde erst dadurch hineinverwoben, daß diese menschliche LeiblichkeitTräger wurde von dem, was sich als «Ich» durch die Inkarnationen hindurchlebt. Das war früher nicht darinnen. Nur ein menschliches Leibliches kann gerade spezifisch diese Verschlechterungen haben. Die waren früher nicht in dem, was das Licht gewoben hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun nimmt der Mensch heute die Grundlage zum Materiellen aus dem, was er im Verlaufe der Entwickelung nach und nach aus sich herausgesetzt hat. Das ist das Tierreich, das pflanzliche und das mineralische Reich. Diese enthalten auch die verschiedenen Materien, das heißt für das Erdendasein aus Licht Gewobenes. Aber in all diesen Materien ist noch nicht das da rinnen, was im Verlaufe des menschlichen Karma hat vom Inneren des Menschen hineinkommen können in das menschliche materielle Dasein. Wir haben also in den drei Reichen um uns herum etwas, auf das der Mensch durch seinen luziferischen oder ahrimanischen Einfluß von sich aus, insofern er von seiner Liebessubstanz aus wirkt, niemals hat verunreinigend wirken können. Da drinnen ist nichts von ihm, so daß in seiner Reinheit hat ausgebreitet werden können dasjenige, was in bezug auf seine Reinheit beim Menschen- verunreinigt ist. Wenn wir zum Beispiel draußen eine mineralische Materie haben, ein Salz oder etwas anderes, so ist das eine Materie, die der Mensch auch in sich trägt oder tragen kann; bei ihm ist sie aber durchwoben von dem, was wir die von Ahriman oder Luzifer verunreinigte Liebessubstanz nennen können. Draußen aber ist sie rein. So unterscheidet sich jede Substanz draußen von dem, was der Mensch als Substanz in sich trägt. Draußen ist es immer anders, als es im Menschen ist, weil es bei ihm durchwoben ist vom ahrimanischen und luziferischen Einfluß. Das ist der Grund, warum für alles, was der Mensch mehr oder weniger an seiner äußeren Substantialität verderben kann, draußen etwas zu finden sein muß, was das Entsprechende im reinen Zustande darstellt, ohne daß die menschliche Schädigung darinnen ist. Was draußen existiert in der Welt ohne Schädigung, das ist das äußere Heil- &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|199}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
mittel für das entsprechend Geschädigte. Führen Sie das der menschlichen Wesenheit zu in richtiger Weise, dann haben Sie das Spezifikum für die entsprechende Schädigung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da haben Sie ganz objektiv dasjenige, was Sie dem menschlichen Leib als Heilmittel zuführen. Da haben Sie charakterisiert die Schädigung als spezifizierte Dunkelheit, dasjenige, was noch nicht dunkel ist, als das außen gewobene reine Licht - und Sie sehen, warum Sie die im Menschen befindliche Dunkelheit, die dunkle Materie, aufheben können, wenn Sie ihm reine, aus Licht gewobene Materie beibringen können. So haben wir in der reinen, aus Licht gewobenen Materie ein spezifisches Heilmittel gegen die Schädigung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es handelt sich nun darum - und oft wurde darauf aufmerksam gemacht, daß es ein Irrtum ist, dem gerade die Theosophie nicht verfallen darf-,daß es eine Engherzigkeit wäre, wenn man leugnen wollte, daß es eigentlich doch in solchen Fällen etwas gibt, was man bei dieser oder jener Schädigung als ein auf dieses oder jenes Organ wirksames spezifisches Heilmittel verabreichen kann. Es wurde freilich oft gesagt, daß der Organismus die Kräfte habe, sich zu helfen; aber wenn auch das richtig ist, was dieWiener Schule der nihilistischenTherapie geltend gemacht hat: durch die Aufrufung der Gegenkräfte den Heilprozeß einzuleiten -, so können wir dennoch durch spezifische Mittel dem Heilprozeß entgegenkommen. Hier sehen wir einen Parallelismus herrschen, den man aus der Geisteswissenschaft heraus schildern kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus dem, was ich geschildert habe zum Beispiel über Diphtherie, können Sie entnehmen, daß es sich dabei um etwas handelt, was ganz besonders in der karmischen Ursache den astralischen Leib getroffen hat. Nun finden wir etwas, was diesem astralischen Leib am nächsten verwandt ist, in der Umgebung des Menschen, in dem Tierreich. Daher werden Sie bei denjenigen Krankheitsformen, die dem astralischen Leib eminent nahe stehen, immer finden, daß die Heilwissenschaft unbewußt, aus einem dunklen Triebe heraus, nach Mitteln sucht, die aus dem Tierreich hergenommen sind. Bei solchen Krankheiten, deren Ursache im Ätherleib liegt, greift die Heilwissenschaft nach Mitteln aus dem Pflanzenreich. Und es könnte jetzt ein interessanter Vortrag gehalten werden zum Beispiel über die Beziehung der Digitalis purpurea &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|200}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
zu gewissen Herzkrankheiten. Das sind Dinge, die, insofern sie auf Wirklichkeit beruhen, nicht bloß fünf Jahre richtig sind und dann anfangen falsch zu werden, wie ein Mediziner sagte und wie es tatsächlich der Fall ist, wann nur aus äußeren Symptomen geschlossen wird. Aber es gibt einen gewissen Schatz von Heilmitteln, der immer auf irgendeinen Zusammenhang mit der Geisteswissensc1iaft zurück- geht, der sich vererbt hat, ohne daß die Leute wissen, woher er gekommen ist. Ebenso wie es heute die Astronomen nicht wissen, daß die Kant-Laplacesche Theorie aus den Geheimschulen des Mittelalters gekommen ist, so wissen es die Leute nicht, woher die eigentlichen Heilschätze oft stammen. - Und Krankheitsursachen, die mit der Wesenheit des physischen Leibes zusammenhängen, führen dann zur Anwendung von Heilmitteln aus dem Mineralreich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Selbst durch diese analogen Anschauungen kann also ein Fingerzeig auf die Sache gegeben werden. Daher ist für den Menschen durch den Zusammenhang mit der uns umgebenden Welt die Möglichkeit vor- handen, daß ihm von zwei Seiten her geholfen wird: indem man ihm auf der einen Seite modifizierte Liebe beibringt in den psychischen Heilprozessen, oder anderseits in der verschiedensten Weise modifiziertes Licht bei jenen Prozessen, die irgendwie mit äußeren Heilprozessen zusammenhängen. Alles, was getan werden kann, wird entweder mit inneren psychischen Mitteln, mit Liebe, oder mit äußeren Mitteln, mit irgendwie verdichtetem Licht, geleistet. Und wenn einmal die Wissenschaft so weit sein wird, daß sie lernen wird, an das Übersinnliche zu glauben und an den Satz: Materie ist irgendwie kondensiertes Licht -, dann wird von diesem Grundsatz aus ein geistiges Licht geworfen werden auf das systematische Suchen nach der Art, wonach mit äußeren&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mitteln dem Menschen geholfen werden kann. Daraus sehen wir, wie in dem, was während langer Zeiträume aus den Geheimschulen des alten Ägypten und des alten Griechenland heraus nach und nach dem Heilschatze zugefügt worden ist, nicht nur ein bloßer Unsinn steckt, sondern daß in den Sachen überall ein gesunder Kern vorhanden ist. Theosophie ist nicht dazu da, um eine gewisse Partei zu ergreifen, um etwa zu sagen: Das ist eine Richtung, die bringt dem Menschen Gift bei! - Das Wort Gift wirkt ja heute geradezu suggestiv, und die Leute &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|201}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
denken nicht daran, wie relativ dieses Wort ist. Was ist denn eigentlich ein Gift? Jeder Stoff kann ein Gift sein. Es kommt nur auf die Heilweise an und auf die Menge, die auf einmal genossen wird. Wasser ist ein starkes Gift, wenn man zehn Liter auf einmal genießt. Diese Wirkung, innerlich chemisch erfaßt, unterscheidet sich gar nicht besonders davon, daß man dem Menschen irgendeinen an,dern Stoff zu führt. Es kommt immer auf die Menge an, denn alle diese Begriffe sind relativ.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus dem, was wir heute durchschaut haben, können wir sagen: Wir können froh sein, daß selbst für das, was sich der Mensch an Schädigung einverleiben kann, in alledem, was uns als Natur umgibt - wie wir jetzt den Weltprozeß ansehen -, das Gesundende sich irgendwie finden muß, so daß der Mensch die Schädigung wieder überwinden kann. Und das ist auch ein schönes Gefühl, das wir gegenüber der Außenwelt haben können: Wir können uns nicht nur über die Außenwelt freuen, weil sie uns sprießende Blumen schenkt oder uns im Lichtglanz die Berge erstrahlen läßt, sondern wir können uns auch deshalb über sie freuen, weil alles um uns herum in einer so innigen Beziehung steht zu dem, was im Menschen selbst als gut oder böse bezeichnet werden kann. Wir können uns in der Natur nicht nur über das freuen, was uns zunächst anspricht; sondern je tiefer wir eindringen in das, was sich bis zum äußeren materiellen Dasein verdichtet hat, desto mehr werden wir finden: Diese uns erfreuende Natur hat in sich zugleich den mächtigen Heiler für alles&amp;gt; was sich der Mensch als Schädigung zuführen kann, irgendwie ist der Hei 1er in der Natur verborgen. Es handelt sich nur darum, die Sprache des Heilers nicht bloß zu verstehen, sondern ihr auch zu gehorchen und sie wirklich auszuführen. Und heute haben wir in den meisten Fällen aus dem Grunde nicht die Möglichkeit, der Sprache der heilenden Natur zu gehorchen, weil die Verkennung des Lichtes, weil die Finsternis, die sich auch in die Erkenntnis hineingemischt hat, in vieler Beziehung Zustände herbeigeführt hat, welche es nicht gestatten, der reineR Sprache der Natur zu folgen. Und so müssen wir uns darüber klar sein: Wo in einem Falle keine Hilfe geleistet, wo ein Leiden wegen karmischer Zusammenhänge nicht gemildert werden kann, würde das nicht bedeuten, daß es absolut nicht gemildert werden könnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|202}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So sehen wir auch hier wieder einen merkwürdigen Zusammenhang, der uns doch wieder die ganze große Welt einschließlich des Menschen ais ein Wesen erscheinen läßt. In dem Satze: Materie ist gewobenes Licht, Seelisches ist in irgendeiner Weise verdünnte Liebe -, liegen die Schlüssel für unzählige Geheimnisse des Erdendaseins. Die gelten aber nur für das Erdendasein und für kein anderes Gebiet desWeltendaseins. Damit haben wir ja nichts Geringeres gezeigt, als daß wir, wenn wir dem Karma irgendeine Richtungsänderung geben, uns in dem einen oder andern Falle mit dem verbinden, was gerade die zusammensetzen- den Elemente unseres Erdendaseins sind: auf der einen Seite mit dem zur Materie gewordenen Licht, auf der andern Seite mit der zum Seelischen gewordenen Liebe. Wir entnehmen das Heilmittel entweder aus der Umgebung, aus dem dichtgewordenen Licht oder aus unserer ei- genen Seele, aus der heilenden Liebestat, Opfertat, und heilen dann mit der au der Liebe gewonnenen seelischen Kraft. Wir verbinden uns mit dem, was auf der Erde im tiefsten Inneren berechtigt ist, wenn wir uns auf der einen Seite verbinden mit dem Licht, auf der andern Seite mit der Liebe. Alle Erdenzustände sind irgendwie Gleichgewichtszustände zwischen Licht und Liebe. Und ungesund ist eine Störung in dem Gleichgewicht zwischen Licht und Liebe. Ist irgendwo die Störung in der Liebe, so können wir helfen, indem wir die Kraft der Liebe selbst entfalten; und ist die Störung im Lichte, so können wir helfen, indem wir uns im Weltall irgendwie dasjenige Licht verschaffen, welches die Finsternis in uns aufheben kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da haben Sie die Grundelemente des menschlichen Helfens. Sie zeigen, wie alles im Erdendasein auf Gleichgewichtslagen beruht von einander entgegengesetzten oder einander gegenüberstehenden Elementen. Licht und Liebe sind eigentlich sich gegenüberstehende Elemente. Aber auf ihrem Ineinanderverwobensein beruht zuletzt alles, was in unserem Erden leben an Seelischem und an Materiellem vor sich geht. Daher dürfen wir uns nicht wundern, wenn auf allen Gebieten des Menschenlebens von Epoche zu Epoche die Fortentwickelung so geschieht, daß gleichsam die Gleichgewichtslage nach der einen Seite besonders ausschlägt und dann nach der andern Seite wieder versucht wird, sie einzurenken, wenn also unsere Entwickelung so verläuft, daß &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
sie einem Wellenschlage gleicht. In der Tat gleicht unsere Entwickelung einer Art Wellenschlag: sie geht herunter und sie geht hinauf, und es wird immer der gestörte Gleichgewichtszustand ausgeglichen durch das, was nach der andern Seite wieder den entsprechend andern, über die Gleichgewichtslage hinausgehenden Pendelschlag bedeutet. Wenn Sie darauf eingehen, daß es sich im Menschenleben überall handelt um eine Störung des Gleichgewichtes nach der einen oder andern Richtung, dann werden Sie finden, wie Sie dadurch selbst die intimsten Kulturprozesse in irgendeiner Weise beleuchten können. Wenn Sie eine Zeitepoche betrachten, wo in der menschlichen Entwickelung gewisse Schädigungen dadurch eingetreten sind, daß die Menschen nur auf das Innere gesehen haben und nicht auch auf das Äußere, wie zum Beispiel im Mittelalter, wo bei der starken Blüte der Mystik das Äußere unberücksichtigt geblieben ist und auch zu Mißverständnissen nicht nur im Erkennen, sondern auch im Handeln geführt hat, so sehen Sie dann auf der andern Seite jene Zeit folgen, in welcher man die Mystik absolut nicht ertragen kann, dafür aber den Blick in die Außenwelt richtet, um alles zu tun, was das Pendel wieder nach der andern Seite ausschlagen läßt. Da haben Sie Übergänge zwischen Mittelalter und neuerer Zeit. Und Sie werden in der mannigfaltigsten Art solche Störungen der Gleichgewichtslage finden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dabei möchte ich anführen, daß in der Tat in solchen Zeiten wie den unsrigen eine charakteristische Eigenschaft vieler Menschen sich darin zeigt, daß sie völlig vergessen und ganz aus der Aufmerksamkeit verlieren, was man nennen könnte ein Bewußtsein von einer übersinniichen Welt. Das heißt, es gibt in unserer Zeit zahlreiche Menschen, die völlig außer acht lassen, daß es eine geistige Welt gibt, und die also die Gedanken an die geistige Welt ablehnen. In einer solchen Zeit - und überhaupt in solchen Zeiten - ist immer auch in einer gewissen Beziehung das Gegenbild davon vorhanden. Ich möchte das in einer ganz einfachen Weise charakterisieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn es Menschen auf dem physischen Plane gibt, die sich so sehr in das Physische verstricken, daß sie das Geistige ganz und gar vergessen, dann haben jene Menschen, die zwischen Tod und neuer Geburt in der geistigen Welt leben, auf der andern Seite dafür den entgegengesetzten &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Drang, der hervorgerufen ist wie durch ein Karma, das vom physischen Plan hinüberwirkt auf den geistigen Plan: den Drang nämlich, in irgendeiner Weise sich mit Dingen zu beschäftigen, die aus der geistigen Welt in die physische hinein spielen. Das liegt in der Tat zugrunde man- cherlei Hereinwirkungen in die physische Welt von seiten von Menschen, die in der Zeit vor einer neuen Geburt stehen. In die physische Welt wirken dann diese Menschen so hinein, wie sich eben gerade die Mittel ergeben, auf dem Umwege über solche Menschen, die im höheren Maße diesen Einflüssen aus der geistigen Welt zugänglich sind. - Hat man auf diesen Gebieten Klarheit zu bringen, so wird man ja vieles ablehnen müssen, was von dieser oder jener Seite her erzählt wird als Offenbarungen der geistigen Welt von Menschen, die zwischen Tod und neuer Geburt stehen. Und man wird die charakteristischen Fälle gut heraussondern können, wo die Toten - um das Pendel nach der andern Seite ausschlagen zu machen - sehr stark darauf verfallen, irgendwie den Menschen handgreiflich zu zeigen: Es gibt doch eine geistige Welt! Dafür, daß es in unserer Zeit Menschen gibt, die völlig umnachtet sind, die so viel Finsternis in ihr Geistiges hineinverwoben haben, daß sie gar nichts wissen wollen von der geistigen Welt, dafür gibt es Tote, welche aus diesem Mangel heraus den Drang haben, hineinzuwirken in die physische Welt. Am meisten geschehen solche Dinge, wenn von den Menschen auf dem physischen Plan gar nichts dazu getan wird. Und am charakteristischsten sind die Dinge, die sich ohne künstliche Versuche anbieten, die sozusagen auftreten als Kundgebungen aus der geistigen Welt. Daher der Zusammenhang von Menschen auf dem materialistischen Felde auf der einen Seite, und der Drang, der besteht, von der geistigen Welt aus belehrend hereinzuwirken auf der andern Seite.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie werden vieles, was dafür Beleg sein kann, finden in dem Buche unseres Freundes Ludwig Deinhard «Das Mysterium des Menschen». Da ist vieles zusammengestellt und systematisiert von dem, was Sie gerade brauchen und was heute in der Literatur, wo sie wissenschaftlich ist, so zerstreut ist, daß nicht für jeden möglich ist, es sich zusammenzuholen. Daher ist es sehr schön, daß Sie in diesem Buche eine Zusammenstellung haben gerade dieser Seite der geisteswissenschaftlichen Tatsachen, die, wie Sie jetzt sehen, im eminenten Sinne sogar &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
charakteristisch sind für unsere Zeit. Insbesondere finden Sie darin mit großem Glück verzeichnet eine charakteristische Tatsache von einem Forscher, welcher in seinem hiesigen Erdenleben alles mögliche versuchte, um auf dem Wege der materialistischen Methode zum Beweise von der geistigen Welt zu kommen - der verstorbene Frederick Myers - und der dann nach seinem Tode den starken Drang fühlte, dasjenige, was er hier angestrebt hat, durch Hereinstrahlungen aus der geisötigen Welt, mit Hilfen aus der geistigen Welt, hier den Menschen zu zeigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das sollte eine Illustration sein zu dem Satze, daß wir in der Welt und dem Weltendasein zu sehen haben fortwährende Störungen von Gleichgewichten und wiederum das Suchen von Gleichgewichten. Im Erdendasein haben wir als tiefste Elemente dieses sich immerfort störenden und wiederherstellenden Gleichgewichtes die beiden Elemente Licht und Liebe. Und im menschlichen Karma wirken nun von Inkarnation zu Inkarnation die beiden Elemente Licht und Liebe ausgleichend auf die gestörten Gleichgewichtslagen. Denn im Grunde genommen haben` wir in dem durch alle Inkarnationen sich durchschlängelnden Karma gestörte Gleichgewichtslagen, und in Licht und Liebe haben wir den fortwährenden Versuch, das Gleichgewicht wiederherzustellen. Bis einst in ferner Zukunft der Mensch in dem Durchgehen durch seine Inkarnationen endlich dahin gekommen sein wird, einen letzten, durch die Erde erreichbaren Gleichgewichtszustand auszubilden, der dahin führen wird, daß die Menschheit die Erdenmission erfüllt haben wird und das Erdendasein sich in eine neue planetarische Form hinüber- entwickeln wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So habe ich versucht, etwas auseinanderzusetzen, ohne das eine tiefere Begründung der karmischen Zusammenhänge und Gesetze nicht möglich ist. Ich habe mich darum auch nicht gescheut, die geheöimnisvollen Grundlagen, für die unsere heutigeWissenschaft noch lange nicht reif sein wird, einmal heute abzuhandeln: daß Materie in Wahrheit verwobenes Licht ist und daß Seelisches in irgendeiner Beziehung verdünnte Liebe ist. Das sind alte okkulte Sätze, aber Sätze, die für alle folgenden Zeiten wahr bleiben werden und die sich fruchtbar erweisen werden in der Menschheitsentwickelung nicht nur für die Erkenntnis, sondern auch für das menschliche Wirken und Handeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
= ELFTER VORTRAG Hamburg, 28. Mai 1910 =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vieles wäre noch zu sagen über die verschiedenen Offenbarungen des Karma. Aber da wir heute die letzte unserer Betrachtungen haben und die Zeit überhaupt für ein so reiches Thema notwendigerweise kurz sein mußte, so werden Sie es begreiflich finden, daß mancherlei von dem zu Besprechenden, mancherlei vielleicht auch von dem, was Ihnen als Fragen auf der Seele liegt, diesmal nicht seine Erledigung finden kann. Aber unsere Bewegung wird ja weitergehen, und wir werden das, was bei einem Kursus notwendigerweise unerledigt bleiben muß, bei einem andern weiter ausführen und erledigen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was Ihnen wiederholt vor die Seele getreten sein wird, das ist, daß der Mensch die karmische Gesetzmäßigkeit als etwas erlebt, was sozusagen in jedem Augenblick, in dem er lebt, etwas vollkommen Bestimmtes ist, so daß wir in jedem Augenblick unseres Lebens zurückblicken können auf das, was wir durchgemacht haben, was wir getan&amp;gt; gedacht, gefühlt haben in den Inkarnationen, die der betreffenden vorangegangen sind, in welcher wir unsere Betrachtungen anstellen. Und immer werden wir finden, daß unser augenblickliches menschliches inneres und äußeres Schicksal dadurch gefaßt werden kann, daß wir sozusagen eine Art «Lebenskonto» haben, wo wir alle klugen, verständigen, weisen Erlebnisse auf die eine Seite schreiben, und alles Unverständige, alles Böse und Häßliche auf die andere Seite. Auf irgendeiner Seite wird sich dabei ein Überschuß ergeben, und der bedeutet in einem Augenblicke des Lebens auch das Schicksal dieses Augenblickes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun können verschiedene Fragen dabei auftauchen, und die nächste muß die sein: Wie verhält sich das, was die Menschen in ihrem Zusammenleben tun, was sie vollbringen als menschliche Gemeinschaft, zu demjenigen, was wir das individuelle Karma des einzelnen Menschen nennen? Wir haben diese Fragen von andern Seiten her schon berührt. Wenn wir auf irgendein Ereignis der Geschichte zurückblicken, zum Beispiel auf die Perserkriege, so können Sie unmöglich glauben, daß dieses Ereignis, zunächst von griechischer Seite aus ancharakteristisch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
sind für unsere Zeit. Insbesondere finden Sie darin mit großem Glück verzeichnet eine charakteristische Tatsache von einem Forscher, welcher in seinem hiesigen Erdenleben alles mögliche versuchte, um auf dem Wege der materialistischen Methode zum Beweise von der geistigen Welt zu kommen - der verstorbene Frederick Myers - und der dann nach seinem Tode den starken Drang fühlte, dasjenige, was er hier angestrebt hat, durch Hereinstrahlungen aus der geis`tigen Welt, mit Hilfen aus der geistigen Welt, hier den Menschen zu zeigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das sollte eine Illustration sein zu dem Satze, daß wir in der Welt und dem Weltendasein zu sehen haben fortwährende Störungen von Gleichgewichten und wiederum das Suchen von Gleichgewichten. Im Erdendasein haben wir als tiefste Elemente dieses sich immerfort störenden und wiederherstellenden Gleichgewichtes die beiden Elemente Licht und Liebe. Und im menschlichen Karma wirken nun von Inkarnation zu Inkarnation die beiden Elemente Licht und Liebe ausgleichend auf die gestörten Gleichgewichtslagen. Denn im Grunde genommen haben` wir in dem durch alle Inkarnationen sich durchschlängelnden Karma gestörte Gleichgewichtslagen, und in Licht und Liebe haben wir den fortwährenden Versuch, das Gleichgewicht wiederherzustellen. Bis einst in ferner Zukunft der Mensch in dem Durchgehen durch seine Inkarnationen endlich dahin gekommen sein wird, einen letzten, durch die Erde erreichbaren Gleichgewichtszustand auszubilden, der dahin führen wird, daß die Menschheit die Erdenmission erfüllt haben wird und das Erdendasein sich in eine neue planetarische Form hinüber- entwickeln wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So habe ich versucht, etwas auseinanderzusetzen, ohne das eine tiefere Begründung der karmischen Zusammenhänge und Gesetze nicht möglich ist. Ich habe mich darum auch nicht gescheut, die geheöimnisvollen Grundlagen, für die unsere heutigeWissenschaft noch lange nicht reif sein wird, einmal heute abzuhandeln: daß Materie in Wahrheit verwobenes Licht ist und daß Seelisches in irgendeiner Beziehung verdünnte Liebe ist. Das sind alte okkuite Sätze, aber Sätze, die für alle folgenden Zeiten wahr bleiben werden und die sich fruchtbar erweisen werden in der Menschheitsentwickelung nicht nur für die Erkenntnis, sondern auch für das menschliche Wirken und Handeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
gesehen, etwas darstellt, was nur in das Schicksalsbuch der einzelnen Menschen zu schreiben wäre, die auf dem äußeren physischen Plan als zunächst daran beteiligt zu gelten haben. Denken Sie an alle die Führer der Perserkriege, an alle die Menschen, welche sich damals aufgeopfert haben, denken Sie an alles, was von den Führern bis zu dem einzelnen damals im griechischen Heere getan worden ist: Werden Sie jemals, wenn Sie nur einigermaßen vernunftgemäß ein solches Ereignis auf sich wirken lassen, das, was die einzelnen Menschen damals getan haben, bei jedem einzelnen Menschen nur auf das karmische Konto dieser einzelnen Persönlichkeiten schreiben können? Unmöglich werden Sie das können. Denn Sie werden unmöglich sich vorstellen können, daß bei den Ereignissen, die ein ganzes Volk oder einen großen Teil der zivilisierten Menschheit angehen, nichts anderes geschieht, als daß jede einzelne menschliche Individualität nur ihr Karma auslebt. Und so müssen Sie im Verlauf der geschichtlichen Entwickelung immer wieder von Ereignis zu Ereignis gehen, und Sie werden sehen, daß innerhalb der Menschheitsentwickelung selber Sinn und Bedeutung zu finden sind, daß aber solche Ereignisse nicht eines sein können mit dem individuellen Karma des einzelnen Menschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir können eine Angelegenheit wie die Perserkriege auf unsere Seele wirken lassen und uns dann fragen: Was haben sie im Entwickelungsgang der Menschheit für eine Bedeutung? Im Orient hatte sich eine gewisse Kultur entwickelt, die große, gewaltige Lichtseiten hatte. Aber wie jedes Licht seine Schatten mit sich bringt, so müssen wir uns auch klar sein, daß die ganze Kultur des Orients nur dadurch für die Menschheit zu erreichen war, daß auch mancherlei Schattenseiten, die nicht in der menschlichen Entwickelung hätten weitergeführt werden dürfen, sich in jene Kultur hineingedrängt haben. Vor allem war eine solche Schattenseite die, daß der Orient den Drang hatte, durch äußere, rein auf dem physischen Plan liegende Machtmittel sich immer mehr zu vergrößern. Wäre dieser Vergrößerungstrieb nicht erstanden, so wäre natürlich die ganze orientalische Kultur nicht zustande gekommen. Eines ist nicht ohne das andere zu denken. Aber damit die Menschheit sich weiterentwickeln konnte, mußte aus ganz andern Voraussetzungen heraus sich zum Beispiel die griechische Kultur entwickeln. Die griechische&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Kultur hätte aber nicht einen unmittelbaren Anfang nehmen können, sie mußte gewisse Voraussetzungen a,nderswoher bekommen. Und sie hat in der Tat wichtige Voraussetzungen aus der orientalischen Kultur entlehnt. Verschiedene Sagen von Heroen, die von Griechenland hinüberzogen nach dem Orient, stellen nichts weiter dar, als daß Schüler gewisser griechischer Schulen hinübergezogen waren nach dem Orient und den Griechen jene Güter gebracht haben, die nur innerhalb der orientalischen Kultur gewonnen werden konnten, die dann aber weitergepflegt und umgewandelt werden konnten durch das, was aus dem griechischen Volkscharakter, durch das griechische Volkstalent sich herangebildet hatte. Aber dazu mußte aus diesen herübergebrachten Gütern ausgemerzt werden, was ihre Schattenseite war: der Drang, durch rein äußere Machtmittel sich so nach dem Westen hinüber auszudehnen, wie sie waren. Das Römertum, das später entstand als das Griechentum, und alles, was die weiteren Voraussetzungen waren für die Weiterentwickelung der europäischen Menschheit, das hätte sich nicht herausbilden können, wenn nicht die Griechen sich den freien Boden geschaffen hätten für die Fortentwickelung der orientalischen Kultur, wenn sie nicht die Perser und das, was dazugehört, zurück- geschlagen hätten. So konnte filtriert werden, was in Asien geschaffen worden war, indem man die Asiaten zurückschlug.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von diesem Gesichtspunkt aus sind viele Ereignisse in der Weltentwickelung zu betrachten, und man bekommt dann ein eigentümliches Bild. Wenn wir bei einem Vortragszyklus, der drei bis vier Jahre dauern würde, diesen Gedanken nur für die uns geschichtlich überlieferten Dokumente der Menschheit ausführen könnten, so würde sich uns etwas ergeben, was wir wirklich nennen könnten einen Plan in der Entwickelung der Menschheit. Wir würden dann einen solchen Plan überschauen und uns sagen: Dies mußte errungen werden; das hatte diese Schattenseiten, die wieder ausgemerzt werden mußten; das errungene Gut mußte einem andern übergeben und dort weiter ausgebildet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf dieseWeise würden wir einen Plan der Menschheitsentwickelung herausbekommen und würden bei Besprechung dieses Planes eigentlich gar nicht auf den Gedanken verfallen können: Wie ist denn das zustande&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
gekommen, daß zum Beispiel gerade Xerxes oder Miltiades oder Leonidas dieses oder jenes individuelle Karma hatten? Dieses individuelle Karma müssen wir als etwas betrachten, was für sich entschieden und hineinverflochten werden muß in den Plan der Menschheitsentwickelung. Anders ist die Sache durchaus nicht zu fassen. Und so ist es auch für die geisteswissenschaftliche Anschauung. Wenn aber das der Fall ist, müssen wir sagen: In diesem planvollen Fortgang der Menschheitsentwickelung müssen wir für sich etwas sehen, was in ähnlicher Weise in sich zusammenhängt, wie die karmischen Ereignisse im individuellen Menschenleben zusammenhängen. Und dann können wir weiter fragen: Was hat ein solcher Plan in der ganzen Menschheitsentwickelung für eine Beziehung zum einzelnen individuellen Karma des Menschen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Betrachten wir zunächst einmal das, was man nennen könnte das Geschick in der menschlichen Entwickelung selber. Wenn wir zurückblicken, sehen wir, wie Kultur nach Kultur, Volksentwickelung nach Volksentwickelung aufsteigen. Wir sehen weiter, wie Volk für Volk dieses oder jenes Neue leistet, wie etwas bleibt als Unvergängliches aus den einzelnen Volkskulturen, wie aber geradezu die Völker sterben müssen, um das Volksgut, die Errungenschaften der einzelnen Völker zu retten für die entsprechend späteren Epochen der Menschheitsentwickelung. Da müssen wir doch verständlich finden, was die Geisteswissenschaft zu sagen hat, daß in diesem fortlaufenden Gang der Menschheitsentwickelung genau zwei Strömungen zunächst zu unterscheiden sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Betrachten Sie im ganzen Gang der Menschheitsentwickelung das, was wir als fortlaufende Strömung ansehen können, innerhalb welcher sich Welle nach Welle entwickelt, wobei aber das errungene Gut der vorangegangenen Welle für die nachfolgende erhalten bleibt. Wir würden ein Bild davon bekommen, wenn wir hinschauen auf die erste Kultur der nachatlantischen Zeit, auf das, was im alten Indertum an Großartigkeit geleistet worden ist. Wenn wir dieses Großartige aber vergleichen mit dem schwachen Nachklang, der in den Veden davon enthalten ist, die zwar immer noch bewundernswürdig sind, aber eben doch nur ein schwacher Abglanz sind von dem, was die Rishis geleistet haben und was uns die Geisteswissenschaft von dem großen Kultureinschlag der Inder berichtet, dann werden wir sagen müssen: Es war &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
die ursprüngliche Größe dessen, was dieses Volk für die Menschheit zu leisten hatte, schon im Niedergange, als man daran ging, in jenen herrlichen dichterischen Darstellungen dieses Kulturgut der Menschheit aufzubewahren. Aber was die indische Kultur zunächst zu leisten hatte, das floß hinein in den ganzen Gang der Menschheitsentwickelung. Und nur unter dieser Voraussetzung konnte sich das später entwickeln, was wieder ein junges Volkstum brauchte - nicht ein altgewordenes Volk. Es mußten zuerst die Inder zurückgedrängt werden auf die südliche Halbinsel, und es entwickelte sich dann in Persien die Weltanschauung des Zarathustra. Was hatte diese Weltanschauung an Großem in der Zeit, als sie entstand - und wie war sie in verhältnismäßig gar nicht langer Zeit verfallen bei dem Volke, das sie geschaffen! Wir haben dann beim Ägyptertum und Chaldäertum denselben Vorgang. Dann sehen wir das Hinübergehen orientalischerWeisheit nach Griechenland, und sehen, wie die Griechen zurückschlagen das, was auf dem äußeren physischen Plan das Orientalische ist. Wir sehen dann, wie in den Schoß des Griechentums aufgenommen wird, was der ganze Orient geleistet hat, und wie es verwoben wird mit mancherlei, was bis dahin in andern europäischen Gebieten geleistet worden ist. Daraus wird dann ein neuer Kultureinschlag geschaffen, welcher auf vielen Umwegen fähig geworden ist, den christlichen Impuls aufzunehmen und ihn nach dem Westen weiterzuverpfianzen. Und so würden wir auch späterhin einen fortlaufenden Kulturstrom finden, in welchem wir Glied an Glied anreihen können, und jedes folgende Glied erscheint uns zugleich als eine Fortsetzung des vorhergehenden und immer als etwas Neues, was der Menschheit gegeben werden mußte. Aber woraus mußte das hervorwachsen,was sich so von Epoche zu Epoche weiterentwickelt?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denken Sie an alles, was jedes einzelne Volk mit seinem Kulturgebiet erlebt! Denken Sie an alles, was in jedem einzelnen Volke vorgegangen sein muß als eine Summe von Gefühlen und Empfindungen bei unzähligen Menschen, von Wünschen und Enthusiasmus für das, was als das am höchsten Begehrenswerte erscheinen muß und was gerade auf diesem Gebiete als Kultureinschlag gegeben werden soll! Denken Sie, wie die Seelen der einzelnen Menschen bei dem einzelnen Kultureinschlag mit dem, was sie wünschen und erstreben, ganz dabei sein &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
müssen! Und außerdem war notwendig durch unzählige Jahrhunderte der Menschheitsentwickelung hindurch, daß die Völker, wie sie die einzelnen aufeinanderfolgenden Kultureinschläge entwickelten, immer in einer Art Illusion lebten - in der Illusion, daß jedes solche Volk gerade den Kulturschatz, den es selber auszuarbeiten hatte, als etwas Ewiges und Unvergängliches betrachtete, was nimmermehr von ihm genommen werden könnte. Dadurch erst war das hingebungsvolle Arbeiten der einzelnen Völker an der Kultur möglich, daß diese Illusion immer wieder und wieder auftauchte: daß das, was da geschaffen wurde, mit allem, was daran hing, einen ewigen Bestand haben würde. Auch heute ist diese Illusion ja vorhanden; und wenn man sich ihr auch nicht mehr in so positiver Weise hingibt und von der «Ewigkeit» dieser oder jener Kultur redet, so ist sie doch in der Form vorhanden, daß man nicht an das Ende denkt - nicht im Kleinen und nicht im Großen -, daß man sozusagen keine Aufmerksamkeit darauf verwendet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da haben Sie zweierlei, was die Volkskulturen brauchten und was im Grunde genommen erst in unserer Zeit anfängt eine Art von Änderung zu erfahren. Denn das erste Gebiet menschlichen Geisteslebens, wo gründlich solche Illusionen nicht mehr erwachen werden, das wird das theosophische Geistesleben sein. Denn es wäre ein arges Mißverständnis, wenn jemand, der fest auf dem Boden unserer Geistesbewegung steht, glauben wollte, daß die Formen, in welche wir unsere Erkenntnisse gießen, daß die Gedankenausführungen, die wir heute geben können, daß das, was wir heute aus unserem theosophischen Denken, Fühlen und Wollen geben können, einen ewigen Bestand hätte. Sehr kurzsichtig wäre es, zu behaupten, in drei Jahrtausenden würde es noch Menschen geben, die genau ebenso sprechen würden von den theosophischen Wahrheiten, wie wir es heute tun. Wir wissen, daß wir durch unsere Zeitverhältnisse veranlaßt sind, etwas von dem fortlaufenden Entwickelungsprodukt in die gegenwärtigen Formen zu prägen und daß unsere Nachfahren in ganz anderen Formen des Erlebens diese Dinge zum Ausdruck bringen werden. Warum ist das so? Aus einem ähnlichen Grunde, weshalb es durch viele Jahrhunderte und Jahrtausende der Menschheitsentwickelung hindurch geschah, daß Volkskultur über Volkskultur die einzelnen Menschen vieles erleben lassen mußte, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
damit der Beitrag sich aus der gesamten Volksentwickelung heraus- bilden konnte. Denken Sie an die unzähligen Erlebnisse, die im alten Griechenland durchgemacht wurden, und denken Sie an das, was sich als Extrakt daraus für die spätere gesamte Menschheit ergeben hat! Da werden Sie sagen: Es steckt noch mehr darin als nur die einzelnen Strömungen. Es geschehen viele Dinge um dieser Kernströmung willen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deshalb haben wir zwei Dinge zu beobachten: Erstens etwas, was entstehen und zugrunde gehen muß, damit aus diesem Ganzen das zweite - der Quantität nach der kleinste Teil - als ein Bleibendes fort- dauern kann. Wenn wir wissen, daß, seitdem das menschliche Einzelkarma besteht, in der Menschheitsentwickelung zwei Mächte wirken, die wir immer wirksam gefunden haben, Luzifer und Ahriman, dann erst werden wir den Fortgang der Menschheitsentwickelung verstehen. Denn das müssen wir zum Plan der Menschheitsentwickelung rechnen, daß zuletzt, wenn die Erde an ihrem Ziel angelangt sein wird, die Ergebnisse, die so aus den einzelnen Kulturen nach und nach der gesamten Menschheitsentwickelung einverleibt werden, fruchtbar gemacht werden für alle einzelnen lndividualitäten, ganz gleichgültig,welche Schicksale sie durchgemacht haben. Auf dieses Ziel blicken wir aber erst da- durch, daß wir die Weltentwickelung in theosophischem Sinne ansehen. Denn man gebe sich keiner Täuschung hin: Solches Ziel in der richtigen Weise zu denken, unter vollem Bestande der menschlichen Individualität, ohne ein Verschwimmen der Individualität in irgendeine nebulose pantheistische Einheit, sondern so, daß die Individualität voll erhalten bleibt und wieder in sie dasjenige einfließt, was sich die Menschheit im Großen erobert hat - klar und scharf kann dieses Ziel erst der theosophischen Seelenkultur vor Augen stehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir also auf die früheren Kulturen zurückblicken, können wir uns von vornherein sagen: Seit überhaupt menschliche Individualitäten sich inkarnieren, sind beteiligt an der Menschheitsentwickelung Luzifer und Ahriman. Luzifer ist daran so beteiligt, daß er an dem fortlaufenden Kulturstrom immer teilzunehmen sucht, indem er sich einnistet in die menschlichen Astralleiber und sie imprägniert mit dem luziferischen Impuls. Das ist, was Luzifer im Gange der Menschheitsentwickelung vollführt; er wirkt hinein in die menschlichen Astralleiber. Die Menschen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|213}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
könnten das, was Luzifer ihnen gibt, niemals bloß von denjenigen Mächten erhalten, welche den fortlaufenden, eben charakterisierten Kulturstrom bewirken. Trennen Sie diesen Kulturstrom aus dem ganzen Fortgang der Menschheit heraus, dann haben Sie das, was die normal fortschreitenden Geistwesen der Hierarchien herunterströmen lassen in die Menschheit als immer neue Reichtümer. Indem wir hinauf- schauen zu.den Hierarchien, müssen wir sagen: Diejenigen Geistwesen, welche ihre normale Entwickelung durchmachen, gaben der irdischen Kultur das,was bleibendes Gut der Menschheit ist, was zwar später um- gewandelt wurde, aber doch bleibendes Gut der Menschheit geworden Ist. Es ist gleichsam so, wie wenn wir einen Baum haben und in ihm das Mark. So gewinnen wir einen fortlaufend lebendigen Strom der fort- laufenden Kultur.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch diese Mächte, die eine normale Entwickelung für sich durchmachen, hätte es auf diese Weise geschehen können, daß der Mensch sein Ich immer mehr und mehr erfüllt hätte mit dieser fortschreitenden Bereicherung der menschlichen Entwickelung. Hineinfließen würde von Zeit zu Zeit das, was den Menschen weiterbringt; der Mensch würde sich immer mehr anfüllen mit den Gaben der geistigen Welt, und zuletzt, wenn die Erde an ihrem Ziel sein würde, wäre es selbstverständlich, daß der Mensch alles, was aus den geistigen Welten gegeben worden wäre, in sich hätte. Aber eines wäre nicht möglich: daß der Mensch ureigensten, heiligen Eifer entwickelte, Hingebung und Feuer für das, was da geschaffen wird von Kulturepoche zu Kulturepoche. Aus demselben Untergrunde, aus dem jeder Wunsch und jede Begierde herauswächst, erwächst auch der Wunsch nach den großen Idealen, erwächst auch die Begierde nach Menschenbeglückung, nach Leistungen der Künste in den aufeinanderfolgenden menschlichen Kulturepochen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus demselben Grunde, aus dem verderbliche, nach dem Bösen gehende Begierden erwachsen, erwachsen auch die Bestrebungen nach dem Höchsten, was auf der Erde geleistet werden kann. Und es würde das nicht da sein, für was die menschliche Seele als für ein höchstes Gut entbrennt, wenn es nicht auf der andern Seite möglich wäre, daß dieselbe Begierde auch nach der andern Seite in das Laster und in das Böse hinuntersinken kann. Daß es diese Möglichkeit in der Menschheitsentwik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
kelung gibt, das ist das Werk der luziferischen Geister. So dürfen wir nicht verkennen, daß die luziferischen Geister für die Menschen Freiheit gebracht haben zugleich mit der Möglichkeit des Bösen, freie Empfänglichkeit für das, was sonst in die menschliche Seele nur ein fließen würde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber wir haben auch gesehen, daß alles, was Luzifer herausfordert, seine Antwort findet durch Ahriman. So sehen wir Luzifer mit seinem ganzen Heere wirken in dem, was dann im Konkreten den Einschlag der griechischen Kult`ur der ganzen menschlichen Entwickelung geben soll: in den griechischen Heroen, in den griechischen Helden und Künstlern. Luzifer dringt hinein in die astralischen Leiber, läßt sie entbrennen für das, was sie als das Höchste verehren. So wird dasjenige, was mit dem Griechentum in die Entwickelung ein fließen soll, zugleich zum Enthusiasmus der Volksseele. Gerade da steckt Luzifer darinnen. Und weil Luzifer der Mond-, nicht der Erdentwickelung seine Kraft verdankt, fordert er Ahriman heraus; und indem Luzifer von Zeitepoche zu Zeitepoche seine Tätigkeit entwickelt, gliedert sich Ahriman dazu - und verdirbt dasjenige stückweise, was Luzifer auf der Erde bewirkt hat. - Es ist die Weltentwickelung der Menschen ein fortwährendes Wirken zwischen Ahriman und Luzifer. Wirkte Luzifer nicht in der Menschheit, so fehlte der Eifer und das Feuer für den fortlaufenden Strom der Menschheitsentwickelung; wäre Ahriman nicht da, der von Volk zu Volk wieder zerstört, was nicht aus dem fortlaufenden Strom, sondern nur aus dem luziferischen Einschlag kommt, dann würde Luzifer die Einzelkulturen ewig fortführen wollen. So sehen Sie hier Luzifer seIn eigenes Karma sich heraufbeschwören, das eine notwendige Folge der Entwickelung auf dem alten Monde ist. Und die Folge ist nun, daß er Ahriman immerfort an seine Ferse ketten muß. Ahriman ist die karmische Erfüllung des Luzifer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da blicken wir hinein in das Karma der höheren Wesenheiten an dem Beispiel der ahrimanischen und luziferischen Wesenheiten. Da oben ist auch Karma. Überall ist Karma, wo Iche sind. Und Luzifer und Ahriman bergen natürlich Iche in sich; deshalb können die Wirkungen ihrer Taten auf sie selber zurückschlagen. Auf viele dieser Geheimnisse wird erst im Sommer bei dem Zyklus über die biblische &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|215}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schöpfungsgeschichte hingewiesen werden können; nur auf eine Stelle möchte ich schon hier hinweisen, die Ihnen so recht wird zeigen können, von wie unendlicher Tiefe jedes einzelne Wort in den wahren okkulten Urkunden ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Haben Sie nie darüber nachgedacht, warum in der biblischen Schöpfungsgeschichte am Ende eines jeden Schöpfungstages der Satz steht: «Und die Elohim sahen das Werk, und sie sahen, daß es sehr gut war», daß es «aufs beste war»? Das ist ein bedeutungsvolles Wort. Warum steht es da? Der Satz zeigt ja selber, daß er als eine Charakteristik der Elohim gemeint ist, die sich auf dem Monde in normaler Weise entwickelt haben und deren Gegner Luzifer ist. Es ist etwas, das zur Charakteristik der Elohim gehört, daß sie nach jedem Schöpfungstag sahen, daß es «aufs beste war». Aus dem Grunde wird es angegeben, weil dieser Grad die Errungenschaft der Elohim war. Sie konnten auf dem Monde das Werk nur so lange sehen, als sie es taten, konnten nicht ein nachträgliches Bewußtsein davon haben. Daß sie nachträglich zurück- schauen können im nachschauenden Denken auf das Werk, das ist eine besondere Stufe im Bewußtsein der Elohim. Das war erst auf der Erde möglich; und zwar zeigt sich ihr innerer Charakter darin, daß dasWillensmäßige so herausströmt aus ihrem Wesen, daß,wenn sie es ansahen, sie sahen, daß es aufs beste war. Das waren die Elohim,welche ihrWerk auf dem Monde abgeschlossen hatten und die, wenn sie es auf der Erde hinterher beschauten, sagen konnten:Es kann bleiben, es ist aufs beste! - Dazu mußte aber die alte Mondentwickelung vollendet sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie ist es nun mit den luziferischenWesenheiten, also mit denjenigen Wesenheiten, die ihre Mondentwickelung nicht vollendet haben? Die werden also auf der Erde auch versuchen müssen, ihr Werk hinterher anzuschauen, so zum Beispiel wenn sie den Beitrag gegeben haben an Feuer und Enthusiasmus in der griechischen Kultur. Und sie werden dann sehen, wie es ihnen stückweise Ahriman abgebröckelt hat! Und sie werden sagen müssen, weil sie es nicht vollendet haben: Sie sahen ihr Tagewerk, und sie sahen, daß es nicht zum besten war, daß es ausgelöscht werden mußte!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist die große Enttäuschung der luziferischen Geister, daß sie immer von neuem ihr Werk versuchen, immer von neuem das Pendel &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|216}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nach der andern Seite zum Ausschlag bringen wollen - und immer von neuem ihr Werk durch Ahriman zerstört finden. Sie müssen sich innerhalb der Menschheitsentwickelung ein Auf-und-ab-Wogen denken, ein fortwährendes Anfachen von neuen Kräften durch Wesenheiten, die höher sind als wir selber, und daß diese Wesenheiten fortwährende Enttäuschungen erleben. Das ist enthalten in dem Erleben der luziferischen Geister in der Erdentwickelung. Und dieses Karma mußte die Menschheit in sich aufnehmen, weil der Mensch nur dadurch zur wirklichen Freiheit kommen konnte. Freiheit kann nur dadurch ersprießen, daß der Mensch sich den höchsten Inhalt seines Erden-Ich selber gibt. Dasjenige Ich, das der Mensch haben würde, wenn ihm alle Ziele am Ende der Erdentwickelung gegeben würden, kann nicht frei sein; denn es ist von vornherein bestimmt gewesen, alle Güter der Erdentwickelung in die Menschen ein fließen zu lassen. Frei werden konnte der Mensch nur, indem er zu diesem Ich ein anderes, irrtumfähiges Ich hinzuschafft, das in der Lage ist, immer wieder und wieder nach der Seite des Guten und nach der Seite des Bösen zu pendeln und das immer wieder hinauf- streben kann zu dem, was der Inhalt aller Erdentwickelung ist. Das niedere Ich mußte dem Menschen beigegeben werden durch Luzifer, damit das Hinaufarbeiten des Menschen zum höheren Ich seine ureigenste Tat sein kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nur so ist auch freier Wille in der Menschheit möglich. Freier Wille ist etwas, was sich der Mensch nach und nach erringen kann; denn der Mensch ist dazu so gestellt, daß ihm im Leben der freie Wille als ein Ideal vorschwebt. Wo ist denn in einem Mittelzustand der Entwickelung der menschliche Wille frei? Er ist niemals frei, weil er in jedem Augenblick dem luziferischen und ahrimanischen Element verfallen kann; er ist nicht frei, weil jeder Mensch, wenn er die Pforte des Todes durchschritten hat, in der aufsteigenden Zeit der Läuterung - vielleicht durch Jahrzehnte hindurch - einen ganz bestimmten Eindruck hat. Das ist das Wesentliche des Kamalokalebens, daß wir sehen, in welchem Grade wir selber unvollkommen sind durch das, was wir an Unvollkommenem in der Welt getan haben, daß wir Stück für Stück sehen, in welcher Weise wir unvollkommen geworden sind. Daraus geht dann die entschiedene Absicht hervor, alles wieder auszumerzen, was wir un&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|217}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
vollkommen gemacht haben. So ist das Leben in der Kamalokazeit, daß Absicht zu Absicht gefügt wird und der Gesamtentschluß gefaßt wird: Du mußt alles das wieder ausbessern, was du so gedacht und getan hast, daß es dich heruntergebracht hat! - Was der Mensch da fühlt, das prägt er seinem weiteren Leben ein und tritt mit dieser Absicht bei der Geburt ins Dasein - und ladet dadurch sein Karma auf sich. Daher können wir nicht sagen, daß wir, wenn wir durch die Geburt ins Dasein getreten sind, einen freien Willen haben. Einzig und allein können wir davon sprechen, daß wir uns einem freien Willen in dem Maße nähern, als es uns gelungen ist, Herr zu werden über die Einflüsse Luzifers und Ahrimans. Und Herr werden über die luziferischen und ahrimanischen Ein- flüsse können wir durch nichts anderes als durch Erkenntnis. Einmal durch Selbsterkenntnis, indem wir uns immer fähiger machen - auch im Leben zwischen Geburt und Tod -, unsere Schwachheiten in allen drei Seelenmerkmalen kennenzulernen, in Denken, Fühlen und Wollen. Wenn wir uns immer mehr bemühen, uns keiner Illusion mehr hinzu- geben, dann wächst ja in unserem Ich die Kraft, den luziferischen Einfluß entbehren zu können, denn dann werden wir immer mehr fähig, zu entscheiden, welche Hingabe die Güter der Menschheit, die nach und nach erobert wurden, verdienen. Sodann durch Erkenntnis der Außenwelt, die sich ergänzen muß mit der Selbsterkenntnis; beide müssen zusammenwirken. Selbsterkenntnis und Erkenntnis der Außenwelt müssen wir mit unserem Wesen vereinigen; dann werden wir imstande sein, ein klares Verhältnis zu Luzifer zu gewinnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist gerade die Eigentümlichkeit dessen, was wir uns als theosophische Erkenntnis aneignen, daß wir Aufschluß gewinnen darüber, wie weit an jedem menschlichen Tun Neigung und Leidenschaft, Luzifer und Ahriman beteiligt sind. Was haben wir in dieser Reihe von Vorträgen anderes getan, als uns Aufklärung verschafft darüber, wie luziferische und ahrimanische Kräfte in der mannigfaltigsten Weise in unser Leben hineinwirken! In dem gegenwärtigen Zeitalter aber kann die Aufklärung über die luziferischen und ahrimanischen Kräfte beginnen. Und der Mensch muß aufgeklärt sein, wenn er wirklich etwas beitragen will zur Erreichung des Erden-Menschheitszieles. - Wohin Sie den Blick richten, überall wo menschlich gefühlt und gedacht wird, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|218}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
können Sie sehen, wie weit die Menschen noch entfernt sind von einer echten, wahren Aufklärung über die Einflüsse Luzifers und Ahrimans. Da sehen Sie den weitaus größten Teil der Menschheit überhaupt keine solche Aufklärung wollen. Da sehen Sie einen großen Teil der Menschen in einen gewissen religiösen Egoismus verfallen: nur ja mit dieser Seele selbst jenen Zustand des Wohlbefindens zu erreichen, den man sich nur vorstellen kann. Das ist ein Egoismus, von dem sich die Menschen gar nicht bewußt sind, daß sich da die größten Begierden hineinmischen können. Und nirgends mischt sich Luzifer mehr in unsere Gefühle hin- ein als da, wo die Menschen aus ihren Leidenschaften und Begierden heraus nach dem Göttlichen streben, ohne das Göttliche durchleuchtet zu bekommen mit dem Licht der Erkenntnis. Glauben Sie nicht, daß Luzifer gerade da vielfach am Werke ist, wo die Menschen glauben, nach dem Höchsten zu streben? Aber die Formen, die in dieser Weise erstrebt werden, werden ebenfalls zu den Enttäuschungen Luzifers gehören müssen. Und diejenigen, die nun glauben, aus den wüsten Begierden diese oder jene Form einer geistigen Kultur erhalten zu können, die immer wieder und wieder predigen, daß diese Theosophie so schlimm ist, weil sie etwas Neues glaubt, die sollten bedenken, daß es nicht vom Menschenwillen abhängt, wenn sich Ahriman an die Fersen des Luzifer heftet. Und was entstanden ist im Laufe der Entwickelung an Formen, das wird, weil Ahriman sich hineinmischt, durch Luzifer auch wieder untergehen. Retten wird sich allein der fortlaufende Strom der Menschheitsentwickelung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So schauen wir dadurch zurück auf eine vorangegangene Entwickelung, wo als Opfer für uns zurückgeblieben sind gewisse Wesenheiten. Wir wissen jetzt, daß diese Wesenheiten ihr Karma ausleben müssen um unsertwillen, damit wir in normaler Weise ausleben können, was diese Wesenheiten uns einflößen können. Ja, wahrhaftig, Jahve hat dem Menschen ursprünglich eingeflößt durch den göttlichen Odem die Fähigkeit zum Ich; aber wäre nur der göttliche Odem gekommen, der im menschlichen Blut pulsiert, und nicht auch das, was immer wieder abirren kann von dem, was der Jahve-Odem geben kann, würden nicht darinnen arbeiten sowohl luziferische wie ahrimanische Impulse, so würde der Mensch zwar das Was erlangen können der Jahve-Gabe, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|219}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
aber nicht das Wie: daß er es mit einem selbstbewußten freien Ich empfindet. So liegt es doch im Sinne der Weltentwickelung, daß gewisse Wesenheiten auf dem alten Monde zurückgeblieben sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir leben heute in einem Zeit~lter, wo wir in der Tat zurückblicken dürfen auf viele Enttäuschungen Luzifers, wo wir aber auch hinblicken können auf eine Zukunft, in der wir immer mehr verstehen lernen, was der fortlaufende Strom der Entwickelung ist. Und Theosophie wird das Instrument sein zum Verständnis für diesen fortlaufenden Strom der Entwickelung, damit wir uns immer bewußter zu den Einflüssen Luzifers stellen können und immer mehr in die Lage kommen können, luziferische Impulse in uns selber zu erkennen und sie in der richtigen Weise nutzbringend für die Menschheitsentwickelung bewußt zu verwerten, während sie vorher in der Menschheit als ein dunkler Drang gewirkt haben, dessen sich der Mensch nicht bewußt war. Und ebenso ist es mit den ahrimanischen Einflüssen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier ist eines derGebiete,wo man darauf aufmerksam machen kann, wie sozusagen gerade in der Gegenwart eine wichtige Entwickelungsepoche der Menschheit vorliegt, nämlich jene Epoche, in der in gewisser Beziehung tatsächlich die Seelenkräfte sich umkehren. Für viele von Ihnen ist es ja schon charakterisiert worden, daß wir vor einer Epoche stehen, in welcher gewisse Menschen, einzelne Menschen, andere Seelenfähigkeiten entwickeln werden als diejenigen, die man heute gelten läßt. Was heute zum Beispiel die Theosophie aus den Erkenntnissen der Geistesforschung heraus zu sagen weiß, daß der Mensch einen Ätherleib hat außer dem physischen Leib, das wissen aus der Anschauung heraus heute nur die, welche eine methodische Schulung durchgemacht haben. Aber noch vor Ablauf der Mitte des 20. Jahrhunderts - das wissen wir aus dem Lesen der Akasha-Chronik - wird es Menschen geben, die eine natürliche Entwickelung haben werden für ein ätherisches Hellsehen und die, weil die Menschheit an diesen Zeitpunkt gekommen ist, wo sich diese Dinge als natürliche Gabe entwickeln werden, als den physischen Leib durchdringend und am Rande über ihn hinausragend den Ätherleib wahrnehmen werden. Wie der Mensch von einem Hineinschauen in die geistige Welt sich herunterentwickelt hat zum heutigen nur äußerlichen physischen Wahrnehmen und verstandesmäßigen &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|220}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Begreifen der Außenwelt, so beginnt er sich jetzt zu neuen, aber bewußten Fähigkeiten nach und nach zu entwickeln. Diese neuen Fähigkeiten treten zu den alten hinzu, und eine besondere Fähigkeit wird die sein, die ich so charakterisieren kann:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es wird Menschen geben - einzelne zunächst, denn erst im Laufe der nächsten zwei bis drei Jahrtausende wird sich bei einer größeren Anzahl diese Fähigkeit entwickeln, und die ersten Vorläufer werden da sein noch vor Ablauf der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts -, bei denen wird etw`a folgendes eintreten: Die Menschen werden irgendeine Tat erlebt haben, und sie werden versucht sein, etwas zurückzutreten von der Tat. Sie werden dann ein Bild vor sich haben, das von der betreffenden Tat kommt. Sie werden es zuerst nicht kennen, werden keinen Bezug finden zu dem, was sie getan haben. Aber dann werden sie vielleicht schon etwas von der Geisteswissenschaft gehört haben, und dann werden sie erfahren, daß dieses Bild, das ihnen wie eine Art bewußtes Traumbild erscheint, das Gegenbild der eigenen Handlung ist, das Bild für jene Handlung, die geschehen muß, damit das, was eben getan worden ist, seine karmische Erfüllung findet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So steht die Menschheit in der Tat vor einer Epoche, in der sie anfangen wird, Karma nicht nur zu begreifen nach den Lehren und Darstellungen der Geisteswissenschaft, sondern wo sie anfangen wird, Karma nach und nach zu schauen. Während bisher Karma für die Menschen ein dunkler Drang, eine dunkle Begierde war und erst im nächsten Leben ausgelebt werden konnte, erst im Leben zwischen Tod und neuer Geburt umgewandelt werden konnte in eine Absicht, entwickeln sich allmählich die Menschen dahin, daß sie in die Lage kommen, bewußt die Schöpfungen Luzifers wahrzunehmen, zu sehen, wie sie sich ausnehmen werden in ihren Wirkungen. Allerdings werden mit diesem ätherischen Hellsehen nur diejenigen Menschen etwas anfangen können, die Erkenntnis und Selbsterkenntnis angestrebt haben. Immer mehr und mehr werden die Menschen im normalen Zustande vor sich haben die karmischen Bilder für ihre Handlungen. Das wird etwas sein, was die Menschen immer weiterbringen wird, weil sie dadurch wissen werden, was sie der Welt noch schuldig sind, was in ihrem Karma noch als Schuldkonto dasteht. Das ist es ja, was den Menschen unfrei macht, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|221}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
daß er nicht weiß, was er der Welt noch schuldig ist. So darf man also beim Karma gar nicht von vornherein von einem freien Willen sprechen. Das Wort «freier Wille» ist schon falsch; denn man muß sagen: Frei wird der Mensch erst durch seine sich immer steigernde Erkenntnis und dadurch, daß er immer höher steigt und immer mehr hineinwächst in die geistige Welt. Dadurch erfüllt er sich immer mehr und mehr mit dem Inhalt der geistigen Welt und wird immer mehr ein Wesen, das seinen Willen bestimmt. Nicht der Wille kann frei werden, sondern der Mensch als solcher kann frei werden, indem er sich durchdringt mit dem, was er auf dem vergeistigten Gebiet des Weltendaseins erkennen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So blicken wöir auf die Enttäuschungen Luzifers und seine Taten und sagen: So ist seit Jahrtausenden der Grund gelegt zu dem, wo wir stehen; denn würden wir nicht dort stehen, wo wir stehen, so würden wir uns nicht zur Freiheit entwickeln können. Nachdem wir uns aber Aufklärung verschaffen können über Luzifer und Ahriman, können wir ein anderes Verhältnis zu diesen Mächten gewinnen, können die Früchte ziehen von dem, was getan worden ist, können Luzifer und Ahriman sozusagen ihre Arbeiten abnehmen. Da werden sich allerdings die Taten des Luzifer, die er bewirkt hat und die immerfort zu Enttäuschungen geführt haben, wenn sie von uns selbst begangen werden, sich in ihr Gegenteil verkehren müssen. Die Taten Luzifers mußten Begierden erregen, mußten den Menschen hinführen zu dem, was in das Böse einmünden konnte. Wir haben ja gesehen, was für eine gegenteilige Kraft es sein muß, die Luzifer entgegenwirkt: Wenn wir selber Luzifer entgegenwirken sollen, wenn wir seine Angelegenheiten in der Zukunft besorgen sollen, wird es bei uns nur die Liebe sein können&amp;gt; die an die Stelle der Taten des Luzifer treten kann; die Liebe aber wird es sein können. Und ebenso wird es dasjenige sein können, was uns auch aus der Außenwelt fließt, indem wir immer mehr die Dunkelheit wegnehmen, die wir einweben in die äußere Materie. Wenn wir immer mehr diese Dunkelheit hinwegbringen, wenn sie schwindet, und wir dazu gelangen, den ahrimanischen Einfluß auf diese Weise völlig zu überwinden, dann werden wir in der Lage sein, die Welt so zu erkennen, wie sie wirklich als Erdenwelt ist. Dann werden wir uns allmählich nähern solcher Erkenntnis, wie sie heute nur Gut der Geisteswissenschaft sein &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|222}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
kann: Wir werden durchdringen zu dem, was die Materie wirklich ist, zu der Natur des Lichtes. Heute gibt sich selbst die Wissenschaft immer noch über die Natur des Lichtes den mannigfaltigsten Täuschungen hin. Mancher glaubt, daß man das Licht mit physischen Augen sieht. Das ist nicht richtig. Mit physischen Augen sieht man nicht Licht, sondern nur beleuchtete Körper; man sieht Farben an den Körpern. Man sieht nicht Licht, sondern man sieht durch das Licht. Alle solche Täuschungen werden weggeräumt sein. Dadurch wird sich verwandeln das Bild der Welt, das notwendigerweise unter dem Einflusse Abrimans von Irrtum durchwoben sein mußte, und es wird sich durchsetzen mit dem Inhalt der Weisheit. Indem der Mensch zum Licht vordringt, wird er selbst das seelische Gegenbild des Lichtes entwickeln. Und das seelische Gegenbild des Lichtes ist die Weisheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dadurch wird Liebe und Weisheit in die menschliche Seele einziehen. Und Liebe und Weisheit werden die praktische Kraft sein, der eigentliche Lebensimpuls, der sich aus der theosophischen Weltanschauung ergeben soll und ergeben wird. Weisheit, die das innere Gegenbild des Lichtes ist, Weisheit, die sich verbinden kann mit der Liebe, und Liebe, die sich mit Weisheit durchdringt, werden den rechten Weg finden, um wieder zurückzuwirken auf das, was in die Weisheit der äußeren Welt eingetaucht ist. Wenn wir nach und nach der andern Hälfte der Entwickelung teilhaftig werden sollen, Luzifer und Ahriman wieder zu überwinden, dann müssen wir uns durchdringen mit Weisheit und Liebe. Indem wir Weisheit und Liebe entwickeln, entwickeln wir diejenigen Elemente, die wieder von unseren Seelen selber ausfließen werden als Gaben für die, die in der ersten Hälfte der Erdentwickelung sich hin- geopfert haben als luziferische und ahrimanische Mächte, um uns das zu geben, was wir zur Erringung unserer Freiheit brauchen. Diesen Mächten werden wir geben müssen, was wir an Weisheit und Liebe so entwickeln werden. Wir müssen uns aber bewußt sein: Weil Leben in der Welt sein muß, müssen wir Kulturen annehmen, die uns Ausdrucksmittel dieses Lebens sind.Wir wollen uns gern und mit Liebe einer theosophischen Kultur hingeben, die nicht ewig sein wird, aber wir wollen es mit Enthusiasmus hinnehmen und mit Liebe das schaffen, wozu wir früher unter dem Einfluß Luzifers getrieben worden sind. Weil wir jetzt &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|223}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
erkennen, daß wir aus Liebe das schaffen müssen, wozu wir früher durch den luziferischen Einfluß, durch Begierden und Leidenschaften getrieben werden mußten, werden wir jetzt hinter alldem desto mehr überschüssige Liebe entwickeln. Wenn wir nur die notwendige Liebe entwickeln würden, würden wir es nicht dahin bringen, Kultur über Kultur zu entwickeln. Theosophie soll etwas sein, was jede der Zeit entsprechende Forderung mit Hingabe und Liebe leistet, mit demselben Enthusiasmus, mit dem einst die Menschen unter dem Einflusse Luzifers gewirkt haben.Wir werden nicht mehr die Illusion haben, daß das, was wir tun, ewig dauern wird. Aber indem wir in immer sich steigernder Liebe Kultur über Kultur schaffen, schaffen wir damit überschüssige Liebe. Die kommt Luzifer zugute; dadurch werden auch seine Enttäuschungen gutgemacht. An uns liegt es, daß an Luzifer wieder das gutgemacht werden kann, was er an Enttäuschungen erleiden muß, wenn wir nach der andern Seite das zuruööckgeben,was für uns geleistet worden ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist der andere Teil des Karma der höheren Wesenheiten, daß wir eine Liebe entwickeln, die nicht bloß in der Menschheit bleibt, sondern die dazu berufen ist, in den Kosmos einzudringen. In Wesenheiten, die höher sind als wir, werden wir die Liebe einströmen lassen können, und diese Wesenheiten werden sie als Opfer empfinden. Es wird Seelenopfer sein. Seelenopfer wird hinaufströmen zu denen, die einst ihre Gaben herunterströmen ließen, wie einst die Rauchopfer hinaufstrebten zu den Geistern in Zeiten, wo Menschen die spirituellen Güter noch hatten. Damals konnten die Menschen nur die symbolischen Rauchopfer zu den Göttern hinaufsenden. In der Zukunft werden die Menschen Liebesströme hinaufsenden zu den Geistern, und aus dem Liebesopfer wird wieder etwas herunterströmen: dem Menschen werden zu- strömen höhere Kräfte, die, von Geistigem dirigiert, mit immer größerer Macht eingreifen werden in unsere physische Welt. Das werden dann im wahren Sinne magische Kräfte sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So sehen wir den Gang der Menschheitsentwickelung, indem sich Menschheitskarma und Karma der höheren Wesenheiten auslebt. Und wir begreifen jetzt auch,wie sich der Plan der Entwickelung zum einzelnen menschlichen Karma stellt. Nehmen wir an, eine übermenschliche Individualität hätte im Jahre 1910 dieses oder jenes gewirkt, das dann &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|224}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
auf dem physischen Plan durch einen Menschen ausgeführt wurde, so ist dadurch ein Kontakt geschlossen zwischen dieser übermenschlichen Individualität und dem Menschen. Der Mensch ist dann verwoben in das Karma der höheren Wesenheiten. Das ist eine abgeschlossene Korrespondenz. Dann strnöömt ihm aber zu aus den höheren Welten eine Strömung, die ihm etwas in sein Leben hineinbringt; darin hat er nun einen neuen Posten, der zu seinem Karma hinzugefügt ist und der nach der einen oder andern Seite den Ausschlag gibt. So wird menschliches Karma befruchtet von dem allgemeinen Karma, das durch die Welt strömt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sehen wir zum Beispiel auf Miltiades oder irgendeine andere Persönlichkeit: Da hatten sie zu stehen auf dem großen Plan der Geschichte ihres Volkes, da war dies oder jenes durch das Karma der höheren Mächte bedingt - und da wurden sie hingestellt auf ihren Posten. In ihr einzelkarmisches Konto strömte ein, was der ganzen Menschheit zuteil werden sollte. Und indem sie es ausführten, indem sie Taten und Leistungen daran anschlossen, wurde es ihr Einzelkarma. - So leben und weben wir auch mit unserem einzelnen Karma iön dem Makrokosmos als eine kleine Welt, als ein Mikrokosmos.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit sind wir zwar am Ende des Kursus,wenn auch nicht am Ende der Sache. Aber das geht ja nicht anders. Wenn ich nur mit zwei Worten noch sagen darf, daß ich diese Reihe von Vorträgen, gerade über jene menschlichen Fragen, die so tief das menschliche Herz bewegen können und die doch wiederum mit dem größten Schicksal selbst höherer Wesenheiten zusammenhängen, wenii ich sage, daß ich diesen Kursus gehalten habe wirklich aus tiefster Seele heraus und froh bin, daß es möglich war, in einem theosophischen Zweige auch einmal über diese Dinge zu sprechen, unter theosophischen Freunden, die von allen Seiten herbeigeeiit waren, um sich den Betrachtungen über diese Fragen zu widmen, so spreche ich auch diese Worte aus tiefstem Herzen heraus. Diejenigen, welche Gelegenheit haben werden, weitere Kurse zu hören, werden sehen, daß mancherlei von dem sich beantworten wird, was jemand im Anschluß an diesen Zyklus auf` der Seele haben wird. Aber auch die, welche diese Sommerkurse nicht hören können, werden später Gelegenheit haben, so etwas mit mir zu besprechen. Und so darf ich auch diesmal wieder sagen, daß ich die Dinge, die zu besprechen waren, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|225}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
so entgegengenommen haben möchte, daß sie nicht bloß abstrakte Er- kenntnisse sein sollen, sondern solche, die übergehen in unser ganzes Denken, Fühlen und Wollen, in unser ganzes Leben. So daß man an den Theosophen in der Welt sehen möchte Gleichnis und Bild dessen, was man die tiefsten theosophischen Wahrheiten nennen kann. Versuchen wir, uns ganz zu einem solchen Bild und Gleichnis zu machen; dann erst haben wir in der Welt eine theosophische Geistesströmung. In unserem engen Kreise muß diese theosophische Geistesströmung zunächst Betrachtung der spirituellen Erkenntnis sein. Dann aber müssen - zunächst in unserem Mitgliederkreise - diese Erkenntnisse Gesinnungen werden und als solche der Welt gegenübertreten. Und die Welt wird nach und nach einsehen, daß es nicht umsonst war, daß es um die Wende des 20. Jahrhunderts ehrliche und aufrichtige Theosophen gegeben hat, Leute, die aufrichtig und ehrlich an die Gewalt der spirituellen Mächte geglaubt haben. Und indem sie daran geglaubt haben, sind sie selbst durchsetzt worden mit der Kraft, auch dafür zu wirken. Schneller und schneller wird die Kultur in unserem Leben gehen, wenn Sie selber das, was Sie hören, umwandeln in Gesinnung, in Handlung und Tat. Nicht dadurch, daß wir die Menschen überzeugen! Dazu ist die gegenwärtige Kultur nur wenig geeignet. Wahrhaft überzeugt werden immer nur die werden, die aus tiefstem Drang des Herzens an die Theosophie herankommen; die andern werden nicht überzeugt werden. Dieses Karma haben wir auch in geistigen Kreisen als etwas, was der Materialismus hat hervorrufen müssen, und wir müssen diese Schädigungen als etwas betrachten, demgegenüber Geisteswissenschaft sich erweisen muß als eine geistige Macht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So müssen wir das, was wir der Welt geben können, aus unserer Gesinnung heraus geben. Jeder, der Theosophie in das innere Leben der Seele umgewandelt haben wird, wird ein spiritueller Kraftquell sein. Und wer an das Übersinnliche glaubt, darf durchaus die Überzeugung haben, daß unsere theosophischen Erkenntnisse und Gesinnungen spirituell wirken, das heißt, sich unsichtbar in die Welt hinaus verbreiten, wenn wir uns wirklich zu einem bewußten, von dem theosophischen Leben durchdrungenen Werkzeug machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|226}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= EINLADUNG ZUM VORTRAGSZYKLUS =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Zeit vom 15. bis 28. Mai dieses Jahres wird Dr. RUDOLF STEINER in HAMBURG einen Zyklus von Vorträgen halten über das Thema:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;DIE OFFENBARUNGEN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DES KARMA&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wesen und Bedeutung des Karma In Einzelpersönlichkeit, Individualität, Menschheit, Erde, Welt - Karma und Tierreich. - Krankheit und Oesundhelt In Beziehung zu Karma. - Heilung und Unheilbarkelt In Beziehimg zu Karma. - Natilrliche und zufällige Erkrankungen in Beziehung zu Karma. - Lebeusunfälle In Beziehung zu Karma. - EIernentarereignisse, VulkanansbrUche, Erdbeben, Epldernlen In Beziehung zu Karma. - Karma der höheren Wesenheiten. - Tod und Oeburt Im Verhältnis zu Karma. - Freier Wille und Karma in der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zukunft der Menschheitsentwicklung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir laden alle Mitglieder der Theosophischen Gesellschaft hierzu herzlichst ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Zyklus wird mit einer Pfingstfeier am Pfingstsonntag, abends 6 Uhr, im ,,Patriotischen Hause&amp;quot; (beim alten Rathause) eröffnet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle übrigen Vorträge werden pünktlich abends 8 Uhr im ,,Patriotischen Hause&amp;quot; beginnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|227}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für Dienstag, den 24. Mai, ist ein öffentlicher Vortrag vorgesehen, worüber Näheres noch bekanntgegeben wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anmeldungen zum Besuche des Vortrags.Zyklus werderi bald- möglichst erbeten an Herrn G. F. Scharlau, Hamburg, Repsoldstr. 21 a, woselbst auch die Einiaßkarten gegen Einsendung des auf Mk. 10.- festgesetzten Beitrages zu haben sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auskunft über Wohnungsangelegenheiten erteilt Fräulein Victoria Paulsen, Tarpenbeckstraße 31, Mathildenstift.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir hoffen, recht viele theosophische Freunde bei uns begrüßen zu können und sind&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
mit theosophischem Gruß&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Pythagoras - Zweig, Hamburg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
HAMBURG, März 1910.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|228}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= HINWEISE =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu dieser Ausgabe&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Zyklus «Die Offenbarungen des Karma» fand auf Einladung des theosophischen «Pythagoras-Zweiges» im «Patriotischen Hause» beim alten Rathaus in Hamburg vom 15. bis 28. Mai 1910 statt (siehe Programm S. 226-227). Bemerkenswert ist, daß auf dem im März 1910 vorliegenden Programm die Titel der einzelnen Vorträge genannt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum Thema «Offenbarungen des Karma» siehe auch den Band «Wiederverkörperung und Karma», GA 135, die Vorträge «Das Karma des Berufes des Menschen in Anlmüpfung an Goethes Leben», GA 172, sowie die sechs Bände «Esoterische Betrachtungen karmischer Zusammenhänge», GA 235 bis 240.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum Gebrauch der Worte «Theosophie» und «theosophisch»: Diese Worte sind im Sinne von Rudolf Steiners grundlegendem Werk «Theosophie» (1904, GA 9) zu verstehen. Rudolf Steiner wirkte von 1902 bis 1913 als Generalsekretär der deutschen Sektion der damaligen Theosophischen Gesellschaft (Adyar), dann, als es im Zusammenhang mit Zerfallserscheinungen in dieser Gesellschaft zum Ausschluß der deutschen Sektion kam, im Rahmen der von ihm und anderen begründeten «Anthroposophischen Gesellschaft». Er hli von Anfang an ausschließlich die Ergebnisse seiner Geistesforschung vertreten. «Niemand blieb im unklaren darüber, daß ich in der Theosophischen Gesellschaft nur die Ergebnisse meines eigenen forschenden Schauens vorbringen werde» (aus «Mein Lebensgesang», GA 28). Von einer Ersetzung des Ausdrucks «Theosophie» durch «Anthroposophie», wie sie in den ersten zwei Jahrzehnten nach der Trennung von der Theosophischen Gesellschaft auf Rudolf Steiners eigene Weisung hin vorgenommen worden ist, wurde in dieser Ausgabe Abstand genommen; der Leser muß sich jedoch bewußt sein, daß mit «Theosophie», wie sie hier gemeint ist, die von Rudolf Steiner geschaffene Anthroposophie identisch ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Textgrundlagen: Der Text der vorliegenden Ausgabe ist, abgesehen von geringfügigen Abweichungen, mit dem Text des Manuskriptdruckes von 1911 (Zyklus XII) identisch. Dieser wurde anhand von Teilnehmernachschriften erstellt und vom Vortragenden nicht durchgesehen. Die Originalstenogramme liegen nicht mehr vor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Titel des Bandes und die Titel der Vorträge entsprechen den Titeln des damaligen Vortragszyklus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachweis früherer Veröffentlichungen: 1. Aufl. als Manuskriptdruck (Zyklus XII) in Berlin (I911)~ 2. Aufl. (1. Aufl. in Buchform) Dornach 1932 / 3. Aufl. Dornach 1944 / 4. Aufl. Dornach 1949 (photomechanischer Nachdruck der 3. Aufl.) / 5., durchgesehene, mit den vorhandenen Unterlagen verglichene Aufl., Gesamtausgabe Dornach 1956 / 6., durchgesehene, im wesentlichen unveränderte Aufl. Gesamtausgabe Dornach 1968 / 7., unveränderte Aufl., Gesamtausgabe Dornach 1975.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die im wesentlichen unveränderte 8. Au)!age, 1992, wurde von Robert Friedenthal und Martina Sam durchgesehen, die Hinweise zum Text überarbeitet und erweitert sowie ein Namenregister und ausführliche Inhaltsangaben hinzugefügt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|229}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hinweise zum Text&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Werke Rudolf Steiners innerhalb der Gesamtausgabe (GA) werden in den Hinweisen mit der Bibliographie-Nummer angegeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
zu Seite&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
26 Christoph Kolumbus, 1446-1506, entdeckte 1492 auf der Suche nach einem Seeweg nach Indien zunächst Kuba und Halti, von 1493-1504 auch Mittel- und Südamerika. - Über die Bedeutung der Entdeckung Amerikas für die Menschheit siehe auch den Vortrag vom 25. Juni 1923 in «Rhythmen im Kosmos und im Menschenwesen. Wie kommt man zum Schauen der geistigen Welt?», GA 350.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Entdecker der Dampfmaschine: Dem Eisenhändler Newcomen (1663-1729) gelang zusammen mit seinem Kompagnon Cowley die Konstruktion einer Kolben-Dampfmaschine, die von 1712 an zu pralttischen Zwecken verwendet wurde. James Watt (l73618l9) ermöglichte durch Verbesserungen der Konstruktion eine Nutzung der Dampfmaschine auf breitestem Felde, so daß sie zu einer der Grundlagen der Industrialisierung im 19. Jh. wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
27 johannes Kepler, 1571-1630, Mathematiker, Physiker, Astronom. Er stellte auf den Grundlagen des kopemikanischen Planetensystems und der Beobachtungsdaten seines Lehrers Tycho de Brahe seine drei Planetengesetze auf, mit denen er die Dynamik der Planetenbahnen zu deuten versuchte und das Kräftezentrum in die Sonne verlegte. Vgl. über Kepler auch «Die geistige Führung des Menschen und der Menschheit», GA 15, S. 52 und 83; zu den drei Planetengesetzen «Das Verhältnis der verschiedenen naturwissenschaftlichen Gebiete zur Astronomie», GA 323, insbesondere die Vorträge vom 3. und 4. Januar 1921.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
28 Kepler, sagt von sich selbst: Aus der Vorrede zu Keplers Buch «Harmonices mundi» («Weltharmonik», Linz 1619), 5. Buch: «Die vollkommene Harmonie in den himmlischen Bewegungen und die daher rührende Entstehung der Exzentrizitäten, Bahnhalbmesser und Umlaufszeiten».&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
E,findung des Femrohres: Wohl um das Jahr 1608 in Holland.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
31 Auf diese Tatsache wurde hingewiesen von der Ceisteswissenschaft 1906: Siehe den Vortrag vom 11. Juni 1906, enthalten in GA 94 «Kosmogonie». Vgl. Edouard Schure` «Esquisse d`une cosmogonie psychologique d`apre`s des conferences faites ä Paris en 1906 par Rudolf Steiner», Paris 1928, S. 101.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
32 Zyanverbindungen in der Kometenatmo&amp;amp;phäre: Über die Rolle der Zyanverbindungen und ihrem Vorkommen in der Kometenatmosphäre siehe auch die Vorträge vom l0. Oktober und insbesondere vom 24. Oktober 1923 in «Mensch und Welt. Das Wirken des Geistes in der Natur. Über das Wesen der Bienen.», GA 351. - Über Kome«en im allgemeinen vgl. auch die Vorträge vom 5. März 1910 in «Das Ereignis der Christus-Erscheinung in der ätherischen Welt», GA 118; vom 25. Oktober 1909 und vom 9. März 1910 in «Der Christus-Impuls und die Entwickelung des IchBewußtseins», GA 116; vom 10. April 1912 in «Die geistigen Wesenheiten in den Himmelskörpern und Naturreichen», GA 136; vom 17. November I923 in «Der übersinnliche Mensch anthroposophisch eriaßt», GA 231; vom 18. Januar 1921 in Das Verhältnis der verschiedenen naturwissenschaftlichen Gebiete zur Astronomie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|230}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
«, GA 323, und vom 13. September 1924 in «Die Schöpfung der Welt und des Menschen», GA354.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
32 Halleyscher Komet: So genannt nach dem ersten Berechner seiner Bahn, dem englischen Astronomen Edmund Halley (1656-1742). Ihm war bei seinen Berechnungen aufgefallen, daß die Bahn des großen Komeren von 1682 den Bahnen der Kometen von 1531 und 1607 ähnelte. Daraus schloß er, daß es sich bei allen drei Erscheinungen um ein- und denselben Kometen handeln müsse. Halley sagte seine Wiederkunft entsprechend diesem Zyklus von 75/76 Jahren für 1759 richtig voraus. Somit war der erste periodisch wiederkehrende Komet entdeckt. - Dies war insofern von großer Bedeutung, als damit «die geheimnisvollen Kometen... ihres Nimbus entkleidet und in den Gültigkeitsbereich der allgemeinen Naturgesetze eingereiht worden waren« (Max Gerstenberger, Kometen - Außenseiter am Himmelszelr. Stuttgart 1951).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Außerdem meinte man dadurch zumindest den wiederkehrenden Kometen wie den Planeten eine elliptische Bahn zugrunde legen zu können. - Über die Aufgabe des Halleyschen Kometen siehe auch die Vorträge Rudolf Steiners vom 25. Oktober 1909 und 9. März 1910 in «Der Christus-Impuls und die Enrwickelung des Ich-Bewußtseins«, GA 116, und vom 5. März 1910 in «Das Ereignis der Christus-Erscheinung in der ätherischen Welt«, GA 118.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
35 Cartesius in seinen Gedanken über die Tierwelt: Vgl. «Discours de la methode«, 5. Abschnitt, ferner «Traite` de l`homme» sowie «Primae cogitariones circa generationen animalium».&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
41 Wir wissen, daß unserer Erdenentwickelung vorangegangen ist die Mondentwickelung: Siehe hierzu das Kapitel «Die Weltentwickelung und der Mensch» in Rudolf Steiners «Die Geheimwissenschaft im Umriß», GA 13.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
44 Leidenschaften: Es könnte sich eventuell um einen Hörfehler handeln und statt «Leidenschaften« «Eigenschaften« geheißen haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
57 «wie wir es heute so herrlich weit gebracht haben»: Wagner in Goethes «Faust I«, Nacht, Vers 57fl574: «Verzeiht! es ist ein groß Ergerzen, / Sich in den Geist der Zeiten zu versetzen; / Zu schauen, wie vor uns ein weiser Mann gedacht, / Und wie wir`s dann zuletzt so herrlich weit gebracht. «&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
69 wie unendlich viele Erlebnisse, E,fahrungen und Eindrücke es gar nicht bis zur Vorstellung bringen: Vgl. hierzu auch Rudolf Steiners Vortrag vom 18. April 1918 in «Das Ewige in der Menschenseele. Unsterblichkeit und Freiheit«, GA 67.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
77 joseph Dietl, 18O4~1878, studierte Philosophie und Medizin. Als Krankenhausarzt in Wien beschäftigte er sich vor allem mit der Lungenentzündung und veröffentlichte&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
eine Abhandlung über den «Aderlaß in der Lungenentzündung«. Ab 1865 Professor für innere Medizin in Krakau; daneben auch als Landtags- sowie Reichsragsabgeordneter und als polnischer Schriftsteller tätig. Vertreter eines krassen Nihilismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
joseph Skoda, 1805-1881, bedeutender Intemisr, Professor in Wien. Er beschäftigte sich insbesondere mit den physikalischen Methoden der Krankenuntersuchung; seine Abhandlung «Über Perkussion und Auskultation« (1839) begründete die moderne Diagnostik. In der Therapie dagegen verhielt er sich eher zurückhaltend; zusammen mit Carl Roltitansky (18041878) Hauptrepräsentant der jüngeren «Wiener Schule« in der Medizin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|231}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
92 Wie können wir zu einem karmischen Verständnis auch dann kommen, wenn wir zum Beispiel unter die Räder eines Eisenbahnzuges kommen?: Über die karmischen Zusammenhänge von Zivilisationskatastrophen siehe auch Rudolf Steiners Vortrag vom 29. Juni 1924 in «Esoterische Betrachrungen karmischer Zusammenhänge.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zweiter Band», GA 236.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
105 ein geistreicher Herr: Frederik Troels-Lund (184~1921), dänischer Historiker und Professor an der Militärakademie in Kopenhagen, der den hier erwähnten einzelnen Ansichten über die Herkunft der Krankheiten in seinem Buche «Gesundheit und Krankheit in der Anschauung alter Zeiten» (Leipzig 1901) jeweils ein ganzes Kapitel widmet. Dieses Buch befindet sich in der Bibliothek Rudolf Steiners.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
106 ein geistvoller Mann im 18. jahrhundert: Vermutlich Voltaire; konnte jedoch noch nicht nachgewiesen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
107 Galileo Galilei, 15~l642, italienischer Physiker, Mathematiker und Astronom.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Martin LNther&amp;gt; 14831546, Inaugurator der deutschen Reformation. Vgl. auch Rudolf Steiners Ausführungen über ihn in den Vorträgen vom 11. und 18. September 1917 in «Menschliche und menschheitliche Enrwicklungswahrheiten. Das Karma des Materialismus», GA 176.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
114 in einer Familie wie die des Musikers Bach: Johann Sebastian Bach (1685-1750), der größte Musiker in der Reihe bedeutender Komponisten, die die thüringische «Musikerfamilie« Bach im 17. und 18. Jh. hervorbrachte. Vgl. hierzu auch Rudolf Steiners Vortrag vom 26. November 1906 in «Das Wesen des Musikalischen», GA 283.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
119 Meister Eckart, 125~1327, Dominikaner und bedeutender Denker der deutschen Mystik; in seinem letzten Lebensjahr der Häresie angeklagt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Johannes Tauler, um I30fll36l, Dominikaner, Schüler Meister Eckarts. - Zu Tauler, Meister Eckart und die Mystik im allgemeinen vgl. auch Rudolf Steiners Schrift «Die Mystik im Aufgange des neuzeitlichen Geisteslebens und ihr Verhältnis zur modernen Weltanschauung», GA 7.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und lesen Sie in der «Deutschen Theologie«: «Theologia deutsch - Die lerer gar manchen lieblichen underscheit gotlicher warheit und seit gar hohe und gar schone ding von einem volkomen leben», nach der einzigen bis jetzt bekannten Handschrift hrsg. von Franz Pfeiffer, 2. verbesserte und mit einer neudeutschen Übersetzung vermehrte Auflage 1855.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
120 «Nicht ich, sondern der Christus in mir«: Galater 2, 20 «Ich lebe aber; doch nun nicht ich, sondern der Christus lebt in mir«.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
«Die Geheimwissenschaft im Umr`ß« (1910), GA 13.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
121 «Aus d«`rAkasha-Chronik« (19041908), GA 11.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
l36 Der ahrimanische Einfluß bewirkte dann: In der 7. Auflage 1975 hieß es «Der luziferische Einfluß», was den Korrekturvorschlägen einiger Leser entsprach. Jedoch sind die Herausgeber nach gründlicher Prüfung zu dem Ergebnis gekommen, daß es zweifellos «Der ahrimanische Einfluß» heißen muß, da dies aus dem weiteren Vortrag eindeutig hervorgeht; siehe insbesondere S. 142f. «Was ahrimanischem Einfluß zuzuschreiben ..... .&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|232}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
144 mit der Urkunde des Alten Testamentes: Genesis 3.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
146 daß Wesenheiten ... in ähnlicher Art damals ihre Menschheitsstufe durchgemacht haben: Siehe Kap. «Das Leben auf dem Monde», S. 187ff. in «Aus der AkashaChronik&amp;gt;, GA 11, und das Kap. «Die Weltentwickelung und der Mensch«, S. 208 und 215 in «Die Geheimwissenschaft im Umriß», GA 13.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
158 daß sich im Laufe von zehnjahren seine Physiognomie verändert: Vgl. hierzu auch die Ausführungen Rudolf Steiners über den Zusammenhang der Begriffe mit der Gesichtsphysiognomie im Vortrag vom 30. August 1919 in «Allgemeine Menschen- kunde«, GA293.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
163 Karl der Große 742-814, König der Franken und römischer Kaiser.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aristoteles, 384322, Schüler Platos, Erzieher Alexander des Großen, grundlegend für die kulturelle und wissenschaftliche Entwicklung des Abendlandes waren vor allem seine Werke über die Logik.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Martin Luther, siehe Hinw. zu S. I07.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
164 das Zusammen-Untergehen hei einem Erdbeben: Vgl. hierzu auch die Vorrräge Rudolf Steiners vom 27. und 29. Juni 1924 in «Esoterische Betrachtungen karmischer Zusammenhänge, Zweiter Band«, GA 236.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
165 wir haben ... hingewiesen auf eine Individualität: Siehe hierzu auch die Ansprache Rudolf Steiners vom 28. September 1924 in «Esoterische Betrachtungen karmischer Zusammenhänge, Vierter Band«, GA 238, und die Einzelausgabe von vier Vorträgen «Das Weihnachtsmysterium. Novalis, der Seher und Christuskünder«.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
I77 desto größer wird der Unterschied zwischen Mann und Frau in bezug auf ihr Leben:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über den Gegensatz von Männlichem und Weiblichem vgl. auch die Vorrräge vom 5. und 13. März und vom 10. Mai 1910 in «Das Ereignis der Christus-Erscheinung in der ätherischen Welt», GA 118.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
204 Ludwig Deinhard, 1847-1917, Ingenieur und Industrieller. Mit Hübbe-Schleiden zusammeti ältestes Mitglied der deutschen Theosophischen Gesellschaft und 189496 Leiter eines der ersten theosophischen Zweige in München. Er wirkte seit 1900 mit Günther Wagner für die Bildung einer deutschen Sektion und gehörte 1902 bis 1908 zu deren Vorstand. Nach anfänglichen Bedenken schloß er sich später immer enger an Rudolf Steiner an. Sein Buch «Das Mysterium des Menschen im Lichte der psychischen Forschung. Eine Einführung in den Okkultismus«, Berlin 1910, wurde von Rudolf Steiner sehr geschätzt. Vgl. auch den Vortrag vom 19. Mai 1917 im Band «Mitteleuropa zwischen Ost und West», GA 1 74a, und «Zur Geschichte und aus den Inhalten der ersten Abteilung der Esoterischen Schule 19041914«, GA 264.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
205 Frederick W. H. Myers, 1843-1901, Dichter, Spiritist, SchrifrsteIler, Freund von Sir Oliver Lodge; 1882 einer der Gründer der Sociery for Psychical Research in London. - Über die Vorkommnisse um ihn im Zusammenhang mit Sie Oliver Lodge spricht Rudolf Steiner ausführlich im Vortrag vom 27. November 1916 in dem Band «Das Karma des Berufes«, GA 172.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|233}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
206 Perserkriege: Die von 490449 v. Chr. zwischen Persern und Griechen geführten Kriege; von den Persern unternommen, um die Griechen für ihre Teilnahme am ionischen Aufstand zu bestrafen und zu unrerweifen. Trotz zehnfacher Übermacht wurden die Perser von den Griechen unter Miltiades` Führung 490 bei Marathon geschlagen; die Florte des Perserkönigs Xerxes wurde 480 v. Chr. bei Salamis besiegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
209 Xer:zes, um 520465 v. Chr., Perserkönig, Sohn des Dareios; er zog gegen Hellas, um die Niederlage seines Vaters bei Marathon zu rächen, erzwang den Durchgang durch den von Leonidas besetzten Engpaß Thermopylä, unterlag jedoch ebenfalls in der Schlacht bei Salamis 480.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Miltiades, atbenischer Feldherr, schlug die Perser 490 v. Chr. bei Marathon (siehe Hinw. zu S. 209).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Leonidtis, (~ 480 v. Chr.), spartanischer König, fiel im Kampf mit dem Perserkönig Xerxes um den Engpaß Thermopylä.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
214 im Sommer bei dem Zyklus über die biblische Schöpfungsgeschichte: Elf Vorträge in München vom 16. bis 26. August I910; «Die Geheimnisse der biblischen Schöpfungsgeschichte. Das Sechstagewerk im 1. Buch Moses», GA 122.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
215 in der bab~li~chen Schöpfungsgeschichte: I. Buch Moses (Genesis), 1.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|234}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= NAMENREGISTER =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(* = nicht namentlich erwähnt)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aristoteles 163 Myers, Frederick 205&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bach (Familie) 114 Novalis 165*&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bach, Johann Sebastian 114 Paulus, Apostel 120&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Cartesius, Renatus (Descartes, Prometheus 144&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rene) 35f. Skoda, Joseph 77f., 93&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dietl, Joseph 77, 93? Steiner, Rudolf&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deinhard, Ludwig 204 Werke und Vorträge:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eckart, Meister 1 I9 Aus der Akasha-Chronik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eva 144 (GA 11) 121,146&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Galilei, Galileo 107, l1l Die Geheimwissenschaft im Umriß&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Halleyscher Komet 32 (GA 13) 31, 120, 146&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Karl der Große l63 Die Geheimnisse der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kepler, Johannes 27?, l66f. biblischen Schöpfungsgeschichte&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kolumbus, Christoph 26 (GA 122) 214f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Luther, Martin l07?, l63f. Tauler, Johannes 119&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Leonidas 209 Troels-Lund, Frederik 105&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Miltiades 209, 224 Xerxes 209&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Glossar==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|A}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|A}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ägyptische Kultur [CHALDÄISCH-ÄGYPTISCH-ASSYRISCH-BABYLONISCHE-KULTUR, DRITTE KULTUEPOCHE]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Im alten Ägypten waren die Gesetze der Reinigung «gottgeoffenbarte» Gesetze. […] Das kommt heute wieder heraus, nur unter ganz materialistischen Gedankeneinflüssen. Der Mensch von heute denkt nicht daran, daß er den Göttern dient, wenn er solche Vorschriften beobachtet, sondern daß er sich selbst dient.|120|167}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ahriman&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|[…] wie in der Tat die beiden Prinzipien, das ahrimanische und das luziferische, im letzten Grunde im Krankheitsverlauf tätig sind. Und es könnte in vieler Beziehung für diese oder jene Krankheitsform gezeigt werden, wie man eigentlich zwei Typen von Krankheiten unterscheiden müßte: ahrimanische und luziferische Krankheiten.|120|88}}{{GS|Da sitzt aber auch das, was man den Zufall nennt. Er sitzt da, wo uns Ahriman am allergefährlichsten wird. Diejenigen Erscheinungen nennt der Mensch zufällig, bei denen er durch den ahrimanischen Einfluß am allerleichtesten getäuscht werden kann.|120|111}}{{GS|[…] zeigen, wie im Inneren des Menschen Luzifer zur Illusion führt und wie Ahriman sich in die äußeren Wahrnehmungen mischt und dort zur Maja führt […]|120|112}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ätherleib&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|[…] wenn der Mensch durch die Pforte des Todes tritt […]  wird das Hauptsächlichste des Ätherleibes als ein zweiter Leichnam abgeworfen; es bleibt jedoch ein Extrakt des Ätherleibes zurück, der mitgenommen wird und erhalten bleibt für alle kommenden Zeiten.|120|67}}{{GS|So sehen wir, daß wir in dem Ätherleib und physischen Leib der Pflanze etwas vor uns haben, was imstande ist, mit inneren Heilkräften zu antworten auf äußere Schädigungen.|120|62}}Astral&lt;br /&gt;
{{GS|Also wir haben es vor dem Ich-Bewußtsein zu tun mit einem solchen Bewußtsein, das an den astralischen Leib als das damals höchste Glied gebunden ist, das astralische Bewußtsein, das dumpf und dämmerhaft&lt;br /&gt;
ist und noch nicht durchleuchtet ist von dem Lichte des Ich.|120|122}}{{GS|Krankheit ist ein abnormer Wachzustand unseres astralischen Leibes.|120|124}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|B}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|B}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bewusstsein&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Die Erkenntnis eines solchen Zusammenhanges zwischen Ursachen und Wirkungen in unseren einzelnen Lebensabschnitten, die wir durch unser gewöhnliches Bewußtsein überschauen können, kann uns schon im höchsten Grade förderlich sein im Leben.|120|22}}{{GS|Das Bewußtsein, […] das sich ausdehnt […]  auf unser Leben zwischen Geburt und Tod, das entsteht dadurch, daß sich der Mensch des Instrumentes seines Gehirns bedienen kann. Wenn der Mensch durch die Pforte des Todes schreitet, tritt ein andersgeartetes Bewußtsein auf, das unabhängig ist vom Gehirn und an wesentlich andere Bedingungen gebunden ist.|120|24}}{{GS|Wenn der Mensch aber durch die Pforte des Todes schreitet, hört das Vorstellungsleben auf, das an das Instrument des Gehirns gebunden ist. Da beginnt eine andere Form des Bewußtseinslebens.|120|86}}{{GS|Wir haben gezeigt, daß es gleichsam eine Art von Hemmnis gibt gegen das Eindringen der Unmoralität in die tieferen Kräfte des Organismus. […] Indem wir eine Handlung oder ein sonstiges Erlebnis mit einer bewußten Vorstellung begleiten, schaffen wir eine Schutzwehr dagegen, daß das Resultat unserer Handlungen hinunterrückt in unseren Organismus.|129|95}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|C}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|C}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Charakter&lt;br /&gt;
{{GS|Deshalb ist es so notwendig, daß man vorher durch Charakterbildung dafür sorgt, daß man gegen die in allen Fällen an uns herantretenden Verlockungen der Eitelkeit, des Größenwahnes, des Hochmutes ein Gegenmittel hat. Und wir können nicht genug darin tun, uns gerade diejenigen Eigenschaften anzueignen, welche zur Bescheidenheit und zur Demut führen.|120|137}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|D}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|D}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Demut&lt;br /&gt;
{{GS|Deshalb ist es so notwendig, daß man vorher durch Charakterbildung dafür sorgt, daß man gegen die in allen Fällen an uns herantretenden Verlockungen der Eitelkeit, des Größenwahnes, des Hochmutes ein Gegenmittel hat. Und wir können nicht genug darin tun, uns gerade diejenigen Eigenschaften anzueignen, welche zur Bescheidenheit und zur Demut führen.|120|137}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|E}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|E}}&lt;br /&gt;
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{{GlossarNavigationArtikel|F}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|F}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|G}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|G}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gehirn&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Das Bewußtsein, […] das sich ausdehnt […]  auf unser Leben zwischen Geburt und Tod, das entsteht dadurch, daß sich der Mensch des Instrumentes seines Gehirns bedienen kann. Wenn der Mensch durch die Pforte des Todes schreitet, tritt ein andersgeartetes Bewußtsein auf, das unabhängig ist vom Gehirn und an wesentlich andere Bedingungen gebunden ist.|120|24}}{{GS|Wenn der Mensch aber durch die Pforte des Todes schreitet, hört das Vorstellungsleben auf, das an das Instrument des Gehirns gebunden ist. Da beginnt eine andere Form des Bewußtseinslebens.|120|86}}&lt;br /&gt;
Geist&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Der Mensch kann einen in sich regen Geist bis an sein Lebensende dadurch haben, daß wir ihn als Kind in der Weise erzogen haben, wie es jetzt eben beschrieben worden ist: daß wir auf sein Seelenleben, auf alles, was lebendig in ihm sitzt, Rücksicht genommen haben.|120|20}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Geisteswissenschaft&lt;br /&gt;
{{GS|[…] Geisteswissenschaft nicht eine abstrakte Theorie sein soll […] erfüllt erst dann ihre Aufgabe, wenn … etwas hineinfließt in unsere Seelen … was unsere Seelen tüchtiger und tatkräftiger machen kann.|120|9}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|H}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|H}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|I}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|I}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich&lt;br /&gt;
{{GS|Also wir haben es vor dem Ich-Bewußtsein zu tun mit einem solchen Bewußtsein, das an den astralischen Leib als das damals höchste Glied gebunden ist, das astralische Bewußtsein, das dumpf und dämmerhaft ist und noch nicht durchleuchtet ist von dem Lichte des Ich.|120|122}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|J}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|J}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|K}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|K}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kamaloka&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Wenn wir also schon im gewöhnlichen Leben so stark berührt werden können durch gewisse Erlebnisse, besonders wenn es Gefühlseindrücke waren, daß sie eine Gemütsverstimmung bewirken können, so werden wir begreifen, daß die viel stärkeren Eindrücke des Kamalokalebens sich so eindrücken können, daß sie bei einer neuen Inkarnation bis tief in die Organisation des physischen Leibes hineinwirken.|120|72}}{{GS|Gerade während der Kamalokazeit, weil der Mensch seinen alten astralischen Leib noch hat, bewirkt das Durchgemachte die tiefsten Gefühlserlebnisse.|120|72}}{{GS|Wir könnten die verschiedensten Beispiele anführen, die uns alle zeigen, wie der Mensch aus den Erfahrungen seiner Kamalokazeit heraus geradezu die Gelegenheiten aufsucht, diese oder jene Krankheit zu bekommen, um durch ihre Überwindung und durch die Entfaltung der selbstheilenden Kräfte die Kräfte zu gewinnen, welche ihn die Lebensbahn im ganzen hinauf- führen.|120|82}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Karma&lt;br /&gt;
{{GS|Ohne daß eine Wirkung erzeugt wird, die wieder zurückfällt auf das Ding oder die Wesenheit, welche diese Wirkung hervorbringt, ohne diese Eigentümlichkeit des Zurückwirkens der Wirkung auf das verursachende Wesen ist der Karmabegriff nicht zu denken.|120|13}}&lt;br /&gt;
{{GS|Wir dürfen erst von einem Karma sprechen, wenn die Wirkung, die auf das Wesen zurückschlägt, beim Zurückschlagen auf dasselbe Wesen trifft, […]|120|13}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Karmische Folgen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Das zeigt uns, wie in die Linie der karmischen Folgen unser Wille eingreifen und etwas schaffen kann, was an Stelle von sonst eingetretenen karmischen Wirkungen steht.|120|23}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Karmische Wirkung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Das zeigt uns, wie in die Linie der karmischen Folgen unser Wille eingreifen und etwas schaffen kann, was an Stelle von sonst eingetretenen karmischen Wirkungen steht.|120|23}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kind&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Der Mensch kann einen in sich regen Geist bis an sein Lebensende dadurch haben, daß wir ihn als Kind in der Weise erzogen haben, wie es jetzt eben beschrieben worden ist: daß wir auf sein Seelenleben, auf alles, was lebendig in ihm sitzt, Rücksicht genommen haben.|120|20}}Komet&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Nun ist die Substanz eines Kometen nicht eine solche mit Gesetzen, wie sie in unserem gewöhnlichen, regulären Sonnensystem bestehen, sondern mit Gesetzen, wie sie im alten Mondendasein existiert haben.|120|31}}{{GS|Der Halleysche Komet ist der äußere Ausdruck - jedesmal, wenn er in die Sphäre unseres Erdendaseins hineinkommt - zu einem neuen Impuls zum Materialismus.|120|32}}Krankheit&lt;br /&gt;
{{GS|Wir könnten die verschiedensten Beispiele anführen, die uns alle zeigen, wie der Mensch aus den Erfahrungen seiner Kamalokazeit heraus geradezu die Gelegenheiten aufsucht, diese oder jene Krankheit zu bekommen, um durch ihre Überwindung und durch die Entfaltung der selbstheilenden Kräfte die Kräfte zu gewinnen, welche ihn die Lebensbahn im ganzen hinauf- führen.|120|82}}{{GS|Krankheit ist ein abnormer Wachzustand unseres astralischen Leibes.|120|124}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|L}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|L}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Luzifer&lt;br /&gt;
{{GS|[…] zeigen, wie im Inneren des Menschen Luzifer zur Illusion führt und wie Ahriman sich in die äußeren Wahrnehmungen mischt und dort zur Maja führt […]|120|112}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|M}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|M}}Medizin&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Wer ähnliche Vorträge von mir gehört hat, wird wissen, wie wenig es mir darum zu tun ist, einzustimmen in den Chor, der heute das, was man als «Schulmedizin» bezeichnet, diskreditieren will.|55|120}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mensch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Und der hellseherische Forscher wird bei einem Krankheitsfall immer in Betracht ziehen müssen, welches in dem betreffenden Falle der Anteil sein kann des physischen Leibes auf der einen Seite und des Ätherleibes und des astralischen Leibes auf der andern Seite; denn alle drei Wesensglieder des Menschen können an der Erkrankung beteiligt sein.|120|60}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mond&lt;br /&gt;
{{GS|Also sehen wir neben dem Menschen sich förmlich herausbilden ein Reich von Organismen, die durch das Beibehalten des Mondcharakters unfähig geworden waren, Träger menschlicher Individualitäten zu sein. Diese Organisationen sind im wesentlichen die, welche die Organisationen unserer heutigen Tiere wurden.|120|48}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|N}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|N}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|O}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|O}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Organismus&lt;br /&gt;
{{GS|Wir haben gezeigt, daß es gleichsam eine Art von Hemmnis gibt gegen das Eindringen der Unmoralität in die tieferen Kräfte des Organismus. […] Indem wir eine Handlung oder ein sonstiges Erlebnis mit einer bewußten Vorstellung begleiten, schaffen wir eine Schutzwehr dagegen, daß das Resultat unserer Handlungen hinunterrückt in unseren Organismus.|129|95}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|P}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|P}}Pflanzen&lt;br /&gt;
{{GS|Aber je tiefer wir in die Pflanzenpathologie eindringen, desto mehr werden wir sehen, daß von dem Begriff «innere Krankheitsursache» bei den Pflanzen nicht die Rede sein kann, sondern daß es sich da um äußere Veranlassungen und Schädigungen, um äußere Einflüsse handelt.|120|61}}{{GS|Aber je tiefer wir in die Pflanzenpathologie eindringen, desto mehr werden wir sehen, daß von dem Begriff «innere Krankheitsursache» bei den Pflanzen nicht die Rede sein kann, sondern daß es sich da um […] äußere Einflüsse handelt.|120|61}}{{GS|So sehen wir, daß wir in dem Ätherleib und physischen Leib der Pflanze etwas vor uns haben, was imstande ist, mit inneren Heilkräften zu antworten auf äußere Schädigungen.|120|62}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|Q}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|Q}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|R}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|R}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|S}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|S}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schicksalsschlag&lt;br /&gt;
{{GS|Schicksalsschlag […] wenn wir ihn an den Anfang der nachfolgenden Ereignisse stellen und ihn als Ursache betrachten […] Wir werden vielleicht traurig sein […] Betrachten wir ihn dagegen als Ursache eines Späteren, dann können wir vielleicht froh sein und Freude darüber empfinden.|120|18}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schmerz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Der Schmerz, der das Bewußtwerden des unrichtig wachenden astralischen Leibes ist, er ist zugleich auch das, was uns davon abbringen kann, den luziferischen Mächten auf diesem Gebiet, wo wir ihnen schon verfallen sind, immer weiter zu verfallen. So wird der Schmerz in bezug auf die Versuchungen der luziferischen Mächte unser Erzieher.|120|134}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seelenleben&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Der Mensch kann einen in sich regen Geist bis an sein Lebensende dadurch haben, daß wir ihn als Kind in der Weise erzogen haben, wie es jetzt eben beschrieben worden ist: daß wir auf sein Seelenleben, auf alles, was lebendig in ihm sitzt, Rücksicht genommen haben.|120|20}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|T}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|T}}Tier&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Wir können nicht in derselben Weise, wie wir den menschlichen Tod auffassen, von dem tierischen Tode sprechen.|120|37}}{{GS|Und wenn Sie Umschau halten im Tierreich, werden Sie finden, daß die Tiere sich ganz bestimmte Kunstfertigkeiten mitbringen, durch welche etwas zustande gebracht werden kann, an das menschliche Kunst fertigkeit bei allem, wie wir es so herrlich weit gebracht haben, noch lange nicht heran reicht.|120|39}}{{GS|Also sehen wir neben dem Menschen sich förmlich herausbilden ein Reich von Organismen, die durch das Beibehalten des Mondcharakters unfähig geworden waren, Träger menschlicher Individualitäten zu sein. Diese Organisationen sind im wesentlichen die, welche die Organisationen unserer heutigen Tiere wurden.|120|48}}{{GS|Wir schauen auf die Tiere und sagen: Alles, was die Tiere darstellen an Grausamkeit, an Gefräßigkeit, an allen tierischen Untugenden, neben der Geschicklichkeit, die sie haben, das hätten wir in uns, wenn wir sie nicht hätten aus uns heraussetzen können!|120|52}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tod&lt;br /&gt;
{{GS|Das Bewußtsein, […] das sich ausdehnt […] auf unser Leben zwischen Geburt und Tod, das entsteht dadurch, daß sich der Mensch des Instrumentes seines Gehirns bedienen kann. Wenn der Mensch durch die Pforte des Todes schreitet, tritt ein andersgeartetes Bewußtsein auf, das unabhängig ist vom Gehirn und an wesentlich andere Bedingungen gebunden ist.|120|24}}{{GS|Wir können nicht in derselben Weise, wie wir den menschlichen Tod auffassen, von dem tierischen Tode sprechen.|120|37}}{{GS|[…] wenn der Mensch durch die Pforte des Todes tritt […]  wird das Hauptsächlichste des Ätherleibes als ein zweiter Leichnam abgeworfen; es bleibt jedoch ein Extrakt des Ätherleibes zurück, der mitgenommen wird und erhalten bleibt für alle kommenden Zeiten.|120|67}}{{GS|Wenn der Mensch aber durch die Pforte des Todes schreitet, hört das Vorstellungsleben auf, das an das Instrument des Gehirns gebunden ist. Da beginnt eine andere Form des Bewußtseinslebens.|120|86}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|U}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|U}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ursache und Wirkung&lt;br /&gt;
{{GS|Damit in der Welt der Erscheinungen, in der leblosen Welt, die wir zunächst um uns herum haben, eine Wirkung auf eine Ursache folge, ist stets notwendig, daß dieser Ursache etwas entgegenkommt. Und ohne daß etwas der Ursache entgegenkommt, ist niemals von dem Folgen einer Wirkung auf eine Ursache zu sprechen.|120|12}}{{GS|Wir werden aber zu einer Erklärung des Menschenlebens nicht kommen, wenn wir Zusammenhänge zwischen Ursache und Wirkung nur in diesem einzelnen Menschenleben suchen.|120|21}}{{GS|Die Erkenntnis eines solchen Zusammenhanges zwischen Ursachen und Wirkungen in unseren einzelnen Lebensabschnitten, die wir durch unser gewöhnliches Bewußtsein überschauen können, kann uns schon im höchsten Grade förderlich sein im Leben.|120|22}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|V}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|V}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vergessen&lt;br /&gt;
{{GS|Jeder kann an sich selbst bemerken, wenn er eine kleine Unpäßlichkeit hat, wie sehr es ihm nützt, wenn er es zu einem Vergessen seiner Unpäßlichkeit bringt, namentlich zu einem solchen Vergessen, das hervorgerufen wird durch eine anderweitige Beschäftigung. Das ist also ein positives, gesundes Vergessen!|120|101}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|W}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|W}}Wesensglieder&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Und der hellseherische Forscher wird bei einem Krankheitsfall immer in Betracht ziehen müssen, welches in dem betreffenden Falle der Anteil sein kann des physischen Leibes auf der einen Seite und des Ätherleibes und des astralischen Leibes auf der andern Seite; denn alle drei Wesensglieder des Menschen können an der Erkrankung beteiligt sein.|120|60}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wille&lt;br /&gt;
{{GS|Das zeigt uns, wie in die Linie der karmischen Folgen unser Wille eingreifen und etwas schaffen kann, was an Stelle von sonst eingetretenen karmischen Wirkungen steht.|120|23}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|X}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|X}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|Y}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|Y}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|Z}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|Z}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zufall&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Da sitzt aber auch das, was man den Zufall nennt. Er sitzt da, wo uns Ahriman am allergefährlichsten wird. Diejenigen Erscheinungen nennt der Mensch zufällig, bei denen er durch den ahrimanischen Einfluß am allerleichtesten getäuscht werden kann.|120|111}}{{GS|[…] zeigen, wie im Inneren des Menschen Luzifer zur Illusion führt und wie Ahriman sich in die äußeren Wahrnehmungen mischt und dort zur Maja führt […]|120|112}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|0-9}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|0-9}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Literatur =&lt;br /&gt;
* [[a:Rudolf Steiner|Rudolf Steiner]]: &#039;&#039;Die Offenbarungen des Karma&#039;&#039;, [[GA 120]] (1992), ISBN 3-7274-1200-3 {{Vorträge|120}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GA}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:GA 120 Die Offenbarungen des Karma|!]] [[Kategorie:Taschenbücher]] [[Kategorie:Karma]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:GA]] [[Kategorie:GA (Mitgliedervorträge)]]  [[Kategorie: GA (Zyklus)]] [[Kategorie:Gesamtausgabe]]&lt;br /&gt;
[[en:GA 120]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Artikel unten}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>ElkeJura</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://steiner.wiki/index.php?title=Gesamtglossar_A&amp;diff=11339</id>
		<title>Gesamtglossar A</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://steiner.wiki/index.php?title=Gesamtglossar_A&amp;diff=11339"/>
		<updated>2025-12-03T19:29:31Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;ElkeJura: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Artikel oben}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Abendmahl&lt;br /&gt;
{{GS|Und welche gewaltigen Gefühle sind es, die durch unsere Seele ziehen können, wenn wir so in dem Abendmahl das größte Mysterium der Erde erblicken können: die Verbindung des Ereignisses von Golgatha mit der ganzen Evolution der Erde […]|103|125}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Abraham&lt;br /&gt;
{{GS|Wir haben dann gesehen, wie innerhalb desjenigen Volkes, das die Bekennerschaft des Alten Testamentes bildet, sich ein gewisser Vollkommenheitsgrad dieser Stimmung ausbildete. «Ich und der Vater Abraham sind eins», das heißt, der einzelne fühlte sich geborgen in dem ganzen Zusammenhange bis hinauf zum Vater Abraham. Das war ungefähr auch, was die Grundstimmung […] ausmachte, aller Volksstämme der dritten Kulturepoche.|103|158}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Adam&lt;br /&gt;
{{GS|[…] ist gemeint als ein hellseherischer Schlaf, und was erzählt wird, ist das, was man erfährt in einem höheren Bewußtseinszustand; daher fällt Adam «in einen Schlaf».|103|18}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ägyptische Kultur [CHALDÄISCH-ÄGYPTISCH-ASSYRISCH-BABYLONISCHE-KULTUR, DRITTE KULTUEPOCHE]&lt;br /&gt;
{{GS|Dem Angehörigen der ägyptischen Kultur war es sogar sehr wichtig, daß er die Verhältnisse der Erde besonders durchforschte und die Geometrie ausbildete. Maja wurde erforscht, die äußere Wissenschaft entstand.|103|147}}&lt;br /&gt;
{{GS|So hat der Mensch der dritten Kulturepoche hineingearbeitet in die Materie den Geist, durchdrungen die äußere Welt mit dem Geist.|103|148}}&lt;br /&gt;
{{GS|Die Ägypter balsamierten die Körper der Verstorbenen ein, damit die Menschen in der fünften Epoche ein möglichst großes Persönlichkeitsbewußtsein haben sollten.|103|150}}&lt;br /&gt;
{{GS|Warum wurden die Ägypter die Lehrmeister der Geometrie? Weil sie glaubten, daß man durch den Gedanken, der die Erde abteilt, die Materie auch bezwingen kann und daß sich umformen läßt die Materie, die der Geist des Menschen erfassen kann.|103|156}}&lt;br /&gt;
{{GS|Wenig ist in der ägyptisch-chaldäischassyrisch-babylonischen Zeit von dem im Menschen schon vorhanden, was man innerliche Persönlichkeits- und Verstandeskultur nennen könnte.|103|172}}{{GS|Im alten Ägypten waren die Gesetze der Reinigung «gottgeoffenbarte» Gesetze. […] Das kommt heute wieder heraus, nur unter ganz materialistischen Gedankeneinflüssen. Der Mensch von heute denkt nicht daran, daß er den Göttern dient, wenn er solche Vorschriften beobachtet, sondern daß er sich selbst dient.|120|167}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ahriman&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|[…] wie in der Tat die beiden Prinzipien, das ahrimanische und das luziferische, im letzten Grunde im Krankheitsverlauf tätig sind. Und es könnte in vieler Beziehung für diese oder jene Krankheitsform gezeigt werden, wie man eigentlich zwei Typen von Krankheiten unterscheiden müßte: ahrimanische und luziferische Krankheiten.|120|88}}{{GS|[…] zeigen, wie im Inneren des Menschen Luzifer zur Illusion führt und wie Ahriman sich in die äußeren Wahrnehmungen mischt und dort zur Maja führt […]|120|112}}{{GS|Da sitzt aber auch das, was man den Zufall nennt. Er sitzt da, wo uns Ahriman am allergefährlichsten wird. Diejenigen Erscheinungen nennt der Mensch zufällig, bei denen er durch den ahrimanischen Einfluß am allerleichtesten getäuscht werden kann.|120|111}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Akasha-Chronik&lt;br /&gt;
{{GS|Es ist keine gewöhnliche Chronik, sondern eine Chronik, die man als eine lebendige bezeichnen könnte. ... Man kann auch die Willensimpulse, die Gefühle, die Gedanken sehen. ... Das, was jetzt geistig wirkt in uns und im Physischen ausgeflossen ist, das sieht man dort im Geistigen.|99|44}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alba Longa&lt;br /&gt;
{{GS|Alba Longa oder die lange Alba, die Stadt einer Priesterkultur, von der die Kultur Roms ausgehen sollte. Im Meßkleid der katholischen Priester haben wir noch einen Nachklang davon erhalten.|104|74}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alkohol&lt;br /&gt;
{{GS|[…] der Alkohol hat eine ganz bestimmte Wirkung auf den menschlichen Organismus. Er hatte nämlich eine Mission im Laufe der Menschheitsentwickelung […]sozusagen den menschlichen Leib so zu präparieren, daß dieser abgeschnitten wurde von dem Zusammenhang mit dem Göttlichen, damit das persönliche «Ich-bin» herauskommen konnte.|103|92}}&lt;br /&gt;
{{GS|Jetzt, wo die Menschheit wiederum strebt, den Weg zurückzufinden, wo das Ich so weit entwickelt ist, daß der Mensch wieder den Anschluß finden kann an die göttlich-geistigen Mächte, jetzt ist die Zeit gekommen, wo, anfangs sogar aus dem Unbewußten heraus, eine gewisse Reaktion gegen den Alkohol eintritt.|103|92}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alte Einweihung&lt;br /&gt;
{{GS|Man mußte also in der alten Einweihung versuchen, den Ätherleib künstlich herauszuholen […] in eine Art Todesschlaf bringen, der ja dreieinhalb Tage dauerte, währenddem der Ätherleib herausragte aus dem physischen Leibe, gelockert war, so daß das, was der Astralleib erlebte, sich einprägte in den Ätherleib. Und wenn dann der Ätherleib wieder zurückgeführt wurde […] wusste der Mensch, was er in der geistigen Welt erlebt hatte.|103|144}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alter Mond [PLANETARISCHE VERKÖRPERUNG]&lt;br /&gt;
{{GS|Ebenso nun wie beim Menschen ein Zeitraum liegt zwischen einer Verkörperung und einer neuen Geburt, so liegt ein Zeitraum zwischen der Verkörperung unseres Planeten, den wir als Erde bezeichnen, und desjenigen, den wir als den alten Mond bezeichnen.|103|27}}&lt;br /&gt;
{{GS|Dieser alte Mond hatte als planetarische Stufe auch eine Mission. Er hatte noch nicht die Aufgabe, die Liebe auszubilden, er sollte der Planet oder der Kosmos der Weisheit sein.|103|47}}&lt;br /&gt;
{{GS|Noch auf dem Monde war von dem heutigen Menschen nur vorhanden physischer Leib, Ätherleib und astralischer Leib; kein Ich war darinnen.|103|76}}&lt;br /&gt;
{{GS|Wir haben den alten Mond den «Kosmos der Weisheit» genannt. Dieser alte Mond hatte auf einer gewissen Stufe seiner Entwickelung das nicht, was wir heute Erde, feste Erde nennen.|103|107}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Altindische Einweihung&lt;br /&gt;
{{GS|Da gab es eine Zeit, wo unsere Vorfahren hineinschauten in die geistige Welt […] wo sie in der tieferen geistigen Wirklichkeit drinnen steckten. Oh, könnten wir auch da hinein! So sagten sie sich. Und aus dieser Sehnsucht heraus wurde die altindische Methode der Einweihung geschaffen […] Yoga ist die Methode der altindischen Einweihung.|103|144}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Altindische Kultur [URINDISCHE KULTUR]&lt;br /&gt;
{{GS|Dem uralten Inder, wenn er ganz besonders heilig sein will, ist die Welt der Maja wertlos. Diese physische Welt ist ihm eine Illusion […]|103|145}}&lt;br /&gt;
{{GS|Wir haben darauf hingewiesen, wie diese uralt-indische Kultur dadurch zu charakterisieren ist, daß die Gemüter der Menschen beherrscht waren von Sehnsucht und Erinnerung […] Die Erinnerung bestand darin, daß lebendige Überlieferungen geblieben waren von […] der atlantischen Flut […] eine Art dämmerhaften hellseherischen Zustandes […] durch den er hineinblicken konnte in die geistige Welt […]|103|153}}&lt;br /&gt;
{{GS|In der altindischen Kultur war gegenüber der eigenen Geistigkeit noch eine sonderbare Stimmung. Man sagte: Wollen wir in die geistige Welt eindringen, uns über die Illusion erheben, dann müssen wir uns selbst verlieren in der geistigen Welt, müssen möglichst auslöschen das «Ich-bin» und aufgehen in dem All-Geist, in dem Brahman.|103|157}}&lt;br /&gt;
{{GS|In der ersten Kulturepoche der nachatlantischen Zeit macht der Mensch zuerst seinen Ätherleib zum Ich-Träger, wie er vorher seinen physischen Leib dazu gemacht hatte. Das war die alte indische Kultur.|103|171}}&lt;br /&gt;
{{GS|Das alte Indertum war in einem viel höheren Grade, als man sich denkt, dazu geneigt, nicht die Hände zu regen, sondern in Kontemplation sich zu erheben über das Materielle zu den höheren Welten.|103|172}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alte Mysterien&lt;br /&gt;
{{GS|[…] in den alten Mysterien war der Christus Jesus, das heißt der Christus, der in Zukunft erscheinen sollte in der Welt, nicht etwa eine unbekannte Wesenheit. Und alle Mysterien wiesen hin auf Einen, der da kommen sollte.|103|68}}&lt;br /&gt;
{{GS|Einzelne waren es, die immer schon durch die alten Mysterien wußten von den geistigen Welten.|103|77}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Altpersische Kultur&lt;br /&gt;
{{GS|Das, was nun während der altpersischen Kulturepoche ausgebildet wird, ist der eigentliche Astralleib oder der Empfindungsleib; er ist der Träger der eigentlichen Betätigungskräfte des Menschen.|103|171}}&lt;br /&gt;
{{GS|Die Kultur des alten Persertums besteht darin, daß das Ich in den Empfindungsleib gesenkt wird.|103|172}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anthroposophie&lt;br /&gt;
{{GS|Man würde die heutige Betrachtung mißverstehen, wenn man des Glaubens wäre, Anthroposophie oder Geisteswissenschaft sei in irgendeiner Beziehung eine neue Religion, wolle irgendein neues Religionsbekenntnis an die Stelle eines alten setzen.|104|12}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alter Saturn [PLANETARISCHE VERKÖRPERUNG]&lt;br /&gt;
{{GS|Unser physischer Menschenleib hat seine allererste Anlage erhalten auf dem alten Saturn. Damals […] bildete sich eine von dem heutigen menschlichen Leibe freilich ganz verschiedene erste Anlage des physischen Menschenleibes.|103|28}}&lt;br /&gt;
{{GS|Die einzige Wirklichkeit des Saturn war die, daß er einen anderen Wärmezustand hatte als seine Umgebung. Durch etwas anderes hätte man ihn nicht wahrnehmen können.|103|108}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Altes Testament&lt;br /&gt;
{{GS|Der Bekenner des Alten Testaments sagte noch nicht in seiner Persönlichkeit: Ich bin ein Ich. Er fühlte sich in dem ganzen alten jüdischen Volke und fühlte das «Gruppen-Volks-Ich».|103|58}}&lt;br /&gt;
{{GS|Innerhalb der Bekenner des Alten Testamentes sehen wir im vollsten Sinne noch das ausgedrückt, was wir die Zugehörigkeit zur Gruppenseele als die Grundlage des einzelnen Ichs im Gesamt-Ich nennen können.|103|89}}&lt;br /&gt;
{{GS|Wir haben dann gesehen, wie innerhalb desjenigen Volkes, das die Bekennerschaft des Alten Testamentes bildet, sich ein gewisser Vollkommenheitsgrad dieser Stimmung ausbildete. «Ich und der Vater Abraham sind eins», das heißt, der einzelne fühlte sich geborgen in dem ganzen Zusammenhange bis hinauf zum Vater Abraham.|103|158}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aristoteles&lt;br /&gt;
{{GS|Die Geschichte weist Ihnen nach, daß der eigentliche Begründer der Logik Aristoteles ist.|103|173}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Äschylos&lt;br /&gt;
{{GS|Bei Äschylos klingt es in der Dramatik noch nach, wie der Mensch seine eigene Individualität künstlerisch verwerten will. Er tritt selbst in den physischen Plan hinaus und schafft ein Abbild seiner selbst.|103|150}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Assyrisch-babylonisch-chaldäisch-ägyptische Kultur [DRITTE KULTUEPOCHE]&lt;br /&gt;
{{GS|So hat der Mensch der dritten Kulturepoche hineingearbeitet in die Materie den Geist, durchdrungen die äußere Welt mit dem Geist.|103|148}}&lt;br /&gt;
{{GS|Wenig ist in der ägyptisch-chaldäischassyrisch-babylonischen Zeit von dem im Menschen schon vorhanden, was man innerliche Persönlichkeits- und Verstandeskultur nennen könnte.|103|172}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Astralleib&lt;br /&gt;
{{GS|Bei jedem Menschen ist der astralische Leib so, daß er Manas oder Geistselbst enthält; das ist ein Werk des Ich, ein Produkt der Arbeit des Ich.|103|34}}&lt;br /&gt;
{{GS|Und der Astralleib des Menschen, haben wir gesagt, bestehe aus zwei Teilen, aus dem Teile, den der Mensch schon beherrscht, und dem, den er noch nicht beherrscht.|103|36}}&lt;br /&gt;
{{GS|Was ist der astralische Leib? Er erscheint ja dem hellseherischen Bewußtsein auch heute als eine Aura, die den Menschen umgibt. Er ist ein Lichtleib.|103|39}}&lt;br /&gt;
{{GS|Das Ich ist berufen dazu, den astralischen Leib nach und nach zu läutern, zu reinigen, auf eine höhere Stufe zu heben. Wenn der ganze astralische Leib durchläutert, durchkraftet sein wird mit der eigenen Kraft des Ich, wird er sein das Geistselbst oder Manas.|103|127}}&lt;br /&gt;
{{GS|Er [Mensch] hat in alten Zeiten unbewußt bearbeitet seinen astralischen Leib, und es ist der astralische Leib dadurch durchsetzt mit der Empfindungsseele.|103|128}}&lt;br /&gt;
{{GS|Das, was nun während der altpersischen Kulturepoche ausgebildet wird, ist der eigentliche Astralleib oder der Empfindungsleib; er ist der Träger der eigentlichen Betätigungskräfte des Menschen.|103|171}}&lt;br /&gt;
{{GS|Das ist der eigentlich empfindende und denkende Teil des Menschen, und der physische Leib und auch das, was im Ätherleib ist, sind nur seine Vermittler, die Instrumente.|99|35}}&lt;br /&gt;
{{GS|In diesen Astralleib sind hineingezeichnet eine Unsumme von verschiedenerlei Figuren, alle möglichen Arten von Linien und Strahlen, manche blitzartig, manche in sonderbaren Windungen.|104|52}}&lt;br /&gt;
{{GS|Der astralische Leib ist der Ausdruck seiner Leidenschaften, seiner Instinkte, Triebe und Begierden, aber auch aller seiner Gedanken und Vorstellungen.|104|52}}{{GS|Also wir haben es vor dem Ich-Bewußtsein zu tun mit einem solchen Bewußtsein, das an den astralischen Leib als das damals höchste Glied gebunden ist, das astralische Bewußtsein, das dumpf und dämmerhaft&lt;br /&gt;
122 ist und noch nicht durchleuchtet ist von dem Lichte des Ich.|120|122}}{{GS|Krankheit ist ein abnormer Wachzustand unseres astralischen Leibes.|120|124}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Astrologie&lt;br /&gt;
{{GS|So entsteht jene wunderbare Sternenkunde, die die Menschen heute kaum mehr kennen. Denn was man heute als Astrologie kennt, ist durch ein Mißverstehen der Tatsachen entstanden.|104|72}}&lt;br /&gt;
{{GS|Tiefe Weisheit in der Sternenschrift ist es, was dem alten Chaldäerpriester als Astrologie geoffenbart wurde, als die Geheimnisse dessen, was er mit Augen sah. Das betrachtete er als Offenbarung eines Inneren, Durchgeistigten.|104|72}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ätherleib&lt;br /&gt;
{{GS|[…] dass der Ätherlieb beim Manne weiblich und beim Weibe männlich ist […] Die Kräfte, die den Ätherleib zusammenhalten, finden wir […] in der Welt des Rupa-Devachan […]|99|27}}&lt;br /&gt;
{{GS|Erst als der Saturn sich in die Sonne verwandelte, also während der zweiten Verkörperung unseres Erdplaneten, kam zu diesem physischen Leib der Ätherleib hinzu, durchtränkte, imprägnierte ihn.|103|28}}&lt;br /&gt;
{{GS|Nachdem sich unmittelbar nach dem Tode Ätherleib, astralischer Leib und Ich von dem physischen Leibe getrennt haben, geht nach einiger Zeit auch der Ätherleib aus der Verbindung mit dem astralischen Leibe und dem Ich heraus und löst sich auf im Weltenäther.|103|29}}&lt;br /&gt;
{{GS|[…] soviel von seinem Ätherleibe umgestaltet ist zu einem Produkt des Ich, nennen wir dies die Buddhi oder den Lebensgeist.|103|34}}&lt;br /&gt;
{{GS|Auch was er im Ätherleib hat, kann er noch nicht beherrschen; das wird er erst beherrschen können, wenn die Erde im Venuszustande sein wird.|103|36}}&lt;br /&gt;
{{GS|Treulos verlassen Sie alle jede Nacht Ihren physischen Leib und Ihren Ätherleib. Daraus werden Sie erkennen, daß die Geisteswissenschaft mit einem gewissen Recht darauf hinweist, daß göttlich-geistige Mächte und Kräfte in der Nacht diesen physischen Leib, diesen Ätherleib durchströmen […]|103|87}}&lt;br /&gt;
{{GS|[…] diejenigen Mächte, die auf den Ätherleib wirken, sind in den niederen himmlischen Sphären zu Hause.|103|88}}&lt;br /&gt;
{{GS|Unbewußt hat das Ich hineingearbeitet in den Ätherleib, und dieser unbewußt umgeformte Ätherleib ist dasjenige, was Sie in einem systematischen Zusammenhange in der «Theosophie» geschildert finden als Verstandesseele.|103|128}}&lt;br /&gt;
{{GS|Beim heutigen Menschen findet man hellseherisch das, was Ätherkopf ist, ungefähr in Form und Größe mit dem physischen Kopfe übereinstimmend.|103|137}}&lt;br /&gt;
{{GS|In der ersten Kulturepoche der nachatlantischen Zeit macht der Mensch zuerst seinen Ätherleib zum Ich-Träger, wie er vorher seinen physischen Leib dazu gemacht hatte. Das war die alte indische Kultur.|103|171}}&lt;br /&gt;
{{GS|Das, was nun während der altpersischen Kulturepoche ausgebildet wird, ist der eigentliche Astralleib oder der Empfindungsleib; er ist der Träger der eigentlichen Betätigungskräfte des Menschen.|103|171}}&lt;br /&gt;
{{GS|Nun aber kommt etwas anderes in Betracht, das ist, daß dann, wenn diese Katharsis eingetreten ist, wenn im astralischen Leibe ausgebildet sind die astralen Sinnesorgane, das Ganze abgedrückt werden muß im Ätherleibe.|103|196}}&lt;br /&gt;
{{GS|So sehen wir, daß wir in dem Ätherleib und physischen Leib der Pflanze etwas vor uns haben, was imstande ist, mit inneren Heilkräften zu antworten auf äußere Schädigungen.|120|62}}&lt;br /&gt;
{{GS|[…] wenn der Mensch durch die Pforte des Todes tritt […] wird das Hauptsächlichste des Ätherleibes als ein zweiter Leichnam abgeworfen; es bleibt jedoch ein Extrakt des Ätherleibes zurück, der mitgenommen wird und erhalten bleibt für alle kommenden Zeiten.|120|67}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Atlantis, atlantische Zeit&lt;br /&gt;
{{GS|Damals [lemurische Zeit] hatten Sie nicht diese Gestalt, aber ein solcher Mensch waren Sie: physischer und Ätherleib waren eingehüllt von dem mit dem Ich ausgestatteten Astralleibe. Dieser Zustand dauerte bis hinein in die atlantische Zeit.|103|112}}&lt;br /&gt;
{{GS|[…] dazumal [Atlantis], als der Mensch noch eingebettet war in die göttlich-geistigen Wesenheiten, hatte er in der Nacht ein dämmerhaftes, astralisches Bewußtsein. Wenn er bei Tag untertauchte in seinen flüssigen physischen Leib, da wurde es für ihn Nacht; und wenn er wieder heraus war aus seinem physischen Leibe, da ging ihm das blendende astralische Licht auf.|103|113}}&lt;br /&gt;
{{GS|Im letzten Drittel der atlantischen Zeit wird dann die Menschengestalt immer ähnlicher der heutigen.|103|113}}&lt;br /&gt;
{{GS|Wir haben […] erwähnt, daß unsere Vorfahren in einer weit zurückliegenden Zeit drüben im Westen auf einem Erdgebiete gewohnt haben, das heute eingenommen wird vom Atlantischen Ozeane. Auf der alten Atlantis haben unsere Vorfahren gelebt.|103|136}}&lt;br /&gt;
{{GS|Der alte Atlantier hatte den Ätherkopf mächtig hervorragend über dem physischen Kopfe. Dann wuchsen diese beiden immer mehr zusammen, und es war im letzten Drittel der atlantischen Zeit, als physischer und Ätherkopf zur Deckung kamen.|103|138}}&lt;br /&gt;
{{GS|Wenn Sie durch die alte Atlantis drüben im Westen gegangen wären, hätten Sie eine solche Verteilung von Regen, Nebel, Luft und Sonnenschein, wie Sie es jetzt auf unseren heutigen Ländergebieten haben, nicht erlebt.|103|138}}&lt;br /&gt;
{{GS|[…] in die Gegend des heutigen Tibet. Dahin zog ein verhältnismäßig kleiner, aber namentlich geistig, spirituell sehr weit fortgeschrittener Bruchteil der atlantischen Bevölkerung.|103|139}}&lt;br /&gt;
{{GS|Innerhalb der letzten atlantischen Zeit war es ja so gekommen, daß nach und nach die westlichen Gegenden der Atlantis verschwanden, sich mit Meer bedeckten.|103|140}}&lt;br /&gt;
{{GS|Wenn eine Stadt in Nebel eingehüllt ist und Sie des Abends die Laternen wie mit Farbenauren umgeben sehen, so undeutlich mit Säumen und Farbenstrahlen das gibt Ihnen ein Bild, wie es in dieser Zeit in der Atlantis ausgesehen hat.|103|141}}&lt;br /&gt;
{{GS|Wir haben gesehen, wie in dieser Zeit vor der atlantischen Flut eine so scharfe Trennung noch nicht war zwischen dem Bewußtseinszustand während des Tageslebens und dem Bewußtseinszustand während des Nachtlebens.|103|153}}&lt;br /&gt;
{{GS|Wir haben gesehen, daß eigentlich erst in der späteren atlantischen Zeit die Menschen in die Lage gekommen sind, das Ich oder «Ich-bin» zu empfinden. Denn solange die Menschen die geistigen Bilder sahen, waren sie sich auch klar, daß sie selbst der geistigen Welt angehörten.|103|156}}&lt;br /&gt;
{{GS|Diejenige Menschheitsentwickelung, die der atlantischen Flut vorangegangen ist, also die sich zum großen Teil abgespielt hat auf jenem Kontinente, der da war zwischen dem heutigen Europa und dem heutigen Amerika, der alten Atlantis, diese Menschheitsentwickelung teilen wir auch in sieben aufeinanderfolgende Abschnitte. Für diese sieben Abschnitte gilt noch der Ausdruck «Rassen-Entwickelung».|103|168}}&lt;br /&gt;
{{GS|Die Mission des Atlantiertums war, dem Menschen das Ich einzuimpfen, einzuprägen; und diese Mission geht dann über die atlantische Flut, die man als Sintflut beschreibt, hinüber in unsere Zeit.|103|170}}&lt;br /&gt;
{{GS|Deshalb sprechen wir auch von Kulturzeitaltern im Gegensatz zu Rassen. Alles das, was etwa verknüpft ist mit dem Rassenbegriff, ist noch Überbleibsel des Zeitraumes, der dem unseren vorangegangen ist, des atlantischen. Wir leben im Zeitraum der Kulturepochen.|104|69}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Atman [Geistesmensch]&lt;br /&gt;
{{GS|[…] soviel er [Mensch] am physischen Leib vom Ich aus umgestaltet, nennen wir dies Atman oder den Geistesmenschen.|103|34}}&lt;br /&gt;
{{GS|Am Ende der Erdenlaufbahn ist der Mensch durchdrungen von seinem Ich; und dieses sein Ich wohnt selber in dem Astralleib, wenn es als Manas oder Geistselbst den astralischen Leib durchzogen hat. Dieses Ich hat dann den Ätherleib durchzogen, er ist ganz und gar durchsetzt von der Buddhi oder dem Lebensgeiste; und der physische Leib ist ganz und gar durchzogen von Atman oder dem Geistesmenschen, den Produkten des Ich.|103|35}}&lt;br /&gt;
{{GS|Wenn der physische Leib ganz und gar überwunden, besiegt sein wird vom Ich, wird er sein Atma oder der Geistesmensch.|103|127}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufmerksamkeit&lt;br /&gt;
{{GS|[…] die Aufmerksamkeit der Seele auf gewisse Vorgänge in der uns umgebenden Welt zu lenken. Solche Vorgänge sind das sprießende, wachsende und gedeihende Leben einerseits, und alle Erscheinungen, die mit Verblühen, Verwelken, Absterben zusammenhängen, andererseits.|10|43}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auge&lt;br /&gt;
{{GS|Dieser wundervolle Bau des menschlichen Auges, dieser wunderbare Apparat des menschlichen Ohres, alles das hat erst heute seine Vollkommenheit erlangt, weil es aus der Saturnmasse herausgebildet wurde, und Ätherleib, Astralleib und Ich daran gearbeitet haben.|99|90}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Artikel unten}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>ElkeJura</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://steiner.wiki/index.php?title=GA_120&amp;diff=11324</id>
		<title>GA 120</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://steiner.wiki/index.php?title=GA_120&amp;diff=11324"/>
		<updated>2025-10-15T18:45:38Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;ElkeJura: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Artikel oben}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:GA120.jpg|thumb|{{RSV|120}}]]&lt;br /&gt;
__NOTOC__&lt;br /&gt;
&amp;lt;div class=&amp;quot;center&amp;quot; &amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;h3&amp;gt;RUDOLF STEINER&amp;lt;/h3&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;h3&amp;gt;VORTRÄGE&amp;lt;/h3&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;h4&amp;gt;VORTRÄGE VOR MITGLIEDERN&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
DER ANTHROPOSOPHISCHEN GESELLSCHAFT&amp;lt;/h4&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;h3&amp;gt;Die Offenbarungen&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
des Karma&amp;lt;/h3&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;h5&amp;gt;Ein Zyklus von elf Vorträgen&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
gehalten in Hamburg&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
zwischen dem 16. und 28. Mai 1910&amp;lt;/h5&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;h3&amp;gt;GA 120&amp;lt;/h3&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;h3&amp;gt;1992&amp;lt;/h3&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Inhaltsverzeichnis =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[GA 120#ERSTER VORTRAG Hamburg, 16. Mai 1910|ERSTER VORTRAG Hamburg, 16. Mai 1910]]&lt;br /&gt;
* [[GA 120#ZWEITER VORTRAG Hamburg, 17. Mai 1910|ZWEITER VORTRAG Hamburg, 17. Mai 1910]]&lt;br /&gt;
* [[GA 120#DRITTER VORTRAG Hamburg, 18. Mai 1910|DRITTER VORTRAG Hamburg, 18. Mai 1910]]&lt;br /&gt;
* [[GA 120#VIERTER VORTRAG Hamburg, 19. Mai 1910|VIERTER VORTRAG Hamburg, 19. Mai 1910]]&lt;br /&gt;
* [[GA 120#FÜNFTER VORTRAG Hamburg, 20. Mai 1910|FÜNFTER VORTRAG Hamburg, 20. Mai 1910]]&lt;br /&gt;
* [[GA 120#SECHSTER VORTRAG Hamburg, 21. Mai 1910|SECHSTER VORTRAG Hamburg, 21. Mai 1910]]&lt;br /&gt;
* [[GA 120#SIEBENTER VORTRAG Hamburg, 22. Mai 1910|SIEBENTER VORTRAG Hamburg, 22. Mai 1910]]&lt;br /&gt;
* [[GA 120#ACHTER VORTRAG Hamburg, 25. Mai 1910|ACHTER VORTRAG Hamburg, 25. Mai 1910]]&lt;br /&gt;
* [[GA 120#NEUNTER VORTRAG Hamburg, 26. Mai 1910|NEUNTER VORTRAG Hamburg, 26. Mai 1910]]&lt;br /&gt;
* [[GA 120#ZEHNTER VORTRAG Hamburg, 27. Mai 1910|ZEHNTER VORTRAG Hamburg, 27. Mai 1910]]&lt;br /&gt;
* [[GA 120#ELFTER VORTRAG Hamburg, 28. Mai 1910|ELFTER VORTRAG Hamburg, 28. Mai 1910]]&lt;br /&gt;
* [[GA 120#EINLADUNG ZUM VORTRAGSZYKLUS|EINLADUNG ZUM VORTRAGSZYKLUS]]&lt;br /&gt;
* [[GA 120#HINWEISE|HINWEISE]]&lt;br /&gt;
* [[GA 120#NAMENREGISTER|NAMENREGISTER]]&lt;br /&gt;
* [[GA 120#Literatur|Literatur]]&lt;br /&gt;
* [[GA 120#Glossar|Glossar]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|9}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= ERSTER VORTRAG Hamburg, 16. Mai 1910 =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Zyklus von Vorträgen soll Fragen behandeln aus dem Gebiete der Geisteswissenschaft, die tief in das Leben einschneidend sind. Aus den verschiedenen Darstellungen, die im Laufe der Zeit gegeben wor den sind, ist es uns ja geläufig, daß Geisteswissenschaft nicht eine ab strakte Theorie sein soll, nicht eine bloße Doktrin oder Lehre, sondern ein Quell für Leben und Lebenstüchtigkeit, und sie erfüllt erst dann ihre Aufgabe, wenn durch das, was sie an Erkenntnissen zu geben vermag, etwas hineinfließt in unsere Seelen, was das Leben reicher, verständlicher, was unsere Seelen tüchtiger und tatkräftiger machen kann. Wenn sich nun allerdings derjenige, der sich zu dieser unserer Weltanschauung bekennt, jenes Ideal, das eben mit ein paar Worten gekennzeichnet worden ist, vorhält und in der Gegenwart dann ein wenig Umschau hält, inwiefern er imstande ist, das, was ihm aus der Theosophie erfließt, in diesem Leben umzusetzen, dann könnte er vielleicht zu einem recht wenig erfreulichen Eindruck kommen. Denn wenn man unbefangen alles betrachtet, was heute die Welt meint zu «wissen», was in unserer Gegenwart die Menschen zu diesen oder jenen Gefühlen oder Handlungen treibt, so könnte man sagen, daß dies alles von den theosophischen Ideen und Idealen so unendlich weit verschieden ist, daß der Theosoph gar keine Möglichkeit habe, unmittelbar in das Leben einzugreifen mit dem, was er aus den Quellen der Geisteswissenschaft heraus sich aneignet.- Das wäre aber dennoch eine recht oberflächliche Betrachtung der Sachlage, oberflächlich aus dem Grunde, weil bei einer solchen Betrachtung nicht gerechnet würde mit dem, was wir aus unserer Weltanschauung selber dadurch entnehmen müssen, daß wir uns sagen: Wenn einmal wirklich jene Kräfte, die wir durch Theosophie aufnehmen, stark genug sein werden, dann werden sie auch die MögIichkeit finden, in die Welt einzugreifen; wenn aber niemals etwas dazu getan würde, diese Kräfte immer stärker und stärker zu machen, so würde eben ihr Eingreifen in die Welt unmöglich sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber es ist noch etwas anderes, was uns sozusagen Trost geben kann,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|10}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
selbst wenn wir durch eine solche Betrachtung trostlos werden möchten, und das ist es gerade, was uns aus den Betrachtungen dieses Vortragszyklus folgen soll: Betrachtungen über das, was man menschliches Karma und Karma überhaupt nennt. Denn wir werden mit jeder Stunde, die wir hier verbringen, mehr sehen, wie wir gar nicht genug tun können an der Herbeiführung der Möglichkeit, mit theosophischen Kräften in das Leben einzugreifen, und wie wir, wenn wir ernsthaft an Karma glauben und festhalten, voraussetzen müssen, daß uns Karma selber dasjenige zuwerfen wird, was wir über kurz oder lang zu tun haben werden für unsere Kräfte. Wir werden sehen: Wenn wir vermeinen, wir könnten die aus unsererWeltanschauung gewonnenen Kräfte noch nicht anwenden, dann haben wir eben diese Kräfte noch nicht genügend stark gemacht, damit sie bewirken können, daß Karma es uns auch ermögliche, in die Welt mit diesen Kräften einzugreifen. So soll nicht nur eine Summe von Erkenntnissen über Karma in diesen Vorträgen leben, sondern es soll mit jeder Stunde mehr das Vertrauen in Karma geweckt werden, die Gewißheit, daß, wenn die Zeit gekommen sein wird, ob es nun morgen oder übermorgen oder nach vielen Jahren sein wird, unser Karma uns Aufgaben bringen wird, insofern wir als Bekenner unserer Weltanschauung Aufgaben zu verrichten haben. Karma wird sich uns darstellen als eine Lehre, welche uns nicht nur sagt, wie dieses oder jenes in der Welt sich verhält, sondern welche mit den Aufschlüssen, die sie uns bringt, zu gleicher Zeit uns Lebensbefriedigung und Lebenserhöhung bringen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Allerdings, wenn Karma eine solche Aufgabe erfüllen soll, ist es schon notwendig, daß wir das damit gemeinte Gesetz etwas tiefer ins Auge fassen, sozusagen in seiner Ausbreitung über die Welt. Dazu ist aber diesmal etwas notwendig, was sonst nicht eigentlich in meinem Gebrauche liegt bei geisteswissenschaftlichen Betrachtungen, nämlich eine Definition, eineWorterklärung zu geben. Ich pflege das sonst nicht zu tun, weil mit solchen Worterklärungen in der Regel nicht viel getan ist. Bei unseren Betrachtungen wird in der Regel begonnen mit der Darstellung von Tatsachen, und wenn diese Tatsachen in der entsprechenden Weise gruppiert und geordnet sind, ergeben sich die Begriffe und Vorstellungen von selbst. Wollten wir nun allerdings für die umfassenden &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|11}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fragen, die wir in den nächsten Tagen zu besprechen haben, einen ähnlichen Gang einschlagen, so müßten wir viel mehr Zeit zur Verfügung haben, als uns geboten ist. Deshalb ist es diesmal zur Verständigung notwendig, daß wir, wenn auch nicht eine Definition, so doch eine Art Beschreibung des Begriffes geben, der uns längere Zeit beschäftigen wird. Definitionen haben ja auch nur den Zweck, sich darüber zu verständigen, was man meint, wenn man dieses oder jenes Wort anschlägt oder ausspricht. In diesem Stile soll eine Beschreibung des Begriffes «Karma» gegeben werden, damit wir wissen, wovon wir sprechen, wenn in diesen Vorträgen der Ausdruck «Karma» gebraucht wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus mancherlei Betrachtungen hat wohl ein jeder von uns sich schon einen Begriff gebildet von dem, was Karma ist. Ein recht abstrakter Begriff von Karma ist wohl der, wenn man Karma das «geistige Ursachengesetz» nennt, das Gesetz, wonach auf gewisse Ursachen, die im geistigen Leben liegen, gewisse Wirkungen folgen. Das ist aber ein zu abstrakter Begriff von Karma, weil er zum Teil zu eng, zum Teil aber auch viel zu weit sein würde. Wenn wir Karma überhaupt auffassen wollen als ein Ursachengesetz, so stellen wir es zusammen mit dem, was wir sonst in der Welt als das Gesetz der Kausalität, als das Gesetz von Ursache und Wirkung bezeichnen. Verständigen wir uns einmal darüber, was wir sonst unter dem Ursachengesetz auf dem allgemeinen Gebiete verstehen, wo wir noch nicht von geistigen Tatsachen und geistigen Ereignissen sprechen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es wird heute so oft von der äußeren Wissenschaft betont, daß die eigentliche Bedeutung dieser Wissenschaft darinnen liege, daß sie baue auf das umfassende Ursachengesetz, daß sie überall Wirkungen auf entsprechende Ursachen zu rück führe. Wie dieses Zurückführen von Wirkungen auf Ursachen geschieht, darüber sind sich allerdings die Menschen schon viel weniger klar. Denn Sie werden wohl auch heute noch in Büchern, die da glauben, recht gelehrt zu sein und recht philosophisch die Begriffe klarzulegen, immer noch Aussprüche finden können wie etwa den: Eine Wirkung ist dasjenige, was aus einer Ursache folgt. - Wenn man aber sagt, daß eine Wirkung aus einer Ursache folge, dann redet man an den Tatsachen ganz gewaltig vorbei. Denn wenn wir zum Beispiel den erwärmenden Sonnenstrahl betrachten, der auf eine Metallplatte &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|12}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
auffällt, so daß diese Metallplatte dadurch wärmer geworden ist, dann werden wir von Ursache und Wirkung in der Welt draußen reden. Aber werden wir jemals sagen können, daß die Wirkung - die Erwärmung der Metallplatte - aus der Ursache des warmen Sonnenstrahles folge? Wenn der warme Sonnenstrahl diese Wirkung schon in sich hätte, so würde es die Tatsache nicht geben, da der warme Sonnenstrahl eine Metallplatte gar nicht erwärmt, wenn sie ihm nicht entgegenkommt. Damit in der Welt der Erscheinungen, in der leblosen Welt, die wir zunächst um uns herum haben, eine Wirkung auf eine Ursache folge, ist stets notwendig, daß dieser Ursache etwas entgegenkommt. Und ohne daß etwas der Ursache entgegenkommt, ist niemals von dem Folgen einer Wirkung auf eine Ursache zu sprechen. - Es ist nicht überflüssig, daß wir eine solche scheinbar recht philosophisch und abstrakt klingende Bemerkung vorausschicken; denn man muß sich schon einmal angewöhnen, wenn man fruchtbar vorwärtskommen will auf theosophischem Gebiete, die Begriffe recht genau zu fassen und nicht so nachlässig, wie sie zuweilen in den andern Wissenschaften gefaßt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun aber dürfte niemand von Karma sprechen, wenn bloß in einer solchen Weise eine Wirkung eintreten würde, wie sie vorhanden ist, wenn der wärmende Sonnenstrahl eine Metallplatte erwärmt. Da ist zwar die Kausalität vorhanden, der Zusammenhang von Ursache und Wirkung, aber wir würden niemals zu einem gehörigen Begriff von Karma kommen,wenn wir nur auf diesem Gebiete von Karma sprechen würden. Wir können also nicht von Karma sprechen, wenn bloß eine Wirkung mit einer Ursache in Zusammenhang steht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir können nun weitergehen und uns einen etwas höheren Begriff von dem Zusammenhang zwischen Ursache und Wirkung bilden. Wenn wir zum Beispiel einen Bogen haben, ihn spannen und dann mit diesem Bogen einen Pfeil abschießen, dann ist durch das Spannen des Bogens eine Wirkung eingetreten. Diese Wirkung des abgeschossenen Pfeiles im Zusammenhang mit seiner Ursache werden wir ebensowenig mit dem Ausdruck «Karma» belegen dürfen wie das, was eben gesagt worden ist. Wenn wir aber bei diesem Vorgang etwas anderes betrachten, kommen wir in gewisser Weise schon dem Karma nahe, wenn wir auch &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|13}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dabei noch immer nicht den Karmabegriff fassen: wenn wir nämlich bedenken, daß der Bogen, wenn er recht oft gespannt wird, mit der Zeit schlaff wird. Da wird durch das, was der Bogen tut, was` mit ihm geschieht&amp;gt; nicht bloß eine Wirkung folgen, die sich nach außen hin zeigt, sondern es wird eine Wirkung folgen, die auf den Bogen selber zurück- geht. Es geschieht durch das fortwährende Spannen des Bogens etwas mit dem Bogen selbst. Etwas, das durch das Spannen geschieht, fällt also sozusagen wieder auf den Bogen selbst zurück. Eine Wirkung wird also erzielt, welche auf den Gegenstand zurück fällt, von dem diese Wirkung selbst veranlaßt worden ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das gehört nun schon in den Karmabegriff hinein. Ohne daß eine Wirkung erzeugt wird, die wieder zurückfällt auf das Ding oder die Wesenheit, welche diese Wirkung hervorbringt, ohne diese Eigentümlichkeit des Zurückwirkens der Wirkung auf das verursachende Wesen ist der Karmabegriff nicht zu denken. Da kommen wir also dem Karmabegriff schon insofern etwas näher, als uns klar wird, daß die von einem Ding oder Wesen verursachte Wirkung wieder zurückschlagen muß auf dieses Ding oder Wesen selber. Aber dennoch dürfen wir das Schlaffwerden des Bogens durch das fortwährende Spannen nicht das Karma des Bogens nennen, und zwar aus folgendem Grunde nicht: Wenn wir den Bogen etwa drei bis vier Wochen recht oft gespannt haben, und er ist nach vier Wochen schlaff geworden, dann haben wir in dem schlaffen Bogen eigentlich etwas ganz anderes vor uns, als vor vier Wochen in dem straffen Bogen; der Bogen ist etwas anderes geworden, er ist nicht dasselbe geblieben. Wenn also die zurückschlagende Wirkung so ist, daß sie durchaus etwas anderes aus dem Ding oder Wesen macht, dann dürfen wir doch noch nicht von einem Karma sprechen. Wir dürfen erst von einem Karma sprechen, wenn die Wirkung, die auf das Wesen zurückschlägt, beim Zurückschlagen auf dasselbe Wesen trifft, oder wenn das Wesen wenigstens in einem gewissen Sinne dasselbe geblieben ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So also sind wir dem Karmabegriff wieder um ein Stück nähergekommen. Aber wir bekommen, wenn wir den Karmabegriff so beschreiben wollen, im Grunde genommen von ihm doch nur eine recht ab- strakte Vorstellung. Dennoch werden wir diesen Begriff, wenn wir ihn &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|14}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
abstrakt fassen wollen, kaum genauer fassen können, als wenn wir ihn in der Weise ausdrücken, wie wir es eben jetzt getan haben. Nur das eine müssen wir zum Karmabegriff noch hinzufügen: Wenn die Wirkung, die auf das Wesen zurückschlägt, in demselben Zeitpunkte erfolgt, wenn also Verursachung und zurückschlagende Wirkung in demselben Zeitpunkte stattfinden, dann werden wir kaum von Karma sprechen können. Denn in diesem Falle würde das Wesen, von dem die Wirkung ausgeht, im Grunde genommen die Wirkung unmittelbar hervorbringen wollen, würde also diese Wirkung voraussetzen, würde durchschauen alle Elemente, die zu dieser Wirkung führen. Wenn das&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der Fall ist, sprechen wir doch nicht von Karma. So zum Beispiel werden wir nicht von Karma sprechen, wenn wir einen Menschen vor uns haben, der eine bestimmte Tat vollbringt, mit der er dieses oder jenes beabsichtigt, und wenn dann - gemäß seiner Absicht - diese oder jene Wirkung, die er eben gewollt hat, eintritt. Das heißt, es muß zwischen der Ursache und der Wirkung etwas liegen, was sich dem Wesen bei der Herbeiführung der Ursache unmittelbar entzieht, so daß der Zusammenhang von Ursache und Wirkung zwar vorhanden ist, aber nicht eigentlich von dem Wesen selber beabsichtigt ist. Wenn dieser Zusammenhang von dem Wesen, das verursacht, nicht beabsichtigt ist, dann muß der Grund, warum ein Zusammenhang besteht zwischen Ursache und Wirkung, woanders liegen als in den Absichten des betreffenden Wesens. Das heißt, es muß dieser Grund liegen in einer bestimmten Gesetzmäßigkeit. Das gehört also noch zum Karma dazu, daß der Zusammenhang zwischen Ursache und Wirkung ein gesetzmäßiger ist, der hinübergeht über das, was das Wesen unmittelbar beabsichtigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So hätten wir einige Elemente zusammengetragen, welche uns den Karmabegriff erläutern können. Aber wir müssen alle diese Elemente in dem Karmabegriff darinnen haben und nicht bei einer abstrakten Definition stehenbleiben. Denn sonst werden wir nicht die Offenbarungen des Karma auf den verschiedenen Gebieten der Welt begreifen können. Diese Offenbarungen des Karma werden wir nun zuerst dort aufzusuchen haben, wo uns Karma zunächst entgegentritt: im einzelnen Menschenleben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Können wir im einzelnen Menschenleben so etwas finden und wann&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|15}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
können wir es finden, was wir jetzt eben durch unsere Erläuterung des Karmabegriffes dargestellt haben?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir würden so etwas finden, wenn zum Beispiel ein Erlebnis in unser Leben hineinträte, bei dem wir uns sagen könnten: Dieses Erlebnis, das da für uns auftritt, steht in einem gewissen Zusammenhange mit einem früheren Erlebnis, an dem wir selber beteiligt sind, zu dem wir selber Veranlassung gegeben haben. Versuchen wir einmal - zunächst rein durch Beobachtung des Lebens - festzustellen, ob es so etwas gibt. Wir wollen uns jetzt also rein auf den Standpunkt der äußeren Beobachtung stellen. Wer solche Beobachtungen nicht anstellt, kann auch nie zum Erkennen eines gesetzmäßigen Zusammenhanges im Leben kommen; er kann es ebensowenig, wie derjenige das Gesetz des elastischen Stoßes an zwei Billardkugeln kennenlernen kann, der diesen Stoß nicht beobachten wird. Beobachtung des Lebens kann uns in der Tat zu der Anschauung eines gesetzmäßigen Zusammenhanges führen. Greifen wir dazu gleich einen bestimmten Zusammenhang heraus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sagen wir, ein junger Mensch wäre im achtzehnten Jahre seines Lebens aus dem Berufe, der ihm bis dahin vorgezeichnet zu sein schien, durch irgendein Ereignis herausgewöorfen worden. Nehmen wir an, dieser Mensch hätte bis dahin ein Studium betrieben, hätte sich durch das Studium vorbereitet zu einem Berufe, wie er aus solchem Studium hervorgehen kann, und nun wäre er, zum Beispiel durch einen Unglücksfall seiner Eltern, daraus herausgeworfen worden und mit achtzehn Jahren in den Kaufmannsberuf hineingetrieben worden. Wer solche Fälle unbefangen im Leben beobachtet - mit einem solchen Blick, wie man in der Physik die Erscheinung des Stoßes elastischer Kugeln betrachtet -, der wird dann zum Beispiel finden, daß die Erlebnisse des Kaufmannsberufes, in den der junge Mensch hineingetrieben worden ist, zunächst anregend wirken, daß er darin seine Pflichten ausführt, etwas lernt, vielleicht auch etwas ganz Tüchtiges wird. Aber man kann auch beobachten, daß nach einiger Zeit etwas ganz anderes auch eintritt: ein gewisser Überdruß, eine gewisse Unzufriedenheit. Nicht gleich wird eine solche Unzufriedenheit eintreten. Wenn mit achtzehn Jahren sich der Berufswechsel vollzogen hat, werden vielleicht die nächsten Jahre ruhig vorübergehen. Aber vielleicht um das dreiundzwanzigste &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|16}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jahr herum wird es deutlich werden, daß sich etwas in der Seele festsetzt, was sich wie etwas Unerklärliches zeigt. Wenn man dann weiter nachforscht, kann man häufig bemerken, wenn der Fall klarliegt, daß der Überdruß fünf Jahre nach dem Berufswechsel seine Erklärung findet durch das dreizehnte oder vierzehnte Jahr. Denn die Ursachen für eine solche Erscheinung werden wir sehr häufig zu suchen haben ungefähr eine ebensolche Zeitspanne vor dem Berufswechsel, wie nach demselben ein Ereignis eingetreten ist, wie wir es eben beschrieben haben. Da kann der betreffende Mensch in seinem dreizehnten Jahre während seiner Lernzeit - also fünf Jahre vor seinem Berufswechsel - etwas in seine Gefühlswelt aufgenommen haben, was ihm eine gewisse innere Beseligung gewährte. Nehmen wir an, der Berufswechsel wäre nicht eingetreten; dann würde das, woran sich der junge Mensch im dreizehnten Jahre gewöhnt hatte, im späteren Leben sich ausgelebt und diese oder jene Frucht getragen haben. Nun kam aber der Berufswechsei, der zunächst den jungen Menschen interessiert hat, der seine Seele eingenommen hat. Was dadurch in sein Seelenleben gekommen ist, das hat zurückgedrängt, was früher darinnen war. Eine gewisse Zeit hindurch kann das zurückgedrängt werden, aber indem es zurückgedrängt wird, gewinnt es gerade im Inneren eine besondere Kraft; da sammelt es sozusagen Spannkraft im Inneren an. Da ist es ähnlich, wie wenn wir einen elastischen Ball zusammendrücken: Wir können ihn bis zu einer gewissen Grenze drücken, dann leistet er Widerstand; und wenn er zum Zurückschnellen veranlaßt wird, wird er mit einer um so größeren Kraft zurückschnellen, je mehr wir ihn vorher zusammengedrückt haben. Solche Erlebnisse, wie die eben angedeuteten, die ein junger Mensch aufgenommen hat im dreizehnten Jahre seines Lebens und welche sich dann bis zum Berufswechsel befestigt haben, können auch in gewisser Weise zurückgedrängt werden; dann aber macht sich nach einiger Zeit ein Widerstand in der Seele geltend. Und dann kann man sehen, wie dieser Widerstand stark genug geworden ist, um sich nun in seiner Wirkung zu zeigen. Weil der Seele das fehlt, was sie sonst haben würde, wenn der Berufswechsel nicht gekommen wäre, macht sich das Zurückgedrängte geltend und kommt jetzt so zum Vorschein, daß Unbefriedigung, Überdruß an dem, was die Umgebung bietet, eintritt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|17}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da also haben wir einen Fall, wo der betreffende Mensch etwas er- lebt hat, etwas getan hat in seinem dreizehnten bis vierzehnten Lebens jahre, und wo er später etwas anderes getan hat, nämlich den Berufs wechsel vollzogen hat, und wir sehen, wie diese Ursachen so sich aus- leben, daß sie in ihrer Wirkung später zurückfallen, zurückschlagen auf dasselbe Wesen. In einem solchen Falle würden wir den Karma begriff zunächst auf das Einzelleben des Menschen anwenden müssen. -&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man sollte aber nun nicht dagegen einwenden: Wir haben aber Fälle kennengelernt, wo sich so etwas ganz und gar nicht zeigte! - Das kann sein. Aber es wird auch keinem Physiker einfallen, wenn er die Gesetze des fallenden Steines untersuchen will, der mit dieser oder jener Geschwindigkeit fällt, daß er sich sagen müßte, das Gesetz wäre nicht richtig, wenn der Stein etwa durch einen Schlag aus seiner Richtung geschleudert würde. Man muß lernen, in der richtigen Weise zu beobachten, und diejenigen Erscheinungen ausschließen, welche nicht zur Bildung des Gesetzes gehören. Gewiß würde ein solcher Mensch, der, wenn nichts anderes eintreten würde, mit dreiundzwanzig Jahren die Eindrücke seines dreizehnten Jahres in ihrer Wirkung als Überdruß empfindet, zu diesem Überdruß nicht kommen, wenn er zum Beispiel in der Zwischenzeit geheiratet hätte. Aber da hätten wir es mit etwas zu tun, was für die Feststellung des Grundgesetzes ohne Einfluß ist. Darauf aber kommt es an, daß wir die richtigen Faktoren finden, die uns auf ein Gesetz führen können. Beobachtung an sich ist noch gar nichts; erst geregelte Beobachtung bringt uns zur Erkenntnis des Gesetzes. Nun handelt es sich aber auch darum, solche geregelte Beobachtungen, wenn wir das Gesetz des Karma studieren wollen, in der rechten Weise anzustellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen wir an, um für einen einzelnen Menschen das Karma zu erkennen, jemanden träfe im fünfundzwanzigsten Lebensjahre ein schwerer Schicksalsschlag, der ihm Schmerz und Leid verursacht. Wenn wir nun einfach unsere Beobachtungen so anstellen, daß wir sagen, dieser schwere Schicksalsschlag ist eben in das Leben hereingebrochen und hat es mit Schmerz und Leid erfüllt, wenn wir also bei der bloßen Beobachtung stehenbleiben, werden wir nie zum Erkennen des karmischen Zusammenhanges kommen. Wenn wir aber weiterschreiten und das &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Leben eines solchen Menschen, der im fünfundzwanzigsten Jahre einen derartigen Schicksalsschlag erlebt hat, in seinem fünfzigsten Jahre betrachten, dann werden wir vielleicht zu einer Anschauung kommen, die wir etwa so ausdrücken können: Der Mensch, den wir da betrachten, ist ein Mensch geworden, fleißig und regsam, der tüchtig im Leben da- steht; jetzt schauen wir weiter zurück in sein Leben. Mit zwanzig Jahren - so finden wir dann - war er noch ein Taugenichts und hat überhaupt nichts tun wollen; mit fünfundzwanzig Jahren hat ihn dann der schwere Schicksalsschlag getroffen. Hätte ihn dieser Schlag nicht getroffen - so können wir jetzt sagen -, so wäre er ein Taugenichts geblieben. Also ist der schwere Schicksalsschlag die Ursache dazu gewesen, daß wir im fünfzigsten Jahre einen regsamen und tüchtigen Menschen vor uns haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine solche Tatsache lehrt uns, daß wir fehlgehen, wenn wir den Schicksalsschlag vom fünfundzwanzigsten Jahre als eine bloße Wirkung betrachten. Denn wenn wir fragen: Was hat er verursacht?, können wir nicht bei der bloßen Beobachtung stehenbleiben.Wenn wir aber einen solchen Schlag nicht als Wirkung betrachten und an das Ende der Erscheinungen stellen, die vorausgegangen sind, sondern wenn wir ihn an den Anfang der nachfolgenden Ereignisse stellen und ihn als Ursache betrachten, dann lernen wir erkennen, daß wir allerdings sogar unser Gefühlsurteil, unser Empfindungsurteil ganz wesentlich ändern können gegenüber diesem Schicksalsschlag. Wir werden vielleicht traurig sein, wenn wir ihn bloß als Wirkung betrachten, daß diesen Menschen dieser Schlag getroffen hat. Betrachten wir ihn dagegen als Ursache eines Späteren, dann können wir vielleicht froh sein und Freude darüber empfinden. Denn diesem Schicksalsschlag ist es zu verdanken - so können wir sagen -, daß der Betreffende ein ordentlicher Mensch geworden ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So sehen wir, daß es an unseren Empfindungen etwas Wesentliches ändern kann, je nachdem wir eine Tatsache des Lebens als Wirkung oder als Ursache betrachten. Es ist also nicht gleichgültig, ob wir irgend etwas, was im Leben den Menschen trifft, als bloße Wirkung oder als Ursache betrachten. Freilich, wenn wir in dem Zeitpunkt die Beobachtung anstellen, wo das schmerzliche Ereignis eingetreten ist, können wir &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|19}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
noch nicht die unmittelbare Wirkung wahrnehmen. Wenn wir uns aber das Karmagesetz gebildet haben aus ähnlichen Beobachtungen, dann kann dieses Karmagesetz selber uns sagen: Jetzt ist vielleicht ein Ereignis schmerzlich, weil es uns bloß als Wirkung des Vorhergehenden entgegentritt; aber es kann auch so betrachtet werden, daß es als Ausgangspunkt für ein Folgendes angesehen wird. Dann können wir sagen: Wir ahnen, daß hier der Ausgangspunkt die Ursache ist von Wirkungen, welche die Sache in ein ganz anderes Licht stellen! So kann das Karmagesetz selber der Quell sein einerTröstung. Die Tröstung wäre nicht da, wenn wir uns gewöhnten, ein Ereignis nur an das Ende und nicht an den Anfang einer Erscheinungsreihe zu setzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es kommt also darauf an, daß wir lernen, das Leben geregelt zu beobachten und in entsprechender Weise die Dinge als Wirkung und Ursache zueinander zu stellen. Wenn wir solche Beobachtungen wirklich durchgreifend anstellen, werden uns im einzelnen Menschenleben Ergebnisse zutage treten, die mit einer gewissen Regelmäßigkeit für das einzelne Menschenleben ablaufen, und andere Ergebnisse werden zutage treten, die uns unregelmäßig in diesem Leben erscheinen. So kann der, welcher das Menschenleben beobachtet - und zwar nicht nur so weit, als gerade die Nase reicht -, merkwürdige Zusammenhänge in diesem Menschenleben finden. Nur werden die Erscheinungen des menschlichen Lebens leider heute nur über kurze Zeitspannen, kaum über einige Jahre, beobachtet; und was nach einer größeren Anzahl von Jahren eintritt&amp;gt; das ist man nicht gewohnt, mit dem in Zusammenhang zu bringen, was etwa früher als Ursache vorhanden sein konnte. Daher werden nur wenige Menschen sich heute finden, die Anfang und Ende des Menschenlebens in einen gewissen Zusammenhang bringen. Dennoch ist dieser Zusammenhang außerordentlich lehrreich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen wir an, wir haben ein Kind in den ersten sieben Jahren seines Lebens so erzogen, daß also wir nicht das getan haben, was gewöhnlich geschieht,daß wir nicht von dem Glauben ausgegangen sind: Wenn einer ein ordentlicher Mensch im Leben werden soll, muß er so und so sein, muß unseren Anschauungen von einem ordentlichen Menschen unbedingt entsprechen. Denn in einem solchen Falle würden wir dem Kinde möglichst genau das alles eintrichtern wollen, was es eben in &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|20}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
unserem Sinne zu einem ordentlichen Menschen machen sollte. Wenn wir aber von der Erkenntnis ausgehen, daß man ein ordentlicher Mensch auf vielerlei Arten sein kann und daß man noch gar keine Vorstellung zu haben braucht, auf welche Art der, der als Kind erst heranwächst, ein ordentlicher Mensch werden soll nach seiner individuellen Anlage, dann werden wir sagen: Was ich auch immer für Begriffe von einem ordentlichen Menschen habe, der Mensch, der aus diesem Kinde entstehen soll, muß dadurch entstehen, daß die besten Anlagen aus ihm herausgeholt werden - was ich vielleicht erst als Rätsel lösen muß! Und man wird sich daher sagen: Was kommt es darauf an, daß ich diesen oder jenen Geboten und dergleichen verpflichtet bin? Das Kind selbst muß ein Bedürfnis fühlen, dieses oder jenes zu tun! Wenn ich das Kind nach seinen individuellen Anlagen entwickeln will, werde ich versuchen, diejenigen Bedürfnisse, die in ihm veranlagt sind, zu entwickeln, herauszuholen, so (iaß vor allen Dingen ein Bedürfnis nach den Handlungen eintritt, das Kind also die Handlungen aus eigenem Bedürfnis tut. - Wir sehen daraus, daß es zwei ganz verschiedene Methoden gibt, auf ein Kind in den ersten sieben Jahren seines Lebens zu wirken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir nun das weitere Leben des Kindes beobachten, wird sich uns lange Zeit nicht zeigen, was die ausgesprochenste Wirkung dessen sein wird, was wir in den ersten Jahren auf diese Weise in das Kind hineingebracht haben. In der Lebensbeobachtung ergibt sich nämlich, daß die eigentlichen Wirkungen dessen, was als Ursachen in die kindliche Seele hineingelegt worden ist, am allerspätesten erst eintreten, das heißt am Lebensabend. Der Mensch kann einen in sich regen Geist bis an sein Lebensende dadurch haben, daß wir ihn als Kind in der Weise erzogen haben, wie es jetzt eben beschrieben worden ist: daß wir auf sein Seelenleben, auf alles, was lebendig in ihm sitzt, Rücksicht genommen haben. Wenn wir das herausgeholt und zur Entwickelung gebracht haben, was an inneren Kräften in ihm vorhanden ist, dann werden wir die Früchte am Lebensabend herauskommen sehen in Gestalt eines reichen Seelenlebens. Dagegen in einer verdorrten und verarmten Seele und demgemäß auch - weil, wie wir später sehen werden, eine verdorrte Seele auch auf den Leib wirkt - in den leiblichen Gebresten &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|21}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
des Alters tritt das auf, was wir in der frühesten Kindheit an dem Menschen Unrichtiges getan haben. Da sehen wir etwas, was sich in gewisser Weise regulär, so daß es für jeden Menschen gültig ist, im Menschenleben als Zusammenhang von Ursache und Wirkung darstellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So könnten wir auch für die mittleren Lebensabschnitte solche Zusammenhänge finden, und wir werden darauf noch aufmerksam machen. - Wie wir einen Menschen vom siebenten bis vierzehnten Jahre behandeln, das tritt in seinen Wirkungen wieder im vorletzten Lebensabschnitt hervor. So sehen wir Ursache und Wirkung zyklisch, wie im Kreise, sich abspielen. Was an Ursachen am frühesten vorhanden war, das tritt als Wirkung am spätesten auf. Aber nicht nur solche Wir kungen und Ursachen sind im einzelnen Menschenleben vorhanden, sondern es geht neben dem zyklischen Verlauf ein geradliniger einher.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An unserem Beispiel, wie das dreizehnte Jahr in das dreiundzwan zigste hineinspielen kann, haben wir gesehen, wie Ursache und Wirkung Im Menschenleben so zusammenhängen, daß dasjenige, was der Mensch in sich erlebt hat, Wirkungen nach sich zieht, die dann wieder auf dasselbe Menschenwesen zurückschlagen. So erfüllt sich Karma im einzelnen Menschenleben. Wir werden aber zu einer Erklärung des Menschenlebens nicht kommen, wenn wir Zusammenhänge zwischen Ursache und Wirkung nur in diesem einzelnen Menschenleben suchen. Wie der Gedanke, der jetzt angeschlagen ist, weiter zu begründen und auszuführen ist, darüber werden wir in den nächsten Stunden sprechen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt soll nur auf etwas hingedeutet werden, das ja bereits bekannt ist: daß die Geisteswissenschaft zeigt, wie dieses Menschenleben zwischen Geburt und Tod die Wiederholung ist früherer Menschenleben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir nun das Charakteristische aufsuchen für das Leben zwischen Geburt und Tod, so können wir als solches bezeichnen die Aus dehnung eines und desselben Bewußtseins - im wesentlichen wenigstens - für die ganze Zeit zwischen Geburt und Tod. Wenn Sie sich zurückerinnern an Ihre früheren Lebensabschnitte, so werden Sie sagen: Es gibt einen Zeitpunkt, der nicht mit meiner Geburt zusammenfällt, sondern etwas später liegt, wo meine Lebenserinnerungen beginnen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das werden alle Menschen sagen, die nicht zu den Eingeweihten gehören; und sie werden dann davon sprechen, daß ihr Bewußtsein soweit &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|22}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nur reicht. Im Grunde genommen haben wir es in dem Zeitraum von der Geburt bis zum Tod in bezug auf den Beginn dieser Lebenserinnerungen mit etwas sehr Eigentümlichem zu tun, und wir werden auch darauf noch zurückkommen; das wird uns in bedeutsame Dinge hinein- leuchten. Wenn wir das aber nicht berücksichtigen, können wir sagen: Charakteristisch für das Leben zwischen Geburt und Tod ist es, daß ein Bewußtsein sich ausdehnt für diese Zeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn nun auch der Mensch im gewöhnlichen Leben, wenn ihn im späteren Lebensalter etwas trifft, die Ursachen dazu in früheren Lebensabschnitten nicht aufsucht, so könnte er es aber dennoch, wenn er nur auf alles aufmerksam genug wäre und alles erforschen würde. Er könnte es mit dem Bewußtsein, das ihm als Erinnerungsbewußtsein zur Verfügung steht. Und wenn er durch die Erinnerung versuchte, sich den Zusammenhang zwischen Früherem und Späterem im karmischen Sinne vor die Seele zu stellen, so würde er zu folgendem Ergebnis kommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er würde zum Beispiel sagen: Ich sehe, daß gewisse Ereignisse, die bei mir eingetreten sind, nicht gekommen wären, wenn nicht das oder jenes in einem früheren Lebensabschnitt eingetreten wäre. - Er würde vielleicht sagen: Für das, was meine Erziehung an mir getan hat, muß ich jetzt büßen. - Aber wenn er auch nur den Zusammenhang einsieht zwischen dem, was nicht er gesündigt hat, sondern was an ihm gesündigt worden ist, und späteren Ereignissen, dann wird ihm schon das eine Hilfe sein. Er wird leichter Mittel und Wege finden, um Schäden, die an ihm begangen worden sind&amp;gt; auszugleichen. Die Erkenntnis eines solchen Zusammenhanges zwischen Ursachen und Wirkungen in unseren einzelnen Lebensabschnitten, die wir durch unser gewöhnliches Bewußtsein überschauen können, kann uns schon im höchsten Grade förderlich sein im Leben. Ja, wenn wir uns diese Erkenntnis erwerben, können wir vielleicht noch etwas anderes tun. - Wenn allerdings ein Mensch achtzig Jahre alt geworden ist und dann zurückschaut auf das, was man als Ursachen zu Ereignissen im achtzigsten Jahre in frühester Kindheit zu suchen hat, so wird es für ihn vielleicht recht schwierig sein, Gegenmittel zu finden, um auszugleichen, was an ihm getan worden ist, und wenn er sich dann belehren läßt, so wird das nicht mehr allzuviel helfen. Wenn er sich aber vorher belehren läßt und hinblickt &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
auf die Sünden, die an ihm begangen sind, und, sagen wir, schon im vierzigsten Jahre dagegen Vorsorge trifft, dann hat er vielleicht doch noch Zeit, um gewisse Gegenmittel zu ergreifen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir sehen also, daß wir uns nicht allein für das unmittelbar Nächst- liegende des Lebenskarma belehren lassen sollen, sondern über Karma und den gesetzmäßigen Zusammenhang, den Karma bedeutet, überhaupt. Das kann uns förderlich sein für unser Leben. - Was tut denn aber ein Mensch, der im vierzigsten Jahre etwas unternimmt, damit die Schäden gewisser Sünden nicht eintreten, die zum Beispiel im zwölften Jahre an ihm begangen worden sind, oder die er selbst begangen hat? Er wird versuchen, was er gesündigt hat oder was an ihm getan worden ist, auszugleichen und alles zu tun, was der Wirkung, die eintreten müßte, vorbeugt. Er wird in gewisser Weise sogar die notwendige Wirkung, die ohne sein Zutun eintreten würde, durch eine andere ersetzen. Die Erkenntnis dessen, was es im zwölften Jahre gegeben hat, wird ihn selbst zu einer bestimmten Handlung im vierzigsten Jahre führen. Diese Handlung hätte er nicht getan, wenn er nicht erkannt hätte, daß es dieses oder jenes im zwölften Jahre gegeben hat. Was hat der Mensch also durch sein Zurückblicken auf sein früheres Leben getan? Er hat selber durch sein Bewußtsein folgen lassen auf eine Ursache eine bestimmte Wirkung. Er hat gewollt die Wirkung, welche er jetzt herbeigeführt hat. - Das zeigt uns, wie in die Linie der karmischen Folgen unser Wille eingreifen und etwas schaffen kann, was an Stelle von sonst eingetretenen karmischen Wirkungen steht. Nehmen wir einen solchen Zusammenhang, wo unser Bewußtsein ganz bewußt eine Verbindung zwischen Ursache und Wirkung im Lebenslauf herbeiführt, so werden wir uns sagen: Bei einem solchen Menschen ist Karma oder karmische Gesetzmäßigkeit ins Bewußtsein hineingetreten, er hat selbst in gewisser Weise die karmischeWirkung herbeigeführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen wir nun aber einmal an, wir legen einer ähnlichen Betrach tung dasjenige zugrunde, was wir über die wiederholten Erdenläufe eines Menschen wissen. Das Bewußtsein, von dem wir eben gesprochen haben, das sich ausdehnt mit der angedeuteten Ausnahme auf unser Leben zwischen Geburt und Tod, das entsteht dadurch, daß sich der Mensch des Instrumentes seines Gehirns bedienen kann. Wenn der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|24}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mensch durch die Pforte des Todes schreitet, tritt ein andersgeartetes Bewußtsein auf, das unabhängig ist vom Gehirn und an wesentlich andere Bedingungen gebunden ist. Und wir wissen, daß für dieses Bewußtsein, das bis zur neuen Geburt dauert, eine Art Rückblick auftritt über alles, was der Mensch in dem Leben zwischen Geburt und Tod vollbracht hat. Im Leben zwischen Geburt und Tod muß sich der Mensch erst die Absicht bilden, zurückzublicken auf irgendwelche Sünden, die an ihm begangen worden sind, wenn er die Wirkung dieser Sünden wirklich karmisch in sein Leben einführen soll. Nach dem Tode schaut der Mensch im Zurückblicken auf sein Leben auf dasjenige, was er an Sünden oder überhaupt an Handlungen vollbracht hat. Da schaut er auch zugleich das&amp;gt; was diese Handlungen an seiner Seele oder aus seiner Seele gemacht haben. Da sieht der Mensch, wie er dadurch, daß er eine bestimmte Handlung getan hat, in seinem Werte gesunken oder gestiegen ist. Haben wir einem andern zum Beispiel irgendein Leid zugefügt, so ist unser Wert dadurch gesunken; wir sind sozusagen weniger wert geworden, sind unvollkommener geworden, indem wir dem andern das Leid zugefügt haben. Wenn wir nun nach dem Tode zurückblicken, sehen wir auf zahlreiche solche Fälle zurück, bei denen w1r uns sagen: Wir sind dadurch unvollkommener geworden. Daraus aber folgt für das Bewußtsein nach dem Tode, daß in ihm die Kraft und der Wille entstehen, wenn es wieder Gelegenheit dazu hat, alles zu tun, um jenen Wert wieder zu erringen, welchen es verloren hat, das heißt der Wille, alles Leid auszugleichen&amp;gt; das es zugefügt hat. Der Mensch nimmt also zwischen Tod und neuer Geburt die Tendenz, die Absicht auf, was er Schlechtes getan hat, wieder auszugleichen, damit er überhaupt den Standpunkt der Vollkommenheit wieder erringen kann, den er als Mensch haben soll und der verhindert worden ist durch die entsprechende Tat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun tritt der Mensch wieder ins Dasein. Sein Bewußtsein wird wieder ein anderes; er erinnert sich nicht zurück an die Zeit zwischen Tod und neuer Geburt und auch nicht daran, wie er die Absicht gefaßt hat, etwas auszugleichen. Aber diese Absicht sitzt in ihm. Und wenn er auch nicht weiß: Du mußt dies oder das tun, um das oder jenes auszugleichen! -, so wird er doch durch die Kraft, die in ihm sitzt, zu irgendeiner&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|25}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Handlung hingetrieben, die ein Ausgleich ist. Und jetzt können wir uns eine Vorstellung machen, was vor sich geht, wenn einen Menschen zum Beispiel im zwanzigsten Jahre etwas sehr Schmerzliches trifft. Mit seinem Bewußtsein, das er hat zwischen Geburt und Tod, wird er niedergedrückt sein durch seinen Schmerz. Würde er sich aber daran erinnern, was er in dem Leben zwischen Tod und neuer Geburt an Absichten aufgenommen hat, dann würde er auch die Kraft spüren, die ihn hingetrieben hat an die Stelle, wo er diesen Schmerz hat erleiden können, weil er gefühlt hat, daß er den Grad von Vollkommenheit, den er sich verscherzt hat und den er wiedererringen soll, nur dadurch wieder erreichen kann, daß er diesen Schmerz durchmacht. Wenn also auch das gewöhnliche Bewußtsein sagt: Der Schmerz ist da; du leidest darunter! - und nur den Schmerz in der Wirkung betrachtet, so könnte doch für das Bewußtsein, welches auch die Zeit zwischen Tod und neuer Geburt überblickt, gerade das Aufsuchen des Schmerzes oder irgendeines Unglückes in der Absicht liegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das stellt sich uns tatsächlich dar, wenn wir von einem höheren Gesichtspunkt aus das Menschenleben betrachten. Da können wir sehen, daß im Menschenleben Schicksalsfälle eintreten, die sich nicht darstellen als Wirkungen von Ursachen des einzelnen Lebenslaufes, sondern die aus einem andern Bewußtsein heraus verursacht sind, nämlich aus einem solchen Bewußtsein, das jenseits der Geburt liegt und das unser Leben fortsetzt in frühere Zeiten, als diejenigen sind, die erst seit unserer Geburt abgelaufen sind. Wenn wir diesen Gedanken genau fassen, werden wir sagen: Wir haben zunächst ein Bewußtsein, das sich aus- dehnt über die Zeit zwischen Geburt und Tod und welches wir das Bewußtsein der Einzelpersönlichkeit nennen wollen, und wir wollen als Einzelpersönlichkeit dasjenige bezeichnen, was zwischen Geburt und Tod verläuft. Sodann sehen wir, wie ein Bewußtsein wirken kann über Geburt und Tod hinaus, von dem der Mensch in seinem gewöhnlichen Bewußtsein nichts weiß, das aber gerade so wirken kann wie dieses gewöhnliche Bewußtsein. Wir haben deshalb zunächst geschildert, wie jemand selbst sein Karma übernimmt und im vierzigsten Jahre zum Beispiel etwas ausgleicht, damit ihn die Ursachen vom zwölftenJahre nicht treffen. Da nimmt er Karma in sein Einzelpersön&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|26}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
lichkeitsbewußtsein hinein. Wenn dagegen der Mensch irgendwohin getrieben wird, wo er einen Schmerz erleiden kann, um etwas auszugleichen, um ein besserer Mensch zu werden, so kommt das auch aus dem Menschen; nur kommt es nicht aus dem Einzelpersönlichkeitsbewußtsein, sondern aus einem umfassenderen Bewußtsein, das mitumfaßt die Zeit zwischen Tod und neuer Geburt. Dasjenige Wesen im Menschen, welches von diesem Bewußtsein umfaßt wird, wollen wir die «Individualität» des Menschen nennen; und dieses Bewußtsein, das also fortwährend unterbrochen wird durch das Persönlichkeitsbewußtsein, wollen wir das «individuelle Bewußtsein» nennen, im Gegensatz zum Einzelpersönlichkeitsbewußtsein. So sehen wir Karma wirksam in bezug auf die Individualität des Menschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun würden wir das menschliche Leben aber trotzdem nicht verstehen, wenn wir nur die Reihe der Erscheinungen verfolgen würden, wie wir es bis jetzt getan haben, indem wir nur dasjenige ins Auge faßten, was im Menschen um des Menschen selber willen an Ursachen liegt und an Wirkungen aufgesucht wird. Wir brauchen uns nur einen einfachen Fall vor die Seele zu führen, der nur so dargestellt werden soll, daß er anschaulicher wirkt, und wir werden gleich sehen, daß wir das menschliche Leben nicht verstehen, wenn wir nur dasjenige in Betracht ziehen, was wir jetzt eben gesagt haben. - Nehmen wir einen Erfinder oder Entdecker, zum Beispiel Kolumbus oder den Entdecker der Dampfmaschine oder irgendeinen andern. In der Entdeckung liegt eine bestimmte Handlung, eine bestimmte Tat. Wenn wir diese Tat ins Auge fassen, so wie sie der Mensch getan hat, und dann die Ursache suchen, warum sie der Mensch getan hat, dann werden wir immer solche Ursachen finden, welche in der Richtung liegen, wie wir sie jetzt an- gegeben haben. Warum Kolumbus zum Beispiel nach Amerika fuhr, warum er gerade in einem bestimmten Zeitpunkt diese Absicht faßte, dazu werden wir die Ursachen finden in seinem individuellen und persönlichen Karma. Aber wir werden uns jetzt fragen können: Wird diese Ursache nur im persönlichen und individuellen Karma gesucht werden müssen? Und wird die Tat als Wirkung nur betrachtet werden müssen für die Individualität, die in Kolumbus wirksam war? - Daß Kolumbus Amerika entdeckt hat, hat eine bestimmte Wirkung für ihn gehabt. Er &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|27}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ist dadurch gestiegen, ist vollkommener geworden. Das wird sich zeigen in der Fortentwickelung seiner Individualität im folgenden Leben. Aber welche Wirkungen hat diese Tat noch für andere Menschen gehabt? Müßte sie nicht auch als Ursache betrachtet werden, die in unzählige Menschenleben eingegriffen hat?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist aber noch eine ziemlich abstrakte Betrachtung einer solchen Sache, die wir viel tiefer erfassen können, wenn wir das Menschenleben über große Zeitspannen hin betrachten. Nehmen wir an, wir betrachten das Menschenleben,wie es sich abgespielt hat im ägyptisch-chaldäischen Zeitalter, das dem griechisch-lateinischen vorangegangen ist. Wenn wir dieses Zeitalter prüfen in bezug auf das, was es den Menschen gegeben hat und was die Menschen damals erfahren haben, dann zeigt sich uns etwas höchst Eigentümliches. Wenn wir diese Epoche vergleichen mit unserer eigenen, dann werden wir erkennen, daß dasjenige, was in unserem eigenen Zeitalter geschieht, zusammenhängt mit dem, was in der ägyptisch-chaldäischen Kulturperiode vor sich gegangen ist. Das griechisch-lateinische Zeitalter steht zwischen beiden darinnen. In unserer Zeit würden gewisse Dinge nicht geschehen, wenn nicht gewisse Dinge in der ägyptisch-chaldäischen Kultur geschehen wären. Wenn die gegenwärtige Naturwissenschaft dieses oder jenes an Ergebnissen zustande gebracht hat, so rührt das allerdings auch von Kräften her, welche sich aus der Menschenseele entwickelt und entfaltet haben. Aber die Menschenseelen, die in unserer Zeit gewirkt haben, waren auch verkörpert im ägyptisch-chaldäischen Zeitalter und haben dort gewisse Erlebnisse aufgenommen, ohne welche sie das nicht verrichten könnten, was sie heute verrichten. Hätten nicht die Schüler der altägyptischen Tempelpriester die ägyptische Astrologie über die Zusammenhänge des Himmels aufgenommen, so hätten sie nicht auf ihre Art später ein- dringen können in die Weltengeheimnisse, und es wären in gewissen Seelen unserer Zeit nicht die Kräfte gewesen, welche die Menschheit jetzt in unserer Zeit hin ausgeführt haben in die Himmelsräume. Wie kam zum Beispiel Kepler zu seinen Entdeckungen?` Er kam dazu, weil eine Seele in ihm lebte, die im ägyptisch-chaldäischen Zeitraum die Kräfte zu jenen Entdeckungen aufgenommen hatte, welche sie im fünften Zeitraum dann machen konnte. Es erfüllt uns mit einer gewissen &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|28}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
inneren Befriedigung, wenn in einzelnen Geistern gleichsam Erinnerungen auftauchen in der Art, daß die Keime zu dem, was sie jetzt tun, in der Vergangenheit gelegt worden sind. Einer der Geister, der Wichtiges geleistet hat in bezug auf die Erforschung der Himmelsgesetze, Kepler, sagt von sich selbst:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
«J~t,ich bin es, ich habe die goldenen Gefäße der Ägypter geraubt, um mt:..,jnem Gott aus ihnen ein Heiligtum zu errichten, fern von den Grenze.n Ägyptens. Wenn ihr mir vergebt, werde ich mich freuen, wenn ihr zürnt, werde ich es tragen; - hier werf ich den Würfel und schreibe dies Buch für den heutigen wie den dereinstigen Leser - was liegt daran? Und wen es auf seinen Leser hundert Jahre warten muß: Gott selbst hat sechs Jahrtausende dessen geharrt, der sein Werk erkennend er- blickt. »&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist eine sporadisch auftauchende Erinnerung des Kepler an das, was er als Keim aufgenommen hat zu dem, was er in seinem persönlichen Dasein als Kepler vollbringen konnte. So könnten Hunderte von ähnlichen Beispielen angeführt werden. - Da sehen wir aber noch etwas anderes als bloß die Tatsache, daß bei Kepler etwas auftaucht, was die Wirkung ist von Erlebnissen eines früheren Erdenlebens. Wir sehen etwas auftauchen, was als die gesetzmäßige Wirkung erscheint für die ganze Menschheit von etwas, was wiederum bedeutsam war für die Menschheit in einer früheren Zeit. Wir sehen, wie der Mensch hin- gestellt wird an einen Ort, um für die ganze Menschheit etwas zu leisten. Wir sehen, daß nicht nur im individuellen Menschenleben, sondern daß in der ganzen Menschheit Zusammenhänge bestehen zwischen Ursachen und Wirkungen, die sich über weite Zeiträume hin erstrecken. Und wir können daraus entnehmen, daß sich das individuelle Karmagesetz kreuzen wird mit den Gesetzen, welche wir nennen können die karmischen Menschheitsgesetze. Manchmal ist dieses Kreuzen allerdings wenig durchsichtig. Denken Sie, was wäre aus unserer Astronomie geworden, wenn einstmals nicht das Fernrohr erfunden worden wäre, das in einer bestimmten Zeit erfunden worden ist. Verfolgen Sie unsere Astronomie zurück, und Sie werden sehen, daß unendlich vieles an der Erfindung des Fernrohres hängt. Nun ist es ja bekannt, daß das Fernrohr dadurch erfunden worden ist, daß in einer optischen Werkstatt einmal Kinder &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|29}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
mit Linsen gespielt haben, wobei sie durch einen «Zufall», so könnte man sagen, optische Linsen so zusammengestellt haben, daß hernach jemand darauf gekommen ist: Dadurch könnte sich so etwas ergeben wIe ein Fernrohr. - Denken Sie, wie tief Sie suchen müssen, um zu dem individuellen Karma der Kinder und dem Karma der Menschheit zu kommen, daß in einem bestimmten Zeitpunkt das Fernrohr erfunden worden ist! Versuchen Sie das zusammenzudenken, und Sie werden sehen, wie in merkwürdiger Art das Karma einzelner Individualitäten und das Karma der ganzen Menschheit sich kreuzen und ineinanderweben! Da werden Sie sich sagen: Man müßte sich die ganze Menschheitsentwickelung anders denken, wenn nicht zu einer bestimmten Zeit dies oder jenes eingetreten ware.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Frage ist gewöhnlich ganz müßig: Was wäre mit dem Römischen Reiche geworden, wenn nicht die Griechen in einer bestimmten Zeit den persischen Angriff in den Perserkriegen zurückgeschlagen hätten? - Aber nicht müßig ist die Frage: Wodurch ist es gekommen, daß die Perserkriege gerade in dieser Weise verlaufen sind? - Wer dieser Frage nachgeht und eine Antwort sucht, der wird sehen, daß im Orient ganz bestimmte Errungenschaften nur dadurch zustande kamen, daß gewisse despotische Herrscher da waren, die nur für ihre Person etwas wollten und sich zu diesem Zwecke verbanden mit den Opferpriestern und so weiter. Die ganzen damaligen Staatseinrichtungen waren notwendig, damit im Orient etwas geschaffen werden konnte, aber diese Einrichtungen haben es mit sich gebracht&amp;gt; daß auch alle die Schäden eintraten, die dann eingetreten sind. Und damit hängt es zusammen, daß ein andersgeaitetes Volk - die Griechen - im entsprechenden Moment den morgenländischen Angriff zurückschlagen konnte. Wenn wir das bedenken, werden wir fragen: Wie steht es mit dem Karma der Persönlichkeiten, die in Griechenland gewirkt haben, um den persischen An- griff zurückzuschlagen? - Da werden wir manches Persönliche finden im Karma der betreffenden Menschen; aber wir werden auch finden, daß das persönliche Karma mit dem Volks- und Menschheitskarma verknüpft ist, so daß es berechtigt ist zu sagen: Das ganze Menschheitskarma hat gerade diese bestimmten Persönlichkeiten an diesen Ort in diese Zeit gestellt! - Wir sehen da hineinspielen Menschheitskarma in &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|30}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
das Einzelkarma. Und wir werden uns weiter fragen müssen, wie diese Dinge zusammenspielen. Aber wir können noch weitergehen und einen andern Zusammenhang betrachten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir können zurückblicken im Sinne der Geisteswissenschaft auf eine Zeit unserer Erdenentwickelung, in der es auf unserer Erde noch kein Mineralreich gegeben hat. Unserer Erdenentwickelung gingen voran die Saturn-, die Sonnen- und die Mondentwickelung, wo es noch kein mineralisches Reich in unserem Sinne gegeben hat. Erst auf der Erde sind unsere heutigen Mineralien in ihren heutigen Formen entstanden. Dadurch aber, daß sich das Mineralreich ausgeschieden hat im Verlaufe der Erdentwickelung, ist es als ein besonderes Reich für alle Folgezeit da. Vorher haben sich Menschen, Tiere und Pflanzen so entwickelt, daß kein ihnen zugrunde liegendes Mineralreich vorhanden war. Damit die andern Reiche einen späteren Fortschritt erreichen konnten, mußten sie das Mineralreich ausscheiden. Aber nachdem sie es ausgeschieden haben, können sie sich nur so entwickeln, wie sie sich entwickeln auf einem Planeten, der eine feste mineralische Grundlage hat. Und nie wird etwas anderes entstehen als das, was unter der Voraussetzung geschah, daß die Bildung eines Mineralreiches zustande kam. Das Mineral reich ist da, und alle späteren Schicksale der andern Reiche hängen ab von der Entstehung des Mineralreiches, das sich einmal in unserem Erdendasein in einer urfernen Vergangenheit gebildet hat. - So ist mit der Tatsache der Entstehung des Mineral reiches etwas geschehen, womit alle spätere Erdentwickelung zu rechnen hat. Es wird sich an allen andern Wesen erfüllen, was aus der Entstehung des Mineralreiches folgt. Da haben wir wieder in späteren Zeitaltern die karmische Erfüllung für etwas, was früher geschehen ist. Auf der Erde erfüllt sich, was sich auf der Erde vorbereitet hat. Es ist ein Zusammenhang von dem,was früher, und dem, was später geschehen ist, aber auch ein solcher Zusammenhang, der in der Wirkung zurückschlägt auf das verursachende Wesen. Menschen, Tiere und Pflanzen haben das Mineralreich ausgeschieden, und das Mineral reich schlägt wieder auf sie zurück. Da sehen wir, daß es möglich ist, von einem Karma der Erde zu sprechen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und endlich können wir etwas hervorheben, wozu sich die Grund-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|31}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
lagen in den allgemeinen Ausführungen der «Geheimwissenschaft im Umriß» finden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir wissen, daß gewisse Wesenheiten zurückgeblieben sind auf der Stufe der alten Mondentwickelung, und daß diese Wesen zurückgeblieben sind, um dem Menschen der Erde ganz bestimmte Eigenschaften beizubringen. Aber nicht nur Wesenheiten sind zurückgeblieben von der alten Mondenzeit der Erde, sondern auch Substantialitäten. Auf der Mondenstufe sind Wesen stehengeblieben, die als luziferische Wesenheiten in unser Erdendasein hineinwirken. Durch diese Tatsache des Stehenbleibens und des Hereinwirkens in unser Erdendasein vollziehen sich im Erdendasein Wirkungen, zu denen die Ursachen schon im Mondendasein gelegt worden sind. Aber auch substantiell vollzieht sich so etwas. - Wenn wir heute unser Sonnensystem ansehen, finden wir es zusammengesetzt aus Weltenkörpern, die regelmäßig wiederkehrende und eine gewisse innere Geschlossenheit zeigende Bewegungen ausführen. Aber andere Weltenkörper finden wir, die sich zwar auch mit einem gewissen Rhythmus bewegen, die aber sozusagen die gewöhnlichen Gesetze des Sonnensystems durchbrechen, nämlich die Kometen. Nun ist die Substanz eines Kometen nicht eine solche mit Gesetzen, wie sie in unserem gewöhnlichen, regulären Sonnensystem bestehen, sondern mit Gesetzen, wie sie im alten Mondendasein existiert haben. In der Tat hat sich im kometarischen Dasein erhalten die Gesetzmäßigkeit des alten Mondendaseins. Ich habe schon öfter erwähnt, daß die Geistes- wissenschaft diese Gesetzmäßigkeit nachgewiesen hat, bevor eine Bestätigung von seiten der Naturwissenschaft eingetreten ist. Im Jahre 1906 habe ich in Paris auf die Tatsache aufmerksam gemacht, daß während des alten Mondendaseins gewisse Verbindungen von Kohlenstoff und Stickstoff eine ähnliche Rolle spielten wie heute auf der Erde Verbindungen von Sauerstoff und Kohlenstoff, also Kohlensäure, Kohlendioxyd und so weiter. Diese letzteren Verbindungen haben etwas Ertötendes. Eine ähnliche Rolle haben Zyanverbindungen, blausäureartige Verbindungen während des alten Mondendaseins gespielt. Auf diese Tatsache wurde hingewiesen von der Geisteswissenschaft 1906. Auch in andern Vorträgen wurde darauf hingewiesen, daß das kometarische Dasein die Gesetze des alten Mondendaseins hineinführt &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|32}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
in unser Sonnensystem, so daß also nicht nur zurückgeblieben sind die luziferischen Wesen, sondern auch die Gesetzmäßigkeit der alten Mondensubstanz, die in unregelmäßiger Weise hineinwirkt in unser Sonnensystem. Und es wurde immer gesagt, das kometarische Dasein müsse heute noch etwas enthalten wie Zyanverbindungen in der Kometenatmosphäre. Erst viel später, als das durch die Geisteswissenschaft verkündet worden ist, in diesem Jahre erst, ist durch die Spektralanalyse das Blausäurespektrum im Kometendasein gefunden worden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier haben Sie einen der Beweise dafür, wenn gesagt wird: Zeigt uns einmal, wie man wirklich mit der Geisteswissenschaft etwas finden kann! - Solche Dinge gibt es mehr; sie sollten nur beobachtet werden. So wirkt also etwas hinein von unserem alten Mondendasein in das jetzige Erdendasein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun fragen wir uns: Darf behauptet werden, daß äußeren sinnlichen Erscheinungen zugrunde liegt ein Geistiges?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den, der sich zur Geisteswissenschaft bekennt, ist es klar, daß hinter allem sinnlich Wirklichen auch ein Geistiges liegt. Wenn substantiell etwas vom alten Mondendasein hineinwirkt in unser Erden- dasein, wenn der Komet unser Erdendasein bestrahlt,,so wirkt dahinter auch etwas Geistiges. Und wir könnten sogar angeben, welches Geistige sich zum Beispiel anzeigt durch den Halleyschen Kometen. Der Halleysche Komet ist der äußere Ausdruck - jedesmal, wenn er in die Sphäre unseres Erdendaseins hineinkommt - zu einem neuen Impuls zum Materialismus. Das mag der heutigen Welt abergläubisch erscheinen. Aber die Menschen sollten sich dann nur darauf besinnen, wie sie selbst geistige Wirkungen von Konstellationen der Sterne herleiten. Oder wer würde nicht sagen, daß der Eskimo deshalb ein andersgeartetes Menschenwesen ist als zum Beispiel der Hindu, weil in der Polargegend die Sonnenstrahlen unter einem andern Winkel einfallen? Überall führen auch die Naturwissenschafter auf Sternkonstellationen geistige Wirkungen in der Menschheit zurück. - Also ein geistiger Impuls zum Materialismus erfolgt parallel dem Halleyschen Kometen. Dieser Impuls kann nachgewiesen werden: Auf das Erscheinen des Halleyschen Kometen vom Jahre 1835 folgte jene materialistische Zeitströmung, die man bezeichnen kann als den Materialismus der zweiten Hälfte des &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|33}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
vorIgen Jahrhunderts; auf die Erscheinung vorher folgte die materialistische Aufhlärerei der französischen Enzyklopädisten. Das ist der Zusammenhang.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit gewisse Dinge eintreten im Erdensein, mußten die Ursachen dazu früher, außerhalb des Erdendaseins gelegt werden. Und hier haben wir es sogar mit einem Weltenkarma zu tun. Denn warum ist auf dem alten Monde Geistiges und Substantielles ausgeschaltet worden? Damit gewisse Wirkungen wieder zurückstrahlen können auf die jenigen Wesenheiten, welche dieses ausgeschieden haben. Die luziferisehen Wesenheiten sind ausgeschieden worden, haben eine andere Entwickelung durchmachen müssen, damit für die Wesen, die auf der Erde sind, freier Wille und die Möglichkeit zum Bösen auf der Erde entstehen konnten. Da haben wir etwas, was an karmischen Wirkungen über unser Erdendasein hinausgeht: einen Ausblick auf das Weltenkarma.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So konnten wir heute sprechen über den Karmabegriff, über seine Bedeutung für die einzelne Persönlichkeit, für die Individualität, für die ganze Menschheit, innerhalb der Wirkungen unserer Erde und über die Erde hinaus - und wir haben noch etwas gefunden, was wir als Weltenkarma ansprechen können. So finden wir das Karmagesetz, das wir nennen können ein Gesetz vom Zusammenhang zwischen Ursache und Wirkung, aber in der Weise, daß die Wirkung wieder auf die Ursache zurückschlägt und daß sich beim Zurückschlagen noch das Wesen erhalten hat, dasselbe geblieben ist. Wir finden diese karmische Gesetzmäßigkeit überall in der Welt, insofern wir die Welt als eine geistige betrachten. Wir ahnen, daß sich das Karma auf den verschiedensten Gebieten in der verschiedensten Weise offenbaren wird. Und wir ahnen, wie die verschiedenen karmischen Strömungen - persönliches Karma, Menschheitskarma, Erdenkarma, Weltenkarma und so weiter - sich kreuzen werden und daß uns gerade dadurch die Aufschlüsse werden, die wir brauchen, um das Leben zu verstehen. Und an seinen einzelnen Punkten ist das Leben nur zu verstehen, wenn wir das Zusammenwirken der verschiedensten karmischen Strömungen finden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
= ZWEITER VORTRAG Hamburg, 17. Mai 1910 =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bevor wir zu unseren eigentlichen menschlichen Karmafragen kommen, wie sie angekündigt sind, sind eine Reihe von Vorbetrachtungen notwendig. Dazu gehört das, was gestern gesagt worden ist: eine Art Beschreibung des Karmabegriffes. Dazu gehört auch das, was heute zu sagen sein wird über Karma und Tierreich. Was man nennen könnte äußere Beweise für die Wirklichkeit der karmischen Gesetzmäßigkeit, das werden Sie im Laufe des Zyklus an denjenigen Stellen finden, wo gerade Veranlassung sein wird, auf diese äußeren Beweise besonders hinzudeuten. Bei diesen Gelegenheiten werden Sie auch die Möglichkeit finden, über die Begründung der Karmaidee zu Außenstehenden zu sprechen, welche Sie, über dies oder jenes als Zweifler an der ganzen Karmaidee, befragen werden. Zu alledem sind aber einige Vorbetrachtungen notwendig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was läge denn näher, als zu fragen: Wie verhalten sich tierisches Leben, tierisches Schicksal zu dem, was wir den Verlauf des menschlichen Karma nennen, in dem wir - wie sich zeigen wird - die wichtigsten und tiefeingreifendsten Schicksals fragen für den Menschen beschlossen finden?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Verhältnis der Menschen auf der Erde zur Tierwelt ist ja im Laufe der Zeit und auch je nach den verschiedenen Völkern ein verschiedenes. Und es ist gewiß nicht uninteressant, zu sehen, wie bei Völkerschaften, die sich die besten Teile der uralt heiligen Weisheit der Menschheit bewahrt haben, eine weitgehend mitleidvolle, liebevolle Behandlung der Tiere Platz gegriffen hat. Innerhalb der Welt des Buddhismus zum Beispiel, der sich wichtige Teile alter Weltanschauungen bewahrt hat, wie sie die Menschen in ihrer Urzeit hatten, haben wir eine tiefgehend mitleidvolle Behandlung der Tiere, eine Behandlung der Tiere und Gefühle gegenüber der Tierwelt, die in Europa unzählige Menschen noch nicht verstehen können. Aber auch bei andern Völkern - ich erinnere nur an den Araber in bezug auf Behandlung seines Pferdes -, insbesondere wenn diese Völker sich etwas bewahrt &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
haben von den alten Anschauungen, wie sie als alte Erbstücke da und dort auftreten, finden Sie eine Art «Freundschaft» zu den Tieren, etwas wie menschliche Behandlung der Tiere. Dagegen darf man Wohl sagen, daß in denjenigen Gegenden, in denen sich eine Art von Weltanschauung der Zukunft vorbereitet, in den abendländischen Gegenden, wenig Verständnis für solches Mitleid mit der Tierwelt Platz gegriffen hat. Und charakteristisch ist es, daß im Verlaufe des Mittelalters und dann auch bis in unsere Zeit hinein gerade in Ländern, in denen die christlicheWeltanschauung Ausbreitung gewonnen hat, die Anschauung auf tauchen konnte, daß die Tiere überhaupt nicht als Wesen zu betrachten seien mit einem eigentlichen Seelenleben, sondern als eine Art Auto maten. Und es ist vielleicht nicht mit Unrecht darauf aufmerksam gemacht worden - wenn auch nicht immer mit einem großen Verständ nls -, daß diese Anschauungen, welche von der abendländischen Philosophie vielfach vertreten worden sind, daß die Tiere Automaten seien und ein eigentliches Seelen leben nicht haben, hinuntergesickert sind in die Volkskreise, die kein Mitleid und oft auch keine Grenze kennen in der grausamen Behandlung der ~iere. Ja, die Sache ist so weit gegangen, daß man einen großen Philosophen der Neuzeit, Cartesius, in seinen Gedanken über die Tierwelt recht gründlich hat mißverstehen können.Wir müssen uns natürlich klar sein, daß von den eigentlich bedeutenden Geistern der abendländischen Kulturentwickelung diese Anschauung,daß dieTiere nur Automaten seien, niemals vertreten worden ist. Es hat auch Cartesius nicht diese Anschauung vertreten, obwohl Sie In vielen Büchern über Philosophie lesen können, daß Cartesius eine solche Anschauung vertreten habe. Das ist aber nicht wahr; sondern&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wer Cartesius kennt, der weiß, daß er den Tieren zwar nicht ein solches Seelisches zuschreibt, das sich dazu entwickeln kann, aus dem Ich- Bewußtsein heraus zu elnem Beweise für das Dasein Gottes zu kommen, aber er schreibt dennoch dem ,Tiere zu, daß es durchströmt, durchseelt ist mit den sogenannten Lebensgeistern, die allerdings nicht eine so einheitlicbe Individualität darstellen wie das Ich des Menschen, aber doch in der tierischen Organisation als Seele wirken. Und es ist gerade das Charakteristische, daß man Cartesius in dieser Beziehung hat gründlich mißverstehen können. Denn das zeigt uns, daß in den verflossenen &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Jahrhunderten unserer abendländischen Entwickelung die Tendenz vorhanden war, den Tieren etwas bloß Automatisches zuzuschreiben, und diese Tendenz hat man selbst da hineingelesen, wo man sie nicht hätte hineinlesen können, wenn man gewissenhaft zu Werke gegangen wäre, nämlich bei Cartesius. Die abendländische Kulturentwickelung hat das Eigentümliche, daß sie sich herausbilden mußte aus den Elementen des Materialismus. Und man kann sogar sagen: Der Aufgang des Christentums hat sich so vollzogen, daß dieser bedeutungsvolle Impuls der Menschheitsentwickelung zuerst in eine materialistische abendländische Gesinnung hineinverpflanzt worden ist. Der Materialismus der neueren Zeit ist nur eine Folge dessen, daß auch das spirituellste Religionsbekenntnis, das Christentum, zunächst im Abendlande eine materialistische Auffassung hat finden können. Es ist einmal - wenn wir so sagen dürfen - das Menschheitsschicksal der abendländischen Völker, daß sie sich emporarbeiten müssen aus materialistischen Untergründen und gerade in der Überwindung der materialistischen Ansichten und Tendenzen die starken Kräfte werden entfalten müssen zu einem höchsten Spiritualismus. Damit, daß dieses Schicksal, dieses Karma den abendländischen Völkern geworden ist, ist auch bei ihnen jener Zug entstanden, die Tiere nur wie Automaten zu betrachten. Wer nicht gut das Wirken des geistigen Lebens durchschauen kann, wer nur sich halten kann an das, was uns in der sinnlichen Außenwelt umgibt, der wird aus den Eindrücken dieser sinnlichen Außenwelt heraus leicht zu einer Auffassung über die Tierwelt kommen können, welche die Tiere möglichst niedrig stellt. Dagegen haben solche Weltanschauungen, die noch Elemente der alten spirituellen Weltanschauungen der Urweisheit der Menschheit in sich behalten haben, sich eine Art Erkenntnis bewahrt über das, was auch in der Tierwelt geistig ist; und trotz allen Mißverständnissen, trotz all dem, was sich in ihre Weltanschauungen eingeschlichen und deren Reinheit verdorben hat, konnten sie doch nicht vergessen&amp;gt; daß geistige Tätigkeiten, geistige Gesetze an dem Ausleben und Ausgestalten des Tierischen betätigt sind. Wenn wir also auf der einen Seite gerade in dem Mangel geistiger Weltanschauungen ein Unverständnis des Tierisch-Seelischen erblicken müssen, so dürfen wir uns auf der andern Seite nicht darüber täuschen, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
daß auch das wiederum nur ein Ausfluß einer rein materialistischen Weltanschauung wäre, wenn wir die Karmaidee, wie sie uns dienen wird, menschliches Schicksal und menschliches Karma zu verstehen, ohne weiteres auf die tierische Welt anwenden würden. Das dürfen wir nicht. Es ist schon gestern darauf hingewiesen worden, daß es notwendig ist, den Begriff des Karma ganz genau zu fassen. Und wir würden fehlgehen,wenn wir das&amp;gt; was wir gefordert haben als ein Rückschlagen der Wirkung auf das Wesen, von dem die Verursachung ausgegangen ist, wenn wir das auch in der tierischen Welt suchen würden; denn in einem umfassenderen Maße werden wir die karmische Gesetzmäßigkeit erst dadurch kennenlernen können, daß wir über das einzelne menschliche Leben zwischen Geburt und Tod hinausgehen, den Menschen verfolgen durch die Aufeinanderfolge seiner Wiederverkörperungen und daß wir finden werden, daß jener Rückschlag einer Ursache, welche wir in einem Leben gelegt haben, erst in einem späteren Leben kommen kann, so daß sich die karmische Gesetzmäßigkeit von Leben zu Leben zieht, und die Wirkungen von Ursachen eben nicht einzutreten brauchen - ja, wenn wir Karma im großen betrachten, auch ganz gewiß nicht eintreten in demselben Leben zwischen Geburt und Tod.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun wissen wir schon aus den äußeren geisteswissenschaftlichen Betrachtungen, daß wir beim T`lere von einer solchenWiederverkörperung, wie sie beim Menschen stattfindet, nicht sprechen können. Für jene menschliche Individualität, welche sich erhält, wenn der Mensch durch die Pforte des Todes schreitet, welche durchlebt ein besonderes Leben im Geistigen in der Zeit vom Tode bis zur neuen Geburt, um dann durch eine neue Geburt wieder ins Dasein zu treten, für diese menschliche Individualität finden wir etwas Ähnliches oder gar etwas ganz Gleiches in der tierischen Welt durchaus nicht. Wir können nicht in derselben Weise, wie wir den menschlichen Tod auffassen, von dem tierischen Tode sprechen. Denn alles, was wir beschreiben als die Schicksale der menschlichen Individualität, nachdem der Mensch durch die Pforte des Todes gesch ritten ist, verhält sich in der Tierwelt nicht in der gleichen Art; und wenn man glauben würde, daß wir in einem tierischen Individuum das wiederverkörperte Wesen eines schon früher auf der Erde vorhanden gewesenen Tieres suchen könnten, wie wir das beim Menschen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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tun müssen, dann würden wir uns durchaus einem Irrtum hingeben. Heute, wo man gern alles, was sich uns in der Welt darbietet, nur seiner Außenseite nach betrachtet und nicht auf das Innere eingeht, können ja die eigentlichen großen Gegensätze, die wichtigsten Unterscheidungen zwischen Mensch und Tier gar nicht vor Augen treten. Äußerlich - rein materialistisch betrachtet - nimmt sich die Erscheinung des Todes bei Mensch und Tier in der gleichen Art aus. Da kann man leicht glauben, wenn man das Leben eines Tieres betrachtet, daß man einzelne Erscheinungen dieses individuellen Lebens des Tieres vergleichen könnte mit einzelnen Erscheinungen des persönlichen Lebens des Menschen zwischen Geburt und Tod. Aber da würde man ganz fehlgehen. Deshalb soll auf die durchgreifenden Unterschiede zwischen demYierischen und dem Menschlichen zunächst an einzelnen Beispielen hingedeutet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nur derjenige kann sich nämlich diesen Unterschied zwischen Tier und Mensch vollständig klarlegen, der unbefangen nicht nur auf die sich seinem äußeren sinnlichen Anschauen, sondern auch auf die seinem kombinierenden Denken sich ergebenden Tatsachen eingeht. Da finden wir eine Erscheinung, die auch von den Naturforschern hervorgehoben wird, mit der aber die Naturforscher der Gegenwart nichts Rechtes anzufangen wissen, nämlich die Erscheinung, daß der Mensch eigentlich das Allereinfachste erst lernen muß: den Gebrauch der einfachsten Werkzeuge hat der Mensch im Laufe seiner Geschichte lernen müssen, und unsere Kinder müssen heute noch die allereinfachsten Sachen eben lernen, und sie müssen eine gewisse Zeit anwenden, um sie zu lernen. Es kostet Mühe, dem Menschen etwas beizubringen, einfache Handgriffe, Verfertigung von Instrumenten und Werkzeugen und so weiter. Wenn wir dagegen die Tiere betrachten, müssen wir sagen: Wieviel besser haben es die Tiere in dieser Beziehung! - Denken wir uns, wie der Biber seinen komplizierten kunstvollen Bau aufführt. Er braucht es nicht zu lernen; er kann es, indem er es mitbringt als eine ihm eingeprägte Gesetzmäßigkeit, wie wir uns als Menschen mitbringen die Möglichkeit, die «Kunst», um das siebente Jahr unsere Zähne zu wechseln. Das braucht auch keiner zu lernen. So bringen sich die Tiere eine solche Fähigkeit mit, wie sie der Biber hat, seinen Bau aufzuführen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Und wenn Sie Umschau halten im Tierreich, werden Sie finden, daß die Tiere sich ganz bestimmte Kunstfertigkeiten mitbringen, durch welche etwas zustande gebracht werden kann, an das menschliche Kunst fertigkeit bei allem, wie wir es so herrlich weit gebracht haben, noch lange nicht heran reicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun kann die Frage entstehen: Wie kommt es denn eigentlich, daß der Mensch, wenn er geboren wird, unfähiger ist als zum Beispiel ein Huhn oder ein Biber, daß er das, was diese Wesenheiten sich schon mit- bringen, erst mühevoll sich aneignen muß? Das ist eine große Frage. Und daß es eine große Frage ist, muß man vor allen Dingen empfinden lernen. Denn es kommt bei dem, was der Mensch für seineWeltanschauung gewinnen muß&amp;gt; viel weniger darauf an, daß man auf wichtige Tatsachen hinweist, als daß man weiß, wo wichtige Fragen zu stellen sind. Tatsachen können richtig sein, brauchen aber nicht immer wertvoll zu sein für unsere Weltanschauung. Nun würde es, obwohl wir noch heute auf die Ursachen dieser Erscheinungen geisteswissenschaftlich eingehen werden, doch zu weit führen, wenn man in allen Einzelheiten zeigen würde, warum das so ist. Aber zunächst kann doch mit ein paar Worten darauf hingewiesen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir geisteswissenschaftlich zurückgehen in der menschlichen Entwickelung bis in urferne Vergangenheiten, so werden wir finden, daß diejenigen Kräfte und Elemente, welche sozusagen dem Biber oder einem andern Tiere zur Verfügung stehen, um solche Kunstfertigkeiten mit sich auf die Welt zu bringen, dem Menschen auch zur Verfügung gestanden haben. Der Mensch hat ja nicht gerade in seine Anlage in urferner Vergangenheit bloß die Ungeschicklichkeit aufgenommen und dem Tiere überlassen müssen die primitive Geschicklichkeit. Er hat diese Anlage auch empfangen, ja im Grunde genommen in einem weit reicheren Maße als die Tiere. Denn wenn auch die Tiere gewisse große Kunstfertigkeiten mit auf die Welt bringen, so sind diese doch im Leben einseitig. Der Mensch kann im Grunde genommen gar nichts, wenn er ins Leben tritt, er muß alles erst lernen, was sich auf die äußere Welt bezieht. Das ist etwas radikal ausgedrückt, aber wir werden uns verstehen. Wenn der Mensch aber dann lernt, zeigt sich bald, daß er vielseitiger, daß seine Entwickelung eine reichere werden kann in bezug &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
auf die Ausprägung gewisser Kunstfertigkeiten und dergleichen, als das beim Tiere der Fall ist. Also der Mensch hat reiche Anlagen ursprünglich mitbekommen - und dennoch hat er sie heute nicht. Nun tritt die eigentümliche Erscheinung zutage, daß ursprünglich Mensch und Tier in gleicher Weise ausgestattet waren. Und wenn wir zurückgehen würden bis zur alten Saturnentwickelung, so würden wir finden, daß eine Unterscheidung der menschlichen und tierischen Entwickelung noch gar nicht stattgefunden hatte. Da waren beide vollständig gleich veranlagt. - Was ist nun in der Zwischenzeit geschehen, daß das Tier alle möglichenGeschicklichkeiten mit ins Dasein trägt,während der Mensch ein so ungeschickter Genosse des Weltendaseins ist? Wie hat sich der Mensch eigentlich benommen in der Zwischenzeit, daß er jetzt plötzlich alles das nicht hat,was er mitbekommen hatte? Hat er das im Laufe der Entwickelung sinnlos verschwendet, während es sich die Tiere als sparsame Haushalter bewahrt haben? Diese Frage kann aus dem wirklichen Tatbestand heraus aufgeworfen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Mensch hat diese Anlagen, die heute das Tier in äußerer Geschicklichkeit auslebt, nicht verschwendet; er hat sie auch verwendet, aber zu etwas anderem als die Tiere. Die Tiere prägen sie in äußeren Geschicklichkeiten aus; Biber und Wespe bauen ihr Nest. Der Mensch hat dieselben Kräfte, welche die Tiere in dieser Art ausleben, in sich selber hineingetan und verwendet. Und er hat dadurch zustande gebracht, was wir seine höhere menschliche Organisation nennen. Daß der Mensch heute seinen Gang aufrecht hat, daß er das vollkommenere Gehirn, überhaupt eine vollkommenere innere Organisation hat, das bedurfte auch gewisser Kräfte; und das sind dieselben Kräfte, mit denen sich der Biber seinen Biberbau errichtet. Der Biber baut sich sein Nest. Der Mensch hat die Kräfte auf sich verwendet, zu seinem Gehirn, zu seinem Nervensystem und so weiter. Daher hat der Mensch zunächst nichts übrig behalten, um in derselben Weise nach außen zu arbeiten. Also, daß wir heute unter den Tieren schreiten mit einem vollkommeneren Bau, das rührt davon her, daß wir alles, was der Biber draußen verarbeitet, einmal im Laufe der Entwickelung auf unseren inneren Bau verwendet haben.Wir haben drinnen unseren Biberbau und können daher nach außen diese Kräfte nicht mehr in derselben Weise entfalten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Da sehen wir, wenn wir an einer einheitlichen Weltauffassung festhalten, wohin die verschiedenen Anlagen, die in den Wesen vorhanden sind, kommen und wie sie uns heute entgegentreten. Indem der Mensch in seiner Weise diese Kräfte verwendet hat, wurde für ihn in seiner Erdentwickelung eine ganz besondere Einrichtung notwendig, die wir zum Teil schon kennen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Warum mußten beim Menschen die Kräfte, von denen jetzt eben gesprochen worden ist und die uns bei den verschiedenen Arten und Gattungen des Tierreiches in äußeren Verrichtungen entgegentreten, auf das Innere der menschlichen Organisation verwendet werden? Weil der Mensch nur dadurch, daß er sich die innere Organisation verschaffen konnte, der Träger dessen werden konnte, was heute das Ich ist, was von Inkarnation zu Inkarnation schreitet. Eine andere Organisation hätte kein solcher Ich-Träger werden können; denn es hängt durchaus von dem äußeren Gehäuse ab, ob eine Ich-Individualität sich im Erden- dasein betätigen kann oder nicht. Sie könnte es nicht, wenn die äußere Organisation nicht der Ich-Individualität angemessen wäre. Alles lief also darauf hinaus, die äußere Organisation dieser Ich-Individualität angemessen zu machen. Dazu mußte eine besondere Einrichtung geschaffen werden, und die kennen wir schon ihrer wesentlichen Seite nach.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir wissen, daß unserer Erdentwickelung vorangegangen ist die Mondentwickelung, dieser wieder die Sonnenentwickelung und dieser eine Saturnentwickelung. Als die alte Mondentwickelung zu Ende war, war der Mensch auf einer Stufe in bezug auf sein äußeres Dasein, die man als Tier-Menschlichkeit bezeichnen kann. Aber damals war diese äußere menschliche 0rganisation noch nicht so weit, daß sie der Träger einer Ich-Individualität hätte werden können. Erst die Erdentwickelung des Menschen hatte die Aufgabe, dieser Organisation das Ich einzuverleiben. Das konnte aber nur dadurch geschehen, daß die Vorgänge unserer Erdentwickelung in einer ganz eigenartigen Weise eingerichtet wurden. - Als die alte Mondentwickelung zu Ende gegangen war, löste sich alles sozusagen in ein Chaos auf. Daraus ging nach einer entsprechenden Zeit kosmischer Dämmerung wieder hervor der neue Kosmos unserer Erdentwickelung. In diesem Kosmos der Erdentwickelung war &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|42}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
damals alles enthalten, v`as heute als unser Sonnensystem mit uns und der Erde verbunden ist. Aus diesem Zusammenhang, aus dieser kosmischen Einheit haben sich dann erst abgespalten alle andern Weltkörper von unserer eigentlichen Erde. Wir brauchen nicht einzugehen auf die Art und Weise, wie sich die andern Planeten, Jupiter, Mars und so weiter, abgespalten haben. Wir müssen nur darauf hinweisen, daß in einem bestimmten Zeitpunkt der Erdentwickelung sich unsere Erde und unsere Sonne getrennt haben. Als dann schon die Sonne abgetrennt war und ihre Wirkungen von außen auf die Erde hereinsandte, war unsere Erde noch mit dem heutigen Monde verbunden, so daß die Substanzen und geistigen Kräfte, die heute an den Mond gekettet sind, damals noch mit unserer Erde verbunden waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist öfter schon die Frage berührt worden, was geschehen wäre, wenn sich die Sonne nicht abgespalten hätte von der Erde und nicht übergegangen wäre zu jenem Zustande, in dem sie wie heute von außen auf die Erde wirkt. Indem zunächst die Erde noch mit der Sonne verbunden war, waren bei den ganz anders gearteten Verhältnissen noch das ganze kosmische System und auch die Vorfahren der menschlichen Organisation miteinander vereinigt. Es ist natürlich ein Unding, die heutigen Verhältnisse anzuschauen und dann zu sagen: Was ist das für ein Unsinn von den Theosophen; da hätten ja alle die organisierten Wesen verbrennen müssen! - Diese Wesen waren eben so, daß sie unter den damaligen Verhältnissen in dieser ganz anders gearteten kosmischen Einheit bestehen konnten. - Wenn nun die Sonne in Verbindung mit der Erde geblieben wäre, dann wären ganz andere, viel heftigere Kräfte mit der Erde verbunden geblieben, und die Folge wäre gewesen, daß die ganze Entwickelung der Erde mit einer solchen Heftigkeit und Schnelligkeit fortgeschritten wäre, daß es gar nicht möglich gewesen wäre, daß die menschliche Organisation sich hätte so ausleben können, wie sie sich ausleben mußte. Daher war es notwendig, daß der Erde ein langsameres Tempo und dichtere Kräfte zur Verfügung gestellt wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das konnte nur dadurch geschehen, daß die stürmischen, vehementen Kräfte sich herauszogen aus der Erde. So wirkten die Kräfte der Sonne vor allen Dingen dadurch schwächer, daß sie jetzt von außen durch die Entfernung auf die Erde wirkten. Dadurch aber war nun etwas anderes &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|43}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
eingetreten. Es war jetzt die Erde in einem Zustande, daß die Menschen wiederum nicht hätten in der richtigen Weise vorwärtskommen können. Die Verhältnisse waren jetzt zu dicht, zu sehr verholzend und verdorrend für alles Leben. Der Mensch hätte wieder nicht zu seiner Entwickelung kommen können, wenn es so geblieben wäre. Abgeholfen wurde dem durch eine besondere Einrichtung, indem nämlich einige Zeit nach dem Sonnenaustritt der heutige Mond die Erde verlassen hat und die verlangsamenden Kräfte, die das Leben hätten zu einem langsamen Tode kommen lassen, mit sich fortgenommen hat. So blieb die Erde zwischen Sonne und Mond zurück, gerade das richtige Tempo wählend für die menschliche Organisation, um ein Ich als einen Träger der Individualität, die von Inkarnation zu Inkarnation geht, wirklich aufzunehmen. Die menschliche Organisation, wie sie heute ist, war unter gar keinen andern Umständen aus dem Kosmos heraus herzu stellen als durch diesen Vorgang zunächst der Sonnen- und dann der Mondentrennung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es könnte vielleicht jemand sagen: Wenn ich der Herrgott gewesen wäre, so hätte ich es anders gemacht; ich hätte gleich eine solche Mischung hergestellt, daß die menschliche Organisation in einer solchenWeise hätte fortschreiten können, wie sie hat fortschreiten müssen. Warum nun war es nötig, daß zuerst die Sonne heraustreten mußte und daß dann noch einmal ein Mondaustritt notwendig wurde?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer so denkt, denkt viel zu abstrakt. Er denkt nicht daran, daß, wenn in der Weltordnung eine innerliche Mannigfaltigkeit herbeigeführt werden soll, wie es die menschliche Organisation ist, für jeden einzelnen Teil eine besondere Einrichtung notwendig ist und daß man das nicht in die Wirklichkeit umsetzen kann, was sich der menschliche Gedanke spintisierend ausdenkt. In abstracto kann man alles denken; aber in der wirklichen Geisteswissenschaft muß man lernen, konkret zu denken, so daß man sich sagt: Die menschliche Organisation ist ja keine einfache. Sie besteht aus einem physischen Leib, einem Ätherleib und einem astralischen Leib. Diese drei Glieder mußten erst in ein bestimmtes Gleichgewicht gebracht werden, so daß die einzelnen Teile in einem richtigen Verhältnisse zueinander stehen. Das konnte nur durch diesen dreifachen Vorgang stattfinden: Zuerst die Bildung des einheit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|44}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
lichen Kosmos, der ganzen kosmischen Einheit Erde, Sonne und Mond zusammen. Dann mußte vollzogen werden für sich dasjenige, was im menschlichen Ätherleib verlangsamend wirken konnte, weil er sonst zu stürmisch alle Entwickelung verzehrt hätte - und das geschah, indem die Sonne hinausgeführt worden ist. Und dann wieder mußte, weil der astralische Leib sonst die menschliche Organisation zu einem Ersterben gebracht hätte, der Mond hinausgeführt werden. Weil der Mensch in seiner Organisation drei Glieder hat, mußten auch diese drei Vorgänge&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
stattfinden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So sehen wir, daß der Mensch sein Dasein, seine gegenwärtigen Eigenschaften einer komplizierten Einrichtung im Kosmos verdankt. Wirwissen aber auch, daß die Entwickelung aller Naturreiche keineswegs gleichen Schritt halten kann mit der allgemeinen Entwickelung. Wir wissen aus den allgemeinen Betrachtungen der letzten Jahre, daß immer auf den einzelnen planetarischenVerkörperungen unserer Erde gewisse Wesenheiten zurückblieben hinter der allgemeinen Entwickelung, welche dann, wenn die Entwickelung vorwärtsschritt, in Zuständen lebten, die der Entwickelung nicht vollständig entsprachen. Wir wissen aber auch, daß alle Entwickelung im Grunde durch solches Zurückbleiben erst richtig in Fluß gebracht werden konnte. Wissen wir doch, daß gewisseWesen während der alten Mondentwickelung zurückgeblieben sind als die «luziferischen Wesenheiten», daß durch sie manches Schlimme verschuldet worden ist, daß wir ihnen aber auch das verdanken, was uns erst das Menschsein möglich macht, nämlich die Möglichkeit der Freiheit, der freien Entfaltung unseres Innenwesens. Ja, wir können sagen: In gewisser Beziehung war das Zurückbleiben der luziferischen Wesenheiten ein Opfer. Sie sind zurückgeblieben, damit sie während des Erdendaseins ganz besondere Tätigkeiten ausüben konnten, näm lich dem Menschen die Leidenschaften verleihen, die mit seiner menschlichen Würde und Selbstbestimmung zusammengehören. - Wir müssen uns eben angewöhnen, ganz andere Begriffe zu gebrauchen, als sie sonst üblich sind, denn aus den gewöhnlichen Begriffen heraus könnte man vielleicht sagen, es hätten die luziferischen Geister gehörig «nachsitzen» müssen, und man wird ihnen ihre Nachlässigkeit nicht verzeihen. Aber es hat sich nicht um eine Nachlässigkeit der luziferischen Wesen ge&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|45}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
handelt. Ihr Zurückbleiben ist in gewisser Beziehung ein Opfer gewesen, um durch das, was sie sich durch dieses Opfer angeeignet haben, auf unsere Erdenmenschheit wirken zu können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon aus den gestrigen Andeutungen wissen Sie, daß nicht nur Wesenheiten, sondern auch Substanzen zurückgeblieben sind und sich Gesetze bewahrt haben, die in früheren planetarischen Zuständen die richtigen waren und die sie dann hineingetragen haben in die spätere Entwickelung. So durchkreuzen sich Entwickelungsphasen von alter Zeit mit Entwickelungsphasen von neuer Zeit, sie gehen durcheinander.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dadurch wird die Mannigfaltigkeit des Lebens eigentlich erst möglich. - So stellen sich uns die verschiedensten Grade dar in der Entwickelung der Wesenheiten. Nicht möglich gewesen wäre es, daß neben dem Menschenreich sich überhaupt ein Tierreich entwickelt hätte, wenn nicht nach der Saturnperiode gewisse Wesen zurückgeblieben wären, um - während sich auf der Sonne die Menschen schon zu einer höheren Stufe entwickelt hatten - ein zweites Reich zu bilden und als erste Vorläufer unseres heutigen Tierreiches hervorzukommen. Für die Grundlage späterer Bildungen ist dieses Zurückbleiben durchaus notwendig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn nun die Frage aufgeworfen wird: Warum müssen Wesenheiten und Substanzen zurückbleiben? - so möchte ich das durch einen Vergleich klarmachen. Die Entwickelung des Menschen sollte vorwärts- schreiten von Stufe zu Stufe. Das konnte sie nur dadurch, daß der Mensch sich immer mehr und mehr verfeinerte. Hätte er immer mit denselben Kräften gewirkt&amp;gt; mit denen er während der Saturnphase wirkte, so wäre er nicht vorwärtsgekommen. Er wäre stehengeblieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deshalb mußte er seine Kräfte verfeinern. - Nun nehmen wir, um ein Bild zu haben, einmal ein Glas Wasser an, in welchem irgendein Stoff aufgelöst ist. Da wird alles von oben bis unten in diesem Glas gleiche Färbung zeigen, gleiche Dichtigkeit und so weiter, es wird alles gleich sein. Nehmen wir nun an, es setzen sich die gröberen Stoffe zu Boden, dann bleiben das reinere Wasser und die feineren Substanzen oben. Das Wasser konnte sich also nur dadurch verfeinern, daß es das Gröbere ausgeschieden hat. - So etwas war auch nötig, nachdem die Saturnentwickelung abgelaufen war, es mußte ein solcher Bodensatz entstehen, es mußte die ganze Menschheit etwas ausscheiden und sich &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|46}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die feineren Teile zurückbehalten. Was ausgeschieden worden war, das wurden dann die~iere. Durch das Ausscheiden konnten sich die andern verfeinern und um einen Schritt höher kommen. Und auf jeder solchen Stufe mußten Wesenheiten ausgeschieden werden, damit der Mensch immer höher und höher kommen konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir haben also eine Menschheit, die nur dadurch möglich geworden ist, daß der Mensch sich befreit hat von denjenigen Wesenheiten, die um uns herum in den untergeordneten Reichen leben. Wir haben diese Wesenheiten mit allen ihren Kräften einmal in dem Strom der Entwickelung darinnen gehabt, sie waren damit verbunden wie in dem Wasser die dichteren Bestandteile. Wir haben sie zu Boden sinken lassen und haben uns daraus emporgehoben. Dadurch ist unsere Entwickelung möglich geworden.Wir sehen also hinunter auf die drei neben uns lebenden Naturreiche und sagen: In alledem sehen wir etwas, was unser Boden hat werden müssen, damit wir uns haben entwickeln können. Diese Wesenheiten sind hinuntergesunken, damit wir haben empor- steigen können. So blicken wir in der richtigen Art auf die untergeordneten Naturreiche.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir nun die Erdentwickelung betrachten, wird sich uns dieser Vorgang noch anschaulicher in seinen Einzelheiten darstellen können. Wir müssen uns klar sein, daß alle Tatsachen innerhalb unserer Erdentwickelung doch gewisse Verhältnisse und Zusammenhänge haben. Nun haben wir gesehen, daß die Abtrennung der Sonne und des Mondes von der Erde eigentlich geschehen ist, damit die menschliche Organisation während der Erdentwickelung hat zu derjenigen Höhe kommen können, um eine Individualität zu werden; das gehörte dazu, um die menschliche Organisation gleichsam zu reinigen. Aber dadurch, daß diese Abtrennungen im Weltenall um des Menschen willen geschahen, ist durch solche eingreifende Veränderung in unserem ganzen Sonnensystem doch auch ein Einfluß auf alle drei andern Naturreiche ausgeübt worden, vor allem auf das Tierreich, das uns zunächst steht. Und wenn wir diesen Einfluß verstehen wollen, der auf das Tierreich durch die Vorgänge der Sonnen- und Mondabspaltung geschah, dann bekommen wir aus der Geistesforschung folgenden Aufschluß.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Mensch war auf einer gewissen Stufe seiner Entwickelung, als&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|47}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sich die Sonne abgespalten hatte. Hätte er nun diese Stufe beibehalten müssen, die er während der Zeit hatte, als der Mond noch mit der Erde verbunden war, so hätte der Mensch seine gegenwärtige Organisation nicht erlangen können, er hätte einer gewissen Verödung und Verdorrung entgegengehen müssen. DieMondenkräfte mußten erst heraus- gehen. Daß diese menschliche Organisation möglich geworden ist, ist aber nur dem Umstande zu verdanken, daß der Mensch während der Zeit, als der Mond noch in der Erde war, sich eine Organisation bewahrt hatte, welche noch erweicht werden konnte; denn es wäre möglich gewesen, daß seine Organisation bereits so hart gewesen wäre, daß das Hinausgehen des Mondes nichts mehr genutzt hätte. Auf dieser Stufe, daß die Organisation noch erweicht werden konnte, standen tatsächlich nur die Menschenvorfahren. - Der Mond mußte also zu einer bestimmten Zeit hinausgehen. Was geschah nun bis zu dem Zeitpunkt, wo der Mond heraustrat?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die menschliche Organisation wurde immer gröber und gröber. Der Mensch hat zwar nicht ausgesehen wie Holz. Das wäre eine zu grobe Vorstellung. Es war die damalige Organisation trotz ihrer Grobheit immer noch feiner, als es die jetzige Organisation ist. Aber für die damalige Zeit war die Organisation des Menschen so grob, daß der geistigere Teil des Menschen, der auch dazumal in einer gewissen Weise abwechselnd mit dem physischen Leib zusammen und ohne ihn gelebt hat, in der Zeit zwischen Sonnen- und Mondaustritt endlich dahin gekommen war, daß er, wenn er wieder hat seinen physischen Leib aufsuchen wollen&amp;gt; diesen Leib durch die Vorgänge der Erde so dicht gefunden hat, daß er keine Möglichkeit mehr hatte, in ihn hineinzuziehen und ihn als Gehäuse zu benutzen. Daher geschah es auch, daß der geistig-seelische Teil vieler Menschenvorfahren von der Erde überhaupt Abschied nahm und für eine gewisse Zeit das Fortkommen suchte auf andern, zu unserem Sonnensystem gehörigen Planeten. Nur ein ganz geringer Teil der physischen Leiber war weiter brauchbar und rettete sich über diese Zeit hinüber. Das habe ich auch schon öfter dargestellt, daß die weitaus größte Zahl der Menschenseelen in den Himmelsraum hinauszogen, daß aber die fortlaufende Entwickelungsströmung festgehalten wurde von einem kleinen Teil, nämlich von denjenigen mensch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|48}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
lichen Seelen, die am robustesten waren und das alles ertragen und überwinden konnten. Diese robusten Seelen retteten die Entwickelung über die kritische Periode hinüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während dieses ganzenVorganges handelte es sich noch nicht eigentlich um das, was wir menschliche Ichheit, menschliche Individualität nennen. Es war noch mehr der Charakter derGattungsseele vorhanden. Die Seelen gingen, wenn sie sich zurückzogen, auf in die GattungsSeelenhaftigkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann kam der Mondaustritt, und damit war wieder die Möglichkeit gegeben, daß die menschliche Organisation verfeinert wurde, so daß sie die Seelen&amp;gt; welche sich früher hinweggeflüchtet hatten, wieder aufnehmen konnte. Und diese Seelen kamen nach und nach - bis in die atlantische Zeit hinein - wieder herunter und bezogen die menschlichen Leiber. Aber es waren immerhin gewisse Organisationen zurückgeblieben, die sich während der kritischen Zeit herausgebildet hatten. Fortgepflanzt hatten sie sich während dieser Zeit, nur konnten sie nicht Träger werden der menschlichen Seelenhaftigkeit. Es waren eben grobe Organisationen. Es hatten sich also dazumal neben jenen Organisationen, die sich später verfeinern konnten, solche erhalten aus der kritischen Erdenperiode. Diese wurden nun die Vorläufer einer gröberen Organisation, und dadurch kam es, daß neben jenen Organisationen, welche Träger von menschlichen Individualitäten werden konnten, auch solche Organisationen sich fortpflanzten, die nicht Träger menschlicher Individualitäten werden konnten und die die Nachkommen waren der von menschlichen Seelen verlassenen Organismen aus jener Zeit, als die Sonne schon fort und der Mond noch mit der Erde verbunden war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also sehen wir neben dem Menschen sich förmlich herausbilden ein Reich von Organismen, die durch das Beibehalten des Mondcharakters unfähig geworden waren, Träger menschlicher Individualitäten zu sein. Diese Organisationen sind im wesentlichen die, welche die Organisationen unserer heutigen Tiere wurden. Es könnte sonderbar erscheinen, daß diese gröberen Organisationen der heutigen Tiere nun doch wieder gewisse Fähigkeiten haben, welche sogar weisheitsvoll wirken können in der Welt, wie zum Beispiel in dem Biberbau. Das aber kann uns &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|49}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
erklärlich werden, wenn wir uns eben die Dinge nicht gar zu einfach vorstellen, sondern uns klar sind, daß gerade die Organisationen dieser Wesenheiten, welche nicht von menschlichen Seelen bezogen worden sind, die äußeren Einrichtungen de`s tierischen Baues, eines gewissen Nervenbaues und dergleichen ausgebildet hatten, die es möglich machten, sich mit den Gesetzen des Erdendaseins ganz in Einklang zu versetzen. Denn jeneWesenheiten, die nicht fähig geblieben waren, menschliche Seelen aufzunehmen, waren während der ganzen Zeit mit der Erde verbunden geblieben. Die andern Organisationen, die sich später verfeinert haben, so daß sie menschliche Individualitäten aufnehmen konnten, waren zwar auch zusammen mit der Erde; aber weil sie später Veränderungen eingehen mußten, als der Mond draußen war, haben sie gerade, was sie sich bis dahin angeeignet hatten, dadurch verloren, daß sie sich verfeinerten, daß sie diese Veränderungen eingehen mußten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also merken wir: Als sich der Mond getrennt hatte von der Erde, waren auf der Erde gewisse Organisationen, die sich einfach fortgepflanzt hatten in der geraden Linie, wie sie hatten entstehen müssen, solange der Mond mit der Erde früher verbunden war. Diese Organisationen waren grob geblieben, hatten sich die Gesetze, die sie hatten, bewahrt und waren in sich so fest geworden, daß, als der Mond heraus- gegangen war, mit ihnen keine Veränderung möglich war. Sie pflanzten sich einfach steif fort. Die andern Organisationen, die Träger von menschlichen Individualitäten wurden, mußten sich verändern, konnten sich nicht steif fortpflanzen. Sie veränderten sich so, daß jetzt hin- einwirken konnten die Wesenheiten, die in der Zwischenzeit gar nicht mit der Erde verbunden waren, die ganz woanders waren und sich erst wieder zusammenfügen mußten mit der Erde. - Da haben Sie den Unterschied zwischen jenen Wesenheiten, die den alten steifen Mondcharakter fortbewahrt hatten, und jenen, die sich verändert hatten. Worin bestand nun die Veränderung?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als die Seelen, die von der Erde fortgegangen waren, wieder zurückkamen und wieder Besitz ergriffen von den Leibern, fingen sie an, das Nervensystem, das Gehirn und so weiter umzubauen.Was sie als Kräfte hatten, das verwendeten sie gleichsam zum inneren Ausbau. An den andern Wesenheiten, die sich versteift hatten, konnte nichts mehr geändert&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|50}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
werden. Von diesen letzteren Organisationen nahmen jetzt andere Wesenheiten Besitz, die sich noch nicht darauf ein ließen, in die Organisation einzugreifen, die noch auf ihren früheren Stufen stehen- geblieben waren, die überhaupt nicht so weit kommen, daß sie in die inneren Organisationen hineinwirken, sondern die von außen wirken wie die tierischen Gattungsseelen. So erhielten diejenigen Organisationen, welche dazu geeignet waren, nach dem Mondaustritt die menschliche Seele; und diese Wesenheiten bearbeiteten dann die Organisation so, daß sie zu dem vollkommenen Menschenbau führte. Die während der Mondenzeit steif gebliebenen Organisationen konnten nicht mehr geändert werden. Von denen ergreifen jetzt Besitz jene Seelen, die überhaupt noch nicht so weit waren, in eine Individualität einzuziehen, die auf der Mondenstufe stehengeblieben waren, die alles ausgebildet hat- ten, was auf der Mondenstufe zu erreichen war, und die daher jetzt als Gattungsseelen von diesen Organisationen Besitz ergriffen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So erklärt sich uns der Unterschied zwischen Mensch und Tier aus den kosmischen Vorgängen heraus. Gerade durch die kosmischen Vorgänge bei der Erdentwickelung ergeben sich uns zweierlei Organisationen. Hätten wir bei dem Bau der unmittelbar unter dem Menschen stehenden Wesenheiten stehenbleiben müssen, so müßten wir jetzt mit unserem Ich die Erde umschweben, weil die Organisationen zu steif geworden sind. Wir könnten nicht herunter, und obwohl wir vollkommenere Wesen geworden sind, müßten wir da sein, wo die Organisationen der Gattungsseelen der Tiere sind. Da aber unsere Organisationen sich verfeinern konnten, so konnten wir in sie einziehen und sie als unsere Wohnplätze benutzen, das heißt, wir konnten in fleischliche Verkörperungen bis zur Erde hinuntersteigen. Die Gattungsseelen hatten kein Bedürfnis danach. Sie wirken von der geistigen Welt in die Wesen hinein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir sehen also in dem Tierreich, das uns umgibt, etwas, was wir heute auch wären, wenn wir eben nicht unsere Organisation der geschilderten Einrichtung verdankten. Fragen wir uns jetzt Wodurch sind denn die unter uns stehenden Tiere mit ihren versteiften Organisationen auf die Erde gekommen? - Durch uns selber sind sie herunter- gekommen! Sie sind die Nachkommen jener Körper, die wir nach dem &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|51}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mondaustritt nicht mehr beziehen wollten, weil sie zu grob geworden waren. Wir haben diese Körper zurückgelassen, um später andere zu finden.Wir hätten später andere nicht finden können, wenn wir damals jene ersten nicht verlassen hätten. Denn wir mußten nach dem Heraus- treten der Sonne auf der Erde unser Fortkommen suchen. - Da haben wir gerade den Vorgang, daß wir sozusagen unter uns zurückließen gewisse Wesenheiten, damit wir selber die Möglichkeit finden konnten, höher hinaufzukommen. Um höher zu kommen, mußten wir zu andern Planeten gehen und die Leiber da unten verkommen lassen. Was unten zurückgeblieben ist, dem verdanken wir in gewisser Beziehung das, was wir sind. Ja, wir können dieses «Verdanken» noch viel genauer schildem. Wir können uns fragen: Wie ist es denn überhaupt möglich geworden, daß wir während der kritischen Periode die Erde verlassen konnten? So ohne weiteres geht das ja nicht, daß ein Wesen hingehen kann, wo es will.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da trat während der Erdentwickelung zum ersten Male dasjenige ein, was wir wiederum den luziferischen Geistern verdanken. Die luziferischen Wesenheiten waren unsere Führer, die uns in der kritischen Periode von der Erdentwickelung hinweggenommen haben. Sie haben uns gleichsam gesagt: Da unten kommt jetzt eine kritische Zeit; da müßt ihr die Erde verlassen! - Die luziferischen Geister waren es, unter deren Führung wir die Erde verlassen haben, dieselben luziferischen Geister, die in unseren damaligen astralischen Leib das luziferische Prinzip, den Hang zu allem, was wir die Möglichkeit des Bösen in uns nennen, hineinbrachten, damit zugleich aber allerdings auch die Möglichkeit der Freiheit. Hätten sie uns damals nicht fortgenommen von der Erde, so wären wir immer gekettet geblieben an die Gestalt, die wir damals geschaffen hatten, und wir könnten jetzt die Gestalt höchstens von oben umschweben, würden sie aber niemals beziehen können. So nahmen sie uns fort und verbanden ihr eigenes Wesen mit unserem Wesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir das ins Auge fassen, wird es uns jetzt verständlich, daß wir, während wir fortgingen, die luziferischen Einflüsse aufnahmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Organisationen, welche dieses Schicksal nicht teilten, damals in ganz besondere Weltgebiete geführt zu werden, die mit der Erde verbunden blieben, die blieben unten ohne den luziferischen Einfluß. Sie &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|52}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
mußten mit uns die Erdenschicksale teilen - konnten aber nicht mit uns unser Himmelsschicksal teilen. Und als wir auf die Erde zurückkamen, hatten wir den luziferischen Einschlag in uns, nicht aber jene andern Wesen, und dadurch wurde es uns möglich, das Leben in einem physischen Körper und doch ein von dem physischen Körper unabhängiges Leben zu führen, so daß wir auch immer mehr und mehr unabhängig von dem physischen Körper werden konnten. Diese andern Wesen aber, die den luziferischen Einschlag nicht in sich hatten, stellten dar, was wir aus ihnen gemacht hatten, was unsere astralischen Leiber waren in der Zwischenzeit zwischen Sonnen- und Mondaustritt, also dasjenige, von dem wir uns befreiten. Wir schauen auf die Tiere und sagen: Alles, was die Tiere darstellen an Grausamkeit, an Gefräßigkeit, an allen tierischen Untugenden, neben der Geschicklichkeit, die sie haben, das hätten wir in uns, wenn wir sie nicht hätten aus uns heraussetzen können! - Wir verdanken die Befreiung unseres astralischen Leibes dem Umstande, daß alle gröberen astralischen Eigenschaften zurückgeblieben sind im Tierreich der Erde. Und wir können sagen: Wohl uns, daß wir das nicht mehr in uns haben: die Grausamkeit des Löwen, die List des Fuchses, daß es aus uns herausgezogen ist und außer uns ein selbständiges Dasein führt!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So haben die Tiere das mit uns gemeinschaftlich, was unser astralischer Leib ist, und haben dadurch die Möglichkeit, Schmerzen empfinden zu können. Aber sie haben gerade durch das, was jetzt gesagt worden ist, nicht die Möglichkeit erlangen können, durch den Schmerz und durch die Überwindung des Schmerzes immer höher und höher zu steigen. Denn sie haben keine Individualität. Dadurch sind die Tiere viel, viel übler daran als wir. Wir müssen die Schmerzen ertragen; aber jeder Schmerz ist für uns ein Mittel zur Vervollkommnung; indem wir ihn überwinden, steigen wir höher durch den Schmerz. Die Tiere haben wir zurückgelassen als etwas, was zwar die Schmerzfähigkeit schon hatte, aber noch nicht das, was sie über den Schmerz erheben konnte, wodurch sie den Schmerz überwinden. Das ist das Schicksal der Tiere. Sie zeigen uns unsere eigene Organisation auf der Stufe, da wir schmerzfähig waren, aber noch nicht durch Überwindung den Schmerz ins Heilsame für die Menschheit umwandeln konnten. So haben wir den &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|53}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tieren im Laufe der Erdentwickelung unser schlimmeres Teil gegeben, und sie stehen um uns herum als Wahrzeichen dessen, daß wir zu unserer Vervollkommnung kamen. Wir hätten den Bodensatz nicht los- bekommen, hätten wir nicht die Tiere zurückgelassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Solche Tatsachen müssen wir nicht als Theorien betrachten lernen, sondern mit kosmischem Weltengefühl. Wir müssen hinblicken auf die Tiere mit dem Gefühl: Da draußen seid ihr, Tiere. Wenn ihr leidet, leidet ihr etwas, was uns Menschen zugute kommt.Wir Menschen haben die Möglichkeit, das Leiden zu überwinden; ihr müßt das Leiden er- dulden. Wir aber haben euch das Leiden gelassen - und uns die Überwindung genommen!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn man dieses kosmische Gefühl aus der Theorie entwickelt, wird es zu dem umfassenden Mitgefühl mit der Tierwelt. Wo daher das kosmische Gefühl aus der Urweisheit der Menschheit entsproß, wo die Menschen sich noch bewahrt hatten eine Erinnerung an das Urwissen, das jedem aus dem dämmerhaften Hellsehen sagte, wie die Dinge einst lagen, da hatte man sich damit auch das Mitgefühl für die Tierwelt bewahrt, und da tritt das Mitgefühl für die Tiere in einem hohen Maße hervor. - Dieses Mitgefühl wird wiederkommen, wenn die Menschen sich angewöhnen werden, spirituelle Weisheit aufzunehmen, wenn die Menschen wiederum einsehen werden, wie das Menschheitskarma mit dem Weltenkarma verbunden ist. In den Zeiten, welche sozusagen Zeiten der Verdunkelung waren, in denen das materialistische Denken Platz griff, hat man von diesen Zusammenhängen keine rechte Ahnung haben können. Da blickte man nur auf das, was im Raume nebeneinander ist, ohne zu berücksichtigen, daß dieses, was nebeneinander im Raume ist, einen einheitlichen Ursprung hat und sich nur in der Entwickelung getrennt hat. Und da fühlte man natürlich auch nicht, was die Menschen mit den Tieren verbindet. Und auf allen Gebieten der Erde, wo man die Mission gehabt hat, zu überdecken das Bewußtsein vom Zusammenhange des Menschen mit der Tierwelt, wo an Stelle dieses Bewußtseins nur ein solches getreten ist, das sich auf den äußeren physischen Raum beschränkt, da hat der Mensch den Tieren das, was er ihnen verdankt, in einer eigenartigen Weise vergolten - indem er sie eben aufgegessen hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|54}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Dinge zeigen uns aber zugleich, wie Weltanschauungen zu- sammenhängen mit der menschlichen Empfindungs- und Gefühlswelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Empfindungen und Gefühle sind letzten Endes Folgen derWeltanschauungen, und wie sich die Weltanschauungen und Erkenntnisse ändern, so werden sich auch die Empfindungen und Gefühle innerhalb des Menschheitszusammenhanges ändern. Der Mensch konnte nicht anders, als sich höher entwickeln; er mußte andere Wesen in den Abgrund stoßen, um selbst höher zu steigen. Er konnte den Tieren nicht geben eine Individualität, die im Karma ausgleicht, was die Tiere leiden müssen; er konnte ihnen nur den Schmerz überliefern, ohne ihnen die&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
karmische Gesetzmäßigkeit des Ausgleiches geben zu können. Was er ihnen aber früher nicht geben konnte, das wird ihnen der Mensch einst geben,wenn er zur Freiheit und zum Selbstlos-Sein seiner Individualität gekommen ist. Dann wird er - in bewußter Weise - auch auf diesem Gebiet die karmische Gesetzmäßigkeit fassen und wird sagen: Den Tieren verdanke ich, was ich bin. Was ich den einzelnen tierischen Wesen nicht mehr geben kann, welche von einem Einzeldasein in ein Schattendasein hinuntergegangen sind, was ich sozusagen einstmals an den Tieren verschuldet habe, das muß ich jetzt an den Tieren wieder gutmachen durch die Behandlung, welche ich ihnen angedeihen lasse! - Daher wird mit dem Fortschreiten der Entwickelung durch das Bewußtsein der karmischen Verhältnisse auch wieder ein besseres Verhältnis des Menschen zum Tierreich eintreten, als es jetzt, besonders im Abendlande, vorhanden ist. Eine Behandlung der Tiere wird kommen, durch welche der Mensch die Tiere, die er hinuntergestoßen hat, wieder heraufzieht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So sehen wir Karma und Tierreich denn doch in einem gewissen Verhältnis zueinander. Was das Tier als Schicksal erlebt, das können wir, wenn wir nicht alles durcheinanderwerfen wollen, nicht mit dem menschlichen Karma vergleichen. Aber wenn wir die ganze Erdentwikkelung betrachten und was um der Menschheit und ihrer Entwickelung willen geschehen mußte, dann werden wir sehen, daß wir in der Tat von einer Beziehung des Menschheitskarma zu der Tierwelt sprechen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|55}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= DRITTER VORTRAG Hamburg, 18. Mai 1910 =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Solche Betrachtungen, wie wir sie heute und in den allernächstenTagen anzustellen haben, können sehr leicht einem gewissen Mißverständnis unterworfen sein. Wir werden es zu tun haben mit mancherlei Krankheits- und Gesundheitsfragen vom Gesichtspunkte des Karma, und bei der Gegensätzlichkeit unserer heutigen Zeitströmungen gerade auf diesem Gebiete könnte leicht eine mißverständliche Auffassung der geisteswissenschaftlichen Grundlagen Platz greifen,wenn dieses Kapitel - der Zusammenhang von Krankheit und Gesundheit mit dem Karma - berührt wird. Sie wissen ja, daß in den weitesten Kreisen die Diskussion mit ziemlicher Heftigkeit und Leidenschaftlichkeit wogt, wenn Gesundheits- und Krankheitsfragen in Betracht kommen. Es ist Ihnen ja allen bekannt, wie sehr von seiten der Laien sowohl als auch von seiten dieser oder jener Ärzte Partei ergriffen wird gegen das, was man die wissenschaftliche Medizin nennt. Auf der andern Seite kann leicht bemerkt werden, wie die Vertreter der wissenschaftlichen Medizin vielleicht gerade herausgefordert werden durch manchen ungerechten Angriff, so daß sie nicht nur in eine Art von Leidenschaft verfallen, wenn es sich darum handelt - was ihr gutes Recht ist -, einzutreten für das, was die Wissenschaft dazu zu sagen hat, sondern daß von dieser Seite heute auch ein zum Teil recht arger Kampf geführt wird gegen das, was von andern Gesichtspunkten als den in der offiziellen Medizin vertretenen irgendwie gesagt wird über das in Betracht kommende Gebiet. Theosophie oder Geisteswissenschaft wird nur dann ihren hohen Aufgaben gerecht werden können, wenn sie auf einem solchen, von Diskussionen vielfach verdunkelten Gebiet das unbefangene und objektive Urteil wahrt. Wer ähnliche Vorträge von mir gehört hat, wird wissen, wie wenig es mir darum zu tun ist, einzustimmen in den Chor, der heute das, was man als «Schulmedizin» bezeichnet, diskreditieren will.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von einem Einstimmen in diese oder jene Parteirichtung kann bei der Geisteswissenschaft auch nicht im entferntesten die Rede sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es darf vielleicht gerade bei dieser Gelegenheit eiirleitend betont&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|56}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
werden, daß die Leistungen in bezug auf die Tatsachen und tatsächlichen Erforschungen der Erscheinungen gerade auf dem Gebiet des Krankheitswesens und der Gesundheitsfragen der Menschheit in den letzten Jahren und Jahrzehnten wahrhaftig zu ebensolchem Lobreden, Anerkennen und Bewundern herausfordern wie zahlreiche andere naturwissenschaftliche Ergebnisse. Und von dem, was auf diesem Gebiete an Tatsächlichem geleistet worden ist, darf auch gesagt werden: Wenn sich irgend jemand freuen darf über das, was die Medizin in den letzten Jahren geleistet hat, so kann dies gerade die Geisteswissenschaft sein. Auf der andern Seite muß aber auch betont werden, was gerade für die Naturwissenschaft gilt, daß die Errungenschaften und tatsächlichen Erkenntnisse und Entdeckungen zuweilen recht wenig richtige und befriedigende Interpretationen und Erklärungen finden durch das, was heute wissenschaftliche Meinungen sind. Das ist ja das Hervorstechendste in unserer Zeit für viele Gebiete naturwissenschaftlicher Forschung, daß die Meinungen, die Theorien nicht gewachsen sind den zuweilen wunderbaren Tatsachenergebnissen. Und erst das Licht, das von der Geisteswissenschaft ausgeht, wird Klarheit über das bringen, was auf diesem Gebiet in den letzten Jahren errungen worden ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem das vorausgeschickt worden ist, wird es klar sein, daß es sich nicht um irgendwelches Einstimmen in billige Bekämpfung dessen handelt, was auf dem Gebiet der wissenschaftlichen Medizin heute geleistet werden kann. Dann darf aber auch gesagt werden, daß die bewundernswerten Tatsachen, die zutage getreten sind, nicht fruchtbar werden können in unserer Zeit zum Heile der Menschheit, weil auf der andern Seite geradezu materialistisch gefärbte Meinungen und TheorIen diese Fruchtbarkeit verhindern. Daher ist es für die Theosophie viel besser, daß sie anspruchslos das sagt, was sie zu sagen hat, als in irgendeinen Parteikampf einzugreifen. Es werden dadurch viel weniger die Leidenschaften aufgeregt werden, als sie es heute schon sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir überhaupt einen Gesichtspunkt gewinnen wollen zu den Fragen, die uns beschäftigen sollen, dann müssen wir uns damit bekanntmachen, daß die Ursachen zu irgendeiner Erscheinung in der inannigfaltigsten Weise gesucht werden müssen, nähere und entferntere Ursachen, und daß die Theosophie, wenn es sich darum handeln &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|57}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wird, karmische Ursachen zu Gesundheitsfragen zu suchen, es ein wenig zu tun haben wird mit den entfernteren Ursachen, die nicht an der Oberfläche liegen. Machen wir uns das durch einen Vergleich klar. Wenn Sie den Vergleich überdenken, werden Sie schon auf das kommen, was eigentlich gemeint ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen wir an, irgend jemand stehe auf dem Standpunkt, «wie wir es heute so herrlich weit gebracht haben» auf diesem Gebiete, und er verachte ganz die Meinungen, welche in den vergangenen Jahrhunderten über Gesundheit und Krankheit zutage getreten sind. Wenn Sie versuchen, einen Überblick über die Krankheits- und Gesundheitsfragen zu finden, werden Sie den Eindruck bekommen, daß die Darsteller eines solchen Gebietes gewöhnlich das Urteil haben: Was in den letzten zwanzig bis dreißig Jahren auf diesem Gebiete zutage getreten ist, das ist eine Art absoluter Wahrheit, die zwar ergänzt werden kann, aber nie ein solches absprechen des Urteil erfahren kann wie das, welches solche Beurteiler leider selbst abgeben über das meiste, was auf diesem Gebiete vorangegangen ist an menschlichem Sinnen und Trachten. Es wird zum Beispiel häufig gesagt: Wir finden gerade auf diesem Gebiete in den verflossenen Zeiten den krassesten Aberglauben -, und es werden dann recht abschreckende Beispiele angeführt, wie in den verflossenen Jahrhunderten versucht worden sei, dies oder das zu heilen. Insbesondere schlimm findet man, wenn man irgendwo auf Ausdrücke stößt, welche in der damaligen Bedeutung dem heutigen Bewußtsein längst verlorengegangen sind, sich aber dennoch in das heutige Bewußtsein eingeschlichen haben&amp;gt; und mit denen so, wie sie der heutige Mensch denkt, nichts anzufangen ist. So sagen einige: Da gab es Zeiten, in denen man eine jede Krankheit Gott oder dem Teufel zuschrieb! So schlimm, wie es solche Darsteller machen, liegt es deshalb nicht, weil sie nicht wissen, welcher Komplex von Anschauungen bei einem solchen Begriff ~Gott» oder «Teufel» gemeint war. Durch einen Vergleich können wir uns das klarmachen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen wir an, zwei Leute reden miteinander. Da erzählt der eine dem andern: Eben habe ich eine Stube gesehen, die ganz voller Fliegen ist. Nun sagt mir jemand, das sei ganz natürlich; und das glaube ich auch, denn die Stube ist sehr schmutzig, und dadurch finden die&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|58}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fliegen ihr Fortkommen. Es ist ganz erklärlich, daß man das als Grund für das Vorhandensein der Fliegen annimmt, und ich glaube auch, daß derjenige ganz recht hat, der da sagt, die Fliegen werden nicht mehr in der Stube sein, wenn man einmal gründlich reinemacht! - Nun hat aber ein anderer erzählt, daß er noch etwas anderes wüßte, warum so viele Fliegen in dem Zimmer wären; und die Ursache könne er nicht anders ,bezeichnen,als daß in jenem Zimmer seit langem eine grundfaule Hausfrau hause. - Aber nun sieh einmal, was das für ein grenzenloser Aber- glaube ist: daß die Faulheit wie eine Art Persönlichkeit sei, die nur zu winken brauchte, und dann kämen die Fliegen herein! Da ist die andere Erklärung doch richtiger, die das Vorhandensein der Fliegen durch den angehäuften Schmutz erklärt!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nicht viel anders ist es auf einem andern Gebiete, wenn man sagt: Es ist jemand von einer Krankheit befallen, da er eben eine Infektion durch irgendeine Bazillenart erhalten hat; treibt man die Bazillen aus, so Ist die Heilung da. Nun reden aber da noch Leute von irgendeiner geistigen Ursache, die tiefer liege! Man braucht doch nichts anderes zu tun, als die Bazillen fortzutreiben! - Es ist nicht mehrAberglaube, von einer geistigen Ursache zu sprechen bei Erkrankungen, doch alles übrige anzuerkennen, als in dem Falle, wo die Ursache für das Dasein der Fliegen in einer grundfaulen Hausfrau gesehen wird. Und man braucht nicht zu wettern, wenn man sagt: Die Fliegen werden nicht mehr da sein, wenn einmal reinegemacht wird. Nicht darum handelt es sich, daß der eine den andern bekämpft, sondern daß man lernt, sich gegenseitig zu verstehen und einzugehen auf das, was der eine will und was der andere will. Das muß man durchaus berücksichtigen, wenn von den unmittelbar naheliegenden Ursachen mit Recht gesprochen wird und wenn von den entfernteren Ursachen gesprochen wird. Der objektive Theosoph wird sich durchaus nicht auf den Standpunkt stellen, daß die Faulheit nur eine Art von Wink zu geben brauche, damit die Fliegen in das Zimmer kommen; er wird wissen, daß auch andere materielle Dinge dabei in Betracht kommen, daß aber alles, was materiell zum Ausdruck kommt, seine geistigen Hintergründe hat und daß diese geistigen Hintergründe zum Heile der Menschheit gesucht werden müssen. Diejenigen aber, welche in den Kampf gern einstimmen möchten, die sollen &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|59}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
auch daran erinnert werden, daß die geistigen Ursachen nicht immer in derselben Weise aufgefaßt werden dürfen und auch nicht in der gleichen Art bekämpft werden können wie die gewöhnlichen materiellen Ursachen. Und man darf auch nicht denken, daß man durch das Bekämpfen der geistigen Ursachen enthoben wäre der Bekämpfung der materiellen Ursachen; denn sonst könnte man die Stube schmutzig lassen und brauchte nur gegen die Faulheit der Hausfrau zu Felde zu ziehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir nun das Karma betrachten, müssen wir sprechen von Zusammenhängen zwischen Ereignissen, wie sie im Menschenleben eintreten in einer früheren Zeit und wie sie ihre Wirkung auf dasselbe Menschenwesen zeigen in einer späteren Zeit. Wenn wir sprechen von Gesundheit und Krankheit vom Gesichtspunkte des Karma aus, so heißt das nichts anderes als: Wie können wir uns vorstellen, daß der gesunde oder kranke Zustand eines Menschen seine Begründung findet in früheren Taten, Verrichtungen und Erlebnissen dieses Menschen? Und wie können wir uns vorstellen, daß sein gegenwärtiger Gesundheits- oder Krankheitszustand mit zukünftigen Wirkungen, die auf dasselbe esen zurückfallen, im Zusammenhang steht?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am liebsten wird der heutige Mensch überhaupt glauben, daß eine Krankheit mit den allernächsten Ursachen nur im Zusammenhange stehe. Denn der Grundnerv unserer heutigen Weltanschauung auf allen Gebieten ist ja der, daß man Bequemlichkeit sucht; und stehenbleiben bei den allernächsten Ursachen ist eine bequeme Sache. Daher werden gerade in bezug auf Erkrankungen nur die allernächsten Ursachen berücksichtigt - und am meisten geschieht das von den Kranken selbst. Denn wie wäre es zu leugnen, daß die Kranken selbst veranlaßt sind, solche Bequemlichkeit zu üben? Aus diesem Umstande heraus ergibt sich so viel Unzufriedenheit, wenn ein solcher Glaube existiert, die Krankheit müsse die allernächsten Ursachen haben, welche von dem kundigen Arzt gefunden werden müssen; und wenn der Arzt dann nicht helfen kann, hat er irgend etwas verpfuscht. Aus dieser Bequemlichkeit des Urteils gebt vieles von dem hervor, was heute auf diesem Gebiete gesagt wird. Wer Karma in seinen weitverzweigten Wirkungen zu betrachten versteht, der wird immer mehr seinen Blick erweitern von dem, was heute geschieht, zu Ereignissen, die verhältnismäßig sehr &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
weit zurückliegen. Und er wird vor allen Dingen die Überzeugung gewinnen, daß eine durchgreifende Erkenntnis eines Sachverhaltes, der den Menschen trifft, nur möglich ist, wenn man den Blick erweitern kann über das, was weiter zurückliegt. Insbesondere beim erkrankten Menschen ist das der Fall.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir vom kranken und auch vom gesunden Menschen sprechen, drängt sich uns die Frage auf die Lippen: Wie können wir uns von dem Kranksein überhaupt einen Begriff machen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn die geisteswissenschaftlicheForschung direkt vorgeht und den hellseherischen Blick zu Hilfe nimmt, wird sie immer, wenn es sich um Erkrankungen des Menschen handelt, Unregelmäßigkeiten bemerken, nicht nur im physischen Leibe des Menschen, sondern auch in den höheren Wesensgliedern des Menschen, im Ätherleibe und im astralischen Leibe. Und der hellseherische Forscher wird bei einem Krankheitsfall immer in Betracht ziehen müssen&amp;gt; welches in dem betreffenden Falle der Anteil sein kann des physischen Leibes auf der einen Seite und des Ätherleibes und des astralischen Leibes auf der andern Seite; denn alle drei Wesensglieder des Menschen können an der Erkrankung beteiligt sein. Nun entsteht die Frage: Welche Vorstellungen können wir über das Wie der Krankheit gewinnen? - Dem kommt man am leichtesten bei, wenn man in Betracht zieht, wieweit man den Begriff «Krankheit» überhaupt ausdehnen darf. Diejenigen, die gern in allerlei allegorisch-symbolischen Begriffen sprechen, auch da, wo sie nicht hin- gehören, denen mag es überlassen bleiben, wenn sie auch bei Mineralien oder Metallen von Erkrankungen sprechen, indem sie zum Beispiel sagen, wenn der Rost das Eisen frißt, sei das eine Krankheit des Eisens. Man muß sich dabei nur darüber klar sein, daß man durch solche abstrakten Begriffe zu einem wirklichen gedeihlichen Erfassen des Lebens nicht kommen kann; man kann nur kommen zu einer Art spielerischen Erkenntnis des Lebens, nicht aber zu einem Erkennen, das wirklich eingreift in die Tatsachen.Wer zu einem realen Krankheitsbegriff und auch zu einem realen Gesundheitsbegriff kommen will, muß sich hüten, davon zu sprechen, daß Mineralien und Metalle auch erkranken können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun ist die Sache schon anders, wenn wir ins Pflanzenreich hinaufgehen. Da dürfen wir gewiß von Erkrankungen der Pflanzen sprechen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Aber gerade Pflanzenkrankheiten sind für das reale Erfassen der Vorstellung «Krankheit» von einem ganz besonderen Interesse und von ganz besonderer Wichtigkeit. Bei Pflanzen wird man, wenn man wieder nicht spielerisch zu Werke geht, nicht leicht sprechen können von inneren Krankheitsursachen. In demselben Maße,wie man bei Tier und Mensch von inneren Krankheitsursachen sprechen kann, kann man bei Pflanzen nicht davon sprechen. Die Erkrankungen im Pflanzenreiche werden Sie immer zurückzuführen haben auf äußere Veranlassungen, auf diese oder jene schädlichen Einflüsse des Bodens, ungenügende Belichtungen, auf diese oder jene Wirkungen des Windes und auf sonstige elementare und Naturwirkungen. Oder Sie werden solche Erkrankungen von Pflanzen zurückzuführen haben auf Einflüsse von Parasiten, die sich an die Pflanzen heranmachen und sie schädigen. Und wir werden innerhalb des Pflanzen reiches mit Recht davon sprechen, daß der Begriff «innere Krankheitsursache» im Grunde gar keine Berechtigung hat. - Es ist natürlich nicht möglich, da ich nicht ein halbes Jahr über dieses Thema sprechen kann, daß ich mit unzähligen Belegen versehe, was ich jetzt angedeutet habe. Aber je tiefer wir in die Pflanzenpathologie eindringen, desto mehr werden wir sehen, daß von dem Begriff «innere Krankheitsursache» bei den Pflanzen nicht die Rede sein kann, sondern daß es sich da um äußere Veranlassungen und Schädigungen, um äußere Einflüsse handelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun haben wir in der Pflanze, wie sie uns zunächst in der äußeren Welt entgegentritt, ein Wesen vor uns, das uns ein Gefüge von einem physischen Leibe und einem Atherleibe zeigt. Und wir haben damit zugleich ein Wesen vor uns, das uns sozusagen aufmerksam darauf macht, daß ein solches Wesen mit physischem Leib und Ätherleib im Grunde dem Prinzip nach gesund ist und daß es warten muß, bis es eine äußere Schädigung erfährt, wenn es krank werden soll. Damit stimmt auch durchaus der geisteswissenschaftliche Tatbestand.Während wir durch die Methoden der hellseherischen Forschung im Tier- und Menschenreich bei Erkrankungen ganz entschieden im Inneren des Wesens - in den übersinnlichen Teilen - Veränderungen erblicken, können wir innerhalb einer erkrankten Pflanze niemals davon sprechen, daß der ursprüngliche Ätherleib selber verändert wäre, sondern nur &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|62}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
davon, daß sich von außen allerlei Störungen und schädliche Einflüsse in den physischen Leib und namentlich in den Ätherleib hineingedrängt haben. Der geisteswissenschaftliche Tatbestand rechtfertigt durchaus das, was wir als allgemeinen Schluß gewinnen: daß in dem, was bei den Pflanzen in Betracht kommt - nämlich physischer Leib und Ätherleib -, etwas ursprünglich Gesundes vorliegt. Aber etwas anderes ist es, wie die Pflanze imstande ist, wenn sie äußere Schädigungen erfährt, alles mögliche aufzuwenden, um in Wachstum und Entwickelung sich gegen die Schädigungen zu wehren, sich zu heilen. Beobachten Sie einmal, wenn Sie eine Pflanze anschneiden, wie sie versucht, die beschädigte Stelle zu umwachsen, zu umgehen, was ihr da im Wege liegt und sie schädigt. Und wir können es fast mit Händen greifen,wie in der Pflanze eine innere Abwehr, eine Heilkraft vorhanden ist, wenn eine äußere Schädigung eintritt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So sehen wir, daß wir in dem Ätherleib und physischen Leib der Pflanze etwas vor uns haben, was imstande ist, mit inneren Heilkräften zu antworten auf äußere Schädigungen. Das ist eine außerordentlich wichtige Tatsache, wenn man auf diesem Gebiete zur Klarheit kommen will. Ein Wesen wie die Pflanze mit physischem Leibe und Ätherleib zeigt uns also nicht nur, daß der physische Leib und der Ätherleib ursprünglich Prinzipien der Gesundheit in sich haben, soviel notwendig ist zur Entwickelung und zum Wachstum des betreffenden Wesens, sondern es zeigt uns ein solches Wesen sogar, daß ein Überschuß vorhanden ist von solchen Kräften, die sich in den Heilkräften ausleben können, wenn von außen Schädigungen kommen. - Woher müssen denn diese Heilkräfte stammen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn Sie in einen bloß physischen Körper hineinschneiden, wird die Schädigung bleiben. Er wird aus sich heraus nichts tun können, um die Schädigung sozusagen zu heilen. Deshalb können wir bei einem bloß physischen Körper nicht von einer Erkrankung sprechen, und am wenigsten davon,daß Krankheit und Heilung in Beziehung zueinander stehen können. Das können wir am besten sehen, wenn eine Krankheit bei einer Pflanze zutage tritt. Da haben wir das Prinzip der inneren Heilkraft zu suchen im Ätherleibe. Das zeigt wiederum im eminentesten Maße der geisteswissenschaftliche Tatbestand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|62}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
davon, daß sich von außen allerlei Störungen und schädliche Einflüsse in den physischen Leib und namentlich in denÄtherleib hineingedrängt haben. Der geisteswissenschaftliche Tatbestand rechtfertigt durchaus das, was wir als allgemeinen Schluß gewinnen: daß in dem, was bei den Pflanzen in Betracht kommt - nämlich physischer Leib und Ätherleib -, etwas ursprünglich Gesundes vorliegt. Aber etwas anderes ist es, wie die Pflanze imstande ist, wenn sie äußere Schädigungen erfährt, alles mögliche aufzuwenden, um in Wachstum und Entwickelung sich gegen die Schädigungen zu wehren, sich zu heilen. Beobachten Sie einmal, wenn Sie eine Pflanze anschneiden, wie sie versucht, die beschädigte Stelle zu umwachsen, zu umgehen, was ihr da im Wege liegt und sie schädigt.Und wir können es fast mit Händen greifen,wie in der Pflanze eine innere Abwehr, eine Heilkraft vorhanden ist, wenn eine äußere Schädigung eintritt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So sehen wir, daß wir in dem Ätherleib und physischen Leib der Pflanze etwas vor uns haben, was imstande ist, mit inneren Heilkräften zu antworten auf äußere Schädigungen. Das ist eine außerordentlich wichtige Tatsache, wenn man auf diesem Gebiete zur Klarheit kommen will. Ein Wesen wie die Pflanze mit physischem Leibe und Ätherleib zeigt uns also nicht nur, daß der physische Leib und der Ätherleib ursprünglich Prinzipien der Gesundheit in sich haben, soviel notwendig ist zur Entwickelung und zum Wachstum des betreffenden Wesens, sondern es zeigt uns ein solches Wesen sogar, daß ein Überschuß vorhanden ist von solchen Kräften, die sich in den Heilkräften ausleben können, wenn von außen Schädigungen kommen. - Woher müssen denn diese Heilkräfte stammen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn Sie in einen bloß physischen Körper hineinschneiden, wird die Schädigung bleiben. Er wird aus sich heraus nichts tun können, um die Schädigung sozusagen zu heilen. Deshalb können wir bei einem bloß physischen Körper nicht von einer Erkrankung sprechen, und am wenigsten davon, daß Krankheit und Heilung in Beziehung zueinander stehen können. Das können wir am besten sehen, wenn eine Krankheit bei einer Pflanze zutage tritt. Da haben wir das Prinzip der inneren Heilkraft zu suchen im Ätherleibe. Das zeigt wiederum im eminentesten Maße der geisteswissenschaftliche Tatbestand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|63}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denn um die Wunde einer Pflanze herum beginnt der Ätherleib der Pflanze ein viel regeres Leben, als er vorher dort entfaltete. Er bringt ganz andere Formen aus sich heraus, entwickelt ganz andere Strömungen. Das ist das außerordentlich Interessante, daß wir geradezu älen Ätherieib der Pflanze herausfordern zu einer erhöhten Tätigkeit, wenn wir der Pflanze in bezug auf den physischen Leib eine Schädigung bei- bringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit haben wir zwar nicht den Begriff der Krankheit definiert; aber wir haben etwas getan, um zum Wie der Krankheit zu kommen, und wir haben etwas erreicht, was uns eine Ahnung verschafft über das innere Wie der Heilung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt gehen wir einmal - immer am Leitfaden der inneren, hellseherischen Beobachtung - weiter und versuchen wir, die äußeren Erscheinungen vernunftgemäß zu begreifen, zu denen uns die Geisteswissenschaft führt. Dann können wir jetzt aufsteigen von den Schädigungen, welche wir Pflanzen beibringen, zu gewissen Schädigungen, welche wir Tieren beibringen, die also Wesen sind, die schon einen astralischen Leib haben. Wenn wir da im groben Sinne zu Werke gehen, so werden wir sehen, daß wir bei den höheren Tieren verhältnismäßig sehr wenig - und immer weniger, je höher das Tier steht - von dem erblicken können, was bei den Pflanzen in umfassendem Maße hervortritt: nämlich jenes Antworten des Ätherleibes auf äußere Schädigungen. Wenn wir grobe Schädigungen dem physischen Leibe eines niederen oder auch eines höheren Säugetieres beibringen, reißen wir zum Beispiel einem Hunde ein Bein aus oder dergleichen, dann werden wir finden, daß der Ätherleib des Hundes nicht so leicht mit seiner Heilkraft antworten kann, wie der Atherleib der Pflanze antwortet auf eine Schädigung, die in ahnlicherWeise der Pflanze zugefügt worden ist. Aber auch im Tierreich ist das noch in großem Maße zu sehen. - Nehmen wir an, wir steigen hinunter bis zu ganz niedrigen tierischen Wesen, zu den Tritonen oder ähnlichen. Solche niederen Tierwesen können Sie zerschneiden; schneiden wir einem solchenWesen gewisse Organe ab, so ist das, könnte man sagen, dem Tiere gar nicht besonders unangenehm. Die Organe wachsen mit großer Schnelligkeit wieder nach, und das Tier sieht bald wieder so aus wie früher. Da ist etwas Ähnliches wie bei der Pflanze &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|64}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
geschehen: Wir haben eine gewisse Heilkraft im Ätherleibe herausgefordert. Wer würde leugnen, daß die Herausforderung, Heilkräfte im Ätherleib zu entwickeln, beim Menschen oder beim höheren Tier eine erhebliche Gefährdung der Gesundheit bedeuten würde? Das niedere Tier dagegen wird in seinem Ätherleibe nur herausgefordert, ein an- deres Glied aus seinem Inneren durch seinen Ätherleib herauswachsen zu lassen. Nun steigen wir etwas weiter hinauf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir jetzt zum Beispiel bei Krebsen ein Glied abschneiden, so sind die Krebse nicht sogleich imstande, ein anderes Glied aus sich her- auswachsen zu lassen. Aber wenn sie sich das nächste Mal häuten,wenn sie bei der nächsten Übergangsstufe ihres Lebens ankommen, dann schon treibt für das abgebrochene Glied ein Stumpf heraus; beim zweitenmal wird er schon größer sein, und wenn sich das Tier genügend oft häuten würde, so würde das Glied ersetzt werden durch ein neues. - Da haben Sie die Erscheinung, daß in solchem Ätherleib schon mehr dazu gehört, damit die innere Heilkraft herausgefordert wird. Und bei den höheren Tieren ist das nun gar nicht mehr in diesem Maße der Fall. Wenn wirein höheres Tier verstümmeln, kann es zunächst nicht diese Heilkraft aus seinem Ätherleibe heraus aufbringen. Aber es muß immer wieder betont werden,was heute in einen bedeutsamen naturwissenschaftlichen Streit hineinspielt: Wenn Sie das Tier verstümmeln, und das Tier hat Nachkommen, so übertragen sich diese Verstümmelungen nicht auf die Nachkommen; die nächste Generation hat wieder die vollen Glieder. Wenn der Ätherleib seine Eigenschaften auf die Nachkommen überträgt,wird er wieder angeregt, einen vollständigen Organismus heraus zusetzen. Beim Tritonen wirkt der Ätherleib noch in demselben Tiere, beim Krebs erst in der Häutung; bei den höheren Tieren tritt dasselbe erst bei den Nachkommen ein; da ersetzt der Ätherleib,was in der vor hergehenden Generation verstümmelt worden ist. Wir müssen also solche Erscheinungen in der Natur gradweise betrachten, dann wird es uns klarwerden, daß selbst dann noch von einer Heilkraft im Ätherleibe gesprochen werden muß, wenn die Vererbungen von den Vorfahren auf die Nachkommen gehen, und daß der Ätherleib sich so vererbt, daß er wieder das ganze, ungeteilte Tier hervorbringt. Da haben Sie sozusagen ein Aufsuchen des Wie der Heilkräfte im Ätherleib.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|65}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun können wir die Frage aufwerfen:Woran liegt es denn, je weiter wir in der Tierreihe hinaufsteigen - und wenn wir das Menschen reich äußerlich betrachten, gilt das auch -, daß der Ätherleib immer mehr Anstrengungen machen muß, um überhaupt die Heilkräfte herauszubekommen? - Das liegt daran, daß der Ätherleib in der verschiedensten Weise mit dem physischen Leibe verbunden sein kann. Es gibt zwischen dem physischen Leibe und dem Ätherleibe sozusagen eine innigere Gemeinschaft und eine losere. Nehmen wir zum Beispiel ein niederes Tier, den Triton, bei dem ein abgeschnittenes Glied sich sogleich wieder ansetzt. Da müssen wir eine lose Verbindung annehmen zwischen Ätherleib und physischem Leib. Und in noch höherem Maße gilt das bei der Pflanzenwelt. Da müssen wir sagen: Die Verbindung ist eine derartige, daß der physische Leib nicht imstande ist, auch auf den Ätherleib zurückzuwirken, so daß der Ätherleib ungeschoren bleibt durch das, was im physischen Leibe geschieht, und daß der Ätherleib in gewisser Beziehung unabhängig ist vom physischen Leibe. Nun ist das Wesen des Ätherleibes das des Tätigseins, des Hervorbringens, des Wachstumförderns. Er fördert das Wachstum bis zu einer bestimmten Grenze. In dem Augenblick, da wir bei Pflanzen oder niederen Tieren ein Glied abschneiden, ist der Ätherleib gleich wieder bereit, das Glied zu ergänzen, das heißt, die volle Tätigkeit zu entfalten. Was muß aber vorliegen, wenn er die volle Tätigkeit nicht entfalten kann? Dann müßte er mehr gebunden sein an die Tätigkeit des betreffenden Gliedes. Und&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
das ist in der Tat bei den höheren Tieren der Fall. Da ist eine viel innigere, dichtereVerbindung zwischen Ätherleib und physischem Leib vorhanden. Wenn der physische Leib seine Formen ausbildet, wirken diese Formen - also was in der physischen Natur ist - wieder zurück auf den Ätherleib.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir anschaulich sprechen wollen: Bei ganz niederen Tieren oder bei Pflanzen wirkt das, was draußen ist, nicht zurück auf den Atherleib, läßt ihn ungeschoren, führt ein selbständiges Dasein. Sobald wir zu höheren Tieren kommen, drängen die Formen des physischen Leibes rückwärts sich dem Ätherleibe auf; da ist der Ätherleib ganz angepaßt dem physischen Leibe, und wir verletzen mit dem physischen Leibe zugleich den Ätherleib. Dann muß natürlich derÄtherleib tiefere &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Kräfte anwenden, weil er zuerst sich selber wieder herstellen muß - und dann erst die betreffenden Gliedmaßen. Daher müssen wir an tiefere Heilkräfte appellieren,wenn wir an denÄtherleib eines höheren Tieres herangehen. Womit hängt das aber zusammen? Warum ist der Ätherleib eines höheren Tieres so abhängig von den Formen des physischen Leibes?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Je weiter wir in der Tierreihe vorschreiten, um so mehr haben wir zu berücksichtigen nicht nur die Tätigkeit des physischen Leibes und des Ätherleibes, sondern auch die des astralischen Leibes. Der astralische Leib kommt bei den niederen Tieren in seiner Wirksamkeit noch außerordentlich wenig in Betracht. Daher haben die niederen Tiere noch so viel Pflanzenähnliches. Je höher wir hinaufsteigen, desto mehr kommt der astralische Leib in Betracht. Der wirkt aber nun so, daß er den Ätherleib von sich abhängig macht. EinWesen wie die Pflanze, das nur physischen Leib und Ätherleib hat, hat mit der Außenwelt wenig zu tun; es werden Reize ausgeübt, aber die drücken sich nicht aus in inneren Vorgängen. Wo dagegen ein astralischer Leib wirksam ist, da spiegeln sich die äußeren Eindrücke in inneren Vorgängen. Ein Wesen, das den astralischen Leib nicht wirksam hat, ist innerlich mehr abgeschlossen der Außenwelt gegenüber. Es öffnet sich ein Wesen um so mehr der Außenwelt, als der astralische Leib wirksam ist. Also verbindet der astralische Leib das Innere eines Wesens mit der Außenwelt. Die zunehmende Wirksamkeit des astralischen Leibes macht, daß der Ätherleib viel stärkere Kräfte aufwenden muß, um auftretende Schädigungen wieder auszugleichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir aber jetzt hinaufsteigen vom Tier zum Menschen, ist noch etwas anderes zu berücksichtigen. Da werden in diesen astralischen Leib nicht nur hineingeprägt, hineingetragen die vorgeschriebenen Verrichtungen, wie es mehr beim Tiere der Fall ist: das Tier lebt mehr mit einer gebundenen Marschroute, lebt mehr mit einem gebundenen Lebensprogramm. Sie werden nicht leicht beim Tiere davon sprechen können, daß es in besonderem Maße gegenüber seinen Instinkten ausschwcifend wäre oder sich mehr in seinen Instinkten der Mäßigkeit hingeben könne. Es folgt seinem Lebensprogramm. Was sich beim Tier ausdrückt, ist einer Art von typischem Programm unterworfen. Der &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Mensch aber ist in der Lage, gerade dadurch, daß er höher hinaufgestiegen ist in der Stufenleiter der Entwickelung, alle möglichen Unterschiede - zwischen Richtig und Unrichtig, Wahrheit und Lüge, Gut und Böse - auszuleben. In der verschiedensten Weise kommt er durch nur individuelle Anlässe mit der Außenwelt in Berührung. Alle diese Arten von Berührungen fallen zurück, machen Eindruck auf seinen astralischen Leib. Und die Folge ist, daß auch die Wechselwirkung zwischen astralischem Leib und Ätherleib jetzt nach diesen äußeren Erlebnissen ausfallen muß. Wenn also ein Mensch in irgendeiner Beziehung ein ausschweifendes Leben führt, so bedeutet das einen Eindruck auf seinen astralischen Leib. Wir haben aber gesehen, daß der astralische Leib wieder den Ätherleib beeinflußt - wie, das wird ab- hängen von dem, was in den astralischen Leib hineingelegt worden ist. Daher werden wir jetzt verstehen können, daß der Ätherleib des Menschen geändert wird, je nachdem der Mensch dieses oder jenes Leben führt in den Grenzen von Gut und Böse, Richtig oder Unrichtig, von Wahrheit oder Lüge und so weiter. Das übt einen Einfluß auf den Ätherleib des Menschen aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun erinnern wir uns, wie die Vorgänge sind, wenn der Mensch durch die Pforte des Todes tritt. Wir wissen, daß der physische Leib abgelegt wird und daß zurückbleibt der Ätherleib, der nun mit dem astralischen Leib und dem Ich verbunden ist.Wenn nun nach dem Tode eine Zeit vergangen ist, die sich nur nach Tagen bemißt, wird das Hauptsächlichste des Ätherleibes als ein zweiter Leichnam abgeworfen; es bleibt jedoch ein Extrakt des Ätherleibes zurück, der mitgenommen wird und erhalten bleibt für alle kommenden Zeiten. In diesem Extrakt des Ätherleibes ist nun alles wie in einer Essenz darinnen, was im Leben hineingekommen ist zum Beispiel von einem ausschweifenden Leben, oder was der Mensch aufgenommen hat als das Ergebnis eines richtigen oder unrichtigen Denkens, Handelns und Fühlens. Das enthält der Ätherleib, und das nimmt der Mensch mit in die Zeit bis zur neuen Geburt. Weil das Tier solche Erlebnisse überhaupt nicht hat, kann es natürlich nichts in derselbenWciöse hinter die Pforte des Todes hinüberbringen. Wenn nun der Mensch wieder durch eine Geburt ins Dasein tritt, ist die Essenz seines früheren Ätherleibes etwas, was sich wieder &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
hineinergießt in seinen neuen Ätherleib, was den neuen Ätherleib beim Aufbau durchdringt. Daher hat der Mensch in seinem neuen Dasein im Ätherleib darinnen die Ergebnisse dessen, wie er im früheren Leben gelebt hat. Und da der Ätherleib der Auferbauer ist einer ganz neuen Organisation nach einer neuen Geburt, so prägt sich das jetzt alles auch in seinen physischen Leib hinein. Warum kann sich das in den physischen Leib hineinprägen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die geisteswissenschaftliche Forschung zeigt uns, daß wir in der Form eines Menschenleibes, der durch die Geburt ins Dasein tritt, ungefähr sehen können, welche Taten der Mensch in einem früheren Leben verrichtet hat. Aber werden wir auch eine ganz vernunftgemäße Erklärung finden für das, was sich uns dargestellt hat als abnehmende Heilkraft in der aufsteigenden Entwickelungsreihe der Tiere? Da wir bei einem Tiere nicht-davon sprechen können, daß es bei seiner Geburt eine wiederverkörperte Individualität aus einem früheren Erdendasein mitbringt, so werden wir nur den allgemeinen astralischen Leib dieser Tiergattung wirksam finden, und der wird bei diesem Tier die Heilkräfte des Ätherleibes beschränken. Beim Menschen aber finden wir, daß nicht nur sein astralischer Leib, sondern auch sein Ätherleib imprägniert ist mit den Ergebnissen der Taten des vorhergehenden Lebens. Und weil der Ätherleib für sich die Kraft hat, das hervorzubringen, was er von früher her in sich hat, so werden wir auch begreifen, daß er, wenn jetzt eine andere Kraft in ihm auftritt, auch imstande sein wird, in den ganzen Aufbau der Organisation das hineinzulegen, was er aus früheren Verkörperungen sich mitbringt. Und wir werden j`etzt verstehen, wie hinüberw`irken können unsere Taten aus einem Leben in unseren Gesundheitszustand in dem nächsten Leben und wie wir in unserem Gesundheitszustande vielfach eine karmische Wirkung unserer Taten aus einem vorhergehenden Leben zu suchen haben. Wir können aber noch auf eine andere Weise der Sache beikommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir können fragen: Wirkt nun alles, was wir in dem Leben zwischen Geburt und Tod verrichten, in gleicher Art zurück auf unseren Ätherleib? - Schon im gewöhnlichen Leben können Sie einen gewaltigen Unterschied wahrnehmen zwischen dem Zurückwirken dessen, was wir als bewußte Menschen erleben, und mancherlei andern Erlebnissen auf &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
unsere eigentliche innere Organisation. Da ergibt sich eine höchst interessante Tatsache, die durch die Geisteswissenschaft so recht aufgeklärt werden kann, die aber auch ganz vernunftgemäß zu begreifen ist. Der Mensch hat im Verlaufe seines Lebens eine ganze Summe von Erlebnissen, welche er bewußt aufnimmt und mit seinem Ich verbindet. Die werden in ihm zu Vorstellungen, und er verarbeitet diese Vorstellungen. Aber nun besinnen Sie sich einmal, wie unendlich viele Erlebnisse, Erfahrungen und Eindrücke es gar nicht bis zur Vorstellung bringen und eigentlich doch im Grunde beim Menschen da sind und auf ihn wirken. Es wird Ihnen oft passieren, daß Ihnen jemand sagt: Ich habe dich heute auf der Straße gesehen; du hast mich sogar angeschaut! - und Sie wissen gar nichts davon. So ist es vielfach. Eindruck hat so etwas natürlich gemacht. Ihr Auge hat zwar den andern gesehen; aber der unmittelbare Eindruck ist nicht bis zur Vorstellung gekommen. - Solcher Eindrücke gibt es unzählige, sodaß unser Leben eigentlich in zwei Teile zerfällt: in eine solche Lebensseelenreihe, welche aus bewußten Vorstellungen besteht, und in eine solche, welche wir niemals ganz zum klaren Bewußtsein gebracht haben. Aber es sind noch weitere Unterschiede: Sie werden leicht unterscheiden können zwischen solchen Eindrücken, die Sie in Ihrem Leben gehabt haben und die für Sie zu erinnern sind, also Eindrücke, die so auf Sie gemacht worden sind, daß sie immer in die Erinnerung hineinfallen können; und Sie werden solche Eindrücke gehabt haben, an welche Sie sich nicht erinnern können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also unser Seelen leben zerfällt in ganz verschiedene Kategorien. Und es ist tatsächlich ein ganz beträchtlicher Unterschied zwischen den verschiedenen Kategorien, wenn wir die Wirkung auf das innere Wesen des Menschen betrachten. - Bleiben wir jetzt für ein paar Minuten beim Leben des Menschen zwischen Geburt und Tod. Wenn wir da genau beobachten, zeigt sich uns, daß ein gewaltiger Unterschied ist zwischen denjenigen Vorstellungen, die immer wieder in unser Bewußtsein hineinfallen können, und solchen, die wieder vergessen worden sind, so daß sie eine Erinnerungsfähigkeit nicht eigentlich entwickelt haben. Dieser Unterschied kann am leichtesten durch folgendes klargemacht werden. Denken Sie einen Eindruck, der bei Ihnen eine klare Vorstellung hervorrief. Nehmen wir an, es sei ein Eindruck, der in Ihnen &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Freude oder Schmerz erregte&amp;gt; also ein Eindruck, der von einem Gefühl begleitet war. Halten wir das fest, daß die meisten Eindrücke - eigentlich alle Eindrücke, die auf uns gemacht werden - von Gefühlen begleitet sind. Und die Gefühle drücken sich nicht nur an der bewußten Oberfläche des Lebens aus, sondern sie wirken tief hinein bis in den physischen Leib. Sie brauchen nur daran wieder zu denken, wie ein Eindruck Sie erblassen läßt, ein anderer Sie erröten macht. Bis in die Umlagerung des Blutes wirken da die Eindrücke. Und nun gehen Sie über zu dem, was entweder überhaupt nicht oder nur flüchtig zum Bewußtsein kommt - und es nicht bis zur Erinnerung bringt. Da zeigt uns die Geisteswissenschaft, daß solche Eindrücke keineswegs weniger von ähnlichen Erregungen begleitet sind als die bewußten. Wenn Sie einen Eindruck empfangen von der Außenwelt, der, wenn Sie ihn bewußt empfangen hätten, Sie erschreckt hätte, daß vielleicht Ihr Herz gepocht hätte, so bleibt derselbe Eindruck, wenn er nicht bewußt wird, doch nicht ohne Wirkung. Er macht aber nicht nur einen Eindruck, sondern er geht auch bis in den physischen Leib. Es tritt da sogar das Eigentümliche auf, daß ein Eindruck, der eine bewußte Vorstellung hervorruft, eine Art von Widerstand findet beim Hinein wirken in die tiefere menschliche Organisation; wenn aber der Eindruck auf uns einfach wirkt, ohne daß wir es zur bewußten Vorstellung bringen, dann hemmt ihn nichts, aber er ist deshalb nicht weniger wirksam. Es ist das menschliche Leben ein viel reicheres als das, was uns davon bewußt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt eine Zeit im menschlichen Leben, wo solche Eindrücke, die so lebendig auf die menschliche Organisation wirken und keine Erinnerungsfähigkeit haben, in besonders reichem Maße erlebt werden. In der ganzen Zeit von der Geburt bis zu dem Zeitpunkt, an dem die Erinnerung beginnt, sind unzählige reiche Eindrücke auf den Menschen gemacht worden, welche alle im Menschen drinnensitzen und auch in dieser Zeit den Menschen verändert haben. Sie wirken ebenso wie die bewußten Eindrücke; aber ihnen steht, besonders wenn sie vergessen sind, nichts entgegen von dem, was sich sonst einordnet in das Seelen- leben als bewußte Vorstellungen und dadurch gleichsam einen Damm bildet. Und diese unbewußten Eindrücke dringen am allertiefsten. Nun kann man schon durch das äußere Leben vielfach die Bestätigung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|71}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
finden, daß es Momente im menschlichen Leben gibt, wo die zweite Sorte von inneren Wirkungen zum Ausdruck kommt. Manche Ereignisse des späteren Menschenlebens können Sie sich nicht erklären. Sie finden gar nicht, wie Sie dazu kommen, gerade in dieser Weise jetzt dieses oder jenes erleben zu müssen. Sie erleben zum Beispiel etwas, das macht auf Sie einen so erschütternden Eindruck, daß Sie sich gar nicht erklären können, wie ein verhältnismäßig so gleichgültiges Erlebnis einen so erschütternden Eindruck machen kann. Wenn Sie nun nach- forschen, werden Sie vielleicht finden, daß Sie gerade in der kritischen Zeit - zwischen der Geburt und dem letzten Zeitpunkt, bis zu dem man sich erinnern kann - ein ähnliches Erlebnis hatten, das Sie aber vergessen haben. Keine Vorstellung ist davon zurückgeblieben. Damals hatten Sie einen erschütterndenEindruck gehabt; der lebt fort und verbindet sich mit dem jetzigen und verstärkt ihn. Und was Sie sonst jetzt viel weniger erschüttert hätte, das macht nun einen besonders starken Eindruck. - Wer das einsieht, wird sich eine Vorstellung davon bilden, wie unendlich verantwortungsvoll die Erziehung in der ersten Kindheit ist und wie etwas seine ganz bedeutungsvollen Schatten oder auch Lichter auf das spätere Leben wirft. Da wirkt also etwas vom Früheren hinüber auf das spätere Leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun kann sich herausstellen, daß solche Eindrücke der Kindheit - besonders wenn sie sich wiederholt haben - die ganze Lebensstimmung so beeinflussen, daß von einem gewissen Zeitpunkt an eine Gemütsverstimmung eintritt, die unerklärlich ist und die nur erklärlich wird, wenn man zurückgeht und weiß, welche Eindrücke aus der früheren Zeit ihre Lichter oder Schatten hineinwerfen in das spätere Leben; denn die sind es, die jetzt in einer dauernden Gemütsverstimmung zum Ausdruck kommen. Man wird dann finden, daß die Ereignisse besonders stark wirken, die nicht gleichgültig an dem Kind vorübergegangen sind und die schon damals besonderen Eindruck auf das Kind gemacht haben. - Wir werden also sagen können: Wenn Affekte, Gefühle und Empfindungen besonders mitwirkend sind an den Eindrücken, die später vergessen werden, dann sind diese Affekte und Gefühlsergüsse ganz besonders wirksam in dem Hervortreiben solch ähnlicher Erlebnisse.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun erinnern Sie sich an die Darstellungen, die von mir öfters gegeben&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|72}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
worden sind über das Leben während der Kamalokazeit. Nachdem der Ätherleib des Menschen als ein zweiter Leichnam abgelegt worden ist, lebt der Mensch sein ganzes letztes Leben zurück, geht vorüber an allen seinen Erlebnissen, welche er gehabt hat; aber er geht nicht so vorüber, daß sie ihm gleichgültig bleiben. Gerade während der Kamalokazeit, weil der Mensch seinen alten astralischen Leib noch hat, bewirkt das Durchgemachte die tiefsten Gefühlserlebnisse. - Nehmen wir zum Beispiel an, jemand sterbe mit siebzig Jahren, lebe sein Leben zurück bis in sein vierzigstes Jahr, wo er jemandem eine Ohrfeige gegeben hat. Da erlebt er den Schmerz, welchen er dem andern zugefügt hat. Dadurch wird hervorgerufen eine Art Selbstvorwurf; der bleibt dann als Sehnsucht, und diese Sehnsucht bringt er im nächsten Leben mit, um diese Sache im späteren Leben auszugleichen. Und Sie können begreifen, da in dieser Zeit zwischen Tod und neuer Geburt solche astralischen Erlebnisse vorhanden sind, daß dasjenige, was von uns als Handlung erlebt wird, sich um so sicherer und tiefer einprägt unserem inneren Wesen und beim Aufbau der neuen Leiblichkeit mitwirkt.Wenn wir also schon im gewöhnlichen Leben so stark berührt werden können durch gewisse Erlebnisse, besonders wenn es Gefühlseindrücke waren, daß sie eine Gemütsverstimmung bewirken können, so werden wir begreifen, daß die viel stärkeren Eindrücke des Kamalokalebens sich so eindrücken können, daß sie bei einer neuen Inkarnation bis tief in die Organisation des physischen Leibes hineinwirken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da sehen Sie eine Steigerung einer Erscheinung, die Sie bei aufmerk samer Beobachtung schon im Leben zwischen Geburt und Tod finden können. Solche Vorstellungen, denen mit dem Bewußtsein kein Damm entgegengebracht wird, werden schon zu mehr Unregelmäßigkeiten in der Seele führen können: zu Neurasthenie, zu nervenkrankheitsartigen Erscheinungen, vielleicht auch zu Geisteskrankheiten. Alle diese Erscheinungen stellen sich uns dar wie ursächliche Zusammenhänge von früheren mit späteren Ereignissen und geben uns ein anschauliches Bild dafür.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wollen wir jetzt den Begriff steigern, so können wir sagen: Was wir als Handlungen in einem Leben voll führen, das wird im Leben nach dem Tode umgesetzt in einen mächtigen Affekt, und dieser Affekt, der &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|73}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
jetzt durch keine physische Vorstellung geschwächt wird und durch kein gewöhnliches Bewußtsein gehemmt ist - denn das Gehirn ist hierbei nicht nötig -, der durch die andere, tiefer hineinwirkende Form des Bewußtseins erlebt wird, bewirkt nun, daß unsere Taten und unser ganzes Wesen vom vorigen Leben in unserer Anlage und Organisation in einem neuen Leben erscheint. Daher werden wir es begreiflich finden können, daß ein Mensch, der in einer Verkörperung sehr egoistisch gedacht, gefühlt und gehandelt hat, wenn er nach dem Tode vor sich sieht die Früchte seines egoistischen Denkens, Fühlens und Handelns, sich durchzieht mit mächtigen Affekten gegen seine früheren Handlungen. Das ist in der Tat der Fall. Er bekommt Tendenzen in sich, die gegen sein eigenes Wesen gerichtet sind. Und diese Tendenzen, insofern sie aus einem egoistischen Wesen des vorigen Lebens hervorgegangen sind, drücken sich aus in einer in sich schwachen Organisation im neuen Leben. «Schwache 0rganisation&amp;gt; ist hier dem Wesen nach genommen, nicht dem äußeren Eindruck nach. Wir müssen uns daher klar sein, daß eine schwache Organisation zurückgeführt werden kann karmisch auf ein egoistisches Handeln in einem vorhergehenden Leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gehen wir weiter. Nehmen wir an, in einem Leben zeige ein Mensch einen besonderen Hang zur Lügenhaftigkeit. Das ist schon ein Hang, der geht aus einer tieferen Organisation der Seele hervor. Denn wenn sich der Mensch nur dem überläßt, was in seinem allerbewußtesten Leben ist, so wird er nicht eigentlich lügen; nur Affekte und Gefühle, welche aus dem Unterbewußtsein heraus wirken, verleiten zum Lügen. Da haben wir schon etwas Tieferes sitzen. Wenn der Mensch lügenhaft war, werden seine Handlungen, die aus der Lügenhaftigkeit hervorgehen, wieder die heftigsten Affekte im Leben nach dem Tode gegen den Menschen selbst erzeugen, und eine starke Tendenz gegen die Lügenhaftigkeit wird sich zeigen. Dann wird sich der Mensch mitbringen im späteren Leben ni,cht nur eine schwache Organisation, sondern - die Geisteswissenschaft zeigt uns das - eine Organisation, die sozusagen unrichtig gebaut ist,-die regellos gebaute innere Organe in der -feineren Organisation zeigt. Es stimmt da etwas nicht recht zusammen. Das ist bedingt durch früheren Hang zur Lügenhaftigkeit. - Und woher ist der Hang zur Lügenhaftigkeit selbst gekommen? Denn &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|74}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
in dem Hang zur Lügenhaftigkeit hat der Mensch ja schon etwas, was auch nicht stimmt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da müssen wir noch weiter zurückgehen. Und da zeigt die Geistes- wissenschaft, daß ein flatterhaftes Leben, das keine Hingabe und keine Liebe kennt, daß ein oberflächliches Leben in der einen Verkörperung sich ausdrückt in dem Hang zur Lügenhaftigkeit in der nächsten Verkörperung; und der Hang zur Lügenhaftigkeit zeigt sich in der zweit- nächsten Inkarnation in den unrichtig gebauten Organen. - So können wir drei aufeinanderfolgende Inkarnationen in ihren Wirkungen karmisch verfolgen: Oberflächlichkeit und Flatterhaftigkeit in der ersten Inkarnation, Hang zur Lügenhaftigkeit in der zweiten und physische Krankheitsdisposition in der dritten Inkarnation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da sehen wir Karma an Gesundheit und Krankheit arbeiten. - Was jetzt gesagt worden ist, ist so gesagt, daß die Tatsachen selber heraus- geholt worden sind aus der geisteswissenschaftlichen Forschung. Nicht Theorien sollten aufgestellt werden, sondern es sind beobachtete Fälle, die durch die Methoden der Geisteswissenschaft untersucht werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir haben also zunächst hingewiesen auf die allergewöhnlichsten Tatsachen - auf die Heilkräfte des Ätherleibes bei den Pflanzen. Wir zeigten dann, wie durch das Hinzutreten des astralischen Leibes bei den Tieren der Ätherleib weniger wirksam ist, und wir sahen ferner, wie durch die Aufnahme des Ich, das ein individuelles Leben im Guten und Bösen, Wahren und Falschen entwickelt&amp;gt; der astralische Leib, der mit dem Hinaufsteigen in der Tierreihe die Heilkräfte nur hemmt, wieder etwas Neues dem Menschen einfügt: die aus dem individuellen Leben ihm ein fließenden karmischen Krankheitseinflüsse. Bei der Pflanze gibt es noch keine inneren Krankheitsursachen, weil die Krankheit noch im Äußerlichen ist und die Heilkräfte des Ätherleibes ungeschwächt wirken. Bei den niederen Tieren haben wir noch einen Ätherleib mit solchen Heilkräften, daß er selbst Glieder ersetzen kann; aber je weiter wir hinaufsteigen, desto mehr prägt sich der astralisc`he Leib dem Ätherleib ein, und dadurch schränkt der Astralleib die Heilkräfte des Ätherleibes ein. Aber weil sich die Tiere nicht in Reinkarnationen fortpflanzen, hängt das, was im Ätherleibe ist, nicht zusammen mit irgendwelchen &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
moralisch-intellektuellen oder individuellen Qualitäten, sondern mit dem allgemeinen Typus. Beim Menschen jedoch wirkt das, was er in seinem Ich erlebt, zwischen Geburt und Tod hinein bis in den Ätherleib.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Warum kommen denn die Erlebnisse der Kindheit bei den genannten Gemütswirkungen nur in leichten Erkrankungen zum Vorschein? Weil wir die Ursachen zu vielem, was sich in Neurasthenie, Neurose, Hysterie und so weiter zeigt, werden finden können in demselben Leben. Die Ursachen zu tieferen Krankheitsfällen aber werden wir zu suchen haben in einem vorhergehenden Leben, weil sich erst beim Übergang zu einer neuen Geburt dasjenige recht in den Ätherleib hineinverpflanzen kann, was moralisch und intellektuell erlebt wird. Im allgemeinen kann der Atherleib beim Menschen tiefere moralische Wirkungen in einem Leben nicht einverleibt erhalten, obwohl wir einzelne&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ausnahmefälle - und sogar sehr bedeutende Fälle - noch kennenlernen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So haben wir einen Zusammenhang zwischen unserem Leben im Guten und Bösen, im Moralischen und Intellektuellen in der einen In karnation, und unserer Gesundheit oder Krankheit in der nächsten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|76}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= VIERTER VORTRAG Hamburg, 19. Mai 1910 =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es darf die Voraussetzung gemacht werden, daß gerade über die beiden Begriffe, welche den Gegenstand unserer heutigen Betrachtung bilden sollen, nämlich Heilbarkeit und Unheilbarkeit vQn Krankheiten, deutlichere und, man kann sagen, menschenfreundlichere Vorstellungen herrschen werden, wenn einmal die Ideen von Karma und karmischen Zusammenhängen im Leben in weiteren Kreisen werden Platz gegriffen haben. Man darf ja sagen, daß in bezug auf die Begriffe Heilbarkeit und Unheilbarkeit von Krankheiten in den verschiedensten Jahrhunderten die verschiedensten Meinungen verbreitet waren. Und man braucht nicht sehr weit zurückzugehen, um zu sehen, wie ungeheuerlich sich diese Begriffe verändert haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da finden wir eine Zeit - sie ist die Wende zwischen dem Mittel- alter und der neueren Zeit, so etwa das 16., 17. Jahrhundert -, da entwickelten sich allmählich die Vorstellungen, daß man die Krankheitsformen in einer strengen Weise eingrenzen könne und daß es eigentlich für eine jede Krankheit irgendein Kräutlein, irgendeine Mixtur gebe, durch welche die betreffende Krankheit unbedingt geheilt werden müsse. Dieser Glaube dauerte im Grunde recht lange, sogar bis in das 19. Jahrhundert hinein. Und wenn man als Laie oder als Mensch, der die heutigen Zeitbegriffe in sich aufgenommen hat, nachlesen wollte in den Mitteilungen von Krankenbehandlungen vom Ende des 18. oder&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dem Beginn des 19. Jahrhunderts und bis weit in das 19. Jahrhundert hinein, so würde man ersIaunen über all die Mittel und Mittelchen, die damals reichlich angewendet worden sind, von Tees, Mixturen bis zu gefährlicheren Arzneien, Aderlässen und so weiter. Aber gerade das 19. Jahrhundert war es, welches in medizinischen Kreisen, und zwar in angesehenen medizinischen Kreisen, diese Ansicht in das genaue Gegenteil verkehrt hat. Und ich darf wohl selbst sagen, daß mir vieles von` diesen gegenteiligen Ansichten während meiner jüngeren Jahre in den verschiedensten Nuancen und Motiven vor Augen getreten ist. Es war die Gelegenheit dazu gegeben, wenn man etwa die Strömung der nihi&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|77}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
listischen medizinischen Schule mitmachte, die sich um die Mitte des 19. Jahrhunderts in Wien vorbereitete und eigentlich immer mehr und mehr an Ansehen gewann. Der Ausgangspunkt zu einer radikalen Änderung in bezug auf die Anschauungen über Heilbarkeit und Unheilbarkeit von Krankheiten war das, was der bedeutende Mediziner Dietl über den Verlauf der Lungenentzündung und ähnlicher Krankheiten zutage förderte. Er war durch allerlei Betrachtungen dazu gekommen, sich zu sagen, daß im Grunde gar kein rechter Einfluß von diesem oder jenem Mittel auf den Verlauf dieser oder jener Krankheit zu bemerken sei. Und gerade unter dem Einfluß von Dietls Schule lernten die damaligen jungen Mediziner über den Heilwert der seit Jahrhunderten heraufgekommenen Heilmittel so denken, daß sie auf alle alten Mittel übertrugen, was mit dem bekannten Sprichwort gemeint ist: Kräht der Hahn auf dem Mist, so ändert sich das Wetter, oder es bleibt, wie es ist! - Sie waren der Meinung, daß es ziemlich einerlei sei für den Verlauf einer Krankheit, ob man diese oder jene Mittel verabreiche oder nicht. Und Dietl war einer, der eine für die damalige Zeit recht überzeugende Statistik zustande brachte, die besagte, daß bei der von ihm eingeführten sogenannten abwartenden Behandlungsweise ungefähr ebenso viele Menschen, die an Lungenentzündung erkrankt waren, geheilt wurden oder starben als bei der früheren Behandlung mit den altehrwürdigen Heilmitteln. Die von Dietl begründete, von Skoda weiter fortgeführte abwartende Behandlung bestand darin, daß man den Kranken in die äußere Lebenslage brachte, die ihn instande setzte, die selbstheilenden Kräfte am allerbesten in Anwendung zu bringen, sie hervorzuholen aus seinem Organismus, und dem Arzte wies man kaum eine andere Stellung an, als den Verlauf der Krankheit zu überwachen, damit er da war, wenn irgend etwas eintrat, wo man mit menschlichen Mitteln sachgemäß Hilfe leisten kann. Im übrigen beschränkte man sich darauf, die Krankheit sozusagen kommen zu sehen, abzuwarten, wie die selbstheilenden Kräfte aus dem Organismus herauskamen, bis das Fieber nach einiger Zeit abfiel und die Selbstheilung durch den Organismus eintrat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese medizinische Schule wurde und wird noch heute mit dem Ausdruck der «nihilistischen Schule» belegt, weil sie auf einem Ausspruch &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|78}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
von Professor Skoda fußte, der ungefähr sagte: Wir können vielleicht lernen, Krankheiten zu diagnostizieren, sie zu beschreiben, vielleicht auch zu erklären - heilen aber können wir sie nicht! - Ich erzähle Ihnen Dinge, von denen Sie als von Tatsachen, welche sich im Laufe des 19. Jahrhunderts herausgebildet haben, Notiz nehmen sollen, damit Sie eine Empfindung dafür erhalten, wie sich Vorstellungen auf diesem Gebiete geändert haben. Aber es möge niemand glauben, daß, wenn dies oder jenes hier in rein erzählender Form ausgesprochen wird, deshalb gleich in der einen oder andern Weise Partei ergriffen werden soll. Denn selbstverständlich war der Ausspruch des berühmten Professors Skoda eine Art Radikalismus, und es würde leicht sein, die Grenzen, innerhalb welcher ein solcher Ausspruch gilt, aufzuzeigen. Auf eins aber war mit solcher Meinung hingewiesen, ohne daß man eigentlich die Mittel hatte, bewußt diesen Hinweis irgendwie zu begründen oder zu umschreiben oder in Worte zu bringen - ja nicht einmal in Gedanken konnte man ihn bringen; das heißt, man konnte in den Kreisen, in welchen man ihn aussprach, nicht einmal daran gehen, diesen Hinweis zu denken. Es wurde darauf hingewiesen, daß sich allerdings im Menschen etwas finden müsse, was in gewisser Beziehung bestimmend ist für den Ausgang und für den Verlauf einer Krankheit und was als solches im Grunde genommen doch jenseits dessen liegt, was menschliche Hilfe leisten kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es war also der Hinweis auf etwas gegeben, was jenseits der menschlichen Hilfe liegt; und dieser Hinweis kann niemals, wenn man wirklich den Dingen zu Leibe geht, sich auf etwas anderes beziehen als auf das Gesetz von Karma und auf die Wirksamkeit von Karma im Verlaufe des menschlichen Lebens. Wenn wir den Verlauf einer Krankheit im menschlichen Leben verfolgen - das Heraufkommen der Krankheit, die aus dem Organismus selbst hervorsprießenden Heilkräfte -, wenn wir die Heilentwickelung verfolgen, dann werden wir bei unbefangener Betrachtungsweise, besonders wenn wir darauf Rücksicht nehmen, wie in dem einen Falle Heilung eintritt, während in einem andern Falle keine Heilung möglich erscheint, dahin getrieben werden, nach tieferer Gesetzmäßigkeit zu suchen. Darf diese tiefere Gesetzmäßigkeit gesucht werden in den früheren Erdenleben des Menschen? Das ist für uns die Frage. Darf davon gesprochen werden, daß sich der Mensch gewisse &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|79}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorbedingungen mitbringt, die ihn geradezu vorausbestimmt machen, in einem besonderen Falle seine Heilkräfte aus dem Organismus aufrufen zu können, die aber in einem andern Falle so vorausbestimmt sind, daß er trotz aller Anstrengungen nicht imstande ist, die Krankheit zu heilen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn Sie sich an das erinnern, was namentlich gestern ausgeführt worden ist, so werden Sie begreifen, daß in den Vorgängen, die sich abspielen zwischen dem Tode und der neuen Geburt, allerdings ganz besondere Kräfte aufgenommen werden in die menschliche Individualität. Haben wir doch gesagt, daß dem Menschen während der Kamalokazeit die Ereignisse seines letzten Lebens, seine von ihm verrichteten Handlungen im Guten und Bösen, seine Charaktereigenschaften und so weiter vor die Seele treten und daß er durch die Anschauung seines eigenen Lebens in sich die Tendenz aufnimmt, für alles, was unvollkommen in ihm ist und was sich als eine unrichtige Handlung gezeigt hat, Abhilfe und Ausgleich zu schaffen, sich die betreffenden Eigenschaften einzuprägen, welche ihn auf diesem oder jenem Gebiete vollkommener machen. Haben wir das begriffen, so können wir sagen: Diese Absicht, diese Tendenz behält nun der Mensch und geht durch eine neue Geburt mit dieser Absicht wieder ins Dasein. - Der Mensch baut aber selbst an dem neuen Leibe, der sich ihm angliedert und ihn umgliedert im neuen Leben, und er baut ihn auf gemäß den Kräften, welche er sich mitgebracht hat aus früheren Lebensläufen und aus der Zeit zwischen Tod und neuer Geburt. Mit diesen Kräften ist er ausgestattet und webt sie hinein in selne neue Körperlichkeit. Damit haben wir begriffen, daß diese neue Körperlichkeit schwach oder stark ist, je nachdem der Mensch schwache oder starke Kräfte in sie hineinweben kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun müssen wir uns aber doch klar sein, daß eine gewisse Folge eintreten wird, wenn zum Beispiel der Mensch während des Kamalokalebens gesehen hat: Du warst im letzten Leben ein Mensch, der viele Handlungen begangen hat unter dem Einflusse seiner Affekte, von Zorn, Furcht, Abscheu und so weiter. - Solche Handlungen stehen nun lebendig vor seiner Seele in der Kamalokazeit, und da bildet sich heraus in dieser Seele der Gedanke - die Ausdrücke, die uns für diese Kräfte erwachsen können sind natürlich für das physische Leben geprägt! -: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Du mußt an dir etwas tun, damit du in dieser Beziehung vollkommener wirst, damit du in der Zukunft nicht mehr geneigt bist, Handlungen unter dem Einflusse deiner Affekte zu begehen! - Dieser Gedanke wird ein Bestandteil der menschlichen Seelenindividualität, und beim Durch- gehen durch eine neue Geburt prägt sich dieser Gedanke weiter ein als eine Kraft in den neu entstehenden Leib. Und in diesen fließt dadurch ein die Tendenz, so etwas zu vollführen mit der ganzen Organisation von physischem Leib, Ätherleib und astralischem Leib, was dem Menschen es jetzt unmöglich macht, aus seinen Affekten heraus, aus Zorn, Haß, Neid und so weiter gewisse Handlungen zu begehen, damit er imstande ist, in dieser Beziehung wirklich sich vollkommener zu machen. Und dadurch wird er dazu kommen, neue Handlungen zu vollführen, welche jetzt den Ausgleich früherer Handlungen bewirken können. So läßt der Mensch aus einer seine gewöhnliche Vernünftigkeit weit überragenden Vernünftigkeit die Absicht in sich hinein fließen, die ihn zu einer höheren Vollkommenheit auf einem bestimmten Gebiete und zum Ausgleich bestimmter Handlungen führen kann. -Wenn Sie in Betracht ziehen, wie mannigfaltig das Leben ist, wie der Mensch von Tag zu Tag solche Handlungen vollführt, die einen derartigen Ausgleich erfordern, so werden Sie begreifen, daß viele solcher nach Ausgleich harrender Gedanken in der Seele sind, wenn die Seele durch eine neue Geburt ins Dasein tritt, und daß diese mannigfaltigen Gedanken sich kreuzen, so daß dadurch der menschliche physische Leib und Ätherleib eine Konfiguration erhalten, in welche alle diese Tendenzen hineinverwoben sind. Um uns nun das verständlich zu machen, nehmen wir einen ganz eklatanten Fall an. Gerade heute aber muß ich ganz besonders betonen, was ich auch sonst stets betone: daß ich vermeide, aus irgendeiner Theorie oder Hypothesenmacherei zu sprechen und daß ich, wenn ich Beispiele anführe, nur solche anführe, die von der Geisteswissenschaft wohl geprüft sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen wir an, jemand habe im letzten Leben so gelebt, daß er aus einem viel zu schwachen Ich-Gefühl heraus gewirkt hat, aus einem IchGefühl, welches in der Hingabe an die äußere Welt viel zu weit ging, so weit, daß es mit einer Unselbständigkeit, Selbstverlorenheit wirkte, wie es für unseren heutigen Menschheitszyklus nicht mehr angemessen &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|81}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ist. Also das fehlende Selbstgefühl war es, welches einen Menschen in einer Inkarnation zu diesen oder jenen Handlungen geführt hat. Nun hat er während der Kamalokazeit die Handlungen vor sich gehabt, die aus diesem fehlenden Selbstgefühl herausgeflossen sind. Er nimmt daraus zunächst die Tendenz auf: Du mußt in dir Kräfte entwickeln, welche dein Selbstgefühl erhöhen, du mußt in einer nächsten Inkarnation dir die Gelegenheit schaffen, gegen den Widerstand deiner Leiblichkeit, gegen die Kräfte, welche dir entgegenkommen werden aus physischem Leib, Ätherleib und astralischem Leib, dein Selbstgefühl zu stählen, damit es gleichsam eine Schule durchmacht. Du mußt dir einen Leib anschaffen, der dir zeigt, wie aus der Leiblichkeit heraus die Anlage zu einem schwachen Selbstgefühl wirkt!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was sich dann in der nächsten Inkarnation abspielen wird, wird wenig ins Bewußtsein treten, es wird sich mehr oder weniger in einer unterbewußten Region abspielen. Der Betreffende wird hinstreben zu einer solchen Inkarnation, welche gerade die derbsten Widerstände seinem Selbstgefühl entgegensetzt, so daß er es nötig hat, sein Selbstgefühl im höchsten Maße anzuspannen. Dadurch wird er wie magnetisch hingezogen werden zu solchen Gegenden und solchen Gelegenheiten, wo sich ihm tiefere Hindernisse entgegenstellen, wo sich sein Selbstgefühl ausleben soll gegen die Organisation der drei Leiber. So sonderbar es Ihnen klingen mag: Solche Individualitäten, die mit diesem Karma belastet sind, daß sie in der charakterisierten Weise durch die Geburt ins Dasein hineinstreben, suchen den Zugang zu Gelegenheiten, wo sie zum Beispiel einer Seuche wie der Cholera ausgesetzt sein können; denn diese bietet ihnen Gelegenheit, jene Widerstände, welche eben gekennzeichnet worden sind, zu finden. Was dabei durchzumachen ist im Inneren gegen die Widerstände der drei Leiber in dem Erkrankten&amp;gt; das kann dann bewirken, daß in der nächsten Inkarnation das Selbstgefühl in einem erheblichen Grade gewachsen ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen wir einen andern eklatanten Fall an, und zwar, damit Sie den Zusammenhang durchschauen können, jetzt gerade den entgegengesetzten Fall. Ein Mensch sieht während der Kamalokazeit, daß er unter einem zu starken Selbstgefühl eine Reihe von Handlungen vollführt hat, die aus einem zu starken Auf-sich-selbst-Bauen geflossen &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
sind. Er sieht, daß er sich mäßigen muß in bezug auf sein Selbstgefühl, daß er es zurückdämmen muß. Da muß er wieder eine Gelegenheit aufsuchen, wo ihm in der nächsten Inkarnation seine drei Leiber die Möglichkeit geben, daß das Selbstgefühl überall in der Leiblichkeit - wie es sich auch anstrenge - keine Schranken findet, daß es überall ins Boden- lose hinein und sich selbst ad absurdum führt. Die Bedingungen dazu sind hergestellt, wenn der Betreffende hingezogen wird zu einer Gelegenheit, die ihm die Malaria bringt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da haben Sie einen Krankheitsfall des karmischen Wirkens und sogar den Satz dargelegt, daß im Grunde der Mensch aus einer höheren Vernünftigkeit, als diejenige ist, welche er mit seinem gewöhnlichen Bewußtsein überschauen kann, hingeleitet wird zu den Gelegenheiten, wo er sich im Verlaufe seines Karma weiter fortentwickeln kann. Wenn Sie namentlich die Dinge ins Auge fassen, welche jetzt eben gesagt worden sind, wird es Ihnen sehr erleichtert werden, Verständnis zu gewinnen gerade für das Epidemische bei den Krankheiten. Wir könnten die verschiedensten Beispiele anführen, die uns alle zeigen, wie der Mensch aus den Erfahrungen seiner Kamalokazeit heraus geradezu die Gelegenheiten aufsucht, diese oder jene Krankheit zu bekommen, um durch, ihre Überwindung und durch die Entfaltung der selbstheilenden Kräfte die Kräfte zu gewinnen, welche ihn die Lebensbahn im ganzen hinauf- führen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorhin sagte ich, wenn ein Mensch viel unter dem Einfluß von Affekten gehandelt hat, so wird er in der Kamalokazeit ebenfalls Handlungen durchleben, die unter dem Einfluß von Affekten überhaupt geschehen sind. Das wird ihm die Tendenz geben, in seiner neuen Inkarnation, in seiner eigenen Leiblichkeit so etwas zu erleben, durch dessen Überwindung er Handlungen vollführt, welche ausgleichend wirken können auf gewisse Handlungen seines früheren Lebens. Insbesondere ist es da jene Form der Erkrankung, die wir in der neueren Zeit als Diphtherie kennen, die in vielen Fällen zutage tritt, wenn eine solche karmische Verwicklung vorliegt, wo sich der Betreffende früher in der Weise ausgelebt hat, daß er vielfach aus allerlei Aufwallungen, Affekten und so weiter gehandelt hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir werden im Verlaufe dieser Vorträge noch manches zu hören&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
bekommen darüber, wie diese oder jene Krankheit bedingt ist. Wir müssen aber jetzt auf noch tiefere Grundlagen eingehen, wenn wir uns die Frage beantworten wollen: Wie kommt es, daß, wenn der Mensch durch die Geburt ins Dasein tritt und er sich durch sein Karma dieTendenz mitbringt, durch die Überwindung dieses oder jenes Leidens das eine oder das andere zu erreichen, wie kommt es, daß es ihm einmal gelingt, wirklich Sieger zu sein, die Krankheit zu überwinden und Kräfte in sich aufzunehmen, die ihn höher bringen, während er das andere Mal unterliegt und die Krankheit Sieger bleibt? Da müssen wir auf die geistigen Prinzipien zurückgehen, die überhaupt das Kranksein im Menschenleben möglich machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daß der Mensch überhaupt erkranken kann, daß er geradezu das Kranksein - sogar aus seinem Karma heraus - suchen kann, das kommt zuletzt aus keinen andern Prinzipien heraus als aus denjenigen, die wir schon oft in den verschiedensten Zusammenhängen unserer theosophischen Betrachtungen uns haben vor die Seele treten lassen. - Wir wissen, daß in einem bestimmten Punkte der Erdentwickelung diejenigen Kräfte in die menschliche Entwickelung eingetreten sind, welche wir die luziferischen Kräfte nennen, welche solchen Wesenheiten angehören, die während der alten Mondentwickelung zurückgeblieben sind und nicht so weit vorgeschritten sind, ~daß sie sozusagen an dem normalen Punkt ihrer Erdentwickelung angelangt wären. Dadurch wurde dem astralischen Leibe des Menschen, bevor sein Ich in der entsprechenden Weise wirken konnte, etwas eingepflanzt, was aus diesen luziferischen Wesen herausströmte. Der Einfluß dieser luziferischen Wesenheiten ist daher ein solcher, der vorzugsweise auf unseren astralischen Leib einstmals ausgeübt worden ist und den der Mensch für die Folgezeit durch seine Entwickelung hindurch in seinem astralischen Leib hatte. Dieser luziferische Einfluß bedeutet in der menschlichen Entwickelung mancherlei. Für unseren heutigen Zweck ist es aber wichtig, hervorzuheben, daß der Mensch, indem er die luziferischen Kräfte in sich hatte, in seinem Inneren einen Verführer hatte, weniger gut zu sein, als er gewesen wäre, wenn der luziferische Einfluß nicht gekommen wäre; und ebenso hatte er dadurch einen Einfluß, mehr aus allerlei Affekten, Leidenschaften und Begierden heraus zu handeln und zu ur&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
teilen, als er geurteilt und gehandelt haben würde,wenn der luziferische Einfluß nicht gewirkt hätte. Durch diesen Einfluß wurde des Menschen eigentliche Individualität veranlaßt, anders zu sein, sozusagen mehr hingegeben zu sein an das, was wir die Begierdenwelt nennen können, als es sonst der Fall gewesen wäre. Und dadurch ist es gekommen, daß der Mensch viel tiefer hineinverstrickt worden ist in die physische Erdenwelt, als es sonst geschehen wäre. Der Mensch drängt sich durch den luziferischen Einfluß mehr hinein in seine Leiblichkeit, identifiziert sich mehr mit der Leiblichkeit, als er sie durchdrungen hätte, wenn kein luziferischer Einfluß gekommen wäre. Denn wäre der Einfluß der luziferischenWesenheiten nicht gekommen, so wäre so mancherlei von dem, was den Menschen auf der Erde locken kann, dieses oder jenes zu begehren, nicht gekommen. Der Mensch wäre gleichgültig an den Eindrücken dieser oder jener Lockmittel vorbeigegangen. Durch Luzifers Einfluß entstanden die Verlockungen der äußeren sinnlichen Welt; diese Verlockungen nahm der Mensch in sich auf. Die Individualität, die durch das Ich gegeben war, wurde durchtränkt mit den Wirkungen, die aus dem luziferischen Prinzip heraus kamen. Und so kam es, daß der Mensch bei seinen ersten Erdeninkarnationen auch den ersten Verlockungen des luziferischen Prinzips verfallen war und diese Verlockungen mitnahm in die späteren Leben. Das heißt, daß die Art und Weise, wie der Mensch den Verlockungen des luziferischen Prinzips verfiel, zu einem Bestandteil seines Karma wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn nun der Mensch nur dieses Prinzip in sich aufgenommen hätte, so würde er immer mehr und mehr den Verlockungen der physischen Erdenwelt verfallen sein; er würde sozusagen immer mehr die Aussicht verloren haben, von dieser physischen Erdenwelt wieder loszukommen. Wir wissen, daß der spätere Einfluß - der Christus-Einfluß - dem luziferischen Prinzip entgegengewirkt hat und es gleichsam wieder zum Ausgleich gebracht hat, so daß der Mensch im Laufe seiner Entwickelung wieder Mittel erhalten hat, diesen luziferischen Einfluß aus sich herauszutreiben. Aber mit dem luziferischen Einfluß war zugleich etwas anderes gegeben. Dadurch,daß der Mensch in seinem astralischen Leib den luziferischen Einfluß aufgenommen hatte, erschien ihm auch die ganze äußere Welt, in die er eintrat, ganz anders, als sie ihm erschienen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|85}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wäre, wenn er dem luziferischen Einfluß nicht hingegeben gewesen wäre. Luzifer drang in des Menschen Inneres. Der Mensch sah mit Luzifer im Inneren die Welt um sich herum. Dadurch trübte sich sein Blick für die Erdenwelt, und es mischte sich nun in die äußeren Eindrücke hinein der ahrimanische Einfluß. Nur dadurch konnte sich AhrIman eInmischen und die äußere Welt zur Illusion gestalten, weil wir uns schon früher von innen heraus die Anlage zur Illusion, zu Maja geschaffen hatten. So war der ahrimanische Einfluß, der hineinzog in die äußere Welt, die den Menschen umgab, die Folge des luziferischen Einflusses. Wir können sagen: Der Mensch saugte ein, weil einmal die Iuziferischen Kräfte in ihm waren, die Möglichkeit, sich mehr in die Sinnenwelt zu verstricken, als er sich ohne den luziferischen Einfluß in das sinnliche Erdenleben verstrickt hätte. Dadurch hat er sich aber auch die Möglichkeit geschaffen, mit allen äußeren Wahrnehmungen von außen den ahrimanischen Einfluß einzusaugen. Und so lebt in der menschlichen Individualität, indem sie durch die verschiedenen Erdeninkarnationen hindurchgeht, der luziferische Einfluß, und als das Ergebnis des luziferischen Einflusses der ahrimanische Einfluß. Diese zwei Mächte kämpfen fortwährend in der menschlichen Individualität. Und die menschliche Individualität ist der Schauplatz geworden für den Kampf von Luzifer und Ahriman.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Mensch ist mit seinem gewöhnlichen Bewußtsein auch heute noch ausgesetzt sowohl den Verlockungen Luzifers, der aus den Leidenschaften und Affekten seines astralischen Leibes heraus wirkt, wie auch den Verlockungen Ahrimans, der durch Irrtümer, Täuschungen in bezug auf die äußere Welt von außen in den Menschen eindringt. Solange nun der Mensch in einer Inkarnation lebt und die Vorstellungen einen Riegel vorschieben, so daß das, was von Luzifer und Ahriman geschieht, nicht tiefer eindringen kann und ein Hindernis findet an den Vorstellungen, so lange bleibe das, was der Mensch tut, dem moralischen oder dem intellektuellen Urteil unterworfen. Solange der Mensch zwischen Geburt und Tod gegen die Moral sündigt, indem er Luzifer folgt, oder sich gegen die Logik und das gesunde Denken versündigt, indem er Ahriman folgt, so lange bleibt das eine Angelegenheit des gewöhnlichen bewußten Seelenlebens. Wenn der Mensch aber durch die Pforte &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
des Todes schreitet, hört das Vorstellungsleben auf, das an das Instrument des Gehirns gebunden ist. Da beginnt eine andere Form des Bewußtseinslebens. Da dringen in der Tat alle die Dinge, welche im Leben zwischen Geburt und Tod dem moralischen oder dem vernünftigen Urteil unterworfen sind, herunter in die Untergründe des menschlichen Wesens und greifen ein in das, was dann nach dem Kamaloka für das nächste Dasein organisierend wirkt und sich hineinprägt in die plastischen Kräfte, die nun die dreifache menschliche Leiblichkeit aufbauen. Da werden Irrtümer, welche aus der Hingabe an Ahriman folgen, zu Krankheitskräften, die vom Ätherleib her den Menschen infizieren,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und Ausschweifungen, also Dinge, welche im Leben dem moralischen Urteil unterworfen sind, werden zu Krankheitsursachen, welche mehr vom astralischen Leib her wirken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dadurch sehen wir, wie in der Tat unsere Irrtümer aus dem Ahrimanischen in uns - und dazu sind auch die bewußten Irrtümer: Lügen, Unwahrheiten zu rechnen - zu Krankheitsursachen werden, wenn wir allerdings nicht bei einer Inkarnation stehenbleiben, sondern die Wirkung einer Inkarnation auf die folgende betrachten; und wir sehen, wie auch die luziferischen Einflüsse zu Krankheitsursachen auf demselben Wege werden. Wir können in der Tat sagen: Wir begehen unsere Irrtümer nicht ungestraft! Wir tragen den Stempel unserer Irrtümer in unserer nächsten Inkarnation an uns, aber wir tun es aus einer höheren Vernünftigkeit heraus, als diejenige unseres gewöhnlichen Lebens ist, aus derjenigen Vernünftigkeit, welche uns während der Zeit zwischen Tod und neuer Geburt anweist, uns so stark und kräftig zu machen, daß wir fernerhin diesenVerlockungen nicht mehr ausgesetzt sind. So reihen sich Krankheiten sogar ein als mächtige Erzieher in unser Leben. -Wenn wir Krankheiten so betrachten, können wir förmlich sehen, wie bei der Ausbildung einer Krankheit entweder luziferische oder ahrimanische Einflüsse wirksam sind. Wenn einmal diese Dinge werden durchschaut werden von denen, die unter dem Einfluß der geisteswissenschaftlichen Weltanschauung Heiler sein werden, dann werden die Einflüsse dieser Heiler auf den menschlichen Organismus viel intimere sein, als sie heute sein können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir können geradezu in diesem Sinne den Organismus gewisser&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Krankheitsformen durchschauen. Nehmen wir zum Beispiel eine solche Krankheit wie die Lungenentzündung. Sie ist eine Wirkung in der karmischen Folge, welche dadurch entsteht, daß der Betreffende während seiner Kamalokazeit zurückblicken kann auf einen Charakter, der in sich hatte Hang und Neigung zu sinnlichen Ausschweifungen, der in sich hatte sozusagen ein Bedürfnis, sinnlich zu leben. Verwechseln wir ja nicht, was jetzt einem früheren Bewußtsein zugeschrieben wird, mit dem, was im Bewußtsein der nächsten Inkarnation auftritt. Damit hat es zunächst nichts zu tun.Wohl aber wird das, was der Mensch während der Kamalokazeit sieht, sich so umwandeln, daß sich ihm Kräfte ein- prägen zuVorgängen,welche die Lungenentzündung überwinden. Denn gerade in der Überwindung der Lungenentzündung, in der Selbst heilung,welche dabei vom Menschen angestrebt wird,wirkt die menschliche Individualität entgegen den luziferischen Mächten, führt einen förmlichen Krieg gerade gegen die luziferischen Mächte. Daher ist in der Überwindung der Lungenentzündung eine Gelegenheit, dasjenige abzulegen, was ein Charaktermangel in einer vorherigen Inkarnation war. So sehen wir förmlich wirken in der Lungenentzündung den Kampf des Menschen gegen die luziferischen Mächte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anders stellt sich uns die Sache dar, wenn wir bei dem, was wir im heutigen Sprachgebrauch Lungentuberkulose nennen, die eigentümlichen Prozesse auftreten sehen, wenn die selbstheilenden Kräfte in Tätigkeit übergehen, die sich dadurch äußern, daß die schädigenden Einflüsse, welche da entstehen, umgeben werden, umrandet werden von Umhüllungen wie Bindegewebe; dann wird das Ganze ausgefüllt mit kalk-salzhaltiger Materie, welche feste Einschlüsse bildet. Solche Einschlüsse kann der Mensch in seiner Lunge haben, und viel mehr Menschen tragen solche Dinge mit sich herum, als man gewöhnlich glaubt; denn das sind diejenigen Menschen, bei denen eine tuberkulöse Lunge in Heilung übergegangen ist. Wo derartiges vor sich ging, ist wieder ein Kampf aufgeführt worden der menschlichen inneren Wesenheit gegen das, was ahrimanische Kräfte angestellt haben. Es ist ein Abwehrprozeß nach außen, ein Anstürmen gegen das, was durch äußere Materialität hergebracht wird, um zur Selbständigkeit der menschlichen Wesenheit in diesem Sinne zu führen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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Damit haben wir gezeigt, wie in der Tat die beiden Prinzipien, das ahrimanische und das luziferische, im letzten Grunde im Krankheitsverlauf tätig sind. Und es könnte in vieler Beziehung für diese oder jene Krankheitsform gezeigt werden, wie man eigentlich zwei Typen von Krankheiten unterscheiden müßte: ahrimanische und luziferische Krankheiten. Wenn man das beachten würde, so würde man auch rich tige Prinzipien gewinnen können für die entsprechende Hilfe, welche man den Kranken angedeihen lassen kann. Denn luziferische Krankheitsprozesse werden ganz andere Hilfe erfordern als ahrimanische. Wenn heute noch in einer ziemlich kritiklosen Weise, zum Beispiel im äußeren Heilverfahren, Kräfte angewendet werden, die in der heutigen Elektrotherapie, in der Kaltwasserbehandlung oder in ähnlichem ent halten sind, so muß gesagt werden, daß von vornherein durch die Geisteswissenschaft ein Licht darauf geworfen werden kann, ob man die eine oder die andere Methode anwenden soll, dadurch, daß man unterscheiden würde, ob man es mit einer luziferischen oder einer ahrimanischen Krankheit zu tun hat. Kein Mensch sollte zum Beispiel das Verfahren der Elektrotherapie anwenden bei Erkrankungen, die aus dem Luziferischen stammen; sondern man sollte sie nur bei ahrimanischen Krankheitsformen anwenden. Denn eine Hilfe kann bei luziferischen Krankheitsformen niemals etwas sein, was überhaupt mit dem Wirken des Luzifer gar nichts zu tun hat, nämlich die Prinzipien der Elektrizität; denn diese fallen in das Bereich der ahrimanischen Wesenheiten, wobei sich natürlich nicht nur die ahrimanischen Wesenheiten der Kräfte der Elektrizität bedienen. Dagegen ist ein ganz besonderes Gebiet des Luziferischen dasjenige, was sich bezieht, grob ausgedrückt, auf Warm und Kalt. Alles, was damit zu tun hat, daß die menschliche Organisation wärmer oder kälter wird oder was sie selbst durch äußere Einflüsse wärmer oder kälter macht, das gehört in das Bereich des Luzifer. Und bei alledem, wo wir es zu tun haben mit Warm oder Kalt, haben wir einen Typus luziferischer Krankheitsformen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So also sehen wir, wie Karma in dem Kranksein wirkt und wie es zur Überwindung von Kranksein wirkt. Nun wird es nicht mehr unbegreiflich erscheinen, daß im Karma auch die Heilbarkeit oder Unheilbarkeit einer Krankheit liegt. Wenn Sie sich klarmachen, daß ja das &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Ziel, das karmische Ziel des Erkrankens das ist, den Menschen zu fördern und vollkommener zu machen, so ist die Voraussetzung die, daß der Mensch, wenn er nach der Vernünftigkeit, die er sich aus der Kamalokazeit beim Eintritt in ein neues Dasein mitbringt, einer Krankheit verfällt, jene Heilkräfte dann entwickelt, welche eine Stählung seines inneren Menschen bedeuten und die Möglichkeit, höher zu kommen. Nehmen wir an, die Sache liege so, daß der Mensch in dem Leben, das er noch zubringen kann, vermöge seiner sonstigen Organisation und seines übrigen Karma die Kräfte hat, mit dem, was er durch die Krankheit errungen hat, in diesem Leben selbst weiterzukommen. Dann hat die Heilung einen Sinn. Dann tritt Heilung ein und der Mensch hat in diesem Falle das errungen, was er erringen sollte und was sich an dem Vorhandensein der Krankheit zeigte. Durch das Überwinden der Krankheit hat er sich instand gesetzt, dort vollkommene Kräfte zu haben, wo er früher unvollkommene Kräfte hatte. Ist er durch sein Karma mit solchen Kräften ausgerüstet und durch die günstigen Umstände seines früheren Schicksals so in die Welt gesetzt, daß er die neuen Kräfte anwenden kann und wirken kann, um sich und andern von Nutzen zu sein, dann tritt die Heilung ein; dann windet er sich durch die Krankheit hindurch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen wir nun an, die Sache liege für den Menschen so, daß er die Krankheit überwindet und die Heilkräfte entwickelt und nunmehr vor einem Leben stünde, welches an ihn Anforderungen stellen würde, die mit dem Maß, das er sich jetzt schon errungen hat an Vollkommenem, nicht erfüllt werden können: Er würde zwar einiges erringen durch die geheilte Krankheit, aber es wäre doch nicht möglich, daß er so viel erringt - weil sein übriges Karma das nicht zuläßt -, daß er mit dem, was er sich errungen hat, den andern zum Heile werden kann. Dann tritt das ein, daß sein tieferes Unterbewußtsein sagt: Hier hast du keine Gelegenheit, die volle Kraft von dem zu empfangen, was du eigentlich haben sollst. Du mußtest in diese Inkarnation hineingehen, weil du das Maß an Vollkommenheit gewinnen mußtest, das du nur im physischen Leibe durch die Überwindung einer Krankheit erringen kannst. Das mußtest du erringen; aber weiter ausbilden kannst du es nicht. Nun mußt du in die Verhältnisse gehen, wo dein physischer Leib und andere &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Kräfte dich nicht stören und wo du frei verarbeiten kannst, was du in der Krankheit gewonnen hast. - Das heißt, es sucht eine solche Individualität den Tod, um zwischen Tod und neuer Geburt das weiterzuverarbeiten, was sie im Leben zwischen Geburt und Tod nicht verarbeiten kann. Es geht eine solche Seele durch das Leben zwischen Tod und neuer Geburt durch, um jetzt mit um so stärkeren Kräften, die sie beim Überwinden der Krankheit gewonnen hat, ihre Organisation weiter auszubilden, damit sie im neuen Leben um so mehr wirken kann. In dieser Weise kann förmlich durch die Anwesenheit einer Krankheit eine Art Abschlagszahlung bewirkt werden, die dann erst ergänzt wird nach dem Durchgehen durch den Tod zu dem, was sie sein soll.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir die Sache so betrachten, werden wir uns sagen müssen: Es erscheint durchaus im Karma begründet, daß die eine Krankheit ausgeht mit der Heilung, die andere mit dem Tod. - Wenn wir so die Krankheiten ansehen, werden wir von einem höheren Gesichtspunkt aus durch Karma eine Art Versöhnung, eine tiefe Versöhnung mit dem Leben gewinnen; denn wir werden wissen, daß es in der Gesetzmäßigkeit von Karma liegt, daß, selbst wenn eine Krankheit mit dem Tode ausgeht, der Mensch gefördert wird, daß selbst in einem solchen Falle die Krankheit das Ziel hat, den Menschen höher zu bringen. Nun darf niemand daraus etwa den Schluß ziehen: dann könnte es auch sein, daß wir geradezu den Tod herbeiwünschen müßten in gewissen Krankheitsfällen. Das darf niemand sagen, weil die Entscheidung darüber, was eintreten soll, ob Heilung oder Unheilbarkeit, einer höheren Vernünf tigkeit zufällt, als die ist, welche wir mit unserem gewöhnlichen Bewußtsein umfassen können. Mit unserem gewöhnlichen Bewußtsein müssen wir uns bescheiden innerhalb der Welt zwischen Geburt und Tod, bei solchen Fragen stehenzubleiben. Mit unserem höheren Bewußtsein dürfen wir uns allerdings selbst auf den Standpunkt stellen, der sogar den Tod hinnimmt als ein Geschenk der höheren geistigen Mächte. Mit demjenigen Bewußtsein aber, das helfen und eingreifen soll ins Leben, dürfen wir uns nicht vermessen, uns auf diesen höheren Gesichtspunkt zu stellen. Da könnten wir uns leicht irren und würden in einer unerhörten Weise eingreifen in etwas, worin wir nie eingreifen dürfen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
in die menschliche Freiheitssphäre. Wenn wir einem Menschen helfen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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können, damit er die selbstheilenden Kräfte entwickelt, oder indem wir selbst der Natur zu Hilfe kommen, damit Heilung eintritt, so müssen wir das tun. Und soll die Entscheidung darüber fallen, ob der Mensch weiterleben soll oder ob er mehr gefördert wird, wenn der Tod eintritt, dann kann sie niemals anders als so fallen, daß unsere Hilfe eine Hilfe in der Heilung sein kann. Ist sie dies, so setzen wir es in des Menschen eigene Individualität, seine Kräfte anzuwenden, und die ärztliche Hilfe kann dabei nur eine solche sein, die ihn darin unterstützt. Dann wirkt sie nicht hinein in die menschliche Individualität. Ganz anders wäre es, wenn wir eines Menschen Unheilbarkeit in der Weise fördern würden, daß er sein weiteres Fortkommen in einer anderen Welt suchte. Da würden wir in seine Individualität eingreifen und seine Individualität einer andern Wirkungssphäre übergeben. Dann hätten wir unseren Willen der andern Individualität aufgedrängt. Diese Entscheidung müssen wir der Individualität selbst überlassen. Das heißt mit andern Worten: Wir müssen so viel als möglich tun, damit eine Heilung geschieht. Denn alle Überlegungen, die zu einer Heilung führen, kommen aus dem Bewußtsein, das für unsere Erde berechtigt ist; alle andern Maßnahmen würden übergreifen über unsere Erdensphäre; da müssen andere Kräfte eingreifen als die, welche in unser gewöhnliches Bewußtsein hineinfallen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So sehen wir, daß ein richtiges karmisches Verständnis über Heilbarkeit und Unheilbarkeit von Krankheiten dazu führt, daß wir alles aufbringen werden, um dem Menschen zu helfen in der Krankheit; und auf der andern Seite führt es uns auch dazu, daß wir, wenn aus andern Sphären eine andere Entscheidung getroffen wird, diese ebenfalls zu unserer Befriedigung hinnehmen. Etwas anderes haben wir in bezug auf diese andere Entscheidung auch gar nicht nötig. Nötig haben wir, daß wir einen Gesichtspunkt finden, daß uns die Unheilbarkeit einer Krankheit nicht niederdrückt,als ob dieWelt nur das Unvollkommene, das Schlimme und Schlechte hätte. Karmisches Verständnis lähmt nicht unsere Tatkraft in bezug auf das Heilen. Karmisches Verständnis wird uns auf der andern Seite auch wieder in Harmonie bringen mit dem schwersten Schicksal in bezug auf Unheilbarkeit dieser oder jener Krankheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
So haben wir heute gesehen, wie uns karmisches Verständnis allein möglich macht, den Verlauf einer Krankheit in der richtigen Weise aufzufassen und zu begreifen, daß wir geradezu hineinleuchten sehen die karmischen Wirkungen aus unseren früheren Leben in das gegenwärtige. Beispiele im einzelnen werden sich uns noch bei Besprechung der nächsten Fragen darbieten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun wird es uns obliegen, zu unterscheiden zwischen zwei besonderen Krankheitsformen, zwischen denjenigen, welche aus dem menschlichen Inneren kommen, und die ganz besonders erscheinen als durch das Karma herbeigetragen, und zwischen jenen Erkrankungen, die uns scheinbar zufällig treffen dadurch, daß wir äußeren Schädigungen aus gesetzt sind, daß uns dieses oder jenes passiert. Kurz, es wird sich darum handeln: Wie können wir zu einem karmischen Verständnis auch dann kommen, wenn wir zum Beispiel unter die Räder eines Eisenbahnzuges kommen? Das heißt, wie sind sogenannte «zufällige» Erkrankungen durch das Karma zu begreifen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
= FÜNFTER VORTRAG Hamburg, 20. Mai 1910 =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Inhalt des gestrigen Vortrages ist von großer Wichtigkeit sowohl für unsere nächsten Betrachtungen wie auch für das Verständnis der karmischen Zusammenhänge überhaupt. Deshalb - wegen dieser ein- schneidenden Wichtigkeit - lassen Sie mich heute noch einmal in den Hauptzügen kurz zusammenfassen, was der gestrige Vortrag enthalten hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir gingen davon aus, daß sich die Anschauungen über Heilung und über Heilmittel im Laufe verhältnismäßig kurzer Zeiten im letzten Jahrhundert ziemlich radikal verändert haben. Und wir haben darauf hingewiesen, wie im 16. und 17. Jahrhundert namentlich eine Anschauung sich ausbildete, welche ganz und gar auf dem Boden fußte: Für eine jede Krankheit, die mit einem Namen bezeichnet wurde und die man glaubte begrifflich abgrenzen zu können, müßten sich auch diese oder jene Heilmittel in der Welt finden. Und man glaubte mit Sicherheit, daß, wenn das betreffende Mittel angewendet würde, es auf den Verlauf der Krankheit einen Einfluß haben müsse. Wir haben dann darauf hingewiesen, wie sich diese Anschauung mehr oder weniger bis ins 19. Jahrhundert hinein erhalten hat, dann aber danebengestellt den absoluten Gegensatz dieser Anschauung, der sich namentlich zum Ausdruck gebracht hat in dem Nihilismus derWiener medizinischen Schule, der seinen Ausgangspunkt genommen hat von dem berühmten Mediziner Dietl, und seinen Fortgang gefunden hat in Skoda und dessen verschiedenen Schülern. Und wir haben die nihilistische Richtung dadurch charakterisiert, daß wir sagten: Sie fing nicht nur an, über den` absoluten Zusammenhang zwischen diesem oder jenem Heilmittel, zwischen diesen oder jenen Handgriffen in bezug auf die Krankheitsbehandlung und die Krankheit selber gründliche Zweifel zu haben, sondern sie wollte von einem solchen Zusammenhang nichts mehr wissen. Und es kam in die Gemüter der unter dem Einfluß dieser Schule stehenden jungen Ärzte die Anschauung von der sogenannten «Selbstheilung&amp;gt; hinein. Skoda selbst hat ja den für diese Schule bedeutungs&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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vollen Satz ausgesprochen: Wir können eine Krankheit diagnostizieren, wir können sie vielleicht auch erklären und beschreiben; aber Mittel haben wir gegen die Krankheit nicht. - Und de,n Ausgangspunkt nahm diese Richtung davon, daß Dietl nachweisen konnte, daß bei der ab- wartenden Behandlung eine Krankheit wie die Lungenentzündung so verläuft, daß sie innerhalb einer bestimmten Zeit die selbstheilenden Kräfte entwickelt, wenn man nur die nötigen Bedingungen dafür schafft. Und er konnte statistisch nachweisen, daß bei der abwartenden Behandlung ebenso viele Menschen geheilt wurden oder auch starben wie bei Verabreichung der sonst gebräuchlichen Mittel. Damals war die Bezeichnung «therapeutischer Nihilismus» durchaus nicht unberechtigt; denn es war eine absolute Wahrheit, daß sich die Ärzte dieser Schule gar nicht schützen konnten gegen die Meinung der Kranken, daß ein Mittel, ein Rezept eben da sein muß. Der Kranke gab nicht nach, seine Umgebung auch nicht - Mittel mußten verschrieben werden, und die Anhänger dieser Schule halfen sich dann gewöhnlich dadurch, daß sie dünn aufgelösten arabischen Gummi verschrieben, der nach der Meinung der Anhänger der Schule ganz dieselbe Wirkung haben sollte wie die früher angewendeten Mittel. Wir haben daraus erkennen gelernt, wie geradezu hindrängt die moderne wissenschaftliche Tatsachenwelt zu dem, was wir den karmischen Zusammenhang im Leben nennen können. Denn wir mußten uns nun die Frage beantworten: Wie geschieht denn eigentlich das, was man nennen könnte «Selbstheilung»? Oder besser gesagt: Warum geschieht es? Und warum kann in einem andern Falle eine Selbstheilung oder überhaupt eine Heilung nicht eintreten?&lt;br /&gt;
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Wenn eine ganze Schule, an deren Spitze medizinische Koryphäen standen, darauf verfallen konnte, den Begriff der Selbstheilung einzuführen, so hätte einer, der darüber nachdenkt, dazu kommen müssen, zu sagen: Also wird im Krankheitsprozeß etwas wachgerufen, was zur Überwindung der Krankheit führt! Und das hätte weiter dazu führen müssen, den geheimeren Gründen des Krankheitsverlaufes nachzuspüren. Wir haben nun versucht, darauf hinzuweisen, wie ein solcher karmischer Zusammenhang innerhalb der Menschheitsentwickelung für den Krankheitsverlauf gesucht werden kann. Wir haben gezeigt, daß &lt;br /&gt;
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allerdings das, was der Mensch in seinem gewöhnlichen Leben vollführt an guten und bösen Handlungen, an gescheiten und unsinnigen Handlungen, was er erlebt an richtigen und verkehrten Gemütsauffassungen, daß alles das nicht tief hineingeht in die Untergründe der menschlichen Organisation. Und wir haben den Grund aufgezeigt, warum das, was für das gewöhnliche Leben der moralischen, der intellektuellen und gemüthaften Beurteilung unterliegt, nur an der Oberfläche des gewöhnlichen Lebens sitzenbleibt und nicht dem Gesetze unterliegt, das wir im andern Falle aufzeigen konnten: die tieferliegenden Kräfte der Menschenorganisation zu beeinflussen. Wir haben gezeigt, daß es gleichsam eine Art von Hemmnis gibt gegen das Eindringen der Unmoralität in die tieferen Kräfte des Organismus. Und diese Abwehr gegen das Eindringen dessen, was wir tun und denken, in die Kräfte unserer Organisation liegt darin, daß wir unsere Handlungen, die wir zwischen Geburt und Tod vollbringen, mit unseren bewußten Vorstellungen begleiten. Indem wir eine Handlung oder ein sonstiges Erlebnis mit einer bewußten Vorstellung begleiten, schaffen wir eine Schutzwehr dagegen, daß das Resultat unserer Handlungen hinunterrückt in unseren Organismus. Wir haben dann darauf hingewiesen, welche Bedeutung jenen Erleb nissen zukommt, die unwiederbringlich vergessen worden sind. Da liegt nicht mehr die Möglichkeit vor, sie wieder ins bewußte Vorstellungsleben hinaufzurücken; sondern von solchen Erlebnissen mußten wir sagen, daß sie schon in bestimmter Weise, weil die Schutzwehr derVorstellung fehlt, hinunterdringen in unsere innere Organisation und dort mitwirken können an den gestaltenden Kräften unseres Organismus. Und wir haben hinweisen können auf die Krankheitsformen, welche noch mehr an der Oberfläche liegen: Neurose, Neurasthenie und dergleichen. Sogar hysterische Zustände erfahren da eine Beleuchtung. Wir sagten, daß die Ursachen für solche Zustände gesucht werden müssen in den aus dem Bewußtseinskomplex herausgefallenen,vergessenenVorstellungen, die hinuntergesunken sind in das Innere und sich - wie Einschiebsel unseres Seelenlebens - als Krankheiten geltend machen. - Wir haben darauf hingewiesen, welche ungeheure Bedeutung jener Zeitraum hat, der verläuft von der Geburt bis zu dem Zeitpunkt, wo sich der Mensch an seine Erlebnisse zurückerinnern kann, und es wurde darauf &lt;br /&gt;
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aufmerksam gemacht, wie das, was früher vergessen worden ist, im lebenden Organismus fortwirkt, indem es gleichsam mit den tieferen Kräften der Organisation einen Bund schließt und von dort aus unsere Organisation selber beeinflußt. Es muß also ein Komplex von Vorstellungen, eine Reihe von Erlebnissen hinuntersinken in tiefere Untergründe unseres Wesens, bevor er eingreifen kann in unsere Organisation.-Wir haben dann darauf hingewiesen,wie am gründlichsten dieses Hinuntersinken geschieht, wenn der Mensch durch die Pforte des Todes gegangen ist und das weitere Dasein durchlebt zwischen Tod und neuer Geburt. Da verwandeln sich alle Erlebnisse in ihren Qualitäten in solche Kräfte, welche jetzt organisierend wirken. Und was der Mensch in der Zeit zwischen Tod und neuer Geburt empfunden und gefühlt hat, das nimmt er auf in die plastischen Kräfte, die beteiligt sind am neuen Aufbau des Leibes, wenn der Mensch jetzt neu ins Dasein tritt. Da hat er jetzt in den Bildungskräften das Resultat dessen da rinnen, was er früher noch in seinem Seelenleben, vielleicht auch sogar in seinem bewußten Vorstellungsleben hatte. Und nun konnten wir darauf hin- weisen, daß der Mensch mit seinem vom Ich durchtränkten Vorstellungsleben hin und her pendelt zwischen zwei Einflüssen: zwischen dem luziferischen und dem ahrimanischen Einfluß. Wenn der Mensch eine Verfehlung begeht, die hervorgerufen wird durch Eigenschaften seines astralischen Leibes, durch schlimme Affekte, Zorn und dergleichen, wird er zu Handlungen getrieben durch luziferische Mächte. Wenn dann solche Handlungen jenen Weg gehen, der eben jetzt bezeichnet worden ist, daß sie zu Bildungskräften werden, so haben wir sie in den gestaltenden Kräften, die nunmehr der neuen Leiblichkeit zugrunde liegen als luziferische Krankheitsursachen. Wir haben dann gesehen, wie der Mensch unterliegt den ahrimanischen Kräften, die mehr von außen hereinwirken. Und wieder mußten wir von den ahrimanischen Einflüssen sagen, daß sie sich umwandeln in Bildungskräfte, in gestaltende Kräfte des neu gebauten Organismus, der zustande kommt, wenn der Mensch durch die Geburt ins Dasein tritt. Und insofern sich die Einflüsse Ahrimans in die Bildungskräfte hineinmischen, können wir von Krankheitsanlagen sprechen mit ahrimanischem Charakter. Dann haben wir im einzelnen darauf hingewiesen, wie diese &lt;br /&gt;
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Kräfte, die sich in dieser Weise herausbilden, wirken. Und ich habe Ihnen radikale Beispiele gezeigt für dieses Wirken, weil an radikalen Beispielen die Vorstellung eine deutlichere, scharf umrissene wird. Ich sagte, man nehme an, daß ein Mensch im vorigen Lebenslauf alles das getan hat, was ihn nur zu einem geringen Selbstgefühl und Selbstvertrauen bringen kann, daß er sein Ich so präpariert hat, daß es nichts auf sich gehalten hat, nur in Allgemeinheiten aufging und so weiter. Ein solcher Mensch nimmt nach dem Tode die Tendenz auf, jenen Widerstand zu überwinden und die Kräfte aufzunehmen, welche ihn fähig machen, später im weiteren Verlauf der Inkarnation sein Ich kräftiger, vollkommener zu machen. Das wirkt so, daß er solche Verhältnisse dann sucht, die es ihm möglich machen, gegen dasjenige anzukämpfen, gegen was es gut ist, anzukämpfen mit einem schwachen Selbstgefühl, so daß ein schwaches Selbstgefühl sich an dem Widerstande stärken kann. Und wahr ist es, daß eine solche Tendenz den Menschen dazu führt, sozusagen Gelegenheiten aufzusuchen zur Cholera, weil er darin etwas vor sich hat, was ihm Gelegenheit bietet, jene Widerstände zu überwinden. Und in der Überwindung dieser Widerstände liegt das, was in der nächsten Inkarnation oder aber auch bei eingetretener Heilung in derselben Inkarnation zu einem stärkeren Selbstgefühl führen kann oder zu Kräften, welche ein stärkeres Selbstgefühl durch Selbsterziehung nach und nach heranreifen lassen. Wir haben dann gesagt, daß bei einer Krankheit wie der Malaria die Gelegenheit gegeben ist, etwas auszugleichen, was sich die Seele in einem früheren Leben als ein übermäßiges Selbstgefühl herangezüchtet hat durch ihre Handlungen und Empfindungen. - Diejenigen von Ihnen, welche frühere Betrachtungen unseres theosophischen Lebens mitgemacht haben, werden sich verdeutlichen können einen solchen Verlauf. Es wurde immer gesagt, daß das Ich des Menschen seinen physischen Ausdruck findet im Blut. Nun hängen die beiden Krankheiten, von denen wir eben gesprochen haben, mit dem Blut und den Gesetzen vom Blut zusammen; sie hängen so zusammen, daß beim Cholerafall eine Verdickung des Blutes eintritt. Diese Verdickung ist es, was als Widerstand zu bezeichnen ist, den das schwache Selbstgefühl durchmachen muß und an dem es sich heraner~iehen will. Ebenso können Sie es sich &lt;br /&gt;
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verdeutlichen, daß bei der Malaria eine Art Blutzerfall stattfindet und daß ein überstarkes Selbstgefühl die Möglichkeit braucht, daß es ad absurdum geführt wird, daß im Blutzerfall ein überstarkes Ich in seiner Anstrengung zur Nichtigkeit geführt wird. Das wird in dem Zerfall des Blutes geboten. - Die Dinge sind natürlich außerordentlich intim im Organismus zusammenhängend; aber wenn Sie darauf eingehen, werden Sie sie sich schon zum Verständnis bringen.&lt;br /&gt;
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Aus all dem ergab sich uns: Wenn wir einen Organismus haben, der gebildet ist von einer Seele, die in sich die Tendenz hat, dieses oder jenes nach der einen oder der andern Richtung zu überwinden, so führt diese Tendenz den Menschen dazu, in sich hineinzuprägen die Möglichkeit zur Krankheit, aber auch zugleich die Möglichkeit, anzukämpfen gegen die Krankheit, weil ja die Krankheit aus keinem andern Grunde hervorgerufen wird als aus dem, die Möglichkeit der Heilung zu haben. Und Heilung tritt dann ein, wenn der Mensch nach seinem Gesamtkarma durch die Überwindung der betreffenden Krankheit sich solche Kräfte aneignet, daß er in dem restlichen Leben bis zum Tode durch seine Arbeit auf dem physischen Plan wirklich sich vorwärtsbringen kann. Das heißt, wenn die zu erregenden Kräfte so stark sind, daß er auf dem physischen Plan das auch erreichen kann,weswegen die Krankheit hervorgerufen worden ist, dann arbeitet der Mensch gerade mit den ihm aus dem Heilprozeß zugeflossenen verstärkten Kräften weiter, die er früher nicht gehabt hat. Liegt aber sein Gesamtkarma so, daß er zwar die Absicht gehabt hat, seinen Organismus so zu gestalten, daß er durch die Überwindung der betreffenden Krankheit sich Kräfte zu- führt, welche zu seiner Vervollkommnung führen, daß aber, weil die Dinge mannigfaltig sind, er gleichzeitig den Organismus nach einer andern Richtung hin hat schwach sein lassen müssen, dann kann der Fall eintreten, daß diejenigen Kräfte, welche der Mensch herausstellt und anwendet im Heilprozeß, ihn zwar verstärken, aber doch nicht so weit, daß er dem Arbeiten auf dem physischen Plan schon gewachsen ist. Dann wird er das Stück, was er schon gewonnen hat - weil es auf dem physischen Plan nicht verwendbar ist -,verwenden,wenn er durch die Pforte des Todes geht, und er wird versuchen, das seinen Kräften hinzuzufügeri,was er auf dem physischen Plan nicht hinzufügen konnte, &lt;br /&gt;
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um diese Kräfte in der Ausgestaltung des nächsten Leibes zu zeigen, wenn er wieder in die Geburt tritt. Es bleibt uns noch, wenn wir das vor Augen haben, einen Hinweis zu geben, wie es sich mit denjenigen Krankheitsformen verhält, welche weder zu einer ordentlichen Heilung noch zum Tode führen, sondern zu chronischen Zuständen, zu einer Art von Siechtum oder dergleichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da liegt allerdings etwas vor,was im eminentesten Sinne für die meisten Menschen von einer großen Wichtigkeit ist zu wissen. Da liegt das vor, daß allerdings durch den Heilungsprozeß innerhalb der menschlichen Körperhüllen eingetreten ist, was nur zu erreichen war, daß also in gewissem Sinne die Krankheit überwunden ist. Aber in einem anderen Sinne ist sie doch nicht überwunden; das heißt, daß alles das, was an Ausgleich hat geschaffen werden sollen zwischen Ätherleib und physischem Leib, zwar erreicht worden ist, nicht aber das ausgeglichen worden ist, was an Disharmonie vorhanden war zwischen Ätherleib und astralischem Leib. Das bleibt zurück, und der Mensch pendelt hin und her zwischen Versuchen, zu heilen, und nicht heilen zu können. In einem solchen Falle ist es immer von einer ganz besonderen Wichtigkeit, daß der Mensch möglichst ausnutzt, was er an wirklicher Heilung errungen hat. Und das geschieht am allerwenigsten im Leben. Denn gerade bei solchen Krankheiten, die chronisch werden, befindet sich der Mensch in einem rechten Kreistanz darinnen. Wenn der Mensch in einem solchen Falle imstande sein würde, den Teil seiner Organisation, welcher in sich eine gewisse Heilung erfahren hat, zu isolieren, für sich sozusagen leben zu lassen, und wenn er davon dasjenige zurückziehen könnte, was da noch rumort und nicht in Ordnung ist und was in solchem Falle gewöhnlich mehr gegen das innere Seelenhafte zu liegt, dann würde sich der Mensch sehr viel helfen können. Aber dagegen wirkt das Allerverschiedenste, namentlich das, daß der Mensch, wenn er irgendeine Krankheit gehabt hat und ein chronischer Zustand zurückgeblieben ist, fortwährend unter dem Einflusse dieses Zustandes lebt und daß er - wenn ich mich grob ausdrücken darf - eigentlich niemals gründlich vergessen kann seinen Zustand, niemals gründlich dazu kommt, das, was in ihm doch noch nicht gesund ist, zurückzuziehen von diesem Zustande und es für sich zu behandeln; sondern er wird &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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durch das, was man nennen kann das fortwährende Denken an den andern Teil der Organisation, veranlaßt, gleichsam seinen gesunden Teil wieder in irgendeinen Zusammenhang zu bringen mit dem früher kranken Teil und diesen so neuerdings zu irritieren. Das ist ein besonderer Prozeß. Und um Ihnen diesen Prozeß klarzumachen, möchte ich Ihnen einmal den geisteswissenschaftlichen Tatbestand klarlegen, das, was das hellseherische Bewußtsein sieht, wenn jemand eine Krankheit durchgemacht und dabei etwas zurückbehalten hat, was man als etwas Chronisches bezeichnen kann. Dasselbe geschieht übrigens auch dann, wenn nicht eine besonders auffällige akute Erkrankung vorlag, sondern wenn sich ein Chronisches einstellt, ohne daß ein Akutes besonders bemerkt worden ist. Dann kann man in der Tat sehen, daß sich in den meisten Fällen ein gewisser schwankender Gleichgewichtszustand herausstellt zwischen dem Ätherleibe und dem physischen Leibe, ein Hinund-her-Pendeln von Kräften, wie es nicht sein soll, bei dem es sich aber doch leben läßt. Bei diesem Hin-und-her-Pendeln von Kräften des Ätherleibes und des physischen Leibes wird der betreffende Mensch fortwährend irritiert und dadurch erfüllt von fortdauernden Erregungszuständen. Die sieht das hellseherische Bewußtsein fortwährend auftauchen im astralischen Leibe, und diese Erregungszustände drängen sich fortwährend hinein in den halb kranken und halb gesunden Teil der Organisation, wodurch dann nicht ein stabiles, sondern ein labiles Gleichgewicht zustande kommt. Durch dieses Hineindringen der astralischen Erregungszustände wird der menschliche Zustand, der sonst viel besser sein könnte, in der Tat sehr verschlechtert. Ich bitte zu berücksichtigen, daß das Astralische in diesem Falle nicht zusammenfällt mit dem Bewußtsein, sondern daß es vorzugsweise mit dem zusammenfällt, was innere seelische Erregungen sind, die sich aber der Patient nicht eingestehen will. Weil in solchem Falle das Hemmende der Vorstellungen nicht da ist, deshalb wirken diese Zustände und Affekte, die Gemütserschütterungen, die fortwährenden Zustände des Überdrusses, des In-sich-unzufrieden-Seins nicht immer wie bewußte Kräfte, sondern wIe organisierende, wie Lebenskräfte, die in der tieferen Wesenheit des Menschen sitzen und fortwährend den halb gesunden, halb kranken Teil irritieren. Könnte nun der betreffende Patient es wirklich durch &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
starken Willen, durch Seelenkultur dazu bringen, wenigstens für eine gewisse Zeit seinen Zustand zu vergessen, so würde er daraus solche Befriedigung schöpfen, daß er dann schon aus dieser Befriedigung die Kraft ziehen könnte, um das weiter durchzuführen. Könnte er seinen Zustand vergessen, ganz von ihm absehen, mit starkem Willen sagen: Ich will mich jetzt nicht kümmern um meinen Zustand! - und würde er sodann die Seelenkräfte, welche er dadurch frei bekommt, auf etwas von geistigem Inhalt verwenden, was ihn erhebt, was ihn innerlich sättigt in seiner Seele, würde er diese Kräfte, die sich sonst immer damit beschäftigen, die Gefühle des Schmerzes, des Drückens und Stechens und was da alles ist, zu durchleben, frei bekommen, so würde ihm das eine große Befriedigung gewähren. Denn wenn man diese Gefühle nicht durchlebt, hat man die Kräfte ja frei; dann sind sie verfügbar. Freilich hilft es nicht viel, wenn man sich bloß sagt, man will dieses Klemmen und Stechen und so weiter nicht bemerken; denn wenn man die Kräfte, welche man da frei bekommt, nicht auf etwas Geistiges verwendet, werden die früheren Zustände bald wieder da sein. Wenn man aber die frei gewordenen Kräfte verwendet auf einen die Seele ganz in Anspruch nehmenden geistigen Inhalt, dann wird man bemerken, daß man auf einem komplizierten Wege das erreicht, was sonst unsere Organisation selber ohne unser Zutun in der Überwindung des Krankheitsprozesses erreicht. Es ist ja natürlich, daß der Betreffende dann sorgfältig darauf sehen muß, daß er nicht gerade seine Seele auf einem solchen Wege erfüllt, der wieder direkt zusammenhängt mit dem, was seine Erkrankung ist. Wenn jemand zum Beispiel an einer Schwäche seiner Augen leidet, und er beschäftigt sich, um nicht an die Schwäche seiner Augen zu denken, damit, daß er viel liest, um geistige Kräfte aufzunehmen, so ist es selbstverständlich, daß ihn das nicht zum Ziele führen kann. Aber ganz so weit herzuholen brauchen Sie sich die sogenannten kleinen Belege dafür nicht. Jeder kann an sich selbst bemerken, wenn er eine kleine Unpäßlichkeit hat, wie sehr es ihm nützt, wenn er es zu einem Vergessen seiner Unpäßlichkeit bringt, namentlich zu einem solchen Vergessen, das hervorgerufen wird durch eine anderweitige Beschäftigung. Das ist also ein positives, gesundes Vergessen! Da haben Sie schon einen Hinweis, daß wir nicht ganz machtlos sind gegen die &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
karmischen Wirkungen unserer Verfehlungen in früheren Lebensläufen, welche sich in Krankheiten zum Ausdruck bringen. Denn wir müssen uns sagen: Wenn wir zugeben, daß das, was im Leben zwischen Geburt und Tod einer moralischen, gemüthaften und intellektuellen Beurteilung unterliegt, in einem Leben nicht so tief gehen kann, daß es die Ursache zu einer organischen Erkrankung wird, daß es sich aber in der Zeit nach dem Tode bis zur neuen Geburt so tief in das Leben hinein- senken kann, daß es Krankheit bewirkt, dann müßte es doch auch möglich sein, diesen Prozeß wieder zurückzuverwandeln in einen Bewußtseinsprozeß!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Frage kann auch so gestellt werden: Wenn Krankheiten sich ausleben wie eine karmische Wirkung von geistigen oder sonstigen durch die Seele hervorgerufenen oder erfahrenen Erlebnissen, wenn sie also die Umwandlung solcher Ursachen sind, können wir uns dann nicht auch denken - oder erzählen uns davon die geistigen Tatsachen nichts -, daß das Umwandlungsprodukt, die Krankheit, vermeidbar ist, insofern vermeidbar, als wir statt des Heilungsprozesses, statt dessen, was aus den organischen Regionen herausgeholt wird, als Krankheit herbeigeholt wird zu unserer Erziehung, das geistige Gegenstück, das geistige Äquivalent dafür setzen? Daß wir, wenn wir klug genug sind, die Krankheit umwandeln in einen geistigen Prozeß und die Selbsterziehung, die wir durch die Krankheit ausführen sollen, sozusagen durch die Kräfte unserer Seele ausführen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daß so etwas in den Bereich derTatsachen gehört, möchte icil wieder durch ein Beispiel illustrieren. Wieder muß aber hierbei gesagt werden, daß nur solche Beispiele angeführt werden, die geisteswissenschaftlich untersucht sind; es sind nicht Hypothesenaufstellungen, sondern Fälle. Daher können Sie von mir nicht gerade eine Vollständigkeit verlangen - weil nicht Hypothesen aufgestellt werden, sondern Fälle, die als solche hingenommen werden müssen. Nehmen wir an, im späteren Leben bekommt eine Persönlichkeit Masern, und wir suchen nach dem karmischen Zusammenhang dieses Falles. Wir finden dabei, daß dieser Masernfall aufgetreten ist als eine karmischeWirkung von solchen Vorgängen in einem vorangegangenen Leben, die wir etwa so beschreiben können: Die betreffende Individualität war in einem vorhergehenden &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Leben eine solche, die sich nicht gern um die äußere Welt bekümmert hat, sich nicht gerade im grob egoistischen Sinne, aber doch viel mit sich selber beschäftigt hat; eine Persönlichkeit also, die viel nachgeforscht hat, nachgedacht hat, aber nicht an den Tatsachen der äußeren Welt, sondern die im inneren Seelenleben geblieben ist. Sie finden auch heute sehr viele Menschen, welche glauben, daß sie durch In-sich-abgeschlossen-Sein, durch Grübeln und so weiter zur Lösung von Welträtseln kommen können. Bei der Persönlichkeit, die ich meine, handelte es sich darum, daß sie mit dem Leben so fertigzuwerden suchte, daß sie innerlich nachgrübelte, wie man sich in diesem oder jenem Falle verhalten soll. Die Schwäche der Seele, welche sich daraus ergeben hat im Verlaufe des Lebens, führte dazu, daß im Leben zwischen Tod und neuer Geburt Kräfte erzeugt wurden, welche den Organismus in verhältnismäßig später Lebenszeit noch einem Masernanfall aussetzten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt können wir uns fragen: Wir haben auf der einen Seite den Masernanfall, der die physisch-karmische Wirkung ist eines früheren Lebens. Wie ist es denn aber nun mit dem Seelenzustand? Denn das frühere Leben gibt ja als karmische Wirkung auch einen gewissen Seelenzustand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Seelenzustand stellt sich so dar, daß die betreffende Persönlichkeit in dem Leben, wo sie auch den Masernanfall hatte, immer wieder und wieder Selbsttäuschungen unterworfen war. Da haben Sie also die Selbsttäuschungen anzusehen als die seelisch-karmische Folge dieses früheren Lebens und den Eintritt döer Masern als die physischkarmische Folge jenes Lebens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen wir nun an, dieser Persönlichkeit wäre es gelungen, bevor der Masernfall eintrat, etwas zu tun, um sich gründlich zu bessern, das heißt, um eine solche Stärke der Seele sich anzueignen, daß sie nicht mehr ausgesetzt wäre allen möglichen Selbsttäuschungen. Dann würde diese dadurch heranerzogene Seelenstärke dazu geführt haben, daß die Masernerkrankung hätte unterbleiben können, weil das, was im Organismus schon hervorgerufen war bei der Bildung dieser Organisation, seinen Ausgleich gefunden hätte durch die stärkeren Seelenkräfte, welche durch die Selbsterziehung herangezogen worden wären. Ich kann natürlich nicht ein halbes Jahr über diese Sachen reden; aber wenn Sie &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
weit im Leben herumschauen und alle Einzelheiten, welche sich als Erfahrungen darbieten, von diesem hier gegebenen Ausgangspunkt aus betrachten würden, so würden Sie immer finden,daß das äußereWissen voll bestätigen würde - bis in alle Einzelheiten -, was hier gesagt worden ist. Und was ich jetzt gesagt habe über eine Masernerkrankung, das kann zu Gesichtspunkten führen, die erklären, warum Masern gerade zu den gebräuchlichen Kinderkrankheiten gehören. Denn die Eigenschaften, die genannt worden sind, kommen in sehr vielen Leben vor. Insbesondere in gewissen Zeitperioden haben sie in vielen Leben grassiert. Und wenn dann eine solche Persönlichkeit ins Dasein tritt, wird sie so schnell wie möglich Korrektur üben wollen auf diesem Gebiet und in der Zeit zwischen der Geburt und dem gewöhnlichen Auftreten der Kinderkrankheiten, um organische Selbsterziehung zu üben, die Masern durchmachen; denn von einer seelischen Erziehung kann ja in der Regel in diesem Alter nicht die Rede sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daraus sehen Sie, daß wir wirklich davon sprechen können, daß die Krankheit in gewisser Beziehung wieder zurückverwandelt werden kann in einen geistigen Prozeß. Und das ist das ungeheuer Bedeutsame, daß wenn dieser Prozeß in die Seele als Lebensmaxime aufgenommen wird, er eine Anschauung erzeugt, die gesundend auf die Seele wirkt. In unserer Zeit braucht man sich nicht besonders zu wundern, daß man so wenig auf die Seelen wirken kann. Und wer die Zeit heute vom geisteswissenschaftlichen Standpunkt aus durchschaut, der wird es begreifen, daß so viele Mediziner, so viele Ärzte Materialisten werden, können, das heißt, verzweifeln an einem seelischen Einfluß. Denn die Mehrzahl der Menschen beschäftigt sich ja überhaupt nicht mit etwas, was eine befruchtende Kraft hat. All das Zeug, was heute durch die gebräuchliche Literatur geht, hat für die Seelen keine befruchtende Kraft. Deshalb fühlt der, welcher für die Geisteswissenschaft wirken will, in diesem theosophischen Wirken auch etwas im eminenten Sinne Gesundendes, weil das geisteswissenschaftliche Wissen der Menschheit wieder etwas bringen kann, was sich so in die Seelen hineinergießt, daß die Seele abgezogen wird von dem, was die leibliche Organisation bildete. Man darf nur nicht verwechseln, was im Anfang einer solchen Bewegung auftritt, mit dem, was die Bewegung wirklich sein kann. &lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Es werden ja in die theosophische Bewegung tatsächlich Dinge hinein- gebracht, welche in der äußeren Welt auch grassieren, das heißt, es bringen die Menschen, wenn sie Theosophen werden, vielfach genau dieselben Interessen der Theosophie entgegen, die sie für die Dinge draußen auch haben, und auch alle Unarten, die sie draußen haben. Da wird vieles hineingetragen von den Schattenseiten unseres Zeitalters. Dann aber, wenn sich irgendwelche Schattenseiten bei den Betreffenden zeigen, sagt man, das habe die Theosophie bewirkt. Das ist natürlich eine sehr billige Auskunft!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir so den karmischen Faden sich ziehen sehen von einer Inkarnation in die andere, so haben wir damit die entsprechende Wahrheit doch nur von einer Seite erfaßt. Es werden sich demjenigen, der ein Gefühl dafür erhält, wie sich der karmische Faden von Inkarnation zu Inkarnation hindurchzieht, noch viele Fragen ergeben, die im Laufe der Vorträge berührt werden sollen. Vor allen Dingen muß die Frage berührt werden: Wie hat man zu unterscheiden zwischen einer Krankheit, bei der man äußere Ursachen angeben kann, und einer solchen Krankheit, die voll veranlagt liegt in der menschlichen Organisation selber, so daß man glaubt, was da vorliegt, damit abfertigen zu können, daß man sagt, die Krankheit ist ganz von selbst gekommen, und eine äußere Veranlassung liege nicht vor. - Ganz so stehen ja die Dinge nicht. Aber von gewisser Seite ist es doch berechtigt zu sagen, daß Krankheiten auftreten, für die der Mensch durch sein Inneres besonders disponiert ist. Für zahlreiche Krankheitserscheinungen wird man da- gegen doch äußere Ursachen angeben können. Natürlich nicht für alles, was uns passiert, aber für manches, was uns von außen her zustößt, zum Beispiel, wenn wir ein Bein brechen, müssen wir äußere Ursachen ins Feld führen. Auch das müssen wir zu den äußeren Ursachen zählen, was durch die Witterung geschieht, und ebenso die zahlreichen Krankheitsfälle, deren Ursachen in den schlechten städtischen Wohnungen zu suchen sind. Da eröffnet sich uns wieder ein weites Feld. Und für den, der mit Erfahrungen in die Welt blickt, ist es auch jetzt erklärlich, daß die heutige Moderichtung der Medizin dazu kommt, Krankheitsursachen in den äußeren Einwirkungen, besonders in den Bazillen, zu suchen, von denen ein geistreicher Herr nicht mit Unrecht gesagt hat: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Heute kommen Krankheiten von den Bazillen, wie man ehedem gesagt hat, Krankheiten kommen von Gott oder vom Teufel. Im 13.Jahr- hundert sagte man, Krankheiten kommen von Gott, im 15. Jahrhundert sagte man, sie kommen vom Teufel. Später hieß es dann, sie kommen von den Säften, und heute sagt man, die Krankheiten kommen von den Bazillen. Das sind die Ansichten, die sich abgelöst haben im Laufe der Zeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So müssen wir also sprechen von äußeren Ursachen des menschlichen Krankseins oder Gesundseins. Und da kann der gegenwärtige Mensch leicht versucht sein, ein Wort zu gebrauchen, welches im Grunde sehr geeignet ist, in unsere ganze Weltauffassung Unordnung hineinzubringen. Wenn jemand, der vorher ganz gesund war, in eine durch Influenza oder Diphtherie verseuchte Gegend kommt und hernach erkrankt, so wird der heutige Mensch ganz gewiß geneigt sein zu sagen, daß der Betreffende den Krankheitskeim dadurch aufgenommen hat, daß er in jene Gegend gekommen ist, und er wird dann leicht das Wort Zufall gebrauchen. Von zufälligen Einflüssen wird man heute leicht sprechen. - Das Wort Zufall ist so recht eine Crux, ein Kreuz für jede Weltanschauung. Und solange man eigentlich nicht einmal den Versuch macht, sich ein wenig klarzuwerden über das, was man so leicht mit Zufall bezeichnet, wird man auch nicht vordringen können zu einer einigermaßen befriedigenden Weltanschauung. So stehen wir nun am Ausgangspunkt des Kapitels «Natürliche und zufällige Erkrankungen des Menschen». Da geht es aber nicht anders, als daß wir einleitend heute versuchen, auf das Wort Zufall ein wenig Licht zu werfen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ist nicht der Zufall selber etwas, was uns mißtrauisch machen könnte gegen das, was sich der Mensch heute leicht dabei denkt? Ich habe schon früher einmal darauf aufmerksam gemacht, daß ein geistvoller Mann im 18.Jahrhundert nicht ganz unrecht hatte, als er über die Sitte, großen Entdeckern, Erfindern und so weiter Denkmäler zu errichten, den Ausspruch tat, man müßte doch, wenn man den geschichtlichen Verlauf objektiv betrachtet, die weitaus meisten Denkmäler dem «Zufall» errichten! Und sonderbar: Wenn man eingeht auf die Geschichte, kann man merkwürdige Entdeckungen machen über &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
das, was sich hinter dem Zufall verbirgt. Ich habe Ihnen erzählt, daß die Erfindung des Fernrohres dem Spiel zu verdanken ist, das Kinder in einer optischen Werkstätte mit optischen Gläsern getrieben haben; dabei kam eine Konstellation zustande, durch die jemand das Fernrohr zustande brachte. Man könnte auch hinweisen auf die berühmte Lampe im Dom zu Pisa, die schon früher vor Tausenden und Tausenden von Menschen ihre Schwingungen mit derselben Regelmäßigkeit ausgeführt hat wie vor Galilei. Aber erst Galilei probierte, wie die Schwingungen zusammenstimmten mit dem Gang seiner Blutzirkulation, und dadurch kam er zu der Auffindung der Pendelgesetze. Würden wir die Pendelgesetze nicht gehabt haben, so würde unser ganzes Kulturleben einen andern Anstrich bekommen haben. Versuchen Sie, ob Sie nicht in der Menschheitsentwickelung einen Sinn suchen können und ob Sie dann noch sagen möchten, daß nur ein Zufall gewaltet hat, zum Beispiel bei Galilei, und ihn zu dieser wichtigen Entdeckung gebracht hat. Aber nehmen wir einen andern Fall.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denken wir daran, was die Luthersche Bibelübersetzung bedeutet für die Kulturländer der europäischen Welt. Machen wir uns klar, was für einen tiefgehenden Einfluß sie genommen hat auf das religiöse Fühlen und Denken und anderseits auf die Heranbildung dessen, was wir die deutsche Schriftsprache nennen. Ich will nur die Tatsache hin- stellen, ohne davon zu sprechen, wie man über sie denken soll; nur daß sie diesen tiefgehenden Einfluß gehabt hat, will ich betonen. Sie müssen nun doch versuchen, einen Sinn zu sehen in jener Erziehung der Menschheit, die seit mehreren Jahrhunderten durch die Luthersche Bibelübersetzung bewirkt worden ist. Wenn Sie es versuchen, darin einen Sinn zu sehen, dann stellen Sie einmal neben dasjenige, was Sie so geistvoll wie möglich über den Sinn der Entwickelung seit dem 16. bis 17. Jahrhundert sagen können, die folgende Tatsache:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Luther hat sich bis zu einer gewissen Zeit seines Lebens tief beschäftigt mit allem, was seine eigene Persönlichkeit zu einer Art von Gotteskindschaft führen könnte durch die Bibellektüre. Er war übergegangen von der Gepflogenheit der Augustiner, vorzugsweise die Kirchenväter zu lesen, zu dem Genuß des Lesens der Bibel selber. Aber alles sprach jetzt dafür, daß sich in seiner Seele entzünden sollte die Gotteskind&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
schaft in einem umfassenden Gefühl. Und von diesem Gesichtspunkt aus oblag er seinem theologischen Lehramt in der ersten Wittenberger Period,e. Die Tatsache, die ich nun hervorheben möchte, ist die, daß Luther eine gewisse Abneigung hatte, sich den theologischen Doktortitel zu verschaffen, und daß er in einer zufälligen Unterredung, als er einmal zusammensaß mit einem alten Freunde des ErfurterAugustinerklosters, wirklich überredet worden ist, sich den theologischen Doktorhut zu erringen. Das hieß aber nun für ihn ein nochmaliges und wie,der-~ holtes Studium der Bibel. Da hat also das zufällige Zusammensitzen mit seinem Freunde zu einem nochmaligen Studium der Bibel geführt und dann zu alledem, was dadurch zum Ausdruck gekommen ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Versuchen Sie den Sinn für das, was für die letzten Jahrhunderte angedeutet worden ist, zusammenzuhalten mit der Tatsache, daß Luther einmal mit jenem Freunde zusammengesessen hat und sich zur Erringung des theologischen Doktorhutes hat überreden lassen: Da werden Sie eine merkwürdig groteske Zusammenstellung zu machen genötigt sein zwischen dem Sinn der Entwickelung und dem zufälligen Ereignis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was Sie zunächst aus dem Gesagten herauslesen werden, ist, daß es sich vielleicht doch mit der Bedeutung des Zufalles etwas anders verhalten könne, als man gewöhnlich denkt. Gewöhnlich denkt man, daß der Zufall etwas sei, was sozusagen durch die Naturgesetze, durch die Gesetze des Lebens sich überhaupt nicht restlos erklären lasse, daß er eine Art von Überschuß bilde gegenüber dem, was sich erklären läßt. Nehmen Sie nun zu dem, was eben gesagt worden ist, die Tatsache, die uns ja schon zum Verständnis so vieler Seiten des Lebens verholfen hat: daß der Mensch in seiner Individualität seit seinem Erdendasein unterworfen war den beiden Kräften des luziferischen und des ahrimanischen Prinzips. Diese Kräfte und Prinzipien spielen fortwährend in den Menschen hinein, wobei die luziferischen Kräfte mehr dadurch wirken, daß sie das Innere des astralischen Leibes des Menschen ergreifen, während die ahrimanischen Kräfte mehr wirken durch das, was der Mensch als äußere Eindrücke empfängt. In dem, was wir von der Außenwelt empfangen, sitzen die ahrimanischen Kräfte; und in dem, was als Lust oder Unlust, als Affekte und so weiter in der Seele aufsteigt und wirkt, sitzen die luziferischen Kräfte. Nun führt sowohl das &lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Iuziferische wie das ahrimanische Prinzip dazu, daß wir uns Täuschungen hingeben; das luziferische Prinzip führt dazu, daß wir uns über unser eigenes Inneres Täuschungen hingeben, daß wir über unser eigenes Inneres falsch urteilen können, eine Illusion im eigenen Inneren schauen können. Es wird Ihnen nicht schwer werden, wenn Sie das Leben vernünftig betrachten, diese Maja im eigenen Seelenleben gewahr zu werden. Versuchen Sie es zu betrachten, wie unendlich oft sich der Mensch einredet, er tue dieses oder jenes aus diesem oder jenem Grunde. Er tut es aber gewöhnlich aus einem ganz andern Grunde, der wesentlich tiefer sitzt; aber er erklärt sich die Handlung, zu der er getrieben wird durch Zorn und Leidenschaft, in seinem Oberbewußtsein auf eine ganz andere Art. Namentlich versucht er das, was in der Welt nicht geschätzt wird, hinwegzudekretieren. Und wenn der Mensch aus recht egoistischen Affekten heraus zu etwas getrieben wird, werden Sie es oft erleben können, daß er seinen grobklotzig-egoistischen Trieben ein unegoistisches Mäntelchen umhängt und erklärt, warum es hat geschehen müssen. Der Mensch weiß aber gewöhnlich selbst nicht, daß er so vorgeht. Wenn er es weiß, tritt gewöhnlich schon der Anfang zu einer Besserung mit einem gewissen Schamgefühl ein. Das schlimmste ist, daß der Mensch aus der Tiefe seiner Seele heraus zu etwas getrieben wird - und sich dann ein Motiv ausdenkt, aus dem er die betreffende Handlung getan habe. Das haben auch schon die modernen Psychologen bemerkt. Aber nur weil heute so wenig psychologische Bildung vorhanden ist, kommen derartig groteske Ausbildungen solcherWahrheiten zustande, wie das bei den heutigen materialistischen Psychologen der Fall ist. Sie kommen zu ganz eigenartigen Ausdeutungen des Lebens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Derjenige, der als Geistesforscher eine solche Tatsache bemerkt, wird sie natürlich in ihrer wahren Bedeutung durchschauen und so charakterisieren, daß in der Tat die zwei Dinge zusammenwirken: das Bewußtsein, und das, was als die tieferen Gründe unter der Schwelle des Bewußtseins waltet. Bemerkt es aber ein materialistischer Psychologe, so wird er die Sache anders behandeln. Da spintisiert er gleich eine Theorie heraus über den Unterschied zwischen dem Vorwand, den der Mensch zu einer Handlung annimmt, und zwischen dem eigentlichen Motiv. - Wenn zum Beispiel ein Psychologe spricht über die heute so &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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viel notierten Schülerselbstmorde, so sagt er, was als Vorwand dazu angeführt würde, das sei nicht das eigentliche Motiv; die eigentlichen Motive lägen viel tiefer: sie lägen meistens in einem irregeleiteten Geschlechtsleben. Diese würden umgewandelt, so daß sie dann dem Bewußtsein diese oder jene Gründe vortäuschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine solche Sache kann oft richtig sein. Aber es würde sie derjenige nIe zu einer umfassenden Theorie machen, der nur ein wenig berührt worden wäre von einer wahrhaft tieferen psychologischen Denkungsart. Eine solche Theorie kann leicht widerlegt werden, denn der Betreffende müßte bedenken: Wenn wirklich der Fall so liegt, daß der Vorwand nichts ist und das Motiv alles, so müßte man das auch bei diesem Psychologen anwenden können und sagen: Es ist also auch bei dir dasjenige, was du hier vorbringst und als Theorie entwickelst, nur Vorwand; suchen wir nach den tieferen Gründen, so sind vielleicht deine angegebenen Gründe ganz derselben Natur. - Hätte ein solcher Psychologe ernsthaft gelernt, warum ein Urteil unmöglich ist, das nach einem solchen Schluß aufgebaut ist wie: Alle Kretenser sind Lügner -, und daß ein solches Urteil schief ist, wenn es ein Kretenser selbst sagt; hätte er gelernt den Grund, warum das so ist, so hätte er auch gelernt, was für sonderbare Zirkelschlüsse dadurch herauskommen, daß man auf gewissen Gebieten Behauptungen auf sich selber zurücktreiben kann. Aber es ist eben fast in dem ganzen Umfange unserer Literatur eine außerordentlich geringe wirklich tiefere Bildung vorhanden. Daher bemerken die Leute dasjenige, was sie selbst tun, gewöhnlich durchaus nicht mehr. Deshalb wird es gerade für die Geisteswissenschaft durchaus notwendig sein, daß solche logischen Konfusionen nach jeder Hinsicht vermieden werden. Am wenigsten vermeiden solche logischen Konfusionen die modernen Philosophen, die sich mit Seelenwissenschaft beschäftigen. Und unser Beispiel ist ein typisches dafür. Wir sehen daran die Streiche, die luziferische Einflüsse dem Menschen spielen, so daß sie ihm das Seelenleben in eine Maja verwandeln und daß er sich ganz andere Motive vortäuschen kann, als sie wirklich in seinem Inneren walten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf diesem Gebiete sollte der Mensch versuchen, eine strengere Selbsterziehung zu handhaben. Heute handhabt sich das Wort gewöhnlich&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
sehr leicht. Aber dieses Wort ist auch ein furchtbarer Verführer. Und wenn das Wort nur schön klingt und nur ein klein wenig den Eindruck macht, daß ein Satz eine wohltätige Handlung vorstellt, dann wird schon das Schönklingen des Satzes Verführer sein, zu glauben, daß das betreffende Motiv in der Seele sei, während in Wahrheit das egoistische Prinzip dahinterstecken kann, von dem der Betreffende gar keine Ahnung zu haben braucht, weil er gar nicht den Willen hat, wirkliche Selbsterkenntnis zu treiben. So sehen wir Luzifer auf der einen Seite wirken. Wie wirkt nun Ahriman auf der andern Seite?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ahriman ist das Prinzip, das sich in unsere Wahrnehmungen mischt und von außen in uns hineinzieht. Nun wirkt Ahriman am allerstärksten in den Fällen, wo wir das Gefühl haben: Hier kommst du mit deinem Denken nicht mehr nach; da stehst du an einem kritischen Punkt mit deinem Denken, da fängt sich das Denken wie in einem Gedankenknäuel. - Da ergreift das ahrimanische Prinzip die Gelegenheit, um wie durch einen Spalt der Außenwelt in uns einzudringen. Wenn wir den Gang der Weltereignisse verfolgen und die mehr offenbaren Ereignisse ansehen, wenn wir zum Beispiel die heutige Physik zurückverfolgen bis zu dem Moment, wo Galilei vor der schwingenden Kirchenlampe im Dom zu Pisa saß, so können wir ein Gedankennetz über alle Ereignisse spinnen, das uns die Sache leicht erklärt; überall werden uns die Dinge erklärlich werden. Da aber, an der Stelle, wo wir zu der schwingenden Kirchenlampe kommen, da verwickeln sich unsere Gedanken. Da ist das Fenster, wo die ahrimanischen Kräfte am allerstärksten in uns eindringen, und da hört unser Denken auf, dasjenige aus den Erscheinungen zu begreifen,wasVernunft und Verständnis in die Sache hineinbringen kann. Da sitzt aber auch das, was man den Zufall nennt. Er sitzt da, wo uns Ahriman am allergefährlichsten wird. Diejenigen Erscheinungen nennt der Mensch zufällig, bei denen er durch den ahrimanischen Einfluß am allerleichtesten getäuscht werden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So wird der Mensch verstehen lernen, daß es nicht in der Natur der Tatsachen liegt, wenn er irgendwo veranlaßt wird, von Zufall zu sprechen, sondern daß es an ihm, an seiner Entwickelung liegen wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und er wird sich nach und nach dazu erziehen müssen, Maja und Illusion zu durchdringen, das heißt, dort die Dinge zu durchdringen, wo&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|112}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ahriman am stärksten wirkt. Und gerade wo wir zu sprechen haben von wichtigen Krankheitsursachen und von einem Licht, das sich über manchen Krankheitsverlauf breiten soll, da werden wir es nötig haben, von dieser Seite her die Erscheinungen anzugreifen. Da werden wir zuerst zu verstehen suchen, inwiefern es kein Zufall ist, wenn ein Mensch gerade mit demjenigen Eisenbahnzug fährt, durch den er umkommen kann, oder wie die Dinge liegen, durch die ein Mensch gerade in einer bestimmten Zeit irgendeinem von außen wirkenden Krankheitskeim ausgesetzt ist oder einer andern Krankheitsursache. Und wenn wir mit eIner geschärften Erkenntnis den Dingen nachgehen können, werden wir imstande sein, das wahre Wesen und die ganze Bedeutung des Krankseins und des Gesundseins für das menschliche Leben noch tiefer zu begreifen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich mußte heute in ausführlicherer Weise zeigen, wie im Inneren des Menschen Luzifer zur Illusion führt und wie Ahriman sich in die äußeren Wahrnehmungen mischt und dort zur Maja führt; wie es eine Wirkung Luzifers ist, wenn sich der Mensch ein falsches Motiv vor- täuscht, und wie die falsche Annahme gegenüber der Welt der Erscheinungen - die Täuschung durch Ahriman - uns zu der Annahme eines Zufalls bringt. Diesen Grund mußte ich schaffen, bevor ich zeigen kann, wie die karmischen Ereignisse, die Ergebnisse des früheren Lebens, beim Menschen auch da wirken und auch da die Erscheinungen erklären, wo scheinbar zufällige äußere Veranlassungen zur Erzeugung von Krankheiten wirken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|113}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= SECHSTER VORTRAG Hamburg, 21. Mai 1910 =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daß eine karmische Gesetzmäßigkeit dann wirken kann, wenn in dem gestern und vorgestern angedeuteten Sinne von dem Inneren des Menschen heraus die Krankheitsursache sich geltend macht, das wird ja leicht begreiflich sein. Wenn aber die Krankheitsursache in gewissem Sinne von außen hereinwirkt - und für wie vielerlei wird heute von der Wissenschaft die Krankheitsursache draußen gesucht in der Infektion -, wenn also das Hauptaugenmerk gerichtet werden muß auf eine äußere Veranlassung zur Krankheit: daß dann die karmische Gesetzmäßigkeit - das, was sich der Mensch als Wirkungen der Erlebnisse und Handlungen seines früheren Lebens mitgebracht hat durch die Geburt - auch in der Weise wirken kann, daß sie diese äußeren Krankheitsursachen herbeischafft, das scheint gewiß vielen noch, und mit Recht, weniger begreiflich zu sein. Dennoch aber werden wir, wenn wir noch weiter die eigentliche Wesenheit des Karma verfolgen, nicht nur verstehen lernen, wie äußere Ursachen zusammenhängen können mit dem, was wir in früheren Leben erlebt und getan haben, sondern wir werden sogar begreifen lernen, daß äußere Lebensunfälle, die uns treffen, also Ereignisse, die man so gern heute zufällig nennen möchte, in einem gesetzmäßigen Zusammenhange stehen können mit dem Verlauf voriger Leben. Allerdings werden wir noch etwas tiefer eindringen müssen in die ganze Natur der menschlichen Wesenheit, wenn wir gerade derartige, eigentlich durch unser ganzes menschliches Anschauen verschleierte Verhältnisse beleuchten wollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir haben ja gestern damit geschlossen, daß wir gezeigt haben, wie der Zufall uns immer eigentlich in einer verschleierten Gestalt das äußere Ereignis darbietet, weil an den Stellen, wo wir vom Zufall sprechen, die Möglichkeit der äußeren Täuschung, die durch die ahrimanischen Mächte herbeigeführt wird, am größten ist. Nun wollen wir einmal das Zustandekommen solcher Zufälligkeiten, das heißt solcher Ereignisse, die man im gewöhnlichen Leben als «Zufälligkeiten» bezeichnet, in einzelnen Fällen vor uns hinstellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|114}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da ist es notwendig, daß wir uns zuerst ein Gesetz, eine Wahrheit, eine Erkenntnis vorhalten: daß im Leben gar manches,was wir mit dem Ausdruck bezeichnen «von innen herauskommend», «von dem Inneren des Menschen stammend», sich schon eigentlich in eine Täuschung kleidet, weil mancherlei, was wir zunächst als im Inneren des Menschen verursacht glauben, wenn wir in Wahrheit über die Illusion hinaus- kommen, schon als etwas von außen nach innen Strömendes bezeichnet werden muß. Und ein solches tritt uns immer da entgegen, wo wir es zu tun haben mit allen jenen Erlebnissen des Menschen, allen jenen Wirkungen auf den Menschen, welche wir begreifen unter dem Namen der «vererbten Merkmale». Die vererbten Merkmale, die uns so entgegen- treten, als ob wir sie nur deshalb hätten, weil sie unsere Vorfahren auch hatten, können uns im eminentesten Maße erscheinen, als ob sie uns ohne unsere Schuld, ohne unser Zutun zugefallen wären. Und wir können leicht zu einer falschen Unterscheidung dessen kommen, was wir uns aus unseren früheren Inkarnationen mitbringen, von dem, was wir von Eltern oderVoreltern geerbt haben. Nun aber geschieht das Wieder- ein treten in eine Verkörperung keineswegs so, als ob wir ohne irgendeine Veranlassung, die mit unserem Inneren zusammenhängt, zu diesem oder jenem Elternpaar, zu diesem oder jenem Volk, in diese oder jene Gegend hingedrängt würden. Schon bei den durchaus nicht in das Gebiet der Krankheiten hineinfallenden vererbten Merkmalen dürfen wir so etwas keineswegs voraussetzen, sondern wir müssen uns sagen: Wenn zum Beispiel in einer Familie, wie der des Musikers Bach, durch viele Generationen hindurch immer wieder und wieder kleinere und größere Musiker geboren wurden - der eine ist dann gewöhnlich hervorragender, aber in der Familie Bach sind über zwanzig mehr oder weniger begabte Musiker geboren worden -, so könnte man leicht glauben, daß man es mit der reinen Vererbungslinie zu tun hätte, daß also Merkmale von den Vorfahren vererbt werden und daß der Mensch gerade deshalb, weil solche Merkmale vorliegen, gewisse aus früheren Inkarnationen mitgebrachte Eigenschaften zu musikalischen Talenten entfaltet. Das ist aber nicht so, sondern die Sache verhält sich vielmehr ganz anders.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen wir an, es würde jemand in einem Leben zwischen Geburt und Tod Gelegenheit haben, viele musikalische Eindrücke zu empfangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|115}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese musikalischen Eindrücke gingen aber in diesem Leben an ihm vorüber, einfach aus dem Grunde, weil er kein musikalisches Ohr hatte. Andere Eindrücke seines Lebens werden nicht an ihm in derselben Weise vorübergehen, weil er gerade so gebaute Organe hat, daß er die Erlebnisse und Eindrücke in eigene Fähigkeiten umsetzen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daher werden wir sagen können, ein Mensch habe in seinem Leben solche Eindrücke, die er durch die Anlage, welche er von seiner letzten Geburt mitbekommen hat, umzusetzen vermag in Fähigkeiten und Talente; andere Eindrücke hat er, welche er vermöge seines Gesamt karma, weil er durch dieses nicht die entsprechenden Anlagen erhalten hat, nicht umsetzen kann in die entsprechenden Fähigkeiten. Die bleiben aber vorhanden, bleiben aufgespeichert und bilden sich um in der Zeit zwischen Tod und neuer Geburt zu der besonderen Tendenz, in der nächsten Inkarnation nunmehr zum Ausleben zu gelangen. Und diese Tendenz führt den Menschen dahin, im nächsten Leben seine Leiblichkeit gerade in einer solchen Familie zu suchen, welche ihm die entsprechenden Anlagen geben kann. Hat also jemand viele musikalische Eindrücke empfangen und sie wegen eines unmusikalischen Ohres nicht umwandeln können in musikalische Fähigkeiten oder Genüsse, so wird gerade diese Unmöglichkeit die Tendenz in seiner Seele hervorrufen, in eine solche Familie hineinzukommen,welche ihm ein musikalisches Ohr vererben kann. So verstehen wir es, daß, wenn in einer Familie sich der Bau des Ohres ebenso vererbt wie etwa die äußere Form der Nase, alle diejenigen Individualitäten sich zusammendrängen werden in diese Familie, die gerade lechzen - infolge ihrer früheren Inkarnation - nach dem Besitz eines musikalischen Ohres. Und so sehen wir, daß der Mensch in der Tat nicht «zufällig» in irgendeiner Inkarnation ein musikalisches Ohr oder ähnliches geerbt hat, sondern daß er diese vererbten Merkmale gesucht hat, wirklich aufgesucht hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beobachten wir jetzt einen solchen Menschen vom Zeitpunkt seiner Geburt an, dann wird es uns so vorkommen, als ob das musikalische Ohr in ihm wäre, eine Eigenschaft in seinem Inneren. Würden wir aber mit unseren Betrachtungen hinübergehen vor seine Geburt, so würden wir finden, wie das musikalische Ohr, das er sich erst aufgesucht hat, etwas ist, was von außen an ihn herangekommen ist. Vor der Geburt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|116}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
oder Empfängnis war das musikalische Ohr nicht etwas, was in seinem Inneren war, sondern da war nur die Tendenz vorhanden, zu einem solchen Ohr hingetrieben zu werden. Da hat der Mensch ein Äußeres an sich herangezogen. Vor der Wiederverkörperung war die Eigenschaft, die wir nachher eine vererbte nennen, etwas Äußeres; das ist an den Menschen herangekommen, er ist dazu hingeeilt. Mit der Verkörperung wird es dann etwas Inneres und tritt in dem Inneren dieses Menschen auf. - Reden wir also von «vererbten Anlagen», so geben wir uns wieder einer Täuschung hin, welche darin besteht, daß wir etwas, was erst ein Innres geworden ist, nicht in jenem Zeitpunkt betrachten, wo es noch ein Äußeres war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fragen wir uns nun einmal, ob es so wie in diesem Falle, den wir jetzt angeführt haben, nicht auch mit äußeren Ereignissen sein könnte, welche während unseres Lebens zwischen Geburt und Tod eintreten, daß auch da ein Äußeres sich in ein Inneres verwandeln könnte? - Diese Frage würden wir uns nicht beantworten können, wenn wir nicht noch tiefer als bisher das Wesen von Krankheit und Gesundheit ins Auge fassen. Wir haben mancherlei angeführt, um Krankheit und Gesundheit zu charakterisieren, und Sie wissen, daß ich nicht definiere, sondern versuche, nach und nach die Dinge zu beschreiben, immer mehr Merkmale zu den Dingen hinzuzufügen, damit sie nach und nach begreiflich werden. Also mehr Merkmale wollen wir jetzt hinzufügen zu den schon gewonnenen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir müssen Krankheit und Gesundheit vergleichen mit etwas, was Im normalen Leben auftritt; dann werden wir etwas noch Tieferes finden&amp;gt; nämlich den Vergleich mit Schlafen und Wachen. Was geschieht im Menschenwesen, wenn die täglichen Zustände Wachen und Schlafen miteinander abwechseln? Wir wissen&amp;gt; daß beim Einschlafen im Bette zurückgelassen wird der physische Leib und der Ätherleib und daß herausgehen aus dem physischen Leib und dem Ätherleib der astralische Leib und das Ich. Es ist also das Einschlafen für uns ein Herausziehen von Ich und astralischem Leib aus physischem Leib und Ätherleib; das Aufwachen dagegen ist ein Wiederhineingehen des astralischen Leibes und des Ich in den physischen Leib und Ätherleib. Jeden Morgen beim Aufwachen taucht also der Mensch unter in seinen physischen Leib und&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|117}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ätherleib mit dem, was er als innerer Mensch, als astralischer Leib und als Ich ist. Was geschieht nun in bezug auf das, was sich im Menschenwesen als Erlebnis abspielt beim Einschlafen und beim Aufwachen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir den Moment des Einschlafens ins Auge fassen, so stellt ersich uns so dar, daß alle Erlebnisse, die vom Morgen bis zum Abend inunserem Leben auf und ab fluten, daß vor allem die Seelenerlebnisse Lust und Leid, Freude und Schmerz, Leidenschaften, Vorstellungen und so weiter hinuntersinken in ein Unbewußtes. Wir selber sind im normalen Leben, wenn wir schlafen, einem Unbewußten hingegeben.Warum werden wir mit dem Einschlafen unbewußt? - Wir wissen ja, daß wir während des Schlafzustandes von einer geistigen Welt umgeben sind, wie wir imWachzustande umgeben sind von den Dingen und Tatsachen der physisch-sinnlichen Welt. Warum sehen wir diese geistige Welt nicht? Im gewöhnlichen normalen Leben sehen wir die geistigen Tatsachen und geistigen Dinge, die um uns herum sind, aus dem Grunde nicht, weil für uns dieses Sehen bei der gegenwärtigen Menschenreife vom Einschlafen bis zum Aufwachen im höchsten Grade gefahrbringend wäre. In dem Augenblick, wo der Mensch heute bewußt übergehen würde in die Welt, die ihn zwischen Einschlafen und Aufwachen um- gibt, würde zwar sein astralischer Leib, der ja während der alten Mondenzeit seine volle Ausbildung erfahren hat, in die geistige Welt aus- fließen; aber nicht könnte es das Ich, das ja erst während der Erdenzeit sich entwickeln soll und vollständig entwickelt sein wird am Ende der Erdenzeit. Das Ich ist noch nicht so voll entwickelt, daß es vom Einschlafen bis zum Aufwachen seine volle Tätigkeit entfalten könnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist mit dem Ich so, daß wir den Zustand, in den es käme, wenn der Mensch bewußt einschlafen würde, damit vergleichen könnten, daß wir sagen: Nehmen wir an, wir haben ein kleines Tröpfchen einer gefärbten Flüssigkeit, das bringen wir in ein Bassin mit Wasser und lassen es sich darinnen verteilen. Dann wird man von der Farbe dieses Tröpfchens nichts mehr sehen, weil es sich in der ganzen breiten Masse hat auflösen müssen. - So etwas geschieht auch, wenn der Mensch im Einschlafen aus dem physischen Leib und Ätherleib herausgeht. Physischer Leib und Ätherleib sind das, was die ganze menschliche Wesenheit zusammenhält. In dem Augenblick, wo der astralische Leib und das Ich &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|118}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die beiden unteren Glieder verlassen, streben sie auseinander nach allen Seiten hin, haben nur das Bestreben, sich fortwährend auszudehnen. Es würde also dem Ich so gehen, daß es aufgelöst würde, und der Mensch würde vor sich haben zwar die Bilder der geistigen Welt, aber er würde sie mit denjenigen Kräften, die nur sein Ich entfalten kann - denn das Ich wäre ja aufgelöst -, also mit Urteilskräften und Begriffsvermögen und so weiter, nicht verfolgen können, also nicht mit demselben Bewußtsein, mit welchem er die Zustände des Alltags verfolgt. Er würde außer sich sein, würde hin und her gerissen, wesens- und richtungslos schwimmend auf dem Meere der astralischen Eindrücke. Aus diesem Grunde, weil das Ich noch nicht stark genug ist im normalen Zustande des Menschen, wird das Ich so lange zurückwirken auf den astralischen Leib und ihn verhindern, bewußt einzutreten in seine eigentliche Heimat, in die geistige Welt, bis das Ich selber überall mit hin kann, wohin der astralische Leib dringt. So also hat es einen guten Sinn, daß wir das Bewußtsein verlieren im Einschlafen. Wir könnten unser Ich nicht erhalten. Wir werden es erst erhalten können in genügender Weise, wenn die Erdentwickelung an ihrem Ende angekommen sein wird. Deshalb sollen wir auch unseren astralischen Leib nicht entfalten können in bezug auf seine Bewußtseinsfähigkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gerade das Umgekehrte tritt ein, wenn der Mensch aufwacht. Wenn er aufwacht und untertaucht in den physischen Leib und Ätherleib, würde er eigentlich erleben müssen das Innere des physischen Leibes und des Ätherleibes. Das tut er aber nicht. Im Augenblick des Aufwachens wird er verhindert, hineinzuschauen in das Innere seiner Leiblichkeit, denn da wird gleich die Aufmerksamkeit auf die äußeren Erlebnisse gelenkt. Da wird nicht seine Sehkraft, seine Erkenntniskraft dahin gelenkt, sein Inneres zu durchschauen, sondern sie wird abgelenkt auf die Außenwelt. Würde der Mensch sich im Inneren ergreifen, so würde genau das Gegenteil eintreten von dem, was eintritt, wenn sich der Mensch bewußt beim Einschlafen in die geistige Welt hineinbegeben könnte. Alles, was der Mensch sich schon im Verlaufe des Erdenlebens an Geistigem durch sein Ich errungen hat, das würde sich zusammendrängen und es würde jetzt im physischen Leibe und Ätherleibe nach demUntertauchen mit aller Kraft auf ihn wirken. Das würde zur Folge &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|119}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
haben, daß alles, was nur irgendwie egoistische Eigenschaft ist, sich mit aller Macht entfalten würde. Und der Mensch würde hinuntertauchen mit seinem Ich und würde mit jedem Stück, mit dem er hinuntertaucht, seine Leidenschaften,Triebe und Begierden in einem immer kraftvolleren Egoismus ergießen. Aller Egoismus würde sich ergießen in sein Trieb- leben. Damit das nicht geschieht, werden wir abgelenkt auf die Außenwelt und nicht mit unserem Bewußtsein in unser Inneres hineingelassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daß das so ist, kann auch aus den Berichten derjenigen hervorgehen, die als Mystiker versuchten, wirklich hineinzukommen in das menschliche Innere. Sehen Sie sich um bei Meister Eckart, bei Johannes Tauler oder bei sonstigen Mystikern des Mittelalters, welche wirklich den Gang in das menschliche Innere unternommen haben. Da haben Sie Mystiker, welche sich hingegeben haben einem Zustand, wo sie ihre Aufmerksamkeit vollständig ablenkten von dem, was sie an der Außenwelt interessieren konnte, um hinunterzusteigen in das eigene Innere. Lesen Sie die Biographien der Heiligen oder der Mystiker, die in das eigene Innere hineinzusteigen versuchten. Was haben sie erfahren? Versuchungen, Anfechtungen und dergleichen, die sie in lebendigen Farben schildern. Das war dasjenige, was sich aus dem zusammengepreßten astralischen Leib und Ich als eine Widerkraft geltend machte. Daher haben diejenigen, welche sozusagen ungeschoren als Mystiker in das eigene Innere hinuntersteigen wollten, mit aller Macht darauf gedrungen, daß in demselben Maße, als sie hinunterstiegen, das Ich ausgelöscht würde. Ein schönes Wort hat sogar Meister Eckart gefunden, um dieses Hinuntersteigen in die eigene Leiblichkeit zu bezeichnen. Er spricht von «Entwerdung&amp;gt;, das heißt Auslöschen des Ich. Und lesen Sie in der «Deutschen Theologie», wie der Verfasser darstellt den mystischen Gang in das menschliche Innere, wie er darauf dringt, daß derjenige, der hinuntersteigen will in die Leiblichkeit, nic`ht mehr aus seinem Ich handelt, sondern daß in ihm der Christus handelt, mit dem er sich ganz durchdrungen hat. Auslöschen wollten solche Mystiker ihr Ich. Nicht sie sollen denken, fühlen und wollen, sondern der Christus in ihnen soll denken, fühlen und wollen, damit nicht dasjenige aus ihnen herauskommt, was in ihnen als Leidenschaften, Trieb und Begierde lebt, sondern damit dasjenige herauskommt, was sich als der &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|120}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Christus in sie ergießt. Daher sagt Paulus: «Nicht ich, sondern der Christus in mir»! Aus solchen Tiefen gehen solche Dinge hervor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So können wir schildern Aufwachen und Einschlafen als innere Erlebnisse der menschlichen Wesenheit: Aufwachen als ein Hinunter- tauchen der zusammengepreßten Ichheit in die Leiblichkeit des Menschen, Einschlafen als ein Sich-Befreien vom Bewußtsein, weil man noch nicht reif ist, in jener Welt zu schauen, in die man eigentlich hin- eindringen muß beim Einschlafen. Dadurch verstehen wir Wachen und Schlafen in jenem Sinne, in welchem wir mancherlei in der Welt verstehen müssen: als das Sich-Durchdringen der verschiedenen Glieder der menschlichenWesenheit. Betrachten wir von diesem Gesichtspunkte aus einen wachenden Menschen, so sagen wir: In dem wachenden Menschen stecken darinnen vier Glieder der menschlichen Wesenheit: physischer Leib, Ätherleib, astralischer Leib und Ich, und sie stecken in einer bestimmtenWeise ineinander.Was folgt daraus? Eben das Wachen! Denn es könnte der Mensch nicht wachen, wenn er nicht so hineinsteigen würde in seine Leiblichkeit, daß die Aufmerksamkeit durch die Außenwelt abgelenkt würde. Gerade von einem ganz bestimmten, geregelten Zusammenwirken der vier Glieder des Menschen hängt es ab, daß der Mensch wacht. Und wieder von dem richtigen Getrenntsein seiner vier Glieder hängt es ab, daß der Mensch schläft. Wir reichen damit nicht aus, daß wir sagen: Der Mensch besteht aus physischem Leib, Ätherleib, astralischem Leib und Ich, sondern wir verstehen den Menschen erst dann&amp;gt; wenn wir wissen, in welchem Grade die verschiedenen Glieder bei einem bestimmten Zustande miteinander verknüpft sind, wie sie ineinanderstecken. Das ist dasWesentliche für die Erkenntnis der menschlichen Natur. Nun betrachten wir die Art des Zusammengefügtseins der vier Glieder des Menschen, wie es uns beim wachen- den Menschen entgegentritt, als das Normale. Wir wollen einmal von diesem Begriff ausgehen: als das Normale den Zustand des wachenden Menschen zu betrachten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun werden sich die meisten von Ihnen erinnern, daß das Bewußtsein, welches wir gegenwärtig als Erdenmenschen haben zwischen Geburt und Tod, nur eine ist von den überhaupt möglichen Bewußtseinsformen. Wenn Sie zum Beispiel die «Geheimwissenschaft im Umriß» &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|121}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
oder die früheren Aufsätze «Aus der Akasha-Chronik» studieren, so werden Sie sehen, daß das heutige Bewußtsein eine Bewußtseinsstufe unter sieben verschiedenen Bewußtseinsstufen ist, daß dieses Bewußtsein, das wir heute haben, sich erst entwickelt hat aus drei andern, vorangegangenen Bewußtseinszuständen und sich später entwickeln wird zu drei andern, nachfolgenden Bewußtseinsformen. Während der Mensch Mondenmensch war, hatte er noch kein Ich. Das Ich verband sich mit dem Menschen erst während der Erdenzeit. Daher konnte der Mensch auch die heutige Art des Bewußtseins erst während der Erden- zeit haben. Ein solches Bewußtsein wie das, was wir heute haben zwischen Geburt und Tod, setzt voraus, daß das Ich genau so, wie es heute der Fall ist, mit den andern drei Gliedern zusammenwirkt und das h&amp;amp;hste ist unter den vier Gliedern der menschlichen Wesenheit. Bevor der Mensch mit dem Ich befruchtet worden ist, bestand er nur aus physischem Leib, Ätherleib und astralischem Leib. Da war der astralische Leib sein höchstes Glied, und sein Bewußtseinszustand war ein solcher, daß wir ihn heute höchstens, wenn wir etwas aus dem gewöhnlichen Leben nehmen, mit dem vergleichen könnten, was der Mensch sich wie ein altes Erbstück erhalten hat im Traumbewußtsein. Aber Sie müssen sich nicht das heutigeTraumbewußtsein vorstellen, sondern ein solches, das in den Bildern des Traumes Realitäten`wiedergibt. Wenn Sie den heutigen Traum studieren, werden Sie in den yerschiedensten Bildern recht viel Chaotisches finden, weil das heutige Traumbewußtsein ein altes Erbstück ist. Aber wenn Sie das Bewußtsein, welches dem heutigen vorangegangen ist, studieren würden, dann würden Sie finden, daß Sie äußere Gegenstände, zum Beispiel Pflanzen, damals nicht würden gesehen haben. Also es wäre ein äußerer Eindruck auf den Menschen unmöglich gewesen. Wenn etwas in die Nähe des Menschen gekommen wäre, hätten Sie einen Eindruck bekommen, der seinen Umweg nimmt über das Traumbild in das menschliche Innere, das also ein Sinnbild ist, welches aber einem bestimmten äußeren Gegenstande und Eindruck entsprochen haben würde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also wir haben es vor dem Ich-Bewußtsein zu tun mit einem solchen Bewußtsein, das an den astralischen Leib als das damals höchste Glied gebunden ist, das astralische Bewußtsein, das dumpf und dämmerhaft &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|122}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ist und noch nicht durchleuchtet ist von dem Lichte des Ich. Dieses astralische Bewußtsein ist beim Menschen, als er Erdenmensch geworden ist, überleuchtet worden, übertönt worden von dem Ich-Bewußtsein. Nun ist aber der astralische Leib noch immer in uns, und wir können fragen: Wodurch ist das geschehen, daß unser astralisches Bewußtsein überhaupt hat übertönt, ausgeschaltet werden können, so daß das Ich-Bewußtsein ganz an seine Stelle treten konnte? - Das wurde dadurch möglich, daß durch die Befruchtung des Menschen mit dem Ich die frühere Verbindung zwischen astralischem Leib und Ätherleib zu einer viel loseren gemacht worden ist. Es ist sozusagen die frühere innigere Verbindung gelöst worden. Also es war vor dem Ich-Bewußtsein eine viel innigereVerbindung vorhanden zwischen dem astralischen Leib des Menschen und den niedrigeren Gliedern seiner Wesenheit. Esdrängte sich der astralische Leib viel mehr hinein in die andern Glieder, als er es heute tut. Entrissen worden ist in einer gewissen Beziehung der` astralische Leib dem Ätherleib und dem physischen Leib.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun müssen wir uns einmal diesen Vorgang des sozusagen teilweisen Herausgehens, des Losemachens des astralischen Leibes von Ätherleib und physischem Leib ganz klarmachen. Dann werden wir uns fragen: Gibt es vielleicht auch heute noch die Möglichkeit, bei unserem gewöhnlichen Ich-Bewußtsein etwas herzustellen, was dieser alten Verbindung ähnlich wäre? Könnte es auch heute im Menschenleben geschehen, daß der astralische Leib tiefer hinein will in die andern Glieder, als er soll, sich mehr mit allerlei imprägniert und durchdringt, als es ihm zukommt?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also ein gewisses Normalmaß ist notwendig für das Durchdringen des astralischen Leibes mit Ätherleib und physischem Leib. Nehmen wir nun an, das Normalmaß wird nach irgendeiner Richtung hin überschritten. Dann wird eine Störung eintreten müssen im ganzen menschlichen Organismus; denn was der Mensch heute ist, das hängt davon ab, daß dieses bestimmte Verhältnis zwischen den verschiedenen Wesensgliedern da ist, das uns im wachenden Menschen vor Augen tritt. In dem Augenblicke, wo sich der astralische Leib unrichtig benimmt, wo er tiefer hineindringt in physischen Leib und Ätherleib, muß eine Störung auftreten. Nun haben wir aber in den letzten Betrachtungen gesehen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|123}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
daß das, was wir jetzt folgern, wirklich geschieht. Wir haben den ganzen Vorgang nur von der andern Seite her dargestellt. Wann geschieht es denn?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es geschieht dann, wenn der Mensch in einem früheren Leben in seinen astralischen Leib etwas hineingeprägt hat, irgend etwas hat ein- fließen lassen, was wir für das frühere Leben als eine moralische oder intellektuelle Verfehlung auffassen. Das hat sich dem astralischen Leib eingegraben. Das ist jetzt etwas, wenn der Mensch neuerdings ins Leben tritt, was in der Tat den astralischen Leib veranlassen kann, einen andern Zusammenhang zu suchen mit dem physischen Leib und Ätherleib, als er ihn gesucht hätte, wenn er nicht diese Verfehlung im vorigen Leben in sich hineingeprägt hätte. Also gerade unsere Verfehlungen sind es, die sich unter dem Einfluß von Ahriman und Luzifer vollzogen haben und sich umgestaltet haben in organisierende Kräfte, welche im neuen Leben den astralischen Leib veranlassen, sich anders zum physischen Leib und Ätherleib zu stellen, als er es tun würde, wenn sich solche Kräfte nicht in ihn hineingedrängt hätten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So sehen wir, wie gerade dieWirkungen früherer Gedanken, Empfindungen und Gefühle den astralischen Leib zu dem veranlassen, was Unordnung hervorrufen muß in der menschlichen Organisation. Wenn aber solche Unordnung hervorgerufen wird, was tritt dann ein? Wenn sich der astralische Leib mehr hineindrängt in den physischen Leib und Ätherleib, als er es beim normalen Menschen sollte, so tut er etwas ganz Ähnliches, wie wir des Morgens tun beim Aufwachen, wo wir in dem Moment des Aufwachens mit unserem Ich in unsere zwei Leiber hinuntertauchen. Aufwachen besteht im Hinuntertauchen des Ich-Menschen in den physischen Leib und Ätherleib. Worin besteht nun das, was der astralische Leib tut, wenn er mehr in den physischen Leib und Äther leib hineintritt, als er soll, veranlaßt durch die Wirkungen früherer Erlebnisse? - Was sonst eintritt, wenn wir mit dem Ich und astralischen Leib untertauchen in den physischen Leib und Ätherleib, wenn wir des Morgens aufwachen und etwas wahrnehmen, das zeigt sich gerade darin, daß wir aufwachen. Wie der ganze Wachzustand die Folge ist des Untertauchens des Ich-Menschen in den physischen Leib und Ätherleib, so muß jetzt etwas auftreten, was der astralische Leib tut, also &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|124}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
etwas, was wir sonst als Ich-Menschen tun. Er taucht unter in den Äther- und physischen Leib. Wenn wir also einen Menschen vor uns haben, bei dem der astralische Leib die Tendenz aufgenommen hat, sich mehr zu vereinigen mit Ätherleib und physischem Leib, als es normalerweise der Fall sein sollte, so haben wir dieselbe Erscheinung für den Astralleib vor uns, welche wir sonst beim Aufwachen für den Ich Menschen vor uns haben. Was ist dieses zu starke Eindringen des astralischen Leibes in den Ätherleib und physischen Leib? Das ist etwas, was wir sonst als das Wesen der Krankheit bezeichnen können. Wenn unser astralischer Leib dasselbe tut, was wir sonst beim Aufwachen tun, nämlich sich hineindrängt in den physischen Leib und Ätherleib, wenn der astralische Leib, der sonst bei uns kein Bewußtsein entwickeln sollte, nach einem Bewußtsein strebt im physischen Leib und Ätherleib, wenn er in uns aufwachen will, dann werden wir krank. Krankheit ist ein abnormer Wachzustand unseres astralischen Leibes. Was tun wir denn eigentlich, wenn wir im normalen Wohlbefinden stehen, wenn wir im gewöhnlichen Wachzustand leben? Dann wachen wir für das gewöhnliche Leben. Aber damit wir das gewöhnliche Wachbewußtsein haben können, mußten wir ja den astralischen Leib früher in eine andere Verbindung bringen. Wir mußten ihn zum Schlafen bringen. Der astralische Leib muß, wenn wIr am Tage unser Ich-Bewußtsein haben, schlafen; wir können nur gesund sein, wenn unser astralischer Leib schläft in uns. Daher können wir jetzt das Wesen von Gesundheit und Krankheit in folgender Weise auffassen: Krankheit ist ein abnormes Auf- wachen des astralischen Leibes im Menschen, und Gesundheit ist der normale Zustand des Schlafens des astralischen Leibes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und was ist denn das Bewußtsein dieses astralischen Leibes? Wenn wirklich Krankheit das Aufwachen des astralischen Leibes wäre, müßte ja etwas bei ihm eintreten wie ein Bewußtsein. Er wacht abnormerweise auf; also könnten wir ein abnormes Bewußtsein erwarten; aber ein Bewußtsein müßte da sein. Wenn wir in die Krankheit verfallen, müßte etwas Ähnliches entstehen, wie es sonst des Morgens beim Aufwachen eintritt. Es müßte unser Erleben abgelenkt werden auf irgend etwas anderes. Am Morgen taucht sonst unser gewöhnliches Bewußtsein auf. Weiin wir nun krank werden, taucht dann ein Bewußtsein auf? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|125}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ja, es taucht ein Bewußtsein auf, das der Mensch nur allzugut kennt. Und welches ist dieses Bewußtsein? Ein Bewußtsein drückt sich in Erlebnissen aus! Das Bewußtsein, was da auftaucht, drückt sich aus in dem, was wir den Krankheitsschmerz nennen, den wir nicht haben im normalen Wohlbefinden des Wachzustandes, weil da unser astralischer Leib gerade schläft. Schlafen des astralischen Leibes heißt, daß er sich in regelmäßigem Zusammenhang befindet mit physischem Leib und Ätherleib, bedeutet Schmerzlosigkeit. Der Schmerz ist der Ausdruck dafür, daß der astralische Leib sich so hineinpreßt in den physischen Leib und Ätherleib, wie er nicht drinnen sein soll - und zum Bewußtsein kommt. Das ist der Schmerz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun handelt es sich darum, daß wir nicht etwa das, was eben gesagt worden ist, wieder grenzenlos ausdehnen. Es muß, wenn geisteswissenschaftlich gesprochen wird, immer die Grenze eingehalten werden, innerhalb deren etwas gesagt wird. - Es ist gesagt worden, daß wenn unser astralischer Leib aufwacht, ein Bewußtsein entsteht, das von Schmerz durchtränkt ist. Daraus dürfen wir aber nicht schließen, daß Schmerz und Krankheit immer zusammenfallen. Es ist durchaus ein jegliches Hineinpressen des astralischen Leibes in den Ätherleib und physischen Leib ein Kranksein. Aber umgekehrt besteht nicht jedes Kranksein darin, und daß Kranksein auch einen anderen Charakter haben kann, werden wir uns dadurch begreiflich machen können, daß keineswegs alles Kranksein von Schmerzen begleitet ist. Das beachten nur die meisten Menschen deshalb nicht, weil sie zumeist im Leben nicht anstreben, gesund zu sein, sondern sie streben an, schmerzlos zu sein, und wenn sie schmerzlos sind, halten sie das für gesund. Das ist nicht immer so; aber in sehr vielen Fällen wird der Mensch glauben, wenn er schmerzlos ist, sei er gesund. Wir würden uns einer gewaltigen Täuschung hingeben, wenn wir glauben wollten, daß Schmerzempfinden und Kranksein zusammenfällt. Es kann die Leber eines Menschen durch und durch beschädigt sein; wenn der Schaden nicht ein solcher ist, daß durch ihn zum Beispiel das Bauchfell affiziert wird, so tritt gar kein Schmerz auf. Es kann der Mensch einen Krankheitsprozeß in sich haben, der sich gar nicht in Schmerzen äußert. Das kann in vielen Fällen so sein.Vor einer objektiveren Betrachtung sind diese Erkrankungen sogardie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|126}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
schlimmeren. Denn wenn der Mensch Schmerzen empfindet, geht er darauf aus, die Schmerzen loszuwerden; wenn er keine Schmerzen hat, gibt er sich nicht besonders viel Mühe, die Krankheit loszubekommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie verhält es sich nun mit den Erscheinungen, wo keine Schmerzen mit den Krankheitsfällen parallel gehen? Was haben wir da getan? - Da brauchen wir uns nur zu erinnern, daß wir uns wirklich als menschliche Wesen, wie wir heute sind, nach und nach entwickelt haben, daß wir während der Erdenzeit das Ich hinzugefügt haben zu astralischem Leib, Ätherleib und physischem Leib. Aber wir waren auch einmal ein Mensch, der nur physischen Leib und Ätherleib gehabt hat. Ein Wesen, das nur physischen Leib und Ätherleib hat, ist wie eine heutige Pflanze. Bei solchen Wesen kommen wir zu einem dritten Grade von Bewußtsein, einem viel, viel dumpferen Bewußtsein, das nicht einmal bis zur Helligkeit des heutigen Traumbewußtseins hinaufreicht. Es ist ja durchaus ein Irrwm, wenn wir glauben, daß der Mensch im Schlafe kein Bewußtsein hat. Er hat ein Bewußtsein; nur ist es so dumpf, daß er es nicht bis zur Erinnerung in seinem Ich heraufrufen kann. Aber auch in der Pflanze sitzt ein solches Bewußtsein. Es ist eine Art Schlafbewußtsein, also ein noch tieferes als das astralische Bewußtsein. Da kommen wir herunter zu einem noch tieferen Bewußtsein des Menschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen wir nun an, der Mensch habe durch Erlebnisse in früheren Inkarnationen nicht nur solche Unordnung hineingebracht in seine Organisation, welche den astralischen Leib veranlaßt, sich in unordentlicher Weise hineinzuversenken in den physischen Leib und Ätherleib, sondern er habe so etwas vollführt, was den Ätherleib veranlassen kann, in unrichtigerWeise sich in den physischen Leib hineinzudrängen. Es kann durchaus ein solcher Zustand eintreten, daß auch die Verbindung zwischen Ätherleib und physischem Leib nicht die für den heutigen Menschen normale ist, daß sich der Ätherleib zu tief hineindrängt in den physischen Leib. Der astralische Leib, sagen wir, wäre dabei gar nicht beteiligt, sondern was da im früheren Leben veranlagt worden ist, das bewirkt in der menschlichen Organisation eine dichtere Zusammenfügung von Ätherleib und physischem Leib, als es sonst sein soll. Da haben wir dasselbe bei dem Ätherleib, was wir bei dem astralischen Leibe haben im Schmerzbewußtsein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|127}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn der Ätherleib sich nun seinerseits zu tief hineinversenkt in den physischen Leib, so taucht ein Bewußtsein auf ähnlich wie des Menschen Schlafbewußtsein, wie das Pflanzenbewußtsein. Kein Wunder daher, daß das auch ein Zustand ist, der vom Menschen gar nicht empfunden wird. Wie er nicht im Schlaf empfindet, so empfindet er auch jetzt diesen Zustand nicht. Und doch ist es ein Aufwachen! Wie unser astralischer Leib abnormerweise aufwacht, wenn er zu tief hinunter- taucht in den Ätherleib und physischen Leib, so wacht der Ätherleib in abnormer Weise auf, wenn er zu tief in den physischen Leib hinein- taucht. Nur kann es der Mensch nicht wahrnehmen, weil es das Auf- wachen zu einem noch dumpferen Bewußtsein als das Schmerzbewußtsein ist. Aber nehmen wir an, der Mensch hätte wirklich in einem früheren Leben so etwas vollzogen, was sich zwischen Tod und neuer Geburt dazu umwirkt, daß der Ätherleib für sich aufwacht, das heißt, intensiven Besitz ergreift vom physischen Leib. Wenn das geschehen ist, lebt auf im Menschen ein tiefes Bewußtsein, das aber nicht in der Weise wahrgenommen werden kann, wie die sonstigen Erlebnisse der menschlichen Seele wahrgenommen werden. Braucht es deshalb nicht zu wirken, weil es nicht wahrgenommen wird? Versuchen wir uns klarzumachen, was ein Bewußtsein für eine eigentümliche Tendenz erhält, wenn es anfängt, um einen Grad tiefer zu liegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn Sie einen solchen äußeren Eindruck erleben, wie zum Beispiel wenn Sie sich verbrennen, so verursacht das Schmerz.Wenn ein Schmerz entstehen soll, so muß das Bewußtsein wenigstens den Grad des Bewußtseins des astralischen Leibes haben. Ein Schmerz muß im astralischen Leibe leben. Wo also irgendeinmal in der Menschenseele Schmerz entsteht, ist eine Tatsache des astralischen Leibes vorhanden. Nehmen wir aber einmal an, es geschehe etwas, was nicht mit Schmerzen verbunden wäre, was dennoch aber einen äußeren Reiz, einen äußeren Eindruck hervorruft. Wenn irgend etwas auf Ihr Auge zufliegt, so verursacht das einen äußeren Reiz; das Auge schließt sich. Schmerz ist damit nicht verbunden. Was ruft der Reiz hervor? Eine Bewegung. Das ist etwas Ähnliches, wie wenn Ihre Fußsohle berührt wird: Schmerz ist es nicht - dennoch zuckt der Fuß. Es gibt also auch solche Eindrücke auf den Menschen, die nicht von Schmerzen begleitet sind, die dennoch &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
aber herausfordern irgendein Geschehnis, eine Bewegung. Da weiß der Mensch nicht - weil er nicht bis in diesen tiefen Grad des Bewußtseins hinunterdringen kann -, wie so etwas zustande kommt, daß eine Bewegung folgt auf den Reiz. Wenn Sie Schmerz empfinden, und Sie weisen dadurch etwas zurück, so ist es der Schmerz, der Sie aufmerksam gemacht hat auf das, was Sie dann zurückweisen. Es kann aber etwas auftreten, was Sie zu einer inneren Bewegung drängt, zu einer Reflexbewegung. Da dringt das Bewußtsein nicht bis zu dem Grade hinunter, wo der Reiz in Bewegung umgesetzt wird. Da haben Sie einen solchen Bewußtseinsgrad, der nicht in Ihre astralischen Erlebnisse hineinkommt, der bewußt nicht erlebt wird, der in einer Art von Schlafbewußtseinssphäre verläuft, der aber darum doch nicht so ist, daß er nicht zu Geschehnissen führen könnte. Wenn ein solches tieferes Eindringen des Ätherleibes in den physischen Leib stattfindet, so ist dies das Hervorbringen eines Bewußtseins, das nicht ein Schmerzbewußtsein ist, weil sich der astralische Leib nicht daran beteiligt, sondern das so dumpf ist, daß es der Mensch nicht wahrnimmt. Damit ist aber nicht gesagt, daß der Mensch in diesem Bewußtsein keine Handlungen ausführen kann, nicht etwas tun könnte, was der ganzen Sachlage entspräche. Der Mensch führt ja auch sonst Handlungen aus, bei denen sein Bewußtsein nicht dabei ist. Sie brauchen nur daran zu denken, wo das gewöhnliche Tagesbewußtsein ausgelöscht ist und der Mensch als Nachtwandler alle möglichen Handlungen ausführt. Da ist nicht etwa gar kein Bewußtsein vorhanden, sondern es ist ein solches Bewußtsein daran beteiligt, das der Mensch nicht miterleben kann, weil er nur die zwei höchsten Bewußtseinsformen erleben kann: das astralische Bewußtsein als Lust und Leid und dergleichen und das Ich-Bewußtsein als Urteil und als gewöhnliches Tagesbewußtsein. Deshalb ist aber die Sache doch nicht so, daß der Mensch aus diesem Schlafbewußtsein heraus nicht handeln könnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun haben wir also auch ein solches tiefes Bewußtsein, das der Mensch nicht mehr erreichen kann, wenn der Ätherleib hinuntersteigt in den physischen Leib. Nehmen wir an, er will aber doch etwas tun, wovon er im normalen Leben nichts wissen kann, was irgendwie mit der Sachlage zusammenhängt, dann wird er das tun, ohne daß er davon &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
etwas weiß. In ihm wird etwas, wird die Sache selbst das tun, ohne daß er selber davon weiß. - Betrachten wir jetzt einen Menschen, der durch irgendwelche Vorkommnisse in einem früheren Leben Ursachen in sich gelegt hat, welche in der Zeit zwischen Tod und neuer Geburt hinunterwirken bis dahin, wo sie zu einem tieferen Eindringen des Ätherleibes in den physischen Leib führen. Dann werden daraus Handlungen hervorgehen, welche zum Auswirken von tieferliegenden Krankheits prozessen führen. Da wird der Mensch dazu gedrängt werden können, äußere Veranlassungen zu Krankheiten geradezu aufzusuchen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es kann sonderbar erscheinen, daß das nicht klar erscheint für das gewöhnliche Ich-Bewußtsein. Der Mensch würde es aber aus seinem gewöhnlichen Ich-Bewußtsein heraus auch nie tun. Er wird sich nie aus seinem gewöhnlichen Ich-Bewußtsein heraus befehlen, in einen Herd von Bazillen einzudringen. Nehmen wir aber an, jenes dumpfe Bewußt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
seIn findet, daß es nötig ist, daß eine äußere Schädigung eintrete und daß sich das abspielen kann, was wir gestern genannt haben den ganzen Sinn des Krankseins. Dann sucht dieses Bewußtsein&amp;gt; das in den physischen Leib hineindringt, die Krankheitsursache auf. Es ist das eigene Wesen des Menschen, das die Krankheitsursache aufsucht, um das zu erreichen, was wir gestern den Krankheitsprozeß genannt haben. So werden Sie aus dem tieferen Wesen der Krankheit heraus begreifen, daß selbst dann, wenn noch keine Schmerzen auftreten, noch immer Gegenwirkungen auftreten können. Und auch wenn Schmerzen sich zeigen, kann noch immer, wenn nur der Ätherleib zu stark eindringt in den physischen Leib, dasjenige eintreten, was man nennen kann das Suchen von äußeren Krankheitsursachen durch tiefergelegene Schichten des menschlichen Bewußtseins selbst. So grotesk es klingt, so ist es doch richtig: Wir suchen uns, ebenso wie unsere vererbten Merkmale, mit einem andern Bewußtseinsgrade unsere äußeren Krankheitsursachen, wenn wir sie brauchen. Das eben Gesagte gilt aber wieder nur in den Grenzen dessen, wie es heute dargestellt ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heute hat es sich vorzugsweise darum gehandelt, gerade klarzulegen, daß der Mensch imstande sein kann, ohne daß er es mit dem ihm bekannten Bewußtseinsgrade verfolgen kann, die Krankheit dadurch zu suchen, daß ein abnormer&amp;gt; tieferer Bewußtseinszustand hergestellt &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
wird. Darum handelte es sich: zu zeigen, daß wir es in der Krankheit zu tun haben mit einem Erwachen von Bewußtseinsstadien, welche wir als Menschen früher schon überwunden haben. Dadurch, daß wir in einem früheren Leben Fehler auf uns geladen haben, verursachen wir, daß wir tiefere Bewußtseinsgrade hervorbringen, als es uns sonst für unser jetziges Leben geziemte. Und was wir aus den Antrieben dieser Bewußtseinsgrade tun, das beeinflußt den Verlauf des Krankheitsprozesses wie auch den Prozeß, der überhaupt erst zur Krankheit führt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da sehen wir, daß in den abnormen Zuständen alte Bewußtseinsstufen heraufsteigen, welche der Mensch längst überwunden hat. Wenn Sie nur ein wenig die Tatsachen des gewöhnlichen Lebens betrachten, können Sie sich schon ein wenig verdeutlichen, was heute gesagt worden ist. Es ist ja so, daß der Mensch durch seine Schmerzen gewissermaßen tiefer hinuntersteigt in sein Wesen. Sie kennen ja den Ausspruch, daß er dann erst weiß, daß er ein Organ hat, wenn es angefangen hat, ihn zu schmerzen. Das ist ein populärer Ausspruch; aber er ist nicht so ganz dumm. Warum weiß der Mensch im normalen Bewußtsein davon nichts? Weil sein Bewußtsein im normalen Falle so weit schläft, daß es nicht intensiv genug untertaucht in den astralischen Leib. Taucht es aber unter, dann entsteht Schmerz, und durch den Schmerz erfährt der Mensch, daß er das betreffende Organ hat. In gar manchen Aussprüchen des gewöhnlichen Lebens liegt etwas durchaus Wahres, weil sie Erbstücke sind aus den früheren Bewußtseinsstadien, in welchen der Mensch, als er i« die geistige Welt hineingesehen hat, noch vieles gewußt hat von dem, was wir heute mühselig wieder heraufholen müssen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn Sie begreifen, daß der Mensch tiefere Schichten des Bewußtseins erleben kann, dann werden Sie auch die Möglichkeit haben, zu begreifen, daß nicht nur äußere Krankheitsursachen, sondern auch äußere Schicksalsschläge vom Menschen aufgesucht werden können, welche sich der Mensch nicht als vernünftig auslegen kann, aber deren Vernunft so wirkt, daß auf tiefere Schichten des Bewußtseins gewirkt wird. - So kann es auch wohl denkbar erscheinen, daß sich der Mensch bei gewöhnlicher Überlegung nicht gerade dorthin stellen wird, wo ihn ein Blitz treffen kann. Mit dem Oberbewußtsein wird er das vermeiden. Aber es könnte in ihm ein Bewußtsein tätig sein, das viel tiefer liegt als &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
das Oberbewußtsein und das ihn gerade an die Stelle hinführt, wo ihn der Blitz treffen kann, unter einer Voraussicht, welche das Ober bewußtsein nicht hat, ein Bewußtsein, das also will, daß der Blitz ihn trifft, so daß der Mensch den Unfall geradezu aufsucht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daß durch karmische Wirkungen Unglücksfälle aufgesucht werden oder auch äußere Krankheitsursachen, das haben wir heute der Möglichkeit nach erst begriffen. Wie das im einzelnen geschieht, wie die Kräfte im Menschen wirken, welche in tieferen Bewußtseinsschichten sind, und wie es damit steht, ob unser Oberbewußtsein solche Unglücksfälle vermeiden darf, das ist wieder eine Frage, die uns auch noch beschäftigen wird. Wie wir verstehen können, daß, wenn der Mensch in eine Gegend geht, wo eine Infektion auf ihn ausgeübt werden kann, da ein Bewußtseinsgrad wirkt, der ihn dorthin getrieben hat, so müssen wir auch verstehen können, wie es sich damit verhält, daß der Mensch Einrichtungen trifft, damit solche Infektionen immer weniger wirken können, daß wir also durch hygienische Maßregeln durch das Oberbewußtsein die Dinge wieder abwenden können. Wir können auch begreifen die Möglichkeit, durch das Oberbewußtsein diese Wirkung abzulenken, und müssen sagen, daß es etwas höchst Unvernünftiges wäre, daß das Unterbewußtsein Krankheitskeime aufsuchen kann, wenn nicht auch auf der andern Seite Krankheitsursachen durch das Oberbewußtsein vermieden werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir werden sehen, daß es «vernünftig» ist, Krankheitskeime aufzusuchen, und daß es auch «vernünftig&amp;gt; ist, von dem Oberbewußtsein aus hygienische Maßregeln zu ergreifen gegen das Eindringen von Infektionsstoffen, um dadurch Krankheitsursachen zu verhindern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|132}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= SIEBENTER VORTRAG Hamburg, 22. Mai 1910 =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie haben in diesen Vorträgen schon gesehen, daß wir uns unserem Ziele stückweise nähern, indem wir aber auch mit jedem Stück, das wir weiterschreiten, tiefer in die Sache einzudringen versuchen. Wir haben zuletzt gesprochen über das Wesen von Schmerzen, die mit einem Krankheitsverlauf verbunden sind; wir haben aber auch darauf aufmerksam gemacht, wie in andern Fällen der Krankheitsverlauf - in gewisser Beziehung wenigstens - sich abspielen kann, ohne daß er begleitet ist von Schmerzerlebnissen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun müssen wir auf das Wesen des Schmerzes noch etwas genauer eingehen. Wir müssen uns noch einmal vor Augen halten, daß Schmerz eintreten kann als eine neben der Erkrankung einherlaufende Erscheinung. Denn das mußten wir ja schon aus der vorigen Betrachtung entnehmen, daß wir Krankheit und Schmerz als etwas Zusammengehöriges nicht betrachten dürfen. Wir müssen uns gegenwärtig halten, daß, wenn mit einer Krankheit Schmerz verknüpft ist, noch etwas anderes dabei im Spiele sein muß als das bloße Erkranktsein. Nun haben wir bereits darauf aufmerksam gemacht, daß bei jenem Vorgang, der beim Übergang von einer Inkarnation in die andere sich abspielt, wo Erlebnisse früherer Inkarnationen in Krankheitsursachen umgewandelt werden, daß da auf der einen Seite das luziferische Prinzip und auf der andern Seite das ahrimanische Prinzip mit hineinspielt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wodurch legt sich denn eigentlich der Mensch den Grund zu Krankheitsprozessen? Warum nimmt er in sich die Tendenz auf, krank zu sein? Was führt ihn dazu, zwischen Tod und neuer Geburt - wir haben ja charakterisiert, wie das die Zeit ist, welche die die Krankheit bewirkenden Kräfte zusammenbringt - solche Kräfte vorzubereiten, welche sich im nächsten Leben in der Krankheit ausleben? - Was den Menschen dazu bringt, ist, daß er auf der einen Seite verfallen kann der Versuchung der luziferischen Macht, und auf der andern Seite der Versuchung der ahrimanischen Macht. Wir wissen ja auch schon, was es heißt: Verfallen der luziferischen Macht. - Alles, was in uns wirkt als &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|133}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Begierde, als Eigenschaft der Selbstsucht, des Ehrgeizes, des Hochmutes, der Eitelkeit&amp;gt; alle Eigenschaften, welche zusammenhängen mit einer Art Aufspreizung unseres Ich, sich besonders geltend zu machen, das alles hängt zusammen mit der Versuchung der luziferischen Mächte in uns. Verfallen wir mit andern Worten den Kräften, die in unserem astralischen Leibe wirken und die sich darin ausdrücken, daß wir ego istische Begierden und Leidenschaften haben, dann begehen wir in der entsprechenden Inkarnation Handlungen, zu denen die Verführung von Luzifer, ausgegangen ist. Und wir sehen dann das Resultat solcher von Luzifer beeinflußter Handlungen in der Zeit vom Tode bis zur neuen Geburt und nehmen da in uns die Tendenz auf&amp;gt; uns so zu inkarnieren, daß wir einen Krankheitsprozeß durchmachen, der dazu beitragen kann, wenn wir ihn überwinden, uns aus den Fangarmen dieser luziferischen Mächte wieder zu befreien. Würden also die luziferischen Mächte überhaupt nicht da sein, so würden wir nicht den Versuchungen verfallen können, welche uns dazu bringen, solche Kräfte in uns aufzunehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn nun nichts anderes bestünde im Leben als einzig und allein das, was Luzifer in uns bewirkt, daß wir diese oder jene egoistischen Triebe und Leidenschaften entfalten, dann würden wir eigentlich niemals von den luziferischenVersuchungen loskommen können im Leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir würden sie auch nicht durch die aufeinanderfolgenden Inkarnationen losbekommen können, denn wir würden ihnen immer wieder von neuem verfallen. Wenn wir zum Beispiel einfach in der Erdentwickelung uns selber überlassen worden wären und der luziferische Einfluß doch dagewesen wäre, so würden wir in einer Inkarnation die Versuchungen der luziferischen Mächte haben, würden dann nach dem Tode wahrnehmen, wozu sie uns gebracht haben, würden herbeiführen einen Erkrankungsprozeß; aber wenn wirklich nichts anderes mit ins Spiel käme, würde uns dieser Krankheitsprozeß in dem Leben, wo er sich auslebt, zu keiner besonderen Besserung führen. Er führt uns nur dadurch zu einer Besserung, daß von denjenigen Mächten, deren Gegner Luzifer ist, nun etwas hinzugefügt wird zu dem ganzen Prozeß.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also wenn wir auf der einen Seite den luziferischen Mächten verfallen, stellen sich gleich als eine Gegenwirkung die Mächte ein, deren Gegner &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|134}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die luziferischen Mächte sind, und diese versuchen nun eine Gegenkraft zu entfalten, wodurch der luziferische Einfluß wirklich aus uns ausgetrieben werden kann. Und diese Mächte, deren Gegner also die luziferischen Mächte sind, fügen hinzu zu dem Prozeß, der unter dem Einfluß Luzifers verursacht wird, den Schmerz. So müssen wir den Schmerz als etwas ansehen, was - wenn wir die luziferischen Mächte die bösen Mächte nennen - uns von den guten Mächten zugefügt wird, damit wir gerade durch den Schmerz uns den Fangarmen der bösen Mächte entreißen können und ihnen nicht mehr verfallen. Würde bei dem Krankheitsprozeß, der sich ergibt als eine Folge des Verfallenseins an die luziferischen Mächte, nicht Schmerz eintreten, so würden wir an uns die Erfahrung machen: Es ist ja gar nicht so schlimm, den luziferischen Mächten zu verfallen! - Und wir würden nichts haben in uns, was uns dahin bringen würde, unsere Kräfte anzuwenden, um uns den luziferischen Mächten zu entreißen. Der Schmerz, der das Bewußtwerden des unrichtig wachenden astralischen Leibes ist, er ist zugleich auch das, was uns davon abbringen kann, den luziferischen Mächten auf diesem Gebiet, wo wir ihnen schon verfallen sind, immer weiter zu verfallen. So wird der Schmerz in bezug auf die Versuchungen der luziferischen Mächte unser Erzieher.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sagen Sie nun nicht: Wie kann der Schmerz unser Erzieher sein, wenn wir in uns den Schmerz nur empfinden und seiner wohltätigen Kraft gar nicht gewahr werden? Daß wir seiner wohltätigen Kraft nicht gewahr werden, ist nur eine Folge unseres Ich-Bewußtseins. In dem Bewußtsein&amp;gt; das ich als unter dem Ich-Bewußtsein liegend geschildert habe, spielt sich schon der Prozeß ab, wenn auch der Mensch mit dem Tagesbewußtsein nichts davon weiß: Jetzt erfahre ich Schmerz, und der ist die Folge der durch die guten Mächte mir gegebenen Beigabe zu meinen Verfehlungen! - Das ist im Unterbewußtsein eine Kraft, welche so recht als eine karmische Erfüllung, als ein Impuls wirkt, nicht mehr den Handlungen, Trieben und Begierden, die gerade diese Krankheit hervorgerufen haben, zu verfallen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So sehen wir, wie Karma wirkt,~wie wir den luziferischen Mächten verfallen und wie uns die luziferischen Mächte eine solche Krankheit bringen, die herbeigeführt wird in einer nächsten Inkarnation; und &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
wir sehen, wie wohltätige Mächte uns den Schmerz hinzufügen zu der bloßen Schädigung unserer Organe, damit wir an dem Schmerz ein unter der Oberfläche unseres Bewußtseins liegendes Erziehungsmittel haben. Deshalb können wir sagen: Überall, wo bei einer Krankheit Schmerz auftritt, da ist es eine luziferische Macht, welche diese Krankheit bewirkt hat. Es ist der Schmerz geradezu ein Kennzeichen dafür, daß wir es zu tun haben mit dem Zugrundeliegen von luziferischer Macht. - Menschen, die gerne einteilen, werden ein Bedürfnis danach haben, nun überhaupt zu unterscheiden solche Krankheiten, die rein auf luziferischem Einfluß beruhen, und solche, die rein auf ahrimanischen Einfluß zurückzuführen sind; denn bei allen theoretischen Beschäftigungen ist ja das Einteilen, das Schemenmachen das Allerbequemste, und man glaubt, dadurch sehr viel begriffen zu haben. Aber in Wirklichkeit benehmen sich die Dinge nicht so, daß man sie mit diesen bequemen Mitteln erfassen kann. Da kreuzen sie sich fortwährend und laufen ineinander. Und wir werden auch leicht begreifen können, wenn ein wirklicher Krankheitsprozeß vorliegt, daß ein Teil zurückgeführt werden kann auf luziferischen Einfluß, also auf Dinge, welche mehr in den Eigenschaften unseres astralischen Leibes zu suchen sind, und ein an- derer Teil auch zugleich auf Dinge, die in dem ahrimanischen Einfluß zu suchen sind. So darf auch niemand glauben, wenn ihm irgend etwas wehtut, das sei nur auf luziferischen Einfluß zurückzuführen. Daß er Schmerzen hat, das zeigt ihm denjenigen Teil der Krankheit, der auf luziferischen Einfluß zurückzuführen ist. Aber wir werden das noch leichter verstehen, wenn wir uns fragen: Woher kommt denn der ahrimanische Einfluß?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dem ahrimanischen Einfluß wären die Menschen überhaupt nicht verfallen, wenn sie nicht zuerst dem luziferischen Einfluß verfallen wären. Dadurch, daß die Menschen den luziferischen Einfluß in sich aufnahmen,kam eine solcheVerbindung der vier menschlichen Glieder: physischer Leib, Ätherleib, astralischer Leib und Ich zustande, wie sie nicht zustande gekommen wäre, wenn Luzifer nicht gewirkt hätte und wenn nur die Mächte gewirkt hätten, deren Gegner Luzifer ist. Dann hätte sich der Mensch anders entwickelt. Also hat in bezug auf das menschliche Innere das luziferische Prinzip eine Störung hervorgerufen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Aber es hängt vom menschlichen Inneren ab, wie der Mensch die Außenwelt an sich herantreten läßt. Und gerade so, wie Sie mit einem Auge, in welchem etwas zerstört ist, wegen des inneren Fehlers die Außenwelt nicht richtig sehen, so bekommt der Mensch die Außenwelt durch den luziferischen Einfluß überhaupt nicht so zu sehen, wie sie ist. Und weil ein Grund gegeben war für den Menschen, die Außenwelt nicht so zu sehen, wie sie ist, so konnte sich in das nicht richtige Bild der Außenwelt der ahrimanische Einfluß hineindrängen, so daß das Herankommen Ahrimans an den Menschen nur dadurch hat geschehen können, daß erst der luziferische Einfluß gewirkt hatte. Der ahrimanische Einfiuß bewirkte, daß der Mensch nicht nur den egoistischen Leidenschaften, Trieben, Begierden, der Eitelkeit, dem Hochmut und so weiter verfallen kann, sondern daß jetzt in einem menschlichen Organismus, wo der Egoismus in solcher Weise wirkte, sich Organe aus- bildeten, welche die Außenwelt schief und unrichtig sehen mußten. Dadurch konnte sich in die unrichtigen Bilder der Außenwelt Ahriman mischen. Es kam Ahriman heran, und dadurch war der Mensch dem anderen Einflusse ausgesetzt, so daß er nicht nur den inneren Verlockungen verfallen kann, sondern auch in Irrtum und - bei der Beurteilung der Außenwelt und bei seinen Aussagen über die Außenwelt - in Lüge verfallen kann. So ist Ahriman zwar von außen wirkend, aber wir haben ihm erst die Möglichkeit gegeben, daß er an uns herankommen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So also stehen ahrimanischer und luziferischer Einfluß eigentlich nie für sich allein. Sie wirken immer aufeinander, halten sich in gewisser Weise das Gleichgewicht. Von innen drängt Luzifer heraus, von außen wirkt Ahriman herein, und dazwischen bildet sich das Weltenbild. Wenn in irgendeiner Inkarnation das Innere des Menschen stärker wird, wenn er mehr den inneren Einflüssen ausgesetzt ist, dann wird er für die Dinge, wo das Innere so wirkt, daß der Mensch mehr erfaßt wird von Hochmut, Eitelkeit und so weiter, sich mehr dem luziferischen Einfluß hingeben. In einer Inkarnation, wo der Mensch weniger durch sein Gesamtkarma dazu gestimmt ist, den inneren Einflüssen nachzugeben, wird er leichter den Irrtümern und den Verführungen des Ahriman verfallen können. So ist es in der Tat in unserem Leben. Wie wir &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
täglich durch das Leben gehen, fallen wir bald mehr den Verlockungen des Luzifer, bald mehr den Verlockungen des Ahriman zum Opfer. Und wir pendeln hin und her zwischen diesen beiden, die uns auf der einen Seite dazu führen, uns in unserem Inneren aufzublähen, auf der andern Seite dazu, uns über die äußere Welt Illusionen vorzumachen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es darf an dieser Stelle erwähnt werden - weil es außerordentlich wichtig ist -&amp;gt; daß den Verlockungen von beiden Seiten insbesondere derjenige Widerstand leisten muß, welcher versucht, eine höhere Entwickelung anzustreben und in die geistige Welt einzudringen, sei esdadurch, daß er hinter die Erscheinungen der Außenwelt bis in das Geistige eindringen will oder daß er in das eigene Innere mystisch hinuntersteigen will. Beim Eindringen in die geistige Außenwelt, die hinter der physischen Welt liegt, steht immer das, was Ahriman an täuschenden Bildern vorgaukelt; wenn der Mensch mystisch hinuntersteigen will in die eigene Seele, sind immer die Verlockungen Luzifers in besonderem Maße möglich. Wenn der Mensch Mystiker wird und mit Glück hinunterstrebt, ohne daß er vorher darauf gesehen hat, durch seine Charakterbildung Gegenmittel zu ergreifen gegen Hochmut, Eitelkeit und dergleichen, wenn es ihm gelingt, als Mystiker zu leben, aber ohne besondere moralische Kultur, dann kann er um so mehr den Verlockungen Luzifers verfallen, der von innen herauf in die Seele hinein- wirkt. Wenn daher der Mystiker nicht sehr gesehen hat auf seine moralische Kultur, dann kann er, wenn es ihm gelingt, ein wenig hineinzudringen in sein Inneres, in die große Gefahr kommen, daß er noch stärker, als das bisher der Fall war, die rückschlagende Kraft des luziferischen Einflusses aufruft und daß er noch eitler und hochmütiger wird als vorher. Deshalb ist es so notwendig, daß man vorher durch Charakterbildung dafür sorgt, daß man gegen die in allen Fällen an uns herantretenden Verlockungen der Eitelkeit, des Größenwahnes, des Hochmutes ein Gegenmittel hat. Und wir können nicht genug darin tun, uns gerade diejenigen Eigenschaften anzueignen, welche zur Bescheidenheit und zur Demut führen. Das ist im eminenten Maße notwendig für die Seite unserer höheren Entwickelung, die wir die mysti sche nennen. Auf der andern Seite ist es notwendig, daß sich der Mensch auch gegen die Wahngebilde des Ahriman schützt, wenn er versucht, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
durch eine Entwickelung, die hinter die Erscheinungen der Außenwelt führt, bis zu den geistigen Urgründen der Dinge zu kommen. Wenn er da nicht versucht, eine Charakterbildung zu erlangen, welche ihn innerlich stark und kräftig macht, die ihn fest gebaut sein läßt auf sein Inneres, dann wird es sehr leicht vorkommen können, daß der betreffende Mensch - und zwar gerade, wenn er Glück hat mit dem Hinausgehen in die geistige Welt - dem Ahriman verfällt, daß Ahriman ihm vorgaukelt Illusion über Illusion, Halluzination über Halluzination.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man kommt häufig in den Fall, daß einen die Menschen in gewisser Beziehung «beim Wort nehmen». Weil so oft betont wird, daß die höhere Entwickelung, die hinter die Erscheinungen der Außenwelt kommen will, verknüpft sein muß mit vollem Bewußtsein, kommt es vor, daß einem die Leute immer wieder halb somnambule Personen bringen, welche versichern: Ja, da nehme ich die geistige Welt wahr, und zwar bei vollem Bewußtsein! - Da kann man immer nur sagen: Wenn du nur nicht bei Bewußtsein sein möchtest; das wäre viel gescheiter! - Denn über dieses «Bewußtsein» täuschen sich die Leute. Es ist ein bloßes Bilderbewußtsein, ein astralisches Bewußtsein; denn wenn diese Personen nicht in einem unterbewußten Grade bewußt wären, würden sie das ja nicht wahrnehmen. Aber darum handelt es sich, daß man, wenn man in die geistige Welt hineingeht, sein Ich-Bewußtsein zusammenhält. An das Ich-Bewußtsein aber ist gebunden Urteilskraft und ein deutliches Unterscheidungsvermögen! Das haben dann die Menschen nicht für die Gestalten, welche sie in der geistigen Welt sehen. Daß sie ein Bewußtsein haben, ist nicht weiter wunderbar; aber jenes Bewußtsein, das mit der Kultur unseres Ich verknüpft ist, das müssen wir haben. Daher wird nicht etwa betont bei einer Entwickelung zum Schauen der höheren Welten, daß die Menschen so schnell wie möglich hineinkommen in eine höhere Welt und allerlei Gestalten sehen oder vielleicht auch allerlei Stimmen hören, sondern es wird betont, daß das Hineingehen in die geistige Welt von Glück und von Vorteil nur dann sein kann, wenn man das Bewußtsein und das Unterscheidungsvermögen und die Urteilskraft schärft. Und das kann nicht besser geschehen als durch das Studium der geisteswissenschaftlichen Wahrheiten. Daher wird betont, daß das Sich-Befassen mit geisteswissenschaftlichen Wahr- &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
heiten ein Schutz ist gegen das vermeintliche Sehen von allerlei Gestalten, über das keine Urteilskraft sich ausbreiten kann. Wer wirklich geschult ist in dieser Weise, der wird nicht jede beliebige Erscheinung für dies oder jenes halten, sondern er wird vor allen Dingen unterscheiden können zwischen Realität und Nebelbild, und er wird sich vor allen Dingen auch klar sein, daß man namentlich auch mit den Dingen, welche als Gehörswahrnehmungen auftreten, besonders vorsichtig sein muß, weil nie eine Gehörswahrnehmung eine richtige sein kann, wenn der Betreffende nicht durchgegangen ist durch die Sphäre der absoluten Ruhe. Und wer nicht zuerst die absolute Stille und Lautlosigkeit der geistigen Welt erfahren hat, der kann sich ganz gewiß sagen, daß es Trugbilder sind, die er wahrnimmt, und wenn sie ihm etwas noch so Gescheites sagen. Nur wer sich Mühe gegeben hat, seine Urteilskraft zu schärfen gerade dadurch, daß er zu begreifen versucht die Wahrheiten der höheren Welten, nur der kann sich gegen Trugbilder schützen. Die Mittel der äußeren Wissenschaft reichen dazu nicht aus. Die äußere Wissenschaft gibt keine so scharfe, stärkende Urteilskraft, wie sie notwendig ist, um in einer geistigen Welt wirklich zu unterscheiden. Darum kann man wirklich sagen: Wenn Leute etwas mitteilen aus höheren Welten, die nicht vorher sorgfältig darauf geachtet haben, ihre Urteils- kraft zu schärfen - was besonders durch das Studium der Geisteswissenschaft möglich ist -, dann sind solche Mitteilungen immer im höchsten Grade anfechtbar, und sie müßten mindestens immer erst kontrolliert werden durch diejenigen Methoden, die unter der Voraussetzung der wirklichen Schulung errungen sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt nur eine Macht, vor der sich Luzifer zurückzieht: das ist die Moralität. Das ist etwas, was den Luzifer brennt wie das furchtbarste Feuer. Und es gibt kein anderes Mittel, welches dem Ahriman entgegenwlrkt, als an der Geisteswissenschaft geschulte Urteilskraft und Unterscheidungsvermögen. Denn was wir uns auf der Erde als gesunde Urteilskraft aneignen, das ist etwas, was Ahriman furchtbar flieht. Er hat im Grunde vor nichts einen so großen Widerwillen als vor dem, was wir uns durch eine gesunde Schulung unseres Ich-Bewußtseins erringen. Denn wir werden sehen, daß Ahriman einer ganz andern Region angehört, die weit entfernt ist von dem, was wir als unsere gesunde Urteilskraft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
entwickeln. Im Augenblick, wo Ahriman mit dem zusammen- trifft, was wir uns im Erdendasein als gesunde Urteilskraft errungen haben, bekommt er einen furchtbaren Schreck, denn das ist etwas ganz Unbekanntes für ihn, davor hat er eine große Furcht. Je mehr wir uns daher bemühen, das auszubilden, was im Leben zwischen Geburt und Tod an gesunderUrteilskraft gegeben werden kann, desto mehr arbeiten wir Ahriman entgegen. Das zeigt sich besonders bei allerlei Persönlichkeiten, welche einem gebracht werden und die dann «das Blaue vom Himmel herunter» von all den geistigen Welten erzählen, die sie da gesehen haben. Und wenn man dann den allergeringsten Versuch macht, diesen Persönlichkeiten etwas klarzumachen, ihnen Verständnis und Unterscheidungsvermögen beizubringen, dann hat sie Ahriman gewöhnlich so sehr in der Gewalt, daß sie kaum darauf eingehen können; und das wird um so stärker, je mehr sich die Verlockungen Ahrimans nach der akustischen Seite hin ausdrücken. Gegen das, was sich in visionären Bildern zeigt&amp;gt; gibt es noch mehr Mittel als gegen das, was akustisch sich zeigt, wie gehörte Stimmen und so weiter. Solche Leute haben eine große Abneigung, etwas zu lernen, was für das Ich-Bewußtsein zwischen Geburt und Tod errungen werden muß. Sie mögen es nicht. Aber sie selber sind das nicht, die das nicht mögen. Es sind die ahrimanischen Mächte, welche sie davon wegzerren. Wenn man einen solchen Menschen dann aber so weit bringt, gesunde Urteilskraft zu entwickeln, und er darauf eingeht, Belehrungen anzunehmen, dann zeigt sich sehr bald folgendes. Dann hören die Stimmen und die Halluzinationen auf, weil sie vorher nur ahrimanische Nebelbilder waren und weil Ahriman eine furchtbare Angst bekommt, sobald er verspürI: Da, vom Menschen her, kommt eine gesunde Uiteilskraft!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So ist in der Tat das beste Mittel gegen diese den Menschen besonders schädigenden Erkrankungen des durch Ahriman bewirkten Sehens und halluzinatorischen Hörens dies: den Menschen mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln dazu zu bringen, sich eine gesunde und vernünftige Urteilskraft zu erringen. Das ist für manche Persönlichkeiten außerordentlich schwierig. Denn sie sind in dem Falle, daß es die andere Macht ihnen sehr bequem macht, diese andere Macht leitet sie. Wer aber diese Macht austreiben will, kann es sich nicht so bequem machen. Bei &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|141}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
solchen Persönlichkeiten kommt man dann recht schwer an, denn sie behaupten, man hätte ihnen das genommen, was sie früher in die geistige Welt hinaufgeführt hat, während man sie in Wahrheit gesund gemacht hat und davor bewahrt hat, daß diese Mächte immer mehr und mehr Gewalt über sie bekommen!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir sehen also, wovor die luziferischen und ahrimanischen Mächte einen recht großen Widerwillen haben. Demut, Bescheidenheit beim Menschen, sich nicht für mehr halten, als wozu ein gesundes Urteil berechtigt, das ist etwas, was dem Luzifer gar nicht gefällt. Dagegen ist er da wie die Fliegen in einer unreinen Stube, wenn irgendwo die Eigen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
schaften des Ehrgeizes, der Eitelkeit heraus wollen. Alles dies und besonders die Dinge, welche auf falschen Vorstellungen über sich selbst beruhen, wirken nun wieder dahin, daß wir uns auch für Ahriman bereit machen. Gegen Ahriman schützt aber nichts mehr, als wenn wir uns wirklich im Leben Mühe geben, gesund zu denken, wie es uns das Leben zwischen Geburt und Tod lehrt. Und gerade diejenigen, welche auf dem Boden der Geisteswissenschaft stehen, haben alle Veranlassung, so intensiv, als es nur möglich ist, immer wieder zu betonen, daß es uns als Erdenmenschen nicht geziemt, zu übersehen, was uns gerade durch das Erdenleben gegeben werden soll. Die Menschen, welche es verschmähen, sich ein gesundes Urteil und vernünftiges Unterscheidungsvermögen anzueignen, und leicht ohne dieses hinauf wollen in eine geistige Welt, sie wollen sich im Grunde genommen dem Erdenleben entziehen. Sie wollen so hinschweben über das Erdenleben; sie finden, daß es eigentlich für sie eine viel zu geringe Beschäftigung ist, sich mit allerlei Dingen abzugeben, die zum Verständnis des Erdenlebens führen können. Sie halten sich für etwas Besseres. Gerade eine solche Empfindung ist aber ein neuer Grund zum Hochmut. Daher können wir es immer wieder sehen, daß Persönlichkeiten, die zur Schwärmerei neigen, zu einem Nicht-berührtsein-Wollen von den Erdendingen und dem Erdenleben, es ablehnen, zu lernen, «weil sie ja schon in allem darinnenstehen&amp;gt; und nicht Gemeinschaft machen wollen mit einer solchen Strömung wie der unserigen. Solche Menschen sagen: In die geistige Welt muß ja die Menschheit hinein!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gewiß, aber es gibt nur einen gesunden Paß da hinein, und das ist&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|142}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die auf der Erde errungene Moralität im höheren Sinne, die uns nicht uns selbst überschätzen läßt, die uns nicht zu einem falschen Urteil über uns selbst führt, uns auch nicht abhängig sein läßt von unseren Trieben, Begierden und Leidenschaften; und auf der andern Seite ist es ein emsiges, gesundes Mitarbeiten mit den Verhältnissen des Erdenlebens, nicht ein Über-den-Verhältnissen-des-Erdenlebens-schweben-Wollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit haben wir aus den Tiefen des Karma etwas herausgeholt, was mit den Tiefen des geistigen Lebens zusammenhängt. Von großem Wert kann das sein. Aber nichts ist von Wert für die Entwickelung des Menschen und seiner Individualität, was ohne gesunde Vernunft aus der geistigen Welt herausgeholt wird; und von Wert ist auch das nicht, was ohne Moralität herausgeholt wird. Das kann man einsehen aus den Tatsachen, die das letzte Mal und heute dargestellt worden sind. Und wenn wir das einsehen, können wir uns sagen: Warum sollte der luziferische Einfluß, gerade weil er von früher her wirkt und sich umgewandelt hat in die Krankheit und ausgeglichen wird durch den Schmerz, warum sollte er nicht beim Menschen gleichsam nach sich ziehen den ahrimanischen Einfluß? Und warum sollte nicht bei dem, was uns Schmerz bereitet und uns den luziferischen Verlauf einer Krankheit anzeigt, mitspielen gerade als Folge des luziferischen Einflusses der ahrimanische Einfluß? Wie aber wirkt der ahrimanische Einfluß? Und wie wandeln sich die Verlockungen des Ahriman in Krankheitsursachen um? Wie tritt das auf in einer späteren Inkarnation?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was ahrimanischem Einfluß zuzuschreiben ist, das ist mittelbar doch auf Luzifer zurückzuführen; aber wenn der luziferische Einfluß so stark war, daß er den ahrimanischen Einfluß herausgefordert hat, dann ist der ahrimanische Einfluß der heimtückischere. Er liegt tiefer unten, nicht nur in den Verfehlungen des astralischen Leibes, sondern in den Verfehlungen des Ätherleibes. In einem Bewußtsein, das unter dem Schmerzbewußtsein liegt, tritt der ahrimanische Einfluß auf mit einer Schädigung, welche nicht von Schmerz begleitet zu werden braucht, mit einer solcben Schädigung, die in dem betreffenden Organe, wo sich die Schädigung ausdrückt, zu einem Unbrauchbarwerden dieses Organs führt. - Nehmen wir an, in einer Inkarnation hätte ein ahrimanischer Einfluß gewirkt und hätte das hervorgerufen, was eben ein ahrimani&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|143}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
scher Einfiuß hervorrufen kann. Der Mensch durchlebt nun die Zeit zwischen Tod und neuer Geburt - und tritt wieder auf in einer neuen Inkarnation. Dann zeigt sich, daß irgendein Organ ergriffen ist von der ahrimanischenWirkung, mit andern Worten: In diesem Organ sitzt der Ätherleib viel tiefer darinnen, als er darinsitzen sollte; das Organ ist viel stärker durchdrungen von dem Ätherleib, als es sein sollte. In solchem Falle wird der Mensch wegen des fehlerhaften Organs verleitet, sich nur noch mehr in den Irrtum - das, was Ahriman vollbringt in der Welt - zu verstricken. Mit dem Organ, welches dem ahrimanischen Einfluß seine Schädigung verdankt, in das sich so recht tief hineinversetzt hat der Atherleib, würde der Mensch, wenn er diesen ganzen Prozeß ausleben wollte, sich tiefer in das verstricken, was Ahriman bewirken kann: in die Maja. Da nun aber alles das, was die Außenwelt als Maja erzeugt, nicht mitgenommen werden kann in die geistige Welt, so entzieht sich uns die geistige Welt immer mehr. Denn dort gibt es nur Wahrheit, nicht Illusion! Je mehr wir also in die durch Ahriman bewirkte Illusion hineinverstrickt werden, desto mehr werden wir gerade dazu gedrängt, uns noch viel mehr in die sinnlich-äußere Welt, in die Illusion des Physisch-Sinnlichen hineinzuversetzen, als wir es ohne ein solches schadhaftes Organ tun würden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da aber tritt die gegensätzliche Wirkung ebenso auf, wie die gegensätzliche Wirkung im Schmerz bei dem luziferischen Einfluß auftritt. Da tritt die gegensätzliche Wirkung nun so auf, daß in dem Augenblick, wo die Gefahr vorhanden ist, daß wir uns zu sehr an die physisch- sinnliche Welt ketten und uns dadurch zu viel rauben von dem, was uns hinaufführen könnte in die geistige Welt, daß in diesem Augenblick das Organ zerstört wird, daß es entweder gelähmt oder zu schwach gemacht wird zum Wirken. Es tritt also ein Zerstörungsprozeß ein. - Sehen wir also, daß ein Organ zerstört wird, so müssen wir uns klar seIn, daß wir dies eigentlich wohltätigen Mächten verdanken müssen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
das Organ wird uns genommen, damit wir wieder den Rückweg finden in die geistige Welt. So ist es in der Tat, daß uns - wenn es nicht anders geht - durch gewisse Mächte Organe zerstört werden oder daß wir mit kranken Organen ausgerüstet werden, damit wir nicht zu tief in die Illusion hineingestoßen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|144}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn also jemand zum Beispiel eine Leberkrankheit hat, die als solche nicht von schmerzlichen Erlebnissen begleitet ist, so haben wir es zu tun mit der Wirkung eines vorhergehenden ahrimanischen Einflusses, der dazu geführt hat, der Leber die betreffende Schädigung zuzufügen, weil wir sonst durch die Kräfte, welche verbunden sind mit dem Tieferhineingehen des Ätherleibes, zu sehr in Maja hineingeführt würden, wenn uns dieses Organ nicht genommen würde. Sagen und Mythen haben immer die tiefste Weisheit gewußt und haben sie in sich ausgedrückt. Gerade die Leber ist ein gutes Beispiel dafür. Denn sie ist ein Organ, das am leichtesten für das Hineingleiten des Menschen in die physisch-illusorische Welt wirksam sein kann. Und die Leber ist zugleich das Organ, das uns eigentlich an die Erde kettet. Mit dieser Wahrheit hängt zusammen, daß bei derjenigen Wesenheit, welche den Menschen der Sage nach die Kraft gebracht hat, die sie in das Erdenleben hineinführen und dort recht wirksam machen soll - nämlich bei Prometheus -, gerade an der Leber ein Geier nagt. Ein Geier nagt an der Leber, nicht etwa darum, weil das dem Prometheus einen besonders tiefen Schmerz verursachen soll; denn in diesem Falle würde die Sage nicht stimmen mit den wirklichen Tatsachen. Aber Sagen stimmen immer überein mit den physiologischen Tatsachen! Der Geier nagt an der Leber, weil es nicht wehtut! Denn es sollte darauf hingewiesen werden, daß Prometheus der Menschheit etwas brachte, was sie tiefer hineinverstricken könnte in das Ahrimanische,wenn nicht die gegenteilige, ausgleichende Wirkung geschehen könnte. Okkulte Urkunden sind Immer im Einklang mit den Wahrheiten, welche wir in der Geisteswissenschaft verkünden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich habe Ihnen heute rein aus der Sache heraus gezeigt, daß es die guten Mächte sind, welche über den Menschen den Schmerz verhängen gegenüber dem Einfluß Luzifers. Bringen Sie das einmal in Zusammenhang mit der Urkunde des AltenTestamentes. Als der Einfluß des Luzifer geschehen war, wie er uns symbolisiert wird durch die Schl,ange, welche die Eva verführt, mußte also von den Gegnern des Luzifer gerade über das, wozu Luzifer die Menschen bringen wollte, der Schmerz verhängt werden. Es mußte die Macht, deren Gegner Luzifer ist, jetzt kommen und davon sprechen, daß von nun an Schmerz über die Menschheit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|145}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gebracht wird. Das tut Jahve oder Jehovah, indem er sagt: «Unter Schmerzen sollst du Kinder gebären!»&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Dinge in den okkulten Urkunden weiß man in der Regel nicht zu deuten, solange man die geisteswissenschaftlichen Erklärungen als solche noch nicht hat. Nachher kommt man dann darauf, wie tief diese Urkunden sind. Daher können Sie auch von mir nicht verlangen, daß ich Ihnen aus dem Nichts heraus - ohne die entsprechenden Voraus setzungen - die Dinge ohne weiteres erklären kann. Damit es überhaupt möglich ist, über die Stelle zu sprechen: «Unter Schmerzen sollst du Kinder gebären!», müssen vorausgehen die Betrachtungen über das Karma; denn erst an der betreffenden Stelle kann man die Erklärung darüber einfügen. Daher nutzt es auch nicht viel, wenn man dieses oder jenes erklärt haben will aus den okkulten Urkunden, bevor man die betreffende Stelle in der okkulten Entwickelung erreicht hat. Und es ist immer eine mißliche Sache, zu fragen: Was bedeutet dies? Was bedeutet jenes? - Der Mensch muß immer warten und Geduld haben, bis die betreffende Stelle herangekommen ist; mit den Erklärungen allein würde man nichts erreichen. So sehen wir in unser Leben hineinwirken auf der einen Seite die iuziferischen Mächte, auf der andern Seite diejenigen Mächte, deren Gegner Luzifer ist. Dann wirken die ahrimanischen Mächte in unser Leben hinein, und wir müssen uns klarmachen, daß die Mächte, welche uns Organe unbrauchbar machen, wenn wir dem ahrimanischen Einfluß verfallen, zu den guten Mächten zu rechnen sind, deren Gegner eben Ahriman ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn Sie Ihren Ausgangspunkt nehmen von all dem, was jetzt gesagt worden ist, werden Sie tief hineinschauen können in das komplizierte Getriebe der Menschennatur, und Sie werden dazu kommen können, sich zu sagen: Die luziferischen Mächte sind solche, die während der alten Mondenzeit zurückgeblieben sind; sie wirken heute in unserer Erdentwickelung mit denjenigen Kräften in das menschliche Leben hinein, die eigentlich Mondenkräfte sind, die sich in demjenigen Welten plan, der zum Beispiel nur jenen Mächten entspricht, deren Gegner Luzifer ist, gar nicht innerhalb unserer Erdentwickelung abspielen können. So wirkt Luzifer hinein in den Plan einer anderen Wesenheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|146}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir können aber nun zurückgehen zu weiter zurückliegenden Epochen der Entwickelung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir auf der einen Seite sehen, daß auf dem Monde Wesenheiten zurückblieben in ihrer Entwickelung, um auf der Erde einzugreifen in das menschliche Leben, dann kann uns erklärlich erscheinen, daß auch auf der alten Sonne Wesen zurückgeblieben sind, die dann auf dem Mond eine ähnliche Rolle gespielt haben wie die luziferischen Wesenheiten jetzt auf der Erde. Wir haben heute in der menschlichen Wesenheit etwas, was wir eigentlich als einen Kampf bezeichnen können: der Kampf, der sich abspielt zwischen den luziferischen Gewalten, welche sich in unseren astralischen Leib hineinsetzen, und denjenigen Mächten, die durch unser Ich, durch unsere Erdenerrungenschaften auf uns wirken. Denn die Mächte, deren Gegner Luzifer ist, können ja nur durch unser Ich auf uns wirken. Wenn wIr uns Klarheit und richtige Schätzung über uns selbst aneignen, so können wir das nur mit Hilfe derjenigen Mächte, die auf unser Ich wirken. Dazu müssen wir schon unser Ich anwenden. Deshalb können wir sagen: Indem sich unser Ich aufbäumt gegen die luziferischen Mächte, kämpft in uns Jahve oder Jehovah gegen Luzifer; da kämpft das, was den guten Weltenplan besorgt, gegen das, was sich auflehnt gegen diesen Weltenplan In seiner alleinigen Geltung, und wir sind mit unserem innerstenWesen darinnenstehend in diesem Kampf des Luzifer mit andern Wesenheiten. Wir sind selbst der Schauplatz dieses Kampfes. Und daß wir der Schauplatz dieses Kampfes sind, das zieht uns in Karma hinein - aber nur mittelbar dadurch, daß dieser Kampf mit dem Luzifer sich abspielt. Wenn wir dagegen den Blick nach außen richten, werden wir in die ahrimanischen Mächte hineingezogen. Da spielt sich etwas ab, was von draußen kommt, und hier kommt Ahriman in uns herein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun wissen wir, daß Wesenheiten auf dem alten Monde gelebt haben, die in ähnlicher Weise damals ihre Menschheitsstufe durchgemacht haben, wie wir sie Im Laufe der Erdentwickelung durchmachen. In der «Akasha-Chronik» und in der «Geheimwissenschaft» finden Sie diese Wesen bezeichnet als Engel, Angeloi, Dhyanis; auf den Namen kommt es nicht an. Im Inneren dieser Wesenheiten spielte sich damals aber ein ähnlicher Kampf ab wie der luziferische Kampf in unserer &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|147}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
eigenenWesenheit. DieseWesen waren auf dem alten Monde der Schauplatz eines Kampfes, der sich abspielte durch jene Wesenheiten, welche wieder auf der Sonne zurückgeblieben waren. Dieser Kampf auf dem Monde hat mit unserem inneren Ich nichts zu tun, denn auf dem Monde hatten wir unser Ich noch nicht. Er steht außerhalb dessen, woran unser Ich beteiligt sein kann, er hat sich auf dem alten Monde «in der Brust der Engel» abgespielt. Dadurch sind diese Wesenheiten damals etwas geworden, was sie nur werden konnten unter dem Einfluß von andern Wesenheiten, die zurückgeblieben waren gegenüber der normalen Sonnenentwickelung und die damals für die Angeloi dieselbe Rolle spielten, wie sie die luziferischen Wesenheiten heute für uns spielen. Und das waren die ahrimanischen Wesenheiten, welche während der Sonnenentwickelung ebenso zurückgeblieben sind wie die luziferischen Wesenheiten während der Mondentwickelung. Daher können wir zu diesen Wesenheiten auch nur mittelbar kommen. Ahriman war es aber, der sozusagen der Versucher in der Brust der Angeloi war, und er wirkte in ihnen. Durch ihn sind die Angeloi das geworden, was sie dann geworden sind, und sie haben das, was sie durch Ahriman geworden sind, ebenso herübergebracht wie das&amp;gt; was sie im Guten erreicht haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir haben als Gutes von Luzifer die Möglichkeit, zwischen Gut und Böse zu unterscheiden, freies Entscheidungsvermögen zu entwickeln, freien Willen zu erringen. Das ist für uns nur durch Luzifer zu erreichen. DieseWesenheiten aber haben etwas erreicht und mit hinübergenommen in das Erdendasein,wovon wir sagen können: Wie uns die Angeloi jetzt umgeben als Geistwesen, so haben sie sich zu ihrem jetzigen Sein vorbereitet durch den ahrimanischen Kampf in ihrer Seele zur Zeit der alten Mondentwickelung. Was diese Wesenheiten durchgemacht haben und was sie als Wirkungen in sich haben von dem, was sie durchgemacht haben, das geht uns in unserem innersten Ich nichts an, daran sind wir mit unserem Ich nicht beteiligt. - Wir werden sehen, wie wir mittelbar dazu kommen, weil ja der ahrimanische Einfluß doch wieder in uns hereinwirkt. - Was diese Wesenheiten sich unter dem Einflusse Ahrimans errungen haben, das sind gewisse Wirkungen, zu denen sie die Ursachen während ihres Mondendaseins aufgenommen haben. Während desMondendaseins nahmen dieseWesenheiten durch den ahrimanischen &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|148}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einfluß in sich etwas auf, was sie hineingetragen haben in unser Erden- dasein. Versuchen wir einmal, in unserem Erdendasein das aufzufinden, was uns erscheinen kann als eine solche Wirkung des damaligen ahrimanischen Kampfes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn dieser ahrimanische Kampf auf dem alten Monde nicht stattgefunden hätte, so könnten diese Wesenheiten nicht in unser Erden- dasein hineintragen, was dem alten Mondendasein angehört hat. Denn das würde aufgehört haben, nachdem der alte Mond zugrunde gegangen war. Dadurch, daß die Angeloi den ahrimanischen Einfluß aufgenommen haben, sind sie verstrickt worden in das Mondendasein, geradeso wie wir verstrickt werden durch den luziferischen Einfluß in das Erden- dasein. Sie haben das, was Mondelement ist, in ihr Innerstes aufgenommen und haben es hinübergebracht in unser Erdendasein. Dadurch sind sie imstande geworden, gerade dasjenige in unserem Erdendasein hervorzurufen, was hervorgerufen werden muß, damit unsere Erde nicht ganz dem Einfluß Luzifers verfällt. Unsere Erde würde im ganzen dem Einflusse Luzifers verfallen müssen, wenn diese Tatsache, welche dem Kampfe der Engel mit Ahriman auf dem Monde entspricht, nicht in unser Erdendasein hineingebracht worden wäre.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Welches sind denn die Vorgänge im Erdendasein, die wir als die normalen bezeichnen? Als sich unser jetziges Sonnensystem entsprechend dem Erdenziele geordnet hat, ist das aufgetreten, was wir als die regelmäßigen Bewegungen der Sonne, der Erde und der andern Planeten sehen und was bewirkte, daß,wirTag und Nacht haben, daß die Jahreszeiten in der regelmäßigen Weise aufeinanderfolgen, daß wir Sonnenschein und Regen haben, daß unsere Früchte auf den Feldern gedeihen und so weiter. Das sind Ordnungen, die sich immer wiederholen nach dem Rhythmus des Kosmos, der sich für das jetzige Erdendasein herausgebildet hat, nachdem das Mondendasein in die Dämmerung hinuntergestiegen ist. Aber innerhalb des Erdendaseins wirkt Luzifer. Und wir werden sehen, daß er noch viel mehr wirkt als nur in dem Gebiet, wo wir ihn schon verfolgen konnten, in dem Menschen selbst, wo er sich allerdings seinen wichtigsten Schauplatz ausgesucht hat. Aber selbst wenn Luzifer nur innerhalb des Erdendaseins vorhanden wäre, und schon durch alle die Ordnungen, welche eintreten durch den regelmäßi&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|149}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gen Gang der Planeten um die Sonne, durch den Wechsel von Sommer und Winter, Regen und Sonnenschein und so weiter, würden die Menschen in das verfallen, was wir nennen können «luziferische Verführung&amp;gt;. Wenn den Menschen alles das zukommen würde, was ihnen aus dem geordneten Kosmos zukommen kann,was die regelmäßigen, rhythmischen Bewegungen des Sonnensystems hervorbringen, wenn nur die Gesetze herrschten, welche unserem jetzigen Kosmos angemessen sind, so müßte der Mensch dem luziferischen Einfluß verfallen, müßte das Wohlleben lieber gewinnen als das, was er gewinnen soll zu seinem kosmischen Heil, müßte den regelmäßigen Gang lieber gewinnen als das, was er sich erringen soll.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daher mußten Gegenkräfte geschaffen werden. Es mußten Gegenkräfte wirken, welche dadurch zustande kamen, daß sich hineinmisch ten in die regelmäßigen kosmischen Vorgänge unseres Erdenlebens solche Vorgänge, die für den alten Mond höchst wohltätige und normale waren, die aber heute, wenn sie auf das Erdendasein wirken, abnorme sInd und den regelmäßigen Erdengang gefährden. Diese Einflüsse treten so auf, daß sie gewissermaßen zurechtrücken, was, wenn der bloße Rhythmus vorhanden wäre, als Hang zum Wohlleben, als Behaglichkeit und Üppigkeit entstehen würde; und es zeigen sich uns solche Kräfte zum Beispiel in dem, was als der heftige Hagel dahinstürmt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und wenn das, was sonst unter den regelrechten Kräften der Erde ge schaffen würde, zerstört wird, so wird in einem solchen Falle eine Korrektur geschaffen, die im ganzen wohltätig wirkt, wenn es auch der Mensch zunächst nicht einsieht, weil es eine höhere Vernünftigkeit gibt als die, welche der Mensch begreift. Wenn der Hagel hereinstürmt in die Felder, dann können wir sagen: Auf dem alten Monde waren diese Kräfte, welche im Hagel heranstürmen, segenbringende Kräfte wie heute diejenigen Kräfte, welche segenbringend im Regen und Sonnen schein wirken. Heute stürmen sie herein, damit Korrektur geschaffen wird für das, was der luziferische Einfluß sonst anrichten würde. Und wenn der regelmäßige Gang fortgeht, stürmen sie in immer heftigerer Weise herein, um noch mehr Korrektur zu schaffen. Alles, was zur regelmäßigen Fortentwickelung führt, gehört den Kräften der Erde selber an. Wenn der Vulkan seine Laven hinausschleudert, so wirken &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|150}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
darin Kräfte, welche als verspätete Kräfte vom alten Mond mit herübergebracht worden sind, damit sie Korrektur schaffen im Erden- leben. So ist es mit den Erdbeben und mit den Elementarereignissen überhaupt.Und wir können sehen,daßmanches,was von außen kommt, im Gesamtgange der Entwickelung seine vernünftige Begründung findet. Wie das mit dem menschlichen Ich-Bewußtsein zusammenhängt, das werden wir noch sehen; was unbefriedigend am heutigen Vortrag erscheint, wird sich dadurch morgen ausgleichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir müssen uns aber doch das eine klarlegen, daß diese Dinge alle nur die eine Seite des menschlichen Daseins&amp;gt; des Erdendaseins, des kosmischen Daseins überhaupt, darstellen. Und wenn wir auf der einen Seite sagen, wenn uns ein Organ zerstört wird, sind es wohltätige Wirkungen geistiger Mächte, und wenn wir heute gefunden haben, daß sogar der ganze Gang der Erdentwickelung wieder korrigiert werden muß durch Kräfte aus dem alten Mondendasein, so müssen wir jetzt fragen: Wie steht es nun damit, daß wir versuchen müssen, als Erden- menschen auf der andern Seite wieder Korrektur zu schaffen für die schädlichen Einflüsse der alten Mondenkräfte? - Wir werden ja schon ahnen, daß wir als Erdenmenschen nicht gerade herbeisehnen dürfen Vulkanausbrüche und Erdbeben, daß wir nicht selber Organe zerstören dürfen, um die segensreiche Wirkung der geistigen Mächte zu unterstützen. Aber wir werden uns auch sagen können, und das hat gewiß seIne Berechtigung: Bricht irgendwo eine Epidemie aus, so wird dadurch etwas herbeigeführt, was der Mensch geradezu sucht, damit in ihm etwas ausgeglichen wird. Und wir können annehmen, daß der Mensch hineingetrieben wird in gewisse Verhältnisse, um eine Schädigung zu erfahren, durch deren Überwindung er sich derVervollkommnung nähert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie steht es aber dann mit hygienischen und sanitären Maßregeln?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Könnte nicht jemand sagen: Also werden Epidemien sehr Gutes wirken können? Ist es dann nicht falsch, durch allerlei gesundheitsfördernde Einrichtungen, durch krankheitsvorbeugende Maßnahmen die Möglichkeit zu vermindern, daß solche Einflüsse geschehen? Es könnte jemand darauf kommen, daß man nichts tun sollte, um elementare Ereignisse abzuschwächen, und könnte es damit motivieren, daß es ganz im Sinne der heutigen und gestrigen Ausführungen liege.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|151}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir werden sehen, daß das nicht der Fall ist, aber wieder nur unter gewissen Voraussetzungen nicht der Fall ist. Wir werden nämlich jetzt erst in der richtigen Weise dazu vorbereitet sein, um bei der nächsten Betrachtung derVerhältnisse einerseits zu verstehen, wie uns wohltätige Einflüsse geradezu die Schädigung eines Organs zufügen, damit wir der Wirkung der Maja nicht verfallen, und anderseits uns jener Wirkung bewußt zu werden, die wir hervorrufen, wenn wir uns selbst der Auswirkung solcher wohltätiger Einflüsse entziehen, indem wir sanitäre und hygienische Maßnahmen gegen die Krankheiten ergreifen. - Wir werden sehen, daß wir hier an einem Punkt stehen, an dem der Mensch so häufig steht: Wenn ein scheinbarer Widerspruch auftaucht und ihn die ganze Kraft des Widerspruchs tfeibt, dann ist er nahe daran, an einen solchen Punkt zu kommen, wo die ahrimanischen Mächte einen großen Einfluß auf ihn ausüben können. Nirgends liegt die Möglichkeit so nahe, uns~i~öuschungen hinzugeben,wie jetzt,wo wir in einen solchen Engpaß hineingekommen sind. Und es ist gut, daß wir jetzt da hinein- gekommen sind; denn jetzt können wir sagen: Wohltätige Mächte sind es, welche uns ein Organ unbrauchbar machen, denn das ist eine Gegenwirkung gegen Ahriman; also müßten es jetzt die Schädlinge der Menschheit sein, welche nicht das fordern, was man nennen kann «wohltätige Gegenwirkungen gegen die ahrimanischen Mächte». Denn hygienische Maßregeln und dergleichen würden diese wohltätige Gegenwirkung einschränken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir sind in einem Engpaß. Und es ist gut, daß wir einmal in diesen Widerspruch geführt sind, damit wir darüber nachdenken, daß solche Widersprüche möglich und sogar eine gute Schulung für unseren Geist sind. Denn wenn wir gesehen haben werden, wie wir uns aus diesem Widerspruch herausretten können, dann werden wir aus uns selbst heraus etwas getan haben, was uns Kraft geben kann, um uns den Täuschungen des Ahriman zu entziehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|152}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= ACHTER VORTRAG Hamburg, 25. Mai 1910 =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir zurückdenken an den Widerspruch, den wir am Ende unserer letzten Betrachtung vor uns hin gestellt haben, so müssen wir zu seiner Lösung heute nochmals zurückblicken auf die beiden Kräfte, auf die beiden Prinzipien, die uns nun im Laufe der Zeit geradezu wie die Herausforderer und auch wieder wie die Regulatoren unseres Karma erschienen sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir haben gesehen, daß unser. Karma erst dadurch in Bewegung gebracht wird, daß wir die Einflüsse der luziferischen Gewalten auf unseren astralischen Leib erleiden, daß wir durch die Versuchung dieser Gewalten zu Gefühls-, Trieb- und Leidenschaftsäußerungen kommen, die uns in gewisser Beziehung unvollkommener machen, als wir sonst wären. Wenn nun die luziferischen Einflüsse auf uns wirken, dann fordern sie auf der andern Seite heraus die ahrimanischen Einflüsse, jene Kräfte, welche nun nicht von innen heraus, sondern von außen her auf uns wirken, die im Wechselverkehr mit der Welt durch dasjenige hindurchwirken,was uns eben von außen entgegentritt. So ist es im Grunde Ahriman, der herausgefordert wird durch Luzifer, und wir Menschen sind eigentlich so lebendig hineingestellt in den Streit dieser beiden Prinzipien. Und wir müssen im Leben versuchen, gerade dadurch vorwärtszukommen, daß wir, wenn wir einmal in die Fangarme Luzifers oder Ahrimans gekommen sind, nach Mitteln und Wegen suchen, um wieder durch Überwindung dessen, was in uns angerichtet worden ist, höher zu steigen. Ganz deutlich aber können wir sehen, wie in der Tat dieses Wechselspiel zwischen luziferischen und ahrimanischen Mächten um unsere Person herum stattfindet, wenn wir uns den Fall in einer etwas andern Form noch einmal vor Augen rücken, den wir schon das letzte Mal angeführt haben: den Fall, daß jemand ahrimanischen Einflüssen verfällt, so daß er allerlei Vorspiegelungen,Täuschungen erlebt, daß er glaubt, dies oder jenes werde ihm besonders mitgeteilt oder mache auf ihn nach dieser oder jener Richtung hin einen Eindruck, woraus aber für einen andern, der sich seine gesunde Urteilskraft bewahrt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|153}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
hat, leicht zu erkennen ist, daß der Betreffende Irrtümern und Täuschungen verfallen ist. Das letzte Mal haben wir gesprochen von den Fällen, wo jemand hellseherischen, aber im schlimmen Sinne hellseherischenTäuschungen der geistigen Welt unterworfen wird. Da haben wir ausdrücklich angeführt, daß dies dann ~uschungen sind, die durch ahrimanische Kräfte hervorgerufen werden. Und wir haben gesehen, daß gegen solche Täuschungen, welche durch unrichtiges Hellsehen hervorgerufen werden, es kein anderes oder wenigstens kein günstigeres Mittel gibt als die gesunde Urteilskraft, die erworben wird im physischen Leben zwischen Geburt und Tod.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was wir im letzten Vortrage gesagt haben, ist etwas Bedeutungsvolles und Wesentliches, wenn wir es mit hellseherischen Verirrungen zu tun haben. Denn bei einem Hellsehen, das nicht durch regelrechte Schulung, nicht durch systematische Übungen erreicht worden ist, die streng und richtig geleitet werden, sondern das durch alte vererbte Merkmale eintritt, in Bildern oder Hören in Tönen und dergleichen, bei einem solchen unrichtigen Hellsehen können wir immer finden, daß es zurückgeht, daß es aufhört sogar, wenn der Betreffende die Möglichkeit findet und die Neigung hat, sich ernstlich auf theosophische Studien einzulassen, theosophische Erkenntnis wirklich aufzunehmen, oder gar sich einläßt auf eine wirkliche, sinn- und sachgemäße Schulung. Also in einem solchen Falle, wo wir es mit Verirrungen der übersinnlichen Erkenntnis zu tun haben, können wir sagen, daß die echten Quellen der Erkenntnis, wenn der Betreffende ihnen zugänglich ist, auch immer für ihn eine Hilfe sein werden, die ihn auf den rechten Weg bringen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dagegen dürfen Sie das, was gerade als eine Gegenüberstellung vor- gebracht werden muß und was eine so triviale Wahrheit ist, daß jeder sie kennt, nicht anführen. Jeder weiß, daß wenn jemand durch karmische Verwicklungen dazu gekommen ist, Zustände zu entwickeln, welche ihn zu den Symptomen des Verfolgungswahnes, des Größenwahnes führen, daß er dann in seiner Seele ein ganzes System vonWahnideen ausbilden kann, die von ihm so logisch wie nur möglich begründet werden, die aber doch eben Wahnideen sind. Es kann zum Beispiel vorkommen, daß jemand auf andern Gebieten des Lebens ganz richtig und &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|154}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
logisch denkt, daß er jedoch die`Wahnidee hat, er werde überall verfolgt um dieses oder jenes Grundes willen. Er wird dann imstande sein, wo er hinkommt, aus den geringsten Vorkommnissen Kombinationen geistreichster Art zu machen: Da ist wieder eine Clique, die nichts anderes will, als mir dies oder das anzutun! - Und er wird Ihnen in der geistreichstenArt beweisen,wie begründet seinVerdacht ist. So kann jemand ein ganz logischer Kopf sein und doch in sich gewisse Symptome der Verrücktheit ausleben. Da wird es ganz unmöglich sein, einen solchen Menschen mit logischen Gründen zu widerlegen. Im Gegenteil, wenn man in einem solchen Falle mit logischen Gründen kommt, dann kann es geschehen, daß die Wahnideen, die in dem Inneren des Betreffenden sitzen, erst recht herausgefordert werden und noch schärfere Beweismittel suchen für das, was er als den Inhalt seinerVerfolgungswahnidee geltend macht. - Wenn im geisteswissenschaftlichen Sinne gesprochen wird, müssen die Dinge ganz genau genommen werden. Wenn vorhin und auch das letzte Mal betont worden ist, daß man in den geisteswissenschaftlichen Erkenntnissen, denen sich jemand mit aller Mühe oder sogar in einer prinzipiellen systematischen Schulung hingibt, eine Gegenmacht hat gegen eine Verirrung der hellseherischen Kräfte, so ist damit ein ganz anderer Fall gemeint als der, welcher soeben charakterisiert worden ist. Jetzt handelt es sich nicht darum, daß man dem Betreffenden mit geisteswissenschaftlichen Erkenntnissen beikommt. In der Regel will man ihm beikommen mit Gründen aus dem Gebiet der gewöhnlichen Vernünftigkeit. Für die aber ist ein solcher Mensch absolut unzugänglich. Warum ist das der Fall?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn ein solches Krankheitsbild auftaucht, wie es sich in den geschilderten Symptomen auslebt, haben wir es damit zu tun, daß der Betreffende darin eine karmische Ursache von früheren Verkörperungen, von früheren Verirrungen zutage treten läßt. Was als eine Verirrung des Inneren anzusehen ist, liegt nicht und kann nicht in diesem Falle in der gegenwärtigen Inkarnation liegen, sondern das liegt in einer vorhergehenden Inkarnation. Nun machen wir uns ein Bild, wie so etwas aus der früheren Inkarnation in die gegenwärtige herüberkommt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dazu müssen wir ins Auge fassen, wie eigentlich unsere Seelenentwickelung verläuft. Wir bestehen als äußerer Mensch aus physischem &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|155}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Leib, Ätherleib und astralischem Leib, haben dann im Laufe der Zeit hineingebaut in diese Hüllen durch die Arbeit des Ich die Empfindungsseele in den Empfindungsleib, die Verstandes- oder Gemütsseele in den Atherleib und die Bewußtseinsseele in den physischen Leib. Was wir in unserem Inneren als die drei Seelenglieder entwickeln, das haben wir hineingebaut in die drei Hüllen, das lebt jetzt in diesen drei Hüllen. Nun nehmen wir an, in irgendeiner Inkarnation werden wir durch den Einfluß Luzifers - also dadurch, daß wir in uns egoistische oder sonstige, dem luziferischen Einfluß zuzuschreibende Triebe, Begierden, Instinkte entwickeln - so verführt, daß wir Verfehlungen auf unsere Seele laden. Diese Verfehlungen können nun sein in der Empfindungsseele, können sein in der Verstandes- oder Gemütsseele oder auch in der Bewußtseinsseele. Das ist dann die Ursache, die in irgendeiner folgenden Inkarnation in einem der drei Seelenglieder gegeben ist. Nehmen wir an, es sei ein Fehler, der besonders auf den Kräften der Verstandesseele beruht. Der wird dann in dem Zustande zwischen Tod und neuer Geburt so umgewandelt, daß dasjenige, was zum Beispiel die Verstandesseele verbrochen hat, in seiner Wirkung sich zeigt im Ätherleib. Das ist mittlerweile beim Durchgehen durch den Tod bis zur neuen Geburt hineingearbeitet worden in den Ätherleib. Wir stoßen also in der neuen Inkarnation auf eine Wirkung in dem Ätherleib, die zurückzuführen ist auf eine Ursache in der Verstandesseele in einer vorhergehenden Inkarnation. Nun arbeitet aber dieVerstandesseele der nächsten Inkarnation wieder für sich selbständig in dieser Inkarnation, und es ist nun ein Unterschied, ob der Mensch jene Verfehlung früher begangen hat oder nicht. Hat er sie in einer früheren Inkarnation begangen, so hat er jetzt einen Fehler in seinem Ätherleibe. Das sitzt nun tiefer, der sitzt nicht in der Verstandesseele, sondern im Ätherleibe. Aber was der Mensch sich auf dem physischen Plan als Vernünftigkeit, als Verständigkeit erarbeiten kann, das wirkt ja nur auf seine Verstandesseele; das wirkt nicht auf das, wie seine Verstandesseele in einer früheren Inkarnation sich betätigt hat und was jetzt schon in den Ätherleib hineingearbeitet ist. Daher kann es vorkommen, daß die Kräfte der Verstandesseele,wie sie uns jetzt bei einem Menschen entgegentreten, logisch intakt arbeiten, so daß also das eigentliche menschliche Innere ganz intakt ist, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
daß aber durch das Zusammenarbeiten zwischen Verstandesseele und dem krankhaften Teil des Ätherleibes von diesem Ätherleib aus nach einer gewissen Richtung hin ein Irrtum projiziert wird. Dann kann man zwar mit den Gründen, die man auf dem physischen Plan aufbringen kann, auf die Verstandesseele wirken, nicht aber unmittelbar auf den Ätherleib. Daher können Sie durch Logik, durch Überzeugung nichts ausrichten, ebensowenig wie Sie mit Logik etwas anfangen können, wenn Sie einen Menschen vor einen konvex gebogenen Spiegel hin- stellen, so daß der Betreffende darin sein verzerrtes Bild sieht, und Sie ihm dann beweisen wollen, daß er unrecht hat, das Bild so zu sehen. Er sieht doch ein verzerrtes Bild. So hängt es auch nicht vom Menschen ab, daß er in einer krankhaften Weise etwas falsch versteht, denn es wird seine sonst gesunde Logik von seinem Ätherleibe aus nicht in einer gesunden Weise gespiegelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf diese Weise können wir die karmische Wirkung früherer Inkarnationen in unserer tieferen Organisation in uns tragen. Und wir können geradezu angeben, wie in einem bestimmten Teig derselben - wie hier in unserem Ätherleib - das Schadhafte vorhanden ist. Daran sehen wir, was wir durch den luziferischen Einfluß in einer früheren Verkörperung herausgefordert und dann umgewandelt haben. Und in der Zwischenzeit zwischen Tod und neuer Geburt kommt die Umwandlung zustande von einem Inneren in ein Äußeres, und dann wirkt uns Ahriman aus unserem eigenen Ätherleibe entgegen. Das zeigt uns, wie Ahriman herangelockt wird an unseren eigenen Ätherleib durch Luzifer. Die frühere Verfehlung war eine luziferische, das Umgewandelte aber ist ein solches, daß uns gleichsam die Quittung dafür in der nächsten Inkarnation durch Ahriman gegeben wird. Und dann handelt es sich darum, daß der Mensch diese Schädigung seines Ätherleibes aus sich herausbringen muß. Das kann nur dadurch geschehen, daß tiefer in seine Organisation ein gegriffen wird, als es mit den gewöhnlichen Mitteln der äußeren Vernunft in einer Inkarnation möglich ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer so etwas durchmacht, daß er zum Beispiel den Symptomen des Verfolgungswahnes in einer bestimmten Inkarnation verfällt, der wird, wenn er neuerdings wieder durch die Pforte des Todes tritt, alle die Tatsachen vor sich haben, welche er sich geleistet hat infolge seiner &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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ahrimanischen Schädigung, und er wird sie in ihrer ganzen Absurdität vor sich haben. Das wird für ihn wieder die Kraft sein, welche ihn für seine nächste Inkarnation gründlich heilt. Denn er kann nur dadurch geheilt werden, daß dasjenige, was er unter dem Einfluß der entsprechenden Symptome vollzogen hat, ihm in der äußeren Welt für die Folge als absurd erscheint. Damit haben Sie etwas gegeben, was von uns zu einer solchen Heilung getan werden kann. Wenn jemand unter derartigen Wahnideen leidet, werden Sie ihn am wenigsten durch logische Gründe von seinen Wahnideen abbringen können. Sie werden dadurch nur seinen Widerspruch erst recht herausfordern. Aber Sie werden etwas erreichen, besonders wenn sich in früher Jugend so etwas zeigt, wenn Sie den Menschen in Lagen bringen, wo sich ihm die Folgen seiner Symptome kraß als unsinnig darstellen, wenn Sie ihn vor Tatsachen führen, die er hervorruft und die als kraß unsinnige wieder auf ihn zurückschlagen. Dadurch können Sie in gewisser Weise eine Heilung hervorrufen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie können auch dann heilend wirken, wenn Sie selbst so weit im Besitze der geisteswissenschaftlichen Wahrheiten sind, daß sie inneres Eigentum Ihrer Seele geworden sind. Sind sie so Ihr Besitz geworden, daß sie stehen und fallen mit Ihrer ganzen Persönlichkeit, dann haben Sie sie ja als den denkbar stärksten Glauben; dann ist Ihre ganze Persönlichkeit ein Ausstrahler dieser geisteswissenschaftlichen Wahrheiten. Mit diesen Wahrheiten, welche hereinströmen in das Leben zwischen Geburt und Tod und es erfüllen, die aber dennoch über dieses Leben selbst hinausragen, die Erkenntnisse sind aus übersinnlicher Welt, mit ihnen können Sie tiefergehende Wirkungen erzielen als mit äußeren Vernunftwahrheiten. Während Sie mit äußeren logischen Gründen nichts anfangen können, werden Sie, wenn Sie die geisteswissenschaftlichen Wahrheiten anwenden und wenn Sie genug Zeit und Gelegenheit dazu haben, allerdings so weit Impulse auf den betreffenden Menschen ausüben können, daß Sie sozusagen in der einen Inkarnation das vermögen, was sonst nur auf dem Umwege von einer auf die andere Inkarnation geschehen kann: nämlich hineinzuwirken von der Verstandesseele in den Ätherleib. Denn die Wahrheiten des physischen Planes sind nicht imstande, auch nur im geringsten die Kluft zwischen Empfin&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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dungsseele und Empfindungsleib, zwischen Verstandesseele und Ätherleib oder gar zwischen Bewußtseinsseele und physischem Leib zu überspringen. Daher werden Sie immer erleben, daß jemand auf dem physischen Plan noch so viel Weisheit über die sinnliche Welt aufnehmen kann: diese Weisheit wird in sehr geringem Zusammenhange stehen mit seiner Gemütswelt, mit dem, was wir nennen das Durchdrungensein seines Empfindungsleibes mit den entsprechenden Impulsen und Leidenschaften. Daher kommt es vor, daß jemand ein sehr gelehrtes Haus sein kann, ein großes theoretisches Wissen haben kann über die Dinge der physischen Welt, ein alter Professor geworden sein kann - und es im Inneren nicht zu einer Umwandlung seiner Triebe und Empfindungen und Leidenschaften gebracht hat, die sich im Empfindungsleib abspielen. Er kann im Grunde viel wissen über die physische Welt und ein krasser Egoist sein, weil er die Impulse dazu in der Jugend aufgenommen hat. - Natürlich kann ganz gut nebeneinander herlaufen äußere physische Wissenschaft und Durchbildung des Empfindungsleibes und Ätherleibes von innen heraus.Und ebenso kann der Mensch Verstandeswahrheiten aufnehmen, mancherlei, was sich als Kräfte der Gemütsseele aufnehmen läßt in bezug auf den physischen Plan, aber er kann jene tiefe Kluft nicht überspringen, welche zwischen der Verstandesseele und dem Ätherleib besteht. Mit andern Worten, Sie können immer wieder finden: Wenn jemand äußerliche Wahrheiten aufnimmt, wenn er auch noch so viel lernt - das eine werden Sie selten finden, daß dieses Gelernte wirklich Gewalt hat auf die formenden Kräfte seines Leibes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei einem Menschen, bei dem die Wahrheiten so wirken, daß sie sein ganzes Sein ergreifen, da werden Sie erleben können, daß sich im Laufe von zehn Jahren seine Physiognomie verändert, daß Sie ihm an der Stirn ablesen können, wie er gerungen hat, wie er zum Beispiel mit gewIssen Zweifeln in seinem Herzen gerungen hat. Oder auch an seinen Gesten können Sie es bemerken, wenn er zum Beispiel aus eigenem Verhalten ein ruhiger Mensch geworden ist. Da drängt sich das in die formenden Kräfte des Organismus hinein, und es wird der Organismus in den feinsten Teilen davon ergriffen. Da wirkt das, was der Mensch spirituell aufnimmt, bis in die feinsten Teile seiner Organisation hinein. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Wenn das, was das Gemüt ergreift, nicht nur auf den physischen Plan weist, dann ist der Mensch nach zehn Jahren auch ein anderer. Aber die Änderung liegt in der normalen Richtung, wie die Anlagen sich im normalen gewöhnlichen Leben ausbilden und ändern. Man kann vielleicht im Verlaufe von zehn Jahren einen andern Gesichtsausdruck bekommen; aber wenn man nicht in der inneren Weise den Abgrund überspringt, sind es äußere Einflüsse gewesen. Da ist es keine den Menschen vom Inneren ergreifende Kraft, was ihn umgestaltet. Daran können wir sehen, daß nur das Spirituelle, was sich im Innersten wirklich mit unserem innersten Menschen verbindet, in der Lage ist, schon in der Zeit zwischen Geburt und Tod umwandelnd auf die formenden Kräfte zu wirken, daß aber mit Sicherheit dieser Übergang, dieses Überschreiten des Abgrundes stattfindet in der karmischen Wirksamkeit zwischen dem Tode und einer neuen Geburt. Wenn zum Beispiel das, was die Empfindungsseele erlebt hat,hineingesenkt wird in jeneWelten, die wir durchschreiten in der Zwischenzeit zwischen Tod und neuer Geburt, dann macht es sich gewiß in der nächsten Inkarnation als formende, bildende Kraft geltend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf diese Weise haben wir das gegenseitige Zusammenwirken Ahrimans und Luzifers begriffen. Und nun fragen wir uns: Wie stellt sich dieses Zusammenwirken dar, wenn die Dinge noch etwas entfernter liegen, wenn sie zum Beispiel als luziferischer Einfluß nicht nur den Abgrund zu überschreiten haben von der Verstandesseele bis zum Ätherleib, sondern wenn sie sozusagen einen weiteren Weg haben?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen wir an, wir unterliegen in einem Leben ganz besonders stark dem Einflusse Luzifers. In einem solchen Falle sind wir mit unserem ganzen inneren Menschen um ein ganzes Stück unvollkommener gewordeh, als wir vorher waren, und in der Kamalokazeit haben wir dann in der eminentesten Weise das vor Augen, daß wir uns sagen: Du mußt etwas ganz Mächtiges tun, um diese Unvollkommenheit wieder auszugleichen! - Wir nehmen also diese Tendenz in uns auf und bilden in der nächsten oder einer der nächsten Inkarnationen mit dem, was jetzt formende Kräfte geworden sind, unseren neuen Organismus so, daß dieser die Tendenz haben muß, den Ausgleich des früher Durchlebten herbeizuführen. Aber nehmen wir an, dasjenige, was den luziferischen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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Einfluß ausgelöst hat, sei durch ein Äußeres veranlaßt gewesen, sei eine äußere Begierde gewesen. Dann muß doch wieder Luzifer als ein Einfluß dagewesen sein. Das Äußere hätte nicht auf uns wirken können, wenn nicht Luzifer in uns gewirkt hätte. Wir haben also die Tendenz in uns, das, was wir unter dem luziferischen Einfluß geworden sind, wieder auszugleichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber nun haben wir gesehen, daß der luziferische Einfluß in einer Inkarnation herausfordert den ahrimanischen Einfluß in einer nächsten Inkarnation, daß er ihn herbeizieht, so daß die beiden durchaus in Wechselwirkung miteinander stehen. Der luziferische Einfluß ist aber ein solcher, daß wir sagen konnten: Er zeigt sich für uns im Bewußtsein, das heißt&amp;gt; wir können mit unserem Bewußtsein noch notdürftig hinunterreichen in unseren astralischen Leib. Wir haben gesagt, wenn Schmerzen sich uns zum Bewußtsein bringen, so ist das luziferischer Einfluß. Aber wir können nicht in diejenigen Gebiete hinunter, die wir bezeichnen können als Bewußtsein unseres Ätherleibes und unseres physischen Leibes. Wir haben zwar auch im traumlosen Schlaf ein Bewußtsein, aber ein Bewußtsein von so niederem Grade, daß der Mensch im gewöhnlichen Leben nicht in der Lage ist, von diesem Bewußtsein überhaupt etwas zu wissen. Aber das ist durchaus kein Anlaß, daß wir in diesem Bewußtsein nichts tun. Dieses Bewußtsein hat zum Beispiel normalerweise die Pflanze, die ja nur aus physischem Leib und Ätherleib besteht. Die Pflanze lebt fortwährend in einem traumlosen Schlafbewußtsein. Unser Bewußtsein des Ätherleibes und des physischen Leibes ist auch im Tagwachen vorhanden; aber wir können nicht bis zu ihm hinuntersteigen. Daß aber dieses Bewußtsein handeln kann, das zeigt sich uns zum Beispiel, wenn wir im Schlafe somnambule Handlungen,nachtwandlerische Handlungen ausführen,von denen wir nichts wissen. Das ist das traumlose Schlafbewußtsein, das diese Handlungen vollführt. Das gewöhnliche Ich-Bewußtsein und das astralische Bewußtsein reichen nicht hinunter bis dahin, wo zum Beispiel die Handlungen des Nachtwandlers ausgeführt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber wir dürfen nicht glauben, weil wir bei Tage im Ich-Bewußtsein und astralischen Bewußtsein leben, daß nicht mit uns leben die andern Bewußtseinsarten. Wir wissen nur von ihnen nichts. Nehmen wir nun &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
an, wir haben durch einen luziferischen Einfluß in einer früheren Inkarnation einen starken ahrimanischen Einfluß herausgefordert; dann wird dieser ahrimanische Einfluß nicht wirken können auf unser gewöhnliches Bewußtsein. Er wird aber ergreifen das Bewußtsein,welches in unserem Ätherleibe sitzt, und dieses Bewußtsein wird uns dann nicht bloß zu einer gewissen Organisation unseres Ätherleibes führen können, sondern sogar zu Handlungen, welche sich so ausleben, daß uns das Bewußtsein unseres Ätherleibes sagt: Du kannst jetzt nur dasjenige aus dir heraus entfernen, was der luziferische Einfluß, dem du in der früheren Inkarnation so mächtig verfallen bist, in dir angestellt hat; und&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
das kannst du dadurch, daß du jetzt eine Handlung begehst, die genau in der umgekehrten Linie liegt als die frühere luziferische Verfehlung!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen wir an, wir seien durch einen luziferischen Einfluß dazu gebracht worden, von einem vorhergehenden religiösen oder nach dem Geistigen hinzielenden Standpunkt zu einem solchen überzugehen, wo der Mensch sagt: Ich will das Leben hier genießen! -, wo er also den Sprung in das Sinnliche mit aller Macht getan hat. Dann fordert so etwas den ahrimanischen Einfluß in der Art heraus, daß genau das Umgekehrte verursacht wird. Da kommt es denn vor, daß der Mensch, wenn er durch das Leben schreitet, einen Punkt aufsucht, wo er aus dem sinnlichen Leben in das geistige mit einem Sprunge wieder hineingehenkann. Dort ist er mit einem Sprunge in das Sinnliche verfallen - hier will er mit einem Sprunge in das geistige Leben zurück. Das Oberbewußtsein bemerkt das nicht; aber das geheimnisvolle Unterbewußtsein, das an den physischen Leib und Ätherleib gekettet ist, treibt jetzt den Menschen dazu&amp;gt; den Ort aufzusuchen, wo man ein Gewitter ab- warten kann, wo eine Eiche steht, eine Bank darunter, und - der Blitz schlägt ein! Da hat sein Unterbewußtsein den Menschen erfüllen lassen, was er in einer früheren Inkarnation getan hat. Da haben wir das Umgekehrte. So begreifen wir eine Wirkung unter einem luziferischen Einfluß in einem früheren Leben, und als Folge einen Einfluß Ahrimans in dein jetzigen Leben. Ahriman muß hier mitwirken zu dem Zwecke, daß wir unser 0berbewußtsein so weit ausschalten, daß in diesem Falle unser ganzer Mensch nur dem Bewußtsein des Ätherleibes oder des physischen Leibes folgt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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Auf diese Weise begreifen wir mancherlei Dinge, die auch sonst im Leben geschehen. Aber wir dürfen,wenn zum Beispiel jemand im Leben zum Tode kommt oder eine schwere Verwundung erleidet, nicht jeden solchen Fall auf etwas Ähnliches zurückführen. Da würden wir in einer sehr engen Weise das Karma auffassen. Aber es gibt wirklich Strömungen auch in unserer theosophischen Bewegung, welche das Karma in einer recht engen Weise auffassen, die zwar glauben, daß sie in dem Karma wirklich etwas haben, was zu einem höheren Gesichtspunkt führt, es aber nicht wirklich kennen. Sie fassen das Karma so auf, daß, wenn es wirklich so wäre, wie sie es auffassen, immer die ganze Weltordnung wegen eines jeden einzelnen Menschen besonders eingerichtet sein müßte, damit sie zum harmonischen Verlauf und zum Ausgleich eines jeden einzelnen im Menschenleben diente, daß also in einem Leben die Verhältnisse immer so zusammengeführt werden, daß ganz genau der Ausgleich für das geschaffen werden muß, was in einem früheren Leben entstanden ist. Dieser Standpunkt ist aber nicht haltbar. Wie wäre es denn, wenn sich jemand hinstellte vor einen Menschen, dem ein Unglück passiert ist, und ihm sagt: Das ist dein Karma, das ist die karmische Wirkung aus einem früheren Leben; das hast du damals verschuldet! - Wenn aber jetzt der Betreffende diesen oder jenen Glücksfall erlebt, dann sagt der andere: Das führt zurück auf ein Gutes, das du früher getan hast! - Wenn das aber einen wirklichen Wert haben soll, so müßte doch derjenige, der so spricht, erst sehen, was in dem früheren Leben geschehen ist, das diese Wirkung hervorgebracht haben soll. Hätte er sich in das frühere Leben gestellt, so würde er da die Ursachen sehen, die aus jenem Leben kommen, und müßte dann auf die spätere Inkarnation hinschauen, wenn er die Wirkungen erblicken will.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daraus folgt aber für uns logisch folgendes: Es treten in jeder Inkarnation Tatsachen ein, die erste Ereignisse darstellen in dem Leben jedes Menschen, wie es sich von Verkörperung zu Verkörperung abspielt, und diese werden ihren k~rmischen Ausgleich im nächsten Leben haben. Wenn man im nächsten Leben sich dann die Wirkungen anschaut, dann kann man auf die Ursachen hinblicken. Wenn aber jetzt ein Unglücksfall geschieht und man mit allen Mitteln im früheren Leben keine Ursachen dafür findet, dann muß man sich sagen, es findet eben der Aus- &lt;br /&gt;
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gleich in einem späteren Leben statt. Karma ist kein Fatum! Es wird aus jedem Leben etwas in die späteren hineingetragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir das verstehen, werden wir es auch begreiflich finden, daß der Mensch sinnvoll und bedeutungsvoll neue Ereignisse in seinem Leben finden kann. Denken wir daran, daß ja die großen Ereignisse im Gange der Menschheitsentwickelung nur dadurch zustande kommen können, daß sie von bestimmten Personen getragen werden. Personen müssen in einem bestimmten Zeitpunkt die Absichten der Entwickelung übernehmen. Denken Sie daran, wie die mittelalterliche Entwickelung verlaufen wäre, wenn nicht in einer bestimmten Zeit Karl der Große eingegriffen hätte, oder wie das Geistesleben der alten Zeiten verlaufen wäre, wenn nicht in einer bestimmten Zeit Aristoteles gewirkt hätte. Denken Sie, daß Sie, wenn Sie den Gang der Menschheitsentwickelung begreifen wollen, den Aristoteles in die Zeit hineindenken müssen, wo er gelebt hat; denn ohne ihn würde später vieles anders geworden sein. Dadurch sehen wir, daß solche Persönlichkeiten, wie Karl der Große, Aristoteles, Luther und so weiter nicht um ihretwillen, sondern um der Welt willen in der betreffenden Zeit leben mußten. Ihre persönlichen Schicksale sind darum doch innig verflochten mit dem, was in derWelt geschieht. Können wir aber deshalb sagen, daß das, was sie wirken, zusammentrifft mit dem, was sie sich früher verdient oder was sie früher verschuldet haben?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen Sie den Fall von Luther: Alles, was er erlebt und erduldet hat, können Sie nicht nur auf sein karmisches Konto schreiben; Sie müssen sich klar sein, daß dasjenige, was in einem bestimmten Zeitpunkt in der Menschheitsentwickelung geschehen soll, durch das Hineingestelltsein bestimmter Individualitäten geschieht. Diese Individualitäten müssen heruntergeführt werden aus der geistigen Welt ohne Rücksicht darauf, ob sie für sich selbst weit genug sind, um heruntergeführt zu werden, denn sie werden heruntergeführt zu den Zwecken der Menschheitsentwickelung. Und es muß vielleicht ein karmischer Weg frühzeitig unterbrochen oder verlängert werden, damit die betreffenden Persönlichkeiten zu einem bestimmten Zeitpunkt in das Leben hineingestellt werden können. Da werden über Personen Schicksale verhängt, die mit dem vorangegangenen Karma nichts zu tun zu haben &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
brauchen. Aber wenn man als Mensch einmal so hineingestellt worden ist und wenn man das getan hat, was man zwischen Geburt und Tod tun kann, so bildet das karmische Ursachen. So wahr es also ist, daß ein Luther hineingestellt wird in das Leben um der Menschheit willen und Schicksale erdulden kann, welche nichts zu tun haben mit seinem früheren Karma, so wahr ist es, daß mit seinem späteren Karma dasjenige, was er da vollbringt, wieder etwas zu tun haben wird. Karma ist ein allgemeines Gesetz, und jeder muß es durchleben. Aber wir dürfen es nicht so auffassen, daß wir nur in frühere Verkörperungen zurückblicken, sondern wir müssen es so auffassen, daß wir auch vorwärts- blicken müssen. Deshalb können wir durchaus sagen: Es kann sich uns von diesem Gesichtspunkt aus ergeben, daß allerdings erst ein späteres Leben rechtfertigen kann auch vorhergehende Inkarnationen, indem uns schon Dinge zugefallen sind,welche gar nicht in unserer karmischen Linie liegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen wir folgenden Fall an, der sich tatsächlich zugetragen hat: Bei einer Naturkatastrophe hatten eine Anzahl von Seelen den Untergang gefunden. Wir brauchen durchaus nicht zu glauben, das wäre ihr Karma gewesen, daß sie alle zusammen dabei zugrunde gegangen sind; denn das wäre eine sehr billige Annahme. Es braucht gar nicht so zu sein, daß es immer auf frühere Verschuldungen zurückführt. Es gibt einen erforschten Fall, wo eine Anzahl von Menschen bei einer Naturkatastrophe zugrunde gegangen sind. Das hat dann aber dazu geführt, daß diese Menschen in einer späteren Zeit sich gemeinsam verbunden fühlten und durch das gemeinsame Schicksal sich als stark erwiesen, etwas Gemeinsames in der Welt zu unternehmen. Durch jene Katastrophe war die Ursache gebildet, daß sie im späteren Leben sich gründlich abgewöhnt hatten, nur an der Materie zu hängen, so daß sie sich für ihr späteres Leben eine Gesinnung mitgebracht haben, welche sie zum Spirituellen geführt hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was ist in diesem Falle geschehen? Gehen wir zurück in das vorige Leben, so finden wir, daß als ein besonderes Ereignis das zusammen Untergehen bei einem Erdbeben eingetreten ist: da hat sich ihnen die Wertlosigkeit des Materiellen in dem Augenblicke des Erdbebens vor die Seele gedrängt, und da hat sich bei ihnen die Gesinnung nach dem &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Spirituellen entwickelt. Daran sehen wir, wie Menschen, die ein Spirituelles der Welt zu bringen hatten, dazu vorbereitet waren durch einen solchen Fall, der uns die Weisheit der Entwickelung zeigt, der geisteswissenschaftlich untersucht ist und sich durchaus zugetragen hat. - So können wir zeigen, daß wir zum ersten Male Ereignisse ins Menschenleben eintreten sehen und daß wir auch beim Untergang eines oder mehrerer Menschen bei einer Katastrophe oder einem Unglücksfall den frühzeitigen Tod eines Menschen nicht immer auf eine frühere Verschuldung zurückführen dürfen, sondern daß so etwas als erste Ursache auftreten kann und daß im nächsten Leben der Ausgleich erfolgt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es sind aber noch andere Fälle möglich. Es kann vorkommen, daß jemand in zwei, drei aufeinanderfoigenden Inkarnationen ein Leben frühzeitig zu beschließen hat. Das kann eintreten,weil diese Individualität dazu berufen ist, der Menschheit durch drei Inkarnationen hindurch etwas zu bringen, was man nur bringen kann, wenn man in der physischen Welt mit solchen Kräften lebt, die sich in einem sich aufbauenden Körper ergeben. Es ist ein ganz anderes, ob man in einem Körper lebt, der sich bis zum fünfunddreißigsten Jahre entwickelt, oder in einem Körper des späteren Alters. Denn bis zum fünfunddreißigsten Jahre schickt der Mensch seine Kraft in die Körperlichkeit, so daß er die Kraft von innen heraus entfaltet. Dann aber beginnt, vom fünfunddreißigsten Jahre angefangen, ein Leben, wo der Mensch nur innerlich weiterschreitet und fortwährend mit seinen Lebenskräften anzustürmen hat gegen die äußeren Kräfte. Diese zwei Lebenshälften sind durchaus verschieden voneinander, wenn wir auf die innere Organisation sehen. Nehmen wir nun an, man braucht gemäß der Weisheit der Entwickelung der Menschheit solche Menschen, welche nur gedeihen können, wenn sie nicht anzustürmen haben gegen das, was sich uns entgegendrängt in der zweiten Lebenshälfte, dann kann es sein, daß die Inkarnationen frühzeitig abgerissen werden. Solche Fälle gibt es. Und wir haben selbst schon bei unseren Zusammenkünften hingewiesen auf eine Individualität, welche nacheinander erschienen ist als großer Prophet, als ein bedeutender Maler und als großer Dichter, und immer mit einem frühzeitigen Tode ihr Leben beschlossen hat, weil das, was diese Individualität in drei Inkarnationen zu leisten hatte, nur dadurch &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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möglich war, daß die Inkarnationen abgebrochen wurden vor einem Sich-Hineinleben in die zweite Lebenshälfte. Darin haben Sie das Eigentümliche des Verstricktseins von menschlichem individuellem Karma und allgemeinem Menschheitskarma.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir können noch tiefer gehen und können im allgemeinen Menschheitskarma gewisse karmische Ursachen aufsuchen, welche sich in späteren Zeiten dann in ihren Wirkungen zeigen; da muß sich der einzelne Mensch wieder hineingestellt sehen in das Menschheitskarma.Wenn wir die nachatlantische Entwickelung in Betracht ziehen, haben wir die griechisch-lateinische Zeit in der Mitte liegend, voran ging ihr die ägyptisch-chaldäische Zeit, und ihr folgte die unsrige als der fünfte Kulturzeitraum. Auf unsere Zeit wird folgen eine sechste und dann eine siebente Kulturepoche. Aber auch bei anderer Gelegenheit habe ich schon darauf hingewiesen, daß in gewisser Beziehung ein Kreislauf&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
stattfindet in der Aufeinanderfolge der verschiedenen Kulturen, so daß die griechisch-lateinische Kultur als eine besondere für sich dasteht, da`ß dann aber die ägyptisch-chaldäische Epoche in der unsrigen sich wiederholt. Nun habe ich auch schon in diesem Zyklus hervorgehoben, wie Kepler in unserer Kulturepoche lebte und wie früher dieselbe Individualität in einem ägyptischen Leibe lebte und damals unter dem Einfluß der ägyptischen Priesterweisen den Blick hinauflenken durfte zum Himmelsgewölbe, so daß ihr die Geheimnisse der Sterne wie von oben enthüllt wurden. Das brachte sie dann wieder heraus in ihrer KeplerInkarnation, die dort hingestellt worden ist, wo der fünfte Zeitraum den dritten in gewisser Weise wiederholt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber das geht noch weiter. Von der Geisteswissenschaft aus kannman wirklich behaupten, daß die Weltentwickelung und das Menschenleben von den meisten Menschen heute noch in rechter Blindheit angeschaut wird. Bis in die Einzelheiten hinein könnten Sie diese Entsprechungen, diese Wiederholungen, dieses Leben in Zyklen verfolgen. Wenn man einen gewissen Zeitpunkt in der Menschheitsentwickelung nimmt, der etwa in das Jahr 747 vor Christus fällt, so haben Sie darin eine Art Hypomochlion, eine Art Nullpunkt, und was vor und nach diesem Zeitpunkt liegt, entspricht sich in einer ganz bestimmten Weise. Wir können zurückgehen in eine Zeit der ägyptischen Entwickelung &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
und finden dort gewisse Zeremonialgesetze und Gebote, welche als «Gebote der Götter» erschienen. Und das waren sie auch. Es waren Gebote, die sich darauf bezogen, daß der Ägypter zum Beispiel am Tage ganz bestimmte Waschungen, also durch Zeremoniengebräuche und rituelle Vorschriften geregelte Waschungen, vollziehen mußte. Und man sagte dem Ägypter, daß er nur leben könne, wie es die Götter wollen, wenn er an diesem oder jenem Tage so und so viele Waschungen vornimmt. Das war ein Göttergebot, das sich in gewissen Reinlichkeitskulten auslebte. Und wenn wir dann in eine etwas weniger reinliche Zeit in der Zwischenzeit kommen und jetzt wieder, in unserer Zeit, auf hygienische Maßregeln stoßen, wie sie jetzt aus materialistischen Gründen der Menschheit gegeben werden, so sehen wir bei uns richtig sich wiederholen, was in einer entsprechenden Zeit in Ägypten untergegangen ist. Ganz merkwürdig stellt sich die Erfüllung des Früheren im Gesamtkarma dar. Nur ist der Gesamtcharakter immer ein anderer. Kepler hatte in seiner ägyptischen Inkarnation den Blick hinaufgelenkt zum Sternenhimmel; und was diese Individualität dort sah, das prägte sie aus in den großen spirituellen Wahrheiten der ägyptischen Astrologie. Bei ihrer Wiederverkörperung in dem Zeitalter, dem der Beruf des Materialismus zu fiel, prägte dieselbe Individualität diese Tatsachen - unserem Zeitalter entsprechend - in den drei materialistisch gefärbten Keplerschen Gesetzen aus. - Im alten Ägypten waren die Gesetze der Reinigung «gottgeoffenbarte» Gesetze. Der Ägypter glaubte nur dadurch seine Pflicht der Menschheit gegenüber zu erfüllen, daß er bei jeder Gelegenheit in der unglaublichstenWeise für seine Reinigung Sorge trug. Das kommt heute wieder heraus, nur unter ganz materialistischen Gedankeneinflüssen. Der Mensch von heute denkt nicht daran, daß er den Göttern dient, wenn er solche Vorschriften beobachtet, sondern daß er sich selbst dient. Aber es kommt das Frühere wieder heraus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So erfüllt sich alles in der Welt, und zwar in gewissem Sinne ganz zyklisch. Und jetzt werden Sie ahnen, daß es mit den Dingen, die wir das letzte Mal in einem Widerspruch zusammen formuliert haben, sich doch nicht so einfach verhält, wie man anzunehmen geneigt ist. Wenn in einer bestimmten Zeit die Menschen nicht in der Lage waren, gegen Epidemien gewisse Maßregeln zu ergreifen, so waren das die Zeiten, wo &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|168}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
es die Menschen deshalb nicht konnten, weil die Epidemien nach dem allgemeinen weisheitsvollen Weltenplan wirken sollten, damit die Menschenseelen Gelegenheit fanden, auszugleichen, was durch den ahrimanischen Einfluß und durch gewisse frühere luziferische Einflüsse bewirkt worden war. Wenn jetzt andere Bedingungen herbeigeführt werden, so unterliegt das wieder ebenfalls bestimmten großen karmischen Gesetzen. Wir können daraus entnehmen, daß wir diese Fragen wahrhaftig nicht oberflächlich betrachten dürfen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie stimmt das nun zusammen: Wir sagten, wenn der Mensch die Gelegenheit aufsucht, um eine Epidemie, eine Infektion aufzunehmen, so ist das die notwendige Gegenwirkung gegen eine frühere karmische Ursache. Dürfen wir nun hygienische und andere Maßregeln dagegen ergreifen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Frage ist tief, und wir müssen erst das richtige Material herbei- tragen, um sie zu entscheiden. Wir müssen uns klar sein, daß da, wo - ob gleichzeitig oder in längeren Zeiträumen - das luziferische und das ahrimanische Prinzip zusammenwirken oder wo sie sich entgegen- wirken, gewisse Komplikationen im menschlichen Leben eintreten.Und diese Komplikationen wirken so, daß sie uns in den verschiedensten Fällen in der mannigfaltigsten Art entgegentreten, so daß wir nicht zwei Fälle in der gleichen Art sehen werden.Wenn wir aber das menschliche Leben studieren, werden wir uns in folgender Weise dabei hindurchfinden: Wenn wir das Zusammenwirken von Luzifer und Ahriman aufsuchen in dem entsprechenden einzelnen Fall, so werden wir überall einen Faden finden, um durch diesen Zusammenhang hindurch- zukommen. Wir müssen aber dabei scharf unterscheiden zwischen dem inneren und dem äußeren Menschen. Wir mußten heute schon scharf unterscheiden zwischen dem, was sich in der Verstandesseele auslebt, und dem, was als Wirkung derVerstandesseele sich im Ätherleibe zeigt. Wir müssen den Fortgang betrachten, in welchem Karma sich vollzieht, und wir müssen uns zugleich klar sein, daß wir aber doch wieder die Möglichkeit haben, durch entsprechende karmische Einflüsse so auf das Innere zu wirken, daß durch das Innere ein anderer karmischer Ausgleich in der Zukunft vorbereitet wird. Dadurch ist es möglich, daß nun dieses eintreten kann:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|169}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es kann der Mensch ganz besonders in einem früheren Leben durch Empfindungen, Gefühle und so weiter durchgegangen sein, die ihn zur Lieblosigkeit gegen seine Nächsten getrieben haben. Denken wir uns zum Beispiel, daß er durch etwas hindurchgegangen ist, wo er durch karmischeWirkung die Lieblosigkeit in sich aufgenommen hat. Es kann durchaus so sein, daß wir, wie auf absteigender Linie fortfahrend, das Böse erzeugen, daß wir also erst auf einer absteigenden Bahn gehen, damit die entgegengesetzte Spannkraft entwickelt wird, um dann wieder aufzusteigen. Nehmen wir also an, ein Mensch hat sich durch Hin- gabe an gewisse Einflüsse zu einer gewissen Lieblosigkeit hingeneigt; dann tritt die Lieblosigkeit in einem späteren Leben als karmische Wirkung ein und bildet innere Kräfte in seiner Organisation aus. Nun können wir ein Zweifaches tun, bewußt oder auch nicht bewußt; denn unsere Kultur ist noch nicht so weit, es bewußt zu tun. Wir werden bei einem solchen Menschen Vorsorge treffen können, daß jene Eigenschaften in seiner Organisation, welche von der Lieblosigkeit kommen, her- ausgetrieben werden. Wir können da etwas tun, was ein Gegenmittel ist gegen die Wirkung in der äußeren Organisation, die sich als Lieblosigkeit zeigt; aber es wird damit noch nicht immer alle Lieblosigkeit in der Seele aufgehoben sein, es wird nur das äußere Organ der Lieblosigkeit fortgeschafft sein. Denn wenn wir weiter nichts tun, haben wir nur halbe Arbeit geleistet, vielleicht auch gar keine. Wir haben vielleicht dem Menschen physisch, äußerlich geholfen; seelisch aber haben wir ihm nicht geholfen. Indem wir ihm in der äußeren Leiblichkeit das Organ für die Lieblosigkeit fortgenommen haben, kann er jetzt die Lieblosigkeit nicht ausleben; er muß sie in seiner inneren Organisation behalten für eine nächste Inkarnation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen wir an, eine ganze Anzahl von Menschen hätte sich wegen Lieblosigkeit gegen die Menschen hingezogen gefühlt, gewisse Infektionsstoffe aufzunehmen, um einer Epidemie zu verfallen. Nehmen wir weiter an, wir könnten gegen die Epidemie etwas tun. Wir würden dann in einem solchen Falle die äußere Leiblichkeit davor bewahren, die Lieblosigkeit zum Ausdruck zu bringen, aber wir würden dadurch noch nicht die innere Neigung zur Lieblosigkeit fortgeschafft haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denken wir uns aber den Fall so, daß wir, wenn wir das äußere Organ&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|170}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der Lieblosigkeit fortschaffen, die Verpflichtung übernehmen, auf die Seele so zu wirken, daß wir auch der Seele die Neigung zur Lieblosigkeit nehmen. Das Organ der Lieblosigkeit wird im eminenten Sinne getötet - im äußeren leiblichen Sinne - in der Pockenimpfung. Da zeigt sich zum Beispiel folgendes, was geisteswissenschaftlich erforscht ist: In einer Kulturperiode traten die Blattern auf, als die allgemeine Neigung bestand, im höheren Maße Egoismus, Lieblosigkeit zu entwickeln. Da traten die Blattern auf, auch in der äußeren Organisation; das ist so. Man ist in der Theosophie durchaus verpflichtet, die Wahrheit zu sagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun können wir es begreifen, daß in unserer Zeit der Impfschutz aufgetreten ist. Wir können aber noch etwas anderes begreifen, daß nämlich bei den besten Geistern unserer Zeit etwas wie ein Widerwille gegen Impfung vorhanden ist. Das steht mit einem Inneren in Korrespondenz, das ist das Äußere eines Inneren. Und wir können jetzt sagen: Wenn wir auf der einen Seite das Organ töten, hätten wir auch die Verpflichtung, als Gegenstück dazu bei diesem Menschen den materialistischen Charakter durch eine entsprechende spirituelle Erziehung anders zu gestalten. Das müßte das notwendige Gegenstück sein. Wir leisten sonst nur halbe Arbeit. Ja, wir leisten nur eine Arbeit, zu der der Mensch selber in einer späteren Inkarnation in irgendeiner Weise wird das Gegenstück schaffen müssen, wenn er das Pockengift in sich hat und die Eigenschaft aus sich herausgeschafft hat, durch die man geradezu hinneigt zur Blatterner krankung. Hat man die Empfänglichkeit für die Blattern herausgeschafft, so hat man nur die äußere Seite der karmischen Wirksamkeit ins Auge gefaßt. Wenn man auf der einen Seite Hygiene übt, muß man anderseits die Verpflichtung fühlen, den Menschen, deren Organisation man umgewandelt hat, auch etwas für die Seele zu geben. Impfung wird keinem Menschen schaden, welcher nach der Impfung im späteren Leben eine spirituelle Erziehung erhält. Wir haben die Waagschale zu stark zum Sinken gebracht, wenn wir nur auf die eine Seite abzielen und auf die andere keinen Wert legen. Das fühlt man im Grunde in den Kreisen, wo man sagt: Wo hygienische Maßregeln zu weit gehen, würden nur schwache Naturen fortgepflanzt. Das ist zwar unberechtigt; aber Sie sehen, wesentlich ist, daß man eine Aufgabe nicht ohne die andere übernehmen darf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|171}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da kommen wir zu einem wichtigen Gesetz in der Menschheitsentwickelung, das so wirkt, daß immer ein Äußeres und ein Inneres sich die Waage halten müssen und daß man nicht bloß auf das eine sehen darf, sondern auch das andere nicht unberücksichtigt bleiben darf. Da sehen wir in einen großen Zusammenhang hinein und sind jetzt noch nicht einmal zur Behandlung der Frage gekommen: Wie verhalten sich Hygiene und Karma zueinander? Sie werden sehen, daß uns die Beantwortung dieser Frage noch tiefer hineinführt in das Karma. Und wir werden noch sehen, wie auch zwischen der Geburt und dem Tode des Menschen karmische Zusammenhänge bestehen und ferner, wie andere Persönlichkeiten hineinspielen in ein Menschenleben und wie sich der freie Wille des Menschen und das Karma im Einklange befinden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|172}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= NEUNTER VORTRAG Hamburg, 26. Mai 1910 =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es wird ja, wie ich wiederholt bemerkte, nur möglich sein, die großen karmischen Gesetzmäßigkeiten in einigen skizzenhaften Linien anzudeuten, um Anregungen zu geben auf diesem schier unermeßlichen Gebiete.Wenn Sie alles bedenken, was wir in den letzten Tagen besprochen haben, so werden Sie es nicht mehr auffällig finden, daß der Mensch geradezu aus gewissen Bewußtseinsschichten heraus getrieben wird, die ausgleichenden Wirkungen für karmische Ursachen, die er sich selber einverleibt hat, auch in der Außenwelt zu suchen. Er kann geradezu dorthin getrieben werden, wo er zum Beispiel eine Infektion erhalten kann, um in dieser die ausgleichenden Wirkungen für eine sich einverleibte karmische Ursache zu suchen, und selbst zu dem,was man Lebensunfälle nennen kann, kann der Mensch hingetrieben werden, um mit dem Hereinbrechen eines solchen Lebensunfalles eine Ausgleichung zu suchen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie ist es nun mit dem karmischen Verlauf, wenn wir durch irgendwelche Maßnahmen in die Lage kommen, den Menschen daran zu hindern, diesen Ausgleich zu suchen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen wir an, daß wir durch gewisse hygienische Maßnahmen dahin wirken, daß gewisse Ursachen, gewisse Dinge, für die vielleicht der Mensch vermöge seiner karmischen Zusammenhänge Neigung haben muß, überhaupt nicht da sein können. Denken wir uns, es gelänge durch hygienische Maßnahmen, gewisse Krankheitserreger auf einem bestimmten Gebiet zu bekämpfen. Nun haben wir uns bereits vor die Seele geführt, daß es keineswegs im Belieben der Menschen steht, solche Maßnahmen zu treffen. Wir haben gesehen, wie in einem bestimmten Zeitalter zum Beispiel die Neigung zu Reinlichkeitsgesetzen daher entsteht, weil einfach diese Neigung, die in der Zwischenzeit verschwunden war, jetzt bei der umgekehrten Wiederholung in der Entwickelung wieder auftaucht. Daraus haben wir gesehen, daß es in den großen Gesetzen des Menschheitskarma überhaupt liegt, daß in einem bestimmten Zeitpunkt der Mensch dazu kommt, diese oder jene Maßnahmeii zu treffen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|173}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir werden es aber auch leicht begreifen, daß der Mensch in einem früheren Zeitalter nicht dazu gekommen ist, derartige Maßnahmen zu treffen, weil die Menschheit in einem früheren Zeitraum die Epidemien brauchte, die jetzt durch die hygienischen Maßnahmen aus der Welt geschafft werden sollen. In bezug auf große Einrichtungen im Leben unterliegt wirklich die Menschheitsentwickelung ganz bestimmten Gesetzen, und bevor etwas für die gesamte Menschheitsentwickelung von Bedeutung und von Nutzen sein kann, tritt gar nicht die Möglichkeit ein, solche Maßnahmen zu treffen. Denn aus dem vollbewußten, vernünftigen, verständigen Leben, das sich der Mensch zwischen Geburt und Tod aneignen kann, kommen ja solche Maßnahmen nicht, sondern sie kommen aus dem Gesamtgeist der Menschheit. Und Sie brauchen sich nur einmal vor Augen zu halten, wie diese oder jene Erfindung oder Entdeckung auch erst dann auftritt, wenn die Menschheit wirklich dafür reif ist. Ein kleiner Überblick über die Geschichte der Entwickelung der Menschheit auf der Erde kann Ihnen da so manches bieten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denken Sie nur daran, daß unsere Vorfahren - das heißt unsere eigenen Seelen - in Leibern von ganz anderer Gestalt als die heutigen Menschenleiber auf dem alten atlantischen Kontinent gelebt haben, daß dann dieser atlantische Kontinent hinuntergesunken ist und daß die Einrichtungen, die wir heute treffen, sich erst im Bereiche unserer heutigen Kontinente gebildet haben. Es wurden dann in einem ga`nz bestimmten Zeitalter erst die Bewohner der einen aufgetauchten Erdhälfte mit den Bewohnern der andern zusammengeführt. Erst vor kurzem, in einer gar nicht so fernen Vergangenheit, konnten die Völker Europas die Gebiete wieder erreichen, die nach der andern Seite des atlantischen Kontinents sich abgegliedert haben. In solchen Dingen herrschen wirklich große Gesetze. Und ob diese oder jene Dinge entdeckt werden oder ob Maßnahmen getroffen werden, welche es in dieser oder jener Richtung möglich machen, karmisch einzugreifen, das hängt nicht von der Meinung oder der Willkür der Menschen ab, sondern das tritt ein, wenn es eintreten soll. Aber dessen ungeachtet: Wenn wir gewisse Ursachen hinwegräumen, welche sonst dagewesen wären und die durch ihre karmische Verwicklung gewisse Menschen aufgesucht hätten, so können wir dadurch das Karma der Menschen beeinflussen. Dieses Beeinflussen &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|174}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
heißt aber nicht, daß wir es hinwegschaffen, sondern es heißt, daß wir es in eine andere Richtung lenken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denken wir uns also den Fall, eine Anzahl von Menschen würde sich durch karmische Verwicklung gedrängt fühlen, bestimmte Einflüsse aufzusuchen, welche ein karmischer Ausgleich sein würden. Durch hygienische Maßnahmen sind nun einstweilen diese Einflüsse oder Verhältnisse hinweggeräumt worden, die Menschen können sie nicht mehr suchen. Darum aber werden diese Menschen nicht befreit von dem, was in ihnen als karmische Wirkung herausgefordert wird, sondern sie werden gedrängt, andere Wirkungen aufzusuchen. Seinem Karma entkommt der Mensch nicht. Er wird durch solche Maßnahmen nicht entlastet von dem, was er sonst aufgesucht hätte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daraus können Sie entnehmen, daß für einen karmischen Ausgleich, den wir in der Lage wären, nach einer Seite wegzuschaffen, wieder ein Ausgleich nach einer andern Richtung entstehen müßte. Wir schaffen nur die Notwendigkeit, andere Gelegenheiten und Einflüsse aufzusuchen, wenn wir irgendwelche Einflüsse hinwegräumen. Nehmen wir nun an, daß viele Epidemien, gemeinsame Krankheitsursachen, einfach darauf zurückzuführen sind, daß die Menschen, welche diese Krankheitsursachen aufsuchen, hinwegräuriien wollen, was sie sich karmisch anerzogen haben, wie zum Beispiel bei der Pockenepidemie Organe der Lieblosigkeit. Brächten wir es zustande, diese Organe hinwegzuräumen, so bliebe die Ursache der Lieblosigkeit trotzdem bestehen, und die betreffenden Seelen müßten dann in dieser oder einer andern Inkarnation den entsprechenden Ausgleich in einer andern Weise suchen. Wir können begreifen,was da stattfindet, wenn wir auf etwas hinweisen, worauf wir sicher zählen müssen, und das ist das Folgende.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heute werden in der Tat eine ganze Menge von äußeren Einflüssen und Ursachen hinweggeräumt, die sonst aufgesucht worden wären zum Ausgleich gewisser karmischer Dinge, welche die Menschheit in früheren Zeitaltern auf sich geladen hat. Dadurch aber schaffen wir nur die Möglichkeit hinweg, daß der Mensch äußeren Einflüssen verfällt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir machen ihm das äußere Leben angenehmer oder auch gesünder. Dadurch erreichen wir aber nur, daß dasjenige, was der Mensch in dem entsprechenden Krankheitsverhältnis sich als karmischen Ausgleich gesucht &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|175}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
hätte, nun auf anderem Wege gesucht werden muß. Die Seelen, welche auf diesem Wege heute in gesundheitlicher Beziehung gerettet werden, werden also dazu verurteilt, in einer andern Weise diesen karmischen Ausgleich zu suchen. Und Sie werden ihn suchen müssen in zahlreichen Fällen, die gerade zu den geschilderten gehören. Indem ihnen durch ein gesünderes Leben größere physische Annehmlichkeit bereitet wird, indem ihnen das physische Leben erleichtert wird, wird die Seele dadurch in der entgegengesetzten Weise beeinflußt; sie wird so beeinflußt, daß sie nach und nach eine gewisse Leerheit, eine Unbefriedigtheit, eine Unerfülltheit empfinden wird. Und wenn es so fortgehen würde, daß das äußere Leben immer angenehmer, immer gesünder würde, wie man es nach den allgemeinen Vorstellungen im rein materialistischen Leben haben kann, dann würden solche Seelen immer weniger Ansporn haben, in sich selber weiterzukommen. Eine Verödung der Seelen würde in gewissem Sinne parallel einhergehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer sich genauer das Leben ansieht, kann das heute schon bemerken. In kaum einem Zeitalter hat es so viele Menschen gegeben, welche in so angenehmen äußeren Verhältnissen leben, aber mit öden, unbeschäftigten Seelen einhergehen, wie es heute der Fall ist. Diese Menschen eilen darum von Sensation zu Sensation; dann, wenn das Pekuniäre reicht, reisen sie von Stadt zu Stadt, um etwas zu sehen, oder wenn sie in derselben Stadt bleiben müssen, eilen sie jeden Abend von Vergnügen zu Vergnügen. Die Seele bleibt aber darum doch öde, weiß zuletzt selber nicht mehr, was sie aufsuchen soll in der Welt, um einen Inhalt zu bekommen. Namentlich wird durch ein Leben in rein äußeren, physisch annehmlichen Zuständen der Hang erzeugt, nur über das Physische nachzudenken. Und wenn diese Neigung, sich nur mit dem Physischen zu beschäftigen, nicht schon lange vorhanden wäre, so würde auch nicht die Neigung zum theoretischen Materialismus so stark geworden sein, wie es in unserer Zeit der Fall ist. So werden die Seelen leidender, während das äußere Leben gesünder gemacht wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am wenigsten hat derTheosoph über eine solche Tatsache zu klagen, weil überall die Theosophie uns Verständnis der Dinge schafft und damit ein Einsehen, wo der Ausgleich ist. Die Seelen können nur bis zu einem gewissen Grade leer bleiben; dann werden sie wie durch die &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|176}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
eigene Elastizität nach der andern Seite hingeschnellt. Sie suchen dann einen Inhalt, der verwandt ist mit den Tiefen der eigenen Seele, und sie werden dann einsehen, wie notwendig sie es haben, zu einer theosophischen Weltanschauung zu gelangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So sehen wir, wie das, was aus den materialistischen Lebensauffassungen herauskommt, wohl das äußere Leben erleichtert, aber Schwierigkeiten des inneren Lebens schafft, die dahin führen, aus den Leiden der Seele heraus den Inhalt einer spirituellenWeltanschauung zu suchen. Die spirituelle Weltanschauung, wie sie sich heute als die theosophische kundgibt, kommt so den Seelen entgegen, die in der Verödung, an dem, was das äußere Leben, das ganz angenehm eingerichtet sein kann, ihnen an Eindrücken zu geben vermag, keine Befriedigung finden können. Die Seelen werden so lange suchen, immer wieder Neues aufzunehmen, bis die Elastizität von der andern Seite so stark wirkt, daß die Seelen mit dem sich vereinigen werden, was man spirituelles Leben nenneön kann. So gibt es eine Beziehung zwischen Hygiene und den Zukunftshoffnungen der geisteswissenschaftlichen Weltanschauung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie können das heute im Kleinen schon bemerken. Es gibt heute solche Seelen, welche zu andern Äußerlichkeiten eine neue Äußerlichkeit fügen: sich zu interessieren für die theosophische Weltanschauung, welche als neue Sensation die theosophische Weltanschauung aufnehmen. Das ist etwas, was sich bei jeder Strömung in der Menschheitsentwickelung zeigt, daß das, was tiefe, innere Bedeutung hat, auch als Mode, als Sensation wirkt. Aber die wahrhaft für die Theosophie vorbereiteten Seelen sind solche, welche sich entweder unbefriedigt fühlen durch die äußeren Sensationen oder auch einsehen, daß die äußere Wissenschaft mit all ihren Erklärungen die Tatsachen nicht erklären kann. Diese Seelen sind es, welche durch ihr Gesamtkarma so präpariert sind, daß sie sich mit den innersten Gliedern ihres Seelenlebens mit der Theosophie verbinden können. Geisteswissenschaft gehört auch zum Gesamtkarma der Menschheit, und sie wird sich als solche darin einfügen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So können wir das Karma der Menschen nach der einen oder andern Seite in eine andere Richtung bringen; aber wir können nicht die Rückwirkung auf den Menschen beseitigen. In irgendeiner Weise kommt das &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|177}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
zurück, was sich der Mensch in früheren Lebensläufen selber zubereitet hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie nun das Karma sinnvoll in der Welt wirkt, das kann am besten eine Betrachtung lehren, wo Karma sozusagen noch ohne moralischen Beigeschmack wirkt, wo es in der großen Welt selber wirkt, ohne daß es etwas zu tun hat mit dem, was der Mensch aus der Seele heraus an moralischen Impulsen entwickelt und was dann zu moralischen oder unmoralischen Handlungen führt. Wir wollen ein Gebiet des Karma vor unsere Seele stellen, in dem das Moralische noch keine Rolle spielt, sondern wo sich etwas Neutrales als karmische Verkettung darstellt. Nehmen wir an, eine Frau lebt in einer bestimmten Inkarnation. Nun werden Sie nicht in Abrede stellen, daß die Frau einfach dadurch, daß sie Frau ist, andere Erlebnisse haben muß als der Mann und daß diese Erlebnisse nicht nur bloß zusammenhängen mit inneren Seelenvorgängen, sondern daß sie im breitesten Maße zusammenhängen mit äußeren Geschehnissen, mit Lebenslagen, in welche die Frau nur dadurch kommt, daß sie Frau ist, und die wieder zurückwirken auf die ganze Seelenverfassung und Seelenstimmung. Daher können wir davon sprechen, daß die Frau zu gewissen Handlungen geführt wird, die im innigsten Zusammenhang stehen mit dem Frauendasein. Der Ausgleich zwischen Mann und Frau findet ja erst auf dem Gebiete des geistigen Zusammenlebens statt. Je tiefer wir nun hinuntersteigen in das bloß Seelische und in das Äußere des Menschen, desto größer wird der Unterschied zwischen Mann und Frau in bezug auf ihr Leben. Und so können wir sagen, daß die Frau auch in gewissen Eigenschaften der Seele verschieden ist vom Manne, daß sie mehr neigt zu jenen Eigenschaften der Seele, die zu Impulsen führen&amp;gt; welche als emotionelle bezeichnet werden müssen; und wir finden sie dazu veranlagt, mehr als der Mann psychische Erlebnisse zu haben. Dafür sind im Leben des Mannes Intellektualismus und Materialismus - dasjenige also, was durch den Mann gekommen ist - mehr zuhause, was auf das Seelenleben einen großen Einfluß hat. Psychisches und Emotionelles bei der Frau, intellektuelle und materialistische Momente beim Mann - so werden sie durch ihre Naturen geradezu bestimmt. Daher hat nun auch die Frau gewisse Nuancen des Seelenlebens dadurch, daß sie Frau ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|178}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun haben wir ja geschildert,daß dasjenige, was wir als Eigenschaften in der Seele erleben zwischen Tod und neuer Geburt, sich hineindrängt in unsere nächste leibliche Organisation, Was nun stärker psychisch ist, was stärker emotionell ist und im Leben zwischen Geburt und Tod mehr nach dem Inneren der Seele geht, das hat auch mehr Neigung, tiefer einzugreifen in die Organisation, sie viel intensiver zu imprägnieren. Und dadurch, daß die Frau solche Eindrücke aufnimmt, welche mit dem Psychismus, mit dem Emotionalismus zusammenhängen, nimmt sie in tiefere Seelengründe hinein auch die Erfahrungen des Lebens. Der Mann mag reichere Erfahrungen machen, auch wissenschaftlichere: so tief gehen bei ihm die Erfahrungen nicht in das Seelen- leben hinein, wie es bei der Frau der Fall ist. Bei der Frau prägt sich die ganze Erfahrungsumwelt tief ein in die Seele. Dadurch haben die Erlebnisse eine stärkere Tendenz, in die Organisation hineinzuwirken, die Organisation in der Zukunft stärker zu umklammern. Und so nimmt ein Frauenleben die Tendenz auf, durch ihre Erlebnisse in einer Inkarnation tief in den Organismus hineinzugreifen und damit in der nächsten Inkarnation den Organismus selber zu gestalten. Ein tiefes Hinein- arbeiten, ein tiefes Durcharbeiten des Organismus bedeutet nun aber: einen männlichen Organismus hervorbringen. Ein männlicher Organismus wird dadurch hervorgebracht, daß die Kräfte der Seele sich tiefer in das Materielle hineinprägen wollen. Daraus sehen Sie, daß aus den Frauenerlebnissen einer Inkarnation die Wirkung hervorgeht, in der nächsten Inkarnation einen männlichen Organismus hervorzubringen. Da haben Sie aus der Natur des Okkultismus einen Zusammenhang gegeben, der jenseits des Moralischen liegt. Deshalb sagt man im Okkultismus: Der Mann ist das Karma der Frau. - In der Tat ist die Mannesorganisation in einer späteren Inkarnation das Ergebnis der Erfahrungen und Erlebnisse in einer vorhergehenden Fraueninkarnation. Selbst auf die Gefahr hin, daß ich etwa unsympathische Gedanken erwecke bei einigen der Versammelten - es kommt ja immer vor, daß Männer der Gegenwart einen heil losen Respekt davor haben, als Frau inkarniert zu werden -, muß ich diese Dinge als Tatsachen auch wieder ganz objektiv beleuchten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie ist es nun mit den Manneserlebnissen? Mit den Manneserleb&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|179}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nissen verhält es sich so, daß wir sie am besten verstehen, wenn wir gleich von dem ausgehen, was wir jetzt eben dargestellt haben. Bei der Mannesorganisation hat der innere Mensch sich gründlicher in das Materielle hineingelebt, hat es mehr umklammert als bei der Frau. Die Frau behält mehr von dem Geistigen im Unkörperlichen zurück; sie lebt sich nicht so tief in das Materielle hinein, sie erhält ihre Körperlichkeit weicher. Sie trennt sich nicht so weit von dem Geistigen. Das ist das Charakteristische der Frauennatur, daß sie mehr zurückbehält von freier Geistigkeit und sich daher weniger in die Materie hineinarbeitet und vor allem das Gehirn weicher erhält. Daher ist es nicht zu verwundern, daß die Frauen für Neues, insbesondere auf geistigem Gebiete, eben eine besondere Neigung haben, weil sie das Geistige freier behalten haben und weil weniger Widerstand da ist. Und es ist kein Zufall, sondern es entspricht einer tiefen Gesetzmäßigkeit, daß bei einer Bewegung, die durch ihre Natur mit dem Spirituellen zu tun hat, sich eine größere Anzahl von Frauen einfindet als Männer. Und wer Mann ist, der weiß,was für ein schwieriges Instrument das Mannesgehirn oftmals ist. Es bildet furchtbare Hindernisse, wenn man es für biegsamere Gedankengänge brauchen will. Da will es nicht mitgehen. Es muß erst mit allen möglichen Mitteln herangebildet werden, um sich aus der Steifigkeit zu erlösen. Das kann durchaus ein eigenes Erlebnis der Manneserfahrung sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Mannesnatur ist also kondensierter, zusammengezogener; sie ist mehr gepreßt worden, steifer, härter gemacht worden durch das, was der innere Mensch im Manne ist; sie ist materieller gemacht worden. Nun ist ein steiferes Gehirn vor allem ein Instrument für das Intellektuelle, weniger für das Psychische. Denn das Intellektuelle ist etwas, was sich viel mehr auf den physischen Plan bezieht. Was als Intellektualismus des Mannes zu bezeichnen ist, das kommt von seinem steiferen, verfestigten Gehirn. Man könnte dabei von einem gewissen Grade von «Eingefrorenheit&amp;gt; des Gehirns sprechen. Es muß erst auftauen, wenn es sich in feinere Gedankengänge hinein finden soll. Dadurch aber wird der Mann veranlaßt, mehr die Äußerlichkeiten zu erfassen, weniger von denjenigen Erlebnissen aufzunehmen, die mit den Tiefen des Seelenlebens zusammenhängen. Und was er aufnimmt, das geht dann auch &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|180}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nicht tief. Ein äußerer Beweis dafür ist der, wie wenig tief die äußere Wissenschaft geht und wie wenig sie das Innere erfaßt - wie zwar immer im weiten Umkreis gedacht wird, aber wie wenig gründlich die Tatsachen zusammengezogen werden. Wer durch seine eigene Selbstzucht im Denken genötigt ist, die Tatsachen zusammenzufügen, dem könnte von dem, was die äußere Wissenschaft sich nicht scheut, als nebeneinander bestehend hinzustellen, manchmal recht übel werden. Da kann man sehen, wie wenig tief die Dinge gehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Beispiel dafür, wie oberflächlich die Dinge der heutigen Wissenschaft sein können: Nehmen Sie an, ein junger Mensch ist in irgendeinem Kolleg, wo ein enragierter Darwinianer vorträgt. Und bei diesem Vertreter der Selektionstheorie kann der Student etwa solche Dinge vertreten hören: Woher kommt es, daß der Gockel zum Beispiel so schöne, blauschillernde Farben an seinen Federn hat? Das ist auf eine geschlechtliche Zuchtwahl zurückzuführen; denn durch die Farben zieht er die Hennen &#039;an, und die Hennen wählen dann unten den Gockeln diejenigen, welche die bläulichschillernden Federn haben. Dabei kommen dann die andern zu kurz, und es bildet sich infolgedessen besonders die eine Sorte aus. Das ist eine Höherentwickelung, das ist «geschlechtliche Zuchtwahl»! - Und der Student ist froh, daß er weiß, wie eine Aufwärtsentwickelung zustande kommen kann. Jetzt geht er ins nächste Kolleg, wo, sagen wir, das Gebiet der Sinnesphysiologie behandelt wird. Und hier kann es jetzt vorkommen, daß derselbe Student nun im zweiten Kolleg etwa folgendes zu hören bekommt: Man hat Versuche gemacht, welche zeigen, wie verschieden die Farben des Spektrums auf die verschiedenen Wesenheiten wirken. Man kann nachweisen, daß zum Beispiel die Hühner von den gesamten Farben des Spektrums das nicht wahrnehmen, was zum Blau und Violett gehört, sondern daß sie nur dasjenige wahrnehmen, was vom Grünen zum Orange, Rot und Ultrarot geht!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt ist der Student, wenn er diese beiden Tatsachen, die er heute wirklich hören kann, zusammendenken will, darauf angewiesen, die Dinge oberflächlich zu nehmen. Es ist die ganze Selektionstheorie darauf gebaut, daß die Hennen am Gockel etwas sehen sollen an bunten Farben, was ihnen besondere Freude machen soll, was sie aber &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|181}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
in Wirklichkeit gar nicht sehen, was für sie wie rabenschwarz erscheint.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist nur ein Beispiel. Aber die Dinge sind so, daß sie dem, der wirklich wissenschaftlich forschen will, auf Schritt und Tritt so begegnen. Daraus sehen Sie, daß die Intellektualität nicht gerade sehr tief elngreift in das Leben, daß sie an der Oberfläche stehenbIeibt. Ich wähle absichtlich die krassen Beispiele. Man wird es ja nicht so leicht glauben wollen, daß die Intellektualität etwas ist, was sich mehr äußerlich abspielt, nicht tief eingreift in das Seelenleben, was wenig das Innere des Menschen ergreift. Und die materialistische Gesinnung ergreift das Seelenleben erst recht nicht. Die Folge davon ist aber die, daß der Mensch aus einer solchen Inkarnation, wo er wenig hineinwirkt in die Seele, die Tendenz aufnimmt zwischen Geburt und Tod, in der nächsten Inkarnation weniger in die Organisation einzudringen. Es ist ja die Kraft dazu weniger aufgenommen worden; deshalb wirkt sie jetzt so, daß der Mensch weniger seine Leiblichkeit imprägniert. Daraus entsteht nun aber die Neigung, in der nächsten Inkarnation einen Frauenleib aufzubauen. Wiederum ist es richtig, wenn man im Okkultismus sagt: Das Weib ist das Karma des Mannes!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf diesem moralisch neutralen Gebiete sehen wir, wie das, was sich der Mensch in einer Inkarnation vorbereitet, in der nächsten Inkarnation seine Leiblichkeit organisiert. Und weil diese D`inge nicht nur tief eingreifen in unser inneres Leben, sondern auch in unsere äußeren Erlebnisse und in unser Handeln&amp;gt; so müssen wir sagen: Indem der Mensch in einer Inkarnation Mannes- oder Frauenerlebnisse hat, wird in der nächsten Inkarnation sein äußeres Handeln in dieser oder jener Weise bestimmt, weil er durch die Frauenerlebnisse die Neigung hat, eine Mannesorganisation sich zu bilden, und umgekehrt durch die Manneserlebnisse eine Frauenorganisation. Nur in seltenen Fällen wiederholt sich die gleiche geschlechtliche Inkarnation; sie kann sich höchstens siebenmal wiederholen. Die Regel jedoch ist die, daß jede männliche Organisation in der nächsten Inkarnation danach strebt, weiblich zu werden, und umgekehrt. Da nützt alle Abneigung nichts, denn es kommt nicht darauf an, was man in der physischen Welt möchte, sondern es kommt auf die Neigungen an, die man in der Zeit zwischen Tod&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|182}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und neuer Geburt hat, und die werden durch vernünftigere Gründe bestimmt als solche, daß man etwa in einer männlichen Inkarnation einen Horror davor hat, in der nächsten Inkarnation sich als Frau zu inkarnieren. Da können Sie sehen, wie das spätere Leben karmisch bestimmt wird durch das frühere und wie auch die Handlungen des späteren Lebens bestimmt werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun handelt es sich darum, daß wir noch einen andern karmischen Zusammenhang einsehen lernen, den wir auch noch benötigen, wenn wir auf die wichtigen Betrachtungen der nächsten Tage Licht werfen wollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Blicken wir dazu noch einmal zurück auf einen recht fernliegenden Zeitpunkt der menschlichen Entwickelung: auf den Zeitpunkt, wo einmal auf der Erde die menschlichen Inkarnationen angefangen haben. Das geschah in der alten lemurischen Zeit. Nun handelt es sich darum, daß damals auf den Menschen zuerst in einer durchgreifenden Art gewirkt hat der luziferische Einfluß und daß dieser dann den ahrimanischen Einfluß herausgefordert hat. Versuchen wir uns einmal vor die Seele zu stellen, wie der luziferische Einfluß äußerlich im Menschen- leben gewirkt hat. - Dadurch, daß der Mensch überhaupt in die Lage gekommen ist, in jenen alten Zeiten den luziferischen Einfluß in sich aufzunehmen, also seinen astralischen Leib mit dem luziferischen Einfluß zu durchdringen, dadurch wurde sein astralischer Leib geneigt, viel tiefer noch in die Organisation einzugreifen, in das Materielle des physischen Leibes viel tiefer hinunterzusteigen, und vor allem auch ganz anders, als er ohne den luziferischen Einfluß hinuntergestiegen wäre. Der Mensch wurde durch den luziferischen Einfluß materieller. Hätte der luziferische Einfluß nicht gewirkt, dann wäre eine geringere Neigung des Menschen entstanden, in die materielle Welt hinunterzusteigen, der Mensch hätte sich als solcher in höheren Regionen des Daseins gehalten. Also es ist eine viel stärkere Durchdringung von äußerem und innerem Menschen geschehen, als es ohne den luziferischen Einfluß der Fall gewesen wäre. Diese Durchdringung war nun zunächst dieVeranlassung dafür, daß der Mensch durch die stärkere Verbindung mit dem Materiellen des äußeren Leibes den Rückblick auf die Ereignisse, welche seiner Einkörperung vorangegangen sind, verloren hat. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|183}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Mensch trat jetzt durch eine so geartete Geburt ins Dasein, daß er sich tief mit dem Materiellen verband und dadurch alle Rückschau auf die früheren Erlebnisse auslöschte. Der Mensch hätte sich sonst die Erinnerung bewahrt an das, was er vor der Geburt im Geistigen erlebt hat. Durch den luziferischen Einfluß wurde nun die Geburt ein Akt, durch den der Mensch so intensive Verbindungen zwischen äußerem und innerem Menschen herstellt, daß ausgelöscht wurde, was der Mensch in derZeit vorher in der geistigenWelt erleben kann. Es wurde der Mensch durch den luziferischen Einfluß beraubt seiner Erinnerungen an die vorhergehenden geistigen Erlebnisse. Die Verbindung mit der äußeren Leiblichkeit macht es, daß der Mensch nicht zurückblicken kann auf das Frühere. Dadurch aber ist der Mensch während seines Lebens darauf angewiesen, immer nur aus der Außenwelt seine Erfahrungen und Erlebnisse zu holen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun wären Sie aber auf einem ganz falschen Wege, wenn Sie glauben würden, daß nur die groben äußeren Stoffe, die der Mensch in sich aufnimmt&amp;gt; auf ihn wirken. Es wirken auf den Menschen nicht nur die Nahrungsmittel und -kräfte, sondern auch die sonstigen Erfahrungen, welche er macht, auch die Dinge, welche durch seine Sinne in ihn ein- fließen. Aber durch das gröbere Verbinden mit der Materie wirken auch die Nahrungsmittel anders. Stellen Sie sich vor, der luziferische Einfluß wäre nicht dagewesen; dann würde von den Nahrungsmitteln bis zu den Sinneseindrücken alles auf den Menschen weit feiner wirken. Er würde alles, was er als Wechselwirkung mit der Außenwelt erlebt, durchdringen mit dem, was er zwischen Tod und neuer Geburt erlebt hat. Dadurch, daß der Mensch die Materialität dichter gestaltet hat, ist er geneigt, auch viel Dichteres aufzunehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es wirkt also der luziferische Einfluß so, daß der Mensch durch die Verdichtung der Materie auch aus der Außenwelt viel Dichteres heranzieht, als er sonst herangezogen hätte. Das Dichtere, was er nun von außen heranzieht, ist aber ganz anders als das sonst weniger Dichte. Das weniger Dichte würde die Erinnerungen an das frühere Leben aufrechterhalten haben; es würde auch bewirken,daß er die Sicherheit hat, daß alles, was der Mensch erlebt zwischen Geburt und Tod, seine Wirkungen hineinerstreckt in einen nie endenden Zeitraum. Der Mensch &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|184}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
würde wissen: Es tritt zwar äußerlich der Tod ein, aber alles, was geschieht, wirkt weiter. Dadurch, daß der Mensch Dichteres aufnehmen mußte, schafft er von Geburt an eine starke Wechselwirkung zwischen seiner eigenen leiblichen Natur und der Außenwelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was hat nun dieser Wechselzustand zur Folge? Die geistige Welt ist ausgelöscht seit der Geburt. Und damit der Mensch im Geistigen leben, in der geistigen Welt aufwachen kann, muß erst wieder jener Zustand eintreten, wo alles, was von außen als dichtere Materialität in uns hineinkommt, wieder von den Menschen genommen wird. Weil wir uns eine dichtere Materialität angeeignet haben, müssen wir, um wieder in das Geistige hineinzukommen, auf den Zeitpunkt warten, wo die äußere materielle Leiblichkeit von uns genommen wird. Was nun da als dichtere Materialität in uns hineindringt&amp;gt; das zerstört stückweise, von unserer Geburt an, unsere menschliche Leiblichkeit. Was da hereinfließt, das ist etwas, was immer mehr und mehr die Leiblichkeit zerstört, bis es sie endlich ganz zerstört hat, daß sie nicht mehr bestehen kann. Von unserer Geburt angefangen, nehmen wir eine dichtere Materialität auf, als wir ohne den luziferischen Einfluß aufgenommen hätten, so daß wir unsere Leiblichkeit langsam vernichten, bis sie mit dem Eintreten` d&amp;amp; Todes ganz unbrauchbar geworden ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daran sehen wir&amp;gt; wie der luziferische Einfluß die karmische Ursache des Todes des Menschen ist. Gäbe es nicht diese Form der Geburt, so gäbe es nicht diese Form des Todes für den Menschen. Der Mensch würde sonst so vor dem Tode stehen, daß ihm die sichere Aussicht auf Kommendes vor Augen stehen würde. Der Tod ist die karmische Folge der Geburt, Geburt und Tod hängen karmisch zusammen. Ohne Geburt, wie sie der Mensch heute erlebt, gäbe es keinen Tod, wie ihn der Mensch erlebt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich habe vorhin schon gesagt, daß beim Tier nicht in demselben Sinne von Karma gesprochen werden kann wie beim Menschen. Wenn jemand sagen würde, daß auch beim Tier Geburt und Tod karmisch zusammenhängen, so.wüßte der Betreffende eben nicht, daß Geburt und Tod für den Menschen etwas ganz anderes sind als für das Tier. Was sich da äußerlich gleich sieht, ist innerlich nicht dasselbe; es handelt sich bei Geburt und Tod nicht um das äußerliche Aufbauen, sondern&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|185}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
um das innere Erleben. Beim Tier erlebt nur die Gattungsseele, die Gruppenseele. Das Absterben eines Tieres bedeutet für die Gruppenseele ungefähr dasselbe, was Sie erleben, wenn- Sie sich beim Herankommen des Sommers die Haare kürzer schneiden lassen, die dann wieder langsam nachwachsen. Es fühlt die Gruppenseele einer Tiergattung das Absterben eines Tieres wie das Absterben eines Gliedes, das sich nach und nach wieder ersetzt. Also die Gattungsseele ist das, was wir mit dem menschlichen Ich vergleichen dürfen. Sie kennt nicht Geburt und Tod, sie sieht auf das, was der Geburt vorangeht, fortwährend, und auch auf das, was dem Tode nachfolgt, sieht sie fortwährend. Von Geburt und Tod beim Tier zu sprechen, wie man davon beim Menschen spricht, ist ein Unsinn, weil ganz andere Ursachen vorangehen. Und man leugnet die innere Wirksamkeit des Geistes, wenn man glaubt, was sich äußerlich gleich darstelle, das sei auch von innerlich gleichen Ursachen bewirkt. Gleichheit der äußeren Vorgänge weist nie mit Sicherheit auf gleiche Ursachen hin. Der Geburt des Menschen liegen ganz andere Ursachen zugrunde als der des Tieres, und ebenso stirbt der Mensch aus ganz andern Ursachen heraus als das Tier.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn man ein wenig nachdenken würde, wie das Äußere sich ganz gleich ausnehmen kann, ohne daß das Innere im entferntesten Gleiches erlebt, dann würde man auch schon methodologisch darauf kommen, daß es sich so verhält. Sie können sogar auf höchst einfache Weise darauf kommen, daß der äußere Sinnenschein kein Beweis ist für das innere Leben. Denken Sie sich zwei Menschen; Sie kommen um neun Uhr an einen bestimmten Ort und sehen dort die zwei Menschen nebeneinanderstehen. Um drei Uhr gehen Sie wieder an den betreffenden Ort, nachdem Sie in der Zwischenzeit nicht dort gewesen sind. Da stehen die zwei Menschen wieder an derselben Stelle. Nun könnten Sie schließen: A steht immer noch an demselben Ort, B steht immer noch an demselben Ort, wo er um neun Uhr schon gestanden hat. Untersuchen Sie aber, was diese beiden Menschen inzwischen getan haben, dann werden Sie vielleicht finden, daß der eine da stillgestanden hat, während der andere unterdessen einen weiten Gang getan hat und in der Zwischenzeit müde geworden ist. Da liegen dann ganz andere Vorgänge zugrunde. Und wie es unsinnig wäre, wenn die beiden Menschen &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|186}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
um drei Uhr wieder an derselben Stelle stehen, zu sagen, daß in ihrem Inneren das Gleiche vorgegangen sei, ebenso unsinnig ist es, wenn man zwei gleichgeformte Zellen findet, aus ihrer gleichen Struktur schließen zu wollen, daß sie innerlich die gleiche Bedeutung haben. Es handelt sich darum, den ganzen Zusammenhang der Tatsachen zu kennen, der eine Zelle an den betreffenden Ort hingeführt hat. Daher ist die moderne Zellenphysiologie, die ausgeht von der Untersuchung der inneren Struktur der Zellen, auf ganz falschem Wege. Niemals kann das, was sich dem äußeren Sinnenschein darbietet, ausschlaggebend sein für das innere Wesen des Dinges.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So etwas muß man durchdenken, wenn man solche Dinge einsehen will, wie sie sich dem Okkultisten aus den okkulten Beobachtungen ergeben, wie zum Beispiel Geborenwerden und Sterben etwas ganz anderes ist beim Menschen als beim Säugetier oder gar bei den Vögeln. Diese Dinge zu studieren wird erst möglich sein, wenn die Leute wieder ein wenig auf das eingehen, was die geistige Forschung zu sagen hat. Bevor nicht darauf eingegangen wird, wird die äußere Wissenschaft, die beim Sinnenschein und bei den äußeren Tatsachen stehenbleibt, zwar sehr schöne Tatsachen zutage bringen; aber alles, was Menschen meinen können unter solchen Voraussetzungen über solche Tatsachen, das wird niemals maßgebend sein für die Wirklichkeit. Daher ist alles, was heute theoretische Wissenschaft ist, ein phantastisches Gebilde, das dadurch entstanden ist, daß man die äußeren Tatsachen nach dem äußeren Schein kombiniert. Auf manchen Gebieten drängen geradezu die äußeren Tatsachen dazu, in der richtigen Weise zu interpretieren; aber durch die heutigen Meinungen kommt man nicht dazu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So haben wir heute zwei neutrale Gebiete auf dem Felde der karmischen Gesetzmäßigkeit auf uns wirken lassen, und Sie werden sehen, daß sie uns eine Grundlage sein werden für die weiteren Betrachtungen. Wir haben eingesehen, wie die Frauenorganisation die karmische Folge der Manneserlebnisse ist und die Mannesorganisation eine karmische Folge der Frauenerlebnisse; und wir haben endlich eingesehen, daß der Tod eine karmischeWirkung der Geburt im Menschenleben ist. Das ist etwas, was, wenn man versucht, es nach und nach zu verstehen, uns tief hineinführen kann in die karmischen Zusammenhänge des Menschenlebens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|187}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= ZEHNTER VORTRAG Hamburg, 27. Mai 1910 =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gewisse tiefere Fragen des karmischen Zusammenhanges, die sich namentlich auf unseren menschlichen Einfluß auf das Karma und besonders auf das Karma anderer Menschen beziehen, solche Fragen also, die sich auf eine Richtungsänderung des Karma im Kleinen und im Großen beziehen, kann man nicht beantworten, auch nicht eine Vorstellung hervorrufen, wie sie beantwortet werden müssen, wenn man nicht in der Weise, wie wir es heute tun wollen, gewisse bedeutsame Geheimnisse unseres Weltendaseins berührt. Solche Fragen können sich vielleicht dann für jeden aus dem Gesagten ergeben, wenn Sie diesen oder jenen Gedanken, der angeschlagen und von der einen oder andern Seite beleuchtet worden ist, für sich selber weiter ausführen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So kann sich die Frage aufwerfen: Was geschieht, wenn im karmischen Zusammenhange eines Menschen durch das, was er früher erlebt und getan hat, ein Krankheitsprozeß zur Hinwegschaffung dieser karmischen Tatsache notwendig ist und wenn diesem Menschen durch Heilmittel oder durch einen andern Eingriff in derWeise geholfen wird, daß er durch menschliche Hilfe wirklich geheilt wird? Was liegt da vor, und wie verhält sich eine solche Tatsache zu den tieferen Auffassungen von der karmischen Gesetzmäßigkeit?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun bemerke ich von vornherein: Um überhaupt auch nur einige wesentlichere Lichter auf diese Frage zu werfen, müssen Dinge berührt werden, die der heutigen Wissenschaft und dem heutigen Denken der Menschen ganz fern liegen und welche auch nur sozusagen unter Theosophen besprochen werden können, die sich für solche Dinge schon dadurch vorbereitet haben, daß sie mancherlei Wahrheiten aufgenommen haben, die sich auf tiefere Untergründe des Daseins beziehen, und die sich auch ein Gefühl dafür erworben haben, wie Dinge,welche heute nur angedeutet werden können, sich doch voll begründen lassen. Dennoch möchte ich bei dieser Gelegenheit eine Bitte einfügen: Was ich genötigt bin zu sagen über die tieferen Untergründe des Erdendaseins, zum Beispiel was ich mich bemühen werde, in der präzisesten Form auszusprechen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|188}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und was sogleich falsch sein würde, wenn es in anderem Zusammenhang oder gar ohne Zusammenhang gesagt würde und deshalb zu Mißverständnissen Veranlassung geben würde, davon bitte ich, daß es nicht anders behandelt werde als so, daß man es eben aufnimmt. Auch ich muß daher gerade bei diesen Dingen darauf halten, daß niemand sie als ein Lehrgut betrachten sollte, das er irgendwie weitergeben könnte, weil nur der Zusammenhang eine solche Darstellung rechtfertigt und weil eine solche Darstellung nur gerechIfertigt ist, wenn dahinter das Bewußtsein liegt, wie man solche Worte zu prägen hat, um derartiges in Gedanken zum Ausdruck zu bringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um was es sich nun handelt, das ist die Frage nach dem tieferen Wesen des materiellen Daseins auf der einen Seite und nach dem Wesen des seelischen Daseins auf der andern Seite. Eine tiefere Auffassung vom Seelischen und Materiellen werden wir uns heute notwendig aneignen müssen, und zwar werden wir es nötig haben aus einem ganz bestimmten Grunde heraus, aus dem Grunde, weil wir in den verflossenenVorträgen angeführt haben,daß das Seelische des Menschen mehr oder weniger tief hineindringen kann in das Materielle. Ja, wir haben gestern das Wesen des Männlichen dadurch charakterisieren können, daß wir sagten, beim Manne dringe das Seelische tiefer in das Materielle hinein, präge sich tiefer ein, während das Seelische beim Weiblichen in gewisser Beziehung sich mehr zurückzieht und sich mehr ein selbständiges Dasein gegenüber dem Materiellen aneignet. So haben wir gesehen, daß vieles im karmischen Ausleben darauf beruht, wie die Durchdringung des Seelischen und des Materiellen stattfindet. Wir haben auch gesehen, wie ein gewisser Krankheitsprozeß, der in einer Inkarnation auftritt, sich darstellt als die karmische Folge von Verfehlungen, welche die Seele in früheren Verkörperungen begangen hat, indem die Seele damals ihre Taten, Erlebnisse und Impulse in sich verarbeitet und dann auf dem Wege zwischen Tod und neuer Geburt die Tendenz auf- genommen hat, dasjenige, was früher bloß als ein Merkmal, als ein Einfluß des Seelischen sich abgespielt hat, hineinzudrängen in das Körperliche, in das Materielle. Und indem dann die menschliche Wesenheit durchtränkt wird von einem solchen Seelischen, das den luziferischen oder ahrimanischen Einfluß in sich aufgenommen hat, wird gerade dadurch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|189}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
das menschliche Materielle verdorben. Darinnen liegt ja dann der Krankheitsverlauf. Daher können wir sagen: In einem kranken Leibe steckt ein verdorbenes Seelisches, das einen unrichtigen Einfluß erfahren hat, einen luziferischen oder ahrimanischen Einfluß; und in dem Augenblick, wo wir den luziferischen oder ahrimanischen Einfluß aus dem Seelischen herausbringen könnten, würde die richtige Durchdringung von Seele und Leib eintreten, das heißt, es würde Gesundheit eintreten. - Wir müssen also fragen: Wie verhält es sich mit diesen zwei Wesensgliedern des irdischen menschlichen Daseins, welche uns da vor Augen treten, mit der Materie und dem Seelischen? Was sind sie in ihrem tieferen Wesen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn diese Frage aufgeworfen wird, so hat der heutige Mensch gewöhnlich die Meinung, daß die Antwort auf die Frage: Was ist Materie? Was ist Seele? - überall inderWelt gleich ausfallen müßte;und ich glaube nicht, daß es einem Menschen leicht würde, sich mit der Meinung bekanntzumachen, daß für Wesen, welche auf dem alten Monde gelebt haben&amp;gt; die Antwort auf die Frage: Was ist Materie? Was ist Seele? - ganz anders hätte ausfallen müssen als für Wesen, welche auf der Erde leben. Aber das Dasein ist so sehr in Entwickelung, daß sich selbst solche Dinge ändern wie die Vorstellungen, welche sich ein Wesen machen kann von den tieferen Grundlagen seines eigenen Wesens. Und so ändert sich auch dasjenige, was als Antwort gegeben werden muß auf die Frage: Was ist Materie? Was ist Seele? Es ist daher von vornherein zu betonen, daß die Antworten, die gegeben werden, nur Antworten sind, welche der Erdenmensch geben kann und die nur für diesen Erdenmenschen eine Bedeutung haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
«Materie&amp;gt; wird ja der Mensch zunächst nach dem beurteilen, was ihm in der Außenwelt an den verschiedenen Wesenheiten und Dingen entgegentritt und was auf ihn in irgendeiner Weise Eindruck macht. Der Mensch findet dann, daß es verschiedene Arten von Materien gibt, und ich brauche ja darin dicht sehr weit auszuholen, denn was darüber zu sagen wäre, wenn wir mehr Zeit hätten, können Sie in allen entsprechenden Trivialschriften finden. Ich sage daher für jetzt genug, wenn ich darauf hinweise, daß sich Materie verschieden darstellt für den Menschen, indem er die verschiedenen Metalle sieht, Gold, Kupfer, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|190}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Blei und so weiter, oder wenn er dasjenige sieht, was nicht in die Reihe der Metalle gehört. Sie wissen auch, daß die Chemie diese Materien nach und nach zurückgeführt hat auf gewisse Grundstoffe der Materie, die sie Elemente nennt. Diese Elemente wurden ja noch bis ins 19. Jahrhundert hinein so angesehen, daß sie Materien sind, die sich nicht weiter zerlegen lassen. Während wir irgendeine Substanz, welche uns als Materie entgegentritt, zum Beispiel Wasser, trennen können in Wasserstoff und Sauerstoff, haben wir in Wasserstoff und Sauerstoff solche Materie vor uns, die nach der Meinung der Chemie des 19. Jahrhunderts nicht weiter zerlegt werden kann. Bis siebzig solcher Elemente hat man unterschieden. Und Sie wissen wohl auch, daß durch die Erscheinungen, welche in Anknüpfung an einige besondere Elemente, zum Beispiel Radium, haben angestellt werden können, oder daß auch in Anknüpfung an mancherlei Erscheinungen der Elektrizitätslehre der Begriff der Elemente verschiedentlich erschüttert worden ist, daß man zu der Ansicht gekommen ist, daß es nur eine vorläufige Grenze der Materie sei, was man als die etwa siebzig Elemente kennt, und daß man die Zerlegbarkeit weiter zurückführen kann auf eine einzige Grundmaterie, die dann nur durch die innere Kombination, durch das innere Wesenselement, das eine Mal sich zu Gold, das andere Mal zu Kalium, Kalzium und so weiter spezialisiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das sind veränderliche wissenschaftliche Theorien. Und geradeso wie sich die wissenschaftlichen Theorien im Laufe von je fünfzig Jahren im 19. Jahrhundert verändert haben, wie es dahin kommen konnte,daß gewisse Physiker in dem, was Materie sein soll, etwas mit Entitäten, mit Wesenheiten zu Bezeichnendes sahen, etwas, was von der Elektrizität hergenommen ist, wie jetzt die Ionentheorie - das sind wissenschaftliche Moden -, ebenso werden in gar nicht so ferner Zeit andere wissenschaftliche Moden existieren, und man wird sich die Materie anders konstituiert denken. Das sind Tatsachen. Die wissenschaftlichen Meinungen sind veränderlich, müssen auch veränderlich sein, denn sie hängen ganz ab von den jeweiligen Tatsachen, die gerade auf ein Zeitalter besonders signifikant wirken. Dagegen hat die geisteswissenschaftliche Lehre durch alle Epochen hindurchgehend, so lange es Erdenkulturen gibt - und sie wird so lange hindurchgehen, solange es eine &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|191}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erdenkultur geben wird -, immer eine einheitliche, gleiche Anschauung gehabt über das Wesen des materiellen Daseins, über die Materie. Um Sie auf das zu führen, was die Geisteswissenschaft als das Wesentliche der Materie, des Materiellen ansieht, möchte ich folgendes sagen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie kennen den ganz gewöhnlichen Vorgang: wenn wir Eis haben, ist das ein fester Körper, eine feste Materie. Diese Materie ist nicht fest durch ihre eigentliche Wesenheit, sondern sie ist eine feste Materie nur durch äußere Umstände. Sie ist sofort keine feste Materie mehr, wenn wir die Temperatur in entsprechender Weise erhöhen; da ist sie eine flüssige Materie. Wie sich eine Materie in der äußeren Welt darlebt, das hängt also nicht ab von dem, was in ihr selber ist, sondern von den ganzen Verhältnissen des umgebenden Weltalls. - Dann können wir weiter dieser Materie Wärme zuführen, und aus dem Wasser wird von einem bestimmten Punkt ab Dampf. So haben wir Eis, Wasser, Dampf und haben durch die Erhöhung der Temperatur der Umgebung etwas herbeigeführt, was wir bezeichnen können als «die Materie in den verschiedensten Formen». So haben wir an der Materie, wie sie sich uns darstellt, nicht nach einer innerlichen, sie konstituierenden Wesensart zu unterscheiden, sondern wir müssen uns klar sein, daß die Art, wie Materie uns entgegentritt, von der Art der Gesamtkonstitution des Weltalls abhängt und daß man nichts vom ganzen Weltall in einzelne Materien trennen darf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun liegen allerdings die Dinge so, daß die Methoden der heutigen Wissenschaft überhaupt nicht ausreichen, um zu dem zu kommen, wozu Geisteswissenschaft kommen kann. Es kann die heutige Wissenschaft mit ihren Mitteln die Materie, die in der Form eines Stückes Eis durch Temperaturerhöhung erst flüssig und dann dampfförmig wird, niemals so weit führen, daß sie bis zu dem auf der Erde als letzten erreichbaren Zustand kommt, in welchen jede Materie überzuführen ist. Es ist nicht möglich, heute mit wissenschaftlichen Mitteln solche Verhältnisse her- beizuführen, wodurch etwa gezeigt werden könnte: Wenn du Gold nimmst und es immer weiter verdünnst, so weit als du es nur auf der Erde verdünnen kannst, dann kommst du zuletzt zu diesem oder jenem Zustand. Wenn du mit Silber dasselbe machst, ist es ebenso, bei Kupfer auch, und so weiter. - Die Geisteswissenschaft kann das, weil sie zuletzt &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|192}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
fußt auf den hellseherischen Forschungsmethoden. Dadurch ist sie im- stande, eines zu beobachten: Wie in den, man könnte sagen, Zwischen- räumen unserer Materien immer sich ein Gleiches überall findet, ein Gleiches, welches in der Tat die äußerste Grenze darstellt, zu dem überhaupt Materie gebracht werden könnte, was für eine Materie es auch immer sein mag. Es gibt wirklich einen für hellseherische Forschung erreichbaren Auflösungszustand aller Materie, wo sich alle Materie in einem dabei Gleichen zeigt; nur ist das, was da auftritt, nicht mehr Materie, sondern etwas, was jenseits aller spezialisierten Materien liegt, die uns umgeben. Und jede einzelne Materie stellt sich dann dar als ein aus dieser Grundmaterie - es ist ja keine Materie mehr - Kondensiertes, Verdichtetes, ob Sie Gold, Silber oder was immer für eine Materie haben. Es gibt ein Grundwesen unseres materiellen Erdenseins, von dem alles Materielle nur durch Verdichtung zustande gekommen ist. Und auf die Frage: Was ist das für eine Grundmaterie unseres Erdendaseins? - antwortet die Geisteswissenschaft: Jede Materie auf der Erde ist kondensiertes Licht! Es gibt nichts im materiellen Dasein, was etwas anderes wäre als in irgendeiner Form verdichtetes Licht. Daher sehen Sie, daß es für denjenigen, der die Tatsachen kennt, nicht eine Theorie zu begründen gibt wie etwa die Schwingungshypothese des 19.Jahrhunderts, in welcher man versuchte, Licht darzustellen mit Mitteln, die selber gröber sind als das Licht. Licht ist nicht auf etwas anderes in unserem materiellen Dasein zurückzuführen. Wo Sie hin- greifen und eine Materie anfühlen, da haben Sie überall kondensiertes, zusammengepreßtes Licht. Materie ist ihrem Wesen nach Licht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit haben wir vom geisteswissenschaftlichen Standpunkt aus auf die eine Seite der Sache hingewiesen. Wir haben also dasjenige, was allem materiellen Dasein zugrunde liegt, im Lichte zu sehen. Und wenn wir den materiellen Menschenleib ansehen, so ist auch er, insofern er materiell ist, nichts anderes als aus Licht Gewobenes. Insofern der Mensch ein materielles Wesen ist, ist er aus Licht gewoben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nunmehr nehmen wir die andere Frage: Was ist das Wesen des Seelischen? - Wenn wir in ähnlicher Weise mit geisteswissenschaftlichen Mitteln das Substantielle, das wirkliche Grundwesen des Seelischen erforschen würden, so würde sich uns darstellen - so wie alles Materielle &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|193}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nur zusammengepreßtes Licht ist -, daß alle noch so verschiedenen seelischen Erscheinungen auf der Erde sich uns ergeben als Modifikationen, als mannigfaltige Umformungen dessen, was genannt werden muß, wenn wir die Grundbedeutung dieses Wortes wirklich erfassen: Liebe. Jede Regung seelischer Art, wo sie auch immer auftritt, ist in irgendeiner Weise modifizierte Liebe. Und wenn wir Inneres und Äußeres beim Menschen gleichsam ineinandergesteckt haben, ineinandergeprägt haben, so haben wir seine äußere Leiblichkeit gewoben aus Licht, sein inneres Seelisches haben wir gewoben in einer vergeistigten Weise aus Liebe. Liebe und Licht sind in der Tat in allen Erscheinungen unseres Erdendaseins irgendwie ineinandergewoben. Und wer geisteswissenschaftlich die Dinge zu begreifen hat, der fragt in allererster Linie: Wie sind in irgendeinem Grade Liebe und Licht ineinander verwoben?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Liebe und Licht sind die zwei Elemente, die zwei Komponenten, die alles Erdendasein durchsetzen: Liebe als seelisches Erdendasein, Licht als äußeres materielles Erdendasein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun aber tritt gerade jetzt dasjenige ein, daß für die beiden Elemente Licht und Liebe, die sonst eigentlich nach dem großen Gange des Weltendaseins nebeneinanderstehen würden, ein Vermittler da sein muß, der das eine Element in das andere hineinverwebt, der Licht in Liebe hineinverwebt. Das muß eine Macht sein, welche sozusagen kein besonderes Interesse hat an der Liebe, die also hineinverwebt in das Element der Liebe das Licht - die nur Interesse daran hat, dem Lichte die größtmögliche Ausbreitung zu geben, die also Licht hineinstrahlen läßt in das Element der Liebe. Eine solche Macht kann keine Erden- macht sein, denn die Erde ist gerade der Kosmos der Liebe. Die Erde hat die Mission, die Liebe überall hineinzuverweben. Also alles, was mit dem Erdendasein so recht verknüpft ist, hat kein Interesse, das nicht irgendwie von der Liebe berührt sein würde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein solches Interesse aber haben die luziferischen Wesenheiten; die sind gerade auf dem Monde zurückgeblieben, auf dem Kosmos der Weisheit. Sie haben besonders das Interesse, Licht in Liebe hineinzuweben. Daher sind in der Tat die luziferischen Wesenheiten überall am Werke, wo unser Inneres, das eigentlich aus Liebe gewoben ist, irgendwie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|194}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
in Zusammenhang tritt mit dem Lichte, wo es in, irgendeiner Form vorhanden ist; und Licht tritt uns ja in allem materiellen Dasein entgegen. Kommen wir nur irgendwie mit dem Licht in Zusammenhang, so treten die luziferischen Wesenheiten auf, und es verwebt sich das Luziferische in die Liebe. Dadurch ist der Mensch im Laufe der Verkörperungen überhaupt erst in das luziferische Element hineingekommen: Luzifer hat sich verwoben mit dem Elemente der Liebe. So daß in dasjenige, was aus Liebe gewoben ist, sich hineinpreßt das Element des Luzifer, das uns allein dasjenige bringen kann, was die Liebe nicht nur eine restlose Hingabe sein läßt, sondern was die Liebe durchsetzt mit Weisheit, so daß sie eine aus einem Innersten mit Weisheit durch- setzte Liebe ist. Denn sonst, ohne diese Weisheit, wäre die Liebe eine selbstverständliche Kraft, für die der Mensch nicht verantwortlich sein könnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So aber wird die Liebe zur eigentlichen Ich-Kraft, in die hineinverwoben wird das luziferische Element, das sonst nur draußen im Materiellen war. Dadurch wird es erst möglich, daß unser Inneres, dem im Erdendasein das Merkmal der Liebe in allem Umfange zukommen müßte, durchsetzt wird von all dem andern, was wir als ein Wirken des Luzifer bezeichnen können und was von dieser Seite her zu einer Durchdringung des äußeren Materiellen führt, so daß Liebe nicht nur von dem durchwoben wird, was vom Licht gewoben ist, sondern daß solche Liebe entsteht, die von Luzifer durchzogen ist. Indem der Mensch das luziferische Element aufnimmt, durchwebt er das materielle Dasein in seiner eigenen Leiblichkeit mit einem solchen Seelischen, das zwar aus Liebe gewoben ist, wo aber hineinverwoben ist das luziferische Element. Die mit dem luziferischen Element durchsetzte Liebe, die sich in das Materielle hineinimprägniert, das ist die von innen heraus wirkende Krankheitsursache. Und in Anknüpfung an alles, was wir früher angeführt haben als eine notwendige Folge der aus dem luziferischen Element herrührenden Erkrankung, dürfen wir jetzt sagen: Was wir als eine solche Folge im Schmerz zu sehen haben - wir haben ja gesehen, wie der Schmerz eine Folge des luziferischen Elementes ist -, das zeigt uns die Wirkung der karmischen Gesetzmäßigkeit in der Weise, daß die Wirkung einer Tat oder einer Versuchung, die von Luzifer her- &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|195}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
rührt, sich karmisch dergestalt aus lebt, daß im Schmerz sich kundgibt, was zur Überwindung der betreffenden Wirkung führen soll.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie ist es nun aber damit, ob wir in einem solchen Falle helfen dürfen? Dürfen wir hier helfen? Dürfen wir alles, was sich aus dem luziferischen Element hineingedrängt hat mit seinen ganzen Folgen in den Schmerz, in irgendeiner Weise beseitigen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der Antwort auf die Frage nach dem Wesen des Seelischen ergibt sich uns als Notwendigkeit, daß wir das nur tun dürfen, wenn wir für einen Menschen, der das luziferische Element als Krankheitsursache in sich hat, das Mittel finden, um das Luziferische in der entsprechenden Weise zu vertreiben. Was ist das für ein Mittel allein, was stärker wirken muß, damit das luziferische Element in der richtigen Weise entfernt wird? Was ist verunreinigt durch das luziferische Element unserer Erde? - Die Liebe! Daher können wir nur durch Zuführung von Liebe wirkliche Hilfeleistung haben, damit das karmische Element sich in der entsprechend richtigen Weise abspielt. So haben wir letzten Endes bei allem, was in dieser Richtung zu Krankheitsursachen wird, in dem Element der Liebe, das beeinträchtigt worden ist im Seelischen durch den luziferischen Einfluß, etwas zu sehen, dem wir etwas zuführen müssen. Wir müssen Liebe einflößen, damit das, was als Liebestat einfließt, eine Hilfe sein kann. Diesen Charakter zugeführter Liebe haben alle diejenigen Heilungstaten, die sich mehr oder weniger auf das stützen, was man psychische Heilungsprozesse nennen kann. In irgendeiner Form hängt das, was bei psychischen Heilungsprozessen angewendet wird, zusammen mit der Zuführung von Liebe. Liebe ist es, was wir als Balsam dem andern Menschen einflößen. Auf Liebe muß es zuletzt zurückgeführt werden können. Und das kann es auch. Auf Liebe kann es zurückgeführt werden, wenn wir einfache psychische Faktoren in Bewegung setzen, wenn wir einen andern veranlassen, vielleicht auch nur sein herabgedrücktes Gemüt in Ordnung zu bringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das muß alles seinen Impuls in der Liebe haben, von einfachen Heilprozessen ausgehend bis zu dem, was heute oft in laienhafter Weise mit dem Namen «Magnetisieren» benannt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was wird dabei in Wirklichkeit von dem Heiler demjenigen mit- geteilt, der geheilt werden soll? Es ist - wenn wir mit einem Ausdruck &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|196}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der Physik sprechen wollen - ein «Austausch von Spannungen». Was in dem Heiler lebt, namentlich gewisse Prozesse im Ätherleibe&amp;gt; das wird dadurch, daß es in ein gewisses Verhältnis tritt zu dem, der geheilt wer&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
den soll, in eine Art Polarität gebracht zu dem zu Heilenden. Polarität wird hervorgerufen gerade so, wie Sie sonst in einem abstrakteren Sinne Polarität hervorrufen, wenn Sie die eine Art von Elektrizität, die positive, hervorrufen und die entsprechend andere, die negative, in einer gewissen Weise erscheint. Es werden Polaritäten hervorgerufen. Und das ist im eminentesten Sinne als eine Opfertat aufzufassen. Man ruft in sich selber in der Tat einen Prozeß hervor, der nicht nur dazu bestimmt ist, in uns selber eine Bedeutung zu haben - sonst ruft man nur einen Prozeß hervor; in diesem Fall soll aber der Prozeß dazu bestimmt sein, in dem andern eine Polarität zu dem ersten Prozesse hervorzurufen. Und diese Poiarität, die natürlich davon abhängt, daß der Heiler und der zu Heilende in irgendeinem Sinne in Zusammenhang gebracht werden, diesen andern Prozeß in dem andern hervorzurufen, ist im eminentesten Sinne die Hinopferung einer Kraft, die nichts anderes ist als umgewandelte Liebeskraft, Liebestat in irgendeiner Form. Das ist das eigentlich Wirkende bei solchen psychischen Heilungen: die in irgendeine Form umgewandelte Liebeskraft. Und wir müssen uns daher klar sein, daß ohne die zugrunde liegende Liebeskraft die Sache immer etwas haben wird, was nicht zu dem richtigen Ziele führen kann. Aber Liebesprozesse brauchen ja nicht immer nur so zu verlaufen, daß sich der Mensch dessen im gewöhnlichen Tagesbewußtsein vollständig bewußt ist; sie verlaufen auch in den unterbewußten Schichten. Sogar in dem, was als Technik der Heilprozesse angesehen werden kann, selbst in der Art, wie man zum Beispiel die Handstriche macht, wie sie technisch in ein System gebracht werden, auch da liegt schon darinnen, daß sie ein Abbild sind einer Opfertat. Also selbst da, wo wir nicht unmittelbar in einem Heilprozesse den Zusammenhang erblicken, wo wir nicht sehen, was getan wird, liegt doch vor eine Liebestat, wenn sie auch ganz und gar in Technik umgewandelt ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So sehen wir, daß wir deshalb, weil das Seelische im Grundwesen Liebe ist, mit psychischen Heilfaktoren eingreifen können, die scheinbar sehr nach der Peripherie des menschlichen Wesens liegende Prozesse &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|197}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sein können, und daß durch solche Heilfaktoren das, was im Grund- wesen Liebe ist, sich bereichert mit dem, was es braucht als Liebe. Da sehen wir die Hilfe von der einen Seite, die Hilfe, die wir leisten dürfen,weil wir dem Menschen Beistand gewähren müssen, damit er, nachdem er in die Fangarme Luzifers gekommen ist, sich auch wieder aus ihnen befreien kann. Weil das Grundwesen des Seelischen Liebe ist, dürfen wir sehr wohl das Karma in seiner Richtung beeinflussen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun - nach der andern Seite - fragen wir, was ist geworden aus dem aus Licht gewobenen Materiellen, wo das Seelische darinnensteckt? Was ist geschehen mit dem aus Licht gewobenen Materiellen des Menschen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen wir die Körperlichkeit eines Menschen, den äußeren Menschen in seiner materiellen Leiblichkeit.Würde nicht aus dem Seelischen heraus durch den karmischen Prozeß in das Materielle eingeprägt sein eine solche Liebessubstanz, die von Luzifer oder Ahriman durchsetzt wäre, würde nur eine reine Liebessubstanz ein fließen, dann würden wir diese Liebessubstanz nicht als verunreinigend, als verschlechternd empfinden können für die aus Licht gewobene Materie. Würde bloß Liebe einfließen in die Materie, so würde sie so ein fließen in die menschliche Leiblichkeit, daß diese nicht verschlechtert werden könnte; nur weil Liebe ein fließen kann, welche luziferische oder ahrimanische Kräfte aufgenommen hat, kann die aus Licht gewobene Materie schlechter werden, als sie ursprünglich sein sollte. Also kann es nur herrühren von den während der aufeinanderfolgenden Inkarnationen in die Menschen eingeflossenen luziferischen oder ahrimanischen Schädigungen, daß wir in der menschlichen Organisation etwas vor uns haben, was nicht so ist, wie es sein sollte. Wäre es so, wie es sein sollte, so würde es die gesunde Menschenmaterie darstellen; aber da es die Wirkungen Ahrimans und Luzifers in sich aufgenommen hat, kann es krankes Leibliches sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie können wir nun von außen herausbringen die entsprechenden Einflüsse, die von innen durch ein nicht richtiges Seelisches, durch eine nicht richtige Liebessubstanz eingeflossen sind? Was geschieht denn mit dem Leiblichen dadurch, daß etwas Unrichtiges einfließt? Für die Geisteswissenschaft geschieht dadurch etwas, was aus gewobenem Lichte in irgendeiner Weise sein Gegenteil macht. Licht hat sein Gegenteil in einer irgendwie gearteten Finsternis. Alles, was sich real - so sonderbar &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|198}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
es auch klingt - als die Verunreinigung dessen darstellt, das aus Licht gewoben ist, ist eine aus ahrimanischem oder luziferischem Einfluß hineingewobene Finsternis oder Dunkelheit. So sehen wir im menschlichen Materiellen hineingewobene Finsternis. Aber diese Finsternis wurde erst dadurch hineinverwoben, daß diese menschliche LeiblichkeitTräger wurde von dem, was sich als «Ich» durch die Inkarnationen hindurchlebt. Das war früher nicht darinnen. Nur ein menschliches Leibliches kann gerade spezifisch diese Verschlechterungen haben. Die waren früher nicht in dem, was das Licht gewoben hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun nimmt der Mensch heute die Grundlage zum Materiellen aus dem, was er im Verlaufe der Entwickelung nach und nach aus sich herausgesetzt hat. Das ist das Tierreich, das pflanzliche und das mineralische Reich. Diese enthalten auch die verschiedenen Materien, das heißt für das Erdendasein aus Licht Gewobenes. Aber in all diesen Materien ist noch nicht das da rinnen, was im Verlaufe des menschlichen Karma hat vom Inneren des Menschen hineinkommen können in das menschliche materielle Dasein. Wir haben also in den drei Reichen um uns herum etwas, auf das der Mensch durch seinen luziferischen oder ahrimanischen Einfluß von sich aus, insofern er von seiner Liebessubstanz aus wirkt, niemals hat verunreinigend wirken können. Da drinnen ist nichts von ihm, so daß in seiner Reinheit hat ausgebreitet werden können dasjenige, was in bezug auf seine Reinheit beim Menschen- verunreinigt ist. Wenn wir zum Beispiel draußen eine mineralische Materie haben, ein Salz oder etwas anderes, so ist das eine Materie, die der Mensch auch in sich trägt oder tragen kann; bei ihm ist sie aber durchwoben von dem, was wir die von Ahriman oder Luzifer verunreinigte Liebessubstanz nennen können. Draußen aber ist sie rein. So unterscheidet sich jede Substanz draußen von dem, was der Mensch als Substanz in sich trägt. Draußen ist es immer anders, als es im Menschen ist, weil es bei ihm durchwoben ist vom ahrimanischen und luziferischen Einfluß. Das ist der Grund, warum für alles, was der Mensch mehr oder weniger an seiner äußeren Substantialität verderben kann, draußen etwas zu finden sein muß, was das Entsprechende im reinen Zustande darstellt, ohne daß die menschliche Schädigung darinnen ist. Was draußen existiert in der Welt ohne Schädigung, das ist das äußere Heil- &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|199}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
mittel für das entsprechend Geschädigte. Führen Sie das der menschlichen Wesenheit zu in richtiger Weise, dann haben Sie das Spezifikum für die entsprechende Schädigung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da haben Sie ganz objektiv dasjenige, was Sie dem menschlichen Leib als Heilmittel zuführen. Da haben Sie charakterisiert die Schädigung als spezifizierte Dunkelheit, dasjenige, was noch nicht dunkel ist, als das außen gewobene reine Licht - und Sie sehen, warum Sie die im Menschen befindliche Dunkelheit, die dunkle Materie, aufheben können, wenn Sie ihm reine, aus Licht gewobene Materie beibringen können. So haben wir in der reinen, aus Licht gewobenen Materie ein spezifisches Heilmittel gegen die Schädigung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es handelt sich nun darum - und oft wurde darauf aufmerksam gemacht, daß es ein Irrtum ist, dem gerade die Theosophie nicht verfallen darf-,daß es eine Engherzigkeit wäre, wenn man leugnen wollte, daß es eigentlich doch in solchen Fällen etwas gibt, was man bei dieser oder jener Schädigung als ein auf dieses oder jenes Organ wirksames spezifisches Heilmittel verabreichen kann. Es wurde freilich oft gesagt, daß der Organismus die Kräfte habe, sich zu helfen; aber wenn auch das richtig ist, was dieWiener Schule der nihilistischenTherapie geltend gemacht hat: durch die Aufrufung der Gegenkräfte den Heilprozeß einzuleiten -, so können wir dennoch durch spezifische Mittel dem Heilprozeß entgegenkommen. Hier sehen wir einen Parallelismus herrschen, den man aus der Geisteswissenschaft heraus schildern kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus dem, was ich geschildert habe zum Beispiel über Diphtherie, können Sie entnehmen, daß es sich dabei um etwas handelt, was ganz besonders in der karmischen Ursache den astralischen Leib getroffen hat. Nun finden wir etwas, was diesem astralischen Leib am nächsten verwandt ist, in der Umgebung des Menschen, in dem Tierreich. Daher werden Sie bei denjenigen Krankheitsformen, die dem astralischen Leib eminent nahe stehen, immer finden, daß die Heilwissenschaft unbewußt, aus einem dunklen Triebe heraus, nach Mitteln sucht, die aus dem Tierreich hergenommen sind. Bei solchen Krankheiten, deren Ursache im Ätherleib liegt, greift die Heilwissenschaft nach Mitteln aus dem Pflanzenreich. Und es könnte jetzt ein interessanter Vortrag gehalten werden zum Beispiel über die Beziehung der Digitalis purpurea &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|200}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
zu gewissen Herzkrankheiten. Das sind Dinge, die, insofern sie auf Wirklichkeit beruhen, nicht bloß fünf Jahre richtig sind und dann anfangen falsch zu werden, wie ein Mediziner sagte und wie es tatsächlich der Fall ist, wann nur aus äußeren Symptomen geschlossen wird. Aber es gibt einen gewissen Schatz von Heilmitteln, der immer auf irgendeinen Zusammenhang mit der Geisteswissensc1iaft zurück- geht, der sich vererbt hat, ohne daß die Leute wissen, woher er gekommen ist. Ebenso wie es heute die Astronomen nicht wissen, daß die Kant-Laplacesche Theorie aus den Geheimschulen des Mittelalters gekommen ist, so wissen es die Leute nicht, woher die eigentlichen Heilschätze oft stammen. - Und Krankheitsursachen, die mit der Wesenheit des physischen Leibes zusammenhängen, führen dann zur Anwendung von Heilmitteln aus dem Mineralreich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Selbst durch diese analogen Anschauungen kann also ein Fingerzeig auf die Sache gegeben werden. Daher ist für den Menschen durch den Zusammenhang mit der uns umgebenden Welt die Möglichkeit vor- handen, daß ihm von zwei Seiten her geholfen wird: indem man ihm auf der einen Seite modifizierte Liebe beibringt in den psychischen Heilprozessen, oder anderseits in der verschiedensten Weise modifiziertes Licht bei jenen Prozessen, die irgendwie mit äußeren Heilprozessen zusammenhängen. Alles, was getan werden kann, wird entweder mit inneren psychischen Mitteln, mit Liebe, oder mit äußeren Mitteln, mit irgendwie verdichtetem Licht, geleistet. Und wenn einmal die Wissenschaft so weit sein wird, daß sie lernen wird, an das Übersinnliche zu glauben und an den Satz: Materie ist irgendwie kondensiertes Licht -, dann wird von diesem Grundsatz aus ein geistiges Licht geworfen werden auf das systematische Suchen nach der Art, wonach mit äußeren&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mitteln dem Menschen geholfen werden kann. Daraus sehen wir, wie in dem, was während langer Zeiträume aus den Geheimschulen des alten Ägypten und des alten Griechenland heraus nach und nach dem Heilschatze zugefügt worden ist, nicht nur ein bloßer Unsinn steckt, sondern daß in den Sachen überall ein gesunder Kern vorhanden ist. Theosophie ist nicht dazu da, um eine gewisse Partei zu ergreifen, um etwa zu sagen: Das ist eine Richtung, die bringt dem Menschen Gift bei! - Das Wort Gift wirkt ja heute geradezu suggestiv, und die Leute &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|201}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
denken nicht daran, wie relativ dieses Wort ist. Was ist denn eigentlich ein Gift? Jeder Stoff kann ein Gift sein. Es kommt nur auf die Heilweise an und auf die Menge, die auf einmal genossen wird. Wasser ist ein starkes Gift, wenn man zehn Liter auf einmal genießt. Diese Wirkung, innerlich chemisch erfaßt, unterscheidet sich gar nicht besonders davon, daß man dem Menschen irgendeinen an,dern Stoff zu führt. Es kommt immer auf die Menge an, denn alle diese Begriffe sind relativ.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus dem, was wir heute durchschaut haben, können wir sagen: Wir können froh sein, daß selbst für das, was sich der Mensch an Schädigung einverleiben kann, in alledem, was uns als Natur umgibt - wie wir jetzt den Weltprozeß ansehen -, das Gesundende sich irgendwie finden muß, so daß der Mensch die Schädigung wieder überwinden kann. Und das ist auch ein schönes Gefühl, das wir gegenüber der Außenwelt haben können: Wir können uns nicht nur über die Außenwelt freuen, weil sie uns sprießende Blumen schenkt oder uns im Lichtglanz die Berge erstrahlen läßt, sondern wir können uns auch deshalb über sie freuen, weil alles um uns herum in einer so innigen Beziehung steht zu dem, was im Menschen selbst als gut oder böse bezeichnet werden kann. Wir können uns in der Natur nicht nur über das freuen, was uns zunächst anspricht; sondern je tiefer wir eindringen in das, was sich bis zum äußeren materiellen Dasein verdichtet hat, desto mehr werden wir finden: Diese uns erfreuende Natur hat in sich zugleich den mächtigen Heiler für alles&amp;gt; was sich der Mensch als Schädigung zuführen kann, irgendwie ist der Hei 1er in der Natur verborgen. Es handelt sich nur darum, die Sprache des Heilers nicht bloß zu verstehen, sondern ihr auch zu gehorchen und sie wirklich auszuführen. Und heute haben wir in den meisten Fällen aus dem Grunde nicht die Möglichkeit, der Sprache der heilenden Natur zu gehorchen, weil die Verkennung des Lichtes, weil die Finsternis, die sich auch in die Erkenntnis hineingemischt hat, in vieler Beziehung Zustände herbeigeführt hat, welche es nicht gestatten, der reineR Sprache der Natur zu folgen. Und so müssen wir uns darüber klar sein: Wo in einem Falle keine Hilfe geleistet, wo ein Leiden wegen karmischer Zusammenhänge nicht gemildert werden kann, würde das nicht bedeuten, daß es absolut nicht gemildert werden könnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
So sehen wir auch hier wieder einen merkwürdigen Zusammenhang, der uns doch wieder die ganze große Welt einschließlich des Menschen ais ein Wesen erscheinen läßt. In dem Satze: Materie ist gewobenes Licht, Seelisches ist in irgendeiner Weise verdünnte Liebe -, liegen die Schlüssel für unzählige Geheimnisse des Erdendaseins. Die gelten aber nur für das Erdendasein und für kein anderes Gebiet desWeltendaseins. Damit haben wir ja nichts Geringeres gezeigt, als daß wir, wenn wir dem Karma irgendeine Richtungsänderung geben, uns in dem einen oder andern Falle mit dem verbinden, was gerade die zusammensetzen- den Elemente unseres Erdendaseins sind: auf der einen Seite mit dem zur Materie gewordenen Licht, auf der andern Seite mit der zum Seelischen gewordenen Liebe. Wir entnehmen das Heilmittel entweder aus der Umgebung, aus dem dichtgewordenen Licht oder aus unserer ei- genen Seele, aus der heilenden Liebestat, Opfertat, und heilen dann mit der au der Liebe gewonnenen seelischen Kraft. Wir verbinden uns mit dem, was auf der Erde im tiefsten Inneren berechtigt ist, wenn wir uns auf der einen Seite verbinden mit dem Licht, auf der andern Seite mit der Liebe. Alle Erdenzustände sind irgendwie Gleichgewichtszustände zwischen Licht und Liebe. Und ungesund ist eine Störung in dem Gleichgewicht zwischen Licht und Liebe. Ist irgendwo die Störung in der Liebe, so können wir helfen, indem wir die Kraft der Liebe selbst entfalten; und ist die Störung im Lichte, so können wir helfen, indem wir uns im Weltall irgendwie dasjenige Licht verschaffen, welches die Finsternis in uns aufheben kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da haben Sie die Grundelemente des menschlichen Helfens. Sie zeigen, wie alles im Erdendasein auf Gleichgewichtslagen beruht von einander entgegengesetzten oder einander gegenüberstehenden Elementen. Licht und Liebe sind eigentlich sich gegenüberstehende Elemente. Aber auf ihrem Ineinanderverwobensein beruht zuletzt alles, was in unserem Erden leben an Seelischem und an Materiellem vor sich geht. Daher dürfen wir uns nicht wundern, wenn auf allen Gebieten des Menschenlebens von Epoche zu Epoche die Fortentwickelung so geschieht, daß gleichsam die Gleichgewichtslage nach der einen Seite besonders ausschlägt und dann nach der andern Seite wieder versucht wird, sie einzurenken, wenn also unsere Entwickelung so verläuft, daß &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|203}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sie einem Wellenschlage gleicht. In der Tat gleicht unsere Entwickelung einer Art Wellenschlag: sie geht herunter und sie geht hinauf, und es wird immer der gestörte Gleichgewichtszustand ausgeglichen durch das, was nach der andern Seite wieder den entsprechend andern, über die Gleichgewichtslage hinausgehenden Pendelschlag bedeutet. Wenn Sie darauf eingehen, daß es sich im Menschenleben überall handelt um eine Störung des Gleichgewichtes nach der einen oder andern Richtung, dann werden Sie finden, wie Sie dadurch selbst die intimsten Kulturprozesse in irgendeiner Weise beleuchten können. Wenn Sie eine Zeitepoche betrachten, wo in der menschlichen Entwickelung gewisse Schädigungen dadurch eingetreten sind, daß die Menschen nur auf das Innere gesehen haben und nicht auch auf das Äußere, wie zum Beispiel im Mittelalter, wo bei der starken Blüte der Mystik das Äußere unberücksichtigt geblieben ist und auch zu Mißverständnissen nicht nur im Erkennen, sondern auch im Handeln geführt hat, so sehen Sie dann auf der andern Seite jene Zeit folgen, in welcher man die Mystik absolut nicht ertragen kann, dafür aber den Blick in die Außenwelt richtet, um alles zu tun, was das Pendel wieder nach der andern Seite ausschlagen läßt. Da haben Sie Übergänge zwischen Mittelalter und neuerer Zeit. Und Sie werden in der mannigfaltigsten Art solche Störungen der Gleichgewichtslage finden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dabei möchte ich anführen, daß in der Tat in solchen Zeiten wie den unsrigen eine charakteristische Eigenschaft vieler Menschen sich darin zeigt, daß sie völlig vergessen und ganz aus der Aufmerksamkeit verlieren, was man nennen könnte ein Bewußtsein von einer übersinniichen Welt. Das heißt, es gibt in unserer Zeit zahlreiche Menschen, die völlig außer acht lassen, daß es eine geistige Welt gibt, und die also die Gedanken an die geistige Welt ablehnen. In einer solchen Zeit - und überhaupt in solchen Zeiten - ist immer auch in einer gewissen Beziehung das Gegenbild davon vorhanden. Ich möchte das in einer ganz einfachen Weise charakterisieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn es Menschen auf dem physischen Plane gibt, die sich so sehr in das Physische verstricken, daß sie das Geistige ganz und gar vergessen, dann haben jene Menschen, die zwischen Tod und neuer Geburt in der geistigen Welt leben, auf der andern Seite dafür den entgegengesetzten &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|204}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Drang, der hervorgerufen ist wie durch ein Karma, das vom physischen Plan hinüberwirkt auf den geistigen Plan: den Drang nämlich, in irgendeiner Weise sich mit Dingen zu beschäftigen, die aus der geistigen Welt in die physische hinein spielen. Das liegt in der Tat zugrunde man- cherlei Hereinwirkungen in die physische Welt von seiten von Menschen, die in der Zeit vor einer neuen Geburt stehen. In die physische Welt wirken dann diese Menschen so hinein, wie sich eben gerade die Mittel ergeben, auf dem Umwege über solche Menschen, die im höheren Maße diesen Einflüssen aus der geistigen Welt zugänglich sind. - Hat man auf diesen Gebieten Klarheit zu bringen, so wird man ja vieles ablehnen müssen, was von dieser oder jener Seite her erzählt wird als Offenbarungen der geistigen Welt von Menschen, die zwischen Tod und neuer Geburt stehen. Und man wird die charakteristischen Fälle gut heraussondern können, wo die Toten - um das Pendel nach der andern Seite ausschlagen zu machen - sehr stark darauf verfallen, irgendwie den Menschen handgreiflich zu zeigen: Es gibt doch eine geistige Welt! Dafür, daß es in unserer Zeit Menschen gibt, die völlig umnachtet sind, die so viel Finsternis in ihr Geistiges hineinverwoben haben, daß sie gar nichts wissen wollen von der geistigen Welt, dafür gibt es Tote, welche aus diesem Mangel heraus den Drang haben, hineinzuwirken in die physische Welt. Am meisten geschehen solche Dinge, wenn von den Menschen auf dem physischen Plan gar nichts dazu getan wird. Und am charakteristischsten sind die Dinge, die sich ohne künstliche Versuche anbieten, die sozusagen auftreten als Kundgebungen aus der geistigen Welt. Daher der Zusammenhang von Menschen auf dem materialistischen Felde auf der einen Seite, und der Drang, der besteht, von der geistigen Welt aus belehrend hereinzuwirken auf der andern Seite.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie werden vieles, was dafür Beleg sein kann, finden in dem Buche unseres Freundes Ludwig Deinhard «Das Mysterium des Menschen». Da ist vieles zusammengestellt und systematisiert von dem, was Sie gerade brauchen und was heute in der Literatur, wo sie wissenschaftlich ist, so zerstreut ist, daß nicht für jeden möglich ist, es sich zusammenzuholen. Daher ist es sehr schön, daß Sie in diesem Buche eine Zusammenstellung haben gerade dieser Seite der geisteswissenschaftlichen Tatsachen, die, wie Sie jetzt sehen, im eminenten Sinne sogar &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|205}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
charakteristisch sind für unsere Zeit. Insbesondere finden Sie darin mit großem Glück verzeichnet eine charakteristische Tatsache von einem Forscher, welcher in seinem hiesigen Erdenleben alles mögliche versuchte, um auf dem Wege der materialistischen Methode zum Beweise von der geistigen Welt zu kommen - der verstorbene Frederick Myers - und der dann nach seinem Tode den starken Drang fühlte, dasjenige, was er hier angestrebt hat, durch Hereinstrahlungen aus der geisötigen Welt, mit Hilfen aus der geistigen Welt, hier den Menschen zu zeigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das sollte eine Illustration sein zu dem Satze, daß wir in der Welt und dem Weltendasein zu sehen haben fortwährende Störungen von Gleichgewichten und wiederum das Suchen von Gleichgewichten. Im Erdendasein haben wir als tiefste Elemente dieses sich immerfort störenden und wiederherstellenden Gleichgewichtes die beiden Elemente Licht und Liebe. Und im menschlichen Karma wirken nun von Inkarnation zu Inkarnation die beiden Elemente Licht und Liebe ausgleichend auf die gestörten Gleichgewichtslagen. Denn im Grunde genommen haben` wir in dem durch alle Inkarnationen sich durchschlängelnden Karma gestörte Gleichgewichtslagen, und in Licht und Liebe haben wir den fortwährenden Versuch, das Gleichgewicht wiederherzustellen. Bis einst in ferner Zukunft der Mensch in dem Durchgehen durch seine Inkarnationen endlich dahin gekommen sein wird, einen letzten, durch die Erde erreichbaren Gleichgewichtszustand auszubilden, der dahin führen wird, daß die Menschheit die Erdenmission erfüllt haben wird und das Erdendasein sich in eine neue planetarische Form hinüber- entwickeln wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So habe ich versucht, etwas auseinanderzusetzen, ohne das eine tiefere Begründung der karmischen Zusammenhänge und Gesetze nicht möglich ist. Ich habe mich darum auch nicht gescheut, die geheöimnisvollen Grundlagen, für die unsere heutigeWissenschaft noch lange nicht reif sein wird, einmal heute abzuhandeln: daß Materie in Wahrheit verwobenes Licht ist und daß Seelisches in irgendeiner Beziehung verdünnte Liebe ist. Das sind alte okkulte Sätze, aber Sätze, die für alle folgenden Zeiten wahr bleiben werden und die sich fruchtbar erweisen werden in der Menschheitsentwickelung nicht nur für die Erkenntnis, sondern auch für das menschliche Wirken und Handeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|205}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= ELFTER VORTRAG Hamburg, 28. Mai 1910 =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vieles wäre noch zu sagen über die verschiedenen Offenbarungen des Karma. Aber da wir heute die letzte unserer Betrachtungen haben und die Zeit überhaupt für ein so reiches Thema notwendigerweise kurz sein mußte, so werden Sie es begreiflich finden, daß mancherlei von dem zu Besprechenden, mancherlei vielleicht auch von dem, was Ihnen als Fragen auf der Seele liegt, diesmal nicht seine Erledigung finden kann. Aber unsere Bewegung wird ja weitergehen, und wir werden das, was bei einem Kursus notwendigerweise unerledigt bleiben muß, bei einem andern weiter ausführen und erledigen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was Ihnen wiederholt vor die Seele getreten sein wird, das ist, daß der Mensch die karmische Gesetzmäßigkeit als etwas erlebt, was sozusagen in jedem Augenblick, in dem er lebt, etwas vollkommen Bestimmtes ist, so daß wir in jedem Augenblick unseres Lebens zurückblicken können auf das, was wir durchgemacht haben, was wir getan&amp;gt; gedacht, gefühlt haben in den Inkarnationen, die der betreffenden vorangegangen sind, in welcher wir unsere Betrachtungen anstellen. Und immer werden wir finden, daß unser augenblickliches menschliches inneres und äußeres Schicksal dadurch gefaßt werden kann, daß wir sozusagen eine Art «Lebenskonto» haben, wo wir alle klugen, verständigen, weisen Erlebnisse auf die eine Seite schreiben, und alles Unverständige, alles Böse und Häßliche auf die andere Seite. Auf irgendeiner Seite wird sich dabei ein Überschuß ergeben, und der bedeutet in einem Augenblicke des Lebens auch das Schicksal dieses Augenblickes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun können verschiedene Fragen dabei auftauchen, und die nächste muß die sein: Wie verhält sich das, was die Menschen in ihrem Zusammenleben tun, was sie vollbringen als menschliche Gemeinschaft, zu demjenigen, was wir das individuelle Karma des einzelnen Menschen nennen? Wir haben diese Fragen von andern Seiten her schon berührt. Wenn wir auf irgendein Ereignis der Geschichte zurückblicken, zum Beispiel auf die Perserkriege, so können Sie unmöglich glauben, daß dieses Ereignis, zunächst von griechischer Seite aus ancharakteristisch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|206}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sind für unsere Zeit. Insbesondere finden Sie darin mit großem Glück verzeichnet eine charakteristische Tatsache von einem Forscher, welcher in seinem hiesigen Erdenleben alles mögliche versuchte, um auf dem Wege der materialistischen Methode zum Beweise von der geistigen Welt zu kommen - der verstorbene Frederick Myers - und der dann nach seinem Tode den starken Drang fühlte, dasjenige, was er hier angestrebt hat, durch Hereinstrahlungen aus der geis`tigen Welt, mit Hilfen aus der geistigen Welt, hier den Menschen zu zeigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das sollte eine Illustration sein zu dem Satze, daß wir in der Welt und dem Weltendasein zu sehen haben fortwährende Störungen von Gleichgewichten und wiederum das Suchen von Gleichgewichten. Im Erdendasein haben wir als tiefste Elemente dieses sich immerfort störenden und wiederherstellenden Gleichgewichtes die beiden Elemente Licht und Liebe. Und im menschlichen Karma wirken nun von Inkarnation zu Inkarnation die beiden Elemente Licht und Liebe ausgleichend auf die gestörten Gleichgewichtslagen. Denn im Grunde genommen haben` wir in dem durch alle Inkarnationen sich durchschlängelnden Karma gestörte Gleichgewichtslagen, und in Licht und Liebe haben wir den fortwährenden Versuch, das Gleichgewicht wiederherzustellen. Bis einst in ferner Zukunft der Mensch in dem Durchgehen durch seine Inkarnationen endlich dahin gekommen sein wird, einen letzten, durch die Erde erreichbaren Gleichgewichtszustand auszubilden, der dahin führen wird, daß die Menschheit die Erdenmission erfüllt haben wird und das Erdendasein sich in eine neue planetarische Form hinüber- entwickeln wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So habe ich versucht, etwas auseinanderzusetzen, ohne das eine tiefere Begründung der karmischen Zusammenhänge und Gesetze nicht möglich ist. Ich habe mich darum auch nicht gescheut, die geheöimnisvollen Grundlagen, für die unsere heutigeWissenschaft noch lange nicht reif sein wird, einmal heute abzuhandeln: daß Materie in Wahrheit verwobenes Licht ist und daß Seelisches in irgendeiner Beziehung verdünnte Liebe ist. Das sind alte okkuite Sätze, aber Sätze, die für alle folgenden Zeiten wahr bleiben werden und die sich fruchtbar erweisen werden in der Menschheitsentwickelung nicht nur für die Erkenntnis, sondern auch für das menschliche Wirken und Handeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|207}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gesehen, etwas darstellt, was nur in das Schicksalsbuch der einzelnen Menschen zu schreiben wäre, die auf dem äußeren physischen Plan als zunächst daran beteiligt zu gelten haben. Denken Sie an alle die Führer der Perserkriege, an alle die Menschen, welche sich damals aufgeopfert haben, denken Sie an alles, was von den Führern bis zu dem einzelnen damals im griechischen Heere getan worden ist: Werden Sie jemals, wenn Sie nur einigermaßen vernunftgemäß ein solches Ereignis auf sich wirken lassen, das, was die einzelnen Menschen damals getan haben, bei jedem einzelnen Menschen nur auf das karmische Konto dieser einzelnen Persönlichkeiten schreiben können? Unmöglich werden Sie das können. Denn Sie werden unmöglich sich vorstellen können, daß bei den Ereignissen, die ein ganzes Volk oder einen großen Teil der zivilisierten Menschheit angehen, nichts anderes geschieht, als daß jede einzelne menschliche Individualität nur ihr Karma auslebt. Und so müssen Sie im Verlauf der geschichtlichen Entwickelung immer wieder von Ereignis zu Ereignis gehen, und Sie werden sehen, daß innerhalb der Menschheitsentwickelung selber Sinn und Bedeutung zu finden sind, daß aber solche Ereignisse nicht eines sein können mit dem individuellen Karma des einzelnen Menschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir können eine Angelegenheit wie die Perserkriege auf unsere Seele wirken lassen und uns dann fragen: Was haben sie im Entwickelungsgang der Menschheit für eine Bedeutung? Im Orient hatte sich eine gewisse Kultur entwickelt, die große, gewaltige Lichtseiten hatte. Aber wie jedes Licht seine Schatten mit sich bringt, so müssen wir uns auch klar sein, daß die ganze Kultur des Orients nur dadurch für die Menschheit zu erreichen war, daß auch mancherlei Schattenseiten, die nicht in der menschlichen Entwickelung hätten weitergeführt werden dürfen, sich in jene Kultur hineingedrängt haben. Vor allem war eine solche Schattenseite die, daß der Orient den Drang hatte, durch äußere, rein auf dem physischen Plan liegende Machtmittel sich immer mehr zu vergrößern. Wäre dieser Vergrößerungstrieb nicht erstanden, so wäre natürlich die ganze orientalische Kultur nicht zustande gekommen. Eines ist nicht ohne das andere zu denken. Aber damit die Menschheit sich weiterentwickeln konnte, mußte aus ganz andern Voraussetzungen heraus sich zum Beispiel die griechische Kultur entwickeln. Die griechische&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|208}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kultur hätte aber nicht einen unmittelbaren Anfang nehmen können, sie mußte gewisse Voraussetzungen a,nderswoher bekommen. Und sie hat in der Tat wichtige Voraussetzungen aus der orientalischen Kultur entlehnt. Verschiedene Sagen von Heroen, die von Griechenland hinüberzogen nach dem Orient, stellen nichts weiter dar, als daß Schüler gewisser griechischer Schulen hinübergezogen waren nach dem Orient und den Griechen jene Güter gebracht haben, die nur innerhalb der orientalischen Kultur gewonnen werden konnten, die dann aber weitergepflegt und umgewandelt werden konnten durch das, was aus dem griechischen Volkscharakter, durch das griechische Volkstalent sich herangebildet hatte. Aber dazu mußte aus diesen herübergebrachten Gütern ausgemerzt werden, was ihre Schattenseite war: der Drang, durch rein äußere Machtmittel sich so nach dem Westen hinüber auszudehnen, wie sie waren. Das Römertum, das später entstand als das Griechentum, und alles, was die weiteren Voraussetzungen waren für die Weiterentwickelung der europäischen Menschheit, das hätte sich nicht herausbilden können, wenn nicht die Griechen sich den freien Boden geschaffen hätten für die Fortentwickelung der orientalischen Kultur, wenn sie nicht die Perser und das, was dazugehört, zurück- geschlagen hätten. So konnte filtriert werden, was in Asien geschaffen worden war, indem man die Asiaten zurückschlug.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von diesem Gesichtspunkt aus sind viele Ereignisse in der Weltentwickelung zu betrachten, und man bekommt dann ein eigentümliches Bild. Wenn wir bei einem Vortragszyklus, der drei bis vier Jahre dauern würde, diesen Gedanken nur für die uns geschichtlich überlieferten Dokumente der Menschheit ausführen könnten, so würde sich uns etwas ergeben, was wir wirklich nennen könnten einen Plan in der Entwickelung der Menschheit. Wir würden dann einen solchen Plan überschauen und uns sagen: Dies mußte errungen werden; das hatte diese Schattenseiten, die wieder ausgemerzt werden mußten; das errungene Gut mußte einem andern übergeben und dort weiter ausgebildet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf dieseWeise würden wir einen Plan der Menschheitsentwickelung herausbekommen und würden bei Besprechung dieses Planes eigentlich gar nicht auf den Gedanken verfallen können: Wie ist denn das zustande&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|209}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gekommen, daß zum Beispiel gerade Xerxes oder Miltiades oder Leonidas dieses oder jenes individuelle Karma hatten? Dieses individuelle Karma müssen wir als etwas betrachten, was für sich entschieden und hineinverflochten werden muß in den Plan der Menschheitsentwickelung. Anders ist die Sache durchaus nicht zu fassen. Und so ist es auch für die geisteswissenschaftliche Anschauung. Wenn aber das der Fall ist, müssen wir sagen: In diesem planvollen Fortgang der Menschheitsentwickelung müssen wir für sich etwas sehen, was in ähnlicher Weise in sich zusammenhängt, wie die karmischen Ereignisse im individuellen Menschenleben zusammenhängen. Und dann können wir weiter fragen: Was hat ein solcher Plan in der ganzen Menschheitsentwickelung für eine Beziehung zum einzelnen individuellen Karma des Menschen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Betrachten wir zunächst einmal das, was man nennen könnte das Geschick in der menschlichen Entwickelung selber. Wenn wir zurückblicken, sehen wir, wie Kultur nach Kultur, Volksentwickelung nach Volksentwickelung aufsteigen. Wir sehen weiter, wie Volk für Volk dieses oder jenes Neue leistet, wie etwas bleibt als Unvergängliches aus den einzelnen Volkskulturen, wie aber geradezu die Völker sterben müssen, um das Volksgut, die Errungenschaften der einzelnen Völker zu retten für die entsprechend späteren Epochen der Menschheitsentwickelung. Da müssen wir doch verständlich finden, was die Geisteswissenschaft zu sagen hat, daß in diesem fortlaufenden Gang der Menschheitsentwickelung genau zwei Strömungen zunächst zu unterscheiden sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Betrachten Sie im ganzen Gang der Menschheitsentwickelung das, was wir als fortlaufende Strömung ansehen können, innerhalb welcher sich Welle nach Welle entwickelt, wobei aber das errungene Gut der vorangegangenen Welle für die nachfolgende erhalten bleibt. Wir würden ein Bild davon bekommen, wenn wir hinschauen auf die erste Kultur der nachatlantischen Zeit, auf das, was im alten Indertum an Großartigkeit geleistet worden ist. Wenn wir dieses Großartige aber vergleichen mit dem schwachen Nachklang, der in den Veden davon enthalten ist, die zwar immer noch bewundernswürdig sind, aber eben doch nur ein schwacher Abglanz sind von dem, was die Rishis geleistet haben und was uns die Geisteswissenschaft von dem großen Kultureinschlag der Inder berichtet, dann werden wir sagen müssen: Es war &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|210}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die ursprüngliche Größe dessen, was dieses Volk für die Menschheit zu leisten hatte, schon im Niedergange, als man daran ging, in jenen herrlichen dichterischen Darstellungen dieses Kulturgut der Menschheit aufzubewahren. Aber was die indische Kultur zunächst zu leisten hatte, das floß hinein in den ganzen Gang der Menschheitsentwickelung. Und nur unter dieser Voraussetzung konnte sich das später entwickeln, was wieder ein junges Volkstum brauchte - nicht ein altgewordenes Volk. Es mußten zuerst die Inder zurückgedrängt werden auf die südliche Halbinsel, und es entwickelte sich dann in Persien die Weltanschauung des Zarathustra. Was hatte diese Weltanschauung an Großem in der Zeit, als sie entstand - und wie war sie in verhältnismäßig gar nicht langer Zeit verfallen bei dem Volke, das sie geschaffen! Wir haben dann beim Ägyptertum und Chaldäertum denselben Vorgang. Dann sehen wir das Hinübergehen orientalischerWeisheit nach Griechenland, und sehen, wie die Griechen zurückschlagen das, was auf dem äußeren physischen Plan das Orientalische ist. Wir sehen dann, wie in den Schoß des Griechentums aufgenommen wird, was der ganze Orient geleistet hat, und wie es verwoben wird mit mancherlei, was bis dahin in andern europäischen Gebieten geleistet worden ist. Daraus wird dann ein neuer Kultureinschlag geschaffen, welcher auf vielen Umwegen fähig geworden ist, den christlichen Impuls aufzunehmen und ihn nach dem Westen weiterzuverpfianzen. Und so würden wir auch späterhin einen fortlaufenden Kulturstrom finden, in welchem wir Glied an Glied anreihen können, und jedes folgende Glied erscheint uns zugleich als eine Fortsetzung des vorhergehenden und immer als etwas Neues, was der Menschheit gegeben werden mußte. Aber woraus mußte das hervorwachsen,was sich so von Epoche zu Epoche weiterentwickelt?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denken Sie an alles, was jedes einzelne Volk mit seinem Kulturgebiet erlebt! Denken Sie an alles, was in jedem einzelnen Volke vorgegangen sein muß als eine Summe von Gefühlen und Empfindungen bei unzähligen Menschen, von Wünschen und Enthusiasmus für das, was als das am höchsten Begehrenswerte erscheinen muß und was gerade auf diesem Gebiete als Kultureinschlag gegeben werden soll! Denken Sie, wie die Seelen der einzelnen Menschen bei dem einzelnen Kultureinschlag mit dem, was sie wünschen und erstreben, ganz dabei sein &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
müssen! Und außerdem war notwendig durch unzählige Jahrhunderte der Menschheitsentwickelung hindurch, daß die Völker, wie sie die einzelnen aufeinanderfolgenden Kultureinschläge entwickelten, immer in einer Art Illusion lebten - in der Illusion, daß jedes solche Volk gerade den Kulturschatz, den es selber auszuarbeiten hatte, als etwas Ewiges und Unvergängliches betrachtete, was nimmermehr von ihm genommen werden könnte. Dadurch erst war das hingebungsvolle Arbeiten der einzelnen Völker an der Kultur möglich, daß diese Illusion immer wieder und wieder auftauchte: daß das, was da geschaffen wurde, mit allem, was daran hing, einen ewigen Bestand haben würde. Auch heute ist diese Illusion ja vorhanden; und wenn man sich ihr auch nicht mehr in so positiver Weise hingibt und von der «Ewigkeit» dieser oder jener Kultur redet, so ist sie doch in der Form vorhanden, daß man nicht an das Ende denkt - nicht im Kleinen und nicht im Großen -, daß man sozusagen keine Aufmerksamkeit darauf verwendet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da haben Sie zweierlei, was die Volkskulturen brauchten und was im Grunde genommen erst in unserer Zeit anfängt eine Art von Änderung zu erfahren. Denn das erste Gebiet menschlichen Geisteslebens, wo gründlich solche Illusionen nicht mehr erwachen werden, das wird das theosophische Geistesleben sein. Denn es wäre ein arges Mißverständnis, wenn jemand, der fest auf dem Boden unserer Geistesbewegung steht, glauben wollte, daß die Formen, in welche wir unsere Erkenntnisse gießen, daß die Gedankenausführungen, die wir heute geben können, daß das, was wir heute aus unserem theosophischen Denken, Fühlen und Wollen geben können, einen ewigen Bestand hätte. Sehr kurzsichtig wäre es, zu behaupten, in drei Jahrtausenden würde es noch Menschen geben, die genau ebenso sprechen würden von den theosophischen Wahrheiten, wie wir es heute tun. Wir wissen, daß wir durch unsere Zeitverhältnisse veranlaßt sind, etwas von dem fortlaufenden Entwickelungsprodukt in die gegenwärtigen Formen zu prägen und daß unsere Nachfahren in ganz anderen Formen des Erlebens diese Dinge zum Ausdruck bringen werden. Warum ist das so? Aus einem ähnlichen Grunde, weshalb es durch viele Jahrhunderte und Jahrtausende der Menschheitsentwickelung hindurch geschah, daß Volkskultur über Volkskultur die einzelnen Menschen vieles erleben lassen mußte, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
damit der Beitrag sich aus der gesamten Volksentwickelung heraus- bilden konnte. Denken Sie an die unzähligen Erlebnisse, die im alten Griechenland durchgemacht wurden, und denken Sie an das, was sich als Extrakt daraus für die spätere gesamte Menschheit ergeben hat! Da werden Sie sagen: Es steckt noch mehr darin als nur die einzelnen Strömungen. Es geschehen viele Dinge um dieser Kernströmung willen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deshalb haben wir zwei Dinge zu beobachten: Erstens etwas, was entstehen und zugrunde gehen muß, damit aus diesem Ganzen das zweite - der Quantität nach der kleinste Teil - als ein Bleibendes fort- dauern kann. Wenn wir wissen, daß, seitdem das menschliche Einzelkarma besteht, in der Menschheitsentwickelung zwei Mächte wirken, die wir immer wirksam gefunden haben, Luzifer und Ahriman, dann erst werden wir den Fortgang der Menschheitsentwickelung verstehen. Denn das müssen wir zum Plan der Menschheitsentwickelung rechnen, daß zuletzt, wenn die Erde an ihrem Ziel angelangt sein wird, die Ergebnisse, die so aus den einzelnen Kulturen nach und nach der gesamten Menschheitsentwickelung einverleibt werden, fruchtbar gemacht werden für alle einzelnen lndividualitäten, ganz gleichgültig,welche Schicksale sie durchgemacht haben. Auf dieses Ziel blicken wir aber erst da- durch, daß wir die Weltentwickelung in theosophischem Sinne ansehen. Denn man gebe sich keiner Täuschung hin: Solches Ziel in der richtigen Weise zu denken, unter vollem Bestande der menschlichen Individualität, ohne ein Verschwimmen der Individualität in irgendeine nebulose pantheistische Einheit, sondern so, daß die Individualität voll erhalten bleibt und wieder in sie dasjenige einfließt, was sich die Menschheit im Großen erobert hat - klar und scharf kann dieses Ziel erst der theosophischen Seelenkultur vor Augen stehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir also auf die früheren Kulturen zurückblicken, können wir uns von vornherein sagen: Seit überhaupt menschliche Individualitäten sich inkarnieren, sind beteiligt an der Menschheitsentwickelung Luzifer und Ahriman. Luzifer ist daran so beteiligt, daß er an dem fortlaufenden Kulturstrom immer teilzunehmen sucht, indem er sich einnistet in die menschlichen Astralleiber und sie imprägniert mit dem luziferischen Impuls. Das ist, was Luzifer im Gange der Menschheitsentwickelung vollführt; er wirkt hinein in die menschlichen Astralleiber. Die Menschen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
könnten das, was Luzifer ihnen gibt, niemals bloß von denjenigen Mächten erhalten, welche den fortlaufenden, eben charakterisierten Kulturstrom bewirken. Trennen Sie diesen Kulturstrom aus dem ganzen Fortgang der Menschheit heraus, dann haben Sie das, was die normal fortschreitenden Geistwesen der Hierarchien herunterströmen lassen in die Menschheit als immer neue Reichtümer. Indem wir hinauf- schauen zu.den Hierarchien, müssen wir sagen: Diejenigen Geistwesen, welche ihre normale Entwickelung durchmachen, gaben der irdischen Kultur das,was bleibendes Gut der Menschheit ist, was zwar später um- gewandelt wurde, aber doch bleibendes Gut der Menschheit geworden Ist. Es ist gleichsam so, wie wenn wir einen Baum haben und in ihm das Mark. So gewinnen wir einen fortlaufend lebendigen Strom der fort- laufenden Kultur.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch diese Mächte, die eine normale Entwickelung für sich durchmachen, hätte es auf diese Weise geschehen können, daß der Mensch sein Ich immer mehr und mehr erfüllt hätte mit dieser fortschreitenden Bereicherung der menschlichen Entwickelung. Hineinfließen würde von Zeit zu Zeit das, was den Menschen weiterbringt; der Mensch würde sich immer mehr anfüllen mit den Gaben der geistigen Welt, und zuletzt, wenn die Erde an ihrem Ziel sein würde, wäre es selbstverständlich, daß der Mensch alles, was aus den geistigen Welten gegeben worden wäre, in sich hätte. Aber eines wäre nicht möglich: daß der Mensch ureigensten, heiligen Eifer entwickelte, Hingebung und Feuer für das, was da geschaffen wird von Kulturepoche zu Kulturepoche. Aus demselben Untergrunde, aus dem jeder Wunsch und jede Begierde herauswächst, erwächst auch der Wunsch nach den großen Idealen, erwächst auch die Begierde nach Menschenbeglückung, nach Leistungen der Künste in den aufeinanderfolgenden menschlichen Kulturepochen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus demselben Grunde, aus dem verderbliche, nach dem Bösen gehende Begierden erwachsen, erwachsen auch die Bestrebungen nach dem Höchsten, was auf der Erde geleistet werden kann. Und es würde das nicht da sein, für was die menschliche Seele als für ein höchstes Gut entbrennt, wenn es nicht auf der andern Seite möglich wäre, daß dieselbe Begierde auch nach der andern Seite in das Laster und in das Böse hinuntersinken kann. Daß es diese Möglichkeit in der Menschheitsentwik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
kelung gibt, das ist das Werk der luziferischen Geister. So dürfen wir nicht verkennen, daß die luziferischen Geister für die Menschen Freiheit gebracht haben zugleich mit der Möglichkeit des Bösen, freie Empfänglichkeit für das, was sonst in die menschliche Seele nur ein fließen würde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber wir haben auch gesehen, daß alles, was Luzifer herausfordert, seine Antwort findet durch Ahriman. So sehen wir Luzifer mit seinem ganzen Heere wirken in dem, was dann im Konkreten den Einschlag der griechischen Kult`ur der ganzen menschlichen Entwickelung geben soll: in den griechischen Heroen, in den griechischen Helden und Künstlern. Luzifer dringt hinein in die astralischen Leiber, läßt sie entbrennen für das, was sie als das Höchste verehren. So wird dasjenige, was mit dem Griechentum in die Entwickelung ein fließen soll, zugleich zum Enthusiasmus der Volksseele. Gerade da steckt Luzifer darinnen. Und weil Luzifer der Mond-, nicht der Erdentwickelung seine Kraft verdankt, fordert er Ahriman heraus; und indem Luzifer von Zeitepoche zu Zeitepoche seine Tätigkeit entwickelt, gliedert sich Ahriman dazu - und verdirbt dasjenige stückweise, was Luzifer auf der Erde bewirkt hat. - Es ist die Weltentwickelung der Menschen ein fortwährendes Wirken zwischen Ahriman und Luzifer. Wirkte Luzifer nicht in der Menschheit, so fehlte der Eifer und das Feuer für den fortlaufenden Strom der Menschheitsentwickelung; wäre Ahriman nicht da, der von Volk zu Volk wieder zerstört, was nicht aus dem fortlaufenden Strom, sondern nur aus dem luziferischen Einschlag kommt, dann würde Luzifer die Einzelkulturen ewig fortführen wollen. So sehen Sie hier Luzifer seIn eigenes Karma sich heraufbeschwören, das eine notwendige Folge der Entwickelung auf dem alten Monde ist. Und die Folge ist nun, daß er Ahriman immerfort an seine Ferse ketten muß. Ahriman ist die karmische Erfüllung des Luzifer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da blicken wir hinein in das Karma der höheren Wesenheiten an dem Beispiel der ahrimanischen und luziferischen Wesenheiten. Da oben ist auch Karma. Überall ist Karma, wo Iche sind. Und Luzifer und Ahriman bergen natürlich Iche in sich; deshalb können die Wirkungen ihrer Taten auf sie selber zurückschlagen. Auf viele dieser Geheimnisse wird erst im Sommer bei dem Zyklus über die biblische &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Schöpfungsgeschichte hingewiesen werden können; nur auf eine Stelle möchte ich schon hier hinweisen, die Ihnen so recht wird zeigen können, von wie unendlicher Tiefe jedes einzelne Wort in den wahren okkulten Urkunden ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Haben Sie nie darüber nachgedacht, warum in der biblischen Schöpfungsgeschichte am Ende eines jeden Schöpfungstages der Satz steht: «Und die Elohim sahen das Werk, und sie sahen, daß es sehr gut war», daß es «aufs beste war»? Das ist ein bedeutungsvolles Wort. Warum steht es da? Der Satz zeigt ja selber, daß er als eine Charakteristik der Elohim gemeint ist, die sich auf dem Monde in normaler Weise entwickelt haben und deren Gegner Luzifer ist. Es ist etwas, das zur Charakteristik der Elohim gehört, daß sie nach jedem Schöpfungstag sahen, daß es «aufs beste war». Aus dem Grunde wird es angegeben, weil dieser Grad die Errungenschaft der Elohim war. Sie konnten auf dem Monde das Werk nur so lange sehen, als sie es taten, konnten nicht ein nachträgliches Bewußtsein davon haben. Daß sie nachträglich zurück- schauen können im nachschauenden Denken auf das Werk, das ist eine besondere Stufe im Bewußtsein der Elohim. Das war erst auf der Erde möglich; und zwar zeigt sich ihr innerer Charakter darin, daß dasWillensmäßige so herausströmt aus ihrem Wesen, daß,wenn sie es ansahen, sie sahen, daß es aufs beste war. Das waren die Elohim,welche ihrWerk auf dem Monde abgeschlossen hatten und die, wenn sie es auf der Erde hinterher beschauten, sagen konnten:Es kann bleiben, es ist aufs beste! - Dazu mußte aber die alte Mondentwickelung vollendet sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie ist es nun mit den luziferischenWesenheiten, also mit denjenigen Wesenheiten, die ihre Mondentwickelung nicht vollendet haben? Die werden also auf der Erde auch versuchen müssen, ihr Werk hinterher anzuschauen, so zum Beispiel wenn sie den Beitrag gegeben haben an Feuer und Enthusiasmus in der griechischen Kultur. Und sie werden dann sehen, wie es ihnen stückweise Ahriman abgebröckelt hat! Und sie werden sagen müssen, weil sie es nicht vollendet haben: Sie sahen ihr Tagewerk, und sie sahen, daß es nicht zum besten war, daß es ausgelöscht werden mußte!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist die große Enttäuschung der luziferischen Geister, daß sie immer von neuem ihr Werk versuchen, immer von neuem das Pendel &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
nach der andern Seite zum Ausschlag bringen wollen - und immer von neuem ihr Werk durch Ahriman zerstört finden. Sie müssen sich innerhalb der Menschheitsentwickelung ein Auf-und-ab-Wogen denken, ein fortwährendes Anfachen von neuen Kräften durch Wesenheiten, die höher sind als wir selber, und daß diese Wesenheiten fortwährende Enttäuschungen erleben. Das ist enthalten in dem Erleben der luziferischen Geister in der Erdentwickelung. Und dieses Karma mußte die Menschheit in sich aufnehmen, weil der Mensch nur dadurch zur wirklichen Freiheit kommen konnte. Freiheit kann nur dadurch ersprießen, daß der Mensch sich den höchsten Inhalt seines Erden-Ich selber gibt. Dasjenige Ich, das der Mensch haben würde, wenn ihm alle Ziele am Ende der Erdentwickelung gegeben würden, kann nicht frei sein; denn es ist von vornherein bestimmt gewesen, alle Güter der Erdentwickelung in die Menschen ein fließen zu lassen. Frei werden konnte der Mensch nur, indem er zu diesem Ich ein anderes, irrtumfähiges Ich hinzuschafft, das in der Lage ist, immer wieder und wieder nach der Seite des Guten und nach der Seite des Bösen zu pendeln und das immer wieder hinauf- streben kann zu dem, was der Inhalt aller Erdentwickelung ist. Das niedere Ich mußte dem Menschen beigegeben werden durch Luzifer, damit das Hinaufarbeiten des Menschen zum höheren Ich seine ureigenste Tat sein kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nur so ist auch freier Wille in der Menschheit möglich. Freier Wille ist etwas, was sich der Mensch nach und nach erringen kann; denn der Mensch ist dazu so gestellt, daß ihm im Leben der freie Wille als ein Ideal vorschwebt. Wo ist denn in einem Mittelzustand der Entwickelung der menschliche Wille frei? Er ist niemals frei, weil er in jedem Augenblick dem luziferischen und ahrimanischen Element verfallen kann; er ist nicht frei, weil jeder Mensch, wenn er die Pforte des Todes durchschritten hat, in der aufsteigenden Zeit der Läuterung - vielleicht durch Jahrzehnte hindurch - einen ganz bestimmten Eindruck hat. Das ist das Wesentliche des Kamalokalebens, daß wir sehen, in welchem Grade wir selber unvollkommen sind durch das, was wir an Unvollkommenem in der Welt getan haben, daß wir Stück für Stück sehen, in welcher Weise wir unvollkommen geworden sind. Daraus geht dann die entschiedene Absicht hervor, alles wieder auszumerzen, was wir un&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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vollkommen gemacht haben. So ist das Leben in der Kamalokazeit, daß Absicht zu Absicht gefügt wird und der Gesamtentschluß gefaßt wird: Du mußt alles das wieder ausbessern, was du so gedacht und getan hast, daß es dich heruntergebracht hat! - Was der Mensch da fühlt, das prägt er seinem weiteren Leben ein und tritt mit dieser Absicht bei der Geburt ins Dasein - und ladet dadurch sein Karma auf sich. Daher können wir nicht sagen, daß wir, wenn wir durch die Geburt ins Dasein getreten sind, einen freien Willen haben. Einzig und allein können wir davon sprechen, daß wir uns einem freien Willen in dem Maße nähern, als es uns gelungen ist, Herr zu werden über die Einflüsse Luzifers und Ahrimans. Und Herr werden über die luziferischen und ahrimanischen Ein- flüsse können wir durch nichts anderes als durch Erkenntnis. Einmal durch Selbsterkenntnis, indem wir uns immer fähiger machen - auch im Leben zwischen Geburt und Tod -, unsere Schwachheiten in allen drei Seelenmerkmalen kennenzulernen, in Denken, Fühlen und Wollen. Wenn wir uns immer mehr bemühen, uns keiner Illusion mehr hinzu- geben, dann wächst ja in unserem Ich die Kraft, den luziferischen Einfluß entbehren zu können, denn dann werden wir immer mehr fähig, zu entscheiden, welche Hingabe die Güter der Menschheit, die nach und nach erobert wurden, verdienen. Sodann durch Erkenntnis der Außenwelt, die sich ergänzen muß mit der Selbsterkenntnis; beide müssen zusammenwirken. Selbsterkenntnis und Erkenntnis der Außenwelt müssen wir mit unserem Wesen vereinigen; dann werden wir imstande sein, ein klares Verhältnis zu Luzifer zu gewinnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist gerade die Eigentümlichkeit dessen, was wir uns als theosophische Erkenntnis aneignen, daß wir Aufschluß gewinnen darüber, wie weit an jedem menschlichen Tun Neigung und Leidenschaft, Luzifer und Ahriman beteiligt sind. Was haben wir in dieser Reihe von Vorträgen anderes getan, als uns Aufklärung verschafft darüber, wie luziferische und ahrimanische Kräfte in der mannigfaltigsten Weise in unser Leben hineinwirken! In dem gegenwärtigen Zeitalter aber kann die Aufklärung über die luziferischen und ahrimanischen Kräfte beginnen. Und der Mensch muß aufgeklärt sein, wenn er wirklich etwas beitragen will zur Erreichung des Erden-Menschheitszieles. - Wohin Sie den Blick richten, überall wo menschlich gefühlt und gedacht wird, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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können Sie sehen, wie weit die Menschen noch entfernt sind von einer echten, wahren Aufklärung über die Einflüsse Luzifers und Ahrimans. Da sehen Sie den weitaus größten Teil der Menschheit überhaupt keine solche Aufklärung wollen. Da sehen Sie einen großen Teil der Menschen in einen gewissen religiösen Egoismus verfallen: nur ja mit dieser Seele selbst jenen Zustand des Wohlbefindens zu erreichen, den man sich nur vorstellen kann. Das ist ein Egoismus, von dem sich die Menschen gar nicht bewußt sind, daß sich da die größten Begierden hineinmischen können. Und nirgends mischt sich Luzifer mehr in unsere Gefühle hin- ein als da, wo die Menschen aus ihren Leidenschaften und Begierden heraus nach dem Göttlichen streben, ohne das Göttliche durchleuchtet zu bekommen mit dem Licht der Erkenntnis. Glauben Sie nicht, daß Luzifer gerade da vielfach am Werke ist, wo die Menschen glauben, nach dem Höchsten zu streben? Aber die Formen, die in dieser Weise erstrebt werden, werden ebenfalls zu den Enttäuschungen Luzifers gehören müssen. Und diejenigen, die nun glauben, aus den wüsten Begierden diese oder jene Form einer geistigen Kultur erhalten zu können, die immer wieder und wieder predigen, daß diese Theosophie so schlimm ist, weil sie etwas Neues glaubt, die sollten bedenken, daß es nicht vom Menschenwillen abhängt, wenn sich Ahriman an die Fersen des Luzifer heftet. Und was entstanden ist im Laufe der Entwickelung an Formen, das wird, weil Ahriman sich hineinmischt, durch Luzifer auch wieder untergehen. Retten wird sich allein der fortlaufende Strom der Menschheitsentwickelung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So schauen wir dadurch zurück auf eine vorangegangene Entwickelung, wo als Opfer für uns zurückgeblieben sind gewisse Wesenheiten. Wir wissen jetzt, daß diese Wesenheiten ihr Karma ausleben müssen um unsertwillen, damit wir in normaler Weise ausleben können, was diese Wesenheiten uns einflößen können. Ja, wahrhaftig, Jahve hat dem Menschen ursprünglich eingeflößt durch den göttlichen Odem die Fähigkeit zum Ich; aber wäre nur der göttliche Odem gekommen, der im menschlichen Blut pulsiert, und nicht auch das, was immer wieder abirren kann von dem, was der Jahve-Odem geben kann, würden nicht darinnen arbeiten sowohl luziferische wie ahrimanische Impulse, so würde der Mensch zwar das Was erlangen können der Jahve-Gabe, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|219}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
aber nicht das Wie: daß er es mit einem selbstbewußten freien Ich empfindet. So liegt es doch im Sinne der Weltentwickelung, daß gewisse Wesenheiten auf dem alten Monde zurückgeblieben sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir leben heute in einem Zeit~lter, wo wir in der Tat zurückblicken dürfen auf viele Enttäuschungen Luzifers, wo wir aber auch hinblicken können auf eine Zukunft, in der wir immer mehr verstehen lernen, was der fortlaufende Strom der Entwickelung ist. Und Theosophie wird das Instrument sein zum Verständnis für diesen fortlaufenden Strom der Entwickelung, damit wir uns immer bewußter zu den Einflüssen Luzifers stellen können und immer mehr in die Lage kommen können, luziferische Impulse in uns selber zu erkennen und sie in der richtigen Weise nutzbringend für die Menschheitsentwickelung bewußt zu verwerten, während sie vorher in der Menschheit als ein dunkler Drang gewirkt haben, dessen sich der Mensch nicht bewußt war. Und ebenso ist es mit den ahrimanischen Einflüssen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier ist eines derGebiete,wo man darauf aufmerksam machen kann, wie sozusagen gerade in der Gegenwart eine wichtige Entwickelungsepoche der Menschheit vorliegt, nämlich jene Epoche, in der in gewisser Beziehung tatsächlich die Seelenkräfte sich umkehren. Für viele von Ihnen ist es ja schon charakterisiert worden, daß wir vor einer Epoche stehen, in welcher gewisse Menschen, einzelne Menschen, andere Seelenfähigkeiten entwickeln werden als diejenigen, die man heute gelten läßt. Was heute zum Beispiel die Theosophie aus den Erkenntnissen der Geistesforschung heraus zu sagen weiß, daß der Mensch einen Ätherleib hat außer dem physischen Leib, das wissen aus der Anschauung heraus heute nur die, welche eine methodische Schulung durchgemacht haben. Aber noch vor Ablauf der Mitte des 20. Jahrhunderts - das wissen wir aus dem Lesen der Akasha-Chronik - wird es Menschen geben, die eine natürliche Entwickelung haben werden für ein ätherisches Hellsehen und die, weil die Menschheit an diesen Zeitpunkt gekommen ist, wo sich diese Dinge als natürliche Gabe entwickeln werden, als den physischen Leib durchdringend und am Rande über ihn hinausragend den Ätherleib wahrnehmen werden. Wie der Mensch von einem Hineinschauen in die geistige Welt sich herunterentwickelt hat zum heutigen nur äußerlichen physischen Wahrnehmen und verstandesmäßigen &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Begreifen der Außenwelt, so beginnt er sich jetzt zu neuen, aber bewußten Fähigkeiten nach und nach zu entwickeln. Diese neuen Fähigkeiten treten zu den alten hinzu, und eine besondere Fähigkeit wird die sein, die ich so charakterisieren kann:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es wird Menschen geben - einzelne zunächst, denn erst im Laufe der nächsten zwei bis drei Jahrtausende wird sich bei einer größeren Anzahl diese Fähigkeit entwickeln, und die ersten Vorläufer werden da sein noch vor Ablauf der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts -, bei denen wird etw`a folgendes eintreten: Die Menschen werden irgendeine Tat erlebt haben, und sie werden versucht sein, etwas zurückzutreten von der Tat. Sie werden dann ein Bild vor sich haben, das von der betreffenden Tat kommt. Sie werden es zuerst nicht kennen, werden keinen Bezug finden zu dem, was sie getan haben. Aber dann werden sie vielleicht schon etwas von der Geisteswissenschaft gehört haben, und dann werden sie erfahren, daß dieses Bild, das ihnen wie eine Art bewußtes Traumbild erscheint, das Gegenbild der eigenen Handlung ist, das Bild für jene Handlung, die geschehen muß, damit das, was eben getan worden ist, seine karmische Erfüllung findet.&lt;br /&gt;
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So steht die Menschheit in der Tat vor einer Epoche, in der sie anfangen wird, Karma nicht nur zu begreifen nach den Lehren und Darstellungen der Geisteswissenschaft, sondern wo sie anfangen wird, Karma nach und nach zu schauen. Während bisher Karma für die Menschen ein dunkler Drang, eine dunkle Begierde war und erst im nächsten Leben ausgelebt werden konnte, erst im Leben zwischen Tod und neuer Geburt umgewandelt werden konnte in eine Absicht, entwickeln sich allmählich die Menschen dahin, daß sie in die Lage kommen, bewußt die Schöpfungen Luzifers wahrzunehmen, zu sehen, wie sie sich ausnehmen werden in ihren Wirkungen. Allerdings werden mit diesem ätherischen Hellsehen nur diejenigen Menschen etwas anfangen können, die Erkenntnis und Selbsterkenntnis angestrebt haben. Immer mehr und mehr werden die Menschen im normalen Zustande vor sich haben die karmischen Bilder für ihre Handlungen. Das wird etwas sein, was die Menschen immer weiterbringen wird, weil sie dadurch wissen werden, was sie der Welt noch schuldig sind, was in ihrem Karma noch als Schuldkonto dasteht. Das ist es ja, was den Menschen unfrei macht, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
daß er nicht weiß, was er der Welt noch schuldig ist. So darf man also beim Karma gar nicht von vornherein von einem freien Willen sprechen. Das Wort «freier Wille» ist schon falsch; denn man muß sagen: Frei wird der Mensch erst durch seine sich immer steigernde Erkenntnis und dadurch, daß er immer höher steigt und immer mehr hineinwächst in die geistige Welt. Dadurch erfüllt er sich immer mehr und mehr mit dem Inhalt der geistigen Welt und wird immer mehr ein Wesen, das seinen Willen bestimmt. Nicht der Wille kann frei werden, sondern der Mensch als solcher kann frei werden, indem er sich durchdringt mit dem, was er auf dem vergeistigten Gebiet des Weltendaseins erkennen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So blicken wöir auf die Enttäuschungen Luzifers und seine Taten und sagen: So ist seit Jahrtausenden der Grund gelegt zu dem, wo wir stehen; denn würden wir nicht dort stehen, wo wir stehen, so würden wir uns nicht zur Freiheit entwickeln können. Nachdem wir uns aber Aufklärung verschaffen können über Luzifer und Ahriman, können wir ein anderes Verhältnis zu diesen Mächten gewinnen, können die Früchte ziehen von dem, was getan worden ist, können Luzifer und Ahriman sozusagen ihre Arbeiten abnehmen. Da werden sich allerdings die Taten des Luzifer, die er bewirkt hat und die immerfort zu Enttäuschungen geführt haben, wenn sie von uns selbst begangen werden, sich in ihr Gegenteil verkehren müssen. Die Taten Luzifers mußten Begierden erregen, mußten den Menschen hinführen zu dem, was in das Böse einmünden konnte. Wir haben ja gesehen, was für eine gegenteilige Kraft es sein muß, die Luzifer entgegenwirkt: Wenn wir selber Luzifer entgegenwirken sollen, wenn wir seine Angelegenheiten in der Zukunft besorgen sollen, wird es bei uns nur die Liebe sein können&amp;gt; die an die Stelle der Taten des Luzifer treten kann; die Liebe aber wird es sein können. Und ebenso wird es dasjenige sein können, was uns auch aus der Außenwelt fließt, indem wir immer mehr die Dunkelheit wegnehmen, die wir einweben in die äußere Materie. Wenn wir immer mehr diese Dunkelheit hinwegbringen, wenn sie schwindet, und wir dazu gelangen, den ahrimanischen Einfluß auf diese Weise völlig zu überwinden, dann werden wir in der Lage sein, die Welt so zu erkennen, wie sie wirklich als Erdenwelt ist. Dann werden wir uns allmählich nähern solcher Erkenntnis, wie sie heute nur Gut der Geisteswissenschaft sein &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
kann: Wir werden durchdringen zu dem, was die Materie wirklich ist, zu der Natur des Lichtes. Heute gibt sich selbst die Wissenschaft immer noch über die Natur des Lichtes den mannigfaltigsten Täuschungen hin. Mancher glaubt, daß man das Licht mit physischen Augen sieht. Das ist nicht richtig. Mit physischen Augen sieht man nicht Licht, sondern nur beleuchtete Körper; man sieht Farben an den Körpern. Man sieht nicht Licht, sondern man sieht durch das Licht. Alle solche Täuschungen werden weggeräumt sein. Dadurch wird sich verwandeln das Bild der Welt, das notwendigerweise unter dem Einflusse Abrimans von Irrtum durchwoben sein mußte, und es wird sich durchsetzen mit dem Inhalt der Weisheit. Indem der Mensch zum Licht vordringt, wird er selbst das seelische Gegenbild des Lichtes entwickeln. Und das seelische Gegenbild des Lichtes ist die Weisheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dadurch wird Liebe und Weisheit in die menschliche Seele einziehen. Und Liebe und Weisheit werden die praktische Kraft sein, der eigentliche Lebensimpuls, der sich aus der theosophischen Weltanschauung ergeben soll und ergeben wird. Weisheit, die das innere Gegenbild des Lichtes ist, Weisheit, die sich verbinden kann mit der Liebe, und Liebe, die sich mit Weisheit durchdringt, werden den rechten Weg finden, um wieder zurückzuwirken auf das, was in die Weisheit der äußeren Welt eingetaucht ist. Wenn wir nach und nach der andern Hälfte der Entwickelung teilhaftig werden sollen, Luzifer und Ahriman wieder zu überwinden, dann müssen wir uns durchdringen mit Weisheit und Liebe. Indem wir Weisheit und Liebe entwickeln, entwickeln wir diejenigen Elemente, die wieder von unseren Seelen selber ausfließen werden als Gaben für die, die in der ersten Hälfte der Erdentwickelung sich hin- geopfert haben als luziferische und ahrimanische Mächte, um uns das zu geben, was wir zur Erringung unserer Freiheit brauchen. Diesen Mächten werden wir geben müssen, was wir an Weisheit und Liebe so entwickeln werden. Wir müssen uns aber bewußt sein: Weil Leben in der Welt sein muß, müssen wir Kulturen annehmen, die uns Ausdrucksmittel dieses Lebens sind.Wir wollen uns gern und mit Liebe einer theosophischen Kultur hingeben, die nicht ewig sein wird, aber wir wollen es mit Enthusiasmus hinnehmen und mit Liebe das schaffen, wozu wir früher unter dem Einfluß Luzifers getrieben worden sind. Weil wir jetzt &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
erkennen, daß wir aus Liebe das schaffen müssen, wozu wir früher durch den luziferischen Einfluß, durch Begierden und Leidenschaften getrieben werden mußten, werden wir jetzt hinter alldem desto mehr überschüssige Liebe entwickeln. Wenn wir nur die notwendige Liebe entwickeln würden, würden wir es nicht dahin bringen, Kultur über Kultur zu entwickeln. Theosophie soll etwas sein, was jede der Zeit entsprechende Forderung mit Hingabe und Liebe leistet, mit demselben Enthusiasmus, mit dem einst die Menschen unter dem Einflusse Luzifers gewirkt haben.Wir werden nicht mehr die Illusion haben, daß das, was wir tun, ewig dauern wird. Aber indem wir in immer sich steigernder Liebe Kultur über Kultur schaffen, schaffen wir damit überschüssige Liebe. Die kommt Luzifer zugute; dadurch werden auch seine Enttäuschungen gutgemacht. An uns liegt es, daß an Luzifer wieder das gutgemacht werden kann, was er an Enttäuschungen erleiden muß, wenn wir nach der andern Seite das zuruööckgeben,was für uns geleistet worden ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist der andere Teil des Karma der höheren Wesenheiten, daß wir eine Liebe entwickeln, die nicht bloß in der Menschheit bleibt, sondern die dazu berufen ist, in den Kosmos einzudringen. In Wesenheiten, die höher sind als wir, werden wir die Liebe einströmen lassen können, und diese Wesenheiten werden sie als Opfer empfinden. Es wird Seelenopfer sein. Seelenopfer wird hinaufströmen zu denen, die einst ihre Gaben herunterströmen ließen, wie einst die Rauchopfer hinaufstrebten zu den Geistern in Zeiten, wo Menschen die spirituellen Güter noch hatten. Damals konnten die Menschen nur die symbolischen Rauchopfer zu den Göttern hinaufsenden. In der Zukunft werden die Menschen Liebesströme hinaufsenden zu den Geistern, und aus dem Liebesopfer wird wieder etwas herunterströmen: dem Menschen werden zu- strömen höhere Kräfte, die, von Geistigem dirigiert, mit immer größerer Macht eingreifen werden in unsere physische Welt. Das werden dann im wahren Sinne magische Kräfte sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So sehen wir den Gang der Menschheitsentwickelung, indem sich Menschheitskarma und Karma der höheren Wesenheiten auslebt. Und wir begreifen jetzt auch,wie sich der Plan der Entwickelung zum einzelnen menschlichen Karma stellt. Nehmen wir an, eine übermenschliche Individualität hätte im Jahre 1910 dieses oder jenes gewirkt, das dann &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|224}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
auf dem physischen Plan durch einen Menschen ausgeführt wurde, so ist dadurch ein Kontakt geschlossen zwischen dieser übermenschlichen Individualität und dem Menschen. Der Mensch ist dann verwoben in das Karma der höheren Wesenheiten. Das ist eine abgeschlossene Korrespondenz. Dann strnöömt ihm aber zu aus den höheren Welten eine Strömung, die ihm etwas in sein Leben hineinbringt; darin hat er nun einen neuen Posten, der zu seinem Karma hinzugefügt ist und der nach der einen oder andern Seite den Ausschlag gibt. So wird menschliches Karma befruchtet von dem allgemeinen Karma, das durch die Welt strömt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sehen wir zum Beispiel auf Miltiades oder irgendeine andere Persönlichkeit: Da hatten sie zu stehen auf dem großen Plan der Geschichte ihres Volkes, da war dies oder jenes durch das Karma der höheren Mächte bedingt - und da wurden sie hingestellt auf ihren Posten. In ihr einzelkarmisches Konto strömte ein, was der ganzen Menschheit zuteil werden sollte. Und indem sie es ausführten, indem sie Taten und Leistungen daran anschlossen, wurde es ihr Einzelkarma. - So leben und weben wir auch mit unserem einzelnen Karma iön dem Makrokosmos als eine kleine Welt, als ein Mikrokosmos.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit sind wir zwar am Ende des Kursus,wenn auch nicht am Ende der Sache. Aber das geht ja nicht anders. Wenn ich nur mit zwei Worten noch sagen darf, daß ich diese Reihe von Vorträgen, gerade über jene menschlichen Fragen, die so tief das menschliche Herz bewegen können und die doch wiederum mit dem größten Schicksal selbst höherer Wesenheiten zusammenhängen, wenii ich sage, daß ich diesen Kursus gehalten habe wirklich aus tiefster Seele heraus und froh bin, daß es möglich war, in einem theosophischen Zweige auch einmal über diese Dinge zu sprechen, unter theosophischen Freunden, die von allen Seiten herbeigeeiit waren, um sich den Betrachtungen über diese Fragen zu widmen, so spreche ich auch diese Worte aus tiefstem Herzen heraus. Diejenigen, welche Gelegenheit haben werden, weitere Kurse zu hören, werden sehen, daß mancherlei von dem sich beantworten wird, was jemand im Anschluß an diesen Zyklus auf` der Seele haben wird. Aber auch die, welche diese Sommerkurse nicht hören können, werden später Gelegenheit haben, so etwas mit mir zu besprechen. Und so darf ich auch diesmal wieder sagen, daß ich die Dinge, die zu besprechen waren, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|225}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
so entgegengenommen haben möchte, daß sie nicht bloß abstrakte Er- kenntnisse sein sollen, sondern solche, die übergehen in unser ganzes Denken, Fühlen und Wollen, in unser ganzes Leben. So daß man an den Theosophen in der Welt sehen möchte Gleichnis und Bild dessen, was man die tiefsten theosophischen Wahrheiten nennen kann. Versuchen wir, uns ganz zu einem solchen Bild und Gleichnis zu machen; dann erst haben wir in der Welt eine theosophische Geistesströmung. In unserem engen Kreise muß diese theosophische Geistesströmung zunächst Betrachtung der spirituellen Erkenntnis sein. Dann aber müssen - zunächst in unserem Mitgliederkreise - diese Erkenntnisse Gesinnungen werden und als solche der Welt gegenübertreten. Und die Welt wird nach und nach einsehen, daß es nicht umsonst war, daß es um die Wende des 20. Jahrhunderts ehrliche und aufrichtige Theosophen gegeben hat, Leute, die aufrichtig und ehrlich an die Gewalt der spirituellen Mächte geglaubt haben. Und indem sie daran geglaubt haben, sind sie selbst durchsetzt worden mit der Kraft, auch dafür zu wirken. Schneller und schneller wird die Kultur in unserem Leben gehen, wenn Sie selber das, was Sie hören, umwandeln in Gesinnung, in Handlung und Tat. Nicht dadurch, daß wir die Menschen überzeugen! Dazu ist die gegenwärtige Kultur nur wenig geeignet. Wahrhaft überzeugt werden immer nur die werden, die aus tiefstem Drang des Herzens an die Theosophie herankommen; die andern werden nicht überzeugt werden. Dieses Karma haben wir auch in geistigen Kreisen als etwas, was der Materialismus hat hervorrufen müssen, und wir müssen diese Schädigungen als etwas betrachten, demgegenüber Geisteswissenschaft sich erweisen muß als eine geistige Macht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So müssen wir das, was wir der Welt geben können, aus unserer Gesinnung heraus geben. Jeder, der Theosophie in das innere Leben der Seele umgewandelt haben wird, wird ein spiritueller Kraftquell sein. Und wer an das Übersinnliche glaubt, darf durchaus die Überzeugung haben, daß unsere theosophischen Erkenntnisse und Gesinnungen spirituell wirken, das heißt, sich unsichtbar in die Welt hinaus verbreiten, wenn wir uns wirklich zu einem bewußten, von dem theosophischen Leben durchdrungenen Werkzeug machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|226}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= EINLADUNG ZUM VORTRAGSZYKLUS =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Zeit vom 15. bis 28. Mai dieses Jahres wird Dr. RUDOLF STEINER in HAMBURG einen Zyklus von Vorträgen halten über das Thema:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;DIE OFFENBARUNGEN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DES KARMA&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wesen und Bedeutung des Karma In Einzelpersönlichkeit, Individualität, Menschheit, Erde, Welt - Karma und Tierreich. - Krankheit und Oesundhelt In Beziehung zu Karma. - Heilung und Unheilbarkelt In Beziehimg zu Karma. - Natilrliche und zufällige Erkrankungen in Beziehung zu Karma. - Lebeusunfälle In Beziehung zu Karma. - EIernentarereignisse, VulkanansbrUche, Erdbeben, Epldernlen In Beziehung zu Karma. - Karma der höheren Wesenheiten. - Tod und Oeburt Im Verhältnis zu Karma. - Freier Wille und Karma in der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zukunft der Menschheitsentwicklung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir laden alle Mitglieder der Theosophischen Gesellschaft hierzu herzlichst ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Zyklus wird mit einer Pfingstfeier am Pfingstsonntag, abends 6 Uhr, im ,,Patriotischen Hause&amp;quot; (beim alten Rathause) eröffnet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle übrigen Vorträge werden pünktlich abends 8 Uhr im ,,Patriotischen Hause&amp;quot; beginnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|227}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für Dienstag, den 24. Mai, ist ein öffentlicher Vortrag vorgesehen, worüber Näheres noch bekanntgegeben wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anmeldungen zum Besuche des Vortrags.Zyklus werderi bald- möglichst erbeten an Herrn G. F. Scharlau, Hamburg, Repsoldstr. 21 a, woselbst auch die Einiaßkarten gegen Einsendung des auf Mk. 10.- festgesetzten Beitrages zu haben sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auskunft über Wohnungsangelegenheiten erteilt Fräulein Victoria Paulsen, Tarpenbeckstraße 31, Mathildenstift.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir hoffen, recht viele theosophische Freunde bei uns begrüßen zu können und sind&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
mit theosophischem Gruß&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Pythagoras - Zweig, Hamburg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
HAMBURG, März 1910.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|228}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= HINWEISE =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu dieser Ausgabe&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Zyklus «Die Offenbarungen des Karma» fand auf Einladung des theosophischen «Pythagoras-Zweiges» im «Patriotischen Hause» beim alten Rathaus in Hamburg vom 15. bis 28. Mai 1910 statt (siehe Programm S. 226-227). Bemerkenswert ist, daß auf dem im März 1910 vorliegenden Programm die Titel der einzelnen Vorträge genannt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum Thema «Offenbarungen des Karma» siehe auch den Band «Wiederverkörperung und Karma», GA 135, die Vorträge «Das Karma des Berufes des Menschen in Anlmüpfung an Goethes Leben», GA 172, sowie die sechs Bände «Esoterische Betrachtungen karmischer Zusammenhänge», GA 235 bis 240.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum Gebrauch der Worte «Theosophie» und «theosophisch»: Diese Worte sind im Sinne von Rudolf Steiners grundlegendem Werk «Theosophie» (1904, GA 9) zu verstehen. Rudolf Steiner wirkte von 1902 bis 1913 als Generalsekretär der deutschen Sektion der damaligen Theosophischen Gesellschaft (Adyar), dann, als es im Zusammenhang mit Zerfallserscheinungen in dieser Gesellschaft zum Ausschluß der deutschen Sektion kam, im Rahmen der von ihm und anderen begründeten «Anthroposophischen Gesellschaft». Er hli von Anfang an ausschließlich die Ergebnisse seiner Geistesforschung vertreten. «Niemand blieb im unklaren darüber, daß ich in der Theosophischen Gesellschaft nur die Ergebnisse meines eigenen forschenden Schauens vorbringen werde» (aus «Mein Lebensgesang», GA 28). Von einer Ersetzung des Ausdrucks «Theosophie» durch «Anthroposophie», wie sie in den ersten zwei Jahrzehnten nach der Trennung von der Theosophischen Gesellschaft auf Rudolf Steiners eigene Weisung hin vorgenommen worden ist, wurde in dieser Ausgabe Abstand genommen; der Leser muß sich jedoch bewußt sein, daß mit «Theosophie», wie sie hier gemeint ist, die von Rudolf Steiner geschaffene Anthroposophie identisch ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Textgrundlagen: Der Text der vorliegenden Ausgabe ist, abgesehen von geringfügigen Abweichungen, mit dem Text des Manuskriptdruckes von 1911 (Zyklus XII) identisch. Dieser wurde anhand von Teilnehmernachschriften erstellt und vom Vortragenden nicht durchgesehen. Die Originalstenogramme liegen nicht mehr vor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Titel des Bandes und die Titel der Vorträge entsprechen den Titeln des damaligen Vortragszyklus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachweis früherer Veröffentlichungen: 1. Aufl. als Manuskriptdruck (Zyklus XII) in Berlin (I911)~ 2. Aufl. (1. Aufl. in Buchform) Dornach 1932 / 3. Aufl. Dornach 1944 / 4. Aufl. Dornach 1949 (photomechanischer Nachdruck der 3. Aufl.) / 5., durchgesehene, mit den vorhandenen Unterlagen verglichene Aufl., Gesamtausgabe Dornach 1956 / 6., durchgesehene, im wesentlichen unveränderte Aufl. Gesamtausgabe Dornach 1968 / 7., unveränderte Aufl., Gesamtausgabe Dornach 1975.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die im wesentlichen unveränderte 8. Au)!age, 1992, wurde von Robert Friedenthal und Martina Sam durchgesehen, die Hinweise zum Text überarbeitet und erweitert sowie ein Namenregister und ausführliche Inhaltsangaben hinzugefügt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|229}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hinweise zum Text&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Werke Rudolf Steiners innerhalb der Gesamtausgabe (GA) werden in den Hinweisen mit der Bibliographie-Nummer angegeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
zu Seite&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
26 Christoph Kolumbus, 1446-1506, entdeckte 1492 auf der Suche nach einem Seeweg nach Indien zunächst Kuba und Halti, von 1493-1504 auch Mittel- und Südamerika. - Über die Bedeutung der Entdeckung Amerikas für die Menschheit siehe auch den Vortrag vom 25. Juni 1923 in «Rhythmen im Kosmos und im Menschenwesen. Wie kommt man zum Schauen der geistigen Welt?», GA 350.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Entdecker der Dampfmaschine: Dem Eisenhändler Newcomen (1663-1729) gelang zusammen mit seinem Kompagnon Cowley die Konstruktion einer Kolben-Dampfmaschine, die von 1712 an zu pralttischen Zwecken verwendet wurde. James Watt (l73618l9) ermöglichte durch Verbesserungen der Konstruktion eine Nutzung der Dampfmaschine auf breitestem Felde, so daß sie zu einer der Grundlagen der Industrialisierung im 19. Jh. wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
27 johannes Kepler, 1571-1630, Mathematiker, Physiker, Astronom. Er stellte auf den Grundlagen des kopemikanischen Planetensystems und der Beobachtungsdaten seines Lehrers Tycho de Brahe seine drei Planetengesetze auf, mit denen er die Dynamik der Planetenbahnen zu deuten versuchte und das Kräftezentrum in die Sonne verlegte. Vgl. über Kepler auch «Die geistige Führung des Menschen und der Menschheit», GA 15, S. 52 und 83; zu den drei Planetengesetzen «Das Verhältnis der verschiedenen naturwissenschaftlichen Gebiete zur Astronomie», GA 323, insbesondere die Vorträge vom 3. und 4. Januar 1921.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
28 Kepler, sagt von sich selbst: Aus der Vorrede zu Keplers Buch «Harmonices mundi» («Weltharmonik», Linz 1619), 5. Buch: «Die vollkommene Harmonie in den himmlischen Bewegungen und die daher rührende Entstehung der Exzentrizitäten, Bahnhalbmesser und Umlaufszeiten».&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
E,findung des Femrohres: Wohl um das Jahr 1608 in Holland.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
31 Auf diese Tatsache wurde hingewiesen von der Ceisteswissenschaft 1906: Siehe den Vortrag vom 11. Juni 1906, enthalten in GA 94 «Kosmogonie». Vgl. Edouard Schure` «Esquisse d`une cosmogonie psychologique d`apre`s des conferences faites ä Paris en 1906 par Rudolf Steiner», Paris 1928, S. 101.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
32 Zyanverbindungen in der Kometenatmo&amp;amp;phäre: Über die Rolle der Zyanverbindungen und ihrem Vorkommen in der Kometenatmosphäre siehe auch die Vorträge vom l0. Oktober und insbesondere vom 24. Oktober 1923 in «Mensch und Welt. Das Wirken des Geistes in der Natur. Über das Wesen der Bienen.», GA 351. - Über Kome«en im allgemeinen vgl. auch die Vorträge vom 5. März 1910 in «Das Ereignis der Christus-Erscheinung in der ätherischen Welt», GA 118; vom 25. Oktober 1909 und vom 9. März 1910 in «Der Christus-Impuls und die Entwickelung des IchBewußtseins», GA 116; vom 10. April 1912 in «Die geistigen Wesenheiten in den Himmelskörpern und Naturreichen», GA 136; vom 17. November I923 in «Der übersinnliche Mensch anthroposophisch eriaßt», GA 231; vom 18. Januar 1921 in Das Verhältnis der verschiedenen naturwissenschaftlichen Gebiete zur Astronomie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|230}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
«, GA 323, und vom 13. September 1924 in «Die Schöpfung der Welt und des Menschen», GA354.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
32 Halleyscher Komet: So genannt nach dem ersten Berechner seiner Bahn, dem englischen Astronomen Edmund Halley (1656-1742). Ihm war bei seinen Berechnungen aufgefallen, daß die Bahn des großen Komeren von 1682 den Bahnen der Kometen von 1531 und 1607 ähnelte. Daraus schloß er, daß es sich bei allen drei Erscheinungen um ein- und denselben Kometen handeln müsse. Halley sagte seine Wiederkunft entsprechend diesem Zyklus von 75/76 Jahren für 1759 richtig voraus. Somit war der erste periodisch wiederkehrende Komet entdeckt. - Dies war insofern von großer Bedeutung, als damit «die geheimnisvollen Kometen... ihres Nimbus entkleidet und in den Gültigkeitsbereich der allgemeinen Naturgesetze eingereiht worden waren« (Max Gerstenberger, Kometen - Außenseiter am Himmelszelr. Stuttgart 1951).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Außerdem meinte man dadurch zumindest den wiederkehrenden Kometen wie den Planeten eine elliptische Bahn zugrunde legen zu können. - Über die Aufgabe des Halleyschen Kometen siehe auch die Vorträge Rudolf Steiners vom 25. Oktober 1909 und 9. März 1910 in «Der Christus-Impuls und die Enrwickelung des Ich-Bewußtseins«, GA 116, und vom 5. März 1910 in «Das Ereignis der Christus-Erscheinung in der ätherischen Welt«, GA 118.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
35 Cartesius in seinen Gedanken über die Tierwelt: Vgl. «Discours de la methode«, 5. Abschnitt, ferner «Traite` de l`homme» sowie «Primae cogitariones circa generationen animalium».&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
41 Wir wissen, daß unserer Erdenentwickelung vorangegangen ist die Mondentwickelung: Siehe hierzu das Kapitel «Die Weltentwickelung und der Mensch» in Rudolf Steiners «Die Geheimwissenschaft im Umriß», GA 13.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
44 Leidenschaften: Es könnte sich eventuell um einen Hörfehler handeln und statt «Leidenschaften« «Eigenschaften« geheißen haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
57 «wie wir es heute so herrlich weit gebracht haben»: Wagner in Goethes «Faust I«, Nacht, Vers 57fl574: «Verzeiht! es ist ein groß Ergerzen, / Sich in den Geist der Zeiten zu versetzen; / Zu schauen, wie vor uns ein weiser Mann gedacht, / Und wie wir`s dann zuletzt so herrlich weit gebracht. «&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
69 wie unendlich viele Erlebnisse, E,fahrungen und Eindrücke es gar nicht bis zur Vorstellung bringen: Vgl. hierzu auch Rudolf Steiners Vortrag vom 18. April 1918 in «Das Ewige in der Menschenseele. Unsterblichkeit und Freiheit«, GA 67.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
77 joseph Dietl, 18O4~1878, studierte Philosophie und Medizin. Als Krankenhausarzt in Wien beschäftigte er sich vor allem mit der Lungenentzündung und veröffentlichte&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
eine Abhandlung über den «Aderlaß in der Lungenentzündung«. Ab 1865 Professor für innere Medizin in Krakau; daneben auch als Landtags- sowie Reichsragsabgeordneter und als polnischer Schriftsteller tätig. Vertreter eines krassen Nihilismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
joseph Skoda, 1805-1881, bedeutender Intemisr, Professor in Wien. Er beschäftigte sich insbesondere mit den physikalischen Methoden der Krankenuntersuchung; seine Abhandlung «Über Perkussion und Auskultation« (1839) begründete die moderne Diagnostik. In der Therapie dagegen verhielt er sich eher zurückhaltend; zusammen mit Carl Roltitansky (18041878) Hauptrepräsentant der jüngeren «Wiener Schule« in der Medizin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|231}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
92 Wie können wir zu einem karmischen Verständnis auch dann kommen, wenn wir zum Beispiel unter die Räder eines Eisenbahnzuges kommen?: Über die karmischen Zusammenhänge von Zivilisationskatastrophen siehe auch Rudolf Steiners Vortrag vom 29. Juni 1924 in «Esoterische Betrachrungen karmischer Zusammenhänge.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zweiter Band», GA 236.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
105 ein geistreicher Herr: Frederik Troels-Lund (184~1921), dänischer Historiker und Professor an der Militärakademie in Kopenhagen, der den hier erwähnten einzelnen Ansichten über die Herkunft der Krankheiten in seinem Buche «Gesundheit und Krankheit in der Anschauung alter Zeiten» (Leipzig 1901) jeweils ein ganzes Kapitel widmet. Dieses Buch befindet sich in der Bibliothek Rudolf Steiners.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
106 ein geistvoller Mann im 18. jahrhundert: Vermutlich Voltaire; konnte jedoch noch nicht nachgewiesen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
107 Galileo Galilei, 15~l642, italienischer Physiker, Mathematiker und Astronom.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Martin LNther&amp;gt; 14831546, Inaugurator der deutschen Reformation. Vgl. auch Rudolf Steiners Ausführungen über ihn in den Vorträgen vom 11. und 18. September 1917 in «Menschliche und menschheitliche Enrwicklungswahrheiten. Das Karma des Materialismus», GA 176.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
114 in einer Familie wie die des Musikers Bach: Johann Sebastian Bach (1685-1750), der größte Musiker in der Reihe bedeutender Komponisten, die die thüringische «Musikerfamilie« Bach im 17. und 18. Jh. hervorbrachte. Vgl. hierzu auch Rudolf Steiners Vortrag vom 26. November 1906 in «Das Wesen des Musikalischen», GA 283.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
119 Meister Eckart, 125~1327, Dominikaner und bedeutender Denker der deutschen Mystik; in seinem letzten Lebensjahr der Häresie angeklagt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Johannes Tauler, um I30fll36l, Dominikaner, Schüler Meister Eckarts. - Zu Tauler, Meister Eckart und die Mystik im allgemeinen vgl. auch Rudolf Steiners Schrift «Die Mystik im Aufgange des neuzeitlichen Geisteslebens und ihr Verhältnis zur modernen Weltanschauung», GA 7.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und lesen Sie in der «Deutschen Theologie«: «Theologia deutsch - Die lerer gar manchen lieblichen underscheit gotlicher warheit und seit gar hohe und gar schone ding von einem volkomen leben», nach der einzigen bis jetzt bekannten Handschrift hrsg. von Franz Pfeiffer, 2. verbesserte und mit einer neudeutschen Übersetzung vermehrte Auflage 1855.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
120 «Nicht ich, sondern der Christus in mir«: Galater 2, 20 «Ich lebe aber; doch nun nicht ich, sondern der Christus lebt in mir«.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
«Die Geheimwissenschaft im Umr`ß« (1910), GA 13.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
121 «Aus d«`rAkasha-Chronik« (19041908), GA 11.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
l36 Der ahrimanische Einfluß bewirkte dann: In der 7. Auflage 1975 hieß es «Der luziferische Einfluß», was den Korrekturvorschlägen einiger Leser entsprach. Jedoch sind die Herausgeber nach gründlicher Prüfung zu dem Ergebnis gekommen, daß es zweifellos «Der ahrimanische Einfluß» heißen muß, da dies aus dem weiteren Vortrag eindeutig hervorgeht; siehe insbesondere S. 142f. «Was ahrimanischem Einfluß zuzuschreiben ..... .&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|232}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
144 mit der Urkunde des Alten Testamentes: Genesis 3.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
146 daß Wesenheiten ... in ähnlicher Art damals ihre Menschheitsstufe durchgemacht haben: Siehe Kap. «Das Leben auf dem Monde», S. 187ff. in «Aus der AkashaChronik&amp;gt;, GA 11, und das Kap. «Die Weltentwickelung und der Mensch«, S. 208 und 215 in «Die Geheimwissenschaft im Umriß», GA 13.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
158 daß sich im Laufe von zehnjahren seine Physiognomie verändert: Vgl. hierzu auch die Ausführungen Rudolf Steiners über den Zusammenhang der Begriffe mit der Gesichtsphysiognomie im Vortrag vom 30. August 1919 in «Allgemeine Menschen- kunde«, GA293.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
163 Karl der Große 742-814, König der Franken und römischer Kaiser.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aristoteles, 384322, Schüler Platos, Erzieher Alexander des Großen, grundlegend für die kulturelle und wissenschaftliche Entwicklung des Abendlandes waren vor allem seine Werke über die Logik.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Martin Luther, siehe Hinw. zu S. I07.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
164 das Zusammen-Untergehen hei einem Erdbeben: Vgl. hierzu auch die Vorrräge Rudolf Steiners vom 27. und 29. Juni 1924 in «Esoterische Betrachtungen karmischer Zusammenhänge, Zweiter Band«, GA 236.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
165 wir haben ... hingewiesen auf eine Individualität: Siehe hierzu auch die Ansprache Rudolf Steiners vom 28. September 1924 in «Esoterische Betrachtungen karmischer Zusammenhänge, Vierter Band«, GA 238, und die Einzelausgabe von vier Vorträgen «Das Weihnachtsmysterium. Novalis, der Seher und Christuskünder«.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
I77 desto größer wird der Unterschied zwischen Mann und Frau in bezug auf ihr Leben:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über den Gegensatz von Männlichem und Weiblichem vgl. auch die Vorrräge vom 5. und 13. März und vom 10. Mai 1910 in «Das Ereignis der Christus-Erscheinung in der ätherischen Welt», GA 118.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
204 Ludwig Deinhard, 1847-1917, Ingenieur und Industrieller. Mit Hübbe-Schleiden zusammeti ältestes Mitglied der deutschen Theosophischen Gesellschaft und 189496 Leiter eines der ersten theosophischen Zweige in München. Er wirkte seit 1900 mit Günther Wagner für die Bildung einer deutschen Sektion und gehörte 1902 bis 1908 zu deren Vorstand. Nach anfänglichen Bedenken schloß er sich später immer enger an Rudolf Steiner an. Sein Buch «Das Mysterium des Menschen im Lichte der psychischen Forschung. Eine Einführung in den Okkultismus«, Berlin 1910, wurde von Rudolf Steiner sehr geschätzt. Vgl. auch den Vortrag vom 19. Mai 1917 im Band «Mitteleuropa zwischen Ost und West», GA 1 74a, und «Zur Geschichte und aus den Inhalten der ersten Abteilung der Esoterischen Schule 19041914«, GA 264.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
205 Frederick W. H. Myers, 1843-1901, Dichter, Spiritist, SchrifrsteIler, Freund von Sir Oliver Lodge; 1882 einer der Gründer der Sociery for Psychical Research in London. - Über die Vorkommnisse um ihn im Zusammenhang mit Sie Oliver Lodge spricht Rudolf Steiner ausführlich im Vortrag vom 27. November 1916 in dem Band «Das Karma des Berufes«, GA 172.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|233}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
206 Perserkriege: Die von 490449 v. Chr. zwischen Persern und Griechen geführten Kriege; von den Persern unternommen, um die Griechen für ihre Teilnahme am ionischen Aufstand zu bestrafen und zu unrerweifen. Trotz zehnfacher Übermacht wurden die Perser von den Griechen unter Miltiades` Führung 490 bei Marathon geschlagen; die Florte des Perserkönigs Xerxes wurde 480 v. Chr. bei Salamis besiegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
209 Xer:zes, um 520465 v. Chr., Perserkönig, Sohn des Dareios; er zog gegen Hellas, um die Niederlage seines Vaters bei Marathon zu rächen, erzwang den Durchgang durch den von Leonidas besetzten Engpaß Thermopylä, unterlag jedoch ebenfalls in der Schlacht bei Salamis 480.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Miltiades, atbenischer Feldherr, schlug die Perser 490 v. Chr. bei Marathon (siehe Hinw. zu S. 209).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Leonidtis, (~ 480 v. Chr.), spartanischer König, fiel im Kampf mit dem Perserkönig Xerxes um den Engpaß Thermopylä.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
214 im Sommer bei dem Zyklus über die biblische Schöpfungsgeschichte: Elf Vorträge in München vom 16. bis 26. August I910; «Die Geheimnisse der biblischen Schöpfungsgeschichte. Das Sechstagewerk im 1. Buch Moses», GA 122.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
215 in der bab~li~chen Schöpfungsgeschichte: I. Buch Moses (Genesis), 1.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|234}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= NAMENREGISTER =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(* = nicht namentlich erwähnt)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aristoteles 163 Myers, Frederick 205&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bach (Familie) 114 Novalis 165*&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bach, Johann Sebastian 114 Paulus, Apostel 120&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Cartesius, Renatus (Descartes, Prometheus 144&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rene) 35f. Skoda, Joseph 77f., 93&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dietl, Joseph 77, 93? Steiner, Rudolf&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deinhard, Ludwig 204 Werke und Vorträge:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eckart, Meister 1 I9 Aus der Akasha-Chronik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eva 144 (GA 11) 121,146&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Galilei, Galileo 107, l1l Die Geheimwissenschaft im Umriß&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Halleyscher Komet 32 (GA 13) 31, 120, 146&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Karl der Große l63 Die Geheimnisse der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kepler, Johannes 27?, l66f. biblischen Schöpfungsgeschichte&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kolumbus, Christoph 26 (GA 122) 214f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Luther, Martin l07?, l63f. Tauler, Johannes 119&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Leonidas 209 Troels-Lund, Frederik 105&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Miltiades 209, 224 Xerxes 209&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Glossar==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|A}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|A}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ahriman&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|[…] wie in der Tat die beiden Prinzipien, das ahrimanische und das luziferische, im letzten Grunde im Krankheitsverlauf tätig sind. Und es könnte in vieler Beziehung für diese oder jene Krankheitsform gezeigt werden, wie man eigentlich zwei Typen von Krankheiten unterscheiden müßte: ahrimanische und luziferische Krankheiten.|120|88}}{{GS|Da sitzt aber auch das, was man den Zufall nennt. Er sitzt da, wo uns Ahriman am allergefährlichsten wird. Diejenigen Erscheinungen nennt der Mensch zufällig, bei denen er durch den ahrimanischen Einfluß am allerleichtesten getäuscht werden kann.|120|111}}{{GS|[…] zeigen, wie im Inneren des Menschen Luzifer zur Illusion führt und wie Ahriman sich in die äußeren Wahrnehmungen mischt und dort zur Maja führt […]|120|112}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ätherleib&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|[…] wenn der Mensch durch die Pforte des Todes tritt […]  wird das Hauptsächlichste des Ätherleibes als ein zweiter Leichnam abgeworfen; es bleibt jedoch ein Extrakt des Ätherleibes zurück, der mitgenommen wird und erhalten bleibt für alle kommenden Zeiten.|120|67}}{{GS|So sehen wir, daß wir in dem Ätherleib und physischen Leib der Pflanze etwas vor uns haben, was imstande ist, mit inneren Heilkräften zu antworten auf äußere Schädigungen.|120|62}}Astral&lt;br /&gt;
{{GS|Also wir haben es vor dem Ich-Bewußtsein zu tun mit einem solchen Bewußtsein, das an den astralischen Leib als das damals höchste Glied gebunden ist, das astralische Bewußtsein, das dumpf und dämmerhaft&lt;br /&gt;
ist und noch nicht durchleuchtet ist von dem Lichte des Ich.|120|122}}{{GS|Krankheit ist ein abnormer Wachzustand unseres astralischen Leibes.|120|124}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|B}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|B}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bewusstsein&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Die Erkenntnis eines solchen Zusammenhanges zwischen Ursachen und Wirkungen in unseren einzelnen Lebensabschnitten, die wir durch unser gewöhnliches Bewußtsein überschauen können, kann uns schon im höchsten Grade förderlich sein im Leben.|120|22}}{{GS|Das Bewußtsein, […] das sich ausdehnt […]  auf unser Leben zwischen Geburt und Tod, das entsteht dadurch, daß sich der Mensch des Instrumentes seines Gehirns bedienen kann. Wenn der Mensch durch die Pforte des Todes schreitet, tritt ein andersgeartetes Bewußtsein auf, das unabhängig ist vom Gehirn und an wesentlich andere Bedingungen gebunden ist.|120|24}}{{GS|Wenn der Mensch aber durch die Pforte des Todes schreitet, hört das Vorstellungsleben auf, das an das Instrument des Gehirns gebunden ist. Da beginnt eine andere Form des Bewußtseinslebens.|120|86}}{{GS|Wir haben gezeigt, daß es gleichsam eine Art von Hemmnis gibt gegen das Eindringen der Unmoralität in die tieferen Kräfte des Organismus. […] Indem wir eine Handlung oder ein sonstiges Erlebnis mit einer bewußten Vorstellung begleiten, schaffen wir eine Schutzwehr dagegen, daß das Resultat unserer Handlungen hinunterrückt in unseren Organismus.|129|95}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|C}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|C}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Charakter&lt;br /&gt;
{{GS|Deshalb ist es so notwendig, daß man vorher durch Charakterbildung dafür sorgt, daß man gegen die in allen Fällen an uns herantretenden Verlockungen der Eitelkeit, des Größenwahnes, des Hochmutes ein Gegenmittel hat. Und wir können nicht genug darin tun, uns gerade diejenigen Eigenschaften anzueignen, welche zur Bescheidenheit und zur Demut führen.|120|137}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|D}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|D}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Demut&lt;br /&gt;
{{GS|Deshalb ist es so notwendig, daß man vorher durch Charakterbildung dafür sorgt, daß man gegen die in allen Fällen an uns herantretenden Verlockungen der Eitelkeit, des Größenwahnes, des Hochmutes ein Gegenmittel hat. Und wir können nicht genug darin tun, uns gerade diejenigen Eigenschaften anzueignen, welche zur Bescheidenheit und zur Demut führen.|120|137}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|E}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|E}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|F}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|F}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|G}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|G}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gehirn&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Das Bewußtsein, […] das sich ausdehnt […]  auf unser Leben zwischen Geburt und Tod, das entsteht dadurch, daß sich der Mensch des Instrumentes seines Gehirns bedienen kann. Wenn der Mensch durch die Pforte des Todes schreitet, tritt ein andersgeartetes Bewußtsein auf, das unabhängig ist vom Gehirn und an wesentlich andere Bedingungen gebunden ist.|120|24}}{{GS|Wenn der Mensch aber durch die Pforte des Todes schreitet, hört das Vorstellungsleben auf, das an das Instrument des Gehirns gebunden ist. Da beginnt eine andere Form des Bewußtseinslebens.|120|86}}&lt;br /&gt;
Geist&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Der Mensch kann einen in sich regen Geist bis an sein Lebensende dadurch haben, daß wir ihn als Kind in der Weise erzogen haben, wie es jetzt eben beschrieben worden ist: daß wir auf sein Seelenleben, auf alles, was lebendig in ihm sitzt, Rücksicht genommen haben.|120|20}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Geisteswissenschaft&lt;br /&gt;
{{GS|[…] Geisteswissenschaft nicht eine abstrakte Theorie sein soll […] erfüllt erst dann ihre Aufgabe, wenn … etwas hineinfließt in unsere Seelen … was unsere Seelen tüchtiger und tatkräftiger machen kann.|120|9}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|H}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|H}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|I}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|I}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich&lt;br /&gt;
{{GS|Also wir haben es vor dem Ich-Bewußtsein zu tun mit einem solchen Bewußtsein, das an den astralischen Leib als das damals höchste Glied gebunden ist, das astralische Bewußtsein, das dumpf und dämmerhaft ist und noch nicht durchleuchtet ist von dem Lichte des Ich.|120|122}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|J}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|J}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|K}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|K}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kamaloka&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Wenn wir also schon im gewöhnlichen Leben so stark berührt werden können durch gewisse Erlebnisse, besonders wenn es Gefühlseindrücke waren, daß sie eine Gemütsverstimmung bewirken können, so werden wir begreifen, daß die viel stärkeren Eindrücke des Kamalokalebens sich so eindrücken können, daß sie bei einer neuen Inkarnation bis tief in die Organisation des physischen Leibes hineinwirken.|120|72}}{{GS|Gerade während der Kamalokazeit, weil der Mensch seinen alten astralischen Leib noch hat, bewirkt das Durchgemachte die tiefsten Gefühlserlebnisse.|120|72}}{{GS|Wir könnten die verschiedensten Beispiele anführen, die uns alle zeigen, wie der Mensch aus den Erfahrungen seiner Kamalokazeit heraus geradezu die Gelegenheiten aufsucht, diese oder jene Krankheit zu bekommen, um durch ihre Überwindung und durch die Entfaltung der selbstheilenden Kräfte die Kräfte zu gewinnen, welche ihn die Lebensbahn im ganzen hinauf- führen.|120|82}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Karma&lt;br /&gt;
{{GS|Ohne daß eine Wirkung erzeugt wird, die wieder zurückfällt auf das Ding oder die Wesenheit, welche diese Wirkung hervorbringt, ohne diese Eigentümlichkeit des Zurückwirkens der Wirkung auf das verursachende Wesen ist der Karmabegriff nicht zu denken.|120|13}}&lt;br /&gt;
{{GS|Wir dürfen erst von einem Karma sprechen, wenn die Wirkung, die auf das Wesen zurückschlägt, beim Zurückschlagen auf dasselbe Wesen trifft, […]|120|13}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Karmische Folgen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Das zeigt uns, wie in die Linie der karmischen Folgen unser Wille eingreifen und etwas schaffen kann, was an Stelle von sonst eingetretenen karmischen Wirkungen steht.|120|23}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Karmische Wirkung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Das zeigt uns, wie in die Linie der karmischen Folgen unser Wille eingreifen und etwas schaffen kann, was an Stelle von sonst eingetretenen karmischen Wirkungen steht.|120|23}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kind&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Der Mensch kann einen in sich regen Geist bis an sein Lebensende dadurch haben, daß wir ihn als Kind in der Weise erzogen haben, wie es jetzt eben beschrieben worden ist: daß wir auf sein Seelenleben, auf alles, was lebendig in ihm sitzt, Rücksicht genommen haben.|120|20}}Komet&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Nun ist die Substanz eines Kometen nicht eine solche mit Gesetzen, wie sie in unserem gewöhnlichen, regulären Sonnensystem bestehen, sondern mit Gesetzen, wie sie im alten Mondendasein existiert haben.|120|31}}{{GS|Der Halleysche Komet ist der äußere Ausdruck - jedesmal, wenn er in die Sphäre unseres Erdendaseins hineinkommt - zu einem neuen Impuls zum Materialismus.|120|32}}Krankheit&lt;br /&gt;
{{GS|Wir könnten die verschiedensten Beispiele anführen, die uns alle zeigen, wie der Mensch aus den Erfahrungen seiner Kamalokazeit heraus geradezu die Gelegenheiten aufsucht, diese oder jene Krankheit zu bekommen, um durch ihre Überwindung und durch die Entfaltung der selbstheilenden Kräfte die Kräfte zu gewinnen, welche ihn die Lebensbahn im ganzen hinauf- führen.|120|82}}{{GS|Krankheit ist ein abnormer Wachzustand unseres astralischen Leibes.|120|124}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|L}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|L}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Luzifer&lt;br /&gt;
{{GS|[…] zeigen, wie im Inneren des Menschen Luzifer zur Illusion führt und wie Ahriman sich in die äußeren Wahrnehmungen mischt und dort zur Maja führt […]|120|112}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|M}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|M}}Medizin&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Wer ähnliche Vorträge von mir gehört hat, wird wissen, wie wenig es mir darum zu tun ist, einzustimmen in den Chor, der heute das, was man als «Schulmedizin» bezeichnet, diskreditieren will.|55|120}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mensch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Und der hellseherische Forscher wird bei einem Krankheitsfall immer in Betracht ziehen müssen, welches in dem betreffenden Falle der Anteil sein kann des physischen Leibes auf der einen Seite und des Ätherleibes und des astralischen Leibes auf der andern Seite; denn alle drei Wesensglieder des Menschen können an der Erkrankung beteiligt sein.|120|60}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mond&lt;br /&gt;
{{GS|Also sehen wir neben dem Menschen sich förmlich herausbilden ein Reich von Organismen, die durch das Beibehalten des Mondcharakters unfähig geworden waren, Träger menschlicher Individualitäten zu sein. Diese Organisationen sind im wesentlichen die, welche die Organisationen unserer heutigen Tiere wurden.|120|48}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|N}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|N}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|O}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|O}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Organismus&lt;br /&gt;
{{GS|Wir haben gezeigt, daß es gleichsam eine Art von Hemmnis gibt gegen das Eindringen der Unmoralität in die tieferen Kräfte des Organismus. […] Indem wir eine Handlung oder ein sonstiges Erlebnis mit einer bewußten Vorstellung begleiten, schaffen wir eine Schutzwehr dagegen, daß das Resultat unserer Handlungen hinunterrückt in unseren Organismus.|129|95}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|P}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|P}}Pflanzen&lt;br /&gt;
{{GS|Aber je tiefer wir in die Pflanzenpathologie eindringen, desto mehr werden wir sehen, daß von dem Begriff «innere Krankheitsursache» bei den Pflanzen nicht die Rede sein kann, sondern daß es sich da um äußere Veranlassungen und Schädigungen, um äußere Einflüsse handelt.|120|61}}{{GS|Aber je tiefer wir in die Pflanzenpathologie eindringen, desto mehr werden wir sehen, daß von dem Begriff «innere Krankheitsursache» bei den Pflanzen nicht die Rede sein kann, sondern daß es sich da um […] äußere Einflüsse handelt.|120|61}}{{GS|So sehen wir, daß wir in dem Ätherleib und physischen Leib der Pflanze etwas vor uns haben, was imstande ist, mit inneren Heilkräften zu antworten auf äußere Schädigungen.|120|62}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|Q}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|Q}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|R}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|R}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|S}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|S}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schicksalsschlag&lt;br /&gt;
{{GS|Schicksalsschlag […] wenn wir ihn an den Anfang der nachfolgenden Ereignisse stellen und ihn als Ursache betrachten […] Wir werden vielleicht traurig sein […] Betrachten wir ihn dagegen als Ursache eines Späteren, dann können wir vielleicht froh sein und Freude darüber empfinden.|120|18}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schmerz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Der Schmerz, der das Bewußtwerden des unrichtig wachenden astralischen Leibes ist, er ist zugleich auch das, was uns davon abbringen kann, den luziferischen Mächten auf diesem Gebiet, wo wir ihnen schon verfallen sind, immer weiter zu verfallen. So wird der Schmerz in bezug auf die Versuchungen der luziferischen Mächte unser Erzieher.|120|134}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seelenleben&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Der Mensch kann einen in sich regen Geist bis an sein Lebensende dadurch haben, daß wir ihn als Kind in der Weise erzogen haben, wie es jetzt eben beschrieben worden ist: daß wir auf sein Seelenleben, auf alles, was lebendig in ihm sitzt, Rücksicht genommen haben.|120|20}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|T}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|T}}Tier&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Wir können nicht in derselben Weise, wie wir den menschlichen Tod auffassen, von dem tierischen Tode sprechen.|120|37}}{{GS|Und wenn Sie Umschau halten im Tierreich, werden Sie finden, daß die Tiere sich ganz bestimmte Kunstfertigkeiten mitbringen, durch welche etwas zustande gebracht werden kann, an das menschliche Kunst fertigkeit bei allem, wie wir es so herrlich weit gebracht haben, noch lange nicht heran reicht.|120|39}}{{GS|Also sehen wir neben dem Menschen sich förmlich herausbilden ein Reich von Organismen, die durch das Beibehalten des Mondcharakters unfähig geworden waren, Träger menschlicher Individualitäten zu sein. Diese Organisationen sind im wesentlichen die, welche die Organisationen unserer heutigen Tiere wurden.|120|48}}{{GS|Wir schauen auf die Tiere und sagen: Alles, was die Tiere darstellen an Grausamkeit, an Gefräßigkeit, an allen tierischen Untugenden, neben der Geschicklichkeit, die sie haben, das hätten wir in uns, wenn wir sie nicht hätten aus uns heraussetzen können!|120|52}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tod&lt;br /&gt;
{{GS|Das Bewußtsein, […] das sich ausdehnt […] auf unser Leben zwischen Geburt und Tod, das entsteht dadurch, daß sich der Mensch des Instrumentes seines Gehirns bedienen kann. Wenn der Mensch durch die Pforte des Todes schreitet, tritt ein andersgeartetes Bewußtsein auf, das unabhängig ist vom Gehirn und an wesentlich andere Bedingungen gebunden ist.|120|24}}{{GS|Wir können nicht in derselben Weise, wie wir den menschlichen Tod auffassen, von dem tierischen Tode sprechen.|120|37}}{{GS|[…] wenn der Mensch durch die Pforte des Todes tritt […]  wird das Hauptsächlichste des Ätherleibes als ein zweiter Leichnam abgeworfen; es bleibt jedoch ein Extrakt des Ätherleibes zurück, der mitgenommen wird und erhalten bleibt für alle kommenden Zeiten.|120|67}}{{GS|Wenn der Mensch aber durch die Pforte des Todes schreitet, hört das Vorstellungsleben auf, das an das Instrument des Gehirns gebunden ist. Da beginnt eine andere Form des Bewußtseinslebens.|120|86}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|U}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|U}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ursache und Wirkung&lt;br /&gt;
{{GS|Damit in der Welt der Erscheinungen, in der leblosen Welt, die wir zunächst um uns herum haben, eine Wirkung auf eine Ursache folge, ist stets notwendig, daß dieser Ursache etwas entgegenkommt. Und ohne daß etwas der Ursache entgegenkommt, ist niemals von dem Folgen einer Wirkung auf eine Ursache zu sprechen.|120|12}}{{GS|Wir werden aber zu einer Erklärung des Menschenlebens nicht kommen, wenn wir Zusammenhänge zwischen Ursache und Wirkung nur in diesem einzelnen Menschenleben suchen.|120|21}}{{GS|Die Erkenntnis eines solchen Zusammenhanges zwischen Ursachen und Wirkungen in unseren einzelnen Lebensabschnitten, die wir durch unser gewöhnliches Bewußtsein überschauen können, kann uns schon im höchsten Grade förderlich sein im Leben.|120|22}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|V}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|V}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vergessen&lt;br /&gt;
{{GS|Jeder kann an sich selbst bemerken, wenn er eine kleine Unpäßlichkeit hat, wie sehr es ihm nützt, wenn er es zu einem Vergessen seiner Unpäßlichkeit bringt, namentlich zu einem solchen Vergessen, das hervorgerufen wird durch eine anderweitige Beschäftigung. Das ist also ein positives, gesundes Vergessen!|120|101}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|W}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|W}}Wesensglieder&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Und der hellseherische Forscher wird bei einem Krankheitsfall immer in Betracht ziehen müssen, welches in dem betreffenden Falle der Anteil sein kann des physischen Leibes auf der einen Seite und des Ätherleibes und des astralischen Leibes auf der andern Seite; denn alle drei Wesensglieder des Menschen können an der Erkrankung beteiligt sein.|120|60}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wille&lt;br /&gt;
{{GS|Das zeigt uns, wie in die Linie der karmischen Folgen unser Wille eingreifen und etwas schaffen kann, was an Stelle von sonst eingetretenen karmischen Wirkungen steht.|120|23}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|X}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|X}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|Y}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|Y}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|Z}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|Z}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zufall&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Da sitzt aber auch das, was man den Zufall nennt. Er sitzt da, wo uns Ahriman am allergefährlichsten wird. Diejenigen Erscheinungen nennt der Mensch zufällig, bei denen er durch den ahrimanischen Einfluß am allerleichtesten getäuscht werden kann.|120|111}}{{GS|[…] zeigen, wie im Inneren des Menschen Luzifer zur Illusion führt und wie Ahriman sich in die äußeren Wahrnehmungen mischt und dort zur Maja führt […]|120|112}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|0-9}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|0-9}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Literatur =&lt;br /&gt;
* [[a:Rudolf Steiner|Rudolf Steiner]]: &#039;&#039;Die Offenbarungen des Karma&#039;&#039;, [[GA 120]] (1992), ISBN 3-7274-1200-3 {{Vorträge|120}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GA}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:GA 120 Die Offenbarungen des Karma|!]] [[Kategorie:Taschenbücher]] [[Kategorie:Karma]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:GA]] [[Kategorie:GA (Mitgliedervorträge)]]  [[Kategorie: GA (Zyklus)]] [[Kategorie:Gesamtausgabe]]&lt;br /&gt;
[[en:GA 120]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Artikel unten}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>ElkeJura</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://steiner.wiki/index.php?title=Gesamtglossar_D&amp;diff=11323</id>
		<title>Gesamtglossar D</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://steiner.wiki/index.php?title=Gesamtglossar_D&amp;diff=11323"/>
		<updated>2025-10-15T18:45:25Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;ElkeJura: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Artikel oben}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dämonen&lt;br /&gt;
{{GS|Man nennt die Wesenheiten, die den Astralleib durchsetzen und ihn unfrei machen, Dämonen|99|70}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Devachan, Lokalisation&lt;br /&gt;
{{GS|Wenn wir fragen: Wo ist Devachan, wo ist die geistige Welt? [...] Immerfort um uns herum. [...] Während wir Städte bauen, [...] arbeiten aus dem geistigen Gebiet heraus, [...] die Menschen, die zwischen Tod und neuer Geburt stehen|99|48}}&lt;br /&gt;
{{GS|Devachan, geistige Welt, ist das Himmelreich im christlichen Sinne|99|40}}&lt;br /&gt;
{{GS|Der erst weiß vom Devachan im Sinne der Rosenkreuzer-Theosophie, der darauf hindeuten kann, wo die toten Menschen wirklich zu finden sind.|99|49}}&lt;br /&gt;
{{GS|In diesen physischen Leib hinein wirken fortwährend Wesenheiten aus den höchsten Regionen des Devachan, und auf den Ätherleib wirken fortwährend Wesenheiten aus den niederen Regionen des Devachan.|103|88}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Demokratie&lt;br /&gt;
{{GS|Es gibt keine Demokratie in der Wahrheit. Und die noch nicht harmonieren, sind noch nicht genügend weit vorgedrungen in der Wahrheit. Daher rührt aller Streit über die Wahrheit.|99|143}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Demut&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Deshalb ist es so notwendig, daß man vorher durch Charakterbildung dafür sorgt, daß man gegen die in allen Fällen an uns herantretenden Verlockungen der Eitelkeit, des Größenwahnes, des Hochmutes ein Gegenmittel hat. Und wir können nicht genug darin tun, uns gerade diejenigen Eigenschaften anzueignen, welche zur Bescheidenheit und zur Demut führen.|120|137}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Devachan, perspektive des sehers&lt;br /&gt;
{{GS|Wenn wir als Seher sie aufsuchen [...] Das Licht, das uns umgibt, bildet den Körper der Toten. Sie haben einen Körper aus Licht gewoben.|99|48f}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Devachan, licht&lt;br /&gt;
{{GS|Das Licht, das uns umgibt, bildet den Körper der Toten. Sie haben einen Körper aus Licht gewoben. Das Licht, das die Erde umspült, ist Stoff für die Wesen, die im Devachan leben.|99|48f}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Devotion&lt;br /&gt;
{{GS|Eine gewisse Grundstimmung der Seele muß den Anfang bilden. Der Geheimforscher nennt diese Grundstimmung den Pfad der Verehrung, der Devotion gegenüber der Wahrheit und Erkenntnis. […] Man glaube nur ja nicht, daß solche Anlagen den Keim zur Unterwürfigkeit und Sklaverei bilden.|10|20}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dionysos&lt;br /&gt;
{{GS|Dionysos ist der zerstückelte Gott, der in die einzelnen Seelen eingezogen ist, so daß die einzelnen Teile nichts mehr voneinander wußten […]|103|95}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dionysius Areopagita&lt;br /&gt;
{{GS|[…] daß der große Apostel des Christentums, Paulus, seine gewaltige, flammende Rednergabe dazu benutzt hat, den Völkern das Christentum zu lehren, daß er aber auch gleichzeitig eine esoterische Schule begründet hat, deren Vorsteher Dionysius Areopagita war.|103|32}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dogma&lt;br /&gt;
{{GS|Diese Möglichkeit, von starren, dogmatischen Begriffen überzugehen in flüssige, das ist es, was ausgebildet werden muß in denjenigen Menschen, die die Träger der Zukunft sein wollen.|99|145}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dornenkrönung [3.stufe christlicher Einweihungsweg]&lt;br /&gt;
{{GS|Als Drittes hatte der Schüler sich vorzustellen, daß das Heiligste, was er hat, wofür er mit dem ganzen Ich eintritt, mit Spott und Hohn übergossen wird. Da mußte er sich sagen: Ich muß, was auch kommen mag, aufrecht stehen und für das, was mir heilig ist, eintreten! Wenn er sich darin eingelebt hatte, hatte er etwas wie Stiche im Kopf, und als astrale Vision erlebte er die «Dornenkrönung».|103|192}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Drottenmysterien&lt;br /&gt;
{{GS|Wichtig aber ist es, daß, wenn man von höheren Welten damals sprach unter den Druiden oder unter den Menschen des westrussischen Gebietes und Skandinaviens, wo die Drottenmysterien waren, es immer eine Anzahl von Menschen gab, die von geistigen Welten wußten.|103|142}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dritte Kulturepoche&lt;br /&gt;
{{GS|So hat der Mensch der dritten Kulturepoche hineingearbeitet in die Materie den Geist, durchdrungen die äußere Welt mit dem Geist.|103|148}}&lt;br /&gt;
{{GS|Wir haben dann gesehen, wie innerhalb desjenigen Volkes, das die Bekennerschaft des Alten Testamentes bildet, sich ein gewisser Vollkommenheitsgrad dieser Stimmung ausbildete. «Ich und der Vater Abraham sind eins», das heißt, der einzelne fühlte sich geborgen in dem ganzen Zusammenhange bis hinauf zum Vater Abraham. Das war ungefähr auch, was die Grundstimmung […] ausmachte, aller Volksstämme der dritten Kulturepoche.|103|158}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Druiden&lt;br /&gt;
{{GS|Wichtig aber ist es, daß, wenn man von höheren Welten damals sprach unter den Druiden oder unter den Menschen des westrussischen Gebietes und Skandinaviens, wo die Drottenmysterien waren, es immer eine Anzahl von Menschen gab, die von geistigen Welten wußten.|103|142}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Artikel unten}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>ElkeJura</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://steiner.wiki/index.php?title=Gesamtglossar_C&amp;diff=11322</id>
		<title>Gesamtglossar C</title>
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		<updated>2025-10-15T18:43:03Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;ElkeJura: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Artikel oben}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Chaldäisch-ägyptisch-assyrisch-babylonische-kultur [dritte kultuepoche]&lt;br /&gt;
{{GS|So hat der Mensch der dritten Kulturepoche hineingearbeitet in die Materie den Geist, durchdrungen die äußere Welt mit dem Geist.|103|148}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Charakter&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Deshalb ist es so notwendig, daß man vorher durch Charakterbildung dafür sorgt, daß man gegen die in allen Fällen an uns herantretenden Verlockungen der Eitelkeit, des Größenwahnes, des Hochmutes ein Gegenmittel hat. Und wir können nicht genug darin tun, uns gerade diejenigen Eigenschaften anzueignen, welche zur Bescheidenheit und zur Demut führen.|120|137}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Christentum&lt;br /&gt;
{{GS|Wir haben aber schon gestern erwähnt, daß die Mission des Christentums vorbereitet worden ist in der dritten Kulturepoche. Die ägyptische Kultur gehört zu der dritten Kulturepoche.|103|169}}&lt;br /&gt;
{{GS|Dadurch, daß das Christentum bis zum rechten Zeitpunkt wartete, hat es möglich gemacht die äußere Kultur; und dadurch, daß es zur rechten Zeit eingetreten ist, hat es möglich gemacht, daß diejenigen, die sich mit dem Christus-Prinzip verbinden, wieder sich erheben können aus der Materie.|103|178}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Christlich&lt;br /&gt;
{{GS|Deshalb zerfällt für das christliche Bewußtsein das ganze Menschenwerden in eine vorchristliche und in eine nachchristliche Zeit. Der Gott-Mensch konnte nur in einer bestimmten Zeit von dem Menschen begriffen werden.|103|164}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Christliche Einweihung&lt;br /&gt;
{{GS|Diese Einweihungsmethode [christliche […] arbeitet ausschließlich mit dem Gefühle, […] sieben Gefühlserlebnisse […] sieben Gefühlsstufen, durch deren Durchleben der astralische Leib wirklich so beeinflußt wird, daß er seine Organe während der Nacht entwickelt.|103|190}}&lt;br /&gt;
{{GS|Dazu kommen andere Übungen, die nur von Mensch zu Mensch gegeben werden und auf den einzelnen Charakter zugeschnitten sind […] Das ist die erste Stufe, die der Fußwaschung.|99|155}}&lt;br /&gt;
{{GS|Die zweite Stufe, die Geißelung, […] Dann kommt das dritte, das ist die Dornenkrönung. […] Das vierte ist die Kreuzigung.|99|156}}&lt;br /&gt;
{{GS|Das fünfte ist der mystische Tod. […] Das sechste ist die Grablegung und Auferstehung. […] Das siebente, die Himmelfahrt, läßt sich nicht beschreiben.|99|157}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Christus&lt;br /&gt;
{{GS|[…] die historische Erscheinung des Christus Jesus bedeutet nichts anderes, als daß die Kräfte der sechs Elohim oder des Logos sich verkörpert haben in dem Jesus von Nazareth im Anfange unserer Zeitrechnung.|103|56}}&lt;br /&gt;
{{GS|[…] der Christus ist derjenige, der den Impuls gibt, daß die Menschen alle jeder als einzelnes Wesen empfinden können das «Ich-bin». Jetzt erst ist der mächtige Impuls gegeben, der die Menschen auf der Erde mit einem gewaltigen Ruck nach vorwärts bringt.|103|58}}&lt;br /&gt;
{{GS|Durch den Christus Jesus sollte an die Stelle der alten Einweihung eine neue treten […] Es sollte gleichsam der Schlußpunkt gemacht werden mit der alten Form der Einweihung.|103|66}}&lt;br /&gt;
{{GS|[…] in den alten Mysterien war der Christus Jesus, das heißt der Christus, der in Zukunft erscheinen sollte in der Welt, nicht etwa eine unbekannte Wesenheit. Und alle Mysterien wiesen hin auf Einen, der da kommen sollte.|103|68}}&lt;br /&gt;
{{GS|Wenn die Liebe so vergeistigt ist, daß niemand anderes wollen wird, als zu tun, was das Richtige ist, dann ist das erfüllt, was der Christus Jesus in die Welt bringen wollte.|103|80}}&lt;br /&gt;
{{GS|[…] die ganze Mission des Christus […] besteht darin, dem Menschen die volle Kraft des Ich, die innere Selbständigkeit in die Seele zu bringen […] in völligem Stehen-in-sich-selber fühlen, und durch die Liebe, die als eine freie Gabe gegeben wird, soll Mensch mit Mensch zusammengeführt werden.|103|89}}&lt;br /&gt;
{{GS|Was der Christus lehrte, konnte man in dem Maße ergreifen, als man in sich das geistige Ich erfaßte. Dann konnte man zwar noch kein volles Wissen von der Gottheit haben, aber man konnte das verstehen, was man von den Lippen des Christus Jesus hörte.|103|101}}&lt;br /&gt;
{{GS|Der Christus ist der Geist der Erde.|103|125}}&lt;br /&gt;
{{GS|Wie das Muskelfleisch des Menschen zum Leib der menschlichen Seele gehört, so gehört das Brot zum Leibe der Erde, das heißt zum Leibe des Christus. Und die Säfte, die durch die Pflanzen ziehen, durch die Weinrebe pulsieren, sie sind dem Blute gleich, das durch den Menschenleib pulst. Und der Christus darf hinweisen darauf und sagen: «Dies ist mein Blut!» (Markus 14, 24)|103|126}}&lt;br /&gt;
{{GS|Als Moses den Ruf hört: «Sage, wenn du meinen Namen verkünden wirst, der Ich-bin habe dir das gesagt!», da ertönt zum erstenmal die Kunde und Offenbarung des Logos, des Christus.|103|159}}&lt;br /&gt;
{{GS|Im dreißigsten Jahre des Jesus von Nazareth nimmt nun von dessen physischem Leibe, Ätherleibe und Astralleibe dasjenige Wesen Besitz, das wir den Christus genannt haben. Dieses Christus-Wesen konnte sich nicht in einem gewöhnlichen Kindesleibe inkarnieren, sondern nur in einem Leibe, der erst durch ein hochentwickeltes Ich dazu vorbereitet war. Denn dieses Christus-Wesen war vorher noch niemals in einem physischen Leibe inkarniert gewesen.|103|207}}&lt;br /&gt;
{{GS|So haben wir im entschiedensten Sinne einen absteigenden Kulturweg bis in unsere Zeit, in die fünfte Kulturepoche hinein, und immer tiefer und tiefer würde es hinuntergehen. Deshalb muß vor dem völligen Hinuntergleiten in die Materie die Menschheit durch einen neuen Impuls bewahrt werden. So tief ist vorher noch niemals das Wesen des Menschen hinuntergestiegen in die Materie.|104|77}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Christusimpuls&lt;br /&gt;
{{GS|So ist Christus der Impulsbringer der Freiheit vom Gesetz, so daß das Gute nicht wegen des Gesetzes, sondern als Impuls der im Innern lebenden Liebe getan wird. Dieser Impuls wird aber noch den ganzen Rest der Erdenzeit zu seiner Entwickelung brauchen.|103|80}}&lt;br /&gt;
{{GS|Was heißt denn also: Der Mensch nimmt die Christus-Impulse auf? Er lernt verstehen, welche Kraft in dem Christus ist, er nimmt die Kräfte in sich auf, die ihn dazu bringen, Herr zu sein selbst seinem physischen Leibe gegenüber.|103|129}}&lt;br /&gt;
{{GS|Der Impuls des Christus war ein so großer, daß ihn die Menschheit heute nur zum geringsten Teile verstanden hat und daß er erst in einer späteren Zeit ganz verstanden werden wird.|103|182}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Christus-Prinzip&lt;br /&gt;
{{GS|Dadurch, daß das Christentum bis zum rechten Zeitpunkt wartete, hat es möglich gemacht die äußere Kultur; und dadurch, daß es zur rechten Zeit eingetreten ist, hat es möglich gemacht, daß diejenigen, die sich mit dem Christus-Prinzip verbinden, wieder sich erheben können aus der Materie.|103|178}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Artikel unten}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>ElkeJura</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://steiner.wiki/index.php?title=Gesamtglossar_S&amp;diff=11321</id>
		<title>Gesamtglossar S</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://steiner.wiki/index.php?title=Gesamtglossar_S&amp;diff=11321"/>
		<updated>2025-10-15T18:41:57Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;ElkeJura: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Artikel oben}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sagen [Mythen]&lt;br /&gt;
{{GS|Diese Göttersagen sind nichts anderes als die Überbleibsel von wirklichen Vorgängen, welche die Menschen in früheren Zeiten hellseherisch wirklich gesehen haben […], ist der Inhalt der Mythen und Sagen, namentlich der germanischen.|103|142}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Samariter [Volk]&lt;br /&gt;
{{GS|Darauf wird hingewiesen, daß es etwas Besonderes ist, daß der Christus zu einem Volke geht [Samariter], dessen Iche aus der Gruppenseele herausgehoben, entwurzelt sind.|103|99}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Samen&lt;br /&gt;
{{GS|Doch war das Tönen im Samen verborgen; es entwickelte sich erst aus dem Samen, so wie die ganze Pflanze im Samen verborgen ist und sich aus ihr entwickelt.|103|38}}&lt;br /&gt;
{{GS|Wie eine Art Same kam von dem alten Monde herüber auf die Erde eine Wesenheit, bestehend aus physischem Leib, hervorgegangen aus dem göttlichen Urworte, aus Äther- oder Lebensleib, hervorgegangen aus dem göttlichen Leben, aus astralischem Leib, hervorgegangen aus dem göttlichen Lichte. Im Innern dieser Wesenheit wurde während des Erdendaseins das Licht des Ich selbst entzündet.|103|43}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Saturn&lt;br /&gt;
{{GS|Die Saturnmasse hatte die Eigenschaft, in allen ihren Teilen das, was von außen als Licht, als Ton, als Geruch, als Geschmack herankam, zu spiegeln.|99|94}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schicksalsschlag&lt;br /&gt;
{{GS|Schicksalsschlag […] wenn wir ihn an den Anfang der nachfolgenden Ereignisse stellen und ihn als Ursache betrachten […]. Wir werden vielleicht traurig sein […]. Betrachten wir ihn dagegen als Ursache eines Späteren, dann können wir vielleicht froh sein und Freude darüber empfinden.|120|18}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schlaf&lt;br /&gt;
{{GS|Der Schlaf ist eine Art von höherer chemischer Scheidung des Astralleibes im Verein mit den höheren Gliedern der Menschennatur von dem ätherischen und physischen Leibe.|99|19}}&lt;br /&gt;
{{GS|[…] ist gemeint als ein hellseherischer Schlaf, und was erzählt wird, ist das, was man erfährt in einem höheren Bewußtseinszustand; daher fällt Adam «in einen Schlaf».|103|18}}&lt;br /&gt;
{{GS|[…] daß während des Schlafzustandes in der Nacht der Mensch im Grunde genommen eine ganz andere Wesenheit ist […]. Wenn der Mensch schläft, liegen der physische Leib und der Ätherleib im Bette; der Astralleib und das Ich sind in einer gewissen Weise losgelöst aus dem Zusammenhang mit dem physischen Leibe und dem Ätherleibe […].|103|26}}&lt;br /&gt;
{{GS|Nun aber treten wir an den schlafenden Menschen heran […]. Da haben wir physischen Leib und Ätherleib im Bette liegen, und Astralleib und Ich sind draußen.|103|31}}&lt;br /&gt;
{{GS|Wenn der Mensch nämlich im heutigen Entwickelungszyklus im gewöhnlichen Sinne schläft, so liegen sein physischer Leib und Ätherleib im Bette, das Ich mit dem Astralleib ist herausgehoben. Der Mensch kann dann nicht irgendwelche geistigen Ereignisse um sich herum wahrnehmen, weil sein Astralleib noch nicht die geistigen Sinnesorgane hat, um in der Welt, in der der Mensch dann ist, wahrzunehmen.|103|65}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schlaf, traumerfüllt&lt;br /&gt;
{{GS|[…] wenn der Astralleib zwar schon ganz seine Verbindung mit dem physischen Leib gelöst hat, gleichsam seine Fühlfäden aus dem physischen Leib herausgezogen hat, aber noch mit dem Ätherleib verbunden ist.|99|34}}&lt;br /&gt;
{{GS|Der dritte Zustand, der immer noch dämmerhaft und dumpf ist im Verhältnis zu unserem Tagesbewusstsein, ist der des Bilderbewusstseins, und davon haben wir […] einen Nachklang im traumerfüllten Schlafe […] allerdings nur ein Rudiment von dem, was auf dem Monde das Bewusstsein aller Menschen war.|99|86}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schlangen [okkult]&lt;br /&gt;
{{GS|Die hineinschauen durften in die göttlich-geistige Welt und Zeugen werden konnten für sie, nannte man die «Schlangen». «Schlangen» sind diejenigen Menschen in alten Zeiten, die auf diese Weise in den Mysterien eingeweiht wurden. Diese «Schlangen» waren die Vorläufer der Tat des Christus Jesus.|103|117}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schmerz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Der Schmerz, der das Bewußtwerden des unrichtig wachenden astralischen Leibes ist, er ist zugleich auch das, was uns davon abbringen kann, den luziferischen Mächten auf diesem Gebiet, wo wir ihnen schon verfallen sind, immer weiter zu verfallen. So wird der Schmerz in bezug auf die Versuchungen der luziferischen Mächte unser Erzieher.|120|134}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schöpfungsgeschichte [siehe Genesis]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schöpfungstage&lt;br /&gt;
{{GS|Glauben Sie nicht, daß in irgendeiner der maßgebenden Erklärungen der «Schöpfungsgeschichte» im Mittelalter die sechs Schöpfungstage so genommen worden sind als Tage, wie sie heute sind, als Tage von vierundzwanzig Stunden.|103|17}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schweigen&lt;br /&gt;
{{GS|Was für die Ausbildung des Geheimschülers ganz besonders wichtig ist, das ist die Art, wie er anderen Menschen beim Sprechen zuhört. Er muß sich daran gewöhnen, dies so zu tun, daß dabei sein eigenes Innere vollkommen schweigt. […]. In der Geistesforschung wird solches planmäßig geübt.|10|50}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sechste Kulturepoche [siehe slavische Kulturepoche]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seele&lt;br /&gt;
{{GS|[…] die Aufmerksamkeit der Seele auf gewisse Vorgänge in der uns umgebenden Welt zu lenken. Solche Vorgänge sind das sprießende, wachsende und gedeihende Leben einerseits, und alle Erscheinungen, die mit Verblühen, Verwelken, Absterben zusammenhängen, andererseits.|10|43}}&lt;br /&gt;
{{GS|Die ganze Natur fängt an, dem Menschen durch ihr Ertönen Geheimnisse zuzuraunen. Was vorher seiner Seele unverständlicher Schall war, wird dadurch sinnvolle Sprache der Natur. Und wobei er vorher nur Ton gehört hat, beim Erklingen des sogenannten Leblosen, vernimmt er jetzt eine neue Sprache der Seele. […]. Er fängt an, mit der Seele zu hören.|10|49}}&lt;br /&gt;
{{GS|Alles beruht schließlich darauf, daß der Mensch fortwährend Leib, Seele und Geist mit sich herumträgt, daß er sich aber nur seines Leibes im ausgesprochenen Sinne bewußt ist, nicht seiner Seele und seines Geistes. Und der Geheimschüler wird sich der Seele und des Geistes bewußt, wie sich der gewöhnliche Mensch seines Leibes bewußt ist.|10|60}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seelenleben&lt;br /&gt;
{{GS|Der Mensch kann einen in sich regen Geist bis an sein Lebensende dadurch haben, daß wir ihn als Kind in der Weise erzogen haben, wie es jetzt eben beschrieben worden ist: daß wir auf sein Seelenleben, auf alles, was lebendig in ihm sitzt, Rücksicht genommen haben.|120|20}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Selbstbewusstsein&lt;br /&gt;
{{GS|[…] daß wir in einer gewissen Weise die Entwickelung der Erde nennen können die Entwickelung des «Ich-bin», des Selbstbewußtseins des Menschen […] diese Fähigkeit des vollen Selbstbewußtseins kam im Laufe der Entwickelung der Erdenmenschheit langsam […].|103|43}}&lt;br /&gt;
{{GS|Aber wir dürfen nicht vergessen, daß ein wirkliches echtes Selbstbewußtsein, wie es sich der Mensch während des Erdendaseins erringen soll, nur zu erringen ist durch ein Untertauchen in den physischen Leib. Nicht als ein selbständiges Wesen hat sich der Mensch früher gefühlt, sondern als ein Glied der göttlich-geistigen Wesenheiten, denen er entsprossen ist.|103|46}}&lt;br /&gt;
{{GS|Als die atlantische Flut eintrat, war der physische Leib des Menschen von der Gewalt dieses «Ich-bin» durchdrungen; das heißt, der Mensch war damals so weit, das physische Werkzeug vorbereitet zu haben für das Ich-Bewußtsein oder das Selbstbewußtsein.|103|170}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Selbstvertrauen&lt;br /&gt;
{{GS|Mut und Selbstvertrauen sind aber zwei Lichter, die auf dem Wege zur Geheimwissenschaft nicht erlöschen dürfen. Wer es nicht über sich bringen kann, eine Übung, die scheinbar unzähligemal mißglückt ist, immer wieder und wieder geduldig fortzusetzen, der kann nicht weit kommen.|10|59}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sibyllinische Bücher&lt;br /&gt;
{{GS|[…] ich könnte Ihnen leicht zeigen, wie in den sieben römischen Königen, die schon bei dem Ausgangspunkt der römischen Zeit in den «Sibyllinischen Büchern» eingeschrieben waren, prophetische Geschichtstabellen hineingeheimnißt sind […] bei gewichtigen Ereignissen hat man in den heiligen Büchern nachgeschaut; daher die Heilighaltung und auch Geheimhaltung der Sibyllinischen Bücher.|103|148}}&lt;br /&gt;
{{GS|Nach ei­nem Jahr­hun­dert wer­den ge­wis­se Kon­s­tel­la­tio­nen da sein, sag­ten sie, und dann muß ein dem Ent­sp­re­chen­des vor sich ge­hen. Und für Jahr­tau­sen­de hin­aus wur­de vor­aus­be­stimmt, was zu tun ist. So ent­stand das, was man als die Si­byl­li­ni­schen Bücher be­zeich­net.|104|73}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sinnesorgane&lt;br /&gt;
{{GS|So ist das ganze Universum der Erbauer der Sinnesorgane.|99|90}}&lt;br /&gt;
{{GS|Der Mensch war […] seinem physischen Leibe nach einmal so, daß er keine Augen und Ohren hatte wie heute, sondern gleichgültige Organe an dieser Stelle; wie Tiere, die nie dem Licht ausgesetzt waren, keine Augen haben. Das Licht formt heraus das Auge, der Ton bildet heraus das Ohr.|103|65}}&lt;br /&gt;
{{GS|[…] aus diesen gleichgültigen Organen ist nach und nach herausplastiziert, herausgeformt worden, was Auge und Ohr ist. Das ist hineingearbeitet worden in die plastische Substanz des physischen Leibes […].|103|187}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sintflut&lt;br /&gt;
{{GS|Wenn Sie dies nun aus der Geheimwissenschaft mitgeteilt erhalten und sich erinnern, daß die atlantische Flut in den verschiedenen Sagen und Mythen als Sintflut erhalten ist, daß Noah hervortritt und nach der Sintflut zuerst den Regenbogen sieht, dann werden Sie einen Begriff bekommen, wie tief wahr […] die religiösen Urkunden sind […] daß erst nach der atlantischen Flut die Menschen zum ersten Male ansichtig wurden des Regenbogens.|103|139}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Slavische Kulturepoche [sechste Kulturepoche]&lt;br /&gt;
{{GS|So wird, wenn im Verlauf der sechsten Kulturepoche das Geistselbst in die Menschen einziehen wird, tatsächlich eine geistige Sonne da sein, der sich alle Menschen zuneigen und in der sie übereinstimmen werden.|103|175}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sonne, okkult&lt;br /&gt;
{{GS|Bevor die Erde Mond wurde, war sie, wie wir im Okkultismus sagen, selbst Sonne, und diese Sonne bestand aus allen Substanzen und Wesenheiten, die heute Sonne, Mond und Erde bilden.|99|81}}&lt;br /&gt;
{{GS|Während der Sonnenzeit der Erde waren alle Pflanzen durchdrungen von Milchsäften. Da ist die Ernährung tatsächlich so bewirkt worden, daß der Mensch aus den Pflanzen die Milchsäfte sog wie heute das Kind aus der Mutter. Die Pflanzen, die heute noch Milchsäfte enthalten, sind letzte Nachzügler aus jener Zeit […].|99|127}}&lt;br /&gt;
{{GS|So haben wir es zu tun auf der Sonne mit einem Sonnenleib, gleichsam mit einem Leibe des Sonnenplaneten, mit Ich-Geistern, die Feuergeister sind, und mit einem Regenten dieser Sonne, dem höchstentwickelten Sonnengeist, dem Christus. Während die Erde Sonne war, war dieser Geist der Zentralgeist der Sonne.|99|100, 101 ff.}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sonne [planetarische Verkörperung]&lt;br /&gt;
{{GS|Wie der Mensch die Erde bewohnt und die Liebe nach und nach sich aneignet, so bewohnen die Sonne andere, höhere Wesen, weil die Sonne auf einer höheren Stufe des Daseins angekommen ist.|103|53}}&lt;br /&gt;
{{GS|Da ist im Beginne der Erdenentwickelung der kindliche Mensch, der die Liebe aufnehmen sollte und bereit war zur Aufnahme des Ich, und auf der anderen Seite die Sonne, die sich abspaltete und zu einem höheren Dasein aufstieg.|103|53}}&lt;br /&gt;
{{GS|Die Sonne ist die erste Verkörperung unseres Planeten, die gasig ist.|103|108}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sonne [stoffliche Erscheinung]&lt;br /&gt;
{{GS|Der Mond ist das Symbolum für Jahve oder Jehova, und die Sonne ist nichts anderes als das Symbolum für den Logos, der die Summe der anderen sechs Elohim ist.|103|55}}&lt;br /&gt;
{{GS|Dann kam eine Zeit, da trennte sich die Sonne heraus von der Erde […] trennte sich heraus mit ihren geistig-seelischen Wesenheiten, an deren Spitze die Elohim, die eigentlichen Lichtgeister, die Bewohner der Sonne, stehen […].|103|124}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sonnenflecken&lt;br /&gt;
{{GS|Dasjenige, was in der damaligen Sonnenmasse vorhanden war als Reste vom Saturn, hat seine Rudimente in der heutigen Sonne in den sogenannten Sonnenflecken. Sie sind die letzten Rudimente des Saturn, die als dunkle Einschiebsel in der leuchtenden Sonnenmasse verblieben.|99|102}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sonnengeflecht&lt;br /&gt;
{{GS|[…] Diese Lichtströmungen verteilten sich baumartig. Die letzten Rudimente dieser Einströmungen auf der Sonne, die sich später verdickten und äußerliche Form erhalten haben, sind das Organ, das man das Sonnengeflecht nennt. Es ist der letzte verdichtete Nachklang alter, zur Substantialität verdichteter Einstrahlungen auf der Sonne. Daher der Name Plexus solaris, Sonnengeflecht.|99|102, 103}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sonnenlicht&lt;br /&gt;
{{GS|Wie Ihr Leib [Menschenleib] sich zu Ihrer Seele verhält, so verhält sich das Sonnenlicht zu dem Logos. In dem Sonnenlichte strömt ein Geistiges der Erde zu.|103|52}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sonnen-Logos&lt;br /&gt;
{{GS|Der Sonnenlogos, der hineinscheinen kann durch die Erleuchtung in den Menschen, er selbst, der Heilige Geist, tritt ein, das Welten-Ich, das kosmische Ich tritt ein, und es spricht fortan der Sonnenlogos in diesen drei Jahren aus dem Jesuskörper.|103|207}}&lt;br /&gt;
{{GS|Es sollte sich der Sonnenlogos mitteilen der Erde, ein Bündnis mit der Erde schließen, der Geist der Erde werden. Der Weg, durch den er das getan, besteht darin, daß er im dreißigsten Jahre des Jesus von Nazareth in dessen Leiber eingezogen ist, drei Jahre darin gewirkt hat und dann für die Erde erhalten worden ist.|103|208}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Spektren oder Gespenster&lt;br /&gt;
{{GS|Ebenso durchsetzen den Ätherleib Wesenheiten, von denen sich der Mensch frei machen muß, das sind die Spektren oder Gespenster, […].|99|71}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sprechen&lt;br /&gt;
{{GS|Was für die Ausbildung des Geheimschülers ganz besonders wichtig ist, das ist die Art, wie er anderen Menschen beim Sprechen zuhört. Er muß sich daran gewöhnen, dies so zu tun, daß dabei sein eigenes Innere vollkommen schweigt. […]. In der Geistesforschung wird solches planmäßig geübt.|10|50}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stamm&lt;br /&gt;
{{GS|Es wird dahin kommen, daß alle Rassen- und Stammeszusammenhänge wirklich aufhören. Der Mensch wird vom Menschen immer verschiedener werden. […]. Diese Unterschiede werden immer mehr verschwinden, je mehr das individuelle Element die Oberhand gewinnt.|99|129}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stoff, Licht&lt;br /&gt;
{{GS|Das Licht, das die Erde umspült, ist Stoff für die Wesen, die im Devachan leben.|99|49}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stoff, stofflich&lt;br /&gt;
{{GS|Je weiter wir in der Erdenentwickelung zurückgehen, desto mehr finden wir, daß die festen Stoffe immer mehr unter dem Einfluß von wärmeren Zuständen in Flüssiges übergehen.|103|94}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Streiter [3. Einweihungsgrad]&lt;br /&gt;
{{GS|Man unterschied zum Beispiel in einer gewissen Form morgenländischer Einweihung sieben Grade der Einweihung, und diese sieben Grade der Einweihung benannte man mit allerlei symbolischen Namen […] der dritte [Grad] der des «Streiters» […] der Grad des «Streiters» bedeutet nicht einen Menschen, der da streitet, sondern einen, der für die okkulten Lehren eintreten darf […].|103|85}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Synoptiker&lt;br /&gt;
{{GS|So ist der Anblick der drei Evangelisten, der Synoptiker Matthäus, Markus, Lukas, gegenüber dem des Johannes, der nur von einer andern Stelle aus die Sache beschreibt.|103|20}}&lt;br /&gt;
{{Artikel unten}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>ElkeJura</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://steiner.wiki/index.php?title=Gesamtglossar_K&amp;diff=11320</id>
		<title>Gesamtglossar K</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://steiner.wiki/index.php?title=Gesamtglossar_K&amp;diff=11320"/>
		<updated>2025-10-15T18:33:30Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;ElkeJura: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Artikel oben}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kamaloka&lt;br /&gt;
{{GS|Im physischen Leben ist es der Astralleib, der sich freut, der leidet, der seine Begierden, Triebe und Wünsche befriedigt durch die Organe des physischen Leibes. Nach dem Tode fehlen ihm diese physischen Instrumente. Die Begierde aber bleibt dem Menschen […]. Kama heißt Begierde, Wunsch; loka wäre der Ort, doch ist es in Wirklichkeit kein Ort, sondern ein Zustand. Kamaloka-Zeit bedeutet eben eine Zeit des Abgewöhnens der sinnlichen Lüste und Triebe. Diese Zeit dauert ungefähr ein Drittel des gewöhnlichen Lebens.|99|39f}}&lt;br /&gt;
{{GS|Wenn wir also schon im gewöhnlichen Leben so stark berührt werden können durch gewisse Erlebnisse, besonders wenn es Gefühlseindrücke waren, daß sie eine Gemütsverstimmung bewirken können, so werden wir begreifen, daß die viel stärkeren Eindrücke des Kamalokalebens sich so eindrücken können, daß sie bei einer neuen Inkarnation bis tief in die Organisation des physischen Leibes hineinwirken.|120|72}}&lt;br /&gt;
{{GS|Gerade während der Kamalokazeit, weil der Mensch seinen alten astralischen Leib noch hat, bewirkt das Durchgemachte die tiefsten Gefühlserlebnisse.|120|72}}&lt;br /&gt;
{{GS|Wir könnten die verschiedensten Beispiele anführen, die uns alle zeigen, wie der Mensch aus den Erfahrungen seiner Kamalokazeit heraus geradezu die Gelegenheiten aufsucht, diese oder jene Krankheit zu bekommen, um durch ihre Überwindung und durch die Entfaltung der selbstheilenden Kräfte die Kräfte zu gewinnen, welche ihn die Lebensbahn im ganzen hinauf- führen.|120|82}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Karma&lt;br /&gt;
{{GS|Wenn aber einer wirklich an das «Ich-bin» im christlichen Sinne glaubt, richtet er nicht; dann sagt er: Ich weiß, daß das Karma der große Ausgleicher ist.|103|133}}&lt;br /&gt;
{{GS|Ohne daß eine Wirkung erzeugt wird, die wieder zurückfällt auf das Ding oder die Wesenheit, welche diese Wirkung hervorbringt, ohne diese Eigentümlichkeit des Zurückwirkens der Wirkung auf das verursachende Wesen ist der Karmabegriff nicht zu denken.|120|13}}&lt;br /&gt;
{{GS|Wir dürfen erst von einem Karma sprechen, wenn die Wirkung, die auf das Wesen zurückschlägt, beim Zurückschlagen auf dasselbe Wesen trifft, […].|120|13}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Karmagesetz&lt;br /&gt;
{{GS|[…] Dieses Gesetz, dem wir da begegnen, wie Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Menschen zusammenhängen, wird in der geisteswissenschaftlichen Literatur das Karmagesetz genannt. Es ist das wahre Schicksalsgesetz des Menschen.&amp;quot;[…] &amp;quot;denn was wir das Karmagesetz nennen, ist ein ganz allgemein kosmisches Gesetz, und seine Geltung im menschlichen Leben ist nur ein Spezialfall.|99|62}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Karmische Folgen&lt;br /&gt;
{{GS|Das zeigt uns, wie in die Linie der karmischen Folgen unser Wille eingreifen und etwas schaffen kann, was an Stelle von sonst eingetretenen karmischen Wirkungen steht.|120|23}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Karmische Wirkungen&lt;br /&gt;
{{GS|Das zeigt uns, wie in die Linie der karmischen Folgen unser Wille eingreifen und etwas schaffen kann, was an Stelle von sonst eingetretenen karmischen Wirkungen steht.|120|23}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Katharsis [Reinigung]&lt;br /&gt;
{{GS|Man nennt mit einem alten Ausdruck die Bearbeitung des astralischen Leibes auf dem Umwege durch Meditation und Konzentration «Katharsis», Reinigung. Diese Katharsis oder Reinigung hat ja das Ziel, alles das aus dem astralischen Leibe herauszuwerfen, was ihn hindert, harmonisch und regulär organisiert zu sein, so daß er höhere Organe erlangen kann […].|103|195}}&lt;br /&gt;
{{GS|Geläutert und gereinigt, veredelt, der Katharsis unterworfen werden muß des Menschen Inneres, mit anderen Worten, sein Astralleib. Dann kann er erwarten, daß das äußere Geistige zu seiner Erleuchtung in ihn einströmt […] und dadurch seine inneren Erkenntnisorgane ausgebildet hat.|103|200}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kausalkörper&lt;br /&gt;
{{GS|[…] kommt der Moment, wo der Astralleib […] wiederum sich herauslöst aus dem Ätherleib. Dieser letztere trennt sich ab, das Erinnerungs-Tableau verglimmt. […]. eine Art Essenz bleibt davon […]. Er nimmt sie wie eine Art Extrakt aus dem Lebens-Tableau mit in alle seine zukünftigen Inkarnationen […]. Das, what sich aus diesem Erinnerungsextrakt bildet, nennt man konkret-real den Kausalleib.|99|38f}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kehlkopf&lt;br /&gt;
{{GS|[…] die Art der Fortpflanzung wird sich ändern. […]. Dasjenige Organ, das sich heute schon darauf vorbereitet, das zukünftige Fortpflanzungsorgan zu werden, ist der menschliche Kehlkopf.|99|147}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kind&lt;br /&gt;
{{GS|Der Mensch kann einen in sich regen Geist bis an sein Lebensende dadurch haben, daß wir ihn als Kind in der Weise erzogen haben, wie es jetzt eben beschrieben worden ist: daß wir auf sein Seelenleben, auf alles, was lebendig in ihm sitzt, Rücksicht genommen haben.|120|20}}&lt;br /&gt;
{{GS|Nützlich ist es für jeden, in solcher Art Kindern zuzuhören. Auch der Weiseste kann unermeßlich viel von Kindern lernen. So bringt es der Mensch dazu, die Worte des anderen ganz selbstlos zu hören, mit vollkommener Ausschaltung seiner eigenen Person, deren Meinung und Gefühlsweise.|10|51}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kinder Gottes&lt;br /&gt;
{{GS|[…] die Eingeweihten; die erhoben sich zu den geistigen Welten; die trugen immer den Namen «Kinder Gottes», weil sie eine Erkenntnis hatten von dem Logos, von dem Licht und Leben, und immer davon Zeugnis ablegen konnten.|103|76}}&lt;br /&gt;
{{GS|Diejenigen, die früher «Gotteskinder» genannt wurden, waren immer schon in gewisser Weise die «Eingeborenen»; und die Lehre von dem Gottessohn ist die Lehre von dem «Eingeborenen».|103|78}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Komet&lt;br /&gt;
{{GS|Nun ist die Substanz eines Kometen nicht eine solche mit Gesetzen, wie sie in unserem gewöhnlichen, regulären Sonnensystem bestehen, sondern mit Gesetzen, wie sie im alten Mondendasein existiert haben.|120|31}}&lt;br /&gt;
{{GS|Der Halleysche Komet ist der äußere Ausdruck - jedesmal, wenn er in die Sphäre unseres Erdendaseins hineinkommt - zu einem neuen Impuls zum Materialismus.|120|32}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kontemplation&lt;br /&gt;
{{GS|[…] Meditation, Konzentration oder Kontemplation. Das sind Übungen, die ebenso streng vorgeschrieben sind in den entsprechenden Schulen wie in den Laboratorien das Mikroskopieren und so weiter. Wenn ein Mensch solche Übungen macht, wirken sie so intensiv auf ihn ein, daß der astralische Leib, wenn er herausrutscht während des Schlafes, sich plastisch umgestaltet.|103|189}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Konzentration&lt;br /&gt;
{{GS|[…] Meditation, Konzentration oder Kontemplation. Das sind Übungen, die ebenso streng vorgeschrieben sind in den entsprechenden Schulen wie in den Laboratorien das Mikroskopieren und so weiter. Wenn ein Mensch solche Übungen macht, wirken sie so intensiv auf ihn ein, daß der astralische Leib, wenn er herausrutscht während des Schlafes, sich plastisch umgestaltet.|103|189}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kosmos der Weisheit&lt;br /&gt;
{{GS|Wir haben den alten Mond den «Kosmos der Weisheit» genannt. Dieser alte Mond hatte auf einer gewissen Stufe seiner Entwickelung das nicht, was wir heute Erde, feste Erde nennen.|103|107}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kraft&lt;br /&gt;
{{GS|Der Geheimschüler muß die Kraft suchen, sich selbst in gewissen Zeiten wie ein Fremder gegenüberzustehen.|10|31}}&lt;br /&gt;
{{GS|Es gehört gewiß in mancher Lebenslage eine große Kraft dazu, sich Augenblicke innerer Ruhe zu schaffen. Aber je größer die notwendige Kraft, desto bedeutender ist auch das, was erreicht wird.|10|36}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Krankheit&lt;br /&gt;
{{GS|Krankheiten, die man erträgt, kommen im nächsten Leben oftmals als besondere Schönheit in der Körperlichkeit zum Vorschein, […]. Erst durch eine Krankheit der Muschel entsteht die Perle.|99|68}}{{GS|Krankheit ist ein abnormer Wachzustand unseres astralischen Leibes.|120|124}}{{GS|[…] dadurch, daß der physische Leib noch nicht vom Ich durchkraftet ist, dadurch ist möglich Krankheit und Tod.|103|129}}&lt;br /&gt;
{{GS|Wir könnten die verschiedensten Beispiele anführen, die uns alle zeigen, wie der Mensch aus den Erfahrungen seiner Kamalokazeit heraus geradezu die Gelegenheiten aufsucht, diese oder jene Krankheit zu bekommen, um durch ihre Überwindung und durch die Entfaltung der selbstheilenden Kräfte die Kräfte zu gewinnen, welche ihn die Lebensbahn im ganzen hinauf- führen.|120|82}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Krieg aller gegen alle&lt;br /&gt;
{{GS|Das sie­ben­te Kul­tur­zei­tal­ter spielt sich ab vor dem Krieg al­ler ge­gen al­le. Da se­hen wir die­se furcht­ba­re Ver­wüs­tung der Kul­tur her­an­kom­men und se­hen das klei­ne Häuf­lein von Men­schen, das ver­stan­den hat, das spi­ri­tu­el­le Prin­zip in sich auf­zu­neh­men und das sich hin­weg­ret­ten wird ge­gen­über der all­ge­mei­nen Zer­trüm­me­rung durch den Ego­is­mus.|104|68}}{{GS|[…] daß un­se­re sie­ben Kul­tur­stu­fen ihr En­de fin­den wer­den durch den Krieg al­ler ge­gen al­le […] Wir müs­sen nur ein­mal ins Au­ge fas­sen, was die Grund­la­ge, die ei­gent­li­che Ur­sa­che die­ses Krie­ges ist. Die­se Grund­la­ge oder Ur­sa­che ist das Über­hand­neh­men des Ego­is­mus, der Ich­sucht, der Selbst­heit der Men­schen.|104|156}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kulturentwicklungsperioden, Kulturepochen&lt;br /&gt;
{{GS|[…] erinnern wir uns, daß uns klar geworden […] daß die nachatlantische Menschheit, also diejenige Menschheit, zu der wir im engeren Sinne selbst gehören, die sich entwickelt hat nach der atlantischen Flut, in sieben Unterabteilungen zerfällt […]. Es handelt sich um Kulturentwickelungsperioden […].|103|168}}&lt;br /&gt;
{{GS|[…] die nachatlantische Zeit einteilen erstens in die alte indische Epoche, zweitens in die altpersische, drittens in die babylonisch-assyrisch-chaldäisch-ägyptische, viertens in die griechisch-lateinische und fünftens in die Epoche, in der wir jetzt leben; die unsrige wird abgelöst werden von einer sechsten und einer siebenten Entwickelungsepoche.|103|169}}&lt;br /&gt;
{{GS|Das sie­ben­te Kul­tur­zei­tal­ter spielt sich ab vor dem Krieg al­ler ge­gen al­le. Da se­hen wir die­se furcht­ba­re Ver­wüs­tung der Kul­tur her­an­kom­men und se­hen das klei­ne Häuf­lein von Men­schen, das ver­stan­den hat, das spi­ri­tu­el­le Prin­zip in sich auf­zu­neh­men und das sich hin­weg­ret­ten wird ge­gen­über der all­ge­mei­nen Zer­trüm­me­rung durch den Ego­is­mus.|104|68}}&lt;br /&gt;
{{GS|Des­halb sp­re­chen wir auch von Kul­tur­zei­tal­tern im Ge­gen­satz zu Ras­sen. Al­les das, was et­wa ver­knüpft ist mit dem Ras­sen­be­griff, ist noch Über­b­leib­sel des Zei­trau­mes, der dem un­se­ren vor­an­ge­gan­gen ist, des at­lan­ti­schen. Wir le­ben im Zei­traum der Kul­tu­re­po­chen.|104|69}}&lt;br /&gt;
{{GS|So ha­ben wir im ent­schie­dens­ten Sin­ne ei­nen ab­s­tei­gen­den Kul­tur­weg bis in un­se­re Zeit, in die fünf­te Kul­tu­re­po­che hin­ein, und im­mer tie­fer und tie­fer wür­de es hin­un­ter­ge­hen. Des­halb muß vor dem völ­li­gen Hin­un­ter­g­lei­ten in die Ma­te­rie die Mensch­heit durch ei­nen neu­en Im­puls be­wahrt wer­den. So tief ist vor­her noch nie­mals das We­sen des Men­schen hin­un­ter­ge­s­tie­gen in die Ma­te­rie.|104|77}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1. Kulturepoche, Ephesos&lt;br /&gt;
{{GS|Die­se ers­te Epo­che in der nachat­lan­ti­schen Zeit ist al­so re­prä­sen­tiert in der ephe­si­schen Ge­mein­de, und das, was zu ver­kün­den ist, soll in ei­nem Brie­fe an die Ge­mein­de von Ephe­sus ver­kün­det wer­den.|104|77}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2. Kulturepoche Smyrna&lt;br /&gt;
{{GS|Der Re­prä­sen­tant der zwei­ten Kul­tu­re­po­che ist die Ge­mein­de oder Kir­che zu Smyr­na. Die­se re­det der Füh­rer der Mensch­heit an in sei­nem zwei­ten Vor­fah­ren, in dem In­spi­ra­tor und Meis­ter der uralt-per­si­schen Kul­tur.|104|79}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3. Kulturepoche Pergamon&lt;br /&gt;
{{GS|Nun ge­hen wir wei­ter, zur Ge­mein­de zu Per­ga­mus. Sie ist der Re­prä­sen­tant je­ner Epo­che der Mensch­heit, die mehr und mehr her­au­s­t­rat auf den phy­si­schen Plan, wo der Mensch in der Ster­nen­schrift sah, was sein Geist er­grün­den konn­te.|104|80}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
4. Kulturepoche Thyatira&lt;br /&gt;
{{GS|[…] die vier­te Kul­tu­re­po­che. Da er­scheint der Er­lö­ser, Chris­tus Je­sus, sel­ber. Es ist die Ge­mein­de zu Thya­ti­ra. Da kün­digt er sich an als der «Sohn Got­tes, der Au­gen hat wie Feu­er­flam­men und sei­ne Fü­ße gleich wie Mes­sing». Jetzt kün­digt er sich an als Sohn Got­tes, jetzt ist er der Füh­rer der vier­ten Kul­tu­re­po­che […].|104|82}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Artikel unten}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>ElkeJura</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://steiner.wiki/index.php?title=Gesamtglossar_A&amp;diff=11319</id>
		<title>Gesamtglossar A</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://steiner.wiki/index.php?title=Gesamtglossar_A&amp;diff=11319"/>
		<updated>2025-10-15T18:32:24Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;ElkeJura: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Artikel oben}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Abendmahl&lt;br /&gt;
{{GS|Und welche gewaltigen Gefühle sind es, die durch unsere Seele ziehen können, wenn wir so in dem Abendmahl das größte Mysterium der Erde erblicken können: die Verbindung des Ereignisses von Golgatha mit der ganzen Evolution der Erde […]|103|125}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Abraham&lt;br /&gt;
{{GS|Wir haben dann gesehen, wie innerhalb desjenigen Volkes, das die Bekennerschaft des Alten Testamentes bildet, sich ein gewisser Vollkommenheitsgrad dieser Stimmung ausbildete. «Ich und der Vater Abraham sind eins», das heißt, der einzelne fühlte sich geborgen in dem ganzen Zusammenhange bis hinauf zum Vater Abraham. Das war ungefähr auch, was die Grundstimmung […] ausmachte, aller Volksstämme der dritten Kulturepoche.|103|158}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Adam&lt;br /&gt;
{{GS|[…] ist gemeint als ein hellseherischer Schlaf, und was erzählt wird, ist das, was man erfährt in einem höheren Bewußtseinszustand; daher fällt Adam «in einen Schlaf».|103|18}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ägyptische Kultur [CHALDÄISCH-ÄGYPTISCH-ASSYRISCH-BABYLONISCHE-KULTUR, DRITTE KULTUEPOCHE]&lt;br /&gt;
{{GS|Dem Angehörigen der ägyptischen Kultur war es sogar sehr wichtig, daß er die Verhältnisse der Erde besonders durchforschte und die Geometrie ausbildete. Maja wurde erforscht, die äußere Wissenschaft entstand.|103|147}}&lt;br /&gt;
{{GS|So hat der Mensch der dritten Kulturepoche hineingearbeitet in die Materie den Geist, durchdrungen die äußere Welt mit dem Geist.|103|148}}&lt;br /&gt;
{{GS|Die Ägypter balsamierten die Körper der Verstorbenen ein, damit die Menschen in der fünften Epoche ein möglichst großes Persönlichkeitsbewußtsein haben sollten.|103|150}}&lt;br /&gt;
{{GS|Warum wurden die Ägypter die Lehrmeister der Geometrie? Weil sie glaubten, daß man durch den Gedanken, der die Erde abteilt, die Materie auch bezwingen kann und daß sich umformen läßt die Materie, die der Geist des Menschen erfassen kann.|103|156}}&lt;br /&gt;
{{GS|Wenig ist in der ägyptisch-chaldäischassyrisch-babylonischen Zeit von dem im Menschen schon vorhanden, was man innerliche Persönlichkeits- und Verstandeskultur nennen könnte.|103|172}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ahriman&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|[…] wie in der Tat die beiden Prinzipien, das ahrimanische und das luziferische, im letzten Grunde im Krankheitsverlauf tätig sind. Und es könnte in vieler Beziehung für diese oder jene Krankheitsform gezeigt werden, wie man eigentlich zwei Typen von Krankheiten unterscheiden müßte: ahrimanische und luziferische Krankheiten.|120|88}}{{GS|[…] zeigen, wie im Inneren des Menschen Luzifer zur Illusion führt und wie Ahriman sich in die äußeren Wahrnehmungen mischt und dort zur Maja führt […]|120|112}}{{GS|Da sitzt aber auch das, was man den Zufall nennt. Er sitzt da, wo uns Ahriman am allergefährlichsten wird. Diejenigen Erscheinungen nennt der Mensch zufällig, bei denen er durch den ahrimanischen Einfluß am allerleichtesten getäuscht werden kann.|120|111}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Akasha-Chronik&lt;br /&gt;
{{GS|Es ist keine gewöhnliche Chronik, sondern eine Chronik, die man als eine lebendige bezeichnen könnte. ... Man kann auch die Willensimpulse, die Gefühle, die Gedanken sehen. ... Das, was jetzt geistig wirkt in uns und im Physischen ausgeflossen ist, das sieht man dort im Geistigen.|99|44}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alba Longa&lt;br /&gt;
{{GS|Alba Longa oder die lange Alba, die Stadt einer Priesterkultur, von der die Kultur Roms ausgehen sollte. Im Meßkleid der katholischen Priester haben wir noch einen Nachklang davon erhalten.|104|74}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alkohol&lt;br /&gt;
{{GS|[…] der Alkohol hat eine ganz bestimmte Wirkung auf den menschlichen Organismus. Er hatte nämlich eine Mission im Laufe der Menschheitsentwickelung […]sozusagen den menschlichen Leib so zu präparieren, daß dieser abgeschnitten wurde von dem Zusammenhang mit dem Göttlichen, damit das persönliche «Ich-bin» herauskommen konnte.|103|92}}&lt;br /&gt;
{{GS|Jetzt, wo die Menschheit wiederum strebt, den Weg zurückzufinden, wo das Ich so weit entwickelt ist, daß der Mensch wieder den Anschluß finden kann an die göttlich-geistigen Mächte, jetzt ist die Zeit gekommen, wo, anfangs sogar aus dem Unbewußten heraus, eine gewisse Reaktion gegen den Alkohol eintritt.|103|92}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alte Einweihung&lt;br /&gt;
{{GS|Man mußte also in der alten Einweihung versuchen, den Ätherleib künstlich herauszuholen […] in eine Art Todesschlaf bringen, der ja dreieinhalb Tage dauerte, währenddem der Ätherleib herausragte aus dem physischen Leibe, gelockert war, so daß das, was der Astralleib erlebte, sich einprägte in den Ätherleib. Und wenn dann der Ätherleib wieder zurückgeführt wurde […] wusste der Mensch, was er in der geistigen Welt erlebt hatte.|103|144}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alter Mond [PLANETARISCHE VERKÖRPERUNG]&lt;br /&gt;
{{GS|Ebenso nun wie beim Menschen ein Zeitraum liegt zwischen einer Verkörperung und einer neuen Geburt, so liegt ein Zeitraum zwischen der Verkörperung unseres Planeten, den wir als Erde bezeichnen, und desjenigen, den wir als den alten Mond bezeichnen.|103|27}}&lt;br /&gt;
{{GS|Dieser alte Mond hatte als planetarische Stufe auch eine Mission. Er hatte noch nicht die Aufgabe, die Liebe auszubilden, er sollte der Planet oder der Kosmos der Weisheit sein.|103|47}}&lt;br /&gt;
{{GS|Noch auf dem Monde war von dem heutigen Menschen nur vorhanden physischer Leib, Ätherleib und astralischer Leib; kein Ich war darinnen.|103|76}}&lt;br /&gt;
{{GS|Wir haben den alten Mond den «Kosmos der Weisheit» genannt. Dieser alte Mond hatte auf einer gewissen Stufe seiner Entwickelung das nicht, was wir heute Erde, feste Erde nennen.|103|107}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Altindische Einweihung&lt;br /&gt;
{{GS|Da gab es eine Zeit, wo unsere Vorfahren hineinschauten in die geistige Welt […] wo sie in der tieferen geistigen Wirklichkeit drinnen steckten. Oh, könnten wir auch da hinein! So sagten sie sich. Und aus dieser Sehnsucht heraus wurde die altindische Methode der Einweihung geschaffen […] Yoga ist die Methode der altindischen Einweihung.|103|144}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Altindische Kultur [URINDISCHE KULTUR]&lt;br /&gt;
{{GS|Dem uralten Inder, wenn er ganz besonders heilig sein will, ist die Welt der Maja wertlos. Diese physische Welt ist ihm eine Illusion […]|103|145}}&lt;br /&gt;
{{GS|Wir haben darauf hingewiesen, wie diese uralt-indische Kultur dadurch zu charakterisieren ist, daß die Gemüter der Menschen beherrscht waren von Sehnsucht und Erinnerung […] Die Erinnerung bestand darin, daß lebendige Überlieferungen geblieben waren von […] der atlantischen Flut […] eine Art dämmerhaften hellseherischen Zustandes […] durch den er hineinblicken konnte in die geistige Welt […]|103|153}}&lt;br /&gt;
{{GS|In der altindischen Kultur war gegenüber der eigenen Geistigkeit noch eine sonderbare Stimmung. Man sagte: Wollen wir in die geistige Welt eindringen, uns über die Illusion erheben, dann müssen wir uns selbst verlieren in der geistigen Welt, müssen möglichst auslöschen das «Ich-bin» und aufgehen in dem All-Geist, in dem Brahman.|103|157}}&lt;br /&gt;
{{GS|In der ersten Kulturepoche der nachatlantischen Zeit macht der Mensch zuerst seinen Ätherleib zum Ich-Träger, wie er vorher seinen physischen Leib dazu gemacht hatte. Das war die alte indische Kultur.|103|171}}&lt;br /&gt;
{{GS|Das alte Indertum war in einem viel höheren Grade, als man sich denkt, dazu geneigt, nicht die Hände zu regen, sondern in Kontemplation sich zu erheben über das Materielle zu den höheren Welten.|103|172}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alte Mysterien&lt;br /&gt;
{{GS|[…] in den alten Mysterien war der Christus Jesus, das heißt der Christus, der in Zukunft erscheinen sollte in der Welt, nicht etwa eine unbekannte Wesenheit. Und alle Mysterien wiesen hin auf Einen, der da kommen sollte.|103|68}}&lt;br /&gt;
{{GS|Einzelne waren es, die immer schon durch die alten Mysterien wußten von den geistigen Welten.|103|77}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Altpersische Kultur&lt;br /&gt;
{{GS|Das, was nun während der altpersischen Kulturepoche ausgebildet wird, ist der eigentliche Astralleib oder der Empfindungsleib; er ist der Träger der eigentlichen Betätigungskräfte des Menschen.|103|171}}&lt;br /&gt;
{{GS|Die Kultur des alten Persertums besteht darin, daß das Ich in den Empfindungsleib gesenkt wird.|103|172}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anthroposophie&lt;br /&gt;
{{GS|Man würde die heutige Betrachtung mißverstehen, wenn man des Glaubens wäre, Anthroposophie oder Geisteswissenschaft sei in irgendeiner Beziehung eine neue Religion, wolle irgendein neues Religionsbekenntnis an die Stelle eines alten setzen.|104|12}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alter Saturn [PLANETARISCHE VERKÖRPERUNG]&lt;br /&gt;
{{GS|Unser physischer Menschenleib hat seine allererste Anlage erhalten auf dem alten Saturn. Damals […] bildete sich eine von dem heutigen menschlichen Leibe freilich ganz verschiedene erste Anlage des physischen Menschenleibes.|103|28}}&lt;br /&gt;
{{GS|Die einzige Wirklichkeit des Saturn war die, daß er einen anderen Wärmezustand hatte als seine Umgebung. Durch etwas anderes hätte man ihn nicht wahrnehmen können.|103|108}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Altes Testament&lt;br /&gt;
{{GS|Der Bekenner des Alten Testaments sagte noch nicht in seiner Persönlichkeit: Ich bin ein Ich. Er fühlte sich in dem ganzen alten jüdischen Volke und fühlte das «Gruppen-Volks-Ich».|103|58}}&lt;br /&gt;
{{GS|Innerhalb der Bekenner des Alten Testamentes sehen wir im vollsten Sinne noch das ausgedrückt, was wir die Zugehörigkeit zur Gruppenseele als die Grundlage des einzelnen Ichs im Gesamt-Ich nennen können.|103|89}}&lt;br /&gt;
{{GS|Wir haben dann gesehen, wie innerhalb desjenigen Volkes, das die Bekennerschaft des Alten Testamentes bildet, sich ein gewisser Vollkommenheitsgrad dieser Stimmung ausbildete. «Ich und der Vater Abraham sind eins», das heißt, der einzelne fühlte sich geborgen in dem ganzen Zusammenhange bis hinauf zum Vater Abraham.|103|158}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aristoteles&lt;br /&gt;
{{GS|Die Geschichte weist Ihnen nach, daß der eigentliche Begründer der Logik Aristoteles ist.|103|173}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Äschylos&lt;br /&gt;
{{GS|Bei Äschylos klingt es in der Dramatik noch nach, wie der Mensch seine eigene Individualität künstlerisch verwerten will. Er tritt selbst in den physischen Plan hinaus und schafft ein Abbild seiner selbst.|103|150}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Assyrisch-babylonisch-chaldäisch-ägyptische Kultur [DRITTE KULTUEPOCHE]&lt;br /&gt;
{{GS|So hat der Mensch der dritten Kulturepoche hineingearbeitet in die Materie den Geist, durchdrungen die äußere Welt mit dem Geist.|103|148}}&lt;br /&gt;
{{GS|Wenig ist in der ägyptisch-chaldäischassyrisch-babylonischen Zeit von dem im Menschen schon vorhanden, was man innerliche Persönlichkeits- und Verstandeskultur nennen könnte.|103|172}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Astralleib&lt;br /&gt;
{{GS|Bei jedem Menschen ist der astralische Leib so, daß er Manas oder Geistselbst enthält; das ist ein Werk des Ich, ein Produkt der Arbeit des Ich.|103|34}}&lt;br /&gt;
{{GS|Und der Astralleib des Menschen, haben wir gesagt, bestehe aus zwei Teilen, aus dem Teile, den der Mensch schon beherrscht, und dem, den er noch nicht beherrscht.|103|36}}&lt;br /&gt;
{{GS|Was ist der astralische Leib? Er erscheint ja dem hellseherischen Bewußtsein auch heute als eine Aura, die den Menschen umgibt. Er ist ein Lichtleib.|103|39}}&lt;br /&gt;
{{GS|Das Ich ist berufen dazu, den astralischen Leib nach und nach zu läutern, zu reinigen, auf eine höhere Stufe zu heben. Wenn der ganze astralische Leib durchläutert, durchkraftet sein wird mit der eigenen Kraft des Ich, wird er sein das Geistselbst oder Manas.|103|127}}&lt;br /&gt;
{{GS|Er [Mensch] hat in alten Zeiten unbewußt bearbeitet seinen astralischen Leib, und es ist der astralische Leib dadurch durchsetzt mit der Empfindungsseele.|103|128}}&lt;br /&gt;
{{GS|Das, was nun während der altpersischen Kulturepoche ausgebildet wird, ist der eigentliche Astralleib oder der Empfindungsleib; er ist der Träger der eigentlichen Betätigungskräfte des Menschen.|103|171}}&lt;br /&gt;
{{GS|Das ist der eigentlich empfindende und denkende Teil des Menschen, und der physische Leib und auch das, was im Ätherleib ist, sind nur seine Vermittler, die Instrumente.|99|35}}&lt;br /&gt;
{{GS|In diesen Astralleib sind hineingezeichnet eine Unsumme von verschiedenerlei Figuren, alle möglichen Arten von Linien und Strahlen, manche blitzartig, manche in sonderbaren Windungen.|104|52}}&lt;br /&gt;
{{GS|Der astralische Leib ist der Ausdruck seiner Leidenschaften, seiner Instinkte, Triebe und Begierden, aber auch aller seiner Gedanken und Vorstellungen.|104|52}}{{GS|Also wir haben es vor dem Ich-Bewußtsein zu tun mit einem solchen Bewußtsein, das an den astralischen Leib als das damals höchste Glied gebunden ist, das astralische Bewußtsein, das dumpf und dämmerhaft&lt;br /&gt;
122 ist und noch nicht durchleuchtet ist von dem Lichte des Ich.|120|122}}{{GS|Krankheit ist ein abnormer Wachzustand unseres astralischen Leibes.|120|124}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Astrologie&lt;br /&gt;
{{GS|So entsteht jene wunderbare Sternenkunde, die die Menschen heute kaum mehr kennen. Denn was man heute als Astrologie kennt, ist durch ein Mißverstehen der Tatsachen entstanden.|104|72}}&lt;br /&gt;
{{GS|Tiefe Weisheit in der Sternenschrift ist es, was dem alten Chaldäerpriester als Astrologie geoffenbart wurde, als die Geheimnisse dessen, was er mit Augen sah. Das betrachtete er als Offenbarung eines Inneren, Durchgeistigten.|104|72}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ätherleib&lt;br /&gt;
{{GS|[…] dass der Ätherlieb beim Manne weiblich und beim Weibe männlich ist […] Die Kräfte, die den Ätherleib zusammenhalten, finden wir […] in der Welt des Rupa-Devachan […]|99|27}}&lt;br /&gt;
{{GS|Erst als der Saturn sich in die Sonne verwandelte, also während der zweiten Verkörperung unseres Erdplaneten, kam zu diesem physischen Leib der Ätherleib hinzu, durchtränkte, imprägnierte ihn.|103|28}}&lt;br /&gt;
{{GS|Nachdem sich unmittelbar nach dem Tode Ätherleib, astralischer Leib und Ich von dem physischen Leibe getrennt haben, geht nach einiger Zeit auch der Ätherleib aus der Verbindung mit dem astralischen Leibe und dem Ich heraus und löst sich auf im Weltenäther.|103|29}}&lt;br /&gt;
{{GS|[…] soviel von seinem Ätherleibe umgestaltet ist zu einem Produkt des Ich, nennen wir dies die Buddhi oder den Lebensgeist.|103|34}}&lt;br /&gt;
{{GS|Auch was er im Ätherleib hat, kann er noch nicht beherrschen; das wird er erst beherrschen können, wenn die Erde im Venuszustande sein wird.|103|36}}&lt;br /&gt;
{{GS|Treulos verlassen Sie alle jede Nacht Ihren physischen Leib und Ihren Ätherleib. Daraus werden Sie erkennen, daß die Geisteswissenschaft mit einem gewissen Recht darauf hinweist, daß göttlich-geistige Mächte und Kräfte in der Nacht diesen physischen Leib, diesen Ätherleib durchströmen […]|103|87}}&lt;br /&gt;
{{GS|[…] diejenigen Mächte, die auf den Ätherleib wirken, sind in den niederen himmlischen Sphären zu Hause.|103|88}}&lt;br /&gt;
{{GS|Unbewußt hat das Ich hineingearbeitet in den Ätherleib, und dieser unbewußt umgeformte Ätherleib ist dasjenige, was Sie in einem systematischen Zusammenhange in der «Theosophie» geschildert finden als Verstandesseele.|103|128}}&lt;br /&gt;
{{GS|Beim heutigen Menschen findet man hellseherisch das, was Ätherkopf ist, ungefähr in Form und Größe mit dem physischen Kopfe übereinstimmend.|103|137}}&lt;br /&gt;
{{GS|In der ersten Kulturepoche der nachatlantischen Zeit macht der Mensch zuerst seinen Ätherleib zum Ich-Träger, wie er vorher seinen physischen Leib dazu gemacht hatte. Das war die alte indische Kultur.|103|171}}&lt;br /&gt;
{{GS|Das, was nun während der altpersischen Kulturepoche ausgebildet wird, ist der eigentliche Astralleib oder der Empfindungsleib; er ist der Träger der eigentlichen Betätigungskräfte des Menschen.|103|171}}&lt;br /&gt;
{{GS|Nun aber kommt etwas anderes in Betracht, das ist, daß dann, wenn diese Katharsis eingetreten ist, wenn im astralischen Leibe ausgebildet sind die astralen Sinnesorgane, das Ganze abgedrückt werden muß im Ätherleibe.|103|196}}&lt;br /&gt;
{{GS|So sehen wir, daß wir in dem Ätherleib und physischen Leib der Pflanze etwas vor uns haben, was imstande ist, mit inneren Heilkräften zu antworten auf äußere Schädigungen.|120|62}}&lt;br /&gt;
{{GS|[…] wenn der Mensch durch die Pforte des Todes tritt […] wird das Hauptsächlichste des Ätherleibes als ein zweiter Leichnam abgeworfen; es bleibt jedoch ein Extrakt des Ätherleibes zurück, der mitgenommen wird und erhalten bleibt für alle kommenden Zeiten.|120|67}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Atlantis, atlantische Zeit&lt;br /&gt;
{{GS|Damals [lemurische Zeit] hatten Sie nicht diese Gestalt, aber ein solcher Mensch waren Sie: physischer und Ätherleib waren eingehüllt von dem mit dem Ich ausgestatteten Astralleibe. Dieser Zustand dauerte bis hinein in die atlantische Zeit.|103|112}}&lt;br /&gt;
{{GS|[…] dazumal [Atlantis], als der Mensch noch eingebettet war in die göttlich-geistigen Wesenheiten, hatte er in der Nacht ein dämmerhaftes, astralisches Bewußtsein. Wenn er bei Tag untertauchte in seinen flüssigen physischen Leib, da wurde es für ihn Nacht; und wenn er wieder heraus war aus seinem physischen Leibe, da ging ihm das blendende astralische Licht auf.|103|113}}&lt;br /&gt;
{{GS|Im letzten Drittel der atlantischen Zeit wird dann die Menschengestalt immer ähnlicher der heutigen.|103|113}}&lt;br /&gt;
{{GS|Wir haben […] erwähnt, daß unsere Vorfahren in einer weit zurückliegenden Zeit drüben im Westen auf einem Erdgebiete gewohnt haben, das heute eingenommen wird vom Atlantischen Ozeane. Auf der alten Atlantis haben unsere Vorfahren gelebt.|103|136}}&lt;br /&gt;
{{GS|Der alte Atlantier hatte den Ätherkopf mächtig hervorragend über dem physischen Kopfe. Dann wuchsen diese beiden immer mehr zusammen, und es war im letzten Drittel der atlantischen Zeit, als physischer und Ätherkopf zur Deckung kamen.|103|138}}&lt;br /&gt;
{{GS|Wenn Sie durch die alte Atlantis drüben im Westen gegangen wären, hätten Sie eine solche Verteilung von Regen, Nebel, Luft und Sonnenschein, wie Sie es jetzt auf unseren heutigen Ländergebieten haben, nicht erlebt.|103|138}}&lt;br /&gt;
{{GS|[…] in die Gegend des heutigen Tibet. Dahin zog ein verhältnismäßig kleiner, aber namentlich geistig, spirituell sehr weit fortgeschrittener Bruchteil der atlantischen Bevölkerung.|103|139}}&lt;br /&gt;
{{GS|Innerhalb der letzten atlantischen Zeit war es ja so gekommen, daß nach und nach die westlichen Gegenden der Atlantis verschwanden, sich mit Meer bedeckten.|103|140}}&lt;br /&gt;
{{GS|Wenn eine Stadt in Nebel eingehüllt ist und Sie des Abends die Laternen wie mit Farbenauren umgeben sehen, so undeutlich mit Säumen und Farbenstrahlen das gibt Ihnen ein Bild, wie es in dieser Zeit in der Atlantis ausgesehen hat.|103|141}}&lt;br /&gt;
{{GS|Wir haben gesehen, wie in dieser Zeit vor der atlantischen Flut eine so scharfe Trennung noch nicht war zwischen dem Bewußtseinszustand während des Tageslebens und dem Bewußtseinszustand während des Nachtlebens.|103|153}}&lt;br /&gt;
{{GS|Wir haben gesehen, daß eigentlich erst in der späteren atlantischen Zeit die Menschen in die Lage gekommen sind, das Ich oder «Ich-bin» zu empfinden. Denn solange die Menschen die geistigen Bilder sahen, waren sie sich auch klar, daß sie selbst der geistigen Welt angehörten.|103|156}}&lt;br /&gt;
{{GS|Diejenige Menschheitsentwickelung, die der atlantischen Flut vorangegangen ist, also die sich zum großen Teil abgespielt hat auf jenem Kontinente, der da war zwischen dem heutigen Europa und dem heutigen Amerika, der alten Atlantis, diese Menschheitsentwickelung teilen wir auch in sieben aufeinanderfolgende Abschnitte. Für diese sieben Abschnitte gilt noch der Ausdruck «Rassen-Entwickelung».|103|168}}&lt;br /&gt;
{{GS|Die Mission des Atlantiertums war, dem Menschen das Ich einzuimpfen, einzuprägen; und diese Mission geht dann über die atlantische Flut, die man als Sintflut beschreibt, hinüber in unsere Zeit.|103|170}}&lt;br /&gt;
{{GS|Deshalb sprechen wir auch von Kulturzeitaltern im Gegensatz zu Rassen. Alles das, was etwa verknüpft ist mit dem Rassenbegriff, ist noch Überbleibsel des Zeitraumes, der dem unseren vorangegangen ist, des atlantischen. Wir leben im Zeitraum der Kulturepochen.|104|69}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Atman [Geistesmensch]&lt;br /&gt;
{{GS|[…] soviel er [Mensch] am physischen Leib vom Ich aus umgestaltet, nennen wir dies Atman oder den Geistesmenschen.|103|34}}&lt;br /&gt;
{{GS|Am Ende der Erdenlaufbahn ist der Mensch durchdrungen von seinem Ich; und dieses sein Ich wohnt selber in dem Astralleib, wenn es als Manas oder Geistselbst den astralischen Leib durchzogen hat. Dieses Ich hat dann den Ätherleib durchzogen, er ist ganz und gar durchsetzt von der Buddhi oder dem Lebensgeiste; und der physische Leib ist ganz und gar durchzogen von Atman oder dem Geistesmenschen, den Produkten des Ich.|103|35}}&lt;br /&gt;
{{GS|Wenn der physische Leib ganz und gar überwunden, besiegt sein wird vom Ich, wird er sein Atma oder der Geistesmensch.|103|127}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufmerksamkeit&lt;br /&gt;
{{GS|[…] die Aufmerksamkeit der Seele auf gewisse Vorgänge in der uns umgebenden Welt zu lenken. Solche Vorgänge sind das sprießende, wachsende und gedeihende Leben einerseits, und alle Erscheinungen, die mit Verblühen, Verwelken, Absterben zusammenhängen, andererseits.|10|43}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auge&lt;br /&gt;
{{GS|Dieser wundervolle Bau des menschlichen Auges, dieser wunderbare Apparat des menschlichen Ohres, alles das hat erst heute seine Vollkommenheit erlangt, weil es aus der Saturnmasse herausgebildet wurde, und Ätherleib, Astralleib und Ich daran gearbeitet haben.|99|90}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Artikel unten}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>ElkeJura</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://steiner.wiki/index.php?title=GA_10&amp;diff=11318</id>
		<title>GA 10</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://steiner.wiki/index.php?title=GA_10&amp;diff=11318"/>
		<updated>2025-10-10T15:14:18Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;ElkeJura: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Artikel oben}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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= Inhaltsverzeichnis =&lt;br /&gt;
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* [[GA 10#VORREDE ZUM ACHTEN BIS ELFTEN TAUSEND|VORREDE ZUM ACHTEN BIS ELFTEN TAUSEND]]&lt;br /&gt;
* [[GA 10#VORREDE ZUR FÜNFTEN AUFLAGE|VORREDE ZUR FÜNFTEN AUFLAGE]]&lt;br /&gt;
* [[GA 10#VORREDE ZUR DRITTEN AUFLAGE|VORREDE ZUR DRITTEN AUFLAGE]]&lt;br /&gt;
* [[GA 10#WIE ERLANGT MAN ERKENNTNISSE DER HÖHEREN WELTEN?|WIE ERLANGT MAN ERKENNTNISSE DER HÖHEREN WELTEN?]]&lt;br /&gt;
** [[GA 10#Bedingungen|Bedingungen]]&lt;br /&gt;
** [[GA 10#Innere Ruhe|Innere Ruhe]]&lt;br /&gt;
* [[GA 10#DIE STUFEN DER EINWEIHUNG|DIE STUFEN DER EINWEIHUNG]]&lt;br /&gt;
** [[GA 10#Die Vorbereitung|Die Vorbereitung]]&lt;br /&gt;
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** [[GA 10#Kontrolle der Gedanken und Gefühle|Kontrolle der Gedanken und Gefühle]]&lt;br /&gt;
* [[GA 10#DIE EINWEIHUNG|DIE EINWEIHUNG]]&lt;br /&gt;
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* [[GA 10#VERÄNDERUNGEN IM TRAUMLEBEN DES GEHEIMSCHÜLERS|VERÄNDERUNGEN IM TRAUMLEBEN DES GEHEIMSCHÜLERS]]&lt;br /&gt;
* [[GA 10#DIE ERLANGUNG DER KONTINUITÄT DES BEWUSSTSEINS|DIE ERLANGUNG DER KONTINUITÄT DES BEWUSSTSEINS]]&lt;br /&gt;
* [[GA 10#DIE SPALTUNG DER PERSÖNLICHKEIT WÄHREND DER GEISTESSCHULUNG|DIE SPALTUNG DER PERSÖNLICHKEIT WÄHREND DER GEISTESSCHULUNG]]&lt;br /&gt;
* [[GA 10#DER HÜTER DER SCHWELLE|DER HÜTER DER SCHWELLE]]&lt;br /&gt;
* [[GA 10#LEBEN UND TOD. DER GROSSE HÜTER DER SCHWELLE|LEBEN UND TOD. DER GROSSE HÜTER DER SCHWELLE]]&lt;br /&gt;
* [[GA 10#NACHWORT ZUM ACHTEN BIS ELFTEN TAUSEND|NACHWORT ZUM ACHTEN BIS ELFTEN TAUSEND]]&lt;br /&gt;
* [[GA 10#Glossar|Glossar]]&lt;br /&gt;
* [[GA 10#Literatur|Literatur]]&lt;br /&gt;
** [[GA 10#Originalausgaben|Originalausgaben]]&lt;br /&gt;
&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|7}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= VORREDE ZUM ACHTEN BIS ELFTEN TAUSEND =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An dem Inhalte dieser Neuauflage des vorliegenden Buches schienen mir heim neuerlichen Durcharbeiten nur geringe Änderungen notwendig. Dagegen habe ich dieser Ausgabe ein «Nachwort» hinzugefügt, durch das ich mich bemüht habe, manches deutlicher als früher zu sagen, was die seelischen Grundlagen betrifft, auf welche die Mitteilungen des Buches gestellt werden müssen, damit sie ohne Mißverständnis entgegengenommen werden. Ich glaube, daß der Inhalt dieses Nachwortes auch geeignet sein könnte, manchen Gegner der anthroposophischen Geisteswissenschaft darüber Aufzuklären, daß er sein Urteil nur dadurch aufrechterhalten kann, weil er sich unter dieser Geisteswissenschaft etwas ganz anderes vorstellt, als sie ist; während er, was sie ist, gar nicht ins Auge faßt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mai 1918 Rudolf Steiner&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|8}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= VORREDE ZUR FÜNFTEN AUFLAGE =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für diese Neuauflage von «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» ist die vor mehr als zehn Jahren niedergeschriebene Darstellung in allen Einzelheiten wieder durchgearbeitet worden. Das Bedürfnis nach solcher Durcharbeitung entsteht naturgemäß bei Mitteilungen über Seelenerlebnisse und Seelenwege von der Art, wie sie in diesem Buche gegeben sind. Es kann ja keinen Teil innerhalb des Mitgeteilten geben, mit dem die Seele des Mitteilers nicht innig verbunden bliebe und der nicht etwas enthielte, das an dieser Seele fortdauernd arbeitet. Es ist wohl auch kaum anders möglich, als daß mit diesem seelischen Arbeiten sich ein Streben nach erhöhter Klarheit und Deutlichkeit der vor Jahren gegebenen Darstellung verbindet. Diesem Streben ist entsprungen, was ich für das Buch bei dieser Neuauflage zu tun bemüht war. Zwar sind alle wesentlichen Glieder der Auseinandersetzungen, alle Hauptsachen so geblieben, wie sie waren; und doch sind wichtige Änderungen vollzogen worden. Ich konnte für eine genauere Charakterisierung im einzelnen an vielen Stellen manches tun. Und dies schien mir wichtig. Will jemand das in dem Buche Mitgeteilte in dem eigenen Geistesleben anwenden, so ist es von Bedeutung, daß er die Seelenwege, von denen die Rede ist, in möglichst genauer Charakterisierung ins Auge zu fassen vermag. In einem viel höheren Maße als an die Schilderung der Tatsachen der physischen Welt können sich an diejenige innerer geistiger Vorgänge Mißverständnisse knüpfen. Das Bewegliche des Seelenlebens, die Notwendigkeit, diesem Leben gegenüber nie aus dem Bewußtsein&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|9}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
zu verlieren, wie verschieden es ist von allem Leben in der physischen Welt, und vieles andere, machen solche Mißverständnisse möglich. Ich habe bei dieser Neuauflage die Aufmerksamkeit darauf gerichtet, die Stellen des Buches aufzufinden, wo solche Mißverständnisse entstehen können; und ich habe mich bemüht, bei der Abfassung ihrem Entstehen entgegenzuarbeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als ich die Aufsätze schrieb, aus welchen das Buch zusammengesetzt ist, mußte über manches auch aus dem Grunde anders gesprochen werden als gegenwärtig, weil ich auf den Inhalt dessen, was ich in den letzten zehn Jahren über Tatsachen der Erkenntnis geistiger Welten veröffentlicht habe, damals anders hinzudeuten hatte, als es jetzt, nach der Veröffentlichung, zu geschehen hat. In meiner «Geheimwissenschaft», in der «Führung des Menschen und der Menschheit», in «Ein Weg zur Selbsterkenntnis» und besonders in «Die Schwelle der geistigen Welt», auch in anderen meiner Schriften sind geistige Vorgänge geschildert, auf deren Vorhandensein dieses Buch vor mehr als zehn Jahren zwar schon hindeuten mußte, dies aber doch mit anderen Worten, als es gegenwärtig richtig scheint. Ich mußte damals von vielem, das in dem Buche noch nicht geschildert wurde, sagen, es könne durch «mündliche Mitteilung» erfahren werden. Gegenwärtig ist nun vieles von dem veröffentlicht, was mit solchen Hinweisen gemeint war. Es waren aber diese Hinweise, die irrtümliche Meinungen bei den Lesern vielleicht nicht völlig ausschlossen. Man könnte etwa in dem persönlichen Verhältnis zu diesem oder jenem Lehrer bei dem nach Geistesschulung Strebenden etwas viel Wesentlicheres sehen, als gesehen werden soll. Ich hoffe, daß es&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|10}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
mir gelungen ist, in dieser neuen Auflage durch die Art der Darstellung mancher Einzelheiten schärfer zu betonen, wie es bei dem, der Geistesschulung sucht im Sinne der gegenwärtigen geistigen Bedingungen, viel mehr auf ein völlig unmittelbares Verhältnis zur objektiven Geistes-Welt als auf ein Verhältnis zur Persönlichkeit eines Lehrers ankommt. Dieser wird auch in der Geistesschulung immer mehr die Stellung nur eines solchen Helfers annehmen, die der Lehrende, gemäß den neueren Anschauungen, in irgendeinem anderen Wissenszweige innehat. Ich glaube genügend darauf hingewiesen zu haben, daß des Lehrers Autorität und der Glaube an ihn in der Geistesschulung keine andere Rolle spielen sollten, als dies der Fall ist auf irgendeinem anderen Gebiete des Wissens und Lebens. Mir scheint viel darauf anzukommen, daß immer richtiger beurteilt werde gerade dieses Verhältnis des Geistesforschers zu Menschen, die Interesse entwickeln für die Ergebnisse seines Forschens. So glaube ich das Buch verbessert zu haben, wo ich das Verbesserungsbedürftige nach zehn Jahren zu finden in der Lage war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An diesen ersten Teil soll sich ein zweiter anschließen. Dieser soll weitere Ausführungen über die Seelenverfassung bringen, welche den Menschen zum Erleben der höheren Welten führt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Neuauflage des Buches lag fertig gedruckt vor, als der große Krieg begann, den die Menschheit gegenwärtig erlebt. Diese Vorbemerkungen habe ich zu schreiben, während meine Seele tief bewegt ist von dem schicksaltragenden Ereignisse.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Berlin, 7. September 1914 Rudolf Steiner&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|11}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= VORREDE ZUR DRITTEN AUFLAGE =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es erscheinen hiermit als Buch meine Ausführungen, welche ursprünglich als einzelne Aufsätze unter dem Titel «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» abgedruckt waren. Zunächst wird dieser Band den ersten Teil bringen; ein folgender wird die Fortsetzung enthalten. Diese Arbeit über die Entwickelung des Menschen zum Erfassen der übersinnlichen Welten soll nicht in neuer Gestalt vor die Welt treten ohne einige Geleitworte, welche ihr hiermit vorgesetzt werden. Die in ihr enthaltenen Mitteilungen über die Seelenentwickelung des Menschen möchten verschiedenen Bedürfnissen dienen. Zunächst soll denjenigen Personen etwas gegeben werden, welche sich hingezogen fühlen zu den Ergebnissen der Geistesforschung und welche die Frage aufwerfen müssen: Ja, woher haben diejenigen ihr Wissen, welche behaupten, etwas über hohe Rätselfragen des Lebens sagen zu können? Die Geisteswissenschaft sagt über solche Rätsel etwas. Wer die Tatsachen beobachten will, welche zu diesen Aussagen führen, der muß zu übersinnlichen Erkenntnissen aufsteigen. Er muß den Weg gehen, welcher in dieser Schrift zu schildern versucht wird. Doch wäre es ein Irrtum, zu glauben, daß die Mitteilungen der Geisteswissenschaft für den wertlos seien, der nicht Neigung oder Möglichkeit hat, diesen Weg selbst zu gehen. Um die Tatsachen zu erforschen, muß man die Fähigkeit haben, in die übersinnlichen Welten hineinzutreten. Sind sie aber erforscht und werden sie mitgeteilt, so kann auch derjenige, welcher sie nicht selber wahrnimmt, sich eine hinreichende Überzeugung von der Wahrheit der Mitteilungen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|12}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
verschaffen. Ein großer Teil derselben ist ohne weiteres dadurch zu prüfen, daß man die gesunde Urteilskraft in wirklich unbefangener Weise auf sie anwendet. Man wird sich nur nicht in dieser Unbefangenheit stören lassen dürfen durch alle möglichen Vorurteile, die einmal im Menschenleben so zahlreich vorhanden sind. Es wird zum Beispiel leicht vorkommen, daß jemand findet, dies oder jenes vertrage sich nicht mit gewissen wissenschaftlichen Ergebnissen der Gegenwart. In Wahrheit gibt es kein wissenschaftliches Ergebnis, welches der geistigen Forschung widerspricht. Doch kann man leicht glauben, daß dieses oder jenes wissenschaftliche Urteil zu den Mitteilungen über die höheren Welten nicht stimme, wenn man nicht allseitig und unbefangen die wissenschaftlichen Ergebnisse zu Rate zieht. Man wird finden, daß, je unbefangener man die Geisteswissenschaft gerade mit den positiven wissenschaftlichen Errungenschaften zusammenhält, um so schöner die volle Übereinstimmung erkannt werden kann. Ein anderer Teil der geisteswissenschaftlichen Mitteilungen wird sich allerdings mehr oder weniger dem bloßen Verstandesurteile entziehen. Aber es wird unschwer derjenige ein rechtes Verhältnis auch zu diesem Teile gewinnen können, welcher einsieht, daß nicht nur der Verstand, sondern auch das gesunde Gefühl ein Richter über die Wahrheit sein kann. Und wo dieses Gefühl sich nicht durch Sympathie oder Antipathie für diese oder jene Meinung treiben läßt, sondern wirklich unbefangen die Erkenntnisse der übersinnlichen Welten auf sich wirken läßt, da wird sich auch ein entsprechendes Gefühlsurteil ergeben. Und noch manch anderen Weg gibt es zur Bewahrheitung dieser Erkenntnisse&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|13}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
für diejenigen Personen, welche den Pfad in die übersinnliche Welt nicht beschreiten können und wollen. Solche Menschen können aber gleichwohl fühlen, welchen Wert diese Erkenntnisse für das Leben haben, auch wenn sie sie nur aus den Mitteilungen der Geistesforscher erfahren. Ein schauender Mensch kann nicht ein jeder augenblicklich werden; eine rechte gesunde Lebensnahrung sind aber die Erkenntnisse des schauenden Menschen für jedermann. Denn anwenden im Leben kann sie jeder. Und wer es tut, wird bald einsehen, was das Leben mit ihnen auf allen Gebieten sein kann und was es entbehrt, wenn man sie ausschließt. Die Erkenntnisse der übersinnlichen Welten erweisen sich, richtig im Leben angewendet, nicht unpraktisch, sondern im höchsten Sinne praktisch. Wenn aber auch jemand den höheren Erkenntnispfad nicht selbst betreten will, so kann er doch, wenn er Neigung für die auf demselben beobachteten Tatsachen hat, fragen: Wie kommt der schauende Mensch zu diesen Tatsachen? Denjenigen Personen, welche ein Interesse an dieser Frage haben, möchte diese Schrift ein Bild von dem geben, was man unternehmen muß, um die übersinnliche Welt wirklich kennenzulernen. Sie möchte den Weg in dieselbe so darstellen, daß auch derjenige, der ihn nicht selbst geht, Vertrauen gewinnen kann zu dem, was ein solcher sagt, der ihn gegangen ist. Man kann ja auch, wenn man gewahr wird, was der Geistesforscher tut, dies richtig finden und sich sagen: die Schilderung des Pfades in die höheren Welten macht auf mich einen solchen Eindruck, daß ich verstehen kann, warum die mitgeteilten Tatsachen mir einleuchtend erscheinen. So soll also diese Schrift jenen dienen, welche in ihrem Wahrheitssinn und&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|14}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wahrheitsgefühl für die übersinnliche Welt eine Stärkung und Sicherheit wünschen. Nicht minder möchte sie aber auch denjenigen etwas bieten, welche den Weg zu den übersinnlichen Erkenntnissen selbst suchen. Diejenigen Personen werden die Wahrheit des hier Dargestellten am besten erproben, welche sie in sich selbst verwirklichen. Wer solch eine Absicht hat, wird gut tun, sich immer wieder zu sagen, daß bei Darstellung der Seelen-Entwickelung mehr notwendig ist als ein solches Bekanntwerden mit dem Inhalte, wie es bei anderen Ausführungen oftmals angestrebt wird. Ein intimes Hineinleben in die Darstellung ist notwendig; die Voraussetzung soll man machen, daß man die eine Sache nicht nur durch das begreifen soll, was über sie selbst gesagt wird, sondern durch manches, was über ganz anderes mitgeteilt wird. Man wird so die Vorstellung erhalten, daß nicht in einer Wahrheit das Wesentliche liegt, sondern in dem Zusammenstimmen aller. Wer Übungen ausführen will, muß das ganz ernstlich bedenken. Eine Übung kann richtig verstanden, auch richtig ausgeführt sein; und dennoch kann sie unrichtig wirken, wenn nicht von dem Ausführenden ihr eine andere Übung hinzugefügt wird, welche die Einseitigkeit der ersten zu einer Harmonie der Seele auslöst. Wer diese Schrift intim liest, so daß ihm Lesen wie ein innerliches Erleben wird, der wird sich nicht nur mit dem Inhalte bekannt machen, sondern auch an dieser Stelle dieses, an einer anderen jenes Gefühl haben; und dadurch wird er erkennen, welches Gewicht für die Seelenentwickelung dem einen oder dem anderen zukommt. Er wird auch herausfinden, in welcher Form er diese oder jene Übung, nach seiner besonderen Individualität, gerade bei&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|15}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sich versuchen sollte. Wenn, wie hier, Beschreibungen in Betracht kommen von Vorgängen, welche erlebt werden sollen, so erweist sich als notwendig, daß man auf den Inhalt immer wieder zurückgreife; denn man wird sich überzeugen, daß man manches erst dann für sich selbst zu einem befriedigenden Verständnis bringt, wenn man es versucht hat und nach dem Versuche gewisse Feinheiten der Sache bemerkt, die einem früher entgehen mußten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch solche Leser, welche den Weg, der vorgezeichnet ist, nicht zu gehen beabsichtigen, werden in der Schrift manches Brauchbare für das innere Leben finden: Lebensregeln, Hinweise, wie dies oder jenes sich aufklärt, was rätselhaft erscheint und so weiter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und mancher, der durch seine Lebenserfahrung dieses oder jenes hinter sich hat, in mancher Beziehung eine Lebenseinweihung durchgemacht hat, wird eine gewisse Befriedigung finden können, wenn er im Zusammenhange geklärt findet, was ihm im einzelnen vorgeschwebt hat; was er schon wußte, ohne vielleicht dies Wissen bis zu einer für ihn selbst hinreichenden Vorstellung gebracht zu haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|16}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= WIE ERLANGT MAN ERKENNTNISSE DER HÖHEREN WELTEN?=&lt;br /&gt;
== Bedingungen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es schlummern in jedem Menschen Fähigkeiten, durch die er sich Erkenntnisse über höhere Welten erwerben kann. Der Mystiker, der Gnostiker, der Theosoph sprachen stets von einer Seelen- und einer Geisterwelt, die für sie ebenso vorhanden sind wie diejenige, die man mit physischen Augen sehen, mit physischen Händen betasten kann. Der Zuhörer darf sich in jedem Augenblicke sagen: wovon dieser spricht, kann ich auch erfahren, wenn ich gewisse Kräfte in mir entwickele, die heute noch in mir schlummern. Es kann sich nur darum handeln, wie man es anzufangen hat, um solche Fähigkeiten in sich zu entwickeln. Dazu können nur diejenigen Anleitung geben, die schon in sich solche Kräfte haben. Es hat, seit es ein Menschengeschlecht gibt, auch immer eine Schulung gegeben, durch die solche, die höhere Fähigkeiten hatten, denen Anleitung gaben, die ebensolche Fähigkeiten suchten. Man nennt solche Schulung Geheimschulung; und der Unterricht, welcher da empfangen wird, heißt geheimwissenschaftlicher oder okkulter Unterricht. Eine solche Bezeichnung erweckt naturgemäß Mißverständnis. Wer sie hört, kann leicht zu dem Glauben verführt werden, daß diejenigen, die für solche Schulung tätig sind, eine besonders bevorzugte Menschenklasse darstellen wollen, die willkürlich ihr Wissen den Mitmenschen vorenthält. Ja, man denkt wohl auch, daß vielleicht überhaupt nichts Erhebliches hinter solchem Wissen stecke. Denn, wenn es&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|17}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ein wahres Wissen wäre so ist man versucht zu denken , so brauchte man daraus kein Geheimnis zu machen: man könnte es öffentlich mitteilen und die Vorteile davon allen Menschen zugänglich machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diejenigen, welche in die Natur des Geheimwissens eingeweiht sind, wundern sich nicht im geringsten darüber, daß die Uneingeweihten so denken. Worin das Geheimnis der Einweihung besteht, kann nur derjenige verstehen, der selbst diese Einweihung in die höheren Geheimnisse des Daseins bis zu einem gewissen Grade erfahren hat. Nun kann man fragen: wie soll denn der Uneingeweihte überhaupt irgendein menschliches Interesse an dem sogenannten Geheimwissen unter solchen Umständen erlangen? Wie und warum soll er etwas suchen, von dessen Natur er sich doch gar keine Vorstellung machen kann? Aber schon einer solchen Frage liegt eine ganz irrtümliche Vorstellung von dem Wesen des Geheimwissens zugrunde. In Wahrheit verhält es sich mit dem Geheimwissen nämlich doch nicht anders als mit allem übrigen Wissen und Können des Menschen. Dieses Geheimwissen ist für den Durchschnittsmenschen in keiner anderen Beziehung ein Geheimnis, als warum das Schreiben für den ein Geheimnis ist, der es nicht gelernt hat. Und wie jeder schreiben lernen kann, der die rechten Wege dazu wählt, so kann jeder ein Geheimschüler, ja ein Geheimlehrer werden, der die entsprechenden Wege dazu sucht. Nur in einer Hinsicht liegen die Verhältnisse hier noch anders als beim äußeren Wissen und Können. Es kann jemandem durch Armut, durch die Kulturverhältnisse, in die er hineingeboren ist, die Möglichkeit fehlen, sich die Kunst des Schreibens anzueignen; für die Erlangung von Wissen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|18}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und Können in den höheren Welten gibt es kein Hindernis für denjenigen, der diese ernstlich sucht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele glauben, man müsse die Meister des höheren Wissens da und dort aufsuchen, um von ihnen Aufschlüsse zu erhalten. Aber zweierlei ist richtig. Erstens wird derjenige, der ernstlich nach höherem Wissen trachtet, keine Mühe, kein Hindernis scheuen, um einen Eingeweihten aufzusuchen, der ihn in die höheren Geheimnisse der Welt einführen kann. Aber andererseits kann auch jeder sich klar darüber sein, daß ihn die Einweihung unter allen Umständen finden wird, wenn ernstes und würdiges Streben nach Erkenntnis vorliegt. Denn es gibt ein natürliches Gesetz für alle Eingeweihten, das sie dazu veranlaßt, keinem suchenden Menschen ein ihm gebührendes Wissen vorzuenthalten. Aber es gibt ein ebenso natürliches Gesetz, welches besagt, daß niemandem irgend etwas von dem Geheimwissen ausgeliefert werden kann, zu dem er nicht berufen ist und ein Eingeweihter ist um so vollkommener, je strenger er diese beiden Gesetze beobachtet. Das geistige Band, das alle Eingeweihten umfaßt, ist kein äußeres, aber die beiden genannten Gesetze bilden feste Klammern, durch welche die Bestandteile dieses Bandes zusammengehalten werden. Du magst in intimer Freundschaft mit einem Eingeweihten leben: du bist doch so lange von seinem Wesen getrennt, bis du selbst ein Eingeweihter geworden bist. Du magst das Herz, die Liebe eines Eingeweihten im vollsten Sinne genießen: sein Geheimnis wird er dir erst anvertrauen, wenn du reif dazu bist. Du magst ihm schmeicheln, du magst ihn foltern: nichts kann ihn bestimmen, dir irgend etwas zu verraten, von dem er weiß, daß es dir nicht verraten werden darf,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|19}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
weil du auf der Stufe deiner Entwickelung dem Geheimnis noch nicht den rechten Empfang in deiner Seele zu bereiten verstehst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Wege, die den Menschen reif zum Empfange eines Geheimnisses machen, sind genau bestimmte. Ihre Richtung ist mit unauslöschbaren, ewigen Buchstaben vorgezeichnet in den Geisteswelten, in denen die Eingeweihten die höheren Geheimnisse behüten. In alten Zeiten, die vor unsrer «Geschichte» liegen, waren die Tempel des Geistes auch äußerlich sichtbare; heute, wo unser Leben so ungeistig geworden ist, sind sie nicht in der Welt vorhanden, die dem äußeren Auge sichtbar ist. Aber sie sind geistig überall vorhanden; und jeder, der sucht, kann sie finden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nur in seiner eigenen Seele kann der Mensch die Mittel finden, die ihm den Mund der Eingeweihten öffnen. Gewisse Eigenschaften muß er in sich bis zu einem bestimmten hohen Grade entwickeln, dann können ihm die höchsten Geistesschätze zuteil werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine gewisse Grundstimmung der Seele muß den Anfang bilden. Der Geheimforscher nennt diese Grundstimmung den Pfad der Verehrung, der Devotion gegenüber der Wahrheit und Erkenntnis. Nur wer diese Grundstimmung hat, kann Geheimschüler werden. Wer Erlebnisse auf diesem Gebiete hat, der weiß, welche Anlagen bei denen schon in der Kindheit zu bemerken sind, welche später Geheimschüler werden. Es gibt Kinder, die mit heiliger Scheu zu gewissen von ihnen verehrten Personen emporblicken. Sie haben eine Ehrfurcht vor ihnen, die ihnen im tiefsten Herzensgrunde verbietet, irgendeinen Gedanken aufkommen zu lassen von Kritik, von Opposition. Solche Kinder wachsen zu Jünglingen und Jungfrauen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|20}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
heran, denen es wohltut, wenn sie zu irgend etwas Verehrungsvollem aufsehen können. Aus den Reihen dieser Menschenkinder gehen viele Geheimschüler hervor. Hast du einmal vor der Türe eines verehrten Mannes gestanden und hast du bei diesem deinem ersten Besuche eine heilige Scheu empfunden, auf die Klinke zu drücken, um in das Zimmer zu treten, das für dich ein «Heiligtum» ist, so hat sich in dir ein Gefühl geäußert, das der Keim sein kann für deine spätere Geheimschülerschaft. Es ist ein Glück für jeden heranwachsenden Menschen, solche Gefühle als Anlagen in sich zu tragen. Man glaube nur ja nicht, daß solche Anlagen den Keim zur Unterwürfigkeit und Sklaverei bilden. Es wird später die erst kindliche Verehrung gegenüber Menschen zur Verehrung gegenüber Wahrheit und Erkenntnis. Die Erfahrung lehrt, daß diejenigen Menschen auch am besten verstehen, das Haupt frei zu tragen, die verehren gelernt haben da, wo Verehrung am Platze ist. Und am Platze ist sie überall da, wo sie aus den Tiefen des Herzens entspringt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir nicht das tiefgründige Gefühl in uns entwickeln, daß es etwas Höheres gibt, als wir sind, werden wir auch nicht in uns die Kraft finden, uns zu einem Höheren hinaufzuentwickeln. Der Eingeweihte hat sich nur dadurch die Kraft errungen, sein Haupt zu den Höhen der Erkenntnis zu erheben, daß er sein Herz in die Tiefen der Ehrfurcht, der Devotion geführt hat. Höhe des Geistes kann nur erklommen werden, wenn durch das Tor der Demut geschritten wird. Ein rechtes Wissen kannst du nur erlangen, wenn du gelernt hast, dieses Wissen zu achten. Der Mensch hat gewiß das Recht, sein Auge dem Lichte entgegenzuhalten; aber er muß dieses Recht erwerben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|21}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im geistigen Leben gibt es ebenso Gesetze wie im materiellen. Streiche eine Glasstange mit einem entsprechenden Stoffe, und sie wird elektrisch, das heißt: sie erhält die Kraft, kleine Körper anzuziehen. Dies entspricht einem Naturgesetz. Hat man ein wenig Physik gelernt, so weiß man dies. Und ebenso weiß man, wenn man die Anfangsgründe der Geheimwissenschaft kennt, daß jedes in der Seele entwickelte Gefühl von wahrer Devotion eine Kraft entwickelt, die in der Erkenntnis früher oder später weiter führen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer in seinen Anlagen die devotionellen Gefühle hat, oder wer das Glück hat, sie durch eine entsprechende Erziehung eingepflanzt zu erhalten, der bringt vieles mit, wenn er im späteren Leben den Zugang zu höheren Erkenntnissen sucht. Wer eine solche Vorbereitung nicht mitbringt, dem erwachsen schon auf der ersten Stufe des Erkenntnispfades Schwierigkeiten, wenn er nicht durch Selbsterziehung die devotionelle Stimmung energisch in sich zu erzeugen unternimmt. In unserer Zeit ist es ganz besonders wichtig, daß auf diesen Punkt die volle Aufmerksamkeit gelenkt wird. Unsere Zivilisation neigt mehr zur Kritik, zum Richten, zum Aburteilen und wenig zur Devotion, zur hingebungsvollen Verehrung. Unsere Kinder schon kritisieren viel mehr, als sie hingebungsvoll verehren. Aber jede Kritik, jedes richtende Urteil vertreiben ebensosehr die Kräfte der Seele zur höheren Erkenntnis, wie jede hingebungsvolle Ehrfurcht sie entwickelt. Damit soll gar nichts gegen unsere Zivilisation gesagt sein. Es handelt sich hier gar nicht darum, Kritik an dieser unserer Zivilisation zu üben. Gerade der Kritik, dem selbstbewußten. menschlichen Urteil, dem «Prüfet alles und das Beste&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|22}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
behaltet», verdanken wir die Größe unserer Kultur. Nimmermehr hätte der Mensch die Wissenschaft, die Industrie, den Verkehr, die Rechtsverhältnisse unserer Zeit erlangt, wenn er nicht überall Kritik geübt, überall den Maßstab seines Urteils angelegt hätte. Aber was wir dadurch an äußerer Kultur gewonnen haben, mußten wir mit einer entsprechenden Einbuße an höherer Erkenntnis, an spirituellem Leben bezahlen. Betont muß werden, daß es sich beim höheren Wissen nicht um Verehrung von Menschen, sondern um eine solche gegenüber Wahrheit und Erkenntnis handelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nur das eine muß freilich sich jeder klarmachen, daß derjenige, der ganz in der veräußerlichten Zivilisation unserer Tage darinnen steckt, es sehr schwer hat, zur Erkenntnis der höheren Welten vorzudringen. Er kann es nur, wenn er energisch an sich arbeitet. In einer Zeit, in der die Verhältnisse des materiellen Lebens einfache waren, war auch geistiger Aufschwung leichter zu erreichen. Das Verehrungswürdige, das Heiligzuhaltende hob sich mehr von den übrigen Weltverhältnissen ab. Die Ideale werden in einem kritischen Zeitalter herabgezogen. Andere Gefühle treten an die Stelle der Verehrung, der Ehrfurcht, der Anbetung und Bewunderung. Unser Zeitalter drängt diese Gefühle immer mehr zurück, so daß sie durch das alltägliche Leben dem Menschen nur noch in sehr geringem Grade zugeführt werden. Wer höhere Erkenntnis sucht, muß sie in sich erzeugen. Er muß sie selbst seiner Seele einflößen. Das kann man nicht durch Studium. Das kann man nur durch das Leben. Wer Geheimschüler werden will, muß sich daher energisch zur devotionellen Stimmung erziehen. Er muß überall in seiner Umgebung,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
in seinen Erlebnissen dasjenige aufsuchen, was ihm Bewunderung und Ehrerbietung abzwingen kann. Begegne ich einem Menschen und tadle ich seine Schwächen, so raube ich mir höhere Erkenntniskraft; suche ich liebevoll mich in seine Vorzüge zu vertiefen, so sammle ich solche Kraft. Der Geheimjünger muß fortwährend darauf bedacht sein, diese Anleitung zu befolgen. Erfahrene Geheimforscher wissen, was sie für eine Kraft dem Umstande verdanken, daß sie immer wieder allen Dingen gegenüber auf das Gute sehen und mit dem richtenden Urteile zurückhalten. Aber dies darf nicht eine äußerliche Lebensregel bleiben. Sondern es muß von dem Innersten unsrer Seele Besitz ergreifen. Der Mensch hat es in seiner Hand, sich selbst zu vervollkommnen, sich mit der Zeit ganz zu verwandeln. Aber es muß sich diese Umwandlung in seinem Innersten, in seinem Gedankenleben vollziehen. Es genügt nicht, daß ich äußerlich in meinem Verhalten Achtung gegenüber einem Wesen zeige. Ich muß diese Achtung in meinen Gedanken haben. Damit muß der Geheimschüler beginnen, daß er die Devotion in sein Gedankenleben aufnimmt. Er muß auf die Gedanken der Unehrerbietung, der abfälligen Kritik in seinem Bewußtsein achten. Und er muß geradezu suchen, in sich Gedanken der Devotion zu pflegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jeder Augenblick, in dem man sich hinsetzt, um gewahr zu werden in seinem Bewußtsein, was in einem steckt an abfälligen, richtenden, kritischen Urteilen über Welt und Leben: jeder solcher Augenblick bringt uns der höheren Erkenntnis näher. Und wir steigen rasch auf, wenn wir in solchen Augenblicken unser Bewußtsein nur erfüllen mit Gedanken, die uns mit Bewunderung, Achtung,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|24}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verehrung gegenüber Welt und Leben erfüllen. Wer in diesen Dingen Erfahrung hat, der weiß, daß in jedem solchen Augenblicke Kräfte in dem Menschen erweckt werden, die sonst schlummernd bleiben. Es werden dadurch dem Menschen die geistigen Augen geöffnet. Er fängt dadurch an, Dinge um sich herum zu sehen, die er früher nicht hat sehen können. Er fängt an zu begreifen, daß er vorher nur einen Teil der ihn umgebenden Welt gesehen hat. Der Mensch, der ihm gegenübertritt, zeigt ihm jetzt eine ganz andere Gestalt als vorher. Zwar wird er durch diese Lebensregel noch nicht imstande sein, schon das zu sehen, was zum Beispiel als die menschliche Aura beschrieben wird. Denn dazu ist eine noch höhere Schulung nötig. Aber eben zu dieser höheren Schulung kann er aufsteigen, wenn er vorher eine energische Schulung in Devotion durchgemacht hat.*&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Geräuschlos und unbemerkt von der äußeren Welt vollzieht sich das Betreten des «Erkenntnispfades» durch den Geheimschüler. Niemand braucht an ihm eine Veränderung wahrzunehmen. Er tut seine Pflichten wie vorher; er besorgt seine Geschäfte wie ehedem. Die Verwandlung geht lediglich mit der inneren Seite der Seele vor sich, die dem äußeren Auge entzogen ist. Zunächst überstrahlt das ganze Gemütsleben des Menschen die eine Grundstimmung der Devotion gegenüber allem wahrhaft Ehrwürdigen. In diesem einen Grundgefühle findet sein ganzes Seelenleben den Mittelpunkt. Wie die Sonne durch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- - -&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;#&amp;lt;/nowiki&amp;gt;FN010-024-* In übersichtlicher Art findet man den «Pfad der Erkenntnis» im letzten Abschnitt meiner «Theosophie, Einführung in übersinnliche Weltanschauung und Menschenbestimmung». Hier sollen im einzelnen praktische Gesichtspunkte angegeben werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|25}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ihre Strahlen alles Lebendige belebt, so belebt beim Geheimschüler die Verehrung alle Empfindungen der Seele.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es wird dem Menschen anfangs nicht leicht, zu glauben, daß Gefühle wie Ehrerbietung, Achtung und so weiter etwas mit seiner Erkenntnis zu tun haben. Dies rührt davon her, daß man geneigt ist, die Erkenntnis als eine Fähigkeit für sich hinzustellen, die mit dem in keiner Verbindung steht, was sonst in der Seele vorgeht man bedenkt dabei aber nicht, daß die Seele es ist, welche erkennt und für die Seele sind Gefühle das, was für den Leib die Stoffe sind, welche seine Nahrung ausmachen. Wenn man dem Leibe Steine statt Brot gibt, so erstirbt seine Tätigkeit ähnlich ist es mit der Seele. Für sie sind Verehrung, Achtung, Devotion nährende Stoffe, die sie gesund, kräftig machen; vor allem kräftig zur Tätigkeit des Erkennens. Mißachtung, Antipathie, Unterschätzung des Anerkennenswerten bewirken Lähmung und Ersterben der erkennenden Tätigkeit. Für den Geistesforscher ist diese Tatsache an der Aura ersichtlich. Eine Seele, die sich verehrende, devotionelle Gefühle aneignet, bewirkt eine Veränderung ihrer Aura. Gewisse als gelbrote, braun-rote zu bezeichnende geistige Farbentöne verschwinden und werden durch blaurote ersetzt. Dadurch aber öffnet sich das Erkenntnisvermögen; es empfängt Kunde von Tatsachen in seiner Umgebung, von denen es vorher keine Ahnung hatte. Die Verehrung weckt eine sympathische Kraft in der Seele, und durch diese werden Eigenschaften der uns umgebenden Wesen von uns angezogen, die sonst verborgen bleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wirksamer noch wird das, was durch die Devotion zu erreichen ist, wenn eine andere Gefühlsart hinzukommt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|26}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie besteht darinnen, daß der Mensch lernt, sich immer weniger den Eindrücken der Außenwelt hinzugeben, und dafür ein reges Innenleben entwickelt. Ein Mensch, der von einem Eindruck der Außenwelt zu dem andern jagt, der stets nach «Zerstreuung» sucht, findet nicht den Weg zur Geheimwissenschaft. Nicht abstumpfen soll sich der Geheimschüler für die Außenwelt; aber sein reiches Innenleben soll ihm die Richtung geben, in der er sich ihren Eindrücken hingibt. Wenn ein gefühlsreicher und gemütstiefer Mensch durch eine schöne Gebirgslandschaft geht, erlebt er anderes als ein gefühlsarmer. Erst was wir im Innern erleben, gibt uns den Schlüssel zu den Schönheiten der Außenwelt. Der eine fährt über das Meer, und nur wenig innere Erlebnisse ziehen durch seine Seele; der andere empfindet dabei die ewige Sprache des Weltgeistes; ihm enthüllen sich geheime Rätsel der Schöpfung. Man muß gelernt haben, mit seinen eigenen Gefühlen, Vorstellungen umzugehen, wenn man ein inhaltvolles Verhältnis zur Außenwelt entwickeln will. Die Außenwelt ist in allen ihren Erscheinungen erfüllt von göttlicher Herrlichkeit; aber man muß das Göttliche erst in seiner Seele selbst erlebt haben, wenn man es in der Umgebung finden will. Der Geheimschüler wird darauf verwiesen, sich Augenblicke in seinem Leben zu schaffen, in denen er still und einsam sich in sich selbst versenkt. Nicht den Angelegenheiten seines eigenen Ich aber soll er sich in solchen Augenblicken hingeben. Das würde das Gegenteil von dem bewirken, was beabsichtigt ist. Er soll vielmehr in solchen Augenblicken in aller Stille nachklingen lassen, was er erlebt hat, was ihm die äußere Welt gesagt hat. Jede Blume, jedes Tier, jede Handlung wird ihm in solchen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|27}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
stillen Augenblicken ungeahnte Geheimnisse enthüllen. Und er wird vorbereitet dadurch, neue Eindrücke der Außenwelt mit ganz anderen Augen zu sehen als vorher. Wer nur Eindruck nach Eindruck genießen will, stumpft sein Erkenntnisvermögen ab. Wer, nach dem Genusse, sich von dem Genusse etwas offenbaren läßt, der pflegt und erzieht sein Erkenntnisvermögen. Er muß sich nur daran gewöhnen, nicht etwa nur den Genuß nachklingen zu lassen, sondern, mit Verzicht auf weiteren Genuß, das Genossene durch innere Tätigkeit zu verarbeiten. Die Klippe ist hier eine sehr große, die Gefahr bringt. Statt in sich zu arbeiten, kann man leicht in das Gegenteil verfallen und den Genuß nur hinterher noch völlig ausschöpfen wollen. Man unterschätze nicht, daß sich hier unabsehbare Quellen des Irrtums für den Geheimschüler eröffnen. Er muß ja hindurch zwischen einer Schar von Verführern seiner Seele. Sie alle wollen sein «Ich» verhärten, in sich selbst verschließen. Er aber soll es aufschließen für die Welt. Er muß ja den Genuß suchen; denn nur durch ihn kommt die Außenwelt an ihn heran. Stumpft er sich gegen den Genuß ab, so wird er wie eine Pflanze, die aus ihrer Umgebung keine Nahrungsstoffe mehr an sich ziehen kann. Bleibt er aber beim Genusse stehen, so verschließt er sich in sich selbst Er wird nur etwas für sich, nichts für die Welt bedeuten. Mag er in sich dann noch so sehr leben, mag er sein «Ich» noch so stark pflegen: die Welt scheidet ihn aus. Für sie ist er tot. Der Geheimschüler betrachtet den Genuß nur als ein Mittel, um sich für die Welt zu veredeln. Der Genuß ist ihm ein Kundschafter, der ihn unterrichtet über die Welt; aber er schreitet nach dem Unterricht durch den Genuß zur Arbeit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|28}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
vorwärts. Er lernt nicht, um das Gelernte als seine Wissensschätze aufzuhäufen, sondern um das Gelernte in den Dienst der Welt zu stellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist ein Grundsatz in aller Geheimwissenschaft, der nicht übertreten werden darf, wenn irgendein Ziel erreicht werden soll. Jede Geheimschulung muß ihn dem Schüler einprägen. Er heißt: Jede Erkenntnis, die du suchst, nur um dein Wissen zu bereichern, nur um Schätze in dir anzuhäufen, führt dich ab von deinem Wege; jede Erkenntnis aber, die du suchst, um reifer zu werden auf dem Wege der Menschenveredelung und der Weltenentwickelung, die bringt dich einen Schritt vorwärts. Dieses Gesetz fordert unerbittlich seine Beobachtung. Und man ist nicht früher Geheimschüler, ehe man dieses Gesetz zur Richtschnur seines Lebens gemacht hat. Man kann diese Wahrheit der geistigen Schulung in den kurzen Satz zusammenfassen: Jede Idee, die dir nicht zum Ideal wird, ertötet in deiner Seele eine Kraft; jede Idee, die aber zum Ideal wird, erschafft in dir Lebenskräfte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Innere Ruhe ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf den Pfad der Verehrung und auf die Entwickelung des inneren Lebens wird der Geheimschüler im Anfange seiner Laufbahn gewiesen. Die Geisteswissenschaft gibt nun auch praktische Regeln an die Hand, durch deren Beobachtung der Pfad betreten, das innere Leben entwickelt werden kann. Diese praktischen Regeln entstammen nicht der Willkür. Sie beruhen auf uralten Erfahrungen und uraltem Wissen. Sie werden überall in der gleichen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|29}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Art gegeben, wo die Wege zur höheren Erkenntnis gewiesen werden. Alle wahren Lehrer des geistigen Lebens stimmen in bezug auf den Inhalt dieser Regeln überein, wenn sie dieselben auch nicht immer in die gleichen Worte kleiden. Die untergeordnete, eigentlich nur scheinbare Verschiedenheit rührt von Tatsachen her, welche hier nicht zu besprechen sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kein Lehrer des Geisteslebens will durch solche Regeln eine Herrschaft über andere Menschen ausüben. Er will niemand in seiner Selbständigkeit beeinträchtigen. Denn es gibt keine besseren Schätzer und Hüter der menschlichen Selbständigkeit als die Geheimforscher. Es ist (im ersten Teile in dieser Schrift) gesagt worden, das Band, das alle Eingeweihten umfaßt, sei ein geistiges, und zwei naturgemäße Gesetze bilden die Klammern, welche die Bestandteile dieses Bandes zusammenhalten. Tritt nun der Eingeweihte aus seinem umschlossenen Geistgebiet heraus, vor die Öffentlichkeit: dann kommt für ihn sogleich ein drittes Gesetz in Betracht. Es ist dieses: Richte jede deiner Taten, jedes deiner Worte so ein, daß durch dich in keines Menschen freien Willensentschluß eingegriffen wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer durchschaut hat, daß ein wahrer Lehrer des Geisteslebens ganz von dieser Gesinnung durchdrungen ist, der kann auch wissen, daß er nichts von seiner Selbständigkeit einbüßt, wenn er den praktischen Regeln folgt, die ihm gebeten werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine der ersten dieser Regeln kann nun etwa in die folgenden Worte der Sprache gekleidet werden: «Schaffe dir Augenblicke innerer Ruhe und lerne in diesen Augenblicken das Wesentliche von dem Unwesentlichen unterscheiden.»&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|30}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es wird hier gesagt, diese praktische Regel laute so in «Worte der Sprache gefaßt». Ursprünglich werden nämlich alle Regeln und Lehren der Geisteswissenschaft in einer sinnbildlichen Zeichensprache gegeben. Und wer ihre ganze Bedeutung und Tragweite kennenlernen will, der muß erst diese sinnbildliche Sprache sich zum Verständnis bringen. Dieses Verständnis ist davon abhängig, daß der Betreffende bereits die ersten Schritte in der Geheimwissenschaft getan hat. Diese Schritte aber kann er durch die genaue Beobachtung solcher Regeln gehen, wie sie hier gegeben werden. Jedem steht der Weg offen, der ernstliches Wollen hat&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einfach ist die obige Regel bezüglich der Augenblicke der inneren Ruhe. Und einfach ist auch ihre Befolgung. Aber zum Ziele führt sie nur, wenn sie ebenso ernst und streng angefaßt wird, wie sie einfach ist. Ohne Umschweife soll daher hier auch gesagt werden, wie diese Regel zu befolgen ist&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Geheimschüler hat sich eine kurze Zeit von seinem täglichen Leben auszusondern, um sich in dieser Zeit mit etwas ganz anderem zu befassen, als die Gegenstände seiner täglichen Beschäftigung sind. Und auch die Art seiner Beschäftigung muß eine ganz andere sein als diejenige, mit der er den übrigen Tag ausfüllt. Das ist aber nicht so zu verstehen, als ob dasjenige, was er in dieser ausgesonderten Zeit vollbringt, nichts zu tun habe mit dem Inhalt seiner täglichen Arbeit. Im Gegenteil: der Mensch, der solche abgesonderten Augenblicke in der rechten Art sucht, wird bald bemerken, daß er durch sie erst die volle Kraft zu seiner Tagesaufgabe erhält. Auch darf nicht geglaubt werden, daß die Beobachtung dieser Regel jemandem&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|31}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wirklich Zeit von seiner Pflichtenleistung entziehen könne. Wenn jemand wirklich nicht mehr Zeit zur Verfügung haben sollte, so genügen fünf Minuten jeden Tag. Es kommt darauf an, wie diese fünf Minuten angewendet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dieser Zeit soll der Mensch sich vollständig herausreißen aus seinem Alltagsleben. Sein Gedanken-, sein Gefühlsleben soll da eine andere Färbung erhalten, als sie sonst haben. Er soll seine Freuden, seine Leiden, seine Sorgen, seine Erfahrungen, seine Taten vor seiner Seele vorbeiziehen lassen. Und er soll sich dabei so stellen, daß er alles das, was er sonst erlebt, von einem höheren Gesichtspunkte aus ansieht. Man denke nur einmal daran, wie man im gewöhnlichen Leben etwas ganz anders ansieht, was ein anderer erlebt oder getan hat, als was man selbst erlebt oder getan hat. Das kann nicht anders sein. Denn mit dem, was man selbst erlebt oder tut, ist man verwoben; das Erlebnis oder die Tat eines anderen betrachtet man nur. Was man in den ausgesonderten Augenblicken anzustreben hat, ist nun, die eigenen Erlebnisse und Taten so anzuschauen, so zu beurteilen, als ob man sie nicht selbst, sondern als ob sie ein anderer erlebt oder getan hätte. Man stelle sich einmal vor: jemand habe einen schweren Schicksalsschlag erlebt. Wie anders steht er dem gegenüber als einem ganz gleichen Schicksalsschläge bei seinem Mitmenschen? Niemand kann das für unberechtigt halten. Es liegt in der menschlichen Natur. Und ähnlich wie in solchen außergewöhnlichen Fällen ist es in den alltäglichen Angelegenheiten des Lebens. Der Geheimschüler muß die Kraft suchen, sich selbst in gewissen Zeiten wie ein Fremder gegenüberzustehen. Mit der inneren Ruhe&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|32}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
des Beurteilers muß er sich selbst entgegentreten. Erreicht man das, dann zeigen sich einem die eigenen Erlebnisse in einem neuen Lichte. Solange man in sie verwoben ist, solange man in ihnen steht, hängt man mit dem Unwesentlichen ebenso zusammen wie mit dem Wesentlichen. Kommt man zur inneren Ruhe des Überblicks, dann sondert sich das Wesentliche von dem Unwesentlichen. Kummer und Freude, jeder Gedanke, jeder Entschluß erscheinen anders, wenn man sich so selbst gegenübersteht. Es ist, wie wenn man den ganzen Tag hindurch in einem Orte sich aufgehalten hat und das Kleinste ebenso nahe gesehen hat wie das Größte; dann des Abends auf einen benachbarten Hügel steigt und den ganzen Ort auf einmal überschaut. Da erscheinen die Teile dieses Ortes in anderen gegenseitigen Verhältnissen, als wenn man darinnen ist. Mit gegenwärtig erlebten Schicksalsfügungen wird und braucht dies nicht zu gelingen; mit länger vergangenen muß es vom Schüler des Geisteslebens erstrebt werden. Der Wert solcher inneren, ruhigen Selbstschau hängt viel weniger davon ab, was man dabei erschaut, als vielmehr davon, daß man in sich die Kraft findet, die solche innere Ruhe entwickelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denn jeder Mensch trägt neben seinem wir wollen ihn so nennen Alltagsmenschen in seinem Innern noch einen höheren Menschen. Dieser höhere Mensch bleibt so lange verborgen, bis er geweckt wird. Und jeder kann diesen höheren Menschen nur selbst in sich erwecken. Solange aber dieser höhere Mensch nicht erweckt ist, so lange bleiben auch die in jedem Menschen schlummernden höheren Fähigkeiten verborgen, die zu übersinnlichen Erkenntnissen führen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|33}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Solange jemand die Frucht der inneren Ruhe nicht fühlt, muß er sich eben sagen, daß er in der ernsten strengen Befolgung der angeführten Regel fortfahren muß. Für jeden, der so verfährt, kommt der Tag, wo es um ihn herum geistig hell wird, wo sich einem Auge, das er bis dahin in sich nicht gekannt hat, eine ganz neue Welt erschließen wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und nichts braucht sich im äußeren Leben des Geheimschülers zu ändern dadurch, daß er anfängt, diese Regel zu befolgen. Er geht seinen Pflichten nach wie vorher; er duldet dieselben Leiden und erlebt dieselben Freuden zunächst wie vorher. In keiner Weise kann er dadurch dem «Leben» entfremdet werden. Ja, er kann um so voller den übrigen Tag hindurch diesem «Leben» nachgehen, weil er in seinen ausgesonderten Augenblicken ein «höheres Leben» sich aneignet. Nach und nach wird dieses «höhere Leben» schon seinen Einfluß auf das gewöhnliche geltend machen. Die Ruhe der ausgesonderten Augenblicke wird ihre Wirkung auch auf den Alltag haben. Der ganze Mensch wird ruhiger werden, wird Sicherheit bei all seinen Handlungen gewinnen, wird nicht mehr aus der Fassung gebracht werden können durch alle möglichen Zwischenfälle. Allmählich wird sich solch angehender Geheimschüler sozusagen immer mehr selbst leiten und weniger von den Umständen und äußeren Einflüssen leiten lassen. Ein solcher Mensch wird bald bemerken, was für eine Kraftquelle solche ausgesonderte Zeitabschnitte für ihn sind. Er wird anfangen, sich über Dinge nicht mehr zu ärgern, über die er sich vorher geärgert hat; unzählige Dinge, die er vorher gefürchtet hat, hören auf, ihm Befürchtungen zu machen. Eine ganz neue&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|34}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lebensauffassung eignet er sich an. Vorher ging er vielleicht zaghaft an diese oder jene Verrichtung. Er sagte sich: Oh, meine Kraft reicht nicht aus, dies so zu machen, wie ich es gerne gemacht hätte. Jetzt kommt ihm nicht mehr dieser Gedanke, sondern vielmehr ein ganz anderer. Nunmehr sagt er sich nämlich: Ich will alle Kraft zusammennehmen, um meine Sache so gut zu machen, als ich nur irgend kann. Und den Gedanken, der ihn zaghaft machen könnte, unterdrückt er. Denn er weiß, daß ihn eben die Zaghaftigkeit zu einer schlechten Leistung veranlassen könnte, daß jedenfalls diese Zaghaftigkeit nichts beitragen kann zur Verbesserung dessen, was ihm obliegt. Und so ziehen Gedanke nach Gedanke in die Lebensauffassung des Geheimschülers ein, die fruchtbar, förderlich sind für sein Leben. Sie treten an die Stelle von solchen, die ihm hinderlich, schwächend waren. Er fängt an, sein Lebensschiff einen sicheren, festen Gang zu führen innerhalb der Wogen des Lebens, während es vorher von diesen Wogen hin und her geschlagen worden ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und solche Ruhe und Sicherheit wirken auch auf das ganze menschliche Wesen zurück. Der innere Mensch wächst dadurch. Und mit ihm wachsen jene inneren Fähigkeiten, welche zu den höheren Erkenntnissen führen. Denn durch seine in dieser Richtung gemachten Fortschritte gelangt der Geheimschüler allmählich dahin, daß er selbst bestimmt, wie die Eindrücke der Außenwelt auf ihn einwirken dürfen. Er hört zum Beispiel ein Wort, durch das ein anderer ihn verletzen oder ärgern will. Vor seiner Geheimschülerschaft wäre er auch verletzt worden oder hätte sich geärgert. Da er nun den Pfad der Geheimschülerschaft betreten hat, ist er imstande, dem Worte seinen verletzenden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|35}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
oder ärgerlichen Stachel zu nehmen, bevor es den Weg zu seinem Innern gefunden hat. Oder ein anderes Beispiel. Ein Mensch wird leicht ungeduldig, wenn er warten soll. Er betritt den Pfad des Geheimschülers. Er durchdringt sich in seinen Augenblicken der Ruhe so sehr mit dem Gefühl von der Zwecklosigkeit vieler Ungeduld, daß er fortan bei jeder erlebten Ungeduld sofort dieses Gefühl gegenwärtig hat. Die Ungeduld, die sich schon einstellen wollte, verschwindet, und eine Zeit, die sonst verlorengegangen wäre unter den Vorstellungen der Ungeduld, wird vielleicht ausgefüllt von einer nützlichen Beobachtung, die während des Wartens gemacht werden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun muß man sich nur die Tragweite von alledem vergegenwärtigen. Man bedenke, daß der «höhere Mensch» im Menschen in fortwährender Entwickelung ist. Durch die beschriebene Ruhe und Sicherheit wird ihm aber allein eine gesetzmäßige Entwickelung ermöglicht. Die Wogen des äußeren Lebens zwängen den inneren Menschen von allen Seiten ein, wenn der Mensch nicht dieses Leben beherrscht, sondern von ihm beherrscht wird. Ein solcher Mensch ist wie eine Pflanze, die sich in einer Felsspalte entwickeln soll. Sie verkümmert so lange, bis man ihr Raum schafft. Dem inneren Menschen können keine äußeren Kräfte Raum schaffen. Das vermag nur die innere Ruhe, die er seiner Seele schafft. Äußere Verhältnisse können nur seine äußere Lebenslage ändern; den «geistigen Menschen» in ihm können sie nie und nimmer erwecken. In sich selbst muß der Geheimschüler einen neuen, einen höheren Menschen gebären.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser «höhere Mensch» wird dann der «innere Herrscher»,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|36}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der mit sicherer Hand die Verhältnisse des äußeren Menschen führt. Solange der äußere Mensch die Oberhand und Leitung hat, ist dieser «innere» sein Sklave und kann daher seine Kräfte nicht entfalten. Hängt es von etwas anderem als von mir ab, ob ich mich ärgere oder nicht, so bin ich nicht Herr meiner selbst, oder noch besser gesagt : ich habe den «Herrscher in mir» noch nicht gefunden. Ich muß in mir die Fähigkeit entwickeln, die Eindrücke der Außenwelt nur in einer durch mich selbst bestimmten Weise an mich herankommen zu lassen; dann kann ich erst Geheimschüler werden. Und nur insoweit der Geheimschüler ernstlich nach dieser Kraft sucht, kann er zum Ziel kommen. Es kommt nicht darauf an, wie weit es einer in einer bestimmten Zeit bringt; sondern allein darauf, daß er ernstlich sucht. Schon manchen hat es gegeben, der jahrelang sich angestrengt hat, ohne an sich einen merklichen Fortschritt zu bemerken; viele von denen aber, die nicht verzweifelt, sondern unerschütterlich geblieben sind, haben dann ganz plötzlich den «inneren Sieg» errungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gehört gewiß in mancher Lebenslage eine große Kraft dazu, sich Augenblicke innerer Ruhe zu schaffen. Aber je größer die notwendige Kraft, desto bedeutender ist auch das, was erreicht wird. Alles hängt in bezug auf die Geheimschülerschaft davon ab, daß man energisch, mit innerer Wahrheit und rückhaltloser Aufrichtigkeit sich selbst, mit allen seinen Handlungen und Taten, als ein völlig Fremder gegenüberstehen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber nur eine Seite der inneren Tätigkeit des Geheimschülers ist durch diese Geburt des eigenen höheren Menschen gekennzeichnet. Es muß dazu noch etwas anderes&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|37}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
kommen. Wenn sich nämlich der Mensch auch selbst als ein Fremder gegenübersteht, so betrachtet er doch nur sich selbst; er sieht auf diejenigen Erlebnisse und Handlungen, mit denen er durch seine besondere Lebenslage verwachsen ist. Er muß darüber hinauskommen. Er muß sich erheben zu einem rein Menschlichen, das nichts mehr mit seiner besonderen Lage zu tun hat. Er muß zu einer Betrachtung derjenigen Dinge übergehen, die ihn als Mensch etwas angingen, auch wenn er unter ganz anderen Verhältnissen, in einer ganz anderen Lage lebte. Dadurch lebt in ihm etwas auf, was über das Persönliche hinausragt. Er richtet damit den Blick in höhere Welten, als diejenigen sind, mit denen ihn der Alltag zusammenführt. Und damit beginnt der Mensch zu fühlen, zu erleben, daß er solchen höheren Welten angehört. Es sind das Welten, über die ihm seine Sinne, seine alltägliche Beschäftigung nichts sagen können. So erst verlegt er den Mittelpunkt seines Wesens in sein Inneres. Er hört auf die Stimmen in seinem Innern, die in den Augenblicken der Ruhe zu ihm sprechen; er pflegt im Innern Umgang mit der geistigen Welt. Er ist dem Alltag entrückt. Der Lärm dieses Alltags ist für ihn verstummt. Es ist um ihn herum still geworden. Er weist alles ab, was ihn an solche Eindrücke von außen erinnert. Die ruhige Beschaulichkeit im Innern, die Zwiesprache mit der rein geistigen Welt füllt seine ganze Seele aus. Ein natürliches Lebensbedürfnis muß dem Geheimschüler solche stille Beschaulichkeit werden. Er ist zunächst ganz in eine Gedanken-Welt versenkt. Er muß für diese stille Gedankentätigkeit ein lebendiges Gefühl entwickeln. Er muß lieben lernen, was ihm der Geist da zuströmt. Bald hört er dann auch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|38}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
auf, diese Gedankenwelt als etwas zu empfinden, was unwirklicher sei als die Dinge des Alltags, die ihn umgeben. Er fängt an, mit seinen Gedanken umzugehen wie mit den Dingen im Raume. Und dann naht für ihn auch der Augenblick, in dem er das, was sich ihm in der Stille innerer Gedankenarbeit offenbart, als viel höher, wirklicher zu fühlen beginnt als die Dinge im Raume. Er erfährt, daß sich Leben in dieser Gedankenwelt ausspricht. Er sieht ein, daß sich in Gedanken nicht bloße Schattenbilder ausleben, sondern, daß durch sie verborgene Wesenheiten zu ihm sprechen. Es fängt an, aus der Stille heraus zu ihm zu sprechen. Vorher hat es nur durch sein Ohr zu ihm getönt; jetzt tönt es durch seine Seele. Eine innere Sprache ein inneres Wort hat sich ihm erschlossen. Beseligt im höchsten Grade fühlt sich der Geheimschüler, wenn er diesen Augenblick zum ersten Male erlebt. Über seine ganze äußere Welt ergießt sich ein inneres Licht. Ein zweites Leben beginnt für ihn. Der Strom einer göttlichen, einer gottbeseligenden Welt ergießt sich durch ihn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Solches Leben der Seele in Gedanken, das sich immer mehr erweitert zu einem Leben in geistiger Wesenheit, nennt die Gnosis, die Geisteswissenschaft Meditation (beschauliches Nachdenken). Diese Meditation ist das Mittel zu übersinnlicher Erkenntnis. Aber nicht schwelgen in Gefühlen soll der Geheimschüler in solchen Augenblicken. Er soll nicht unbestimmte Empfindungen in seiner Seele haben. Das würde ihn nur hindern, zu wahrer geistiger Erkenntnis zu kommen. Klar, scharf, bestimmt sollen sich seine Gedanken gestalten. Dazu wird er einen Anhalt finden, wenn er sich nicht blind an die Gedanken hält, die ihm aufsteigen. Er soll sich vielmehr mit den&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|39}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
hohen Gedanken durchdringen, welche vorgeschrittene, schon vom Geist erfaßte Menschen in solchen Augenblicken gedacht haben. Er soll zum Ausgangspunkte die Schriften nehmen, die selbst solcher Offenbarung in der Meditation entsprossen sind. In der mystischen, in der gnostischen, in der geisteswissenschaftlichen Literatur von heute findet der Geheimschüler solche Schriften. Da ergeben sich ihm die Stoffe zu seiner Meditation. Die Geistsucher haben selbst in solchen Schriften die Gedanken der göttlichen Wissenschaft niedergelegt; der Geist hat durch seine Boten sie der Welt verkündigen lassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch solche Meditation geht eine völlige Verwandlung mit dem Geheimschüler vor. Er fängt an, über die Wirklichkeit ganz neue Vorstellungen sich zu bilden. Alle Dinge erhalten für ihn einen anderen Wert. Immer wieder muß es gesagt werden: nicht weltfremd wird der Geheimschüler durch solche Wandlung. Er wird auf keinen Fall seinem alltäglichen Pflichtenkreis entfremdet. Denn er lernt einsehen, daß die geringste Handlung, die er zu vollbringen hat, das geringste Erlebnis, das sich ihm darbietet, im Zusammenhang stehen mit den großen Weltwesenheiten und Weltereignissen. Wird ihm dieser Zusammenhang durch seine beschaulichen Augenblicke erst klar, dann geht er mit neuer vollerer Kraft an seinen täglichen Wirkungskreis. Denn jetzt weiß er: was er arbeitet, was er leidet, das arbeitet, leidet er um eines großen, geistigen Weltzusammenhanges willen. Kraft zum Leben, nicht Lässigkeit quillt aus der Meditation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit sicherem Schritt geht der Geheimschüler durch das Leben. Was es ihm auch bringen mag, läßt ihn aufrecht schreiten. Vorher hat er nicht gewußt, warum er arbeitet,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|40}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
warum er leidet: jetzt weiß er dies. Einzusehen ist, daß solche Meditationstätigkeit besser zum Ziele führt, wenn sie unter Anleitung erfahrener Menschen geschieht. Solchen Menschen, die von sich aus wissen, wie alles am besten zu machen ist. Man sehe daher den Rat, die Anweisung solcher Menschen sich an. Man verliert dadurch wahrlich nicht seine Freiheit. Was sonst nur unsicheres Tappen sein kann, wird durch solche Anleitung zum zielsicheren Arbeiten. Wer sich um solche kümmert, die in dieser Richtung Wissen, Erfahrung haben, wird niemals vergeblich anklopfen. Er sei sich nur bewußt, daß er nichts anderes sucht als den Rat eines Freundes, nicht die Übermacht eines solchen, der herrschen will. Man wird immer finden, daß diejenigen, die wirklich wissen, die bescheidensten Menschen sind, und daß ihnen nichts ferner liegt als dasjenige, was die Menschen Machtgelüste nennen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer sich durch die Meditation erhebt zu dem, was den Menschen mit dem Geist verbindet, der beginnt in sich das zu beleben, was ewig in ihm ist, was nicht durch Geburt und Tod begrenzt ist. Nur diejenigen können zweifeln an einem solchen Ewigen, die es nicht selbst erlebt haben. So ist die Meditation der Weg, der den Menschen auch zur Erkenntnis, zur Anschauung seines ewigen, unzerstörbaren Wesenskernes führt. Und nur durch sie kann der Mensch zu solcher Anschauung kommen. Gnosis, Geisteswissenschaft sprechen von der Ewigkeit dieses Wesenskernes, von der Wiederverkörperung desselben. Oft wird gefragt, warum weiß der Mensch nichts von seinen Erlebnissen, die jenseits von Geburt und Tod liegen? Aber nicht so sollte gefragt werden. Sondern vielmehr so: wie gelangt man zu solchem Wissen? In der richtigen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|41}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Meditation eröffnet sich der Weg. Durch sie lebt die Erinnerung auf an Erlebnisse, die jenseits von Geburt und Tod liegen. Jeder kann dieses Wissen erwerben; in jedem liegen die Fähigkeiten, selbst zu erkennen, selbst zu schauen, was echte Mystik, Geisteswissenschaft, Anthroposophie und Gnosis lehren. Er muß nur die richtigen Mittel wählen. Nur ein Wesen, das Ohren und Augen hat, kann Töne und Farben wahrnehmen. Und auch das Auge kann nichts wahrnehmen, wenn das Licht fehlt, das die Dinge sichtbar macht. In der Geheimwissenschaft sind die Mittel gegeben, die geistigen Ohren und Augen zu entwickeln und das geistige Licht zu entzünden. Als drei Stufen können die Mittel der geistigen Schulung bezeichnet werden: 1. Die Vorbereitung. Sie entwickelt die geistigen Sinne. 2. Die Erleuchtung. Sie zündet das geistige Licht an. 3. Die Einweihung. Sie eröffnet den Verkehr mit den höheren Wesenheiten des Geistes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|42}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= DIE STUFEN DER EINWEIHUNG =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die folgenden Mitteilungen sind Glieder einer geistigen Schulung, über deren Namen und Wesenheit jeder sich klar wird, der sie richtig anwendet. Sie beziehen sich auf die drei Stufen, durch welche die Schule des geistigen Lebens zu einem gewissen Grade der Einweihung führt. Aber nur so viel von diesen Auseinandersetzungen wird man hier finden, als eben öffentlich gesagt werden kann. Es sind dies Andeutungen, welche aus einer noch viel tieferen, intimen Lehre herausgeholt sind. In der Geheimschulung selbst wird ein ganz bestimmter Lehrgang befolgt. Gewisse Verrichtungen dienen dazu, die Seele des Menschen zum bewußten Verkehr mit der geistigen Welt zu bringen. Diese Verrichtungen verhalten sich etwa zu dem, was im folgenden mitgeteilt wird, wie der Unterricht, den man jemandem in einer höheren streng geregelten Schule gibt, zu der Unterweisung, die man ihm gelegentlich auf einer vorbereitenden Schule zuteil werden läßt. Doch kann die ernste und beharrliche Verfolgung dessen, was man hier angedeutet findet, zur wirklichen Geheimschulung führen. Allerdings, das ungeduldige Probieren, ohne Ernst und Beharrlichkeit, kann zu gar nichts führen. Von Erfolg kann das Geheimstudium nur sein, wenn dasjenige zunächst eingehalten wird, was bereits gesagt worden ist, und auf dieser Grundlage fortgeschritten wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Stufen, welche die angedeutete Überlieferung angibt, sind die folgenden drei: 1. Die Vorbereitung, 2. die Erleuchtung, 3. die Einweihung. Es ist nicht durchaus notwendig, daß diese drei Stufen sich so folgen, daß man&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|43}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die erste ganz durchgemacht hat, bevor die zweite, und diese, bevor die dritte an die Reihe kommen. Man kann in bezug auf gewisse Dinge schon der Erleuchtung, ja der Einweihung teilhaftig werden, wenn man in bezug auf andere sich noch in der Vorbereitung befindet. Doch wird man eine gewisse Zeit in Vorbereitung zu verbringen haben, bevor überhaupt eine Erleuchtung beginnen kann. Und wenigstens für einiges wird man erleuchtet sein müssen, wenn der Anfang mit der Einweihung gemacht werden soll. In der Beschreibung aber müssen, der Einfachheit wegen, die drei Stufen hintereinander folgen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Vorbereitung ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Vorbereitung besteht in einer ganz bestimmten Pflege des Gefühls- und Gedankenlebens. Durch diese Pflege werden Seelen- und Geistesleib mit höheren Sinneswerkzeugen und Tätigkeitsorganen begabt, wie die Naturkräfte den physischen Leib aus unbestimmter lebendiger Materie mit Organen ausgerüstet haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Anfang muß damit gemacht werden, die Aufmerksamkeit der Seele auf gewisse Vorgänge in der uns umgebenden Welt zu lenken. Solche Vorgänge sind das sprießende, wachsende und gedeihende Leben einerseits, und alle Erscheinungen, die mit Verblühen, Verwelken, Absterben zusammenhängen, andererseits. Überall, wohin der Mensch die Augen wendet, sind solche Vorgänge gleichzeitig vorhanden. Und überall rufen sie naturgemäß auch in dem Menschen Gefühle und Gedanken hervor. Aber nicht genug gibt sich unter gewöhnlichen Verhältnissen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|44}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der Mensch diesen Gefühlen und Gedanken hin. Dazu eilt er viel zu rasch von einem Eindruck zum anderen. Es handelt sich darum, daß er intensiv die Aufmerksamkeit ganz bewußt auf diese Tatsachen lenke. Er muß, wo er Blühen und Gedeihen einer ganz bestimmten Art wahrnimmt, alles andere aus seiner Seele verbannen und sich kurze Zeit ganz allein diesem einen Eindrucke überlassen. Er wird sich bald überzeugen, daß ein Gefühl, das in einem solchen Falle durch seine Seele früher nur durchgehuscht ist, anschwillt, daß es eine kräftige und energische Form annimmt. Diese Gefühlsform muß er dann ruhig in sich nachklingen lassen. Er muß dabei ganz still in seinem Innern werden. Er muß sich abschließen von der übrigen Außenwelt und ganz allein dem folgen, was seine Seele zu der Tatsache des Blühens und Gedeihens sagt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dabei soll man nur ja nicht glauben, daß man weit kommt, wenn man seine Sinne etwa stumpf macht gegen die Welt. Erst schaue man so lebhaft, so genau, als es nur irgend möglich ist, die Dinge an. Dann erst gebe man sich dem in der Seele auflebenden Gefühle, dem aufsteigenden Gedanken hin. Worauf es ankommt, ist, daß man auf beides, im völligen inneren Gleichgewicht, die Aufmerksamkeit richte. Findet man die nötige Ruhe und gibt man sich dem hin, was in der Seele auflebt, dann wird man nach entsprechender Zeit das Folgende erleben. Man wird neue Arten von Gefühlen und Gedanken in seinem Innern aufsteigen sehen, die man vorher nicht gekannt hat. Je öfter man in einer solchen Weise die Aufmerksamkeit auf etwas Wachsendes, Blühendes und Gedeihendes und damit abwechselnd auf etwas Welkendes, Absterbendes&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|45}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
lenkt, desto lebhafter werden diese Gefühle werden. Und aus den Gefühlen und Gedanken, die so entstehen, bauen sich die Hellseherorgane ebenso auf, wie sich durch Naturkräfte aus belebtem Stoffe Augen und Ohren des physischen Körpers aufbauen. Eine ganz bestimmte Gefühlsform knüpft sich an das Wachsen und Werden; eine andere ganz bestimmte an das Verwelken und Absterben. Aber nur dann, wenn die Pflege dieser Gefühle auf die beschriebene Art angestrebt wird. Es ist möglich, annähernd richtig zu beschreiben, wie diese Gefühle sind. Eine vollständige Vorstellung kann sich davon jeder selbst verschaffen, indem er diese inneren Erlebnisse durchmacht. Wer oft die Aufmerksamkeit auf den Vorgang des Werdens, des Gedeihens, des Blühens gelenkt hat, der wird etwas fühlen, was der Empfindung bei einem Sonnenaufgang entfernt ähnlich ist. Und aus dem Vorgang des Welkens, Absterbens wird sich ihm ein Erlebnis ergeben, das in ebensolcher Art mit dem langsamen Aufsteigen des Mondes im Gesichtskreis zu vergleichen ist. Diese beiden Gefühle sind zwei Kräfte, die bei gehöriger Pflege, bei immer lebhafter werdender Ausbildung zu den bedeutsamsten geistigen Wirkungen führen. Wer sich immer wieder und wieder planmäßig, mit Vorsatz, solchen Gefühlen überläßt, dem eröffnet sich eine neue Welt. Die Seelenwelt, der sogenannte astrale Plan, beginnt vor ihm aufzudämmern. Wachsen und Vergehen bleiben für ihn nicht mehr Tatsachen, die ihm solch unbestimmte, Eindrücke machen wie vorher. Sie formen sich vielmehr zu geistigen Linien und Figuren, von denen er vorher nichts ahnte. Und diese Linien und Figuren haben für die verschiedenen Erscheinungen auch verschiedene Gestalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|46}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine blühende Blume zaubert vor seine Seele eine ganz bestimmte, Linie, ebenso ein im Wachsen begriffenes Tier oder ein im Absterben befindlicher Baum. Die Seelenwelt (der astrale Plan) breitet sich langsam vor ihm aus. Nichts Willkürliches liegt in diesen Linien und Figuren. Zwei Geheimschüler, die sich auf der entsprechenden Stufe der Ausbildung befinden, werden bei dem gleichen Vorgange stets dieselben Linien und Figuren sehen. So gewiß zwei richtig sehende Menschen einen runden Tisch rund sehen, und nicht einer rund und der andere viereckig, so gewiß stellt sich vor zwei Seelen beim Anblicke einer blühenden Blume dieselbe geistige Gestalt. So wie die Gestalten der Pflanzen und Tiere in der gewöhnlichen Naturgeschichte beschrieben werden, so beschreibt oder zeichnet der Kenner der Geheimwissenschaft die geistigen Gestalten der Wachstums und Absterbensvorgänge nach Gattungen und Arten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn der Schüler so weit ist, daß er solch geistige Gestalten von Erscheinungen sehen kann, die sich seinem äußeren Auge auch physisch zeigen: dann wird er auch nicht weit entfernt sein von der Stufe, Dinge zu sehen, die kein physisches Dasein haben, die also dem ganz verborgen (okkult) bleiben müssen, der keine, Unterweisung in der Geheimlehre erhalten hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu betonen ist, daß der Geheimforscher sich nicht in ein Nachsinnen verlieren soll, was dieses oder jenes Ding bedeutet. Durch solche Verstandesarbeit bringt er sich nur von dem rechten Wege ab. Er soll frisch, mit gesundem Sinne, mit scharfer Beobachtungsgabe in die Sinnenwelt sehen und dann sich seinen Gefühlen überlassen. Was die Dinge bedeuten, das soll nicht er mit spekulierendem Verstande&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|47}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ausmachen wollen, sondern er soll es sich von den Dingen selbst sagen lassen.*&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Weiteres, worauf es ankommt, ist das, was die Geheimwissenschaft die Orientierung in den höheren Welten nennt. Man gelangt dazu, wenn man sich ganz von dem Bewußtsein durchdringt, daß Gefühle und Gedanken wirkliche Tatsachen sind, genau so wie Tische und Stühle in der physisch-sinnlichen Welt. In der seelischen und in der Gedankenwelt wirken Gefühle und Gedanken aufeinander wie in der physischen die sinnlichen Dinge. Solange jemand nicht lebhaft von diesem Bewußtsein durchdrungen ist, wird er nicht glauben, daß ein verkehrter Gedanke, den er hegt, auf andere Gedanken, die den Gedankenraum beleben, so verheerend wirken kann wie eine blindlings losgeschossene Flintenkugel für die physischen Gegenstände, die sie trifft. Ein solcher wird sich vielleicht niemals erlauben, eine physisch sichtbare Handlung zu begehen, die er für sinnlos hält. Er wird aber nicht davor zurückschrecken, verkehrte Gedanken oder Gefühle zu hegen. Denn diese erscheinen ihm ungefährlich für die übrige Welt. In der Geheimwissenschaft kann man aber nur vorwärtskommen, wenn man auf seine Gedanken und Gefühle ebenso achtet, wie man auf seine Schritte in der physischen Welt achtet. Wenn jemand eine Wand sieht, so versucht er nicht, geradewegs durch dieselbe durchzurennen; er lenkt seine Schritte seitwärts. Er richtet&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- - -&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;#&amp;lt;/nowiki&amp;gt;FN010-047-* Bemerkt soll werden, daß künstlerisches Empfinden, gepaart mit einer stillen, in sich versenkten Natur, die beste Vorbedingung für die Entwickelung der geistigen Fähigkeiten ist. Dieses Empfinden dringt ja durch die Oberfläche der Dinge hindurch und gelangt dadurch zu deren Geheimnissen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|48}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sich eben nach den Gesetzen der physischen Welt. Solche Gesetze, gibt es nun auch für die Gefühls- und Gedankenwelt. Nur können sie dem Menschen da nicht von außen sich aufdrängen. Sie müssen aus dem Leben seiner Seele selbst fließen. Man gelangt dazu, wenn man sich jederzeit verbietet, verkehrte Gefühle und Gedanken zu hegen. Alles willkürliche, Hin- und Hersinnen, alles spielerische Phantasieren, alle zufällig auf- und abwogenden Gefühle muß man sich in dieser Zeit verbieten. Man macht sich dadurch nicht gefühlsarm. Man wird nämlich bald finden, daß man reich an Gefühlen, schöpferisch in wahrer Phantasie erst wird, wenn man in solcher Art sein Inneres regelt. An die Stelle kleinlicher Gefühlsschwelgerei und spielerischer Gedankenverknüpfung treten bedeutsame Gefühle und fruchtbare Gedanken. Und diese Gefühle und Gedanken führen den Menschen dazu, sich in der geistigen Welt zu orientieren. Er kommt in richtige Verhältnisse zu den Dingen der Geisteswelt. Eine ganz bestimmte Wirkung tritt für ihn ein. Wie er als physischer Mensch seinen Weg findet zwischen den physischen Dingen, so führt ihn jetzt sein Pfad zwischen Wachsen und Absterben, die er ja auf dem oben bezeichneten Weg kennenlernt, hindurch. Er folgt dann allem Wachsenden, Gedeihenden und auch andererseits allem Verwelkenden und Absterbenden so, wie es zu seinem und der Welt Gedeihen erforderlich ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine weitere Pflege hat der Geheimschüler der Welt der Töne angedeihen zu lassen. Man unterscheide da zwischen dem Tone, der durch das sogenannte Leblose (einen fallenden Körper, eine Glocke oder ein Musikinstrument) hervorgebracht wird, und dem, welcher von Lebendigem&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|49}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(einem Tiere oder Menschen) stammt. Wer eine Glocke hört, wird den Ton wahrnehmen und ein angenehmes Gefühl daran knüpfen; wer den Schrei eines Tieres hört, wird außer diesem Gefühl in dem Tone noch die Offenbarung eines inneren Erlebnisses des Tieres, Lust oder Schmerz, verspüren. Bei der letzteren Art von Tönen hat der Geheimschüler einzusetzen. Er soll seine ganze Aufmerksamkeit darauf lenken, daß der Ton ihm etwas verkündet, was außer der eigenen Seele liegt. Und er soll sich versenken in dieses Fremde. Er soll sein Gefühl innig verbinden mit dem Schmerz oder der Lust, die ihm durch den Ton verkündet werden. Er soll darüber hinweg sich setzen, was für ihn der Ton ist, ob er ihm angenehm oder unangenehm ist, wohlbehaglich oder mißfällig; nur das soll seine Seele erfüllen, was in dem Wesen vorgeht, von dem der Ton kommt. Wer planmäßig und mit Vorbedacht solche Übungen macht, der wird sich dadurch die Fähigkeit aneignen, mit einem Wesen, sozusagen, zusammenzufließen, von dem der Ton ausgeht. Einem musikalisch empfindenden Menschen wird solche Pflege seines Gemütslebens leichter sein als einem unmusikalischen. Doch darf niemand glauben, daß der musikalische Sinn schon diese Pflege ersetzt. Man muß, als Geheimschüler, in dieser Art der ganzen Natur gegenüber empfinden lernen. Und dadurch senkt sich in Gefühls und Gedankenwelt eine neue Anlage. Die ganze Natur fängt an, dem Menschen durch ihr Ertönen Geheimnisse zuzuraunen. Was vorher seiner Seele unverständlicher Schall war, wird dadurch sinnvolle Sprache der Natur. Und wobei er vorher nur Ton gehört hat, beim Erklingen des sogenannten Leblosen, vernimmt er jetzt eine neue Sprache der Seele.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|50}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schreitet er in solcher Pflege, seiner Gefühle vorwärts, dann wird er bald gewahr, daß er hören kann, wovon er vorher nichts vermutet hat. Er fängt an, mit der Seele zu hören.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dazu muß dann noch etwas anderes kommen, um zum Gipfel zu gelangen, der auf diesem Gebiete zu erreichen ist. Was für die Ausbildung des Geheimschülers ganz besonders wichtig ist, das ist die Art, wie er anderen Menschen beim Sprechen zuhört. Er muß sich daran gewöhnen, dies so zu tun, daß dabei sein eigenes Innere vollkommen schweigt. Wenn jemand eine Meinung äußert, und ein anderer hört zu, so wird sich im Innern des letzteren im allgemeinen Zustimmung oder Widerspruch regen. Viele Menschen werden wohl auch sofort sich gedrängt fühlen, ihre zustimmende und namentlich ihre widersprechende Meinung zu äußern. Alle solche Zustimmung und allen solchen Widerspruch muß der Geheimschüler zum Schweigen bringen. Es kommt dabei nicht darauf an, daß er plötzlich seine Lebensart so ändere, daß er solch inneres, gründliches Schweigen fortwährend zu erreichen sucht. Er wird damit den Anfang machen müssen, daß er es in einzelnen Fällen tut, die er sich mit Vorsatz auswählt. Dann wird sich ganz langsam und allmählich, wie von selbst, diese ganz neue Art des Zuhörens in seine Gewohnheiten einschleichen. In der Geistesforschung wird solches planmäßig geübt. Die Schüler fühlen sich verpflichtet, übungsweise zu gewissen Zeiten sich die entgegengesetztesten Gedanken anzuhören und dabei alle Zustimmung und namentlich alles abfällige Urteilen vollständig zum Verstummen zu bringen. Es kommt darauf an, daß dabei nicht nur alles verstandesmäßige Urteilen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|51}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
schweige, sondern auch alle Gefühle des Mißfallens, der Ablehnung oder auch Zustimmung. Insbesondere muß sich der Schüler stets sorgfältig beobachten, ob nicht solche Gefühle, wenn auch nicht an der Oberfläche, so doch im intimsten Innern seiner Seele vorhanden seien. Er muß sich zum Beispiel die Aussprüche von Menschen anhören, die in irgendeiner Beziehung weit unter ihm stehen, und muß dabei jedes Gefühl des Besserwissens oder der Überlegenheit unterdrücken. Nützlich ist es für jeden, in solcher Art Kindern zuzuhören. Auch der Weiseste kann unermeßlich viel von Kindern lernen. So bringt es der Mensch dazu, die Worte des anderen ganz selbstlos zu hören, mit vollkommener Ausschaltung seiner eigenen Person, deren Meinung und Gefühlsweise. Wenn er sich so übt, kritiklos zuzuhören, auch dann, wenn die völlig entgegengesetzte Meinung vorgebracht wird, wenn das «Verkehrteste» sich vor ihm abspielt, dann lernt er nach und nach mit dem Wesen eines anderen vollständig zu verschmelzen, ganz in dasselbe aufzugehen. Er hört dann durch die Worte hindurch in des anderen Seele hinein. Durch anhaltende Übung solcher Art wird erst der Ton das rechte Mittel, um Seele, und Geist wahrzunehmen. Allerdings gehört dazu die allerstrengste Selbstzucht. Aber diese führt zu einem hohen Ziele. Wenn diese Übungen nämlich in Verbindung mit den anderen getrieben werden, die angegeben worden sind bezüglich des Tönens in der Natur, so erwächst der Seele ein neuer Hörsinn. Sie wird imstande, Kundgebungen aus der geistigen Welt wahrzunehmen, die nicht ihren Ausdruck finden in äußeren Tönen, die für das physische Ohr wahrnehmbar sind. Die Wahrnehmung des «inneren Wortes» erwacht. Dem&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|52}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Geheimschüler offenbaren sich allmählich von der Geisteswelt aus Wahrheiten. Er hört auf geistige Art zu sich sprechen.* Alle höheren Wahrheiten werden durch solches «inneres Einsprechen» erreicht. Und was man aus dem Munde eines wahren Geheimforschers hören kann, das hat er durch diese Art in Erfahrung gebracht. Damit aber soll nicht gesagt sein, daß es unnötig sei, sich mit geheimwissenschaftlichen Schriften zu befassen, bevor man selbst in solcher Weise «inneres Einsprechen» vernehmen kann. Im Gegenteil: das Lesen solcher Schriften, das Anhören der Geheimforscherlehren sind selbst Mittel, auch zu eigener Erkenntnis zu gelangen. Jeder Satz der Geheimwissenschaft, den der Mensch hört, ist geeignet, den Sinn dahin zu lenken, wohin er gelangen muß, soll die Seele wahren Fortschritt erleben. Zu all dem Gesagten muß vielmehr eifriges Studium dessen treten, was die Geheimforscher der Welt mitteilen. Bei aller Geheimschulung gehört solches Studium zur Vorbereitung. Und wer alle sonstigen Mittel anwenden wollte, er käme zu keinem Ziele, wenn er nicht die Lehren der Geheimforscher in sich aufnähme. Denn weil diese Lehren aus dem lebendigen «inneren Worte», aus der «lebendigen Einsprechung» geschöpft sind, haben sie selbst geistiges Leben. Sie sind nicht bloß Worte. Sie sind lebendige Kräfte. Und während du den Worten eines Geheimkundigen folgst, während du ein Buch liest, das einer wirklichen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- - -&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
FN010-052-* Nur wer durch selbstloses Zuhören es dahin bringt, daß er wirklich von innen aufnehmen kann, still, ohne Regung einer persönlichen Meinung oder eines persönlichen Gefühls, zu dem können die höheren Wesenheiten sprechen, von denen man in der Geheimwissenschaft spricht. Solange man noch irgendeine Meinung, irgendein Gefühl dem zu Hörenden entgegenschleudert, schweigen die Wesenheiten der Geisteswelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|53}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
inneren Erfahrung entstammt, wirken in deiner Seele Kräfte, welche dich ebenso hellsehend machen, wie die Naturkräfte aus lebendigem Stoffe deine Augen und Ohren gebildet haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Erleuchtung ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Erleuchtung geht von sehr einfachen Vorgängen aus. Auch dabei handelt es sich darum, gewisse Gefühle und Gedanken zu entwickeln, die in jedem Menschen schlummern und die erwachen müssen. Nur wer mit voller Geduld, streng und anhaltend die einfachen Vorgänge durchnimmt, den können sie zur Wahrnehmung der inneren Lichterscheinungen führen. Der erste Anfang wird damit gemacht, in einer bestimmten Art verschiedene Naturwesen zu betrachten, und zwar zum Beispiele: einen durchsichtigen, schön geformten Stein (Kristall), eine Pflanze und ein Tier. Man suche zuerst seine ganze Aufmerksamkeit auf einen Vergleich des Steines mit dem Tier in folgender Art zu lenken. Die Gedanken, die hier angeführt werden, müssen von lebhaften Gefühlen begleitet, durch die Seele ziehen. Und kein anderer Gedanke, kein anderes Gefühl dürfen sich einmischen und die intensiv aufmerksame Betrachtung stören. Man sage sich: «Der Stein hat eine Gestalt; das Tier hat auch eine Gestalt. Der Stein bleibt ruhig an seinem Ort. Das Tier verändert seinen Ort. Es ist der Trieb (die Begierde), welcher das Tier veranlaßt, seinen Ort zu ändern. Und die Triebe sind es auch, denen die Gestalt des Tieres dient. Seine Organe, seine Werkzeuge, sind diesen Trieben gemäß ausgebildet. Die Gestalt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|54}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
des Steins ist nicht nach Begierden, sondern durch begierdelose Kraft gebildet.»* Wenn man sich intensiv in diese Gedanken versenkt und dabei mit gespannter Aufmerksamkeit Stein und Tier betrachtet: dann leben in der Seele, zwei ganz verschiedene, Gefühlsarten auf. Aus dem Stein strömt die eine Art des Gefühls, aus dem Tiere die andere Art in unsere Seele. Die Sache wird wahrscheinlich im Anfange nicht gelingen: aber nach und nach, bei wirklicher geduldiger Übung, werden sich diese Gefühle einstellen. Man muß nur immerfort und fort üben. Erst sind die Gefühle nur so lange vorhanden, als die Betrachtung dauert, später wirken sie nach. Und dann werden sie zu etwas, was in der Seele lebendig bleibt. Der Mensch braucht sich dann nur zu besinnen: und die beiden Gefühle steigen immer, auch ohne Betrachtung eines äußeren Gegenstandes, auf. Aus diesen Gefühlen und den mit ihnen verbundenen Gedanken bilden sich Hellseherorgane. Tritt dann in der Betrachtung noch die Pflanze hinzu, so wird man bemerken, daß das von ihr ausgehende Gefühl, seiner Beschaffenheit und auch seinem Grade nach, in der Mitte liegt zwischen dem vom Stein und dem vom Tier ausströmenden. Die Organe, welche sich auf solche Art bilden, sind Geistesaugen. Man lernt mit ihnen allmählich etwas wie seelische und geistige Farben zu sehen. Solange man nur das sich angeeignet hat, was als&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- - -&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;#&amp;lt;/nowiki&amp;gt;FN010-054-* Die hier gemeinte Tatsache, insofern sie sich auf Kristallbeobachtung bezieht, ist von solchen, die nur in äußerlicher Weise (exoterisch) davon gehört haben, in mancherlei Art verdreht worden, woraus Verrichtungen wie «Kristallsehen» und so weiter entstanden sind. Derlei Manipulationen beruhen auf Mißverständnissen. Sie sind in vielen Büchern beschrieben worden. Aber sie bilden niemals den Gegenstand wahren (esoterischen) Geheimunterrichtes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|55}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
«Vorbereitung» beschrieben worden ist, bleibt die geistige Welt mit ihren Linien und Figuren dunkel; durch die Erleuchtung wird sie hell. Auch hier muß bemerkt werden, daß die Worte «dunkel» und «hell» sowie die anderen gebrauchten Ausdrücke nur annähernd aussprechen, was gemeint ist. Will man sich aber der gebräuchlichen Sprache bedienen, so ist nichts anderes möglich. Diese Sprache ist ja nur für die physischen Verhältnisse geschaffen. Die Geheimwissenschaft bezeichnet nun das, was für das Hellseherorgan vom Stein ausströmt, als «blau» oder «blaurot». Dasjenige, was vom Tier empfunden wird, als «rot» oder «rotgelb». In der Tat sind es Farben «geistiger Art», die da gesehen werden. Die von der Pflanze ausgehende, Farbe ist «grün», das nach und nach in ein helles ätherisches Rosarot übergeht. Die Pflanze ist nämlich dasjenige Naturwesen, welches in höheren Welten in einer gewissen Beziehung ihrer Beschaffenheit in der physischen Welt gleicht. Nicht dasselbe ist aber bei Stein und Tier der Fall. Nun muß man sich klar sein, daß mit den obengenannten Farben nur die Hauptschattierungen des Stein-, Pflanzen- und Tierreiches angegeben sind. In Wirklichkeit sind alle möglichen Zwischenschattierungen vorhanden. Jeder Stein, jede Pflanze, jedes Tier hat seine ganz bestimmte Farbennuance. Dazu kommen die Wesen der höheren Welten, die niemals sich physisch verkörpern, mit ihren oft wundervollen, oft auch gräßlichen Farben. In der Tat ist der Farbenreichtum in diesen höheren Welten unermeßlich viel größer als in der physischen Welt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hat der Mensch einmal die Fähigkeit erworben, mit «Geistesaugen» zu sehen, so begegnet er auch, über kurz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|56}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
oder lang, den genannten höheren, zum Teil auch tieferen Wesen, als der Mensch ist, die niemals die physische Wirklichkeit betreten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hat der Mensch es so weit gebracht, wie hier beschrieben ist, so stehen ihm die Wege zu vielem offen. Aber es ist keinem anzuraten, noch weiter zu gehen ohne sorgfältige Beachtung des vom Geistesforscher Gesagten oder sonst von ihm Mitgeteilten. Und auch für das schon Gesagte ist eine Beachtung solcher kundigen Führerschaft das Allerbeste. Hat übrigens der Mensch in sich die Kraft und Ausdauer, es so weit zu bringen, wie es den angegebenen elementaren Stufen der Erleuchtung entspricht, so wird er ganz gewiß auch die rechte Führung suchen und finden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Vorsicht ist aber unter allen Umständen notwendig, und wer sie nicht anwenden will, der soll am besten alle Schritte, in die Geheimwissenschaft unterlassen. Es ist notwendig, daß der Mensch, der Geheimschüler wird, nichts verliere von seinen Eigenschaften als edler, guter und für alles physisch Wirkliche empfänglicher Mensch. Er muß im Gegenteile seine moralische Kraft, seine innere Lauterkeit, seine Beobachtungsgabe während der Geheimschülerschaft fortwährend steigern. Um ein Einzelnes zu erwähnen: Während der elementaren Erleuchtungsübungen muß der Geheimschüler dafür sorgen, daß er sein Mitgefühl für die Menschen- und Tierwelt, seinen Sinn für Schönheit der Natur immerfort vergrößere. Sorgt er nicht dafür, so stumpfen sich jenes Gefühl und dieser Sinn durch solche Übungen fortwährend ab. Das Herz würde hart, der Sinn stumpf. Und das müßte zu gefährlichen Ergebnissen führen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie sich die Erleuchtung gestaltet, wenn man im Sinne&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|57}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der obigen Übungen über Stein, Pflanze und Tier zum Menschen heraufsteigt, und wie, nach der Erleuchtung, der Zusammenschluß der Seele mit der geistigen Welt unter allen Umständen sich einmal einstellt und zur Einweihung hingeleitet: davon wird in den nächsten Abschnitten gesprochen werden, soweit das sein kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es wird in unserer Zeit von vielen Menschen der Weg zur Geheimwissenschaft gesucht. Auf mancherlei Art wird das getan; und viele gefährliche, ja verwerfliche Prozeduren werden probiert. Deshalb sollen diejenigen, die etwas Wahrhaftes von diesen Dingen zu wissen meinen, anderen die Möglichkeit geben, einiges aus der Geheim-Schulung kennenzulernen. Nur soviel ist hier mitgeteilt worden, als solcher Möglichkeit entspricht. Es ist notwendig, daß etwas von dem Wahren bekanntwerde, damit nicht das Irrtümliche großen Schaden anrichte. Durch die hier vorgezeichneten Wege kann niemand Schaden nehmen, der nichts forciert. Nur das eine muß beachtet werden: niemand darf mehr Zeit und Kraft auf solche Übungen verwenden, als ihm nach seiner Lebensstellung, nach seinen Pflichten zur Verfügung stehen. Niemand darf durch den Geheimpfad irgend etwas in seinen äußeren Lebensverhältnissen augenblicklich ändern. Will man wirkliche Ergebnisse, dann muß man Geduld haben; man muß nach wenigen Minuten der Übung aufhören können und ruhig seiner Tagesarbeit nachgehen. Und nichts darf sich von Gedanken an die Übungen in die Tagesarbeit mischen. Wer nicht im höchsten und besten Sinne warten gelernt hat, der taugt nicht zum Geheimschüler und wird auch niemals zu Ergebnissen kommen, die einen erheblichen Wert haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|58}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Kontrolle der Gedanken und Gefühle ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn jemand die Wege zur Geheimwissenschaft in der Art sucht, wie es in dem vorhergehenden Kapitel beschrieben worden ist, dann darf er nicht versäumen, sich während der ganzen Arbeit durch einen fortwirkenden Gedanken zu stärken. Er muß sich nämlich stets vor Augen halten, daß er nach einiger Zeit schon ganz erhebliche Fortschritte gemacht haben kann, ohne daß sie sich ihm in der Weise zeigen, wie er es vielleicht erwartet hat. Wer dies nicht bedenkt, wird leicht die Beharrlichkeit verlieren und nach kurzer Zeit alle Versuche aufgeben. Die Kräfte und Fähigkeiten, welche man zu entwickeln hat, sind anfänglich von sehr zarter Art. Und ihre Wesenheit ist etwas ganz anderes als das, wovon sich der Mensch vorher Vorstellungen gemacht hat. Er war ja nur gewohnt, sich mit der physischen Welt zu beschäftigen. Die geistige und seelische entzog sich seinen Blicken und auch seinen Begriffen. Es ist daher gar nicht zu verwundern, daß er jetzt, wo sich in ihm geistige und seelische Kräfte entwickeln, diese nicht sogleich bemerkt. Darinnen liegt die Möglichkeit einer Beirrung für den, welcher sich, ohne sich an die Erfahrungen zu halten, welche kundige Forscher gesammelt haben, auf den Geheimpfad begibt. Der Geheimforscher kennt die Fortschritte, welche der Schüler macht, lange bevor dieser sich selbst ihrer bewußt wird. Er weiß, wie die zarten geistigen Augen sich heranbilden, ehe der Schüler etwas davon weiß. Und ein großer Teil der Anweisungen dieses Geheimforschers besteht eben darinnen, das zum Ausdrucke zu bringen, was bewirkt, daß der Schüler das Vertrauen, die Geduld, die Ausdauer nicht verliere,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|59}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
bevor er zur eigenen Erkenntnis seiner Fortschritte gelangt. Geben kann ja der Geheimkundige seinem Zögling nichts, was in diesem nicht auf verborgene Art schon liegt. Er kann nur anleiten zur Entwickelung von schlummernden Fähigkeiten. Aber, was er aus seinen Erfahrungen mitteilt, wird eine Stütze sein dem, der sich aus dem Dunkel zum Lichte durchringen will.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gar viele verlassen den Pfad zur Geheimwissenschaft bald, nachdem sie ihn betreten haben, weil ihnen ihre Fortschritte nicht sogleich bemerklich werden. Und selbst, wenn die ersten für den Zögling wahrnehmbaren höheren Erfahrungen auftreten, so betrachtet sie dieser oft als Illusionen, weil er sich ganz andere Vorstellungen von dem gemacht hat, was er erleben soll. Er verliert den Mut, weil er entweder die ersten Erfahrungen für wertlos hält oder weil sie ihm doch so unscheinbar vorkommen, daß er nicht glaubt, sie könnten ihn in absehbarer Zeit zu irgend etwas Erheblichem führen. Mut und Selbstvertrauen sind aber zwei Lichter, die auf dem Wege zur Geheimwissenschaft nicht erlöschen dürfen. Wer es nicht über sich bringen kann, eine Übung, die scheinbar unzähligemal mißglückt ist, immer wieder und wieder geduldig fortzusetzen, der kann nicht weit kommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viel früher als eine deutliche Wahrnehmung von den Fortschritten tritt ein dunkles Gefühl auf, daß man auf dem rechten Wege sei und dieses Gefühl sollte man hegen und pflegen. Denn es kann zu einem sicheren Führer werden. Vor allem muß man den Glauben ausrotten, als ob es ganz absonderliche, geheimnisvolle Verrichtungen sein müßten, durch die man zu höheren Erkenntnissen gelangt. Man muß sich klarmachen, daß von den Gefühlen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|60}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und Gedanken ausgegangen werden muß, mit denen der Mensch ja fortwährend lebt, und daß er diesen Gefühlen und Gedanken nur eine andere Richtung geben muß, als die gewohnte ist. Ein jeder sage sich zunächst: in meiner eigenen Gefühls- und Gedankenwelt liegen die höchsten Geheimnisse verborgen: ich habe sie bisher nur noch nicht wahrgenommen. Alles beruht schließlich darauf, daß der Mensch fortwährend Leib, Seele und Geist mit sich herumträgt, daß er sich aber nur seines Leibes im ausgesprochenen Sinne bewußt ist, nicht seiner Seele und seines Geistes. Und der Geheimschüler wird sich der Seele und des Geistes bewußt, wie sich der gewöhnliche Mensch seines Leibes bewußt ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deshalb kommt es darauf an, die Gefühle und Gedanken in die rechte Richtung zu bringen. Dann entwickelt man die Wahrnehmungen für das im gewöhnlichen Leben Unsichtbare. Hier soll einer der Wege angegeben werden, wie man das macht. Eine einfache Sache ist es wieder, wie fast alles, was bisher mitgeteilt worden ist. Aber von den größten Wirkungen ist sie, wenn sie beharrlich durchgeführt wird und wenn der Mensch vermag, mit der nötigen intimen Stimmung sich ihr hinzugeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man lege ein kleines Samenkorn einer Pflanze vor sich hin. Es kommt darauf an, sich vor diesem unscheinbaren Ding die rechten Gedanken intensiv zu machen und durch diese Gedanken gewisse Gefühle zu entwickeln. Zuerst mache man sich klar, was man wirklich mit Augen sieht. Man beschreibe für sich Form, Farbe und alle sonstigen Eigenschaften des Samens. Dann überlege man folgendes. Aus diesem Samenkorn wird eine vielgestaltige Pflanze entstehen, wenn es in die Erde gepflanzt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|61}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man vergegenwärtige sich diese Pflanze. Man baue sie sich in der Phantasie auf. Und dann denke man: Was ich mir jetzt in meiner Phantasie vorstelle, das werden die Kräfte der Erde und des Lichtes später wirklich aus dem Samenkorn hervorlocken. Wenn ich ein künstlich geformtes Ding vor mir hätte, das ganz täuschend dem Samenkorn nachgeahmt wäre, so daß es meine Augen nicht von einem wahren unterscheiden könnten, so würde keine Kraft der Erde und des Lichtes aus diesem eine Pflanze hervorlocken. Wer sich diesen Gedanken ganz klar macht, wer ihn innerlich erlebt, der wird sich auch den folgenden mit dem richtigen Gefühle bilden können. Er wird sich sagen: in dem Samenkorn ruht schon auf verborgene Art als Kraft der ganzen Pflanze das, was später aus ihm herauswächst. In der künstlichen Nachahmung ruht diese Kraft nicht. Und doch sind für meine Augen beide gleich. In dem wirklichen Samenkorn ist also etwas unsichtbar enthalten, was in der Nachahmung nicht ist. Auf dieses Unsichtbare lenke man nun Gefühl und Gedanken.* Man stelle sich vor: dieses Unsichtbare wird sich später in die sichtbare Pflanze verwandeln, die ich in Gestalt und Farbe vor mir haben werde. Man hänge dem Gedanken nach: das Unsichtbare wird sichtbar werden. Könnte ich nicht denken, so könnte sich mir auch nicht schon jetzt ankündigen, was erst später sichtbar werden wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- - -&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;#&amp;lt;/nowiki&amp;gt;FN010-061-* Wer da einwenden wollte, daß bei einer genaueren mikroskopischen Untersuchung sich ja doch die Nachahmung von dem wirklichen Samenkorn unterscheide, der zeigte nur, daß er nicht erfaßt hat, worauf es ankommt. Es handelt sich nicht darum, was man genau wirklich in sinnenfälliger Weise vor sich hat, sondern darum, daß man daran seelisch-geistige Kräfte entwickele.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|62}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Besonders deutlich sei es betont: Was man da denkt, muß man auch intensiv fühlen. Man muß in Ruhe, ohne alle störenden Beimischungen anderer Gedanken, den einen oben angedeuteten in sich erleben. Und man muß sich Zeit lassen, so daß sich der Gedanke und das Gefühl, das sich an ihn knüpft, gleichsam in die Seele einbohren. Bringt man das in der rechten Weise zustande, dann wird man nach einiger Zeit vielleicht erst nach vielen Versuchen eine Kraft in sich verspüren. Und diese Kraft wird eine neue Anschauung erschaffen. Das Samenkorn wird wie in einer kleinen Lichtwolke eingeschlossen erscheinen. Es wird auf sinnlich-geistige Weise, als eine Art Flamme empfunden werden. Gegenüber der Mitte dieser Flamme empfindet man so, wie man beim Eindruck der Farbe Lila empfindet; gegenüber dem Rande, wie man der Farbe bläulich gegenüber empfindet. Da erscheint das, was man vorher nicht gesehen hat und was die Kraft des Gedankens und der Gefühle geschaffen hat, die man in sich erregt hat. Was sinnlich unsichtbar war, die Pflanze, die erst später sichtbar werden wird, das offenbart sich da auf geistig sichtbare Art.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist begreiflich, daß mancher Mensch das alles für Illusion halten wird. Viele werden sagen: «Was sollen mir solche Gesichte, solche Phantasmen?» Und manche werden abfallen und den Pfad nicht fortsetzen. Aber gerade darauf kommt es an: in diesen schwierigen Punkten der menschlichen Entwickelung nicht Phantasie und geistige Wirklichkeit miteinander zu verwechseln. Und ferner darauf, den Mut zu haben, vorwärts zu dringen und nicht furchtsam und kleinmütig zu werden. Auf der anderen Seite aber muß allerdings betont werden, daß der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|63}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gesunde Sinn, der Wahrheit und Täuschung unterscheidet, fortwährend gepflegt werden muß. Der Mensch darf während all dieser Übungen nie die volle bewußte Herrschaft über sich selbst verlieren. So sicher, wie er über die Dinge und Vorgänge des Alltagslebens denkt, so muß er auch hier denken. Schlimm wäre es, wenn er in Träumerei verfiele. Verstandesklar, um nicht zu sagen: nüchtern, muß er in jedem Augenblicke bleiben. Und der größte Fehler wäre gemacht, wenn der Mensch durch solche Übungen sein Gleichgewicht verlöre, wenn er abgehalten würde, so gesund und klar über die Dinge des Alltagslebens zu urteilen, wie er das vorher getan hat. Immer wieder soll sich der Geheimschüler daher prüfen, ob er nicht etwa aus seinem Gleichgewicht herausgefallen ist, ob er derselbe geblieben ist innerhalb der Verhältnisse, in denen er lebt. Festes Ruhen in sich selbst, klarer Sinn für alles, das muß er sich bewahren. Allerdings ist streng zu beachten, daß man sich nicht jeder beliebigen Träumerei hingeben soll, sich nicht allen möglichen Übungen überlassen soll. Die Gedankenrichtungen, die hier angegeben werden, sind seit Urzeiten in den Geheimschulen erprobt und geübt. Und nur solche werden hier mitgeteilt. Wer solche anderer Art anwenden wollte, die er sich selbst bildet oder von denen er da oder dort hört und liest, der muß in die Irre gehen und wird sich bald auf dem Pfade uferloser Phantastik befinden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine weitere Übung, die sich an die beschriebene anzuschließen hat, ist die folgende. Man stelle sich einer Pflanze gegenüber, die sich auf der Stufe der vollen Entwickelung befindet. Nun erfülle man sich mit dem Gedanken, daß die Zeit kommen werde, wo diese Pflanze abstirbt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|64}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nichts wird von dem mehr sein, was ich jetzt vor mir sehe. Aber diese Pflanze wird dann Samenkörner aus sich entwickelt haben, die wieder zu neuen Pflanzen werden. Wieder werde ich gewahr, daß in dem, was ich sehe, etwas verborgen ruht, was ich nicht sehe. Ich erfülle mich ganz mit dem Gedanken: diese Pflanzengestalt mit ihren Farben wird künftig nicht mehr sein. Aber die Vorstellung, daß sie Samen bildet, lehrt mich, daß sie nicht in Nichts verschwinden werde. Was sie vor dem Verschwinden bewahrt, kann ich jetzt ebensowenig mit Augen sehen, wie ich früher die Pflanze im Samenkorn habe sehen können. Es gibt also in ihr etwas, was ich nicht mit Augen sehe. Lasse ich diesen Gedanken in mir leben und verbindet sich das entsprechende Gefühl in mir mit ihm, dann entwickelt sich wieder, nach angemessener Zeit, in meiner Seele eine Kraft, die zur neuen Anschauung wird. Aus der Pflanze wächst wieder eine Art von geistiger Flammenbildung heraus. Diese ist natürlich entsprechend größer als die vorhin geschilderte. Die Flamme kann etwa in ihrem mittleren Teile grünlichblau und an ihrem äußeren Rande gelblichrot empfunden werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es muß ausdrücklich betont werden, daß man, was hier als «Farben» bezeichnet wird, nicht so sieht, wie physische Augen die Farben sehen, sondern daß man durch die geistige Wahrnehmung ähnliches empfindet, wie wenn man einen physischen Farbeneindruck hat. Geistig «blau» wahrnehmen heißt etwas empfinden oder erfühlen, was ähnlich dem ist, was man empfindet, wenn der Blick des physischen Auges auf der Farbe «Blau» ruht. Dies muß berücksichtigen, wer allmählich wirklich zu geistigen Wahrnehmungen aufsteigen will. Er erwartet sonst, im&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|65}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Geistigen nur eine Wiederholung des Physischen zu finden. Das mußte ihn auf das bitterste beirren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer es dahin gebracht hat, solches geistig zu sehen, hat viel gewonnen. Denn die Dinge enthüllen sich ihm nicht nur im gegenwärtigen Sein, sondern auch in ihrem Entstehen und Vergehen. Er fängt an, überall den Geist zu schauen, von dem die sinnlichen Augen nichts wissen können. Und damit hat er die ersten Schritte dazu getan, um allmählich durch eigene Anschauung hinter das Geheimnis von Geburt und Tod zu kommen. Für die äußeren Sinne entsteht ein Wesen bei der Geburt; es vergeht im Tode. Dies ist aber nur deshalb, weil diese Sinne den verborgenen Geist des Wesens nicht wahrnehmen. Für den Geist sind Geburt und Tod nur eine Verwandlung, wie das Hervorsprießen der Blume aus der Knospe eine Verwandlung ist, die sich vor den sinnlichen Augen abspielt. Will man das aber durch eigene Anschauung kennenlernen, so muß man in der angedeuteten Art erst den geistigen Sinn dafür erwecken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um gleich noch einen Einwand hinwegzunehmen, den manche Menschen machen könnten, die einige seelische (psychische) Erfahrung haben, sei dieses gesagt. Es soll gar nicht bestritten werden, daß es kürzere, einfachere Wege gibt, daß manche aus eigener Anschauung die Erscheinungen von Geburt und Tod kennenlernen, ohne erst alles das, was hier beschrieben wird, durchgemacht zu haben. Es gibt eben Menschen, welche bedeutende psychische Anlagen haben, die nur eines kleinen Anstoßes bedürfen, um entwickelt zu werden. Aber das sind Ausnahmen. Der hier angegebene Weg ist jedoch ein allgemeiner und sicherer. Man kann sich ja auch einige chemische&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|66}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kenntnisse auf einem ausnahmsweisen Weg erwerben; will man aber Chemiker werden, dann muß man den allgemeinen und sicheren Weg gehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein folgenschwerer Irrtum würde sich ergeben, wenn jemand glauben wollte, er könne, um bequemer zum Ziele zu gelangen, sich das besprochene Samenkörnchen oder die Pflanze bloß vorstellen, bloß in der Phantasie vorhalten. Wer dies tut, kann wohl auch zum Ziele kommen, doch nicht so sicher wie auf die angegebene Art. Die Anschauung, zu der man kommt, wird in den meisten Fällen nur ein Blendwerk der Phantasie sein. Bei ihr müßte dann die Umwandlung in geistige Anschauung erst abgewartet werden. Denn darauf kommt es an, daß nicht ich in bloßer Willkür mir Anschauungen schaffe, sondern darauf, daß die Wirklichkeit sie in mir erschafft. Aus den Tiefen meiner eigenen Seele muß die Wahrheit hervorquellen; aber nicht mein gewöhnliches Ich darf selbst der Zauberer sein, der die Wahrheit hervorlocken will, sondern die Wesen müssen dieser Zauberer sein, deren geistige Wahrheit ich schauen will.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hat der Mensch durch solcherlei Übungen in sich die ersten Anfänge zu geistigen Anschauungen gefunden, so darf er aufsteigen zur Betrachtung des Menschen selbst. Einfache Erscheinungen des menschlichen Lebens müssen zunächst gewählt werden. Bevor man aber dazu schreitet, ist es notwendig, besonders ernstlich an der vollen Lauterkeit seines moralischen Charakters zu arbeiten. Man muß jeden Gedanken daran entfernen, daß man etwa auf diese Art erlangte Erkenntnis zum persönlichen Eigennutz anwenden werde. Man muß mit sich darüber einig sein, daß man niemals eine Macht über seine Mitmenschen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|67}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die man etwa erlangen werde, im Sinne des Bösen ausnutzen werde. Deshalb muß jeder, der Geheimnisse über die menschliche Natur durch eigene Anschauung sucht, die goldene Regel der wahren Geheimwissenschaften befolgen. Und diese goldene Regel ist: wenn du einen Schritt vorwärts zu machen versuchst in der Erkenntnis geheimer Wahrheiten, so mache zugleich drei vorwärts in der Vervollkommnung deines Charakters zum Guten. Wer diese Regel befolgt, der kann solche Übungen machen, wie nunmehr eine beschrieben werden soll.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man vergegenwärtige sich einen Menschen, von dem man einmal beobachtet hat, wie er nach irgendeiner Sache verlangt hat. Auf die Begierde soll die Aufmerksamkeit gerichtet werden. Am besten ist es, den Zeitpunkt in der Erinnerung wachzurufen, in dem die Begierde am lebhaftesten war und in dem es ziemlich unentschieden war, ob der Mensch das Verlangte erhalten werde oder nicht. Und nun gebe man sich der Vorstellung an das, was man in der Erinnerung beobachtet, ganz hin. Man stelle die denkbar größte innere Ruhe der eigenen Seele her. Man versuche so viel, als nur möglich ist, blind und taub zu sein für alles andere, was ringsherum vorgeht. Und man achte besonders darauf, daß durch die angeregte Vorstellung in der Seele ein Gefühl erwache. Dieses Gefühl lasse man in sich heraufziehen wie eine Wolke, die an dem sonst ganz leeren Horizont heraufzieht. Es ist ja nun natürlich, daß in der Regel die Beobachtung dadurch unterbrochen wird, daß man den Menschen, auf den man die Aufmerksamkeit lenkt, nicht lange genug in dem geschilderten Seelenzustand beobachtet hat. Man wird wahrscheinlich Hunderte und Aberhunderte von vergeblichen Versuchen anstellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|68}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man darf eben die Geduld nicht verlieren. Nach vielen Versuchen wird man es dahin bringen, daß man in der eigenen Seele ein Gefühl erlebt, das dem Seelenzustand des beobachteten Menschen entspricht. Dann wird man aber auch nach einiger Zeit bemerken, daß durch dieses Gefühl in der eigenen Seele eine Kraft erwächst, die zur geistigen Anschauung des Seelenzustandes des anderen wird. Im Gesichtsfelde wird ein Bild auftreten, das man wie etwas Leuchtendes empfindet. Und dieses geistig leuchtende Bild ist die sogenannte astrale Verkörperung des beobachteten Seelenzustandes der Begierde. Wieder als flammenähnlich empfunden kann dieses Bild beschrieben werden. Es wird in der Mitte wie gelbrot sein und am Rande wie rötlichblau oder lila empfunden werden. Viel kommt darauf an, daß man mit solcher geistigen Anschauung zart umgehe. Man tut am besten, wenn man zunächst zu niemand davon spricht als nur etwa zu seinem Lehrer, wenn man einen solchen hat. Denn versucht man eine solche Erscheinung durch ungeschickte Worte zu beschreiben, so gibt man sich meistens argen Täuschungen hin. Man gebraucht die gewöhnlichen Worte, die doch für solche Dinge nicht bestimmt und daher für sie zu grob und schwerfällig sind. Die Folge ist dann, daß man durch den eigenen Versuch, die Sache in Worte zu kleiden, verführt wird, sich in die wahren Anschauungen allerlei Phantasieblendwerke hineinzumischen. Wieder ist eine wichtige Regel für den Geheimschüler: Verstehe über deine geistigen Gesichte zu schweigen. Ja, schweige sogar vor dir selber darüber. Versuche nicht, was du im Geiste erschaust, in Worte zu kleiden oder mit dem ungeschickten Verstande zu ergrübeln. Gib dich unbefangen deiner&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|69}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
geistigen Anschauung hin und störe sie dir nicht durch vieles Nachdenken darüber. Denn du mußt bedenken, daß dein Nachdenken anfangs ganz und gar nicht deinem Schauen gewachsen ist. Dieses Nachdenken hast du dir in deinem bisherigen, bloß auf die physisch-sinnliche Welt beschränkten Leben erworben; und was du dir jetzt erwirbst, geht darüber hinaus. Suche also nicht, an das neue Höhere den Maßstab des alten anzulegen. Nur wer schon einige Festigkeit hat im Beobachten innerer Erfahrungen, der kann darüber reden, um durch solches Reden seine Mitmenschen anzuregen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu der beschriebenen Übung mag eine ergänzende kommen. Man beobachte in der gleichen Art, wie einem Menschen die Befriedigung irgendeines Wunsches, die Erfüllung einer Erwartung zuteil geworden ist. Gebraucht man dabei dieselben Regeln und Vorsichten, die eben für den anderen Fall angegeben worden sind, so wird man auch da zu einer geistigen Anschauung gelangen. Man wird eine geistige Flammenbildung bemerken, die in der Mitte als gelb sich fühlt und die wie mit einem grünlichen Rande empfunden wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Leicht kann der Mensch durch solche Beobachtung seiner Mitmenschen in einen moralischen Fehler verfallen. Er kann lieblos werden. Daß dies nicht der Fall sei, muß eben mit allen nur erdenkbaren Mitteln angestrebt werden. Beobachtet man so, dann soll man eben durchaus schon auf der Höhe stehen, in der es einem zur völligen Gewißheit geworden ist, daß Gedanken wirkliche Dinge sind. Man darf sich da nicht mehr gestatten, über seinen Mitmenschen so zu denken, daß die Gedanken mit der höchsten Achtung der Menschenwürde, und der Menschenfreiheit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|70}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nicht verträglich wären. Daß ein Mensch nur ein Beobachtungsobjekt für uns sein könnte: dieser Gedanke darf uns nicht einen Augenblick erfüllen. Hand in Hand mit jeder Geheimbeobachtung über die menschliche Natur muß die Selbsterziehung dahin gehen, die volle Selbstgeltung eines jeden Menschen uneingeschränkt zu schätzen und das als etwas Heiliges, von uns Unantastbares auch in Gedanken und Gefühlen zu betrachten, was in dem Menschen wohnt. Ein Gefühl von heiliger Scheu vor allem Menschlichen, selbst wenn es nur als Erinnerung gedacht wird, muß uns erfüllen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nur an den zwei Beispielen sollte vorläufig hier gezeigt werden, wie man sich zur Erleuchtung über die menschliche Natur durchringt. Daran konnte aber wenigstens der Weg gezeigt werden, der zu betreten ist. Wer die notwendige innere Stille und Ruhe findet, die zu solcher Beobachtung gehören, dessen Seele wird schon dadurch eine große Verwandlung durchmachen. Das wird bald so weit gehen, daß die innere Bereicherung, die sein Wesen erfährt, ihm Sicherheit und Ruhe gibt auch in seinem äußeren Verhalten. Und dieses verwandelte äußere Verhalten wird wieder zurückwirken auf seine Seele. Und so wird er sich weiter helfen. Er wird Mittel und Wege finden, immer mehr von der menschlichen Natur zu Entdecken, was den äußeren Sinnen verborgen ist; und er wird dann auch reif werden, einen Einblick zu tun in die geheimnisvollen Zusammenhänge zwischen der Menschennatur und all dem, was sonst noch im Weltall vorhanden ist. Und auf diesem Wege naht sich der Mensch immer mehr dem Zeitpunkte, wo er die ersten Schritte der Einweihung bewerkstelligen kann. Bevor diese aber getan&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|71}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
werden können, ist noch eines notwendig. Es ist dies etwas, dessen Notwendigkeit der Geheimschüler zunächst vielleicht am wenigsten einsehen wird. Später aber wird er dies.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was nämlich der Einzuweihende mitbringen muß, ist ein in gewisser Beziehung ausgebildeter Mut und Furchtlosigkeit. Der Geheimschüler muß geradezu die Gelegenheiten aufsuchen, durch welche diese Tugenden ausgebildet werden. In der Geheimschulung sollten sie ganz systematisch herangebildet werden. Aber auch das Leben selbst ist namentlich nach dieser Richtung hin eine gute Geheimschule; vielleicht die beste. Einer Gefahr ruhig ins Auge schauen, Schwierigkeiten ohne Zagen überwinden wollen: solches muß der Geheimschüler können. Er muß zum Beispiel einer Gefahr gegenüber sich sofort zu der Empfindung aufraffen: meine Angst nützt nach gar keiner Seite; ich darf sie gar nicht haben; ich muß nur an das denken, was zu tun ist. Und er muß es so weit bringen, daß für Gelegenheiten, in denen er vorher ängstlich war, «Angsthaben», «Mutloswerden» für ihn wenigstens im eigentlichen innersten Empfinden unmögliche Dinge werden. Durch die Selbsterziehung nach dieser Richtung entwickelt nämlich der Mensch in sich ganz bestimmte Kräfte, die er braucht, wenn er in höhere Geheimnisse eingeweiht werden soll. So wie der physische Mensch Nervenkraft braucht, um seine physischen Sinne zu benutzen, so bedarf der seelische Mensch jener Kraft, die nur entwickelt wird in mutvollen und furchtlosen Naturen. Wer zu den höheren Geheimnissen vordringt, der sieht nämlich Dinge, welche dem gewöhnlichen Menschen durch die Täuschungen der Sinne verborgen bleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|72}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denn, wenn die physischen Sinne uns auch die höhere Wahrheit nicht schauen lassen, so sind sie eben dadurch auch des Menschen Wohltäter. Durch sie verbergen sich für ihn Dinge, welche ihn, unvorbereitet, in maßlose Bestürzung versetzen müßten, deren Anblick er nicht ertragen könnte. Diesem Anblick muß der Geheimschüler gewachsen werden. Er verliert gewisse Stützen in der Außenwelt, die er eben dem Umstande verdankte, daß er in Täuschung befangen war. Es ist wirklich und buchstäblich so, wie wenn man jemand auf eine Gefahr aufmerksam machte, in der er schon lange geschwebt hat, von der er aber nichts gewußt hat. Vorher hatte er keine Angst: jetzt aber, nachdem er weiß, überkommt ihn die Angst, obwohl die Gefahr durch sein Wissen nicht größer geworden ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kräfte der Welt sind zerstörende und aufbauende: das Schicksal der äußeren Wesenheiten ist Entstehen und Vergehen. In das Wirken dieser Kräfte, in den Gang dieses Schicksals soll der Wissende blicken. Der Schleier, der im gewöhnlichen Leben vor den geistigen Augen liegt, soll entfernt werden. Der Mensch selbst aber ist mit diesen Kräften, mit diesem Schicksal verwoben. In seiner eigenen Natur sind zerstörende und aufbauende Kräfte. So unverhüllt die anderen Dinge vor das sehende Auge des Wissenden treten, so unverhüllt zeigt die eigene Seele sich selbst. Solcher Selbsterkenntnis gegenüber darf der Geheimschüler nicht die Kraft verlieren. Und sie wird ihm nur dann nicht fehlen, wenn er einen Überschuß an ihr mitbringt. Damit dieses der Fall sei, muß er lernen, in schwierigen Lebensverhältnissen die innere Ruhe und Sicherheit zu bewahren; er muß in sich ein starkes Vertrauen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|73}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
in die guten Mächte des Daseins erziehen. Er muß darauf gefaßt sein, daß manche Triebfedern ihn nicht mehr leiten werden, die ihn bisher geleitet haben. Er wird ja einsehen müssen, daß er bisher manches nur getan und gedacht hat, weil er in Unwissenheit befangen war. Solche Gründe, wie er sie bisher gehabt, werden wegfallen. Er hat manches aus Eitelkeit getan; er wird sehen, wie unsäglich wertlos alle Eitelkeit für den Wissenden ist. Er hat manches aus Habsucht getan; er wird gewahr werden, wie zerstörend alle Habsucht ist. Ganz neue Triebfedern zum Handeln und Denken wird er entwickeln müssen. Und eben dazu gehören Mut und Furchtlosigkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorzüglich handelt es sich darum, im tiefsten Innern des Gedankenlebens selbst diesen Mut und diese Furchtlosigkeit zu pflegen. Der Geheimschüler muß lernen, über einen Mißerfolg nicht zu verzagen. Er muß zu dem Gedanken fähig sein: «Ich will vergessen, daß mir diese Sache schon wieder mißglückt ist, und aufs neue versuchen, wie wenn nichts gewesen wäre.» So ringt er sich durch zu der Überzeugung, daß die Kraftquellen in der Welt, aus denen er schöpfen kann, unversieglich sind. Er strebt immer wieder nach dem Geistigen, das ihn heben und tragen wird, wie oft auch sein Irdisches sich als kraftlos und schwach erwiesen haben mag. Er muß fähig sein, der Zukunft entgegenzuleben, und in diesem Streben sich durch keine Erfahrung der Vergangenheit stören lassen. Hat der Mensch die geschilderten Eigenschaften bis zu einem gewissen Grade, dann ist er reif, die wahren Namen der Dinge zu erfahren, die der Schlüssel zu dem höheren Wissen sind. Denn darin besteht die Einweihung, daß man lernt, die Dinge der Welt bei demjenigen Namen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|74}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
zu benennen, die sie im Geiste ihrer göttlichen Urheber haben. In diesen ihren Namen liegen die Geheimnisse der Dinge. Deshalb sprechen die Eingeweihten eine andere Sprache als Uneingeweihte, weil die ersteren die Bezeichnung der Wesen nennen, durch welche diese selbst gemacht sind. Soweit von der Einweihung (Initiation) selbst gesprochen werden kann, soll das im nächsten Kapitel folgen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|75}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= DIE EINWEIHUNG =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Einweihung ist die höchste der Stufen einer Geheim­schulung, über welche in einer Schrift noch Andeutungen gegeben werden können, die allgemein verständlich sind. Über alles, was darüber liegt, sind Mitteilungen schwer verständlich. Aber auch dazu findet jeder den Weg, der durch die Vorbereitung, Erleuchtung und Einweihung bis zu den niederen Geheimnissen vorgedrungen ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Wissen und Können, das einem Menschen durch die Einweihung zuteil wird, könnte er ohne eine solche erst in einer sehr fernen Zukunft nach vielen Verkörpe­rungen auf einem ganz anderen Wege und auch in einer ganz anderen Form erwerben. Wer heute eingeweiht wird, erfährt etwas, was er sonst viel später, unter ganz anderen Verhältnissen, erfahren würde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Mensch kann von den Geheimnissen des Daseins nur so viel wirklich erfahren, als dem Grade seiner Reife entspricht. Nur deshalb gibt es Hindernisse zu den höhe­ren Stufen des Wissens und Könnens. Der Mensch soll ein Schießgewehr nicht früher gebrauchen, als bis er ge­nügende Erfahrung hat, um durch den Gebrauch nicht Unheil anzurichten. Würde heute jemand ohne weiteres eingeweiht, so würde ihm die Erfahrung fehlen, die er durch die Verkörperungen in der Zukunft noch machen wird, bis ihm die entsprechenden Geheimnisse im regelmäßigen Verlauf seiner Entwickelung zuteil werden. Deshalb müssen an der Pforte der Einweihung die Erfah­rungen durch etwas anderes ersetzt sein. In einem Ersatz für künftige Erfahrungen bestehen daher die ersten Unter­weisungen des Einweihungskandidaten. Es sind das die&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|76}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sogenannten «Proben», die er durchzumachen hat und die sich als regelmäßige Folge des Seelenlebens ergeben, wenn Übungen, wie die in den vorhergehenden Kapiteln geschilderten, richtig fortgesetzt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von diesen «Proben» wird ja auch in Büchern oft ge­sprochen. Aber es ist nur natürlich, daß von ihrer Natur durch solche Besprechungen in der Regel ganz falsche Vorstellungen hervorgerufen werden müssen. Denn wer nicht durch die Vorbereitung und Erleuchtung hindurch­gegangen ist, hat ja nichts von diesen Proben jemals erfahren. Ein solcher kann sie auch nicht sachgemäß beschreiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dem Einzuweihenden müssen sich gewisse Dinge und Tatsachen ergeben, die den höheren Welten angehören. Er kann sie aber nur sehen und hören, wenn er die gei­stigen Wahrnehmungen wie Figuren, Farben, Töne und so weiter empfinden kann, von denen bei Besprechung der «Vorbereitung» und «Erleuchtung» berichtet worden ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die erste «Probe» besteht darinnen, daß er eine wah­rere Anschauung erlangt von den leiblichen Eigenschaften der leblosen Körper, dann der Pflanzen, der Tiere und des Menschen, als sie der Durchschnittsmensch besitzt. Damit ist aber nicht das gemeint, was man heute wissen­schaftliche Erkenntnis nennt. Denn nicht um Wissen­schaft, sondern um Anschauung handelt es sich. In der Regel ist der Vorgang so, daß der Einzuweihende erken­nen lernt, wie sich die Naturdinge und Lebewesen für das geistige Ohr und geistige Auge kundgeben. In einer gewissen Weise stehen diese Dinge dann unverhüllt nackt vor dem Beschauer. Dem sinnlichen Auge und dem sinnlichen Ohre verbergen sich die Eigenschaften,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|77}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die man da hört und sieht. Sie sind für dieses sinnliche An­schauen wie mit einem Schleier verhüllt. Daß dieser Schleier für den Einzuweihenden wegfällt, beruht auf einem Vorgang, den man als «geistigen Verbrennungsprozeß» bezeichnet. Deshalb wird diese erste Probe die «Feuerprobe» genannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für manche Menschen ist das gewöhnliche Leben selbst schon ein mehr oder weniger unbewußter Einweihungs­prozeß durch die Feuerprobe. Es sind das diejenigen, wel­che durch reiche Erfahrungen von solcher Art durch­gehen, daß ihr Selbstvertrauen, ihr Mut und ihre Stand­haftigkeit in gesunder Weise groß werden und daß sie Leid, Enttäuschung, Mißlingen von Unternehmungen mit Seelengröße und namentlich mit Ruhe und in ungebro­chener Kraft ertragen lernen. Wer Erfahrungen in dieser Art durchgemacht hat, der ist oft schon, ohne daß er es deutlich weiß, ein Eingeweihter; und es bedarf dann nur eines wenigen, um ihm geistige Ohren und Augen zu öffnen, so daß er ein Hellsehender wird. Denn das ist fest­zuhalten: es handelt sich bei einer wahren «Feuerprobe» nicht darum, daß die Neugierde des Kandidaten befriedigt werde. Gewiß, er lernt außergewöhnliche Tatsachen ken­nen, von denen andere Menschen keine Ahnung haben. Aber dieses Kennenlernen ist nicht das Ziel, sondern nur das Mittel zum Ziel. Das Ziel aber ist, daß sich der Kan­didat durch die Erkenntnis der höheren Welten größeres und wahreres Selbstvertrauen, höheren Mut und eine ganz andere Seelengröße und Ausdauer erwerbe, als sie in der Regel innerhalb der niederen Welt erlangt werden kön­nen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der «Feuerprobe» kann jeder Kandidat noch umkehren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|78}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er wird gestärkt in physischer und seelischer Be­ziehung dann sein Leben fortsetzen und wohl erst in einer nächsten Verkörperung die Einweihung fortsetzen. In sei­ner gegenwärtigen aber wird er ein brauchbareres Glied der menschlichen Gesellschaft sein, als er vorher war. In welcher Lage er sich auch befinden mag: seine Festigkeit, seine Umsicht, sein günstiger Einfluß auf seine Mitmen­schen, seine Entschlossenheit werden zugenommen haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Will der Kandidat nach vollbrachter Feuerprobe die Geheimschulung fortsetzen, so muß ihm nunmehr ein bestimmtes Schriftsystem enthüllt werden, wie solche in der Geheimschulung üblich sind. In diesen Schriftsystemen offenbaren sich die eigentlichen Geheimlehren. Denn das­jenige, was in den Dingen wirklich «verborgen» (okkult) ist, kann weder mit den Worten der gewöhnlichen Spra­che unmittelbar ausgesprochen, noch kann es mit den ge­wöhnlichen Schriftsystemen aufgezeichnet werden. Die­jenigen, welche von den Eingeweihten gelernt haben, übersetzen die Lehren der Geheimwissenschaft in die ge­wöhnliche Sprache, so gut das geht. Die okkulte Schrift offenbart sich der Seele, wenn diese die geistige Wahrneh­mung erlangt hat. Denn diese Schrift steht in der geisti­gen Welt immer geschrieben. Man lernt sie nicht so, wie man eine künstliche Schrift lesen lernt. Man wächst viel­mehr in sachgemäßer Weise der hellsichtigen Erkenntnis entgegen, und während dieses Wachsens entwickelt sich wie eine seelische Fähigkeit die Kraft, welche die vorhan­denen Geschehnisse und Wesenheiten der geistigen Welt wie die Charaktere einer Schrift zu entziffern sich gedrängt fühlt. Es könnte sein, daß diese Kraft und mit ihr das Erleben der entsprechenden «Probe» mit der fortschreitenden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|79}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seelenentwickelung wie von selbst erwa­chen. Doch sicherer gelangt man zum Ziele, wenn man die Anweisungen der erfahrenen Geheimforscher befolgt, die Gewandtheit haben im Entziffern der okkulten Schrift.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Zeichen der Geheimschrift sind nicht willkürlich ersonnen, sondern sie entsprechen den Kräften, welche in der Welt wirksam sind. Man lernt durch diese Zeichen die Sprache der Dinge. Dem Kandidaten zeigt sich alsbald, daß die Zeichen, die er kennenlernt, den Figuren, Farben, Tönen und so weiter entsprechen, die er während der Vor­bereitung und Erleuchtung wahrzunehmen gelernt hat. Es zeigt sich ihm, daß alles Vorhergehende nur wie ein Buchstabieren war. Jetzt erst fängt er an, in der höheren Welt zu lesen. In einem großen Zusammenhang erscheint ihm alles, was vorher nur vereinzelte Figur, Ton, Farbe war. Jetzt erst gewinnt er die rechte Sicherheit im Beob­achten der höheren Welten. Vorher konnte er nie mit Be­stimmtheit wissen, ob die Dinge, die er gesehen hat, auch richtig gesehen waren. Und jetzt erst kann eine geregelte Verständigung zwischen dem Kandidaten und dem Ein­geweihten auf den Gebieten des höheren Wissens statt­finden. Denn wie auch das Zusammenleben eines Einge­weihten mit einem anderen Menschen im gewöhnlichen Leben gestaltet sein mag: von dem höheren Wissen in unmittelbarer Gestalt kann der Eingeweihte nur in der erwähnten Zeichensprache etwas mitteilen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch diese Sprache wird der Geheimschüler auch be­kannt mit gewissen Verhaltungsmaßregeln für das Leben. Er lernt gewisse Pflichten kennen, von denen er vorher nichts gewußt hat. Und wenn er diese Verhaltungsmaßregeln kennengelernt hat, so kann er Dinge vollbringen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|80}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die eine Bedeutung haben, wie sie niemals die Taten eines Uneingeweihten haben können. Er handelt von den höhe­ren Welten aus. Die Anweisungen zu solchen Handlun­gen können nur in der angedeuteten Schrift verstanden werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es muß aber betont werden, daß es Menschen gibt, die solche Handlungen unbewußt auszuführen vermögen, trotzdem sie nicht eine Geheimschulung durchgemacht haben. Solche «Helfer der Welt und Menschheit» schreiten segnend und wohltuend durchs Leben. Ihnen sind durch Gründe, die hier nicht zu erörtern sind, Gaben ver­liehen worden, die übernatürlich erscheinen. Was sie von dem Geheimschüler unterscheidet, ist lediglich das, daß dieser mit Bewußtsein, mit voller Einsicht in den ganzen Zusammenhang handelt. Er erringt eben durch Schulung, was jenen von höheren Mächten zum Heile der Welt beschert worden ist. Die Gottbegnadeten kann man aufrich­tig verehren; aber deswegen darf man die Arbeit der Schu­lung nicht für überflüssig halten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hat der Geheimschüler die erwähnte Zeichenschrift ge­lernt, dann beginnt für ihn eine weitere «Probe». Durch diese muß sich erweisen, ob er sich frei und sicher in der höheren Welt bewegen kann. Im gewöhnlichen Leben wird der Mensch durch Antriebe von außen zu seinen Handlungen bewogen. Er arbeitet dieses oder jenes, weil ihm die Verhältnisse, diese oder jene Pflichten auferlegen. Es braucht wohl kaum erwähnt zu werden, daß der Ge­heimschüler keine seiner Pflichten im gewöhnlichen Le­ben versäumen darf, weil er in höheren Welten lebt. Keine Pflicht in einer höheren Welt kann jemanden zwin­gen, eine einzige seiner Pflichten in der gewöhnlichen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|81}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
außer acht zu lassen. Der Familienvater bleibt ebenso guter Familienvater, die Mutter ebenso gute Mutter, der Beamte wird von nichts abgehalten, ebensowenig der Soldat oder ein anderer, wenn sie Geheimschüler werden. Im Gegen­teil: alle die Eigenschaften, die den Menschen im Leben tüchtig machen, steigern sich bei dem Geheimschüler in einem Maße, von dem sich der Uneingeweihte keinen Begriff machen kann. Und wenn das dem Uneingeweihten auch oft nicht immer, sogar selten nicht so erscheint, dann rührt das nur davon her, daß er den Eingeweihten nicht immer richtig zu beurteilen vermag. Was letzterer tut, ist manchmal dem anderen nicht sogleich durchsich­tig. Aber auch das ist, wie gesagt, nur in besonderen Fäl­len zu bemerken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den auf der genannten Stufe der Einweihung An­gelangten gibt es nun Pflichten, zu denen kein äußerer Anstoß vorhanden ist. Er wird in diesen Dingen nicht durch äußere Verhältnisse,, sondern nur durch jene Maßregeln veranlaßt, welche ihm in der «verborgenen» Spra­che offenbar werden. Nun muß er durch die zweite «Probe» zeigen, daß er, geführt von einer solchen Maßregel, ebenso sicher und fest handelt, wie etwa ein Beamter seine ihm obliegenden Pflichten vollführt. Zu die­sem Zwecke wird durch die Geheimschulung der Kandi­dat sich vor eine bestimmte Aufgabe gestellt fühlen. Dieser soll eine Handlung ausführen infolge von Wahr­nehmungen, die er macht auf Grund dessen, was er auf der Vorbereitungs- und Erleuchtungsstufe gelernt hat. Und was er auszuführen hat, das muß er erkennen durch die gekennzeichnete Schrift, die er sich angeeignet hat. Er­kennt er seine Pflicht und handelt er richtig, dann hat er&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|82}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die Probe bestanden. Man erkennt den Erfolg an der Ver­änderung, die sich mit den als Figuren, Farben und Tönen empfundenen Wahrnehmungen der Geistesohren und -augen durch die Handlung vollzieht. In den Fortschrit­ten der Geheimschulung wird ganz genau angegeben, wie diese Figuren und so weiter nach der Handlung aussehen, empfunden werden. Und der Kandidat muß wissen, wie er eine solche Veränderung hervorzubringen vermag. Man nennt diese Probe die «Wasserprobe», weil bei der Tätigkeit in diesen höheren Gebieten dem Menschen die Stütze durch die äußeren Verhältnisse so fehlt, wie beim Bewegen im Wasser, dessen Grund man nicht erreicht, die Stütze fehlt. Der Vorgang muß so oft wiederholt werden, bis der Kandidat völlige Sicherheit hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch bei dieser Probe handelt es sich um das Erwerben einer Eigenschaft; und durch die Erfahrungen in der höhe­ren Welt bildet der Mensch diese Eigenschaft in kurzer Zeit in einem solch hohen Grade aus, daß er im gewöhn­lichen Verlaufe der Entwickelung wohl durch viele Ver­körperungen hindurchgehen müßte, um ihn zu erreichen. Worauf es nämlich ankommt, ist das Folgende. Der Kan­didat darf, um die angegebene Veränderung auf dem höheren Gebiet des Daseins hervorzubringen, lediglich dem folgen, was sich ihm auf Grund seiner höheren Wahrnehmung und als Folge seines Lesens der verbor­genen Schrift ergibt. Würde er während seiner Handlung irgend etwas von seinen Wünschen, Meinungen und so weiter einmischen, folgte er nur einen Augenblick nicht den Gesetzen, die er als richtig erkannt hat, sondern seiner Willkür: dann würde etwas ganz anderes geschehen, als geschehen soll. In diesem Falle verlöre der Kandidat sofort&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|83}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die Richtung auf sein Ziel der Handlung, und Ver­wirrung träte ein. Daher hat der Mensch durch diese Probe in reichlichstem Maße Gelegenheit, seine Selbst­beherrschung auszubilden. Und darauf kommt es an. Wie­der kann daher diese Probe von denen leichter bestanden werden, die vor der Einweihung durch ein Leben gegan­gen sind, das ihnen die Erwerbung der Selbstbeherrschung gebracht hat. Wer sich die Fähigkeit erworben hat, hohen Grundsätzen und Idealen mit Hintansetzung der persön­lichen Laune und Willkür zu folgen, wer versteht, die Pflicht auch immer da zu erfüllen, wo die Neigungen und Sympathien gar zu gerne von dieser Pflicht ablenken wol­len, der ist unbewußt schon mitten im gewöhnlichen Le­ben ein Eingeweihter. Und nur ein Geringes wird notwen­dig sein, damit er die geschilderte Probe bestehe. Ja, es muß sogar gesagt werden, daß ein gewisser schon im Le­ben unbewußt erlangter Grad von Einweihung in der Regel durchaus notwendig sein wird, um die zweite Probe zu bestehen. Denn wie es vielen Menschen, die in der Ju­gend nicht richtig schreiben gelernt haben, schwer wird, dies nachzuholen, wenn sie einmal die volle Lebensreife erlangt haben, so wird es auch schwer, den notwendigen Grad von Selbstbeherrschung beim Einblicke in die höhe­ren Welten auszubilden, wenn man nicht schon vorher darinnen einen gewissen Grad im alltäglichen Leben sich angeeignet hat. Die Dinge der physischen Welt ändern sich nicht, was wir auch wünschen, begehren, was immer wir auch für Neigungen haben. In den höheren Welten aber sind unsere Wünsche, Begierden und Neigungen von Wirkung für die Dinge. Wollen wir da auf die Dinge in entsprechender Weise wirken, so müssen wir uns ganz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|84}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
in unserer Gewalt haben, müssen lediglich den richtigen Maßregeln folgen und keinerlei Willkür unterworfen sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Eigenschaft des Menschen, die auf dieser Stufe der Einweihung ganz besonders in Betracht kommt, ist eine unbedingt gesunde und sichere Urteilskraft. Auf die Her­anbildung einer solchen muß schon auf allen früheren Stufen gesehen werden; und auf dieser muß es sich erwei­sen, ob der Kandidat sie so handhabt, daß er für den wah­ren Erkenntnispfad geeignet ist. Er kann nur dann weiter­kommen, wenn er Illusion, wesenlose Phantasiegebilde, Aberglauben und alle Art von Blendwerk von der wahren Wirklichkeit unterscheiden kann. Und auf den höheren Stufen des Daseins ist das zunächst schwieriger als auf den niederen. Da muß jedes Vorurteil, jede liebgewordene Meinung schwinden in bezug auf die Dinge, auf die es ankommt; und einzig und allein die Wahrheit muß Richt­schnur sein. Vollkommene Bereitschaft muß vorhanden sein, einen Gedanken, eine Ansicht, eine Neigung sofort aufzugeben, wenn das logische Denken solches fordert. Gewißheit in höheren Welten ist nur zu erlangen, wenn man nie die eigene Meinung schont.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Menschen mit einer Denkungsart, die zur Phantastik, zum Aberglauben neigt, können auf dem Geheimpfade keinen Fortschritt machen. Ein kostbares Gut soll ja der Geheimjünger erringen. Alle Zweifel an den höheren Welten werden von ihm genommen. Diese enthüllen sich in ihren Gesetzen vor seinen Blicken. Aber er kann dieses Gut nicht erringen, solange er sich von Blendwerken und Illusionen täuschen läßt. Schlimm wäre es für ihn, wenn seine Phantasie, seine Vorurteile mit seinem Verstande&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|85}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
durchgingen. Träumer und Phantasten sind für den Ge­heimpfad ebenso ungeeignet wie abergläubische Perso­nen. Das alles kann nicht genug betont werden. Denn in Träumerei, Phantastik und Aberglauben lauern die schlimmsten Feinde auf dem Wege zu Erkenntnissen in höheren Welten. Es braucht aber auch niemand zu glauben, daß dem Geheimjünger die Poesie des Lebens, die Begeisterungsfähigkeit verlorengehe, weil über dem Tore, das zur zweiten Probe der Einweihung führt, die Worte stehen: «Alle Vorurteile müssen von dir fallen», und weil er an der Eingangspforte zur ersten Probe bereits lesen muß: «Ohne gesunden Menschenverstand sind alle deine Schritte vergebens.»&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ist der Kandidat in dieser Art weit genug vorgeschrit­ten, so wartet die dritte «Probe» auf ihn. Bei dieser wird ihm kein Ziel fühlbar. Es ist alles in seine eigene Hand gelegt. Er befindet sich in einer Lage, wo ihn nichts zum Handeln veranlaßt. Er muß ganz allein aus sich seinen Weg finden. Dinge oder Personen, die ihn zu etwas bewegen, sind nicht da. Nichts und niemand kann ihm jetzt die Kraft geben, die er braucht, als nur er selbst. Fände er diese Kraft nicht in sich selbst, so stände er sehr bald wie­der da, wo er vorher gestanden hat. Doch muß man sagen, daß nur wenige von denen, welche die vorigen Proben bestanden haben, hier diese Kraft nicht finden werden. Man bleibt entweder schon vorher zurück, oder man besteht auch hier. Alles, was nötig ist, das besteht darinnen, rasch mit sich selbst zurecht zu kommen. Denn man muß hier sein «höheres Selbst» im wahrsten Sinne des Wortes finden. Man muß sich rasch entschließen, auf die Ein­gebung des Geistes in allen Dingen zu hören. Zeit zu&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|86}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
irgendwelchen Bedenken, Zweifeln und so weiter hat man hier nicht mehr. Jede Minute Zögerung würde nur beweisen, daß man noch nicht reif ist. Was abhält, auf den Geist zu hören, muß kühn überwunden werden. Es kommt darauf an, Geistesgegenwart in dieser Lage zu be­weisen. Und das ist auch die Eigenschaft, auf deren voll­kommene Ausbildung es auf dieser Entwickelungsstufe abgesehen ist. Alle Verlockungen zum Handeln, ja selbst zum Denken, an die ein Mensch vorher gewöhnt war, hören auf. Um nicht untätig zu bleiben, darf der Mensch sich selbst nicht verlieren. Denn nur in sich selbst kann er den einzigen festen Punkt finden, an den er sich zu hal­ten vermag. Niemand, der dies hier liest, ohne weiter mit den Sachen vertraut zu sein, sollte eine Antipathie emp­finden gegen dieses Zurückgewiesensein auf sich selbst. Denn es bedeutet für den Menschen die schönste Glück­seligkeit, wenn er die geschilderte Probe besteht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und nicht weniger als in den anderen Fällen ist auch für diesen Punkt das gewöhnliche Leben für viele Menschen schon eine Geheimschule. Personen, die es dahin gebracht haben, daß sie, vor plötzlich an sie herantretende Lebensaufgaben gestellt, ohne Zögern, ohne viel Beden­ken eines raschen Entschlusses fähig sind, ihnen ist das Leben eine solche Schulung. Die geeigneten Lagen sind diejenigen, wo ein erfolgreiches Handeln sofort unmög­lich wird, wenn der Mensch nicht rasch eingreift. Wer rasch bei der Hand ist, zuzugreifen, wenn ein Unglück in Sicht ist, während durch einige Augenblicke Zögerung das Unglück bereits geschehen wäre, und wer eine solche rasche Entschlußfähigkeit zu einer bleibenden Eigen­schaft bei sich gemacht hat, der hat unbewußt die Reife&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|87}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
für die dritte «Probe» erworben. Denn auf die Heranbildung der unbedingten Geistesgegenwart kommt es bei ihr an. Man nennt sie in den Geheimschulen die «Luftprobe», weil der Kandidat bei ihr sich weder auf den festen Boden der äußeren Veranlassungen stützen kann noch auf dasjenige, was sich aus den Farben, Formen und so weiter ergibt, die er durch Vorbereitung und Erleuch­tung kennengelernt hat, sondern ausschließlich auf sich selbst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hat der Geheimjünger diese Probe bestanden, dann darf er den «Tempel der höheren Erkenntnisse» betre­ten. Was darüber weiter zu sagen ist, kann nur die aller­spärlichste Andeutung sein. Was jetzt zu leisten ist, wird oft so ausgedrückt, daß man sagt: der Geheimjünger habe einen «Eid» zu leisten, nichts von den Geheimlehren zu «verraten». Doch sind die Ausdrücke «Eid» und «ver­raten» keineswegs sachgemäß und sogar zunächst irreführend. Es handelt sich um keinen «Eid» im gewöhn­lichen Sinne des Wortes. Man macht vielmehr auf dieser Stufe der Entwickelung eine Erfahrung. Man lernt, wie man die Geheimlehre anwendet, wie man sie in den Dienst der Menschheit stellt. Man fängt an, die Welt erst recht zu verstehen. Nicht auf das «Verschweigen» der höheren Wahrheiten kommt es da an, sondern vielmehr auf die rechte Art, den entsprechenden Takt, sie zu ver­treten. Worüber man «schweigen» lernt, das ist etwas ganz anderes. Man eignet sich diese herrliche Eigenschaft nämlich in bezug auf vieles an, worüber man vorher ge­redet hat, namentlich auf die Art, wie man geredet hat. Ein schlechter Eingeweihter wäre der, welcher nicht die erfahrenen Geheimnisse in den Dienst der Welt stellte, so&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|88}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gut und soweit dies nur möglich ist. Es gibt kein anderes Hindernis für die Mitteilung auf diesem Gebiete als allein das Nichtverstehen von seiten dessen, der empfangen soll. Zum beliebigen Reden darüber eignen sich allerdings die höheren Geheimnisse nicht. Aber es ist niemandem etwas «verboten» zu sagen, der die beschriebene Stufe der Ent­wickelung erlangt hat. Kein anderer Mensch und kein Wesen legt ihm einen dahingehenden «Eid» auf. Alles ist in seine eigene Verantwortlichkeit gestellt. Was er lernt, ist, in jeder Lage ganz durch sich selbst zu finden, was er zu tun hat. Und der «Eid» bedeutet nichts, als daß der Mensch reif geworden ist, eine solche Verantwortung tra­gen zu können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ist der Kandidat reif geworden zu dem Beschriebenen, dann erhält er dasjenige, was man sinnbildlich als den «Vergessenheitstrunk» bezeichnet. Er wird nämlich in das Geheimnis eingeweiht, wie man wirken kann, ohne sich durch das niedere Gedächtnis fortwährend stören zu las­sen. Das ist für den Eingeweihten notwendig. Denn er muß stets das volle Vertrauen in die unmittelbare Gegen­wart haben. Er muß die Schleier der Erinnerung zerstören können, die sich in jedem Augenblick des Lebens um den Menschen ausbreiten. Wenn ich etwas, was mir heute be­gegnet, nach dem beurteile, was ich gestern erfahren habe, so bin ich vielfachen Irrtümern unterworfen. Natür­lich ist damit nicht gemeint, daß man seine im Leben ge­wonnene Erfahrung verleugne. Man soll sich sie immer gegenwärtig halten, so gut man kann. Aber man muß als Eingeweihter die Fähigkeit haben, jedes neue Erlebnis aus sich selbst zu beurteilen, es ungetrübt durch alle Ver­gangenheit auf sich wirken zu lassen. Ich muß in jedem&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|89}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Augenblicke darauf gefaßt sein, daß mir ein jegliches Ding oder Wesen eine ganz neue Offenbarung bringen kann. Beurteile ich das Neue nach dem Alten, so bin ich dem Irrtum unterworfen. Gerade dadurch wird mir die Erinnerung an alte Erfahrungen am nützlichsten, daß sie mich befähigt, Neues zu sehen. Hätte ich eine bestimmte Erfahrung nicht, so würde ich die Eigenschaft eines Din­ges oder eines Wesens, die mir entgegentreten, vielleicht gar nicht sehen. Aber eben zum Sehen des Neuen, nicht zur Beurteilung des Neuen nach dem Alten soll die Er­fahrung dienen. In dieser Beziehung erlangt der Ein­geweihte ganz bestimmte Fähigkeiten. Dadurch enthül­len sich ihm viele Dinge, die dem Uneingeweihten ver­borgen bleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der zweite «Trank», der dem Eingeweihten verabreicht wird, ist der «Gedächtnistrank». Durch ihn erlangt er die Fähigkeit, höhere Geheimnisse stets im Geiste gegenwär­tig zu haben. Dazu würde das gewöhnliche Gedächtnis nicht ausreichen. Man muß ganz eins werden mit den höheren Wahrheiten. Man muß sie nicht nur wissen, son­dern ganz selbstverständlich in lebendigem Tun hand­haben, wie man als gewöhnlicher Mensch ißt und trinkt. Übung, Gewöhnung, Neigung müssen sie werden. Man muß gar nicht über sie in gewöhnlichem Sinne nachzu­denken brauchen; sie müssen sich durch den Menschen selbst darstellen, durch ihn fließen wie die Lebensfunk­tionen seines Organismus. So macht er sich in geistigem Sinne immer mehr zu dem, wozu ihn im physischen die Natur gemacht hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|90}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= PRAKTISCHE GESICHTSPUNKTE =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn der Mensch seine Ausbildung in bezug auf Gefühle, Gedanken und Stimmungen so durchmacht, wie dies in den Kapiteln über Vorbereitung, Erleuchtung und Einweihung beschrieben worden ist, so bewirkt er in sei­ner Seele und in seinem Geist eine ähnliche Gliederung, wie sie die Natur in seinem physischen Leibe bewirkt hat. Vor dieser Ausbildung sind Seele und Geist ungegliederte Massen. Der Hellseher nimmt sie wahr als ineinandergreifende, spiralige Nebelwirbel, die vorzugsweise wie rötliche und rötlichbraune oder auch rötlichgelbe Farben matt glimmend empfunden werden; nach der Ausbildung beginnen sie wie die gelblichgrünen, grünlichblauen Far­ben geistig zu erglänzen und zeigen einen regelmäßigen Bau. Der Mensch gelangt zu solcher Regelmäßigkeit und damit zu höheren Erkenntnissen, wenn er in seine Ge­fühle, Gedanken und Stimmungen solche Ordnung bringt, wie sie die Natur in seine körperlichen Verrichtungen gebracht hat, so daß er sehen, hören, verdauen, atmen, sprechen und so weiter kann. Mit der Seele atmen und sehen und so weiter, mit dem Geiste hören und sprechen und so weiter lernt der Geheimschüler allmählich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es sollen hier nur noch einige praktische Gesichts­punkte genauer ausgeführt werden, die zur höheren See­len- und Geisteserziehung gehören. Es sind solche, die im Grunde jeder, ohne auf andere Regeln Rücksicht zu nehmen, befolgen kann und durch die er in der Geheimwis­senschaft eine Strecke weit gelangt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine besondere Ausbildung muß man in der Geduld anstreben. Jede Regung der Ungeduld wirkt lähmend, ja&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|91}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ertötend auf die im Menschen schlummernden höheren Fähigkeiten. Man soll nicht verlangen, daß sich von heute auf morgen unermeßliche Einblicke in die höheren Wel­ten eröffnen. Denn dann kommen sie in der Regel ganz gewiß nicht; Zufriedenheit mit dem Geringsten, das man erreicht, Ruhe und Gelassenheit sollen sich der Seele immer mehr bemächtigen. Es ist ja begreiflich, daß der Lernende ungeduldig die Ergebnisse erwartet. Dennoch erlangt er nichts, solange er diese Ungeduld nicht be­meistert. Es nützt auch nichts, wenn man diese Ungeduld nur in gewöhnlichem Sinne des Wortes bekämpft. Dann wird sie nur um so stärker. Man täuscht sich dann über sie hinweg, und in den Tiefen der Seele sitzt sie nur um so stärker. Nur wenn man sich einem ganz bestimmten Gedanken immer wieder hingibt, ihn ganz sich zu eigen macht, erreicht man etwas. Dieser Gedanke ist: «Ich muß zwar alles tun zu meiner Seelen- und Geistesausbildung; aber ich werde ganz ruhig warten, bis ich von höheren Mächten für würdig befunden werde zu bestimmter Er­leuchtung.» Wird dieser Gedanke im Menschen so mäch­tig, daß er zur Charakteranlage sich gestaltet, dann ist man auf dem rechten Wege. Schon im Äußerlichen prägt sich dann diese Charakteranlage aus. Der Blick des Auges wird ruhig, die Bewegungen sicher, die Entschlüsse be­stimmt, und alles, was man Nervosität nennt, weicht all­mählich von dem Menschen. Scheinbar unbedeutende, kleine Regeln kommen dabei in Betracht. Zum Beispiel es fügt uns jemand eine Beleidigung zu. Vor unserer Geheimerziehung wenden wir unser Gefühl gegen den Be­leidiger. Ärger wallt in unserem Innern auf. In dem Ge­heimschüler aber steigt sofort bei einer solchen Gelegenheit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|92}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der Gedanke auf: «Eine solche Beleidigung ändert nichts an meinem Werte»; und er tut dann, was gegen die Beleidigung zu unternehmen ist, mit Ruhe und Gelassen­heit, nicht aus dem Ärger heraus. Es kommt natürlich nicht darauf an, etwa jede Beleidigung einfach hinzuneh­men, sondern darauf, daß man so ruhig und sicher in der Ahndung einer Beleidigung der eigenen Person gegen­über ist, wie man wäre, wenn die Beleidigung einem anderen zugefügt worden wäre, bei dem man das Recht hat, sie zu ahnden. Immer muß berücksichtigt werden, daß sich die Geheimschulung nicht in groben äußeren Vorgängen, sondern in feinen, stillen Umwandlungen des Gefühls­- und Gedankenlebens vollzieht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Geduld wirkt anziehend auf die Schätze des höheren Wissens. Ungeduld wirkt auf sie abstoßend. In Hast und Unruhe kann nichts auf den höheren Gebieten des Daseins erlangt werden. Vor allen Dingen müssen Verlan­gen und Begierde schweigen. Das sind Eigenschaften der Seele, vor denen sich alles höhere Wissen scheu zurückzieht. So wertvoll auch alle höhere Erkenntnis ist: man darf sie nicht verlangen, wenn sie zu uns kommen soll. Wer sie haben will um seiner selbst willen, der erlangt sie nie. Und das erfordert vor allem, daß man in tiefster Seele wahr gegen sich selbst sei. Man darf sich in nichts über sich selbst täuschen. Man muß seinen eigenen Feh­lern, Schwächen und Untauglichkeiten mit innerer Wahr­haftigkeit ins Antlitz schauen. In dem Augenblicke, wo du irgendeine deiner Schwächen vor dir selbst entschul­digst, hast du dir einen Stein hingelegt auf den Weg, der dich aufwärts führen soll. Solche Steine kannst du nur durch Selbstaufklärung über dich beseitigen. Es gibt nur&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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einen Weg, seine Fehler und Schwächen abzulegen, und der ist: sie richtig zu erkennen. Alles schlummert in der Menschenseele und kann erweckt werden. Auch seinen Verstand und seine Vernunft kann der Mensch verbessern, wenn er sich in Ruhe und Gelassenheit darüber aufklärt, warum er in dieser Beziehung schwach ist. Solche Selbsterkenntnis ist natürlich schwierig, denn die Ver­suchung zur Täuschung über sich selbst ist eine unermeß­lich große. Wer sich an Wahrheit gegen sich selbst ge­wöhnt, öffnet sich die Pforten zu höherer Einsicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schwinden muß beim Geheimschüler eine jegliche Neugierde. Er muß sich soviel wie möglich das Fragen abgewöhnen über Dinge, die er nur zur Befriedigung sei­nes persönlichen Wissensdranges wissen will. Nur das soll er fragen, was ihm zur Vervollkommnung seiner We­senheit im Dienste der Entwickelung dienen kann. Dabei soll in ihm aber die Freude, die Hingabe an das Wissen in keiner Weise gelähmt werden. Auf alles, was zu sol­chem Ziele dient, soll er andächtig hinhorchen und jede Gelegenheit zu solcher Andacht aufsuchen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Insbesondere ist zur Geheimausbildung eine Erziehung des Wunschlebens notwendig. Man soll nicht etwa wunschlos werden. Denn alles, was wir erreichen sollen, sollen wir ja auch wünschen. Und ein Wunsch wird immer in Erfüllung gehen, wenn hinter ihm eine ganz besondere Kraft steht. Diese Kraft kommt aus der richtigen Erkennt­nis. «In keiner Art zu wünschen, bevor man das Richtige auf einem Gebiete erkannt hat», das ist eine der goldenen Regeln für den Geheimschüler. Der Weise lernt zuerst die Gesetze der Welt kennen, dann werden seine Wünsche zu Kräften, welche sich verwirklichen. Ein Beispiel, das&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
deutlich wirkt, soll hier angeführt werden. Gewiß wün­schen viele, aus eigener Anschauung über ihr Leben vor ihrer Geburt etwas zu erfahren. Solcher Wunsch ist ganz zwecklos und ergebnislos, solange der Betreffende sich nicht die Erkenntnis der Gesetze durch geisteswissen­schaftliches Studium angeeignet hat und zwar in ihrem feinsten, intimsten Charakter von dem Wesen des Ewi­gen. Hat er sich aber diese Erkenntnis wirklich erworben, und will er dann weiterkommen, so wird er es durch sei­nen veredelten, geläuterten Wunsch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es nützt auch nichts, zu sagen: Ja, ich will ja ge­rade mein vorhergehendes Leben übersehen und zu dem Zwecke eben lernen. Man muß vielmehr imstande sein, diesen Wunsch ganz fallenzulassen, ganz von sich auszuschalten, und zunächst ganz ohne diese Absicht lernen. Man muß die Freude, die Hingebung an dem Gelernten entwickeln ohne die genannte Absicht. Denn nur da­durch lernt man zugleich den entsprechenden Wunsch so zu haben, daß er seine Erfüllung nach sich zieht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;*&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn ich zornig bin oder mich ärgere, so richte ich einen Wall in der Seelenwelt um mich auf, und die Kräfte können nicht an mich herantreten, welche meine seeli­schen Augen entwickeln sollen. Ärgert mich zum Beispiel ein Mensch, so schickt er einen seelischen Strom in die Seelenwelt. Ich kann diesen Strom so lange nicht sehen, als ich noch fähig bin, mich zu ärgern. Mein Ärger ver­deckt ihn mir. Nun darf ich auch nicht glauben, daß ich sofort eine seelische (astralische) Erscheinung haben werde, wenn ich mich nicht mehr ärgere. Denn dazu ist&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
notwendig, daß sich erst in mir ein seelisches Auge ent­wickele. Aber die Anlage zu einem solchen Auge liegt in jedem Menschen. Es bleibt unwirksam, solange der Mensch fähig ist, sich zu ärgern. Aber es ist auch noch nicht sogleich da, wenn man ein wenig das Ärgern be­kämpft hat. Man muß vielmehr fortfahren in dieser Be­kämpfung des Ärgers und in Geduld immer wieder fort­fahren; dann wird man eines Tages bemerken, daß sich dieses seelische Auge entwickelt hat. Allerdings ist nicht der Ärger das einzige, was man zu solchem Ziele zu bekämpfen hat. Viele werden ungeduldig oder zweifelnd, weil sie jahrelang einige Eigenschaften der Seele bekämpft haben und das Hellsehen doch nicht eintritt. Sie haben dann eben einige Eigenschaften ausgebildet und andere um so mehr überwuchern lassen. Die Gabe des Hellsehens tritt erst dann ein, wenn alle Eigenschaften unterdrückt sind, welche die entsprechenden schlummernden Fähigkeiten nicht herauskommen lassen. Allerdings stellen sich Anfänge des Schauens (oder Hörens) schon früher ein; aber das sind zarte Pflänzchen, die leicht allem möglichen Irrtum unterworfen sind und die auch leicht absterben, wenn sie nicht sorgfältig weiter gehegt und ge­pflegt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu den Eigenschaften, die zum Beispiel ebenso be­kämpft werden müssen wie Zorn und Ärger, gehören Furchtsamkeit, Aberglaube und Vorurteilssucht, Eitelkeit und Ehrgeiz, Neugierde und unnötige Mitteilungssucht, das Unterschiedmachen in bezug auf Menschen nach äußerlichen Rang-, Geschlechts-, Stammeskennzeichen und so weiter. In unserer Zeit wird man recht schwer begreifen, daß die Bekämpfung solcher Eigenschaften etwas&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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zu tun habe mit der Erhöhung der Erkenntnisfähigkeit. Aber jeder Geheimwissenschafter weiß, daß von solchen Dingen viel mehr abhängt als von der Erweiterung der Intelligenz und von dem Anstellen künstlicher Übungen. Insbesondere kann leicht ein Mißverständnis darüber ent­stehen, wenn manche glauben, daß man sich tollkühn machen solle, weil man furchtlos sein soll, daß man sich vor den Unterschieden der Menschen verschließen soll, weil man die Standes-, Rassen- und so weiter Vorurteile bekämpfen soll. Man lernt vielmehr erst richtig erkennen, wenn man nicht mehr in Vorurteilen befangen ist. Schon in gewöhnlichem Sinne ist es richtig, daß mich die Furcht vor einer Erscheinung hindert, sie klar zu beurtei­len, daß mich ein Rassenvorurteil hindert, in eines Men­schen Seele zu blicken. Diesen gewöhnlichen Sinn muß der Geheimschüler in großer Feinheit und Schärfe bei sich zur Entwickelung bringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen Stein in den Weg der Geheimerziehung wirft dem Menschen auch alles, was er sagt, ohne daß er es gründlich in seinen Gedanken geläutert hat. Und dabei muß etwas in Betracht kommen, was hier nur durch ein Beispiel erläutert werden kann. Wenn mir jemand zum Beispiel etwas sagt und ich habe darauf zu erwidern, so muß ich bemüht sein, des anderen Meinung, Gefühl, ja Vorurteil mehr zu beachten, als was ich im Augenblicke selbst zu der in Rede stehenden Sache zu sagen habe. Hiermit ist eine feine Taktausbildung angedeutet, welcher sich der Geheimschüler sorgfältig zu widmen hat. Er muß sich ein Urteil darüber aneignen, wie weit es für den anderen eine Bedeutung hat, wenn er der seinigen die eigene Mei­nung entgegenhält. Nicht zurückhalten soll man deshalb&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
mit seiner Meinung. Davon kann nicht im entferntesten die Rede sein. Aber man soll so genau als nur irgend mög­lich auf den anderen hinhören und aus dem, was man ge­hört hat, die Gestalt seiner eigenen Erwiderung formen. Immer wieder steigt in einem solchen Falle in dem Ge­heimschüler ein Gedanke auf; und er ist auf dem rechten Wege, wenn dieser Gedanke in ihm so lebt, daß er Cha­rakteranlage geworden ist. Dies ist der Gedanke: «Nicht darauf kommt es an, daß ich etwas anderes meine als der andere, sondern darauf, daß der andere das Richtige aus Eigenem finden wird, wenn ich etwas dazu beitrage.» Durch solche und ähnliche Gedanken überströmt den Charakter und die Handlungsweise des Geheimschülers das Gepräge der Milde, die ein Hauptmittel aller Geheimschulung ist. Härte verscheucht um dich herum die Seelengebilde, die dein seelisches Auge erwecken sollen; Milde schafft dir die Hindernisse hinweg und öffnet deine Organe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und mit der Milde wird sich alsbald ein anderer Zug in der Seele ausbilden: das ruhige Achten auf alle Feinheiten des seelischen Lebens in der Umgebung bei völli­ger Schweigsamkeit der eigenen Seelenregungen. Und hat es ein Mensch zu diesem gebracht, dann wirken die Seelenregungen seiner Umgebung auf ihn so ein, daß die eigene Seele wächst und wachsend sich gliedert, wie die Pflanze gedeiht im Sonnenlichte. Milde und Schweigsam­keit in wahrer Geduld öffnen die Seele der Seelenwelt, den Geist dem Geisterlande. «Verharre in Ruhe und Ab­geschlossenheit, schließe die Sinne für das, was sie dir vor deiner Geheimschulung überliefert haben, bringe alle Gedanken zum Stillstand, die nach deinen vorherigen Ge­wohnheiten in dir auf- und abwogten, werde ganz still&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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und schweigsam in deinem Innern und warte in Geduld, dann fangen höhere Welten an, deine Seelenaugen und Geistesohren auszubilden. Du darfst nicht erwarten, daß du sogleich siehst und hörst in der Seelen- und Geisterwelt. Denn was du tust, trägt nur bei, deine höheren Sinne aus­zubilden. Seelisch sehen und geistig hören aber wirst du erst, wenn du diese Sinne haben wirst. Hast du eine Weile so in Ruhe und Abgeschlossenheit verharrt, so gehe an deine gewohnten Tagesgeschäfte, indem du dir vorher noch tief den Gedanken eingeprägt: es wird mir einmal werden, was mir werden soll, wenn ich dazu reif bin. Und unterlasse es streng, etwas von den höheren Gewalten durch deine Willkür an dich zu ziehen.» Das sind Anwei­sungen, die jeder Geheimschüler von seinem Lehrer im Beginne des Weges erhält. Beobachtet er sie, dann ver­vollkommnet er sich. Beobachtet er sie nicht, dann ist alles Arbeiten vergebens. Aber sie sind nur für den schwie­rig, der nicht Geduld und Standhaftigkeit hat. Es gibt keine anderen Hindernisse, als diejenigen sind, die sich ein jeder selbst in den Weg wirft und die auch jeder vermei­den kann, wenn er wirklich will. Das muß immer wieder betont werden, weil sich viele eine ganz falsche Vorstel­lung bilden über die Schwierigkeiten des Geheimpfades. Es ist in gewissem Sinne leichter, die ersten Stufen dieses Pfades zu überschreiten, als ohne Geheimschulung mit den alleralltäglichsten Schwierigkeiten des Lebens fertig zu werden. Außerdem durften hier nur solche Dinge mitgeteilt werden, die von keinerlei Art von Gefahren begleitet sind für die körperliche und seelische Gesundheit. Es gibt ja auch andere Wege, die schneller zum Ziele füh­ren; aber mit diesen hat, was hier gemeint ist, nichts zu&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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tun, weil sie gewisse Wirkungen auf den Menschen haben können, die ein erfahrener Geheimkundiger nicht anstrebt. Da einiges von solchen Wegen doch immer wieder in die Öffentlichkeit dringt, so muß ausdrücklich davor gewarnt werden, sie zu betreten. Aus Gründen, die nur der Eingeweihte verstehen kann, können diese Wege nie in ihrer wahren Gestalt öffentlich bekanntgegeben wer­den. Und die Bruchstücke, die dort und da erscheinen, können zu nichts Gedeihlichem, wohl aber zur Untergrabung von Gesundheit, Glück und Seelenfrieden füh­ren. Wer sich nicht ganz dunklen Mächten anvertrauen will, von deren wahrem Wesen und Ursprung er nichts wissen kann, der vermeide es, sich auf solche Dinge ein­zulassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es kann noch einiges gesagt werden über die Um­gebung, in welcher die Übungen der Geheimschulung vorgenommen werden sollen. Denn darauf kommt einiges an. Doch liegt die Sache fast für jeden Menschen anders. Wer in einer Umgebung übt, die nur von selbstsüchtigen Interessen, zum Beispiel von dem modernen Kampfe ums Dasein, erfüllt ist, der muß sich bewußt sein, daß diese Interessen nicht ohne Einfluß bleiben auf die Ausbildung seiner seelischen Organe. Zwar sind die inneren Gesetze dieser Organe so stark, daß dieser Einfluß nicht ein allzu schädlicher werden kann. Sowenig eine Lilie durch eine noch so unangemessene Umgebung zu einer Distel wer­den kann, so wenig kann sich das seelische Auge zu etwas anderem bilden, als wozu es bestimmt ist, auch wenn die selbstsüchtigen Interessen der modernen Städte darauf einwirken. Aber gut ist es unter allen Umständen, wenn der Geheimschüler ab und zu den stillen Frieden und die&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
innere Würde und Anmut der Natur zu seiner Umgebung macht. Besonders günstig liegt die Sache bei dem, der seine Geheimschulung ganz in der grünen Pflanzenwelt oder zwischen sonnigen Bergen und dem lieben Weben der Einfalt vornehmen kann. Das treibt die inneren Organe in einer Harmonie heraus, die niemals in der modernen Stadt entstehen kann. Etwas besser als der bloße Stadtmensch ist auch schon derjenige gestellt, welcher wenigstens während seiner Kindheit Tannenluft atmen, Schneegipfel schauen und das stille Treiben der Waldtiere und Insekten beobachten durfte. Keiner derjenigen aber, denen es aufgegeben ist, in der Stadt zu leben, darf es unterlassen, seinen in Bildung begriffenen Seelen- und Geistesorganen als Nahrung die inspirierten Lehren der Geistesforschung zuzuführen. Wessen Auge nicht jeden Frühling die Wälder Tag für Tag in ihrem Grün verfol­gen kann, der sollte dafür seinem Herzen die erhabenen Lehren der Bhagavad-Gita, des Johannes-Evangeliums, des Thomas von Kempen und die Darstellungen der gei­steswissenschaftlichen Ergebnisse zuführen. Viele Wege gibt es zum Gipfel der Einsicht; aber eine richtige Wahl ist unerläßlich. Der Geheimkundige weiß gar manches über solche Wege zu sagen, was dem Uneingeweihten ab­sonderlich erscheint. Es kann zum Beispiel jemand sehr weit auf dem Geheimpfade sein. Er kann sozusagen un­mittelbar vor dem Öffnen der seelischen Augen und gei­stigen Ohren stehen; und dann hat er das Glück, eine Fahrt über das ruhige oder vielleicht auch das wildbewegte Meer zu machen, und eine Binde löst sich von seinen See­lenaugen: plötzlich wird er sehend. Ein anderer ist eben­falls so weit, daß diese Binde sich nur zu lösen braucht;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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es geschieht durch einen starken Schicksalsschlag. Auf einen anderen Menschen hätte dieser Schlag wohl den Einfluß gehabt, daß er seine Kraft lähmte, seine Energie untergrübe; für den Geheimschüler wird er zum Anlaß der Erleuchtung. Ein dritter harrt in Geduld aus; Jahre hindurch hat er so geharrt, ohne eine merkliche Frucht. Plötzlich in seinem ruhigen Sitzen in der stillen Kammer wird es geistig Licht um ihn, die Wände verschwinden, werden seelisch durchsichtig, und eine neue Welt breitet sich vor seinem sehend gewordenen Auge aus oder erklingt seinem hörend gewordenen Geistesohre.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
= DIE BEDINGUNGEN ZUR GEHEIMSCHULUNG =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bedingungen zum Antritt der Geheimschulung sind nicht solche, die von irgend jemand durch Willkür festgesetzt werden. Sie ergeben sich aus dem Wesen des Ge­heimwissens. Wie ein Mensch nicht Maler werden kann, der keinen Pinsel in die Hand nehmen will, so kann nie­mand eine Geheimschulung empfangen, der nicht erfül­len will, was die Geheimlehrer als notwendige Forderung angeben. Im Grunde kann der Geheimlehrer nichts geben als Ratschläge. Und in diesem Sinne ist auch alles aufzu­nehmen, was er sagt. Er hat die vorbereitenden Wege zum Erkennen der höheren Welten durchgemacht. Er weiß aus Erfahrung, was notwendig ist. Es hängt ganz von dem freien Willen des einzelnen ab, ob er die gleichen Wege wandeln will oder nicht. Wenn jemand verlangen wollte, daß ihm ein Lehrer eine Geheimschulung zukommen ließe, ohne die Bedingungen erfüllen zu wollen, so gliche eine solche Forderung eben durchaus der: lehre mich ma­len, aber befreie mich davon, einen Pinsel zu berühren. Der Geheimlehrer kann auch niemals etwas bieten, wenn ihm nicht der freie Wille des Aufzunehmenden entgegen­kommt. Aber es muß betont werden, daß der allgemeine Wunsch nach höherem Wissen nicht genügt. Diesen Wunsch werden natürlich viele haben. Wer nur diesen Wunsch hat, ohne auf die besonderen Bedingungen der Geheimschulung eingehen zu wollen, von dem kann zunächst nichts erreicht werden. Das sollen diejenigen be­denken, die sich darüber beklagen, daß die Geheimschu­lung ihnen nicht leicht wird. Wer die strengen Bedingun­gen nicht erfüllen kann oder will, der muß eben vorläufig&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
auf Geheimschulung verzichten. Zwar sind die Bedingun­gen streng, aber nicht hart, da ihre Erfüllung nicht nur eine freie Tat sein soll, sondern sogar sein muß.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer das nicht bedenkt, für den können die Forderun­gen der Geheimschulung leicht als Seelen- oder Gewissenszwang erscheinen. Denn die Schulung beruht ja auf einer Ausbildung des inneren Lebens; der Geheimlehrer muß also Ratschläge erteilen, die sich auf dieses innere Leben beziehen. Aber nichts kann als Zwang aufgefaßt werden, was als Ausfluß eines freien Entschlusses gefor­dert wird. Wenn jemand von dem Lehrer forderte: teile mir deine Geheimnisse mit, aber lasse mich bei meinen gewohnten Empfindungen, Gefühlen und Vorstellungen, so verlangt er eben etwas ganz Unmögliches. Er will dann nichts weiter als die Neugierde, den Wissenstrieb befrie­digen. Bei einer solchen Gesinnung kann aber Geheimwissen nie erlangt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es sollen nun der Reihe nach die Bedingungen für den Geheimschüler entwickelt werden. Es muß betont wer­den, daß bei keiner dieser Bedingungen eine vollständige Erfüllung verlangt wird, sondern lediglich das Streben nach einer solchen Erfüllung. Ganz erfüllen kann die Be­dingungen niemand; aber sich auf den Weg zu ihrer Er­füllung begeben kann jeder. Nur auf den Willen, auf die Gesinnung, sich auf diesen Weg zu begeben, kommt es an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die erste Bedingung ist: man richte sein Augenmerk darauf, die körperliche und geistige Gesundheit zu fördern. Wie gesund ein Mensch ist, das hängt zunächst natürlich nicht von ihm ab. Danach trachten, sich nach dieser Richtung zu fördern, das kann ein jeder. Nur aus einem gesunden Menschen kann gesunde Erkenntnis&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|104}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
kommen. Die Geheimschulung weist einen nicht gesun­den Menschen nicht zurück; aber sie muß verlangen, daß der Schüler den Willen habe, gesund zu leben. Dar­innen muß der Mensch die möglichste Selbständigkeit erlangen. Die guten Ratschläge anderer, die zumeist un­gefragt jedem zukommen, sind in der Regel ganz überflüssig. Ein jeder muß sich bestreben, selbst auf sich zu achten. Vielmehr wird es sich in physischer Beziehung darum handeln, schädliche Einflüsse abzuhalten, als um anderes. Um unsere Pflichten zu erfüllen, müssen wir uns ja oft Dinge auferlegen, die unserer Gesundheit nicht för­derlich sind. Der Mensch muß verstehen, im rechten Falle die Pflicht höher zu stellen als die Sorge um die Gesund­heit. Aber was kann nicht alles unterlassen werden bei einigem guten Willen! Die Pflicht muß in vielen Fällen höher stehen als die Gesundheit, ja oft höher als das Le­ben; der Genuß darf es bei dem Geheimschüler nie. Bei ihm kann der Genuß nur ein Mittel für Gesundheit und Leben sein. Und es ist in dieser Richtung durchaus not­wendig, daß man ganz ehrlich und wahrhaftig gegen sich selbst sei. Nichts nützt es, ein asketisches Leben zu führen, wenn dieses aus ähnlichen Beweggründen entspringt wie andere Genüsse. Es kann jemand an dem Asketismus ein Wohlgefallen haben wie ein anderer am Weintrinken. Er kann aber nicht hoffen, daß ihm dieser Asketismus etwas zu höherer Erkenntnis nütze. Viele schieben alles, was sie scheinbar hindert, sich nach dieser Richtung zu för­dern, auf ihre Lebenslage. Sie sagen: «Bei meinen Lebensverhältnissen kann ich mich nicht entwickeln.» Es mag für viele in anderer Beziehung wünschenswert sein, ihre Lebenslage zu ändern; zum Zwecke der Geheimschulung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|105}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
braucht dies kein Mensch zu tun. Zu diesem Ziele braucht man nur gerade in der Lage, in der man ist, so viel für seine leibliche und seelische Gesundheit zu tun, als mög­lich ist. Eine jegliche Arbeit kann dem Ganzen der Mensch­heit dienen; und es ist viel größer von der Menschenseele, sich klarzumachen, wie notwendig eine kleinliche, viel­leicht häßliche Arbeit für dieses Ganze ist, als zu glauben:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
«Diese Arbeit ist für mich zu schlecht, ich bin zu ande­rem berufen.» Besonders wichtig für den Geheimschü­ler ist das Streben nach völliger geistiger Gesundheit. Un­gesundes Gemüts- und Denkleben bringt auf alle Fälle von den Wegen zu höheren Erkenntnissen ab. Klares, ruhiges Denken, sicheres Empfinden und Fühlen sind hier die Grundlage. Nichts soll ja dem Geheimschüler ferner liegen als die Neigung zum Phantastischen, zum aufgeregten Wesen, zur Nervosität, zur Exaltation, zum Fana­tismus. Einen gesunden Blick für alle Verhältnisse des Lebens soll er sich aneignen; sicher soll er sich im Leben zurechtfinden; ruhig soll er die Dinge zu sich sprechen und auf sich wirken lassen. Er soll sich bemühen, überall, wo es nötig ist, dem Leben gerecht zu werden. Alles Überspannte, Einseitige soll in seinem Urteilen und Empfin­den vermieden werden. Würde diese Bedingung nicht er­füllt, so käme der Geheimschüler statt in höhere Welten in diejenige seiner eigenen Einbildungskraft; statt der Wahrheit machten sich Lieblingsmeinungen bei ihm gel­tend. Besser ist es für den Geheimschüler, «nüchtern» zu sein als exaltiert und phantastisch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die zweite Bedingung ist, sich als ein Glied des ganzen Lebens zu fühlen. In der Erfüllung dieser Bedingung ist viel eingeschlossen. Aber ein jeder kann sie nur auf seine&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|106}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
eigene Art erfüllen. Bin ich Erzieher und mein Zögling entspricht nicht dem, was ich wünsche, so soll ich mein Gefühl zunächst nicht gegen den Zögling richten, son­dern gegen mich selbst. Ich soll mich so weit als eins mit meinem Zögling fühlen, daß ich mich frage: «Ist das, was beim Zögling nicht genügt, nicht die Folge meiner eige­nen Tat?» Statt mein Gefühl gegen ihn zu richten, werde ich dann vielmehr darüber nachdenken, wie ich mich selbst verhalten soll, damit in Zukunft der Zögling mei­nen Forderungen besser entsprechen könne. Aus solcher Gesinnungsart heraus ändert sich allmählich die ganze Denkungsart des Menschen. Das gilt für das Kleinste wie für das Größte. Ich sehe aus solcher Gesinnung heraus zum Beispiel einen Verbrecher anders an als ohne die­selbe. Ich halte zurück mit meinem Urteile und sage mir: «Ich bin nur ein Mensch wie dieser. Die Erziehung, die durch die Verhältnisse mir geworden ist, hat mich vielleicht allein vor seinem Schicksale bewahrt.» Ich komme dann wohl auch zu dem Gedanken, daß dieser Menschenbruder ein anderer geworden wäre, wenn die Lehrer, die ihre Mühe auf mich verwendet haben, sie hätten ihm an­gedeihen lassen. Ich werde bedenken, daß mir etwas zuteil geworden ist, was ihm entzogen war, daß ich mein Gutes gerade dem Umstand verdanke, daß es ihm ent­zogen worden ist. Und dann wird mir die Vorstellung auch nicht mehr ferne liegen, daß ich nur ein Glied in der ganzen Menschheit bin und mitverantwortlich für alles, was geschieht. Es soll hier nicht gesagt werden, daß ein solcher Gedanke sich sofort in äußere agitatorische Taten umsetzen soll. Aber still in der Seele soll er gepflegt wer­den. Dann wird er sich ganz allmählich in dem äußeren&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|107}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verhalten eines Menschen ausprägen. Und in solchen Dingen kann doch jeder nur bei sich selbst zu reformieren anfangen. Nichts fruchtet es, im Sinne solcher Gedanken allgemeine Forderungen an die Menschheit zu stellen. Wie die Menschen sein sollen: darüber ist leicht ein Urteil ge­bildet; der Geheimschüler aber arbeitet in der Tiefe, nicht an der Oberfläche. Es wäre daher ganz unrichtig, wenn man die hier angedeutete Forderung der Geheimlehrer mit irgendeiner äußerlichen, etwa gar einer politischen Forderung in Verbindung brächte, mit der die Geistesschulung nichts zu tun haben kann. Politische Agitatoren «wissen» in der Regel, was von anderen Menschen zu «fordern» ist; von Forderungen an sich selbst ist bei ihnen weniger die Rede.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und damit hängt die dritte Bedingung für die Geheimschulung unmittelbar zusammen. Der Zögling muß sich zu der Anschauung emporringen können, daß seine Ge­danken und Gefühle ebenso Bedeutung für die Welt haben wie seine Handlungen. Es muß erkannt werden, daß es ebenso verderblich ist, wenn ich meinen Mitmenschen hasse, wie wenn ich ihn schlage. Dann komme ich auch zu der Erkenntnis, daß ich nicht nur für mich etwas tue, wenn ich mich selbst vervollkommene, sondern auch für die Welt. Aus meinen reinen Gefühlen und Ge­danken zieht die Welt ebensolchen Nutzen wie aus mei­nem Wohlverhalten. Solange ich nicht glauben kann an diese Weltbedeutung meines Innern, so lange tauge ich nicht zum Geheimschüler. Erst dann bin ich von dem rechten Glauben an die Bedeutung meines Inneren, mei­ner Seele erfüllt, wenn ich an diesem Seelischen in der Art arbeite, als wenn es zum mindesten ebenso wirklich&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
wäre wie alles Äußere. Ich muß zugeben, daß mein Ge­fühl ebenso eine Wirkung hat wie eine Verrichtung meiner Hand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit ist eigentlich schon die vierte Bedingung aus­gesprochen: die Aneignung der Ansicht, daß des Menschen eigentliche Wesenheit nicht im Äußerlichen, son­dern im Inneren liegt. Wer sich nur als ein Produkt der Außenwelt ansieht, als ein Ergebnis der physischen Welt, kann es in der Geheimschulung zu nichts bringen. Sich als seelisch-geistiges Wesen fühlen ist eine Grundlage für solche Schulung. Wer zu solchem Gefühle vordringt, der ist dann geeignet zu unterscheiden zwischen innerer Ver­pflichtung und dem äußeren Erfolge. Er lernt erkennen, daß das eine nicht unmittelbar an dem anderen gemessen werden kann. Der Geheimschüler muß die rechte Mitte finden zwischen dem, was die äußeren Bedingungen vor­schreiben, und dem, was er als das Richtige für sein Ver­halten erkennt. Er soll nicht seiner Umgebung etwas auf­drängen, wofür diese kein Verständnis haben kann; aber er soll auch ganz frei sein von der Sucht, nur das zu tun, was von dieser Umgebung anerkannt werden kann. Die Anerkennung für seine Wahrheiten muß er einzig und allein in der Stimme seiner ehrlichen, nach Erkenntnis ringenden Seele suchen. Aber lernen soll er von seiner Umgebung, soviel er nur irgend kann, um herauszu­finden, was ihr frommt und nützlich ist. So wird er in sich selbst das entwickeln, was man in der Geheimwissen­schaft die «geistige Waage» nennt. Auf einer ihrer Waage­schalen liegt ein «offenes Herz» für die Bedürfnisse der Außenwelt, auf der anderen «innere Festigkeit und un­erschütterliche Ausdauer».&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Und damit ist auf die fünfte Bedingung gedeutet: die Standhaftigkeit in der Befolgung eines einmal gefaßten Entschlusses. Nichts darf den Geheimschüler dazu brin­gen, von einem gefaßten Entschluß abzukommen, als lediglich die Einsicht, daß er im Irrtume befangen ist. Jeder Entschluß ist eine Kraft, und wenn diese Kraft auch nicht einen unmittelbaren Erfolg da hat, wohin sie zu­nächst gewandt ist, sie wirkt in ihrer Weise. Der Erfolg ist nur entscheidend, wenn man eine Handlung aus Begierde vollbringt. Aber alle Handlungen, die aus Begierde voll­bracht werden, sind wertlos gegenüber der höheren Welt. Hier entscheidet allein die Liebe zu einer Handlung. In dieser Liebe soll sich ausleben alles, was den Geheimschü­ler zu einer Handlung treibt. Dann wird er auch nicht erlahmen, einen Entschluß immer wieder in Tat umzusetzen, wie oft er ihm auch mißlungen sein mag. Und so kommt er dazu, nicht erst die äußeren Wirkungen sei­ner Taten abzuwarten, sondern sich an den Handlungen selbst zu befriedigen. Er wird lernen, seine Taten, ja sein ganzes Wesen der Welt zu opfern, wie auch immer diese sein Opfer aufnehmen mag. Zu solchem Opferdienst muß sich bereit erklären, wer Geheimschüler werden will.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine sechste Bedingung ist die Entwickelung des Ge­fühles der Dankbarkeit gegenüber allem, was dem Menschen zukommt. Man muß wissen, daß das eigene Dasein ein Geschenk des ganzen Weltalls ist. Was ist alles not­wendig, damit jeder von uns sein Dasein empfangen und fristen kann! Was verdanken wir der Natur und anderen Menschen! Zu solchen Gedanken müssen diejenigen ge­neigt sein, die Geheimschulung wollen. Wer sich ihnen nicht hingeben kann, der vermag nicht in sich jene Allliebe&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|110}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
zu entwickeln, die notwendig ist, um zu höherer Er­kenntnis zu kommen. Etwas, das ich nicht liebe, kann sich mir nicht offenbaren. Und eine jede Offenbarung muß mich mit Dank erfüllen, denn ich werde durch sie reicher.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle die genannten Bedingungen müssen sich in einer siebenten vereinigen: das Leben unablässig in dem Sinne aufzufassen, wie es die Bedingungen fordern. Dadurch schafft sich der Zögling die Möglichkeit, seinem Leben ein einheitliches Gepräge zu geben. Seine einzelnen Le­bensäußerungen werden miteinander im Einklang, nicht im Widerspruche stehen. Er wird zu der Ruhe vorbereitet sein, zu welcher er kommen muß während der ersten Schritte in der Geheimschulung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hat jemand den ernsten und ehrlichen Willen, die an­gegebenen Bedingungen zu erfüllen, dann mag er sich zur Geistesschulung entschließen. Er wird sich dann bereitfinden, die angeführten Ratschläge zu befolgen. Es mag gar manchem vieles an diesen Ratschlägen wie etwas Äußerliches erscheinen. Ein solcher wird vielleicht sagen, er hätte erwartet, daß die Schulung in weniger strengen Formen verlaufen sollte. Aber alles Innere muß sich in einem Äußeren ausleben. Und ebensowenig, wie ein Bild schon da ist, wenn es bloß im Kopf des Malers existiert, ebensowenig kann eine Geheimschulung ohne äußeren Ausdruck sein. Nur diejenigen achten die strengen For­men gering, welche nicht wissen, daß im Äußeren das Innere zum Ausdruck kommen muß. Es ist wahr, daß es auf den Geist einer Sache ankommt und nicht auf die Form. Aber so wie die Form ohne den Geist nichtig ist, so wäre der Geist tatenlos, wenn er sich nicht eine Form erschüfe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|111}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die gestellten Bedingungen sind geeignet, den Geheim­schüler stark genug zu machen, um auch die weiteren Forderungen zu erfüllen, welche die Geistesschulung an ihn stellen muß. Fehlen ihm diese Bedingungen, dann wird er vor jeder neuen Anforderung mit Bedenken stehen. Er wird ohne sie das Vertrauen nicht zu den Menschen haben können, das für ihn notwendig ist. Und auf Vertrauen und wahre Menschenliebe muß alles Wahr­heitsstreben gebaut sein. Es muß darauf gebaut sein, ob­gleich es nicht daraus entspringen, sondern nur aus der eigenen Seelenkraft quellen kann. Und die Menschenliebe muß sich allmählich erweitern zur Liebe zu allen Wesen, ja zu allem Dasein. Wer die genannten Bedingungen nicht erfüllt, wird auch nicht die volle Liebe zu allem Aufbauen, zu allem Schaffen haben, und die Neigung, alle Zerstörung, alles Vernichten als solche zu unterlas­sen. Der Geheimschüler muß so werden, daß er nie etwas vernichtet um des Vernichtens willen, nicht in Handlun­gen, aber auch nicht in Worten, Gefühlen und Gedanken. Für ihn soll es Freude am Entstehen, am Werden geben; und nur dann darf er die Hand bieten zu einer Vernich­tung, wenn er auch imstande ist, aus und durch die Ver­nichtung neues Leben zu fördern. Damit ist nicht gemeint, daß der Geheimschüler zusehen darf, wie das Schlechte überwuchert; aber er soll sogar am Schlechten diejenigen Seiten suchen, durch die er es in ein Gutes wandeln kann. Er wird sich immer klarer darüber, daß die richtigste Be­kämpfung des Schlechten und Unvollkommenen das Schaffen des Guten und Vollkommenen ist. Der Geheim­schüler weiß, daß aus dem Nichts nicht etwas geschaffen werden kann, daß aber das Unvollkommene in ein Vollkommenes&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|112}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
umgewandelt werden kann. Wer in sich die Neigung zum Schaffen entwickelt, der findet auch bald die Fähigkeit, sich dem Schlechten gegenüber richtig zu verhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer in eine Geheimschulung sich einläßt, muß sich klarmachen, daß durch sie gebaut und nicht zerstört werden soll. Er soll daher den Willen zur ehrlichen, hinge­bungsvollen Arbeit, nicht zur Kritik und zum Zerstören mitbringen. Er soll der Andacht fähig sein, denn man soll lernen, was man noch nicht weiß. Man soll andächtig zu dem blicken, was sich erschließt. Arbeit und Andacht: das sind Grundgefühle, die von dem Geheimschüler gefor­dert werden müssen. Mancher wird erfahren müssen, daß er in der Schulung nicht vorwärtskommt, trotzdem er, nach seiner Ansicht, rastlos tätig ist. Es kommt davon her, daß er die Arbeit und Andacht nicht im rechten Sinne er­faßt hat. Diejenige Arbeit wird den geringsten Erfolg haben, die um dieses Erfolges willen unternommen wird, und dasjenige Lernen wird am wenigsten vorwärtsbrin­gen, das ohne Andacht verläuft. Die Liebe zur Arbeit, nicht zum Erfolg, bringt allein vorwärts. Und wenn der Lernende gesundes Denken und sicheres Urteilen sucht, so braucht er sich nicht durch Zweifel und Mißtrauen die Andacht zu verkümmern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man braucht nicht zu sklavischer Abhängigkeit im Ur­teilen zu kommen, wenn man einer Mitteilung, die man empfängt, nicht zuerst die eigene Meinung, sondern eine ruhige Andacht und Hingabe entgegenbringt. Diejenigen, welche in der Erkenntnis einiges erlangt haben, wis­sen, daß sie nicht dem eigensinnigen persönlichen Urteile, sondern dem ruhigen Hinhorchen und Verarbeiten alles&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|113}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
verdanken. Man soll stets im Auge behalten, daß man das nicht mehr zu lernen braucht, was man schon beurtei­len kann. Will man also nur urteilen, so kann man über­haupt nicht mehr lernen. In der Geheimschulung kommt es aber auf das Lernen an. Man soll da ganz und gar den Willen haben, ein Lernender zu sein. Kann man etwas nicht verstehen, dann urteile man lieber gar nicht, als daß man verurteile. Man lasse sich dann das Verständnis für eine spätere Zeit. Je höher man die Stufen der Erkennt­nis hinansteigt, desto mehr hat man dieses ruhige, andäch­tige Hinhorchen nötig. Alles Erkennen der Wahrheit, alles Leben und Handeln in der Welt des Geistes wird auf höheren Gebieten subtil, zart im Vergleich mit den Ver­richtungen des gewöhnlichen Verstandes und des Lebens in der physischen Welt. Je mehr sich die Kreise des Men­schen erweitern, desto feiner werden die Verrichtungen, die er vorzunehmen hat. Weil dies so ist, deshalb kom­men die Menschen in bezug auf höhere Gebiete zu so ver­schiedenen «Ansichten» und «Standpunkten». Allein, es gibt auch über höhere Wahrheiten in Wirklichkeit nur eine Meinung. Man kann zu dieser einen Meinung kom­men, wenn man sich durch Arbeit und Andacht dazu er­hoben hat, die Wahrheit wirklich zu schauen. Nur der­jenige kann zu einer Ansicht kommen, die von der einen wahren abweicht, der, nicht genügend vorbereitet, nach seinen Lieblingsvorstellungen, seinen gewohnten Gedan­ken und so weiter urteilt. Wie es nur eine Ansicht über einen mathematischen Lehrsatz gibt, so auch über die Dinge der höheren Welten. Aber man muß sich erst vor­bereiten, um zu einer solchen «Ansicht» kommen zu kön­nen. Wenn man das bedenken wollte, so würden für niemand&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|114}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die Bedingungen der Geheimlehrer etwas Über­raschendes haben. Es ist durchaus richtig, daß die Wahr­heit und das höhere Leben in jeder Menschenseele woh­nen und daß sie ein jeder selbst finden kann und muß. Aber sie liegen tief und können nur nach Hinwegräu­mung von Hindernissen aus ihren tiefen Schächten heraufgeholt werden. Wie man das vollbringt, darüber kann nur raten, wer Erfahrung in der Geheimwissenschaft hat. Solchen Rat gibt die Geisteswissenschaft. Sie drängt nie­mand eine Wahrheit auf, sie verkündet kein Dogma; sie zeigt aber einen Weg. Zwar könnte jeder vielleicht aber erst nach vielen Verkörperungen diesen Weg auch allein finden; doch ist es eine Verkürzung des Weges, was in der Geheimschulung erreicht wird. Der Mensch gelangt da­durch früher zu einem Punkte, auf dem er mitwirken kann in den Welten, wo das Menschenheil und die Menschenentwickelung durch geistige Arbeit gefördert wer­den.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit sind die Dinge angedeutet, welche zunächst über die Erlangung höherer Welterfahrung mitgeteilt werden sollen. Im nächsten Kapitel sollen diese Ausführungen dadurch fortgesetzt werden, daß gezeigt wird, was in den höheren Gliedern der Menschennatur (im Seelenorganis­mus oder Astralleib und im Geiste oder Gedankenleib) vorgeht während dieser Entwickelung. Dadurch werden diese Mitteilungen in eine neue Beleuchtung gerückt, und es wird in einem tieferen Sinne in sie eingedrungen wer­den können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|115}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= ÜBER EINIGE WIRKUNGEN DER EINWEIHUNG =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gehört zu den Grundsätzen wahrer Geheimwissenschaft, daß derjenige, welcher sich ihr widmet, dies mit vollem Bewußtsein tue. Er soll nichts vornehmen, nicht üben, wovon er nicht weiß, was es für eine Wirkung hat. Ein Geheimlehrer, der jemand einen Rat oder eine An­weisung gibt, wird immer zugleich sagen, was durch die Befolgung in Leib, Seele oder Geist desjenigen eintritt, der nach höherer Erkenntnis strebt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier sollen nun einige Wirkungen auf die Seele des Geheimschülers angegeben werden. Erst wer solche Dinge kennt, wie sie hier mitgeteilt werden, kann in vollem Be­wußtsein die Übungen vornehmen, welche zur Erkenntnis übersinnlicher Welten führen. Und nur ein solcher ist ein echter Geheimschüler. Alles Tappen im dunkeln ist bei wirklicher Geheimschulung streng verpönt. Wer nicht mit offenen Augen seine Schulung vollziehen will, mag Medium werden; zum Hellseher im Sinne der Geheimwissenschaft kann er es nicht bringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei dem, welcher in diesem Sinne die in den vorher­gehenden Abschnitten (über Erwerbung übersinnlicher Erkenntnisse) beschriebenen Übungen macht, gehen zunächst gewisse Veränderungen im sogenannten Seelenorganismus vor sich. Dieser ist nur für den Hellseher wahrnehmbar. Man kann ihn mit einer mehr oder weni­ger geistig-seelisch leuchtenden Wolke vergleichen, in deren Mitte der physische Körper des Menschen sich be­findet.* In diesem Organismus werden die Triebe, Begier­den, Leidenschaften, Vorstellungen und so weiter geistig&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- - -&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;#&amp;lt;/nowiki&amp;gt;FN010-115-* Eine Beschreibung findet man in des Verfassers «Theosophie».&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|116}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sichtbar. Sinnliche Begierde zum Beispiel empfindet man darinnen wie dunkelrötliche Ausstrahlungen von bestimmter Form. Ein reiner, edler Gedanke findet seinen Ausdruck wie in einer rötlichvioletten Ausstrahlung. Der scharfe Begriff, den der logische Denker faßt, fühlt sich wie eine gelbliche Figur mit ganz bestimmten Umrissen. Der verworrene Gedanke des unklaren Kopfes tritt als Figur mit unbestimmten Umrissen auf. Die Gedanken der Menschen mit einseitigen, verbohrten Ansichten erschei­nen in ihren Umrissen scharf, unbeweglich, diejenigen solcher Persönlichkeiten, welche zugänglich für die An­sichten anderer sind, sieht man in beweglichen, sich wan­delnden Umrissen und so weiter, und so weiter.*&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Je weiter nun der Mensch in seiner Seelenentwicke­lung fortschreitet, desto regelmäßiger gegliedert wird sein Seelenorganismus. Beim Menschen mit einem unentwickelten Seelenleben ist er verworren, ungegliedert. Aber auch in einem solchen ungegliederten Seelenorganismus kann der Hellseher ein Gebilde wahrnehmen, das sich deutlich von der Umgebung abhebt. Es verläuft vom In­nern des Kopfes bis zur Mitte des physischen Körpers. Es nimmt sich aus wie eine Art selbständiger Leib, welcher gewisse Organe hat. Diejenigen Organe, die hier zunächst besprochen werden sollen, werden in der Nähe folgender&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- - -&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;#&amp;lt;/nowiki&amp;gt;FN010-116-* Man muß bei allen folgenden Schilderungen darauf achten, daß zum Beispiel beim »Sehen» einer Farbe geistiges Sehen (Schauen) ge­meint ist. Wenn die hellsichtige Erkenntnis davon spricht: »ich sehe rot», so bedeutet dies: «ich habe im Seelisch-Geistigen ein Erlebnis, welches gleichkommt dem physischen Erlebnis beim Eindruck der roten Farbe.» Nur weil es der hellsichtigen Erkenntnis in einem solchen Falle ganz naturgemäß ist, zu sagen: «ich sehe rot», wird dieser Ausdruck ange­wandt. Wer dies nicht bedenkt, kann leicht eine Farbenvision mit einem wahrhaft hellsichtigen Erlebnis verwechseln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|117}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
physischer Körperteile geistig wahrgenommen: das erste zwischen den Augen, das zweite in der Nähe des Kehlkopfes, das dritte in der Gegend des Herzens, das vierte liegt in der Nachbarschaft der sogenannten Magengrube, das fünfte und sechste haben ihren Sitz im Unterleibe. Diese Gebilde werden von den Geheimkundigen «Räder» (Chakrams) oder auch «Lotusblumen» genannt. Sie hei­ßen so wegen der Ähnlichkeit mit Rädern oder Blumen; doch muß man sich natürlich klar darüber sein, daß ein solcher Ausdruck nicht viel zutreffender ist, als wenn man die beiden Lungenteile «Lungenflügel» nennt. Wie man sich hier klar ist, daß man es nicht mit «Flügeln» zu tun hat, so muß man auch dort nur an eine vergleichsweise Bezeichnung denken. Diese «Lotusblumen» sind nun beim unentwickelten Menschen von dunklen Farben und ruhig, unbewegt. Beim Hellseher aber sind sie in Bewe­gung und von leuchtenden Farbenschattierungen. Auch beim Medium ist etwas Ähnliches der Fall, doch in an­derer Art. Darauf soll hier nicht näher eingegangen wer­den. Wenn nun ein Geheimschüler mit seinen Übungen beginnt, so ist das erste, daß sich die Lotusblumen aufhel­len; später beginnen sie sich zu drehen. Wenn dies letztere eintritt, so beginnt die Fähigkeit des Hellsehens. Denn diese «Blumen» sind die Sinnesorgane der Seele.* Und ihre Drehung ist der Ausdruck dafür, daß im Übersinn­lichen wahrgenommen wird. Niemand kann etwas Übersinnliches schauen, bevor sich seine astralen Sinne in die­ser Art ausgebildet haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- - -&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;#&amp;lt;/nowiki&amp;gt;FN010-117-* Auch in bezug auf diese Wahrnehmungen des «Drehens», ja der «Lotusblumen» selbst, gilt, was in der vorigen Anmerkung über das «Sehen der Farben» gesagt worden ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|118}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das geistige Sinnesorgan, welches sich in der Nähe des Kehlkopfes befindet, macht es möglich, hellseherisch die Gedankenart eines anderen Seelenwesens zu durch­schauen, es gestattet auch einen tieferen Einblick in die wahren Gesetze der Naturerscheinungen. Das Organ in der Nachbarschaft des Herzens eröffnet eine hellseherische Erkenntnis der Gesinnungsart anderer Seelen. Wer es ausgebildet hat, kann auch bestimmte tiefere Kräfte bei Tieren und Pflanzen erkennen. Durch den Sinn in der Nähe der sogenannten Magengrube erlangt man Kennt­nis von den Fähigkeiten und Talenten der Seelen; man kann durchschauen, welche Rolle Tiere, Pflanzen, Steine, Metalle, atmosphärische Erscheinungen und so weiter im Haushalte der Natur spielen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Organ in der Nähe des Kehlkopfes hat sechzehn «Blumenblätter» oder «Radspeichen», das in der Nähe des Herzens deren zwölf, das in der Nachbarschaft der Magengrube liegende deren zehn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun hängen gewisse seelische Verrichtungen mit der Ausbildung dieser Sinnesorgane zusammen. Und wer diese Verrichtungen in einer ganz bestimmten Weise aus­übt, der trägt etwas bei zur Ausbildung der betreffenden geistigen Sinnesorgane. Von der «sechzehnblätterigen Lotusblume» sind acht Blätter auf einer früheren Entwickelungsstufe des Menschen in urferner Vergangenheit be­reits ausgebildet gewesen. Zu dieser Ausbildung hat der Mensch selbst nichts beigetragen. Er hat sie als eine Na­turgabe erhalten, als er noch in einem Zustande traumhaften, dumpfen Bewußtseins war. Auf der damaligen Stufe der Menschheitsentwickelung waren sie auch in Tätigkeit. Jedoch vertrug sich diese Art von Tätigkeit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|119}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
eben nur mit jenem dumpfen Bewußtseinszustande. Als dann das Bewußtsein sich aufhellte, verfinsterten sich die Blätter und stellten ihre Tätigkeit ein. Die anderen acht kann der Mensch selbst durch bewußte Übungen ausbil­den. Dadurch wird die ganze Lotusblume leuchtend und beweglich. Von der Entwickelung eines jeden der sech­zehn Blätter hängt die Erwerbung gewisser Fähigkeiten ab. Doch, wie bereits angedeutet, kann der Mensch nur acht davon bewußt entwickeln; die anderen acht erschei­nen dann von selbst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Entwickelung geht in folgender Art vor sich. Der Mensch muß auf gewisse Seelenvorgänge Aufmerksam­keit und Sorgfalt verwenden, die er gewöhnlich sorglos und unaufmerksam ausführt. Es gibt acht solche Vor­gänge. Der erste ist die Art und Weise, wie man sich Vorstellungen aneignet. Gewöhnlich überläßt sich in die­ser Beziehung der Mensch ganz dem Zufall. Er hört dies und das, sieht das eine und das andere und bildet sich da­nach seine Begriffe. Solange er so verfährt, bleibt seine sechzehnblätterige Lotusblume ganz unwirksam. Erst wenn er seine Selbsterziehung nach dieser Richtung in die Hand nimmt, beginnt sie wirksam zu werden. Er muß zu diesem Zwecke auf seine Vorstellungen achten. Eine jede Vorstellung soll für ihn Bedeutung gewinnen. Er soll in ihr eine bestimmte Botschaft, eine Kunde über Dinge der Außenwelt sehen. Und er soll nicht befriedigt sein von Vorstellungen, die nicht eine solche Bedeutung ha­ben. Er soll sein ganzes Begriffsleben so lenken, daß es ein treuer Spiegel der Außenwelt wird. Sein Streben soll da­hin gehen, unrichtige Vorstellungen aus seiner Seele zu entfernen. Der zweite Seelenvorgang betrifft in einer&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|120}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ähnlichen Richtung die Entschlüsse des Menschen. Er soll nur aus gegründeter, voller Überlegung selbst zu dem Unbedeutendsten sich entschließen. Alles gedankenlose Han­deln, alles bedeutungslose Tun soll er von seiner Seele fernhalten. Zu allem soll er wohlerwogene Gründe ha­ben. Und er soll unterlassen, wozu kein bedeutsamer Grund drängt. Der dritte Vorgang bezieht sich auf das Reden. Nur was Sinn und Bedeutung hat, soll von den Lippen des Geheimschülers kommen. Alles Reden um des Redens willen bringt ihn von seinem Wege ab. Die ge­wöhnliche Art der Unterhaltung, wo wahllos und bunt alles durcheinander geredet wird, soll der Geheimschüler meiden. Dabei aber soll er sich nicht etwa ausschließen von dem Verkehr mit seinen Mitmenschen. Gerade im Verkehr soll sein Reden sich zur Bedeutsamkeit entwic­keln. Er steht jedem Rede und Antwort, aber er tut es gedankenvoll, nach jeder Richtung überlegt. Niemals redet er unbegründet. Er versucht nicht zuviel und nicht zuwenig Worte zu machen. Der vierte Seelenvorgang ist die Regelung des äußeren Handelns. Der Geheimschüler versucht sein Handeln so einzurichten, daß es zu den Handlungen seiner Mitmenschen und zu den Vorgängen seiner Umgebung stimmt. Er unterläßt Handlungen, welche für andere störend sind oder die im Widerspruche stehen mit dem, was um ihn herum vorgeht. Er sucht sein Tun so einzurichten, daß es sich harmonisch eingliedert in seine Umgebung, in seine Lebenslage und so weiter. Wo er durch etwas anderes veranlaßt wird zu handeln, da beobachtet er sorgfältig, wie er der Veranlassung am besten entsprechen könne. Wo er aus sich heraus handelt, da erwägt er die Wirkungen seiner Handlungsweise auf&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|121}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
das deutlichste. Das fünfte, was hier in Betracht kommt, liegt in der Einrichtung des ganzen Lebens. Der Geheimschüler versucht natur- und geistgemäß zu leben. Er über­hastet nichts und ist nicht träge. Übergeschäftigkeit und Lässigkeit liegen ihm gleich ferne. Er sieht das Leben als ein Mittel der Arbeit an und richtet sich dementsprechend ein. Gesundheitspflege, Gewohnheiten und so weiter rich­tet er für sich so ein, daß ein harmonisches Leben die Folge ist. Das sechste betrifft das menschliche Streben. Der Geheimschüler prüft seine Fähigkeiten, sein Können und verhält sich im Sinne solcher Selbsterkenntnis. Er ver­sucht nichts zu tun, was außerhalb seiner Kräfte liegt; aber auch nichts zu unterlassen, was innerhalb derselben sich befindet. Anderseits stellt er sich Ziele, die mit den Idealen, mit den großen Pflichten eines Menschen zusam­menhängen. Er fügt sich nicht bloß gedankenlos als ein Rad ein in das Menschentriebwerk, sondern er sucht seine Aufgaben zu begreifen, über das Alltägliche hinauszu­blicken. Er strebt danach, seine Obliegenheiten immer besser und vollkommener zu machen. Das siebente in seinem Seelenleben betrifft das Streben, möglichst viel vom Leben zu lernen. Nichts geht an dem Geheimschüler vorbei, was ihm nicht Anlaß gibt, Erfahrung zu sammeln, die ihm nützlich ist für das Leben. Hat er etwas unrichtig und unvollkommen verrichtet, so wird das ein Anlaß, ähnliches später richtig oder vollkommen zu machen. Sieht er andere handeln, so beobachtet er sie zu einem ähnlichen Ziele. Er versucht, sich einen reichen Schatz von Erfahrungen zu sammeln und ihn stets sorgfältig zu Rate zu ziehen. Und er tut nichts, ohne auf Erlebnisse zu­rückzublicken, die ihm eine Hilfe sein können bei seinen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|122}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Entschlüssen und Verrichtungen. Das achte endlich ist: der Geheimschüler muß von Zeit zu Zeit Blicke in sein Inneres tun; er muß sich in sich selbst versenken, sorg­sam mit sich zu Rate gehen, seine Lebensgrundsätze bil­den und prüfen, seine Kenntnisse in Gedanken durchlau­fen, seine Pflichten erwägen, über den Inhalt und Zweck des Lebens nachdenken und so weiter. Alle diese Dinge sind ja in den vorhergehenden Abschnitten schon besprochen worden. Hier werden sie nur aufgezählt im Hinblick auf die Entwickelung der sechzehnblätterigen Lotus­blume. Durch ihre Übung wird diese immer vollkomme­ner und vollkommener. Denn von solchen Übungen hängt die Ausbildung der Hellsehergabe ab. Je mehr zum Beispiel dasjenige, was ein Mensch denkt und redet, mit den Vorgängen in der Außenwelt zusammenstimmt, desto schneller entwickelt sich diese Gabe. Wer Unwahres denkt oder redet, tötet etwas in dem Keime der sechzehnblätte­rigen Lotusblume. Wahrhaftigkeit, Aufrichtigkeit, Ehr­lichkeit sind in dieser Beziehung aufbauende, Lügenhaf­tigkeit, Falschheit, Unredlichkeit sind zerstörende Kräfte. Und der Geheimschüler muß wissen, daß es hierbei nicht allein auf die «gute Absicht», sondern auf die wirkliche Tat ankommt. Denke und sage ich etwas, was mit der Wirklichkeit nicht übereinstimmt, so zerstöre ich etwas in meinem geistigen Sinnesorgan, auch wenn ich dabei eine noch so gute Absicht zu haben glaube. Es ist wie mit dem Kinde, das sich verbrennt, wenn es ins Feuer greift, auch wenn dies aus Unwissenheit geschieht. Die Ein­richtung der besprochenen Seelenvorgänge in der charak­terisierten Richtung läßt die sechzehnblätterige Lotus­blume in herrlichen Farben erstrahlen und gibt ihr eine&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|123}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gesetzmäßige Bewegung. Doch ist dabei zu beachten, daß die gekennzeichnete Hellsehergabe nicht früher auftreten kann, als ein bestimmter Grad von Ausbildung der Seele erlangt ist. Solange es noch Mühe macht, das Leben in dieser Richtung zu führen, so lange zeigt sich diese Gabe nicht. Solange man auf die geschilderten Vorgänge noch besonders achten muß, ist man nicht reif. Erst wenn man es so weit gebracht hat, daß man in der angegebenen Art lebt, wie es der Mensch sonst gewohnheitsmäßig tut, dann zeigen sich die ersten Spuren des Hellsehens. Die Dinge dürfen dann nicht mehr mühevoll sein, sondern müssen selbstverständliche Lebensart geworden sein. Man darf nicht nötig haben, sich fortwährend zu beobachten, sich anzutreiben, daß man so lebe. Alles muß Gewohn­heit geworden sein. Es gibt gewisse Anweisungen, wel­che die sechzehnblätterige Lotusblume auf andere Art zur Entfaltung bringen. Alle solchen Anweisungen verwirft die wahre Geheimwissenschaft. Denn sie führen zur Zer­störung der leiblichen Gesundheit und zum moralischen Verderben. Sie sind leichter durchzuführen als das Ge­schilderte. Dieses ist langwierig und mühevoll. Aber es führt zu sicherem Ziele und kann nur moralisch kräftigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die verzerrte Ausbildung einer Lotusblume hat nicht nur Illusionen und phantastische Vorstellungen im Fall des Auftretens einer gewissen Hellsehergabe zur Folge, sondern auch Verirrungen und Haltlosigkeit im gewöhnlichen Leben. Man kann durch eine solche Ausbildung furchtsam, neidisch, eitel, hochfahrend, eigenwillig und so weiter werden, während man vorher alle diese Eigen­schaften nicht hatte. Es ist gesagt worden, daß acht von den Blättern der sechzehnblätterigen Lotusblume bereits&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|124}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
in urferner Vergangenheit entwickelt waren und daß diese bei der Geheimschulung von selbst wieder auftreten. Es muß nun bei der Bestrebung des Geheimschülers alle Sorgfalt auf die acht anderen Blätter verwendet werden. Bei verkehrter Schulung treten leicht die früher entwickelten allein auf und die neu zu bildenden bleiben verkümmert. Dies wird insbesondere der Fall sein, wenn bei der Schulung zu wenig auf logisches, vernünftiges Den­ken gesehen wird. Es ist von der allergrößten Wichtigkeit, daß der Geheimschüler ein verständiger, auf klares Den­ken haltender Mensch ist. Und von weiterer Wichtigkeit ist, daß er sich der größten Klarheit befleißigt im Sprechen. Menschen, die anfangen etwas vom Übersinnlichen zu ahnen, werden gern über diese Dinge gesprächig. Dadurch halten sie ihre richtige Entwickelung auf. Je weniger man über diese Dinge redet, desto besser ist es. Erst wer bis zu einem gewissen Grade der Klarheit gekommen ist, sollte reden. Im Beginne des Unterrichts sind Geheimschüler in der Regel erstaunt, wie wenig «neugierig» der schon geistig Geschulte ist gegenüber den Mitteilungen ihrer Erlebnisse. Am heilsamsten für sie wäre es eben, wenn sie sich über ihre Erlebnisse ganz ausschweigen und weiter nichts besprechen wollten, als wie gut oder wie schlecht es ihnen gelingt, ihre Übungen durchzuführen oder die Anweisungen zu befolgen. Denn der schon geistig Ge­schulte hat ganz andere Quellen zur Beurteilung der Fortschritte als ihre direkten Mitteilungen. Die acht in Frage kommenden Blätter der sechzehnblätterigen Lotusblume werden durch solche Mitteilungen immer etwas verhärtet, während sie weich und biegsam erhalten werden sollten. Es soll ein Beispiel angeführt werden, um das zu erläutern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|125}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dies möge nicht vom übersinnlichen, sondern der Deutlichkeit halber vom gewöhnlichen Leben hergenom­men werden. Angenommen, ich höre eine Nachricht und bilde mir darüber sogleich ein Urteil. In einer kurzen Zeit darauf bekomme ich über dieselbe Sache eine weitere Nachricht, die mit der ersteren nicht stimmt. Ich bin dadurch genötigt, das schon gebildete Urteil umzubilden. Die Folge davon ist ein ungünstiger Einfluß auf meine sechzehnblätterige Lotusblume. Ganz anders wäre die Sache, wenn ich zuerst mit meinem Urteil zurückhaltend gewesen wäre, wenn ich zu der ganzen Angelegenheit in­nerlich in Gedanken und äußerlich in Worten «geschwiegen» hätte, bis ich ganz sichere Anhaltspunkte für mein Urteil gehabt hätte. Behutsamkeit im Bilden und Ausspre­chen von Urteilen wird allmählich zum besonderen Kennzeichen des Geheimschülers. Dagegen wächst seine Empfänglichkeit für Eindrücke und Erfahrungen, die er schweigsam an sich vorüberziehen läßt, um möglichst viele Anhaltspunkte sich zu schaffen, wenn er zu urteilen hat. Es sind bläulichrötliche und rosenrote Nuancen in den Lotusblumenblättern, die durch solche Behutsamkeit auftreten, während im anderen Falle dunkelrote und orangefarbige Nuancen auftreten. In einer ähnlichen Art wie die sechzehnblätterige* wird auch die zwölfblätterige Lotusblume, in der Nähe des Herzens, gestaltet. Auch von&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- - -&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;#&amp;lt;/nowiki&amp;gt;FN010-125-* Der Kundige wird in den Bedingungen für die Entwickelung der «sechzehnblätterigen Lotusblume» wiedererkennen die Anweisungen, welche der Buddha seinen Jüngern für den «Pfad» gegeben hat. Doch handelt es sich hier nicht darum, «Buddhismus» zu lehren, sondern Ent­wickelungsbedingungen zu schildern, die aus der Geisteswissenschaft selbst sich ergeben. Daß sie mit gewissen Lehren des Buddha übereinstimmen, kann nicht hindern, sie an sich für wahr zu finden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|126}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ihr war die Hälfte der Blätter in einem vergangenen Ent­wickelungszustande des Menschen bereits vorhanden und in Tätigkeit. Diese sechs Blätter brauchen daher bei der Geheimschulung nicht besonders ausgebildet zu werden; sie erscheinen von selbst und beginnen sich zu drehen, wenn an den anderen sechs gearbeitet wird. Wieder muß, um diese Entwickelung zu fördern, der Mensch gewissen Seelentätigkeiten in bewußter Weise eine bestimmte Richtung geben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man muß sich nun klarmachen, daß die Wahrneh­mungen der einzelnen geistigen oder Seelensinne einen verschiedenen Charakter tragen. Die Lotusblume mit zwölf Blättern vermittelt eine andere Wahrnehmung als die sechzehnblätterige. Diese letztere nimmt Gestalten wahr. Die Gedankenart, die eine Seele hat, die Gesetze, nach denen eine Naturerscheinung sich vollzieht, treten für die sechzehnblätterige Lotusblume in Gestalten auf. Das sind aber nicht starre, ruhige Gestalten, sondern be­wegte, mit Leben erfüllte Formen. Der Hellseher, bei dem sich dieser Sinn entwickelt hat, kann für jede Gedankenart, für jedes Naturgesetz eine Form nennen, in denen sie sich ausprägen. Ein Rachegedanke zum Beispiel kleidet sich in eine pfeilartige, zackige Figur, ein wohlwollender Gedanke hat oft die Gestalt einer sich öffnenden Blume und so weiter. Bestimmte, bedeutungsvolle Gedanken sind regelmäßig, symmetrisch gebildet, unklare Begriffe haben gekräuselte Umrisse. Ganz andere Wahrnehmungen treten durch die zwölfblätterige Lotusblume zutage. Man kann die Art dieser Wahrnehmungen an­nähernd charakterisieren, wenn man sie als Seelenwärme und Seelenkälte bezeichnet. Ein mit diesem Sinn ausgestatteter&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|127}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hellseher fühlt von den Figuren, die er durch die sechzehnblätterige Lotusblume wahrnimmt, solche Seelenwärme oder Seelenkälte ausströmen. Man stelle sich einmal vor, ein Hellseher hätte nur die sechzehnblätterige, nicht aber die zwölfblätterige Lotusblume ent­wickelt. Dann würde er bei einem wohlwollenden Ge­danken nur die oben beschriebene Figur sehen. Ein ande­rer, der beide Sinne ausgebildet hat, bemerkt auch noch diejenige Ausströmung dieses Gedankens, die man eben nur mit Seelenwärme bezeichnen kann. Nur nebenbei soll bemerkt werden, daß in der Geheimschulung nie der eine Sinn ohne den anderen ausgebildet wird, so daß das obige nur als eine Annahme zur Verdeutlichung anzusehen ist. Dem Hellseher eröffnet sich durch die Aus­bildung der zwölfblätterigen Lotusblume auch ein tiefes Verständnis für Naturvorgänge. Alles, was auf ein Wach­sen, Entwickeln begründet ist, strömt Seelenwärme aus; alles, was in Vergehen, Zerstörung, Untergang begriffen ist, tritt mit dem Charakter der Seelenkälte auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ausbildung dieses Sinnes wird auf folgende Art gefördert. Das erste, was in dieser Beziehung der Geheimschüler beobachtet, ist die Regelung seines Gedanken­laufes (die sogenannte Gedankenkontrolle). So wie die sechzehnblätterige Lotusblume durch wahre bedeutungsvolle Gedanken zur Entwickelung kommt, so die zwölf­blätterige durch innere Beherrschung des Gedankenver­laufes. Irrlichtelierende Gedanken, die nicht in sinngemäßer, logischer Weise, sondern rein zufällig anein­andergefügt sind, verderben die Form dieser Lotusblume. Je mehr ein Gedanke aus dem anderen folgt, je mehr allem Unlogischen aus dem Wege gegangen wird, desto&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|128}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
mehr erhält dieses Sinnesorgan die ihm entsprechende Form. Hört der Geheimschüler unlogische Gedanken, so läßt er sich sogleich das Richtige durch den Kopf gehen. Er soll nicht lieblos sich einer vielleicht unlogischen Um­gebung entziehen, um seine Entwickelung zu fördern. Er soll auch nicht den Drang in sich fühlen, alles Unlogische in seiner Umgebung sofort zu korrigieren. Er wird viel­mehr ganz still in seinem Innern die von außen auf ihn einstürmenden Gedanken in eine logische, sinngemäße Richtung bringen. Und er bestrebt sich, in seinen eigenen Gedanken überall diese Richtung einzuhalten. Ein zweites ist, eine ebensolche Folgerichtigkeit in sein Han­deln zu bringen (Kontrolle der Handlungen). Alle Unbeständigkeit, Disharmonie im Handeln gereichen der in Rede stehenden Lotusblume zum Verderben. Wenn der Geheimschüler etwas getan hat, so richtet er sein folgen­des Handeln danach ein, daß es in logischer Art aus dem ersten folgt. Wer heute im anderen Sinn handelt als gestern, wird nie den charakterisierten Sinn entwickeln. Das dritte ist die Erziehung zur Ausdauer. Der Geheimschüler läßt sich nicht durch diese oder jene Einflüsse von einem Ziel abbringen, das er sich gesteckt hat, solange er dieses Ziel als ein richtiges ansehen kann. Hindernisse sind für ihn eine Aufforderung, sie zu überwinden, aber keine Abhaltungsgründe. Das vierte ist die Duldsam­keit (Toleranz) gegenüber Menschen, anderen Wesen und auch Tatsachen. Der Geheimschüler unterdrückt alle überflüssige Kritik gegenüber dem Unvollkommenen, Bösen und Schlechten und sucht vielmehr alles zu begreifen, was an ihn herantritt. Wie die Sonne ihr Licht nicht dem Schlechten und Bösen entzieht, so er nicht seine&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|129}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
verständnisvolle Anteilnahme. Begegnet dem Geheimschüler irgendein Ungemach, so ergeht er sich nicht in abfälligen Urteilen, sondern er nimmt das Notwendige hin und sucht, soweit seine Kraft reicht, die Sache zum Guten zu wenden. Andere Meinungen betrachtet er nicht nur von seinem Standpunkte aus, sondern er sucht sich in die Lage des anderen zu versetzen. Das fünfte ist die Unbefangenheit gegenüber den Erscheinungen des Lebens. Man spricht in dieser Beziehung auch von dem «Glauben» oder «Vertrauen». Der Geheimschüler tritt jedem Menschen, jedem Wesen mit diesem Vertrauen entgegen. Und er erfüllt sich bei seinen Handlungen mit solchem Vertrauen. Er sagt sich nie, wenn ihm etwas mit­geteilt wird: das glaube ich nicht, weil es meiner bisherigen Meinung widerspricht. Er ist vielmehr in jedem Augenblicke bereit, seine Meinung und Ansicht an einer neuen zu prüfen und zu berichtigen. Er bleibt immer empfänglich für alles, was an ihn herantritt. Und er ver­traut auf die Wirksamkeit dessen, was er unternimmt. Zaghaftigkeit und Zweifelsucht verbannt er aus seinem Wesen. Hat er eine Absicht, so hat er auch den Glauben an die Kraft dieser Absicht. Hundert Mißerfolge können ihm diesen Glauben nicht nehmen. Es ist dies jener «Glaube, der Berge zu versetzen vermag». Das sechste ist die Erwerbung eines gewissen Lebensgleichgewichtes (Gleichmutes). Der Geheimschüler strebt an, seine gleichmäßige Stimmung zu erhalten, ob ihn Leid, ob ihn Er­freuliches trifft. Das Schwanken zwischen «himmelhochjauchzend, zu Tode betrübt» gewöhnt er sich ab. Das Un­glück, die Gefahr finden ihn ebenso gewappnet wie das Glück, die Förderung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|130}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Leser von geisteswissenschaftlichen Schriften fin­den das Geschilderte als die sogenannten «sechs Eigenschaften» aufgezählt, welche der bei sich entwickeln muß, der die Einweihung anstrebt. Hier sollte ihr Zusammen­hang mit dem seelischen Sinne dargelegt werden, welcher die zwölfblätterige Lotusblume genannt wird. Die Ge­heimschulung vermag wieder besondere Anweisungen zu geben, welche diese Lotusblume zum Reifen bringen, aber auch hier hängt die Ausbildung der regelmäßigen Form dieses Sinnesorganes an der Entwickelung der auf­gezählten Eigenschaften. Wird diese Entwickelung außer acht gelassen, dann gestaltet sich dieses Organ zu einem Zerrbilde. Und es können dadurch bei Ausbildung einer gewissen Hellsehergabe in dieser Richtung die genannten Eigenschaften sich statt zum Guten zum Schlechten wen­den. Der Mensch kann besonders unduldsam, zaghaft, ab­lehnend gegen seine Umgebung werden. Er kann zum Beispiel eine Empfindung erhalten für Gesinnungen an­derer Seelen und diese deswegen fliehen oder hassen. Es kann so weit kommen, daß er wegen der Seelenkälte, die ihn bei Ansichten überströmt, welche ihm widerstreben, gar nicht zuhören kann oder in abstoßender Art sich ge­bärdet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kommt zu allem Gesagten noch die Beobachtung ge­wisser Vorschriften hinzu, welche Geheimschüler von Ge­heimlehrern nur mündlich empfangen können, so tritt eine entsprechende Beschleunigung in der Entwickelung der Lotusblume ein. Doch führen die hier gegebenen An­weisungen durchaus in die wirkliche Geheimschulung ein. Nützlich aber ist auch für den, der nicht eine Geheimschulung durchmachen will oder kann, die Einrichtung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|131}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
des Lebens in der angegebenen Richtung. Denn die Wir­kung auf den Seelenorganismus tritt auf alle Fälle ein, wenn auch langsam. Und für den Geheimschüler ist die Beobachtung dieser Grundsätze unerläßlich. Würde er eine Geheimschulung versuchen, ohne sie einzuhalten, so könnte er nur mit mangelhaftem Gedankenauge in die höheren Welten eintreten; und statt die Wahrheit zu er­kennen, würde er dann nur Täuschungen und Illusionen unterworfen sein. Er würde in einer gewissen Beziehung hellsehend werden; aber im Grunde nur größerer Blindheit unterliegen als vorher. Denn ehedem stand er wenig­stens innerhalb der Sinnenwelt fest und hatte an ihr einen bestimmten Halt; jetzt aber sieht er hinter die Sinnenwelt und wird an dieser irre, bevor er sicher in einer höheren Welt steht. Er kann dann vielleicht überhaupt nicht mehr Wahrheit von Irrtum unterscheiden und verliert alle Richtung im Leben. Gerade aus diesem Grunde ist Ge­duld so nötig in diesen Dingen. Man muß immer beden­ken, daß die Geisteswissenschaft nicht weiter mit ihren Anweisungen gehen darf, als volle Willigkeit zu einer geregelten Entwickelung der «Lotusblumen» vorliegt. Es würden sich wahre Zerrbilder dieser Blumen entwickeln, wenn sie zur Reife gebracht würden, bevor sie in ruhiger Weise die ihnen zukommende Form erlangt haben. Denn die speziellen Anweisungen der Geisteswissenschaft bewirken das Reifwerden, die Form aber wird durch die ge­schilderte Lebensart ihnen gegeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von besonders feiner Art ist die Seelenpflege, die zur Entwickelung der zehnblätterigen Lotusblume notwendig ist. Denn hier handelt es sich darum, die Sinnes­eindrücke selbst in bewußter Weise beherrschen zu lernen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|132}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den angehenden Hellseher ist das ganz beson­ders nötig. Nur dadurch vermag er einen Quell zahlloser Illusionen und geistiger Willkürlichkeiten zu vermeiden. Der Mensch macht sich gewöhnlich gar nicht klar, von welchen Dingen seine Einfälle, seine Erinnerungen beherrscht sind und wodurch sie hervorgerufen werden. Man nehme folgenden Fall an. Jemand fährt in der Eisen­bahn. Er ist mit einem Gedanken beschäftigt. Plötzlich nimmt sein Gedanke eine ganz andere Wendung. Er erin­nert sich an ein Erlebnis, das er vor Jahren gehabt hat, und verspinnt es mit seinen gegenwärtigen Gedanken. Er hat nun aber gar nicht bemerkt, daß sein Auge zum Fen­ster hinausgerichtet und der Blick auf eine Person gerich­tet war, welche Ähnlichkeit hatte mit einer anderen, die in das erinnerte Erlebnis hineinverwickelt war. Was er gesehen hat, kommt ihm gar nicht zum Bewußtsein, son­dern nur die Wirkung. So glaubt er, daß ihm die Sache «von selbst eingefallen» sei. Wieviel im Leben kommt nicht auf solche Art zustande. Wie spielen in unser Leben Dinge hinein, die wir erfahren und gelesen haben, ohne daß man sich den Zusammenhang ins Bewußtsein bringt. Jemand kann zum Beispiel eine bestimmte Farbe nicht leiden; er weiß aber gar nicht, daß dies deshalb der Fall ist, weil der Lehrer, der ihn vor vielen Jahren gequält hat, einen Rock in dieser Farbe gehabt hat. Unzählige Illusio­nen beruhen auf solchen Zusammenhängen. Viele Dinge prägen sich der Seele ein, ohne daß sie auch dem Bewußt­sein einverleibt werden. Es kann folgender Fall vorkom­men. Jemand liest in der Zeitung von dem Tode einer bekannten Persönlichkeit. Und nun behauptet er ganz fest, er habe diesen Todesfall schon «gestern» vorausgeahnt,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|133}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
obgleich er nichts gehört und gesehen habe, was ihn auf diesen Gedanken hätte bringen können. Und es ist wahr, wie «von selbst» ist ihm «gestern» der Gedanke aufgetaucht: die betreffende Person werde sterben. Er hat nur eines nicht beachtet. Er ist ein paar Stunden, bevor ihm «gestern» der Gedanke aufgestoßen ist, bei einem Bekannten zu Besuch gewesen. Auf dem Tisch lag ein Zeitungsblatt. Er hat darin nicht gelesen. Aber unbewußt fiel doch sein Auge auf die Nachricht von der schweren Erkrankung der in Rede stehenden Persönlichkeit. Des Eindruckes ist er sich nicht bewußt geworden. Aber die Wirkung war die «Ahnung». Wenn man sich solche Dinge überlegt, so kann man ermessen, was für eine Quelle von Illusionen und Phantastereien in solchen Verhältnissen liegt. Und diese Quelle muß derjenige ver­stopfen, der seine zehnblätterige Lotusblume ausbilden will. Denn durch diese Lotusblume kann man tief verbor­gene Eigenschaften an Seelen wahrnehmen. Aber Wahrheit ist diesen Wahrnehmungen nur dann beizumessen, wenn man von den gekennzeichneten Täuschungen ganz frei geworden ist. Es ist zu diesem Zwecke notwendig, daß man sich zum Herrn über das macht, was von der Außen­welt auf einen einwirkt. Man muß es dahin bringen, daß Eindrücke, die man nicht empfangen will, man auch wirk­lich nicht empfängt. Solch eine Fähigkeit kann nur durch ein starkes Innenleben herangezogen werden. Man muß es in den Willen bekommen, daß man nur die Dinge auf sich wirken läßt, auf die man die Aufmerksamkeit wen­det, und daß man sich Eindrücken wirklich entzieht, an die man sich nicht willkürlich wendet. Was man sieht, muß man sehen wollen, und worauf man keine Aufmerksamkeit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
wendet, muß tatsächlich für einen nicht da sein. Je lebhafter, energischer die innere Arbeit der Seele wird, desto mehr wird man das erreichen. Der Geheimschüler muß alles gedankenlose Herumschauen und Herumhören vermeiden. Für ihn soll nur da sein, worauf er Ohr und Auge richtet. Er muß sich darin üben, daß er im größten Trubel nichts zu hören braucht, wenn er nicht hören will; er soll sein Auge unempfänglich machen für Dinge, auf die er nicht besonders hinschaut. Wie mit einem seeli­schen Panzer muß er umgeben sein für alle unbewußten Eindrücke. Besonders auf das Gedankenleben selbst muß er nach dieser Richtung hin Sorgfalt verwenden. Er setzt sich einen Gedanken vor, und er versucht nur das weiterzudenken, was er ganz bewußt, in völliger Freiheit, an diesen Gedanken angliedern kann. Beliebige Einfälle weist er ab. Will er den Gedanken mit irgendeinem andern in Beziehung setzen, so besinnt er sich sorgfältig, wo dieser andere an ihn herangetreten ist. Er geht noch weiter. Wenn er zum Beispiel eine bestimmte Antipathie gegen irgend etwas hat, so bekämpft er sie und sucht eine bewußte Beziehung zu dem betreffenden Dinge herzu­stellen. Auf diese Art mischen sich immer weniger un­bewußte Elemente in sein Seelenleben hinein. Nur durch solche strenge Selbstzucht erlangt die zehnblätterige Lo­tusblume die Gestalt, die sie haben sollte. Das Seelenleben des Geheimschülers muß ein Leben in Aufmerksamkeit werden, und worauf man keine Aufmerksamkeit verwen­den will oder soll, das muß man sich wirklich fernzuhal­ten wissen. Tritt zu einer solchen Selbstzucht eine Me­ditation, welche den Anweisungen der Geisteswissen­schaft entspricht, dann kommt die in der Gegend der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|135}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Magengrube befindliche Lotusblume in der richtigen Weise zum Reifen, und das, was durch die vorher geschilderten geistigen Sinnesorgane nur Form und Wärme hatte, erhält geistig Licht und Farbe. Und dadurch enthül­len sich zum Beispiel Talente und Fähigkeiten von Seelen, Kräfte und verborgene Eigenschaften in der Natur. Die Farbenaura der belebten Wesen wird dadurch sichtbar; das, was um uns ist, kündigt dadurch seine seelenhaften Eigenschaften an. Man wird zugeben, daß gerade in der Entwickelung auf diesem Gebiete die allergrößte Sorgfalt notwendig ist, denn das Spiel unbewußter Erinnerungen ist hier ein unermeßlich reges. Wäre das nicht der Fall, so würden viele Menschen gerade den hier in Frage kom­menden Sinn haben, denn er tritt fast sogleich auf, wenn der Mensch wirklich die Eindrücke seiner Sinne ganz und gar so in seiner Gewalt hat, daß sie nur mehr seiner Auf­merksamkeit oder Unaufmerksamkeit unterworfen sind. Nur solange die Macht der äußeren Sinne diesen seeli­schen Sinn in Dämpfung und Dumpfheit erhält, bleibt er unwirksam.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schwieriger als die Ausbildung der beschriebenen Lo­tusblume ist diejenige der sechsblätterigen, welche sich in der Körpermitte befindet. Denn zu dieser Ausbildung muß die vollkommene Beherrschung des ganzen Menschen durch das Selbstbewußtsein angestrebt werden, so daß bei ihm Leib, Seele und Geist in einer vollkommenen Harmonie sind. Die Verrichtungen des Leibes, die Nei­gungen und Leidenschaften der Seele, die Gedanken und Ideen des Geistes müssen in einen vollkommenen Einklang miteinander gebracht werden. Der Leib muß so ver­edelt und geläutert werden, daß seine Organe zu nichts&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|136}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
drängen, was nicht im Dienste der Seele und des Geistes geschieht. Die Seele soll durch den Leib nicht zu Begier­den und Leidenschaften gedrängt werden, die einem rei­nen und edlen Denken widersprechen. Der Geist aber soll nicht wie ein Sklavenhalter mit seinen Pflichtgeboten und Gesetzen über die Seele herrschen müssen; sondern diese soll aus eigener freier Neigung den Pflichten und Geboten folgen. Nicht wie etwas, dem er sich wider­willig fügt, soll die Pflicht über dem Geheimschüler schweben, sondern wie etwas, das er vollführt, weil er es liebt. Eine freie Seele, die im Gleichgewichte zwischen Sinnlichkeit und Geistigkeit steht, muß der Geheimschüler entwickeln. Er muß es dahin bringen, daß er sich sei­ner Sinnlichkeit überlassen darf, weil diese so geläutert ist, daß sie die Macht verloren hat, ihn zu sich herabzuziehen. Er soll es nicht mehr nötig haben, seine Leiden­schaften zu zügeln, weil diese von selbst dem Rechten folgen. Solange der Mensch es nötig hat, sich zu kasteien, kann er nicht Geheimschüler auf einer gewissen Stufe sein. Eine Tugend, zu der man sich erst zwingen muß, ist für die Geheimschülerschaft noch wertlos. Solange man eine Begierde noch hat, stört diese die Schülerschaft, auch wenn man sich bemüht, ihr nicht zu willfahren. Und es ist einerlei, ob diese Begierde mehr dem Leibe oder mehr der Seele angehört. Wenn jemand zum Beispiel ein be­stimmtes Reizmittel vermeidet, um durch die Entziehung des Genusses sich zu läutern, so hilft ihm dies nur dann, wenn sein Leib durch diese Enthaltung keine Beschwer­den erleidet. Ist letzteres der Fall, so zeigt es, daß der Leib das Reizmittel begehrt, und die Enthaltung ist wertlos. In diesem Falle kann es eben durchaus sein, daß der Mensch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|137}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
zunächst auf das angestrebte Ziel verzichten muß und warten, bis günstigere sinnliche Verhältnisse vielleicht erst in einem anderen Leben für ihn vorliegen. Ein vernünftiger Verzicht ist in einer gewissen Lage eine viel größere Errungenschaft als das Erstreben einer Sache, die unter gegebenen Verhältnissen eben nicht zu erreichen ist. Ja, es fördert solch ein vernünftiger Verzicht die Ent­wickelung mehr als das Entgegengesetzte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer die sechsblätterige Lotusblume entwickelt hat, der gelangt zum Verkehr mit Wesen, die den höheren Welten angehören, jedoch nur dann, wenn deren Dasein sich in der Seelenwelt zeigt. Die Geheimschulung empfiehlt aber nicht eine Entwickelung dieser Lotusblume, bevor der Schüler nicht auf dem Wege weit vorgeschritten ist, durch den er seinen Geist in eine noch höhere Welt erheben kann. Dieser Eintritt in die eigentliche Geisteswelt muß nämlich immer die Ausbildung der Lotusblumen beglei­ten. Sonst gerät der Schüler in Verwirrung und Unsicher­heit. Er würde zwar sehen lernen, aber es fehlte ihm die Fähigkeit, das Gesehene in der richtigen Weise zu beurtei­len. Nun liegt schon in dem, was zur Ausbildung der sechsblätterigen Lotusblume verlangt wird, eine gewisse Bürgschaft gegen Verwirrung und Haltlosigkeit. Denn nicht leicht wird jemand in diese Verwirrung zu bringen sein, der das vollkommene Gleichgewicht zwischen Sinn­lichkeit (Leib), Leidenschaft (Seele) und Idee (Geist) er­langt hat. Dennoch ist noch mehr notwendig als diese Bürgschaft, wenn durch Entwickelung der sechsblätterigen Lotusblume dem Menschen Wesen mit Leben und Selbständigkeit wahrnehmbar werden, welche einer Welt angehören, die von derjenigen seiner physischen Sinne so&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|138}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
durchaus verschieden ist. Um Sicherheit in diesen Welten zu haben, genügt ihm nicht das Ausbilden der Lotusblu­men, sondern er muß da noch höhere Organe zu seiner Verfügung haben. Es soll nun über die Entwickelung die­ser noch höheren Organe gesprochen werden; dann kann auch von den anderen Lotusblumen und der anderweiti­gen Organisation des Seelenleibes* die Rede sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;*&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ausbildung des Seelenleibes, wie sie eben geschil­dert worden ist, macht dem Menschen möglich, übersinn­liche Erscheinungen wahrzunehmen. Wer sich aber in die­ser Welt wirklich zurechtfinden will, der darf nicht auf dieser Stufe der Entwickelung stehenbleiben. Die bloße Beweglichkeit der Lotusblumen genügt nicht. Der Mensch muß in der Lage sein, die Bewegung seiner geistigen Or­gane selbständig, mit vollem Bewußtsein zu regeln und zu beherrschen. Er würde sonst ein Spielball äußerlicher Kräfte und Mächte werden. Soll er das nicht werden, so muß er sich die Fähigkeit erwerben, das sogenannte «in­nere Wort» zu vernehmen. Um dazu zu kommen, muß nicht nur der Seelenleib, sondern auch der Ätherleib ent­wickelt werden. Es ist dies jener feine Leib, der sich für den Hellseher als eine Art Doppelgänger des physischen Körpers zeigt. Er ist gewissermaßen eine Zwischenstufe&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- - -&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;#&amp;lt;/nowiki&amp;gt;FN010-138-* Es ist selbstverständlich, daß, dem Wortsinne nach, der Ausdruck «Seelenleib» (wie mancher ähnliche der Geisteswissenschaft) einen Widerspruch enthält. Doch wird dieser Ausdruck gebraucht, weil das hellseherische Erkennen etwas wahrnimmt, was so im Geistigen erlebt wird, wie im Physischen der Leib wahrgenommen wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|139}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
zwischen diesem Körper und dem Seelenleib.* Ist man mit hellseherischen Fähigkeiten begabt, so kann man sich mit vollem Bewußtsein den physischen Körper eines Men­schen, der vor einem steht, absuggerieren. Es ist das auf einer höheren Stufe nichts anderes als eine Übung der Aufmerksamkeit auf einer niedrigeren. So wie der Mensch seine Aufmerksamkeit von etwas, das vor ihm ist, ablen­ken kann, so daß es für ihn nicht da ist, so vermag der Hellseher einen physischen Körper für seine Wahrneh­mung ganz auszulöschen, so daß er für ihn physisch ganz durchsichtig wird. Vollführt er das mit einem Menschen, der vor ihm steht, dann bleibt vor seinem seelischen Auge noch der sogenannte Ätherleib vorhanden, außer dem Seelenleibe, der größer als beide ist und der auch beide durchdringt. Der Ätherleib hat annähernd die Größe und Form des physischen Leibes, so daß er ungefähr auch den­selben Raum ausfüllt, den auch der physische Körper ein­nimmt. Er ist ein äußerst zart und fein organisiertes Ge­bilde.** Seine Grundfarbe ist eine andere als die im Re­genbogen enthaltenen sieben Farben. Wer ihn beobach­ten kann, lernt eine Farbe kennen, die für die sinnliche Beobachtung eigentlich gar nicht vorhanden ist. Sie läßt sich am ehesten mit der Farbe der jungen Pfirsichblüte vergleichen. Will man den Ätherleib ganz allein für sich betrachten, so muß man auch die Erscheinung des Seelenleibes&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- - -&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;#&amp;lt;/nowiki&amp;gt;FN010-139-1-* Man vergleiche zu dieser Darstellung die Schilderung in des Ver­fassers «Theosophie».&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;#&amp;lt;/nowiki&amp;gt;FN010-139-2-** Den Physiker bitte ich, sich an dem Ausdruck «Ätherleib» nicht zu stoßen. Mit dem Worte «Äther» soll nur die Feinheit des in Betracht kommenden Gebildes angedeutet werden. Mit dem «Äther» der physika­lischen Hypothesen braucht das hier Angeführte zunächst gar nicht zusammengebracht zu werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|140}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
für die Beobachtung auslöschen durch eine ähnlich geartete Übung der Aufmerksamkeit wie die oben gekennzeichnete. Tut man dies nicht, dann verändert sich der Anblick des Ätherleibes durch den ihn ganz durchdringenden Seelenleib.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun sind beim Menschen die Teilchen des Ätherleibes in einer fortwährenden Bewegung. Zahllose Strömungen durchziehen ihn nach allen Seiten. Durch diese Strömun­gen wird das Leben unterhalten und geregelt. Jeder Kör­per, der lebt, hat einen solchen Ätherleib. Die Pflanzen und die Tiere haben ihn auch. Ja, selbst bei den Minera­lien sind Spuren für den aufmerksamen Beobachter wahr­nehmbar. Die genannten Strömungen und Bewegungen sind zunächst von dem Willen und Bewußtsein des Men­schen ganz unabhängig, wie die Tätigkeit des Herzens oder Magens im physischen Körper von der Willkür nicht abhängig ist. Und solange der Mensch seine Ausbildung im Sinne der Erwerbung übersinnlicher Fähigkeiten nicht in die Hand nimmt, bleibt diese Unabhängigkeit auch bestehen. Denn gerade darin besteht die höhere Entwicke­lung auf einer gewissen Stufe, daß zu den vom Bewußt­sein unabhängigen Strömungen und Bewegungen des Ätherleibes solche hinzutreten, welche der Mensch in be­wußter Weise selbst bewirkt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn die Geheimschulung so weit gekommen ist, daß die in den vorhergehenden Abschnitten gekennzeichne­ten Lotusblumen sich zu bewegen beginnen, dann hat der Schüler auch bereits manches von dem vollzogen, was zur Hervorrufung ganz bestimmter Strömungen und Bewe­gungen in seinem Ätherkörper führt. Der Zweck dieser Entwickelung ist, daß sich in der Gegend des physischen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|141}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herzens eine Art Mittelpunkt bildet, von dem Strömun­gen und Bewegungen in den mannigfaltigsten geistigen Farben und Formen ausgehen. Dieser Mittelpunkt ist in Wirklichkeit kein bloßer Punkt, sondern ein ganz kompliziertes Gebilde, ein wunderbares Organ. Es leuchtet und schillert geistig in den allerverschiedensten Farben und zeigt Formen von großer Regelmäßigkeit, die sich mit Schnelligkeit verändern können. Und weitere Formen und Farbenströmungen laufen von diesem Organ nach den Tei­len des übrigen Körpers und auch noch über diesen hinaus, indem sie den ganzen Seelenleib durchziehen und durchleuchten. Die wichtigsten dieser Strömungen aber gehen zu den Lotusblumen. Sie durchziehen die einzelnen Blät­ter derselben und regeln ihre Drehung; dann strömen sie an den Spitzen der Blätter nach außen, um sich im äuße­ren Raum zu verlieren. Je entwickelter ein Mensch ist, desto größer wird der Umkreis, in dem sich diese Strömungen verbreiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einer besonders nahen Beziehung steht die zwölf­blätterige Lotusblume zu dem geschilderten Mittelpunkte. In sie laufen unmittelbar die Strömungen ein. Und durch sie hindurch gehen auf der einen Seite Strömungen zu der sechzehnblätterigen und der zweiblätterigen, auf der an­deren (unteren) Seite zu den acht-, sechs- und vierblätte­rigen Lotusblumen. In dieser Anordnung liegt der Grund, warum auf die Ausbildung der zwölfblätterigen Lotus­blume bei der Geheimschulung eine ganz besondere Sorg­falt verwendet werden muß. Würde hier etwas verfehlt, so müßte die ganze Ausbildung des Apparates eine unordentliche sein. Man kann aus dem Gesagten ermes­sen, von wie zarter und intimer Art die Geheimschulung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|142}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ist und wie genau man vorgehen muß, wenn alles in ge­höriger Weise sich entwickeln soll. Ohne weiteres ist hieraus auch ersichtlich, daß nur derjenige über Anweisung zur Ausbildung übersinnlicher Fähigkeiten reden kann, der alles, was er an einem anderen ausbilden soll, selbst an sich erfahren hat und der vollkommen in der Lage ist zu erkennen, ob seine Anweisungen auch zu dem ganz richtigen Erfolge führen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn der Geheimschüler das ausführt, was ihm durch die Anweisungen vorgeschrieben wird, dann bringt er sei­nem Ätherleib solche Strömungen und Bewegungen bei, welche in Harmonie stehen mit den Gesetzen und der Entwickelung der Welt, zu welcher der Mensch gehört. Daher sind die Anweisungen stets ein Abbild der großen Gesetze der Weltentwickelung. Sie bestehen in den er­wähnten und ähnlichen Meditations- und Konzentrationsübungen, welche, gehörig angewendet, die geschilderten Wirkungen haben. Der Geistesschüler muß in gewissen Zeiten seine Seele ganz mit dem Inhalte der Übungen durchdringen, sich innerlich gleichsam ganz damit ausfül­len. Mit Einfachem beginnt es, was vor allem geeignet ist, das verständige und vernünftige Denken des Kopfes zu vertiefen, zu verinnerlichen. Dieses Denken wird dadurch frei und unabhängig gemacht von allen sinnlichen Ein­drücken und Erfahrungen. Es wird gewissermaßen in einen Punkt zusammengefaßt, welchen der Mensch ganz in seiner Gewalt hat. Dadurch wird ein vorläufiger Mit­telpunkt geschaffen für die Strömungen des Ätherleibes. Dieser Mittelpunkt ist zunächst noch nicht in der Herzgegend, sondern im Kopfe. Dem Hellseher zeigt er sich dort als Ausgangspunkt von Bewegungen. Nur eine&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|143}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
solche Geheimschulung hat den vollen Erfolg, welche zu­erst diesen Mittelpunkt schafft. Würde gleich vom Anfang an der Mittelpunkt in die Herzgegend verlegt, so könnte der angehende Hellseher zwar gewisse Einblicke in die höheren Welten tun; er könnte aber keine richtige Einsicht in den Zusammenhang dieser höheren Welten mit unserer sinnlichen gewinnen. Und dies ist für den Menschen auf der gegenwärtigen Stufe der Weltentwickelung eine unbedingte Notwendigkeit. Der Hellseher darf nicht zum Schwärmer werden; er muß den festen Boden unter den Füßen behalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Mittelpunkt im Kopfe wird dann, wenn er gehö­rig befestigt ist, weiter nach unten verlegt, und zwar in die Gegend des Kehlkopfes. Das wird im weiteren Anwen­den der Konzentrationsübungen bewirkt. Dann strahlen die charakterisierten Bewegungen des Ätherleibes von die­ser Gegend aus. Sie erleuchten den Seelenraum in der Umgebung des Menschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein weiteres Üben befähigt den Geheimschüler, die Lage seines Ätherleibes selbst zu bestimmen. Vorher ist diese Lage von den Kräften abhängig, die von außen kom­men und vom physischen Körper ausgehen. Durch die weitere Entwickelung wird der Mensch imstande, den Ätherleib nach allen Seiten zu drehen. Diese Fähigkeit wird durch Strömungen bewirkt, welche ungefähr längs der beiden Hände verlaufen und die ihren Mittelpunkt in der zweiblätterigen Lotusblume in der Augengegend ha­ben. Alles dies kommt dadurch zustande, daß sich die Strahlungen, die vom Kehlkopf ausgehen, zu runden For­men gestalten, von denen eine Anzahl zu der zweiblätterigen Lotusblume hingehen, um von da aus als wellige&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|144}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Strömungen den Weg längs der Hände zu nehmen. Eine weitere Folge besteht darin, daß sich diese Ströme in der feinsten Art verästeln und verzweigen und zu einer Art Geflecht werden, das wie ein Netzwerk (Netzhaut) zur Grenze des ganzen Ätherleibes sich umbildet. Während dieser vorher nach außen keinen Abschluß hatte, so daß die Lebensströme aus dem allgemeinen Lebensmeer unmittelbar aus- und einströmten, müssen jetzt die Einwir­kungen von außen dieses Häutchen durchlaufen. Dadurch wird der Mensch für diese äußeren Strömungen empfind­lich. Sie werden ihm wahrnehmbar. Nunmehr ist auch der Zeitpunkt gekommen, um dem ganzen Strom- und Bewegungssystem den Mittelpunkt in der Herzgegend zu geben. Das geschieht wieder durch die Fortsetzung der Konzentrations- und Meditationsübung. Und damit ist auch die Stufe erreicht, auf welcher der Mensch mit dem «inneren Wort» begabt wird. Alle Dinge erhalten nun­mehr für den Menschen eine neue Bedeutung. Sie werden gewissermaßen in ihrem innersten Wesen geistig hörbar; sie sprechen von ihrem eigentlichen Wesen zu dem Men­schen. Die gekennzeichneten Strömungen setzen ihn mit dem Innern der Welt in Verbindung, zu welcher er ge­hört. Er beginnt das Leben seiner Umgebung mitzuerle­ben und kann es in der Bewegung seiner Lotusblumen nachklingen lassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit betritt der Mensch die geistige Welt. Ist er so weit, so gewinnt er ein neues Verständnis für dasjenige, was die großen Lehrer der Menschheit gesprochen haben. Buddhas Reden und die Evangelien zum Beispiel wirken jetzt in einer neuen Art auf ihn ein. Sie durchströmen ihn mit einer Seligkeit, die er vorher nicht geahnt hat. Denn&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|145}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der Ton ihrer Worte folgt den Bewegungen und Rhyth­men, die er nun selbst in sich ausgebildet hat. Er kann es jetzt unmittelbar wissen, daß ein solcher Mensch wie Buddha oder die Evangelienschreiber nicht ihre Offen­barungen, sondern diejenigen aussprechen, welche ihnen zugeflossen sind vom innersten Wesen der Dinge. Es soll hier auf eine Tatsache aufmerksam gemacht werden, die wohl nur aus dem Vorhergehenden verständlich wird. Den Menschen unserer gegenwärtigen Bildungsstufe sind die vielen Wiederholungen in Buddhas Reden nicht recht begreiflich. Dem Geheimschüler werden sie zu etwas, worauf er gern mit seinem inneren Sinne ruht. Denn sie entsprechen gewissen Bewegungen rhythmischer Art im Ätherleib. Die Hingabe an sie in vollkommener innerer Ruhe bewirkt auch ein Zusammenklingen mit solchen Bewegungen. Und weil diese Bewegungen ein Abbild sind bestimmter Weltrhythmen, die auch in gewissen Punkten Wiederholung und regelmäßige Rückkehr zu früheren darstellen, so lebt sich im Hinhören auf die Weise Bud­dhas der Mensch in den Zusammenhang mit den Weltgeheimnissen hinein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Geisteswissenschaft wird von vier Eigenschaften gesprochen, welche sich der Mensch auf dem sogenannten Prüfungspfade erwerben muß, um zu höherer Erkenntnis aufzusteigen. Es ist die erste davon die Fähigkeit, in den Gedanken das Wahre von der Erscheinung zu scheiden, die Wahrheit von der bloßen Meinung. Die zweite Eigen­schaft ist die richtige Schätzung des Wahren und Wirk­lichen gegenüber der Erscheinung. Die dritte Fähigkeit besteht in der schon im vorigen Kapitel erwähnten Ausübung der sechs Eigenschaften: Gedankenkontrolle,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|146}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kontrolle der Handlungen, Beharrlichkeit, Duldsamkeit, Glaube und Gleichmut. Die vierte ist die Liebe zur inne­ren Freiheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein bloßes verstandesmäßiges Begreifen dessen, was in diesen Eigenschaften liegt, nützt gar nichts. Sie müssen der Seele so einverleibt werden, daß sie innere Gewohn­heiten begründen. Man nehme zum Beispiel die erste Eigenschaft: Die Unterscheidung des Wahren von der Er­scheinung. Der Mensch muß sich so schulen, daß er bei jeglichem Dinge, das ihm gegenübertritt, ganz wie selbst­verständlich unterscheidet zwischen dem, was unwesent­lich ist, und dem, was Bedeutung hat. Man kann sich so nur schulen, wenn man in aller Ruhe und Geduld bei seinen Beobachtungen der Außenwelt immer wieder die dahingehenden Versuche macht. Zuletzt haftet in natür­licher Weise der Blick ebenso an dem Wahren, wie er vor­her an dem Unwesentlichen sich befriedigt hat. «Alles Vergängliche ist nur ein Gleichnis»: diese Wahrheit wird zu einer selbstverständlichen Überzeugung der Seele. Und so wird es mit den anderen der genannten vier Eigen­schaften zu halten sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun verwandelt sich tatsächlich der feine Ätherleib des Menschen unter dem Einfluß dieser vier Seelengewohn­heiten. Durch die erste «Unterscheidung des Wahren von der Erscheinung» wird der gekennzeichnete Mittelpunkt im Kopfe erzeugt und der im Kehlkopf vorbereitet. Zur wirklichen Ausbildung sind dann allerdings die Konzen­trationsübungen notwendig, von denen oben gesprochen worden ist. Sie bilden aus, und die vier Gewohnheiten bringen zur Reife. Ist der Mittelpunkt in der Gegend des Kehlkopfes vorbereitet, dann wird jene angedeutete&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|147}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
freie Beherrschung des Ätherleibes und sein Überziehen und Begrenzen mit dem Netzhautgeflecht bewirkt durch die richtige Schätzung des Wahren gegenüber der unwe­sentlichen Erscheinung. Bringt es der Mensch zu solcher Schätzung, dann werden ihm allmählich die geistigen Tat­sachen wahrnehmbar. Er soll aber nicht glauben, daß er bloß Handlungen zu vollziehen hat, welche vor einer ver­standesmäßigen Schätzung als bedeutungsvoll erscheinen. Die geringste Handlung, jeder kleine Handgriff hat etwas Bedeutungsvolles im großen Haushalte des Weltganzen, und es kommt nur darauf an, ein Bewußtsein von dieser Bedeutung zu haben. Nicht auf Unterschätzung, sondern auf richtige Einschätzung der alltäglichen Verrichtungen des Lebens kommt es an. Von den sechs Tugenden, aus denen sich die dritte Eigenschaft zusammensetzt, ist be­reits gesprochen worden. Sie hängen zusammen mit der Ausbildung der zwölfblätterigen Lotusblume in der Herzgegend. Dahin muß ja, wie gezeigt worden ist, in der Tat der Lebensstrom des Ätherleibes geleitet werden. Die vierte Eigenschaft: das Verlangen nach Befreiung, dient dann dazu, das Ätherorgan in der Nähe des Herzens zur Reifung zu bringen. Wird diese Eigenschaft zur Seelengewohnheit, dann befreit sich der Mensch von allem, was nur mit den Fähigkeiten seiner persönlichen Natur zu­sammenhängt. Er hört auf, die Dinge von seinem Sonderstandpunkte aus zu betrachten. Die Grenzen seines engen Selbst, die ihn an diesen Standpunkt fesseln, verschwin­den. Die Geheimnisse der geistigen Welt erhalten Zu­gang zu seinem Innern. Dies ist die Befreiung. Denn jene Fesseln zwingen den Menschen, die Dinge und Wesen so anzusehen, wie es seiner persönlichen Art entspricht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|148}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von dieser persönlichen Art, die Dinge zu betrachten, muß der Geheimschüler unabhängig, frei werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man sieht hieraus, daß die Vorschriften, welche von der Geisteswissenschaft ausgehen, tief in die innerste Men­schennatur hinein bestimmend wirken. Und die Vorschrif­ten über die vier genannten Eigenschaften sind solche Vorschriften. Sie finden sich in der einen oder der anderen Form in allen mit der Geisteswelt rechnenden Welt­anschauungen. Nicht aus einem dunklen Gefühl heraus haben die Begründer solcher Weltanschauungen solche Vorschriften den Menschen gegeben. Sie haben das viel­mehr aus dem Grunde getan, weil sie große Eingeweihte waren. Aus der Erkenntnis heraus haben sie ihre sittlichen Vorschriften geformt. Sie wußten, wie diese auf die feinere Natur des Menschen wirken, und wollten, daß die Beken­ner diese feinere Natur allmählich zur Ausbildung brin­gen. Im Sinne solcher Weltanschauungen leben heißt an seiner eigenen geistigen Vervollkommnung arbeiten. Und nur wenn der Mensch das tut, dient er dem Weltganzen. Sich vervollkommnen ist keineswegs Selbstsucht. Denn der unvollkommene Mensch ist auch ein unvollkommener Diener der Menschheit und der Welt. Man dient dem Ganzen um so besser, je vollkommener man selbst ist. Hier gilt es: «Wenn die Rose selbst sich schmückt, schmückt sie auch den Garten.»&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Begründer der bedeutungsvollen Weltanschauun­gen sind dadurch die großen Eingeweihten. Das, was von ihnen kommt, fließt in die Menschenseelen hinein. Und dadurch kommt mit der Menschheit die ganze Welt vor­wärts. Ganz bewußt haben die Eingeweihten an diesem Entwickelungsprozeß der Menschheit gearbeitet. Nur&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|149}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dann versteht man den Inhalt ihrer Anweisungen, wenn man beachtet, daß diese aus der Erkenntnis der tiefinnersten Menschennatur heraus geschöpft sind. Große Erken­ner waren die Eingeweihten, und aus ihrer Erkenntnis heraus haben sie die Ideale der Menschheit geprägt. Der Mensch aber kommt diesen Führern nahe, wenn er sich in seiner eigenen Entwickelung zu ihren Höhen erhebt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn bei einem Menschen die Ausbildung des Ätherleibes in der Art begonnen hat, wie das im Vorangegangenen beschrieben ist, dann erschließt sich ihm ein völlig neues Leben. Und er muß durch die Geheimschulung zur richtigen Zeit die Aufklärungen erhalten, welche ihn befähigen, sich in diesem neuen Leben zurechtzufinden. Er sieht zum Beispiel durch die sechzehnblätterige Lotus­blume geistig Gestalten einer höheren Welt. Nun muß er sich klarmachen, wie verschieden diese Gestalten sind, je nachdem sie von diesen oder jenen Gegenständen oder Wesen verursacht sind. Das erste, worauf er die Aufmerk­samkeit wenden kann, ist, daß er auf eine gewisse Art die­ser Gestalten durch seine eigenen Gedanken und Emp­findungen einen starken Einfluß ausüben kann, auf andere gar nicht oder doch nur in geringem Maße. Eine Art der Figuren ändert sich sofort, wenn der Betrachter bei ihrem Auftreten den Gedanken hat: «das ist schön», und dann im Laufe der Anschauung diesen Gedanken ändert in die­sen: «das ist nützlich». Besonders haben die Gestalten, welche von Mineralien oder künstlich gemachten Gegen­ständen herrühren, die Eigentümlichkeit, daß sie sich durch jeden Gedanken oder jedes Gefühl, das ihnen der Beschauer entgegenbringt, ändern. In geringerem Maße ist das schon der Fall bei den Gestalten, welche Pflanzen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|150}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
zukommen; und noch weniger findet es statt bei denen, welche Tieren entsprechen. Auch diese Gestalten sind beweglich und voll Leben. Aber diese Beweglichkeit rührt nur zum Teil von dem Einfluß der menschlichen Gedan­ken und Empfindungen her, zum anderen Teile wird sie durch Ursachen bewirkt, auf welche der Mensch keinen Einfluß hat. Nun tritt aber innerhalb dieser ganzen Ge­staltenwelt eine Sorte von Formen auf, welche der Ein­wirkung von seiten des Menschen selbst zunächst fast ganz entzogen sind. Der Geheimschüler kann sich davon überzeugen, daß diese Gestalten weder von Mineralien noch von künstlichen Gegenständen, auch nicht von Pflanzen oder Tieren herrühren. Er muß nun, um völlig ins klare zu kommen, die Gestalten betrachten, von denen er wissen kann, daß sie durch die Gefühle, Triebe, Leiden­schaften und so weiter von anderen Menschen verursacht werden. Aber auch diesen Gestalten gegenüber kann er finden, daß seine eigenen Gedanken und Empfindungen noch einigen, wenn auch verhältnismäßig geringen Ein­fluß haben. Es bleibt innerhalb der Gestaltenwelt immer ein Rest, auf den dieser Einfluß verschwindend gering ist. Ja, dieser Rest bildet im Anfange der Laufbahn des Ge­heimschülers sogar einen sehr großen Teil dessen, was er überhaupt sieht. Über die Natur dieses Teiles kann er sich nun nur aufklären, wenn er sich selbst beobachtet. Da fin­det er, welche Gestalten durch ihn selbst bewirkt worden sind. Das, was er selbst tut, will, wünscht und so weiter, kommt in diesen Gestalten zum Ausdruck. Ein Trieb, der in ihm wohnt, eine Begierde, die er hat, eine Absicht, die er hegt, und so weiter: alles das zeigt sich in solchen Ge­stalten. Ja, sein ganzer Charakter prägt sich in einer solchen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|151}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gestaltenwelt aus. Der Mensch kann somit durch seine bewußten Gestalten und Gefühle einen Einfluß auf alle Gestalten ausüben, welche nicht von ihm selbst ausgehen; auf diejenigen Figuren aber, die er durch sein eigenes Wesen in der höheren Welt bewirkt, hat er keinen Einfluß mehr, sobald sie durch ihn geschaffen worden sind. Es geht nun aus dem Gesagten auch hervor, daß in der höheren Anschauung das menschliche Innere, die eigene Trieb-, Begierden- und Vorstellungswelt sich ge­nauso in äußeren Figuren zeigt wie andere Gegenstände und Wesenheiten. Die Innenwelt wird für die höhere Er­kenntnis zu einem Teile der Außenwelt. Wie wenn man in der physischen Welt von allen Seiten mit Spiegeln um­geben wäre und so seine leibliche Gestalt beschauen könnte, so tritt in einer höheren Welt die seelische Wesen­heit des Menschen diesem als Spiegelbild entgegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf dieser Entwickelungsstufe ist für den Geheimschüler der Zeitpunkt eingetreten, in dem er die Illusion, wel­che aus der persönlichen Begrenztheit stammt, überwin­det. Er kann jetzt das, was innerhalb seiner Persönlichkeit ist, beobachten als Außenwelt, wie er früher als Außen­welt betrachtete, was auf seine Sinne einwirkte. So lernt er allmählich durch die Erfahrung sich so behandeln, wie er früher die Wesen um sich her behandelte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Würde des Menschen Blick in diese Geisteswelten geöffnet, ehe er in genügender Art auf deren Wesen vorbe­reitet worden ist, so stünde er zunächst vor dem charak­terisierten Gemälde seiner eigenen Seele wie vor einem Rätsel. Die Gestalten seiner eigenen Triebe und Leiden­schaften treten ihm da entgegen in Formen, welche er als tierische oder seltener auch als menschliche empfindet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|152}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zwar sind die Tiergestalten dieser Welt niemals ganz gleich denen der physischen Welt, aber sie haben doch eine entfernte Ähnlichkeit. Von ungeübten Beobachtern werden sie wohl auch für gleich gehalten. Man muß sich nun, wenn man diese Welt betritt, eine ganz neue Art des Urteilens aneignen. Denn abgesehen davon, daß die Dinge, die eigentlich dem menschlichen Innern angehö­ren, als Außenwelt erscheinen, treten sie auch noch als das Spiegelbild dessen auf, was sie wirklich sind. Wenn man zum Beispiel eine Zahl da erblickt, so muß man sie um­gekehrt als Spiegelbild lesen. 265 zum Beispiel bedeutet in Wahrheit hier 562. Eine Kugel sieht man so, wie wenn man in ihrem Mittelpunkte wäre. Man hat sich dann diese Innenansicht erst in der richtigen Art zu übersetzen. Aber auch seelische Eigenschaften erscheinen als Spiegelbild. Ein Wunsch, der sich auf etwas Äußeres bezieht, tritt als eine Gestalt auf, die zu dem Wünschenden selbst sich hin­bewegt. Leidenschaften, welche in der niederen Natur des Menschen ihren Sitz haben, können die Form von Tieren oder ähnliche Gestaltungen annehmen, die sich auf den Menschen losstürzen. In Wirklichkeit streben ja diese Lei­denschaften nach außen; sie suchen den Gegenstand ihrer Befriedigung in der Außenwelt. Aber dieses Suchen nach außen stellt sich im Spiegelbild als Angriff auf den Träger der Leidenschaft dar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn der Geheimschüler, bevor er zu höherem Schauen aufsteigt, durch ruhige, sachliche Selbstbeobachtung seine eigenen Eigenschaften selber kennengelernt hat, dann wird er auch in dem Augenblicke, da ihm sein Inneres im äußeren Spiegelbilde entgegentritt, Mut und Kraft finden, um sich in der richtigen Art zu verhalten. Menschen, welche&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|153}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sich durch solche Selbstprüfung nicht genügend mit dem eigenen Innern bekannt gemacht haben, werden sich in ihrem Spiegelbilde nicht erkennen und dieses dann für fremde Wirklichkeit halten. Auch werden sie durch den Anblick ängstlich und reden sich, weil sie die Sache nicht ertragen können, ein, das Ganze sei nur phantastisches Er­zeugnis, das zu nichts führen könne. In beiden Fällen stünde der Mensch durch sein unreifes Ankommen auf einer gewissen Entwickelungsstufe der eigenen höheren Ausbildung verhängnisvoll im Wege.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist durchaus notwendig, daß der Geheimschüler durch den geistigen Anblick seiner eigenen Seele hindurchgehe, um zu Höherem vorzudringen. Denn im eige­nen Selbst hat er ja doch dasjenige Geistig-Seelische, das er am besten beurteilen kann. Hat er sich von seiner Per­sönlichkeit in der physischen Welt zunächst eine tüchtige Erkenntnis erworben und tritt ihm zuerst das Bild dieser Persönlichkeit in der höheren Welt entgegen, dann kann er beides vergleichen. Er kann das Höhere auf ein ihm Bekanntes beziehen und vermag so von einem festen Bo­den auszugehen. Wenn ihm dagegen noch so viele andere geistige Wesenheiten entgegenträten, so vermöchte er sich doch über ihre Eigenart und Wesenheit zunächst kei­nen Aufschluß zu geben. Er würde bald den Boden unter den Füßen schwinden fühlen. Es kann daher gar nicht oft genug betont werden, daß der sichere Zugang zur höheren Welt derjenige ist, der über die gediegene Erkenntnis und Beurteilung der eigenen Wesenheit führt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Geistige Bilder sind es also, welchen der Mensch zu­nächst auf seiner Bahn zur höheren Welt begegnet. Denn die Wirklichkeit, welche diesen Bildern entspricht, ist ja&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|154}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
in ihm selbst. Reif muß demnach der Geheimschüler sein, um auf dieser ersten Stufe nicht derbe Realitäten zu ver­langen, sondern die Bilder als das Richtige zu betrachten. Aber innerhalb dieser Bilderwelt lernt er bald etwas Neues kennen. Sein niederes Selbst ist nur als Spiegelgemälde vor ihm vorhanden; aber mitten in diesem Spiegelgemälde erscheint die wahre Wirklichkeit des höheren Selbst. Aus dem Bilde der niederen Persönlichkeit her­aus wird die Gestalt des geistigen Ich sichtbar. Und erst von dem letzteren aus spinnen sich die Fäden zu anderen höheren geistigen Wirklichkeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und nun ist die Zeit gekommen, um die zweiblätterige Lotusblume in der Augengegend zu gebrauchen. Fängt sie an sich zu bewegen, so findet der Mensch die Möglichkeit, sein höheres Ich mit übergeordneten geistigen Wesen­heiten in Verbindung zu setzen. Die Ströme, welche von dieser Lotusblume ausgehen, bewegen sich so zu höheren Wirklichkeiten hin, daß die entsprechenden Bewegungen dem Menschen völlig bewußt sind. Wie das Licht dem Auge die physischen Gegenstände sichtbar macht, so diese Strömungen die geistigen Wesen höherer Welten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch Versenkung in der Geisteswissenschaft entstam­mende Vorstellungen, welche Grundwahrheiten enthalten, lernt der Schüler die Strömungen der Augenlotus­blume in Bewegung setzen und dirigieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was gesunde Urteilskraft, klare, logische Schulung ist, das erweist sich ganz besonders auf dieser Stufe der Ent­wickelung. Man muß nur bedenken, daß da das höhere Selbst, das bisher keimhaft, unbewußt im Menschen ge­schlummert hat, zu bewußtem Dasein geboren wird. Nicht etwa bloß im bildlichen, sondern in ganz wirklichem&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|155}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sinne hat man es mit einer Geburt in der geistigen Welt zu tun. Und das geborene Wesen, das höhere Selbst, muß mit allen notwendigen Organen und Anlagen zur Welt kommen, wenn es lebensfähig sein soll. Wie die Natur vorsorgen muß, daß ein Kind mit wohlgebildeten Ohren und Augen zur Welt komme, so müssen die Gesetze der Eigenentwickelung eines Menschen Sorge tra­gen, daß sein höheres Selbst mit den notwendigen Fähig­keiten ins Dasein trete. Und diese Gesetze, welche die Ausbildung der höheren Organe des Geistes selbst besor­gen, sind keine anderen als die gesunden Vernunft- und Moralgesetze der physischen Welt. Wie im Mutterschoße das Kind reift, so im physischen Selbst der geistige Mensch. Die Gesundheit des Kindes hängt von normaler Wirksamkeit der Naturgesetze im Mutterschoße ab. Die Gesundheit des geistigen Menschen ist in gleicher Art von den Gesetzen des gewöhnlichen Verstandes und der im physischen Leben wirksamen Vernunft bedingt. Niemand kann ein gesundes höheres Selbst gebären, der nicht in der physischen Welt gesund lebt und denkt. Natur- und vernunftgemäßes Leben sind die Grundlage aller wahren Geistesentwickelung. Wie das Kind im Schoße der Mut­ter schon nach den Naturkräften lebt, die es nach seiner Geburt mit seinen Sinnesorganen wahrnimmt, so lebt das höhere Selbst des Menschen nach den Gesetzen der gei­stigen Welt schon während des physischen Daseins. Und wie das Kind aus einem dunklen Lebensgefühl heraus sich die entsprechenden Kräfte aneignet, so kann es der Mensch mit den Kräften der geistigen Welt, bevor sein höheres Selbst geboren wird. Ja, er muß dies tun, wenn dies letztere als vollentwickeltes Wesen zur Welt kommen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|156}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
soll. Es wäre nicht richtig, wenn jemand sagte: ich kann die Lehren der Geisteswissenschaft nicht annehmen, bevor ich nicht selbst sehe. Denn ohne die Vertiefung in die Geistesforschung kann er überhaupt nicht zu wahrer hö­herer Erkenntnis kommen. Er wäre dann in derselben Lage wie ein Kind im Mutterschoße, das verweigerte, die Kräfte zu gebrauchen, die ihm durch die Mutter zukom­men, und warten wollte, bis es sich dieselben selbst ver­schaffen kann. So wie der Kindeskeim im Lebensgefühl die Richtigkeit des Dargereichten erfährt, so der noch nicht sehende Mensch die Wahrheit der Lehren der Gei­steswissenschaft. Es gibt eine Einsicht, die auf Wahrheitsgefühl und klare, gesunde, allseitig urteilende Vernunft gebaut ist, in diese Lehren, auch wenn man die geistigen Dinge noch nicht schaut. Man muß die mystischen Er­kenntnisse zuerst lernen und sich eben gerade durch dieses Lernen zum Schauen vorbereiten. Ein Mensch, der zum Schauen käme, bevor er in dieser Art gelernt hat, gliche einem Kinde, das wohl mit Augen und Ohren, aber ohne Gehirn geboren wäre. Es breitete sich die ganze Farben- und Tonwelt vor ihm aus; aber es könnte nichts damit an­fangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was also dem Menschen vorher durch sein Wahrheits­gefühl, durch Verstand und Vernunft einleuchtend war, das wird auf der geschilderten Stufe der Geheimschülerschaft eigenes Erlebnis. Er hat jetzt ein unmittelbares Wis­sen von seinem höheren Selbst. Und er lernt erkennen, daß dieses höhere Selbst mit geistigen Wesenheiten höhe­rer Art zusammenhängt und mit ihnen eine Einheit bil­det. Er sieht also, wie das niedere Selbst aus einer höheren Welt herstammt. Und es zeigt sich ihm, daß seine höhere&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|157}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Natur die niedere überdauert. Er kann nunmehr selbst sein Vergängliches von seinem Bleibenden unterscheiden. Das heißt nichts anderes, als er lernt die Lehre von der Einkörperung (Inkarnation) des höheren Selbst in ein nie­deres aus eigener Anschauung verstehen. Es wird ihm jetzt klar, daß er in einem höheren geistigen Zusammenhange darinnen steht, daß seine Eigenschaften, seine Schicksale durch diesen Zusammenhang verursacht sind. Er lernt das Gesetz seines Lebens, Karma, erkennen. Er sieht ein, daß sein niederes Selbst, wie es gegenwärtig sein Dasein ausmacht, nur eine der Gestalten ist, die sein höhe­res Wesen annehmen kann. Und er erblickt die Möglich­keit vor sich, von seinem höheren Selbst aus an sich zu arbeiten, auf daß er vollkommener und immer vollkom­mener werde. Er kann nunmehr auch die großen Unter­schiede der Menschen hinsichtlich ihrer Vollkommen­heitsgrade einsehen. Er wird gewahr, daß es über ihm ste­hende Menschen gibt, welche die noch vor ihm liegenden Stufen schon erreicht haben. Er sieht ein, daß die Lehren und Taten solcher Menschen von den Eingebungen aus einer höheren Welt herrühren. Dies verdankt er seinem ersten eigenen Blick in diese höhere Welt. Was man «große Eingeweihte der Menschheit» nennt, wird jetzt beginnen, für ihn Tatsache zu werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das sind die Gaben, die der Geheimschüler dieser Stufe seiner Entwickelung verdankt: Einsicht in das höhere Selbst, in die Lehre von der Einkörperung oder Inkarna­tion dieses höheren Selbst in ein niederes, in das Gesetz, wonach das Leben in der physischen Welt geregelt wird nach geistigen Zusammenhängen Karmagesetz , und endlich in das Dasein großer Eingeweihter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|158}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man sagt deshalb auch von einem Schüler, der diese Stufe erreicht hat, daß ihm der Zweifel völlig geschwunden sei. Konnte er sich vorher einen auf Vernunftgründe und gesundes Denken gebauten Glauben aneignen, so tritt jetzt an die Stelle dieses Glaubens das volle Wissen und die durch nichts zu erschütternde Einsicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Religionen haben in ihren Zeremonien, Sakramen­ten und Riten äußerlich sichtbare Abbilder höherer geistiger Vorgänge und Wesen gegeben. Nur wer die Tiefen der großen Religionen noch nicht durchschaut hat, kann diese verkennen. Wer aber in die geistige Wirklichkeit selbst hineinschaut, der wird auch die große Bedeutung jener äußerlich sichtbaren Handlungen verstehen. Und für ihn wird dann der religiöse Dienst selbst ein Abbild seines Verkehrs mit der geistig übergeordneten Welt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man sieht, in welcher Art der Geheimschüler durch Erreichung dieser Stufe wirklich ein neuer Mensch gewor­den ist. Er kann nun allmählich dazu heranreifen, durch die Strömungen seines Ätherkörpers das eigentliche hö­here Lebenselement zu dirigieren und damit eine hohe Freiheit von seinem physischen Körper zu erlangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|159}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= VERÄNDERUNGEN IM TRAUMLEBEN DES GEHEIMSCHÜLERS =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Ankündigung, daß der Geheimschüler die im vori­gen Kapitel beschriebene Stufe der Entwickelung erreicht hat oder doch bald erreichen werde, ist die Veränderung, die mit seinem Traumleben vorgeht. Vorher waren die Träume verworren und willkürlich. Nun fangen sie an, einen regelmäßigen Charakter anzunehmen. Ihre Bilder werden sinnvoll zusammenhängend wie die Vorstellun­gen des Alltagslebens. Man kann in ihnen Gesetz, Ur­sache und Wirkung erkennen. Und auch der Inhalt der Träume ändert sich. Während man vorher nur Nach­klänge des täglichen Lebens, umgeformte Eindrücke der Umgebung oder der eigenen Körperzustände wahrnimmt, treten jetzt Bilder aus einer Welt auf, mit der man vorher unbekannt war. Zunächst bleibt allerdings der allgemeine Charakter des Traumlebens bestehen, insofern sich der Traum vom wachen Vorstellen dadurch unterscheidet, daß er sinnbildlich dasjenige gibt, was er ausdrücken will. Einem aufmerksamen Beurteiler des Traumlebens kann ja diese Sinnbildlichkeit nicht entgehen. Man träumt zum Bei­spiel davon, daß man ein häßliches Tier gefangen und ein unangenehmes Gefühl in der Hand hat. Man wacht auf und merkt, daß man einen Zipfel der Bettdecke mit der Hand umschlossen hält. Die Wahrnehmung drückt sich also nicht ungeschminkt aus, sondern durch das gekenn­zeichnete Sinnbild. Oder man träumt, daß man vor einem Verfolger flieht; man empfindet dabei Angst. Beim Aufwachen zeigt sich, daß man von Herzklopfen wäh­rend des Schlafes befallen war. Der Magen, welcher mit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|160}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
schwerverdaulichen Speisen erfüllt ist, verursacht beäng­stigende Traumbilder. Auch Vorgänge in der Umgebung des schlafenden Menschen spiegeln sich im Traume als Sinnbilder. Das Schlagen einer Uhr kann das Bild eines Soldatentrupps hervorrufen, der bei Trommelschlag vorbeimarschiert. Ein umfallender Stuhl kann die Veranlassung zu einem ganzen Traumdrama sein, in dem der Schlag sich als Schuß widerspiegelt und so weiter. Diese sinnbildliche Art des Ausdruckes hat nun auch der gere­gelte Traum des Menschen, dessen Ätherkörper sich zu entwickeln beginnt. Aber er hört auf, bloße Tatsachen der physischen Umgebung oder des eigenen sinnlichen Leibes widerzuspiegeln. So wie diejenigen Träume regelmäßig werden, welche diesen Dingen ihren Ursprung verdan­ken, so mischen sich auch solche Traumbilder ein, die Ausdruck von Dingen und Verhältnissen einer anderen Welt sind. Hier werden zuerst Erfahrungen gemacht, wel­che dem gewöhnlichen Tagesbewußtsein unzugänglich sind. Nun darf man keineswegs glauben, daß irgendein wahrer Mystiker die Dinge, die er in solcher Art traum­haft erlebt, zur Grundlage irgendwelcher maßgebenden Mitteilungen einer höheren Welt schon macht. Nur als die ersten Anzeichen einer höheren Entwickelung hat man solche Traumerlebnisse zu betrachten. Bald tritt auch als weitere Folge die Tatsache ein, daß die Bilder des träu­menden Geheimschülers nicht mehr wie früher der Lei­tung des besonnenen Verstandes entzogen sind, sondern von diesem geregelt und ordnungsgemäß überschaut wer­den wie die Vorstellungen und Empfindungen des Wachbewußtseins. Es verschwindet eben immer mehr und mehr der Unterschied zwischen dem Traumbewußtsein und diesem&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|161}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wachzustand. Der Träumende ist im vollen Sinne des Wortes während des Traumlebens wach; das heißt, er fühlt sich als Herr und Führer seiner bildhaften Vorstel­lungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während des Träumens befindet sich der Mensch tat­sächlich in einer Welt, welche von derjenigen seiner phy­sischen Sinne verschieden ist. Nur vermag der Mensch mit unentwickelten geistigen Organen sich von dieser Welt keine anderen als die gekennzeichneten verworre­nen Vorstellungen zu bilden. Sie ist für ihn nur so vorhanden, wie die sinnliche Welt für ein Wesen da wäre, das höchstens die allerersten Anlagen von Augen hat. Deshalb kann der Mensch auch nichts sehen in dieser Welt als die Nachbilder und Widerspiegelungen des gewöhnlichen Lebens. Diese kann er aber aus dem Grunde im Traume sehen, weil seine Seele ihre Tageswahrneh­mungen selbst als Bilder in den Stoff hineinmalt, aus dem jene andere Welt besteht. Man muß sich nämlich klar darüber sein, daß der Mensch neben seinem gewöhn­lichen bewußten Tagesleben noch ein zweites, unbewuß­tes, in der angedeuteten anderen Welt führt. Alles, was er wahrnimmt und denkt, gräbt er in Abdrücken in diese Welt ein. Man kann diese Abdrücke eben nur sehen, wenn die Lotusblumen entwickelt sind. Nun sind bei jedem Menschen gewisse spärliche Anlagen der Lotusblumen immer vorhanden. Während des Tagesbewußtseins kann er damit nichts wahrnehmen, weil die Eindrücke auf ihn ganz schwach sind. Es ist dies aus einem ähnlichen Grunde, warum man während des Tages die Sterne nicht sieht. Sie kommen für die Wahrnehmungen gegenüber dem mächtig wirkenden Sonnenlicht nicht auf. So kommen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|162}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die schwachen geistigen Eindrücke gegenüber den machtvollen Eindrücken der physischen Sinne nicht zur Geltung. Wenn nun im Schlaf die Tore der äußeren Sinne geschlossen sind, so leuchten diese Eindrücke verworren auf. Und der Träumende wird dann der in einer anderen Welt gemachten Erfahrungen gewahr. Aber, wie gesagt, zunächst sind diese Erfahrungen nichts weiter als das­jenige, was das an die physischen Sinne gebundene Vor­stellen selbst in die geistige Welt eingegraben hat. Erst die entwickelten Lotusblumen machen es möglich, daß Kundgebungen, welche nicht der physischen Welt angehören, dort verzeichnet werden. Und durch den ent­wickelten Ätherleib entsteht dann ein volles Wissen von diesen aus anderen Welten herrührenden Einzeichnun­gen. Damit hat der Verkehr des Menschen in einer neuen Welt begonnen. Und der Mensch muß jetzt durch die Anleitungen der Geheimschulung ein Doppeltes zunächst erreichen. Zuerst muß es ihm möglich werden, ganz vollständig wie im Wachen die im Traume gemach­ten Beobachtungen zu gewahren. Hat er dies erreicht, so wird er dazu geführt, dieselben Beobachtungen auch während des gewöhnlichen Wachzustandes zu machen. Seine Aufmerksamkeit auf geistige Eindrücke wird da einfach so geregelt, daß diese Eindrücke gegenüber den physischen nicht mehr zu verschwinden brauchen, son­dern daß er sie neben und mit diesen immerfort haben kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hat der Geheimschüler diese Fähigkeit erlangt, dann tritt eben vor seinen geistigen Augen etwas von dem Ge­mälde auf, das im vorigen Kapitel beschrieben worden ist. Er kann nunmehr wahrnehmen, was in der geistigen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|163}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Welt vorhanden ist als die Ursache für die physische. Und er kann vor allem sein höheres Selbst innerhalb dieser Welt erkennen. Seine nächste Aufgabe ist nun, in die­ses höhere Selbst gewissermaßen hineinzuwachsen, das heißt, es wirklich als seine wahre Wesenheit anzusehen und auch sich dementsprechend zu verhalten. Immer mehr erhält er nun die Vorstellung und das lebendige Gefühl davon, daß sein physischer Leib und was er vorher sein «Ich» genannt hat nur mehr ein Werkzeug des höhe­ren Ich ist. Er bekommt eine Empfindung gegenüber dem niederen Selbst, wie es der auf die Sinnenwelt beschränkte Mensch gegenüber einem Werkzeug oder Fahrzeug hat, deren er sich bedient. So wie dieser den Wagen, in dem er fährt, nicht zu seinem «Ich» rechnet, auch wenn er sagt: «Ich fahre» wie «Ich gehe», so hat der entwickelte Mensch, wenn er sagt: «Ich gehe zur Tür hinein», eigent­lich die Vorstellung: «Ich trage meinen Leib zur Tür hinein.» Nur muß das für ihn ein so selbstverständlicher Begriff sein, daß er nicht einen Augenblick den festen Boden der physischen Welt verliert, daß niemals ein Ge­fühl von Entfremdung deshalb gegenüber der Sinnenwelt auftritt. Soll der Geheimschüler nicht zum Schwärmer oder Phantasten werden, so muß er durch das höhere Be­wußtsein sein Leben in der physischen Welt nicht ver­armen, sondern bereichern, so wie es derjenige bereichert, der sich statt seiner Beine eines Eisenbahnzuges bedient, um einen Weg zu machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hat es der Geheimschüler zu einem solchen Leben in seinem höheren Ich gebracht, dann oder vielmehr schon während der Aneignung des höheren Bewußtseins wird ihm klar, wie er die geistige Wahrnehmungskraft in dem&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|164}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
in der Herzgegend erzeugten Organ zum Dasein erwecken und durch die in den vorigen Kapiteln charakterisierten Strömungen leiten kann. Diese Wahrnehmungskraft ist ein Element von höherer Stofflichkeit, das von dem ge­nannten Organ ausgeht und in leuchtender Schönheit durch die sich bewegenden Lotusblumen und auch durch die anderen Kanäle des ausgebildeten Ätherleibes strömt. Es strahlt von da nach außen in die umgebende geistige Welt und macht sie geistig sichtbar, wie das von außen auf die Gegenstände fallende Sonnenlicht diese physisch sichtbar macht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie diese Wahrnehmungskraft im Herzorgane erzeugt wird, das kann nur allmählich im Ausbilden selbst ver­standen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deutlich als Gegenstände und Wesen wahrnehmbar wird die geistige Welt eigentlich erst für einen Menschen, der in solcher Art das charakterisierte Wahrnehmungs­organ durch seinen Ätherleib und nach der Außenwelt senden kann, um damit die Gegenstände zu beleuchten. Man sieht daraus, daß ein vollkommenes Bewußtsein von einem Gegenstande der geistigen Welt nur unter der Bedingung entstehen kann, daß der Mensch selbst das Geisteslicht auf ihn wirft. In Wahrheit wohnt nun das «Ich», welches dieses Wahrnehmungsorgan erzeugt, gar nicht im physischen Menschenkörper, sondern, wie ge­zeigt worden ist, außerhalb desselben. Das Herzorgan ist nur der Ort, wo der Mensch von außen her dieses geistige Lichtorgan entfacht. Würde er es nicht hier, sondern an einem anderen Orte entzünden, so hätten die durch dasselbe zustande gebrachten geistigen Wahrnehmungen keinen Zusammenhang mit der physischen Welt. Aber&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|165}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der Mensch soll ja alles höhere Geistige eben auf die physische Welt beziehen und durch sich in die letztere hereinwirken lassen. Das Herzorgan ist gerade dasjenige, durch welches das höhere Ich das sinnliche Selbst zu sei­nem Werkzeug macht und von dem aus dies letztere ge­handhabt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun ist die Empfindung, welche der entwickelte Mensch gegenüber den Dingen der geistigen Welt hat, eine andere als die, welche dem Sinnenmenschen gegen­über der physischen Welt eigen ist. Der letztere fühlt sich an einem gewissen Orte der Sinnenwelt, und die wahr­genommenen Gegenstände sind für ihn «außerhalb». Der geistig entwickelte Mensch dagegen fühlt sich mit dem geistigen Gegenstande seiner Wahrnehmung wie vereinigt, wie «im Innern» desselben. Er wandelt in der Tat im Geistesraume von Ort zu Ort. Man nennt ihn deshalb in der Sprache der Geheimwissenschaft auch den «Wanderer». Er ist zunächst nirgends zu Hause. Bliebe er bei dieser bloßen Wanderschaft, dann könnte er keinen Gegenstand im geistigen Raume wirklich bestimmen. Wie man einen Gegenstand oder Ort im physischen Raume dadurch bestimmt, daß man von einem gewissen Punkte ausgeht, so muß das auch in der erreichten ande­ren Welt der Fall sein. Man muß sich auch da irgendwo einen Ort suchen, den man zunächst ganz genau erforscht und geistig für sich in Besitz nimmt. In diesem Orte muß man sich eine geistige Heimat gründen und dann alles andere zu dieser Heimat in ein Verhältnis setzen. Auch der in der physischen Welt lebende Mensch sieht ja alles so, wie es die Vorstellungen seiner physischen Heimat mit sich bringen. Ein Berliner beschreibt unwillkürlich Lon­don&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|166}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
anders als ein Pariser. Nur ist es mit der geistigen Heimat doch anders als mit der physischen. In die letztere ist man ohne sein Zutun hineingeboren, in ihr hat man während der Jugendzeit eine Reihe von Vorstellungen instinktiv aufgenommen, von denen fortan alles unwill­kürlich beleuchtet wird. Die geistige Heimat hat man sich aber mit vollem Bewußtsein selbst gebildet. Man ur­teilt von ihr ausgehend deshalb auch in voller lichter Freiheit. Dieses Bilden einer geistigen Heimat nennt man in der Sprache der Geheimwissenschaft «eine Hütte bauen».&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das geistige Schauen auf dieser Stufe erstreckt sich zu­nächst auf die geistigen Gegenbilder der physischen Welt, soweit diese Gegenbilder in der sogenannten astralen Welt liegen. In dieser Welt befindet sich alles dasjenige, was seinem Wesen nach gleich den menschlichen Trie­ben, Gefühlen, Begierden und Leidenschaften ist. Denn zu allen den Menschen umgebenden Sinnesdingen gehören auch Kräfte, die mit diesen menschlichen verwandt sind. Ein Kristall zum Beispiel wird in seine Form gegos­sen durch Kräfte, die sich der höheren Anschauung gegen­über ausnehmen wie ein Trieb, der im Menschen wirkt. Durch ähnliche Kräfte wird der Saft durch die Gefäße der Pflanze geleitet, werden die Blüten zur Entfaltung, die Samenkapseln zum Aufspringen gebracht. Alle diese Kräfte gewinnen Form und Farbe für die entwickelten geistigen Wahrnehmungsorgane, wie die Gegenstände der physischen Welt Form und Farbe für das physische Auge haben. Der Geheimschüler sieht auf der geschilder­ten Stufe seiner Entwickelung nicht nur den Kristall, die Pflanze, sondern auch die gekennzeichneten geistigen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|167}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kräfte. Und er sieht die tierischen und menschlichen Triebe nicht nur durch die physischen Lebensäußerungen ihrer Träger, sondern auch unmittelbar als Gegenstände, wie er in der physischen Welt Tische und Stühle sieht. Die ganze Instinkt-, Trieb-, Wunsch-, Leidenschaftswelt eines Tieres oder Menschen wird zu der astralen Wolke, in welche das Wesen eingehüllt wird, zur Aura.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weiter nimmt der Hellseher auf dieser Stufe seiner Ent­wickelung auch Dinge wahr, die sich der sinnlichen Auf­fassung fast oder vollständig entziehen. Er kann zum Bei­spiel den astralen Unterschied merken zwischen einem Raume, der zum großen Teile mit niedrig gesinnten Men­schen erfüllt ist, und einem solchen, in dem hochgesinnte Personen anwesend sind. In einem Krankenhause ist nicht nur die physische, sondern auch die geistige Atmosphäre eine andere als in einem Tanzsaale. Eine Handelsstadt hat eine andere astrale Luft als ein Universitätsort. Zunächst wird das Wahrnehmungsvermögen des hellsehend gewor­denen Menschen für solche Dinge nur schwach entwickelt sein. Es wird sich zu den zuerst genannten Gegenständen so verhalten wie das Traumbewußtsein des Sinnenmen­schen zu seinem Wachbewußtsein. Aber allmählich wird er auch auf dieser Stufe voll erwachen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die höchste Errungenschaft des Hellsehers, der den charakterisierten Grad des Schauens erreicht hat, ist diejenige, auf welcher sich ihm die astralen Gegenwirkun­gen der tierischen und menschlichen Triebe und Leiden­schaften zeigen. Eine liebevolle Handlung hat eine an­dere astrale Begleiterscheinung als eine solche, die vom Hasse ausgeht. Die sinnlose Begierde stellt außer sich selbst noch ein häßliches astrales Gegenbild dar, die auf&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|168}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hohes gerichtete Empfindung dagegen ein schönes. Diese Gegenbilder sind während des physischen Menschenlebens nur schwach zu sehen. Denn ihre Stärke wird durch das Leben in der physischen Welt beeinträchtigt. Ein Wunsch nach einem Gegenstande erzeugt zum Beispiel ein solches Spiegelbild außer dem, als welches dieser Wunsch selbst in der astralen Welt erscheint. Wird aber der Wunsch durch das Erlangen des physischen Gegen­standes befriedigt oder ist wenigstens die Möglichkeit zu solcher Befriedigung vorhanden, so wird das Gegenbild nur ein sehr schwacher Schein sein. Zu seiner vollen Gel­tung gelangt es erst nach dem Tode des Menschen, wenn die Seele noch immer, ihrer Natur nach, solchen Wunsch hegen muß, ihn aber nicht mehr befriedigen kann, weil der Gegenstand und auch das physische Organ dazu fehlen. Der sinnlich veranlagte Mensch wird auch nach seinem Tode zum Beispiel die Gier nach Gaumengenuß haben. Ihm fehlt jetzt aber die Möglichkeit der Befriedigung, da er doch keinen Gaumen mehr hat. Das hat zur Folge, daß der Wunsch ein besonders heftiges Gegenbild erzeugt, von dem die Seele dann gequält wird. Man nennt diese Erfahrungen durch die Gegenbilder der niederen Seelennatur nach dem Tode die Erlebnisse im Seelenreich, be­sonders in dem Orte der Begierden. Sie schwinden erst, wenn die Seele sich geläutert hat von allen nach der phy­sischen Welt hinzielenden Begierden. Dann steigt diese Seele erst in das höhere Gebiet (Geisteswelt) auf. Wenn auch diese Gegenbilder beim noch physisch lebenden Menschen schwach sind: sie sind doch vorhanden und begleiten ihn als seine Begierden-Anlage, wie den Ko­meten sein Schweif begleitet. Und der Hellseher kann sie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|169}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sehen, wenn er die entsprechende Entwickelungsstufe er­reicht hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In solchen Erfahrungen und in allen denen, welche da­mit verwandt sind, lebt der Geheimschüler in dem Stadium, das beschrieben worden ist. Bis zu noch höheren geistigen Erlebnissen kann er es auf dieser Entwickelungs­stufe noch nicht bringen. Er muß von da an noch höher aufwärts steigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|170}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= DIE ERLANGUNG DER KONTINUITÄT DES BEWUSSTSEINS =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Leben des Menschen verläuft im Wechsel von drei Zuständen. Diese sind: Wachsein, traumerfüllter Schlaf und traumloser tiefer Schlaf. Man kann verstehen, wie man zu den höheren Erkenntnissen der geistigen Welten gelangt, wenn man sich eine Vorstellung davon bildet, was für Veränderungen in bezug auf diese drei Zustände bei demjenigen Menschen vorgehen müssen, der solche Erkenntnis suchen will. Bevor der Mensch eine Schulung für diese Erkenntnis durchgemacht hat, wird sein Bewußtsein fortwährend unterbrochen von den Ruhepausen des Schlafes. In diesen Pausen weiß die Seele nichts von der Außenwelt und auch nichts von sich selbst. Nur für gewisse Zeiten tauchen aus dem allgemeinen Meere der Bewußtlosigkeit die Träume auf, welche anknüpfen an Vorgänge der Außenwelt oder an Zustände des eigenen Leibes. Zunächst sieht man in den Träumen nur eine besondere Äußerung des Schlaflebens, und man spricht daher wohl überhaupt nur von zwei Zuständen: Schlafen und Wachen. Für die Geheimwissenschaft aber hat der Traum eine selbständige Bedeutung neben den beiden anderen Zuständen. Es ist im vorigen Kapitel beschrieben worden, welche Veränderung in dem Traumleben des Menschen vorgeht, der den Aufstieg zu höherer Erkenntnis unternimmt. Seine Träume verlieren den bedeutungslosen, unregelmäßigen und zusammenhanglosen Charakter und werden immer mehr und mehr zu einer regelerfüllten, zusammenhängenden Welt. Bei weiterer Entwickelung gibt dann diese aus der Traumwelt geborene neue Welt der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|171}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
äußeren sinnlichen Wirklichkeit nicht nur an innerer Wahrheit nichts nach, sondern in ihr offenbaren sich Tatsachen, die im vollen Sinne des Wortes eine höhere Wirklichkeit darstellen. In der sinnlichen Welt sind nämlich überall Geheimnisse und Rätsel verborgen. Diese Welt zeigt wohl die Wirkungen gewisser höherer Tatsachen; allein der Mensch, der seine Wahrnehmung bloß auf seine Sinne beschränkt, kann nicht zu den Ursachen dringen. Dem Geheimschüler offenbaren sich in dem geschilderten, aus dem Traumleben herausgebildeten, aber keineswegs etwa bei ihm stehenbleibenden Zustande diese Ursachen teilweise. Er darf ja allerdings diese Offenbarungen so lange nicht als wirkliche Erkenntnisse ansehen, als sich ihm noch nicht während des gewöhnlichen wachen Lebens dieselben Dinge zeigen. Aber auch dazu gelangt er. Er entwickelt sich dazu, den Zustand, den er erst aus dem Traumleben sich geschaffen hat, in das wache Bewußtsein herüberzunehmen. Dann ist für ihn die Sinnenwelt um etwas ganz Neues bereichert. Wie ein Mensch, der, blind geboren und operiert, nach seinem Sehendwerden die Dinge der Umgebung um all die Wahrnehmungen des Auges bereichert erkennt, so schaut der auf obige Art hellsehend gewordene Mensch die ganze ihn umgebende Welt mit neuen Eigenschaften, Dingen, Wesen und so weiter. Er braucht nunmehr nicht auf den Traum zu warten, um in einer anderen Welt zu leben, sondern er kann sich zu höherer Wahrnehmung immer, wenn es angemessen ist, in den geschilderten Zustand versetzen. Bei ihm hat dann dieser Zustand eine ähnliche Bedeutung, wie im gewöhnlichen Leben eine solche das Wahrnehmen der Dinge bei tätigen Sinnen gegenüber&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|172}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dem bei nicht tätigen Sinnen hat. Man kann eben in wahrem Sinne sagen: der Geheimschüler öffnet die Sinne seiner Seele, und er schaut die Dinge, welche den leiblichen Sinnen verborgen bleiben müssen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Zustand bildet nun nur einen Übergang zu noch höheren Stufen der Erkenntnis des Geheimschülers. Setzt dieser die ihm bei seiner Geheimschulung dienenden Übungen fort, so wird er nach angemessener Zeit finden, daß nicht nur mit seinem Traumleben die beschriebene durchgreifende Veränderung vorgeht, sondern daß sich die Verwandlung auch auf den vorher traumlosen tiefen Schlaf ausdehnt. Er merkt, daß die völlige Bewußtlosigkeit, in welcher er sich früher während dieses Schlafes Befunden hat, unterbrochen wird von vereinzelten bewußten Erlebnissen. Aus der allgemeinen Finsternis des Schlafes tauchen Wahrnehmungen von einer Art auf, die er vorher nicht gekannt hat. Es ist natürlich nicht leicht, diese Wahrnehmungen zu beschreiben, denn unsere Sprache ist ja nur für die Sinneswelt geschaffen, und man kann daher nur annähernd Worte für das finden, was gar nicht dieser Sinneswelt angehört. Doch muß man die Worte zur Beschreibung der höheren Welten zunächst verwenden. Das kann nur dadurch geschehen, daß vieles in Gleichnissen gesagt wird. Aber da alles in der Welt mit anderem verwandt ist, so kann dies auch geschehen. Die Dinge und Wesen der höheren Welten sind mit denen der Sinneswelt wenigstens so weit verwandt, daß bei gutem Willen immerhin eine Vorstellung von diesen höheren Welten auch durch die für die Sinneswelt gebräuchlichen Worte erzielt werden kann. Man muß sich nur immer dessen bewußt bleiben, daß vieles bei solchen Beschreibungen übersinnlicher&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|173}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Welten Gleichnis und Sinnbild sein muß. Die Geheimschulung selbst vollzieht sich daher nur zum Teil in den Worten der gewöhnlichen Sprache; im übrigen lernt der Schüler zu seinem Aufstieg noch eine sich wie selbstverständlich ergebende sinnbildliche Ausdrucksart. Man muß sie sich während der Geheimschulung selbst aneignen. Dies hindert aber nicht, daß man auch durch gewöhnliche Beschreibungen, wie sie hier gegeben werden, etwas über die Natur der höheren Welten erfährt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Will man eine Vorstellung geben von den obenerwähnten Erlebnissen, die zunächst aus dem Meere der Bewußtlosigkeit während des tiefen Schlafes auftauchen, so kann man sie am besten mit einer Art von Hören vergleichen. Von wahrgenommenen Tönen und Worten kann man sprechen. Wie man die Erlebnisse des Traumschlafes zutreffend als eine Art des Schauens im Vergleiche mit den Wahrnehmungen der Sinne bezeichnen kann, so lassen sich die Tatsachen des tiefen Schlafes mit den Eindrücken des Ohres vergleichen. (Als Zwischenbemerkung soll nur gesagt werden, daß das Schauen auch für die geistigen Welten das Höhere ist. Farben sind auch in dieser Welt etwas Höheres als Töne und Worte. Aber das, was der Geheimschüler von dieser Welt bei seiner Schulung zuerst wahrnimmt, sind eben noch nicht die höheren Farben, sondern die niederen Töne. Nur weil der Mensch nach seiner allgemeinen Entwickelung für die Welt schon geeigneter ist, die sich im Traumschlaf offenbart, nimmt er da sogleich die Farben wahr. Für die höhere Welt, die sich im Tiefschlaf enthüllt, ist er noch weniger geeignet. Deshalb offenbart sich diese ihm zunächst in Tönen und Worten;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|174}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
später kann er auch hier zu Farben und Formen aufsteigen.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn nun der Geheimschüler merkt, daß er solche Erlebnisse im tiefen Schlafe hat, dann ist es zunächst seine Aufgabe, sich dieselben so deutlich und klar wie möglich zu machen. Anfangs fällt das sehr schwer; denn die Wahrnehmung des in diesem Zustande Erlebten ist zunächst eine außerordentlich geringe. Man weiß nach dem Erwachen wohl, daß man etwas erlebt hat; was es aber gewesen ist, darüber bleibt man völlig im unklaren. Das Wichtigste während dieses Anfangszustandes ist, daß man ruhig und gelassen bleibt und nicht einen Augenblick in irgendwelche Unruhe und Ungeduld verfällt. Diese müßten unter allen Umständen nur schädlich wirken. Vor allem können sie die weitere Entwickelung nie beschleunigen, sondern müssen sie verzögern. Man muß sich ruhig sozusagen dem überlassen, was einem gegeben oder geschenkt wird; alles Gewaltsame muß unterbleiben. Kann man in einem Zeitpunkte Schlaferlebnisse nicht gewahr werden, so warte man geduldig, bis dieses möglich sein wird. Denn dieser Augenblick kommt gewiß einmal. Und war man vorher geduldig und gelassen, so bleibt dann die Wahrnehmungsfähigkeit ein sicherer Besitz, während sie bei einem gewaltsamen Vorgehen zwar einmal auftreten, aber sich dann wieder für längere Zeit vollständig verlieren kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ist die Wahrnehmungsfähigkeit einmal eingetreten und stehen einem die Schlaferlebnisse vollkommen klar und deutlich vor dem Bewußtsein, dann hat man auf folgendes die Aufmerksamkeit zu richten. Unter diesen Erlebnissen sind ganz genau zweierlei Arten zu unterscheiden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|175}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die eine Art wird ganz fremd sein gegenüber all dem, was man vorher jemals kennengelernt hat. An diesen Erlebnissen mag man zunächst seine Freude haben; man mag sich an ihnen erbauen; aber man lasse sie im übrigen vorläufig auf sich beruhen. Sie sind die ersten Vorboten der höheren geistigen Welt, in welcher man sich erst später zurechtfinden wird. Die andere Art von Erlebnissen aber wird dem aufmerksamen Betrachter eine gewisse Verwandtschaft mit der gewöhnlichen Welt zeigen, in welcher er lebt. Worüber er während des Lebens nachdenkt, was er begreifen möchte an den Dingen seiner Umgebung, aber mit dem gewöhnlichen Verstande nicht begreifen kann, darüber geben ihm diese Schlaferlebnisse Aufschluß. Der Mensch denkt während des Alltagslebens über das nach, was ihn umgibt. Er macht sich Vorstellungen, um den Zusammenhang der Dinge zu begreifen. Er sucht das durch Begriffe zu verstehen, was seine Sinne wahrnehmen. Auf solche Vorstellungen und Begriffe beziehen sich die Schlaferlebnisse. Was früher dunkler, schattenhafter Begriff war, gewinnt etwas Klangvolles, Lebendiges, das man eben nur mit den Tönen und Worten der Sinneswelt vergleichen kann. Es wird dem Menschen immer mehr so, wie wenn ihm die Lösung der Rätsel, über die er nachdenken muß, aus einer höheren Welt in Tönen und Worten zugeraunt würde. Und er vermag dann dasjenige, was ihm aus einer anderen Welt zukommt, mit dem gewöhnlichen Leben zu verbinden. Was vorher nur sein Gedanke erreichen konnte, ist jetzt für ihn Erlebnis, so lebendig und inhaltvoll wie nur irgendein Erlebnis der Sinneswelt sein kann. Die Dinge und Wesen dieser Sinneswelt sind eben durchaus nicht bloß&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|176}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
das, als was sie der Sinneswahrnehmung erscheinen. Sie sind der Ausdruck und Ausfluß einer geistigen Welt. Diese vorher verborgene Geisteswelt tönt jetzt für den Geheimschüler aus seiner ganzen Umgebung heraus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist leicht einzusehen, daß ein Segen in dieser höheren Wahrnehmungsfähigkeit für den Menschen nur dann liegen kann, wenn in den seelischen Sinnen, die sich ihm eröffnet haben, alles in Ordnung ist, wie ja der Mensch auch seine gewöhnlichen Sinneswerkzeuge zur wahren Beobachtung der Welt nur gebrauchen kann, wenn sie gesetzmäßig eingerichtet sind. Nun bildet sich der Mensch selbst diese höheren Sinne durch die Übungen, die ihm die Geheimschulung anweist. Zu diesen Übungen gehört die Konzentration, das ist das Richten der Aufmerksamkeit auf ganz bestimmte mit den Weltgeheimnissen zusammenhängende Vorstellungen und Begriffe. Und es gehört ferner dazu das Meditieren, das ist das Leben in solchen Ideen, das vollkommene Versenken in dieselben in vorgeschriebener Art. Durch Konzentrieren und Meditieren arbeitet der Mensch an seiner Seele. Er entwickelt dadurch in ihr die seelischen Wahrnehmungsorgane. Während er den Aufgaben der Konzentration und Meditation obliegt, wächst innerhalb seines Leibes seine Seele, wie der Kindeskeim im Leibe der Mutter wächst. Und wenn dann während des Schlafes die geschilderten einzelnen Erlebnisse eintreten, dann rückt der Moment der Geburt heran für die freigewordene Seele, die dadurch buchstäblich ein anderes Wesen geworden ist, das der Mensch in sich zur Keimung und Reifung bringt. Die Anstrengungen für das Konzentrieren und das Meditieren müssen deshalb sorgfältige sein, und sie müssen genau eingehalten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|177}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
werden, weil sie ja die Gesetze für die Keimung und das Reifwerden des gekennzeichneten höheren Menschenseelenwesens sind. Und dieses muß bei seiner Geburt ein in sich harmonischer, richtig gegliederter Organismus sein. Wird aber in den Vorschriften etwas verfehlt, so kommt nicht ein solches gesetzmäßiges Lebewesen, sondern eine Fehlgeburt auf geistigem Gebiet zustande, die nicht lebensfähig ist&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daß die Geburt dieses höheren Seelenwesens zunächst im tiefen Schlafe erfolgt, wird begreiflich erscheinen, wenn man bedenkt, daß der zarte, noch wenig widerstandsfähige Organismus bei einem etwaigen Erscheinen während des sinnlichen Alltagslebens durch die starken, harten Vorgänge dieses Lebens ja gar nicht zur Geltung kommen könnte. Seine Tätigkeit käme nicht in Betracht gegenüber der Tätigkeit des Leibes. Im Schlafe, wenn der Körper ruht, soweit seine Tätigkeit von der sinnlichen Wahrnehmung abhängt, kann die im Anfang so zarte, unscheinbare Tätigkeit der höheren Seele zum Vorschein kommen. Wieder aber muß beachtet werden, daß der Geheimschüler die Schlaferlebnisse so lange nicht als vollgültige Erkenntnisse ansehen darf, solange er nicht imstande ist, die erwachte höhere Seele auch in das Tagesbewußtsein herüberzunehmen. Ist er das imstande, so vermag er auch zwischen und innerhalb der Tageserlebnisse die geistige Welt nach ihrem Charakter wahrzunehmen, das heißt, er kann die Geheimnisse seiner Umgebung seelisch als Töne und Worte erfassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun muß man sich auf dieser Stufe der Entwickelung klarwerden, daß man es ja zunächst mit einzelnen mehr oder weniger unzusammenhängenden geistigen Erlebnissen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|178}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
zu tun hat. Man muß sich daher hüten, sich aus ihnen irgendein abgeschlossenes oder auch nur zusammenhängendes Erkenntnisgebäude aufbauen zu wollen. Da mußten sich allerlei phantastische Vorstellungen und Ideen in die Seelenwelt einmischen; und man könnte sich so sehr leicht eine Welt zusammenbauen, die mit der wirklichen geistigen gar nichts zu tun hat. Strengste Selbstkontrolle muß ja von dem Geheimschüler fortwährend geübt werden. Das richtigste ist, über die einzelnen wirklichen Erlebnisse, die man hat, immer mehr und mehr zur Klarheit zu kommen und abzuwarten, bis sich neue ergeben in völlig ungezwungener Art, die sich wie von selbst mit den schon vorhandenen verbinden. Es tritt da nämlich bei dem Geheimschüler durch die Kraft der geistigen Welt, in die er nun einmal gekommen ist, und bei Anwendung der entsprechenden Übungen eine immer mehr um sich greifende Erweiterung des Bewußtseins im tiefen Schlafe ein. Immer mehr Erlebnisse treten hervor aus der Bewußtlosigkeit und immer kleinere Strecken des Schlaflebens werden bewußtlos sein. So schließen sich dann die einzelnen Schlaferfahrungen eben immer mehr von selbst zusammen, ohne daß dieser wahre Zusammenschluß durch allerlei Kombinationen und Schlußfolgerungen gestört würde, die doch nur von dem an die Sinneswelt gewöhnten Verstande herrühren würden. Je weniger aber von den Denkgewohnheiten dieser sinnlichen Welt in unberechtigter Weise hineingemischt wird in die höheren Erlebnisse, desto besser ist es. Verhält man sich so, dann nähert man sich immer mehr und mehr derjenigen Stufe auf dem Wege zu höherer Erkenntnis, auf welcher Zustände, die vorher nur unbewußt im Schlafleben vorhanden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|179}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
waren, in vollständig bewußte umgewandelt werden. Man lebt dann, wenn der Körper ruht, ebenso in einer Wirklichkeit, wie dies beim Wachen der Fall ist. Es wird überflüssig sein, zu bemerken, daß während des Schlafes selbst zunächst man es mit einer anderen Wirklichkeit zu tun hat, als die sinnliche Umgebung ist, in welcher sich der Körper befindet. Man lernt ja und muß um fest auf dem Boden der Sinneswelt stehenzubleiben und nicht Phantast zu werden lernen, die höheren Schlaferlebnisse an die sinnliche Umgebung anzuknüpfen. Aber zunächst ist eben die im Schlaf erlebte Welt eine vollkommen neue Offenbarung. Man nennt in der Geheimwissenschaft die wichtige Stufe, die in der Bewußtheit des Schlaflebens besteht, die Kontinuität (Ununterbrochenheit) des Bewußtseins.*&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei einem Menschen, der diese Stufe erreicht hat, hört das Erleben und Erfahren in solchen Zeiten nicht auf, in denen der physische Leib ruht und der Seele keine Eindrücke durch die Sinneswerkzeuge zugeführt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- - -&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;#&amp;lt;/nowiki&amp;gt;FN010-179-* Was hier angedeutet wird, ist für eine gewisse Stufe der Entwickelung eine Art «Ideal», das am Ende eines langen Weges liegt. Was der Geheimschüler zunächst kennenlernt, sind die zwei Zustände: Bewußtsein bei einer seelischen Verfassung, in welcher ihm vorher nur regellose Träume, und in einer solchen, in der nur bewußtloser, traumloser Schlaf möglich war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|180}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= DIE SPALTUNG DER PERSÖNLICHKEIT WÄHREND DER GEISTESSCHULUNG =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während des Schlafes empfängt die menschliche Seele nicht die Mitteilungen von seiten der physischen Sinneswerkzeuge. Die Wahrnehmungen der gewöhnlichen Außenwelt fließen ihr in diesem Zustande nicht zu. Sie ist in Wahrheit in gewisser Beziehung außerhalb des Teiles der menschlichen Wesenheit, des sogenannten physischen Leibes, welcher im Wachen die Sinneswahrnehmungen und das Denken vermittelt. Sie ist dann nur in Verbindung mit den feineren Leibern (dem Ätherleib und dem Astralleib), welche sich der Beobachtung der physischen Sinne entziehen. Aber die Tätigkeit dieser feineren Leiber hört im Schlafe nicht etwa auf. So wie der physische Leib mit den Dingen und Wesen der physischen Welt in Verbindung steht, wie er von ihnen Wirkungen empfängt und auf sie wirkt, so lebt die Seele in einer höheren Welt. Und dieses Leben dauert während des Schlafes fort. Tatsächlich ist die Seele während des Schlafes in voller Regsamkeit. Nur kann der Mensch von dieser seiner eigenen Tätigkeit so lange nichts wissen, als er nicht geistige Wahrnehmungsorgane hat, durch welche er während des Schlafes ebensogut beobachten kann, was um ihn herum vorgeht und was er selber treibt, wie er das mit seinen gewöhnlichen Sinnen im Tagesleben für seine physische Umgebung kann. Die Geheimschulung besteht (wie in den vorhergehenden Kapiteln gezeigt worden ist) in der Ausbildung solcher geistigen Sinneswerkzeuge.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verwandelt sich nun durch die Geheimschulung das Schlafleben des Menschen in dem Sinne, wie es im vorigen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|181}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kapitel beschrieben worden ist, so kann er alles, was in diesem Zustande um ihn herum vorgeht, bewußt verfolgen; er kann sich willkürlich in seiner Umgebung zurechtfinden, wie das mit seinen Erlebnissen während des wachen Alltagsiebens durch die gewöhnlichen Sinne der Fall ist. Dabei ist allerdings zu beachten, daß die Wahrnehmung der gewöhnlichen sinnlichen Umgebung schon einen höheren Grad des Hellsehens voraussetzt. (Es ist darauf schon im vorigen Kapitel hingedeutet worden.) Im Beginn der Entwickelung nimmt der Geheimschüler nur Dinge wahr, die einer anderen Welt angehören, ohne deren Zusammenhang mit den Gegenständen seiner alltäglichen sinnlichen Umgebung bemerken zu können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was an so charakteristischen Beispielen des Traum- und Schlaflebens anschaulich wird, findet fortwährend beim Menschen statt. Die Seele lebt ohne Unterbrechung in höheren Welten und ist innerhalb der letzteren tätig. Sie schöpft aus diesen höheren Welten heraus die Anregungen, durch welche sie immerwährend auf den physischen Leib wirkt. Nur bleibt für den Menschen dieses sein höheres Leben unbewußt. Der Geheimschüler aber bringt es zum Bewußtsein. Dadurch wird sein Leben überhaupt ein anderes. Solange die Seele nicht im höheren Sinne sehend ist, wird sie von übergeordneten Weltwesen geführt. Und wie das Leben eines Blinden, der durch Operation sehend geworden ist, ein anderes wird, als es vorher war, da er sich auf seine Führerschaft verlassen mußte, so ändert sich das Leben des Menschen durch die Geheimschulung. Er wird der Führerschaft entwachsen und muß fortan seine Leitung selbst übernehmen. Sobald dies eintritt, ist er, wie begreiflich, Irrtümern unterworfen, von&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|182}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
denen das gewöhnliche Bewußtsein nichts ahnt. Er handelt jetzt aus einer Welt heraus, aus der ihn früher höhere Gewalten, ihm selbst unbewußt, beeinflußten. Diese höheren Gewalten sind durch die allgemeine Weltharmonie geordnet. Aus dieser Weltharmonie tritt der Geheimschüler heraus. Er hat nunmehr selbst Dinge zu tun, die vorher für ihn ohne sein Zutun vollzogen worden sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weil dies letztere der Fall ist, deshalb wird in den Schriften, die von solchen Dingen handeln, viel von den Gefahren gesprochen, welche mit dem Aufstieg in die höheren Welten verbunden sind. Die Schilderungen, die da zuweilen von solchen Gefahren gemacht werden, sind wohl geeignet, ängstliche Gemüter nur mit Schaudern auf dieses höhere Leben blicken zu lassen. Doch muß gesagt werden, daß diese Gefahren nur dann vorhanden sind, wenn die notwendigen Vorsichtsmaßregeln außer acht gelassen werden. Wenn dagegen wirklich alles beachtet wird, was wahre Geheimschulung als Ratschläge an die Hand gibt, dann erfolgt der Aufstieg zwar durch Erlebnisse hindurch, die an Gewalt und Größe alles überragen, was die kühnste Phantasie des Sinnesmenschen sich ausmalen kann; aber von einer Beeinträchtigung der Gesundheit oder des Lebens kann nicht die Rede sein. Der Mensch lernt grausige, das Leben an allen Ecken und Enden bedrohende Gewalten kennen. Es wird ihm möglich, sich selbst gewisser Kräfte und Wesen zu bedienen, welche der sinnlichen Wahrnehmung entzogen sind. Und die Versuchung ist groß, sich dieser Kräfte im Dienste eines eigenen unerlaubten Interesses zu bemächtigen oder aus mangelnder Erkenntnis der höheren Welten in irrtümlicher Weise solche Kräfte zu verwenden. Einige von solchen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|183}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
besonders bedeutsamen Erlebnissen (zum Beispiel die Begegnung mit dem «Hüter der Schwelle») sollen noch in diesen Aufsätzen geschildert werden. Aber man muß doch bedenken, daß die lebenfeindlichen Mächte auch dann vorhanden sind, wenn man sie nicht kennt. Wahr ist allerdings, daß dann deren Verhältnis zum Menschen von höheren Kräften bestimmt wird und daß dieses Verhältnis sich auch ändert, wenn der Mensch mit Bewußtsein in diese ihm vorher verborgene Welt eintritt. Aber es wird dafür auch sein eigenes Dasein gesteigert, sein Lebenskreis um ein ungeheures Feld bereichert. Eine wirkliche Gefahr liegt nur dann vor, wenn der Geheimschüler durch Ungeduld oder Unbescheidenheit sich gegenüber den Erfahrungen der höheren Welt zu früh eine gewisse Selbständigkeit beimißt, wenn er nicht abwarten kann, bis ihm die zureichende Einsicht in die übersinnlichen Gesetze wirklich zuteil wird. Auf diesem Gebiete sind eben Demut und Bescheidenheit noch viel weniger leere Worte als im gewöhnlichen Leben. Sind diese aber dem Schüler im allerbesten Sinne eigen, so kann er sicher sein, daß sich sein Aufstieg ins höhere Leben gefahrlos für alles das vollzieht, was man gewöhnlich Gesundheit und Leben nennt. Vor allen Dingen darf keine Disharmonie aufkommen zwischen den höheren Erlebnissen und den Vorgängen und Anforderungen des alltäglichen Lebens. Des Menschen Aufgabe ist durchaus auf dieser Erde zu suchen. Und wer den Aufgaben auf dieser Erde sich entziehen und in eine andere Welt flüchten will, der mag sicher sein, daß er sein Ziel nicht erreicht Aber was die Sinne wahrnehmen, ist nur ein Teil der Welt und im Geistigen liegen die Wesenheiten, welche sich in den Tatsachen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|184}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der sinnlichen Welt ausdrücken. Man soll teilhaftig werden des Geistes, damit man seine Offenbarungen in die Sinneswelt hineintragen kann. Der Mensch gestaltet die Erde um, indem er ihr einpflanzt, was er von dem Geisterlande her erkundet. Darinnen liegt seine Aufgabe. Nur weil die sinnliche Erde von der geistigen Welt abhängt, weil man wahrhaftig auf der Erde nur wirken kann, wenn man Teilhaber an jenen Welten ist, in denen die schaffenden Kräfte verborgen sind, deshalb soll man zu diesen letzteren aufsteigen wollen. Tritt man mit dieser Gesinnung an die Geheimschulung heran und weicht man keinen Augenblick von der dadurch vorgezeichneten Richtung ab, dann hat man nicht die allergeringsten Gefahren zu befürchten. Niemand sollte sich von den in Aussicht stehenden Gefahren von der Geheimschulung abhalten lassen; für einen jeden aber sollte diese Aussicht eine strenge Aufforderung sein, sich durchaus jene Eigenschaften anzueignen, welche der wahre Geheimschüler haben soll.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach diesen Voraussetzungen, die wohl alles Schreckhafte beseitigen, soll nun hier an die Schilderung einiger sogenannter «Gefahren» geschritten werden. Große Veränderungen gehen allerdings mit den obengenannten feineren Leibern beim Geheimschüler vor sich. Solche Veränderungen hängen mit gewissen Entwickelungsvorgängen der drei Grundkräfte der Seele, mit Wollen, Fühlen und Denken zusammen. Diese drei Kräfte stehen vor der Geheimschulung des Menschen in einer ganz bestimmten, durch höhere Weltgesetze geregelten Verbindung. Nicht in beliebiger Weise will, fühlt oder denkt der Mensch. Wenn zum Beispiel eine bestimmte Vorstellung im Bewußtsein auftaucht, so schließt sich an sie nach&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|185}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
natürlichen Gesetzen ein gewisses Gefühl oder es folgt auf sie ein gesetzmäßig mit ihr zusammenhängender Willensentschluß. Man betritt ein Zimmer, findet es dumpfig und öffnet die Fenster. Man hört seinen Namen rufen und folgt dem Rufe. Man wird gefragt und gibt Antwort. Man sieht ein übelriechendes Ding und bekommt ein Gefühl von Unlust. Das sind einfache Zusammenhänge zwischen Denken, Fühlen und Wollen. Wenn man aber das menschliche Leben überschaut, so wird man finden, daß sich alles in diesem Leben auf solche Zusammenhänge aufbaut. Ja, man bezeichnet das Leben eines Menschen nur dann als ein «normales», wenn man in demselben eine solche Verbindung von Denken, Fühlen und Wollen bemerkt, die in den Gesetzen der menschlichen Natur begründet liegt. Man fände es diesen Gesetzen widersprechend, wenn ein Mensch zum Beispiel beim Anblick eines übelriechenden Gegenstandes ein Lustgefühl empfände oder wenn er auf Fragen nicht antwortete. Die Erfolge, die man sich von einer richtigen Erziehung oder einem angemessenen Unterricht verspricht, beruhen darauf, daß man voraussetzt, man könne eine der menschlichen Natur entsprechende Verbindung zwischen Denken, Fühlen und Wollen beim Zögling herstellen. Wenn man diesem gewisse Vorstellungen beibringt, so tut man es in der Annahme, daß sie später mit seinen Gefühlen und Willensentschlüssen in gesetzmäßige Verbindungen eingehen. Alles das rührt davon her, daß in den feineren Seelenleibern des Menschen die Mittelpunkte der drei Kräfte, des Denkens, Fühlens und Wollens, in einer gesetzmäßigen Art miteinander verbunden sind. Und diese Verbindung in dem feineren Seelenorganismus hat auch ihr Abbild in dem groben&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|186}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
physischen Körper. Auch in diesem stehen die Organe des Wollens in einer gewissen gesetzmäßigen Verbindung mit denen des Denkens und Fühlens. Ein bestimmter Gedanke ruft regelmäßig daher ein Gefühl oder eine Willenstätigkeit hervor. Bei der höheren Entwickelung des Menschen werden nun die Fäden, welche die drei Grundkräfte miteinander verbinden, unterbrochen. Zuerst geschieht diese Unterbrechung nur in dem charakterisierten feineren Seelenorganismus; bei noch höherem Aufstieg aber erstreckt sich die Trennung auch auf den physischen Körper. (Es zerfällt bei der höheren geistigen Entwickelung des Menschen tatsächlich zum Beispiel sein Gehirn in drei voneinander getrennte Glieder. Die Trennung ist allerdings eine solche, daß sie für die gewöhnliche sinnliche Anschauung nicht wahrnehmbar und auch durch die schärfsten sinnlichen Instrumente nicht nachweisbar ist. Aber sie tritt ein, und der Hellseher hat Mittel, sie zu beobachten. Das Gehirn des höheren Hellsehers zerfällt in drei selbständig wirkende Wesenheiten: das Denk-, Fühl- und Willensgehirn.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Organe des Denkens, Fühlens und Wollens stehen sodann ganz frei für sich da. Und ihre Verbindung wird nunmehr durch keine ihnen selbst eingepflanzten Gesetze hergestellt, sondern muß durch das erwachte höhere Bewußtsein des Menschen selbst besorgt werden. Das ist nämlich die Veränderung, welche der Geheimschüler an sich bemerkt, daß kein Zusammenhang zwischen einer Vorstellung und einem Gefühl oder einem Gefühl und einem Willensentschluß und so weiter sich einstellt, wenn er nicht selbst einen solchen schafft. Kein Antrieb führt ihn von einem Gedanken zu einer Handlung, wenn er&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|187}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
diesen Antrieb nicht frei in sich bewirkt. Er kann nunmehr völlig gefühllos vor einer Tatsache stehen, die ihm vor seiner Schulung glühende Liebe oder ärgsten Haß eingeflößt hat; er kann untätig bleiben bei einem Gedanken, der ihn vorher zu einer Handlung wie von selbst begeistert hat. Und er kann Taten verrichten aus Willensentschlüssen heraus, für welche bei einem nicht durch die Geheimschulung hindurchgegangenen Menschen auch nicht die geringste Veranlassung vorliegt. Die große Errungenschaft, welche dem Geheimschüler zuteil wird, ist, daß er die vollkommene Herrschaft erlangt über das Zusammenwirken der drei Seelenkräfte; aber dieses Zusammenwirken wird dafür auch vollständig in seine eigene Verantwortlichkeit gestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst durch diese Umwandlung seines Wesens kann der Mensch in bewußte Verbindung treten mit gewissen übersinnlichen Kräften und Wesenheiten. Denn es haben seine eigenen Seelenkräfte zu gewissen Grundkräften der Welt entsprechende Verwandtschaft. Die Kraft zum Beispiel, die im Willen liegt, kann auf bestimmte Dinge und Wesenheiten der höheren Welt wirken und diese auch wahrnehmen. Aber sie kann das erst dann, wenn sie frei geworden ist von ihrer Verbindung mit dem Fühlen und Denken innerhalb der Seele. Sobald diese Verbindung gelöst ist, tritt die Wirkung des Willens nach außen hervor. Und so ist es auch mit den Kräften des Denkens und Fühlens. Wenn mir ein Mensch ein Haßgefühl zusendet, so ist dieses für den Hellseher sichtbar als eine feine Licht-Wolke von bestimmter Färbung. Und ein solcher Hellseher kann dieses Haßgefühl abwehren, wie der Sinnes-Mensch einen physischen Schlag abwehrt, der gegen ihn&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|188}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
geführt wird. Der Haß wird in der übersinnlichen Welt eine anschaubare Erscheinung. Aber nur dadurch kann ihn der Hellseher wahrnehmen, daß er die Kraft, die in seinem Gefühle liegt, nach außen zu senden vermag, wie der Sinnesmensch die Empfänglichkeit seines Auges nach außen richtet. Und so wie mit dem Haß ist es mit weit bedeutungsvolleren Tatsachen der sinnlichen Welt. Der Mensch kann mit ihnen in bewußten Verkehr treten durch die Freilegung der Grundkräfte seiner Seele.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch die geschilderte Trennung der Kräfte des Denkens, Fühlens und Wollens ist nun, bei Außerachtlassung der geheimwissenschaftlichen Vorschriften, eine dreifache Verirrung auf dem Entwickelungsgange des Menschen möglich. Eine solche kann eintreten, wenn die Verbindungsbahnen zerstört werden, bevor das höhere Bewußtsein mit seiner Erkenntnis so weit ist, daß es die Zügel, die ein freies harmonisches Zusammenwirken der getrennten Kräfte herstellen, ordentlich zu führen vermag. Denn in der Regel sind nicht alle drei Grundkräfte des Menschen in einem bestimmten Lebensabschnitt gleich weit in ihrer Entwickelung vorgeschritten. Bei dem einen Menschen ist das Denken dem Fühlen und Wollen vorangeschritten, bei einem zweiten hat eine andere Kraft die Oberhand über ihre Genossen. Solange nun der durch die höheren Weltgesetze hergestellte Zusammenhang der Kräfte aufrechterhalten bleibt, kann durch das Hervorstechen der einen oder der anderen keine im höheren Sinne störende Unregelmäßigkeit eintreten. Beim Willensmenschen zum Beispiel wirken Denken und Gefühl durch jene Gesetze doch ausgleichend, und sie verhindern, daß der überwiegende Wille in besondere Ausartungen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|189}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
verfällt. Tritt ein solcher Willensmensch aber in die Geheimschulung ein, so hört der gesetzmäßige Einfluß von Gefühl und Gedanke auf den zu ungeheuren Kraftleistungen unausgesetzt drängenden Willen vollständig auf. Ist dann der Mensch in der vollkommenen Beherrschung des höheren Bewußtseins nicht so weit, daß er selbst die Harmonie hervorrufen kann, so geht der Wille seine eigenen zügellosen Wege. Er überwältigt fortwährend seinen Träger. Gefühl und Denken fallen einer vollkommenen Machtlosigkeit anheim; der Mensch wird durch die ihn sklavisch beherrschende Willensmacht gepeitscht. Eine Gewaltnatur, die von einer zügellosen Handlung zur anderen schreitet, ist entstanden. Ein zweiter Abweg entsteht, wenn das Gefühl in einer maßlosen Art sich von den gesetzmäßigen Zügeln befreit. Eine zur Verehrung anderer Menschen neigende Person kann sich dann in grenzenlose Abhängigkeit bis zum Verluste jedes eigenen Willens und Gedankens begeben. Statt höherer Erkenntnis ist dann die erbarmungswürdigste Aushöhlung und Kraftlosigkeit das Los einer solchen Persönlichkeit. Oder es kann bei solch überwiegendem Gefühlsleben eine zu Frömmigkeit und religiöser Erhebung neigende Natur in eine sie ganz hinreißende Religionsschwelgerei verfallen. Das dritte Übel bildet sich, wenn das Denken überwiegt. Dann tritt eine lebensfeindliche, in sich verschlossene Beschaulichkeit auf. Für solche Menschen scheint dann die Welt nur mehr insoweit Bedeutung zu haben, als sie ihnen Gegenstände liefert zur Befriedigung ihrer ins Grenzenlose gesteigerten Weisheitsgier. Sie werden durch keinen Gedanken zu einer Handlung oder einem Gefühl angeregt. Sie treten überall als teilnahmslose, kalte Naturen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|190}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
auf. Jede Berührung mit Dingen der alltäglichen Wirklichkeit fliehen sie wie etwas, das ihnen Ekel erregt oder das wenigstens für sie alle Bedeutung verloren hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das sind die drei Irrpfade, auf welche der Geheimschüler geraten kann: das Gewaltmenschentum, die Gefühlsschwelgerei, das kalte, lieblose Weisheitsstreben. Für eine äußerliche Betrachtungsweise auch für die materialistische der Schulmedizin unterscheidet sich das Bild eines solchen auf Abwegen befindlichen Menschen, vor allen Dingen dem Grade nach, nicht viel von demjenigen eines Irrsinnigen oder wenigstens einer schwer «nervenkranken Person». Ihnen darf natürlich der Geheimschüler nicht gleichen. Es kommt bei ihm darauf an, daß Denken, Fühlen, Wollen, die drei Grundkräfte der Seele, eine harmonische Entwickelung durchgemacht haben, bevor sie aus der ihnen eingepflanzten Verbindung gelöst und dem erwachten höheren Bewußtsein unterstellt werden können. Denn ist einmal der Fehler geschehen, ist eine Grundkraft der Zügellosigkeit anheimgefallen, so tritt die höhere Seele zunächst als eine Fehlgeburt zutage. Die ungebändigte Kraft füllt dann die ganze Persönlichkeit des Menschen aus; und für lange ist nicht daran zu denken, daß alles wieder ins Gleichgewicht kommt. Was als eine harmlose Charakterveranlagung erscheint, solange der Mensch ohne Geheimschulung ist, nämlich ob er eine Willens-, Gefühls- oder Denkernatur ist, das steigert sich beim Geheimschüler so, daß sich das zum Leben notwendige Allgemeinmenschliche demgegenüber ganz verliert. Zu einer wirklich ernsten Gefahr wird das allerdings erst in dem Augenblicke, in welchem der Schüler die Fähigkeit erlangt, Erlebnisse wie im Schlafbewußtsein&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|191}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
so auch im wachen Zustande vor sich zu haben. Solange es bei der bloßen Erhellung der Schlafpausen verbleibt, wirkt während des Wachzustandes das von den allgemeinen Weltgesetzen geregelte Sinnesleben immer wieder ausgleichend auf das gestörte Gleichgewicht der Seele zurück. Deshalb ist es so notwendig, daß das Wachleben des Geheimschülers in jeder Richtung ein regelmäßiges, gesundes sei. Je mehr er den Anforderungen entspricht, welche die äußere Welt an eine gesunde, kräftige Gestaltung von Leib, Seele und Geist stellt, desto besser ist es für ihn. Schlimm dagegen kann es für ihn werden, wenn das alltägliche Wachleben aufregend oder aufreibend auf ihn wirkt, wenn also zu den größeren Veränderungen, die in seinem Innern vorgehen, irgendwelche zerstörende oder hemmende Einflüsse des äußeren Lebens hinzutreten. Er soll alles aufsuchen, was seinen Kräften entsprechend ist und was ihn in ein ungestörtes, harmonisches Zusammenleben mit seiner Umgebung hineinbringt. Und er soll alles vermeiden, was dieser Harmonie Eintrag tut, was Unruhe und Hast in sein Leben bringt. Dabei kommt es weniger darauf an, diese Unruhe und Hast sich in einem äußerlichen Sinne abzuwälzen, als vielmehr darauf, zu sorgen, daß die Stimmung, die Absichten und Gedanken und die Gesundheit des Leibes darunter nicht fortwährenden Schwankungen ausgesetzt werden. All das fällt dem Menschen während seiner Geheimschulung nicht so leicht wie vorher. Denn die höheren Erlebnisse, die nunmehr in sein Leben hineinspielen, wirken ununterbrochen auf sein ganzes Dasein. Ist innerhalb dieser höheren Erlebnisse etwas nicht in Ordnung, so lauert die Unregelmäßigkeit unausgesetzt und kann ihn bei jeder Gelegenheit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|192}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
aus den geordneten Bahnen herauswerfen. Deshalb darf der Geheimschüler nichts unterlassen, was ihm stets die Herrschaft über sein ganzes Wesen sichert. Nie sollte ihm Geistesgegenwart oder ein ruhiges Überblicken aller in Betracht kommenden Situationen des Lebens mangeln. Aber eine echte Geheimschulung erzeugt im Grunde alle diese Eigenschaften durch sich selbst. Und man lernt während einer solchen die Gefahren nur kennen, indem man zugleich in den richtigen Augenblicken die volle Macht erlangt, sie aus dem Felde zu schlagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|193}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= DER HÜTER DER SCHWELLE =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wichtige Erlebnisse beim Erheben in die höheren Welten sind die Begegnungen mit dem «Hüter der Schwelle». Es gibt nicht nur einen, sondern im wesentlichen zwei, einen «kleineren» und einen «größeren» «Hüter der Schwelle». Dem ersteren begegnet der Mensch dann, wenn sich die Verbindungsfäden zwischen Willen, Denken und Fühlen innerhalb der feineren Leiber (des Astral- und Ätherleibes) so zu lösen beginnen, wie das im vorigen Kapitel gekennzeichnet worden ist. Dem «größeren Hüter der Schwelle» tritt der Mensch gegenüber, wenn sich die Auflösung der Verbindungen auch auf die physischen Teile des Leibes (namentlich zunächst das Gehirn) erstreckt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der «kleinere Hüter der Schwelle» ist ein selbständiges Wesen. Dieses ist für den Menschen nicht vorhanden, bevor die entsprechende Entwickelungsstufe von ihm erreicht ist. Nur einige der wesentlichsten Eigentümlichkeiten desselben können hier verzeichnet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es soll zunächst versucht werden, in erzählender Form die Begegnung des Geheimschülers mit dem Hüter der Schwelle darzustellen. Erst durch diese Begegnung wird der Schüler gewahr, daß Denken, Fühlen und Wollen bei ihm sich aus ihrer ihnen eingepflanzten Verbindung gelöst haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein allerdings schreckliches, gespenstisches Wesen steht vor dem Schüler. Dieser hat alle Geistesgegenwart und alles Vertrauen in die Sicherheit seines Erkenntnisweges notwendig, die er sich während seiner bisherigen Geheimschülerschaft aber hinlänglich aneignen konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|194}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der «Hüter» gibt seine Bedeutung etwa in folgenden Worten kund: «Über dir walteten bisher Mächte, welche dir unsichtbar waren. Sie bewirkten, daß während deiner bisherigen Lebensläufe jede deiner guten Taten ihren Lohn und jede deiner üblen Handlungen ihre schlimmen Folgen hatten. Durch ihren Einfluß baute sich dein Charakter aus deinen Lebenserfahrungen und aus deinen Gedanken auf. Sie verursachten dein Schicksal. Sie bestimmten das Maß von Lust und Schmerz, das dir in einer deiner Verkörperungen zugemessen war, nach deinem Verhalten in früheren Verkörperungen. Sie herrschten über dir in Form des allumfassenden Karmagesetzes. Diese Mächte werden nun einen Teil ihrer Zügel von dir loslösen. Und etwas von der Arbeit, die sie an dir getan haben, mußt du nun selbst tun. Dich traf bisher mancher schwere Schicksalsschlag. Du wußtest nicht warum? Es war die Folge einer schädlichen Tat in einem deiner vorhergehenden Lebensläufe. Du fandest Glück und Freude und nahmest sie hin. Auch sie waren die Wirkung früherer Taten. Du hast in deinem Charakter manche schöne Seiten, manche häßliche Flecken. Du hast beides selbst verursacht durch vorhergehende Erlebnisse und Gedanken. Du hast bisher die letzteren nicht gekannt; nur die Wirkungen waren dir offenbar. Sie aber, die karmischen Mächte, sahen alle deine vormaligen Lebenstaten, deine verborgensten Gedanken und Gefühle. Und sie haben danach bestimmt, wie du jetzt bist und wie du jetzt lebst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun aber sollen dir selbst offenbar werden alle die guten und alle die schlimmen Seiten deiner vergangenen Lebensläufe. Sie waren bis jetzt in deine eigene Wesenheit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|195}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
hineinverwoben, sie waren in dir, und du konntest sie nicht sehen, wie du physisch dein eigenes Gehirn nicht sehen kannst. Jetzt aber lösen sie sich von dir los, sie treten aus deiner Persönlichkeit heraus. Sie nehmen eine selbständige Gestalt an, die du sehen kannst, wie du die Steine und Pflanzen der Außenwelt siehst. Und ich bin es selbst, die Wesenheit, die sich einen Leib gebildet hat aus deinen edlen und deinen üblen Verrichtungen. Meine gespenstige Gestalt ist aus dem Kontobuche deines eigenen Lebens gewoben. Unsichtbar hast du mich bisher in dir selbst getragen. Aber es war wohltätig für dich, daß es so war. Denn die Weisheit deines dir verborgenen Geschickes hat deshalb auch bisher an der Auslöschung der häßlichen Flecken in meiner Gestalt in dir gearbeitet. Jetzt, da ich aus dir herausgetreten bin, ist auch diese verborgene Weisheit von dir gewichen. Sie wird sich fernerhin nicht mehr um dich kümmern. Sie wird die Arbeit dann nur in deine eigenen Hände legen. Ich muß zu einer in sich vollkommenen, herrlichen Wesenheit werden, wenn ich nicht dem Verderben anheimfallen soll. Und geschähe das letztere, so würde ich auch dich selbst mit mir hinabziehen in eine dunkle, verderbte Welt. Deine eigene Weisheit muß nun, wenn das letztere verhindert werden soll, so groß sein, daß sie die Aufgabe jener von dir gewichenen verborgenen Weisheit übernehmen kann. Ich werde, wenn du meine Schwelle überschritten hast, keinen Augenblick mehr als dir sichtbare Gestalt von deiner Seite weichen. Und wenn du fortan Unrichtiges tust oder denkst, so wirst du sogleich deine Schuld als eine häßliche, dämonische Verzerrung an dieser meiner Gestalt wahrnehmen. Erst wenn du all dein&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|196}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
vergangenes Unrichtiges gutgemacht und dich so geläutert hast, daß dir weiter Übles ganz unmöglich ist, dann wird sich mein Wesen in leuchtende Schönheit verwandelt haben. Und dann werde ich mich zum Heile deiner ferneren Wirksamkeit wieder mit dir zu einem Wesen vereinigen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Meine Schwelle aber ist gezimmert aus einem jeglichen Furchtgefühl, das noch in dir ist, und aus einer jeglichen Scheu vor der Kraft, die volle Verantwortung für all dein Tun und Denken selbst zu übernehmen. Solange du noch irgendeine Furcht vor der selbsteigenen Lenkung deines Geschickes hast, so lange ist in diese Schwelle nicht alles hineingebaut, was sie erhalten muß. Und solange ihr ein einziger Baustein noch fehlt, so lange müßtest du wie gebannt an dieser Schwelle stehenbleiben oder stolpern. Versuche nicht früher diese Schwelle zu überschreiten, bis du ganz frei von Furcht und bereit zu höchster Verantwortlichkeit dich fühlst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bisher trat ich nur aus deiner eigenen Persönlichkeit heraus, wenn der Tod dich von einem irdischen Lebenslauf abberief. Aber auch da war meine Gestalt dir verschleiert. Nur die Schicksalsmächte, welche über dir walteten, sahen mich und konnten, nach meinem Aussehen, in den Zwischenpausen zwischen dem Tode und einer neuen Geburt, dir Kraft und Fähigkeit ausbilden, damit du in einem neuen Erdenleben an der Verschönerung meiner Gestalt zum Heile deines Fortkommens arbeiten konntest. Ich selbst war es auch, dessen Unvollkommenheit die Schicksalsmächte immer wieder dazu zwang, dich in eine neue Verkörperung auf die Erde zurückzuführen. Starbest du, so war ich da; und meinetwegen bestimmten die Lenker&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|197}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
des Karma deine Wiedergeburt. Erst wenn du durch immer wieder erneuerte Leben in dieser Art mich unbewußt ganz zur Vollkommenheit umgeschaffen gehabt hättest, wärest du nicht den Todesmächten verfallen, sondern du hättest dich ganz mit mir vereint und wärest in Einheit mit mir in die Unsterblichkeit hinübergegangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So stehe ich heute sichtbar vor dir, wie ich stets unsichtbar neben dir in der Sterbestunde gestanden habe. Wenn du meine Schwelle überschritten haben wirst, so betrittst du die Reiche, die du sonst nach dem physischen Tode betreten hast. Du betrittst sie mit vollem Wissen und wirst fortan, indem du äußerlich sichtbar auf Erden wandelst, zugleich im Reiche des Todes, das ist aber im Reiche des ewigen Lebens, wandeln. Ich bin wirklich auch der Todesengel; aber ich, ich bin zugleich der Bringer eines nie versiegenden höheren Lebens. Beim lebendigen Leibe wirst du durch mich sterben, um die Wiedergeburt zum unzerstörbaren Dasein zu erleben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Reich, das du nunmehr betrittst, wird dich bekannt machen mit Wesen übersinnlicher Art. Die Seligkeit wird dein Anteil in diesem Reiche sein. Aber die erste Bekanntschaft mit dieser Welt muß ich selbst sein, ich, der ich dein eigenes Geschöpf bin. Früher lebte ich von deinem eigenen Leben; aber jetzt bin ich durch dich zu einem eigenen Dasein erwacht und stehe vor dir als sichtbares Richtmaß deiner künftigen Taten, vielleicht auch als dein immerwährender Vorwurf. Du konntest mich schaffen; aber du hast damit auch zugleich die Pflicht übernommen, mich umzuschaffen.»&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was hier, in eine Erzählung gekleidet, angedeutet ist, hat man sich nicht etwa als etwas Sinnbildliches vorzustellen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|198}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sondern als ein im höchsten Grade wirkliches Erlebnis des Geheimschülers.*&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Hüter soll ihn warnen, ja nicht weiter zu gehen, wenn er nicht die Kraft in sich fühlt, den Forderungen zu entsprechen, die in der obigen Anrede enthalten sind. So schrecklich die Gestalt dieses Hüters auch ist, sie ist doch nur die Wirkung des eigenen vergangenen Lebens des Schülers, ist nur sein eigener Charakter, zu selbständigem Lehen außer ihm erweckt. Und diese Erweckung geschieht durch die Auseinanderlösung von Wille, Denken und Gefühl. Schon das ist ein Erlebnis von tief bedeutungsvoller Art, daß man zum ersten Male fühlt, man habe einem geistigen Wesen selbst den Ursprung gegeben. Es muß nun die Vorbereitung des Geheimschülers dahin zielen, daß er ohne eine jegliche Scheu den schrecklichen Anblick aushält und daß er im Augenblicke der Begegnung seine Kraft wirklich so gewachsen fühlt, daß er es auf sich nehmen kann, die Verschönung des «Hüters» mit vollem Wissen auf sich zu laden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- - -&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;#&amp;lt;/nowiki&amp;gt;FN010-198-* Es ist aus obigem klar, daß der geschilderte «Hüter der Schwelle» eine solche (astrale) Gestalt ist, welche dem erwachenden höheren Schauen des Geheimschülers sich offenbart. Und zu dieser übersinnlichen Begegnung führt die Geheimwissenschaft. Es ist eine Verrichtung niederer Magie, den «Hüter der Schwelle» auch sinnlich sichtbar zu machen. Dabei handelte es sich um die Herstellung einer Wolke feinen Stoffes, eines Räucherwerkes, das aus einer Reibe von Stoffen in bestimmter Mischung hergestellt wird. Die entwickelte Kraft des Magiers ist dann imstande, gestaltend auf das Räucherwerk zu wirken und dessen Substanz mit dem noch unausgeglichenen Karma des Menschen zu beleben. Wer genügend vorbereitet für das höhere Schauen ist, braucht dergleichen sinnliche Anschauung nicht mehr; und wem sein noch unausgeglichenes Karma ohne genügende Vorbereitung als sinnlich lebendiges Wesen vor Augen träte, der liefe Gefahr, in schlimme Abwege zu geraten. Er sollte nicht danach streben. In Bulwers «Zanoni» wird romanhaft eine Darstellung dieses «Hüters der Schwelle» gegeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|199}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Folge der glücklich überstandenen Begegnung mit dem «Hüter der Schwelle» ist, daß der nächste physische Tod dann für den Geheimschüler ein ganz anderes Ereignis ist, als vorher die Tode waren. Er erlebt bewußt das Sterben, indem er den physischen Körper ablegt, wie man ein Kleid ablegt, das abgenutzt oder vielleicht auch durch einen plötzlichen Riß unbrauchbar geworden ist. Dieser sein physischer Tod ist dann sozusagen eine erhebliche Tatsache nur für die anderen, welche mit ihm leben und die mit ihren Wahrnehmungen noch ganz auf die Sinnenwelt beschrankt sind. Für sie «stirbt» der Geheimschüler. Für ihn ändert sich nichts von Bedeutung in seiner ganzen Umgebung. Die ganze übersinnliche Welt, in die er eingetreten ist, stand vor dem Tode schon in entsprechender Art vor ihm, und dieselbe Welt wird auch nach dem Tode vor ihm stehen. Nun hängt der «Hüter der Schwelle» aber noch mit anderem zusammen. Der Mensch gehört einer Familie, einem Volke, einer Rasse an; sein Wirken in dieser Welt hängt von seiner Zugehörigkeit zu einer solchen Gesamtheit ab. Auch sein besonderer Charakter steht damit im Zusammenhange. Und das bewußte Wirken der einzelnen Menschen ist keineswegs alles, womit man bei einer Familie, einem Stamme, Volke, einer Rasse zu rechnen hat. Es gibt ein Familien-, Volks- (und so weiter) Schicksal, wie es einen Familien-, Rassen- (und so weiter) Charakter gibt. Für den Menschen, der auf seine Sinne beschränkt ist, bleiben diese Dinge allgemeine Begriffe, und der materialistische Denker in seinem Vorurteil wird verächtlich auf den Geheimwissenschafter herabsehen, wenn er hört, daß für diesen letzteren der Familien- oder der Volkscharakter, das&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|200}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stammes- oder Rassenschicksal ebenso wirklichen Wesen zukommen, wie der Charakter und das Schicksal des einzelnen Menschen einer wirklichen Persönlichkeit zukommen. Der Geheimwissenschafter lernt eben höhere Welten kennen, von denen die einzelnen Persönlichkeiten ebenso Glieder sind, wie Arme, Beine und Kopf Glieder des Menschen sind. Und in dem Leben einer Familie, eines Volkes, einer Rasse wirken außer den einzelnen Menschen auch die ganz wirklichen Familienseelen, Volksseelen, Rassengeister. Ja, in einem gewissen Sinne sind die einzelnen Menschen nur die ausführenden Organe dieser Familienseelen, Rassengeister und so weiter. In voller Wahrheit kann man davon sprechen, daß sich zum Beispiel eine Volksseele des einzelnen zu ihrem Volke gehörigen Menschen bedient, um gewisse Arbeiten auszuführen. Die Volksseele steigt nicht bis zur sinnlichen Wirklichkeit herab. Sie wandelt in höheren Welten. Und um in der physisch-sinnlichen Welt zu wirken, bedient sie sich der physischen Organe des einzelnen Menschen. Es ist in einem höheren Sinne gerade so, wie wenn sich ein Bautechniker zur Ausführung der Einzelheiten des Baues der Arbeiter bedient. Jeder Mensch erhält im wahrsten Sinne des Wortes seine Arbeit von der Familien-, Volks- oder Rassenseele zugeteilt nun wird der Sinnesmensch jedoch keineswegs in den höheren Plan seiner Arbeit eingeweiht. Er arbeitet unbewußt an den Zielen der Volks-, Rassenseelen und so weiter mit. Von dem Zeitpunkte an, wo der Geheimschüler dem Hüter der Schwelle begegnet, hat er nicht bloß seine eigenen Aufgaben als Persönlichkeit zu kennen, sondern er muß wissentlich mitarbeiten an denen seines Volkes, seiner Rasse. Jede Erweiterung seines&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Gesichtskreises legt ihm unbedingt auch erweiterte Pflichten auf. Der wirkliche Vorgang dabei ist der, daß der Geheimschüler seinem feineren Seelenkörper einen neuen hinzufügt. Er zieht ein Kleid mehr an. Bisher schritt er durch die Welt mit den Hüllen, welche seine Persönlichkeit einkleiden. Und was er für seine Gemeinsamkeit, für sein Volk, seine Rasse und so weiter zu tun hatte, dafür sorgten die höheren Geister, die sich seiner Persönlichkeit bedienten. Eine weitere Enthüllung, die ihm nun der «Hüter der Schwelle» macht, ist die, daß fernerhin diese Geister ihre Hand von ihm abziehen werden. Er muß aus der Gemeinsamkeit ganz heraustreten. Und er würde sich als einzelner vollständig in sich verhärten, er würde dem Verderben entgegengehen, wenn er nun nicht selbst sich die Kräfte erwürbe, welche den Volks- und Rassengeistern eigen sind. Zwar werden viele Menschen sagen: «Oh, ich habe mich ganz frei gemacht von allen Stammes- und Rassenzusammenhängen; ich will nur «Mensch» und «nichts als Mensch» sein.» Ihnen muß man aber sagen: Wer hat dich zu dieser Freiheit gebracht? Hat dich nicht deine Familie so hineingestellt in die Welt, wie du jetzt darinnen stehst? Hat dich nicht dein Stamm, dein Volk, deine Rasse zu dem gemacht, was du bist? Sie haben dich erzogen; und wenn du über alle Vorurteile erhaben, einer der Lichtbringer und Wohltäter deines Stammes oder selbst deiner Rasse bist, du verdankst das ihrer Erziehung. Ja, auch wenn du von dir sagst, du seiest «nichts als Mensch»: selbst daß du so geworden bist, verdankst du den Geistern deiner Gemeinschaften. Erst der Geheimschüler lernt erkennen, was es heißt, ganz verlassen sein von Volks-, Stammes-, Rassengeistern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|202}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst er erfährt an sich selbst die Bedeutungslosigkeit aller solcher Erziehung für das Leben, das ihm nun bevorsteht. Denn alles, was an ihm herangezogen ist, löst sich vollständig auf durch das Zerreißen der Fäden zwischen Wille, Denken und Gefühl. Er blickt auf die Ergebnisse aller bisherigen Erziehung zurück, wie man auf ein Haus blicken müßte, das in seinen einzelnen Ziegelsteinen auseinanderbröckelt und das man nun in neuer Form wieder aufbauen muß. Es ist wieder mehr als ein bloßes Sinnbild, wenn man sagt: Nachdem der «Hüter der Schwelle» über seine ersten Forderungen sich ausgesprochen hat, dann erhebt sich von dem Orte aus, an dem er steht, ein Wirbelwind, der all die geistigen Leuchten zum Verlöschen bringt, die bisher den Lebensweg erhellt haben. Und eine völlige Finsternis breitet sich vor dem Geheimschüler aus. Sie wird nur unterbrochen von dem Schein, den der «Hüter der Schwelle» selbst ausstrahlt. Und aus der Dunkelheit heraus ertönen seine weiteren Ermahnungen: «Überschreite meine Schwelle nicht, bevor du dir klar bist, daß du die Finsternis vor dir selbst durchleuchten wirst; tue auch nicht einen einzigen Schritt vorwärts, wenn es dir nicht zur Gewißheit geworden ist, daß du Brennstoff genug in deiner eigenen Lampe hast. Die Lampen von Führern, welche du bisher hattest, werden dir in der Zukunft fehlen.» Nach diesen Worten hat der Schüler sich umzuwenden und den Blick nach hinten zu wenden. Der «Hüter der Schwelle» zieht nunmehr einen Vorhang hinweg, der bisher tiefe Lebensgeheimnisse verhüllt hat. Die Stammes-, Volks- und Rassengeister werden in ihrer vollen Wirksamkeit offenbar; und der Schüler sieht ebenso genau, wie er bisher geführt worden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|203}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ist, als ihm anderseits klar wird, daß er nunmehr diese Führerschaft nicht mehr haben wird. Dies ist eine zweite Warnung, welche der Mensch an der Schwelle durch ihren Hüter erlebt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unvorbereitet könnte den hier angedeuteten Anblick allerdings niemand ertragen; aber die höhere Schulung, welche dem Menschen überhaupt möglich macht, bis zur Schwelle vorzudringen, setzt ihn zugleich in die Lage, im entsprechenden Augenblicke die notwendige Kraft zu finden. Ja, diese Schulung kann eine so harmonische sein, daß dem Eintritt in das neue Leben jeder erregende oder tumultuarische Charakter genommen wird. Dann wird für den Geheimschüler das Erlebnis an der Schwelle von einem Vorgefühl jener Seligkeit begleitet sein, welche den Grundton seines neu erwachten Lebens bilden wird. Die Empfindung der neuen Freiheit wird alle anderen Gefühle überwiegen; und mit dieser Empfindung werden ihm die neuen Pflichten und die neue Verantwortung wie etwas erscheinen, das der Mensch auf einer Stufe des Lebens übernehmen muß.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|204}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= LEBEN UND TOD. DER GROSSE HÜTER DER SCHWELLE =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist geschildert worden, wie bedeutsam für den Menschen die Begegnung mit dem sogenannten kleineren Hüter der «Schwelle» dadurch ist, daß er in diesem ein übersinnliches Wesen gewahr wird, das er gewissermaßen selbst hervorgebracht hat. Der Leib dieses Wesens ist zusammengesetzt aus den ihm vorher unsichtbaren Folgen seiner eigenen Handlungen, Gefühle und Gedanken. Aber diese unsichtbaren Kräfte sind die Ursachen geworden seines Schicksals und seines Charakters. Es wird nunmehr dem Menschen klar, wie er in der Vergangenheit selbst die Grundlagen für seine Gegenwart gelegt hat. Sein Wesen steht dadurch bis zu einem gewissen Grade offenbar vor ihm. Es sind zum Beispiel bestimmte Neigungen und Gewohnheiten in ihm. Jetzt kann er sich klarmachen, warum er diese hat. Gewisse Schicksalsschläge haben ihn getroffen; nun erkennt er, woher diese kommen. Er wird gewahr, weshalb er das eine liebt, das andere haßt, warum er durch dies oder jenes glücklich oder unglücklich ist. Das sichtbare Leben wird ihm durch die unsichtbaren Ursachen verständlich. Auch die wesentlichen Lebenstatsachen, Krankheit und Gesundheit, Tod und Geburt, entschleiern sich vor seinen Blicken. Er merkt, daß er vor seiner Geburt die Ursachen gewoben hat, die ihn notwendig wieder ins Leben hereinführen mußten. Er kennt nunmehr die Wesenheit in sich, welche in dieser sichtbaren Welt aufgebaut ist auf eine unvollkommene Art und die auch nur in derselben sichtbaren Welt ihrer Vollkommenheit zugeführt werden kann. Denn&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
in keiner anderen Welt gibt es eine Gelegenheit, an dem Ausbau dieser Wesenheit zu arbeiten. Und ferner sieht er ein, daß der Tod ihn zunächst nicht für immer von dieser Welt trennen kann. Denn er muß sich sagen: «Ich bin dereinst zum ersten Male in diese Welt gekommen, weil ich damals ein solches Wesen war, welches das Leben in dieser Welt brauchte, um sich Eigenschaften zu erwerben, die es sich in keiner anderen Welt hätte erwerben können. Und ich muß so lange mit dieser Welt verbunden sein, bis ich alles in mir entwickelt habe, was in ihr gewonnen werden kann. Ich werde dereinst nur dadurch ein tauglicher Mitarbeiter in einer anderen Welt werden, daß ich mir in der sinnlich sichtbaren alle die Fähigkeiten dazu erwerbe.» Es gehört nämlich zu den wichtigsten Erlebnissen des Eingeweihten, daß er die sinnlich sichtbare Natur in ihrem wahren Werte besser kennen und schätzen lernt, als er dies vor seiner Geistesschulung konnte. Diese Erkenntnis wird ihm gerade durch seinen Einblick in die übersinnliche Welt. Wer einen solchen Einblick nicht getan hat und sich deshalb vielleicht nur der Ahnung hingibt, daß die übersinnlichen Gebiete die unendlich wertvolleren sind, der kann die sinnliche Welt unterschätzen. Wer aber diesen Einblick getan hat, der weiß, daß er ohne die Erlebnisse in der sichtbaren Wirklichkeit ganz ohnmächtig in der unsichtbaren wäre. Soll er in der letzteren leben, so muß er Fähigkeiten und Werkzeuge zu diesem Leben haben. Die kann er sich aber nur in der sichtbaren erwerben. Er wird geistig sehen müssen, wenn die unsichtbare Welt für ihn bewußt werden soll. Aber diese Sehkraft für eine «höhere» Welt wird durch die Erlebnisse in der «niederen» allmählich ausgebildet. Man kann ebensowenig&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
in einer geistigen Welt mit geistigen Augen geboren werden, wenn man diese nicht in der sinnlichen sich gebildet hat, wie das Kind nicht mit physischen Augen geboren werden könnte, wenn diese sich nicht im Mutterleibe gebildet hätten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von diesem Gesichtspunkte aus wird man auch einsehen, warum die «Schwelle» zur übersinnlichen Welt von einem «Hüter» bewacht wird. Es darf nämlich auf keinen Fall dem Menschen ein wirklicher Einblick in jene Gebiete gestattet werden, bevor er dazu die notwendigen Fähigkeiten erworben hat. Deshalb wird jedesmal beim Tode, wenn der Mensch, noch unfähig zur Arbeit in einer anderen Welt, diese betritt, der Schleier vorgezogen vor ihren Erlebnissen. Er soll sie erst erblicken, wenn er ganz dazu reif geworden ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Betritt der Geheimschüler die übersinnliche Welt, dann erhält das Leben für ihn einen ganz neuen Sinn, er sieht in der sinnlichen Welt den Keimboden für eine höhere. Und in einem gewissen Sinne wird ihm diese «höhere» ohne die «niedere» als eine mangelhafte erscheinen. Zwei Ausblicke eröffnen sich ihm. Der eine in die Vergangenheit, der andere in die Zukunft. In eine Vergangenheit schaut er, in welcher diese sinnliche Welt noch nicht war. Denn über das Vorurteil, daß die übersinnliche Welt sich aus der sinnlichen entwickelt habe, ist er längst hinweg. Er weiß, daß das Übersinnliche zuerst war und daß sich alles Sinnliche aus diesem entwickelt habe. Er sieht, daß er selbst, bevor er zum ersten Male in diese sinnliche Welt gekommen ist, einer übersinnlichen angehört hat. Aber diese einstige übersinnliche Welt brauchte den Durchgang durch die sinnliche. Ihre Weiterentwickelung wäre&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
ohne diesen Durchgang nicht möglich gewesen. Erst wenn sich innerhalb des sinnlichen Reiches Wesen entwickelt haben werden mit entsprechenden Fähigkeiten, kann die übersinnliche wieder ihren Fortgang nehmen. Und diese Wesenheiten sind die Menschen. Diese sind somit, so wie sie jetzt leben, einer unvollkommenen Stufe des geistigen Daseins entsprungen und werden selbst innerhalb derselben zu derjenigen Vollkommenheit geführt, durch die sie dann tauglich sein werden zur Weiterarbeit an der höheren Welt. Und hier knüpft der Ausblick in die Zukunft an. Er weist auf eine höhere Stufe der übersinnlichen Welt. In dieser werden die Früchte sein, die in der sinnlichen ausgebildet werden. Die letztere als solche wird überwunden; ihre Ergebnisse aber einer höheren einverleibt sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit ist das Verständnis gegeben für Krankheit und Tod in der sinnlichen Welt. Der Tod ist nämlich nichts anderes als der Ausdruck dafür, daß die einstige übersinnliche Welt an einem Punkte angekommen war, von dem aus sie durch sich selbst nicht weitergehen konnte. Ein allgemeiner Tod wäre notwendig für sie gewesen, wenn sie nicht einen neuen Lebenseinschlag erhalten hätte. Und so ist dieses neue Leben zu einem Kampf gegen den allgemeinen Tod geworden. Aus den Resten einer absterbenden, in sich erstarrenden Welt erblühten die Keime einer neuen. Deshalb haben wir Sterben und Leben in der Welt und langsam gehen die Dinge ineinander über. Die absterbenden Teile der alten Welt haften noch den neuen Lebenskeimen an, die ja aus ihnen hervorgegangen sind. Den deutlichsten Ausdruck findet das eben im Menschen. Er trägt als seine Hülle an sich, was sich aus jener alten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Welt erhalten hat; und innerhalb dieser Hülle bildet sich der Keim jenes Wesens aus, das zukünftig leben wird. Er ist so ein Doppelwesen, ein sterbliches und ein unsterbliches. Das Sterbliche ist in seinem End-, das Unsterbliche in seinem Anfangszustand. Aber erst innerhalb dieser Doppelwelt, die ihren Ausdruck in dem Sinnlich-Physischen findet, eignet er sich die Fähigkeiten dazu an, die Welt der Unsterblichkeit zuzuführen. Ja, seine Aufgabe ist, aus dem Sterblichen selbst die Früchte für das Unsterbliche herauszuholen. Blickt er also auf sein Wesen, wie er es selbst in der Vergangenheit aufgebaut hat, so muß er sich sagen: Ich habe in mir die Elemente einer absterbenden Welt. Sie arbeiten in mir, und nur allmählich kann ich ihre Macht durch die neuauflebenden unsterblichen brechen. So geht des Menschen Weg vom Tode zum Leben. Könnte er mit vollem Bewußtsein in der Sterbestunde zu sich sprechen, so müßte er sich sagen: «Das Sterbende war mein Lehrmeister. Daß ich sterbe, ist eine Wirkung der ganzen Vergangenheit, mit der ich verwoben bin. Aber das Feld des Sterblichen hat mir die Keime zum Unsterblichen gereift. Diese trage ich in eine andere Welt mit hinaus. Wenn es bloß auf das Vergangene ankäme, dann hätte ich überhaupt niemals geboren werden können. Das Leben des Vergangenen ist mit der Geburt abgeschlossen. Das Leben im Sinnlichen ist durch den neuen Lebenskeim dem allgemeinen Tode abgerungen. Die Zeit zwischen Geburt und Tod ist nur der Ausdruck dafür, wieviel das neue Leben der absterbenden Vergangenheit abringen konnte. Und die Krankheit ist nichts als die Fortwirkung der absterbenden Teile dieser Vergangenheit.»&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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Aus all dem heraus findet die Frage ihre Antwort, warum der Mensch erst allmählich sich aus Verirrung und Unvollkommenheit zu der Wahrheit und dem Guten durcharbeitet. Seine Handlungen, Gefühle und Gedanken stehen zunächst unter der Herrschaft des Vergehenden und Absterbenden. Aus diesem sind seine sinnlich-physischen Organe herausgebildet. Daher sind diese Organe und alles, was sie zunächst antreibt, selbst dem Vergehen geweiht. Nicht die Instinkte, Triebe, Leidenschaften und so weiter und die zu ihnen gehörigen Organe stellen ein Unvergängliches dar, sondern erst das wird unvergänglich sein, was als das Werk dieser Organe erscheint. Erst wenn der Mensch aus dem Vergehenden alles herausgearbeitet hat, was herauszuarbeiten ist, wird er die Grundlage abstreifen können, aus welcher er herausgewachsen ist und die ihren Ausdruck in der physisch-sinnlichen Welt findet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So stellt der erste «Hüter der Schwelle» das Ebenbild des Menschen in seiner Doppelnatur dar, aus Vergänglichem und Unvergänglichem gemischt. Und klar zeigt sich an ihm, was noch fehlt bis zur Erreichung der hehren Lichtgestalt, welche wieder die reine geistige Welt bewohnen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Grad der Verstricktheit mit der physisch-sinnlichen Natur wird dem Menschen durch den «Hüter der Schwelle» anschaulich. Diese Verstricktheit drückt sich zunächst in dem Vorhandensein der Instinkte, Triebe, Begierden, egoistischen Wünsche, in allen Formen des Eigennutzes und so weiter aus. Sie kommt dann in der Angehörigkeit zu einer Rasse, einem Volke und so weiter zum Ausdruck. Denn Völker und Rassen sind nur die verschiedenen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Entwickelungsstufen zur reinen Menschheit hin. Es steht eine Rasse, ein Volk um so höher, je vollkommener ihre Angehörigen den reinen, idealen Menschheitstypus zum Ausdrucke bringen, je mehr sie sich von dem physisch Vergänglichen zu dem übersinnlich Unvergänglichen durchgearbeitet haben. Die Entwickelung des Menschen durch die Wiederverkörperungen in immer höher stehenden Volks- und Rassenformen ist daher ein Befreiungsprozeß. Zuletzt muß der Mensch in seiner harmonischen Vollkommenheit erscheinen. In einer ähnlichen Art ist der Durchgang durch immer reinere sittliche und religiöse Anschauungsformen eine Vervollkommnung. Denn jede sittliche Stufe enthält noch die Sucht nach dem Vergänglichen neben den idealistischen Zukunftskeimen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun erscheint in dem geschilderten «Hüter der Schwelle» nur das Ergebnis der verflossenen Zeit. Und von den Zukunftskeimen ist nur dasjenige darinnen, was in dieser verflossenen Zeit hineingewoben worden ist. Aber der Mensch muß in die zukünftige übersinnliche Welt alles mitbringen, was er aus der Sinnenwelt herausholen kann. Wollte er nur das mitbringen, was in sein Gegenbild bloß aus der Vergangenheit hinein verwoben ist, so hätte er seine irdische Aufgabe nur teilweise erfüllt. Deshalb gesellt sich nun zu dem «kleineren Hüter der Schwelle» nach einiger Zeit der größere. Wieder soll in erzählender Form dargelegt werden, was sich als Begegnung mit diesem zweiten «Hüter der Schwelle» abspielt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem der Mensch erkannt hat, wovon er sich befreien muß, tritt ihm eine erhabene Lichtgestalt in den Weg. Deren Schönheit zu beschreiben ist schwierig in den Worten unserer Sprache. Diese Begegnung findet statt,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|211}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wenn sich die Organe des Denkens, Fühlens und Wollens auch für den physischen Leib so weit voneinander gelöst haben, daß die Regelung ihrer gegenseitigen Beziehungen nicht mehr durch sie selbst, sondern durch das höhere Bewußtsein geschieht, das sich nun ganz getrennt hat von den physischen Bedingungen. Die Organe des Denkens, Fühlens und Wollens sind dann die Werkzeuge in der Gewalt der menschlichen Seele geworden, die ihre Herrschaft über sie aus übersinnlichen Regionen ausübt. Dieser so aus allen sinnlichen Banden befreiten Seele tritt nun der zweite «Hüter der Schwelle» entgegen und spricht etwa folgendes:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
«Du hast dich losgelöst aus der Sinnenwelt. Dein Heimatrecht in der übersinnlichen Welt ist erworben. Von hier aus kannst du nunmehr wirken. Du brauchst um deinetwillen deine physische Leiblichkeit in gegenwärtiger Gestalt nicht mehr. Wolltest du dir bloß die Fähigkeit erwerben, in dieser übersinnlichen Welt zu wohnen, du brauchtest nicht mehr in die sinnliche zurückzukehren. Aber nun blicke auf mich. Sieh, wie unermeßlich erhaben ich über all dem stehe, was du heute bereits aus dir gemacht hast. Du bist zu der gegenwärtigen Stufe deiner Vollendung gekommen durch die Fähigkeiten, welche du in der Sinnenwelt entwickeln konntest, solange du noch auf sie angewiesen warst. Nun aber muß für dich eine Zeit beginnen, in welcher deine befreiten Kräfte weiter an dieser Sinnenwelt arbeiten. Bisher hast du nur dich selbst erlöst, nun kannst du als ein Befreiter alle deine Genossen in der Sinnenwelt mitbefreien. Als einzelner hast du bis heute gestrebt; nun gliedere dich ein in das Ganze, damit du nicht nur dich mitbringst in die übersinnliche&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Welt, sondern alles andere, was in der sinnlichen vorhanden ist. Mit meiner Gestalt wirst du dich einst vereinigen können, aber ich kann kein Seliger sein, solange es noch Unselige gibt! Als einzelner Befreiter möchtest du immerhin schon heute in das Reich des Übersinnlichen eingehen. Dann aber würdest du hinabschauen müssen auf die noch unerlösten Wesen der Sinnenwelt. Und du hättest dein Schicksal von dem ihrigen getrennt. Aber ihr seid alle miteinander verbunden. Ihr mußtet alle hinabsteigen in die Sinnenwelt, um aus ihr heraufzuholen die Kräfte für eine höhere. Würdest du dich von ihnen trennen, so mißbrauchtest du die Kräfte, die du doch nur in Gemeinschaft mit ihnen hast entwickeln können. Wären sie nicht hinabgestiegen, so hättest es auch du nicht können; ohne sie fehlten dir die Kräfte zu deinem übersinnlichen Dasein. Du mußt diese Kräfte, die du mit ihnen errungen hast, auch mit ihnen teilen. Ich wehre dir daher den Einlaß in die höchsten Gebiete der übersinnlichen Welt, solange du nicht alle deine erworbenen Kräfte zur Erlösung deiner Mitwelt verwendet hast. Du magst mit dem schon Erlangten dich in den unteren Gebieten der übersinnlichen Welt aufhalten; vor der Pforte zu den höheren stehe ich aber und wehre dir den Eintritt so lange, als du noch Kräfte hast, die unangewendet geblieben sind in der sinnlichen Welt. Und willst du die deinigen nicht anwenden, so werden andere kommen, die sie anwenden; dann wird eine hohe übersinnliche Welt alle Früchte der sinnlichen aufnehmen; dir aber wird der Boden entzogen sein, mit dem du verwachsen warst die geläuterte Welt wird sich über dich hinausentwickeln. Du&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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wirst von ihr ausgeschlossen sein. So ist dein Pfad der schwarze, jene aber, von welchen du dich gesondert hast, gehen den weißen Pfad.»&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So kündigt sich der «große Hüter» der Schwelle bald an, nachdem die Begegnung mit dem ersten Wächter erfolgt ist. Der Eingeweihte weiß aber ganz genau, was ihm bevorsteht, wenn er den Lockungen eines vorzeitigen Aufenthaltes in der übersinnlichen Welt folgt. Ein unbeschreiblicher Glanz geht von dem zweiten Hüter der Schwelle aus; die Vereinigung mit ihm steht als ein fernes Ziel vor der schauenden Seele. Doch ebenso steht da die Gewißheit, daß diese Vereinigung erst möglich wird, wenn der Eingeweihte alle Kräfte, die ihm aus dieser Welt zugeflossen sind, auch aufgewendet hat im Dienste der Befreiung und Erlösung dieser Welt. Entschließt er sich, den Forderungen der höheren Lichtgestalt zu folgen, dann wird er beitragen können zur Befreiung des Menschengeschlechts. Er bringt seine Gaben dar auf dem Opferaltar der Menschheit. Zieht er seine eigene vorzeitige Erhöhung in die übersinnliche Welt vor, dann schreitet die Menschheitsströmung über ihn hinweg. Für sich selbst kann er nach seiner Befreiung aus der Sinnenwelt keine neuen Kräfte mehr gewinnen. Stellt er ihr seine Arbeit doch zur Verfügung, so geschieht es mit dem Verzicht, aus der Stätte seines ferneren Wirkens selbst für sich noch etwas zu holen. Man kann nun nicht sagen, es sei selbstverständlich, daß der Mensch den weißen Pfad wählen werde, wenn er so vor die Entscheidung gestellt wird. Das hängt nämlich ganz davon ab, ob er bei dieser Entscheidung schon so geläutert ist, daß keinerlei Selbstsucht ihm die Lockungen der Seligkeit begehrenswert erscheinen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
läßt. Denn diese Lockungen sind die denkbar größten. Und auf der anderen Seite sind eigentlich gar keine besonderen Lockungen vorhanden. Hier spricht gar nichts zum Egoismus. Was der Mensch in den höheren Regionen des Übersinnlichen erhalten wird, ist nichts, was zu ihm kommt, sondern lediglich etwas, das von ihm ausgeht: die Liebe zu seiner Mitwelt. Alles, was der Egoismus verlangt, wird nämlich durchaus nicht entbehrt auf dem schwarzen Pfade. Im Gegenteil: die Früchte dieses Pfades sind gerade die vollkommenste Befriedigung des Egoismus. Und will jemand nur für sich die Seligkeit, so wird er ganz gewiß diesen schwarzen Pfad wandeln, denn er ist der für ihn angemessene. Es darf daher niemand von den Okkultisten des weißen Pfades erwarten, daß sie ihm eine Anweisung zur Entwickelung des eigenen egoistischen Ich geben werden. Für die Seligkeit des einzelnen haben sie nicht das allergeringste Interesse. Die mag jeder für sich erreichen. Sie zu beschleunigen ist nicht die Aufgabe der weißen Okkultisten. Diesen liegt lediglich an der Entwickelung und Befreiung aller Wesen, die Menschen und Genossen des Menschen sind. Daher geben sie nur Anweisungen, wie man seine Kräfte zur Mitarbeit an diesem Werke ausbilden kann. Sie stellen daher die selbstlose Hingabe und Opferwilligkeit allen anderen Fähigkeiten voran. Sie weisen niemand geradezu ab, denn auch der Egoistischste kann sich läutern. Aber wer nur für sich etwas sucht, wird, solange er das tut, bei den Okkultisten nichts finden. Selbst wenn diese ihm nicht ihre Hilfe entziehen; er, der Suchende, entzieht sich den Früchten der Hilfeleistung. Wer daher wirklich den Anweisungen der guten Geheimlehrer folgt, wird nach dem Übertreten der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|215}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schwelle die Forderungen des großen Hüters verstehen; wer diesen Anweisungen aber nicht folgt, der darf auch gar nicht hoffen, daß er je zur Schwelle durch sie kommen werde. Ihre Anweisungen führen zum Guten oder aber zu gar nichts. Denn eine Führung zur egoistischen Seligkeit und zum bloßen Leben in der übersinnlichen Welt liegt außerhalb der Grenzen ihrer Aufgabe. Diese ist von vornherein so veranlagt, daß sie den Schüler so lange von der überirdischen Welt fernhält, bis dieser sie mit dem Willen zur hingebenden Mitarbeit betritt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|216}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= NACHWORT ZUM ACHTEN BIS ELFTEN TAUSEND =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Weg zu übersinnlicher Erkenntnis, der in dieser Schrift gekennzeichnet wird, führt zu einem seelischen Erleben, demgegenüber es von ganz besonderer Wichtigkeit ist, daß, wer es anstrebt, sich keinen Täuschungen und Mißverständnissen über dasselbe hingibt und es liegt dem Menschen nahe, sich über dasjenige zu täuschen, was hier in Betracht kommt. Eine der Täuschungen, die besonders schwerwiegende, entsteht, wenn man das ganze Gebiet des Seelenerlebens, von dem in wahrer Geisteswissenschaft die Rede ist, so verschiebt, daß es in der Umgebung des Aberglaubens, des visionären Träumens, des Mediumismus und mancher anderer Entartungen des Menschenstrebens eingereiht erscheint. Diese Verschiebung rührt oft davon her, daß Menschen, welche in ihrer von echtem Erkenntnisstreben abliegenden Art sich einen Weg in die übersinnliche Wirklichkeit suchen möchten und die dabei auf die genannten Entartungen verfallen, mit solchen verwechselt werden, die den in dieser Schrift gezeichneten Weg gehen wollen. Was auf dem hier gemeinten Wege von der Menschenseele durchlebt wird, das verläuft durchaus im Felde rein geistig-seelischen Erfahrens. Es ist nur dadurch möglich, solches zu durchleben, daß sich der Mensch auch noch für andere innere Erfahrungen so frei und unabhängig von dem Leibesleben machen kann, wie er im Erleben des gewöhnlichen Bewußtseins nur ist, wenn er sich über das von außen Wahrgenommene oder das im Innern Gewünschte, Gefühlte, Gewollte Gedanken macht, die nicht aus dem Wahrgenommenen, Gefühlten, Gewollten selbst herrühren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Es gibt Menschen, die an das Vorhandensein solcher Gedanken überhaupt nicht glauben. Diese meinen: der Mensch könne nichts denken, was er nicht aus der Wahrnehmung oder dem leiblich bedingten Innenleben herauszieht und alle Gedanken seien nur gewissermaßen Schattenbilder von Wahrnehmungen oder von inneren Erlebnissen. Wer dieses behauptet, der tut es nur, weil er sich niemals zu der Fähigkeit gebracht hat, mit seiner Seele das reine, in sich beruhende Gedankenleben zu erleben. Wer aber solches erlebt hat, für den ist es Erfahrung geworden, daß überall, wo im Seelenleben Denken waltet, in dem Maße, als dieses Denken andere Seelenverrichtungen durchdringt, der Mensch in einer Tätigkeit begriffen ist, an deren Zustandekommen sein Leib unbeteiligt ist. Im gewöhnlichen Seelenleben ist ja fast immer das Denken mit anderen Seelenverrichtungen: Wahrnehmen, Fühlen, Wollen und so weiter vermischt. Diese anderen Verrichtungen kommen durch den Leib zustande. Aber in sie spielt das Denken hinein. Und in dem Maße, in dem es hineinspielt, geht in dem Menschen und durch den Menschen etwas vor sich, an dem der Leib nicht mitbeteiligt ist. Die Menschen, welche dieses in Abrede stellen, können nicht über die Täuschung hinauskommen, welche dadurch entsteht, daß sie die denkerische Betätigung immer mit anderen Verrichtungen vereinigt beobachten. Aber man kann im inneren Erleben sich seelisch dazu aufraffen, den denkerischen Teil des Innenlebens auch abgesondert von allem andern für sich zu erfahren. Man kann aus dem Umfange des Seelenlebens etwas herauslösen, das nur in reinen Gedanken besteht. In Gedanken, die in sich bestehen, aus denen alles ausgeschaltet ist, was&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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Wahrnehmung oder leiblich bedingtes Innenleben geben. Solche Gedanken offenbaren sich durch sich selbst, durch das, was sie sind, als ein geistig, ein übersinnlich Wesenhaftes. Und die Seele, die mit solchen Gedanken sich vereinigt, indem sie während dieser Vereinigung alles Wahrnehmen, alles Erinnern, alles sonstige Innenleben ausschließt, weiß sich mit dem Denken selbst in einem übersinnlichen Gebiet und erlebt sich außerhalb des Leibes. Für denjenigen, welcher diesen ganzen Sachverhalt durchschaut, kann die Frage gar nicht mehr in Betracht kommen: gibt es ein Erleben der Seele in einem übersinnlichen Element außerhalb des Leibes? Denn für ihn hieße es in Abrede stellen, was er aus der Erfahrung weiß. Für ihn gibt es nur die Frage: was verhindert die Menschen, eine solche sichere Tatsache anzuerkennen? Und zu dieser Frage findet er die Antwort, daß die in Frage kommende Tatsache eine solche ist, die sich nicht offenbart, wenn der Mensch sich nicht vorher in eine solche Seelenverfassung versetzt, daß er die Offenbarung empfangen kann. Nun werden zunächst die Menschen mißtrauisch, wenn sie selbst etwas erst rein seelisch tun sollen, damit sich ihnen ein an sich von ihnen Unabhängiges offenbare. Sie glauben da, weil sie sich vorbereiten müssen, die Offenbarung zu empfangen, sie machen den Inhalt der Offenbarung. Sie wollen Erfahrungen, zu denen der Mensch nichts tut, gegenüber denen er ganz passiv bleibt. Sind solche Menschen außerdem noch unbekannt mit den einfachsten Anforderungen an wissenschaftliches Erfassen eines Tatbestandes, dann sehen sie in Seelen-Inhalten oder Seelen-Hervorbringungen, bei denen die Seele unter den Grad von bewußter Eigenbetätigung herabgedrückt ist, der im&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Sinneswahrnehmen und im willkürlichen Tun vorliegt, eine objektive Offenbarung eines nicht sinnlichen Wesenhaften. Solche Seelen-Inhalte sind die visionären Erlebnisse, die mediumistischen Offenbarungen. Was aber durch solche Offenbarungen zutage tritt, ist keine übersinnliche, es ist eine untersinnliche Welt. Das menschliche bewußte Wachleben verläuft nicht völlig in dem Leibe; es verläuft vor allem der bewußte Teil dieses Lebens an der Grenze zwischen Leib und physischer Außenwelt; so das Wahrnehmungsleben, bei dem, was in den Sinnesorganen vorgeht, ebensogut das Hineinragen eines außerleiblichen Vorganges in den Leib ist wie ein Durchdringen dieses Vorganges vom Leibe aus; und so das Willensleben, das auf einem Hineinstellen des menschlichen Wesens in das Weltenwesen beruht, so daß, was im Menschen durch seinen Willen geschieht, zugleich Glied des Weltgeschehens ist. In diesem an der Leibesgrenze verlaufenden seelischen Erleben ist der Mensch in hohem Grade abhängig von seiner Leibesorganisation; aber es spielt die denkerische Betätigung in dieses Erleben hinein, und in dem Maße, als das der Fall ist, macht sich in Sinneswahrnehmung und Wollen der Mensch vom Leibe unabhängig. Im visionären Erleben und im mediumistischen Hervorbringen tritt der Mensch völlig in die Abhängigkeit vom Leibe ein. Er schaltet aus seinem Seelenleben dasjenige aus, was ihn in Wahrnehmung und Wollen vom Leibe unabhängig macht. Und dadurch werden Seelen-Inhalte und Seelen-Hervorbringungen bloße Offenbarungen des Leibeslebens. Visionäres Erleben und mediumistisches Hervorbringen sind die Ergebnisse des Umstandes, daß der Mensch bei diesem Erleben und Hervorbringen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
mit seiner Seele weniger vom Leibe unabhängig ist als im gewöhnlichen Wahrnehmungs- und Willensleben. Bei dem Erleben des Übersinnlichen, das in dieser Schrift gemeint ist, geht nun die Entwickelung des Seelen-Erlebens gerade nach der entgegengesetzten Richtung gegenüber der visionären oder mediumistischen. Die Seele macht sich fortschreitend unabhängiger vom Leibe, als sie im Wahrnehmungs- und Willensleben ist. Sie erreicht diejenige Unabhängigkeit, die im Erleben reiner Gedanken zu fassen ist, für eine viel breitere Seelenbetätigung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für die hier gemeinte übersinnliche Seelenbetätigung ist es außerordentlich bedeutsam, in voller Klarheit das Erleben des reinen Denkens zu durchschauen. Denn im Grunde ist dieses Erleben selbst schon eine übersinnliche Seelenbetätigung. Nur eine solche, durch die man noch nichts Übersinnliches schaut. Man lebt mit dem reinen Denken im Übersinnlichen; aber man erlebt nur dieses auf eine übersinnliche Art; man erlebt noch nichts anderes Übersinnliches. Und das übersinnliche Erleben muß sein eine Fortsetzung desjenigen Seelen-Erlebens, das schon im Vereinigen mit dem reinen Denken erreicht werden kann. Deshalb ist es so bedeutungsvoll, diese Vereinigung richtig erfahren zu können. Denn von dem Verständnisse dieser Vereinigung aus leuchtet das Licht, das auch rechte Einsicht in das Wesen der übersinnlichen Erkenntnis bringen kann. Sobald das Seelen-Erleben unter die Bewußtseinsklarheit, die im Denken sich auslebt, heruntersinken würde, wäre sie für die wahre Erkenntnis der übersinnlichen Welt auf einem Irrwege. Sie würde erfaßt von den Leibesverrichtungen; was sie erlebt und hervorbringt, ist dann nicht Offenbarung des Übersinnlichen durch sie,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
sondern Leibesoffenbarung im Bereich der untersinnlichen Welt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;*&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sobald die Seele mit ihren Erlebnissen in das Feld des Übersinnlichen eindringt, sind diese Erlebnisse von einer solchen Art, daß sich die sprachlichen Ausdrücke für sie nicht in so leichter Art finden lassen wie für die Erlebnisse im Bereiche der sinnlichen Welt. Man muß oftmals bei Beschreibungen des übersinnlichen Erlebens sich bewußt sein, daß gewissermaßen die Entfernung des sprachlichen Ausdrucks von dem ausgedrückten wirklichen Tatbestande eine größere ist als im physischen Erleben. Man muß sich ein Verständnis dafür erwerben, daß mancher Ausdruck wie eine Verbildlichung in zarter Weise auf das nur hinweist, auf das er sich bezieht. So ist es auf Seite 30 dieser Schrift gesagt: «Ursprünglich werden nämlich alle Regeln und Lehren der Geisteswissenschaft in einer sinnbildlichen Zeichensprache gegeben.» Und auf Seite 78 f. mußte von einem «bestimmten Schriftsystem» gesprochen werden. Es kann nun leicht jemandem beikommen, solche Schrift in einer ähnlichen Art lernen zu wollen, wie man Lautzeichen und deren Zusammenfügungen für die Schrift einer gewöhnlichen physischen Sprache erlernt. Nun muß allerdings gesagt werden: es hat gegeben und gibt geisteswissenschaftliche Schulen und Vereinigungen, welche im Besitze symbolischer Zeichen sind, durch die sie übersinnliche Tatbestände zum Ausdruck bringen. Und wer in die Bedeutung dieser Sinnbilder eingeweiht wird, der hat dadurch ein Mittel, sein Seelen-Erleben zu den in Frage kommenden übersinnlichen Wirklichkeiten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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hinzulenken. Aber ein für das übersinnliche Erleben Wesentliches ist vielmehr, daß im Laufe eines solchen übersinnlichen Erlebens, wie es durch die Verwirklichung des Inhaltes dieser Schrift von der Seele erreicht werden kann, diese Seele in der Anschauung des Übersinnlichen die Offenbarung einer solchen Schrift durch ihre eigene Erfahrung gewinnt. Das Übersinnliche sagt der Seele etwas, das sich diese in verbildlichende Zeichen übersetzen muß, damit sie es vollbewußt überschauen kann. Es kann gesagt werden: was in dieser Schrift mitgeteilt ist, das kann von jeder Seele verwirklicht werden. Und im Laufe der Verwirklichung, den sich nach den gemachten Angaben die Seele selbst bestimmen kann, stellen sich die Ergebnisse ein, die beschrieben sind. Man nehme doch ein solches Buch, wie dieses ist, wie ein Gespräch, das der Verfasser mit dem Leser führt. Wenn gesagt ist: der Geheimschüler bedürfe der persönlichen Anweisung, so fasse man dies doch so auf, daß das Buch selbst eine solche persönliche Anweisung ist. In früheren Zeiten gab es Gründe, solche persönliche Anweisungen dem mündlichen Geheim-Unterrichte vorzubehalten; gegenwärtig sind wir auf einer Entwickelungsstufe der Menschheit angelangt, in der das geisteswissenschaftliche Erkennen eine viel größere Verbreitung erfahren muß als früher. Es muß in ganz anderem Maße jedem zugänglich sein als in alter Zeit. Da tritt eben das Buch an die Stelle der früheren mündlichen Unterweisung. Der Glaube, daß man durchaus über das in dem Buche Gesagte hinaus noch eine persönliche Unterweisung brauche, hat nur eine bedingte Richtigkeit. Der eine oder der andere kann ja freilich ein persönliches Nachhelfen brauchen, und ein solches kann ihm bedeutungsvoll&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|223}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sein. Aber es führte in die Irre, wenn man meinte, es gäbe Hauptsachen, die man im Buche nicht finde. Man findet sie, wenn man recht und namentlich wenn man vollständig liest.&lt;br /&gt;
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&amp;lt;nowiki&amp;gt;*&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Schilderungen dieses Buches nehmen sich so aus, als ob sie Anweisungen wären zum völligen Anderswerden des ganzen Menschen. Wer sie richtig liest, wird aber finden, daß sie nichts anderes sagen wollen, als in welcher inneren Seelenverfassung ein Mensch sein muß in denjenigen Augenblicken seines Lebens, in denen er der übersinnlichen Welt gegenüberstehen will. Diese Seelenverfassung entwickelt er als eine zweite Wesenheit in sich; und die gesunde andere Wesenheit läuft in der alten Weise ihren Gang fort. Er weiß beide Wesenheiten in Vollbewußtheit auseinanderzuhalten; er weiß sie in rechter Art miteinander in Wechselwirkung zu setzen. Er macht sich nicht dadurch für das Leben unbrauchbar und untüchtig, daß er Interesse und Geschicklichkeit für dieses verliert und «den ganzen Tag Geistesforscher ist». Allerdings muß gesagt werden, daß die Erlebnisweise in der übersinnlichen Welt ihr Licht auf das ganze Wesen des Menschen ausstrahlen wird; aber dies kann nicht in einer von dem Leben ablenkenden Art sein, sondern in einer dieses Leben tüchtiger, fruchtbarer machenden Weise. Daß trotzdem die Schilderung so gehalten werden mußte, wie es der Fall ist, das rührt davon her, daß allerdings jeder auf das Übersinnliche gerichtete Erkenntnisvorgang den ganzen Menschen in Anspruch nimmt, so daß in dem Augenblicke, in dem der Mensch an einen solchen Erkenntnisvorgang&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|224}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
hingegeben ist, er dies mit seinem ganzen Wesen sein muß. Soviel der Farbenwahrnehmungsvorgang nur die Einzelheit des Auges mit seiner Nervenfortsetzung in Anspruch nimmt, soviel nimmt ein übersinnlicher Erkenntnisvorgang den ganzen Menschen in Anspruch. Dieser wird «ganz Auge» oder «ganz Ohr». Weil dies so ist, deshalb sieht es so aus, daß, wenn man von der Bildung von übersinnlichen Erkenntnisvorgängen Mitteilung macht, man von einer Umwandlung des Menschen spräche; man meine, der gewöhnliche Mensch sei nichts Rechtes; er müsse etwas ganz anderes werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;*&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu dem auf Seite 115 ff. «Über einige Wirkungen der Einweihung» Gesagten möchte ich noch etwas hinzufügen, was mit einiger Abänderung auch für andere Ausführungen dieses Buches gelten kann. Es könnte wohl jemand auf den Gedanken kommen: wozu solche Beschreibung von bildhaften Ausgestaltungen übersinnlichen Erlebens; könnte man nicht dieses Erleben in Ideen ohne solche Versinnlichung schildern? Darauf muß erwidert werden: Es kommt für das Erleben der übersinnlichen Wirklichkeit in Betracht, daß der Mensch sich im Übersinnlichen selbst als ein Übersinnliches weiß. Ohne das Hinblicken auf seine eigene übersinnliche Wesenheit, deren Wirklichkeit in der hier gegebenen Schilderung der «Lotusblumen» und des «ätherischen Leibes» vollkommen in ihrer Art zur Offenbarung kommt, erlebte sich der Mensch im Übersinnlichen so, wie wenn er im Sinnlichen nur so drinnen stände, daß ihm die Dinge und Vorgänge um ihn her sich offenbarten, er aber von seinem eigenen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|225}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Leibe nichts wüßte. Was er in «Seelenleib» und «Ätherleib» als seine übersinnliche Gestaltung schaut, das macht, daß er seiner selbst bewußt im Übersinnlichen steht, wie er durch die Wahrnehmung seines Sinnenleibes seiner selbst bewußt in der Sinnenwelt steht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;notiz center&amp;quot;&lt;br /&gt;
|&amp;lt;small&amp;gt;[[GA 9|vorige GA ◁]] [[Die Rudolf Steiner Gesamtausgabe|&amp;amp;nbsp;&amp;amp;nbsp;■&amp;amp;nbsp;&amp;amp;nbsp;]] [[GA 11|▷ nächste GA]]&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Glossar ==&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|A}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|A}}Aufmerksamkeit&lt;br /&gt;
{{GS|[…] die Aufmerksamkeit der Seele auf gewisse Vorgänge in der uns umgebenden Welt zu lenken. Solche Vorgänge sind das sprießende, wachsende und gedeihende Leben einerseits, und alle Erscheinungen, die mit Verblühen, Verwelken, Absterben zusammenhängen, andererseits.|10|43}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|B}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|B}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|C}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|C}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|D}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|D}}Devotion&lt;br /&gt;
{{GS|Eine gewisse Grundstimmung der Seele muß den Anfang bilden. Der Geheimforscher nennt diese Grundstimmung den Pfad der Verehrung, der Devotion gegenüber der Wahrheit und Erkenntnis. […] Man glaube nur ja nicht, daß solche Anlagen den Keim zur Unterwürfigkeit und Sklaverei bilden.|10|20}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|E}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|E}}Einweihung&lt;br /&gt;
{{GS|Denn es gibt ein natürliches Gesetz für alle Eingeweihten, das sie dazu veranlaßt, keinem suchenden Menschen ein ihm gebührendes Wissen vorzuenthalten.|10|18}}&lt;br /&gt;
Erkenntnis der Höheren Welten&lt;br /&gt;
{{GS|Nur das eine muß freilich sich jeder klarmachen, daß derjenige, der ganz in der veräußerlichten Zivilisation unserer Tage darinnen steckt, es sehr schwer hat, zur Erkenntnis der höheren Welten vorzudringen.|10|22}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|F}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|F}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|G}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|G}}Gedanken&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|[…] daß Gefühle und Gedanken wirkliche Tatsachen sind, genau so wie Tische und Stühle in der physisch-sinnlichen Welt [[[…]]] daß ein verkehrter Gedanke    so verheerend wirken kann wie eine blindlings losgeschossene Flintenkugel für die physischen Gegenstände, die sie trifft.|10|47}}{{GS|An die Stelle kleinlicher Gefühlsschwelgerei und spielerischer Gedankenverknüpfung treten bedeutsame Gefühle und fruchtbare Gedanken. Und diese Gefühle und Gedanken führen den Menschen dazu, sich in der geistigen Welt zu orientieren.|10|48}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gefahren geistigen Strebens&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Es wird in unserer Zeit von vielen Menschen der Weg zur Geheimwissenschaft gesucht. Auf mancherlei Art wird das getan; und viele gefährliche, ja verwerfliche Prozeduren werden probiert. [[[…]]] Durch die hier vorgezeichneten Wege kann niemand Schaden nehmen, der nichts forciert.|10|57}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gefühl&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|[…] daß Gefühle und Gedanken wirkliche Tatsachen sind, genau so wie Tische und Stühle in der physisch-sinnlichen Welt [[[…]]] daß ein verkehrter Gedanke    so verheerend wirken kann wie eine blindlings losgeschossene Flintenkugel für die physischen Gegenstände, die sie trifft.|10|47}}{{GS|An die Stelle kleinlicher Gefühlsschwelgerei und spielerischer Gedankenverknüpfung treten bedeutsame Gefühle und fruchtbare Gedanken. Und diese Gefühle und Gedanken führen den Menschen dazu, sich in der geistigen Welt zu orientieren.|10|48}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Geheimschüler&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Der Geheimschüler muß die Kraft suchen, sich selbst in gewissen Zeiten wie ein Fremder gegenüberzustehen.|10|31}}{{GS|Was für die Ausbildung des Geheimschülers ganz besonders wichtig ist, das ist die Art, wie er anderen Menschen beim Sprechen zuhört. Er muß sich daran gewöhnen, dies so zu tun, daß dabei sein eigenes Innere vollkommen schweigt. […] In der Geistesforschung wird solches planmäßig geübt.|10|50}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Geheimschulung&lt;br /&gt;
{{GS|Es hat, seit es ein Menschengeschlecht gibt, auch immer eine Schulung gegeben, durch die solche, die höhere Fähigkeiten hatten, denen Anleitung gaben […] Man nennt solche Schulung Geheimschulung […] heißt geheimwissenschaftlicher oder okkulter Unterricht.|10|16}}&lt;br /&gt;
Geist&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Er muß lieben lernen, was ihm der Geist da zuströmt. Bald hört er dann auch auf, diese Gedankenwelt als etwas zu empfinden, was unwirklicher sei als die Dinge des Alltags, die ihn umgeben.|10|37}}{{GS|Alles beruht schließlich darauf, daß der Mensch fortwährend Leib, Seele und Geist mit sich herumträgt, daß er sich aber nur seines Leibes im ausgesprochenen Sinne bewußt ist, nicht seiner Seele und seines Geistes. Und der Geheimschüler wird sich der Seele und des Geistes bewußt, wie sich der gewöhnliche Mensch seines Leibes bewußt ist.|10|60}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gelassenheit (Innere Ruhe)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine der ersten dieser Regeln kann nun etwa in die folgenden Worte der Sprache gekleidet werden: «Schaffe dir Augenblicke innerer Ruhe und lerne in diesen Augenblicken das Wesentliche von dem Unwesentlichen unterscheiden.»&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Es gehört gewiß in mancher Lebenslage eine große Kraft dazu, sich Augenblicke innerer Ruhe zu schaffen. Aber je größer die notwendige Kraft, desto bedeutender ist auch das, was erreicht wird.|10|36}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Genuss&lt;br /&gt;
{{GS|Der Geheimschüler betrachtet den Genuß nur als ein Mittel, um sich für die Welt zu veredeln. Der Genuß ist ihm ein Kundschafter, der ihn unterrichtet über die Welt; aber er schreitet nach dem Unterricht durch den Genuß zur Arbeit vorwärts. Er lernt […] um das Gelernte in den Dienst der Welt zu stellen.|10|27}}&lt;br /&gt;
Gott&lt;br /&gt;
{{GS|Die Außenwelt ist in allen ihren Erscheinungen erfüllt von göttlicher Herrlichkeit; aber man muß das Göttliche erst in seiner Seele selbst erlebt haben, wenn man es in der Umgebung finden will.|10|26}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|H}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|H}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|I}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|I}}Innenwelt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|So erst verlegt er den Mittelpunkt seines Wesens in sein Inneres. Er hört auf die Stimmen in seinem Innern, die in den Augenblicken der Ruhe zu ihm sprechen; er pflegt im Innern Umgang mit der geistigen Welt.|10|37}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|J}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|J}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|K}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|K}}Kind&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Nützlich ist es für jeden, in solcher Art Kindern zuzuhören. Auch der Weiseste kann unermeßlich viel von Kindern lernen. So bringt es der Mensch dazu, die Worte des anderen ganz selbstlos zu hören, mit vollkommener Ausschaltung seiner eigenen Person, deren Meinung und Gefühlsweise.|10|51}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kraft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Der Geheimschüler muß die Kraft suchen, sich selbst in gewissen Zeiten wie ein Fremder gegenüberzustehen.|10|31}}{{GS|Es gehört gewiß in mancher Lebenslage eine große Kraft dazu, sich Augenblicke innerer Ruhe zu schaffen. Aber je größer die notwendige Kraft, desto bedeutender ist auch das, was erreicht wird.|10|36}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|L}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|L}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|M}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|M}}Mut&lt;br /&gt;
{{GS|Mut und Selbstvertrauen sind aber zwei Lichter, die auf dem Wege zur Geheimwissenschaft nicht erlöschen dürfen. Wer es nicht über sich bringen kann, eine Übung, die scheinbar unzähligemal mißglückt ist, immer wieder und wieder geduldig fortzusetzen, der kann nicht weit kommen.|10|59}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|N}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|N}}Natur&lt;br /&gt;
{{GS|Die ganze Natur fängt an, dem Menschen durch ihr Ertönen Geheimnisse zuzuraunen. Was vorher seiner Seele unverständlicher Schall war, wird dadurch sinnvolle Sprache der Natur. Und wobei er vorher nur Ton gehört hat, beim Erklingen des sogenannten Leblosen, vernimmt er jetzt eine neue Sprache der Seele. […] Er fängt an, mit der Seele zu hören.|10|49}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|O}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|O}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|P}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|P}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|Q}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|Q}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|R}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|R}}Regeln&lt;br /&gt;
{{GS|Die Geisteswissenschaft gibt nun auch praktische Regeln an die Hand […] Eine der ersten dieser Regeln […] : «Schaffe dir Augenblicke innerer Ruhe und lerne in diesen Augenblicken das Wesentliche von dem Unwesentlichen unterscheiden.»|10|29}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|S}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|S}}Schweigen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Was für die Ausbildung des Geheimschülers ganz besonders wichtig ist, das ist die Art, wie er anderen Menschen beim Sprechen zuhört. Er muß sich daran gewöhnen, dies so zu tun, daß dabei sein eigenes Innere vollkommen schweigt. […] In der Geistesforschung wird solches planmäßig geübt.|10|50}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seele&lt;br /&gt;
{{GS|[…] die Aufmerksamkeit der Seele auf gewisse Vorgänge in der uns umgebenden Welt zu lenken. Solche Vorgänge sind das sprießende, wachsende und gedeihende Leben einerseits, und alle Erscheinungen, die mit Verblühen, Verwelken, Absterben zusammenhängen, andererseits.|10|43}}{{GS|Die ganze Natur fängt an, dem Menschen durch ihr Ertönen Geheimnisse zuzuraunen. Was vorher seiner Seele unverständlicher Schall war, wird dadurch sinnvolle Sprache der Natur. Und wobei er vorher nur Ton gehört hat, beim Erklingen des sogenannten Leblosen, vernimmt er jetzt eine neue Sprache der Seele. […] Er fängt an, mit der Seele zu hören.|10|49}}{{GS|Alles beruht schließlich darauf, daß der Mensch fortwährend Leib, Seele und Geist mit sich herumträgt, daß er sich aber nur seines Leibes im ausgesprochenen Sinne bewußt ist, nicht seiner Seele und seines Geistes. Und der Geheimschüler wird sich der Seele und des Geistes bewußt, wie sich der gewöhnliche Mensch seines Leibes bewußt ist.|10|60}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Selbstvertrauen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Mut und Selbstvertrauen sind aber zwei Lichter, die auf dem Wege zur Geheimwissenschaft nicht erlöschen dürfen. Wer es nicht über sich bringen kann, eine Übung, die scheinbar unzähligemal mißglückt ist, immer wieder und wieder geduldig fortzusetzen, der kann nicht weit kommen.|10|59}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sprechen&lt;br /&gt;
{{GS|Was für die Ausbildung des Geheimschülers ganz besonders wichtig ist, das ist die Art, wie er anderen Menschen beim Sprechen zuhört. Er muß sich daran gewöhnen, dies so zu tun, daß dabei sein eigenes Innere vollkommen schweigt. […] In der Geistesforschung wird solches planmäßig geübt.|10|50}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|T}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|T}}Ton&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Die ganze Natur fängt an, dem Menschen durch ihr Ertönen Geheimnisse zuzuraunen. Was vorher seiner Seele unverständlicher Schall war, wird dadurch sinnvolle Sprache der Natur. Und wobei er vorher nur Ton gehört hat, beim Erklingen des sogenannten Leblosen, vernimmt er jetzt eine neue Sprache der Seele. […]  Er fängt an, mit der Seele zu hören.|10|49}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|U}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|U}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|V}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|V}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|W}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|W}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|X}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|X}}&lt;br /&gt;
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{{GlossarNavigationArtikel|Y}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|Y}}&lt;br /&gt;
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{{GlossarNavigationArtikel|Z}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|Z}}&lt;br /&gt;
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{{GlossarNavigationArtikel|0-9}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|0-9}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Literatur =&lt;br /&gt;
* [[a:Rudolf Steiner|Rudolf Steiner]]: &#039;&#039;Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?&#039;&#039;, [[GA 10]] (1993), ISBN 3-7274-0100-1; &#039;&#039;&#039;Tb 600&#039;&#039;&#039;, ISBN 978-3-7274-6001-2 {{Schriften|10}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GA}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Originalausgaben ==&lt;br /&gt;
* [https://www.odysseetheater.org/ftp/anthroposophie/Rudolf_Steiner/Faksimiles/GA010_1904.pdf Ausgabe 1904]&lt;br /&gt;
* [https://www.odysseetheater.org/ftp/anthroposophie/Rudolf_Steiner/Faksimiles/GA010_1907.pdf Ausgabe 1907]&lt;br /&gt;
* [https://www.odysseetheater.org/ftp/anthroposophie/Rudolf_Steiner/Faksimiles/GA010_1909.pdf Ausgabe 1909]&lt;br /&gt;
* [https://www.odysseetheater.org/ftp/anthroposophie/Rudolf_Steiner/Faksimiles/GA010_1910.pdf Ausgabe 1910]&lt;br /&gt;
* [https://www.odysseetheater.org/ftp/anthroposophie/Rudolf_Steiner/Faksimiles/GA010_1914.pdf Ausgabe 1914]&lt;br /&gt;
* [https://www.odysseetheater.org/ftp/anthroposophie/Rudolf_Steiner/Faksimiles/GA010_1918.pdf Ausgabe 1918]&lt;br /&gt;
* [https://www.odysseetheater.org/ftp/anthroposophie/Rudolf_Steiner/Faksimiles/GA010_1919.pdf Ausgabe 1919]&lt;br /&gt;
* [https://www.odysseetheater.org/ftp/anthroposophie/Rudolf_Steiner/Faksimiles/GA010_1922.pdf Ausgabe 1922]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:GA 10 Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?|!]] [[Kategorie:GA|GA 010]] [[Kategorie:GA (Schriften)|GA 010]] [[Kategorie:Gesamtausgabe|GA 010]] [[Kategorie:Taschenbücher|GA 010]]&lt;br /&gt;
[[en:GA 10]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Artikel unten}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>ElkeJura</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://steiner.wiki/index.php?title=GA_120&amp;diff=11310</id>
		<title>GA 120</title>
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		<updated>2025-10-01T18:57:25Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;ElkeJura: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Artikel oben}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:GA120.jpg|thumb|{{RSV|120}}]]&lt;br /&gt;
__NOTOC__&lt;br /&gt;
&amp;lt;div class=&amp;quot;center&amp;quot; &amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;h3&amp;gt;RUDOLF STEINER&amp;lt;/h3&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;h3&amp;gt;VORTRÄGE&amp;lt;/h3&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;h4&amp;gt;VORTRÄGE VOR MITGLIEDERN&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
DER ANTHROPOSOPHISCHEN GESELLSCHAFT&amp;lt;/h4&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;h3&amp;gt;Die Offenbarungen&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
des Karma&amp;lt;/h3&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;h5&amp;gt;Ein Zyklus von elf Vorträgen&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
gehalten in Hamburg&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
zwischen dem 16. und 28. Mai 1910&amp;lt;/h5&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;h3&amp;gt;GA 120&amp;lt;/h3&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;h3&amp;gt;1992&amp;lt;/h3&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Inhaltsverzeichnis =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[GA 120#ERSTER VORTRAG Hamburg, 16. Mai 1910|ERSTER VORTRAG Hamburg, 16. Mai 1910]]&lt;br /&gt;
* [[GA 120#ZWEITER VORTRAG Hamburg, 17. Mai 1910|ZWEITER VORTRAG Hamburg, 17. Mai 1910]]&lt;br /&gt;
* [[GA 120#DRITTER VORTRAG Hamburg, 18. Mai 1910|DRITTER VORTRAG Hamburg, 18. Mai 1910]]&lt;br /&gt;
* [[GA 120#VIERTER VORTRAG Hamburg, 19. Mai 1910|VIERTER VORTRAG Hamburg, 19. Mai 1910]]&lt;br /&gt;
* [[GA 120#FÜNFTER VORTRAG Hamburg, 20. Mai 1910|FÜNFTER VORTRAG Hamburg, 20. Mai 1910]]&lt;br /&gt;
* [[GA 120#SECHSTER VORTRAG Hamburg, 21. Mai 1910|SECHSTER VORTRAG Hamburg, 21. Mai 1910]]&lt;br /&gt;
* [[GA 120#SIEBENTER VORTRAG Hamburg, 22. Mai 1910|SIEBENTER VORTRAG Hamburg, 22. Mai 1910]]&lt;br /&gt;
* [[GA 120#ACHTER VORTRAG Hamburg, 25. Mai 1910|ACHTER VORTRAG Hamburg, 25. Mai 1910]]&lt;br /&gt;
* [[GA 120#NEUNTER VORTRAG Hamburg, 26. Mai 1910|NEUNTER VORTRAG Hamburg, 26. Mai 1910]]&lt;br /&gt;
* [[GA 120#ZEHNTER VORTRAG Hamburg, 27. Mai 1910|ZEHNTER VORTRAG Hamburg, 27. Mai 1910]]&lt;br /&gt;
* [[GA 120#ELFTER VORTRAG Hamburg, 28. Mai 1910|ELFTER VORTRAG Hamburg, 28. Mai 1910]]&lt;br /&gt;
* [[GA 120#EINLADUNG ZUM VORTRAGSZYKLUS|EINLADUNG ZUM VORTRAGSZYKLUS]]&lt;br /&gt;
* [[GA 120#HINWEISE|HINWEISE]]&lt;br /&gt;
* [[GA 120#NAMENREGISTER|NAMENREGISTER]]&lt;br /&gt;
* [[GA 120#Literatur|Literatur]]&lt;br /&gt;
* [[GA 120#Glossar|Glossar]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|9}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= ERSTER VORTRAG Hamburg, 16. Mai 1910 =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Zyklus von Vorträgen soll Fragen behandeln aus dem Gebiete der Geisteswissenschaft, die tief in das Leben einschneidend sind. Aus den verschiedenen Darstellungen, die im Laufe der Zeit gegeben wor den sind, ist es uns ja geläufig, daß Geisteswissenschaft nicht eine ab strakte Theorie sein soll, nicht eine bloße Doktrin oder Lehre, sondern ein Quell für Leben und Lebenstüchtigkeit, und sie erfüllt erst dann ihre Aufgabe, wenn durch das, was sie an Erkenntnissen zu geben vermag, etwas hineinfließt in unsere Seelen, was das Leben reicher, verständlicher, was unsere Seelen tüchtiger und tatkräftiger machen kann. Wenn sich nun allerdings derjenige, der sich zu dieser unserer Weltanschauung bekennt, jenes Ideal, das eben mit ein paar Worten gekennzeichnet worden ist, vorhält und in der Gegenwart dann ein wenig Umschau hält, inwiefern er imstande ist, das, was ihm aus der Theosophie erfließt, in diesem Leben umzusetzen, dann könnte er vielleicht zu einem recht wenig erfreulichen Eindruck kommen. Denn wenn man unbefangen alles betrachtet, was heute die Welt meint zu «wissen», was in unserer Gegenwart die Menschen zu diesen oder jenen Gefühlen oder Handlungen treibt, so könnte man sagen, daß dies alles von den theosophischen Ideen und Idealen so unendlich weit verschieden ist, daß der Theosoph gar keine Möglichkeit habe, unmittelbar in das Leben einzugreifen mit dem, was er aus den Quellen der Geisteswissenschaft heraus sich aneignet.- Das wäre aber dennoch eine recht oberflächliche Betrachtung der Sachlage, oberflächlich aus dem Grunde, weil bei einer solchen Betrachtung nicht gerechnet würde mit dem, was wir aus unserer Weltanschauung selber dadurch entnehmen müssen, daß wir uns sagen: Wenn einmal wirklich jene Kräfte, die wir durch Theosophie aufnehmen, stark genug sein werden, dann werden sie auch die MögIichkeit finden, in die Welt einzugreifen; wenn aber niemals etwas dazu getan würde, diese Kräfte immer stärker und stärker zu machen, so würde eben ihr Eingreifen in die Welt unmöglich sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber es ist noch etwas anderes, was uns sozusagen Trost geben kann,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|10}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
selbst wenn wir durch eine solche Betrachtung trostlos werden möchten, und das ist es gerade, was uns aus den Betrachtungen dieses Vortragszyklus folgen soll: Betrachtungen über das, was man menschliches Karma und Karma überhaupt nennt. Denn wir werden mit jeder Stunde, die wir hier verbringen, mehr sehen, wie wir gar nicht genug tun können an der Herbeiführung der Möglichkeit, mit theosophischen Kräften in das Leben einzugreifen, und wie wir, wenn wir ernsthaft an Karma glauben und festhalten, voraussetzen müssen, daß uns Karma selber dasjenige zuwerfen wird, was wir über kurz oder lang zu tun haben werden für unsere Kräfte. Wir werden sehen: Wenn wir vermeinen, wir könnten die aus unsererWeltanschauung gewonnenen Kräfte noch nicht anwenden, dann haben wir eben diese Kräfte noch nicht genügend stark gemacht, damit sie bewirken können, daß Karma es uns auch ermögliche, in die Welt mit diesen Kräften einzugreifen. So soll nicht nur eine Summe von Erkenntnissen über Karma in diesen Vorträgen leben, sondern es soll mit jeder Stunde mehr das Vertrauen in Karma geweckt werden, die Gewißheit, daß, wenn die Zeit gekommen sein wird, ob es nun morgen oder übermorgen oder nach vielen Jahren sein wird, unser Karma uns Aufgaben bringen wird, insofern wir als Bekenner unserer Weltanschauung Aufgaben zu verrichten haben. Karma wird sich uns darstellen als eine Lehre, welche uns nicht nur sagt, wie dieses oder jenes in der Welt sich verhält, sondern welche mit den Aufschlüssen, die sie uns bringt, zu gleicher Zeit uns Lebensbefriedigung und Lebenserhöhung bringen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Allerdings, wenn Karma eine solche Aufgabe erfüllen soll, ist es schon notwendig, daß wir das damit gemeinte Gesetz etwas tiefer ins Auge fassen, sozusagen in seiner Ausbreitung über die Welt. Dazu ist aber diesmal etwas notwendig, was sonst nicht eigentlich in meinem Gebrauche liegt bei geisteswissenschaftlichen Betrachtungen, nämlich eine Definition, eineWorterklärung zu geben. Ich pflege das sonst nicht zu tun, weil mit solchen Worterklärungen in der Regel nicht viel getan ist. Bei unseren Betrachtungen wird in der Regel begonnen mit der Darstellung von Tatsachen, und wenn diese Tatsachen in der entsprechenden Weise gruppiert und geordnet sind, ergeben sich die Begriffe und Vorstellungen von selbst. Wollten wir nun allerdings für die umfassenden &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|11}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fragen, die wir in den nächsten Tagen zu besprechen haben, einen ähnlichen Gang einschlagen, so müßten wir viel mehr Zeit zur Verfügung haben, als uns geboten ist. Deshalb ist es diesmal zur Verständigung notwendig, daß wir, wenn auch nicht eine Definition, so doch eine Art Beschreibung des Begriffes geben, der uns längere Zeit beschäftigen wird. Definitionen haben ja auch nur den Zweck, sich darüber zu verständigen, was man meint, wenn man dieses oder jenes Wort anschlägt oder ausspricht. In diesem Stile soll eine Beschreibung des Begriffes «Karma» gegeben werden, damit wir wissen, wovon wir sprechen, wenn in diesen Vorträgen der Ausdruck «Karma» gebraucht wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus mancherlei Betrachtungen hat wohl ein jeder von uns sich schon einen Begriff gebildet von dem, was Karma ist. Ein recht abstrakter Begriff von Karma ist wohl der, wenn man Karma das «geistige Ursachengesetz» nennt, das Gesetz, wonach auf gewisse Ursachen, die im geistigen Leben liegen, gewisse Wirkungen folgen. Das ist aber ein zu abstrakter Begriff von Karma, weil er zum Teil zu eng, zum Teil aber auch viel zu weit sein würde. Wenn wir Karma überhaupt auffassen wollen als ein Ursachengesetz, so stellen wir es zusammen mit dem, was wir sonst in der Welt als das Gesetz der Kausalität, als das Gesetz von Ursache und Wirkung bezeichnen. Verständigen wir uns einmal darüber, was wir sonst unter dem Ursachengesetz auf dem allgemeinen Gebiete verstehen, wo wir noch nicht von geistigen Tatsachen und geistigen Ereignissen sprechen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es wird heute so oft von der äußeren Wissenschaft betont, daß die eigentliche Bedeutung dieser Wissenschaft darinnen liege, daß sie baue auf das umfassende Ursachengesetz, daß sie überall Wirkungen auf entsprechende Ursachen zu rück führe. Wie dieses Zurückführen von Wirkungen auf Ursachen geschieht, darüber sind sich allerdings die Menschen schon viel weniger klar. Denn Sie werden wohl auch heute noch in Büchern, die da glauben, recht gelehrt zu sein und recht philosophisch die Begriffe klarzulegen, immer noch Aussprüche finden können wie etwa den: Eine Wirkung ist dasjenige, was aus einer Ursache folgt. - Wenn man aber sagt, daß eine Wirkung aus einer Ursache folge, dann redet man an den Tatsachen ganz gewaltig vorbei. Denn wenn wir zum Beispiel den erwärmenden Sonnenstrahl betrachten, der auf eine Metallplatte &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|12}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
auffällt, so daß diese Metallplatte dadurch wärmer geworden ist, dann werden wir von Ursache und Wirkung in der Welt draußen reden. Aber werden wir jemals sagen können, daß die Wirkung - die Erwärmung der Metallplatte - aus der Ursache des warmen Sonnenstrahles folge? Wenn der warme Sonnenstrahl diese Wirkung schon in sich hätte, so würde es die Tatsache nicht geben, da der warme Sonnenstrahl eine Metallplatte gar nicht erwärmt, wenn sie ihm nicht entgegenkommt. Damit in der Welt der Erscheinungen, in der leblosen Welt, die wir zunächst um uns herum haben, eine Wirkung auf eine Ursache folge, ist stets notwendig, daß dieser Ursache etwas entgegenkommt. Und ohne daß etwas der Ursache entgegenkommt, ist niemals von dem Folgen einer Wirkung auf eine Ursache zu sprechen. - Es ist nicht überflüssig, daß wir eine solche scheinbar recht philosophisch und abstrakt klingende Bemerkung vorausschicken; denn man muß sich schon einmal angewöhnen, wenn man fruchtbar vorwärtskommen will auf theosophischem Gebiete, die Begriffe recht genau zu fassen und nicht so nachlässig, wie sie zuweilen in den andern Wissenschaften gefaßt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun aber dürfte niemand von Karma sprechen, wenn bloß in einer solchen Weise eine Wirkung eintreten würde, wie sie vorhanden ist, wenn der wärmende Sonnenstrahl eine Metallplatte erwärmt. Da ist zwar die Kausalität vorhanden, der Zusammenhang von Ursache und Wirkung, aber wir würden niemals zu einem gehörigen Begriff von Karma kommen,wenn wir nur auf diesem Gebiete von Karma sprechen würden. Wir können also nicht von Karma sprechen, wenn bloß eine Wirkung mit einer Ursache in Zusammenhang steht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir können nun weitergehen und uns einen etwas höheren Begriff von dem Zusammenhang zwischen Ursache und Wirkung bilden. Wenn wir zum Beispiel einen Bogen haben, ihn spannen und dann mit diesem Bogen einen Pfeil abschießen, dann ist durch das Spannen des Bogens eine Wirkung eingetreten. Diese Wirkung des abgeschossenen Pfeiles im Zusammenhang mit seiner Ursache werden wir ebensowenig mit dem Ausdruck «Karma» belegen dürfen wie das, was eben gesagt worden ist. Wenn wir aber bei diesem Vorgang etwas anderes betrachten, kommen wir in gewisser Weise schon dem Karma nahe, wenn wir auch &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|13}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dabei noch immer nicht den Karmabegriff fassen: wenn wir nämlich bedenken, daß der Bogen, wenn er recht oft gespannt wird, mit der Zeit schlaff wird. Da wird durch das, was der Bogen tut, was` mit ihm geschieht&amp;gt; nicht bloß eine Wirkung folgen, die sich nach außen hin zeigt, sondern es wird eine Wirkung folgen, die auf den Bogen selber zurück- geht. Es geschieht durch das fortwährende Spannen des Bogens etwas mit dem Bogen selbst. Etwas, das durch das Spannen geschieht, fällt also sozusagen wieder auf den Bogen selbst zurück. Eine Wirkung wird also erzielt, welche auf den Gegenstand zurück fällt, von dem diese Wirkung selbst veranlaßt worden ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das gehört nun schon in den Karmabegriff hinein. Ohne daß eine Wirkung erzeugt wird, die wieder zurückfällt auf das Ding oder die Wesenheit, welche diese Wirkung hervorbringt, ohne diese Eigentümlichkeit des Zurückwirkens der Wirkung auf das verursachende Wesen ist der Karmabegriff nicht zu denken. Da kommen wir also dem Karmabegriff schon insofern etwas näher, als uns klar wird, daß die von einem Ding oder Wesen verursachte Wirkung wieder zurückschlagen muß auf dieses Ding oder Wesen selber. Aber dennoch dürfen wir das Schlaffwerden des Bogens durch das fortwährende Spannen nicht das Karma des Bogens nennen, und zwar aus folgendem Grunde nicht: Wenn wir den Bogen etwa drei bis vier Wochen recht oft gespannt haben, und er ist nach vier Wochen schlaff geworden, dann haben wir in dem schlaffen Bogen eigentlich etwas ganz anderes vor uns, als vor vier Wochen in dem straffen Bogen; der Bogen ist etwas anderes geworden, er ist nicht dasselbe geblieben. Wenn also die zurückschlagende Wirkung so ist, daß sie durchaus etwas anderes aus dem Ding oder Wesen macht, dann dürfen wir doch noch nicht von einem Karma sprechen. Wir dürfen erst von einem Karma sprechen, wenn die Wirkung, die auf das Wesen zurückschlägt, beim Zurückschlagen auf dasselbe Wesen trifft, oder wenn das Wesen wenigstens in einem gewissen Sinne dasselbe geblieben ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So also sind wir dem Karmabegriff wieder um ein Stück nähergekommen. Aber wir bekommen, wenn wir den Karmabegriff so beschreiben wollen, im Grunde genommen von ihm doch nur eine recht ab- strakte Vorstellung. Dennoch werden wir diesen Begriff, wenn wir ihn &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
abstrakt fassen wollen, kaum genauer fassen können, als wenn wir ihn in der Weise ausdrücken, wie wir es eben jetzt getan haben. Nur das eine müssen wir zum Karmabegriff noch hinzufügen: Wenn die Wirkung, die auf das Wesen zurückschlägt, in demselben Zeitpunkte erfolgt, wenn also Verursachung und zurückschlagende Wirkung in demselben Zeitpunkte stattfinden, dann werden wir kaum von Karma sprechen können. Denn in diesem Falle würde das Wesen, von dem die Wirkung ausgeht, im Grunde genommen die Wirkung unmittelbar hervorbringen wollen, würde also diese Wirkung voraussetzen, würde durchschauen alle Elemente, die zu dieser Wirkung führen. Wenn das&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der Fall ist, sprechen wir doch nicht von Karma. So zum Beispiel werden wir nicht von Karma sprechen, wenn wir einen Menschen vor uns haben, der eine bestimmte Tat vollbringt, mit der er dieses oder jenes beabsichtigt, und wenn dann - gemäß seiner Absicht - diese oder jene Wirkung, die er eben gewollt hat, eintritt. Das heißt, es muß zwischen der Ursache und der Wirkung etwas liegen, was sich dem Wesen bei der Herbeiführung der Ursache unmittelbar entzieht, so daß der Zusammenhang von Ursache und Wirkung zwar vorhanden ist, aber nicht eigentlich von dem Wesen selber beabsichtigt ist. Wenn dieser Zusammenhang von dem Wesen, das verursacht, nicht beabsichtigt ist, dann muß der Grund, warum ein Zusammenhang besteht zwischen Ursache und Wirkung, woanders liegen als in den Absichten des betreffenden Wesens. Das heißt, es muß dieser Grund liegen in einer bestimmten Gesetzmäßigkeit. Das gehört also noch zum Karma dazu, daß der Zusammenhang zwischen Ursache und Wirkung ein gesetzmäßiger ist, der hinübergeht über das, was das Wesen unmittelbar beabsichtigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So hätten wir einige Elemente zusammengetragen, welche uns den Karmabegriff erläutern können. Aber wir müssen alle diese Elemente in dem Karmabegriff darinnen haben und nicht bei einer abstrakten Definition stehenbleiben. Denn sonst werden wir nicht die Offenbarungen des Karma auf den verschiedenen Gebieten der Welt begreifen können. Diese Offenbarungen des Karma werden wir nun zuerst dort aufzusuchen haben, wo uns Karma zunächst entgegentritt: im einzelnen Menschenleben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Können wir im einzelnen Menschenleben so etwas finden und wann&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|15}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
können wir es finden, was wir jetzt eben durch unsere Erläuterung des Karmabegriffes dargestellt haben?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir würden so etwas finden, wenn zum Beispiel ein Erlebnis in unser Leben hineinträte, bei dem wir uns sagen könnten: Dieses Erlebnis, das da für uns auftritt, steht in einem gewissen Zusammenhange mit einem früheren Erlebnis, an dem wir selber beteiligt sind, zu dem wir selber Veranlassung gegeben haben. Versuchen wir einmal - zunächst rein durch Beobachtung des Lebens - festzustellen, ob es so etwas gibt. Wir wollen uns jetzt also rein auf den Standpunkt der äußeren Beobachtung stellen. Wer solche Beobachtungen nicht anstellt, kann auch nie zum Erkennen eines gesetzmäßigen Zusammenhanges im Leben kommen; er kann es ebensowenig, wie derjenige das Gesetz des elastischen Stoßes an zwei Billardkugeln kennenlernen kann, der diesen Stoß nicht beobachten wird. Beobachtung des Lebens kann uns in der Tat zu der Anschauung eines gesetzmäßigen Zusammenhanges führen. Greifen wir dazu gleich einen bestimmten Zusammenhang heraus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sagen wir, ein junger Mensch wäre im achtzehnten Jahre seines Lebens aus dem Berufe, der ihm bis dahin vorgezeichnet zu sein schien, durch irgendein Ereignis herausgewöorfen worden. Nehmen wir an, dieser Mensch hätte bis dahin ein Studium betrieben, hätte sich durch das Studium vorbereitet zu einem Berufe, wie er aus solchem Studium hervorgehen kann, und nun wäre er, zum Beispiel durch einen Unglücksfall seiner Eltern, daraus herausgeworfen worden und mit achtzehn Jahren in den Kaufmannsberuf hineingetrieben worden. Wer solche Fälle unbefangen im Leben beobachtet - mit einem solchen Blick, wie man in der Physik die Erscheinung des Stoßes elastischer Kugeln betrachtet -, der wird dann zum Beispiel finden, daß die Erlebnisse des Kaufmannsberufes, in den der junge Mensch hineingetrieben worden ist, zunächst anregend wirken, daß er darin seine Pflichten ausführt, etwas lernt, vielleicht auch etwas ganz Tüchtiges wird. Aber man kann auch beobachten, daß nach einiger Zeit etwas ganz anderes auch eintritt: ein gewisser Überdruß, eine gewisse Unzufriedenheit. Nicht gleich wird eine solche Unzufriedenheit eintreten. Wenn mit achtzehn Jahren sich der Berufswechsel vollzogen hat, werden vielleicht die nächsten Jahre ruhig vorübergehen. Aber vielleicht um das dreiundzwanzigste &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|16}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jahr herum wird es deutlich werden, daß sich etwas in der Seele festsetzt, was sich wie etwas Unerklärliches zeigt. Wenn man dann weiter nachforscht, kann man häufig bemerken, wenn der Fall klarliegt, daß der Überdruß fünf Jahre nach dem Berufswechsel seine Erklärung findet durch das dreizehnte oder vierzehnte Jahr. Denn die Ursachen für eine solche Erscheinung werden wir sehr häufig zu suchen haben ungefähr eine ebensolche Zeitspanne vor dem Berufswechsel, wie nach demselben ein Ereignis eingetreten ist, wie wir es eben beschrieben haben. Da kann der betreffende Mensch in seinem dreizehnten Jahre während seiner Lernzeit - also fünf Jahre vor seinem Berufswechsel - etwas in seine Gefühlswelt aufgenommen haben, was ihm eine gewisse innere Beseligung gewährte. Nehmen wir an, der Berufswechsel wäre nicht eingetreten; dann würde das, woran sich der junge Mensch im dreizehnten Jahre gewöhnt hatte, im späteren Leben sich ausgelebt und diese oder jene Frucht getragen haben. Nun kam aber der Berufswechsei, der zunächst den jungen Menschen interessiert hat, der seine Seele eingenommen hat. Was dadurch in sein Seelenleben gekommen ist, das hat zurückgedrängt, was früher darinnen war. Eine gewisse Zeit hindurch kann das zurückgedrängt werden, aber indem es zurückgedrängt wird, gewinnt es gerade im Inneren eine besondere Kraft; da sammelt es sozusagen Spannkraft im Inneren an. Da ist es ähnlich, wie wenn wir einen elastischen Ball zusammendrücken: Wir können ihn bis zu einer gewissen Grenze drücken, dann leistet er Widerstand; und wenn er zum Zurückschnellen veranlaßt wird, wird er mit einer um so größeren Kraft zurückschnellen, je mehr wir ihn vorher zusammengedrückt haben. Solche Erlebnisse, wie die eben angedeuteten, die ein junger Mensch aufgenommen hat im dreizehnten Jahre seines Lebens und welche sich dann bis zum Berufswechsel befestigt haben, können auch in gewisser Weise zurückgedrängt werden; dann aber macht sich nach einiger Zeit ein Widerstand in der Seele geltend. Und dann kann man sehen, wie dieser Widerstand stark genug geworden ist, um sich nun in seiner Wirkung zu zeigen. Weil der Seele das fehlt, was sie sonst haben würde, wenn der Berufswechsel nicht gekommen wäre, macht sich das Zurückgedrängte geltend und kommt jetzt so zum Vorschein, daß Unbefriedigung, Überdruß an dem, was die Umgebung bietet, eintritt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|17}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da also haben wir einen Fall, wo der betreffende Mensch etwas er- lebt hat, etwas getan hat in seinem dreizehnten bis vierzehnten Lebens jahre, und wo er später etwas anderes getan hat, nämlich den Berufs wechsel vollzogen hat, und wir sehen, wie diese Ursachen so sich aus- leben, daß sie in ihrer Wirkung später zurückfallen, zurückschlagen auf dasselbe Wesen. In einem solchen Falle würden wir den Karma begriff zunächst auf das Einzelleben des Menschen anwenden müssen. -&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man sollte aber nun nicht dagegen einwenden: Wir haben aber Fälle kennengelernt, wo sich so etwas ganz und gar nicht zeigte! - Das kann sein. Aber es wird auch keinem Physiker einfallen, wenn er die Gesetze des fallenden Steines untersuchen will, der mit dieser oder jener Geschwindigkeit fällt, daß er sich sagen müßte, das Gesetz wäre nicht richtig, wenn der Stein etwa durch einen Schlag aus seiner Richtung geschleudert würde. Man muß lernen, in der richtigen Weise zu beobachten, und diejenigen Erscheinungen ausschließen, welche nicht zur Bildung des Gesetzes gehören. Gewiß würde ein solcher Mensch, der, wenn nichts anderes eintreten würde, mit dreiundzwanzig Jahren die Eindrücke seines dreizehnten Jahres in ihrer Wirkung als Überdruß empfindet, zu diesem Überdruß nicht kommen, wenn er zum Beispiel in der Zwischenzeit geheiratet hätte. Aber da hätten wir es mit etwas zu tun, was für die Feststellung des Grundgesetzes ohne Einfluß ist. Darauf aber kommt es an, daß wir die richtigen Faktoren finden, die uns auf ein Gesetz führen können. Beobachtung an sich ist noch gar nichts; erst geregelte Beobachtung bringt uns zur Erkenntnis des Gesetzes. Nun handelt es sich aber auch darum, solche geregelte Beobachtungen, wenn wir das Gesetz des Karma studieren wollen, in der rechten Weise anzustellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen wir an, um für einen einzelnen Menschen das Karma zu erkennen, jemanden träfe im fünfundzwanzigsten Lebensjahre ein schwerer Schicksalsschlag, der ihm Schmerz und Leid verursacht. Wenn wir nun einfach unsere Beobachtungen so anstellen, daß wir sagen, dieser schwere Schicksalsschlag ist eben in das Leben hereingebrochen und hat es mit Schmerz und Leid erfüllt, wenn wir also bei der bloßen Beobachtung stehenbleiben, werden wir nie zum Erkennen des karmischen Zusammenhanges kommen. Wenn wir aber weiterschreiten und das &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|18}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Leben eines solchen Menschen, der im fünfundzwanzigsten Jahre einen derartigen Schicksalsschlag erlebt hat, in seinem fünfzigsten Jahre betrachten, dann werden wir vielleicht zu einer Anschauung kommen, die wir etwa so ausdrücken können: Der Mensch, den wir da betrachten, ist ein Mensch geworden, fleißig und regsam, der tüchtig im Leben da- steht; jetzt schauen wir weiter zurück in sein Leben. Mit zwanzig Jahren - so finden wir dann - war er noch ein Taugenichts und hat überhaupt nichts tun wollen; mit fünfundzwanzig Jahren hat ihn dann der schwere Schicksalsschlag getroffen. Hätte ihn dieser Schlag nicht getroffen - so können wir jetzt sagen -, so wäre er ein Taugenichts geblieben. Also ist der schwere Schicksalsschlag die Ursache dazu gewesen, daß wir im fünfzigsten Jahre einen regsamen und tüchtigen Menschen vor uns haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine solche Tatsache lehrt uns, daß wir fehlgehen, wenn wir den Schicksalsschlag vom fünfundzwanzigsten Jahre als eine bloße Wirkung betrachten. Denn wenn wir fragen: Was hat er verursacht?, können wir nicht bei der bloßen Beobachtung stehenbleiben.Wenn wir aber einen solchen Schlag nicht als Wirkung betrachten und an das Ende der Erscheinungen stellen, die vorausgegangen sind, sondern wenn wir ihn an den Anfang der nachfolgenden Ereignisse stellen und ihn als Ursache betrachten, dann lernen wir erkennen, daß wir allerdings sogar unser Gefühlsurteil, unser Empfindungsurteil ganz wesentlich ändern können gegenüber diesem Schicksalsschlag. Wir werden vielleicht traurig sein, wenn wir ihn bloß als Wirkung betrachten, daß diesen Menschen dieser Schlag getroffen hat. Betrachten wir ihn dagegen als Ursache eines Späteren, dann können wir vielleicht froh sein und Freude darüber empfinden. Denn diesem Schicksalsschlag ist es zu verdanken - so können wir sagen -, daß der Betreffende ein ordentlicher Mensch geworden ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So sehen wir, daß es an unseren Empfindungen etwas Wesentliches ändern kann, je nachdem wir eine Tatsache des Lebens als Wirkung oder als Ursache betrachten. Es ist also nicht gleichgültig, ob wir irgend etwas, was im Leben den Menschen trifft, als bloße Wirkung oder als Ursache betrachten. Freilich, wenn wir in dem Zeitpunkt die Beobachtung anstellen, wo das schmerzliche Ereignis eingetreten ist, können wir &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|19}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
noch nicht die unmittelbare Wirkung wahrnehmen. Wenn wir uns aber das Karmagesetz gebildet haben aus ähnlichen Beobachtungen, dann kann dieses Karmagesetz selber uns sagen: Jetzt ist vielleicht ein Ereignis schmerzlich, weil es uns bloß als Wirkung des Vorhergehenden entgegentritt; aber es kann auch so betrachtet werden, daß es als Ausgangspunkt für ein Folgendes angesehen wird. Dann können wir sagen: Wir ahnen, daß hier der Ausgangspunkt die Ursache ist von Wirkungen, welche die Sache in ein ganz anderes Licht stellen! So kann das Karmagesetz selber der Quell sein einerTröstung. Die Tröstung wäre nicht da, wenn wir uns gewöhnten, ein Ereignis nur an das Ende und nicht an den Anfang einer Erscheinungsreihe zu setzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es kommt also darauf an, daß wir lernen, das Leben geregelt zu beobachten und in entsprechender Weise die Dinge als Wirkung und Ursache zueinander zu stellen. Wenn wir solche Beobachtungen wirklich durchgreifend anstellen, werden uns im einzelnen Menschenleben Ergebnisse zutage treten, die mit einer gewissen Regelmäßigkeit für das einzelne Menschenleben ablaufen, und andere Ergebnisse werden zutage treten, die uns unregelmäßig in diesem Leben erscheinen. So kann der, welcher das Menschenleben beobachtet - und zwar nicht nur so weit, als gerade die Nase reicht -, merkwürdige Zusammenhänge in diesem Menschenleben finden. Nur werden die Erscheinungen des menschlichen Lebens leider heute nur über kurze Zeitspannen, kaum über einige Jahre, beobachtet; und was nach einer größeren Anzahl von Jahren eintritt&amp;gt; das ist man nicht gewohnt, mit dem in Zusammenhang zu bringen, was etwa früher als Ursache vorhanden sein konnte. Daher werden nur wenige Menschen sich heute finden, die Anfang und Ende des Menschenlebens in einen gewissen Zusammenhang bringen. Dennoch ist dieser Zusammenhang außerordentlich lehrreich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen wir an, wir haben ein Kind in den ersten sieben Jahren seines Lebens so erzogen, daß also wir nicht das getan haben, was gewöhnlich geschieht,daß wir nicht von dem Glauben ausgegangen sind: Wenn einer ein ordentlicher Mensch im Leben werden soll, muß er so und so sein, muß unseren Anschauungen von einem ordentlichen Menschen unbedingt entsprechen. Denn in einem solchen Falle würden wir dem Kinde möglichst genau das alles eintrichtern wollen, was es eben in &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|20}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
unserem Sinne zu einem ordentlichen Menschen machen sollte. Wenn wir aber von der Erkenntnis ausgehen, daß man ein ordentlicher Mensch auf vielerlei Arten sein kann und daß man noch gar keine Vorstellung zu haben braucht, auf welche Art der, der als Kind erst heranwächst, ein ordentlicher Mensch werden soll nach seiner individuellen Anlage, dann werden wir sagen: Was ich auch immer für Begriffe von einem ordentlichen Menschen habe, der Mensch, der aus diesem Kinde entstehen soll, muß dadurch entstehen, daß die besten Anlagen aus ihm herausgeholt werden - was ich vielleicht erst als Rätsel lösen muß! Und man wird sich daher sagen: Was kommt es darauf an, daß ich diesen oder jenen Geboten und dergleichen verpflichtet bin? Das Kind selbst muß ein Bedürfnis fühlen, dieses oder jenes zu tun! Wenn ich das Kind nach seinen individuellen Anlagen entwickeln will, werde ich versuchen, diejenigen Bedürfnisse, die in ihm veranlagt sind, zu entwickeln, herauszuholen, so (iaß vor allen Dingen ein Bedürfnis nach den Handlungen eintritt, das Kind also die Handlungen aus eigenem Bedürfnis tut. - Wir sehen daraus, daß es zwei ganz verschiedene Methoden gibt, auf ein Kind in den ersten sieben Jahren seines Lebens zu wirken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir nun das weitere Leben des Kindes beobachten, wird sich uns lange Zeit nicht zeigen, was die ausgesprochenste Wirkung dessen sein wird, was wir in den ersten Jahren auf diese Weise in das Kind hineingebracht haben. In der Lebensbeobachtung ergibt sich nämlich, daß die eigentlichen Wirkungen dessen, was als Ursachen in die kindliche Seele hineingelegt worden ist, am allerspätesten erst eintreten, das heißt am Lebensabend. Der Mensch kann einen in sich regen Geist bis an sein Lebensende dadurch haben, daß wir ihn als Kind in der Weise erzogen haben, wie es jetzt eben beschrieben worden ist: daß wir auf sein Seelenleben, auf alles, was lebendig in ihm sitzt, Rücksicht genommen haben. Wenn wir das herausgeholt und zur Entwickelung gebracht haben, was an inneren Kräften in ihm vorhanden ist, dann werden wir die Früchte am Lebensabend herauskommen sehen in Gestalt eines reichen Seelenlebens. Dagegen in einer verdorrten und verarmten Seele und demgemäß auch - weil, wie wir später sehen werden, eine verdorrte Seele auch auf den Leib wirkt - in den leiblichen Gebresten &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|21}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
des Alters tritt das auf, was wir in der frühesten Kindheit an dem Menschen Unrichtiges getan haben. Da sehen wir etwas, was sich in gewisser Weise regulär, so daß es für jeden Menschen gültig ist, im Menschenleben als Zusammenhang von Ursache und Wirkung darstellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So könnten wir auch für die mittleren Lebensabschnitte solche Zusammenhänge finden, und wir werden darauf noch aufmerksam machen. - Wie wir einen Menschen vom siebenten bis vierzehnten Jahre behandeln, das tritt in seinen Wirkungen wieder im vorletzten Lebensabschnitt hervor. So sehen wir Ursache und Wirkung zyklisch, wie im Kreise, sich abspielen. Was an Ursachen am frühesten vorhanden war, das tritt als Wirkung am spätesten auf. Aber nicht nur solche Wir kungen und Ursachen sind im einzelnen Menschenleben vorhanden, sondern es geht neben dem zyklischen Verlauf ein geradliniger einher.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An unserem Beispiel, wie das dreizehnte Jahr in das dreiundzwan zigste hineinspielen kann, haben wir gesehen, wie Ursache und Wirkung Im Menschenleben so zusammenhängen, daß dasjenige, was der Mensch in sich erlebt hat, Wirkungen nach sich zieht, die dann wieder auf dasselbe Menschenwesen zurückschlagen. So erfüllt sich Karma im einzelnen Menschenleben. Wir werden aber zu einer Erklärung des Menschenlebens nicht kommen, wenn wir Zusammenhänge zwischen Ursache und Wirkung nur in diesem einzelnen Menschenleben suchen. Wie der Gedanke, der jetzt angeschlagen ist, weiter zu begründen und auszuführen ist, darüber werden wir in den nächsten Stunden sprechen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt soll nur auf etwas hingedeutet werden, das ja bereits bekannt ist: daß die Geisteswissenschaft zeigt, wie dieses Menschenleben zwischen Geburt und Tod die Wiederholung ist früherer Menschenleben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir nun das Charakteristische aufsuchen für das Leben zwischen Geburt und Tod, so können wir als solches bezeichnen die Aus dehnung eines und desselben Bewußtseins - im wesentlichen wenigstens - für die ganze Zeit zwischen Geburt und Tod. Wenn Sie sich zurückerinnern an Ihre früheren Lebensabschnitte, so werden Sie sagen: Es gibt einen Zeitpunkt, der nicht mit meiner Geburt zusammenfällt, sondern etwas später liegt, wo meine Lebenserinnerungen beginnen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das werden alle Menschen sagen, die nicht zu den Eingeweihten gehören; und sie werden dann davon sprechen, daß ihr Bewußtsein soweit &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|22}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nur reicht. Im Grunde genommen haben wir es in dem Zeitraum von der Geburt bis zum Tod in bezug auf den Beginn dieser Lebenserinnerungen mit etwas sehr Eigentümlichem zu tun, und wir werden auch darauf noch zurückkommen; das wird uns in bedeutsame Dinge hinein- leuchten. Wenn wir das aber nicht berücksichtigen, können wir sagen: Charakteristisch für das Leben zwischen Geburt und Tod ist es, daß ein Bewußtsein sich ausdehnt für diese Zeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn nun auch der Mensch im gewöhnlichen Leben, wenn ihn im späteren Lebensalter etwas trifft, die Ursachen dazu in früheren Lebensabschnitten nicht aufsucht, so könnte er es aber dennoch, wenn er nur auf alles aufmerksam genug wäre und alles erforschen würde. Er könnte es mit dem Bewußtsein, das ihm als Erinnerungsbewußtsein zur Verfügung steht. Und wenn er durch die Erinnerung versuchte, sich den Zusammenhang zwischen Früherem und Späterem im karmischen Sinne vor die Seele zu stellen, so würde er zu folgendem Ergebnis kommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er würde zum Beispiel sagen: Ich sehe, daß gewisse Ereignisse, die bei mir eingetreten sind, nicht gekommen wären, wenn nicht das oder jenes in einem früheren Lebensabschnitt eingetreten wäre. - Er würde vielleicht sagen: Für das, was meine Erziehung an mir getan hat, muß ich jetzt büßen. - Aber wenn er auch nur den Zusammenhang einsieht zwischen dem, was nicht er gesündigt hat, sondern was an ihm gesündigt worden ist, und späteren Ereignissen, dann wird ihm schon das eine Hilfe sein. Er wird leichter Mittel und Wege finden, um Schäden, die an ihm begangen worden sind&amp;gt; auszugleichen. Die Erkenntnis eines solchen Zusammenhanges zwischen Ursachen und Wirkungen in unseren einzelnen Lebensabschnitten, die wir durch unser gewöhnliches Bewußtsein überschauen können, kann uns schon im höchsten Grade förderlich sein im Leben. Ja, wenn wir uns diese Erkenntnis erwerben, können wir vielleicht noch etwas anderes tun. - Wenn allerdings ein Mensch achtzig Jahre alt geworden ist und dann zurückschaut auf das, was man als Ursachen zu Ereignissen im achtzigsten Jahre in frühester Kindheit zu suchen hat, so wird es für ihn vielleicht recht schwierig sein, Gegenmittel zu finden, um auszugleichen, was an ihm getan worden ist, und wenn er sich dann belehren läßt, so wird das nicht mehr allzuviel helfen. Wenn er sich aber vorher belehren läßt und hinblickt &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|23}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
auf die Sünden, die an ihm begangen sind, und, sagen wir, schon im vierzigsten Jahre dagegen Vorsorge trifft, dann hat er vielleicht doch noch Zeit, um gewisse Gegenmittel zu ergreifen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir sehen also, daß wir uns nicht allein für das unmittelbar Nächst- liegende des Lebenskarma belehren lassen sollen, sondern über Karma und den gesetzmäßigen Zusammenhang, den Karma bedeutet, überhaupt. Das kann uns förderlich sein für unser Leben. - Was tut denn aber ein Mensch, der im vierzigsten Jahre etwas unternimmt, damit die Schäden gewisser Sünden nicht eintreten, die zum Beispiel im zwölften Jahre an ihm begangen worden sind, oder die er selbst begangen hat? Er wird versuchen, was er gesündigt hat oder was an ihm getan worden ist, auszugleichen und alles zu tun, was der Wirkung, die eintreten müßte, vorbeugt. Er wird in gewisser Weise sogar die notwendige Wirkung, die ohne sein Zutun eintreten würde, durch eine andere ersetzen. Die Erkenntnis dessen, was es im zwölften Jahre gegeben hat, wird ihn selbst zu einer bestimmten Handlung im vierzigsten Jahre führen. Diese Handlung hätte er nicht getan, wenn er nicht erkannt hätte, daß es dieses oder jenes im zwölften Jahre gegeben hat. Was hat der Mensch also durch sein Zurückblicken auf sein früheres Leben getan? Er hat selber durch sein Bewußtsein folgen lassen auf eine Ursache eine bestimmte Wirkung. Er hat gewollt die Wirkung, welche er jetzt herbeigeführt hat. - Das zeigt uns, wie in die Linie der karmischen Folgen unser Wille eingreifen und etwas schaffen kann, was an Stelle von sonst eingetretenen karmischen Wirkungen steht. Nehmen wir einen solchen Zusammenhang, wo unser Bewußtsein ganz bewußt eine Verbindung zwischen Ursache und Wirkung im Lebenslauf herbeiführt, so werden wir uns sagen: Bei einem solchen Menschen ist Karma oder karmische Gesetzmäßigkeit ins Bewußtsein hineingetreten, er hat selbst in gewisser Weise die karmischeWirkung herbeigeführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen wir nun aber einmal an, wir legen einer ähnlichen Betrach tung dasjenige zugrunde, was wir über die wiederholten Erdenläufe eines Menschen wissen. Das Bewußtsein, von dem wir eben gesprochen haben, das sich ausdehnt mit der angedeuteten Ausnahme auf unser Leben zwischen Geburt und Tod, das entsteht dadurch, daß sich der Mensch des Instrumentes seines Gehirns bedienen kann. Wenn der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|24}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mensch durch die Pforte des Todes schreitet, tritt ein andersgeartetes Bewußtsein auf, das unabhängig ist vom Gehirn und an wesentlich andere Bedingungen gebunden ist. Und wir wissen, daß für dieses Bewußtsein, das bis zur neuen Geburt dauert, eine Art Rückblick auftritt über alles, was der Mensch in dem Leben zwischen Geburt und Tod vollbracht hat. Im Leben zwischen Geburt und Tod muß sich der Mensch erst die Absicht bilden, zurückzublicken auf irgendwelche Sünden, die an ihm begangen worden sind, wenn er die Wirkung dieser Sünden wirklich karmisch in sein Leben einführen soll. Nach dem Tode schaut der Mensch im Zurückblicken auf sein Leben auf dasjenige, was er an Sünden oder überhaupt an Handlungen vollbracht hat. Da schaut er auch zugleich das&amp;gt; was diese Handlungen an seiner Seele oder aus seiner Seele gemacht haben. Da sieht der Mensch, wie er dadurch, daß er eine bestimmte Handlung getan hat, in seinem Werte gesunken oder gestiegen ist. Haben wir einem andern zum Beispiel irgendein Leid zugefügt, so ist unser Wert dadurch gesunken; wir sind sozusagen weniger wert geworden, sind unvollkommener geworden, indem wir dem andern das Leid zugefügt haben. Wenn wir nun nach dem Tode zurückblicken, sehen wir auf zahlreiche solche Fälle zurück, bei denen w1r uns sagen: Wir sind dadurch unvollkommener geworden. Daraus aber folgt für das Bewußtsein nach dem Tode, daß in ihm die Kraft und der Wille entstehen, wenn es wieder Gelegenheit dazu hat, alles zu tun, um jenen Wert wieder zu erringen, welchen es verloren hat, das heißt der Wille, alles Leid auszugleichen&amp;gt; das es zugefügt hat. Der Mensch nimmt also zwischen Tod und neuer Geburt die Tendenz, die Absicht auf, was er Schlechtes getan hat, wieder auszugleichen, damit er überhaupt den Standpunkt der Vollkommenheit wieder erringen kann, den er als Mensch haben soll und der verhindert worden ist durch die entsprechende Tat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun tritt der Mensch wieder ins Dasein. Sein Bewußtsein wird wieder ein anderes; er erinnert sich nicht zurück an die Zeit zwischen Tod und neuer Geburt und auch nicht daran, wie er die Absicht gefaßt hat, etwas auszugleichen. Aber diese Absicht sitzt in ihm. Und wenn er auch nicht weiß: Du mußt dies oder das tun, um das oder jenes auszugleichen! -, so wird er doch durch die Kraft, die in ihm sitzt, zu irgendeiner&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Handlung hingetrieben, die ein Ausgleich ist. Und jetzt können wir uns eine Vorstellung machen, was vor sich geht, wenn einen Menschen zum Beispiel im zwanzigsten Jahre etwas sehr Schmerzliches trifft. Mit seinem Bewußtsein, das er hat zwischen Geburt und Tod, wird er niedergedrückt sein durch seinen Schmerz. Würde er sich aber daran erinnern, was er in dem Leben zwischen Tod und neuer Geburt an Absichten aufgenommen hat, dann würde er auch die Kraft spüren, die ihn hingetrieben hat an die Stelle, wo er diesen Schmerz hat erleiden können, weil er gefühlt hat, daß er den Grad von Vollkommenheit, den er sich verscherzt hat und den er wiedererringen soll, nur dadurch wieder erreichen kann, daß er diesen Schmerz durchmacht. Wenn also auch das gewöhnliche Bewußtsein sagt: Der Schmerz ist da; du leidest darunter! - und nur den Schmerz in der Wirkung betrachtet, so könnte doch für das Bewußtsein, welches auch die Zeit zwischen Tod und neuer Geburt überblickt, gerade das Aufsuchen des Schmerzes oder irgendeines Unglückes in der Absicht liegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das stellt sich uns tatsächlich dar, wenn wir von einem höheren Gesichtspunkt aus das Menschenleben betrachten. Da können wir sehen, daß im Menschenleben Schicksalsfälle eintreten, die sich nicht darstellen als Wirkungen von Ursachen des einzelnen Lebenslaufes, sondern die aus einem andern Bewußtsein heraus verursacht sind, nämlich aus einem solchen Bewußtsein, das jenseits der Geburt liegt und das unser Leben fortsetzt in frühere Zeiten, als diejenigen sind, die erst seit unserer Geburt abgelaufen sind. Wenn wir diesen Gedanken genau fassen, werden wir sagen: Wir haben zunächst ein Bewußtsein, das sich aus- dehnt über die Zeit zwischen Geburt und Tod und welches wir das Bewußtsein der Einzelpersönlichkeit nennen wollen, und wir wollen als Einzelpersönlichkeit dasjenige bezeichnen, was zwischen Geburt und Tod verläuft. Sodann sehen wir, wie ein Bewußtsein wirken kann über Geburt und Tod hinaus, von dem der Mensch in seinem gewöhnlichen Bewußtsein nichts weiß, das aber gerade so wirken kann wie dieses gewöhnliche Bewußtsein. Wir haben deshalb zunächst geschildert, wie jemand selbst sein Karma übernimmt und im vierzigsten Jahre zum Beispiel etwas ausgleicht, damit ihn die Ursachen vom zwölftenJahre nicht treffen. Da nimmt er Karma in sein Einzelpersön&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
lichkeitsbewußtsein hinein. Wenn dagegen der Mensch irgendwohin getrieben wird, wo er einen Schmerz erleiden kann, um etwas auszugleichen, um ein besserer Mensch zu werden, so kommt das auch aus dem Menschen; nur kommt es nicht aus dem Einzelpersönlichkeitsbewußtsein, sondern aus einem umfassenderen Bewußtsein, das mitumfaßt die Zeit zwischen Tod und neuer Geburt. Dasjenige Wesen im Menschen, welches von diesem Bewußtsein umfaßt wird, wollen wir die «Individualität» des Menschen nennen; und dieses Bewußtsein, das also fortwährend unterbrochen wird durch das Persönlichkeitsbewußtsein, wollen wir das «individuelle Bewußtsein» nennen, im Gegensatz zum Einzelpersönlichkeitsbewußtsein. So sehen wir Karma wirksam in bezug auf die Individualität des Menschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun würden wir das menschliche Leben aber trotzdem nicht verstehen, wenn wir nur die Reihe der Erscheinungen verfolgen würden, wie wir es bis jetzt getan haben, indem wir nur dasjenige ins Auge faßten, was im Menschen um des Menschen selber willen an Ursachen liegt und an Wirkungen aufgesucht wird. Wir brauchen uns nur einen einfachen Fall vor die Seele zu führen, der nur so dargestellt werden soll, daß er anschaulicher wirkt, und wir werden gleich sehen, daß wir das menschliche Leben nicht verstehen, wenn wir nur dasjenige in Betracht ziehen, was wir jetzt eben gesagt haben. - Nehmen wir einen Erfinder oder Entdecker, zum Beispiel Kolumbus oder den Entdecker der Dampfmaschine oder irgendeinen andern. In der Entdeckung liegt eine bestimmte Handlung, eine bestimmte Tat. Wenn wir diese Tat ins Auge fassen, so wie sie der Mensch getan hat, und dann die Ursache suchen, warum sie der Mensch getan hat, dann werden wir immer solche Ursachen finden, welche in der Richtung liegen, wie wir sie jetzt an- gegeben haben. Warum Kolumbus zum Beispiel nach Amerika fuhr, warum er gerade in einem bestimmten Zeitpunkt diese Absicht faßte, dazu werden wir die Ursachen finden in seinem individuellen und persönlichen Karma. Aber wir werden uns jetzt fragen können: Wird diese Ursache nur im persönlichen und individuellen Karma gesucht werden müssen? Und wird die Tat als Wirkung nur betrachtet werden müssen für die Individualität, die in Kolumbus wirksam war? - Daß Kolumbus Amerika entdeckt hat, hat eine bestimmte Wirkung für ihn gehabt. Er &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
ist dadurch gestiegen, ist vollkommener geworden. Das wird sich zeigen in der Fortentwickelung seiner Individualität im folgenden Leben. Aber welche Wirkungen hat diese Tat noch für andere Menschen gehabt? Müßte sie nicht auch als Ursache betrachtet werden, die in unzählige Menschenleben eingegriffen hat?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist aber noch eine ziemlich abstrakte Betrachtung einer solchen Sache, die wir viel tiefer erfassen können, wenn wir das Menschenleben über große Zeitspannen hin betrachten. Nehmen wir an, wir betrachten das Menschenleben,wie es sich abgespielt hat im ägyptisch-chaldäischen Zeitalter, das dem griechisch-lateinischen vorangegangen ist. Wenn wir dieses Zeitalter prüfen in bezug auf das, was es den Menschen gegeben hat und was die Menschen damals erfahren haben, dann zeigt sich uns etwas höchst Eigentümliches. Wenn wir diese Epoche vergleichen mit unserer eigenen, dann werden wir erkennen, daß dasjenige, was in unserem eigenen Zeitalter geschieht, zusammenhängt mit dem, was in der ägyptisch-chaldäischen Kulturperiode vor sich gegangen ist. Das griechisch-lateinische Zeitalter steht zwischen beiden darinnen. In unserer Zeit würden gewisse Dinge nicht geschehen, wenn nicht gewisse Dinge in der ägyptisch-chaldäischen Kultur geschehen wären. Wenn die gegenwärtige Naturwissenschaft dieses oder jenes an Ergebnissen zustande gebracht hat, so rührt das allerdings auch von Kräften her, welche sich aus der Menschenseele entwickelt und entfaltet haben. Aber die Menschenseelen, die in unserer Zeit gewirkt haben, waren auch verkörpert im ägyptisch-chaldäischen Zeitalter und haben dort gewisse Erlebnisse aufgenommen, ohne welche sie das nicht verrichten könnten, was sie heute verrichten. Hätten nicht die Schüler der altägyptischen Tempelpriester die ägyptische Astrologie über die Zusammenhänge des Himmels aufgenommen, so hätten sie nicht auf ihre Art später ein- dringen können in die Weltengeheimnisse, und es wären in gewissen Seelen unserer Zeit nicht die Kräfte gewesen, welche die Menschheit jetzt in unserer Zeit hin ausgeführt haben in die Himmelsräume. Wie kam zum Beispiel Kepler zu seinen Entdeckungen?` Er kam dazu, weil eine Seele in ihm lebte, die im ägyptisch-chaldäischen Zeitraum die Kräfte zu jenen Entdeckungen aufgenommen hatte, welche sie im fünften Zeitraum dann machen konnte. Es erfüllt uns mit einer gewissen &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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inneren Befriedigung, wenn in einzelnen Geistern gleichsam Erinnerungen auftauchen in der Art, daß die Keime zu dem, was sie jetzt tun, in der Vergangenheit gelegt worden sind. Einer der Geister, der Wichtiges geleistet hat in bezug auf die Erforschung der Himmelsgesetze, Kepler, sagt von sich selbst:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
«J~t,ich bin es, ich habe die goldenen Gefäße der Ägypter geraubt, um mt:..,jnem Gott aus ihnen ein Heiligtum zu errichten, fern von den Grenze.n Ägyptens. Wenn ihr mir vergebt, werde ich mich freuen, wenn ihr zürnt, werde ich es tragen; - hier werf ich den Würfel und schreibe dies Buch für den heutigen wie den dereinstigen Leser - was liegt daran? Und wen es auf seinen Leser hundert Jahre warten muß: Gott selbst hat sechs Jahrtausende dessen geharrt, der sein Werk erkennend er- blickt. »&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist eine sporadisch auftauchende Erinnerung des Kepler an das, was er als Keim aufgenommen hat zu dem, was er in seinem persönlichen Dasein als Kepler vollbringen konnte. So könnten Hunderte von ähnlichen Beispielen angeführt werden. - Da sehen wir aber noch etwas anderes als bloß die Tatsache, daß bei Kepler etwas auftaucht, was die Wirkung ist von Erlebnissen eines früheren Erdenlebens. Wir sehen etwas auftauchen, was als die gesetzmäßige Wirkung erscheint für die ganze Menschheit von etwas, was wiederum bedeutsam war für die Menschheit in einer früheren Zeit. Wir sehen, wie der Mensch hin- gestellt wird an einen Ort, um für die ganze Menschheit etwas zu leisten. Wir sehen, daß nicht nur im individuellen Menschenleben, sondern daß in der ganzen Menschheit Zusammenhänge bestehen zwischen Ursachen und Wirkungen, die sich über weite Zeiträume hin erstrecken. Und wir können daraus entnehmen, daß sich das individuelle Karmagesetz kreuzen wird mit den Gesetzen, welche wir nennen können die karmischen Menschheitsgesetze. Manchmal ist dieses Kreuzen allerdings wenig durchsichtig. Denken Sie, was wäre aus unserer Astronomie geworden, wenn einstmals nicht das Fernrohr erfunden worden wäre, das in einer bestimmten Zeit erfunden worden ist. Verfolgen Sie unsere Astronomie zurück, und Sie werden sehen, daß unendlich vieles an der Erfindung des Fernrohres hängt. Nun ist es ja bekannt, daß das Fernrohr dadurch erfunden worden ist, daß in einer optischen Werkstatt einmal Kinder &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|29}}&lt;br /&gt;
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mit Linsen gespielt haben, wobei sie durch einen «Zufall», so könnte man sagen, optische Linsen so zusammengestellt haben, daß hernach jemand darauf gekommen ist: Dadurch könnte sich so etwas ergeben wIe ein Fernrohr. - Denken Sie, wie tief Sie suchen müssen, um zu dem individuellen Karma der Kinder und dem Karma der Menschheit zu kommen, daß in einem bestimmten Zeitpunkt das Fernrohr erfunden worden ist! Versuchen Sie das zusammenzudenken, und Sie werden sehen, wie in merkwürdiger Art das Karma einzelner Individualitäten und das Karma der ganzen Menschheit sich kreuzen und ineinanderweben! Da werden Sie sich sagen: Man müßte sich die ganze Menschheitsentwickelung anders denken, wenn nicht zu einer bestimmten Zeit dies oder jenes eingetreten ware.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Frage ist gewöhnlich ganz müßig: Was wäre mit dem Römischen Reiche geworden, wenn nicht die Griechen in einer bestimmten Zeit den persischen Angriff in den Perserkriegen zurückgeschlagen hätten? - Aber nicht müßig ist die Frage: Wodurch ist es gekommen, daß die Perserkriege gerade in dieser Weise verlaufen sind? - Wer dieser Frage nachgeht und eine Antwort sucht, der wird sehen, daß im Orient ganz bestimmte Errungenschaften nur dadurch zustande kamen, daß gewisse despotische Herrscher da waren, die nur für ihre Person etwas wollten und sich zu diesem Zwecke verbanden mit den Opferpriestern und so weiter. Die ganzen damaligen Staatseinrichtungen waren notwendig, damit im Orient etwas geschaffen werden konnte, aber diese Einrichtungen haben es mit sich gebracht&amp;gt; daß auch alle die Schäden eintraten, die dann eingetreten sind. Und damit hängt es zusammen, daß ein andersgeaitetes Volk - die Griechen - im entsprechenden Moment den morgenländischen Angriff zurückschlagen konnte. Wenn wir das bedenken, werden wir fragen: Wie steht es mit dem Karma der Persönlichkeiten, die in Griechenland gewirkt haben, um den persischen An- griff zurückzuschlagen? - Da werden wir manches Persönliche finden im Karma der betreffenden Menschen; aber wir werden auch finden, daß das persönliche Karma mit dem Volks- und Menschheitskarma verknüpft ist, so daß es berechtigt ist zu sagen: Das ganze Menschheitskarma hat gerade diese bestimmten Persönlichkeiten an diesen Ort in diese Zeit gestellt! - Wir sehen da hineinspielen Menschheitskarma in &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
das Einzelkarma. Und wir werden uns weiter fragen müssen, wie diese Dinge zusammenspielen. Aber wir können noch weitergehen und einen andern Zusammenhang betrachten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir können zurückblicken im Sinne der Geisteswissenschaft auf eine Zeit unserer Erdenentwickelung, in der es auf unserer Erde noch kein Mineralreich gegeben hat. Unserer Erdenentwickelung gingen voran die Saturn-, die Sonnen- und die Mondentwickelung, wo es noch kein mineralisches Reich in unserem Sinne gegeben hat. Erst auf der Erde sind unsere heutigen Mineralien in ihren heutigen Formen entstanden. Dadurch aber, daß sich das Mineralreich ausgeschieden hat im Verlaufe der Erdentwickelung, ist es als ein besonderes Reich für alle Folgezeit da. Vorher haben sich Menschen, Tiere und Pflanzen so entwickelt, daß kein ihnen zugrunde liegendes Mineralreich vorhanden war. Damit die andern Reiche einen späteren Fortschritt erreichen konnten, mußten sie das Mineralreich ausscheiden. Aber nachdem sie es ausgeschieden haben, können sie sich nur so entwickeln, wie sie sich entwickeln auf einem Planeten, der eine feste mineralische Grundlage hat. Und nie wird etwas anderes entstehen als das, was unter der Voraussetzung geschah, daß die Bildung eines Mineralreiches zustande kam. Das Mineral reich ist da, und alle späteren Schicksale der andern Reiche hängen ab von der Entstehung des Mineralreiches, das sich einmal in unserem Erdendasein in einer urfernen Vergangenheit gebildet hat. - So ist mit der Tatsache der Entstehung des Mineral reiches etwas geschehen, womit alle spätere Erdentwickelung zu rechnen hat. Es wird sich an allen andern Wesen erfüllen, was aus der Entstehung des Mineralreiches folgt. Da haben wir wieder in späteren Zeitaltern die karmische Erfüllung für etwas, was früher geschehen ist. Auf der Erde erfüllt sich, was sich auf der Erde vorbereitet hat. Es ist ein Zusammenhang von dem,was früher, und dem, was später geschehen ist, aber auch ein solcher Zusammenhang, der in der Wirkung zurückschlägt auf das verursachende Wesen. Menschen, Tiere und Pflanzen haben das Mineralreich ausgeschieden, und das Mineral reich schlägt wieder auf sie zurück. Da sehen wir, daß es möglich ist, von einem Karma der Erde zu sprechen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und endlich können wir etwas hervorheben, wozu sich die Grund-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
lagen in den allgemeinen Ausführungen der «Geheimwissenschaft im Umriß» finden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir wissen, daß gewisse Wesenheiten zurückgeblieben sind auf der Stufe der alten Mondentwickelung, und daß diese Wesen zurückgeblieben sind, um dem Menschen der Erde ganz bestimmte Eigenschaften beizubringen. Aber nicht nur Wesenheiten sind zurückgeblieben von der alten Mondenzeit der Erde, sondern auch Substantialitäten. Auf der Mondenstufe sind Wesen stehengeblieben, die als luziferische Wesenheiten in unser Erdendasein hineinwirken. Durch diese Tatsache des Stehenbleibens und des Hereinwirkens in unser Erdendasein vollziehen sich im Erdendasein Wirkungen, zu denen die Ursachen schon im Mondendasein gelegt worden sind. Aber auch substantiell vollzieht sich so etwas. - Wenn wir heute unser Sonnensystem ansehen, finden wir es zusammengesetzt aus Weltenkörpern, die regelmäßig wiederkehrende und eine gewisse innere Geschlossenheit zeigende Bewegungen ausführen. Aber andere Weltenkörper finden wir, die sich zwar auch mit einem gewissen Rhythmus bewegen, die aber sozusagen die gewöhnlichen Gesetze des Sonnensystems durchbrechen, nämlich die Kometen. Nun ist die Substanz eines Kometen nicht eine solche mit Gesetzen, wie sie in unserem gewöhnlichen, regulären Sonnensystem bestehen, sondern mit Gesetzen, wie sie im alten Mondendasein existiert haben. In der Tat hat sich im kometarischen Dasein erhalten die Gesetzmäßigkeit des alten Mondendaseins. Ich habe schon öfter erwähnt, daß die Geistes- wissenschaft diese Gesetzmäßigkeit nachgewiesen hat, bevor eine Bestätigung von seiten der Naturwissenschaft eingetreten ist. Im Jahre 1906 habe ich in Paris auf die Tatsache aufmerksam gemacht, daß während des alten Mondendaseins gewisse Verbindungen von Kohlenstoff und Stickstoff eine ähnliche Rolle spielten wie heute auf der Erde Verbindungen von Sauerstoff und Kohlenstoff, also Kohlensäure, Kohlendioxyd und so weiter. Diese letzteren Verbindungen haben etwas Ertötendes. Eine ähnliche Rolle haben Zyanverbindungen, blausäureartige Verbindungen während des alten Mondendaseins gespielt. Auf diese Tatsache wurde hingewiesen von der Geisteswissenschaft 1906. Auch in andern Vorträgen wurde darauf hingewiesen, daß das kometarische Dasein die Gesetze des alten Mondendaseins hineinführt &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|32}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
in unser Sonnensystem, so daß also nicht nur zurückgeblieben sind die luziferischen Wesen, sondern auch die Gesetzmäßigkeit der alten Mondensubstanz, die in unregelmäßiger Weise hineinwirkt in unser Sonnensystem. Und es wurde immer gesagt, das kometarische Dasein müsse heute noch etwas enthalten wie Zyanverbindungen in der Kometenatmosphäre. Erst viel später, als das durch die Geisteswissenschaft verkündet worden ist, in diesem Jahre erst, ist durch die Spektralanalyse das Blausäurespektrum im Kometendasein gefunden worden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier haben Sie einen der Beweise dafür, wenn gesagt wird: Zeigt uns einmal, wie man wirklich mit der Geisteswissenschaft etwas finden kann! - Solche Dinge gibt es mehr; sie sollten nur beobachtet werden. So wirkt also etwas hinein von unserem alten Mondendasein in das jetzige Erdendasein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun fragen wir uns: Darf behauptet werden, daß äußeren sinnlichen Erscheinungen zugrunde liegt ein Geistiges?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den, der sich zur Geisteswissenschaft bekennt, ist es klar, daß hinter allem sinnlich Wirklichen auch ein Geistiges liegt. Wenn substantiell etwas vom alten Mondendasein hineinwirkt in unser Erden- dasein, wenn der Komet unser Erdendasein bestrahlt,,so wirkt dahinter auch etwas Geistiges. Und wir könnten sogar angeben, welches Geistige sich zum Beispiel anzeigt durch den Halleyschen Kometen. Der Halleysche Komet ist der äußere Ausdruck - jedesmal, wenn er in die Sphäre unseres Erdendaseins hineinkommt - zu einem neuen Impuls zum Materialismus. Das mag der heutigen Welt abergläubisch erscheinen. Aber die Menschen sollten sich dann nur darauf besinnen, wie sie selbst geistige Wirkungen von Konstellationen der Sterne herleiten. Oder wer würde nicht sagen, daß der Eskimo deshalb ein andersgeartetes Menschenwesen ist als zum Beispiel der Hindu, weil in der Polargegend die Sonnenstrahlen unter einem andern Winkel einfallen? Überall führen auch die Naturwissenschafter auf Sternkonstellationen geistige Wirkungen in der Menschheit zurück. - Also ein geistiger Impuls zum Materialismus erfolgt parallel dem Halleyschen Kometen. Dieser Impuls kann nachgewiesen werden: Auf das Erscheinen des Halleyschen Kometen vom Jahre 1835 folgte jene materialistische Zeitströmung, die man bezeichnen kann als den Materialismus der zweiten Hälfte des &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
vorIgen Jahrhunderts; auf die Erscheinung vorher folgte die materialistische Aufhlärerei der französischen Enzyklopädisten. Das ist der Zusammenhang.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit gewisse Dinge eintreten im Erdensein, mußten die Ursachen dazu früher, außerhalb des Erdendaseins gelegt werden. Und hier haben wir es sogar mit einem Weltenkarma zu tun. Denn warum ist auf dem alten Monde Geistiges und Substantielles ausgeschaltet worden? Damit gewisse Wirkungen wieder zurückstrahlen können auf die jenigen Wesenheiten, welche dieses ausgeschieden haben. Die luziferisehen Wesenheiten sind ausgeschieden worden, haben eine andere Entwickelung durchmachen müssen, damit für die Wesen, die auf der Erde sind, freier Wille und die Möglichkeit zum Bösen auf der Erde entstehen konnten. Da haben wir etwas, was an karmischen Wirkungen über unser Erdendasein hinausgeht: einen Ausblick auf das Weltenkarma.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So konnten wir heute sprechen über den Karmabegriff, über seine Bedeutung für die einzelne Persönlichkeit, für die Individualität, für die ganze Menschheit, innerhalb der Wirkungen unserer Erde und über die Erde hinaus - und wir haben noch etwas gefunden, was wir als Weltenkarma ansprechen können. So finden wir das Karmagesetz, das wir nennen können ein Gesetz vom Zusammenhang zwischen Ursache und Wirkung, aber in der Weise, daß die Wirkung wieder auf die Ursache zurückschlägt und daß sich beim Zurückschlagen noch das Wesen erhalten hat, dasselbe geblieben ist. Wir finden diese karmische Gesetzmäßigkeit überall in der Welt, insofern wir die Welt als eine geistige betrachten. Wir ahnen, daß sich das Karma auf den verschiedensten Gebieten in der verschiedensten Weise offenbaren wird. Und wir ahnen, wie die verschiedenen karmischen Strömungen - persönliches Karma, Menschheitskarma, Erdenkarma, Weltenkarma und so weiter - sich kreuzen werden und daß uns gerade dadurch die Aufschlüsse werden, die wir brauchen, um das Leben zu verstehen. Und an seinen einzelnen Punkten ist das Leben nur zu verstehen, wenn wir das Zusammenwirken der verschiedensten karmischen Strömungen finden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|34}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= ZWEITER VORTRAG Hamburg, 17. Mai 1910 =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bevor wir zu unseren eigentlichen menschlichen Karmafragen kommen, wie sie angekündigt sind, sind eine Reihe von Vorbetrachtungen notwendig. Dazu gehört das, was gestern gesagt worden ist: eine Art Beschreibung des Karmabegriffes. Dazu gehört auch das, was heute zu sagen sein wird über Karma und Tierreich. Was man nennen könnte äußere Beweise für die Wirklichkeit der karmischen Gesetzmäßigkeit, das werden Sie im Laufe des Zyklus an denjenigen Stellen finden, wo gerade Veranlassung sein wird, auf diese äußeren Beweise besonders hinzudeuten. Bei diesen Gelegenheiten werden Sie auch die Möglichkeit finden, über die Begründung der Karmaidee zu Außenstehenden zu sprechen, welche Sie, über dies oder jenes als Zweifler an der ganzen Karmaidee, befragen werden. Zu alledem sind aber einige Vorbetrachtungen notwendig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was läge denn näher, als zu fragen: Wie verhalten sich tierisches Leben, tierisches Schicksal zu dem, was wir den Verlauf des menschlichen Karma nennen, in dem wir - wie sich zeigen wird - die wichtigsten und tiefeingreifendsten Schicksals fragen für den Menschen beschlossen finden?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Verhältnis der Menschen auf der Erde zur Tierwelt ist ja im Laufe der Zeit und auch je nach den verschiedenen Völkern ein verschiedenes. Und es ist gewiß nicht uninteressant, zu sehen, wie bei Völkerschaften, die sich die besten Teile der uralt heiligen Weisheit der Menschheit bewahrt haben, eine weitgehend mitleidvolle, liebevolle Behandlung der Tiere Platz gegriffen hat. Innerhalb der Welt des Buddhismus zum Beispiel, der sich wichtige Teile alter Weltanschauungen bewahrt hat, wie sie die Menschen in ihrer Urzeit hatten, haben wir eine tiefgehend mitleidvolle Behandlung der Tiere, eine Behandlung der Tiere und Gefühle gegenüber der Tierwelt, die in Europa unzählige Menschen noch nicht verstehen können. Aber auch bei andern Völkern - ich erinnere nur an den Araber in bezug auf Behandlung seines Pferdes -, insbesondere wenn diese Völker sich etwas bewahrt &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
haben von den alten Anschauungen, wie sie als alte Erbstücke da und dort auftreten, finden Sie eine Art «Freundschaft» zu den Tieren, etwas wie menschliche Behandlung der Tiere. Dagegen darf man Wohl sagen, daß in denjenigen Gegenden, in denen sich eine Art von Weltanschauung der Zukunft vorbereitet, in den abendländischen Gegenden, wenig Verständnis für solches Mitleid mit der Tierwelt Platz gegriffen hat. Und charakteristisch ist es, daß im Verlaufe des Mittelalters und dann auch bis in unsere Zeit hinein gerade in Ländern, in denen die christlicheWeltanschauung Ausbreitung gewonnen hat, die Anschauung auf tauchen konnte, daß die Tiere überhaupt nicht als Wesen zu betrachten seien mit einem eigentlichen Seelenleben, sondern als eine Art Auto maten. Und es ist vielleicht nicht mit Unrecht darauf aufmerksam gemacht worden - wenn auch nicht immer mit einem großen Verständ nls -, daß diese Anschauungen, welche von der abendländischen Philosophie vielfach vertreten worden sind, daß die Tiere Automaten seien und ein eigentliches Seelen leben nicht haben, hinuntergesickert sind in die Volkskreise, die kein Mitleid und oft auch keine Grenze kennen in der grausamen Behandlung der ~iere. Ja, die Sache ist so weit gegangen, daß man einen großen Philosophen der Neuzeit, Cartesius, in seinen Gedanken über die Tierwelt recht gründlich hat mißverstehen können.Wir müssen uns natürlich klar sein, daß von den eigentlich bedeutenden Geistern der abendländischen Kulturentwickelung diese Anschauung,daß dieTiere nur Automaten seien, niemals vertreten worden ist. Es hat auch Cartesius nicht diese Anschauung vertreten, obwohl Sie In vielen Büchern über Philosophie lesen können, daß Cartesius eine solche Anschauung vertreten habe. Das ist aber nicht wahr; sondern&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wer Cartesius kennt, der weiß, daß er den Tieren zwar nicht ein solches Seelisches zuschreibt, das sich dazu entwickeln kann, aus dem Ich- Bewußtsein heraus zu elnem Beweise für das Dasein Gottes zu kommen, aber er schreibt dennoch dem ,Tiere zu, daß es durchströmt, durchseelt ist mit den sogenannten Lebensgeistern, die allerdings nicht eine so einheitlicbe Individualität darstellen wie das Ich des Menschen, aber doch in der tierischen Organisation als Seele wirken. Und es ist gerade das Charakteristische, daß man Cartesius in dieser Beziehung hat gründlich mißverstehen können. Denn das zeigt uns, daß in den verflossenen &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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Jahrhunderten unserer abendländischen Entwickelung die Tendenz vorhanden war, den Tieren etwas bloß Automatisches zuzuschreiben, und diese Tendenz hat man selbst da hineingelesen, wo man sie nicht hätte hineinlesen können, wenn man gewissenhaft zu Werke gegangen wäre, nämlich bei Cartesius. Die abendländische Kulturentwickelung hat das Eigentümliche, daß sie sich herausbilden mußte aus den Elementen des Materialismus. Und man kann sogar sagen: Der Aufgang des Christentums hat sich so vollzogen, daß dieser bedeutungsvolle Impuls der Menschheitsentwickelung zuerst in eine materialistische abendländische Gesinnung hineinverpflanzt worden ist. Der Materialismus der neueren Zeit ist nur eine Folge dessen, daß auch das spirituellste Religionsbekenntnis, das Christentum, zunächst im Abendlande eine materialistische Auffassung hat finden können. Es ist einmal - wenn wir so sagen dürfen - das Menschheitsschicksal der abendländischen Völker, daß sie sich emporarbeiten müssen aus materialistischen Untergründen und gerade in der Überwindung der materialistischen Ansichten und Tendenzen die starken Kräfte werden entfalten müssen zu einem höchsten Spiritualismus. Damit, daß dieses Schicksal, dieses Karma den abendländischen Völkern geworden ist, ist auch bei ihnen jener Zug entstanden, die Tiere nur wie Automaten zu betrachten. Wer nicht gut das Wirken des geistigen Lebens durchschauen kann, wer nur sich halten kann an das, was uns in der sinnlichen Außenwelt umgibt, der wird aus den Eindrücken dieser sinnlichen Außenwelt heraus leicht zu einer Auffassung über die Tierwelt kommen können, welche die Tiere möglichst niedrig stellt. Dagegen haben solche Weltanschauungen, die noch Elemente der alten spirituellen Weltanschauungen der Urweisheit der Menschheit in sich behalten haben, sich eine Art Erkenntnis bewahrt über das, was auch in der Tierwelt geistig ist; und trotz allen Mißverständnissen, trotz all dem, was sich in ihre Weltanschauungen eingeschlichen und deren Reinheit verdorben hat, konnten sie doch nicht vergessen&amp;gt; daß geistige Tätigkeiten, geistige Gesetze an dem Ausleben und Ausgestalten des Tierischen betätigt sind. Wenn wir also auf der einen Seite gerade in dem Mangel geistiger Weltanschauungen ein Unverständnis des Tierisch-Seelischen erblicken müssen, so dürfen wir uns auf der andern Seite nicht darüber täuschen, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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daß auch das wiederum nur ein Ausfluß einer rein materialistischen Weltanschauung wäre, wenn wir die Karmaidee, wie sie uns dienen wird, menschliches Schicksal und menschliches Karma zu verstehen, ohne weiteres auf die tierische Welt anwenden würden. Das dürfen wir nicht. Es ist schon gestern darauf hingewiesen worden, daß es notwendig ist, den Begriff des Karma ganz genau zu fassen. Und wir würden fehlgehen,wenn wir das&amp;gt; was wir gefordert haben als ein Rückschlagen der Wirkung auf das Wesen, von dem die Verursachung ausgegangen ist, wenn wir das auch in der tierischen Welt suchen würden; denn in einem umfassenderen Maße werden wir die karmische Gesetzmäßigkeit erst dadurch kennenlernen können, daß wir über das einzelne menschliche Leben zwischen Geburt und Tod hinausgehen, den Menschen verfolgen durch die Aufeinanderfolge seiner Wiederverkörperungen und daß wir finden werden, daß jener Rückschlag einer Ursache, welche wir in einem Leben gelegt haben, erst in einem späteren Leben kommen kann, so daß sich die karmische Gesetzmäßigkeit von Leben zu Leben zieht, und die Wirkungen von Ursachen eben nicht einzutreten brauchen - ja, wenn wir Karma im großen betrachten, auch ganz gewiß nicht eintreten in demselben Leben zwischen Geburt und Tod.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun wissen wir schon aus den äußeren geisteswissenschaftlichen Betrachtungen, daß wir beim T`lere von einer solchenWiederverkörperung, wie sie beim Menschen stattfindet, nicht sprechen können. Für jene menschliche Individualität, welche sich erhält, wenn der Mensch durch die Pforte des Todes schreitet, welche durchlebt ein besonderes Leben im Geistigen in der Zeit vom Tode bis zur neuen Geburt, um dann durch eine neue Geburt wieder ins Dasein zu treten, für diese menschliche Individualität finden wir etwas Ähnliches oder gar etwas ganz Gleiches in der tierischen Welt durchaus nicht. Wir können nicht in derselben Weise, wie wir den menschlichen Tod auffassen, von dem tierischen Tode sprechen. Denn alles, was wir beschreiben als die Schicksale der menschlichen Individualität, nachdem der Mensch durch die Pforte des Todes gesch ritten ist, verhält sich in der Tierwelt nicht in der gleichen Art; und wenn man glauben würde, daß wir in einem tierischen Individuum das wiederverkörperte Wesen eines schon früher auf der Erde vorhanden gewesenen Tieres suchen könnten, wie wir das beim Menschen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|38}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
tun müssen, dann würden wir uns durchaus einem Irrtum hingeben. Heute, wo man gern alles, was sich uns in der Welt darbietet, nur seiner Außenseite nach betrachtet und nicht auf das Innere eingeht, können ja die eigentlichen großen Gegensätze, die wichtigsten Unterscheidungen zwischen Mensch und Tier gar nicht vor Augen treten. Äußerlich - rein materialistisch betrachtet - nimmt sich die Erscheinung des Todes bei Mensch und Tier in der gleichen Art aus. Da kann man leicht glauben, wenn man das Leben eines Tieres betrachtet, daß man einzelne Erscheinungen dieses individuellen Lebens des Tieres vergleichen könnte mit einzelnen Erscheinungen des persönlichen Lebens des Menschen zwischen Geburt und Tod. Aber da würde man ganz fehlgehen. Deshalb soll auf die durchgreifenden Unterschiede zwischen demYierischen und dem Menschlichen zunächst an einzelnen Beispielen hingedeutet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nur derjenige kann sich nämlich diesen Unterschied zwischen Tier und Mensch vollständig klarlegen, der unbefangen nicht nur auf die sich seinem äußeren sinnlichen Anschauen, sondern auch auf die seinem kombinierenden Denken sich ergebenden Tatsachen eingeht. Da finden wir eine Erscheinung, die auch von den Naturforschern hervorgehoben wird, mit der aber die Naturforscher der Gegenwart nichts Rechtes anzufangen wissen, nämlich die Erscheinung, daß der Mensch eigentlich das Allereinfachste erst lernen muß: den Gebrauch der einfachsten Werkzeuge hat der Mensch im Laufe seiner Geschichte lernen müssen, und unsere Kinder müssen heute noch die allereinfachsten Sachen eben lernen, und sie müssen eine gewisse Zeit anwenden, um sie zu lernen. Es kostet Mühe, dem Menschen etwas beizubringen, einfache Handgriffe, Verfertigung von Instrumenten und Werkzeugen und so weiter. Wenn wir dagegen die Tiere betrachten, müssen wir sagen: Wieviel besser haben es die Tiere in dieser Beziehung! - Denken wir uns, wie der Biber seinen komplizierten kunstvollen Bau aufführt. Er braucht es nicht zu lernen; er kann es, indem er es mitbringt als eine ihm eingeprägte Gesetzmäßigkeit, wie wir uns als Menschen mitbringen die Möglichkeit, die «Kunst», um das siebente Jahr unsere Zähne zu wechseln. Das braucht auch keiner zu lernen. So bringen sich die Tiere eine solche Fähigkeit mit, wie sie der Biber hat, seinen Bau aufzuführen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|39}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und wenn Sie Umschau halten im Tierreich, werden Sie finden, daß die Tiere sich ganz bestimmte Kunstfertigkeiten mitbringen, durch welche etwas zustande gebracht werden kann, an das menschliche Kunst fertigkeit bei allem, wie wir es so herrlich weit gebracht haben, noch lange nicht heran reicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun kann die Frage entstehen: Wie kommt es denn eigentlich, daß der Mensch, wenn er geboren wird, unfähiger ist als zum Beispiel ein Huhn oder ein Biber, daß er das, was diese Wesenheiten sich schon mit- bringen, erst mühevoll sich aneignen muß? Das ist eine große Frage. Und daß es eine große Frage ist, muß man vor allen Dingen empfinden lernen. Denn es kommt bei dem, was der Mensch für seineWeltanschauung gewinnen muß&amp;gt; viel weniger darauf an, daß man auf wichtige Tatsachen hinweist, als daß man weiß, wo wichtige Fragen zu stellen sind. Tatsachen können richtig sein, brauchen aber nicht immer wertvoll zu sein für unsere Weltanschauung. Nun würde es, obwohl wir noch heute auf die Ursachen dieser Erscheinungen geisteswissenschaftlich eingehen werden, doch zu weit führen, wenn man in allen Einzelheiten zeigen würde, warum das so ist. Aber zunächst kann doch mit ein paar Worten darauf hingewiesen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir geisteswissenschaftlich zurückgehen in der menschlichen Entwickelung bis in urferne Vergangenheiten, so werden wir finden, daß diejenigen Kräfte und Elemente, welche sozusagen dem Biber oder einem andern Tiere zur Verfügung stehen, um solche Kunstfertigkeiten mit sich auf die Welt zu bringen, dem Menschen auch zur Verfügung gestanden haben. Der Mensch hat ja nicht gerade in seine Anlage in urferner Vergangenheit bloß die Ungeschicklichkeit aufgenommen und dem Tiere überlassen müssen die primitive Geschicklichkeit. Er hat diese Anlage auch empfangen, ja im Grunde genommen in einem weit reicheren Maße als die Tiere. Denn wenn auch die Tiere gewisse große Kunstfertigkeiten mit auf die Welt bringen, so sind diese doch im Leben einseitig. Der Mensch kann im Grunde genommen gar nichts, wenn er ins Leben tritt, er muß alles erst lernen, was sich auf die äußere Welt bezieht. Das ist etwas radikal ausgedrückt, aber wir werden uns verstehen. Wenn der Mensch aber dann lernt, zeigt sich bald, daß er vielseitiger, daß seine Entwickelung eine reichere werden kann in bezug &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|40}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
auf die Ausprägung gewisser Kunstfertigkeiten und dergleichen, als das beim Tiere der Fall ist. Also der Mensch hat reiche Anlagen ursprünglich mitbekommen - und dennoch hat er sie heute nicht. Nun tritt die eigentümliche Erscheinung zutage, daß ursprünglich Mensch und Tier in gleicher Weise ausgestattet waren. Und wenn wir zurückgehen würden bis zur alten Saturnentwickelung, so würden wir finden, daß eine Unterscheidung der menschlichen und tierischen Entwickelung noch gar nicht stattgefunden hatte. Da waren beide vollständig gleich veranlagt. - Was ist nun in der Zwischenzeit geschehen, daß das Tier alle möglichenGeschicklichkeiten mit ins Dasein trägt,während der Mensch ein so ungeschickter Genosse des Weltendaseins ist? Wie hat sich der Mensch eigentlich benommen in der Zwischenzeit, daß er jetzt plötzlich alles das nicht hat,was er mitbekommen hatte? Hat er das im Laufe der Entwickelung sinnlos verschwendet, während es sich die Tiere als sparsame Haushalter bewahrt haben? Diese Frage kann aus dem wirklichen Tatbestand heraus aufgeworfen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Mensch hat diese Anlagen, die heute das Tier in äußerer Geschicklichkeit auslebt, nicht verschwendet; er hat sie auch verwendet, aber zu etwas anderem als die Tiere. Die Tiere prägen sie in äußeren Geschicklichkeiten aus; Biber und Wespe bauen ihr Nest. Der Mensch hat dieselben Kräfte, welche die Tiere in dieser Art ausleben, in sich selber hineingetan und verwendet. Und er hat dadurch zustande gebracht, was wir seine höhere menschliche Organisation nennen. Daß der Mensch heute seinen Gang aufrecht hat, daß er das vollkommenere Gehirn, überhaupt eine vollkommenere innere Organisation hat, das bedurfte auch gewisser Kräfte; und das sind dieselben Kräfte, mit denen sich der Biber seinen Biberbau errichtet. Der Biber baut sich sein Nest. Der Mensch hat die Kräfte auf sich verwendet, zu seinem Gehirn, zu seinem Nervensystem und so weiter. Daher hat der Mensch zunächst nichts übrig behalten, um in derselben Weise nach außen zu arbeiten. Also, daß wir heute unter den Tieren schreiten mit einem vollkommeneren Bau, das rührt davon her, daß wir alles, was der Biber draußen verarbeitet, einmal im Laufe der Entwickelung auf unseren inneren Bau verwendet haben.Wir haben drinnen unseren Biberbau und können daher nach außen diese Kräfte nicht mehr in derselben Weise entfalten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|41}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da sehen wir, wenn wir an einer einheitlichen Weltauffassung festhalten, wohin die verschiedenen Anlagen, die in den Wesen vorhanden sind, kommen und wie sie uns heute entgegentreten. Indem der Mensch in seiner Weise diese Kräfte verwendet hat, wurde für ihn in seiner Erdentwickelung eine ganz besondere Einrichtung notwendig, die wir zum Teil schon kennen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Warum mußten beim Menschen die Kräfte, von denen jetzt eben gesprochen worden ist und die uns bei den verschiedenen Arten und Gattungen des Tierreiches in äußeren Verrichtungen entgegentreten, auf das Innere der menschlichen Organisation verwendet werden? Weil der Mensch nur dadurch, daß er sich die innere Organisation verschaffen konnte, der Träger dessen werden konnte, was heute das Ich ist, was von Inkarnation zu Inkarnation schreitet. Eine andere Organisation hätte kein solcher Ich-Träger werden können; denn es hängt durchaus von dem äußeren Gehäuse ab, ob eine Ich-Individualität sich im Erden- dasein betätigen kann oder nicht. Sie könnte es nicht, wenn die äußere Organisation nicht der Ich-Individualität angemessen wäre. Alles lief also darauf hinaus, die äußere Organisation dieser Ich-Individualität angemessen zu machen. Dazu mußte eine besondere Einrichtung geschaffen werden, und die kennen wir schon ihrer wesentlichen Seite nach.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir wissen, daß unserer Erdentwickelung vorangegangen ist die Mondentwickelung, dieser wieder die Sonnenentwickelung und dieser eine Saturnentwickelung. Als die alte Mondentwickelung zu Ende war, war der Mensch auf einer Stufe in bezug auf sein äußeres Dasein, die man als Tier-Menschlichkeit bezeichnen kann. Aber damals war diese äußere menschliche 0rganisation noch nicht so weit, daß sie der Träger einer Ich-Individualität hätte werden können. Erst die Erdentwickelung des Menschen hatte die Aufgabe, dieser Organisation das Ich einzuverleiben. Das konnte aber nur dadurch geschehen, daß die Vorgänge unserer Erdentwickelung in einer ganz eigenartigen Weise eingerichtet wurden. - Als die alte Mondentwickelung zu Ende gegangen war, löste sich alles sozusagen in ein Chaos auf. Daraus ging nach einer entsprechenden Zeit kosmischer Dämmerung wieder hervor der neue Kosmos unserer Erdentwickelung. In diesem Kosmos der Erdentwickelung war &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|42}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
damals alles enthalten, v`as heute als unser Sonnensystem mit uns und der Erde verbunden ist. Aus diesem Zusammenhang, aus dieser kosmischen Einheit haben sich dann erst abgespalten alle andern Weltkörper von unserer eigentlichen Erde. Wir brauchen nicht einzugehen auf die Art und Weise, wie sich die andern Planeten, Jupiter, Mars und so weiter, abgespalten haben. Wir müssen nur darauf hinweisen, daß in einem bestimmten Zeitpunkt der Erdentwickelung sich unsere Erde und unsere Sonne getrennt haben. Als dann schon die Sonne abgetrennt war und ihre Wirkungen von außen auf die Erde hereinsandte, war unsere Erde noch mit dem heutigen Monde verbunden, so daß die Substanzen und geistigen Kräfte, die heute an den Mond gekettet sind, damals noch mit unserer Erde verbunden waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist öfter schon die Frage berührt worden, was geschehen wäre, wenn sich die Sonne nicht abgespalten hätte von der Erde und nicht übergegangen wäre zu jenem Zustande, in dem sie wie heute von außen auf die Erde wirkt. Indem zunächst die Erde noch mit der Sonne verbunden war, waren bei den ganz anders gearteten Verhältnissen noch das ganze kosmische System und auch die Vorfahren der menschlichen Organisation miteinander vereinigt. Es ist natürlich ein Unding, die heutigen Verhältnisse anzuschauen und dann zu sagen: Was ist das für ein Unsinn von den Theosophen; da hätten ja alle die organisierten Wesen verbrennen müssen! - Diese Wesen waren eben so, daß sie unter den damaligen Verhältnissen in dieser ganz anders gearteten kosmischen Einheit bestehen konnten. - Wenn nun die Sonne in Verbindung mit der Erde geblieben wäre, dann wären ganz andere, viel heftigere Kräfte mit der Erde verbunden geblieben, und die Folge wäre gewesen, daß die ganze Entwickelung der Erde mit einer solchen Heftigkeit und Schnelligkeit fortgeschritten wäre, daß es gar nicht möglich gewesen wäre, daß die menschliche Organisation sich hätte so ausleben können, wie sie sich ausleben mußte. Daher war es notwendig, daß der Erde ein langsameres Tempo und dichtere Kräfte zur Verfügung gestellt wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das konnte nur dadurch geschehen, daß die stürmischen, vehementen Kräfte sich herauszogen aus der Erde. So wirkten die Kräfte der Sonne vor allen Dingen dadurch schwächer, daß sie jetzt von außen durch die Entfernung auf die Erde wirkten. Dadurch aber war nun etwas anderes &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|43}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
eingetreten. Es war jetzt die Erde in einem Zustande, daß die Menschen wiederum nicht hätten in der richtigen Weise vorwärtskommen können. Die Verhältnisse waren jetzt zu dicht, zu sehr verholzend und verdorrend für alles Leben. Der Mensch hätte wieder nicht zu seiner Entwickelung kommen können, wenn es so geblieben wäre. Abgeholfen wurde dem durch eine besondere Einrichtung, indem nämlich einige Zeit nach dem Sonnenaustritt der heutige Mond die Erde verlassen hat und die verlangsamenden Kräfte, die das Leben hätten zu einem langsamen Tode kommen lassen, mit sich fortgenommen hat. So blieb die Erde zwischen Sonne und Mond zurück, gerade das richtige Tempo wählend für die menschliche Organisation, um ein Ich als einen Träger der Individualität, die von Inkarnation zu Inkarnation geht, wirklich aufzunehmen. Die menschliche Organisation, wie sie heute ist, war unter gar keinen andern Umständen aus dem Kosmos heraus herzu stellen als durch diesen Vorgang zunächst der Sonnen- und dann der Mondentrennung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es könnte vielleicht jemand sagen: Wenn ich der Herrgott gewesen wäre, so hätte ich es anders gemacht; ich hätte gleich eine solche Mischung hergestellt, daß die menschliche Organisation in einer solchenWeise hätte fortschreiten können, wie sie hat fortschreiten müssen. Warum nun war es nötig, daß zuerst die Sonne heraustreten mußte und daß dann noch einmal ein Mondaustritt notwendig wurde?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer so denkt, denkt viel zu abstrakt. Er denkt nicht daran, daß, wenn in der Weltordnung eine innerliche Mannigfaltigkeit herbeigeführt werden soll, wie es die menschliche Organisation ist, für jeden einzelnen Teil eine besondere Einrichtung notwendig ist und daß man das nicht in die Wirklichkeit umsetzen kann, was sich der menschliche Gedanke spintisierend ausdenkt. In abstracto kann man alles denken; aber in der wirklichen Geisteswissenschaft muß man lernen, konkret zu denken, so daß man sich sagt: Die menschliche Organisation ist ja keine einfache. Sie besteht aus einem physischen Leib, einem Ätherleib und einem astralischen Leib. Diese drei Glieder mußten erst in ein bestimmtes Gleichgewicht gebracht werden, so daß die einzelnen Teile in einem richtigen Verhältnisse zueinander stehen. Das konnte nur durch diesen dreifachen Vorgang stattfinden: Zuerst die Bildung des einheit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|44}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
lichen Kosmos, der ganzen kosmischen Einheit Erde, Sonne und Mond zusammen. Dann mußte vollzogen werden für sich dasjenige, was im menschlichen Ätherleib verlangsamend wirken konnte, weil er sonst zu stürmisch alle Entwickelung verzehrt hätte - und das geschah, indem die Sonne hinausgeführt worden ist. Und dann wieder mußte, weil der astralische Leib sonst die menschliche Organisation zu einem Ersterben gebracht hätte, der Mond hinausgeführt werden. Weil der Mensch in seiner Organisation drei Glieder hat, mußten auch diese drei Vorgänge&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
stattfinden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So sehen wir, daß der Mensch sein Dasein, seine gegenwärtigen Eigenschaften einer komplizierten Einrichtung im Kosmos verdankt. Wirwissen aber auch, daß die Entwickelung aller Naturreiche keineswegs gleichen Schritt halten kann mit der allgemeinen Entwickelung. Wir wissen aus den allgemeinen Betrachtungen der letzten Jahre, daß immer auf den einzelnen planetarischenVerkörperungen unserer Erde gewisse Wesenheiten zurückblieben hinter der allgemeinen Entwickelung, welche dann, wenn die Entwickelung vorwärtsschritt, in Zuständen lebten, die der Entwickelung nicht vollständig entsprachen. Wir wissen aber auch, daß alle Entwickelung im Grunde durch solches Zurückbleiben erst richtig in Fluß gebracht werden konnte. Wissen wir doch, daß gewisseWesen während der alten Mondentwickelung zurückgeblieben sind als die «luziferischen Wesenheiten», daß durch sie manches Schlimme verschuldet worden ist, daß wir ihnen aber auch das verdanken, was uns erst das Menschsein möglich macht, nämlich die Möglichkeit der Freiheit, der freien Entfaltung unseres Innenwesens. Ja, wir können sagen: In gewisser Beziehung war das Zurückbleiben der luziferischen Wesenheiten ein Opfer. Sie sind zurückgeblieben, damit sie während des Erdendaseins ganz besondere Tätigkeiten ausüben konnten, näm lich dem Menschen die Leidenschaften verleihen, die mit seiner menschlichen Würde und Selbstbestimmung zusammengehören. - Wir müssen uns eben angewöhnen, ganz andere Begriffe zu gebrauchen, als sie sonst üblich sind, denn aus den gewöhnlichen Begriffen heraus könnte man vielleicht sagen, es hätten die luziferischen Geister gehörig «nachsitzen» müssen, und man wird ihnen ihre Nachlässigkeit nicht verzeihen. Aber es hat sich nicht um eine Nachlässigkeit der luziferischen Wesen ge&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|45}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
handelt. Ihr Zurückbleiben ist in gewisser Beziehung ein Opfer gewesen, um durch das, was sie sich durch dieses Opfer angeeignet haben, auf unsere Erdenmenschheit wirken zu können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon aus den gestrigen Andeutungen wissen Sie, daß nicht nur Wesenheiten, sondern auch Substanzen zurückgeblieben sind und sich Gesetze bewahrt haben, die in früheren planetarischen Zuständen die richtigen waren und die sie dann hineingetragen haben in die spätere Entwickelung. So durchkreuzen sich Entwickelungsphasen von alter Zeit mit Entwickelungsphasen von neuer Zeit, sie gehen durcheinander.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dadurch wird die Mannigfaltigkeit des Lebens eigentlich erst möglich. - So stellen sich uns die verschiedensten Grade dar in der Entwickelung der Wesenheiten. Nicht möglich gewesen wäre es, daß neben dem Menschenreich sich überhaupt ein Tierreich entwickelt hätte, wenn nicht nach der Saturnperiode gewisse Wesen zurückgeblieben wären, um - während sich auf der Sonne die Menschen schon zu einer höheren Stufe entwickelt hatten - ein zweites Reich zu bilden und als erste Vorläufer unseres heutigen Tierreiches hervorzukommen. Für die Grundlage späterer Bildungen ist dieses Zurückbleiben durchaus notwendig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn nun die Frage aufgeworfen wird: Warum müssen Wesenheiten und Substanzen zurückbleiben? - so möchte ich das durch einen Vergleich klarmachen. Die Entwickelung des Menschen sollte vorwärts- schreiten von Stufe zu Stufe. Das konnte sie nur dadurch, daß der Mensch sich immer mehr und mehr verfeinerte. Hätte er immer mit denselben Kräften gewirkt&amp;gt; mit denen er während der Saturnphase wirkte, so wäre er nicht vorwärtsgekommen. Er wäre stehengeblieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deshalb mußte er seine Kräfte verfeinern. - Nun nehmen wir, um ein Bild zu haben, einmal ein Glas Wasser an, in welchem irgendein Stoff aufgelöst ist. Da wird alles von oben bis unten in diesem Glas gleiche Färbung zeigen, gleiche Dichtigkeit und so weiter, es wird alles gleich sein. Nehmen wir nun an, es setzen sich die gröberen Stoffe zu Boden, dann bleiben das reinere Wasser und die feineren Substanzen oben. Das Wasser konnte sich also nur dadurch verfeinern, daß es das Gröbere ausgeschieden hat. - So etwas war auch nötig, nachdem die Saturnentwickelung abgelaufen war, es mußte ein solcher Bodensatz entstehen, es mußte die ganze Menschheit etwas ausscheiden und sich &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|46}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die feineren Teile zurückbehalten. Was ausgeschieden worden war, das wurden dann die~iere. Durch das Ausscheiden konnten sich die andern verfeinern und um einen Schritt höher kommen. Und auf jeder solchen Stufe mußten Wesenheiten ausgeschieden werden, damit der Mensch immer höher und höher kommen konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir haben also eine Menschheit, die nur dadurch möglich geworden ist, daß der Mensch sich befreit hat von denjenigen Wesenheiten, die um uns herum in den untergeordneten Reichen leben. Wir haben diese Wesenheiten mit allen ihren Kräften einmal in dem Strom der Entwickelung darinnen gehabt, sie waren damit verbunden wie in dem Wasser die dichteren Bestandteile. Wir haben sie zu Boden sinken lassen und haben uns daraus emporgehoben. Dadurch ist unsere Entwickelung möglich geworden.Wir sehen also hinunter auf die drei neben uns lebenden Naturreiche und sagen: In alledem sehen wir etwas, was unser Boden hat werden müssen, damit wir uns haben entwickeln können. Diese Wesenheiten sind hinuntergesunken, damit wir haben empor- steigen können. So blicken wir in der richtigen Art auf die untergeordneten Naturreiche.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir nun die Erdentwickelung betrachten, wird sich uns dieser Vorgang noch anschaulicher in seinen Einzelheiten darstellen können. Wir müssen uns klar sein, daß alle Tatsachen innerhalb unserer Erdentwickelung doch gewisse Verhältnisse und Zusammenhänge haben. Nun haben wir gesehen, daß die Abtrennung der Sonne und des Mondes von der Erde eigentlich geschehen ist, damit die menschliche Organisation während der Erdentwickelung hat zu derjenigen Höhe kommen können, um eine Individualität zu werden; das gehörte dazu, um die menschliche Organisation gleichsam zu reinigen. Aber dadurch, daß diese Abtrennungen im Weltenall um des Menschen willen geschahen, ist durch solche eingreifende Veränderung in unserem ganzen Sonnensystem doch auch ein Einfluß auf alle drei andern Naturreiche ausgeübt worden, vor allem auf das Tierreich, das uns zunächst steht. Und wenn wir diesen Einfluß verstehen wollen, der auf das Tierreich durch die Vorgänge der Sonnen- und Mondabspaltung geschah, dann bekommen wir aus der Geistesforschung folgenden Aufschluß.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Mensch war auf einer gewissen Stufe seiner Entwickelung, als&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
sich die Sonne abgespalten hatte. Hätte er nun diese Stufe beibehalten müssen, die er während der Zeit hatte, als der Mond noch mit der Erde verbunden war, so hätte der Mensch seine gegenwärtige Organisation nicht erlangen können, er hätte einer gewissen Verödung und Verdorrung entgegengehen müssen. DieMondenkräfte mußten erst heraus- gehen. Daß diese menschliche Organisation möglich geworden ist, ist aber nur dem Umstande zu verdanken, daß der Mensch während der Zeit, als der Mond noch in der Erde war, sich eine Organisation bewahrt hatte, welche noch erweicht werden konnte; denn es wäre möglich gewesen, daß seine Organisation bereits so hart gewesen wäre, daß das Hinausgehen des Mondes nichts mehr genutzt hätte. Auf dieser Stufe, daß die Organisation noch erweicht werden konnte, standen tatsächlich nur die Menschenvorfahren. - Der Mond mußte also zu einer bestimmten Zeit hinausgehen. Was geschah nun bis zu dem Zeitpunkt, wo der Mond heraustrat?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die menschliche Organisation wurde immer gröber und gröber. Der Mensch hat zwar nicht ausgesehen wie Holz. Das wäre eine zu grobe Vorstellung. Es war die damalige Organisation trotz ihrer Grobheit immer noch feiner, als es die jetzige Organisation ist. Aber für die damalige Zeit war die Organisation des Menschen so grob, daß der geistigere Teil des Menschen, der auch dazumal in einer gewissen Weise abwechselnd mit dem physischen Leib zusammen und ohne ihn gelebt hat, in der Zeit zwischen Sonnen- und Mondaustritt endlich dahin gekommen war, daß er, wenn er wieder hat seinen physischen Leib aufsuchen wollen&amp;gt; diesen Leib durch die Vorgänge der Erde so dicht gefunden hat, daß er keine Möglichkeit mehr hatte, in ihn hineinzuziehen und ihn als Gehäuse zu benutzen. Daher geschah es auch, daß der geistig-seelische Teil vieler Menschenvorfahren von der Erde überhaupt Abschied nahm und für eine gewisse Zeit das Fortkommen suchte auf andern, zu unserem Sonnensystem gehörigen Planeten. Nur ein ganz geringer Teil der physischen Leiber war weiter brauchbar und rettete sich über diese Zeit hinüber. Das habe ich auch schon öfter dargestellt, daß die weitaus größte Zahl der Menschenseelen in den Himmelsraum hinauszogen, daß aber die fortlaufende Entwickelungsströmung festgehalten wurde von einem kleinen Teil, nämlich von denjenigen mensch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|48}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
lichen Seelen, die am robustesten waren und das alles ertragen und überwinden konnten. Diese robusten Seelen retteten die Entwickelung über die kritische Periode hinüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während dieses ganzenVorganges handelte es sich noch nicht eigentlich um das, was wir menschliche Ichheit, menschliche Individualität nennen. Es war noch mehr der Charakter derGattungsseele vorhanden. Die Seelen gingen, wenn sie sich zurückzogen, auf in die GattungsSeelenhaftigkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann kam der Mondaustritt, und damit war wieder die Möglichkeit gegeben, daß die menschliche Organisation verfeinert wurde, so daß sie die Seelen&amp;gt; welche sich früher hinweggeflüchtet hatten, wieder aufnehmen konnte. Und diese Seelen kamen nach und nach - bis in die atlantische Zeit hinein - wieder herunter und bezogen die menschlichen Leiber. Aber es waren immerhin gewisse Organisationen zurückgeblieben, die sich während der kritischen Zeit herausgebildet hatten. Fortgepflanzt hatten sie sich während dieser Zeit, nur konnten sie nicht Träger werden der menschlichen Seelenhaftigkeit. Es waren eben grobe Organisationen. Es hatten sich also dazumal neben jenen Organisationen, die sich später verfeinern konnten, solche erhalten aus der kritischen Erdenperiode. Diese wurden nun die Vorläufer einer gröberen Organisation, und dadurch kam es, daß neben jenen Organisationen, welche Träger von menschlichen Individualitäten werden konnten, auch solche Organisationen sich fortpflanzten, die nicht Träger menschlicher Individualitäten werden konnten und die die Nachkommen waren der von menschlichen Seelen verlassenen Organismen aus jener Zeit, als die Sonne schon fort und der Mond noch mit der Erde verbunden war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also sehen wir neben dem Menschen sich förmlich herausbilden ein Reich von Organismen, die durch das Beibehalten des Mondcharakters unfähig geworden waren, Träger menschlicher Individualitäten zu sein. Diese Organisationen sind im wesentlichen die, welche die Organisationen unserer heutigen Tiere wurden. Es könnte sonderbar erscheinen, daß diese gröberen Organisationen der heutigen Tiere nun doch wieder gewisse Fähigkeiten haben, welche sogar weisheitsvoll wirken können in der Welt, wie zum Beispiel in dem Biberbau. Das aber kann uns &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
erklärlich werden, wenn wir uns eben die Dinge nicht gar zu einfach vorstellen, sondern uns klar sind, daß gerade die Organisationen dieser Wesenheiten, welche nicht von menschlichen Seelen bezogen worden sind, die äußeren Einrichtungen de`s tierischen Baues, eines gewissen Nervenbaues und dergleichen ausgebildet hatten, die es möglich machten, sich mit den Gesetzen des Erdendaseins ganz in Einklang zu versetzen. Denn jeneWesenheiten, die nicht fähig geblieben waren, menschliche Seelen aufzunehmen, waren während der ganzen Zeit mit der Erde verbunden geblieben. Die andern Organisationen, die sich später verfeinert haben, so daß sie menschliche Individualitäten aufnehmen konnten, waren zwar auch zusammen mit der Erde; aber weil sie später Veränderungen eingehen mußten, als der Mond draußen war, haben sie gerade, was sie sich bis dahin angeeignet hatten, dadurch verloren, daß sie sich verfeinerten, daß sie diese Veränderungen eingehen mußten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also merken wir: Als sich der Mond getrennt hatte von der Erde, waren auf der Erde gewisse Organisationen, die sich einfach fortgepflanzt hatten in der geraden Linie, wie sie hatten entstehen müssen, solange der Mond mit der Erde früher verbunden war. Diese Organisationen waren grob geblieben, hatten sich die Gesetze, die sie hatten, bewahrt und waren in sich so fest geworden, daß, als der Mond heraus- gegangen war, mit ihnen keine Veränderung möglich war. Sie pflanzten sich einfach steif fort. Die andern Organisationen, die Träger von menschlichen Individualitäten wurden, mußten sich verändern, konnten sich nicht steif fortpflanzen. Sie veränderten sich so, daß jetzt hin- einwirken konnten die Wesenheiten, die in der Zwischenzeit gar nicht mit der Erde verbunden waren, die ganz woanders waren und sich erst wieder zusammenfügen mußten mit der Erde. - Da haben Sie den Unterschied zwischen jenen Wesenheiten, die den alten steifen Mondcharakter fortbewahrt hatten, und jenen, die sich verändert hatten. Worin bestand nun die Veränderung?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als die Seelen, die von der Erde fortgegangen waren, wieder zurückkamen und wieder Besitz ergriffen von den Leibern, fingen sie an, das Nervensystem, das Gehirn und so weiter umzubauen.Was sie als Kräfte hatten, das verwendeten sie gleichsam zum inneren Ausbau. An den andern Wesenheiten, die sich versteift hatten, konnte nichts mehr geändert&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|50}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
werden. Von diesen letzteren Organisationen nahmen jetzt andere Wesenheiten Besitz, die sich noch nicht darauf ein ließen, in die Organisation einzugreifen, die noch auf ihren früheren Stufen stehen- geblieben waren, die überhaupt nicht so weit kommen, daß sie in die inneren Organisationen hineinwirken, sondern die von außen wirken wie die tierischen Gattungsseelen. So erhielten diejenigen Organisationen, welche dazu geeignet waren, nach dem Mondaustritt die menschliche Seele; und diese Wesenheiten bearbeiteten dann die Organisation so, daß sie zu dem vollkommenen Menschenbau führte. Die während der Mondenzeit steif gebliebenen Organisationen konnten nicht mehr geändert werden. Von denen ergreifen jetzt Besitz jene Seelen, die überhaupt noch nicht so weit waren, in eine Individualität einzuziehen, die auf der Mondenstufe stehengeblieben waren, die alles ausgebildet hat- ten, was auf der Mondenstufe zu erreichen war, und die daher jetzt als Gattungsseelen von diesen Organisationen Besitz ergriffen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So erklärt sich uns der Unterschied zwischen Mensch und Tier aus den kosmischen Vorgängen heraus. Gerade durch die kosmischen Vorgänge bei der Erdentwickelung ergeben sich uns zweierlei Organisationen. Hätten wir bei dem Bau der unmittelbar unter dem Menschen stehenden Wesenheiten stehenbleiben müssen, so müßten wir jetzt mit unserem Ich die Erde umschweben, weil die Organisationen zu steif geworden sind. Wir könnten nicht herunter, und obwohl wir vollkommenere Wesen geworden sind, müßten wir da sein, wo die Organisationen der Gattungsseelen der Tiere sind. Da aber unsere Organisationen sich verfeinern konnten, so konnten wir in sie einziehen und sie als unsere Wohnplätze benutzen, das heißt, wir konnten in fleischliche Verkörperungen bis zur Erde hinuntersteigen. Die Gattungsseelen hatten kein Bedürfnis danach. Sie wirken von der geistigen Welt in die Wesen hinein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir sehen also in dem Tierreich, das uns umgibt, etwas, was wir heute auch wären, wenn wir eben nicht unsere Organisation der geschilderten Einrichtung verdankten. Fragen wir uns jetzt Wodurch sind denn die unter uns stehenden Tiere mit ihren versteiften Organisationen auf die Erde gekommen? - Durch uns selber sind sie herunter- gekommen! Sie sind die Nachkommen jener Körper, die wir nach dem &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|51}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mondaustritt nicht mehr beziehen wollten, weil sie zu grob geworden waren. Wir haben diese Körper zurückgelassen, um später andere zu finden.Wir hätten später andere nicht finden können, wenn wir damals jene ersten nicht verlassen hätten. Denn wir mußten nach dem Heraus- treten der Sonne auf der Erde unser Fortkommen suchen. - Da haben wir gerade den Vorgang, daß wir sozusagen unter uns zurückließen gewisse Wesenheiten, damit wir selber die Möglichkeit finden konnten, höher hinaufzukommen. Um höher zu kommen, mußten wir zu andern Planeten gehen und die Leiber da unten verkommen lassen. Was unten zurückgeblieben ist, dem verdanken wir in gewisser Beziehung das, was wir sind. Ja, wir können dieses «Verdanken» noch viel genauer schildem. Wir können uns fragen: Wie ist es denn überhaupt möglich geworden, daß wir während der kritischen Periode die Erde verlassen konnten? So ohne weiteres geht das ja nicht, daß ein Wesen hingehen kann, wo es will.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da trat während der Erdentwickelung zum ersten Male dasjenige ein, was wir wiederum den luziferischen Geistern verdanken. Die luziferischen Wesenheiten waren unsere Führer, die uns in der kritischen Periode von der Erdentwickelung hinweggenommen haben. Sie haben uns gleichsam gesagt: Da unten kommt jetzt eine kritische Zeit; da müßt ihr die Erde verlassen! - Die luziferischen Geister waren es, unter deren Führung wir die Erde verlassen haben, dieselben luziferischen Geister, die in unseren damaligen astralischen Leib das luziferische Prinzip, den Hang zu allem, was wir die Möglichkeit des Bösen in uns nennen, hineinbrachten, damit zugleich aber allerdings auch die Möglichkeit der Freiheit. Hätten sie uns damals nicht fortgenommen von der Erde, so wären wir immer gekettet geblieben an die Gestalt, die wir damals geschaffen hatten, und wir könnten jetzt die Gestalt höchstens von oben umschweben, würden sie aber niemals beziehen können. So nahmen sie uns fort und verbanden ihr eigenes Wesen mit unserem Wesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir das ins Auge fassen, wird es uns jetzt verständlich, daß wir, während wir fortgingen, die luziferischen Einflüsse aufnahmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Organisationen, welche dieses Schicksal nicht teilten, damals in ganz besondere Weltgebiete geführt zu werden, die mit der Erde verbunden blieben, die blieben unten ohne den luziferischen Einfluß. Sie &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|52}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
mußten mit uns die Erdenschicksale teilen - konnten aber nicht mit uns unser Himmelsschicksal teilen. Und als wir auf die Erde zurückkamen, hatten wir den luziferischen Einschlag in uns, nicht aber jene andern Wesen, und dadurch wurde es uns möglich, das Leben in einem physischen Körper und doch ein von dem physischen Körper unabhängiges Leben zu führen, so daß wir auch immer mehr und mehr unabhängig von dem physischen Körper werden konnten. Diese andern Wesen aber, die den luziferischen Einschlag nicht in sich hatten, stellten dar, was wir aus ihnen gemacht hatten, was unsere astralischen Leiber waren in der Zwischenzeit zwischen Sonnen- und Mondaustritt, also dasjenige, von dem wir uns befreiten. Wir schauen auf die Tiere und sagen: Alles, was die Tiere darstellen an Grausamkeit, an Gefräßigkeit, an allen tierischen Untugenden, neben der Geschicklichkeit, die sie haben, das hätten wir in uns, wenn wir sie nicht hätten aus uns heraussetzen können! - Wir verdanken die Befreiung unseres astralischen Leibes dem Umstande, daß alle gröberen astralischen Eigenschaften zurückgeblieben sind im Tierreich der Erde. Und wir können sagen: Wohl uns, daß wir das nicht mehr in uns haben: die Grausamkeit des Löwen, die List des Fuchses, daß es aus uns herausgezogen ist und außer uns ein selbständiges Dasein führt!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So haben die Tiere das mit uns gemeinschaftlich, was unser astralischer Leib ist, und haben dadurch die Möglichkeit, Schmerzen empfinden zu können. Aber sie haben gerade durch das, was jetzt gesagt worden ist, nicht die Möglichkeit erlangen können, durch den Schmerz und durch die Überwindung des Schmerzes immer höher und höher zu steigen. Denn sie haben keine Individualität. Dadurch sind die Tiere viel, viel übler daran als wir. Wir müssen die Schmerzen ertragen; aber jeder Schmerz ist für uns ein Mittel zur Vervollkommnung; indem wir ihn überwinden, steigen wir höher durch den Schmerz. Die Tiere haben wir zurückgelassen als etwas, was zwar die Schmerzfähigkeit schon hatte, aber noch nicht das, was sie über den Schmerz erheben konnte, wodurch sie den Schmerz überwinden. Das ist das Schicksal der Tiere. Sie zeigen uns unsere eigene Organisation auf der Stufe, da wir schmerzfähig waren, aber noch nicht durch Überwindung den Schmerz ins Heilsame für die Menschheit umwandeln konnten. So haben wir den &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|53}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tieren im Laufe der Erdentwickelung unser schlimmeres Teil gegeben, und sie stehen um uns herum als Wahrzeichen dessen, daß wir zu unserer Vervollkommnung kamen. Wir hätten den Bodensatz nicht los- bekommen, hätten wir nicht die Tiere zurückgelassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Solche Tatsachen müssen wir nicht als Theorien betrachten lernen, sondern mit kosmischem Weltengefühl. Wir müssen hinblicken auf die Tiere mit dem Gefühl: Da draußen seid ihr, Tiere. Wenn ihr leidet, leidet ihr etwas, was uns Menschen zugute kommt.Wir Menschen haben die Möglichkeit, das Leiden zu überwinden; ihr müßt das Leiden er- dulden. Wir aber haben euch das Leiden gelassen - und uns die Überwindung genommen!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn man dieses kosmische Gefühl aus der Theorie entwickelt, wird es zu dem umfassenden Mitgefühl mit der Tierwelt. Wo daher das kosmische Gefühl aus der Urweisheit der Menschheit entsproß, wo die Menschen sich noch bewahrt hatten eine Erinnerung an das Urwissen, das jedem aus dem dämmerhaften Hellsehen sagte, wie die Dinge einst lagen, da hatte man sich damit auch das Mitgefühl für die Tierwelt bewahrt, und da tritt das Mitgefühl für die Tiere in einem hohen Maße hervor. - Dieses Mitgefühl wird wiederkommen, wenn die Menschen sich angewöhnen werden, spirituelle Weisheit aufzunehmen, wenn die Menschen wiederum einsehen werden, wie das Menschheitskarma mit dem Weltenkarma verbunden ist. In den Zeiten, welche sozusagen Zeiten der Verdunkelung waren, in denen das materialistische Denken Platz griff, hat man von diesen Zusammenhängen keine rechte Ahnung haben können. Da blickte man nur auf das, was im Raume nebeneinander ist, ohne zu berücksichtigen, daß dieses, was nebeneinander im Raume ist, einen einheitlichen Ursprung hat und sich nur in der Entwickelung getrennt hat. Und da fühlte man natürlich auch nicht, was die Menschen mit den Tieren verbindet. Und auf allen Gebieten der Erde, wo man die Mission gehabt hat, zu überdecken das Bewußtsein vom Zusammenhange des Menschen mit der Tierwelt, wo an Stelle dieses Bewußtseins nur ein solches getreten ist, das sich auf den äußeren physischen Raum beschränkt, da hat der Mensch den Tieren das, was er ihnen verdankt, in einer eigenartigen Weise vergolten - indem er sie eben aufgegessen hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|54}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Dinge zeigen uns aber zugleich, wie Weltanschauungen zu- sammenhängen mit der menschlichen Empfindungs- und Gefühlswelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Empfindungen und Gefühle sind letzten Endes Folgen derWeltanschauungen, und wie sich die Weltanschauungen und Erkenntnisse ändern, so werden sich auch die Empfindungen und Gefühle innerhalb des Menschheitszusammenhanges ändern. Der Mensch konnte nicht anders, als sich höher entwickeln; er mußte andere Wesen in den Abgrund stoßen, um selbst höher zu steigen. Er konnte den Tieren nicht geben eine Individualität, die im Karma ausgleicht, was die Tiere leiden müssen; er konnte ihnen nur den Schmerz überliefern, ohne ihnen die&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
karmische Gesetzmäßigkeit des Ausgleiches geben zu können. Was er ihnen aber früher nicht geben konnte, das wird ihnen der Mensch einst geben,wenn er zur Freiheit und zum Selbstlos-Sein seiner Individualität gekommen ist. Dann wird er - in bewußter Weise - auch auf diesem Gebiet die karmische Gesetzmäßigkeit fassen und wird sagen: Den Tieren verdanke ich, was ich bin. Was ich den einzelnen tierischen Wesen nicht mehr geben kann, welche von einem Einzeldasein in ein Schattendasein hinuntergegangen sind, was ich sozusagen einstmals an den Tieren verschuldet habe, das muß ich jetzt an den Tieren wieder gutmachen durch die Behandlung, welche ich ihnen angedeihen lasse! - Daher wird mit dem Fortschreiten der Entwickelung durch das Bewußtsein der karmischen Verhältnisse auch wieder ein besseres Verhältnis des Menschen zum Tierreich eintreten, als es jetzt, besonders im Abendlande, vorhanden ist. Eine Behandlung der Tiere wird kommen, durch welche der Mensch die Tiere, die er hinuntergestoßen hat, wieder heraufzieht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So sehen wir Karma und Tierreich denn doch in einem gewissen Verhältnis zueinander. Was das Tier als Schicksal erlebt, das können wir, wenn wir nicht alles durcheinanderwerfen wollen, nicht mit dem menschlichen Karma vergleichen. Aber wenn wir die ganze Erdentwikkelung betrachten und was um der Menschheit und ihrer Entwickelung willen geschehen mußte, dann werden wir sehen, daß wir in der Tat von einer Beziehung des Menschheitskarma zu der Tierwelt sprechen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|55}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= DRITTER VORTRAG Hamburg, 18. Mai 1910 =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Solche Betrachtungen, wie wir sie heute und in den allernächstenTagen anzustellen haben, können sehr leicht einem gewissen Mißverständnis unterworfen sein. Wir werden es zu tun haben mit mancherlei Krankheits- und Gesundheitsfragen vom Gesichtspunkte des Karma, und bei der Gegensätzlichkeit unserer heutigen Zeitströmungen gerade auf diesem Gebiete könnte leicht eine mißverständliche Auffassung der geisteswissenschaftlichen Grundlagen Platz greifen,wenn dieses Kapitel - der Zusammenhang von Krankheit und Gesundheit mit dem Karma - berührt wird. Sie wissen ja, daß in den weitesten Kreisen die Diskussion mit ziemlicher Heftigkeit und Leidenschaftlichkeit wogt, wenn Gesundheits- und Krankheitsfragen in Betracht kommen. Es ist Ihnen ja allen bekannt, wie sehr von seiten der Laien sowohl als auch von seiten dieser oder jener Ärzte Partei ergriffen wird gegen das, was man die wissenschaftliche Medizin nennt. Auf der andern Seite kann leicht bemerkt werden, wie die Vertreter der wissenschaftlichen Medizin vielleicht gerade herausgefordert werden durch manchen ungerechten Angriff, so daß sie nicht nur in eine Art von Leidenschaft verfallen, wenn es sich darum handelt - was ihr gutes Recht ist -, einzutreten für das, was die Wissenschaft dazu zu sagen hat, sondern daß von dieser Seite heute auch ein zum Teil recht arger Kampf geführt wird gegen das, was von andern Gesichtspunkten als den in der offiziellen Medizin vertretenen irgendwie gesagt wird über das in Betracht kommende Gebiet. Theosophie oder Geisteswissenschaft wird nur dann ihren hohen Aufgaben gerecht werden können, wenn sie auf einem solchen, von Diskussionen vielfach verdunkelten Gebiet das unbefangene und objektive Urteil wahrt. Wer ähnliche Vorträge von mir gehört hat, wird wissen, wie wenig es mir darum zu tun ist, einzustimmen in den Chor, der heute das, was man als «Schulmedizin» bezeichnet, diskreditieren will.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von einem Einstimmen in diese oder jene Parteirichtung kann bei der Geisteswissenschaft auch nicht im entferntesten die Rede sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es darf vielleicht gerade bei dieser Gelegenheit eiirleitend betont&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|56}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
werden, daß die Leistungen in bezug auf die Tatsachen und tatsächlichen Erforschungen der Erscheinungen gerade auf dem Gebiet des Krankheitswesens und der Gesundheitsfragen der Menschheit in den letzten Jahren und Jahrzehnten wahrhaftig zu ebensolchem Lobreden, Anerkennen und Bewundern herausfordern wie zahlreiche andere naturwissenschaftliche Ergebnisse. Und von dem, was auf diesem Gebiete an Tatsächlichem geleistet worden ist, darf auch gesagt werden: Wenn sich irgend jemand freuen darf über das, was die Medizin in den letzten Jahren geleistet hat, so kann dies gerade die Geisteswissenschaft sein. Auf der andern Seite muß aber auch betont werden, was gerade für die Naturwissenschaft gilt, daß die Errungenschaften und tatsächlichen Erkenntnisse und Entdeckungen zuweilen recht wenig richtige und befriedigende Interpretationen und Erklärungen finden durch das, was heute wissenschaftliche Meinungen sind. Das ist ja das Hervorstechendste in unserer Zeit für viele Gebiete naturwissenschaftlicher Forschung, daß die Meinungen, die Theorien nicht gewachsen sind den zuweilen wunderbaren Tatsachenergebnissen. Und erst das Licht, das von der Geisteswissenschaft ausgeht, wird Klarheit über das bringen, was auf diesem Gebiet in den letzten Jahren errungen worden ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem das vorausgeschickt worden ist, wird es klar sein, daß es sich nicht um irgendwelches Einstimmen in billige Bekämpfung dessen handelt, was auf dem Gebiet der wissenschaftlichen Medizin heute geleistet werden kann. Dann darf aber auch gesagt werden, daß die bewundernswerten Tatsachen, die zutage getreten sind, nicht fruchtbar werden können in unserer Zeit zum Heile der Menschheit, weil auf der andern Seite geradezu materialistisch gefärbte Meinungen und TheorIen diese Fruchtbarkeit verhindern. Daher ist es für die Theosophie viel besser, daß sie anspruchslos das sagt, was sie zu sagen hat, als in irgendeinen Parteikampf einzugreifen. Es werden dadurch viel weniger die Leidenschaften aufgeregt werden, als sie es heute schon sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir überhaupt einen Gesichtspunkt gewinnen wollen zu den Fragen, die uns beschäftigen sollen, dann müssen wir uns damit bekanntmachen, daß die Ursachen zu irgendeiner Erscheinung in der inannigfaltigsten Weise gesucht werden müssen, nähere und entferntere Ursachen, und daß die Theosophie, wenn es sich darum handeln &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|57}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wird, karmische Ursachen zu Gesundheitsfragen zu suchen, es ein wenig zu tun haben wird mit den entfernteren Ursachen, die nicht an der Oberfläche liegen. Machen wir uns das durch einen Vergleich klar. Wenn Sie den Vergleich überdenken, werden Sie schon auf das kommen, was eigentlich gemeint ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen wir an, irgend jemand stehe auf dem Standpunkt, «wie wir es heute so herrlich weit gebracht haben» auf diesem Gebiete, und er verachte ganz die Meinungen, welche in den vergangenen Jahrhunderten über Gesundheit und Krankheit zutage getreten sind. Wenn Sie versuchen, einen Überblick über die Krankheits- und Gesundheitsfragen zu finden, werden Sie den Eindruck bekommen, daß die Darsteller eines solchen Gebietes gewöhnlich das Urteil haben: Was in den letzten zwanzig bis dreißig Jahren auf diesem Gebiete zutage getreten ist, das ist eine Art absoluter Wahrheit, die zwar ergänzt werden kann, aber nie ein solches absprechen des Urteil erfahren kann wie das, welches solche Beurteiler leider selbst abgeben über das meiste, was auf diesem Gebiete vorangegangen ist an menschlichem Sinnen und Trachten. Es wird zum Beispiel häufig gesagt: Wir finden gerade auf diesem Gebiete in den verflossenen Zeiten den krassesten Aberglauben -, und es werden dann recht abschreckende Beispiele angeführt, wie in den verflossenen Jahrhunderten versucht worden sei, dies oder das zu heilen. Insbesondere schlimm findet man, wenn man irgendwo auf Ausdrücke stößt, welche in der damaligen Bedeutung dem heutigen Bewußtsein längst verlorengegangen sind, sich aber dennoch in das heutige Bewußtsein eingeschlichen haben&amp;gt; und mit denen so, wie sie der heutige Mensch denkt, nichts anzufangen ist. So sagen einige: Da gab es Zeiten, in denen man eine jede Krankheit Gott oder dem Teufel zuschrieb! So schlimm, wie es solche Darsteller machen, liegt es deshalb nicht, weil sie nicht wissen, welcher Komplex von Anschauungen bei einem solchen Begriff ~Gott» oder «Teufel» gemeint war. Durch einen Vergleich können wir uns das klarmachen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen wir an, zwei Leute reden miteinander. Da erzählt der eine dem andern: Eben habe ich eine Stube gesehen, die ganz voller Fliegen ist. Nun sagt mir jemand, das sei ganz natürlich; und das glaube ich auch, denn die Stube ist sehr schmutzig, und dadurch finden die&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|58}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fliegen ihr Fortkommen. Es ist ganz erklärlich, daß man das als Grund für das Vorhandensein der Fliegen annimmt, und ich glaube auch, daß derjenige ganz recht hat, der da sagt, die Fliegen werden nicht mehr in der Stube sein, wenn man einmal gründlich reinemacht! - Nun hat aber ein anderer erzählt, daß er noch etwas anderes wüßte, warum so viele Fliegen in dem Zimmer wären; und die Ursache könne er nicht anders ,bezeichnen,als daß in jenem Zimmer seit langem eine grundfaule Hausfrau hause. - Aber nun sieh einmal, was das für ein grenzenloser Aber- glaube ist: daß die Faulheit wie eine Art Persönlichkeit sei, die nur zu winken brauchte, und dann kämen die Fliegen herein! Da ist die andere Erklärung doch richtiger, die das Vorhandensein der Fliegen durch den angehäuften Schmutz erklärt!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nicht viel anders ist es auf einem andern Gebiete, wenn man sagt: Es ist jemand von einer Krankheit befallen, da er eben eine Infektion durch irgendeine Bazillenart erhalten hat; treibt man die Bazillen aus, so Ist die Heilung da. Nun reden aber da noch Leute von irgendeiner geistigen Ursache, die tiefer liege! Man braucht doch nichts anderes zu tun, als die Bazillen fortzutreiben! - Es ist nicht mehrAberglaube, von einer geistigen Ursache zu sprechen bei Erkrankungen, doch alles übrige anzuerkennen, als in dem Falle, wo die Ursache für das Dasein der Fliegen in einer grundfaulen Hausfrau gesehen wird. Und man braucht nicht zu wettern, wenn man sagt: Die Fliegen werden nicht mehr da sein, wenn einmal reinegemacht wird. Nicht darum handelt es sich, daß der eine den andern bekämpft, sondern daß man lernt, sich gegenseitig zu verstehen und einzugehen auf das, was der eine will und was der andere will. Das muß man durchaus berücksichtigen, wenn von den unmittelbar naheliegenden Ursachen mit Recht gesprochen wird und wenn von den entfernteren Ursachen gesprochen wird. Der objektive Theosoph wird sich durchaus nicht auf den Standpunkt stellen, daß die Faulheit nur eine Art von Wink zu geben brauche, damit die Fliegen in das Zimmer kommen; er wird wissen, daß auch andere materielle Dinge dabei in Betracht kommen, daß aber alles, was materiell zum Ausdruck kommt, seine geistigen Hintergründe hat und daß diese geistigen Hintergründe zum Heile der Menschheit gesucht werden müssen. Diejenigen aber, welche in den Kampf gern einstimmen möchten, die sollen &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|59}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
auch daran erinnert werden, daß die geistigen Ursachen nicht immer in derselben Weise aufgefaßt werden dürfen und auch nicht in der gleichen Art bekämpft werden können wie die gewöhnlichen materiellen Ursachen. Und man darf auch nicht denken, daß man durch das Bekämpfen der geistigen Ursachen enthoben wäre der Bekämpfung der materiellen Ursachen; denn sonst könnte man die Stube schmutzig lassen und brauchte nur gegen die Faulheit der Hausfrau zu Felde zu ziehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir nun das Karma betrachten, müssen wir sprechen von Zusammenhängen zwischen Ereignissen, wie sie im Menschenleben eintreten in einer früheren Zeit und wie sie ihre Wirkung auf dasselbe Menschenwesen zeigen in einer späteren Zeit. Wenn wir sprechen von Gesundheit und Krankheit vom Gesichtspunkte des Karma aus, so heißt das nichts anderes als: Wie können wir uns vorstellen, daß der gesunde oder kranke Zustand eines Menschen seine Begründung findet in früheren Taten, Verrichtungen und Erlebnissen dieses Menschen? Und wie können wir uns vorstellen, daß sein gegenwärtiger Gesundheits- oder Krankheitszustand mit zukünftigen Wirkungen, die auf dasselbe esen zurückfallen, im Zusammenhang steht?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am liebsten wird der heutige Mensch überhaupt glauben, daß eine Krankheit mit den allernächsten Ursachen nur im Zusammenhange stehe. Denn der Grundnerv unserer heutigen Weltanschauung auf allen Gebieten ist ja der, daß man Bequemlichkeit sucht; und stehenbleiben bei den allernächsten Ursachen ist eine bequeme Sache. Daher werden gerade in bezug auf Erkrankungen nur die allernächsten Ursachen berücksichtigt - und am meisten geschieht das von den Kranken selbst. Denn wie wäre es zu leugnen, daß die Kranken selbst veranlaßt sind, solche Bequemlichkeit zu üben? Aus diesem Umstande heraus ergibt sich so viel Unzufriedenheit, wenn ein solcher Glaube existiert, die Krankheit müsse die allernächsten Ursachen haben, welche von dem kundigen Arzt gefunden werden müssen; und wenn der Arzt dann nicht helfen kann, hat er irgend etwas verpfuscht. Aus dieser Bequemlichkeit des Urteils gebt vieles von dem hervor, was heute auf diesem Gebiete gesagt wird. Wer Karma in seinen weitverzweigten Wirkungen zu betrachten versteht, der wird immer mehr seinen Blick erweitern von dem, was heute geschieht, zu Ereignissen, die verhältnismäßig sehr &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|60}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
weit zurückliegen. Und er wird vor allen Dingen die Überzeugung gewinnen, daß eine durchgreifende Erkenntnis eines Sachverhaltes, der den Menschen trifft, nur möglich ist, wenn man den Blick erweitern kann über das, was weiter zurückliegt. Insbesondere beim erkrankten Menschen ist das der Fall.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir vom kranken und auch vom gesunden Menschen sprechen, drängt sich uns die Frage auf die Lippen: Wie können wir uns von dem Kranksein überhaupt einen Begriff machen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn die geisteswissenschaftlicheForschung direkt vorgeht und den hellseherischen Blick zu Hilfe nimmt, wird sie immer, wenn es sich um Erkrankungen des Menschen handelt, Unregelmäßigkeiten bemerken, nicht nur im physischen Leibe des Menschen, sondern auch in den höheren Wesensgliedern des Menschen, im Ätherleibe und im astralischen Leibe. Und der hellseherische Forscher wird bei einem Krankheitsfall immer in Betracht ziehen müssen&amp;gt; welches in dem betreffenden Falle der Anteil sein kann des physischen Leibes auf der einen Seite und des Ätherleibes und des astralischen Leibes auf der andern Seite; denn alle drei Wesensglieder des Menschen können an der Erkrankung beteiligt sein. Nun entsteht die Frage: Welche Vorstellungen können wir über das Wie der Krankheit gewinnen? - Dem kommt man am leichtesten bei, wenn man in Betracht zieht, wieweit man den Begriff «Krankheit» überhaupt ausdehnen darf. Diejenigen, die gern in allerlei allegorisch-symbolischen Begriffen sprechen, auch da, wo sie nicht hin- gehören, denen mag es überlassen bleiben, wenn sie auch bei Mineralien oder Metallen von Erkrankungen sprechen, indem sie zum Beispiel sagen, wenn der Rost das Eisen frißt, sei das eine Krankheit des Eisens. Man muß sich dabei nur darüber klar sein, daß man durch solche abstrakten Begriffe zu einem wirklichen gedeihlichen Erfassen des Lebens nicht kommen kann; man kann nur kommen zu einer Art spielerischen Erkenntnis des Lebens, nicht aber zu einem Erkennen, das wirklich eingreift in die Tatsachen.Wer zu einem realen Krankheitsbegriff und auch zu einem realen Gesundheitsbegriff kommen will, muß sich hüten, davon zu sprechen, daß Mineralien und Metalle auch erkranken können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun ist die Sache schon anders, wenn wir ins Pflanzenreich hinaufgehen. Da dürfen wir gewiß von Erkrankungen der Pflanzen sprechen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|61}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber gerade Pflanzenkrankheiten sind für das reale Erfassen der Vorstellung «Krankheit» von einem ganz besonderen Interesse und von ganz besonderer Wichtigkeit. Bei Pflanzen wird man, wenn man wieder nicht spielerisch zu Werke geht, nicht leicht sprechen können von inneren Krankheitsursachen. In demselben Maße,wie man bei Tier und Mensch von inneren Krankheitsursachen sprechen kann, kann man bei Pflanzen nicht davon sprechen. Die Erkrankungen im Pflanzenreiche werden Sie immer zurückzuführen haben auf äußere Veranlassungen, auf diese oder jene schädlichen Einflüsse des Bodens, ungenügende Belichtungen, auf diese oder jene Wirkungen des Windes und auf sonstige elementare und Naturwirkungen. Oder Sie werden solche Erkrankungen von Pflanzen zurückzuführen haben auf Einflüsse von Parasiten, die sich an die Pflanzen heranmachen und sie schädigen. Und wir werden innerhalb des Pflanzen reiches mit Recht davon sprechen, daß der Begriff «innere Krankheitsursache» im Grunde gar keine Berechtigung hat. - Es ist natürlich nicht möglich, da ich nicht ein halbes Jahr über dieses Thema sprechen kann, daß ich mit unzähligen Belegen versehe, was ich jetzt angedeutet habe. Aber je tiefer wir in die Pflanzenpathologie eindringen, desto mehr werden wir sehen, daß von dem Begriff «innere Krankheitsursache» bei den Pflanzen nicht die Rede sein kann, sondern daß es sich da um äußere Veranlassungen und Schädigungen, um äußere Einflüsse handelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun haben wir in der Pflanze, wie sie uns zunächst in der äußeren Welt entgegentritt, ein Wesen vor uns, das uns ein Gefüge von einem physischen Leibe und einem Atherleibe zeigt. Und wir haben damit zugleich ein Wesen vor uns, das uns sozusagen aufmerksam darauf macht, daß ein solches Wesen mit physischem Leib und Ätherleib im Grunde dem Prinzip nach gesund ist und daß es warten muß, bis es eine äußere Schädigung erfährt, wenn es krank werden soll. Damit stimmt auch durchaus der geisteswissenschaftliche Tatbestand.Während wir durch die Methoden der hellseherischen Forschung im Tier- und Menschenreich bei Erkrankungen ganz entschieden im Inneren des Wesens - in den übersinnlichen Teilen - Veränderungen erblicken, können wir innerhalb einer erkrankten Pflanze niemals davon sprechen, daß der ursprüngliche Ätherleib selber verändert wäre, sondern nur &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|62}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
davon, daß sich von außen allerlei Störungen und schädliche Einflüsse in den physischen Leib und namentlich in den Ätherleib hineingedrängt haben. Der geisteswissenschaftliche Tatbestand rechtfertigt durchaus das, was wir als allgemeinen Schluß gewinnen: daß in dem, was bei den Pflanzen in Betracht kommt - nämlich physischer Leib und Ätherleib -, etwas ursprünglich Gesundes vorliegt. Aber etwas anderes ist es, wie die Pflanze imstande ist, wenn sie äußere Schädigungen erfährt, alles mögliche aufzuwenden, um in Wachstum und Entwickelung sich gegen die Schädigungen zu wehren, sich zu heilen. Beobachten Sie einmal, wenn Sie eine Pflanze anschneiden, wie sie versucht, die beschädigte Stelle zu umwachsen, zu umgehen, was ihr da im Wege liegt und sie schädigt. Und wir können es fast mit Händen greifen,wie in der Pflanze eine innere Abwehr, eine Heilkraft vorhanden ist, wenn eine äußere Schädigung eintritt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So sehen wir, daß wir in dem Ätherleib und physischen Leib der Pflanze etwas vor uns haben, was imstande ist, mit inneren Heilkräften zu antworten auf äußere Schädigungen. Das ist eine außerordentlich wichtige Tatsache, wenn man auf diesem Gebiete zur Klarheit kommen will. Ein Wesen wie die Pflanze mit physischem Leibe und Ätherleib zeigt uns also nicht nur, daß der physische Leib und der Ätherleib ursprünglich Prinzipien der Gesundheit in sich haben, soviel notwendig ist zur Entwickelung und zum Wachstum des betreffenden Wesens, sondern es zeigt uns ein solches Wesen sogar, daß ein Überschuß vorhanden ist von solchen Kräften, die sich in den Heilkräften ausleben können, wenn von außen Schädigungen kommen. - Woher müssen denn diese Heilkräfte stammen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn Sie in einen bloß physischen Körper hineinschneiden, wird die Schädigung bleiben. Er wird aus sich heraus nichts tun können, um die Schädigung sozusagen zu heilen. Deshalb können wir bei einem bloß physischen Körper nicht von einer Erkrankung sprechen, und am wenigsten davon,daß Krankheit und Heilung in Beziehung zueinander stehen können. Das können wir am besten sehen, wenn eine Krankheit bei einer Pflanze zutage tritt. Da haben wir das Prinzip der inneren Heilkraft zu suchen im Ätherleibe. Das zeigt wiederum im eminentesten Maße der geisteswissenschaftliche Tatbestand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|62}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
davon, daß sich von außen allerlei Störungen und schädliche Einflüsse in den physischen Leib und namentlich in denÄtherleib hineingedrängt haben. Der geisteswissenschaftliche Tatbestand rechtfertigt durchaus das, was wir als allgemeinen Schluß gewinnen: daß in dem, was bei den Pflanzen in Betracht kommt - nämlich physischer Leib und Ätherleib -, etwas ursprünglich Gesundes vorliegt. Aber etwas anderes ist es, wie die Pflanze imstande ist, wenn sie äußere Schädigungen erfährt, alles mögliche aufzuwenden, um in Wachstum und Entwickelung sich gegen die Schädigungen zu wehren, sich zu heilen. Beobachten Sie einmal, wenn Sie eine Pflanze anschneiden, wie sie versucht, die beschädigte Stelle zu umwachsen, zu umgehen, was ihr da im Wege liegt und sie schädigt.Und wir können es fast mit Händen greifen,wie in der Pflanze eine innere Abwehr, eine Heilkraft vorhanden ist, wenn eine äußere Schädigung eintritt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So sehen wir, daß wir in dem Ätherleib und physischen Leib der Pflanze etwas vor uns haben, was imstande ist, mit inneren Heilkräften zu antworten auf äußere Schädigungen. Das ist eine außerordentlich wichtige Tatsache, wenn man auf diesem Gebiete zur Klarheit kommen will. Ein Wesen wie die Pflanze mit physischem Leibe und Ätherleib zeigt uns also nicht nur, daß der physische Leib und der Ätherleib ursprünglich Prinzipien der Gesundheit in sich haben, soviel notwendig ist zur Entwickelung und zum Wachstum des betreffenden Wesens, sondern es zeigt uns ein solches Wesen sogar, daß ein Überschuß vorhanden ist von solchen Kräften, die sich in den Heilkräften ausleben können, wenn von außen Schädigungen kommen. - Woher müssen denn diese Heilkräfte stammen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn Sie in einen bloß physischen Körper hineinschneiden, wird die Schädigung bleiben. Er wird aus sich heraus nichts tun können, um die Schädigung sozusagen zu heilen. Deshalb können wir bei einem bloß physischen Körper nicht von einer Erkrankung sprechen, und am wenigsten davon, daß Krankheit und Heilung in Beziehung zueinander stehen können. Das können wir am besten sehen, wenn eine Krankheit bei einer Pflanze zutage tritt. Da haben wir das Prinzip der inneren Heilkraft zu suchen im Ätherleibe. Das zeigt wiederum im eminentesten Maße der geisteswissenschaftliche Tatbestand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|63}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denn um die Wunde einer Pflanze herum beginnt der Ätherleib der Pflanze ein viel regeres Leben, als er vorher dort entfaltete. Er bringt ganz andere Formen aus sich heraus, entwickelt ganz andere Strömungen. Das ist das außerordentlich Interessante, daß wir geradezu älen Ätherieib der Pflanze herausfordern zu einer erhöhten Tätigkeit, wenn wir der Pflanze in bezug auf den physischen Leib eine Schädigung bei- bringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit haben wir zwar nicht den Begriff der Krankheit definiert; aber wir haben etwas getan, um zum Wie der Krankheit zu kommen, und wir haben etwas erreicht, was uns eine Ahnung verschafft über das innere Wie der Heilung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt gehen wir einmal - immer am Leitfaden der inneren, hellseherischen Beobachtung - weiter und versuchen wir, die äußeren Erscheinungen vernunftgemäß zu begreifen, zu denen uns die Geisteswissenschaft führt. Dann können wir jetzt aufsteigen von den Schädigungen, welche wir Pflanzen beibringen, zu gewissen Schädigungen, welche wir Tieren beibringen, die also Wesen sind, die schon einen astralischen Leib haben. Wenn wir da im groben Sinne zu Werke gehen, so werden wir sehen, daß wir bei den höheren Tieren verhältnismäßig sehr wenig - und immer weniger, je höher das Tier steht - von dem erblicken können, was bei den Pflanzen in umfassendem Maße hervortritt: nämlich jenes Antworten des Ätherleibes auf äußere Schädigungen. Wenn wir grobe Schädigungen dem physischen Leibe eines niederen oder auch eines höheren Säugetieres beibringen, reißen wir zum Beispiel einem Hunde ein Bein aus oder dergleichen, dann werden wir finden, daß der Ätherleib des Hundes nicht so leicht mit seiner Heilkraft antworten kann, wie der Atherleib der Pflanze antwortet auf eine Schädigung, die in ahnlicherWeise der Pflanze zugefügt worden ist. Aber auch im Tierreich ist das noch in großem Maße zu sehen. - Nehmen wir an, wir steigen hinunter bis zu ganz niedrigen tierischen Wesen, zu den Tritonen oder ähnlichen. Solche niederen Tierwesen können Sie zerschneiden; schneiden wir einem solchenWesen gewisse Organe ab, so ist das, könnte man sagen, dem Tiere gar nicht besonders unangenehm. Die Organe wachsen mit großer Schnelligkeit wieder nach, und das Tier sieht bald wieder so aus wie früher. Da ist etwas Ähnliches wie bei der Pflanze &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|64}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
geschehen: Wir haben eine gewisse Heilkraft im Ätherleibe herausgefordert. Wer würde leugnen, daß die Herausforderung, Heilkräfte im Ätherleib zu entwickeln, beim Menschen oder beim höheren Tier eine erhebliche Gefährdung der Gesundheit bedeuten würde? Das niedere Tier dagegen wird in seinem Ätherleibe nur herausgefordert, ein an- deres Glied aus seinem Inneren durch seinen Ätherleib herauswachsen zu lassen. Nun steigen wir etwas weiter hinauf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir jetzt zum Beispiel bei Krebsen ein Glied abschneiden, so sind die Krebse nicht sogleich imstande, ein anderes Glied aus sich her- auswachsen zu lassen. Aber wenn sie sich das nächste Mal häuten,wenn sie bei der nächsten Übergangsstufe ihres Lebens ankommen, dann schon treibt für das abgebrochene Glied ein Stumpf heraus; beim zweitenmal wird er schon größer sein, und wenn sich das Tier genügend oft häuten würde, so würde das Glied ersetzt werden durch ein neues. - Da haben Sie die Erscheinung, daß in solchem Ätherleib schon mehr dazu gehört, damit die innere Heilkraft herausgefordert wird. Und bei den höheren Tieren ist das nun gar nicht mehr in diesem Maße der Fall. Wenn wirein höheres Tier verstümmeln, kann es zunächst nicht diese Heilkraft aus seinem Ätherleibe heraus aufbringen. Aber es muß immer wieder betont werden,was heute in einen bedeutsamen naturwissenschaftlichen Streit hineinspielt: Wenn Sie das Tier verstümmeln, und das Tier hat Nachkommen, so übertragen sich diese Verstümmelungen nicht auf die Nachkommen; die nächste Generation hat wieder die vollen Glieder. Wenn der Ätherleib seine Eigenschaften auf die Nachkommen überträgt,wird er wieder angeregt, einen vollständigen Organismus heraus zusetzen. Beim Tritonen wirkt der Ätherleib noch in demselben Tiere, beim Krebs erst in der Häutung; bei den höheren Tieren tritt dasselbe erst bei den Nachkommen ein; da ersetzt der Ätherleib,was in der vor hergehenden Generation verstümmelt worden ist. Wir müssen also solche Erscheinungen in der Natur gradweise betrachten, dann wird es uns klarwerden, daß selbst dann noch von einer Heilkraft im Ätherleibe gesprochen werden muß, wenn die Vererbungen von den Vorfahren auf die Nachkommen gehen, und daß der Ätherleib sich so vererbt, daß er wieder das ganze, ungeteilte Tier hervorbringt. Da haben Sie sozusagen ein Aufsuchen des Wie der Heilkräfte im Ätherleib.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|65}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun können wir die Frage aufwerfen:Woran liegt es denn, je weiter wir in der Tierreihe hinaufsteigen - und wenn wir das Menschen reich äußerlich betrachten, gilt das auch -, daß der Ätherleib immer mehr Anstrengungen machen muß, um überhaupt die Heilkräfte herauszubekommen? - Das liegt daran, daß der Ätherleib in der verschiedensten Weise mit dem physischen Leibe verbunden sein kann. Es gibt zwischen dem physischen Leibe und dem Ätherleibe sozusagen eine innigere Gemeinschaft und eine losere. Nehmen wir zum Beispiel ein niederes Tier, den Triton, bei dem ein abgeschnittenes Glied sich sogleich wieder ansetzt. Da müssen wir eine lose Verbindung annehmen zwischen Ätherleib und physischem Leib. Und in noch höherem Maße gilt das bei der Pflanzenwelt. Da müssen wir sagen: Die Verbindung ist eine derartige, daß der physische Leib nicht imstande ist, auch auf den Ätherleib zurückzuwirken, so daß der Ätherleib ungeschoren bleibt durch das, was im physischen Leibe geschieht, und daß der Ätherleib in gewisser Beziehung unabhängig ist vom physischen Leibe. Nun ist das Wesen des Ätherleibes das des Tätigseins, des Hervorbringens, des Wachstumförderns. Er fördert das Wachstum bis zu einer bestimmten Grenze. In dem Augenblick, da wir bei Pflanzen oder niederen Tieren ein Glied abschneiden, ist der Ätherleib gleich wieder bereit, das Glied zu ergänzen, das heißt, die volle Tätigkeit zu entfalten. Was muß aber vorliegen, wenn er die volle Tätigkeit nicht entfalten kann? Dann müßte er mehr gebunden sein an die Tätigkeit des betreffenden Gliedes. Und&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
das ist in der Tat bei den höheren Tieren der Fall. Da ist eine viel innigere, dichtereVerbindung zwischen Ätherleib und physischem Leib vorhanden. Wenn der physische Leib seine Formen ausbildet, wirken diese Formen - also was in der physischen Natur ist - wieder zurück auf den Ätherleib.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir anschaulich sprechen wollen: Bei ganz niederen Tieren oder bei Pflanzen wirkt das, was draußen ist, nicht zurück auf den Atherleib, läßt ihn ungeschoren, führt ein selbständiges Dasein. Sobald wir zu höheren Tieren kommen, drängen die Formen des physischen Leibes rückwärts sich dem Ätherleibe auf; da ist der Ätherleib ganz angepaßt dem physischen Leibe, und wir verletzen mit dem physischen Leibe zugleich den Ätherleib. Dann muß natürlich derÄtherleib tiefere &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|66}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kräfte anwenden, weil er zuerst sich selber wieder herstellen muß - und dann erst die betreffenden Gliedmaßen. Daher müssen wir an tiefere Heilkräfte appellieren,wenn wir an denÄtherleib eines höheren Tieres herangehen. Womit hängt das aber zusammen? Warum ist der Ätherleib eines höheren Tieres so abhängig von den Formen des physischen Leibes?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Je weiter wir in der Tierreihe vorschreiten, um so mehr haben wir zu berücksichtigen nicht nur die Tätigkeit des physischen Leibes und des Ätherleibes, sondern auch die des astralischen Leibes. Der astralische Leib kommt bei den niederen Tieren in seiner Wirksamkeit noch außerordentlich wenig in Betracht. Daher haben die niederen Tiere noch so viel Pflanzenähnliches. Je höher wir hinaufsteigen, desto mehr kommt der astralische Leib in Betracht. Der wirkt aber nun so, daß er den Ätherleib von sich abhängig macht. EinWesen wie die Pflanze, das nur physischen Leib und Ätherleib hat, hat mit der Außenwelt wenig zu tun; es werden Reize ausgeübt, aber die drücken sich nicht aus in inneren Vorgängen. Wo dagegen ein astralischer Leib wirksam ist, da spiegeln sich die äußeren Eindrücke in inneren Vorgängen. Ein Wesen, das den astralischen Leib nicht wirksam hat, ist innerlich mehr abgeschlossen der Außenwelt gegenüber. Es öffnet sich ein Wesen um so mehr der Außenwelt, als der astralische Leib wirksam ist. Also verbindet der astralische Leib das Innere eines Wesens mit der Außenwelt. Die zunehmende Wirksamkeit des astralischen Leibes macht, daß der Ätherleib viel stärkere Kräfte aufwenden muß, um auftretende Schädigungen wieder auszugleichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir aber jetzt hinaufsteigen vom Tier zum Menschen, ist noch etwas anderes zu berücksichtigen. Da werden in diesen astralischen Leib nicht nur hineingeprägt, hineingetragen die vorgeschriebenen Verrichtungen, wie es mehr beim Tiere der Fall ist: das Tier lebt mehr mit einer gebundenen Marschroute, lebt mehr mit einem gebundenen Lebensprogramm. Sie werden nicht leicht beim Tiere davon sprechen können, daß es in besonderem Maße gegenüber seinen Instinkten ausschwcifend wäre oder sich mehr in seinen Instinkten der Mäßigkeit hingeben könne. Es folgt seinem Lebensprogramm. Was sich beim Tier ausdrückt, ist einer Art von typischem Programm unterworfen. Der &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|67}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mensch aber ist in der Lage, gerade dadurch, daß er höher hinaufgestiegen ist in der Stufenleiter der Entwickelung, alle möglichen Unterschiede - zwischen Richtig und Unrichtig, Wahrheit und Lüge, Gut und Böse - auszuleben. In der verschiedensten Weise kommt er durch nur individuelle Anlässe mit der Außenwelt in Berührung. Alle diese Arten von Berührungen fallen zurück, machen Eindruck auf seinen astralischen Leib. Und die Folge ist, daß auch die Wechselwirkung zwischen astralischem Leib und Ätherleib jetzt nach diesen äußeren Erlebnissen ausfallen muß. Wenn also ein Mensch in irgendeiner Beziehung ein ausschweifendes Leben führt, so bedeutet das einen Eindruck auf seinen astralischen Leib. Wir haben aber gesehen, daß der astralische Leib wieder den Ätherleib beeinflußt - wie, das wird ab- hängen von dem, was in den astralischen Leib hineingelegt worden ist. Daher werden wir jetzt verstehen können, daß der Ätherleib des Menschen geändert wird, je nachdem der Mensch dieses oder jenes Leben führt in den Grenzen von Gut und Böse, Richtig oder Unrichtig, von Wahrheit oder Lüge und so weiter. Das übt einen Einfluß auf den Ätherleib des Menschen aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun erinnern wir uns, wie die Vorgänge sind, wenn der Mensch durch die Pforte des Todes tritt. Wir wissen, daß der physische Leib abgelegt wird und daß zurückbleibt der Ätherleib, der nun mit dem astralischen Leib und dem Ich verbunden ist.Wenn nun nach dem Tode eine Zeit vergangen ist, die sich nur nach Tagen bemißt, wird das Hauptsächlichste des Ätherleibes als ein zweiter Leichnam abgeworfen; es bleibt jedoch ein Extrakt des Ätherleibes zurück, der mitgenommen wird und erhalten bleibt für alle kommenden Zeiten. In diesem Extrakt des Ätherleibes ist nun alles wie in einer Essenz darinnen, was im Leben hineingekommen ist zum Beispiel von einem ausschweifenden Leben, oder was der Mensch aufgenommen hat als das Ergebnis eines richtigen oder unrichtigen Denkens, Handelns und Fühlens. Das enthält der Ätherleib, und das nimmt der Mensch mit in die Zeit bis zur neuen Geburt. Weil das Tier solche Erlebnisse überhaupt nicht hat, kann es natürlich nichts in derselbenWciöse hinter die Pforte des Todes hinüberbringen. Wenn nun der Mensch wieder durch eine Geburt ins Dasein tritt, ist die Essenz seines früheren Ätherleibes etwas, was sich wieder &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|68}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
hineinergießt in seinen neuen Ätherleib, was den neuen Ätherleib beim Aufbau durchdringt. Daher hat der Mensch in seinem neuen Dasein im Ätherleib darinnen die Ergebnisse dessen, wie er im früheren Leben gelebt hat. Und da der Ätherleib der Auferbauer ist einer ganz neuen Organisation nach einer neuen Geburt, so prägt sich das jetzt alles auch in seinen physischen Leib hinein. Warum kann sich das in den physischen Leib hineinprägen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die geisteswissenschaftliche Forschung zeigt uns, daß wir in der Form eines Menschenleibes, der durch die Geburt ins Dasein tritt, ungefähr sehen können, welche Taten der Mensch in einem früheren Leben verrichtet hat. Aber werden wir auch eine ganz vernunftgemäße Erklärung finden für das, was sich uns dargestellt hat als abnehmende Heilkraft in der aufsteigenden Entwickelungsreihe der Tiere? Da wir bei einem Tiere nicht-davon sprechen können, daß es bei seiner Geburt eine wiederverkörperte Individualität aus einem früheren Erdendasein mitbringt, so werden wir nur den allgemeinen astralischen Leib dieser Tiergattung wirksam finden, und der wird bei diesem Tier die Heilkräfte des Ätherleibes beschränken. Beim Menschen aber finden wir, daß nicht nur sein astralischer Leib, sondern auch sein Ätherleib imprägniert ist mit den Ergebnissen der Taten des vorhergehenden Lebens. Und weil der Ätherleib für sich die Kraft hat, das hervorzubringen, was er von früher her in sich hat, so werden wir auch begreifen, daß er, wenn jetzt eine andere Kraft in ihm auftritt, auch imstande sein wird, in den ganzen Aufbau der Organisation das hineinzulegen, was er aus früheren Verkörperungen sich mitbringt. Und wir werden j`etzt verstehen, wie hinüberw`irken können unsere Taten aus einem Leben in unseren Gesundheitszustand in dem nächsten Leben und wie wir in unserem Gesundheitszustande vielfach eine karmische Wirkung unserer Taten aus einem vorhergehenden Leben zu suchen haben. Wir können aber noch auf eine andere Weise der Sache beikommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir können fragen: Wirkt nun alles, was wir in dem Leben zwischen Geburt und Tod verrichten, in gleicher Art zurück auf unseren Ätherleib? - Schon im gewöhnlichen Leben können Sie einen gewaltigen Unterschied wahrnehmen zwischen dem Zurückwirken dessen, was wir als bewußte Menschen erleben, und mancherlei andern Erlebnissen auf &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|69}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
unsere eigentliche innere Organisation. Da ergibt sich eine höchst interessante Tatsache, die durch die Geisteswissenschaft so recht aufgeklärt werden kann, die aber auch ganz vernunftgemäß zu begreifen ist. Der Mensch hat im Verlaufe seines Lebens eine ganze Summe von Erlebnissen, welche er bewußt aufnimmt und mit seinem Ich verbindet. Die werden in ihm zu Vorstellungen, und er verarbeitet diese Vorstellungen. Aber nun besinnen Sie sich einmal, wie unendlich viele Erlebnisse, Erfahrungen und Eindrücke es gar nicht bis zur Vorstellung bringen und eigentlich doch im Grunde beim Menschen da sind und auf ihn wirken. Es wird Ihnen oft passieren, daß Ihnen jemand sagt: Ich habe dich heute auf der Straße gesehen; du hast mich sogar angeschaut! - und Sie wissen gar nichts davon. So ist es vielfach. Eindruck hat so etwas natürlich gemacht. Ihr Auge hat zwar den andern gesehen; aber der unmittelbare Eindruck ist nicht bis zur Vorstellung gekommen. - Solcher Eindrücke gibt es unzählige, sodaß unser Leben eigentlich in zwei Teile zerfällt: in eine solche Lebensseelenreihe, welche aus bewußten Vorstellungen besteht, und in eine solche, welche wir niemals ganz zum klaren Bewußtsein gebracht haben. Aber es sind noch weitere Unterschiede: Sie werden leicht unterscheiden können zwischen solchen Eindrücken, die Sie in Ihrem Leben gehabt haben und die für Sie zu erinnern sind, also Eindrücke, die so auf Sie gemacht worden sind, daß sie immer in die Erinnerung hineinfallen können; und Sie werden solche Eindrücke gehabt haben, an welche Sie sich nicht erinnern können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also unser Seelen leben zerfällt in ganz verschiedene Kategorien. Und es ist tatsächlich ein ganz beträchtlicher Unterschied zwischen den verschiedenen Kategorien, wenn wir die Wirkung auf das innere Wesen des Menschen betrachten. - Bleiben wir jetzt für ein paar Minuten beim Leben des Menschen zwischen Geburt und Tod. Wenn wir da genau beobachten, zeigt sich uns, daß ein gewaltiger Unterschied ist zwischen denjenigen Vorstellungen, die immer wieder in unser Bewußtsein hineinfallen können, und solchen, die wieder vergessen worden sind, so daß sie eine Erinnerungsfähigkeit nicht eigentlich entwickelt haben. Dieser Unterschied kann am leichtesten durch folgendes klargemacht werden. Denken Sie einen Eindruck, der bei Ihnen eine klare Vorstellung hervorrief. Nehmen wir an, es sei ein Eindruck, der in Ihnen &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|70}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Freude oder Schmerz erregte&amp;gt; also ein Eindruck, der von einem Gefühl begleitet war. Halten wir das fest, daß die meisten Eindrücke - eigentlich alle Eindrücke, die auf uns gemacht werden - von Gefühlen begleitet sind. Und die Gefühle drücken sich nicht nur an der bewußten Oberfläche des Lebens aus, sondern sie wirken tief hinein bis in den physischen Leib. Sie brauchen nur daran wieder zu denken, wie ein Eindruck Sie erblassen läßt, ein anderer Sie erröten macht. Bis in die Umlagerung des Blutes wirken da die Eindrücke. Und nun gehen Sie über zu dem, was entweder überhaupt nicht oder nur flüchtig zum Bewußtsein kommt - und es nicht bis zur Erinnerung bringt. Da zeigt uns die Geisteswissenschaft, daß solche Eindrücke keineswegs weniger von ähnlichen Erregungen begleitet sind als die bewußten. Wenn Sie einen Eindruck empfangen von der Außenwelt, der, wenn Sie ihn bewußt empfangen hätten, Sie erschreckt hätte, daß vielleicht Ihr Herz gepocht hätte, so bleibt derselbe Eindruck, wenn er nicht bewußt wird, doch nicht ohne Wirkung. Er macht aber nicht nur einen Eindruck, sondern er geht auch bis in den physischen Leib. Es tritt da sogar das Eigentümliche auf, daß ein Eindruck, der eine bewußte Vorstellung hervorruft, eine Art von Widerstand findet beim Hinein wirken in die tiefere menschliche Organisation; wenn aber der Eindruck auf uns einfach wirkt, ohne daß wir es zur bewußten Vorstellung bringen, dann hemmt ihn nichts, aber er ist deshalb nicht weniger wirksam. Es ist das menschliche Leben ein viel reicheres als das, was uns davon bewußt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt eine Zeit im menschlichen Leben, wo solche Eindrücke, die so lebendig auf die menschliche Organisation wirken und keine Erinnerungsfähigkeit haben, in besonders reichem Maße erlebt werden. In der ganzen Zeit von der Geburt bis zu dem Zeitpunkt, an dem die Erinnerung beginnt, sind unzählige reiche Eindrücke auf den Menschen gemacht worden, welche alle im Menschen drinnensitzen und auch in dieser Zeit den Menschen verändert haben. Sie wirken ebenso wie die bewußten Eindrücke; aber ihnen steht, besonders wenn sie vergessen sind, nichts entgegen von dem, was sich sonst einordnet in das Seelen- leben als bewußte Vorstellungen und dadurch gleichsam einen Damm bildet. Und diese unbewußten Eindrücke dringen am allertiefsten. Nun kann man schon durch das äußere Leben vielfach die Bestätigung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|71}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
finden, daß es Momente im menschlichen Leben gibt, wo die zweite Sorte von inneren Wirkungen zum Ausdruck kommt. Manche Ereignisse des späteren Menschenlebens können Sie sich nicht erklären. Sie finden gar nicht, wie Sie dazu kommen, gerade in dieser Weise jetzt dieses oder jenes erleben zu müssen. Sie erleben zum Beispiel etwas, das macht auf Sie einen so erschütternden Eindruck, daß Sie sich gar nicht erklären können, wie ein verhältnismäßig so gleichgültiges Erlebnis einen so erschütternden Eindruck machen kann. Wenn Sie nun nach- forschen, werden Sie vielleicht finden, daß Sie gerade in der kritischen Zeit - zwischen der Geburt und dem letzten Zeitpunkt, bis zu dem man sich erinnern kann - ein ähnliches Erlebnis hatten, das Sie aber vergessen haben. Keine Vorstellung ist davon zurückgeblieben. Damals hatten Sie einen erschütterndenEindruck gehabt; der lebt fort und verbindet sich mit dem jetzigen und verstärkt ihn. Und was Sie sonst jetzt viel weniger erschüttert hätte, das macht nun einen besonders starken Eindruck. - Wer das einsieht, wird sich eine Vorstellung davon bilden, wie unendlich verantwortungsvoll die Erziehung in der ersten Kindheit ist und wie etwas seine ganz bedeutungsvollen Schatten oder auch Lichter auf das spätere Leben wirft. Da wirkt also etwas vom Früheren hinüber auf das spätere Leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun kann sich herausstellen, daß solche Eindrücke der Kindheit - besonders wenn sie sich wiederholt haben - die ganze Lebensstimmung so beeinflussen, daß von einem gewissen Zeitpunkt an eine Gemütsverstimmung eintritt, die unerklärlich ist und die nur erklärlich wird, wenn man zurückgeht und weiß, welche Eindrücke aus der früheren Zeit ihre Lichter oder Schatten hineinwerfen in das spätere Leben; denn die sind es, die jetzt in einer dauernden Gemütsverstimmung zum Ausdruck kommen. Man wird dann finden, daß die Ereignisse besonders stark wirken, die nicht gleichgültig an dem Kind vorübergegangen sind und die schon damals besonderen Eindruck auf das Kind gemacht haben. - Wir werden also sagen können: Wenn Affekte, Gefühle und Empfindungen besonders mitwirkend sind an den Eindrücken, die später vergessen werden, dann sind diese Affekte und Gefühlsergüsse ganz besonders wirksam in dem Hervortreiben solch ähnlicher Erlebnisse.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun erinnern Sie sich an die Darstellungen, die von mir öfters gegeben&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|72}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
worden sind über das Leben während der Kamalokazeit. Nachdem der Ätherleib des Menschen als ein zweiter Leichnam abgelegt worden ist, lebt der Mensch sein ganzes letztes Leben zurück, geht vorüber an allen seinen Erlebnissen, welche er gehabt hat; aber er geht nicht so vorüber, daß sie ihm gleichgültig bleiben. Gerade während der Kamalokazeit, weil der Mensch seinen alten astralischen Leib noch hat, bewirkt das Durchgemachte die tiefsten Gefühlserlebnisse. - Nehmen wir zum Beispiel an, jemand sterbe mit siebzig Jahren, lebe sein Leben zurück bis in sein vierzigstes Jahr, wo er jemandem eine Ohrfeige gegeben hat. Da erlebt er den Schmerz, welchen er dem andern zugefügt hat. Dadurch wird hervorgerufen eine Art Selbstvorwurf; der bleibt dann als Sehnsucht, und diese Sehnsucht bringt er im nächsten Leben mit, um diese Sache im späteren Leben auszugleichen. Und Sie können begreifen, da in dieser Zeit zwischen Tod und neuer Geburt solche astralischen Erlebnisse vorhanden sind, daß dasjenige, was von uns als Handlung erlebt wird, sich um so sicherer und tiefer einprägt unserem inneren Wesen und beim Aufbau der neuen Leiblichkeit mitwirkt.Wenn wir also schon im gewöhnlichen Leben so stark berührt werden können durch gewisse Erlebnisse, besonders wenn es Gefühlseindrücke waren, daß sie eine Gemütsverstimmung bewirken können, so werden wir begreifen, daß die viel stärkeren Eindrücke des Kamalokalebens sich so eindrücken können, daß sie bei einer neuen Inkarnation bis tief in die Organisation des physischen Leibes hineinwirken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da sehen Sie eine Steigerung einer Erscheinung, die Sie bei aufmerk samer Beobachtung schon im Leben zwischen Geburt und Tod finden können. Solche Vorstellungen, denen mit dem Bewußtsein kein Damm entgegengebracht wird, werden schon zu mehr Unregelmäßigkeiten in der Seele führen können: zu Neurasthenie, zu nervenkrankheitsartigen Erscheinungen, vielleicht auch zu Geisteskrankheiten. Alle diese Erscheinungen stellen sich uns dar wie ursächliche Zusammenhänge von früheren mit späteren Ereignissen und geben uns ein anschauliches Bild dafür.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wollen wir jetzt den Begriff steigern, so können wir sagen: Was wir als Handlungen in einem Leben voll führen, das wird im Leben nach dem Tode umgesetzt in einen mächtigen Affekt, und dieser Affekt, der &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|73}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
jetzt durch keine physische Vorstellung geschwächt wird und durch kein gewöhnliches Bewußtsein gehemmt ist - denn das Gehirn ist hierbei nicht nötig -, der durch die andere, tiefer hineinwirkende Form des Bewußtseins erlebt wird, bewirkt nun, daß unsere Taten und unser ganzes Wesen vom vorigen Leben in unserer Anlage und Organisation in einem neuen Leben erscheint. Daher werden wir es begreiflich finden können, daß ein Mensch, der in einer Verkörperung sehr egoistisch gedacht, gefühlt und gehandelt hat, wenn er nach dem Tode vor sich sieht die Früchte seines egoistischen Denkens, Fühlens und Handelns, sich durchzieht mit mächtigen Affekten gegen seine früheren Handlungen. Das ist in der Tat der Fall. Er bekommt Tendenzen in sich, die gegen sein eigenes Wesen gerichtet sind. Und diese Tendenzen, insofern sie aus einem egoistischen Wesen des vorigen Lebens hervorgegangen sind, drücken sich aus in einer in sich schwachen Organisation im neuen Leben. «Schwache 0rganisation&amp;gt; ist hier dem Wesen nach genommen, nicht dem äußeren Eindruck nach. Wir müssen uns daher klar sein, daß eine schwache Organisation zurückgeführt werden kann karmisch auf ein egoistisches Handeln in einem vorhergehenden Leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gehen wir weiter. Nehmen wir an, in einem Leben zeige ein Mensch einen besonderen Hang zur Lügenhaftigkeit. Das ist schon ein Hang, der geht aus einer tieferen Organisation der Seele hervor. Denn wenn sich der Mensch nur dem überläßt, was in seinem allerbewußtesten Leben ist, so wird er nicht eigentlich lügen; nur Affekte und Gefühle, welche aus dem Unterbewußtsein heraus wirken, verleiten zum Lügen. Da haben wir schon etwas Tieferes sitzen. Wenn der Mensch lügenhaft war, werden seine Handlungen, die aus der Lügenhaftigkeit hervorgehen, wieder die heftigsten Affekte im Leben nach dem Tode gegen den Menschen selbst erzeugen, und eine starke Tendenz gegen die Lügenhaftigkeit wird sich zeigen. Dann wird sich der Mensch mitbringen im späteren Leben ni,cht nur eine schwache Organisation, sondern - die Geisteswissenschaft zeigt uns das - eine Organisation, die sozusagen unrichtig gebaut ist,-die regellos gebaute innere Organe in der -feineren Organisation zeigt. Es stimmt da etwas nicht recht zusammen. Das ist bedingt durch früheren Hang zur Lügenhaftigkeit. - Und woher ist der Hang zur Lügenhaftigkeit selbst gekommen? Denn &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|74}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
in dem Hang zur Lügenhaftigkeit hat der Mensch ja schon etwas, was auch nicht stimmt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da müssen wir noch weiter zurückgehen. Und da zeigt die Geistes- wissenschaft, daß ein flatterhaftes Leben, das keine Hingabe und keine Liebe kennt, daß ein oberflächliches Leben in der einen Verkörperung sich ausdrückt in dem Hang zur Lügenhaftigkeit in der nächsten Verkörperung; und der Hang zur Lügenhaftigkeit zeigt sich in der zweit- nächsten Inkarnation in den unrichtig gebauten Organen. - So können wir drei aufeinanderfolgende Inkarnationen in ihren Wirkungen karmisch verfolgen: Oberflächlichkeit und Flatterhaftigkeit in der ersten Inkarnation, Hang zur Lügenhaftigkeit in der zweiten und physische Krankheitsdisposition in der dritten Inkarnation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da sehen wir Karma an Gesundheit und Krankheit arbeiten. - Was jetzt gesagt worden ist, ist so gesagt, daß die Tatsachen selber heraus- geholt worden sind aus der geisteswissenschaftlichen Forschung. Nicht Theorien sollten aufgestellt werden, sondern es sind beobachtete Fälle, die durch die Methoden der Geisteswissenschaft untersucht werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir haben also zunächst hingewiesen auf die allergewöhnlichsten Tatsachen - auf die Heilkräfte des Ätherleibes bei den Pflanzen. Wir zeigten dann, wie durch das Hinzutreten des astralischen Leibes bei den Tieren der Ätherleib weniger wirksam ist, und wir sahen ferner, wie durch die Aufnahme des Ich, das ein individuelles Leben im Guten und Bösen, Wahren und Falschen entwickelt&amp;gt; der astralische Leib, der mit dem Hinaufsteigen in der Tierreihe die Heilkräfte nur hemmt, wieder etwas Neues dem Menschen einfügt: die aus dem individuellen Leben ihm ein fließenden karmischen Krankheitseinflüsse. Bei der Pflanze gibt es noch keine inneren Krankheitsursachen, weil die Krankheit noch im Äußerlichen ist und die Heilkräfte des Ätherleibes ungeschwächt wirken. Bei den niederen Tieren haben wir noch einen Ätherleib mit solchen Heilkräften, daß er selbst Glieder ersetzen kann; aber je weiter wir hinaufsteigen, desto mehr prägt sich der astralisc`he Leib dem Ätherleib ein, und dadurch schränkt der Astralleib die Heilkräfte des Ätherleibes ein. Aber weil sich die Tiere nicht in Reinkarnationen fortpflanzen, hängt das, was im Ätherleibe ist, nicht zusammen mit irgendwelchen &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|75}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
moralisch-intellektuellen oder individuellen Qualitäten, sondern mit dem allgemeinen Typus. Beim Menschen jedoch wirkt das, was er in seinem Ich erlebt, zwischen Geburt und Tod hinein bis in den Ätherleib.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Warum kommen denn die Erlebnisse der Kindheit bei den genannten Gemütswirkungen nur in leichten Erkrankungen zum Vorschein? Weil wir die Ursachen zu vielem, was sich in Neurasthenie, Neurose, Hysterie und so weiter zeigt, werden finden können in demselben Leben. Die Ursachen zu tieferen Krankheitsfällen aber werden wir zu suchen haben in einem vorhergehenden Leben, weil sich erst beim Übergang zu einer neuen Geburt dasjenige recht in den Ätherleib hineinverpflanzen kann, was moralisch und intellektuell erlebt wird. Im allgemeinen kann der Atherleib beim Menschen tiefere moralische Wirkungen in einem Leben nicht einverleibt erhalten, obwohl wir einzelne&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ausnahmefälle - und sogar sehr bedeutende Fälle - noch kennenlernen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So haben wir einen Zusammenhang zwischen unserem Leben im Guten und Bösen, im Moralischen und Intellektuellen in der einen In karnation, und unserer Gesundheit oder Krankheit in der nächsten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|76}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= VIERTER VORTRAG Hamburg, 19. Mai 1910 =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es darf die Voraussetzung gemacht werden, daß gerade über die beiden Begriffe, welche den Gegenstand unserer heutigen Betrachtung bilden sollen, nämlich Heilbarkeit und Unheilbarkeit vQn Krankheiten, deutlichere und, man kann sagen, menschenfreundlichere Vorstellungen herrschen werden, wenn einmal die Ideen von Karma und karmischen Zusammenhängen im Leben in weiteren Kreisen werden Platz gegriffen haben. Man darf ja sagen, daß in bezug auf die Begriffe Heilbarkeit und Unheilbarkeit von Krankheiten in den verschiedensten Jahrhunderten die verschiedensten Meinungen verbreitet waren. Und man braucht nicht sehr weit zurückzugehen, um zu sehen, wie ungeheuerlich sich diese Begriffe verändert haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da finden wir eine Zeit - sie ist die Wende zwischen dem Mittel- alter und der neueren Zeit, so etwa das 16., 17. Jahrhundert -, da entwickelten sich allmählich die Vorstellungen, daß man die Krankheitsformen in einer strengen Weise eingrenzen könne und daß es eigentlich für eine jede Krankheit irgendein Kräutlein, irgendeine Mixtur gebe, durch welche die betreffende Krankheit unbedingt geheilt werden müsse. Dieser Glaube dauerte im Grunde recht lange, sogar bis in das 19. Jahrhundert hinein. Und wenn man als Laie oder als Mensch, der die heutigen Zeitbegriffe in sich aufgenommen hat, nachlesen wollte in den Mitteilungen von Krankenbehandlungen vom Ende des 18. oder&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dem Beginn des 19. Jahrhunderts und bis weit in das 19. Jahrhundert hinein, so würde man ersIaunen über all die Mittel und Mittelchen, die damals reichlich angewendet worden sind, von Tees, Mixturen bis zu gefährlicheren Arzneien, Aderlässen und so weiter. Aber gerade das 19. Jahrhundert war es, welches in medizinischen Kreisen, und zwar in angesehenen medizinischen Kreisen, diese Ansicht in das genaue Gegenteil verkehrt hat. Und ich darf wohl selbst sagen, daß mir vieles von` diesen gegenteiligen Ansichten während meiner jüngeren Jahre in den verschiedensten Nuancen und Motiven vor Augen getreten ist. Es war die Gelegenheit dazu gegeben, wenn man etwa die Strömung der nihi&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|77}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
listischen medizinischen Schule mitmachte, die sich um die Mitte des 19. Jahrhunderts in Wien vorbereitete und eigentlich immer mehr und mehr an Ansehen gewann. Der Ausgangspunkt zu einer radikalen Änderung in bezug auf die Anschauungen über Heilbarkeit und Unheilbarkeit von Krankheiten war das, was der bedeutende Mediziner Dietl über den Verlauf der Lungenentzündung und ähnlicher Krankheiten zutage förderte. Er war durch allerlei Betrachtungen dazu gekommen, sich zu sagen, daß im Grunde gar kein rechter Einfluß von diesem oder jenem Mittel auf den Verlauf dieser oder jener Krankheit zu bemerken sei. Und gerade unter dem Einfluß von Dietls Schule lernten die damaligen jungen Mediziner über den Heilwert der seit Jahrhunderten heraufgekommenen Heilmittel so denken, daß sie auf alle alten Mittel übertrugen, was mit dem bekannten Sprichwort gemeint ist: Kräht der Hahn auf dem Mist, so ändert sich das Wetter, oder es bleibt, wie es ist! - Sie waren der Meinung, daß es ziemlich einerlei sei für den Verlauf einer Krankheit, ob man diese oder jene Mittel verabreiche oder nicht. Und Dietl war einer, der eine für die damalige Zeit recht überzeugende Statistik zustande brachte, die besagte, daß bei der von ihm eingeführten sogenannten abwartenden Behandlungsweise ungefähr ebenso viele Menschen, die an Lungenentzündung erkrankt waren, geheilt wurden oder starben als bei der früheren Behandlung mit den altehrwürdigen Heilmitteln. Die von Dietl begründete, von Skoda weiter fortgeführte abwartende Behandlung bestand darin, daß man den Kranken in die äußere Lebenslage brachte, die ihn instande setzte, die selbstheilenden Kräfte am allerbesten in Anwendung zu bringen, sie hervorzuholen aus seinem Organismus, und dem Arzte wies man kaum eine andere Stellung an, als den Verlauf der Krankheit zu überwachen, damit er da war, wenn irgend etwas eintrat, wo man mit menschlichen Mitteln sachgemäß Hilfe leisten kann. Im übrigen beschränkte man sich darauf, die Krankheit sozusagen kommen zu sehen, abzuwarten, wie die selbstheilenden Kräfte aus dem Organismus herauskamen, bis das Fieber nach einiger Zeit abfiel und die Selbstheilung durch den Organismus eintrat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese medizinische Schule wurde und wird noch heute mit dem Ausdruck der «nihilistischen Schule» belegt, weil sie auf einem Ausspruch &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|78}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
von Professor Skoda fußte, der ungefähr sagte: Wir können vielleicht lernen, Krankheiten zu diagnostizieren, sie zu beschreiben, vielleicht auch zu erklären - heilen aber können wir sie nicht! - Ich erzähle Ihnen Dinge, von denen Sie als von Tatsachen, welche sich im Laufe des 19. Jahrhunderts herausgebildet haben, Notiz nehmen sollen, damit Sie eine Empfindung dafür erhalten, wie sich Vorstellungen auf diesem Gebiete geändert haben. Aber es möge niemand glauben, daß, wenn dies oder jenes hier in rein erzählender Form ausgesprochen wird, deshalb gleich in der einen oder andern Weise Partei ergriffen werden soll. Denn selbstverständlich war der Ausspruch des berühmten Professors Skoda eine Art Radikalismus, und es würde leicht sein, die Grenzen, innerhalb welcher ein solcher Ausspruch gilt, aufzuzeigen. Auf eins aber war mit solcher Meinung hingewiesen, ohne daß man eigentlich die Mittel hatte, bewußt diesen Hinweis irgendwie zu begründen oder zu umschreiben oder in Worte zu bringen - ja nicht einmal in Gedanken konnte man ihn bringen; das heißt, man konnte in den Kreisen, in welchen man ihn aussprach, nicht einmal daran gehen, diesen Hinweis zu denken. Es wurde darauf hingewiesen, daß sich allerdings im Menschen etwas finden müsse, was in gewisser Beziehung bestimmend ist für den Ausgang und für den Verlauf einer Krankheit und was als solches im Grunde genommen doch jenseits dessen liegt, was menschliche Hilfe leisten kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es war also der Hinweis auf etwas gegeben, was jenseits der menschlichen Hilfe liegt; und dieser Hinweis kann niemals, wenn man wirklich den Dingen zu Leibe geht, sich auf etwas anderes beziehen als auf das Gesetz von Karma und auf die Wirksamkeit von Karma im Verlaufe des menschlichen Lebens. Wenn wir den Verlauf einer Krankheit im menschlichen Leben verfolgen - das Heraufkommen der Krankheit, die aus dem Organismus selbst hervorsprießenden Heilkräfte -, wenn wir die Heilentwickelung verfolgen, dann werden wir bei unbefangener Betrachtungsweise, besonders wenn wir darauf Rücksicht nehmen, wie in dem einen Falle Heilung eintritt, während in einem andern Falle keine Heilung möglich erscheint, dahin getrieben werden, nach tieferer Gesetzmäßigkeit zu suchen. Darf diese tiefere Gesetzmäßigkeit gesucht werden in den früheren Erdenleben des Menschen? Das ist für uns die Frage. Darf davon gesprochen werden, daß sich der Mensch gewisse &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|79}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorbedingungen mitbringt, die ihn geradezu vorausbestimmt machen, in einem besonderen Falle seine Heilkräfte aus dem Organismus aufrufen zu können, die aber in einem andern Falle so vorausbestimmt sind, daß er trotz aller Anstrengungen nicht imstande ist, die Krankheit zu heilen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn Sie sich an das erinnern, was namentlich gestern ausgeführt worden ist, so werden Sie begreifen, daß in den Vorgängen, die sich abspielen zwischen dem Tode und der neuen Geburt, allerdings ganz besondere Kräfte aufgenommen werden in die menschliche Individualität. Haben wir doch gesagt, daß dem Menschen während der Kamalokazeit die Ereignisse seines letzten Lebens, seine von ihm verrichteten Handlungen im Guten und Bösen, seine Charaktereigenschaften und so weiter vor die Seele treten und daß er durch die Anschauung seines eigenen Lebens in sich die Tendenz aufnimmt, für alles, was unvollkommen in ihm ist und was sich als eine unrichtige Handlung gezeigt hat, Abhilfe und Ausgleich zu schaffen, sich die betreffenden Eigenschaften einzuprägen, welche ihn auf diesem oder jenem Gebiete vollkommener machen. Haben wir das begriffen, so können wir sagen: Diese Absicht, diese Tendenz behält nun der Mensch und geht durch eine neue Geburt mit dieser Absicht wieder ins Dasein. - Der Mensch baut aber selbst an dem neuen Leibe, der sich ihm angliedert und ihn umgliedert im neuen Leben, und er baut ihn auf gemäß den Kräften, welche er sich mitgebracht hat aus früheren Lebensläufen und aus der Zeit zwischen Tod und neuer Geburt. Mit diesen Kräften ist er ausgestattet und webt sie hinein in selne neue Körperlichkeit. Damit haben wir begriffen, daß diese neue Körperlichkeit schwach oder stark ist, je nachdem der Mensch schwache oder starke Kräfte in sie hineinweben kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun müssen wir uns aber doch klar sein, daß eine gewisse Folge eintreten wird, wenn zum Beispiel der Mensch während des Kamalokalebens gesehen hat: Du warst im letzten Leben ein Mensch, der viele Handlungen begangen hat unter dem Einflusse seiner Affekte, von Zorn, Furcht, Abscheu und so weiter. - Solche Handlungen stehen nun lebendig vor seiner Seele in der Kamalokazeit, und da bildet sich heraus in dieser Seele der Gedanke - die Ausdrücke, die uns für diese Kräfte erwachsen können sind natürlich für das physische Leben geprägt! -: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|80}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Du mußt an dir etwas tun, damit du in dieser Beziehung vollkommener wirst, damit du in der Zukunft nicht mehr geneigt bist, Handlungen unter dem Einflusse deiner Affekte zu begehen! - Dieser Gedanke wird ein Bestandteil der menschlichen Seelenindividualität, und beim Durch- gehen durch eine neue Geburt prägt sich dieser Gedanke weiter ein als eine Kraft in den neu entstehenden Leib. Und in diesen fließt dadurch ein die Tendenz, so etwas zu vollführen mit der ganzen Organisation von physischem Leib, Ätherleib und astralischem Leib, was dem Menschen es jetzt unmöglich macht, aus seinen Affekten heraus, aus Zorn, Haß, Neid und so weiter gewisse Handlungen zu begehen, damit er imstande ist, in dieser Beziehung wirklich sich vollkommener zu machen. Und dadurch wird er dazu kommen, neue Handlungen zu vollführen, welche jetzt den Ausgleich früherer Handlungen bewirken können. So läßt der Mensch aus einer seine gewöhnliche Vernünftigkeit weit überragenden Vernünftigkeit die Absicht in sich hinein fließen, die ihn zu einer höheren Vollkommenheit auf einem bestimmten Gebiete und zum Ausgleich bestimmter Handlungen führen kann. -Wenn Sie in Betracht ziehen, wie mannigfaltig das Leben ist, wie der Mensch von Tag zu Tag solche Handlungen vollführt, die einen derartigen Ausgleich erfordern, so werden Sie begreifen, daß viele solcher nach Ausgleich harrender Gedanken in der Seele sind, wenn die Seele durch eine neue Geburt ins Dasein tritt, und daß diese mannigfaltigen Gedanken sich kreuzen, so daß dadurch der menschliche physische Leib und Ätherleib eine Konfiguration erhalten, in welche alle diese Tendenzen hineinverwoben sind. Um uns nun das verständlich zu machen, nehmen wir einen ganz eklatanten Fall an. Gerade heute aber muß ich ganz besonders betonen, was ich auch sonst stets betone: daß ich vermeide, aus irgendeiner Theorie oder Hypothesenmacherei zu sprechen und daß ich, wenn ich Beispiele anführe, nur solche anführe, die von der Geisteswissenschaft wohl geprüft sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen wir an, jemand habe im letzten Leben so gelebt, daß er aus einem viel zu schwachen Ich-Gefühl heraus gewirkt hat, aus einem IchGefühl, welches in der Hingabe an die äußere Welt viel zu weit ging, so weit, daß es mit einer Unselbständigkeit, Selbstverlorenheit wirkte, wie es für unseren heutigen Menschheitszyklus nicht mehr angemessen &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|81}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ist. Also das fehlende Selbstgefühl war es, welches einen Menschen in einer Inkarnation zu diesen oder jenen Handlungen geführt hat. Nun hat er während der Kamalokazeit die Handlungen vor sich gehabt, die aus diesem fehlenden Selbstgefühl herausgeflossen sind. Er nimmt daraus zunächst die Tendenz auf: Du mußt in dir Kräfte entwickeln, welche dein Selbstgefühl erhöhen, du mußt in einer nächsten Inkarnation dir die Gelegenheit schaffen, gegen den Widerstand deiner Leiblichkeit, gegen die Kräfte, welche dir entgegenkommen werden aus physischem Leib, Ätherleib und astralischem Leib, dein Selbstgefühl zu stählen, damit es gleichsam eine Schule durchmacht. Du mußt dir einen Leib anschaffen, der dir zeigt, wie aus der Leiblichkeit heraus die Anlage zu einem schwachen Selbstgefühl wirkt!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was sich dann in der nächsten Inkarnation abspielen wird, wird wenig ins Bewußtsein treten, es wird sich mehr oder weniger in einer unterbewußten Region abspielen. Der Betreffende wird hinstreben zu einer solchen Inkarnation, welche gerade die derbsten Widerstände seinem Selbstgefühl entgegensetzt, so daß er es nötig hat, sein Selbstgefühl im höchsten Maße anzuspannen. Dadurch wird er wie magnetisch hingezogen werden zu solchen Gegenden und solchen Gelegenheiten, wo sich ihm tiefere Hindernisse entgegenstellen, wo sich sein Selbstgefühl ausleben soll gegen die Organisation der drei Leiber. So sonderbar es Ihnen klingen mag: Solche Individualitäten, die mit diesem Karma belastet sind, daß sie in der charakterisierten Weise durch die Geburt ins Dasein hineinstreben, suchen den Zugang zu Gelegenheiten, wo sie zum Beispiel einer Seuche wie der Cholera ausgesetzt sein können; denn diese bietet ihnen Gelegenheit, jene Widerstände, welche eben gekennzeichnet worden sind, zu finden. Was dabei durchzumachen ist im Inneren gegen die Widerstände der drei Leiber in dem Erkrankten&amp;gt; das kann dann bewirken, daß in der nächsten Inkarnation das Selbstgefühl in einem erheblichen Grade gewachsen ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen wir einen andern eklatanten Fall an, und zwar, damit Sie den Zusammenhang durchschauen können, jetzt gerade den entgegengesetzten Fall. Ein Mensch sieht während der Kamalokazeit, daß er unter einem zu starken Selbstgefühl eine Reihe von Handlungen vollführt hat, die aus einem zu starken Auf-sich-selbst-Bauen geflossen &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|82}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sind. Er sieht, daß er sich mäßigen muß in bezug auf sein Selbstgefühl, daß er es zurückdämmen muß. Da muß er wieder eine Gelegenheit aufsuchen, wo ihm in der nächsten Inkarnation seine drei Leiber die Möglichkeit geben, daß das Selbstgefühl überall in der Leiblichkeit - wie es sich auch anstrenge - keine Schranken findet, daß es überall ins Boden- lose hinein und sich selbst ad absurdum führt. Die Bedingungen dazu sind hergestellt, wenn der Betreffende hingezogen wird zu einer Gelegenheit, die ihm die Malaria bringt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da haben Sie einen Krankheitsfall des karmischen Wirkens und sogar den Satz dargelegt, daß im Grunde der Mensch aus einer höheren Vernünftigkeit, als diejenige ist, welche er mit seinem gewöhnlichen Bewußtsein überschauen kann, hingeleitet wird zu den Gelegenheiten, wo er sich im Verlaufe seines Karma weiter fortentwickeln kann. Wenn Sie namentlich die Dinge ins Auge fassen, welche jetzt eben gesagt worden sind, wird es Ihnen sehr erleichtert werden, Verständnis zu gewinnen gerade für das Epidemische bei den Krankheiten. Wir könnten die verschiedensten Beispiele anführen, die uns alle zeigen, wie der Mensch aus den Erfahrungen seiner Kamalokazeit heraus geradezu die Gelegenheiten aufsucht, diese oder jene Krankheit zu bekommen, um durch, ihre Überwindung und durch die Entfaltung der selbstheilenden Kräfte die Kräfte zu gewinnen, welche ihn die Lebensbahn im ganzen hinauf- führen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorhin sagte ich, wenn ein Mensch viel unter dem Einfluß von Affekten gehandelt hat, so wird er in der Kamalokazeit ebenfalls Handlungen durchleben, die unter dem Einfluß von Affekten überhaupt geschehen sind. Das wird ihm die Tendenz geben, in seiner neuen Inkarnation, in seiner eigenen Leiblichkeit so etwas zu erleben, durch dessen Überwindung er Handlungen vollführt, welche ausgleichend wirken können auf gewisse Handlungen seines früheren Lebens. Insbesondere ist es da jene Form der Erkrankung, die wir in der neueren Zeit als Diphtherie kennen, die in vielen Fällen zutage tritt, wenn eine solche karmische Verwicklung vorliegt, wo sich der Betreffende früher in der Weise ausgelebt hat, daß er vielfach aus allerlei Aufwallungen, Affekten und so weiter gehandelt hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir werden im Verlaufe dieser Vorträge noch manches zu hören&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|83}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
bekommen darüber, wie diese oder jene Krankheit bedingt ist. Wir müssen aber jetzt auf noch tiefere Grundlagen eingehen, wenn wir uns die Frage beantworten wollen: Wie kommt es, daß, wenn der Mensch durch die Geburt ins Dasein tritt und er sich durch sein Karma dieTendenz mitbringt, durch die Überwindung dieses oder jenes Leidens das eine oder das andere zu erreichen, wie kommt es, daß es ihm einmal gelingt, wirklich Sieger zu sein, die Krankheit zu überwinden und Kräfte in sich aufzunehmen, die ihn höher bringen, während er das andere Mal unterliegt und die Krankheit Sieger bleibt? Da müssen wir auf die geistigen Prinzipien zurückgehen, die überhaupt das Kranksein im Menschenleben möglich machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daß der Mensch überhaupt erkranken kann, daß er geradezu das Kranksein - sogar aus seinem Karma heraus - suchen kann, das kommt zuletzt aus keinen andern Prinzipien heraus als aus denjenigen, die wir schon oft in den verschiedensten Zusammenhängen unserer theosophischen Betrachtungen uns haben vor die Seele treten lassen. - Wir wissen, daß in einem bestimmten Punkte der Erdentwickelung diejenigen Kräfte in die menschliche Entwickelung eingetreten sind, welche wir die luziferischen Kräfte nennen, welche solchen Wesenheiten angehören, die während der alten Mondentwickelung zurückgeblieben sind und nicht so weit vorgeschritten sind, ~daß sie sozusagen an dem normalen Punkt ihrer Erdentwickelung angelangt wären. Dadurch wurde dem astralischen Leibe des Menschen, bevor sein Ich in der entsprechenden Weise wirken konnte, etwas eingepflanzt, was aus diesen luziferischen Wesen herausströmte. Der Einfluß dieser luziferischen Wesenheiten ist daher ein solcher, der vorzugsweise auf unseren astralischen Leib einstmals ausgeübt worden ist und den der Mensch für die Folgezeit durch seine Entwickelung hindurch in seinem astralischen Leib hatte. Dieser luziferische Einfluß bedeutet in der menschlichen Entwickelung mancherlei. Für unseren heutigen Zweck ist es aber wichtig, hervorzuheben, daß der Mensch, indem er die luziferischen Kräfte in sich hatte, in seinem Inneren einen Verführer hatte, weniger gut zu sein, als er gewesen wäre, wenn der luziferische Einfluß nicht gekommen wäre; und ebenso hatte er dadurch einen Einfluß, mehr aus allerlei Affekten, Leidenschaften und Begierden heraus zu handeln und zu ur&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|84}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
teilen, als er geurteilt und gehandelt haben würde,wenn der luziferische Einfluß nicht gewirkt hätte. Durch diesen Einfluß wurde des Menschen eigentliche Individualität veranlaßt, anders zu sein, sozusagen mehr hingegeben zu sein an das, was wir die Begierdenwelt nennen können, als es sonst der Fall gewesen wäre. Und dadurch ist es gekommen, daß der Mensch viel tiefer hineinverstrickt worden ist in die physische Erdenwelt, als es sonst geschehen wäre. Der Mensch drängt sich durch den luziferischen Einfluß mehr hinein in seine Leiblichkeit, identifiziert sich mehr mit der Leiblichkeit, als er sie durchdrungen hätte, wenn kein luziferischer Einfluß gekommen wäre. Denn wäre der Einfluß der luziferischenWesenheiten nicht gekommen, so wäre so mancherlei von dem, was den Menschen auf der Erde locken kann, dieses oder jenes zu begehren, nicht gekommen. Der Mensch wäre gleichgültig an den Eindrücken dieser oder jener Lockmittel vorbeigegangen. Durch Luzifers Einfluß entstanden die Verlockungen der äußeren sinnlichen Welt; diese Verlockungen nahm der Mensch in sich auf. Die Individualität, die durch das Ich gegeben war, wurde durchtränkt mit den Wirkungen, die aus dem luziferischen Prinzip heraus kamen. Und so kam es, daß der Mensch bei seinen ersten Erdeninkarnationen auch den ersten Verlockungen des luziferischen Prinzips verfallen war und diese Verlockungen mitnahm in die späteren Leben. Das heißt, daß die Art und Weise, wie der Mensch den Verlockungen des luziferischen Prinzips verfiel, zu einem Bestandteil seines Karma wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn nun der Mensch nur dieses Prinzip in sich aufgenommen hätte, so würde er immer mehr und mehr den Verlockungen der physischen Erdenwelt verfallen sein; er würde sozusagen immer mehr die Aussicht verloren haben, von dieser physischen Erdenwelt wieder loszukommen. Wir wissen, daß der spätere Einfluß - der Christus-Einfluß - dem luziferischen Prinzip entgegengewirkt hat und es gleichsam wieder zum Ausgleich gebracht hat, so daß der Mensch im Laufe seiner Entwickelung wieder Mittel erhalten hat, diesen luziferischen Einfluß aus sich herauszutreiben. Aber mit dem luziferischen Einfluß war zugleich etwas anderes gegeben. Dadurch,daß der Mensch in seinem astralischen Leib den luziferischen Einfluß aufgenommen hatte, erschien ihm auch die ganze äußere Welt, in die er eintrat, ganz anders, als sie ihm erschienen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|85}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wäre, wenn er dem luziferischen Einfluß nicht hingegeben gewesen wäre. Luzifer drang in des Menschen Inneres. Der Mensch sah mit Luzifer im Inneren die Welt um sich herum. Dadurch trübte sich sein Blick für die Erdenwelt, und es mischte sich nun in die äußeren Eindrücke hinein der ahrimanische Einfluß. Nur dadurch konnte sich AhrIman eInmischen und die äußere Welt zur Illusion gestalten, weil wir uns schon früher von innen heraus die Anlage zur Illusion, zu Maja geschaffen hatten. So war der ahrimanische Einfluß, der hineinzog in die äußere Welt, die den Menschen umgab, die Folge des luziferischen Einflusses. Wir können sagen: Der Mensch saugte ein, weil einmal die Iuziferischen Kräfte in ihm waren, die Möglichkeit, sich mehr in die Sinnenwelt zu verstricken, als er sich ohne den luziferischen Einfluß in das sinnliche Erdenleben verstrickt hätte. Dadurch hat er sich aber auch die Möglichkeit geschaffen, mit allen äußeren Wahrnehmungen von außen den ahrimanischen Einfluß einzusaugen. Und so lebt in der menschlichen Individualität, indem sie durch die verschiedenen Erdeninkarnationen hindurchgeht, der luziferische Einfluß, und als das Ergebnis des luziferischen Einflusses der ahrimanische Einfluß. Diese zwei Mächte kämpfen fortwährend in der menschlichen Individualität. Und die menschliche Individualität ist der Schauplatz geworden für den Kampf von Luzifer und Ahriman.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Mensch ist mit seinem gewöhnlichen Bewußtsein auch heute noch ausgesetzt sowohl den Verlockungen Luzifers, der aus den Leidenschaften und Affekten seines astralischen Leibes heraus wirkt, wie auch den Verlockungen Ahrimans, der durch Irrtümer, Täuschungen in bezug auf die äußere Welt von außen in den Menschen eindringt. Solange nun der Mensch in einer Inkarnation lebt und die Vorstellungen einen Riegel vorschieben, so daß das, was von Luzifer und Ahriman geschieht, nicht tiefer eindringen kann und ein Hindernis findet an den Vorstellungen, so lange bleibe das, was der Mensch tut, dem moralischen oder dem intellektuellen Urteil unterworfen. Solange der Mensch zwischen Geburt und Tod gegen die Moral sündigt, indem er Luzifer folgt, oder sich gegen die Logik und das gesunde Denken versündigt, indem er Ahriman folgt, so lange bleibt das eine Angelegenheit des gewöhnlichen bewußten Seelenlebens. Wenn der Mensch aber durch die Pforte &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|86}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
des Todes schreitet, hört das Vorstellungsleben auf, das an das Instrument des Gehirns gebunden ist. Da beginnt eine andere Form des Bewußtseinslebens. Da dringen in der Tat alle die Dinge, welche im Leben zwischen Geburt und Tod dem moralischen oder dem vernünftigen Urteil unterworfen sind, herunter in die Untergründe des menschlichen Wesens und greifen ein in das, was dann nach dem Kamaloka für das nächste Dasein organisierend wirkt und sich hineinprägt in die plastischen Kräfte, die nun die dreifache menschliche Leiblichkeit aufbauen. Da werden Irrtümer, welche aus der Hingabe an Ahriman folgen, zu Krankheitskräften, die vom Ätherleib her den Menschen infizieren,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und Ausschweifungen, also Dinge, welche im Leben dem moralischen Urteil unterworfen sind, werden zu Krankheitsursachen, welche mehr vom astralischen Leib her wirken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dadurch sehen wir, wie in der Tat unsere Irrtümer aus dem Ahrimanischen in uns - und dazu sind auch die bewußten Irrtümer: Lügen, Unwahrheiten zu rechnen - zu Krankheitsursachen werden, wenn wir allerdings nicht bei einer Inkarnation stehenbleiben, sondern die Wirkung einer Inkarnation auf die folgende betrachten; und wir sehen, wie auch die luziferischen Einflüsse zu Krankheitsursachen auf demselben Wege werden. Wir können in der Tat sagen: Wir begehen unsere Irrtümer nicht ungestraft! Wir tragen den Stempel unserer Irrtümer in unserer nächsten Inkarnation an uns, aber wir tun es aus einer höheren Vernünftigkeit heraus, als diejenige unseres gewöhnlichen Lebens ist, aus derjenigen Vernünftigkeit, welche uns während der Zeit zwischen Tod und neuer Geburt anweist, uns so stark und kräftig zu machen, daß wir fernerhin diesenVerlockungen nicht mehr ausgesetzt sind. So reihen sich Krankheiten sogar ein als mächtige Erzieher in unser Leben. -Wenn wir Krankheiten so betrachten, können wir förmlich sehen, wie bei der Ausbildung einer Krankheit entweder luziferische oder ahrimanische Einflüsse wirksam sind. Wenn einmal diese Dinge werden durchschaut werden von denen, die unter dem Einfluß der geisteswissenschaftlichen Weltanschauung Heiler sein werden, dann werden die Einflüsse dieser Heiler auf den menschlichen Organismus viel intimere sein, als sie heute sein können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir können geradezu in diesem Sinne den Organismus gewisser&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|87}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Krankheitsformen durchschauen. Nehmen wir zum Beispiel eine solche Krankheit wie die Lungenentzündung. Sie ist eine Wirkung in der karmischen Folge, welche dadurch entsteht, daß der Betreffende während seiner Kamalokazeit zurückblicken kann auf einen Charakter, der in sich hatte Hang und Neigung zu sinnlichen Ausschweifungen, der in sich hatte sozusagen ein Bedürfnis, sinnlich zu leben. Verwechseln wir ja nicht, was jetzt einem früheren Bewußtsein zugeschrieben wird, mit dem, was im Bewußtsein der nächsten Inkarnation auftritt. Damit hat es zunächst nichts zu tun.Wohl aber wird das, was der Mensch während der Kamalokazeit sieht, sich so umwandeln, daß sich ihm Kräfte ein- prägen zuVorgängen,welche die Lungenentzündung überwinden. Denn gerade in der Überwindung der Lungenentzündung, in der Selbst heilung,welche dabei vom Menschen angestrebt wird,wirkt die menschliche Individualität entgegen den luziferischen Mächten, führt einen förmlichen Krieg gerade gegen die luziferischen Mächte. Daher ist in der Überwindung der Lungenentzündung eine Gelegenheit, dasjenige abzulegen, was ein Charaktermangel in einer vorherigen Inkarnation war. So sehen wir förmlich wirken in der Lungenentzündung den Kampf des Menschen gegen die luziferischen Mächte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anders stellt sich uns die Sache dar, wenn wir bei dem, was wir im heutigen Sprachgebrauch Lungentuberkulose nennen, die eigentümlichen Prozesse auftreten sehen, wenn die selbstheilenden Kräfte in Tätigkeit übergehen, die sich dadurch äußern, daß die schädigenden Einflüsse, welche da entstehen, umgeben werden, umrandet werden von Umhüllungen wie Bindegewebe; dann wird das Ganze ausgefüllt mit kalk-salzhaltiger Materie, welche feste Einschlüsse bildet. Solche Einschlüsse kann der Mensch in seiner Lunge haben, und viel mehr Menschen tragen solche Dinge mit sich herum, als man gewöhnlich glaubt; denn das sind diejenigen Menschen, bei denen eine tuberkulöse Lunge in Heilung übergegangen ist. Wo derartiges vor sich ging, ist wieder ein Kampf aufgeführt worden der menschlichen inneren Wesenheit gegen das, was ahrimanische Kräfte angestellt haben. Es ist ein Abwehrprozeß nach außen, ein Anstürmen gegen das, was durch äußere Materialität hergebracht wird, um zur Selbständigkeit der menschlichen Wesenheit in diesem Sinne zu führen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|88}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit haben wir gezeigt, wie in der Tat die beiden Prinzipien, das ahrimanische und das luziferische, im letzten Grunde im Krankheitsverlauf tätig sind. Und es könnte in vieler Beziehung für diese oder jene Krankheitsform gezeigt werden, wie man eigentlich zwei Typen von Krankheiten unterscheiden müßte: ahrimanische und luziferische Krankheiten. Wenn man das beachten würde, so würde man auch rich tige Prinzipien gewinnen können für die entsprechende Hilfe, welche man den Kranken angedeihen lassen kann. Denn luziferische Krankheitsprozesse werden ganz andere Hilfe erfordern als ahrimanische. Wenn heute noch in einer ziemlich kritiklosen Weise, zum Beispiel im äußeren Heilverfahren, Kräfte angewendet werden, die in der heutigen Elektrotherapie, in der Kaltwasserbehandlung oder in ähnlichem ent halten sind, so muß gesagt werden, daß von vornherein durch die Geisteswissenschaft ein Licht darauf geworfen werden kann, ob man die eine oder die andere Methode anwenden soll, dadurch, daß man unterscheiden würde, ob man es mit einer luziferischen oder einer ahrimanischen Krankheit zu tun hat. Kein Mensch sollte zum Beispiel das Verfahren der Elektrotherapie anwenden bei Erkrankungen, die aus dem Luziferischen stammen; sondern man sollte sie nur bei ahrimanischen Krankheitsformen anwenden. Denn eine Hilfe kann bei luziferischen Krankheitsformen niemals etwas sein, was überhaupt mit dem Wirken des Luzifer gar nichts zu tun hat, nämlich die Prinzipien der Elektrizität; denn diese fallen in das Bereich der ahrimanischen Wesenheiten, wobei sich natürlich nicht nur die ahrimanischen Wesenheiten der Kräfte der Elektrizität bedienen. Dagegen ist ein ganz besonderes Gebiet des Luziferischen dasjenige, was sich bezieht, grob ausgedrückt, auf Warm und Kalt. Alles, was damit zu tun hat, daß die menschliche Organisation wärmer oder kälter wird oder was sie selbst durch äußere Einflüsse wärmer oder kälter macht, das gehört in das Bereich des Luzifer. Und bei alledem, wo wir es zu tun haben mit Warm oder Kalt, haben wir einen Typus luziferischer Krankheitsformen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So also sehen wir, wie Karma in dem Kranksein wirkt und wie es zur Überwindung von Kranksein wirkt. Nun wird es nicht mehr unbegreiflich erscheinen, daß im Karma auch die Heilbarkeit oder Unheilbarkeit einer Krankheit liegt. Wenn Sie sich klarmachen, daß ja das &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|89}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ziel, das karmische Ziel des Erkrankens das ist, den Menschen zu fördern und vollkommener zu machen, so ist die Voraussetzung die, daß der Mensch, wenn er nach der Vernünftigkeit, die er sich aus der Kamalokazeit beim Eintritt in ein neues Dasein mitbringt, einer Krankheit verfällt, jene Heilkräfte dann entwickelt, welche eine Stählung seines inneren Menschen bedeuten und die Möglichkeit, höher zu kommen. Nehmen wir an, die Sache liege so, daß der Mensch in dem Leben, das er noch zubringen kann, vermöge seiner sonstigen Organisation und seines übrigen Karma die Kräfte hat, mit dem, was er durch die Krankheit errungen hat, in diesem Leben selbst weiterzukommen. Dann hat die Heilung einen Sinn. Dann tritt Heilung ein und der Mensch hat in diesem Falle das errungen, was er erringen sollte und was sich an dem Vorhandensein der Krankheit zeigte. Durch das Überwinden der Krankheit hat er sich instand gesetzt, dort vollkommene Kräfte zu haben, wo er früher unvollkommene Kräfte hatte. Ist er durch sein Karma mit solchen Kräften ausgerüstet und durch die günstigen Umstände seines früheren Schicksals so in die Welt gesetzt, daß er die neuen Kräfte anwenden kann und wirken kann, um sich und andern von Nutzen zu sein, dann tritt die Heilung ein; dann windet er sich durch die Krankheit hindurch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen wir nun an, die Sache liege für den Menschen so, daß er die Krankheit überwindet und die Heilkräfte entwickelt und nunmehr vor einem Leben stünde, welches an ihn Anforderungen stellen würde, die mit dem Maß, das er sich jetzt schon errungen hat an Vollkommenem, nicht erfüllt werden können: Er würde zwar einiges erringen durch die geheilte Krankheit, aber es wäre doch nicht möglich, daß er so viel erringt - weil sein übriges Karma das nicht zuläßt -, daß er mit dem, was er sich errungen hat, den andern zum Heile werden kann. Dann tritt das ein, daß sein tieferes Unterbewußtsein sagt: Hier hast du keine Gelegenheit, die volle Kraft von dem zu empfangen, was du eigentlich haben sollst. Du mußtest in diese Inkarnation hineingehen, weil du das Maß an Vollkommenheit gewinnen mußtest, das du nur im physischen Leibe durch die Überwindung einer Krankheit erringen kannst. Das mußtest du erringen; aber weiter ausbilden kannst du es nicht. Nun mußt du in die Verhältnisse gehen, wo dein physischer Leib und andere &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|90}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kräfte dich nicht stören und wo du frei verarbeiten kannst, was du in der Krankheit gewonnen hast. - Das heißt, es sucht eine solche Individualität den Tod, um zwischen Tod und neuer Geburt das weiterzuverarbeiten, was sie im Leben zwischen Geburt und Tod nicht verarbeiten kann. Es geht eine solche Seele durch das Leben zwischen Tod und neuer Geburt durch, um jetzt mit um so stärkeren Kräften, die sie beim Überwinden der Krankheit gewonnen hat, ihre Organisation weiter auszubilden, damit sie im neuen Leben um so mehr wirken kann. In dieser Weise kann förmlich durch die Anwesenheit einer Krankheit eine Art Abschlagszahlung bewirkt werden, die dann erst ergänzt wird nach dem Durchgehen durch den Tod zu dem, was sie sein soll.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir die Sache so betrachten, werden wir uns sagen müssen: Es erscheint durchaus im Karma begründet, daß die eine Krankheit ausgeht mit der Heilung, die andere mit dem Tod. - Wenn wir so die Krankheiten ansehen, werden wir von einem höheren Gesichtspunkt aus durch Karma eine Art Versöhnung, eine tiefe Versöhnung mit dem Leben gewinnen; denn wir werden wissen, daß es in der Gesetzmäßigkeit von Karma liegt, daß, selbst wenn eine Krankheit mit dem Tode ausgeht, der Mensch gefördert wird, daß selbst in einem solchen Falle die Krankheit das Ziel hat, den Menschen höher zu bringen. Nun darf niemand daraus etwa den Schluß ziehen: dann könnte es auch sein, daß wir geradezu den Tod herbeiwünschen müßten in gewissen Krankheitsfällen. Das darf niemand sagen, weil die Entscheidung darüber, was eintreten soll, ob Heilung oder Unheilbarkeit, einer höheren Vernünf tigkeit zufällt, als die ist, welche wir mit unserem gewöhnlichen Bewußtsein umfassen können. Mit unserem gewöhnlichen Bewußtsein müssen wir uns bescheiden innerhalb der Welt zwischen Geburt und Tod, bei solchen Fragen stehenzubleiben. Mit unserem höheren Bewußtsein dürfen wir uns allerdings selbst auf den Standpunkt stellen, der sogar den Tod hinnimmt als ein Geschenk der höheren geistigen Mächte. Mit demjenigen Bewußtsein aber, das helfen und eingreifen soll ins Leben, dürfen wir uns nicht vermessen, uns auf diesen höheren Gesichtspunkt zu stellen. Da könnten wir uns leicht irren und würden in einer unerhörten Weise eingreifen in etwas, worin wir nie eingreifen dürfen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
in die menschliche Freiheitssphäre. Wenn wir einem Menschen helfen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|91}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
können, damit er die selbstheilenden Kräfte entwickelt, oder indem wir selbst der Natur zu Hilfe kommen, damit Heilung eintritt, so müssen wir das tun. Und soll die Entscheidung darüber fallen, ob der Mensch weiterleben soll oder ob er mehr gefördert wird, wenn der Tod eintritt, dann kann sie niemals anders als so fallen, daß unsere Hilfe eine Hilfe in der Heilung sein kann. Ist sie dies, so setzen wir es in des Menschen eigene Individualität, seine Kräfte anzuwenden, und die ärztliche Hilfe kann dabei nur eine solche sein, die ihn darin unterstützt. Dann wirkt sie nicht hinein in die menschliche Individualität. Ganz anders wäre es, wenn wir eines Menschen Unheilbarkeit in der Weise fördern würden, daß er sein weiteres Fortkommen in einer anderen Welt suchte. Da würden wir in seine Individualität eingreifen und seine Individualität einer andern Wirkungssphäre übergeben. Dann hätten wir unseren Willen der andern Individualität aufgedrängt. Diese Entscheidung müssen wir der Individualität selbst überlassen. Das heißt mit andern Worten: Wir müssen so viel als möglich tun, damit eine Heilung geschieht. Denn alle Überlegungen, die zu einer Heilung führen, kommen aus dem Bewußtsein, das für unsere Erde berechtigt ist; alle andern Maßnahmen würden übergreifen über unsere Erdensphäre; da müssen andere Kräfte eingreifen als die, welche in unser gewöhnliches Bewußtsein hineinfallen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So sehen wir, daß ein richtiges karmisches Verständnis über Heilbarkeit und Unheilbarkeit von Krankheiten dazu führt, daß wir alles aufbringen werden, um dem Menschen zu helfen in der Krankheit; und auf der andern Seite führt es uns auch dazu, daß wir, wenn aus andern Sphären eine andere Entscheidung getroffen wird, diese ebenfalls zu unserer Befriedigung hinnehmen. Etwas anderes haben wir in bezug auf diese andere Entscheidung auch gar nicht nötig. Nötig haben wir, daß wir einen Gesichtspunkt finden, daß uns die Unheilbarkeit einer Krankheit nicht niederdrückt,als ob dieWelt nur das Unvollkommene, das Schlimme und Schlechte hätte. Karmisches Verständnis lähmt nicht unsere Tatkraft in bezug auf das Heilen. Karmisches Verständnis wird uns auf der andern Seite auch wieder in Harmonie bringen mit dem schwersten Schicksal in bezug auf Unheilbarkeit dieser oder jener Krankheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|92}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So haben wir heute gesehen, wie uns karmisches Verständnis allein möglich macht, den Verlauf einer Krankheit in der richtigen Weise aufzufassen und zu begreifen, daß wir geradezu hineinleuchten sehen die karmischen Wirkungen aus unseren früheren Leben in das gegenwärtige. Beispiele im einzelnen werden sich uns noch bei Besprechung der nächsten Fragen darbieten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun wird es uns obliegen, zu unterscheiden zwischen zwei besonderen Krankheitsformen, zwischen denjenigen, welche aus dem menschlichen Inneren kommen, und die ganz besonders erscheinen als durch das Karma herbeigetragen, und zwischen jenen Erkrankungen, die uns scheinbar zufällig treffen dadurch, daß wir äußeren Schädigungen aus gesetzt sind, daß uns dieses oder jenes passiert. Kurz, es wird sich darum handeln: Wie können wir zu einem karmischen Verständnis auch dann kommen, wenn wir zum Beispiel unter die Räder eines Eisenbahnzuges kommen? Das heißt, wie sind sogenannte «zufällige» Erkrankungen durch das Karma zu begreifen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|93}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= FÜNFTER VORTRAG Hamburg, 20. Mai 1910 =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Inhalt des gestrigen Vortrages ist von großer Wichtigkeit sowohl für unsere nächsten Betrachtungen wie auch für das Verständnis der karmischen Zusammenhänge überhaupt. Deshalb - wegen dieser ein- schneidenden Wichtigkeit - lassen Sie mich heute noch einmal in den Hauptzügen kurz zusammenfassen, was der gestrige Vortrag enthalten hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir gingen davon aus, daß sich die Anschauungen über Heilung und über Heilmittel im Laufe verhältnismäßig kurzer Zeiten im letzten Jahrhundert ziemlich radikal verändert haben. Und wir haben darauf hingewiesen, wie im 16. und 17. Jahrhundert namentlich eine Anschauung sich ausbildete, welche ganz und gar auf dem Boden fußte: Für eine jede Krankheit, die mit einem Namen bezeichnet wurde und die man glaubte begrifflich abgrenzen zu können, müßten sich auch diese oder jene Heilmittel in der Welt finden. Und man glaubte mit Sicherheit, daß, wenn das betreffende Mittel angewendet würde, es auf den Verlauf der Krankheit einen Einfluß haben müsse. Wir haben dann darauf hingewiesen, wie sich diese Anschauung mehr oder weniger bis ins 19. Jahrhundert hinein erhalten hat, dann aber danebengestellt den absoluten Gegensatz dieser Anschauung, der sich namentlich zum Ausdruck gebracht hat in dem Nihilismus derWiener medizinischen Schule, der seinen Ausgangspunkt genommen hat von dem berühmten Mediziner Dietl, und seinen Fortgang gefunden hat in Skoda und dessen verschiedenen Schülern. Und wir haben die nihilistische Richtung dadurch charakterisiert, daß wir sagten: Sie fing nicht nur an, über den` absoluten Zusammenhang zwischen diesem oder jenem Heilmittel, zwischen diesen oder jenen Handgriffen in bezug auf die Krankheitsbehandlung und die Krankheit selber gründliche Zweifel zu haben, sondern sie wollte von einem solchen Zusammenhang nichts mehr wissen. Und es kam in die Gemüter der unter dem Einfluß dieser Schule stehenden jungen Ärzte die Anschauung von der sogenannten «Selbstheilung&amp;gt; hinein. Skoda selbst hat ja den für diese Schule bedeutungs&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|94}}&lt;br /&gt;
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vollen Satz ausgesprochen: Wir können eine Krankheit diagnostizieren, wir können sie vielleicht auch erklären und beschreiben; aber Mittel haben wir gegen die Krankheit nicht. - Und de,n Ausgangspunkt nahm diese Richtung davon, daß Dietl nachweisen konnte, daß bei der ab- wartenden Behandlung eine Krankheit wie die Lungenentzündung so verläuft, daß sie innerhalb einer bestimmten Zeit die selbstheilenden Kräfte entwickelt, wenn man nur die nötigen Bedingungen dafür schafft. Und er konnte statistisch nachweisen, daß bei der abwartenden Behandlung ebenso viele Menschen geheilt wurden oder auch starben wie bei Verabreichung der sonst gebräuchlichen Mittel. Damals war die Bezeichnung «therapeutischer Nihilismus» durchaus nicht unberechtigt; denn es war eine absolute Wahrheit, daß sich die Ärzte dieser Schule gar nicht schützen konnten gegen die Meinung der Kranken, daß ein Mittel, ein Rezept eben da sein muß. Der Kranke gab nicht nach, seine Umgebung auch nicht - Mittel mußten verschrieben werden, und die Anhänger dieser Schule halfen sich dann gewöhnlich dadurch, daß sie dünn aufgelösten arabischen Gummi verschrieben, der nach der Meinung der Anhänger der Schule ganz dieselbe Wirkung haben sollte wie die früher angewendeten Mittel. Wir haben daraus erkennen gelernt, wie geradezu hindrängt die moderne wissenschaftliche Tatsachenwelt zu dem, was wir den karmischen Zusammenhang im Leben nennen können. Denn wir mußten uns nun die Frage beantworten: Wie geschieht denn eigentlich das, was man nennen könnte «Selbstheilung»? Oder besser gesagt: Warum geschieht es? Und warum kann in einem andern Falle eine Selbstheilung oder überhaupt eine Heilung nicht eintreten?&lt;br /&gt;
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Wenn eine ganze Schule, an deren Spitze medizinische Koryphäen standen, darauf verfallen konnte, den Begriff der Selbstheilung einzuführen, so hätte einer, der darüber nachdenkt, dazu kommen müssen, zu sagen: Also wird im Krankheitsprozeß etwas wachgerufen, was zur Überwindung der Krankheit führt! Und das hätte weiter dazu führen müssen, den geheimeren Gründen des Krankheitsverlaufes nachzuspüren. Wir haben nun versucht, darauf hinzuweisen, wie ein solcher karmischer Zusammenhang innerhalb der Menschheitsentwickelung für den Krankheitsverlauf gesucht werden kann. Wir haben gezeigt, daß &lt;br /&gt;
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allerdings das, was der Mensch in seinem gewöhnlichen Leben vollführt an guten und bösen Handlungen, an gescheiten und unsinnigen Handlungen, was er erlebt an richtigen und verkehrten Gemütsauffassungen, daß alles das nicht tief hineingeht in die Untergründe der menschlichen Organisation. Und wir haben den Grund aufgezeigt, warum das, was für das gewöhnliche Leben der moralischen, der intellektuellen und gemüthaften Beurteilung unterliegt, nur an der Oberfläche des gewöhnlichen Lebens sitzenbleibt und nicht dem Gesetze unterliegt, das wir im andern Falle aufzeigen konnten: die tieferliegenden Kräfte der Menschenorganisation zu beeinflussen. Wir haben gezeigt, daß es gleichsam eine Art von Hemmnis gibt gegen das Eindringen der Unmoralität in die tieferen Kräfte des Organismus. Und diese Abwehr gegen das Eindringen dessen, was wir tun und denken, in die Kräfte unserer Organisation liegt darin, daß wir unsere Handlungen, die wir zwischen Geburt und Tod vollbringen, mit unseren bewußten Vorstellungen begleiten. Indem wir eine Handlung oder ein sonstiges Erlebnis mit einer bewußten Vorstellung begleiten, schaffen wir eine Schutzwehr dagegen, daß das Resultat unserer Handlungen hinunterrückt in unseren Organismus. Wir haben dann darauf hingewiesen, welche Bedeutung jenen Erleb nissen zukommt, die unwiederbringlich vergessen worden sind. Da liegt nicht mehr die Möglichkeit vor, sie wieder ins bewußte Vorstellungsleben hinaufzurücken; sondern von solchen Erlebnissen mußten wir sagen, daß sie schon in bestimmter Weise, weil die Schutzwehr derVorstellung fehlt, hinunterdringen in unsere innere Organisation und dort mitwirken können an den gestaltenden Kräften unseres Organismus. Und wir haben hinweisen können auf die Krankheitsformen, welche noch mehr an der Oberfläche liegen: Neurose, Neurasthenie und dergleichen. Sogar hysterische Zustände erfahren da eine Beleuchtung. Wir sagten, daß die Ursachen für solche Zustände gesucht werden müssen in den aus dem Bewußtseinskomplex herausgefallenen,vergessenenVorstellungen, die hinuntergesunken sind in das Innere und sich - wie Einschiebsel unseres Seelenlebens - als Krankheiten geltend machen. - Wir haben darauf hingewiesen, welche ungeheure Bedeutung jener Zeitraum hat, der verläuft von der Geburt bis zu dem Zeitpunkt, wo sich der Mensch an seine Erlebnisse zurückerinnern kann, und es wurde darauf &lt;br /&gt;
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aufmerksam gemacht, wie das, was früher vergessen worden ist, im lebenden Organismus fortwirkt, indem es gleichsam mit den tieferen Kräften der Organisation einen Bund schließt und von dort aus unsere Organisation selber beeinflußt. Es muß also ein Komplex von Vorstellungen, eine Reihe von Erlebnissen hinuntersinken in tiefere Untergründe unseres Wesens, bevor er eingreifen kann in unsere Organisation.-Wir haben dann darauf hingewiesen,wie am gründlichsten dieses Hinuntersinken geschieht, wenn der Mensch durch die Pforte des Todes gegangen ist und das weitere Dasein durchlebt zwischen Tod und neuer Geburt. Da verwandeln sich alle Erlebnisse in ihren Qualitäten in solche Kräfte, welche jetzt organisierend wirken. Und was der Mensch in der Zeit zwischen Tod und neuer Geburt empfunden und gefühlt hat, das nimmt er auf in die plastischen Kräfte, die beteiligt sind am neuen Aufbau des Leibes, wenn der Mensch jetzt neu ins Dasein tritt. Da hat er jetzt in den Bildungskräften das Resultat dessen da rinnen, was er früher noch in seinem Seelenleben, vielleicht auch sogar in seinem bewußten Vorstellungsleben hatte. Und nun konnten wir darauf hin- weisen, daß der Mensch mit seinem vom Ich durchtränkten Vorstellungsleben hin und her pendelt zwischen zwei Einflüssen: zwischen dem luziferischen und dem ahrimanischen Einfluß. Wenn der Mensch eine Verfehlung begeht, die hervorgerufen wird durch Eigenschaften seines astralischen Leibes, durch schlimme Affekte, Zorn und dergleichen, wird er zu Handlungen getrieben durch luziferische Mächte. Wenn dann solche Handlungen jenen Weg gehen, der eben jetzt bezeichnet worden ist, daß sie zu Bildungskräften werden, so haben wir sie in den gestaltenden Kräften, die nunmehr der neuen Leiblichkeit zugrunde liegen als luziferische Krankheitsursachen. Wir haben dann gesehen, wie der Mensch unterliegt den ahrimanischen Kräften, die mehr von außen hereinwirken. Und wieder mußten wir von den ahrimanischen Einflüssen sagen, daß sie sich umwandeln in Bildungskräfte, in gestaltende Kräfte des neu gebauten Organismus, der zustande kommt, wenn der Mensch durch die Geburt ins Dasein tritt. Und insofern sich die Einflüsse Ahrimans in die Bildungskräfte hineinmischen, können wir von Krankheitsanlagen sprechen mit ahrimanischem Charakter. Dann haben wir im einzelnen darauf hingewiesen, wie diese &lt;br /&gt;
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Kräfte, die sich in dieser Weise herausbilden, wirken. Und ich habe Ihnen radikale Beispiele gezeigt für dieses Wirken, weil an radikalen Beispielen die Vorstellung eine deutlichere, scharf umrissene wird. Ich sagte, man nehme an, daß ein Mensch im vorigen Lebenslauf alles das getan hat, was ihn nur zu einem geringen Selbstgefühl und Selbstvertrauen bringen kann, daß er sein Ich so präpariert hat, daß es nichts auf sich gehalten hat, nur in Allgemeinheiten aufging und so weiter. Ein solcher Mensch nimmt nach dem Tode die Tendenz auf, jenen Widerstand zu überwinden und die Kräfte aufzunehmen, welche ihn fähig machen, später im weiteren Verlauf der Inkarnation sein Ich kräftiger, vollkommener zu machen. Das wirkt so, daß er solche Verhältnisse dann sucht, die es ihm möglich machen, gegen dasjenige anzukämpfen, gegen was es gut ist, anzukämpfen mit einem schwachen Selbstgefühl, so daß ein schwaches Selbstgefühl sich an dem Widerstande stärken kann. Und wahr ist es, daß eine solche Tendenz den Menschen dazu führt, sozusagen Gelegenheiten aufzusuchen zur Cholera, weil er darin etwas vor sich hat, was ihm Gelegenheit bietet, jene Widerstände zu überwinden. Und in der Überwindung dieser Widerstände liegt das, was in der nächsten Inkarnation oder aber auch bei eingetretener Heilung in derselben Inkarnation zu einem stärkeren Selbstgefühl führen kann oder zu Kräften, welche ein stärkeres Selbstgefühl durch Selbsterziehung nach und nach heranreifen lassen. Wir haben dann gesagt, daß bei einer Krankheit wie der Malaria die Gelegenheit gegeben ist, etwas auszugleichen, was sich die Seele in einem früheren Leben als ein übermäßiges Selbstgefühl herangezüchtet hat durch ihre Handlungen und Empfindungen. - Diejenigen von Ihnen, welche frühere Betrachtungen unseres theosophischen Lebens mitgemacht haben, werden sich verdeutlichen können einen solchen Verlauf. Es wurde immer gesagt, daß das Ich des Menschen seinen physischen Ausdruck findet im Blut. Nun hängen die beiden Krankheiten, von denen wir eben gesprochen haben, mit dem Blut und den Gesetzen vom Blut zusammen; sie hängen so zusammen, daß beim Cholerafall eine Verdickung des Blutes eintritt. Diese Verdickung ist es, was als Widerstand zu bezeichnen ist, den das schwache Selbstgefühl durchmachen muß und an dem es sich heraner~iehen will. Ebenso können Sie es sich &lt;br /&gt;
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verdeutlichen, daß bei der Malaria eine Art Blutzerfall stattfindet und daß ein überstarkes Selbstgefühl die Möglichkeit braucht, daß es ad absurdum geführt wird, daß im Blutzerfall ein überstarkes Ich in seiner Anstrengung zur Nichtigkeit geführt wird. Das wird in dem Zerfall des Blutes geboten. - Die Dinge sind natürlich außerordentlich intim im Organismus zusammenhängend; aber wenn Sie darauf eingehen, werden Sie sie sich schon zum Verständnis bringen.&lt;br /&gt;
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Aus all dem ergab sich uns: Wenn wir einen Organismus haben, der gebildet ist von einer Seele, die in sich die Tendenz hat, dieses oder jenes nach der einen oder der andern Richtung zu überwinden, so führt diese Tendenz den Menschen dazu, in sich hineinzuprägen die Möglichkeit zur Krankheit, aber auch zugleich die Möglichkeit, anzukämpfen gegen die Krankheit, weil ja die Krankheit aus keinem andern Grunde hervorgerufen wird als aus dem, die Möglichkeit der Heilung zu haben. Und Heilung tritt dann ein, wenn der Mensch nach seinem Gesamtkarma durch die Überwindung der betreffenden Krankheit sich solche Kräfte aneignet, daß er in dem restlichen Leben bis zum Tode durch seine Arbeit auf dem physischen Plan wirklich sich vorwärtsbringen kann. Das heißt, wenn die zu erregenden Kräfte so stark sind, daß er auf dem physischen Plan das auch erreichen kann,weswegen die Krankheit hervorgerufen worden ist, dann arbeitet der Mensch gerade mit den ihm aus dem Heilprozeß zugeflossenen verstärkten Kräften weiter, die er früher nicht gehabt hat. Liegt aber sein Gesamtkarma so, daß er zwar die Absicht gehabt hat, seinen Organismus so zu gestalten, daß er durch die Überwindung der betreffenden Krankheit sich Kräfte zu- führt, welche zu seiner Vervollkommnung führen, daß aber, weil die Dinge mannigfaltig sind, er gleichzeitig den Organismus nach einer andern Richtung hin hat schwach sein lassen müssen, dann kann der Fall eintreten, daß diejenigen Kräfte, welche der Mensch herausstellt und anwendet im Heilprozeß, ihn zwar verstärken, aber doch nicht so weit, daß er dem Arbeiten auf dem physischen Plan schon gewachsen ist. Dann wird er das Stück, was er schon gewonnen hat - weil es auf dem physischen Plan nicht verwendbar ist -,verwenden,wenn er durch die Pforte des Todes geht, und er wird versuchen, das seinen Kräften hinzuzufügeri,was er auf dem physischen Plan nicht hinzufügen konnte, &lt;br /&gt;
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um diese Kräfte in der Ausgestaltung des nächsten Leibes zu zeigen, wenn er wieder in die Geburt tritt. Es bleibt uns noch, wenn wir das vor Augen haben, einen Hinweis zu geben, wie es sich mit denjenigen Krankheitsformen verhält, welche weder zu einer ordentlichen Heilung noch zum Tode führen, sondern zu chronischen Zuständen, zu einer Art von Siechtum oder dergleichen.&lt;br /&gt;
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Da liegt allerdings etwas vor,was im eminentesten Sinne für die meisten Menschen von einer großen Wichtigkeit ist zu wissen. Da liegt das vor, daß allerdings durch den Heilungsprozeß innerhalb der menschlichen Körperhüllen eingetreten ist, was nur zu erreichen war, daß also in gewissem Sinne die Krankheit überwunden ist. Aber in einem anderen Sinne ist sie doch nicht überwunden; das heißt, daß alles das, was an Ausgleich hat geschaffen werden sollen zwischen Ätherleib und physischem Leib, zwar erreicht worden ist, nicht aber das ausgeglichen worden ist, was an Disharmonie vorhanden war zwischen Ätherleib und astralischem Leib. Das bleibt zurück, und der Mensch pendelt hin und her zwischen Versuchen, zu heilen, und nicht heilen zu können. In einem solchen Falle ist es immer von einer ganz besonderen Wichtigkeit, daß der Mensch möglichst ausnutzt, was er an wirklicher Heilung errungen hat. Und das geschieht am allerwenigsten im Leben. Denn gerade bei solchen Krankheiten, die chronisch werden, befindet sich der Mensch in einem rechten Kreistanz darinnen. Wenn der Mensch in einem solchen Falle imstande sein würde, den Teil seiner Organisation, welcher in sich eine gewisse Heilung erfahren hat, zu isolieren, für sich sozusagen leben zu lassen, und wenn er davon dasjenige zurückziehen könnte, was da noch rumort und nicht in Ordnung ist und was in solchem Falle gewöhnlich mehr gegen das innere Seelenhafte zu liegt, dann würde sich der Mensch sehr viel helfen können. Aber dagegen wirkt das Allerverschiedenste, namentlich das, daß der Mensch, wenn er irgendeine Krankheit gehabt hat und ein chronischer Zustand zurückgeblieben ist, fortwährend unter dem Einflusse dieses Zustandes lebt und daß er - wenn ich mich grob ausdrücken darf - eigentlich niemals gründlich vergessen kann seinen Zustand, niemals gründlich dazu kommt, das, was in ihm doch noch nicht gesund ist, zurückzuziehen von diesem Zustande und es für sich zu behandeln; sondern er wird &lt;br /&gt;
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durch das, was man nennen kann das fortwährende Denken an den andern Teil der Organisation, veranlaßt, gleichsam seinen gesunden Teil wieder in irgendeinen Zusammenhang zu bringen mit dem früher kranken Teil und diesen so neuerdings zu irritieren. Das ist ein besonderer Prozeß. Und um Ihnen diesen Prozeß klarzumachen, möchte ich Ihnen einmal den geisteswissenschaftlichen Tatbestand klarlegen, das, was das hellseherische Bewußtsein sieht, wenn jemand eine Krankheit durchgemacht und dabei etwas zurückbehalten hat, was man als etwas Chronisches bezeichnen kann. Dasselbe geschieht übrigens auch dann, wenn nicht eine besonders auffällige akute Erkrankung vorlag, sondern wenn sich ein Chronisches einstellt, ohne daß ein Akutes besonders bemerkt worden ist. Dann kann man in der Tat sehen, daß sich in den meisten Fällen ein gewisser schwankender Gleichgewichtszustand herausstellt zwischen dem Ätherleibe und dem physischen Leibe, ein Hinund-her-Pendeln von Kräften, wie es nicht sein soll, bei dem es sich aber doch leben läßt. Bei diesem Hin-und-her-Pendeln von Kräften des Ätherleibes und des physischen Leibes wird der betreffende Mensch fortwährend irritiert und dadurch erfüllt von fortdauernden Erregungszuständen. Die sieht das hellseherische Bewußtsein fortwährend auftauchen im astralischen Leibe, und diese Erregungszustände drängen sich fortwährend hinein in den halb kranken und halb gesunden Teil der Organisation, wodurch dann nicht ein stabiles, sondern ein labiles Gleichgewicht zustande kommt. Durch dieses Hineindringen der astralischen Erregungszustände wird der menschliche Zustand, der sonst viel besser sein könnte, in der Tat sehr verschlechtert. Ich bitte zu berücksichtigen, daß das Astralische in diesem Falle nicht zusammenfällt mit dem Bewußtsein, sondern daß es vorzugsweise mit dem zusammenfällt, was innere seelische Erregungen sind, die sich aber der Patient nicht eingestehen will. Weil in solchem Falle das Hemmende der Vorstellungen nicht da ist, deshalb wirken diese Zustände und Affekte, die Gemütserschütterungen, die fortwährenden Zustände des Überdrusses, des In-sich-unzufrieden-Seins nicht immer wie bewußte Kräfte, sondern wIe organisierende, wie Lebenskräfte, die in der tieferen Wesenheit des Menschen sitzen und fortwährend den halb gesunden, halb kranken Teil irritieren. Könnte nun der betreffende Patient es wirklich durch &lt;br /&gt;
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starken Willen, durch Seelenkultur dazu bringen, wenigstens für eine gewisse Zeit seinen Zustand zu vergessen, so würde er daraus solche Befriedigung schöpfen, daß er dann schon aus dieser Befriedigung die Kraft ziehen könnte, um das weiter durchzuführen. Könnte er seinen Zustand vergessen, ganz von ihm absehen, mit starkem Willen sagen: Ich will mich jetzt nicht kümmern um meinen Zustand! - und würde er sodann die Seelenkräfte, welche er dadurch frei bekommt, auf etwas von geistigem Inhalt verwenden, was ihn erhebt, was ihn innerlich sättigt in seiner Seele, würde er diese Kräfte, die sich sonst immer damit beschäftigen, die Gefühle des Schmerzes, des Drückens und Stechens und was da alles ist, zu durchleben, frei bekommen, so würde ihm das eine große Befriedigung gewähren. Denn wenn man diese Gefühle nicht durchlebt, hat man die Kräfte ja frei; dann sind sie verfügbar. Freilich hilft es nicht viel, wenn man sich bloß sagt, man will dieses Klemmen und Stechen und so weiter nicht bemerken; denn wenn man die Kräfte, welche man da frei bekommt, nicht auf etwas Geistiges verwendet, werden die früheren Zustände bald wieder da sein. Wenn man aber die frei gewordenen Kräfte verwendet auf einen die Seele ganz in Anspruch nehmenden geistigen Inhalt, dann wird man bemerken, daß man auf einem komplizierten Wege das erreicht, was sonst unsere Organisation selber ohne unser Zutun in der Überwindung des Krankheitsprozesses erreicht. Es ist ja natürlich, daß der Betreffende dann sorgfältig darauf sehen muß, daß er nicht gerade seine Seele auf einem solchen Wege erfüllt, der wieder direkt zusammenhängt mit dem, was seine Erkrankung ist. Wenn jemand zum Beispiel an einer Schwäche seiner Augen leidet, und er beschäftigt sich, um nicht an die Schwäche seiner Augen zu denken, damit, daß er viel liest, um geistige Kräfte aufzunehmen, so ist es selbstverständlich, daß ihn das nicht zum Ziele führen kann. Aber ganz so weit herzuholen brauchen Sie sich die sogenannten kleinen Belege dafür nicht. Jeder kann an sich selbst bemerken, wenn er eine kleine Unpäßlichkeit hat, wie sehr es ihm nützt, wenn er es zu einem Vergessen seiner Unpäßlichkeit bringt, namentlich zu einem solchen Vergessen, das hervorgerufen wird durch eine anderweitige Beschäftigung. Das ist also ein positives, gesundes Vergessen! Da haben Sie schon einen Hinweis, daß wir nicht ganz machtlos sind gegen die &lt;br /&gt;
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karmischen Wirkungen unserer Verfehlungen in früheren Lebensläufen, welche sich in Krankheiten zum Ausdruck bringen. Denn wir müssen uns sagen: Wenn wir zugeben, daß das, was im Leben zwischen Geburt und Tod einer moralischen, gemüthaften und intellektuellen Beurteilung unterliegt, in einem Leben nicht so tief gehen kann, daß es die Ursache zu einer organischen Erkrankung wird, daß es sich aber in der Zeit nach dem Tode bis zur neuen Geburt so tief in das Leben hinein- senken kann, daß es Krankheit bewirkt, dann müßte es doch auch möglich sein, diesen Prozeß wieder zurückzuverwandeln in einen Bewußtseinsprozeß!&lt;br /&gt;
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Die Frage kann auch so gestellt werden: Wenn Krankheiten sich ausleben wie eine karmische Wirkung von geistigen oder sonstigen durch die Seele hervorgerufenen oder erfahrenen Erlebnissen, wenn sie also die Umwandlung solcher Ursachen sind, können wir uns dann nicht auch denken - oder erzählen uns davon die geistigen Tatsachen nichts -, daß das Umwandlungsprodukt, die Krankheit, vermeidbar ist, insofern vermeidbar, als wir statt des Heilungsprozesses, statt dessen, was aus den organischen Regionen herausgeholt wird, als Krankheit herbeigeholt wird zu unserer Erziehung, das geistige Gegenstück, das geistige Äquivalent dafür setzen? Daß wir, wenn wir klug genug sind, die Krankheit umwandeln in einen geistigen Prozeß und die Selbsterziehung, die wir durch die Krankheit ausführen sollen, sozusagen durch die Kräfte unserer Seele ausführen?&lt;br /&gt;
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Daß so etwas in den Bereich derTatsachen gehört, möchte icil wieder durch ein Beispiel illustrieren. Wieder muß aber hierbei gesagt werden, daß nur solche Beispiele angeführt werden, die geisteswissenschaftlich untersucht sind; es sind nicht Hypothesenaufstellungen, sondern Fälle. Daher können Sie von mir nicht gerade eine Vollständigkeit verlangen - weil nicht Hypothesen aufgestellt werden, sondern Fälle, die als solche hingenommen werden müssen. Nehmen wir an, im späteren Leben bekommt eine Persönlichkeit Masern, und wir suchen nach dem karmischen Zusammenhang dieses Falles. Wir finden dabei, daß dieser Masernfall aufgetreten ist als eine karmischeWirkung von solchen Vorgängen in einem vorangegangenen Leben, die wir etwa so beschreiben können: Die betreffende Individualität war in einem vorhergehenden &lt;br /&gt;
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Leben eine solche, die sich nicht gern um die äußere Welt bekümmert hat, sich nicht gerade im grob egoistischen Sinne, aber doch viel mit sich selber beschäftigt hat; eine Persönlichkeit also, die viel nachgeforscht hat, nachgedacht hat, aber nicht an den Tatsachen der äußeren Welt, sondern die im inneren Seelenleben geblieben ist. Sie finden auch heute sehr viele Menschen, welche glauben, daß sie durch In-sich-abgeschlossen-Sein, durch Grübeln und so weiter zur Lösung von Welträtseln kommen können. Bei der Persönlichkeit, die ich meine, handelte es sich darum, daß sie mit dem Leben so fertigzuwerden suchte, daß sie innerlich nachgrübelte, wie man sich in diesem oder jenem Falle verhalten soll. Die Schwäche der Seele, welche sich daraus ergeben hat im Verlaufe des Lebens, führte dazu, daß im Leben zwischen Tod und neuer Geburt Kräfte erzeugt wurden, welche den Organismus in verhältnismäßig später Lebenszeit noch einem Masernanfall aussetzten.&lt;br /&gt;
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Jetzt können wir uns fragen: Wir haben auf der einen Seite den Masernanfall, der die physisch-karmische Wirkung ist eines früheren Lebens. Wie ist es denn aber nun mit dem Seelenzustand? Denn das frühere Leben gibt ja als karmische Wirkung auch einen gewissen Seelenzustand.&lt;br /&gt;
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Dieser Seelenzustand stellt sich so dar, daß die betreffende Persönlichkeit in dem Leben, wo sie auch den Masernanfall hatte, immer wieder und wieder Selbsttäuschungen unterworfen war. Da haben Sie also die Selbsttäuschungen anzusehen als die seelisch-karmische Folge dieses früheren Lebens und den Eintritt döer Masern als die physischkarmische Folge jenes Lebens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen wir nun an, dieser Persönlichkeit wäre es gelungen, bevor der Masernfall eintrat, etwas zu tun, um sich gründlich zu bessern, das heißt, um eine solche Stärke der Seele sich anzueignen, daß sie nicht mehr ausgesetzt wäre allen möglichen Selbsttäuschungen. Dann würde diese dadurch heranerzogene Seelenstärke dazu geführt haben, daß die Masernerkrankung hätte unterbleiben können, weil das, was im Organismus schon hervorgerufen war bei der Bildung dieser Organisation, seinen Ausgleich gefunden hätte durch die stärkeren Seelenkräfte, welche durch die Selbsterziehung herangezogen worden wären. Ich kann natürlich nicht ein halbes Jahr über diese Sachen reden; aber wenn Sie &lt;br /&gt;
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weit im Leben herumschauen und alle Einzelheiten, welche sich als Erfahrungen darbieten, von diesem hier gegebenen Ausgangspunkt aus betrachten würden, so würden Sie immer finden,daß das äußereWissen voll bestätigen würde - bis in alle Einzelheiten -, was hier gesagt worden ist. Und was ich jetzt gesagt habe über eine Masernerkrankung, das kann zu Gesichtspunkten führen, die erklären, warum Masern gerade zu den gebräuchlichen Kinderkrankheiten gehören. Denn die Eigenschaften, die genannt worden sind, kommen in sehr vielen Leben vor. Insbesondere in gewissen Zeitperioden haben sie in vielen Leben grassiert. Und wenn dann eine solche Persönlichkeit ins Dasein tritt, wird sie so schnell wie möglich Korrektur üben wollen auf diesem Gebiet und in der Zeit zwischen der Geburt und dem gewöhnlichen Auftreten der Kinderkrankheiten, um organische Selbsterziehung zu üben, die Masern durchmachen; denn von einer seelischen Erziehung kann ja in der Regel in diesem Alter nicht die Rede sein.&lt;br /&gt;
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Daraus sehen Sie, daß wir wirklich davon sprechen können, daß die Krankheit in gewisser Beziehung wieder zurückverwandelt werden kann in einen geistigen Prozeß. Und das ist das ungeheuer Bedeutsame, daß wenn dieser Prozeß in die Seele als Lebensmaxime aufgenommen wird, er eine Anschauung erzeugt, die gesundend auf die Seele wirkt. In unserer Zeit braucht man sich nicht besonders zu wundern, daß man so wenig auf die Seelen wirken kann. Und wer die Zeit heute vom geisteswissenschaftlichen Standpunkt aus durchschaut, der wird es begreifen, daß so viele Mediziner, so viele Ärzte Materialisten werden, können, das heißt, verzweifeln an einem seelischen Einfluß. Denn die Mehrzahl der Menschen beschäftigt sich ja überhaupt nicht mit etwas, was eine befruchtende Kraft hat. All das Zeug, was heute durch die gebräuchliche Literatur geht, hat für die Seelen keine befruchtende Kraft. Deshalb fühlt der, welcher für die Geisteswissenschaft wirken will, in diesem theosophischen Wirken auch etwas im eminenten Sinne Gesundendes, weil das geisteswissenschaftliche Wissen der Menschheit wieder etwas bringen kann, was sich so in die Seelen hineinergießt, daß die Seele abgezogen wird von dem, was die leibliche Organisation bildete. Man darf nur nicht verwechseln, was im Anfang einer solchen Bewegung auftritt, mit dem, was die Bewegung wirklich sein kann. &lt;br /&gt;
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Es werden ja in die theosophische Bewegung tatsächlich Dinge hinein- gebracht, welche in der äußeren Welt auch grassieren, das heißt, es bringen die Menschen, wenn sie Theosophen werden, vielfach genau dieselben Interessen der Theosophie entgegen, die sie für die Dinge draußen auch haben, und auch alle Unarten, die sie draußen haben. Da wird vieles hineingetragen von den Schattenseiten unseres Zeitalters. Dann aber, wenn sich irgendwelche Schattenseiten bei den Betreffenden zeigen, sagt man, das habe die Theosophie bewirkt. Das ist natürlich eine sehr billige Auskunft!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir so den karmischen Faden sich ziehen sehen von einer Inkarnation in die andere, so haben wir damit die entsprechende Wahrheit doch nur von einer Seite erfaßt. Es werden sich demjenigen, der ein Gefühl dafür erhält, wie sich der karmische Faden von Inkarnation zu Inkarnation hindurchzieht, noch viele Fragen ergeben, die im Laufe der Vorträge berührt werden sollen. Vor allen Dingen muß die Frage berührt werden: Wie hat man zu unterscheiden zwischen einer Krankheit, bei der man äußere Ursachen angeben kann, und einer solchen Krankheit, die voll veranlagt liegt in der menschlichen Organisation selber, so daß man glaubt, was da vorliegt, damit abfertigen zu können, daß man sagt, die Krankheit ist ganz von selbst gekommen, und eine äußere Veranlassung liege nicht vor. - Ganz so stehen ja die Dinge nicht. Aber von gewisser Seite ist es doch berechtigt zu sagen, daß Krankheiten auftreten, für die der Mensch durch sein Inneres besonders disponiert ist. Für zahlreiche Krankheitserscheinungen wird man da- gegen doch äußere Ursachen angeben können. Natürlich nicht für alles, was uns passiert, aber für manches, was uns von außen her zustößt, zum Beispiel, wenn wir ein Bein brechen, müssen wir äußere Ursachen ins Feld führen. Auch das müssen wir zu den äußeren Ursachen zählen, was durch die Witterung geschieht, und ebenso die zahlreichen Krankheitsfälle, deren Ursachen in den schlechten städtischen Wohnungen zu suchen sind. Da eröffnet sich uns wieder ein weites Feld. Und für den, der mit Erfahrungen in die Welt blickt, ist es auch jetzt erklärlich, daß die heutige Moderichtung der Medizin dazu kommt, Krankheitsursachen in den äußeren Einwirkungen, besonders in den Bazillen, zu suchen, von denen ein geistreicher Herr nicht mit Unrecht gesagt hat: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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Heute kommen Krankheiten von den Bazillen, wie man ehedem gesagt hat, Krankheiten kommen von Gott oder vom Teufel. Im 13.Jahr- hundert sagte man, Krankheiten kommen von Gott, im 15. Jahrhundert sagte man, sie kommen vom Teufel. Später hieß es dann, sie kommen von den Säften, und heute sagt man, die Krankheiten kommen von den Bazillen. Das sind die Ansichten, die sich abgelöst haben im Laufe der Zeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So müssen wir also sprechen von äußeren Ursachen des menschlichen Krankseins oder Gesundseins. Und da kann der gegenwärtige Mensch leicht versucht sein, ein Wort zu gebrauchen, welches im Grunde sehr geeignet ist, in unsere ganze Weltauffassung Unordnung hineinzubringen. Wenn jemand, der vorher ganz gesund war, in eine durch Influenza oder Diphtherie verseuchte Gegend kommt und hernach erkrankt, so wird der heutige Mensch ganz gewiß geneigt sein zu sagen, daß der Betreffende den Krankheitskeim dadurch aufgenommen hat, daß er in jene Gegend gekommen ist, und er wird dann leicht das Wort Zufall gebrauchen. Von zufälligen Einflüssen wird man heute leicht sprechen. - Das Wort Zufall ist so recht eine Crux, ein Kreuz für jede Weltanschauung. Und solange man eigentlich nicht einmal den Versuch macht, sich ein wenig klarzuwerden über das, was man so leicht mit Zufall bezeichnet, wird man auch nicht vordringen können zu einer einigermaßen befriedigenden Weltanschauung. So stehen wir nun am Ausgangspunkt des Kapitels «Natürliche und zufällige Erkrankungen des Menschen». Da geht es aber nicht anders, als daß wir einleitend heute versuchen, auf das Wort Zufall ein wenig Licht zu werfen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ist nicht der Zufall selber etwas, was uns mißtrauisch machen könnte gegen das, was sich der Mensch heute leicht dabei denkt? Ich habe schon früher einmal darauf aufmerksam gemacht, daß ein geistvoller Mann im 18.Jahrhundert nicht ganz unrecht hatte, als er über die Sitte, großen Entdeckern, Erfindern und so weiter Denkmäler zu errichten, den Ausspruch tat, man müßte doch, wenn man den geschichtlichen Verlauf objektiv betrachtet, die weitaus meisten Denkmäler dem «Zufall» errichten! Und sonderbar: Wenn man eingeht auf die Geschichte, kann man merkwürdige Entdeckungen machen über &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
das, was sich hinter dem Zufall verbirgt. Ich habe Ihnen erzählt, daß die Erfindung des Fernrohres dem Spiel zu verdanken ist, das Kinder in einer optischen Werkstätte mit optischen Gläsern getrieben haben; dabei kam eine Konstellation zustande, durch die jemand das Fernrohr zustande brachte. Man könnte auch hinweisen auf die berühmte Lampe im Dom zu Pisa, die schon früher vor Tausenden und Tausenden von Menschen ihre Schwingungen mit derselben Regelmäßigkeit ausgeführt hat wie vor Galilei. Aber erst Galilei probierte, wie die Schwingungen zusammenstimmten mit dem Gang seiner Blutzirkulation, und dadurch kam er zu der Auffindung der Pendelgesetze. Würden wir die Pendelgesetze nicht gehabt haben, so würde unser ganzes Kulturleben einen andern Anstrich bekommen haben. Versuchen Sie, ob Sie nicht in der Menschheitsentwickelung einen Sinn suchen können und ob Sie dann noch sagen möchten, daß nur ein Zufall gewaltet hat, zum Beispiel bei Galilei, und ihn zu dieser wichtigen Entdeckung gebracht hat. Aber nehmen wir einen andern Fall.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denken wir daran, was die Luthersche Bibelübersetzung bedeutet für die Kulturländer der europäischen Welt. Machen wir uns klar, was für einen tiefgehenden Einfluß sie genommen hat auf das religiöse Fühlen und Denken und anderseits auf die Heranbildung dessen, was wir die deutsche Schriftsprache nennen. Ich will nur die Tatsache hin- stellen, ohne davon zu sprechen, wie man über sie denken soll; nur daß sie diesen tiefgehenden Einfluß gehabt hat, will ich betonen. Sie müssen nun doch versuchen, einen Sinn zu sehen in jener Erziehung der Menschheit, die seit mehreren Jahrhunderten durch die Luthersche Bibelübersetzung bewirkt worden ist. Wenn Sie es versuchen, darin einen Sinn zu sehen, dann stellen Sie einmal neben dasjenige, was Sie so geistvoll wie möglich über den Sinn der Entwickelung seit dem 16. bis 17. Jahrhundert sagen können, die folgende Tatsache:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Luther hat sich bis zu einer gewissen Zeit seines Lebens tief beschäftigt mit allem, was seine eigene Persönlichkeit zu einer Art von Gotteskindschaft führen könnte durch die Bibellektüre. Er war übergegangen von der Gepflogenheit der Augustiner, vorzugsweise die Kirchenväter zu lesen, zu dem Genuß des Lesens der Bibel selber. Aber alles sprach jetzt dafür, daß sich in seiner Seele entzünden sollte die Gotteskind&lt;br /&gt;
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schaft in einem umfassenden Gefühl. Und von diesem Gesichtspunkt aus oblag er seinem theologischen Lehramt in der ersten Wittenberger Period,e. Die Tatsache, die ich nun hervorheben möchte, ist die, daß Luther eine gewisse Abneigung hatte, sich den theologischen Doktortitel zu verschaffen, und daß er in einer zufälligen Unterredung, als er einmal zusammensaß mit einem alten Freunde des ErfurterAugustinerklosters, wirklich überredet worden ist, sich den theologischen Doktorhut zu erringen. Das hieß aber nun für ihn ein nochmaliges und wie,der-~ holtes Studium der Bibel. Da hat also das zufällige Zusammensitzen mit seinem Freunde zu einem nochmaligen Studium der Bibel geführt und dann zu alledem, was dadurch zum Ausdruck gekommen ist.&lt;br /&gt;
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Versuchen Sie den Sinn für das, was für die letzten Jahrhunderte angedeutet worden ist, zusammenzuhalten mit der Tatsache, daß Luther einmal mit jenem Freunde zusammengesessen hat und sich zur Erringung des theologischen Doktorhutes hat überreden lassen: Da werden Sie eine merkwürdig groteske Zusammenstellung zu machen genötigt sein zwischen dem Sinn der Entwickelung und dem zufälligen Ereignis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was Sie zunächst aus dem Gesagten herauslesen werden, ist, daß es sich vielleicht doch mit der Bedeutung des Zufalles etwas anders verhalten könne, als man gewöhnlich denkt. Gewöhnlich denkt man, daß der Zufall etwas sei, was sozusagen durch die Naturgesetze, durch die Gesetze des Lebens sich überhaupt nicht restlos erklären lasse, daß er eine Art von Überschuß bilde gegenüber dem, was sich erklären läßt. Nehmen Sie nun zu dem, was eben gesagt worden ist, die Tatsache, die uns ja schon zum Verständnis so vieler Seiten des Lebens verholfen hat: daß der Mensch in seiner Individualität seit seinem Erdendasein unterworfen war den beiden Kräften des luziferischen und des ahrimanischen Prinzips. Diese Kräfte und Prinzipien spielen fortwährend in den Menschen hinein, wobei die luziferischen Kräfte mehr dadurch wirken, daß sie das Innere des astralischen Leibes des Menschen ergreifen, während die ahrimanischen Kräfte mehr wirken durch das, was der Mensch als äußere Eindrücke empfängt. In dem, was wir von der Außenwelt empfangen, sitzen die ahrimanischen Kräfte; und in dem, was als Lust oder Unlust, als Affekte und so weiter in der Seele aufsteigt und wirkt, sitzen die luziferischen Kräfte. Nun führt sowohl das &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|109}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Iuziferische wie das ahrimanische Prinzip dazu, daß wir uns Täuschungen hingeben; das luziferische Prinzip führt dazu, daß wir uns über unser eigenes Inneres Täuschungen hingeben, daß wir über unser eigenes Inneres falsch urteilen können, eine Illusion im eigenen Inneren schauen können. Es wird Ihnen nicht schwer werden, wenn Sie das Leben vernünftig betrachten, diese Maja im eigenen Seelenleben gewahr zu werden. Versuchen Sie es zu betrachten, wie unendlich oft sich der Mensch einredet, er tue dieses oder jenes aus diesem oder jenem Grunde. Er tut es aber gewöhnlich aus einem ganz andern Grunde, der wesentlich tiefer sitzt; aber er erklärt sich die Handlung, zu der er getrieben wird durch Zorn und Leidenschaft, in seinem Oberbewußtsein auf eine ganz andere Art. Namentlich versucht er das, was in der Welt nicht geschätzt wird, hinwegzudekretieren. Und wenn der Mensch aus recht egoistischen Affekten heraus zu etwas getrieben wird, werden Sie es oft erleben können, daß er seinen grobklotzig-egoistischen Trieben ein unegoistisches Mäntelchen umhängt und erklärt, warum es hat geschehen müssen. Der Mensch weiß aber gewöhnlich selbst nicht, daß er so vorgeht. Wenn er es weiß, tritt gewöhnlich schon der Anfang zu einer Besserung mit einem gewissen Schamgefühl ein. Das schlimmste ist, daß der Mensch aus der Tiefe seiner Seele heraus zu etwas getrieben wird - und sich dann ein Motiv ausdenkt, aus dem er die betreffende Handlung getan habe. Das haben auch schon die modernen Psychologen bemerkt. Aber nur weil heute so wenig psychologische Bildung vorhanden ist, kommen derartig groteske Ausbildungen solcherWahrheiten zustande, wie das bei den heutigen materialistischen Psychologen der Fall ist. Sie kommen zu ganz eigenartigen Ausdeutungen des Lebens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Derjenige, der als Geistesforscher eine solche Tatsache bemerkt, wird sie natürlich in ihrer wahren Bedeutung durchschauen und so charakterisieren, daß in der Tat die zwei Dinge zusammenwirken: das Bewußtsein, und das, was als die tieferen Gründe unter der Schwelle des Bewußtseins waltet. Bemerkt es aber ein materialistischer Psychologe, so wird er die Sache anders behandeln. Da spintisiert er gleich eine Theorie heraus über den Unterschied zwischen dem Vorwand, den der Mensch zu einer Handlung annimmt, und zwischen dem eigentlichen Motiv. - Wenn zum Beispiel ein Psychologe spricht über die heute so &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
viel notierten Schülerselbstmorde, so sagt er, was als Vorwand dazu angeführt würde, das sei nicht das eigentliche Motiv; die eigentlichen Motive lägen viel tiefer: sie lägen meistens in einem irregeleiteten Geschlechtsleben. Diese würden umgewandelt, so daß sie dann dem Bewußtsein diese oder jene Gründe vortäuschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine solche Sache kann oft richtig sein. Aber es würde sie derjenige nIe zu einer umfassenden Theorie machen, der nur ein wenig berührt worden wäre von einer wahrhaft tieferen psychologischen Denkungsart. Eine solche Theorie kann leicht widerlegt werden, denn der Betreffende müßte bedenken: Wenn wirklich der Fall so liegt, daß der Vorwand nichts ist und das Motiv alles, so müßte man das auch bei diesem Psychologen anwenden können und sagen: Es ist also auch bei dir dasjenige, was du hier vorbringst und als Theorie entwickelst, nur Vorwand; suchen wir nach den tieferen Gründen, so sind vielleicht deine angegebenen Gründe ganz derselben Natur. - Hätte ein solcher Psychologe ernsthaft gelernt, warum ein Urteil unmöglich ist, das nach einem solchen Schluß aufgebaut ist wie: Alle Kretenser sind Lügner -, und daß ein solches Urteil schief ist, wenn es ein Kretenser selbst sagt; hätte er gelernt den Grund, warum das so ist, so hätte er auch gelernt, was für sonderbare Zirkelschlüsse dadurch herauskommen, daß man auf gewissen Gebieten Behauptungen auf sich selber zurücktreiben kann. Aber es ist eben fast in dem ganzen Umfange unserer Literatur eine außerordentlich geringe wirklich tiefere Bildung vorhanden. Daher bemerken die Leute dasjenige, was sie selbst tun, gewöhnlich durchaus nicht mehr. Deshalb wird es gerade für die Geisteswissenschaft durchaus notwendig sein, daß solche logischen Konfusionen nach jeder Hinsicht vermieden werden. Am wenigsten vermeiden solche logischen Konfusionen die modernen Philosophen, die sich mit Seelenwissenschaft beschäftigen. Und unser Beispiel ist ein typisches dafür. Wir sehen daran die Streiche, die luziferische Einflüsse dem Menschen spielen, so daß sie ihm das Seelenleben in eine Maja verwandeln und daß er sich ganz andere Motive vortäuschen kann, als sie wirklich in seinem Inneren walten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf diesem Gebiete sollte der Mensch versuchen, eine strengere Selbsterziehung zu handhaben. Heute handhabt sich das Wort gewöhnlich&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|111}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sehr leicht. Aber dieses Wort ist auch ein furchtbarer Verführer. Und wenn das Wort nur schön klingt und nur ein klein wenig den Eindruck macht, daß ein Satz eine wohltätige Handlung vorstellt, dann wird schon das Schönklingen des Satzes Verführer sein, zu glauben, daß das betreffende Motiv in der Seele sei, während in Wahrheit das egoistische Prinzip dahinterstecken kann, von dem der Betreffende gar keine Ahnung zu haben braucht, weil er gar nicht den Willen hat, wirkliche Selbsterkenntnis zu treiben. So sehen wir Luzifer auf der einen Seite wirken. Wie wirkt nun Ahriman auf der andern Seite?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ahriman ist das Prinzip, das sich in unsere Wahrnehmungen mischt und von außen in uns hineinzieht. Nun wirkt Ahriman am allerstärksten in den Fällen, wo wir das Gefühl haben: Hier kommst du mit deinem Denken nicht mehr nach; da stehst du an einem kritischen Punkt mit deinem Denken, da fängt sich das Denken wie in einem Gedankenknäuel. - Da ergreift das ahrimanische Prinzip die Gelegenheit, um wie durch einen Spalt der Außenwelt in uns einzudringen. Wenn wir den Gang der Weltereignisse verfolgen und die mehr offenbaren Ereignisse ansehen, wenn wir zum Beispiel die heutige Physik zurückverfolgen bis zu dem Moment, wo Galilei vor der schwingenden Kirchenlampe im Dom zu Pisa saß, so können wir ein Gedankennetz über alle Ereignisse spinnen, das uns die Sache leicht erklärt; überall werden uns die Dinge erklärlich werden. Da aber, an der Stelle, wo wir zu der schwingenden Kirchenlampe kommen, da verwickeln sich unsere Gedanken. Da ist das Fenster, wo die ahrimanischen Kräfte am allerstärksten in uns eindringen, und da hört unser Denken auf, dasjenige aus den Erscheinungen zu begreifen,wasVernunft und Verständnis in die Sache hineinbringen kann. Da sitzt aber auch das, was man den Zufall nennt. Er sitzt da, wo uns Ahriman am allergefährlichsten wird. Diejenigen Erscheinungen nennt der Mensch zufällig, bei denen er durch den ahrimanischen Einfluß am allerleichtesten getäuscht werden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So wird der Mensch verstehen lernen, daß es nicht in der Natur der Tatsachen liegt, wenn er irgendwo veranlaßt wird, von Zufall zu sprechen, sondern daß es an ihm, an seiner Entwickelung liegen wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und er wird sich nach und nach dazu erziehen müssen, Maja und Illusion zu durchdringen, das heißt, dort die Dinge zu durchdringen, wo&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|112}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ahriman am stärksten wirkt. Und gerade wo wir zu sprechen haben von wichtigen Krankheitsursachen und von einem Licht, das sich über manchen Krankheitsverlauf breiten soll, da werden wir es nötig haben, von dieser Seite her die Erscheinungen anzugreifen. Da werden wir zuerst zu verstehen suchen, inwiefern es kein Zufall ist, wenn ein Mensch gerade mit demjenigen Eisenbahnzug fährt, durch den er umkommen kann, oder wie die Dinge liegen, durch die ein Mensch gerade in einer bestimmten Zeit irgendeinem von außen wirkenden Krankheitskeim ausgesetzt ist oder einer andern Krankheitsursache. Und wenn wir mit eIner geschärften Erkenntnis den Dingen nachgehen können, werden wir imstande sein, das wahre Wesen und die ganze Bedeutung des Krankseins und des Gesundseins für das menschliche Leben noch tiefer zu begreifen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich mußte heute in ausführlicherer Weise zeigen, wie im Inneren des Menschen Luzifer zur Illusion führt und wie Ahriman sich in die äußeren Wahrnehmungen mischt und dort zur Maja führt; wie es eine Wirkung Luzifers ist, wenn sich der Mensch ein falsches Motiv vor- täuscht, und wie die falsche Annahme gegenüber der Welt der Erscheinungen - die Täuschung durch Ahriman - uns zu der Annahme eines Zufalls bringt. Diesen Grund mußte ich schaffen, bevor ich zeigen kann, wie die karmischen Ereignisse, die Ergebnisse des früheren Lebens, beim Menschen auch da wirken und auch da die Erscheinungen erklären, wo scheinbar zufällige äußere Veranlassungen zur Erzeugung von Krankheiten wirken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|113}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= SECHSTER VORTRAG Hamburg, 21. Mai 1910 =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daß eine karmische Gesetzmäßigkeit dann wirken kann, wenn in dem gestern und vorgestern angedeuteten Sinne von dem Inneren des Menschen heraus die Krankheitsursache sich geltend macht, das wird ja leicht begreiflich sein. Wenn aber die Krankheitsursache in gewissem Sinne von außen hereinwirkt - und für wie vielerlei wird heute von der Wissenschaft die Krankheitsursache draußen gesucht in der Infektion -, wenn also das Hauptaugenmerk gerichtet werden muß auf eine äußere Veranlassung zur Krankheit: daß dann die karmische Gesetzmäßigkeit - das, was sich der Mensch als Wirkungen der Erlebnisse und Handlungen seines früheren Lebens mitgebracht hat durch die Geburt - auch in der Weise wirken kann, daß sie diese äußeren Krankheitsursachen herbeischafft, das scheint gewiß vielen noch, und mit Recht, weniger begreiflich zu sein. Dennoch aber werden wir, wenn wir noch weiter die eigentliche Wesenheit des Karma verfolgen, nicht nur verstehen lernen, wie äußere Ursachen zusammenhängen können mit dem, was wir in früheren Leben erlebt und getan haben, sondern wir werden sogar begreifen lernen, daß äußere Lebensunfälle, die uns treffen, also Ereignisse, die man so gern heute zufällig nennen möchte, in einem gesetzmäßigen Zusammenhange stehen können mit dem Verlauf voriger Leben. Allerdings werden wir noch etwas tiefer eindringen müssen in die ganze Natur der menschlichen Wesenheit, wenn wir gerade derartige, eigentlich durch unser ganzes menschliches Anschauen verschleierte Verhältnisse beleuchten wollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir haben ja gestern damit geschlossen, daß wir gezeigt haben, wie der Zufall uns immer eigentlich in einer verschleierten Gestalt das äußere Ereignis darbietet, weil an den Stellen, wo wir vom Zufall sprechen, die Möglichkeit der äußeren Täuschung, die durch die ahrimanischen Mächte herbeigeführt wird, am größten ist. Nun wollen wir einmal das Zustandekommen solcher Zufälligkeiten, das heißt solcher Ereignisse, die man im gewöhnlichen Leben als «Zufälligkeiten» bezeichnet, in einzelnen Fällen vor uns hinstellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|114}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da ist es notwendig, daß wir uns zuerst ein Gesetz, eine Wahrheit, eine Erkenntnis vorhalten: daß im Leben gar manches,was wir mit dem Ausdruck bezeichnen «von innen herauskommend», «von dem Inneren des Menschen stammend», sich schon eigentlich in eine Täuschung kleidet, weil mancherlei, was wir zunächst als im Inneren des Menschen verursacht glauben, wenn wir in Wahrheit über die Illusion hinaus- kommen, schon als etwas von außen nach innen Strömendes bezeichnet werden muß. Und ein solches tritt uns immer da entgegen, wo wir es zu tun haben mit allen jenen Erlebnissen des Menschen, allen jenen Wirkungen auf den Menschen, welche wir begreifen unter dem Namen der «vererbten Merkmale». Die vererbten Merkmale, die uns so entgegen- treten, als ob wir sie nur deshalb hätten, weil sie unsere Vorfahren auch hatten, können uns im eminentesten Maße erscheinen, als ob sie uns ohne unsere Schuld, ohne unser Zutun zugefallen wären. Und wir können leicht zu einer falschen Unterscheidung dessen kommen, was wir uns aus unseren früheren Inkarnationen mitbringen, von dem, was wir von Eltern oderVoreltern geerbt haben. Nun aber geschieht das Wieder- ein treten in eine Verkörperung keineswegs so, als ob wir ohne irgendeine Veranlassung, die mit unserem Inneren zusammenhängt, zu diesem oder jenem Elternpaar, zu diesem oder jenem Volk, in diese oder jene Gegend hingedrängt würden. Schon bei den durchaus nicht in das Gebiet der Krankheiten hineinfallenden vererbten Merkmalen dürfen wir so etwas keineswegs voraussetzen, sondern wir müssen uns sagen: Wenn zum Beispiel in einer Familie, wie der des Musikers Bach, durch viele Generationen hindurch immer wieder und wieder kleinere und größere Musiker geboren wurden - der eine ist dann gewöhnlich hervorragender, aber in der Familie Bach sind über zwanzig mehr oder weniger begabte Musiker geboren worden -, so könnte man leicht glauben, daß man es mit der reinen Vererbungslinie zu tun hätte, daß also Merkmale von den Vorfahren vererbt werden und daß der Mensch gerade deshalb, weil solche Merkmale vorliegen, gewisse aus früheren Inkarnationen mitgebrachte Eigenschaften zu musikalischen Talenten entfaltet. Das ist aber nicht so, sondern die Sache verhält sich vielmehr ganz anders.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen wir an, es würde jemand in einem Leben zwischen Geburt und Tod Gelegenheit haben, viele musikalische Eindrücke zu empfangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|115}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese musikalischen Eindrücke gingen aber in diesem Leben an ihm vorüber, einfach aus dem Grunde, weil er kein musikalisches Ohr hatte. Andere Eindrücke seines Lebens werden nicht an ihm in derselben Weise vorübergehen, weil er gerade so gebaute Organe hat, daß er die Erlebnisse und Eindrücke in eigene Fähigkeiten umsetzen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daher werden wir sagen können, ein Mensch habe in seinem Leben solche Eindrücke, die er durch die Anlage, welche er von seiner letzten Geburt mitbekommen hat, umzusetzen vermag in Fähigkeiten und Talente; andere Eindrücke hat er, welche er vermöge seines Gesamt karma, weil er durch dieses nicht die entsprechenden Anlagen erhalten hat, nicht umsetzen kann in die entsprechenden Fähigkeiten. Die bleiben aber vorhanden, bleiben aufgespeichert und bilden sich um in der Zeit zwischen Tod und neuer Geburt zu der besonderen Tendenz, in der nächsten Inkarnation nunmehr zum Ausleben zu gelangen. Und diese Tendenz führt den Menschen dahin, im nächsten Leben seine Leiblichkeit gerade in einer solchen Familie zu suchen, welche ihm die entsprechenden Anlagen geben kann. Hat also jemand viele musikalische Eindrücke empfangen und sie wegen eines unmusikalischen Ohres nicht umwandeln können in musikalische Fähigkeiten oder Genüsse, so wird gerade diese Unmöglichkeit die Tendenz in seiner Seele hervorrufen, in eine solche Familie hineinzukommen,welche ihm ein musikalisches Ohr vererben kann. So verstehen wir es, daß, wenn in einer Familie sich der Bau des Ohres ebenso vererbt wie etwa die äußere Form der Nase, alle diejenigen Individualitäten sich zusammendrängen werden in diese Familie, die gerade lechzen - infolge ihrer früheren Inkarnation - nach dem Besitz eines musikalischen Ohres. Und so sehen wir, daß der Mensch in der Tat nicht «zufällig» in irgendeiner Inkarnation ein musikalisches Ohr oder ähnliches geerbt hat, sondern daß er diese vererbten Merkmale gesucht hat, wirklich aufgesucht hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beobachten wir jetzt einen solchen Menschen vom Zeitpunkt seiner Geburt an, dann wird es uns so vorkommen, als ob das musikalische Ohr in ihm wäre, eine Eigenschaft in seinem Inneren. Würden wir aber mit unseren Betrachtungen hinübergehen vor seine Geburt, so würden wir finden, wie das musikalische Ohr, das er sich erst aufgesucht hat, etwas ist, was von außen an ihn herangekommen ist. Vor der Geburt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|116}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
oder Empfängnis war das musikalische Ohr nicht etwas, was in seinem Inneren war, sondern da war nur die Tendenz vorhanden, zu einem solchen Ohr hingetrieben zu werden. Da hat der Mensch ein Äußeres an sich herangezogen. Vor der Wiederverkörperung war die Eigenschaft, die wir nachher eine vererbte nennen, etwas Äußeres; das ist an den Menschen herangekommen, er ist dazu hingeeilt. Mit der Verkörperung wird es dann etwas Inneres und tritt in dem Inneren dieses Menschen auf. - Reden wir also von «vererbten Anlagen», so geben wir uns wieder einer Täuschung hin, welche darin besteht, daß wir etwas, was erst ein Innres geworden ist, nicht in jenem Zeitpunkt betrachten, wo es noch ein Äußeres war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fragen wir uns nun einmal, ob es so wie in diesem Falle, den wir jetzt angeführt haben, nicht auch mit äußeren Ereignissen sein könnte, welche während unseres Lebens zwischen Geburt und Tod eintreten, daß auch da ein Äußeres sich in ein Inneres verwandeln könnte? - Diese Frage würden wir uns nicht beantworten können, wenn wir nicht noch tiefer als bisher das Wesen von Krankheit und Gesundheit ins Auge fassen. Wir haben mancherlei angeführt, um Krankheit und Gesundheit zu charakterisieren, und Sie wissen, daß ich nicht definiere, sondern versuche, nach und nach die Dinge zu beschreiben, immer mehr Merkmale zu den Dingen hinzuzufügen, damit sie nach und nach begreiflich werden. Also mehr Merkmale wollen wir jetzt hinzufügen zu den schon gewonnenen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir müssen Krankheit und Gesundheit vergleichen mit etwas, was Im normalen Leben auftritt; dann werden wir etwas noch Tieferes finden&amp;gt; nämlich den Vergleich mit Schlafen und Wachen. Was geschieht im Menschenwesen, wenn die täglichen Zustände Wachen und Schlafen miteinander abwechseln? Wir wissen&amp;gt; daß beim Einschlafen im Bette zurückgelassen wird der physische Leib und der Ätherleib und daß herausgehen aus dem physischen Leib und dem Ätherleib der astralische Leib und das Ich. Es ist also das Einschlafen für uns ein Herausziehen von Ich und astralischem Leib aus physischem Leib und Ätherleib; das Aufwachen dagegen ist ein Wiederhineingehen des astralischen Leibes und des Ich in den physischen Leib und Ätherleib. Jeden Morgen beim Aufwachen taucht also der Mensch unter in seinen physischen Leib und&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|117}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ätherleib mit dem, was er als innerer Mensch, als astralischer Leib und als Ich ist. Was geschieht nun in bezug auf das, was sich im Menschenwesen als Erlebnis abspielt beim Einschlafen und beim Aufwachen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir den Moment des Einschlafens ins Auge fassen, so stellt ersich uns so dar, daß alle Erlebnisse, die vom Morgen bis zum Abend inunserem Leben auf und ab fluten, daß vor allem die Seelenerlebnisse Lust und Leid, Freude und Schmerz, Leidenschaften, Vorstellungen und so weiter hinuntersinken in ein Unbewußtes. Wir selber sind im normalen Leben, wenn wir schlafen, einem Unbewußten hingegeben.Warum werden wir mit dem Einschlafen unbewußt? - Wir wissen ja, daß wir während des Schlafzustandes von einer geistigen Welt umgeben sind, wie wir imWachzustande umgeben sind von den Dingen und Tatsachen der physisch-sinnlichen Welt. Warum sehen wir diese geistige Welt nicht? Im gewöhnlichen normalen Leben sehen wir die geistigen Tatsachen und geistigen Dinge, die um uns herum sind, aus dem Grunde nicht, weil für uns dieses Sehen bei der gegenwärtigen Menschenreife vom Einschlafen bis zum Aufwachen im höchsten Grade gefahrbringend wäre. In dem Augenblick, wo der Mensch heute bewußt übergehen würde in die Welt, die ihn zwischen Einschlafen und Aufwachen um- gibt, würde zwar sein astralischer Leib, der ja während der alten Mondenzeit seine volle Ausbildung erfahren hat, in die geistige Welt aus- fließen; aber nicht könnte es das Ich, das ja erst während der Erdenzeit sich entwickeln soll und vollständig entwickelt sein wird am Ende der Erdenzeit. Das Ich ist noch nicht so voll entwickelt, daß es vom Einschlafen bis zum Aufwachen seine volle Tätigkeit entfalten könnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist mit dem Ich so, daß wir den Zustand, in den es käme, wenn der Mensch bewußt einschlafen würde, damit vergleichen könnten, daß wir sagen: Nehmen wir an, wir haben ein kleines Tröpfchen einer gefärbten Flüssigkeit, das bringen wir in ein Bassin mit Wasser und lassen es sich darinnen verteilen. Dann wird man von der Farbe dieses Tröpfchens nichts mehr sehen, weil es sich in der ganzen breiten Masse hat auflösen müssen. - So etwas geschieht auch, wenn der Mensch im Einschlafen aus dem physischen Leib und Ätherleib herausgeht. Physischer Leib und Ätherleib sind das, was die ganze menschliche Wesenheit zusammenhält. In dem Augenblick, wo der astralische Leib und das Ich &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|118}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die beiden unteren Glieder verlassen, streben sie auseinander nach allen Seiten hin, haben nur das Bestreben, sich fortwährend auszudehnen. Es würde also dem Ich so gehen, daß es aufgelöst würde, und der Mensch würde vor sich haben zwar die Bilder der geistigen Welt, aber er würde sie mit denjenigen Kräften, die nur sein Ich entfalten kann - denn das Ich wäre ja aufgelöst -, also mit Urteilskräften und Begriffsvermögen und so weiter, nicht verfolgen können, also nicht mit demselben Bewußtsein, mit welchem er die Zustände des Alltags verfolgt. Er würde außer sich sein, würde hin und her gerissen, wesens- und richtungslos schwimmend auf dem Meere der astralischen Eindrücke. Aus diesem Grunde, weil das Ich noch nicht stark genug ist im normalen Zustande des Menschen, wird das Ich so lange zurückwirken auf den astralischen Leib und ihn verhindern, bewußt einzutreten in seine eigentliche Heimat, in die geistige Welt, bis das Ich selber überall mit hin kann, wohin der astralische Leib dringt. So also hat es einen guten Sinn, daß wir das Bewußtsein verlieren im Einschlafen. Wir könnten unser Ich nicht erhalten. Wir werden es erst erhalten können in genügender Weise, wenn die Erdentwickelung an ihrem Ende angekommen sein wird. Deshalb sollen wir auch unseren astralischen Leib nicht entfalten können in bezug auf seine Bewußtseinsfähigkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gerade das Umgekehrte tritt ein, wenn der Mensch aufwacht. Wenn er aufwacht und untertaucht in den physischen Leib und Ätherleib, würde er eigentlich erleben müssen das Innere des physischen Leibes und des Ätherleibes. Das tut er aber nicht. Im Augenblick des Aufwachens wird er verhindert, hineinzuschauen in das Innere seiner Leiblichkeit, denn da wird gleich die Aufmerksamkeit auf die äußeren Erlebnisse gelenkt. Da wird nicht seine Sehkraft, seine Erkenntniskraft dahin gelenkt, sein Inneres zu durchschauen, sondern sie wird abgelenkt auf die Außenwelt. Würde der Mensch sich im Inneren ergreifen, so würde genau das Gegenteil eintreten von dem, was eintritt, wenn sich der Mensch bewußt beim Einschlafen in die geistige Welt hineinbegeben könnte. Alles, was der Mensch sich schon im Verlaufe des Erdenlebens an Geistigem durch sein Ich errungen hat, das würde sich zusammendrängen und es würde jetzt im physischen Leibe und Ätherleibe nach demUntertauchen mit aller Kraft auf ihn wirken. Das würde zur Folge &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|119}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
haben, daß alles, was nur irgendwie egoistische Eigenschaft ist, sich mit aller Macht entfalten würde. Und der Mensch würde hinuntertauchen mit seinem Ich und würde mit jedem Stück, mit dem er hinuntertaucht, seine Leidenschaften,Triebe und Begierden in einem immer kraftvolleren Egoismus ergießen. Aller Egoismus würde sich ergießen in sein Trieb- leben. Damit das nicht geschieht, werden wir abgelenkt auf die Außenwelt und nicht mit unserem Bewußtsein in unser Inneres hineingelassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daß das so ist, kann auch aus den Berichten derjenigen hervorgehen, die als Mystiker versuchten, wirklich hineinzukommen in das menschliche Innere. Sehen Sie sich um bei Meister Eckart, bei Johannes Tauler oder bei sonstigen Mystikern des Mittelalters, welche wirklich den Gang in das menschliche Innere unternommen haben. Da haben Sie Mystiker, welche sich hingegeben haben einem Zustand, wo sie ihre Aufmerksamkeit vollständig ablenkten von dem, was sie an der Außenwelt interessieren konnte, um hinunterzusteigen in das eigene Innere. Lesen Sie die Biographien der Heiligen oder der Mystiker, die in das eigene Innere hineinzusteigen versuchten. Was haben sie erfahren? Versuchungen, Anfechtungen und dergleichen, die sie in lebendigen Farben schildern. Das war dasjenige, was sich aus dem zusammengepreßten astralischen Leib und Ich als eine Widerkraft geltend machte. Daher haben diejenigen, welche sozusagen ungeschoren als Mystiker in das eigene Innere hinuntersteigen wollten, mit aller Macht darauf gedrungen, daß in demselben Maße, als sie hinunterstiegen, das Ich ausgelöscht würde. Ein schönes Wort hat sogar Meister Eckart gefunden, um dieses Hinuntersteigen in die eigene Leiblichkeit zu bezeichnen. Er spricht von «Entwerdung&amp;gt;, das heißt Auslöschen des Ich. Und lesen Sie in der «Deutschen Theologie», wie der Verfasser darstellt den mystischen Gang in das menschliche Innere, wie er darauf dringt, daß derjenige, der hinuntersteigen will in die Leiblichkeit, nic`ht mehr aus seinem Ich handelt, sondern daß in ihm der Christus handelt, mit dem er sich ganz durchdrungen hat. Auslöschen wollten solche Mystiker ihr Ich. Nicht sie sollen denken, fühlen und wollen, sondern der Christus in ihnen soll denken, fühlen und wollen, damit nicht dasjenige aus ihnen herauskommt, was in ihnen als Leidenschaften, Trieb und Begierde lebt, sondern damit dasjenige herauskommt, was sich als der &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|120}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Christus in sie ergießt. Daher sagt Paulus: «Nicht ich, sondern der Christus in mir»! Aus solchen Tiefen gehen solche Dinge hervor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So können wir schildern Aufwachen und Einschlafen als innere Erlebnisse der menschlichen Wesenheit: Aufwachen als ein Hinunter- tauchen der zusammengepreßten Ichheit in die Leiblichkeit des Menschen, Einschlafen als ein Sich-Befreien vom Bewußtsein, weil man noch nicht reif ist, in jener Welt zu schauen, in die man eigentlich hin- eindringen muß beim Einschlafen. Dadurch verstehen wir Wachen und Schlafen in jenem Sinne, in welchem wir mancherlei in der Welt verstehen müssen: als das Sich-Durchdringen der verschiedenen Glieder der menschlichenWesenheit. Betrachten wir von diesem Gesichtspunkte aus einen wachenden Menschen, so sagen wir: In dem wachenden Menschen stecken darinnen vier Glieder der menschlichen Wesenheit: physischer Leib, Ätherleib, astralischer Leib und Ich, und sie stecken in einer bestimmtenWeise ineinander.Was folgt daraus? Eben das Wachen! Denn es könnte der Mensch nicht wachen, wenn er nicht so hineinsteigen würde in seine Leiblichkeit, daß die Aufmerksamkeit durch die Außenwelt abgelenkt würde. Gerade von einem ganz bestimmten, geregelten Zusammenwirken der vier Glieder des Menschen hängt es ab, daß der Mensch wacht. Und wieder von dem richtigen Getrenntsein seiner vier Glieder hängt es ab, daß der Mensch schläft. Wir reichen damit nicht aus, daß wir sagen: Der Mensch besteht aus physischem Leib, Ätherleib, astralischem Leib und Ich, sondern wir verstehen den Menschen erst dann&amp;gt; wenn wir wissen, in welchem Grade die verschiedenen Glieder bei einem bestimmten Zustande miteinander verknüpft sind, wie sie ineinanderstecken. Das ist dasWesentliche für die Erkenntnis der menschlichen Natur. Nun betrachten wir die Art des Zusammengefügtseins der vier Glieder des Menschen, wie es uns beim wachen- den Menschen entgegentritt, als das Normale. Wir wollen einmal von diesem Begriff ausgehen: als das Normale den Zustand des wachenden Menschen zu betrachten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun werden sich die meisten von Ihnen erinnern, daß das Bewußtsein, welches wir gegenwärtig als Erdenmenschen haben zwischen Geburt und Tod, nur eine ist von den überhaupt möglichen Bewußtseinsformen. Wenn Sie zum Beispiel die «Geheimwissenschaft im Umriß» &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|121}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
oder die früheren Aufsätze «Aus der Akasha-Chronik» studieren, so werden Sie sehen, daß das heutige Bewußtsein eine Bewußtseinsstufe unter sieben verschiedenen Bewußtseinsstufen ist, daß dieses Bewußtsein, das wir heute haben, sich erst entwickelt hat aus drei andern, vorangegangenen Bewußtseinszuständen und sich später entwickeln wird zu drei andern, nachfolgenden Bewußtseinsformen. Während der Mensch Mondenmensch war, hatte er noch kein Ich. Das Ich verband sich mit dem Menschen erst während der Erdenzeit. Daher konnte der Mensch auch die heutige Art des Bewußtseins erst während der Erden- zeit haben. Ein solches Bewußtsein wie das, was wir heute haben zwischen Geburt und Tod, setzt voraus, daß das Ich genau so, wie es heute der Fall ist, mit den andern drei Gliedern zusammenwirkt und das h&amp;amp;hste ist unter den vier Gliedern der menschlichen Wesenheit. Bevor der Mensch mit dem Ich befruchtet worden ist, bestand er nur aus physischem Leib, Ätherleib und astralischem Leib. Da war der astralische Leib sein höchstes Glied, und sein Bewußtseinszustand war ein solcher, daß wir ihn heute höchstens, wenn wir etwas aus dem gewöhnlichen Leben nehmen, mit dem vergleichen könnten, was der Mensch sich wie ein altes Erbstück erhalten hat im Traumbewußtsein. Aber Sie müssen sich nicht das heutigeTraumbewußtsein vorstellen, sondern ein solches, das in den Bildern des Traumes Realitäten`wiedergibt. Wenn Sie den heutigen Traum studieren, werden Sie in den yerschiedensten Bildern recht viel Chaotisches finden, weil das heutige Traumbewußtsein ein altes Erbstück ist. Aber wenn Sie das Bewußtsein, welches dem heutigen vorangegangen ist, studieren würden, dann würden Sie finden, daß Sie äußere Gegenstände, zum Beispiel Pflanzen, damals nicht würden gesehen haben. Also es wäre ein äußerer Eindruck auf den Menschen unmöglich gewesen. Wenn etwas in die Nähe des Menschen gekommen wäre, hätten Sie einen Eindruck bekommen, der seinen Umweg nimmt über das Traumbild in das menschliche Innere, das also ein Sinnbild ist, welches aber einem bestimmten äußeren Gegenstande und Eindruck entsprochen haben würde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also wir haben es vor dem Ich-Bewußtsein zu tun mit einem solchen Bewußtsein, das an den astralischen Leib als das damals höchste Glied gebunden ist, das astralische Bewußtsein, das dumpf und dämmerhaft &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|122}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ist und noch nicht durchleuchtet ist von dem Lichte des Ich. Dieses astralische Bewußtsein ist beim Menschen, als er Erdenmensch geworden ist, überleuchtet worden, übertönt worden von dem Ich-Bewußtsein. Nun ist aber der astralische Leib noch immer in uns, und wir können fragen: Wodurch ist das geschehen, daß unser astralisches Bewußtsein überhaupt hat übertönt, ausgeschaltet werden können, so daß das Ich-Bewußtsein ganz an seine Stelle treten konnte? - Das wurde dadurch möglich, daß durch die Befruchtung des Menschen mit dem Ich die frühere Verbindung zwischen astralischem Leib und Ätherleib zu einer viel loseren gemacht worden ist. Es ist sozusagen die frühere innigere Verbindung gelöst worden. Also es war vor dem Ich-Bewußtsein eine viel innigereVerbindung vorhanden zwischen dem astralischen Leib des Menschen und den niedrigeren Gliedern seiner Wesenheit. Esdrängte sich der astralische Leib viel mehr hinein in die andern Glieder, als er es heute tut. Entrissen worden ist in einer gewissen Beziehung der` astralische Leib dem Ätherleib und dem physischen Leib.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun müssen wir uns einmal diesen Vorgang des sozusagen teilweisen Herausgehens, des Losemachens des astralischen Leibes von Ätherleib und physischem Leib ganz klarmachen. Dann werden wir uns fragen: Gibt es vielleicht auch heute noch die Möglichkeit, bei unserem gewöhnlichen Ich-Bewußtsein etwas herzustellen, was dieser alten Verbindung ähnlich wäre? Könnte es auch heute im Menschenleben geschehen, daß der astralische Leib tiefer hinein will in die andern Glieder, als er soll, sich mehr mit allerlei imprägniert und durchdringt, als es ihm zukommt?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also ein gewisses Normalmaß ist notwendig für das Durchdringen des astralischen Leibes mit Ätherleib und physischem Leib. Nehmen wir nun an, das Normalmaß wird nach irgendeiner Richtung hin überschritten. Dann wird eine Störung eintreten müssen im ganzen menschlichen Organismus; denn was der Mensch heute ist, das hängt davon ab, daß dieses bestimmte Verhältnis zwischen den verschiedenen Wesensgliedern da ist, das uns im wachenden Menschen vor Augen tritt. In dem Augenblicke, wo sich der astralische Leib unrichtig benimmt, wo er tiefer hineindringt in physischen Leib und Ätherleib, muß eine Störung auftreten. Nun haben wir aber in den letzten Betrachtungen gesehen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|123}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
daß das, was wir jetzt folgern, wirklich geschieht. Wir haben den ganzen Vorgang nur von der andern Seite her dargestellt. Wann geschieht es denn?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es geschieht dann, wenn der Mensch in einem früheren Leben in seinen astralischen Leib etwas hineingeprägt hat, irgend etwas hat ein- fließen lassen, was wir für das frühere Leben als eine moralische oder intellektuelle Verfehlung auffassen. Das hat sich dem astralischen Leib eingegraben. Das ist jetzt etwas, wenn der Mensch neuerdings ins Leben tritt, was in der Tat den astralischen Leib veranlassen kann, einen andern Zusammenhang zu suchen mit dem physischen Leib und Ätherleib, als er ihn gesucht hätte, wenn er nicht diese Verfehlung im vorigen Leben in sich hineingeprägt hätte. Also gerade unsere Verfehlungen sind es, die sich unter dem Einfluß von Ahriman und Luzifer vollzogen haben und sich umgestaltet haben in organisierende Kräfte, welche im neuen Leben den astralischen Leib veranlassen, sich anders zum physischen Leib und Ätherleib zu stellen, als er es tun würde, wenn sich solche Kräfte nicht in ihn hineingedrängt hätten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So sehen wir, wie gerade dieWirkungen früherer Gedanken, Empfindungen und Gefühle den astralischen Leib zu dem veranlassen, was Unordnung hervorrufen muß in der menschlichen Organisation. Wenn aber solche Unordnung hervorgerufen wird, was tritt dann ein? Wenn sich der astralische Leib mehr hineindrängt in den physischen Leib und Ätherleib, als er es beim normalen Menschen sollte, so tut er etwas ganz Ähnliches, wie wir des Morgens tun beim Aufwachen, wo wir in dem Moment des Aufwachens mit unserem Ich in unsere zwei Leiber hinuntertauchen. Aufwachen besteht im Hinuntertauchen des Ich-Menschen in den physischen Leib und Ätherleib. Worin besteht nun das, was der astralische Leib tut, wenn er mehr in den physischen Leib und Äther leib hineintritt, als er soll, veranlaßt durch die Wirkungen früherer Erlebnisse? - Was sonst eintritt, wenn wir mit dem Ich und astralischen Leib untertauchen in den physischen Leib und Ätherleib, wenn wir des Morgens aufwachen und etwas wahrnehmen, das zeigt sich gerade darin, daß wir aufwachen. Wie der ganze Wachzustand die Folge ist des Untertauchens des Ich-Menschen in den physischen Leib und Ätherleib, so muß jetzt etwas auftreten, was der astralische Leib tut, also &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|124}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
etwas, was wir sonst als Ich-Menschen tun. Er taucht unter in den Äther- und physischen Leib. Wenn wir also einen Menschen vor uns haben, bei dem der astralische Leib die Tendenz aufgenommen hat, sich mehr zu vereinigen mit Ätherleib und physischem Leib, als es normalerweise der Fall sein sollte, so haben wir dieselbe Erscheinung für den Astralleib vor uns, welche wir sonst beim Aufwachen für den Ich Menschen vor uns haben. Was ist dieses zu starke Eindringen des astralischen Leibes in den Ätherleib und physischen Leib? Das ist etwas, was wir sonst als das Wesen der Krankheit bezeichnen können. Wenn unser astralischer Leib dasselbe tut, was wir sonst beim Aufwachen tun, nämlich sich hineindrängt in den physischen Leib und Ätherleib, wenn der astralische Leib, der sonst bei uns kein Bewußtsein entwickeln sollte, nach einem Bewußtsein strebt im physischen Leib und Ätherleib, wenn er in uns aufwachen will, dann werden wir krank. Krankheit ist ein abnormer Wachzustand unseres astralischen Leibes. Was tun wir denn eigentlich, wenn wir im normalen Wohlbefinden stehen, wenn wir im gewöhnlichen Wachzustand leben? Dann wachen wir für das gewöhnliche Leben. Aber damit wir das gewöhnliche Wachbewußtsein haben können, mußten wir ja den astralischen Leib früher in eine andere Verbindung bringen. Wir mußten ihn zum Schlafen bringen. Der astralische Leib muß, wenn wIr am Tage unser Ich-Bewußtsein haben, schlafen; wir können nur gesund sein, wenn unser astralischer Leib schläft in uns. Daher können wir jetzt das Wesen von Gesundheit und Krankheit in folgender Weise auffassen: Krankheit ist ein abnormes Auf- wachen des astralischen Leibes im Menschen, und Gesundheit ist der normale Zustand des Schlafens des astralischen Leibes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und was ist denn das Bewußtsein dieses astralischen Leibes? Wenn wirklich Krankheit das Aufwachen des astralischen Leibes wäre, müßte ja etwas bei ihm eintreten wie ein Bewußtsein. Er wacht abnormerweise auf; also könnten wir ein abnormes Bewußtsein erwarten; aber ein Bewußtsein müßte da sein. Wenn wir in die Krankheit verfallen, müßte etwas Ähnliches entstehen, wie es sonst des Morgens beim Aufwachen eintritt. Es müßte unser Erleben abgelenkt werden auf irgend etwas anderes. Am Morgen taucht sonst unser gewöhnliches Bewußtsein auf. Weiin wir nun krank werden, taucht dann ein Bewußtsein auf? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Ja, es taucht ein Bewußtsein auf, das der Mensch nur allzugut kennt. Und welches ist dieses Bewußtsein? Ein Bewußtsein drückt sich in Erlebnissen aus! Das Bewußtsein, was da auftaucht, drückt sich aus in dem, was wir den Krankheitsschmerz nennen, den wir nicht haben im normalen Wohlbefinden des Wachzustandes, weil da unser astralischer Leib gerade schläft. Schlafen des astralischen Leibes heißt, daß er sich in regelmäßigem Zusammenhang befindet mit physischem Leib und Ätherleib, bedeutet Schmerzlosigkeit. Der Schmerz ist der Ausdruck dafür, daß der astralische Leib sich so hineinpreßt in den physischen Leib und Ätherleib, wie er nicht drinnen sein soll - und zum Bewußtsein kommt. Das ist der Schmerz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun handelt es sich darum, daß wir nicht etwa das, was eben gesagt worden ist, wieder grenzenlos ausdehnen. Es muß, wenn geisteswissenschaftlich gesprochen wird, immer die Grenze eingehalten werden, innerhalb deren etwas gesagt wird. - Es ist gesagt worden, daß wenn unser astralischer Leib aufwacht, ein Bewußtsein entsteht, das von Schmerz durchtränkt ist. Daraus dürfen wir aber nicht schließen, daß Schmerz und Krankheit immer zusammenfallen. Es ist durchaus ein jegliches Hineinpressen des astralischen Leibes in den Ätherleib und physischen Leib ein Kranksein. Aber umgekehrt besteht nicht jedes Kranksein darin, und daß Kranksein auch einen anderen Charakter haben kann, werden wir uns dadurch begreiflich machen können, daß keineswegs alles Kranksein von Schmerzen begleitet ist. Das beachten nur die meisten Menschen deshalb nicht, weil sie zumeist im Leben nicht anstreben, gesund zu sein, sondern sie streben an, schmerzlos zu sein, und wenn sie schmerzlos sind, halten sie das für gesund. Das ist nicht immer so; aber in sehr vielen Fällen wird der Mensch glauben, wenn er schmerzlos ist, sei er gesund. Wir würden uns einer gewaltigen Täuschung hingeben, wenn wir glauben wollten, daß Schmerzempfinden und Kranksein zusammenfällt. Es kann die Leber eines Menschen durch und durch beschädigt sein; wenn der Schaden nicht ein solcher ist, daß durch ihn zum Beispiel das Bauchfell affiziert wird, so tritt gar kein Schmerz auf. Es kann der Mensch einen Krankheitsprozeß in sich haben, der sich gar nicht in Schmerzen äußert. Das kann in vielen Fällen so sein.Vor einer objektiveren Betrachtung sind diese Erkrankungen sogardie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
schlimmeren. Denn wenn der Mensch Schmerzen empfindet, geht er darauf aus, die Schmerzen loszuwerden; wenn er keine Schmerzen hat, gibt er sich nicht besonders viel Mühe, die Krankheit loszubekommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie verhält es sich nun mit den Erscheinungen, wo keine Schmerzen mit den Krankheitsfällen parallel gehen? Was haben wir da getan? - Da brauchen wir uns nur zu erinnern, daß wir uns wirklich als menschliche Wesen, wie wir heute sind, nach und nach entwickelt haben, daß wir während der Erdenzeit das Ich hinzugefügt haben zu astralischem Leib, Ätherleib und physischem Leib. Aber wir waren auch einmal ein Mensch, der nur physischen Leib und Ätherleib gehabt hat. Ein Wesen, das nur physischen Leib und Ätherleib hat, ist wie eine heutige Pflanze. Bei solchen Wesen kommen wir zu einem dritten Grade von Bewußtsein, einem viel, viel dumpferen Bewußtsein, das nicht einmal bis zur Helligkeit des heutigen Traumbewußtseins hinaufreicht. Es ist ja durchaus ein Irrwm, wenn wir glauben, daß der Mensch im Schlafe kein Bewußtsein hat. Er hat ein Bewußtsein; nur ist es so dumpf, daß er es nicht bis zur Erinnerung in seinem Ich heraufrufen kann. Aber auch in der Pflanze sitzt ein solches Bewußtsein. Es ist eine Art Schlafbewußtsein, also ein noch tieferes als das astralische Bewußtsein. Da kommen wir herunter zu einem noch tieferen Bewußtsein des Menschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen wir nun an, der Mensch habe durch Erlebnisse in früheren Inkarnationen nicht nur solche Unordnung hineingebracht in seine Organisation, welche den astralischen Leib veranlaßt, sich in unordentlicher Weise hineinzuversenken in den physischen Leib und Ätherleib, sondern er habe so etwas vollführt, was den Ätherleib veranlassen kann, in unrichtigerWeise sich in den physischen Leib hineinzudrängen. Es kann durchaus ein solcher Zustand eintreten, daß auch die Verbindung zwischen Ätherleib und physischem Leib nicht die für den heutigen Menschen normale ist, daß sich der Ätherleib zu tief hineindrängt in den physischen Leib. Der astralische Leib, sagen wir, wäre dabei gar nicht beteiligt, sondern was da im früheren Leben veranlagt worden ist, das bewirkt in der menschlichen Organisation eine dichtere Zusammenfügung von Ätherleib und physischem Leib, als es sonst sein soll. Da haben wir dasselbe bei dem Ätherleib, was wir bei dem astralischen Leibe haben im Schmerzbewußtsein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Wenn der Ätherleib sich nun seinerseits zu tief hineinversenkt in den physischen Leib, so taucht ein Bewußtsein auf ähnlich wie des Menschen Schlafbewußtsein, wie das Pflanzenbewußtsein. Kein Wunder daher, daß das auch ein Zustand ist, der vom Menschen gar nicht empfunden wird. Wie er nicht im Schlaf empfindet, so empfindet er auch jetzt diesen Zustand nicht. Und doch ist es ein Aufwachen! Wie unser astralischer Leib abnormerweise aufwacht, wenn er zu tief hinunter- taucht in den Ätherleib und physischen Leib, so wacht der Ätherleib in abnormer Weise auf, wenn er zu tief in den physischen Leib hinein- taucht. Nur kann es der Mensch nicht wahrnehmen, weil es das Auf- wachen zu einem noch dumpferen Bewußtsein als das Schmerzbewußtsein ist. Aber nehmen wir an, der Mensch hätte wirklich in einem früheren Leben so etwas vollzogen, was sich zwischen Tod und neuer Geburt dazu umwirkt, daß der Ätherleib für sich aufwacht, das heißt, intensiven Besitz ergreift vom physischen Leib. Wenn das geschehen ist, lebt auf im Menschen ein tiefes Bewußtsein, das aber nicht in der Weise wahrgenommen werden kann, wie die sonstigen Erlebnisse der menschlichen Seele wahrgenommen werden. Braucht es deshalb nicht zu wirken, weil es nicht wahrgenommen wird? Versuchen wir uns klarzumachen, was ein Bewußtsein für eine eigentümliche Tendenz erhält, wenn es anfängt, um einen Grad tiefer zu liegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn Sie einen solchen äußeren Eindruck erleben, wie zum Beispiel wenn Sie sich verbrennen, so verursacht das Schmerz.Wenn ein Schmerz entstehen soll, so muß das Bewußtsein wenigstens den Grad des Bewußtseins des astralischen Leibes haben. Ein Schmerz muß im astralischen Leibe leben. Wo also irgendeinmal in der Menschenseele Schmerz entsteht, ist eine Tatsache des astralischen Leibes vorhanden. Nehmen wir aber einmal an, es geschehe etwas, was nicht mit Schmerzen verbunden wäre, was dennoch aber einen äußeren Reiz, einen äußeren Eindruck hervorruft. Wenn irgend etwas auf Ihr Auge zufliegt, so verursacht das einen äußeren Reiz; das Auge schließt sich. Schmerz ist damit nicht verbunden. Was ruft der Reiz hervor? Eine Bewegung. Das ist etwas Ähnliches, wie wenn Ihre Fußsohle berührt wird: Schmerz ist es nicht - dennoch zuckt der Fuß. Es gibt also auch solche Eindrücke auf den Menschen, die nicht von Schmerzen begleitet sind, die dennoch &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
aber herausfordern irgendein Geschehnis, eine Bewegung. Da weiß der Mensch nicht - weil er nicht bis in diesen tiefen Grad des Bewußtseins hinunterdringen kann -, wie so etwas zustande kommt, daß eine Bewegung folgt auf den Reiz. Wenn Sie Schmerz empfinden, und Sie weisen dadurch etwas zurück, so ist es der Schmerz, der Sie aufmerksam gemacht hat auf das, was Sie dann zurückweisen. Es kann aber etwas auftreten, was Sie zu einer inneren Bewegung drängt, zu einer Reflexbewegung. Da dringt das Bewußtsein nicht bis zu dem Grade hinunter, wo der Reiz in Bewegung umgesetzt wird. Da haben Sie einen solchen Bewußtseinsgrad, der nicht in Ihre astralischen Erlebnisse hineinkommt, der bewußt nicht erlebt wird, der in einer Art von Schlafbewußtseinssphäre verläuft, der aber darum doch nicht so ist, daß er nicht zu Geschehnissen führen könnte. Wenn ein solches tieferes Eindringen des Ätherleibes in den physischen Leib stattfindet, so ist dies das Hervorbringen eines Bewußtseins, das nicht ein Schmerzbewußtsein ist, weil sich der astralische Leib nicht daran beteiligt, sondern das so dumpf ist, daß es der Mensch nicht wahrnimmt. Damit ist aber nicht gesagt, daß der Mensch in diesem Bewußtsein keine Handlungen ausführen kann, nicht etwas tun könnte, was der ganzen Sachlage entspräche. Der Mensch führt ja auch sonst Handlungen aus, bei denen sein Bewußtsein nicht dabei ist. Sie brauchen nur daran zu denken, wo das gewöhnliche Tagesbewußtsein ausgelöscht ist und der Mensch als Nachtwandler alle möglichen Handlungen ausführt. Da ist nicht etwa gar kein Bewußtsein vorhanden, sondern es ist ein solches Bewußtsein daran beteiligt, das der Mensch nicht miterleben kann, weil er nur die zwei höchsten Bewußtseinsformen erleben kann: das astralische Bewußtsein als Lust und Leid und dergleichen und das Ich-Bewußtsein als Urteil und als gewöhnliches Tagesbewußtsein. Deshalb ist aber die Sache doch nicht so, daß der Mensch aus diesem Schlafbewußtsein heraus nicht handeln könnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun haben wir also auch ein solches tiefes Bewußtsein, das der Mensch nicht mehr erreichen kann, wenn der Ätherleib hinuntersteigt in den physischen Leib. Nehmen wir an, er will aber doch etwas tun, wovon er im normalen Leben nichts wissen kann, was irgendwie mit der Sachlage zusammenhängt, dann wird er das tun, ohne daß er davon &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
etwas weiß. In ihm wird etwas, wird die Sache selbst das tun, ohne daß er selber davon weiß. - Betrachten wir jetzt einen Menschen, der durch irgendwelche Vorkommnisse in einem früheren Leben Ursachen in sich gelegt hat, welche in der Zeit zwischen Tod und neuer Geburt hinunterwirken bis dahin, wo sie zu einem tieferen Eindringen des Ätherleibes in den physischen Leib führen. Dann werden daraus Handlungen hervorgehen, welche zum Auswirken von tieferliegenden Krankheits prozessen führen. Da wird der Mensch dazu gedrängt werden können, äußere Veranlassungen zu Krankheiten geradezu aufzusuchen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es kann sonderbar erscheinen, daß das nicht klar erscheint für das gewöhnliche Ich-Bewußtsein. Der Mensch würde es aber aus seinem gewöhnlichen Ich-Bewußtsein heraus auch nie tun. Er wird sich nie aus seinem gewöhnlichen Ich-Bewußtsein heraus befehlen, in einen Herd von Bazillen einzudringen. Nehmen wir aber an, jenes dumpfe Bewußt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
seIn findet, daß es nötig ist, daß eine äußere Schädigung eintrete und daß sich das abspielen kann, was wir gestern genannt haben den ganzen Sinn des Krankseins. Dann sucht dieses Bewußtsein&amp;gt; das in den physischen Leib hineindringt, die Krankheitsursache auf. Es ist das eigene Wesen des Menschen, das die Krankheitsursache aufsucht, um das zu erreichen, was wir gestern den Krankheitsprozeß genannt haben. So werden Sie aus dem tieferen Wesen der Krankheit heraus begreifen, daß selbst dann, wenn noch keine Schmerzen auftreten, noch immer Gegenwirkungen auftreten können. Und auch wenn Schmerzen sich zeigen, kann noch immer, wenn nur der Ätherleib zu stark eindringt in den physischen Leib, dasjenige eintreten, was man nennen kann das Suchen von äußeren Krankheitsursachen durch tiefergelegene Schichten des menschlichen Bewußtseins selbst. So grotesk es klingt, so ist es doch richtig: Wir suchen uns, ebenso wie unsere vererbten Merkmale, mit einem andern Bewußtseinsgrade unsere äußeren Krankheitsursachen, wenn wir sie brauchen. Das eben Gesagte gilt aber wieder nur in den Grenzen dessen, wie es heute dargestellt ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heute hat es sich vorzugsweise darum gehandelt, gerade klarzulegen, daß der Mensch imstande sein kann, ohne daß er es mit dem ihm bekannten Bewußtseinsgrade verfolgen kann, die Krankheit dadurch zu suchen, daß ein abnormer&amp;gt; tieferer Bewußtseinszustand hergestellt &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|130}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wird. Darum handelte es sich: zu zeigen, daß wir es in der Krankheit zu tun haben mit einem Erwachen von Bewußtseinsstadien, welche wir als Menschen früher schon überwunden haben. Dadurch, daß wir in einem früheren Leben Fehler auf uns geladen haben, verursachen wir, daß wir tiefere Bewußtseinsgrade hervorbringen, als es uns sonst für unser jetziges Leben geziemte. Und was wir aus den Antrieben dieser Bewußtseinsgrade tun, das beeinflußt den Verlauf des Krankheitsprozesses wie auch den Prozeß, der überhaupt erst zur Krankheit führt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da sehen wir, daß in den abnormen Zuständen alte Bewußtseinsstufen heraufsteigen, welche der Mensch längst überwunden hat. Wenn Sie nur ein wenig die Tatsachen des gewöhnlichen Lebens betrachten, können Sie sich schon ein wenig verdeutlichen, was heute gesagt worden ist. Es ist ja so, daß der Mensch durch seine Schmerzen gewissermaßen tiefer hinuntersteigt in sein Wesen. Sie kennen ja den Ausspruch, daß er dann erst weiß, daß er ein Organ hat, wenn es angefangen hat, ihn zu schmerzen. Das ist ein populärer Ausspruch; aber er ist nicht so ganz dumm. Warum weiß der Mensch im normalen Bewußtsein davon nichts? Weil sein Bewußtsein im normalen Falle so weit schläft, daß es nicht intensiv genug untertaucht in den astralischen Leib. Taucht es aber unter, dann entsteht Schmerz, und durch den Schmerz erfährt der Mensch, daß er das betreffende Organ hat. In gar manchen Aussprüchen des gewöhnlichen Lebens liegt etwas durchaus Wahres, weil sie Erbstücke sind aus den früheren Bewußtseinsstadien, in welchen der Mensch, als er i« die geistige Welt hineingesehen hat, noch vieles gewußt hat von dem, was wir heute mühselig wieder heraufholen müssen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn Sie begreifen, daß der Mensch tiefere Schichten des Bewußtseins erleben kann, dann werden Sie auch die Möglichkeit haben, zu begreifen, daß nicht nur äußere Krankheitsursachen, sondern auch äußere Schicksalsschläge vom Menschen aufgesucht werden können, welche sich der Mensch nicht als vernünftig auslegen kann, aber deren Vernunft so wirkt, daß auf tiefere Schichten des Bewußtseins gewirkt wird. - So kann es auch wohl denkbar erscheinen, daß sich der Mensch bei gewöhnlicher Überlegung nicht gerade dorthin stellen wird, wo ihn ein Blitz treffen kann. Mit dem Oberbewußtsein wird er das vermeiden. Aber es könnte in ihm ein Bewußtsein tätig sein, das viel tiefer liegt als &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
das Oberbewußtsein und das ihn gerade an die Stelle hinführt, wo ihn der Blitz treffen kann, unter einer Voraussicht, welche das Ober bewußtsein nicht hat, ein Bewußtsein, das also will, daß der Blitz ihn trifft, so daß der Mensch den Unfall geradezu aufsucht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daß durch karmische Wirkungen Unglücksfälle aufgesucht werden oder auch äußere Krankheitsursachen, das haben wir heute der Möglichkeit nach erst begriffen. Wie das im einzelnen geschieht, wie die Kräfte im Menschen wirken, welche in tieferen Bewußtseinsschichten sind, und wie es damit steht, ob unser Oberbewußtsein solche Unglücksfälle vermeiden darf, das ist wieder eine Frage, die uns auch noch beschäftigen wird. Wie wir verstehen können, daß, wenn der Mensch in eine Gegend geht, wo eine Infektion auf ihn ausgeübt werden kann, da ein Bewußtseinsgrad wirkt, der ihn dorthin getrieben hat, so müssen wir auch verstehen können, wie es sich damit verhält, daß der Mensch Einrichtungen trifft, damit solche Infektionen immer weniger wirken können, daß wir also durch hygienische Maßregeln durch das Oberbewußtsein die Dinge wieder abwenden können. Wir können auch begreifen die Möglichkeit, durch das Oberbewußtsein diese Wirkung abzulenken, und müssen sagen, daß es etwas höchst Unvernünftiges wäre, daß das Unterbewußtsein Krankheitskeime aufsuchen kann, wenn nicht auch auf der andern Seite Krankheitsursachen durch das Oberbewußtsein vermieden werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir werden sehen, daß es «vernünftig» ist, Krankheitskeime aufzusuchen, und daß es auch «vernünftig&amp;gt; ist, von dem Oberbewußtsein aus hygienische Maßregeln zu ergreifen gegen das Eindringen von Infektionsstoffen, um dadurch Krankheitsursachen zu verhindern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
= SIEBENTER VORTRAG Hamburg, 22. Mai 1910 =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie haben in diesen Vorträgen schon gesehen, daß wir uns unserem Ziele stückweise nähern, indem wir aber auch mit jedem Stück, das wir weiterschreiten, tiefer in die Sache einzudringen versuchen. Wir haben zuletzt gesprochen über das Wesen von Schmerzen, die mit einem Krankheitsverlauf verbunden sind; wir haben aber auch darauf aufmerksam gemacht, wie in andern Fällen der Krankheitsverlauf - in gewisser Beziehung wenigstens - sich abspielen kann, ohne daß er begleitet ist von Schmerzerlebnissen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun müssen wir auf das Wesen des Schmerzes noch etwas genauer eingehen. Wir müssen uns noch einmal vor Augen halten, daß Schmerz eintreten kann als eine neben der Erkrankung einherlaufende Erscheinung. Denn das mußten wir ja schon aus der vorigen Betrachtung entnehmen, daß wir Krankheit und Schmerz als etwas Zusammengehöriges nicht betrachten dürfen. Wir müssen uns gegenwärtig halten, daß, wenn mit einer Krankheit Schmerz verknüpft ist, noch etwas anderes dabei im Spiele sein muß als das bloße Erkranktsein. Nun haben wir bereits darauf aufmerksam gemacht, daß bei jenem Vorgang, der beim Übergang von einer Inkarnation in die andere sich abspielt, wo Erlebnisse früherer Inkarnationen in Krankheitsursachen umgewandelt werden, daß da auf der einen Seite das luziferische Prinzip und auf der andern Seite das ahrimanische Prinzip mit hineinspielt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wodurch legt sich denn eigentlich der Mensch den Grund zu Krankheitsprozessen? Warum nimmt er in sich die Tendenz auf, krank zu sein? Was führt ihn dazu, zwischen Tod und neuer Geburt - wir haben ja charakterisiert, wie das die Zeit ist, welche die die Krankheit bewirkenden Kräfte zusammenbringt - solche Kräfte vorzubereiten, welche sich im nächsten Leben in der Krankheit ausleben? - Was den Menschen dazu bringt, ist, daß er auf der einen Seite verfallen kann der Versuchung der luziferischen Macht, und auf der andern Seite der Versuchung der ahrimanischen Macht. Wir wissen ja auch schon, was es heißt: Verfallen der luziferischen Macht. - Alles, was in uns wirkt als &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|133}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Begierde, als Eigenschaft der Selbstsucht, des Ehrgeizes, des Hochmutes, der Eitelkeit&amp;gt; alle Eigenschaften, welche zusammenhängen mit einer Art Aufspreizung unseres Ich, sich besonders geltend zu machen, das alles hängt zusammen mit der Versuchung der luziferischen Mächte in uns. Verfallen wir mit andern Worten den Kräften, die in unserem astralischen Leibe wirken und die sich darin ausdrücken, daß wir ego istische Begierden und Leidenschaften haben, dann begehen wir in der entsprechenden Inkarnation Handlungen, zu denen die Verführung von Luzifer, ausgegangen ist. Und wir sehen dann das Resultat solcher von Luzifer beeinflußter Handlungen in der Zeit vom Tode bis zur neuen Geburt und nehmen da in uns die Tendenz auf&amp;gt; uns so zu inkarnieren, daß wir einen Krankheitsprozeß durchmachen, der dazu beitragen kann, wenn wir ihn überwinden, uns aus den Fangarmen dieser luziferischen Mächte wieder zu befreien. Würden also die luziferischen Mächte überhaupt nicht da sein, so würden wir nicht den Versuchungen verfallen können, welche uns dazu bringen, solche Kräfte in uns aufzunehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn nun nichts anderes bestünde im Leben als einzig und allein das, was Luzifer in uns bewirkt, daß wir diese oder jene egoistischen Triebe und Leidenschaften entfalten, dann würden wir eigentlich niemals von den luziferischenVersuchungen loskommen können im Leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir würden sie auch nicht durch die aufeinanderfolgenden Inkarnationen losbekommen können, denn wir würden ihnen immer wieder von neuem verfallen. Wenn wir zum Beispiel einfach in der Erdentwickelung uns selber überlassen worden wären und der luziferische Einfluß doch dagewesen wäre, so würden wir in einer Inkarnation die Versuchungen der luziferischen Mächte haben, würden dann nach dem Tode wahrnehmen, wozu sie uns gebracht haben, würden herbeiführen einen Erkrankungsprozeß; aber wenn wirklich nichts anderes mit ins Spiel käme, würde uns dieser Krankheitsprozeß in dem Leben, wo er sich auslebt, zu keiner besonderen Besserung führen. Er führt uns nur dadurch zu einer Besserung, daß von denjenigen Mächten, deren Gegner Luzifer ist, nun etwas hinzugefügt wird zu dem ganzen Prozeß.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also wenn wir auf der einen Seite den luziferischen Mächten verfallen, stellen sich gleich als eine Gegenwirkung die Mächte ein, deren Gegner &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
die luziferischen Mächte sind, und diese versuchen nun eine Gegenkraft zu entfalten, wodurch der luziferische Einfluß wirklich aus uns ausgetrieben werden kann. Und diese Mächte, deren Gegner also die luziferischen Mächte sind, fügen hinzu zu dem Prozeß, der unter dem Einfluß Luzifers verursacht wird, den Schmerz. So müssen wir den Schmerz als etwas ansehen, was - wenn wir die luziferischen Mächte die bösen Mächte nennen - uns von den guten Mächten zugefügt wird, damit wir gerade durch den Schmerz uns den Fangarmen der bösen Mächte entreißen können und ihnen nicht mehr verfallen. Würde bei dem Krankheitsprozeß, der sich ergibt als eine Folge des Verfallenseins an die luziferischen Mächte, nicht Schmerz eintreten, so würden wir an uns die Erfahrung machen: Es ist ja gar nicht so schlimm, den luziferischen Mächten zu verfallen! - Und wir würden nichts haben in uns, was uns dahin bringen würde, unsere Kräfte anzuwenden, um uns den luziferischen Mächten zu entreißen. Der Schmerz, der das Bewußtwerden des unrichtig wachenden astralischen Leibes ist, er ist zugleich auch das, was uns davon abbringen kann, den luziferischen Mächten auf diesem Gebiet, wo wir ihnen schon verfallen sind, immer weiter zu verfallen. So wird der Schmerz in bezug auf die Versuchungen der luziferischen Mächte unser Erzieher.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sagen Sie nun nicht: Wie kann der Schmerz unser Erzieher sein, wenn wir in uns den Schmerz nur empfinden und seiner wohltätigen Kraft gar nicht gewahr werden? Daß wir seiner wohltätigen Kraft nicht gewahr werden, ist nur eine Folge unseres Ich-Bewußtseins. In dem Bewußtsein&amp;gt; das ich als unter dem Ich-Bewußtsein liegend geschildert habe, spielt sich schon der Prozeß ab, wenn auch der Mensch mit dem Tagesbewußtsein nichts davon weiß: Jetzt erfahre ich Schmerz, und der ist die Folge der durch die guten Mächte mir gegebenen Beigabe zu meinen Verfehlungen! - Das ist im Unterbewußtsein eine Kraft, welche so recht als eine karmische Erfüllung, als ein Impuls wirkt, nicht mehr den Handlungen, Trieben und Begierden, die gerade diese Krankheit hervorgerufen haben, zu verfallen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So sehen wir, wie Karma wirkt,~wie wir den luziferischen Mächten verfallen und wie uns die luziferischen Mächte eine solche Krankheit bringen, die herbeigeführt wird in einer nächsten Inkarnation; und &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|135}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wir sehen, wie wohltätige Mächte uns den Schmerz hinzufügen zu der bloßen Schädigung unserer Organe, damit wir an dem Schmerz ein unter der Oberfläche unseres Bewußtseins liegendes Erziehungsmittel haben. Deshalb können wir sagen: Überall, wo bei einer Krankheit Schmerz auftritt, da ist es eine luziferische Macht, welche diese Krankheit bewirkt hat. Es ist der Schmerz geradezu ein Kennzeichen dafür, daß wir es zu tun haben mit dem Zugrundeliegen von luziferischer Macht. - Menschen, die gerne einteilen, werden ein Bedürfnis danach haben, nun überhaupt zu unterscheiden solche Krankheiten, die rein auf luziferischem Einfluß beruhen, und solche, die rein auf ahrimanischen Einfluß zurückzuführen sind; denn bei allen theoretischen Beschäftigungen ist ja das Einteilen, das Schemenmachen das Allerbequemste, und man glaubt, dadurch sehr viel begriffen zu haben. Aber in Wirklichkeit benehmen sich die Dinge nicht so, daß man sie mit diesen bequemen Mitteln erfassen kann. Da kreuzen sie sich fortwährend und laufen ineinander. Und wir werden auch leicht begreifen können, wenn ein wirklicher Krankheitsprozeß vorliegt, daß ein Teil zurückgeführt werden kann auf luziferischen Einfluß, also auf Dinge, welche mehr in den Eigenschaften unseres astralischen Leibes zu suchen sind, und ein an- derer Teil auch zugleich auf Dinge, die in dem ahrimanischen Einfluß zu suchen sind. So darf auch niemand glauben, wenn ihm irgend etwas wehtut, das sei nur auf luziferischen Einfluß zurückzuführen. Daß er Schmerzen hat, das zeigt ihm denjenigen Teil der Krankheit, der auf luziferischen Einfluß zurückzuführen ist. Aber wir werden das noch leichter verstehen, wenn wir uns fragen: Woher kommt denn der ahrimanische Einfluß?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dem ahrimanischen Einfluß wären die Menschen überhaupt nicht verfallen, wenn sie nicht zuerst dem luziferischen Einfluß verfallen wären. Dadurch, daß die Menschen den luziferischen Einfluß in sich aufnahmen,kam eine solcheVerbindung der vier menschlichen Glieder: physischer Leib, Ätherleib, astralischer Leib und Ich zustande, wie sie nicht zustande gekommen wäre, wenn Luzifer nicht gewirkt hätte und wenn nur die Mächte gewirkt hätten, deren Gegner Luzifer ist. Dann hätte sich der Mensch anders entwickelt. Also hat in bezug auf das menschliche Innere das luziferische Prinzip eine Störung hervorgerufen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|136}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber es hängt vom menschlichen Inneren ab, wie der Mensch die Außenwelt an sich herantreten läßt. Und gerade so, wie Sie mit einem Auge, in welchem etwas zerstört ist, wegen des inneren Fehlers die Außenwelt nicht richtig sehen, so bekommt der Mensch die Außenwelt durch den luziferischen Einfluß überhaupt nicht so zu sehen, wie sie ist. Und weil ein Grund gegeben war für den Menschen, die Außenwelt nicht so zu sehen, wie sie ist, so konnte sich in das nicht richtige Bild der Außenwelt der ahrimanische Einfluß hineindrängen, so daß das Herankommen Ahrimans an den Menschen nur dadurch hat geschehen können, daß erst der luziferische Einfluß gewirkt hatte. Der ahrimanische Einfiuß bewirkte, daß der Mensch nicht nur den egoistischen Leidenschaften, Trieben, Begierden, der Eitelkeit, dem Hochmut und so weiter verfallen kann, sondern daß jetzt in einem menschlichen Organismus, wo der Egoismus in solcher Weise wirkte, sich Organe aus- bildeten, welche die Außenwelt schief und unrichtig sehen mußten. Dadurch konnte sich in die unrichtigen Bilder der Außenwelt Ahriman mischen. Es kam Ahriman heran, und dadurch war der Mensch dem anderen Einflusse ausgesetzt, so daß er nicht nur den inneren Verlockungen verfallen kann, sondern auch in Irrtum und - bei der Beurteilung der Außenwelt und bei seinen Aussagen über die Außenwelt - in Lüge verfallen kann. So ist Ahriman zwar von außen wirkend, aber wir haben ihm erst die Möglichkeit gegeben, daß er an uns herankommen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So also stehen ahrimanischer und luziferischer Einfluß eigentlich nie für sich allein. Sie wirken immer aufeinander, halten sich in gewisser Weise das Gleichgewicht. Von innen drängt Luzifer heraus, von außen wirkt Ahriman herein, und dazwischen bildet sich das Weltenbild. Wenn in irgendeiner Inkarnation das Innere des Menschen stärker wird, wenn er mehr den inneren Einflüssen ausgesetzt ist, dann wird er für die Dinge, wo das Innere so wirkt, daß der Mensch mehr erfaßt wird von Hochmut, Eitelkeit und so weiter, sich mehr dem luziferischen Einfluß hingeben. In einer Inkarnation, wo der Mensch weniger durch sein Gesamtkarma dazu gestimmt ist, den inneren Einflüssen nachzugeben, wird er leichter den Irrtümern und den Verführungen des Ahriman verfallen können. So ist es in der Tat in unserem Leben. Wie wir &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
täglich durch das Leben gehen, fallen wir bald mehr den Verlockungen des Luzifer, bald mehr den Verlockungen des Ahriman zum Opfer. Und wir pendeln hin und her zwischen diesen beiden, die uns auf der einen Seite dazu führen, uns in unserem Inneren aufzublähen, auf der andern Seite dazu, uns über die äußere Welt Illusionen vorzumachen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es darf an dieser Stelle erwähnt werden - weil es außerordentlich wichtig ist -&amp;gt; daß den Verlockungen von beiden Seiten insbesondere derjenige Widerstand leisten muß, welcher versucht, eine höhere Entwickelung anzustreben und in die geistige Welt einzudringen, sei esdadurch, daß er hinter die Erscheinungen der Außenwelt bis in das Geistige eindringen will oder daß er in das eigene Innere mystisch hinuntersteigen will. Beim Eindringen in die geistige Außenwelt, die hinter der physischen Welt liegt, steht immer das, was Ahriman an täuschenden Bildern vorgaukelt; wenn der Mensch mystisch hinuntersteigen will in die eigene Seele, sind immer die Verlockungen Luzifers in besonderem Maße möglich. Wenn der Mensch Mystiker wird und mit Glück hinunterstrebt, ohne daß er vorher darauf gesehen hat, durch seine Charakterbildung Gegenmittel zu ergreifen gegen Hochmut, Eitelkeit und dergleichen, wenn es ihm gelingt, als Mystiker zu leben, aber ohne besondere moralische Kultur, dann kann er um so mehr den Verlockungen Luzifers verfallen, der von innen herauf in die Seele hinein- wirkt. Wenn daher der Mystiker nicht sehr gesehen hat auf seine moralische Kultur, dann kann er, wenn es ihm gelingt, ein wenig hineinzudringen in sein Inneres, in die große Gefahr kommen, daß er noch stärker, als das bisher der Fall war, die rückschlagende Kraft des luziferischen Einflusses aufruft und daß er noch eitler und hochmütiger wird als vorher. Deshalb ist es so notwendig, daß man vorher durch Charakterbildung dafür sorgt, daß man gegen die in allen Fällen an uns herantretenden Verlockungen der Eitelkeit, des Größenwahnes, des Hochmutes ein Gegenmittel hat. Und wir können nicht genug darin tun, uns gerade diejenigen Eigenschaften anzueignen, welche zur Bescheidenheit und zur Demut führen. Das ist im eminenten Maße notwendig für die Seite unserer höheren Entwickelung, die wir die mysti sche nennen. Auf der andern Seite ist es notwendig, daß sich der Mensch auch gegen die Wahngebilde des Ahriman schützt, wenn er versucht, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|138}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
durch eine Entwickelung, die hinter die Erscheinungen der Außenwelt führt, bis zu den geistigen Urgründen der Dinge zu kommen. Wenn er da nicht versucht, eine Charakterbildung zu erlangen, welche ihn innerlich stark und kräftig macht, die ihn fest gebaut sein läßt auf sein Inneres, dann wird es sehr leicht vorkommen können, daß der betreffende Mensch - und zwar gerade, wenn er Glück hat mit dem Hinausgehen in die geistige Welt - dem Ahriman verfällt, daß Ahriman ihm vorgaukelt Illusion über Illusion, Halluzination über Halluzination.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man kommt häufig in den Fall, daß einen die Menschen in gewisser Beziehung «beim Wort nehmen». Weil so oft betont wird, daß die höhere Entwickelung, die hinter die Erscheinungen der Außenwelt kommen will, verknüpft sein muß mit vollem Bewußtsein, kommt es vor, daß einem die Leute immer wieder halb somnambule Personen bringen, welche versichern: Ja, da nehme ich die geistige Welt wahr, und zwar bei vollem Bewußtsein! - Da kann man immer nur sagen: Wenn du nur nicht bei Bewußtsein sein möchtest; das wäre viel gescheiter! - Denn über dieses «Bewußtsein» täuschen sich die Leute. Es ist ein bloßes Bilderbewußtsein, ein astralisches Bewußtsein; denn wenn diese Personen nicht in einem unterbewußten Grade bewußt wären, würden sie das ja nicht wahrnehmen. Aber darum handelt es sich, daß man, wenn man in die geistige Welt hineingeht, sein Ich-Bewußtsein zusammenhält. An das Ich-Bewußtsein aber ist gebunden Urteilskraft und ein deutliches Unterscheidungsvermögen! Das haben dann die Menschen nicht für die Gestalten, welche sie in der geistigen Welt sehen. Daß sie ein Bewußtsein haben, ist nicht weiter wunderbar; aber jenes Bewußtsein, das mit der Kultur unseres Ich verknüpft ist, das müssen wir haben. Daher wird nicht etwa betont bei einer Entwickelung zum Schauen der höheren Welten, daß die Menschen so schnell wie möglich hineinkommen in eine höhere Welt und allerlei Gestalten sehen oder vielleicht auch allerlei Stimmen hören, sondern es wird betont, daß das Hineingehen in die geistige Welt von Glück und von Vorteil nur dann sein kann, wenn man das Bewußtsein und das Unterscheidungsvermögen und die Urteilskraft schärft. Und das kann nicht besser geschehen als durch das Studium der geisteswissenschaftlichen Wahrheiten. Daher wird betont, daß das Sich-Befassen mit geisteswissenschaftlichen Wahr- &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
heiten ein Schutz ist gegen das vermeintliche Sehen von allerlei Gestalten, über das keine Urteilskraft sich ausbreiten kann. Wer wirklich geschult ist in dieser Weise, der wird nicht jede beliebige Erscheinung für dies oder jenes halten, sondern er wird vor allen Dingen unterscheiden können zwischen Realität und Nebelbild, und er wird sich vor allen Dingen auch klar sein, daß man namentlich auch mit den Dingen, welche als Gehörswahrnehmungen auftreten, besonders vorsichtig sein muß, weil nie eine Gehörswahrnehmung eine richtige sein kann, wenn der Betreffende nicht durchgegangen ist durch die Sphäre der absoluten Ruhe. Und wer nicht zuerst die absolute Stille und Lautlosigkeit der geistigen Welt erfahren hat, der kann sich ganz gewiß sagen, daß es Trugbilder sind, die er wahrnimmt, und wenn sie ihm etwas noch so Gescheites sagen. Nur wer sich Mühe gegeben hat, seine Urteilskraft zu schärfen gerade dadurch, daß er zu begreifen versucht die Wahrheiten der höheren Welten, nur der kann sich gegen Trugbilder schützen. Die Mittel der äußeren Wissenschaft reichen dazu nicht aus. Die äußere Wissenschaft gibt keine so scharfe, stärkende Urteilskraft, wie sie notwendig ist, um in einer geistigen Welt wirklich zu unterscheiden. Darum kann man wirklich sagen: Wenn Leute etwas mitteilen aus höheren Welten, die nicht vorher sorgfältig darauf geachtet haben, ihre Urteils- kraft zu schärfen - was besonders durch das Studium der Geisteswissenschaft möglich ist -, dann sind solche Mitteilungen immer im höchsten Grade anfechtbar, und sie müßten mindestens immer erst kontrolliert werden durch diejenigen Methoden, die unter der Voraussetzung der wirklichen Schulung errungen sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt nur eine Macht, vor der sich Luzifer zurückzieht: das ist die Moralität. Das ist etwas, was den Luzifer brennt wie das furchtbarste Feuer. Und es gibt kein anderes Mittel, welches dem Ahriman entgegenwlrkt, als an der Geisteswissenschaft geschulte Urteilskraft und Unterscheidungsvermögen. Denn was wir uns auf der Erde als gesunde Urteilskraft aneignen, das ist etwas, was Ahriman furchtbar flieht. Er hat im Grunde vor nichts einen so großen Widerwillen als vor dem, was wir uns durch eine gesunde Schulung unseres Ich-Bewußtseins erringen. Denn wir werden sehen, daß Ahriman einer ganz andern Region angehört, die weit entfernt ist von dem, was wir als unsere gesunde Urteilskraft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
entwickeln. Im Augenblick, wo Ahriman mit dem zusammen- trifft, was wir uns im Erdendasein als gesunde Urteilskraft errungen haben, bekommt er einen furchtbaren Schreck, denn das ist etwas ganz Unbekanntes für ihn, davor hat er eine große Furcht. Je mehr wir uns daher bemühen, das auszubilden, was im Leben zwischen Geburt und Tod an gesunderUrteilskraft gegeben werden kann, desto mehr arbeiten wir Ahriman entgegen. Das zeigt sich besonders bei allerlei Persönlichkeiten, welche einem gebracht werden und die dann «das Blaue vom Himmel herunter» von all den geistigen Welten erzählen, die sie da gesehen haben. Und wenn man dann den allergeringsten Versuch macht, diesen Persönlichkeiten etwas klarzumachen, ihnen Verständnis und Unterscheidungsvermögen beizubringen, dann hat sie Ahriman gewöhnlich so sehr in der Gewalt, daß sie kaum darauf eingehen können; und das wird um so stärker, je mehr sich die Verlockungen Ahrimans nach der akustischen Seite hin ausdrücken. Gegen das, was sich in visionären Bildern zeigt&amp;gt; gibt es noch mehr Mittel als gegen das, was akustisch sich zeigt, wie gehörte Stimmen und so weiter. Solche Leute haben eine große Abneigung, etwas zu lernen, was für das Ich-Bewußtsein zwischen Geburt und Tod errungen werden muß. Sie mögen es nicht. Aber sie selber sind das nicht, die das nicht mögen. Es sind die ahrimanischen Mächte, welche sie davon wegzerren. Wenn man einen solchen Menschen dann aber so weit bringt, gesunde Urteilskraft zu entwickeln, und er darauf eingeht, Belehrungen anzunehmen, dann zeigt sich sehr bald folgendes. Dann hören die Stimmen und die Halluzinationen auf, weil sie vorher nur ahrimanische Nebelbilder waren und weil Ahriman eine furchtbare Angst bekommt, sobald er verspürI: Da, vom Menschen her, kommt eine gesunde Uiteilskraft!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So ist in der Tat das beste Mittel gegen diese den Menschen besonders schädigenden Erkrankungen des durch Ahriman bewirkten Sehens und halluzinatorischen Hörens dies: den Menschen mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln dazu zu bringen, sich eine gesunde und vernünftige Urteilskraft zu erringen. Das ist für manche Persönlichkeiten außerordentlich schwierig. Denn sie sind in dem Falle, daß es die andere Macht ihnen sehr bequem macht, diese andere Macht leitet sie. Wer aber diese Macht austreiben will, kann es sich nicht so bequem machen. Bei &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|141}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
solchen Persönlichkeiten kommt man dann recht schwer an, denn sie behaupten, man hätte ihnen das genommen, was sie früher in die geistige Welt hinaufgeführt hat, während man sie in Wahrheit gesund gemacht hat und davor bewahrt hat, daß diese Mächte immer mehr und mehr Gewalt über sie bekommen!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir sehen also, wovor die luziferischen und ahrimanischen Mächte einen recht großen Widerwillen haben. Demut, Bescheidenheit beim Menschen, sich nicht für mehr halten, als wozu ein gesundes Urteil berechtigt, das ist etwas, was dem Luzifer gar nicht gefällt. Dagegen ist er da wie die Fliegen in einer unreinen Stube, wenn irgendwo die Eigen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
schaften des Ehrgeizes, der Eitelkeit heraus wollen. Alles dies und besonders die Dinge, welche auf falschen Vorstellungen über sich selbst beruhen, wirken nun wieder dahin, daß wir uns auch für Ahriman bereit machen. Gegen Ahriman schützt aber nichts mehr, als wenn wir uns wirklich im Leben Mühe geben, gesund zu denken, wie es uns das Leben zwischen Geburt und Tod lehrt. Und gerade diejenigen, welche auf dem Boden der Geisteswissenschaft stehen, haben alle Veranlassung, so intensiv, als es nur möglich ist, immer wieder zu betonen, daß es uns als Erdenmenschen nicht geziemt, zu übersehen, was uns gerade durch das Erdenleben gegeben werden soll. Die Menschen, welche es verschmähen, sich ein gesundes Urteil und vernünftiges Unterscheidungsvermögen anzueignen, und leicht ohne dieses hinauf wollen in eine geistige Welt, sie wollen sich im Grunde genommen dem Erdenleben entziehen. Sie wollen so hinschweben über das Erdenleben; sie finden, daß es eigentlich für sie eine viel zu geringe Beschäftigung ist, sich mit allerlei Dingen abzugeben, die zum Verständnis des Erdenlebens führen können. Sie halten sich für etwas Besseres. Gerade eine solche Empfindung ist aber ein neuer Grund zum Hochmut. Daher können wir es immer wieder sehen, daß Persönlichkeiten, die zur Schwärmerei neigen, zu einem Nicht-berührtsein-Wollen von den Erdendingen und dem Erdenleben, es ablehnen, zu lernen, «weil sie ja schon in allem darinnenstehen&amp;gt; und nicht Gemeinschaft machen wollen mit einer solchen Strömung wie der unserigen. Solche Menschen sagen: In die geistige Welt muß ja die Menschheit hinein!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gewiß, aber es gibt nur einen gesunden Paß da hinein, und das ist&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|142}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die auf der Erde errungene Moralität im höheren Sinne, die uns nicht uns selbst überschätzen läßt, die uns nicht zu einem falschen Urteil über uns selbst führt, uns auch nicht abhängig sein läßt von unseren Trieben, Begierden und Leidenschaften; und auf der andern Seite ist es ein emsiges, gesundes Mitarbeiten mit den Verhältnissen des Erdenlebens, nicht ein Über-den-Verhältnissen-des-Erdenlebens-schweben-Wollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit haben wir aus den Tiefen des Karma etwas herausgeholt, was mit den Tiefen des geistigen Lebens zusammenhängt. Von großem Wert kann das sein. Aber nichts ist von Wert für die Entwickelung des Menschen und seiner Individualität, was ohne gesunde Vernunft aus der geistigen Welt herausgeholt wird; und von Wert ist auch das nicht, was ohne Moralität herausgeholt wird. Das kann man einsehen aus den Tatsachen, die das letzte Mal und heute dargestellt worden sind. Und wenn wir das einsehen, können wir uns sagen: Warum sollte der luziferische Einfluß, gerade weil er von früher her wirkt und sich umgewandelt hat in die Krankheit und ausgeglichen wird durch den Schmerz, warum sollte er nicht beim Menschen gleichsam nach sich ziehen den ahrimanischen Einfluß? Und warum sollte nicht bei dem, was uns Schmerz bereitet und uns den luziferischen Verlauf einer Krankheit anzeigt, mitspielen gerade als Folge des luziferischen Einflusses der ahrimanische Einfluß? Wie aber wirkt der ahrimanische Einfluß? Und wie wandeln sich die Verlockungen des Ahriman in Krankheitsursachen um? Wie tritt das auf in einer späteren Inkarnation?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was ahrimanischem Einfluß zuzuschreiben ist, das ist mittelbar doch auf Luzifer zurückzuführen; aber wenn der luziferische Einfluß so stark war, daß er den ahrimanischen Einfluß herausgefordert hat, dann ist der ahrimanische Einfluß der heimtückischere. Er liegt tiefer unten, nicht nur in den Verfehlungen des astralischen Leibes, sondern in den Verfehlungen des Ätherleibes. In einem Bewußtsein, das unter dem Schmerzbewußtsein liegt, tritt der ahrimanische Einfluß auf mit einer Schädigung, welche nicht von Schmerz begleitet zu werden braucht, mit einer solcben Schädigung, die in dem betreffenden Organe, wo sich die Schädigung ausdrückt, zu einem Unbrauchbarwerden dieses Organs führt. - Nehmen wir an, in einer Inkarnation hätte ein ahrimanischer Einfluß gewirkt und hätte das hervorgerufen, was eben ein ahrimani&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|143}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
scher Einfiuß hervorrufen kann. Der Mensch durchlebt nun die Zeit zwischen Tod und neuer Geburt - und tritt wieder auf in einer neuen Inkarnation. Dann zeigt sich, daß irgendein Organ ergriffen ist von der ahrimanischenWirkung, mit andern Worten: In diesem Organ sitzt der Ätherleib viel tiefer darinnen, als er darinsitzen sollte; das Organ ist viel stärker durchdrungen von dem Ätherleib, als es sein sollte. In solchem Falle wird der Mensch wegen des fehlerhaften Organs verleitet, sich nur noch mehr in den Irrtum - das, was Ahriman vollbringt in der Welt - zu verstricken. Mit dem Organ, welches dem ahrimanischen Einfluß seine Schädigung verdankt, in das sich so recht tief hineinversetzt hat der Atherleib, würde der Mensch, wenn er diesen ganzen Prozeß ausleben wollte, sich tiefer in das verstricken, was Ahriman bewirken kann: in die Maja. Da nun aber alles das, was die Außenwelt als Maja erzeugt, nicht mitgenommen werden kann in die geistige Welt, so entzieht sich uns die geistige Welt immer mehr. Denn dort gibt es nur Wahrheit, nicht Illusion! Je mehr wir also in die durch Ahriman bewirkte Illusion hineinverstrickt werden, desto mehr werden wir gerade dazu gedrängt, uns noch viel mehr in die sinnlich-äußere Welt, in die Illusion des Physisch-Sinnlichen hineinzuversetzen, als wir es ohne ein solches schadhaftes Organ tun würden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da aber tritt die gegensätzliche Wirkung ebenso auf, wie die gegensätzliche Wirkung im Schmerz bei dem luziferischen Einfluß auftritt. Da tritt die gegensätzliche Wirkung nun so auf, daß in dem Augenblick, wo die Gefahr vorhanden ist, daß wir uns zu sehr an die physisch- sinnliche Welt ketten und uns dadurch zu viel rauben von dem, was uns hinaufführen könnte in die geistige Welt, daß in diesem Augenblick das Organ zerstört wird, daß es entweder gelähmt oder zu schwach gemacht wird zum Wirken. Es tritt also ein Zerstörungsprozeß ein. - Sehen wir also, daß ein Organ zerstört wird, so müssen wir uns klar seIn, daß wir dies eigentlich wohltätigen Mächten verdanken müssen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
das Organ wird uns genommen, damit wir wieder den Rückweg finden in die geistige Welt. So ist es in der Tat, daß uns - wenn es nicht anders geht - durch gewisse Mächte Organe zerstört werden oder daß wir mit kranken Organen ausgerüstet werden, damit wir nicht zu tief in die Illusion hineingestoßen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Wenn also jemand zum Beispiel eine Leberkrankheit hat, die als solche nicht von schmerzlichen Erlebnissen begleitet ist, so haben wir es zu tun mit der Wirkung eines vorhergehenden ahrimanischen Einflusses, der dazu geführt hat, der Leber die betreffende Schädigung zuzufügen, weil wir sonst durch die Kräfte, welche verbunden sind mit dem Tieferhineingehen des Ätherleibes, zu sehr in Maja hineingeführt würden, wenn uns dieses Organ nicht genommen würde. Sagen und Mythen haben immer die tiefste Weisheit gewußt und haben sie in sich ausgedrückt. Gerade die Leber ist ein gutes Beispiel dafür. Denn sie ist ein Organ, das am leichtesten für das Hineingleiten des Menschen in die physisch-illusorische Welt wirksam sein kann. Und die Leber ist zugleich das Organ, das uns eigentlich an die Erde kettet. Mit dieser Wahrheit hängt zusammen, daß bei derjenigen Wesenheit, welche den Menschen der Sage nach die Kraft gebracht hat, die sie in das Erdenleben hineinführen und dort recht wirksam machen soll - nämlich bei Prometheus -, gerade an der Leber ein Geier nagt. Ein Geier nagt an der Leber, nicht etwa darum, weil das dem Prometheus einen besonders tiefen Schmerz verursachen soll; denn in diesem Falle würde die Sage nicht stimmen mit den wirklichen Tatsachen. Aber Sagen stimmen immer überein mit den physiologischen Tatsachen! Der Geier nagt an der Leber, weil es nicht wehtut! Denn es sollte darauf hingewiesen werden, daß Prometheus der Menschheit etwas brachte, was sie tiefer hineinverstricken könnte in das Ahrimanische,wenn nicht die gegenteilige, ausgleichende Wirkung geschehen könnte. Okkulte Urkunden sind Immer im Einklang mit den Wahrheiten, welche wir in der Geisteswissenschaft verkünden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich habe Ihnen heute rein aus der Sache heraus gezeigt, daß es die guten Mächte sind, welche über den Menschen den Schmerz verhängen gegenüber dem Einfluß Luzifers. Bringen Sie das einmal in Zusammenhang mit der Urkunde des AltenTestamentes. Als der Einfluß des Luzifer geschehen war, wie er uns symbolisiert wird durch die Schl,ange, welche die Eva verführt, mußte also von den Gegnern des Luzifer gerade über das, wozu Luzifer die Menschen bringen wollte, der Schmerz verhängt werden. Es mußte die Macht, deren Gegner Luzifer ist, jetzt kommen und davon sprechen, daß von nun an Schmerz über die Menschheit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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gebracht wird. Das tut Jahve oder Jehovah, indem er sagt: «Unter Schmerzen sollst du Kinder gebären!»&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Dinge in den okkulten Urkunden weiß man in der Regel nicht zu deuten, solange man die geisteswissenschaftlichen Erklärungen als solche noch nicht hat. Nachher kommt man dann darauf, wie tief diese Urkunden sind. Daher können Sie auch von mir nicht verlangen, daß ich Ihnen aus dem Nichts heraus - ohne die entsprechenden Voraus setzungen - die Dinge ohne weiteres erklären kann. Damit es überhaupt möglich ist, über die Stelle zu sprechen: «Unter Schmerzen sollst du Kinder gebären!», müssen vorausgehen die Betrachtungen über das Karma; denn erst an der betreffenden Stelle kann man die Erklärung darüber einfügen. Daher nutzt es auch nicht viel, wenn man dieses oder jenes erklärt haben will aus den okkulten Urkunden, bevor man die betreffende Stelle in der okkulten Entwickelung erreicht hat. Und es ist immer eine mißliche Sache, zu fragen: Was bedeutet dies? Was bedeutet jenes? - Der Mensch muß immer warten und Geduld haben, bis die betreffende Stelle herangekommen ist; mit den Erklärungen allein würde man nichts erreichen. So sehen wir in unser Leben hineinwirken auf der einen Seite die iuziferischen Mächte, auf der andern Seite diejenigen Mächte, deren Gegner Luzifer ist. Dann wirken die ahrimanischen Mächte in unser Leben hinein, und wir müssen uns klarmachen, daß die Mächte, welche uns Organe unbrauchbar machen, wenn wir dem ahrimanischen Einfluß verfallen, zu den guten Mächten zu rechnen sind, deren Gegner eben Ahriman ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn Sie Ihren Ausgangspunkt nehmen von all dem, was jetzt gesagt worden ist, werden Sie tief hineinschauen können in das komplizierte Getriebe der Menschennatur, und Sie werden dazu kommen können, sich zu sagen: Die luziferischen Mächte sind solche, die während der alten Mondenzeit zurückgeblieben sind; sie wirken heute in unserer Erdentwickelung mit denjenigen Kräften in das menschliche Leben hinein, die eigentlich Mondenkräfte sind, die sich in demjenigen Welten plan, der zum Beispiel nur jenen Mächten entspricht, deren Gegner Luzifer ist, gar nicht innerhalb unserer Erdentwickelung abspielen können. So wirkt Luzifer hinein in den Plan einer anderen Wesenheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Wir können aber nun zurückgehen zu weiter zurückliegenden Epochen der Entwickelung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir auf der einen Seite sehen, daß auf dem Monde Wesenheiten zurückblieben in ihrer Entwickelung, um auf der Erde einzugreifen in das menschliche Leben, dann kann uns erklärlich erscheinen, daß auch auf der alten Sonne Wesen zurückgeblieben sind, die dann auf dem Mond eine ähnliche Rolle gespielt haben wie die luziferischen Wesenheiten jetzt auf der Erde. Wir haben heute in der menschlichen Wesenheit etwas, was wir eigentlich als einen Kampf bezeichnen können: der Kampf, der sich abspielt zwischen den luziferischen Gewalten, welche sich in unseren astralischen Leib hineinsetzen, und denjenigen Mächten, die durch unser Ich, durch unsere Erdenerrungenschaften auf uns wirken. Denn die Mächte, deren Gegner Luzifer ist, können ja nur durch unser Ich auf uns wirken. Wenn wIr uns Klarheit und richtige Schätzung über uns selbst aneignen, so können wir das nur mit Hilfe derjenigen Mächte, die auf unser Ich wirken. Dazu müssen wir schon unser Ich anwenden. Deshalb können wir sagen: Indem sich unser Ich aufbäumt gegen die luziferischen Mächte, kämpft in uns Jahve oder Jehovah gegen Luzifer; da kämpft das, was den guten Weltenplan besorgt, gegen das, was sich auflehnt gegen diesen Weltenplan In seiner alleinigen Geltung, und wir sind mit unserem innerstenWesen darinnenstehend in diesem Kampf des Luzifer mit andern Wesenheiten. Wir sind selbst der Schauplatz dieses Kampfes. Und daß wir der Schauplatz dieses Kampfes sind, das zieht uns in Karma hinein - aber nur mittelbar dadurch, daß dieser Kampf mit dem Luzifer sich abspielt. Wenn wir dagegen den Blick nach außen richten, werden wir in die ahrimanischen Mächte hineingezogen. Da spielt sich etwas ab, was von draußen kommt, und hier kommt Ahriman in uns herein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun wissen wir, daß Wesenheiten auf dem alten Monde gelebt haben, die in ähnlicher Weise damals ihre Menschheitsstufe durchgemacht haben, wie wir sie Im Laufe der Erdentwickelung durchmachen. In der «Akasha-Chronik» und in der «Geheimwissenschaft» finden Sie diese Wesen bezeichnet als Engel, Angeloi, Dhyanis; auf den Namen kommt es nicht an. Im Inneren dieser Wesenheiten spielte sich damals aber ein ähnlicher Kampf ab wie der luziferische Kampf in unserer &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|147}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
eigenenWesenheit. DieseWesen waren auf dem alten Monde der Schauplatz eines Kampfes, der sich abspielte durch jene Wesenheiten, welche wieder auf der Sonne zurückgeblieben waren. Dieser Kampf auf dem Monde hat mit unserem inneren Ich nichts zu tun, denn auf dem Monde hatten wir unser Ich noch nicht. Er steht außerhalb dessen, woran unser Ich beteiligt sein kann, er hat sich auf dem alten Monde «in der Brust der Engel» abgespielt. Dadurch sind diese Wesenheiten damals etwas geworden, was sie nur werden konnten unter dem Einfluß von andern Wesenheiten, die zurückgeblieben waren gegenüber der normalen Sonnenentwickelung und die damals für die Angeloi dieselbe Rolle spielten, wie sie die luziferischen Wesenheiten heute für uns spielen. Und das waren die ahrimanischen Wesenheiten, welche während der Sonnenentwickelung ebenso zurückgeblieben sind wie die luziferischen Wesenheiten während der Mondentwickelung. Daher können wir zu diesen Wesenheiten auch nur mittelbar kommen. Ahriman war es aber, der sozusagen der Versucher in der Brust der Angeloi war, und er wirkte in ihnen. Durch ihn sind die Angeloi das geworden, was sie dann geworden sind, und sie haben das, was sie durch Ahriman geworden sind, ebenso herübergebracht wie das&amp;gt; was sie im Guten erreicht haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir haben als Gutes von Luzifer die Möglichkeit, zwischen Gut und Böse zu unterscheiden, freies Entscheidungsvermögen zu entwickeln, freien Willen zu erringen. Das ist für uns nur durch Luzifer zu erreichen. DieseWesenheiten aber haben etwas erreicht und mit hinübergenommen in das Erdendasein,wovon wir sagen können: Wie uns die Angeloi jetzt umgeben als Geistwesen, so haben sie sich zu ihrem jetzigen Sein vorbereitet durch den ahrimanischen Kampf in ihrer Seele zur Zeit der alten Mondentwickelung. Was diese Wesenheiten durchgemacht haben und was sie als Wirkungen in sich haben von dem, was sie durchgemacht haben, das geht uns in unserem innersten Ich nichts an, daran sind wir mit unserem Ich nicht beteiligt. - Wir werden sehen, wie wir mittelbar dazu kommen, weil ja der ahrimanische Einfluß doch wieder in uns hereinwirkt. - Was diese Wesenheiten sich unter dem Einflusse Ahrimans errungen haben, das sind gewisse Wirkungen, zu denen sie die Ursachen während ihres Mondendaseins aufgenommen haben. Während desMondendaseins nahmen dieseWesenheiten durch den ahrimanischen &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Einfluß in sich etwas auf, was sie hineingetragen haben in unser Erden- dasein. Versuchen wir einmal, in unserem Erdendasein das aufzufinden, was uns erscheinen kann als eine solche Wirkung des damaligen ahrimanischen Kampfes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn dieser ahrimanische Kampf auf dem alten Monde nicht stattgefunden hätte, so könnten diese Wesenheiten nicht in unser Erden- dasein hineintragen, was dem alten Mondendasein angehört hat. Denn das würde aufgehört haben, nachdem der alte Mond zugrunde gegangen war. Dadurch, daß die Angeloi den ahrimanischen Einfluß aufgenommen haben, sind sie verstrickt worden in das Mondendasein, geradeso wie wir verstrickt werden durch den luziferischen Einfluß in das Erden- dasein. Sie haben das, was Mondelement ist, in ihr Innerstes aufgenommen und haben es hinübergebracht in unser Erdendasein. Dadurch sind sie imstande geworden, gerade dasjenige in unserem Erdendasein hervorzurufen, was hervorgerufen werden muß, damit unsere Erde nicht ganz dem Einfluß Luzifers verfällt. Unsere Erde würde im ganzen dem Einflusse Luzifers verfallen müssen, wenn diese Tatsache, welche dem Kampfe der Engel mit Ahriman auf dem Monde entspricht, nicht in unser Erdendasein hineingebracht worden wäre.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Welches sind denn die Vorgänge im Erdendasein, die wir als die normalen bezeichnen? Als sich unser jetziges Sonnensystem entsprechend dem Erdenziele geordnet hat, ist das aufgetreten, was wir als die regelmäßigen Bewegungen der Sonne, der Erde und der andern Planeten sehen und was bewirkte, daß,wirTag und Nacht haben, daß die Jahreszeiten in der regelmäßigen Weise aufeinanderfolgen, daß wir Sonnenschein und Regen haben, daß unsere Früchte auf den Feldern gedeihen und so weiter. Das sind Ordnungen, die sich immer wiederholen nach dem Rhythmus des Kosmos, der sich für das jetzige Erdendasein herausgebildet hat, nachdem das Mondendasein in die Dämmerung hinuntergestiegen ist. Aber innerhalb des Erdendaseins wirkt Luzifer. Und wir werden sehen, daß er noch viel mehr wirkt als nur in dem Gebiet, wo wir ihn schon verfolgen konnten, in dem Menschen selbst, wo er sich allerdings seinen wichtigsten Schauplatz ausgesucht hat. Aber selbst wenn Luzifer nur innerhalb des Erdendaseins vorhanden wäre, und schon durch alle die Ordnungen, welche eintreten durch den regelmäßi&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
gen Gang der Planeten um die Sonne, durch den Wechsel von Sommer und Winter, Regen und Sonnenschein und so weiter, würden die Menschen in das verfallen, was wir nennen können «luziferische Verführung&amp;gt;. Wenn den Menschen alles das zukommen würde, was ihnen aus dem geordneten Kosmos zukommen kann,was die regelmäßigen, rhythmischen Bewegungen des Sonnensystems hervorbringen, wenn nur die Gesetze herrschten, welche unserem jetzigen Kosmos angemessen sind, so müßte der Mensch dem luziferischen Einfluß verfallen, müßte das Wohlleben lieber gewinnen als das, was er gewinnen soll zu seinem kosmischen Heil, müßte den regelmäßigen Gang lieber gewinnen als das, was er sich erringen soll.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daher mußten Gegenkräfte geschaffen werden. Es mußten Gegenkräfte wirken, welche dadurch zustande kamen, daß sich hineinmisch ten in die regelmäßigen kosmischen Vorgänge unseres Erdenlebens solche Vorgänge, die für den alten Mond höchst wohltätige und normale waren, die aber heute, wenn sie auf das Erdendasein wirken, abnorme sInd und den regelmäßigen Erdengang gefährden. Diese Einflüsse treten so auf, daß sie gewissermaßen zurechtrücken, was, wenn der bloße Rhythmus vorhanden wäre, als Hang zum Wohlleben, als Behaglichkeit und Üppigkeit entstehen würde; und es zeigen sich uns solche Kräfte zum Beispiel in dem, was als der heftige Hagel dahinstürmt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und wenn das, was sonst unter den regelrechten Kräften der Erde ge schaffen würde, zerstört wird, so wird in einem solchen Falle eine Korrektur geschaffen, die im ganzen wohltätig wirkt, wenn es auch der Mensch zunächst nicht einsieht, weil es eine höhere Vernünftigkeit gibt als die, welche der Mensch begreift. Wenn der Hagel hereinstürmt in die Felder, dann können wir sagen: Auf dem alten Monde waren diese Kräfte, welche im Hagel heranstürmen, segenbringende Kräfte wie heute diejenigen Kräfte, welche segenbringend im Regen und Sonnen schein wirken. Heute stürmen sie herein, damit Korrektur geschaffen wird für das, was der luziferische Einfluß sonst anrichten würde. Und wenn der regelmäßige Gang fortgeht, stürmen sie in immer heftigerer Weise herein, um noch mehr Korrektur zu schaffen. Alles, was zur regelmäßigen Fortentwickelung führt, gehört den Kräften der Erde selber an. Wenn der Vulkan seine Laven hinausschleudert, so wirken &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|150}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
darin Kräfte, welche als verspätete Kräfte vom alten Mond mit herübergebracht worden sind, damit sie Korrektur schaffen im Erden- leben. So ist es mit den Erdbeben und mit den Elementarereignissen überhaupt.Und wir können sehen,daßmanches,was von außen kommt, im Gesamtgange der Entwickelung seine vernünftige Begründung findet. Wie das mit dem menschlichen Ich-Bewußtsein zusammenhängt, das werden wir noch sehen; was unbefriedigend am heutigen Vortrag erscheint, wird sich dadurch morgen ausgleichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir müssen uns aber doch das eine klarlegen, daß diese Dinge alle nur die eine Seite des menschlichen Daseins&amp;gt; des Erdendaseins, des kosmischen Daseins überhaupt, darstellen. Und wenn wir auf der einen Seite sagen, wenn uns ein Organ zerstört wird, sind es wohltätige Wirkungen geistiger Mächte, und wenn wir heute gefunden haben, daß sogar der ganze Gang der Erdentwickelung wieder korrigiert werden muß durch Kräfte aus dem alten Mondendasein, so müssen wir jetzt fragen: Wie steht es nun damit, daß wir versuchen müssen, als Erden- menschen auf der andern Seite wieder Korrektur zu schaffen für die schädlichen Einflüsse der alten Mondenkräfte? - Wir werden ja schon ahnen, daß wir als Erdenmenschen nicht gerade herbeisehnen dürfen Vulkanausbrüche und Erdbeben, daß wir nicht selber Organe zerstören dürfen, um die segensreiche Wirkung der geistigen Mächte zu unterstützen. Aber wir werden uns auch sagen können, und das hat gewiß seIne Berechtigung: Bricht irgendwo eine Epidemie aus, so wird dadurch etwas herbeigeführt, was der Mensch geradezu sucht, damit in ihm etwas ausgeglichen wird. Und wir können annehmen, daß der Mensch hineingetrieben wird in gewisse Verhältnisse, um eine Schädigung zu erfahren, durch deren Überwindung er sich derVervollkommnung nähert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie steht es aber dann mit hygienischen und sanitären Maßregeln?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Könnte nicht jemand sagen: Also werden Epidemien sehr Gutes wirken können? Ist es dann nicht falsch, durch allerlei gesundheitsfördernde Einrichtungen, durch krankheitsvorbeugende Maßnahmen die Möglichkeit zu vermindern, daß solche Einflüsse geschehen? Es könnte jemand darauf kommen, daß man nichts tun sollte, um elementare Ereignisse abzuschwächen, und könnte es damit motivieren, daß es ganz im Sinne der heutigen und gestrigen Ausführungen liege.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|151}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir werden sehen, daß das nicht der Fall ist, aber wieder nur unter gewissen Voraussetzungen nicht der Fall ist. Wir werden nämlich jetzt erst in der richtigen Weise dazu vorbereitet sein, um bei der nächsten Betrachtung derVerhältnisse einerseits zu verstehen, wie uns wohltätige Einflüsse geradezu die Schädigung eines Organs zufügen, damit wir der Wirkung der Maja nicht verfallen, und anderseits uns jener Wirkung bewußt zu werden, die wir hervorrufen, wenn wir uns selbst der Auswirkung solcher wohltätiger Einflüsse entziehen, indem wir sanitäre und hygienische Maßnahmen gegen die Krankheiten ergreifen. - Wir werden sehen, daß wir hier an einem Punkt stehen, an dem der Mensch so häufig steht: Wenn ein scheinbarer Widerspruch auftaucht und ihn die ganze Kraft des Widerspruchs tfeibt, dann ist er nahe daran, an einen solchen Punkt zu kommen, wo die ahrimanischen Mächte einen großen Einfluß auf ihn ausüben können. Nirgends liegt die Möglichkeit so nahe, uns~i~öuschungen hinzugeben,wie jetzt,wo wir in einen solchen Engpaß hineingekommen sind. Und es ist gut, daß wir jetzt da hinein- gekommen sind; denn jetzt können wir sagen: Wohltätige Mächte sind es, welche uns ein Organ unbrauchbar machen, denn das ist eine Gegenwirkung gegen Ahriman; also müßten es jetzt die Schädlinge der Menschheit sein, welche nicht das fordern, was man nennen kann «wohltätige Gegenwirkungen gegen die ahrimanischen Mächte». Denn hygienische Maßregeln und dergleichen würden diese wohltätige Gegenwirkung einschränken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir sind in einem Engpaß. Und es ist gut, daß wir einmal in diesen Widerspruch geführt sind, damit wir darüber nachdenken, daß solche Widersprüche möglich und sogar eine gute Schulung für unseren Geist sind. Denn wenn wir gesehen haben werden, wie wir uns aus diesem Widerspruch herausretten können, dann werden wir aus uns selbst heraus etwas getan haben, was uns Kraft geben kann, um uns den Täuschungen des Ahriman zu entziehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|152}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= ACHTER VORTRAG Hamburg, 25. Mai 1910 =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir zurückdenken an den Widerspruch, den wir am Ende unserer letzten Betrachtung vor uns hin gestellt haben, so müssen wir zu seiner Lösung heute nochmals zurückblicken auf die beiden Kräfte, auf die beiden Prinzipien, die uns nun im Laufe der Zeit geradezu wie die Herausforderer und auch wieder wie die Regulatoren unseres Karma erschienen sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir haben gesehen, daß unser. Karma erst dadurch in Bewegung gebracht wird, daß wir die Einflüsse der luziferischen Gewalten auf unseren astralischen Leib erleiden, daß wir durch die Versuchung dieser Gewalten zu Gefühls-, Trieb- und Leidenschaftsäußerungen kommen, die uns in gewisser Beziehung unvollkommener machen, als wir sonst wären. Wenn nun die luziferischen Einflüsse auf uns wirken, dann fordern sie auf der andern Seite heraus die ahrimanischen Einflüsse, jene Kräfte, welche nun nicht von innen heraus, sondern von außen her auf uns wirken, die im Wechselverkehr mit der Welt durch dasjenige hindurchwirken,was uns eben von außen entgegentritt. So ist es im Grunde Ahriman, der herausgefordert wird durch Luzifer, und wir Menschen sind eigentlich so lebendig hineingestellt in den Streit dieser beiden Prinzipien. Und wir müssen im Leben versuchen, gerade dadurch vorwärtszukommen, daß wir, wenn wir einmal in die Fangarme Luzifers oder Ahrimans gekommen sind, nach Mitteln und Wegen suchen, um wieder durch Überwindung dessen, was in uns angerichtet worden ist, höher zu steigen. Ganz deutlich aber können wir sehen, wie in der Tat dieses Wechselspiel zwischen luziferischen und ahrimanischen Mächten um unsere Person herum stattfindet, wenn wir uns den Fall in einer etwas andern Form noch einmal vor Augen rücken, den wir schon das letzte Mal angeführt haben: den Fall, daß jemand ahrimanischen Einflüssen verfällt, so daß er allerlei Vorspiegelungen,Täuschungen erlebt, daß er glaubt, dies oder jenes werde ihm besonders mitgeteilt oder mache auf ihn nach dieser oder jener Richtung hin einen Eindruck, woraus aber für einen andern, der sich seine gesunde Urteilskraft bewahrt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|153}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
hat, leicht zu erkennen ist, daß der Betreffende Irrtümern und Täuschungen verfallen ist. Das letzte Mal haben wir gesprochen von den Fällen, wo jemand hellseherischen, aber im schlimmen Sinne hellseherischenTäuschungen der geistigen Welt unterworfen wird. Da haben wir ausdrücklich angeführt, daß dies dann ~uschungen sind, die durch ahrimanische Kräfte hervorgerufen werden. Und wir haben gesehen, daß gegen solche Täuschungen, welche durch unrichtiges Hellsehen hervorgerufen werden, es kein anderes oder wenigstens kein günstigeres Mittel gibt als die gesunde Urteilskraft, die erworben wird im physischen Leben zwischen Geburt und Tod.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was wir im letzten Vortrage gesagt haben, ist etwas Bedeutungsvolles und Wesentliches, wenn wir es mit hellseherischen Verirrungen zu tun haben. Denn bei einem Hellsehen, das nicht durch regelrechte Schulung, nicht durch systematische Übungen erreicht worden ist, die streng und richtig geleitet werden, sondern das durch alte vererbte Merkmale eintritt, in Bildern oder Hören in Tönen und dergleichen, bei einem solchen unrichtigen Hellsehen können wir immer finden, daß es zurückgeht, daß es aufhört sogar, wenn der Betreffende die Möglichkeit findet und die Neigung hat, sich ernstlich auf theosophische Studien einzulassen, theosophische Erkenntnis wirklich aufzunehmen, oder gar sich einläßt auf eine wirkliche, sinn- und sachgemäße Schulung. Also in einem solchen Falle, wo wir es mit Verirrungen der übersinnlichen Erkenntnis zu tun haben, können wir sagen, daß die echten Quellen der Erkenntnis, wenn der Betreffende ihnen zugänglich ist, auch immer für ihn eine Hilfe sein werden, die ihn auf den rechten Weg bringen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dagegen dürfen Sie das, was gerade als eine Gegenüberstellung vor- gebracht werden muß und was eine so triviale Wahrheit ist, daß jeder sie kennt, nicht anführen. Jeder weiß, daß wenn jemand durch karmische Verwicklungen dazu gekommen ist, Zustände zu entwickeln, welche ihn zu den Symptomen des Verfolgungswahnes, des Größenwahnes führen, daß er dann in seiner Seele ein ganzes System vonWahnideen ausbilden kann, die von ihm so logisch wie nur möglich begründet werden, die aber doch eben Wahnideen sind. Es kann zum Beispiel vorkommen, daß jemand auf andern Gebieten des Lebens ganz richtig und &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|154}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
logisch denkt, daß er jedoch die`Wahnidee hat, er werde überall verfolgt um dieses oder jenes Grundes willen. Er wird dann imstande sein, wo er hinkommt, aus den geringsten Vorkommnissen Kombinationen geistreichster Art zu machen: Da ist wieder eine Clique, die nichts anderes will, als mir dies oder das anzutun! - Und er wird Ihnen in der geistreichstenArt beweisen,wie begründet seinVerdacht ist. So kann jemand ein ganz logischer Kopf sein und doch in sich gewisse Symptome der Verrücktheit ausleben. Da wird es ganz unmöglich sein, einen solchen Menschen mit logischen Gründen zu widerlegen. Im Gegenteil, wenn man in einem solchen Falle mit logischen Gründen kommt, dann kann es geschehen, daß die Wahnideen, die in dem Inneren des Betreffenden sitzen, erst recht herausgefordert werden und noch schärfere Beweismittel suchen für das, was er als den Inhalt seinerVerfolgungswahnidee geltend macht. - Wenn im geisteswissenschaftlichen Sinne gesprochen wird, müssen die Dinge ganz genau genommen werden. Wenn vorhin und auch das letzte Mal betont worden ist, daß man in den geisteswissenschaftlichen Erkenntnissen, denen sich jemand mit aller Mühe oder sogar in einer prinzipiellen systematischen Schulung hingibt, eine Gegenmacht hat gegen eine Verirrung der hellseherischen Kräfte, so ist damit ein ganz anderer Fall gemeint als der, welcher soeben charakterisiert worden ist. Jetzt handelt es sich nicht darum, daß man dem Betreffenden mit geisteswissenschaftlichen Erkenntnissen beikommt. In der Regel will man ihm beikommen mit Gründen aus dem Gebiet der gewöhnlichen Vernünftigkeit. Für die aber ist ein solcher Mensch absolut unzugänglich. Warum ist das der Fall?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn ein solches Krankheitsbild auftaucht, wie es sich in den geschilderten Symptomen auslebt, haben wir es damit zu tun, daß der Betreffende darin eine karmische Ursache von früheren Verkörperungen, von früheren Verirrungen zutage treten läßt. Was als eine Verirrung des Inneren anzusehen ist, liegt nicht und kann nicht in diesem Falle in der gegenwärtigen Inkarnation liegen, sondern das liegt in einer vorhergehenden Inkarnation. Nun machen wir uns ein Bild, wie so etwas aus der früheren Inkarnation in die gegenwärtige herüberkommt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dazu müssen wir ins Auge fassen, wie eigentlich unsere Seelenentwickelung verläuft. Wir bestehen als äußerer Mensch aus physischem &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|155}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Leib, Ätherleib und astralischem Leib, haben dann im Laufe der Zeit hineingebaut in diese Hüllen durch die Arbeit des Ich die Empfindungsseele in den Empfindungsleib, die Verstandes- oder Gemütsseele in den Atherleib und die Bewußtseinsseele in den physischen Leib. Was wir in unserem Inneren als die drei Seelenglieder entwickeln, das haben wir hineingebaut in die drei Hüllen, das lebt jetzt in diesen drei Hüllen. Nun nehmen wir an, in irgendeiner Inkarnation werden wir durch den Einfluß Luzifers - also dadurch, daß wir in uns egoistische oder sonstige, dem luziferischen Einfluß zuzuschreibende Triebe, Begierden, Instinkte entwickeln - so verführt, daß wir Verfehlungen auf unsere Seele laden. Diese Verfehlungen können nun sein in der Empfindungsseele, können sein in der Verstandes- oder Gemütsseele oder auch in der Bewußtseinsseele. Das ist dann die Ursache, die in irgendeiner folgenden Inkarnation in einem der drei Seelenglieder gegeben ist. Nehmen wir an, es sei ein Fehler, der besonders auf den Kräften der Verstandesseele beruht. Der wird dann in dem Zustande zwischen Tod und neuer Geburt so umgewandelt, daß dasjenige, was zum Beispiel die Verstandesseele verbrochen hat, in seiner Wirkung sich zeigt im Ätherleib. Das ist mittlerweile beim Durchgehen durch den Tod bis zur neuen Geburt hineingearbeitet worden in den Ätherleib. Wir stoßen also in der neuen Inkarnation auf eine Wirkung in dem Ätherleib, die zurückzuführen ist auf eine Ursache in der Verstandesseele in einer vorhergehenden Inkarnation. Nun arbeitet aber dieVerstandesseele der nächsten Inkarnation wieder für sich selbständig in dieser Inkarnation, und es ist nun ein Unterschied, ob der Mensch jene Verfehlung früher begangen hat oder nicht. Hat er sie in einer früheren Inkarnation begangen, so hat er jetzt einen Fehler in seinem Ätherleibe. Das sitzt nun tiefer, der sitzt nicht in der Verstandesseele, sondern im Ätherleibe. Aber was der Mensch sich auf dem physischen Plan als Vernünftigkeit, als Verständigkeit erarbeiten kann, das wirkt ja nur auf seine Verstandesseele; das wirkt nicht auf das, wie seine Verstandesseele in einer früheren Inkarnation sich betätigt hat und was jetzt schon in den Ätherleib hineingearbeitet ist. Daher kann es vorkommen, daß die Kräfte der Verstandesseele,wie sie uns jetzt bei einem Menschen entgegentreten, logisch intakt arbeiten, so daß also das eigentliche menschliche Innere ganz intakt ist, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|156}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
daß aber durch das Zusammenarbeiten zwischen Verstandesseele und dem krankhaften Teil des Ätherleibes von diesem Ätherleib aus nach einer gewissen Richtung hin ein Irrtum projiziert wird. Dann kann man zwar mit den Gründen, die man auf dem physischen Plan aufbringen kann, auf die Verstandesseele wirken, nicht aber unmittelbar auf den Ätherleib. Daher können Sie durch Logik, durch Überzeugung nichts ausrichten, ebensowenig wie Sie mit Logik etwas anfangen können, wenn Sie einen Menschen vor einen konvex gebogenen Spiegel hin- stellen, so daß der Betreffende darin sein verzerrtes Bild sieht, und Sie ihm dann beweisen wollen, daß er unrecht hat, das Bild so zu sehen. Er sieht doch ein verzerrtes Bild. So hängt es auch nicht vom Menschen ab, daß er in einer krankhaften Weise etwas falsch versteht, denn es wird seine sonst gesunde Logik von seinem Ätherleibe aus nicht in einer gesunden Weise gespiegelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf diese Weise können wir die karmische Wirkung früherer Inkarnationen in unserer tieferen Organisation in uns tragen. Und wir können geradezu angeben, wie in einem bestimmten Teig derselben - wie hier in unserem Ätherleib - das Schadhafte vorhanden ist. Daran sehen wir, was wir durch den luziferischen Einfluß in einer früheren Verkörperung herausgefordert und dann umgewandelt haben. Und in der Zwischenzeit zwischen Tod und neuer Geburt kommt die Umwandlung zustande von einem Inneren in ein Äußeres, und dann wirkt uns Ahriman aus unserem eigenen Ätherleibe entgegen. Das zeigt uns, wie Ahriman herangelockt wird an unseren eigenen Ätherleib durch Luzifer. Die frühere Verfehlung war eine luziferische, das Umgewandelte aber ist ein solches, daß uns gleichsam die Quittung dafür in der nächsten Inkarnation durch Ahriman gegeben wird. Und dann handelt es sich darum, daß der Mensch diese Schädigung seines Ätherleibes aus sich herausbringen muß. Das kann nur dadurch geschehen, daß tiefer in seine Organisation ein gegriffen wird, als es mit den gewöhnlichen Mitteln der äußeren Vernunft in einer Inkarnation möglich ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer so etwas durchmacht, daß er zum Beispiel den Symptomen des Verfolgungswahnes in einer bestimmten Inkarnation verfällt, der wird, wenn er neuerdings wieder durch die Pforte des Todes tritt, alle die Tatsachen vor sich haben, welche er sich geleistet hat infolge seiner &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|157}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ahrimanischen Schädigung, und er wird sie in ihrer ganzen Absurdität vor sich haben. Das wird für ihn wieder die Kraft sein, welche ihn für seine nächste Inkarnation gründlich heilt. Denn er kann nur dadurch geheilt werden, daß dasjenige, was er unter dem Einfluß der entsprechenden Symptome vollzogen hat, ihm in der äußeren Welt für die Folge als absurd erscheint. Damit haben Sie etwas gegeben, was von uns zu einer solchen Heilung getan werden kann. Wenn jemand unter derartigen Wahnideen leidet, werden Sie ihn am wenigsten durch logische Gründe von seinen Wahnideen abbringen können. Sie werden dadurch nur seinen Widerspruch erst recht herausfordern. Aber Sie werden etwas erreichen, besonders wenn sich in früher Jugend so etwas zeigt, wenn Sie den Menschen in Lagen bringen, wo sich ihm die Folgen seiner Symptome kraß als unsinnig darstellen, wenn Sie ihn vor Tatsachen führen, die er hervorruft und die als kraß unsinnige wieder auf ihn zurückschlagen. Dadurch können Sie in gewisser Weise eine Heilung hervorrufen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie können auch dann heilend wirken, wenn Sie selbst so weit im Besitze der geisteswissenschaftlichen Wahrheiten sind, daß sie inneres Eigentum Ihrer Seele geworden sind. Sind sie so Ihr Besitz geworden, daß sie stehen und fallen mit Ihrer ganzen Persönlichkeit, dann haben Sie sie ja als den denkbar stärksten Glauben; dann ist Ihre ganze Persönlichkeit ein Ausstrahler dieser geisteswissenschaftlichen Wahrheiten. Mit diesen Wahrheiten, welche hereinströmen in das Leben zwischen Geburt und Tod und es erfüllen, die aber dennoch über dieses Leben selbst hinausragen, die Erkenntnisse sind aus übersinnlicher Welt, mit ihnen können Sie tiefergehende Wirkungen erzielen als mit äußeren Vernunftwahrheiten. Während Sie mit äußeren logischen Gründen nichts anfangen können, werden Sie, wenn Sie die geisteswissenschaftlichen Wahrheiten anwenden und wenn Sie genug Zeit und Gelegenheit dazu haben, allerdings so weit Impulse auf den betreffenden Menschen ausüben können, daß Sie sozusagen in der einen Inkarnation das vermögen, was sonst nur auf dem Umwege von einer auf die andere Inkarnation geschehen kann: nämlich hineinzuwirken von der Verstandesseele in den Ätherleib. Denn die Wahrheiten des physischen Planes sind nicht imstande, auch nur im geringsten die Kluft zwischen Empfin&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
dungsseele und Empfindungsleib, zwischen Verstandesseele und Ätherleib oder gar zwischen Bewußtseinsseele und physischem Leib zu überspringen. Daher werden Sie immer erleben, daß jemand auf dem physischen Plan noch so viel Weisheit über die sinnliche Welt aufnehmen kann: diese Weisheit wird in sehr geringem Zusammenhange stehen mit seiner Gemütswelt, mit dem, was wir nennen das Durchdrungensein seines Empfindungsleibes mit den entsprechenden Impulsen und Leidenschaften. Daher kommt es vor, daß jemand ein sehr gelehrtes Haus sein kann, ein großes theoretisches Wissen haben kann über die Dinge der physischen Welt, ein alter Professor geworden sein kann - und es im Inneren nicht zu einer Umwandlung seiner Triebe und Empfindungen und Leidenschaften gebracht hat, die sich im Empfindungsleib abspielen. Er kann im Grunde viel wissen über die physische Welt und ein krasser Egoist sein, weil er die Impulse dazu in der Jugend aufgenommen hat. - Natürlich kann ganz gut nebeneinander herlaufen äußere physische Wissenschaft und Durchbildung des Empfindungsleibes und Ätherleibes von innen heraus.Und ebenso kann der Mensch Verstandeswahrheiten aufnehmen, mancherlei, was sich als Kräfte der Gemütsseele aufnehmen läßt in bezug auf den physischen Plan, aber er kann jene tiefe Kluft nicht überspringen, welche zwischen der Verstandesseele und dem Ätherleib besteht. Mit andern Worten, Sie können immer wieder finden: Wenn jemand äußerliche Wahrheiten aufnimmt, wenn er auch noch so viel lernt - das eine werden Sie selten finden, daß dieses Gelernte wirklich Gewalt hat auf die formenden Kräfte seines Leibes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei einem Menschen, bei dem die Wahrheiten so wirken, daß sie sein ganzes Sein ergreifen, da werden Sie erleben können, daß sich im Laufe von zehn Jahren seine Physiognomie verändert, daß Sie ihm an der Stirn ablesen können, wie er gerungen hat, wie er zum Beispiel mit gewIssen Zweifeln in seinem Herzen gerungen hat. Oder auch an seinen Gesten können Sie es bemerken, wenn er zum Beispiel aus eigenem Verhalten ein ruhiger Mensch geworden ist. Da drängt sich das in die formenden Kräfte des Organismus hinein, und es wird der Organismus in den feinsten Teilen davon ergriffen. Da wirkt das, was der Mensch spirituell aufnimmt, bis in die feinsten Teile seiner Organisation hinein. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Wenn das, was das Gemüt ergreift, nicht nur auf den physischen Plan weist, dann ist der Mensch nach zehn Jahren auch ein anderer. Aber die Änderung liegt in der normalen Richtung, wie die Anlagen sich im normalen gewöhnlichen Leben ausbilden und ändern. Man kann vielleicht im Verlaufe von zehn Jahren einen andern Gesichtsausdruck bekommen; aber wenn man nicht in der inneren Weise den Abgrund überspringt, sind es äußere Einflüsse gewesen. Da ist es keine den Menschen vom Inneren ergreifende Kraft, was ihn umgestaltet. Daran können wir sehen, daß nur das Spirituelle, was sich im Innersten wirklich mit unserem innersten Menschen verbindet, in der Lage ist, schon in der Zeit zwischen Geburt und Tod umwandelnd auf die formenden Kräfte zu wirken, daß aber mit Sicherheit dieser Übergang, dieses Überschreiten des Abgrundes stattfindet in der karmischen Wirksamkeit zwischen dem Tode und einer neuen Geburt. Wenn zum Beispiel das, was die Empfindungsseele erlebt hat,hineingesenkt wird in jeneWelten, die wir durchschreiten in der Zwischenzeit zwischen Tod und neuer Geburt, dann macht es sich gewiß in der nächsten Inkarnation als formende, bildende Kraft geltend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf diese Weise haben wir das gegenseitige Zusammenwirken Ahrimans und Luzifers begriffen. Und nun fragen wir uns: Wie stellt sich dieses Zusammenwirken dar, wenn die Dinge noch etwas entfernter liegen, wenn sie zum Beispiel als luziferischer Einfluß nicht nur den Abgrund zu überschreiten haben von der Verstandesseele bis zum Ätherleib, sondern wenn sie sozusagen einen weiteren Weg haben?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen wir an, wir unterliegen in einem Leben ganz besonders stark dem Einflusse Luzifers. In einem solchen Falle sind wir mit unserem ganzen inneren Menschen um ein ganzes Stück unvollkommener gewordeh, als wir vorher waren, und in der Kamalokazeit haben wir dann in der eminentesten Weise das vor Augen, daß wir uns sagen: Du mußt etwas ganz Mächtiges tun, um diese Unvollkommenheit wieder auszugleichen! - Wir nehmen also diese Tendenz in uns auf und bilden in der nächsten oder einer der nächsten Inkarnationen mit dem, was jetzt formende Kräfte geworden sind, unseren neuen Organismus so, daß dieser die Tendenz haben muß, den Ausgleich des früher Durchlebten herbeizuführen. Aber nehmen wir an, dasjenige, was den luziferischen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Einfluß ausgelöst hat, sei durch ein Äußeres veranlaßt gewesen, sei eine äußere Begierde gewesen. Dann muß doch wieder Luzifer als ein Einfluß dagewesen sein. Das Äußere hätte nicht auf uns wirken können, wenn nicht Luzifer in uns gewirkt hätte. Wir haben also die Tendenz in uns, das, was wir unter dem luziferischen Einfluß geworden sind, wieder auszugleichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber nun haben wir gesehen, daß der luziferische Einfluß in einer Inkarnation herausfordert den ahrimanischen Einfluß in einer nächsten Inkarnation, daß er ihn herbeizieht, so daß die beiden durchaus in Wechselwirkung miteinander stehen. Der luziferische Einfluß ist aber ein solcher, daß wir sagen konnten: Er zeigt sich für uns im Bewußtsein, das heißt&amp;gt; wir können mit unserem Bewußtsein noch notdürftig hinunterreichen in unseren astralischen Leib. Wir haben gesagt, wenn Schmerzen sich uns zum Bewußtsein bringen, so ist das luziferischer Einfluß. Aber wir können nicht in diejenigen Gebiete hinunter, die wir bezeichnen können als Bewußtsein unseres Ätherleibes und unseres physischen Leibes. Wir haben zwar auch im traumlosen Schlaf ein Bewußtsein, aber ein Bewußtsein von so niederem Grade, daß der Mensch im gewöhnlichen Leben nicht in der Lage ist, von diesem Bewußtsein überhaupt etwas zu wissen. Aber das ist durchaus kein Anlaß, daß wir in diesem Bewußtsein nichts tun. Dieses Bewußtsein hat zum Beispiel normalerweise die Pflanze, die ja nur aus physischem Leib und Ätherleib besteht. Die Pflanze lebt fortwährend in einem traumlosen Schlafbewußtsein. Unser Bewußtsein des Ätherleibes und des physischen Leibes ist auch im Tagwachen vorhanden; aber wir können nicht bis zu ihm hinuntersteigen. Daß aber dieses Bewußtsein handeln kann, das zeigt sich uns zum Beispiel, wenn wir im Schlafe somnambule Handlungen,nachtwandlerische Handlungen ausführen,von denen wir nichts wissen. Das ist das traumlose Schlafbewußtsein, das diese Handlungen vollführt. Das gewöhnliche Ich-Bewußtsein und das astralische Bewußtsein reichen nicht hinunter bis dahin, wo zum Beispiel die Handlungen des Nachtwandlers ausgeführt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber wir dürfen nicht glauben, weil wir bei Tage im Ich-Bewußtsein und astralischen Bewußtsein leben, daß nicht mit uns leben die andern Bewußtseinsarten. Wir wissen nur von ihnen nichts. Nehmen wir nun &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|161}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
an, wir haben durch einen luziferischen Einfluß in einer früheren Inkarnation einen starken ahrimanischen Einfluß herausgefordert; dann wird dieser ahrimanische Einfluß nicht wirken können auf unser gewöhnliches Bewußtsein. Er wird aber ergreifen das Bewußtsein,welches in unserem Ätherleibe sitzt, und dieses Bewußtsein wird uns dann nicht bloß zu einer gewissen Organisation unseres Ätherleibes führen können, sondern sogar zu Handlungen, welche sich so ausleben, daß uns das Bewußtsein unseres Ätherleibes sagt: Du kannst jetzt nur dasjenige aus dir heraus entfernen, was der luziferische Einfluß, dem du in der früheren Inkarnation so mächtig verfallen bist, in dir angestellt hat; und&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
das kannst du dadurch, daß du jetzt eine Handlung begehst, die genau in der umgekehrten Linie liegt als die frühere luziferische Verfehlung!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen wir an, wir seien durch einen luziferischen Einfluß dazu gebracht worden, von einem vorhergehenden religiösen oder nach dem Geistigen hinzielenden Standpunkt zu einem solchen überzugehen, wo der Mensch sagt: Ich will das Leben hier genießen! -, wo er also den Sprung in das Sinnliche mit aller Macht getan hat. Dann fordert so etwas den ahrimanischen Einfluß in der Art heraus, daß genau das Umgekehrte verursacht wird. Da kommt es denn vor, daß der Mensch, wenn er durch das Leben schreitet, einen Punkt aufsucht, wo er aus dem sinnlichen Leben in das geistige mit einem Sprunge wieder hineingehenkann. Dort ist er mit einem Sprunge in das Sinnliche verfallen - hier will er mit einem Sprunge in das geistige Leben zurück. Das Oberbewußtsein bemerkt das nicht; aber das geheimnisvolle Unterbewußtsein, das an den physischen Leib und Ätherleib gekettet ist, treibt jetzt den Menschen dazu&amp;gt; den Ort aufzusuchen, wo man ein Gewitter ab- warten kann, wo eine Eiche steht, eine Bank darunter, und - der Blitz schlägt ein! Da hat sein Unterbewußtsein den Menschen erfüllen lassen, was er in einer früheren Inkarnation getan hat. Da haben wir das Umgekehrte. So begreifen wir eine Wirkung unter einem luziferischen Einfluß in einem früheren Leben, und als Folge einen Einfluß Ahrimans in dein jetzigen Leben. Ahriman muß hier mitwirken zu dem Zwecke, daß wir unser 0berbewußtsein so weit ausschalten, daß in diesem Falle unser ganzer Mensch nur dem Bewußtsein des Ätherleibes oder des physischen Leibes folgt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|162}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf diese Weise begreifen wir mancherlei Dinge, die auch sonst im Leben geschehen. Aber wir dürfen,wenn zum Beispiel jemand im Leben zum Tode kommt oder eine schwere Verwundung erleidet, nicht jeden solchen Fall auf etwas Ähnliches zurückführen. Da würden wir in einer sehr engen Weise das Karma auffassen. Aber es gibt wirklich Strömungen auch in unserer theosophischen Bewegung, welche das Karma in einer recht engen Weise auffassen, die zwar glauben, daß sie in dem Karma wirklich etwas haben, was zu einem höheren Gesichtspunkt führt, es aber nicht wirklich kennen. Sie fassen das Karma so auf, daß, wenn es wirklich so wäre, wie sie es auffassen, immer die ganze Weltordnung wegen eines jeden einzelnen Menschen besonders eingerichtet sein müßte, damit sie zum harmonischen Verlauf und zum Ausgleich eines jeden einzelnen im Menschenleben diente, daß also in einem Leben die Verhältnisse immer so zusammengeführt werden, daß ganz genau der Ausgleich für das geschaffen werden muß, was in einem früheren Leben entstanden ist. Dieser Standpunkt ist aber nicht haltbar. Wie wäre es denn, wenn sich jemand hinstellte vor einen Menschen, dem ein Unglück passiert ist, und ihm sagt: Das ist dein Karma, das ist die karmische Wirkung aus einem früheren Leben; das hast du damals verschuldet! - Wenn aber jetzt der Betreffende diesen oder jenen Glücksfall erlebt, dann sagt der andere: Das führt zurück auf ein Gutes, das du früher getan hast! - Wenn das aber einen wirklichen Wert haben soll, so müßte doch derjenige, der so spricht, erst sehen, was in dem früheren Leben geschehen ist, das diese Wirkung hervorgebracht haben soll. Hätte er sich in das frühere Leben gestellt, so würde er da die Ursachen sehen, die aus jenem Leben kommen, und müßte dann auf die spätere Inkarnation hinschauen, wenn er die Wirkungen erblicken will.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daraus folgt aber für uns logisch folgendes: Es treten in jeder Inkarnation Tatsachen ein, die erste Ereignisse darstellen in dem Leben jedes Menschen, wie es sich von Verkörperung zu Verkörperung abspielt, und diese werden ihren k~rmischen Ausgleich im nächsten Leben haben. Wenn man im nächsten Leben sich dann die Wirkungen anschaut, dann kann man auf die Ursachen hinblicken. Wenn aber jetzt ein Unglücksfall geschieht und man mit allen Mitteln im früheren Leben keine Ursachen dafür findet, dann muß man sich sagen, es findet eben der Aus- &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|163}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gleich in einem späteren Leben statt. Karma ist kein Fatum! Es wird aus jedem Leben etwas in die späteren hineingetragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir das verstehen, werden wir es auch begreiflich finden, daß der Mensch sinnvoll und bedeutungsvoll neue Ereignisse in seinem Leben finden kann. Denken wir daran, daß ja die großen Ereignisse im Gange der Menschheitsentwickelung nur dadurch zustande kommen können, daß sie von bestimmten Personen getragen werden. Personen müssen in einem bestimmten Zeitpunkt die Absichten der Entwickelung übernehmen. Denken Sie daran, wie die mittelalterliche Entwickelung verlaufen wäre, wenn nicht in einer bestimmten Zeit Karl der Große eingegriffen hätte, oder wie das Geistesleben der alten Zeiten verlaufen wäre, wenn nicht in einer bestimmten Zeit Aristoteles gewirkt hätte. Denken Sie, daß Sie, wenn Sie den Gang der Menschheitsentwickelung begreifen wollen, den Aristoteles in die Zeit hineindenken müssen, wo er gelebt hat; denn ohne ihn würde später vieles anders geworden sein. Dadurch sehen wir, daß solche Persönlichkeiten, wie Karl der Große, Aristoteles, Luther und so weiter nicht um ihretwillen, sondern um der Welt willen in der betreffenden Zeit leben mußten. Ihre persönlichen Schicksale sind darum doch innig verflochten mit dem, was in derWelt geschieht. Können wir aber deshalb sagen, daß das, was sie wirken, zusammentrifft mit dem, was sie sich früher verdient oder was sie früher verschuldet haben?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen Sie den Fall von Luther: Alles, was er erlebt und erduldet hat, können Sie nicht nur auf sein karmisches Konto schreiben; Sie müssen sich klar sein, daß dasjenige, was in einem bestimmten Zeitpunkt in der Menschheitsentwickelung geschehen soll, durch das Hineingestelltsein bestimmter Individualitäten geschieht. Diese Individualitäten müssen heruntergeführt werden aus der geistigen Welt ohne Rücksicht darauf, ob sie für sich selbst weit genug sind, um heruntergeführt zu werden, denn sie werden heruntergeführt zu den Zwecken der Menschheitsentwickelung. Und es muß vielleicht ein karmischer Weg frühzeitig unterbrochen oder verlängert werden, damit die betreffenden Persönlichkeiten zu einem bestimmten Zeitpunkt in das Leben hineingestellt werden können. Da werden über Personen Schicksale verhängt, die mit dem vorangegangenen Karma nichts zu tun zu haben &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|164}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
brauchen. Aber wenn man als Mensch einmal so hineingestellt worden ist und wenn man das getan hat, was man zwischen Geburt und Tod tun kann, so bildet das karmische Ursachen. So wahr es also ist, daß ein Luther hineingestellt wird in das Leben um der Menschheit willen und Schicksale erdulden kann, welche nichts zu tun haben mit seinem früheren Karma, so wahr ist es, daß mit seinem späteren Karma dasjenige, was er da vollbringt, wieder etwas zu tun haben wird. Karma ist ein allgemeines Gesetz, und jeder muß es durchleben. Aber wir dürfen es nicht so auffassen, daß wir nur in frühere Verkörperungen zurückblicken, sondern wir müssen es so auffassen, daß wir auch vorwärts- blicken müssen. Deshalb können wir durchaus sagen: Es kann sich uns von diesem Gesichtspunkt aus ergeben, daß allerdings erst ein späteres Leben rechtfertigen kann auch vorhergehende Inkarnationen, indem uns schon Dinge zugefallen sind,welche gar nicht in unserer karmischen Linie liegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen wir folgenden Fall an, der sich tatsächlich zugetragen hat: Bei einer Naturkatastrophe hatten eine Anzahl von Seelen den Untergang gefunden. Wir brauchen durchaus nicht zu glauben, das wäre ihr Karma gewesen, daß sie alle zusammen dabei zugrunde gegangen sind; denn das wäre eine sehr billige Annahme. Es braucht gar nicht so zu sein, daß es immer auf frühere Verschuldungen zurückführt. Es gibt einen erforschten Fall, wo eine Anzahl von Menschen bei einer Naturkatastrophe zugrunde gegangen sind. Das hat dann aber dazu geführt, daß diese Menschen in einer späteren Zeit sich gemeinsam verbunden fühlten und durch das gemeinsame Schicksal sich als stark erwiesen, etwas Gemeinsames in der Welt zu unternehmen. Durch jene Katastrophe war die Ursache gebildet, daß sie im späteren Leben sich gründlich abgewöhnt hatten, nur an der Materie zu hängen, so daß sie sich für ihr späteres Leben eine Gesinnung mitgebracht haben, welche sie zum Spirituellen geführt hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was ist in diesem Falle geschehen? Gehen wir zurück in das vorige Leben, so finden wir, daß als ein besonderes Ereignis das zusammen Untergehen bei einem Erdbeben eingetreten ist: da hat sich ihnen die Wertlosigkeit des Materiellen in dem Augenblicke des Erdbebens vor die Seele gedrängt, und da hat sich bei ihnen die Gesinnung nach dem &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|165}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Spirituellen entwickelt. Daran sehen wir, wie Menschen, die ein Spirituelles der Welt zu bringen hatten, dazu vorbereitet waren durch einen solchen Fall, der uns die Weisheit der Entwickelung zeigt, der geisteswissenschaftlich untersucht ist und sich durchaus zugetragen hat. - So können wir zeigen, daß wir zum ersten Male Ereignisse ins Menschenleben eintreten sehen und daß wir auch beim Untergang eines oder mehrerer Menschen bei einer Katastrophe oder einem Unglücksfall den frühzeitigen Tod eines Menschen nicht immer auf eine frühere Verschuldung zurückführen dürfen, sondern daß so etwas als erste Ursache auftreten kann und daß im nächsten Leben der Ausgleich erfolgt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es sind aber noch andere Fälle möglich. Es kann vorkommen, daß jemand in zwei, drei aufeinanderfoigenden Inkarnationen ein Leben frühzeitig zu beschließen hat. Das kann eintreten,weil diese Individualität dazu berufen ist, der Menschheit durch drei Inkarnationen hindurch etwas zu bringen, was man nur bringen kann, wenn man in der physischen Welt mit solchen Kräften lebt, die sich in einem sich aufbauenden Körper ergeben. Es ist ein ganz anderes, ob man in einem Körper lebt, der sich bis zum fünfunddreißigsten Jahre entwickelt, oder in einem Körper des späteren Alters. Denn bis zum fünfunddreißigsten Jahre schickt der Mensch seine Kraft in die Körperlichkeit, so daß er die Kraft von innen heraus entfaltet. Dann aber beginnt, vom fünfunddreißigsten Jahre angefangen, ein Leben, wo der Mensch nur innerlich weiterschreitet und fortwährend mit seinen Lebenskräften anzustürmen hat gegen die äußeren Kräfte. Diese zwei Lebenshälften sind durchaus verschieden voneinander, wenn wir auf die innere Organisation sehen. Nehmen wir nun an, man braucht gemäß der Weisheit der Entwickelung der Menschheit solche Menschen, welche nur gedeihen können, wenn sie nicht anzustürmen haben gegen das, was sich uns entgegendrängt in der zweiten Lebenshälfte, dann kann es sein, daß die Inkarnationen frühzeitig abgerissen werden. Solche Fälle gibt es. Und wir haben selbst schon bei unseren Zusammenkünften hingewiesen auf eine Individualität, welche nacheinander erschienen ist als großer Prophet, als ein bedeutender Maler und als großer Dichter, und immer mit einem frühzeitigen Tode ihr Leben beschlossen hat, weil das, was diese Individualität in drei Inkarnationen zu leisten hatte, nur dadurch &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|166}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
möglich war, daß die Inkarnationen abgebrochen wurden vor einem Sich-Hineinleben in die zweite Lebenshälfte. Darin haben Sie das Eigentümliche des Verstricktseins von menschlichem individuellem Karma und allgemeinem Menschheitskarma.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir können noch tiefer gehen und können im allgemeinen Menschheitskarma gewisse karmische Ursachen aufsuchen, welche sich in späteren Zeiten dann in ihren Wirkungen zeigen; da muß sich der einzelne Mensch wieder hineingestellt sehen in das Menschheitskarma.Wenn wir die nachatlantische Entwickelung in Betracht ziehen, haben wir die griechisch-lateinische Zeit in der Mitte liegend, voran ging ihr die ägyptisch-chaldäische Zeit, und ihr folgte die unsrige als der fünfte Kulturzeitraum. Auf unsere Zeit wird folgen eine sechste und dann eine siebente Kulturepoche. Aber auch bei anderer Gelegenheit habe ich schon darauf hingewiesen, daß in gewisser Beziehung ein Kreislauf&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
stattfindet in der Aufeinanderfolge der verschiedenen Kulturen, so daß die griechisch-lateinische Kultur als eine besondere für sich dasteht, da`ß dann aber die ägyptisch-chaldäische Epoche in der unsrigen sich wiederholt. Nun habe ich auch schon in diesem Zyklus hervorgehoben, wie Kepler in unserer Kulturepoche lebte und wie früher dieselbe Individualität in einem ägyptischen Leibe lebte und damals unter dem Einfluß der ägyptischen Priesterweisen den Blick hinauflenken durfte zum Himmelsgewölbe, so daß ihr die Geheimnisse der Sterne wie von oben enthüllt wurden. Das brachte sie dann wieder heraus in ihrer KeplerInkarnation, die dort hingestellt worden ist, wo der fünfte Zeitraum den dritten in gewisser Weise wiederholt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber das geht noch weiter. Von der Geisteswissenschaft aus kannman wirklich behaupten, daß die Weltentwickelung und das Menschenleben von den meisten Menschen heute noch in rechter Blindheit angeschaut wird. Bis in die Einzelheiten hinein könnten Sie diese Entsprechungen, diese Wiederholungen, dieses Leben in Zyklen verfolgen. Wenn man einen gewissen Zeitpunkt in der Menschheitsentwickelung nimmt, der etwa in das Jahr 747 vor Christus fällt, so haben Sie darin eine Art Hypomochlion, eine Art Nullpunkt, und was vor und nach diesem Zeitpunkt liegt, entspricht sich in einer ganz bestimmten Weise. Wir können zurückgehen in eine Zeit der ägyptischen Entwickelung &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|167}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und finden dort gewisse Zeremonialgesetze und Gebote, welche als «Gebote der Götter» erschienen. Und das waren sie auch. Es waren Gebote, die sich darauf bezogen, daß der Ägypter zum Beispiel am Tage ganz bestimmte Waschungen, also durch Zeremoniengebräuche und rituelle Vorschriften geregelte Waschungen, vollziehen mußte. Und man sagte dem Ägypter, daß er nur leben könne, wie es die Götter wollen, wenn er an diesem oder jenem Tage so und so viele Waschungen vornimmt. Das war ein Göttergebot, das sich in gewissen Reinlichkeitskulten auslebte. Und wenn wir dann in eine etwas weniger reinliche Zeit in der Zwischenzeit kommen und jetzt wieder, in unserer Zeit, auf hygienische Maßregeln stoßen, wie sie jetzt aus materialistischen Gründen der Menschheit gegeben werden, so sehen wir bei uns richtig sich wiederholen, was in einer entsprechenden Zeit in Ägypten untergegangen ist. Ganz merkwürdig stellt sich die Erfüllung des Früheren im Gesamtkarma dar. Nur ist der Gesamtcharakter immer ein anderer. Kepler hatte in seiner ägyptischen Inkarnation den Blick hinaufgelenkt zum Sternenhimmel; und was diese Individualität dort sah, das prägte sie aus in den großen spirituellen Wahrheiten der ägyptischen Astrologie. Bei ihrer Wiederverkörperung in dem Zeitalter, dem der Beruf des Materialismus zu fiel, prägte dieselbe Individualität diese Tatsachen - unserem Zeitalter entsprechend - in den drei materialistisch gefärbten Keplerschen Gesetzen aus. - Im alten Ägypten waren die Gesetze der Reinigung «gottgeoffenbarte» Gesetze. Der Ägypter glaubte nur dadurch seine Pflicht der Menschheit gegenüber zu erfüllen, daß er bei jeder Gelegenheit in der unglaublichstenWeise für seine Reinigung Sorge trug. Das kommt heute wieder heraus, nur unter ganz materialistischen Gedankeneinflüssen. Der Mensch von heute denkt nicht daran, daß er den Göttern dient, wenn er solche Vorschriften beobachtet, sondern daß er sich selbst dient. Aber es kommt das Frühere wieder heraus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So erfüllt sich alles in der Welt, und zwar in gewissem Sinne ganz zyklisch. Und jetzt werden Sie ahnen, daß es mit den Dingen, die wir das letzte Mal in einem Widerspruch zusammen formuliert haben, sich doch nicht so einfach verhält, wie man anzunehmen geneigt ist. Wenn in einer bestimmten Zeit die Menschen nicht in der Lage waren, gegen Epidemien gewisse Maßregeln zu ergreifen, so waren das die Zeiten, wo &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|168}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
es die Menschen deshalb nicht konnten, weil die Epidemien nach dem allgemeinen weisheitsvollen Weltenplan wirken sollten, damit die Menschenseelen Gelegenheit fanden, auszugleichen, was durch den ahrimanischen Einfluß und durch gewisse frühere luziferische Einflüsse bewirkt worden war. Wenn jetzt andere Bedingungen herbeigeführt werden, so unterliegt das wieder ebenfalls bestimmten großen karmischen Gesetzen. Wir können daraus entnehmen, daß wir diese Fragen wahrhaftig nicht oberflächlich betrachten dürfen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie stimmt das nun zusammen: Wir sagten, wenn der Mensch die Gelegenheit aufsucht, um eine Epidemie, eine Infektion aufzunehmen, so ist das die notwendige Gegenwirkung gegen eine frühere karmische Ursache. Dürfen wir nun hygienische und andere Maßregeln dagegen ergreifen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Frage ist tief, und wir müssen erst das richtige Material herbei- tragen, um sie zu entscheiden. Wir müssen uns klar sein, daß da, wo - ob gleichzeitig oder in längeren Zeiträumen - das luziferische und das ahrimanische Prinzip zusammenwirken oder wo sie sich entgegen- wirken, gewisse Komplikationen im menschlichen Leben eintreten.Und diese Komplikationen wirken so, daß sie uns in den verschiedensten Fällen in der mannigfaltigsten Art entgegentreten, so daß wir nicht zwei Fälle in der gleichen Art sehen werden.Wenn wir aber das menschliche Leben studieren, werden wir uns in folgender Weise dabei hindurchfinden: Wenn wir das Zusammenwirken von Luzifer und Ahriman aufsuchen in dem entsprechenden einzelnen Fall, so werden wir überall einen Faden finden, um durch diesen Zusammenhang hindurch- zukommen. Wir müssen aber dabei scharf unterscheiden zwischen dem inneren und dem äußeren Menschen. Wir mußten heute schon scharf unterscheiden zwischen dem, was sich in der Verstandesseele auslebt, und dem, was als Wirkung derVerstandesseele sich im Ätherleibe zeigt. Wir müssen den Fortgang betrachten, in welchem Karma sich vollzieht, und wir müssen uns zugleich klar sein, daß wir aber doch wieder die Möglichkeit haben, durch entsprechende karmische Einflüsse so auf das Innere zu wirken, daß durch das Innere ein anderer karmischer Ausgleich in der Zukunft vorbereitet wird. Dadurch ist es möglich, daß nun dieses eintreten kann:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|169}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es kann der Mensch ganz besonders in einem früheren Leben durch Empfindungen, Gefühle und so weiter durchgegangen sein, die ihn zur Lieblosigkeit gegen seine Nächsten getrieben haben. Denken wir uns zum Beispiel, daß er durch etwas hindurchgegangen ist, wo er durch karmischeWirkung die Lieblosigkeit in sich aufgenommen hat. Es kann durchaus so sein, daß wir, wie auf absteigender Linie fortfahrend, das Böse erzeugen, daß wir also erst auf einer absteigenden Bahn gehen, damit die entgegengesetzte Spannkraft entwickelt wird, um dann wieder aufzusteigen. Nehmen wir also an, ein Mensch hat sich durch Hin- gabe an gewisse Einflüsse zu einer gewissen Lieblosigkeit hingeneigt; dann tritt die Lieblosigkeit in einem späteren Leben als karmische Wirkung ein und bildet innere Kräfte in seiner Organisation aus. Nun können wir ein Zweifaches tun, bewußt oder auch nicht bewußt; denn unsere Kultur ist noch nicht so weit, es bewußt zu tun. Wir werden bei einem solchen Menschen Vorsorge treffen können, daß jene Eigenschaften in seiner Organisation, welche von der Lieblosigkeit kommen, her- ausgetrieben werden. Wir können da etwas tun, was ein Gegenmittel ist gegen die Wirkung in der äußeren Organisation, die sich als Lieblosigkeit zeigt; aber es wird damit noch nicht immer alle Lieblosigkeit in der Seele aufgehoben sein, es wird nur das äußere Organ der Lieblosigkeit fortgeschafft sein. Denn wenn wir weiter nichts tun, haben wir nur halbe Arbeit geleistet, vielleicht auch gar keine. Wir haben vielleicht dem Menschen physisch, äußerlich geholfen; seelisch aber haben wir ihm nicht geholfen. Indem wir ihm in der äußeren Leiblichkeit das Organ für die Lieblosigkeit fortgenommen haben, kann er jetzt die Lieblosigkeit nicht ausleben; er muß sie in seiner inneren Organisation behalten für eine nächste Inkarnation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen wir an, eine ganze Anzahl von Menschen hätte sich wegen Lieblosigkeit gegen die Menschen hingezogen gefühlt, gewisse Infektionsstoffe aufzunehmen, um einer Epidemie zu verfallen. Nehmen wir weiter an, wir könnten gegen die Epidemie etwas tun. Wir würden dann in einem solchen Falle die äußere Leiblichkeit davor bewahren, die Lieblosigkeit zum Ausdruck zu bringen, aber wir würden dadurch noch nicht die innere Neigung zur Lieblosigkeit fortgeschafft haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denken wir uns aber den Fall so, daß wir, wenn wir das äußere Organ&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|170}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der Lieblosigkeit fortschaffen, die Verpflichtung übernehmen, auf die Seele so zu wirken, daß wir auch der Seele die Neigung zur Lieblosigkeit nehmen. Das Organ der Lieblosigkeit wird im eminenten Sinne getötet - im äußeren leiblichen Sinne - in der Pockenimpfung. Da zeigt sich zum Beispiel folgendes, was geisteswissenschaftlich erforscht ist: In einer Kulturperiode traten die Blattern auf, als die allgemeine Neigung bestand, im höheren Maße Egoismus, Lieblosigkeit zu entwickeln. Da traten die Blattern auf, auch in der äußeren Organisation; das ist so. Man ist in der Theosophie durchaus verpflichtet, die Wahrheit zu sagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun können wir es begreifen, daß in unserer Zeit der Impfschutz aufgetreten ist. Wir können aber noch etwas anderes begreifen, daß nämlich bei den besten Geistern unserer Zeit etwas wie ein Widerwille gegen Impfung vorhanden ist. Das steht mit einem Inneren in Korrespondenz, das ist das Äußere eines Inneren. Und wir können jetzt sagen: Wenn wir auf der einen Seite das Organ töten, hätten wir auch die Verpflichtung, als Gegenstück dazu bei diesem Menschen den materialistischen Charakter durch eine entsprechende spirituelle Erziehung anders zu gestalten. Das müßte das notwendige Gegenstück sein. Wir leisten sonst nur halbe Arbeit. Ja, wir leisten nur eine Arbeit, zu der der Mensch selber in einer späteren Inkarnation in irgendeiner Weise wird das Gegenstück schaffen müssen, wenn er das Pockengift in sich hat und die Eigenschaft aus sich herausgeschafft hat, durch die man geradezu hinneigt zur Blatterner krankung. Hat man die Empfänglichkeit für die Blattern herausgeschafft, so hat man nur die äußere Seite der karmischen Wirksamkeit ins Auge gefaßt. Wenn man auf der einen Seite Hygiene übt, muß man anderseits die Verpflichtung fühlen, den Menschen, deren Organisation man umgewandelt hat, auch etwas für die Seele zu geben. Impfung wird keinem Menschen schaden, welcher nach der Impfung im späteren Leben eine spirituelle Erziehung erhält. Wir haben die Waagschale zu stark zum Sinken gebracht, wenn wir nur auf die eine Seite abzielen und auf die andere keinen Wert legen. Das fühlt man im Grunde in den Kreisen, wo man sagt: Wo hygienische Maßregeln zu weit gehen, würden nur schwache Naturen fortgepflanzt. Das ist zwar unberechtigt; aber Sie sehen, wesentlich ist, daß man eine Aufgabe nicht ohne die andere übernehmen darf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|171}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da kommen wir zu einem wichtigen Gesetz in der Menschheitsentwickelung, das so wirkt, daß immer ein Äußeres und ein Inneres sich die Waage halten müssen und daß man nicht bloß auf das eine sehen darf, sondern auch das andere nicht unberücksichtigt bleiben darf. Da sehen wir in einen großen Zusammenhang hinein und sind jetzt noch nicht einmal zur Behandlung der Frage gekommen: Wie verhalten sich Hygiene und Karma zueinander? Sie werden sehen, daß uns die Beantwortung dieser Frage noch tiefer hineinführt in das Karma. Und wir werden noch sehen, wie auch zwischen der Geburt und dem Tode des Menschen karmische Zusammenhänge bestehen und ferner, wie andere Persönlichkeiten hineinspielen in ein Menschenleben und wie sich der freie Wille des Menschen und das Karma im Einklange befinden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|172}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= NEUNTER VORTRAG Hamburg, 26. Mai 1910 =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es wird ja, wie ich wiederholt bemerkte, nur möglich sein, die großen karmischen Gesetzmäßigkeiten in einigen skizzenhaften Linien anzudeuten, um Anregungen zu geben auf diesem schier unermeßlichen Gebiete.Wenn Sie alles bedenken, was wir in den letzten Tagen besprochen haben, so werden Sie es nicht mehr auffällig finden, daß der Mensch geradezu aus gewissen Bewußtseinsschichten heraus getrieben wird, die ausgleichenden Wirkungen für karmische Ursachen, die er sich selber einverleibt hat, auch in der Außenwelt zu suchen. Er kann geradezu dorthin getrieben werden, wo er zum Beispiel eine Infektion erhalten kann, um in dieser die ausgleichenden Wirkungen für eine sich einverleibte karmische Ursache zu suchen, und selbst zu dem,was man Lebensunfälle nennen kann, kann der Mensch hingetrieben werden, um mit dem Hereinbrechen eines solchen Lebensunfalles eine Ausgleichung zu suchen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie ist es nun mit dem karmischen Verlauf, wenn wir durch irgendwelche Maßnahmen in die Lage kommen, den Menschen daran zu hindern, diesen Ausgleich zu suchen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen wir an, daß wir durch gewisse hygienische Maßnahmen dahin wirken, daß gewisse Ursachen, gewisse Dinge, für die vielleicht der Mensch vermöge seiner karmischen Zusammenhänge Neigung haben muß, überhaupt nicht da sein können. Denken wir uns, es gelänge durch hygienische Maßnahmen, gewisse Krankheitserreger auf einem bestimmten Gebiet zu bekämpfen. Nun haben wir uns bereits vor die Seele geführt, daß es keineswegs im Belieben der Menschen steht, solche Maßnahmen zu treffen. Wir haben gesehen, wie in einem bestimmten Zeitalter zum Beispiel die Neigung zu Reinlichkeitsgesetzen daher entsteht, weil einfach diese Neigung, die in der Zwischenzeit verschwunden war, jetzt bei der umgekehrten Wiederholung in der Entwickelung wieder auftaucht. Daraus haben wir gesehen, daß es in den großen Gesetzen des Menschheitskarma überhaupt liegt, daß in einem bestimmten Zeitpunkt der Mensch dazu kommt, diese oder jene Maßnahmeii zu treffen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|173}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir werden es aber auch leicht begreifen, daß der Mensch in einem früheren Zeitalter nicht dazu gekommen ist, derartige Maßnahmen zu treffen, weil die Menschheit in einem früheren Zeitraum die Epidemien brauchte, die jetzt durch die hygienischen Maßnahmen aus der Welt geschafft werden sollen. In bezug auf große Einrichtungen im Leben unterliegt wirklich die Menschheitsentwickelung ganz bestimmten Gesetzen, und bevor etwas für die gesamte Menschheitsentwickelung von Bedeutung und von Nutzen sein kann, tritt gar nicht die Möglichkeit ein, solche Maßnahmen zu treffen. Denn aus dem vollbewußten, vernünftigen, verständigen Leben, das sich der Mensch zwischen Geburt und Tod aneignen kann, kommen ja solche Maßnahmen nicht, sondern sie kommen aus dem Gesamtgeist der Menschheit. Und Sie brauchen sich nur einmal vor Augen zu halten, wie diese oder jene Erfindung oder Entdeckung auch erst dann auftritt, wenn die Menschheit wirklich dafür reif ist. Ein kleiner Überblick über die Geschichte der Entwickelung der Menschheit auf der Erde kann Ihnen da so manches bieten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denken Sie nur daran, daß unsere Vorfahren - das heißt unsere eigenen Seelen - in Leibern von ganz anderer Gestalt als die heutigen Menschenleiber auf dem alten atlantischen Kontinent gelebt haben, daß dann dieser atlantische Kontinent hinuntergesunken ist und daß die Einrichtungen, die wir heute treffen, sich erst im Bereiche unserer heutigen Kontinente gebildet haben. Es wurden dann in einem ga`nz bestimmten Zeitalter erst die Bewohner der einen aufgetauchten Erdhälfte mit den Bewohnern der andern zusammengeführt. Erst vor kurzem, in einer gar nicht so fernen Vergangenheit, konnten die Völker Europas die Gebiete wieder erreichen, die nach der andern Seite des atlantischen Kontinents sich abgegliedert haben. In solchen Dingen herrschen wirklich große Gesetze. Und ob diese oder jene Dinge entdeckt werden oder ob Maßnahmen getroffen werden, welche es in dieser oder jener Richtung möglich machen, karmisch einzugreifen, das hängt nicht von der Meinung oder der Willkür der Menschen ab, sondern das tritt ein, wenn es eintreten soll. Aber dessen ungeachtet: Wenn wir gewisse Ursachen hinwegräumen, welche sonst dagewesen wären und die durch ihre karmische Verwicklung gewisse Menschen aufgesucht hätten, so können wir dadurch das Karma der Menschen beeinflussen. Dieses Beeinflussen &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|174}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
heißt aber nicht, daß wir es hinwegschaffen, sondern es heißt, daß wir es in eine andere Richtung lenken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denken wir uns also den Fall, eine Anzahl von Menschen würde sich durch karmische Verwicklung gedrängt fühlen, bestimmte Einflüsse aufzusuchen, welche ein karmischer Ausgleich sein würden. Durch hygienische Maßnahmen sind nun einstweilen diese Einflüsse oder Verhältnisse hinweggeräumt worden, die Menschen können sie nicht mehr suchen. Darum aber werden diese Menschen nicht befreit von dem, was in ihnen als karmische Wirkung herausgefordert wird, sondern sie werden gedrängt, andere Wirkungen aufzusuchen. Seinem Karma entkommt der Mensch nicht. Er wird durch solche Maßnahmen nicht entlastet von dem, was er sonst aufgesucht hätte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daraus können Sie entnehmen, daß für einen karmischen Ausgleich, den wir in der Lage wären, nach einer Seite wegzuschaffen, wieder ein Ausgleich nach einer andern Richtung entstehen müßte. Wir schaffen nur die Notwendigkeit, andere Gelegenheiten und Einflüsse aufzusuchen, wenn wir irgendwelche Einflüsse hinwegräumen. Nehmen wir nun an, daß viele Epidemien, gemeinsame Krankheitsursachen, einfach darauf zurückzuführen sind, daß die Menschen, welche diese Krankheitsursachen aufsuchen, hinwegräuriien wollen, was sie sich karmisch anerzogen haben, wie zum Beispiel bei der Pockenepidemie Organe der Lieblosigkeit. Brächten wir es zustande, diese Organe hinwegzuräumen, so bliebe die Ursache der Lieblosigkeit trotzdem bestehen, und die betreffenden Seelen müßten dann in dieser oder einer andern Inkarnation den entsprechenden Ausgleich in einer andern Weise suchen. Wir können begreifen,was da stattfindet, wenn wir auf etwas hinweisen, worauf wir sicher zählen müssen, und das ist das Folgende.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heute werden in der Tat eine ganze Menge von äußeren Einflüssen und Ursachen hinweggeräumt, die sonst aufgesucht worden wären zum Ausgleich gewisser karmischer Dinge, welche die Menschheit in früheren Zeitaltern auf sich geladen hat. Dadurch aber schaffen wir nur die Möglichkeit hinweg, daß der Mensch äußeren Einflüssen verfällt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir machen ihm das äußere Leben angenehmer oder auch gesünder. Dadurch erreichen wir aber nur, daß dasjenige, was der Mensch in dem entsprechenden Krankheitsverhältnis sich als karmischen Ausgleich gesucht &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|175}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
hätte, nun auf anderem Wege gesucht werden muß. Die Seelen, welche auf diesem Wege heute in gesundheitlicher Beziehung gerettet werden, werden also dazu verurteilt, in einer andern Weise diesen karmischen Ausgleich zu suchen. Und Sie werden ihn suchen müssen in zahlreichen Fällen, die gerade zu den geschilderten gehören. Indem ihnen durch ein gesünderes Leben größere physische Annehmlichkeit bereitet wird, indem ihnen das physische Leben erleichtert wird, wird die Seele dadurch in der entgegengesetzten Weise beeinflußt; sie wird so beeinflußt, daß sie nach und nach eine gewisse Leerheit, eine Unbefriedigtheit, eine Unerfülltheit empfinden wird. Und wenn es so fortgehen würde, daß das äußere Leben immer angenehmer, immer gesünder würde, wie man es nach den allgemeinen Vorstellungen im rein materialistischen Leben haben kann, dann würden solche Seelen immer weniger Ansporn haben, in sich selber weiterzukommen. Eine Verödung der Seelen würde in gewissem Sinne parallel einhergehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer sich genauer das Leben ansieht, kann das heute schon bemerken. In kaum einem Zeitalter hat es so viele Menschen gegeben, welche in so angenehmen äußeren Verhältnissen leben, aber mit öden, unbeschäftigten Seelen einhergehen, wie es heute der Fall ist. Diese Menschen eilen darum von Sensation zu Sensation; dann, wenn das Pekuniäre reicht, reisen sie von Stadt zu Stadt, um etwas zu sehen, oder wenn sie in derselben Stadt bleiben müssen, eilen sie jeden Abend von Vergnügen zu Vergnügen. Die Seele bleibt aber darum doch öde, weiß zuletzt selber nicht mehr, was sie aufsuchen soll in der Welt, um einen Inhalt zu bekommen. Namentlich wird durch ein Leben in rein äußeren, physisch annehmlichen Zuständen der Hang erzeugt, nur über das Physische nachzudenken. Und wenn diese Neigung, sich nur mit dem Physischen zu beschäftigen, nicht schon lange vorhanden wäre, so würde auch nicht die Neigung zum theoretischen Materialismus so stark geworden sein, wie es in unserer Zeit der Fall ist. So werden die Seelen leidender, während das äußere Leben gesünder gemacht wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am wenigsten hat derTheosoph über eine solche Tatsache zu klagen, weil überall die Theosophie uns Verständnis der Dinge schafft und damit ein Einsehen, wo der Ausgleich ist. Die Seelen können nur bis zu einem gewissen Grade leer bleiben; dann werden sie wie durch die &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|176}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
eigene Elastizität nach der andern Seite hingeschnellt. Sie suchen dann einen Inhalt, der verwandt ist mit den Tiefen der eigenen Seele, und sie werden dann einsehen, wie notwendig sie es haben, zu einer theosophischen Weltanschauung zu gelangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So sehen wir, wie das, was aus den materialistischen Lebensauffassungen herauskommt, wohl das äußere Leben erleichtert, aber Schwierigkeiten des inneren Lebens schafft, die dahin führen, aus den Leiden der Seele heraus den Inhalt einer spirituellenWeltanschauung zu suchen. Die spirituelle Weltanschauung, wie sie sich heute als die theosophische kundgibt, kommt so den Seelen entgegen, die in der Verödung, an dem, was das äußere Leben, das ganz angenehm eingerichtet sein kann, ihnen an Eindrücken zu geben vermag, keine Befriedigung finden können. Die Seelen werden so lange suchen, immer wieder Neues aufzunehmen, bis die Elastizität von der andern Seite so stark wirkt, daß die Seelen mit dem sich vereinigen werden, was man spirituelles Leben nenneön kann. So gibt es eine Beziehung zwischen Hygiene und den Zukunftshoffnungen der geisteswissenschaftlichen Weltanschauung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie können das heute im Kleinen schon bemerken. Es gibt heute solche Seelen, welche zu andern Äußerlichkeiten eine neue Äußerlichkeit fügen: sich zu interessieren für die theosophische Weltanschauung, welche als neue Sensation die theosophische Weltanschauung aufnehmen. Das ist etwas, was sich bei jeder Strömung in der Menschheitsentwickelung zeigt, daß das, was tiefe, innere Bedeutung hat, auch als Mode, als Sensation wirkt. Aber die wahrhaft für die Theosophie vorbereiteten Seelen sind solche, welche sich entweder unbefriedigt fühlen durch die äußeren Sensationen oder auch einsehen, daß die äußere Wissenschaft mit all ihren Erklärungen die Tatsachen nicht erklären kann. Diese Seelen sind es, welche durch ihr Gesamtkarma so präpariert sind, daß sie sich mit den innersten Gliedern ihres Seelenlebens mit der Theosophie verbinden können. Geisteswissenschaft gehört auch zum Gesamtkarma der Menschheit, und sie wird sich als solche darin einfügen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So können wir das Karma der Menschen nach der einen oder andern Seite in eine andere Richtung bringen; aber wir können nicht die Rückwirkung auf den Menschen beseitigen. In irgendeiner Weise kommt das &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|177}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
zurück, was sich der Mensch in früheren Lebensläufen selber zubereitet hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie nun das Karma sinnvoll in der Welt wirkt, das kann am besten eine Betrachtung lehren, wo Karma sozusagen noch ohne moralischen Beigeschmack wirkt, wo es in der großen Welt selber wirkt, ohne daß es etwas zu tun hat mit dem, was der Mensch aus der Seele heraus an moralischen Impulsen entwickelt und was dann zu moralischen oder unmoralischen Handlungen führt. Wir wollen ein Gebiet des Karma vor unsere Seele stellen, in dem das Moralische noch keine Rolle spielt, sondern wo sich etwas Neutrales als karmische Verkettung darstellt. Nehmen wir an, eine Frau lebt in einer bestimmten Inkarnation. Nun werden Sie nicht in Abrede stellen, daß die Frau einfach dadurch, daß sie Frau ist, andere Erlebnisse haben muß als der Mann und daß diese Erlebnisse nicht nur bloß zusammenhängen mit inneren Seelenvorgängen, sondern daß sie im breitesten Maße zusammenhängen mit äußeren Geschehnissen, mit Lebenslagen, in welche die Frau nur dadurch kommt, daß sie Frau ist, und die wieder zurückwirken auf die ganze Seelenverfassung und Seelenstimmung. Daher können wir davon sprechen, daß die Frau zu gewissen Handlungen geführt wird, die im innigsten Zusammenhang stehen mit dem Frauendasein. Der Ausgleich zwischen Mann und Frau findet ja erst auf dem Gebiete des geistigen Zusammenlebens statt. Je tiefer wir nun hinuntersteigen in das bloß Seelische und in das Äußere des Menschen, desto größer wird der Unterschied zwischen Mann und Frau in bezug auf ihr Leben. Und so können wir sagen, daß die Frau auch in gewissen Eigenschaften der Seele verschieden ist vom Manne, daß sie mehr neigt zu jenen Eigenschaften der Seele, die zu Impulsen führen&amp;gt; welche als emotionelle bezeichnet werden müssen; und wir finden sie dazu veranlagt, mehr als der Mann psychische Erlebnisse zu haben. Dafür sind im Leben des Mannes Intellektualismus und Materialismus - dasjenige also, was durch den Mann gekommen ist - mehr zuhause, was auf das Seelenleben einen großen Einfluß hat. Psychisches und Emotionelles bei der Frau, intellektuelle und materialistische Momente beim Mann - so werden sie durch ihre Naturen geradezu bestimmt. Daher hat nun auch die Frau gewisse Nuancen des Seelenlebens dadurch, daß sie Frau ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|178}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun haben wir ja geschildert,daß dasjenige, was wir als Eigenschaften in der Seele erleben zwischen Tod und neuer Geburt, sich hineindrängt in unsere nächste leibliche Organisation, Was nun stärker psychisch ist, was stärker emotionell ist und im Leben zwischen Geburt und Tod mehr nach dem Inneren der Seele geht, das hat auch mehr Neigung, tiefer einzugreifen in die Organisation, sie viel intensiver zu imprägnieren. Und dadurch, daß die Frau solche Eindrücke aufnimmt, welche mit dem Psychismus, mit dem Emotionalismus zusammenhängen, nimmt sie in tiefere Seelengründe hinein auch die Erfahrungen des Lebens. Der Mann mag reichere Erfahrungen machen, auch wissenschaftlichere: so tief gehen bei ihm die Erfahrungen nicht in das Seelen- leben hinein, wie es bei der Frau der Fall ist. Bei der Frau prägt sich die ganze Erfahrungsumwelt tief ein in die Seele. Dadurch haben die Erlebnisse eine stärkere Tendenz, in die Organisation hineinzuwirken, die Organisation in der Zukunft stärker zu umklammern. Und so nimmt ein Frauenleben die Tendenz auf, durch ihre Erlebnisse in einer Inkarnation tief in den Organismus hineinzugreifen und damit in der nächsten Inkarnation den Organismus selber zu gestalten. Ein tiefes Hinein- arbeiten, ein tiefes Durcharbeiten des Organismus bedeutet nun aber: einen männlichen Organismus hervorbringen. Ein männlicher Organismus wird dadurch hervorgebracht, daß die Kräfte der Seele sich tiefer in das Materielle hineinprägen wollen. Daraus sehen Sie, daß aus den Frauenerlebnissen einer Inkarnation die Wirkung hervorgeht, in der nächsten Inkarnation einen männlichen Organismus hervorzubringen. Da haben Sie aus der Natur des Okkultismus einen Zusammenhang gegeben, der jenseits des Moralischen liegt. Deshalb sagt man im Okkultismus: Der Mann ist das Karma der Frau. - In der Tat ist die Mannesorganisation in einer späteren Inkarnation das Ergebnis der Erfahrungen und Erlebnisse in einer vorhergehenden Fraueninkarnation. Selbst auf die Gefahr hin, daß ich etwa unsympathische Gedanken erwecke bei einigen der Versammelten - es kommt ja immer vor, daß Männer der Gegenwart einen heil losen Respekt davor haben, als Frau inkarniert zu werden -, muß ich diese Dinge als Tatsachen auch wieder ganz objektiv beleuchten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie ist es nun mit den Manneserlebnissen? Mit den Manneserleb&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
nissen verhält es sich so, daß wir sie am besten verstehen, wenn wir gleich von dem ausgehen, was wir jetzt eben dargestellt haben. Bei der Mannesorganisation hat der innere Mensch sich gründlicher in das Materielle hineingelebt, hat es mehr umklammert als bei der Frau. Die Frau behält mehr von dem Geistigen im Unkörperlichen zurück; sie lebt sich nicht so tief in das Materielle hinein, sie erhält ihre Körperlichkeit weicher. Sie trennt sich nicht so weit von dem Geistigen. Das ist das Charakteristische der Frauennatur, daß sie mehr zurückbehält von freier Geistigkeit und sich daher weniger in die Materie hineinarbeitet und vor allem das Gehirn weicher erhält. Daher ist es nicht zu verwundern, daß die Frauen für Neues, insbesondere auf geistigem Gebiete, eben eine besondere Neigung haben, weil sie das Geistige freier behalten haben und weil weniger Widerstand da ist. Und es ist kein Zufall, sondern es entspricht einer tiefen Gesetzmäßigkeit, daß bei einer Bewegung, die durch ihre Natur mit dem Spirituellen zu tun hat, sich eine größere Anzahl von Frauen einfindet als Männer. Und wer Mann ist, der weiß,was für ein schwieriges Instrument das Mannesgehirn oftmals ist. Es bildet furchtbare Hindernisse, wenn man es für biegsamere Gedankengänge brauchen will. Da will es nicht mitgehen. Es muß erst mit allen möglichen Mitteln herangebildet werden, um sich aus der Steifigkeit zu erlösen. Das kann durchaus ein eigenes Erlebnis der Manneserfahrung sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Mannesnatur ist also kondensierter, zusammengezogener; sie ist mehr gepreßt worden, steifer, härter gemacht worden durch das, was der innere Mensch im Manne ist; sie ist materieller gemacht worden. Nun ist ein steiferes Gehirn vor allem ein Instrument für das Intellektuelle, weniger für das Psychische. Denn das Intellektuelle ist etwas, was sich viel mehr auf den physischen Plan bezieht. Was als Intellektualismus des Mannes zu bezeichnen ist, das kommt von seinem steiferen, verfestigten Gehirn. Man könnte dabei von einem gewissen Grade von «Eingefrorenheit&amp;gt; des Gehirns sprechen. Es muß erst auftauen, wenn es sich in feinere Gedankengänge hinein finden soll. Dadurch aber wird der Mann veranlaßt, mehr die Äußerlichkeiten zu erfassen, weniger von denjenigen Erlebnissen aufzunehmen, die mit den Tiefen des Seelenlebens zusammenhängen. Und was er aufnimmt, das geht dann auch &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|180}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nicht tief. Ein äußerer Beweis dafür ist der, wie wenig tief die äußere Wissenschaft geht und wie wenig sie das Innere erfaßt - wie zwar immer im weiten Umkreis gedacht wird, aber wie wenig gründlich die Tatsachen zusammengezogen werden. Wer durch seine eigene Selbstzucht im Denken genötigt ist, die Tatsachen zusammenzufügen, dem könnte von dem, was die äußere Wissenschaft sich nicht scheut, als nebeneinander bestehend hinzustellen, manchmal recht übel werden. Da kann man sehen, wie wenig tief die Dinge gehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Beispiel dafür, wie oberflächlich die Dinge der heutigen Wissenschaft sein können: Nehmen Sie an, ein junger Mensch ist in irgendeinem Kolleg, wo ein enragierter Darwinianer vorträgt. Und bei diesem Vertreter der Selektionstheorie kann der Student etwa solche Dinge vertreten hören: Woher kommt es, daß der Gockel zum Beispiel so schöne, blauschillernde Farben an seinen Federn hat? Das ist auf eine geschlechtliche Zuchtwahl zurückzuführen; denn durch die Farben zieht er die Hennen &#039;an, und die Hennen wählen dann unten den Gockeln diejenigen, welche die bläulichschillernden Federn haben. Dabei kommen dann die andern zu kurz, und es bildet sich infolgedessen besonders die eine Sorte aus. Das ist eine Höherentwickelung, das ist «geschlechtliche Zuchtwahl»! - Und der Student ist froh, daß er weiß, wie eine Aufwärtsentwickelung zustande kommen kann. Jetzt geht er ins nächste Kolleg, wo, sagen wir, das Gebiet der Sinnesphysiologie behandelt wird. Und hier kann es jetzt vorkommen, daß derselbe Student nun im zweiten Kolleg etwa folgendes zu hören bekommt: Man hat Versuche gemacht, welche zeigen, wie verschieden die Farben des Spektrums auf die verschiedenen Wesenheiten wirken. Man kann nachweisen, daß zum Beispiel die Hühner von den gesamten Farben des Spektrums das nicht wahrnehmen, was zum Blau und Violett gehört, sondern daß sie nur dasjenige wahrnehmen, was vom Grünen zum Orange, Rot und Ultrarot geht!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt ist der Student, wenn er diese beiden Tatsachen, die er heute wirklich hören kann, zusammendenken will, darauf angewiesen, die Dinge oberflächlich zu nehmen. Es ist die ganze Selektionstheorie darauf gebaut, daß die Hennen am Gockel etwas sehen sollen an bunten Farben, was ihnen besondere Freude machen soll, was sie aber &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|181}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
in Wirklichkeit gar nicht sehen, was für sie wie rabenschwarz erscheint.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist nur ein Beispiel. Aber die Dinge sind so, daß sie dem, der wirklich wissenschaftlich forschen will, auf Schritt und Tritt so begegnen. Daraus sehen Sie, daß die Intellektualität nicht gerade sehr tief elngreift in das Leben, daß sie an der Oberfläche stehenbIeibt. Ich wähle absichtlich die krassen Beispiele. Man wird es ja nicht so leicht glauben wollen, daß die Intellektualität etwas ist, was sich mehr äußerlich abspielt, nicht tief eingreift in das Seelenleben, was wenig das Innere des Menschen ergreift. Und die materialistische Gesinnung ergreift das Seelenleben erst recht nicht. Die Folge davon ist aber die, daß der Mensch aus einer solchen Inkarnation, wo er wenig hineinwirkt in die Seele, die Tendenz aufnimmt zwischen Geburt und Tod, in der nächsten Inkarnation weniger in die Organisation einzudringen. Es ist ja die Kraft dazu weniger aufgenommen worden; deshalb wirkt sie jetzt so, daß der Mensch weniger seine Leiblichkeit imprägniert. Daraus entsteht nun aber die Neigung, in der nächsten Inkarnation einen Frauenleib aufzubauen. Wiederum ist es richtig, wenn man im Okkultismus sagt: Das Weib ist das Karma des Mannes!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf diesem moralisch neutralen Gebiete sehen wir, wie das, was sich der Mensch in einer Inkarnation vorbereitet, in der nächsten Inkarnation seine Leiblichkeit organisiert. Und weil diese D`inge nicht nur tief eingreifen in unser inneres Leben, sondern auch in unsere äußeren Erlebnisse und in unser Handeln&amp;gt; so müssen wir sagen: Indem der Mensch in einer Inkarnation Mannes- oder Frauenerlebnisse hat, wird in der nächsten Inkarnation sein äußeres Handeln in dieser oder jener Weise bestimmt, weil er durch die Frauenerlebnisse die Neigung hat, eine Mannesorganisation sich zu bilden, und umgekehrt durch die Manneserlebnisse eine Frauenorganisation. Nur in seltenen Fällen wiederholt sich die gleiche geschlechtliche Inkarnation; sie kann sich höchstens siebenmal wiederholen. Die Regel jedoch ist die, daß jede männliche Organisation in der nächsten Inkarnation danach strebt, weiblich zu werden, und umgekehrt. Da nützt alle Abneigung nichts, denn es kommt nicht darauf an, was man in der physischen Welt möchte, sondern es kommt auf die Neigungen an, die man in der Zeit zwischen Tod&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|182}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und neuer Geburt hat, und die werden durch vernünftigere Gründe bestimmt als solche, daß man etwa in einer männlichen Inkarnation einen Horror davor hat, in der nächsten Inkarnation sich als Frau zu inkarnieren. Da können Sie sehen, wie das spätere Leben karmisch bestimmt wird durch das frühere und wie auch die Handlungen des späteren Lebens bestimmt werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun handelt es sich darum, daß wir noch einen andern karmischen Zusammenhang einsehen lernen, den wir auch noch benötigen, wenn wir auf die wichtigen Betrachtungen der nächsten Tage Licht werfen wollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Blicken wir dazu noch einmal zurück auf einen recht fernliegenden Zeitpunkt der menschlichen Entwickelung: auf den Zeitpunkt, wo einmal auf der Erde die menschlichen Inkarnationen angefangen haben. Das geschah in der alten lemurischen Zeit. Nun handelt es sich darum, daß damals auf den Menschen zuerst in einer durchgreifenden Art gewirkt hat der luziferische Einfluß und daß dieser dann den ahrimanischen Einfluß herausgefordert hat. Versuchen wir uns einmal vor die Seele zu stellen, wie der luziferische Einfluß äußerlich im Menschen- leben gewirkt hat. - Dadurch, daß der Mensch überhaupt in die Lage gekommen ist, in jenen alten Zeiten den luziferischen Einfluß in sich aufzunehmen, also seinen astralischen Leib mit dem luziferischen Einfluß zu durchdringen, dadurch wurde sein astralischer Leib geneigt, viel tiefer noch in die Organisation einzugreifen, in das Materielle des physischen Leibes viel tiefer hinunterzusteigen, und vor allem auch ganz anders, als er ohne den luziferischen Einfluß hinuntergestiegen wäre. Der Mensch wurde durch den luziferischen Einfluß materieller. Hätte der luziferische Einfluß nicht gewirkt, dann wäre eine geringere Neigung des Menschen entstanden, in die materielle Welt hinunterzusteigen, der Mensch hätte sich als solcher in höheren Regionen des Daseins gehalten. Also es ist eine viel stärkere Durchdringung von äußerem und innerem Menschen geschehen, als es ohne den luziferischen Einfluß der Fall gewesen wäre. Diese Durchdringung war nun zunächst dieVeranlassung dafür, daß der Mensch durch die stärkere Verbindung mit dem Materiellen des äußeren Leibes den Rückblick auf die Ereignisse, welche seiner Einkörperung vorangegangen sind, verloren hat. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|183}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Mensch trat jetzt durch eine so geartete Geburt ins Dasein, daß er sich tief mit dem Materiellen verband und dadurch alle Rückschau auf die früheren Erlebnisse auslöschte. Der Mensch hätte sich sonst die Erinnerung bewahrt an das, was er vor der Geburt im Geistigen erlebt hat. Durch den luziferischen Einfluß wurde nun die Geburt ein Akt, durch den der Mensch so intensive Verbindungen zwischen äußerem und innerem Menschen herstellt, daß ausgelöscht wurde, was der Mensch in derZeit vorher in der geistigenWelt erleben kann. Es wurde der Mensch durch den luziferischen Einfluß beraubt seiner Erinnerungen an die vorhergehenden geistigen Erlebnisse. Die Verbindung mit der äußeren Leiblichkeit macht es, daß der Mensch nicht zurückblicken kann auf das Frühere. Dadurch aber ist der Mensch während seines Lebens darauf angewiesen, immer nur aus der Außenwelt seine Erfahrungen und Erlebnisse zu holen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun wären Sie aber auf einem ganz falschen Wege, wenn Sie glauben würden, daß nur die groben äußeren Stoffe, die der Mensch in sich aufnimmt&amp;gt; auf ihn wirken. Es wirken auf den Menschen nicht nur die Nahrungsmittel und -kräfte, sondern auch die sonstigen Erfahrungen, welche er macht, auch die Dinge, welche durch seine Sinne in ihn ein- fließen. Aber durch das gröbere Verbinden mit der Materie wirken auch die Nahrungsmittel anders. Stellen Sie sich vor, der luziferische Einfluß wäre nicht dagewesen; dann würde von den Nahrungsmitteln bis zu den Sinneseindrücken alles auf den Menschen weit feiner wirken. Er würde alles, was er als Wechselwirkung mit der Außenwelt erlebt, durchdringen mit dem, was er zwischen Tod und neuer Geburt erlebt hat. Dadurch, daß der Mensch die Materialität dichter gestaltet hat, ist er geneigt, auch viel Dichteres aufzunehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es wirkt also der luziferische Einfluß so, daß der Mensch durch die Verdichtung der Materie auch aus der Außenwelt viel Dichteres heranzieht, als er sonst herangezogen hätte. Das Dichtere, was er nun von außen heranzieht, ist aber ganz anders als das sonst weniger Dichte. Das weniger Dichte würde die Erinnerungen an das frühere Leben aufrechterhalten haben; es würde auch bewirken,daß er die Sicherheit hat, daß alles, was der Mensch erlebt zwischen Geburt und Tod, seine Wirkungen hineinerstreckt in einen nie endenden Zeitraum. Der Mensch &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|184}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
würde wissen: Es tritt zwar äußerlich der Tod ein, aber alles, was geschieht, wirkt weiter. Dadurch, daß der Mensch Dichteres aufnehmen mußte, schafft er von Geburt an eine starke Wechselwirkung zwischen seiner eigenen leiblichen Natur und der Außenwelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was hat nun dieser Wechselzustand zur Folge? Die geistige Welt ist ausgelöscht seit der Geburt. Und damit der Mensch im Geistigen leben, in der geistigen Welt aufwachen kann, muß erst wieder jener Zustand eintreten, wo alles, was von außen als dichtere Materialität in uns hineinkommt, wieder von den Menschen genommen wird. Weil wir uns eine dichtere Materialität angeeignet haben, müssen wir, um wieder in das Geistige hineinzukommen, auf den Zeitpunkt warten, wo die äußere materielle Leiblichkeit von uns genommen wird. Was nun da als dichtere Materialität in uns hineindringt&amp;gt; das zerstört stückweise, von unserer Geburt an, unsere menschliche Leiblichkeit. Was da hereinfließt, das ist etwas, was immer mehr und mehr die Leiblichkeit zerstört, bis es sie endlich ganz zerstört hat, daß sie nicht mehr bestehen kann. Von unserer Geburt angefangen, nehmen wir eine dichtere Materialität auf, als wir ohne den luziferischen Einfluß aufgenommen hätten, so daß wir unsere Leiblichkeit langsam vernichten, bis sie mit dem Eintreten` d&amp;amp; Todes ganz unbrauchbar geworden ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daran sehen wir&amp;gt; wie der luziferische Einfluß die karmische Ursache des Todes des Menschen ist. Gäbe es nicht diese Form der Geburt, so gäbe es nicht diese Form des Todes für den Menschen. Der Mensch würde sonst so vor dem Tode stehen, daß ihm die sichere Aussicht auf Kommendes vor Augen stehen würde. Der Tod ist die karmische Folge der Geburt, Geburt und Tod hängen karmisch zusammen. Ohne Geburt, wie sie der Mensch heute erlebt, gäbe es keinen Tod, wie ihn der Mensch erlebt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich habe vorhin schon gesagt, daß beim Tier nicht in demselben Sinne von Karma gesprochen werden kann wie beim Menschen. Wenn jemand sagen würde, daß auch beim Tier Geburt und Tod karmisch zusammenhängen, so.wüßte der Betreffende eben nicht, daß Geburt und Tod für den Menschen etwas ganz anderes sind als für das Tier. Was sich da äußerlich gleich sieht, ist innerlich nicht dasselbe; es handelt sich bei Geburt und Tod nicht um das äußerliche Aufbauen, sondern&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|185}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
um das innere Erleben. Beim Tier erlebt nur die Gattungsseele, die Gruppenseele. Das Absterben eines Tieres bedeutet für die Gruppenseele ungefähr dasselbe, was Sie erleben, wenn- Sie sich beim Herankommen des Sommers die Haare kürzer schneiden lassen, die dann wieder langsam nachwachsen. Es fühlt die Gruppenseele einer Tiergattung das Absterben eines Tieres wie das Absterben eines Gliedes, das sich nach und nach wieder ersetzt. Also die Gattungsseele ist das, was wir mit dem menschlichen Ich vergleichen dürfen. Sie kennt nicht Geburt und Tod, sie sieht auf das, was der Geburt vorangeht, fortwährend, und auch auf das, was dem Tode nachfolgt, sieht sie fortwährend. Von Geburt und Tod beim Tier zu sprechen, wie man davon beim Menschen spricht, ist ein Unsinn, weil ganz andere Ursachen vorangehen. Und man leugnet die innere Wirksamkeit des Geistes, wenn man glaubt, was sich äußerlich gleich darstelle, das sei auch von innerlich gleichen Ursachen bewirkt. Gleichheit der äußeren Vorgänge weist nie mit Sicherheit auf gleiche Ursachen hin. Der Geburt des Menschen liegen ganz andere Ursachen zugrunde als der des Tieres, und ebenso stirbt der Mensch aus ganz andern Ursachen heraus als das Tier.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn man ein wenig nachdenken würde, wie das Äußere sich ganz gleich ausnehmen kann, ohne daß das Innere im entferntesten Gleiches erlebt, dann würde man auch schon methodologisch darauf kommen, daß es sich so verhält. Sie können sogar auf höchst einfache Weise darauf kommen, daß der äußere Sinnenschein kein Beweis ist für das innere Leben. Denken Sie sich zwei Menschen; Sie kommen um neun Uhr an einen bestimmten Ort und sehen dort die zwei Menschen nebeneinanderstehen. Um drei Uhr gehen Sie wieder an den betreffenden Ort, nachdem Sie in der Zwischenzeit nicht dort gewesen sind. Da stehen die zwei Menschen wieder an derselben Stelle. Nun könnten Sie schließen: A steht immer noch an demselben Ort, B steht immer noch an demselben Ort, wo er um neun Uhr schon gestanden hat. Untersuchen Sie aber, was diese beiden Menschen inzwischen getan haben, dann werden Sie vielleicht finden, daß der eine da stillgestanden hat, während der andere unterdessen einen weiten Gang getan hat und in der Zwischenzeit müde geworden ist. Da liegen dann ganz andere Vorgänge zugrunde. Und wie es unsinnig wäre, wenn die beiden Menschen &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|186}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
um drei Uhr wieder an derselben Stelle stehen, zu sagen, daß in ihrem Inneren das Gleiche vorgegangen sei, ebenso unsinnig ist es, wenn man zwei gleichgeformte Zellen findet, aus ihrer gleichen Struktur schließen zu wollen, daß sie innerlich die gleiche Bedeutung haben. Es handelt sich darum, den ganzen Zusammenhang der Tatsachen zu kennen, der eine Zelle an den betreffenden Ort hingeführt hat. Daher ist die moderne Zellenphysiologie, die ausgeht von der Untersuchung der inneren Struktur der Zellen, auf ganz falschem Wege. Niemals kann das, was sich dem äußeren Sinnenschein darbietet, ausschlaggebend sein für das innere Wesen des Dinges.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So etwas muß man durchdenken, wenn man solche Dinge einsehen will, wie sie sich dem Okkultisten aus den okkulten Beobachtungen ergeben, wie zum Beispiel Geborenwerden und Sterben etwas ganz anderes ist beim Menschen als beim Säugetier oder gar bei den Vögeln. Diese Dinge zu studieren wird erst möglich sein, wenn die Leute wieder ein wenig auf das eingehen, was die geistige Forschung zu sagen hat. Bevor nicht darauf eingegangen wird, wird die äußere Wissenschaft, die beim Sinnenschein und bei den äußeren Tatsachen stehenbleibt, zwar sehr schöne Tatsachen zutage bringen; aber alles, was Menschen meinen können unter solchen Voraussetzungen über solche Tatsachen, das wird niemals maßgebend sein für die Wirklichkeit. Daher ist alles, was heute theoretische Wissenschaft ist, ein phantastisches Gebilde, das dadurch entstanden ist, daß man die äußeren Tatsachen nach dem äußeren Schein kombiniert. Auf manchen Gebieten drängen geradezu die äußeren Tatsachen dazu, in der richtigen Weise zu interpretieren; aber durch die heutigen Meinungen kommt man nicht dazu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So haben wir heute zwei neutrale Gebiete auf dem Felde der karmischen Gesetzmäßigkeit auf uns wirken lassen, und Sie werden sehen, daß sie uns eine Grundlage sein werden für die weiteren Betrachtungen. Wir haben eingesehen, wie die Frauenorganisation die karmische Folge der Manneserlebnisse ist und die Mannesorganisation eine karmische Folge der Frauenerlebnisse; und wir haben endlich eingesehen, daß der Tod eine karmischeWirkung der Geburt im Menschenleben ist. Das ist etwas, was, wenn man versucht, es nach und nach zu verstehen, uns tief hineinführen kann in die karmischen Zusammenhänge des Menschenlebens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|187}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= ZEHNTER VORTRAG Hamburg, 27. Mai 1910 =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gewisse tiefere Fragen des karmischen Zusammenhanges, die sich namentlich auf unseren menschlichen Einfluß auf das Karma und besonders auf das Karma anderer Menschen beziehen, solche Fragen also, die sich auf eine Richtungsänderung des Karma im Kleinen und im Großen beziehen, kann man nicht beantworten, auch nicht eine Vorstellung hervorrufen, wie sie beantwortet werden müssen, wenn man nicht in der Weise, wie wir es heute tun wollen, gewisse bedeutsame Geheimnisse unseres Weltendaseins berührt. Solche Fragen können sich vielleicht dann für jeden aus dem Gesagten ergeben, wenn Sie diesen oder jenen Gedanken, der angeschlagen und von der einen oder andern Seite beleuchtet worden ist, für sich selber weiter ausführen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So kann sich die Frage aufwerfen: Was geschieht, wenn im karmischen Zusammenhange eines Menschen durch das, was er früher erlebt und getan hat, ein Krankheitsprozeß zur Hinwegschaffung dieser karmischen Tatsache notwendig ist und wenn diesem Menschen durch Heilmittel oder durch einen andern Eingriff in derWeise geholfen wird, daß er durch menschliche Hilfe wirklich geheilt wird? Was liegt da vor, und wie verhält sich eine solche Tatsache zu den tieferen Auffassungen von der karmischen Gesetzmäßigkeit?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun bemerke ich von vornherein: Um überhaupt auch nur einige wesentlichere Lichter auf diese Frage zu werfen, müssen Dinge berührt werden, die der heutigen Wissenschaft und dem heutigen Denken der Menschen ganz fern liegen und welche auch nur sozusagen unter Theosophen besprochen werden können, die sich für solche Dinge schon dadurch vorbereitet haben, daß sie mancherlei Wahrheiten aufgenommen haben, die sich auf tiefere Untergründe des Daseins beziehen, und die sich auch ein Gefühl dafür erworben haben, wie Dinge,welche heute nur angedeutet werden können, sich doch voll begründen lassen. Dennoch möchte ich bei dieser Gelegenheit eine Bitte einfügen: Was ich genötigt bin zu sagen über die tieferen Untergründe des Erdendaseins, zum Beispiel was ich mich bemühen werde, in der präzisesten Form auszusprechen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|188}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und was sogleich falsch sein würde, wenn es in anderem Zusammenhang oder gar ohne Zusammenhang gesagt würde und deshalb zu Mißverständnissen Veranlassung geben würde, davon bitte ich, daß es nicht anders behandelt werde als so, daß man es eben aufnimmt. Auch ich muß daher gerade bei diesen Dingen darauf halten, daß niemand sie als ein Lehrgut betrachten sollte, das er irgendwie weitergeben könnte, weil nur der Zusammenhang eine solche Darstellung rechtfertigt und weil eine solche Darstellung nur gerechIfertigt ist, wenn dahinter das Bewußtsein liegt, wie man solche Worte zu prägen hat, um derartiges in Gedanken zum Ausdruck zu bringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um was es sich nun handelt, das ist die Frage nach dem tieferen Wesen des materiellen Daseins auf der einen Seite und nach dem Wesen des seelischen Daseins auf der andern Seite. Eine tiefere Auffassung vom Seelischen und Materiellen werden wir uns heute notwendig aneignen müssen, und zwar werden wir es nötig haben aus einem ganz bestimmten Grunde heraus, aus dem Grunde, weil wir in den verflossenenVorträgen angeführt haben,daß das Seelische des Menschen mehr oder weniger tief hineindringen kann in das Materielle. Ja, wir haben gestern das Wesen des Männlichen dadurch charakterisieren können, daß wir sagten, beim Manne dringe das Seelische tiefer in das Materielle hinein, präge sich tiefer ein, während das Seelische beim Weiblichen in gewisser Beziehung sich mehr zurückzieht und sich mehr ein selbständiges Dasein gegenüber dem Materiellen aneignet. So haben wir gesehen, daß vieles im karmischen Ausleben darauf beruht, wie die Durchdringung des Seelischen und des Materiellen stattfindet. Wir haben auch gesehen, wie ein gewisser Krankheitsprozeß, der in einer Inkarnation auftritt, sich darstellt als die karmische Folge von Verfehlungen, welche die Seele in früheren Verkörperungen begangen hat, indem die Seele damals ihre Taten, Erlebnisse und Impulse in sich verarbeitet und dann auf dem Wege zwischen Tod und neuer Geburt die Tendenz auf- genommen hat, dasjenige, was früher bloß als ein Merkmal, als ein Einfluß des Seelischen sich abgespielt hat, hineinzudrängen in das Körperliche, in das Materielle. Und indem dann die menschliche Wesenheit durchtränkt wird von einem solchen Seelischen, das den luziferischen oder ahrimanischen Einfluß in sich aufgenommen hat, wird gerade dadurch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|189}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
das menschliche Materielle verdorben. Darinnen liegt ja dann der Krankheitsverlauf. Daher können wir sagen: In einem kranken Leibe steckt ein verdorbenes Seelisches, das einen unrichtigen Einfluß erfahren hat, einen luziferischen oder ahrimanischen Einfluß; und in dem Augenblick, wo wir den luziferischen oder ahrimanischen Einfluß aus dem Seelischen herausbringen könnten, würde die richtige Durchdringung von Seele und Leib eintreten, das heißt, es würde Gesundheit eintreten. - Wir müssen also fragen: Wie verhält es sich mit diesen zwei Wesensgliedern des irdischen menschlichen Daseins, welche uns da vor Augen treten, mit der Materie und dem Seelischen? Was sind sie in ihrem tieferen Wesen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn diese Frage aufgeworfen wird, so hat der heutige Mensch gewöhnlich die Meinung, daß die Antwort auf die Frage: Was ist Materie? Was ist Seele? - überall inderWelt gleich ausfallen müßte;und ich glaube nicht, daß es einem Menschen leicht würde, sich mit der Meinung bekanntzumachen, daß für Wesen, welche auf dem alten Monde gelebt haben&amp;gt; die Antwort auf die Frage: Was ist Materie? Was ist Seele? - ganz anders hätte ausfallen müssen als für Wesen, welche auf der Erde leben. Aber das Dasein ist so sehr in Entwickelung, daß sich selbst solche Dinge ändern wie die Vorstellungen, welche sich ein Wesen machen kann von den tieferen Grundlagen seines eigenen Wesens. Und so ändert sich auch dasjenige, was als Antwort gegeben werden muß auf die Frage: Was ist Materie? Was ist Seele? Es ist daher von vornherein zu betonen, daß die Antworten, die gegeben werden, nur Antworten sind, welche der Erdenmensch geben kann und die nur für diesen Erdenmenschen eine Bedeutung haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
«Materie&amp;gt; wird ja der Mensch zunächst nach dem beurteilen, was ihm in der Außenwelt an den verschiedenen Wesenheiten und Dingen entgegentritt und was auf ihn in irgendeiner Weise Eindruck macht. Der Mensch findet dann, daß es verschiedene Arten von Materien gibt, und ich brauche ja darin dicht sehr weit auszuholen, denn was darüber zu sagen wäre, wenn wir mehr Zeit hätten, können Sie in allen entsprechenden Trivialschriften finden. Ich sage daher für jetzt genug, wenn ich darauf hinweise, daß sich Materie verschieden darstellt für den Menschen, indem er die verschiedenen Metalle sieht, Gold, Kupfer, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|190}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Blei und so weiter, oder wenn er dasjenige sieht, was nicht in die Reihe der Metalle gehört. Sie wissen auch, daß die Chemie diese Materien nach und nach zurückgeführt hat auf gewisse Grundstoffe der Materie, die sie Elemente nennt. Diese Elemente wurden ja noch bis ins 19. Jahrhundert hinein so angesehen, daß sie Materien sind, die sich nicht weiter zerlegen lassen. Während wir irgendeine Substanz, welche uns als Materie entgegentritt, zum Beispiel Wasser, trennen können in Wasserstoff und Sauerstoff, haben wir in Wasserstoff und Sauerstoff solche Materie vor uns, die nach der Meinung der Chemie des 19. Jahrhunderts nicht weiter zerlegt werden kann. Bis siebzig solcher Elemente hat man unterschieden. Und Sie wissen wohl auch, daß durch die Erscheinungen, welche in Anknüpfung an einige besondere Elemente, zum Beispiel Radium, haben angestellt werden können, oder daß auch in Anknüpfung an mancherlei Erscheinungen der Elektrizitätslehre der Begriff der Elemente verschiedentlich erschüttert worden ist, daß man zu der Ansicht gekommen ist, daß es nur eine vorläufige Grenze der Materie sei, was man als die etwa siebzig Elemente kennt, und daß man die Zerlegbarkeit weiter zurückführen kann auf eine einzige Grundmaterie, die dann nur durch die innere Kombination, durch das innere Wesenselement, das eine Mal sich zu Gold, das andere Mal zu Kalium, Kalzium und so weiter spezialisiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das sind veränderliche wissenschaftliche Theorien. Und geradeso wie sich die wissenschaftlichen Theorien im Laufe von je fünfzig Jahren im 19. Jahrhundert verändert haben, wie es dahin kommen konnte,daß gewisse Physiker in dem, was Materie sein soll, etwas mit Entitäten, mit Wesenheiten zu Bezeichnendes sahen, etwas, was von der Elektrizität hergenommen ist, wie jetzt die Ionentheorie - das sind wissenschaftliche Moden -, ebenso werden in gar nicht so ferner Zeit andere wissenschaftliche Moden existieren, und man wird sich die Materie anders konstituiert denken. Das sind Tatsachen. Die wissenschaftlichen Meinungen sind veränderlich, müssen auch veränderlich sein, denn sie hängen ganz ab von den jeweiligen Tatsachen, die gerade auf ein Zeitalter besonders signifikant wirken. Dagegen hat die geisteswissenschaftliche Lehre durch alle Epochen hindurchgehend, so lange es Erdenkulturen gibt - und sie wird so lange hindurchgehen, solange es eine &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|191}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erdenkultur geben wird -, immer eine einheitliche, gleiche Anschauung gehabt über das Wesen des materiellen Daseins, über die Materie. Um Sie auf das zu führen, was die Geisteswissenschaft als das Wesentliche der Materie, des Materiellen ansieht, möchte ich folgendes sagen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie kennen den ganz gewöhnlichen Vorgang: wenn wir Eis haben, ist das ein fester Körper, eine feste Materie. Diese Materie ist nicht fest durch ihre eigentliche Wesenheit, sondern sie ist eine feste Materie nur durch äußere Umstände. Sie ist sofort keine feste Materie mehr, wenn wir die Temperatur in entsprechender Weise erhöhen; da ist sie eine flüssige Materie. Wie sich eine Materie in der äußeren Welt darlebt, das hängt also nicht ab von dem, was in ihr selber ist, sondern von den ganzen Verhältnissen des umgebenden Weltalls. - Dann können wir weiter dieser Materie Wärme zuführen, und aus dem Wasser wird von einem bestimmten Punkt ab Dampf. So haben wir Eis, Wasser, Dampf und haben durch die Erhöhung der Temperatur der Umgebung etwas herbeigeführt, was wir bezeichnen können als «die Materie in den verschiedensten Formen». So haben wir an der Materie, wie sie sich uns darstellt, nicht nach einer innerlichen, sie konstituierenden Wesensart zu unterscheiden, sondern wir müssen uns klar sein, daß die Art, wie Materie uns entgegentritt, von der Art der Gesamtkonstitution des Weltalls abhängt und daß man nichts vom ganzen Weltall in einzelne Materien trennen darf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun liegen allerdings die Dinge so, daß die Methoden der heutigen Wissenschaft überhaupt nicht ausreichen, um zu dem zu kommen, wozu Geisteswissenschaft kommen kann. Es kann die heutige Wissenschaft mit ihren Mitteln die Materie, die in der Form eines Stückes Eis durch Temperaturerhöhung erst flüssig und dann dampfförmig wird, niemals so weit führen, daß sie bis zu dem auf der Erde als letzten erreichbaren Zustand kommt, in welchen jede Materie überzuführen ist. Es ist nicht möglich, heute mit wissenschaftlichen Mitteln solche Verhältnisse her- beizuführen, wodurch etwa gezeigt werden könnte: Wenn du Gold nimmst und es immer weiter verdünnst, so weit als du es nur auf der Erde verdünnen kannst, dann kommst du zuletzt zu diesem oder jenem Zustand. Wenn du mit Silber dasselbe machst, ist es ebenso, bei Kupfer auch, und so weiter. - Die Geisteswissenschaft kann das, weil sie zuletzt &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|192}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
fußt auf den hellseherischen Forschungsmethoden. Dadurch ist sie im- stande, eines zu beobachten: Wie in den, man könnte sagen, Zwischen- räumen unserer Materien immer sich ein Gleiches überall findet, ein Gleiches, welches in der Tat die äußerste Grenze darstellt, zu dem überhaupt Materie gebracht werden könnte, was für eine Materie es auch immer sein mag. Es gibt wirklich einen für hellseherische Forschung erreichbaren Auflösungszustand aller Materie, wo sich alle Materie in einem dabei Gleichen zeigt; nur ist das, was da auftritt, nicht mehr Materie, sondern etwas, was jenseits aller spezialisierten Materien liegt, die uns umgeben. Und jede einzelne Materie stellt sich dann dar als ein aus dieser Grundmaterie - es ist ja keine Materie mehr - Kondensiertes, Verdichtetes, ob Sie Gold, Silber oder was immer für eine Materie haben. Es gibt ein Grundwesen unseres materiellen Erdenseins, von dem alles Materielle nur durch Verdichtung zustande gekommen ist. Und auf die Frage: Was ist das für eine Grundmaterie unseres Erdendaseins? - antwortet die Geisteswissenschaft: Jede Materie auf der Erde ist kondensiertes Licht! Es gibt nichts im materiellen Dasein, was etwas anderes wäre als in irgendeiner Form verdichtetes Licht. Daher sehen Sie, daß es für denjenigen, der die Tatsachen kennt, nicht eine Theorie zu begründen gibt wie etwa die Schwingungshypothese des 19.Jahrhunderts, in welcher man versuchte, Licht darzustellen mit Mitteln, die selber gröber sind als das Licht. Licht ist nicht auf etwas anderes in unserem materiellen Dasein zurückzuführen. Wo Sie hin- greifen und eine Materie anfühlen, da haben Sie überall kondensiertes, zusammengepreßtes Licht. Materie ist ihrem Wesen nach Licht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit haben wir vom geisteswissenschaftlichen Standpunkt aus auf die eine Seite der Sache hingewiesen. Wir haben also dasjenige, was allem materiellen Dasein zugrunde liegt, im Lichte zu sehen. Und wenn wir den materiellen Menschenleib ansehen, so ist auch er, insofern er materiell ist, nichts anderes als aus Licht Gewobenes. Insofern der Mensch ein materielles Wesen ist, ist er aus Licht gewoben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nunmehr nehmen wir die andere Frage: Was ist das Wesen des Seelischen? - Wenn wir in ähnlicher Weise mit geisteswissenschaftlichen Mitteln das Substantielle, das wirkliche Grundwesen des Seelischen erforschen würden, so würde sich uns darstellen - so wie alles Materielle &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|193}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nur zusammengepreßtes Licht ist -, daß alle noch so verschiedenen seelischen Erscheinungen auf der Erde sich uns ergeben als Modifikationen, als mannigfaltige Umformungen dessen, was genannt werden muß, wenn wir die Grundbedeutung dieses Wortes wirklich erfassen: Liebe. Jede Regung seelischer Art, wo sie auch immer auftritt, ist in irgendeiner Weise modifizierte Liebe. Und wenn wir Inneres und Äußeres beim Menschen gleichsam ineinandergesteckt haben, ineinandergeprägt haben, so haben wir seine äußere Leiblichkeit gewoben aus Licht, sein inneres Seelisches haben wir gewoben in einer vergeistigten Weise aus Liebe. Liebe und Licht sind in der Tat in allen Erscheinungen unseres Erdendaseins irgendwie ineinandergewoben. Und wer geisteswissenschaftlich die Dinge zu begreifen hat, der fragt in allererster Linie: Wie sind in irgendeinem Grade Liebe und Licht ineinander verwoben?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Liebe und Licht sind die zwei Elemente, die zwei Komponenten, die alles Erdendasein durchsetzen: Liebe als seelisches Erdendasein, Licht als äußeres materielles Erdendasein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun aber tritt gerade jetzt dasjenige ein, daß für die beiden Elemente Licht und Liebe, die sonst eigentlich nach dem großen Gange des Weltendaseins nebeneinanderstehen würden, ein Vermittler da sein muß, der das eine Element in das andere hineinverwebt, der Licht in Liebe hineinverwebt. Das muß eine Macht sein, welche sozusagen kein besonderes Interesse hat an der Liebe, die also hineinverwebt in das Element der Liebe das Licht - die nur Interesse daran hat, dem Lichte die größtmögliche Ausbreitung zu geben, die also Licht hineinstrahlen läßt in das Element der Liebe. Eine solche Macht kann keine Erden- macht sein, denn die Erde ist gerade der Kosmos der Liebe. Die Erde hat die Mission, die Liebe überall hineinzuverweben. Also alles, was mit dem Erdendasein so recht verknüpft ist, hat kein Interesse, das nicht irgendwie von der Liebe berührt sein würde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein solches Interesse aber haben die luziferischen Wesenheiten; die sind gerade auf dem Monde zurückgeblieben, auf dem Kosmos der Weisheit. Sie haben besonders das Interesse, Licht in Liebe hineinzuweben. Daher sind in der Tat die luziferischen Wesenheiten überall am Werke, wo unser Inneres, das eigentlich aus Liebe gewoben ist, irgendwie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|194}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
in Zusammenhang tritt mit dem Lichte, wo es in, irgendeiner Form vorhanden ist; und Licht tritt uns ja in allem materiellen Dasein entgegen. Kommen wir nur irgendwie mit dem Licht in Zusammenhang, so treten die luziferischen Wesenheiten auf, und es verwebt sich das Luziferische in die Liebe. Dadurch ist der Mensch im Laufe der Verkörperungen überhaupt erst in das luziferische Element hineingekommen: Luzifer hat sich verwoben mit dem Elemente der Liebe. So daß in dasjenige, was aus Liebe gewoben ist, sich hineinpreßt das Element des Luzifer, das uns allein dasjenige bringen kann, was die Liebe nicht nur eine restlose Hingabe sein läßt, sondern was die Liebe durchsetzt mit Weisheit, so daß sie eine aus einem Innersten mit Weisheit durch- setzte Liebe ist. Denn sonst, ohne diese Weisheit, wäre die Liebe eine selbstverständliche Kraft, für die der Mensch nicht verantwortlich sein könnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So aber wird die Liebe zur eigentlichen Ich-Kraft, in die hineinverwoben wird das luziferische Element, das sonst nur draußen im Materiellen war. Dadurch wird es erst möglich, daß unser Inneres, dem im Erdendasein das Merkmal der Liebe in allem Umfange zukommen müßte, durchsetzt wird von all dem andern, was wir als ein Wirken des Luzifer bezeichnen können und was von dieser Seite her zu einer Durchdringung des äußeren Materiellen führt, so daß Liebe nicht nur von dem durchwoben wird, was vom Licht gewoben ist, sondern daß solche Liebe entsteht, die von Luzifer durchzogen ist. Indem der Mensch das luziferische Element aufnimmt, durchwebt er das materielle Dasein in seiner eigenen Leiblichkeit mit einem solchen Seelischen, das zwar aus Liebe gewoben ist, wo aber hineinverwoben ist das luziferische Element. Die mit dem luziferischen Element durchsetzte Liebe, die sich in das Materielle hineinimprägniert, das ist die von innen heraus wirkende Krankheitsursache. Und in Anknüpfung an alles, was wir früher angeführt haben als eine notwendige Folge der aus dem luziferischen Element herrührenden Erkrankung, dürfen wir jetzt sagen: Was wir als eine solche Folge im Schmerz zu sehen haben - wir haben ja gesehen, wie der Schmerz eine Folge des luziferischen Elementes ist -, das zeigt uns die Wirkung der karmischen Gesetzmäßigkeit in der Weise, daß die Wirkung einer Tat oder einer Versuchung, die von Luzifer her- &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|195}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
rührt, sich karmisch dergestalt aus lebt, daß im Schmerz sich kundgibt, was zur Überwindung der betreffenden Wirkung führen soll.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie ist es nun aber damit, ob wir in einem solchen Falle helfen dürfen? Dürfen wir hier helfen? Dürfen wir alles, was sich aus dem luziferischen Element hineingedrängt hat mit seinen ganzen Folgen in den Schmerz, in irgendeiner Weise beseitigen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der Antwort auf die Frage nach dem Wesen des Seelischen ergibt sich uns als Notwendigkeit, daß wir das nur tun dürfen, wenn wir für einen Menschen, der das luziferische Element als Krankheitsursache in sich hat, das Mittel finden, um das Luziferische in der entsprechenden Weise zu vertreiben. Was ist das für ein Mittel allein, was stärker wirken muß, damit das luziferische Element in der richtigen Weise entfernt wird? Was ist verunreinigt durch das luziferische Element unserer Erde? - Die Liebe! Daher können wir nur durch Zuführung von Liebe wirkliche Hilfeleistung haben, damit das karmische Element sich in der entsprechend richtigen Weise abspielt. So haben wir letzten Endes bei allem, was in dieser Richtung zu Krankheitsursachen wird, in dem Element der Liebe, das beeinträchtigt worden ist im Seelischen durch den luziferischen Einfluß, etwas zu sehen, dem wir etwas zuführen müssen. Wir müssen Liebe einflößen, damit das, was als Liebestat einfließt, eine Hilfe sein kann. Diesen Charakter zugeführter Liebe haben alle diejenigen Heilungstaten, die sich mehr oder weniger auf das stützen, was man psychische Heilungsprozesse nennen kann. In irgendeiner Form hängt das, was bei psychischen Heilungsprozessen angewendet wird, zusammen mit der Zuführung von Liebe. Liebe ist es, was wir als Balsam dem andern Menschen einflößen. Auf Liebe muß es zuletzt zurückgeführt werden können. Und das kann es auch. Auf Liebe kann es zurückgeführt werden, wenn wir einfache psychische Faktoren in Bewegung setzen, wenn wir einen andern veranlassen, vielleicht auch nur sein herabgedrücktes Gemüt in Ordnung zu bringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das muß alles seinen Impuls in der Liebe haben, von einfachen Heilprozessen ausgehend bis zu dem, was heute oft in laienhafter Weise mit dem Namen «Magnetisieren» benannt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was wird dabei in Wirklichkeit von dem Heiler demjenigen mit- geteilt, der geheilt werden soll? Es ist - wenn wir mit einem Ausdruck &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|196}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der Physik sprechen wollen - ein «Austausch von Spannungen». Was in dem Heiler lebt, namentlich gewisse Prozesse im Ätherleibe&amp;gt; das wird dadurch, daß es in ein gewisses Verhältnis tritt zu dem, der geheilt wer&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
den soll, in eine Art Polarität gebracht zu dem zu Heilenden. Polarität wird hervorgerufen gerade so, wie Sie sonst in einem abstrakteren Sinne Polarität hervorrufen, wenn Sie die eine Art von Elektrizität, die positive, hervorrufen und die entsprechend andere, die negative, in einer gewissen Weise erscheint. Es werden Polaritäten hervorgerufen. Und das ist im eminentesten Sinne als eine Opfertat aufzufassen. Man ruft in sich selber in der Tat einen Prozeß hervor, der nicht nur dazu bestimmt ist, in uns selber eine Bedeutung zu haben - sonst ruft man nur einen Prozeß hervor; in diesem Fall soll aber der Prozeß dazu bestimmt sein, in dem andern eine Polarität zu dem ersten Prozesse hervorzurufen. Und diese Poiarität, die natürlich davon abhängt, daß der Heiler und der zu Heilende in irgendeinem Sinne in Zusammenhang gebracht werden, diesen andern Prozeß in dem andern hervorzurufen, ist im eminentesten Sinne die Hinopferung einer Kraft, die nichts anderes ist als umgewandelte Liebeskraft, Liebestat in irgendeiner Form. Das ist das eigentlich Wirkende bei solchen psychischen Heilungen: die in irgendeine Form umgewandelte Liebeskraft. Und wir müssen uns daher klar sein, daß ohne die zugrunde liegende Liebeskraft die Sache immer etwas haben wird, was nicht zu dem richtigen Ziele führen kann. Aber Liebesprozesse brauchen ja nicht immer nur so zu verlaufen, daß sich der Mensch dessen im gewöhnlichen Tagesbewußtsein vollständig bewußt ist; sie verlaufen auch in den unterbewußten Schichten. Sogar in dem, was als Technik der Heilprozesse angesehen werden kann, selbst in der Art, wie man zum Beispiel die Handstriche macht, wie sie technisch in ein System gebracht werden, auch da liegt schon darinnen, daß sie ein Abbild sind einer Opfertat. Also selbst da, wo wir nicht unmittelbar in einem Heilprozesse den Zusammenhang erblicken, wo wir nicht sehen, was getan wird, liegt doch vor eine Liebestat, wenn sie auch ganz und gar in Technik umgewandelt ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So sehen wir, daß wir deshalb, weil das Seelische im Grundwesen Liebe ist, mit psychischen Heilfaktoren eingreifen können, die scheinbar sehr nach der Peripherie des menschlichen Wesens liegende Prozesse &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|197}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sein können, und daß durch solche Heilfaktoren das, was im Grund- wesen Liebe ist, sich bereichert mit dem, was es braucht als Liebe. Da sehen wir die Hilfe von der einen Seite, die Hilfe, die wir leisten dürfen,weil wir dem Menschen Beistand gewähren müssen, damit er, nachdem er in die Fangarme Luzifers gekommen ist, sich auch wieder aus ihnen befreien kann. Weil das Grundwesen des Seelischen Liebe ist, dürfen wir sehr wohl das Karma in seiner Richtung beeinflussen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun - nach der andern Seite - fragen wir, was ist geworden aus dem aus Licht gewobenen Materiellen, wo das Seelische darinnensteckt? Was ist geschehen mit dem aus Licht gewobenen Materiellen des Menschen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen wir die Körperlichkeit eines Menschen, den äußeren Menschen in seiner materiellen Leiblichkeit.Würde nicht aus dem Seelischen heraus durch den karmischen Prozeß in das Materielle eingeprägt sein eine solche Liebessubstanz, die von Luzifer oder Ahriman durchsetzt wäre, würde nur eine reine Liebessubstanz ein fließen, dann würden wir diese Liebessubstanz nicht als verunreinigend, als verschlechternd empfinden können für die aus Licht gewobene Materie. Würde bloß Liebe einfließen in die Materie, so würde sie so ein fließen in die menschliche Leiblichkeit, daß diese nicht verschlechtert werden könnte; nur weil Liebe ein fließen kann, welche luziferische oder ahrimanische Kräfte aufgenommen hat, kann die aus Licht gewobene Materie schlechter werden, als sie ursprünglich sein sollte. Also kann es nur herrühren von den während der aufeinanderfolgenden Inkarnationen in die Menschen eingeflossenen luziferischen oder ahrimanischen Schädigungen, daß wir in der menschlichen Organisation etwas vor uns haben, was nicht so ist, wie es sein sollte. Wäre es so, wie es sein sollte, so würde es die gesunde Menschenmaterie darstellen; aber da es die Wirkungen Ahrimans und Luzifers in sich aufgenommen hat, kann es krankes Leibliches sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie können wir nun von außen herausbringen die entsprechenden Einflüsse, die von innen durch ein nicht richtiges Seelisches, durch eine nicht richtige Liebessubstanz eingeflossen sind? Was geschieht denn mit dem Leiblichen dadurch, daß etwas Unrichtiges einfließt? Für die Geisteswissenschaft geschieht dadurch etwas, was aus gewobenem Lichte in irgendeiner Weise sein Gegenteil macht. Licht hat sein Gegenteil in einer irgendwie gearteten Finsternis. Alles, was sich real - so sonderbar &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|198}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
es auch klingt - als die Verunreinigung dessen darstellt, das aus Licht gewoben ist, ist eine aus ahrimanischem oder luziferischem Einfluß hineingewobene Finsternis oder Dunkelheit. So sehen wir im menschlichen Materiellen hineingewobene Finsternis. Aber diese Finsternis wurde erst dadurch hineinverwoben, daß diese menschliche LeiblichkeitTräger wurde von dem, was sich als «Ich» durch die Inkarnationen hindurchlebt. Das war früher nicht darinnen. Nur ein menschliches Leibliches kann gerade spezifisch diese Verschlechterungen haben. Die waren früher nicht in dem, was das Licht gewoben hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun nimmt der Mensch heute die Grundlage zum Materiellen aus dem, was er im Verlaufe der Entwickelung nach und nach aus sich herausgesetzt hat. Das ist das Tierreich, das pflanzliche und das mineralische Reich. Diese enthalten auch die verschiedenen Materien, das heißt für das Erdendasein aus Licht Gewobenes. Aber in all diesen Materien ist noch nicht das da rinnen, was im Verlaufe des menschlichen Karma hat vom Inneren des Menschen hineinkommen können in das menschliche materielle Dasein. Wir haben also in den drei Reichen um uns herum etwas, auf das der Mensch durch seinen luziferischen oder ahrimanischen Einfluß von sich aus, insofern er von seiner Liebessubstanz aus wirkt, niemals hat verunreinigend wirken können. Da drinnen ist nichts von ihm, so daß in seiner Reinheit hat ausgebreitet werden können dasjenige, was in bezug auf seine Reinheit beim Menschen- verunreinigt ist. Wenn wir zum Beispiel draußen eine mineralische Materie haben, ein Salz oder etwas anderes, so ist das eine Materie, die der Mensch auch in sich trägt oder tragen kann; bei ihm ist sie aber durchwoben von dem, was wir die von Ahriman oder Luzifer verunreinigte Liebessubstanz nennen können. Draußen aber ist sie rein. So unterscheidet sich jede Substanz draußen von dem, was der Mensch als Substanz in sich trägt. Draußen ist es immer anders, als es im Menschen ist, weil es bei ihm durchwoben ist vom ahrimanischen und luziferischen Einfluß. Das ist der Grund, warum für alles, was der Mensch mehr oder weniger an seiner äußeren Substantialität verderben kann, draußen etwas zu finden sein muß, was das Entsprechende im reinen Zustande darstellt, ohne daß die menschliche Schädigung darinnen ist. Was draußen existiert in der Welt ohne Schädigung, das ist das äußere Heil- &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|199}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
mittel für das entsprechend Geschädigte. Führen Sie das der menschlichen Wesenheit zu in richtiger Weise, dann haben Sie das Spezifikum für die entsprechende Schädigung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da haben Sie ganz objektiv dasjenige, was Sie dem menschlichen Leib als Heilmittel zuführen. Da haben Sie charakterisiert die Schädigung als spezifizierte Dunkelheit, dasjenige, was noch nicht dunkel ist, als das außen gewobene reine Licht - und Sie sehen, warum Sie die im Menschen befindliche Dunkelheit, die dunkle Materie, aufheben können, wenn Sie ihm reine, aus Licht gewobene Materie beibringen können. So haben wir in der reinen, aus Licht gewobenen Materie ein spezifisches Heilmittel gegen die Schädigung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es handelt sich nun darum - und oft wurde darauf aufmerksam gemacht, daß es ein Irrtum ist, dem gerade die Theosophie nicht verfallen darf-,daß es eine Engherzigkeit wäre, wenn man leugnen wollte, daß es eigentlich doch in solchen Fällen etwas gibt, was man bei dieser oder jener Schädigung als ein auf dieses oder jenes Organ wirksames spezifisches Heilmittel verabreichen kann. Es wurde freilich oft gesagt, daß der Organismus die Kräfte habe, sich zu helfen; aber wenn auch das richtig ist, was dieWiener Schule der nihilistischenTherapie geltend gemacht hat: durch die Aufrufung der Gegenkräfte den Heilprozeß einzuleiten -, so können wir dennoch durch spezifische Mittel dem Heilprozeß entgegenkommen. Hier sehen wir einen Parallelismus herrschen, den man aus der Geisteswissenschaft heraus schildern kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus dem, was ich geschildert habe zum Beispiel über Diphtherie, können Sie entnehmen, daß es sich dabei um etwas handelt, was ganz besonders in der karmischen Ursache den astralischen Leib getroffen hat. Nun finden wir etwas, was diesem astralischen Leib am nächsten verwandt ist, in der Umgebung des Menschen, in dem Tierreich. Daher werden Sie bei denjenigen Krankheitsformen, die dem astralischen Leib eminent nahe stehen, immer finden, daß die Heilwissenschaft unbewußt, aus einem dunklen Triebe heraus, nach Mitteln sucht, die aus dem Tierreich hergenommen sind. Bei solchen Krankheiten, deren Ursache im Ätherleib liegt, greift die Heilwissenschaft nach Mitteln aus dem Pflanzenreich. Und es könnte jetzt ein interessanter Vortrag gehalten werden zum Beispiel über die Beziehung der Digitalis purpurea &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|200}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
zu gewissen Herzkrankheiten. Das sind Dinge, die, insofern sie auf Wirklichkeit beruhen, nicht bloß fünf Jahre richtig sind und dann anfangen falsch zu werden, wie ein Mediziner sagte und wie es tatsächlich der Fall ist, wann nur aus äußeren Symptomen geschlossen wird. Aber es gibt einen gewissen Schatz von Heilmitteln, der immer auf irgendeinen Zusammenhang mit der Geisteswissensc1iaft zurück- geht, der sich vererbt hat, ohne daß die Leute wissen, woher er gekommen ist. Ebenso wie es heute die Astronomen nicht wissen, daß die Kant-Laplacesche Theorie aus den Geheimschulen des Mittelalters gekommen ist, so wissen es die Leute nicht, woher die eigentlichen Heilschätze oft stammen. - Und Krankheitsursachen, die mit der Wesenheit des physischen Leibes zusammenhängen, führen dann zur Anwendung von Heilmitteln aus dem Mineralreich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Selbst durch diese analogen Anschauungen kann also ein Fingerzeig auf die Sache gegeben werden. Daher ist für den Menschen durch den Zusammenhang mit der uns umgebenden Welt die Möglichkeit vor- handen, daß ihm von zwei Seiten her geholfen wird: indem man ihm auf der einen Seite modifizierte Liebe beibringt in den psychischen Heilprozessen, oder anderseits in der verschiedensten Weise modifiziertes Licht bei jenen Prozessen, die irgendwie mit äußeren Heilprozessen zusammenhängen. Alles, was getan werden kann, wird entweder mit inneren psychischen Mitteln, mit Liebe, oder mit äußeren Mitteln, mit irgendwie verdichtetem Licht, geleistet. Und wenn einmal die Wissenschaft so weit sein wird, daß sie lernen wird, an das Übersinnliche zu glauben und an den Satz: Materie ist irgendwie kondensiertes Licht -, dann wird von diesem Grundsatz aus ein geistiges Licht geworfen werden auf das systematische Suchen nach der Art, wonach mit äußeren&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mitteln dem Menschen geholfen werden kann. Daraus sehen wir, wie in dem, was während langer Zeiträume aus den Geheimschulen des alten Ägypten und des alten Griechenland heraus nach und nach dem Heilschatze zugefügt worden ist, nicht nur ein bloßer Unsinn steckt, sondern daß in den Sachen überall ein gesunder Kern vorhanden ist. Theosophie ist nicht dazu da, um eine gewisse Partei zu ergreifen, um etwa zu sagen: Das ist eine Richtung, die bringt dem Menschen Gift bei! - Das Wort Gift wirkt ja heute geradezu suggestiv, und die Leute &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|201}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
denken nicht daran, wie relativ dieses Wort ist. Was ist denn eigentlich ein Gift? Jeder Stoff kann ein Gift sein. Es kommt nur auf die Heilweise an und auf die Menge, die auf einmal genossen wird. Wasser ist ein starkes Gift, wenn man zehn Liter auf einmal genießt. Diese Wirkung, innerlich chemisch erfaßt, unterscheidet sich gar nicht besonders davon, daß man dem Menschen irgendeinen an,dern Stoff zu führt. Es kommt immer auf die Menge an, denn alle diese Begriffe sind relativ.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus dem, was wir heute durchschaut haben, können wir sagen: Wir können froh sein, daß selbst für das, was sich der Mensch an Schädigung einverleiben kann, in alledem, was uns als Natur umgibt - wie wir jetzt den Weltprozeß ansehen -, das Gesundende sich irgendwie finden muß, so daß der Mensch die Schädigung wieder überwinden kann. Und das ist auch ein schönes Gefühl, das wir gegenüber der Außenwelt haben können: Wir können uns nicht nur über die Außenwelt freuen, weil sie uns sprießende Blumen schenkt oder uns im Lichtglanz die Berge erstrahlen läßt, sondern wir können uns auch deshalb über sie freuen, weil alles um uns herum in einer so innigen Beziehung steht zu dem, was im Menschen selbst als gut oder böse bezeichnet werden kann. Wir können uns in der Natur nicht nur über das freuen, was uns zunächst anspricht; sondern je tiefer wir eindringen in das, was sich bis zum äußeren materiellen Dasein verdichtet hat, desto mehr werden wir finden: Diese uns erfreuende Natur hat in sich zugleich den mächtigen Heiler für alles&amp;gt; was sich der Mensch als Schädigung zuführen kann, irgendwie ist der Hei 1er in der Natur verborgen. Es handelt sich nur darum, die Sprache des Heilers nicht bloß zu verstehen, sondern ihr auch zu gehorchen und sie wirklich auszuführen. Und heute haben wir in den meisten Fällen aus dem Grunde nicht die Möglichkeit, der Sprache der heilenden Natur zu gehorchen, weil die Verkennung des Lichtes, weil die Finsternis, die sich auch in die Erkenntnis hineingemischt hat, in vieler Beziehung Zustände herbeigeführt hat, welche es nicht gestatten, der reineR Sprache der Natur zu folgen. Und so müssen wir uns darüber klar sein: Wo in einem Falle keine Hilfe geleistet, wo ein Leiden wegen karmischer Zusammenhänge nicht gemildert werden kann, würde das nicht bedeuten, daß es absolut nicht gemildert werden könnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
So sehen wir auch hier wieder einen merkwürdigen Zusammenhang, der uns doch wieder die ganze große Welt einschließlich des Menschen ais ein Wesen erscheinen läßt. In dem Satze: Materie ist gewobenes Licht, Seelisches ist in irgendeiner Weise verdünnte Liebe -, liegen die Schlüssel für unzählige Geheimnisse des Erdendaseins. Die gelten aber nur für das Erdendasein und für kein anderes Gebiet desWeltendaseins. Damit haben wir ja nichts Geringeres gezeigt, als daß wir, wenn wir dem Karma irgendeine Richtungsänderung geben, uns in dem einen oder andern Falle mit dem verbinden, was gerade die zusammensetzen- den Elemente unseres Erdendaseins sind: auf der einen Seite mit dem zur Materie gewordenen Licht, auf der andern Seite mit der zum Seelischen gewordenen Liebe. Wir entnehmen das Heilmittel entweder aus der Umgebung, aus dem dichtgewordenen Licht oder aus unserer ei- genen Seele, aus der heilenden Liebestat, Opfertat, und heilen dann mit der au der Liebe gewonnenen seelischen Kraft. Wir verbinden uns mit dem, was auf der Erde im tiefsten Inneren berechtigt ist, wenn wir uns auf der einen Seite verbinden mit dem Licht, auf der andern Seite mit der Liebe. Alle Erdenzustände sind irgendwie Gleichgewichtszustände zwischen Licht und Liebe. Und ungesund ist eine Störung in dem Gleichgewicht zwischen Licht und Liebe. Ist irgendwo die Störung in der Liebe, so können wir helfen, indem wir die Kraft der Liebe selbst entfalten; und ist die Störung im Lichte, so können wir helfen, indem wir uns im Weltall irgendwie dasjenige Licht verschaffen, welches die Finsternis in uns aufheben kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da haben Sie die Grundelemente des menschlichen Helfens. Sie zeigen, wie alles im Erdendasein auf Gleichgewichtslagen beruht von einander entgegengesetzten oder einander gegenüberstehenden Elementen. Licht und Liebe sind eigentlich sich gegenüberstehende Elemente. Aber auf ihrem Ineinanderverwobensein beruht zuletzt alles, was in unserem Erden leben an Seelischem und an Materiellem vor sich geht. Daher dürfen wir uns nicht wundern, wenn auf allen Gebieten des Menschenlebens von Epoche zu Epoche die Fortentwickelung so geschieht, daß gleichsam die Gleichgewichtslage nach der einen Seite besonders ausschlägt und dann nach der andern Seite wieder versucht wird, sie einzurenken, wenn also unsere Entwickelung so verläuft, daß &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
sie einem Wellenschlage gleicht. In der Tat gleicht unsere Entwickelung einer Art Wellenschlag: sie geht herunter und sie geht hinauf, und es wird immer der gestörte Gleichgewichtszustand ausgeglichen durch das, was nach der andern Seite wieder den entsprechend andern, über die Gleichgewichtslage hinausgehenden Pendelschlag bedeutet. Wenn Sie darauf eingehen, daß es sich im Menschenleben überall handelt um eine Störung des Gleichgewichtes nach der einen oder andern Richtung, dann werden Sie finden, wie Sie dadurch selbst die intimsten Kulturprozesse in irgendeiner Weise beleuchten können. Wenn Sie eine Zeitepoche betrachten, wo in der menschlichen Entwickelung gewisse Schädigungen dadurch eingetreten sind, daß die Menschen nur auf das Innere gesehen haben und nicht auch auf das Äußere, wie zum Beispiel im Mittelalter, wo bei der starken Blüte der Mystik das Äußere unberücksichtigt geblieben ist und auch zu Mißverständnissen nicht nur im Erkennen, sondern auch im Handeln geführt hat, so sehen Sie dann auf der andern Seite jene Zeit folgen, in welcher man die Mystik absolut nicht ertragen kann, dafür aber den Blick in die Außenwelt richtet, um alles zu tun, was das Pendel wieder nach der andern Seite ausschlagen läßt. Da haben Sie Übergänge zwischen Mittelalter und neuerer Zeit. Und Sie werden in der mannigfaltigsten Art solche Störungen der Gleichgewichtslage finden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dabei möchte ich anführen, daß in der Tat in solchen Zeiten wie den unsrigen eine charakteristische Eigenschaft vieler Menschen sich darin zeigt, daß sie völlig vergessen und ganz aus der Aufmerksamkeit verlieren, was man nennen könnte ein Bewußtsein von einer übersinniichen Welt. Das heißt, es gibt in unserer Zeit zahlreiche Menschen, die völlig außer acht lassen, daß es eine geistige Welt gibt, und die also die Gedanken an die geistige Welt ablehnen. In einer solchen Zeit - und überhaupt in solchen Zeiten - ist immer auch in einer gewissen Beziehung das Gegenbild davon vorhanden. Ich möchte das in einer ganz einfachen Weise charakterisieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn es Menschen auf dem physischen Plane gibt, die sich so sehr in das Physische verstricken, daß sie das Geistige ganz und gar vergessen, dann haben jene Menschen, die zwischen Tod und neuer Geburt in der geistigen Welt leben, auf der andern Seite dafür den entgegengesetzten &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Drang, der hervorgerufen ist wie durch ein Karma, das vom physischen Plan hinüberwirkt auf den geistigen Plan: den Drang nämlich, in irgendeiner Weise sich mit Dingen zu beschäftigen, die aus der geistigen Welt in die physische hinein spielen. Das liegt in der Tat zugrunde man- cherlei Hereinwirkungen in die physische Welt von seiten von Menschen, die in der Zeit vor einer neuen Geburt stehen. In die physische Welt wirken dann diese Menschen so hinein, wie sich eben gerade die Mittel ergeben, auf dem Umwege über solche Menschen, die im höheren Maße diesen Einflüssen aus der geistigen Welt zugänglich sind. - Hat man auf diesen Gebieten Klarheit zu bringen, so wird man ja vieles ablehnen müssen, was von dieser oder jener Seite her erzählt wird als Offenbarungen der geistigen Welt von Menschen, die zwischen Tod und neuer Geburt stehen. Und man wird die charakteristischen Fälle gut heraussondern können, wo die Toten - um das Pendel nach der andern Seite ausschlagen zu machen - sehr stark darauf verfallen, irgendwie den Menschen handgreiflich zu zeigen: Es gibt doch eine geistige Welt! Dafür, daß es in unserer Zeit Menschen gibt, die völlig umnachtet sind, die so viel Finsternis in ihr Geistiges hineinverwoben haben, daß sie gar nichts wissen wollen von der geistigen Welt, dafür gibt es Tote, welche aus diesem Mangel heraus den Drang haben, hineinzuwirken in die physische Welt. Am meisten geschehen solche Dinge, wenn von den Menschen auf dem physischen Plan gar nichts dazu getan wird. Und am charakteristischsten sind die Dinge, die sich ohne künstliche Versuche anbieten, die sozusagen auftreten als Kundgebungen aus der geistigen Welt. Daher der Zusammenhang von Menschen auf dem materialistischen Felde auf der einen Seite, und der Drang, der besteht, von der geistigen Welt aus belehrend hereinzuwirken auf der andern Seite.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie werden vieles, was dafür Beleg sein kann, finden in dem Buche unseres Freundes Ludwig Deinhard «Das Mysterium des Menschen». Da ist vieles zusammengestellt und systematisiert von dem, was Sie gerade brauchen und was heute in der Literatur, wo sie wissenschaftlich ist, so zerstreut ist, daß nicht für jeden möglich ist, es sich zusammenzuholen. Daher ist es sehr schön, daß Sie in diesem Buche eine Zusammenstellung haben gerade dieser Seite der geisteswissenschaftlichen Tatsachen, die, wie Sie jetzt sehen, im eminenten Sinne sogar &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|205}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
charakteristisch sind für unsere Zeit. Insbesondere finden Sie darin mit großem Glück verzeichnet eine charakteristische Tatsache von einem Forscher, welcher in seinem hiesigen Erdenleben alles mögliche versuchte, um auf dem Wege der materialistischen Methode zum Beweise von der geistigen Welt zu kommen - der verstorbene Frederick Myers - und der dann nach seinem Tode den starken Drang fühlte, dasjenige, was er hier angestrebt hat, durch Hereinstrahlungen aus der geisötigen Welt, mit Hilfen aus der geistigen Welt, hier den Menschen zu zeigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das sollte eine Illustration sein zu dem Satze, daß wir in der Welt und dem Weltendasein zu sehen haben fortwährende Störungen von Gleichgewichten und wiederum das Suchen von Gleichgewichten. Im Erdendasein haben wir als tiefste Elemente dieses sich immerfort störenden und wiederherstellenden Gleichgewichtes die beiden Elemente Licht und Liebe. Und im menschlichen Karma wirken nun von Inkarnation zu Inkarnation die beiden Elemente Licht und Liebe ausgleichend auf die gestörten Gleichgewichtslagen. Denn im Grunde genommen haben` wir in dem durch alle Inkarnationen sich durchschlängelnden Karma gestörte Gleichgewichtslagen, und in Licht und Liebe haben wir den fortwährenden Versuch, das Gleichgewicht wiederherzustellen. Bis einst in ferner Zukunft der Mensch in dem Durchgehen durch seine Inkarnationen endlich dahin gekommen sein wird, einen letzten, durch die Erde erreichbaren Gleichgewichtszustand auszubilden, der dahin führen wird, daß die Menschheit die Erdenmission erfüllt haben wird und das Erdendasein sich in eine neue planetarische Form hinüber- entwickeln wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So habe ich versucht, etwas auseinanderzusetzen, ohne das eine tiefere Begründung der karmischen Zusammenhänge und Gesetze nicht möglich ist. Ich habe mich darum auch nicht gescheut, die geheöimnisvollen Grundlagen, für die unsere heutigeWissenschaft noch lange nicht reif sein wird, einmal heute abzuhandeln: daß Materie in Wahrheit verwobenes Licht ist und daß Seelisches in irgendeiner Beziehung verdünnte Liebe ist. Das sind alte okkulte Sätze, aber Sätze, die für alle folgenden Zeiten wahr bleiben werden und die sich fruchtbar erweisen werden in der Menschheitsentwickelung nicht nur für die Erkenntnis, sondern auch für das menschliche Wirken und Handeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|205}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= ELFTER VORTRAG Hamburg, 28. Mai 1910 =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vieles wäre noch zu sagen über die verschiedenen Offenbarungen des Karma. Aber da wir heute die letzte unserer Betrachtungen haben und die Zeit überhaupt für ein so reiches Thema notwendigerweise kurz sein mußte, so werden Sie es begreiflich finden, daß mancherlei von dem zu Besprechenden, mancherlei vielleicht auch von dem, was Ihnen als Fragen auf der Seele liegt, diesmal nicht seine Erledigung finden kann. Aber unsere Bewegung wird ja weitergehen, und wir werden das, was bei einem Kursus notwendigerweise unerledigt bleiben muß, bei einem andern weiter ausführen und erledigen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was Ihnen wiederholt vor die Seele getreten sein wird, das ist, daß der Mensch die karmische Gesetzmäßigkeit als etwas erlebt, was sozusagen in jedem Augenblick, in dem er lebt, etwas vollkommen Bestimmtes ist, so daß wir in jedem Augenblick unseres Lebens zurückblicken können auf das, was wir durchgemacht haben, was wir getan&amp;gt; gedacht, gefühlt haben in den Inkarnationen, die der betreffenden vorangegangen sind, in welcher wir unsere Betrachtungen anstellen. Und immer werden wir finden, daß unser augenblickliches menschliches inneres und äußeres Schicksal dadurch gefaßt werden kann, daß wir sozusagen eine Art «Lebenskonto» haben, wo wir alle klugen, verständigen, weisen Erlebnisse auf die eine Seite schreiben, und alles Unverständige, alles Böse und Häßliche auf die andere Seite. Auf irgendeiner Seite wird sich dabei ein Überschuß ergeben, und der bedeutet in einem Augenblicke des Lebens auch das Schicksal dieses Augenblickes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun können verschiedene Fragen dabei auftauchen, und die nächste muß die sein: Wie verhält sich das, was die Menschen in ihrem Zusammenleben tun, was sie vollbringen als menschliche Gemeinschaft, zu demjenigen, was wir das individuelle Karma des einzelnen Menschen nennen? Wir haben diese Fragen von andern Seiten her schon berührt. Wenn wir auf irgendein Ereignis der Geschichte zurückblicken, zum Beispiel auf die Perserkriege, so können Sie unmöglich glauben, daß dieses Ereignis, zunächst von griechischer Seite aus ancharakteristisch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|206}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sind für unsere Zeit. Insbesondere finden Sie darin mit großem Glück verzeichnet eine charakteristische Tatsache von einem Forscher, welcher in seinem hiesigen Erdenleben alles mögliche versuchte, um auf dem Wege der materialistischen Methode zum Beweise von der geistigen Welt zu kommen - der verstorbene Frederick Myers - und der dann nach seinem Tode den starken Drang fühlte, dasjenige, was er hier angestrebt hat, durch Hereinstrahlungen aus der geis`tigen Welt, mit Hilfen aus der geistigen Welt, hier den Menschen zu zeigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das sollte eine Illustration sein zu dem Satze, daß wir in der Welt und dem Weltendasein zu sehen haben fortwährende Störungen von Gleichgewichten und wiederum das Suchen von Gleichgewichten. Im Erdendasein haben wir als tiefste Elemente dieses sich immerfort störenden und wiederherstellenden Gleichgewichtes die beiden Elemente Licht und Liebe. Und im menschlichen Karma wirken nun von Inkarnation zu Inkarnation die beiden Elemente Licht und Liebe ausgleichend auf die gestörten Gleichgewichtslagen. Denn im Grunde genommen haben` wir in dem durch alle Inkarnationen sich durchschlängelnden Karma gestörte Gleichgewichtslagen, und in Licht und Liebe haben wir den fortwährenden Versuch, das Gleichgewicht wiederherzustellen. Bis einst in ferner Zukunft der Mensch in dem Durchgehen durch seine Inkarnationen endlich dahin gekommen sein wird, einen letzten, durch die Erde erreichbaren Gleichgewichtszustand auszubilden, der dahin führen wird, daß die Menschheit die Erdenmission erfüllt haben wird und das Erdendasein sich in eine neue planetarische Form hinüber- entwickeln wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So habe ich versucht, etwas auseinanderzusetzen, ohne das eine tiefere Begründung der karmischen Zusammenhänge und Gesetze nicht möglich ist. Ich habe mich darum auch nicht gescheut, die geheöimnisvollen Grundlagen, für die unsere heutigeWissenschaft noch lange nicht reif sein wird, einmal heute abzuhandeln: daß Materie in Wahrheit verwobenes Licht ist und daß Seelisches in irgendeiner Beziehung verdünnte Liebe ist. Das sind alte okkuite Sätze, aber Sätze, die für alle folgenden Zeiten wahr bleiben werden und die sich fruchtbar erweisen werden in der Menschheitsentwickelung nicht nur für die Erkenntnis, sondern auch für das menschliche Wirken und Handeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|207}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gesehen, etwas darstellt, was nur in das Schicksalsbuch der einzelnen Menschen zu schreiben wäre, die auf dem äußeren physischen Plan als zunächst daran beteiligt zu gelten haben. Denken Sie an alle die Führer der Perserkriege, an alle die Menschen, welche sich damals aufgeopfert haben, denken Sie an alles, was von den Führern bis zu dem einzelnen damals im griechischen Heere getan worden ist: Werden Sie jemals, wenn Sie nur einigermaßen vernunftgemäß ein solches Ereignis auf sich wirken lassen, das, was die einzelnen Menschen damals getan haben, bei jedem einzelnen Menschen nur auf das karmische Konto dieser einzelnen Persönlichkeiten schreiben können? Unmöglich werden Sie das können. Denn Sie werden unmöglich sich vorstellen können, daß bei den Ereignissen, die ein ganzes Volk oder einen großen Teil der zivilisierten Menschheit angehen, nichts anderes geschieht, als daß jede einzelne menschliche Individualität nur ihr Karma auslebt. Und so müssen Sie im Verlauf der geschichtlichen Entwickelung immer wieder von Ereignis zu Ereignis gehen, und Sie werden sehen, daß innerhalb der Menschheitsentwickelung selber Sinn und Bedeutung zu finden sind, daß aber solche Ereignisse nicht eines sein können mit dem individuellen Karma des einzelnen Menschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir können eine Angelegenheit wie die Perserkriege auf unsere Seele wirken lassen und uns dann fragen: Was haben sie im Entwickelungsgang der Menschheit für eine Bedeutung? Im Orient hatte sich eine gewisse Kultur entwickelt, die große, gewaltige Lichtseiten hatte. Aber wie jedes Licht seine Schatten mit sich bringt, so müssen wir uns auch klar sein, daß die ganze Kultur des Orients nur dadurch für die Menschheit zu erreichen war, daß auch mancherlei Schattenseiten, die nicht in der menschlichen Entwickelung hätten weitergeführt werden dürfen, sich in jene Kultur hineingedrängt haben. Vor allem war eine solche Schattenseite die, daß der Orient den Drang hatte, durch äußere, rein auf dem physischen Plan liegende Machtmittel sich immer mehr zu vergrößern. Wäre dieser Vergrößerungstrieb nicht erstanden, so wäre natürlich die ganze orientalische Kultur nicht zustande gekommen. Eines ist nicht ohne das andere zu denken. Aber damit die Menschheit sich weiterentwickeln konnte, mußte aus ganz andern Voraussetzungen heraus sich zum Beispiel die griechische Kultur entwickeln. Die griechische&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|208}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kultur hätte aber nicht einen unmittelbaren Anfang nehmen können, sie mußte gewisse Voraussetzungen a,nderswoher bekommen. Und sie hat in der Tat wichtige Voraussetzungen aus der orientalischen Kultur entlehnt. Verschiedene Sagen von Heroen, die von Griechenland hinüberzogen nach dem Orient, stellen nichts weiter dar, als daß Schüler gewisser griechischer Schulen hinübergezogen waren nach dem Orient und den Griechen jene Güter gebracht haben, die nur innerhalb der orientalischen Kultur gewonnen werden konnten, die dann aber weitergepflegt und umgewandelt werden konnten durch das, was aus dem griechischen Volkscharakter, durch das griechische Volkstalent sich herangebildet hatte. Aber dazu mußte aus diesen herübergebrachten Gütern ausgemerzt werden, was ihre Schattenseite war: der Drang, durch rein äußere Machtmittel sich so nach dem Westen hinüber auszudehnen, wie sie waren. Das Römertum, das später entstand als das Griechentum, und alles, was die weiteren Voraussetzungen waren für die Weiterentwickelung der europäischen Menschheit, das hätte sich nicht herausbilden können, wenn nicht die Griechen sich den freien Boden geschaffen hätten für die Fortentwickelung der orientalischen Kultur, wenn sie nicht die Perser und das, was dazugehört, zurück- geschlagen hätten. So konnte filtriert werden, was in Asien geschaffen worden war, indem man die Asiaten zurückschlug.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von diesem Gesichtspunkt aus sind viele Ereignisse in der Weltentwickelung zu betrachten, und man bekommt dann ein eigentümliches Bild. Wenn wir bei einem Vortragszyklus, der drei bis vier Jahre dauern würde, diesen Gedanken nur für die uns geschichtlich überlieferten Dokumente der Menschheit ausführen könnten, so würde sich uns etwas ergeben, was wir wirklich nennen könnten einen Plan in der Entwickelung der Menschheit. Wir würden dann einen solchen Plan überschauen und uns sagen: Dies mußte errungen werden; das hatte diese Schattenseiten, die wieder ausgemerzt werden mußten; das errungene Gut mußte einem andern übergeben und dort weiter ausgebildet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf dieseWeise würden wir einen Plan der Menschheitsentwickelung herausbekommen und würden bei Besprechung dieses Planes eigentlich gar nicht auf den Gedanken verfallen können: Wie ist denn das zustande&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|209}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gekommen, daß zum Beispiel gerade Xerxes oder Miltiades oder Leonidas dieses oder jenes individuelle Karma hatten? Dieses individuelle Karma müssen wir als etwas betrachten, was für sich entschieden und hineinverflochten werden muß in den Plan der Menschheitsentwickelung. Anders ist die Sache durchaus nicht zu fassen. Und so ist es auch für die geisteswissenschaftliche Anschauung. Wenn aber das der Fall ist, müssen wir sagen: In diesem planvollen Fortgang der Menschheitsentwickelung müssen wir für sich etwas sehen, was in ähnlicher Weise in sich zusammenhängt, wie die karmischen Ereignisse im individuellen Menschenleben zusammenhängen. Und dann können wir weiter fragen: Was hat ein solcher Plan in der ganzen Menschheitsentwickelung für eine Beziehung zum einzelnen individuellen Karma des Menschen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Betrachten wir zunächst einmal das, was man nennen könnte das Geschick in der menschlichen Entwickelung selber. Wenn wir zurückblicken, sehen wir, wie Kultur nach Kultur, Volksentwickelung nach Volksentwickelung aufsteigen. Wir sehen weiter, wie Volk für Volk dieses oder jenes Neue leistet, wie etwas bleibt als Unvergängliches aus den einzelnen Volkskulturen, wie aber geradezu die Völker sterben müssen, um das Volksgut, die Errungenschaften der einzelnen Völker zu retten für die entsprechend späteren Epochen der Menschheitsentwickelung. Da müssen wir doch verständlich finden, was die Geisteswissenschaft zu sagen hat, daß in diesem fortlaufenden Gang der Menschheitsentwickelung genau zwei Strömungen zunächst zu unterscheiden sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Betrachten Sie im ganzen Gang der Menschheitsentwickelung das, was wir als fortlaufende Strömung ansehen können, innerhalb welcher sich Welle nach Welle entwickelt, wobei aber das errungene Gut der vorangegangenen Welle für die nachfolgende erhalten bleibt. Wir würden ein Bild davon bekommen, wenn wir hinschauen auf die erste Kultur der nachatlantischen Zeit, auf das, was im alten Indertum an Großartigkeit geleistet worden ist. Wenn wir dieses Großartige aber vergleichen mit dem schwachen Nachklang, der in den Veden davon enthalten ist, die zwar immer noch bewundernswürdig sind, aber eben doch nur ein schwacher Abglanz sind von dem, was die Rishis geleistet haben und was uns die Geisteswissenschaft von dem großen Kultureinschlag der Inder berichtet, dann werden wir sagen müssen: Es war &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|210}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die ursprüngliche Größe dessen, was dieses Volk für die Menschheit zu leisten hatte, schon im Niedergange, als man daran ging, in jenen herrlichen dichterischen Darstellungen dieses Kulturgut der Menschheit aufzubewahren. Aber was die indische Kultur zunächst zu leisten hatte, das floß hinein in den ganzen Gang der Menschheitsentwickelung. Und nur unter dieser Voraussetzung konnte sich das später entwickeln, was wieder ein junges Volkstum brauchte - nicht ein altgewordenes Volk. Es mußten zuerst die Inder zurückgedrängt werden auf die südliche Halbinsel, und es entwickelte sich dann in Persien die Weltanschauung des Zarathustra. Was hatte diese Weltanschauung an Großem in der Zeit, als sie entstand - und wie war sie in verhältnismäßig gar nicht langer Zeit verfallen bei dem Volke, das sie geschaffen! Wir haben dann beim Ägyptertum und Chaldäertum denselben Vorgang. Dann sehen wir das Hinübergehen orientalischerWeisheit nach Griechenland, und sehen, wie die Griechen zurückschlagen das, was auf dem äußeren physischen Plan das Orientalische ist. Wir sehen dann, wie in den Schoß des Griechentums aufgenommen wird, was der ganze Orient geleistet hat, und wie es verwoben wird mit mancherlei, was bis dahin in andern europäischen Gebieten geleistet worden ist. Daraus wird dann ein neuer Kultureinschlag geschaffen, welcher auf vielen Umwegen fähig geworden ist, den christlichen Impuls aufzunehmen und ihn nach dem Westen weiterzuverpfianzen. Und so würden wir auch späterhin einen fortlaufenden Kulturstrom finden, in welchem wir Glied an Glied anreihen können, und jedes folgende Glied erscheint uns zugleich als eine Fortsetzung des vorhergehenden und immer als etwas Neues, was der Menschheit gegeben werden mußte. Aber woraus mußte das hervorwachsen,was sich so von Epoche zu Epoche weiterentwickelt?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denken Sie an alles, was jedes einzelne Volk mit seinem Kulturgebiet erlebt! Denken Sie an alles, was in jedem einzelnen Volke vorgegangen sein muß als eine Summe von Gefühlen und Empfindungen bei unzähligen Menschen, von Wünschen und Enthusiasmus für das, was als das am höchsten Begehrenswerte erscheinen muß und was gerade auf diesem Gebiete als Kultureinschlag gegeben werden soll! Denken Sie, wie die Seelen der einzelnen Menschen bei dem einzelnen Kultureinschlag mit dem, was sie wünschen und erstreben, ganz dabei sein &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|211}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
müssen! Und außerdem war notwendig durch unzählige Jahrhunderte der Menschheitsentwickelung hindurch, daß die Völker, wie sie die einzelnen aufeinanderfolgenden Kultureinschläge entwickelten, immer in einer Art Illusion lebten - in der Illusion, daß jedes solche Volk gerade den Kulturschatz, den es selber auszuarbeiten hatte, als etwas Ewiges und Unvergängliches betrachtete, was nimmermehr von ihm genommen werden könnte. Dadurch erst war das hingebungsvolle Arbeiten der einzelnen Völker an der Kultur möglich, daß diese Illusion immer wieder und wieder auftauchte: daß das, was da geschaffen wurde, mit allem, was daran hing, einen ewigen Bestand haben würde. Auch heute ist diese Illusion ja vorhanden; und wenn man sich ihr auch nicht mehr in so positiver Weise hingibt und von der «Ewigkeit» dieser oder jener Kultur redet, so ist sie doch in der Form vorhanden, daß man nicht an das Ende denkt - nicht im Kleinen und nicht im Großen -, daß man sozusagen keine Aufmerksamkeit darauf verwendet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da haben Sie zweierlei, was die Volkskulturen brauchten und was im Grunde genommen erst in unserer Zeit anfängt eine Art von Änderung zu erfahren. Denn das erste Gebiet menschlichen Geisteslebens, wo gründlich solche Illusionen nicht mehr erwachen werden, das wird das theosophische Geistesleben sein. Denn es wäre ein arges Mißverständnis, wenn jemand, der fest auf dem Boden unserer Geistesbewegung steht, glauben wollte, daß die Formen, in welche wir unsere Erkenntnisse gießen, daß die Gedankenausführungen, die wir heute geben können, daß das, was wir heute aus unserem theosophischen Denken, Fühlen und Wollen geben können, einen ewigen Bestand hätte. Sehr kurzsichtig wäre es, zu behaupten, in drei Jahrtausenden würde es noch Menschen geben, die genau ebenso sprechen würden von den theosophischen Wahrheiten, wie wir es heute tun. Wir wissen, daß wir durch unsere Zeitverhältnisse veranlaßt sind, etwas von dem fortlaufenden Entwickelungsprodukt in die gegenwärtigen Formen zu prägen und daß unsere Nachfahren in ganz anderen Formen des Erlebens diese Dinge zum Ausdruck bringen werden. Warum ist das so? Aus einem ähnlichen Grunde, weshalb es durch viele Jahrhunderte und Jahrtausende der Menschheitsentwickelung hindurch geschah, daß Volkskultur über Volkskultur die einzelnen Menschen vieles erleben lassen mußte, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|212}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
damit der Beitrag sich aus der gesamten Volksentwickelung heraus- bilden konnte. Denken Sie an die unzähligen Erlebnisse, die im alten Griechenland durchgemacht wurden, und denken Sie an das, was sich als Extrakt daraus für die spätere gesamte Menschheit ergeben hat! Da werden Sie sagen: Es steckt noch mehr darin als nur die einzelnen Strömungen. Es geschehen viele Dinge um dieser Kernströmung willen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deshalb haben wir zwei Dinge zu beobachten: Erstens etwas, was entstehen und zugrunde gehen muß, damit aus diesem Ganzen das zweite - der Quantität nach der kleinste Teil - als ein Bleibendes fort- dauern kann. Wenn wir wissen, daß, seitdem das menschliche Einzelkarma besteht, in der Menschheitsentwickelung zwei Mächte wirken, die wir immer wirksam gefunden haben, Luzifer und Ahriman, dann erst werden wir den Fortgang der Menschheitsentwickelung verstehen. Denn das müssen wir zum Plan der Menschheitsentwickelung rechnen, daß zuletzt, wenn die Erde an ihrem Ziel angelangt sein wird, die Ergebnisse, die so aus den einzelnen Kulturen nach und nach der gesamten Menschheitsentwickelung einverleibt werden, fruchtbar gemacht werden für alle einzelnen lndividualitäten, ganz gleichgültig,welche Schicksale sie durchgemacht haben. Auf dieses Ziel blicken wir aber erst da- durch, daß wir die Weltentwickelung in theosophischem Sinne ansehen. Denn man gebe sich keiner Täuschung hin: Solches Ziel in der richtigen Weise zu denken, unter vollem Bestande der menschlichen Individualität, ohne ein Verschwimmen der Individualität in irgendeine nebulose pantheistische Einheit, sondern so, daß die Individualität voll erhalten bleibt und wieder in sie dasjenige einfließt, was sich die Menschheit im Großen erobert hat - klar und scharf kann dieses Ziel erst der theosophischen Seelenkultur vor Augen stehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir also auf die früheren Kulturen zurückblicken, können wir uns von vornherein sagen: Seit überhaupt menschliche Individualitäten sich inkarnieren, sind beteiligt an der Menschheitsentwickelung Luzifer und Ahriman. Luzifer ist daran so beteiligt, daß er an dem fortlaufenden Kulturstrom immer teilzunehmen sucht, indem er sich einnistet in die menschlichen Astralleiber und sie imprägniert mit dem luziferischen Impuls. Das ist, was Luzifer im Gange der Menschheitsentwickelung vollführt; er wirkt hinein in die menschlichen Astralleiber. Die Menschen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|213}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
könnten das, was Luzifer ihnen gibt, niemals bloß von denjenigen Mächten erhalten, welche den fortlaufenden, eben charakterisierten Kulturstrom bewirken. Trennen Sie diesen Kulturstrom aus dem ganzen Fortgang der Menschheit heraus, dann haben Sie das, was die normal fortschreitenden Geistwesen der Hierarchien herunterströmen lassen in die Menschheit als immer neue Reichtümer. Indem wir hinauf- schauen zu.den Hierarchien, müssen wir sagen: Diejenigen Geistwesen, welche ihre normale Entwickelung durchmachen, gaben der irdischen Kultur das,was bleibendes Gut der Menschheit ist, was zwar später um- gewandelt wurde, aber doch bleibendes Gut der Menschheit geworden Ist. Es ist gleichsam so, wie wenn wir einen Baum haben und in ihm das Mark. So gewinnen wir einen fortlaufend lebendigen Strom der fort- laufenden Kultur.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch diese Mächte, die eine normale Entwickelung für sich durchmachen, hätte es auf diese Weise geschehen können, daß der Mensch sein Ich immer mehr und mehr erfüllt hätte mit dieser fortschreitenden Bereicherung der menschlichen Entwickelung. Hineinfließen würde von Zeit zu Zeit das, was den Menschen weiterbringt; der Mensch würde sich immer mehr anfüllen mit den Gaben der geistigen Welt, und zuletzt, wenn die Erde an ihrem Ziel sein würde, wäre es selbstverständlich, daß der Mensch alles, was aus den geistigen Welten gegeben worden wäre, in sich hätte. Aber eines wäre nicht möglich: daß der Mensch ureigensten, heiligen Eifer entwickelte, Hingebung und Feuer für das, was da geschaffen wird von Kulturepoche zu Kulturepoche. Aus demselben Untergrunde, aus dem jeder Wunsch und jede Begierde herauswächst, erwächst auch der Wunsch nach den großen Idealen, erwächst auch die Begierde nach Menschenbeglückung, nach Leistungen der Künste in den aufeinanderfolgenden menschlichen Kulturepochen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus demselben Grunde, aus dem verderbliche, nach dem Bösen gehende Begierden erwachsen, erwachsen auch die Bestrebungen nach dem Höchsten, was auf der Erde geleistet werden kann. Und es würde das nicht da sein, für was die menschliche Seele als für ein höchstes Gut entbrennt, wenn es nicht auf der andern Seite möglich wäre, daß dieselbe Begierde auch nach der andern Seite in das Laster und in das Böse hinuntersinken kann. Daß es diese Möglichkeit in der Menschheitsentwik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
kelung gibt, das ist das Werk der luziferischen Geister. So dürfen wir nicht verkennen, daß die luziferischen Geister für die Menschen Freiheit gebracht haben zugleich mit der Möglichkeit des Bösen, freie Empfänglichkeit für das, was sonst in die menschliche Seele nur ein fließen würde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber wir haben auch gesehen, daß alles, was Luzifer herausfordert, seine Antwort findet durch Ahriman. So sehen wir Luzifer mit seinem ganzen Heere wirken in dem, was dann im Konkreten den Einschlag der griechischen Kult`ur der ganzen menschlichen Entwickelung geben soll: in den griechischen Heroen, in den griechischen Helden und Künstlern. Luzifer dringt hinein in die astralischen Leiber, läßt sie entbrennen für das, was sie als das Höchste verehren. So wird dasjenige, was mit dem Griechentum in die Entwickelung ein fließen soll, zugleich zum Enthusiasmus der Volksseele. Gerade da steckt Luzifer darinnen. Und weil Luzifer der Mond-, nicht der Erdentwickelung seine Kraft verdankt, fordert er Ahriman heraus; und indem Luzifer von Zeitepoche zu Zeitepoche seine Tätigkeit entwickelt, gliedert sich Ahriman dazu - und verdirbt dasjenige stückweise, was Luzifer auf der Erde bewirkt hat. - Es ist die Weltentwickelung der Menschen ein fortwährendes Wirken zwischen Ahriman und Luzifer. Wirkte Luzifer nicht in der Menschheit, so fehlte der Eifer und das Feuer für den fortlaufenden Strom der Menschheitsentwickelung; wäre Ahriman nicht da, der von Volk zu Volk wieder zerstört, was nicht aus dem fortlaufenden Strom, sondern nur aus dem luziferischen Einschlag kommt, dann würde Luzifer die Einzelkulturen ewig fortführen wollen. So sehen Sie hier Luzifer seIn eigenes Karma sich heraufbeschwören, das eine notwendige Folge der Entwickelung auf dem alten Monde ist. Und die Folge ist nun, daß er Ahriman immerfort an seine Ferse ketten muß. Ahriman ist die karmische Erfüllung des Luzifer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da blicken wir hinein in das Karma der höheren Wesenheiten an dem Beispiel der ahrimanischen und luziferischen Wesenheiten. Da oben ist auch Karma. Überall ist Karma, wo Iche sind. Und Luzifer und Ahriman bergen natürlich Iche in sich; deshalb können die Wirkungen ihrer Taten auf sie selber zurückschlagen. Auf viele dieser Geheimnisse wird erst im Sommer bei dem Zyklus über die biblische &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Schöpfungsgeschichte hingewiesen werden können; nur auf eine Stelle möchte ich schon hier hinweisen, die Ihnen so recht wird zeigen können, von wie unendlicher Tiefe jedes einzelne Wort in den wahren okkulten Urkunden ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Haben Sie nie darüber nachgedacht, warum in der biblischen Schöpfungsgeschichte am Ende eines jeden Schöpfungstages der Satz steht: «Und die Elohim sahen das Werk, und sie sahen, daß es sehr gut war», daß es «aufs beste war»? Das ist ein bedeutungsvolles Wort. Warum steht es da? Der Satz zeigt ja selber, daß er als eine Charakteristik der Elohim gemeint ist, die sich auf dem Monde in normaler Weise entwickelt haben und deren Gegner Luzifer ist. Es ist etwas, das zur Charakteristik der Elohim gehört, daß sie nach jedem Schöpfungstag sahen, daß es «aufs beste war». Aus dem Grunde wird es angegeben, weil dieser Grad die Errungenschaft der Elohim war. Sie konnten auf dem Monde das Werk nur so lange sehen, als sie es taten, konnten nicht ein nachträgliches Bewußtsein davon haben. Daß sie nachträglich zurück- schauen können im nachschauenden Denken auf das Werk, das ist eine besondere Stufe im Bewußtsein der Elohim. Das war erst auf der Erde möglich; und zwar zeigt sich ihr innerer Charakter darin, daß dasWillensmäßige so herausströmt aus ihrem Wesen, daß,wenn sie es ansahen, sie sahen, daß es aufs beste war. Das waren die Elohim,welche ihrWerk auf dem Monde abgeschlossen hatten und die, wenn sie es auf der Erde hinterher beschauten, sagen konnten:Es kann bleiben, es ist aufs beste! - Dazu mußte aber die alte Mondentwickelung vollendet sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie ist es nun mit den luziferischenWesenheiten, also mit denjenigen Wesenheiten, die ihre Mondentwickelung nicht vollendet haben? Die werden also auf der Erde auch versuchen müssen, ihr Werk hinterher anzuschauen, so zum Beispiel wenn sie den Beitrag gegeben haben an Feuer und Enthusiasmus in der griechischen Kultur. Und sie werden dann sehen, wie es ihnen stückweise Ahriman abgebröckelt hat! Und sie werden sagen müssen, weil sie es nicht vollendet haben: Sie sahen ihr Tagewerk, und sie sahen, daß es nicht zum besten war, daß es ausgelöscht werden mußte!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist die große Enttäuschung der luziferischen Geister, daß sie immer von neuem ihr Werk versuchen, immer von neuem das Pendel &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
nach der andern Seite zum Ausschlag bringen wollen - und immer von neuem ihr Werk durch Ahriman zerstört finden. Sie müssen sich innerhalb der Menschheitsentwickelung ein Auf-und-ab-Wogen denken, ein fortwährendes Anfachen von neuen Kräften durch Wesenheiten, die höher sind als wir selber, und daß diese Wesenheiten fortwährende Enttäuschungen erleben. Das ist enthalten in dem Erleben der luziferischen Geister in der Erdentwickelung. Und dieses Karma mußte die Menschheit in sich aufnehmen, weil der Mensch nur dadurch zur wirklichen Freiheit kommen konnte. Freiheit kann nur dadurch ersprießen, daß der Mensch sich den höchsten Inhalt seines Erden-Ich selber gibt. Dasjenige Ich, das der Mensch haben würde, wenn ihm alle Ziele am Ende der Erdentwickelung gegeben würden, kann nicht frei sein; denn es ist von vornherein bestimmt gewesen, alle Güter der Erdentwickelung in die Menschen ein fließen zu lassen. Frei werden konnte der Mensch nur, indem er zu diesem Ich ein anderes, irrtumfähiges Ich hinzuschafft, das in der Lage ist, immer wieder und wieder nach der Seite des Guten und nach der Seite des Bösen zu pendeln und das immer wieder hinauf- streben kann zu dem, was der Inhalt aller Erdentwickelung ist. Das niedere Ich mußte dem Menschen beigegeben werden durch Luzifer, damit das Hinaufarbeiten des Menschen zum höheren Ich seine ureigenste Tat sein kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nur so ist auch freier Wille in der Menschheit möglich. Freier Wille ist etwas, was sich der Mensch nach und nach erringen kann; denn der Mensch ist dazu so gestellt, daß ihm im Leben der freie Wille als ein Ideal vorschwebt. Wo ist denn in einem Mittelzustand der Entwickelung der menschliche Wille frei? Er ist niemals frei, weil er in jedem Augenblick dem luziferischen und ahrimanischen Element verfallen kann; er ist nicht frei, weil jeder Mensch, wenn er die Pforte des Todes durchschritten hat, in der aufsteigenden Zeit der Läuterung - vielleicht durch Jahrzehnte hindurch - einen ganz bestimmten Eindruck hat. Das ist das Wesentliche des Kamalokalebens, daß wir sehen, in welchem Grade wir selber unvollkommen sind durch das, was wir an Unvollkommenem in der Welt getan haben, daß wir Stück für Stück sehen, in welcher Weise wir unvollkommen geworden sind. Daraus geht dann die entschiedene Absicht hervor, alles wieder auszumerzen, was wir un&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
vollkommen gemacht haben. So ist das Leben in der Kamalokazeit, daß Absicht zu Absicht gefügt wird und der Gesamtentschluß gefaßt wird: Du mußt alles das wieder ausbessern, was du so gedacht und getan hast, daß es dich heruntergebracht hat! - Was der Mensch da fühlt, das prägt er seinem weiteren Leben ein und tritt mit dieser Absicht bei der Geburt ins Dasein - und ladet dadurch sein Karma auf sich. Daher können wir nicht sagen, daß wir, wenn wir durch die Geburt ins Dasein getreten sind, einen freien Willen haben. Einzig und allein können wir davon sprechen, daß wir uns einem freien Willen in dem Maße nähern, als es uns gelungen ist, Herr zu werden über die Einflüsse Luzifers und Ahrimans. Und Herr werden über die luziferischen und ahrimanischen Ein- flüsse können wir durch nichts anderes als durch Erkenntnis. Einmal durch Selbsterkenntnis, indem wir uns immer fähiger machen - auch im Leben zwischen Geburt und Tod -, unsere Schwachheiten in allen drei Seelenmerkmalen kennenzulernen, in Denken, Fühlen und Wollen. Wenn wir uns immer mehr bemühen, uns keiner Illusion mehr hinzu- geben, dann wächst ja in unserem Ich die Kraft, den luziferischen Einfluß entbehren zu können, denn dann werden wir immer mehr fähig, zu entscheiden, welche Hingabe die Güter der Menschheit, die nach und nach erobert wurden, verdienen. Sodann durch Erkenntnis der Außenwelt, die sich ergänzen muß mit der Selbsterkenntnis; beide müssen zusammenwirken. Selbsterkenntnis und Erkenntnis der Außenwelt müssen wir mit unserem Wesen vereinigen; dann werden wir imstande sein, ein klares Verhältnis zu Luzifer zu gewinnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist gerade die Eigentümlichkeit dessen, was wir uns als theosophische Erkenntnis aneignen, daß wir Aufschluß gewinnen darüber, wie weit an jedem menschlichen Tun Neigung und Leidenschaft, Luzifer und Ahriman beteiligt sind. Was haben wir in dieser Reihe von Vorträgen anderes getan, als uns Aufklärung verschafft darüber, wie luziferische und ahrimanische Kräfte in der mannigfaltigsten Weise in unser Leben hineinwirken! In dem gegenwärtigen Zeitalter aber kann die Aufklärung über die luziferischen und ahrimanischen Kräfte beginnen. Und der Mensch muß aufgeklärt sein, wenn er wirklich etwas beitragen will zur Erreichung des Erden-Menschheitszieles. - Wohin Sie den Blick richten, überall wo menschlich gefühlt und gedacht wird, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|218}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
können Sie sehen, wie weit die Menschen noch entfernt sind von einer echten, wahren Aufklärung über die Einflüsse Luzifers und Ahrimans. Da sehen Sie den weitaus größten Teil der Menschheit überhaupt keine solche Aufklärung wollen. Da sehen Sie einen großen Teil der Menschen in einen gewissen religiösen Egoismus verfallen: nur ja mit dieser Seele selbst jenen Zustand des Wohlbefindens zu erreichen, den man sich nur vorstellen kann. Das ist ein Egoismus, von dem sich die Menschen gar nicht bewußt sind, daß sich da die größten Begierden hineinmischen können. Und nirgends mischt sich Luzifer mehr in unsere Gefühle hin- ein als da, wo die Menschen aus ihren Leidenschaften und Begierden heraus nach dem Göttlichen streben, ohne das Göttliche durchleuchtet zu bekommen mit dem Licht der Erkenntnis. Glauben Sie nicht, daß Luzifer gerade da vielfach am Werke ist, wo die Menschen glauben, nach dem Höchsten zu streben? Aber die Formen, die in dieser Weise erstrebt werden, werden ebenfalls zu den Enttäuschungen Luzifers gehören müssen. Und diejenigen, die nun glauben, aus den wüsten Begierden diese oder jene Form einer geistigen Kultur erhalten zu können, die immer wieder und wieder predigen, daß diese Theosophie so schlimm ist, weil sie etwas Neues glaubt, die sollten bedenken, daß es nicht vom Menschenwillen abhängt, wenn sich Ahriman an die Fersen des Luzifer heftet. Und was entstanden ist im Laufe der Entwickelung an Formen, das wird, weil Ahriman sich hineinmischt, durch Luzifer auch wieder untergehen. Retten wird sich allein der fortlaufende Strom der Menschheitsentwickelung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So schauen wir dadurch zurück auf eine vorangegangene Entwickelung, wo als Opfer für uns zurückgeblieben sind gewisse Wesenheiten. Wir wissen jetzt, daß diese Wesenheiten ihr Karma ausleben müssen um unsertwillen, damit wir in normaler Weise ausleben können, was diese Wesenheiten uns einflößen können. Ja, wahrhaftig, Jahve hat dem Menschen ursprünglich eingeflößt durch den göttlichen Odem die Fähigkeit zum Ich; aber wäre nur der göttliche Odem gekommen, der im menschlichen Blut pulsiert, und nicht auch das, was immer wieder abirren kann von dem, was der Jahve-Odem geben kann, würden nicht darinnen arbeiten sowohl luziferische wie ahrimanische Impulse, so würde der Mensch zwar das Was erlangen können der Jahve-Gabe, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|219}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
aber nicht das Wie: daß er es mit einem selbstbewußten freien Ich empfindet. So liegt es doch im Sinne der Weltentwickelung, daß gewisse Wesenheiten auf dem alten Monde zurückgeblieben sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir leben heute in einem Zeit~lter, wo wir in der Tat zurückblicken dürfen auf viele Enttäuschungen Luzifers, wo wir aber auch hinblicken können auf eine Zukunft, in der wir immer mehr verstehen lernen, was der fortlaufende Strom der Entwickelung ist. Und Theosophie wird das Instrument sein zum Verständnis für diesen fortlaufenden Strom der Entwickelung, damit wir uns immer bewußter zu den Einflüssen Luzifers stellen können und immer mehr in die Lage kommen können, luziferische Impulse in uns selber zu erkennen und sie in der richtigen Weise nutzbringend für die Menschheitsentwickelung bewußt zu verwerten, während sie vorher in der Menschheit als ein dunkler Drang gewirkt haben, dessen sich der Mensch nicht bewußt war. Und ebenso ist es mit den ahrimanischen Einflüssen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier ist eines derGebiete,wo man darauf aufmerksam machen kann, wie sozusagen gerade in der Gegenwart eine wichtige Entwickelungsepoche der Menschheit vorliegt, nämlich jene Epoche, in der in gewisser Beziehung tatsächlich die Seelenkräfte sich umkehren. Für viele von Ihnen ist es ja schon charakterisiert worden, daß wir vor einer Epoche stehen, in welcher gewisse Menschen, einzelne Menschen, andere Seelenfähigkeiten entwickeln werden als diejenigen, die man heute gelten läßt. Was heute zum Beispiel die Theosophie aus den Erkenntnissen der Geistesforschung heraus zu sagen weiß, daß der Mensch einen Ätherleib hat außer dem physischen Leib, das wissen aus der Anschauung heraus heute nur die, welche eine methodische Schulung durchgemacht haben. Aber noch vor Ablauf der Mitte des 20. Jahrhunderts - das wissen wir aus dem Lesen der Akasha-Chronik - wird es Menschen geben, die eine natürliche Entwickelung haben werden für ein ätherisches Hellsehen und die, weil die Menschheit an diesen Zeitpunkt gekommen ist, wo sich diese Dinge als natürliche Gabe entwickeln werden, als den physischen Leib durchdringend und am Rande über ihn hinausragend den Ätherleib wahrnehmen werden. Wie der Mensch von einem Hineinschauen in die geistige Welt sich herunterentwickelt hat zum heutigen nur äußerlichen physischen Wahrnehmen und verstandesmäßigen &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|220}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Begreifen der Außenwelt, so beginnt er sich jetzt zu neuen, aber bewußten Fähigkeiten nach und nach zu entwickeln. Diese neuen Fähigkeiten treten zu den alten hinzu, und eine besondere Fähigkeit wird die sein, die ich so charakterisieren kann:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es wird Menschen geben - einzelne zunächst, denn erst im Laufe der nächsten zwei bis drei Jahrtausende wird sich bei einer größeren Anzahl diese Fähigkeit entwickeln, und die ersten Vorläufer werden da sein noch vor Ablauf der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts -, bei denen wird etw`a folgendes eintreten: Die Menschen werden irgendeine Tat erlebt haben, und sie werden versucht sein, etwas zurückzutreten von der Tat. Sie werden dann ein Bild vor sich haben, das von der betreffenden Tat kommt. Sie werden es zuerst nicht kennen, werden keinen Bezug finden zu dem, was sie getan haben. Aber dann werden sie vielleicht schon etwas von der Geisteswissenschaft gehört haben, und dann werden sie erfahren, daß dieses Bild, das ihnen wie eine Art bewußtes Traumbild erscheint, das Gegenbild der eigenen Handlung ist, das Bild für jene Handlung, die geschehen muß, damit das, was eben getan worden ist, seine karmische Erfüllung findet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So steht die Menschheit in der Tat vor einer Epoche, in der sie anfangen wird, Karma nicht nur zu begreifen nach den Lehren und Darstellungen der Geisteswissenschaft, sondern wo sie anfangen wird, Karma nach und nach zu schauen. Während bisher Karma für die Menschen ein dunkler Drang, eine dunkle Begierde war und erst im nächsten Leben ausgelebt werden konnte, erst im Leben zwischen Tod und neuer Geburt umgewandelt werden konnte in eine Absicht, entwickeln sich allmählich die Menschen dahin, daß sie in die Lage kommen, bewußt die Schöpfungen Luzifers wahrzunehmen, zu sehen, wie sie sich ausnehmen werden in ihren Wirkungen. Allerdings werden mit diesem ätherischen Hellsehen nur diejenigen Menschen etwas anfangen können, die Erkenntnis und Selbsterkenntnis angestrebt haben. Immer mehr und mehr werden die Menschen im normalen Zustande vor sich haben die karmischen Bilder für ihre Handlungen. Das wird etwas sein, was die Menschen immer weiterbringen wird, weil sie dadurch wissen werden, was sie der Welt noch schuldig sind, was in ihrem Karma noch als Schuldkonto dasteht. Das ist es ja, was den Menschen unfrei macht, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|221}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
daß er nicht weiß, was er der Welt noch schuldig ist. So darf man also beim Karma gar nicht von vornherein von einem freien Willen sprechen. Das Wort «freier Wille» ist schon falsch; denn man muß sagen: Frei wird der Mensch erst durch seine sich immer steigernde Erkenntnis und dadurch, daß er immer höher steigt und immer mehr hineinwächst in die geistige Welt. Dadurch erfüllt er sich immer mehr und mehr mit dem Inhalt der geistigen Welt und wird immer mehr ein Wesen, das seinen Willen bestimmt. Nicht der Wille kann frei werden, sondern der Mensch als solcher kann frei werden, indem er sich durchdringt mit dem, was er auf dem vergeistigten Gebiet des Weltendaseins erkennen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So blicken wöir auf die Enttäuschungen Luzifers und seine Taten und sagen: So ist seit Jahrtausenden der Grund gelegt zu dem, wo wir stehen; denn würden wir nicht dort stehen, wo wir stehen, so würden wir uns nicht zur Freiheit entwickeln können. Nachdem wir uns aber Aufklärung verschaffen können über Luzifer und Ahriman, können wir ein anderes Verhältnis zu diesen Mächten gewinnen, können die Früchte ziehen von dem, was getan worden ist, können Luzifer und Ahriman sozusagen ihre Arbeiten abnehmen. Da werden sich allerdings die Taten des Luzifer, die er bewirkt hat und die immerfort zu Enttäuschungen geführt haben, wenn sie von uns selbst begangen werden, sich in ihr Gegenteil verkehren müssen. Die Taten Luzifers mußten Begierden erregen, mußten den Menschen hinführen zu dem, was in das Böse einmünden konnte. Wir haben ja gesehen, was für eine gegenteilige Kraft es sein muß, die Luzifer entgegenwirkt: Wenn wir selber Luzifer entgegenwirken sollen, wenn wir seine Angelegenheiten in der Zukunft besorgen sollen, wird es bei uns nur die Liebe sein können&amp;gt; die an die Stelle der Taten des Luzifer treten kann; die Liebe aber wird es sein können. Und ebenso wird es dasjenige sein können, was uns auch aus der Außenwelt fließt, indem wir immer mehr die Dunkelheit wegnehmen, die wir einweben in die äußere Materie. Wenn wir immer mehr diese Dunkelheit hinwegbringen, wenn sie schwindet, und wir dazu gelangen, den ahrimanischen Einfluß auf diese Weise völlig zu überwinden, dann werden wir in der Lage sein, die Welt so zu erkennen, wie sie wirklich als Erdenwelt ist. Dann werden wir uns allmählich nähern solcher Erkenntnis, wie sie heute nur Gut der Geisteswissenschaft sein &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|222}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
kann: Wir werden durchdringen zu dem, was die Materie wirklich ist, zu der Natur des Lichtes. Heute gibt sich selbst die Wissenschaft immer noch über die Natur des Lichtes den mannigfaltigsten Täuschungen hin. Mancher glaubt, daß man das Licht mit physischen Augen sieht. Das ist nicht richtig. Mit physischen Augen sieht man nicht Licht, sondern nur beleuchtete Körper; man sieht Farben an den Körpern. Man sieht nicht Licht, sondern man sieht durch das Licht. Alle solche Täuschungen werden weggeräumt sein. Dadurch wird sich verwandeln das Bild der Welt, das notwendigerweise unter dem Einflusse Abrimans von Irrtum durchwoben sein mußte, und es wird sich durchsetzen mit dem Inhalt der Weisheit. Indem der Mensch zum Licht vordringt, wird er selbst das seelische Gegenbild des Lichtes entwickeln. Und das seelische Gegenbild des Lichtes ist die Weisheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dadurch wird Liebe und Weisheit in die menschliche Seele einziehen. Und Liebe und Weisheit werden die praktische Kraft sein, der eigentliche Lebensimpuls, der sich aus der theosophischen Weltanschauung ergeben soll und ergeben wird. Weisheit, die das innere Gegenbild des Lichtes ist, Weisheit, die sich verbinden kann mit der Liebe, und Liebe, die sich mit Weisheit durchdringt, werden den rechten Weg finden, um wieder zurückzuwirken auf das, was in die Weisheit der äußeren Welt eingetaucht ist. Wenn wir nach und nach der andern Hälfte der Entwickelung teilhaftig werden sollen, Luzifer und Ahriman wieder zu überwinden, dann müssen wir uns durchdringen mit Weisheit und Liebe. Indem wir Weisheit und Liebe entwickeln, entwickeln wir diejenigen Elemente, die wieder von unseren Seelen selber ausfließen werden als Gaben für die, die in der ersten Hälfte der Erdentwickelung sich hin- geopfert haben als luziferische und ahrimanische Mächte, um uns das zu geben, was wir zur Erringung unserer Freiheit brauchen. Diesen Mächten werden wir geben müssen, was wir an Weisheit und Liebe so entwickeln werden. Wir müssen uns aber bewußt sein: Weil Leben in der Welt sein muß, müssen wir Kulturen annehmen, die uns Ausdrucksmittel dieses Lebens sind.Wir wollen uns gern und mit Liebe einer theosophischen Kultur hingeben, die nicht ewig sein wird, aber wir wollen es mit Enthusiasmus hinnehmen und mit Liebe das schaffen, wozu wir früher unter dem Einfluß Luzifers getrieben worden sind. Weil wir jetzt &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|223}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
erkennen, daß wir aus Liebe das schaffen müssen, wozu wir früher durch den luziferischen Einfluß, durch Begierden und Leidenschaften getrieben werden mußten, werden wir jetzt hinter alldem desto mehr überschüssige Liebe entwickeln. Wenn wir nur die notwendige Liebe entwickeln würden, würden wir es nicht dahin bringen, Kultur über Kultur zu entwickeln. Theosophie soll etwas sein, was jede der Zeit entsprechende Forderung mit Hingabe und Liebe leistet, mit demselben Enthusiasmus, mit dem einst die Menschen unter dem Einflusse Luzifers gewirkt haben.Wir werden nicht mehr die Illusion haben, daß das, was wir tun, ewig dauern wird. Aber indem wir in immer sich steigernder Liebe Kultur über Kultur schaffen, schaffen wir damit überschüssige Liebe. Die kommt Luzifer zugute; dadurch werden auch seine Enttäuschungen gutgemacht. An uns liegt es, daß an Luzifer wieder das gutgemacht werden kann, was er an Enttäuschungen erleiden muß, wenn wir nach der andern Seite das zuruööckgeben,was für uns geleistet worden ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist der andere Teil des Karma der höheren Wesenheiten, daß wir eine Liebe entwickeln, die nicht bloß in der Menschheit bleibt, sondern die dazu berufen ist, in den Kosmos einzudringen. In Wesenheiten, die höher sind als wir, werden wir die Liebe einströmen lassen können, und diese Wesenheiten werden sie als Opfer empfinden. Es wird Seelenopfer sein. Seelenopfer wird hinaufströmen zu denen, die einst ihre Gaben herunterströmen ließen, wie einst die Rauchopfer hinaufstrebten zu den Geistern in Zeiten, wo Menschen die spirituellen Güter noch hatten. Damals konnten die Menschen nur die symbolischen Rauchopfer zu den Göttern hinaufsenden. In der Zukunft werden die Menschen Liebesströme hinaufsenden zu den Geistern, und aus dem Liebesopfer wird wieder etwas herunterströmen: dem Menschen werden zu- strömen höhere Kräfte, die, von Geistigem dirigiert, mit immer größerer Macht eingreifen werden in unsere physische Welt. Das werden dann im wahren Sinne magische Kräfte sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So sehen wir den Gang der Menschheitsentwickelung, indem sich Menschheitskarma und Karma der höheren Wesenheiten auslebt. Und wir begreifen jetzt auch,wie sich der Plan der Entwickelung zum einzelnen menschlichen Karma stellt. Nehmen wir an, eine übermenschliche Individualität hätte im Jahre 1910 dieses oder jenes gewirkt, das dann &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|224}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
auf dem physischen Plan durch einen Menschen ausgeführt wurde, so ist dadurch ein Kontakt geschlossen zwischen dieser übermenschlichen Individualität und dem Menschen. Der Mensch ist dann verwoben in das Karma der höheren Wesenheiten. Das ist eine abgeschlossene Korrespondenz. Dann strnöömt ihm aber zu aus den höheren Welten eine Strömung, die ihm etwas in sein Leben hineinbringt; darin hat er nun einen neuen Posten, der zu seinem Karma hinzugefügt ist und der nach der einen oder andern Seite den Ausschlag gibt. So wird menschliches Karma befruchtet von dem allgemeinen Karma, das durch die Welt strömt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sehen wir zum Beispiel auf Miltiades oder irgendeine andere Persönlichkeit: Da hatten sie zu stehen auf dem großen Plan der Geschichte ihres Volkes, da war dies oder jenes durch das Karma der höheren Mächte bedingt - und da wurden sie hingestellt auf ihren Posten. In ihr einzelkarmisches Konto strömte ein, was der ganzen Menschheit zuteil werden sollte. Und indem sie es ausführten, indem sie Taten und Leistungen daran anschlossen, wurde es ihr Einzelkarma. - So leben und weben wir auch mit unserem einzelnen Karma iön dem Makrokosmos als eine kleine Welt, als ein Mikrokosmos.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit sind wir zwar am Ende des Kursus,wenn auch nicht am Ende der Sache. Aber das geht ja nicht anders. Wenn ich nur mit zwei Worten noch sagen darf, daß ich diese Reihe von Vorträgen, gerade über jene menschlichen Fragen, die so tief das menschliche Herz bewegen können und die doch wiederum mit dem größten Schicksal selbst höherer Wesenheiten zusammenhängen, wenii ich sage, daß ich diesen Kursus gehalten habe wirklich aus tiefster Seele heraus und froh bin, daß es möglich war, in einem theosophischen Zweige auch einmal über diese Dinge zu sprechen, unter theosophischen Freunden, die von allen Seiten herbeigeeiit waren, um sich den Betrachtungen über diese Fragen zu widmen, so spreche ich auch diese Worte aus tiefstem Herzen heraus. Diejenigen, welche Gelegenheit haben werden, weitere Kurse zu hören, werden sehen, daß mancherlei von dem sich beantworten wird, was jemand im Anschluß an diesen Zyklus auf` der Seele haben wird. Aber auch die, welche diese Sommerkurse nicht hören können, werden später Gelegenheit haben, so etwas mit mir zu besprechen. Und so darf ich auch diesmal wieder sagen, daß ich die Dinge, die zu besprechen waren, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|225}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
so entgegengenommen haben möchte, daß sie nicht bloß abstrakte Er- kenntnisse sein sollen, sondern solche, die übergehen in unser ganzes Denken, Fühlen und Wollen, in unser ganzes Leben. So daß man an den Theosophen in der Welt sehen möchte Gleichnis und Bild dessen, was man die tiefsten theosophischen Wahrheiten nennen kann. Versuchen wir, uns ganz zu einem solchen Bild und Gleichnis zu machen; dann erst haben wir in der Welt eine theosophische Geistesströmung. In unserem engen Kreise muß diese theosophische Geistesströmung zunächst Betrachtung der spirituellen Erkenntnis sein. Dann aber müssen - zunächst in unserem Mitgliederkreise - diese Erkenntnisse Gesinnungen werden und als solche der Welt gegenübertreten. Und die Welt wird nach und nach einsehen, daß es nicht umsonst war, daß es um die Wende des 20. Jahrhunderts ehrliche und aufrichtige Theosophen gegeben hat, Leute, die aufrichtig und ehrlich an die Gewalt der spirituellen Mächte geglaubt haben. Und indem sie daran geglaubt haben, sind sie selbst durchsetzt worden mit der Kraft, auch dafür zu wirken. Schneller und schneller wird die Kultur in unserem Leben gehen, wenn Sie selber das, was Sie hören, umwandeln in Gesinnung, in Handlung und Tat. Nicht dadurch, daß wir die Menschen überzeugen! Dazu ist die gegenwärtige Kultur nur wenig geeignet. Wahrhaft überzeugt werden immer nur die werden, die aus tiefstem Drang des Herzens an die Theosophie herankommen; die andern werden nicht überzeugt werden. Dieses Karma haben wir auch in geistigen Kreisen als etwas, was der Materialismus hat hervorrufen müssen, und wir müssen diese Schädigungen als etwas betrachten, demgegenüber Geisteswissenschaft sich erweisen muß als eine geistige Macht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So müssen wir das, was wir der Welt geben können, aus unserer Gesinnung heraus geben. Jeder, der Theosophie in das innere Leben der Seele umgewandelt haben wird, wird ein spiritueller Kraftquell sein. Und wer an das Übersinnliche glaubt, darf durchaus die Überzeugung haben, daß unsere theosophischen Erkenntnisse und Gesinnungen spirituell wirken, das heißt, sich unsichtbar in die Welt hinaus verbreiten, wenn wir uns wirklich zu einem bewußten, von dem theosophischen Leben durchdrungenen Werkzeug machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|226}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= EINLADUNG ZUM VORTRAGSZYKLUS =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Zeit vom 15. bis 28. Mai dieses Jahres wird Dr. RUDOLF STEINER in HAMBURG einen Zyklus von Vorträgen halten über das Thema:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;DIE OFFENBARUNGEN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DES KARMA&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wesen und Bedeutung des Karma In Einzelpersönlichkeit, Individualität, Menschheit, Erde, Welt - Karma und Tierreich. - Krankheit und Oesundhelt In Beziehung zu Karma. - Heilung und Unheilbarkelt In Beziehimg zu Karma. - Natilrliche und zufällige Erkrankungen in Beziehung zu Karma. - Lebeusunfälle In Beziehung zu Karma. - EIernentarereignisse, VulkanansbrUche, Erdbeben, Epldernlen In Beziehung zu Karma. - Karma der höheren Wesenheiten. - Tod und Oeburt Im Verhältnis zu Karma. - Freier Wille und Karma in der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zukunft der Menschheitsentwicklung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir laden alle Mitglieder der Theosophischen Gesellschaft hierzu herzlichst ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Zyklus wird mit einer Pfingstfeier am Pfingstsonntag, abends 6 Uhr, im ,,Patriotischen Hause&amp;quot; (beim alten Rathause) eröffnet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle übrigen Vorträge werden pünktlich abends 8 Uhr im ,,Patriotischen Hause&amp;quot; beginnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|227}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für Dienstag, den 24. Mai, ist ein öffentlicher Vortrag vorgesehen, worüber Näheres noch bekanntgegeben wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anmeldungen zum Besuche des Vortrags.Zyklus werderi bald- möglichst erbeten an Herrn G. F. Scharlau, Hamburg, Repsoldstr. 21 a, woselbst auch die Einiaßkarten gegen Einsendung des auf Mk. 10.- festgesetzten Beitrages zu haben sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auskunft über Wohnungsangelegenheiten erteilt Fräulein Victoria Paulsen, Tarpenbeckstraße 31, Mathildenstift.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir hoffen, recht viele theosophische Freunde bei uns begrüßen zu können und sind&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
mit theosophischem Gruß&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Pythagoras - Zweig, Hamburg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
HAMBURG, März 1910.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|228}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= HINWEISE =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu dieser Ausgabe&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Zyklus «Die Offenbarungen des Karma» fand auf Einladung des theosophischen «Pythagoras-Zweiges» im «Patriotischen Hause» beim alten Rathaus in Hamburg vom 15. bis 28. Mai 1910 statt (siehe Programm S. 226-227). Bemerkenswert ist, daß auf dem im März 1910 vorliegenden Programm die Titel der einzelnen Vorträge genannt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum Thema «Offenbarungen des Karma» siehe auch den Band «Wiederverkörperung und Karma», GA 135, die Vorträge «Das Karma des Berufes des Menschen in Anlmüpfung an Goethes Leben», GA 172, sowie die sechs Bände «Esoterische Betrachtungen karmischer Zusammenhänge», GA 235 bis 240.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum Gebrauch der Worte «Theosophie» und «theosophisch»: Diese Worte sind im Sinne von Rudolf Steiners grundlegendem Werk «Theosophie» (1904, GA 9) zu verstehen. Rudolf Steiner wirkte von 1902 bis 1913 als Generalsekretär der deutschen Sektion der damaligen Theosophischen Gesellschaft (Adyar), dann, als es im Zusammenhang mit Zerfallserscheinungen in dieser Gesellschaft zum Ausschluß der deutschen Sektion kam, im Rahmen der von ihm und anderen begründeten «Anthroposophischen Gesellschaft». Er hli von Anfang an ausschließlich die Ergebnisse seiner Geistesforschung vertreten. «Niemand blieb im unklaren darüber, daß ich in der Theosophischen Gesellschaft nur die Ergebnisse meines eigenen forschenden Schauens vorbringen werde» (aus «Mein Lebensgesang», GA 28). Von einer Ersetzung des Ausdrucks «Theosophie» durch «Anthroposophie», wie sie in den ersten zwei Jahrzehnten nach der Trennung von der Theosophischen Gesellschaft auf Rudolf Steiners eigene Weisung hin vorgenommen worden ist, wurde in dieser Ausgabe Abstand genommen; der Leser muß sich jedoch bewußt sein, daß mit «Theosophie», wie sie hier gemeint ist, die von Rudolf Steiner geschaffene Anthroposophie identisch ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Textgrundlagen: Der Text der vorliegenden Ausgabe ist, abgesehen von geringfügigen Abweichungen, mit dem Text des Manuskriptdruckes von 1911 (Zyklus XII) identisch. Dieser wurde anhand von Teilnehmernachschriften erstellt und vom Vortragenden nicht durchgesehen. Die Originalstenogramme liegen nicht mehr vor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Titel des Bandes und die Titel der Vorträge entsprechen den Titeln des damaligen Vortragszyklus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachweis früherer Veröffentlichungen: 1. Aufl. als Manuskriptdruck (Zyklus XII) in Berlin (I911)~ 2. Aufl. (1. Aufl. in Buchform) Dornach 1932 / 3. Aufl. Dornach 1944 / 4. Aufl. Dornach 1949 (photomechanischer Nachdruck der 3. Aufl.) / 5., durchgesehene, mit den vorhandenen Unterlagen verglichene Aufl., Gesamtausgabe Dornach 1956 / 6., durchgesehene, im wesentlichen unveränderte Aufl. Gesamtausgabe Dornach 1968 / 7., unveränderte Aufl., Gesamtausgabe Dornach 1975.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die im wesentlichen unveränderte 8. Au)!age, 1992, wurde von Robert Friedenthal und Martina Sam durchgesehen, die Hinweise zum Text überarbeitet und erweitert sowie ein Namenregister und ausführliche Inhaltsangaben hinzugefügt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|229}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hinweise zum Text&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Werke Rudolf Steiners innerhalb der Gesamtausgabe (GA) werden in den Hinweisen mit der Bibliographie-Nummer angegeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
zu Seite&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
26 Christoph Kolumbus, 1446-1506, entdeckte 1492 auf der Suche nach einem Seeweg nach Indien zunächst Kuba und Halti, von 1493-1504 auch Mittel- und Südamerika. - Über die Bedeutung der Entdeckung Amerikas für die Menschheit siehe auch den Vortrag vom 25. Juni 1923 in «Rhythmen im Kosmos und im Menschenwesen. Wie kommt man zum Schauen der geistigen Welt?», GA 350.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Entdecker der Dampfmaschine: Dem Eisenhändler Newcomen (1663-1729) gelang zusammen mit seinem Kompagnon Cowley die Konstruktion einer Kolben-Dampfmaschine, die von 1712 an zu pralttischen Zwecken verwendet wurde. James Watt (l73618l9) ermöglichte durch Verbesserungen der Konstruktion eine Nutzung der Dampfmaschine auf breitestem Felde, so daß sie zu einer der Grundlagen der Industrialisierung im 19. Jh. wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
27 johannes Kepler, 1571-1630, Mathematiker, Physiker, Astronom. Er stellte auf den Grundlagen des kopemikanischen Planetensystems und der Beobachtungsdaten seines Lehrers Tycho de Brahe seine drei Planetengesetze auf, mit denen er die Dynamik der Planetenbahnen zu deuten versuchte und das Kräftezentrum in die Sonne verlegte. Vgl. über Kepler auch «Die geistige Führung des Menschen und der Menschheit», GA 15, S. 52 und 83; zu den drei Planetengesetzen «Das Verhältnis der verschiedenen naturwissenschaftlichen Gebiete zur Astronomie», GA 323, insbesondere die Vorträge vom 3. und 4. Januar 1921.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
28 Kepler, sagt von sich selbst: Aus der Vorrede zu Keplers Buch «Harmonices mundi» («Weltharmonik», Linz 1619), 5. Buch: «Die vollkommene Harmonie in den himmlischen Bewegungen und die daher rührende Entstehung der Exzentrizitäten, Bahnhalbmesser und Umlaufszeiten».&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
E,findung des Femrohres: Wohl um das Jahr 1608 in Holland.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
31 Auf diese Tatsache wurde hingewiesen von der Ceisteswissenschaft 1906: Siehe den Vortrag vom 11. Juni 1906, enthalten in GA 94 «Kosmogonie». Vgl. Edouard Schure` «Esquisse d`une cosmogonie psychologique d`apre`s des conferences faites ä Paris en 1906 par Rudolf Steiner», Paris 1928, S. 101.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
32 Zyanverbindungen in der Kometenatmo&amp;amp;phäre: Über die Rolle der Zyanverbindungen und ihrem Vorkommen in der Kometenatmosphäre siehe auch die Vorträge vom l0. Oktober und insbesondere vom 24. Oktober 1923 in «Mensch und Welt. Das Wirken des Geistes in der Natur. Über das Wesen der Bienen.», GA 351. - Über Kome«en im allgemeinen vgl. auch die Vorträge vom 5. März 1910 in «Das Ereignis der Christus-Erscheinung in der ätherischen Welt», GA 118; vom 25. Oktober 1909 und vom 9. März 1910 in «Der Christus-Impuls und die Entwickelung des IchBewußtseins», GA 116; vom 10. April 1912 in «Die geistigen Wesenheiten in den Himmelskörpern und Naturreichen», GA 136; vom 17. November I923 in «Der übersinnliche Mensch anthroposophisch eriaßt», GA 231; vom 18. Januar 1921 in Das Verhältnis der verschiedenen naturwissenschaftlichen Gebiete zur Astronomie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|230}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
«, GA 323, und vom 13. September 1924 in «Die Schöpfung der Welt und des Menschen», GA354.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
32 Halleyscher Komet: So genannt nach dem ersten Berechner seiner Bahn, dem englischen Astronomen Edmund Halley (1656-1742). Ihm war bei seinen Berechnungen aufgefallen, daß die Bahn des großen Komeren von 1682 den Bahnen der Kometen von 1531 und 1607 ähnelte. Daraus schloß er, daß es sich bei allen drei Erscheinungen um ein- und denselben Kometen handeln müsse. Halley sagte seine Wiederkunft entsprechend diesem Zyklus von 75/76 Jahren für 1759 richtig voraus. Somit war der erste periodisch wiederkehrende Komet entdeckt. - Dies war insofern von großer Bedeutung, als damit «die geheimnisvollen Kometen... ihres Nimbus entkleidet und in den Gültigkeitsbereich der allgemeinen Naturgesetze eingereiht worden waren« (Max Gerstenberger, Kometen - Außenseiter am Himmelszelr. Stuttgart 1951).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Außerdem meinte man dadurch zumindest den wiederkehrenden Kometen wie den Planeten eine elliptische Bahn zugrunde legen zu können. - Über die Aufgabe des Halleyschen Kometen siehe auch die Vorträge Rudolf Steiners vom 25. Oktober 1909 und 9. März 1910 in «Der Christus-Impuls und die Enrwickelung des Ich-Bewußtseins«, GA 116, und vom 5. März 1910 in «Das Ereignis der Christus-Erscheinung in der ätherischen Welt«, GA 118.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
35 Cartesius in seinen Gedanken über die Tierwelt: Vgl. «Discours de la methode«, 5. Abschnitt, ferner «Traite` de l`homme» sowie «Primae cogitariones circa generationen animalium».&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
41 Wir wissen, daß unserer Erdenentwickelung vorangegangen ist die Mondentwickelung: Siehe hierzu das Kapitel «Die Weltentwickelung und der Mensch» in Rudolf Steiners «Die Geheimwissenschaft im Umriß», GA 13.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
44 Leidenschaften: Es könnte sich eventuell um einen Hörfehler handeln und statt «Leidenschaften« «Eigenschaften« geheißen haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
57 «wie wir es heute so herrlich weit gebracht haben»: Wagner in Goethes «Faust I«, Nacht, Vers 57fl574: «Verzeiht! es ist ein groß Ergerzen, / Sich in den Geist der Zeiten zu versetzen; / Zu schauen, wie vor uns ein weiser Mann gedacht, / Und wie wir`s dann zuletzt so herrlich weit gebracht. «&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
69 wie unendlich viele Erlebnisse, E,fahrungen und Eindrücke es gar nicht bis zur Vorstellung bringen: Vgl. hierzu auch Rudolf Steiners Vortrag vom 18. April 1918 in «Das Ewige in der Menschenseele. Unsterblichkeit und Freiheit«, GA 67.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
77 joseph Dietl, 18O4~1878, studierte Philosophie und Medizin. Als Krankenhausarzt in Wien beschäftigte er sich vor allem mit der Lungenentzündung und veröffentlichte&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
eine Abhandlung über den «Aderlaß in der Lungenentzündung«. Ab 1865 Professor für innere Medizin in Krakau; daneben auch als Landtags- sowie Reichsragsabgeordneter und als polnischer Schriftsteller tätig. Vertreter eines krassen Nihilismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
joseph Skoda, 1805-1881, bedeutender Intemisr, Professor in Wien. Er beschäftigte sich insbesondere mit den physikalischen Methoden der Krankenuntersuchung; seine Abhandlung «Über Perkussion und Auskultation« (1839) begründete die moderne Diagnostik. In der Therapie dagegen verhielt er sich eher zurückhaltend; zusammen mit Carl Roltitansky (18041878) Hauptrepräsentant der jüngeren «Wiener Schule« in der Medizin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|231}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
92 Wie können wir zu einem karmischen Verständnis auch dann kommen, wenn wir zum Beispiel unter die Räder eines Eisenbahnzuges kommen?: Über die karmischen Zusammenhänge von Zivilisationskatastrophen siehe auch Rudolf Steiners Vortrag vom 29. Juni 1924 in «Esoterische Betrachrungen karmischer Zusammenhänge.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zweiter Band», GA 236.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
105 ein geistreicher Herr: Frederik Troels-Lund (184~1921), dänischer Historiker und Professor an der Militärakademie in Kopenhagen, der den hier erwähnten einzelnen Ansichten über die Herkunft der Krankheiten in seinem Buche «Gesundheit und Krankheit in der Anschauung alter Zeiten» (Leipzig 1901) jeweils ein ganzes Kapitel widmet. Dieses Buch befindet sich in der Bibliothek Rudolf Steiners.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
106 ein geistvoller Mann im 18. jahrhundert: Vermutlich Voltaire; konnte jedoch noch nicht nachgewiesen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
107 Galileo Galilei, 15~l642, italienischer Physiker, Mathematiker und Astronom.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Martin LNther&amp;gt; 14831546, Inaugurator der deutschen Reformation. Vgl. auch Rudolf Steiners Ausführungen über ihn in den Vorträgen vom 11. und 18. September 1917 in «Menschliche und menschheitliche Enrwicklungswahrheiten. Das Karma des Materialismus», GA 176.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
114 in einer Familie wie die des Musikers Bach: Johann Sebastian Bach (1685-1750), der größte Musiker in der Reihe bedeutender Komponisten, die die thüringische «Musikerfamilie« Bach im 17. und 18. Jh. hervorbrachte. Vgl. hierzu auch Rudolf Steiners Vortrag vom 26. November 1906 in «Das Wesen des Musikalischen», GA 283.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
119 Meister Eckart, 125~1327, Dominikaner und bedeutender Denker der deutschen Mystik; in seinem letzten Lebensjahr der Häresie angeklagt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Johannes Tauler, um I30fll36l, Dominikaner, Schüler Meister Eckarts. - Zu Tauler, Meister Eckart und die Mystik im allgemeinen vgl. auch Rudolf Steiners Schrift «Die Mystik im Aufgange des neuzeitlichen Geisteslebens und ihr Verhältnis zur modernen Weltanschauung», GA 7.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und lesen Sie in der «Deutschen Theologie«: «Theologia deutsch - Die lerer gar manchen lieblichen underscheit gotlicher warheit und seit gar hohe und gar schone ding von einem volkomen leben», nach der einzigen bis jetzt bekannten Handschrift hrsg. von Franz Pfeiffer, 2. verbesserte und mit einer neudeutschen Übersetzung vermehrte Auflage 1855.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
120 «Nicht ich, sondern der Christus in mir«: Galater 2, 20 «Ich lebe aber; doch nun nicht ich, sondern der Christus lebt in mir«.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
«Die Geheimwissenschaft im Umr`ß« (1910), GA 13.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
121 «Aus d«`rAkasha-Chronik« (19041908), GA 11.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
l36 Der ahrimanische Einfluß bewirkte dann: In der 7. Auflage 1975 hieß es «Der luziferische Einfluß», was den Korrekturvorschlägen einiger Leser entsprach. Jedoch sind die Herausgeber nach gründlicher Prüfung zu dem Ergebnis gekommen, daß es zweifellos «Der ahrimanische Einfluß» heißen muß, da dies aus dem weiteren Vortrag eindeutig hervorgeht; siehe insbesondere S. 142f. «Was ahrimanischem Einfluß zuzuschreiben ..... .&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|232}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
144 mit der Urkunde des Alten Testamentes: Genesis 3.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
146 daß Wesenheiten ... in ähnlicher Art damals ihre Menschheitsstufe durchgemacht haben: Siehe Kap. «Das Leben auf dem Monde», S. 187ff. in «Aus der AkashaChronik&amp;gt;, GA 11, und das Kap. «Die Weltentwickelung und der Mensch«, S. 208 und 215 in «Die Geheimwissenschaft im Umriß», GA 13.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
158 daß sich im Laufe von zehnjahren seine Physiognomie verändert: Vgl. hierzu auch die Ausführungen Rudolf Steiners über den Zusammenhang der Begriffe mit der Gesichtsphysiognomie im Vortrag vom 30. August 1919 in «Allgemeine Menschen- kunde«, GA293.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
163 Karl der Große 742-814, König der Franken und römischer Kaiser.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aristoteles, 384322, Schüler Platos, Erzieher Alexander des Großen, grundlegend für die kulturelle und wissenschaftliche Entwicklung des Abendlandes waren vor allem seine Werke über die Logik.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Martin Luther, siehe Hinw. zu S. I07.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
164 das Zusammen-Untergehen hei einem Erdbeben: Vgl. hierzu auch die Vorrräge Rudolf Steiners vom 27. und 29. Juni 1924 in «Esoterische Betrachtungen karmischer Zusammenhänge, Zweiter Band«, GA 236.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
165 wir haben ... hingewiesen auf eine Individualität: Siehe hierzu auch die Ansprache Rudolf Steiners vom 28. September 1924 in «Esoterische Betrachtungen karmischer Zusammenhänge, Vierter Band«, GA 238, und die Einzelausgabe von vier Vorträgen «Das Weihnachtsmysterium. Novalis, der Seher und Christuskünder«.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
I77 desto größer wird der Unterschied zwischen Mann und Frau in bezug auf ihr Leben:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über den Gegensatz von Männlichem und Weiblichem vgl. auch die Vorrräge vom 5. und 13. März und vom 10. Mai 1910 in «Das Ereignis der Christus-Erscheinung in der ätherischen Welt», GA 118.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
204 Ludwig Deinhard, 1847-1917, Ingenieur und Industrieller. Mit Hübbe-Schleiden zusammeti ältestes Mitglied der deutschen Theosophischen Gesellschaft und 189496 Leiter eines der ersten theosophischen Zweige in München. Er wirkte seit 1900 mit Günther Wagner für die Bildung einer deutschen Sektion und gehörte 1902 bis 1908 zu deren Vorstand. Nach anfänglichen Bedenken schloß er sich später immer enger an Rudolf Steiner an. Sein Buch «Das Mysterium des Menschen im Lichte der psychischen Forschung. Eine Einführung in den Okkultismus«, Berlin 1910, wurde von Rudolf Steiner sehr geschätzt. Vgl. auch den Vortrag vom 19. Mai 1917 im Band «Mitteleuropa zwischen Ost und West», GA 1 74a, und «Zur Geschichte und aus den Inhalten der ersten Abteilung der Esoterischen Schule 19041914«, GA 264.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
205 Frederick W. H. Myers, 1843-1901, Dichter, Spiritist, SchrifrsteIler, Freund von Sir Oliver Lodge; 1882 einer der Gründer der Sociery for Psychical Research in London. - Über die Vorkommnisse um ihn im Zusammenhang mit Sie Oliver Lodge spricht Rudolf Steiner ausführlich im Vortrag vom 27. November 1916 in dem Band «Das Karma des Berufes«, GA 172.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|233}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
206 Perserkriege: Die von 490449 v. Chr. zwischen Persern und Griechen geführten Kriege; von den Persern unternommen, um die Griechen für ihre Teilnahme am ionischen Aufstand zu bestrafen und zu unrerweifen. Trotz zehnfacher Übermacht wurden die Perser von den Griechen unter Miltiades` Führung 490 bei Marathon geschlagen; die Florte des Perserkönigs Xerxes wurde 480 v. Chr. bei Salamis besiegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
209 Xer:zes, um 520465 v. Chr., Perserkönig, Sohn des Dareios; er zog gegen Hellas, um die Niederlage seines Vaters bei Marathon zu rächen, erzwang den Durchgang durch den von Leonidas besetzten Engpaß Thermopylä, unterlag jedoch ebenfalls in der Schlacht bei Salamis 480.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Miltiades, atbenischer Feldherr, schlug die Perser 490 v. Chr. bei Marathon (siehe Hinw. zu S. 209).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Leonidtis, (~ 480 v. Chr.), spartanischer König, fiel im Kampf mit dem Perserkönig Xerxes um den Engpaß Thermopylä.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
214 im Sommer bei dem Zyklus über die biblische Schöpfungsgeschichte: Elf Vorträge in München vom 16. bis 26. August I910; «Die Geheimnisse der biblischen Schöpfungsgeschichte. Das Sechstagewerk im 1. Buch Moses», GA 122.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
215 in der bab~li~chen Schöpfungsgeschichte: I. Buch Moses (Genesis), 1.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|234}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= NAMENREGISTER =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(* = nicht namentlich erwähnt)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aristoteles 163 Myers, Frederick 205&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bach (Familie) 114 Novalis 165*&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bach, Johann Sebastian 114 Paulus, Apostel 120&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Cartesius, Renatus (Descartes, Prometheus 144&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rene) 35f. Skoda, Joseph 77f., 93&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dietl, Joseph 77, 93? Steiner, Rudolf&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deinhard, Ludwig 204 Werke und Vorträge:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eckart, Meister 1 I9 Aus der Akasha-Chronik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eva 144 (GA 11) 121,146&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Galilei, Galileo 107, l1l Die Geheimwissenschaft im Umriß&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Halleyscher Komet 32 (GA 13) 31, 120, 146&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Karl der Große l63 Die Geheimnisse der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kepler, Johannes 27?, l66f. biblischen Schöpfungsgeschichte&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kolumbus, Christoph 26 (GA 122) 214f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Luther, Martin l07?, l63f. Tauler, Johannes 119&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Leonidas 209 Troels-Lund, Frederik 105&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Miltiades 209, 224 Xerxes 209&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Glossar==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|A}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|A}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ahriman&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|[…] wie in der Tat die beiden Prinzipien, das ahrimanische und das luziferische, im letzten Grunde im Krankheitsverlauf tätig sind. Und es könnte in vieler Beziehung für diese oder jene Krankheitsform gezeigt werden, wie man eigentlich zwei Typen von Krankheiten unterscheiden müßte: ahrimanische und luziferische Krankheiten.|120|88}}{{GS|Da sitzt aber auch das, was man den Zufall nennt. Er sitzt da, wo uns Ahriman am allergefährlichsten wird. Diejenigen Erscheinungen nennt der Mensch zufällig, bei denen er durch den ahrimanischen Einfluß am allerleichtesten getäuscht werden kann.|120|111}}{{GS|[…] zeigen, wie im Inneren des Menschen Luzifer zur Illusion führt und wie Ahriman sich in die äußeren Wahrnehmungen mischt und dort zur Maja führt […]|120|112}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ätherleib&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|[…] wenn der Mensch durch die Pforte des Todes tritt […]  wird das Hauptsächlichste des Ätherleibes als ein zweiter Leichnam abgeworfen; es bleibt jedoch ein Extrakt des Ätherleibes zurück, der mitgenommen wird und erhalten bleibt für alle kommenden Zeiten.|120|67}}{{GS|So sehen wir, daß wir in dem Ätherleib und physischen Leib der Pflanze etwas vor uns haben, was imstande ist, mit inneren Heilkräften zu antworten auf äußere Schädigungen.|120|62}}Astral&lt;br /&gt;
{{GS|Also wir haben es vor dem Ich-Bewußtsein zu tun mit einem solchen Bewußtsein, das an den astralischen Leib als das damals höchste Glied gebunden ist, das astralische Bewußtsein, das dumpf und dämmerhaft&lt;br /&gt;
ist und noch nicht durchleuchtet ist von dem Lichte des Ich.|120|122}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|B}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|B}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bewusstsein&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Die Erkenntnis eines solchen Zusammenhanges zwischen Ursachen und Wirkungen in unseren einzelnen Lebensabschnitten, die wir durch unser gewöhnliches Bewußtsein überschauen können, kann uns schon im höchsten Grade förderlich sein im Leben.|120|22}}{{GS|Das Bewußtsein, […] das sich ausdehnt […]  auf unser Leben zwischen Geburt und Tod, das entsteht dadurch, daß sich der Mensch des Instrumentes seines Gehirns bedienen kann. Wenn der Mensch durch die Pforte des Todes schreitet, tritt ein andersgeartetes Bewußtsein auf, das unabhängig ist vom Gehirn und an wesentlich andere Bedingungen gebunden ist.|120|24}}{{GS|Wenn der Mensch aber durch die Pforte des Todes schreitet, hört das Vorstellungsleben auf, das an das Instrument des Gehirns gebunden ist. Da beginnt eine andere Form des Bewußtseinslebens.|120|86}}{{GS|Wir haben gezeigt, daß es gleichsam eine Art von Hemmnis gibt gegen das Eindringen der Unmoralität in die tieferen Kräfte des Organismus. […] Indem wir eine Handlung oder ein sonstiges Erlebnis mit einer bewußten Vorstellung begleiten, schaffen wir eine Schutzwehr dagegen, daß das Resultat unserer Handlungen hinunterrückt in unseren Organismus.|129|95}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|C}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|C}}&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|D}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|D}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|E}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|E}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|F}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|F}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|G}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|G}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gehirn&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Das Bewußtsein, […] das sich ausdehnt […]  auf unser Leben zwischen Geburt und Tod, das entsteht dadurch, daß sich der Mensch des Instrumentes seines Gehirns bedienen kann. Wenn der Mensch durch die Pforte des Todes schreitet, tritt ein andersgeartetes Bewußtsein auf, das unabhängig ist vom Gehirn und an wesentlich andere Bedingungen gebunden ist.|120|24}}{{GS|Wenn der Mensch aber durch die Pforte des Todes schreitet, hört das Vorstellungsleben auf, das an das Instrument des Gehirns gebunden ist. Da beginnt eine andere Form des Bewußtseinslebens.|120|86}}&lt;br /&gt;
Geist&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Der Mensch kann einen in sich regen Geist bis an sein Lebensende dadurch haben, daß wir ihn als Kind in der Weise erzogen haben, wie es jetzt eben beschrieben worden ist: daß wir auf sein Seelenleben, auf alles, was lebendig in ihm sitzt, Rücksicht genommen haben.|120|20}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Geisteswissenschaft&lt;br /&gt;
{{GS|[…] Geisteswissenschaft nicht eine abstrakte Theorie sein soll […] erfüllt erst dann ihre Aufgabe, wenn … etwas hineinfließt in unsere Seelen … was unsere Seelen tüchtiger und tatkräftiger machen kann.|120|9}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|H}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|H}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|I}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|I}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich&lt;br /&gt;
{{GS|Also wir haben es vor dem Ich-Bewußtsein zu tun mit einem solchen Bewußtsein, das an den astralischen Leib als das damals höchste Glied gebunden ist, das astralische Bewußtsein, das dumpf und dämmerhaft ist und noch nicht durchleuchtet ist von dem Lichte des Ich.|120|122}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|J}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|J}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|K}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|K}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kamaloka&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Wenn wir also schon im gewöhnlichen Leben so stark berührt werden können durch gewisse Erlebnisse, besonders wenn es Gefühlseindrücke waren, daß sie eine Gemütsverstimmung bewirken können, so werden wir begreifen, daß die viel stärkeren Eindrücke des Kamalokalebens sich so eindrücken können, daß sie bei einer neuen Inkarnation bis tief in die Organisation des physischen Leibes hineinwirken.|120|72}}{{GS|Gerade während der Kamalokazeit, weil der Mensch seinen alten astralischen Leib noch hat, bewirkt das Durchgemachte die tiefsten Gefühlserlebnisse.|120|72}}{{GS|Wir könnten die verschiedensten Beispiele anführen, die uns alle zeigen, wie der Mensch aus den Erfahrungen seiner Kamalokazeit heraus geradezu die Gelegenheiten aufsucht, diese oder jene Krankheit zu bekommen, um durch ihre Überwindung und durch die Entfaltung der selbstheilenden Kräfte die Kräfte zu gewinnen, welche ihn die Lebensbahn im ganzen hinauf- führen.|120|82}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Karma&lt;br /&gt;
{{GS|Ohne daß eine Wirkung erzeugt wird, die wieder zurückfällt auf das Ding oder die Wesenheit, welche diese Wirkung hervorbringt, ohne diese Eigentümlichkeit des Zurückwirkens der Wirkung auf das verursachende Wesen ist der Karmabegriff nicht zu denken.|120|13}}&lt;br /&gt;
{{GS|Wir dürfen erst von einem Karma sprechen, wenn die Wirkung, die auf das Wesen zurückschlägt, beim Zurückschlagen auf dasselbe Wesen trifft, […]|120|13}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Karmische Folgen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Das zeigt uns, wie in die Linie der karmischen Folgen unser Wille eingreifen und etwas schaffen kann, was an Stelle von sonst eingetretenen karmischen Wirkungen steht.|120|23}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Karmische Wirkung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Das zeigt uns, wie in die Linie der karmischen Folgen unser Wille eingreifen und etwas schaffen kann, was an Stelle von sonst eingetretenen karmischen Wirkungen steht.|120|23}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kind&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Der Mensch kann einen in sich regen Geist bis an sein Lebensende dadurch haben, daß wir ihn als Kind in der Weise erzogen haben, wie es jetzt eben beschrieben worden ist: daß wir auf sein Seelenleben, auf alles, was lebendig in ihm sitzt, Rücksicht genommen haben.|120|20}}Komet&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Nun ist die Substanz eines Kometen nicht eine solche mit Gesetzen, wie sie in unserem gewöhnlichen, regulären Sonnensystem bestehen, sondern mit Gesetzen, wie sie im alten Mondendasein existiert haben.|120|31}}{{GS|Der Halleysche Komet ist der äußere Ausdruck - jedesmal, wenn er in die Sphäre unseres Erdendaseins hineinkommt - zu einem neuen Impuls zum Materialismus.|120|32}}Krankheit&lt;br /&gt;
{{GS|Wir könnten die verschiedensten Beispiele anführen, die uns alle zeigen, wie der Mensch aus den Erfahrungen seiner Kamalokazeit heraus geradezu die Gelegenheiten aufsucht, diese oder jene Krankheit zu bekommen, um durch ihre Überwindung und durch die Entfaltung der selbstheilenden Kräfte die Kräfte zu gewinnen, welche ihn die Lebensbahn im ganzen hinauf- führen.|120|82}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|L}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|L}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Luzifer&lt;br /&gt;
{{GS|[…] zeigen, wie im Inneren des Menschen Luzifer zur Illusion führt und wie Ahriman sich in die äußeren Wahrnehmungen mischt und dort zur Maja führt […]|120|112}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|M}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|M}}Medizin&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Wer ähnliche Vorträge von mir gehört hat, wird wissen, wie wenig es mir darum zu tun ist, einzustimmen in den Chor, der heute das, was man als «Schulmedizin» bezeichnet, diskreditieren will.|55|120}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mensch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Und der hellseherische Forscher wird bei einem Krankheitsfall immer in Betracht ziehen müssen, welches in dem betreffenden Falle der Anteil sein kann des physischen Leibes auf der einen Seite und des Ätherleibes und des astralischen Leibes auf der andern Seite; denn alle drei Wesensglieder des Menschen können an der Erkrankung beteiligt sein.|120|60}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mond&lt;br /&gt;
{{GS|Also sehen wir neben dem Menschen sich förmlich herausbilden ein Reich von Organismen, die durch das Beibehalten des Mondcharakters unfähig geworden waren, Träger menschlicher Individualitäten zu sein. Diese Organisationen sind im wesentlichen die, welche die Organisationen unserer heutigen Tiere wurden.|120|48}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|N}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|N}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|O}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|O}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Organismus&lt;br /&gt;
{{GS|Wir haben gezeigt, daß es gleichsam eine Art von Hemmnis gibt gegen das Eindringen der Unmoralität in die tieferen Kräfte des Organismus. […] Indem wir eine Handlung oder ein sonstiges Erlebnis mit einer bewußten Vorstellung begleiten, schaffen wir eine Schutzwehr dagegen, daß das Resultat unserer Handlungen hinunterrückt in unseren Organismus.|129|95}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|P}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|P}}Pflanzen&lt;br /&gt;
{{GS|Aber je tiefer wir in die Pflanzenpathologie eindringen, desto mehr werden wir sehen, daß von dem Begriff «innere Krankheitsursache» bei den Pflanzen nicht die Rede sein kann, sondern daß es sich da um äußere Veranlassungen und Schädigungen, um äußere Einflüsse handelt.|120|61}}{{GS|Aber je tiefer wir in die Pflanzenpathologie eindringen, desto mehr werden wir sehen, daß von dem Begriff «innere Krankheitsursache» bei den Pflanzen nicht die Rede sein kann, sondern daß es sich da um […] äußere Einflüsse handelt.|120|61}}{{GS|So sehen wir, daß wir in dem Ätherleib und physischen Leib der Pflanze etwas vor uns haben, was imstande ist, mit inneren Heilkräften zu antworten auf äußere Schädigungen.|120|62}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|Q}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|Q}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|R}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|R}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|S}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|S}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schicksalsschlag&lt;br /&gt;
{{GS|Schicksalsschlag […] wenn wir ihn an den Anfang der nachfolgenden Ereignisse stellen und ihn als Ursache betrachten […] Wir werden vielleicht traurig sein […] Betrachten wir ihn dagegen als Ursache eines Späteren, dann können wir vielleicht froh sein und Freude darüber empfinden.|120|18}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seelenleben&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Der Mensch kann einen in sich regen Geist bis an sein Lebensende dadurch haben, daß wir ihn als Kind in der Weise erzogen haben, wie es jetzt eben beschrieben worden ist: daß wir auf sein Seelenleben, auf alles, was lebendig in ihm sitzt, Rücksicht genommen haben.|120|20}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|T}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|T}}Tier&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Wir können nicht in derselben Weise, wie wir den menschlichen Tod auffassen, von dem tierischen Tode sprechen.|120|37}}{{GS|Und wenn Sie Umschau halten im Tierreich, werden Sie finden, daß die Tiere sich ganz bestimmte Kunstfertigkeiten mitbringen, durch welche etwas zustande gebracht werden kann, an das menschliche Kunst fertigkeit bei allem, wie wir es so herrlich weit gebracht haben, noch lange nicht heran reicht.|120|39}}{{GS|Also sehen wir neben dem Menschen sich förmlich herausbilden ein Reich von Organismen, die durch das Beibehalten des Mondcharakters unfähig geworden waren, Träger menschlicher Individualitäten zu sein. Diese Organisationen sind im wesentlichen die, welche die Organisationen unserer heutigen Tiere wurden.|120|48}}{{GS|Wir schauen auf die Tiere und sagen: Alles, was die Tiere darstellen an Grausamkeit, an Gefräßigkeit, an allen tierischen Untugenden, neben der Geschicklichkeit, die sie haben, das hätten wir in uns, wenn wir sie nicht hätten aus uns heraussetzen können!|120|52}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tod&lt;br /&gt;
{{GS|Das Bewußtsein, […] das sich ausdehnt […] auf unser Leben zwischen Geburt und Tod, das entsteht dadurch, daß sich der Mensch des Instrumentes seines Gehirns bedienen kann. Wenn der Mensch durch die Pforte des Todes schreitet, tritt ein andersgeartetes Bewußtsein auf, das unabhängig ist vom Gehirn und an wesentlich andere Bedingungen gebunden ist.|120|24}}{{GS|Wir können nicht in derselben Weise, wie wir den menschlichen Tod auffassen, von dem tierischen Tode sprechen.|120|37}}{{GS|[…] wenn der Mensch durch die Pforte des Todes tritt […]  wird das Hauptsächlichste des Ätherleibes als ein zweiter Leichnam abgeworfen; es bleibt jedoch ein Extrakt des Ätherleibes zurück, der mitgenommen wird und erhalten bleibt für alle kommenden Zeiten.|120|67}}{{GS|Wenn der Mensch aber durch die Pforte des Todes schreitet, hört das Vorstellungsleben auf, das an das Instrument des Gehirns gebunden ist. Da beginnt eine andere Form des Bewußtseinslebens.|120|86}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|U}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|U}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ursache und Wirkung&lt;br /&gt;
{{GS|Damit in der Welt der Erscheinungen, in der leblosen Welt, die wir zunächst um uns herum haben, eine Wirkung auf eine Ursache folge, ist stets notwendig, daß dieser Ursache etwas entgegenkommt. Und ohne daß etwas der Ursache entgegenkommt, ist niemals von dem Folgen einer Wirkung auf eine Ursache zu sprechen.|120|12}}{{GS|Wir werden aber zu einer Erklärung des Menschenlebens nicht kommen, wenn wir Zusammenhänge zwischen Ursache und Wirkung nur in diesem einzelnen Menschenleben suchen.|120|21}}{{GS|Die Erkenntnis eines solchen Zusammenhanges zwischen Ursachen und Wirkungen in unseren einzelnen Lebensabschnitten, die wir durch unser gewöhnliches Bewußtsein überschauen können, kann uns schon im höchsten Grade förderlich sein im Leben.|120|22}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|V}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|V}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vergessen&lt;br /&gt;
{{GS|Jeder kann an sich selbst bemerken, wenn er eine kleine Unpäßlichkeit hat, wie sehr es ihm nützt, wenn er es zu einem Vergessen seiner Unpäßlichkeit bringt, namentlich zu einem solchen Vergessen, das hervorgerufen wird durch eine anderweitige Beschäftigung. Das ist also ein positives, gesundes Vergessen!|120|101}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|W}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|W}}Wesensglieder&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Und der hellseherische Forscher wird bei einem Krankheitsfall immer in Betracht ziehen müssen, welches in dem betreffenden Falle der Anteil sein kann des physischen Leibes auf der einen Seite und des Ätherleibes und des astralischen Leibes auf der andern Seite; denn alle drei Wesensglieder des Menschen können an der Erkrankung beteiligt sein.|120|60}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wille&lt;br /&gt;
{{GS|Das zeigt uns, wie in die Linie der karmischen Folgen unser Wille eingreifen und etwas schaffen kann, was an Stelle von sonst eingetretenen karmischen Wirkungen steht.|120|23}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|X}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|X}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|Y}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|Y}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|Z}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|Z}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zufall&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Da sitzt aber auch das, was man den Zufall nennt. Er sitzt da, wo uns Ahriman am allergefährlichsten wird. Diejenigen Erscheinungen nennt der Mensch zufällig, bei denen er durch den ahrimanischen Einfluß am allerleichtesten getäuscht werden kann.|120|111}}{{GS|[…] zeigen, wie im Inneren des Menschen Luzifer zur Illusion führt und wie Ahriman sich in die äußeren Wahrnehmungen mischt und dort zur Maja führt […]|120|112}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|0-9}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|0-9}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Literatur =&lt;br /&gt;
* [[a:Rudolf Steiner|Rudolf Steiner]]: &#039;&#039;Die Offenbarungen des Karma&#039;&#039;, [[GA 120]] (1992), ISBN 3-7274-1200-3 {{Vorträge|120}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GA}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:GA 120 Die Offenbarungen des Karma|!]] [[Kategorie:Taschenbücher]] [[Kategorie:Karma]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:GA]] [[Kategorie:GA (Mitgliedervorträge)]]  [[Kategorie: GA (Zyklus)]] [[Kategorie:Gesamtausgabe]]&lt;br /&gt;
[[en:GA 120]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Artikel unten}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>ElkeJura</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://steiner.wiki/index.php?title=Gesamtglossar_I&amp;diff=11309</id>
		<title>Gesamtglossar I</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://steiner.wiki/index.php?title=Gesamtglossar_I&amp;diff=11309"/>
		<updated>2025-10-01T18:57:01Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;ElkeJura: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Artikel oben}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich&lt;br /&gt;
{{GS|Auf der Erde endlich kam zum physischen Leib, Ätherleib und astralischen Leib das Ich hinzu, und das Ich, das jetzt hineinschlüpfte in diesen dreifachen Zusammenhang, gestaltete diesen physischen Leib wiederum um, so daß er endlich dieser komplizierte Zusammenhang wurde, der er heute ist.|103|28}}&lt;br /&gt;
{{GS|Bei jedem Menschen ist der astralische Leib so, daß er Manas oder Geistselbst enthält; das ist ein Werk des Ich, ein Produkt der Arbeit des Ich.|103|34}}&lt;br /&gt;
{{GS|Am Ende der Erdenlaufbahn ist der Mensch durchdrungen von seinem Ich; und dieses sein Ich wohnt selber in dem Astralleib, wenn es als Manas oder Geistselbst den astralischen Leib durchzogen hat. Dieses Ich hat dann den Ätherleib durchzogen, er ist ganz und gar durchsetzt von der Buddhi oder dem Lebensgeiste; und der physische Leib ist ganz und gar durchzogen von Atman oder dem Geistesmenschen, den Produkten des Ich.|103|35}}&lt;br /&gt;
{{GS|Zum erstenmal trat das in der alten lemurischen Zeit ein, was wir nennen die Verkörperung des Ich, der eigentlichen innersten Wesenheit des Menschen, in den drei Leibern, im astralischen Leib, Ätherleib und physischen Leib.|103|44}}&lt;br /&gt;
{{GS|[…] der Träger der Liebe kann nur das selbständige Ich sein, das sich nach und nach im Laufe der Erdenentwickelung herausbildet.|GS|50}}&lt;br /&gt;
{{GS|Das ist der große Vorzug des Menschen vor den Tieren, daß der Mensch ein individuelles Ich hat. Aber das individuelle Ich entwickelt sich erst nach und nach. Der Mensch fing auch an mit einem Gruppen-Ich […].|103|71}}&lt;br /&gt;
{{GS|[…] die ganze Mission des Christus […] besteht darin, dem Menschen die volle Kraft des Ich, die innere Selbständigkeit in die Seele zu bringen […] in völligem Stehen-in-sich-selber fühlen, und durch die Liebe, die als eine freie Gabe gegeben wird, soll Mensch mit Mensch zusammengeführt werden.|103|89}}&lt;br /&gt;
{{GS|Ich [der Christus] spreche, wenn ich von mir spreche, in höherem Sinne gar nicht von meinem in mir darin sitzenden Ich, sondern wenn ich von dem «Ich-bin» spreche, so spreche ich von einer Wesenheit, von etwas, was jeder in sich findet […].|103|99}}&lt;br /&gt;
{{GS|Durch unzählige Reden will Christus sagen: Wenn ich von dem Ich spreche, so spreche ich von dem ewigen Ich im Menschen, das eins ist mit dem geistigen Urgrund der Welt.|103|100}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich bin [Selbstbewusstsein, Ich-Bewusstsein]&lt;br /&gt;
{{GS|[…] der Christus ist derjenige, der den Impuls gibt, daß die Menschen alle jeder als einzelnes Wesen empfinden können das «Ich-bin». Jetzt erst ist der mächtige Impuls gegeben, der die Menschen auf der Erde mit einem gewaltigen Ruck nach vorwärts bringt.|103|58}}&lt;br /&gt;
{{GS|Der Christus Jesus war der große Beleber des «Ich-bin».|103|59}}&lt;br /&gt;
{{GS|So löste sich nach und nach langsam das menschliche Einzel-Ich aus der Gruppenseele, aus dem Gruppen-Ich heraus; der Mensch kam nach und nach zum Bewußtsein seines Einzel-Ichs.|103|73}}&lt;br /&gt;
{{GS|[…] wenn der Christus sagt: «Ich bin das Licht der Welt» (8, 12), damit wirklich gemeint ist, daß er der erste war, der für das «Ich-bin» den Ausdruck und Impuls gegeben hat.|103|75}}&lt;br /&gt;
{{GS|Was Jahve getan hat, war, daß er in den astralischen Leib das Gruppenseelen-Ich hineingelegt und ihn so vorbereitet hat zur langsamen Reifung, um aufzunehmen das völlig selbständige «Ich-bin».|103|91}}&lt;br /&gt;
{{GS|Ich [der Christus] spreche, wenn ich von mir spreche, in höherem Sinne gar nicht von meinem in mir darin sitzenden Ich, sondern wenn ich von dem «Ich-bin» spreche, so spreche ich von einer Wesenheit, von etwas, was jeder in sich findet […].|103|99}}&lt;br /&gt;
{{GS|Wie geschieht seine [Mensch] Entwickelung? Dadurch, daß der Mensch von seinem Ich aus nach und nach die drei anderen Glieder durcharbeitet, durchläutert, durchkraftet.|103|127}}&lt;br /&gt;
{{GS|[…] der Christus sagt: Das tiefste Geheimnis meines Wesens ist das «Ich-bin»; und die wahre und ewige Gewalt des «Ich-bin» oder des Ich, die die Kraft hat, die anderen Leiber zu durchdringen, muß einfließen in den Menschen.|103|132}}&lt;br /&gt;
{{GS|Wir haben gesehen, daß eigentlich erst in der späteren atlantischen Zeit die Menschen in die Lage gekommen sind, das Ich oder «Ich-bin» zu empfinden. Denn solange die Menschen die geistigen Bilder sahen, waren sie sich auch klar, daß sie selbst der geistigen Welt angehörten.|103|156}}&lt;br /&gt;
{{GS|Als Moses den Ruf hört: «Sage, wenn du meinen Namen verkünden wirst, der Ich-bin habe dir das gesagt!», da ertönt zum erstenmal die Kunde und Offenbarung des Logos, des Christus.|103|159}}&lt;br /&gt;
{{GS|Als die atlantische Flut eintrat, war der physische Leib des Menschen von der Gewalt dieses «Ich-bin» durchdrungen; das heißt, der Mensch war damals so weit, das physische Werkzeug vorbereitet zu haben für das Ich-Bewußtsein oder das Selbstbewußtsein.|103|170}}{{GS|Also wir haben es vor dem Ich-Bewußtsein zu tun mit einem solchen Bewußtsein, das an den astralischen Leib als das damals höchste Glied gebunden ist, das astralische Bewußtsein, das dumpf und dämmerhaft&lt;br /&gt;
Ist und noch nicht durchleuchtet ist von dem Lichte des Ich.|120|122}}{{GS|[…] der physische Leib wurde bis zur atlantischen Flut hin reif, ein Ichträger zu sein.|103|170}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Individum&lt;br /&gt;
{{GS|Es wird dahin kommen, daß alle Rassen- und Stammeszusammenhänge wirklich aufhören. Der Mensch wird vom Menschen immer verschiedener werden. […] Diese Unterschiede werden immer mehr verschwinden, je mehr das individuelle Element die Oberhand gewinnt.|99|129}}{{GS|Nur der al­lein ver­steht das Ich, der da weiß, daß, nach­dem er sich die­ses Ich er­run­gen hat im Lau­fe der kos­mi­schen Ent­wi­cke­lung, es nun­mehr un­ver­lier­bar ist, und der Mensch muß vor al­len Din­gen nach der star­ken Kraft st­re­ben, wenn er die Wel­ten­mis­si­on ver­steht, die­ses Ich im­mer in­ner­li­cher, im­mer gött­li­cher zu ma­chen.|104|157}}{{GS|Wer nicht be­g­reift, daß die­ses Ich ein zwei­schnei­di­ges Schwert ist, der wird kaum den gan­zen Sinn der Mensch­heits- und Wel­ten­ent­wi­cke­lung ver­ste­hen.|104|156}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Inkarnation&lt;br /&gt;
{{GS|Der Sinn dieser Entwickelung durch die Inkarnationen hindurch ist der, daß von Verkörperung zu Verkörperung das Ich arbeitet an sich, daß es umgestaltet die drei Glieder seiner Wesenheit.|103|33}}&lt;br /&gt;
{{GS|Als der Mensch vor seiner ersten Inkarnation war, da war das Ich noch nicht verbunden mit den drei Gliedern, physischem Leib, Ätherleib und astralischem Leib.|103|37}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Innenwelt&lt;br /&gt;
{{GS|So erst verlegt er den Mittelpunkt seines Wesens in sein Inneres. Er hört auf die Stimmen in seinem Innern, die in den Augenblicken der Ruhe zu ihm sprechen; er pflegt im Innern Umgang mit der geistigen Welt.|10|37}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Israeliter [5. Einweihungsgrad]&lt;br /&gt;
{{GS|Da haben Sie die Bezeichnung nach dem Namen des Volkes. Wie man bei den Persern einen im fünften Grade Eingeweihten einen «Perser» nannte, so nannte man einen solchen bei den Israeliten einen «Israeliter». Daher nennt Christus den Nathanael einen «Israeliter».|103|86}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Artikel unten}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>ElkeJura</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://steiner.wiki/index.php?title=Gesamtglossar_A&amp;diff=11308</id>
		<title>Gesamtglossar A</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://steiner.wiki/index.php?title=Gesamtglossar_A&amp;diff=11308"/>
		<updated>2025-10-01T18:54:28Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;ElkeJura: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Artikel oben}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Abendmahl&lt;br /&gt;
{{GS|Und welche gewaltigen Gefühle sind es, die durch unsere Seele ziehen können, wenn wir so in dem Abendmahl das größte Mysterium der Erde erblicken können: die Verbindung des Ereignisses von Golgatha mit der ganzen Evolution der Erde […]|103|125}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Abraham&lt;br /&gt;
{{GS|Wir haben dann gesehen, wie innerhalb desjenigen Volkes, das die Bekennerschaft des Alten Testamentes bildet, sich ein gewisser Vollkommenheitsgrad dieser Stimmung ausbildete. «Ich und der Vater Abraham sind eins», das heißt, der einzelne fühlte sich geborgen in dem ganzen Zusammenhange bis hinauf zum Vater Abraham. Das war ungefähr auch, was die Grundstimmung […] ausmachte, aller Volksstämme der dritten Kulturepoche.|103|158}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Adam&lt;br /&gt;
{{GS|[…] ist gemeint als ein hellseherischer Schlaf, und was erzählt wird, ist das, was man erfährt in einem höheren Bewußtseinszustand; daher fällt Adam «in einen Schlaf».|103|18}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ägyptische Kultur [CHALDÄISCH-ÄGYPTISCH-ASSYRISCH-BABYLONISCHE-KULTUR, DRITTE KULTUEPOCHE]&lt;br /&gt;
{{GS|Dem Angehörigen der ägyptischen Kultur war es sogar sehr wichtig, daß er die Verhältnisse der Erde besonders durchforschte und die Geometrie ausbildete. Maja wurde erforscht, die äußere Wissenschaft entstand.|103|147}}&lt;br /&gt;
{{GS|So hat der Mensch der dritten Kulturepoche hineingearbeitet in die Materie den Geist, durchdrungen die äußere Welt mit dem Geist.|103|148}}&lt;br /&gt;
{{GS|Die Ägypter balsamierten die Körper der Verstorbenen ein, damit die Menschen in der fünften Epoche ein möglichst großes Persönlichkeitsbewußtsein haben sollten.|103|150}}&lt;br /&gt;
{{GS|Warum wurden die Ägypter die Lehrmeister der Geometrie? Weil sie glaubten, daß man durch den Gedanken, der die Erde abteilt, die Materie auch bezwingen kann und daß sich umformen läßt die Materie, die der Geist des Menschen erfassen kann.|103|156}}&lt;br /&gt;
{{GS|Wenig ist in der ägyptisch-chaldäischassyrisch-babylonischen Zeit von dem im Menschen schon vorhanden, was man innerliche Persönlichkeits- und Verstandeskultur nennen könnte.|103|172}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ahriman&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|[…] wie in der Tat die beiden Prinzipien, das ahrimanische und das luziferische, im letzten Grunde im Krankheitsverlauf tätig sind. Und es könnte in vieler Beziehung für diese oder jene Krankheitsform gezeigt werden, wie man eigentlich zwei Typen von Krankheiten unterscheiden müßte: ahrimanische und luziferische Krankheiten.|120|88}}{{GS|[…] zeigen, wie im Inneren des Menschen Luzifer zur Illusion führt und wie Ahriman sich in die äußeren Wahrnehmungen mischt und dort zur Maja führt […]|120|112}}{{GS|Da sitzt aber auch das, was man den Zufall nennt. Er sitzt da, wo uns Ahriman am allergefährlichsten wird. Diejenigen Erscheinungen nennt der Mensch zufällig, bei denen er durch den ahrimanischen Einfluß am allerleichtesten getäuscht werden kann.|120|111}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Akasha-Chronik&lt;br /&gt;
{{GS|Es ist keine gewöhnliche Chronik, sondern eine Chronik, die man als eine lebendige bezeichnen könnte. ... Man kann auch die Willensimpulse, die Gefühle, die Gedanken sehen. ... Das, was jetzt geistig wirkt in uns und im Physischen ausgeflossen ist, das sieht man dort im Geistigen.|99|44}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alba Longa&lt;br /&gt;
{{GS|Alba Longa oder die lange Alba, die Stadt einer Priesterkultur, von der die Kultur Roms ausgehen sollte. Im Meßkleid der katholischen Priester haben wir noch einen Nachklang davon erhalten.|104|74}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alkohol&lt;br /&gt;
{{GS|[…] der Alkohol hat eine ganz bestimmte Wirkung auf den menschlichen Organismus. Er hatte nämlich eine Mission im Laufe der Menschheitsentwickelung […]sozusagen den menschlichen Leib so zu präparieren, daß dieser abgeschnitten wurde von dem Zusammenhang mit dem Göttlichen, damit das persönliche «Ich-bin» herauskommen konnte.|103|92}}&lt;br /&gt;
{{GS|Jetzt, wo die Menschheit wiederum strebt, den Weg zurückzufinden, wo das Ich so weit entwickelt ist, daß der Mensch wieder den Anschluß finden kann an die göttlich-geistigen Mächte, jetzt ist die Zeit gekommen, wo, anfangs sogar aus dem Unbewußten heraus, eine gewisse Reaktion gegen den Alkohol eintritt.|103|92}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alte Einweihung&lt;br /&gt;
{{GS|Man mußte also in der alten Einweihung versuchen, den Ätherleib künstlich herauszuholen […] in eine Art Todesschlaf bringen, der ja dreieinhalb Tage dauerte, währenddem der Ätherleib herausragte aus dem physischen Leibe, gelockert war, so daß das, was der Astralleib erlebte, sich einprägte in den Ätherleib. Und wenn dann der Ätherleib wieder zurückgeführt wurde […] wusste der Mensch, was er in der geistigen Welt erlebt hatte.|103|144}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alter Mond [PLANETARISCHE VERKÖRPERUNG]&lt;br /&gt;
{{GS|Ebenso nun wie beim Menschen ein Zeitraum liegt zwischen einer Verkörperung und einer neuen Geburt, so liegt ein Zeitraum zwischen der Verkörperung unseres Planeten, den wir als Erde bezeichnen, und desjenigen, den wir als den alten Mond bezeichnen.|103|27}}&lt;br /&gt;
{{GS|Dieser alte Mond hatte als planetarische Stufe auch eine Mission. Er hatte noch nicht die Aufgabe, die Liebe auszubilden, er sollte der Planet oder der Kosmos der Weisheit sein.|103|47}}&lt;br /&gt;
{{GS|Noch auf dem Monde war von dem heutigen Menschen nur vorhanden physischer Leib, Ätherleib und astralischer Leib; kein Ich war darinnen.|103|76}}&lt;br /&gt;
{{GS|Wir haben den alten Mond den «Kosmos der Weisheit» genannt. Dieser alte Mond hatte auf einer gewissen Stufe seiner Entwickelung das nicht, was wir heute Erde, feste Erde nennen.|103|107}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Altindische Einweihung&lt;br /&gt;
{{GS|Da gab es eine Zeit, wo unsere Vorfahren hineinschauten in die geistige Welt […] wo sie in der tieferen geistigen Wirklichkeit drinnen steckten. Oh, könnten wir auch da hinein! So sagten sie sich. Und aus dieser Sehnsucht heraus wurde die altindische Methode der Einweihung geschaffen […] Yoga ist die Methode der altindischen Einweihung.|103|144}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Altindische Kultur [URINDISCHE KULTUR]&lt;br /&gt;
{{GS|Dem uralten Inder, wenn er ganz besonders heilig sein will, ist die Welt der Maja wertlos. Diese physische Welt ist ihm eine Illusion […]|103|145}}&lt;br /&gt;
{{GS|Wir haben darauf hingewiesen, wie diese uralt-indische Kultur dadurch zu charakterisieren ist, daß die Gemüter der Menschen beherrscht waren von Sehnsucht und Erinnerung […] Die Erinnerung bestand darin, daß lebendige Überlieferungen geblieben waren von […] der atlantischen Flut […] eine Art dämmerhaften hellseherischen Zustandes […] durch den er hineinblicken konnte in die geistige Welt […]|103|153}}&lt;br /&gt;
{{GS|In der altindischen Kultur war gegenüber der eigenen Geistigkeit noch eine sonderbare Stimmung. Man sagte: Wollen wir in die geistige Welt eindringen, uns über die Illusion erheben, dann müssen wir uns selbst verlieren in der geistigen Welt, müssen möglichst auslöschen das «Ich-bin» und aufgehen in dem All-Geist, in dem Brahman.|103|157}}&lt;br /&gt;
{{GS|In der ersten Kulturepoche der nachatlantischen Zeit macht der Mensch zuerst seinen Ätherleib zum Ich-Träger, wie er vorher seinen physischen Leib dazu gemacht hatte. Das war die alte indische Kultur.|103|171}}&lt;br /&gt;
{{GS|Das alte Indertum war in einem viel höheren Grade, als man sich denkt, dazu geneigt, nicht die Hände zu regen, sondern in Kontemplation sich zu erheben über das Materielle zu den höheren Welten.|103|172}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alte Mysterien&lt;br /&gt;
{{GS|[…] in den alten Mysterien war der Christus Jesus, das heißt der Christus, der in Zukunft erscheinen sollte in der Welt, nicht etwa eine unbekannte Wesenheit. Und alle Mysterien wiesen hin auf Einen, der da kommen sollte.|103|68}}&lt;br /&gt;
{{GS|Einzelne waren es, die immer schon durch die alten Mysterien wußten von den geistigen Welten.|103|77}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Altpersische Kultur&lt;br /&gt;
{{GS|Das, was nun während der altpersischen Kulturepoche ausgebildet wird, ist der eigentliche Astralleib oder der Empfindungsleib; er ist der Träger der eigentlichen Betätigungskräfte des Menschen.|103|171}}&lt;br /&gt;
{{GS|Die Kultur des alten Persertums besteht darin, daß das Ich in den Empfindungsleib gesenkt wird.|103|172}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anthroposophie&lt;br /&gt;
{{GS|Man würde die heutige Betrachtung mißverstehen, wenn man des Glaubens wäre, Anthroposophie oder Geisteswissenschaft sei in irgendeiner Beziehung eine neue Religion, wolle irgendein neues Religionsbekenntnis an die Stelle eines alten setzen.|104|12}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alter Saturn [PLANETARISCHE VERKÖRPERUNG]&lt;br /&gt;
{{GS|Unser physischer Menschenleib hat seine allererste Anlage erhalten auf dem alten Saturn. Damals […] bildete sich eine von dem heutigen menschlichen Leibe freilich ganz verschiedene erste Anlage des physischen Menschenleibes.|103|28}}&lt;br /&gt;
{{GS|Die einzige Wirklichkeit des Saturn war die, daß er einen anderen Wärmezustand hatte als seine Umgebung. Durch etwas anderes hätte man ihn nicht wahrnehmen können.|103|108}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Altes Testament&lt;br /&gt;
{{GS|Der Bekenner des Alten Testaments sagte noch nicht in seiner Persönlichkeit: Ich bin ein Ich. Er fühlte sich in dem ganzen alten jüdischen Volke und fühlte das «Gruppen-Volks-Ich».|103|58}}&lt;br /&gt;
{{GS|Innerhalb der Bekenner des Alten Testamentes sehen wir im vollsten Sinne noch das ausgedrückt, was wir die Zugehörigkeit zur Gruppenseele als die Grundlage des einzelnen Ichs im Gesamt-Ich nennen können.|103|89}}&lt;br /&gt;
{{GS|Wir haben dann gesehen, wie innerhalb desjenigen Volkes, das die Bekennerschaft des Alten Testamentes bildet, sich ein gewisser Vollkommenheitsgrad dieser Stimmung ausbildete. «Ich und der Vater Abraham sind eins», das heißt, der einzelne fühlte sich geborgen in dem ganzen Zusammenhange bis hinauf zum Vater Abraham.|103|158}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aristoteles&lt;br /&gt;
{{GS|Die Geschichte weist Ihnen nach, daß der eigentliche Begründer der Logik Aristoteles ist.|103|173}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Äschylos&lt;br /&gt;
{{GS|Bei Äschylos klingt es in der Dramatik noch nach, wie der Mensch seine eigene Individualität künstlerisch verwerten will. Er tritt selbst in den physischen Plan hinaus und schafft ein Abbild seiner selbst.|103|150}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Assyrisch-babylonisch-chaldäisch-ägyptische Kultur [DRITTE KULTUEPOCHE]&lt;br /&gt;
{{GS|So hat der Mensch der dritten Kulturepoche hineingearbeitet in die Materie den Geist, durchdrungen die äußere Welt mit dem Geist.|103|148}}&lt;br /&gt;
{{GS|Wenig ist in der ägyptisch-chaldäischassyrisch-babylonischen Zeit von dem im Menschen schon vorhanden, was man innerliche Persönlichkeits- und Verstandeskultur nennen könnte.|103|172}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Astralleib&lt;br /&gt;
{{GS|Bei jedem Menschen ist der astralische Leib so, daß er Manas oder Geistselbst enthält; das ist ein Werk des Ich, ein Produkt der Arbeit des Ich.|103|34}}&lt;br /&gt;
{{GS|Und der Astralleib des Menschen, haben wir gesagt, bestehe aus zwei Teilen, aus dem Teile, den der Mensch schon beherrscht, und dem, den er noch nicht beherrscht.|103|36}}&lt;br /&gt;
{{GS|Was ist der astralische Leib? Er erscheint ja dem hellseherischen Bewußtsein auch heute als eine Aura, die den Menschen umgibt. Er ist ein Lichtleib.|103|39}}&lt;br /&gt;
{{GS|Das Ich ist berufen dazu, den astralischen Leib nach und nach zu läutern, zu reinigen, auf eine höhere Stufe zu heben. Wenn der ganze astralische Leib durchläutert, durchkraftet sein wird mit der eigenen Kraft des Ich, wird er sein das Geistselbst oder Manas.|103|127}}&lt;br /&gt;
{{GS|Er [Mensch] hat in alten Zeiten unbewußt bearbeitet seinen astralischen Leib, und es ist der astralische Leib dadurch durchsetzt mit der Empfindungsseele.|103|128}}&lt;br /&gt;
{{GS|Das, was nun während der altpersischen Kulturepoche ausgebildet wird, ist der eigentliche Astralleib oder der Empfindungsleib; er ist der Träger der eigentlichen Betätigungskräfte des Menschen.|103|171}}&lt;br /&gt;
{{GS|Das ist der eigentlich empfindende und denkende Teil des Menschen, und der physische Leib und auch das, was im Ätherleib ist, sind nur seine Vermittler, die Instrumente.|99|35}}&lt;br /&gt;
{{GS|In diesen Astralleib sind hineingezeichnet eine Unsumme von verschiedenerlei Figuren, alle möglichen Arten von Linien und Strahlen, manche blitzartig, manche in sonderbaren Windungen.|104|52}}&lt;br /&gt;
{{GS|Der astralische Leib ist der Ausdruck seiner Leidenschaften, seiner Instinkte, Triebe und Begierden, aber auch aller seiner Gedanken und Vorstellungen.|104|52}}{{GS|Also wir haben es vor dem Ich-Bewußtsein zu tun mit einem solchen Bewußtsein, das an den astralischen Leib als das damals höchste Glied gebunden ist, das astralische Bewußtsein, das dumpf und dämmerhaft&lt;br /&gt;
122 ist und noch nicht durchleuchtet ist von dem Lichte des Ich.|120|122}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Astrologie&lt;br /&gt;
{{GS|So entsteht jene wunderbare Sternenkunde, die die Menschen heute kaum mehr kennen. Denn was man heute als Astrologie kennt, ist durch ein Mißverstehen der Tatsachen entstanden.|104|72}}&lt;br /&gt;
{{GS|Tiefe Weisheit in der Sternenschrift ist es, was dem alten Chaldäerpriester als Astrologie geoffenbart wurde, als die Geheimnisse dessen, was er mit Augen sah. Das betrachtete er als Offenbarung eines Inneren, Durchgeistigten.|104|72}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ätherleib&lt;br /&gt;
{{GS|[…] dass der Ätherlieb beim Manne weiblich und beim Weibe männlich ist […] Die Kräfte, die den Ätherleib zusammenhalten, finden wir […] in der Welt des Rupa-Devachan […]|99|27}}&lt;br /&gt;
{{GS|Erst als der Saturn sich in die Sonne verwandelte, also während der zweiten Verkörperung unseres Erdplaneten, kam zu diesem physischen Leib der Ätherleib hinzu, durchtränkte, imprägnierte ihn.|103|28}}&lt;br /&gt;
{{GS|Nachdem sich unmittelbar nach dem Tode Ätherleib, astralischer Leib und Ich von dem physischen Leibe getrennt haben, geht nach einiger Zeit auch der Ätherleib aus der Verbindung mit dem astralischen Leibe und dem Ich heraus und löst sich auf im Weltenäther.|103|29}}&lt;br /&gt;
{{GS|[…] soviel von seinem Ätherleibe umgestaltet ist zu einem Produkt des Ich, nennen wir dies die Buddhi oder den Lebensgeist.|103|34}}&lt;br /&gt;
{{GS|Auch was er im Ätherleib hat, kann er noch nicht beherrschen; das wird er erst beherrschen können, wenn die Erde im Venuszustande sein wird.|103|36}}&lt;br /&gt;
{{GS|Treulos verlassen Sie alle jede Nacht Ihren physischen Leib und Ihren Ätherleib. Daraus werden Sie erkennen, daß die Geisteswissenschaft mit einem gewissen Recht darauf hinweist, daß göttlich-geistige Mächte und Kräfte in der Nacht diesen physischen Leib, diesen Ätherleib durchströmen […]|103|87}}&lt;br /&gt;
{{GS|[…] diejenigen Mächte, die auf den Ätherleib wirken, sind in den niederen himmlischen Sphären zu Hause.|103|88}}&lt;br /&gt;
{{GS|Unbewußt hat das Ich hineingearbeitet in den Ätherleib, und dieser unbewußt umgeformte Ätherleib ist dasjenige, was Sie in einem systematischen Zusammenhange in der «Theosophie» geschildert finden als Verstandesseele.|103|128}}&lt;br /&gt;
{{GS|Beim heutigen Menschen findet man hellseherisch das, was Ätherkopf ist, ungefähr in Form und Größe mit dem physischen Kopfe übereinstimmend.|103|137}}&lt;br /&gt;
{{GS|In der ersten Kulturepoche der nachatlantischen Zeit macht der Mensch zuerst seinen Ätherleib zum Ich-Träger, wie er vorher seinen physischen Leib dazu gemacht hatte. Das war die alte indische Kultur.|103|171}}&lt;br /&gt;
{{GS|Das, was nun während der altpersischen Kulturepoche ausgebildet wird, ist der eigentliche Astralleib oder der Empfindungsleib; er ist der Träger der eigentlichen Betätigungskräfte des Menschen.|103|171}}&lt;br /&gt;
{{GS|Nun aber kommt etwas anderes in Betracht, das ist, daß dann, wenn diese Katharsis eingetreten ist, wenn im astralischen Leibe ausgebildet sind die astralen Sinnesorgane, das Ganze abgedrückt werden muß im Ätherleibe.|103|196}}&lt;br /&gt;
{{GS|So sehen wir, daß wir in dem Ätherleib und physischen Leib der Pflanze etwas vor uns haben, was imstande ist, mit inneren Heilkräften zu antworten auf äußere Schädigungen.|120|62}}&lt;br /&gt;
{{GS|[…] wenn der Mensch durch die Pforte des Todes tritt […] wird das Hauptsächlichste des Ätherleibes als ein zweiter Leichnam abgeworfen; es bleibt jedoch ein Extrakt des Ätherleibes zurück, der mitgenommen wird und erhalten bleibt für alle kommenden Zeiten.|120|67}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Atlantis, atlantische Zeit&lt;br /&gt;
{{GS|Damals [lemurische Zeit] hatten Sie nicht diese Gestalt, aber ein solcher Mensch waren Sie: physischer und Ätherleib waren eingehüllt von dem mit dem Ich ausgestatteten Astralleibe. Dieser Zustand dauerte bis hinein in die atlantische Zeit.|103|112}}&lt;br /&gt;
{{GS|[…] dazumal [Atlantis], als der Mensch noch eingebettet war in die göttlich-geistigen Wesenheiten, hatte er in der Nacht ein dämmerhaftes, astralisches Bewußtsein. Wenn er bei Tag untertauchte in seinen flüssigen physischen Leib, da wurde es für ihn Nacht; und wenn er wieder heraus war aus seinem physischen Leibe, da ging ihm das blendende astralische Licht auf.|103|113}}&lt;br /&gt;
{{GS|Im letzten Drittel der atlantischen Zeit wird dann die Menschengestalt immer ähnlicher der heutigen.|103|113}}&lt;br /&gt;
{{GS|Wir haben […] erwähnt, daß unsere Vorfahren in einer weit zurückliegenden Zeit drüben im Westen auf einem Erdgebiete gewohnt haben, das heute eingenommen wird vom Atlantischen Ozeane. Auf der alten Atlantis haben unsere Vorfahren gelebt.|103|136}}&lt;br /&gt;
{{GS|Der alte Atlantier hatte den Ätherkopf mächtig hervorragend über dem physischen Kopfe. Dann wuchsen diese beiden immer mehr zusammen, und es war im letzten Drittel der atlantischen Zeit, als physischer und Ätherkopf zur Deckung kamen.|103|138}}&lt;br /&gt;
{{GS|Wenn Sie durch die alte Atlantis drüben im Westen gegangen wären, hätten Sie eine solche Verteilung von Regen, Nebel, Luft und Sonnenschein, wie Sie es jetzt auf unseren heutigen Ländergebieten haben, nicht erlebt.|103|138}}&lt;br /&gt;
{{GS|[…] in die Gegend des heutigen Tibet. Dahin zog ein verhältnismäßig kleiner, aber namentlich geistig, spirituell sehr weit fortgeschrittener Bruchteil der atlantischen Bevölkerung.|103|139}}&lt;br /&gt;
{{GS|Innerhalb der letzten atlantischen Zeit war es ja so gekommen, daß nach und nach die westlichen Gegenden der Atlantis verschwanden, sich mit Meer bedeckten.|103|140}}&lt;br /&gt;
{{GS|Wenn eine Stadt in Nebel eingehüllt ist und Sie des Abends die Laternen wie mit Farbenauren umgeben sehen, so undeutlich mit Säumen und Farbenstrahlen das gibt Ihnen ein Bild, wie es in dieser Zeit in der Atlantis ausgesehen hat.|103|141}}&lt;br /&gt;
{{GS|Wir haben gesehen, wie in dieser Zeit vor der atlantischen Flut eine so scharfe Trennung noch nicht war zwischen dem Bewußtseinszustand während des Tageslebens und dem Bewußtseinszustand während des Nachtlebens.|103|153}}&lt;br /&gt;
{{GS|Wir haben gesehen, daß eigentlich erst in der späteren atlantischen Zeit die Menschen in die Lage gekommen sind, das Ich oder «Ich-bin» zu empfinden. Denn solange die Menschen die geistigen Bilder sahen, waren sie sich auch klar, daß sie selbst der geistigen Welt angehörten.|103|156}}&lt;br /&gt;
{{GS|Diejenige Menschheitsentwickelung, die der atlantischen Flut vorangegangen ist, also die sich zum großen Teil abgespielt hat auf jenem Kontinente, der da war zwischen dem heutigen Europa und dem heutigen Amerika, der alten Atlantis, diese Menschheitsentwickelung teilen wir auch in sieben aufeinanderfolgende Abschnitte. Für diese sieben Abschnitte gilt noch der Ausdruck «Rassen-Entwickelung».|103|168}}&lt;br /&gt;
{{GS|Die Mission des Atlantiertums war, dem Menschen das Ich einzuimpfen, einzuprägen; und diese Mission geht dann über die atlantische Flut, die man als Sintflut beschreibt, hinüber in unsere Zeit.|103|170}}&lt;br /&gt;
{{GS|Deshalb sprechen wir auch von Kulturzeitaltern im Gegensatz zu Rassen. Alles das, was etwa verknüpft ist mit dem Rassenbegriff, ist noch Überbleibsel des Zeitraumes, der dem unseren vorangegangen ist, des atlantischen. Wir leben im Zeitraum der Kulturepochen.|104|69}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Atman [Geistesmensch]&lt;br /&gt;
{{GS|[…] soviel er [Mensch] am physischen Leib vom Ich aus umgestaltet, nennen wir dies Atman oder den Geistesmenschen.|103|34}}&lt;br /&gt;
{{GS|Am Ende der Erdenlaufbahn ist der Mensch durchdrungen von seinem Ich; und dieses sein Ich wohnt selber in dem Astralleib, wenn es als Manas oder Geistselbst den astralischen Leib durchzogen hat. Dieses Ich hat dann den Ätherleib durchzogen, er ist ganz und gar durchsetzt von der Buddhi oder dem Lebensgeiste; und der physische Leib ist ganz und gar durchzogen von Atman oder dem Geistesmenschen, den Produkten des Ich.|103|35}}&lt;br /&gt;
{{GS|Wenn der physische Leib ganz und gar überwunden, besiegt sein wird vom Ich, wird er sein Atma oder der Geistesmensch.|103|127}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufmerksamkeit&lt;br /&gt;
{{GS|[…] die Aufmerksamkeit der Seele auf gewisse Vorgänge in der uns umgebenden Welt zu lenken. Solche Vorgänge sind das sprießende, wachsende und gedeihende Leben einerseits, und alle Erscheinungen, die mit Verblühen, Verwelken, Absterben zusammenhängen, andererseits.|10|43}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auge&lt;br /&gt;
{{GS|Dieser wundervolle Bau des menschlichen Auges, dieser wunderbare Apparat des menschlichen Ohres, alles das hat erst heute seine Vollkommenheit erlangt, weil es aus der Saturnmasse herausgebildet wurde, und Ätherleib, Astralleib und Ich daran gearbeitet haben.|99|90}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Artikel unten}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>ElkeJura</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://steiner.wiki/index.php?title=GA_120&amp;diff=11306</id>
		<title>GA 120</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://steiner.wiki/index.php?title=GA_120&amp;diff=11306"/>
		<updated>2025-09-24T18:37:27Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;ElkeJura: /* Literatur */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Artikel oben}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:GA120.jpg|thumb|{{RSV|120}}]]&lt;br /&gt;
__NOTOC__&lt;br /&gt;
&amp;lt;div class=&amp;quot;center&amp;quot; &amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;h3&amp;gt;RUDOLF STEINER&amp;lt;/h3&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;h3&amp;gt;VORTRÄGE&amp;lt;/h3&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;h4&amp;gt;VORTRÄGE VOR MITGLIEDERN&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
DER ANTHROPOSOPHISCHEN GESELLSCHAFT&amp;lt;/h4&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;h3&amp;gt;Die Offenbarungen&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
des Karma&amp;lt;/h3&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;h5&amp;gt;Ein Zyklus von elf Vorträgen&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
gehalten in Hamburg&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
zwischen dem 16. und 28. Mai 1910&amp;lt;/h5&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;h3&amp;gt;GA 120&amp;lt;/h3&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;h3&amp;gt;1992&amp;lt;/h3&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Inhaltsverzeichnis =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[GA 120#ERSTER VORTRAG Hamburg, 16. Mai 1910|ERSTER VORTRAG Hamburg, 16. Mai 1910]]&lt;br /&gt;
* [[GA 120#ZWEITER VORTRAG Hamburg, 17. Mai 1910|ZWEITER VORTRAG Hamburg, 17. Mai 1910]]&lt;br /&gt;
* [[GA 120#DRITTER VORTRAG Hamburg, 18. Mai 1910|DRITTER VORTRAG Hamburg, 18. Mai 1910]]&lt;br /&gt;
* [[GA 120#VIERTER VORTRAG Hamburg, 19. Mai 1910|VIERTER VORTRAG Hamburg, 19. Mai 1910]]&lt;br /&gt;
* [[GA 120#FÜNFTER VORTRAG Hamburg, 20. Mai 1910|FÜNFTER VORTRAG Hamburg, 20. Mai 1910]]&lt;br /&gt;
* [[GA 120#SECHSTER VORTRAG Hamburg, 21. Mai 1910|SECHSTER VORTRAG Hamburg, 21. Mai 1910]]&lt;br /&gt;
* [[GA 120#SIEBENTER VORTRAG Hamburg, 22. Mai 1910|SIEBENTER VORTRAG Hamburg, 22. Mai 1910]]&lt;br /&gt;
* [[GA 120#ACHTER VORTRAG Hamburg, 25. Mai 1910|ACHTER VORTRAG Hamburg, 25. Mai 1910]]&lt;br /&gt;
* [[GA 120#NEUNTER VORTRAG Hamburg, 26. Mai 1910|NEUNTER VORTRAG Hamburg, 26. Mai 1910]]&lt;br /&gt;
* [[GA 120#ZEHNTER VORTRAG Hamburg, 27. Mai 1910|ZEHNTER VORTRAG Hamburg, 27. Mai 1910]]&lt;br /&gt;
* [[GA 120#ELFTER VORTRAG Hamburg, 28. Mai 1910|ELFTER VORTRAG Hamburg, 28. Mai 1910]]&lt;br /&gt;
* [[GA 120#EINLADUNG ZUM VORTRAGSZYKLUS|EINLADUNG ZUM VORTRAGSZYKLUS]]&lt;br /&gt;
* [[GA 120#HINWEISE|HINWEISE]]&lt;br /&gt;
* [[GA 120#NAMENREGISTER|NAMENREGISTER]]&lt;br /&gt;
* [[GA 120#Literatur|Literatur]]&lt;br /&gt;
* [[GA 120#Glossar|Glossar]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|9}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= ERSTER VORTRAG Hamburg, 16. Mai 1910 =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Zyklus von Vorträgen soll Fragen behandeln aus dem Gebiete der Geisteswissenschaft, die tief in das Leben einschneidend sind. Aus den verschiedenen Darstellungen, die im Laufe der Zeit gegeben wor den sind, ist es uns ja geläufig, daß Geisteswissenschaft nicht eine ab strakte Theorie sein soll, nicht eine bloße Doktrin oder Lehre, sondern ein Quell für Leben und Lebenstüchtigkeit, und sie erfüllt erst dann ihre Aufgabe, wenn durch das, was sie an Erkenntnissen zu geben vermag, etwas hineinfließt in unsere Seelen, was das Leben reicher, verständlicher, was unsere Seelen tüchtiger und tatkräftiger machen kann. Wenn sich nun allerdings derjenige, der sich zu dieser unserer Weltanschauung bekennt, jenes Ideal, das eben mit ein paar Worten gekennzeichnet worden ist, vorhält und in der Gegenwart dann ein wenig Umschau hält, inwiefern er imstande ist, das, was ihm aus der Theosophie erfließt, in diesem Leben umzusetzen, dann könnte er vielleicht zu einem recht wenig erfreulichen Eindruck kommen. Denn wenn man unbefangen alles betrachtet, was heute die Welt meint zu «wissen», was in unserer Gegenwart die Menschen zu diesen oder jenen Gefühlen oder Handlungen treibt, so könnte man sagen, daß dies alles von den theosophischen Ideen und Idealen so unendlich weit verschieden ist, daß der Theosoph gar keine Möglichkeit habe, unmittelbar in das Leben einzugreifen mit dem, was er aus den Quellen der Geisteswissenschaft heraus sich aneignet.- Das wäre aber dennoch eine recht oberflächliche Betrachtung der Sachlage, oberflächlich aus dem Grunde, weil bei einer solchen Betrachtung nicht gerechnet würde mit dem, was wir aus unserer Weltanschauung selber dadurch entnehmen müssen, daß wir uns sagen: Wenn einmal wirklich jene Kräfte, die wir durch Theosophie aufnehmen, stark genug sein werden, dann werden sie auch die MögIichkeit finden, in die Welt einzugreifen; wenn aber niemals etwas dazu getan würde, diese Kräfte immer stärker und stärker zu machen, so würde eben ihr Eingreifen in die Welt unmöglich sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber es ist noch etwas anderes, was uns sozusagen Trost geben kann,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|10}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
selbst wenn wir durch eine solche Betrachtung trostlos werden möchten, und das ist es gerade, was uns aus den Betrachtungen dieses Vortragszyklus folgen soll: Betrachtungen über das, was man menschliches Karma und Karma überhaupt nennt. Denn wir werden mit jeder Stunde, die wir hier verbringen, mehr sehen, wie wir gar nicht genug tun können an der Herbeiführung der Möglichkeit, mit theosophischen Kräften in das Leben einzugreifen, und wie wir, wenn wir ernsthaft an Karma glauben und festhalten, voraussetzen müssen, daß uns Karma selber dasjenige zuwerfen wird, was wir über kurz oder lang zu tun haben werden für unsere Kräfte. Wir werden sehen: Wenn wir vermeinen, wir könnten die aus unsererWeltanschauung gewonnenen Kräfte noch nicht anwenden, dann haben wir eben diese Kräfte noch nicht genügend stark gemacht, damit sie bewirken können, daß Karma es uns auch ermögliche, in die Welt mit diesen Kräften einzugreifen. So soll nicht nur eine Summe von Erkenntnissen über Karma in diesen Vorträgen leben, sondern es soll mit jeder Stunde mehr das Vertrauen in Karma geweckt werden, die Gewißheit, daß, wenn die Zeit gekommen sein wird, ob es nun morgen oder übermorgen oder nach vielen Jahren sein wird, unser Karma uns Aufgaben bringen wird, insofern wir als Bekenner unserer Weltanschauung Aufgaben zu verrichten haben. Karma wird sich uns darstellen als eine Lehre, welche uns nicht nur sagt, wie dieses oder jenes in der Welt sich verhält, sondern welche mit den Aufschlüssen, die sie uns bringt, zu gleicher Zeit uns Lebensbefriedigung und Lebenserhöhung bringen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Allerdings, wenn Karma eine solche Aufgabe erfüllen soll, ist es schon notwendig, daß wir das damit gemeinte Gesetz etwas tiefer ins Auge fassen, sozusagen in seiner Ausbreitung über die Welt. Dazu ist aber diesmal etwas notwendig, was sonst nicht eigentlich in meinem Gebrauche liegt bei geisteswissenschaftlichen Betrachtungen, nämlich eine Definition, eineWorterklärung zu geben. Ich pflege das sonst nicht zu tun, weil mit solchen Worterklärungen in der Regel nicht viel getan ist. Bei unseren Betrachtungen wird in der Regel begonnen mit der Darstellung von Tatsachen, und wenn diese Tatsachen in der entsprechenden Weise gruppiert und geordnet sind, ergeben sich die Begriffe und Vorstellungen von selbst. Wollten wir nun allerdings für die umfassenden &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|11}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fragen, die wir in den nächsten Tagen zu besprechen haben, einen ähnlichen Gang einschlagen, so müßten wir viel mehr Zeit zur Verfügung haben, als uns geboten ist. Deshalb ist es diesmal zur Verständigung notwendig, daß wir, wenn auch nicht eine Definition, so doch eine Art Beschreibung des Begriffes geben, der uns längere Zeit beschäftigen wird. Definitionen haben ja auch nur den Zweck, sich darüber zu verständigen, was man meint, wenn man dieses oder jenes Wort anschlägt oder ausspricht. In diesem Stile soll eine Beschreibung des Begriffes «Karma» gegeben werden, damit wir wissen, wovon wir sprechen, wenn in diesen Vorträgen der Ausdruck «Karma» gebraucht wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus mancherlei Betrachtungen hat wohl ein jeder von uns sich schon einen Begriff gebildet von dem, was Karma ist. Ein recht abstrakter Begriff von Karma ist wohl der, wenn man Karma das «geistige Ursachengesetz» nennt, das Gesetz, wonach auf gewisse Ursachen, die im geistigen Leben liegen, gewisse Wirkungen folgen. Das ist aber ein zu abstrakter Begriff von Karma, weil er zum Teil zu eng, zum Teil aber auch viel zu weit sein würde. Wenn wir Karma überhaupt auffassen wollen als ein Ursachengesetz, so stellen wir es zusammen mit dem, was wir sonst in der Welt als das Gesetz der Kausalität, als das Gesetz von Ursache und Wirkung bezeichnen. Verständigen wir uns einmal darüber, was wir sonst unter dem Ursachengesetz auf dem allgemeinen Gebiete verstehen, wo wir noch nicht von geistigen Tatsachen und geistigen Ereignissen sprechen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es wird heute so oft von der äußeren Wissenschaft betont, daß die eigentliche Bedeutung dieser Wissenschaft darinnen liege, daß sie baue auf das umfassende Ursachengesetz, daß sie überall Wirkungen auf entsprechende Ursachen zu rück führe. Wie dieses Zurückführen von Wirkungen auf Ursachen geschieht, darüber sind sich allerdings die Menschen schon viel weniger klar. Denn Sie werden wohl auch heute noch in Büchern, die da glauben, recht gelehrt zu sein und recht philosophisch die Begriffe klarzulegen, immer noch Aussprüche finden können wie etwa den: Eine Wirkung ist dasjenige, was aus einer Ursache folgt. - Wenn man aber sagt, daß eine Wirkung aus einer Ursache folge, dann redet man an den Tatsachen ganz gewaltig vorbei. Denn wenn wir zum Beispiel den erwärmenden Sonnenstrahl betrachten, der auf eine Metallplatte &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|12}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
auffällt, so daß diese Metallplatte dadurch wärmer geworden ist, dann werden wir von Ursache und Wirkung in der Welt draußen reden. Aber werden wir jemals sagen können, daß die Wirkung - die Erwärmung der Metallplatte - aus der Ursache des warmen Sonnenstrahles folge? Wenn der warme Sonnenstrahl diese Wirkung schon in sich hätte, so würde es die Tatsache nicht geben, da der warme Sonnenstrahl eine Metallplatte gar nicht erwärmt, wenn sie ihm nicht entgegenkommt. Damit in der Welt der Erscheinungen, in der leblosen Welt, die wir zunächst um uns herum haben, eine Wirkung auf eine Ursache folge, ist stets notwendig, daß dieser Ursache etwas entgegenkommt. Und ohne daß etwas der Ursache entgegenkommt, ist niemals von dem Folgen einer Wirkung auf eine Ursache zu sprechen. - Es ist nicht überflüssig, daß wir eine solche scheinbar recht philosophisch und abstrakt klingende Bemerkung vorausschicken; denn man muß sich schon einmal angewöhnen, wenn man fruchtbar vorwärtskommen will auf theosophischem Gebiete, die Begriffe recht genau zu fassen und nicht so nachlässig, wie sie zuweilen in den andern Wissenschaften gefaßt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun aber dürfte niemand von Karma sprechen, wenn bloß in einer solchen Weise eine Wirkung eintreten würde, wie sie vorhanden ist, wenn der wärmende Sonnenstrahl eine Metallplatte erwärmt. Da ist zwar die Kausalität vorhanden, der Zusammenhang von Ursache und Wirkung, aber wir würden niemals zu einem gehörigen Begriff von Karma kommen,wenn wir nur auf diesem Gebiete von Karma sprechen würden. Wir können also nicht von Karma sprechen, wenn bloß eine Wirkung mit einer Ursache in Zusammenhang steht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir können nun weitergehen und uns einen etwas höheren Begriff von dem Zusammenhang zwischen Ursache und Wirkung bilden. Wenn wir zum Beispiel einen Bogen haben, ihn spannen und dann mit diesem Bogen einen Pfeil abschießen, dann ist durch das Spannen des Bogens eine Wirkung eingetreten. Diese Wirkung des abgeschossenen Pfeiles im Zusammenhang mit seiner Ursache werden wir ebensowenig mit dem Ausdruck «Karma» belegen dürfen wie das, was eben gesagt worden ist. Wenn wir aber bei diesem Vorgang etwas anderes betrachten, kommen wir in gewisser Weise schon dem Karma nahe, wenn wir auch &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|13}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dabei noch immer nicht den Karmabegriff fassen: wenn wir nämlich bedenken, daß der Bogen, wenn er recht oft gespannt wird, mit der Zeit schlaff wird. Da wird durch das, was der Bogen tut, was` mit ihm geschieht&amp;gt; nicht bloß eine Wirkung folgen, die sich nach außen hin zeigt, sondern es wird eine Wirkung folgen, die auf den Bogen selber zurück- geht. Es geschieht durch das fortwährende Spannen des Bogens etwas mit dem Bogen selbst. Etwas, das durch das Spannen geschieht, fällt also sozusagen wieder auf den Bogen selbst zurück. Eine Wirkung wird also erzielt, welche auf den Gegenstand zurück fällt, von dem diese Wirkung selbst veranlaßt worden ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das gehört nun schon in den Karmabegriff hinein. Ohne daß eine Wirkung erzeugt wird, die wieder zurückfällt auf das Ding oder die Wesenheit, welche diese Wirkung hervorbringt, ohne diese Eigentümlichkeit des Zurückwirkens der Wirkung auf das verursachende Wesen ist der Karmabegriff nicht zu denken. Da kommen wir also dem Karmabegriff schon insofern etwas näher, als uns klar wird, daß die von einem Ding oder Wesen verursachte Wirkung wieder zurückschlagen muß auf dieses Ding oder Wesen selber. Aber dennoch dürfen wir das Schlaffwerden des Bogens durch das fortwährende Spannen nicht das Karma des Bogens nennen, und zwar aus folgendem Grunde nicht: Wenn wir den Bogen etwa drei bis vier Wochen recht oft gespannt haben, und er ist nach vier Wochen schlaff geworden, dann haben wir in dem schlaffen Bogen eigentlich etwas ganz anderes vor uns, als vor vier Wochen in dem straffen Bogen; der Bogen ist etwas anderes geworden, er ist nicht dasselbe geblieben. Wenn also die zurückschlagende Wirkung so ist, daß sie durchaus etwas anderes aus dem Ding oder Wesen macht, dann dürfen wir doch noch nicht von einem Karma sprechen. Wir dürfen erst von einem Karma sprechen, wenn die Wirkung, die auf das Wesen zurückschlägt, beim Zurückschlagen auf dasselbe Wesen trifft, oder wenn das Wesen wenigstens in einem gewissen Sinne dasselbe geblieben ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So also sind wir dem Karmabegriff wieder um ein Stück nähergekommen. Aber wir bekommen, wenn wir den Karmabegriff so beschreiben wollen, im Grunde genommen von ihm doch nur eine recht ab- strakte Vorstellung. Dennoch werden wir diesen Begriff, wenn wir ihn &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|14}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
abstrakt fassen wollen, kaum genauer fassen können, als wenn wir ihn in der Weise ausdrücken, wie wir es eben jetzt getan haben. Nur das eine müssen wir zum Karmabegriff noch hinzufügen: Wenn die Wirkung, die auf das Wesen zurückschlägt, in demselben Zeitpunkte erfolgt, wenn also Verursachung und zurückschlagende Wirkung in demselben Zeitpunkte stattfinden, dann werden wir kaum von Karma sprechen können. Denn in diesem Falle würde das Wesen, von dem die Wirkung ausgeht, im Grunde genommen die Wirkung unmittelbar hervorbringen wollen, würde also diese Wirkung voraussetzen, würde durchschauen alle Elemente, die zu dieser Wirkung führen. Wenn das&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der Fall ist, sprechen wir doch nicht von Karma. So zum Beispiel werden wir nicht von Karma sprechen, wenn wir einen Menschen vor uns haben, der eine bestimmte Tat vollbringt, mit der er dieses oder jenes beabsichtigt, und wenn dann - gemäß seiner Absicht - diese oder jene Wirkung, die er eben gewollt hat, eintritt. Das heißt, es muß zwischen der Ursache und der Wirkung etwas liegen, was sich dem Wesen bei der Herbeiführung der Ursache unmittelbar entzieht, so daß der Zusammenhang von Ursache und Wirkung zwar vorhanden ist, aber nicht eigentlich von dem Wesen selber beabsichtigt ist. Wenn dieser Zusammenhang von dem Wesen, das verursacht, nicht beabsichtigt ist, dann muß der Grund, warum ein Zusammenhang besteht zwischen Ursache und Wirkung, woanders liegen als in den Absichten des betreffenden Wesens. Das heißt, es muß dieser Grund liegen in einer bestimmten Gesetzmäßigkeit. Das gehört also noch zum Karma dazu, daß der Zusammenhang zwischen Ursache und Wirkung ein gesetzmäßiger ist, der hinübergeht über das, was das Wesen unmittelbar beabsichtigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So hätten wir einige Elemente zusammengetragen, welche uns den Karmabegriff erläutern können. Aber wir müssen alle diese Elemente in dem Karmabegriff darinnen haben und nicht bei einer abstrakten Definition stehenbleiben. Denn sonst werden wir nicht die Offenbarungen des Karma auf den verschiedenen Gebieten der Welt begreifen können. Diese Offenbarungen des Karma werden wir nun zuerst dort aufzusuchen haben, wo uns Karma zunächst entgegentritt: im einzelnen Menschenleben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Können wir im einzelnen Menschenleben so etwas finden und wann&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|15}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
können wir es finden, was wir jetzt eben durch unsere Erläuterung des Karmabegriffes dargestellt haben?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir würden so etwas finden, wenn zum Beispiel ein Erlebnis in unser Leben hineinträte, bei dem wir uns sagen könnten: Dieses Erlebnis, das da für uns auftritt, steht in einem gewissen Zusammenhange mit einem früheren Erlebnis, an dem wir selber beteiligt sind, zu dem wir selber Veranlassung gegeben haben. Versuchen wir einmal - zunächst rein durch Beobachtung des Lebens - festzustellen, ob es so etwas gibt. Wir wollen uns jetzt also rein auf den Standpunkt der äußeren Beobachtung stellen. Wer solche Beobachtungen nicht anstellt, kann auch nie zum Erkennen eines gesetzmäßigen Zusammenhanges im Leben kommen; er kann es ebensowenig, wie derjenige das Gesetz des elastischen Stoßes an zwei Billardkugeln kennenlernen kann, der diesen Stoß nicht beobachten wird. Beobachtung des Lebens kann uns in der Tat zu der Anschauung eines gesetzmäßigen Zusammenhanges führen. Greifen wir dazu gleich einen bestimmten Zusammenhang heraus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sagen wir, ein junger Mensch wäre im achtzehnten Jahre seines Lebens aus dem Berufe, der ihm bis dahin vorgezeichnet zu sein schien, durch irgendein Ereignis herausgewöorfen worden. Nehmen wir an, dieser Mensch hätte bis dahin ein Studium betrieben, hätte sich durch das Studium vorbereitet zu einem Berufe, wie er aus solchem Studium hervorgehen kann, und nun wäre er, zum Beispiel durch einen Unglücksfall seiner Eltern, daraus herausgeworfen worden und mit achtzehn Jahren in den Kaufmannsberuf hineingetrieben worden. Wer solche Fälle unbefangen im Leben beobachtet - mit einem solchen Blick, wie man in der Physik die Erscheinung des Stoßes elastischer Kugeln betrachtet -, der wird dann zum Beispiel finden, daß die Erlebnisse des Kaufmannsberufes, in den der junge Mensch hineingetrieben worden ist, zunächst anregend wirken, daß er darin seine Pflichten ausführt, etwas lernt, vielleicht auch etwas ganz Tüchtiges wird. Aber man kann auch beobachten, daß nach einiger Zeit etwas ganz anderes auch eintritt: ein gewisser Überdruß, eine gewisse Unzufriedenheit. Nicht gleich wird eine solche Unzufriedenheit eintreten. Wenn mit achtzehn Jahren sich der Berufswechsel vollzogen hat, werden vielleicht die nächsten Jahre ruhig vorübergehen. Aber vielleicht um das dreiundzwanzigste &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|16}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jahr herum wird es deutlich werden, daß sich etwas in der Seele festsetzt, was sich wie etwas Unerklärliches zeigt. Wenn man dann weiter nachforscht, kann man häufig bemerken, wenn der Fall klarliegt, daß der Überdruß fünf Jahre nach dem Berufswechsel seine Erklärung findet durch das dreizehnte oder vierzehnte Jahr. Denn die Ursachen für eine solche Erscheinung werden wir sehr häufig zu suchen haben ungefähr eine ebensolche Zeitspanne vor dem Berufswechsel, wie nach demselben ein Ereignis eingetreten ist, wie wir es eben beschrieben haben. Da kann der betreffende Mensch in seinem dreizehnten Jahre während seiner Lernzeit - also fünf Jahre vor seinem Berufswechsel - etwas in seine Gefühlswelt aufgenommen haben, was ihm eine gewisse innere Beseligung gewährte. Nehmen wir an, der Berufswechsel wäre nicht eingetreten; dann würde das, woran sich der junge Mensch im dreizehnten Jahre gewöhnt hatte, im späteren Leben sich ausgelebt und diese oder jene Frucht getragen haben. Nun kam aber der Berufswechsei, der zunächst den jungen Menschen interessiert hat, der seine Seele eingenommen hat. Was dadurch in sein Seelenleben gekommen ist, das hat zurückgedrängt, was früher darinnen war. Eine gewisse Zeit hindurch kann das zurückgedrängt werden, aber indem es zurückgedrängt wird, gewinnt es gerade im Inneren eine besondere Kraft; da sammelt es sozusagen Spannkraft im Inneren an. Da ist es ähnlich, wie wenn wir einen elastischen Ball zusammendrücken: Wir können ihn bis zu einer gewissen Grenze drücken, dann leistet er Widerstand; und wenn er zum Zurückschnellen veranlaßt wird, wird er mit einer um so größeren Kraft zurückschnellen, je mehr wir ihn vorher zusammengedrückt haben. Solche Erlebnisse, wie die eben angedeuteten, die ein junger Mensch aufgenommen hat im dreizehnten Jahre seines Lebens und welche sich dann bis zum Berufswechsel befestigt haben, können auch in gewisser Weise zurückgedrängt werden; dann aber macht sich nach einiger Zeit ein Widerstand in der Seele geltend. Und dann kann man sehen, wie dieser Widerstand stark genug geworden ist, um sich nun in seiner Wirkung zu zeigen. Weil der Seele das fehlt, was sie sonst haben würde, wenn der Berufswechsel nicht gekommen wäre, macht sich das Zurückgedrängte geltend und kommt jetzt so zum Vorschein, daß Unbefriedigung, Überdruß an dem, was die Umgebung bietet, eintritt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|17}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da also haben wir einen Fall, wo der betreffende Mensch etwas er- lebt hat, etwas getan hat in seinem dreizehnten bis vierzehnten Lebens jahre, und wo er später etwas anderes getan hat, nämlich den Berufs wechsel vollzogen hat, und wir sehen, wie diese Ursachen so sich aus- leben, daß sie in ihrer Wirkung später zurückfallen, zurückschlagen auf dasselbe Wesen. In einem solchen Falle würden wir den Karma begriff zunächst auf das Einzelleben des Menschen anwenden müssen. -&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man sollte aber nun nicht dagegen einwenden: Wir haben aber Fälle kennengelernt, wo sich so etwas ganz und gar nicht zeigte! - Das kann sein. Aber es wird auch keinem Physiker einfallen, wenn er die Gesetze des fallenden Steines untersuchen will, der mit dieser oder jener Geschwindigkeit fällt, daß er sich sagen müßte, das Gesetz wäre nicht richtig, wenn der Stein etwa durch einen Schlag aus seiner Richtung geschleudert würde. Man muß lernen, in der richtigen Weise zu beobachten, und diejenigen Erscheinungen ausschließen, welche nicht zur Bildung des Gesetzes gehören. Gewiß würde ein solcher Mensch, der, wenn nichts anderes eintreten würde, mit dreiundzwanzig Jahren die Eindrücke seines dreizehnten Jahres in ihrer Wirkung als Überdruß empfindet, zu diesem Überdruß nicht kommen, wenn er zum Beispiel in der Zwischenzeit geheiratet hätte. Aber da hätten wir es mit etwas zu tun, was für die Feststellung des Grundgesetzes ohne Einfluß ist. Darauf aber kommt es an, daß wir die richtigen Faktoren finden, die uns auf ein Gesetz führen können. Beobachtung an sich ist noch gar nichts; erst geregelte Beobachtung bringt uns zur Erkenntnis des Gesetzes. Nun handelt es sich aber auch darum, solche geregelte Beobachtungen, wenn wir das Gesetz des Karma studieren wollen, in der rechten Weise anzustellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen wir an, um für einen einzelnen Menschen das Karma zu erkennen, jemanden träfe im fünfundzwanzigsten Lebensjahre ein schwerer Schicksalsschlag, der ihm Schmerz und Leid verursacht. Wenn wir nun einfach unsere Beobachtungen so anstellen, daß wir sagen, dieser schwere Schicksalsschlag ist eben in das Leben hereingebrochen und hat es mit Schmerz und Leid erfüllt, wenn wir also bei der bloßen Beobachtung stehenbleiben, werden wir nie zum Erkennen des karmischen Zusammenhanges kommen. Wenn wir aber weiterschreiten und das &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Leben eines solchen Menschen, der im fünfundzwanzigsten Jahre einen derartigen Schicksalsschlag erlebt hat, in seinem fünfzigsten Jahre betrachten, dann werden wir vielleicht zu einer Anschauung kommen, die wir etwa so ausdrücken können: Der Mensch, den wir da betrachten, ist ein Mensch geworden, fleißig und regsam, der tüchtig im Leben da- steht; jetzt schauen wir weiter zurück in sein Leben. Mit zwanzig Jahren - so finden wir dann - war er noch ein Taugenichts und hat überhaupt nichts tun wollen; mit fünfundzwanzig Jahren hat ihn dann der schwere Schicksalsschlag getroffen. Hätte ihn dieser Schlag nicht getroffen - so können wir jetzt sagen -, so wäre er ein Taugenichts geblieben. Also ist der schwere Schicksalsschlag die Ursache dazu gewesen, daß wir im fünfzigsten Jahre einen regsamen und tüchtigen Menschen vor uns haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine solche Tatsache lehrt uns, daß wir fehlgehen, wenn wir den Schicksalsschlag vom fünfundzwanzigsten Jahre als eine bloße Wirkung betrachten. Denn wenn wir fragen: Was hat er verursacht?, können wir nicht bei der bloßen Beobachtung stehenbleiben.Wenn wir aber einen solchen Schlag nicht als Wirkung betrachten und an das Ende der Erscheinungen stellen, die vorausgegangen sind, sondern wenn wir ihn an den Anfang der nachfolgenden Ereignisse stellen und ihn als Ursache betrachten, dann lernen wir erkennen, daß wir allerdings sogar unser Gefühlsurteil, unser Empfindungsurteil ganz wesentlich ändern können gegenüber diesem Schicksalsschlag. Wir werden vielleicht traurig sein, wenn wir ihn bloß als Wirkung betrachten, daß diesen Menschen dieser Schlag getroffen hat. Betrachten wir ihn dagegen als Ursache eines Späteren, dann können wir vielleicht froh sein und Freude darüber empfinden. Denn diesem Schicksalsschlag ist es zu verdanken - so können wir sagen -, daß der Betreffende ein ordentlicher Mensch geworden ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So sehen wir, daß es an unseren Empfindungen etwas Wesentliches ändern kann, je nachdem wir eine Tatsache des Lebens als Wirkung oder als Ursache betrachten. Es ist also nicht gleichgültig, ob wir irgend etwas, was im Leben den Menschen trifft, als bloße Wirkung oder als Ursache betrachten. Freilich, wenn wir in dem Zeitpunkt die Beobachtung anstellen, wo das schmerzliche Ereignis eingetreten ist, können wir &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|19}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
noch nicht die unmittelbare Wirkung wahrnehmen. Wenn wir uns aber das Karmagesetz gebildet haben aus ähnlichen Beobachtungen, dann kann dieses Karmagesetz selber uns sagen: Jetzt ist vielleicht ein Ereignis schmerzlich, weil es uns bloß als Wirkung des Vorhergehenden entgegentritt; aber es kann auch so betrachtet werden, daß es als Ausgangspunkt für ein Folgendes angesehen wird. Dann können wir sagen: Wir ahnen, daß hier der Ausgangspunkt die Ursache ist von Wirkungen, welche die Sache in ein ganz anderes Licht stellen! So kann das Karmagesetz selber der Quell sein einerTröstung. Die Tröstung wäre nicht da, wenn wir uns gewöhnten, ein Ereignis nur an das Ende und nicht an den Anfang einer Erscheinungsreihe zu setzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es kommt also darauf an, daß wir lernen, das Leben geregelt zu beobachten und in entsprechender Weise die Dinge als Wirkung und Ursache zueinander zu stellen. Wenn wir solche Beobachtungen wirklich durchgreifend anstellen, werden uns im einzelnen Menschenleben Ergebnisse zutage treten, die mit einer gewissen Regelmäßigkeit für das einzelne Menschenleben ablaufen, und andere Ergebnisse werden zutage treten, die uns unregelmäßig in diesem Leben erscheinen. So kann der, welcher das Menschenleben beobachtet - und zwar nicht nur so weit, als gerade die Nase reicht -, merkwürdige Zusammenhänge in diesem Menschenleben finden. Nur werden die Erscheinungen des menschlichen Lebens leider heute nur über kurze Zeitspannen, kaum über einige Jahre, beobachtet; und was nach einer größeren Anzahl von Jahren eintritt&amp;gt; das ist man nicht gewohnt, mit dem in Zusammenhang zu bringen, was etwa früher als Ursache vorhanden sein konnte. Daher werden nur wenige Menschen sich heute finden, die Anfang und Ende des Menschenlebens in einen gewissen Zusammenhang bringen. Dennoch ist dieser Zusammenhang außerordentlich lehrreich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen wir an, wir haben ein Kind in den ersten sieben Jahren seines Lebens so erzogen, daß also wir nicht das getan haben, was gewöhnlich geschieht,daß wir nicht von dem Glauben ausgegangen sind: Wenn einer ein ordentlicher Mensch im Leben werden soll, muß er so und so sein, muß unseren Anschauungen von einem ordentlichen Menschen unbedingt entsprechen. Denn in einem solchen Falle würden wir dem Kinde möglichst genau das alles eintrichtern wollen, was es eben in &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|20}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
unserem Sinne zu einem ordentlichen Menschen machen sollte. Wenn wir aber von der Erkenntnis ausgehen, daß man ein ordentlicher Mensch auf vielerlei Arten sein kann und daß man noch gar keine Vorstellung zu haben braucht, auf welche Art der, der als Kind erst heranwächst, ein ordentlicher Mensch werden soll nach seiner individuellen Anlage, dann werden wir sagen: Was ich auch immer für Begriffe von einem ordentlichen Menschen habe, der Mensch, der aus diesem Kinde entstehen soll, muß dadurch entstehen, daß die besten Anlagen aus ihm herausgeholt werden - was ich vielleicht erst als Rätsel lösen muß! Und man wird sich daher sagen: Was kommt es darauf an, daß ich diesen oder jenen Geboten und dergleichen verpflichtet bin? Das Kind selbst muß ein Bedürfnis fühlen, dieses oder jenes zu tun! Wenn ich das Kind nach seinen individuellen Anlagen entwickeln will, werde ich versuchen, diejenigen Bedürfnisse, die in ihm veranlagt sind, zu entwickeln, herauszuholen, so (iaß vor allen Dingen ein Bedürfnis nach den Handlungen eintritt, das Kind also die Handlungen aus eigenem Bedürfnis tut. - Wir sehen daraus, daß es zwei ganz verschiedene Methoden gibt, auf ein Kind in den ersten sieben Jahren seines Lebens zu wirken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir nun das weitere Leben des Kindes beobachten, wird sich uns lange Zeit nicht zeigen, was die ausgesprochenste Wirkung dessen sein wird, was wir in den ersten Jahren auf diese Weise in das Kind hineingebracht haben. In der Lebensbeobachtung ergibt sich nämlich, daß die eigentlichen Wirkungen dessen, was als Ursachen in die kindliche Seele hineingelegt worden ist, am allerspätesten erst eintreten, das heißt am Lebensabend. Der Mensch kann einen in sich regen Geist bis an sein Lebensende dadurch haben, daß wir ihn als Kind in der Weise erzogen haben, wie es jetzt eben beschrieben worden ist: daß wir auf sein Seelenleben, auf alles, was lebendig in ihm sitzt, Rücksicht genommen haben. Wenn wir das herausgeholt und zur Entwickelung gebracht haben, was an inneren Kräften in ihm vorhanden ist, dann werden wir die Früchte am Lebensabend herauskommen sehen in Gestalt eines reichen Seelenlebens. Dagegen in einer verdorrten und verarmten Seele und demgemäß auch - weil, wie wir später sehen werden, eine verdorrte Seele auch auf den Leib wirkt - in den leiblichen Gebresten &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|21}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
des Alters tritt das auf, was wir in der frühesten Kindheit an dem Menschen Unrichtiges getan haben. Da sehen wir etwas, was sich in gewisser Weise regulär, so daß es für jeden Menschen gültig ist, im Menschenleben als Zusammenhang von Ursache und Wirkung darstellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So könnten wir auch für die mittleren Lebensabschnitte solche Zusammenhänge finden, und wir werden darauf noch aufmerksam machen. - Wie wir einen Menschen vom siebenten bis vierzehnten Jahre behandeln, das tritt in seinen Wirkungen wieder im vorletzten Lebensabschnitt hervor. So sehen wir Ursache und Wirkung zyklisch, wie im Kreise, sich abspielen. Was an Ursachen am frühesten vorhanden war, das tritt als Wirkung am spätesten auf. Aber nicht nur solche Wir kungen und Ursachen sind im einzelnen Menschenleben vorhanden, sondern es geht neben dem zyklischen Verlauf ein geradliniger einher.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An unserem Beispiel, wie das dreizehnte Jahr in das dreiundzwan zigste hineinspielen kann, haben wir gesehen, wie Ursache und Wirkung Im Menschenleben so zusammenhängen, daß dasjenige, was der Mensch in sich erlebt hat, Wirkungen nach sich zieht, die dann wieder auf dasselbe Menschenwesen zurückschlagen. So erfüllt sich Karma im einzelnen Menschenleben. Wir werden aber zu einer Erklärung des Menschenlebens nicht kommen, wenn wir Zusammenhänge zwischen Ursache und Wirkung nur in diesem einzelnen Menschenleben suchen. Wie der Gedanke, der jetzt angeschlagen ist, weiter zu begründen und auszuführen ist, darüber werden wir in den nächsten Stunden sprechen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt soll nur auf etwas hingedeutet werden, das ja bereits bekannt ist: daß die Geisteswissenschaft zeigt, wie dieses Menschenleben zwischen Geburt und Tod die Wiederholung ist früherer Menschenleben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir nun das Charakteristische aufsuchen für das Leben zwischen Geburt und Tod, so können wir als solches bezeichnen die Aus dehnung eines und desselben Bewußtseins - im wesentlichen wenigstens - für die ganze Zeit zwischen Geburt und Tod. Wenn Sie sich zurückerinnern an Ihre früheren Lebensabschnitte, so werden Sie sagen: Es gibt einen Zeitpunkt, der nicht mit meiner Geburt zusammenfällt, sondern etwas später liegt, wo meine Lebenserinnerungen beginnen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das werden alle Menschen sagen, die nicht zu den Eingeweihten gehören; und sie werden dann davon sprechen, daß ihr Bewußtsein soweit &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|22}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nur reicht. Im Grunde genommen haben wir es in dem Zeitraum von der Geburt bis zum Tod in bezug auf den Beginn dieser Lebenserinnerungen mit etwas sehr Eigentümlichem zu tun, und wir werden auch darauf noch zurückkommen; das wird uns in bedeutsame Dinge hinein- leuchten. Wenn wir das aber nicht berücksichtigen, können wir sagen: Charakteristisch für das Leben zwischen Geburt und Tod ist es, daß ein Bewußtsein sich ausdehnt für diese Zeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn nun auch der Mensch im gewöhnlichen Leben, wenn ihn im späteren Lebensalter etwas trifft, die Ursachen dazu in früheren Lebensabschnitten nicht aufsucht, so könnte er es aber dennoch, wenn er nur auf alles aufmerksam genug wäre und alles erforschen würde. Er könnte es mit dem Bewußtsein, das ihm als Erinnerungsbewußtsein zur Verfügung steht. Und wenn er durch die Erinnerung versuchte, sich den Zusammenhang zwischen Früherem und Späterem im karmischen Sinne vor die Seele zu stellen, so würde er zu folgendem Ergebnis kommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er würde zum Beispiel sagen: Ich sehe, daß gewisse Ereignisse, die bei mir eingetreten sind, nicht gekommen wären, wenn nicht das oder jenes in einem früheren Lebensabschnitt eingetreten wäre. - Er würde vielleicht sagen: Für das, was meine Erziehung an mir getan hat, muß ich jetzt büßen. - Aber wenn er auch nur den Zusammenhang einsieht zwischen dem, was nicht er gesündigt hat, sondern was an ihm gesündigt worden ist, und späteren Ereignissen, dann wird ihm schon das eine Hilfe sein. Er wird leichter Mittel und Wege finden, um Schäden, die an ihm begangen worden sind&amp;gt; auszugleichen. Die Erkenntnis eines solchen Zusammenhanges zwischen Ursachen und Wirkungen in unseren einzelnen Lebensabschnitten, die wir durch unser gewöhnliches Bewußtsein überschauen können, kann uns schon im höchsten Grade förderlich sein im Leben. Ja, wenn wir uns diese Erkenntnis erwerben, können wir vielleicht noch etwas anderes tun. - Wenn allerdings ein Mensch achtzig Jahre alt geworden ist und dann zurückschaut auf das, was man als Ursachen zu Ereignissen im achtzigsten Jahre in frühester Kindheit zu suchen hat, so wird es für ihn vielleicht recht schwierig sein, Gegenmittel zu finden, um auszugleichen, was an ihm getan worden ist, und wenn er sich dann belehren läßt, so wird das nicht mehr allzuviel helfen. Wenn er sich aber vorher belehren läßt und hinblickt &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
auf die Sünden, die an ihm begangen sind, und, sagen wir, schon im vierzigsten Jahre dagegen Vorsorge trifft, dann hat er vielleicht doch noch Zeit, um gewisse Gegenmittel zu ergreifen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir sehen also, daß wir uns nicht allein für das unmittelbar Nächst- liegende des Lebenskarma belehren lassen sollen, sondern über Karma und den gesetzmäßigen Zusammenhang, den Karma bedeutet, überhaupt. Das kann uns förderlich sein für unser Leben. - Was tut denn aber ein Mensch, der im vierzigsten Jahre etwas unternimmt, damit die Schäden gewisser Sünden nicht eintreten, die zum Beispiel im zwölften Jahre an ihm begangen worden sind, oder die er selbst begangen hat? Er wird versuchen, was er gesündigt hat oder was an ihm getan worden ist, auszugleichen und alles zu tun, was der Wirkung, die eintreten müßte, vorbeugt. Er wird in gewisser Weise sogar die notwendige Wirkung, die ohne sein Zutun eintreten würde, durch eine andere ersetzen. Die Erkenntnis dessen, was es im zwölften Jahre gegeben hat, wird ihn selbst zu einer bestimmten Handlung im vierzigsten Jahre führen. Diese Handlung hätte er nicht getan, wenn er nicht erkannt hätte, daß es dieses oder jenes im zwölften Jahre gegeben hat. Was hat der Mensch also durch sein Zurückblicken auf sein früheres Leben getan? Er hat selber durch sein Bewußtsein folgen lassen auf eine Ursache eine bestimmte Wirkung. Er hat gewollt die Wirkung, welche er jetzt herbeigeführt hat. - Das zeigt uns, wie in die Linie der karmischen Folgen unser Wille eingreifen und etwas schaffen kann, was an Stelle von sonst eingetretenen karmischen Wirkungen steht. Nehmen wir einen solchen Zusammenhang, wo unser Bewußtsein ganz bewußt eine Verbindung zwischen Ursache und Wirkung im Lebenslauf herbeiführt, so werden wir uns sagen: Bei einem solchen Menschen ist Karma oder karmische Gesetzmäßigkeit ins Bewußtsein hineingetreten, er hat selbst in gewisser Weise die karmischeWirkung herbeigeführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen wir nun aber einmal an, wir legen einer ähnlichen Betrach tung dasjenige zugrunde, was wir über die wiederholten Erdenläufe eines Menschen wissen. Das Bewußtsein, von dem wir eben gesprochen haben, das sich ausdehnt mit der angedeuteten Ausnahme auf unser Leben zwischen Geburt und Tod, das entsteht dadurch, daß sich der Mensch des Instrumentes seines Gehirns bedienen kann. Wenn der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|24}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mensch durch die Pforte des Todes schreitet, tritt ein andersgeartetes Bewußtsein auf, das unabhängig ist vom Gehirn und an wesentlich andere Bedingungen gebunden ist. Und wir wissen, daß für dieses Bewußtsein, das bis zur neuen Geburt dauert, eine Art Rückblick auftritt über alles, was der Mensch in dem Leben zwischen Geburt und Tod vollbracht hat. Im Leben zwischen Geburt und Tod muß sich der Mensch erst die Absicht bilden, zurückzublicken auf irgendwelche Sünden, die an ihm begangen worden sind, wenn er die Wirkung dieser Sünden wirklich karmisch in sein Leben einführen soll. Nach dem Tode schaut der Mensch im Zurückblicken auf sein Leben auf dasjenige, was er an Sünden oder überhaupt an Handlungen vollbracht hat. Da schaut er auch zugleich das&amp;gt; was diese Handlungen an seiner Seele oder aus seiner Seele gemacht haben. Da sieht der Mensch, wie er dadurch, daß er eine bestimmte Handlung getan hat, in seinem Werte gesunken oder gestiegen ist. Haben wir einem andern zum Beispiel irgendein Leid zugefügt, so ist unser Wert dadurch gesunken; wir sind sozusagen weniger wert geworden, sind unvollkommener geworden, indem wir dem andern das Leid zugefügt haben. Wenn wir nun nach dem Tode zurückblicken, sehen wir auf zahlreiche solche Fälle zurück, bei denen w1r uns sagen: Wir sind dadurch unvollkommener geworden. Daraus aber folgt für das Bewußtsein nach dem Tode, daß in ihm die Kraft und der Wille entstehen, wenn es wieder Gelegenheit dazu hat, alles zu tun, um jenen Wert wieder zu erringen, welchen es verloren hat, das heißt der Wille, alles Leid auszugleichen&amp;gt; das es zugefügt hat. Der Mensch nimmt also zwischen Tod und neuer Geburt die Tendenz, die Absicht auf, was er Schlechtes getan hat, wieder auszugleichen, damit er überhaupt den Standpunkt der Vollkommenheit wieder erringen kann, den er als Mensch haben soll und der verhindert worden ist durch die entsprechende Tat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun tritt der Mensch wieder ins Dasein. Sein Bewußtsein wird wieder ein anderes; er erinnert sich nicht zurück an die Zeit zwischen Tod und neuer Geburt und auch nicht daran, wie er die Absicht gefaßt hat, etwas auszugleichen. Aber diese Absicht sitzt in ihm. Und wenn er auch nicht weiß: Du mußt dies oder das tun, um das oder jenes auszugleichen! -, so wird er doch durch die Kraft, die in ihm sitzt, zu irgendeiner&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|25}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Handlung hingetrieben, die ein Ausgleich ist. Und jetzt können wir uns eine Vorstellung machen, was vor sich geht, wenn einen Menschen zum Beispiel im zwanzigsten Jahre etwas sehr Schmerzliches trifft. Mit seinem Bewußtsein, das er hat zwischen Geburt und Tod, wird er niedergedrückt sein durch seinen Schmerz. Würde er sich aber daran erinnern, was er in dem Leben zwischen Tod und neuer Geburt an Absichten aufgenommen hat, dann würde er auch die Kraft spüren, die ihn hingetrieben hat an die Stelle, wo er diesen Schmerz hat erleiden können, weil er gefühlt hat, daß er den Grad von Vollkommenheit, den er sich verscherzt hat und den er wiedererringen soll, nur dadurch wieder erreichen kann, daß er diesen Schmerz durchmacht. Wenn also auch das gewöhnliche Bewußtsein sagt: Der Schmerz ist da; du leidest darunter! - und nur den Schmerz in der Wirkung betrachtet, so könnte doch für das Bewußtsein, welches auch die Zeit zwischen Tod und neuer Geburt überblickt, gerade das Aufsuchen des Schmerzes oder irgendeines Unglückes in der Absicht liegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das stellt sich uns tatsächlich dar, wenn wir von einem höheren Gesichtspunkt aus das Menschenleben betrachten. Da können wir sehen, daß im Menschenleben Schicksalsfälle eintreten, die sich nicht darstellen als Wirkungen von Ursachen des einzelnen Lebenslaufes, sondern die aus einem andern Bewußtsein heraus verursacht sind, nämlich aus einem solchen Bewußtsein, das jenseits der Geburt liegt und das unser Leben fortsetzt in frühere Zeiten, als diejenigen sind, die erst seit unserer Geburt abgelaufen sind. Wenn wir diesen Gedanken genau fassen, werden wir sagen: Wir haben zunächst ein Bewußtsein, das sich aus- dehnt über die Zeit zwischen Geburt und Tod und welches wir das Bewußtsein der Einzelpersönlichkeit nennen wollen, und wir wollen als Einzelpersönlichkeit dasjenige bezeichnen, was zwischen Geburt und Tod verläuft. Sodann sehen wir, wie ein Bewußtsein wirken kann über Geburt und Tod hinaus, von dem der Mensch in seinem gewöhnlichen Bewußtsein nichts weiß, das aber gerade so wirken kann wie dieses gewöhnliche Bewußtsein. Wir haben deshalb zunächst geschildert, wie jemand selbst sein Karma übernimmt und im vierzigsten Jahre zum Beispiel etwas ausgleicht, damit ihn die Ursachen vom zwölftenJahre nicht treffen. Da nimmt er Karma in sein Einzelpersön&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|26}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
lichkeitsbewußtsein hinein. Wenn dagegen der Mensch irgendwohin getrieben wird, wo er einen Schmerz erleiden kann, um etwas auszugleichen, um ein besserer Mensch zu werden, so kommt das auch aus dem Menschen; nur kommt es nicht aus dem Einzelpersönlichkeitsbewußtsein, sondern aus einem umfassenderen Bewußtsein, das mitumfaßt die Zeit zwischen Tod und neuer Geburt. Dasjenige Wesen im Menschen, welches von diesem Bewußtsein umfaßt wird, wollen wir die «Individualität» des Menschen nennen; und dieses Bewußtsein, das also fortwährend unterbrochen wird durch das Persönlichkeitsbewußtsein, wollen wir das «individuelle Bewußtsein» nennen, im Gegensatz zum Einzelpersönlichkeitsbewußtsein. So sehen wir Karma wirksam in bezug auf die Individualität des Menschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun würden wir das menschliche Leben aber trotzdem nicht verstehen, wenn wir nur die Reihe der Erscheinungen verfolgen würden, wie wir es bis jetzt getan haben, indem wir nur dasjenige ins Auge faßten, was im Menschen um des Menschen selber willen an Ursachen liegt und an Wirkungen aufgesucht wird. Wir brauchen uns nur einen einfachen Fall vor die Seele zu führen, der nur so dargestellt werden soll, daß er anschaulicher wirkt, und wir werden gleich sehen, daß wir das menschliche Leben nicht verstehen, wenn wir nur dasjenige in Betracht ziehen, was wir jetzt eben gesagt haben. - Nehmen wir einen Erfinder oder Entdecker, zum Beispiel Kolumbus oder den Entdecker der Dampfmaschine oder irgendeinen andern. In der Entdeckung liegt eine bestimmte Handlung, eine bestimmte Tat. Wenn wir diese Tat ins Auge fassen, so wie sie der Mensch getan hat, und dann die Ursache suchen, warum sie der Mensch getan hat, dann werden wir immer solche Ursachen finden, welche in der Richtung liegen, wie wir sie jetzt an- gegeben haben. Warum Kolumbus zum Beispiel nach Amerika fuhr, warum er gerade in einem bestimmten Zeitpunkt diese Absicht faßte, dazu werden wir die Ursachen finden in seinem individuellen und persönlichen Karma. Aber wir werden uns jetzt fragen können: Wird diese Ursache nur im persönlichen und individuellen Karma gesucht werden müssen? Und wird die Tat als Wirkung nur betrachtet werden müssen für die Individualität, die in Kolumbus wirksam war? - Daß Kolumbus Amerika entdeckt hat, hat eine bestimmte Wirkung für ihn gehabt. Er &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|27}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ist dadurch gestiegen, ist vollkommener geworden. Das wird sich zeigen in der Fortentwickelung seiner Individualität im folgenden Leben. Aber welche Wirkungen hat diese Tat noch für andere Menschen gehabt? Müßte sie nicht auch als Ursache betrachtet werden, die in unzählige Menschenleben eingegriffen hat?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist aber noch eine ziemlich abstrakte Betrachtung einer solchen Sache, die wir viel tiefer erfassen können, wenn wir das Menschenleben über große Zeitspannen hin betrachten. Nehmen wir an, wir betrachten das Menschenleben,wie es sich abgespielt hat im ägyptisch-chaldäischen Zeitalter, das dem griechisch-lateinischen vorangegangen ist. Wenn wir dieses Zeitalter prüfen in bezug auf das, was es den Menschen gegeben hat und was die Menschen damals erfahren haben, dann zeigt sich uns etwas höchst Eigentümliches. Wenn wir diese Epoche vergleichen mit unserer eigenen, dann werden wir erkennen, daß dasjenige, was in unserem eigenen Zeitalter geschieht, zusammenhängt mit dem, was in der ägyptisch-chaldäischen Kulturperiode vor sich gegangen ist. Das griechisch-lateinische Zeitalter steht zwischen beiden darinnen. In unserer Zeit würden gewisse Dinge nicht geschehen, wenn nicht gewisse Dinge in der ägyptisch-chaldäischen Kultur geschehen wären. Wenn die gegenwärtige Naturwissenschaft dieses oder jenes an Ergebnissen zustande gebracht hat, so rührt das allerdings auch von Kräften her, welche sich aus der Menschenseele entwickelt und entfaltet haben. Aber die Menschenseelen, die in unserer Zeit gewirkt haben, waren auch verkörpert im ägyptisch-chaldäischen Zeitalter und haben dort gewisse Erlebnisse aufgenommen, ohne welche sie das nicht verrichten könnten, was sie heute verrichten. Hätten nicht die Schüler der altägyptischen Tempelpriester die ägyptische Astrologie über die Zusammenhänge des Himmels aufgenommen, so hätten sie nicht auf ihre Art später ein- dringen können in die Weltengeheimnisse, und es wären in gewissen Seelen unserer Zeit nicht die Kräfte gewesen, welche die Menschheit jetzt in unserer Zeit hin ausgeführt haben in die Himmelsräume. Wie kam zum Beispiel Kepler zu seinen Entdeckungen?` Er kam dazu, weil eine Seele in ihm lebte, die im ägyptisch-chaldäischen Zeitraum die Kräfte zu jenen Entdeckungen aufgenommen hatte, welche sie im fünften Zeitraum dann machen konnte. Es erfüllt uns mit einer gewissen &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|28}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
inneren Befriedigung, wenn in einzelnen Geistern gleichsam Erinnerungen auftauchen in der Art, daß die Keime zu dem, was sie jetzt tun, in der Vergangenheit gelegt worden sind. Einer der Geister, der Wichtiges geleistet hat in bezug auf die Erforschung der Himmelsgesetze, Kepler, sagt von sich selbst:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
«J~t,ich bin es, ich habe die goldenen Gefäße der Ägypter geraubt, um mt:..,jnem Gott aus ihnen ein Heiligtum zu errichten, fern von den Grenze.n Ägyptens. Wenn ihr mir vergebt, werde ich mich freuen, wenn ihr zürnt, werde ich es tragen; - hier werf ich den Würfel und schreibe dies Buch für den heutigen wie den dereinstigen Leser - was liegt daran? Und wen es auf seinen Leser hundert Jahre warten muß: Gott selbst hat sechs Jahrtausende dessen geharrt, der sein Werk erkennend er- blickt. »&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist eine sporadisch auftauchende Erinnerung des Kepler an das, was er als Keim aufgenommen hat zu dem, was er in seinem persönlichen Dasein als Kepler vollbringen konnte. So könnten Hunderte von ähnlichen Beispielen angeführt werden. - Da sehen wir aber noch etwas anderes als bloß die Tatsache, daß bei Kepler etwas auftaucht, was die Wirkung ist von Erlebnissen eines früheren Erdenlebens. Wir sehen etwas auftauchen, was als die gesetzmäßige Wirkung erscheint für die ganze Menschheit von etwas, was wiederum bedeutsam war für die Menschheit in einer früheren Zeit. Wir sehen, wie der Mensch hin- gestellt wird an einen Ort, um für die ganze Menschheit etwas zu leisten. Wir sehen, daß nicht nur im individuellen Menschenleben, sondern daß in der ganzen Menschheit Zusammenhänge bestehen zwischen Ursachen und Wirkungen, die sich über weite Zeiträume hin erstrecken. Und wir können daraus entnehmen, daß sich das individuelle Karmagesetz kreuzen wird mit den Gesetzen, welche wir nennen können die karmischen Menschheitsgesetze. Manchmal ist dieses Kreuzen allerdings wenig durchsichtig. Denken Sie, was wäre aus unserer Astronomie geworden, wenn einstmals nicht das Fernrohr erfunden worden wäre, das in einer bestimmten Zeit erfunden worden ist. Verfolgen Sie unsere Astronomie zurück, und Sie werden sehen, daß unendlich vieles an der Erfindung des Fernrohres hängt. Nun ist es ja bekannt, daß das Fernrohr dadurch erfunden worden ist, daß in einer optischen Werkstatt einmal Kinder &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|29}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
mit Linsen gespielt haben, wobei sie durch einen «Zufall», so könnte man sagen, optische Linsen so zusammengestellt haben, daß hernach jemand darauf gekommen ist: Dadurch könnte sich so etwas ergeben wIe ein Fernrohr. - Denken Sie, wie tief Sie suchen müssen, um zu dem individuellen Karma der Kinder und dem Karma der Menschheit zu kommen, daß in einem bestimmten Zeitpunkt das Fernrohr erfunden worden ist! Versuchen Sie das zusammenzudenken, und Sie werden sehen, wie in merkwürdiger Art das Karma einzelner Individualitäten und das Karma der ganzen Menschheit sich kreuzen und ineinanderweben! Da werden Sie sich sagen: Man müßte sich die ganze Menschheitsentwickelung anders denken, wenn nicht zu einer bestimmten Zeit dies oder jenes eingetreten ware.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Frage ist gewöhnlich ganz müßig: Was wäre mit dem Römischen Reiche geworden, wenn nicht die Griechen in einer bestimmten Zeit den persischen Angriff in den Perserkriegen zurückgeschlagen hätten? - Aber nicht müßig ist die Frage: Wodurch ist es gekommen, daß die Perserkriege gerade in dieser Weise verlaufen sind? - Wer dieser Frage nachgeht und eine Antwort sucht, der wird sehen, daß im Orient ganz bestimmte Errungenschaften nur dadurch zustande kamen, daß gewisse despotische Herrscher da waren, die nur für ihre Person etwas wollten und sich zu diesem Zwecke verbanden mit den Opferpriestern und so weiter. Die ganzen damaligen Staatseinrichtungen waren notwendig, damit im Orient etwas geschaffen werden konnte, aber diese Einrichtungen haben es mit sich gebracht&amp;gt; daß auch alle die Schäden eintraten, die dann eingetreten sind. Und damit hängt es zusammen, daß ein andersgeaitetes Volk - die Griechen - im entsprechenden Moment den morgenländischen Angriff zurückschlagen konnte. Wenn wir das bedenken, werden wir fragen: Wie steht es mit dem Karma der Persönlichkeiten, die in Griechenland gewirkt haben, um den persischen An- griff zurückzuschlagen? - Da werden wir manches Persönliche finden im Karma der betreffenden Menschen; aber wir werden auch finden, daß das persönliche Karma mit dem Volks- und Menschheitskarma verknüpft ist, so daß es berechtigt ist zu sagen: Das ganze Menschheitskarma hat gerade diese bestimmten Persönlichkeiten an diesen Ort in diese Zeit gestellt! - Wir sehen da hineinspielen Menschheitskarma in &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|30}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
das Einzelkarma. Und wir werden uns weiter fragen müssen, wie diese Dinge zusammenspielen. Aber wir können noch weitergehen und einen andern Zusammenhang betrachten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir können zurückblicken im Sinne der Geisteswissenschaft auf eine Zeit unserer Erdenentwickelung, in der es auf unserer Erde noch kein Mineralreich gegeben hat. Unserer Erdenentwickelung gingen voran die Saturn-, die Sonnen- und die Mondentwickelung, wo es noch kein mineralisches Reich in unserem Sinne gegeben hat. Erst auf der Erde sind unsere heutigen Mineralien in ihren heutigen Formen entstanden. Dadurch aber, daß sich das Mineralreich ausgeschieden hat im Verlaufe der Erdentwickelung, ist es als ein besonderes Reich für alle Folgezeit da. Vorher haben sich Menschen, Tiere und Pflanzen so entwickelt, daß kein ihnen zugrunde liegendes Mineralreich vorhanden war. Damit die andern Reiche einen späteren Fortschritt erreichen konnten, mußten sie das Mineralreich ausscheiden. Aber nachdem sie es ausgeschieden haben, können sie sich nur so entwickeln, wie sie sich entwickeln auf einem Planeten, der eine feste mineralische Grundlage hat. Und nie wird etwas anderes entstehen als das, was unter der Voraussetzung geschah, daß die Bildung eines Mineralreiches zustande kam. Das Mineral reich ist da, und alle späteren Schicksale der andern Reiche hängen ab von der Entstehung des Mineralreiches, das sich einmal in unserem Erdendasein in einer urfernen Vergangenheit gebildet hat. - So ist mit der Tatsache der Entstehung des Mineral reiches etwas geschehen, womit alle spätere Erdentwickelung zu rechnen hat. Es wird sich an allen andern Wesen erfüllen, was aus der Entstehung des Mineralreiches folgt. Da haben wir wieder in späteren Zeitaltern die karmische Erfüllung für etwas, was früher geschehen ist. Auf der Erde erfüllt sich, was sich auf der Erde vorbereitet hat. Es ist ein Zusammenhang von dem,was früher, und dem, was später geschehen ist, aber auch ein solcher Zusammenhang, der in der Wirkung zurückschlägt auf das verursachende Wesen. Menschen, Tiere und Pflanzen haben das Mineralreich ausgeschieden, und das Mineral reich schlägt wieder auf sie zurück. Da sehen wir, daß es möglich ist, von einem Karma der Erde zu sprechen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und endlich können wir etwas hervorheben, wozu sich die Grund-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|31}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
lagen in den allgemeinen Ausführungen der «Geheimwissenschaft im Umriß» finden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir wissen, daß gewisse Wesenheiten zurückgeblieben sind auf der Stufe der alten Mondentwickelung, und daß diese Wesen zurückgeblieben sind, um dem Menschen der Erde ganz bestimmte Eigenschaften beizubringen. Aber nicht nur Wesenheiten sind zurückgeblieben von der alten Mondenzeit der Erde, sondern auch Substantialitäten. Auf der Mondenstufe sind Wesen stehengeblieben, die als luziferische Wesenheiten in unser Erdendasein hineinwirken. Durch diese Tatsache des Stehenbleibens und des Hereinwirkens in unser Erdendasein vollziehen sich im Erdendasein Wirkungen, zu denen die Ursachen schon im Mondendasein gelegt worden sind. Aber auch substantiell vollzieht sich so etwas. - Wenn wir heute unser Sonnensystem ansehen, finden wir es zusammengesetzt aus Weltenkörpern, die regelmäßig wiederkehrende und eine gewisse innere Geschlossenheit zeigende Bewegungen ausführen. Aber andere Weltenkörper finden wir, die sich zwar auch mit einem gewissen Rhythmus bewegen, die aber sozusagen die gewöhnlichen Gesetze des Sonnensystems durchbrechen, nämlich die Kometen. Nun ist die Substanz eines Kometen nicht eine solche mit Gesetzen, wie sie in unserem gewöhnlichen, regulären Sonnensystem bestehen, sondern mit Gesetzen, wie sie im alten Mondendasein existiert haben. In der Tat hat sich im kometarischen Dasein erhalten die Gesetzmäßigkeit des alten Mondendaseins. Ich habe schon öfter erwähnt, daß die Geistes- wissenschaft diese Gesetzmäßigkeit nachgewiesen hat, bevor eine Bestätigung von seiten der Naturwissenschaft eingetreten ist. Im Jahre 1906 habe ich in Paris auf die Tatsache aufmerksam gemacht, daß während des alten Mondendaseins gewisse Verbindungen von Kohlenstoff und Stickstoff eine ähnliche Rolle spielten wie heute auf der Erde Verbindungen von Sauerstoff und Kohlenstoff, also Kohlensäure, Kohlendioxyd und so weiter. Diese letzteren Verbindungen haben etwas Ertötendes. Eine ähnliche Rolle haben Zyanverbindungen, blausäureartige Verbindungen während des alten Mondendaseins gespielt. Auf diese Tatsache wurde hingewiesen von der Geisteswissenschaft 1906. Auch in andern Vorträgen wurde darauf hingewiesen, daß das kometarische Dasein die Gesetze des alten Mondendaseins hineinführt &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|32}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
in unser Sonnensystem, so daß also nicht nur zurückgeblieben sind die luziferischen Wesen, sondern auch die Gesetzmäßigkeit der alten Mondensubstanz, die in unregelmäßiger Weise hineinwirkt in unser Sonnensystem. Und es wurde immer gesagt, das kometarische Dasein müsse heute noch etwas enthalten wie Zyanverbindungen in der Kometenatmosphäre. Erst viel später, als das durch die Geisteswissenschaft verkündet worden ist, in diesem Jahre erst, ist durch die Spektralanalyse das Blausäurespektrum im Kometendasein gefunden worden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier haben Sie einen der Beweise dafür, wenn gesagt wird: Zeigt uns einmal, wie man wirklich mit der Geisteswissenschaft etwas finden kann! - Solche Dinge gibt es mehr; sie sollten nur beobachtet werden. So wirkt also etwas hinein von unserem alten Mondendasein in das jetzige Erdendasein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun fragen wir uns: Darf behauptet werden, daß äußeren sinnlichen Erscheinungen zugrunde liegt ein Geistiges?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den, der sich zur Geisteswissenschaft bekennt, ist es klar, daß hinter allem sinnlich Wirklichen auch ein Geistiges liegt. Wenn substantiell etwas vom alten Mondendasein hineinwirkt in unser Erden- dasein, wenn der Komet unser Erdendasein bestrahlt,,so wirkt dahinter auch etwas Geistiges. Und wir könnten sogar angeben, welches Geistige sich zum Beispiel anzeigt durch den Halleyschen Kometen. Der Halleysche Komet ist der äußere Ausdruck - jedesmal, wenn er in die Sphäre unseres Erdendaseins hineinkommt - zu einem neuen Impuls zum Materialismus. Das mag der heutigen Welt abergläubisch erscheinen. Aber die Menschen sollten sich dann nur darauf besinnen, wie sie selbst geistige Wirkungen von Konstellationen der Sterne herleiten. Oder wer würde nicht sagen, daß der Eskimo deshalb ein andersgeartetes Menschenwesen ist als zum Beispiel der Hindu, weil in der Polargegend die Sonnenstrahlen unter einem andern Winkel einfallen? Überall führen auch die Naturwissenschafter auf Sternkonstellationen geistige Wirkungen in der Menschheit zurück. - Also ein geistiger Impuls zum Materialismus erfolgt parallel dem Halleyschen Kometen. Dieser Impuls kann nachgewiesen werden: Auf das Erscheinen des Halleyschen Kometen vom Jahre 1835 folgte jene materialistische Zeitströmung, die man bezeichnen kann als den Materialismus der zweiten Hälfte des &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|33}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
vorIgen Jahrhunderts; auf die Erscheinung vorher folgte die materialistische Aufhlärerei der französischen Enzyklopädisten. Das ist der Zusammenhang.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit gewisse Dinge eintreten im Erdensein, mußten die Ursachen dazu früher, außerhalb des Erdendaseins gelegt werden. Und hier haben wir es sogar mit einem Weltenkarma zu tun. Denn warum ist auf dem alten Monde Geistiges und Substantielles ausgeschaltet worden? Damit gewisse Wirkungen wieder zurückstrahlen können auf die jenigen Wesenheiten, welche dieses ausgeschieden haben. Die luziferisehen Wesenheiten sind ausgeschieden worden, haben eine andere Entwickelung durchmachen müssen, damit für die Wesen, die auf der Erde sind, freier Wille und die Möglichkeit zum Bösen auf der Erde entstehen konnten. Da haben wir etwas, was an karmischen Wirkungen über unser Erdendasein hinausgeht: einen Ausblick auf das Weltenkarma.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So konnten wir heute sprechen über den Karmabegriff, über seine Bedeutung für die einzelne Persönlichkeit, für die Individualität, für die ganze Menschheit, innerhalb der Wirkungen unserer Erde und über die Erde hinaus - und wir haben noch etwas gefunden, was wir als Weltenkarma ansprechen können. So finden wir das Karmagesetz, das wir nennen können ein Gesetz vom Zusammenhang zwischen Ursache und Wirkung, aber in der Weise, daß die Wirkung wieder auf die Ursache zurückschlägt und daß sich beim Zurückschlagen noch das Wesen erhalten hat, dasselbe geblieben ist. Wir finden diese karmische Gesetzmäßigkeit überall in der Welt, insofern wir die Welt als eine geistige betrachten. Wir ahnen, daß sich das Karma auf den verschiedensten Gebieten in der verschiedensten Weise offenbaren wird. Und wir ahnen, wie die verschiedenen karmischen Strömungen - persönliches Karma, Menschheitskarma, Erdenkarma, Weltenkarma und so weiter - sich kreuzen werden und daß uns gerade dadurch die Aufschlüsse werden, die wir brauchen, um das Leben zu verstehen. Und an seinen einzelnen Punkten ist das Leben nur zu verstehen, wenn wir das Zusammenwirken der verschiedensten karmischen Strömungen finden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
= ZWEITER VORTRAG Hamburg, 17. Mai 1910 =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bevor wir zu unseren eigentlichen menschlichen Karmafragen kommen, wie sie angekündigt sind, sind eine Reihe von Vorbetrachtungen notwendig. Dazu gehört das, was gestern gesagt worden ist: eine Art Beschreibung des Karmabegriffes. Dazu gehört auch das, was heute zu sagen sein wird über Karma und Tierreich. Was man nennen könnte äußere Beweise für die Wirklichkeit der karmischen Gesetzmäßigkeit, das werden Sie im Laufe des Zyklus an denjenigen Stellen finden, wo gerade Veranlassung sein wird, auf diese äußeren Beweise besonders hinzudeuten. Bei diesen Gelegenheiten werden Sie auch die Möglichkeit finden, über die Begründung der Karmaidee zu Außenstehenden zu sprechen, welche Sie, über dies oder jenes als Zweifler an der ganzen Karmaidee, befragen werden. Zu alledem sind aber einige Vorbetrachtungen notwendig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was läge denn näher, als zu fragen: Wie verhalten sich tierisches Leben, tierisches Schicksal zu dem, was wir den Verlauf des menschlichen Karma nennen, in dem wir - wie sich zeigen wird - die wichtigsten und tiefeingreifendsten Schicksals fragen für den Menschen beschlossen finden?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Verhältnis der Menschen auf der Erde zur Tierwelt ist ja im Laufe der Zeit und auch je nach den verschiedenen Völkern ein verschiedenes. Und es ist gewiß nicht uninteressant, zu sehen, wie bei Völkerschaften, die sich die besten Teile der uralt heiligen Weisheit der Menschheit bewahrt haben, eine weitgehend mitleidvolle, liebevolle Behandlung der Tiere Platz gegriffen hat. Innerhalb der Welt des Buddhismus zum Beispiel, der sich wichtige Teile alter Weltanschauungen bewahrt hat, wie sie die Menschen in ihrer Urzeit hatten, haben wir eine tiefgehend mitleidvolle Behandlung der Tiere, eine Behandlung der Tiere und Gefühle gegenüber der Tierwelt, die in Europa unzählige Menschen noch nicht verstehen können. Aber auch bei andern Völkern - ich erinnere nur an den Araber in bezug auf Behandlung seines Pferdes -, insbesondere wenn diese Völker sich etwas bewahrt &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
haben von den alten Anschauungen, wie sie als alte Erbstücke da und dort auftreten, finden Sie eine Art «Freundschaft» zu den Tieren, etwas wie menschliche Behandlung der Tiere. Dagegen darf man Wohl sagen, daß in denjenigen Gegenden, in denen sich eine Art von Weltanschauung der Zukunft vorbereitet, in den abendländischen Gegenden, wenig Verständnis für solches Mitleid mit der Tierwelt Platz gegriffen hat. Und charakteristisch ist es, daß im Verlaufe des Mittelalters und dann auch bis in unsere Zeit hinein gerade in Ländern, in denen die christlicheWeltanschauung Ausbreitung gewonnen hat, die Anschauung auf tauchen konnte, daß die Tiere überhaupt nicht als Wesen zu betrachten seien mit einem eigentlichen Seelenleben, sondern als eine Art Auto maten. Und es ist vielleicht nicht mit Unrecht darauf aufmerksam gemacht worden - wenn auch nicht immer mit einem großen Verständ nls -, daß diese Anschauungen, welche von der abendländischen Philosophie vielfach vertreten worden sind, daß die Tiere Automaten seien und ein eigentliches Seelen leben nicht haben, hinuntergesickert sind in die Volkskreise, die kein Mitleid und oft auch keine Grenze kennen in der grausamen Behandlung der ~iere. Ja, die Sache ist so weit gegangen, daß man einen großen Philosophen der Neuzeit, Cartesius, in seinen Gedanken über die Tierwelt recht gründlich hat mißverstehen können.Wir müssen uns natürlich klar sein, daß von den eigentlich bedeutenden Geistern der abendländischen Kulturentwickelung diese Anschauung,daß dieTiere nur Automaten seien, niemals vertreten worden ist. Es hat auch Cartesius nicht diese Anschauung vertreten, obwohl Sie In vielen Büchern über Philosophie lesen können, daß Cartesius eine solche Anschauung vertreten habe. Das ist aber nicht wahr; sondern&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wer Cartesius kennt, der weiß, daß er den Tieren zwar nicht ein solches Seelisches zuschreibt, das sich dazu entwickeln kann, aus dem Ich- Bewußtsein heraus zu elnem Beweise für das Dasein Gottes zu kommen, aber er schreibt dennoch dem ,Tiere zu, daß es durchströmt, durchseelt ist mit den sogenannten Lebensgeistern, die allerdings nicht eine so einheitlicbe Individualität darstellen wie das Ich des Menschen, aber doch in der tierischen Organisation als Seele wirken. Und es ist gerade das Charakteristische, daß man Cartesius in dieser Beziehung hat gründlich mißverstehen können. Denn das zeigt uns, daß in den verflossenen &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Jahrhunderten unserer abendländischen Entwickelung die Tendenz vorhanden war, den Tieren etwas bloß Automatisches zuzuschreiben, und diese Tendenz hat man selbst da hineingelesen, wo man sie nicht hätte hineinlesen können, wenn man gewissenhaft zu Werke gegangen wäre, nämlich bei Cartesius. Die abendländische Kulturentwickelung hat das Eigentümliche, daß sie sich herausbilden mußte aus den Elementen des Materialismus. Und man kann sogar sagen: Der Aufgang des Christentums hat sich so vollzogen, daß dieser bedeutungsvolle Impuls der Menschheitsentwickelung zuerst in eine materialistische abendländische Gesinnung hineinverpflanzt worden ist. Der Materialismus der neueren Zeit ist nur eine Folge dessen, daß auch das spirituellste Religionsbekenntnis, das Christentum, zunächst im Abendlande eine materialistische Auffassung hat finden können. Es ist einmal - wenn wir so sagen dürfen - das Menschheitsschicksal der abendländischen Völker, daß sie sich emporarbeiten müssen aus materialistischen Untergründen und gerade in der Überwindung der materialistischen Ansichten und Tendenzen die starken Kräfte werden entfalten müssen zu einem höchsten Spiritualismus. Damit, daß dieses Schicksal, dieses Karma den abendländischen Völkern geworden ist, ist auch bei ihnen jener Zug entstanden, die Tiere nur wie Automaten zu betrachten. Wer nicht gut das Wirken des geistigen Lebens durchschauen kann, wer nur sich halten kann an das, was uns in der sinnlichen Außenwelt umgibt, der wird aus den Eindrücken dieser sinnlichen Außenwelt heraus leicht zu einer Auffassung über die Tierwelt kommen können, welche die Tiere möglichst niedrig stellt. Dagegen haben solche Weltanschauungen, die noch Elemente der alten spirituellen Weltanschauungen der Urweisheit der Menschheit in sich behalten haben, sich eine Art Erkenntnis bewahrt über das, was auch in der Tierwelt geistig ist; und trotz allen Mißverständnissen, trotz all dem, was sich in ihre Weltanschauungen eingeschlichen und deren Reinheit verdorben hat, konnten sie doch nicht vergessen&amp;gt; daß geistige Tätigkeiten, geistige Gesetze an dem Ausleben und Ausgestalten des Tierischen betätigt sind. Wenn wir also auf der einen Seite gerade in dem Mangel geistiger Weltanschauungen ein Unverständnis des Tierisch-Seelischen erblicken müssen, so dürfen wir uns auf der andern Seite nicht darüber täuschen, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
daß auch das wiederum nur ein Ausfluß einer rein materialistischen Weltanschauung wäre, wenn wir die Karmaidee, wie sie uns dienen wird, menschliches Schicksal und menschliches Karma zu verstehen, ohne weiteres auf die tierische Welt anwenden würden. Das dürfen wir nicht. Es ist schon gestern darauf hingewiesen worden, daß es notwendig ist, den Begriff des Karma ganz genau zu fassen. Und wir würden fehlgehen,wenn wir das&amp;gt; was wir gefordert haben als ein Rückschlagen der Wirkung auf das Wesen, von dem die Verursachung ausgegangen ist, wenn wir das auch in der tierischen Welt suchen würden; denn in einem umfassenderen Maße werden wir die karmische Gesetzmäßigkeit erst dadurch kennenlernen können, daß wir über das einzelne menschliche Leben zwischen Geburt und Tod hinausgehen, den Menschen verfolgen durch die Aufeinanderfolge seiner Wiederverkörperungen und daß wir finden werden, daß jener Rückschlag einer Ursache, welche wir in einem Leben gelegt haben, erst in einem späteren Leben kommen kann, so daß sich die karmische Gesetzmäßigkeit von Leben zu Leben zieht, und die Wirkungen von Ursachen eben nicht einzutreten brauchen - ja, wenn wir Karma im großen betrachten, auch ganz gewiß nicht eintreten in demselben Leben zwischen Geburt und Tod.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun wissen wir schon aus den äußeren geisteswissenschaftlichen Betrachtungen, daß wir beim T`lere von einer solchenWiederverkörperung, wie sie beim Menschen stattfindet, nicht sprechen können. Für jene menschliche Individualität, welche sich erhält, wenn der Mensch durch die Pforte des Todes schreitet, welche durchlebt ein besonderes Leben im Geistigen in der Zeit vom Tode bis zur neuen Geburt, um dann durch eine neue Geburt wieder ins Dasein zu treten, für diese menschliche Individualität finden wir etwas Ähnliches oder gar etwas ganz Gleiches in der tierischen Welt durchaus nicht. Wir können nicht in derselben Weise, wie wir den menschlichen Tod auffassen, von dem tierischen Tode sprechen. Denn alles, was wir beschreiben als die Schicksale der menschlichen Individualität, nachdem der Mensch durch die Pforte des Todes gesch ritten ist, verhält sich in der Tierwelt nicht in der gleichen Art; und wenn man glauben würde, daß wir in einem tierischen Individuum das wiederverkörperte Wesen eines schon früher auf der Erde vorhanden gewesenen Tieres suchen könnten, wie wir das beim Menschen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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tun müssen, dann würden wir uns durchaus einem Irrtum hingeben. Heute, wo man gern alles, was sich uns in der Welt darbietet, nur seiner Außenseite nach betrachtet und nicht auf das Innere eingeht, können ja die eigentlichen großen Gegensätze, die wichtigsten Unterscheidungen zwischen Mensch und Tier gar nicht vor Augen treten. Äußerlich - rein materialistisch betrachtet - nimmt sich die Erscheinung des Todes bei Mensch und Tier in der gleichen Art aus. Da kann man leicht glauben, wenn man das Leben eines Tieres betrachtet, daß man einzelne Erscheinungen dieses individuellen Lebens des Tieres vergleichen könnte mit einzelnen Erscheinungen des persönlichen Lebens des Menschen zwischen Geburt und Tod. Aber da würde man ganz fehlgehen. Deshalb soll auf die durchgreifenden Unterschiede zwischen demYierischen und dem Menschlichen zunächst an einzelnen Beispielen hingedeutet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nur derjenige kann sich nämlich diesen Unterschied zwischen Tier und Mensch vollständig klarlegen, der unbefangen nicht nur auf die sich seinem äußeren sinnlichen Anschauen, sondern auch auf die seinem kombinierenden Denken sich ergebenden Tatsachen eingeht. Da finden wir eine Erscheinung, die auch von den Naturforschern hervorgehoben wird, mit der aber die Naturforscher der Gegenwart nichts Rechtes anzufangen wissen, nämlich die Erscheinung, daß der Mensch eigentlich das Allereinfachste erst lernen muß: den Gebrauch der einfachsten Werkzeuge hat der Mensch im Laufe seiner Geschichte lernen müssen, und unsere Kinder müssen heute noch die allereinfachsten Sachen eben lernen, und sie müssen eine gewisse Zeit anwenden, um sie zu lernen. Es kostet Mühe, dem Menschen etwas beizubringen, einfache Handgriffe, Verfertigung von Instrumenten und Werkzeugen und so weiter. Wenn wir dagegen die Tiere betrachten, müssen wir sagen: Wieviel besser haben es die Tiere in dieser Beziehung! - Denken wir uns, wie der Biber seinen komplizierten kunstvollen Bau aufführt. Er braucht es nicht zu lernen; er kann es, indem er es mitbringt als eine ihm eingeprägte Gesetzmäßigkeit, wie wir uns als Menschen mitbringen die Möglichkeit, die «Kunst», um das siebente Jahr unsere Zähne zu wechseln. Das braucht auch keiner zu lernen. So bringen sich die Tiere eine solche Fähigkeit mit, wie sie der Biber hat, seinen Bau aufzuführen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Und wenn Sie Umschau halten im Tierreich, werden Sie finden, daß die Tiere sich ganz bestimmte Kunstfertigkeiten mitbringen, durch welche etwas zustande gebracht werden kann, an das menschliche Kunst fertigkeit bei allem, wie wir es so herrlich weit gebracht haben, noch lange nicht heran reicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun kann die Frage entstehen: Wie kommt es denn eigentlich, daß der Mensch, wenn er geboren wird, unfähiger ist als zum Beispiel ein Huhn oder ein Biber, daß er das, was diese Wesenheiten sich schon mit- bringen, erst mühevoll sich aneignen muß? Das ist eine große Frage. Und daß es eine große Frage ist, muß man vor allen Dingen empfinden lernen. Denn es kommt bei dem, was der Mensch für seineWeltanschauung gewinnen muß&amp;gt; viel weniger darauf an, daß man auf wichtige Tatsachen hinweist, als daß man weiß, wo wichtige Fragen zu stellen sind. Tatsachen können richtig sein, brauchen aber nicht immer wertvoll zu sein für unsere Weltanschauung. Nun würde es, obwohl wir noch heute auf die Ursachen dieser Erscheinungen geisteswissenschaftlich eingehen werden, doch zu weit führen, wenn man in allen Einzelheiten zeigen würde, warum das so ist. Aber zunächst kann doch mit ein paar Worten darauf hingewiesen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir geisteswissenschaftlich zurückgehen in der menschlichen Entwickelung bis in urferne Vergangenheiten, so werden wir finden, daß diejenigen Kräfte und Elemente, welche sozusagen dem Biber oder einem andern Tiere zur Verfügung stehen, um solche Kunstfertigkeiten mit sich auf die Welt zu bringen, dem Menschen auch zur Verfügung gestanden haben. Der Mensch hat ja nicht gerade in seine Anlage in urferner Vergangenheit bloß die Ungeschicklichkeit aufgenommen und dem Tiere überlassen müssen die primitive Geschicklichkeit. Er hat diese Anlage auch empfangen, ja im Grunde genommen in einem weit reicheren Maße als die Tiere. Denn wenn auch die Tiere gewisse große Kunstfertigkeiten mit auf die Welt bringen, so sind diese doch im Leben einseitig. Der Mensch kann im Grunde genommen gar nichts, wenn er ins Leben tritt, er muß alles erst lernen, was sich auf die äußere Welt bezieht. Das ist etwas radikal ausgedrückt, aber wir werden uns verstehen. Wenn der Mensch aber dann lernt, zeigt sich bald, daß er vielseitiger, daß seine Entwickelung eine reichere werden kann in bezug &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
auf die Ausprägung gewisser Kunstfertigkeiten und dergleichen, als das beim Tiere der Fall ist. Also der Mensch hat reiche Anlagen ursprünglich mitbekommen - und dennoch hat er sie heute nicht. Nun tritt die eigentümliche Erscheinung zutage, daß ursprünglich Mensch und Tier in gleicher Weise ausgestattet waren. Und wenn wir zurückgehen würden bis zur alten Saturnentwickelung, so würden wir finden, daß eine Unterscheidung der menschlichen und tierischen Entwickelung noch gar nicht stattgefunden hatte. Da waren beide vollständig gleich veranlagt. - Was ist nun in der Zwischenzeit geschehen, daß das Tier alle möglichenGeschicklichkeiten mit ins Dasein trägt,während der Mensch ein so ungeschickter Genosse des Weltendaseins ist? Wie hat sich der Mensch eigentlich benommen in der Zwischenzeit, daß er jetzt plötzlich alles das nicht hat,was er mitbekommen hatte? Hat er das im Laufe der Entwickelung sinnlos verschwendet, während es sich die Tiere als sparsame Haushalter bewahrt haben? Diese Frage kann aus dem wirklichen Tatbestand heraus aufgeworfen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Mensch hat diese Anlagen, die heute das Tier in äußerer Geschicklichkeit auslebt, nicht verschwendet; er hat sie auch verwendet, aber zu etwas anderem als die Tiere. Die Tiere prägen sie in äußeren Geschicklichkeiten aus; Biber und Wespe bauen ihr Nest. Der Mensch hat dieselben Kräfte, welche die Tiere in dieser Art ausleben, in sich selber hineingetan und verwendet. Und er hat dadurch zustande gebracht, was wir seine höhere menschliche Organisation nennen. Daß der Mensch heute seinen Gang aufrecht hat, daß er das vollkommenere Gehirn, überhaupt eine vollkommenere innere Organisation hat, das bedurfte auch gewisser Kräfte; und das sind dieselben Kräfte, mit denen sich der Biber seinen Biberbau errichtet. Der Biber baut sich sein Nest. Der Mensch hat die Kräfte auf sich verwendet, zu seinem Gehirn, zu seinem Nervensystem und so weiter. Daher hat der Mensch zunächst nichts übrig behalten, um in derselben Weise nach außen zu arbeiten. Also, daß wir heute unter den Tieren schreiten mit einem vollkommeneren Bau, das rührt davon her, daß wir alles, was der Biber draußen verarbeitet, einmal im Laufe der Entwickelung auf unseren inneren Bau verwendet haben.Wir haben drinnen unseren Biberbau und können daher nach außen diese Kräfte nicht mehr in derselben Weise entfalten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Da sehen wir, wenn wir an einer einheitlichen Weltauffassung festhalten, wohin die verschiedenen Anlagen, die in den Wesen vorhanden sind, kommen und wie sie uns heute entgegentreten. Indem der Mensch in seiner Weise diese Kräfte verwendet hat, wurde für ihn in seiner Erdentwickelung eine ganz besondere Einrichtung notwendig, die wir zum Teil schon kennen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Warum mußten beim Menschen die Kräfte, von denen jetzt eben gesprochen worden ist und die uns bei den verschiedenen Arten und Gattungen des Tierreiches in äußeren Verrichtungen entgegentreten, auf das Innere der menschlichen Organisation verwendet werden? Weil der Mensch nur dadurch, daß er sich die innere Organisation verschaffen konnte, der Träger dessen werden konnte, was heute das Ich ist, was von Inkarnation zu Inkarnation schreitet. Eine andere Organisation hätte kein solcher Ich-Träger werden können; denn es hängt durchaus von dem äußeren Gehäuse ab, ob eine Ich-Individualität sich im Erden- dasein betätigen kann oder nicht. Sie könnte es nicht, wenn die äußere Organisation nicht der Ich-Individualität angemessen wäre. Alles lief also darauf hinaus, die äußere Organisation dieser Ich-Individualität angemessen zu machen. Dazu mußte eine besondere Einrichtung geschaffen werden, und die kennen wir schon ihrer wesentlichen Seite nach.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir wissen, daß unserer Erdentwickelung vorangegangen ist die Mondentwickelung, dieser wieder die Sonnenentwickelung und dieser eine Saturnentwickelung. Als die alte Mondentwickelung zu Ende war, war der Mensch auf einer Stufe in bezug auf sein äußeres Dasein, die man als Tier-Menschlichkeit bezeichnen kann. Aber damals war diese äußere menschliche 0rganisation noch nicht so weit, daß sie der Träger einer Ich-Individualität hätte werden können. Erst die Erdentwickelung des Menschen hatte die Aufgabe, dieser Organisation das Ich einzuverleiben. Das konnte aber nur dadurch geschehen, daß die Vorgänge unserer Erdentwickelung in einer ganz eigenartigen Weise eingerichtet wurden. - Als die alte Mondentwickelung zu Ende gegangen war, löste sich alles sozusagen in ein Chaos auf. Daraus ging nach einer entsprechenden Zeit kosmischer Dämmerung wieder hervor der neue Kosmos unserer Erdentwickelung. In diesem Kosmos der Erdentwickelung war &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|42}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
damals alles enthalten, v`as heute als unser Sonnensystem mit uns und der Erde verbunden ist. Aus diesem Zusammenhang, aus dieser kosmischen Einheit haben sich dann erst abgespalten alle andern Weltkörper von unserer eigentlichen Erde. Wir brauchen nicht einzugehen auf die Art und Weise, wie sich die andern Planeten, Jupiter, Mars und so weiter, abgespalten haben. Wir müssen nur darauf hinweisen, daß in einem bestimmten Zeitpunkt der Erdentwickelung sich unsere Erde und unsere Sonne getrennt haben. Als dann schon die Sonne abgetrennt war und ihre Wirkungen von außen auf die Erde hereinsandte, war unsere Erde noch mit dem heutigen Monde verbunden, so daß die Substanzen und geistigen Kräfte, die heute an den Mond gekettet sind, damals noch mit unserer Erde verbunden waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist öfter schon die Frage berührt worden, was geschehen wäre, wenn sich die Sonne nicht abgespalten hätte von der Erde und nicht übergegangen wäre zu jenem Zustande, in dem sie wie heute von außen auf die Erde wirkt. Indem zunächst die Erde noch mit der Sonne verbunden war, waren bei den ganz anders gearteten Verhältnissen noch das ganze kosmische System und auch die Vorfahren der menschlichen Organisation miteinander vereinigt. Es ist natürlich ein Unding, die heutigen Verhältnisse anzuschauen und dann zu sagen: Was ist das für ein Unsinn von den Theosophen; da hätten ja alle die organisierten Wesen verbrennen müssen! - Diese Wesen waren eben so, daß sie unter den damaligen Verhältnissen in dieser ganz anders gearteten kosmischen Einheit bestehen konnten. - Wenn nun die Sonne in Verbindung mit der Erde geblieben wäre, dann wären ganz andere, viel heftigere Kräfte mit der Erde verbunden geblieben, und die Folge wäre gewesen, daß die ganze Entwickelung der Erde mit einer solchen Heftigkeit und Schnelligkeit fortgeschritten wäre, daß es gar nicht möglich gewesen wäre, daß die menschliche Organisation sich hätte so ausleben können, wie sie sich ausleben mußte. Daher war es notwendig, daß der Erde ein langsameres Tempo und dichtere Kräfte zur Verfügung gestellt wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das konnte nur dadurch geschehen, daß die stürmischen, vehementen Kräfte sich herauszogen aus der Erde. So wirkten die Kräfte der Sonne vor allen Dingen dadurch schwächer, daß sie jetzt von außen durch die Entfernung auf die Erde wirkten. Dadurch aber war nun etwas anderes &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|43}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
eingetreten. Es war jetzt die Erde in einem Zustande, daß die Menschen wiederum nicht hätten in der richtigen Weise vorwärtskommen können. Die Verhältnisse waren jetzt zu dicht, zu sehr verholzend und verdorrend für alles Leben. Der Mensch hätte wieder nicht zu seiner Entwickelung kommen können, wenn es so geblieben wäre. Abgeholfen wurde dem durch eine besondere Einrichtung, indem nämlich einige Zeit nach dem Sonnenaustritt der heutige Mond die Erde verlassen hat und die verlangsamenden Kräfte, die das Leben hätten zu einem langsamen Tode kommen lassen, mit sich fortgenommen hat. So blieb die Erde zwischen Sonne und Mond zurück, gerade das richtige Tempo wählend für die menschliche Organisation, um ein Ich als einen Träger der Individualität, die von Inkarnation zu Inkarnation geht, wirklich aufzunehmen. Die menschliche Organisation, wie sie heute ist, war unter gar keinen andern Umständen aus dem Kosmos heraus herzu stellen als durch diesen Vorgang zunächst der Sonnen- und dann der Mondentrennung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es könnte vielleicht jemand sagen: Wenn ich der Herrgott gewesen wäre, so hätte ich es anders gemacht; ich hätte gleich eine solche Mischung hergestellt, daß die menschliche Organisation in einer solchenWeise hätte fortschreiten können, wie sie hat fortschreiten müssen. Warum nun war es nötig, daß zuerst die Sonne heraustreten mußte und daß dann noch einmal ein Mondaustritt notwendig wurde?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer so denkt, denkt viel zu abstrakt. Er denkt nicht daran, daß, wenn in der Weltordnung eine innerliche Mannigfaltigkeit herbeigeführt werden soll, wie es die menschliche Organisation ist, für jeden einzelnen Teil eine besondere Einrichtung notwendig ist und daß man das nicht in die Wirklichkeit umsetzen kann, was sich der menschliche Gedanke spintisierend ausdenkt. In abstracto kann man alles denken; aber in der wirklichen Geisteswissenschaft muß man lernen, konkret zu denken, so daß man sich sagt: Die menschliche Organisation ist ja keine einfache. Sie besteht aus einem physischen Leib, einem Ätherleib und einem astralischen Leib. Diese drei Glieder mußten erst in ein bestimmtes Gleichgewicht gebracht werden, so daß die einzelnen Teile in einem richtigen Verhältnisse zueinander stehen. Das konnte nur durch diesen dreifachen Vorgang stattfinden: Zuerst die Bildung des einheit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|44}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
lichen Kosmos, der ganzen kosmischen Einheit Erde, Sonne und Mond zusammen. Dann mußte vollzogen werden für sich dasjenige, was im menschlichen Ätherleib verlangsamend wirken konnte, weil er sonst zu stürmisch alle Entwickelung verzehrt hätte - und das geschah, indem die Sonne hinausgeführt worden ist. Und dann wieder mußte, weil der astralische Leib sonst die menschliche Organisation zu einem Ersterben gebracht hätte, der Mond hinausgeführt werden. Weil der Mensch in seiner Organisation drei Glieder hat, mußten auch diese drei Vorgänge&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
stattfinden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So sehen wir, daß der Mensch sein Dasein, seine gegenwärtigen Eigenschaften einer komplizierten Einrichtung im Kosmos verdankt. Wirwissen aber auch, daß die Entwickelung aller Naturreiche keineswegs gleichen Schritt halten kann mit der allgemeinen Entwickelung. Wir wissen aus den allgemeinen Betrachtungen der letzten Jahre, daß immer auf den einzelnen planetarischenVerkörperungen unserer Erde gewisse Wesenheiten zurückblieben hinter der allgemeinen Entwickelung, welche dann, wenn die Entwickelung vorwärtsschritt, in Zuständen lebten, die der Entwickelung nicht vollständig entsprachen. Wir wissen aber auch, daß alle Entwickelung im Grunde durch solches Zurückbleiben erst richtig in Fluß gebracht werden konnte. Wissen wir doch, daß gewisseWesen während der alten Mondentwickelung zurückgeblieben sind als die «luziferischen Wesenheiten», daß durch sie manches Schlimme verschuldet worden ist, daß wir ihnen aber auch das verdanken, was uns erst das Menschsein möglich macht, nämlich die Möglichkeit der Freiheit, der freien Entfaltung unseres Innenwesens. Ja, wir können sagen: In gewisser Beziehung war das Zurückbleiben der luziferischen Wesenheiten ein Opfer. Sie sind zurückgeblieben, damit sie während des Erdendaseins ganz besondere Tätigkeiten ausüben konnten, näm lich dem Menschen die Leidenschaften verleihen, die mit seiner menschlichen Würde und Selbstbestimmung zusammengehören. - Wir müssen uns eben angewöhnen, ganz andere Begriffe zu gebrauchen, als sie sonst üblich sind, denn aus den gewöhnlichen Begriffen heraus könnte man vielleicht sagen, es hätten die luziferischen Geister gehörig «nachsitzen» müssen, und man wird ihnen ihre Nachlässigkeit nicht verzeihen. Aber es hat sich nicht um eine Nachlässigkeit der luziferischen Wesen ge&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|45}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
handelt. Ihr Zurückbleiben ist in gewisser Beziehung ein Opfer gewesen, um durch das, was sie sich durch dieses Opfer angeeignet haben, auf unsere Erdenmenschheit wirken zu können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon aus den gestrigen Andeutungen wissen Sie, daß nicht nur Wesenheiten, sondern auch Substanzen zurückgeblieben sind und sich Gesetze bewahrt haben, die in früheren planetarischen Zuständen die richtigen waren und die sie dann hineingetragen haben in die spätere Entwickelung. So durchkreuzen sich Entwickelungsphasen von alter Zeit mit Entwickelungsphasen von neuer Zeit, sie gehen durcheinander.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dadurch wird die Mannigfaltigkeit des Lebens eigentlich erst möglich. - So stellen sich uns die verschiedensten Grade dar in der Entwickelung der Wesenheiten. Nicht möglich gewesen wäre es, daß neben dem Menschenreich sich überhaupt ein Tierreich entwickelt hätte, wenn nicht nach der Saturnperiode gewisse Wesen zurückgeblieben wären, um - während sich auf der Sonne die Menschen schon zu einer höheren Stufe entwickelt hatten - ein zweites Reich zu bilden und als erste Vorläufer unseres heutigen Tierreiches hervorzukommen. Für die Grundlage späterer Bildungen ist dieses Zurückbleiben durchaus notwendig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn nun die Frage aufgeworfen wird: Warum müssen Wesenheiten und Substanzen zurückbleiben? - so möchte ich das durch einen Vergleich klarmachen. Die Entwickelung des Menschen sollte vorwärts- schreiten von Stufe zu Stufe. Das konnte sie nur dadurch, daß der Mensch sich immer mehr und mehr verfeinerte. Hätte er immer mit denselben Kräften gewirkt&amp;gt; mit denen er während der Saturnphase wirkte, so wäre er nicht vorwärtsgekommen. Er wäre stehengeblieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deshalb mußte er seine Kräfte verfeinern. - Nun nehmen wir, um ein Bild zu haben, einmal ein Glas Wasser an, in welchem irgendein Stoff aufgelöst ist. Da wird alles von oben bis unten in diesem Glas gleiche Färbung zeigen, gleiche Dichtigkeit und so weiter, es wird alles gleich sein. Nehmen wir nun an, es setzen sich die gröberen Stoffe zu Boden, dann bleiben das reinere Wasser und die feineren Substanzen oben. Das Wasser konnte sich also nur dadurch verfeinern, daß es das Gröbere ausgeschieden hat. - So etwas war auch nötig, nachdem die Saturnentwickelung abgelaufen war, es mußte ein solcher Bodensatz entstehen, es mußte die ganze Menschheit etwas ausscheiden und sich &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|46}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die feineren Teile zurückbehalten. Was ausgeschieden worden war, das wurden dann die~iere. Durch das Ausscheiden konnten sich die andern verfeinern und um einen Schritt höher kommen. Und auf jeder solchen Stufe mußten Wesenheiten ausgeschieden werden, damit der Mensch immer höher und höher kommen konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir haben also eine Menschheit, die nur dadurch möglich geworden ist, daß der Mensch sich befreit hat von denjenigen Wesenheiten, die um uns herum in den untergeordneten Reichen leben. Wir haben diese Wesenheiten mit allen ihren Kräften einmal in dem Strom der Entwickelung darinnen gehabt, sie waren damit verbunden wie in dem Wasser die dichteren Bestandteile. Wir haben sie zu Boden sinken lassen und haben uns daraus emporgehoben. Dadurch ist unsere Entwickelung möglich geworden.Wir sehen also hinunter auf die drei neben uns lebenden Naturreiche und sagen: In alledem sehen wir etwas, was unser Boden hat werden müssen, damit wir uns haben entwickeln können. Diese Wesenheiten sind hinuntergesunken, damit wir haben empor- steigen können. So blicken wir in der richtigen Art auf die untergeordneten Naturreiche.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir nun die Erdentwickelung betrachten, wird sich uns dieser Vorgang noch anschaulicher in seinen Einzelheiten darstellen können. Wir müssen uns klar sein, daß alle Tatsachen innerhalb unserer Erdentwickelung doch gewisse Verhältnisse und Zusammenhänge haben. Nun haben wir gesehen, daß die Abtrennung der Sonne und des Mondes von der Erde eigentlich geschehen ist, damit die menschliche Organisation während der Erdentwickelung hat zu derjenigen Höhe kommen können, um eine Individualität zu werden; das gehörte dazu, um die menschliche Organisation gleichsam zu reinigen. Aber dadurch, daß diese Abtrennungen im Weltenall um des Menschen willen geschahen, ist durch solche eingreifende Veränderung in unserem ganzen Sonnensystem doch auch ein Einfluß auf alle drei andern Naturreiche ausgeübt worden, vor allem auf das Tierreich, das uns zunächst steht. Und wenn wir diesen Einfluß verstehen wollen, der auf das Tierreich durch die Vorgänge der Sonnen- und Mondabspaltung geschah, dann bekommen wir aus der Geistesforschung folgenden Aufschluß.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Mensch war auf einer gewissen Stufe seiner Entwickelung, als&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|47}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sich die Sonne abgespalten hatte. Hätte er nun diese Stufe beibehalten müssen, die er während der Zeit hatte, als der Mond noch mit der Erde verbunden war, so hätte der Mensch seine gegenwärtige Organisation nicht erlangen können, er hätte einer gewissen Verödung und Verdorrung entgegengehen müssen. DieMondenkräfte mußten erst heraus- gehen. Daß diese menschliche Organisation möglich geworden ist, ist aber nur dem Umstande zu verdanken, daß der Mensch während der Zeit, als der Mond noch in der Erde war, sich eine Organisation bewahrt hatte, welche noch erweicht werden konnte; denn es wäre möglich gewesen, daß seine Organisation bereits so hart gewesen wäre, daß das Hinausgehen des Mondes nichts mehr genutzt hätte. Auf dieser Stufe, daß die Organisation noch erweicht werden konnte, standen tatsächlich nur die Menschenvorfahren. - Der Mond mußte also zu einer bestimmten Zeit hinausgehen. Was geschah nun bis zu dem Zeitpunkt, wo der Mond heraustrat?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die menschliche Organisation wurde immer gröber und gröber. Der Mensch hat zwar nicht ausgesehen wie Holz. Das wäre eine zu grobe Vorstellung. Es war die damalige Organisation trotz ihrer Grobheit immer noch feiner, als es die jetzige Organisation ist. Aber für die damalige Zeit war die Organisation des Menschen so grob, daß der geistigere Teil des Menschen, der auch dazumal in einer gewissen Weise abwechselnd mit dem physischen Leib zusammen und ohne ihn gelebt hat, in der Zeit zwischen Sonnen- und Mondaustritt endlich dahin gekommen war, daß er, wenn er wieder hat seinen physischen Leib aufsuchen wollen&amp;gt; diesen Leib durch die Vorgänge der Erde so dicht gefunden hat, daß er keine Möglichkeit mehr hatte, in ihn hineinzuziehen und ihn als Gehäuse zu benutzen. Daher geschah es auch, daß der geistig-seelische Teil vieler Menschenvorfahren von der Erde überhaupt Abschied nahm und für eine gewisse Zeit das Fortkommen suchte auf andern, zu unserem Sonnensystem gehörigen Planeten. Nur ein ganz geringer Teil der physischen Leiber war weiter brauchbar und rettete sich über diese Zeit hinüber. Das habe ich auch schon öfter dargestellt, daß die weitaus größte Zahl der Menschenseelen in den Himmelsraum hinauszogen, daß aber die fortlaufende Entwickelungsströmung festgehalten wurde von einem kleinen Teil, nämlich von denjenigen mensch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|48}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
lichen Seelen, die am robustesten waren und das alles ertragen und überwinden konnten. Diese robusten Seelen retteten die Entwickelung über die kritische Periode hinüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während dieses ganzenVorganges handelte es sich noch nicht eigentlich um das, was wir menschliche Ichheit, menschliche Individualität nennen. Es war noch mehr der Charakter derGattungsseele vorhanden. Die Seelen gingen, wenn sie sich zurückzogen, auf in die GattungsSeelenhaftigkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann kam der Mondaustritt, und damit war wieder die Möglichkeit gegeben, daß die menschliche Organisation verfeinert wurde, so daß sie die Seelen&amp;gt; welche sich früher hinweggeflüchtet hatten, wieder aufnehmen konnte. Und diese Seelen kamen nach und nach - bis in die atlantische Zeit hinein - wieder herunter und bezogen die menschlichen Leiber. Aber es waren immerhin gewisse Organisationen zurückgeblieben, die sich während der kritischen Zeit herausgebildet hatten. Fortgepflanzt hatten sie sich während dieser Zeit, nur konnten sie nicht Träger werden der menschlichen Seelenhaftigkeit. Es waren eben grobe Organisationen. Es hatten sich also dazumal neben jenen Organisationen, die sich später verfeinern konnten, solche erhalten aus der kritischen Erdenperiode. Diese wurden nun die Vorläufer einer gröberen Organisation, und dadurch kam es, daß neben jenen Organisationen, welche Träger von menschlichen Individualitäten werden konnten, auch solche Organisationen sich fortpflanzten, die nicht Träger menschlicher Individualitäten werden konnten und die die Nachkommen waren der von menschlichen Seelen verlassenen Organismen aus jener Zeit, als die Sonne schon fort und der Mond noch mit der Erde verbunden war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also sehen wir neben dem Menschen sich förmlich herausbilden ein Reich von Organismen, die durch das Beibehalten des Mondcharakters unfähig geworden waren, Träger menschlicher Individualitäten zu sein. Diese Organisationen sind im wesentlichen die, welche die Organisationen unserer heutigen Tiere wurden. Es könnte sonderbar erscheinen, daß diese gröberen Organisationen der heutigen Tiere nun doch wieder gewisse Fähigkeiten haben, welche sogar weisheitsvoll wirken können in der Welt, wie zum Beispiel in dem Biberbau. Das aber kann uns &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|49}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
erklärlich werden, wenn wir uns eben die Dinge nicht gar zu einfach vorstellen, sondern uns klar sind, daß gerade die Organisationen dieser Wesenheiten, welche nicht von menschlichen Seelen bezogen worden sind, die äußeren Einrichtungen de`s tierischen Baues, eines gewissen Nervenbaues und dergleichen ausgebildet hatten, die es möglich machten, sich mit den Gesetzen des Erdendaseins ganz in Einklang zu versetzen. Denn jeneWesenheiten, die nicht fähig geblieben waren, menschliche Seelen aufzunehmen, waren während der ganzen Zeit mit der Erde verbunden geblieben. Die andern Organisationen, die sich später verfeinert haben, so daß sie menschliche Individualitäten aufnehmen konnten, waren zwar auch zusammen mit der Erde; aber weil sie später Veränderungen eingehen mußten, als der Mond draußen war, haben sie gerade, was sie sich bis dahin angeeignet hatten, dadurch verloren, daß sie sich verfeinerten, daß sie diese Veränderungen eingehen mußten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also merken wir: Als sich der Mond getrennt hatte von der Erde, waren auf der Erde gewisse Organisationen, die sich einfach fortgepflanzt hatten in der geraden Linie, wie sie hatten entstehen müssen, solange der Mond mit der Erde früher verbunden war. Diese Organisationen waren grob geblieben, hatten sich die Gesetze, die sie hatten, bewahrt und waren in sich so fest geworden, daß, als der Mond heraus- gegangen war, mit ihnen keine Veränderung möglich war. Sie pflanzten sich einfach steif fort. Die andern Organisationen, die Träger von menschlichen Individualitäten wurden, mußten sich verändern, konnten sich nicht steif fortpflanzen. Sie veränderten sich so, daß jetzt hin- einwirken konnten die Wesenheiten, die in der Zwischenzeit gar nicht mit der Erde verbunden waren, die ganz woanders waren und sich erst wieder zusammenfügen mußten mit der Erde. - Da haben Sie den Unterschied zwischen jenen Wesenheiten, die den alten steifen Mondcharakter fortbewahrt hatten, und jenen, die sich verändert hatten. Worin bestand nun die Veränderung?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als die Seelen, die von der Erde fortgegangen waren, wieder zurückkamen und wieder Besitz ergriffen von den Leibern, fingen sie an, das Nervensystem, das Gehirn und so weiter umzubauen.Was sie als Kräfte hatten, das verwendeten sie gleichsam zum inneren Ausbau. An den andern Wesenheiten, die sich versteift hatten, konnte nichts mehr geändert&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|50}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
werden. Von diesen letzteren Organisationen nahmen jetzt andere Wesenheiten Besitz, die sich noch nicht darauf ein ließen, in die Organisation einzugreifen, die noch auf ihren früheren Stufen stehen- geblieben waren, die überhaupt nicht so weit kommen, daß sie in die inneren Organisationen hineinwirken, sondern die von außen wirken wie die tierischen Gattungsseelen. So erhielten diejenigen Organisationen, welche dazu geeignet waren, nach dem Mondaustritt die menschliche Seele; und diese Wesenheiten bearbeiteten dann die Organisation so, daß sie zu dem vollkommenen Menschenbau führte. Die während der Mondenzeit steif gebliebenen Organisationen konnten nicht mehr geändert werden. Von denen ergreifen jetzt Besitz jene Seelen, die überhaupt noch nicht so weit waren, in eine Individualität einzuziehen, die auf der Mondenstufe stehengeblieben waren, die alles ausgebildet hat- ten, was auf der Mondenstufe zu erreichen war, und die daher jetzt als Gattungsseelen von diesen Organisationen Besitz ergriffen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So erklärt sich uns der Unterschied zwischen Mensch und Tier aus den kosmischen Vorgängen heraus. Gerade durch die kosmischen Vorgänge bei der Erdentwickelung ergeben sich uns zweierlei Organisationen. Hätten wir bei dem Bau der unmittelbar unter dem Menschen stehenden Wesenheiten stehenbleiben müssen, so müßten wir jetzt mit unserem Ich die Erde umschweben, weil die Organisationen zu steif geworden sind. Wir könnten nicht herunter, und obwohl wir vollkommenere Wesen geworden sind, müßten wir da sein, wo die Organisationen der Gattungsseelen der Tiere sind. Da aber unsere Organisationen sich verfeinern konnten, so konnten wir in sie einziehen und sie als unsere Wohnplätze benutzen, das heißt, wir konnten in fleischliche Verkörperungen bis zur Erde hinuntersteigen. Die Gattungsseelen hatten kein Bedürfnis danach. Sie wirken von der geistigen Welt in die Wesen hinein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir sehen also in dem Tierreich, das uns umgibt, etwas, was wir heute auch wären, wenn wir eben nicht unsere Organisation der geschilderten Einrichtung verdankten. Fragen wir uns jetzt Wodurch sind denn die unter uns stehenden Tiere mit ihren versteiften Organisationen auf die Erde gekommen? - Durch uns selber sind sie herunter- gekommen! Sie sind die Nachkommen jener Körper, die wir nach dem &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|51}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mondaustritt nicht mehr beziehen wollten, weil sie zu grob geworden waren. Wir haben diese Körper zurückgelassen, um später andere zu finden.Wir hätten später andere nicht finden können, wenn wir damals jene ersten nicht verlassen hätten. Denn wir mußten nach dem Heraus- treten der Sonne auf der Erde unser Fortkommen suchen. - Da haben wir gerade den Vorgang, daß wir sozusagen unter uns zurückließen gewisse Wesenheiten, damit wir selber die Möglichkeit finden konnten, höher hinaufzukommen. Um höher zu kommen, mußten wir zu andern Planeten gehen und die Leiber da unten verkommen lassen. Was unten zurückgeblieben ist, dem verdanken wir in gewisser Beziehung das, was wir sind. Ja, wir können dieses «Verdanken» noch viel genauer schildem. Wir können uns fragen: Wie ist es denn überhaupt möglich geworden, daß wir während der kritischen Periode die Erde verlassen konnten? So ohne weiteres geht das ja nicht, daß ein Wesen hingehen kann, wo es will.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da trat während der Erdentwickelung zum ersten Male dasjenige ein, was wir wiederum den luziferischen Geistern verdanken. Die luziferischen Wesenheiten waren unsere Führer, die uns in der kritischen Periode von der Erdentwickelung hinweggenommen haben. Sie haben uns gleichsam gesagt: Da unten kommt jetzt eine kritische Zeit; da müßt ihr die Erde verlassen! - Die luziferischen Geister waren es, unter deren Führung wir die Erde verlassen haben, dieselben luziferischen Geister, die in unseren damaligen astralischen Leib das luziferische Prinzip, den Hang zu allem, was wir die Möglichkeit des Bösen in uns nennen, hineinbrachten, damit zugleich aber allerdings auch die Möglichkeit der Freiheit. Hätten sie uns damals nicht fortgenommen von der Erde, so wären wir immer gekettet geblieben an die Gestalt, die wir damals geschaffen hatten, und wir könnten jetzt die Gestalt höchstens von oben umschweben, würden sie aber niemals beziehen können. So nahmen sie uns fort und verbanden ihr eigenes Wesen mit unserem Wesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir das ins Auge fassen, wird es uns jetzt verständlich, daß wir, während wir fortgingen, die luziferischen Einflüsse aufnahmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Organisationen, welche dieses Schicksal nicht teilten, damals in ganz besondere Weltgebiete geführt zu werden, die mit der Erde verbunden blieben, die blieben unten ohne den luziferischen Einfluß. Sie &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|52}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
mußten mit uns die Erdenschicksale teilen - konnten aber nicht mit uns unser Himmelsschicksal teilen. Und als wir auf die Erde zurückkamen, hatten wir den luziferischen Einschlag in uns, nicht aber jene andern Wesen, und dadurch wurde es uns möglich, das Leben in einem physischen Körper und doch ein von dem physischen Körper unabhängiges Leben zu führen, so daß wir auch immer mehr und mehr unabhängig von dem physischen Körper werden konnten. Diese andern Wesen aber, die den luziferischen Einschlag nicht in sich hatten, stellten dar, was wir aus ihnen gemacht hatten, was unsere astralischen Leiber waren in der Zwischenzeit zwischen Sonnen- und Mondaustritt, also dasjenige, von dem wir uns befreiten. Wir schauen auf die Tiere und sagen: Alles, was die Tiere darstellen an Grausamkeit, an Gefräßigkeit, an allen tierischen Untugenden, neben der Geschicklichkeit, die sie haben, das hätten wir in uns, wenn wir sie nicht hätten aus uns heraussetzen können! - Wir verdanken die Befreiung unseres astralischen Leibes dem Umstande, daß alle gröberen astralischen Eigenschaften zurückgeblieben sind im Tierreich der Erde. Und wir können sagen: Wohl uns, daß wir das nicht mehr in uns haben: die Grausamkeit des Löwen, die List des Fuchses, daß es aus uns herausgezogen ist und außer uns ein selbständiges Dasein führt!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So haben die Tiere das mit uns gemeinschaftlich, was unser astralischer Leib ist, und haben dadurch die Möglichkeit, Schmerzen empfinden zu können. Aber sie haben gerade durch das, was jetzt gesagt worden ist, nicht die Möglichkeit erlangen können, durch den Schmerz und durch die Überwindung des Schmerzes immer höher und höher zu steigen. Denn sie haben keine Individualität. Dadurch sind die Tiere viel, viel übler daran als wir. Wir müssen die Schmerzen ertragen; aber jeder Schmerz ist für uns ein Mittel zur Vervollkommnung; indem wir ihn überwinden, steigen wir höher durch den Schmerz. Die Tiere haben wir zurückgelassen als etwas, was zwar die Schmerzfähigkeit schon hatte, aber noch nicht das, was sie über den Schmerz erheben konnte, wodurch sie den Schmerz überwinden. Das ist das Schicksal der Tiere. Sie zeigen uns unsere eigene Organisation auf der Stufe, da wir schmerzfähig waren, aber noch nicht durch Überwindung den Schmerz ins Heilsame für die Menschheit umwandeln konnten. So haben wir den &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|53}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tieren im Laufe der Erdentwickelung unser schlimmeres Teil gegeben, und sie stehen um uns herum als Wahrzeichen dessen, daß wir zu unserer Vervollkommnung kamen. Wir hätten den Bodensatz nicht los- bekommen, hätten wir nicht die Tiere zurückgelassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Solche Tatsachen müssen wir nicht als Theorien betrachten lernen, sondern mit kosmischem Weltengefühl. Wir müssen hinblicken auf die Tiere mit dem Gefühl: Da draußen seid ihr, Tiere. Wenn ihr leidet, leidet ihr etwas, was uns Menschen zugute kommt.Wir Menschen haben die Möglichkeit, das Leiden zu überwinden; ihr müßt das Leiden er- dulden. Wir aber haben euch das Leiden gelassen - und uns die Überwindung genommen!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn man dieses kosmische Gefühl aus der Theorie entwickelt, wird es zu dem umfassenden Mitgefühl mit der Tierwelt. Wo daher das kosmische Gefühl aus der Urweisheit der Menschheit entsproß, wo die Menschen sich noch bewahrt hatten eine Erinnerung an das Urwissen, das jedem aus dem dämmerhaften Hellsehen sagte, wie die Dinge einst lagen, da hatte man sich damit auch das Mitgefühl für die Tierwelt bewahrt, und da tritt das Mitgefühl für die Tiere in einem hohen Maße hervor. - Dieses Mitgefühl wird wiederkommen, wenn die Menschen sich angewöhnen werden, spirituelle Weisheit aufzunehmen, wenn die Menschen wiederum einsehen werden, wie das Menschheitskarma mit dem Weltenkarma verbunden ist. In den Zeiten, welche sozusagen Zeiten der Verdunkelung waren, in denen das materialistische Denken Platz griff, hat man von diesen Zusammenhängen keine rechte Ahnung haben können. Da blickte man nur auf das, was im Raume nebeneinander ist, ohne zu berücksichtigen, daß dieses, was nebeneinander im Raume ist, einen einheitlichen Ursprung hat und sich nur in der Entwickelung getrennt hat. Und da fühlte man natürlich auch nicht, was die Menschen mit den Tieren verbindet. Und auf allen Gebieten der Erde, wo man die Mission gehabt hat, zu überdecken das Bewußtsein vom Zusammenhange des Menschen mit der Tierwelt, wo an Stelle dieses Bewußtseins nur ein solches getreten ist, das sich auf den äußeren physischen Raum beschränkt, da hat der Mensch den Tieren das, was er ihnen verdankt, in einer eigenartigen Weise vergolten - indem er sie eben aufgegessen hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|54}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Dinge zeigen uns aber zugleich, wie Weltanschauungen zu- sammenhängen mit der menschlichen Empfindungs- und Gefühlswelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Empfindungen und Gefühle sind letzten Endes Folgen derWeltanschauungen, und wie sich die Weltanschauungen und Erkenntnisse ändern, so werden sich auch die Empfindungen und Gefühle innerhalb des Menschheitszusammenhanges ändern. Der Mensch konnte nicht anders, als sich höher entwickeln; er mußte andere Wesen in den Abgrund stoßen, um selbst höher zu steigen. Er konnte den Tieren nicht geben eine Individualität, die im Karma ausgleicht, was die Tiere leiden müssen; er konnte ihnen nur den Schmerz überliefern, ohne ihnen die&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
karmische Gesetzmäßigkeit des Ausgleiches geben zu können. Was er ihnen aber früher nicht geben konnte, das wird ihnen der Mensch einst geben,wenn er zur Freiheit und zum Selbstlos-Sein seiner Individualität gekommen ist. Dann wird er - in bewußter Weise - auch auf diesem Gebiet die karmische Gesetzmäßigkeit fassen und wird sagen: Den Tieren verdanke ich, was ich bin. Was ich den einzelnen tierischen Wesen nicht mehr geben kann, welche von einem Einzeldasein in ein Schattendasein hinuntergegangen sind, was ich sozusagen einstmals an den Tieren verschuldet habe, das muß ich jetzt an den Tieren wieder gutmachen durch die Behandlung, welche ich ihnen angedeihen lasse! - Daher wird mit dem Fortschreiten der Entwickelung durch das Bewußtsein der karmischen Verhältnisse auch wieder ein besseres Verhältnis des Menschen zum Tierreich eintreten, als es jetzt, besonders im Abendlande, vorhanden ist. Eine Behandlung der Tiere wird kommen, durch welche der Mensch die Tiere, die er hinuntergestoßen hat, wieder heraufzieht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So sehen wir Karma und Tierreich denn doch in einem gewissen Verhältnis zueinander. Was das Tier als Schicksal erlebt, das können wir, wenn wir nicht alles durcheinanderwerfen wollen, nicht mit dem menschlichen Karma vergleichen. Aber wenn wir die ganze Erdentwikkelung betrachten und was um der Menschheit und ihrer Entwickelung willen geschehen mußte, dann werden wir sehen, daß wir in der Tat von einer Beziehung des Menschheitskarma zu der Tierwelt sprechen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|55}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= DRITTER VORTRAG Hamburg, 18. Mai 1910 =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Solche Betrachtungen, wie wir sie heute und in den allernächstenTagen anzustellen haben, können sehr leicht einem gewissen Mißverständnis unterworfen sein. Wir werden es zu tun haben mit mancherlei Krankheits- und Gesundheitsfragen vom Gesichtspunkte des Karma, und bei der Gegensätzlichkeit unserer heutigen Zeitströmungen gerade auf diesem Gebiete könnte leicht eine mißverständliche Auffassung der geisteswissenschaftlichen Grundlagen Platz greifen,wenn dieses Kapitel - der Zusammenhang von Krankheit und Gesundheit mit dem Karma - berührt wird. Sie wissen ja, daß in den weitesten Kreisen die Diskussion mit ziemlicher Heftigkeit und Leidenschaftlichkeit wogt, wenn Gesundheits- und Krankheitsfragen in Betracht kommen. Es ist Ihnen ja allen bekannt, wie sehr von seiten der Laien sowohl als auch von seiten dieser oder jener Ärzte Partei ergriffen wird gegen das, was man die wissenschaftliche Medizin nennt. Auf der andern Seite kann leicht bemerkt werden, wie die Vertreter der wissenschaftlichen Medizin vielleicht gerade herausgefordert werden durch manchen ungerechten Angriff, so daß sie nicht nur in eine Art von Leidenschaft verfallen, wenn es sich darum handelt - was ihr gutes Recht ist -, einzutreten für das, was die Wissenschaft dazu zu sagen hat, sondern daß von dieser Seite heute auch ein zum Teil recht arger Kampf geführt wird gegen das, was von andern Gesichtspunkten als den in der offiziellen Medizin vertretenen irgendwie gesagt wird über das in Betracht kommende Gebiet. Theosophie oder Geisteswissenschaft wird nur dann ihren hohen Aufgaben gerecht werden können, wenn sie auf einem solchen, von Diskussionen vielfach verdunkelten Gebiet das unbefangene und objektive Urteil wahrt. Wer ähnliche Vorträge von mir gehört hat, wird wissen, wie wenig es mir darum zu tun ist, einzustimmen in den Chor, der heute das, was man als «Schulmedizin» bezeichnet, diskreditieren will.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von einem Einstimmen in diese oder jene Parteirichtung kann bei der Geisteswissenschaft auch nicht im entferntesten die Rede sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es darf vielleicht gerade bei dieser Gelegenheit eiirleitend betont&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|56}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
werden, daß die Leistungen in bezug auf die Tatsachen und tatsächlichen Erforschungen der Erscheinungen gerade auf dem Gebiet des Krankheitswesens und der Gesundheitsfragen der Menschheit in den letzten Jahren und Jahrzehnten wahrhaftig zu ebensolchem Lobreden, Anerkennen und Bewundern herausfordern wie zahlreiche andere naturwissenschaftliche Ergebnisse. Und von dem, was auf diesem Gebiete an Tatsächlichem geleistet worden ist, darf auch gesagt werden: Wenn sich irgend jemand freuen darf über das, was die Medizin in den letzten Jahren geleistet hat, so kann dies gerade die Geisteswissenschaft sein. Auf der andern Seite muß aber auch betont werden, was gerade für die Naturwissenschaft gilt, daß die Errungenschaften und tatsächlichen Erkenntnisse und Entdeckungen zuweilen recht wenig richtige und befriedigende Interpretationen und Erklärungen finden durch das, was heute wissenschaftliche Meinungen sind. Das ist ja das Hervorstechendste in unserer Zeit für viele Gebiete naturwissenschaftlicher Forschung, daß die Meinungen, die Theorien nicht gewachsen sind den zuweilen wunderbaren Tatsachenergebnissen. Und erst das Licht, das von der Geisteswissenschaft ausgeht, wird Klarheit über das bringen, was auf diesem Gebiet in den letzten Jahren errungen worden ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem das vorausgeschickt worden ist, wird es klar sein, daß es sich nicht um irgendwelches Einstimmen in billige Bekämpfung dessen handelt, was auf dem Gebiet der wissenschaftlichen Medizin heute geleistet werden kann. Dann darf aber auch gesagt werden, daß die bewundernswerten Tatsachen, die zutage getreten sind, nicht fruchtbar werden können in unserer Zeit zum Heile der Menschheit, weil auf der andern Seite geradezu materialistisch gefärbte Meinungen und TheorIen diese Fruchtbarkeit verhindern. Daher ist es für die Theosophie viel besser, daß sie anspruchslos das sagt, was sie zu sagen hat, als in irgendeinen Parteikampf einzugreifen. Es werden dadurch viel weniger die Leidenschaften aufgeregt werden, als sie es heute schon sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir überhaupt einen Gesichtspunkt gewinnen wollen zu den Fragen, die uns beschäftigen sollen, dann müssen wir uns damit bekanntmachen, daß die Ursachen zu irgendeiner Erscheinung in der inannigfaltigsten Weise gesucht werden müssen, nähere und entferntere Ursachen, und daß die Theosophie, wenn es sich darum handeln &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|57}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wird, karmische Ursachen zu Gesundheitsfragen zu suchen, es ein wenig zu tun haben wird mit den entfernteren Ursachen, die nicht an der Oberfläche liegen. Machen wir uns das durch einen Vergleich klar. Wenn Sie den Vergleich überdenken, werden Sie schon auf das kommen, was eigentlich gemeint ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen wir an, irgend jemand stehe auf dem Standpunkt, «wie wir es heute so herrlich weit gebracht haben» auf diesem Gebiete, und er verachte ganz die Meinungen, welche in den vergangenen Jahrhunderten über Gesundheit und Krankheit zutage getreten sind. Wenn Sie versuchen, einen Überblick über die Krankheits- und Gesundheitsfragen zu finden, werden Sie den Eindruck bekommen, daß die Darsteller eines solchen Gebietes gewöhnlich das Urteil haben: Was in den letzten zwanzig bis dreißig Jahren auf diesem Gebiete zutage getreten ist, das ist eine Art absoluter Wahrheit, die zwar ergänzt werden kann, aber nie ein solches absprechen des Urteil erfahren kann wie das, welches solche Beurteiler leider selbst abgeben über das meiste, was auf diesem Gebiete vorangegangen ist an menschlichem Sinnen und Trachten. Es wird zum Beispiel häufig gesagt: Wir finden gerade auf diesem Gebiete in den verflossenen Zeiten den krassesten Aberglauben -, und es werden dann recht abschreckende Beispiele angeführt, wie in den verflossenen Jahrhunderten versucht worden sei, dies oder das zu heilen. Insbesondere schlimm findet man, wenn man irgendwo auf Ausdrücke stößt, welche in der damaligen Bedeutung dem heutigen Bewußtsein längst verlorengegangen sind, sich aber dennoch in das heutige Bewußtsein eingeschlichen haben&amp;gt; und mit denen so, wie sie der heutige Mensch denkt, nichts anzufangen ist. So sagen einige: Da gab es Zeiten, in denen man eine jede Krankheit Gott oder dem Teufel zuschrieb! So schlimm, wie es solche Darsteller machen, liegt es deshalb nicht, weil sie nicht wissen, welcher Komplex von Anschauungen bei einem solchen Begriff ~Gott» oder «Teufel» gemeint war. Durch einen Vergleich können wir uns das klarmachen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen wir an, zwei Leute reden miteinander. Da erzählt der eine dem andern: Eben habe ich eine Stube gesehen, die ganz voller Fliegen ist. Nun sagt mir jemand, das sei ganz natürlich; und das glaube ich auch, denn die Stube ist sehr schmutzig, und dadurch finden die&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|58}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fliegen ihr Fortkommen. Es ist ganz erklärlich, daß man das als Grund für das Vorhandensein der Fliegen annimmt, und ich glaube auch, daß derjenige ganz recht hat, der da sagt, die Fliegen werden nicht mehr in der Stube sein, wenn man einmal gründlich reinemacht! - Nun hat aber ein anderer erzählt, daß er noch etwas anderes wüßte, warum so viele Fliegen in dem Zimmer wären; und die Ursache könne er nicht anders ,bezeichnen,als daß in jenem Zimmer seit langem eine grundfaule Hausfrau hause. - Aber nun sieh einmal, was das für ein grenzenloser Aber- glaube ist: daß die Faulheit wie eine Art Persönlichkeit sei, die nur zu winken brauchte, und dann kämen die Fliegen herein! Da ist die andere Erklärung doch richtiger, die das Vorhandensein der Fliegen durch den angehäuften Schmutz erklärt!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nicht viel anders ist es auf einem andern Gebiete, wenn man sagt: Es ist jemand von einer Krankheit befallen, da er eben eine Infektion durch irgendeine Bazillenart erhalten hat; treibt man die Bazillen aus, so Ist die Heilung da. Nun reden aber da noch Leute von irgendeiner geistigen Ursache, die tiefer liege! Man braucht doch nichts anderes zu tun, als die Bazillen fortzutreiben! - Es ist nicht mehrAberglaube, von einer geistigen Ursache zu sprechen bei Erkrankungen, doch alles übrige anzuerkennen, als in dem Falle, wo die Ursache für das Dasein der Fliegen in einer grundfaulen Hausfrau gesehen wird. Und man braucht nicht zu wettern, wenn man sagt: Die Fliegen werden nicht mehr da sein, wenn einmal reinegemacht wird. Nicht darum handelt es sich, daß der eine den andern bekämpft, sondern daß man lernt, sich gegenseitig zu verstehen und einzugehen auf das, was der eine will und was der andere will. Das muß man durchaus berücksichtigen, wenn von den unmittelbar naheliegenden Ursachen mit Recht gesprochen wird und wenn von den entfernteren Ursachen gesprochen wird. Der objektive Theosoph wird sich durchaus nicht auf den Standpunkt stellen, daß die Faulheit nur eine Art von Wink zu geben brauche, damit die Fliegen in das Zimmer kommen; er wird wissen, daß auch andere materielle Dinge dabei in Betracht kommen, daß aber alles, was materiell zum Ausdruck kommt, seine geistigen Hintergründe hat und daß diese geistigen Hintergründe zum Heile der Menschheit gesucht werden müssen. Diejenigen aber, welche in den Kampf gern einstimmen möchten, die sollen &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|59}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
auch daran erinnert werden, daß die geistigen Ursachen nicht immer in derselben Weise aufgefaßt werden dürfen und auch nicht in der gleichen Art bekämpft werden können wie die gewöhnlichen materiellen Ursachen. Und man darf auch nicht denken, daß man durch das Bekämpfen der geistigen Ursachen enthoben wäre der Bekämpfung der materiellen Ursachen; denn sonst könnte man die Stube schmutzig lassen und brauchte nur gegen die Faulheit der Hausfrau zu Felde zu ziehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir nun das Karma betrachten, müssen wir sprechen von Zusammenhängen zwischen Ereignissen, wie sie im Menschenleben eintreten in einer früheren Zeit und wie sie ihre Wirkung auf dasselbe Menschenwesen zeigen in einer späteren Zeit. Wenn wir sprechen von Gesundheit und Krankheit vom Gesichtspunkte des Karma aus, so heißt das nichts anderes als: Wie können wir uns vorstellen, daß der gesunde oder kranke Zustand eines Menschen seine Begründung findet in früheren Taten, Verrichtungen und Erlebnissen dieses Menschen? Und wie können wir uns vorstellen, daß sein gegenwärtiger Gesundheits- oder Krankheitszustand mit zukünftigen Wirkungen, die auf dasselbe esen zurückfallen, im Zusammenhang steht?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am liebsten wird der heutige Mensch überhaupt glauben, daß eine Krankheit mit den allernächsten Ursachen nur im Zusammenhange stehe. Denn der Grundnerv unserer heutigen Weltanschauung auf allen Gebieten ist ja der, daß man Bequemlichkeit sucht; und stehenbleiben bei den allernächsten Ursachen ist eine bequeme Sache. Daher werden gerade in bezug auf Erkrankungen nur die allernächsten Ursachen berücksichtigt - und am meisten geschieht das von den Kranken selbst. Denn wie wäre es zu leugnen, daß die Kranken selbst veranlaßt sind, solche Bequemlichkeit zu üben? Aus diesem Umstande heraus ergibt sich so viel Unzufriedenheit, wenn ein solcher Glaube existiert, die Krankheit müsse die allernächsten Ursachen haben, welche von dem kundigen Arzt gefunden werden müssen; und wenn der Arzt dann nicht helfen kann, hat er irgend etwas verpfuscht. Aus dieser Bequemlichkeit des Urteils gebt vieles von dem hervor, was heute auf diesem Gebiete gesagt wird. Wer Karma in seinen weitverzweigten Wirkungen zu betrachten versteht, der wird immer mehr seinen Blick erweitern von dem, was heute geschieht, zu Ereignissen, die verhältnismäßig sehr &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
weit zurückliegen. Und er wird vor allen Dingen die Überzeugung gewinnen, daß eine durchgreifende Erkenntnis eines Sachverhaltes, der den Menschen trifft, nur möglich ist, wenn man den Blick erweitern kann über das, was weiter zurückliegt. Insbesondere beim erkrankten Menschen ist das der Fall.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir vom kranken und auch vom gesunden Menschen sprechen, drängt sich uns die Frage auf die Lippen: Wie können wir uns von dem Kranksein überhaupt einen Begriff machen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn die geisteswissenschaftlicheForschung direkt vorgeht und den hellseherischen Blick zu Hilfe nimmt, wird sie immer, wenn es sich um Erkrankungen des Menschen handelt, Unregelmäßigkeiten bemerken, nicht nur im physischen Leibe des Menschen, sondern auch in den höheren Wesensgliedern des Menschen, im Ätherleibe und im astralischen Leibe. Und der hellseherische Forscher wird bei einem Krankheitsfall immer in Betracht ziehen müssen&amp;gt; welches in dem betreffenden Falle der Anteil sein kann des physischen Leibes auf der einen Seite und des Ätherleibes und des astralischen Leibes auf der andern Seite; denn alle drei Wesensglieder des Menschen können an der Erkrankung beteiligt sein. Nun entsteht die Frage: Welche Vorstellungen können wir über das Wie der Krankheit gewinnen? - Dem kommt man am leichtesten bei, wenn man in Betracht zieht, wieweit man den Begriff «Krankheit» überhaupt ausdehnen darf. Diejenigen, die gern in allerlei allegorisch-symbolischen Begriffen sprechen, auch da, wo sie nicht hin- gehören, denen mag es überlassen bleiben, wenn sie auch bei Mineralien oder Metallen von Erkrankungen sprechen, indem sie zum Beispiel sagen, wenn der Rost das Eisen frißt, sei das eine Krankheit des Eisens. Man muß sich dabei nur darüber klar sein, daß man durch solche abstrakten Begriffe zu einem wirklichen gedeihlichen Erfassen des Lebens nicht kommen kann; man kann nur kommen zu einer Art spielerischen Erkenntnis des Lebens, nicht aber zu einem Erkennen, das wirklich eingreift in die Tatsachen.Wer zu einem realen Krankheitsbegriff und auch zu einem realen Gesundheitsbegriff kommen will, muß sich hüten, davon zu sprechen, daß Mineralien und Metalle auch erkranken können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun ist die Sache schon anders, wenn wir ins Pflanzenreich hinaufgehen. Da dürfen wir gewiß von Erkrankungen der Pflanzen sprechen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Aber gerade Pflanzenkrankheiten sind für das reale Erfassen der Vorstellung «Krankheit» von einem ganz besonderen Interesse und von ganz besonderer Wichtigkeit. Bei Pflanzen wird man, wenn man wieder nicht spielerisch zu Werke geht, nicht leicht sprechen können von inneren Krankheitsursachen. In demselben Maße,wie man bei Tier und Mensch von inneren Krankheitsursachen sprechen kann, kann man bei Pflanzen nicht davon sprechen. Die Erkrankungen im Pflanzenreiche werden Sie immer zurückzuführen haben auf äußere Veranlassungen, auf diese oder jene schädlichen Einflüsse des Bodens, ungenügende Belichtungen, auf diese oder jene Wirkungen des Windes und auf sonstige elementare und Naturwirkungen. Oder Sie werden solche Erkrankungen von Pflanzen zurückzuführen haben auf Einflüsse von Parasiten, die sich an die Pflanzen heranmachen und sie schädigen. Und wir werden innerhalb des Pflanzen reiches mit Recht davon sprechen, daß der Begriff «innere Krankheitsursache» im Grunde gar keine Berechtigung hat. - Es ist natürlich nicht möglich, da ich nicht ein halbes Jahr über dieses Thema sprechen kann, daß ich mit unzähligen Belegen versehe, was ich jetzt angedeutet habe. Aber je tiefer wir in die Pflanzenpathologie eindringen, desto mehr werden wir sehen, daß von dem Begriff «innere Krankheitsursache» bei den Pflanzen nicht die Rede sein kann, sondern daß es sich da um äußere Veranlassungen und Schädigungen, um äußere Einflüsse handelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun haben wir in der Pflanze, wie sie uns zunächst in der äußeren Welt entgegentritt, ein Wesen vor uns, das uns ein Gefüge von einem physischen Leibe und einem Atherleibe zeigt. Und wir haben damit zugleich ein Wesen vor uns, das uns sozusagen aufmerksam darauf macht, daß ein solches Wesen mit physischem Leib und Ätherleib im Grunde dem Prinzip nach gesund ist und daß es warten muß, bis es eine äußere Schädigung erfährt, wenn es krank werden soll. Damit stimmt auch durchaus der geisteswissenschaftliche Tatbestand.Während wir durch die Methoden der hellseherischen Forschung im Tier- und Menschenreich bei Erkrankungen ganz entschieden im Inneren des Wesens - in den übersinnlichen Teilen - Veränderungen erblicken, können wir innerhalb einer erkrankten Pflanze niemals davon sprechen, daß der ursprüngliche Ätherleib selber verändert wäre, sondern nur &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|62}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
davon, daß sich von außen allerlei Störungen und schädliche Einflüsse in den physischen Leib und namentlich in den Ätherleib hineingedrängt haben. Der geisteswissenschaftliche Tatbestand rechtfertigt durchaus das, was wir als allgemeinen Schluß gewinnen: daß in dem, was bei den Pflanzen in Betracht kommt - nämlich physischer Leib und Ätherleib -, etwas ursprünglich Gesundes vorliegt. Aber etwas anderes ist es, wie die Pflanze imstande ist, wenn sie äußere Schädigungen erfährt, alles mögliche aufzuwenden, um in Wachstum und Entwickelung sich gegen die Schädigungen zu wehren, sich zu heilen. Beobachten Sie einmal, wenn Sie eine Pflanze anschneiden, wie sie versucht, die beschädigte Stelle zu umwachsen, zu umgehen, was ihr da im Wege liegt und sie schädigt. Und wir können es fast mit Händen greifen,wie in der Pflanze eine innere Abwehr, eine Heilkraft vorhanden ist, wenn eine äußere Schädigung eintritt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So sehen wir, daß wir in dem Ätherleib und physischen Leib der Pflanze etwas vor uns haben, was imstande ist, mit inneren Heilkräften zu antworten auf äußere Schädigungen. Das ist eine außerordentlich wichtige Tatsache, wenn man auf diesem Gebiete zur Klarheit kommen will. Ein Wesen wie die Pflanze mit physischem Leibe und Ätherleib zeigt uns also nicht nur, daß der physische Leib und der Ätherleib ursprünglich Prinzipien der Gesundheit in sich haben, soviel notwendig ist zur Entwickelung und zum Wachstum des betreffenden Wesens, sondern es zeigt uns ein solches Wesen sogar, daß ein Überschuß vorhanden ist von solchen Kräften, die sich in den Heilkräften ausleben können, wenn von außen Schädigungen kommen. - Woher müssen denn diese Heilkräfte stammen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn Sie in einen bloß physischen Körper hineinschneiden, wird die Schädigung bleiben. Er wird aus sich heraus nichts tun können, um die Schädigung sozusagen zu heilen. Deshalb können wir bei einem bloß physischen Körper nicht von einer Erkrankung sprechen, und am wenigsten davon,daß Krankheit und Heilung in Beziehung zueinander stehen können. Das können wir am besten sehen, wenn eine Krankheit bei einer Pflanze zutage tritt. Da haben wir das Prinzip der inneren Heilkraft zu suchen im Ätherleibe. Das zeigt wiederum im eminentesten Maße der geisteswissenschaftliche Tatbestand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|62}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
davon, daß sich von außen allerlei Störungen und schädliche Einflüsse in den physischen Leib und namentlich in denÄtherleib hineingedrängt haben. Der geisteswissenschaftliche Tatbestand rechtfertigt durchaus das, was wir als allgemeinen Schluß gewinnen: daß in dem, was bei den Pflanzen in Betracht kommt - nämlich physischer Leib und Ätherleib -, etwas ursprünglich Gesundes vorliegt. Aber etwas anderes ist es, wie die Pflanze imstande ist, wenn sie äußere Schädigungen erfährt, alles mögliche aufzuwenden, um in Wachstum und Entwickelung sich gegen die Schädigungen zu wehren, sich zu heilen. Beobachten Sie einmal, wenn Sie eine Pflanze anschneiden, wie sie versucht, die beschädigte Stelle zu umwachsen, zu umgehen, was ihr da im Wege liegt und sie schädigt.Und wir können es fast mit Händen greifen,wie in der Pflanze eine innere Abwehr, eine Heilkraft vorhanden ist, wenn eine äußere Schädigung eintritt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So sehen wir, daß wir in dem Ätherleib und physischen Leib der Pflanze etwas vor uns haben, was imstande ist, mit inneren Heilkräften zu antworten auf äußere Schädigungen. Das ist eine außerordentlich wichtige Tatsache, wenn man auf diesem Gebiete zur Klarheit kommen will. Ein Wesen wie die Pflanze mit physischem Leibe und Ätherleib zeigt uns also nicht nur, daß der physische Leib und der Ätherleib ursprünglich Prinzipien der Gesundheit in sich haben, soviel notwendig ist zur Entwickelung und zum Wachstum des betreffenden Wesens, sondern es zeigt uns ein solches Wesen sogar, daß ein Überschuß vorhanden ist von solchen Kräften, die sich in den Heilkräften ausleben können, wenn von außen Schädigungen kommen. - Woher müssen denn diese Heilkräfte stammen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn Sie in einen bloß physischen Körper hineinschneiden, wird die Schädigung bleiben. Er wird aus sich heraus nichts tun können, um die Schädigung sozusagen zu heilen. Deshalb können wir bei einem bloß physischen Körper nicht von einer Erkrankung sprechen, und am wenigsten davon, daß Krankheit und Heilung in Beziehung zueinander stehen können. Das können wir am besten sehen, wenn eine Krankheit bei einer Pflanze zutage tritt. Da haben wir das Prinzip der inneren Heilkraft zu suchen im Ätherleibe. Das zeigt wiederum im eminentesten Maße der geisteswissenschaftliche Tatbestand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|63}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denn um die Wunde einer Pflanze herum beginnt der Ätherleib der Pflanze ein viel regeres Leben, als er vorher dort entfaltete. Er bringt ganz andere Formen aus sich heraus, entwickelt ganz andere Strömungen. Das ist das außerordentlich Interessante, daß wir geradezu älen Ätherieib der Pflanze herausfordern zu einer erhöhten Tätigkeit, wenn wir der Pflanze in bezug auf den physischen Leib eine Schädigung bei- bringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit haben wir zwar nicht den Begriff der Krankheit definiert; aber wir haben etwas getan, um zum Wie der Krankheit zu kommen, und wir haben etwas erreicht, was uns eine Ahnung verschafft über das innere Wie der Heilung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt gehen wir einmal - immer am Leitfaden der inneren, hellseherischen Beobachtung - weiter und versuchen wir, die äußeren Erscheinungen vernunftgemäß zu begreifen, zu denen uns die Geisteswissenschaft führt. Dann können wir jetzt aufsteigen von den Schädigungen, welche wir Pflanzen beibringen, zu gewissen Schädigungen, welche wir Tieren beibringen, die also Wesen sind, die schon einen astralischen Leib haben. Wenn wir da im groben Sinne zu Werke gehen, so werden wir sehen, daß wir bei den höheren Tieren verhältnismäßig sehr wenig - und immer weniger, je höher das Tier steht - von dem erblicken können, was bei den Pflanzen in umfassendem Maße hervortritt: nämlich jenes Antworten des Ätherleibes auf äußere Schädigungen. Wenn wir grobe Schädigungen dem physischen Leibe eines niederen oder auch eines höheren Säugetieres beibringen, reißen wir zum Beispiel einem Hunde ein Bein aus oder dergleichen, dann werden wir finden, daß der Ätherleib des Hundes nicht so leicht mit seiner Heilkraft antworten kann, wie der Atherleib der Pflanze antwortet auf eine Schädigung, die in ahnlicherWeise der Pflanze zugefügt worden ist. Aber auch im Tierreich ist das noch in großem Maße zu sehen. - Nehmen wir an, wir steigen hinunter bis zu ganz niedrigen tierischen Wesen, zu den Tritonen oder ähnlichen. Solche niederen Tierwesen können Sie zerschneiden; schneiden wir einem solchenWesen gewisse Organe ab, so ist das, könnte man sagen, dem Tiere gar nicht besonders unangenehm. Die Organe wachsen mit großer Schnelligkeit wieder nach, und das Tier sieht bald wieder so aus wie früher. Da ist etwas Ähnliches wie bei der Pflanze &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|64}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
geschehen: Wir haben eine gewisse Heilkraft im Ätherleibe herausgefordert. Wer würde leugnen, daß die Herausforderung, Heilkräfte im Ätherleib zu entwickeln, beim Menschen oder beim höheren Tier eine erhebliche Gefährdung der Gesundheit bedeuten würde? Das niedere Tier dagegen wird in seinem Ätherleibe nur herausgefordert, ein an- deres Glied aus seinem Inneren durch seinen Ätherleib herauswachsen zu lassen. Nun steigen wir etwas weiter hinauf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir jetzt zum Beispiel bei Krebsen ein Glied abschneiden, so sind die Krebse nicht sogleich imstande, ein anderes Glied aus sich her- auswachsen zu lassen. Aber wenn sie sich das nächste Mal häuten,wenn sie bei der nächsten Übergangsstufe ihres Lebens ankommen, dann schon treibt für das abgebrochene Glied ein Stumpf heraus; beim zweitenmal wird er schon größer sein, und wenn sich das Tier genügend oft häuten würde, so würde das Glied ersetzt werden durch ein neues. - Da haben Sie die Erscheinung, daß in solchem Ätherleib schon mehr dazu gehört, damit die innere Heilkraft herausgefordert wird. Und bei den höheren Tieren ist das nun gar nicht mehr in diesem Maße der Fall. Wenn wirein höheres Tier verstümmeln, kann es zunächst nicht diese Heilkraft aus seinem Ätherleibe heraus aufbringen. Aber es muß immer wieder betont werden,was heute in einen bedeutsamen naturwissenschaftlichen Streit hineinspielt: Wenn Sie das Tier verstümmeln, und das Tier hat Nachkommen, so übertragen sich diese Verstümmelungen nicht auf die Nachkommen; die nächste Generation hat wieder die vollen Glieder. Wenn der Ätherleib seine Eigenschaften auf die Nachkommen überträgt,wird er wieder angeregt, einen vollständigen Organismus heraus zusetzen. Beim Tritonen wirkt der Ätherleib noch in demselben Tiere, beim Krebs erst in der Häutung; bei den höheren Tieren tritt dasselbe erst bei den Nachkommen ein; da ersetzt der Ätherleib,was in der vor hergehenden Generation verstümmelt worden ist. Wir müssen also solche Erscheinungen in der Natur gradweise betrachten, dann wird es uns klarwerden, daß selbst dann noch von einer Heilkraft im Ätherleibe gesprochen werden muß, wenn die Vererbungen von den Vorfahren auf die Nachkommen gehen, und daß der Ätherleib sich so vererbt, daß er wieder das ganze, ungeteilte Tier hervorbringt. Da haben Sie sozusagen ein Aufsuchen des Wie der Heilkräfte im Ätherleib.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|65}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun können wir die Frage aufwerfen:Woran liegt es denn, je weiter wir in der Tierreihe hinaufsteigen - und wenn wir das Menschen reich äußerlich betrachten, gilt das auch -, daß der Ätherleib immer mehr Anstrengungen machen muß, um überhaupt die Heilkräfte herauszubekommen? - Das liegt daran, daß der Ätherleib in der verschiedensten Weise mit dem physischen Leibe verbunden sein kann. Es gibt zwischen dem physischen Leibe und dem Ätherleibe sozusagen eine innigere Gemeinschaft und eine losere. Nehmen wir zum Beispiel ein niederes Tier, den Triton, bei dem ein abgeschnittenes Glied sich sogleich wieder ansetzt. Da müssen wir eine lose Verbindung annehmen zwischen Ätherleib und physischem Leib. Und in noch höherem Maße gilt das bei der Pflanzenwelt. Da müssen wir sagen: Die Verbindung ist eine derartige, daß der physische Leib nicht imstande ist, auch auf den Ätherleib zurückzuwirken, so daß der Ätherleib ungeschoren bleibt durch das, was im physischen Leibe geschieht, und daß der Ätherleib in gewisser Beziehung unabhängig ist vom physischen Leibe. Nun ist das Wesen des Ätherleibes das des Tätigseins, des Hervorbringens, des Wachstumförderns. Er fördert das Wachstum bis zu einer bestimmten Grenze. In dem Augenblick, da wir bei Pflanzen oder niederen Tieren ein Glied abschneiden, ist der Ätherleib gleich wieder bereit, das Glied zu ergänzen, das heißt, die volle Tätigkeit zu entfalten. Was muß aber vorliegen, wenn er die volle Tätigkeit nicht entfalten kann? Dann müßte er mehr gebunden sein an die Tätigkeit des betreffenden Gliedes. Und&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
das ist in der Tat bei den höheren Tieren der Fall. Da ist eine viel innigere, dichtereVerbindung zwischen Ätherleib und physischem Leib vorhanden. Wenn der physische Leib seine Formen ausbildet, wirken diese Formen - also was in der physischen Natur ist - wieder zurück auf den Ätherleib.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir anschaulich sprechen wollen: Bei ganz niederen Tieren oder bei Pflanzen wirkt das, was draußen ist, nicht zurück auf den Atherleib, läßt ihn ungeschoren, führt ein selbständiges Dasein. Sobald wir zu höheren Tieren kommen, drängen die Formen des physischen Leibes rückwärts sich dem Ätherleibe auf; da ist der Ätherleib ganz angepaßt dem physischen Leibe, und wir verletzen mit dem physischen Leibe zugleich den Ätherleib. Dann muß natürlich derÄtherleib tiefere &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Kräfte anwenden, weil er zuerst sich selber wieder herstellen muß - und dann erst die betreffenden Gliedmaßen. Daher müssen wir an tiefere Heilkräfte appellieren,wenn wir an denÄtherleib eines höheren Tieres herangehen. Womit hängt das aber zusammen? Warum ist der Ätherleib eines höheren Tieres so abhängig von den Formen des physischen Leibes?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Je weiter wir in der Tierreihe vorschreiten, um so mehr haben wir zu berücksichtigen nicht nur die Tätigkeit des physischen Leibes und des Ätherleibes, sondern auch die des astralischen Leibes. Der astralische Leib kommt bei den niederen Tieren in seiner Wirksamkeit noch außerordentlich wenig in Betracht. Daher haben die niederen Tiere noch so viel Pflanzenähnliches. Je höher wir hinaufsteigen, desto mehr kommt der astralische Leib in Betracht. Der wirkt aber nun so, daß er den Ätherleib von sich abhängig macht. EinWesen wie die Pflanze, das nur physischen Leib und Ätherleib hat, hat mit der Außenwelt wenig zu tun; es werden Reize ausgeübt, aber die drücken sich nicht aus in inneren Vorgängen. Wo dagegen ein astralischer Leib wirksam ist, da spiegeln sich die äußeren Eindrücke in inneren Vorgängen. Ein Wesen, das den astralischen Leib nicht wirksam hat, ist innerlich mehr abgeschlossen der Außenwelt gegenüber. Es öffnet sich ein Wesen um so mehr der Außenwelt, als der astralische Leib wirksam ist. Also verbindet der astralische Leib das Innere eines Wesens mit der Außenwelt. Die zunehmende Wirksamkeit des astralischen Leibes macht, daß der Ätherleib viel stärkere Kräfte aufwenden muß, um auftretende Schädigungen wieder auszugleichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir aber jetzt hinaufsteigen vom Tier zum Menschen, ist noch etwas anderes zu berücksichtigen. Da werden in diesen astralischen Leib nicht nur hineingeprägt, hineingetragen die vorgeschriebenen Verrichtungen, wie es mehr beim Tiere der Fall ist: das Tier lebt mehr mit einer gebundenen Marschroute, lebt mehr mit einem gebundenen Lebensprogramm. Sie werden nicht leicht beim Tiere davon sprechen können, daß es in besonderem Maße gegenüber seinen Instinkten ausschwcifend wäre oder sich mehr in seinen Instinkten der Mäßigkeit hingeben könne. Es folgt seinem Lebensprogramm. Was sich beim Tier ausdrückt, ist einer Art von typischem Programm unterworfen. Der &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Mensch aber ist in der Lage, gerade dadurch, daß er höher hinaufgestiegen ist in der Stufenleiter der Entwickelung, alle möglichen Unterschiede - zwischen Richtig und Unrichtig, Wahrheit und Lüge, Gut und Böse - auszuleben. In der verschiedensten Weise kommt er durch nur individuelle Anlässe mit der Außenwelt in Berührung. Alle diese Arten von Berührungen fallen zurück, machen Eindruck auf seinen astralischen Leib. Und die Folge ist, daß auch die Wechselwirkung zwischen astralischem Leib und Ätherleib jetzt nach diesen äußeren Erlebnissen ausfallen muß. Wenn also ein Mensch in irgendeiner Beziehung ein ausschweifendes Leben führt, so bedeutet das einen Eindruck auf seinen astralischen Leib. Wir haben aber gesehen, daß der astralische Leib wieder den Ätherleib beeinflußt - wie, das wird ab- hängen von dem, was in den astralischen Leib hineingelegt worden ist. Daher werden wir jetzt verstehen können, daß der Ätherleib des Menschen geändert wird, je nachdem der Mensch dieses oder jenes Leben führt in den Grenzen von Gut und Böse, Richtig oder Unrichtig, von Wahrheit oder Lüge und so weiter. Das übt einen Einfluß auf den Ätherleib des Menschen aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun erinnern wir uns, wie die Vorgänge sind, wenn der Mensch durch die Pforte des Todes tritt. Wir wissen, daß der physische Leib abgelegt wird und daß zurückbleibt der Ätherleib, der nun mit dem astralischen Leib und dem Ich verbunden ist.Wenn nun nach dem Tode eine Zeit vergangen ist, die sich nur nach Tagen bemißt, wird das Hauptsächlichste des Ätherleibes als ein zweiter Leichnam abgeworfen; es bleibt jedoch ein Extrakt des Ätherleibes zurück, der mitgenommen wird und erhalten bleibt für alle kommenden Zeiten. In diesem Extrakt des Ätherleibes ist nun alles wie in einer Essenz darinnen, was im Leben hineingekommen ist zum Beispiel von einem ausschweifenden Leben, oder was der Mensch aufgenommen hat als das Ergebnis eines richtigen oder unrichtigen Denkens, Handelns und Fühlens. Das enthält der Ätherleib, und das nimmt der Mensch mit in die Zeit bis zur neuen Geburt. Weil das Tier solche Erlebnisse überhaupt nicht hat, kann es natürlich nichts in derselbenWciöse hinter die Pforte des Todes hinüberbringen. Wenn nun der Mensch wieder durch eine Geburt ins Dasein tritt, ist die Essenz seines früheren Ätherleibes etwas, was sich wieder &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
hineinergießt in seinen neuen Ätherleib, was den neuen Ätherleib beim Aufbau durchdringt. Daher hat der Mensch in seinem neuen Dasein im Ätherleib darinnen die Ergebnisse dessen, wie er im früheren Leben gelebt hat. Und da der Ätherleib der Auferbauer ist einer ganz neuen Organisation nach einer neuen Geburt, so prägt sich das jetzt alles auch in seinen physischen Leib hinein. Warum kann sich das in den physischen Leib hineinprägen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die geisteswissenschaftliche Forschung zeigt uns, daß wir in der Form eines Menschenleibes, der durch die Geburt ins Dasein tritt, ungefähr sehen können, welche Taten der Mensch in einem früheren Leben verrichtet hat. Aber werden wir auch eine ganz vernunftgemäße Erklärung finden für das, was sich uns dargestellt hat als abnehmende Heilkraft in der aufsteigenden Entwickelungsreihe der Tiere? Da wir bei einem Tiere nicht-davon sprechen können, daß es bei seiner Geburt eine wiederverkörperte Individualität aus einem früheren Erdendasein mitbringt, so werden wir nur den allgemeinen astralischen Leib dieser Tiergattung wirksam finden, und der wird bei diesem Tier die Heilkräfte des Ätherleibes beschränken. Beim Menschen aber finden wir, daß nicht nur sein astralischer Leib, sondern auch sein Ätherleib imprägniert ist mit den Ergebnissen der Taten des vorhergehenden Lebens. Und weil der Ätherleib für sich die Kraft hat, das hervorzubringen, was er von früher her in sich hat, so werden wir auch begreifen, daß er, wenn jetzt eine andere Kraft in ihm auftritt, auch imstande sein wird, in den ganzen Aufbau der Organisation das hineinzulegen, was er aus früheren Verkörperungen sich mitbringt. Und wir werden j`etzt verstehen, wie hinüberw`irken können unsere Taten aus einem Leben in unseren Gesundheitszustand in dem nächsten Leben und wie wir in unserem Gesundheitszustande vielfach eine karmische Wirkung unserer Taten aus einem vorhergehenden Leben zu suchen haben. Wir können aber noch auf eine andere Weise der Sache beikommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir können fragen: Wirkt nun alles, was wir in dem Leben zwischen Geburt und Tod verrichten, in gleicher Art zurück auf unseren Ätherleib? - Schon im gewöhnlichen Leben können Sie einen gewaltigen Unterschied wahrnehmen zwischen dem Zurückwirken dessen, was wir als bewußte Menschen erleben, und mancherlei andern Erlebnissen auf &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
unsere eigentliche innere Organisation. Da ergibt sich eine höchst interessante Tatsache, die durch die Geisteswissenschaft so recht aufgeklärt werden kann, die aber auch ganz vernunftgemäß zu begreifen ist. Der Mensch hat im Verlaufe seines Lebens eine ganze Summe von Erlebnissen, welche er bewußt aufnimmt und mit seinem Ich verbindet. Die werden in ihm zu Vorstellungen, und er verarbeitet diese Vorstellungen. Aber nun besinnen Sie sich einmal, wie unendlich viele Erlebnisse, Erfahrungen und Eindrücke es gar nicht bis zur Vorstellung bringen und eigentlich doch im Grunde beim Menschen da sind und auf ihn wirken. Es wird Ihnen oft passieren, daß Ihnen jemand sagt: Ich habe dich heute auf der Straße gesehen; du hast mich sogar angeschaut! - und Sie wissen gar nichts davon. So ist es vielfach. Eindruck hat so etwas natürlich gemacht. Ihr Auge hat zwar den andern gesehen; aber der unmittelbare Eindruck ist nicht bis zur Vorstellung gekommen. - Solcher Eindrücke gibt es unzählige, sodaß unser Leben eigentlich in zwei Teile zerfällt: in eine solche Lebensseelenreihe, welche aus bewußten Vorstellungen besteht, und in eine solche, welche wir niemals ganz zum klaren Bewußtsein gebracht haben. Aber es sind noch weitere Unterschiede: Sie werden leicht unterscheiden können zwischen solchen Eindrücken, die Sie in Ihrem Leben gehabt haben und die für Sie zu erinnern sind, also Eindrücke, die so auf Sie gemacht worden sind, daß sie immer in die Erinnerung hineinfallen können; und Sie werden solche Eindrücke gehabt haben, an welche Sie sich nicht erinnern können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also unser Seelen leben zerfällt in ganz verschiedene Kategorien. Und es ist tatsächlich ein ganz beträchtlicher Unterschied zwischen den verschiedenen Kategorien, wenn wir die Wirkung auf das innere Wesen des Menschen betrachten. - Bleiben wir jetzt für ein paar Minuten beim Leben des Menschen zwischen Geburt und Tod. Wenn wir da genau beobachten, zeigt sich uns, daß ein gewaltiger Unterschied ist zwischen denjenigen Vorstellungen, die immer wieder in unser Bewußtsein hineinfallen können, und solchen, die wieder vergessen worden sind, so daß sie eine Erinnerungsfähigkeit nicht eigentlich entwickelt haben. Dieser Unterschied kann am leichtesten durch folgendes klargemacht werden. Denken Sie einen Eindruck, der bei Ihnen eine klare Vorstellung hervorrief. Nehmen wir an, es sei ein Eindruck, der in Ihnen &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Freude oder Schmerz erregte&amp;gt; also ein Eindruck, der von einem Gefühl begleitet war. Halten wir das fest, daß die meisten Eindrücke - eigentlich alle Eindrücke, die auf uns gemacht werden - von Gefühlen begleitet sind. Und die Gefühle drücken sich nicht nur an der bewußten Oberfläche des Lebens aus, sondern sie wirken tief hinein bis in den physischen Leib. Sie brauchen nur daran wieder zu denken, wie ein Eindruck Sie erblassen läßt, ein anderer Sie erröten macht. Bis in die Umlagerung des Blutes wirken da die Eindrücke. Und nun gehen Sie über zu dem, was entweder überhaupt nicht oder nur flüchtig zum Bewußtsein kommt - und es nicht bis zur Erinnerung bringt. Da zeigt uns die Geisteswissenschaft, daß solche Eindrücke keineswegs weniger von ähnlichen Erregungen begleitet sind als die bewußten. Wenn Sie einen Eindruck empfangen von der Außenwelt, der, wenn Sie ihn bewußt empfangen hätten, Sie erschreckt hätte, daß vielleicht Ihr Herz gepocht hätte, so bleibt derselbe Eindruck, wenn er nicht bewußt wird, doch nicht ohne Wirkung. Er macht aber nicht nur einen Eindruck, sondern er geht auch bis in den physischen Leib. Es tritt da sogar das Eigentümliche auf, daß ein Eindruck, der eine bewußte Vorstellung hervorruft, eine Art von Widerstand findet beim Hinein wirken in die tiefere menschliche Organisation; wenn aber der Eindruck auf uns einfach wirkt, ohne daß wir es zur bewußten Vorstellung bringen, dann hemmt ihn nichts, aber er ist deshalb nicht weniger wirksam. Es ist das menschliche Leben ein viel reicheres als das, was uns davon bewußt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt eine Zeit im menschlichen Leben, wo solche Eindrücke, die so lebendig auf die menschliche Organisation wirken und keine Erinnerungsfähigkeit haben, in besonders reichem Maße erlebt werden. In der ganzen Zeit von der Geburt bis zu dem Zeitpunkt, an dem die Erinnerung beginnt, sind unzählige reiche Eindrücke auf den Menschen gemacht worden, welche alle im Menschen drinnensitzen und auch in dieser Zeit den Menschen verändert haben. Sie wirken ebenso wie die bewußten Eindrücke; aber ihnen steht, besonders wenn sie vergessen sind, nichts entgegen von dem, was sich sonst einordnet in das Seelen- leben als bewußte Vorstellungen und dadurch gleichsam einen Damm bildet. Und diese unbewußten Eindrücke dringen am allertiefsten. Nun kann man schon durch das äußere Leben vielfach die Bestätigung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|71}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
finden, daß es Momente im menschlichen Leben gibt, wo die zweite Sorte von inneren Wirkungen zum Ausdruck kommt. Manche Ereignisse des späteren Menschenlebens können Sie sich nicht erklären. Sie finden gar nicht, wie Sie dazu kommen, gerade in dieser Weise jetzt dieses oder jenes erleben zu müssen. Sie erleben zum Beispiel etwas, das macht auf Sie einen so erschütternden Eindruck, daß Sie sich gar nicht erklären können, wie ein verhältnismäßig so gleichgültiges Erlebnis einen so erschütternden Eindruck machen kann. Wenn Sie nun nach- forschen, werden Sie vielleicht finden, daß Sie gerade in der kritischen Zeit - zwischen der Geburt und dem letzten Zeitpunkt, bis zu dem man sich erinnern kann - ein ähnliches Erlebnis hatten, das Sie aber vergessen haben. Keine Vorstellung ist davon zurückgeblieben. Damals hatten Sie einen erschütterndenEindruck gehabt; der lebt fort und verbindet sich mit dem jetzigen und verstärkt ihn. Und was Sie sonst jetzt viel weniger erschüttert hätte, das macht nun einen besonders starken Eindruck. - Wer das einsieht, wird sich eine Vorstellung davon bilden, wie unendlich verantwortungsvoll die Erziehung in der ersten Kindheit ist und wie etwas seine ganz bedeutungsvollen Schatten oder auch Lichter auf das spätere Leben wirft. Da wirkt also etwas vom Früheren hinüber auf das spätere Leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun kann sich herausstellen, daß solche Eindrücke der Kindheit - besonders wenn sie sich wiederholt haben - die ganze Lebensstimmung so beeinflussen, daß von einem gewissen Zeitpunkt an eine Gemütsverstimmung eintritt, die unerklärlich ist und die nur erklärlich wird, wenn man zurückgeht und weiß, welche Eindrücke aus der früheren Zeit ihre Lichter oder Schatten hineinwerfen in das spätere Leben; denn die sind es, die jetzt in einer dauernden Gemütsverstimmung zum Ausdruck kommen. Man wird dann finden, daß die Ereignisse besonders stark wirken, die nicht gleichgültig an dem Kind vorübergegangen sind und die schon damals besonderen Eindruck auf das Kind gemacht haben. - Wir werden also sagen können: Wenn Affekte, Gefühle und Empfindungen besonders mitwirkend sind an den Eindrücken, die später vergessen werden, dann sind diese Affekte und Gefühlsergüsse ganz besonders wirksam in dem Hervortreiben solch ähnlicher Erlebnisse.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun erinnern Sie sich an die Darstellungen, die von mir öfters gegeben&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|72}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
worden sind über das Leben während der Kamalokazeit. Nachdem der Ätherleib des Menschen als ein zweiter Leichnam abgelegt worden ist, lebt der Mensch sein ganzes letztes Leben zurück, geht vorüber an allen seinen Erlebnissen, welche er gehabt hat; aber er geht nicht so vorüber, daß sie ihm gleichgültig bleiben. Gerade während der Kamalokazeit, weil der Mensch seinen alten astralischen Leib noch hat, bewirkt das Durchgemachte die tiefsten Gefühlserlebnisse. - Nehmen wir zum Beispiel an, jemand sterbe mit siebzig Jahren, lebe sein Leben zurück bis in sein vierzigstes Jahr, wo er jemandem eine Ohrfeige gegeben hat. Da erlebt er den Schmerz, welchen er dem andern zugefügt hat. Dadurch wird hervorgerufen eine Art Selbstvorwurf; der bleibt dann als Sehnsucht, und diese Sehnsucht bringt er im nächsten Leben mit, um diese Sache im späteren Leben auszugleichen. Und Sie können begreifen, da in dieser Zeit zwischen Tod und neuer Geburt solche astralischen Erlebnisse vorhanden sind, daß dasjenige, was von uns als Handlung erlebt wird, sich um so sicherer und tiefer einprägt unserem inneren Wesen und beim Aufbau der neuen Leiblichkeit mitwirkt.Wenn wir also schon im gewöhnlichen Leben so stark berührt werden können durch gewisse Erlebnisse, besonders wenn es Gefühlseindrücke waren, daß sie eine Gemütsverstimmung bewirken können, so werden wir begreifen, daß die viel stärkeren Eindrücke des Kamalokalebens sich so eindrücken können, daß sie bei einer neuen Inkarnation bis tief in die Organisation des physischen Leibes hineinwirken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da sehen Sie eine Steigerung einer Erscheinung, die Sie bei aufmerk samer Beobachtung schon im Leben zwischen Geburt und Tod finden können. Solche Vorstellungen, denen mit dem Bewußtsein kein Damm entgegengebracht wird, werden schon zu mehr Unregelmäßigkeiten in der Seele führen können: zu Neurasthenie, zu nervenkrankheitsartigen Erscheinungen, vielleicht auch zu Geisteskrankheiten. Alle diese Erscheinungen stellen sich uns dar wie ursächliche Zusammenhänge von früheren mit späteren Ereignissen und geben uns ein anschauliches Bild dafür.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wollen wir jetzt den Begriff steigern, so können wir sagen: Was wir als Handlungen in einem Leben voll führen, das wird im Leben nach dem Tode umgesetzt in einen mächtigen Affekt, und dieser Affekt, der &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|73}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
jetzt durch keine physische Vorstellung geschwächt wird und durch kein gewöhnliches Bewußtsein gehemmt ist - denn das Gehirn ist hierbei nicht nötig -, der durch die andere, tiefer hineinwirkende Form des Bewußtseins erlebt wird, bewirkt nun, daß unsere Taten und unser ganzes Wesen vom vorigen Leben in unserer Anlage und Organisation in einem neuen Leben erscheint. Daher werden wir es begreiflich finden können, daß ein Mensch, der in einer Verkörperung sehr egoistisch gedacht, gefühlt und gehandelt hat, wenn er nach dem Tode vor sich sieht die Früchte seines egoistischen Denkens, Fühlens und Handelns, sich durchzieht mit mächtigen Affekten gegen seine früheren Handlungen. Das ist in der Tat der Fall. Er bekommt Tendenzen in sich, die gegen sein eigenes Wesen gerichtet sind. Und diese Tendenzen, insofern sie aus einem egoistischen Wesen des vorigen Lebens hervorgegangen sind, drücken sich aus in einer in sich schwachen Organisation im neuen Leben. «Schwache 0rganisation&amp;gt; ist hier dem Wesen nach genommen, nicht dem äußeren Eindruck nach. Wir müssen uns daher klar sein, daß eine schwache Organisation zurückgeführt werden kann karmisch auf ein egoistisches Handeln in einem vorhergehenden Leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gehen wir weiter. Nehmen wir an, in einem Leben zeige ein Mensch einen besonderen Hang zur Lügenhaftigkeit. Das ist schon ein Hang, der geht aus einer tieferen Organisation der Seele hervor. Denn wenn sich der Mensch nur dem überläßt, was in seinem allerbewußtesten Leben ist, so wird er nicht eigentlich lügen; nur Affekte und Gefühle, welche aus dem Unterbewußtsein heraus wirken, verleiten zum Lügen. Da haben wir schon etwas Tieferes sitzen. Wenn der Mensch lügenhaft war, werden seine Handlungen, die aus der Lügenhaftigkeit hervorgehen, wieder die heftigsten Affekte im Leben nach dem Tode gegen den Menschen selbst erzeugen, und eine starke Tendenz gegen die Lügenhaftigkeit wird sich zeigen. Dann wird sich der Mensch mitbringen im späteren Leben ni,cht nur eine schwache Organisation, sondern - die Geisteswissenschaft zeigt uns das - eine Organisation, die sozusagen unrichtig gebaut ist,-die regellos gebaute innere Organe in der -feineren Organisation zeigt. Es stimmt da etwas nicht recht zusammen. Das ist bedingt durch früheren Hang zur Lügenhaftigkeit. - Und woher ist der Hang zur Lügenhaftigkeit selbst gekommen? Denn &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|74}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
in dem Hang zur Lügenhaftigkeit hat der Mensch ja schon etwas, was auch nicht stimmt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da müssen wir noch weiter zurückgehen. Und da zeigt die Geistes- wissenschaft, daß ein flatterhaftes Leben, das keine Hingabe und keine Liebe kennt, daß ein oberflächliches Leben in der einen Verkörperung sich ausdrückt in dem Hang zur Lügenhaftigkeit in der nächsten Verkörperung; und der Hang zur Lügenhaftigkeit zeigt sich in der zweit- nächsten Inkarnation in den unrichtig gebauten Organen. - So können wir drei aufeinanderfolgende Inkarnationen in ihren Wirkungen karmisch verfolgen: Oberflächlichkeit und Flatterhaftigkeit in der ersten Inkarnation, Hang zur Lügenhaftigkeit in der zweiten und physische Krankheitsdisposition in der dritten Inkarnation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da sehen wir Karma an Gesundheit und Krankheit arbeiten. - Was jetzt gesagt worden ist, ist so gesagt, daß die Tatsachen selber heraus- geholt worden sind aus der geisteswissenschaftlichen Forschung. Nicht Theorien sollten aufgestellt werden, sondern es sind beobachtete Fälle, die durch die Methoden der Geisteswissenschaft untersucht werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir haben also zunächst hingewiesen auf die allergewöhnlichsten Tatsachen - auf die Heilkräfte des Ätherleibes bei den Pflanzen. Wir zeigten dann, wie durch das Hinzutreten des astralischen Leibes bei den Tieren der Ätherleib weniger wirksam ist, und wir sahen ferner, wie durch die Aufnahme des Ich, das ein individuelles Leben im Guten und Bösen, Wahren und Falschen entwickelt&amp;gt; der astralische Leib, der mit dem Hinaufsteigen in der Tierreihe die Heilkräfte nur hemmt, wieder etwas Neues dem Menschen einfügt: die aus dem individuellen Leben ihm ein fließenden karmischen Krankheitseinflüsse. Bei der Pflanze gibt es noch keine inneren Krankheitsursachen, weil die Krankheit noch im Äußerlichen ist und die Heilkräfte des Ätherleibes ungeschwächt wirken. Bei den niederen Tieren haben wir noch einen Ätherleib mit solchen Heilkräften, daß er selbst Glieder ersetzen kann; aber je weiter wir hinaufsteigen, desto mehr prägt sich der astralisc`he Leib dem Ätherleib ein, und dadurch schränkt der Astralleib die Heilkräfte des Ätherleibes ein. Aber weil sich die Tiere nicht in Reinkarnationen fortpflanzen, hängt das, was im Ätherleibe ist, nicht zusammen mit irgendwelchen &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
moralisch-intellektuellen oder individuellen Qualitäten, sondern mit dem allgemeinen Typus. Beim Menschen jedoch wirkt das, was er in seinem Ich erlebt, zwischen Geburt und Tod hinein bis in den Ätherleib.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Warum kommen denn die Erlebnisse der Kindheit bei den genannten Gemütswirkungen nur in leichten Erkrankungen zum Vorschein? Weil wir die Ursachen zu vielem, was sich in Neurasthenie, Neurose, Hysterie und so weiter zeigt, werden finden können in demselben Leben. Die Ursachen zu tieferen Krankheitsfällen aber werden wir zu suchen haben in einem vorhergehenden Leben, weil sich erst beim Übergang zu einer neuen Geburt dasjenige recht in den Ätherleib hineinverpflanzen kann, was moralisch und intellektuell erlebt wird. Im allgemeinen kann der Atherleib beim Menschen tiefere moralische Wirkungen in einem Leben nicht einverleibt erhalten, obwohl wir einzelne&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ausnahmefälle - und sogar sehr bedeutende Fälle - noch kennenlernen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So haben wir einen Zusammenhang zwischen unserem Leben im Guten und Bösen, im Moralischen und Intellektuellen in der einen In karnation, und unserer Gesundheit oder Krankheit in der nächsten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|76}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= VIERTER VORTRAG Hamburg, 19. Mai 1910 =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es darf die Voraussetzung gemacht werden, daß gerade über die beiden Begriffe, welche den Gegenstand unserer heutigen Betrachtung bilden sollen, nämlich Heilbarkeit und Unheilbarkeit vQn Krankheiten, deutlichere und, man kann sagen, menschenfreundlichere Vorstellungen herrschen werden, wenn einmal die Ideen von Karma und karmischen Zusammenhängen im Leben in weiteren Kreisen werden Platz gegriffen haben. Man darf ja sagen, daß in bezug auf die Begriffe Heilbarkeit und Unheilbarkeit von Krankheiten in den verschiedensten Jahrhunderten die verschiedensten Meinungen verbreitet waren. Und man braucht nicht sehr weit zurückzugehen, um zu sehen, wie ungeheuerlich sich diese Begriffe verändert haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da finden wir eine Zeit - sie ist die Wende zwischen dem Mittel- alter und der neueren Zeit, so etwa das 16., 17. Jahrhundert -, da entwickelten sich allmählich die Vorstellungen, daß man die Krankheitsformen in einer strengen Weise eingrenzen könne und daß es eigentlich für eine jede Krankheit irgendein Kräutlein, irgendeine Mixtur gebe, durch welche die betreffende Krankheit unbedingt geheilt werden müsse. Dieser Glaube dauerte im Grunde recht lange, sogar bis in das 19. Jahrhundert hinein. Und wenn man als Laie oder als Mensch, der die heutigen Zeitbegriffe in sich aufgenommen hat, nachlesen wollte in den Mitteilungen von Krankenbehandlungen vom Ende des 18. oder&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dem Beginn des 19. Jahrhunderts und bis weit in das 19. Jahrhundert hinein, so würde man ersIaunen über all die Mittel und Mittelchen, die damals reichlich angewendet worden sind, von Tees, Mixturen bis zu gefährlicheren Arzneien, Aderlässen und so weiter. Aber gerade das 19. Jahrhundert war es, welches in medizinischen Kreisen, und zwar in angesehenen medizinischen Kreisen, diese Ansicht in das genaue Gegenteil verkehrt hat. Und ich darf wohl selbst sagen, daß mir vieles von` diesen gegenteiligen Ansichten während meiner jüngeren Jahre in den verschiedensten Nuancen und Motiven vor Augen getreten ist. Es war die Gelegenheit dazu gegeben, wenn man etwa die Strömung der nihi&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|77}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
listischen medizinischen Schule mitmachte, die sich um die Mitte des 19. Jahrhunderts in Wien vorbereitete und eigentlich immer mehr und mehr an Ansehen gewann. Der Ausgangspunkt zu einer radikalen Änderung in bezug auf die Anschauungen über Heilbarkeit und Unheilbarkeit von Krankheiten war das, was der bedeutende Mediziner Dietl über den Verlauf der Lungenentzündung und ähnlicher Krankheiten zutage förderte. Er war durch allerlei Betrachtungen dazu gekommen, sich zu sagen, daß im Grunde gar kein rechter Einfluß von diesem oder jenem Mittel auf den Verlauf dieser oder jener Krankheit zu bemerken sei. Und gerade unter dem Einfluß von Dietls Schule lernten die damaligen jungen Mediziner über den Heilwert der seit Jahrhunderten heraufgekommenen Heilmittel so denken, daß sie auf alle alten Mittel übertrugen, was mit dem bekannten Sprichwort gemeint ist: Kräht der Hahn auf dem Mist, so ändert sich das Wetter, oder es bleibt, wie es ist! - Sie waren der Meinung, daß es ziemlich einerlei sei für den Verlauf einer Krankheit, ob man diese oder jene Mittel verabreiche oder nicht. Und Dietl war einer, der eine für die damalige Zeit recht überzeugende Statistik zustande brachte, die besagte, daß bei der von ihm eingeführten sogenannten abwartenden Behandlungsweise ungefähr ebenso viele Menschen, die an Lungenentzündung erkrankt waren, geheilt wurden oder starben als bei der früheren Behandlung mit den altehrwürdigen Heilmitteln. Die von Dietl begründete, von Skoda weiter fortgeführte abwartende Behandlung bestand darin, daß man den Kranken in die äußere Lebenslage brachte, die ihn instande setzte, die selbstheilenden Kräfte am allerbesten in Anwendung zu bringen, sie hervorzuholen aus seinem Organismus, und dem Arzte wies man kaum eine andere Stellung an, als den Verlauf der Krankheit zu überwachen, damit er da war, wenn irgend etwas eintrat, wo man mit menschlichen Mitteln sachgemäß Hilfe leisten kann. Im übrigen beschränkte man sich darauf, die Krankheit sozusagen kommen zu sehen, abzuwarten, wie die selbstheilenden Kräfte aus dem Organismus herauskamen, bis das Fieber nach einiger Zeit abfiel und die Selbstheilung durch den Organismus eintrat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese medizinische Schule wurde und wird noch heute mit dem Ausdruck der «nihilistischen Schule» belegt, weil sie auf einem Ausspruch &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|78}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
von Professor Skoda fußte, der ungefähr sagte: Wir können vielleicht lernen, Krankheiten zu diagnostizieren, sie zu beschreiben, vielleicht auch zu erklären - heilen aber können wir sie nicht! - Ich erzähle Ihnen Dinge, von denen Sie als von Tatsachen, welche sich im Laufe des 19. Jahrhunderts herausgebildet haben, Notiz nehmen sollen, damit Sie eine Empfindung dafür erhalten, wie sich Vorstellungen auf diesem Gebiete geändert haben. Aber es möge niemand glauben, daß, wenn dies oder jenes hier in rein erzählender Form ausgesprochen wird, deshalb gleich in der einen oder andern Weise Partei ergriffen werden soll. Denn selbstverständlich war der Ausspruch des berühmten Professors Skoda eine Art Radikalismus, und es würde leicht sein, die Grenzen, innerhalb welcher ein solcher Ausspruch gilt, aufzuzeigen. Auf eins aber war mit solcher Meinung hingewiesen, ohne daß man eigentlich die Mittel hatte, bewußt diesen Hinweis irgendwie zu begründen oder zu umschreiben oder in Worte zu bringen - ja nicht einmal in Gedanken konnte man ihn bringen; das heißt, man konnte in den Kreisen, in welchen man ihn aussprach, nicht einmal daran gehen, diesen Hinweis zu denken. Es wurde darauf hingewiesen, daß sich allerdings im Menschen etwas finden müsse, was in gewisser Beziehung bestimmend ist für den Ausgang und für den Verlauf einer Krankheit und was als solches im Grunde genommen doch jenseits dessen liegt, was menschliche Hilfe leisten kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es war also der Hinweis auf etwas gegeben, was jenseits der menschlichen Hilfe liegt; und dieser Hinweis kann niemals, wenn man wirklich den Dingen zu Leibe geht, sich auf etwas anderes beziehen als auf das Gesetz von Karma und auf die Wirksamkeit von Karma im Verlaufe des menschlichen Lebens. Wenn wir den Verlauf einer Krankheit im menschlichen Leben verfolgen - das Heraufkommen der Krankheit, die aus dem Organismus selbst hervorsprießenden Heilkräfte -, wenn wir die Heilentwickelung verfolgen, dann werden wir bei unbefangener Betrachtungsweise, besonders wenn wir darauf Rücksicht nehmen, wie in dem einen Falle Heilung eintritt, während in einem andern Falle keine Heilung möglich erscheint, dahin getrieben werden, nach tieferer Gesetzmäßigkeit zu suchen. Darf diese tiefere Gesetzmäßigkeit gesucht werden in den früheren Erdenleben des Menschen? Das ist für uns die Frage. Darf davon gesprochen werden, daß sich der Mensch gewisse &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|79}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorbedingungen mitbringt, die ihn geradezu vorausbestimmt machen, in einem besonderen Falle seine Heilkräfte aus dem Organismus aufrufen zu können, die aber in einem andern Falle so vorausbestimmt sind, daß er trotz aller Anstrengungen nicht imstande ist, die Krankheit zu heilen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn Sie sich an das erinnern, was namentlich gestern ausgeführt worden ist, so werden Sie begreifen, daß in den Vorgängen, die sich abspielen zwischen dem Tode und der neuen Geburt, allerdings ganz besondere Kräfte aufgenommen werden in die menschliche Individualität. Haben wir doch gesagt, daß dem Menschen während der Kamalokazeit die Ereignisse seines letzten Lebens, seine von ihm verrichteten Handlungen im Guten und Bösen, seine Charaktereigenschaften und so weiter vor die Seele treten und daß er durch die Anschauung seines eigenen Lebens in sich die Tendenz aufnimmt, für alles, was unvollkommen in ihm ist und was sich als eine unrichtige Handlung gezeigt hat, Abhilfe und Ausgleich zu schaffen, sich die betreffenden Eigenschaften einzuprägen, welche ihn auf diesem oder jenem Gebiete vollkommener machen. Haben wir das begriffen, so können wir sagen: Diese Absicht, diese Tendenz behält nun der Mensch und geht durch eine neue Geburt mit dieser Absicht wieder ins Dasein. - Der Mensch baut aber selbst an dem neuen Leibe, der sich ihm angliedert und ihn umgliedert im neuen Leben, und er baut ihn auf gemäß den Kräften, welche er sich mitgebracht hat aus früheren Lebensläufen und aus der Zeit zwischen Tod und neuer Geburt. Mit diesen Kräften ist er ausgestattet und webt sie hinein in selne neue Körperlichkeit. Damit haben wir begriffen, daß diese neue Körperlichkeit schwach oder stark ist, je nachdem der Mensch schwache oder starke Kräfte in sie hineinweben kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun müssen wir uns aber doch klar sein, daß eine gewisse Folge eintreten wird, wenn zum Beispiel der Mensch während des Kamalokalebens gesehen hat: Du warst im letzten Leben ein Mensch, der viele Handlungen begangen hat unter dem Einflusse seiner Affekte, von Zorn, Furcht, Abscheu und so weiter. - Solche Handlungen stehen nun lebendig vor seiner Seele in der Kamalokazeit, und da bildet sich heraus in dieser Seele der Gedanke - die Ausdrücke, die uns für diese Kräfte erwachsen können sind natürlich für das physische Leben geprägt! -: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Du mußt an dir etwas tun, damit du in dieser Beziehung vollkommener wirst, damit du in der Zukunft nicht mehr geneigt bist, Handlungen unter dem Einflusse deiner Affekte zu begehen! - Dieser Gedanke wird ein Bestandteil der menschlichen Seelenindividualität, und beim Durch- gehen durch eine neue Geburt prägt sich dieser Gedanke weiter ein als eine Kraft in den neu entstehenden Leib. Und in diesen fließt dadurch ein die Tendenz, so etwas zu vollführen mit der ganzen Organisation von physischem Leib, Ätherleib und astralischem Leib, was dem Menschen es jetzt unmöglich macht, aus seinen Affekten heraus, aus Zorn, Haß, Neid und so weiter gewisse Handlungen zu begehen, damit er imstande ist, in dieser Beziehung wirklich sich vollkommener zu machen. Und dadurch wird er dazu kommen, neue Handlungen zu vollführen, welche jetzt den Ausgleich früherer Handlungen bewirken können. So läßt der Mensch aus einer seine gewöhnliche Vernünftigkeit weit überragenden Vernünftigkeit die Absicht in sich hinein fließen, die ihn zu einer höheren Vollkommenheit auf einem bestimmten Gebiete und zum Ausgleich bestimmter Handlungen führen kann. -Wenn Sie in Betracht ziehen, wie mannigfaltig das Leben ist, wie der Mensch von Tag zu Tag solche Handlungen vollführt, die einen derartigen Ausgleich erfordern, so werden Sie begreifen, daß viele solcher nach Ausgleich harrender Gedanken in der Seele sind, wenn die Seele durch eine neue Geburt ins Dasein tritt, und daß diese mannigfaltigen Gedanken sich kreuzen, so daß dadurch der menschliche physische Leib und Ätherleib eine Konfiguration erhalten, in welche alle diese Tendenzen hineinverwoben sind. Um uns nun das verständlich zu machen, nehmen wir einen ganz eklatanten Fall an. Gerade heute aber muß ich ganz besonders betonen, was ich auch sonst stets betone: daß ich vermeide, aus irgendeiner Theorie oder Hypothesenmacherei zu sprechen und daß ich, wenn ich Beispiele anführe, nur solche anführe, die von der Geisteswissenschaft wohl geprüft sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen wir an, jemand habe im letzten Leben so gelebt, daß er aus einem viel zu schwachen Ich-Gefühl heraus gewirkt hat, aus einem IchGefühl, welches in der Hingabe an die äußere Welt viel zu weit ging, so weit, daß es mit einer Unselbständigkeit, Selbstverlorenheit wirkte, wie es für unseren heutigen Menschheitszyklus nicht mehr angemessen &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|81}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ist. Also das fehlende Selbstgefühl war es, welches einen Menschen in einer Inkarnation zu diesen oder jenen Handlungen geführt hat. Nun hat er während der Kamalokazeit die Handlungen vor sich gehabt, die aus diesem fehlenden Selbstgefühl herausgeflossen sind. Er nimmt daraus zunächst die Tendenz auf: Du mußt in dir Kräfte entwickeln, welche dein Selbstgefühl erhöhen, du mußt in einer nächsten Inkarnation dir die Gelegenheit schaffen, gegen den Widerstand deiner Leiblichkeit, gegen die Kräfte, welche dir entgegenkommen werden aus physischem Leib, Ätherleib und astralischem Leib, dein Selbstgefühl zu stählen, damit es gleichsam eine Schule durchmacht. Du mußt dir einen Leib anschaffen, der dir zeigt, wie aus der Leiblichkeit heraus die Anlage zu einem schwachen Selbstgefühl wirkt!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was sich dann in der nächsten Inkarnation abspielen wird, wird wenig ins Bewußtsein treten, es wird sich mehr oder weniger in einer unterbewußten Region abspielen. Der Betreffende wird hinstreben zu einer solchen Inkarnation, welche gerade die derbsten Widerstände seinem Selbstgefühl entgegensetzt, so daß er es nötig hat, sein Selbstgefühl im höchsten Maße anzuspannen. Dadurch wird er wie magnetisch hingezogen werden zu solchen Gegenden und solchen Gelegenheiten, wo sich ihm tiefere Hindernisse entgegenstellen, wo sich sein Selbstgefühl ausleben soll gegen die Organisation der drei Leiber. So sonderbar es Ihnen klingen mag: Solche Individualitäten, die mit diesem Karma belastet sind, daß sie in der charakterisierten Weise durch die Geburt ins Dasein hineinstreben, suchen den Zugang zu Gelegenheiten, wo sie zum Beispiel einer Seuche wie der Cholera ausgesetzt sein können; denn diese bietet ihnen Gelegenheit, jene Widerstände, welche eben gekennzeichnet worden sind, zu finden. Was dabei durchzumachen ist im Inneren gegen die Widerstände der drei Leiber in dem Erkrankten&amp;gt; das kann dann bewirken, daß in der nächsten Inkarnation das Selbstgefühl in einem erheblichen Grade gewachsen ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen wir einen andern eklatanten Fall an, und zwar, damit Sie den Zusammenhang durchschauen können, jetzt gerade den entgegengesetzten Fall. Ein Mensch sieht während der Kamalokazeit, daß er unter einem zu starken Selbstgefühl eine Reihe von Handlungen vollführt hat, die aus einem zu starken Auf-sich-selbst-Bauen geflossen &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
sind. Er sieht, daß er sich mäßigen muß in bezug auf sein Selbstgefühl, daß er es zurückdämmen muß. Da muß er wieder eine Gelegenheit aufsuchen, wo ihm in der nächsten Inkarnation seine drei Leiber die Möglichkeit geben, daß das Selbstgefühl überall in der Leiblichkeit - wie es sich auch anstrenge - keine Schranken findet, daß es überall ins Boden- lose hinein und sich selbst ad absurdum führt. Die Bedingungen dazu sind hergestellt, wenn der Betreffende hingezogen wird zu einer Gelegenheit, die ihm die Malaria bringt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da haben Sie einen Krankheitsfall des karmischen Wirkens und sogar den Satz dargelegt, daß im Grunde der Mensch aus einer höheren Vernünftigkeit, als diejenige ist, welche er mit seinem gewöhnlichen Bewußtsein überschauen kann, hingeleitet wird zu den Gelegenheiten, wo er sich im Verlaufe seines Karma weiter fortentwickeln kann. Wenn Sie namentlich die Dinge ins Auge fassen, welche jetzt eben gesagt worden sind, wird es Ihnen sehr erleichtert werden, Verständnis zu gewinnen gerade für das Epidemische bei den Krankheiten. Wir könnten die verschiedensten Beispiele anführen, die uns alle zeigen, wie der Mensch aus den Erfahrungen seiner Kamalokazeit heraus geradezu die Gelegenheiten aufsucht, diese oder jene Krankheit zu bekommen, um durch, ihre Überwindung und durch die Entfaltung der selbstheilenden Kräfte die Kräfte zu gewinnen, welche ihn die Lebensbahn im ganzen hinauf- führen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorhin sagte ich, wenn ein Mensch viel unter dem Einfluß von Affekten gehandelt hat, so wird er in der Kamalokazeit ebenfalls Handlungen durchleben, die unter dem Einfluß von Affekten überhaupt geschehen sind. Das wird ihm die Tendenz geben, in seiner neuen Inkarnation, in seiner eigenen Leiblichkeit so etwas zu erleben, durch dessen Überwindung er Handlungen vollführt, welche ausgleichend wirken können auf gewisse Handlungen seines früheren Lebens. Insbesondere ist es da jene Form der Erkrankung, die wir in der neueren Zeit als Diphtherie kennen, die in vielen Fällen zutage tritt, wenn eine solche karmische Verwicklung vorliegt, wo sich der Betreffende früher in der Weise ausgelebt hat, daß er vielfach aus allerlei Aufwallungen, Affekten und so weiter gehandelt hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir werden im Verlaufe dieser Vorträge noch manches zu hören&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
bekommen darüber, wie diese oder jene Krankheit bedingt ist. Wir müssen aber jetzt auf noch tiefere Grundlagen eingehen, wenn wir uns die Frage beantworten wollen: Wie kommt es, daß, wenn der Mensch durch die Geburt ins Dasein tritt und er sich durch sein Karma dieTendenz mitbringt, durch die Überwindung dieses oder jenes Leidens das eine oder das andere zu erreichen, wie kommt es, daß es ihm einmal gelingt, wirklich Sieger zu sein, die Krankheit zu überwinden und Kräfte in sich aufzunehmen, die ihn höher bringen, während er das andere Mal unterliegt und die Krankheit Sieger bleibt? Da müssen wir auf die geistigen Prinzipien zurückgehen, die überhaupt das Kranksein im Menschenleben möglich machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daß der Mensch überhaupt erkranken kann, daß er geradezu das Kranksein - sogar aus seinem Karma heraus - suchen kann, das kommt zuletzt aus keinen andern Prinzipien heraus als aus denjenigen, die wir schon oft in den verschiedensten Zusammenhängen unserer theosophischen Betrachtungen uns haben vor die Seele treten lassen. - Wir wissen, daß in einem bestimmten Punkte der Erdentwickelung diejenigen Kräfte in die menschliche Entwickelung eingetreten sind, welche wir die luziferischen Kräfte nennen, welche solchen Wesenheiten angehören, die während der alten Mondentwickelung zurückgeblieben sind und nicht so weit vorgeschritten sind, ~daß sie sozusagen an dem normalen Punkt ihrer Erdentwickelung angelangt wären. Dadurch wurde dem astralischen Leibe des Menschen, bevor sein Ich in der entsprechenden Weise wirken konnte, etwas eingepflanzt, was aus diesen luziferischen Wesen herausströmte. Der Einfluß dieser luziferischen Wesenheiten ist daher ein solcher, der vorzugsweise auf unseren astralischen Leib einstmals ausgeübt worden ist und den der Mensch für die Folgezeit durch seine Entwickelung hindurch in seinem astralischen Leib hatte. Dieser luziferische Einfluß bedeutet in der menschlichen Entwickelung mancherlei. Für unseren heutigen Zweck ist es aber wichtig, hervorzuheben, daß der Mensch, indem er die luziferischen Kräfte in sich hatte, in seinem Inneren einen Verführer hatte, weniger gut zu sein, als er gewesen wäre, wenn der luziferische Einfluß nicht gekommen wäre; und ebenso hatte er dadurch einen Einfluß, mehr aus allerlei Affekten, Leidenschaften und Begierden heraus zu handeln und zu ur&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
teilen, als er geurteilt und gehandelt haben würde,wenn der luziferische Einfluß nicht gewirkt hätte. Durch diesen Einfluß wurde des Menschen eigentliche Individualität veranlaßt, anders zu sein, sozusagen mehr hingegeben zu sein an das, was wir die Begierdenwelt nennen können, als es sonst der Fall gewesen wäre. Und dadurch ist es gekommen, daß der Mensch viel tiefer hineinverstrickt worden ist in die physische Erdenwelt, als es sonst geschehen wäre. Der Mensch drängt sich durch den luziferischen Einfluß mehr hinein in seine Leiblichkeit, identifiziert sich mehr mit der Leiblichkeit, als er sie durchdrungen hätte, wenn kein luziferischer Einfluß gekommen wäre. Denn wäre der Einfluß der luziferischenWesenheiten nicht gekommen, so wäre so mancherlei von dem, was den Menschen auf der Erde locken kann, dieses oder jenes zu begehren, nicht gekommen. Der Mensch wäre gleichgültig an den Eindrücken dieser oder jener Lockmittel vorbeigegangen. Durch Luzifers Einfluß entstanden die Verlockungen der äußeren sinnlichen Welt; diese Verlockungen nahm der Mensch in sich auf. Die Individualität, die durch das Ich gegeben war, wurde durchtränkt mit den Wirkungen, die aus dem luziferischen Prinzip heraus kamen. Und so kam es, daß der Mensch bei seinen ersten Erdeninkarnationen auch den ersten Verlockungen des luziferischen Prinzips verfallen war und diese Verlockungen mitnahm in die späteren Leben. Das heißt, daß die Art und Weise, wie der Mensch den Verlockungen des luziferischen Prinzips verfiel, zu einem Bestandteil seines Karma wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn nun der Mensch nur dieses Prinzip in sich aufgenommen hätte, so würde er immer mehr und mehr den Verlockungen der physischen Erdenwelt verfallen sein; er würde sozusagen immer mehr die Aussicht verloren haben, von dieser physischen Erdenwelt wieder loszukommen. Wir wissen, daß der spätere Einfluß - der Christus-Einfluß - dem luziferischen Prinzip entgegengewirkt hat und es gleichsam wieder zum Ausgleich gebracht hat, so daß der Mensch im Laufe seiner Entwickelung wieder Mittel erhalten hat, diesen luziferischen Einfluß aus sich herauszutreiben. Aber mit dem luziferischen Einfluß war zugleich etwas anderes gegeben. Dadurch,daß der Mensch in seinem astralischen Leib den luziferischen Einfluß aufgenommen hatte, erschien ihm auch die ganze äußere Welt, in die er eintrat, ganz anders, als sie ihm erschienen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|85}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wäre, wenn er dem luziferischen Einfluß nicht hingegeben gewesen wäre. Luzifer drang in des Menschen Inneres. Der Mensch sah mit Luzifer im Inneren die Welt um sich herum. Dadurch trübte sich sein Blick für die Erdenwelt, und es mischte sich nun in die äußeren Eindrücke hinein der ahrimanische Einfluß. Nur dadurch konnte sich AhrIman eInmischen und die äußere Welt zur Illusion gestalten, weil wir uns schon früher von innen heraus die Anlage zur Illusion, zu Maja geschaffen hatten. So war der ahrimanische Einfluß, der hineinzog in die äußere Welt, die den Menschen umgab, die Folge des luziferischen Einflusses. Wir können sagen: Der Mensch saugte ein, weil einmal die Iuziferischen Kräfte in ihm waren, die Möglichkeit, sich mehr in die Sinnenwelt zu verstricken, als er sich ohne den luziferischen Einfluß in das sinnliche Erdenleben verstrickt hätte. Dadurch hat er sich aber auch die Möglichkeit geschaffen, mit allen äußeren Wahrnehmungen von außen den ahrimanischen Einfluß einzusaugen. Und so lebt in der menschlichen Individualität, indem sie durch die verschiedenen Erdeninkarnationen hindurchgeht, der luziferische Einfluß, und als das Ergebnis des luziferischen Einflusses der ahrimanische Einfluß. Diese zwei Mächte kämpfen fortwährend in der menschlichen Individualität. Und die menschliche Individualität ist der Schauplatz geworden für den Kampf von Luzifer und Ahriman.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Mensch ist mit seinem gewöhnlichen Bewußtsein auch heute noch ausgesetzt sowohl den Verlockungen Luzifers, der aus den Leidenschaften und Affekten seines astralischen Leibes heraus wirkt, wie auch den Verlockungen Ahrimans, der durch Irrtümer, Täuschungen in bezug auf die äußere Welt von außen in den Menschen eindringt. Solange nun der Mensch in einer Inkarnation lebt und die Vorstellungen einen Riegel vorschieben, so daß das, was von Luzifer und Ahriman geschieht, nicht tiefer eindringen kann und ein Hindernis findet an den Vorstellungen, so lange bleibe das, was der Mensch tut, dem moralischen oder dem intellektuellen Urteil unterworfen. Solange der Mensch zwischen Geburt und Tod gegen die Moral sündigt, indem er Luzifer folgt, oder sich gegen die Logik und das gesunde Denken versündigt, indem er Ahriman folgt, so lange bleibt das eine Angelegenheit des gewöhnlichen bewußten Seelenlebens. Wenn der Mensch aber durch die Pforte &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
des Todes schreitet, hört das Vorstellungsleben auf, das an das Instrument des Gehirns gebunden ist. Da beginnt eine andere Form des Bewußtseinslebens. Da dringen in der Tat alle die Dinge, welche im Leben zwischen Geburt und Tod dem moralischen oder dem vernünftigen Urteil unterworfen sind, herunter in die Untergründe des menschlichen Wesens und greifen ein in das, was dann nach dem Kamaloka für das nächste Dasein organisierend wirkt und sich hineinprägt in die plastischen Kräfte, die nun die dreifache menschliche Leiblichkeit aufbauen. Da werden Irrtümer, welche aus der Hingabe an Ahriman folgen, zu Krankheitskräften, die vom Ätherleib her den Menschen infizieren,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und Ausschweifungen, also Dinge, welche im Leben dem moralischen Urteil unterworfen sind, werden zu Krankheitsursachen, welche mehr vom astralischen Leib her wirken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dadurch sehen wir, wie in der Tat unsere Irrtümer aus dem Ahrimanischen in uns - und dazu sind auch die bewußten Irrtümer: Lügen, Unwahrheiten zu rechnen - zu Krankheitsursachen werden, wenn wir allerdings nicht bei einer Inkarnation stehenbleiben, sondern die Wirkung einer Inkarnation auf die folgende betrachten; und wir sehen, wie auch die luziferischen Einflüsse zu Krankheitsursachen auf demselben Wege werden. Wir können in der Tat sagen: Wir begehen unsere Irrtümer nicht ungestraft! Wir tragen den Stempel unserer Irrtümer in unserer nächsten Inkarnation an uns, aber wir tun es aus einer höheren Vernünftigkeit heraus, als diejenige unseres gewöhnlichen Lebens ist, aus derjenigen Vernünftigkeit, welche uns während der Zeit zwischen Tod und neuer Geburt anweist, uns so stark und kräftig zu machen, daß wir fernerhin diesenVerlockungen nicht mehr ausgesetzt sind. So reihen sich Krankheiten sogar ein als mächtige Erzieher in unser Leben. -Wenn wir Krankheiten so betrachten, können wir förmlich sehen, wie bei der Ausbildung einer Krankheit entweder luziferische oder ahrimanische Einflüsse wirksam sind. Wenn einmal diese Dinge werden durchschaut werden von denen, die unter dem Einfluß der geisteswissenschaftlichen Weltanschauung Heiler sein werden, dann werden die Einflüsse dieser Heiler auf den menschlichen Organismus viel intimere sein, als sie heute sein können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir können geradezu in diesem Sinne den Organismus gewisser&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Krankheitsformen durchschauen. Nehmen wir zum Beispiel eine solche Krankheit wie die Lungenentzündung. Sie ist eine Wirkung in der karmischen Folge, welche dadurch entsteht, daß der Betreffende während seiner Kamalokazeit zurückblicken kann auf einen Charakter, der in sich hatte Hang und Neigung zu sinnlichen Ausschweifungen, der in sich hatte sozusagen ein Bedürfnis, sinnlich zu leben. Verwechseln wir ja nicht, was jetzt einem früheren Bewußtsein zugeschrieben wird, mit dem, was im Bewußtsein der nächsten Inkarnation auftritt. Damit hat es zunächst nichts zu tun.Wohl aber wird das, was der Mensch während der Kamalokazeit sieht, sich so umwandeln, daß sich ihm Kräfte ein- prägen zuVorgängen,welche die Lungenentzündung überwinden. Denn gerade in der Überwindung der Lungenentzündung, in der Selbst heilung,welche dabei vom Menschen angestrebt wird,wirkt die menschliche Individualität entgegen den luziferischen Mächten, führt einen förmlichen Krieg gerade gegen die luziferischen Mächte. Daher ist in der Überwindung der Lungenentzündung eine Gelegenheit, dasjenige abzulegen, was ein Charaktermangel in einer vorherigen Inkarnation war. So sehen wir förmlich wirken in der Lungenentzündung den Kampf des Menschen gegen die luziferischen Mächte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anders stellt sich uns die Sache dar, wenn wir bei dem, was wir im heutigen Sprachgebrauch Lungentuberkulose nennen, die eigentümlichen Prozesse auftreten sehen, wenn die selbstheilenden Kräfte in Tätigkeit übergehen, die sich dadurch äußern, daß die schädigenden Einflüsse, welche da entstehen, umgeben werden, umrandet werden von Umhüllungen wie Bindegewebe; dann wird das Ganze ausgefüllt mit kalk-salzhaltiger Materie, welche feste Einschlüsse bildet. Solche Einschlüsse kann der Mensch in seiner Lunge haben, und viel mehr Menschen tragen solche Dinge mit sich herum, als man gewöhnlich glaubt; denn das sind diejenigen Menschen, bei denen eine tuberkulöse Lunge in Heilung übergegangen ist. Wo derartiges vor sich ging, ist wieder ein Kampf aufgeführt worden der menschlichen inneren Wesenheit gegen das, was ahrimanische Kräfte angestellt haben. Es ist ein Abwehrprozeß nach außen, ein Anstürmen gegen das, was durch äußere Materialität hergebracht wird, um zur Selbständigkeit der menschlichen Wesenheit in diesem Sinne zu führen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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Damit haben wir gezeigt, wie in der Tat die beiden Prinzipien, das ahrimanische und das luziferische, im letzten Grunde im Krankheitsverlauf tätig sind. Und es könnte in vieler Beziehung für diese oder jene Krankheitsform gezeigt werden, wie man eigentlich zwei Typen von Krankheiten unterscheiden müßte: ahrimanische und luziferische Krankheiten. Wenn man das beachten würde, so würde man auch rich tige Prinzipien gewinnen können für die entsprechende Hilfe, welche man den Kranken angedeihen lassen kann. Denn luziferische Krankheitsprozesse werden ganz andere Hilfe erfordern als ahrimanische. Wenn heute noch in einer ziemlich kritiklosen Weise, zum Beispiel im äußeren Heilverfahren, Kräfte angewendet werden, die in der heutigen Elektrotherapie, in der Kaltwasserbehandlung oder in ähnlichem ent halten sind, so muß gesagt werden, daß von vornherein durch die Geisteswissenschaft ein Licht darauf geworfen werden kann, ob man die eine oder die andere Methode anwenden soll, dadurch, daß man unterscheiden würde, ob man es mit einer luziferischen oder einer ahrimanischen Krankheit zu tun hat. Kein Mensch sollte zum Beispiel das Verfahren der Elektrotherapie anwenden bei Erkrankungen, die aus dem Luziferischen stammen; sondern man sollte sie nur bei ahrimanischen Krankheitsformen anwenden. Denn eine Hilfe kann bei luziferischen Krankheitsformen niemals etwas sein, was überhaupt mit dem Wirken des Luzifer gar nichts zu tun hat, nämlich die Prinzipien der Elektrizität; denn diese fallen in das Bereich der ahrimanischen Wesenheiten, wobei sich natürlich nicht nur die ahrimanischen Wesenheiten der Kräfte der Elektrizität bedienen. Dagegen ist ein ganz besonderes Gebiet des Luziferischen dasjenige, was sich bezieht, grob ausgedrückt, auf Warm und Kalt. Alles, was damit zu tun hat, daß die menschliche Organisation wärmer oder kälter wird oder was sie selbst durch äußere Einflüsse wärmer oder kälter macht, das gehört in das Bereich des Luzifer. Und bei alledem, wo wir es zu tun haben mit Warm oder Kalt, haben wir einen Typus luziferischer Krankheitsformen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So also sehen wir, wie Karma in dem Kranksein wirkt und wie es zur Überwindung von Kranksein wirkt. Nun wird es nicht mehr unbegreiflich erscheinen, daß im Karma auch die Heilbarkeit oder Unheilbarkeit einer Krankheit liegt. Wenn Sie sich klarmachen, daß ja das &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Ziel, das karmische Ziel des Erkrankens das ist, den Menschen zu fördern und vollkommener zu machen, so ist die Voraussetzung die, daß der Mensch, wenn er nach der Vernünftigkeit, die er sich aus der Kamalokazeit beim Eintritt in ein neues Dasein mitbringt, einer Krankheit verfällt, jene Heilkräfte dann entwickelt, welche eine Stählung seines inneren Menschen bedeuten und die Möglichkeit, höher zu kommen. Nehmen wir an, die Sache liege so, daß der Mensch in dem Leben, das er noch zubringen kann, vermöge seiner sonstigen Organisation und seines übrigen Karma die Kräfte hat, mit dem, was er durch die Krankheit errungen hat, in diesem Leben selbst weiterzukommen. Dann hat die Heilung einen Sinn. Dann tritt Heilung ein und der Mensch hat in diesem Falle das errungen, was er erringen sollte und was sich an dem Vorhandensein der Krankheit zeigte. Durch das Überwinden der Krankheit hat er sich instand gesetzt, dort vollkommene Kräfte zu haben, wo er früher unvollkommene Kräfte hatte. Ist er durch sein Karma mit solchen Kräften ausgerüstet und durch die günstigen Umstände seines früheren Schicksals so in die Welt gesetzt, daß er die neuen Kräfte anwenden kann und wirken kann, um sich und andern von Nutzen zu sein, dann tritt die Heilung ein; dann windet er sich durch die Krankheit hindurch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen wir nun an, die Sache liege für den Menschen so, daß er die Krankheit überwindet und die Heilkräfte entwickelt und nunmehr vor einem Leben stünde, welches an ihn Anforderungen stellen würde, die mit dem Maß, das er sich jetzt schon errungen hat an Vollkommenem, nicht erfüllt werden können: Er würde zwar einiges erringen durch die geheilte Krankheit, aber es wäre doch nicht möglich, daß er so viel erringt - weil sein übriges Karma das nicht zuläßt -, daß er mit dem, was er sich errungen hat, den andern zum Heile werden kann. Dann tritt das ein, daß sein tieferes Unterbewußtsein sagt: Hier hast du keine Gelegenheit, die volle Kraft von dem zu empfangen, was du eigentlich haben sollst. Du mußtest in diese Inkarnation hineingehen, weil du das Maß an Vollkommenheit gewinnen mußtest, das du nur im physischen Leibe durch die Überwindung einer Krankheit erringen kannst. Das mußtest du erringen; aber weiter ausbilden kannst du es nicht. Nun mußt du in die Verhältnisse gehen, wo dein physischer Leib und andere &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Kräfte dich nicht stören und wo du frei verarbeiten kannst, was du in der Krankheit gewonnen hast. - Das heißt, es sucht eine solche Individualität den Tod, um zwischen Tod und neuer Geburt das weiterzuverarbeiten, was sie im Leben zwischen Geburt und Tod nicht verarbeiten kann. Es geht eine solche Seele durch das Leben zwischen Tod und neuer Geburt durch, um jetzt mit um so stärkeren Kräften, die sie beim Überwinden der Krankheit gewonnen hat, ihre Organisation weiter auszubilden, damit sie im neuen Leben um so mehr wirken kann. In dieser Weise kann förmlich durch die Anwesenheit einer Krankheit eine Art Abschlagszahlung bewirkt werden, die dann erst ergänzt wird nach dem Durchgehen durch den Tod zu dem, was sie sein soll.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir die Sache so betrachten, werden wir uns sagen müssen: Es erscheint durchaus im Karma begründet, daß die eine Krankheit ausgeht mit der Heilung, die andere mit dem Tod. - Wenn wir so die Krankheiten ansehen, werden wir von einem höheren Gesichtspunkt aus durch Karma eine Art Versöhnung, eine tiefe Versöhnung mit dem Leben gewinnen; denn wir werden wissen, daß es in der Gesetzmäßigkeit von Karma liegt, daß, selbst wenn eine Krankheit mit dem Tode ausgeht, der Mensch gefördert wird, daß selbst in einem solchen Falle die Krankheit das Ziel hat, den Menschen höher zu bringen. Nun darf niemand daraus etwa den Schluß ziehen: dann könnte es auch sein, daß wir geradezu den Tod herbeiwünschen müßten in gewissen Krankheitsfällen. Das darf niemand sagen, weil die Entscheidung darüber, was eintreten soll, ob Heilung oder Unheilbarkeit, einer höheren Vernünf tigkeit zufällt, als die ist, welche wir mit unserem gewöhnlichen Bewußtsein umfassen können. Mit unserem gewöhnlichen Bewußtsein müssen wir uns bescheiden innerhalb der Welt zwischen Geburt und Tod, bei solchen Fragen stehenzubleiben. Mit unserem höheren Bewußtsein dürfen wir uns allerdings selbst auf den Standpunkt stellen, der sogar den Tod hinnimmt als ein Geschenk der höheren geistigen Mächte. Mit demjenigen Bewußtsein aber, das helfen und eingreifen soll ins Leben, dürfen wir uns nicht vermessen, uns auf diesen höheren Gesichtspunkt zu stellen. Da könnten wir uns leicht irren und würden in einer unerhörten Weise eingreifen in etwas, worin wir nie eingreifen dürfen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
in die menschliche Freiheitssphäre. Wenn wir einem Menschen helfen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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können, damit er die selbstheilenden Kräfte entwickelt, oder indem wir selbst der Natur zu Hilfe kommen, damit Heilung eintritt, so müssen wir das tun. Und soll die Entscheidung darüber fallen, ob der Mensch weiterleben soll oder ob er mehr gefördert wird, wenn der Tod eintritt, dann kann sie niemals anders als so fallen, daß unsere Hilfe eine Hilfe in der Heilung sein kann. Ist sie dies, so setzen wir es in des Menschen eigene Individualität, seine Kräfte anzuwenden, und die ärztliche Hilfe kann dabei nur eine solche sein, die ihn darin unterstützt. Dann wirkt sie nicht hinein in die menschliche Individualität. Ganz anders wäre es, wenn wir eines Menschen Unheilbarkeit in der Weise fördern würden, daß er sein weiteres Fortkommen in einer anderen Welt suchte. Da würden wir in seine Individualität eingreifen und seine Individualität einer andern Wirkungssphäre übergeben. Dann hätten wir unseren Willen der andern Individualität aufgedrängt. Diese Entscheidung müssen wir der Individualität selbst überlassen. Das heißt mit andern Worten: Wir müssen so viel als möglich tun, damit eine Heilung geschieht. Denn alle Überlegungen, die zu einer Heilung führen, kommen aus dem Bewußtsein, das für unsere Erde berechtigt ist; alle andern Maßnahmen würden übergreifen über unsere Erdensphäre; da müssen andere Kräfte eingreifen als die, welche in unser gewöhnliches Bewußtsein hineinfallen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So sehen wir, daß ein richtiges karmisches Verständnis über Heilbarkeit und Unheilbarkeit von Krankheiten dazu führt, daß wir alles aufbringen werden, um dem Menschen zu helfen in der Krankheit; und auf der andern Seite führt es uns auch dazu, daß wir, wenn aus andern Sphären eine andere Entscheidung getroffen wird, diese ebenfalls zu unserer Befriedigung hinnehmen. Etwas anderes haben wir in bezug auf diese andere Entscheidung auch gar nicht nötig. Nötig haben wir, daß wir einen Gesichtspunkt finden, daß uns die Unheilbarkeit einer Krankheit nicht niederdrückt,als ob dieWelt nur das Unvollkommene, das Schlimme und Schlechte hätte. Karmisches Verständnis lähmt nicht unsere Tatkraft in bezug auf das Heilen. Karmisches Verständnis wird uns auf der andern Seite auch wieder in Harmonie bringen mit dem schwersten Schicksal in bezug auf Unheilbarkeit dieser oder jener Krankheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
So haben wir heute gesehen, wie uns karmisches Verständnis allein möglich macht, den Verlauf einer Krankheit in der richtigen Weise aufzufassen und zu begreifen, daß wir geradezu hineinleuchten sehen die karmischen Wirkungen aus unseren früheren Leben in das gegenwärtige. Beispiele im einzelnen werden sich uns noch bei Besprechung der nächsten Fragen darbieten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun wird es uns obliegen, zu unterscheiden zwischen zwei besonderen Krankheitsformen, zwischen denjenigen, welche aus dem menschlichen Inneren kommen, und die ganz besonders erscheinen als durch das Karma herbeigetragen, und zwischen jenen Erkrankungen, die uns scheinbar zufällig treffen dadurch, daß wir äußeren Schädigungen aus gesetzt sind, daß uns dieses oder jenes passiert. Kurz, es wird sich darum handeln: Wie können wir zu einem karmischen Verständnis auch dann kommen, wenn wir zum Beispiel unter die Räder eines Eisenbahnzuges kommen? Das heißt, wie sind sogenannte «zufällige» Erkrankungen durch das Karma zu begreifen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
= FÜNFTER VORTRAG Hamburg, 20. Mai 1910 =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Inhalt des gestrigen Vortrages ist von großer Wichtigkeit sowohl für unsere nächsten Betrachtungen wie auch für das Verständnis der karmischen Zusammenhänge überhaupt. Deshalb - wegen dieser ein- schneidenden Wichtigkeit - lassen Sie mich heute noch einmal in den Hauptzügen kurz zusammenfassen, was der gestrige Vortrag enthalten hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir gingen davon aus, daß sich die Anschauungen über Heilung und über Heilmittel im Laufe verhältnismäßig kurzer Zeiten im letzten Jahrhundert ziemlich radikal verändert haben. Und wir haben darauf hingewiesen, wie im 16. und 17. Jahrhundert namentlich eine Anschauung sich ausbildete, welche ganz und gar auf dem Boden fußte: Für eine jede Krankheit, die mit einem Namen bezeichnet wurde und die man glaubte begrifflich abgrenzen zu können, müßten sich auch diese oder jene Heilmittel in der Welt finden. Und man glaubte mit Sicherheit, daß, wenn das betreffende Mittel angewendet würde, es auf den Verlauf der Krankheit einen Einfluß haben müsse. Wir haben dann darauf hingewiesen, wie sich diese Anschauung mehr oder weniger bis ins 19. Jahrhundert hinein erhalten hat, dann aber danebengestellt den absoluten Gegensatz dieser Anschauung, der sich namentlich zum Ausdruck gebracht hat in dem Nihilismus derWiener medizinischen Schule, der seinen Ausgangspunkt genommen hat von dem berühmten Mediziner Dietl, und seinen Fortgang gefunden hat in Skoda und dessen verschiedenen Schülern. Und wir haben die nihilistische Richtung dadurch charakterisiert, daß wir sagten: Sie fing nicht nur an, über den` absoluten Zusammenhang zwischen diesem oder jenem Heilmittel, zwischen diesen oder jenen Handgriffen in bezug auf die Krankheitsbehandlung und die Krankheit selber gründliche Zweifel zu haben, sondern sie wollte von einem solchen Zusammenhang nichts mehr wissen. Und es kam in die Gemüter der unter dem Einfluß dieser Schule stehenden jungen Ärzte die Anschauung von der sogenannten «Selbstheilung&amp;gt; hinein. Skoda selbst hat ja den für diese Schule bedeutungs&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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vollen Satz ausgesprochen: Wir können eine Krankheit diagnostizieren, wir können sie vielleicht auch erklären und beschreiben; aber Mittel haben wir gegen die Krankheit nicht. - Und de,n Ausgangspunkt nahm diese Richtung davon, daß Dietl nachweisen konnte, daß bei der ab- wartenden Behandlung eine Krankheit wie die Lungenentzündung so verläuft, daß sie innerhalb einer bestimmten Zeit die selbstheilenden Kräfte entwickelt, wenn man nur die nötigen Bedingungen dafür schafft. Und er konnte statistisch nachweisen, daß bei der abwartenden Behandlung ebenso viele Menschen geheilt wurden oder auch starben wie bei Verabreichung der sonst gebräuchlichen Mittel. Damals war die Bezeichnung «therapeutischer Nihilismus» durchaus nicht unberechtigt; denn es war eine absolute Wahrheit, daß sich die Ärzte dieser Schule gar nicht schützen konnten gegen die Meinung der Kranken, daß ein Mittel, ein Rezept eben da sein muß. Der Kranke gab nicht nach, seine Umgebung auch nicht - Mittel mußten verschrieben werden, und die Anhänger dieser Schule halfen sich dann gewöhnlich dadurch, daß sie dünn aufgelösten arabischen Gummi verschrieben, der nach der Meinung der Anhänger der Schule ganz dieselbe Wirkung haben sollte wie die früher angewendeten Mittel. Wir haben daraus erkennen gelernt, wie geradezu hindrängt die moderne wissenschaftliche Tatsachenwelt zu dem, was wir den karmischen Zusammenhang im Leben nennen können. Denn wir mußten uns nun die Frage beantworten: Wie geschieht denn eigentlich das, was man nennen könnte «Selbstheilung»? Oder besser gesagt: Warum geschieht es? Und warum kann in einem andern Falle eine Selbstheilung oder überhaupt eine Heilung nicht eintreten?&lt;br /&gt;
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Wenn eine ganze Schule, an deren Spitze medizinische Koryphäen standen, darauf verfallen konnte, den Begriff der Selbstheilung einzuführen, so hätte einer, der darüber nachdenkt, dazu kommen müssen, zu sagen: Also wird im Krankheitsprozeß etwas wachgerufen, was zur Überwindung der Krankheit führt! Und das hätte weiter dazu führen müssen, den geheimeren Gründen des Krankheitsverlaufes nachzuspüren. Wir haben nun versucht, darauf hinzuweisen, wie ein solcher karmischer Zusammenhang innerhalb der Menschheitsentwickelung für den Krankheitsverlauf gesucht werden kann. Wir haben gezeigt, daß &lt;br /&gt;
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allerdings das, was der Mensch in seinem gewöhnlichen Leben vollführt an guten und bösen Handlungen, an gescheiten und unsinnigen Handlungen, was er erlebt an richtigen und verkehrten Gemütsauffassungen, daß alles das nicht tief hineingeht in die Untergründe der menschlichen Organisation. Und wir haben den Grund aufgezeigt, warum das, was für das gewöhnliche Leben der moralischen, der intellektuellen und gemüthaften Beurteilung unterliegt, nur an der Oberfläche des gewöhnlichen Lebens sitzenbleibt und nicht dem Gesetze unterliegt, das wir im andern Falle aufzeigen konnten: die tieferliegenden Kräfte der Menschenorganisation zu beeinflussen. Wir haben gezeigt, daß es gleichsam eine Art von Hemmnis gibt gegen das Eindringen der Unmoralität in die tieferen Kräfte des Organismus. Und diese Abwehr gegen das Eindringen dessen, was wir tun und denken, in die Kräfte unserer Organisation liegt darin, daß wir unsere Handlungen, die wir zwischen Geburt und Tod vollbringen, mit unseren bewußten Vorstellungen begleiten. Indem wir eine Handlung oder ein sonstiges Erlebnis mit einer bewußten Vorstellung begleiten, schaffen wir eine Schutzwehr dagegen, daß das Resultat unserer Handlungen hinunterrückt in unseren Organismus. Wir haben dann darauf hingewiesen, welche Bedeutung jenen Erleb nissen zukommt, die unwiederbringlich vergessen worden sind. Da liegt nicht mehr die Möglichkeit vor, sie wieder ins bewußte Vorstellungsleben hinaufzurücken; sondern von solchen Erlebnissen mußten wir sagen, daß sie schon in bestimmter Weise, weil die Schutzwehr derVorstellung fehlt, hinunterdringen in unsere innere Organisation und dort mitwirken können an den gestaltenden Kräften unseres Organismus. Und wir haben hinweisen können auf die Krankheitsformen, welche noch mehr an der Oberfläche liegen: Neurose, Neurasthenie und dergleichen. Sogar hysterische Zustände erfahren da eine Beleuchtung. Wir sagten, daß die Ursachen für solche Zustände gesucht werden müssen in den aus dem Bewußtseinskomplex herausgefallenen,vergessenenVorstellungen, die hinuntergesunken sind in das Innere und sich - wie Einschiebsel unseres Seelenlebens - als Krankheiten geltend machen. - Wir haben darauf hingewiesen, welche ungeheure Bedeutung jener Zeitraum hat, der verläuft von der Geburt bis zu dem Zeitpunkt, wo sich der Mensch an seine Erlebnisse zurückerinnern kann, und es wurde darauf &lt;br /&gt;
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aufmerksam gemacht, wie das, was früher vergessen worden ist, im lebenden Organismus fortwirkt, indem es gleichsam mit den tieferen Kräften der Organisation einen Bund schließt und von dort aus unsere Organisation selber beeinflußt. Es muß also ein Komplex von Vorstellungen, eine Reihe von Erlebnissen hinuntersinken in tiefere Untergründe unseres Wesens, bevor er eingreifen kann in unsere Organisation.-Wir haben dann darauf hingewiesen,wie am gründlichsten dieses Hinuntersinken geschieht, wenn der Mensch durch die Pforte des Todes gegangen ist und das weitere Dasein durchlebt zwischen Tod und neuer Geburt. Da verwandeln sich alle Erlebnisse in ihren Qualitäten in solche Kräfte, welche jetzt organisierend wirken. Und was der Mensch in der Zeit zwischen Tod und neuer Geburt empfunden und gefühlt hat, das nimmt er auf in die plastischen Kräfte, die beteiligt sind am neuen Aufbau des Leibes, wenn der Mensch jetzt neu ins Dasein tritt. Da hat er jetzt in den Bildungskräften das Resultat dessen da rinnen, was er früher noch in seinem Seelenleben, vielleicht auch sogar in seinem bewußten Vorstellungsleben hatte. Und nun konnten wir darauf hin- weisen, daß der Mensch mit seinem vom Ich durchtränkten Vorstellungsleben hin und her pendelt zwischen zwei Einflüssen: zwischen dem luziferischen und dem ahrimanischen Einfluß. Wenn der Mensch eine Verfehlung begeht, die hervorgerufen wird durch Eigenschaften seines astralischen Leibes, durch schlimme Affekte, Zorn und dergleichen, wird er zu Handlungen getrieben durch luziferische Mächte. Wenn dann solche Handlungen jenen Weg gehen, der eben jetzt bezeichnet worden ist, daß sie zu Bildungskräften werden, so haben wir sie in den gestaltenden Kräften, die nunmehr der neuen Leiblichkeit zugrunde liegen als luziferische Krankheitsursachen. Wir haben dann gesehen, wie der Mensch unterliegt den ahrimanischen Kräften, die mehr von außen hereinwirken. Und wieder mußten wir von den ahrimanischen Einflüssen sagen, daß sie sich umwandeln in Bildungskräfte, in gestaltende Kräfte des neu gebauten Organismus, der zustande kommt, wenn der Mensch durch die Geburt ins Dasein tritt. Und insofern sich die Einflüsse Ahrimans in die Bildungskräfte hineinmischen, können wir von Krankheitsanlagen sprechen mit ahrimanischem Charakter. Dann haben wir im einzelnen darauf hingewiesen, wie diese &lt;br /&gt;
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Kräfte, die sich in dieser Weise herausbilden, wirken. Und ich habe Ihnen radikale Beispiele gezeigt für dieses Wirken, weil an radikalen Beispielen die Vorstellung eine deutlichere, scharf umrissene wird. Ich sagte, man nehme an, daß ein Mensch im vorigen Lebenslauf alles das getan hat, was ihn nur zu einem geringen Selbstgefühl und Selbstvertrauen bringen kann, daß er sein Ich so präpariert hat, daß es nichts auf sich gehalten hat, nur in Allgemeinheiten aufging und so weiter. Ein solcher Mensch nimmt nach dem Tode die Tendenz auf, jenen Widerstand zu überwinden und die Kräfte aufzunehmen, welche ihn fähig machen, später im weiteren Verlauf der Inkarnation sein Ich kräftiger, vollkommener zu machen. Das wirkt so, daß er solche Verhältnisse dann sucht, die es ihm möglich machen, gegen dasjenige anzukämpfen, gegen was es gut ist, anzukämpfen mit einem schwachen Selbstgefühl, so daß ein schwaches Selbstgefühl sich an dem Widerstande stärken kann. Und wahr ist es, daß eine solche Tendenz den Menschen dazu führt, sozusagen Gelegenheiten aufzusuchen zur Cholera, weil er darin etwas vor sich hat, was ihm Gelegenheit bietet, jene Widerstände zu überwinden. Und in der Überwindung dieser Widerstände liegt das, was in der nächsten Inkarnation oder aber auch bei eingetretener Heilung in derselben Inkarnation zu einem stärkeren Selbstgefühl führen kann oder zu Kräften, welche ein stärkeres Selbstgefühl durch Selbsterziehung nach und nach heranreifen lassen. Wir haben dann gesagt, daß bei einer Krankheit wie der Malaria die Gelegenheit gegeben ist, etwas auszugleichen, was sich die Seele in einem früheren Leben als ein übermäßiges Selbstgefühl herangezüchtet hat durch ihre Handlungen und Empfindungen. - Diejenigen von Ihnen, welche frühere Betrachtungen unseres theosophischen Lebens mitgemacht haben, werden sich verdeutlichen können einen solchen Verlauf. Es wurde immer gesagt, daß das Ich des Menschen seinen physischen Ausdruck findet im Blut. Nun hängen die beiden Krankheiten, von denen wir eben gesprochen haben, mit dem Blut und den Gesetzen vom Blut zusammen; sie hängen so zusammen, daß beim Cholerafall eine Verdickung des Blutes eintritt. Diese Verdickung ist es, was als Widerstand zu bezeichnen ist, den das schwache Selbstgefühl durchmachen muß und an dem es sich heraner~iehen will. Ebenso können Sie es sich &lt;br /&gt;
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verdeutlichen, daß bei der Malaria eine Art Blutzerfall stattfindet und daß ein überstarkes Selbstgefühl die Möglichkeit braucht, daß es ad absurdum geführt wird, daß im Blutzerfall ein überstarkes Ich in seiner Anstrengung zur Nichtigkeit geführt wird. Das wird in dem Zerfall des Blutes geboten. - Die Dinge sind natürlich außerordentlich intim im Organismus zusammenhängend; aber wenn Sie darauf eingehen, werden Sie sie sich schon zum Verständnis bringen.&lt;br /&gt;
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Aus all dem ergab sich uns: Wenn wir einen Organismus haben, der gebildet ist von einer Seele, die in sich die Tendenz hat, dieses oder jenes nach der einen oder der andern Richtung zu überwinden, so führt diese Tendenz den Menschen dazu, in sich hineinzuprägen die Möglichkeit zur Krankheit, aber auch zugleich die Möglichkeit, anzukämpfen gegen die Krankheit, weil ja die Krankheit aus keinem andern Grunde hervorgerufen wird als aus dem, die Möglichkeit der Heilung zu haben. Und Heilung tritt dann ein, wenn der Mensch nach seinem Gesamtkarma durch die Überwindung der betreffenden Krankheit sich solche Kräfte aneignet, daß er in dem restlichen Leben bis zum Tode durch seine Arbeit auf dem physischen Plan wirklich sich vorwärtsbringen kann. Das heißt, wenn die zu erregenden Kräfte so stark sind, daß er auf dem physischen Plan das auch erreichen kann,weswegen die Krankheit hervorgerufen worden ist, dann arbeitet der Mensch gerade mit den ihm aus dem Heilprozeß zugeflossenen verstärkten Kräften weiter, die er früher nicht gehabt hat. Liegt aber sein Gesamtkarma so, daß er zwar die Absicht gehabt hat, seinen Organismus so zu gestalten, daß er durch die Überwindung der betreffenden Krankheit sich Kräfte zu- führt, welche zu seiner Vervollkommnung führen, daß aber, weil die Dinge mannigfaltig sind, er gleichzeitig den Organismus nach einer andern Richtung hin hat schwach sein lassen müssen, dann kann der Fall eintreten, daß diejenigen Kräfte, welche der Mensch herausstellt und anwendet im Heilprozeß, ihn zwar verstärken, aber doch nicht so weit, daß er dem Arbeiten auf dem physischen Plan schon gewachsen ist. Dann wird er das Stück, was er schon gewonnen hat - weil es auf dem physischen Plan nicht verwendbar ist -,verwenden,wenn er durch die Pforte des Todes geht, und er wird versuchen, das seinen Kräften hinzuzufügeri,was er auf dem physischen Plan nicht hinzufügen konnte, &lt;br /&gt;
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um diese Kräfte in der Ausgestaltung des nächsten Leibes zu zeigen, wenn er wieder in die Geburt tritt. Es bleibt uns noch, wenn wir das vor Augen haben, einen Hinweis zu geben, wie es sich mit denjenigen Krankheitsformen verhält, welche weder zu einer ordentlichen Heilung noch zum Tode führen, sondern zu chronischen Zuständen, zu einer Art von Siechtum oder dergleichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da liegt allerdings etwas vor,was im eminentesten Sinne für die meisten Menschen von einer großen Wichtigkeit ist zu wissen. Da liegt das vor, daß allerdings durch den Heilungsprozeß innerhalb der menschlichen Körperhüllen eingetreten ist, was nur zu erreichen war, daß also in gewissem Sinne die Krankheit überwunden ist. Aber in einem anderen Sinne ist sie doch nicht überwunden; das heißt, daß alles das, was an Ausgleich hat geschaffen werden sollen zwischen Ätherleib und physischem Leib, zwar erreicht worden ist, nicht aber das ausgeglichen worden ist, was an Disharmonie vorhanden war zwischen Ätherleib und astralischem Leib. Das bleibt zurück, und der Mensch pendelt hin und her zwischen Versuchen, zu heilen, und nicht heilen zu können. In einem solchen Falle ist es immer von einer ganz besonderen Wichtigkeit, daß der Mensch möglichst ausnutzt, was er an wirklicher Heilung errungen hat. Und das geschieht am allerwenigsten im Leben. Denn gerade bei solchen Krankheiten, die chronisch werden, befindet sich der Mensch in einem rechten Kreistanz darinnen. Wenn der Mensch in einem solchen Falle imstande sein würde, den Teil seiner Organisation, welcher in sich eine gewisse Heilung erfahren hat, zu isolieren, für sich sozusagen leben zu lassen, und wenn er davon dasjenige zurückziehen könnte, was da noch rumort und nicht in Ordnung ist und was in solchem Falle gewöhnlich mehr gegen das innere Seelenhafte zu liegt, dann würde sich der Mensch sehr viel helfen können. Aber dagegen wirkt das Allerverschiedenste, namentlich das, daß der Mensch, wenn er irgendeine Krankheit gehabt hat und ein chronischer Zustand zurückgeblieben ist, fortwährend unter dem Einflusse dieses Zustandes lebt und daß er - wenn ich mich grob ausdrücken darf - eigentlich niemals gründlich vergessen kann seinen Zustand, niemals gründlich dazu kommt, das, was in ihm doch noch nicht gesund ist, zurückzuziehen von diesem Zustande und es für sich zu behandeln; sondern er wird &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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durch das, was man nennen kann das fortwährende Denken an den andern Teil der Organisation, veranlaßt, gleichsam seinen gesunden Teil wieder in irgendeinen Zusammenhang zu bringen mit dem früher kranken Teil und diesen so neuerdings zu irritieren. Das ist ein besonderer Prozeß. Und um Ihnen diesen Prozeß klarzumachen, möchte ich Ihnen einmal den geisteswissenschaftlichen Tatbestand klarlegen, das, was das hellseherische Bewußtsein sieht, wenn jemand eine Krankheit durchgemacht und dabei etwas zurückbehalten hat, was man als etwas Chronisches bezeichnen kann. Dasselbe geschieht übrigens auch dann, wenn nicht eine besonders auffällige akute Erkrankung vorlag, sondern wenn sich ein Chronisches einstellt, ohne daß ein Akutes besonders bemerkt worden ist. Dann kann man in der Tat sehen, daß sich in den meisten Fällen ein gewisser schwankender Gleichgewichtszustand herausstellt zwischen dem Ätherleibe und dem physischen Leibe, ein Hinund-her-Pendeln von Kräften, wie es nicht sein soll, bei dem es sich aber doch leben läßt. Bei diesem Hin-und-her-Pendeln von Kräften des Ätherleibes und des physischen Leibes wird der betreffende Mensch fortwährend irritiert und dadurch erfüllt von fortdauernden Erregungszuständen. Die sieht das hellseherische Bewußtsein fortwährend auftauchen im astralischen Leibe, und diese Erregungszustände drängen sich fortwährend hinein in den halb kranken und halb gesunden Teil der Organisation, wodurch dann nicht ein stabiles, sondern ein labiles Gleichgewicht zustande kommt. Durch dieses Hineindringen der astralischen Erregungszustände wird der menschliche Zustand, der sonst viel besser sein könnte, in der Tat sehr verschlechtert. Ich bitte zu berücksichtigen, daß das Astralische in diesem Falle nicht zusammenfällt mit dem Bewußtsein, sondern daß es vorzugsweise mit dem zusammenfällt, was innere seelische Erregungen sind, die sich aber der Patient nicht eingestehen will. Weil in solchem Falle das Hemmende der Vorstellungen nicht da ist, deshalb wirken diese Zustände und Affekte, die Gemütserschütterungen, die fortwährenden Zustände des Überdrusses, des In-sich-unzufrieden-Seins nicht immer wie bewußte Kräfte, sondern wIe organisierende, wie Lebenskräfte, die in der tieferen Wesenheit des Menschen sitzen und fortwährend den halb gesunden, halb kranken Teil irritieren. Könnte nun der betreffende Patient es wirklich durch &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
starken Willen, durch Seelenkultur dazu bringen, wenigstens für eine gewisse Zeit seinen Zustand zu vergessen, so würde er daraus solche Befriedigung schöpfen, daß er dann schon aus dieser Befriedigung die Kraft ziehen könnte, um das weiter durchzuführen. Könnte er seinen Zustand vergessen, ganz von ihm absehen, mit starkem Willen sagen: Ich will mich jetzt nicht kümmern um meinen Zustand! - und würde er sodann die Seelenkräfte, welche er dadurch frei bekommt, auf etwas von geistigem Inhalt verwenden, was ihn erhebt, was ihn innerlich sättigt in seiner Seele, würde er diese Kräfte, die sich sonst immer damit beschäftigen, die Gefühle des Schmerzes, des Drückens und Stechens und was da alles ist, zu durchleben, frei bekommen, so würde ihm das eine große Befriedigung gewähren. Denn wenn man diese Gefühle nicht durchlebt, hat man die Kräfte ja frei; dann sind sie verfügbar. Freilich hilft es nicht viel, wenn man sich bloß sagt, man will dieses Klemmen und Stechen und so weiter nicht bemerken; denn wenn man die Kräfte, welche man da frei bekommt, nicht auf etwas Geistiges verwendet, werden die früheren Zustände bald wieder da sein. Wenn man aber die frei gewordenen Kräfte verwendet auf einen die Seele ganz in Anspruch nehmenden geistigen Inhalt, dann wird man bemerken, daß man auf einem komplizierten Wege das erreicht, was sonst unsere Organisation selber ohne unser Zutun in der Überwindung des Krankheitsprozesses erreicht. Es ist ja natürlich, daß der Betreffende dann sorgfältig darauf sehen muß, daß er nicht gerade seine Seele auf einem solchen Wege erfüllt, der wieder direkt zusammenhängt mit dem, was seine Erkrankung ist. Wenn jemand zum Beispiel an einer Schwäche seiner Augen leidet, und er beschäftigt sich, um nicht an die Schwäche seiner Augen zu denken, damit, daß er viel liest, um geistige Kräfte aufzunehmen, so ist es selbstverständlich, daß ihn das nicht zum Ziele führen kann. Aber ganz so weit herzuholen brauchen Sie sich die sogenannten kleinen Belege dafür nicht. Jeder kann an sich selbst bemerken, wenn er eine kleine Unpäßlichkeit hat, wie sehr es ihm nützt, wenn er es zu einem Vergessen seiner Unpäßlichkeit bringt, namentlich zu einem solchen Vergessen, das hervorgerufen wird durch eine anderweitige Beschäftigung. Das ist also ein positives, gesundes Vergessen! Da haben Sie schon einen Hinweis, daß wir nicht ganz machtlos sind gegen die &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
karmischen Wirkungen unserer Verfehlungen in früheren Lebensläufen, welche sich in Krankheiten zum Ausdruck bringen. Denn wir müssen uns sagen: Wenn wir zugeben, daß das, was im Leben zwischen Geburt und Tod einer moralischen, gemüthaften und intellektuellen Beurteilung unterliegt, in einem Leben nicht so tief gehen kann, daß es die Ursache zu einer organischen Erkrankung wird, daß es sich aber in der Zeit nach dem Tode bis zur neuen Geburt so tief in das Leben hinein- senken kann, daß es Krankheit bewirkt, dann müßte es doch auch möglich sein, diesen Prozeß wieder zurückzuverwandeln in einen Bewußtseinsprozeß!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Frage kann auch so gestellt werden: Wenn Krankheiten sich ausleben wie eine karmische Wirkung von geistigen oder sonstigen durch die Seele hervorgerufenen oder erfahrenen Erlebnissen, wenn sie also die Umwandlung solcher Ursachen sind, können wir uns dann nicht auch denken - oder erzählen uns davon die geistigen Tatsachen nichts -, daß das Umwandlungsprodukt, die Krankheit, vermeidbar ist, insofern vermeidbar, als wir statt des Heilungsprozesses, statt dessen, was aus den organischen Regionen herausgeholt wird, als Krankheit herbeigeholt wird zu unserer Erziehung, das geistige Gegenstück, das geistige Äquivalent dafür setzen? Daß wir, wenn wir klug genug sind, die Krankheit umwandeln in einen geistigen Prozeß und die Selbsterziehung, die wir durch die Krankheit ausführen sollen, sozusagen durch die Kräfte unserer Seele ausführen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daß so etwas in den Bereich derTatsachen gehört, möchte icil wieder durch ein Beispiel illustrieren. Wieder muß aber hierbei gesagt werden, daß nur solche Beispiele angeführt werden, die geisteswissenschaftlich untersucht sind; es sind nicht Hypothesenaufstellungen, sondern Fälle. Daher können Sie von mir nicht gerade eine Vollständigkeit verlangen - weil nicht Hypothesen aufgestellt werden, sondern Fälle, die als solche hingenommen werden müssen. Nehmen wir an, im späteren Leben bekommt eine Persönlichkeit Masern, und wir suchen nach dem karmischen Zusammenhang dieses Falles. Wir finden dabei, daß dieser Masernfall aufgetreten ist als eine karmischeWirkung von solchen Vorgängen in einem vorangegangenen Leben, die wir etwa so beschreiben können: Die betreffende Individualität war in einem vorhergehenden &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Leben eine solche, die sich nicht gern um die äußere Welt bekümmert hat, sich nicht gerade im grob egoistischen Sinne, aber doch viel mit sich selber beschäftigt hat; eine Persönlichkeit also, die viel nachgeforscht hat, nachgedacht hat, aber nicht an den Tatsachen der äußeren Welt, sondern die im inneren Seelenleben geblieben ist. Sie finden auch heute sehr viele Menschen, welche glauben, daß sie durch In-sich-abgeschlossen-Sein, durch Grübeln und so weiter zur Lösung von Welträtseln kommen können. Bei der Persönlichkeit, die ich meine, handelte es sich darum, daß sie mit dem Leben so fertigzuwerden suchte, daß sie innerlich nachgrübelte, wie man sich in diesem oder jenem Falle verhalten soll. Die Schwäche der Seele, welche sich daraus ergeben hat im Verlaufe des Lebens, führte dazu, daß im Leben zwischen Tod und neuer Geburt Kräfte erzeugt wurden, welche den Organismus in verhältnismäßig später Lebenszeit noch einem Masernanfall aussetzten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt können wir uns fragen: Wir haben auf der einen Seite den Masernanfall, der die physisch-karmische Wirkung ist eines früheren Lebens. Wie ist es denn aber nun mit dem Seelenzustand? Denn das frühere Leben gibt ja als karmische Wirkung auch einen gewissen Seelenzustand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Seelenzustand stellt sich so dar, daß die betreffende Persönlichkeit in dem Leben, wo sie auch den Masernanfall hatte, immer wieder und wieder Selbsttäuschungen unterworfen war. Da haben Sie also die Selbsttäuschungen anzusehen als die seelisch-karmische Folge dieses früheren Lebens und den Eintritt döer Masern als die physischkarmische Folge jenes Lebens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen wir nun an, dieser Persönlichkeit wäre es gelungen, bevor der Masernfall eintrat, etwas zu tun, um sich gründlich zu bessern, das heißt, um eine solche Stärke der Seele sich anzueignen, daß sie nicht mehr ausgesetzt wäre allen möglichen Selbsttäuschungen. Dann würde diese dadurch heranerzogene Seelenstärke dazu geführt haben, daß die Masernerkrankung hätte unterbleiben können, weil das, was im Organismus schon hervorgerufen war bei der Bildung dieser Organisation, seinen Ausgleich gefunden hätte durch die stärkeren Seelenkräfte, welche durch die Selbsterziehung herangezogen worden wären. Ich kann natürlich nicht ein halbes Jahr über diese Sachen reden; aber wenn Sie &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
weit im Leben herumschauen und alle Einzelheiten, welche sich als Erfahrungen darbieten, von diesem hier gegebenen Ausgangspunkt aus betrachten würden, so würden Sie immer finden,daß das äußereWissen voll bestätigen würde - bis in alle Einzelheiten -, was hier gesagt worden ist. Und was ich jetzt gesagt habe über eine Masernerkrankung, das kann zu Gesichtspunkten führen, die erklären, warum Masern gerade zu den gebräuchlichen Kinderkrankheiten gehören. Denn die Eigenschaften, die genannt worden sind, kommen in sehr vielen Leben vor. Insbesondere in gewissen Zeitperioden haben sie in vielen Leben grassiert. Und wenn dann eine solche Persönlichkeit ins Dasein tritt, wird sie so schnell wie möglich Korrektur üben wollen auf diesem Gebiet und in der Zeit zwischen der Geburt und dem gewöhnlichen Auftreten der Kinderkrankheiten, um organische Selbsterziehung zu üben, die Masern durchmachen; denn von einer seelischen Erziehung kann ja in der Regel in diesem Alter nicht die Rede sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daraus sehen Sie, daß wir wirklich davon sprechen können, daß die Krankheit in gewisser Beziehung wieder zurückverwandelt werden kann in einen geistigen Prozeß. Und das ist das ungeheuer Bedeutsame, daß wenn dieser Prozeß in die Seele als Lebensmaxime aufgenommen wird, er eine Anschauung erzeugt, die gesundend auf die Seele wirkt. In unserer Zeit braucht man sich nicht besonders zu wundern, daß man so wenig auf die Seelen wirken kann. Und wer die Zeit heute vom geisteswissenschaftlichen Standpunkt aus durchschaut, der wird es begreifen, daß so viele Mediziner, so viele Ärzte Materialisten werden, können, das heißt, verzweifeln an einem seelischen Einfluß. Denn die Mehrzahl der Menschen beschäftigt sich ja überhaupt nicht mit etwas, was eine befruchtende Kraft hat. All das Zeug, was heute durch die gebräuchliche Literatur geht, hat für die Seelen keine befruchtende Kraft. Deshalb fühlt der, welcher für die Geisteswissenschaft wirken will, in diesem theosophischen Wirken auch etwas im eminenten Sinne Gesundendes, weil das geisteswissenschaftliche Wissen der Menschheit wieder etwas bringen kann, was sich so in die Seelen hineinergießt, daß die Seele abgezogen wird von dem, was die leibliche Organisation bildete. Man darf nur nicht verwechseln, was im Anfang einer solchen Bewegung auftritt, mit dem, was die Bewegung wirklich sein kann. &lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Es werden ja in die theosophische Bewegung tatsächlich Dinge hinein- gebracht, welche in der äußeren Welt auch grassieren, das heißt, es bringen die Menschen, wenn sie Theosophen werden, vielfach genau dieselben Interessen der Theosophie entgegen, die sie für die Dinge draußen auch haben, und auch alle Unarten, die sie draußen haben. Da wird vieles hineingetragen von den Schattenseiten unseres Zeitalters. Dann aber, wenn sich irgendwelche Schattenseiten bei den Betreffenden zeigen, sagt man, das habe die Theosophie bewirkt. Das ist natürlich eine sehr billige Auskunft!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir so den karmischen Faden sich ziehen sehen von einer Inkarnation in die andere, so haben wir damit die entsprechende Wahrheit doch nur von einer Seite erfaßt. Es werden sich demjenigen, der ein Gefühl dafür erhält, wie sich der karmische Faden von Inkarnation zu Inkarnation hindurchzieht, noch viele Fragen ergeben, die im Laufe der Vorträge berührt werden sollen. Vor allen Dingen muß die Frage berührt werden: Wie hat man zu unterscheiden zwischen einer Krankheit, bei der man äußere Ursachen angeben kann, und einer solchen Krankheit, die voll veranlagt liegt in der menschlichen Organisation selber, so daß man glaubt, was da vorliegt, damit abfertigen zu können, daß man sagt, die Krankheit ist ganz von selbst gekommen, und eine äußere Veranlassung liege nicht vor. - Ganz so stehen ja die Dinge nicht. Aber von gewisser Seite ist es doch berechtigt zu sagen, daß Krankheiten auftreten, für die der Mensch durch sein Inneres besonders disponiert ist. Für zahlreiche Krankheitserscheinungen wird man da- gegen doch äußere Ursachen angeben können. Natürlich nicht für alles, was uns passiert, aber für manches, was uns von außen her zustößt, zum Beispiel, wenn wir ein Bein brechen, müssen wir äußere Ursachen ins Feld führen. Auch das müssen wir zu den äußeren Ursachen zählen, was durch die Witterung geschieht, und ebenso die zahlreichen Krankheitsfälle, deren Ursachen in den schlechten städtischen Wohnungen zu suchen sind. Da eröffnet sich uns wieder ein weites Feld. Und für den, der mit Erfahrungen in die Welt blickt, ist es auch jetzt erklärlich, daß die heutige Moderichtung der Medizin dazu kommt, Krankheitsursachen in den äußeren Einwirkungen, besonders in den Bazillen, zu suchen, von denen ein geistreicher Herr nicht mit Unrecht gesagt hat: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Heute kommen Krankheiten von den Bazillen, wie man ehedem gesagt hat, Krankheiten kommen von Gott oder vom Teufel. Im 13.Jahr- hundert sagte man, Krankheiten kommen von Gott, im 15. Jahrhundert sagte man, sie kommen vom Teufel. Später hieß es dann, sie kommen von den Säften, und heute sagt man, die Krankheiten kommen von den Bazillen. Das sind die Ansichten, die sich abgelöst haben im Laufe der Zeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So müssen wir also sprechen von äußeren Ursachen des menschlichen Krankseins oder Gesundseins. Und da kann der gegenwärtige Mensch leicht versucht sein, ein Wort zu gebrauchen, welches im Grunde sehr geeignet ist, in unsere ganze Weltauffassung Unordnung hineinzubringen. Wenn jemand, der vorher ganz gesund war, in eine durch Influenza oder Diphtherie verseuchte Gegend kommt und hernach erkrankt, so wird der heutige Mensch ganz gewiß geneigt sein zu sagen, daß der Betreffende den Krankheitskeim dadurch aufgenommen hat, daß er in jene Gegend gekommen ist, und er wird dann leicht das Wort Zufall gebrauchen. Von zufälligen Einflüssen wird man heute leicht sprechen. - Das Wort Zufall ist so recht eine Crux, ein Kreuz für jede Weltanschauung. Und solange man eigentlich nicht einmal den Versuch macht, sich ein wenig klarzuwerden über das, was man so leicht mit Zufall bezeichnet, wird man auch nicht vordringen können zu einer einigermaßen befriedigenden Weltanschauung. So stehen wir nun am Ausgangspunkt des Kapitels «Natürliche und zufällige Erkrankungen des Menschen». Da geht es aber nicht anders, als daß wir einleitend heute versuchen, auf das Wort Zufall ein wenig Licht zu werfen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ist nicht der Zufall selber etwas, was uns mißtrauisch machen könnte gegen das, was sich der Mensch heute leicht dabei denkt? Ich habe schon früher einmal darauf aufmerksam gemacht, daß ein geistvoller Mann im 18.Jahrhundert nicht ganz unrecht hatte, als er über die Sitte, großen Entdeckern, Erfindern und so weiter Denkmäler zu errichten, den Ausspruch tat, man müßte doch, wenn man den geschichtlichen Verlauf objektiv betrachtet, die weitaus meisten Denkmäler dem «Zufall» errichten! Und sonderbar: Wenn man eingeht auf die Geschichte, kann man merkwürdige Entdeckungen machen über &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
das, was sich hinter dem Zufall verbirgt. Ich habe Ihnen erzählt, daß die Erfindung des Fernrohres dem Spiel zu verdanken ist, das Kinder in einer optischen Werkstätte mit optischen Gläsern getrieben haben; dabei kam eine Konstellation zustande, durch die jemand das Fernrohr zustande brachte. Man könnte auch hinweisen auf die berühmte Lampe im Dom zu Pisa, die schon früher vor Tausenden und Tausenden von Menschen ihre Schwingungen mit derselben Regelmäßigkeit ausgeführt hat wie vor Galilei. Aber erst Galilei probierte, wie die Schwingungen zusammenstimmten mit dem Gang seiner Blutzirkulation, und dadurch kam er zu der Auffindung der Pendelgesetze. Würden wir die Pendelgesetze nicht gehabt haben, so würde unser ganzes Kulturleben einen andern Anstrich bekommen haben. Versuchen Sie, ob Sie nicht in der Menschheitsentwickelung einen Sinn suchen können und ob Sie dann noch sagen möchten, daß nur ein Zufall gewaltet hat, zum Beispiel bei Galilei, und ihn zu dieser wichtigen Entdeckung gebracht hat. Aber nehmen wir einen andern Fall.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denken wir daran, was die Luthersche Bibelübersetzung bedeutet für die Kulturländer der europäischen Welt. Machen wir uns klar, was für einen tiefgehenden Einfluß sie genommen hat auf das religiöse Fühlen und Denken und anderseits auf die Heranbildung dessen, was wir die deutsche Schriftsprache nennen. Ich will nur die Tatsache hin- stellen, ohne davon zu sprechen, wie man über sie denken soll; nur daß sie diesen tiefgehenden Einfluß gehabt hat, will ich betonen. Sie müssen nun doch versuchen, einen Sinn zu sehen in jener Erziehung der Menschheit, die seit mehreren Jahrhunderten durch die Luthersche Bibelübersetzung bewirkt worden ist. Wenn Sie es versuchen, darin einen Sinn zu sehen, dann stellen Sie einmal neben dasjenige, was Sie so geistvoll wie möglich über den Sinn der Entwickelung seit dem 16. bis 17. Jahrhundert sagen können, die folgende Tatsache:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Luther hat sich bis zu einer gewissen Zeit seines Lebens tief beschäftigt mit allem, was seine eigene Persönlichkeit zu einer Art von Gotteskindschaft führen könnte durch die Bibellektüre. Er war übergegangen von der Gepflogenheit der Augustiner, vorzugsweise die Kirchenväter zu lesen, zu dem Genuß des Lesens der Bibel selber. Aber alles sprach jetzt dafür, daß sich in seiner Seele entzünden sollte die Gotteskind&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
schaft in einem umfassenden Gefühl. Und von diesem Gesichtspunkt aus oblag er seinem theologischen Lehramt in der ersten Wittenberger Period,e. Die Tatsache, die ich nun hervorheben möchte, ist die, daß Luther eine gewisse Abneigung hatte, sich den theologischen Doktortitel zu verschaffen, und daß er in einer zufälligen Unterredung, als er einmal zusammensaß mit einem alten Freunde des ErfurterAugustinerklosters, wirklich überredet worden ist, sich den theologischen Doktorhut zu erringen. Das hieß aber nun für ihn ein nochmaliges und wie,der-~ holtes Studium der Bibel. Da hat also das zufällige Zusammensitzen mit seinem Freunde zu einem nochmaligen Studium der Bibel geführt und dann zu alledem, was dadurch zum Ausdruck gekommen ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Versuchen Sie den Sinn für das, was für die letzten Jahrhunderte angedeutet worden ist, zusammenzuhalten mit der Tatsache, daß Luther einmal mit jenem Freunde zusammengesessen hat und sich zur Erringung des theologischen Doktorhutes hat überreden lassen: Da werden Sie eine merkwürdig groteske Zusammenstellung zu machen genötigt sein zwischen dem Sinn der Entwickelung und dem zufälligen Ereignis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was Sie zunächst aus dem Gesagten herauslesen werden, ist, daß es sich vielleicht doch mit der Bedeutung des Zufalles etwas anders verhalten könne, als man gewöhnlich denkt. Gewöhnlich denkt man, daß der Zufall etwas sei, was sozusagen durch die Naturgesetze, durch die Gesetze des Lebens sich überhaupt nicht restlos erklären lasse, daß er eine Art von Überschuß bilde gegenüber dem, was sich erklären läßt. Nehmen Sie nun zu dem, was eben gesagt worden ist, die Tatsache, die uns ja schon zum Verständnis so vieler Seiten des Lebens verholfen hat: daß der Mensch in seiner Individualität seit seinem Erdendasein unterworfen war den beiden Kräften des luziferischen und des ahrimanischen Prinzips. Diese Kräfte und Prinzipien spielen fortwährend in den Menschen hinein, wobei die luziferischen Kräfte mehr dadurch wirken, daß sie das Innere des astralischen Leibes des Menschen ergreifen, während die ahrimanischen Kräfte mehr wirken durch das, was der Mensch als äußere Eindrücke empfängt. In dem, was wir von der Außenwelt empfangen, sitzen die ahrimanischen Kräfte; und in dem, was als Lust oder Unlust, als Affekte und so weiter in der Seele aufsteigt und wirkt, sitzen die luziferischen Kräfte. Nun führt sowohl das &lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Iuziferische wie das ahrimanische Prinzip dazu, daß wir uns Täuschungen hingeben; das luziferische Prinzip führt dazu, daß wir uns über unser eigenes Inneres Täuschungen hingeben, daß wir über unser eigenes Inneres falsch urteilen können, eine Illusion im eigenen Inneren schauen können. Es wird Ihnen nicht schwer werden, wenn Sie das Leben vernünftig betrachten, diese Maja im eigenen Seelenleben gewahr zu werden. Versuchen Sie es zu betrachten, wie unendlich oft sich der Mensch einredet, er tue dieses oder jenes aus diesem oder jenem Grunde. Er tut es aber gewöhnlich aus einem ganz andern Grunde, der wesentlich tiefer sitzt; aber er erklärt sich die Handlung, zu der er getrieben wird durch Zorn und Leidenschaft, in seinem Oberbewußtsein auf eine ganz andere Art. Namentlich versucht er das, was in der Welt nicht geschätzt wird, hinwegzudekretieren. Und wenn der Mensch aus recht egoistischen Affekten heraus zu etwas getrieben wird, werden Sie es oft erleben können, daß er seinen grobklotzig-egoistischen Trieben ein unegoistisches Mäntelchen umhängt und erklärt, warum es hat geschehen müssen. Der Mensch weiß aber gewöhnlich selbst nicht, daß er so vorgeht. Wenn er es weiß, tritt gewöhnlich schon der Anfang zu einer Besserung mit einem gewissen Schamgefühl ein. Das schlimmste ist, daß der Mensch aus der Tiefe seiner Seele heraus zu etwas getrieben wird - und sich dann ein Motiv ausdenkt, aus dem er die betreffende Handlung getan habe. Das haben auch schon die modernen Psychologen bemerkt. Aber nur weil heute so wenig psychologische Bildung vorhanden ist, kommen derartig groteske Ausbildungen solcherWahrheiten zustande, wie das bei den heutigen materialistischen Psychologen der Fall ist. Sie kommen zu ganz eigenartigen Ausdeutungen des Lebens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Derjenige, der als Geistesforscher eine solche Tatsache bemerkt, wird sie natürlich in ihrer wahren Bedeutung durchschauen und so charakterisieren, daß in der Tat die zwei Dinge zusammenwirken: das Bewußtsein, und das, was als die tieferen Gründe unter der Schwelle des Bewußtseins waltet. Bemerkt es aber ein materialistischer Psychologe, so wird er die Sache anders behandeln. Da spintisiert er gleich eine Theorie heraus über den Unterschied zwischen dem Vorwand, den der Mensch zu einer Handlung annimmt, und zwischen dem eigentlichen Motiv. - Wenn zum Beispiel ein Psychologe spricht über die heute so &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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viel notierten Schülerselbstmorde, so sagt er, was als Vorwand dazu angeführt würde, das sei nicht das eigentliche Motiv; die eigentlichen Motive lägen viel tiefer: sie lägen meistens in einem irregeleiteten Geschlechtsleben. Diese würden umgewandelt, so daß sie dann dem Bewußtsein diese oder jene Gründe vortäuschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine solche Sache kann oft richtig sein. Aber es würde sie derjenige nIe zu einer umfassenden Theorie machen, der nur ein wenig berührt worden wäre von einer wahrhaft tieferen psychologischen Denkungsart. Eine solche Theorie kann leicht widerlegt werden, denn der Betreffende müßte bedenken: Wenn wirklich der Fall so liegt, daß der Vorwand nichts ist und das Motiv alles, so müßte man das auch bei diesem Psychologen anwenden können und sagen: Es ist also auch bei dir dasjenige, was du hier vorbringst und als Theorie entwickelst, nur Vorwand; suchen wir nach den tieferen Gründen, so sind vielleicht deine angegebenen Gründe ganz derselben Natur. - Hätte ein solcher Psychologe ernsthaft gelernt, warum ein Urteil unmöglich ist, das nach einem solchen Schluß aufgebaut ist wie: Alle Kretenser sind Lügner -, und daß ein solches Urteil schief ist, wenn es ein Kretenser selbst sagt; hätte er gelernt den Grund, warum das so ist, so hätte er auch gelernt, was für sonderbare Zirkelschlüsse dadurch herauskommen, daß man auf gewissen Gebieten Behauptungen auf sich selber zurücktreiben kann. Aber es ist eben fast in dem ganzen Umfange unserer Literatur eine außerordentlich geringe wirklich tiefere Bildung vorhanden. Daher bemerken die Leute dasjenige, was sie selbst tun, gewöhnlich durchaus nicht mehr. Deshalb wird es gerade für die Geisteswissenschaft durchaus notwendig sein, daß solche logischen Konfusionen nach jeder Hinsicht vermieden werden. Am wenigsten vermeiden solche logischen Konfusionen die modernen Philosophen, die sich mit Seelenwissenschaft beschäftigen. Und unser Beispiel ist ein typisches dafür. Wir sehen daran die Streiche, die luziferische Einflüsse dem Menschen spielen, so daß sie ihm das Seelenleben in eine Maja verwandeln und daß er sich ganz andere Motive vortäuschen kann, als sie wirklich in seinem Inneren walten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf diesem Gebiete sollte der Mensch versuchen, eine strengere Selbsterziehung zu handhaben. Heute handhabt sich das Wort gewöhnlich&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
sehr leicht. Aber dieses Wort ist auch ein furchtbarer Verführer. Und wenn das Wort nur schön klingt und nur ein klein wenig den Eindruck macht, daß ein Satz eine wohltätige Handlung vorstellt, dann wird schon das Schönklingen des Satzes Verführer sein, zu glauben, daß das betreffende Motiv in der Seele sei, während in Wahrheit das egoistische Prinzip dahinterstecken kann, von dem der Betreffende gar keine Ahnung zu haben braucht, weil er gar nicht den Willen hat, wirkliche Selbsterkenntnis zu treiben. So sehen wir Luzifer auf der einen Seite wirken. Wie wirkt nun Ahriman auf der andern Seite?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ahriman ist das Prinzip, das sich in unsere Wahrnehmungen mischt und von außen in uns hineinzieht. Nun wirkt Ahriman am allerstärksten in den Fällen, wo wir das Gefühl haben: Hier kommst du mit deinem Denken nicht mehr nach; da stehst du an einem kritischen Punkt mit deinem Denken, da fängt sich das Denken wie in einem Gedankenknäuel. - Da ergreift das ahrimanische Prinzip die Gelegenheit, um wie durch einen Spalt der Außenwelt in uns einzudringen. Wenn wir den Gang der Weltereignisse verfolgen und die mehr offenbaren Ereignisse ansehen, wenn wir zum Beispiel die heutige Physik zurückverfolgen bis zu dem Moment, wo Galilei vor der schwingenden Kirchenlampe im Dom zu Pisa saß, so können wir ein Gedankennetz über alle Ereignisse spinnen, das uns die Sache leicht erklärt; überall werden uns die Dinge erklärlich werden. Da aber, an der Stelle, wo wir zu der schwingenden Kirchenlampe kommen, da verwickeln sich unsere Gedanken. Da ist das Fenster, wo die ahrimanischen Kräfte am allerstärksten in uns eindringen, und da hört unser Denken auf, dasjenige aus den Erscheinungen zu begreifen,wasVernunft und Verständnis in die Sache hineinbringen kann. Da sitzt aber auch das, was man den Zufall nennt. Er sitzt da, wo uns Ahriman am allergefährlichsten wird. Diejenigen Erscheinungen nennt der Mensch zufällig, bei denen er durch den ahrimanischen Einfluß am allerleichtesten getäuscht werden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So wird der Mensch verstehen lernen, daß es nicht in der Natur der Tatsachen liegt, wenn er irgendwo veranlaßt wird, von Zufall zu sprechen, sondern daß es an ihm, an seiner Entwickelung liegen wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und er wird sich nach und nach dazu erziehen müssen, Maja und Illusion zu durchdringen, das heißt, dort die Dinge zu durchdringen, wo&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|112}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ahriman am stärksten wirkt. Und gerade wo wir zu sprechen haben von wichtigen Krankheitsursachen und von einem Licht, das sich über manchen Krankheitsverlauf breiten soll, da werden wir es nötig haben, von dieser Seite her die Erscheinungen anzugreifen. Da werden wir zuerst zu verstehen suchen, inwiefern es kein Zufall ist, wenn ein Mensch gerade mit demjenigen Eisenbahnzug fährt, durch den er umkommen kann, oder wie die Dinge liegen, durch die ein Mensch gerade in einer bestimmten Zeit irgendeinem von außen wirkenden Krankheitskeim ausgesetzt ist oder einer andern Krankheitsursache. Und wenn wir mit eIner geschärften Erkenntnis den Dingen nachgehen können, werden wir imstande sein, das wahre Wesen und die ganze Bedeutung des Krankseins und des Gesundseins für das menschliche Leben noch tiefer zu begreifen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich mußte heute in ausführlicherer Weise zeigen, wie im Inneren des Menschen Luzifer zur Illusion führt und wie Ahriman sich in die äußeren Wahrnehmungen mischt und dort zur Maja führt; wie es eine Wirkung Luzifers ist, wenn sich der Mensch ein falsches Motiv vor- täuscht, und wie die falsche Annahme gegenüber der Welt der Erscheinungen - die Täuschung durch Ahriman - uns zu der Annahme eines Zufalls bringt. Diesen Grund mußte ich schaffen, bevor ich zeigen kann, wie die karmischen Ereignisse, die Ergebnisse des früheren Lebens, beim Menschen auch da wirken und auch da die Erscheinungen erklären, wo scheinbar zufällige äußere Veranlassungen zur Erzeugung von Krankheiten wirken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|113}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= SECHSTER VORTRAG Hamburg, 21. Mai 1910 =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daß eine karmische Gesetzmäßigkeit dann wirken kann, wenn in dem gestern und vorgestern angedeuteten Sinne von dem Inneren des Menschen heraus die Krankheitsursache sich geltend macht, das wird ja leicht begreiflich sein. Wenn aber die Krankheitsursache in gewissem Sinne von außen hereinwirkt - und für wie vielerlei wird heute von der Wissenschaft die Krankheitsursache draußen gesucht in der Infektion -, wenn also das Hauptaugenmerk gerichtet werden muß auf eine äußere Veranlassung zur Krankheit: daß dann die karmische Gesetzmäßigkeit - das, was sich der Mensch als Wirkungen der Erlebnisse und Handlungen seines früheren Lebens mitgebracht hat durch die Geburt - auch in der Weise wirken kann, daß sie diese äußeren Krankheitsursachen herbeischafft, das scheint gewiß vielen noch, und mit Recht, weniger begreiflich zu sein. Dennoch aber werden wir, wenn wir noch weiter die eigentliche Wesenheit des Karma verfolgen, nicht nur verstehen lernen, wie äußere Ursachen zusammenhängen können mit dem, was wir in früheren Leben erlebt und getan haben, sondern wir werden sogar begreifen lernen, daß äußere Lebensunfälle, die uns treffen, also Ereignisse, die man so gern heute zufällig nennen möchte, in einem gesetzmäßigen Zusammenhange stehen können mit dem Verlauf voriger Leben. Allerdings werden wir noch etwas tiefer eindringen müssen in die ganze Natur der menschlichen Wesenheit, wenn wir gerade derartige, eigentlich durch unser ganzes menschliches Anschauen verschleierte Verhältnisse beleuchten wollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir haben ja gestern damit geschlossen, daß wir gezeigt haben, wie der Zufall uns immer eigentlich in einer verschleierten Gestalt das äußere Ereignis darbietet, weil an den Stellen, wo wir vom Zufall sprechen, die Möglichkeit der äußeren Täuschung, die durch die ahrimanischen Mächte herbeigeführt wird, am größten ist. Nun wollen wir einmal das Zustandekommen solcher Zufälligkeiten, das heißt solcher Ereignisse, die man im gewöhnlichen Leben als «Zufälligkeiten» bezeichnet, in einzelnen Fällen vor uns hinstellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|114}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da ist es notwendig, daß wir uns zuerst ein Gesetz, eine Wahrheit, eine Erkenntnis vorhalten: daß im Leben gar manches,was wir mit dem Ausdruck bezeichnen «von innen herauskommend», «von dem Inneren des Menschen stammend», sich schon eigentlich in eine Täuschung kleidet, weil mancherlei, was wir zunächst als im Inneren des Menschen verursacht glauben, wenn wir in Wahrheit über die Illusion hinaus- kommen, schon als etwas von außen nach innen Strömendes bezeichnet werden muß. Und ein solches tritt uns immer da entgegen, wo wir es zu tun haben mit allen jenen Erlebnissen des Menschen, allen jenen Wirkungen auf den Menschen, welche wir begreifen unter dem Namen der «vererbten Merkmale». Die vererbten Merkmale, die uns so entgegen- treten, als ob wir sie nur deshalb hätten, weil sie unsere Vorfahren auch hatten, können uns im eminentesten Maße erscheinen, als ob sie uns ohne unsere Schuld, ohne unser Zutun zugefallen wären. Und wir können leicht zu einer falschen Unterscheidung dessen kommen, was wir uns aus unseren früheren Inkarnationen mitbringen, von dem, was wir von Eltern oderVoreltern geerbt haben. Nun aber geschieht das Wieder- ein treten in eine Verkörperung keineswegs so, als ob wir ohne irgendeine Veranlassung, die mit unserem Inneren zusammenhängt, zu diesem oder jenem Elternpaar, zu diesem oder jenem Volk, in diese oder jene Gegend hingedrängt würden. Schon bei den durchaus nicht in das Gebiet der Krankheiten hineinfallenden vererbten Merkmalen dürfen wir so etwas keineswegs voraussetzen, sondern wir müssen uns sagen: Wenn zum Beispiel in einer Familie, wie der des Musikers Bach, durch viele Generationen hindurch immer wieder und wieder kleinere und größere Musiker geboren wurden - der eine ist dann gewöhnlich hervorragender, aber in der Familie Bach sind über zwanzig mehr oder weniger begabte Musiker geboren worden -, so könnte man leicht glauben, daß man es mit der reinen Vererbungslinie zu tun hätte, daß also Merkmale von den Vorfahren vererbt werden und daß der Mensch gerade deshalb, weil solche Merkmale vorliegen, gewisse aus früheren Inkarnationen mitgebrachte Eigenschaften zu musikalischen Talenten entfaltet. Das ist aber nicht so, sondern die Sache verhält sich vielmehr ganz anders.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen wir an, es würde jemand in einem Leben zwischen Geburt und Tod Gelegenheit haben, viele musikalische Eindrücke zu empfangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|115}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese musikalischen Eindrücke gingen aber in diesem Leben an ihm vorüber, einfach aus dem Grunde, weil er kein musikalisches Ohr hatte. Andere Eindrücke seines Lebens werden nicht an ihm in derselben Weise vorübergehen, weil er gerade so gebaute Organe hat, daß er die Erlebnisse und Eindrücke in eigene Fähigkeiten umsetzen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daher werden wir sagen können, ein Mensch habe in seinem Leben solche Eindrücke, die er durch die Anlage, welche er von seiner letzten Geburt mitbekommen hat, umzusetzen vermag in Fähigkeiten und Talente; andere Eindrücke hat er, welche er vermöge seines Gesamt karma, weil er durch dieses nicht die entsprechenden Anlagen erhalten hat, nicht umsetzen kann in die entsprechenden Fähigkeiten. Die bleiben aber vorhanden, bleiben aufgespeichert und bilden sich um in der Zeit zwischen Tod und neuer Geburt zu der besonderen Tendenz, in der nächsten Inkarnation nunmehr zum Ausleben zu gelangen. Und diese Tendenz führt den Menschen dahin, im nächsten Leben seine Leiblichkeit gerade in einer solchen Familie zu suchen, welche ihm die entsprechenden Anlagen geben kann. Hat also jemand viele musikalische Eindrücke empfangen und sie wegen eines unmusikalischen Ohres nicht umwandeln können in musikalische Fähigkeiten oder Genüsse, so wird gerade diese Unmöglichkeit die Tendenz in seiner Seele hervorrufen, in eine solche Familie hineinzukommen,welche ihm ein musikalisches Ohr vererben kann. So verstehen wir es, daß, wenn in einer Familie sich der Bau des Ohres ebenso vererbt wie etwa die äußere Form der Nase, alle diejenigen Individualitäten sich zusammendrängen werden in diese Familie, die gerade lechzen - infolge ihrer früheren Inkarnation - nach dem Besitz eines musikalischen Ohres. Und so sehen wir, daß der Mensch in der Tat nicht «zufällig» in irgendeiner Inkarnation ein musikalisches Ohr oder ähnliches geerbt hat, sondern daß er diese vererbten Merkmale gesucht hat, wirklich aufgesucht hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beobachten wir jetzt einen solchen Menschen vom Zeitpunkt seiner Geburt an, dann wird es uns so vorkommen, als ob das musikalische Ohr in ihm wäre, eine Eigenschaft in seinem Inneren. Würden wir aber mit unseren Betrachtungen hinübergehen vor seine Geburt, so würden wir finden, wie das musikalische Ohr, das er sich erst aufgesucht hat, etwas ist, was von außen an ihn herangekommen ist. Vor der Geburt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|116}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
oder Empfängnis war das musikalische Ohr nicht etwas, was in seinem Inneren war, sondern da war nur die Tendenz vorhanden, zu einem solchen Ohr hingetrieben zu werden. Da hat der Mensch ein Äußeres an sich herangezogen. Vor der Wiederverkörperung war die Eigenschaft, die wir nachher eine vererbte nennen, etwas Äußeres; das ist an den Menschen herangekommen, er ist dazu hingeeilt. Mit der Verkörperung wird es dann etwas Inneres und tritt in dem Inneren dieses Menschen auf. - Reden wir also von «vererbten Anlagen», so geben wir uns wieder einer Täuschung hin, welche darin besteht, daß wir etwas, was erst ein Innres geworden ist, nicht in jenem Zeitpunkt betrachten, wo es noch ein Äußeres war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fragen wir uns nun einmal, ob es so wie in diesem Falle, den wir jetzt angeführt haben, nicht auch mit äußeren Ereignissen sein könnte, welche während unseres Lebens zwischen Geburt und Tod eintreten, daß auch da ein Äußeres sich in ein Inneres verwandeln könnte? - Diese Frage würden wir uns nicht beantworten können, wenn wir nicht noch tiefer als bisher das Wesen von Krankheit und Gesundheit ins Auge fassen. Wir haben mancherlei angeführt, um Krankheit und Gesundheit zu charakterisieren, und Sie wissen, daß ich nicht definiere, sondern versuche, nach und nach die Dinge zu beschreiben, immer mehr Merkmale zu den Dingen hinzuzufügen, damit sie nach und nach begreiflich werden. Also mehr Merkmale wollen wir jetzt hinzufügen zu den schon gewonnenen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir müssen Krankheit und Gesundheit vergleichen mit etwas, was Im normalen Leben auftritt; dann werden wir etwas noch Tieferes finden&amp;gt; nämlich den Vergleich mit Schlafen und Wachen. Was geschieht im Menschenwesen, wenn die täglichen Zustände Wachen und Schlafen miteinander abwechseln? Wir wissen&amp;gt; daß beim Einschlafen im Bette zurückgelassen wird der physische Leib und der Ätherleib und daß herausgehen aus dem physischen Leib und dem Ätherleib der astralische Leib und das Ich. Es ist also das Einschlafen für uns ein Herausziehen von Ich und astralischem Leib aus physischem Leib und Ätherleib; das Aufwachen dagegen ist ein Wiederhineingehen des astralischen Leibes und des Ich in den physischen Leib und Ätherleib. Jeden Morgen beim Aufwachen taucht also der Mensch unter in seinen physischen Leib und&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|117}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ätherleib mit dem, was er als innerer Mensch, als astralischer Leib und als Ich ist. Was geschieht nun in bezug auf das, was sich im Menschenwesen als Erlebnis abspielt beim Einschlafen und beim Aufwachen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir den Moment des Einschlafens ins Auge fassen, so stellt ersich uns so dar, daß alle Erlebnisse, die vom Morgen bis zum Abend inunserem Leben auf und ab fluten, daß vor allem die Seelenerlebnisse Lust und Leid, Freude und Schmerz, Leidenschaften, Vorstellungen und so weiter hinuntersinken in ein Unbewußtes. Wir selber sind im normalen Leben, wenn wir schlafen, einem Unbewußten hingegeben.Warum werden wir mit dem Einschlafen unbewußt? - Wir wissen ja, daß wir während des Schlafzustandes von einer geistigen Welt umgeben sind, wie wir imWachzustande umgeben sind von den Dingen und Tatsachen der physisch-sinnlichen Welt. Warum sehen wir diese geistige Welt nicht? Im gewöhnlichen normalen Leben sehen wir die geistigen Tatsachen und geistigen Dinge, die um uns herum sind, aus dem Grunde nicht, weil für uns dieses Sehen bei der gegenwärtigen Menschenreife vom Einschlafen bis zum Aufwachen im höchsten Grade gefahrbringend wäre. In dem Augenblick, wo der Mensch heute bewußt übergehen würde in die Welt, die ihn zwischen Einschlafen und Aufwachen um- gibt, würde zwar sein astralischer Leib, der ja während der alten Mondenzeit seine volle Ausbildung erfahren hat, in die geistige Welt aus- fließen; aber nicht könnte es das Ich, das ja erst während der Erdenzeit sich entwickeln soll und vollständig entwickelt sein wird am Ende der Erdenzeit. Das Ich ist noch nicht so voll entwickelt, daß es vom Einschlafen bis zum Aufwachen seine volle Tätigkeit entfalten könnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist mit dem Ich so, daß wir den Zustand, in den es käme, wenn der Mensch bewußt einschlafen würde, damit vergleichen könnten, daß wir sagen: Nehmen wir an, wir haben ein kleines Tröpfchen einer gefärbten Flüssigkeit, das bringen wir in ein Bassin mit Wasser und lassen es sich darinnen verteilen. Dann wird man von der Farbe dieses Tröpfchens nichts mehr sehen, weil es sich in der ganzen breiten Masse hat auflösen müssen. - So etwas geschieht auch, wenn der Mensch im Einschlafen aus dem physischen Leib und Ätherleib herausgeht. Physischer Leib und Ätherleib sind das, was die ganze menschliche Wesenheit zusammenhält. In dem Augenblick, wo der astralische Leib und das Ich &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|118}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die beiden unteren Glieder verlassen, streben sie auseinander nach allen Seiten hin, haben nur das Bestreben, sich fortwährend auszudehnen. Es würde also dem Ich so gehen, daß es aufgelöst würde, und der Mensch würde vor sich haben zwar die Bilder der geistigen Welt, aber er würde sie mit denjenigen Kräften, die nur sein Ich entfalten kann - denn das Ich wäre ja aufgelöst -, also mit Urteilskräften und Begriffsvermögen und so weiter, nicht verfolgen können, also nicht mit demselben Bewußtsein, mit welchem er die Zustände des Alltags verfolgt. Er würde außer sich sein, würde hin und her gerissen, wesens- und richtungslos schwimmend auf dem Meere der astralischen Eindrücke. Aus diesem Grunde, weil das Ich noch nicht stark genug ist im normalen Zustande des Menschen, wird das Ich so lange zurückwirken auf den astralischen Leib und ihn verhindern, bewußt einzutreten in seine eigentliche Heimat, in die geistige Welt, bis das Ich selber überall mit hin kann, wohin der astralische Leib dringt. So also hat es einen guten Sinn, daß wir das Bewußtsein verlieren im Einschlafen. Wir könnten unser Ich nicht erhalten. Wir werden es erst erhalten können in genügender Weise, wenn die Erdentwickelung an ihrem Ende angekommen sein wird. Deshalb sollen wir auch unseren astralischen Leib nicht entfalten können in bezug auf seine Bewußtseinsfähigkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gerade das Umgekehrte tritt ein, wenn der Mensch aufwacht. Wenn er aufwacht und untertaucht in den physischen Leib und Ätherleib, würde er eigentlich erleben müssen das Innere des physischen Leibes und des Ätherleibes. Das tut er aber nicht. Im Augenblick des Aufwachens wird er verhindert, hineinzuschauen in das Innere seiner Leiblichkeit, denn da wird gleich die Aufmerksamkeit auf die äußeren Erlebnisse gelenkt. Da wird nicht seine Sehkraft, seine Erkenntniskraft dahin gelenkt, sein Inneres zu durchschauen, sondern sie wird abgelenkt auf die Außenwelt. Würde der Mensch sich im Inneren ergreifen, so würde genau das Gegenteil eintreten von dem, was eintritt, wenn sich der Mensch bewußt beim Einschlafen in die geistige Welt hineinbegeben könnte. Alles, was der Mensch sich schon im Verlaufe des Erdenlebens an Geistigem durch sein Ich errungen hat, das würde sich zusammendrängen und es würde jetzt im physischen Leibe und Ätherleibe nach demUntertauchen mit aller Kraft auf ihn wirken. Das würde zur Folge &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|119}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
haben, daß alles, was nur irgendwie egoistische Eigenschaft ist, sich mit aller Macht entfalten würde. Und der Mensch würde hinuntertauchen mit seinem Ich und würde mit jedem Stück, mit dem er hinuntertaucht, seine Leidenschaften,Triebe und Begierden in einem immer kraftvolleren Egoismus ergießen. Aller Egoismus würde sich ergießen in sein Trieb- leben. Damit das nicht geschieht, werden wir abgelenkt auf die Außenwelt und nicht mit unserem Bewußtsein in unser Inneres hineingelassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daß das so ist, kann auch aus den Berichten derjenigen hervorgehen, die als Mystiker versuchten, wirklich hineinzukommen in das menschliche Innere. Sehen Sie sich um bei Meister Eckart, bei Johannes Tauler oder bei sonstigen Mystikern des Mittelalters, welche wirklich den Gang in das menschliche Innere unternommen haben. Da haben Sie Mystiker, welche sich hingegeben haben einem Zustand, wo sie ihre Aufmerksamkeit vollständig ablenkten von dem, was sie an der Außenwelt interessieren konnte, um hinunterzusteigen in das eigene Innere. Lesen Sie die Biographien der Heiligen oder der Mystiker, die in das eigene Innere hineinzusteigen versuchten. Was haben sie erfahren? Versuchungen, Anfechtungen und dergleichen, die sie in lebendigen Farben schildern. Das war dasjenige, was sich aus dem zusammengepreßten astralischen Leib und Ich als eine Widerkraft geltend machte. Daher haben diejenigen, welche sozusagen ungeschoren als Mystiker in das eigene Innere hinuntersteigen wollten, mit aller Macht darauf gedrungen, daß in demselben Maße, als sie hinunterstiegen, das Ich ausgelöscht würde. Ein schönes Wort hat sogar Meister Eckart gefunden, um dieses Hinuntersteigen in die eigene Leiblichkeit zu bezeichnen. Er spricht von «Entwerdung&amp;gt;, das heißt Auslöschen des Ich. Und lesen Sie in der «Deutschen Theologie», wie der Verfasser darstellt den mystischen Gang in das menschliche Innere, wie er darauf dringt, daß derjenige, der hinuntersteigen will in die Leiblichkeit, nic`ht mehr aus seinem Ich handelt, sondern daß in ihm der Christus handelt, mit dem er sich ganz durchdrungen hat. Auslöschen wollten solche Mystiker ihr Ich. Nicht sie sollen denken, fühlen und wollen, sondern der Christus in ihnen soll denken, fühlen und wollen, damit nicht dasjenige aus ihnen herauskommt, was in ihnen als Leidenschaften, Trieb und Begierde lebt, sondern damit dasjenige herauskommt, was sich als der &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|120}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Christus in sie ergießt. Daher sagt Paulus: «Nicht ich, sondern der Christus in mir»! Aus solchen Tiefen gehen solche Dinge hervor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So können wir schildern Aufwachen und Einschlafen als innere Erlebnisse der menschlichen Wesenheit: Aufwachen als ein Hinunter- tauchen der zusammengepreßten Ichheit in die Leiblichkeit des Menschen, Einschlafen als ein Sich-Befreien vom Bewußtsein, weil man noch nicht reif ist, in jener Welt zu schauen, in die man eigentlich hin- eindringen muß beim Einschlafen. Dadurch verstehen wir Wachen und Schlafen in jenem Sinne, in welchem wir mancherlei in der Welt verstehen müssen: als das Sich-Durchdringen der verschiedenen Glieder der menschlichenWesenheit. Betrachten wir von diesem Gesichtspunkte aus einen wachenden Menschen, so sagen wir: In dem wachenden Menschen stecken darinnen vier Glieder der menschlichen Wesenheit: physischer Leib, Ätherleib, astralischer Leib und Ich, und sie stecken in einer bestimmtenWeise ineinander.Was folgt daraus? Eben das Wachen! Denn es könnte der Mensch nicht wachen, wenn er nicht so hineinsteigen würde in seine Leiblichkeit, daß die Aufmerksamkeit durch die Außenwelt abgelenkt würde. Gerade von einem ganz bestimmten, geregelten Zusammenwirken der vier Glieder des Menschen hängt es ab, daß der Mensch wacht. Und wieder von dem richtigen Getrenntsein seiner vier Glieder hängt es ab, daß der Mensch schläft. Wir reichen damit nicht aus, daß wir sagen: Der Mensch besteht aus physischem Leib, Ätherleib, astralischem Leib und Ich, sondern wir verstehen den Menschen erst dann&amp;gt; wenn wir wissen, in welchem Grade die verschiedenen Glieder bei einem bestimmten Zustande miteinander verknüpft sind, wie sie ineinanderstecken. Das ist dasWesentliche für die Erkenntnis der menschlichen Natur. Nun betrachten wir die Art des Zusammengefügtseins der vier Glieder des Menschen, wie es uns beim wachen- den Menschen entgegentritt, als das Normale. Wir wollen einmal von diesem Begriff ausgehen: als das Normale den Zustand des wachenden Menschen zu betrachten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun werden sich die meisten von Ihnen erinnern, daß das Bewußtsein, welches wir gegenwärtig als Erdenmenschen haben zwischen Geburt und Tod, nur eine ist von den überhaupt möglichen Bewußtseinsformen. Wenn Sie zum Beispiel die «Geheimwissenschaft im Umriß» &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|121}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
oder die früheren Aufsätze «Aus der Akasha-Chronik» studieren, so werden Sie sehen, daß das heutige Bewußtsein eine Bewußtseinsstufe unter sieben verschiedenen Bewußtseinsstufen ist, daß dieses Bewußtsein, das wir heute haben, sich erst entwickelt hat aus drei andern, vorangegangenen Bewußtseinszuständen und sich später entwickeln wird zu drei andern, nachfolgenden Bewußtseinsformen. Während der Mensch Mondenmensch war, hatte er noch kein Ich. Das Ich verband sich mit dem Menschen erst während der Erdenzeit. Daher konnte der Mensch auch die heutige Art des Bewußtseins erst während der Erden- zeit haben. Ein solches Bewußtsein wie das, was wir heute haben zwischen Geburt und Tod, setzt voraus, daß das Ich genau so, wie es heute der Fall ist, mit den andern drei Gliedern zusammenwirkt und das h&amp;amp;hste ist unter den vier Gliedern der menschlichen Wesenheit. Bevor der Mensch mit dem Ich befruchtet worden ist, bestand er nur aus physischem Leib, Ätherleib und astralischem Leib. Da war der astralische Leib sein höchstes Glied, und sein Bewußtseinszustand war ein solcher, daß wir ihn heute höchstens, wenn wir etwas aus dem gewöhnlichen Leben nehmen, mit dem vergleichen könnten, was der Mensch sich wie ein altes Erbstück erhalten hat im Traumbewußtsein. Aber Sie müssen sich nicht das heutigeTraumbewußtsein vorstellen, sondern ein solches, das in den Bildern des Traumes Realitäten`wiedergibt. Wenn Sie den heutigen Traum studieren, werden Sie in den yerschiedensten Bildern recht viel Chaotisches finden, weil das heutige Traumbewußtsein ein altes Erbstück ist. Aber wenn Sie das Bewußtsein, welches dem heutigen vorangegangen ist, studieren würden, dann würden Sie finden, daß Sie äußere Gegenstände, zum Beispiel Pflanzen, damals nicht würden gesehen haben. Also es wäre ein äußerer Eindruck auf den Menschen unmöglich gewesen. Wenn etwas in die Nähe des Menschen gekommen wäre, hätten Sie einen Eindruck bekommen, der seinen Umweg nimmt über das Traumbild in das menschliche Innere, das also ein Sinnbild ist, welches aber einem bestimmten äußeren Gegenstande und Eindruck entsprochen haben würde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also wir haben es vor dem Ich-Bewußtsein zu tun mit einem solchen Bewußtsein, das an den astralischen Leib als das damals höchste Glied gebunden ist, das astralische Bewußtsein, das dumpf und dämmerhaft &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|122}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ist und noch nicht durchleuchtet ist von dem Lichte des Ich. Dieses astralische Bewußtsein ist beim Menschen, als er Erdenmensch geworden ist, überleuchtet worden, übertönt worden von dem Ich-Bewußtsein. Nun ist aber der astralische Leib noch immer in uns, und wir können fragen: Wodurch ist das geschehen, daß unser astralisches Bewußtsein überhaupt hat übertönt, ausgeschaltet werden können, so daß das Ich-Bewußtsein ganz an seine Stelle treten konnte? - Das wurde dadurch möglich, daß durch die Befruchtung des Menschen mit dem Ich die frühere Verbindung zwischen astralischem Leib und Ätherleib zu einer viel loseren gemacht worden ist. Es ist sozusagen die frühere innigere Verbindung gelöst worden. Also es war vor dem Ich-Bewußtsein eine viel innigereVerbindung vorhanden zwischen dem astralischen Leib des Menschen und den niedrigeren Gliedern seiner Wesenheit. Esdrängte sich der astralische Leib viel mehr hinein in die andern Glieder, als er es heute tut. Entrissen worden ist in einer gewissen Beziehung der` astralische Leib dem Ätherleib und dem physischen Leib.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun müssen wir uns einmal diesen Vorgang des sozusagen teilweisen Herausgehens, des Losemachens des astralischen Leibes von Ätherleib und physischem Leib ganz klarmachen. Dann werden wir uns fragen: Gibt es vielleicht auch heute noch die Möglichkeit, bei unserem gewöhnlichen Ich-Bewußtsein etwas herzustellen, was dieser alten Verbindung ähnlich wäre? Könnte es auch heute im Menschenleben geschehen, daß der astralische Leib tiefer hinein will in die andern Glieder, als er soll, sich mehr mit allerlei imprägniert und durchdringt, als es ihm zukommt?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also ein gewisses Normalmaß ist notwendig für das Durchdringen des astralischen Leibes mit Ätherleib und physischem Leib. Nehmen wir nun an, das Normalmaß wird nach irgendeiner Richtung hin überschritten. Dann wird eine Störung eintreten müssen im ganzen menschlichen Organismus; denn was der Mensch heute ist, das hängt davon ab, daß dieses bestimmte Verhältnis zwischen den verschiedenen Wesensgliedern da ist, das uns im wachenden Menschen vor Augen tritt. In dem Augenblicke, wo sich der astralische Leib unrichtig benimmt, wo er tiefer hineindringt in physischen Leib und Ätherleib, muß eine Störung auftreten. Nun haben wir aber in den letzten Betrachtungen gesehen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|123}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
daß das, was wir jetzt folgern, wirklich geschieht. Wir haben den ganzen Vorgang nur von der andern Seite her dargestellt. Wann geschieht es denn?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es geschieht dann, wenn der Mensch in einem früheren Leben in seinen astralischen Leib etwas hineingeprägt hat, irgend etwas hat ein- fließen lassen, was wir für das frühere Leben als eine moralische oder intellektuelle Verfehlung auffassen. Das hat sich dem astralischen Leib eingegraben. Das ist jetzt etwas, wenn der Mensch neuerdings ins Leben tritt, was in der Tat den astralischen Leib veranlassen kann, einen andern Zusammenhang zu suchen mit dem physischen Leib und Ätherleib, als er ihn gesucht hätte, wenn er nicht diese Verfehlung im vorigen Leben in sich hineingeprägt hätte. Also gerade unsere Verfehlungen sind es, die sich unter dem Einfluß von Ahriman und Luzifer vollzogen haben und sich umgestaltet haben in organisierende Kräfte, welche im neuen Leben den astralischen Leib veranlassen, sich anders zum physischen Leib und Ätherleib zu stellen, als er es tun würde, wenn sich solche Kräfte nicht in ihn hineingedrängt hätten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So sehen wir, wie gerade dieWirkungen früherer Gedanken, Empfindungen und Gefühle den astralischen Leib zu dem veranlassen, was Unordnung hervorrufen muß in der menschlichen Organisation. Wenn aber solche Unordnung hervorgerufen wird, was tritt dann ein? Wenn sich der astralische Leib mehr hineindrängt in den physischen Leib und Ätherleib, als er es beim normalen Menschen sollte, so tut er etwas ganz Ähnliches, wie wir des Morgens tun beim Aufwachen, wo wir in dem Moment des Aufwachens mit unserem Ich in unsere zwei Leiber hinuntertauchen. Aufwachen besteht im Hinuntertauchen des Ich-Menschen in den physischen Leib und Ätherleib. Worin besteht nun das, was der astralische Leib tut, wenn er mehr in den physischen Leib und Äther leib hineintritt, als er soll, veranlaßt durch die Wirkungen früherer Erlebnisse? - Was sonst eintritt, wenn wir mit dem Ich und astralischen Leib untertauchen in den physischen Leib und Ätherleib, wenn wir des Morgens aufwachen und etwas wahrnehmen, das zeigt sich gerade darin, daß wir aufwachen. Wie der ganze Wachzustand die Folge ist des Untertauchens des Ich-Menschen in den physischen Leib und Ätherleib, so muß jetzt etwas auftreten, was der astralische Leib tut, also &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|124}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
etwas, was wir sonst als Ich-Menschen tun. Er taucht unter in den Äther- und physischen Leib. Wenn wir also einen Menschen vor uns haben, bei dem der astralische Leib die Tendenz aufgenommen hat, sich mehr zu vereinigen mit Ätherleib und physischem Leib, als es normalerweise der Fall sein sollte, so haben wir dieselbe Erscheinung für den Astralleib vor uns, welche wir sonst beim Aufwachen für den Ich Menschen vor uns haben. Was ist dieses zu starke Eindringen des astralischen Leibes in den Ätherleib und physischen Leib? Das ist etwas, was wir sonst als das Wesen der Krankheit bezeichnen können. Wenn unser astralischer Leib dasselbe tut, was wir sonst beim Aufwachen tun, nämlich sich hineindrängt in den physischen Leib und Ätherleib, wenn der astralische Leib, der sonst bei uns kein Bewußtsein entwickeln sollte, nach einem Bewußtsein strebt im physischen Leib und Ätherleib, wenn er in uns aufwachen will, dann werden wir krank. Krankheit ist ein abnormer Wachzustand unseres astralischen Leibes. Was tun wir denn eigentlich, wenn wir im normalen Wohlbefinden stehen, wenn wir im gewöhnlichen Wachzustand leben? Dann wachen wir für das gewöhnliche Leben. Aber damit wir das gewöhnliche Wachbewußtsein haben können, mußten wir ja den astralischen Leib früher in eine andere Verbindung bringen. Wir mußten ihn zum Schlafen bringen. Der astralische Leib muß, wenn wIr am Tage unser Ich-Bewußtsein haben, schlafen; wir können nur gesund sein, wenn unser astralischer Leib schläft in uns. Daher können wir jetzt das Wesen von Gesundheit und Krankheit in folgender Weise auffassen: Krankheit ist ein abnormes Auf- wachen des astralischen Leibes im Menschen, und Gesundheit ist der normale Zustand des Schlafens des astralischen Leibes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und was ist denn das Bewußtsein dieses astralischen Leibes? Wenn wirklich Krankheit das Aufwachen des astralischen Leibes wäre, müßte ja etwas bei ihm eintreten wie ein Bewußtsein. Er wacht abnormerweise auf; also könnten wir ein abnormes Bewußtsein erwarten; aber ein Bewußtsein müßte da sein. Wenn wir in die Krankheit verfallen, müßte etwas Ähnliches entstehen, wie es sonst des Morgens beim Aufwachen eintritt. Es müßte unser Erleben abgelenkt werden auf irgend etwas anderes. Am Morgen taucht sonst unser gewöhnliches Bewußtsein auf. Weiin wir nun krank werden, taucht dann ein Bewußtsein auf? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|125}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ja, es taucht ein Bewußtsein auf, das der Mensch nur allzugut kennt. Und welches ist dieses Bewußtsein? Ein Bewußtsein drückt sich in Erlebnissen aus! Das Bewußtsein, was da auftaucht, drückt sich aus in dem, was wir den Krankheitsschmerz nennen, den wir nicht haben im normalen Wohlbefinden des Wachzustandes, weil da unser astralischer Leib gerade schläft. Schlafen des astralischen Leibes heißt, daß er sich in regelmäßigem Zusammenhang befindet mit physischem Leib und Ätherleib, bedeutet Schmerzlosigkeit. Der Schmerz ist der Ausdruck dafür, daß der astralische Leib sich so hineinpreßt in den physischen Leib und Ätherleib, wie er nicht drinnen sein soll - und zum Bewußtsein kommt. Das ist der Schmerz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun handelt es sich darum, daß wir nicht etwa das, was eben gesagt worden ist, wieder grenzenlos ausdehnen. Es muß, wenn geisteswissenschaftlich gesprochen wird, immer die Grenze eingehalten werden, innerhalb deren etwas gesagt wird. - Es ist gesagt worden, daß wenn unser astralischer Leib aufwacht, ein Bewußtsein entsteht, das von Schmerz durchtränkt ist. Daraus dürfen wir aber nicht schließen, daß Schmerz und Krankheit immer zusammenfallen. Es ist durchaus ein jegliches Hineinpressen des astralischen Leibes in den Ätherleib und physischen Leib ein Kranksein. Aber umgekehrt besteht nicht jedes Kranksein darin, und daß Kranksein auch einen anderen Charakter haben kann, werden wir uns dadurch begreiflich machen können, daß keineswegs alles Kranksein von Schmerzen begleitet ist. Das beachten nur die meisten Menschen deshalb nicht, weil sie zumeist im Leben nicht anstreben, gesund zu sein, sondern sie streben an, schmerzlos zu sein, und wenn sie schmerzlos sind, halten sie das für gesund. Das ist nicht immer so; aber in sehr vielen Fällen wird der Mensch glauben, wenn er schmerzlos ist, sei er gesund. Wir würden uns einer gewaltigen Täuschung hingeben, wenn wir glauben wollten, daß Schmerzempfinden und Kranksein zusammenfällt. Es kann die Leber eines Menschen durch und durch beschädigt sein; wenn der Schaden nicht ein solcher ist, daß durch ihn zum Beispiel das Bauchfell affiziert wird, so tritt gar kein Schmerz auf. Es kann der Mensch einen Krankheitsprozeß in sich haben, der sich gar nicht in Schmerzen äußert. Das kann in vielen Fällen so sein.Vor einer objektiveren Betrachtung sind diese Erkrankungen sogardie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|126}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
schlimmeren. Denn wenn der Mensch Schmerzen empfindet, geht er darauf aus, die Schmerzen loszuwerden; wenn er keine Schmerzen hat, gibt er sich nicht besonders viel Mühe, die Krankheit loszubekommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie verhält es sich nun mit den Erscheinungen, wo keine Schmerzen mit den Krankheitsfällen parallel gehen? Was haben wir da getan? - Da brauchen wir uns nur zu erinnern, daß wir uns wirklich als menschliche Wesen, wie wir heute sind, nach und nach entwickelt haben, daß wir während der Erdenzeit das Ich hinzugefügt haben zu astralischem Leib, Ätherleib und physischem Leib. Aber wir waren auch einmal ein Mensch, der nur physischen Leib und Ätherleib gehabt hat. Ein Wesen, das nur physischen Leib und Ätherleib hat, ist wie eine heutige Pflanze. Bei solchen Wesen kommen wir zu einem dritten Grade von Bewußtsein, einem viel, viel dumpferen Bewußtsein, das nicht einmal bis zur Helligkeit des heutigen Traumbewußtseins hinaufreicht. Es ist ja durchaus ein Irrwm, wenn wir glauben, daß der Mensch im Schlafe kein Bewußtsein hat. Er hat ein Bewußtsein; nur ist es so dumpf, daß er es nicht bis zur Erinnerung in seinem Ich heraufrufen kann. Aber auch in der Pflanze sitzt ein solches Bewußtsein. Es ist eine Art Schlafbewußtsein, also ein noch tieferes als das astralische Bewußtsein. Da kommen wir herunter zu einem noch tieferen Bewußtsein des Menschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen wir nun an, der Mensch habe durch Erlebnisse in früheren Inkarnationen nicht nur solche Unordnung hineingebracht in seine Organisation, welche den astralischen Leib veranlaßt, sich in unordentlicher Weise hineinzuversenken in den physischen Leib und Ätherleib, sondern er habe so etwas vollführt, was den Ätherleib veranlassen kann, in unrichtigerWeise sich in den physischen Leib hineinzudrängen. Es kann durchaus ein solcher Zustand eintreten, daß auch die Verbindung zwischen Ätherleib und physischem Leib nicht die für den heutigen Menschen normale ist, daß sich der Ätherleib zu tief hineindrängt in den physischen Leib. Der astralische Leib, sagen wir, wäre dabei gar nicht beteiligt, sondern was da im früheren Leben veranlagt worden ist, das bewirkt in der menschlichen Organisation eine dichtere Zusammenfügung von Ätherleib und physischem Leib, als es sonst sein soll. Da haben wir dasselbe bei dem Ätherleib, was wir bei dem astralischen Leibe haben im Schmerzbewußtsein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|127}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn der Ätherleib sich nun seinerseits zu tief hineinversenkt in den physischen Leib, so taucht ein Bewußtsein auf ähnlich wie des Menschen Schlafbewußtsein, wie das Pflanzenbewußtsein. Kein Wunder daher, daß das auch ein Zustand ist, der vom Menschen gar nicht empfunden wird. Wie er nicht im Schlaf empfindet, so empfindet er auch jetzt diesen Zustand nicht. Und doch ist es ein Aufwachen! Wie unser astralischer Leib abnormerweise aufwacht, wenn er zu tief hinunter- taucht in den Ätherleib und physischen Leib, so wacht der Ätherleib in abnormer Weise auf, wenn er zu tief in den physischen Leib hinein- taucht. Nur kann es der Mensch nicht wahrnehmen, weil es das Auf- wachen zu einem noch dumpferen Bewußtsein als das Schmerzbewußtsein ist. Aber nehmen wir an, der Mensch hätte wirklich in einem früheren Leben so etwas vollzogen, was sich zwischen Tod und neuer Geburt dazu umwirkt, daß der Ätherleib für sich aufwacht, das heißt, intensiven Besitz ergreift vom physischen Leib. Wenn das geschehen ist, lebt auf im Menschen ein tiefes Bewußtsein, das aber nicht in der Weise wahrgenommen werden kann, wie die sonstigen Erlebnisse der menschlichen Seele wahrgenommen werden. Braucht es deshalb nicht zu wirken, weil es nicht wahrgenommen wird? Versuchen wir uns klarzumachen, was ein Bewußtsein für eine eigentümliche Tendenz erhält, wenn es anfängt, um einen Grad tiefer zu liegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn Sie einen solchen äußeren Eindruck erleben, wie zum Beispiel wenn Sie sich verbrennen, so verursacht das Schmerz.Wenn ein Schmerz entstehen soll, so muß das Bewußtsein wenigstens den Grad des Bewußtseins des astralischen Leibes haben. Ein Schmerz muß im astralischen Leibe leben. Wo also irgendeinmal in der Menschenseele Schmerz entsteht, ist eine Tatsache des astralischen Leibes vorhanden. Nehmen wir aber einmal an, es geschehe etwas, was nicht mit Schmerzen verbunden wäre, was dennoch aber einen äußeren Reiz, einen äußeren Eindruck hervorruft. Wenn irgend etwas auf Ihr Auge zufliegt, so verursacht das einen äußeren Reiz; das Auge schließt sich. Schmerz ist damit nicht verbunden. Was ruft der Reiz hervor? Eine Bewegung. Das ist etwas Ähnliches, wie wenn Ihre Fußsohle berührt wird: Schmerz ist es nicht - dennoch zuckt der Fuß. Es gibt also auch solche Eindrücke auf den Menschen, die nicht von Schmerzen begleitet sind, die dennoch &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
aber herausfordern irgendein Geschehnis, eine Bewegung. Da weiß der Mensch nicht - weil er nicht bis in diesen tiefen Grad des Bewußtseins hinunterdringen kann -, wie so etwas zustande kommt, daß eine Bewegung folgt auf den Reiz. Wenn Sie Schmerz empfinden, und Sie weisen dadurch etwas zurück, so ist es der Schmerz, der Sie aufmerksam gemacht hat auf das, was Sie dann zurückweisen. Es kann aber etwas auftreten, was Sie zu einer inneren Bewegung drängt, zu einer Reflexbewegung. Da dringt das Bewußtsein nicht bis zu dem Grade hinunter, wo der Reiz in Bewegung umgesetzt wird. Da haben Sie einen solchen Bewußtseinsgrad, der nicht in Ihre astralischen Erlebnisse hineinkommt, der bewußt nicht erlebt wird, der in einer Art von Schlafbewußtseinssphäre verläuft, der aber darum doch nicht so ist, daß er nicht zu Geschehnissen führen könnte. Wenn ein solches tieferes Eindringen des Ätherleibes in den physischen Leib stattfindet, so ist dies das Hervorbringen eines Bewußtseins, das nicht ein Schmerzbewußtsein ist, weil sich der astralische Leib nicht daran beteiligt, sondern das so dumpf ist, daß es der Mensch nicht wahrnimmt. Damit ist aber nicht gesagt, daß der Mensch in diesem Bewußtsein keine Handlungen ausführen kann, nicht etwas tun könnte, was der ganzen Sachlage entspräche. Der Mensch führt ja auch sonst Handlungen aus, bei denen sein Bewußtsein nicht dabei ist. Sie brauchen nur daran zu denken, wo das gewöhnliche Tagesbewußtsein ausgelöscht ist und der Mensch als Nachtwandler alle möglichen Handlungen ausführt. Da ist nicht etwa gar kein Bewußtsein vorhanden, sondern es ist ein solches Bewußtsein daran beteiligt, das der Mensch nicht miterleben kann, weil er nur die zwei höchsten Bewußtseinsformen erleben kann: das astralische Bewußtsein als Lust und Leid und dergleichen und das Ich-Bewußtsein als Urteil und als gewöhnliches Tagesbewußtsein. Deshalb ist aber die Sache doch nicht so, daß der Mensch aus diesem Schlafbewußtsein heraus nicht handeln könnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun haben wir also auch ein solches tiefes Bewußtsein, das der Mensch nicht mehr erreichen kann, wenn der Ätherleib hinuntersteigt in den physischen Leib. Nehmen wir an, er will aber doch etwas tun, wovon er im normalen Leben nichts wissen kann, was irgendwie mit der Sachlage zusammenhängt, dann wird er das tun, ohne daß er davon &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
etwas weiß. In ihm wird etwas, wird die Sache selbst das tun, ohne daß er selber davon weiß. - Betrachten wir jetzt einen Menschen, der durch irgendwelche Vorkommnisse in einem früheren Leben Ursachen in sich gelegt hat, welche in der Zeit zwischen Tod und neuer Geburt hinunterwirken bis dahin, wo sie zu einem tieferen Eindringen des Ätherleibes in den physischen Leib führen. Dann werden daraus Handlungen hervorgehen, welche zum Auswirken von tieferliegenden Krankheits prozessen führen. Da wird der Mensch dazu gedrängt werden können, äußere Veranlassungen zu Krankheiten geradezu aufzusuchen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es kann sonderbar erscheinen, daß das nicht klar erscheint für das gewöhnliche Ich-Bewußtsein. Der Mensch würde es aber aus seinem gewöhnlichen Ich-Bewußtsein heraus auch nie tun. Er wird sich nie aus seinem gewöhnlichen Ich-Bewußtsein heraus befehlen, in einen Herd von Bazillen einzudringen. Nehmen wir aber an, jenes dumpfe Bewußt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
seIn findet, daß es nötig ist, daß eine äußere Schädigung eintrete und daß sich das abspielen kann, was wir gestern genannt haben den ganzen Sinn des Krankseins. Dann sucht dieses Bewußtsein&amp;gt; das in den physischen Leib hineindringt, die Krankheitsursache auf. Es ist das eigene Wesen des Menschen, das die Krankheitsursache aufsucht, um das zu erreichen, was wir gestern den Krankheitsprozeß genannt haben. So werden Sie aus dem tieferen Wesen der Krankheit heraus begreifen, daß selbst dann, wenn noch keine Schmerzen auftreten, noch immer Gegenwirkungen auftreten können. Und auch wenn Schmerzen sich zeigen, kann noch immer, wenn nur der Ätherleib zu stark eindringt in den physischen Leib, dasjenige eintreten, was man nennen kann das Suchen von äußeren Krankheitsursachen durch tiefergelegene Schichten des menschlichen Bewußtseins selbst. So grotesk es klingt, so ist es doch richtig: Wir suchen uns, ebenso wie unsere vererbten Merkmale, mit einem andern Bewußtseinsgrade unsere äußeren Krankheitsursachen, wenn wir sie brauchen. Das eben Gesagte gilt aber wieder nur in den Grenzen dessen, wie es heute dargestellt ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heute hat es sich vorzugsweise darum gehandelt, gerade klarzulegen, daß der Mensch imstande sein kann, ohne daß er es mit dem ihm bekannten Bewußtseinsgrade verfolgen kann, die Krankheit dadurch zu suchen, daß ein abnormer&amp;gt; tieferer Bewußtseinszustand hergestellt &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
wird. Darum handelte es sich: zu zeigen, daß wir es in der Krankheit zu tun haben mit einem Erwachen von Bewußtseinsstadien, welche wir als Menschen früher schon überwunden haben. Dadurch, daß wir in einem früheren Leben Fehler auf uns geladen haben, verursachen wir, daß wir tiefere Bewußtseinsgrade hervorbringen, als es uns sonst für unser jetziges Leben geziemte. Und was wir aus den Antrieben dieser Bewußtseinsgrade tun, das beeinflußt den Verlauf des Krankheitsprozesses wie auch den Prozeß, der überhaupt erst zur Krankheit führt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da sehen wir, daß in den abnormen Zuständen alte Bewußtseinsstufen heraufsteigen, welche der Mensch längst überwunden hat. Wenn Sie nur ein wenig die Tatsachen des gewöhnlichen Lebens betrachten, können Sie sich schon ein wenig verdeutlichen, was heute gesagt worden ist. Es ist ja so, daß der Mensch durch seine Schmerzen gewissermaßen tiefer hinuntersteigt in sein Wesen. Sie kennen ja den Ausspruch, daß er dann erst weiß, daß er ein Organ hat, wenn es angefangen hat, ihn zu schmerzen. Das ist ein populärer Ausspruch; aber er ist nicht so ganz dumm. Warum weiß der Mensch im normalen Bewußtsein davon nichts? Weil sein Bewußtsein im normalen Falle so weit schläft, daß es nicht intensiv genug untertaucht in den astralischen Leib. Taucht es aber unter, dann entsteht Schmerz, und durch den Schmerz erfährt der Mensch, daß er das betreffende Organ hat. In gar manchen Aussprüchen des gewöhnlichen Lebens liegt etwas durchaus Wahres, weil sie Erbstücke sind aus den früheren Bewußtseinsstadien, in welchen der Mensch, als er i« die geistige Welt hineingesehen hat, noch vieles gewußt hat von dem, was wir heute mühselig wieder heraufholen müssen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn Sie begreifen, daß der Mensch tiefere Schichten des Bewußtseins erleben kann, dann werden Sie auch die Möglichkeit haben, zu begreifen, daß nicht nur äußere Krankheitsursachen, sondern auch äußere Schicksalsschläge vom Menschen aufgesucht werden können, welche sich der Mensch nicht als vernünftig auslegen kann, aber deren Vernunft so wirkt, daß auf tiefere Schichten des Bewußtseins gewirkt wird. - So kann es auch wohl denkbar erscheinen, daß sich der Mensch bei gewöhnlicher Überlegung nicht gerade dorthin stellen wird, wo ihn ein Blitz treffen kann. Mit dem Oberbewußtsein wird er das vermeiden. Aber es könnte in ihm ein Bewußtsein tätig sein, das viel tiefer liegt als &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
das Oberbewußtsein und das ihn gerade an die Stelle hinführt, wo ihn der Blitz treffen kann, unter einer Voraussicht, welche das Ober bewußtsein nicht hat, ein Bewußtsein, das also will, daß der Blitz ihn trifft, so daß der Mensch den Unfall geradezu aufsucht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daß durch karmische Wirkungen Unglücksfälle aufgesucht werden oder auch äußere Krankheitsursachen, das haben wir heute der Möglichkeit nach erst begriffen. Wie das im einzelnen geschieht, wie die Kräfte im Menschen wirken, welche in tieferen Bewußtseinsschichten sind, und wie es damit steht, ob unser Oberbewußtsein solche Unglücksfälle vermeiden darf, das ist wieder eine Frage, die uns auch noch beschäftigen wird. Wie wir verstehen können, daß, wenn der Mensch in eine Gegend geht, wo eine Infektion auf ihn ausgeübt werden kann, da ein Bewußtseinsgrad wirkt, der ihn dorthin getrieben hat, so müssen wir auch verstehen können, wie es sich damit verhält, daß der Mensch Einrichtungen trifft, damit solche Infektionen immer weniger wirken können, daß wir also durch hygienische Maßregeln durch das Oberbewußtsein die Dinge wieder abwenden können. Wir können auch begreifen die Möglichkeit, durch das Oberbewußtsein diese Wirkung abzulenken, und müssen sagen, daß es etwas höchst Unvernünftiges wäre, daß das Unterbewußtsein Krankheitskeime aufsuchen kann, wenn nicht auch auf der andern Seite Krankheitsursachen durch das Oberbewußtsein vermieden werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir werden sehen, daß es «vernünftig» ist, Krankheitskeime aufzusuchen, und daß es auch «vernünftig&amp;gt; ist, von dem Oberbewußtsein aus hygienische Maßregeln zu ergreifen gegen das Eindringen von Infektionsstoffen, um dadurch Krankheitsursachen zu verhindern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|132}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= SIEBENTER VORTRAG Hamburg, 22. Mai 1910 =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie haben in diesen Vorträgen schon gesehen, daß wir uns unserem Ziele stückweise nähern, indem wir aber auch mit jedem Stück, das wir weiterschreiten, tiefer in die Sache einzudringen versuchen. Wir haben zuletzt gesprochen über das Wesen von Schmerzen, die mit einem Krankheitsverlauf verbunden sind; wir haben aber auch darauf aufmerksam gemacht, wie in andern Fällen der Krankheitsverlauf - in gewisser Beziehung wenigstens - sich abspielen kann, ohne daß er begleitet ist von Schmerzerlebnissen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun müssen wir auf das Wesen des Schmerzes noch etwas genauer eingehen. Wir müssen uns noch einmal vor Augen halten, daß Schmerz eintreten kann als eine neben der Erkrankung einherlaufende Erscheinung. Denn das mußten wir ja schon aus der vorigen Betrachtung entnehmen, daß wir Krankheit und Schmerz als etwas Zusammengehöriges nicht betrachten dürfen. Wir müssen uns gegenwärtig halten, daß, wenn mit einer Krankheit Schmerz verknüpft ist, noch etwas anderes dabei im Spiele sein muß als das bloße Erkranktsein. Nun haben wir bereits darauf aufmerksam gemacht, daß bei jenem Vorgang, der beim Übergang von einer Inkarnation in die andere sich abspielt, wo Erlebnisse früherer Inkarnationen in Krankheitsursachen umgewandelt werden, daß da auf der einen Seite das luziferische Prinzip und auf der andern Seite das ahrimanische Prinzip mit hineinspielt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wodurch legt sich denn eigentlich der Mensch den Grund zu Krankheitsprozessen? Warum nimmt er in sich die Tendenz auf, krank zu sein? Was führt ihn dazu, zwischen Tod und neuer Geburt - wir haben ja charakterisiert, wie das die Zeit ist, welche die die Krankheit bewirkenden Kräfte zusammenbringt - solche Kräfte vorzubereiten, welche sich im nächsten Leben in der Krankheit ausleben? - Was den Menschen dazu bringt, ist, daß er auf der einen Seite verfallen kann der Versuchung der luziferischen Macht, und auf der andern Seite der Versuchung der ahrimanischen Macht. Wir wissen ja auch schon, was es heißt: Verfallen der luziferischen Macht. - Alles, was in uns wirkt als &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|133}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Begierde, als Eigenschaft der Selbstsucht, des Ehrgeizes, des Hochmutes, der Eitelkeit&amp;gt; alle Eigenschaften, welche zusammenhängen mit einer Art Aufspreizung unseres Ich, sich besonders geltend zu machen, das alles hängt zusammen mit der Versuchung der luziferischen Mächte in uns. Verfallen wir mit andern Worten den Kräften, die in unserem astralischen Leibe wirken und die sich darin ausdrücken, daß wir ego istische Begierden und Leidenschaften haben, dann begehen wir in der entsprechenden Inkarnation Handlungen, zu denen die Verführung von Luzifer, ausgegangen ist. Und wir sehen dann das Resultat solcher von Luzifer beeinflußter Handlungen in der Zeit vom Tode bis zur neuen Geburt und nehmen da in uns die Tendenz auf&amp;gt; uns so zu inkarnieren, daß wir einen Krankheitsprozeß durchmachen, der dazu beitragen kann, wenn wir ihn überwinden, uns aus den Fangarmen dieser luziferischen Mächte wieder zu befreien. Würden also die luziferischen Mächte überhaupt nicht da sein, so würden wir nicht den Versuchungen verfallen können, welche uns dazu bringen, solche Kräfte in uns aufzunehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn nun nichts anderes bestünde im Leben als einzig und allein das, was Luzifer in uns bewirkt, daß wir diese oder jene egoistischen Triebe und Leidenschaften entfalten, dann würden wir eigentlich niemals von den luziferischenVersuchungen loskommen können im Leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir würden sie auch nicht durch die aufeinanderfolgenden Inkarnationen losbekommen können, denn wir würden ihnen immer wieder von neuem verfallen. Wenn wir zum Beispiel einfach in der Erdentwickelung uns selber überlassen worden wären und der luziferische Einfluß doch dagewesen wäre, so würden wir in einer Inkarnation die Versuchungen der luziferischen Mächte haben, würden dann nach dem Tode wahrnehmen, wozu sie uns gebracht haben, würden herbeiführen einen Erkrankungsprozeß; aber wenn wirklich nichts anderes mit ins Spiel käme, würde uns dieser Krankheitsprozeß in dem Leben, wo er sich auslebt, zu keiner besonderen Besserung führen. Er führt uns nur dadurch zu einer Besserung, daß von denjenigen Mächten, deren Gegner Luzifer ist, nun etwas hinzugefügt wird zu dem ganzen Prozeß.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also wenn wir auf der einen Seite den luziferischen Mächten verfallen, stellen sich gleich als eine Gegenwirkung die Mächte ein, deren Gegner &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|134}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die luziferischen Mächte sind, und diese versuchen nun eine Gegenkraft zu entfalten, wodurch der luziferische Einfluß wirklich aus uns ausgetrieben werden kann. Und diese Mächte, deren Gegner also die luziferischen Mächte sind, fügen hinzu zu dem Prozeß, der unter dem Einfluß Luzifers verursacht wird, den Schmerz. So müssen wir den Schmerz als etwas ansehen, was - wenn wir die luziferischen Mächte die bösen Mächte nennen - uns von den guten Mächten zugefügt wird, damit wir gerade durch den Schmerz uns den Fangarmen der bösen Mächte entreißen können und ihnen nicht mehr verfallen. Würde bei dem Krankheitsprozeß, der sich ergibt als eine Folge des Verfallenseins an die luziferischen Mächte, nicht Schmerz eintreten, so würden wir an uns die Erfahrung machen: Es ist ja gar nicht so schlimm, den luziferischen Mächten zu verfallen! - Und wir würden nichts haben in uns, was uns dahin bringen würde, unsere Kräfte anzuwenden, um uns den luziferischen Mächten zu entreißen. Der Schmerz, der das Bewußtwerden des unrichtig wachenden astralischen Leibes ist, er ist zugleich auch das, was uns davon abbringen kann, den luziferischen Mächten auf diesem Gebiet, wo wir ihnen schon verfallen sind, immer weiter zu verfallen. So wird der Schmerz in bezug auf die Versuchungen der luziferischen Mächte unser Erzieher.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sagen Sie nun nicht: Wie kann der Schmerz unser Erzieher sein, wenn wir in uns den Schmerz nur empfinden und seiner wohltätigen Kraft gar nicht gewahr werden? Daß wir seiner wohltätigen Kraft nicht gewahr werden, ist nur eine Folge unseres Ich-Bewußtseins. In dem Bewußtsein&amp;gt; das ich als unter dem Ich-Bewußtsein liegend geschildert habe, spielt sich schon der Prozeß ab, wenn auch der Mensch mit dem Tagesbewußtsein nichts davon weiß: Jetzt erfahre ich Schmerz, und der ist die Folge der durch die guten Mächte mir gegebenen Beigabe zu meinen Verfehlungen! - Das ist im Unterbewußtsein eine Kraft, welche so recht als eine karmische Erfüllung, als ein Impuls wirkt, nicht mehr den Handlungen, Trieben und Begierden, die gerade diese Krankheit hervorgerufen haben, zu verfallen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So sehen wir, wie Karma wirkt,~wie wir den luziferischen Mächten verfallen und wie uns die luziferischen Mächte eine solche Krankheit bringen, die herbeigeführt wird in einer nächsten Inkarnation; und &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
wir sehen, wie wohltätige Mächte uns den Schmerz hinzufügen zu der bloßen Schädigung unserer Organe, damit wir an dem Schmerz ein unter der Oberfläche unseres Bewußtseins liegendes Erziehungsmittel haben. Deshalb können wir sagen: Überall, wo bei einer Krankheit Schmerz auftritt, da ist es eine luziferische Macht, welche diese Krankheit bewirkt hat. Es ist der Schmerz geradezu ein Kennzeichen dafür, daß wir es zu tun haben mit dem Zugrundeliegen von luziferischer Macht. - Menschen, die gerne einteilen, werden ein Bedürfnis danach haben, nun überhaupt zu unterscheiden solche Krankheiten, die rein auf luziferischem Einfluß beruhen, und solche, die rein auf ahrimanischen Einfluß zurückzuführen sind; denn bei allen theoretischen Beschäftigungen ist ja das Einteilen, das Schemenmachen das Allerbequemste, und man glaubt, dadurch sehr viel begriffen zu haben. Aber in Wirklichkeit benehmen sich die Dinge nicht so, daß man sie mit diesen bequemen Mitteln erfassen kann. Da kreuzen sie sich fortwährend und laufen ineinander. Und wir werden auch leicht begreifen können, wenn ein wirklicher Krankheitsprozeß vorliegt, daß ein Teil zurückgeführt werden kann auf luziferischen Einfluß, also auf Dinge, welche mehr in den Eigenschaften unseres astralischen Leibes zu suchen sind, und ein an- derer Teil auch zugleich auf Dinge, die in dem ahrimanischen Einfluß zu suchen sind. So darf auch niemand glauben, wenn ihm irgend etwas wehtut, das sei nur auf luziferischen Einfluß zurückzuführen. Daß er Schmerzen hat, das zeigt ihm denjenigen Teil der Krankheit, der auf luziferischen Einfluß zurückzuführen ist. Aber wir werden das noch leichter verstehen, wenn wir uns fragen: Woher kommt denn der ahrimanische Einfluß?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dem ahrimanischen Einfluß wären die Menschen überhaupt nicht verfallen, wenn sie nicht zuerst dem luziferischen Einfluß verfallen wären. Dadurch, daß die Menschen den luziferischen Einfluß in sich aufnahmen,kam eine solcheVerbindung der vier menschlichen Glieder: physischer Leib, Ätherleib, astralischer Leib und Ich zustande, wie sie nicht zustande gekommen wäre, wenn Luzifer nicht gewirkt hätte und wenn nur die Mächte gewirkt hätten, deren Gegner Luzifer ist. Dann hätte sich der Mensch anders entwickelt. Also hat in bezug auf das menschliche Innere das luziferische Prinzip eine Störung hervorgerufen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Aber es hängt vom menschlichen Inneren ab, wie der Mensch die Außenwelt an sich herantreten läßt. Und gerade so, wie Sie mit einem Auge, in welchem etwas zerstört ist, wegen des inneren Fehlers die Außenwelt nicht richtig sehen, so bekommt der Mensch die Außenwelt durch den luziferischen Einfluß überhaupt nicht so zu sehen, wie sie ist. Und weil ein Grund gegeben war für den Menschen, die Außenwelt nicht so zu sehen, wie sie ist, so konnte sich in das nicht richtige Bild der Außenwelt der ahrimanische Einfluß hineindrängen, so daß das Herankommen Ahrimans an den Menschen nur dadurch hat geschehen können, daß erst der luziferische Einfluß gewirkt hatte. Der ahrimanische Einfiuß bewirkte, daß der Mensch nicht nur den egoistischen Leidenschaften, Trieben, Begierden, der Eitelkeit, dem Hochmut und so weiter verfallen kann, sondern daß jetzt in einem menschlichen Organismus, wo der Egoismus in solcher Weise wirkte, sich Organe aus- bildeten, welche die Außenwelt schief und unrichtig sehen mußten. Dadurch konnte sich in die unrichtigen Bilder der Außenwelt Ahriman mischen. Es kam Ahriman heran, und dadurch war der Mensch dem anderen Einflusse ausgesetzt, so daß er nicht nur den inneren Verlockungen verfallen kann, sondern auch in Irrtum und - bei der Beurteilung der Außenwelt und bei seinen Aussagen über die Außenwelt - in Lüge verfallen kann. So ist Ahriman zwar von außen wirkend, aber wir haben ihm erst die Möglichkeit gegeben, daß er an uns herankommen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So also stehen ahrimanischer und luziferischer Einfluß eigentlich nie für sich allein. Sie wirken immer aufeinander, halten sich in gewisser Weise das Gleichgewicht. Von innen drängt Luzifer heraus, von außen wirkt Ahriman herein, und dazwischen bildet sich das Weltenbild. Wenn in irgendeiner Inkarnation das Innere des Menschen stärker wird, wenn er mehr den inneren Einflüssen ausgesetzt ist, dann wird er für die Dinge, wo das Innere so wirkt, daß der Mensch mehr erfaßt wird von Hochmut, Eitelkeit und so weiter, sich mehr dem luziferischen Einfluß hingeben. In einer Inkarnation, wo der Mensch weniger durch sein Gesamtkarma dazu gestimmt ist, den inneren Einflüssen nachzugeben, wird er leichter den Irrtümern und den Verführungen des Ahriman verfallen können. So ist es in der Tat in unserem Leben. Wie wir &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
täglich durch das Leben gehen, fallen wir bald mehr den Verlockungen des Luzifer, bald mehr den Verlockungen des Ahriman zum Opfer. Und wir pendeln hin und her zwischen diesen beiden, die uns auf der einen Seite dazu führen, uns in unserem Inneren aufzublähen, auf der andern Seite dazu, uns über die äußere Welt Illusionen vorzumachen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es darf an dieser Stelle erwähnt werden - weil es außerordentlich wichtig ist -&amp;gt; daß den Verlockungen von beiden Seiten insbesondere derjenige Widerstand leisten muß, welcher versucht, eine höhere Entwickelung anzustreben und in die geistige Welt einzudringen, sei esdadurch, daß er hinter die Erscheinungen der Außenwelt bis in das Geistige eindringen will oder daß er in das eigene Innere mystisch hinuntersteigen will. Beim Eindringen in die geistige Außenwelt, die hinter der physischen Welt liegt, steht immer das, was Ahriman an täuschenden Bildern vorgaukelt; wenn der Mensch mystisch hinuntersteigen will in die eigene Seele, sind immer die Verlockungen Luzifers in besonderem Maße möglich. Wenn der Mensch Mystiker wird und mit Glück hinunterstrebt, ohne daß er vorher darauf gesehen hat, durch seine Charakterbildung Gegenmittel zu ergreifen gegen Hochmut, Eitelkeit und dergleichen, wenn es ihm gelingt, als Mystiker zu leben, aber ohne besondere moralische Kultur, dann kann er um so mehr den Verlockungen Luzifers verfallen, der von innen herauf in die Seele hinein- wirkt. Wenn daher der Mystiker nicht sehr gesehen hat auf seine moralische Kultur, dann kann er, wenn es ihm gelingt, ein wenig hineinzudringen in sein Inneres, in die große Gefahr kommen, daß er noch stärker, als das bisher der Fall war, die rückschlagende Kraft des luziferischen Einflusses aufruft und daß er noch eitler und hochmütiger wird als vorher. Deshalb ist es so notwendig, daß man vorher durch Charakterbildung dafür sorgt, daß man gegen die in allen Fällen an uns herantretenden Verlockungen der Eitelkeit, des Größenwahnes, des Hochmutes ein Gegenmittel hat. Und wir können nicht genug darin tun, uns gerade diejenigen Eigenschaften anzueignen, welche zur Bescheidenheit und zur Demut führen. Das ist im eminenten Maße notwendig für die Seite unserer höheren Entwickelung, die wir die mysti sche nennen. Auf der andern Seite ist es notwendig, daß sich der Mensch auch gegen die Wahngebilde des Ahriman schützt, wenn er versucht, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
durch eine Entwickelung, die hinter die Erscheinungen der Außenwelt führt, bis zu den geistigen Urgründen der Dinge zu kommen. Wenn er da nicht versucht, eine Charakterbildung zu erlangen, welche ihn innerlich stark und kräftig macht, die ihn fest gebaut sein läßt auf sein Inneres, dann wird es sehr leicht vorkommen können, daß der betreffende Mensch - und zwar gerade, wenn er Glück hat mit dem Hinausgehen in die geistige Welt - dem Ahriman verfällt, daß Ahriman ihm vorgaukelt Illusion über Illusion, Halluzination über Halluzination.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man kommt häufig in den Fall, daß einen die Menschen in gewisser Beziehung «beim Wort nehmen». Weil so oft betont wird, daß die höhere Entwickelung, die hinter die Erscheinungen der Außenwelt kommen will, verknüpft sein muß mit vollem Bewußtsein, kommt es vor, daß einem die Leute immer wieder halb somnambule Personen bringen, welche versichern: Ja, da nehme ich die geistige Welt wahr, und zwar bei vollem Bewußtsein! - Da kann man immer nur sagen: Wenn du nur nicht bei Bewußtsein sein möchtest; das wäre viel gescheiter! - Denn über dieses «Bewußtsein» täuschen sich die Leute. Es ist ein bloßes Bilderbewußtsein, ein astralisches Bewußtsein; denn wenn diese Personen nicht in einem unterbewußten Grade bewußt wären, würden sie das ja nicht wahrnehmen. Aber darum handelt es sich, daß man, wenn man in die geistige Welt hineingeht, sein Ich-Bewußtsein zusammenhält. An das Ich-Bewußtsein aber ist gebunden Urteilskraft und ein deutliches Unterscheidungsvermögen! Das haben dann die Menschen nicht für die Gestalten, welche sie in der geistigen Welt sehen. Daß sie ein Bewußtsein haben, ist nicht weiter wunderbar; aber jenes Bewußtsein, das mit der Kultur unseres Ich verknüpft ist, das müssen wir haben. Daher wird nicht etwa betont bei einer Entwickelung zum Schauen der höheren Welten, daß die Menschen so schnell wie möglich hineinkommen in eine höhere Welt und allerlei Gestalten sehen oder vielleicht auch allerlei Stimmen hören, sondern es wird betont, daß das Hineingehen in die geistige Welt von Glück und von Vorteil nur dann sein kann, wenn man das Bewußtsein und das Unterscheidungsvermögen und die Urteilskraft schärft. Und das kann nicht besser geschehen als durch das Studium der geisteswissenschaftlichen Wahrheiten. Daher wird betont, daß das Sich-Befassen mit geisteswissenschaftlichen Wahr- &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
heiten ein Schutz ist gegen das vermeintliche Sehen von allerlei Gestalten, über das keine Urteilskraft sich ausbreiten kann. Wer wirklich geschult ist in dieser Weise, der wird nicht jede beliebige Erscheinung für dies oder jenes halten, sondern er wird vor allen Dingen unterscheiden können zwischen Realität und Nebelbild, und er wird sich vor allen Dingen auch klar sein, daß man namentlich auch mit den Dingen, welche als Gehörswahrnehmungen auftreten, besonders vorsichtig sein muß, weil nie eine Gehörswahrnehmung eine richtige sein kann, wenn der Betreffende nicht durchgegangen ist durch die Sphäre der absoluten Ruhe. Und wer nicht zuerst die absolute Stille und Lautlosigkeit der geistigen Welt erfahren hat, der kann sich ganz gewiß sagen, daß es Trugbilder sind, die er wahrnimmt, und wenn sie ihm etwas noch so Gescheites sagen. Nur wer sich Mühe gegeben hat, seine Urteilskraft zu schärfen gerade dadurch, daß er zu begreifen versucht die Wahrheiten der höheren Welten, nur der kann sich gegen Trugbilder schützen. Die Mittel der äußeren Wissenschaft reichen dazu nicht aus. Die äußere Wissenschaft gibt keine so scharfe, stärkende Urteilskraft, wie sie notwendig ist, um in einer geistigen Welt wirklich zu unterscheiden. Darum kann man wirklich sagen: Wenn Leute etwas mitteilen aus höheren Welten, die nicht vorher sorgfältig darauf geachtet haben, ihre Urteils- kraft zu schärfen - was besonders durch das Studium der Geisteswissenschaft möglich ist -, dann sind solche Mitteilungen immer im höchsten Grade anfechtbar, und sie müßten mindestens immer erst kontrolliert werden durch diejenigen Methoden, die unter der Voraussetzung der wirklichen Schulung errungen sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt nur eine Macht, vor der sich Luzifer zurückzieht: das ist die Moralität. Das ist etwas, was den Luzifer brennt wie das furchtbarste Feuer. Und es gibt kein anderes Mittel, welches dem Ahriman entgegenwlrkt, als an der Geisteswissenschaft geschulte Urteilskraft und Unterscheidungsvermögen. Denn was wir uns auf der Erde als gesunde Urteilskraft aneignen, das ist etwas, was Ahriman furchtbar flieht. Er hat im Grunde vor nichts einen so großen Widerwillen als vor dem, was wir uns durch eine gesunde Schulung unseres Ich-Bewußtseins erringen. Denn wir werden sehen, daß Ahriman einer ganz andern Region angehört, die weit entfernt ist von dem, was wir als unsere gesunde Urteilskraft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
entwickeln. Im Augenblick, wo Ahriman mit dem zusammen- trifft, was wir uns im Erdendasein als gesunde Urteilskraft errungen haben, bekommt er einen furchtbaren Schreck, denn das ist etwas ganz Unbekanntes für ihn, davor hat er eine große Furcht. Je mehr wir uns daher bemühen, das auszubilden, was im Leben zwischen Geburt und Tod an gesunderUrteilskraft gegeben werden kann, desto mehr arbeiten wir Ahriman entgegen. Das zeigt sich besonders bei allerlei Persönlichkeiten, welche einem gebracht werden und die dann «das Blaue vom Himmel herunter» von all den geistigen Welten erzählen, die sie da gesehen haben. Und wenn man dann den allergeringsten Versuch macht, diesen Persönlichkeiten etwas klarzumachen, ihnen Verständnis und Unterscheidungsvermögen beizubringen, dann hat sie Ahriman gewöhnlich so sehr in der Gewalt, daß sie kaum darauf eingehen können; und das wird um so stärker, je mehr sich die Verlockungen Ahrimans nach der akustischen Seite hin ausdrücken. Gegen das, was sich in visionären Bildern zeigt&amp;gt; gibt es noch mehr Mittel als gegen das, was akustisch sich zeigt, wie gehörte Stimmen und so weiter. Solche Leute haben eine große Abneigung, etwas zu lernen, was für das Ich-Bewußtsein zwischen Geburt und Tod errungen werden muß. Sie mögen es nicht. Aber sie selber sind das nicht, die das nicht mögen. Es sind die ahrimanischen Mächte, welche sie davon wegzerren. Wenn man einen solchen Menschen dann aber so weit bringt, gesunde Urteilskraft zu entwickeln, und er darauf eingeht, Belehrungen anzunehmen, dann zeigt sich sehr bald folgendes. Dann hören die Stimmen und die Halluzinationen auf, weil sie vorher nur ahrimanische Nebelbilder waren und weil Ahriman eine furchtbare Angst bekommt, sobald er verspürI: Da, vom Menschen her, kommt eine gesunde Uiteilskraft!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So ist in der Tat das beste Mittel gegen diese den Menschen besonders schädigenden Erkrankungen des durch Ahriman bewirkten Sehens und halluzinatorischen Hörens dies: den Menschen mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln dazu zu bringen, sich eine gesunde und vernünftige Urteilskraft zu erringen. Das ist für manche Persönlichkeiten außerordentlich schwierig. Denn sie sind in dem Falle, daß es die andere Macht ihnen sehr bequem macht, diese andere Macht leitet sie. Wer aber diese Macht austreiben will, kann es sich nicht so bequem machen. Bei &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|141}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
solchen Persönlichkeiten kommt man dann recht schwer an, denn sie behaupten, man hätte ihnen das genommen, was sie früher in die geistige Welt hinaufgeführt hat, während man sie in Wahrheit gesund gemacht hat und davor bewahrt hat, daß diese Mächte immer mehr und mehr Gewalt über sie bekommen!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir sehen also, wovor die luziferischen und ahrimanischen Mächte einen recht großen Widerwillen haben. Demut, Bescheidenheit beim Menschen, sich nicht für mehr halten, als wozu ein gesundes Urteil berechtigt, das ist etwas, was dem Luzifer gar nicht gefällt. Dagegen ist er da wie die Fliegen in einer unreinen Stube, wenn irgendwo die Eigen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
schaften des Ehrgeizes, der Eitelkeit heraus wollen. Alles dies und besonders die Dinge, welche auf falschen Vorstellungen über sich selbst beruhen, wirken nun wieder dahin, daß wir uns auch für Ahriman bereit machen. Gegen Ahriman schützt aber nichts mehr, als wenn wir uns wirklich im Leben Mühe geben, gesund zu denken, wie es uns das Leben zwischen Geburt und Tod lehrt. Und gerade diejenigen, welche auf dem Boden der Geisteswissenschaft stehen, haben alle Veranlassung, so intensiv, als es nur möglich ist, immer wieder zu betonen, daß es uns als Erdenmenschen nicht geziemt, zu übersehen, was uns gerade durch das Erdenleben gegeben werden soll. Die Menschen, welche es verschmähen, sich ein gesundes Urteil und vernünftiges Unterscheidungsvermögen anzueignen, und leicht ohne dieses hinauf wollen in eine geistige Welt, sie wollen sich im Grunde genommen dem Erdenleben entziehen. Sie wollen so hinschweben über das Erdenleben; sie finden, daß es eigentlich für sie eine viel zu geringe Beschäftigung ist, sich mit allerlei Dingen abzugeben, die zum Verständnis des Erdenlebens führen können. Sie halten sich für etwas Besseres. Gerade eine solche Empfindung ist aber ein neuer Grund zum Hochmut. Daher können wir es immer wieder sehen, daß Persönlichkeiten, die zur Schwärmerei neigen, zu einem Nicht-berührtsein-Wollen von den Erdendingen und dem Erdenleben, es ablehnen, zu lernen, «weil sie ja schon in allem darinnenstehen&amp;gt; und nicht Gemeinschaft machen wollen mit einer solchen Strömung wie der unserigen. Solche Menschen sagen: In die geistige Welt muß ja die Menschheit hinein!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gewiß, aber es gibt nur einen gesunden Paß da hinein, und das ist&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|142}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die auf der Erde errungene Moralität im höheren Sinne, die uns nicht uns selbst überschätzen läßt, die uns nicht zu einem falschen Urteil über uns selbst führt, uns auch nicht abhängig sein läßt von unseren Trieben, Begierden und Leidenschaften; und auf der andern Seite ist es ein emsiges, gesundes Mitarbeiten mit den Verhältnissen des Erdenlebens, nicht ein Über-den-Verhältnissen-des-Erdenlebens-schweben-Wollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit haben wir aus den Tiefen des Karma etwas herausgeholt, was mit den Tiefen des geistigen Lebens zusammenhängt. Von großem Wert kann das sein. Aber nichts ist von Wert für die Entwickelung des Menschen und seiner Individualität, was ohne gesunde Vernunft aus der geistigen Welt herausgeholt wird; und von Wert ist auch das nicht, was ohne Moralität herausgeholt wird. Das kann man einsehen aus den Tatsachen, die das letzte Mal und heute dargestellt worden sind. Und wenn wir das einsehen, können wir uns sagen: Warum sollte der luziferische Einfluß, gerade weil er von früher her wirkt und sich umgewandelt hat in die Krankheit und ausgeglichen wird durch den Schmerz, warum sollte er nicht beim Menschen gleichsam nach sich ziehen den ahrimanischen Einfluß? Und warum sollte nicht bei dem, was uns Schmerz bereitet und uns den luziferischen Verlauf einer Krankheit anzeigt, mitspielen gerade als Folge des luziferischen Einflusses der ahrimanische Einfluß? Wie aber wirkt der ahrimanische Einfluß? Und wie wandeln sich die Verlockungen des Ahriman in Krankheitsursachen um? Wie tritt das auf in einer späteren Inkarnation?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was ahrimanischem Einfluß zuzuschreiben ist, das ist mittelbar doch auf Luzifer zurückzuführen; aber wenn der luziferische Einfluß so stark war, daß er den ahrimanischen Einfluß herausgefordert hat, dann ist der ahrimanische Einfluß der heimtückischere. Er liegt tiefer unten, nicht nur in den Verfehlungen des astralischen Leibes, sondern in den Verfehlungen des Ätherleibes. In einem Bewußtsein, das unter dem Schmerzbewußtsein liegt, tritt der ahrimanische Einfluß auf mit einer Schädigung, welche nicht von Schmerz begleitet zu werden braucht, mit einer solcben Schädigung, die in dem betreffenden Organe, wo sich die Schädigung ausdrückt, zu einem Unbrauchbarwerden dieses Organs führt. - Nehmen wir an, in einer Inkarnation hätte ein ahrimanischer Einfluß gewirkt und hätte das hervorgerufen, was eben ein ahrimani&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|143}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
scher Einfiuß hervorrufen kann. Der Mensch durchlebt nun die Zeit zwischen Tod und neuer Geburt - und tritt wieder auf in einer neuen Inkarnation. Dann zeigt sich, daß irgendein Organ ergriffen ist von der ahrimanischenWirkung, mit andern Worten: In diesem Organ sitzt der Ätherleib viel tiefer darinnen, als er darinsitzen sollte; das Organ ist viel stärker durchdrungen von dem Ätherleib, als es sein sollte. In solchem Falle wird der Mensch wegen des fehlerhaften Organs verleitet, sich nur noch mehr in den Irrtum - das, was Ahriman vollbringt in der Welt - zu verstricken. Mit dem Organ, welches dem ahrimanischen Einfluß seine Schädigung verdankt, in das sich so recht tief hineinversetzt hat der Atherleib, würde der Mensch, wenn er diesen ganzen Prozeß ausleben wollte, sich tiefer in das verstricken, was Ahriman bewirken kann: in die Maja. Da nun aber alles das, was die Außenwelt als Maja erzeugt, nicht mitgenommen werden kann in die geistige Welt, so entzieht sich uns die geistige Welt immer mehr. Denn dort gibt es nur Wahrheit, nicht Illusion! Je mehr wir also in die durch Ahriman bewirkte Illusion hineinverstrickt werden, desto mehr werden wir gerade dazu gedrängt, uns noch viel mehr in die sinnlich-äußere Welt, in die Illusion des Physisch-Sinnlichen hineinzuversetzen, als wir es ohne ein solches schadhaftes Organ tun würden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da aber tritt die gegensätzliche Wirkung ebenso auf, wie die gegensätzliche Wirkung im Schmerz bei dem luziferischen Einfluß auftritt. Da tritt die gegensätzliche Wirkung nun so auf, daß in dem Augenblick, wo die Gefahr vorhanden ist, daß wir uns zu sehr an die physisch- sinnliche Welt ketten und uns dadurch zu viel rauben von dem, was uns hinaufführen könnte in die geistige Welt, daß in diesem Augenblick das Organ zerstört wird, daß es entweder gelähmt oder zu schwach gemacht wird zum Wirken. Es tritt also ein Zerstörungsprozeß ein. - Sehen wir also, daß ein Organ zerstört wird, so müssen wir uns klar seIn, daß wir dies eigentlich wohltätigen Mächten verdanken müssen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
das Organ wird uns genommen, damit wir wieder den Rückweg finden in die geistige Welt. So ist es in der Tat, daß uns - wenn es nicht anders geht - durch gewisse Mächte Organe zerstört werden oder daß wir mit kranken Organen ausgerüstet werden, damit wir nicht zu tief in die Illusion hineingestoßen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|144}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn also jemand zum Beispiel eine Leberkrankheit hat, die als solche nicht von schmerzlichen Erlebnissen begleitet ist, so haben wir es zu tun mit der Wirkung eines vorhergehenden ahrimanischen Einflusses, der dazu geführt hat, der Leber die betreffende Schädigung zuzufügen, weil wir sonst durch die Kräfte, welche verbunden sind mit dem Tieferhineingehen des Ätherleibes, zu sehr in Maja hineingeführt würden, wenn uns dieses Organ nicht genommen würde. Sagen und Mythen haben immer die tiefste Weisheit gewußt und haben sie in sich ausgedrückt. Gerade die Leber ist ein gutes Beispiel dafür. Denn sie ist ein Organ, das am leichtesten für das Hineingleiten des Menschen in die physisch-illusorische Welt wirksam sein kann. Und die Leber ist zugleich das Organ, das uns eigentlich an die Erde kettet. Mit dieser Wahrheit hängt zusammen, daß bei derjenigen Wesenheit, welche den Menschen der Sage nach die Kraft gebracht hat, die sie in das Erdenleben hineinführen und dort recht wirksam machen soll - nämlich bei Prometheus -, gerade an der Leber ein Geier nagt. Ein Geier nagt an der Leber, nicht etwa darum, weil das dem Prometheus einen besonders tiefen Schmerz verursachen soll; denn in diesem Falle würde die Sage nicht stimmen mit den wirklichen Tatsachen. Aber Sagen stimmen immer überein mit den physiologischen Tatsachen! Der Geier nagt an der Leber, weil es nicht wehtut! Denn es sollte darauf hingewiesen werden, daß Prometheus der Menschheit etwas brachte, was sie tiefer hineinverstricken könnte in das Ahrimanische,wenn nicht die gegenteilige, ausgleichende Wirkung geschehen könnte. Okkulte Urkunden sind Immer im Einklang mit den Wahrheiten, welche wir in der Geisteswissenschaft verkünden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich habe Ihnen heute rein aus der Sache heraus gezeigt, daß es die guten Mächte sind, welche über den Menschen den Schmerz verhängen gegenüber dem Einfluß Luzifers. Bringen Sie das einmal in Zusammenhang mit der Urkunde des AltenTestamentes. Als der Einfluß des Luzifer geschehen war, wie er uns symbolisiert wird durch die Schl,ange, welche die Eva verführt, mußte also von den Gegnern des Luzifer gerade über das, wozu Luzifer die Menschen bringen wollte, der Schmerz verhängt werden. Es mußte die Macht, deren Gegner Luzifer ist, jetzt kommen und davon sprechen, daß von nun an Schmerz über die Menschheit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|145}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gebracht wird. Das tut Jahve oder Jehovah, indem er sagt: «Unter Schmerzen sollst du Kinder gebären!»&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Dinge in den okkulten Urkunden weiß man in der Regel nicht zu deuten, solange man die geisteswissenschaftlichen Erklärungen als solche noch nicht hat. Nachher kommt man dann darauf, wie tief diese Urkunden sind. Daher können Sie auch von mir nicht verlangen, daß ich Ihnen aus dem Nichts heraus - ohne die entsprechenden Voraus setzungen - die Dinge ohne weiteres erklären kann. Damit es überhaupt möglich ist, über die Stelle zu sprechen: «Unter Schmerzen sollst du Kinder gebären!», müssen vorausgehen die Betrachtungen über das Karma; denn erst an der betreffenden Stelle kann man die Erklärung darüber einfügen. Daher nutzt es auch nicht viel, wenn man dieses oder jenes erklärt haben will aus den okkulten Urkunden, bevor man die betreffende Stelle in der okkulten Entwickelung erreicht hat. Und es ist immer eine mißliche Sache, zu fragen: Was bedeutet dies? Was bedeutet jenes? - Der Mensch muß immer warten und Geduld haben, bis die betreffende Stelle herangekommen ist; mit den Erklärungen allein würde man nichts erreichen. So sehen wir in unser Leben hineinwirken auf der einen Seite die iuziferischen Mächte, auf der andern Seite diejenigen Mächte, deren Gegner Luzifer ist. Dann wirken die ahrimanischen Mächte in unser Leben hinein, und wir müssen uns klarmachen, daß die Mächte, welche uns Organe unbrauchbar machen, wenn wir dem ahrimanischen Einfluß verfallen, zu den guten Mächten zu rechnen sind, deren Gegner eben Ahriman ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn Sie Ihren Ausgangspunkt nehmen von all dem, was jetzt gesagt worden ist, werden Sie tief hineinschauen können in das komplizierte Getriebe der Menschennatur, und Sie werden dazu kommen können, sich zu sagen: Die luziferischen Mächte sind solche, die während der alten Mondenzeit zurückgeblieben sind; sie wirken heute in unserer Erdentwickelung mit denjenigen Kräften in das menschliche Leben hinein, die eigentlich Mondenkräfte sind, die sich in demjenigen Welten plan, der zum Beispiel nur jenen Mächten entspricht, deren Gegner Luzifer ist, gar nicht innerhalb unserer Erdentwickelung abspielen können. So wirkt Luzifer hinein in den Plan einer anderen Wesenheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|146}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir können aber nun zurückgehen zu weiter zurückliegenden Epochen der Entwickelung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir auf der einen Seite sehen, daß auf dem Monde Wesenheiten zurückblieben in ihrer Entwickelung, um auf der Erde einzugreifen in das menschliche Leben, dann kann uns erklärlich erscheinen, daß auch auf der alten Sonne Wesen zurückgeblieben sind, die dann auf dem Mond eine ähnliche Rolle gespielt haben wie die luziferischen Wesenheiten jetzt auf der Erde. Wir haben heute in der menschlichen Wesenheit etwas, was wir eigentlich als einen Kampf bezeichnen können: der Kampf, der sich abspielt zwischen den luziferischen Gewalten, welche sich in unseren astralischen Leib hineinsetzen, und denjenigen Mächten, die durch unser Ich, durch unsere Erdenerrungenschaften auf uns wirken. Denn die Mächte, deren Gegner Luzifer ist, können ja nur durch unser Ich auf uns wirken. Wenn wIr uns Klarheit und richtige Schätzung über uns selbst aneignen, so können wir das nur mit Hilfe derjenigen Mächte, die auf unser Ich wirken. Dazu müssen wir schon unser Ich anwenden. Deshalb können wir sagen: Indem sich unser Ich aufbäumt gegen die luziferischen Mächte, kämpft in uns Jahve oder Jehovah gegen Luzifer; da kämpft das, was den guten Weltenplan besorgt, gegen das, was sich auflehnt gegen diesen Weltenplan In seiner alleinigen Geltung, und wir sind mit unserem innerstenWesen darinnenstehend in diesem Kampf des Luzifer mit andern Wesenheiten. Wir sind selbst der Schauplatz dieses Kampfes. Und daß wir der Schauplatz dieses Kampfes sind, das zieht uns in Karma hinein - aber nur mittelbar dadurch, daß dieser Kampf mit dem Luzifer sich abspielt. Wenn wir dagegen den Blick nach außen richten, werden wir in die ahrimanischen Mächte hineingezogen. Da spielt sich etwas ab, was von draußen kommt, und hier kommt Ahriman in uns herein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun wissen wir, daß Wesenheiten auf dem alten Monde gelebt haben, die in ähnlicher Weise damals ihre Menschheitsstufe durchgemacht haben, wie wir sie Im Laufe der Erdentwickelung durchmachen. In der «Akasha-Chronik» und in der «Geheimwissenschaft» finden Sie diese Wesen bezeichnet als Engel, Angeloi, Dhyanis; auf den Namen kommt es nicht an. Im Inneren dieser Wesenheiten spielte sich damals aber ein ähnlicher Kampf ab wie der luziferische Kampf in unserer &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|147}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
eigenenWesenheit. DieseWesen waren auf dem alten Monde der Schauplatz eines Kampfes, der sich abspielte durch jene Wesenheiten, welche wieder auf der Sonne zurückgeblieben waren. Dieser Kampf auf dem Monde hat mit unserem inneren Ich nichts zu tun, denn auf dem Monde hatten wir unser Ich noch nicht. Er steht außerhalb dessen, woran unser Ich beteiligt sein kann, er hat sich auf dem alten Monde «in der Brust der Engel» abgespielt. Dadurch sind diese Wesenheiten damals etwas geworden, was sie nur werden konnten unter dem Einfluß von andern Wesenheiten, die zurückgeblieben waren gegenüber der normalen Sonnenentwickelung und die damals für die Angeloi dieselbe Rolle spielten, wie sie die luziferischen Wesenheiten heute für uns spielen. Und das waren die ahrimanischen Wesenheiten, welche während der Sonnenentwickelung ebenso zurückgeblieben sind wie die luziferischen Wesenheiten während der Mondentwickelung. Daher können wir zu diesen Wesenheiten auch nur mittelbar kommen. Ahriman war es aber, der sozusagen der Versucher in der Brust der Angeloi war, und er wirkte in ihnen. Durch ihn sind die Angeloi das geworden, was sie dann geworden sind, und sie haben das, was sie durch Ahriman geworden sind, ebenso herübergebracht wie das&amp;gt; was sie im Guten erreicht haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir haben als Gutes von Luzifer die Möglichkeit, zwischen Gut und Böse zu unterscheiden, freies Entscheidungsvermögen zu entwickeln, freien Willen zu erringen. Das ist für uns nur durch Luzifer zu erreichen. DieseWesenheiten aber haben etwas erreicht und mit hinübergenommen in das Erdendasein,wovon wir sagen können: Wie uns die Angeloi jetzt umgeben als Geistwesen, so haben sie sich zu ihrem jetzigen Sein vorbereitet durch den ahrimanischen Kampf in ihrer Seele zur Zeit der alten Mondentwickelung. Was diese Wesenheiten durchgemacht haben und was sie als Wirkungen in sich haben von dem, was sie durchgemacht haben, das geht uns in unserem innersten Ich nichts an, daran sind wir mit unserem Ich nicht beteiligt. - Wir werden sehen, wie wir mittelbar dazu kommen, weil ja der ahrimanische Einfluß doch wieder in uns hereinwirkt. - Was diese Wesenheiten sich unter dem Einflusse Ahrimans errungen haben, das sind gewisse Wirkungen, zu denen sie die Ursachen während ihres Mondendaseins aufgenommen haben. Während desMondendaseins nahmen dieseWesenheiten durch den ahrimanischen &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|148}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einfluß in sich etwas auf, was sie hineingetragen haben in unser Erden- dasein. Versuchen wir einmal, in unserem Erdendasein das aufzufinden, was uns erscheinen kann als eine solche Wirkung des damaligen ahrimanischen Kampfes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn dieser ahrimanische Kampf auf dem alten Monde nicht stattgefunden hätte, so könnten diese Wesenheiten nicht in unser Erden- dasein hineintragen, was dem alten Mondendasein angehört hat. Denn das würde aufgehört haben, nachdem der alte Mond zugrunde gegangen war. Dadurch, daß die Angeloi den ahrimanischen Einfluß aufgenommen haben, sind sie verstrickt worden in das Mondendasein, geradeso wie wir verstrickt werden durch den luziferischen Einfluß in das Erden- dasein. Sie haben das, was Mondelement ist, in ihr Innerstes aufgenommen und haben es hinübergebracht in unser Erdendasein. Dadurch sind sie imstande geworden, gerade dasjenige in unserem Erdendasein hervorzurufen, was hervorgerufen werden muß, damit unsere Erde nicht ganz dem Einfluß Luzifers verfällt. Unsere Erde würde im ganzen dem Einflusse Luzifers verfallen müssen, wenn diese Tatsache, welche dem Kampfe der Engel mit Ahriman auf dem Monde entspricht, nicht in unser Erdendasein hineingebracht worden wäre.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Welches sind denn die Vorgänge im Erdendasein, die wir als die normalen bezeichnen? Als sich unser jetziges Sonnensystem entsprechend dem Erdenziele geordnet hat, ist das aufgetreten, was wir als die regelmäßigen Bewegungen der Sonne, der Erde und der andern Planeten sehen und was bewirkte, daß,wirTag und Nacht haben, daß die Jahreszeiten in der regelmäßigen Weise aufeinanderfolgen, daß wir Sonnenschein und Regen haben, daß unsere Früchte auf den Feldern gedeihen und so weiter. Das sind Ordnungen, die sich immer wiederholen nach dem Rhythmus des Kosmos, der sich für das jetzige Erdendasein herausgebildet hat, nachdem das Mondendasein in die Dämmerung hinuntergestiegen ist. Aber innerhalb des Erdendaseins wirkt Luzifer. Und wir werden sehen, daß er noch viel mehr wirkt als nur in dem Gebiet, wo wir ihn schon verfolgen konnten, in dem Menschen selbst, wo er sich allerdings seinen wichtigsten Schauplatz ausgesucht hat. Aber selbst wenn Luzifer nur innerhalb des Erdendaseins vorhanden wäre, und schon durch alle die Ordnungen, welche eintreten durch den regelmäßi&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|149}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gen Gang der Planeten um die Sonne, durch den Wechsel von Sommer und Winter, Regen und Sonnenschein und so weiter, würden die Menschen in das verfallen, was wir nennen können «luziferische Verführung&amp;gt;. Wenn den Menschen alles das zukommen würde, was ihnen aus dem geordneten Kosmos zukommen kann,was die regelmäßigen, rhythmischen Bewegungen des Sonnensystems hervorbringen, wenn nur die Gesetze herrschten, welche unserem jetzigen Kosmos angemessen sind, so müßte der Mensch dem luziferischen Einfluß verfallen, müßte das Wohlleben lieber gewinnen als das, was er gewinnen soll zu seinem kosmischen Heil, müßte den regelmäßigen Gang lieber gewinnen als das, was er sich erringen soll.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daher mußten Gegenkräfte geschaffen werden. Es mußten Gegenkräfte wirken, welche dadurch zustande kamen, daß sich hineinmisch ten in die regelmäßigen kosmischen Vorgänge unseres Erdenlebens solche Vorgänge, die für den alten Mond höchst wohltätige und normale waren, die aber heute, wenn sie auf das Erdendasein wirken, abnorme sInd und den regelmäßigen Erdengang gefährden. Diese Einflüsse treten so auf, daß sie gewissermaßen zurechtrücken, was, wenn der bloße Rhythmus vorhanden wäre, als Hang zum Wohlleben, als Behaglichkeit und Üppigkeit entstehen würde; und es zeigen sich uns solche Kräfte zum Beispiel in dem, was als der heftige Hagel dahinstürmt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und wenn das, was sonst unter den regelrechten Kräften der Erde ge schaffen würde, zerstört wird, so wird in einem solchen Falle eine Korrektur geschaffen, die im ganzen wohltätig wirkt, wenn es auch der Mensch zunächst nicht einsieht, weil es eine höhere Vernünftigkeit gibt als die, welche der Mensch begreift. Wenn der Hagel hereinstürmt in die Felder, dann können wir sagen: Auf dem alten Monde waren diese Kräfte, welche im Hagel heranstürmen, segenbringende Kräfte wie heute diejenigen Kräfte, welche segenbringend im Regen und Sonnen schein wirken. Heute stürmen sie herein, damit Korrektur geschaffen wird für das, was der luziferische Einfluß sonst anrichten würde. Und wenn der regelmäßige Gang fortgeht, stürmen sie in immer heftigerer Weise herein, um noch mehr Korrektur zu schaffen. Alles, was zur regelmäßigen Fortentwickelung führt, gehört den Kräften der Erde selber an. Wenn der Vulkan seine Laven hinausschleudert, so wirken &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|150}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
darin Kräfte, welche als verspätete Kräfte vom alten Mond mit herübergebracht worden sind, damit sie Korrektur schaffen im Erden- leben. So ist es mit den Erdbeben und mit den Elementarereignissen überhaupt.Und wir können sehen,daßmanches,was von außen kommt, im Gesamtgange der Entwickelung seine vernünftige Begründung findet. Wie das mit dem menschlichen Ich-Bewußtsein zusammenhängt, das werden wir noch sehen; was unbefriedigend am heutigen Vortrag erscheint, wird sich dadurch morgen ausgleichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir müssen uns aber doch das eine klarlegen, daß diese Dinge alle nur die eine Seite des menschlichen Daseins&amp;gt; des Erdendaseins, des kosmischen Daseins überhaupt, darstellen. Und wenn wir auf der einen Seite sagen, wenn uns ein Organ zerstört wird, sind es wohltätige Wirkungen geistiger Mächte, und wenn wir heute gefunden haben, daß sogar der ganze Gang der Erdentwickelung wieder korrigiert werden muß durch Kräfte aus dem alten Mondendasein, so müssen wir jetzt fragen: Wie steht es nun damit, daß wir versuchen müssen, als Erden- menschen auf der andern Seite wieder Korrektur zu schaffen für die schädlichen Einflüsse der alten Mondenkräfte? - Wir werden ja schon ahnen, daß wir als Erdenmenschen nicht gerade herbeisehnen dürfen Vulkanausbrüche und Erdbeben, daß wir nicht selber Organe zerstören dürfen, um die segensreiche Wirkung der geistigen Mächte zu unterstützen. Aber wir werden uns auch sagen können, und das hat gewiß seIne Berechtigung: Bricht irgendwo eine Epidemie aus, so wird dadurch etwas herbeigeführt, was der Mensch geradezu sucht, damit in ihm etwas ausgeglichen wird. Und wir können annehmen, daß der Mensch hineingetrieben wird in gewisse Verhältnisse, um eine Schädigung zu erfahren, durch deren Überwindung er sich derVervollkommnung nähert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie steht es aber dann mit hygienischen und sanitären Maßregeln?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Könnte nicht jemand sagen: Also werden Epidemien sehr Gutes wirken können? Ist es dann nicht falsch, durch allerlei gesundheitsfördernde Einrichtungen, durch krankheitsvorbeugende Maßnahmen die Möglichkeit zu vermindern, daß solche Einflüsse geschehen? Es könnte jemand darauf kommen, daß man nichts tun sollte, um elementare Ereignisse abzuschwächen, und könnte es damit motivieren, daß es ganz im Sinne der heutigen und gestrigen Ausführungen liege.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|151}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir werden sehen, daß das nicht der Fall ist, aber wieder nur unter gewissen Voraussetzungen nicht der Fall ist. Wir werden nämlich jetzt erst in der richtigen Weise dazu vorbereitet sein, um bei der nächsten Betrachtung derVerhältnisse einerseits zu verstehen, wie uns wohltätige Einflüsse geradezu die Schädigung eines Organs zufügen, damit wir der Wirkung der Maja nicht verfallen, und anderseits uns jener Wirkung bewußt zu werden, die wir hervorrufen, wenn wir uns selbst der Auswirkung solcher wohltätiger Einflüsse entziehen, indem wir sanitäre und hygienische Maßnahmen gegen die Krankheiten ergreifen. - Wir werden sehen, daß wir hier an einem Punkt stehen, an dem der Mensch so häufig steht: Wenn ein scheinbarer Widerspruch auftaucht und ihn die ganze Kraft des Widerspruchs tfeibt, dann ist er nahe daran, an einen solchen Punkt zu kommen, wo die ahrimanischen Mächte einen großen Einfluß auf ihn ausüben können. Nirgends liegt die Möglichkeit so nahe, uns~i~öuschungen hinzugeben,wie jetzt,wo wir in einen solchen Engpaß hineingekommen sind. Und es ist gut, daß wir jetzt da hinein- gekommen sind; denn jetzt können wir sagen: Wohltätige Mächte sind es, welche uns ein Organ unbrauchbar machen, denn das ist eine Gegenwirkung gegen Ahriman; also müßten es jetzt die Schädlinge der Menschheit sein, welche nicht das fordern, was man nennen kann «wohltätige Gegenwirkungen gegen die ahrimanischen Mächte». Denn hygienische Maßregeln und dergleichen würden diese wohltätige Gegenwirkung einschränken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir sind in einem Engpaß. Und es ist gut, daß wir einmal in diesen Widerspruch geführt sind, damit wir darüber nachdenken, daß solche Widersprüche möglich und sogar eine gute Schulung für unseren Geist sind. Denn wenn wir gesehen haben werden, wie wir uns aus diesem Widerspruch herausretten können, dann werden wir aus uns selbst heraus etwas getan haben, was uns Kraft geben kann, um uns den Täuschungen des Ahriman zu entziehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|152}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= ACHTER VORTRAG Hamburg, 25. Mai 1910 =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir zurückdenken an den Widerspruch, den wir am Ende unserer letzten Betrachtung vor uns hin gestellt haben, so müssen wir zu seiner Lösung heute nochmals zurückblicken auf die beiden Kräfte, auf die beiden Prinzipien, die uns nun im Laufe der Zeit geradezu wie die Herausforderer und auch wieder wie die Regulatoren unseres Karma erschienen sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir haben gesehen, daß unser. Karma erst dadurch in Bewegung gebracht wird, daß wir die Einflüsse der luziferischen Gewalten auf unseren astralischen Leib erleiden, daß wir durch die Versuchung dieser Gewalten zu Gefühls-, Trieb- und Leidenschaftsäußerungen kommen, die uns in gewisser Beziehung unvollkommener machen, als wir sonst wären. Wenn nun die luziferischen Einflüsse auf uns wirken, dann fordern sie auf der andern Seite heraus die ahrimanischen Einflüsse, jene Kräfte, welche nun nicht von innen heraus, sondern von außen her auf uns wirken, die im Wechselverkehr mit der Welt durch dasjenige hindurchwirken,was uns eben von außen entgegentritt. So ist es im Grunde Ahriman, der herausgefordert wird durch Luzifer, und wir Menschen sind eigentlich so lebendig hineingestellt in den Streit dieser beiden Prinzipien. Und wir müssen im Leben versuchen, gerade dadurch vorwärtszukommen, daß wir, wenn wir einmal in die Fangarme Luzifers oder Ahrimans gekommen sind, nach Mitteln und Wegen suchen, um wieder durch Überwindung dessen, was in uns angerichtet worden ist, höher zu steigen. Ganz deutlich aber können wir sehen, wie in der Tat dieses Wechselspiel zwischen luziferischen und ahrimanischen Mächten um unsere Person herum stattfindet, wenn wir uns den Fall in einer etwas andern Form noch einmal vor Augen rücken, den wir schon das letzte Mal angeführt haben: den Fall, daß jemand ahrimanischen Einflüssen verfällt, so daß er allerlei Vorspiegelungen,Täuschungen erlebt, daß er glaubt, dies oder jenes werde ihm besonders mitgeteilt oder mache auf ihn nach dieser oder jener Richtung hin einen Eindruck, woraus aber für einen andern, der sich seine gesunde Urteilskraft bewahrt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|153}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
hat, leicht zu erkennen ist, daß der Betreffende Irrtümern und Täuschungen verfallen ist. Das letzte Mal haben wir gesprochen von den Fällen, wo jemand hellseherischen, aber im schlimmen Sinne hellseherischenTäuschungen der geistigen Welt unterworfen wird. Da haben wir ausdrücklich angeführt, daß dies dann ~uschungen sind, die durch ahrimanische Kräfte hervorgerufen werden. Und wir haben gesehen, daß gegen solche Täuschungen, welche durch unrichtiges Hellsehen hervorgerufen werden, es kein anderes oder wenigstens kein günstigeres Mittel gibt als die gesunde Urteilskraft, die erworben wird im physischen Leben zwischen Geburt und Tod.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was wir im letzten Vortrage gesagt haben, ist etwas Bedeutungsvolles und Wesentliches, wenn wir es mit hellseherischen Verirrungen zu tun haben. Denn bei einem Hellsehen, das nicht durch regelrechte Schulung, nicht durch systematische Übungen erreicht worden ist, die streng und richtig geleitet werden, sondern das durch alte vererbte Merkmale eintritt, in Bildern oder Hören in Tönen und dergleichen, bei einem solchen unrichtigen Hellsehen können wir immer finden, daß es zurückgeht, daß es aufhört sogar, wenn der Betreffende die Möglichkeit findet und die Neigung hat, sich ernstlich auf theosophische Studien einzulassen, theosophische Erkenntnis wirklich aufzunehmen, oder gar sich einläßt auf eine wirkliche, sinn- und sachgemäße Schulung. Also in einem solchen Falle, wo wir es mit Verirrungen der übersinnlichen Erkenntnis zu tun haben, können wir sagen, daß die echten Quellen der Erkenntnis, wenn der Betreffende ihnen zugänglich ist, auch immer für ihn eine Hilfe sein werden, die ihn auf den rechten Weg bringen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dagegen dürfen Sie das, was gerade als eine Gegenüberstellung vor- gebracht werden muß und was eine so triviale Wahrheit ist, daß jeder sie kennt, nicht anführen. Jeder weiß, daß wenn jemand durch karmische Verwicklungen dazu gekommen ist, Zustände zu entwickeln, welche ihn zu den Symptomen des Verfolgungswahnes, des Größenwahnes führen, daß er dann in seiner Seele ein ganzes System vonWahnideen ausbilden kann, die von ihm so logisch wie nur möglich begründet werden, die aber doch eben Wahnideen sind. Es kann zum Beispiel vorkommen, daß jemand auf andern Gebieten des Lebens ganz richtig und &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|154}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
logisch denkt, daß er jedoch die`Wahnidee hat, er werde überall verfolgt um dieses oder jenes Grundes willen. Er wird dann imstande sein, wo er hinkommt, aus den geringsten Vorkommnissen Kombinationen geistreichster Art zu machen: Da ist wieder eine Clique, die nichts anderes will, als mir dies oder das anzutun! - Und er wird Ihnen in der geistreichstenArt beweisen,wie begründet seinVerdacht ist. So kann jemand ein ganz logischer Kopf sein und doch in sich gewisse Symptome der Verrücktheit ausleben. Da wird es ganz unmöglich sein, einen solchen Menschen mit logischen Gründen zu widerlegen. Im Gegenteil, wenn man in einem solchen Falle mit logischen Gründen kommt, dann kann es geschehen, daß die Wahnideen, die in dem Inneren des Betreffenden sitzen, erst recht herausgefordert werden und noch schärfere Beweismittel suchen für das, was er als den Inhalt seinerVerfolgungswahnidee geltend macht. - Wenn im geisteswissenschaftlichen Sinne gesprochen wird, müssen die Dinge ganz genau genommen werden. Wenn vorhin und auch das letzte Mal betont worden ist, daß man in den geisteswissenschaftlichen Erkenntnissen, denen sich jemand mit aller Mühe oder sogar in einer prinzipiellen systematischen Schulung hingibt, eine Gegenmacht hat gegen eine Verirrung der hellseherischen Kräfte, so ist damit ein ganz anderer Fall gemeint als der, welcher soeben charakterisiert worden ist. Jetzt handelt es sich nicht darum, daß man dem Betreffenden mit geisteswissenschaftlichen Erkenntnissen beikommt. In der Regel will man ihm beikommen mit Gründen aus dem Gebiet der gewöhnlichen Vernünftigkeit. Für die aber ist ein solcher Mensch absolut unzugänglich. Warum ist das der Fall?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn ein solches Krankheitsbild auftaucht, wie es sich in den geschilderten Symptomen auslebt, haben wir es damit zu tun, daß der Betreffende darin eine karmische Ursache von früheren Verkörperungen, von früheren Verirrungen zutage treten läßt. Was als eine Verirrung des Inneren anzusehen ist, liegt nicht und kann nicht in diesem Falle in der gegenwärtigen Inkarnation liegen, sondern das liegt in einer vorhergehenden Inkarnation. Nun machen wir uns ein Bild, wie so etwas aus der früheren Inkarnation in die gegenwärtige herüberkommt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dazu müssen wir ins Auge fassen, wie eigentlich unsere Seelenentwickelung verläuft. Wir bestehen als äußerer Mensch aus physischem &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|155}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Leib, Ätherleib und astralischem Leib, haben dann im Laufe der Zeit hineingebaut in diese Hüllen durch die Arbeit des Ich die Empfindungsseele in den Empfindungsleib, die Verstandes- oder Gemütsseele in den Atherleib und die Bewußtseinsseele in den physischen Leib. Was wir in unserem Inneren als die drei Seelenglieder entwickeln, das haben wir hineingebaut in die drei Hüllen, das lebt jetzt in diesen drei Hüllen. Nun nehmen wir an, in irgendeiner Inkarnation werden wir durch den Einfluß Luzifers - also dadurch, daß wir in uns egoistische oder sonstige, dem luziferischen Einfluß zuzuschreibende Triebe, Begierden, Instinkte entwickeln - so verführt, daß wir Verfehlungen auf unsere Seele laden. Diese Verfehlungen können nun sein in der Empfindungsseele, können sein in der Verstandes- oder Gemütsseele oder auch in der Bewußtseinsseele. Das ist dann die Ursache, die in irgendeiner folgenden Inkarnation in einem der drei Seelenglieder gegeben ist. Nehmen wir an, es sei ein Fehler, der besonders auf den Kräften der Verstandesseele beruht. Der wird dann in dem Zustande zwischen Tod und neuer Geburt so umgewandelt, daß dasjenige, was zum Beispiel die Verstandesseele verbrochen hat, in seiner Wirkung sich zeigt im Ätherleib. Das ist mittlerweile beim Durchgehen durch den Tod bis zur neuen Geburt hineingearbeitet worden in den Ätherleib. Wir stoßen also in der neuen Inkarnation auf eine Wirkung in dem Ätherleib, die zurückzuführen ist auf eine Ursache in der Verstandesseele in einer vorhergehenden Inkarnation. Nun arbeitet aber dieVerstandesseele der nächsten Inkarnation wieder für sich selbständig in dieser Inkarnation, und es ist nun ein Unterschied, ob der Mensch jene Verfehlung früher begangen hat oder nicht. Hat er sie in einer früheren Inkarnation begangen, so hat er jetzt einen Fehler in seinem Ätherleibe. Das sitzt nun tiefer, der sitzt nicht in der Verstandesseele, sondern im Ätherleibe. Aber was der Mensch sich auf dem physischen Plan als Vernünftigkeit, als Verständigkeit erarbeiten kann, das wirkt ja nur auf seine Verstandesseele; das wirkt nicht auf das, wie seine Verstandesseele in einer früheren Inkarnation sich betätigt hat und was jetzt schon in den Ätherleib hineingearbeitet ist. Daher kann es vorkommen, daß die Kräfte der Verstandesseele,wie sie uns jetzt bei einem Menschen entgegentreten, logisch intakt arbeiten, so daß also das eigentliche menschliche Innere ganz intakt ist, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
daß aber durch das Zusammenarbeiten zwischen Verstandesseele und dem krankhaften Teil des Ätherleibes von diesem Ätherleib aus nach einer gewissen Richtung hin ein Irrtum projiziert wird. Dann kann man zwar mit den Gründen, die man auf dem physischen Plan aufbringen kann, auf die Verstandesseele wirken, nicht aber unmittelbar auf den Ätherleib. Daher können Sie durch Logik, durch Überzeugung nichts ausrichten, ebensowenig wie Sie mit Logik etwas anfangen können, wenn Sie einen Menschen vor einen konvex gebogenen Spiegel hin- stellen, so daß der Betreffende darin sein verzerrtes Bild sieht, und Sie ihm dann beweisen wollen, daß er unrecht hat, das Bild so zu sehen. Er sieht doch ein verzerrtes Bild. So hängt es auch nicht vom Menschen ab, daß er in einer krankhaften Weise etwas falsch versteht, denn es wird seine sonst gesunde Logik von seinem Ätherleibe aus nicht in einer gesunden Weise gespiegelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf diese Weise können wir die karmische Wirkung früherer Inkarnationen in unserer tieferen Organisation in uns tragen. Und wir können geradezu angeben, wie in einem bestimmten Teig derselben - wie hier in unserem Ätherleib - das Schadhafte vorhanden ist. Daran sehen wir, was wir durch den luziferischen Einfluß in einer früheren Verkörperung herausgefordert und dann umgewandelt haben. Und in der Zwischenzeit zwischen Tod und neuer Geburt kommt die Umwandlung zustande von einem Inneren in ein Äußeres, und dann wirkt uns Ahriman aus unserem eigenen Ätherleibe entgegen. Das zeigt uns, wie Ahriman herangelockt wird an unseren eigenen Ätherleib durch Luzifer. Die frühere Verfehlung war eine luziferische, das Umgewandelte aber ist ein solches, daß uns gleichsam die Quittung dafür in der nächsten Inkarnation durch Ahriman gegeben wird. Und dann handelt es sich darum, daß der Mensch diese Schädigung seines Ätherleibes aus sich herausbringen muß. Das kann nur dadurch geschehen, daß tiefer in seine Organisation ein gegriffen wird, als es mit den gewöhnlichen Mitteln der äußeren Vernunft in einer Inkarnation möglich ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer so etwas durchmacht, daß er zum Beispiel den Symptomen des Verfolgungswahnes in einer bestimmten Inkarnation verfällt, der wird, wenn er neuerdings wieder durch die Pforte des Todes tritt, alle die Tatsachen vor sich haben, welche er sich geleistet hat infolge seiner &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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ahrimanischen Schädigung, und er wird sie in ihrer ganzen Absurdität vor sich haben. Das wird für ihn wieder die Kraft sein, welche ihn für seine nächste Inkarnation gründlich heilt. Denn er kann nur dadurch geheilt werden, daß dasjenige, was er unter dem Einfluß der entsprechenden Symptome vollzogen hat, ihm in der äußeren Welt für die Folge als absurd erscheint. Damit haben Sie etwas gegeben, was von uns zu einer solchen Heilung getan werden kann. Wenn jemand unter derartigen Wahnideen leidet, werden Sie ihn am wenigsten durch logische Gründe von seinen Wahnideen abbringen können. Sie werden dadurch nur seinen Widerspruch erst recht herausfordern. Aber Sie werden etwas erreichen, besonders wenn sich in früher Jugend so etwas zeigt, wenn Sie den Menschen in Lagen bringen, wo sich ihm die Folgen seiner Symptome kraß als unsinnig darstellen, wenn Sie ihn vor Tatsachen führen, die er hervorruft und die als kraß unsinnige wieder auf ihn zurückschlagen. Dadurch können Sie in gewisser Weise eine Heilung hervorrufen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie können auch dann heilend wirken, wenn Sie selbst so weit im Besitze der geisteswissenschaftlichen Wahrheiten sind, daß sie inneres Eigentum Ihrer Seele geworden sind. Sind sie so Ihr Besitz geworden, daß sie stehen und fallen mit Ihrer ganzen Persönlichkeit, dann haben Sie sie ja als den denkbar stärksten Glauben; dann ist Ihre ganze Persönlichkeit ein Ausstrahler dieser geisteswissenschaftlichen Wahrheiten. Mit diesen Wahrheiten, welche hereinströmen in das Leben zwischen Geburt und Tod und es erfüllen, die aber dennoch über dieses Leben selbst hinausragen, die Erkenntnisse sind aus übersinnlicher Welt, mit ihnen können Sie tiefergehende Wirkungen erzielen als mit äußeren Vernunftwahrheiten. Während Sie mit äußeren logischen Gründen nichts anfangen können, werden Sie, wenn Sie die geisteswissenschaftlichen Wahrheiten anwenden und wenn Sie genug Zeit und Gelegenheit dazu haben, allerdings so weit Impulse auf den betreffenden Menschen ausüben können, daß Sie sozusagen in der einen Inkarnation das vermögen, was sonst nur auf dem Umwege von einer auf die andere Inkarnation geschehen kann: nämlich hineinzuwirken von der Verstandesseele in den Ätherleib. Denn die Wahrheiten des physischen Planes sind nicht imstande, auch nur im geringsten die Kluft zwischen Empfin&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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dungsseele und Empfindungsleib, zwischen Verstandesseele und Ätherleib oder gar zwischen Bewußtseinsseele und physischem Leib zu überspringen. Daher werden Sie immer erleben, daß jemand auf dem physischen Plan noch so viel Weisheit über die sinnliche Welt aufnehmen kann: diese Weisheit wird in sehr geringem Zusammenhange stehen mit seiner Gemütswelt, mit dem, was wir nennen das Durchdrungensein seines Empfindungsleibes mit den entsprechenden Impulsen und Leidenschaften. Daher kommt es vor, daß jemand ein sehr gelehrtes Haus sein kann, ein großes theoretisches Wissen haben kann über die Dinge der physischen Welt, ein alter Professor geworden sein kann - und es im Inneren nicht zu einer Umwandlung seiner Triebe und Empfindungen und Leidenschaften gebracht hat, die sich im Empfindungsleib abspielen. Er kann im Grunde viel wissen über die physische Welt und ein krasser Egoist sein, weil er die Impulse dazu in der Jugend aufgenommen hat. - Natürlich kann ganz gut nebeneinander herlaufen äußere physische Wissenschaft und Durchbildung des Empfindungsleibes und Ätherleibes von innen heraus.Und ebenso kann der Mensch Verstandeswahrheiten aufnehmen, mancherlei, was sich als Kräfte der Gemütsseele aufnehmen läßt in bezug auf den physischen Plan, aber er kann jene tiefe Kluft nicht überspringen, welche zwischen der Verstandesseele und dem Ätherleib besteht. Mit andern Worten, Sie können immer wieder finden: Wenn jemand äußerliche Wahrheiten aufnimmt, wenn er auch noch so viel lernt - das eine werden Sie selten finden, daß dieses Gelernte wirklich Gewalt hat auf die formenden Kräfte seines Leibes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei einem Menschen, bei dem die Wahrheiten so wirken, daß sie sein ganzes Sein ergreifen, da werden Sie erleben können, daß sich im Laufe von zehn Jahren seine Physiognomie verändert, daß Sie ihm an der Stirn ablesen können, wie er gerungen hat, wie er zum Beispiel mit gewIssen Zweifeln in seinem Herzen gerungen hat. Oder auch an seinen Gesten können Sie es bemerken, wenn er zum Beispiel aus eigenem Verhalten ein ruhiger Mensch geworden ist. Da drängt sich das in die formenden Kräfte des Organismus hinein, und es wird der Organismus in den feinsten Teilen davon ergriffen. Da wirkt das, was der Mensch spirituell aufnimmt, bis in die feinsten Teile seiner Organisation hinein. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Wenn das, was das Gemüt ergreift, nicht nur auf den physischen Plan weist, dann ist der Mensch nach zehn Jahren auch ein anderer. Aber die Änderung liegt in der normalen Richtung, wie die Anlagen sich im normalen gewöhnlichen Leben ausbilden und ändern. Man kann vielleicht im Verlaufe von zehn Jahren einen andern Gesichtsausdruck bekommen; aber wenn man nicht in der inneren Weise den Abgrund überspringt, sind es äußere Einflüsse gewesen. Da ist es keine den Menschen vom Inneren ergreifende Kraft, was ihn umgestaltet. Daran können wir sehen, daß nur das Spirituelle, was sich im Innersten wirklich mit unserem innersten Menschen verbindet, in der Lage ist, schon in der Zeit zwischen Geburt und Tod umwandelnd auf die formenden Kräfte zu wirken, daß aber mit Sicherheit dieser Übergang, dieses Überschreiten des Abgrundes stattfindet in der karmischen Wirksamkeit zwischen dem Tode und einer neuen Geburt. Wenn zum Beispiel das, was die Empfindungsseele erlebt hat,hineingesenkt wird in jeneWelten, die wir durchschreiten in der Zwischenzeit zwischen Tod und neuer Geburt, dann macht es sich gewiß in der nächsten Inkarnation als formende, bildende Kraft geltend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf diese Weise haben wir das gegenseitige Zusammenwirken Ahrimans und Luzifers begriffen. Und nun fragen wir uns: Wie stellt sich dieses Zusammenwirken dar, wenn die Dinge noch etwas entfernter liegen, wenn sie zum Beispiel als luziferischer Einfluß nicht nur den Abgrund zu überschreiten haben von der Verstandesseele bis zum Ätherleib, sondern wenn sie sozusagen einen weiteren Weg haben?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen wir an, wir unterliegen in einem Leben ganz besonders stark dem Einflusse Luzifers. In einem solchen Falle sind wir mit unserem ganzen inneren Menschen um ein ganzes Stück unvollkommener gewordeh, als wir vorher waren, und in der Kamalokazeit haben wir dann in der eminentesten Weise das vor Augen, daß wir uns sagen: Du mußt etwas ganz Mächtiges tun, um diese Unvollkommenheit wieder auszugleichen! - Wir nehmen also diese Tendenz in uns auf und bilden in der nächsten oder einer der nächsten Inkarnationen mit dem, was jetzt formende Kräfte geworden sind, unseren neuen Organismus so, daß dieser die Tendenz haben muß, den Ausgleich des früher Durchlebten herbeizuführen. Aber nehmen wir an, dasjenige, was den luziferischen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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Einfluß ausgelöst hat, sei durch ein Äußeres veranlaßt gewesen, sei eine äußere Begierde gewesen. Dann muß doch wieder Luzifer als ein Einfluß dagewesen sein. Das Äußere hätte nicht auf uns wirken können, wenn nicht Luzifer in uns gewirkt hätte. Wir haben also die Tendenz in uns, das, was wir unter dem luziferischen Einfluß geworden sind, wieder auszugleichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber nun haben wir gesehen, daß der luziferische Einfluß in einer Inkarnation herausfordert den ahrimanischen Einfluß in einer nächsten Inkarnation, daß er ihn herbeizieht, so daß die beiden durchaus in Wechselwirkung miteinander stehen. Der luziferische Einfluß ist aber ein solcher, daß wir sagen konnten: Er zeigt sich für uns im Bewußtsein, das heißt&amp;gt; wir können mit unserem Bewußtsein noch notdürftig hinunterreichen in unseren astralischen Leib. Wir haben gesagt, wenn Schmerzen sich uns zum Bewußtsein bringen, so ist das luziferischer Einfluß. Aber wir können nicht in diejenigen Gebiete hinunter, die wir bezeichnen können als Bewußtsein unseres Ätherleibes und unseres physischen Leibes. Wir haben zwar auch im traumlosen Schlaf ein Bewußtsein, aber ein Bewußtsein von so niederem Grade, daß der Mensch im gewöhnlichen Leben nicht in der Lage ist, von diesem Bewußtsein überhaupt etwas zu wissen. Aber das ist durchaus kein Anlaß, daß wir in diesem Bewußtsein nichts tun. Dieses Bewußtsein hat zum Beispiel normalerweise die Pflanze, die ja nur aus physischem Leib und Ätherleib besteht. Die Pflanze lebt fortwährend in einem traumlosen Schlafbewußtsein. Unser Bewußtsein des Ätherleibes und des physischen Leibes ist auch im Tagwachen vorhanden; aber wir können nicht bis zu ihm hinuntersteigen. Daß aber dieses Bewußtsein handeln kann, das zeigt sich uns zum Beispiel, wenn wir im Schlafe somnambule Handlungen,nachtwandlerische Handlungen ausführen,von denen wir nichts wissen. Das ist das traumlose Schlafbewußtsein, das diese Handlungen vollführt. Das gewöhnliche Ich-Bewußtsein und das astralische Bewußtsein reichen nicht hinunter bis dahin, wo zum Beispiel die Handlungen des Nachtwandlers ausgeführt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber wir dürfen nicht glauben, weil wir bei Tage im Ich-Bewußtsein und astralischen Bewußtsein leben, daß nicht mit uns leben die andern Bewußtseinsarten. Wir wissen nur von ihnen nichts. Nehmen wir nun &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
an, wir haben durch einen luziferischen Einfluß in einer früheren Inkarnation einen starken ahrimanischen Einfluß herausgefordert; dann wird dieser ahrimanische Einfluß nicht wirken können auf unser gewöhnliches Bewußtsein. Er wird aber ergreifen das Bewußtsein,welches in unserem Ätherleibe sitzt, und dieses Bewußtsein wird uns dann nicht bloß zu einer gewissen Organisation unseres Ätherleibes führen können, sondern sogar zu Handlungen, welche sich so ausleben, daß uns das Bewußtsein unseres Ätherleibes sagt: Du kannst jetzt nur dasjenige aus dir heraus entfernen, was der luziferische Einfluß, dem du in der früheren Inkarnation so mächtig verfallen bist, in dir angestellt hat; und&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
das kannst du dadurch, daß du jetzt eine Handlung begehst, die genau in der umgekehrten Linie liegt als die frühere luziferische Verfehlung!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen wir an, wir seien durch einen luziferischen Einfluß dazu gebracht worden, von einem vorhergehenden religiösen oder nach dem Geistigen hinzielenden Standpunkt zu einem solchen überzugehen, wo der Mensch sagt: Ich will das Leben hier genießen! -, wo er also den Sprung in das Sinnliche mit aller Macht getan hat. Dann fordert so etwas den ahrimanischen Einfluß in der Art heraus, daß genau das Umgekehrte verursacht wird. Da kommt es denn vor, daß der Mensch, wenn er durch das Leben schreitet, einen Punkt aufsucht, wo er aus dem sinnlichen Leben in das geistige mit einem Sprunge wieder hineingehenkann. Dort ist er mit einem Sprunge in das Sinnliche verfallen - hier will er mit einem Sprunge in das geistige Leben zurück. Das Oberbewußtsein bemerkt das nicht; aber das geheimnisvolle Unterbewußtsein, das an den physischen Leib und Ätherleib gekettet ist, treibt jetzt den Menschen dazu&amp;gt; den Ort aufzusuchen, wo man ein Gewitter ab- warten kann, wo eine Eiche steht, eine Bank darunter, und - der Blitz schlägt ein! Da hat sein Unterbewußtsein den Menschen erfüllen lassen, was er in einer früheren Inkarnation getan hat. Da haben wir das Umgekehrte. So begreifen wir eine Wirkung unter einem luziferischen Einfluß in einem früheren Leben, und als Folge einen Einfluß Ahrimans in dein jetzigen Leben. Ahriman muß hier mitwirken zu dem Zwecke, daß wir unser 0berbewußtsein so weit ausschalten, daß in diesem Falle unser ganzer Mensch nur dem Bewußtsein des Ätherleibes oder des physischen Leibes folgt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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Auf diese Weise begreifen wir mancherlei Dinge, die auch sonst im Leben geschehen. Aber wir dürfen,wenn zum Beispiel jemand im Leben zum Tode kommt oder eine schwere Verwundung erleidet, nicht jeden solchen Fall auf etwas Ähnliches zurückführen. Da würden wir in einer sehr engen Weise das Karma auffassen. Aber es gibt wirklich Strömungen auch in unserer theosophischen Bewegung, welche das Karma in einer recht engen Weise auffassen, die zwar glauben, daß sie in dem Karma wirklich etwas haben, was zu einem höheren Gesichtspunkt führt, es aber nicht wirklich kennen. Sie fassen das Karma so auf, daß, wenn es wirklich so wäre, wie sie es auffassen, immer die ganze Weltordnung wegen eines jeden einzelnen Menschen besonders eingerichtet sein müßte, damit sie zum harmonischen Verlauf und zum Ausgleich eines jeden einzelnen im Menschenleben diente, daß also in einem Leben die Verhältnisse immer so zusammengeführt werden, daß ganz genau der Ausgleich für das geschaffen werden muß, was in einem früheren Leben entstanden ist. Dieser Standpunkt ist aber nicht haltbar. Wie wäre es denn, wenn sich jemand hinstellte vor einen Menschen, dem ein Unglück passiert ist, und ihm sagt: Das ist dein Karma, das ist die karmische Wirkung aus einem früheren Leben; das hast du damals verschuldet! - Wenn aber jetzt der Betreffende diesen oder jenen Glücksfall erlebt, dann sagt der andere: Das führt zurück auf ein Gutes, das du früher getan hast! - Wenn das aber einen wirklichen Wert haben soll, so müßte doch derjenige, der so spricht, erst sehen, was in dem früheren Leben geschehen ist, das diese Wirkung hervorgebracht haben soll. Hätte er sich in das frühere Leben gestellt, so würde er da die Ursachen sehen, die aus jenem Leben kommen, und müßte dann auf die spätere Inkarnation hinschauen, wenn er die Wirkungen erblicken will.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daraus folgt aber für uns logisch folgendes: Es treten in jeder Inkarnation Tatsachen ein, die erste Ereignisse darstellen in dem Leben jedes Menschen, wie es sich von Verkörperung zu Verkörperung abspielt, und diese werden ihren k~rmischen Ausgleich im nächsten Leben haben. Wenn man im nächsten Leben sich dann die Wirkungen anschaut, dann kann man auf die Ursachen hinblicken. Wenn aber jetzt ein Unglücksfall geschieht und man mit allen Mitteln im früheren Leben keine Ursachen dafür findet, dann muß man sich sagen, es findet eben der Aus- &lt;br /&gt;
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gleich in einem späteren Leben statt. Karma ist kein Fatum! Es wird aus jedem Leben etwas in die späteren hineingetragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir das verstehen, werden wir es auch begreiflich finden, daß der Mensch sinnvoll und bedeutungsvoll neue Ereignisse in seinem Leben finden kann. Denken wir daran, daß ja die großen Ereignisse im Gange der Menschheitsentwickelung nur dadurch zustande kommen können, daß sie von bestimmten Personen getragen werden. Personen müssen in einem bestimmten Zeitpunkt die Absichten der Entwickelung übernehmen. Denken Sie daran, wie die mittelalterliche Entwickelung verlaufen wäre, wenn nicht in einer bestimmten Zeit Karl der Große eingegriffen hätte, oder wie das Geistesleben der alten Zeiten verlaufen wäre, wenn nicht in einer bestimmten Zeit Aristoteles gewirkt hätte. Denken Sie, daß Sie, wenn Sie den Gang der Menschheitsentwickelung begreifen wollen, den Aristoteles in die Zeit hineindenken müssen, wo er gelebt hat; denn ohne ihn würde später vieles anders geworden sein. Dadurch sehen wir, daß solche Persönlichkeiten, wie Karl der Große, Aristoteles, Luther und so weiter nicht um ihretwillen, sondern um der Welt willen in der betreffenden Zeit leben mußten. Ihre persönlichen Schicksale sind darum doch innig verflochten mit dem, was in derWelt geschieht. Können wir aber deshalb sagen, daß das, was sie wirken, zusammentrifft mit dem, was sie sich früher verdient oder was sie früher verschuldet haben?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen Sie den Fall von Luther: Alles, was er erlebt und erduldet hat, können Sie nicht nur auf sein karmisches Konto schreiben; Sie müssen sich klar sein, daß dasjenige, was in einem bestimmten Zeitpunkt in der Menschheitsentwickelung geschehen soll, durch das Hineingestelltsein bestimmter Individualitäten geschieht. Diese Individualitäten müssen heruntergeführt werden aus der geistigen Welt ohne Rücksicht darauf, ob sie für sich selbst weit genug sind, um heruntergeführt zu werden, denn sie werden heruntergeführt zu den Zwecken der Menschheitsentwickelung. Und es muß vielleicht ein karmischer Weg frühzeitig unterbrochen oder verlängert werden, damit die betreffenden Persönlichkeiten zu einem bestimmten Zeitpunkt in das Leben hineingestellt werden können. Da werden über Personen Schicksale verhängt, die mit dem vorangegangenen Karma nichts zu tun zu haben &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
brauchen. Aber wenn man als Mensch einmal so hineingestellt worden ist und wenn man das getan hat, was man zwischen Geburt und Tod tun kann, so bildet das karmische Ursachen. So wahr es also ist, daß ein Luther hineingestellt wird in das Leben um der Menschheit willen und Schicksale erdulden kann, welche nichts zu tun haben mit seinem früheren Karma, so wahr ist es, daß mit seinem späteren Karma dasjenige, was er da vollbringt, wieder etwas zu tun haben wird. Karma ist ein allgemeines Gesetz, und jeder muß es durchleben. Aber wir dürfen es nicht so auffassen, daß wir nur in frühere Verkörperungen zurückblicken, sondern wir müssen es so auffassen, daß wir auch vorwärts- blicken müssen. Deshalb können wir durchaus sagen: Es kann sich uns von diesem Gesichtspunkt aus ergeben, daß allerdings erst ein späteres Leben rechtfertigen kann auch vorhergehende Inkarnationen, indem uns schon Dinge zugefallen sind,welche gar nicht in unserer karmischen Linie liegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen wir folgenden Fall an, der sich tatsächlich zugetragen hat: Bei einer Naturkatastrophe hatten eine Anzahl von Seelen den Untergang gefunden. Wir brauchen durchaus nicht zu glauben, das wäre ihr Karma gewesen, daß sie alle zusammen dabei zugrunde gegangen sind; denn das wäre eine sehr billige Annahme. Es braucht gar nicht so zu sein, daß es immer auf frühere Verschuldungen zurückführt. Es gibt einen erforschten Fall, wo eine Anzahl von Menschen bei einer Naturkatastrophe zugrunde gegangen sind. Das hat dann aber dazu geführt, daß diese Menschen in einer späteren Zeit sich gemeinsam verbunden fühlten und durch das gemeinsame Schicksal sich als stark erwiesen, etwas Gemeinsames in der Welt zu unternehmen. Durch jene Katastrophe war die Ursache gebildet, daß sie im späteren Leben sich gründlich abgewöhnt hatten, nur an der Materie zu hängen, so daß sie sich für ihr späteres Leben eine Gesinnung mitgebracht haben, welche sie zum Spirituellen geführt hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was ist in diesem Falle geschehen? Gehen wir zurück in das vorige Leben, so finden wir, daß als ein besonderes Ereignis das zusammen Untergehen bei einem Erdbeben eingetreten ist: da hat sich ihnen die Wertlosigkeit des Materiellen in dem Augenblicke des Erdbebens vor die Seele gedrängt, und da hat sich bei ihnen die Gesinnung nach dem &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Spirituellen entwickelt. Daran sehen wir, wie Menschen, die ein Spirituelles der Welt zu bringen hatten, dazu vorbereitet waren durch einen solchen Fall, der uns die Weisheit der Entwickelung zeigt, der geisteswissenschaftlich untersucht ist und sich durchaus zugetragen hat. - So können wir zeigen, daß wir zum ersten Male Ereignisse ins Menschenleben eintreten sehen und daß wir auch beim Untergang eines oder mehrerer Menschen bei einer Katastrophe oder einem Unglücksfall den frühzeitigen Tod eines Menschen nicht immer auf eine frühere Verschuldung zurückführen dürfen, sondern daß so etwas als erste Ursache auftreten kann und daß im nächsten Leben der Ausgleich erfolgt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es sind aber noch andere Fälle möglich. Es kann vorkommen, daß jemand in zwei, drei aufeinanderfoigenden Inkarnationen ein Leben frühzeitig zu beschließen hat. Das kann eintreten,weil diese Individualität dazu berufen ist, der Menschheit durch drei Inkarnationen hindurch etwas zu bringen, was man nur bringen kann, wenn man in der physischen Welt mit solchen Kräften lebt, die sich in einem sich aufbauenden Körper ergeben. Es ist ein ganz anderes, ob man in einem Körper lebt, der sich bis zum fünfunddreißigsten Jahre entwickelt, oder in einem Körper des späteren Alters. Denn bis zum fünfunddreißigsten Jahre schickt der Mensch seine Kraft in die Körperlichkeit, so daß er die Kraft von innen heraus entfaltet. Dann aber beginnt, vom fünfunddreißigsten Jahre angefangen, ein Leben, wo der Mensch nur innerlich weiterschreitet und fortwährend mit seinen Lebenskräften anzustürmen hat gegen die äußeren Kräfte. Diese zwei Lebenshälften sind durchaus verschieden voneinander, wenn wir auf die innere Organisation sehen. Nehmen wir nun an, man braucht gemäß der Weisheit der Entwickelung der Menschheit solche Menschen, welche nur gedeihen können, wenn sie nicht anzustürmen haben gegen das, was sich uns entgegendrängt in der zweiten Lebenshälfte, dann kann es sein, daß die Inkarnationen frühzeitig abgerissen werden. Solche Fälle gibt es. Und wir haben selbst schon bei unseren Zusammenkünften hingewiesen auf eine Individualität, welche nacheinander erschienen ist als großer Prophet, als ein bedeutender Maler und als großer Dichter, und immer mit einem frühzeitigen Tode ihr Leben beschlossen hat, weil das, was diese Individualität in drei Inkarnationen zu leisten hatte, nur dadurch &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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möglich war, daß die Inkarnationen abgebrochen wurden vor einem Sich-Hineinleben in die zweite Lebenshälfte. Darin haben Sie das Eigentümliche des Verstricktseins von menschlichem individuellem Karma und allgemeinem Menschheitskarma.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir können noch tiefer gehen und können im allgemeinen Menschheitskarma gewisse karmische Ursachen aufsuchen, welche sich in späteren Zeiten dann in ihren Wirkungen zeigen; da muß sich der einzelne Mensch wieder hineingestellt sehen in das Menschheitskarma.Wenn wir die nachatlantische Entwickelung in Betracht ziehen, haben wir die griechisch-lateinische Zeit in der Mitte liegend, voran ging ihr die ägyptisch-chaldäische Zeit, und ihr folgte die unsrige als der fünfte Kulturzeitraum. Auf unsere Zeit wird folgen eine sechste und dann eine siebente Kulturepoche. Aber auch bei anderer Gelegenheit habe ich schon darauf hingewiesen, daß in gewisser Beziehung ein Kreislauf&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
stattfindet in der Aufeinanderfolge der verschiedenen Kulturen, so daß die griechisch-lateinische Kultur als eine besondere für sich dasteht, da`ß dann aber die ägyptisch-chaldäische Epoche in der unsrigen sich wiederholt. Nun habe ich auch schon in diesem Zyklus hervorgehoben, wie Kepler in unserer Kulturepoche lebte und wie früher dieselbe Individualität in einem ägyptischen Leibe lebte und damals unter dem Einfluß der ägyptischen Priesterweisen den Blick hinauflenken durfte zum Himmelsgewölbe, so daß ihr die Geheimnisse der Sterne wie von oben enthüllt wurden. Das brachte sie dann wieder heraus in ihrer KeplerInkarnation, die dort hingestellt worden ist, wo der fünfte Zeitraum den dritten in gewisser Weise wiederholt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber das geht noch weiter. Von der Geisteswissenschaft aus kannman wirklich behaupten, daß die Weltentwickelung und das Menschenleben von den meisten Menschen heute noch in rechter Blindheit angeschaut wird. Bis in die Einzelheiten hinein könnten Sie diese Entsprechungen, diese Wiederholungen, dieses Leben in Zyklen verfolgen. Wenn man einen gewissen Zeitpunkt in der Menschheitsentwickelung nimmt, der etwa in das Jahr 747 vor Christus fällt, so haben Sie darin eine Art Hypomochlion, eine Art Nullpunkt, und was vor und nach diesem Zeitpunkt liegt, entspricht sich in einer ganz bestimmten Weise. Wir können zurückgehen in eine Zeit der ägyptischen Entwickelung &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
und finden dort gewisse Zeremonialgesetze und Gebote, welche als «Gebote der Götter» erschienen. Und das waren sie auch. Es waren Gebote, die sich darauf bezogen, daß der Ägypter zum Beispiel am Tage ganz bestimmte Waschungen, also durch Zeremoniengebräuche und rituelle Vorschriften geregelte Waschungen, vollziehen mußte. Und man sagte dem Ägypter, daß er nur leben könne, wie es die Götter wollen, wenn er an diesem oder jenem Tage so und so viele Waschungen vornimmt. Das war ein Göttergebot, das sich in gewissen Reinlichkeitskulten auslebte. Und wenn wir dann in eine etwas weniger reinliche Zeit in der Zwischenzeit kommen und jetzt wieder, in unserer Zeit, auf hygienische Maßregeln stoßen, wie sie jetzt aus materialistischen Gründen der Menschheit gegeben werden, so sehen wir bei uns richtig sich wiederholen, was in einer entsprechenden Zeit in Ägypten untergegangen ist. Ganz merkwürdig stellt sich die Erfüllung des Früheren im Gesamtkarma dar. Nur ist der Gesamtcharakter immer ein anderer. Kepler hatte in seiner ägyptischen Inkarnation den Blick hinaufgelenkt zum Sternenhimmel; und was diese Individualität dort sah, das prägte sie aus in den großen spirituellen Wahrheiten der ägyptischen Astrologie. Bei ihrer Wiederverkörperung in dem Zeitalter, dem der Beruf des Materialismus zu fiel, prägte dieselbe Individualität diese Tatsachen - unserem Zeitalter entsprechend - in den drei materialistisch gefärbten Keplerschen Gesetzen aus. - Im alten Ägypten waren die Gesetze der Reinigung «gottgeoffenbarte» Gesetze. Der Ägypter glaubte nur dadurch seine Pflicht der Menschheit gegenüber zu erfüllen, daß er bei jeder Gelegenheit in der unglaublichstenWeise für seine Reinigung Sorge trug. Das kommt heute wieder heraus, nur unter ganz materialistischen Gedankeneinflüssen. Der Mensch von heute denkt nicht daran, daß er den Göttern dient, wenn er solche Vorschriften beobachtet, sondern daß er sich selbst dient. Aber es kommt das Frühere wieder heraus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So erfüllt sich alles in der Welt, und zwar in gewissem Sinne ganz zyklisch. Und jetzt werden Sie ahnen, daß es mit den Dingen, die wir das letzte Mal in einem Widerspruch zusammen formuliert haben, sich doch nicht so einfach verhält, wie man anzunehmen geneigt ist. Wenn in einer bestimmten Zeit die Menschen nicht in der Lage waren, gegen Epidemien gewisse Maßregeln zu ergreifen, so waren das die Zeiten, wo &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|168}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
es die Menschen deshalb nicht konnten, weil die Epidemien nach dem allgemeinen weisheitsvollen Weltenplan wirken sollten, damit die Menschenseelen Gelegenheit fanden, auszugleichen, was durch den ahrimanischen Einfluß und durch gewisse frühere luziferische Einflüsse bewirkt worden war. Wenn jetzt andere Bedingungen herbeigeführt werden, so unterliegt das wieder ebenfalls bestimmten großen karmischen Gesetzen. Wir können daraus entnehmen, daß wir diese Fragen wahrhaftig nicht oberflächlich betrachten dürfen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie stimmt das nun zusammen: Wir sagten, wenn der Mensch die Gelegenheit aufsucht, um eine Epidemie, eine Infektion aufzunehmen, so ist das die notwendige Gegenwirkung gegen eine frühere karmische Ursache. Dürfen wir nun hygienische und andere Maßregeln dagegen ergreifen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Frage ist tief, und wir müssen erst das richtige Material herbei- tragen, um sie zu entscheiden. Wir müssen uns klar sein, daß da, wo - ob gleichzeitig oder in längeren Zeiträumen - das luziferische und das ahrimanische Prinzip zusammenwirken oder wo sie sich entgegen- wirken, gewisse Komplikationen im menschlichen Leben eintreten.Und diese Komplikationen wirken so, daß sie uns in den verschiedensten Fällen in der mannigfaltigsten Art entgegentreten, so daß wir nicht zwei Fälle in der gleichen Art sehen werden.Wenn wir aber das menschliche Leben studieren, werden wir uns in folgender Weise dabei hindurchfinden: Wenn wir das Zusammenwirken von Luzifer und Ahriman aufsuchen in dem entsprechenden einzelnen Fall, so werden wir überall einen Faden finden, um durch diesen Zusammenhang hindurch- zukommen. Wir müssen aber dabei scharf unterscheiden zwischen dem inneren und dem äußeren Menschen. Wir mußten heute schon scharf unterscheiden zwischen dem, was sich in der Verstandesseele auslebt, und dem, was als Wirkung derVerstandesseele sich im Ätherleibe zeigt. Wir müssen den Fortgang betrachten, in welchem Karma sich vollzieht, und wir müssen uns zugleich klar sein, daß wir aber doch wieder die Möglichkeit haben, durch entsprechende karmische Einflüsse so auf das Innere zu wirken, daß durch das Innere ein anderer karmischer Ausgleich in der Zukunft vorbereitet wird. Dadurch ist es möglich, daß nun dieses eintreten kann:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|169}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es kann der Mensch ganz besonders in einem früheren Leben durch Empfindungen, Gefühle und so weiter durchgegangen sein, die ihn zur Lieblosigkeit gegen seine Nächsten getrieben haben. Denken wir uns zum Beispiel, daß er durch etwas hindurchgegangen ist, wo er durch karmischeWirkung die Lieblosigkeit in sich aufgenommen hat. Es kann durchaus so sein, daß wir, wie auf absteigender Linie fortfahrend, das Böse erzeugen, daß wir also erst auf einer absteigenden Bahn gehen, damit die entgegengesetzte Spannkraft entwickelt wird, um dann wieder aufzusteigen. Nehmen wir also an, ein Mensch hat sich durch Hin- gabe an gewisse Einflüsse zu einer gewissen Lieblosigkeit hingeneigt; dann tritt die Lieblosigkeit in einem späteren Leben als karmische Wirkung ein und bildet innere Kräfte in seiner Organisation aus. Nun können wir ein Zweifaches tun, bewußt oder auch nicht bewußt; denn unsere Kultur ist noch nicht so weit, es bewußt zu tun. Wir werden bei einem solchen Menschen Vorsorge treffen können, daß jene Eigenschaften in seiner Organisation, welche von der Lieblosigkeit kommen, her- ausgetrieben werden. Wir können da etwas tun, was ein Gegenmittel ist gegen die Wirkung in der äußeren Organisation, die sich als Lieblosigkeit zeigt; aber es wird damit noch nicht immer alle Lieblosigkeit in der Seele aufgehoben sein, es wird nur das äußere Organ der Lieblosigkeit fortgeschafft sein. Denn wenn wir weiter nichts tun, haben wir nur halbe Arbeit geleistet, vielleicht auch gar keine. Wir haben vielleicht dem Menschen physisch, äußerlich geholfen; seelisch aber haben wir ihm nicht geholfen. Indem wir ihm in der äußeren Leiblichkeit das Organ für die Lieblosigkeit fortgenommen haben, kann er jetzt die Lieblosigkeit nicht ausleben; er muß sie in seiner inneren Organisation behalten für eine nächste Inkarnation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen wir an, eine ganze Anzahl von Menschen hätte sich wegen Lieblosigkeit gegen die Menschen hingezogen gefühlt, gewisse Infektionsstoffe aufzunehmen, um einer Epidemie zu verfallen. Nehmen wir weiter an, wir könnten gegen die Epidemie etwas tun. Wir würden dann in einem solchen Falle die äußere Leiblichkeit davor bewahren, die Lieblosigkeit zum Ausdruck zu bringen, aber wir würden dadurch noch nicht die innere Neigung zur Lieblosigkeit fortgeschafft haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denken wir uns aber den Fall so, daß wir, wenn wir das äußere Organ&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|170}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der Lieblosigkeit fortschaffen, die Verpflichtung übernehmen, auf die Seele so zu wirken, daß wir auch der Seele die Neigung zur Lieblosigkeit nehmen. Das Organ der Lieblosigkeit wird im eminenten Sinne getötet - im äußeren leiblichen Sinne - in der Pockenimpfung. Da zeigt sich zum Beispiel folgendes, was geisteswissenschaftlich erforscht ist: In einer Kulturperiode traten die Blattern auf, als die allgemeine Neigung bestand, im höheren Maße Egoismus, Lieblosigkeit zu entwickeln. Da traten die Blattern auf, auch in der äußeren Organisation; das ist so. Man ist in der Theosophie durchaus verpflichtet, die Wahrheit zu sagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun können wir es begreifen, daß in unserer Zeit der Impfschutz aufgetreten ist. Wir können aber noch etwas anderes begreifen, daß nämlich bei den besten Geistern unserer Zeit etwas wie ein Widerwille gegen Impfung vorhanden ist. Das steht mit einem Inneren in Korrespondenz, das ist das Äußere eines Inneren. Und wir können jetzt sagen: Wenn wir auf der einen Seite das Organ töten, hätten wir auch die Verpflichtung, als Gegenstück dazu bei diesem Menschen den materialistischen Charakter durch eine entsprechende spirituelle Erziehung anders zu gestalten. Das müßte das notwendige Gegenstück sein. Wir leisten sonst nur halbe Arbeit. Ja, wir leisten nur eine Arbeit, zu der der Mensch selber in einer späteren Inkarnation in irgendeiner Weise wird das Gegenstück schaffen müssen, wenn er das Pockengift in sich hat und die Eigenschaft aus sich herausgeschafft hat, durch die man geradezu hinneigt zur Blatterner krankung. Hat man die Empfänglichkeit für die Blattern herausgeschafft, so hat man nur die äußere Seite der karmischen Wirksamkeit ins Auge gefaßt. Wenn man auf der einen Seite Hygiene übt, muß man anderseits die Verpflichtung fühlen, den Menschen, deren Organisation man umgewandelt hat, auch etwas für die Seele zu geben. Impfung wird keinem Menschen schaden, welcher nach der Impfung im späteren Leben eine spirituelle Erziehung erhält. Wir haben die Waagschale zu stark zum Sinken gebracht, wenn wir nur auf die eine Seite abzielen und auf die andere keinen Wert legen. Das fühlt man im Grunde in den Kreisen, wo man sagt: Wo hygienische Maßregeln zu weit gehen, würden nur schwache Naturen fortgepflanzt. Das ist zwar unberechtigt; aber Sie sehen, wesentlich ist, daß man eine Aufgabe nicht ohne die andere übernehmen darf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|171}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da kommen wir zu einem wichtigen Gesetz in der Menschheitsentwickelung, das so wirkt, daß immer ein Äußeres und ein Inneres sich die Waage halten müssen und daß man nicht bloß auf das eine sehen darf, sondern auch das andere nicht unberücksichtigt bleiben darf. Da sehen wir in einen großen Zusammenhang hinein und sind jetzt noch nicht einmal zur Behandlung der Frage gekommen: Wie verhalten sich Hygiene und Karma zueinander? Sie werden sehen, daß uns die Beantwortung dieser Frage noch tiefer hineinführt in das Karma. Und wir werden noch sehen, wie auch zwischen der Geburt und dem Tode des Menschen karmische Zusammenhänge bestehen und ferner, wie andere Persönlichkeiten hineinspielen in ein Menschenleben und wie sich der freie Wille des Menschen und das Karma im Einklange befinden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|172}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= NEUNTER VORTRAG Hamburg, 26. Mai 1910 =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es wird ja, wie ich wiederholt bemerkte, nur möglich sein, die großen karmischen Gesetzmäßigkeiten in einigen skizzenhaften Linien anzudeuten, um Anregungen zu geben auf diesem schier unermeßlichen Gebiete.Wenn Sie alles bedenken, was wir in den letzten Tagen besprochen haben, so werden Sie es nicht mehr auffällig finden, daß der Mensch geradezu aus gewissen Bewußtseinsschichten heraus getrieben wird, die ausgleichenden Wirkungen für karmische Ursachen, die er sich selber einverleibt hat, auch in der Außenwelt zu suchen. Er kann geradezu dorthin getrieben werden, wo er zum Beispiel eine Infektion erhalten kann, um in dieser die ausgleichenden Wirkungen für eine sich einverleibte karmische Ursache zu suchen, und selbst zu dem,was man Lebensunfälle nennen kann, kann der Mensch hingetrieben werden, um mit dem Hereinbrechen eines solchen Lebensunfalles eine Ausgleichung zu suchen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie ist es nun mit dem karmischen Verlauf, wenn wir durch irgendwelche Maßnahmen in die Lage kommen, den Menschen daran zu hindern, diesen Ausgleich zu suchen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen wir an, daß wir durch gewisse hygienische Maßnahmen dahin wirken, daß gewisse Ursachen, gewisse Dinge, für die vielleicht der Mensch vermöge seiner karmischen Zusammenhänge Neigung haben muß, überhaupt nicht da sein können. Denken wir uns, es gelänge durch hygienische Maßnahmen, gewisse Krankheitserreger auf einem bestimmten Gebiet zu bekämpfen. Nun haben wir uns bereits vor die Seele geführt, daß es keineswegs im Belieben der Menschen steht, solche Maßnahmen zu treffen. Wir haben gesehen, wie in einem bestimmten Zeitalter zum Beispiel die Neigung zu Reinlichkeitsgesetzen daher entsteht, weil einfach diese Neigung, die in der Zwischenzeit verschwunden war, jetzt bei der umgekehrten Wiederholung in der Entwickelung wieder auftaucht. Daraus haben wir gesehen, daß es in den großen Gesetzen des Menschheitskarma überhaupt liegt, daß in einem bestimmten Zeitpunkt der Mensch dazu kommt, diese oder jene Maßnahmeii zu treffen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|173}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir werden es aber auch leicht begreifen, daß der Mensch in einem früheren Zeitalter nicht dazu gekommen ist, derartige Maßnahmen zu treffen, weil die Menschheit in einem früheren Zeitraum die Epidemien brauchte, die jetzt durch die hygienischen Maßnahmen aus der Welt geschafft werden sollen. In bezug auf große Einrichtungen im Leben unterliegt wirklich die Menschheitsentwickelung ganz bestimmten Gesetzen, und bevor etwas für die gesamte Menschheitsentwickelung von Bedeutung und von Nutzen sein kann, tritt gar nicht die Möglichkeit ein, solche Maßnahmen zu treffen. Denn aus dem vollbewußten, vernünftigen, verständigen Leben, das sich der Mensch zwischen Geburt und Tod aneignen kann, kommen ja solche Maßnahmen nicht, sondern sie kommen aus dem Gesamtgeist der Menschheit. Und Sie brauchen sich nur einmal vor Augen zu halten, wie diese oder jene Erfindung oder Entdeckung auch erst dann auftritt, wenn die Menschheit wirklich dafür reif ist. Ein kleiner Überblick über die Geschichte der Entwickelung der Menschheit auf der Erde kann Ihnen da so manches bieten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denken Sie nur daran, daß unsere Vorfahren - das heißt unsere eigenen Seelen - in Leibern von ganz anderer Gestalt als die heutigen Menschenleiber auf dem alten atlantischen Kontinent gelebt haben, daß dann dieser atlantische Kontinent hinuntergesunken ist und daß die Einrichtungen, die wir heute treffen, sich erst im Bereiche unserer heutigen Kontinente gebildet haben. Es wurden dann in einem ga`nz bestimmten Zeitalter erst die Bewohner der einen aufgetauchten Erdhälfte mit den Bewohnern der andern zusammengeführt. Erst vor kurzem, in einer gar nicht so fernen Vergangenheit, konnten die Völker Europas die Gebiete wieder erreichen, die nach der andern Seite des atlantischen Kontinents sich abgegliedert haben. In solchen Dingen herrschen wirklich große Gesetze. Und ob diese oder jene Dinge entdeckt werden oder ob Maßnahmen getroffen werden, welche es in dieser oder jener Richtung möglich machen, karmisch einzugreifen, das hängt nicht von der Meinung oder der Willkür der Menschen ab, sondern das tritt ein, wenn es eintreten soll. Aber dessen ungeachtet: Wenn wir gewisse Ursachen hinwegräumen, welche sonst dagewesen wären und die durch ihre karmische Verwicklung gewisse Menschen aufgesucht hätten, so können wir dadurch das Karma der Menschen beeinflussen. Dieses Beeinflussen &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|174}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
heißt aber nicht, daß wir es hinwegschaffen, sondern es heißt, daß wir es in eine andere Richtung lenken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denken wir uns also den Fall, eine Anzahl von Menschen würde sich durch karmische Verwicklung gedrängt fühlen, bestimmte Einflüsse aufzusuchen, welche ein karmischer Ausgleich sein würden. Durch hygienische Maßnahmen sind nun einstweilen diese Einflüsse oder Verhältnisse hinweggeräumt worden, die Menschen können sie nicht mehr suchen. Darum aber werden diese Menschen nicht befreit von dem, was in ihnen als karmische Wirkung herausgefordert wird, sondern sie werden gedrängt, andere Wirkungen aufzusuchen. Seinem Karma entkommt der Mensch nicht. Er wird durch solche Maßnahmen nicht entlastet von dem, was er sonst aufgesucht hätte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daraus können Sie entnehmen, daß für einen karmischen Ausgleich, den wir in der Lage wären, nach einer Seite wegzuschaffen, wieder ein Ausgleich nach einer andern Richtung entstehen müßte. Wir schaffen nur die Notwendigkeit, andere Gelegenheiten und Einflüsse aufzusuchen, wenn wir irgendwelche Einflüsse hinwegräumen. Nehmen wir nun an, daß viele Epidemien, gemeinsame Krankheitsursachen, einfach darauf zurückzuführen sind, daß die Menschen, welche diese Krankheitsursachen aufsuchen, hinwegräuriien wollen, was sie sich karmisch anerzogen haben, wie zum Beispiel bei der Pockenepidemie Organe der Lieblosigkeit. Brächten wir es zustande, diese Organe hinwegzuräumen, so bliebe die Ursache der Lieblosigkeit trotzdem bestehen, und die betreffenden Seelen müßten dann in dieser oder einer andern Inkarnation den entsprechenden Ausgleich in einer andern Weise suchen. Wir können begreifen,was da stattfindet, wenn wir auf etwas hinweisen, worauf wir sicher zählen müssen, und das ist das Folgende.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heute werden in der Tat eine ganze Menge von äußeren Einflüssen und Ursachen hinweggeräumt, die sonst aufgesucht worden wären zum Ausgleich gewisser karmischer Dinge, welche die Menschheit in früheren Zeitaltern auf sich geladen hat. Dadurch aber schaffen wir nur die Möglichkeit hinweg, daß der Mensch äußeren Einflüssen verfällt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir machen ihm das äußere Leben angenehmer oder auch gesünder. Dadurch erreichen wir aber nur, daß dasjenige, was der Mensch in dem entsprechenden Krankheitsverhältnis sich als karmischen Ausgleich gesucht &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|175}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
hätte, nun auf anderem Wege gesucht werden muß. Die Seelen, welche auf diesem Wege heute in gesundheitlicher Beziehung gerettet werden, werden also dazu verurteilt, in einer andern Weise diesen karmischen Ausgleich zu suchen. Und Sie werden ihn suchen müssen in zahlreichen Fällen, die gerade zu den geschilderten gehören. Indem ihnen durch ein gesünderes Leben größere physische Annehmlichkeit bereitet wird, indem ihnen das physische Leben erleichtert wird, wird die Seele dadurch in der entgegengesetzten Weise beeinflußt; sie wird so beeinflußt, daß sie nach und nach eine gewisse Leerheit, eine Unbefriedigtheit, eine Unerfülltheit empfinden wird. Und wenn es so fortgehen würde, daß das äußere Leben immer angenehmer, immer gesünder würde, wie man es nach den allgemeinen Vorstellungen im rein materialistischen Leben haben kann, dann würden solche Seelen immer weniger Ansporn haben, in sich selber weiterzukommen. Eine Verödung der Seelen würde in gewissem Sinne parallel einhergehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer sich genauer das Leben ansieht, kann das heute schon bemerken. In kaum einem Zeitalter hat es so viele Menschen gegeben, welche in so angenehmen äußeren Verhältnissen leben, aber mit öden, unbeschäftigten Seelen einhergehen, wie es heute der Fall ist. Diese Menschen eilen darum von Sensation zu Sensation; dann, wenn das Pekuniäre reicht, reisen sie von Stadt zu Stadt, um etwas zu sehen, oder wenn sie in derselben Stadt bleiben müssen, eilen sie jeden Abend von Vergnügen zu Vergnügen. Die Seele bleibt aber darum doch öde, weiß zuletzt selber nicht mehr, was sie aufsuchen soll in der Welt, um einen Inhalt zu bekommen. Namentlich wird durch ein Leben in rein äußeren, physisch annehmlichen Zuständen der Hang erzeugt, nur über das Physische nachzudenken. Und wenn diese Neigung, sich nur mit dem Physischen zu beschäftigen, nicht schon lange vorhanden wäre, so würde auch nicht die Neigung zum theoretischen Materialismus so stark geworden sein, wie es in unserer Zeit der Fall ist. So werden die Seelen leidender, während das äußere Leben gesünder gemacht wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am wenigsten hat derTheosoph über eine solche Tatsache zu klagen, weil überall die Theosophie uns Verständnis der Dinge schafft und damit ein Einsehen, wo der Ausgleich ist. Die Seelen können nur bis zu einem gewissen Grade leer bleiben; dann werden sie wie durch die &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|176}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
eigene Elastizität nach der andern Seite hingeschnellt. Sie suchen dann einen Inhalt, der verwandt ist mit den Tiefen der eigenen Seele, und sie werden dann einsehen, wie notwendig sie es haben, zu einer theosophischen Weltanschauung zu gelangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So sehen wir, wie das, was aus den materialistischen Lebensauffassungen herauskommt, wohl das äußere Leben erleichtert, aber Schwierigkeiten des inneren Lebens schafft, die dahin führen, aus den Leiden der Seele heraus den Inhalt einer spirituellenWeltanschauung zu suchen. Die spirituelle Weltanschauung, wie sie sich heute als die theosophische kundgibt, kommt so den Seelen entgegen, die in der Verödung, an dem, was das äußere Leben, das ganz angenehm eingerichtet sein kann, ihnen an Eindrücken zu geben vermag, keine Befriedigung finden können. Die Seelen werden so lange suchen, immer wieder Neues aufzunehmen, bis die Elastizität von der andern Seite so stark wirkt, daß die Seelen mit dem sich vereinigen werden, was man spirituelles Leben nenneön kann. So gibt es eine Beziehung zwischen Hygiene und den Zukunftshoffnungen der geisteswissenschaftlichen Weltanschauung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie können das heute im Kleinen schon bemerken. Es gibt heute solche Seelen, welche zu andern Äußerlichkeiten eine neue Äußerlichkeit fügen: sich zu interessieren für die theosophische Weltanschauung, welche als neue Sensation die theosophische Weltanschauung aufnehmen. Das ist etwas, was sich bei jeder Strömung in der Menschheitsentwickelung zeigt, daß das, was tiefe, innere Bedeutung hat, auch als Mode, als Sensation wirkt. Aber die wahrhaft für die Theosophie vorbereiteten Seelen sind solche, welche sich entweder unbefriedigt fühlen durch die äußeren Sensationen oder auch einsehen, daß die äußere Wissenschaft mit all ihren Erklärungen die Tatsachen nicht erklären kann. Diese Seelen sind es, welche durch ihr Gesamtkarma so präpariert sind, daß sie sich mit den innersten Gliedern ihres Seelenlebens mit der Theosophie verbinden können. Geisteswissenschaft gehört auch zum Gesamtkarma der Menschheit, und sie wird sich als solche darin einfügen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So können wir das Karma der Menschen nach der einen oder andern Seite in eine andere Richtung bringen; aber wir können nicht die Rückwirkung auf den Menschen beseitigen. In irgendeiner Weise kommt das &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|177}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
zurück, was sich der Mensch in früheren Lebensläufen selber zubereitet hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie nun das Karma sinnvoll in der Welt wirkt, das kann am besten eine Betrachtung lehren, wo Karma sozusagen noch ohne moralischen Beigeschmack wirkt, wo es in der großen Welt selber wirkt, ohne daß es etwas zu tun hat mit dem, was der Mensch aus der Seele heraus an moralischen Impulsen entwickelt und was dann zu moralischen oder unmoralischen Handlungen führt. Wir wollen ein Gebiet des Karma vor unsere Seele stellen, in dem das Moralische noch keine Rolle spielt, sondern wo sich etwas Neutrales als karmische Verkettung darstellt. Nehmen wir an, eine Frau lebt in einer bestimmten Inkarnation. Nun werden Sie nicht in Abrede stellen, daß die Frau einfach dadurch, daß sie Frau ist, andere Erlebnisse haben muß als der Mann und daß diese Erlebnisse nicht nur bloß zusammenhängen mit inneren Seelenvorgängen, sondern daß sie im breitesten Maße zusammenhängen mit äußeren Geschehnissen, mit Lebenslagen, in welche die Frau nur dadurch kommt, daß sie Frau ist, und die wieder zurückwirken auf die ganze Seelenverfassung und Seelenstimmung. Daher können wir davon sprechen, daß die Frau zu gewissen Handlungen geführt wird, die im innigsten Zusammenhang stehen mit dem Frauendasein. Der Ausgleich zwischen Mann und Frau findet ja erst auf dem Gebiete des geistigen Zusammenlebens statt. Je tiefer wir nun hinuntersteigen in das bloß Seelische und in das Äußere des Menschen, desto größer wird der Unterschied zwischen Mann und Frau in bezug auf ihr Leben. Und so können wir sagen, daß die Frau auch in gewissen Eigenschaften der Seele verschieden ist vom Manne, daß sie mehr neigt zu jenen Eigenschaften der Seele, die zu Impulsen führen&amp;gt; welche als emotionelle bezeichnet werden müssen; und wir finden sie dazu veranlagt, mehr als der Mann psychische Erlebnisse zu haben. Dafür sind im Leben des Mannes Intellektualismus und Materialismus - dasjenige also, was durch den Mann gekommen ist - mehr zuhause, was auf das Seelenleben einen großen Einfluß hat. Psychisches und Emotionelles bei der Frau, intellektuelle und materialistische Momente beim Mann - so werden sie durch ihre Naturen geradezu bestimmt. Daher hat nun auch die Frau gewisse Nuancen des Seelenlebens dadurch, daß sie Frau ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|178}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun haben wir ja geschildert,daß dasjenige, was wir als Eigenschaften in der Seele erleben zwischen Tod und neuer Geburt, sich hineindrängt in unsere nächste leibliche Organisation, Was nun stärker psychisch ist, was stärker emotionell ist und im Leben zwischen Geburt und Tod mehr nach dem Inneren der Seele geht, das hat auch mehr Neigung, tiefer einzugreifen in die Organisation, sie viel intensiver zu imprägnieren. Und dadurch, daß die Frau solche Eindrücke aufnimmt, welche mit dem Psychismus, mit dem Emotionalismus zusammenhängen, nimmt sie in tiefere Seelengründe hinein auch die Erfahrungen des Lebens. Der Mann mag reichere Erfahrungen machen, auch wissenschaftlichere: so tief gehen bei ihm die Erfahrungen nicht in das Seelen- leben hinein, wie es bei der Frau der Fall ist. Bei der Frau prägt sich die ganze Erfahrungsumwelt tief ein in die Seele. Dadurch haben die Erlebnisse eine stärkere Tendenz, in die Organisation hineinzuwirken, die Organisation in der Zukunft stärker zu umklammern. Und so nimmt ein Frauenleben die Tendenz auf, durch ihre Erlebnisse in einer Inkarnation tief in den Organismus hineinzugreifen und damit in der nächsten Inkarnation den Organismus selber zu gestalten. Ein tiefes Hinein- arbeiten, ein tiefes Durcharbeiten des Organismus bedeutet nun aber: einen männlichen Organismus hervorbringen. Ein männlicher Organismus wird dadurch hervorgebracht, daß die Kräfte der Seele sich tiefer in das Materielle hineinprägen wollen. Daraus sehen Sie, daß aus den Frauenerlebnissen einer Inkarnation die Wirkung hervorgeht, in der nächsten Inkarnation einen männlichen Organismus hervorzubringen. Da haben Sie aus der Natur des Okkultismus einen Zusammenhang gegeben, der jenseits des Moralischen liegt. Deshalb sagt man im Okkultismus: Der Mann ist das Karma der Frau. - In der Tat ist die Mannesorganisation in einer späteren Inkarnation das Ergebnis der Erfahrungen und Erlebnisse in einer vorhergehenden Fraueninkarnation. Selbst auf die Gefahr hin, daß ich etwa unsympathische Gedanken erwecke bei einigen der Versammelten - es kommt ja immer vor, daß Männer der Gegenwart einen heil losen Respekt davor haben, als Frau inkarniert zu werden -, muß ich diese Dinge als Tatsachen auch wieder ganz objektiv beleuchten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie ist es nun mit den Manneserlebnissen? Mit den Manneserleb&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|179}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nissen verhält es sich so, daß wir sie am besten verstehen, wenn wir gleich von dem ausgehen, was wir jetzt eben dargestellt haben. Bei der Mannesorganisation hat der innere Mensch sich gründlicher in das Materielle hineingelebt, hat es mehr umklammert als bei der Frau. Die Frau behält mehr von dem Geistigen im Unkörperlichen zurück; sie lebt sich nicht so tief in das Materielle hinein, sie erhält ihre Körperlichkeit weicher. Sie trennt sich nicht so weit von dem Geistigen. Das ist das Charakteristische der Frauennatur, daß sie mehr zurückbehält von freier Geistigkeit und sich daher weniger in die Materie hineinarbeitet und vor allem das Gehirn weicher erhält. Daher ist es nicht zu verwundern, daß die Frauen für Neues, insbesondere auf geistigem Gebiete, eben eine besondere Neigung haben, weil sie das Geistige freier behalten haben und weil weniger Widerstand da ist. Und es ist kein Zufall, sondern es entspricht einer tiefen Gesetzmäßigkeit, daß bei einer Bewegung, die durch ihre Natur mit dem Spirituellen zu tun hat, sich eine größere Anzahl von Frauen einfindet als Männer. Und wer Mann ist, der weiß,was für ein schwieriges Instrument das Mannesgehirn oftmals ist. Es bildet furchtbare Hindernisse, wenn man es für biegsamere Gedankengänge brauchen will. Da will es nicht mitgehen. Es muß erst mit allen möglichen Mitteln herangebildet werden, um sich aus der Steifigkeit zu erlösen. Das kann durchaus ein eigenes Erlebnis der Manneserfahrung sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Mannesnatur ist also kondensierter, zusammengezogener; sie ist mehr gepreßt worden, steifer, härter gemacht worden durch das, was der innere Mensch im Manne ist; sie ist materieller gemacht worden. Nun ist ein steiferes Gehirn vor allem ein Instrument für das Intellektuelle, weniger für das Psychische. Denn das Intellektuelle ist etwas, was sich viel mehr auf den physischen Plan bezieht. Was als Intellektualismus des Mannes zu bezeichnen ist, das kommt von seinem steiferen, verfestigten Gehirn. Man könnte dabei von einem gewissen Grade von «Eingefrorenheit&amp;gt; des Gehirns sprechen. Es muß erst auftauen, wenn es sich in feinere Gedankengänge hinein finden soll. Dadurch aber wird der Mann veranlaßt, mehr die Äußerlichkeiten zu erfassen, weniger von denjenigen Erlebnissen aufzunehmen, die mit den Tiefen des Seelenlebens zusammenhängen. Und was er aufnimmt, das geht dann auch &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|180}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nicht tief. Ein äußerer Beweis dafür ist der, wie wenig tief die äußere Wissenschaft geht und wie wenig sie das Innere erfaßt - wie zwar immer im weiten Umkreis gedacht wird, aber wie wenig gründlich die Tatsachen zusammengezogen werden. Wer durch seine eigene Selbstzucht im Denken genötigt ist, die Tatsachen zusammenzufügen, dem könnte von dem, was die äußere Wissenschaft sich nicht scheut, als nebeneinander bestehend hinzustellen, manchmal recht übel werden. Da kann man sehen, wie wenig tief die Dinge gehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Beispiel dafür, wie oberflächlich die Dinge der heutigen Wissenschaft sein können: Nehmen Sie an, ein junger Mensch ist in irgendeinem Kolleg, wo ein enragierter Darwinianer vorträgt. Und bei diesem Vertreter der Selektionstheorie kann der Student etwa solche Dinge vertreten hören: Woher kommt es, daß der Gockel zum Beispiel so schöne, blauschillernde Farben an seinen Federn hat? Das ist auf eine geschlechtliche Zuchtwahl zurückzuführen; denn durch die Farben zieht er die Hennen &#039;an, und die Hennen wählen dann unten den Gockeln diejenigen, welche die bläulichschillernden Federn haben. Dabei kommen dann die andern zu kurz, und es bildet sich infolgedessen besonders die eine Sorte aus. Das ist eine Höherentwickelung, das ist «geschlechtliche Zuchtwahl»! - Und der Student ist froh, daß er weiß, wie eine Aufwärtsentwickelung zustande kommen kann. Jetzt geht er ins nächste Kolleg, wo, sagen wir, das Gebiet der Sinnesphysiologie behandelt wird. Und hier kann es jetzt vorkommen, daß derselbe Student nun im zweiten Kolleg etwa folgendes zu hören bekommt: Man hat Versuche gemacht, welche zeigen, wie verschieden die Farben des Spektrums auf die verschiedenen Wesenheiten wirken. Man kann nachweisen, daß zum Beispiel die Hühner von den gesamten Farben des Spektrums das nicht wahrnehmen, was zum Blau und Violett gehört, sondern daß sie nur dasjenige wahrnehmen, was vom Grünen zum Orange, Rot und Ultrarot geht!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt ist der Student, wenn er diese beiden Tatsachen, die er heute wirklich hören kann, zusammendenken will, darauf angewiesen, die Dinge oberflächlich zu nehmen. Es ist die ganze Selektionstheorie darauf gebaut, daß die Hennen am Gockel etwas sehen sollen an bunten Farben, was ihnen besondere Freude machen soll, was sie aber &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|181}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
in Wirklichkeit gar nicht sehen, was für sie wie rabenschwarz erscheint.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist nur ein Beispiel. Aber die Dinge sind so, daß sie dem, der wirklich wissenschaftlich forschen will, auf Schritt und Tritt so begegnen. Daraus sehen Sie, daß die Intellektualität nicht gerade sehr tief elngreift in das Leben, daß sie an der Oberfläche stehenbIeibt. Ich wähle absichtlich die krassen Beispiele. Man wird es ja nicht so leicht glauben wollen, daß die Intellektualität etwas ist, was sich mehr äußerlich abspielt, nicht tief eingreift in das Seelenleben, was wenig das Innere des Menschen ergreift. Und die materialistische Gesinnung ergreift das Seelenleben erst recht nicht. Die Folge davon ist aber die, daß der Mensch aus einer solchen Inkarnation, wo er wenig hineinwirkt in die Seele, die Tendenz aufnimmt zwischen Geburt und Tod, in der nächsten Inkarnation weniger in die Organisation einzudringen. Es ist ja die Kraft dazu weniger aufgenommen worden; deshalb wirkt sie jetzt so, daß der Mensch weniger seine Leiblichkeit imprägniert. Daraus entsteht nun aber die Neigung, in der nächsten Inkarnation einen Frauenleib aufzubauen. Wiederum ist es richtig, wenn man im Okkultismus sagt: Das Weib ist das Karma des Mannes!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf diesem moralisch neutralen Gebiete sehen wir, wie das, was sich der Mensch in einer Inkarnation vorbereitet, in der nächsten Inkarnation seine Leiblichkeit organisiert. Und weil diese D`inge nicht nur tief eingreifen in unser inneres Leben, sondern auch in unsere äußeren Erlebnisse und in unser Handeln&amp;gt; so müssen wir sagen: Indem der Mensch in einer Inkarnation Mannes- oder Frauenerlebnisse hat, wird in der nächsten Inkarnation sein äußeres Handeln in dieser oder jener Weise bestimmt, weil er durch die Frauenerlebnisse die Neigung hat, eine Mannesorganisation sich zu bilden, und umgekehrt durch die Manneserlebnisse eine Frauenorganisation. Nur in seltenen Fällen wiederholt sich die gleiche geschlechtliche Inkarnation; sie kann sich höchstens siebenmal wiederholen. Die Regel jedoch ist die, daß jede männliche Organisation in der nächsten Inkarnation danach strebt, weiblich zu werden, und umgekehrt. Da nützt alle Abneigung nichts, denn es kommt nicht darauf an, was man in der physischen Welt möchte, sondern es kommt auf die Neigungen an, die man in der Zeit zwischen Tod&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|182}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und neuer Geburt hat, und die werden durch vernünftigere Gründe bestimmt als solche, daß man etwa in einer männlichen Inkarnation einen Horror davor hat, in der nächsten Inkarnation sich als Frau zu inkarnieren. Da können Sie sehen, wie das spätere Leben karmisch bestimmt wird durch das frühere und wie auch die Handlungen des späteren Lebens bestimmt werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun handelt es sich darum, daß wir noch einen andern karmischen Zusammenhang einsehen lernen, den wir auch noch benötigen, wenn wir auf die wichtigen Betrachtungen der nächsten Tage Licht werfen wollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Blicken wir dazu noch einmal zurück auf einen recht fernliegenden Zeitpunkt der menschlichen Entwickelung: auf den Zeitpunkt, wo einmal auf der Erde die menschlichen Inkarnationen angefangen haben. Das geschah in der alten lemurischen Zeit. Nun handelt es sich darum, daß damals auf den Menschen zuerst in einer durchgreifenden Art gewirkt hat der luziferische Einfluß und daß dieser dann den ahrimanischen Einfluß herausgefordert hat. Versuchen wir uns einmal vor die Seele zu stellen, wie der luziferische Einfluß äußerlich im Menschen- leben gewirkt hat. - Dadurch, daß der Mensch überhaupt in die Lage gekommen ist, in jenen alten Zeiten den luziferischen Einfluß in sich aufzunehmen, also seinen astralischen Leib mit dem luziferischen Einfluß zu durchdringen, dadurch wurde sein astralischer Leib geneigt, viel tiefer noch in die Organisation einzugreifen, in das Materielle des physischen Leibes viel tiefer hinunterzusteigen, und vor allem auch ganz anders, als er ohne den luziferischen Einfluß hinuntergestiegen wäre. Der Mensch wurde durch den luziferischen Einfluß materieller. Hätte der luziferische Einfluß nicht gewirkt, dann wäre eine geringere Neigung des Menschen entstanden, in die materielle Welt hinunterzusteigen, der Mensch hätte sich als solcher in höheren Regionen des Daseins gehalten. Also es ist eine viel stärkere Durchdringung von äußerem und innerem Menschen geschehen, als es ohne den luziferischen Einfluß der Fall gewesen wäre. Diese Durchdringung war nun zunächst dieVeranlassung dafür, daß der Mensch durch die stärkere Verbindung mit dem Materiellen des äußeren Leibes den Rückblick auf die Ereignisse, welche seiner Einkörperung vorangegangen sind, verloren hat. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|183}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Mensch trat jetzt durch eine so geartete Geburt ins Dasein, daß er sich tief mit dem Materiellen verband und dadurch alle Rückschau auf die früheren Erlebnisse auslöschte. Der Mensch hätte sich sonst die Erinnerung bewahrt an das, was er vor der Geburt im Geistigen erlebt hat. Durch den luziferischen Einfluß wurde nun die Geburt ein Akt, durch den der Mensch so intensive Verbindungen zwischen äußerem und innerem Menschen herstellt, daß ausgelöscht wurde, was der Mensch in derZeit vorher in der geistigenWelt erleben kann. Es wurde der Mensch durch den luziferischen Einfluß beraubt seiner Erinnerungen an die vorhergehenden geistigen Erlebnisse. Die Verbindung mit der äußeren Leiblichkeit macht es, daß der Mensch nicht zurückblicken kann auf das Frühere. Dadurch aber ist der Mensch während seines Lebens darauf angewiesen, immer nur aus der Außenwelt seine Erfahrungen und Erlebnisse zu holen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun wären Sie aber auf einem ganz falschen Wege, wenn Sie glauben würden, daß nur die groben äußeren Stoffe, die der Mensch in sich aufnimmt&amp;gt; auf ihn wirken. Es wirken auf den Menschen nicht nur die Nahrungsmittel und -kräfte, sondern auch die sonstigen Erfahrungen, welche er macht, auch die Dinge, welche durch seine Sinne in ihn ein- fließen. Aber durch das gröbere Verbinden mit der Materie wirken auch die Nahrungsmittel anders. Stellen Sie sich vor, der luziferische Einfluß wäre nicht dagewesen; dann würde von den Nahrungsmitteln bis zu den Sinneseindrücken alles auf den Menschen weit feiner wirken. Er würde alles, was er als Wechselwirkung mit der Außenwelt erlebt, durchdringen mit dem, was er zwischen Tod und neuer Geburt erlebt hat. Dadurch, daß der Mensch die Materialität dichter gestaltet hat, ist er geneigt, auch viel Dichteres aufzunehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es wirkt also der luziferische Einfluß so, daß der Mensch durch die Verdichtung der Materie auch aus der Außenwelt viel Dichteres heranzieht, als er sonst herangezogen hätte. Das Dichtere, was er nun von außen heranzieht, ist aber ganz anders als das sonst weniger Dichte. Das weniger Dichte würde die Erinnerungen an das frühere Leben aufrechterhalten haben; es würde auch bewirken,daß er die Sicherheit hat, daß alles, was der Mensch erlebt zwischen Geburt und Tod, seine Wirkungen hineinerstreckt in einen nie endenden Zeitraum. Der Mensch &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|184}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
würde wissen: Es tritt zwar äußerlich der Tod ein, aber alles, was geschieht, wirkt weiter. Dadurch, daß der Mensch Dichteres aufnehmen mußte, schafft er von Geburt an eine starke Wechselwirkung zwischen seiner eigenen leiblichen Natur und der Außenwelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was hat nun dieser Wechselzustand zur Folge? Die geistige Welt ist ausgelöscht seit der Geburt. Und damit der Mensch im Geistigen leben, in der geistigen Welt aufwachen kann, muß erst wieder jener Zustand eintreten, wo alles, was von außen als dichtere Materialität in uns hineinkommt, wieder von den Menschen genommen wird. Weil wir uns eine dichtere Materialität angeeignet haben, müssen wir, um wieder in das Geistige hineinzukommen, auf den Zeitpunkt warten, wo die äußere materielle Leiblichkeit von uns genommen wird. Was nun da als dichtere Materialität in uns hineindringt&amp;gt; das zerstört stückweise, von unserer Geburt an, unsere menschliche Leiblichkeit. Was da hereinfließt, das ist etwas, was immer mehr und mehr die Leiblichkeit zerstört, bis es sie endlich ganz zerstört hat, daß sie nicht mehr bestehen kann. Von unserer Geburt angefangen, nehmen wir eine dichtere Materialität auf, als wir ohne den luziferischen Einfluß aufgenommen hätten, so daß wir unsere Leiblichkeit langsam vernichten, bis sie mit dem Eintreten` d&amp;amp; Todes ganz unbrauchbar geworden ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daran sehen wir&amp;gt; wie der luziferische Einfluß die karmische Ursache des Todes des Menschen ist. Gäbe es nicht diese Form der Geburt, so gäbe es nicht diese Form des Todes für den Menschen. Der Mensch würde sonst so vor dem Tode stehen, daß ihm die sichere Aussicht auf Kommendes vor Augen stehen würde. Der Tod ist die karmische Folge der Geburt, Geburt und Tod hängen karmisch zusammen. Ohne Geburt, wie sie der Mensch heute erlebt, gäbe es keinen Tod, wie ihn der Mensch erlebt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich habe vorhin schon gesagt, daß beim Tier nicht in demselben Sinne von Karma gesprochen werden kann wie beim Menschen. Wenn jemand sagen würde, daß auch beim Tier Geburt und Tod karmisch zusammenhängen, so.wüßte der Betreffende eben nicht, daß Geburt und Tod für den Menschen etwas ganz anderes sind als für das Tier. Was sich da äußerlich gleich sieht, ist innerlich nicht dasselbe; es handelt sich bei Geburt und Tod nicht um das äußerliche Aufbauen, sondern&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|185}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
um das innere Erleben. Beim Tier erlebt nur die Gattungsseele, die Gruppenseele. Das Absterben eines Tieres bedeutet für die Gruppenseele ungefähr dasselbe, was Sie erleben, wenn- Sie sich beim Herankommen des Sommers die Haare kürzer schneiden lassen, die dann wieder langsam nachwachsen. Es fühlt die Gruppenseele einer Tiergattung das Absterben eines Tieres wie das Absterben eines Gliedes, das sich nach und nach wieder ersetzt. Also die Gattungsseele ist das, was wir mit dem menschlichen Ich vergleichen dürfen. Sie kennt nicht Geburt und Tod, sie sieht auf das, was der Geburt vorangeht, fortwährend, und auch auf das, was dem Tode nachfolgt, sieht sie fortwährend. Von Geburt und Tod beim Tier zu sprechen, wie man davon beim Menschen spricht, ist ein Unsinn, weil ganz andere Ursachen vorangehen. Und man leugnet die innere Wirksamkeit des Geistes, wenn man glaubt, was sich äußerlich gleich darstelle, das sei auch von innerlich gleichen Ursachen bewirkt. Gleichheit der äußeren Vorgänge weist nie mit Sicherheit auf gleiche Ursachen hin. Der Geburt des Menschen liegen ganz andere Ursachen zugrunde als der des Tieres, und ebenso stirbt der Mensch aus ganz andern Ursachen heraus als das Tier.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn man ein wenig nachdenken würde, wie das Äußere sich ganz gleich ausnehmen kann, ohne daß das Innere im entferntesten Gleiches erlebt, dann würde man auch schon methodologisch darauf kommen, daß es sich so verhält. Sie können sogar auf höchst einfache Weise darauf kommen, daß der äußere Sinnenschein kein Beweis ist für das innere Leben. Denken Sie sich zwei Menschen; Sie kommen um neun Uhr an einen bestimmten Ort und sehen dort die zwei Menschen nebeneinanderstehen. Um drei Uhr gehen Sie wieder an den betreffenden Ort, nachdem Sie in der Zwischenzeit nicht dort gewesen sind. Da stehen die zwei Menschen wieder an derselben Stelle. Nun könnten Sie schließen: A steht immer noch an demselben Ort, B steht immer noch an demselben Ort, wo er um neun Uhr schon gestanden hat. Untersuchen Sie aber, was diese beiden Menschen inzwischen getan haben, dann werden Sie vielleicht finden, daß der eine da stillgestanden hat, während der andere unterdessen einen weiten Gang getan hat und in der Zwischenzeit müde geworden ist. Da liegen dann ganz andere Vorgänge zugrunde. Und wie es unsinnig wäre, wenn die beiden Menschen &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|186}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
um drei Uhr wieder an derselben Stelle stehen, zu sagen, daß in ihrem Inneren das Gleiche vorgegangen sei, ebenso unsinnig ist es, wenn man zwei gleichgeformte Zellen findet, aus ihrer gleichen Struktur schließen zu wollen, daß sie innerlich die gleiche Bedeutung haben. Es handelt sich darum, den ganzen Zusammenhang der Tatsachen zu kennen, der eine Zelle an den betreffenden Ort hingeführt hat. Daher ist die moderne Zellenphysiologie, die ausgeht von der Untersuchung der inneren Struktur der Zellen, auf ganz falschem Wege. Niemals kann das, was sich dem äußeren Sinnenschein darbietet, ausschlaggebend sein für das innere Wesen des Dinges.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So etwas muß man durchdenken, wenn man solche Dinge einsehen will, wie sie sich dem Okkultisten aus den okkulten Beobachtungen ergeben, wie zum Beispiel Geborenwerden und Sterben etwas ganz anderes ist beim Menschen als beim Säugetier oder gar bei den Vögeln. Diese Dinge zu studieren wird erst möglich sein, wenn die Leute wieder ein wenig auf das eingehen, was die geistige Forschung zu sagen hat. Bevor nicht darauf eingegangen wird, wird die äußere Wissenschaft, die beim Sinnenschein und bei den äußeren Tatsachen stehenbleibt, zwar sehr schöne Tatsachen zutage bringen; aber alles, was Menschen meinen können unter solchen Voraussetzungen über solche Tatsachen, das wird niemals maßgebend sein für die Wirklichkeit. Daher ist alles, was heute theoretische Wissenschaft ist, ein phantastisches Gebilde, das dadurch entstanden ist, daß man die äußeren Tatsachen nach dem äußeren Schein kombiniert. Auf manchen Gebieten drängen geradezu die äußeren Tatsachen dazu, in der richtigen Weise zu interpretieren; aber durch die heutigen Meinungen kommt man nicht dazu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So haben wir heute zwei neutrale Gebiete auf dem Felde der karmischen Gesetzmäßigkeit auf uns wirken lassen, und Sie werden sehen, daß sie uns eine Grundlage sein werden für die weiteren Betrachtungen. Wir haben eingesehen, wie die Frauenorganisation die karmische Folge der Manneserlebnisse ist und die Mannesorganisation eine karmische Folge der Frauenerlebnisse; und wir haben endlich eingesehen, daß der Tod eine karmischeWirkung der Geburt im Menschenleben ist. Das ist etwas, was, wenn man versucht, es nach und nach zu verstehen, uns tief hineinführen kann in die karmischen Zusammenhänge des Menschenlebens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|187}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= ZEHNTER VORTRAG Hamburg, 27. Mai 1910 =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gewisse tiefere Fragen des karmischen Zusammenhanges, die sich namentlich auf unseren menschlichen Einfluß auf das Karma und besonders auf das Karma anderer Menschen beziehen, solche Fragen also, die sich auf eine Richtungsänderung des Karma im Kleinen und im Großen beziehen, kann man nicht beantworten, auch nicht eine Vorstellung hervorrufen, wie sie beantwortet werden müssen, wenn man nicht in der Weise, wie wir es heute tun wollen, gewisse bedeutsame Geheimnisse unseres Weltendaseins berührt. Solche Fragen können sich vielleicht dann für jeden aus dem Gesagten ergeben, wenn Sie diesen oder jenen Gedanken, der angeschlagen und von der einen oder andern Seite beleuchtet worden ist, für sich selber weiter ausführen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So kann sich die Frage aufwerfen: Was geschieht, wenn im karmischen Zusammenhange eines Menschen durch das, was er früher erlebt und getan hat, ein Krankheitsprozeß zur Hinwegschaffung dieser karmischen Tatsache notwendig ist und wenn diesem Menschen durch Heilmittel oder durch einen andern Eingriff in derWeise geholfen wird, daß er durch menschliche Hilfe wirklich geheilt wird? Was liegt da vor, und wie verhält sich eine solche Tatsache zu den tieferen Auffassungen von der karmischen Gesetzmäßigkeit?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun bemerke ich von vornherein: Um überhaupt auch nur einige wesentlichere Lichter auf diese Frage zu werfen, müssen Dinge berührt werden, die der heutigen Wissenschaft und dem heutigen Denken der Menschen ganz fern liegen und welche auch nur sozusagen unter Theosophen besprochen werden können, die sich für solche Dinge schon dadurch vorbereitet haben, daß sie mancherlei Wahrheiten aufgenommen haben, die sich auf tiefere Untergründe des Daseins beziehen, und die sich auch ein Gefühl dafür erworben haben, wie Dinge,welche heute nur angedeutet werden können, sich doch voll begründen lassen. Dennoch möchte ich bei dieser Gelegenheit eine Bitte einfügen: Was ich genötigt bin zu sagen über die tieferen Untergründe des Erdendaseins, zum Beispiel was ich mich bemühen werde, in der präzisesten Form auszusprechen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|188}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und was sogleich falsch sein würde, wenn es in anderem Zusammenhang oder gar ohne Zusammenhang gesagt würde und deshalb zu Mißverständnissen Veranlassung geben würde, davon bitte ich, daß es nicht anders behandelt werde als so, daß man es eben aufnimmt. Auch ich muß daher gerade bei diesen Dingen darauf halten, daß niemand sie als ein Lehrgut betrachten sollte, das er irgendwie weitergeben könnte, weil nur der Zusammenhang eine solche Darstellung rechtfertigt und weil eine solche Darstellung nur gerechIfertigt ist, wenn dahinter das Bewußtsein liegt, wie man solche Worte zu prägen hat, um derartiges in Gedanken zum Ausdruck zu bringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um was es sich nun handelt, das ist die Frage nach dem tieferen Wesen des materiellen Daseins auf der einen Seite und nach dem Wesen des seelischen Daseins auf der andern Seite. Eine tiefere Auffassung vom Seelischen und Materiellen werden wir uns heute notwendig aneignen müssen, und zwar werden wir es nötig haben aus einem ganz bestimmten Grunde heraus, aus dem Grunde, weil wir in den verflossenenVorträgen angeführt haben,daß das Seelische des Menschen mehr oder weniger tief hineindringen kann in das Materielle. Ja, wir haben gestern das Wesen des Männlichen dadurch charakterisieren können, daß wir sagten, beim Manne dringe das Seelische tiefer in das Materielle hinein, präge sich tiefer ein, während das Seelische beim Weiblichen in gewisser Beziehung sich mehr zurückzieht und sich mehr ein selbständiges Dasein gegenüber dem Materiellen aneignet. So haben wir gesehen, daß vieles im karmischen Ausleben darauf beruht, wie die Durchdringung des Seelischen und des Materiellen stattfindet. Wir haben auch gesehen, wie ein gewisser Krankheitsprozeß, der in einer Inkarnation auftritt, sich darstellt als die karmische Folge von Verfehlungen, welche die Seele in früheren Verkörperungen begangen hat, indem die Seele damals ihre Taten, Erlebnisse und Impulse in sich verarbeitet und dann auf dem Wege zwischen Tod und neuer Geburt die Tendenz auf- genommen hat, dasjenige, was früher bloß als ein Merkmal, als ein Einfluß des Seelischen sich abgespielt hat, hineinzudrängen in das Körperliche, in das Materielle. Und indem dann die menschliche Wesenheit durchtränkt wird von einem solchen Seelischen, das den luziferischen oder ahrimanischen Einfluß in sich aufgenommen hat, wird gerade dadurch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|189}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
das menschliche Materielle verdorben. Darinnen liegt ja dann der Krankheitsverlauf. Daher können wir sagen: In einem kranken Leibe steckt ein verdorbenes Seelisches, das einen unrichtigen Einfluß erfahren hat, einen luziferischen oder ahrimanischen Einfluß; und in dem Augenblick, wo wir den luziferischen oder ahrimanischen Einfluß aus dem Seelischen herausbringen könnten, würde die richtige Durchdringung von Seele und Leib eintreten, das heißt, es würde Gesundheit eintreten. - Wir müssen also fragen: Wie verhält es sich mit diesen zwei Wesensgliedern des irdischen menschlichen Daseins, welche uns da vor Augen treten, mit der Materie und dem Seelischen? Was sind sie in ihrem tieferen Wesen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn diese Frage aufgeworfen wird, so hat der heutige Mensch gewöhnlich die Meinung, daß die Antwort auf die Frage: Was ist Materie? Was ist Seele? - überall inderWelt gleich ausfallen müßte;und ich glaube nicht, daß es einem Menschen leicht würde, sich mit der Meinung bekanntzumachen, daß für Wesen, welche auf dem alten Monde gelebt haben&amp;gt; die Antwort auf die Frage: Was ist Materie? Was ist Seele? - ganz anders hätte ausfallen müssen als für Wesen, welche auf der Erde leben. Aber das Dasein ist so sehr in Entwickelung, daß sich selbst solche Dinge ändern wie die Vorstellungen, welche sich ein Wesen machen kann von den tieferen Grundlagen seines eigenen Wesens. Und so ändert sich auch dasjenige, was als Antwort gegeben werden muß auf die Frage: Was ist Materie? Was ist Seele? Es ist daher von vornherein zu betonen, daß die Antworten, die gegeben werden, nur Antworten sind, welche der Erdenmensch geben kann und die nur für diesen Erdenmenschen eine Bedeutung haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
«Materie&amp;gt; wird ja der Mensch zunächst nach dem beurteilen, was ihm in der Außenwelt an den verschiedenen Wesenheiten und Dingen entgegentritt und was auf ihn in irgendeiner Weise Eindruck macht. Der Mensch findet dann, daß es verschiedene Arten von Materien gibt, und ich brauche ja darin dicht sehr weit auszuholen, denn was darüber zu sagen wäre, wenn wir mehr Zeit hätten, können Sie in allen entsprechenden Trivialschriften finden. Ich sage daher für jetzt genug, wenn ich darauf hinweise, daß sich Materie verschieden darstellt für den Menschen, indem er die verschiedenen Metalle sieht, Gold, Kupfer, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|190}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Blei und so weiter, oder wenn er dasjenige sieht, was nicht in die Reihe der Metalle gehört. Sie wissen auch, daß die Chemie diese Materien nach und nach zurückgeführt hat auf gewisse Grundstoffe der Materie, die sie Elemente nennt. Diese Elemente wurden ja noch bis ins 19. Jahrhundert hinein so angesehen, daß sie Materien sind, die sich nicht weiter zerlegen lassen. Während wir irgendeine Substanz, welche uns als Materie entgegentritt, zum Beispiel Wasser, trennen können in Wasserstoff und Sauerstoff, haben wir in Wasserstoff und Sauerstoff solche Materie vor uns, die nach der Meinung der Chemie des 19. Jahrhunderts nicht weiter zerlegt werden kann. Bis siebzig solcher Elemente hat man unterschieden. Und Sie wissen wohl auch, daß durch die Erscheinungen, welche in Anknüpfung an einige besondere Elemente, zum Beispiel Radium, haben angestellt werden können, oder daß auch in Anknüpfung an mancherlei Erscheinungen der Elektrizitätslehre der Begriff der Elemente verschiedentlich erschüttert worden ist, daß man zu der Ansicht gekommen ist, daß es nur eine vorläufige Grenze der Materie sei, was man als die etwa siebzig Elemente kennt, und daß man die Zerlegbarkeit weiter zurückführen kann auf eine einzige Grundmaterie, die dann nur durch die innere Kombination, durch das innere Wesenselement, das eine Mal sich zu Gold, das andere Mal zu Kalium, Kalzium und so weiter spezialisiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das sind veränderliche wissenschaftliche Theorien. Und geradeso wie sich die wissenschaftlichen Theorien im Laufe von je fünfzig Jahren im 19. Jahrhundert verändert haben, wie es dahin kommen konnte,daß gewisse Physiker in dem, was Materie sein soll, etwas mit Entitäten, mit Wesenheiten zu Bezeichnendes sahen, etwas, was von der Elektrizität hergenommen ist, wie jetzt die Ionentheorie - das sind wissenschaftliche Moden -, ebenso werden in gar nicht so ferner Zeit andere wissenschaftliche Moden existieren, und man wird sich die Materie anders konstituiert denken. Das sind Tatsachen. Die wissenschaftlichen Meinungen sind veränderlich, müssen auch veränderlich sein, denn sie hängen ganz ab von den jeweiligen Tatsachen, die gerade auf ein Zeitalter besonders signifikant wirken. Dagegen hat die geisteswissenschaftliche Lehre durch alle Epochen hindurchgehend, so lange es Erdenkulturen gibt - und sie wird so lange hindurchgehen, solange es eine &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|191}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erdenkultur geben wird -, immer eine einheitliche, gleiche Anschauung gehabt über das Wesen des materiellen Daseins, über die Materie. Um Sie auf das zu führen, was die Geisteswissenschaft als das Wesentliche der Materie, des Materiellen ansieht, möchte ich folgendes sagen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie kennen den ganz gewöhnlichen Vorgang: wenn wir Eis haben, ist das ein fester Körper, eine feste Materie. Diese Materie ist nicht fest durch ihre eigentliche Wesenheit, sondern sie ist eine feste Materie nur durch äußere Umstände. Sie ist sofort keine feste Materie mehr, wenn wir die Temperatur in entsprechender Weise erhöhen; da ist sie eine flüssige Materie. Wie sich eine Materie in der äußeren Welt darlebt, das hängt also nicht ab von dem, was in ihr selber ist, sondern von den ganzen Verhältnissen des umgebenden Weltalls. - Dann können wir weiter dieser Materie Wärme zuführen, und aus dem Wasser wird von einem bestimmten Punkt ab Dampf. So haben wir Eis, Wasser, Dampf und haben durch die Erhöhung der Temperatur der Umgebung etwas herbeigeführt, was wir bezeichnen können als «die Materie in den verschiedensten Formen». So haben wir an der Materie, wie sie sich uns darstellt, nicht nach einer innerlichen, sie konstituierenden Wesensart zu unterscheiden, sondern wir müssen uns klar sein, daß die Art, wie Materie uns entgegentritt, von der Art der Gesamtkonstitution des Weltalls abhängt und daß man nichts vom ganzen Weltall in einzelne Materien trennen darf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun liegen allerdings die Dinge so, daß die Methoden der heutigen Wissenschaft überhaupt nicht ausreichen, um zu dem zu kommen, wozu Geisteswissenschaft kommen kann. Es kann die heutige Wissenschaft mit ihren Mitteln die Materie, die in der Form eines Stückes Eis durch Temperaturerhöhung erst flüssig und dann dampfförmig wird, niemals so weit führen, daß sie bis zu dem auf der Erde als letzten erreichbaren Zustand kommt, in welchen jede Materie überzuführen ist. Es ist nicht möglich, heute mit wissenschaftlichen Mitteln solche Verhältnisse her- beizuführen, wodurch etwa gezeigt werden könnte: Wenn du Gold nimmst und es immer weiter verdünnst, so weit als du es nur auf der Erde verdünnen kannst, dann kommst du zuletzt zu diesem oder jenem Zustand. Wenn du mit Silber dasselbe machst, ist es ebenso, bei Kupfer auch, und so weiter. - Die Geisteswissenschaft kann das, weil sie zuletzt &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|192}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
fußt auf den hellseherischen Forschungsmethoden. Dadurch ist sie im- stande, eines zu beobachten: Wie in den, man könnte sagen, Zwischen- räumen unserer Materien immer sich ein Gleiches überall findet, ein Gleiches, welches in der Tat die äußerste Grenze darstellt, zu dem überhaupt Materie gebracht werden könnte, was für eine Materie es auch immer sein mag. Es gibt wirklich einen für hellseherische Forschung erreichbaren Auflösungszustand aller Materie, wo sich alle Materie in einem dabei Gleichen zeigt; nur ist das, was da auftritt, nicht mehr Materie, sondern etwas, was jenseits aller spezialisierten Materien liegt, die uns umgeben. Und jede einzelne Materie stellt sich dann dar als ein aus dieser Grundmaterie - es ist ja keine Materie mehr - Kondensiertes, Verdichtetes, ob Sie Gold, Silber oder was immer für eine Materie haben. Es gibt ein Grundwesen unseres materiellen Erdenseins, von dem alles Materielle nur durch Verdichtung zustande gekommen ist. Und auf die Frage: Was ist das für eine Grundmaterie unseres Erdendaseins? - antwortet die Geisteswissenschaft: Jede Materie auf der Erde ist kondensiertes Licht! Es gibt nichts im materiellen Dasein, was etwas anderes wäre als in irgendeiner Form verdichtetes Licht. Daher sehen Sie, daß es für denjenigen, der die Tatsachen kennt, nicht eine Theorie zu begründen gibt wie etwa die Schwingungshypothese des 19.Jahrhunderts, in welcher man versuchte, Licht darzustellen mit Mitteln, die selber gröber sind als das Licht. Licht ist nicht auf etwas anderes in unserem materiellen Dasein zurückzuführen. Wo Sie hin- greifen und eine Materie anfühlen, da haben Sie überall kondensiertes, zusammengepreßtes Licht. Materie ist ihrem Wesen nach Licht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit haben wir vom geisteswissenschaftlichen Standpunkt aus auf die eine Seite der Sache hingewiesen. Wir haben also dasjenige, was allem materiellen Dasein zugrunde liegt, im Lichte zu sehen. Und wenn wir den materiellen Menschenleib ansehen, so ist auch er, insofern er materiell ist, nichts anderes als aus Licht Gewobenes. Insofern der Mensch ein materielles Wesen ist, ist er aus Licht gewoben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nunmehr nehmen wir die andere Frage: Was ist das Wesen des Seelischen? - Wenn wir in ähnlicher Weise mit geisteswissenschaftlichen Mitteln das Substantielle, das wirkliche Grundwesen des Seelischen erforschen würden, so würde sich uns darstellen - so wie alles Materielle &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|193}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nur zusammengepreßtes Licht ist -, daß alle noch so verschiedenen seelischen Erscheinungen auf der Erde sich uns ergeben als Modifikationen, als mannigfaltige Umformungen dessen, was genannt werden muß, wenn wir die Grundbedeutung dieses Wortes wirklich erfassen: Liebe. Jede Regung seelischer Art, wo sie auch immer auftritt, ist in irgendeiner Weise modifizierte Liebe. Und wenn wir Inneres und Äußeres beim Menschen gleichsam ineinandergesteckt haben, ineinandergeprägt haben, so haben wir seine äußere Leiblichkeit gewoben aus Licht, sein inneres Seelisches haben wir gewoben in einer vergeistigten Weise aus Liebe. Liebe und Licht sind in der Tat in allen Erscheinungen unseres Erdendaseins irgendwie ineinandergewoben. Und wer geisteswissenschaftlich die Dinge zu begreifen hat, der fragt in allererster Linie: Wie sind in irgendeinem Grade Liebe und Licht ineinander verwoben?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Liebe und Licht sind die zwei Elemente, die zwei Komponenten, die alles Erdendasein durchsetzen: Liebe als seelisches Erdendasein, Licht als äußeres materielles Erdendasein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun aber tritt gerade jetzt dasjenige ein, daß für die beiden Elemente Licht und Liebe, die sonst eigentlich nach dem großen Gange des Weltendaseins nebeneinanderstehen würden, ein Vermittler da sein muß, der das eine Element in das andere hineinverwebt, der Licht in Liebe hineinverwebt. Das muß eine Macht sein, welche sozusagen kein besonderes Interesse hat an der Liebe, die also hineinverwebt in das Element der Liebe das Licht - die nur Interesse daran hat, dem Lichte die größtmögliche Ausbreitung zu geben, die also Licht hineinstrahlen läßt in das Element der Liebe. Eine solche Macht kann keine Erden- macht sein, denn die Erde ist gerade der Kosmos der Liebe. Die Erde hat die Mission, die Liebe überall hineinzuverweben. Also alles, was mit dem Erdendasein so recht verknüpft ist, hat kein Interesse, das nicht irgendwie von der Liebe berührt sein würde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein solches Interesse aber haben die luziferischen Wesenheiten; die sind gerade auf dem Monde zurückgeblieben, auf dem Kosmos der Weisheit. Sie haben besonders das Interesse, Licht in Liebe hineinzuweben. Daher sind in der Tat die luziferischen Wesenheiten überall am Werke, wo unser Inneres, das eigentlich aus Liebe gewoben ist, irgendwie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|194}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
in Zusammenhang tritt mit dem Lichte, wo es in, irgendeiner Form vorhanden ist; und Licht tritt uns ja in allem materiellen Dasein entgegen. Kommen wir nur irgendwie mit dem Licht in Zusammenhang, so treten die luziferischen Wesenheiten auf, und es verwebt sich das Luziferische in die Liebe. Dadurch ist der Mensch im Laufe der Verkörperungen überhaupt erst in das luziferische Element hineingekommen: Luzifer hat sich verwoben mit dem Elemente der Liebe. So daß in dasjenige, was aus Liebe gewoben ist, sich hineinpreßt das Element des Luzifer, das uns allein dasjenige bringen kann, was die Liebe nicht nur eine restlose Hingabe sein läßt, sondern was die Liebe durchsetzt mit Weisheit, so daß sie eine aus einem Innersten mit Weisheit durch- setzte Liebe ist. Denn sonst, ohne diese Weisheit, wäre die Liebe eine selbstverständliche Kraft, für die der Mensch nicht verantwortlich sein könnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So aber wird die Liebe zur eigentlichen Ich-Kraft, in die hineinverwoben wird das luziferische Element, das sonst nur draußen im Materiellen war. Dadurch wird es erst möglich, daß unser Inneres, dem im Erdendasein das Merkmal der Liebe in allem Umfange zukommen müßte, durchsetzt wird von all dem andern, was wir als ein Wirken des Luzifer bezeichnen können und was von dieser Seite her zu einer Durchdringung des äußeren Materiellen führt, so daß Liebe nicht nur von dem durchwoben wird, was vom Licht gewoben ist, sondern daß solche Liebe entsteht, die von Luzifer durchzogen ist. Indem der Mensch das luziferische Element aufnimmt, durchwebt er das materielle Dasein in seiner eigenen Leiblichkeit mit einem solchen Seelischen, das zwar aus Liebe gewoben ist, wo aber hineinverwoben ist das luziferische Element. Die mit dem luziferischen Element durchsetzte Liebe, die sich in das Materielle hineinimprägniert, das ist die von innen heraus wirkende Krankheitsursache. Und in Anknüpfung an alles, was wir früher angeführt haben als eine notwendige Folge der aus dem luziferischen Element herrührenden Erkrankung, dürfen wir jetzt sagen: Was wir als eine solche Folge im Schmerz zu sehen haben - wir haben ja gesehen, wie der Schmerz eine Folge des luziferischen Elementes ist -, das zeigt uns die Wirkung der karmischen Gesetzmäßigkeit in der Weise, daß die Wirkung einer Tat oder einer Versuchung, die von Luzifer her- &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|195}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
rührt, sich karmisch dergestalt aus lebt, daß im Schmerz sich kundgibt, was zur Überwindung der betreffenden Wirkung führen soll.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie ist es nun aber damit, ob wir in einem solchen Falle helfen dürfen? Dürfen wir hier helfen? Dürfen wir alles, was sich aus dem luziferischen Element hineingedrängt hat mit seinen ganzen Folgen in den Schmerz, in irgendeiner Weise beseitigen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der Antwort auf die Frage nach dem Wesen des Seelischen ergibt sich uns als Notwendigkeit, daß wir das nur tun dürfen, wenn wir für einen Menschen, der das luziferische Element als Krankheitsursache in sich hat, das Mittel finden, um das Luziferische in der entsprechenden Weise zu vertreiben. Was ist das für ein Mittel allein, was stärker wirken muß, damit das luziferische Element in der richtigen Weise entfernt wird? Was ist verunreinigt durch das luziferische Element unserer Erde? - Die Liebe! Daher können wir nur durch Zuführung von Liebe wirkliche Hilfeleistung haben, damit das karmische Element sich in der entsprechend richtigen Weise abspielt. So haben wir letzten Endes bei allem, was in dieser Richtung zu Krankheitsursachen wird, in dem Element der Liebe, das beeinträchtigt worden ist im Seelischen durch den luziferischen Einfluß, etwas zu sehen, dem wir etwas zuführen müssen. Wir müssen Liebe einflößen, damit das, was als Liebestat einfließt, eine Hilfe sein kann. Diesen Charakter zugeführter Liebe haben alle diejenigen Heilungstaten, die sich mehr oder weniger auf das stützen, was man psychische Heilungsprozesse nennen kann. In irgendeiner Form hängt das, was bei psychischen Heilungsprozessen angewendet wird, zusammen mit der Zuführung von Liebe. Liebe ist es, was wir als Balsam dem andern Menschen einflößen. Auf Liebe muß es zuletzt zurückgeführt werden können. Und das kann es auch. Auf Liebe kann es zurückgeführt werden, wenn wir einfache psychische Faktoren in Bewegung setzen, wenn wir einen andern veranlassen, vielleicht auch nur sein herabgedrücktes Gemüt in Ordnung zu bringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das muß alles seinen Impuls in der Liebe haben, von einfachen Heilprozessen ausgehend bis zu dem, was heute oft in laienhafter Weise mit dem Namen «Magnetisieren» benannt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was wird dabei in Wirklichkeit von dem Heiler demjenigen mit- geteilt, der geheilt werden soll? Es ist - wenn wir mit einem Ausdruck &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|196}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der Physik sprechen wollen - ein «Austausch von Spannungen». Was in dem Heiler lebt, namentlich gewisse Prozesse im Ätherleibe&amp;gt; das wird dadurch, daß es in ein gewisses Verhältnis tritt zu dem, der geheilt wer&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
den soll, in eine Art Polarität gebracht zu dem zu Heilenden. Polarität wird hervorgerufen gerade so, wie Sie sonst in einem abstrakteren Sinne Polarität hervorrufen, wenn Sie die eine Art von Elektrizität, die positive, hervorrufen und die entsprechend andere, die negative, in einer gewissen Weise erscheint. Es werden Polaritäten hervorgerufen. Und das ist im eminentesten Sinne als eine Opfertat aufzufassen. Man ruft in sich selber in der Tat einen Prozeß hervor, der nicht nur dazu bestimmt ist, in uns selber eine Bedeutung zu haben - sonst ruft man nur einen Prozeß hervor; in diesem Fall soll aber der Prozeß dazu bestimmt sein, in dem andern eine Polarität zu dem ersten Prozesse hervorzurufen. Und diese Poiarität, die natürlich davon abhängt, daß der Heiler und der zu Heilende in irgendeinem Sinne in Zusammenhang gebracht werden, diesen andern Prozeß in dem andern hervorzurufen, ist im eminentesten Sinne die Hinopferung einer Kraft, die nichts anderes ist als umgewandelte Liebeskraft, Liebestat in irgendeiner Form. Das ist das eigentlich Wirkende bei solchen psychischen Heilungen: die in irgendeine Form umgewandelte Liebeskraft. Und wir müssen uns daher klar sein, daß ohne die zugrunde liegende Liebeskraft die Sache immer etwas haben wird, was nicht zu dem richtigen Ziele führen kann. Aber Liebesprozesse brauchen ja nicht immer nur so zu verlaufen, daß sich der Mensch dessen im gewöhnlichen Tagesbewußtsein vollständig bewußt ist; sie verlaufen auch in den unterbewußten Schichten. Sogar in dem, was als Technik der Heilprozesse angesehen werden kann, selbst in der Art, wie man zum Beispiel die Handstriche macht, wie sie technisch in ein System gebracht werden, auch da liegt schon darinnen, daß sie ein Abbild sind einer Opfertat. Also selbst da, wo wir nicht unmittelbar in einem Heilprozesse den Zusammenhang erblicken, wo wir nicht sehen, was getan wird, liegt doch vor eine Liebestat, wenn sie auch ganz und gar in Technik umgewandelt ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So sehen wir, daß wir deshalb, weil das Seelische im Grundwesen Liebe ist, mit psychischen Heilfaktoren eingreifen können, die scheinbar sehr nach der Peripherie des menschlichen Wesens liegende Prozesse &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|197}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sein können, und daß durch solche Heilfaktoren das, was im Grund- wesen Liebe ist, sich bereichert mit dem, was es braucht als Liebe. Da sehen wir die Hilfe von der einen Seite, die Hilfe, die wir leisten dürfen,weil wir dem Menschen Beistand gewähren müssen, damit er, nachdem er in die Fangarme Luzifers gekommen ist, sich auch wieder aus ihnen befreien kann. Weil das Grundwesen des Seelischen Liebe ist, dürfen wir sehr wohl das Karma in seiner Richtung beeinflussen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun - nach der andern Seite - fragen wir, was ist geworden aus dem aus Licht gewobenen Materiellen, wo das Seelische darinnensteckt? Was ist geschehen mit dem aus Licht gewobenen Materiellen des Menschen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen wir die Körperlichkeit eines Menschen, den äußeren Menschen in seiner materiellen Leiblichkeit.Würde nicht aus dem Seelischen heraus durch den karmischen Prozeß in das Materielle eingeprägt sein eine solche Liebessubstanz, die von Luzifer oder Ahriman durchsetzt wäre, würde nur eine reine Liebessubstanz ein fließen, dann würden wir diese Liebessubstanz nicht als verunreinigend, als verschlechternd empfinden können für die aus Licht gewobene Materie. Würde bloß Liebe einfließen in die Materie, so würde sie so ein fließen in die menschliche Leiblichkeit, daß diese nicht verschlechtert werden könnte; nur weil Liebe ein fließen kann, welche luziferische oder ahrimanische Kräfte aufgenommen hat, kann die aus Licht gewobene Materie schlechter werden, als sie ursprünglich sein sollte. Also kann es nur herrühren von den während der aufeinanderfolgenden Inkarnationen in die Menschen eingeflossenen luziferischen oder ahrimanischen Schädigungen, daß wir in der menschlichen Organisation etwas vor uns haben, was nicht so ist, wie es sein sollte. Wäre es so, wie es sein sollte, so würde es die gesunde Menschenmaterie darstellen; aber da es die Wirkungen Ahrimans und Luzifers in sich aufgenommen hat, kann es krankes Leibliches sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie können wir nun von außen herausbringen die entsprechenden Einflüsse, die von innen durch ein nicht richtiges Seelisches, durch eine nicht richtige Liebessubstanz eingeflossen sind? Was geschieht denn mit dem Leiblichen dadurch, daß etwas Unrichtiges einfließt? Für die Geisteswissenschaft geschieht dadurch etwas, was aus gewobenem Lichte in irgendeiner Weise sein Gegenteil macht. Licht hat sein Gegenteil in einer irgendwie gearteten Finsternis. Alles, was sich real - so sonderbar &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|198}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
es auch klingt - als die Verunreinigung dessen darstellt, das aus Licht gewoben ist, ist eine aus ahrimanischem oder luziferischem Einfluß hineingewobene Finsternis oder Dunkelheit. So sehen wir im menschlichen Materiellen hineingewobene Finsternis. Aber diese Finsternis wurde erst dadurch hineinverwoben, daß diese menschliche LeiblichkeitTräger wurde von dem, was sich als «Ich» durch die Inkarnationen hindurchlebt. Das war früher nicht darinnen. Nur ein menschliches Leibliches kann gerade spezifisch diese Verschlechterungen haben. Die waren früher nicht in dem, was das Licht gewoben hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun nimmt der Mensch heute die Grundlage zum Materiellen aus dem, was er im Verlaufe der Entwickelung nach und nach aus sich herausgesetzt hat. Das ist das Tierreich, das pflanzliche und das mineralische Reich. Diese enthalten auch die verschiedenen Materien, das heißt für das Erdendasein aus Licht Gewobenes. Aber in all diesen Materien ist noch nicht das da rinnen, was im Verlaufe des menschlichen Karma hat vom Inneren des Menschen hineinkommen können in das menschliche materielle Dasein. Wir haben also in den drei Reichen um uns herum etwas, auf das der Mensch durch seinen luziferischen oder ahrimanischen Einfluß von sich aus, insofern er von seiner Liebessubstanz aus wirkt, niemals hat verunreinigend wirken können. Da drinnen ist nichts von ihm, so daß in seiner Reinheit hat ausgebreitet werden können dasjenige, was in bezug auf seine Reinheit beim Menschen- verunreinigt ist. Wenn wir zum Beispiel draußen eine mineralische Materie haben, ein Salz oder etwas anderes, so ist das eine Materie, die der Mensch auch in sich trägt oder tragen kann; bei ihm ist sie aber durchwoben von dem, was wir die von Ahriman oder Luzifer verunreinigte Liebessubstanz nennen können. Draußen aber ist sie rein. So unterscheidet sich jede Substanz draußen von dem, was der Mensch als Substanz in sich trägt. Draußen ist es immer anders, als es im Menschen ist, weil es bei ihm durchwoben ist vom ahrimanischen und luziferischen Einfluß. Das ist der Grund, warum für alles, was der Mensch mehr oder weniger an seiner äußeren Substantialität verderben kann, draußen etwas zu finden sein muß, was das Entsprechende im reinen Zustande darstellt, ohne daß die menschliche Schädigung darinnen ist. Was draußen existiert in der Welt ohne Schädigung, das ist das äußere Heil- &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|199}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
mittel für das entsprechend Geschädigte. Führen Sie das der menschlichen Wesenheit zu in richtiger Weise, dann haben Sie das Spezifikum für die entsprechende Schädigung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da haben Sie ganz objektiv dasjenige, was Sie dem menschlichen Leib als Heilmittel zuführen. Da haben Sie charakterisiert die Schädigung als spezifizierte Dunkelheit, dasjenige, was noch nicht dunkel ist, als das außen gewobene reine Licht - und Sie sehen, warum Sie die im Menschen befindliche Dunkelheit, die dunkle Materie, aufheben können, wenn Sie ihm reine, aus Licht gewobene Materie beibringen können. So haben wir in der reinen, aus Licht gewobenen Materie ein spezifisches Heilmittel gegen die Schädigung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es handelt sich nun darum - und oft wurde darauf aufmerksam gemacht, daß es ein Irrtum ist, dem gerade die Theosophie nicht verfallen darf-,daß es eine Engherzigkeit wäre, wenn man leugnen wollte, daß es eigentlich doch in solchen Fällen etwas gibt, was man bei dieser oder jener Schädigung als ein auf dieses oder jenes Organ wirksames spezifisches Heilmittel verabreichen kann. Es wurde freilich oft gesagt, daß der Organismus die Kräfte habe, sich zu helfen; aber wenn auch das richtig ist, was dieWiener Schule der nihilistischenTherapie geltend gemacht hat: durch die Aufrufung der Gegenkräfte den Heilprozeß einzuleiten -, so können wir dennoch durch spezifische Mittel dem Heilprozeß entgegenkommen. Hier sehen wir einen Parallelismus herrschen, den man aus der Geisteswissenschaft heraus schildern kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus dem, was ich geschildert habe zum Beispiel über Diphtherie, können Sie entnehmen, daß es sich dabei um etwas handelt, was ganz besonders in der karmischen Ursache den astralischen Leib getroffen hat. Nun finden wir etwas, was diesem astralischen Leib am nächsten verwandt ist, in der Umgebung des Menschen, in dem Tierreich. Daher werden Sie bei denjenigen Krankheitsformen, die dem astralischen Leib eminent nahe stehen, immer finden, daß die Heilwissenschaft unbewußt, aus einem dunklen Triebe heraus, nach Mitteln sucht, die aus dem Tierreich hergenommen sind. Bei solchen Krankheiten, deren Ursache im Ätherleib liegt, greift die Heilwissenschaft nach Mitteln aus dem Pflanzenreich. Und es könnte jetzt ein interessanter Vortrag gehalten werden zum Beispiel über die Beziehung der Digitalis purpurea &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|200}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
zu gewissen Herzkrankheiten. Das sind Dinge, die, insofern sie auf Wirklichkeit beruhen, nicht bloß fünf Jahre richtig sind und dann anfangen falsch zu werden, wie ein Mediziner sagte und wie es tatsächlich der Fall ist, wann nur aus äußeren Symptomen geschlossen wird. Aber es gibt einen gewissen Schatz von Heilmitteln, der immer auf irgendeinen Zusammenhang mit der Geisteswissensc1iaft zurück- geht, der sich vererbt hat, ohne daß die Leute wissen, woher er gekommen ist. Ebenso wie es heute die Astronomen nicht wissen, daß die Kant-Laplacesche Theorie aus den Geheimschulen des Mittelalters gekommen ist, so wissen es die Leute nicht, woher die eigentlichen Heilschätze oft stammen. - Und Krankheitsursachen, die mit der Wesenheit des physischen Leibes zusammenhängen, führen dann zur Anwendung von Heilmitteln aus dem Mineralreich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Selbst durch diese analogen Anschauungen kann also ein Fingerzeig auf die Sache gegeben werden. Daher ist für den Menschen durch den Zusammenhang mit der uns umgebenden Welt die Möglichkeit vor- handen, daß ihm von zwei Seiten her geholfen wird: indem man ihm auf der einen Seite modifizierte Liebe beibringt in den psychischen Heilprozessen, oder anderseits in der verschiedensten Weise modifiziertes Licht bei jenen Prozessen, die irgendwie mit äußeren Heilprozessen zusammenhängen. Alles, was getan werden kann, wird entweder mit inneren psychischen Mitteln, mit Liebe, oder mit äußeren Mitteln, mit irgendwie verdichtetem Licht, geleistet. Und wenn einmal die Wissenschaft so weit sein wird, daß sie lernen wird, an das Übersinnliche zu glauben und an den Satz: Materie ist irgendwie kondensiertes Licht -, dann wird von diesem Grundsatz aus ein geistiges Licht geworfen werden auf das systematische Suchen nach der Art, wonach mit äußeren&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mitteln dem Menschen geholfen werden kann. Daraus sehen wir, wie in dem, was während langer Zeiträume aus den Geheimschulen des alten Ägypten und des alten Griechenland heraus nach und nach dem Heilschatze zugefügt worden ist, nicht nur ein bloßer Unsinn steckt, sondern daß in den Sachen überall ein gesunder Kern vorhanden ist. Theosophie ist nicht dazu da, um eine gewisse Partei zu ergreifen, um etwa zu sagen: Das ist eine Richtung, die bringt dem Menschen Gift bei! - Das Wort Gift wirkt ja heute geradezu suggestiv, und die Leute &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|201}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
denken nicht daran, wie relativ dieses Wort ist. Was ist denn eigentlich ein Gift? Jeder Stoff kann ein Gift sein. Es kommt nur auf die Heilweise an und auf die Menge, die auf einmal genossen wird. Wasser ist ein starkes Gift, wenn man zehn Liter auf einmal genießt. Diese Wirkung, innerlich chemisch erfaßt, unterscheidet sich gar nicht besonders davon, daß man dem Menschen irgendeinen an,dern Stoff zu führt. Es kommt immer auf die Menge an, denn alle diese Begriffe sind relativ.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus dem, was wir heute durchschaut haben, können wir sagen: Wir können froh sein, daß selbst für das, was sich der Mensch an Schädigung einverleiben kann, in alledem, was uns als Natur umgibt - wie wir jetzt den Weltprozeß ansehen -, das Gesundende sich irgendwie finden muß, so daß der Mensch die Schädigung wieder überwinden kann. Und das ist auch ein schönes Gefühl, das wir gegenüber der Außenwelt haben können: Wir können uns nicht nur über die Außenwelt freuen, weil sie uns sprießende Blumen schenkt oder uns im Lichtglanz die Berge erstrahlen läßt, sondern wir können uns auch deshalb über sie freuen, weil alles um uns herum in einer so innigen Beziehung steht zu dem, was im Menschen selbst als gut oder böse bezeichnet werden kann. Wir können uns in der Natur nicht nur über das freuen, was uns zunächst anspricht; sondern je tiefer wir eindringen in das, was sich bis zum äußeren materiellen Dasein verdichtet hat, desto mehr werden wir finden: Diese uns erfreuende Natur hat in sich zugleich den mächtigen Heiler für alles&amp;gt; was sich der Mensch als Schädigung zuführen kann, irgendwie ist der Hei 1er in der Natur verborgen. Es handelt sich nur darum, die Sprache des Heilers nicht bloß zu verstehen, sondern ihr auch zu gehorchen und sie wirklich auszuführen. Und heute haben wir in den meisten Fällen aus dem Grunde nicht die Möglichkeit, der Sprache der heilenden Natur zu gehorchen, weil die Verkennung des Lichtes, weil die Finsternis, die sich auch in die Erkenntnis hineingemischt hat, in vieler Beziehung Zustände herbeigeführt hat, welche es nicht gestatten, der reineR Sprache der Natur zu folgen. Und so müssen wir uns darüber klar sein: Wo in einem Falle keine Hilfe geleistet, wo ein Leiden wegen karmischer Zusammenhänge nicht gemildert werden kann, würde das nicht bedeuten, daß es absolut nicht gemildert werden könnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
So sehen wir auch hier wieder einen merkwürdigen Zusammenhang, der uns doch wieder die ganze große Welt einschließlich des Menschen ais ein Wesen erscheinen läßt. In dem Satze: Materie ist gewobenes Licht, Seelisches ist in irgendeiner Weise verdünnte Liebe -, liegen die Schlüssel für unzählige Geheimnisse des Erdendaseins. Die gelten aber nur für das Erdendasein und für kein anderes Gebiet desWeltendaseins. Damit haben wir ja nichts Geringeres gezeigt, als daß wir, wenn wir dem Karma irgendeine Richtungsänderung geben, uns in dem einen oder andern Falle mit dem verbinden, was gerade die zusammensetzen- den Elemente unseres Erdendaseins sind: auf der einen Seite mit dem zur Materie gewordenen Licht, auf der andern Seite mit der zum Seelischen gewordenen Liebe. Wir entnehmen das Heilmittel entweder aus der Umgebung, aus dem dichtgewordenen Licht oder aus unserer ei- genen Seele, aus der heilenden Liebestat, Opfertat, und heilen dann mit der au der Liebe gewonnenen seelischen Kraft. Wir verbinden uns mit dem, was auf der Erde im tiefsten Inneren berechtigt ist, wenn wir uns auf der einen Seite verbinden mit dem Licht, auf der andern Seite mit der Liebe. Alle Erdenzustände sind irgendwie Gleichgewichtszustände zwischen Licht und Liebe. Und ungesund ist eine Störung in dem Gleichgewicht zwischen Licht und Liebe. Ist irgendwo die Störung in der Liebe, so können wir helfen, indem wir die Kraft der Liebe selbst entfalten; und ist die Störung im Lichte, so können wir helfen, indem wir uns im Weltall irgendwie dasjenige Licht verschaffen, welches die Finsternis in uns aufheben kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da haben Sie die Grundelemente des menschlichen Helfens. Sie zeigen, wie alles im Erdendasein auf Gleichgewichtslagen beruht von einander entgegengesetzten oder einander gegenüberstehenden Elementen. Licht und Liebe sind eigentlich sich gegenüberstehende Elemente. Aber auf ihrem Ineinanderverwobensein beruht zuletzt alles, was in unserem Erden leben an Seelischem und an Materiellem vor sich geht. Daher dürfen wir uns nicht wundern, wenn auf allen Gebieten des Menschenlebens von Epoche zu Epoche die Fortentwickelung so geschieht, daß gleichsam die Gleichgewichtslage nach der einen Seite besonders ausschlägt und dann nach der andern Seite wieder versucht wird, sie einzurenken, wenn also unsere Entwickelung so verläuft, daß &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|203}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sie einem Wellenschlage gleicht. In der Tat gleicht unsere Entwickelung einer Art Wellenschlag: sie geht herunter und sie geht hinauf, und es wird immer der gestörte Gleichgewichtszustand ausgeglichen durch das, was nach der andern Seite wieder den entsprechend andern, über die Gleichgewichtslage hinausgehenden Pendelschlag bedeutet. Wenn Sie darauf eingehen, daß es sich im Menschenleben überall handelt um eine Störung des Gleichgewichtes nach der einen oder andern Richtung, dann werden Sie finden, wie Sie dadurch selbst die intimsten Kulturprozesse in irgendeiner Weise beleuchten können. Wenn Sie eine Zeitepoche betrachten, wo in der menschlichen Entwickelung gewisse Schädigungen dadurch eingetreten sind, daß die Menschen nur auf das Innere gesehen haben und nicht auch auf das Äußere, wie zum Beispiel im Mittelalter, wo bei der starken Blüte der Mystik das Äußere unberücksichtigt geblieben ist und auch zu Mißverständnissen nicht nur im Erkennen, sondern auch im Handeln geführt hat, so sehen Sie dann auf der andern Seite jene Zeit folgen, in welcher man die Mystik absolut nicht ertragen kann, dafür aber den Blick in die Außenwelt richtet, um alles zu tun, was das Pendel wieder nach der andern Seite ausschlagen läßt. Da haben Sie Übergänge zwischen Mittelalter und neuerer Zeit. Und Sie werden in der mannigfaltigsten Art solche Störungen der Gleichgewichtslage finden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dabei möchte ich anführen, daß in der Tat in solchen Zeiten wie den unsrigen eine charakteristische Eigenschaft vieler Menschen sich darin zeigt, daß sie völlig vergessen und ganz aus der Aufmerksamkeit verlieren, was man nennen könnte ein Bewußtsein von einer übersinniichen Welt. Das heißt, es gibt in unserer Zeit zahlreiche Menschen, die völlig außer acht lassen, daß es eine geistige Welt gibt, und die also die Gedanken an die geistige Welt ablehnen. In einer solchen Zeit - und überhaupt in solchen Zeiten - ist immer auch in einer gewissen Beziehung das Gegenbild davon vorhanden. Ich möchte das in einer ganz einfachen Weise charakterisieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn es Menschen auf dem physischen Plane gibt, die sich so sehr in das Physische verstricken, daß sie das Geistige ganz und gar vergessen, dann haben jene Menschen, die zwischen Tod und neuer Geburt in der geistigen Welt leben, auf der andern Seite dafür den entgegengesetzten &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|204}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Drang, der hervorgerufen ist wie durch ein Karma, das vom physischen Plan hinüberwirkt auf den geistigen Plan: den Drang nämlich, in irgendeiner Weise sich mit Dingen zu beschäftigen, die aus der geistigen Welt in die physische hinein spielen. Das liegt in der Tat zugrunde man- cherlei Hereinwirkungen in die physische Welt von seiten von Menschen, die in der Zeit vor einer neuen Geburt stehen. In die physische Welt wirken dann diese Menschen so hinein, wie sich eben gerade die Mittel ergeben, auf dem Umwege über solche Menschen, die im höheren Maße diesen Einflüssen aus der geistigen Welt zugänglich sind. - Hat man auf diesen Gebieten Klarheit zu bringen, so wird man ja vieles ablehnen müssen, was von dieser oder jener Seite her erzählt wird als Offenbarungen der geistigen Welt von Menschen, die zwischen Tod und neuer Geburt stehen. Und man wird die charakteristischen Fälle gut heraussondern können, wo die Toten - um das Pendel nach der andern Seite ausschlagen zu machen - sehr stark darauf verfallen, irgendwie den Menschen handgreiflich zu zeigen: Es gibt doch eine geistige Welt! Dafür, daß es in unserer Zeit Menschen gibt, die völlig umnachtet sind, die so viel Finsternis in ihr Geistiges hineinverwoben haben, daß sie gar nichts wissen wollen von der geistigen Welt, dafür gibt es Tote, welche aus diesem Mangel heraus den Drang haben, hineinzuwirken in die physische Welt. Am meisten geschehen solche Dinge, wenn von den Menschen auf dem physischen Plan gar nichts dazu getan wird. Und am charakteristischsten sind die Dinge, die sich ohne künstliche Versuche anbieten, die sozusagen auftreten als Kundgebungen aus der geistigen Welt. Daher der Zusammenhang von Menschen auf dem materialistischen Felde auf der einen Seite, und der Drang, der besteht, von der geistigen Welt aus belehrend hereinzuwirken auf der andern Seite.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie werden vieles, was dafür Beleg sein kann, finden in dem Buche unseres Freundes Ludwig Deinhard «Das Mysterium des Menschen». Da ist vieles zusammengestellt und systematisiert von dem, was Sie gerade brauchen und was heute in der Literatur, wo sie wissenschaftlich ist, so zerstreut ist, daß nicht für jeden möglich ist, es sich zusammenzuholen. Daher ist es sehr schön, daß Sie in diesem Buche eine Zusammenstellung haben gerade dieser Seite der geisteswissenschaftlichen Tatsachen, die, wie Sie jetzt sehen, im eminenten Sinne sogar &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|205}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
charakteristisch sind für unsere Zeit. Insbesondere finden Sie darin mit großem Glück verzeichnet eine charakteristische Tatsache von einem Forscher, welcher in seinem hiesigen Erdenleben alles mögliche versuchte, um auf dem Wege der materialistischen Methode zum Beweise von der geistigen Welt zu kommen - der verstorbene Frederick Myers - und der dann nach seinem Tode den starken Drang fühlte, dasjenige, was er hier angestrebt hat, durch Hereinstrahlungen aus der geisötigen Welt, mit Hilfen aus der geistigen Welt, hier den Menschen zu zeigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das sollte eine Illustration sein zu dem Satze, daß wir in der Welt und dem Weltendasein zu sehen haben fortwährende Störungen von Gleichgewichten und wiederum das Suchen von Gleichgewichten. Im Erdendasein haben wir als tiefste Elemente dieses sich immerfort störenden und wiederherstellenden Gleichgewichtes die beiden Elemente Licht und Liebe. Und im menschlichen Karma wirken nun von Inkarnation zu Inkarnation die beiden Elemente Licht und Liebe ausgleichend auf die gestörten Gleichgewichtslagen. Denn im Grunde genommen haben` wir in dem durch alle Inkarnationen sich durchschlängelnden Karma gestörte Gleichgewichtslagen, und in Licht und Liebe haben wir den fortwährenden Versuch, das Gleichgewicht wiederherzustellen. Bis einst in ferner Zukunft der Mensch in dem Durchgehen durch seine Inkarnationen endlich dahin gekommen sein wird, einen letzten, durch die Erde erreichbaren Gleichgewichtszustand auszubilden, der dahin führen wird, daß die Menschheit die Erdenmission erfüllt haben wird und das Erdendasein sich in eine neue planetarische Form hinüber- entwickeln wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So habe ich versucht, etwas auseinanderzusetzen, ohne das eine tiefere Begründung der karmischen Zusammenhänge und Gesetze nicht möglich ist. Ich habe mich darum auch nicht gescheut, die geheöimnisvollen Grundlagen, für die unsere heutigeWissenschaft noch lange nicht reif sein wird, einmal heute abzuhandeln: daß Materie in Wahrheit verwobenes Licht ist und daß Seelisches in irgendeiner Beziehung verdünnte Liebe ist. Das sind alte okkulte Sätze, aber Sätze, die für alle folgenden Zeiten wahr bleiben werden und die sich fruchtbar erweisen werden in der Menschheitsentwickelung nicht nur für die Erkenntnis, sondern auch für das menschliche Wirken und Handeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|205}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= ELFTER VORTRAG Hamburg, 28. Mai 1910 =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vieles wäre noch zu sagen über die verschiedenen Offenbarungen des Karma. Aber da wir heute die letzte unserer Betrachtungen haben und die Zeit überhaupt für ein so reiches Thema notwendigerweise kurz sein mußte, so werden Sie es begreiflich finden, daß mancherlei von dem zu Besprechenden, mancherlei vielleicht auch von dem, was Ihnen als Fragen auf der Seele liegt, diesmal nicht seine Erledigung finden kann. Aber unsere Bewegung wird ja weitergehen, und wir werden das, was bei einem Kursus notwendigerweise unerledigt bleiben muß, bei einem andern weiter ausführen und erledigen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was Ihnen wiederholt vor die Seele getreten sein wird, das ist, daß der Mensch die karmische Gesetzmäßigkeit als etwas erlebt, was sozusagen in jedem Augenblick, in dem er lebt, etwas vollkommen Bestimmtes ist, so daß wir in jedem Augenblick unseres Lebens zurückblicken können auf das, was wir durchgemacht haben, was wir getan&amp;gt; gedacht, gefühlt haben in den Inkarnationen, die der betreffenden vorangegangen sind, in welcher wir unsere Betrachtungen anstellen. Und immer werden wir finden, daß unser augenblickliches menschliches inneres und äußeres Schicksal dadurch gefaßt werden kann, daß wir sozusagen eine Art «Lebenskonto» haben, wo wir alle klugen, verständigen, weisen Erlebnisse auf die eine Seite schreiben, und alles Unverständige, alles Böse und Häßliche auf die andere Seite. Auf irgendeiner Seite wird sich dabei ein Überschuß ergeben, und der bedeutet in einem Augenblicke des Lebens auch das Schicksal dieses Augenblickes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun können verschiedene Fragen dabei auftauchen, und die nächste muß die sein: Wie verhält sich das, was die Menschen in ihrem Zusammenleben tun, was sie vollbringen als menschliche Gemeinschaft, zu demjenigen, was wir das individuelle Karma des einzelnen Menschen nennen? Wir haben diese Fragen von andern Seiten her schon berührt. Wenn wir auf irgendein Ereignis der Geschichte zurückblicken, zum Beispiel auf die Perserkriege, so können Sie unmöglich glauben, daß dieses Ereignis, zunächst von griechischer Seite aus ancharakteristisch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|206}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sind für unsere Zeit. Insbesondere finden Sie darin mit großem Glück verzeichnet eine charakteristische Tatsache von einem Forscher, welcher in seinem hiesigen Erdenleben alles mögliche versuchte, um auf dem Wege der materialistischen Methode zum Beweise von der geistigen Welt zu kommen - der verstorbene Frederick Myers - und der dann nach seinem Tode den starken Drang fühlte, dasjenige, was er hier angestrebt hat, durch Hereinstrahlungen aus der geis`tigen Welt, mit Hilfen aus der geistigen Welt, hier den Menschen zu zeigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das sollte eine Illustration sein zu dem Satze, daß wir in der Welt und dem Weltendasein zu sehen haben fortwährende Störungen von Gleichgewichten und wiederum das Suchen von Gleichgewichten. Im Erdendasein haben wir als tiefste Elemente dieses sich immerfort störenden und wiederherstellenden Gleichgewichtes die beiden Elemente Licht und Liebe. Und im menschlichen Karma wirken nun von Inkarnation zu Inkarnation die beiden Elemente Licht und Liebe ausgleichend auf die gestörten Gleichgewichtslagen. Denn im Grunde genommen haben` wir in dem durch alle Inkarnationen sich durchschlängelnden Karma gestörte Gleichgewichtslagen, und in Licht und Liebe haben wir den fortwährenden Versuch, das Gleichgewicht wiederherzustellen. Bis einst in ferner Zukunft der Mensch in dem Durchgehen durch seine Inkarnationen endlich dahin gekommen sein wird, einen letzten, durch die Erde erreichbaren Gleichgewichtszustand auszubilden, der dahin führen wird, daß die Menschheit die Erdenmission erfüllt haben wird und das Erdendasein sich in eine neue planetarische Form hinüber- entwickeln wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So habe ich versucht, etwas auseinanderzusetzen, ohne das eine tiefere Begründung der karmischen Zusammenhänge und Gesetze nicht möglich ist. Ich habe mich darum auch nicht gescheut, die geheöimnisvollen Grundlagen, für die unsere heutigeWissenschaft noch lange nicht reif sein wird, einmal heute abzuhandeln: daß Materie in Wahrheit verwobenes Licht ist und daß Seelisches in irgendeiner Beziehung verdünnte Liebe ist. Das sind alte okkuite Sätze, aber Sätze, die für alle folgenden Zeiten wahr bleiben werden und die sich fruchtbar erweisen werden in der Menschheitsentwickelung nicht nur für die Erkenntnis, sondern auch für das menschliche Wirken und Handeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|207}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gesehen, etwas darstellt, was nur in das Schicksalsbuch der einzelnen Menschen zu schreiben wäre, die auf dem äußeren physischen Plan als zunächst daran beteiligt zu gelten haben. Denken Sie an alle die Führer der Perserkriege, an alle die Menschen, welche sich damals aufgeopfert haben, denken Sie an alles, was von den Führern bis zu dem einzelnen damals im griechischen Heere getan worden ist: Werden Sie jemals, wenn Sie nur einigermaßen vernunftgemäß ein solches Ereignis auf sich wirken lassen, das, was die einzelnen Menschen damals getan haben, bei jedem einzelnen Menschen nur auf das karmische Konto dieser einzelnen Persönlichkeiten schreiben können? Unmöglich werden Sie das können. Denn Sie werden unmöglich sich vorstellen können, daß bei den Ereignissen, die ein ganzes Volk oder einen großen Teil der zivilisierten Menschheit angehen, nichts anderes geschieht, als daß jede einzelne menschliche Individualität nur ihr Karma auslebt. Und so müssen Sie im Verlauf der geschichtlichen Entwickelung immer wieder von Ereignis zu Ereignis gehen, und Sie werden sehen, daß innerhalb der Menschheitsentwickelung selber Sinn und Bedeutung zu finden sind, daß aber solche Ereignisse nicht eines sein können mit dem individuellen Karma des einzelnen Menschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir können eine Angelegenheit wie die Perserkriege auf unsere Seele wirken lassen und uns dann fragen: Was haben sie im Entwickelungsgang der Menschheit für eine Bedeutung? Im Orient hatte sich eine gewisse Kultur entwickelt, die große, gewaltige Lichtseiten hatte. Aber wie jedes Licht seine Schatten mit sich bringt, so müssen wir uns auch klar sein, daß die ganze Kultur des Orients nur dadurch für die Menschheit zu erreichen war, daß auch mancherlei Schattenseiten, die nicht in der menschlichen Entwickelung hätten weitergeführt werden dürfen, sich in jene Kultur hineingedrängt haben. Vor allem war eine solche Schattenseite die, daß der Orient den Drang hatte, durch äußere, rein auf dem physischen Plan liegende Machtmittel sich immer mehr zu vergrößern. Wäre dieser Vergrößerungstrieb nicht erstanden, so wäre natürlich die ganze orientalische Kultur nicht zustande gekommen. Eines ist nicht ohne das andere zu denken. Aber damit die Menschheit sich weiterentwickeln konnte, mußte aus ganz andern Voraussetzungen heraus sich zum Beispiel die griechische Kultur entwickeln. Die griechische&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|208}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kultur hätte aber nicht einen unmittelbaren Anfang nehmen können, sie mußte gewisse Voraussetzungen a,nderswoher bekommen. Und sie hat in der Tat wichtige Voraussetzungen aus der orientalischen Kultur entlehnt. Verschiedene Sagen von Heroen, die von Griechenland hinüberzogen nach dem Orient, stellen nichts weiter dar, als daß Schüler gewisser griechischer Schulen hinübergezogen waren nach dem Orient und den Griechen jene Güter gebracht haben, die nur innerhalb der orientalischen Kultur gewonnen werden konnten, die dann aber weitergepflegt und umgewandelt werden konnten durch das, was aus dem griechischen Volkscharakter, durch das griechische Volkstalent sich herangebildet hatte. Aber dazu mußte aus diesen herübergebrachten Gütern ausgemerzt werden, was ihre Schattenseite war: der Drang, durch rein äußere Machtmittel sich so nach dem Westen hinüber auszudehnen, wie sie waren. Das Römertum, das später entstand als das Griechentum, und alles, was die weiteren Voraussetzungen waren für die Weiterentwickelung der europäischen Menschheit, das hätte sich nicht herausbilden können, wenn nicht die Griechen sich den freien Boden geschaffen hätten für die Fortentwickelung der orientalischen Kultur, wenn sie nicht die Perser und das, was dazugehört, zurück- geschlagen hätten. So konnte filtriert werden, was in Asien geschaffen worden war, indem man die Asiaten zurückschlug.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von diesem Gesichtspunkt aus sind viele Ereignisse in der Weltentwickelung zu betrachten, und man bekommt dann ein eigentümliches Bild. Wenn wir bei einem Vortragszyklus, der drei bis vier Jahre dauern würde, diesen Gedanken nur für die uns geschichtlich überlieferten Dokumente der Menschheit ausführen könnten, so würde sich uns etwas ergeben, was wir wirklich nennen könnten einen Plan in der Entwickelung der Menschheit. Wir würden dann einen solchen Plan überschauen und uns sagen: Dies mußte errungen werden; das hatte diese Schattenseiten, die wieder ausgemerzt werden mußten; das errungene Gut mußte einem andern übergeben und dort weiter ausgebildet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf dieseWeise würden wir einen Plan der Menschheitsentwickelung herausbekommen und würden bei Besprechung dieses Planes eigentlich gar nicht auf den Gedanken verfallen können: Wie ist denn das zustande&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|209}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gekommen, daß zum Beispiel gerade Xerxes oder Miltiades oder Leonidas dieses oder jenes individuelle Karma hatten? Dieses individuelle Karma müssen wir als etwas betrachten, was für sich entschieden und hineinverflochten werden muß in den Plan der Menschheitsentwickelung. Anders ist die Sache durchaus nicht zu fassen. Und so ist es auch für die geisteswissenschaftliche Anschauung. Wenn aber das der Fall ist, müssen wir sagen: In diesem planvollen Fortgang der Menschheitsentwickelung müssen wir für sich etwas sehen, was in ähnlicher Weise in sich zusammenhängt, wie die karmischen Ereignisse im individuellen Menschenleben zusammenhängen. Und dann können wir weiter fragen: Was hat ein solcher Plan in der ganzen Menschheitsentwickelung für eine Beziehung zum einzelnen individuellen Karma des Menschen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Betrachten wir zunächst einmal das, was man nennen könnte das Geschick in der menschlichen Entwickelung selber. Wenn wir zurückblicken, sehen wir, wie Kultur nach Kultur, Volksentwickelung nach Volksentwickelung aufsteigen. Wir sehen weiter, wie Volk für Volk dieses oder jenes Neue leistet, wie etwas bleibt als Unvergängliches aus den einzelnen Volkskulturen, wie aber geradezu die Völker sterben müssen, um das Volksgut, die Errungenschaften der einzelnen Völker zu retten für die entsprechend späteren Epochen der Menschheitsentwickelung. Da müssen wir doch verständlich finden, was die Geisteswissenschaft zu sagen hat, daß in diesem fortlaufenden Gang der Menschheitsentwickelung genau zwei Strömungen zunächst zu unterscheiden sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Betrachten Sie im ganzen Gang der Menschheitsentwickelung das, was wir als fortlaufende Strömung ansehen können, innerhalb welcher sich Welle nach Welle entwickelt, wobei aber das errungene Gut der vorangegangenen Welle für die nachfolgende erhalten bleibt. Wir würden ein Bild davon bekommen, wenn wir hinschauen auf die erste Kultur der nachatlantischen Zeit, auf das, was im alten Indertum an Großartigkeit geleistet worden ist. Wenn wir dieses Großartige aber vergleichen mit dem schwachen Nachklang, der in den Veden davon enthalten ist, die zwar immer noch bewundernswürdig sind, aber eben doch nur ein schwacher Abglanz sind von dem, was die Rishis geleistet haben und was uns die Geisteswissenschaft von dem großen Kultureinschlag der Inder berichtet, dann werden wir sagen müssen: Es war &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|210}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die ursprüngliche Größe dessen, was dieses Volk für die Menschheit zu leisten hatte, schon im Niedergange, als man daran ging, in jenen herrlichen dichterischen Darstellungen dieses Kulturgut der Menschheit aufzubewahren. Aber was die indische Kultur zunächst zu leisten hatte, das floß hinein in den ganzen Gang der Menschheitsentwickelung. Und nur unter dieser Voraussetzung konnte sich das später entwickeln, was wieder ein junges Volkstum brauchte - nicht ein altgewordenes Volk. Es mußten zuerst die Inder zurückgedrängt werden auf die südliche Halbinsel, und es entwickelte sich dann in Persien die Weltanschauung des Zarathustra. Was hatte diese Weltanschauung an Großem in der Zeit, als sie entstand - und wie war sie in verhältnismäßig gar nicht langer Zeit verfallen bei dem Volke, das sie geschaffen! Wir haben dann beim Ägyptertum und Chaldäertum denselben Vorgang. Dann sehen wir das Hinübergehen orientalischerWeisheit nach Griechenland, und sehen, wie die Griechen zurückschlagen das, was auf dem äußeren physischen Plan das Orientalische ist. Wir sehen dann, wie in den Schoß des Griechentums aufgenommen wird, was der ganze Orient geleistet hat, und wie es verwoben wird mit mancherlei, was bis dahin in andern europäischen Gebieten geleistet worden ist. Daraus wird dann ein neuer Kultureinschlag geschaffen, welcher auf vielen Umwegen fähig geworden ist, den christlichen Impuls aufzunehmen und ihn nach dem Westen weiterzuverpfianzen. Und so würden wir auch späterhin einen fortlaufenden Kulturstrom finden, in welchem wir Glied an Glied anreihen können, und jedes folgende Glied erscheint uns zugleich als eine Fortsetzung des vorhergehenden und immer als etwas Neues, was der Menschheit gegeben werden mußte. Aber woraus mußte das hervorwachsen,was sich so von Epoche zu Epoche weiterentwickelt?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denken Sie an alles, was jedes einzelne Volk mit seinem Kulturgebiet erlebt! Denken Sie an alles, was in jedem einzelnen Volke vorgegangen sein muß als eine Summe von Gefühlen und Empfindungen bei unzähligen Menschen, von Wünschen und Enthusiasmus für das, was als das am höchsten Begehrenswerte erscheinen muß und was gerade auf diesem Gebiete als Kultureinschlag gegeben werden soll! Denken Sie, wie die Seelen der einzelnen Menschen bei dem einzelnen Kultureinschlag mit dem, was sie wünschen und erstreben, ganz dabei sein &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
müssen! Und außerdem war notwendig durch unzählige Jahrhunderte der Menschheitsentwickelung hindurch, daß die Völker, wie sie die einzelnen aufeinanderfolgenden Kultureinschläge entwickelten, immer in einer Art Illusion lebten - in der Illusion, daß jedes solche Volk gerade den Kulturschatz, den es selber auszuarbeiten hatte, als etwas Ewiges und Unvergängliches betrachtete, was nimmermehr von ihm genommen werden könnte. Dadurch erst war das hingebungsvolle Arbeiten der einzelnen Völker an der Kultur möglich, daß diese Illusion immer wieder und wieder auftauchte: daß das, was da geschaffen wurde, mit allem, was daran hing, einen ewigen Bestand haben würde. Auch heute ist diese Illusion ja vorhanden; und wenn man sich ihr auch nicht mehr in so positiver Weise hingibt und von der «Ewigkeit» dieser oder jener Kultur redet, so ist sie doch in der Form vorhanden, daß man nicht an das Ende denkt - nicht im Kleinen und nicht im Großen -, daß man sozusagen keine Aufmerksamkeit darauf verwendet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da haben Sie zweierlei, was die Volkskulturen brauchten und was im Grunde genommen erst in unserer Zeit anfängt eine Art von Änderung zu erfahren. Denn das erste Gebiet menschlichen Geisteslebens, wo gründlich solche Illusionen nicht mehr erwachen werden, das wird das theosophische Geistesleben sein. Denn es wäre ein arges Mißverständnis, wenn jemand, der fest auf dem Boden unserer Geistesbewegung steht, glauben wollte, daß die Formen, in welche wir unsere Erkenntnisse gießen, daß die Gedankenausführungen, die wir heute geben können, daß das, was wir heute aus unserem theosophischen Denken, Fühlen und Wollen geben können, einen ewigen Bestand hätte. Sehr kurzsichtig wäre es, zu behaupten, in drei Jahrtausenden würde es noch Menschen geben, die genau ebenso sprechen würden von den theosophischen Wahrheiten, wie wir es heute tun. Wir wissen, daß wir durch unsere Zeitverhältnisse veranlaßt sind, etwas von dem fortlaufenden Entwickelungsprodukt in die gegenwärtigen Formen zu prägen und daß unsere Nachfahren in ganz anderen Formen des Erlebens diese Dinge zum Ausdruck bringen werden. Warum ist das so? Aus einem ähnlichen Grunde, weshalb es durch viele Jahrhunderte und Jahrtausende der Menschheitsentwickelung hindurch geschah, daß Volkskultur über Volkskultur die einzelnen Menschen vieles erleben lassen mußte, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
damit der Beitrag sich aus der gesamten Volksentwickelung heraus- bilden konnte. Denken Sie an die unzähligen Erlebnisse, die im alten Griechenland durchgemacht wurden, und denken Sie an das, was sich als Extrakt daraus für die spätere gesamte Menschheit ergeben hat! Da werden Sie sagen: Es steckt noch mehr darin als nur die einzelnen Strömungen. Es geschehen viele Dinge um dieser Kernströmung willen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deshalb haben wir zwei Dinge zu beobachten: Erstens etwas, was entstehen und zugrunde gehen muß, damit aus diesem Ganzen das zweite - der Quantität nach der kleinste Teil - als ein Bleibendes fort- dauern kann. Wenn wir wissen, daß, seitdem das menschliche Einzelkarma besteht, in der Menschheitsentwickelung zwei Mächte wirken, die wir immer wirksam gefunden haben, Luzifer und Ahriman, dann erst werden wir den Fortgang der Menschheitsentwickelung verstehen. Denn das müssen wir zum Plan der Menschheitsentwickelung rechnen, daß zuletzt, wenn die Erde an ihrem Ziel angelangt sein wird, die Ergebnisse, die so aus den einzelnen Kulturen nach und nach der gesamten Menschheitsentwickelung einverleibt werden, fruchtbar gemacht werden für alle einzelnen lndividualitäten, ganz gleichgültig,welche Schicksale sie durchgemacht haben. Auf dieses Ziel blicken wir aber erst da- durch, daß wir die Weltentwickelung in theosophischem Sinne ansehen. Denn man gebe sich keiner Täuschung hin: Solches Ziel in der richtigen Weise zu denken, unter vollem Bestande der menschlichen Individualität, ohne ein Verschwimmen der Individualität in irgendeine nebulose pantheistische Einheit, sondern so, daß die Individualität voll erhalten bleibt und wieder in sie dasjenige einfließt, was sich die Menschheit im Großen erobert hat - klar und scharf kann dieses Ziel erst der theosophischen Seelenkultur vor Augen stehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir also auf die früheren Kulturen zurückblicken, können wir uns von vornherein sagen: Seit überhaupt menschliche Individualitäten sich inkarnieren, sind beteiligt an der Menschheitsentwickelung Luzifer und Ahriman. Luzifer ist daran so beteiligt, daß er an dem fortlaufenden Kulturstrom immer teilzunehmen sucht, indem er sich einnistet in die menschlichen Astralleiber und sie imprägniert mit dem luziferischen Impuls. Das ist, was Luzifer im Gange der Menschheitsentwickelung vollführt; er wirkt hinein in die menschlichen Astralleiber. Die Menschen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
könnten das, was Luzifer ihnen gibt, niemals bloß von denjenigen Mächten erhalten, welche den fortlaufenden, eben charakterisierten Kulturstrom bewirken. Trennen Sie diesen Kulturstrom aus dem ganzen Fortgang der Menschheit heraus, dann haben Sie das, was die normal fortschreitenden Geistwesen der Hierarchien herunterströmen lassen in die Menschheit als immer neue Reichtümer. Indem wir hinauf- schauen zu.den Hierarchien, müssen wir sagen: Diejenigen Geistwesen, welche ihre normale Entwickelung durchmachen, gaben der irdischen Kultur das,was bleibendes Gut der Menschheit ist, was zwar später um- gewandelt wurde, aber doch bleibendes Gut der Menschheit geworden Ist. Es ist gleichsam so, wie wenn wir einen Baum haben und in ihm das Mark. So gewinnen wir einen fortlaufend lebendigen Strom der fort- laufenden Kultur.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch diese Mächte, die eine normale Entwickelung für sich durchmachen, hätte es auf diese Weise geschehen können, daß der Mensch sein Ich immer mehr und mehr erfüllt hätte mit dieser fortschreitenden Bereicherung der menschlichen Entwickelung. Hineinfließen würde von Zeit zu Zeit das, was den Menschen weiterbringt; der Mensch würde sich immer mehr anfüllen mit den Gaben der geistigen Welt, und zuletzt, wenn die Erde an ihrem Ziel sein würde, wäre es selbstverständlich, daß der Mensch alles, was aus den geistigen Welten gegeben worden wäre, in sich hätte. Aber eines wäre nicht möglich: daß der Mensch ureigensten, heiligen Eifer entwickelte, Hingebung und Feuer für das, was da geschaffen wird von Kulturepoche zu Kulturepoche. Aus demselben Untergrunde, aus dem jeder Wunsch und jede Begierde herauswächst, erwächst auch der Wunsch nach den großen Idealen, erwächst auch die Begierde nach Menschenbeglückung, nach Leistungen der Künste in den aufeinanderfolgenden menschlichen Kulturepochen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus demselben Grunde, aus dem verderbliche, nach dem Bösen gehende Begierden erwachsen, erwachsen auch die Bestrebungen nach dem Höchsten, was auf der Erde geleistet werden kann. Und es würde das nicht da sein, für was die menschliche Seele als für ein höchstes Gut entbrennt, wenn es nicht auf der andern Seite möglich wäre, daß dieselbe Begierde auch nach der andern Seite in das Laster und in das Böse hinuntersinken kann. Daß es diese Möglichkeit in der Menschheitsentwik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
kelung gibt, das ist das Werk der luziferischen Geister. So dürfen wir nicht verkennen, daß die luziferischen Geister für die Menschen Freiheit gebracht haben zugleich mit der Möglichkeit des Bösen, freie Empfänglichkeit für das, was sonst in die menschliche Seele nur ein fließen würde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber wir haben auch gesehen, daß alles, was Luzifer herausfordert, seine Antwort findet durch Ahriman. So sehen wir Luzifer mit seinem ganzen Heere wirken in dem, was dann im Konkreten den Einschlag der griechischen Kult`ur der ganzen menschlichen Entwickelung geben soll: in den griechischen Heroen, in den griechischen Helden und Künstlern. Luzifer dringt hinein in die astralischen Leiber, läßt sie entbrennen für das, was sie als das Höchste verehren. So wird dasjenige, was mit dem Griechentum in die Entwickelung ein fließen soll, zugleich zum Enthusiasmus der Volksseele. Gerade da steckt Luzifer darinnen. Und weil Luzifer der Mond-, nicht der Erdentwickelung seine Kraft verdankt, fordert er Ahriman heraus; und indem Luzifer von Zeitepoche zu Zeitepoche seine Tätigkeit entwickelt, gliedert sich Ahriman dazu - und verdirbt dasjenige stückweise, was Luzifer auf der Erde bewirkt hat. - Es ist die Weltentwickelung der Menschen ein fortwährendes Wirken zwischen Ahriman und Luzifer. Wirkte Luzifer nicht in der Menschheit, so fehlte der Eifer und das Feuer für den fortlaufenden Strom der Menschheitsentwickelung; wäre Ahriman nicht da, der von Volk zu Volk wieder zerstört, was nicht aus dem fortlaufenden Strom, sondern nur aus dem luziferischen Einschlag kommt, dann würde Luzifer die Einzelkulturen ewig fortführen wollen. So sehen Sie hier Luzifer seIn eigenes Karma sich heraufbeschwören, das eine notwendige Folge der Entwickelung auf dem alten Monde ist. Und die Folge ist nun, daß er Ahriman immerfort an seine Ferse ketten muß. Ahriman ist die karmische Erfüllung des Luzifer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da blicken wir hinein in das Karma der höheren Wesenheiten an dem Beispiel der ahrimanischen und luziferischen Wesenheiten. Da oben ist auch Karma. Überall ist Karma, wo Iche sind. Und Luzifer und Ahriman bergen natürlich Iche in sich; deshalb können die Wirkungen ihrer Taten auf sie selber zurückschlagen. Auf viele dieser Geheimnisse wird erst im Sommer bei dem Zyklus über die biblische &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Schöpfungsgeschichte hingewiesen werden können; nur auf eine Stelle möchte ich schon hier hinweisen, die Ihnen so recht wird zeigen können, von wie unendlicher Tiefe jedes einzelne Wort in den wahren okkulten Urkunden ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Haben Sie nie darüber nachgedacht, warum in der biblischen Schöpfungsgeschichte am Ende eines jeden Schöpfungstages der Satz steht: «Und die Elohim sahen das Werk, und sie sahen, daß es sehr gut war», daß es «aufs beste war»? Das ist ein bedeutungsvolles Wort. Warum steht es da? Der Satz zeigt ja selber, daß er als eine Charakteristik der Elohim gemeint ist, die sich auf dem Monde in normaler Weise entwickelt haben und deren Gegner Luzifer ist. Es ist etwas, das zur Charakteristik der Elohim gehört, daß sie nach jedem Schöpfungstag sahen, daß es «aufs beste war». Aus dem Grunde wird es angegeben, weil dieser Grad die Errungenschaft der Elohim war. Sie konnten auf dem Monde das Werk nur so lange sehen, als sie es taten, konnten nicht ein nachträgliches Bewußtsein davon haben. Daß sie nachträglich zurück- schauen können im nachschauenden Denken auf das Werk, das ist eine besondere Stufe im Bewußtsein der Elohim. Das war erst auf der Erde möglich; und zwar zeigt sich ihr innerer Charakter darin, daß dasWillensmäßige so herausströmt aus ihrem Wesen, daß,wenn sie es ansahen, sie sahen, daß es aufs beste war. Das waren die Elohim,welche ihrWerk auf dem Monde abgeschlossen hatten und die, wenn sie es auf der Erde hinterher beschauten, sagen konnten:Es kann bleiben, es ist aufs beste! - Dazu mußte aber die alte Mondentwickelung vollendet sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie ist es nun mit den luziferischenWesenheiten, also mit denjenigen Wesenheiten, die ihre Mondentwickelung nicht vollendet haben? Die werden also auf der Erde auch versuchen müssen, ihr Werk hinterher anzuschauen, so zum Beispiel wenn sie den Beitrag gegeben haben an Feuer und Enthusiasmus in der griechischen Kultur. Und sie werden dann sehen, wie es ihnen stückweise Ahriman abgebröckelt hat! Und sie werden sagen müssen, weil sie es nicht vollendet haben: Sie sahen ihr Tagewerk, und sie sahen, daß es nicht zum besten war, daß es ausgelöscht werden mußte!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist die große Enttäuschung der luziferischen Geister, daß sie immer von neuem ihr Werk versuchen, immer von neuem das Pendel &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
nach der andern Seite zum Ausschlag bringen wollen - und immer von neuem ihr Werk durch Ahriman zerstört finden. Sie müssen sich innerhalb der Menschheitsentwickelung ein Auf-und-ab-Wogen denken, ein fortwährendes Anfachen von neuen Kräften durch Wesenheiten, die höher sind als wir selber, und daß diese Wesenheiten fortwährende Enttäuschungen erleben. Das ist enthalten in dem Erleben der luziferischen Geister in der Erdentwickelung. Und dieses Karma mußte die Menschheit in sich aufnehmen, weil der Mensch nur dadurch zur wirklichen Freiheit kommen konnte. Freiheit kann nur dadurch ersprießen, daß der Mensch sich den höchsten Inhalt seines Erden-Ich selber gibt. Dasjenige Ich, das der Mensch haben würde, wenn ihm alle Ziele am Ende der Erdentwickelung gegeben würden, kann nicht frei sein; denn es ist von vornherein bestimmt gewesen, alle Güter der Erdentwickelung in die Menschen ein fließen zu lassen. Frei werden konnte der Mensch nur, indem er zu diesem Ich ein anderes, irrtumfähiges Ich hinzuschafft, das in der Lage ist, immer wieder und wieder nach der Seite des Guten und nach der Seite des Bösen zu pendeln und das immer wieder hinauf- streben kann zu dem, was der Inhalt aller Erdentwickelung ist. Das niedere Ich mußte dem Menschen beigegeben werden durch Luzifer, damit das Hinaufarbeiten des Menschen zum höheren Ich seine ureigenste Tat sein kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nur so ist auch freier Wille in der Menschheit möglich. Freier Wille ist etwas, was sich der Mensch nach und nach erringen kann; denn der Mensch ist dazu so gestellt, daß ihm im Leben der freie Wille als ein Ideal vorschwebt. Wo ist denn in einem Mittelzustand der Entwickelung der menschliche Wille frei? Er ist niemals frei, weil er in jedem Augenblick dem luziferischen und ahrimanischen Element verfallen kann; er ist nicht frei, weil jeder Mensch, wenn er die Pforte des Todes durchschritten hat, in der aufsteigenden Zeit der Läuterung - vielleicht durch Jahrzehnte hindurch - einen ganz bestimmten Eindruck hat. Das ist das Wesentliche des Kamalokalebens, daß wir sehen, in welchem Grade wir selber unvollkommen sind durch das, was wir an Unvollkommenem in der Welt getan haben, daß wir Stück für Stück sehen, in welcher Weise wir unvollkommen geworden sind. Daraus geht dann die entschiedene Absicht hervor, alles wieder auszumerzen, was wir un&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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vollkommen gemacht haben. So ist das Leben in der Kamalokazeit, daß Absicht zu Absicht gefügt wird und der Gesamtentschluß gefaßt wird: Du mußt alles das wieder ausbessern, was du so gedacht und getan hast, daß es dich heruntergebracht hat! - Was der Mensch da fühlt, das prägt er seinem weiteren Leben ein und tritt mit dieser Absicht bei der Geburt ins Dasein - und ladet dadurch sein Karma auf sich. Daher können wir nicht sagen, daß wir, wenn wir durch die Geburt ins Dasein getreten sind, einen freien Willen haben. Einzig und allein können wir davon sprechen, daß wir uns einem freien Willen in dem Maße nähern, als es uns gelungen ist, Herr zu werden über die Einflüsse Luzifers und Ahrimans. Und Herr werden über die luziferischen und ahrimanischen Ein- flüsse können wir durch nichts anderes als durch Erkenntnis. Einmal durch Selbsterkenntnis, indem wir uns immer fähiger machen - auch im Leben zwischen Geburt und Tod -, unsere Schwachheiten in allen drei Seelenmerkmalen kennenzulernen, in Denken, Fühlen und Wollen. Wenn wir uns immer mehr bemühen, uns keiner Illusion mehr hinzu- geben, dann wächst ja in unserem Ich die Kraft, den luziferischen Einfluß entbehren zu können, denn dann werden wir immer mehr fähig, zu entscheiden, welche Hingabe die Güter der Menschheit, die nach und nach erobert wurden, verdienen. Sodann durch Erkenntnis der Außenwelt, die sich ergänzen muß mit der Selbsterkenntnis; beide müssen zusammenwirken. Selbsterkenntnis und Erkenntnis der Außenwelt müssen wir mit unserem Wesen vereinigen; dann werden wir imstande sein, ein klares Verhältnis zu Luzifer zu gewinnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist gerade die Eigentümlichkeit dessen, was wir uns als theosophische Erkenntnis aneignen, daß wir Aufschluß gewinnen darüber, wie weit an jedem menschlichen Tun Neigung und Leidenschaft, Luzifer und Ahriman beteiligt sind. Was haben wir in dieser Reihe von Vorträgen anderes getan, als uns Aufklärung verschafft darüber, wie luziferische und ahrimanische Kräfte in der mannigfaltigsten Weise in unser Leben hineinwirken! In dem gegenwärtigen Zeitalter aber kann die Aufklärung über die luziferischen und ahrimanischen Kräfte beginnen. Und der Mensch muß aufgeklärt sein, wenn er wirklich etwas beitragen will zur Erreichung des Erden-Menschheitszieles. - Wohin Sie den Blick richten, überall wo menschlich gefühlt und gedacht wird, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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können Sie sehen, wie weit die Menschen noch entfernt sind von einer echten, wahren Aufklärung über die Einflüsse Luzifers und Ahrimans. Da sehen Sie den weitaus größten Teil der Menschheit überhaupt keine solche Aufklärung wollen. Da sehen Sie einen großen Teil der Menschen in einen gewissen religiösen Egoismus verfallen: nur ja mit dieser Seele selbst jenen Zustand des Wohlbefindens zu erreichen, den man sich nur vorstellen kann. Das ist ein Egoismus, von dem sich die Menschen gar nicht bewußt sind, daß sich da die größten Begierden hineinmischen können. Und nirgends mischt sich Luzifer mehr in unsere Gefühle hin- ein als da, wo die Menschen aus ihren Leidenschaften und Begierden heraus nach dem Göttlichen streben, ohne das Göttliche durchleuchtet zu bekommen mit dem Licht der Erkenntnis. Glauben Sie nicht, daß Luzifer gerade da vielfach am Werke ist, wo die Menschen glauben, nach dem Höchsten zu streben? Aber die Formen, die in dieser Weise erstrebt werden, werden ebenfalls zu den Enttäuschungen Luzifers gehören müssen. Und diejenigen, die nun glauben, aus den wüsten Begierden diese oder jene Form einer geistigen Kultur erhalten zu können, die immer wieder und wieder predigen, daß diese Theosophie so schlimm ist, weil sie etwas Neues glaubt, die sollten bedenken, daß es nicht vom Menschenwillen abhängt, wenn sich Ahriman an die Fersen des Luzifer heftet. Und was entstanden ist im Laufe der Entwickelung an Formen, das wird, weil Ahriman sich hineinmischt, durch Luzifer auch wieder untergehen. Retten wird sich allein der fortlaufende Strom der Menschheitsentwickelung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So schauen wir dadurch zurück auf eine vorangegangene Entwickelung, wo als Opfer für uns zurückgeblieben sind gewisse Wesenheiten. Wir wissen jetzt, daß diese Wesenheiten ihr Karma ausleben müssen um unsertwillen, damit wir in normaler Weise ausleben können, was diese Wesenheiten uns einflößen können. Ja, wahrhaftig, Jahve hat dem Menschen ursprünglich eingeflößt durch den göttlichen Odem die Fähigkeit zum Ich; aber wäre nur der göttliche Odem gekommen, der im menschlichen Blut pulsiert, und nicht auch das, was immer wieder abirren kann von dem, was der Jahve-Odem geben kann, würden nicht darinnen arbeiten sowohl luziferische wie ahrimanische Impulse, so würde der Mensch zwar das Was erlangen können der Jahve-Gabe, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|219}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
aber nicht das Wie: daß er es mit einem selbstbewußten freien Ich empfindet. So liegt es doch im Sinne der Weltentwickelung, daß gewisse Wesenheiten auf dem alten Monde zurückgeblieben sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir leben heute in einem Zeit~lter, wo wir in der Tat zurückblicken dürfen auf viele Enttäuschungen Luzifers, wo wir aber auch hinblicken können auf eine Zukunft, in der wir immer mehr verstehen lernen, was der fortlaufende Strom der Entwickelung ist. Und Theosophie wird das Instrument sein zum Verständnis für diesen fortlaufenden Strom der Entwickelung, damit wir uns immer bewußter zu den Einflüssen Luzifers stellen können und immer mehr in die Lage kommen können, luziferische Impulse in uns selber zu erkennen und sie in der richtigen Weise nutzbringend für die Menschheitsentwickelung bewußt zu verwerten, während sie vorher in der Menschheit als ein dunkler Drang gewirkt haben, dessen sich der Mensch nicht bewußt war. Und ebenso ist es mit den ahrimanischen Einflüssen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier ist eines derGebiete,wo man darauf aufmerksam machen kann, wie sozusagen gerade in der Gegenwart eine wichtige Entwickelungsepoche der Menschheit vorliegt, nämlich jene Epoche, in der in gewisser Beziehung tatsächlich die Seelenkräfte sich umkehren. Für viele von Ihnen ist es ja schon charakterisiert worden, daß wir vor einer Epoche stehen, in welcher gewisse Menschen, einzelne Menschen, andere Seelenfähigkeiten entwickeln werden als diejenigen, die man heute gelten läßt. Was heute zum Beispiel die Theosophie aus den Erkenntnissen der Geistesforschung heraus zu sagen weiß, daß der Mensch einen Ätherleib hat außer dem physischen Leib, das wissen aus der Anschauung heraus heute nur die, welche eine methodische Schulung durchgemacht haben. Aber noch vor Ablauf der Mitte des 20. Jahrhunderts - das wissen wir aus dem Lesen der Akasha-Chronik - wird es Menschen geben, die eine natürliche Entwickelung haben werden für ein ätherisches Hellsehen und die, weil die Menschheit an diesen Zeitpunkt gekommen ist, wo sich diese Dinge als natürliche Gabe entwickeln werden, als den physischen Leib durchdringend und am Rande über ihn hinausragend den Ätherleib wahrnehmen werden. Wie der Mensch von einem Hineinschauen in die geistige Welt sich herunterentwickelt hat zum heutigen nur äußerlichen physischen Wahrnehmen und verstandesmäßigen &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Begreifen der Außenwelt, so beginnt er sich jetzt zu neuen, aber bewußten Fähigkeiten nach und nach zu entwickeln. Diese neuen Fähigkeiten treten zu den alten hinzu, und eine besondere Fähigkeit wird die sein, die ich so charakterisieren kann:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es wird Menschen geben - einzelne zunächst, denn erst im Laufe der nächsten zwei bis drei Jahrtausende wird sich bei einer größeren Anzahl diese Fähigkeit entwickeln, und die ersten Vorläufer werden da sein noch vor Ablauf der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts -, bei denen wird etw`a folgendes eintreten: Die Menschen werden irgendeine Tat erlebt haben, und sie werden versucht sein, etwas zurückzutreten von der Tat. Sie werden dann ein Bild vor sich haben, das von der betreffenden Tat kommt. Sie werden es zuerst nicht kennen, werden keinen Bezug finden zu dem, was sie getan haben. Aber dann werden sie vielleicht schon etwas von der Geisteswissenschaft gehört haben, und dann werden sie erfahren, daß dieses Bild, das ihnen wie eine Art bewußtes Traumbild erscheint, das Gegenbild der eigenen Handlung ist, das Bild für jene Handlung, die geschehen muß, damit das, was eben getan worden ist, seine karmische Erfüllung findet.&lt;br /&gt;
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So steht die Menschheit in der Tat vor einer Epoche, in der sie anfangen wird, Karma nicht nur zu begreifen nach den Lehren und Darstellungen der Geisteswissenschaft, sondern wo sie anfangen wird, Karma nach und nach zu schauen. Während bisher Karma für die Menschen ein dunkler Drang, eine dunkle Begierde war und erst im nächsten Leben ausgelebt werden konnte, erst im Leben zwischen Tod und neuer Geburt umgewandelt werden konnte in eine Absicht, entwickeln sich allmählich die Menschen dahin, daß sie in die Lage kommen, bewußt die Schöpfungen Luzifers wahrzunehmen, zu sehen, wie sie sich ausnehmen werden in ihren Wirkungen. Allerdings werden mit diesem ätherischen Hellsehen nur diejenigen Menschen etwas anfangen können, die Erkenntnis und Selbsterkenntnis angestrebt haben. Immer mehr und mehr werden die Menschen im normalen Zustande vor sich haben die karmischen Bilder für ihre Handlungen. Das wird etwas sein, was die Menschen immer weiterbringen wird, weil sie dadurch wissen werden, was sie der Welt noch schuldig sind, was in ihrem Karma noch als Schuldkonto dasteht. Das ist es ja, was den Menschen unfrei macht, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
daß er nicht weiß, was er der Welt noch schuldig ist. So darf man also beim Karma gar nicht von vornherein von einem freien Willen sprechen. Das Wort «freier Wille» ist schon falsch; denn man muß sagen: Frei wird der Mensch erst durch seine sich immer steigernde Erkenntnis und dadurch, daß er immer höher steigt und immer mehr hineinwächst in die geistige Welt. Dadurch erfüllt er sich immer mehr und mehr mit dem Inhalt der geistigen Welt und wird immer mehr ein Wesen, das seinen Willen bestimmt. Nicht der Wille kann frei werden, sondern der Mensch als solcher kann frei werden, indem er sich durchdringt mit dem, was er auf dem vergeistigten Gebiet des Weltendaseins erkennen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So blicken wöir auf die Enttäuschungen Luzifers und seine Taten und sagen: So ist seit Jahrtausenden der Grund gelegt zu dem, wo wir stehen; denn würden wir nicht dort stehen, wo wir stehen, so würden wir uns nicht zur Freiheit entwickeln können. Nachdem wir uns aber Aufklärung verschaffen können über Luzifer und Ahriman, können wir ein anderes Verhältnis zu diesen Mächten gewinnen, können die Früchte ziehen von dem, was getan worden ist, können Luzifer und Ahriman sozusagen ihre Arbeiten abnehmen. Da werden sich allerdings die Taten des Luzifer, die er bewirkt hat und die immerfort zu Enttäuschungen geführt haben, wenn sie von uns selbst begangen werden, sich in ihr Gegenteil verkehren müssen. Die Taten Luzifers mußten Begierden erregen, mußten den Menschen hinführen zu dem, was in das Böse einmünden konnte. Wir haben ja gesehen, was für eine gegenteilige Kraft es sein muß, die Luzifer entgegenwirkt: Wenn wir selber Luzifer entgegenwirken sollen, wenn wir seine Angelegenheiten in der Zukunft besorgen sollen, wird es bei uns nur die Liebe sein können&amp;gt; die an die Stelle der Taten des Luzifer treten kann; die Liebe aber wird es sein können. Und ebenso wird es dasjenige sein können, was uns auch aus der Außenwelt fließt, indem wir immer mehr die Dunkelheit wegnehmen, die wir einweben in die äußere Materie. Wenn wir immer mehr diese Dunkelheit hinwegbringen, wenn sie schwindet, und wir dazu gelangen, den ahrimanischen Einfluß auf diese Weise völlig zu überwinden, dann werden wir in der Lage sein, die Welt so zu erkennen, wie sie wirklich als Erdenwelt ist. Dann werden wir uns allmählich nähern solcher Erkenntnis, wie sie heute nur Gut der Geisteswissenschaft sein &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
kann: Wir werden durchdringen zu dem, was die Materie wirklich ist, zu der Natur des Lichtes. Heute gibt sich selbst die Wissenschaft immer noch über die Natur des Lichtes den mannigfaltigsten Täuschungen hin. Mancher glaubt, daß man das Licht mit physischen Augen sieht. Das ist nicht richtig. Mit physischen Augen sieht man nicht Licht, sondern nur beleuchtete Körper; man sieht Farben an den Körpern. Man sieht nicht Licht, sondern man sieht durch das Licht. Alle solche Täuschungen werden weggeräumt sein. Dadurch wird sich verwandeln das Bild der Welt, das notwendigerweise unter dem Einflusse Abrimans von Irrtum durchwoben sein mußte, und es wird sich durchsetzen mit dem Inhalt der Weisheit. Indem der Mensch zum Licht vordringt, wird er selbst das seelische Gegenbild des Lichtes entwickeln. Und das seelische Gegenbild des Lichtes ist die Weisheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dadurch wird Liebe und Weisheit in die menschliche Seele einziehen. Und Liebe und Weisheit werden die praktische Kraft sein, der eigentliche Lebensimpuls, der sich aus der theosophischen Weltanschauung ergeben soll und ergeben wird. Weisheit, die das innere Gegenbild des Lichtes ist, Weisheit, die sich verbinden kann mit der Liebe, und Liebe, die sich mit Weisheit durchdringt, werden den rechten Weg finden, um wieder zurückzuwirken auf das, was in die Weisheit der äußeren Welt eingetaucht ist. Wenn wir nach und nach der andern Hälfte der Entwickelung teilhaftig werden sollen, Luzifer und Ahriman wieder zu überwinden, dann müssen wir uns durchdringen mit Weisheit und Liebe. Indem wir Weisheit und Liebe entwickeln, entwickeln wir diejenigen Elemente, die wieder von unseren Seelen selber ausfließen werden als Gaben für die, die in der ersten Hälfte der Erdentwickelung sich hin- geopfert haben als luziferische und ahrimanische Mächte, um uns das zu geben, was wir zur Erringung unserer Freiheit brauchen. Diesen Mächten werden wir geben müssen, was wir an Weisheit und Liebe so entwickeln werden. Wir müssen uns aber bewußt sein: Weil Leben in der Welt sein muß, müssen wir Kulturen annehmen, die uns Ausdrucksmittel dieses Lebens sind.Wir wollen uns gern und mit Liebe einer theosophischen Kultur hingeben, die nicht ewig sein wird, aber wir wollen es mit Enthusiasmus hinnehmen und mit Liebe das schaffen, wozu wir früher unter dem Einfluß Luzifers getrieben worden sind. Weil wir jetzt &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
erkennen, daß wir aus Liebe das schaffen müssen, wozu wir früher durch den luziferischen Einfluß, durch Begierden und Leidenschaften getrieben werden mußten, werden wir jetzt hinter alldem desto mehr überschüssige Liebe entwickeln. Wenn wir nur die notwendige Liebe entwickeln würden, würden wir es nicht dahin bringen, Kultur über Kultur zu entwickeln. Theosophie soll etwas sein, was jede der Zeit entsprechende Forderung mit Hingabe und Liebe leistet, mit demselben Enthusiasmus, mit dem einst die Menschen unter dem Einflusse Luzifers gewirkt haben.Wir werden nicht mehr die Illusion haben, daß das, was wir tun, ewig dauern wird. Aber indem wir in immer sich steigernder Liebe Kultur über Kultur schaffen, schaffen wir damit überschüssige Liebe. Die kommt Luzifer zugute; dadurch werden auch seine Enttäuschungen gutgemacht. An uns liegt es, daß an Luzifer wieder das gutgemacht werden kann, was er an Enttäuschungen erleiden muß, wenn wir nach der andern Seite das zuruööckgeben,was für uns geleistet worden ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist der andere Teil des Karma der höheren Wesenheiten, daß wir eine Liebe entwickeln, die nicht bloß in der Menschheit bleibt, sondern die dazu berufen ist, in den Kosmos einzudringen. In Wesenheiten, die höher sind als wir, werden wir die Liebe einströmen lassen können, und diese Wesenheiten werden sie als Opfer empfinden. Es wird Seelenopfer sein. Seelenopfer wird hinaufströmen zu denen, die einst ihre Gaben herunterströmen ließen, wie einst die Rauchopfer hinaufstrebten zu den Geistern in Zeiten, wo Menschen die spirituellen Güter noch hatten. Damals konnten die Menschen nur die symbolischen Rauchopfer zu den Göttern hinaufsenden. In der Zukunft werden die Menschen Liebesströme hinaufsenden zu den Geistern, und aus dem Liebesopfer wird wieder etwas herunterströmen: dem Menschen werden zu- strömen höhere Kräfte, die, von Geistigem dirigiert, mit immer größerer Macht eingreifen werden in unsere physische Welt. Das werden dann im wahren Sinne magische Kräfte sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So sehen wir den Gang der Menschheitsentwickelung, indem sich Menschheitskarma und Karma der höheren Wesenheiten auslebt. Und wir begreifen jetzt auch,wie sich der Plan der Entwickelung zum einzelnen menschlichen Karma stellt. Nehmen wir an, eine übermenschliche Individualität hätte im Jahre 1910 dieses oder jenes gewirkt, das dann &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|224}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
auf dem physischen Plan durch einen Menschen ausgeführt wurde, so ist dadurch ein Kontakt geschlossen zwischen dieser übermenschlichen Individualität und dem Menschen. Der Mensch ist dann verwoben in das Karma der höheren Wesenheiten. Das ist eine abgeschlossene Korrespondenz. Dann strnöömt ihm aber zu aus den höheren Welten eine Strömung, die ihm etwas in sein Leben hineinbringt; darin hat er nun einen neuen Posten, der zu seinem Karma hinzugefügt ist und der nach der einen oder andern Seite den Ausschlag gibt. So wird menschliches Karma befruchtet von dem allgemeinen Karma, das durch die Welt strömt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sehen wir zum Beispiel auf Miltiades oder irgendeine andere Persönlichkeit: Da hatten sie zu stehen auf dem großen Plan der Geschichte ihres Volkes, da war dies oder jenes durch das Karma der höheren Mächte bedingt - und da wurden sie hingestellt auf ihren Posten. In ihr einzelkarmisches Konto strömte ein, was der ganzen Menschheit zuteil werden sollte. Und indem sie es ausführten, indem sie Taten und Leistungen daran anschlossen, wurde es ihr Einzelkarma. - So leben und weben wir auch mit unserem einzelnen Karma iön dem Makrokosmos als eine kleine Welt, als ein Mikrokosmos.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit sind wir zwar am Ende des Kursus,wenn auch nicht am Ende der Sache. Aber das geht ja nicht anders. Wenn ich nur mit zwei Worten noch sagen darf, daß ich diese Reihe von Vorträgen, gerade über jene menschlichen Fragen, die so tief das menschliche Herz bewegen können und die doch wiederum mit dem größten Schicksal selbst höherer Wesenheiten zusammenhängen, wenii ich sage, daß ich diesen Kursus gehalten habe wirklich aus tiefster Seele heraus und froh bin, daß es möglich war, in einem theosophischen Zweige auch einmal über diese Dinge zu sprechen, unter theosophischen Freunden, die von allen Seiten herbeigeeiit waren, um sich den Betrachtungen über diese Fragen zu widmen, so spreche ich auch diese Worte aus tiefstem Herzen heraus. Diejenigen, welche Gelegenheit haben werden, weitere Kurse zu hören, werden sehen, daß mancherlei von dem sich beantworten wird, was jemand im Anschluß an diesen Zyklus auf` der Seele haben wird. Aber auch die, welche diese Sommerkurse nicht hören können, werden später Gelegenheit haben, so etwas mit mir zu besprechen. Und so darf ich auch diesmal wieder sagen, daß ich die Dinge, die zu besprechen waren, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|225}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
so entgegengenommen haben möchte, daß sie nicht bloß abstrakte Er- kenntnisse sein sollen, sondern solche, die übergehen in unser ganzes Denken, Fühlen und Wollen, in unser ganzes Leben. So daß man an den Theosophen in der Welt sehen möchte Gleichnis und Bild dessen, was man die tiefsten theosophischen Wahrheiten nennen kann. Versuchen wir, uns ganz zu einem solchen Bild und Gleichnis zu machen; dann erst haben wir in der Welt eine theosophische Geistesströmung. In unserem engen Kreise muß diese theosophische Geistesströmung zunächst Betrachtung der spirituellen Erkenntnis sein. Dann aber müssen - zunächst in unserem Mitgliederkreise - diese Erkenntnisse Gesinnungen werden und als solche der Welt gegenübertreten. Und die Welt wird nach und nach einsehen, daß es nicht umsonst war, daß es um die Wende des 20. Jahrhunderts ehrliche und aufrichtige Theosophen gegeben hat, Leute, die aufrichtig und ehrlich an die Gewalt der spirituellen Mächte geglaubt haben. Und indem sie daran geglaubt haben, sind sie selbst durchsetzt worden mit der Kraft, auch dafür zu wirken. Schneller und schneller wird die Kultur in unserem Leben gehen, wenn Sie selber das, was Sie hören, umwandeln in Gesinnung, in Handlung und Tat. Nicht dadurch, daß wir die Menschen überzeugen! Dazu ist die gegenwärtige Kultur nur wenig geeignet. Wahrhaft überzeugt werden immer nur die werden, die aus tiefstem Drang des Herzens an die Theosophie herankommen; die andern werden nicht überzeugt werden. Dieses Karma haben wir auch in geistigen Kreisen als etwas, was der Materialismus hat hervorrufen müssen, und wir müssen diese Schädigungen als etwas betrachten, demgegenüber Geisteswissenschaft sich erweisen muß als eine geistige Macht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So müssen wir das, was wir der Welt geben können, aus unserer Gesinnung heraus geben. Jeder, der Theosophie in das innere Leben der Seele umgewandelt haben wird, wird ein spiritueller Kraftquell sein. Und wer an das Übersinnliche glaubt, darf durchaus die Überzeugung haben, daß unsere theosophischen Erkenntnisse und Gesinnungen spirituell wirken, das heißt, sich unsichtbar in die Welt hinaus verbreiten, wenn wir uns wirklich zu einem bewußten, von dem theosophischen Leben durchdrungenen Werkzeug machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|226}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= EINLADUNG ZUM VORTRAGSZYKLUS =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Zeit vom 15. bis 28. Mai dieses Jahres wird Dr. RUDOLF STEINER in HAMBURG einen Zyklus von Vorträgen halten über das Thema:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;DIE OFFENBARUNGEN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DES KARMA&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wesen und Bedeutung des Karma In Einzelpersönlichkeit, Individualität, Menschheit, Erde, Welt - Karma und Tierreich. - Krankheit und Oesundhelt In Beziehung zu Karma. - Heilung und Unheilbarkelt In Beziehimg zu Karma. - Natilrliche und zufällige Erkrankungen in Beziehung zu Karma. - Lebeusunfälle In Beziehung zu Karma. - EIernentarereignisse, VulkanansbrUche, Erdbeben, Epldernlen In Beziehung zu Karma. - Karma der höheren Wesenheiten. - Tod und Oeburt Im Verhältnis zu Karma. - Freier Wille und Karma in der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zukunft der Menschheitsentwicklung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir laden alle Mitglieder der Theosophischen Gesellschaft hierzu herzlichst ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Zyklus wird mit einer Pfingstfeier am Pfingstsonntag, abends 6 Uhr, im ,,Patriotischen Hause&amp;quot; (beim alten Rathause) eröffnet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle übrigen Vorträge werden pünktlich abends 8 Uhr im ,,Patriotischen Hause&amp;quot; beginnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|227}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für Dienstag, den 24. Mai, ist ein öffentlicher Vortrag vorgesehen, worüber Näheres noch bekanntgegeben wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anmeldungen zum Besuche des Vortrags.Zyklus werderi bald- möglichst erbeten an Herrn G. F. Scharlau, Hamburg, Repsoldstr. 21 a, woselbst auch die Einiaßkarten gegen Einsendung des auf Mk. 10.- festgesetzten Beitrages zu haben sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auskunft über Wohnungsangelegenheiten erteilt Fräulein Victoria Paulsen, Tarpenbeckstraße 31, Mathildenstift.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir hoffen, recht viele theosophische Freunde bei uns begrüßen zu können und sind&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
mit theosophischem Gruß&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Pythagoras - Zweig, Hamburg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
HAMBURG, März 1910.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|228}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= HINWEISE =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu dieser Ausgabe&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Zyklus «Die Offenbarungen des Karma» fand auf Einladung des theosophischen «Pythagoras-Zweiges» im «Patriotischen Hause» beim alten Rathaus in Hamburg vom 15. bis 28. Mai 1910 statt (siehe Programm S. 226-227). Bemerkenswert ist, daß auf dem im März 1910 vorliegenden Programm die Titel der einzelnen Vorträge genannt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum Thema «Offenbarungen des Karma» siehe auch den Band «Wiederverkörperung und Karma», GA 135, die Vorträge «Das Karma des Berufes des Menschen in Anlmüpfung an Goethes Leben», GA 172, sowie die sechs Bände «Esoterische Betrachtungen karmischer Zusammenhänge», GA 235 bis 240.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum Gebrauch der Worte «Theosophie» und «theosophisch»: Diese Worte sind im Sinne von Rudolf Steiners grundlegendem Werk «Theosophie» (1904, GA 9) zu verstehen. Rudolf Steiner wirkte von 1902 bis 1913 als Generalsekretär der deutschen Sektion der damaligen Theosophischen Gesellschaft (Adyar), dann, als es im Zusammenhang mit Zerfallserscheinungen in dieser Gesellschaft zum Ausschluß der deutschen Sektion kam, im Rahmen der von ihm und anderen begründeten «Anthroposophischen Gesellschaft». Er hli von Anfang an ausschließlich die Ergebnisse seiner Geistesforschung vertreten. «Niemand blieb im unklaren darüber, daß ich in der Theosophischen Gesellschaft nur die Ergebnisse meines eigenen forschenden Schauens vorbringen werde» (aus «Mein Lebensgesang», GA 28). Von einer Ersetzung des Ausdrucks «Theosophie» durch «Anthroposophie», wie sie in den ersten zwei Jahrzehnten nach der Trennung von der Theosophischen Gesellschaft auf Rudolf Steiners eigene Weisung hin vorgenommen worden ist, wurde in dieser Ausgabe Abstand genommen; der Leser muß sich jedoch bewußt sein, daß mit «Theosophie», wie sie hier gemeint ist, die von Rudolf Steiner geschaffene Anthroposophie identisch ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Textgrundlagen: Der Text der vorliegenden Ausgabe ist, abgesehen von geringfügigen Abweichungen, mit dem Text des Manuskriptdruckes von 1911 (Zyklus XII) identisch. Dieser wurde anhand von Teilnehmernachschriften erstellt und vom Vortragenden nicht durchgesehen. Die Originalstenogramme liegen nicht mehr vor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Titel des Bandes und die Titel der Vorträge entsprechen den Titeln des damaligen Vortragszyklus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachweis früherer Veröffentlichungen: 1. Aufl. als Manuskriptdruck (Zyklus XII) in Berlin (I911)~ 2. Aufl. (1. Aufl. in Buchform) Dornach 1932 / 3. Aufl. Dornach 1944 / 4. Aufl. Dornach 1949 (photomechanischer Nachdruck der 3. Aufl.) / 5., durchgesehene, mit den vorhandenen Unterlagen verglichene Aufl., Gesamtausgabe Dornach 1956 / 6., durchgesehene, im wesentlichen unveränderte Aufl. Gesamtausgabe Dornach 1968 / 7., unveränderte Aufl., Gesamtausgabe Dornach 1975.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die im wesentlichen unveränderte 8. Au)!age, 1992, wurde von Robert Friedenthal und Martina Sam durchgesehen, die Hinweise zum Text überarbeitet und erweitert sowie ein Namenregister und ausführliche Inhaltsangaben hinzugefügt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|229}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hinweise zum Text&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Werke Rudolf Steiners innerhalb der Gesamtausgabe (GA) werden in den Hinweisen mit der Bibliographie-Nummer angegeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
zu Seite&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
26 Christoph Kolumbus, 1446-1506, entdeckte 1492 auf der Suche nach einem Seeweg nach Indien zunächst Kuba und Halti, von 1493-1504 auch Mittel- und Südamerika. - Über die Bedeutung der Entdeckung Amerikas für die Menschheit siehe auch den Vortrag vom 25. Juni 1923 in «Rhythmen im Kosmos und im Menschenwesen. Wie kommt man zum Schauen der geistigen Welt?», GA 350.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Entdecker der Dampfmaschine: Dem Eisenhändler Newcomen (1663-1729) gelang zusammen mit seinem Kompagnon Cowley die Konstruktion einer Kolben-Dampfmaschine, die von 1712 an zu pralttischen Zwecken verwendet wurde. James Watt (l73618l9) ermöglichte durch Verbesserungen der Konstruktion eine Nutzung der Dampfmaschine auf breitestem Felde, so daß sie zu einer der Grundlagen der Industrialisierung im 19. Jh. wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
27 johannes Kepler, 1571-1630, Mathematiker, Physiker, Astronom. Er stellte auf den Grundlagen des kopemikanischen Planetensystems und der Beobachtungsdaten seines Lehrers Tycho de Brahe seine drei Planetengesetze auf, mit denen er die Dynamik der Planetenbahnen zu deuten versuchte und das Kräftezentrum in die Sonne verlegte. Vgl. über Kepler auch «Die geistige Führung des Menschen und der Menschheit», GA 15, S. 52 und 83; zu den drei Planetengesetzen «Das Verhältnis der verschiedenen naturwissenschaftlichen Gebiete zur Astronomie», GA 323, insbesondere die Vorträge vom 3. und 4. Januar 1921.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
28 Kepler, sagt von sich selbst: Aus der Vorrede zu Keplers Buch «Harmonices mundi» («Weltharmonik», Linz 1619), 5. Buch: «Die vollkommene Harmonie in den himmlischen Bewegungen und die daher rührende Entstehung der Exzentrizitäten, Bahnhalbmesser und Umlaufszeiten».&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
E,findung des Femrohres: Wohl um das Jahr 1608 in Holland.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
31 Auf diese Tatsache wurde hingewiesen von der Ceisteswissenschaft 1906: Siehe den Vortrag vom 11. Juni 1906, enthalten in GA 94 «Kosmogonie». Vgl. Edouard Schure` «Esquisse d`une cosmogonie psychologique d`apre`s des conferences faites ä Paris en 1906 par Rudolf Steiner», Paris 1928, S. 101.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
32 Zyanverbindungen in der Kometenatmo&amp;amp;phäre: Über die Rolle der Zyanverbindungen und ihrem Vorkommen in der Kometenatmosphäre siehe auch die Vorträge vom l0. Oktober und insbesondere vom 24. Oktober 1923 in «Mensch und Welt. Das Wirken des Geistes in der Natur. Über das Wesen der Bienen.», GA 351. - Über Kome«en im allgemeinen vgl. auch die Vorträge vom 5. März 1910 in «Das Ereignis der Christus-Erscheinung in der ätherischen Welt», GA 118; vom 25. Oktober 1909 und vom 9. März 1910 in «Der Christus-Impuls und die Entwickelung des IchBewußtseins», GA 116; vom 10. April 1912 in «Die geistigen Wesenheiten in den Himmelskörpern und Naturreichen», GA 136; vom 17. November I923 in «Der übersinnliche Mensch anthroposophisch eriaßt», GA 231; vom 18. Januar 1921 in Das Verhältnis der verschiedenen naturwissenschaftlichen Gebiete zur Astronomie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|230}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
«, GA 323, und vom 13. September 1924 in «Die Schöpfung der Welt und des Menschen», GA354.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
32 Halleyscher Komet: So genannt nach dem ersten Berechner seiner Bahn, dem englischen Astronomen Edmund Halley (1656-1742). Ihm war bei seinen Berechnungen aufgefallen, daß die Bahn des großen Komeren von 1682 den Bahnen der Kometen von 1531 und 1607 ähnelte. Daraus schloß er, daß es sich bei allen drei Erscheinungen um ein- und denselben Kometen handeln müsse. Halley sagte seine Wiederkunft entsprechend diesem Zyklus von 75/76 Jahren für 1759 richtig voraus. Somit war der erste periodisch wiederkehrende Komet entdeckt. - Dies war insofern von großer Bedeutung, als damit «die geheimnisvollen Kometen... ihres Nimbus entkleidet und in den Gültigkeitsbereich der allgemeinen Naturgesetze eingereiht worden waren« (Max Gerstenberger, Kometen - Außenseiter am Himmelszelr. Stuttgart 1951).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Außerdem meinte man dadurch zumindest den wiederkehrenden Kometen wie den Planeten eine elliptische Bahn zugrunde legen zu können. - Über die Aufgabe des Halleyschen Kometen siehe auch die Vorträge Rudolf Steiners vom 25. Oktober 1909 und 9. März 1910 in «Der Christus-Impuls und die Enrwickelung des Ich-Bewußtseins«, GA 116, und vom 5. März 1910 in «Das Ereignis der Christus-Erscheinung in der ätherischen Welt«, GA 118.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
35 Cartesius in seinen Gedanken über die Tierwelt: Vgl. «Discours de la methode«, 5. Abschnitt, ferner «Traite` de l`homme» sowie «Primae cogitariones circa generationen animalium».&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
41 Wir wissen, daß unserer Erdenentwickelung vorangegangen ist die Mondentwickelung: Siehe hierzu das Kapitel «Die Weltentwickelung und der Mensch» in Rudolf Steiners «Die Geheimwissenschaft im Umriß», GA 13.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
44 Leidenschaften: Es könnte sich eventuell um einen Hörfehler handeln und statt «Leidenschaften« «Eigenschaften« geheißen haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
57 «wie wir es heute so herrlich weit gebracht haben»: Wagner in Goethes «Faust I«, Nacht, Vers 57fl574: «Verzeiht! es ist ein groß Ergerzen, / Sich in den Geist der Zeiten zu versetzen; / Zu schauen, wie vor uns ein weiser Mann gedacht, / Und wie wir`s dann zuletzt so herrlich weit gebracht. «&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
69 wie unendlich viele Erlebnisse, E,fahrungen und Eindrücke es gar nicht bis zur Vorstellung bringen: Vgl. hierzu auch Rudolf Steiners Vortrag vom 18. April 1918 in «Das Ewige in der Menschenseele. Unsterblichkeit und Freiheit«, GA 67.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
77 joseph Dietl, 18O4~1878, studierte Philosophie und Medizin. Als Krankenhausarzt in Wien beschäftigte er sich vor allem mit der Lungenentzündung und veröffentlichte&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
eine Abhandlung über den «Aderlaß in der Lungenentzündung«. Ab 1865 Professor für innere Medizin in Krakau; daneben auch als Landtags- sowie Reichsragsabgeordneter und als polnischer Schriftsteller tätig. Vertreter eines krassen Nihilismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
joseph Skoda, 1805-1881, bedeutender Intemisr, Professor in Wien. Er beschäftigte sich insbesondere mit den physikalischen Methoden der Krankenuntersuchung; seine Abhandlung «Über Perkussion und Auskultation« (1839) begründete die moderne Diagnostik. In der Therapie dagegen verhielt er sich eher zurückhaltend; zusammen mit Carl Roltitansky (18041878) Hauptrepräsentant der jüngeren «Wiener Schule« in der Medizin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|231}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
92 Wie können wir zu einem karmischen Verständnis auch dann kommen, wenn wir zum Beispiel unter die Räder eines Eisenbahnzuges kommen?: Über die karmischen Zusammenhänge von Zivilisationskatastrophen siehe auch Rudolf Steiners Vortrag vom 29. Juni 1924 in «Esoterische Betrachrungen karmischer Zusammenhänge.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zweiter Band», GA 236.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
105 ein geistreicher Herr: Frederik Troels-Lund (184~1921), dänischer Historiker und Professor an der Militärakademie in Kopenhagen, der den hier erwähnten einzelnen Ansichten über die Herkunft der Krankheiten in seinem Buche «Gesundheit und Krankheit in der Anschauung alter Zeiten» (Leipzig 1901) jeweils ein ganzes Kapitel widmet. Dieses Buch befindet sich in der Bibliothek Rudolf Steiners.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
106 ein geistvoller Mann im 18. jahrhundert: Vermutlich Voltaire; konnte jedoch noch nicht nachgewiesen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
107 Galileo Galilei, 15~l642, italienischer Physiker, Mathematiker und Astronom.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Martin LNther&amp;gt; 14831546, Inaugurator der deutschen Reformation. Vgl. auch Rudolf Steiners Ausführungen über ihn in den Vorträgen vom 11. und 18. September 1917 in «Menschliche und menschheitliche Enrwicklungswahrheiten. Das Karma des Materialismus», GA 176.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
114 in einer Familie wie die des Musikers Bach: Johann Sebastian Bach (1685-1750), der größte Musiker in der Reihe bedeutender Komponisten, die die thüringische «Musikerfamilie« Bach im 17. und 18. Jh. hervorbrachte. Vgl. hierzu auch Rudolf Steiners Vortrag vom 26. November 1906 in «Das Wesen des Musikalischen», GA 283.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
119 Meister Eckart, 125~1327, Dominikaner und bedeutender Denker der deutschen Mystik; in seinem letzten Lebensjahr der Häresie angeklagt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Johannes Tauler, um I30fll36l, Dominikaner, Schüler Meister Eckarts. - Zu Tauler, Meister Eckart und die Mystik im allgemeinen vgl. auch Rudolf Steiners Schrift «Die Mystik im Aufgange des neuzeitlichen Geisteslebens und ihr Verhältnis zur modernen Weltanschauung», GA 7.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und lesen Sie in der «Deutschen Theologie«: «Theologia deutsch - Die lerer gar manchen lieblichen underscheit gotlicher warheit und seit gar hohe und gar schone ding von einem volkomen leben», nach der einzigen bis jetzt bekannten Handschrift hrsg. von Franz Pfeiffer, 2. verbesserte und mit einer neudeutschen Übersetzung vermehrte Auflage 1855.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
120 «Nicht ich, sondern der Christus in mir«: Galater 2, 20 «Ich lebe aber; doch nun nicht ich, sondern der Christus lebt in mir«.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
«Die Geheimwissenschaft im Umr`ß« (1910), GA 13.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
121 «Aus d«`rAkasha-Chronik« (19041908), GA 11.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
l36 Der ahrimanische Einfluß bewirkte dann: In der 7. Auflage 1975 hieß es «Der luziferische Einfluß», was den Korrekturvorschlägen einiger Leser entsprach. Jedoch sind die Herausgeber nach gründlicher Prüfung zu dem Ergebnis gekommen, daß es zweifellos «Der ahrimanische Einfluß» heißen muß, da dies aus dem weiteren Vortrag eindeutig hervorgeht; siehe insbesondere S. 142f. «Was ahrimanischem Einfluß zuzuschreiben ..... .&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|232}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
144 mit der Urkunde des Alten Testamentes: Genesis 3.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
146 daß Wesenheiten ... in ähnlicher Art damals ihre Menschheitsstufe durchgemacht haben: Siehe Kap. «Das Leben auf dem Monde», S. 187ff. in «Aus der AkashaChronik&amp;gt;, GA 11, und das Kap. «Die Weltentwickelung und der Mensch«, S. 208 und 215 in «Die Geheimwissenschaft im Umriß», GA 13.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
158 daß sich im Laufe von zehnjahren seine Physiognomie verändert: Vgl. hierzu auch die Ausführungen Rudolf Steiners über den Zusammenhang der Begriffe mit der Gesichtsphysiognomie im Vortrag vom 30. August 1919 in «Allgemeine Menschen- kunde«, GA293.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
163 Karl der Große 742-814, König der Franken und römischer Kaiser.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aristoteles, 384322, Schüler Platos, Erzieher Alexander des Großen, grundlegend für die kulturelle und wissenschaftliche Entwicklung des Abendlandes waren vor allem seine Werke über die Logik.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Martin Luther, siehe Hinw. zu S. I07.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
164 das Zusammen-Untergehen hei einem Erdbeben: Vgl. hierzu auch die Vorrräge Rudolf Steiners vom 27. und 29. Juni 1924 in «Esoterische Betrachtungen karmischer Zusammenhänge, Zweiter Band«, GA 236.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
165 wir haben ... hingewiesen auf eine Individualität: Siehe hierzu auch die Ansprache Rudolf Steiners vom 28. September 1924 in «Esoterische Betrachtungen karmischer Zusammenhänge, Vierter Band«, GA 238, und die Einzelausgabe von vier Vorträgen «Das Weihnachtsmysterium. Novalis, der Seher und Christuskünder«.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
I77 desto größer wird der Unterschied zwischen Mann und Frau in bezug auf ihr Leben:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über den Gegensatz von Männlichem und Weiblichem vgl. auch die Vorrräge vom 5. und 13. März und vom 10. Mai 1910 in «Das Ereignis der Christus-Erscheinung in der ätherischen Welt», GA 118.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
204 Ludwig Deinhard, 1847-1917, Ingenieur und Industrieller. Mit Hübbe-Schleiden zusammeti ältestes Mitglied der deutschen Theosophischen Gesellschaft und 189496 Leiter eines der ersten theosophischen Zweige in München. Er wirkte seit 1900 mit Günther Wagner für die Bildung einer deutschen Sektion und gehörte 1902 bis 1908 zu deren Vorstand. Nach anfänglichen Bedenken schloß er sich später immer enger an Rudolf Steiner an. Sein Buch «Das Mysterium des Menschen im Lichte der psychischen Forschung. Eine Einführung in den Okkultismus«, Berlin 1910, wurde von Rudolf Steiner sehr geschätzt. Vgl. auch den Vortrag vom 19. Mai 1917 im Band «Mitteleuropa zwischen Ost und West», GA 1 74a, und «Zur Geschichte und aus den Inhalten der ersten Abteilung der Esoterischen Schule 19041914«, GA 264.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
205 Frederick W. H. Myers, 1843-1901, Dichter, Spiritist, SchrifrsteIler, Freund von Sir Oliver Lodge; 1882 einer der Gründer der Sociery for Psychical Research in London. - Über die Vorkommnisse um ihn im Zusammenhang mit Sie Oliver Lodge spricht Rudolf Steiner ausführlich im Vortrag vom 27. November 1916 in dem Band «Das Karma des Berufes«, GA 172.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|233}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
206 Perserkriege: Die von 490449 v. Chr. zwischen Persern und Griechen geführten Kriege; von den Persern unternommen, um die Griechen für ihre Teilnahme am ionischen Aufstand zu bestrafen und zu unrerweifen. Trotz zehnfacher Übermacht wurden die Perser von den Griechen unter Miltiades` Führung 490 bei Marathon geschlagen; die Florte des Perserkönigs Xerxes wurde 480 v. Chr. bei Salamis besiegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
209 Xer:zes, um 520465 v. Chr., Perserkönig, Sohn des Dareios; er zog gegen Hellas, um die Niederlage seines Vaters bei Marathon zu rächen, erzwang den Durchgang durch den von Leonidas besetzten Engpaß Thermopylä, unterlag jedoch ebenfalls in der Schlacht bei Salamis 480.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Miltiades, atbenischer Feldherr, schlug die Perser 490 v. Chr. bei Marathon (siehe Hinw. zu S. 209).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Leonidtis, (~ 480 v. Chr.), spartanischer König, fiel im Kampf mit dem Perserkönig Xerxes um den Engpaß Thermopylä.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
214 im Sommer bei dem Zyklus über die biblische Schöpfungsgeschichte: Elf Vorträge in München vom 16. bis 26. August I910; «Die Geheimnisse der biblischen Schöpfungsgeschichte. Das Sechstagewerk im 1. Buch Moses», GA 122.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
215 in der bab~li~chen Schöpfungsgeschichte: I. Buch Moses (Genesis), 1.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|234}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= NAMENREGISTER =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(* = nicht namentlich erwähnt)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aristoteles 163 Myers, Frederick 205&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bach (Familie) 114 Novalis 165*&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bach, Johann Sebastian 114 Paulus, Apostel 120&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Cartesius, Renatus (Descartes, Prometheus 144&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rene) 35f. Skoda, Joseph 77f., 93&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dietl, Joseph 77, 93? Steiner, Rudolf&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deinhard, Ludwig 204 Werke und Vorträge:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eckart, Meister 1 I9 Aus der Akasha-Chronik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eva 144 (GA 11) 121,146&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Galilei, Galileo 107, l1l Die Geheimwissenschaft im Umriß&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Halleyscher Komet 32 (GA 13) 31, 120, 146&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Karl der Große l63 Die Geheimnisse der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kepler, Johannes 27?, l66f. biblischen Schöpfungsgeschichte&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kolumbus, Christoph 26 (GA 122) 214f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Luther, Martin l07?, l63f. Tauler, Johannes 119&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Leonidas 209 Troels-Lund, Frederik 105&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Miltiades 209, 224 Xerxes 209&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Glossar==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|A}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|A}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ahriman&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|[…] wie in der Tat die beiden Prinzipien, das ahrimanische und das luziferische, im letzten Grunde im Krankheitsverlauf tätig sind. Und es könnte in vieler Beziehung für diese oder jene Krankheitsform gezeigt werden, wie man eigentlich zwei Typen von Krankheiten unterscheiden müßte: ahrimanische und luziferische Krankheiten.|120|88}}{{GS|Da sitzt aber auch das, was man den Zufall nennt. Er sitzt da, wo uns Ahriman am allergefährlichsten wird. Diejenigen Erscheinungen nennt der Mensch zufällig, bei denen er durch den ahrimanischen Einfluß am allerleichtesten getäuscht werden kann.|120|111}}{{GS|[…] zeigen, wie im Inneren des Menschen Luzifer zur Illusion führt und wie Ahriman sich in die äußeren Wahrnehmungen mischt und dort zur Maja führt […]|120|112}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ätherleib&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|[…] wenn der Mensch durch die Pforte des Todes tritt […]  wird das Hauptsächlichste des Ätherleibes als ein zweiter Leichnam abgeworfen; es bleibt jedoch ein Extrakt des Ätherleibes zurück, der mitgenommen wird und erhalten bleibt für alle kommenden Zeiten.|120|67}}{{GS|So sehen wir, daß wir in dem Ätherleib und physischen Leib der Pflanze etwas vor uns haben, was imstande ist, mit inneren Heilkräften zu antworten auf äußere Schädigungen.|120|62}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|B}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|B}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bewusstsein&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Die Erkenntnis eines solchen Zusammenhanges zwischen Ursachen und Wirkungen in unseren einzelnen Lebensabschnitten, die wir durch unser gewöhnliches Bewußtsein überschauen können, kann uns schon im höchsten Grade förderlich sein im Leben.|120|22}}{{GS|Das Bewußtsein, […] das sich ausdehnt […]  auf unser Leben zwischen Geburt und Tod, das entsteht dadurch, daß sich der Mensch des Instrumentes seines Gehirns bedienen kann. Wenn der Mensch durch die Pforte des Todes schreitet, tritt ein andersgeartetes Bewußtsein auf, das unabhängig ist vom Gehirn und an wesentlich andere Bedingungen gebunden ist.|120|24}}{{GS|Wenn der Mensch aber durch die Pforte des Todes schreitet, hört das Vorstellungsleben auf, das an das Instrument des Gehirns gebunden ist. Da beginnt eine andere Form des Bewußtseinslebens.|120|86}}{{GS|Wir haben gezeigt, daß es gleichsam eine Art von Hemmnis gibt gegen das Eindringen der Unmoralität in die tieferen Kräfte des Organismus. […] Indem wir eine Handlung oder ein sonstiges Erlebnis mit einer bewußten Vorstellung begleiten, schaffen wir eine Schutzwehr dagegen, daß das Resultat unserer Handlungen hinunterrückt in unseren Organismus.|129|95}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|C}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|C}}&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|D}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|D}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|E}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|E}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|F}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|F}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|G}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|G}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gehirn&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Das Bewußtsein, […] das sich ausdehnt […]  auf unser Leben zwischen Geburt und Tod, das entsteht dadurch, daß sich der Mensch des Instrumentes seines Gehirns bedienen kann. Wenn der Mensch durch die Pforte des Todes schreitet, tritt ein andersgeartetes Bewußtsein auf, das unabhängig ist vom Gehirn und an wesentlich andere Bedingungen gebunden ist.|120|24}}{{GS|Wenn der Mensch aber durch die Pforte des Todes schreitet, hört das Vorstellungsleben auf, das an das Instrument des Gehirns gebunden ist. Da beginnt eine andere Form des Bewußtseinslebens.|120|86}}&lt;br /&gt;
Geist&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Der Mensch kann einen in sich regen Geist bis an sein Lebensende dadurch haben, daß wir ihn als Kind in der Weise erzogen haben, wie es jetzt eben beschrieben worden ist: daß wir auf sein Seelenleben, auf alles, was lebendig in ihm sitzt, Rücksicht genommen haben.|120|20}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Geisteswissenschaft&lt;br /&gt;
{{GS|[…] Geisteswissenschaft nicht eine abstrakte Theorie sein soll […] erfüllt erst dann ihre Aufgabe, wenn … etwas hineinfließt in unsere Seelen … was unsere Seelen tüchtiger und tatkräftiger machen kann.|120|9}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|H}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|H}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|I}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|I}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|J}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|J}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|K}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|K}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kamaloka&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Wenn wir also schon im gewöhnlichen Leben so stark berührt werden können durch gewisse Erlebnisse, besonders wenn es Gefühlseindrücke waren, daß sie eine Gemütsverstimmung bewirken können, so werden wir begreifen, daß die viel stärkeren Eindrücke des Kamalokalebens sich so eindrücken können, daß sie bei einer neuen Inkarnation bis tief in die Organisation des physischen Leibes hineinwirken.|120|72}}{{GS|Gerade während der Kamalokazeit, weil der Mensch seinen alten astralischen Leib noch hat, bewirkt das Durchgemachte die tiefsten Gefühlserlebnisse.|120|72}}{{GS|Wir könnten die verschiedensten Beispiele anführen, die uns alle zeigen, wie der Mensch aus den Erfahrungen seiner Kamalokazeit heraus geradezu die Gelegenheiten aufsucht, diese oder jene Krankheit zu bekommen, um durch ihre Überwindung und durch die Entfaltung der selbstheilenden Kräfte die Kräfte zu gewinnen, welche ihn die Lebensbahn im ganzen hinauf- führen.|120|82}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Karma&lt;br /&gt;
{{GS|Ohne daß eine Wirkung erzeugt wird, die wieder zurückfällt auf das Ding oder die Wesenheit, welche diese Wirkung hervorbringt, ohne diese Eigentümlichkeit des Zurückwirkens der Wirkung auf das verursachende Wesen ist der Karmabegriff nicht zu denken.|120|13}}&lt;br /&gt;
{{GS|Wir dürfen erst von einem Karma sprechen, wenn die Wirkung, die auf das Wesen zurückschlägt, beim Zurückschlagen auf dasselbe Wesen trifft, […]|120|13}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Karmische Folgen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Das zeigt uns, wie in die Linie der karmischen Folgen unser Wille eingreifen und etwas schaffen kann, was an Stelle von sonst eingetretenen karmischen Wirkungen steht.|120|23}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Karmische Wirkung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Das zeigt uns, wie in die Linie der karmischen Folgen unser Wille eingreifen und etwas schaffen kann, was an Stelle von sonst eingetretenen karmischen Wirkungen steht.|120|23}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kind&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Der Mensch kann einen in sich regen Geist bis an sein Lebensende dadurch haben, daß wir ihn als Kind in der Weise erzogen haben, wie es jetzt eben beschrieben worden ist: daß wir auf sein Seelenleben, auf alles, was lebendig in ihm sitzt, Rücksicht genommen haben.|120|20}}Komet&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Nun ist die Substanz eines Kometen nicht eine solche mit Gesetzen, wie sie in unserem gewöhnlichen, regulären Sonnensystem bestehen, sondern mit Gesetzen, wie sie im alten Mondendasein existiert haben.|120|31}}{{GS|Der Halleysche Komet ist der äußere Ausdruck - jedesmal, wenn er in die Sphäre unseres Erdendaseins hineinkommt - zu einem neuen Impuls zum Materialismus.|120|32}}Krankheit&lt;br /&gt;
{{GS|Wir könnten die verschiedensten Beispiele anführen, die uns alle zeigen, wie der Mensch aus den Erfahrungen seiner Kamalokazeit heraus geradezu die Gelegenheiten aufsucht, diese oder jene Krankheit zu bekommen, um durch ihre Überwindung und durch die Entfaltung der selbstheilenden Kräfte die Kräfte zu gewinnen, welche ihn die Lebensbahn im ganzen hinauf- führen.|120|82}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|L}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|L}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Luzifer&lt;br /&gt;
{{GS|[…] zeigen, wie im Inneren des Menschen Luzifer zur Illusion führt und wie Ahriman sich in die äußeren Wahrnehmungen mischt und dort zur Maja führt […]|120|112}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|M}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|M}}Medizin&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Wer ähnliche Vorträge von mir gehört hat, wird wissen, wie wenig es mir darum zu tun ist, einzustimmen in den Chor, der heute das, was man als «Schulmedizin» bezeichnet, diskreditieren will.|55|120}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mensch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Und der hellseherische Forscher wird bei einem Krankheitsfall immer in Betracht ziehen müssen, welches in dem betreffenden Falle der Anteil sein kann des physischen Leibes auf der einen Seite und des Ätherleibes und des astralischen Leibes auf der andern Seite; denn alle drei Wesensglieder des Menschen können an der Erkrankung beteiligt sein.|120|60}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mond&lt;br /&gt;
{{GS|Also sehen wir neben dem Menschen sich förmlich herausbilden ein Reich von Organismen, die durch das Beibehalten des Mondcharakters unfähig geworden waren, Träger menschlicher Individualitäten zu sein. Diese Organisationen sind im wesentlichen die, welche die Organisationen unserer heutigen Tiere wurden.|120|48}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|N}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|N}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|O}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|O}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Organismus&lt;br /&gt;
{{GS|Wir haben gezeigt, daß es gleichsam eine Art von Hemmnis gibt gegen das Eindringen der Unmoralität in die tieferen Kräfte des Organismus. […] Indem wir eine Handlung oder ein sonstiges Erlebnis mit einer bewußten Vorstellung begleiten, schaffen wir eine Schutzwehr dagegen, daß das Resultat unserer Handlungen hinunterrückt in unseren Organismus.|129|95}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|P}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|P}}Pflanzen&lt;br /&gt;
{{GS|Aber je tiefer wir in die Pflanzenpathologie eindringen, desto mehr werden wir sehen, daß von dem Begriff «innere Krankheitsursache» bei den Pflanzen nicht die Rede sein kann, sondern daß es sich da um äußere Veranlassungen und Schädigungen, um äußere Einflüsse handelt.|120|61}}{{GS|Aber je tiefer wir in die Pflanzenpathologie eindringen, desto mehr werden wir sehen, daß von dem Begriff «innere Krankheitsursache» bei den Pflanzen nicht die Rede sein kann, sondern daß es sich da um […] äußere Einflüsse handelt.|120|61}}{{GS|So sehen wir, daß wir in dem Ätherleib und physischen Leib der Pflanze etwas vor uns haben, was imstande ist, mit inneren Heilkräften zu antworten auf äußere Schädigungen.|120|62}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|Q}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|Q}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|R}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|R}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|S}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|S}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schicksalsschlag&lt;br /&gt;
{{GS|Schicksalsschlag […] wenn wir ihn an den Anfang der nachfolgenden Ereignisse stellen und ihn als Ursache betrachten […] Wir werden vielleicht traurig sein […] Betrachten wir ihn dagegen als Ursache eines Späteren, dann können wir vielleicht froh sein und Freude darüber empfinden.|120|18}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seelenleben&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Der Mensch kann einen in sich regen Geist bis an sein Lebensende dadurch haben, daß wir ihn als Kind in der Weise erzogen haben, wie es jetzt eben beschrieben worden ist: daß wir auf sein Seelenleben, auf alles, was lebendig in ihm sitzt, Rücksicht genommen haben.|120|20}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|T}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|T}}Tier&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Wir können nicht in derselben Weise, wie wir den menschlichen Tod auffassen, von dem tierischen Tode sprechen.|120|37}}{{GS|Und wenn Sie Umschau halten im Tierreich, werden Sie finden, daß die Tiere sich ganz bestimmte Kunstfertigkeiten mitbringen, durch welche etwas zustande gebracht werden kann, an das menschliche Kunst fertigkeit bei allem, wie wir es so herrlich weit gebracht haben, noch lange nicht heran reicht.|120|39}}{{GS|Also sehen wir neben dem Menschen sich förmlich herausbilden ein Reich von Organismen, die durch das Beibehalten des Mondcharakters unfähig geworden waren, Träger menschlicher Individualitäten zu sein. Diese Organisationen sind im wesentlichen die, welche die Organisationen unserer heutigen Tiere wurden.|120|48}}{{GS|Wir schauen auf die Tiere und sagen: Alles, was die Tiere darstellen an Grausamkeit, an Gefräßigkeit, an allen tierischen Untugenden, neben der Geschicklichkeit, die sie haben, das hätten wir in uns, wenn wir sie nicht hätten aus uns heraussetzen können!|120|52}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tod&lt;br /&gt;
{{GS|Das Bewußtsein, […] das sich ausdehnt […] auf unser Leben zwischen Geburt und Tod, das entsteht dadurch, daß sich der Mensch des Instrumentes seines Gehirns bedienen kann. Wenn der Mensch durch die Pforte des Todes schreitet, tritt ein andersgeartetes Bewußtsein auf, das unabhängig ist vom Gehirn und an wesentlich andere Bedingungen gebunden ist.|120|24}}{{GS|Wir können nicht in derselben Weise, wie wir den menschlichen Tod auffassen, von dem tierischen Tode sprechen.|120|37}}{{GS|[…] wenn der Mensch durch die Pforte des Todes tritt […]  wird das Hauptsächlichste des Ätherleibes als ein zweiter Leichnam abgeworfen; es bleibt jedoch ein Extrakt des Ätherleibes zurück, der mitgenommen wird und erhalten bleibt für alle kommenden Zeiten.|120|67}}{{GS|Wenn der Mensch aber durch die Pforte des Todes schreitet, hört das Vorstellungsleben auf, das an das Instrument des Gehirns gebunden ist. Da beginnt eine andere Form des Bewußtseinslebens.|120|86}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|U}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|U}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ursache und Wirkung&lt;br /&gt;
{{GS|Damit in der Welt der Erscheinungen, in der leblosen Welt, die wir zunächst um uns herum haben, eine Wirkung auf eine Ursache folge, ist stets notwendig, daß dieser Ursache etwas entgegenkommt. Und ohne daß etwas der Ursache entgegenkommt, ist niemals von dem Folgen einer Wirkung auf eine Ursache zu sprechen.|120|12}}{{GS|Wir werden aber zu einer Erklärung des Menschenlebens nicht kommen, wenn wir Zusammenhänge zwischen Ursache und Wirkung nur in diesem einzelnen Menschenleben suchen.|120|21}}{{GS|Die Erkenntnis eines solchen Zusammenhanges zwischen Ursachen und Wirkungen in unseren einzelnen Lebensabschnitten, die wir durch unser gewöhnliches Bewußtsein überschauen können, kann uns schon im höchsten Grade förderlich sein im Leben.|120|22}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|V}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|V}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vergessen&lt;br /&gt;
{{GS|Jeder kann an sich selbst bemerken, wenn er eine kleine Unpäßlichkeit hat, wie sehr es ihm nützt, wenn er es zu einem Vergessen seiner Unpäßlichkeit bringt, namentlich zu einem solchen Vergessen, das hervorgerufen wird durch eine anderweitige Beschäftigung. Das ist also ein positives, gesundes Vergessen!|120|101}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|W}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|W}}Wesensglieder&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Und der hellseherische Forscher wird bei einem Krankheitsfall immer in Betracht ziehen müssen, welches in dem betreffenden Falle der Anteil sein kann des physischen Leibes auf der einen Seite und des Ätherleibes und des astralischen Leibes auf der andern Seite; denn alle drei Wesensglieder des Menschen können an der Erkrankung beteiligt sein.|120|60}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wille&lt;br /&gt;
{{GS|Das zeigt uns, wie in die Linie der karmischen Folgen unser Wille eingreifen und etwas schaffen kann, was an Stelle von sonst eingetretenen karmischen Wirkungen steht.|120|23}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|X}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|X}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|Y}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|Y}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|Z}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|Z}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zufall&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Da sitzt aber auch das, was man den Zufall nennt. Er sitzt da, wo uns Ahriman am allergefährlichsten wird. Diejenigen Erscheinungen nennt der Mensch zufällig, bei denen er durch den ahrimanischen Einfluß am allerleichtesten getäuscht werden kann.|120|111}}{{GS|[…] zeigen, wie im Inneren des Menschen Luzifer zur Illusion führt und wie Ahriman sich in die äußeren Wahrnehmungen mischt und dort zur Maja führt […]|120|112}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|0-9}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|0-9}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Literatur =&lt;br /&gt;
* [[a:Rudolf Steiner|Rudolf Steiner]]: &#039;&#039;Die Offenbarungen des Karma&#039;&#039;, [[GA 120]] (1992), ISBN 3-7274-1200-3 {{Vorträge|120}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GA}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:GA 120 Die Offenbarungen des Karma|!]] [[Kategorie:Taschenbücher]] [[Kategorie:Karma]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:GA]] [[Kategorie:GA (Mitgliedervorträge)]]  [[Kategorie: GA (Zyklus)]] [[Kategorie:Gesamtausgabe]]&lt;br /&gt;
[[en:GA 120]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Artikel unten}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>ElkeJura</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://steiner.wiki/index.php?title=Gesamtglossar_Z&amp;diff=11305</id>
		<title>Gesamtglossar Z</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://steiner.wiki/index.php?title=Gesamtglossar_Z&amp;diff=11305"/>
		<updated>2025-09-24T18:37:04Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;ElkeJura: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Artikel oben}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zahlen&lt;br /&gt;
{{GS|Inn­er­halb ge­wis­ser eso­te­ri­scher Schu­len hat­te man ei­ne Art von Zah­len­schrift. Ge­wis­se Wor­te, die man nicht in ge­wöhn­li­cher Schrift mit­tei­len woll­te, brach­te man durch Zah­len zum Aus­dru­cke.|104|41}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zeichen [auch Wunder]&lt;br /&gt;
{{GS|Der Christus Jesus vollbringt das, was man im gewöhnlichen Sinne ein Wunder, im Evangelium selbst ein «Zeichen» nennt […].|103|63}}&lt;br /&gt;
{{GS|Es ist die Hochzeit zu Kana in Galiläa, was man oft auch nennt «das erste der Wunder», besser würde man sagen «das erste der Zeichen», die der Christus Jesus tut.|103|88}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zeit&lt;br /&gt;
{{GS|Die Zeit hat auch ein­mal an­ge­fan­gen. Vor dem Sa­turn gab es kei­ne Zeit, da gab es nur Ewig­keit, Dau­er. Da war al­les gleich­zei­tig. Daß die Vor­gän­ge ein­an­der fol­gen, das trat erst mit dem Sa­turn ein.|104|61}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zufall&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|[…] zeigen, wie im Inneren des Menschen Luzifer zur Illusion führt und wie Ahriman sich in die äußeren Wahrnehmungen mischt und dort zur Maja führt […]|120|112}}{{GS|Da sitzt aber auch das, was man den Zufall nennt. Er sitzt da, wo uns Ahriman am allergefährlichsten wird. Diejenigen Erscheinungen nennt der Mensch zufällig, bei denen er durch den ahrimanischen Einfluß am allerleichtesten getäuscht werden kann.|120|111}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zukunft&lt;br /&gt;
{{GS|Das ist das Ziel, dem das sechste Zeitalter der Menschheit entgegenstreben wird: die Popularisierung der okkulten Wahrheit im weitesten Umkreise. Das ist die Mission dieses Zeitalters.|99|143}}&lt;br /&gt;
{{GS|Diese Möglichkeit, von starren, dogmatischen Begriffen überzugehen in flüssige, das ist es, was ausgebildet werden muß in denjenigen Menschen, die die Träger der Zukunft sein wollen.|99|145}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zweigeboren&lt;br /&gt;
{{GS|Man nannte in den alten Zeiten, in denen die Evangelien geschrieben wurden, «zweigeboren» diejenigen, die vom Fleische geboren sind. Sie nannte man zweigeboren, sagen wir durch die Vermischung des Blutes von Vater und Mutter. Was nicht aus dem Fleische geboren ist und nicht durch die Menschenwirkung und nicht durch die Vermischung des Blutes entstanden ist, das ist «aus Gott geboren»; das ist «eingeboren».|103|77}}&lt;br /&gt;
{{GS|[…] das Wort [zweigeboren] deutet darauf hin, daß der Mensch außer der physischen Geburt auch eine geistige Geburt durchmachen kann, nämlich die Vereinigung mit dem Geiste, die Geburt, durch die er eingeboren, ein Kind oder Sohn der Gottheit wird.|103|78}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Artikel unten}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>ElkeJura</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://steiner.wiki/index.php?title=Gesamtglossar_A&amp;diff=11304</id>
		<title>Gesamtglossar A</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://steiner.wiki/index.php?title=Gesamtglossar_A&amp;diff=11304"/>
		<updated>2025-09-24T18:35:26Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;ElkeJura: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Artikel oben}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Abendmahl&lt;br /&gt;
{{GS|Und welche gewaltigen Gefühle sind es, die durch unsere Seele ziehen können, wenn wir so in dem Abendmahl das größte Mysterium der Erde erblicken können: die Verbindung des Ereignisses von Golgatha mit der ganzen Evolution der Erde […]|103|125}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Abraham&lt;br /&gt;
{{GS|Wir haben dann gesehen, wie innerhalb desjenigen Volkes, das die Bekennerschaft des Alten Testamentes bildet, sich ein gewisser Vollkommenheitsgrad dieser Stimmung ausbildete. «Ich und der Vater Abraham sind eins», das heißt, der einzelne fühlte sich geborgen in dem ganzen Zusammenhange bis hinauf zum Vater Abraham. Das war ungefähr auch, was die Grundstimmung […] ausmachte, aller Volksstämme der dritten Kulturepoche.|103|158}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Adam&lt;br /&gt;
{{GS|[…] ist gemeint als ein hellseherischer Schlaf, und was erzählt wird, ist das, was man erfährt in einem höheren Bewußtseinszustand; daher fällt Adam «in einen Schlaf».|103|18}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ägyptische Kultur [CHALDÄISCH-ÄGYPTISCH-ASSYRISCH-BABYLONISCHE-KULTUR, DRITTE KULTUEPOCHE]&lt;br /&gt;
{{GS|Dem Angehörigen der ägyptischen Kultur war es sogar sehr wichtig, daß er die Verhältnisse der Erde besonders durchforschte und die Geometrie ausbildete. Maja wurde erforscht, die äußere Wissenschaft entstand.|103|147}}&lt;br /&gt;
{{GS|So hat der Mensch der dritten Kulturepoche hineingearbeitet in die Materie den Geist, durchdrungen die äußere Welt mit dem Geist.|103|148}}&lt;br /&gt;
{{GS|Die Ägypter balsamierten die Körper der Verstorbenen ein, damit die Menschen in der fünften Epoche ein möglichst großes Persönlichkeitsbewußtsein haben sollten.|103|150}}&lt;br /&gt;
{{GS|Warum wurden die Ägypter die Lehrmeister der Geometrie? Weil sie glaubten, daß man durch den Gedanken, der die Erde abteilt, die Materie auch bezwingen kann und daß sich umformen läßt die Materie, die der Geist des Menschen erfassen kann.|103|156}}&lt;br /&gt;
{{GS|Wenig ist in der ägyptisch-chaldäischassyrisch-babylonischen Zeit von dem im Menschen schon vorhanden, was man innerliche Persönlichkeits- und Verstandeskultur nennen könnte.|103|172}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ahriman&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|[…] wie in der Tat die beiden Prinzipien, das ahrimanische und das luziferische, im letzten Grunde im Krankheitsverlauf tätig sind. Und es könnte in vieler Beziehung für diese oder jene Krankheitsform gezeigt werden, wie man eigentlich zwei Typen von Krankheiten unterscheiden müßte: ahrimanische und luziferische Krankheiten.|120|88}}{{GS|[…] zeigen, wie im Inneren des Menschen Luzifer zur Illusion führt und wie Ahriman sich in die äußeren Wahrnehmungen mischt und dort zur Maja führt […]|120|112}}{{GS|Da sitzt aber auch das, was man den Zufall nennt. Er sitzt da, wo uns Ahriman am allergefährlichsten wird. Diejenigen Erscheinungen nennt der Mensch zufällig, bei denen er durch den ahrimanischen Einfluß am allerleichtesten getäuscht werden kann.|120|111}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Akasha-Chronik&lt;br /&gt;
{{GS|Es ist keine gewöhnliche Chronik, sondern eine Chronik, die man als eine lebendige bezeichnen könnte. ... Man kann auch die Willensimpulse, die Gefühle, die Gedanken sehen. ... Das, was jetzt geistig wirkt in uns und im Physischen ausgeflossen ist, das sieht man dort im Geistigen.|99|44}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alba Longa&lt;br /&gt;
{{GS|Alba Longa oder die lange Alba, die Stadt einer Priesterkultur, von der die Kultur Roms ausgehen sollte. Im Meßkleid der katholischen Priester haben wir noch einen Nachklang davon erhalten.|104|74}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alkohol&lt;br /&gt;
{{GS|[…] der Alkohol hat eine ganz bestimmte Wirkung auf den menschlichen Organismus. Er hatte nämlich eine Mission im Laufe der Menschheitsentwickelung […]sozusagen den menschlichen Leib so zu präparieren, daß dieser abgeschnitten wurde von dem Zusammenhang mit dem Göttlichen, damit das persönliche «Ich-bin» herauskommen konnte.|103|92}}&lt;br /&gt;
{{GS|Jetzt, wo die Menschheit wiederum strebt, den Weg zurückzufinden, wo das Ich so weit entwickelt ist, daß der Mensch wieder den Anschluß finden kann an die göttlich-geistigen Mächte, jetzt ist die Zeit gekommen, wo, anfangs sogar aus dem Unbewußten heraus, eine gewisse Reaktion gegen den Alkohol eintritt.|103|92}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alte Einweihung&lt;br /&gt;
{{GS|Man mußte also in der alten Einweihung versuchen, den Ätherleib künstlich herauszuholen […] in eine Art Todesschlaf bringen, der ja dreieinhalb Tage dauerte, währenddem der Ätherleib herausragte aus dem physischen Leibe, gelockert war, so daß das, was der Astralleib erlebte, sich einprägte in den Ätherleib. Und wenn dann der Ätherleib wieder zurückgeführt wurde […] wusste der Mensch, was er in der geistigen Welt erlebt hatte.|103|144}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alter Mond [PLANETARISCHE VERKÖRPERUNG]&lt;br /&gt;
{{GS|Ebenso nun wie beim Menschen ein Zeitraum liegt zwischen einer Verkörperung und einer neuen Geburt, so liegt ein Zeitraum zwischen der Verkörperung unseres Planeten, den wir als Erde bezeichnen, und desjenigen, den wir als den alten Mond bezeichnen.|103|27}}&lt;br /&gt;
{{GS|Dieser alte Mond hatte als planetarische Stufe auch eine Mission. Er hatte noch nicht die Aufgabe, die Liebe auszubilden, er sollte der Planet oder der Kosmos der Weisheit sein.|103|47}}&lt;br /&gt;
{{GS|Noch auf dem Monde war von dem heutigen Menschen nur vorhanden physischer Leib, Ätherleib und astralischer Leib; kein Ich war darinnen.|103|76}}&lt;br /&gt;
{{GS|Wir haben den alten Mond den «Kosmos der Weisheit» genannt. Dieser alte Mond hatte auf einer gewissen Stufe seiner Entwickelung das nicht, was wir heute Erde, feste Erde nennen.|103|107}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Altindische Einweihung&lt;br /&gt;
{{GS|Da gab es eine Zeit, wo unsere Vorfahren hineinschauten in die geistige Welt […] wo sie in der tieferen geistigen Wirklichkeit drinnen steckten. Oh, könnten wir auch da hinein! So sagten sie sich. Und aus dieser Sehnsucht heraus wurde die altindische Methode der Einweihung geschaffen […] Yoga ist die Methode der altindischen Einweihung.|103|144}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Altindische Kultur [URINDISCHE KULTUR]&lt;br /&gt;
{{GS|Dem uralten Inder, wenn er ganz besonders heilig sein will, ist die Welt der Maja wertlos. Diese physische Welt ist ihm eine Illusion […]|103|145}}&lt;br /&gt;
{{GS|Wir haben darauf hingewiesen, wie diese uralt-indische Kultur dadurch zu charakterisieren ist, daß die Gemüter der Menschen beherrscht waren von Sehnsucht und Erinnerung […] Die Erinnerung bestand darin, daß lebendige Überlieferungen geblieben waren von […] der atlantischen Flut […] eine Art dämmerhaften hellseherischen Zustandes […] durch den er hineinblicken konnte in die geistige Welt […]|103|153}}&lt;br /&gt;
{{GS|In der altindischen Kultur war gegenüber der eigenen Geistigkeit noch eine sonderbare Stimmung. Man sagte: Wollen wir in die geistige Welt eindringen, uns über die Illusion erheben, dann müssen wir uns selbst verlieren in der geistigen Welt, müssen möglichst auslöschen das «Ich-bin» und aufgehen in dem All-Geist, in dem Brahman.|103|157}}&lt;br /&gt;
{{GS|In der ersten Kulturepoche der nachatlantischen Zeit macht der Mensch zuerst seinen Ätherleib zum Ich-Träger, wie er vorher seinen physischen Leib dazu gemacht hatte. Das war die alte indische Kultur.|103|171}}&lt;br /&gt;
{{GS|Das alte Indertum war in einem viel höheren Grade, als man sich denkt, dazu geneigt, nicht die Hände zu regen, sondern in Kontemplation sich zu erheben über das Materielle zu den höheren Welten.|103|172}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alte Mysterien&lt;br /&gt;
{{GS|[…] in den alten Mysterien war der Christus Jesus, das heißt der Christus, der in Zukunft erscheinen sollte in der Welt, nicht etwa eine unbekannte Wesenheit. Und alle Mysterien wiesen hin auf Einen, der da kommen sollte.|103|68}}&lt;br /&gt;
{{GS|Einzelne waren es, die immer schon durch die alten Mysterien wußten von den geistigen Welten.|103|77}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Altpersische Kultur&lt;br /&gt;
{{GS|Das, was nun während der altpersischen Kulturepoche ausgebildet wird, ist der eigentliche Astralleib oder der Empfindungsleib; er ist der Träger der eigentlichen Betätigungskräfte des Menschen.|103|171}}&lt;br /&gt;
{{GS|Die Kultur des alten Persertums besteht darin, daß das Ich in den Empfindungsleib gesenkt wird.|103|172}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anthroposophie&lt;br /&gt;
{{GS|Man würde die heutige Betrachtung mißverstehen, wenn man des Glaubens wäre, Anthroposophie oder Geisteswissenschaft sei in irgendeiner Beziehung eine neue Religion, wolle irgendein neues Religionsbekenntnis an die Stelle eines alten setzen.|104|12}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alter Saturn [PLANETARISCHE VERKÖRPERUNG]&lt;br /&gt;
{{GS|Unser physischer Menschenleib hat seine allererste Anlage erhalten auf dem alten Saturn. Damals […] bildete sich eine von dem heutigen menschlichen Leibe freilich ganz verschiedene erste Anlage des physischen Menschenleibes.|103|28}}&lt;br /&gt;
{{GS|Die einzige Wirklichkeit des Saturn war die, daß er einen anderen Wärmezustand hatte als seine Umgebung. Durch etwas anderes hätte man ihn nicht wahrnehmen können.|103|108}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Altes Testament&lt;br /&gt;
{{GS|Der Bekenner des Alten Testaments sagte noch nicht in seiner Persönlichkeit: Ich bin ein Ich. Er fühlte sich in dem ganzen alten jüdischen Volke und fühlte das «Gruppen-Volks-Ich».|103|58}}&lt;br /&gt;
{{GS|Innerhalb der Bekenner des Alten Testamentes sehen wir im vollsten Sinne noch das ausgedrückt, was wir die Zugehörigkeit zur Gruppenseele als die Grundlage des einzelnen Ichs im Gesamt-Ich nennen können.|103|89}}&lt;br /&gt;
{{GS|Wir haben dann gesehen, wie innerhalb desjenigen Volkes, das die Bekennerschaft des Alten Testamentes bildet, sich ein gewisser Vollkommenheitsgrad dieser Stimmung ausbildete. «Ich und der Vater Abraham sind eins», das heißt, der einzelne fühlte sich geborgen in dem ganzen Zusammenhange bis hinauf zum Vater Abraham.|103|158}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aristoteles&lt;br /&gt;
{{GS|Die Geschichte weist Ihnen nach, daß der eigentliche Begründer der Logik Aristoteles ist.|103|173}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Äschylos&lt;br /&gt;
{{GS|Bei Äschylos klingt es in der Dramatik noch nach, wie der Mensch seine eigene Individualität künstlerisch verwerten will. Er tritt selbst in den physischen Plan hinaus und schafft ein Abbild seiner selbst.|103|150}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Assyrisch-babylonisch-chaldäisch-ägyptische Kultur [DRITTE KULTUEPOCHE]&lt;br /&gt;
{{GS|So hat der Mensch der dritten Kulturepoche hineingearbeitet in die Materie den Geist, durchdrungen die äußere Welt mit dem Geist.|103|148}}&lt;br /&gt;
{{GS|Wenig ist in der ägyptisch-chaldäischassyrisch-babylonischen Zeit von dem im Menschen schon vorhanden, was man innerliche Persönlichkeits- und Verstandeskultur nennen könnte.|103|172}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Astralleib&lt;br /&gt;
{{GS|Bei jedem Menschen ist der astralische Leib so, daß er Manas oder Geistselbst enthält; das ist ein Werk des Ich, ein Produkt der Arbeit des Ich.|103|34}}&lt;br /&gt;
{{GS|Und der Astralleib des Menschen, haben wir gesagt, bestehe aus zwei Teilen, aus dem Teile, den der Mensch schon beherrscht, und dem, den er noch nicht beherrscht.|103|36}}&lt;br /&gt;
{{GS|Was ist der astralische Leib? Er erscheint ja dem hellseherischen Bewußtsein auch heute als eine Aura, die den Menschen umgibt. Er ist ein Lichtleib.|103|39}}&lt;br /&gt;
{{GS|Das Ich ist berufen dazu, den astralischen Leib nach und nach zu läutern, zu reinigen, auf eine höhere Stufe zu heben. Wenn der ganze astralische Leib durchläutert, durchkraftet sein wird mit der eigenen Kraft des Ich, wird er sein das Geistselbst oder Manas.|103|127}}&lt;br /&gt;
{{GS|Er [Mensch] hat in alten Zeiten unbewußt bearbeitet seinen astralischen Leib, und es ist der astralische Leib dadurch durchsetzt mit der Empfindungsseele.|103|128}}&lt;br /&gt;
{{GS|Das, was nun während der altpersischen Kulturepoche ausgebildet wird, ist der eigentliche Astralleib oder der Empfindungsleib; er ist der Träger der eigentlichen Betätigungskräfte des Menschen.|103|171}}&lt;br /&gt;
{{GS|Das ist der eigentlich empfindende und denkende Teil des Menschen, und der physische Leib und auch das, was im Ätherleib ist, sind nur seine Vermittler, die Instrumente.|99|35}}&lt;br /&gt;
{{GS|In diesen Astralleib sind hineingezeichnet eine Unsumme von verschiedenerlei Figuren, alle möglichen Arten von Linien und Strahlen, manche blitzartig, manche in sonderbaren Windungen.|104|52}}&lt;br /&gt;
{{GS|Der astralische Leib ist der Ausdruck seiner Leidenschaften, seiner Instinkte, Triebe und Begierden, aber auch aller seiner Gedanken und Vorstellungen.|104|52}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Astrologie&lt;br /&gt;
{{GS|So entsteht jene wunderbare Sternenkunde, die die Menschen heute kaum mehr kennen. Denn was man heute als Astrologie kennt, ist durch ein Mißverstehen der Tatsachen entstanden.|104|72}}&lt;br /&gt;
{{GS|Tiefe Weisheit in der Sternenschrift ist es, was dem alten Chaldäerpriester als Astrologie geoffenbart wurde, als die Geheimnisse dessen, was er mit Augen sah. Das betrachtete er als Offenbarung eines Inneren, Durchgeistigten.|104|72}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ätherleib&lt;br /&gt;
{{GS|[…] dass der Ätherlieb beim Manne weiblich und beim Weibe männlich ist […] Die Kräfte, die den Ätherleib zusammenhalten, finden wir […] in der Welt des Rupa-Devachan […]|99|27}}&lt;br /&gt;
{{GS|Erst als der Saturn sich in die Sonne verwandelte, also während der zweiten Verkörperung unseres Erdplaneten, kam zu diesem physischen Leib der Ätherleib hinzu, durchtränkte, imprägnierte ihn.|103|28}}&lt;br /&gt;
{{GS|Nachdem sich unmittelbar nach dem Tode Ätherleib, astralischer Leib und Ich von dem physischen Leibe getrennt haben, geht nach einiger Zeit auch der Ätherleib aus der Verbindung mit dem astralischen Leibe und dem Ich heraus und löst sich auf im Weltenäther.|103|29}}&lt;br /&gt;
{{GS|[…] soviel von seinem Ätherleibe umgestaltet ist zu einem Produkt des Ich, nennen wir dies die Buddhi oder den Lebensgeist.|103|34}}&lt;br /&gt;
{{GS|Auch was er im Ätherleib hat, kann er noch nicht beherrschen; das wird er erst beherrschen können, wenn die Erde im Venuszustande sein wird.|103|36}}&lt;br /&gt;
{{GS|Treulos verlassen Sie alle jede Nacht Ihren physischen Leib und Ihren Ätherleib. Daraus werden Sie erkennen, daß die Geisteswissenschaft mit einem gewissen Recht darauf hinweist, daß göttlich-geistige Mächte und Kräfte in der Nacht diesen physischen Leib, diesen Ätherleib durchströmen […]|103|87}}&lt;br /&gt;
{{GS|[…] diejenigen Mächte, die auf den Ätherleib wirken, sind in den niederen himmlischen Sphären zu Hause.|103|88}}&lt;br /&gt;
{{GS|Unbewußt hat das Ich hineingearbeitet in den Ätherleib, und dieser unbewußt umgeformte Ätherleib ist dasjenige, was Sie in einem systematischen Zusammenhange in der «Theosophie» geschildert finden als Verstandesseele.|103|128}}&lt;br /&gt;
{{GS|Beim heutigen Menschen findet man hellseherisch das, was Ätherkopf ist, ungefähr in Form und Größe mit dem physischen Kopfe übereinstimmend.|103|137}}&lt;br /&gt;
{{GS|In der ersten Kulturepoche der nachatlantischen Zeit macht der Mensch zuerst seinen Ätherleib zum Ich-Träger, wie er vorher seinen physischen Leib dazu gemacht hatte. Das war die alte indische Kultur.|103|171}}&lt;br /&gt;
{{GS|Das, was nun während der altpersischen Kulturepoche ausgebildet wird, ist der eigentliche Astralleib oder der Empfindungsleib; er ist der Träger der eigentlichen Betätigungskräfte des Menschen.|103|171}}&lt;br /&gt;
{{GS|Nun aber kommt etwas anderes in Betracht, das ist, daß dann, wenn diese Katharsis eingetreten ist, wenn im astralischen Leibe ausgebildet sind die astralen Sinnesorgane, das Ganze abgedrückt werden muß im Ätherleibe.|103|196}}&lt;br /&gt;
{{GS|So sehen wir, daß wir in dem Ätherleib und physischen Leib der Pflanze etwas vor uns haben, was imstande ist, mit inneren Heilkräften zu antworten auf äußere Schädigungen.|120|62}}&lt;br /&gt;
{{GS|[…] wenn der Mensch durch die Pforte des Todes tritt […] wird das Hauptsächlichste des Ätherleibes als ein zweiter Leichnam abgeworfen; es bleibt jedoch ein Extrakt des Ätherleibes zurück, der mitgenommen wird und erhalten bleibt für alle kommenden Zeiten.|120|67}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Atlantis, atlantische Zeit&lt;br /&gt;
{{GS|Damals [lemurische Zeit] hatten Sie nicht diese Gestalt, aber ein solcher Mensch waren Sie: physischer und Ätherleib waren eingehüllt von dem mit dem Ich ausgestatteten Astralleibe. Dieser Zustand dauerte bis hinein in die atlantische Zeit.|103|112}}&lt;br /&gt;
{{GS|[…] dazumal [Atlantis], als der Mensch noch eingebettet war in die göttlich-geistigen Wesenheiten, hatte er in der Nacht ein dämmerhaftes, astralisches Bewußtsein. Wenn er bei Tag untertauchte in seinen flüssigen physischen Leib, da wurde es für ihn Nacht; und wenn er wieder heraus war aus seinem physischen Leibe, da ging ihm das blendende astralische Licht auf.|103|113}}&lt;br /&gt;
{{GS|Im letzten Drittel der atlantischen Zeit wird dann die Menschengestalt immer ähnlicher der heutigen.|103|113}}&lt;br /&gt;
{{GS|Wir haben […] erwähnt, daß unsere Vorfahren in einer weit zurückliegenden Zeit drüben im Westen auf einem Erdgebiete gewohnt haben, das heute eingenommen wird vom Atlantischen Ozeane. Auf der alten Atlantis haben unsere Vorfahren gelebt.|103|136}}&lt;br /&gt;
{{GS|Der alte Atlantier hatte den Ätherkopf mächtig hervorragend über dem physischen Kopfe. Dann wuchsen diese beiden immer mehr zusammen, und es war im letzten Drittel der atlantischen Zeit, als physischer und Ätherkopf zur Deckung kamen.|103|138}}&lt;br /&gt;
{{GS|Wenn Sie durch die alte Atlantis drüben im Westen gegangen wären, hätten Sie eine solche Verteilung von Regen, Nebel, Luft und Sonnenschein, wie Sie es jetzt auf unseren heutigen Ländergebieten haben, nicht erlebt.|103|138}}&lt;br /&gt;
{{GS|[…] in die Gegend des heutigen Tibet. Dahin zog ein verhältnismäßig kleiner, aber namentlich geistig, spirituell sehr weit fortgeschrittener Bruchteil der atlantischen Bevölkerung.|103|139}}&lt;br /&gt;
{{GS|Innerhalb der letzten atlantischen Zeit war es ja so gekommen, daß nach und nach die westlichen Gegenden der Atlantis verschwanden, sich mit Meer bedeckten.|103|140}}&lt;br /&gt;
{{GS|Wenn eine Stadt in Nebel eingehüllt ist und Sie des Abends die Laternen wie mit Farbenauren umgeben sehen, so undeutlich mit Säumen und Farbenstrahlen das gibt Ihnen ein Bild, wie es in dieser Zeit in der Atlantis ausgesehen hat.|103|141}}&lt;br /&gt;
{{GS|Wir haben gesehen, wie in dieser Zeit vor der atlantischen Flut eine so scharfe Trennung noch nicht war zwischen dem Bewußtseinszustand während des Tageslebens und dem Bewußtseinszustand während des Nachtlebens.|103|153}}&lt;br /&gt;
{{GS|Wir haben gesehen, daß eigentlich erst in der späteren atlantischen Zeit die Menschen in die Lage gekommen sind, das Ich oder «Ich-bin» zu empfinden. Denn solange die Menschen die geistigen Bilder sahen, waren sie sich auch klar, daß sie selbst der geistigen Welt angehörten.|103|156}}&lt;br /&gt;
{{GS|Diejenige Menschheitsentwickelung, die der atlantischen Flut vorangegangen ist, also die sich zum großen Teil abgespielt hat auf jenem Kontinente, der da war zwischen dem heutigen Europa und dem heutigen Amerika, der alten Atlantis, diese Menschheitsentwickelung teilen wir auch in sieben aufeinanderfolgende Abschnitte. Für diese sieben Abschnitte gilt noch der Ausdruck «Rassen-Entwickelung».|103|168}}&lt;br /&gt;
{{GS|Die Mission des Atlantiertums war, dem Menschen das Ich einzuimpfen, einzuprägen; und diese Mission geht dann über die atlantische Flut, die man als Sintflut beschreibt, hinüber in unsere Zeit.|103|170}}&lt;br /&gt;
{{GS|Deshalb sprechen wir auch von Kulturzeitaltern im Gegensatz zu Rassen. Alles das, was etwa verknüpft ist mit dem Rassenbegriff, ist noch Überbleibsel des Zeitraumes, der dem unseren vorangegangen ist, des atlantischen. Wir leben im Zeitraum der Kulturepochen.|104|69}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Atman [Geistesmensch]&lt;br /&gt;
{{GS|[…] soviel er [Mensch] am physischen Leib vom Ich aus umgestaltet, nennen wir dies Atman oder den Geistesmenschen.|103|34}}&lt;br /&gt;
{{GS|Am Ende der Erdenlaufbahn ist der Mensch durchdrungen von seinem Ich; und dieses sein Ich wohnt selber in dem Astralleib, wenn es als Manas oder Geistselbst den astralischen Leib durchzogen hat. Dieses Ich hat dann den Ätherleib durchzogen, er ist ganz und gar durchsetzt von der Buddhi oder dem Lebensgeiste; und der physische Leib ist ganz und gar durchzogen von Atman oder dem Geistesmenschen, den Produkten des Ich.|103|35}}&lt;br /&gt;
{{GS|Wenn der physische Leib ganz und gar überwunden, besiegt sein wird vom Ich, wird er sein Atma oder der Geistesmensch.|103|127}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufmerksamkeit&lt;br /&gt;
{{GS|[…] die Aufmerksamkeit der Seele auf gewisse Vorgänge in der uns umgebenden Welt zu lenken. Solche Vorgänge sind das sprießende, wachsende und gedeihende Leben einerseits, und alle Erscheinungen, die mit Verblühen, Verwelken, Absterben zusammenhängen, andererseits.|10|43}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auge&lt;br /&gt;
{{GS|Dieser wundervolle Bau des menschlichen Auges, dieser wunderbare Apparat des menschlichen Ohres, alles das hat erst heute seine Vollkommenheit erlangt, weil es aus der Saturnmasse herausgebildet wurde, und Ätherleib, Astralleib und Ich daran gearbeitet haben.|99|90}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Artikel unten}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>ElkeJura</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://steiner.wiki/index.php?title=Gesamtglossar_E&amp;diff=11298</id>
		<title>Gesamtglossar E</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://steiner.wiki/index.php?title=Gesamtglossar_E&amp;diff=11298"/>
		<updated>2025-09-14T18:20:55Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;ElkeJura: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Artikel oben}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ego&lt;br /&gt;
{{GS|So bloß egoistisch, so unidealistisch wie heute war die Kultur noch nie, und sie wird es noch immer mehr werden in der nächsten Zeit. Denn heute ist der Geist ganz heruntergestiegen in die materielle Kultur.|103|148}}&lt;br /&gt;
{{GS|Das siebente Kulturzeitalter spielt sich ab vor dem Krieg aller gegen alle. Da sehen wir diese furchtbare Verwüstung der Kultur herankommen und sehen das kleine Häuflein von Menschen, das verstanden hat, das spirituelle Prinzip in sich aufzunehmen und das sich hinwegretten wird gegenüber der allgemeinen Zertrümmerung durch den Egoismus.|104|68}}{{GS|[…] daß un­se­re sie­ben Kul­tur­stu­fen ihr En­de fin­den wer­den durch den Krieg al­ler ge­gen al­le […] Wir müs­sen nur ein­mal ins Au­ge fas­sen, was die Grund­la­ge, die ei­gent­li­che Ur­sa­che die­ses Krie­ges ist. Die­se Grund­la­ge oder Ur­sa­che ist das Über­hand­neh­men des Ego­is­mus, der Ich­sucht, der Selbst­heit der Men­schen.|104|156}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eingeboren&lt;br /&gt;
{{GS|Was nicht aus dem Fleische geboren ist und nicht durch die Menschenwirkung und nicht durch die Vermischung des Blutes entstanden ist, das ist «aus Gott geboren»; das ist «eingeboren»|103|77}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eingeweihte&lt;br /&gt;
{{GS|[…] dasjenige, was wir heute bei dem Durchschnittsmenschen «Schlaf» nennen, nur ein vorübergehender Bewußtseinszustand ist, der sich künftig wie heute schon bei den Eingeweihten umwandeln wird in einen Bewußtseinszustand, wo der Mensch leibbefreit hineinsieht in die geistige Welt.|103|18}}&lt;br /&gt;
{{GS|Die Erinnerung allein war geblieben, daß es ein anderes Reich […] geistiger Wesenheiten und geistiger Vorgänge gibt […] Diese Ausnahmezustände wurden nur wenigen Auserwählten zuteil, den Eingeweihten, denen in den Mysterienstätten die inneren Sinne geöffnet wurden, so daß sie hineinblicken konnten in die geistige Welt.|103|154}}&lt;br /&gt;
{{GS|Zu allen Zeiten der nachatlantischen Menschheitsentwickelung war ein Eingeweihter der, der sich erheben konnte über die äußere physisch-sinnliche Welt und eigene Erlebnisse, eigene Erfahrungen haben konnte in den geistigen Welten […]|103|183}}&lt;br /&gt;
{{GS|Der Eingeweihte muß in seiner Heimatlosigkeit schon von vornherein immer die gleichen Keime aufnehmen zu der großen Bruderliebe. Das wurde symbolisch angedeutet in alten Zeiten dadurch, daß geschildert wird, was der Eingeweihte alles für Wanderungen durchgemacht hat, zum Beispiel bei Pythagoras.|103|185}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einweihung&lt;br /&gt;
{{GS|Ein Mensch, der eingeweiht worden war [alte Einweihung], konnte selbst Erlebnisse, Erfahrungen haben in den geistigen Welten, so daß er ein Zeuge werden konnte der geistigen Welten […] Überall in Griechenland, bei den Chaldäern, bei den Ägyptern, bei den Indern gab es solche Mysterien.|103|64}}&lt;br /&gt;
{{GS|Dieser dreieinhalb Tage lange todähnliche Schlaf [alte Einweihung] kann nunmehr durch die von Christus ausgehende Kraft ersetzt werden […] wir werden gleich sehen, daß im Johannes-Evangelium die starken Kräfte liegen, daß heute der Astralleib, auch wenn der Ätherleib im physischen Leibe drinnen ist, die Stärke hat, trotzdem abzudrücken, was vorher in ihm vorbereitet war.|103|66}}&lt;br /&gt;
{{GS|Durch den Christus Jesus sollte an die Stelle der alten Einweihung eine neue treten […] Es sollte gleichsam der Schlußpunkt gemacht werden mit der alten Form der Einweihung.|103|66}}&lt;br /&gt;
{{GS|Daher haben wir in dem ersten Teile des Johannes-Evangeliums das Zeugnis des alten Johannes, in dem zweiten Teil das Zeugnis des neuen Johannes, den der Herr selbst eingeweiht hat. Denn derselbe ist der auferweckte Lazarus […] Johannes sagen wollte: […] ich erzähle euch, was ich gesehen habe in der geistigen Welt dadurch, daß mir der Herr die Einweihung hat zuteil werden lassen.|103|67}}&lt;br /&gt;
{{GS|Es gibt eben Einweihungen verschiedener Grade. Man unterschied zum Beispiel in einer gewissen Form morgenländischer Einweihung sieben Grade der Einweihung […] und diese sieben Grade der Einweihung benannte man mit allerlei symbolischen Namen […] «Raben» […] «Okkulten» […] «Streiters» […] «Löwe» […] «Perser» […] «Sonnenhelden» […] «Vaters»|103|85}}&lt;br /&gt;
{{GS|Durch die Kraft des Christus, der auf die Erde gekommen ist, soll der Menschensohn wiederum zum Göttlichen erhöht werden. Vorher konnten nur einzelne Auserlesene auf die Art der alten Mysterien-Einweihung hineinschauen in die göttlich-geistige Welt.|103|117}}&lt;br /&gt;
{{GS|Das war die erste religiöse Grundempfindung in der nachatlantischen Zeit, und Yoga war die erste Form der Einweihung in der nachatlantischen Zeit.|103|154}}&lt;br /&gt;
{{GS|Ein unpersönliches Aufgehen in der geistigen Welt ist vor allem das, was die älteste Form der Einweihung auszeichnet.|103|157}}&lt;br /&gt;
{{GS|Dreieinhalb Epochen, die in alten Zeiten, wie wir schon erwähnt hatten, durch dreieinhalb Tage dargestellt waren, war der Einzuweihende in einem lethargischen Schlaf. An jedem Tage erlebte der Einzuweihende etwas anderes in Bezug auf die geistigen Welten.|103|179}}&lt;br /&gt;
{{GS|So sehen Sie, daß es bei der Einweihung darauf ankommt, den astralischen Leib auf dem Umwege durch die Tageserlebnisse so zu beeinflussen, daß er, wenn er ganz frei ist, in der Nacht sich selbst eine neue plastische Gestalt gibt.|103|193}}&lt;br /&gt;
{{GS|Denn es gibt ein natürliches Gesetz für alle Eingeweihten, das sie dazu veranlaßt, keinem suchenden Menschen ein ihm gebührendes Wissen vorzuenthalten.|10|18}}&lt;br /&gt;
{{GS|Einweihung ist Entwickelung der in jeder Seele schlummernden Kräfte und Fähigkeiten.|104|43}}&lt;br /&gt;
{{GS|Das muß der erste Schritt der Einweihung sein: den Menschen während des Tageslebens etwas tun zu lassen, in seiner Seele sich etwas abspielen zu lassen, was fortwirkt, wenn der astralische Leib in der Nacht herausgezogen wird aus dem physischen und Ätherleib.|104|47}}&lt;br /&gt;
{{GS|Wenn der Mensch sich nur mit dem beschäftigt, womit sich die Menschen in unserem Zeitalter gemeiniglich befassen, so kann er keine Einweihung erhalten. Der Mensch muß so vorbereitet werden, daß er während des gewöhnlichen Tageslebens jene Übungen macht, die ihm von den Einweihungsschulen vorgeschrieben werden, Meditation, Konzentration und so weiter.|104|53}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eisen&lt;br /&gt;
{{GS|[...] wenn nicht die Erde im Gang ihrer Entwickelung mit einem anderen Planeten zusammengetroffen wäre: mit dem Mars. Vorher hatte die Erde kein Eisen, gab es kein Eisen im Blut; es gab überhaupt nicht solches Blut, von dem der Mensch heute abhängig ist|99|82}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Elohim [Hauptlichtgeister]&lt;br /&gt;
{{GS|Auf dieser Sonne konnten sich entwickeln sieben Hauptlichtgeister [Elohim] […] Nur sechs von ihnen nahmen auf der Sonne Wohnung […] Einer spaltete sich ab und ging einen anderen Weg zum Heile des Menschen, er wählte sich nicht die Sonne, sondern den Mond zu seinem Aufenthalte. Und dieser eine der Lichtgeister […] ist kein anderer als derjenige, den das Alte Testament «Jahve» oder «Jehova» nennt.|103|53}}&lt;br /&gt;
{{GS|Dasjenige, was wir den Logos nennen, das ist die Summe der sechs Elohim, die mit der Sonne vereinigt sind.|103|123}}&lt;br /&gt;
{{GS|[…] die historische Erscheinung des Christus Jesus bedeutet nichts anderes, als daß die Kräfte der sechs Elohim oder des Logos sich verkörpert haben in dem Jesus von Nazareth im Anfange unserer Zeitrechnung.|103|56}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Empfindung&lt;br /&gt;
{{GS|Aber es genügt nicht, daß der Mensch bloß das ansieht, was um ihn herum ist, sondern es kommt darauf an, wie sich daran die Empfindungen seines Herzens und seines Gemütes knüpfen, wie er dies oder jenes für höher oder niedriger hält […]|103|22}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Empfindungsleib&lt;br /&gt;
{{GS|Das, was nun während der altpersischen Kulturepoche ausgebildet wird, ist der eigentliche Astralleib oder der Empfindungsleib; er ist der Träger der eigentlichen Betätigungskräfte des Menschen.|103|171}}&lt;br /&gt;
{{GS|Die Kultur des alten Persertums besteht darin, daß das Ich in den Empfindungsleib gesenkt wird.|103|172}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Empfindungsseele&lt;br /&gt;
{{GS|Er [Mensch] hat in alten Zeiten unbewußt bearbeitet seinen astralischen Leib, und es ist der astralische Leib dadurch durchsetzt mit der Empfindungsseele.|103|128}}&lt;br /&gt;
{{GS|Was ist Empfindungsseele? Was vorzüglich bei dem empfindenden Menschen sich nach außen richtet, wodurch der wahrnehmende Mensch sich betätigt mit den Augen und den anderen Sinnen und wahrnimmt draußen in der Natur den waltenden Geist.|103|172}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erde [stoffliche Erscheinung]&lt;br /&gt;
{{GS|Unsere Erde hat ihren Ätherleib, ihren astralischen Leib […] Dieser ganze physische Erdenleib ist eingebettet in den Ätherleib der Erde und diese beiden zusammen wieder in einen astralischen Leib.|103|122}}&lt;br /&gt;
{{GS|Die Aura der Erde, Astralleib und Ätherleib bieten einen gewissen Anblick von Farben und Formen vor dem Ereignis von Golgatha; dann aber würde er sehen, wie die ganze Aura ihre Farben ändert […] Das ist derselbe Zeitpunkt, wo auf Golgatha das Blut aus den Wunden des Christus Jesus floß. Alle geistigen Verhältnisse der Erde als solche veränderten sich in diesem Augenblicke.|103|122}}&lt;br /&gt;
{{GS|Es gab also eine Zeit, da waren Sonne, Mond und Erde ein Körper […] Damals waren also die Kräfte, die heute in der Sonne sind, die geistigen und die physischen Kräfte, mit der Erde verbunden.|103|124}}&lt;br /&gt;
{{GS|Denn eine Zeitlang war die Erde von der Sonne getrennt, aber mit dem Mond noch vereinigt. Erst in der lemurischen Zeit trennte sich der Mond von der Erde, und da entstanden die Beziehungen zwischen den drei Körpern Sonne, Mond und Erde, wie sie heute sind.|103|124}}&lt;br /&gt;
{{GS|[…] durch das Ereignis von Golgatha, durch das die Kraft der Elohim in der Sonne oder die Kraft des Logos sich mit der Erde verband, wurde der Impuls gegeben, der Logoskraft zu Logoskraft wiederum hintreibt und die beiden Sonne und Erde zuletzt wieder zusammenbringen wird.|103|125}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erde [planetarische Verkörperung]&lt;br /&gt;
{{GS|So wie der Mensch von Verkörperung zu Verkörperung hindurchgeht […] so hat auch unsere Erde […]andere Zustände durchgemacht. Es gibt ebenso frühere Verkörperungen eines Planeten, wie es frühere Verkörperungen eines Menschen gibt.|103|27}}&lt;br /&gt;
{{GS|Ebenso nun wie beim Menschen ein Zeitraum liegt zwischen einer Verkörperung und einer neuen Geburt, so liegt ein Zeitraum zwischen der Verkörperung unseres Planeten, den wir als Erde bezeichnen, und desjenigen, den wir als den alten Mond bezeichnen.|103|27}}&lt;br /&gt;
{{GS|Ein Zustand, den man als Sonne bezeichnet, ging dem Mondenzustande unseres Planeten voran, und dem Sonnenzustande ging wieder ein Saturnzustand voran. So können wir zurückblicken auf drei frühere Verkörperungen unseres Planeten.|103|28}}&lt;br /&gt;
{{GS|Die Erde ist der planetarische Zustand für die Entwickelung der Liebe.|103|47}}&lt;br /&gt;
{{GS|Der Mensch ist Erdenbewohner, und Erdenbewohner sein, bedeutet ein Wesen sein, das sich die Liebe aneignet während der Erdenzeit.|103|53}}&lt;br /&gt;
{{GS|Stets wiederholt jeder Körper und ein jedes Wesen im Kosmos auf einer neuen Entwickelungsstufe die früheren Zustände, so daß unsere Erde rasch durchläuft den Saturnzustand, den Sonnenzustand und den Mondenzustand.|103|109}}&lt;br /&gt;
{{GS|Denn eine Zeitlang war die Erde von der Sonne getrennt, aber mit dem Mond noch vereinigt. Erst in der lemurischen Zeit trennte sich der Mond von der Erde, und da entstanden die Beziehungen zwischen den drei Körpern Sonne, Mond und Erde, wie sie heute sind.|103|124}}&lt;br /&gt;
{{GS|[…] durch das Ereignis von Golgatha, durch das die Kraft der Elohim in der Sonne oder die Kraft des Logos sich mit der Erde verband, wurde der Impuls gegeben, der Logoskraft zu Logoskraft wiederum hintreibt und die beiden Sonne und Erde zuletzt wieder zusammenbringen wird.|103|125}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erdenentwickelung, okkult&lt;br /&gt;
{{GS|Man faßt daher im Okkultismus die Erdenentwickelung so auf, daß man von zwei Hälften derselben spricht, von der Marshälfte und der Merkurhälfte. [...]|99|82}}&lt;br /&gt;
{{GS|Da ist im Beginne der Erdenentwickelung der kindliche Mensch, der die Liebe aufnehmen sollte und bereit war zur Aufnahme des Ich, und auf der anderen Seite die Sonne, die sich abspaltete und zu einem höheren Dasein aufstieg.|103|53}}&lt;br /&gt;
{{GS|Je weiter wir in der Erdenentwickelung zurückgehen, desto mehr finden wir, daß die festen Stoffe immer mehr unter dem Einfluß von wärmeren Zuständen in Flüssiges übergehen.|103|94}}&lt;br /&gt;
{{GS|Wenn wir ganz weit zurückgehen in der Erdenentwickelung, finden wir, daß dieser Menschenleib immer dünner und dünner wird|103|107}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erdenlaufbahn&lt;br /&gt;
{{GS|Am Ende der Erdenlaufbahn ist der Mensch durchdrungen von seinem Ich; und dieses sein Ich wohnt selber in dem Astralleib, wenn es als Manas oder Geistselbst den astralischen Leib durchzogen hat. Dieses Ich hat dann den Ätherleib durchzogen, er ist ganz und gar durchsetzt von der Buddhi oder dem Lebensgeiste; und der physische Leib ist ganz und gar durchzogen von Atman oder dem Geistesmenschen, den Produkten des Ich.|103|35}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erdenmenschen&lt;br /&gt;
{{GS|Der okkulte Sprachgebrauch nennt das, was heute im Bette liegt [physischer und ätherischer Leib], den eigentlichen Erdenmenschen.|103|116}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erinnerungs-Tableau&lt;br /&gt;
{{GS|Ein wichtiger Augenblick für den Menschen, der gestorben ist, ist der Moment unmittelbar nach dem Tode. [...] In diesem Zustande zieht vor der Seele des toten Menschen vorbei das ganze Leben der letzten Inkarnation wie in einem großen Erinnerungs-Tableau|99|37}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erkenne dich selbst&lt;br /&gt;
{{GS|[…] wenn man den Spruch «Erkenne dich selbst» im Griechischen betrachtet, heißt es nicht: Gaffe in dein Inneres hinein, sondern: Befruchte dein Selbst mit dem, was aus der geistigen Welt dir zuströmt.|103|200}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erkenntnis der höheren Welten&lt;br /&gt;
{{GS|Nur das eine muß freilich sich jeder klarmachen, daß derjenige, der ganz in der veräußerlichten Zivilisation unserer Tage darinnen steckt, es sehr schwer hat, zur Erkenntnis der höheren Welten vorzudringen.|10|22}}&lt;br /&gt;
{{GS|Denn alles, was höhere Erkenntnis, was höhere Vollkommenheit dem Menschen geben soll, hängt mit der Frage zusammen: Was bin ich und wozu bin ich bestimmt in unserem Zeitalter?|104|66}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erleuchtung&lt;br /&gt;
{{GS|[…] wenn der Mensch so weit vorbereitet ist, daß er seinen Astralleib der Katharsis unterworfen und dadurch seine inneren Erkenntnisorgane ausgebildet hat. Dann ist der Astralleib, wenn er jetzt untertaucht in den Ätherleib und physischen Leib, unter allen Umständen so weit, daß die Erleuchtung, der Photismos, erfolgt.|103|200}}&lt;br /&gt;
{{GS|Die christliche Esoterik nannte diesen gereinigten, geläuterten astralischen Leib, der in dem Augenblick, wo er der Erleuchtung unterworfen ist, nichts von den unreinen Eindrücken der physischen Welt in sich enthält, sondern nur die Erkenntnisorgane der geistigen Welt, die «reine, keusche, weise Jungfrau Sophia»|103|201}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Esoterisches Christentum&lt;br /&gt;
{{GS|Denn es ist nichts Geringeres in diesem Dokument enthalten als ein großer Teil der Mysterien des Christentums, es ist darin enthalten das Tiefste von dem, was wir als das esoterische Christentum zu bezeichnen haben. Kein Wunder daher, daß von allen christlichen Dokumenten auch gerade dieses Dokument am allermeisten mißverstanden worden ist.|104|37}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Evangelist&lt;br /&gt;
{{GS|So ist der Anblick der drei Evangelisten, der Synoptiker Matthäus, Markus, Lukas, gegenüber dem des Johannes, der nur von einer andern Stelle aus die Sache beschreibt.|103|20}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Evangelium&lt;br /&gt;
{{GS|Es kommen viele Widersprüche in den Evangelien vor, und man könne sich keinen klaren Begriff machen, wie es kommt, daß von vier Seiten in den vier Evangelien die Ereignisse in Palästina in verschiedener Weise erzählt werden.|103|13}}&lt;br /&gt;
{{GS|Nun hat sich in neuerer Zeit die Anschauung gebildet, daß man in bezug auf die drei ersten Evangelien einen gewissen Einklang über die Darstellung der palästinensischen Ereignisse sich bilden könne, daß das Johannes-Evangelium aber in einer weitgehenden Art abweiche von dem, was die drei ersten Evangelien erzählen.|103|13}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Artikel unten}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>ElkeJura</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://steiner.wiki/index.php?title=Gesamtglossar_K&amp;diff=11297</id>
		<title>Gesamtglossar K</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://steiner.wiki/index.php?title=Gesamtglossar_K&amp;diff=11297"/>
		<updated>2025-09-14T18:19:16Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;ElkeJura: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Artikel oben}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kamaloka&lt;br /&gt;
{{GS|Im physischen Leben ist es der Astralleib, der sich freut, der leidet, der seine Begierden, Triebe und Wünsche befriedigt durch die Organe des physischen Leibes. Nach dem Tode fehlen ihm diese physischen Instrumente. Die Begierde aber bleibt dem Menschen […]. Kama heißt Begierde, Wunsch; loka wäre der Ort, doch ist es in Wirklichkeit kein Ort, sondern ein Zustand. Kamaloka-Zeit bedeutet eben eine Zeit des Abgewöhnens der sinnlichen Lüste und Triebe. Diese Zeit dauert ungefähr ein Drittel des gewöhnlichen Lebens.|99|39f}}&lt;br /&gt;
{{GS|Wenn wir also schon im gewöhnlichen Leben so stark berührt werden können durch gewisse Erlebnisse, besonders wenn es Gefühlseindrücke waren, daß sie eine Gemütsverstimmung bewirken können, so werden wir begreifen, daß die viel stärkeren Eindrücke des Kamalokalebens sich so eindrücken können, daß sie bei einer neuen Inkarnation bis tief in die Organisation des physischen Leibes hineinwirken.|120|72}}&lt;br /&gt;
{{GS|Gerade während der Kamalokazeit, weil der Mensch seinen alten astralischen Leib noch hat, bewirkt das Durchgemachte die tiefsten Gefühlserlebnisse.|120|72}}&lt;br /&gt;
{{GS|Wir könnten die verschiedensten Beispiele anführen, die uns alle zeigen, wie der Mensch aus den Erfahrungen seiner Kamalokazeit heraus geradezu die Gelegenheiten aufsucht, diese oder jene Krankheit zu bekommen, um durch ihre Überwindung und durch die Entfaltung der selbstheilenden Kräfte die Kräfte zu gewinnen, welche ihn die Lebensbahn im ganzen hinauf- führen.|120|82}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Karma&lt;br /&gt;
{{GS|Wenn aber einer wirklich an das «Ich-bin» im christlichen Sinne glaubt, richtet er nicht; dann sagt er: Ich weiß, daß das Karma der große Ausgleicher ist.|103|133}}&lt;br /&gt;
{{GS|Ohne daß eine Wirkung erzeugt wird, die wieder zurückfällt auf das Ding oder die Wesenheit, welche diese Wirkung hervorbringt, ohne diese Eigentümlichkeit des Zurückwirkens der Wirkung auf das verursachende Wesen ist der Karmabegriff nicht zu denken.|120|13}}&lt;br /&gt;
{{GS|Wir dürfen erst von einem Karma sprechen, wenn die Wirkung, die auf das Wesen zurückschlägt, beim Zurückschlagen auf dasselbe Wesen trifft, […].|120|13}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Karmagesetz&lt;br /&gt;
{{GS|[…] Dieses Gesetz, dem wir da begegnen, wie Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Menschen zusammenhängen, wird in der geisteswissenschaftlichen Literatur das Karmagesetz genannt. Es ist das wahre Schicksalsgesetz des Menschen.&amp;quot;[…] &amp;quot;denn was wir das Karmagesetz nennen, ist ein ganz allgemein kosmisches Gesetz, und seine Geltung im menschlichen Leben ist nur ein Spezialfall.|99|62}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Karmische Folgen&lt;br /&gt;
{{GS|Das zeigt uns, wie in die Linie der karmischen Folgen unser Wille eingreifen und etwas schaffen kann, was an Stelle von sonst eingetretenen karmischen Wirkungen steht.|120|23}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Karmische Wirkungen&lt;br /&gt;
{{GS|Das zeigt uns, wie in die Linie der karmischen Folgen unser Wille eingreifen und etwas schaffen kann, was an Stelle von sonst eingetretenen karmischen Wirkungen steht.|120|23}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Katharsis [Reinigung]&lt;br /&gt;
{{GS|Man nennt mit einem alten Ausdruck die Bearbeitung des astralischen Leibes auf dem Umwege durch Meditation und Konzentration «Katharsis», Reinigung. Diese Katharsis oder Reinigung hat ja das Ziel, alles das aus dem astralischen Leibe herauszuwerfen, was ihn hindert, harmonisch und regulär organisiert zu sein, so daß er höhere Organe erlangen kann […].|103|195}}&lt;br /&gt;
{{GS|Geläutert und gereinigt, veredelt, der Katharsis unterworfen werden muß des Menschen Inneres, mit anderen Worten, sein Astralleib. Dann kann er erwarten, daß das äußere Geistige zu seiner Erleuchtung in ihn einströmt […] und dadurch seine inneren Erkenntnisorgane ausgebildet hat.|103|200}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kausalkörper&lt;br /&gt;
{{GS|[…] kommt der Moment, wo der Astralleib […] wiederum sich herauslöst aus dem Ätherleib. Dieser letztere trennt sich ab, das Erinnerungs-Tableau verglimmt. […]. eine Art Essenz bleibt davon […]. Er nimmt sie wie eine Art Extrakt aus dem Lebens-Tableau mit in alle seine zukünftigen Inkarnationen […]. Das, what sich aus diesem Erinnerungsextrakt bildet, nennt man konkret-real den Kausalleib.|99|38f}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kehlkopf&lt;br /&gt;
{{GS|[…] die Art der Fortpflanzung wird sich ändern. […]. Dasjenige Organ, das sich heute schon darauf vorbereitet, das zukünftige Fortpflanzungsorgan zu werden, ist der menschliche Kehlkopf.|99|147}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kind&lt;br /&gt;
{{GS|Der Mensch kann einen in sich regen Geist bis an sein Lebensende dadurch haben, daß wir ihn als Kind in der Weise erzogen haben, wie es jetzt eben beschrieben worden ist: daß wir auf sein Seelenleben, auf alles, was lebendig in ihm sitzt, Rücksicht genommen haben.|120|20}}&lt;br /&gt;
{{GS|Nützlich ist es für jeden, in solcher Art Kindern zuzuhören. Auch der Weiseste kann unermeßlich viel von Kindern lernen. So bringt es der Mensch dazu, die Worte des anderen ganz selbstlos zu hören, mit vollkommener Ausschaltung seiner eigenen Person, deren Meinung und Gefühlsweise.|10|51}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kinder Gottes&lt;br /&gt;
{{GS|[…] die Eingeweihten; die erhoben sich zu den geistigen Welten; die trugen immer den Namen «Kinder Gottes», weil sie eine Erkenntnis hatten von dem Logos, von dem Licht und Leben, und immer davon Zeugnis ablegen konnten.|103|76}}&lt;br /&gt;
{{GS|Diejenigen, die früher «Gotteskinder» genannt wurden, waren immer schon in gewisser Weise die «Eingeborenen»; und die Lehre von dem Gottessohn ist die Lehre von dem «Eingeborenen».|103|78}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Komet&lt;br /&gt;
{{GS|Nun ist die Substanz eines Kometen nicht eine solche mit Gesetzen, wie sie in unserem gewöhnlichen, regulären Sonnensystem bestehen, sondern mit Gesetzen, wie sie im alten Mondendasein existiert haben.|120|31}}&lt;br /&gt;
{{GS|Der Halleysche Komet ist der äußere Ausdruck - jedesmal, wenn er in die Sphäre unseres Erdendaseins hineinkommt - zu einem neuen Impuls zum Materialismus.|120|32}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kontemplation&lt;br /&gt;
{{GS|[…] Meditation, Konzentration oder Kontemplation. Das sind Übungen, die ebenso streng vorgeschrieben sind in den entsprechenden Schulen wie in den Laboratorien das Mikroskopieren und so weiter. Wenn ein Mensch solche Übungen macht, wirken sie so intensiv auf ihn ein, daß der astralische Leib, wenn er herausrutscht während des Schlafes, sich plastisch umgestaltet.|103|189}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Konzentration&lt;br /&gt;
{{GS|[…] Meditation, Konzentration oder Kontemplation. Das sind Übungen, die ebenso streng vorgeschrieben sind in den entsprechenden Schulen wie in den Laboratorien das Mikroskopieren und so weiter. Wenn ein Mensch solche Übungen macht, wirken sie so intensiv auf ihn ein, daß der astralische Leib, wenn er herausrutscht während des Schlafes, sich plastisch umgestaltet.|103|189}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kosmos der Weisheit&lt;br /&gt;
{{GS|Wir haben den alten Mond den «Kosmos der Weisheit» genannt. Dieser alte Mond hatte auf einer gewissen Stufe seiner Entwickelung das nicht, was wir heute Erde, feste Erde nennen.|103|107}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kraft&lt;br /&gt;
{{GS|Der Geheimschüler muß die Kraft suchen, sich selbst in gewissen Zeiten wie ein Fremder gegenüberzustehen.|10|31}}&lt;br /&gt;
{{GS|Es gehört gewiß in mancher Lebenslage eine große Kraft dazu, sich Augenblicke innerer Ruhe zu schaffen. Aber je größer die notwendige Kraft, desto bedeutender ist auch das, was erreicht wird.|10|36}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Krankheit&lt;br /&gt;
{{GS|Krankheiten, die man erträgt, kommen im nächsten Leben oftmals als besondere Schönheit in der Körperlichkeit zum Vorschein, […]. Erst durch eine Krankheit der Muschel entsteht die Perle.|99|68}}&lt;br /&gt;
{{GS|[…] dadurch, daß der physische Leib noch nicht vom Ich durchkraftet ist, dadurch ist möglich Krankheit und Tod.|103|129}}&lt;br /&gt;
{{GS|Wir könnten die verschiedensten Beispiele anführen, die uns alle zeigen, wie der Mensch aus den Erfahrungen seiner Kamalokazeit heraus geradezu die Gelegenheiten aufsucht, diese oder jene Krankheit zu bekommen, um durch ihre Überwindung und durch die Entfaltung der selbstheilenden Kräfte die Kräfte zu gewinnen, welche ihn die Lebensbahn im ganzen hinauf- führen.|120|82}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Krieg aller gegen alle&lt;br /&gt;
{{GS|Das sie­ben­te Kul­tur­zei­tal­ter spielt sich ab vor dem Krieg al­ler ge­gen al­le. Da se­hen wir die­se furcht­ba­re Ver­wüs­tung der Kul­tur her­an­kom­men und se­hen das klei­ne Häuf­lein von Men­schen, das ver­stan­den hat, das spi­ri­tu­el­le Prin­zip in sich auf­zu­neh­men und das sich hin­weg­ret­ten wird ge­gen­über der all­ge­mei­nen Zer­trüm­me­rung durch den Ego­is­mus.|104|68}}{{GS|[…] daß un­se­re sie­ben Kul­tur­stu­fen ihr En­de fin­den wer­den durch den Krieg al­ler ge­gen al­le […] Wir müs­sen nur ein­mal ins Au­ge fas­sen, was die Grund­la­ge, die ei­gent­li­che Ur­sa­che die­ses Krie­ges ist. Die­se Grund­la­ge oder Ur­sa­che ist das Über­hand­neh­men des Ego­is­mus, der Ich­sucht, der Selbst­heit der Men­schen.|104|156}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kulturentwicklungsperioden, Kulturepochen&lt;br /&gt;
{{GS|[…] erinnern wir uns, daß uns klar geworden […] daß die nachatlantische Menschheit, also diejenige Menschheit, zu der wir im engeren Sinne selbst gehören, die sich entwickelt hat nach der atlantischen Flut, in sieben Unterabteilungen zerfällt […]. Es handelt sich um Kulturentwickelungsperioden […].|103|168}}&lt;br /&gt;
{{GS|[…] die nachatlantische Zeit einteilen erstens in die alte indische Epoche, zweitens in die altpersische, drittens in die babylonisch-assyrisch-chaldäisch-ägyptische, viertens in die griechisch-lateinische und fünftens in die Epoche, in der wir jetzt leben; die unsrige wird abgelöst werden von einer sechsten und einer siebenten Entwickelungsepoche.|103|169}}&lt;br /&gt;
{{GS|Das sie­ben­te Kul­tur­zei­tal­ter spielt sich ab vor dem Krieg al­ler ge­gen al­le. Da se­hen wir die­se furcht­ba­re Ver­wüs­tung der Kul­tur her­an­kom­men und se­hen das klei­ne Häuf­lein von Men­schen, das ver­stan­den hat, das spi­ri­tu­el­le Prin­zip in sich auf­zu­neh­men und das sich hin­weg­ret­ten wird ge­gen­über der all­ge­mei­nen Zer­trüm­me­rung durch den Ego­is­mus.|104|68}}&lt;br /&gt;
{{GS|Des­halb sp­re­chen wir auch von Kul­tur­zei­tal­tern im Ge­gen­satz zu Ras­sen. Al­les das, was et­wa ver­knüpft ist mit dem Ras­sen­be­griff, ist noch Über­b­leib­sel des Zei­trau­mes, der dem un­se­ren vor­an­ge­gan­gen ist, des at­lan­ti­schen. Wir le­ben im Zei­traum der Kul­tu­re­po­chen.|104|69}}&lt;br /&gt;
{{GS|So ha­ben wir im ent­schie­dens­ten Sin­ne ei­nen ab­s­tei­gen­den Kul­tur­weg bis in un­se­re Zeit, in die fünf­te Kul­tu­re­po­che hin­ein, und im­mer tie­fer und tie­fer wür­de es hin­un­ter­ge­hen. Des­halb muß vor dem völ­li­gen Hin­un­ter­g­lei­ten in die Ma­te­rie die Mensch­heit durch ei­nen neu­en Im­puls be­wahrt wer­den. So tief ist vor­her noch nie­mals das We­sen des Men­schen hin­un­ter­ge­s­tie­gen in die Ma­te­rie.|104|77}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1. Kulturepoche, Ephesos&lt;br /&gt;
{{GS|Die­se ers­te Epo­che in der nachat­lan­ti­schen Zeit ist al­so re­prä­sen­tiert in der ephe­si­schen Ge­mein­de, und das, was zu ver­kün­den ist, soll in ei­nem Brie­fe an die Ge­mein­de von Ephe­sus ver­kün­det wer­den.|104|77}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2. Kulturepoche Smyrna&lt;br /&gt;
{{GS|Der Re­prä­sen­tant der zwei­ten Kul­tu­re­po­che ist die Ge­mein­de oder Kir­che zu Smyr­na. Die­se re­det der Füh­rer der Mensch­heit an in sei­nem zwei­ten Vor­fah­ren, in dem In­spi­ra­tor und Meis­ter der uralt-per­si­schen Kul­tur.|104|79}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3. Kulturepoche Pergamon&lt;br /&gt;
{{GS|Nun ge­hen wir wei­ter, zur Ge­mein­de zu Per­ga­mus. Sie ist der Re­prä­sen­tant je­ner Epo­che der Mensch­heit, die mehr und mehr her­au­s­t­rat auf den phy­si­schen Plan, wo der Mensch in der Ster­nen­schrift sah, was sein Geist er­grün­den konn­te.|104|80}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
4. Kulturepoche Thyatira&lt;br /&gt;
{{GS|[…] die vier­te Kul­tu­re­po­che. Da er­scheint der Er­lö­ser, Chris­tus Je­sus, sel­ber. Es ist die Ge­mein­de zu Thya­ti­ra. Da kün­digt er sich an als der «Sohn Got­tes, der Au­gen hat wie Feu­er­flam­men und sei­ne Fü­ße gleich wie Mes­sing». Jetzt kün­digt er sich an als Sohn Got­tes, jetzt ist er der Füh­rer der vier­ten Kul­tu­re­po­che […].|104|82}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Artikel unten}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>ElkeJura</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://steiner.wiki/index.php?title=Gesamtglossar_I&amp;diff=11296</id>
		<title>Gesamtglossar I</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://steiner.wiki/index.php?title=Gesamtglossar_I&amp;diff=11296"/>
		<updated>2025-09-14T18:17:13Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;ElkeJura: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Artikel oben}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich&lt;br /&gt;
{{GS|Auf der Erde endlich kam zum physischen Leib, Ätherleib und astralischen Leib das Ich hinzu, und das Ich, das jetzt hineinschlüpfte in diesen dreifachen Zusammenhang, gestaltete diesen physischen Leib wiederum um, so daß er endlich dieser komplizierte Zusammenhang wurde, der er heute ist.|103|28}}&lt;br /&gt;
{{GS|Bei jedem Menschen ist der astralische Leib so, daß er Manas oder Geistselbst enthält; das ist ein Werk des Ich, ein Produkt der Arbeit des Ich.|103|34}}&lt;br /&gt;
{{GS|Am Ende der Erdenlaufbahn ist der Mensch durchdrungen von seinem Ich; und dieses sein Ich wohnt selber in dem Astralleib, wenn es als Manas oder Geistselbst den astralischen Leib durchzogen hat. Dieses Ich hat dann den Ätherleib durchzogen, er ist ganz und gar durchsetzt von der Buddhi oder dem Lebensgeiste; und der physische Leib ist ganz und gar durchzogen von Atman oder dem Geistesmenschen, den Produkten des Ich.|103|35}}&lt;br /&gt;
{{GS|Zum erstenmal trat das in der alten lemurischen Zeit ein, was wir nennen die Verkörperung des Ich, der eigentlichen innersten Wesenheit des Menschen, in den drei Leibern, im astralischen Leib, Ätherleib und physischen Leib.|103|44}}&lt;br /&gt;
{{GS|[…] der Träger der Liebe kann nur das selbständige Ich sein, das sich nach und nach im Laufe der Erdenentwickelung herausbildet.|GS|50}}&lt;br /&gt;
{{GS|Das ist der große Vorzug des Menschen vor den Tieren, daß der Mensch ein individuelles Ich hat. Aber das individuelle Ich entwickelt sich erst nach und nach. Der Mensch fing auch an mit einem Gruppen-Ich […].|103|71}}&lt;br /&gt;
{{GS|[…] die ganze Mission des Christus […] besteht darin, dem Menschen die volle Kraft des Ich, die innere Selbständigkeit in die Seele zu bringen […] in völligem Stehen-in-sich-selber fühlen, und durch die Liebe, die als eine freie Gabe gegeben wird, soll Mensch mit Mensch zusammengeführt werden.|103|89}}&lt;br /&gt;
{{GS|Ich [der Christus] spreche, wenn ich von mir spreche, in höherem Sinne gar nicht von meinem in mir darin sitzenden Ich, sondern wenn ich von dem «Ich-bin» spreche, so spreche ich von einer Wesenheit, von etwas, was jeder in sich findet […].|103|99}}&lt;br /&gt;
{{GS|Durch unzählige Reden will Christus sagen: Wenn ich von dem Ich spreche, so spreche ich von dem ewigen Ich im Menschen, das eins ist mit dem geistigen Urgrund der Welt.|103|100}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich bin [Selbstbewusstsein, Ich-Bewusstsein]&lt;br /&gt;
{{GS|[…] der Christus ist derjenige, der den Impuls gibt, daß die Menschen alle jeder als einzelnes Wesen empfinden können das «Ich-bin». Jetzt erst ist der mächtige Impuls gegeben, der die Menschen auf der Erde mit einem gewaltigen Ruck nach vorwärts bringt.|103|58}}&lt;br /&gt;
{{GS|Der Christus Jesus war der große Beleber des «Ich-bin».|103|59}}&lt;br /&gt;
{{GS|So löste sich nach und nach langsam das menschliche Einzel-Ich aus der Gruppenseele, aus dem Gruppen-Ich heraus; der Mensch kam nach und nach zum Bewußtsein seines Einzel-Ichs.|103|73}}&lt;br /&gt;
{{GS|[…] wenn der Christus sagt: «Ich bin das Licht der Welt» (8, 12), damit wirklich gemeint ist, daß er der erste war, der für das «Ich-bin» den Ausdruck und Impuls gegeben hat.|103|75}}&lt;br /&gt;
{{GS|Was Jahve getan hat, war, daß er in den astralischen Leib das Gruppenseelen-Ich hineingelegt und ihn so vorbereitet hat zur langsamen Reifung, um aufzunehmen das völlig selbständige «Ich-bin».|103|91}}&lt;br /&gt;
{{GS|Ich [der Christus] spreche, wenn ich von mir spreche, in höherem Sinne gar nicht von meinem in mir darin sitzenden Ich, sondern wenn ich von dem «Ich-bin» spreche, so spreche ich von einer Wesenheit, von etwas, was jeder in sich findet […].|103|99}}&lt;br /&gt;
{{GS|Wie geschieht seine [Mensch] Entwickelung? Dadurch, daß der Mensch von seinem Ich aus nach und nach die drei anderen Glieder durcharbeitet, durchläutert, durchkraftet.|103|127}}&lt;br /&gt;
{{GS|[…] der Christus sagt: Das tiefste Geheimnis meines Wesens ist das «Ich-bin»; und die wahre und ewige Gewalt des «Ich-bin» oder des Ich, die die Kraft hat, die anderen Leiber zu durchdringen, muß einfließen in den Menschen.|103|132}}&lt;br /&gt;
{{GS|Wir haben gesehen, daß eigentlich erst in der späteren atlantischen Zeit die Menschen in die Lage gekommen sind, das Ich oder «Ich-bin» zu empfinden. Denn solange die Menschen die geistigen Bilder sahen, waren sie sich auch klar, daß sie selbst der geistigen Welt angehörten.|103|156}}&lt;br /&gt;
{{GS|Als Moses den Ruf hört: «Sage, wenn du meinen Namen verkünden wirst, der Ich-bin habe dir das gesagt!», da ertönt zum erstenmal die Kunde und Offenbarung des Logos, des Christus.|103|159}}&lt;br /&gt;
{{GS|Als die atlantische Flut eintrat, war der physische Leib des Menschen von der Gewalt dieses «Ich-bin» durchdrungen; das heißt, der Mensch war damals so weit, das physische Werkzeug vorbereitet zu haben für das Ich-Bewußtsein oder das Selbstbewußtsein.|103|170}}&lt;br /&gt;
{{GS|[…] der physische Leib wurde bis zur atlantischen Flut hin reif, ein Ichträger zu sein.|103|170}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Individum&lt;br /&gt;
{{GS|Es wird dahin kommen, daß alle Rassen- und Stammeszusammenhänge wirklich aufhören. Der Mensch wird vom Menschen immer verschiedener werden. […] Diese Unterschiede werden immer mehr verschwinden, je mehr das individuelle Element die Oberhand gewinnt.|99|129}}{{GS|Nur der al­lein ver­steht das Ich, der da weiß, daß, nach­dem er sich die­ses Ich er­run­gen hat im Lau­fe der kos­mi­schen Ent­wi­cke­lung, es nun­mehr un­ver­lier­bar ist, und der Mensch muß vor al­len Din­gen nach der star­ken Kraft st­re­ben, wenn er die Wel­ten­mis­si­on ver­steht, die­ses Ich im­mer in­ner­li­cher, im­mer gött­li­cher zu ma­chen.|104|157}}{{GS|Wer nicht be­g­reift, daß die­ses Ich ein zwei­schnei­di­ges Schwert ist, der wird kaum den gan­zen Sinn der Mensch­heits- und Wel­ten­ent­wi­cke­lung ver­ste­hen.|104|156}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Inkarnation&lt;br /&gt;
{{GS|Der Sinn dieser Entwickelung durch die Inkarnationen hindurch ist der, daß von Verkörperung zu Verkörperung das Ich arbeitet an sich, daß es umgestaltet die drei Glieder seiner Wesenheit.|103|33}}&lt;br /&gt;
{{GS|Als der Mensch vor seiner ersten Inkarnation war, da war das Ich noch nicht verbunden mit den drei Gliedern, physischem Leib, Ätherleib und astralischem Leib.|103|37}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Innenwelt&lt;br /&gt;
{{GS|So erst verlegt er den Mittelpunkt seines Wesens in sein Inneres. Er hört auf die Stimmen in seinem Innern, die in den Augenblicken der Ruhe zu ihm sprechen; er pflegt im Innern Umgang mit der geistigen Welt.|10|37}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Israeliter [5. Einweihungsgrad]&lt;br /&gt;
{{GS|Da haben Sie die Bezeichnung nach dem Namen des Volkes. Wie man bei den Persern einen im fünften Grade Eingeweihten einen «Perser» nannte, so nannte man einen solchen bei den Israeliten einen «Israeliter». Daher nennt Christus den Nathanael einen «Israeliter».|103|86}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Artikel unten}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>ElkeJura</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://steiner.wiki/index.php?title=GA_104&amp;diff=11295</id>
		<title>GA 104</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://steiner.wiki/index.php?title=GA_104&amp;diff=11295"/>
		<updated>2025-09-14T18:14:44Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;ElkeJura: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Artikel oben}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;notiz1 centered&amp;quot; width=&amp;quot;100%&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Jeden &#039;&#039;&#039;Dienstag&#039;&#039;&#039; live ab &#039;&#039;&#039;19h&#039;&#039;&#039;. Die Vorträge sind frei zugänglich und können wenig später auch als Video, Audio und als transkripierter Text abgerufen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;center&amp;gt;Mehr Infos dazu auf auf [[Datei:Rosenfenster-gelb.png|20px|link=https://anthro.world/Die_Apokalypse_des_Johannes_-_alle_Vorträge_von_Wolfgang_Peter|anthro.world]]&amp;amp;nbsp;[https://anthro.world/Die_Apokalypse_des_Johannes_-_alle_Vorträge_von_Wolfgang_Peter anthro.world]&amp;lt;/center&amp;gt;&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
[[Datei:GA104.jpg|thumb|{{RSV|104}}]]&lt;br /&gt;
__NOTOC__&lt;br /&gt;
&amp;lt;div class=&amp;quot;center&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;h3&amp;gt;RUDOLF STEINER&amp;lt;/h3&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;h3&amp;gt;VORTRÄGE&amp;lt;/h3&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;h4&amp;gt;VORTRÄGE VOR MITGLIEDERN&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
DER ANTHROPOSOPHISCHEN GESELLSCHAFT&amp;lt;/h4&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;h3&amp;gt;Die Apokalypse des Johannes&amp;lt;/h3&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;h5&amp;gt;Ein Zyklus von zwölf Vorträgen&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
mit einem einleitenden öffentlichen Vortrag&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
gehalten in Nürnberg&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
vom 17. bis 30. Juni 1908&amp;lt;/h5&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;h3&amp;gt;GA 104&amp;lt;/h3&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;h3&amp;gt;1985&amp;lt;/h3&amp;gt;&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
= Inhaltsverzeichnis =&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;font-family: &#039;Baar Zeitgeist&#039;; font-size: 100%;&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
* [[GA 104#Aus dem Geleitwort von Marie Steiner zur ersten Buchauflage von 1945|Aus dem Geleitwort von Marie Steiner zur ersten Buchauflage von 1945]]&lt;br /&gt;
* [[GA 104#Öffentlicher Vortrag, Nürnberg, 17. Juni 1908|Öffentlicher Vortrag, Nürnberg, 17. Juni 1908]]&lt;br /&gt;
** [[GA 104#Geis­tes­wis­sen­schaft, Evan­ge­li­um und Men­schen­heits­zu­kunft|Geis­tes­wis­sen­schaft, Evan­ge­li­um und Men­schen­heits­zu­kunft]]&lt;br /&gt;
* [[GA 104#ERSTER VORTRAG, Nürnberg, 18. Juni 1908|ERSTER VORTRAG, Nürnberg, 18. Juni 1908]]&lt;br /&gt;
* [[GA 104#ZWEITER VORTRAG, Nürnberg, 19. Juni 1908|ZWEITER VORTRAG, Nürnberg, 19. Juni 1908]]&lt;br /&gt;
* [[GA 104#DRITTER VORTRAG, Nürnberg, 20. Juni 1908|DRITTER VORTRAG, Nürnberg, 20. Juni 1908]]&lt;br /&gt;
* [[GA 104#VIERTER VORTRAG, Nürnberg, 21. Juni 1908|VIERTER VORTRAG, Nürnberg, 21. Juni 1908]]&lt;br /&gt;
* [[GA 104#FÜNFTER VORTRAG, Nürnberg, 22 Juni 1908|FÜNFTER VORTRAG, Nürnberg, 22 Juni 1908]]&lt;br /&gt;
* [[GA 104#SECHSTER VOTRAG, Nürnberg, 23. Juni 1908|SECHSTER VOTRAG, Nürnberg, 23. Juni 1908]]&lt;br /&gt;
* [[GA 104#SIEBENTER VORTRAG, Nürnberg, 24. Juni 1908|SIEBENTER VORTRAG, Nürnberg, 24. Juni 1908]]&lt;br /&gt;
* [[GA 104#ACHTER VOTRAG, Nürnberg, 25. Juni 1908|ACHTER VOTRAG, Nürnberg, 25. Juni 1908]]&lt;br /&gt;
* [[GA 104#NEUNTER VORTRAG, Nürnberg, 26. Juni 1908|NEUNTER VORTRAG, Nürnberg, 26. Juni 1908]]&lt;br /&gt;
* [[GA 104#ZEHNTER VORTRAG, Nürnberg, 27. Juni 1908|ZEHNTER VORTRAG, Nürnberg, 27. Juni 1908]]&lt;br /&gt;
* [[GA 104#ELFTER VORTRAG, Nürnberg, 29. Juni 1908|ELFTER VORTRAG, Nürnberg, 29. Juni 1908]]&lt;br /&gt;
* [[GA 104#ZWÖLFTER VORTRAG, Nürnberg, 30. Juni 1908|ZWÖLFTER VORTRAG, Nürnberg, 30. Juni 1908]]&lt;br /&gt;
* [[GA 104#Hinweise|Hinweise]]&lt;br /&gt;
* [[GA 104#Sonderhinweis zur Ent­wick­lung der Zahl 666 im 1. Vor­trag|Sonderhinweis zur Ent­wick­lung der Zahl 666 im 1. Vor­trag]]&lt;br /&gt;
* [[GA 104#Zeichen und Entwicklung der drei Logoi in der Mensch­heit|Zeichen und Entwicklung der drei Logoi in der Mensch­heit]]&lt;br /&gt;
** [[GA 104#Nie­der­schrift für Edu­ard Schu­ré im Mai 1907|Nie­der­schrift für Edu­ard Schu­ré im Mai 1907]]&lt;br /&gt;
* [[GA 104#Korrekturen für die 6. Aufla­ge 1979 ge­gen­über der 5. Aufla­ge 1952|Korrekturen für die 6. Aufla­ge 1979 ge­gen­über der 5. Aufla­ge 1952]]&lt;br /&gt;
* [[GA 104#Ausführliche Inhaltsangaben von Marie Steiner|Ausführliche Inhaltsangaben von Marie Steiner]]&lt;br /&gt;
* [[GA 104#Über die Vortragsnachschriften Rudolf Steiners|Über die Vortragsnachschriften Rudolf Steiners]]&lt;br /&gt;
* [[GA 104#Glossar|Glossar]]&lt;br /&gt;
* [[GA 104#Literatur|Literatur]]&lt;br /&gt;
&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|9}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Aus dem Geleitwort von Marie Steiner zur ersten Buchauflage von 1945 =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Pri­vat­druck in Ma­schi­nen­schrift ist die­ser in die Apo­ka­lyp­se ein­füh­r­en­de Vor­trags­zy­k­lus schon in zwei Aufla­gen er­schie­nen. Lan­ge Zeit ha­ben die Her­aus­ge­ber, trotz vie­ler Bit­ten, ge­zö­gert, ihn als Buch her­aus­zu­brin­gen, weil je­ne, die 1908 das ge­spro­che­ne Wort ge­hört ha­ben, in der Nach­schrift durch die Kür­zun­gen ge­stört wur­den, wel­che der Ste­no­graph nicht hat­te um­ge­hen kön­nen, wenn er bis zum Schluß durch­hal­ten soll­te. So wur­de et­was von der er­leb­ten Er­schüt­te­rung ver­mißt: das Zün­den­de des im geis­ti­gen Feu­er er­strah­len­den Wor­tes. Jetzt, nach vie­len Jah­ren, fällt das nicht mehr so stö­rend auf; es tre­ten die ge­wal­ti­gen In­hal­te in ih­rer ob­jek­ti­ven Grö­ße her­vor, und die Sch­licht­heit der Spra­che scheint dem Drän­gen der su­chen­den See­le ent­ge­gen­zu­kom­men, oh­ne der Be­deut­sam­keit des Stof­fes Ab­bruch zu tun. Wie­der­ho­lun­gen und er­läu­tern­de Zwi­schen­be­trach­tun­gen hel­fen dem Ver­ständ­nis wei­ter rei­chen gleich­sam dem Wan­de­rer, der die stei­len Höhen er­k­lim­men will, ei­ne geis­ti­ge Hand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|10}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|11}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Öffentlicher Vortrag, Nürnberg, 17. Juni 1908 =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Geis­tes­wis­sen­schaft, Evan­ge­li­um und Men­schen­heits­zu­kunft ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nürn­berg kann im Herbst die­ses Jah­res ei­ne sc­hö­ne Jahr­hun­dert­fei­er be­ge­hen. Denn es war im Herbst 1808, als die­se Stadt in ih­ren Mau­ern ei­nen der größ­ten deut­schen Geis­ter auf­ge­nom­men hat, ei­nen der­je­ni­gen deut­schen Geis­ter, von de­nen frei­lich heu­te nicht ge­ra­de viel ge­spro­chen wird, des­sen Wer­ke noch we­ni­ger ver­stan­den wer­den, der aber für die Zu­kunft des men­sch­li­chen Geis­tes­le­bens, wenn er einst ver­stan­den wer­den wird, sehr viel be­deu­ten wird. Er ist al­ler­dings schwer zu ver­ste­hen, und des­halb mag es ei­ni­ge Zeit dau­ern, bis die Men­schen ihn wie­der be­g­rei­fen wer­den. Im Herbst 1808 wur­de He­gel Di­rek­tor des Kö­n­ig­li­chen Gym­na­si­ums in Nürn­berg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
He­gel hat ei­nen Aus­spruch ge­tan, den wir vi­el­leicht ge­ra­de heu­te als ei­nen Richt­spruch an die Spit­ze un­se­rer Be­trach­tun­gen set­zen dür­fen. He­gel sag­te: Der tiefs­te Ge­dan­ke ist mit der Ge­stalt Chris­ti: mit dem Ge­schicht­li­chen und Äu­ßer­li­chen ve­r­ei­nigt, und das ist eben das Gro­ße der christ­li­chen Re­li­gi­on, daß sie bei al­ler die­ser Tie­fe leicht vom Be­wußt­sein in äu­ßer­li­cher Hin­sicht auf­zu­fas­sen ist und zu­g­leich zum tie­fe­ren Ein­drin­gen auf­for­dert. Sie ist so für je­de Stu­fe der Bil­dung und be­frie­digt zu­g­leich die höchs­ten An­for­de­run­gen. Das sind Wor­te He­gels, des deut­schen Phi­lo­so­phen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daß die christ­li­che Re­li­gi­on, daß die Ver­kün­di­gung des Evan­ge­li­ums für je­de Stu­fe des Be­wußt­seins be­g­reif­lich ist, das hat ei­ne Zeit ge­lehrt, die fast schon nach Jahr­tau­sen­den zu rech­nen ist. Daß sie auf­for­dert zu den tiefs­ten Ge­dan­ken, zu dem tiefs­ten Ein­drin­gen in die Weis­heits­leh­ren des Men­schen­tums über­haupt, das zu zei­gen wird ei­ne der Auf­ga­ben sein der an­thro­po­so­phi­schen Geis­tes­strö­mung, der Geis­tes­wis­sen­schaft, wenn die­se in ih­rem rich­ti­gen Sinn,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|12}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
in ih­ren in­ners­ten Im­pul­sen er­faßt und zum Herrn des men­sch­li­chen Le­bens ge­macht wer­den wird. Man wür­de die heu­ti­ge Be­trach­tung mißv­er­ste­hen, wenn man des Glau­bens wä­re, An­thro­po­so­phie oder Geis­tes­wis­sen­schaft sei in ir­gend­ei­ner Be­zie­hung ei­ne neue Re­li­gi­on, wol­le ir­gend­ein neu­es Re­li­gi­ons­be­kennt­nis an die Stel­le ei­nes al­ten set­zen. Man möch­te so­gar, um nur ja nicht mißv­er­stan­den zu wer­den, sa­gen: Wird ein­mal Geis­tes­wis­sen­schaft rich­tig ver­stan­den wer­den, dann wird man sich klar sein dar­über, daß sie als sol­che zwar die fes­tes­te, die si­chers­te Stüt­ze des re­li­giö­sen Le­bens ist, daß sie selbst aber kei­ne Re­li­gi­on ist, daß sie da­her auch kei­ner Re­li­gi­on je­mals als sol­cher wi­der­sp­re­chen wird. Et­was an­de­res ist es aber, daß sie das In­stru­ment sein kann, das Werk­zeug, um die tiefs­ten Wei­s­tü­mer und Wahr­hei­ten und die erns­tes­ten und le­bens­volls­ten Ge­heim­nis­se der Re­li­gio­nen zu er­klä­ren und zum Ver­ständ­nis zu brin­gen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es liegt vi­el­leicht et­was fern, wenn man, um das Ver­hält­nis von der An­thro­po­so­phie zu den Ur­kun­den die­ser oder je­ner Re­li­gi­on zu schil­dern und heu­te wer­den wir es mit den re­li­giö­sen Ur­kun­den des Chris­ten­tums zu tun ha­ben, den Ver­g­leich macht: An­thro­po­so­phie ver­hält sich zu den re­li­giö­sen Ur­kun­den wie die ma­the­ma­ti­sche Leh­re zu den Ur­kun­den, wel­che im Lau­fe der ge­schicht­li­chen Ent­wi­cke­lung der Mensch­heit als ma­the­ma­ti­sche Lehr­bücher oder Bücher über­haupt auf­ge­t­re­ten sind. Da ha­ben wir ein al­tes Buch, das ei­gent­lich nur der mit der Ma­the­ma­tik be­wan­der­te Ge­schichts­for­scher näh­er ins Au­ge faßt: die Geo­me­trie des Eu­k­lid. Sie ent­hält zum ers­ten­mal in ei­ner schul­mä­ß­i­gen Wei­se das­je­ni­ge aus der Ma­the­ma­tik und Geo­me­trie, was heu­te die Kin­der in der Schu­le schon ler­nen. Wie we­ni­ge aber die­ser Kin­der wer­den sich des­sen be­wußt, daß al­les das, was sie über paral­le­le Li­ni­en, über das Drei­eck, über die Win­kel und so wei­ter ler­nen, in je­nem al­ten Bu­che steht, daß es da zum ers­ten­mal der Mensch­heit ge­schenkt wor­den ist! Mit Recht er­weckt man im Kin­de das Be­wußt­sein, daß man die­se Din­ge aus sich selbst ein­se­hen kann, daß, wenn der men­sch­li­che Geist sei­ne Kräf­te in Be­we­gung setzt und sie an­wen­det auf die For­men des Rau­mes, daß er die­se For­men ein­zu­se­hen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|13}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
im­stan­de ist ganz oh­ne Rück­sicht auf je­nes al­te Buch. Ei­ner aber, der vi­el­leicht gar nichts ge­wußt hat von die­sem Buch und die ma­the­ma­ti­schen und geo­me­tri­schen Leh­ren in sich auf­ge­nom­men hat, er wird, wenn er es ein­mal ken­nen­lernt, es in dem rich­ti­gen Sin­ne wür­di­gen und ver­ste­hen. Er wird zu schät­zen wis­sen, was der­je­ni­ge der Mensch­heit ge­ge­ben hat, der die­ses Buch zum ers­ten­mal vor ih­ren Geist hin­ge­s­tellt hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So möch­te man das Ver­hält­nis der Geis­tes­wis­sen­schaft zu den re­li­giö­sen Ur­kun­den cha­rak­te­ri­sie­ren. Die Qu­el­len der Geis­tes­wis­sen­schaft sind so, daß die Geis­tes­wis­sen­schaft auf kei­ner­lei Ur­kun­den, auf kei­ner­lei Über­lie­fe­rung an­ge­wie­sen sein soll, wenn sie ih­rem rich­ti­gen Im­pul­se nach ver­stan­den wird. So wie uns das an­de­re Wis­sen der Mensch­heit die Er­kennt­nis der um­lie­gen­den Sin­nes­welt da­durch ver­schafft, daß der Mensch sei­ne Kräf­te frei ge­braucht, so ver­schaf­fen uns die tie­fer­lie­gen­den, zu­nächst in der Men­schen­see­le schlum­mern­den geis­ti­gen, über­sinn­li­chen Kräf­te und Fähig­kei­ten die Er­kennt­nis des­sen, was als Über­sinn­li­ches, als Un­sicht­ba­res al­lem Sicht­ba­ren zu­grun­de liegt. Eben­so wie der Mensch, wenn er sei­ne Sin­nes­werk­zeu­ge ge­braucht, im­stan­de ist, das, was sich dem äu­ße­ren Sin­nes­schei­ne dar­bie­tet, wahr­zu­neh­men, wie er im­stan­de ist, das Wahr­ge­nom­me­ne mit sei­nem Ver­stan­de zu ver­bin­den und zu ver­knüp­fen, eben­so ist der Mensch, wenn er die durch die Geis­tes­wis­sen­schaft ihm über­lie­fer­ten Me­tho­den ge­braucht, im­stan­de, hin­ter die Ku­lis­sen des sinn­li­chen Da­seins zu schau­en, dort­hin, wo die geis­ti­gen Ur­sa­chen lie­gen, wo die We­sen we­ben und ar­bei­ten, die das sinn­li­che Au­ge nicht sieht, die das sinn­li­che Ohr nicht hört, wohl aber das über­sinn­li­che. So liegt im frei­en Ge­brauch der men­sch­li­chen Kräf­te, wenn sie auch bei ei­nem gro­ßen Teil der heu­ti­gen Mensch­heit als über­sinn­li­che Kräf­te noch schlum­mern, die Qu­el­le, die un­ab­hän­gi­ge freie Qu­el­le geis­ti­gen Wis­sens, wie im frei­en Ge­brauch der auf die Sin­nes­welt ge­rich­te­ten Kräf­te die Qu­el­le des äu­ße­ren Wis­sens liegt. Dann aber, wenn auf ir­gend­ei­ne Wei­se der Mensch sich in den Be­sitz der Er­kennt­nis­se ge­setzt hat, wel­che ihn ein­füh­ren in das Über­sinn­li­che hin­ter dem Sinn­li­chen, in das Un­sicht­ba­re hin­ter dem Sicht­ba­ren, wenn er sich da­von ein&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|14}}&lt;br /&gt;
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eben­sol­ches Wis­sen er­wirbt, wie es das sinn­li­che Wis­sen von den äu­ße­ren Ge­gen­stän­den und Ge­scheh­nis­sen ist, dann mag er, aus­ge­rüs­tet mit die­sem über­sinn­li­chen Wis­sen, eben­so an die Über­lie­fe­rung ge­hen, an die Bücher und Do­ku­men­te, an die Ur­kun­den, durch die im Lau­fe der Ent­wi­cke­lung Kun­de zu den Men­schen ge­kom­men ist über das über­sinn­li­che Ge­biet, wie der Geo­me­ter her­an­tritt an die Geo­me­trie des Eu­k­lid. Und dann prüft er sie von ei­nem ähn­li­chen Stand­punkt aus, wie der heu­ti­ge Geo­me­ter die Geo­me­trie des Eu­k­lid prüft. Dann kann er die­se Ur­kun­den ih­rem wah­ren Wert nach schät­zen und an­er­ken­nen. Und der­je­ni­ge, der die­sen Weg geht, der wir­k­lich aus­ge­rüs­tet mit den Er­kennt­nis­sen der über­sinn­li­chen Welt her­an­tritt an die Ur­kun­den der christ­li­chen Ver­kün­di­gung, für den ver­lie­ren die­se Ur­kun­den wahr­haf­tig nicht an Wert. Ja, im Ge­gen­teil, sie er­schei­nen in höhe­rem Glanz, als sie erst dem bloß gläu­bi­gen Ge­müt er­schie­nen sind. Sie zei­gen, daß sie tie­fe­re Wei­s­tü­mer ent­hal­ten, als der Mensch früh­er vor der an­thro­po­so­phi­schen Er­kennt­nis ge­ahnt hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber noch über ei­ne Fra­ge müs­sen wir uns klar wer­den, da­mit wir die rich­ti­ge Stel­lung ge­win­nen ge­gen­über dem Ver­hält­nis der An­thro­po­so­phie zu den re­li­giö­sen Ur­kun­den. Fra­gen wir uns ein­mal: Wer ist der bes­se­re Be­trach­ter der Geo­me­trie des Eu­k­lid, der­je­ni­ge, der die Wor­te des Bu­ches wört­lich über­set­zen kann und, oh­ne erst ein­ge­drun­gen zu sein in den Geist der Geo­me­trie, den In­halt des Bu­ches ent­hül­len will, oder der­je­ni­ge, wel­cher erst Geo­me­trie ver­steht und da­her auch die Geo­me­trie in je­nem Buch zu fin­den weiß? Den­ken wir uns ei­nen blo­ßen Phi­lo­lo­gen ge­gen­über dem Geo­me­trie­buch des Eu­k­lid, ei­nen, der nichts ver­stün­de von Geo­me­trie: wie­viel Un­rich­ti­ges wür­de da her­aus­kom­men, wenn er den Sinn des Bu­ches ent­hül­len woll­te! So ha­ben es vie­le mit den re­li­giö­sen Ur­kun­den ge­macht, selbst sol­che, die be­ru­fen sein soll­ten, den wah­ren Sinn der­sel­ben zu er­grün­den. Sie sind an die­se Ur­kun­den her­an­ge­gan­gen, oh­ne daß sie erst, un­ab­hän­gig von ih­nen, et­was wuß­ten von dem, was über das Über­sinn­li­che zu er­grün­den ist. So ha­ben wir heu­te recht sorg­fäl­ti­ge Er­klär­un­gen der re­li­giö­sen Ur­kun­den, Er­klär­un­gen, die al­les zu­sam­men­tra­gen aus&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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der Zeit­ge­schich­te her­aus, wie die­se Ur­kun­den zum Bei­spiel ent­stan­den sind, aber die Er­klär­un­gen neh­men sich eben­so aus wie die Er­klär­un­gen der Geo­me­trie des Eu­k­lid durch ei­nen Nicht­geo­me­ter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er­kennt­nis der Re­li­gi­on das wol­len wir fest­hal­ten ist et­was, was man nur ge­win­nen kann, wenn man es mit Hil­fe der auf geis­tes­wis­sen­schaft­li­chem We­ge ge­won­ne­nen Er­kennt­nis­se be­trach­tet, ob­wohl An­thro­po­so­phie nur ein Werk­zeug des re­li­giö­sen Le­bens sein kann, nie­mals ei­ne Re­li­gi­on sel­ber. Re­li­gi­on wird cha­rak­te­ri­siert am bes­ten durch den In­halt des men­sch­li­chen Her­zens, des men­sch­li­chen Ge­mü­tes, je­ner Sum­me von Emp­fin­dun­gen und Ge­füh­len, durch die der Mensch hin­auf­schickt das Bes­te, was er an Emp­fäng­lich­keit in sei­ner See­le hat, zu den über­sinn­li­chen We­sen­hei­ten und Kräf­ten. Von dem Feu­er die­ses Ge­müts­in­hal­tes, von der Stär­ke die­ser Emp­fin­dun­gen, von der Art die­ser Ge­füh­le hängt der Cha­rak­ter der Re­li­gi­on ei­nes Men­schen ab, so wie von dem war­men Puls­schlag in un­se­rer Brust, von dem Ge­füh­le für Sc­hön­heit es ab­hängt, wie der Mensch ei­nem Bil­de ge­gen­über­tritt. Der In­halt des re­li­giö­sen Le­bens ist ge­wiß das, was wir die geis­ti­ge, die über­sinn­li­che Welt nen­nen. Aber eben­so­we­nig wie äst­he­tisch-künst­le­ri­sches Emp­fin­den das­sel­be ist wie das, was wir nen­nen geis­ti­ges Er­fas­sen der in­ne­ren künst­le­ri­schen Ge­set­ze ob­wohl das geis­ti­ge Er­fas­sen der­sel­ben das Kunst­ver­ständ­nis er­höhen wird , eben­so­we­nig ist je­ne Weis­heit, je­ne Wis­sen­schaft, wel­che in die geis­ti­gen Wel­ten ein­führt, und Re­li­gi­on sel­ber das glei­che. Die­se Wis­sen­schaft wird das re­li­giö­se Emp­fin­den, das re­li­giö­se Füh­len erns­ter, wür­di­ger, grö­ß­er, um­fang­rei­cher ma­chen, aber sel­ber Re­li­gi­on will sie nicht sein, wenn sie im rich­ti­gen Sin­ne ver­stan­den wird, ob­wohl sie zur Re­li­gi­on füh­ren mag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir nun­mehr von die­sem geis­tes­wis­sen­schaft­li­chen Stand­punkt die Kraft und Be­deu­tung, den Sinn und den Geist der christ­li­chen Re­li­gi­ons­ver­kün­di­gung ver­ste­hen wol­len, dann müs­sen wir weit im geis­ti­gen Le­ben aus­g­rei­fen. Wir müs­sen den Blick wer­fen in Zei­ten ur­fer­ner Ver­gan­gen­heit, mit an­de­ren Wor­ten, wir müs­sen zu­rück­g­rei­fen bis in die vor­re­li­giö­se Zeit der Mensch­heit, wir müs­sen&lt;br /&gt;
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ver­su­chen, die Ent­ste­hung der Re­li­gi­on ins Au­ge zu fas­sen. Gibt es ei­ne vor­re­li­giö­se Zeit der Mensch­heit? Ja, es war ein­mal ei­ne Zeit auf der Er­de, in der es kei­ne Re­li­gi­on ge­ge­ben hat. Auch die Geis­tes­wis­sen­schaft muß ei­ne sol­che Fra­ge be­ja­hen, ob­wohl in ei­nem ganz an­de­ren Sin­ne, als die ma­te­ria­lis­ti­sche Kul­tur­weis­heit es tut. Was be­deu­tet die Re­li­gi­on für die Mensch­heit? Re­li­gi­on war und wird noch lan­ge für die Mensch­heit das sein, was schon ihr Wort aus­drückt. Das Wort Re­li­gi­on be­deu­tet: Ver­bin­dung des Men­schen mit sei­nem Gött­li­chen, mit der geis­ti­gen Welt. Und im we­sent­li­chen sind die re­li­giö­sen Zei­ten sol­che, in de­nen der Mensch sich nach der Ve­r­ei­ni­gung mit dem Gött­li­chen sehn­te, sei es aus den Qu­el­len ei­nes Wis­sens oder aus ei­ner ge­wis­sen Emp­fin­dung her­aus, oder des­halb, weil er fühl­te, daß sein Wil­le nur stark sein kann, wenn er von gött­li­cher Kraft durch­strömt ist. Sol­che Zei­ten, in de­nen der Mensch so­zu­sa­gen mehr in sich ahn­te, als daß er et­was Äu­ße­res wuß­te, in de­nen er die über­sinn­li­che Welt mehr ahn­te, denn daß er sie ge­schaut, daß er sie um sich ge­habt hät­te, das sind die re­li­giö­sen Zei­ten un­se­rer Er­de. Und vor die­sen Zei­ten gab es an­de­re Zei­ten, wo der Mensch ein solch ah­nen­des, lech­zen­des Ver­bin­den mit der geis­tig-über­sinn­li­chen Welt nicht brauch­te, des­halb nicht brauch­te, weil er von die­ser über­sinn­li­chen Welt, von die­ser geis­ti­gen Welt wuß­te, wie der Mensch der Ge­gen­wart weiß von den sinn­li­chen Din­gen. Braucht der Mensch über­zeugt zu wer­den, daß es Stei­ne, Bäu­me, Tie­re gibt? Braucht er ir­gend­ei­ne Ur­kun­de, ei­ne Leh­re dar­über, die ihm be­zeugt oder ihn ah­nen läßt, daß es Stei­ne, Pflan­zen, Tie­re gibt? Nein, denn er sieht sie, er er­schaut sie um sich her­um, und des­halb braucht er ei­ne sol­che Re­li­gi­on des Sinn­li­chen nicht. Den­ken wir uns ei­nen Men­schen, der in ganz an­de­ren Wel­ten leb­te, mit ganz an­de­ren Sin­ne­s­or­ga­nen, Er­kennt­ni­s­or­ga­nen aus­ge­rüs­tet, der nicht die Stei­ne, Pflan­zen, Tie­re se­hen wür­de, weil sie un­sicht­bar wä­ren für ihn, den­ken wir uns ei­nen sol­chen Men­schen, dem durch Schrif­ten oder sonst­wie die Kun­de ge­ge­ben wür­de von Stei­nen, Pflan­zen, Tie­ren: Was wä­re das­je­ni­ge, was für Sie An­schau­ung, Er­fah­rung, un­mit­tel­ba­res Wis­sen ist, was wä­re das für ihn? Re­li­gi­on wä­re es für die­sen Men­schen. Wenn&lt;br /&gt;
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ir­gend­wo in ei­nem Bu­che ste­hen wür­de, es gibt Stei­ne, Pflan­zen, Tie­re, dann wä­re das für die­sen Men­schen Re­li­gi­on, denn er hat es nie­mals ge­se­hen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gab für den Men­schen ei­ne Zeit, wo er in­mit­ten der­je­ni­gen geis­ti­gen We­sen­hei­ten und Tat­sa­chen schon ge­lebt hat, von de­nen ihm heu­te die Re­li­gio­nen und die Weis­heits­leh­ren Kun­de tun.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Wort Ent­wi­cke­lung ist heu­te auf vie­len Ge­bie­ten der Wel­t­an­schau­ung ein Zau­ber­wort ge­wor­den, aber es wird von der äu­ße­ren Wis­sen­schaft doch nur an­ge­wen­det auf äu­ße­re, sinn­li­che Tat­sa­chen. Für den­je­ni­gen, der geis­tes­wis­sen­schaft­lich die Welt be­trach­tet, für den ist al­les, al­les in Ent­wi­cke­lung, vor al­len Din­gen das men­sch­li­che Be­wußt­sein. Der Zu­stand des men­sch­li­chen Be­wußt­seins, in dem Sie heu­te le­ben, durch den Sie, wenn Sie des Mor­gens auf­wa­chen, ver­mö­ge Ih­rer Sin­ne­s­or­ga­ne die Sin­nen­welt se­hen und be­g­rei­fen, die­ser Zu­stand des Be­wußt­seins hat sich aus ei­nem an­de­ren ent­wi­ckelt. In der Geis­tes­wis­sen­schaft nen­nen wir die­sen Be­wußt­s­eins­zu­stand das so­ge­nann­te hel­le Ta­ges­be­wußt­sein. Aber die­ses hel­le Ta­ges­be­wußt­sein hat sich her­aus­ent­wi­ckelt aus ei­nem ural­ten an­de­ren Be­wußt­sein, das wir das däm­mer­haf­te Bil­der­be­wußt­sein der Mensch­heit nen­nen. Da kom­men wir al­ler­dings auf frühe Ent­wi­cke­lungs­zu­stän­de der Mensch­heit zu­rück, von de­nen ei­ne äu­ße­re An­thro­po­lo­gie nichts mel­det, aus dem Grun­de nicht, weil sie sich nur der sinn­li­chen In­stru­men­te und der Me­tho­den des Ver­stan­des be­di­ent. Sie glaubt, daß der Mensch Zu­stän­de durch­ge­macht ha­be in ur­fer­ner Ver­gan­gen­heit, die ei­gent­lich die­sel­ben sind, wie sie heu­te un­se­re tie­ri­schen We­sen durch­ma­chen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In frühe­ren Vor­trä­gen wur­de schon dar­auf hin­ge­wie­sen, wie wir uns geis­tes­wis­sen­schaft­lich das Ver­hält­nis des Men­schen zu den tie­ri­schen We­sen zu den­ken ha­ben. Nie­mals war der Mensch ein sol­ches We­sen wie das heu­ti­ge Tier es ist. Er stammt nicht von We­sen­hei­ten ab, die so wa­ren wie die heu­ti­gen Tie­re. Die Ent­wi­cke­lungs­for­men, aus de­nen sich der Mensch her­aus­ge­bil­det hat, die wür­den, wenn wir sie schil­dern woll­ten, sich sehr un­ähn­lich den heu­ti­gen Tie­ren er­wei­sen. Die heu­ti­gen Tie­re sind gleich­sam auf frühe­ren Ent­wi­cke­lungs­stu­fen zu­rück­ge­b­lie­be­ne We­sen­hei­ten, die die­se&lt;br /&gt;
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frühe­ren Ent­wi­cke­lungs­stu­fen kon­ser­viert und sie in die Ver­här­tung ge­bracht ha­ben. Der Mensch ist über sei­ne frühe­ren Ent­wi­cke­lungs­stu­fen hin­aus­ge­wach­sen, die Tie­re sind dar­un­ter her­un­ter­ge­wach­sen. So se­hen wir in der Tier­welt et­was wie zu­rück­ge­b­lie­be­ne Brü­der der Mensch­heit, die aber nicht mehr die Form die­ser frühe­ren Ent­wi­cke­lungs­stu­fen tra­gen. Die frühe­ren Ent­wi­cke­lungs­stu­fen ver­lie­fen in ei­ner Zeit, wo die Er­de an­de­re Le­bens­be­din­gun­gen hat­te, in der noch nicht die Ele­men­te so ver­teilt wa­ren wie heu­te, wo nicht der Mensch mit ei­nem sol­chen Kör­per be­haf­tet war wie heu­te und doch Mensch war. Er hat war­ten kön­nen, bild­lich ge­spro­chen, inn­er­halb des Ent­wi­cke­lungs­gan­ges mit sei­nem He­r­ein­s­tei­gen in das Fleisch, hat war­ten kön­nen bis zu der Zeit, wo die­se flei­sch­li­che Ma­te­ria­li­tät so hat wer­den kön­nen, daß er die Kraft des heu­ti­gen Geis­tes ent­wi­ckeln konn­te. Die Tie­re ha­ben nicht war­ten kön­nen, sie sind auf frühe­rer Stu­fe ver­här­tet wor­den, ha­ben früh­er Fleisch an­ge­nom­men, als es am Plat­ze war. Da­her muß­ten sie zu­rück­b­lei­ben. So wer­den wir uns vor­s­tel­len kön­nen, daß der Mensch un­ter an­de­ren Be­din­gun­gen und in an­de­ren Be­wußt­s­eins­for­men ge­lebt hat als heu­te. Wenn wir die­se Be­wußt­s­eins­for­men Tau­sen­de und Tau­sen­de von Jah­ren zu­rück­ver­fol­gen, wer­den wir im­mer an­de­re fin­den. Was wir heu­te lo­gi­sches Den­ken nen­nen, In­tel­lekt und Ver­stand, das hat sich erst spä­ter in der Mensch­heit ent­wi­ckelt. Viel stär­ker wa­ren Kräf­te der Men­schen, die heu­te schon im Ab­neh­men be­grif­fen sind, zum Bei­spiel das Ge­dächt­nis. Das war in ei­ner frühe­ren Zeit un­ge­heu­er viel mehr ent­wi­ckelt als heu­te. Durch die zu­neh­men­de Ver­stan­des­kul­tur der Mensch­heit ist das Ge­dächt­nis we­sent­lich in den Hin­ter­grund ge­t­re­ten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer mit ei­ni­ger­ma­ßen se­hen­den prak­ti­schen Au­gen in die Welt blickt, kann heu­te noch er­ken­nen, daß das­je­ni­ge, was so aus der Geis­tes­wis­sen­schaft her­aus ge­sagt wird, nicht in der Luft schwebt. Man könn­te sa­gen: Wenn das wahr ist, dann müß­ten die heu­ti­gen Men­schen, die durch ir­gend­ei­nen Zu­fall zu­rück­ge­b­lie­ben sind, zei­gen, daß sie ge­ra­de im Ge­dächt­nis am we­nigs­ten zu­rück­ge­b­lie­ben sind. Sie müß­ten auch zei­gen, daß, wenn man bei künst­lich zu­rück­ge­hal­te­nen Men­schen sich be­müht, ih­nen In­tel­lek­tua­li­tät bei­zu­brin­gen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
das Ge­dächt­nis dar­un­ter lei­det. Hier in die­ser Stadt konn­te man ei­nen cha­rak­te­ris­ti­schen Fall die­ser Art be­trach­ten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der nicht hoch ge­nug zu schät­zen­de Pro­fes­sor Dau­merhat die­sen Fall gut be­o­b­ach­tet an je­nem für vie­le so rät­sel­haf­ten Men­schen, der ein­mal auf ge­heim­nis­vol­le Wei­se in die­se Stadt hier he­r­e­in­ver­setzt wor­den ist, und der auf eben­so ge­heim­nis­vol­le Wei­se in Ans­bach den Tod ge­fun­den hat; der­sel­be, von dem ein Schrift­s­tel­ler sagt, um das Ge­heim­nis­vol­le sei­nes Le­bens an­zu­deu­ten, daß, als man ihn hin­aus­ge­tra­gen hat, ein Tag war, wo an der ei­nen Sei­te am Ran­de des Him­mels die Son­ne un­ter­ging und auf der ent­ge­gen­ge­setz­ten Sei­te der Mond auf­s­tieg. Sie wis­sen, daß ich von Ka­s­par Hau­ser re­de. Wenn Sie ab­se­hen von al­lem Pro und Kon­t­ra, das in be­zug auf die­sen Fall gel­tend ge­macht wor­den ist, wenn Sie nur auf das se­hen, was un­ter al­len Um­stän­den be­legt ist, so wer­den Sie wis­sen, daß die­ser Find­ling, der ein­fach ein­mal da war auf der Stra­ße, der, weil man nicht wuß­te, wo­her er ge­kom­men war, das Kind Eu­ro­pas ge­nannt wor­den ist, daß er nicht le­sen, nicht rech­nen konn­te, als man ihn fand. Er hat­te in ei­nem Al­ter von zwan­zig Jah­ren nichts von dem, was durch den In­tel­lekt er­wor­ben wird, aber merk­wür­di­ger­wei­se hat­te er ein wun­der­ba­res Ge­dächt­nis. Als man an­fing ihn zu un­ter­rich­ten, als die Lo­gik in sei­ne See­le trat, schwand das Ge­dächt­nis. Die­ser Über­gang im Be­wußt­sein war auch noch mit et­was an­de­rem ver­bun­den. Ei­ne un­be­g­reif­li­che, ge­ra­de­zu ein­ge­bo­re­ne Wahr­haf­tig­keit war ur­sprüng­lich in ihm, und ge­ra­de an die­ser Wahr­haf­tig­keit wur­de er im­mer mehr und mehr ir­re. Je mehr er an der In­tel­lek­tua­li­tät na­schen durf­te, des­to mehr schwand sie da­hin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir könn­ten man­ches stu­die­ren, wenn wir in die­se See­le uns ver­tief­ten, die künst­lich zu­rück­ge­hal­ten wor­den war. Und gar nicht so un­be­grün­det ist für den­je­ni­gen, der auf dem Bo­den der Geis­tes­wis­sen­schaft steht, die Volkstra­di­ti­on, die die ge­lehr­ten Leu­te von heu­te nicht glau­ben und die da be­rich­tet, daß Ka­s­par Hau­ser, als er noch gar nichts wuß­te, noch gar kei­ne Ah­nung da­von hat­te, daß es We­sen au­ßer ihm von ver­schie­de­ner Ge­stalt ge­be, daß er da ei­ne merk­wür­di­ge Wir­kung aus­üb­te, wenn er mit ganz wü­ten­den&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|20}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tie­ren zu­sam­men­ge­bracht wur­de. Die wil­den Tie­re duck­ten sich und wur­den ganz sanft­mü­tig. Es ström­te von ihm et­was aus, was be­wirk­te, daß solch ein Tier, das je­den an­de­ren zor­nig an­fiel, sanft wur­de. Wie ge­sagt, wir könn­ten, weil sich solch ein Fall dar­bie­tet, der aus der Geis­tes­wis­sen­schaft her­aus ver­stan­den wer­den kann, tief in die See­le die­ser merk­wür­di­gen und für vie­le so rät­sel­haf­ten Per­sön­lich­keit ein­drin­gen, und es wür­de sich Ih­nen ein Fall vor­ma­len, aus dem Sie se­hen könn­ten, daß al­les das, was aus dem ge­wöhn­li­chen Le­ben nicht zu er­klä­ren ist, durch die Geis­tes­wis­sen­schaft zu­rück­ge­führt wird auf geis­ti­ge Tat­sa­chen. Frei­lich kön­nen sol­che geis­ti­gen Tat­sa­chen nicht durch Spe­ku­la­ti­on, son­dern nur durch geis­ti­ge Be­o­b­ach­tung ge­won­nen wer­den, aber ver­ständ­lich sind sie für das all­sei­tig um­fas­sen­de und lo­gi­sche Den­ken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das al­les soll­te nur ge­sagt sein, um Ih­nen zu zei­gen, wie Sie den Weg fin­den kön­nen zu dem Ge­dan­ken, daß sich der heu­ti­ge Be­wußt­s­eins­zu­stand her­aus­ent­wi­ckelt hat aus ei­nem ural­ten an­de­ren Be­wußt­s­eins­zu­stand, in dem der Mensch nicht in ei­ner un­mit­tel­ba­ren Be­rüh­rung mit den Sin­nes­ge­gen­stän­den im heu­ti­gen Sin­ne stand, da­für aber mit den geis­ti­gen Tat­sa­chen und We­sen in Be­zie­hung war. Da sah der Mensch nicht die phy­si­sche Ge­stalt des an­de­ren, die es ja auch in der heu­ti­gen Form da­mals noch gar nicht ge­ge­ben hat. Wenn sich ihm ei­ne an­de­re We­sen­heit näh­er­te, stieg in sei­ner See­le et­was wie ein Traum­bild auf. Je nach­dem, wie es ge­stal­tet und ge­färbt war, zeig­te es ihm an, ob die We­sen­heit ihm sym­pa­thisch oder an­ti­pa­thisch ge­sinnt war. Ein sol­ches Be­wußt­sein nahm die geis­ti­gen Tat­sa­chen und da­durch die geis­ti­ge Welt über­haupt wahr. So wie der Mensch heu­te mit flei­sch­li­chen We­sen zu­sam­men ist, so leb­te er in je­ner Zeit, wenn er den Blick auf sich sel­ber rich­te­te und sich selbst See­le und Geist war, un­ter geis­ti­gen We­sen­hei­ten. Sie wa­ren vor­han­den für ihn. Er war ein Geist un­ter Geis­tern. Wenn er auch nur ei­ne Art Traum­be­wußt­sein hat­te, so wa­ren doch die Bil­der, die in ihm auf­s­tie­gen, in ei­nem le­ben­di­gen Ver­hält­nis zu sei­ner Um­ge­bung. Das war die al­te Zeit, in wel­cher der Mensch noch in ei­ner geis­ti­gen Welt leb­te, aus der er spä­ter her­un­ter­ge­s­tie­gen ist, um sich ei­ne sinn­li­che Flei­sch­lich­keit zu&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|21}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
schaf­fen für das für ihn pas­sen­de heu­ti­ge Be­wußt­sein. Die Tie­re wa­ren schon da als phy­si­sche We­sen­hei­ten, als der Mensch noch in geis­ti­gen Re­gio­nen wahr­nahm. Der Mensch leb­te da­zu­mal un­ter geis­ti­gen We­sen, und eben­so­we­nig wie Sie ei­nes Be­wei­ses be­dür­fen, um über­zeugt zu sein vom Da­sein des Stei­nes, der Pflan­zen, der Tie­re, eben­so­we­nig brauch­te der Mensch in die­ser Ur­zeit ein ir­gend­wie ge­ar­te­tes Zeug­nis, um von geis­ti­gen We­sen über­zeugt zu sein. Er leb­te un­ter Geis­tern und Göt­tern, des­halb brauch­te er kei­ne Re­li­gi­on. Das war die vor­re­li­giö­se Zeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann ist der Mensch her­un­ter­ge­s­tie­gen, die frühe­re Be­wußt­s­eins­form hat sich in die heu­ti­ge ver­wan­delt. Der Mensch sieht nicht mehr im Rau­me schwe­ben­de Far­ben und For­men, son­dern die Far­ben sind über die Ober­flächen der sinn­li­chen Din­ge hin­ge­legt. In dem­sel­ben Ma­ße, wie der Mensch lern­te, sei­ne äu­ße­ren Sin­ne auf die äu­ße­re Sin­nes­welt zu rich­ten, in dem­sel­ben Ma­ße zog sich die­se äu­ße­re Sin­nes­welt wie ein Sch­lei­er, wie die gro­ße Ma­ja hin über die geis­ti­ge Welt, und der Mensch muß­te durch die­se Hül­le hin­durch Kun­de er­hal­ten von der geis­ti­gen Welt. Re­li­gi­on wur­de not­wen­dig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt aber auch ei­nen Zu­stand zwi­schen der Zeit, die dem re­li­giö­sen Be­wußt­sein vor­an­geht, und der des ei­gent­li­chen re­li­giö­sen Be­wußt­seins; es gibt ei­nen sol­chen Zwi­schen­zu­stand. Aus ihm her­aus stam­men die My­tho­lo­gi­en, die Sa­gen, die Ge­schich­ten der Völ­ker von den geis­ti­gen Wel­ten. Es ist ei­ne Ge­lehr­sam­keit vom grü­nen Tisch, die nichts von den wir­k­li­chen geis­ti­gen Vor­gän­gen ahnt, die da be­haup­tet, die Ge­stal­ten der nor­di­schen oder deut­schen My­tho­lo­gie, der grie­chi­schen My­tho­lo­gie, al­le die Ur­kun­den von den Göt­tern und Göt­ter­ta­ten sei­en Er­dich­tun­gen der Volks­phan­ta­sie. Das sind nicht Er­dich­tun­gen der Volks­phan­ta­sie. Das Volk dich­tet nicht so, daß es sagt, wenn man ein­zel­ne Wol­ken hin­st­rei­chen sieht, das sei­en Schäf­chen. Daß das Volk so dich­te, ist ei­ne Dich­tung un­se­rer heu­ti­gen Ge­lehr­sam­keit, die voll leb­haf­ter Phan­ta­sie in sol­chen Din­gen ist. Die Wahr­heit ist ei­ne ganz an­de­re. Al­les, was in den al­ten Göt­ter­sa­gen und Ge­schich­ten ent­hal­ten ist, sind die letz­ten Über­b­leib­sel, die letz­ten Er­in­ne­run­gen aus dem vor-&lt;br /&gt;
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re­li­giö­sen Be­wußt­sein. Kun­de ist den Men­schen ge­b­lie­ben von dem, was sie selbst ge­se­hen ha­ben. Die­se Men­schen, die Wo­tan, Thor, Zeus und so wei­ter be­sch­rei­ben, sie ha­ben es des­halb ge­tan, weil in ih­nen ei­ne Er­in­ne­rung da­ran vor­han­den war, daß man sol­ches ein­mal er­lebt hat­te. Bro­cken, zum Teil ab­ge­ris­se­ne Stü­cke von dem, was man einst er­lebt hat­te, das sind die My­tho­lo­gi­en.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch in an­de­rer Be­zie­hung war der Zwi­schen­zu­stand vor­han­den. Auch in der Zeit, als die ge­schei­ten Men­schen, sa­gen wir ein­mal, schon sehr ge­scheit wa­ren, da gab es noch im­mer sol­che, die we­nigs­tens in Aus­nah­me­zu­stän­den nen­nen Sie sie Ent­rückt­heit oder auch Ver­rückt­heit, wie Sie wol­len hin­ein­schau­en konn­ten in die geis­ti­gen Wel­ten, die noch wahr­neh­men konn­ten, was früh­er die Men­schen in ih­rer Mehr­heit sa­hen. Die er­zähl­ten, daß sie selbst noch et­was ge­se­hen ha­ben von der geis­ti­gen Welt. Das ver­band sich so mit den Er­in­ne­run­gen, daß ein le­ben­di­ger Glau­be leb­te in den Völ­kern. Das war ein Über­gangs­zu­stand zu dem ei­gent­lich re­li­giö­sen Zu­stand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und wie wur­de der ei­gent­lich re­li­giö­se Zu­stand an­ge­bahnt in der Mensch­heit? Da­durch, daß der Mensch die Mit­tel und We­ge fand, sein In­ne­res so zu ent­wi­ckeln, daß er die Wel­ten, aus de­nen er her­aus­ge­wach­sen ist, die er im dump­fen Be­wußt­sein einst­mals ge­se­hen hat­te, wie­der­um se­hen, wie­der­um schau­en kann. Da kom­men wir auf ein Ka­pi­tel, das für man­chen mo­der­nen Men­schen recht we­nig Wahr­schein­li­ches ent­hält, zu dem Ka­pi­tel von den Ein­ge­weih­ten. Was sind Ein­ge­weih­te der Mensch­heit? Ein­ge­weih­te wa­ren die­je­ni­gen Men­schen, wel­che ihr ei­ge­nes see­li­sches und geis­ti­ges In­ne­re so ent­fal­te­ten durch ge­wis­se Me­tho­den, daß sie wie­der hin­ein­wuch­sen in die geis­ti­ge Welt. Ein­wei­hung gibt es! Es schlum­mern in je­der See­le über­sinn­li­che Kräf­te und Fähig­kei­ten. Es gibt oder kann we­nigs­tens ge­ben für je­den Men­schen solch ei­nen gro­ßen, ge­wal­ti­gen Au­gen­blick, wo die­se Kräf­te er­wa­chen. Die­sen Au­gen­blick kön­nen wir vor un­se­re See­le rü­cken, wenn wir uns vor­s­tel­len, wie die an­de­re men­sch­li­che Ent­wi­cke­lung war. Sp­re­chen wir mit Goe­thes Wor­ten, so kön­nen wir sa­gen: Wir schau­en zu­rück in Zei­ten fer­ner Ver­gan­gen­heit, in de­nen im heu­ti­gen phy­si­schen Men-&lt;br /&gt;
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schen­lei­be noch kein sol­ches phy­si­sches Au­ge vor­han­den war, kein sol­ches phy­si­sches Ohr wie heu­te. Zu­rück schau­en wir in je­ne Zei­ten, in de­nen an den Stel­len, wo die­se Or­ga­ne jetzt sind, gleich­gül­ti­ge Or­ga­ne wa­ren, die nicht se­hen und hö­ren konn­ten. Es gab für den phy­si­schen Men­schen ei­ne Zeit, wo sol­che blin­de Or­ga­ne zu Leucht­punk­ten sich ent­wi­ckel­ten, wo sie sich all­mäh­lich mehr und mehr ent­fal­te­ten, bis für sie das Licht auf­tauch­te. Eben­so gab es ei­nen Zeit­punkt, wo des Men­schen Ohr so weit war, daß die vor­her stum­me Welt sich in Tö­nen und Har­mo­ni­en of­fen­bar­te. Eben­so wie die Son­ne mit ih­ren Kräf­ten da­ran ar­bei­te­te, sei­ne Au­gen aus sei­nem Or­ga­nis­mus her­aus­zu­bil­den, eben­so kann der Mensch heu­te sei­nem Geis­te nach so le­ben, daß sich die viel­fach für ihn heu­te gleich­gül­ti­gen geis­tig-see­li­schen Or­ga­ne in ähn­li­cher Wei­se ent­wi­ckeln. Der Au­gen­blick ist mög­lich, ist für vie­le schon da­ge­we­sen, wo sich ih­re See­le und ihr Geist so um­bil­den, wie sich ein­mal um­ge­bil­det hat die äu­ße­re phy­si­sche Or­ga­ni­sa­ti­on. Neue Au­gen und neue Oh­ren ent­ste­hen, durch die aus dem geis­tig fins­te­ren und stum­men Um­kreis her­aus das Licht hin­ein­scheint und die Tö­ne hin­ein­k­lin­gen. Ent­wi­cke­lung ist mög­lich, auch zum Hin­ein­le­ben in die höhe­ren Wel­ten. Das ist Ein­wei­hung. Und in den Mys­te­ri­en­schu­len wer­den eben­so die Me­tho­den die­ser Ein­wei­hung den Men­schen an die Hand ge­ge­ben wie in der äu­ße­ren Welt die Me­tho­den, sa­gen wir, des che­mi­schen La­bo­ra­to­ri­ums oder der bio­lo­gi­schen For­schung. Der Un­ter­schied zwi­schen den Me­tho­den der äu­ße­ren Wis­sen­schaft und der Ein­wei­hung ist nur, daß die äu­ße­re Wis­sen­schaft sich In­stru­men­te und äu­ße­re Hilfsap­pa­ra­te zu­recht­zu­rich­ten hat. Für den­je­ni­gen aber, der Ein­ge­weih­ter wer­den will, gibt es nur ein ein­zi­ges In­stru­ment, das er aus­bil­den muß, und das ist er selbst in al­len sei­nen Kräf­ten. So wie im Ei­sen die mag­ne­ti­sche Kraft schlum­mern kann, so schlum­mert in der men­sch­li­chen See­le die Kraft, ein­zu­drin­gen in die geis­ti­ge Licht- und Ton­welt. So kam die Zeit, wo nur das Phy­sisch-Sinn­li­che im Nor­ma­len ge­se­hen wur­de und wo die Füh­rer der Mensch­heit aus sol­chen Ein­ge­weih­ten be­stan­den, die hin­ein­schau­en konn­ten in die geis­ti­gen Wel­ten, die Mit­tei­lung ma­chen, Er­klär­ung ge­ben konn­ten über die&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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Tat­sa­chen der geis­ti­gen Welt, in wel­cher der Mensch früh­er ge­lebt hat­te.&lt;br /&gt;
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Die ers­te Stu­fe der Ein­wei­hung, wo­hin führt sie? Wie stellt sie sich dar der men­sch­li­chen See­le? Glau­ben Sie nicht, daß die­se Ent­wi­cke­lung nur in phi­lo­so­phi­schem Spe­ku­lie­ren, im Aus­spin­ti­sie­ren von Be­grif­fen, im Ver­fei­nern der Be­grif­fe be­steht. Das, was der Mensch an Be­grif­fen hat über die äu­ße­re Sin­nes­welt, das ver­wan­delt sich in dem Men­schen, der hin­ein­wächst in die geis­ti­ge Welt. Es wird so, daß der Mensch jetzt nicht mehr durch scharf kon­tu­rier­te Be­grif­fe be­g­reift, son­dern durch Bil­der, durch Ima­gi­na­tio­nen. Denn der Mensch wächst hin­ein in das geis­ti­ge, welt­sc­höp­fe­ri­sche Ver­fah­ren. So be­stimmt und fest um­ris­sen wie die Ge­gen­stän­de der Sin­nes­welt sind eben nur die­se sinn­li­chen Ge­gen­stän­de. Im welt­sc­höp­fe­ri­schen Ver­fah­ren ha­ben Sie nicht das Tier mit den fes­ten Um­ris­sen. Da ha­ben Sie et­was wie ein Bild zu­grun­de ge­legt, aus dem die ver­schie­de­nen äu­ße­ren Ge­stal­ten ent­ste­hen kön­nen, ei­ne le­ben­di­ge, in sich ge­g­lie­der­te Wir­k­lich­keit. Man muß sich st­reng auf den Bo­den des Wor­tes Goe­thes stel­len: «Al­les Ver­gäng­li­che ist nur ein Gleich­nis.» In Bil­dern lernt der Ein­ge­weih­te zu­nächst er­ken­nen und be­g­rei­fen, lernt er hin­auf­s­tei­gen in die geis­ti­ge Welt. Da muß sein Be­wußt­sein be­we­g­li­cher wer­den als das­je­ni­ge, das uns di­ent zum Be­g­rei­fen der um uns lie­gen­den Sin­nes­welt. Des­halb nennt man die­se Stu­fe der Ent­wi­cke­lung das ima­gi­na­ti­ve Be­wußt­sein. Es führt den Men­schen wie­der hin­ein in die geis­ti­ge Welt, aber nicht in däm­mer­haf­ter Wei­se. Die­ses zu er­rin­gen­de Wei­he­be­wußt­sein ist klar und hell, wie es der Mensch im hel­len Ta­ges­be­wußt­sein hat, wie die­ses Ta­ges­be­wußt­sein selbst. Der Mensch wird da­durch be­rei­chert, daß er zu dem Ta­ges­be­wußt­sein das Be­wußt­sein der geis­ti­gen Welt hin­zu­ge­winnt. So lebt er in dem ima­gi­na­ti­ven Be­wußt­sein in der ers­ten Ein­wei­hungs­stu­fe. Und was die­je­ni­gen, die so ein­ge­weiht wa­ren, in den geis­ti­gen Wel­ten er­fuh­ren, da­von ist in den Ur­kun­den, in den Do­ku­men­ten der Mensch­heit Mit­tei­lung ge­sche­hen, ge­ra­de­so wie von der nie­d­ri­gen Wis­sen­schaft der Geo­me­trie durch Eu­k­lid der Mensch­heit Mit­tei­lung ge­macht wor­den ist. Wir wis­sen, was in die­sen Ur­kun­den steht, wir&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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er­ken­nen es, wenn wir zu­rück­ge­hen auf die Qu­el­le, auf das Schau­en der Ein­ge­weih­ten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So war es inn­er­halb der Mensch­heit bis zu der Er­schei­nung der größ­ten We­sen­heit, die über den Erd­ball ge­schrit­ten ist, des Chris­tus Je­sus. Mit sei­ner Er­schei­nung tritt ein neu­es Ele­ment in die Ent­wi­cke­lung ein. Wenn wir uns klar­ma­chen wol­len, wo­rin das we­sent­lich Neue, das der Mensch­heit durch den Chris­tus Je­sus ge­schenkt wor­den ist, be­steht, dann müs­sen wir be­ach­ten, daß in al­len vor­christ­li­chen Ein­wei­hungs­stät­ten der Mensch so ein­ge­weiht wur­de, daß ein völ­li­ges Her­aus­ge­hen aus der üb­ri­gen mensch­heit­li­chen Ent­wi­cke­lung not­wen­dig war, ein Ar­bei­ten an sei­ner See­le in Stät­ten des tiefs­ten Ge­heim­nis­ses. Und wir müs­sen uns vor al­len Din­gen klar­ma­chen, daß noch im­mer et­was vor­han­den war im Be­wußt­sein des Men­schen von ei­nem Über­rest, wenn er sich wie­der­um her­auf­hob in die geis­ti­ge Welt, je­nes al­ten, bloß traum­haf­ten Bil­der­be­wußt­seins. Der Mensch muß­te hin­we­gei­len aus die­ser Welt der Sin­ne, um in die geis­ti­ge Welt ein­t­re­ten zu kön­nen. Daß das heu­te nicht mehr not­wen­dig ist, das wur­de her­bei­ge­führt durch die Er­schei­nung des Chris­tus Je­sus auf der Er­de. Da­durch, daß das Chris­tus-Prin­zip in die Mensch­heit ein­ge­t­re­ten ist, ist das Zen­tral­we­sen, das Mit­tel­punkts­we­sen der geis­ti­gen Welt ge­schicht­lich, his­to­risch in ei­nem Men­schen ein­mal auf die­ser Er­de da­ge­we­sen, das­sel­be We­sen, nach dem sich ge­sehnt ha­ben al­le die­je­ni­gen, die ein re­li­giö­ses Le­ben ent­wi­ckelt ha­ben, die ge­schaut ha­ben in den Ein­wei­hungs­stät­ten, die weg­ge­schrit­ten sind von der sinn­li­chen Welt, um in die geis­ti­ge Welt ein­zu­t­re­ten. Das We­sen, von dem ver­kün­det wor­den ist, daß ihm der Mensch als sei­nem Höchs­ten ge­gen­über­steht, das ist mit dem Chris­tus Je­sus in die Mensch­heits­ge­schich­te ein­ge­t­re­ten. Und der­je­ni­ge, der et­was ver­steht von ech­ter Geis­tes­wis­sen­schaft, weiß, daß al­le re­li­giö­se Ver­kün­di­gung vor dem Er­schei­nen des Chris­tus Je­sus ei­ne Vor­ver­kün­di­gung des Chris­tus Je­sus ist.&lt;br /&gt;
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Wenn die al­ten Ein­ge­weih­ten von dem Höchs­ten ha­ben sp­re­chen wol­len, was ih­nen in der Geis­tes­welt zu­gäng­lich war, was sie ha­ben schau­en kön­nen als den Ur­grund al­ler Din­ge, dann ha­ben&lt;br /&gt;
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sie in den ver­schie­dens­ten Na­men von dem Chris­tus Je­sus ge­spro­chen. Wir brau­chen uns nur an ein Bei­spiel, an das Al­te Te­s­ta­ment zu er­in­nern, das auch ei­ne Vor­her­ver­kün­di­gung ist. Wir er­in­nern uns da­ran, wie Mo­ses, als er sein Volk füh­ren soll­te, den Auf­trag er­hielt: Sa­ge dei­nem Vol­ke, daß das, was du tun sollst, der Herr, der Gott, dir ge­sagt hat. Da sagt Mo­ses: Wie wer­den mir die Leu­te glau­ben, wie wer­de ich ih­nen ei­ne Über­zeu­gung bei­brin­gen kön­nen? Was muß ich sa­gen, wenn sie mich fra­gen: Wer hat dich ge­schickt? Und es wird ihm der Auf­trag: Sa­ge, der «Ich-bin», der hat dich ge­schickt. Le­sen Sie es nach und ver­g­lei­chen Sie es, so ge­nau Sie kön­nen, mit dem Ur­text. Sie wer­den se­hen, um was es sich da­bei han­delt. Der «Ich-bin», was soll das hei­ßen? Der «Ich-bin» ist der Na­me für die gött­li­che We­sen­heit, das Chris­tus-Prin­zip des Men­schen, für die We­sen­heit, die der Mensch ei­nem Trop­fen, ei­nem Fun­ken nach in sich spürt, wenn er «Ich bin» sa­gen kann. Der Stein kann nicht «Ich bin» sa­gen, die Pflan­ze kann nicht «Ich bin», das Tier kann nicht «Ich bin» sa­gen. Der Mensch ist die Kro­ne der Sc­höp­fung da­durch, daß er zu sich «Ich bin» sa­gen kann, daß er ei­nen Na­men sp­re­chen kann, der für kei­nen an­de­ren gül­tig ist als für den, der ihn aus­spricht. «Ich» kön­nen Sie sich nur selbst nen­nen. Kein an­de­rer kann Sie «Ich» nen­nen. Hier spricht die See­le mit sich selbst, in je­nem Wor­te, wo hin­ein nur ein We­sen Zu­gang hat, das durch kei­nen äu­ße­ren Sinn, auf kei­nem äu­ße­ren Weg zu der See­le kommt. Hier spricht der Gott. Da­her wur­de der Na­me «Ich-bin» der Gott­heit, wel­che die Welt er­füllt, ge­ge­ben. Sa­ge, der «Ich-bin» hat es dir ge­sagt! so soll­te Mo­ses sei­nem Vol­ke sa­gen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nur lang­sam ler­nen die Men­schen den tie­fen Sinn die­ses «Ich-bin» völ­lig ver­ste­hen. Nicht gleich ha­ben sich die Men­schen als Ein­zel­men­schen ge­fühlt. Sie kön­nen es fin­den noch im Al­ten Te­s­ta­ment: da fühl­ten sich die Men­schen noch nicht als Ein­zel­men­schen. Auch die An­ge­hö­ri­gen der deut­schen Stäm­me, selbst noch in den Zei­ten der christ­li­chen Kir­che, fühl­ten sich nicht als Ein­zel­men­schen. Den­ken Sie zu­rück an die Che­rus­ker, Teu­to­nen und so wei­ter, an die deut­schen Stäm­me, in de­ren Land nun das heu­ti­ge&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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Deut­sch­land ist. Der ein­zel­ne Che­rus­ker fühl­te mehr das Stam­mes-Ich, dem ge­gen­über er sich als Glied er­schi­en. Der ein­zel­ne hät­te nicht in der schar­fen Wei­se, wie heu­te, «Ich bin» ge­sagt. Er fühl­te sich zu­sam­men­ge­fügt zum ei­ni­gen Or­ga­nis­mus der­je­ni­gen, die bluts­ver­wandt wa­ren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den wei­tes­ten Um­kreis nimmt die­se Bluts­ver­wandt­schaft bei den Be­ken­nern des Al­ten Te­s­ta­ments ein. Der ein­zel­ne fühlt sich ge­bor­gen im gan­zen Volk. Die­ses ist für ihn von ei­nem Ich be­herrscht. Er weiß es, was es heißt: «Ich und der Va­ter Abra­ham sind eins», denn er ver­folgt die Bluts­ver­wandt­schaft durch die Ge­ne­ra­tio­nen hin­auf bis Abra­ham. Er weiß sich ge­bor­gen, wenn er über sein Ein­zel-Ich hin­aus­ge­hen will, in dem Va­ter Abra­ham, von dem all das Blut, das der äu­ße­re Trä­ger für das ge­mein­sa­me Volks-Ich ist, hin­un­ter­f­ließt in die Ge­ne­ra­tio­nen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun, wenn wir mit dem Aus­spruch, der je­dem Be­ken­ner des Al­ten Te­s­ta­men­tes ein Ho­hes be­deu­tet, ver­g­lei­chen, was der Chris­tus Je­sus hin­ge­s­tellt hat, dann ha­ben wir wie blitz­ar­tig be­leuch­tet den gan­zen Fort­schritt, der durch die christ­li­che Ent­wi­cke­lung her­vor­ge­ru­fen wur­de. «Ehe denn Abra­ham war, war das Ich-bin.» Was heißt das: Vor Abra­ham war das «Ich-bin»? So ist näm­lich die rich­ti­ge Über­set­zung und In­ter­pre­ta­ti­on der be­tref­fen­den Bi­bel­s­tel­le. Das heißt: Geht zu­rück durch al­le Ge­ne­ra­tio­nen, ihr fin­det et­was in euch selbst, in eu­rer Ein­ze­l­in­di­vi­dua­li­tät, das noch ewi­ger ist als das, was durch al­le bluts­ver­wand­ten Ge­ne­ra­tio­nen fließt. Ehe die Ahn­her­ren wa­ren, war das «Ich-bin», je­nes We­sen, das in je­den Men­schen hin­ein­zieht, von dem je­de Men­schen­see­le et­was un­mit­tel­bar füh­len kann in sich selbst. Nicht ich und der Va­ter Abra­ham, nicht ich und ein zeit­li­cher Va­ter, son­dern ich und der geis­ti­ge Va­ter, der an nichts Ver­gäng­li­ches ge­bun­den ist, wir sind eins. «Ich und der Va­ter sind eins.» In dem ein­zel­nen Men­schen fin­det sich der Va­ter. Das gött­li­che Prin­zip lebt in ihm, et­was, was da war, was da ist, was da sein wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Men­schen wer­den, nach­dem sie durch fast zwei Jahr­tau­sen­de ei­gent­lich erst an­ge­fan­gen ha­ben die Kraft die­ses Wel­ten­im­pul­ses zu füh­len, in künf­ti­gen Zei­ten voll er­ken­nen, was die­ser Sprung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
inn­er­halb der Er­den­mis­si­on und Er­den­ent­wi­cke­lung für den Men­schen be­deu­tet. Das­je­ni­ge, was man nur ein­se­hen konn­te, wenn man hin­weg­ging über das Ein­zel­da­sein, über den ein­zel­nen Men­schen, wenn man den Geist ei­nes gan­zen Stam­mes faß­te, das war es, was die al­ten Ein­ge­weih­ten er­rei­chen woll­ten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn in der ge­wöhn­li­chen Welt ir­gend­ein Mensch das hör­te, so sag­te er: Das Ich ist et­was Ver­gäng­li­ches, das an­fängt mit der Ge­burt und auf­hört mit dem To­de. Wur­de er aber ein­ge­weiht in das Ge­heim­nis der Mys­te­ri­en, dann sah er das­je­ni­ge, was der an­de­re spür­te und emp­fand, als das­sel­be, was durch das Blut der Ge­ne­ra­tio­nen rollt, was ein wir­k­li­ches We­sen ist, dann sah er sei­nen Stam­mes­geist. Was nur im geis­ti­gen Reich, aber nicht in der äu­ße­ren Wir­k­lich­keit er­reich­bar ist, das konn­te er schau­en. Ei­nen Gott, der durch das Blut der Ge­ne­ra­tio­nen rinnt, konn­te er schau­en. Geis­te­sau­ge ge­gen­über Geis­te­sau­ge vor die­sem Got­te ste­hen, das konn­te man nur in den Mys­te­ri­en.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die­je­ni­gen, die mit dem vol­len Ver­ständ­nis als sei­ne inti­men Schü­ler um den Chris­tus Je­sus wa­ren, sie hat­ten das Be­wußt­sein, daß ein We­sen geis­tig-gött­li­cher Na­tur für die äu­ße­ren Sin­ne in ei­ner ge­sch­los­se­nen flei­sch­lich-men­sch­li­chen Per­sön­lich­keit vor ih­nen stand. Als den ers­ten emp­fan­den sie den Chris­tus Je­sus, als den ers­ten, der im ein­zel­nen Men­schen ei­nen sol­chen Geist in sich hat­te, wie ihn sonst nur zu­sam­men­ge­hö­ri­ge Men­schen­mas­sen in sich fühl­ten und wie er sonst nur in der geis­ti­gen Welt für die Ein­ge­weih­ten zu schau­en war. Der Erst­ling un­ter den Men­schen war er.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Je mehr der Mensch in­di­vi­du­ell wird, des­to mehr kann er Lie­be-trä­ger wer­den. Wo das Blut die Men­schen zu­sam­men­ket­tet, da lie­ben die Men­schen aus dem Grun­de, weil sie durch das Blut hin­ge­führt wer­den zu dem, was sie lie­ben sol­len. Wird dem Men­schen die In­di­vi­dua­li­tät zu­er­teilt, hegt und pf­legt er den Got­tes­fun­ken in sich, dann müs­sen die Im­pul­se der Lie­be, die Wel­len der Lie­be von Mensch zu Mensch ge­hen aus frei­em Her­zen her­aus. Und so hat der Mensch mit die­sem neu­en Im­puls das al­te Band der Lie­be, die an das Blut ge­bun­den ist, be­rei­chert. Die Lie­be geht nach und nach über in die geis­ti­ge Lie­be, die von See­le zu See­le fließt, die zu­letzt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|29}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die gan­ze Mensch­heit um­fas­sen wird mit ei­nem ge­mein­schaft­li­chen Band all­ge­mei­ner Bru­der­lie­be. Der Chris­tus Je­sus aber ist die Kraft, die le­ben­di­ge Kraft, durch die, so wie sie in der Ge­schich­te war, wie sie sich äu­ße­ren Au­gen zeig­te, zum ers­ten­mal die Mensch­heit zur Ver­brü­de­rung ge­bracht wor­den ist. Und die Men­schen wer­den ler­nen, die­ses Band der Bru­der­lie­be als das vol­l­en­de­te, als das ver­geis­tig­te Chris­ten­tum auf­zu­fas­sen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man sagt heu­te leicht: Die Theo­so­phie soll den ein­heit­li­chen Wahr­heits­kern in al­len Re­li­gio­nen su­chen, denn al­le Re­li­gio­nen ent­hal­ten ja ganz das glei­che. Die Men­schen, die so sa­gen, die die Re­li­gio­nen nur ver­g­lei­chen, um das ab­strakt Glei­che zu su­chen, ver­ste­hen nichts vom Ent­wi­cke­lung­s­prin­zip. Nicht um­sonst ent­wi­ckelt sich die Welt. Wahr ist es, in je­der Re­li­gi­on ist die Wahr­heit ent­hal­ten, aber in­dem sie sich von Form zu Form ent­wi­ckelt, ent­wi­ckelt sie sich zu höhe­ren For­men. Der Wahr­heit nach kön­nen Sie al­ler­dings, wenn Sie tief ge­nug for­schen wol­len, das, was das Chris­ten­tum an Leh­ren ent­hält, in den an­de­ren Re­li­gio­nen auch fin­den. Neue Leh­ren hat das Chris­ten­tum nicht ge­bracht. Aber das We­sent­li­che im Chris­ten­tum liegt nicht in den Leh­ren. Neh­men Sie die vor­christ­li­chen Re­li­gi­ons­s­tif­ter. Bei ih­nen kommt es dar­auf an, was sie ge­lehrt ha­ben. Den­ken Sie sich, die­se Re­li­gi­ons­s­tif­ter wä­ren un­be­kannt ge­b­lie­ben; was sie ge­lehrt ha­ben, das wä­re ge­b­lie­ben. Da­mit hät­te die Mensch­heit ge­nug. Beim Chris­tus Je­sus aber kommt es nicht dar­auf an. Bei ihm kommt es dar­auf an, daß er da war, daß er im phy­si­schen Lei­be hier auf die­ser Er­de ge­lebt hat. Nicht der Glau­be an sei­ne Leh­re, son­dern an sei­ne Per­sön­lich­keit ist das Aus­schlag­ge­ben­de, daß man hin­ge­schaut hat dar­auf, daß er der Erst­ge­bo­re­ne un­ter de­nen war, die da ster­ben kön­nen, bei dem man fragt: Wür­dest auch du in der La­ge, in der ich mich be­fin­de, so füh­len wie ich? Wür­dest auch du so den­ken, wie ich nun den­ke, so wol­len, wie ich will? Das ist das Wich­ti­ge, daß er das größ­te Vor­bild als Per­sön­lich­keit ist, bei dem es nicht dar­auf an­kommt, hin­zu­hö­ren auf sei­ne Leh­ren, son­dern dar­auf, ihn selbst an­zu­schau­en, wie er es ge­tan hat. Da­her sa­gen die inti­men Schü­ler des Chris­tus Je­sus et­was ganz an­de­res als die Schü­ler und Jün­ger&lt;br /&gt;
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an­de­rer Re­li­gi­ons­s­tif­ter. Die­se sa­gen: Der Herr hat die­ses, hat je­nes ge­lehrt. Die Schü­ler des Chris­tus Je­sus aber sa­gen: Nicht aus­ge­klü­gel­te My­then et­wa und Leh­ren sa­gen wir euch, son­dern das sa­gen wir euch, was un­se­re Au­gen selbst ge­se­hen, un­se­re Oh­ren selbst ge­hört ha­ben. Wir ha­ben die Stim­me ge­hört, un­se­re Hän­de ha­ben be­rührt den Qu­ell des Le­bens, da­mit wir Ge­mein­schaft ha­ben mit euch. Und Chris­tus Je­sus sel­ber sprach: Zeu­gen sollt ihr mir sein in Je­ru­sa­lem, in Ju­däa, bis ans En­de der Welt. Da­mit ist et­was sehr Wich­ti­ges ge­sagt: Zeu­gen sollt ihr mir sein bis ans En­de der Welt. Das heißt: Es wer­den im­mer sol­che da sein je­der­zeit, die eben­so wie je­ne in Ju­däa und Ga­li­läa aus dem un­mit­tel­ba­ren Wis­sen her­aus sa­gen kön­nen, wer Chris­tus war im Sin­ne des Evan­ge­li­ums.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Sin­ne des Evan­ge­li­ums, was be­deu­tet das? Nichts an­de­res, als daß er von An­fang an das Prin­zip war, das in al­lem Schaf­fen leb­te. Er sagt es: Glaubt ihr nicht an mich, so glaubt we­nigs­tens an Mo­ses, denn wenn ihr an Mo­ses glaubt, so glaubt ihr an mich, denn Mo­ses hat von mir ge­spro­chen. Wir ha­ben es heu­te schon ge­se­hen, von ihm hat Mo­ses ge­spro­chen, als er hin­ge­wie­sen hat dar­auf: Der «Ich-bin» hat es mir ge­sagt der «Ich-bin», der aber nur geis­tig wahr­nehm­bar war bis da­hin. Daß der Chris­tus sicht­bar in die Er­schei­nung, sicht­bar in die Welt ge­t­re­ten ist als Mensch un­ter Men­schen, das ist es, was den Un­ter­schied des Chris­tus-Evan­ge­li­ums aus­macht ge­gen­über der gött­li­chen Ver­kün­di­gung von an­de­ren Re­li­gio­nen. Denn bei die­sen war al­le geis­ti­ge Weis­heit auf et­was ge­rich­tet, was au­ßer­halb der Welt war. Jetzt, mit Chris­tus Je­sus, kam et­was in die Welt, was als Sin­ne­s­er­schei­nung selbst be­grif­fen wer­den soll­te. Was emp­fan­den die ers­ten Jün­ger als das Ideal ih­rer Weis­heit? Nicht mehr bloß zu be­g­rei­fen, wie die Geis­ter im Geis­ter­lan­de le­ben, son­dern wie das höchs­te Prin­zip in die­ser ge­schicht­li­chen Per­sön­lich­keit des Chris­tus Je­sus hat auf Er­den vor­han­den sein kön­nen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist viel leich­ter, die­ser Per­sön­lich­keit die Gott­heit ab­zu­leug­nen, als so zu emp­fin­den. Da­rin be­steht der Un­ter­schied ei­ner ge­wis­sen Leh­re der ers­ten Zeit des Chris­ten­tums von dem, was man&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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in­ne­res Chris­ten­tum nennt, der Un­ter­schied zwi­schen Gno­sis und eso­te­ri­schem Chris­ten­tum. Die Gno­sis er­kennt Chris­tus in sei­ner Gött­lich­keit zwar an, aber sie hat­te sich nie auf­schwin­gen kön­nen bis zu der An­schau­ung, daß das «Wort» Fleisch ge­wor­den ist und un­ter uns ge­wohnt hat, so wie es der Sch­rei­ber des Jo­han­nes-Evan­ge­li­ums be­tont. Er sagt: Nicht nur als et­was, was bloß im Un­sicht­ba­ren zu be­g­rei­fen ist, sollt ihr den Chris­tus Je­sus an­se­hen, son­dern als das Wort, das Fleisch ge­wor­den ist und un­ter uns ge­wohnt hat. Ihr sollt wis­sen, daß mit die­ser men­sch­li­chen Per­sön­lich­keit ei­ne Kraft er­schie­nen ist, die in ferns­te Zu­kunft hin­ein wir­ken wird, die die wir­k­li­che, geis­ti­ge Lie­be als ei­ne Kraft um den Erd­kreis her­um­spin­nen wird, die da wirkt und lebt in al­lem, das in die Zu­kunft hin­ein lebt. Und über­gibt sich der Mensch die­ser Kraft, dann wächst er in die geis­ti­ge Welt hin­ein, aus der er her­un­ter­ge­s­tie­gen ist. Wie­der hin­auf­s­tei­gen wird er bis da­hin, wo­hin­ein der Ein­ge­weih­te heu­te schon schau­en kann. Ab­st­rei­fen wird der Mensch das Sinn­li­che, wenn er in die geis­ti­ge Welt ein­dringt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie der Schü­ler, der in al­ten Zei­ten ein­ge­weiht wur­de, ei­nen Rück­blick ha­ben konn­te auf die al­ten, auf die ver­gan­ge­nen Zei­ten des Geis­tes­le­bens, so er­hal­ten die­je­ni­gen, wel­che im christ­li­chen Sin­ne ein­ge­weiht wer­den, durch die Teil­nah­me an den Im­pul­sen des Chris­tus Je­sus die Fähig­keit zu se­hen, was aus die­ser un­se­rer Er­den­welt wird, wenn die Men­schen im Sin­ne des Chris­tus-Im­pul­ses wir­ken. Wie man zu­rück­bli­cken kann auf die frühe­ren Zu­stän­de, so kann man, von dem An­fangs­punk­te der Er­schei­nung des Chris­tus aus­ge­hend, hin­bli­cken in die ferns­te Zu­kunft. Man kann sa­gen: So wird das Be­wußt­sein sich wie­der ve­r­än­dern, so wird der Mensch ste­hen im Ver­hält­nis der geis­ti­gen zur Sin­nen­welt. Wäh­rend so die frühe­re Ein­wei­hung ei­ne Ein­wei­hung in die Ver­gan­gen­heit, in ural­te Weis­heit ist, geht die christ­li­che Ein­wei­hung da­hin, dem Ein­zu­wei­hen­den die Zu­kunft zu ent­hül­len. Das ist das Not­wen­di­ge, daß der Mensch nicht nur ein­ge­weiht wird für sei­ne Weis­heit, für sein Ge­müt, son­dern daß er ein­ge­weiht wird für sei­nen Wil­len. Denn da­durch weiß er, was er tun soll, daß er sich Zie­le set­zen kann für die Zu­kunft. Der sinn­li­che All­tags­mensch setzt sich Zie­le&lt;br /&gt;
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für den Nach­mit­tag, für den Abend, den Mor­gen. Der geis­ti­ge Mensch ver­mag aus den geis­ti­gen Prin­zi­pi­en her­aus fer­ne Zie­le sich zu set­zen, die sei­nen Wil­len durch­pul­sen, sei­ne Kräf­te le­ben­dig ma­chen. So der Mensch­heit Zie­le set­zen, das heißt im wah­ren höchs­ten Sinn, im Sinn des ur­sprüng­li­chen christ­li­chen Prin­zips, das Chris­ten­tum eso­te­risch er­fas­sen. So hat es der­je­ni­ge ver­stan­den, der das gro­ße Prin­zip der Ein­wei­hung des Wil­lens ge­schrie­ben hat, der die Apo­ka­lyp­se ge­schrie­ben hat. Man ver­steht die Apo­ka­lyp­se sch­lecht, wenn man sie nicht ver­steht als den Im­puls­ge­ber für die Zu­kunft, für das Han­deln, für die Tat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Al­le die Din­ge, die wir heu­te an uns vor­über­zie­hen lie­ßen, sie sind aus der an­thro­po­so­phisch ori­en­tier­ten Geis­tes­wis­sen­schaft her­aus zu ver­ste­hen. Nur Skiz­zen­haf­tes konn­te ich heu­te ge­ben. Wenn man aus der Geis­tes­wis­sen­schaft her­aus be­g­reift, was hin­ter dem Sinn­li­chen steht, dann sieht man auch hin mit dem Ver­ständ­nis auf das, was ver­kün­det wor­den ist in den Evan­ge­li­en, was ver­kün­det wor­den ist im apo­ka­lyp­ti­schen Werk. Und je wei­ter man geht in dem Ein­drin­gen, in der Ver­tie­fung nach den über­sinn­li­chen Wel­ten hin, des­to Tie­fe­res wird man in den christ­li­chen Ur­kun­den fin­den. Mit höhe­rem Glanz, mit tie­fe­rem Wahr­heits­ge­halt und In­halt er­schei­nen ei­nem die christ­li­chen Ur­kun­den, wenn man, ge­schärft mit dem geis­ti­gen Blick, wie er ge­won­nen wer­den kann mit Hil­fe der An­thro­po­so­phie, hin­geht zu die­sen Ur­kun­den. Wahr ist es: Das ein­fachs­te Ge­müt kann ah­nen, wel­che Wahr­hei­ten im Chris­ten­tum ste­cken. Nicht im­mer aber wird sich das Be­wußt­sein mit ei­ner Ah­nung begnü­gen kön­nen, es wird sich höh­er ent­wi­ckeln und wis­sen, er­ken­nen wol­len. Doch auch dann, wenn es sich zu den höchs­ten Weis­hei­ten er­hebt, wird es im­mer noch tie­fe Ge­heim­nis­se ge­ben im Chris­ten­tum. Es ist für das ein­fachs­te Ge­müt, aber auch für die höchst­ent­wi­ckel­te In­tel­lek­tua­li­tät. Der Ein­ge­weih­te er­lebt es wie­der als Bil­der. Da­her mag das nai­ve Be­wußt­sein ah­nen, wel­che Wahr­hei­ten da­rin schlum­mern, aber der Mensch wird nach Er­kennt­nis ver­lan­gen und nicht nach Glau­ben, und auch dann wird er im Chris­ten­tum Be­frie­di­gung fin­den. Er wird im Chris­ten­tum den vol­len be­frie­di­gen­den In­halt fin­den kön­nen, wenn ihm durch&lt;br /&gt;
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die Geis­tes­wis­sen­schaft die Er­klär­un­gen der Evan­ge­li­en ge­ge­ben wer­den. Da­her wird die Geis­tes­wis­sen­schaft an die Stel­le selbst der höchs­ten al­ten Phi­lo­so­phi­en tre­ten. Sie wird Zeug­nis ab­le­gen von dem uns ein­gangs vor­ge­führ­ten sc­hö­nen He­gel­wort: Der tiefs­te Ge­dan­ke ist mit der Ge­stalt des Chris­tus Je­sus, mit der ge­schicht­li­chen und äu­ßer­li­chen, ver­knüpft, und je­de Art von Be­wußt­sein das ist das Gro­ße am Chris­ten­tum kann der Äu­ßer­lich­keit nach die­ses Chris­ten­tum be­g­rei­fen. Zu­g­leich aber wer­den die tiefst ein­drin­gen­den Weis­hei­ten durch das Chris­ten­tum her­aus­ge­for­dert. Für je­de Stu­fe der Bil­dung ist das Chris­ten­tum, aber es kann ge­recht wer­den den höchs­ten An­for­de­run­gen.&lt;br /&gt;
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= ERSTER VORTRAG, Nürnberg, 18. Juni 1908 =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es wird uns nun­mehr durch ei­ne Rei­he von Ta­gen ein sehr be­deut­sa­mes, sehr tie­fes an­thro­po­so­phi­sches The­ma be­schäf­ti­gen. Be­vor wir an un­se­re Be­trach­tun­gen her­an­ge­hen, las­sen Sie mich die tiefs­te Be­frie­di­gung dar­über aus­sp­re­chen, daß wir vor Freun­den aus so vie­ler­lei Ge­gen­den Deut­sch­lands, ja Eu­ro­pas über die­ses, tie­fe und be­deut­sa­me The­ma hier Be­trach­tun­gen an­s­tel­len dür­fen. Vor al­len Din­gen gilt es, die­se Be­frie­di­gung aus­zu­sp­re­chen un­se­ren lie­ben Nürn­ber­ger Freun­den, die ih­rer­seits ge­wiß nicht min­der froh sein wer­den als der­je­ni­ge, der zu ih­nen spricht, hier in die­ser Stadt durch ei­ne ver­hält­nis­mä­ß­ig län­ge­re Zeit an­thro­po­so­phi­sches Le­ben ge­mein­sam mit den aus­wär­ti­gen Freun­den zu pf­le­gen. Es ist ja ge­ra­de in die­ser Stadt ne­ben dem eif­rigs­ten St­re­ben nach Er­kennt­nis der gro­ßen geis­tes­wis­sen­schaft­li­chen Wahr­hei­ten im­mer auch so sehr gel­tend ge­we­sen und mit so tie­fem Ver­ständ­nis zur Dar­stel­lung ge­bracht wor­den, was an­thro­po­so­phi­sche Ge­sin­nung, was wahr­haft an­thro­po­so­phi­sches Le­ben ist, die­ses an­thro­po­so­phi­sche Le­ben, das wir nur dann ver­ste­hen, wenn die geis­tes­wis­sen­schaft­li­chen Leh­ren uns nicht bloß et­was sind, was uns theo­re­tisch be­schäf­tigt, son­dern wenn sie uns et­was wer­den, was un­ser ei­ge­nes Le­ben bis in die tiefs­ten Tie­fen der See­le hin­ein durch­geis­tigt, durch­feu­ert, hebt, was uns aber auch in en­ge­ren Ban­den zu­sam­men­sch­lingt mit un­se­ren Mit­men­schen, mit der gan­zen Welt. Es be­deu­tet viel für den Men­schen, zu füh­len, daß al­les, was uns äu­ßer­lich in der sinn­li­chen Welt, im sinn­lich-sicht­ba­ren Da­sein ent­ge­gen­tritt, so er­schei­nen kann wie die äu­ße­re Phy­siog­no­mie ei­nes zu­grun­de lie­gen­den un­sicht­ba­ren, über­sinn­li­chen Da­seins. Die Welt mit al­lem, was da­r­in­nen ist, wird ja sch­ließ­lich dem, der die An­thro­po­so­phie ins Le­ben ein­führt, im­mer mehr und mehr ein phy­siog­no­mi­scher Aus­druck des gött­lich-geis­tig We­sen­haf­ten, und wenn er die Welt des Sicht­ba­ren um sich her­um be­trach­tet, wird es&lt;br /&gt;
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ihm sein, wie wenn er von den Zü­gen ei­nes Men­schen­ant­lit­zes durch­dringt zu dem Her­zen, zu der See­le des Men­schen. Ge­gen­über al­le­dem, was äu­ßer­lich ihm ent­ge­gen­tritt in Ber­gen und Fel­sen, in dem Pflan­zen­k­leid der Er­de, in Tie­ren und Men­schen, was ihm ent­ge­gen­tritt in al­ler uns um­ge­ben­den Welt, in al­len Be­schäf­ti­gun­gen der Men­schen, wird es ihm sein, als ob es ein phy­siog­no­mi­scher Aus­druck, als ob es die Mie­ne wä­re ei­nes zu­grun­de lie­gen­den gött­lich-geis­ti­gen Da­seins. Und neu­es Le­ben er­sprießt ihm aus all die­ser Be­trach­tungs­wei­se und durch­dringt ihn, und ei­ne an­de­re, ed­le Art von Be­geis­te­rung be­feu­ert das, was er un­ter­neh­men will.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nur ei­nes klei­nen symp­to­ma­ti­schen Bei­spiels mei­ner letz­ten Er­fah­run­gen auf ei­ner mei­ner Vor­trags­rei­sen las­sen Sie mich ge­den­ken. Das Bei­spiel, das ich Ih­nen an­füh­ren will, zeigt, wie die Welt­ge­schich­te, wenn man sie als Aus­druck des Gött­lich-Geis­ti­gen be­trach­tet, übe­rall be­deut­sam er­scheint, übe­rall ei­ne neue Spra­che zu uns re­det. Da konn­te ich vor ei­ni­gen Wo­chen in Skan­di­na­vi­en wahr­neh­men, wie in dem gan­zen Le­ben un­se­res eu­ro­päi­schen Nor­dens al­les noch ei­nen Nach­klang je­nes al­ten Da­seins der nor­di­schen Welt ver­rät, wo al­les Geis­ti­ge durch­setzt war von dem Be­wußt­sein der We­sen­hei­ten, die hin­ter den nor­di­schen Göt­ter­ge­stal­ten der My­the ste­hen. Man möch­te sa­gen, daß in je­nen Län­dern aus al­lem, was ei­nem ent­ge­gen­tritt, Nach­klän­ge zu ver­neh­men sind des­sen, was als das al­te nor­di­sche Geis­tes­le­ben die Ein­ge­weih­ten der Drui­den­mys­te­ri­en, der Drot­ten­mys­te­ri­en ih­ren Schü­l­ern mit­teil­ten. Da wird man ge­wahr, wie der Zau­ber­hauch je­nes Geis­tes­le­bens den Nor­den durch­setzt, und man sieht et­was wie den Aus­druck sc­hö­ner kar­mi­scher Zu­sam­men­hän­ge. Man sieht sich, wie mir das ge­stat­tet war in Upp­sa­la, so­zu­sa­gen mit­ten hin­ein­ge­s­tellt in al­les das, wenn man vor sich hat die ers­te der ger­ma­ni­schen Bi­bel­über­set­zun­gen, den Sil­ber­nen Ko­dex des Ul­fi­las. Er ist hin­ge­kom­men nach Upp­sa­la wie durch kar­mi­sche Ver­wi­cke­lun­gen ei­ge­ner Art. Er war ja vor­her in Prag. Im Schwe­di­schen Krieg wur­de er er­beu­tet und nach Upp­sa­la ge­bracht, und da liegt er nun, ein Wahr­zei­chen für das, was den durch­dringt, der ein bißchen tie­fer hin­ein­zu­bli­cken ver­mag in das al­te Mys­te­ri­en­we­sen. Es ist ja die­ses&lt;br /&gt;
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Mys­te­ri­en­we­sen, die­ses Ein­drin­gen in die geis­ti­ge Welt inn­er­halb der al­ten eu­ro­päi­schen Kul­tu­ren durch­setzt und durch­zo­gen von ei­nem ge­mein­sa­men merk­wür­di­gen Zug, den tie­fer spür­ten die­je­ni­gen, wel­che die Wei­he er­hal­ten ha­ben in je­nen al­ten Zei­ten. Wie ein tra­gi­scher Zug ging es durch ih­re Her­zen, wenn ih­nen klar­ge­macht wur­de, daß sie zwar hin­ein­bli­cken könn­ten in die Ge­heim­nis­se des Da­seins, daß aber in der Zu­kunft et­was kom­men wer­de, das wie ei­ne vol­l­en­de­te Rät­sel­lö­sung er­scheint. Im­mer und im­mer wie­der wur­den sie dar­auf hin­ge­wie­sen, daß he­r­ein­strah­len sol­le ein höhe­res Licht in je­nes Wis­sen, das man in den al­ten Mys­te­ri­en er­kun­den konn­te. Man darf sa­gen, daß pro­phe­tisch hin­ge­wie­sen wur­de in al­len die­sen al­ten Mys­te­ri­en auf das, was da kom­men soll­te in der Zu­kunft, auf die Er­schei­nung des Chris­tus Je­sus. Der Ton, die Ge­sin­nung der Er­war­tung, die Stim­mung der Pro­phe­tie lag in die­sem nor­di­schen Mys­te­ri­en­we­sen.&lt;br /&gt;
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Wir müs­sen solch ei­nen Satz, wie ich ihn jetzt aus­sp­re­chen wer­de, nicht zwän­gen und nicht drän­gen, nicht pres­sen und nicht zu scharf in Kon­tu­ren den­ken. Er soll nur symp­to­ma­tisch aus­sp­re­chen, was als tie­fe­re Wahr­heit zu­grun­de liegt. Aber es ist in dem, was wie ein letz­tes Blatt ge­b­lie­ben ist aus den Tra­di­tio­nen der alt­ger­ma­ni­schen Mys­te­ri­en, es ist in der Sieg­fried­sa­ge et­was wie ein Hin­ein­ge­heim­nis­sen je­ner Ge­sin­nung vor­han­den. Wenn wir dar­auf hin­ge­wie­sen wer­den, daß Sieg­fried wir­k­lich der Re­prä­sen­tant ist der altnor­di­schen Ein­wei­hung, wenn wir hin­ge­wie­sen wer­den dar­auf, daß an der Stel­le, wo er ver­wund­bar ist, ein Blatt liegt, daß die­se Stel­le am Rü­cken sich be­fin­det, dann fühlt der, der so et­was symp­to­ma­tisch zu füh­len ver­mag: Das ist die Stel­le, wo et­was an­de­res lie­gen wird beim Men­schen, wenn je­ne Ver­wun­dung ihn nicht mehr tref­fen kann, die die Ein­ge­weih­ten der altnor­di­schen Mys­te­ri­en noch er­lei­den konn­ten. Die Stel­le soll zu­hül­len das Kreuz. Da soll es lie­gen, das Kreuz des Chris­tus Je­sus; da lag es noch nicht beim Ein­ge­weih­ten der altnor­di­schen Mys­te­ri­en. Dar­auf wird hin­ge­deu­tet in den al­ten Mys­te­ri­en der ger­ma­ni­schen Völ­ker in der Sieg­fried­sa­ge. Und so wird selbst da noch symp­to­ma­tisch an­ge­deu­tet, wie zu­sam­men­stim­mend ge­dacht wer­den sol­len die&lt;br /&gt;
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al­ten Ein­wei­hun­gen der Drui­den, der Drot­ten, mit den Mys­te­ri­en des Chris­ten­tums. Da­ran er­in­nert wie ein phy­siog­no­mi­scher Aus­druck die­ses Hin­ge­s­tellt­sein der ers­ten ger­ma­ni­schen Bi­bel­über­set­zung in die nor­di­sche Welt hin­ein. Und daß es wie ei­ne kar­mi­sche Ver­ket­tung ist, das mag Ih­nen noch der Um­stand wie­der­um sym­bo­li­sie­ren, daß einst­mals elf Blät­ter aus die­sem Sil­ber­nen Ko­dex ge­stoh­len wor­den sind, und daß der spä­te­re Be­sit­zer der­sel­ben sol­che Ge­wis­sens­bis­se emp­fun­den hat, daß er die­se elf Blät­ter nicht be­hal­ten woll­te, son­dern sie wie­der­um zu­rück­gab. Wie ge­sagt, man soll sol­che Din­ge nicht pres­sen und drän­gen, son­dern sie als bild­li­che Dar­stel­lun­gen auf­fas­sen je­ner kar­mi­schen Ver­wi­cke­lun­gen, die sich phy­siog­no­misch zum Aus­druck brin­gen in dem Hin­ein­ge­s­tellt­sein der ers­ten ger­ma­ni­schen Bi­bel­über­set­zung in die nor­di­sche Welt. Und wie hier die­ses Er­eig­nis der Ge­schich­te, so wird uns al­les, was uns im Le­ben ent­ge­gen­tritt, Gro­ßes und Klei­nes, ver­tieft und mit ei­nem neu­en Licht durch­strahlt durch die an­thro­po­so­phi­sche Ge­sin­nung, die sich da­rin be­kun­det, daß man in al­lem phy­sisch Wahr­nehm­ba­ren den phy­siog­no­mi­schen Aus­druck ei­nes Über­sinn­lich-Geis­ti­gen er­blickt.*)&lt;br /&gt;
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Daß es sich so ver­hält, die­se Über­zeu­gung mö­ge uns durch­drin­gen ge­ra­de wäh­rend die­ses Kur­sus. Und aus solch ei­ner Über­zeu­gung her­aus mag der Geist, mö­gen die Ge­füh­le strö­men, die wäh­rend der zwölf apo­ka­lyp­ti­schen Vor­trä­ge in un­se­re See­le flie­ßen, die un­se­re Her­zen durch­drin­gen sol­len. Inn­er­halb die­ser Ge­sin­nung wol­len wir an die­sen Kur­sus her­an­t­re­ten, der das tiefs­te Do­ku­ment des Chris­ten­tums, die Apo­ka­lyp­se des Jo­han­nes, zum An­knüp­fungs­punk­te nimmt, weil an die­ses Do­ku­ment die tiefs­ten Wahr­hei­ten des Chris­ten­tums wir­k­lich zwang­los an­ge­sch­los­sen wer­den kön­nen. Denn es ist nichts Ge­rin­ge­res in die­sem Do­ku­ment ent­hal­ten als ein gro­ßer Teil der Mys­te­ri­en des Chris­ten­tums, es ist da­rin ent­hal­ten das Tiefs­te von dem, was wir als das eso­te­ri­sche Chris­ten­tum zu be­zeich­nen ha­ben. Kein Wun­der da­her, daß von al­len christ­li­chen Do­ku­men­ten auch ge­ra­de die­ses Do­ku­ment am al­ler­meis­ten mißv­er­stan­den wor­den ist. Es ist fast vom An­be­ginn der christ­li­chen Geis­tes­strö­mung an mißv­er­stan­den wor­den von al­len&lt;br /&gt;
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__________&lt;br /&gt;
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&amp;lt;nowiki&amp;gt;*&amp;lt;/nowiki&amp;gt;) Re­dak­tio­nel­ler Hin­weis:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An die­ser Stel­le war ur­sprüng­lich der nach­ste­hend kur­siv ge­setz­te Ab­satz ein­ge­fügt. Er fand sich in ei­ner «deutsch-rus­si­schen On­li­ne-Aus­ga­be» und wur­de vom Ru­dolf-Stei­ner-Ver­lag Dor­nach of­fen­bar ab der 4. Aufla­ge 1954 er­satz- und kom­men­tar­los ge­s­tri­chen. Sie­he auch den re­dak­tio­nel­len Hin­weis un­ter »Kor­rek­tu­ren« auf S. 271&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
«Und es ist mißv­er­stan­den wor­den in den ver­schie­dens­ten Zei­ten im­mer in dem Sin­ne, in dem Sti­le, wie die­se ver­schie­de­nen Zei­ten ge­dacht und ge­son­nen ha­ben. Mißv­er­stan­den ist es wor­den von den Zei­ten, die, man darf sa­gen, spi­ri­tu­ell-ma­te­ria­lis­tisch ge­dacht ha­ben, von den Zei­ten, die gro­ße Re­li­gi­ons­strö­mun­gen hin­ein­ge­zwängt ha­ben in ein­sei­ti­ges fa­na­ti­sches Par­tei­ge­trie­be, und es ist mißv­er­stan­den wor­den in der neue­ren Zeit von den­je­ni­gen, wel­che im gro­ben, im sinn­lichs­ten Ma­te­ria­lis­mus glaub­ten die Rät­sel der Welt lö­sen zu kön­nen.»&lt;br /&gt;
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de­nen, die nicht zu den ei­gent­li­chen christ­li­chen Ein­ge­weih­ten ge­hör­ten. Und es ist mißv­er­stan­den wor­den in den ver­schie­dens­ten Zei­ten im­mer in dem Sin­ne, in dem Sti­le, wie die­se ver­schie­de­nen Zei­ten ge­dacht und ge­son­nen ha­ben. Mißv­er­stan­den ist es wor­den von den Zei­ten, die, man darf sa­gen, spi­ri­tu­ell-ma­te­ria­lis­tisch ge­dacht ha­ben, von den Zei­ten, die gro­ße Re­li­gi­ons­strö­mun­gen hin­ein­ge­zwängt ha­ben in ein­sei­ti­ges fa­na­ti­sches Par­tei­ge­trie­be, und es ist mißv­er­stan­den wor­den in der neue­ren Zeit von den­je­ni­gen, wel­che im gro­ben, im sinn­lichs­ten Ma­te­ria­lis­mus glaub­ten die Rät­sel der Welt lö­sen zu kön­nen.&lt;br /&gt;
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Die ho­hen geis­ti­gen Wahr­hei­ten, die im Aus­gangs­punk­te des Chris­ten­tums ver­kün­det wor­den sind und zu de­ren An­schau­ung die­je­ni­gen ge­bracht wur­den, die sie ver­ste­hen konn­ten, sie lie­gen an­ge­deu­tet, so­weit das in ei­ner Schrift ge­sche­hen kann, in der Apo­ka­lyp­se des Jo­han­nes, in der so­ge­nann­ten ka­no­ni­schen Apo­ka­lyp­se. Aber schon in den ers­ten Zei­ten des Chris­ten­tums wa­ren die Exo­te­ri­ker we­nig ge­eig­net, das tief Spi­ri­tu­el­le, das ge­meint ist im eso­te­ri­schen Chris­ten­tum, zu ver­ste­hen. Und so trat denn in den al­le­r­ers­ten Zei­ten des Chris­ten­tums in der Exo­te­rik die An­schau­ung auf, daß sich Din­ge, die sich zu­nächst für die Welt­ent­wi­cke­lung ab­spie­len im Geis­tig-Spi­ri­tu­el­len, die er­kenn­bar und er­schau­bar sind für den, der hin­ein­schau­en kann in die geis­ti­gen Wel­ten, daß sich sol­che rein spi­ri­tu­el­len Vor­gän­ge äu­ßer­lich in dem ma­te­ri­el­len Kul­tur­le­ben ab­spie­len soll­ten. Und so kam es, daß, wäh­rend der Sch­rei­ber der Apo­ka­lyp­se die Er­geb­nis­se sei­ner Ein­wei­hung, sei­ner christ­li­chen In­i­tia­ti­on da­rin zum Aus­dru­cke brach­te, die an­de­ren sie nur exo­te­risch ver­stan­den und der Mei­nung wa­ren, daß sich das, was der gro­ße Se­her ge­schaut und wo­von der Ein­ge­weih­te weiß, daß es sich in Jahr­tau­sen­den spi­ri­tu­ell er­kenn­bar ab­spielt, in der al­ler­nächs­ten Zeit ab­spie­len müs­se im äu­ßer­lich sinn­lich-sicht­ba­ren Le­ben. So kam denn die An­schau­ung zu­stan­de, als ob für die sinn­lich nächs­te Zeit der Sch­rei­ber et­was ge­meint hät­te wie ein in den sinn­lich-phy­si­schen Wol­ken statt­fin­den­des Her­ab­kom­men, Wie­der­kom­men des Chris­tus Je­sus. Als das nicht ein­t­rat, da ver­län­ger­te man ein­fach die Frist und sag­te: Nun ja, es hat für die&lt;br /&gt;
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Er­de mit der Er­schei­nung des Chris­tus Je­sus ei­ne neue Zeit be­gon­nen ge­gen­über dem, was als al­te Re­li­gio­si­tät da war. Aber es wird und jetzt faß­te man das wie­der­um sinn­lich auf tau­send Jah­re dau­ern, da wer­den sich die nächs­ten Er­eig­nis­se phy­sisch-sinn­lich voll­zie­hen, die in der Apo­ka­lyp­se dar­ge­s­tellt sind. So kam es, daß tat­säch­lich, als he­r­ein­zog das Jahr 1000, vie­le Leu­te auf das Her­an­kom­men ir­gend­ei­ner dem Chris­ten­tum feind­li­chen Macht war­te­ten, auf ei­nen Antichrist, der in der sinn­li­chen Welt auf­t­re­ten soll­te. Und als das wie­der­um nicht ein­t­rat, da wur­de so­zu­sa­gen ei­ne neue Frist­ver­län­ge­rung an­ge­setzt, zu glei­cher Zeit aber die gan­ze Vor­her­sa­gung der Apo­ka­lyp­se in ei­ne ge­wis­se Sym­bo­lik hin­auf­ge­rückt, wäh­rend man sich bei den gro­ben Exo­te­ri­kern die­se Vor­her­sa­gung ziem­lich greif­bar vor­ge­s­tellt hat­te. Mit dem Her­aufrü­cken ei­ner ma­te­ria­lis­ti­schen Wel­t­an­schau­ung kam man für die­se Din­ge in ei­ne ge­wis­se Sym­bo­lik hin­ein. Man sah in den äu­ße­ren Er­eig­nis­sen sym­bo­li­sche An­deu­tun­gen.&lt;br /&gt;
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So kam her­auf im zwölf­ten Jahr­hun­dert der Mann, der an­fangs des drei­zehn­ten Jahr­hun­derts starb, Joa­chim von Flo­ris, der ei­ne denk­wür­di­ge Er­klär­ung die­ser ge­heim­nis­vol­len Ur­kun­de des Chris­ten­tums gab. Er war näm­lich der An­sicht, daß im Chris­ten­tum ei­ne tie­fe spi­ri­tu­el­le Macht ru­he, daß die­se Macht im­mer mehr und mehr zur Aus­b­rei­tung kom­men müs­se, daß aber das äu­ße­re Chris­ten­tum im­mer die­ses eso­te­ri­sche Chris­ten­tum ve­r­äu­ßer­licht ha­be. Und so kam bei man­chem die An­schau­ung die­ses Man­nes zur Gel­tung, wo­nach in der Papst­kir­che, in die­ser Ve­r­äu­ßer­li­chung der Spi­ri­tua­li­tät des Chris­ten­tums, et­was Antichrist­li­ches, et­was Feind­li­ches zu su­chen sei. Und be­son­ders ge­nährt wur­de in den nächs­ten Jahr­hun­der­ten die­se An­schau­ung da­durch, daß auf den Spi­ri­tua­lis­mus des Chris­ten­tums, auf das ge­müt­lich-geis­ti­ge Ele­ment bei ge­wis­sen Or­den ein ho­her Wert ge­legt wor­den ist. So fand Joa­chim von Flo­ris An­hän­ger inn­er­halb der Krei­se der Fran­zis­ka­ner, die im Paps­te et­was wie die Sym­bo­li­sie­rung des Antichrist sa­hen. Dann ging in der Zeit des Pro­te­s­tan­tis­mus die­se An­schau­ung auf die­je­ni­gen über, die in der Rö­mi­schen Kir­che ei­ne Ab­trün­ni­ge des Chris­ten­tums sa­hen, die inn­er­halb des Pro­te­s­tan­tis­mus die&lt;br /&gt;
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Ret­tung des Chris­ten­tums er­blick­ten. Sie sa­hen erst recht im Papst das Sym­bo­lum des Antichrists, und der Papst zahl­te es da­durch heim, daß er wie­der­um in Lu­ther den Antichrist sah.&lt;br /&gt;
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So ver­stand man die Apo­ka­lyp­se in ei­ner Wei­se, daß je­de Par­tei sie in den Di­enst ih­rer ei­ge­nen An­schau­ung, ih­rer ei­ge­nen Mei­nung rück­te. Die an­de­re Par­tei war im­mer der Antichrist, und die­je­ni­ge, der man selbst an­ge­hör­te, iden­ti­fi­zier­te man mit dem wah­ren Chris­ten­tum. Das ging her­auf bis in die neue­re Zeit, wo der mo­der­ne Ma­te­ria­lis­mus kam, mit dem sich an Grob­heit selbst je­ner Ma­te­ria­lis­mus nicht ver­g­lei­chen läßt, den ich Ih­nen für die ers­ten Jahr­hun­der­te des Chris­ten­tums ge­schil­dert ha­be. Denn da­mals be­stand noch ein spi­ri­tu­el­ler Glau­be, ei­ne ge­wis­se spi­ri­tu­el­le Auf­fas­sung. Die Men­schen konn­ten es nur nicht ver­ste­hen, weil sie kei­ne Ein­ge­weih­ten un­ter sich hat­ten. Es war ein ge­wis­ser spi­ri­tu­el­ler Sinn da, denn wenn man sich auch grob­sinn­lich vor­s­tell­te, daß sich ein We­sen in ei­ner Wol­ke her­ab­sen­ken wür­de, so ge­hör­te doch da­zu ein spi­ri­tu­el­ler Glau­be. Ein sol­ches spi­ri­tu­el­les Le­ben war bei dem gro­ben Ma­te­ria­lis­mus des neun­zehn­ten Jahr­hun­derts nicht mehr mög­lich. Die Ge­dan­ken, die sich so ein rech­ter Ma­te­ria­list des neun­zehn­ten Jahr­hun­derts von der Apo­ka­lyp­se macht, kann man et­wa so cha­rak­te­ri­sie­ren: In die Zu­kunft se­hen kann kein Mensch, denn ich selbst kann es nicht. Et­was an­de­res, als was ich se­he, kann ein an­de­rer auch nicht se­hen. Da­von zu re­den, daß es Ein­ge­weih­te gibt, das ist ein al­ter Aber­glau­be. So et­was gibt es nicht. Al­so gilt als Norm das, was ich weiß. Ich se­he kaum das, was in den nächs­ten zehn Jah­ren ge­schieht, al­so kann kein Mensch et­was dar­über aus­sa­gen, was über Jahr­tau­sen­de ge­sche­hen soll. Fol­g­lich muß der, der die Apo­ka­lyp­se ge­schrie­ben hat, wenn er über­haupt als ehr­li­cher Mensch ge­nom­men wer­den will, et­was ge­meint ha­ben, was er schon ge­se­hen hat, denn ich weiß auch nur von dem, was sich schon ab­ge­spielt hat und was durch Do­ku­men­te ver­mit­telt ist. Al­so konn­te auch der Sch­rei­ber der Apo­ka­lyp­se nichts an­de­res se­hen. Was kann er dem­nach er­zäh­len? Nur das, was bis zu ihm ge­sche­hen war. Fol­g­lich ist es selbst­ver­ständ­lich, daß man in den Er­eig­nis­sen der Apo­ka­lyp­se, in den Kon­f­lik­ten&lt;br /&gt;
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zwi­schen der gu­ten, der wei­sen, der sc­hö­nen Welt und der häß­li­chen, der törich­ten, der bö­sen Welt, daß man in je­nem dra­ma­ti­schen Ge­gen­über­s­tel­len nichts an­de­res zu se­hen hat als et­was, was der Mann selbst er­lebt hat, was schon ge­sche­hen war. So spricht der mo­der­ne Ma­te­ria­list. Er meint: Der Apo­ka­lyp­ti­ker schil­dert so, wie ich schil­de­re.&lt;br /&gt;
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Was war denn un­ge­fähr das Sch­reck­lichs­te für ei­nen Chris­ten der ers­ten Jahr­hun­der­te? Die­ses Sch­reck­lichs­te muß­te für ihn sein das Tier, das sich auf­bäumt ge­gen die geis­ti­ge Macht des Chris­ten­tums, ge­gen das wah­re Chris­ten­tum. Un­glück­se­li­ger­wei­se ha­ben nun ei­ni­ge Men­schen die Glo­cken et­was läu­ten hö­ren, ha­ben aber nicht ver­spürt das rich­ti­ge Zu­sam­men­schla­gen.&lt;br /&gt;
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Inn­er­halb ge­wis­ser eso­te­ri­scher Schu­len hat­te man ei­ne Art von Zah­len­schrift. Ge­wis­se Wor­te, die man nicht in ge­wöhn­li­cher Schrift mit­tei­len woll­te, brach­te man durch Zah­len zum Aus­dru­cke. Und es war ja, wie vie­les an­de­re, so auch et­was von den tie­fen Ge­heim­nis­sen der Apo­ka­lyp­se in Zah­len hin­ein­ge­heim­nißt, be­son­ders je­nes dra­ma­ti­sche Er­eig­nis in die Zahl 666. Man wuß­te, daß man Zah­len in be­son­de­rer Wei­se zu be­han­deln hat, na­ment­lich aber, wenn so gründ­lich dar­auf hin­ge­wie­sen wird wie mit den Wor­ten: «Hier ist &#039;Weis­heit.» «Die Zahl des Tie­res ist 666.» Bei sol­chen Hin­wei­sen wuß­te man, daß man für Zah­len ge­wis­se Buch­sta­ben ein­zu­set­zen hat, um zu wis­sen, was ge­meint ist. Die­je­ni­gen nun, die et­was ge­hört hat­ten und doch nichts wir­k­lich wuß­ten, ha­ben in ih­rer ma­te­ria­lis­ti­schen An­schau­ung her­aus­ge­kriegt, daß, wenn man statt der Zahl 666 Buch­sta­ben ein­setzt, das Wort «Ne­ro» oder «Cae­sar Ne­ro» her­aus­kommt. Und heu­te kön­nen Sie in ei­nem gro­ßen Teil der Li­te­ra­tur, die sich mit der Ent­hül­lung der Apo­ka­lyp­se be­faßt, le­sen: Da wa­ren früh­er die Leu­te so töricht, daß sie al­les mög­li­che in die­se Stel­le hin­ein­ge­heim­nißt ha­ben, aber jetzt ist das ein ge­lös­tes Pro­b­lem. Jetzt wis­sen wir, daß nichts an­de­res ge­meint ist als Ne­ro, «Cae­sar Ne­ro», und es ist klar, daß die Apo­ka­lyp­se zu ei­ner Zeit ge­schrie­ben wor­den ist, als Ne­ro schon ge­lebt hat­te, und daß der Sch­rei­ber mit all dem hat sa­gen wol­len, daß in Ne­ro der Antichrist auf­ge­t­re­ten sei; daß al­so das,&lt;br /&gt;
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was in die­sem dra­ma­ti­schen Ele­ment liegt, ei­ne Stei­ge­rung vor­her­ge­hen­der Ele­men­te ist. Nun darf man nur nach­for­schen, was un­mit­tel­bar vor­her ge­sche­hen ist. Dann kommt man dar­auf, was der Apo­ka­lyp­ti­ker hat schil­dern wol­len. Es wird be­rich­tet, daß in Klei­na­si­en Erd­be­ben statt­ge­fun­den ha­ben, als der Kampf zwi­schen Ne­ro und dem Chris­ten­tum wü­te­te. Al­so sind das die Erd­be­ben, die der Apo­ka­lyp­ti­ker er­wähnt bei der Er­öff­nung der Sie­gel und beim Er­tö­nen der Po­sau­nen. Er spricht auch von Heu­sch­re­cken­pla­gen. Rich­tig, es wird ja mit­ge­teilt, daß zur Zeit der Chris­ten­ver­fol­gung durch Ne­ro auch Heu­sch­re­cken­pla­gen auf­t­ra­ten. Al­so er­zählt er von die­sen. So hat es das neun­zehn­te Jahr­hun­dert da­hin ge­bracht, das tiefs­te Do­ku­ment des Chris­ten­tums zu ver­ma­te­ria­li­sie­ren, da­rin nichts zu se­hen als die Schil­de­rung des­sen, was man eben durch die ma­te­ria­lis­ti­sche Be­trach­tung der Welt fin­den kann. Das soll­te nur ge­sagt wer­den, um an­zu­deu­ten, wie gründ­lich ge­ra­de die­ses tiefs­te, be­deut­sams­te Do­ku­ment des eso­te­ri­schen Chris­ten­tums mißv­er­stan­den wor­den ist.&lt;br /&gt;
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Und nun­mehr wol­len wir al­les, was über das His­to­ri­sche der Apo­ka­lyp­se zu sa­gen ist, uns für die Zeit auf­spa­ren, wo wir das, was in der Apo­ka­lyp­se liegt, be­grif­fen ha­ben, das heißt, wir wol­len es auf die letz­ten Vor­trä­ge ver­schie­ben. Für den, der sich schon ein we­nig in die An­thro­po­so­phie hin­ein­ge­fun­den hat, kann es kei­nen Zwei­fel dar­über ge­ben, daß schon mit den Ein­lei­tungs­wor­ten der Apo­ka­lyp­se dar­auf hin­ge­wie­sen wird, was sie sein soll. Wir brau­chen uns nur zu er­in­nern, daß es heißt: Der, von dem der In­halt der Apo­ka­lyp­se her­rührt, ist hin­ver­setzt wor­den in ei­ne In­sel-Ein­sam­keit, die von je­her mit ei­ner Art hei­li­ger At­mo­sphä­re durch­drun­gen war, an ei­ne Stät­te al­ter Mys­te­ri­en­kul­tur. Und wenn uns ge­sagt wird, daß der­sel­be, der den In­halt der Apo­ka­lyp­se gibt, im Geis­te war und daß er das, was er gibt, im Geis­te wahr­ge­nom­men hat, so mag uns das zu­nächst ein Hin­weis dar­auf sein, daß der In­halt der Apo­ka­lyp­se ei­nem höhe­ren Be­wußt­s­eins­zu­stand ent­stammt, den der Mensch durch die Ent­wi­cke­lung der in­ne­ren See­len­sc­höp­fungs­fähig­keit er­reicht, durch die Ein­wei­hung. Was man nicht inn­er­halb der Sin­nes­welt se­hen und hö­ren kann, nicht mit äu­ße­ren&lt;br /&gt;
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Sin­nen wahr­neh­men kann, ist in der Wei­se, wie es durch das Chris­ten­tum der Welt mit­ge­teilt wer­den konn­te, in der so­ge­nann­ten ge­hei­men Of­fen­ba­rung des Jo­han­nes ent­hal­ten. Al­so die Schil­de­rung ei­ner Ein­wei­hung, ei­ner christ­li­chen Ein­wei­hung ha­ben wir in der Apo­ka­lyp­se des Jo­han­nes vor uns. Wir brau­chen uns nur ein­mal, man möch­te sa­gen, flüch­tig vor die See­le zu ru­fen, was Ein­wei­hung ist. Wir wer­den ja im­mer tie­fer ein­drin­gen in die­ses The­ma, in die Fra­ge: Was geht inn­er­halb der Ein­wei­hung vor? und im­mer tie­fer wer­den wir die Fra­ge be­han­deln: Wie ver­hält sich Ein­wei­hung zu dem In­halt der Apo­ka­lyp­se? Aber wir wer­den zu­nächst et­was wie ei­ne Koh­len­zeich­nung in gro­ben Stri­chen hin­s­tel­len, und dann erst wer­den wir an die Aus­ma­lung der Ein­zel­hei­ten ge­hen.&lt;br /&gt;
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Ein­wei­hung ist Ent­wi­cke­lung der in je­der See­le schlum­mern­den Kräf­te und Fähig­kei­ten. Will man sich ein Bild da­von ma­chen, wie sie im Rea­len vor sich geht, dann muß man vor al­len Din­gen sich klar vor Au­gen stel­len, wie das Be­wußt­sein des heu­ti­gen nor­ma­len Men­schen ist; dann wird man auch er­ken­nen, wie das Be­wußt­sein des Ein­ge­weih­ten sich un­ter­schei­det von dem des heu­ti­gen Men­schen. Wie ist denn das Be­wußt­sein des nor­ma­len heu­ti­gen Men­schen? Es ist ein wech­seln­des. Zwei ganz ver­schie­de­ne Be­wußt­s­eins­zu­stän­de wech­seln mit­ein­an­der ab, der im Tag­wa­chen und der im nächt­li­chen Schlaf. Das Be­wußt­sein, das wir im Tag­wa­chen ha­ben, be­steht da­rin, daß wir um uns her­um die sinn­li­chen Ge­gen­stän­de wahr­neh­men und sie ver­knüp­fen durch Be­grif­fe, die auch nur durch ein sinn­li­ches Werk­zeug ge­bil­det wer­den kön­nen, durch das men­sch­li­che Ge­hirn. Dann tritt je­de Nacht her­aus aus den nie­d­rigs­ten Glie­dern der men­sch­li­chen We­sen­heit, aus dem phy­si­schen und Äther­leib, der as­tra­li­sche Leib und das Ich, und da­mit ver­sin­ken für das Be­wußt­sein des heu­ti­gen Men­schen die sinn­li­chen Ge­gen­stän­de um ihn her­um in Dun­kel­heit, und nicht nur die­se, denn bis zum Wie­der­auf­wa­chen ist, was man völ­li­ge Be­wußt­lo­sig­keit nennt, vor­han­den. Fins­ter­nis brei­tet sich aus um den Men­schen. Denn der as­tra­li­sche Leib des Men­schen ist heu­te im nor­ma­len Zu­stan­de so or­ga­ni­siert, daß er für sich sel­ber nicht wahr­zu­neh­men ver­mag,&lt;br /&gt;
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{{SE|44}}&lt;br /&gt;
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was in sei­ner Um­ge­bung ist. Er muß In­stru­men­te ha­ben. Die­se In­stru­men­te sind die phy­si­schen Sin­ne. Da­her muß er mor­gens un­ter­tau­chen in den phy­si­schen Leib und sich der sinn­li­chen Werk­zeu­ge be­die­nen. Warum sieht der as­tra­li­sche Leib nichts, wenn er wäh­rend des Nacht­schla­fes in der Geist­welt ist? Warum nimmt er nicht wahr? Aus dem­sel­ben Grun­de, warum ein phy­si­scher Leib, in dem kein Au­ge und kein Ohr wä­re, nicht phy­si­sche Far­ben und phy­si­sche Tö­ne wahr­neh­men könn­te. Der as­tra­li­sche Leib hat kei­ne Or­ga­ne zum Wahr­neh­men in der as­tra­li­schen Welt. Der phy­si­sche Leib war in grau­er Vor­zeit in der­sel­ben La­ge. Er hat­te auch das noch nicht, was spä­ter plas­tisch in ihn hin­ein­ge­ar­bei­tet wor­den ist als Ohr und Au­ge. Die äu­ße­ren Ele­men­te und Kräf­te mei­ßel­ten ihn aus, bil­de­ten ihm die Au­gen und die Oh­ren, und da­mit wur­de die­se Welt für ihn of­fen­bar, die vor­her für ihn auch ge­heim war. Den­ken wir uns ein­mal, es könn­te der as­tra­li­sche Leib, der heu­te in der­sel­ben La­ge ist wie der phy­si­sche Leib früh­er, so be­han­delt wer­den, daß man ihm Or­ga­ne ein­g­lie­der­te in der Wei­se, wie das Son­nen­licht die phy­si­schen Au­gen, wie die ton­vol­le Welt die phy­si­schen Oh­ren plas­tisch hin­ein­ge­ar­bei­tet hat in die wei­che Mas­se des phy­si­schen Men­schen­lei­bes. Den­ken wir uns, in die plas­ti­sche Mas­se des As­tral­lei­bes könn­te man Or­ga­ne hin­ein­ar­bei­ten, dann wür­de der as­tra­li­sche Leib in die­sel­be La­ge kom­men wie der heu­ti­ge phy­si­sche Leib. Dar­um han­delt es sich, daß man in die­sen as­tra­li­schen Leib hin­ein­ar­bei­tet wie ein Plas­ti­ker, der den Ton formt, die Wahr­neh­mung­s­or­ga­ne für die über­sinn­li­che Welt. Das muß das ers­te sein. Wenn der Mensch se­hend wer­den will, muß sein as­tra­li­scher Leib so be­han­delt wer­den wie ei­ne Ton­mas­se von dem Bild­hau­er: Man muß Or­ga­ne hin­ein­ar­bei­ten. Das war in der Tat je­der­zeit das, was in den Ein­wei­hungs­schu­len und in den Mys­te­ri­en ge­tan wur­de. In den as­tra­li­schen Leib wur­den plas­tisch die Or­ga­ne hin­ein­ge­ar­bei­tet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wo­rin be­steht nun die Tä­tig­keit, durch wel­che in den as­tra­li­schen Leib plas­tisch hin­ein­ge­ar­bei­tet wer­den die Or­ga­ne? Es könn­te je­mand auf den Ge­dan­ken kom­men, man müs­se doch die­sen Leib erst vor sich ha­ben, be­vor man die Or­ga­ne in ihn hin­ein­ar­bei­ten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
kann. Man könn­te sa­gen: Wenn ich den as­tra­li­schen Leib her­aus­neh­men und vor mir ha­ben könn­te, dann könn­te ich die Or­ga­ne hin­ein­ar­bei­ten. Das wä­re nicht der rich­ti­ge Weg, und das ist vor al­len Din­gen nicht der Weg der mo­der­nen Ein­wei­hung. Ge­wiß, ein Ein­ge­weih­ter, der im­stan­de ist, in den geis­ti­gen Wel­ten zu le­ben, könn­te, wenn in der Nacht der as­tra­li­sche Leib drau­ßen ist, wie ein Bild­hau­er hin­ein­ar­bei­ten die Or­ga­ne. Aber das hie­ße mit dem Men­schen et­was vor­neh­men, wo­von er selbst nichts weiß, das hie­ße in sei­ne Frei­heits­sphä­re ein­g­rei­fen, mit Aus­sch­lie­ßung sei­nes Be­wußt­seins. Wir wer­den se­hen, warum das schon seit län­ge­rer Zeit und ins­be­son­de­re in der heu­ti­gen Zeit nie­mals ge­sche­hen darf. Des­halb muß­te auch schon in sol­chen eso­te­ri­schen Schu­len wie in der py­tha­go­räi­schen oder alt­ä­gyp­ti­schen Schu­le al­les ver­mie­den wer­den, wo­durch die Ein­ge­weih­ten et­wa von au­ßen ge­ar­bei­tet hät­ten an dem as­tra­li­schen Leib, der aus dein phy­si­schen und Äther­lei­be des Ein­zu­wei­hen­den her­aus­ge­nom­men war. Das muß­te schon beim ers­ten An­g­rei­fen der Sa­che weg­b­lei­ben. Es muß­te eben der ers­te Schritt zur Ein­wei­hung un­ter­nom­men wer­den am Men­schen in der ganz ge­wöhn­li­chen phy­si­schen Welt, in der­sel­ben Welt, wo der Mensch mit sei­nen phy­si­schen Sin­nen wahr­nimmt. Aber wie das ma­chen, da ja doch ge­ra­de das phy­si­sche Wahr­neh­men, als es in der Er­de­ne­vo­lu­ti­on ein­t­rat, ei­nen Sch­lei­er über die geis­ti­ge Welt ge­zo­gen hat, die der Mensch früh­er, wenn auch bei dump­fem Be­wußt­sein, hat wahr­neh­men kön­nen, wie al­so von der phy­si­schen Welt aus auf den as­tra­li­schen Leib wir­ken?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da müs­sen wir uns vor die See­le füh­ren, wie es ist mit die­sem ge­wöhn­li­chen sinn­li­chen Wahr­neh­men des Ta­ges. Was ge­schieht denn, wäh­rend der Mensch tags­über wahr­nimmt? Den­ken Sie ein­mal an Ihr täg­li­ches Le­ben, ver­fol­gen Sie es von Schritt zu Schritt. Bei je­dem Schritt drin­gen Ein­drü­cke der Au­ßen­welt an Sie heran. Sie neh­men sie wahr, Sie se­hen, hö­ren, rie­chen und so wei­ter. Die Ein­drü­cke bei die­ser oder je­ner Ar­beit stür­men den gan­zen Tag an Sie heran, Sie ver­ar­bei­ten sie mit Ih­rem In­tel­lekt. Der Dich­ter, der nicht selbst ein In­spi­rier­ter ist, durch­dringt sie mit sei­ner Phan­ta­sie. Das ist al­les wahr. Aber al­les dies kann zu­nächst nicht da­zu&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
füh­ren, daß das Über­sinn­lich-Geis­ti­ge, das hin­ter dem Sinn­li­chen und Ma­te­ri­el­len ist, dem Men­schen zum Be­wußt­sein kommt. Warum kommt es ihm nicht zum Be­wußt­sein? Weil die­se gan­ze Tä­tig­keit, die der Mensch ge­gen­über der Um­welt aus­übt, dem as­tra­li­schen Leib des Men­schen, so wie er heu­te sei­ner ei­gent­li­chen We­sen­heit nach ist, nicht ent­spricht. Da­mals, als in ur­fer­ner Ver­gan­gen­heit der as­tra­li­sche Leib, der dem Men­schen ei­gen war, die Bil­der der as­tra­li­schen Wahr­neh­mun­gen auf­s­tei­gen sah, je­ne Bil­der von Lust und Leid, von Sym­pa­thie und An­ti­pa­thie, da wa­ren die in­ne­ren Im­pul­se vor­han­den, die geis­ti­gen Im­pul­se, die im Men­schen auf­s­tei­gen lie­ßen, was Or­ga­ne form­te. Die­se sind er­tö­tet wor­den da­mals, als der Mensch fähig wur­de, al­le Ein­flüs­se von au­ßen auf sich zu­s­trö­men zu las­sen. Heu­te ist es nicht mög­lich, daß aus all den Ein­drü­cken, die der Mensch wäh­rend des Ta­ges er­hält, im as­tra­li­schen Leib et­was bleibt, was bild­sam, plas­tisch für ihn ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Vor­gang des Wahr­neh­mens ist so: Den gan­zen Tag über kom­men die. Ein­drü­cke der Au­ßen­welt an uns heran. Die­se wir­ken durch die phy­si­schen Sin­ne auf den Äther­leib und as­tra­li­schen Leib, bis sie dem Ich be­wußt wer­den. Im as­tra­li­schen Leib drü­cken sich die Wir­kun­gen des­sen aus, was auf den phy­si­schen Leib aus­ge­übt wird. Wenn Licht­ein­drü­cke statt­fin­den, so emp­fängt das Au­ge Ein­drü­cke. Der Licht­ein­druck gibt ei­nen Ein­druck auf den Äther- und As­tral­leib, und das Ich wird sich die­ses Ein­dru­ckes be­wußt. So ver­hält es sich auch mit den Ein­drü­cken auf das Ohr und die an­de­ren Sin­ne. Die­ses gan­ze Ta­ges­le­ben wirkt da­her den gan­zen Tag über auf den As­tral­kör­per ein. Der As­tral­kör­per ist im­mer tä­tig un­ter der Ein­wir­kung der Au­ßen­welt. Jetzt tritt er abends her­aus. Da hat er in sich kei­ne Kräf­te, um die Ein­drü­cke be­wußt wer­den zu las­sen, die jetzt in sei­ner Um­ge­bung sind. Die al­ten Kräf­te des Wahr­neh­mens in der ur­fer­nen Ver­gan­gen­heit sind er­tö­tet wor­den beim ers­ten Wahr­neh­men der ge­gen­wär­ti­gen Sin­nes­welt. In der Nacht hat er kei­ne Kräf­te, weil das gan­ze Ta­ges­le­ben un­ge­eig­net ist, et­was im as­tra­li­schen Leib zu­rück­zu­las­sen, was bil­dend auf den As­tral­leib wir­ken könn­te. Al­le Din­ge, wie Sie sie rings­her­um an­schau­en, üben Wir­kun­gen bis auf den As­tral­leib aus. Aber was da be­wirkt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
wird, ist nicht in der La­ge, Ge­stal­tun­gen zu schaf­fen, die zu as­tra­len Or­ga­nen wer­den könn­ten. Das muß der ers­te Schritt der Ein­wei­hung sein: den Men­schen wäh­rend des Ta­ges­le­bens et­was tun zu las­sen, in sei­ner See­le sich et­was ab­spie­len zu las­sen, was fort­wirkt, wenn der as­tra­li­sche Leib in der Nacht her­aus­ge­zo­gen wird aus dem phy­si­schen und Äther­leib. Al­so den­ken Sie sich, bild­lich ge­spro­chen, es wür­de, wäh­rend der Mensch bei vol­lem Be­wußt­sein ist, ihm et­was ge­ge­ben, was er zu tun hät­te, was er ab­spie­len las­sen soll­te und was so ge­wählt wä­re, so ge­g­lie­dert, daß es nicht auf­hör­te zu wir­ken, wenn der Tag vor­über ist. Den­ken Sie sich die­se Wir­kung als ei­nen Ton, der fort­k­lingt, wenn der As­tral­leib her­aus ist; die­ses Fort­k­lin­gen wä­ren dann die Kräf­te, die nun an dem as­tra­li­schen Leib so wirk­ten, so plas­tisch ar­bei­te­ten, wie einst­mals die äu­ße­ren Kräf­te am phy­si­schen Kör­per ge­ar­bei­tet ha­ben. Das war im­mer der ers­te Schritt der Ein­wei­hung: den Men­schen wäh­rend des Ta­ges­le­bens et­was tun zu las­sen, was nach­k­lingt im Nacht­le­ben. Al­les das, was man ge­nannt hat Me­di­ta­ti­on, Kon­zen­t­ra­ti­on und die sons­ti­gen Übun­gen, die der Mensch vor­ge­nom­men hat wäh­rend sei­nes Ta­ges­le­bens, sie sind nichts an­de­res als Ver­rich­tun­gen der See­le, die nicht in ih­ren Wir­kun­gen ers­ter­ben, wenn der As­tral­leib her­aus­geht, son­dern die nach­k­lin­gen und in der Nacht zu bil­den­den Kräf­ten wer­den im as­tra­li­schen Leib.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das nennt man die Rei­ni­gung des As­tral­lei­bes, die Rei­ni­gung von dem, was dem As­tral­leib nicht an­ge­mes­sen ist. Das war der ers­te Schritt, der auch die Kathar­sis ge­nannt wur­de, die Rei­ni­gung. Sie war noch kei­ne Ar­beit in über­sinn­li­chen Wel­ten. Sie be­stand in Übun­gen der See­le, die der Mensch tags­über mach­te, wie ei­ne Trai­nie­rung der See­le. Sie be­stand in der An­eig­nung ge­wis­ser Le­bens­for­men, ge­wis­ser Le­bens­ge­sin­nun­gen, ei­ner ge­wis­sen Art, das Le­ben zu be­han­deln, so daß es nach­k­lin­gen konn­te, und das ar­bei­te­te am as­tra­li­schen Leib, bis er sich um­ge­wan­delt hat­te, bis sich Or­ga­ne in ihm ent­wi­ckelt hat­ten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn der Mensch so weit war, daß die­se Or­ga­ne aus dem as­tra­li­schen Leib her­aus­ge­g­lie­dert wa­ren, dann war das nächs­te, daß al­les das, was so in den as­tra­li­schen Leib hin­ein­ge­stal­tet wor­den&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
war, sich im Äther­leib ab­druck­te. Wie sich die Schrift ei­nes Pet­schaft ab­druckt im Sie­gel­lack, so muß­te sich al­les, was in den As­tral­leib hin­ein­ge­ar­bei­tet war, im Äther­leib ab­dru­cken. Die­ses Ab­dru­cken ist der nächs­te Schritt der Ein­wei­hung: Er­leuch­tung nann­te man das. Denn da­mit war zu glei­cher Zeit ein be­deu­tungs­vol­ler Mo­ment in der Ein­wei­hung ge­kom­men. Da trat ei­ne geis­ti­ge Welt in der Um­welt des Men­schen auf, so wie vor­her die sinn­li­che Welt da war. Die­se Stu­fe ist zu glei­cher Zeit cha­rak­te­ri­siert da­durch, daß die Vor­gän­ge der äu­ße­ren geis­ti­gen Welt sich nicht so aus­drü­cken, wie es die phy­sisch-sinn­li­chen Din­ge tun, son­dern in Bil­dern. Die geis­ti­ge Welt drückt sich auf die­ser Stu­fe der Er­leuch­tung zu­erst in Bil­dern aus. Der Mensch sieht Bil­der. Den­ken Sie an den al­ten Ein­ge­weih­ten, von dem ich ges­tern an­ge­deu­tet ha­be, daß er die Volks­grup­pen­see­le ge­se­hen hat. Wenn er so weit war, dann sah er die­se Grup­pen­see­le, zu­nächst in Bil­dern. Den­ken wir zum Bei­spiel an ei­nen Ein­ge­weih­ten, wie Eze­chiel ei­ner war. Als die Er­leuch­tung für ihn be­gann, tra­ten ihm geis­ti­ge We­sen­hei­ten als Volks-, als Grup­pen­see­len ent­ge­gen. Er fühl­te sich in ih­rer Mit­te. Grup­pen­see­len in Form vier sym­bo­li­scher Tie­re tra­ten ihm ent­ge­gen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So kam in be­deu­tungs­vol­len Bil­dern zu­nächst die geis­ti­ge Welt an den Men­schen heran. Das war die ers­te Stu­fe. Dann folg­te das Wei­ter­hin­ein­le­ben in den Äther­leib. Dem, was zu­nächst wie ein Sie­ge­l­ab­druck vor­han­den war, folg­te ein wei­te­res Hin­ein­le­ben in den Äther­leib. Da be­ginnt zu den Bil­dern hin­zu­zu­t­re­ten das, was man die Sphä­ren­mu­sik ge­nannt hat. Die höhe­re geis­ti­ge Welt wird als Ton wahr­ge­nom­men. Der höhe­re Ein­ge­weih­te be­ginnt, nach­dem er durch die Er­leuch­tung die geis­ti­ge Welt in Bil­dern wahr­ge­nom­men hat, geis­tig hin­zu­lau­schen auf je­ne Tö­ne, die für das geis­ti­ge Ohr wahr­nehm­bar sind. Dann kommt man an die spä­te­re Um­wand­lung des Äther­lei­bes, und da tritt uns in ei­ner noch höhe­ren Sphä­re noch et­was an­de­res ent­ge­gen. Tö­ne kön­nen Sie noch hö­ren, wenn Sie zum Bei­spiel hier ei­nen Wand­schirm ha­ben und hin­ter ihm ein Mensch spricht, den Sie nicht se­hen. So et­wa ist es mit der geis­ti­gen Welt. Zu­erst tritt sie in Bil­dern auf, dann tönt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|49}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sie her­über, und es fällt die letz­te Hül­le weg so­zu­sa­gen wie wenn wir ei­nen Schirm weg­tä­ten, hin­ter dem der Mensch steht und spricht: Wir se­hen den Men­schen selbst : Wir se­hen die geis­ti­ge Welt selbst, die We­sen der geis­ti­gen Welt. Zu­erst neh­men wir wahr die Bil­der, dann die Tö­ne, dann die We­sen und end­lich das Le­ben die­ser We­sen. Man kann ja oh­ne­dies das, was als Bil­der in der so­ge­nann­ten ima­gi­na­ti­ven Welt ist, nur an­deu­ten, in­dem man Bil­der aus der sinn­li­chen Welt als Sym­bo­le ge­braucht. Man kann nur ei­ne Vor­stel­lung von der Sphä­ren­har­mo­nie ge­ben durch Ver­g­lei­che mit der sinn­li­chen Mu­sik. Was läßt sich nun ver­g­lei­chen mit dem we­sen­haf­ten Aus­druck auf der drit­ten Stu­fe? Da­mit läßt sich nur ver­g­lei­chen das, was heu­te das In­ners­te des Men­schen aus­macht, sein Wir­ken im Sin­ne des gött­li­chen Wel­ten­wol­lens. Wirkt der Mensch im Sin­ne des Wil­lens je­ner geis­ti­gen We­sen­hei­ten, die un­se­re Welt vor­wärts­brin­gen, dann wird das We­sen in ihm die­sen We­sen ähn­lich wer­den, dann wird er wahr­neh­men in die­ser Sphä­re. Das, was in ihm wi­der­st­rebt der Wel­te­ne­vo­lu­ti­on, was die Welt zu­rück­hält in ih­rem Fort­schritt, das nimmt er wahr als et­was, was aus­ge­schal­tet wer­den muß in die­ser Welt, was wie ei­ne letz­te Hül­le fal­len muß.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So nimmt der Mensch erst ei­ne Bil­der­welt wahr als den sym­bo­li­schen Aus­druck der geis­ti­gen Welt, dann ei­ne Welt der Sphä­ren­har­mo­nie als den sym­bo­li­schen Aus­druck ei­ner höhe­ren geis­ti­gen Sphä­re, dann ei­ne Welt von geis­ti­gen We­sen­hei­ten, von de­nen er heu­te nur da­durch sich ei­ne Vor­stel­lung ma­chen kann, daß er sie mit dem In­ners­ten sei­nes ei­ge­nen We­sens ver­g­leicht, mit dem, was in ihm wirkt im Sin­ne der gu­ten Kräf­te oder aber im Sin­ne der bö­sen geis­ti­gen Kräf­te.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die­se Stu­fen macht der Ein­zu­wei­hen­de durch und die­se Stu­fen sind ge­treu­lich ab­ge­bil­det in der Apo­ka­lyp­se des Jo­han­nes. Aus­ge­gan­gen wird da von der phy­si­schen Welt. Ge­sagt wird das­je­ni­ge, was zu­nächst zu sa­gen ist mit den Mit­teln der phy­si­schen Welt, in den sie­ben Brie­fen. Was man inn­er­halb der phy­si­schen Kul­tur tun will, was man de­nen sa­gen will, die in der phy­si­schen Welt wir­ken, man sagt es ih­nen in Brie­fen. Denn das Wort, das im Brie­fe aus-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|50}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ge­drückt wird, das kann inn­er­halb der sinn­li­chen Welt sei­ne Wir­kung tun. Die ers­te Stu­fe gibt Sym­bo­le, die be­zo­gen wer­den müs­sen auf das, was sie in der geis­ti­gen Welt aus­drü­cken: Nach den sie­ben Brie­fen kommt die Welt der sie­ben Sie­gel, die Welt der Bil­der, der ers­ten Stu­fe der Ein­wei­hung. Dann kommt die Welt der Sphä­ren­har­mo­nie, die Welt, wie sie der­je­ni­ge wahr­nimmt, der geis­tig hö­ren kann. Sie ist dar­ge­s­tellt in den sie­ben Po­sau­nen. Die nächs­te Welt, wo der Ein­ge­weih­te We­sen­hei­ten wahr­nimmt, ist dar­ge­s­tellt durch das, was als We­sen­hei­ten auf die­ser Stu­fe auf­tritt und was ab­st­reift die Scha­len der Kräf­te, die den gu­ten ge­gen­tei­lig sind. Das Ge­gen­teil der gött­li­chen Lie­be ist der gött­li­che Zorn. Die wah­re Ge­stalt der gött­li­chen Lie­be, die die Welt vor­wärts­bringt, wird in die­ser drit­ten Sphä­re wahr­ge­nom­men von de­nen, die für die phy­si­sche Welt ab­ge­st­reift ha­ben die sie­ben Zor­nes­scha­len.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So wird der Ein­zu­wei­hen­de stu­fen­wei­se hin­auf­ge­führt die Ein­wei­hungs­sphä­ren. In den sie­ben Brie­fen der Apo­ka­lyp­se des Jo­han­nes ha­ben wir das, was den sie­ben Ka­te­go­ri­en der phy­si­schen Welt ge­hört, in den sie­ben Sie­geln, was der as­tra­lisch-ima­gi­na­ti­ven Welt ge­hört, in den sie­ben Po­sau­nen das, was der de­vacha­ni­schen höhe­ren Welt ge­hört, und in den sie­ben Zor­nes­scha­len das, was ab­ge­wor­fen wer­den muß, wenn der Mensch sich er­he­ben will in das höchs­te Geis­ti­ge, das zu­nächst für un­se­re Welt zu er­rei­chen ist, weil die­ses höchs­te Geis­ti­ge noch mit un­se­rer Welt zu­sam­men­hängt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nur die äu­ße­re Struk­tur woll­ten wir heu­te hin­s­tel­len von dem, was die Apo­ka­lyp­se des Jo­han­nes ist. Flüch­ti­ge und we­ni­ge Stri­che sind es, die uns hin­deu­ten konn­ten dar­auf, daß die Apo­ka­lyp­se ein Ein­wei­hungs­buch ist. Mor­gen wer­den wir da­ran ge­hen, die ers­ten Schrit­te zur Aus­füh­rung die­ser flüch­ti­gen Zeich­nung zu ma­chen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|51}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= ZWEITER VORTRAG, Nürnberg, 19. Juni 1908 =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In ei­ner Art Ein­lei­tung ha­ben wir ges­tern den Geist der Apo­ka­lyp­se des Jo­han­nes im all­ge­mei­nen cha­rak­te­ri­siert. Wir ver­such­ten ei­ni­ge gro­ße Richt­li­ni­en hin­zu­s­tel­len, durch die uns klar­wer­den kann, daß in die­ser Apo­ka­lyp­se das­je­ni­ge ge­schil­dert ist, was man nen­nen kann ei­ne christ­li­che Ein­wei­hung oder ei­ne christ­li­che In­i­tia­ti­on. Es wird heu­te mei­ne Auf­ga­be sein, Ih­nen das We­sen der Ein­wei­hung oder In­i­tia­ti­on im all­ge­mei­nen dar­zu­s­tel­len, Ih­nen zu schil­dern, was vor­geht im Men­schen, wenn er durch die Ein­wei­hung in die La­ge ver­setzt wer­den soll, sel­ber hin­ein­zu­schau­en in je­ne geis­ti­gen Wel­ten, die hin­ter den sinn­li­chen Wel­ten lie­gen, und es wird fer­ner mei­ne Auf­ga­be sein, in ei­ni­gen grö­ße­ren Zü­gen zu schil­dern, wel­cher Art die Er­leb­nis­se inn­er­halb der Ein­wei­hung sind. Denn nur da­durch, daß wir uns ein we­nig ge­nau­er ein­las­sen auf das We­sen der Ein­wei­hung, nur da­durch kön­nen wir die­se be­deu­ten­de re­li­giö­se Ur­kun­de der Apo­ka­lyp­se nach und nach zu un­se­rem Ver­ständ­nis brin­gen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu­nächst müs­sen wir noch ein­mal die bei­den Be­wußt­s­eins­zu­stän­de des Men­schen ge­nau be­trach­ten, al­so je­nen Be­wußt­s­eins­zu­stand, der vom Mor­gen, wenn der Mensch auf­wacht, dau­ert bis zum Abend, wenn er ein­schläft, und den an­de­ren Be­wußt­s­eins­zu­stand, der mit dem Ein­schla­fen be­ginnt und mit dem Auf­wa­chen en­digt. Wir ha­ben uns oft vor die See­le ge­führt, daß der Mensch, so wie er uns in sei­ner heu­ti­gen Ge­stalt ent­ge­gen­tritt, zu­nächst ei­ne vier­fa­che We­sen­heit ist, daß er be­steht aus dem phy­si­schen Leib, dem Äther­leib, dem as­tra­li­schen Leib und dem Ich. In der äu­ße­ren Form er­schei­nen dem hell­se­hen­den Be­wußt­sein die­se vier Glie­der so, daß zu­nächst, wie ei­ne Art Kern, in der Mit­te der phy­si­sche Men­schen­leib ist. Las­sen Sie uns nur ganz sche­ma­tisch die Sa­che vor un­se­re Au­gen stel­len (es wird ge­zeich­net). Die­ser phy­si­sche Leib ist durch­drun­gen wäh­rend des Ta­ges von dem so­ge­nann­ten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|52}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Äther­leib, der nur ganz we­nig, zu­nächst um den Kopf her­um, wie ein hel­ler Licht­schein her­vor­ragt, der aber den Kopf ganz durch­dringt. Wei­ter nach un­ten wird der Äther- oder Le­bens­leib im­mer ne­bel­haf­ter und un­deut­li­cher, und je mehr wir uns den un­te­ren Glie­dern des Men­schen näh­ern, des­to we­ni­ger zeigt er die Form des phy­si­schen Lei­bes in so st­ren­gem Sin­ne.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die­se zwei Glie­der der men­sch­li­chen We­sen­heit sind nun wie­der­um bei Ta­ge ein­ge­hüllt von dem, was wir den as­tra­li­schen Leib nen­nen, der nach al­len Sei­ten wie ein El­lip­so­id, wie ei­ne Ei­form her­aus­ragt und in sei­ner Grund­form leuch­ten­de Strah­len hat, die ei­gent­lich so aus­se­hen, wie wenn sie von au­ßen nach in­nen lau­fen und von au­ßen nach in­nen den Men­schen durch­drin­gen wür­den. In die­sen As­tral­leib sind hin­ein­ge­zeich­net ei­ne Un­sum­me von ver­schie­de­n­er­lei Fi­gu­ren, al­le mög­li­chen Ar­ten von Li­ni­en und Strah­len, man­che blitz­ar­tig, man­che in son­der­ba­ren Win­dun­gen. Das al­les um­gibt in den man­nig­fal­tigs­ten Lich­t­er­schei­nun­gen den Men­schen. Der as­tra­li­sche Leib ist der Aus­druck sei­ner Lei­den­schaf­ten, sei­ner In­s­tink­te, Trie­be und Be­gier­den, aber auch al­ler sei­ner Ge­dan­ken und Vor­stel­lun­gen. In die­sem as­tra­li­schen Leib sieht das hell­se­he­ri­sche Be­wußt­sein al­les ab­ge­bil­det, was man see­li­sche Er­leb­nis­se nennt, von dem nie­ders­ten Trie­be an bis hin­auf zum höchs­ten sitt­li­chen Idea­le. Und dann ha­ben wir das vier­te Glied der men­sch­li­chen We­sen­heit, das man so zeich­nen möch­te, als ob et­was Strah­len he­r­ein­sen­det an den Punkt, der et­wa ei­nen Zenti­me­ter hin­ter der Stir­ne liegt. Das wür­de die sche­ma­ti­sche Dar­stel­lung des vier­g­lie­d­ri­gen Men­schen sein. Wir wer­den im Lau­fe die­ser Vor­trä­ge se­hen, wie sich die ein­zel­nen Tei­le im Gan­zen aus­neh­men.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das al­so ist der Mensch wäh­rend des Ta­ges, vom Mor­gen, wenn er auf­wacht, bis zum Abend, wenn er ein­schläft. Abends nun, wenn er ein­schläft, blei­ben im Bet­te lie­gen der phy­si­sche und der Äther­leib, und es zeigt sich ei­ne Art Her­aus­strö­men des­sen, was wir als den as­tra­li­schen Leib be­zeich­net ha­ben. Das «Her­aus­strö­men» ist et­was un­ge­nau aus­ge­drückt. Ei­gent­lich ist es, wie wenn ei­ne Art Ne­bel sich bil­de­te, so daß wir al­so in der Nacht den aus dem&lt;br /&gt;
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phy­si­schen und äthe­ri­schen Leib her­aus­ge­gan­ge­nen as­tra­li­schen Leib wie ei­ne Art von spi­ra­li­gem Ne­bel um den Men­schen her­um se­hen, wäh­rend­dem das vier­te Glied der men­sch­li­chen We­sen­heit nach der ei­nen Sei­te hin fast ganz ver­schwin­det, das heißt ins Un­be­stimm­te ver­läuft. Der nach un­ten ver­lau­fen­de Teil des As­tral­lei­bes ist nur sehr schwach zu se­hen, der obe­re Teil wird als der her­aus­ge­t­re­te­ne as­tra­li­sche Leib an­ge­spro­chen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun ha­ben wir schon ges­tern be­tont, was für den Men­schen zu ge­sche­hen hat, wenn er die Ein­wei­hung emp­fan­gen soll. Wenn der Mensch sich nur mit dem be­schäf­tigt, wo­mit sich die Men­schen in un­se­rem Zei­tal­ter ge­mei­nig­lich be­fas­sen, so kann er kei­ne Ein­wei­hung er­hal­ten. Der Mensch muß so vor­be­rei­tet wer­den, daß er wäh­rend des ge­wöhn­li­chen Ta­ges­le­bens je­ne Übun­gen macht, die ihm von den Ein­ge­weih­ten­schu­len vor­ge­schrie­ben wer­den, Me­di­ta­ti­on, Kon­zen­t­ra­ti­on und so wei­ter. Die­se Übun­gen sind im Grun­de ge­nom­men in be­zug auf ih­re Be­deu­tung für den Men­schen bei al­len Ein­wei­hungs­schu­len die­sel­ben. Sie sind nur in­so­fern ein we­nig von­ein­an­der ver­schie­den, als sie, je wei­ter wir zu­rück­ge­hen in die vor­christ­li­chen Ein­wei­hungs­schu­len, mehr dar­auf ge­rich­tet sind, das Den­ken, die Denk­kräf­te zu üben, zu trai­nie­ren. Je mehr wir uns den christ­li­chen Zei­ten näh­ern, des­to mehr sind sie dar­auf ge­rich­tet, die Ge­müts­kräf­te zu schu­len, und je näh­er wir den neue­ren Zei­ten kom­men, des­to mehr se­hen wir, wie in den so­ge­nann­ten Ro­sen­k­reu­zer­schu­lun­gen, durch die For­de­run­gen und Be­dürf­nis­se der Mensch­heit be­dingt, ei­ne be­son­de­re Art der Wil­lens­kul­tur, der Wil­lens­übun­gen ein­ge­führt wird. Wenn auch die Me­di­ta­tio­nen zu­nächst ähn­li­che sind wie in den an­de­ren vor­christ­li­chen Schu­len, so herrscht doch übe­rall auf dem Grun­de der Ro­sen­k­reu­zer­übun­gen ei­ne be­son­de­re Schu­lung des Wil­lens­e­le­men­tes. Wor­auf es aber an­kommt und was eben­so er­reicht wur­de durch die Übun­gen der ori­en­ta­li­schen Mys­te­ri­en­schu­lung, wie bei der ägyp­ti­schen und der py­tha­go­räi­schen Schu­le und so wei­ter, und was auch die Wir­kung je­ner Übun­gen aus­macht, die vor­zugs­wei­se von der Me­di­ta­ti­on des Jo­han­nes-Evan­ge­li­ums aus­ge­hen, das ist, daß auf den Men­schen wäh­rend des Ta­ges­le­bens, wenn auch nur&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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durch kur­ze Zeit, mei­net­we­gen nur fünf oder fünf­zehn Mi­nu­ten, so ge­wirkt wird, daß die Wir­kung auch dann bleibt, wenn je­ner Zu­stand beim schla­fen­den Men­schen ein­tritt, wo der as­tra­li­sche Leib her­aus­geht. Bei ei­nem Men­schen, der sol­che, sa­gen wir, ok­kul­te Übun­gen macht, bei dem zeigt nach und nach der as­tra­li­sche Leib in der Nacht die man­nig­fal­tigs­ten Ve­r­än­de­run­gen. Er weist an­de­re Lich­t­er­schei­nun­gen auf, er zeigt je­ne plas­ti­sche Glie­de­rung der Or­ga­ne, von der wir schon ge­spro­chen ha­ben; und dann wird das im­mer deut­li­cher und deut­li­cher. Der as­tra­li­sche Leib be­kommt nach und nach ei­ne in­ne­re Or­ga­ni­sa­ti­on, wie sie der phy­si­sche Leib in sei­nen Au­gen, Oh­ren und so wei­ter hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das wür­de aber noch im­mer nicht da­hin füh­ren, viel zu schau­en, ins­be­son­de­re nicht beim heu­ti­gen Men­schen. Al­ler­dings, ei­ni­ges nimmt der Mensch schon wahr, wenn sei­ne in­ne­ren Or­ga­ne ei­ne Wei­le aus­ge­bil­det sind. Dann be­ginnt er, wäh­rend des Schla­fes ein Be­wußt­sein zu ha­ben. Geis­ti­ge Um­wel­ten däm­mern her­aus aus der sons­ti­gen all­ge­mei­nen Fins­ter­nis. Was da der Mensch wahr­neh­men kann, was na­ment­lich in den äl­te­ren Zei­ten der Mensch wahr­ge­nom­men hat, denn heu­te ist es schon sel­te­ner, das sind wun­der­ba­re Bil­der pflanz­li­chen Le­bens. Das sind die pri­mi­tivs­ten Er­run­gen­schaf­ten des Hell­se­her­tums. Wo früh­er nur die Fins­ter­nis der Be­wußt­lo­sig­keit war, steigt et­was wie ein traum­haft Le­ben­di­ges, aber Wir­k­li­ches von ei­ner Art Pflan­zen­ge­bil­de auf. Und vie­les von dem, was Ih­nen ge­schil­dert ist in den My­tho­lo­gi­en der al­ten Völ­ker, ist auf die­se Art ge­se­hen wor­den. Wenn ge­schil­dert wird in Sa­gen, daß Wo­tan, Wi­le und We ei­nen Baum am Stran­de fan­den und daß sie dar­aus den Men­schen ge­bil­det ha­ben, so weist das dar­auf hin, daß es zu­erst in ei­nem sol­chen Bil­de ge­schaut wor­den ist. In al­len My­tho­lo­gi­en kön­nen Sie die­se pri­mi­ti­ve Art des Schau­ens, des pflanz­li­chen Schau­ens wahr­neh­men. Die Schil­de­rung ei­nes sol­chen Schau­ens ist auch das Pa­ra­dies, na­ment­lich mit sei­nen bei­den Bäu­men der Er­kennt­nis und des Le­bens; das ist das Er­geb­nis die­ses as­tra­li­schen Schau­ens. Und nicht um­sonst wird Ih­nen in der Ge­ne­sis sel­ber an­ge­deu­tet, daß das Pa­ra­dies und das, was über­haupt in dem Be­ginn der bib­li­schen Dar­stel­lung ge­schil­dert wird,&lt;br /&gt;
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ge­schaut wor­den ist. Man muß nur erst die Bi­bel le­sen ler­nen, dann wird man schon ver­ste­hen, wie tief und be­deut­sam sie die­sen ge­heim­nis­vol­len Zu­stand fest­hält in ih­ren Schil­de­run­gen. So wie man heu­te lehrt über das Pa­ra­dies, über den Be­ginn der Bi­bel, hat man früh­er nicht ge­lehrt. Da hat man hin­ge­wie­sen dar­auf: Adam ver­fiel in ei­nen Schlaf und das war je­ner Schlaf, so sag­te man den ers­ten Chris­ten, in wel­chem Adam rück­schau­end die Er­schei­nun­gen wahr­nahm, die im Be­gin­ne der Ge­ne­sis ge­schil­dert wer­den. Erst heu­te glaubt man, daß sol­che Wor­te wie «Adam ver­fiel in ei­nen Schlaf» zu­fäl­lig da­ste­hen. Sie ste­hen nicht zu­fäl­lig da. Je­des Wort in der Bi­bel ist von ei­ner tie­fen Be­deu­tung, und erst der­je­ni­ge kann die Bi­bel ver­ste­hen, der je­des ein­zel­ne Wort zu wür­di­gen weiß.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist al­so das Ers­te. Dann aber muß­te in den vor­christ­li­chen Mys­te­ri­en noch et­was Be­son­de­res ein­t­re­ten. Wenn der Mensch al­so lan­ge Zeit hin­durch und das dau­er­te sehr lan­ge sei­ne Übun­gen ge­macht hat­te, wenn er das un­ge­fähr auf­ge­nom­men hat­te, was nö­t­ig war, um Ord­nung zu schaf­fen in sei­ner See­le, wenn er in sich auf­ge­nom­men hat­te das, was wir et­wa heu­te An­thro­po­so­phie nen­nen, dann wur­de er zu­letzt der ei­gent­li­chen al­ten In­i­tia­ti­on teil­haf­tig. Wo­rin be­stand die­se al­te Ein­wei­hung?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ge­nügt nicht, daß im as­tra­li­schen Leib die Or­ga­ne aus­ge­bil­det wer­den. Sie müs­sen sich ab­dru­cken im Äther­leib. Wie das Pet­schaft sei­ne Buch­sta­ben ab­druckt im Sie­gel­lack, so müs­sen die Or­ga­ne des as­tra­li­schen Lei­bes ab­ge­druckt wer­den im Äther­leib. Zu die­sem Zwe­cke wur­de in al­ten Ein­wei­hun­gen der ein­zu­wei­hen­de Schü­ler in ei­ne ganz be­son­de­re La­ge ge­bracht. Er wur­de näm­lich drei­ein­halb Ta­ge hin­durch in ei­nen tod­ähn­li­chen Zu­stand ge­bracht. Wir wer­den im­mer mehr er­ken­nen, daß je­ner Zu­stand heu­te nicht mehr durch­ge­führt wer­den kann und darf, son­dern daß man jetzt an­de­re Mit­tel der Ein­wei­hung hat. Ich schil­de­re jetzt die vor­christ­li­che Ein­wei­hung. In die­ser wur­de der Ein­zu­wei­hen­de durch drei­ein­halb Ta­ge von dem, der das ver­stand, in ei­nen tod­ähn­li­chen Zu­stand ge­bracht. Ent­we­der wur­de er in ei­ne Art klei­nen Ge­ma­ches ge­legt, in ei­ne Art Gr­ab. Da ruh­te er in ei­nem Zu­stand von To­des­schlaf. Oder aber er wur­de in ei­ner be­son­de­ren La­ge an ein Kreuz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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ge­bun­den mit aus­ge­st­reck­ten Hän­den, denn das för­dert das Ein­t­re­ten je­nes Zu­stan­des, den man er­zie­len woll­te.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir wis­sen aus den man­nig­fal­tigs­ten Vor­trä­gen, daß der Tod beim Men­schen da­durch ein­tritt, daß der Äther­leib mit dem as­tra­li­schen Leib und dem Ich her­aus­geht und nur der phy­si­sche Leib zu­rück­b­leibt. Da tritt et­was im To­de ein, was nie­mals sonst zwi­schen Ge­burt und Tod im re­gel­mä­ß­i­gen Ver­lauf des Le­bens ein­ge­t­re­ten ist. Der Äther­leib hat nie­mals, auch im tiefs­ten Schla­fe nicht, den phy­si­schen Leib ver­las­sen, son­dern war im­mer da­r­in­nen. Im To­de ver­läßt der Äther­leib den phy­si­schen Leib. Wäh­rend je­nes to­de­s­ähn­li­chen Zu­stan­des nun ver­ließ we­nigs­tens ein Teil des Äther­lei­bes auch den phy­si­schen Leib, so daß al­so ein Teil des Äther­lei­bes, der sonst da­r­in­nen war, in die­sem Zu­stand sich drau­ßen be­fand. Man schil­dert das, wie Sie wis­sen, in mehr exo­te­ri­schen Vor­trä­gen da­durch, daß man sagt, der Äther­leib wer­de her­aus­ge­zo­gen. Das ist nicht ei­gent­lich der Fall. Aber die­se fei­nen Un­ter­schei­dun­gen kön­nen wir erst jetzt ma­chen. So al­so ha­ben wir wäh­rend die­ser drei­ein­halb Ta­ge, wäh­rend wel­cher der Pries­ter-In­i­tia­tor den Ein­zu­wei­hen­den wohl über­wach­te, den Men­schen in ei­nem Zu­stan­de, daß nur sein un­te­rer Teil mit dem Äther­leib ve­r­ei­nigt war. Das ist der Mo­ment, wo sich der as­tra­li­sche Leib mit all dem, was er an Or­ga­nen in sich aus­ge­bil­det hat, ab­druckt im Äther­lei­be. In die­sem Mo­ment tritt die Er­leuch­tung ein. Wenn der Ein­zu­wei­hen­de nach drei­ein­halb Ta­gen er­weckt wur­de, dann war bei ihm das ein­ge­t­re­ten, was man die Er­leuch­tung nennt, das­je­ni­ge, was fol­gen muß­te auf die Rei­ni­gung, die bloß in der Aus­bil­dung der Or­ga­ne des as­tra­li­schen Lei­bes be­steht. Jetzt war der Schü­ler ein Wis­sen­der in der geis­ti­gen Welt. Was er früh­er ge­se­hen hat­te, war nur ei­ne Vor­stu­fe des Schau­ens. Die­se Welt, die aus ei­ner Art von Ge­bil­den be­stand, die vor­zugs­wei­se Pflan­zen nach­bil­de­te, sie er­gänz­te sich jetzt durch we­sent­lich neue Ge­bil­de.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun kom­men wir da­hin, ge­nau­er zu cha­rak­te­ri­sie­ren, was der Ein­ge­weih­te an­fing zu schau­en. Jetzt, wo er bis zur Er­leuch­tung ge­führt war, da war es ihm klar, wenn er er­weckt wur­de, daß er et­was ge­se­hen hat­te, was er vor­her nie­mals in sein Wis­sen hat­te&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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auf­neh­men kön­nen. Was hat­te er denn ge­se­hen? Was konn­te er sich in ge­wis­ser Be­zie­hung als be­deut­sa­mes Er­in­ne­rungs­bild sei­nes Schau­ens vor die See­le ru­fen? Wenn wir uns klar­ma­chen wol­len, was der Be­tref­fen­de ge­se­hen hat­te, dann müs­sen wir ein we­nig hin­bli­cken auf die Ent­wi­cke­lung des Men­schen. Wir müs­sen uns er­in­nern, daß erst all­mäh­lich der Mensch je­nen Grad in­di­vi­du­el­len Be­wußt­seins be­kom­men hat­te, den er heu­te hat. Daß er in ei­ner sol­chen Wei­se zu sich Ich sa­gen kann, wie er es heu­te tut, das war nicht im­mer der Fall. Wir brau­chen nur zu­rück­zu­ge­hen in die Zeit, als die Che­rus­ker, He­ru­ler und so wei­ter in den Ge­gen­den wohn­ten, wo heu­te die Deut­schen le­ben. Da fühl­te sich der ein­zel­ne nicht als Ein­zel­men­schen-Ich, son­dern als Glied sei­nes Stam­mes. Wie die Fin­ger sich nicht füh­len als et­was für sich Be­ste­hen­des, so fühl­te der ein­zel­ne Che­rus­ker nicht in der Wei­se, daß er zu sich un­be­dingt Ich sag­te. Das Ich war das Ich des gan­zen Stam­mes. Der Stamm stell­te ei­nen Or­ga­nis­mus dar, und zu­sam­men­ge­hö­ri­ge Grup­pen von Men­schen, die in der Bluts­ver­wandt­schaft ver­bun­den wa­ren, hat­ten so­zu­sa­gen ei­ne ge­mein­schaft­li­che Ich-See­le. &#039;Wie heu­te Ih­re zwei Ar­me zu Ih­rem Ich ge­hö­ren, so wa­ren Sie selbst Glie­der ei­ner grö­ße­ren Ge­mein­schaft in je­nen Zei­ten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist ja noch deut­lich aus­ge­spro­chen bei dem Vol­ke, das sich be­kennt zum Al­ten Te­s­ta­men­te. Da fühl­te sich als ein Glied des Vol­kes je­der ein­zel­ne. Es ist so, daß der ein­zel­ne nicht im höchs­ten Sin­ne von sich sprach, wenn er das ge­wöhn­li­che Ich aus­sprach, son­dern daß er et­was Tie­fe­res fühl­te, wenn er sag­te: «Ich und der Va­ter Abra­ham sind eins.» Denn für ihn ging bis Abra­ham hin­auf ein ge­wis­ses Ich-Be­wußt­sein, das durch al­le Ge­ne­ra­tio­nen von Abra­ham bis zum ein­zel­nen her­un­ter­kam. Was bluts­ver­wandt war, das war in ei­nem Ich be­sch­los­sen. Es war wie ei­ne ge­mein­sa­me Ich-Grup­pen­see­le, die das gan­ze Volk um­faß­te, und die­je­ni­gen, die die Din­ge durch­schau­ten, sag­ten sich: Das, was wir­k­lich un­ser in­ners­tes, un­ver­gäng­li­ches We­sen aus­macht, das wohnt nicht im ein­zel­nen, das wohnt im gan­zen Vol­ke. Al­le ein­zel­nen Glie­der ge­hö­ren zu die­sem ge­mein­sa­men Ich. Da­her war sich auch je­der sol­cher Be­ken­ner klar: Stirbt er, dann ve­r­ei­nigt er sich mit ei­ner un­sicht-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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ba­ren We­sen­heit, die hin­auf­geht bis zum Va­ter Abra­ham. Wir­k­lich fühl­te der ein­zel­ne, daß er hin­auf­kam in den Schoß Abra­hams. Da fühl­te er sich wie im Un­ver­gäng­li­chen ge­bor­gen in der Grup­pen­see­le des Vol­kes. Die­se Grup­pen­see­le des gan­zen Vol­kes konn­te nicht her­un­ter­s­tei­gen auf den phy­si­schen Plan. Da sa­hen sie nur ein­zel­ne Men­schen­ge­stal­ten. Aber die wa­ren ih­nen nicht die Wir­k­lich­keit, son­dern die Wir­k­lich­keit war in der geis­ti­gen Welt. Sie ahn­ten, daß das, was durch das Blut fließt, das Gött­li­che sei. Und weil sie den Gott se­hen muß­ten in Je­ho­va, nann­ten sie die­ses Gött­li­che Jah­ve, oder auch sein Ant­litz: Mi­cha­el. Als geis­ti­ge Grup­pen­see­le des Vol­kes be­trach­te­ten sie Jah­ve.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der ein­zel­ne Mensch hier konn­te die­se geis­ti­gen We­sen­hei­ten nicht se­hen. Der Ein­ge­weih­te, der den gro­ßen Mo­ment er­leb­te, wo der as­tra­li­sche Leib in den Äther­leib hin­ein­ge­druckt wur­de, der be­kam zu­erst die wich­tigs­ten Grup­pen­see­len zu schau­en. Wenn wir näm­lich zu­rück­schau­en in die al­ten Zei­ten der Mensch­heit, so fin­den wir übe­rall, daß das ge­gen­wär­ti­ge Ich sich her­aus­ent­wi­ckelt hat aus sol­chem Grup­pen­be­wußt­sein, Grup­pen-Ich, so daß für den Se­her, wenn er zu­rück­schaut, die ein­zel­nen Men­schen im­mer mehr zu­sam­men­strö­men in die Grup­pen­see­len. Nun gibt es haupt­säch­lich vier Ty­pen von Grup­pen­see­len, vier Ur­bil­der von Grup­pen­see­len. Wenn man al­le ver­schie­de­nen Grup­pen­see­len der ver­schie­de­nen See­len nimmt, so ha­ben sie ei­ne ge­wis­se Ähn­lich­keit, aber auch Ver­schie­den­hei­ten. Teilt man sie ein, so er­hält man vier Grup­pen, vier Ur­bil­der. Man be­kommt sie deut­lich zu se­hen, wenn man hell­se­he­risch zu­rück­schaut in je­ne Zeit, als der Mensch noch nicht im Flei­sche war, noch nicht her­ab­ge­s­tie­gen war auf die Er­de. Denn jetzt müs­sen wir uns ge­nau­er dar­s­tel­len den Mo­ment, wo der Mensch her­ab­ge­s­tie­gen ist ins Fleisch aus den geis­ti­gen Re­gio­nen. Wir kön­nen die­sen Mo­ment nur in gro­ßen Sym­bo­len schil­dern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein­mal gab es ei­ne Zeit, wo un­se­re Er­de ei­ne viel wei­che­re Ma­te­rie hat­te als heu­te, wo noch nicht Fels und Stein so ver­fes­tigt wa­ren wie heu­te, wo die Pflan­zen­for­men noch an­ders aus­sa­hen, wo das Gan­ze wie ein Ur­meer in Wass­er­höh­len ein­ge­bet­tet war, wo Luft und Was­ser nicht ge­schie­den wa­ren, wo von all den We­sen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
die heu­te auf der Er­de woh­nen, Tie­re und Pflan­zen im Was­ser aus­ge­bil­det wa­ren. Als die mi­ne­ra­li­schen We­sen an­fin­gen ih­re heu­ti­ge Form zu be­kom­men, da konn­te man sa­gen: Der Mensch trat aus der Un­sicht­bar­keit her­vor. So stell­te er sich dem Ein­zu­wei­hen­den dar. Au­ßen mit ei­ner Art von Scha­le um­ge­ben, stieg er aus den Re­gio­nen her­un­ter, die heu­te die Luft­re­gio­nen sind. Der Mensch war noch nicht dicht phy­sisch da, als das Tier schon im Fleisch vor­han­den war. Er war ei­ne fei­ne Luft­we­sen­heit, selbst in den le­mu­ri­schen Zei­ten noch. Und er hat sich so her­aus­ge­g­lie­dert, daß sich das hell­se­he­ri­sche Bild dar­s­tellt mit den vier Grup­pen­see­len: auf der ei­nen Sei­te wie ein Löw­en­bild, auf der an­de­ren wie das Bild ei­nes Stie­res, oben wie das ei­nes Ad­lers, und in der Mit­te un­ten et­was, was schon men­sche­n­ähn­lich ist. So zeigt sich das hell­se­he­ri­sche Bild. So kommt aus dem Dun­kel des Geis­ter­lan­des her­aus der Mensch. Und das, was ihn an Kraft aus­ge­bil­det hat, das er­scheint in ei­ner Art Re­gen­bo­gen­bil­dung. Die mehr phy­si­schen Kräf­te um­ge­ben die gan­ze Bil­dung die­ses Men­schen wie ein Re­gen­bo­gen. Man muß auf den ver­schie­dens­ten Ge­bie­ten und in der ver­schie­dens­ten Wei­se die­ses Men­sch­wer­den schil­dern. Jetzt wird es ge­schil­dert, wie es dem For­scher im Rück­blick er­scheint: wie die­se vier Grup­pen­see­len sich her­aus­ge­stal­tet ha­ben aus dem ge­mein­sa­men Gött­lich-Men­sch­li­chen, das her­un­ter­s­teigt. Man hat von je­her die­sen Mo­ment sym­bo­lisch in die Form ge­bracht, die Sie auf dem zwei­ten der so­ge­nann­ten sie­ben ok­kul­ten Sie­gel dar­ge­s­tellt fin­den. Das ist die sym­bo­li­sche Dar­stel­lung, sie ist aber mehr als ein blo­ßes Sym­bo­lum. Da ha­ben Sie her­aus­kom­mend aus dem un­be­stimm­ten Geis­ti­gen die­se vier Grup­pen­see­len, den Re­gen­bo­gen rings­her­um und ei­ne Zwölf­zahl. Wir müs­sen auch ver­ste­hen, was die­se Zwölf­zahl be­deu­tet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn Sie das her­aus­kom­men se­hen, was eben ge­schil­dert wor­den ist, so ha­ben Sie hell­se­he­risch das Ge­fühl: Das ist von et­was um­ge­ben, was ganz an­de­rer We­sen­heit und Art ist als das, was da her­au­s­tritt aus dem un­be­stimm­ten Geis­ti­gen. Und das, wo­von es um­ge­ben ist, das sym­bo­li­sier­te man in al­ten Zei­ten in dem Tier­kreis, in den zwölf Zei­chen des Tier­k­rei­ses. Der Mo­ment des Ein-&lt;br /&gt;
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{{SE|60}}&lt;br /&gt;
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tre­tens in das Hell­se­hen ist noch mit man­cher­lei an­de­ren Er­leb­nis­sen ver­knüpft. Das ers­te, was der, des­sen Äther­leib her­au­s­tritt, wahr­nimmt, ist: er kommt sich vor, wie wenn er grö­ß­er und grö­ß­er wür­de und sich aus­dehn­te über das, was er da wahr­nimmt. Es kommt der Mo­ment, wo der Ein­ge­weih­te sich sagt: Ich se­he nicht bloß die­se vier Ge­stal­ten, son­dern ich bin da drin­nen, ich ha­be mein We­sen dar­über aus­ge­dehnt. Er iden­ti­fi­ziert sich da­mit. Er nimmt das wahr, was durch die zwölf Stern­bil­der, durch die Zwölf­zahl sym­bo­li­siert wird. Was sich da aus­dehnt rings­her­um um das, was sich ent­hüllt, das wer­den wir am bes­ten ver­ste­hen, wenn wir uns wie­der da­ran er­in­nern, daß un­se­re Er­de frühe­re Ver­kör­pe­run­gen durch­ge­macht hat. Wir wis­sen ja: Be­vor die Er­de Er­de wur­de, ging sie durch den Zu­stand des Sa­turns, dann durch den der Son­ne, dann durch den des Mon­des, und dann erst wur­de sie Er­de im heu­ti­gen Sin­ne. Das war not­wen­dig. Denn nur da­durch war es mög­lich, daß auf der heu­ti­gen Er­de die We­sen­hei­ten her­aus­ka­men, die eben her­aus­ge­kom­men sind. Die muß­ten sich all­mäh­lich durch sol­che Ver­wand­lungs­for­men hin­durch­ar­bei­ten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir al­so in ur­fer­ne Ver­gan­gen­heit zu­rück­bli­cken, so schau­en wir auf den ers­ten Zu­stand un­se­rer Er­de, den des al­ten Sa­turns, der im An­fan­ge sei­nes Da­seins noch nicht ein­mal leuch­te­te. Er war ei­ne Art Wär­m­e­zu­stand. Sie hät­ten ihn nicht so se­hen kön­nen wie ei­ne glän­zen­de Ku­gel, son­dern wenn Sie sich dem Sa­turn ge­näh­ert hät­ten, wür­den Sie in ei­nen wär­me­ren Raum hin­ein­ge­kom­men sein, weil er eben bloß in ei­nem Wär­m­e­zu­stand war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun könn­te man fra­gen: Hat denn mit dem Sa­turn das Welt­wer­den be­gon­nen? Ha­ben nicht an­de­re Zu­stän­de vi­el­leicht erst das her­bei­ge­führt, was Sa­turn ge­wor­den ist? Gin­gen dem Sa­turn nicht noch an­de­re Ver­kör­pe­run­gen voran? Es wür­de schwer sein, vor den Sa­turn zu­rück­zu­ge­hen, weil näm­lich erst beim Sa­turn et­was be­ginnt, oh­ne das wir gar nicht hin­ter den Sa­turn zu­rück­ge­hen kön­nen. Mit dem Sa­turn be­ginnt näm­lich erst das, was wir Zeit nen­nen. Vor­her gab es an­de­re For­men des Seins, das heißt, ei­gent­lich kön­nen wir gar nicht von vor­her sp­re­chen, weil noch kei­ne&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|61}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zeit da war. Die Zeit hat auch ein­mal an­ge­fan­gen. Vor dem Sa­turn gab es kei­ne Zeit, da gab es nur Ewig­keit, Dau­er. Da war al­les gleich­zei­tig. Daß die Vor­gän­ge ein­an­der fol­gen, das trat erst mit dem Sa­turn ein. In der­je­ni­gen Wel­ten­la­ge, wo nur Ewig­keit, Dau­er ist, da gibt es auch kei­ne Be­we­gung. Denn zur Be­we­gung ge­hört Zeit. Da gibt es kei­nen Um­lauf, da ist Dau­er und Ru­he, wie man auch sagt im Ok­kul­tis­mus: Da ist se­li­ge Ru­he in der Dau­er. Das ist der Aus­druck da­für. Se­li­ge Ru­he in der Dau­er ging dem Sa­turn­zu­stand voran. Die Be­we­gung der Wel­ten­kör­per trat erst mit dem Sa­turn ein, und man faß­te die Bahn, die an­ge­deu­tet wird durch die zwölf Zei­chen des Tier­k­rei­ses, als An­zei­chen da­für auf. Und wäh­rend ein Pla­net in ei­nem sol­chen Stern­bil­de lief, sprach man von ei­ner Wel­ten­stun­de. Man be­trach­te­te das als ei­ne Wel­ten­stun­de. Zwölf Wel­ten­stun­den, Tag­stun­den zwölf und Nacht­stun­den zwölf! Ei­nem je­den Wel­ten­kör­per, dem Sa­turn, der Son­ne und dem Mon­de wird zu­ge­zählt ei­ne Au­f­ein­an­der­fol­ge von Wel­ten­stun­den, die sich zu Wel­ten­ta­gen grup­pie­ren, und zu­letzt so, daß von die­sen zwölf Zei­träu­men sie­ben äu­ßer­lich wahr­nehm­bar sind und fünf mehr oder we­ni­ger äu­ßer­lich un­wahr­nehm­bar ver­lau­fen. Man un­ter­schei­det da­her sie­ben Sa­turn­k­reis­läu­fe oder sie­ben gro­ße Sa­turn­ta­ge und fünf gro­ße Sa­turn­näch­te. Sie kön­nen auch sa­gen, fünf Ta­ge und sie­ben Näch­te, denn der ers­te und letz­te Tag sind Däm­me­rungs­ta­ge. Man ist ge­wohnt, sol­che sie­ben Kreis­läu­fe, sie­ben Wel­ten­ta­ge «Man­van­ta­ra» zu nen­nen und die fünf Wel­ten­näch­te «Prala­ya». Wenn man es ganz ent­sp­re­chend un­se­rer Zei­ten­zäh­lung ha­ben will, dann zählt man je zwei pla­ne­ta­ri­sche Zu­stän­de zu­sam­men, al­so Sa­turn und Son­ne, Mond und Er­de. Dann er­hält man je vier­und­zwan­zig Kreis­läu­fe. Die­se vier­und­zwan­zig Kreis­läu­fe bil­den wich­ti­ge Epo­chen in der Wel­ten­dar­stel­lung, und die­se vier­und­zwan­zig Epo­chen denkt man sich ge­re­gelt durch We­sen­hei­ten im Wel­te­nall, die Ih­nen in der Apo­ka­lyp­se als die vier­und­zwan­zig Äl­tes­ten an­ge­deu­tet wer­den, die vier­und­zwan­zig Reg­ler der Wel­te­n­um­läu­fe, der Wel­ten­zei­ten. Auf dem Sie­gel­bild sind sie an­ge­deu­tet als die Wel­ten­uhr. Die ein­zel­nen Zif­fern der Uhr sind hier nur un­ter­bro­chen durch die Dop­pel­kro­nen der Äl­tes­ten, um an­zu­deu­ten,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|62}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
daß das die Zei­ten­kö­n­i­ge sind, weil sie die Um­läu­fe der Wel­ten­kör­per re­geln. (Sie­he das zwei­te Sie­gel­bild.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So sieht der Ein­ge­weih­te zu­nächst zu­rück in die­ses Bild der Vor­zeit. Nun aber müs­sen wir uns fra­gen: Warum sieht der Ein­ge­weih­te die­ses Bild? Weil in die­sem Bil­de sym­bo­lisch-as­tra­lisch dar­ge­s­tellt wer­den die Kräf­te, die in sei­ner heu­ti­gen Ge­stalt den men­sch­li­chen Äther­leib und da­nach den phy­si­schen ge­bil­det ha­ben. Wie das ist, kön­nen Sie sich leicht den­ken. Den­ken Sie sich, der Mensch liegt im Bet­te, ver­läßt mit sei­nem As­tral­leib und Ich den phy­si­schen Leib und Äther­leib. Nun ge­hö­ren aber zum phy­si­schen Leib und Äther­leib, wie sie heu­te sind, zum heu­ti­gen phy­si­schen Men­schen­leib und Äther­leib der as­tra­li­sche Leib und das Ich. Für sich kann die­ser phy­si­sche Leib und kann die­ser Äther­leib nicht be­ste­hen. Sie sind so ge­wor­den, weil ih­nen der as­tra­li­sche Leib und das Ich ein­ge­g­lie­dert sind. Nur ein phy­si­scher Leib, in dem kein Blut fließt und kein Ner­ven­sys­tem ist, kann oh­ne as­tra­li­schen Leib und Ich sein. Des­halb kann die Pflan­ze oh­ne as­tra­li­schen Leib und Ich sein, weil sie kein Blut und kein Ner­ven­sys­tem hat. Denn das Ner­ven­sys­tem hängt zu­sam­men mit dem as­tra­li­schen Leib und das Blut mit dem Ich. Kein We­sen hat im phy­si­schen Leib ein Ner­ven­sys­tem, das nicht durch­drun­gen ist von ei­nem as­tra­li­schen Lei­be, und kein We­sen hat im phy­si­schen Lei­be ein Blut­sys­tem, in das nicht das Ich ein­ge­zo­gen ist. Den­ken Sie, was Sie je­de Nacht tun. Sie ver­las­sen schnö­de Ih­ren phy­si­schen und Äther­leib und über­las­sen sie mit dem Blut- und Ner­ven­sys­tem sich sel­ber. Wenn es bloß auf Sie an­kä­me, wür­de in je­der Nacht da­durch, daß Sie Ihr Ner­ven- und Blut­sys­tem ver­las­sen, der phy­si­sche Leib zu­grun­de ge­hen müs­sen. Er wür­de in dem­sel­ben Au­gen­bli­cke ster­ben, wo der as­tra­li­sche Leib und das Ich den phy­si­schen und den Äther­leib ver­las­sen. Aber der hell­se­hen­de Blick sieht, wie dann an­de­re We­sen­hei­ten, höhe­re geis­ti­ge We­sen­hei­ten ihn aus­fül­len. Er sieht, wie sie in ihn hin­ein­ge­hen und das tun, was der Mensch in der Nacht eben nicht tut: das Blut- und Ner­ven­sys­tem ver­sor­gen. Das sind die­sel­ben We­sen­hei­ten aber, wel­che den Men­schen, so­weit er aus ei­nem phy­si­schen und Äther­leib be­steht, ge­schaf­fen ha­ben; nicht&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|63}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
bloß heu­te, von In­kar­na­ti­on zu In­kar­na­ti­on. Es sind die glei­chen We­sen­hei­ten, die auf dem al­ten Sa­turn die ers­te An­la­ge des phy­si­schen Lei­bes ent­ste­hen lie­ßen und die auf der Son­ne den Äther­leib her­aus­ge­bil­det ha­ben. Die­se We­sen­hei­ten, die ge­wal­tet ha­ben vom Ur­be­ginn des Sa­turn- und Son­nen­da­seins an im phy­si­schen und Äther­leib, sie wal­ten in ihm je­de Nacht, wäh­rend der Mensch schläft und den phy­si­schen und den Äther­leib schnö­de ver­läßt, so­zu­sa­gen sie dem To­de preis­gibt; sie drin­gen hin­ein und ver­sor­gen sein Ner­ven- und Blut­sys­tem.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da­her ist es auch be­g­reif­lich, daß in dem Mo­ment, wo der As­tral­leib den Äther­leib be­rührt, um sich in ihm ab­zu­dru­cken, daß, da der Mensch von die­sen Kräf­ten, die ihn ge­bil­det ha­ben, durch­drun­gen ist, daß er da das Bild die­ser Kräf­te sieht, die in dem zwei­ten Sie­gel sym­bo­li­siert sind. Was ihn er­hält und zu­sam­men­hän­gend macht mit dem gan­zen kos­mi­schen Wel­tall, das leuch­tet auf in die­sem Mo­ment der Ein­wei­hung. Er sieht das­je­ni­ge, was die bei­den Glie­der sei­ner We­sen­heit, den phy­si­schen und den Äther­leib, ge­bil­det hat, was sie je­de Nacht in ih­rem Le­ben auf­recht er­hält. Er selbst aber hat noch kei­nen An­teil da­ran, denn er kann noch nicht in die­se bei­den Glie­der sei­nes We­sens hin­ein­ar­bei­ten. Dem Men­schen nach wür­de der phy­si­sche und der Äther­leib, die in der Nacht im Bet­te lie­gen, zum Pflan­zen­da­sein ver­dammt sein, denn er über­läßt bei­de sich selbst. Da­her ist für den Men­schen der Schlaf­zu­stand ein un­be­wuß­ter, wie ihn die Pflan­ze im­mer hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie steht es nun mit dem, was wäh­rend des Schla­fes her­aus­ge­rückt ist beim ge­wöhn­li­chen Men­schen, wie steht es mit dem as­tra­li­schen Leib und dem Ich? Die­se sind ja auch nicht be­wußt in der Nacht. Beim ge­wöhn­li­chen Men­schen wird wäh­rend des Nacht­schla­fes nichts inn­er­halb des as­tra­li­schen Lei­bes er­fah­ren. Aber den­ken Sie jetzt ein­mal, Sie üb­ten die sie­ben Stu­fen der Jo­han­nes-Ein­wei­hung, die­se be­deu­tungs­vol­len Mo­men­te der christ­li­chen Ge­müts­ein­wei­hung. Dann wür­de für Sie nicht bloß das auf­t­re­ten, was bis­her ge­schil­dert wor­den ist. Ganz ab­ge­se­hen da­von, daß Sie bei der Be­rüh­rung des as­tra­li­schen Lei­bes mit dem Äther­lei­be hell­se­he­ri­sche Kraft ent­wi­ckeln kön­nen, wür­de noch et­was&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|64}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
an­de­res auf­t­re­ten. Der Mensch wird sich be­wußt der see­li­schen Ei­gen­hei­ten, der see­lisch-men­sch­li­chen Ei­gen­schaf­ten der as­tra­li­schen Welt und der de­vacha­ni­schen Welt, aus der er ei­gent­lich her­aus­ge­bo­ren ist sei­ner See­le nach. Und es tritt zu die­sem Bil­de ein noch höhe­res Sym­bo­lum, das die gan­ze Welt zu er­fül­len scheint. Zu die­sem Sym­bo­lum der al­ten Ein­wei­hung tritt für den, der durch die Jo­han­nes-Ein­wei­hungs­stu­fen geht, et­was hin­zu, was am bes­ten durch das ers­te Sie­gel dar­ge­s­tellt wird. Als ei­ne hell­se­he­ri­sche Er­schei­nung sieht er den Pries­ter­kö­n­ig mit gol­de­nem Gür­tel, mit Fü­ß­en, die aus Me­tall­guß zu be­ste­hen schei­nen, das Haupt be­deckt mit Haa­ren wie von wei­ßer Wol­le, aus dem Mun­de ein feu­ri­ges Schwert flam­mend und in der Hand die sie­ben Wel­tens­ter­ne: Sa­turn, Son­ne, Mond, Mars, Mer­kur, Ju­pi­ter, Ve­nus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ge­stalt, die in der Mit­te auf dem zwei­ten Sie­gel­bild ist, war in der al­ten Ein­wei­hung nur als die fünf­te der Grup­pen­see­len an­ge­deu­tet. Sie ist das, was in der Mensch­heit der al­ten Zeit erst in der Keim­an­la­ge vor­han­den war und erst in der christ­li­chen Ein­wei­hung her­aus­ge­kom­men ist als das, was man auch als Men­schen­sohn be­zeich­net, der die sie­ben Ster­ne be­herrscht, wenn er völ­lig in sei­ner wah­ren Ge­stalt vor dem Men­schen auf­tritt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So al­so soll uns durch die­se zu­nächst sym­bo­li­sche Art der Dar­stel­lung vor al­len Din­gen klar sein, daß man das­je­ni­ge, was beim heu­ti­gen Men­schen als Tren­nung der ver­schie­de­nen Glie­der auf­tritt phy­si­scher und Äther­leib auf der ei­nen Sei­te, as­tra­li­scher Leib und Ich auf der an­de­ren, so be­han­deln kann, daß bei­des so­zu­sa­gen zur Ein­wei­hung sein Stück bei­tra­gen kann, zu­nächst durch die Ein­wei­hungs­form bei der Be­rüh­rung des as­tra­li­schen Lei­bes mit dem Äther­leib, wo die vier Grup­pen­see­len auf­leuch­ten, dann bei der Be­hand­lung des As­tral­lei­bes, so daß die­ser im be­son­de­ren se­hend wird. Früh­er war ein ei­gent­li­ches Se­hen in der über­sinn­li­chen Welt höchs­tens bis zu ei­ner Art pflanz­li­cher Durch­le­bung der Welt ge­kom­men. Durch die christ­li­che Ein­wei­hung ist das ge­ge­ben, was ei­ne höhe­re Ein­wei­hungs­stu­fe im as­tra­li­schen Leib be­deu­tet und was sym­bo­lisch an­ge­deu­tet wird durch das zwei­te Bild.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|65}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da ha­ben Sie die bei­den Din­ge aus dem Ein­wei­hung­s­prin­zip her­aus sel­ber ge­schil­dert, die Sie an der Spit­ze der Apo­ka­lyp­se ge­schil­dert fin­den. Nur hat der Apo­ka­lyp­ti­ker sie in um­ge­kehr­ter Rei­hen­fol­ge ge­schil­dert, und dies mit Recht. Er hat ge­schil­dert zu­erst das Ge­sicht des Men­schen­soh­nes, das Ge­sicht des­sen, der da ist, der da war und der da sein wird, und dann das an­de­re. Bei­de sind Sym­bo­le für das, was der Ein­ge­weih­te wäh­rend der Ein­wei­hung er­lebt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So ha­ben wir vor un­se­re See­le tre­ten las­sen, was in ge­wis­sen Fäl­len der Ein­wei­hung ge­schieht und zu­nächst er­lebt wird. Mor­gen wol­len wir zu den Ein­zel­hei­ten wei­ter­sch­rei­ten die­ser rea­len wir­k­li­chen Er­leb­nis­se, und wir wer­den sie sich spie­geln se­hen in der gran­dio­sen Dar­stel­lung der Apo­ka­lyp­se des Jo­han­nes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|66}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= DRITTER VORTRAG, Nürnberg, 20. Juni 1908 =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ges­tern konn­ten wir am En­de un­se­rer Be­trach­tung hin­wei­sen auf das, was spe­zi­fisch christ­li­che und was spä­te­re, al­so et­wa christ­lich-ro­sen­k­reu­ze­ri­sche Ein­wei­hung zu­nächst in ei­nem gro­ßen be­deut­sa­men Sym­bo­lum gibt. Wir ha­ben auf die Be­deu­tung die­ses Sym­bo­l­ums hin­ge­wie­sen, die­ses Ein­wei­hungs­zei­chens, das man auch als den Men­schen­sohn be­zeich­net, der die sie­ben Ster­ne in sei­ner rech­ten Hand hat, der das schar­fe zwei­schnei­di­ge Schwert hat in sei­nem Mun­de. Wir ha­ben ge­se­hen, daß die­se Ein­wei­hung den Men­schen in ei­nem ge­wis­sen höhe­ren Gra­de se­hend macht inn­er­halb sei­nes Ich und sei­nes as­tra­li­schen Lei­bes, au­ßer­halb des phy­si­schen und des Äther­lei­bes. Wir wer­den al­les dies noch ge­nau­er be­sp­re­chen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch ei­ne je­g­li­che Ein­wei­hung aber ge­langt der Mensch da­zu, das, was man nur mit geis­ti­gem Bli­cke, mit geis­ti­gen Au­gen über­schau­en kann, was nur für das über­sinn­li­che Wahr­neh­men durch­sich­tig ist, das nun wir­k­lich zu über­schau­en, zu er­ken­nen. Nun ge­hört zu dem ers­ten und wich­tigs­ten, was der im christ­li­chen Sin­ne Ein­zu­wei­hen­de zu er­ken­nen hat, die Ent­wi­cke­lung der Mensch­heit in un­se­rem Zei­tal­ter, da­mit ein je­der im höhe­ren Ma­ße die Auf­ga­ben des Men­schen ein­se­hen kann. Denn al­les, was höhe­re Er­kennt­nis, was höhe­re Voll­kom­men­heit dem Men­schen ge­ben soll, hängt mit der Fra­ge zu­sam­men: Was bin ich und wo­zu bin ich be­stimmt in un­se­rem Zei­tal­ter? Die Be­ant­wor­tung die­ser Fra­ge ist es, die zu­nächst von gro­ßer Wich­tig­keit ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Je­de Ein­wei­hungs­stu­fe führt auf ei­nen er­höh­ten Stand­punkt der men­sch­li­chen Be­trach­tung. Schon in der ers­ten Stun­de konn­ten wir ja dar­auf hin­wei­sen, wie stu­fen­wei­se der Mensch hin­auf­geht, zu­erst in das, was wir die ima­gi­na­ti­ve Welt nen­nen, wo er im christ­li­chen Sin­ne die sie­ben Sie­gel er­ken­nen lernt, dann bis zu dem, was wir die in­spi­rier­te Er­kennt­nis nen­nen, wo er die «Po­sau­nen» hört, und end­lich zu ei­ner noch höhe­ren Stu­fe, wo er die wah­re Be­deu­tung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|67}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und We­sen­heit der Geist­we­sen zu durch­schau­en ver­mag, die Stu­fe der so­ge­nann­ten Zor­nes­scha­len. Jetzt aber müs­sen wir so­zu­sa­gen ei­ne be­stimm­te Ein­wei­hungs­stu­fe ins Au­ge fas­sen. Wir den­ken uns den Men­schen ge­ra­de bis zu je­ner Stu­fe der Ein­wei­hung ge­langt, wo das mit ihm ge­sche­hen ist, was am Schluß des letz­ten Vor­tra­ges ge­schil­dert wur­de. Wir den­ken uns ihn ge­ra­de an der Gren­ze, wo ihm, zwi­schen den feins­ten We­sen­hei­ten un­se­rer phy­si­schen Welt und der nächst­höhe­ren, der as­tra­li­schen Welt, ge­stat­tet ist, wie auf ei­nem Gip­fel zu ste­hen und her­un­ter­zu­schau­en. Was kann der Mensch auf die­sem ers­ten Gip­fel der Ein­wei­hung er­schau­en?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:GA104 067.png|center|900px|Tafelzeichnung aus GA 104, S. 67]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da sieht er im Geis­te al­les das, was ge­sche­hen ist, sei­ner in­ne­ren We­sen­heit nach, seit­dem die at­lan­ti­sche Flut die al­te At­lan­tis zer­stört hat und der nachat­lan­ti­sche Mensch ins Da­sein ge­t­re­ten ist. Da sieht er, wie sich die Kul­tur­k­reis­läu­fe ein­an­der fol­gen bis zu dem Zeit­punkt, wo auch un­ser Zei­tal­ter ei­nen Un­ter­gang neh­men wird, um ein neu­es her­auf­zu­füh­ren. Durch das Was­ser der at­lan­ti­schen Flut ist zu­grun­de ge­gan­gen die al­te At­lan­tis. Durch das, was wir nen­nen den Krieg al­ler ge­gen al­le, durch furcht­bar ver­hee­ren­de mo­ra­li­sche Ver­wi­cke­lun­gen wird un­ser Zei­tal­ter sei­nen Un­ter­gang fin­den. Und die­ses gro­ße Zei­tal­ter von der at­lan­ti­schen Flut an bis zum ge­wal­ti­gen Krieg al­ler ge­gen al­le, das tei­len wir wie­der ein in sie­ben au­f­ein­an­der­fol­gen­de Haupt-Kul­tu­re­po­chen, in&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|68}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sie­ben Kul­tur­zei­träu­me, wie aus dem vor­ste­hen­den Sche­ma er­sicht­lich ist. An dem ei­nen En­de den­ken wir uns die gro­ße at­lan­ti­sche Flut, am ent­ge­gen­ge­setz­ten En­de den gro­ßen Welt­krieg, und das tei­len wir in sie­ben Un­ter­zei­tal­ter, in sie­ben Kul­tu­re­po­chen. Die gan­ze Epo­che, die die­se sie­ben Un­ter­zei­tal­ter ent­hält, ist wie­der der sie­ben­te Teil ei­nes län­ge­ren Zei­tal­ters, so daß Sie sich vor­zu­s­tel­len ha­ben sie­ben sol­che Glie­der wie un­ser Zei­tal­ter zwi­schen Flut und Krieg, zwei nach vorn, nach dem gro­ßen Krieg, und vier nach rück­wärts vor der at­lan­ti­schen Flut. Un­ser Zei­tal­ter, das nachat­lan­ti­sche, ist al­so das fünf­te gro­ße Zei­tal­ter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man muß wie­der­um auf ei­nen noch höhe­ren Gip­fel der Ein­wei­hung hin­auf­s­tei­gen, dann über­sieht man die­se sie­ben­mal sie­ben Zei­tal­ter. Sie sind zu über­schau­en, wenn man an der Gren­ze der as­tra­li­schen und der geis­ti­gen, der de­vacha­ni­schen Welt an­ge­langt ist. Und so geht es stu­fen­wei­se hin­auf. Wir wer­den se­hen, wel­ches die noch höhe­ren Stu­fen sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt müs­sen wir fest­hal­ten, daß man zu­nächst ei­nen Gip­fel er­rei­chen kann, auf dem uns, wie von ei­nem Ber­ge aus die wei­te Ebe­ne, die sie­ben Kul­tur­zei­tal­ter der nachat­lan­ti­schen Zeit sicht­bar wer­den. Wir al­le ken­nen sie ja schon, die­se Kul­tur­zei­tal­ter. Wir wis­sen, daß, als die at­lan­ti­sche Flut die al­te At­lan­tis hin­weg­ge­schwemmt hat­te, als ers­tes die alt­in­di­sche Kul­tur auf­blüh­te und daß sie ab­ge­löst wur­de von der ur­per­si­schen Kul­tur. Wir wis­sen, daß die as­sy­risch-ba­by­lo­nisch-chal­däisch-ägyp­tisch-jü­di­sche Kul­tur dar­auf folg­te, auf die­se das vier­te Kul­tur­zei­tal­ter, das grie­chisch-latei­ni­sche, und dar­auf das fünf­te, das uns­ri­ge, in dem wir le­ben. In dem sechs­ten, das auf das uns­ri­ge fol­gen wird, wird in ei­ner ge­wis­sen Be­zie­hung in der Frucht auf­ge­hen müs­sen, was wir an geis­ti­ger Kul­tur zu bau­en ha­ben. Das sie­ben­te Kul­tur­zei­tal­ter spielt sich ab vor dem Krieg al­ler ge­gen al­le. Da se­hen wir die­se furcht­ba­re Ver­wüs­tung der Kul­tur her­an­kom­men und se­hen das klei­ne Häuf­lein von Men­schen, das ver­stan­den hat, das spi­ri­tu­el­le Prin­zip in sich auf­zu­neh­men und das sich hin­weg­ret­ten wird ge­gen­über der all­ge­mei­nen Zer­trüm­me­rung durch den Ego­is­mus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir le­ben al­so in dem fünf­ten der Un­ter­zei­tal­ter, wie ge­sagt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|69}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie Städ­te und Dör­fer und Wäl­der vom Gip­fel ei­nes Ber­ges aus, so er­scheint von dem Gip­fel der Ein­wei­hung aus die Fol­ge die­ser Kul­tur­zei­tal­ter. Ih­re Be­deu­tung se­hen wir ein. Sie stel­len dar, was sich aus­dehnt auf un­se­rem phy­si­schen Plan als Mensch­heits­kul­tur. Des­halb sp­re­chen wir auch von Kul­tur­zei­tal­tern im Ge­gen­satz zu Ras­sen. Al­les das, was et­wa ver­knüpft ist mit dem Ras­sen­be­griff, ist noch Über­b­leib­sel des Zei­trau­mes, der dem un­se­ren vor­an­ge­gan­gen ist, des at­lan­ti­schen. Wir le­ben im Zei­traum der Kul­tu­re­po­chen. Die At­lan­tis war der Zei­traum, wo sich nach und nach sie­ben au­f­ein­an­der­fol­gen­de gro­ße Ras­sen bil­de­ten. Na­tür­lich, die Früch­te die­ser Ras­sen­bil­dung ra­gen he­r­ein auch in un­ser Zei­tal­ter, da­her spricht man auch heu­te noch von Ras­sen. Das sind aber schon Ver­wi­schun­gen je­ner schar­fen Tren­nun­gen in der at­lan­ti­schen Zeit. Heu­te hat schon der Kul­tur­be­griff den Ras­sen­be­griff ab­ge­löst. Da­her sp­re­chen wir von der al­ten in­di­schen Kul­tur, von wel­cher die Kul­tur, die uns in den Ve­den an­ge­kün­digt wird, nur ein Nach­klang ist. Die uralt-hei­li­ge in­di­sche Kul­tur ist die ers­te Mor­gen­rö­te der nachat­lan­ti­schen Kul­tur, sie folgt un­mit­tel­bar auf die at­lan­ti­sche Zeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ver­ge­gen­wär­ti­gen wir uns noch ein­mal, wie der Mensch leb­te in je­ner Zeit, die jetzt mehr als acht- oder ne­un­tau­send Jah­re hin­ter uns liegt. Wenn wir von den rea­len Zei­träu­men sp­re­chen, so gel­ten die­se Zah­len. Die­se Kul­tur, von der wir hier sp­re­chen, stand un­mit­tel­bar un­ter dem Ein­fluß der at­lan­ti­schen Flut oder der gro­ßen Eis­zei­te­po­che, wie sie in der mo­der­nen Wis­sen­schaft ge­nannt wird. Die At­lan­tis war un­ter­ge­gan­gen nach und nach, ein Bro­cken nach dem an­dern war ver­sch­lun­gen wor­den von der Flut. Und nun leb­te ein Men­schen­ge­sch­lecht auf der Er­de, von dem sich ein Teil zu der höchs­ten Ent­wi­cke­lungs­stu­fe her­auf­ge­ar­bei­tet hat­te, die zu er­rei­chen war. Das war das uralt in­di­sche Volk, ein Men­schen­ge­sch­lecht, das da­mals dr­ü­b­en im fer­nen Asi­en wohn­te und mehr in der Er­in­ne­rung an al­te ver­gan­ge­ne Zei­ten leb­te als in der Ge­gen­wart. Das ist das Gro­ße und Ge­wal­ti­ge je­ner Kul­tur, von der die schrift­li­chen Auf­zeich­nun­gen wie die Ve­den und die Bha­ga­vad Gi­ta nur noch Nach­klän­ge sind, daß die Men­schen in der Er­in­ne­rung an das leb­ten,&lt;br /&gt;
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was sie in der at­lan­ti­schen Zeit sel­ber er­lebt hat­ten. Den­ken Sie an den ers­ten Vor­trag die­ses Zy­k­lus. Da wur­de ge­sagt, daß die Men­schen in je­ner Zeit zum gro­ßen Teil be­fähigt wa­ren, ein ge­wis­ses däm­mer­haf­tes Hell­se­hen zu ent­wi­ckeln. Die Men­schen wa­ren nicht be­schränkt auf die­se phy­sisch-sinn­li­che Welt. Sie leb­ten zwi­schen gött­lich-geis­ti­gen We­sen­hei­ten. Sie sa­hen die­se gött­lich-geis­ti­gen We­sen­hei­ten um sich. Da­rin be­stand der Über­gang von der at­lan­ti­schen Zeit zur nachat­lan­ti­schen, daß der Blick der Men­schen von der geis­ti­gen, as­tra­lisch-äthe­ri­schen Welt ab­ge­sch­los­sen und be­schränkt wur­de auf die­se phy­si­sche Welt. Die ers­te Kul­tu­re­po­che zeich­ne­te sich da­durch aus, daß die Men­schen Sehn­sucht hat­ten, tie­fe Sehn­sucht nach dem, was ih­re Vor­fah­ren in der al­ten At­lan­tis ge­schaut, wo­vor sich aber das Tor zu­ge­sch­los­sen hat­te. Ural­te Weis­heit ha­ben un­se­re Vor­fah­ren mit ih­ren geis­ti­gen Au­gen, wenn auch däm­mer­haft, ge­schaut. Sie wohn­ten un­ter Geis­tern, gin­gen mit Göt­tern und Geis­tern um. So fühl­ten sie, die­se Men­schen der uralt-hei­li­gen in­di­schen Kul­tur: sie sehn­ten sich mit al­len ih­ren Fa­sern dar­nach, zu­rück­zu­schau­en, zu se­hen das, was die Vor­fah­ren ge­se­hen hat­ten, wo­von ural­te Weis­heit kün­de­te. Und so er­schi­en das Land, das eben auf­ge­t­re­ten war vor den phy­si­schen Bli­cken der Men­schen die Fel­sen der Er­de, die jetzt erst sicht­bar ge­wor­den wa­ren, die früh­er noch geis­tig ge­schaut wur­den , all das Äu­ße­re er­schi­en ih­nen ge­rin­ger als das, woran sie sich er­in­nern konn­ten. Ma­ja, die gro­ße Il­lu­si­on, wur­de al­les das ge­nannt, was die phy­si­schen Au­gen se­hen konn­ten, die gro­ße Täu­schung, aus der man her­aus woll­te. Und die Bes­ten die­ses ers­ten Zei­tal­ters soll­ten durch je­ne Ein­wei­hungs­me­tho­de, von der es ei­ni­ge Über­b­leib­sel im Yo­ga gibt, hin­auf­ge­ho­ben wer­den zu der Stu­fe ih­rer Vor­fah­ren. Dar­aus ging ei­ne re­li­giö­se Grund­stim­mung her­vor, die mit den Wor­ten wie­der­ge­ge­ben wer­den kann: Wert­lo­se eit­le Täu­schung ist das, was uns hier um­gibt im äu­ße­ren Sin­nen­schein. Das Wah­re, Ech­te ist oben in der geis­ti­gen Welt, die wir ver­las­sen ha­ben. Die geis­ti­gen Füh­rer des Vol­kes wa­ren die­je­ni­gen, wel­che sich hin­auf­ver­set­zen konn­ten in die Re­gio­nen, in de­nen man früh­er leb­te.&lt;br /&gt;
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Das war die ers­te Epo­che der nachat­lan­ti­schen Zeit. Und al­le Epo­chen der nachat­lan­ti­schen Zeit sind da­durch cha­rak­te­ri­siert, daß der Mensch im­mer mehr ver­ste­hen lern­te die äu­ße­re sinn­li­che Wir­k­lich­keit, im­mer mehr er­ken­nen lern­te: Was uns hier ge­ge­ben ist für die äu­ße­ren Sin­ne, ist nicht als blo­ßer Schein zu be­han­deln, es ist ei­ne Ga­be der geis­ti­gen We­sen, und nicht um­sonst ha­ben uns die Göt­ter die Sin­ne ge­ge­ben. Das, was hier auf der Er­de ei­ne Kul­tur der ma­te­ri­el­len Welt be­grün­det, muß nach und nach ein­ge­se­hen wer­den.&lt;br /&gt;
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Was der al­te In­der noch als Ma­ja an­ge­spro­chen hat, wo­vor er ge­f­lo­hen ist, wo­von er sich zu­rück­sehn­te, das spra­chen die­je­ni­gen, die der zwei­ten Epo­che an­ge­hör­ten, als ihr Ar­beits­feld an, als et­was, was sie zu be­ar­bei­ten hat­ten. Und so ha­ben wir jetzt die uralt-per­si­sche Epo­che, die et­wa fünf­tau­send Jah­re zu­rück­liegt, je­ne Kul­tu­re­po­che, in wel­cher den Men­schen das Land um sie her­um zwar zu­nächst wie feind­lich er­schi­en, aber nicht mehr wie früh­er als Il­lu­si­on, die man zu flie­hen ha­be, son­dern als ein Ar­beits­feld, dem man den ei­ge­nen Geist ein­zu­prä­gen hat. Vom Bö­sen, von ei­ner dem Gu­ten geg­ne­ri­schen Macht ist die­se Er­de be­herrscht in ih­rer ma­te­ri­el­len Be­schaf­fen­heit, von dem Got­te Ah­ri­man. Er be­herrscht sie, aber der gu­te Gott Or­muzd hilft den Men­schen in sei­nen Di­enst stel­len sich die Men­schen. Wenn sie sei­nen Wil­len aus­füh­ren, dann ver­wan­deln sie die­se Welt in ei­nen Acker der obe­ren geis­ti­gen Welt, dann prä­gen sie der sinn­lich-wir­k­li­chen Welt das ein, was sie selbst im Geist er­ken­nen. Ein Ar­beits­feld war für die zwei­te Epo­che die phy­sisch-rea­le, die sinn­lich-rea­le Welt. Für den In­der war die sinn­li­che Welt noch Täu­schung, Ma­ja. Für den Per­ser war sie zwar von bö­sen Dä­mo­nen be­herrscht, aber doch ei­ne sol­che Welt, aus der der Mensch aus­zu­t­rei­ben hat­te die bö­sen und der er ein­zu­g­lie­dern hat­te die gu­ten geis­ti­gen We­sen­hei­ten, die Die­ner des Licht­gotts Or­muzd.&lt;br /&gt;
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Und in der drit­ten Epo­che kommt der Mensch noch näh­er der äu­ße­ren sinn­li­chen Wir­k­lich­keit. Da ist sie ihm nicht mehr ei­ne bloß feind­li­che Macht, die er zu über­win­den hat. Der In­der hat hin­auf­ge­schaut zu den Ster­nen und sich ge­sagt: Ach, al­les was da&lt;br /&gt;
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ist, was ich mit äu­ße­ren Au­gen se­hen kann, ist doch nur Ma­ja, Täu­schung. Die chal­däi­schen Pries­ter sa­hen den Lauf, die Stel­lun­gen der Ster­ne und sag­ten sich: In­dem ich die Stel­lun­gen der Ster­ne se­he und ih­ren Lauf ver­fol­ge, wird mir das zu ei­ner Schrift, aus der ich den Wil­len der gött­lich-geis­ti­gen We­sen er­ken­ne. Ich er­ken­ne das, was die Göt­ter wol­len, in dem, was sie ge­tan ha­ben. Nicht mehr Ma­ja war ih­nen die phy­sisch-sinn­li­che Welt, son­dern wie die Schrift des Men­schen der Aus­druck sei­nes Wil­lens ist, so war ih­nen das, was in den Ster­nen am Him­mel steht, was in den Kräf­ten der Na­tur lebt, ei­ne Göt­ter­schrift. Und mit Lie­be be­gan­nen sie zu ent­zif­fern die Schrift der Na­tur. So ent­steht je­ne wun­der­ba­re Ster­nen­kun­de, die die Men­schen heu­te kaum mehr ken­nen. Denn was man heu­te als As­tro­lo­gie kennt, ist durch ein Mißv­er­ste­hen der Tat­sa­chen ent­stan­den. Tie­fe Weis­heit in der Ster­nen­schrift ist es, was dem al­ten Chal­däer­pries­ter als As­tro­lo­gie ge­of­fen­bart wur­de, als die Ge­heim­nis­se des­sen, was er mit Au­gen sah. Das be­trach­te­te er als Of­fen­ba­rung ei­nes In­ne­ren, Durch­geis­tig­ten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und was wur­de die Er­de für den Ägyp­ter? Wir brau­chen nur auf die Er­fin­dung der Geo­me­trie hin­zu­deu­ten, wo der Mensch lern­te die Er­de ein­zu­tei­len nach den Ge­set­zen des Rau­mes, nach den Re­geln der Geo­me­trie. Da wur­den die Ge­set­ze in der Ma­ja er­forscht. In der uralt per­si­schen Kul­tur hat man die Er­de um­ge­a­ckert, jetzt lern­te man sie ein­tei­len nach den Ge­set­zen des Rau­mes. Die Ge­set­ze be­ginnt man zu er­for­schen und man tut noch mehr. Man sagt sich: Nicht um­sonst ha­ben die Göt­ter in den Ster­nen uns ei­ne Schrift hin­ter­las­sen, nicht um­sonst ha­ben die Göt­ter uns ih­ren Wil­len kund­ge­ge­ben in den Na­tur­ge­set­zen. Wenn der Mensch durch sein ei­ge­nes Ar­bei­ten das Heil be­wir­ken will, dann muß er in den Ein­rich­tun­gen, die er hier macht, ei­ne Nach­bil­dung schaf­fen des­sen, was er aus den Ster­nen er­for­schen kann. Oh, könn­ten Sie zu­rück­se­hen in die Ar­beits­kam­mern der ägyp­ti­schen Ein­ge­weih­ten! Das war ein an­de­res Ar­bei­ten als heu­te auf dem Ge­bie­te der Wis­sen­schaft. Da wa­ren die Ein­ge­weih­ten die Wis­sen­schaf­ter. Sie er­forsch­ten den Gang der Ster­ne und er­kann­ten die Re­gel­mä­ß­ig­keit in dem Stand und Lauf der Ster­ne und in der Ein­wir­kung ih­rer&lt;br /&gt;
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Stel­lun­gen auf das, was un­ten auf der Er­de sich voll­zog. Sie sag­ten sich: Wenn die­se oder je­ne Kon­s­tel­la­ti­on am Him­mel ist, so muß un­ten die­ses oder je­nes vor sich ge­hen im Staats­le­ben, und wenn ei­ne an­de­re Kon­s­tel­la­ti­on kommt, muß auch et­was an­de­res ge­sche­hen. Nach ei­nem Jahr­hun­dert wer­den ge­wis­se Kon­s­tel­la­tio­nen da sein, sag­ten sie, und dann muß ein dem Ent­sp­re­chen­des vor sich ge­hen. Und für Jahr­tau­sen­de hin­aus wur­de vor­aus­be­stimmt, was zu tun ist. So ent­stand das, was man als die Si­byl­li­ni­schen Bücher be­zeich­net. Was da­r­in­nen­steht, ist kein Wahn. Nach sorg­fäl­ti­gen Be­o­b­ach­tun­gen ha­ben die Ein­ge­weih­ten nie­der­ge­schrie­ben, was für Jahr­tau­sen­de hin­aus zu ge­sche­hen hat, und ih­re Nach­fol­ger wuß­ten: Das ist ein­zu­hal­ten. Und sie ta­ten nichts, was nicht in die­sen Büchern für die Jahr­tau­sen­de hin­aus nach dem Lauf der Ster­ne vor­ge­zeich­net war. Sa­gen wir, es ha­be sich dar­um ge­han­delt, ir­gend­ein Ge­setz zu ma­chen. Da hat man nicht ab­ge­stimmt wie bei uns, da hol­te man Rat bei den hei­li­gen Büchern, in de­nen auf­ge­schrie­ben war, was hier auf der Er­de ge­sche­hen muß, da­mit es ein Spie­gel des­sen sei, was in den Ster­nen ge­schrie­ben ist, und was in den Büchern stand, das führ­te man aus. Der ägyp­ti­sche Pries­ter wuß­te, als er die­se Bücher schrieb: Mei­ne Nach­fol­ger wer­den aus­füh­ren, was da­r­in­nen­steht. Von der Not­wen­dig­keit der Ge­setz­mä­ß­ig­keit wa­ren sie über­zeugt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die vier­te Kul­tu­re­po­che hat sich aus die­ser drit­ten her­aus­ent­wi­ckelt. Es ha­ben sich nur spär­li­che Res­te die­ser pro­phe­tisch wir­ken­den Kunst der Ägyp­ter be­wahrt. Ei­nen sol­chen Rest kön­nen Sie noch se­hen. Man hat näm­lich, wenn man die­se pro­phe­tisch wir­ken­de Kunst im al­ten Ägyp­ter­land hat üben wol­len, den nächs­ten Zei­traum in sie­ben Tei­le ein­ge­teilt und ge­sagt: Der ers­te muß dies ent­hal­ten, der zwei­te das, der drit­te je­nes und so wei­ter. Da­nach ver­folg­ten die Nach­kom­men, was zu ge­sche­hen hat. Aber das war eben das Haupt­cha­rak­te­ris­ti­kum der drit­ten Kul­tu­re­po­che. Die vier­te zeig­te nur noch schwa­che Nach­klän­ge da­von. Sie kön­nen nun die­se schwa­chen Nach­klän­ge noch er­ken­nen, wenn Ih­nen der Ur­sprung der al­ten rö­mi­schen Kul­tur er­zählt wird. Äneas, Sohn des An­chi­ses aus Tro­ja, ei­ner Stät­te der drit­ten Epo­che, wan­dert&lt;br /&gt;
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aus und kommt zu­letzt nach Al­ba Lon­ga. In die­sem Na­men ist an­ge­deu­tet ei­ne Stät­te ural­ter hei­li­ger Pries­ter­kul­tur: Al­ba Lon­ga oder die lan­ge Al­ba, die Stadt ei­ner Pries­ter­kul­tur, von der die Kul­tur Roms aus­ge­hen soll­te. Im Meßk­leid der ka­tho­li­schen Pries­ter ha­ben wir noch ei­nen Nach­klang da­von er­hal­ten. Da wur­de vor­aus­ge­zeich­net noch in al­ter Pries­ter­wei­se ei­ne sie­ben­g­lie­d­ri­ge Kul­tu­re­po­che. Oh, die­se sie­ben rö­mi­schen Kö­n­igs­zei­ten wa­ren vor­aus­ge­zeich­net! Und die Ge­schichts­sch­rei­ber des neun­zehn­ten Jahr­hun­derts ha­ben wie­der ein­mal sich ei­nen bö­sen St­reich spie­len las­sen im Hin­blick auf die­se sie­ben Kö­n­igs­zei­ten. Sie sind dar­auf ge­kom­men, daß in dem pro­fa­nen ma­te­ri­el­len Sinn es mit die­sen rö­mi­schen Kö­n­i­gen nichts ist; aber was da­hin­ter­steckt, daß hier ei­ne nach der hei­li­gen Sie­ben­zahl pro­phe­tisch vor­aus­ge­g­lie­der­te Kul­tur der Si­byl­li­ni­schen Bücher nach­ge­zeich­net ist, dar­auf konn­ten sie nicht kom­men.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier ist nicht der Ort, uns ein­zu­las­sen auf die ein­zel­nen Kö­n­i­ge. Sie wür­den an den ein­zel­nen Kö­n­i­gen se­hen kön­nen, an Ro­mu­lus, Nu­ma Pom­pi­li­us, Tul­lus Ho­s­ti­li­us und so wei­ter, wie sie ge­nau dem ent­sp­re­chen, was die au­f­ein­an­der­fol­gen­den Kul­tu­re­po­chen nach den sie­ben Prin­zi­pi­en sind, die sich uns auf so ver­schie­de­nen Ge­bie­ten zei­gen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So hat­te man all­mäh­lich in der drit­ten Epo­che die Ma­ja zu durch­drin­gen ver­mocht mit dem Men­schen­geist. Vol­l­en­det wur­de das in der vier­ten Kul­tu­re­po­che. Se­hen Sie sich die grie­chisch-latei­ni­sche Kul­tur an, wo in den wun­der­ba­ren Kunst­wer­ken der Mensch in der äu­ße­ren ma­te­ri­el­len Welt ein völ­li­ges Ab­bild sei­ner selbst schafft, wo er im Dra­ma sei­ne men­sch­li­chen Schick­sa­le ent­ste­hen läßt wie bei Ai­schy­los. Se­hen Sie sich da­ge­gen an, wie man in der ägyp­ti­schen Kul­tur noch den Göt­ter­wil­len er­forscht. Je­ne Er­obe­rung der Ma­te­rie, wie wir sie in der grie­chi­schen Zeit se­hen, be­deu­tet noch ei­ne Stu­fe mehr, auf der der Mensch das ma­te­ri­el­le Da­sein lieb­ge­winnt, und vol­l­ends ist der Mensch in der rö­mi­schen Zeit auf den phy­si­schen Plan her­aus­ge­t­re­ten. Wer das ver­steht, der weiß auch, daß wir da­rin das völ­li­ge Her­au­s­t­re­ten des Per­sön­lich­keit­s­prin­zips zu er­bli­cken ha­ben. Da­her trat in Rom zu­erst das auf, was&lt;br /&gt;
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wir den Rechts­be­griff nen­nen, wo wir den Men­schen zu­erst als Bür­ger vor uns ha­ben. Nur ei­ne ver­wor­re­ne Wis­sen­schaft kann die Ju­ri­s­pru­denz zu­rück­füh­ren auf al­ler­lei vor­her­ge­hen­de Zei­ten. Was man vor­her un­ter Recht ver­stand, war et­was an­de­res. Viel rich­ti­ger schil­dert das Al­te Te­s­ta­ment in den Zehn Ge­bo­ten das al­te Ge­setz. Was da der Gott be­fahl, das ge­hör­te zu dem, was die Rechts­be­grif­fe ent­hielt. Es ist ein Un­ding in un­se­rer Zeit, daß man die Rechts­be­grif­fe zu­rück­füh­ren will bis Ham­mu­ra­bi und so wei­ter. In Rom zu­erst wird das ei­gent­li­che Recht, wird der ei­gent­li­che Be­griff des Men­schen als Bür­ger zur Gel­tung ge­bracht. In Grie­chen­land noch war der Bür­ger Mit­g­lied des Stadt-Staa­tes. Der Athe­ner, der Sparta­ner war als Bür­ger viel mehr denn als Ein­zel­mensch. Er fühl­te sich als Glied des Stadt-Staa­tes. In Rom erst wur­de der ein­zel­ne Mensch der Bür­ger, da konn­te er es erst wer­den. Das lie­ße sich in al­len Ein­zel­hei­ten nach­wei­sen. Das, was wir heu­te ein Te­s­ta­ment nen­nen, gab es in die­ser Be­deu­tung nicht vor der al­ten Rö­mer­zeit. Das Te­s­ta­ment in sei­ner heu­ti­gen Be­deu­tung ent­stand da­mals erst, weil da erst der ein­zel­ne Mensch maß­ge­bend sein soll­te in sei­nem ego­is­ti­schen Wil­len, um die­sen Wil­len auf sei­ne Nach­kom­men über­ge­hen zu las­sen. Vor­her wa­ren an­de­re Im­pul­se als der per­sön­li­che Wil­le da, die das Gan­ze zu­sam­men­hiel­ten. So lie­ße sich an vie­len Bei­spie­len nach­wei­sen, wie der Mensch her­au­s­t­rat auf den phy­si­schen Plan.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir le­ben jetzt im fünf­ten, in je­nem Zei­traum, wo die Kul­tur noch tie­fer als bis zum Men­schen her­un­ter­ge­s­tie­gen ist. Wir le­ben in der Zeit, wo der Mensch der Skla­ve ist der äu­ße­ren Ver­hält­nis­se, des Mi­lieus. In Grie­chen­land wur­de der Geist da­zu ver­wen­det, um die Ma­te­rie zu ver­geis­ti­gen, und die ver­geis­tig­te Ma­te­rie tritt uns ent­ge­gen in ei­ner Apol­lo-Ge­stalt, ei­ner Zeus-Ge­stalt, in den Dra­men ei­nes So­pho­k­les und so wei­ter. Da ist der Mensch hin­aus­ge­s­tie­gen auf den phy­si­schen Plan, aber noch nicht hin­un­ter­ge­s­tie­gen un­ter den Men­schen. Auch in Rom noch ist das der Fall. Das tie­fe Her­un­ter­s­tei­gen un­ter die Sphä­re des Men­sch­li­chen ist jetzt erst ge­sche­hen. In un­se­rer Zeit ist der Geist der Skla­ve der Ma­te­rie ge­wor­den. Un­end­lich viel Geist ist ver­wen­det wor­den in un­se­rem&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Zei­traum, um den äu­ße­ren Plan in sei­nen Na­tur­kräf­ten zu durch­drin­gen, um die­sen äu­ße­ren phy­si­schen Plan so­zu­sa­gen zu ei­ner mög­lichst be­que­men Stät­te für den Men­schen zu ma­chen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ver­g­lei­chen wir ein­mal die al­ten Zei­ten mit un­se­rer Zeit. In die­sen al­ten Zei­ten sah der Mensch die gro­ße Ster­nen­schrift der Göt­ter, aber mit welch pri­mi­ti­ven Mit­teln wur­den die Kul­tu­r­er­run­gen­schaf­ten je­ner Zeit, die Py­ra­mi­den, die Sphin­xe her­ge­s­tellt! Wie nähr­te sich der Mensch! Und was hat er sich al­les an äu­ße­ren Kul­tur­mit­teln bis heu­te er­obert! Wel­che Kraft des Geis­tes ge­hör­te da­zu, um die Dampf­ma­schi­ne zu er­sin­nen und her­zu­s­tel­len, um die Ei­sen­bahn, den Te­le­gra­phen, das Te­le­phon und so wei­ter aus­zu­den­ken! Un­ge­heu­re Kräf­te des geis­ti­gen Le­bens muß­ten ver­wen­det wer­den, um die­se rein ma­te­ri­el­len Kul­tur­mit­tel zu er­fin­den und her­zu­s­tel­len. Und wo­zu wer­den sie ver­wen­det? Ist es für das spi­ri­tu­el­le Le­ben im we­sent­li­chen ein Un­ter­schied, ob in ei­ner Ur­kul­tur ein Mensch zwi­schen zwei Stei­nen das Ge­t­rei­de zer­rieb, wo­zu na­tür­lich sehr ge­rin­ge geis­ti­ge Kräf­te ver­braucht wur­den, oder ob wir im­stan­de sind, nach Ame­ri­ka zu te­le­gra­phie­ren, um von dort­her gro­ße Ge­t­rei­de­men­gen zu be­kom­men und sie durch wun­der­bar aus­ge­dach­te Müh­len zu Mehl zu zer­rei­ben? Ein­fach für den Ma­gen ist der gan­ze Ap­pa­rat in Be­we­gung ge­setzt. Ma­chen wir uns klar, wel­che Un­sum­men geis­ti­ger Le­bens­kräf­te hin­ein­ge­steckt wer­den in die bloß ma­te­ri­el­le Kul­tur. Von der spi­ri­tu­el­len Kul­tur wird noch sehr we­nig durch die äu­ße­ren Kul­tur­mit­tel be­för­dert. Der Te­le­graph wird in, sa­gen wir, an­thro­po­so­phi­schen An­ge­le­gen­hei­ten sehr sel­ten ver­wen­det. Wenn Sie ei­nen sta­tis­ti­schen Ver­g­leich auf­s­tel­len wür­den zwi­schen dem, was für die ma­te­ri­el­le Kul­tur ver­wen­det wird, und dem, was dem spi­ri­tu­el­len Le­ben zu­gu­te kommt, dann wür­den Sie be­g­rei­fen, daß der Geist un­ter das Men­sch­li­che hin­un­ter­ge­taucht ist, ein Skla­ve ge­wor­den ist des ma­te­ri­el­len Le­bens.&lt;br /&gt;
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So ha­ben wir im ent­schie­dens­ten Sin­ne ei­nen ab­s­tei­gen­den Kul­tur­weg bis in un­se­re Zeit, in die fünf­te Kul­tu­re­po­che hin­ein, und im­mer tie­fer und tie­fer wür­de es hin­un­ter­ge­hen. Des­halb muß vor dem völ­li­gen Hin­un­ter­g­lei­ten in die Ma­te­rie die Mensch­heit durch ei­nen neu­en Im­puls be­wahrt wer­den. So tief ist vor­her noch nie­mals&lt;br /&gt;
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das We­sen des Men­schen hin­un­ter­ge­s­tie­gen in die Ma­te­rie. Ein star­ker, der stärks­te der Er­den­im­pul­se muß­te kom­men. Das war die Er­schei­nung des Chris­tus Je­sus, die den An­stoß gab zu neu­em spi­ri­tu­el­lem Le­ben. Was wir im geis­ti­gen Le­ben wäh­rend des Ab­s­tie­ges an auf­wärts­s­tei­gen­den Kräf­ten ha­ben, das ver­dan­ken wir je­nem ge­wal­ti­gen Im­pul­se, der durch Chris­tus Je­sus kam. Inn­er­halb die­ses Ab­s­tie­ges in die Ma­te­rie wa­ren im­mer spi­ri­tu­el­le Im­pul­se vor­han­den. Da ent­fal­te­te sich, zu­erst lang­sam, dann mehr und mehr das christ­li­che Le­ben, das heu­te erst im An­fang ist, das aber in der Zu­kunft zu ei­ner un­ge­heu­ren Glo­rie em­por­s­tei­gen wird, weil die Mensch­heit erst in der Zu­kunft die Evan­ge­li­en be­g­rei­fen wird. Wenn man sie aber voll­stän­dig ver­ste­hen wird, dann wird man se­hen, wel­che Un­sum­me spi­ri­tu­el­len Le­bens in die­sen Evan­ge­li­en vor­han­den ist. Je mehr sich das Evan­ge­li­um in sei­ner wah­ren Ge­stalt aus­b­rei­ten wird, um so mehr wird die Mensch­heit wie­der­um die Mög­lich­keit ha­ben, trotz al­ler ma­te­ri­el­len Kul­tur ein spi­ri­tu­el­les Le­ben zu ent­fal­ten, hin­auf­zu­s­tei­gen wie­der­um in die geis­ti­gen Wel­ten.&lt;br /&gt;
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Was sich nun al­so von Zei­traum zu Zei­traum in der nachat­lan­ti­schen Kul­tur ent­wi­ckelt, das stellt sich der Apo­ka­lyp­ti­ker so vor, daß es sich aus­drückt in klei­ne­ren Ge­mein­schaf­ten, und so wer­den ihm die­se klei­ne­ren Ge­mein­schaf­ten, die auf der äu­ße­ren Er­de im Raum ver­teilt sind, zu Re­prä­sen­t­an­ten die­ser Kul­tu­re­po­chen. Wenn er spricht von der Ge­mein­de oder Kir­che zu Ephe­sus, so meint er: Ich neh­me an, daß zu Ephe­sus ei­ne sol­che Ge­mein­de leb­te, die in ge­wis­ser Be­zie­hung wohl das Chris­ten­tum an­ge­nom­men hat. Aber weil sich al­les nach und nach ent­wi­ckelt, so bleibt im­mer von je­der Kul­tu­re­po­che et­was zu­rück. In Ephe­sus ha­ben wir zwar ei­ne Ein­ge­weih­ten­schu­le, aber wir ha­ben die christ­li­che Leh­re da so ge­färbt, daß man noch übe­rall die alt­in­di­sche Kul­tur er­ken­nen kann. Er will uns zei­gen die ers­te Epo­che in der nachat­lan­ti­schen Zeit. Die­se ers­te Epo­che in der nachat­lan­ti­schen Zeit ist al­so re­prä­sen­tiert in der ephe­si­schen Ge­mein­de, und das, was zu ver­kün­den ist, soll in ei­nem Brie­fe an die Ge­mein­de von Ephe­sus ver­kün­det wer­den. Wir müs­sen uns das un­ge­fähr so vor­s­tel­len: Der Cha­rak­ter je­ner fer­nen&lt;br /&gt;
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in­di­schen Kul­tu­re­po­che blieb na­tür­lich, er setz­te sich fort in ver­schie­de­nen Kul­tur­strö­mun­gen. In der Ge­mein­de von Ephe­sus ha­ben wir noch et­was von die­sem Cha­rak­ter. Von die­ser Ge­mein­de wur­de das Chris­ten­tum so er­faßt, daß es noch von dem ty­pi­schen Cha­rak­ter der alt­in­di­schen Kul­tur be­stimmt wur­de.&lt;br /&gt;
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So ha­ben wir in je­dem die­ser Brie­fe ei­nen Re­prä­sen­t­an­ten ei­ner der sie­ben nachat­lan­ti­schen Kul­tu­re­po­chen an­ge­spro­chen. In je­dem Brie­fe wird ge­sagt: Ihr seid so und so! Die­se und je­ne Sei­te eu­res We­sens ent­spricht dem, was im Sin­ne des Chris­ten­tums ist, das an­de­re muß an­ders wer­den. So sagt der Apo­ka­lyp­ti­ker zu ei­ner je­den Kul­tu­re­po­che, was bei­be­hal­ten wer­den kann und was nicht mehr stimmt und an­ders wer­den soll.&lt;br /&gt;
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Ver­su­chen wir ein­mal, ob nun wir­k­lich in den sie­ben au­f­ein­an­der­fol­gen­den Brie­fen et­was ent­hal­ten ist von dem Cha­rak­ter der sie­ben au­f­ein­an­der­fol­gen­den Kul­tu­re­po­chen. Ver­su­chen wir ein­mal zu ver­ste­hen, wie die­se Brie­fe ge­hal­ten sein muß­ten, wenn sie dem ent­sp­re­chen soll­ten, was eben ge­sagt wor­den ist. Der Apo­ka­lyp­ti­ker denkt sich: In Ephe­sus ist ei­ne Ge­mein­de, ei­ne Kir­che. Sie hat das Chris­ten­tum an­ge­nom­men, aber sie zeigt das Chris­ten­tum in ei­ner Fär­bung, wie die ers­te Kul­tu­re­po­che noch war, fremd dem äu­ße­ren Le­ben, nicht von Lie­be er­füllt für das, was die ei­gent­li­che Auf­ga­be ist des nachat­lan­ti­schen Men­schen. Daß sie die An­be­tung der gro­ben Sinn­lich­keit ver­las­sen hat, daß sie sich ge­wandt hat zum geis­ti­gen Le­ben so sagt der, der die Brie­fe an die Ge­mein­de rich­tet , das ge­fal­le ihm an ihr. Wir er­ken­nen, was der Apo­ka­lyp­ti­ker da­mit sa­gen woll­te, in dem Um­stand, daß Ephe­sus die Stät­te war, wo der Mys­te­ri­en­di­enst der keu­schen Dia­na gepf­legt wur­de. Er deu­tet dar­auf hin, daß die Ab­kehr von der Ma­te­rie dort in be­son­de­rer Blü­te stand, die Ab­kehr vom sinn­li­chen Le­ben und die Hin­wen­dung zum Geis­ti­gen. «Aber ich ha­be wi­der dich, daß du die ers­te Lie­be ver­las­sen hast», die Lie­be, die die ers­te nachat­lan­ti­sche Kul­tur ha­ben muß, die da­rin sich äu­ßert, die Er­de als Acker an­zu­se­hen, in den hin­ein verpflanzt wer­den muß der gött­li­che Sa­me.&lt;br /&gt;
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Wie cha­rak­te­ri­siert sich denn der­je­ni­ge, der die­sen Brief dik­tiert?&lt;br /&gt;
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Er cha­rak­te­ri­siert sich als Vor­läu­fer des Chris­tus Je­sus, gleich­sam als Füh­rer der ers­ten Kul­tu­re­po­che. Der Chris­tus Je­sus spricht gleich­sam durch die­sen Füh­rer oder Meis­ter der ers­ten Kul­tu­re­po­che, je­ner Epo­che, wo der Ein­ge­weih­te hin­auf­sah zu den jen­sei­ti­gen Wel­ten. Er sagt von sich, daß er die sie­ben Ster­ne in sei­ner Rech­ten hält und die sie­ben gol­de­nen Leuch­ter. Die sie­ben Ster­ne sind nichts an­de­res als Sym­bo­le für die sie­ben höhe­ren geis­ti­gen We­sen­hei­ten, wel­che die Füh­rer der gro­ßen Kul­tu­re­po­chen sind. Und von den sie­ben Leuch­tern ist es im be­son­de­ren aus­ge­drückt, daß es geis­ti­ge We­sen­hei­ten sind, die man nicht in der sinn­li­chen Welt se­hen kann. So ist auch in der Jo­ga-Ein­wei­hung in kla­ren Wor­ten auf sie hin­ge­deu­tet, hin­ge­deu­tet aber auch dar­auf, daß nie­mals der Mensch im Sin­ne der Ent­wi­cke­lung wirkt, wenn er die äu­ße­ren Wer­ke haßt, wenn er von der Lie­be zu den äu­ße­ren Wer­ken abläßt. Die Ge­mein­de zu Ephe­sus hat die Lie­be zu den äu­ße­ren Wer­ken ver­las­sen. So wird ganz rich­tig in der Apo­ka­lyp­se des Jo­han­nes an­ge­ge­ben: Du has­sest die Wer­ke der Ni­ko­lai­ten. «Ni­ko­lai­ten» ist nichts an­de­res als ei­ne Be­zeich­nung für die­je­ni­gen Men­schen, die das Le­ben bloß in der sinn­li­chen Ma­te­rie zum Aus­druck brin­gen. Es gab in der Zeit, auf die sich die­ser Brief be­zieht, ei­ne Sek­te der Ni­ko­lai­ten, die al­les, was dem Men­schen wert sein soll, nur in dem äu­ße­ren, flei­sch­li­chen, sinn­li­chen Le­ben sa­hen. Das sollst du nicht, sagt der­je­ni­ge, der den ers­ten Brief in­spi­riert. Aber nicht von der ers­ten Lie­be las­sen, sagt er auch, denn da­durch, daß du die Lie­be zur äu­ße­ren Welt hast, be­lebst du die­se äu­ße­re Welt, holst du sie hin­auf zum geis­ti­gen Le­ben. Der­je­ni­ge, der Oh­ren hat zu hö­ren, der hö­re: Wer über­win­det, dem wer­de ich zu es­sen ge­ben, nicht bloß vom ver­gäng­li­chen Baum, son­dern vom Baum des Le­bens , das heißt, der wird im­stan­de wer­den, zu ver­geis­ti­gen, was hier im Sinn­li­chen ist, um es hin­auf­zu­füh­ren zum Al­tar des geis­ti­gen Le­bens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Re­prä­sen­tant der zwei­ten Kul­tu­re­po­che ist die Ge­mein­de oder Kir­che zu Smyr­na. Die­se re­det der Füh­rer der Mensch­heit an in sei­nem zwei­ten Vor­fah­ren, in dem In­spi­ra­tor und Meis­ter der uralt-per­si­schen Kul­tur. Die Ge­sin­nung der uralt-per­si­schen Kul­tur&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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ist die­se: Einst­mals ist der Gott des Lich­tes ge­we­sen, der hat­te ei­nen Feind, die äu­ße­re Ma­te­rie, den fins­te­ren Ah­ri­man. Zu­erst war ich ver­bun­den mit dem Licht­geist, mit dem ers­ten, der da war. Da wur­de ich ein­ge­g­lie­dert in die Welt der Ma­te­rie, in wel­che sich ein­füg­te die zu­rück­ge­b­lie­be­ne feind­li­che Ge­walt: Ah­ri­man. Und nun wer­de ich ge­mein­sam mit dem Licht­geist be­ar­bei­ten die Ma­te­rie und ihr den Geist ein­g­lie­dern; dann wird nach Be­sie­gung der bö­sen Gott­heit die gu­te, die Licht-Gott­heit wie­der er­schei­nen. «Ich bin der­je­ni­ge, der der Ers­te ist und der Letz­te», der­je­ni­ge, der tot wird im ma­te­ri­el­len Le­ben und wie­der­um le­ben­dig in der geis­ti­gen Au­f­er­ste­hung. So le­sen wir im zwei­ten Brief: «Ich bin der Ers­te und der Letz­te, der da ist und der da war und der da kommt, der wie­der le­ben­dig ge­wor­den ist» (Of­fen­ba­rung Jo­han­nis 2, 8). Es wür­de zu weit füh­ren, je­den Satz in die­ser Wei­se durch­zu­ge­hen, aber den ei­nen müs­sen wir doch noch ge­nau­er an­füh­ren, den Satz, der uns da ge­nau cha­rak­te­ri­siert, wie man sich als Mit­g­lied der Ge­mein­de zu Smyr­na ver­hält, wenn man sie um­ge­stal­tet ins christ­li­che Prin­zip. Da heißt es, daß man dem To­de Le­ben gibt, daß man das To­te durch­geis­tigt. Man geht nicht un­ter in dem To­ten. Gin­ge man un­ter, dann wür­de der Tod ein Er­eig­nis für den Men­schen sein, das ihn zu ei­nem geis­ti­gen Le­ben führt, in dem sich nicht die Früch­te die­ses ir­di­schen Le­bens fin­den könn­ten. Neh­men wir ei­nen Men­schen, der sein Le­ben nicht so an­ge­wen­det hat, daß er die ech­ten Früch­te her­aus­zie­hen kann. Er nimmt kei­ne Früch­te mit ins geis­ti­ge Le­ben. Aber nur von die­sen Früch­ten kann er im geis­ti­gen Da­sein le­ben. Wenn er al­so kei­ne Früch­te mit­bräch­te, so wür­de er den «zwei­ten Tod» er­le­ben. Da­durch, daß er die­ses ir­di­sche Feld be­ar­bei­tet, da­durch wird er ge­ret­tet vor dem «zwei­ten Tod»: «Wer Oh­ren hat zu hö­ren, der hö­re, was der Geist den Ge­mein­den sagt. Wer über­win­det, dem soll kein Leid ge­sche­hen von dem zwei­ten Tod» (Of­fen­ba­rung Jo­han­nis 2, 11).&lt;br /&gt;
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Nun ge­hen wir wei­ter, zur Ge­mein­de zu Per­ga­mus. Sie ist der Re­prä­sen­tant je­ner Epo­che der Mensch­heit, die mehr und mehr her­au­s­t­rat auf den phy­si­schen Plan, wo der Mensch in der Ster­nen­schrift sah, was sein Geist er­grün­den konn­te. Das ist dem Men­schen&lt;br /&gt;
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in der drit­ten Kul­tu­re­po­che ge­ge­ben. Der Mensch wirkt durch das, was in sei­nem In­nern ist. Da­durch, daß er ein In­ne­res hat, kann er das Äu­ße­re er­for­schen. Nur weil er mit ei­ner See­le be­gabt war, konn­te er die Ster­nen­bahn er­for­schen, die Geo­me­trie er­fin­den. Das nann­te man die Er­for­schung durch das Wort, das in der Apo­ka­lyp­se des Jo­han­nes aus­ge­drückt ist durch «das Schwert des Mun­des». Der­je­ni­ge, der die­sen Brief sch­rei­ben läßt, deu­tet da­her dar­auf hin, daß die Ge­walt die­ser Epo­che ein schar­fes Wort ist, ein schar­fes, zwei­schnei­di­ges Schwert. Das ist das Her­mes-Wort der al­ten Pries­ter, ist das Wort, durch das man die Na­tur­kräf­te und Ster­ne er­forsch­te im al­ten Sinn, das ist die­je­ni­ge Kul­tur, die vor­zugs­wei­se durch die in­ne­ren as­tra­lisch-see­li­schen Kräf­te des Men­schen ge­won­nen wird hier auf dem phy­si­schen Plan. Wenn sie noch in je­ner al­ten Form ge­won­nen wird, ist sie wir­k­lich ein sehr zwei­schnei­di­ges Schwert. Da steht die Weis­heit hart an der Kan­te zwi­schen dem, was wei­ße und schwar­ze Ma­gie ist, zwi­schen dem, was in die Se­lig­kei­ten führt, und dem, was ins Ver­der­ben mün­det. Des­halb sagt er, daß er wohl weiß, daß da, wo die Re­prä­sen­t­an­ten die­ser Epo­che woh­nen, auch des Sa­t­ans Stuhl ist. Das deu­tet auf al­les das hin, was hin­weg­füh­ren kann von den wir­k­li­chen gro­ßen Zie­len der Ent­wi­cke­lung. Und die «Leh­re Ba­laams» ist kei­ne an­de­re als die Leh­re der schwar­zen Zau­be­rer, denn das ist die Leh­re der Volks­ver­sch­lin­ger. Die Volks­ver­sch­lin­ger, die Volks­zer­stö­rer sind die schwar­zen Ma­gi­er, die nur im Di­ens­te ih­rer ei­ge­nen Per­sön­lich­keit ar­bei­ten und al­le Ge­mein­schaft zer­stö­ren, da­her al­les, was im Vol­ke lebt, ver­sch­lin­gen. Aber das Gu­te die­ser Kul­tur be­steht da­rin, daß der Mensch ge­ra­de da be­gin­nen kann, sei­nen As­tral­leib zu rei­ni­gen und zu ver­klä­ren. Das nennt man das «ver­bor­ge­ne Man­na». Das­je­ni­ge, was bloß für die Welt ist, um­ge­än­dert in Got­tes­spei­se, was nur für den ego­is­ti­schen Men­schen ist, um­ge­wan­delt in Gött­li­ches, das nennt man «ver­bor­ge­nes Man­na». Al­le die Sym­bo­le hier zei­gen an, daß der Mensch sei­ne See­le rei­nigt, um zum rei­nen Trä­ger von Ma­nas sich zu ma­chen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da­zu ist es al­ler­dings noch not­wen­dig, durch­zu­ge­hen durch die vier­te Kul­tu­re­po­che. Da er­scheint der Er­lö­ser, Chris­tus Je­sus, sel­ber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Es ist die Ge­mein­de zu Thya­ti­ra. Da kün­digt er sich an als der «Sohn Got­tes, der Au­gen hat wie Feu­er­flam­men und sei­ne Fü­ße gleich wie Mes­sing». Jetzt kün­digt er sich an als Sohn Got­tes, jetzt ist er der Füh­rer der vier­ten Kul­tu­re­po­che, wo der Mensch her­un­ter­ge­s­tie­gen ist auf den phy­si­schen Plan, wo er selbst in den äu­ße­ren Kul­tur­mit­teln sein Ab­bild ge­schaf­fen hat. Jetzt ist die Pe­rio­de ge­kom­men, wo die Gott­heit sel­ber Mensch, sel­ber Fleisch, sel­ber Per­son wird, das Zei­tal­ter, in dem der Mensch bis zu dem Gra­de der Per­sön­lich­keit her­un­ter­ge­s­tie­gen ist, wo in den Bild­hau­er­wer­ken der Grie­chen die in­di­vi­dua­li­sier­te Gott­heit als Per­sön­lich­keit er­scheint, wo im rö­mi­schen Bür­ger die Per­sön­lich­keit auf den Wel­ten­plan tritt. Die­ses Zei­tal­ter muß­te zu glei­cher Zeit ei­nen Im­puls da­durch er­hal­ten, daß das Gött­li­che in Men­schen­ge­stalt er­scheint. Der her­ab­ge­s­tie­ge­ne Mensch konn­te nur ge­ret­tet wer­den da­durch, daß der Gott sel­ber als Mensch er­scheint. Der «Ich-bin» oder das Ich im as­tra­li­schen Leib muß­te den Im­puls des Chris­tus Je­sus er­hal­ten. Was früh­er nur im Keim sich zeig­te, das Ich oder «Ich-bin», soll­te auf den äu­ße­ren Plan der Welt­ge­schich­te tre­ten. Der Sohn Got­tes darf da­her als Füh­rer der Zu­kunft sa­gen: «Und al­le Ge­mein­den sol­len er­ken­nen den Ich-bin, der die Her­zen und Nie­ren prü­fet» (Of­fen­ba­rung Jo­han­nis 2, 23). Auf das «Ich-bin», auf das vier­te Glied der men­sch­li­chen We­sen­heit, wird hier Ge­wicht ge­legt. «Wie ich von mei­nem Va­ter emp­fan­gen ha­be; und ich will ihm ge­ben den Mor­gens­tern» (Of­fen­ba­rung Jo­han­nis 2, 28).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was be­deu­tet hier «Mor­gens­tern»? Wir wis­sen, die Er­de geht hin­durch durch den Sa­turn, die Son­ne, den Mond, die Er­de, den Ju­pi­ter, die Ve­nus und den Vul­kan. So spricht man es ge­wöhn­lich aus und so ist es auch rich­tig. Ich ha­be aber auch schon dar­auf hin­ge­wie­sen, daß die Er­den­ent­wi­cke­lung zer­fällt in die Mars­zeit und in die Mer­kur­zeit we­gen des ge­heim­nis­vol­len Zu­sam­men­hangs, der da in der ers­ten Hälf­te des Erd­zu­stan­des zwi­schen Er­de und Mars und in der zwei­ten Hälf­te zwi­schen Er­de und Mer­kur be­steht. Da­her setzt man an Stel­le der Er­de auch Mars und Mer­kur. Man sagt, die Er­de geht durch in ih­rer Ent­wi­cke­lung durch Sa­turn, Son­ne, Mond,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Mars, Mer­kur, Ju­pi­ter, Ve­nus. So ha­ben wir al­so als das Ge­s­tirn, das als das ei­gent­lich Ton­an­ge­ben­de, als die Kraft im zwei­ten Zei­traum der Er­de sich dar­s­tellt, den Mer­kur. Der Mer­kur ist der Stern, der uns re­prä­sen­tiert die rich­tung­ge­ben­de Kraft, als Rich­tung nach auf­wärts, die der Mensch ein­schla­gen muß.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier kom­me ich an ei­ne Stel­le, wo wir so­zu­sa­gen ein klei­nes Ge­heim­nis lüf­ten müs­sen, das im Grun­de ge­nom­men nur an die­ser Stel­le ge­lüf­tet wer­den darf. Man hat näm­lich im Ok­kul­tis­mus für die­je­ni­gen, die die Geis­tes­wis­sen­schaft nur mißbrau­chen wür­den und na­ment­lich in äl­te­ren Zei­ten mißbraucht hät­ten, im­mer ge­habt das, was man nen­nen möch­te ei­ne Mas­ke. Man hat sich nicht di­rekt aus­ge­drückt, son­dern hat hin­ge­s­tellt et­was, was die wah­re Sachla­ge ver­hül­len soll­te. Nun hat sich die mit­telal­ter­li­che Eso­te­rik nicht an­ders zu hel­fen ge­wußt als durch gro­be Mit­tel. Sie hat den Mer­kur Ve­nus ge­nannt und die Ve­nus Mer­kur. In Wahr­heit müß­ten wir, wenn wir im Sin­ne der Eso­te­rik sp­re­chen wol­len, wie es der Apo­ka­lyp­ti­ker ge­tan hat, den Mer­kur als Mor­gens­tern an­sp­re­chen. Er meint mit Mor­gens­tern den Mer­kur: Ich ha­be dei­nem Ich ge­ge­ben die Rich­tung nach auf­wärts, durch den Mor­gens­tern, den Mer­kur. Sie kön­nen auch noch in ge­wis­sen, wir­k­lich die Sachla­ge tref­fen­den Büchern des Mit­telal­ters fin­den, daß die Ster­ne un­se­res Pla­ne­ten­sys­tems so auf­ge­zählt wer­den: Sa­turn, Ju­pi­ter, Mars, und auf die Er­de fol­gen nicht wie jetzt Ve­nus, Mer­kur, son­dern um­ge­kehrt Mer­kur, Ve­nus. Da­her heißt es hier: «Wie Ich von mei­nem Va­ter emp­fan­gen ha­be; und will ihm ge­ben den Mor­gens­tern.»&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt müß­ten wir kom­men in un­se­re Epo­che he­r­ein, der wir an­ge­hö­ren, und wir müß­ten uns fra­gen: Er­füllt sich denn die­se Of­fen­ba­rung des Apo­ka­lyp­ti­kers bis in un­se­re Zeit he­r­ein? Wenn sie sich er­fül­len wür­de, müß­te zu uns sp­re­chen der­je­ni­ge, der durch die vier vor­her­ge­hen­den Epo­chen ge­spro­chen hat, und wir müß­ten sei­ne Stim­me ver­ste­hen ler­nen, müß­ten uns hin­ein­fin­den kön­nen in das, was un­se­re Auf­ga­be ist für das spi­ri­tu­el­le Le­ben. Soll es ei­ne spi­ri­tu­el­le Geis­tes­strö­mung ge­ben und soll sie Welt­mys­tik ver­ste­hen, dann muß die­se Strö­mung, in­so­fern sie übe­r­ein­stim­men soll mit der Apo­ka­lyp­se des Jo­han­nes, das er­fül­len, was der Sp­re­cher,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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der gro­ße In­spi­ra­tor, for­dert von die­ser Epo­che. Was for­dert er, und wer ist er? Kön­nen wir ihn er­ken­nen? Ver­su­chen wir es.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
«Und dem En­gel der Ge­mein­de zu Sar­des sch­rei­be» wir selbst müs­sen uns hier an­ge­spro­chen füh­len : «Das sagt, der die sie­ben Geis­ter Got­tes hat und die sie­ben Ster­ne» (Of­fen­ba­rung Jo­han­nis 3, 1). Was sind sie hier, die sie­ben Geis­ter und die sie­ben Ster­ne? Im Ton des Apo­ka­lyp­ti­kers ist der Mensch, wie er uns hier er­scheint, ein äu­ße­rer Aus­druck der sie­ben men­sch­li­chen Prin­zi­pi­en, die wir auf­ge­zählt ha­ben. Das Prin­zip des phy­si­schen Lei­bes, von dem der äu­ße­re phy­si­sche Leib der Aus­druck ist, das Prin­zip des Le­bens­lei­bes, des­sen Aus­druck der Äther­leib ist, das Prin­zip des as­tra­li­schen Lei­bes, der um­ge­wan­delt Ma­nas er­gibt, Buddhi oder der um­ge­wan­del­te Äther­leib, At­ma oder der um­ge­wan­del­te phy­si­sche Leib, und mit­ten drin­nen­ste­hend das Ich-Prin­zip: das sind die sie­ben geis­ti­gen In­g­re­di­en­zi­en, in wel­che die gött­li­che We­sen­heit des Men­schen wie in Glie­der ei­nes Fächers au­s­ein­an­der­ge­legt ist. Nach dem tech­ni­schen Aus­druck des Ok­kul­tis­mus nennt man die­se sie­ben Prin­zi­pi­en die sie­ben Geis­ter des Got­tes im Men­schen. Und die sie­ben Ster­ne, das sind die Ster­ne, nach de­nen wir ver­ste­hen, was der Mensch heu­te ist und was er in der Zu­kunft wer­den soll. Wenn wir sie auf­zäh­len, die au­f­ein­an­der­fol­gen­den Ster­ne der Er­den­ver­kör­pe­rung: Sa­turn, Son­ne, Mond, Er­de, Ju­pi­ter, Ve­nus und Vul­kan, dann sind das die sie­ben Ster­ne, die uns die Ent­wi­cke­lung des Men­schen ver­ständ­lich ma­chen. Der Sa­turn hat dem Men­schen die An­la­ge zu sei­nem phy­si­schen Lei­be, die Son­ne die zu sei­nem äthe­ri­schen, der Mond je­ne zum as­tra­li­schen Leib und die Er­de hat ihm das Ich ge­ge­ben. Die drei nächst­fol­gen­den, Ju­pi­ter, Ve­nus, Vul­kan, bil­den die geis­ti­gen We­sens­g­lie­der des Men­schen aus. Ver­ste­hen wir den Ruf des Geis­tes, der die­se sie­ben Ster­ne und die sie­ben Geis­ter Got­tes, die sie­ben­g­lie­d­ri­ge Na­tur in der Hand hat, dann trei­ben wir im Sin­ne des Apo­ka­lyp­ti­kers An­thro­po­so­phie. Nichts an­de­res heißt An­thro­po­so­phie trei­ben, als zu wis­sen, daß hier hin­ge­deu­tet wird auf die fünf­te men­sch­li­che Ent­wi­cke­lung­s­e­po­che der nachat­lan­ti­schen Zeit, zu wis­sen, daß wir in un­se­rer Zeit, wo man am tiefs­ten her­un­ter­ge­s­tie­gen ist in die Ma­te­rie, in das spi­ri­tu­el­le Le­ben&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
wie­der hin­auf­sch­rei­ten sol­len im Ge­fol­ge der gro­ßen In­di­vi­dua­li­tät, wel­che die sie­ben Geis­ter Got­tes und die sie­ben Ster­ne uns zur Füh­r­er­schaft gibt, da­mit wir uns zu­recht­fin­den auf dem We­ge.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und wenn wir die­sen Weg ge­hen, brin­gen wir in den sechs­ten Zei­traum hin­ein das rich­ti­ge spi­ri­tu­el­le Le­ben der Weis­heit und der Lie­be. Dann wird das, was wir uns er­ar­bei­ten als an­thro­po­so­phi­sche Weis­heit, zum Lie­be­s­im­puls des sechs­ten Zei­trau­mes, der re­prä­sen­tiert wird durch die Ge­mein­de, die schon in ih­rem Na­men sich als Re­prä­sen­tant des sechs­ten Zei­trau­mes aus­drückt: die Ge­mein­de der Bru­der­lie­be, Phi­la­del­phia. Al­le die­se Na­men sind nicht um­sonst ge­wählt. Der Mensch wird sein Ich ent­wi­ckeln zur rich­ti­gen Höhe, so daß er selb­stän­dig wird und in Frei­heit die Lie­be je­dem an­de­ren We­sen ent­ge­gen­bringt im sechs­ten Zei­traum, der re­prä­sen­tiert ist durch die Ge­mein­de Phi­la­del­phia. Das soll als spi­ri­tu­el­les Le­ben des sechs­ten Zei­trau­mes vor­be­rei­tet wer­den. Da wer­den wir das in­di­vi­du­el­le Ich in höhe­rem Gra­de in uns ge­fun­den ha­ben, so daß kei­ne äu­ße­re Kraft mehr in uns hin­ein­spie­len kann, wenn wir es nicht wol­len; so daß wir zu­sch­lie­ßen kön­nen und nie­mand oh­ne un­se­ren Wil­len auf­sch­ließt, und wenn wir auf­sch­lie­ßen, kei­ne ent­ge­gen­ge­setz­te Macht zu­sch­ließt. Das ist der «Schlüs­sel Da­vids». Des­halb spricht der­je­ni­ge, der den Brief in­spi­riert, daß er den Schlüs­sel Da­vids hat. «Und dem En­gel der Ge­mein­de zu Phi­la­del­phia sch­rei­be: Das sagt der Hei­li­ge, der Wahr­haf­ti­ge, der da hat den Schlüs­sel Da­vids, der auf­tut und nie­mand sch­ließt zu, der zu­sch­lie­ßet und nie­mand tut auf» «Sie­he, ich ha­be vor dir ge­ge­ben ei­ne of­fe­ne Tür, und nie­mand kann sie zu­sch­lie­ßen» das Ich, das in sich selbst sich ge­fun­den hat (Of­fen­ba­rung Jo­han­nis 3, 7).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und der sie­ben­te Zei­traum wird die­je­ni­gen, die ge­fun­den ha­ben die­ses spi­ri­tu­el­le Le­ben, scha­ren um den gro­ßen Füh­rer; er wird sie ve­r­ei­ni­gen um die­sen gro­ßen Füh­rer. Sie wer­den be­reits so weit dem spi­ri­tu­el­len Le­ben an­ge­hö­ren, daß sie sich un­ter­schei­den wer­den von de­nen, die ab­ge­fal­len sind, von de­nen, die lau sind, «nicht kalt und nicht warm». Das Häuf­lein, wel­ches die Spi­ri­tua­li­tät ge­fun­den hat, wird ver­ste­hen den, der da sa­gen darf, in­dem er sich zu er­ken­nen gibt: Ich bin der­je­ni­ge, der in sich sch­ließt das wir­k­li­che&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
End­we­sen, nach dem al­les zu­steu­ert. Denn die­ses End­we­sen, das be­zeich­net man mit dem Wor­te «Amen». Da­her Ka­pi­tel 3, 14: «Und dem En­gel der Ge­mein­de zu Lao­di­zea sch­rei­be: Das sa­get der Amen» der­je­ni­ge, der in sei­ner We­sen­heit die We­sen­heit des En­des dar­s­tellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So se­hen wir, wie in der Apo­ka­lyp­se des Jo­han­nes ge­ge­ben ist der In­halt ei­ner Ein­wei­hung. Und die ers­te Stu­fe schon die­ser Ein­wei­hung, wo wir den in­ne­ren Fort­gang der sie­ben nachat­lan­ti­schen Zei­ten se­hen, wo wir noch den Geist des phy­si­schen Pla­nes se­hen, zeigt uns, daß wir es zu tun ha­ben mit ei­ner Ein­wei­hung des Wil­lens. Denn bis in un­se­re Zeit he­r­ein kann die­ser In­halt be­feu­ernd wir­ken auf un­se­ren Wil­len, wenn wir er­ken­nen, daß wir hin­hor­chen sol­len auf die In­spi­ra­to­ren, die uns leh­ren, wenn wir ver­ste­hen ler­nen, was die sie­ben Ster­ne und die sie­ben Geis­ter Got­tes be­deu­ten, wenn wir ver­ste­hen ler­nen, daß wir die spi­ri­tu­el­le Er­kennt­nis in die Zu­kunft hin­ein­tra­gen sol­len.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
= VIERTER VORTRAG, Nürnberg, 21. Juni 1908 =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es hat sich uns ges­tern er­ge­ben, in­wie­fern die Apo­ka­lyp­se des Jo­han­nes pro­phe­tisch hin­weist auf den Zy­k­lus der Men­schen­ent­wi­cke­lung, der da liegt zwi­schen je­ner gro­ßen Um­wäl­zung auf un­se­rer Er­de, wel­che die ver­schie­de­nen Völ­ker als Sint­flut be­zeich­nen, wel­che die Geo­lo­gen cha­rak­te­ri­sie­ren als die Eis­zeit, und je­ner Epo­che, die wir als die des Krie­ges al­ler ge­gen al­le be­zeich­nen. In dem Zei­traum zwi­schen die­sen bei­den Epo­chen liegt al­les das, wor­auf das apo­ka­lyp­ti­sche Buch mit den sie­ben Send­sch­rei­ben pro­phe­tisch hin­weist, die­ses Buch, das uns die We­sen­hei­ten der ver­gan­ge­nen Zei­ten zeigt, um dar­aus her­zu­lei­ten, was un­se­ren Wil­len, un­se­re Im­pul­se be­feu­ern soll für die Zu­kunft. Und wir ha­ben ge­se­hen, wie wir selbst inn­er­halb der spi­ri­tu­el­len Be­we­gung, in der wir ste­hen, die Wor­te des so­ge­nann­ten fünf­ten Send­sch­rei­bens als ei­ne Auf­for­de­rung be­trach­ten sol­len, zu han­deln, zu wir­ken. Wir ha­ben ge­se­hen, wie dar­auf hin­ge­wie­sen wird, daß wir fol­gen sol­len je­ner We­sen­heit mit den sie­ben Geis­tern Got­tes und den sie­ben Ster­nen. Und wir ha­ben ge­se­hen, wie durch die­se spi­ri­tu­el­le geis­ti­ge Be­we­gung der nächst­fol­gen­de Zei­traum vor­be­rei­tet wird, der re­prä­sen­tiert ist durch die Ge­mein­de von Phi­la­del­phia, der Zei­traum, in dem herr­schen soll bei al­len de­nen, wel­che das Wort der Auf­for­de­rung ver­stan­den ha­ben, je­ne Bru­der­lie­be über die gan­ze Er­de hin, die vor­ge­zeich­net ist im Evan­ge­li­um des Jo­han­nes. Dar­auf wird noch ein an­de­rer, der sie­ben­te Un­ter­zei­traum fol­gen, der da­durch be­zeich­net wird, daß uns auf der ei­nen Sei­te hin­ge­s­tellt wird al­les das, was sch­limm ist in der Ge­mein­de, die den sie­ben­ten Zei­traum re­prä­sen­tiert, was lau ist, nicht heiß und nicht kalt, was sich nicht er­wär­m­en konn­te für das spi­ri­tu­el­le Le­ben und da­her ab­fal­len muß, und auf der an­de­ren Sei­te wer­den die­je­ni­gen ge­zeigt, die das Wort der Auf­for­de­rung ver­stan­den ha­ben, die die Ge­folg­schaft bil­den wer­den des­sen, der da sagt, Ich bin das Amen das&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
heißt: Ich bin der, der das Ziel der men­sch­li­chen We­sen­heit in sich ve­r­ei­nigt, der das Chris­tus-Prin­zip in sich sel­ber ent­hält.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir wol­len nun al­les das, was noch zur wei­te­ren Er­klär­ung der ein­zel­nen Send­sch­rei­ben, was noch zur Recht­fer­ti­gung der ein­zel­nen Na­men der Städ­te hin­zu­zu­fü­gen wä­re, für ei­nen spä­te­ren Zeit­punkt auf­be­wah­ren. Heu­te wol­len wir wei­ter­sch­rei­ten in un­se­rer Be­trach­tungs­wei­se zu dem, was sich dem Men­schen bie­tet, wenn er die nächs­te Stu­fe der Ein­wei­hung be­sch­rei­tet. Die sie­ben Un­ter­zei­träu­me un­se­res Mensch­heits­zy­k­lus tra­ten uns ent­ge­gen, und wir ha­ben ge­sagt, daß die­ser gan­ze Zy­k­lus mit sei­nen sie­ben Un­ter­k­reis­läu­fen selbst wie­der­um ein klei­ner Zy­k­lus ist in ei­nem gro­ßen um­fas­sen­den Zei­ten­lauf, der gleich­falls sie­ben ein­zel­ne Epo­chen ent­hält. Un­se­rem Zy­k­lus von sie­ben Zeit­läu­fen ging der at­lan­ti­sche voran, in dem sich die Ras­sen, de­ren Nach­klän­ge jetzt noch vor­han­den sind, aus­ge­bil­det ha­ben. Un­se­rem jet­zi­gen Zy­k­lus, das heißt des­sen sie­ben­tem Un­ter­zy­k­lus, wird un­mit­tel­bar fol­gen ein an­de­rer, wie­der­um aus sie­ben Glie­dern be­ste­hen­der Zei­traum. Die­sen Zei­traum, den be­rei­tet der jet­zi­ge auch mit­tel­bar vor. So daß wir sa­gen kön­nen: Nach und nach wird sich un­se­re Kul­tur hin­ein­le­ben in ei­ne Kul­tur der Bru­der­lie­be, wo ein ver­hält­nis­mä­ß­ig klei­ner Teil der Men­schen ver­stan­den ha­ben wird das spi­ri­tu­el­le Le­ben, vor­be­rei­tet ha­ben wird den Geist und die Ge­sin­nung der Bru­der­lie­be. Die­se Kul­tur wird dann wie­der­um ei­nen klei­ne­ren Teil von Men­schen aus­son­dern, und der wird hin­über­le­ben über je­nes Er­eig­nis, das so zer­stö­rend auf un­se­ren Kreis­lauf wir­ken wird, über den Krieg al­ler ge­gen al­le. Bei die­sem all­ge­mein zer­stö­ren­den Ele­men­te wer­den übe­rall ein­zel­ne sein, die sich her­aus­he­ben aus der üb­ri­gen, sich ge­gen­sei­tig be­krie­gen­den Mensch­heit, ein­zel­ne, die das spi­ri­tu­el­le Le­ben ver­stan­den ha­ben und die den Grund­stock bil­den wer­den für ei­ne neue, an­de­re Epo­che, die Epo­che des sechs­ten Zei­trau­mes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So ging es auch beim Her­über­le­ben vom vier­ten Zeit­lauf in un­se­re Zeit he­r­ein. Der­je­ni­ge, der mit hell­se­he­ri­schen Bli­cken den Zei­ten­lauf zu­rück­ver­fol­gen kann, der kommt, wenn er hin­durch­ge­gan­gen ist durch die Zei­träu­me, die wir be­trach­tet ha­ben den&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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grie­chisch-rö­mi­schen, den ägyp­tisch-ba­by­lo­ni­schen, den alt­per­si­schen und den alt­in­di­schen , wenn er hin­durch­ge­gan­gen ist auch durch die Zeit der gro­ßen Flut, er kommt dann in die at­lan­ti­sche Zeit hin­ein. Wir brau­chen sie nicht aus­führ­lich zu be­trach­ten, aber wir müs­sen uns we­nigs­tens klar­ma­chen, wie sich die­se at­lan­ti­sche Kul­tur her­über­ent­wi­ckelt hat. Auch da war es so, daß der gro­ße Teil der at­lan­ti­schen Be­völ­ke­rung un­reif war, sich wei­ter­zu­ent­wi­ckeln, un­fähig war, her­über­zu­kom­men in un­se­re Zei­ten. Ein klei­ner Teil, der in ei­nem Ge­bie­te in der Nähe des heu­ti­gen Ir­land leb­te, ent­wi­ckel­te sich zur höchs­ten Kul­tur­blü­te des at­lan­ti­schen Lan­des und zog ge­gen Os­ten. Wir müs­sen uns klar sein, daß dies nur der Haupt­zug ist. Im­mer wan­der­ten Völ­ker von Wes­ten nach Os­ten, und al­le die spä­te­ren Völ­ker in eu­ro­päi­schen Ge­gen­den, im nörd­li­chen und im mitt­le­ren Eu­ro­pa, al­le die­se rühr­ten her von je­nem Zug, der da ging von Wes­ten nach Os­ten. Nur war un­ter der Lei­tung ei­nes gro­ßen Füh­rers der Mensch­heit der­je­ni­ge Teil der Be­völ­ke­rung, der es zur höchs­ten Blü­te ge­bracht hat­te, am wei­tes­ten vor­ge­schrit­ten. Der sie­del­te sich in Mit­te­la­si­en an als ein ganz klei­ner Volks­stamm von au­s­er­wähl­ten Men­schen, und von da aus ging die Ko­lo­nie nach je­nen Kul­tur­ge­bie­ten, die wir an­ge­führt ha­ben, von da aus ging die Kul­tur­strö­mung nach Alt-In­di­en, nach Per­si­en, Ägyp­ten, Grie­chen­land und so wei­ter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie kön­nen nun leicht fra­gen: Ist das nicht ein un­ge­heu­er har­ter Ge­dan­ke, daß gan­ze Völ­ker­mas­sen un­reif wer­den und nicht die Fähig­kei­ten ent­wi­ckeln, sich zu ent­fal­ten, daß nur ei­ne klei­ne Grup­pe fähig wird, den Keim zur nächs­ten Kul­tur ab­zu­ge­ben? Aber die­ser Ge­dan­ke wird für Sie nicht mehr et­was Be­ängs­ti­gen­des ha­ben, wenn Sie un­ter­schei­den zwi­schen Ras­sen­ent­wi­cke­lung und See­len­ent­wi­cke­lung. Denn kei­ne See­le ist da­zu ver­dammt, inn­er­halb ir­gend­ei­ner Ras­se zu blei­ben. Die Ras­se kann zu­rück­b­lei­ben, ei­ne Völ­ker­ge­mein­schaft kann zu­rück­b­lei­ben, die See­len aber sch­rei­ten über die ein­zel­nen Ras­sen hin­aus. Wenn wir uns die Sa­che ganz ge­nau vor­s­tel­len wol­len, so müs­sen wir uns sa­gen: Al­le See­len, wel­che heu­te in den Kör­pern der zi­vi­li­sier­ten Län­der woh­nen, wa­ren einst in at­lan­ti­schen Kör­pern ver­kör­pert. Dort ent­wi­ckel­ten&lt;br /&gt;
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sich ei­ni­ge in ent­sp­re­chen­der Wei­se wei­ter. Sie blie­ben nicht bei den at­lan­ti­schen Kör­pern. Weil sie sich wei­ter­ent­wi­ckelt hat­ten, konn­ten sie die See­len der auch wei­ter fort­ge­schrit­te­nen Lei­ber wer­den. Nur die­je­ni­gen See­len, die als See­len zu­rück­ge­b­lie­ben wa­ren, muß­ten Kör­per be­zie­hen, die als Lei­ber auf ei­ner nie­d­ri­gen Stu­fe zu­rück­ge­b­lie­ben wa­ren. Wür­den al­le See­len ent­sp­re­chend vor­wärts­ge­schrit­ten sein, so wür­de die zu­rück­ge­b­lie­be­ne Ras­se ent­we­der in sehr ge­rin­ger Zahl vor­han­den ge­b­lie­ben sein, oder es wür­den von neu hin­zu­kom­men­den nie­d­ri­gen See­len ih­re Lei­ber noch be­wohnt wor­den sein. Denn es gibt im­mer See­len, die zu­rück­ge­b­lie­be­ne Lei­ber be­woh­nen kön­nen. Kei­ne See­le ist an ei­nen zu­rück­ge­b­lie­be­nen Leib ge­bun­den, wenn sie sich nicht sel­ber bin­det.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie sich See­len- und Ras­sen­ent­wi­cke­lung ver­hält, das ist uns auf­be­wahrt in ei­nem wun­der­ba­ren My­thus. Den­ken wir uns Ras­se auf Ras­se fol­gen, Kul­tur­ge­mein­schaft auf Kul­tur­ge­mein­schaft. Die See­le, die ih­re Er­den­mis­si­on in der rich­ti­gen Wei­se durch­läuft, ist ver­kör­pert in ei­ner Ras­se. Sie st­rebt inn­er­halb die­ser Ras­se, die Fähig­keit die­ser Ras­se eig­net sie sich an, um das nächs­te­mal in ei­ner höhe­ren Ras­se ver­kör­pert zu sein. Nur die­je­ni­gen See­len, wel­che un­ter­ge­hen in der Ras­se, die nicht her­aus­st­re­ben aus der phy­si­schen Ma­te­ria­li­tät, die wer­den so­zu­sa­gen durch ih­re ei­ge­ne Schwe­re in der Ras­se zu­rück­ge­hal­ten. Sie er­schei­nen ein zwei­tes Mal in der­sel­ben Ras­se, ein drit­tes Mal even­tu­ell im Lei­be gleich­ge­stal­te­ter Ras­sen. Sol­che See­len wir­ken auf­hal­tend auf die kör­per­li­che Ras­se. In ei­ner Sa­ge hat sich uns das sc­hön er­hal­ten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir wis­sen ja, daß der Mensch da­durch wei­ter­sch­rei­tet in der Bahn der Er­den­mis­si­on, daß er den gro­ßen Füh­r­ern der Mensch­heit folgt, die ihr die Zie­le an­wei­sen. Stößt er sie von sich, folgt er ih­nen nicht, dann eben muß er bei sei­ner Ras­se zu­rück­b­lei­ben, dann kann er nicht hin­aus über sie. Den­ken wir uns ein­mal ei­ne Per­sön­lich­keit, die das Glück hat, ei­nem gro­ßen Füh­rer der Mensch­heit ge­gen­über­zu­ste­hen, den­ken wir uns ei­ne sol­che Per­sön­lich­keit zum Bei­spiel, die dem Chris­tus Je­sus sel­ber ge­gen­über­steht, die sieht, wie er al­le Zei­chen tut, um die Mensch­heit vor­wärts­zu­füh­ren, die aber nichts wis­sen will von die­sem Auf­s­tieg, die hin­weg­stößt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
den Mensch­heits­füh­rer. Ei­ne sol­che Per­sön­lich­keit, ei­ne sol­che See­le wür­de ver­ur­teilt sein, in der Ras­se zu blei­ben. Und wenn wir uns das ra­di­kal aus­ge­stal­tet den­ken, so müß­te ei­ne sol­che See­le im­mer wie­der und wie­der in der­sel­ben Ras­se er­schei­nen, und wir ha­ben die Sa­ge von Ahas­ver, der im­mer wie­der in der­sel­ben Ras­se er­schei­nen muß, weil er den Chris­tus Je­sus von sich stieß.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In sol­chen eher­nen Sa­gen­ta­feln wer­den uns die gro­ßen Wahr­hei­ten der Mensch­heits­ent­wi­cke­lung hin­ge­s­tellt. See­len­ent­wi­cke­lung und Ras­sen­ent­wi­cke­lung müs­sen wir tren­nen. Kei­ne See­le hat un­ver­di­ent in al­ten Kör­pern blei­ben müs­sen, kei­ne See­le wird un­ver­di­ent blei­ben in den Lei­bern un­se­res Zei­tal­ters. Die See­len, die hö­ren wer­den die Stim­me, die da ruft, um vor­wärts­zu­sch­rei­ten, sie wer­den über die gro­ße Zer­stör­ungs­pe­rio­de des Krie­ges al­ler ge­gen al­le hin­über­le­ben und in neu­en Lei­bern er­schei­nen, in Lei­bern ganz an­de­rer Art als die heu­ti­gen. Denn es ist sehr kurz­sich­tig, wenn man sich zum Bei­spiel die at­lan­ti­schen Lei­ber der Men­schen so denkt wie die heu­ti­gen Lei­ber. Im Lau­fe von Jahr­tau­sen­den än­dern sich die Men­schen auch der äu­ße­ren Phy­siog­no­mie nach, und der Mensch, der nach dem gro­ßen Krie­ge al­ler ge­gen al­le kom­men wird, wird ganz an­ders ge­stal­tet sein als der heu­ti­ge. Heu­te ist der Mensch so ge­stal­tet, daß er in ei­ner ge­wis­sen Be­zie­hung in sich ver­ber­gen kann sein Gu­tes und sein Bö­ses. Zwar ver­rät die Phy­siog­no­mie des Men­schen schon viel, und der­je­ni­ge, der sich dar­auf ver­steht, wird man­ches aus den Ge­sichts­zü­gen le­sen kön­nen. Aber es ist heu­te doch mög­lich, daß der Schur­ke hold­se­lig lächelt mit der un­schul­digs­ten Mie­ne und für ei­nen Eh­ren­mann ge­hal­ten wird. Und auch das Um­ge­kehr­te ist mög­lich, daß un­er­kannt bleibt, was in der See­le lebt an gu­ten Trie­ben. Es ist mög­lich, daß al­les das, was in der See­le an Ge­scheit­heit und Dumm­heit lebt, an Sc­hön­heit und Häß­lich­keit, daß es sich ver­birgt hin­ter der all­ge­mei­nen Phy­siog­no­mie, die die­ser oder je­ner Men­schen­schlag hat. Sol­ches wird in je­nem Zei­traum, der dem uns­ri­gen fol­gen wird nach dem gro­ßen Krieg al­ler ge­gen al­le, nicht mehr der Fall sein. Auf der Stir­ne und in der gan­zen Phy­siog­no­mie wird dem Men­schen ge­schrie­ben sein, ob er gut ist oder bö­se. Das In­ners­te der See­le wird der Mensch als&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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Phy­siog­no­mie in sei­nem Ant­litz tra­gen, ja, der gan­ze Leib wird ein Ab­bild sein des­sen, was in sei­ner See­le lebt. Wie sich der Mensch in sich selbst ent­wi­ckelt hat, ob er die gu­ten oder bö­sen Trie­be ent­fal­tet hat, das wird an sei­ner Stir­ne ge­schrie­ben sein. Und zwei­er­lei Men­schen wer­den nach dem gro­ßen Krieg al­ler ge­gen al­le vor­han­den sein. Die­je­ni­gen, die sich vor­her be­müht hat­ten, dem Ruf zu fol­gen, der zum spi­ri­tu­el­len Le­ben aufrief, die der Spi­ri­tua­li­sie­rung, der Ve­r­ed­lung des see­lisch-geis­ti­gen Le­bens folg­ten, sie wer­den die­ses see­lisch-geis­ti­ge Le­ben auf ih­ren Ant­lit­zen tra­gen und in ih­ren Ges­ten, in ih­ren Hand­be­we­gun­gen zum Aus­dru­cke brin­gen. Und je­ne, die sich ab­ge­kehrt ha­ben von dem spi­ri­tu­el­len Le­ben, wie sie uns re­prä­sen­tiert sind durch die Ge­mein­de zu Lao­di­zea, die da lau wa­ren, nicht warm und nicht kalt, die wer­den hin­über­le­ben in das an­de­re nächs­te Zei­tal­ter als sol­che, die die Mensch­heit­se­vo­lu­ti­on ver­zö­gern, die die rück­stän­di­gen Kräf­te der Ent­wi­cke­lung be­wah­ren. Sie wer­den die bö­sen, die dem Geis­ti­gen feind­li­chen Lei­den­schaf­ten und Trie­be und In­s­tink­te auf dem häß­li­chen, un­in­tel­li­gen­ten, auf dem bö­se­bli­cken­den Ant­litz tra­gen. Sie wer­den in ih­ren Ges­ten und der Hand­ha­bung von al­lem, was sie tun, ein äu­ße­res Ab­bild bil­den des­sen, was an Häß­li­chem in ih­rer See­le lebt. Wie sich die Men­schen au­s­ein­an­der­ge­t­rennt ha­ben in Ras­sen, in Kul­tur­ge­mein­schaf­ten, so wer­den sie sich in zwei gro­ße Strö­mun­gen schei­den, in die gu­te und in die bö­se. Und man wird es ih­nen an­se­hen nicht mehr wer­den sie es ver­leug­nen kön­nen, die ein­zel­nen Men­schen , wo­zu sie ih­re See­le ge­bracht ha­ben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir zu­rück­schau­en, wie sich die Mensch­heit bis­her ent­wi­ckelt hat im Gang un­se­rer Er­de, so wer­den wir die­se eben cha­rak­te­ri­sier­te Zu­kunfts­ent­wi­cke­lung durch­aus da­mit im Ein­klan­ge fin­den. Schau­en wir zu­rück auf den Ur­sprung un­se­rer Er­den­ent­wi­cke­lung, nach­dem Sa­turn, Son­ne, Mond und ein län­ge­rer Zwi­schen­raum vor­über wa­ren. Da tauch­te die Er­de neu her­aus aus dem Wel­ten­dun­kel. Da­mals, in der ers­ten Zeit der Er­den­ent­wi­cke­lung, wa­ren noch kei­ne an­de­ren Ge­sc­höp­fe auf der Er­de als der Mensch. Er ist der Erst­ge­bo­re­ne. Er war ganz geis­tig. Denn die Ver­leib­li­chung be­steht in ei­ner Ver­dich­tung. Den­ken wir uns ein­mal ei­ne&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Was­ser­mas­se, die frei schwe­ben könn­te. Durch ir­gend­ei­nen Vor­gang in die­ser Was­ser­mas­se wer­den Tei­le kri­s­tal­li­siert. Wir den­ken uns zu­erst ei­nen klei­nen Teil des Was­sers kri­s­tal­li­siert zu Eis, und dann, daß der­sel­be Vor­gang sich im­mer wie­der­holt. Und nun den­ken wir uns, daß ein Teil der Was­ser­mas­sen die klei­nen Eis­stück­chen, die her­aus­kri­s­tal­li­siert sind, hat fal­len las­sen, so daß die­se klei­nen Eis­stück­chen nun ab­ge­t­rennt sind von der gan­zen Was­ser­mas­se. Weil nun je­des klei­ne Eis­stück­chen sich nur so lan­ge ver­grö­ß­ern kann, als es inn­er­halb der gan­zen Was­ser­mas­se ist, so bleibt es, wenn es her­aus­ge­fal­len ist aus die­ser Mas­se, auf der Stu­fe, auf der es steht. Den­ken wir uns ei­nen Teil der Was­ser­mas­sen als klei­ne Eis­stück­chen aus­ge­son­dert, den­ken wir uns wei­ter fort­sch­rei­tend das Ge­frie­ren der Was­ser­mas­sen und auf ei­ner nächs­ten Stu­fe wie­der­um sich an­sch­lie­ßend an die klei­nen Eis­klümp­chen neue Was­ser­mas­sen, die­se dann wie­der­um her­aus­fal­lend, und so fort, bis zum Schluß ein ganz gro­ßer Teil aus der Was­ser­mas­se sich her­aus­kri­s­tal­li­siert und Eis­ge­stalt an­nimmt. Die­ser letz­te­re hat am meis­ten her­aus­ge­nom­men aus der Was­ser-Mut­ter­sub­stanz, er hat am längs­ten war­ten kön­nen, be­vor er sich ge­t­rennt hat von die­ser Was­ser-Mut­ter­sub­stanz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So ist es mit der Ent­wi­cke­lung. Die nie­ders­ten tie­ri­schen We­sen ha­ben nicht war­ten kön­nen, ha­ben zu früh ver­las­sen ih­re geis­ti­ge Mut­ter­sub­stanz und sind da­her auf ei­ner frühe­ren Evo­lu­ti­ons­stu­fe ste­hen­ge­b­lie­ben. Und so be­deu­ten die stu­fen­wei­se her­auf­s­tei­gen­den nie­de­ren We­sen in der Ent­wi­cke­lung ste­hen­ge­b­lie­be­ne Stu­fen. Der Mensch hat bis zu­letzt ge­war­tet, zu­letzt erst hat er sei­ne geis­tig-gött­li­che Mut­ter­sub­stanz ver­las­sen und ist her­ab­ge­s­tie­gen als dich­te Mas­se in flei­sch­li­che Ge­stalt. Die Tie­re sind früh­er her­ab­ge­s­tie­gen und da­her ste­hen­ge­b­lie­ben. Wes­halb das ge­sche­hen ist, wer­den wir spä­ter se­hen, jetzt in­ter­es­siert uns die Tat­sa­che, daß sie her­un­ter­ge­s­tie­gen sind und frühe­re Stu­fen der Ent­wi­cke­lung fest­ge­hal­ten ha­ben. Was ist al­so ei­ne Tier­ge­stalt? Ei­ne Ge­stalt, die, wenn sie mit dem Geist, aus dem sie her­vor­ge­gan­gen ist, ver­bun­den ge­b­lie­ben wä­re, sich bis zur heu­ti­gen Mensch­heit her­au­f­ent­wi­ckelt hät­te. So aber sind sie ste­hen­ge­b­lie­ben, so ha­ben sie den geis­ti­gen Keim ver-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
las­sen, sie ha­ben sich ab­ge­spal­ten und ste­hen heu­te im Nie­der­gang, stel­len dar ei­nen Zweig des gro­ßen Mensch­heits­bau­mes. Der Mensch hat gleich­sam die Tier­heit in sich ge­habt in al­ten Zei­ten, hat sie aber als Sei­ten­zwei­ge her­aus­ge­spal­ten. Al­le Tie­re in ih­ren ver­schie­de­nen For­men stel­len nichts an­de­res dar als zu früh ver­dich­te­te ein­zel­ne men­sch­li­che Lei­den­schaf­ten. Was der Mensch heu­te noch geis­tig hat in sei­nem As­tral­leib, das stel­len die Tier­ge­stal­ten ein­zeln phy­sisch dar. Er hat das im As­tral­leib be­wahrt bis zum spä­tes­ten Zei­traum im Er­den­da­sein. Da­her konn­te er am höchs­ten hin­auf­sch­rei­ten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch jetzt hat der Mensch et­was in sich, was als ein ab­wärtsge­hen­der Zweig, wie die an­de­ren Tier­ge­stal­ten, her­aus muß aus der all­ge­mei­nen Ent­wi­cke­lung. Was der Mensch in sich hat als An­la­gen zum Gu­ten und Bö­sen, zum Ge­schei­ten und Dum­men, zum Sc­hö­nen und Häß­li­chen, das stellt die Mög­lich­keit ei­nes Auf­wärts­gan­ges und ei­nes Zu­rück­b­lei­bens dar. Wie die Tier­ge­stalt sich her­aus­ent­wi­ckelt hat, wird sich die Ras­se der Bö­sen mit den häß­li­chen An­ge­sich­tern her­aus­ent­wi­ckeln aus der fort­sch­rei­ten­den Mensch­heit, die der Spi­ri­tua­li­sie­rung ent­ge­gen­geht und das spä­te­re Mensch­heits­ziel er­reicht. So wird ei­ne Zu­kunft nicht nur die Tier­ge­stal­ten se­hen, die ver­kör­per­te Ab­bil­der der men­sch­li­chen Lei­den­schaf­ten sind, son­dern es wird in ei­ner Ras­se le­ben, was der Mensch jetzt in sei­nem In­nern als Teil des Bö­sen birgt, was er heu­te noch ver­ber­gen kann, was aber spä­ter er­schei­nen wird. Was de­r­einst haupt­säch­lich er­schei­nen wird, das wird uns durch ei­ne Be­trach­tung klar wer­den, die Ih­nen vi­el­leicht selt­sam dün­ken wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es muß uns klar sein, daß die­se Ab­son­de­rung der Tier­ge­stal­ten tat­säch­lich für den Men­schen not­wen­dig war. Je­de Tier­ge­stalt, die sich in der ver­f­los­se­nen Zeit vom all­ge­mei­nen Strom ab­ge­son­dert hat, be­deu­tet, daß der Mensch um ein Stück wei­ter­ge­schrit­ten ist. Den­ken Sie sich, daß al­le Ei­gen­schaf­ten, die in der Tier­heit zer­st­reut sind, im Men­schen wa­ren. Er hat sich da­von ge­r­ei­nigt. Da­durch konn­te er sich höher­ent­wi­ckeln. Wenn wir ei­ne tr­ü­be Flüs­sig­keit vor uns ha­ben und das Gro­be der­sel­ben sich als Bo­den­satz set­zen las­sen, so bleibt das Fei­ne­re oben üb­rig. Eben­so hat sich in&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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den Tier­ge­stal­ten das Gröbe­re, das der Mensch nicht zu sei­nem heu­ti­gen Ent­wi­cke­lungs­zu­stand hät­te brau­chen kön­nen, wie Bo­den­satz ab­ge­setzt. Da­durch, daß der Mensch die­se Tier­ge­stal­ten als sei­ne äl­te­ren Brü­der aus sei­ner Ent­wi­cke­lungs­rei­he hin­aus­ge­wor­fen hat, ist er zu sei­ner jet­zi­gen Höhe ge­kom­men. So steigt die Mensch­heit, in­dem sie die nie­de­ren Ge­stal­ten aus sich her­aus­son­dert, um sich zu rei­ni­gen. Und wei­ter wird die Mensch­heit stei­gen, in­dem sie wie­der­um ein Na­tur­reich, das Reich der bö­sen Ras­se, aus­son­dern wird. So steigt die Mensch­heit auf­wärts. Und je­de Ei­gen­schaft, die der Mensch heu­te hat, ver­dankt er dem Um­stan­de, daß er ei­ne be­stimm­te Tier­ge­stalt her­aus­ge­setzt hat. Wer mit dem Bli­cke des Hell­se­hers die ver­schie­de­nen Tie­re an­sieht, der weiß ge­nau, was wir dem ein­zel­nen Tie­re ver­dan­ken. Da se­hen wir auf die Löw­en­ge­stalt und sa­gen uns: Wä­re der Löwe nicht, dann hät­te der Mensch die­se oder je­ne Ei­gen­schaft nicht, denn da­durch, daß er ihn her­aus­ge­setzt hat, hat er sich die­se oder je­ne Ei­gen­schaft an­ge­eig­net. Und so ist es bei al­len üb­ri­gen Ge­stal­ten der Tier­welt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun sind un­se­re gan­zen fünf Mensch­heits­ent­wi­cke­lung­s­e­po­chen, die ver­schie­de­nen Kul­ture­tap­pen von der alt­in­di­schen bis her­auf zu der uns­ri­gen, ei­gent­lich da­zu da, um die In­tel­li­genz, den Ver­stand und al­les, was mit zu die­sen zwei Fähig­kei­ten und Kräf­ten ge­hört, zu ent­wi­ckeln. Das al­les war in der at­lan­ti­schen Zeit nicht da. Ge­dächt­nis war vor­han­den und auch an­de­re Ei­gen­schaf­ten, aber die In­tel­li­genz zu ent­wi­ckeln mit dem, was da­zu ge­hört, mit dem Zu­ge­wandt­sein des Bli­ckes auf die äu­ße­re Welt, das ist die Auf­ga­be des fünf­ten Zei­trau­mes. Der­je­ni­ge, der den Hell­se­her­blick auf die Um­welt rich­tet, fragt: Wel­cher Tat­sa­che ver­dan­ken wir, daß wir Men­schen in­tel­li­gent ge­wor­den sind? Wel­che Tier­ge­stalt ha­ben wir her­aus­ge­setzt, um in­tel­li­gent zu wer­den? So son­der­bar, so gro­tesk es er­schei­nen mag, so wahr ist es: Wä­ren um uns nicht die Tie­re, die re­prä­sen­tiert sind durch die Pfer­de­na­tur, der Mensch hät­te sich nie­mals die In­tel­li­genz an­eig­nen kön­nen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das fühl­te noch der Mensch in frühe­rer Zeit. Al­le die inti­men Ver­hält­nis­se, die sich zwi­schen ge­wis­sen Men­schen­ras­sen und dem Pfer­de ab­spie­len, rüh­ren her von ei­nem Ge­fühl, das sich ver­g­lei-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
chen läßt mit dem ge­heim­nis­vol­len Ge­fühl der Lie­be zwi­schen den bei­den Ge­sch­lech­tern, von ei­nem ge­wis­sen Ge­fühl da­für, was der Mensch die­sem Tie­re ver­dankt. Des­halb, als her­auf­kam die neue Kul­tur in der alt­in­di­schen Zeit, war es ein Pferd, das ei­ne ge­heim­nis­vol­le Rol­le im Kul­tus, im Göt­ter­di­ens­te bil­de­te, und al­les, was sich an Ge­bräu­chen an das Pferd an­knüpft, führt auf die­se Tat­sa­che zu­rück. Wenn Sie bei Völ­kern, die noch na­he dem al­ten Hell­se­hen wa­ren, bei den al­ten Ger­ma­nen zum Bei­spiel, Um­schau hal­ten und se­hen, wie sie Pfer­de­schä­d­el vor ih­ren Häu­s­ern an­ge­bracht ha­ben, so führt Sie das zu­rück auf die­ses Be­wußt­sein: der Mensch ist hin­aus­ge­wach­sen über den un­in­tel­li­gen­ten Zu­stand da­durch, daß er die­se Form ab­ge­son­dert hat. Es ist ein tie­fes Be­wußt­sein vor­han­den da­für, daß die Er­lan­gung der Klug­heit da­mit zu­sam­men­hängt. Sie brau­chen sich nur an Odys­seus zu er­in­nern, an das höl­zer­ne Pferd von Tro­ja. Oh, in sol­chen Sa­gen liegt tie­fe Weis­heit, viel tie­fe­re Weis­heit als in un­se­rer Wis­sen­schaft. Nicht um­sonst ist ein sol­cher Ty­pus ver­wen­det in der Sa­ge wie der Pfer­de­ty­pus. Her­aus­ge­wach­sen ist der Mensch aus ei­ner Ge­stalt, die so­zu­sa­gen das, was im Pfer­de ver­kör­pert ist, noch in sich hat­te, und in der Ge­stalt des Ken­tau­ren hat die Kunst noch hin­ge­s­tellt ei­nen Men­schen, wie er ver­bun­den war mit die­sem Tier, um an die Ent­wi­cke­lungs­stu­fe des Men­schen zu er­in­nern, aus der er her­aus­ge­wach­sen ist, von der er sich los­ge­run­gen hat, um der heu­ti­ge Mensch zu wer­den.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was so sich ab­ge­spielt hat in der Vor­zeit, um zu un­se­rer ge­gen­wär­ti­gen Mensch­heit zu füh­ren, das wie­der­holt sich auf höhe­rer Stu­fe in der Zu­kunft. Es ist aber nicht et­wa so, als ob sich nun in der Zu­kunft das­sel­be in der phy­si­schen Welt ab­spie­len müß­te. Für den­je­ni­gen Men­schen, der an der Gren­ze zwi­schen dem as­tra­li­schen und dem De­vach­an­plan hell­se­hend wird, zeigt es sich, wie der Mensch im­mer mehr und mehr ve­r­e­delt und aus­bil­det, was er der Ab­son­de­rung der Pfer­de­na­tur ver­dankt. Die Spi­ri­tua­li­sie­rung der In­tel­li­genz wird er be­wir­ken. Was heu­te blo­ßer Ver­stand, blo­ße Klug­heit ist, wird er zur Weis­heit, zur Spi­ri­tua­li­tät er­he­ben nach dem gro­ßen Krieg al­ler ge­gen al­le. Das wer­den die­je­ni­gen er­le­ben, die dann das Ziel er­reicht ha­ben wer­den. Was sich in­fol­ge der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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Ab­son­de­rung der Pfer­de­na­tur in der Mensch­heit ent­wi­ckeln konn­te, das wird sich in sei­ner Frucht zei­gen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt den­ken wir uns ei­nen Hell­se­her, der hin­ein­schaut in die Men­schen­zu­kunft. Was wird sich ihm zei­gen? Al­les, was der Mensch vor­be­rei­tet hat durch die sie­ben Kul­tur­zei­träu­me denn sei­ne See­le war ver­kör­pert in den ver­gan­ge­nen Kul­tu­ren und wird es auch in den zu­künf­ti­gen sein , al­les das wird in ei­nem fol­gen­den Zei­traum ver­kör­pert sein und hin­über­le­ben über den gro­ßen Krieg al­ler ge­gen al­le in das spi­ri­tu­el­le­re Zei­tal­ter hin­ein. In je­dem Zei­traum nahm er auf, was auf­zu­neh­men war. Den­ken Sie sich zu­rück mit Ih­rer See­le, wie Sie ge­lebt ha­ben in der alt­in­di­schen Kul­tur. Da ha­ben Sie auf­ge­nom­men die wun­der­ba­ren Leh­ren von den hei­li­gen Ris­his; wenn Sie sie auch ver­ges­sen ha­ben, spä­ter wer­den Sie sich ih­rer er­in­nern. Und wei­ter sind Sie ge­schrit­ten von ei­ner Ver­kör­pe­rung zur an­de­ren. Sie ha­ben ler­nen kön­nen, was die per­si­sche, die ägyp­ti­sche, die grie­chisch-rö­mi­sche Kul­tur er­mög­lich­ten. Das ist heu­te in der See­le da­r­in­nen. Heu­te zeigt es sich im Ant­litz noch nicht als äu­ße­rer Aus­druck. Sie wer­den wei­ter­le­ben in die Zeit hin­ein von Phi­la­del­phia, Sie wer­den wei­ter­le­ben in die Zeit, die be­herrscht wer­den wird von dem Amen, und im­mer mehr und mehr wird sich ei­ne Mensch­heits­ge­mein­schaft ent­wi­ckeln, wel­che in den Ant­lit­zen der Men­schen zei­gen wird, was sich in un­se­ren Zei­träu­men vor­be­rei­tet hat. Was jetzt in Ih­rer See­le schon ar­bei­tet, was Sie auf­ge­nom­men ha­ben durch den in­di­schen Zei­traum, wird sich in Ih­rer Phy­siog­no­mie zei­gen in dem ers­ten Un­ter­zei­traum der nächst­fol­gen­den Pe­rio­de, nach dem gro­ßen Krieg al­ler ge­gen al­le, und was sich der Mensch an­ge­eig­net hat im alt­per­si­schen Zei­trau­me, wird das Ant­litz ve­r­än­dern auf der zwei­ten Stu­fe, und so Stu­fe für Stu­fe. Al­les das, was Sie, wie Sie jetzt hier sit­zen, mit Ih­ren See­len auf­neh­men, die spi­ri­tu­el­len Leh­ren von heu­te, die sich mit Ih­ren See­len ver­bin­den, das wird sei­ne of­fen­ba­ren Früch­te tra­gen in der Zeit nach dem gro­ßen Krie­ge. Heu­te ve­r­ei­ni­gen Sie das, was die sie­ben Geis­ter Got­tes ge­ben und die sie­ben Ster­ne, mit dem Le­ben ih­rer See­le. Sie tra­gen es nach Hau­se. In Ih­ren Ant­lit­zen wird nie­mand es heu­te le­sen und auch noch nicht nach Jahr­hun-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
der­ten, aber nach je­nem gro­ßen Krieg al­ler ge­gen al­le wird es her­aus­kom­men. Da wird ein fünf­ter Zei­traum kom­men und da wer­den Sie in Ih­rem Ant­litz das Ab­bild da­von tra­gen. An Ih­rer Stir­ne wird es Ih­nen ge­schrie­ben sein, was Sie sich jetzt er­ar­bei­tet ha­ben, was jetzt Ih­re Ge­dan­ken und Ge­füh­le sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So wird stu­fen­wei­se nach dem gro­ßen Krie­ge al­ler ge­gen al­le her­aus­kom­men, sich ent­hül­len, was jetzt in die See­le hin­ein­ver­bor­gen wird. Den­ken wir uns den An­bruch des gro­ßen Krie­ges: Die See­le, die ge­hört hat den Ruf, den von Pe­rio­de zu Pe­rio­de das Chris­tus-Prin­zip hat er­tö­nen las­sen, sie wird hin­über­le­ben in al­les das­je­ni­ge, was in den Send­sch­rei­ben an­ge­deu­tet ist. Sie­ben Zei­träu­me hin­durch ist hin­ein­ge­legt wor­den, was die­se Zei­träu­me ge­ben kön­nen. Stel­len wir uns die See­le vor, wie sie war­tet, wie sie hin­über­war­tet. Sie­ben­mal ver­sie­gelt ist sie. Je­der Kul­tur­zei­traum hat ihr ein Sie­gel an­ge­legt. Ver­sie­gelt ist in Ih­nen das, was die In­der in die See­le ge­schrie­ben ha­ben, ver­sie­gelt ist in Ih­nen, was die Per­ser, Ägyp­ter, Grie­chen, Rö­mer in die See­le ge­schrie­ben ha­ben und was un­se­re Kul­tu­re­po­che hin­ein­sch­reibt. Ge­löst wer­den die Sie­gel, das heißt äu­ßer­lich of­fen­bar er­schei­nen die Din­ge, die hin­ein­ge­schrie­ben wer­den, nach dem gro­ßen Krie­ge al­ler ge­gen al­le. Und das Prin­zip, die Kraft, wel­che die Men­schen da­hin führt, daß die wah­ren Früch­te un­se­rer Kul­tur­zei­träu­me er­schei­nen auf den Ant­lit­zen, die­ses Prin­zip, die­se Kraft ha­ben wir zu se­hen im Chris­tus Je­sus. Sie­ben Sie­gel müs­sen ge­löst wer­den von ei­nem Buch. Wel­ches ist dies Buch? Wo ist es?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir wol­len uns klar­ma­chen, was im Sin­ne der Schrift ein Buch, ei­ne Bi­bel ist. Das Wort «Buch» kommt in der Bi­bel nur an ganz we­ni­gen Stel­len vor. Das darf man nicht über­se­hen. Es kommt vor, wenn Sie auf­schla­gen im Al­ten Te­s­ta­ment 1. Buch Mo­se 5, 1: «Dies ist das Buch von des Men­schen Ge­sch­lecht. Da Gott den Men­schen schuf, mach­te er ihn nach dem Gleich­nis Got­tes und schuf sie ei­nen Mann und ein Weib», und so wei­ter. Dann kön­nen Sie auf­schla­gen, wo Sie wol­len, Sie fin­den das Wort «Buch» erst wie­der­um im ers­ten Evan­ge­li­um, Ka­pi­tel 1: «Dies ist das Buch von der Ge­burt Je­su Chris­ti, der da ist ein Sohn Da­vids, des Soh­nes&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Abra­hams. Abra­ham zeug­te Isaak, Isaak zeug­te Ja­kob» und so wei­ter. Wie­der­um wer­den die Ge­sch­lech­ter auf­ge­zählt. Es wird auf­ge­zählt, was durch lan­ge Rei­hen hin­durch­f­ließt. Und wie­der­um er­scheint der Aus­druck «Buch» hier in der Apo­ka­lyp­se des Jo­han­nes. Er er­scheint da, wo ge­sagt wird, daß das Lamm al­lein wür­dig ist, das Buch mit den sie­ben Sie­geln zu öff­nen. Der Aus­druck «Buch» wird im­mer ein­heit­lich, nie an­ders ge­braucht. Nun muß man eben die Ur­kun­den wört­lich ver­ste­hen. Ein Buch in un­se­rem heu­ti­gen Sin­ne ist nicht da­mit ge­meint. Viel eher hat der Aus­druck «Grund­buch» die al­te Be­deu­tung des Wor­tes Buch be­wahrt. Das Wort Buch wird da an­ge­wen­det, wo au­f­ein­an­der­fol­gend et­was ein­ge­tra­gen wird, das eins von dem an­de­ren ab­hängt, wo al­so der Be­sitz ein­ge­tra­gen wird, da­mit er sich for­ter­ben kann. Wir ha­ben es mit ei­ner sol­chen Ur­kun­de zu tun, wo­durch ei­ne Grund­la­ge ge­schaf­fen wird für das­je­ni­ge, was sich fortpflanzt. Für das Al­te Te­s­ta­ment ha­ben wir es bei dem Wor­te Buch mit ei­ner Ur­kun­de zu tun, in der die Ge­sch­lech­ter, die durch das Blut sich ver­er­ben, auf­ge­zeich­net wer­den. In kei­nem an­de­ren Sin­ne wird es da ge­braucht, als daß die Ge­sch­lech­ter auf­ge­zeich­net wer­den. Eben­so ist es nach­her im ers­ten Evan­ge­li­um an­ge­wandt für die Auf­zeich­nung von Ge­sch­lech­ter­fol­gen. Was al­so sich in der Zeit folgt, das ist in ei­nem «Bu­che» auf­ge­schrie­ben. Nie ist mit Buch et­was an­de­res ge­meint als die Auf­zeich­nung des­sen, was in der Zeit folgt, al­so un­ge­fähr in dem Sin­ne von Chro­nik, Ge­schich­te.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Le­bens­buch, das jetzt an­ge­legt wird in der Mensch­heit, in der von Kul­tur­zei­traum zu Kul­tur­zei­traum in dem Ich des Men­schen ein­ge­schrie­ben wird, was je­der Zei­traum gibt, die­ses Buch, das in die See­len der Men­schen ge­schrie­ben ist und das ent­sie­gelt wird nach dem gro­ßen Krieg al­ler ge­gen al­le, dies Buch ist auch hier in der Apo­ka­lyp­se ge­meint. In die­sem Buch wer­den sie ste­hen, die Ein­tra­gun­gen der Kul­tur­zei­träu­me. So wie durch die Ge­ne­ra­tio­nen die Ein­tra­gun­gen ge­macht wor­den sind in die Ge­sch­lechts­re­gis­ter der al­ten Bücher, so ist es auch hier, nur daß jetzt das ein­ge­tra­gen wird, was sich der Mensch geis­tig er­wirbt. Und da er sich durch Klug­heit er­wirbt, was in un­se­rem Zei­traum zu er­wer­ben ist,&lt;br /&gt;
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so wird nach und nach das Fort­sch­rei­ten die­ser Ent­wi­cke­lung ima­gi­na­tiv dar­zu­s­tel­len sein durch das Sym­bo­lum, das der Klug­heit ent­spricht. Da­durch, daß der Mensch den in­di­schen Zei­traum durch­lebt hat in ei­ner Stim­mung, in der er ab­sah von der phy­si­schen Welt und den Blick hin­auf­rich­te­te nach dem Geis­ti­gen, da­durch wird er in dem ers­ten Zei­traum nach dem Krie­ge al­ler ge­gen al­le über das Phy­sisch-Sinn­li­che sie­gen. Sie­ger wird der Mensch sein da­durch, daß er sich an­eig­net, was sich im ers­ten Zei­traum in sei­ne See­le ge­schrie­ben hat. Und wei­ter: Was sich im zwei­ten Kul­tur­zei­traum her­aus­s­tell­te, die Über­win­dung der Ma­te­rie durch die Ur­per­ser, die­se Über­win­dung er­scheint uns im zwei­ten Zei­traum nach dem Krie­ge al­ler ge­gen al­le: das Schwert, das da be­deu­tet das In­stru­ment zum Be­sie­gen der äu­ße­ren Welt. Was sich der Mensch an­ge­eig­net hat in der ba­by­lo­nisch-ägyp­ti­schen Kul­tu­re­po­che, als er die Ma­ße lern­te, als er lern­te al­les ge­recht ab­zu­mes­sen, das tritt uns im nächs­ten Zei­traum nach dem gro­ßen Krie­ge al­ler ge­gen al­le ent­ge­gen als das­je­ni­ge, was an­ge­zeigt wird durch die Waa­ge. Und der vier­te Zei­traum zeigt uns an, was zum Wich­tigs­ten ge­hört, das, was der Mensch im vier­ten Zei­traum un­se­res Zy­k­lus durch den Chris­tus Je­sus und sein Er­schei­nen sich an­ge­eig­net hat: das geis­ti­ge Le­ben, die Uns­terb­lich­keit des Ich. Daß al­les, was nicht zur Uns­terb­lich­keit ge­eig­net ist, was dem To­de ge­weiht ist, ab­fällt, das muß sich für die­sen vier­ten Zei­traum zei­gen.&lt;br /&gt;
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So kommt nach­ein­an­der al­les das her­aus, was sich in un­se­ren Zei­träu­men vor­be­rei­tet hat, und es kommt her­aus da­durch, daß es uns durch das Sym­bo­lum an­ge­deu­tet wird, das der In­tel­li­genz ent­spricht. Le­sen wir die Ent­sie­ge­lung der ers­ten vier Sie­gel im sechs­ten Ka­pi­tel der Apo­ka­lyp­se des Jo­han­nes, wir wer­den se­hen, das, was hier ent­hüllt wird, drückt uns Stu­fe für Stu­fe in ge­wal­ti­ger Sym­bo­lik aus, was einst of­fen­bar wer­den wird. «Und ich sah, und sie­he, ein weiß Pferd» das ist die An­deu­tung, daß die spi­ri­tua­li­sier­te In­tel­li­genz her­aus­kommt «und der dar­auf saß, hat­te ei­nen Bo­gen; und ihm ward ge­ge­ben ei­ne Kro­ne, und er zog aus zu über­win­den, und daß er sieg­te. Und da es das an­de­re Sie­gel auf­tat, hör­te ich das an­de­re Tier sa­gen: Komm! Und sie­he, es ging her­aus ein an­der&lt;br /&gt;
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Pferd, das war rot, und dem, der dar­auf saß, ward ge­ge­ben, den Frie­den zu neh­men von der Er­de, und daß sie sich un­te­r­ein­an­der er­wür­ge­ten» daß zu­grun­de ge­he, was nicht wert ist mit­zu­ge­hen im Auf­s­tieg der Mensch­heit «und ihm ward ge­ge­ben ein groß Schwert. Und da es das drit­te Sie­gel auf­tat, hö­re­te ich das drit­te Tier sa­gen: Komm! Und ich sa­he, und sie­he, ein schwarz Pferd, und der dar­auf saß, hat­te ei­ne Waa­ge in sei­ner Hand. Und ich hö­re­te ei­ne Stim­me un­ter den vier Tie­ren sa­gen: Ein Maß Wei­zen um ei­nen Gro­schen und drei Maß Gers­te um ei­nen Gro­schen» Maß und Gro­schen, um hin­zu­deu­ten auf das, was die Mensch­heit ge­lernt hat inn­er­halb des drit­ten Zei­traums: die Früch­te wer­den hin­über­ge­tra­gen und ent­sie­gelt. Und im vier­ten Zei­traum ist Chris­tus Je­sus er­schie­nen, um den Tod zu über­win­den, und es zeigt sich die Of­fen­ba­rung die­ser Er­run­gen­schaft: «Und da es das vier­te Sie­gel auf­tat, hö­re­te ich die Stim­me des vier­ten Tie­res sa­gen: Komm! Und ich sa­he, und sie­he, ein fahl Pferd, und der dar­auf saß, des Na­me hieß Tod, und die Höl­le fol­ge­te ihm nach.» «Sie­he, ein fahl Pferd»: all das fällt ab, ver­fällt in die Ras­se der Bö­sen; was aber den Ruf ge­hört hat, was den Tod über­wun­den hat, macht das spi­ri­tu­el­le Le­ben mit. Die das «Ich-bin» und sei­nen Ruf ver­stan­den ha­ben, das sind die­je­ni­gen, die den Tod über­wun­den ha­ben. Sie ha­ben die In­tel­li­genz spi­ri­tua­li­siert. Und jetzt kann das, was sie ge­wor­den sind, nicht mehr durch das Pferd sym­bo­li­siert wer­den. Ein neu­es Sym­bo­lum muß auf­t­re­ten für die­je­ni­gen, die ver­stan­den ha­ben zu fol­gen dem Ru­fe des­sen, der da hat die sie­ben Geis­ter Got­tes und die sie­ben Ster­ne. Sie er­schei­nen jetzt un­ter dem Sym­bo­lum de­rer, die da mit wei­ßen Klei­dern an­ge­tan sind, die da die Hül­le des uns­terb­li­chen, des ewi­gen geis­ti­gen Le­bens an­ge­nom­men ha­ben.&lt;br /&gt;
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Und wei­ter wird uns nun er­zählt, wie her­aus­kommt al­les das, was hin­auf­geht ins Gu­te, was hin­un­ter­geht ins Bö­se. Das wird uns klar zum Aus­dru­cke ge­bracht. «Und da es das fünf­te Sie­gel auf­tat, sa­he ich un­ter dem Al­tar die See­len de­rer, die er­wür­get wa­ren um des Wor­tes Got­tes wil­len und um des Zeug­nis­ses wil­len, das sie hat­ten. Und sie schrie­en mit gro­ßer Stim­me und spra­chen: Herr, du Hei­li­ger und Wahr­haf­ti­ger, wie lan­ge rich­test du nicht und&lt;br /&gt;
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rächest nicht un­ser Blut an de­nen, die auf der Er­de woh­nen? Und ih­nen wur­de ge­ge­ben ei­nem je­g­li­chen ein weiß Kleid, und ward zu ih­nen ge­sagt, daß sie ru­he­ten noch ei­ne klei­ne Zeit, bis daß vol­l­ends da­zu­kä­m­en ih­re Mit­knech­te und Brü­der, die auch soll­ten noch er­tö­tet wer­den gleich wie sie» der äu­ße­ren Ge­stalt nach er­tö­tet wer­den und im Spi­ri­tu­el­len wie­der auf­le­ben. Wie kommt das zum Aus­druck?&lt;br /&gt;
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Ver­ge­gen­wär­ti­gen wir uns, was aus der äu­ße­ren sinn­li­chen Welt wird im rech­ten an­thro­po­so­phi­schen Le­ben. Wie ha­ben wir sie ge­schil­dert, die sie­ben Ster­ne? Wir sind zu­rück­ge­gan­gen zum Sa­turn und ha­ben ge­zeigt, wie der phy­si­sche Men­schen­leib ent­stan­den ist, wie er aus Wär­me zu­sam­men­ge­fügt war. Wir ha­ben ge­se­hen, wie die Son­ne her­aus­kam. Im Geis­te ha­ben wir nach­ge­zeich­net die­se Welt. Die Son­ne ist für uns nicht bloß ei­ne phy­si­sche Son­ne, sie ist die Brin­ge­rin des Le­bens, das als geis­ti­ges Le­ben in sei­ner höchs­ten Form er­schei­nen wird in der Men­schen­zu­kunft. Der Mond ist für uns das Ele­ment, das den Sturm­schritt des Le­bens auf­hält und den Men­schen so weit ver­lang­s­amt, wie es nö­t­ig ist. So se­hen wir geis­ti­ge Mäch­te in Son­ne und Mond. Und das, was wir als an­thro­po­so­phi­sche Weis­heit uns an­eig­nen, auch das er­scheint im zu­künf­ti­gen Zei­traum rich­tig sym­bo­li­siert: Son­ne und Mond er­schei­nen vor un­se­rem geis­ti­gen Blick als das­je­ni­ge, was uns Men­schen au­f­er­baut hat. Sym­bo­lisch ver­schwin­det der äu­ße­re phy­si­sche Son­nen­ball, der äu­ße­re Mond, und wird wie ein men­sch­li­ches We­sen, aber in Ele­men­tar­form. «Und ich sa­he, daß es das sechs­te Sie­gel auf­tat, und sie­he, da ward ein gro­ßes Erd­be­ben, und die Son­ne ward schwarz wie ein hä­re­ner Sack, und der Mond ward wie Blut.» Das al­les ist die sym­bo­li­sche Er­fül­lung des­sen, was wir su­chen im spi­ri­tu­el­len Le­ben.&lt;br /&gt;
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So se­hen wir, daß in be­deut­sa­men Bil­dern für den nächs­ten Zei­traum pro­phe­zeit wird, was sich in die­sem Zei­traum vor­be­rei­tet. Heu­te tra­gen wir un­sicht­bar in uns je­ne Ver­wand­lung, die wir mit Son­ne und Mond vor­neh­men, wenn sich das Phy­si­sche ver­wan­delt in die geis­ti­gen Ele­men­te. Wenn der hell­se­he­ri­sche Blick sich in die Zu­kunft wen­det, dann ver­schwin­det in der Tat das Phy-&lt;br /&gt;
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si­sche, und das Sym­bol der Spi­ri­tua­li­sie­rung der Mensch­heit tritt vor uns hin.&lt;br /&gt;
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In et­was ge­wag­ten Zü­gen ha­ben wir heu­te an­ge­deu­tet, was die sie­ben Sie­gel und ih­re Ent­hül­lung in der Apo­ka­lyp­se uns sa­gen sol­len. Wir müs­sen al­ler­dings noch tie­fer dar­auf ein­ge­hen, dann wird uns man­ches von dem, was uns heu­te un­wahr­schein­lich er­schei­nen könn­te, voll­stän­dig deut­lich. Aber wir se­hen schon, wie in­ner­lich sich zu­sam­men­ord­nen die ge­wal­ti­gen Bil­der, die der Se­her ge­se­hen hat von Ge­gen­wart und Zu­kunft der Mensch­heits­ent­wi­cke­lung, wie das hin­ein­geht in ei­ne wei­te­re Zu­kunft und uns da­durch im­mer stär­ke­re Im­pul­se gibt, selbst hin­ein­zu­le­ben in die Zu­kunft, Hand an­zu­le­gen zur Spi­ri­tua­li­sie­rung des Men­schen­le­bens.&lt;br /&gt;
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= FÜNFTER VORTRAG, Nürnberg, 22 Juni 1908 =&lt;br /&gt;
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Ges­tern ha­ben wir ge­se­hen, wie das Men­schen­ge­sch­lecht sich ent­wi­ckeln wird, wenn un­ser ge­gen­wär­ti­ger Zei­ten­zy­k­lus einst ab­ge­lau­fen sein wird; wie es sich so­zu­sa­gen spal­ten wird in zwei Strö­mun­gen, in die gu­te und die bö­se Ras­se, und wie uns die Ge­heim­nis­se die­ser Zu­kunft ent­sie­gelt wer­den durch die sie­ben Sie­gel, die bild­lich ge­löst wer­den in der Apo­ka­lyp­se des Jo­han­nes. Nach die­ser all­ge­mei­nen Au­s­ein­an­der­set­zung über das Her­au­s­t­re­ten des­sen in der äu­ße­ren Phy­siog­no­mie, was sich in un­se­rem Zei­ten­zy­k­lus in den See­len der Men­schen vor­be­rei­tet, könn­te nun leicht je­mand fra­gen: Wie kommt es, daß der Apo­ka­lyp­ti­ker in so furcht­ba­ren Bil­dern ge­ra­de die ers­ten der Sie­gel be­spricht? Die­se Fra­ge wer­den wir uns am bes­ten da­durch be­ant­wor­ten, daß wir heu­te in un­se­re gan­ze apo­ka­lyp­ti­sche Au­s­ein­an­der­set­zung ei­ne Zwi­schen­be­trach­tung ein­schie­ben.&lt;br /&gt;
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Bis jetzt ha­ben wir den Satz zu er­här­ten ver­sucht, daß die Apo­ka­lyp­se des Jo­han­nes dar­s­tellt ei­ne Ein­wei­hung, die christ­li­che Ein­wei­hung, und daß durch die­se christ­li­che Ein­wei­hung die Zu­kunft der Mensch­heit zur Ent­hül­lung kommt. Wir wer­den nun al­les Wei­te­re am bes­ten da­durch vor un­se­re See­le füh­ren, daß wir heu­te ein­mal zu­rück­bli­cken und uns noch ein­mal die Zei­ten ver­gan­ge­ner Mensch­heits­ent­wi­cke­lung vor die See­le rü­cken. Und ge­ra­de so weit wol­len wir das tun, als wir es zur Er­klär­ung der Apo­ka­lyp­se brau­chen. Die Grund­zü­ge, um die es sich da­bei han­delt, ken­nen Sie schon. Sie wis­sen, daß un­se­re Er­de, so wie sie heu­te den Wohn­platz der Men­schen bil­det, ein­mal in ur­fer­ner Ver­gan­gen­heit ih­ren An­fang ge­nom­men hat, daß sie aber als Er­de die Wie­der­ver­kör­pe­rung ei­ner an­de­ren pla­ne­ta­ri­schen We­sen­heit war, die man ge­wöhn­lich den al­ten Mond nennt, oder auch den Kos­mos oder den Pla­ne­ten der Weis­heit, im Ge­gen­satz zu un­se­rer heu­ti­gen Er­de, die wir be­zeich­nen als den Kos­mos oder den Pla­ne­ten der Lie­be. Aber auch&lt;br /&gt;
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die­ser Kos­mos der Weis­heit oder der al­te Mond ist nur die Wie­der­ver­kör­pe­rung ei­nes noch frühe­ren Zu­stan­des, den wir den Son­nen­pla­ne­ten nen­nen, al­so nicht den Fixs­tern Son­ne, son­dern den Son­nen­pla­ne­ten. Und die­ser Son­nen­pla­net ist die Wie­der­ver­kör­pe­rung des al­ten Sa­turn. So daß wir vier au­f­ein­an­der­fol­gen­de Zu­stän­de un­se­res pla­ne­ta­ri­schen Da­seins zu un­ter­schei­den ha­ben, die wir nen­nen Sa­turn, Son­ne, Mond und Er­de.&lt;br /&gt;
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Nun­mehr wol­len wir, so­weit wir das brau­chen für die Er­klär­ung der Apo­ka­lyp­se des Jo­han­nes, die­se vier Zu­stän­de un­se­res pla­ne­ta­ri­schen Da­seins be­sch­rei­ben. Wenn Sie hell­se­he­risch zu­rück­ge­hen bis zum al­ten Sa­turn­da­sein, dann kom­men Sie an ei­nen merk­wür­di­gen Pla­ne­ten. Die­ser al­te Sa­turn ist ein Welt­kör­per, auf dem noch nichts zu fin­den ist von dem, was wir heu­te Mi­ne­ra­li­en, fes­te, er­di­ge Stof­fe nen­nen. Nichts ist vor­han­den von un­se­rer heu­ti­gen Tier­welt und Pflan­zen­welt, nichts von dem, was wir heu­te Was­ser oder flüs­si­ge Stof­fe nen­nen, nichts von dem, was wir als Luft­strom oder Ga­se ken­nen. Wenn Sie sich vor­s­tel­len wür­den, daß Sie mit den heu­ti­gen Au­gen die es ja da­mals noch nicht ge­ge­ben hat ir­gend­wo im Wel­ten­raum wä­ren und sich die­sem Sa­turn näh­er­ten, Sie wür­den in sei­nem An­fangs­zu­stand nichts se­hen kön­nen, denn er leuch­tet noch nicht. Al­so mit Ih­ren Au­gen könn­ten Sie von au­ßen die­sen Sa­turn in der ers­ten Hälf­te sei­nes Da­seins noch nicht se­hen. Wenn Sie sich ihm näh­ern wür­den und in den Raum ein­drän­gen, den er aus­füll­te, wür­den Sie et­was, wenn Sie die heu­ti­gen Sin­ne da schon ge­brau­chen könn­ten, wahr­neh­men, wie wenn Sie in ei­nen ge­heiz­ten Bac­k­o­fen hin­ein­krie­chen wür­den. Sie wür­den die­sen Raum nur da­durch vom an­de­ren un­ter­schei­den kön­nen, daß die­ser ku­gel­för­mi­ge Raum wär­m­er ist als sei­ne Um­ge­bung. Wär­me ist von un­se­ren jet­zi­gen Zu­stän­den der ein­zi­ge, den wir im al­ten Sa­turn an­tref­fen. Aber es ist ei­ne merk­wür­di­ge Art von Wär­me. Die­se Wär­me wür­de Ih­nen nicht so vor­kom­men, als ob sie an al­len Stel­len gleich­mä­ß­ig wä­re. Sie könn­ten fin­den, daß sie an ein­zel­nen Stel­len wär­m­er, an an­de­ren käl­ter ist, so daß, wenn Sie die glei­chen Wär­m­e­s­tel­len ver­bin­den wür­den durch Li­ni­en, dann Fi­gu­ren her­aus­kä­m­en, die nur durch die Ver­schie­den­heit der Wär­m­e­zu­stän­de&lt;br /&gt;
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wahr­nehm­bar sind. Al­les ist Wär­me, aber or­ga­ni­sier­te, dif­fe­ren­zier­te Wär­me. Sie wür­den, wenn Sie auf die­se Wei­se den gan­zen Sa­turn durch­f­lie­gen wür­den, sich sa­gen: Da ist schon et­was, aber et­was, was ich nur durch die ver­schie­de­nen Wär­m­e­zu­stän­de wahr­neh­men kann.&lt;br /&gt;
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Die­se dif­fe­ren­zier­ten Wär­m­e­zu­stän­de sind das ein­zi­ge, was von den ge­gen­wär­ti­gen Merk­ma­len un­se­rer Er­de schon vor­han­den war, und in sol­cher Wär­me war da­zu­mal aus­ge­drückt die ers­te An­la­ge des phy­si­schen Men­schen­lei­bes. Das, was da vor­han­den war, das ha­ben Sie heu­te noch in sich, nur hat es sich aus dem äu­ße­ren rä­um­li­chen Da­sein in Ihr In­ne­res zu­rück­ge­zo­gen. Es ist Ih­re Blut­wär­me. Wenn Sie aus Ih­rer Blut­wär­me Fi­gu­ren bil­den wür­den, so hät­ten Sie die Nach­klän­ge des­sen, was von Ih­rem phy­si­schen Leib vor­han­den war auf dem al­ten Sa­turn. Die Wär­me, die Sie heu­te im Blu­te tra­gen, ist die ers­te An­la­ge des phy­si­schen Lei­bes, der äl­tes­te Teil des­sel­ben, so daß Sie auch sa­gen kön­nen: Der gan­ze Sa­turn be­stand aus Blut­wär­me. Aber Sie wür­den auch so et­was Ähn­li­ches fin­den kön­nen wie Fi­gu­ren, die sich heu­te zeich­nen lie­ßen, wenn Sie die ver­schie­de­nen Bah­nen Ih­res Blu­tes ver­folg­ten nach den ver­schie­de­nen Wär­m­e­zu­stän­den. Das ist das phy­si­sche Da­sein die­ses al­ten Sa­turn. Er hat von un­se­ren heu­ti­gen Stoff­ver­hält­nis­sen le­dig­lich die Wär­me. Von all den We­sen, die heu­te die Er­de be­völ­kern, war nur der Mensch und von ihm nur die­se An­la­ge des phy­si­schen Lei­bes vor­han­den. Der Sa­turn be­stand nur aus sol­chen An­la­gen phy­si­scher Men­schen­lei­ber, die aus Wär­me ge­bil­det wa­ren. Wie heu­te ei­ne Brom­bee­re zu­sam­men­ge­setzt ist aus ein­zel­nen Kü­gel­chen, so war der Sa­turn da­mals zu­sam­men­ge­setzt, aber aus sol­chen Men­schen, wie sie nun ge­schil­dert wor­den sind. Da­ge­gen war er zu­nächst um­ge­ben von geis­ti­gen We­sen­hei­ten. Wie heu­te die Er­de von Luft, so war der Sa­turn um­hüllt von geis­ti­ger At­mo­sphä­re. Da leb­ten We­sen­hei­ten, die ver­schie­de­ne Gra­de der Aus­bil­dung hat­ten, aber die al­le zu ih­rer da­ma­li­gen Da­s­eins­stu­fe die­sen Wohn­sitz des Sa­turns brauch­ten. Der war ih­nen not­wen­dig. Oh­ne die­sen Wohn­sitz wä­ren die­se We­sen­hei­ten nicht aus­ge­kom­men. Da wa­ren zum Bei­spiel sol­che, wel­che auch sie­ben Prin­zi­pi­en&lt;br /&gt;
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hat­ten, aber nicht so wie der heu­ti­ge Mensch. Die­ser hat sei­ne sie­ben Prin­zi­pi­en, die wir die sie­ben Geis­ter Got­tes nen­nen, so, daß man beim phy­si­schen Leib an­fängt. So wa­ren je­ne We­sen nicht. Es gab zum Bei­spiel We­sen­hei­ten, die zu ih­rem un­ters­ten Prin­zip ei­nen Äther­leib hat­ten. Den phy­si­schen Leib hat­ten sie da­durch, daß sie mit ih­rem Äther­leib hin­ein­an­ker­ten in die phy­si­schen Lei­ber des Sa­turns und so die­se be­nütz­ten. Al­so die­ser Sa­turn ist im Ver­hält­nis zur heu­ti­gen Er­de ein sub­stan­ti­ell sehr fei­ner Wel­ten­kör­per. Er hat­te von un­se­ren Stof­fen noch nicht ein­mal die fei­ne Luft, die Ga­se. Die wa­ren schon für ihn zu grob. Er hat­te nur Wär­me, und in der Um­ge­bung der Wär­me geis­ti­ge We­sen­hei­ten.&lt;br /&gt;
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Nun mach­te die­ser Sa­turn da­durch, daß sich die We­sen in sei­ner Um­ge­bung wei­ter­ent­wi­ckel­ten, ver­schie­de­ne Wand­lun­gen durch. Ei­ne die­ser Ver­wand­lun­gen ist leicht da­durch an­zu­ge­ben, daß in der Mit­te sei­ner Ent­wi­cke­lung er tat­säch­lich an­fängt, au­ßen auf­zu­leuch­ten. So daß, wenn man ihn ver­folgt, er sich an­fangs als dunk­ler Wär­m­e­kör­per zeigt, dann aber an­fängt auf­zug­lim­men und ge­gen das En­de zu ei­nen schwa­chen Licht­glanz aus­sen­det in die Welt. Die­se geis­ti­ge At­mo­sphä­re um den Sa­turn her­um, die ver­schie­de­ne We­sen­hei­ten ent­hält, sie ent­hält un­ter an­de­ren auch ei­ne ganz be­stimm­te Art von We­sen, die für uns vor al­len Din­gen in Be­tracht kom­men. Die­se We­sen­hei­ten ma­chen un­ge­fähr um die Mit­te der Sa­turn­ent­wi­cke­lung die Stu­fe durch, die der Mensch jetzt auf der Er­de durch­macht. Das sind die Geis­ter der Per­sön­lich­keit. Sie sind auf die­sem al­ten Sa­turn in des­sen Mit­te un­ge­fähr so weit, daß sie da Mensch sind. Sie wer­den na­tür­lich nicht in den Feh­ler ver­fal­len, zu fra­gen: Ja, ha­ben sie denn sol­che Lei­ber ge­habt wie die heu­ti­gen Men­schen? Das wä­re ein ganz ge­wal­ti­ger Feh­ler, wenn Sie sich vor­s­tel­len wür­den, daß die­se Men­schen men­sch­lich-flei­sch­li­che Lei­ber ge­habt hät­ten. Man kann die Mensch­heits­stu­fe in den ver­schie­dens­ten For­men durch­ma­chen. Und die­se Geis­ter der Per­sön­lich­keit mach­ten auf dem Sa­turn ih­re Mensch­heits­stu­fe in der Wei­se durch, daß sie zu­erst als phy­si­schen Leib das­je­ni­ge be­nutz­ten, was da un­ten auf dem Sa­turn als Wär­me vor­han­den war, daß sie als Äther­leib denn auch den hat­ten sie noch nicht &lt;br /&gt;
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das­je­ni­ge be­nutz­ten, was in der At­mo­sphä­re war, und end­lich auch das be­nutz­ten, was als as­tra­le Sub­stanz vor­han­den war. Das hat­ten sie al­les noch nicht sel­ber. Sie hat­ten im we­sent­li­chen da­zu­mal ei­nen Ich-Trä­ger, ein Ich, und die­ses Ich, das auf der Mensch­heits­stu­fe stand, das ge­ra­de­so leb­te wie das heu­ti­ge Men­schen-Ich auf der Er­de, das mach­te da­zu­mal die­se ver­schie­de­nen Stu­fen der Mensch­heit auf dem Sa­turn durch in an­de­rer Form, in an­de­rer Art und Wei­se. Al­so wir ha­ben un­ge­fähr in der Mit­te der Sa­turn­ent­wi­cke­lung die Geis­ter der Per­sön­lich­keit, die Ur­kräf­te als Men­schen. Wenn man so zählt, so ist das, was ich eben auf­ge­zählt ha­be, die mitt­le­re Stu­fe der Sa­turn­ent­wi­cke­lung. Der ge­hen drei an­de­re vor­aus und drei an­de­re fol­gen ihr. Man nennt sie Sa­turn­k­reis­läu­fe oder Sa­turne­po­chen. Wenn Sie sich den gan­zen Sa­turn in sei­ner Ent­wi­cke­lung vor­s­tel­len, so kön­nen Sie sich ihn so den­ken:&lt;br /&gt;
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[[Datei:GA104 108.png|center|300px|Zeichnung aus GA 104, S. 108]]&lt;br /&gt;
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In der Mit­te ( X ) ste­hen die Geis­ter der Per­sön­lich­keit. Auf je­der der drei vor­her­ge­hen­den und der drei nach­fol­gen­den Stu­fen ge­ra­de wie un­se­re Er­de nach der Sie­ben­zahl in Epo­chen ge­teilt wer­den kann, so auch die­se Sa­turn­ent­wi­cke­lung , in je­der die­ser Epo­chen wer­den ent­sp­re­chen­de We­sen­hei­ten Men­schen, auf je­der Stu­fe ir­gend­wel­che We­sen­hei­ten, und zwar im­mer dann, wenn ge­ra­de für sie der Zeit­punkt ge­kom­men ist, wo sie das, was sich fin­det auf dem Sa­turn, brau­chen kön­nen, um die Er­fah­run­gen des Men­schen durch­zu­ma­chen. So ha­ben wir sie­be­n­er­lei Ge­sc­höp­fe auf dem Sa­turn, die dort ih­re Men­schen­stu­fe durch­ge­macht ha­ben, die bis zur Men­schen­stu­fe auf­ge­rückt sind, die al­so in den fol­gen­den Stu­fen nicht mehr not­wen­dig ha­ben, bis zum Men­schen erst her­auf­zu­kom­men. Der heu­ti­ge Mensch ist noch nicht Mensch auf dem Sa­turn. Die­je­ni­gen We­sen­hei­ten, die hier auf dem Sa­turn Men­schen ge­wor­den sind, de­ren Re­prä­sen­t­an­ten die Geis­ter der Per­sön­lich­keit sind, die­se We­sen rü­cken wei­ter auf und sind heu­te er­ha­ben über&lt;br /&gt;
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den Men­schen, sie ha­ben so­zu­sa­gen den Men­schen in sich. Den tra­gen sie als ei­ne für sie ver­gan­ge­ne Ent­wi­cke­lungs­stu­fe in sich.&lt;br /&gt;
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Nach­dem der Sa­turn nun sei­ne Ent­wi­cke­lung ei­ne Zeit­lang durch­ge­macht hat­te, ging die gan­ze Evo­lu­ti­on in ei­ne geis­ti­ge Sphä­re über, in ei­nen Zu­stand, der äu­ßer­lich nicht wahr­nehm­bar war für Sin­ne wie die heu­ti­gen men­sch­li­chen, und dann trat her­vor die zwei­te Ver­kör­pe­rung un­se­res Erd­pla­ne­ten, der Son­nen­pla­net. Er zeich­ne­te sich da­durch aus, daß er ver­hält­nis­mä­ß­ig früh in sei­ner Ent­wi­cke­lung schon so weit war, daß er Licht aus­strahl­te. Das kam da­von her, weil er nicht nur aus Wär­me be­stand, son­dern daß die Wär­me­ma­te­rie be­reits ver­dich­tet war zur gas-, zur luft­för­mi­gen Ma­te­rie. Er hat­te noch kein Was­ser, noch nichts Fes­tes, er be­stand aus luft- und gas­för­mi­ger Mas­se. Aber da­durch war er auch schon im­stan­de, ein leuch­ten­der Kör­per zu sein. Da­durch war er, für ein heu­ti­ges Au­ge ge­se­hen, be­reits ein in den Wel­ten­raum hin­aus­strah­len­der Pla­net. Jetzt, da die­ser Pla­net so weit sich ent­wi­ckelt hat­te, war es mög­lich, daß der ers­ten An­la­ge des men­sch­lich-phy­si­schen Lei­bes ein­ge­g­lie­dert wur­de der Äther­leib. Nun be­stand al­so der Mensch aus dem phy­si­schen und dem Äther­leib, wäh­rend er auf dem Sa­turn nur erst die ers­te An­la­ge des phy­si­schen Lei­bes hat­te. Der Mensch war aber noch nicht so weit, ei­nen ei­ge­nen As­tral­leib zu ha­ben. Die For­men der Men­schen sa­hen da­her ganz an­ders aus als heu­te. Der Mensch hat­te die Form des Pflan­zen­da­seins. Er be­saß phy­si­schen und Äther­leib wie die Pflan­ze, hat aber auf der Son­ne ganz an­ders aus­ge­se­hen als die Pflan­ze heu­te.&lt;br /&gt;
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Die­ses Fort­sch­rei­ten der Ent­wi­cke­lung war da­mit ver­bun­den, daß ei­ne zwei­te Art von We­sen­hei­ten auf­t­rat auf der Son­ne. Auf dem Sa­turn gab es nur Men­schen, kei­ne an­de­ren We­sen­hei­ten. Er be­stand nur aus Men­schen, wie die Brom­bee­re aus klei­nen Bee­ren be­steht. Jetzt wa­ren aber von die­sen Men­schen­an­la­gen ei­ni­ge zu­rück­ge­b­lie­ben auf der Sa­turn­stu­fe; die hat­ten nicht al­les er­reicht, was zu er­rei­chen war. Die­se zu­rück­ge­b­lie­be­nen We­sen­hei­ten, die vom Sa­turn kom­men, kön­nen sich des­halb kei­nen Äther­leib an­eig­nen und müs­sen noch im­mer auf der Son­ne bloß mit phy­si­schem Leib be­gabt sein. Sie sind al­so erst so weit wie die Men­schen auf&lt;br /&gt;
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dem Sa­turn. Die­se We­sen­hei­ten nun, die bloß den phy­si­schen Leib auf der Son­ne ha­ben, sind die ers­ten An­la­gen zu un­se­ren heu­ti­gen Tie­ren. So daß wir auf der Son­ne Men­schen­an­la­gen mit phy­si­schem und Äther­leib ha­ben, und Tier­an­la­gen mit bloß phy­si­schem Lei­be.&lt;br /&gt;
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Wie­der­um ist es so, daß in der Mit­te des Son­nen­da­seins ge­wis­se We­sen­hei­ten die Mensch­heits­stu­fe durch­ma­chen. Der heu­ti­ge Mensch konn­te das noch nicht. Die geis­ti­gen We­sen­hei­ten aus dem Um­kreis der Son­ne, die jetzt die Mensch­heits­stu­fe durch­ma­chen, nen­nen wir Feu­er­geis­ter, Erz­en­gel. Sie sind heu­te zwei Stu­fen über dem Men­schen. Den Men­schen tra­gen sie in sich. Sie ha­ben in an­de­rer Form das­sel­be er­fah­ren, was der Mensch heu­te in dem ir­di­schen Da­sein er­fährt. Aber auch die Son­ne macht sie­ben Epo­chen durch, und auf je­der Stu­fe gibt es We­sen­hei­ten, die den Grad er­reicht ha­ben zur Mensch­heits­stu­fe, so daß wir wie­der­um wäh­rend des Son­nen­da­seins sie­ben Ent­wi­cke­lungs­pha­sen ha­ben. Wenn sie in ih­rer ei­ge­nen Ver­gan­gen­heit zu­rück­ge­hen, se­hen sie gleich­sam auf ein kos­mi­sches Le­bensal­ter, von dem sie sa­gen kön­nen: Wenn auch un­ter mir kein fes­ter Erd­bo­den war und kei­ne flüs­si­ge Erd­ku­gel, ich ha­be da­mals doch er­fah­ren, was der Mensch heu­te er­fährt. Ich kann al­so mit­füh­len und mi­t­er­le­ben, was der Mensch er­lebt auf der Er­de. Das kön­nen die­se We­sen heu­te sa­gen. Sie ha­ben Ver­ständ­nis da­für, weil sie auch in sich er­fah­ren ha­ben, was der Mensch heu­te in sei­nem Er­den­da­sein er­fährt.&lt;br /&gt;
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Nun kommt wie­der­um ei­ne Art von Zwi­schen­zu­stand, in dem der leuch­ten­de Pla­net nach und nach ab­g­limmt für die äu­ße­re Be­o­b­ach­tung wenn die­se schon da sein könn­te , auch für ge­wis­se hell­se­he­ri­sche Be­o­b­ach­tung ver­schwin­det und nur noch für die höchs­ten For­men des hell­se­he­ri­schen Be­o­b­ach­tens vor­han­den ist. Dann tritt er wie­der­um her­aus zu ei­ner neu­en Form des Da­seins, zu ei­nem drit­ten Zu­stand, den wir den Mon­den­zu­stand nen­nen. Das ist die drit­te Ver­kör­pe­rung un­se­res Pla­ne­ten, der al­te Mond. Der ist jetzt so weit in sei­ner Sub­stanz­ent­wi­cke­lung, daß er das, was früh­er auf der Son­ne bloß Gas war, ver­dich­tet hat zu Was­ser. Da­durch, daß das wäs­se­ri­ge Ele­ment sich ein­ge­la­gert hat, kann dem Men­schen, der all­mäh­lich sich wie­der her­aus­ent­wi­ckelt wie&lt;br /&gt;
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die Pflan­ze aus dem Sa­men, der as­tra­li­sche Leib ein­ge­g­lie­dert wer­den, so daß der Mensch jetzt aus drei Tei­len be­steht, aus dem phy­si­schen, dem Äther- und dem as­tra­li­schen Leib. Er ist noch nicht ei­gent­lich Mensch, denn er hat in die­sen drei Lei­bern noch kein Ich ein­ge­g­lie­dert.&lt;br /&gt;
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Im­mer blei­ben auf al­len Stu­fen ge­wis­se We­sen­hei­ten zu­rück. Die We­sen­hei­ten, wel­che auf der Son­ne zu­rück­ge­b­lie­ben sind, die nicht die Mond­stu­fe er­rei­chen konn­ten und auf dem Mond erst ih­re Son­nen­stu­fe durch­ma­chen, die ha­ben da­her kei­ne Mög­lich­keit, sich jetzt den as­tra­li­schen Leib ein­zu­g­lie­dern, sie be­ste­hen auch auf dem Mon­de nur aus phy­si­schem und Äther­leib. Es sind das na­ment­lich sol­che, die schon auf der Son­ne zu­rück­ge­b­lie­ben wa­ren, die aber sich in­zwi­schen so weit ent­wi­ckelt hat­ten, daß sie sich ei­nen Äther­leib ein­g­lie­dern konn­ten. Das sind wie­der­um die Vor­fah­ren von heu­ti­gen Tie­ren. Die We­sen, die aber noch nicht so weit wa­ren auf dem Mon­de, daß sie sich ei­nen Äther­leib ein­g­lie­dern konn­ten, das sind die Vor­fah­ren von noch tie­fer­ste­hen­den We­sen­hei­ten: von der heu­ti­gen Pflan­zen­welt. Wir ha­ben al­so drei Rei­che auf dem Mon­de: das Men­schen­reich, be­ste­hend aus phy­si­schem Leib, Äther­leib und as­tra­li­schem Leib, das Tier­reich, be­ste­hend aus phy­si­schem und Äther­leib, und das Pflan­zen­reich, nur aus phy­si­schem Leib be­ste­hend.&lt;br /&gt;
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Wie­der­um sind es ge­wis­se We­sen­hei­ten, wel­che un­ge­fähr in der Mit­te des Mon­den­da­seins ih­re Men­schen­stu­fe durch­ma­chen. Es sind die Geis­ter, die man ge­wöhn­lich in der geis­tes­wis­sen­schaft­li­chen Li­te­ra­tur die Geis­ter der Däm­me­rung nennt, die En­gel. Auch sie tra­gen als Er­in­ne­rung den Men­schen in sich. Und wie­der­um hat der Mond sie­ben sol­cher Stu­fen. Auf je­der Stu­fe sind We­sen­hei­ten, die ge­ra­de das Men­schen­da­sein durch­ma­chen kön­nen. Es ist im­mer so, daß ei­ni­ge We­sen­hei­ten vor­au­s­ei­len und an­de­re zu­rück­b­lei­ben. Wir ha­ben al­so auch auf dem Mon­de sie­ben We­sen­heits­stu­fen, die ih­re Mensch­heit durch­ge­macht hat­ten, als der Mond mit sei­ner Ent­wi­cke­lung zu En­de war.&lt;br /&gt;
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Nun müs­sen wir al­ler­dings, um den Mond ganz zu ver­ste­hen, et­was Wich­ti­ges er­wäh­nen, was sich in der Ent­wi­cke­lung des al­ten&lt;br /&gt;
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Mon­des ab­spiel­te. Als die­ser al­te Mond sei­ne Ent­wi­cke­lung be­gann, war er, we­nigs­tens bald nach dem Be­ginn, ei­ne flüs­si­ge Ku­gel. Wür­de er sich so wei­ter­ent­wi­ckelt ha­ben durch sei­ne sie­ben Sta­di­en, dann wä­re er nicht da­zu ge­kom­men, dem Men­schen die rich­ti­ge Grund­la­ge für sei­ne Wei­te­r­ent­fal­tung zu ge­ben. Er wur­de nur da­durch ge­eig­net, ei­ne Vor­stu­fe der Er­den­mensch­heit zu sein, daß er sich zu­nächst in zwei Wel­ten­kör­per spal­te­te. Der ei­ne von die­sen war der Vor­läu­fer der heu­ti­gen Son­ne und der an­de­re, der sich ab­t­ren­nen­de, war der Vor­läu­fer der heu­ti­gen Er­de, aber so, daß Sie sich die­ser Er­de den heu­ti­gen Mond da­zu­ge­mischt den­ken, so daß Er­de und Mond von heu­te da­mals eins wa­ren. Sie den­ken sich al­so die­se zwei Kör­per, Er­de plus Mond ei­ner­seits und die Son­ne an­de­rer­seits, jetzt von­ein­an­der ge­t­rennt, den al­ten Mond als wäs­se­ri­gen Kör­per und die al­te Son­ne auf dem We­ge, ein Fixs­tern zu wer­den. Mit die­ser Spal­tung war et­was sehr We­sent­li­ches ver­knüpft. Vor al­len Din­gen war es die Son­ne, wel­che die Ab­spal­tung voll­zog und die feins­ten Tei­le, die äthe­rischs­te Ma­te­rie mit sich nahm, wäh­rend im Mon­de, das heißt in der heu­ti­gen Er­de plus dem heu­ti­gen Mon­de, die gröbs­te Ma­te­rie zu­rück­b­lieb. Da­her ist die Son­ne mit un­ge­heu­er fei­ner Ma­te­rie aus­ge­stat­tet, wäh­rend der Mond ein viel dich­te­rer Kör­per, ei­ne wäs­se­ri­ge Mas­se wird. Da­durch, daß die Son­ne die feins­ten und geis­tigs­ten Kräf­te mit sich nahm, konn­te sie nun auch der Schau­platz sein für viel höh­er ent­wi­ckel­te We­sen­hei­ten. In der Tat wä­ren vie­le von je­nen ho­hen We­sen­hei­ten, die noch das Sa­turn­da­sein er­tra­gen konn­ten, ge­hemmt ge­we­sen in ih­rer Ent­wi­cke­lung, wenn sie län­ger an den Mond ge­fes­selt ge­b­lie­ben wä­ren. Sie brauch­ten ei­nen Schau­platz mit feins­ten Stof­fen; nur da konn­ten sie sich ent­wi­ckeln. So hat­ten sie sich den ge­eig­ne­ten Schau­platz her­aus­ge­zo­gen und ent­wi­ckel­ten sich auf der Son­ne wei­ter. Da­ge­gen wa­ren ver­knüpft ge­b­lie­ben mit dem Mon­de, der durch das Her­aus­ge­hen der fei­ne­ren Ma­te­rie ei­ne Ver­di­ckung er­lit­ten hat­te, je­ne Men­schen­an­la­gen, die aus phy­si­schem Lei­be, Äther­leib und as­tra­li­schem Leib be­stan­den, und auch Tier- und Pflan­zen­an­la­gen.&lt;br /&gt;
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Die­ser al­te Mond sieht nun ganz son­der­bar aus. Da wür­den Sie&lt;br /&gt;
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noch nicht so et­was fin­den wenn er auch sei­ne Son­ne schon um­k­reis­te wie Fel­sen, wie Acker­er­de. Mi­ne­ra­li­sches gab es da noch nicht. Die Haupt­mas­se die­ses Mon­des, auf der die­se We­sen­hei­ten her­um­hüpf­ten so­zu­sa­gen, war ei­ne Art Brei, ei­ne rich­ti­ge Art Brei, so et­wa wie Koch­sa­lat oder wie ge­koch­ter Spi­nat. Solch ein Brei war die Grund­mas­se die­ses Mon­des, so wie die Grund­mas­se un­se­rer Er­de Acker­er­de ist. Es wa­ren da­rin ein­ge­la­gert ähn­li­che Mas­sen wie, sa­gen wir, Holz und Bor­ke der Bäu­me. Wenn Sie heu­te auf ei­nen Berg stei­gen, ge­hen Sie auf Fel­sen. Da­mals wä­ren Sie auf ei­nem Grund ge­gan­gen, der, wenn er fest war, wie Holz­ma­te­rial, wie ein Holz­pla­teau war. Statt Granit hät­ten Sie Stump­fen ge­fun­den, die et­wa mit Holz ver­g­leich­bar wä­ren. Das ist na­tür­lich nur ver­g­leichs­wei­se ge­spro­chen. So war die Grund­mas­se, und aus ihr her­aus wuch­sen fort­wäh­rend Wu­che­run­gen. Das war al­so das un­ters­te Reich, das heu­ti­ge Mi­ne­ral­reich, das da­mals mit­ten drin­nen­stand zwi­schen dem heu­ti­gen Mi­ne­ral- und Pflan­zen­reich. Das leb­te in ei­ner ge­wis­sen Wei­se. Es war so, daß es da fort­wäh­rend Wu­che­run­gen gab. Es war nicht wie heu­te. Wenn Acker­er­de da­liegt, so muß man sie, wenn man sie weg­ha­ben will, auf äu­ßer­li­che Wei­se weg­tra­gen. Die­se Mas­se des al­ten Mon­des starb ab aber nicht wie ein­zel­ne Pflan­zen und bil­de­te sich wie­der neu. Fort­wäh­rend war sie in in­ne­rer le­ben­di­ger Re­gung und Be­we­gung. In ste­tem Abs­ter­ben und fort­wäh­ren­dem Wu­chern war die Grund­mas­se des al­ten Mon­des. Und aus die­sem Grund­bo­den wuchs ein an­de­res Reich her­aus. Durch das Her­au­s­t­re­ten des Mon­des aus der Son­ne hat­ten sich näm­lich die frühe­ren Rei­che ve­r­än­dert. Auf der Son­ne ent­spra­chen sie un­ge­fähr un­se­ren Rei­chen. Durch das Her­aus­rü­cken des Mon­des war das al­te Pflan­zen­reich her­un­ter­ge­drückt wor­den um ei­ne hal­be Stu­fe und eben­so die an­de­ren Rei­che, so daß al­so das nächs­te Reich ei­ne Art von Tier-Pflan­zen­reich war. Es wuchs al­ler­dings aus dem Bo­den her­aus, es wuch­sen her­aus sol­che Tier-Pflan­zen. Sie wa­ren pflan­zen­för­mig, aber wenn man sie an­griff, hat­ten sie Emp­fin­dun­gen, sie qu­ietsch­ten und der­g­lei­chen. Sie wa­ren ei­gent­lich halb Tier und halb Pflan­ze, Pflan­ze in­so­fern, als sie eben auf dem Bo­den wuch­sen, zum gro­ßen Teil in dem Bo­den&lt;br /&gt;
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fest­wur­zel­ten, und Tie­re in­so­fern, als sie et­was von Emp­fin­dungs­fähig­keit hat­ten. Und das Reich, das dem uns­ri­gen vor­an­ging, wa­ren Men­schen-Tie­re, We­sen­hei­ten, die zwi­schen dem heu­ti­gen Men­schen und dem heu­ti­gen Tie­re mit­ten drin­nen­ste­hen, höh­er als der heu­ti­ge Af­fe, aber noch nicht so hoch wie der heu­ti­ge Mensch. Das war un­ge­fähr die Ge­stalt der Men­schen­vor­fah­ren auf dem Mon­de.&lt;br /&gt;
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Ge­ra­de Sa­gen und My­then ha­ben wun­der­bar die­se Din­ge er­hal­ten. Den­ken Sie nur ein­mal, wie ei­ne deut­sche Sa­ge die­ses Ge­heim­nis, das sich hin­ter all­dem ver­birgt, er­hal­ten hat. Im­mer blei­ben ge­wis­se We­sen­hei­ten zu­rück. Auch die­se We­sen­hei­ten, die zwi­schen den heu­ti­gen Pflan­zen und den heu­ti­gen Tie­ren mit­ten drin­nen­stan­den, die nur auf ei­nem pflanz­li­chen Bo­den wur­zeln konn­ten, wie der Mond­bo­den ei­ner war, die sind zu­rück­ge­b­lie­ben und in un­se­rer heu­ti­gen Er­den­bil­dung des­halb auch nicht fähig, auf mi­ne­ra­li­schem Bo­den zu gedei­hen. Da kön­nen un­se­re heu­ti­gen Pflan­zen wach­sen, aber je­ne, die zwi­schen Pflan­zen und Tie­ren mit­ten­d­rin­nen wa­ren, die ei­nen le­ben­di­gen Bo­den brauch­ten, die kön­nen nicht, wenn sie zu­rück­ge­b­lie­ben sind, im Mi­ne­ra­li­schen wach­sen. Die Mis­tel ist ei­ne sol­che Pflan­ze. Sie muß des­halb in der heu­ti­gen Pflan­zen­welt schma­rot­zen, weil sie ein zu­rück­ge­b­lie­be­nes We­sen ist. Sie hat kei­ne Emp­fin­dung mehr, ob­wohl der um­hül­len­de As­tral­leib der Mis­tel ganz an­ders ist wie der der üb­ri­gen Pflan­zen. Und das fühl­te die deut­sche Sa­ge, daß die Mis­tel ei­gent­lich nicht in un­ser Er­den­we­sen hin­ein­ge­hört, daß sie ihm fremd ist. Die Sa­ge fei­ert im Gott Bal­dur den Gott der Er­den­son­ne, der Er­den­kraft. Kein We­sen der Er­de wird ihm et­wa feind­lich na­hen kön­nen. Da­her kann auch der Gott, von dem die deut­sche Sa­ge das Be­wußt­sein hat­te, daß er so ein Nach­züg­ler sei, da­her kann Lo­ki den Bal­dur mit kei­nem Ge­sc­höpf der Er­de tö­ten. Er muß ihn mit dem Mi­s­telzweig tö­ten las­sen, weil der fremd ist un­ter den Er­den­ge­sc­höp­fen und des­halb dem Nach­züg­ler Lo­ki die­nen kann, der nicht ver­wandt ist mit den Er­den­göt­tern. Tie­fe Weis­heit ver­birgt sich hin­ter sol­chen Sa­gen. In die­ser Bal­dur-Lo­ki-Sa­ge spü­ren wir übe­rall die­se al­te Weis­heit, auch in den Ge­bräu­chen, die sich an die&lt;br /&gt;
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Mis­tel knüp­fen. Wenn Sie sie stu­dier­ten, so wür­den Sie fin­den, daß das­je­ni­ge, was man über sie sagt, aus ural­ter Weis­heit her­rührt.&lt;br /&gt;
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Dann kam in der zwei­ten Hälf­te der Mon­den­ent­wi­cke­lung die Zeit, wo so­wohl die auf der Son­ne wie auch die auf dem Mon­de sich ent­wi­ckeln­den We­sen­hei­ten das er­reicht hat­ten, was sie wäh­rend der al­ten Mon­den­zeit hat­ten er­rei­chen sol­len. Und dann ve­r­ei­nig­ten sie sich wie­der­um. Son­ne und Mond gin­gen wie­der als ein Leib in ih­rer Ent­wi­cke­lung ei­ne St­re­cke zu­sam­men.&lt;br /&gt;
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Dann ver­dun­kel­te sich der Ent­wi­cke­lungs­zu­stand, ging durch den rein geis­ti­gen Zu­stand hin­durch, den man­che ge­wohnt sind Prala­ya zu nen­nen, und nun däm­mer­te un­se­re Er­den­ent­wi­cke­lung auf. Im An­fang ent­hält der auf­däm­mern­de Wel­ten­kör­per nicht nur un­se­re heu­ti­ge Er­den­sub­stanz, son­dern das, was Sie be­kom­men wür­den, wenn Sie die Sub­stanz von der heu­ti­gen Son­ne, der heu­ti­gen Er­de und dem heu­ti­gen Mond zu­sam­men­neh­men und in ei­nem rie­si­gen Topf durch­ein­an­der­rüh­ren wür­den. So un­ge­fähr kön­nen Sie sich den Ent­wi­cke­lungs­zu­stand un­se­rer Er­de bei ih­rem Be­ginn vor­s­tel­len. Die­ser Ent­wi­cke­lungs­zu­stand ist zu­nächst ei­ne Art Wie­der­ho­lung des Sa­turn­zu­stan­des, dann des Son­nen- und des Mon­den­zu­stan­des. Was für uns nun vor al­len Din­gen wich­tig ist, das ist, daß der Mensch ei­gent­lich erst im heu­ti­gen Sin­ne Mensch wird in der Mit­te der Er­den­ent­wi­cke­lung. Auch in un­se­rer Er­den­ent­wi­cke­lung müs­sen wir sie­ben Zu­stän­de un­ter­schei­den. Wir ste­hen im vier­ten. Drei sind vor­an­ge­gan­gen, drei wer­den fol­gen. Der vier­te Haupt­k­reis­lauf war der­je­ni­ge, in wel­chem un­ser heu­ti­ges Men­schen­ge­sch­lecht Mensch wer­den soll­te. So wie nun in al­len die­sen Kreis­läu­fen auf dem Sa­turn, auf der Son­ne und auf dem Mond ge­wis­se We­sen­hei­ten die Mensch­heits­stu­fe er­reich­ten auf dem Sa­turn die Asu­ras oder Ur­kräf­te, auf der Son­ne die Erz­en­gel, auf dem Mon­de die En­gel , so wa­ren auch im­mer We­sen­hei­ten zu­rück­ge­b­lie­ben. Und so gab es auch We­sen­hei­ten, die nicht mehr auf dem Mond die Men­schen­stu­fe er­rei­chen konn­ten, zu­rück­ge­b­lie­be­ne En­gel et­wa, die erst jetzt auf dem Er­den­pla­ne­ten in den ers­ten drei Er­den­zei­träu­men ih­re Mensch­heits­stu­fe nach­ho­len konn­ten. Der Mensch kam in der vier­ten Stu­fe da­ran. Vor dem Men-&lt;br /&gt;
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schen ha­ben noch drei an­de­re We­sen­hei­ten auf der Er­de die Mensch­heits­stu­fe durch­ge­macht. Und die vier­te der We­sen­hei­ten, die auf der Er­de die Mensch­heits­stu­fe durch­ma­chen, ist der Mensch sel­ber. In dem Au­gen­blick der kos­mi­schen Ent­wi­cke­lung, als der Mensch sich eben an­schickt, Mensch zu wer­den, da ha­ben Sie al­so al­le die We­sen­hei­ten, die durch Sa­turn, Son­ne, Mond und Er­de bis zum Men­schen hin die Mensch­heits­stu­fe ha­ben durch­ma­chen kön­nen, als mehr oder we­ni­ger über den Men­schen hin­aus­ge­schrit­te­ne We­sen­hei­ten. Aber al­le sind so, daß sie zu­rück­bli­cken kön­nen, sich er­in­nern kön­nen an die Stu­fe, auf der sie selbst die Mensch­heits­stu­fe durch­ge­macht ha­ben. Sie konn­ten hin­un­ter­schau­en auf den wer­den­den Men­schen und sich sa­gen: Der wird jetzt et­was, was wir schon ge­we­sen sind, wo­für wir Ver­ständ­nis ha­ben, wenn wir es auch un­ter an­de­ren Um­stän­den ge­we­sen sind. Sie konn­ten des­halb sei­ne Ent­wi­cke­lung lei­ten und re­geln vom geis­ti­gen Wel­ten­raum aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zäh­len wir zu­sam­men, wie vie­le sol­cher We­sen­hei­ten es sind, die auf die Men­schen­stu­fe zu­rück­bli­cken kön­nen, die Ver­ständ­nis ha­ben kön­nen für den wer­den­den Men­schen: sie­ben von der Sa­turn­ent­wi­cke­lung plus sie­ben von der Son­nen- plus sie­ben von der Mon­den­stu­fe plus drei von der Er­den­ent­wi­cke­lung, das sind vier­und­zwan­zig We­sen­hei­ten. Vier­und­zwan­zig «Men­schen» bli­cken her­un­ter auf den heu­ti­gen Men­schen. Es sind die We­sen­hei­ten, wel­che wir aus gu­ten Grün­den die Re­gu­la­to­ren der Ent­wi­cke­lung ge­nannt ha­ben, die Re­gu­la­to­ren der Zeit. Zeit hängt mit Ent­wi­cke­lung zu­sam­men. Es sind die vier­und­zwan­zig Äl­tes­ten, die uns in der Apo­ka­lyp­se des Jo­han­nes be­geg­nen. Das sind die­sel­ben We­sen­hei­ten, die uns be­schrie­ben wer­den da, wo wir her­an­t­re­ten an das Ge­heim­nis der sie­ben Sie­gel. Sie wer­den uns als die ei­gent­li­chen Len­ker der Ge­schi­cke be­schrie­ben, das ei­gent­li­che Al­pha und Ome­ga. So ha­ben wir die vier­und­zwan­zig Äl­tes­ten auch hier wie­der­um ge­fun­den, und Sie se­hen, wie der Apo­ka­lyp­ti­ker, der die­se wich­ti­ge Ur­kun­de ge­schrie­ben hat, in sei­ne Bil­der wun­der­bar hin­ein­ge­heim­nißt hat, was wir aus der Be­trach­tung der geis­ti­gen Wel­ten­ent­wi­cke­lung sel­ber fin­den kön­nen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun wa­ren aber ge­wis­se We­sen­hei­ten zu­rück­ge­b­lie­ben auf je­der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Stu­fe, so daß die auf der Son­ne zu­rück­ge­b­lie­be­nen Sa­turn­we­sen als die ers­ten An­la­gen des jet­zi­gen Tier­rei­ches her­aus­ka­men und die auf der Mond­stu­fe zu­rück­ge­b­lie­be­nen Son­nen­we­sen als ers­te An­la­gen des heu­ti­gen Pflan­zen­rei­ches. Auf der Er­de erst kam ei­ne Ent­wi­cke­lungs­stu­fe her­aus als das Mi­ne­ral­reich. Wir ha­ben her­vor­ge­ho­ben, daß es auf dem Mon­de noch kein Mi­ne­ral­reich ge­ge­ben hat. Auf Fel­sen hät­te man auf dem Mon­de noch nicht her­um­ge­hen kön­nen. In der­je­ni­gen Zeit, wo die heu­ti­gen Men­schen an­fin­gen, ih­re Mensch­heits­stu­fe durch­zu­ma­chen, dran­gen aus dem Wel­ten­kör­per, der jetzt zwi­schen der Sub­stanz des Mon­des und der heu­ti­gen Sub­stanz stand, die mi­ne­ra­li­schen Mas­sen, die ers­ten Kri­s­tal­le her­aus. Das war der Au­gen­blick, wo das Mi­ne­ral­reich her­vor­schoß. Und Sie fin­den die­ses Her­vor­schie­ßen in ganz ein­zi­ger Wei­se in der Apo­ka­lyp­se des Jo­han­nes ge­schil­dert, wo er sagt: Da war es kri­s­tal­li­siert um den Stuhl her­um wie ein glä­s­er­nes Meer. Die­ses «glä­s­er­ne Meer» soll uns an­deu­ten das Her­vor­schie­ßen, das Her­vor­kei­men des Mi­ne­ral­rei­ches in sei­ner ers­ten Ge­stalt. So se­hen wir auch die­ses Ge­heim­nis der kos­mi­schen Ent­wi­cke­lung in der Apo­ka­lyp­se des Jo­han­nes an­ge­deu­tet. Und wir ha­ben da­mit auch ein­se­hen ge­lernt, daß bis zu die­sem Gra­de der Apo­ka­lyp­ti­ker uns in sei­nen ge­wal­ti­gen Bil­dern nichts an­de­res dar­s­tel­len will als das, was wir aus dem geis­ti­gen Le­ben her­aus in der Ent­wi­cke­lung der Er­de selbst er­ken­nen kön­nen. Da­mit hat uns aber der Apo­ka­lyp­ti­ker gleich im An­fang sei­nes Bu­ches bis zu den Höhen hin­auf­ge­führt, wo der Mensch die Bil­der der zu­künf­ti­gen Ent­wi­cke­lungs­stu­fen schau­en kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und nun ha­ben wir ei­ne gu­te Grund­la­ge, um wie­der an das an­zu­knüp­fen, was wir schon als die ers­ten Epo­chen zu­künf­ti­ger Mensch­heits­ent­wi­cke­lung ken­nen­ge­lernt ha­ben. Jetzt ha­ben wir als Zwi­schen­be­trach­tung ei­nen Blick ge­wor­fen in die Ver­gan­gen­heit bis da­hin, wo der Mensch be­reit ist, Mensch zu wer­den, wo das Mi­ne­ral­reich her­aus­schießt. Und nun wer­den wir se­hen, wie es bis zu un­se­rer Zeit wei­ter­geht, und von da bis in die Zu­kunft hin­ein. Wir wer­den den An­schluß fin­den zum Ge­heim­nis der sie­ben Sie­gel und ih­rer Ent­sie­ge­lung bis zur Aus­gie­ßung der Zor­nes­scha­len.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|118}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= SECHSTER VOTRAG, Nürnberg, 23. Juni 1908 =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist in der ma­te­ria­lis­ti­schen Wis­sen­schaft all­ge­mein ge­bräuch­lich, mit Aus­nah­me ei­ni­ger Krei­se, die sich in der letz­ten Zeit zu ei­ner an­de­ren Er­klär­ung ent­sch­los­sen ha­ben, die Ent­ste­hung un­se­res ge­gen­wär­ti­gen Son­nen­sys­tems so dar­zu­s­tel­len, daß es sich her­aus­ge­bil­det hat aus ei­ner Art von Ur­ne­bel, der ei­nen Raum um­faßt hat bis über die Nep­tun­g­ren­ze hin­aus, al­so bis an die Bahn des äu­ßers­ten Pla­ne­ten un­se­res Son­nen­sys­tems. Und da, so nimmt man an, hat sich durch ei­nen Ver­dich­tung­s­pro­zeß nach und nach her­aus­ge­bil­det un­se­re Son­ne und die sich um sie her­um­be­we­gen­den Pla­ne­ten. Wie ge­sagt, ei­ni­ge we­ni­ge Er­klä­rer ha­ben heu­te ei­ne et­was an­ders lau­ten­de An­schau­ung, aber sie brin­gen auch noch nichts We­sent­li­ches für uns, die wir auf dem Bo­den ei­ner spi­ri­tu­el­len Wel­t­an­schau­ung ste­hen. Al­so es hät­te sich her­aus­ge­ballt un­se­re Son­ne mit den um sie krei­sen­den Pla­ne­ten. Da­bei wur­de ja im­mer und wird auch heu­te noch in den Schu­len ein nied­li­cher Ver­g­leich ge­bracht, der so recht an­schau­lich ma­chen soll, wie ein gan­zes Pla­ne­ten­sys­tem so durch Dre­hung ent­ste­hen kann. Da nimmt man ei­ne öli­ge Sub­stanz, die in Was­ser schwimmt, und macht sie ku­gel­för­mig. Dann schnei­det man ein klei­nes Blätt­chen, das man ganz in der Äqua­tor­li­nie so durch­drü­cken kann durch die­se öli­ge Ku­gel, daß sie in zwei Hälf­ten ge­teilt wird. Man steckt oben hin­ein ei­ne Steck­na­del, und dann gibt man das in Was­ser, so daß es schwimmt. Man sieht als­dann, wenn man nun die­se klei­ne Ku­gel dreht, wie sich zu­erst ein Trop­fen ab­spal­tet und gleich­sam als ein äu­ße­rer Kör­per die grö­ße­re Ku­gel um­k­reist, wie sich dann ein zwei­ter, drit­ter Trop­fen ab­spal­tet und end­lich in der Mit­te ein gro­ßer Trop­fen üb­rig­b­leibt, um den sich vie­le klei­ne­re dre­hen. Ein Pla­ne­ten­sys­tem im klei­nen! sagt man. Warum, so meint man, kön­ne nicht aus je­nem Ur­ne­bel einst­mals durch sol­che Ab­dre­hung un­ser Son­nen-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
sys­tem ent­stan­den sein, wenn man es doch jetzt nach­ma­chen kann bei ei­nem sol­chen Mi­nia­tur-Son­nen­sys­tem?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es er­scheint ge­wöhn­lich die­ser Ver­g­leich den Men­schen un­ge­heu­er ein­leuch­tend, und jetzt be­g­rei­fen sie, wie einst­mals aus sol­chem Ur­ne­bel sich her­aus­ge­spal­tet ha­ben Sa­turn, Ju­pi­ter, Mars, Er­de, Ve­nus, Mer­kur. Aber die gan­ze Ge­schich­te, nicht nur der Ver­g­leich, son­dern über­haupt die gan­ze An­schau­ung geht her­vor aus der Kurz­at­mig­keit al­les Den­kens der Ge­gen­wart. Denn die be­tref­fen­den, zu­wei­len recht ge­lehr­ten Män­ner, die die­sen Ver­g­leich so ein­leuch­tend hin­s­tel­len, ver­ges­sen da­bei nur ei­nes: daß sie näm­lich selbst da­bei sind und oben die­se Na­del dre­hen! Nun ist ja Selbst­ver­ges­sen­heit in ge­wis­sen Ge­bie­ten des Le­bens sehr gut, aber in die­sem Fall ist ge­ra­de mit dem Ex­pe­ri­men­ta­tor das Al­ler­wich­tigs­te ver­ges­sen, oh­ne das der Öl­trop­fen sich über­haupt nicht dre­hen wür­de. Min­des­tens müß­te der Ge­lehr­te, der mit sol­chem Aber­glau­ben aus­ge­stat­tet ist Kant-La­place­sches Sys­tem ist die­ser Aber­glau­be be­nannt , we­nigs­tens ein klein bißchen Kon­se­qu­enz im Den­ken ha­ben. Er müß­te we­nigs­tens an­neh­men, daß sich da­mals ir­gend­ein We­sen ei­nen Rie­sen­stuhl in den Wel­ten­raum hin­aus­ge­s­tellt und ei­ne Rie­se­nach­se in Be­we­gung ge­setzt hät­te. Das müß­te man min­des­tens vor­aus­set­zen. Aber es hat sich all­mäh­lich das men­sch­li­che Den­ken so sehr da­ran ge­wöhnt, nur das Ma­te­ri­el­le ins Au­ge zu fas­sen, daß man den Wi­der­spruch ei­nes sol­chen Ver­g­lei­ches gar nicht mehr be­merkt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Tat ist ja ei­ne ge­wis­se Wahr­heit in die­sem so­ge­nann­ten Kant-La­place­schen Wel­ten­sys­tem, wenn sich auch die­se Wahr­heit an­ders ver­hält, als die ma­te­ria­lis­ti­sche Er­klär­ung die Sa­che hin­s­tellt. Es ist ei­ne ge­wis­se Wahr­heit da­r­in­nen, weil dem hell­se­he­ri­schen Blick al­les, was un­ser heu­ti­ges Son­nen­sys­tem ent­hält, tat­säch­lich er­scheint als aus solch ur­sprüng­li­cher Ne­bel­mas­se her­vor­ge­gan­gen. Al­lein dem­je­ni­gen, der wir­k­lich ge­schicht­lich for­schen kann, dem wird klar, daß das Gu­te an der Kant-La­place­schen Hy­po­the­se von den ok­kul­ten Tra­di­tio­nen her­rührt. Das hat man ver­ges­sen, als das Wort «Ok­kul­tis­mus» et­was wur­de, wo­vor man sich fürch­te­te wie Kin­der vor dem schwar­zen Mann. Aber das, was&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|120}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
bei der Bil­dung un­se­res Son­nen­sys­tems wir­k­lich ge­sche­hen ist, das ist nicht oh­ne den Ein­fluß von geis­ti­gen We­sen­hei­ten und Mäch­ten ge­sche­hen. Die Ma­te­rie tut nichts, oh­ne daß geis­ti­ge We­sen zu­grun­de lie­gen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es wür­de uns heu­te zu weit füh­ren, wenn wir, an­knüp­fend an das Ges­t­ri­ge, die gan­ze Er­klär­ung un­se­res Son­nen­sys­tems auf­neh­men woll­ten. Wir wol­len au­ßer Be­tracht las­sen die Pla­ne­ten wie Sa­turn, Ju­pi­ter und so wei­ter und nur ins Au­ge fas­sen, was vor al­len Din­gen für un­ser men­sch­li­ches Le­ben und die men­sch­li­che Ent­wi­cke­lung von Be­deu­tung ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Tat war ein­mal ein sol­cher Ur­ne­bel, und in die­sem wa­ren, wie auf­ge­löst, al­le Tei­le un­se­res Son­nen­sys­tems. Aber mit die­sem Ur­ne­bel ver­bun­den, so daß sie da­zu ge­hör­ten, wa­ren die We­sen­hei­ten, wel­che wir im Lau­fe der ges­t­ri­gen Be­trach­tung ken­nen­ge­lernt ha­ben. Zum Bei­spiel wa­ren mit je­nem Wel­ten­ne­bel, mit je­nem kos­mi­schen Ne­bel ver­bun­den al­le die We­sen, die in den 24 Stu­fen durch­ge­macht ha­ben die Men­schen­stu­fe. Auch noch an­de­re We­sen­hei­ten wa­ren mit ihm ver­bun­den. Sie al­le wohn­ten in je­nem Ur­ne­bel, der, wenn man ihn nicht im Zu­sam­men­hang mit die­sen We­sen­hei­ten denkt, ei­ne phan­tas­ti­sche Ab­strak­ti­on ist. Wie ihn sich der ma­te­ria­lis­ti­sche Che­mi­ker et­wa denkt, ist er un­mög­lich. So ist er nur in Ge­dan­ken, von der Wir­k­lich­keit ab­ge­son­dert. In Wir­k­lich­keit ist er so vor­han­den, daß er be­wohnt ist von ei­ner Rei­he von geis­ti­gen We­sen­hei­ten. Denn als je­ner Ur­ne­bel auf­s­tieg zu sei­ner neu­en Sicht­bar­keit, da wa­ren ver­bun­den mit ihm al­le die We­sen­hei­ten, die einst den al­ten Sa­turn be­wohn­ten, die dann die ver­schie­de­nen Ent­wi­cke­lungs­stu­fen durch Son­ne, Mond durch­ge­macht ha­ben bis her­auf zur Er­de, wo nach lan­ger Zwi­schen­pau­se der Er­den-Ur­ne­bel so­zu­sa­gen auf­s­tieg. Und auch die an­de­ren We­sen­hei­ten, die wir erst auf der Son­ne ken­nen­ge­lernt ha­ben, wa­ren ver­bun­den mit die­sem Ur­ne­bel. Und die­se We­sen­hei­ten, der gan­ze Cho­rus, der da­r­in­nen war, der die­sen Ur­ne­bel durch­setz­te, die­se sind es, wel­che die Be­we­gun­gen her­vor­rie­fen. Denn die We­sen­hei­ten sind es, die sich ih­ren Schau­platz schaf­fen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da wa­ren zum Bei­spiel We­sen­hei­ten, die ei­nen ganz an­de­ren&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Wohn­platz brauch­ten als die Men­schen, wenn sie die ih­nen ent­sp­re­chen­de Ent­wi­cke­lung durchlau­fen woll­ten. Die Men­schen, die auf dem al­ten Mon­de als die Vor­fah­ren der jet­zi­gen Men­schen ge­lebt ha­ben, hat­ten erst phy­si­schen Leib, Äther­leib und As­tral­leib. Mit die­sen drei Glie­dern ih­rer We­sen­heit ka­men sie im Be­gin­ne der Er­den­ent­wi­cke­lung aus dem so­ge­nann­ten Prala­ya wie­der­um her­aus wie ei­ne Pflan­ze aus dem Sa­men. So, wie nun die­ses gan­ze Sys­tem im An­fang war, war es un­ge­eig­net für die We­sen­hei­ten, die die An­la­gen mit­ge­bracht hat­ten zum heu­ti­gen Men­schen. Wä­re je­ne Sch­nel­lig­keit der Ent­wi­cke­lung bei­be­hal­ten wor­den, die un­ser Son­nen­sys­tem im An­fang hat­te, als es her­aus­kam aus der kos­mi­schen Däm­me­rung, so hät­te der Mensch sei­ne Ent­wi­cke­lung nicht fin­den kön­nen. Es wä­re ei­ne Ent­wi­cke­lung ge­we­sen, als ob Sie jetzt ge­bo­ren wür­den und dann in kür­zes­ter Zeit schon Grei­se wä­ren. Wür­de je­ne Sch­nel­lig­keit der Ent­wi­cke­lung bei­be­hal­ten wor­den sein, die der Son­ne ei­gen war, so wür­den Sie al­le rasch al­tern. Sie wür­den nicht je­nen lang­sa­men Gang durch die Jahr­zehn­te ma­chen kön­nen, wie Sie es wir­k­lich tun. Nach kur­zer Zeit wür­den Sie wei­ße Haa­re ha­ben. Kaum daß Sie Kind ge­we­sen sind, wür­den Sie schon Grei­se sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So hat es nicht sein dür­fen. Es wa­ren al­so We­sen­hei­ten vor­han­den, die ein sch­nel­le­res Tem­po brauch­ten. Die­se We­sen­hei­ten mach­ten nur ei­nen Teil der Ent­wi­cke­lung mit, nah­men sich dann je­nen Wel­ten­kör­per her­aus, der heu­te als Son­ne am Him­mel steht, und mach­ten die­se Son­ne zu ih­rem Wohn­platz. Sie zo­gen mit ih­rer We­sen­heit die Son­nen­ma­te­rie her­aus. Denn die­se Son­ne, die heu­te ihr Licht uns zu­schickt, ist eben­so von geis­ti­gen We­sen­hei­ten be­wohnt wie un­se­re Er­de. Mit je­dem Son­nen­strahl, der her­un­ter­dringt, ge­hen auf die Er­de her­un­ter die Ta­ten je­ner geis­ti­gen We­sen­hei­ten, die sich im Ver­lauf der Sa­turn-, Son­nen-, Mon­den­ent­wi­cke­lung da­hin ge­bracht ha­ben, daß sie ei­ne so ra­sche Ent­wi­cke­lung durch­ma­chen kön­nen, wie sie auf der heu­ti­gen Son­ne statt­fin­det. Ho­he, er­ha­be­ne We­sen­hei­ten sind ver­knüpft mit die­sem Son­nen­da­sein im Be­gin­ne un­se­rer Er­den­ent­wi­cke­lung, und sie spal­ten sich ab. Und was dann zu­rück­ge­b­lie­ben ist, müs­sen Sie sich so&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|122}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
vor­s­tel­len, als wenn Sie den heu­ti­gen Mond und die heu­ti­ge Er­de in ei­nem gro­ßen Topf zu­sam­men­ge­rührt hät­ten und die­se zu­sam­men­ge­rühr­ten Er­de und Mond zu­nächst ei­ne Zeit­lang die Son­ne um­k­reis­ten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So ha­ben wir, be­vor wir den Punkt er­rei­chen, den wir ges­tern als Men­sch­wer­dung be­zeich­net ha­ben, zu­nächst die Tren­nung der Son­ne von der Er­de, das heißt der heu­ti­gen Er­de plus dem heu­ti­gen Mon­de fest­zu­s­tel­len. Auf der Son­ne blie­ben woh­nen die We­sen­hei­ten, wel­che die geis­ti­gen Len­ker der ir­di­schen Er­eig­nis­se sind. Als sie vom Mon­de her­über­ka­men, da wa­ren es sie­ben sol­cher We­sen­hei­ten. Die Ge­ne­sis nennt sie Elo­him, Licht­geis­ter. Sie ha­ben ei­ne Wei­le ih­re Ent­wi­cke­lung mit der Er­de zu­sam­men durch­ge­macht und dann die Son­ne her­aus­ge­zo­gen, so daß sie nun von der Son­ne her­aus auf die Er­de wir­ken kön­nen. Die­se Elo­him, die­se Licht­geis­ter wa­ren al­so ih­rer sie­ben. Sechs von ih­nen wa­ren so, daß sie ihr Da­sein mit der ei­gent­li­chen kos­mi­schen Son­ne ver­ban­den. Ei­ner son­der­te sich aus von ih­nen, ei­ner, den das Al­te Te­s­ta­ment Jah­ve nennt. Der son­der­te sich aus und blieb zu­nächst mit der Er­de ver­bun­den. Der lei­te­te und lenk­te die Er­den­ent­wi­cke­lung von in­nen her­aus, wäh­rend die an­de­ren von au­ßen he­r­ein wirk­ten. So war es ei­ne Wei­le.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber schon nach dem, was ges­tern für den al­ten Mond an­ge­deu­tet wor­den ist, wer­den Sie es be­g­reif­lich fin­den, daß mit dem Her­aus­ge­hen der Son­ne ei­ne Ver­dich­tung al­les des­sen ver­bun­den war, was als Er­de plus Mond zu­rück­b­lieb. Es kam ei­ne Pe­rio­de über die Erd­ent­wi­cke­lung, wo al­le We­sen­hei­ten, und nicht nur die Sub­stanz, ei­ne Ver­gröbe­rung durch­mach­ten. Die We­sen­hei­ten zum Bei­spiel, die spä­ter die Men­schen wur­den, die da­mals noch sehr weich und fein wa­ren, mach­ten da­durch ei­ne Ver­gröbe­rung durch, daß sie scheuß­li­che In­s­tink­te an­nah­men. Ei­ne Ver­gröbe­rung des gan­zen Le­bens fand statt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber so durf­te die Ent­wi­cke­lung nicht blei­ben, wenn der Mensch ent­ste­hen soll­te. Es wür­de ei­ne Ver­gröbe­rung ein­ge­t­re­ten sein, dich­ter und dich­ter wä­re al­les ge­wor­den, und die Men­schen wä­ren zu Mu­mi­en er­starrt. Mu­mi­fi­ziert wä­ren die Men­schen ge­wor­den, und&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|123}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie hät­ten sehr bald ei­nen Pla­ne­ten ge­habt, auf dem so et­was wie nicht ge­ra­de sc­hö­ne, aber men­sche­n­ähn­li­che Mu­mi­en, wie Sta­tu­en, sich an­ge­sam­melt hät­ten. Mu­mi­fi­ziert wä­re die Er­de ge­wor­den. Es muß­te ein an­de­res Er­eig­nis ein­t­re­ten. Ge­ra­de durch die Re­gie­rung des kos­mi­schen Geis­tes Jah­ve wur­de nun aus die­ser Ge­samt­mas­se Er­de plus Mond das­je­ni­ge ab­ge­son­dert, her­aus­ge­holt, was Sie jetzt als Mond, als die­se aus­ge­brann­te Mond­schla­cke am Him­mel se­hen. Da wur­den nicht nur die gröbs­ten sub­stan­ti­el­len Be­stand­tei­le, son­dern auch die gröbs­ten We­sen­hei­ten aus­ge­son­dert. So war durch das Weg­ge­hen der Son­ne zu­erst be­wirkt wor­den, daß der Mensch nicht ei­ne zu ra­sche Ent­wi­cke­lung nimmt, und durch das Weg­ge­hen des Mon­des wur­de nun be­wirkt, daß der Mensch nicht ei­ne Ent­wi­cke­lung nach dem Ver­dor­ren, nach dem Ver­dich­ten, nach dem Mu­mi­fi­zie­ren hin nimmt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So war die Er­de her­aus­ge­son­dert aus der gan­zen Mas­se, und jetzt wird der Gang der men­sch­li­chen Ent­wi­cke­lung un­ter dem Ein­flus­se die­ser zwei Him­mels­kör­per über die Er­de ge­lei­tet, das heißt na­tür­lich nicht un­ter dem Ein­fluß der Him­mels­kör­per, son­dern ih­rer We­sen­hei­ten, der sechs Son­nen­geis­ter und des Mon­den­geis­tes, der sich zum Heil der Men­schen ab­ge­son­dert hat­te. Und sie wird so ge­lei­tet, daß im we­sent­li­chen die­se bei­den Kräf­te sich die Waa­ge hal­ten. Durch das Her­au­s­t­re­ten bei­der, der Son­nen­kräf­te und der Mond­kräf­te, wur­de ge­ra­de das rich­ti­ge Tem­po der Mensch­heits­ent­wi­cke­lung er­zielt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den­ken Sie ein­mal um Ih­nen das durch et­was an­de­res na­he­zu­füh­ren , daß nur die Son­ne wirk­sam wä­re für den Men­schen. Sie wis­sen, die Men­schen ma­chen ih­re Ent­wi­cke­lung auf der Er­de in vie­len, vie­len In­kar­na­tio­nen durch. Sie ha­ben ein­mal mit der ers­ten Ver­kör­pe­rung auf der Er­de an­ge­fan­gen und be­kom­men im­mer wie­der neue Lei­ber, bis sie die letz­te Ver­kör­pe­rung durch­ma­chen wer­den. Ei­ne Rei­he von In­kar­na­tio­nen macht der Mensch durch. Da­durch ent­wi­ckelt er sich lang­sam und geht von Ver­kör­pe­rung zu Ver­kör­pe­rung auf­wärts. Als wah­re geis­ti­ge Ba­bies be­t­ra­ten die Men­schen un­se­re Erd­ober­fläche. Seit der Tren­nung von Son­ne und Mond von un­se­rer Er­de stie­gen sie her­auf bis zur&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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heu­ti­gen Stu­fe. Al­le die­se See­len wer­den wie­der­kom­men in an­de­ren Lei­bern bis zum En­de der Er­den­ent­wi­cke­lung. Nun den­ken Sie sich, daß nur die Son­ne wirk­sam wä­re für den Men­schen. Dann wür­den die Men­schen al­les das, was sie in so vie­len In­kar­na­tio­nen durch­ma­chen, in ei­ner ein­zi­gen durchlau­fen müs­sen. Daß das rich­ti­ge Tem­po in die vie­len In­kar­na­tio­nen hin­ein­kommt, das wird be­wirkt durch das Sich-die-Waa­ge-Hal­ten der Kräf­te zwi­schen Son­ne und Mond von au­ßen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Zeit, in wel­cher al­so Son­ne und Mond hin­aus­ge­t­re­ten sind, be­ginnt all­mäh­lich der heu­ti­ge Mensch. Da wird die ers­te An­la­ge zum heu­ti­gen Men­schen ge­schaf­fen. Das war in ei­ner Zeit, wo der Mensch kei­nes­wegs et­wa schon wie heu­te auf die­ser Er­de her­um­wan­del­te. Sie dür­fen durch­aus nicht glau­ben, daß, als der Mond drau­ßen war, der Mensch so wie heu­te in Fleisch­ge­stalt auf die­ser Er­de her­um­ge­wan­delt ist. Es kom­men zu­erst all die For­men, die früh­er schon da­ge­we­sen wa­ren, wie in ei­ner Wie­der­ho­lung wie­der. Und als die Er­de be­f­reit war von der Son­ne und dem Mond, da sah sie un­ge­fähr so aus wie der al­te Mond, war so­gar noch wei­cher. Und wenn ein Au­ge, das so or­ga­ni­siert ist wie das heu­ti­ge, hin­ge­se­hen hät­te auf die Er­de, es hät­te den Men­schen noch nicht se­hen kön­nen. Da­ge­gen wa­ren ge­wis­se an­de­re We­sen­hei­ten da, wel­che nicht reif ge­nug wa­ren, ab­zu­war­ten die spä­te­re Zeit. Sie muß­ten, wäh­rend die Ent­wi­cke­lungs­stu­fe noch un­voll­kom­men war, sich her­aus­ent­wi­ckeln, muß­ten kör­per­li­che Ge­stalt an­neh­men, so daß ge­wis­se For­men der nie­de­ren Tie­re da­zu­mal, ei­ni­ge Zeit nach dem Weg­gan­ge des Mon­des von der Er­de, schon in phy­si­scher Ver­dich­tung zu se­hen wa­ren. Der Mensch war noch nicht her­ab­ge­s­tie­gen, noch nicht ein­mal die höhe­ren Säu­ge­tie­re. Der Mensch war noch ein Geist­we­sen, er um­schweb­te noch als geis­ti­ges We­sen die Er­de. Aus der Um­ge­bung der Er­de hat er die feins­te Ma­te­rie an­ge­nom­men. Nach und nach ver­dich­te­te sich der Mensch so weit, daß er her­un­ter­s­tei­gen konn­te, da, wo die Er­de schon fest ge­wor­den war und ein­zel­ne In­seln ge­bil­det hat­te.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So se­hen wir, daß die ers­ten Men­schen ver­hält­nis­mä­ß­ig spät auf­t­re­ten und daß sie da­mals ganz an­de­re Be­schaf­fen­heit hat­ten als&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
der heu­ti­ge Mensch. Ich kann Ih­nen nicht die Ge­stal­ten je­ner Men­schen schil­dern, die so­zu­sa­gen sich zu­erst her­aus­kri­s­tal­li­sier­ten aus dem Geis­ti­gen. Wenn Sie auch schon viel von schwer zu Glau­ben­dem über sich ha­ben er­ge­hen las­sen müs­sen, Sie wür­den doch zu stark scho­ckiert wer­den, wenn ich Ih­nen schil­dern wür­de die gro­tesk aus­schau­en­den Ge­stal­ten der Lei­ber, in de­nen Ih­re See­len in­kar­niert wa­ren. Sie wür­den solch ei­ne Schil­de­rung nicht er­tra­gen kön­nen. In ei­ner spä­te­ren Zeit je­doch, wenn die­se Din­ge, die heu­te durch die an­thro­po­so­phi­sche Geis­tes­strö­mung erst be­gin­nen zum Be­wußt­sein der Men­schen zu kom­men, im­mer mehr und mehr die­ses Be­wußt­sein der Men­schen er­obern, dann wird ein­mal das be­kannt ge­ge­ben wer­den müs­sen, und es wird ei­nen un­ge­heu­ren Er­folg ha­ben, ei­ne un­ge­heu­re Be­deu­tung für das gan­ze Le­ben der Men­schen. Denn nur da­durch, daß der Mensch ken­nen­ler­nen wird, wie er sich auch leib­lich ent­wi­ckelt hat, wie die­je­ni­gen Or­ga­ne, die jetzt vor­han­den sind, all­mäh­lich aus ganz an­de­ren For­men sich her­aus­ge­bil­det ha­ben, wird er je­ne merk­wür­di­ge Ver­wandt­schaft zwi­schen Or­ga­nen im men­sch­li­chen Lei­be füh­len, die heu­te schein­bar weit au­s­ein­an­der­lie­gen. Da wird er die Kor­res­pon­denz ein­se­hen, die zwi­schen ge­wis­sen Or­ga­nen be­steht, zum Bei­spiel zwi­schen dem Blind­darm und der Luf­tröh­re, die in ih­rer frühe­ren Form bei je­nen merk­wür­di­gen Ge­stal­ten zu­sam­men­ge­wach­sen wa­ren. Das al­les, was heu­te der Mensch ist, das ist das au­s­ein­an­der-ge­roll­te Frühe­re, das in der man­nig­fal­tigs­ten Wei­se au­s­ein­an­der­ge­nom­men ist. Or­ga­ne, die heu­te au­s­ein­an­der­lie­gen, wa­ren früh­er zu­sam­men­ge­wach­sen, sie ha­ben aber ih­re Ver­wandt­schaft wohl be­wahrt. In Krank­hei­ten zeigt sich oft die­se Ver­wandt­schaft, da zeigt sich, wie die Er­kran­kung ei­nes Or­ga­nes not­wen­di­ger­wei­se die ei­nes an­de­ren nach sich zie­hen muß. Da wer­den die­je­ni­gen, die wir­k­lich Me­di­zin stu­die­ren wer­den, man­cher­lei Ent­de­ckun­gen zu ma­chen ha­ben, von de­nen sich die heu­ti­ge Me­di­zin, die nur ei­ne No­ti­zen­samm­lung ist, nichts träu­men läßt. Da wird die­se Me­di­zin erst wir­k­lich et­was ler­nen über die wah­re men­sch­li­che Na­tur. Das al­les nur, um hin­zu­wei­sen, wie ganz an­ders die frühe­re Men­schen­ge­stalt war.&lt;br /&gt;
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Erst nach und nach ha­ben sich ein­ge­g­lie­dert in die­se men­sch­li­che Ge­stalt die fes­ten Tei­le. Ur­sprüng­lich wa­ren im Men­schen­lei­be, auch als er sich schon her­un­ter­ge­senkt hat­te, noch kei­ne Kno­chen. Die Kno­chen ent­wi­ckel­ten sich aus wei­chen, knor­pel­ar­ti­gen Din­gen, die wie Strän­ge den men­sch­li­chen Leib durch­setz­ten, und die­se wie­der­um wa­ren aus ganz wei­chen Sub­stan­zen ent­stan­den, und die­se wei­chen Sub­stan­zen aus flüs­si­gen, die­se aus luft­för­mi­gen, die luft­för­mi­gen aus äthe­ri­schen und die äthe­ri­schen aus as­tra­li­schen, die sich aus geis­ti­ger Sub­stan­tia­li­tät ver­dich­tet hat­ten. Al­les Ma­te­ri­el­le ist zum Schluß aus dem Geis­ti­gen her­aus ent­spran­gen. Im Geis­te ist al­les vor­ge­bil­det. Erst in der Zeit, die wir schon an­ge­deu­tet ha­ben als den at­lan­ti­schen Zei­traum, ist der Mensch nach und nach da­zu ge­kom­men, sein Kno­chen­sys­tem, das schon früh­er ver­an­lagt war, her­aus­zu­bil­den.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun müs­sen wir uns die­sen le­mu­ri­schen Men­schen ge­nau­er an­schau­en, da­mit wir den Sch­rei­ber der Apo­ka­lyp­se bes­ser ver­ste­hen ler­nen. Nur hin­zu­deu­ten brau­che ich, daß in der ers­ten Zeit, wo der Mond weg war von der Er­de und der Mensch sich her­un­ter­senk­te, daß da der Mensch in be­zug auf sei­ne Wil­lens­kraft ganz an­de­rer Na­tur war als spä­ter. Die Wil­lens­kraft des Men­schen wirk­te da­zu­mal ma­gisch. Der Mensch konn­te durch sei­nen Wil­len auf das Wachs­tum der Blu­men wir­ken. Wenn der Mensch sei­nen Wil­len an­st­reng­te, konn­te er ei­ne Blu­me rasch in die Höhe schie­ßen las­sen, ei­ne Fähig­keit, die heu­te nur durch ei­ne abnor­me Ent­wi­cke­lung­s­pro­ze­dur zu er­rei­chen ist. Da­her war da­mals die gan­ze na­tür­li­che Um­ge­bung ab­hän­gig da­von, wie der Wil­le des Men­schen be­schaf­fen war. War er gut, so wirk­te er be­sänf­ti­gend auf das Wo­gen der Was­ser­mas­sen, auf den Sturm und auf die da­mals in wei­tem Um­kreis herr­schen­den feu­ri­gen Ge­bil­de, denn es war die Er­de da­mals zum gro­ßen Teil vul­ka­ni­scher Na­tur. Der Mensch wirk­te be­sänf­ti­gend auf das al­les durch ei­nen gu­ten, und zer­stö­rend durch ei­nen bö­sen Wil­len. Gan­ze In­seln konn­ten zer­schla­gen wer­den durch den bö­sen Wil­len. So war durch­aus des Men­schen Wil­le im Ein­klang mit sei­ner Um­ge­bung. Im we­sent­li­chen gin­gen die Län­der­mas­sen, in de­nen der Mensch da­mals ge­wohnt hat, durch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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den bö­sen Wil­len der Men­schen zu­grun­de, und nur ein klei­ner Teil der da­ma­li­gen Men­schen hier müs­sen wir wie­der zwi­schen Ras­sen- und See­len­ent­wi­cke­lung un­ter­schei­den ret­te­te sich hin­über in den Zei­traum, den wir rich­tig be­sch­rei­ben kön­nen, weil wir da aus un­se­rer Spra­che her­aus Wor­te fin­den, die die hell­se­he­ri­sche Wahr­neh­mung wie­der­ge­ben kön­nen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir kom­men nach die­ser Ka­tastro­phe in die al­te at­lan­ti­sche Zeit, in je­ne Zeit, in wel­cher sich das Men­schen­ge­sch­lecht im we­sent­li­chen auf ei­nem Kon­ti­nent ent­wi­ckel­te, der heu­te den Bo­den des At­lan­ti­schen Oze­ans bil­det, zwi­schen dem heu­ti­gen Eu­ro­pa und Ame­ri­ka. Un­ter ganz an­de­ren phy­si­ka­li­schen, un­ter ganz an­de­ren Ver­hält­nis­sen über­haupt leb­te da­mals der Mensch. An­fangs war er durch­aus ein Ge­bil­de, das ganz an­ders wahr­nahm als der heu­ti­ge Mensch. Wir ha­ben schon dar­auf hin­ge­deu­tet im ers­ten Vor­trag und spä­ter wie­der­um. Heu­te wol­len wir noch­mals et­was ge­nau­er hin­wei­sen auf die­se ganz an­de­re Art der An­schau­ung des da­ma­li­gen Men­schen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Mensch hat­te noch ei­ne Art al­ten Hell­se­hens aus dem Grun­de, weil das Ge­fü­ge sei­ner Lei­bes­g­lie­der an­ders war als heu­te. Es war noch nicht in so en­ger Wei­se der Äther- mit dem phy­si­schen Lei­be ver­bun­den. Der Äther­leib des Kop­fes war weit her­au­ßen aus dem phy­si­schen Lei­be. Erst ge­gen das letz­te Drit­tel der at­lan­ti­schen Zeit ging der her­aus­hän­gen­de Äther­leib zu­rück und be­kam die Form des heu­ti­gen phy­si­schen Men­schen­kop­fes. Da­durch, daß die­ser al­te At­lan­tier so ganz an­ders ge­stal­tet war als der heu­ti­ge Mensch und an­ders im Ge­fü­ge sei­ner Glie­der war, war auch das gan­ze Be­wußt­s­eins­le­ben, das gan­ze See­len­le­ben die­ses al­ten At­lan­tiers ein an­de­res. Und hier müs­sen wir noch, wenn wir rich­tig ver­ste­hen wol­len den Apo­ka­lyp­ti­ker, ein sehr wich­ti­ges, aber auch sehr ge­heim­nis­vol­les Ka­pi­tel be­rüh­ren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn Sie in die­se al­te At­lan­tis kom­men wür­den, wür­den Sie fin­den, daß sie nicht von solch rei­ner Luft um­ge­ben war wie die heu­ti­ge Er­de, son­dern von ei­ner Luft, die durch­schwän­gert war mit Ne­bel-, mit Was­ser­mas­sen. Die­se Luft wird durch­sich­ti­ger, kla­rer, je wei­ter sich die At­lan­tis ent­wi­ckelt. Aber die Ne­bel sind am&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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stärks­ten dort, wo sich die er­wähn­te höher­ent­wi­ckel­te at­lan­ti­sche Kul­tur ent­fal­tet hat. Da wa­ren die ärgs­ten Ne­bel Vor­han­den, und aus die­sen Ne­beln her­aus ent­wi­ckel­te sich die Grund­la­ge für die spä­te­ren Kul­tu­ren. Die At­lan­tis war weit und breit mit sol­chen Ne­beln durch­zo­gen. Ei­ne sol­che Ver­tei­lung von Re­gen und Son­nen­schein wie heu­te hat es nicht ge­ge­ben. Da­her konn­te in der al­ten At­lan­tis das nicht ent­ste­hen, was Sie als den Re­gen­bo­gen ken­nen. Sie kön­nen die gan­ze At­lan­tis ab­su­chen, Sie fin­den ihn kaum. Erst als die Ver­dich­tung der Was­ser zur Über­flu­tung ge­führt hat­te, als die Sint­flut hin­ge­gan­gen war über die Er­de, da erst konn­te der Re­gen­bo­gen phy­si­ka­lisch ent­ste­hen. Und hier ha­ben Sie ei­nen Mo­ment, wo Ih­nen aus der Geis­tes­wis­sen­schaft her­aus die höchs­te Ehr­furcht kom­men wird vor den re­li­giö­sen Ur­kun­den. Denn wenn Ih­nen er­zählt wird, daß nach der Flut Noah, der Re­prä­sen­tant von de­nen, die das Men­schen­ge­sch­lecht hin­über­ge­ret­tet ha­ben, den Re­gen­bo­gen zu­erst auf­ge­rich­tet sieht, so ist das wir­k­lich ein his­to­ri­sches Er­eig­nis. Nach der Flut sieht die Mensch­heit den ers­ten Re­gen­bo­gen. Früh­er war er phy­si­ka­lisch nicht mög­lich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da se­hen Sie, wie tief, wie buch­stäb­lich wahr die re­li­giö­sen Ur­kun­den sind. Heu­te quält es man­chen, wenn man sagt, die re­li­giö­sen Ur­kun­den sei­en buch­stäb­lich wahr. Man­che zi­tie­ren ein Sprich­wort, das wahr ist, aber von den Be­qu­em­lin­gen nicht als wah­res Wort, son­dern aus Be­qu­em­lich­keit zi­tiert wird. Es ist das Wort: Der Buch­sta­be tö­tet, der Geist aber macht le­ben­dig. Dar­aus lei­ten sie die Be­rech­ti­gung ab, über­haupt gar nicht mehr auf das hin­zu­schau­en, was in den Ur­kun­den da­steht, gar nicht mehr den Wil­len ha­ben zu müs­sen, zu er­ken­nen, was da wir­k­lich steht, denn das ist der tö­t­en­de Buch­sta­be, sa­gen sie. Und so las­sen sie ih­ren Geist glän­zen, der al­les mög­li­che zu­sam­men­phan­ta­siert. Sie kön­nen ja sehr gei­st­reich sein, die­se Men­schen in ih­ren Er­klär­un­gen, aber dar­auf kommt es nicht an, son­dern dar­auf, daß wir wir­k­lich das se­hen in den Ur­kun­den, was in ih­nen drin­nen­steht. «Der Buch­sta­be tö­tet, der Geist aber macht le­ben­dig», die­ses Wort hat die­sel­be Be­deu­tung in der mys­ti­schen Spra­che wie das Goe­the­sche Wort:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;margin-left:20px;&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
Und so lang du das nicht hast,&lt;br /&gt;
Die­ses: Stirb und wer­de!&lt;br /&gt;
Bist du nur ein tr­üb­er Gast&lt;br /&gt;
Auf der dun­k­len Er­de.&lt;br /&gt;
&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die­ses Wort heißt nicht: Wenn du je­mand zur höhe­ren Er­kennt­nis füh­ren willst, mußt du ihn er­schla­gen, son­dern das heißt: Der Mensch muß ge­ra­de durch die Kul­tur der phy­si­schen Welt sich er­he­ben zu der Geis­tig­keit. So ist auch der Buch­sta­be der Leib des Geis­tes, und erst muß man ihn ha­ben und ver­ste­hen, dann mag man sa­gen, man kön­ne aus ihm her­aus den Geist fin­den. Der Buch­sta­be, der be­grif­fe­ne Buch­sta­be soll dann abs­ter­ben, auf daß der Geist aus ihm au­f­er­ste­he. Nicht ei­ne An­wei­sung ist je­nes Wort, be­lie­big zu phan­ta­sie­ren ge­gen­über dem, was in den re­li­giö­sen Ur­kun­den steht. Ge­ra­de wenn wir die wah­re Be­deu­tung die­ses Re­gen­bo­gens zum Bei­spiel, wie wir sie dar­ge­s­tellt ha­ben, er­ken­nen, dann zieht et­was ein in un­se­re See­le wie tie­fe Ehr­furcht vor den re­li­giö­sen Ur­kun­den, und wir be­kom­men ei­nen Be­griff, wie durch je­ne Ver­tie­fung der Auf­fas­sung durch die an­thro­po­so­phi­sche Wel­t­an­schau­ung der Mensch erst zur wah­ren, ech­ten Emp­fin­dung und zum wah­ren Wil­lens­ver­ständ­nis der re­li­giö­sen Ur­kun­den vor­sch­rei­tet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun wol­len wir zu­rück­schau­en in die al­te At­lan­tis. Wir ha­ben schon ge­sagt, daß der Mensch da in ei­nem an­de­ren Be­wußt­s­eins­zu­stand leb­te, daß sein Ge­dächt­nis an­ders war als heu­te. Aber der Un­ter­schied ist noch viel be­trächt­li­cher. Wenn wir weit zu­rück­ge­hen, nicht bloß bis in die End­zeit der At­lan­tis, son­dern in die An­fangs­zeit, dann fin­den wir das men­sch­li­che Be­wußt­sein sehr ver­schie­den von dem, was wir heu­te ha­ben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Füh­ren wir uns noch ein­mal vor die See­le, was heu­te da ist. Wäh­rend des Ta­ges be­di­ent sich der Mensch der Sin­ne. Abends schläft er ein. Im Bet­te lie­gen der phy­si­sche Leib und der äthe­ri­sche Leib, der as­tra­li­sche Leib und das Ich tre­ten her­aus. Die Be­wußt­s­eins­sphä­re ver­dun­kelt sich. Der Mensch von heu­te sieht .nichts, hört nichts. Mor­gens, wenn der as­tra­li­sche Leib mit dem Ich un­ter­taucht in den phy­si­schen und Äther­leib, dann tre­ten die phy­si­schen Din­ge&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
wie­der­um her­vor. Wie war es in der ers­ten at­lan­ti­schen Zeit? Neh­men wir je­nen Zeit­punkt, wo mor­gens der Mensch hin­un­ter­tauch­te in den phy­si­schen und Äther­leib. Da hat­te er da­mals nicht ei­ne sol­che phy­si­sche Welt um sich wie heu­te. All die Ge­gen­stän­de von heu­te, die Sie mit kla­ren Gren­zen se­hen, die wür­den Sie wie mit ei­ner Au­ra, mit Far­ben­säu­men um­ge­ben, ganz ver­schwom­men ge­se­hen ha­ben, so, wie Sie auch bei ei­nem star­ken Ne­bel abends die Lich­ter auf den Stra­ßen nicht klar se­hen, da­für aber sol­che Far­ben­säu­me um die Lich­ter der La­ter­ne her­um. So war es in der al­ten At­lan­tis. Al­le Ge­gen­stän­de sah man nur ver­schwom­men, nichts mit den Gren­zen und Ober­flächen von heu­te, al­les wie in Ne­bel­far­ben ein­ge­hüllt. Erst nach und nach hat sich das her­aus­ge­bil­det, was fes­te Gren­ze ist. Wenn wir ei­ne Ro­se vor uns ge­habt hät­ten, so hät­ten wir in den ers­ten Zei­ten der al­ten At­lan­tis ge­se­hen, wie da ein Ne­bel­ge­bil­de auf­geht, wie in der Mit­te ein rosa­ro­ter Kreis ist, und nach und nach erst hät­ten sich die äu­ße­ren Far­ben gleich­sam hin­über­ge­legt über die Ober­fläche. Die Ge­gen­stän­de ha­ben erst spä­ter kla­re Um­ris­se be­kom­men.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Al­so Sie se­hen, ganz an­ders ist jetzt die phy­si­sche Um­welt als in der al­ten At­lan­tis. Da­für war es auch an­ders, wenn Sie des Abends her­aus­ge­s­tie­gen sind aus Ih­rem phy­si­schen Leib und, sa­gen wir, ein­ge­schla­fen sind. Ei­gent­lich war es ja kein Ein­schla­fen im heu­ti­gen Sin­ne. Al­ler­dings, die gan­ze Welt der ne­bel­haf­ten phy­si­schen Ge­bil­de blieb un­ter Ih­nen, aber auf ging ei­ne geis­ti­ge Welt. Oh­ne fes­te Gren­zen leb­ten Sie sich in ei­ne geis­ti­ge Welt hin­ein. Die geis­ti­gen We­sen­hei­ten wa­ren Ih­re Mit­be­woh­ner. So wech­sel­ten Tag und Nacht in der ers­ten at­lan­ti­schen Zeit mit­ein­an­der ab. Wenn der Mensch un­ter­tauch­te in sei­nen phy­si­schen Leib, hat­te er nur un­deut­li­che, ver­schwom­me­ne Bil­der des Phy­si­schen, aber wenn er des Nachts den phy­si­schen Leib ver­ließ, hat­te er die Mög­lich­keit, wenn auch et­was ver­schwom­men, geis­tig un­ter Geis­tern zu le­ben, un­ter Geis­tern zu wan­deln. Und vor al­len Din­gen war das gan­ze Emp­fin­dungs­le­ben des Men­schen auch ein an­de­res in der al­ten at­lan­ti­schen Zeit. Wenn Sie, sa­gen wir, her­aus­ge­gan­gen sind aus dem In­nern Ih­res phy­si­schen und Äther­lei­bes, da hät­ten Sie nicht&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Er­mü­dung ge­fühlt, kein Be­dürf­nis nach Ru­he ge­habt. Sie hät­ten auch die Ru­he nicht ge­fun­den; Sie muß­ten ein­t­re­ten in die geis­ti­ge Welt, da war die Sphä­re des Wir­kens. Wenn es da­ge­gen Mor­gen wur­de, fühl­ten Sie Ru­he­be­dürf­nis, und da such­ten Sie so­zu­sa­gen Ihr Bett auf, das Ihr ei­ge­ner Leib war. Da blie­ben Sie ru­hig lie­gen. Sie ver­kro­chen sich in Ih­ren ei­ge­nen Leib und ruh­ten ge­ra­de bei Ta­ge.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der ers­ten Zeit der At­lan­tis war es al­so durch­aus an­ders als jetzt. Die at­lan­ti­sche Zeit ver­läuft so, daß der Mensch sich all­mäh­lich her­über­gebt aus den ganz ent­ge­gen­ge­setz­ten Zu­stän­den in die spä­te­ren. Er lebt sich in dem Ma­ße her­über, als sein Äther­leib mehr und mehr hin­ein­ge­trie­ben wird in den phy­si­schen Leib. Im letz­ten Drit­tel der at­lan­ti­schen Zeit wur­de der Äther­leib hin­ein­ge­trie­ben in den phy­si­schen Leib. Vor die­sem Er­eig­nis fühl­te sich der Mensch oben in der geis­ti­gen Welt als Wa­chen­der. Aber als sol­cher sag­te er nicht zu sich Ich, hat­te er nicht das Selbst­be­wußt­sein. Wenn er her­aus­ging aus dem phy­si­schen und Äther­leib, um in die Hel­lig­keit der Nacht sich hin­ein­zu­be­ge­ben, da fühl­te er sich so recht als Glied der Geis­tig­keit, die da oben war, fühl­te sich so­zu­sa­gen hin­einge­bor­gen in sei­ne al­te Grup­pen­see­le. Je­des­mal wur­de es um ihn hell in der Nacht, aber er fühl­te sich un­selb­stän­dig. Wie un­se­re Fin­ger zu un­se­rem Ich, so fühl­ten sich die Men­schen hin­zu­ge­hö­rig zu den Grup­pen­see­len, die hell­se­he­risch so ge­se­hen wer­den, wie sie in den vier Köp­fen des Löw­en, Och­sen, Ad­lers und Men­schen in der Apo­ka­lyp­se des Jo­han­nes ge­schil­dert sind. In ir­gend­ei­ne sol­che Grup­pen­see­le hin­ein­ver­setzt fühl­te sich der Mensch. Und erst wenn er in sei­nem Lei­bes­schne­cken­haus war, fühl­te er, daß er et­was Ei­ge­nes hat­te. Denn daß der Mensch ein selb­stän­di­ges We­sen wur­de, das kam da­von, daß er sich ein­sch­lie­ßen konn­te in sei­nen Leib. Er muß­te al­ler­dings die­ses Ein­sch­lie­ßen in sei­nen Leib da­mit be­zah­len, daß sich nach und nach die geis­ti­ge Welt für ihn ver­fins­ter­te, daß sie sich ganz und gar von ihm zu­rück­zog. Da­für aber wur­de im­mer hel­ler und kla­rer die Welt, die er un­ten sah, wenn er im phy­si­schen Lei­be war. Da­mit däm­mer­te im­mer mehr und mehr in ihm auf, daß er ein Ich sei, daß er in sich selbst ein Selbst­be­wußt­sein tra­ge. Er lern­te zu sich Ich sa­gen.&lt;br /&gt;
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{{SE|132}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir cha­rak­te­ri­sie­ren wol­len, was da­mals ge­schah, so den­ken wir uns den Men­schen, wie er gleich­sam hin­aus­kriecht aus sei­nem Lei­bes­schne­cken­haus, in die geis­ti­ge Welt hin­ein. Er ist da un­ter geis­tig-gött­li­chen We­sen­hei­ten. Da tönt ihm sein Na­me, das was er ist, von au­ßen ent­ge­gen. Der ei­nen Grup­pe tönt ent­ge­gen das Wort, das in der Ur­spra­che das Wort war für die­se Grup­pe, der an­de­ren das Wort für die an­de­re Grup­pe. Der Mensch konn­te sich nicht von in­nen her­aus be­nen­nen, er muß­te von au­ßen sei­nen Na­men ent­ge­gen­ge­tönt er­hal­ten. Wenn er so her­aus­kroch aus sei­nem Lei­bes­schne­cken­haus, wuß­te er, was er war, weil es ihm in die See­le hin­ein­ge­ru­fen wur­de. Jetzt, da er lern­te, in sei­nem Lei­be wahr­zu­neh­men die phy­si­sche Um­ge­bung, da lern­te er sich als Ich emp­fin­den, da lern­te er die gött­li­che Kraft, die ihm früh­er von au­ßen ein­ge­tönt war, in sich selbst füh­len. Er lern­te den Gott in sich sel­ber füh­len. Der ihm der nächs­te war, die­ser Gott, der zu glei­cher Zeit sein Ich an­deu­te­te, den nann­te er Jah­ve, der war der Ich-Lei­ter. Die Kraft die­ses Got­tes fühl­te der Mensch zu­nächst in sei­nem Ich auf­ge­hen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da­mit wa­ren äu­ße­re Er­eig­nis­se ver­bun­den. Wenn der al­te At­lan­tier so un­ter­tauch­te in sei­nen phy­si­schen Leib, dann sah er wohl auch hin­aus in den Him­mels­raum, und da sah er, wie ge­sagt, ei­nen wir­k­li­chen Re­gen­bo­gen nicht, aber so et­was wie ein Kreis aus Far­be ge­bil­det war da, wo spä­ter die Son­ne auf­tauch­te. Die Son­ne drang noch nicht durch mit ih­rer Kraft, aber sie wirk­te durch den Ne­bel hin­durch. Ge­hin­dert, auf­ge­hal­ten durch den Ne­bel wirk­te sie mit ih­rer Kraft auf die Er­de. Im­mer mehr und mehr kam sie her­aus, so daß al­les, was ge­schil­dert wor­den ist, die­ser Auf­gang des äu­ße­ren Be­wußt­seins, ver­knüpft war mit dem Her­aus­kom­men der Son­ne aus dem Ne­bel. Was da oben war, wo ih­ren Wohn­sitz hat­ten die sechs an­de­ren Geis­ter, die mit Jah­ve zu­sam­men die Er­den­ent­wi­cke­lung zu len­ken hat­ten, das drang all­mäh­lich her­aus, das schi­en her­un­ter in sei­nen Ta­ten auf die Er­de.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was war mit dem Men­schen vor­ge­gan­gen? Der Mensch war früh­er, sei­ner ei­gent­li­chen See­le, sei­nem Geis­te nach, wenn er aus dem Lei­be her­aus­ge­s­tie­gen war, wenn es so­zu­sa­gen Nacht war, in&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|133}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
in­ne­re, as­tra­li­sche Hel­lig­keit ge­t­re­ten, zu der die äu­ße­re Son­ne nicht not­wen­dig ist. Die­se Hel­lig­keit war um ihn her­um. Es war das­sel­be Licht von mäch­ti­gen geis­ti­gen We­sen­hei­ten, das spä­ter phy­sisch her­un­ter­schi­en von der Son­ne. Als er im­mer mehr sich in sein phy­si­sches Be­wußt­sein ein­sch­loß, da wur­de das Tor des in­ne­ren Schau­ens zu­ge­sch­los­sen. Fins­ter­nis um­gab ihn, wenn er des Nachts sei­nen phy­si­schen und sei­nen Äther­leib ver­ließ und in die geis­ti­ge Welt ein­t­rat. In dem­sel­ben Ma­ße, in dem er sich ein­sch­loß, stieg das äu­ße­re Licht auf, das die Ta­ten der geis­ti­gen We­sen­hei­ten der Son­ne dar­s­tellt. Das Licht der geis­ti­gen We­sen­hei­ten schi­en äu­ßer­lich her­un­ter auf die Er­de. Der Mensch be­rei­te­te sich vor, das äu­ße­re Licht als et­was Ma­te­ri­el­les an­zu­se­hen. In sein jet­zi­ges ver­fins­ter­tes In­ne­re schi­en das Licht, das Licht aber wur­de von sei­nen Fins­ter­nis­sen zu­nächst nicht be­grif­fen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist ein welt­ge­schicht­li­cher, kos­mi­scher Vor­gang. Der Mensch hat sich in der da­ma­li­gen Zeit durch die geis­ti­ge Ver­fins­te­rung sein Selbst­be­wußt­sein er­kauft. So ist der Mensch her­aus­ge­wach­sen aus der Grup­pen­see­len-Hel­lig­keit. Aber es war nur das al­le­r­ers­te Auf­däm­mern der In­di­vi­dua­li­tät. Lan­ge, lan­ge dau­er­te es noch, bis wahr­haft die In­di­vi­dua­li­tät über den Men­schen kam. Es ver­ging die letz­te at­lan­ti­sche Zeit; die Flut brach he­r­ein. Die nachat­lan­ti­sche Zeit be­gann, die uralt in­di­sche Kul­tur ver­ging. Das Selbst­be­wußt­sein war da noch nicht ge­die­hen. Dann kam die per­si­sche, die ägyp­tisch-ba­by­lo­ni­sche Zeit. Im­mer mehr reif­te der Mensch da­zu heran, das Selbst­be­wußt­sein in sich zu ent­wi­ckeln. End­lich kam der vier­te Zei­traum. Da voll­zog sich et­was von un­ge­heu­rer Wich­tig­keit, zu dem das vor­her Ge­sche­he­ne die Vor­be­rei­tung war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den­ken Sie sich ein­mal hin­weg­ge­ho­ben von der Er­de an ei­nen fer­nen Stern und mit hell­se­he­ri­schem Au­ge be­gabt her­un­ter­schau­end auf die Er­de von je­nem fer­nen Ster­ne aus. Da wür­den Sie se­hen, daß die­se Er­de als phy­si­scher Leib eben nur phy­si­scher Leib ist und daß zu ihr ge­hö­ren Äther­leib und as­tra­li­scher Leib wie zum Men­schen. Das al­les hat auch die Er­de. Sie wür­den die Er­de von ih­rer Au­ra um­ge­ben se­hen, und Sie wür­den durch Jahr­tau­sen­de von je­nem Stern aus ver­fol­gen kön­nen die Ent­wi­cke­lung der ir­di­schen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|134}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Au­ra. Sie wür­den die­se Er­de ein­ge­sch­los­sen se­hen von al­ler­lei Far­ben: in der Mit­te den phy­si­schen Kern, und dar­um her­um flu­tend die Au­ra in ver­schie­de­nen For­men und Far­ben, die ver­schie­dens­ten Ge­bil­de da­r­in­nen in die­ser geis­ti­gen At­mo­sphä­re der Er­de. Sie wür­den die­se Far­ben und For­men im Lau­fe der Jahr­tau­sen­de sich man­nig­fal­tig ve­r­än­dern se­hen, aber es wür­de ein Zeit­punkt ein­t­re­ten, ein Zeit­punkt von gro­ßer Wich­tig­keit: da nimmt die gan­ze Au­ra ei­ne an­de­re Form und Far­be an. Die Er­de er­scheint in ei­nem neu­en Lich­te, zu­nächst von au­ßen ge­se­hen. Und das ge­schieht mit un­ge­heu­rer Sch­nel­lig­keit, so daß man sich sa­gen muß: Von die­sem Au­gen­blick an ist ei­ne Grund­ver­wand­lung mit der Er­de vor sich ge­gan­gen, die Er­denau­ra hat sich völ­lig ver­wan­delt. Wel­cher Zeit­punkt ist das? Das ist der Zeit­punkt, wo auf Gol­ga­tha das Blut aus den Wun­den des Er­lö­sers floß. Die­ser Au­gen­blick ist ein höchst wich­ti­ger, der wich­tigs­te Au­gen­blick der gan­zen Er­den­ent­wi­cke­lung. Der Au­gen­blick, wo das Blut aus den Wun­den des Er­lö­sers fließt, ist der­sel­be, wo die Au­ra der Er­de sich neu­ge­stal­tet. Es tritt ei­ne ganz neue Kraft ein, je­ne Kraft, die der wich­tigs­te Im­puls für die Er­den­ent­wi­cke­lung ist, zu der al­les, was wir bis­her ge­se­hen ha­ben, nur Vor­be­rei­tung war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den Che­mi­ker ist das Blut auf Gol­ga­tha das­sel­be wie an­de­res Blut auch. Aber die­ses Blut ist ein ganz an­de­res. Es be­deu­tet, daß die Ma­te­rie des Blu­tes hin­un­ter­f­ließt auf den Erd­bo­den und daß der Geist, der dem Blu­te ent­spricht, die Er­denau­ra er­füllt mit neu­en Im­pul­sen und neu­en Kräf­ten, die ih­re Be­deu­tung ha­ben für die zu­künf­ti­ge Mensch­heits­ent­wi­cke­lung. Von da strah­len die Kräf­te aus, wel­che die Er­de um­än­dern, von da strah­len sie durch den Men­schen. Nur ein klei­ner Teil des­sen, was ein­ge­f­los­sen ist in je­nem Mo­men­te, hat sich bis heu­te er­füllt. Im­mer mehr und mehr wer­den die Men­schen ler­nen, zu ver­ste­hen, was die Er­de durch je­nen Mo­ment von Gol­ga­tha ge­wor­den ist, was der Mensch wer­den kann in dem Be­wußt­sein, das er sich auf die ge­schil­der­te Art er­run­gen hat seit der At­lan­tis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was hat sich denn der Mensch er­run­gen seit der At­lan­tis? Zwei­er­lei: das Ich-Be­wußt­sein und die Fähig­keit, au­ßen in der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|135}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
äu­ße­ren Welt zu se­hen. Zu­ge­sch­los­sen hat sich vor ihm, was früh­er of­fen für ihn war, die geis­ti­ge Welt. Wahr­haf­tig, die­se frühe­ren Men­schen, sie ha­ben ge­se­hen, was die spä­te­ren My­then er­zäh­len: Wo­tan Mer­kur, Ju­pi­ter Zeus, all die Ge­stal­ten ha­ben sie des Nachts ge­se­hen. Sie wa­ren in der Nacht mit­ten un­ter ih­nen. Das Tor zu die­sen geis­ti­gen We­sen­hei­ten hat sich zu­ge­sch­los­sen. Da­für hat der Mensch sich er­obert die heu­ti­ge Welt um ihn her­um. Die Geis­ter sind vor ihm zu­rück­ge­t­re­ten. Al­les, was er da­mals hat se­hen kön­nen, ist zu­rück­ge­t­re­ten. Früh­er hat er das Gött­li­che ge­se­hen, wenn er hin­aus­ge­schlüpft ist aus dem Schne­cken­haus sei­nes phy­si­schen Lei­bes; jetzt muß­te er inn­er­halb des Lei­bes das Gött­li­che se­hen, wenn es vor ihm auf­t­re­ten soll­te. Das heißt nichts an­de­res, als daß wir das Gött­li­che in leib­lich-sicht­ba­rer Ge­stalt an­neh­men müs­sen, weil das Men­schen­be­wußt­sein so ge­wor­den war, daß es hin­ge­ord­net war auf das phy­si­sche Schau­en. Des­halb muß­te das Gött­li­che selbst leib­lich-phy­si­sche Ge­stalt an­neh­men. Dar­um er­schi­en das Gött­li­che ein­mal in der Zeit­ent­wi­cke­lung im flei­sch­li­chen Lei­be. Es muß­te so er­schei­nen, weil der Mensch bis zu die­ser Stu­fe des Wahr­neh­mens vor­ge­drun­gen war. Es muß­te so sei­ner Wahr­neh­mung ge­ge­ben wer­den, da­mit er es ver­ste­hen konn­te. Und es muß­ten all die Er­schei­nun­gen, die früh­er ein­ge­t­re­ten wa­ren für an­de­re Stu­fen der Ent­wi­cke­lung, sich zu­sam­men­sch­lie­ßen in je­nem größ­ten Er­eig­nis der Er­den­ent­wi­cke­lung, das uns Licht wer­fen wird auf al­le Zu­kunft, die wir nun­mehr aus der Apo­ka­lyp­se ent­hül­len wer­den: in je­nem Er­eig­nis, das sich phy­sisch so aus­nimmt, daß die Bluts­trop­fen nie­der­ström­ten zur Er­de; das, hell­se­he­risch wahr­ge­nom­men, aber als et­was auf­s­teigt, was die Au­ra der Er­de ve­r­än­dert. Die Kraft, die da ein­f­loß, wird zu­sam­men­wir­ken mit der Er­de in al­le Zu­kunft hin­ein. Da­mit war der Er­den­see­le, dem Geist der gan­zen Er­de, et­was Neu­es ein­ge­impft wor­den. Was das Chris­tus-Prin­zip ist, hat sich da­mals mit der Er­de ver­bun­den, und die Er­de ist der Leib die­ses Chris­tus-Prin­zips ge­wor­den, so daß wört­lich wahr ist: «Wer mein Brot is­set, der tritt mich mit Fü­ß­en.» Wenn der Mensch das Brot der Er­de ißt, so ißt er den Leib der Er­de, und das ist der Leib des Erd­geis­tes, der seit je­nem Er­eig­nis auf Gol­ga­tha als&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|136}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Chris­tus-Geist mit der Er­de ver­bun­den ist. Und der Mensch wan­delt auf die­sem Er­den­leib her­um, er tritt die­sen Leib mit Fü­ß­en. Al­les ist wört­lich zu ver­ste­hen, wenn wir uns erst die Mög­lich­keit ver­schaf­fen, den Wort­laut in der wir­k­li­chen Wei­se auf­zu­fas­sen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für ei­nen sol­chen Men­schen wie den Sch­rei­ber des Jo­han­nes-Evan­ge­li­ums wur­de al­les, was er wuß­te, was er im hell­se­he­ri­schen Schau­en er­fas­sen konn­te, zu ei­ner Auf­for­de­rung, das größ­te Er­eig­nis der Er­den­ent­wi­cke­lung zu ver­ste­hen. Was er ler­nen konn­te hell­se­he­risch, von dem sag­te er sich: Ich muß es ge­brau­chen, um die Ge­stalt des Chris­tus zu ver­ste­hen und ih­re Wir­kung. Al­le Ge­heim­wis­sen­schaft zur Er­klär­ung des Er­eig­nis­ses von Gol­ga­tha zu ver­wen­den, ist die Ten­denz des­sen ge­we­sen, der die Apo­ka­lyp­se ge­schrie­ben hat. Nichts an­de­res woll­te er in dem er­bli­cken, was er in der Ge­heim­wis­sen­schaft ler­nen konn­te, als ei­ne die­nen­de Weis­heit, um die­ses Er­eig­nis zu ver­ste­hen, das er in so großar­ti­ger Wei­se vor un­se­re See­le ge­s­tellt hat und von dem wir se­hen wer­den, was es für ihn ge­wor­den ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|137}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= SIEBENTER VORTRAG, Nürnberg, 24. Juni 1908 =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es hat für den Men­schen der Ge­gen­wart im­mer et­was Be­denk­li­ches, wenn ei­ne pro­phe­ti­sche Vor­her­sa­gung zu­künf­ti­ger Er­eig­nis­se auf­tritt. Nun ha­ben wir ja ge­se­hen, daß wir schon bei den sie­ben Sie­geln hin­wei­sen muß­ten auf ge­wis­se Ent­wi­cke­lung­s­tat­sa­chen der Mensch­heit, die da ein­t­re­ten wer­den, daß wir al­so so­zu­sa­gen pro­phe­ti­sche Küns­te üben muß­ten. Wir wer­den, wenn wir die Apo­ka­lyp­se des Jo­han­nes selbst im­mer mehr und mehr ent­hül­len, sol­che pro­phe­ti­sche Küns­te in aus­gie­bigs­tem Ma­ße an­zu­wen­den ha­ben. Nun fragt es sich: Aus wel­chen Grün­den her­aus darf man über­haupt über die­se Din­ge sp­re­chen? Wir ha­ben zum Teil, was da zu­grun­de liegt, gleich im An­fan­ge un­se­rer Vor­trä­ge er­wähnt. Wir ha­ben näm­lich ge­sagt, daß sich auf ge­wis­ser Ein­wei­hungs­stu­fe dem Ein­ge­weih­ten in der geis­ti­gen Welt das zeigt, was dann her­un­ter­s­teigt und phy­si­sches Er­eig­nis wird. Aber wir ha­ben mit den zwei Be­trach­tun­gen, die wir an­ge­s­tellt ha­ben, mit der letz­ten und vor­letz­ten, noch ei­ne an­de­re Grund­la­ge ge­schaf­fen für sol­che pro­phe­ti­sche Küns­te. Wir ha­ben näm­lich dar­ge­s­tellt, wie der Mensch sich aus geis­ti­gen Sphä­ren her­aus­ent­wi­ckelt hat zu sei­nem heu­ti­gen Da­sein. Und nun ist al­le Zu­kunft in ei­ner ge­wis­sen Be­zie­hung auch ei­ne Wie­der­ho­lung der Ver­gan­gen­heit. Nicht so, daß sich die Din­ge der Ver­gan­gen­heit in glei­cher Wei­se noch ein­mal ab­spie­len, aber in ei­nem ve­r­än­der­ten Sinn wie­der­ho­len sich ver­gan­ge­ne Er­eig­nis­se in zu­künf­ti­gen Zei­ten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir in den letz­ten Be­trach­tun­gen dar­auf hin­ge­wie­sen ha­ben, daß der Mensch in der al­ten at­lan­ti­schen Zeit ei­ne Art Hell­se­hen hat­te, daß er na­ment­lich wäh­rend sei­nes Nacht­zu­stan­des be­wußt hin­auf­s­tieg in geis­ti­ge Wel­ten, so müs­sen wir uns klar dar­über sein, daß die­ser Zu­stand ei­nes ge­wis­sen Hell­se­hens sich für die Mensch­heit wie­der­ho­len wird. Wir ha­ben zwi­schen die­ser at­lan­ti­schen Zeit und der­je­ni­gen, die nach dem Krie­ge al­ler ge­gen al­le&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|138}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
lie­gen wird, un­se­ren Zei­traum, den wir ja be­schrie­ben ha­ben. In ei­ner ge­wis­sen Wei­se wird sich nach un­se­rem Zei­traum das­je­ni­ge, was vor­her war, was in der at­lan­ti­schen Zeit war, wie­der­ho­len, nur mit ei­nem ge­wal­tig gro­ßen Un­ter­schied. Da­mals in der al­ten at­lan­ti­schen Zeit hat­te der Mensch ein traum­haf­tes, däm­mer­haf­tes hell­se­he­ri­sches Be­wußt­sein, und wenn er hin­auf­s­tieg in höhe­re Wel­ten, ver­sank sein hel­les Selbst­be­wußt­sein; dann fühl­te er sich wie in der Grup­pen­see­le da­r­in­nen. Nach dem gro­ßen Krie­ge al­ler ge­gen al­le wird der Mensch wie­der­um in ge­wis­ser Art hin­ein­se­hen in die höhe­re Welt. Das, was er da­zu­mal hat­te als däm­mer­haf­tes Hell­se­hen, wird er wie­der ha­ben nach dem gro­ßen Krie­ge, aber er wird zu die­sem Hell­se­hen hin­zu­ge­fügt ha­ben, was er sich jetzt in der äu­ße­ren phy­si­schen Welt nach und nach er­wor­ben hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Mensch hat zwi­schen der at­lan­ti­schen Flut und dem gro­ßen Krieg al­ler ge­gen al­le ei­ne Zeit­lang ver­zich­ten müs­sen auf das Hin­ein­schau­en in die geis­ti­gen Wel­ten. Er hat sich begnü­gen müs­sen da­mit, nur das­je­ni­ge zu se­hen, was im so­ge­nann­ten Tag-Wach­be­wußt­sein für ihn zu se­hen ist, was um ihn in der phy­si­schen Welt ist. Das ist jetzt der Nor­mal­zu­stand. Da­für aber ist dem Men­schen mög­lich ge­wor­den, in die­ser Zeit sein Selbst­be­wußt­sein, sein in­di­vi­du­el­les Ich voll zu ent­wi­ckeln, sich so­zu­sa­gen inn­er­halb sei­ner Haut als ei­ne ab­ge­sch­los­se­ne Ich-Per­sön­lich­keit zu füh­len. Das hat er sich er­obert. Nun be­hält er die­se In­di­vi­dua­li­tät, auch wenn er wie­der hin­auf­s­teigt in höhe­re geis­ti­ge Wel­ten, und die­ses Hin­auf­s­tei­gen wird ihm mög­lich sein nach dem gro­ßen Krie­ge al­ler ge­gen al­le. Aber es wür­de ihm die­ses Hin­auf­s­tei­gen nicht mög­lich sein, wenn er nicht in der Mit­te un­se­res in der phy­si­schen Welt ablau­fen­den Zei­trau­mes teil­haf­tig ge­wor­den wä­re je­nes gro­ßen kos­mi­schen Er­eig­nis­ses, das wir ges­tern vor un­se­re See­le hin­ge­s­tellt ha­ben. Der Mensch hät­te in ei­ne Art Ab­grund hin­un­ter­sin­ken müs­sen, wenn er nicht be­wahrt wor­den wä­re vor die­sem Hin­un­ter­sin­ken durch das He­r­ein­t­re­ten des Chris­tus in un­se­re Welt. Wir müs­sen uns so vor­s­tel­len, daß der Mensch in die­sem un­se­rem Zei­traum ganz her­un­ter­ge­s­tie­gen ist in die phy­si­sche Welt hin­ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den­ken Sie sich ein­mal in ei­nem Strich den phy­si­schen Plan und&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|139}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dar­über das, was man die geis­ti­ge, die himm­li­sche Welt nennt. Dar­un­ter ist das­je­ni­ge, was man nennt den Ab­grund. Ei­gent­lich er­reicht der Mensch die Li­nie, wel­che die geis­ti­ge Welt vom Ab­grund trennt, ge­nau in dem vier­ten Zei­traum, den wir be­schrie­ben ha­ben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir ha­ben be­schrie­ben die alt­in­di­sche Zeit; da war der Mensch ver­hält­nis­mä­ß­ig noch in ei­ner geis­ti­gen Sphä­re. Vor­her war er oben in der geis­ti­gen Welt. In der At­lan­tis hat­te er noch ein däm­mer­haf­tes Hell­se­hen. Jetzt kommt er her­un­ter und er­reicht die Li­nie, als von Rom aus das Wel­ten­reich sich aus­b­rei­tet und in die­sem Wel­ten­reich der Mensch sich voll be­wußt wird als äu­ße­res sinn­li­ches We­sen, als Per­sön­lich­keit. Das war da­zu­mal, als der rö­mi­sche Rechts­be­griff in die Welt kam, als je­der ei­ne Ein­zel­per­sön­lich­keit, ein Ein­zel­bür­ger sein woll­te. Da hat­te der Mensch die­se Li­nie er­reicht. In die­sem Punkt war es mög­lich, ent­we­der um­zu­keh­ren oder aber hin­un­ter­zu­sin­ken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt sind wir in der Tat und al­les, was ich sa­ge, ent­spricht durch­aus der Dar­stel­lung der Apo­ka­lyp­se an ei­nem Punk­te der Mensch­heits­ent­wi­cke­lung an­ge­langt, wo die Mensch­heit vor ei­ner Ent­schei­dung steht in ge­wis­ser Be­zie­hung. Wir ha­ben ja schon ge­zeigt, wie in un­se­rem Zei­traum un­ge­heu­re Geis­tes­kräf­te da­zu ver­wen­det wer­den, um für die nie­ders­ten Be­dürf­nis­se zu sor­gen. Wir ha­ben ge­zeigt, wie Te­le­phon, Te­le­graph, Ei­sen­bahn, Dampf­schiff und an­de­re Din­ge, die noch kom­men wer­den, un­ge­heu­re Geis­tes­kräf­te ab­sor­biert ha­ben und ab­sor­bie­ren wer­den, die nur zur blo­ßen Be­frie­di­gung der nie­de­ren men­sch­li­chen Be­dürf­nis­se ver­wen­det wer­den. Der Mensch hat aber nur ei­ne ge­wis­se Sum­me von Geis­tes­kräf­ten. Be­trach­ten Sie ein­mal fol­gen­des: Der Mensch hat ei­ne un­ge­heu­re Sum­me von Geis­tes­kräf­ten da­zu ver­wen­det, um Te­le­gra­phen zu er­fin­den und zu kon­stru­ie­ren, Ei­sen­bah­nen, Dampf-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|140}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
schif­fe, Luft­bal­lons und so wei­ter zu bau­en, um die äu­ße­re Kul­tur zu för­dern. Das muß­te so sein. Es wür­de der Mensch­heit sch­lecht er­gan­gen sein, wenn es nicht so ge­kom­men wä­re. Der Mensch hat die­se Geis­tes­kräf­te aber noch zu vi­e­lem an­de­ren be­nützt. Den­ken Sie nur, wie der Mensch nach und nach da­zu ge­kom­men ist, auch al­le ge­sell­schaft­li­chen Zu­sam­men­hän­ge in ein un­ge­heu­er fei­nes Ver­stan­des­netz ein­zu­spin­nen. Was ha­ben für Geis­tes­kräf­te da­zu ge­hört, es so weit zu brin­gen, daß man ei­nen Scheck aus­s­tel­len kann in Ame­ri­ka und wie­der ein­lö­sen kann in Ja­pan. Un­ge­heu­re Kräf­te des Geis­tes sind hin­ein­ge­f­los­sen in die­se Tä­tig­keit. Die­se Kräf­te muß­ten ein­mal so­zu­sa­gen hin­un­ter­s­tei­gen un­ter die Li­nie des phy­si­schen Plans, die das geis­ti­ge Reich vom Ab­grund trennt. Denn tat­säch­lich ist der Mensch in ge­wis­ser Wei­se schon hin­ein­ge­s­tie­gen in den Ab­grund, und wer vom geis­tes­wis­sen­schaft­li­chen Stand­punkt aus die Zeit stu­diert, kann an den pro­fans­ten Er­schei­nun­gen se­hen, wie das von Jahr­zehnt zu Jahr­zehnt wei­ter­geht, wie im­mer ein ge­wis­ser Punkt er­reicht wird, wo ge­ra­de noch die Per­sön­lich­keit sich selbst fan­gen kann. Über­läßt sie sich an die­sem Punk­te dem Hin­ab­sin­ken, dann ver­liert sich die Per­sön­lich­keit, dann wird die Per­sön­lich­keit nicht ge­ret­tet, um hin­auf­zu­s­tei­gen in die geis­ti­gen Wel­ten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Selbst in den welt­lichs­ten Din­gen kann man das nach­wei­sen. Zum Bei­spiel könn­te ich es Ih­nen an den Ein­zel­hei­ten der Ent­wi­cke­lung des Bank­we­sens in der zwei­ten Hälf­te des neun­zehn­ten Jahr­hun­derts nach­wei­sen. Es ist näm­lich vi­el­leicht erst den zu­künf­ti­gen Ge­schichts­sch­rei­bern vor­be­hal­ten, zur Klar­heit zu brin­gen, daß da ei­ne gründ­li­che Ve­r­än­de­rung ein­ge­t­re­ten ist, die wir da­mit be­zeich­nen kön­nen: Im Bank­we­sen ist die Per­sön­lich­keit all­mäh­lich zer­s­p­lit­tert. Da wür­de ich Sie hin­wei­sen müs­sen auf je­nen Zeit­punkt, wo die vier Roth­schilds in die Welt aus­ge­zo­gen sind von Frank­furt aus, der ei­ne nach Wi­en, der an­de­re nach Nea­pel, der drit­te nach Lon­don, der vier­te nach Pa­ris, und wie da das gan­ze Bank­we­sen durch die eben dar­auf ge­rich­te­te per­sön­li­che Be­ga­bung in ei­ne per­sön­li­che Sphä­re hin­ein­ge­bracht wor­den ist. Da hat sich die Per­sön­lich­keit ein­ge­setzt für das Geld­we­sen. Heu­te se­hen Sie&lt;br /&gt;
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das gan­ze Bank­we­sen un­per­sön­lich wer­den. Das Ka­pi­tal geht an die Ak­ti­en­ge­sell­schaf­ten über, es wird nicht mehr von der Ein­zel­per­sön­lich­keit ver­wal­tet. Das Ka­pi­tal fängt an, sich selbst zu ver­wal­ten. Wir ha­ben rein ob­jek­ti­ve Kräf­te, die inn­er­halb des Ka­pi­tals wirt­schaf­ten, und so­gar schon Kräf­te inn­er­halb die­ses Ge­bie­tes, die al­len Wil­len der Per­sön­lich­keit an sich zie­hen, so daß die Per­sön­lich­keit ohn­mäch­tig ge­wor­den ist. So kann man mit se­hen­den Au­gen bis hin­ein in die­se welt­li­chen Din­ge die Sa­che ver­fol­gen und wird übe­rall se­hen kön­nen, wie die Mensch­heit in be­zug auf die Per­sön­lich­keit zu ei­nem tiefs­ten Punkt her­un­ter­s­tieg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun kann sich die Per­sön­lich­keit ret­ten und wie­der hin­auf­s­tei­gen. Sie kann sich da­durch ret­ten, daß sie zum Bei­spiel durch Stär­kung der in­ne­ren see­li­schen Kräf­te wir­k­lich lernt, sich auf sich selbst zu stel­len, sich un­ab­hän­gig zu ma­chen von den ob­jek­ti­ven Ka­pi­tals­mäch­ten. Die Per­sön­lich­keit kann sich aber auch hin­ein­wer­fen in die­se Kräf­te, kann in ge­wis­ser Wei­se hin­ein­se­geln und hin­un­ter­drin­gen in den Ab­grund, sich um­gar­nen las­sen von den im Ka­pi­tal wirk­sa­men Kräf­ten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der wich­tigs­te Punkt, wo die men­sch­li­che Per­sön­lich­keit her­un­ter­s­teigt bis auf die Er­de und wo sie um­keh­ren müß­te, ist der Punkt der Er­schei­nung des Chris­tus Je­sus auf der Er­de. Der gab der Er­de die Kraft, die der Mensch­heit es mög­lich mach­te, wie­der hin­auf­zu­s­tei­gen. Und in dem­sel­ben Ma­ße steigt die Mensch­heit hin­auf, als sie Ge­mein­schaft hat mit Chris­tus Je­sus. In dem Ma­ße, wie für ei­nen grö­ße­ren Teil der Mensch­heit das Ver­ständ­nis auf­geht da­für, was die­ses Er­eig­nis war, wie für sol­che Men­schen der Chris­tus-Im­puls zum ei­ge­nen Im­puls in ih­rer in­ne­ren We­sen­heit wird, aus dem her­aus sie wir­ken und ihr Da­sein we­ben, in dem­sel­ben Ma­ße wird die Mensch­heit nach auf­wärts stei­gen. Im­mer mehr und mehr muß der Mensch ver­ste­hen ler­nen, was Pau­lus ge­sagt hat: Nicht ich bin es, der wirkt, son­dern Chris­tus wirkt in mir.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn al­so der Im­puls, der da­mals in der vier­ten Pe­rio­de her­un­ter­ge­s­tie­gen ist auf un­se­ren phy­si­schen Plan, sich ein­lebt in die Her­zen der Men­schen, wenn er zum An­trieb ih­res Han­delns wird,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
dann ge­schieht der Auf­s­tieg nach oben. Und all die See­len, die die­sen An­schluß fin­den, die den Zu­sam­men­schluß mit dem Chris­tus-Prin­zip voll­zie­hen, sie fin­den den Weg nach oben. Al­le See­len aber, die die­sen Zu­sam­men­schluß nicht fin­den wür­den, müß­ten nach und nach in den Ab­grund hin­ab­tau­chen. Sie wür­den das Ich, den Ego­is­mus sich er­obert ha­ben, aber nicht im­stan­de sein, mit die­sem Ich wie­der­um hin­auf­zu­s­tei­gen in die geis­ti­ge Welt. Und die Fol­ge für ei­nen sol­chen Men­schen, der kei­nen An­schluß an das Chris­tus-Prin­zip fin­det, wür­de sein, daß er sich los­löst von dem geis­ti­gen Auf­s­tieg. Er wür­de, statt hin­auf­zu­s­tei­gen, hin­un­ter­s­tei­gen und sich im­mer mehr ver­här­ten in sei­nem Ich. Statt in der Ma­te­rie nur die Ge­le­gen­heit ge­fun­den zu ha­ben, um das Ich zu er­wer­ben, und dann wie­der­um hin­auf­zu­s­tei­gen, wür­de er nur im­mer tie­fer hin­ab­tau­chen in die Ma­te­rie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ja, al­les wie­der­holt sich. Der Mensch ist in die La­ge ge­kom­men, in un­se­re phy­si­sche Welt he­r­ein­zu­t­re­ten. Da­durch, daß er die at­lan­ti­sche Flut über­dau­ert hat, ist ihm die Mög­lich­keit ge­wor­den, sein heu­ti­ges Men­schen­ant­litz her­aus­zu­bil­den. Das ist wir­k­lich ein Ab­bild der im Men­schen woh­nen­den geis­ti­gen Ich-Gott­heit. Nur da­durch, daß ge­gen das En­de der at­lan­ti­schen Zeit der Äther­leib sich mit dem phy­si­schen zu­sam­men­ge­sch­los­sen hat und die Kräf­te des Äther­lei­bes in den phy­si­schen Kopf ein­ge­zo­gen sind, hat er sein heu­ti­ges Men­schen­ant­litz er­hal­ten, das schon den Got­tes­geist durch­spie­geln läßt. Neh­men wir an, er wür­de das ver­leug­nen, daß der Geist es ist, der ihm das Men­schen­ant­litz ge­ge­ben hat. Dann wür­de er den Leib nicht be­nüt­zen als ei­ne Ge­le­gen­heit, um zum Ich-Be­wußt­sein zu kom­men und sich wie­der zu ver­geis­ti­gen, son­dern er wür­de mit dem Lei­be ver­wach­sen, die­sen so lieb­ge­win­nen, daß er nur in ihm sich da­heim füh­len wür­de. Er wür­de ver­bun­den blei­ben mit dem Leib und hin­un­ter­ge­hen in den Ab­grund, und es wür­de, weil er nicht be­nützt hat die Kraft des Geis­ti­gen, auch die äu­ße­re Ge­stalt wie­der­um ähn­lich wer­den der frühe­ren Ge­stalt. Tier­ähn­lich wür­de der Mensch wer­den, der in den Ab­grund hin­un­ter­s­teigt. So wird die Mensch­heit das voll­zie­hen, was wir schon an­ge­deu­tet ha­ben: Hin­un­ter­s­tei­gen in den Ab­grund wer­den die-&lt;br /&gt;
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je­ni­gen, die das Woh­nen im Lei­be nicht bloß als Ge­le­gen­heit be­nüt­zen, um da­durch zum Ich-Be­wußt­sein zu kom­men, und sie wer­den die Ras­se bil­den. Sie ha­ben sich ab­ge­wen­det von dem Im­puls des Chris­tus Je­sus, und aus der Häß­lich­keit ih­rer See­le her­aus wer­den sie wie­der­um die Tier­ge­stalt her­aus­bil­den, die der Mensch in frühe­ren Zei­ten ge­habt hat, und un­ten im Ab­grund wird die Ras­se der Bö­sen mit den wil­den Trie­ben in Tier­ge­stalt sein. Und wenn oben die Ver­geis­tig­ten, die das Chris­tus-Prin­zip in sich auf­ge­nom­men ha­ben, ver­kün­den, was sie zu sa­gen ha­ben in be­zug auf ih­ren Zu­sam­men­schluß mit dem Na­men Chris­tus Je­sus, so wer­den hier un­ten er­tö­nen Na­men der Läs­te­rung, des Hin­weg­wol­lens von dem, was als geis­ti­ge Ver­wand­lung auf­tritt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Mensch, der nur halb den­ken wür­de, könn­te jetzt sa­gen: Ja, es ha­ben aber doch so vie­le ge­lebt, die nichts von dem Chris­tus-Im­puls er­fah­ren ha­ben, warum soll­ten die­se des Im­pul­ses des Chris­tus Je­sus nicht teil­haf­tig ge­wor­den sein? Das wird von ma­te­ria­lis­tisch den­ken­der Sei­te ein­ge­wen­det: Warum soll­te das Heil erst mit Chris­tus Je­sus ge­kom­men sein? Wenn das die Men­schen sa­gen, wel­che kei­ne An­thro­po­so­phen sind, so ist es be­g­reif­lich. Wenn aber die An­thro­po­so­phen das sa­gen, dann ist es un­be­g­reif­lich, denn die müß­ten wis­sen, daß der Mensch im­mer wie­der und wie­der­kehrt. Und die See­len, die vor­her ge­lebt ha­ben, sie wer­den in der Zeit nach der Er­schei­nung Chris­ti in neu­en Lei­bern wie­der­keh­ren, so daß es kei­ne Men­schen gibt, de­nen das Er­eig­nis des Chris­tus Je­sus ent­ge­hen könn­te. Nur wer nicht an Wie­der­ver­kör­pe­rung glaubt, kann sol­che Ein­wän­de er­he­ben, wie sie oben ge­kenn­zeich­net wor­den sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So se­hen wir, wie die Spal­tung sich voll­zieht und daß ei­ne Zeit kom­men wird, wo die­je­ni­gen, die nach Ver­geis­ti­gung ge­st­rebt ha­ben, fähig sein wer­den, in der geis­ti­gen Welt zu le­ben; ei­ne Zeit, wo her­au­s­t­re­ten wird, was sie sich früh­er an­ge­eig­net ha­ben, wo sie den Na­men Chris­tus an ih­rer Stirn tra­gen wer­den, weil sie ge­lernt ha­ben, zu ihm auf­zu­schau­en. Nun wird, nach­dem die Sie­gel ent­sie­gelt sein wer­den, der Mensch in der äu­ße­ren Fi­gur das ab­ge­bil­det ha­ben, was er in­ner­lich im Her­zen trägt. Der­je­ni­ge, der in­ner­lich&lt;br /&gt;
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in der See­le den Chris­tus trägt, wird nach der Ent­sie­ge­lung in sei­nem Ant­litz das Mal­zei­chen des Chris­tus Je­sus tra­gen, er wird äu­ßer­lich in der Ge­stalt dem Chris­tus Je­sus ähn­lich sein. Die­je­ni­gen aber, die blei­ben wer­den bei den Kul­tu­ren, wel­che vor der Er­schei­nung des Chris­tus Je­sus lie­gen, die wer­den an­de­res er­le­ben müs­sen. Die­se vier Kul­tu­ren, die alt­in­di­sche, die alt­per­si­sche, die as­sy­risch-ba­by­lo­nisch-chal­däisch-ägyp­tisch-jü­di­sche und die grie­chisch-latei­ni­sche Kul­tur, wa­ren vor­be­rei­ten­de Zei­ten. Die See­le hat durch die Lei­ber die­ser Kul­tu­ren hin­durch­ge­hen müs­sen, um sich vor­zu­be­rei­ten für das gro­ße Er­eig­nis der Er­schei­nung des Chris­tus Je­sus auf der Er­de. Da­mals, in der Zeit der Vor­be­rei­tung, wa­ren zwei Kräf­te gel­tend. Die Kräf­te, wel­che die Men­schen zu­sam­men­ge­führt ha­ben, das sind Kräf­te, die ih­re ma­te­ri­el­le Grund­la­ge in dem Blu­te ha­ben. Wenn die Men­schen ein­fach in ih­rer jet­zi­gen Ge­stalt her­ein­ge­s­tellt wor­den wä­ren ne­ben­ein­an­der, nie­mals wür­de sich das her­aus­ge­bil­det ha­ben, was sich in der Mensch­heit ent­wi­ckeln soll­te.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor der Er­de war der Mond der Trä­ger un­se­rer Ge­sc­höp­fe. Die­ser al­te Mond war der Kos­mos der Weis­heit, un­se­re Er­de ist der Kos­mos der Lie­be. Un­se­re Ent­wi­cke­lung geht dar­auf hin, die Men­schen in Lie­be zu­sam­men­zu­füh­ren. Wenn einst­mals die Er­de sich auflö­sen wird, nach­dem die sie­ben­te Po­sau­ne er­tönt ist, wenn sie ih­re phy­si­sche Sub­stan­tia­li­tät ver­lie­ren und sich in ei­nen as­tra­li­schen Him­mels­kör­per um­wan­deln wird, dann wird ein­ge­flößt sein dem gan­zen Men­schen­ge­sch­lecht die Lie­be, die Kraft der Lie­be, die sie ent­wi­ckelt hat an al­lem Ir­di­schen. Denn die­se Kraft der Lie­be ist es, was als die Er­den­mis­si­on der Mensch­heit ein­ge­flößt wer­den muß, ge­ra­de­so, wie Sie jetzt in ih­rer Um­ge­bung die Kraft der Weis­heit se­hen. Es wur­de schon oft dar­auf hin­ge­wie­sen: Wenn Sie nur ein Stück Ober­schen­kel­k­no­chen an­se­hen, welch ein wun­der­ba­res Ge­bil­de ist das! Es be­steht nicht aus ei­ner kom­pak­ten Mas­se, son­dern aus vie­len fei­nen Ge­rüst­fä­den, die so wun­der­bar zu­sam­men­ge­ord­net sind, daß un­ter Auf­wand der ge­rings­ten Stoff­mas­se die größ­te Trag­fähig­keit er­zielt ist, wie es kein In­ge­nieur heu­te im­stan­de wä­re her­zu­s­tel­len. Und wenn wir al­les durch­su­chen wür­den,&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
wir wür­den fin­den, daß das­je­ni­ge, was sich der Mensch im Lau­fe sei­ner Er­den­ent­wi­cke­lung als sei­ne Weis­heit er­obert, vor­her schon der Er­de ein­ge­impft war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im­mer wie­der im Lau­fe des ge­schicht­li­chen Un­ter­richts wird uns ge­sagt, wie der Mensch Fort­schritt auf Fort­schritt ge­macht hat, im­mer wei­ser und wei­ser ge­wor­den ist. Sie er­in­nern sich, wie Ih­nen die ein­zel­nen Etap­pen des Wei­se­wer­dens vor­ge­führt wor­den sind, wie Ih­nen zum Bei­spiel ge­zeigt wor­den ist, daß im Be­ginn der neue­ren Zeit der Mensch da­hin ge­langt ist, das Schieß­p­ul­ver zu er­fin­den, das Lei­nen­pa­pier, das Holz­pa­pier und so wei­ter zu er­fin­den. Da hat sich Ih­re See­le ge­f­reut dar­über, wie die Men­schen auf­ge­s­tie­gen sind. Die Men­schen ha­ben aus ih­rem In­tel­lekt her­aus das Pa­pier be­rei­ten ge­lernt; sie ha­ben es völ­lig neu er­fun­den, so könn­te man mei­nen. Wer aber die Welt in ih­rem gro­ßen Zu­sam­men­han­ge über­schaut, dem er­scheint das in an­de­rem Lich­te. Die We­s­pen konn­ten das schon viel früh­er, denn das We­s­pen­nest ist ge­nau das­sel­be wie das Pa­pier. So war Jahr­tau­sen­de vor­her im We­s­pen­nes­te be­reits vor­han­den, was sich der Mensch hin­ter­her in sei­ner sub­jek­ti­ven Weis­heit er­obert hat. Nicht die ein­zel­ne We­s­pe kann Pa­pier er­zeu­gen, aber die Grup­pen­see­le, das Ich, das die gan­ze Grup­pe der We­s­pen um­faßt, das ist so wei­se, wie der Mensch erst ge­wor­den ist. Und übe­rall, wo­hin Sie se­hen, wenn Sie nicht blind, son­dern se­hend sind, wird Ih­nen die Weis­heit aus den Din­gen ent­ge­gen­t­re­ten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Glau­ben Sie nicht, daß die­se Weis­heit nicht hat ent­ste­hen müs­sen. Oh, die Welt war nicht im­mer so durch­tränkt von Weis­heit. Wäh­rend der Mond­ent­wi­cke­lung ist nach und nach die­se Weis­heit ein­ge­f­los­sen in das, was uns heu­te um­gibt. Wäh­rend der Mond­ent­wi­cke­lung hat sich das, was chao­tisch durch­ein­an­der­wirk­te, so aus­ge­stal­tet, daß es wei­se wur­de. Könn­ten Sie den Blick hin­wen­den auf den al­ten Mond, so wür­den Sie da al­les noch so­zu­sa­gen dr­un­ter und dr­üb­er fin­den, gar noch nicht wei­se. Im Lau­fe der Mond­ent­wi­cke­lung wur­de die Weis­heit den We­sen und Ge­sc­höp­fen ein­ge­gos­sen, ein­ge­flößt, und sie war da, als die Er­de her­vor­ging aus dem Däm­mer­dun­kel. Jetzt er­schie­nen al­le Din­ge mit Weis­heit&lt;br /&gt;
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ge­tränkt. Und wie der Mensch heu­te auf sei­ne Um­ge­bung schaut und übe­rall die Weis­heit her­vor­sprie­ßen sieht, so wird er, wenn er auf dem Ju­pi­ter an­ge­langt sein wird, al­le We­sen, die um ihn her­um sind, in ei­ner merk­wür­di­gen Wei­se schau­en: sie wer­den et­was aus­gie­ßen wie den Duft be­se­li­gen­der Lie­be. Lie­be wird aus al­len Din­gen strö­men, und es ist die Mis­si­on der Er­den­ent­wi­cke­lung, die­se Lie­be zu ent­fal­ten. Lie­be wird dann durch al­le Din­ge flie­ßen, wie jetzt Weis­heit in al­len Din­gen wal­tet. Und die­se Lie­be wird ein­ge­gos­sen der Er­den­ent­wi­cke­lung da­durch, daß der Mensch nach und nach die Lie­be ent­wi­ckeln lern­te.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber der Mensch hat nicht gleich die geis­ti­ge Lie­be ha­ben kön­nen, ihm muß­te zu­erst die­se Lie­be auf dem un­ters­ten Ge­bie­te ein­gepflanzt wer­den. Ei­nen ma­te­ri­el­len Trä­ger muß­te die Lie­be ha­ben: das ist die Bluts­ver­wandt­schaft. Die Lie­be auf dem Ge­bie­te der Bluts­ver­wandt­schaft zu üben, das war die ers­te Schu­le. Da­durch wur­den die ge­t­renn­ten Men­schen zu­sam­men­ge­führt, daß das­je­ni­ge, was als ge­mein­sa­mes Blut in den Adern rann, sich lieb­te. Das war die Vor­schu­le der Lie­be, das war die gro­ße Schu­le der Lie­be. Und der gro­ße Im­puls, der die­se Lie­be ver­geis­tigt, der sie nicht nur da läßt, wo sie phy­sisch wirkt als des­sen Grund­la­ge, son­dern sie dem See­li­schen mit­teilt, das ist der Chris­tus-Im­puls in der Welt.&lt;br /&gt;
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Nun wür­de es die gan­ze Vor­zeit hin­durch dem Men­schen son­der­bar ge­gan­gen sein, wenn nur die­ser ei­ne Im­puls der Lie­bes­ge­mein­schaft im Blu­te ge­wirkt hät­te. Die We­sen­hei­ten, wel­che die Len­ker der al­ten Zei­ten wa­ren, vor al­len Din­gen Jah­ve, führ­ten die Men­schen in Lie­be zu­sam­men, daß sie sich ve­r­ei­nig­ten in der Bluts­ver­wandt­schaft. Wenn aber der Mensch vor der Er­schei­nung des Chris­tus Je­sus nur ve­r­ei­nigt wor­den wä­re durch die Bluts­ver­wandt­schaft, so hät­te der ein­zel­ne nie zur Per­sön­lich­keit fort­sch­rei­ten kön­nen. Der ein­zel­ne wä­re im Volk un­ter­ge­gan­gen. Es ist ja auch der ein­zel­ne tat­säch­lich recht sehr un­ter­ge­gan­gen in dem Gan­zen. Wir­k­lich war das Be­wußt­sein, daß man Ein­zel­mensch ist, et­was, was sich erst nach und nach her­an­bil­de­te. In der at­lan­ti­schen Zeit konn­te noch kei­ne Re­de da­von sein, daß der Mensch als ein­zel­ner sich fühl­te, aber auch spä­ter klang das noch nach. Die Men­schen&lt;br /&gt;
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ver­ste­hen nur nicht die al­te Na­men­ge­bung, sonst wür­den sie dar­auf kom­men, wie die Men­schen sich fühl­ten. Den­ken Sie an die Be­ken­ner des Al­ten Te­s­ta­ments: sie fühl­ten in der vor­christ­li­chen Zeit ihr Ich, wenn sie es so recht füh­len woll­ten, gar nicht in ih­rer Ein­zel­per­sön­lich­keit. Je­der, der ganz fühl­te den Im­puls, der aus dem Al­ten Te­s­ta­men­te strömt, der sag­te sich: «Ich und der Va­ter Abra­ham sind eins.» Denn er fühl­te sich ge­bor­gen in die­ser Ge­mein­schaft, die hin­auf­reich­te bis Abra­ham, des­sen Blut bis her­un­ter zum jüngs­ten Glie­de durch al­le Adern floß. Und da sag­te er: Da füh­le ich, daß ich nicht ein ver­lo­re­nes Glied bin, wenn ich spü­re, daß mein Blut das­sel­be ist wie das des Va­ters Abra­ham.&lt;br /&gt;
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Und noch wei­ter hin­auf ver­such­te man zu­rück­zu­ver­fol­gen die Ge­mein­schaft. In der Grup­pen­see­le fühl­te man sich ge­bor­gen. Man wies hin auf Noah, auf Adam. Die Men­schen wis­sen nicht mehr, was die­se Na­men be­deu­ten. Sie wis­sen nicht, daß in je­nen al­ten Zei­ten noch im­mer das Be­wußt­sein der Men­schen an­ders war als heu­te. Der Mensch kann sich heu­te zur Not an das er­in­nern, was in sei­ne Kind­heit zu­rück­reicht, und si­cher reißt al­le Er­in­ne­rung mit der Ge­burt ab. Da­zu­mal, in der Pa­tri­ar­chen­zeit, in der Zeit der al­ten Erz­vä­ter, war das nicht so. Da er­in­ner­te sich der Mensch nicht nur an das, was er selbst, son­dern was sein Va­ter, Großva­ter, Ur­großva­ter er­lebt hat­te. Das war ihm so in der Er­in­ne­rung wie Ih­nen die Er­in­ne­rung Ih­rer Kind­heit. Er wuß­te nicht, daß sein Le­ben be­son­ders an­fing mit sei­ner Ge­burt. Durch Jahr­hun­der­te ging das Ge­dächt­nis hin­auf. Man gab dem ab­ge­son­der­ten Be­wußt­sein kei­nen Na­men, man hät­te da­rin kei­nen Sinn ge­fun­den. Weil man sich er­in­ner­te an Va­ter, Großva­ter, Ur­großva­ter und so wei­ter, so um­faß­te ein Ge­samt­na­me die gan­ze Ket­te. «Adam», «Noah» be­deu­ten die Er­in­ne­rung durch die Ge­ne­ra­tio­nen. So­weit man sich er­in­ner­te an Noah, nann­te man die Ket­te Noah. Das war ein in­ne­rer Mensch, ein geis­ti­ges We­sen, das durch die Ge­ne­ra­tio­nen leb­te. Dem äu­ße­ren Men­schen ei­nen Na­men zu ge­ben, hät­te man sinn­los ge­fun­den. So um­faßt der Na­me Adam ein geis­ti­ges We­sen.&lt;br /&gt;
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Es war al­so der Ein­zel­mensch sich noch nicht sei­nes Ichs be­wußt. Er wä­re auf­ge­gan­gen in der Ge­mein­schaft, wenn nicht Im­pul­se&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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da­ge­we­sen wä­ren, die fort­wäh­rend An­grif­fe rich­te­ten ge­gen die­ses Ver­schwim­men in der Ge­mein­schaft, die dar­auf hin­ar­bei­te­ten, den Men­schen her­aus­zu­rei­ßen aus den Bluts­ban­den, die ihn zur Selb­stän­dig­keit brin­gen soll­ten. In sei­nen As­tral­leib ha­ben sich ein­ge­nis­tet sol­che geis­ti­ge We­sen­hei­ten, die ihm die Im­pul­se ga­ben, sein Be­wußt­sein nicht ver­schwim­men zu las­sen. Die­se We­sen­hei­ten sind die lu­zi­fe­ri­schen We­sen­hei­ten. Sie wa­ren es, die in der vor­christ­li­chen Zeit ent­ge­gen­ge­wirkt ha­ben der ei­gent­li­chen Ve­r­ein­heit­li­chung, de­nen der Mensch sei­ne Selb­stän­dig­keit, die wer­den­de Per­sön­lich­keit ver­dankt. Es ist durch­aus wich­tig, ein­zu­se­hen, daß das­je­ni­ge, was zu­sam­men­st­reb­te, dem Jah­ve zu ver­dan­ken ist, und das, was au­s­ein­an­der­st­reb­te, den lu­zi­fe­ri­schen Geis­tern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den ers­ten Zei­ten des Chris­ten­tums hat­te man ei­nen Spruch, der lau­te­te: «Chris­tus ve­r­us Lu­ci­fer», Chris­tus ist der wah­re Licht­trä­ger , denn Lu­ci­fer heißt Licht­trä­ger. Warum wird Chris­tus der wah­re Licht­trä­ger ge­nannt? Weil jetzt durch ihn be­rech­tigt wor­den ist, was früh­er un­be­rech­tigt war. Früh­er war es ein Au­s­ein­an­der­rei­ßen; die Men­schen wa­ren noch nicht reif zur Selb­stän­dig­keit. Jetzt wa­ren die Men­schen durch den Ich-Im­puls, den sie durch den Chris­tus Je­sus be­kom­men ha­ben, so weit, daß sie trotz des Ichs sich in Lie­be zu­ein­an­der ent­wi­ckeln konn­ten. So wur­de das, was Lu­zi­fer so­zu­sa­gen vor­aus­neh­mend der Mensch­heit ge­ben woll­te, als die­se noch un­reif war, durch den wah­ren Licht­trä­ger, durch den Chris­tus Je­sus, der Mensch­heit ge­bracht. Er brach­te den Im­puls zur Ver­selb­stän­di­gung, aber auch die geis­ti­ge Lie­be, die zu­sam­men­führt, was nicht bluts­ver­wandt ist. Durch ihn kam die Epo­che, wo die Mensch­heit her­an­reif­te zu dem, was Lu­zi­fer früh­er schon be­wir­ken woll­te. Die­ser Aus­spruch: «Chris­tus ve­r­us Lu­ci­fer» ist spä­ter nicht mehr ver­stan­den wor­den. Der­je­ni­ge al­lein, der ihn rich­tig ver­steht, lernt die ers­ten Leh­ren des Chris­ten­tums ken­nen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So al­so ha­ben wir die­sen Im­puls auf­zu­fas­sen, so ha­ben wir ein­zu­se­hen, wie die Mensch­heit vor­be­rei­tet wur­de zu dem Stand­punkt, zu dem sie ge­lan­gen soll­te. So wa­ren die­se vier Zei­ten, die in­di­sche, per­si­sche, ägyp­ti­sche, grie­chisch-latei­ni­sche, Zei­ten der Vor­be­rei­tung, der Hin­wei­sung auf das gro­ße christ­li­che Er­eig­nis. Es ist&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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aber mög­lich für den Men­schen, sich so­zu­sa­gen zu ver­s­tei­fen. Den­ken wir uns ei­nen Men­schen zur Zeit des Chris­tus Je­sus le­bend, und stel­len wir uns vor, er könn­te mit Be­wußt­sein ent­schei­den über das, was er will. Da könn­te er, wenn der Chris­tus Je­sus kä­me, so sp­re­chen: Oh, mir ist das ge­nü­gend, was vor­her war. Ich will nichts von ihm wis­sen, ich will kei­ne Ge­mein­schaft ha­ben mit dem Chris­tus Je­sus. Da wür­de er in sei­ner See­le ha­ben die­je­ni­gen Kräf­te, die­je­ni­gen Im­pul­se, die man in der Zeit vor dem Chris­tus Je­sus ge­win­nen konn­te. Er wür­de al­le Im­pul­se ha­ben, die man durch die in­di­sche, per­si­sche, ägyp­ti­sche, grie­chisch-latei­ni­sche Kul­tur er­lan­gen konn­te. Aber man darf im kos­mi­schen Wer­de­gang sol­che Im­pul­se nur so lan­ge ha­ben, bis ein neu­er Im­puls kommt. Bleibt man ste­hen, dann bleibt man eben auf die­ser Stu­fe zu­rück. Al­so darf man nicht Un­ver­ständ­nis für die ge­schicht­li­che Ent­wi­cke­lung an den Tag le­gen, man darf nicht sa­gen: Es ist in al­len Kul­tu­ren das­sel­be Prin­zip. Nicht um­sonst wird ei­ne Kul­tur auf der an­de­ren auf­ge­baut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neh­men wir an, es hät­te so je­mand ver­schla­fen wol­len die christ­li­che Ent­wi­cke­lung, dann wür­de er hin­über­le­ben in die zu­künf­ti­ge Zeit bis nach dem gro­ßen Krie­ge al­ler ge­gen al­le. Da aber wür­de er nichts ha­ben von dem gro­ßen Lie­be-Prin­zip des Chris­tus, das die Iche zu­sam­men­führt, das aus den Men­schen Ge­mein­schaf­ten macht. Er wür­de al­les das ha­ben, was die Iche ge­ra­de hin­un­ter­führt in den Ab­grund. Er wür­de die au­s­ein­an­der­t­rei­ben­den Kräf­te ha­ben, die au­s­ein­an­der­s­p­lit­tern­den Kräf­te. Und das zeigt uns der ei­ne Um­stand, der uns zu der Fra­ge füh­ren kann: Warum gibt uns die Ent­hül­lung der ers­ten vier Sie­gel ein so trost­lo­ses Bild? Weil da her­aus­kom­men die­je­ni­gen Men­schen, die ste­hen­b­lei­ben wol­len bei die­sen vier vor­be­rei­ten­den Kul­tu­ren, in de­nen die al­te Form des Lu­zi­fer drin­nen ist, die sie au­s­ein­an­der­t­reibt. Da­her wird uns ge­zeigt durch die Ent­hül­lung der Sie­gel, wie sie auch die Ge­stalt be­kom­men, die sie sich er­wor­ben ha­ben. Sie ha­ben ver­schla­fen das Er­eig­nis des Chris­tus Je­sus, sie wer­den wie­der­ge­bo­ren in den Ge­stal­ten, die ih­nen ge­ge­ben wer­den kön­nen oh­ne den Ein­fluß des Chris­tus-Prin­zi­pes. Da­her er­scheint wie­der das­je­ni­ge, was die blo­ße&lt;br /&gt;
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In­tel­li­genz, den blo­ßen Ver­stand an­zeigt: Vier­mal hin­te­r­ein­an­der er­scheint das Pferd! Es er­scheint die al­te Ge­stalt des Men­schen, die er da­durch be­kom­men hat, daß er die Pfer­de­na­tur an­ge­nom­men hat. Die­se Ge­stalt er­scheint bei der Ent­sie­ge­lung der ers­ten vier Sie­gel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und in dem Au­gen­blick, wo das fünf­te Sie­gel ent­sie­gelt wird, wor­auf wer­den wir da auf­merk­sam ge­macht? Auf die­je­ni­gen, die im vor­her­ge­hen­den Zei­traum er­fas­sen ge­lernt ha­ben das Er­eig­nis des Chris­tus Je­sus. Sie sind mit wei­ßen Klei­dern an­ge­tan, sie sind un­be­rück­sich­tigt ge­b­lie­ben, sie sind bild­lich er­würgt wor­den, sie sind die­je­ni­gen, die auf­be­wahrt wer­den für die Ver­geis­ti­gung der Welt. So ist es die Ver­bin­dung mit dem Chris­tus Je­sus-Prin­zip, wel­che die Men­schen da­hin bringt, die­se wei­ßen Klei­der an­zu­ha­ben und zu er­schei­nen, wenn das fünf­te Sie­gel ge­löst wird. Da se­hen wir, wie uns klar und deut­lich an­ge­deu­tet wird, daß in die­sem Zeit­punkt, wo der Chris­tus Je­sus er­scheint, ei­ne wich­ti­ge Epo­che der Mensch­heit ist, je­ne Epo­che, die da be­wirkt, daß nach dem Krie­ge al­ler ge­gen al­le die vier Zei­träu­me wie­der er­schei­nen, wo die­je­ni­gen, die zu­rück­ge­b­lie­ben sind, ge­plagt wer­den von der Ma­te­ria­li­tät, die mit der Ent­wi­cke­lung mit­ge­gan­gen ist und an die sie sich ge­fes­selt ha­ben, wo sie ge­plagt wer­den von all den Übeln und Qua­len der ver­här­te­ten, in sich ver­gröb­er­ten Ma­te­ria­li­tät. Und al­les, was uns nun wei­ter be­schrie­ben wird bei der Ent­hül­lung der Sie­gel, stellt nichts an­de­res dar als das Hin­ein­ge­hen in den Ab­grund. Wäh­rend wir im fünf­ten Zei­traum nur kurz hin­ge­wie­sen wer­den auf die­je­ni­gen, die au­s­er­wählt sind, wer­den uns im üb­ri­gen al­le je­ne ge­zeigt, die in der Ma­te­ria­li­tät blei­ben, die in den Ab­grund hin­ein­ge­hen, die je­ne Ge­stal­ten, die vor­her da wa­ren, an­neh­men, weil sie nicht mit­ge­kom­men sind, weil sie nicht die Kraft in sich auf­ge­nom­men ha­ben, die­se Ge­stal­ten um­zu­wan­deln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie kön­nen sich ein Bild da­von ma­chen: Den­ken Sie sich heu­te al­le Ih­re Men­schen­ge­stal­ten aus Kaut­schuk und inn­er­halb die­ser Kaut­schuk-Men­schen­lei­ber Ih­re in­ne­re See­len­kraft, die die­sen Kaut­schu­k­le­i­bern Ih­re Men­schen­ge­stalt gibt. Den­ken Sie sich, wir neh­men die See­len­kraft her­aus: Da wür­den die Kaut­schu­k­le­i­ber&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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zu­sam­men­schrump­fen, Tier­ge­stal­ten wür­den die Men­schen er­hal­ten. In dem Au­gen­bli­cke, wo Sie die See­le her­aus­zie­hen aus dem Men­schen-Kaut­schu­k­le­i­be, da wür­de der Mensch Ih­nen die Tier­ge­stalt zei­gen. Was der Mensch sich er­run­gen hat, ist wie et­was, was er durch sei­ne ei­ge­ne Kraft heu­te her­vor­bringt. Wenn Sie das, was er früh­er im as­tra­li­schen Leib er­zeugt hat, be­trach­ten könn­ten, dann wür­den Sie se­hen, wie die­se Tier­ähn­lich­keit vor­han­den ist. Es ist wir­k­lich et­was wie solch ei­ne in­ner­li­che Kraft, die dem Kaut­schuk­men­schen die heu­ti­ge Ge­stalt gibt. Den­ken Sie sich die­se Kraft ent­fernt, den­ken Sie sich den Men­schen nicht be­fruch­tet von der Chris­tus-Kraft und der Mensch zuckt zu­rück in die Tier­ge­stalt. So wird es sol­chen er­ge­hen, die zu­rück­fal­len. Die wer­den nach­her ei­ne Welt bil­den, die so­zu­sa­gen un­ter der heu­ti­gen Welt liegt, ei­ne Welt des Ab­grun­des, wo der Mensch wie­der­um Tier­ge­stalt an­ge­nom­men ha­ben wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So ler­nen wir be­g­rei­fen, wie in der Tat die Ent­wi­cke­lung sein wird. Stück um Stück wird das­je­ni­ge her­aus­kom­men, was jetzt vor­be­rei­tet wird, wie in un­se­rer Zeit auch Stück für Stück her­aus­ge­kom­men ist, was in der at­lan­ti­schen Zeit sich ver­an­lagt hat. Ich ha­be er­zählt, daß im letz­ten Drit­tel der at­lan­ti­schen Zeit sich ei­ne klei­ne Ko­lo­nie ge­bil­det hat, von der un­se­re Kul­tu­ren sich ab­ge­lei­tet ha­ben, von de­nen auch noch die spä­te­ren zwei Kul­tu­ren, die fol­gen wer­den, ab­stam­men. Für den nächs­ten Zei­traum, der al­le die­se Kul­tu­ren ablö­sen wird, wird das et­was an­ders sein. Da wird nicht ei­ne auf ei­nen Ort be­schränk­te Ko­lo­nie sein, son­dern es wer­den aus der ge­sam­ten Mas­se der Men­schen sich übe­rall die­je­ni­gen her­aus­re­kru­tie­ren, die reif sind, die gu­te, die ed­le, die sc­hö­ne Sei­te der nächs­ten Kul­tur nach dem Krie­ge al­ler ge­gen al­le zu bil­den. Das ist wie­der­um der Fort­schritt ge­gen­über der frühe­ren at­lan­ti­schen Zeit, daß da­mals an ei­nem klei­nen Or­te die Ko­lo­nie sich ent­wi­ckel­te, bei uns aber die Mög­lich­keit ge­ge­ben ist, daß über die gan­ze Er­de hin aus al­len Stäm­men sich die­je­ni­gen her­aus­re­kru­tie­ren, die wir­k­lich den Ruf der Er­den­mis­si­on ver­ste­hen, die es ver­ste­hen, den Chris­tus in sich le­ben­dig zu ma­chen, das Prin­zip der Bru­der­lie­be zu ent­fal­ten über die gan­ze Er­de hin, und zwar ent-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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fal­ten im rich­ti­gen Sinn, nicht im Sin­ne der christ­li­chen Kon­fes­sio­nen, son­dern im Sin­ne des wah­ren eso­te­ri­schen Chris­ten­tums, das aus al­len Kul­tu­ren her­vor­ge­hen kann. Die­je­ni­gen, die die­ses christ­li­che Prin­zip ver­ste­hen, die wer­den da sein in je­ner Zeit, die dem gro­ßen Krie­ge al­ler ge­gen al­le fol­gen wird. Auf un­se­re jet­zi­ge Kul­tur, auf un­se­re rei­ne Ver­stan­des­kul­tur, auf al­les das, was sich in der Ge­gen­wart im­mer mehr und mehr nach dem Ab­grund des Ver­stan­des hin ent­wi­ckelt und das kön­nen Sie auf al­len Ge­bie­ten des Le­bens er­fah­ren , wird ei­ne Zeit kom­men, in wel­cher der Mensch ein Skla­ve der In­tel­li­genz sein wird, in der er als Per­sön­lich­keit un­ter­ge­hen wird. Es gibt heu­te nur ein ein­zi­ges Mit­tel, die Per­sön­lich­keit zu be­wah­ren, das ist die Spi­ri­tua­li­sie­rung. Die­je­ni­gen, die es ver­ste­hen, das spi­ri­tu­el­le Le­ben zu ent­wi­ckeln, wer­den zu dem Häuf­lein der Wohl­ver­sie­gel­ten aus al­len Na­tio­nen und Stäm­men ge­hö­ren, wel­che er­schei­nen wer­den in den wei­ßen Klei­dern nach dem gro­ßen Krie­ge al­ler ge­gen al­le.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt fan­gen wir an, aus un­se­rer un­mit­tel­bar ge­gen­wär­ti­gen Kul­tur des Ver­stan­des her­aus die geis­ti­ge Welt zu be­g­rei­fen. Das ist das wah­re an­thro­po­so­phi­sche St­re­ben, aus der heu­ti­gen Ver­stan­des­kul­tur her­aus zu be­g­rei­fen die spi­ri­tu­el­le Welt, zu sam­meln die Men­schen, die den Ruf nach Spi­ri­tua­li­sie­rung der Welt ver­ste­hen kön­nen. Nicht ei­ne ab­ge­sch­los­se­ne Ko­lo­nie wer­den die­se bil­den, son­dern aus al­len Na­tio­nen her­aus wer­den sie sein, und nach und nach wer­den sie hin­über­le­ben in den sechs­ten Zei­traum, al­so noch nicht et­wa über den gro­ßen Krieg hin­über, son­dern zu­nächst in den sechs­ten Zei­traum hin­ein. Da sind vor­läu­fig noch im­mer Not­wen­dig­kei­ten vor­han­den, die mit al­ten Ras­sen­not­wen­dig­kei­ten zu­sam­men­hän­gen. In un­se­rem Zei­traum spie­len ja Ras­se- und Kul­tu­re­po­che noch durch­ein­an­der. Der ei­gent­li­che Ras­se­be­griff hat sei­ne Be­deu­tung ver­lo­ren, aber er spielt noch im­mer hin­ein. Es ist kei­nes­wegs mög­lich, daß ei­ne je­de Mis­si­on in gleich­wer­ti­ger Wei­se von ei­nem je­den Volk bei uns schon aus­ge­übt wird. Man­ches Volk ist be­son­ders da­zu prä­d­es­ti­niert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Na­tio­nen, die heu­te die Kul­tur­trä­ger des Wes­tens sind, wa­ren au­s­er­se­hen, den fünf­ten Zei­traum auf die Höhe zu füh­ren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Das wa­ren die Na­tio­nen, die den Ver­stand aus­bil­den soll­ten. Da­her ha­ben wir da, wo die­se west­li­che Kul­tur sich aus­b­rei­tet, vor­zugs­wei­se die Ver­stan­des­kul­tur, und die ist noch nicht zu En­de. Die­se In­tel­li­genz wird sich noch aus­b­rei­ten. Noch mit viel mehr geis­ti­gen Kräf­ten wer­den die Men­schen das, was für des Lei­bes Not­durft ist, er­rin­gen, mit viel mehr geis­ti­gen Kräf­ten wer­den sie sich ge­gen­sei­tig er­wür­gen vor dem gro­ßen Krie­ge al­ler ge­gen al­le. Vie­le Ent­de­ckun­gen wer­den ge­macht wer­den, um die Krie­ge bes­ser füh­ren zu kön­nen, un­end­li­che In­tel­li­genz wird auf­ge­bo­ten wer­den, um den nie­d­ri­gen Trie­ben Ge­nü­ge zu leis­ten. Aber es be­rei­tet sich mit­ten­d­rin­nen doch das­je­ni­ge vor, wo­zu ge­wis­se Na­tio­nen des Os­tens, des nörd­li­chen Os­tens ver­an­lagt sind. Es be­rei­ten sich Na­tio­nen vor, aus ei­ner ge­wis­sen Stumpf­heit auf­zu­er­ste­hen und in gro­ßen ge­wal­ti­gen Im­pul­sen zu brin­gen, was ein spi­ri­tu­el­ler Im­puls sein wird, et­was wie der ent­ge­gen­ge­setz­te Pol zur In­tel­li­genz. Wir wer­den vor dem sechs­ten Kul­tur­zei­traum, der re­prä­sen­tiert ist durch die Ge­mein­de zu Phi­la­del­phia, et­was er­le­ben wie ei­ne ge­wal­ti­ge Völ­ker­e­he, ei­ne Ehe zwi­schen In­tel­li­genz und Ver­stand und Spi­ri­tua­li­tät. Heu­te er­le­ben wir erst die Mor­gen­rö­te die­ser Ehe, und nie­mand soll das, was eben ge­sagt wird, wie ein Lob­lied auf un­se­re Zeit auf­fas­sen, denn man singt nicht Lob­lie­der auf die Son­ne, wenn erst die ers­ten An­zei­chen der Mor­gen­rö­te da sind. Aber wir ha­ben doch merk­wür­di­ge Er­schei­nun­gen, wenn wir Os­ten und Wes­ten ver­g­lei­chen, wenn wir da in die Tie­fen und Un­tie­fen und Un­ter­grün­de der Na­tio­nen hin­ein­schau­en.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fas­sen wir das nicht auf wie ein Par­tei-Er­g­rei­fen-Wol­len. So fern wie nur mög­lich sind die­se Vor­trä­ge, die ob­jek­tiv sein wol­len, von ir­gend­ei­nem Par­tei-Er­g­rei­fen. Aber ob­jek­tiv kön­nen Sie ver­g­lei­chen das, was im eu­ro­päi­schen Wes­ten als Wis­sen­schaft, als Phi­lo­so­phie er­reicht wird, mit dem­je­ni­gen, was im Os­ten auf­taucht, sa­gen wir bei Tol­stoi. Man braucht nicht An­hän­ger von Tol­stoi zu sein, aber das ei­ne ist wahr: In ei­nem sol­chen Buch wie Tol­stois Buch «Über das Le­ben» kön­nen Sie ei­ne Sei­te le­sen, wenn Sie zu le­sen ver­ste­hen, und das ver­g­lei­chen mit gan­zen Bi­b­lio­the­ken im west­li­chen Eu­ro­pa. Und Sie kön­nen sich dann fol­gen­des&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|154}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sa­gen: In We­st­eu­ro­pa macht man mit dem Ver­stan­de geis­ti­ge Kul­tur, man zi­se­liert aus Ein­zel­hei­ten zu­sam­men ir­gend­wel­che Din­ge, wel­che die Welt ver­ständ­lich ma­chen sol­len. Und in die­ser Be­zie­hung hat die we­st­eu­ro­päi­sche Kul­tur sol­ches ge­leis­tet, daß es kein Zei­tal­ter mehr über­bie­ten wird. Aber Sie kön­nen das, was durch drei­ßig Bän­de sol­cher we­st­eu­ro­päi­scher Bi­b­lio­the­ken ge­sagt wer­den kann, manch­mal in zehn Zei­len zu­sam­men­ge­drängt er­hal­ten, wenn Sie so ein Buch wie «Über das Le­ben» von Tol­stoi ver­ste­hen. Da wird mit pri­mi­ti­ver Kraft et­was ge­sagt, aber da ha­ben we­ni­ge Zei­len Stoßkraft, die gleich­kommt dem­je­ni­gen, was dort aus den Ein­zel­hei­ten zu­sam­men­zi­se­liert wird. Da muß man be­ur­tei­len kön­nen, was aus der Tie­fe des Geis­tes dringt, was spi­ri­tu­el­le Un­ter­grün­de hat und was nicht. Ge­ra­de­so wie über­rei­fe Kul­tu­ren et­was Ver­dor­ren­des ha­ben, so ha­ben sol­che auf­ge­hen­de Kul­tu­ren fri­sches Le­ben und neue Stoßkraft in sich. Tol­stoi ist ja ei­ne vor­zei­ti­ge Blü­te ei­ner sol­chen Kul­tur, viel früh­er ge­kom­men, als daß es mög­lich wä­re, jetzt schon aus­ge­bil­det wer­den zu kön­nen. Da­her ist er mit al­len Feh­lern ei­ner un­zei­ti­gen Ge­burt be­haf­tet. All das, was er auf­bringt an gro­tes­ker Dar­stel­lung man­cher we­st­eu­ro­päi­scher Din­ge, was un­be­grün­det ist, al­les das, was er auch auf­bringt an törich­ten Ur­tei­len, zeigt eben, daß gro­ße Er­schei­nun­gen die Feh­ler ih­rer Tu­gen­den ha­ben, daß gro­ße Ge­scheit­heit die Tor­heit ih­rer Weis­heit hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das soll­te nur als Symp­tom hin­ge­s­tellt wer­den für die zu­künf­ti­ge Zeit, wo sich zu­sam­men­sch­lie­ßen wer­den das Spi­ri­tu­el­le des Os­tens und das In­tel­lek­tu­el­le des Wes­tens. Aus die­sem Zu­sam­men­fluß wird her­vor­ge­hen die Zeit von Phi­la­del­phia. Al­le die­je­ni­gen wer­den sich in die­se Ehe hin­ein­fin­den, die in sich auf­neh­men den Im­puls des Chris­tus Je­sus, und sie wer­den die gro­ße Bru­der­schaft bil­den, wel­che hin­über­le­ben wird über den gro­ßen Krieg, wel­che an­ge­fein­det sein wird, die man­nig­fal­tigs­ten Ver­fol­gun­gen er­le­ben wird, aber die Grund­la­ge ab­ge­ben wird zu der gu­ten Ras­se. Nach­dem die­ser gro­ße Krieg ge­bracht ha­ben wird den Auf­gang der Tier­heit inn­er­halb de­rer, die in den al­ten For­men ge­b­lie­ben sind, wird die­se gu­te Ras­se er­ste­hen. Sie wer­den hin­über­tra­gen in die&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
künf­ti­ge Zeit das­je­ni­ge, was die geis­tig er­höh­te Kul­tur die­ser künf­ti­gen Zeit sein soll. So wer­den wir auch er­le­ben, daß in un­se­rer Zeit zwi­schen der gro­ßen at­lan­ti­schen Flut und dem gro­ßen Krie­ge al­ler ge­gen al­le, in dem Zei­traum, der durch die Ge­mein­de zu Phi­la­del­phia re­prä­sen­tiert wird, ei­ne Ko­lo­nie sich bil­det, die nicht aus­wan­dern wird, son­dern übe­rall sein wird, so daß übe­rall im Sinn der Ge­mein­de von Phi­la­del­phia, im Sinn des Zu­sam­men­schlus­ses der Mensch­heit, im Sin­ne des christ­li­chen Prin­zips ge­wirkt wer­den wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
= ACHTER VOTRAG, Nürnberg, 25. Juni 1908 =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn jetzt schon wie­der­holt da­von ge­spro­chen wor­den ist, daß un­se­re sie­ben Kul­tur­stu­fen ihr En­de fin­den wer­den durch den Krieg al­ler ge­gen al­le, so müs­sen wir uns ei­nen sol­chen Krieg al­ler ge­gen al­le ei­gent­lich ganz an­ders vor­s­tel­len, als man bis jetzt ge­wohnt ist, sich Krie­ge vor­zu­s­tel­len. Wir müs­sen nur ein­mal ins Au­ge fas­sen, was die Grund­la­ge, die ei­gent­li­che Ur­sa­che die­ses Krie­ges ist. Die­se Grund­la­ge oder Ur­sa­che ist das Über­hand­neh­men des Ego­is­mus, der Ich­sucht, der Selbst­heit der Men­schen. Und wir sind ja nun­mehr in un­se­ren Be­trach­tun­gen so weit fort­ge­schrit­ten, daß wir ge­se­hen ha­ben, welch zwei­schnei­di­ges, schar­fes Schwert die­ses Ich des Men­schen ist. Wer nicht be­g­reift, daß die­ses Ich ein zwei­schnei­di­ges Schwert ist, der wird kaum den gan­zen Sinn der Mensch­heits- und Wel­ten­ent­wi­cke­lung ver­ste­hen. Auf der ei­nen Sei­te ist die­ses Ich die Ur­sa­che des­sen, daß die Men­schen in sich selbst sich ver­här­ten, daß sie al­les, was ih­nen zur Ver­fü­gung ste­hen kann an äu­ße­ren Din­gen und in­ne­ren Gü­tern, in den Di­enst die­ses ih­res Ichs ein­be­zie­hen wol­len. Es ist die­ses Ich die Ur­sa­che, daß sich al­le Wün­sche des Men­schen dar­auf rich­ten, die­ses Ich als sol­ches zu be­frie­di­gen. Wie die­ses Ich da­nach st­rebt, ei­nen Teil des ge­mein­sa­men Er­den­be­sit­zes an sich her­an­zu­brin­gen als sein Ei­gen­tum, wie die­ses Ich da­nach st­rebt, aus sei­nem Ge­bie­te al­le an­de­ren Iche hin­weg­zu­t­rei­ben, sie zu be­krie­gen, zu be­kämp­fen: das ist die ei­ne Sei­te des Ichs. Aber auf der an­de­ren Sei­te dür­fen wir nicht ver­ges­sen, daß die­ses Ich zu­g­leich das­je­ni­ge ist, was dem Men­schen sei­ne Selb­stän­dig­keit, sei­ne in­ne­re Frei­heit gibt, was den Men­schen im wahrs­ten Sin­ne des Wor­tes er­höht. In die­sem Ich ist sei­ne Wür­de be­grün­det. Es ist die An­la­ge zum Gött­li­chen im Men­schen.&lt;br /&gt;
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Die­ser Ich-Be­griff macht vie­len Men­schen Schwie­rig­keit. Es ist uns ja klar ge­wor­den, daß sich das Ich des Men­schen her­au­sent-&lt;br /&gt;
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wi­ckelt hat aus ei­ner Grup­pen­see­len­haf­tig­keit, aus ei­ner Art um­fas­sen­den All-Ichs, aus dem es sich her­aus­dif­fe­ren­ziert hat. Un­rich­tig wä­re es, wenn der Mensch wie­der das Ver­lan­gen ha­ben wür­de, mit sei­nem Ich un­ter­zu­ge­hen in ir­gend­ein All­be­wußt­sein, in ir­gend­ein Ge­samt­be­wußt­sein. Al­les, was den Men­schen st­re­ben läßt, sein Ich zu ver­lie­ren, mit ihm auf­zu­ge­hen in ein All­be­wußt­sein, ist ein Er­zeug­nis der Schwäche. Nur der al­lein ver­steht das Ich, der da weiß, daß, nach­dem er sich die­ses Ich er­run­gen hat im Lau­fe der kos­mi­schen Ent­wi­cke­lung, es nun­mehr un­ver­lier­bar ist, und der Mensch muß vor al­len Din­gen nach der star­ken Kraft st­re­ben, wenn er die Wel­ten­mis­si­on ver­steht, die­ses Ich im­mer in­ner­li­cher, im­mer gött­li­cher zu ma­chen. Die wah­ren An­thro­po­so­phen ha­ben nichts von je­ner Phra­se in sich, die da im­mer wie­der be­tont das Auf­ge­hen des Ichs in ei­nem All-Ich, das Zu­sam­men­sch­mel­zen in ir­gend­ei­nen Ur­b­rei. Die wah­re an­thro­po­so­phi­sche Wel­t­an­schau­ung kann nur als End­ziel die Ge­mein­schaft der selb­stän­dig und frei ge­wor­de­nen Iche, der in­di­vi­du­ell ge­wor­de­nen Iche hin­s­tel­len. Das ist ja ge­ra­de die Er­den­mis­si­on, die sich durch die Lie­be aus­drückt, daß das Ich dem Ich frei ge­gen­über­ste­hen lernt. Kei­ne Lie­be ist voll­kom­men, die her­vor­geht aus Zwang, aus dem Zu­sam­men­ge­ket­tet­sein. Ein­zig und al­lein dann, wenn je­des Ich so frei und selb­stän­dig ist, daß es auch nicht lie­ben kann, ist sei­ne Lie­be ei­ne völ­lig freie Ga­be. Das ist so­zu­sa­gen der gött­li­che Wel­ten­plan, die­ses Ich so selb­stän­dig zu ma­chen, daß es aus Frei­heit selbst dem Gott die Lie­be als ein in­di­vi­du­el­les We­sen ent­ge­gen­brin­gen kann. Es wür­de hei­ßen, die Men­schen an Fä­den der Ab­hän­gig­keit füh­ren, wenn sie ir­gend­wie zur Lie­be, wenn auch nur im ent­fern­tes­ten, ge­zwun­gen wer­den könn­ten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So wird das Ich das Un­terp­fand sein des höchs­ten Zie­les des Men­schen. So ist es aber zu glei­cher Zeit, wenn es nicht die Lie­be fin­det, wenn es sich in sich ver­här­tet, der Ver­füh­rer, der ihn in den Ab­grund stürzt. Dann ist es das­je­ni­ge, was die Men­schen von­ein­an­der trennt, was sie auf­ruft zum gro­ßen Krieg al­ler ge­gen al­le, nicht nur zum Krieg der Völ­ker ge­gen die Völ­ker denn der Volks­be­griff wird dann gar nicht mehr die Be­deu­tung ha­ben, die&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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er heu­te hat, son­dern zum Krie­ge des ein­zel­nen ge­gen den ein­zel­nen auf den man­nig­fal­tigs­ten Ge­bie­ten des Le­bens, zum Krie­ge der Stän­de ge­gen die Stän­de, der Kas­ten ge­gen die Kas­ten, der Ge­sch­lech­ter ge­gen die Ge­sch­lech­ter. Auf al­len Ge­bie­ten des Le­bens wird al­so das Ich zum Zank­ap­fel wer­den, und da­her dür­fen wir sa­gen, daß das Ich auf der ei­nen Sei­te zum Höchs­ten und auf der an­de­ren zum Tiefs­ten füh­ren kann. Des­halb ist es ein schar­fes, zwei­schnei­di­ges Schwert. Und der­je­ni­ge, der da den Men­schen ge­bracht hat das vol­le Ich-Be­wußt­sein, der Chris­tus Je­sus, er wird, wie wir ge­se­hen ha­ben, sym­bo­lisch in un­se­rer Apo­ka­lyp­se mit Recht dar­ge­s­tellt als der­je­ni­ge, der das schar­fe, zwei­schnei­di­ge Schwert im Mun­de hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir ha­ben es ja als ho­he Er­run­gen­schaft des Men­schen hin­ge­s­tellt, daß er zu die­sem frei­en Ich-Be­griff ge­ra­de durch das Chris­ten­tum hat auf­s­tei­gen kön­nen. Der Chris­tus Je­sus hat die­ses Ich in vol­lem Um­fan­ge ge­bracht. Da­her muß die­ses Ich ge­ra­de durch das schar­fe, zwei­schnei­di­ge Schwert aus­ge­drückt wer­den, das Sie aus dem ei­nen un­se­rer Sie­gel ken­nen. Und daß die­ses schar­fe, zwei­schnei­di­ge Schwert aus dem Mun­de des Men­schen­soh­nes geht, das ist wie­der be­g­reif­lich, denn als der Mensch mit vol­lem Be­wußt­sein aus­sp­re­chen ge­lernt hat das Ich, da war es ihm ge­ge­ben, auf das Höchs­te hin­auf­zu­s­tei­gen, in das Tiefs­te hin­un­ter­zu­sin­ken. Das schar­fe, zwei­schnei­di­ge Schwert ist ei­nes der wich­tigs­ten Sym­bo­le, die uns in der Apo­ka­lyp­se ent­ge­gen­t­re­ten. (Ers­tes Sie­gel.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir nun uns klar sind über das, was am Schlus­se der letz­ten Be­trach­tung an uns her­an­ge­t­re­ten ist, daß auf un­se­re jet­zi­ge Kul­tur die­je­ni­ge fol­gen wird, die in den Send­sch­rei­ben cha­rak­te­ri­siert ist durch die Stadt Phi­la­del­phia, so müs­sen wir uns vor al­len Din­gen mer­ken, daß aus die­ser sechs­ten Kul­tur­stu­fe die­je­ni­gen Men­schen­see­len ge­nom­men wer­den, die hin­über­zu­le­ben ha­ben in das fol­gen­de Zei­tal­ter. Da, nach dem Krie­ge al­ler ge­gen al­le wie wir oft schon be­tont ha­ben , wird sich ja aus­le­ben in den Ge­sich­tern, was sich in der See­le der Men­schen in un­se­rer Zeit vor­be­rei­tet. Von ganz ge­rin­ger Wich­tig­keit wird die so­ge­nann­te sie­ben­te Kul­tur­stu­fe sein. Wir le­ben al­so in der fünf­ten Kul­tur­stu­fe,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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dann folgt die sechs­te, aus der her­aus­ge­hen wird ei­ne An­zahl von Men­schen voll Ver­ständ­nis für die spi­ri­tu­el­le Welt, durch­drun­gen von je­ner Ge­sin­nung der Bru­der­lie­be, die ge­ra­de aus der spi­ri­tu­el­len Er­kennt­nis folgt. Die reifs­te Frucht un­se­rer ge­gen­wär­ti­gen Kul­tur wird in die­ser sechs­ten Epo­che er­schei­nen. Und was dar­auf folgt, wird sein, was lau ist, was nicht warm und nicht kalt ist. Was als sie­ben­te Stu­fe folgt, ist so­zu­sa­gen in der ge­sam­ten Kul­tur et­was wie ei­ne über­rei­fe Frucht, wie et­was, was hin­über­lebt über den gro­ßen Krieg al­ler ge­gen al­le, aber kein Prin­zip des Fort­schrit­tes in sich ent­hält.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So war es auch, als un­se­re Kul­tur ent­stan­den ist. Den­ken wir zu­rück an die Zeit vor der at­lan­ti­schen Flut. Wir ha­ben ge­sagt: Es war im letz­ten Drit­tel der at­lan­ti­schen Zeit, die die Men­schen ja auf dem Bo­den durch­leb­ten, der heu­te vom At­lan­ti­schen Oze­an be­deckt ist, als sich ein klei­nes Häuf­lein in der Nähe des heu­ti­gen Ir­land bil­de­te, das zur höchs­ten Kul­tur­stu­fe der At­lan­tis ge­kom­men war und das dann aus­zog nach dem Os­ten, von wo aus al­le spä­te­ren Kul­tu­ren aus­ge­gan­gen sind. Fas­sen wir das so recht ins Au­ge, den­ken wir uns die­sen Fleck Er­de, der heu­te je­nes Meer bil­det im Wes­ten von Ir­land, den­ken wir uns von da aus­ge­hend ei­nen Volks­strom, der nach Os­ten wan­dert und von dem aus ei­ne Men­ge Volks­stäm­me zie­hen, die dann Eu­ro­pa be­völ­kern. Al­les, was an eu­ro­päi­scher Be­völ­ke­rung da ist, das ist von da­her ge­kom­men. Der be­gab­tes­te Teil der At­lan­tier zog nach Zen­trala­si­en; von da gin­gen die ver­schie­de­nen Kul­tu­ren aus, die wir be­schrie­ben ha­ben, bis zu uns he­r­ein. So al­so se­hen Sie, daß von ei­nem klei­nen Häuf­lein at­lan­ti­scher Leu­te un­se­re ge­gen­wär­ti­ge Kul­tur ih­ren Ur­sprung ge­nom­men hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber auch die­se at­lan­ti­sche Kul­tur hat­te sie­ben au­f­ein­an­der­fol­gen­de Stu­fen, ge­ra­de­so wie un­se­re Kul­tur sie­ben Stu­fen hat, die wir ken­nen als die alt­in­di­sche, alt­per­si­sche, as­sy­risch-ba­by­lo­nisch-chal­däisch-ägyp­tisch-jü­di­sche, die grie­chisch-latei­ni­sche, die uns­ri­ge und zwei wei­te­re. Und es war in der fünf­ten at­lan­ti­schen Kul­tur­stu­fe, als die­se Wan­de­rung be­gann, so daß die au­s­er­le­sens­te Be­völ­ke­rung der al­ten At­lan­tis, die un­se­rer Kul­tur zu­grun­de liegt, aus&lt;br /&gt;
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der fünf­ten at­lan­ti­schen Ras­se in der At­lan­tis dür­fen wir von Ras­sen sp­re­chen ge­nom­men ist. Es folg­te noch ei­ne sechs­te und ei­ne sie­ben­te Ras­se. Das wa­ren so­zu­sa­gen die lau­en Ras­sen. Auch sie über­dau­er­ten die gro­ße Flut, aber in ih­nen war nicht le­ben­dig sprie­ßen­de Kraft. Sie ver­hiel­ten sich et­wa so zu der fünf­ten Kul­tur, wie sich die Rin­de, die ver­holzt, ver­här­tet ist, zum saf­ti­gen Sten­gel ver­hält. So wa­ren die zwei Ras­sen, die auf die ei­gent­li­che Stamm­ras­se folg­ten, nicht ent­wi­cke­lungs­fähig; über­reif so­zu­sa­gen wa­ren sie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie se­hen heu­te noch Nach­züg­ler die­ser al­ten über­rei­fen Ras­sen, na­ment­lich im chi­ne­si­schen Volk. Das chi­ne­si­sche Volk ist da­durch cha­rak­te­ri­siert, daß es sich nicht an­ge­sch­los­sen hat dem, was in der fünf­ten Ras­se, der Stamm­ras­se, ge­of­fen­bart wor­den war. Da­mals, als der Äther­leib hin­ein­ging in den phy­si­schen Leib, war es, wo der Mensch die ers­te An­la­ge zum Ich-sa­gen emp­fing. Sie hat­ten die­sen Zei­traum verpaßt. Sie hat­ten al­ler­dings da­durch je­ne ho­he Kul­tur ent­wi­ckelt, die be­kannt ist, die aber nicht bil­dungs­fähig war. Die fünf­te at­lan­ti­sche Ras­se schick­te übe­rall­hin ih­re Kul­tur­trä­ger, die neue, im­mer mehr sich ver­voll­komm­nen­de, wach­sen­de Volks­kul­tu­ren schu­fen. Ja, das wächst al­les, von der alt­in­di­schen Kul­tur bis zur uns­ri­gen. Die sechs­te und sie­ben­te Ras­se der At­lan­tis hat­ten sich in die Ver­här­tung be­ge­ben und wa­ren da­her in ei­nen sta­tio­nä­ren Zu­stand ge­kom­men. Wie ge­sagt, die chi­ne­si­sche Kul­tur ist ein Über­b­leib­sel da­von. Sie kann nicht aus sich her­aus­kom­men. Sie hat­te in der al­ten chi­ne­si­schen Kul­tur ei­ne wun­der­ba­re al­tat­lan­ti­sche Erb­schaft an­ge­t­re­ten, aber sie konn­te über ih­ren Höh­e­punkt nicht hin­aus. Nichts bleibt un­be­ein­flußt vom an­dern. Sie dür­fen die alt­chi­ne­si­sche Li­te­ra­tur an­se­hen: von übe­rall­her ist sie be­ein­flußt wor­den, aber ih­re Grund­far­be zeigt durch­aus den at­lan­ti­schen Cha­rak­ter. Die­ses In­sich­ge­sch­los­sen­sein, die­ses Er­fin­dun­gen-ma­chen und Da­bei­b­lei­ben, nie­mals sie über ei­nen ge­wis­sen Grad hin­aus­brin­gen kön­nen, das rührt al­les noch von dem Cha­rak­ter der At­lan­tis her.&lt;br /&gt;
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Wie es da­zu­mal mit der fünf­ten Ras­se ge­gan­gen ist, daß sie die Bil­dungs­fähi­gen ge­lie­fert hat, und mit der sechs­ten und sie­ben­ten, daß sie in den Nie­der­gang ka­men, so wird es auch in un­se­rer Zeit&lt;br /&gt;
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sein. Jetzt le­ben wir noch mit al­ler Sehn­sucht hin zur sechs­ten Kul­tur, zu dem, was so ge­schil­dert wer­den muß, daß es aus der spi­ri­tu­el­len Ehe zwi­schen dem Wes­ten und dem Os­ten sich bil­det. Da wird die sechs­te Kul­tur­stu­fe die Grund­la­ge sein für das, was nach dem gro­ßen Krie­ge al­ler ge­gen al­le als neue Kul­tu­ren auf­ge­hen wird, eben­so wie nach der at­lan­ti­schen Zeit un­se­re Kul­tu­ren auf­ge­gan­gen sind. Da­ge­gen wird die sie­ben­te Kul­tur­stu­fe durch die Lau­en re­prä­sen­tiert wer­den. Die­se sie­ben­te wird so hin­über­le­ben in die neue Zeit, wie die sechs­te und sie­ben­te Ras­se der at­lan­ti­schen Zeit als ver­här­te­te und sich ver­s­tei­fen­de Ras­sen in un­se­re Epo­che her­über­ge­lebt ha­ben. Nach dem Krie­ge al­ler ge­gen al­le wird es zwei Strö­mun­gen un­ter den Men­schen ge­ben: auf der ei­nen Sei­te die von Phi­la­del­phia mit dem Prin­zip des Fort­schrit­tes, der in­ne­ren Frei­heit, der Bru­der­lie­be, ein klei­nes Häuf­lein, aus al­len Stäm­men und Na­tio­nen sich zu­sam­men­set­zend, und auf der an­de­ren Sei­te die gro­ße Mas­se de­rer, die da lau sein wer­den, die Über­b­leib­sel de­rer, die jetzt lau sein wer­den, die Strö­mung von Lao­di­zea. Und es wird sich nach dem gro­ßen Krie­ge al­ler ge­gen al­le dar­um han­deln, daß nach und nach durch die gu­te Ras­se, durch die gu­te Strö­mung die bö­se Strö­mung hin­über­ge­führt wird zum Gu­ten. Das wird ei­ne der Haupt­auf­ga­ben sein nach dem gro­ßen Krie­ge al­ler ge­gen al­le: zu ret­ten, was zu ret­ten ist aus den­je­ni­gen, die nach dem gro­ßen Krie­ge nur das Be­st­re­ben ha­ben wer­den, ein­an­der zu be­kämp­fen, das Ich aus­le­ben zu las­sen im äu­ßers­ten Ego­is­mus. Inn­er­halb der Sphä­re des Ok­kul­tis­mus wird für al­le sol­che Din­ge im­mer vor­ge­sorgt in der Welt&lt;br /&gt;
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Be­trach­ten Sie es nicht als ei­ne Här­te des Sc­höp­fungs­pla­nes, nicht als et­was, wes­we­gen man rech­ten kön­ne mit dem Sc­höp­fungs­plan, daß al­so die Mensch­heit ge­spal­ten wird in sol­che, die zur Rech­ten und die zur Lin­ken ste­hen wer­den, be­trach­ten Sie es viel­mehr als et­was, was im höchs­ten Gra­de wei­se im Sc­höp­fungs­pla­ne ist. Denn be­den­ken Sie ein­mal, daß ge­ra­de da­durch, daß so das Bö­se sich von dem Gu­ten trennt, das Gu­te sei­ne Haupt­stär­ke im Gu­ten er­hal­ten wird, denn es wird das Gu­te sich nach dem gro­ßen Krie­ge al­ler ge­gen al­le je­de nur mög­li­che An­st­ren­gung ge­ben&lt;br /&gt;
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müs­sen, um die Bö­sen in dem Zei­traum, in dem es noch mög­lich sein wird, wie­der her­über­zu­zie­hen. Das wird nicht ei­ne Er­zie­hungs­auf­ga­be sein, wie heu­te die Er­zie­hungs­auf­ga­ben sind, son­dern da wer­den ok­kul­te Kräf­te mit­wir­ken, denn die Men­schen wer­den in die­sem nächs­ten gro­ßen Zei­traum ok­kul­te Kräf­te in Be­we­gung zu set­zen ver­ste­hen. Die Gu­ten wer­den die Auf­ga­be ha­ben, auf ih­re Mit­brü­der der bö­sen Strö­mung zu wir­ken. Und in den ok­kul­ten Wel­ten­strö­mun­gen wird die­ses al­les vor­be­rei­tet. Nur ver­steht man die tiefs­te al­ler ok­kul­ten Wel­ten­strö­mun­gen am al­ler­we­nigs­ten. Die Wel­ten­strö­mung, die das vor­be­rei­tet, sagt fol­gen­des zu ih­ren Schü­l­ern: Da re­den die Men­schen von Gut und Bö­se, und sie wis­sen nicht, daß es im Wel­ten­plan not­wen­dig ist, daß das Bö­se auch zu sei­ner Spit­ze kommt, da­mit die­je­ni­gen, die die­ses Bö­se über­win­den müs­sen, ge­ra­de in der Über­win­dung des Bö­sen die Kraft so nüt­zen, daß ein um so grö­ße­res Gu­tes her­aus­kommt. Aber es müs­sen die au­s­er­le­sens­ten Men­schen dar­auf vor­be­rei­tet wer­den, daß sie hin­über­le­ben über das Zei­tal­ter des gro­ßen Krie­ges al­ler ge­gen al­le, wo Men­schen ih­nen ent­ge­gen­ste­hen wer­den, die in ih­rem Ant­litz ha­ben wer­den die Zei­chen des Bö­sen, sie müs­sen vor­be­rei­tet wer­den dar­auf, daß so­viel als mög­lich gu­te Kraft ein­f­lie­ßen muß in die Mensch­heit. Es wird noch mög­lich sein, daß die bis zu ei­nem ge­wis­sen Gra­de wei­chen Lei­ber nach dem gro­ßen Krie­ge al­ler ge­gen al­le um­ge­formt wer­den durch die be­kehr­ten See­len, durch die See­len, die noch in die­sem letz­ten Zei­traum zu dem Gu­ten hin­über­ge­führt wer­den. Da­mit wird viel er­reicht wer­den. Das Gu­te wür­de nicht ein so gro­ßes Gu­tes sein, wenn es nicht al­so wach­sen wür­de durch die Über­win­dung des Bö­sen. Die Lie­be wür­de kei­ne so in­ten­si­ve sein, wenn sie nicht ei­ne so gro­ße Lie­be wer­den müß­te, um selbst das Häß­li­che im Ant­lit­ze der bö­sen Men­schen zu über­win­den. Das wird schon vor­her vor­be­rei­tet, und den Schü­l­ern wird ge­sagt: Al­so dürft ihr nicht glau­ben, daß das Bö­se nicht im Sc­höp­fer­plan be­grün­det sei. Es ist da­r­in­nen, daß durch es ein­mal das gro­ße Gu­te sei.&lt;br /&gt;
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Die­je­ni­gen, die vor­be­rei­tet wer­den in ih­ren See­len durch sol­che Leh­ren, da­mit sie einst­mals die­se gro­ße Er­zie­hungs­auf­ga­be lö­sen&lt;br /&gt;
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kön­nen, das sind die Schü­ler je­ner Geis­tes­rich­tung, die man nennt das Ma­nichäer­tum. Die Ma­nichäer­rich­tung wird ge­wöhn­lich falsch ver­stan­den. Wo Sie ir­gend et­was hö­ren oder le­sen dar­über, da ver­neh­men Sie ei­ne phra­sen­haf­te Re­de. Da heißt es, die Ma­nichäer glaub­ten, es ge­be von An­fang der Welt an zwei Prin­zi­pi­en, das Gu­te und das Bö­se. So ist es nicht, son­dern es ist die Leh­re, die Ih­nen eben au­s­ein­an­der­ge­setzt wor­den ist. Sol­che Leh­re und ih­re Um­set­zung für die Zu­kunft und die Schü­ler, die an­ge­lei­tet wer­den so, daß sie in künf­ti­gen Ver­kör­pe­run­gen solch ei­ne Auf­ga­be leis­ten kön­nen, das ist es, was man un­ter dem Na­men Ma­nichäer­tum ver­steht. Ma­nes ist je­ne ho­he In­di­vi­dua­li­tät, die im­mer und im­mer wie­der auf der Er­de ver­kör­pert ist, die der lei­ten­de Geist ist de­rer, die zur Be­keh­rung des Bö­sen da sind. Wenn wir von den gro­ßen Füh­r­ern der Men­schen sp­re­chen, so müs­sen wir auch die­ser In­di­vi­dua­li­tät ge­den­ken, wel­che sich die­se Auf­ga­be ge­setzt hat. Es wird, wenn auch in der Ge­gen­wart die­ses Prin­zip des Ma­nes sehr in den Hin­ter­grund hat tre­ten müs­sen, weil we­nig Ver­ständ­nis für den Spi­ri­tua­lis­mus da ist, es wird die­ses wun­der­bar herr­li­che Ma­nichäer-Prin­zip mehr und mehr Schü­ler ge­win­nen, je mehr wir dem Ver­ständ­nis des spi­ri­tu­el­len Le­bens ent­ge­gen­ge­hen.&lt;br /&gt;
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So se­hen Sie, wie hin­über­lebt die ge­gen­wär­ti­ge Mensch­heit in die neue, spä­te­re Zeit über den Krieg al­ler ge­gen al­le hin­aus, eben­so wie je­ne Stamm­ras­se der At­lan­tier her­über­ge­lebt hat in un­se­re Zeit und un­se­re Kul­tur be­grün­det hat. In sie­ben au­f­ein­an­der­fol­gen­den Stu­fen wird sich nach dem gro­ßen Krie­ge al­ler ge­gen al­le die Mensch­heit ent­fal­ten. Und wir ha­ben schon ge­se­hen, wie das­je­ni­ge, was über die Ent­sie­ge­lung der sie­ben Sie­gel ge­sagt wird in der Apo­ka­lyp­se des Jo­han­nes, uns den Cha­rak­ter an­gibt der au­f­ein­an­der­fol­gen­den sie­ben Stamm­kul­tu­ren, der sie­ben Kul­tur­stu­fen nach dem gro­ßen Krie­ge. Dann, wenn die­se Kul­tur, die der heu­ti­ge Mensch nur als Ein­ge­weih­ter in der as­tra­li­schen Welt und in der Sym­bo­lik der­sel­ben zu schau­en ver­mag, ab­ge­lau­fen sein wird, dann wird ei­ne neue Pe­rio­de für un­se­re Er­den­ent­wi­cke­lung be­gin­nen, in der wie­der­um neue For­men auf­t­re­ten wer­den. Und die­se neue Pe­rio­de, die dann folgt auf die eben be­schrie­be­ne, die wird uns&lt;br /&gt;
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sym­bo­li­siert in der Apo­ka­lyp­se des Jo­han­nes durch die sie­ben Po­sau­n­en­klän­ge. Eben­so wie die Kul­tur nach dem gro­ßen Krie­ge al­ler ge­gen al­le durch die sie­ben Sie­gel cha­rak­te­ri­siert wird, weil sie der Se­her heu­te nur von der as­tra­li­schen Welt aus se­hen kann, so wird durch die Po­sau­n­en­klän­ge die Kul­tur­stu­fe, die auf je­ne folgt, aus dem Grun­de so cha­rak­te­ri­siert, weil der Mensch sie nur wahr­neh­men kann von der ei­gent­lich geis­ti­gen Welt aus, wo die Sphä­ren­klän­ge er­tö­nen. Wie der Mensch in Bil­dern, in Sym­bo­len die Welt wahr­nimmt auf dem as­tra­li­schen Plan, so nimmt er in der in­spi­rie­ren­den Sphä­ren­mu­sik die Welt im De­vachan wahr, und in die­sem De­vachan liegt auch so­zu­sa­gen der Gip­fel von dem, was sich auf den gro­ßen Krieg al­ler ge­gen al­le fol­gend ent­hül­len wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So ha­ben wir, wenn wir es noch ein­mal dar­s­tel­len, in dem ne­ben­ste­hen­den Sche­ma un­se­re sie­ben Kul­tur­stu­fen in der Li­nie ab, und zwar so, daß wir die al­te in­di­sche Kul­tur als ers­te ha­ben, die al­te per­si­sche als die zwei­te, die as­sy­risch-ba­by­lo­nisch-chal­däisch-ägyp­tisch-jü­di­sche als drit­te, die grie­chisch-latei­ni­sche als vier­te und die uns­ri­ge als fünf­te Kul­tur­stu­fe der nachat­lan­ti­schen Zeit. Die Li­nie IV wä­re die at­lan­ti­sche Zeit, a die gro­ße Flut, durch die die­se ihr En­de fin­det, und b der gro­ße Krieg al­ler ge­gen al­le. Dann folgt ei­ne Kul­tur von sie­ben Stu­fen (VI), die re­prä­sen­tiert wird durch die sie­ben Sie­gel, und dann folgt ei­ne Kul­tur von sie­ben Stu­fen, die re­prä­sen­tiert wird durch die sie­ben Po­sau­nen. Hier liegt dann über­haupt die Gren­ze un­se­rer phy­si­schen Er­den­ent­wi­cke­lung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun gin­gen der at­lan­ti­schen Kul­tur, der­je­ni­gen Kul­tur, die der uns­ri­gen vor­an­ging, auch wie­der­um Kul­tur­stu­fen voran. Denn die uns­ri­ge, die auf die at­lan­ti­sche folgt, ist auf un­se­rer Er­de be­reits die fünf­te Kul­tur­stu­fe. Es ge­hen ihr vier Kul­tur­stu­fen voran. Die ers­te kön­nen wir aber kaum ei­ne Kul­tur­stu­fe nen­nen. Da ist al­les noch fein äthe­risch-geis­tig, al­les noch so, daß, wenn es sich so wei­ter fort­ent­wi­ckelt hät­te, es über­haupt nicht für Sin­ne­s­or­ga­ne un­se­rer Art sicht­bar ge­wor­den wä­re. Die ers­te Kul­tur­stu­fe ent­wi­ckel­te sich, als noch nicht ein­mal die Son­ne sich von der Er­de ent­fernt hat­te. Da gab es ganz an­de­re Ver­hält­nis­se, da kann man nicht sp­re­chen von et­was, was un­se­ren Din­gen ähn­lich sah. Dann&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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folgt ei­ne Zeit, die da­durch cha­rak­te­ri­siert wird, daß die Son­ne sich weg­be­wegt, dann ei­ne, die da­durch cha­rak­te­ri­siert wird, daß der Mond aus der Er­de her­aus­geht. Das ist die drit­te Stu­fe, was wir die al­te le­mu­ri­sche Zeit nen­nen. Da tritt der jet­zi­ge Mensch in sei­nen al­le­r­ers­ten An­fän­gen auf un­se­rer Er­de auf, von de­nen ich Ih­nen an­ge­deu­tet ha­be, daß es solch gro­tes­ke Kör­per­for­men wa­ren, daß es Sie scho­ckie­ren wür­de, wenn Sie sie ge­schil­dert er­hiel­ten. Auf die­se, die le­mu­ri­sche Zeit, folg­te dann die at­lan­ti­sche und end­lich die uns­ri­ge.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So se­hen Sie, daß wir sie­ben Kul­tur­stu­fen ha­ben auf un­se­rer Er­de, sie­ben Ent­wi­cke­lungs­pe­rio­den der Er­de. Auf zwei se­hen wir zu­rück als ganz und gar un­ähn­lich un­se­rer Zeit, auf ei­ne drit­te so, daß sie sich zum Teil ab­ge­spielt hat auf ei­nem Platz zwi­schen dem heu­ti­gen Afri­ka und dem heu­ti­gen Asi­en und Aus­tra­li­en, auf dem al­ten Le­mu­ri­en. Da gab es wie­der­um un­ter den da­ma­li­gen Men­schen ei­ne klei­ne Grup­pe, wel­che die Vor­ge­rück­tes­ten in sich faß­te. Die­se Grup­pe war die al­ler­letz­te der Ras­sen. Al­so, die al­ler­letz­te der le­mu­ri­schen Ras­sen hat­te ein klei­nes Häuf­lein, das aus­wan­dern konn­te und das nach­her die sie­ben Ras­sen der At­lan­tier be­grün­de­te. Die letz­te der le­mu­ri­schen Ras­sen be­grün­de­te die at­lan­ti­schen Ras­sen. Die fünf­te der at­lan­ti­schen Ras­sen be­grün­de­te un­se­re Kul­tur. Die sechs­te der uns­ri­gen Kul­tu­ren be­grün­det die zu­künf­ti­ge Kul­tur nach dem gro­ßen Krie­ge al­ler ge­gen al­le, und die al­ler­letz­te die­ser Kul­tu­ren wird die­je­ni­ge zu be­grün­den ha­ben, die durch die sie­ben Po­sau­nen an­ge­deu­tet wird.&lt;br /&gt;
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Und nach die­ser Kul­tur, was wird dann ge­sche­hen? Da ist un­se­re Er­de zu­nächst am Ziel ih­rer phy­si­schen Ent­wi­cke­lung an­ge­langt. Da wer­den sich al­le Din­ge und We­sen­hei­ten auf un­se­rer Er­de um­ge­än­dert ha­ben. Denn wenn wir schon sa­gen müs­sen, daß in dem sechs­ten Zei­traum die Men­schen auf ih­rem Ant­lit­ze ihr&lt;br /&gt;
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Gu­tes und ihr Bö­ses tra­gen wer­den, dann wer­den wir um so mehr von je­nem sie­ben­ten sa­gen müs­sen, daß der Mensch in sei­ner Ge­stalt und al­le We­sen in ih­rer Ge­stalt ein Aus­druck sein wer­den des Gu­ten und des Bö­sen in viel höhe­rem Ma­ße noch als in dem sechs­ten Zei­traum. Al­les, was Ma­te­rie ist, wird den Stem­pel des Geis­tes tra­gen. Nichts, nichts wird in die­sem sie­ben­ten Zei­traum so sein, daß es ir­gend­wie ver­hüllt wer­den könn­te. Es ist schon für die Be­woh­ner des sechs­ten Zei­trau­mes nicht mög­lich, daß sie dem­je­ni­gen, der den Blick da­für hat, et­was ver­hül­len. Der Bö­se wird aus­drü­cken das Bö­se, der Gu­te das Gu­te. Aber in dem sie­ben­ten Zei­traum wird es nicht ein­mal mög­lich sein, durch die Spra­che zu ver­hül­len, was in der See­le ist. Der Ge­dan­ke wird nicht mehr ein stum­mer Ge­dan­ke sein, der ver­bor­gen wer­den kann. Wenn die See­le denkt, wird sie auch den Ge­dan­ken nach au­ßen er­k­lin­gen las­sen. Er wird dann so sein, wie die­ser Ge­dan­ke schon heu­te ist für den Ein­ge­weih­ten. Für den Ein­ge­weih­ten er­k­lingt der Ge­dan­ke heu­te im De­vachan. Aber die­ses De­vachan wird her­un­ter­ge­s­tie­gen sein bis in die phy­si­sche Welt, so wie die as­tra­li­sche Welt her­un­ter­ge­s­tie­gen sein wird bis in die phy­si­sche im sechs­ten Zei­traum. Heu­te schon ist der sechs­te Zei­traum zu fin­den in der as­tra­li­schen Welt, der sie­ben­te in der himm­li­schen Welt. Der sechs­te Zei­traum ist die her­un­ter­ge­s­tie­ge­ne as­tra­li­sche Welt, das heißt die Ab­bil­der, die Aus­drü­cke, die Of­fen­ba­run­gen da­von. Der sie­ben­te wird sein die her­un­ter­ge­s­tie­ge­ne himm­li­sche Welt, der Aus­druck der­sel­ben. Und dann wird die Er­de am Zie­le ih­rer phy­si­schen Ent­wi­cke­lung an­ge­langt sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann ver­wan­delt sich die Er­de in ei­nen as­tra­li­schen Him­mels­kör­per. Al­les, was an der Er­de ist als We­sen, ver­wan­delt sich in ei­nen as­tra­li­schen Him­mels­kör­per. Die phy­si­sche Sub­stanz ver­schwin­det als phy­si­sche Sub­stanz, sie geht in dem Teil, der bis da­hin die Mög­lich­keit ge­fun­den hat sich zu ver­geis­ti­gen, über in den Geist, in die as­tra­li­sche Sub­stanz. Al­so den­ken Sie wohl: Al­le die­je­ni­gen We­sen­hei­ten der Er­de, wel­che bis da­hin die Mög­lich­keit ge­fun­den ha­ben, in ih­rer äu­ße­ren ma­te­ri­el­len Ge­stalt aus­zu­drü­cken das Gu­te, das Ed­le, das In­tel­lek­tu­el­le, das Sc­hö­ne, die in ih­rem&lt;br /&gt;
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Ant­litz ei­nen Ab­druck zei­gen wer­den des Chris­tus Je­sus, die in ih­ren Wor­ten ei­nen Aus­druck zei­gen wer­den des Chris­tus Je­sus, die da tö­nen wer­den als tö­nen­de Ge­dan­ken, al­le die wer­den die Macht ha­ben, das, was sie an phy­si­scher Ma­te­rie in sich ha­ben, auf­zu­lö­sen, wie lau­es Was­ser Salz auflöst. Al­les Phy­si­sche wird über­ge­hen in ei­ne as­tra­li­sche Wel­ten­ku­gel. Das­je­ni­ge aber, was bis da­hin es nicht so weit ge­bracht hat, in dem Ma­te­ri­el­len, in dem Kör­per­li­chen ein Aus­druck des Ed­len, Sc­hö­nen, In­tel­lek­tu­el­len, des Gu­ten zu sein, das wird nicht die Kraft ha­ben, die Ma­te­rie auf­zu­lö­sen. Für das wird die Ma­te­rie be­ste­hen blei­ben, das wird sich ver­här­ten in die Ma­te­rie, das wird be­hal­ten ma­te­ri­el­le Ge­stalt. Es wird an die­ser Stel­le der Er­den­ent­wi­cke­lung statt­fin­den ein Auf­s­tieg ins Geis­ti­ge mit lau­ter Ge­stal­ten, die in die­sem As­tra­li­schen le­ben wer­den und die aus­schei­den wer­den aus sich ei­ne an­de­re ma­te­ri­el­le Ku­gel, ei­ne Ku­gel, wel­che die We­sen ent­hal­ten wird, die un­brauch­bar sind für den Auf­s­tieg, weil sie nicht das Ma­te­ri­el­le auflö­sen kön­nen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So wird un­se­re Er­de ih­rer Zu­kunft ent­ge­gen­le­ben. So wird sie in ih­rer Ma­te­rie sich im­mer mehr ver­fei­nern, in­dem die See­le von in­nen her­aus die­se Ma­te­rie all­mäh­lich ver­fei­nert, bis sie die Kraft er­hält, sie auf­zu­lö­sen. Dann wird die Zeit kom­men, wo das Nicht­auflös­ba­re her­aus­ge­trie­ben wird in ei­ner be­son­de­ren Wel­ten­ku­gel. Sie­ben Zei­träu­me wer­den ver­ge­hen, wäh­rend das her­aus­ge­trie­ben wird, was in der Ma­te­rie sich ver­här­tet hat, und die Kraft, die das her­aus­ge­trie­ben, wird die ge­gen­tei­li­ge Kraft sein von der, wel­che die gu­ten We­sen hin­auf­ge­trie­ben ha­ben wird. Was wird sie denn zum Auflö­sen der Ma­te­rie brin­gen? Das ist eben die Kraft der Lie­be, die durch das Chris­tus-Prin­zip ge­won­nen wird. Die We­sen wer­den fähig, die Ma­te­rie auf­zu­lö­sen da­durch, daß sie die Lie­be in ih­re See­le auf­neh­men. Je wär­m­er die See­le wird durch die Lie­be, des­to in­ten­si­ver wird sie wir­ken kön­nen auf das Ma­te­ri­el­le. Sie wird die gan­ze Er­de ver­geis­ti­gen, ve­ras­tra­li­sie­ren, in ei­ne As­tral­ku­gel ver­wan­deln. Aber eben­so wie die Lie­be die Ma­te­rie auflöst wie lau­es Was­ser das Salz, so wird das Ge­gen­teil von Lie­be hin­un­ter­drü­cken, wie­der­um durch sie­ben Stu­fen, al­les, was nicht fähig ge­wor­den ist, die­se Er­den­mis­si­on zu er­fül­len.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Das Ge­gen­teil der gött­li­chen Lie­be nennt man den gött­li­chen Zorn. Das ist der tech­ni­sche Aus­druck. Wie die­se Lie­be im Lau­fe der vier­ten Kul­tur­stu­fe der Mensch­heit ein­ge­prägt wor­den ist, wie sie im­mer wär­m­er und wär­m­er wird durch die letz­ten Kul­tur­stu­fen un­se­rer Zeit, durch die sechs­te und sie­ben­te, so wächst an auf der an­de­ren Sei­te das­je­ni­ge, was die Ma­te­rie um sich ver­här­tet: der gött­li­che Zorn. Und die­ses Wir­ken des gött­li­chen Zor­nes, die­ses Hin­aus­sto­ßen der Ma­te­rie, wird uns an­ge­deu­tet in der Apo­ka­lyp­se des Jo­han­nes durch das Aus­gie­ßen der sie­ben gött­li­chen Zor­nes-scha­len. Stel­len Sie sich vor, wie das Gan­ze so­zu­sa­gen fi­gür­lich sein wird: Die Er­de wird im­mer fei­ner und fei­ner in der Ma­te­rie, der Mensch auch im­mer geis­ti­ger in sei­ner Ma­te­rie, und die gröbs­ten Tei­le wer­den nur sicht­bar sein in dem Fei­nen wie Scha­len, wie zum Bei­spiel die Rep­ti­li­en sie ab­wer­fen oder die Schne­cken. So wer­den die har­ten Tei­le im­mer mehr und mehr an­ge­g­lie­dert sein der sich ver­fei­nern­den Ma­te­rie. In dem letz­ten Zei­traum, dem Zei­traum der Po­sau­n­en­klän­ge, wür­den Sie schon se­hen mit hell­se­he­ri­schen Au­gen, wie die Men­schen aus fei­nen Lei­bern be­ste­hen, aus durch­geis­tig­ten Lei­bern, und wie die­je­ni­gen, die in sich ver­här­tet ha­ben das ma­te­ri­el­le Prin­zip, das in sich be­wahrt ha­ben, was heu­te die wich­tigs­ten Be­stand­tei­le der Ma­te­rie sind, und wie das wie Hül­sen her­un­ter­fal­len wird in die­se ma­te­ri­el­le Ku­gel, die als Über­b­leib­sel sein wird nach die­sem Zei­traum, der durch die Po­sau­n­en­klän­ge an­ge­deu­tet wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist es, was uns die Apo­ka­lyp­se des Jo­han­nes als Pro­phe­tie gibt. Und es ist wich­tig, daß wir uns mit un­se­rer See­le in die­se Pro­phe­tie ein­füh­len, so daß sie be­feu­ernd auf un­se­ren Wil­len wirkt. Denn was hat als­dann der Mensch aus sich ge­macht, wenn die­ser sechs­te und sie­ben­te Zei­traum vor­über sein wer­den? Was hat der Mensch dann aus sei­nem Lei­be ge­macht? Wenn wir jetzt den men­sch­li­chen Leib an­se­hen, so ist er noch nicht der Aus­druck der in­ne­ren See­le. Aber im­mer mehr und mehr wird der Leib ein Aus­druck des­sen wer­den, was die See­le in ih­rem In­nern er­lebt. Da­durch wird das äu­ße­re Leib­li­che ein Aus­druck des Gu­ten, daß der Mensch auf­nimmt die höchs­te Bot­schaft, die höchs­te Leh­re, die es&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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auf die­ser Er­de gibt, und die­se höchs­te der Leh­ren ist die Bot­schaft von dem Chris­tus Je­sus auf der Er­de. Das Höchs­te, das uns ge­ge­ben wer­den kann, ist die Bot­schaft von Chris­tus Je­sus. Wohl müs­sen wir sie auf­neh­men, und nicht bloß mit dem Ver­stand. Wir müs­sen sie in un­ser In­ners­tes auf­neh­men, wie man die Nah­rung im phy­si­schen Lei­be auf­nimmt. Und in­dem die Mensch­heit sich durch die­se Kul­tur­stu­fe hin­über­ent­wi­ckelt, wird sie im­mer mehr und mehr die fro­he Bot­schaft in ihr In­ne­res auf­neh­men, und ge­ra­de die Auf­nah­me der Bot­schaft der Lie­be wird sie als das Er­geb­nis der Er­den­mis­si­on zu be­trach­ten ha­ben. In den Evan­ge­li­en, in dem «Bu­che», ist die Kraft der Lie­be ent­hal­ten, al­le Kraft der Lie­be. Und der Se­her kann nichts an­de­res sa­gen als: Ich se­he im Geis­te ei­ne Zeit vor mir, wo das­je­ni­ge, was im Evan­ge­li­um ist, nicht mehr in ei­nem Bu­che drau­ßen sein wird, son­dern wo das ver­sch­lun­gen sein wird vom Men­schen sel­ber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Un­se­re Er­den­ent­wi­cke­lung be­ruht auf zwei­er­lei. Un­se­rer Er­de ist vor­an­ge­gan­gen das­je­ni­ge, was wir nen­nen den Kos­mos der Weis­heit, und ihm ist vor­an­ge­gan­gen das­je­ni­ge, was wir nen­nen das Wort sagt frei­lich nicht viel, aber wir müs­sen es ge­brau­chen, weil es ge­bräuch­lich ge­wor­den ist den Kos­mos der Stär­ke, der Kraft. Weis­heit und Stär­ke ist es, was die Er­de als Erb­schaft von frühe­ren Ent­wi­cke­lungs­stu­fen, vom al­ten Mond und der al­ten Son­ne über­nom­men hat. Wir wer­den se­hen, wie inn­er­halb un­se­rer Er­den­ent­wi­cke­lung das auch zum Aus­druck kommt da­durch, daß wir die ers­te Hälf­te der Er­den­ent­wi­cke­lung nach dem Ver­t­re­ter der Son­nen­kraft, dem Mars, be­nen­nen. Denn jetzt brau­chen wir nur zu be­den­ken, daß wir inn­er­halb un­se­rer Er­den­ent­wi­cke­lung im Mars das­je­ni­ge ha­ben, was der Er­de ein­gepflanzt hat das Ei­sen. Wir se­hen im Mars den Brin­ger von Stär­ke. Und in dem, was die zwei­te Hälf­te der Er­den­ent­wi­cke­lung be­herrscht, ha­ben wir den Stell­ver­t­re­ter der al­ten Mon­den­ent­wi­cke­lung, den Mer­kur, wel­cher der Er­de die al­te Erb­schaft des Mon­des, die Weis­heit, ein­ver­leibt. So setzt sich uns die Er­den­ent­wi­cke­lung zu­sam­men aus Mars- und Mer­kur­ent­wi­cke­lung. Sie hat als Erb­schaft über­nom­men zwei star­ke, ge­wal­ti­ge Kräf­te. Das, was sie er­erbt hat vom Kos­mos der Stär­ke,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
drückt sich aus im Mars, und was sie er­erbt hat vom Kos­mos der Weis­heit, drückt sich im Mer­kur aus. Sie, die Er­de sel­ber, soll hin­zu­brin­gen die Lie­be durch ih­re Mis­si­on. Die­se Lie­be soll als das Er­geb­nis der Er­den­ent­wi­cke­lung sich herr­lich of­fen­ba­ren. Das ist ein sehr tie­fer Ge­dan­ke des Apo­ka­lyp­ti­kers. Das ist der tie­fe Ge­dan­ke, der au­ßer­dem an­knüpft an die gan­ze üb­ri­ge Er­den­ent­wi­cke­lung. (Sie­he das vier­te Sie­gel­bild.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch ein­mal ver­set­zen Sie sich mit mir zu­rück in die äl­tes­te at­lan­ti­sche Zeit, in je­ne Zeit, von der wir ge­sagt ha­ben, daß die Luft noch durch­setzt war von Was­ser. Der Mensch war noch für das Was­ser ge­baut. In der Mit­te der At­lan­tis erst ist er so weit, daß er sich dem Was­ser en­t­reißt und den fes­ten Bo­den be­tritt. Bis zu der Zeit, wo die Er­de in der Mit­te ih­rer Ent­wi­cke­lung war, müs­sen wir das Was­ser eben­so als den Trä­ger der men­sch­li­chen Ent­wi­cke­lung auf­fas­sen wie spä­ter die fes­te Er­de. Die fes­te Er­de wur­de so­zu­sa­gen erst spät der Schau­platz der Men­schen. Es ist nur halb rich­tig, wenn man von der gan­zen At­lan­tis wie von ei­nem tro­cke­nen Lan­de spricht. Sie ist in vie­ler Be­zie­hung nicht et­wa vom Mee­re be­deckt, aber von ei­nem sol­chen Mit­tel­ding, wie Luft, die von Was­ser dicht er­füllt ist, und die­se Was­ser-Luft ge­hört zu dem Ele­men­te, in dem der Mensch leb­te. Erst spä­ter wur­de er fähig, in der frei­en Luft zu le­ben und auf dem fes­ten Bo­den zu ste­hen. Das ist ver­hält­nis­mä­ß­ig noch nicht lan­ge her. So daß wir sa­gen, wenn wir die Er­den­ent­wi­cke­lung über­bli­cken, sym­bo­lisch aus­ge­drückt: Wir ha­ben auf der ei­nen Sei­te Er­de und auf der an­de­ren Sei­te Was­ser. Das ist die frühe­re Zeit. Und aus dem Was­ser ragt her­vor die ei­ne der Kräf­te bis zur ers­ten Hälf­te der Ent­wi­cke­lung, und aus der Er­de ragt her­vor die an­de­re der Kräf­te. Bis zur Mit­te der vier­ten Pe­rio­de sp­re­chen wir von den Mars­kräf­ten, von den Kräf­ten, die so­zu­sa­gen das Was­ser gibt, und wir sp­re­chen von den Mer­kur­kräf­ten in der spä­te­ren Zeit, wo die fes­te Er­de die Stütz­kräf­te gibt. Das glie­dert sich so recht zu­sam­men in die Vor­stel­lung, daß der Mensch ge­stützt wird in sei­ner gan­zen Er­den­mis­si­on durch zwei Säu­len, je­ne zwei Säu­len, die Sie sym­bo­lisch ge­se­hen ha­ben beim Mün­che­ner Kon­g­reß im Saa­le. Die­se zwei Säu­len stel­len dar die&lt;br /&gt;
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zwei Tei­le der Er­den­mis­si­on, die zwei Erb­schaf­ten, die der Mensch ge­macht hat von frühe­ren Zei­ten. Und über ih­nen sym­bo­li­siert sich das­je­ni­ge, was durch die Er­de sel­ber er­reicht wer­den soll: die Lie­be, die sich dar­lebt, herr­lich sich of­fen­ba­rend, die ge­stützt wird durch die­se Erb­schaf­ten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So schil­dert der Apo­ka­lyp­ti­ker es wir­k­lich so, wie es sich dar­s­tellt für den Men­schen, der auf­s­teigt in geis­ti­ge Re­gio­nen. Des­halb wird das­je­ni­ge, was uns ent­ge­gen­tritt, wenn wir an­schau­en, was über die Er­de hin­aus liegt, was uns ent­ge­gen­tritt in dem Mo­men­te, wo die Er­den­sub­stanz ih­re Ma­te­rie auflöst ins Geis­ti­ge, sym­bo­lisch an­ge­deu­tet durch das, was wir in dem vier­ten Sie­gel se­hen. Selbst­ver­ständ­lich muß es jetzt um­ge­kehrt er­schei­nen, weil es Zu­künf­ti­ges dar­s­tellt. Es er­schei­nen uns die zwei Kräf­te, wel­che die Er­de als Erb­schaft über­nom­men hat vom Kos­mos der Weis­heit und der Stär­ke, und es er­scheint uns al­les, was als Er­fül­lung der Er­den­mis­si­on sich zeigt als die Kraft der Lie­be, die der Mensch aus­bil­det, und das Gan­ze er­scheint uns wie die Per­so­ni­fi­ka­ti­on des zu­künf­ti­gen Men­schen, so daß der Mensch der Zu­kunft, ge­stützt von die­sen bei­den Kräf­ten, durch­drun­gen von die­ser Kraft der Lie­be, uns sym­bo­lisch hier ent­ge­gen­tritt. Die Bot­schaft der Lie­be, das Buch, das er vor sich hat, ist ein Buch, das nicht nur von au­ßen wirkt, son­dern das er ver­sch­lin­gen soll. Da se­hen wir vor uns hin­ge­s­tellt das ge­wal­ti­ge Bild, das hier uns er­scheint. «Und ich sah ei­nen an­de­ren Kraf­ten­gel» das heißt ein We­sen, das so dar­ge­s­tellt wird, weil es schon über dem heu­ti­gen Men­schen steht «von den geis­ti­gen Sphä­ren her­ab­kom­men», so sieht es der Se­her, «der war mit ei­ner Wol­ke be­k­lei­det und sein Ant­litz war wie die Son­ne und sei­ne Fü­ße wie Pfei­ler, feu­ri­ge Pfei­ler.» Das sind die zwei Kräf­te, von de­nen wir ge­spro­chen ha­ben, wel­che die Er­de als Erb­schaft emp­fan­gen hat. «Und er hat­te in sei­ner Hand ein Büch­lein auf­ge­tan; und er setz­te sei­nen rech­ten Fuß auf das Meer und den lin­ken auf die Er­de.» Und Jo­han­nes sprach zum En­gel: «Gib mir das Büch­lein.» «Und er sprach zu mir: Nimm hin und ver­sch­lin­ge es; und es wird dich im Bau­che grim­men, aber in dei­nem Mun­de wird es süß sein wie Ho­nig. Und ich nahm das Büch­lein&lt;br /&gt;
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von der Hand des En­gels und ver­schlang es; und es war süß in mei­nem Mun­de wie Ho­nig.»&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da ha­ben wir das, was uns ge­sagt wer­den muß als die Emp­fin­dung, die auf­tritt im Se­her, wenn er sei­nen Blick hin­rich­tet auf den Punkt, wo die Er­de aus dem Phy­sisch-Ma­te­ri­el­len ins As­tra­lisch-Geis­ti­ge über­geht, wo die Er­den­mis­si­on er­reicht ist. Und wenn der Se­her dies sieht, dann lernt er, was wir­k­lich mit die­ser Bot­schaft der Lie­be zu­sam­men­hängt, die als Im­puls auf der vier­ten Kul­tur­stu­fe her­ein­ge­zo­gen ist: er lernt schon im heu­ti­gen Le­ben, wie der Apo­ka­lyp­ti­ker es ge­lernt hat, was Se­lig­keit ist und was der Mensch­heit als Se­lig­keit vor­an­ge­s­tellt wer­den kann. Aber er lernt es eben im heu­ti­gen Lei­be; denn wenn auch ein noch so ho­hes We­sen mit Men­schen le­ben woll­te, müß­te es sich flei­sch­lich ver­kör­pern. Und in man­cher Be­zie­hung gibt der heu­ti­ge Leib ge­ra­de da­durch, daß er dem Geist die Mög­lich­keit bie­tet, hoch hin­auf­zu­s­tei­gen, auch die Mög­lich­keit zu lei­den. Wäh­rend al­so die See­le des Se­hers, die der Apo­ka­lyp­ti­ker ge­schil­dert hat, in geis­ti­ge Re­gio­nen hin­auf­s­tei­gen kann, um das Evan­ge­li­um der Lie­be zu emp­fan­gen, und im Geis­te die Se­lig­keit süß wie Ho­nig emp­fin­den kann, lebt der Se­her doch in ei­nem heu­ti­gen Lei­be, und dem­ent­sp­re­chend muß er aus­drü­cken, daß das Hin­auf­s­tei­gen im heu­ti­gen Lei­be in vie­ler Be­zie­hung das Ge­gen­stück je­ner Se­lig­keit her­vor­ruft. Das drückt er da­durch aus, daß er sagt, das Büch­lein ma­che ihm, ob es gleich süß sei wie Ho­nig, als er es ver­schluckt hat, grim­mi­ge Sch­mer­zen im Bau­che. Aber das ist nur ein klei­ner Ab­glanz von dem, «im Lei­be ge­k­reu­zigt» zu sein. Je höh­er der Geist steigt, des­to schwie­ri­ger wird ihm das Woh­nen im Lei­be. Und das ist zu­nächst der sym­bo­li­sche Aus­druck für die­se Sch­mer­zen: «Ge­k­reu­zigt sein im Lei­be.»&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da­mit ha­ben wir skiz­zen­haft an­ge­deu­tet, was ge­sche­hen wird inn­er­halb un­se­rer Er­den­ent­wi­cke­lung, was dem Men­schen in der Er­den­ent­wi­cke­lung be­vor­steht. Wir sind her­an­ge­kom­men bis zu dem Punkt, wo der Mensch ver­wan­delt wird, ver­wan­delt wird ins As­tra­li­sche, wo die Er­de in ih­ren bes­ten Tei­len als phy­si­sche Er­de ver­schwin­den und ins Geis­ti­ge über­ge­hen wird, wo nur et­was wie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
ein ab­ge­son­der­ter Teil durch den gött­li­chen Zorn ab­fal­len wird in den Ab­grund. Und wir wer­den se­hen, daß selbst da noch nicht die letz­te Stu­fe er­s­tie­gen ist, aus der nicht Ret­tung mög­lich wä­re, ob­zwar das­je­ni­ge, was sich gel­tend macht in dem Ab­grund, durch die furcht­bars­ten Sym­bo­le ge­kenn­zeich­net wird: durch das sie­ben­köp­fi­ge und zehn­hör­ni­ge und durch das zwei­hör­ni­ge Tier.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
= NEUNTER VORTRAG, Nürnberg, 26. Juni 1908 =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ges­tern sind wir in un­se­rer Schil­de­rung von der Ent­wi­cke­lung des Men­schen bis zu dem Punk­te ge­langt, wo nach je­ner Zeit, die durch die sie­ben Po­sau­n­en­stö­ße cha­rak­te­ri­siert wird, die Er­de mit all ih­ren We­sen­hei­ten über­geht in ei­nen an­de­ren Zu­stand, wo so­zu­sa­gen das Phy­si­sche sich auflöst und ver­wan­delt in Geis­ti­ges, zu­nächst in As­tra­li­sches. Es ent­steht ei­ne as­tra­li­sche Er­de, und in die­se as­tra­li­sche Er­de ge­hen al­le die­je­ni­gen We­sen­hei­ten ein, wel­che da­zu reif ge­wor­den sind, das heißt, wel­che fähig ge­wor­den sind, selbst ihr Ma­te­ri­el­les zu über­win­den, zu ver­wen­den im Di­ens­te des Geis­ti­gen. Da­ge­gen wird al­les das, was nicht im­stan­de ist, das Leib­li­che, das Ma­te­ri­el­le in Geis­ti­ges zu ver­wan­deln, was haf­tet am Ma­te­ri­el­len, aus­ge­wor­fen wer­den und ei­ne Art Ne­be­n­er­de bil­den, de­ren Be­trach­tung recht lehr­reich ist, um das Schick­sal der zu­künf­ti­gen Mensch­heit zu er­ken­nen. Da­zu ist es aber vor al­len Din­gen nütz­lich, daß wir uns ein­mal klar­ma­chen, was bei die­ser As­tra­li­sie­rung un­se­rer Er­de aus den­je­ni­gen Men­schen ge­wor­den ist, die den Rei­fe­grad er­langt ha­ben, die das Chris­tus-Prin­zip in sich auf­ge­nom­men und wirk­sam ha­ben wer­den las­sen. Was aus dem Men­schen wer­den kann, das soll uns nun ein­mal be­schäf­ti­gen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir wer­den am bes­ten ver­ste­hen, was aus dem Men­schen wer­den kann, wenn wir die Ge­duld ha­ben, den Men­schen noch­mals zu be­trach­ten, wie er ge­wor­den ist und wel­che Ent­wi­cke­lungs­mög­lich­kei­ten für die Zu­kunft in ihm sind. Wenn wir den Men­schen heu­te be­trach­ten, so steht er vor uns als ein vier­g­lie­d­ri­ges We­sen. Das ers­te, was wir am Men­schen er­ken­nen, ist der so­ge­nann­te phy­si­sche Leib. Das ist das­je­ni­ge Glied, das der Mensch ge­mein­schaft­lich hat mit al­len heu­ti­gen Ge­sc­höp­fen des Mi­ne­ral­rei­ches, das man am Men­schen mit Au­gen se­hen, mit Hän­den grei­fen kann. Es ist das nie­ders­te Glied der men­sch­li­chen We­sen­heit, das­je­ni­ge, was al­lein zu­rück­b­leibt als Leich­nam im To­de. Aber die­ser phy­si­sche&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Leib wür­de je­den Au­gen­blick das Schick­sal ha­ben, das der Leich­nam im To­de hat, er wür­de zer­fal­len, wenn er nicht durch­drun­gen wä­re von dem, was wir nen­nen den Äther- oder Le­bens­leib. Die­sen Äther­leib hat der Mensch nicht mehr ge­mein­schaft­lich mit den Ge­sc­höp­fen des mi­ne­ra­li­schen Rei­ches, er hat ihn ge­mein­schaft­lich mit den We­sen des Pflan­zen­rei­ches auf der Er­de. Der Äther­leib ist in je­dem Men­schen ein Kämp­fer ge­gen den Tod, der zwi­schen Ge­burt und Tod die Tei­le des phy­si­schen Lei­bes, die sich fort­wäh­rend tren­nen wol­len, zu­sam­men­hält. Was ist in Wahr­heit des Men­schen phy­si­scher Leib? Das, was er nach ei­ni­ger Zeit wird, wenn der Tod die Ge­stalt zer­stört hat: Asche, ein Häuf­lein Asche, das nur so künst­lich in sei­nen Tei­len hin­ein­ge­ord­net ist in den Le­bens­leib, daß das Gan­ze des Men­schen den Ein­druck macht, den es heu­te auf den Be­schau­er aus­übt. Das zwei­te Glied al­so ist der Äther- oder Le­bens­leib. Das drit­te, das der Mensch mit al­len Tie­ren ge­mein hat, ist der so­ge­nann­te as­tra­li­sche Leib, der Trä­ger von al­len In­s­tink­ten, Lei­den­schaf­ten, Be­gier­den, von al­len Ge­dan­ken und Vor­stel­lun­gen und so wei­ter, das, was man ge­wöhn­lich das See­li­sche nennt im Men­schen. Dann ha­ben wir als vier­tes je­nes Glied der men­sch­li­chen We­sen­heit, das den Men­schen zur Kro­ne der Er­den­sc­höp­fung macht, wel­ches ver­ur­sacht, daß er hin­aus­ragt über al­le üb­ri­gen We­sen­hei­ten der Er­den­sc­höp­fung und das den Men­schen vor­zugs­wei­se da­zu be­fähigt, sich als Ich, als in­di­vi­du­el­les, selbst­be­wuß­tes We­sen des Er­den­da­seins zu ent­wi­ckeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Zu­kunft wird die Ent­wi­cke­lung des Men­schen so ver­lau­fen, daß der Mensch nach und nach von sei­nem Ich aus die nie­de­ren Tei­le, die un­ter dem Ich lie­gen, be­ar­bei­tet, durch­ar­bei­tet, daß er das Ich zum Herrn der an­de­ren Tei­le macht. Wenn das Ich durch­ge­ar­bei­tet, zu sei­nem Ei­gen­tum ge­macht hat den as­tra­li­schen Leib, so daß nichts mehr von un­be­wuß­ten und un­be­wach­ten Trie­ben, In­s­tink­ten und Lei­den­schaf­ten in die­sem As­tral­leib ist, dann hat es aus­ge­bil­det, was wir Geist­selbst oder Ma­nas nen­nen. Das ist nichts an­de­res, als was der as­tra­li­sche Leib auch ist, nur ist die­ser eben vor sei­ner Um­wand­lung durch das Ich das drit­te Glied. Wenn das Ich dann auch den Äther­leib um­wan­delt, so ent­steht Buddhi&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
oder Le­bens­geist, und wenn das Ich einst­mals in ur­fer­ner Zu­kunft den phy­si­schen Leib um­wan­delt, so daß die­ser durch das Ich selbst ganz ver­geis­tigt ist und das ist die schwie­rigs­te Ar­beit, weil der phy­si­sche Kör­per der dich­tes­te ist , dann hat sich der phy­si­sche Leib zum höchs­ten Glied der men­sch­li­chen We­sen­heit ent­wi­ckelt, zu At­ma oder Geist­mensch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So ha­ben wir, wenn wir uns die­sen Men­schen vor­s­tel­len in sei­ner Sie­ben­g­lie­d­rig­keit, den phy­si­schen Leib, den Äther- oder Le­bens­leib, den as­tra­li­schen Leib, das Ich, fer­ner das­je­ni­ge, was der Mensch in der Zu­kunft ent­wi­ckelt, Geist­selbst oder Ma­nas, Le­bens­geist oder Buddhi und Geist­mensch oder At­ma. Das ist der sie­ben­g­lie­d­ri­ge Mensch. Doch wird der Mensch die­se höhe­ren Glie­der erst in ur­fer­ner Zu­kunft ent­wi­ckeln. Auf un­se­rer Er­de ist es dem Men­schen noch nicht be­schie­den, so weit auf sich zu wir­ken, daß er al­le die­se höhe­ren geis­ti­gen Tei­le zur Aus­bil­dung bringt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir so die­sen sie­ben­g­lie­d­ri­gen Men­schen be­trach­ten, dann ha­ben wir aber den Men­schen, der heu­te vor uns steht, doch noch nicht ganz be­grif­fen. Zwar ist es rich­tig, daß, wenn wir im gro­ßen und gan­zen den Men­schen über­schau­en, wir von die­sen sie­ben Glie­dern re­den kön­nen. Aber wir müs­sen, wenn wir den heu­ti­gen Men­schen ver­ste­hen wol­len, noch ge­nau­er re­den.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie wer­den sich er­in­nern, daß der phy­si­sche Leib auf dem Sa­turn ent­wi­ckelt wor­den ist, der Äther­leib auf der Son­ne, der as­tra­li­sche Leib auf dem Mon­de, und daß das Ich auf der Er­de sich aus­bil­den&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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soll und sich bis zu ei­nem be­stimm­ten ho­hen Grad schon aus­ge­bil­det hat. Nun aber müs­sen wir die­se Er­den­ent­wi­cke­lung des Men­schen noch et­was ge­nau­er ins Au­ge fas­sen. Das­je­ni­ge, was man Geist­selbst, um­ge­wan­del­ten As­tral­leib nennt, daß der Mensch ganz voll­kom­men be­wußt inn­er­halb die­ses Geist­selbs­tes, sei­nes as­tra­li­schen Lei­bes, wirkt und ar­bei­tet, das wird für die gro­ße Zahl der Men­schen erst am En­de der Er­den­ent­wi­cke­lung er­reicht sein. Da­ge­gen muß­te der Mensch wäh­rend un­se­rer Er­den­ent­wi­cke­lung ei­ne Art Vor­be­rei­tung durch­ma­chen, die es schon im Lau­fe der Er­den­ent­wi­cke­lung mög­lich mach­te, so­zu­sa­gen halb be­wußt und halb un­be­wußt an sei­nen drei nie­d­ri­gen Glie­dern zu ar­bei­ten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die­ses halb be­wuß­te und halb un­be­wuß­te Ar­bei­ten be­gann in der le­mu­ri­schen Zeit, auf die wir ja schon hin­ge­wie­sen ha­ben. Da­mals fing das Ich im ganz dump­fen Be­wußt­sein an zu ar­bei­ten, und zwar zu­nächst an dem as­tra­li­schen Leib. Wenn Sie al­so die Er­den­ent­wi­cke­lung ver­fol­gen von der le­mu­ri­schen Zeit aus in die ers­te at­lan­ti­sche he­r­ein, dann wer­den Sie fin­den, daß das Ich zu­erst halb un­be­wußt, nur däm­mer­haft be­wußt, an sei­nem as­tra­li­schen Leib ar­bei­te­te. Was da­mals zu­erst auf der Er­de als Um­wand­lung­s­pro­dukt des as­tra­li­schen Lei­bes er­schie­nen ist, nen­nen wir Emp­fin­dungs­see­le. Dann ar­bei­te­te wäh­rend der at­lan­ti­schen Zeit, wäh­rend­dem die Luft durch­zo­gen war von Ne­bel­was­ser­mas­sen, das Ich im dump­fen Be­wußt­sein am Äther­leib und ar­bei­te­te das­je­ni­ge aus, was man Ver­stan­des- oder Ge­müts­see­le nennt. Und von dem Zeit­punk­te an, wo von der Ge­gend in der Nähe des heu­ti­gen Ir­lands aus der gro­ße Im­puls ge­kom­men ist, der die Völ­ker vom Wes­ten nach dem Os­ten ge­trie­ben und her­über­ge­führt hat über die gro­ße at­lan­ti­sche Flut zu un­se­rer neu­en Kul­tur, von dem Be­ginn des letz­ten Drit­tels der at­lan­ti­schen Zeit an ar­bei­te­te das Ich un­be­wußt am phy­si­schen Leib, und es ar­bei­te­te das­je­ni­ge hin­ein, was man die Be­wußt­s­eins­see­le nennt, was dem Men­schen die An­la­ge gab, ein mehr oder we­ni­ger selbst­be­wuß­tes Ich aus der Grup­pen­see­len­haf­tig­keit her­aus­zu­ar­bei­ten, das erst mit der Er­schei­nung des Chris­tus Je­sus den gro­ßen Im­puls der völ­li­gen In­di­vi­dua­li­tät er­lang­te. Da wur­de der Mensch ei­gent­lich erst fähig zu dem, was man&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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Ar­bei­ten im as­tra­li­schen Leib mit mehr oder we­ni­ger Be­wußt­sein nen­nen kann. Wir ha­ben ei­gent­lich erst seit der Ein­prä­gung des Chris­ten­tums auf der Er­de da­mit be­gon­nen, be­wußt an un­se­rem as­tra­li­schen Lei­be zu ar­bei­ten. So daß, wenn wir heu­te vom Men­schen sp­re­chen, wir sa­gen müs­sen: Der Mensch hat ent­wi­ckelt phy­si­schen Leib, Äther­leib, As­tral­leib, dann Emp­fin­dungs­see­le, den einst­mals im däm­mer­haf­ten Be­wußt­sein um­ge­wan­del­ten As­tral­leib, die Ver­stan­des­see­le, den in der at­lan­ti­schen Ur­zeit däm­mer­haft um­ge­wan­del­ten Äther­leib, und die Be­wußt­s­eins­see­le, den in der letz­ten at­lan­ti­schen Zeit däm­mer­haft um­ge­wan­del­ten phy­si­schen Leib, so daß er sich all­mäh­lich her­an­bil­de­te, um nach und nach Ma­nas so weit zu ent­wi­ckeln, wie es heu­te im Men­schen zu be­o­b­ach­ten ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist heu­te im Men­schen übe­rall der An­fang von Ma­nas da. Der ei­ne hat es mehr, der an­de­re we­ni­ger. Man­che müs­sen noch durch vie­le Ver­kör­pe­run­gen hin­durch­ge­hen, um Ma­nas so weit aus­ge­bil­det zu ha­ben, daß sie sich be­wußt wer­den des­sen, woran sie inn­er­halb ih­rer men­sch­li­chen We­sen­heit ar­bei­ten. Aber wenn die Er­de an ih­rem Ziel an­ge­langt sein wird, wenn al­so die sie­ben­te Po­sau­ne zu klin­gen be­ginnt, dann wird fol­gen­des ein­t­re­ten: Das, was vom phy­si­schen Leib vor­han­den ist, wird auf­ge­löst wie Salz von war­mem Was­ser. Das men­sch­li­che Ma­nas, Geist­selbst, wird in ho­hem Gra­de ent­wi­ckelt sein, so daß der Mensch sich im­mer wie­der die Wor­te des Pau­lus sa­gen wird: Nicht ich, son­dern Chris­tus in mir tut al­les. So wird der Mensch le­ben. Da­durch wird er das Phy­si­sche an sei­nem We­sen auflö­sen und das äthe­risch Ve­r­e­del­te zu ei­nem We­sen ma­chen, wel­ches inn­er­halb der as­tra­li­sier­ten Er­de le­ben kann. So wird der Mensch als ein neu­es We­sen hin­über­le­ben in die­se geis­tig ge­wor­de­ne Er­de.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir dür­fen sa­gen, daß die­ser gro­ße Mo­ment des Hin­über­le­bens in die geis­tig ge­wor­de­ne Er­de uns in der Bi­bel in ei­ner wun­der­ba­ren Wei­se aus­ge­drückt wird, in­dem uns ge­sagt wird, daß al­les, was der Mensch jetzt wäh­rend der Er­den­zeit im phy­si­schen Leib sich er­ar­bei­tet, wie ei­ne Saat ist, die auf­ge­hen wird als Frucht, wenn die Er­de geis­tig ge­wor­den sein wird. 1. Korin­ther 15, 37: «Und das du säest, ist ja nicht der Leib, der wer­den soll, son­dern&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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ein bloß Korn, näm­lich Wei­zen oder der an­de­ren eins. Gott aber gibt ihm ei­nen Leib, wie er will, und ei­nem je­g­li­chen von den Sa­men sei­nen ei­ge­nen Leib», das heißt den Leib, wel­cher der Aus­druck ist des See­li­schen, der In­di­vi­dua­li­tät. «Und es sind himm­li­sche Kör­per und ir­di­sche Kör­per. Aber ei­ne an­de­re Herr­lich­keit ha­ben die himm­li­schen und ei­ne an­de­re die ir­di­schen.» Die ir­di­schen Kör­per wer­den auf­ge­löst, die himm­li­schen er­schei­nen als der licht­vol­le Aus­druck des­sen, was die See­le ist. «Es wird ge­säet ver­wes­lich und wird au­f­er­ste­hen un­ver­wes­lich.» Der un­ver­wes­li­che Leib, der wird dann au­f­er­ste­hen. «Es wird ge­säet ein na­tür­li­cher Leib und wird au­f­er­ste­hen ein geis­ti­ger Leib.» «Geis­ti­ger Leib» nennt Pau­lus den Äther- oder Le­bens­leib, nach­dem das Phy­si­sche sich auf­ge­löst hat und der Äther­leib sich in die as­tra­li­sche Er­de hin­ein­be­wegt. Da sieht Pau­lus vor­aus den un­ver­wes­li­chen, geis­ti­gen Leib, wie er ihn nennt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt be­trach­ten wir das­je­ni­ge, was der Mensch hin­ein­legt als Aus­druck sei­ner ei­ge­nen Chris­tus-Fähig­keit. Es ist das­sel­be, was Pau­lus im Geis­te vor­schwebt und was er nennt den «letz­ten Adam», wäh­rend er den ers­ten Men­schen, der in ei­nem phy­sisch sicht­ba­ren Lei­be ins Da­sein ge­t­re­ten ist, den «ers­ten Adam» nennt. In der le­mu­ri­schen Zeit, an der Gren­ze des le­mu­ri­schen Zei­tal­ters, fin­den wir un­ten schon ver­schie­de­ne Tie­re, der Mensch aber ist noch nicht für äu­ße­re Au­gen sicht­bar, er ist noch äthe­risch. Er ver­dich­tet sich, nimmt mi­ne­ra­li­sche Be­stand­tei­le auf, er er­scheint in sei­ner ers­ten Ge­stalt. Wie wenn Was­ser sich ver­dich­tet zu Eis, so kommt der phy­si­sche Mensch her­aus. Dann geht die phy­si­sche Ent­wi­cke­lung so weit, daß sich auflö­sen kann, was ir­disch ist, und da ent­schwin­det das Ir­di­sche. Da­her er­scheint der Mensch, der den äthe­ri­schen Leib hat, als der «letz­te Adam». Der «ers­te Adam» hat die Fähig­keit, im phy­si­schen Leib durch die phy­si­schen Sin­ne auf die Er­de zu se­hen, der letz­te Adam, der ei­nen geis­ti­gen Leib an­nimmt, ist ei­ne Phy­siog­no­mie der in­ne­ren Chris­tus-Fähig­keit. Chris­tus wird da­her auch von Pau­lus der «letz­te Adam» ge­nannt. So sch­ließt sich das­je­ni­ge, was die Men­sch­wer­dung ent­hält, zu­sam­men. Wir se­hen im Geis­te auf­leuch­ten, was aus dem Men­schen&lt;br /&gt;
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einst wer­den wird, wäh­rend wir vor­her ge­se­hen ha­ben, wie der Mensch her­un­ter­s­tieg auf un­se­re Er­de.&lt;br /&gt;
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Um nun das Fol­gen­de zu ver­ste­hen, müs­sen wir noch ein we­nig tie­fer in die Mys­te­ri­en der Men­sch­wer­dung hin­ein­schau­en. Wenn Sie den Men­schen ver­fol­gen könn­ten bis vor sei­ner phy­si­schen Leib­wer­dung, al­so bis in die Zeit, wo er noch nicht für phy­si­sche Au­gen sicht­bar ge­we­sen wä­re, wo er so­zu­sa­gen aus dem Äthe­ri­schen erst her­un­ter­s­tieg, in­dem er erst ein luft­för­mig-wäs­se­ri­ges Ge­bil­de wur­de, dann ein knor­pe­li­ges, wenn Sie ihn so ver­fol­gen könn­ten, dann wür­den Sie se­hen, wie auch un­se­re Er­de noch ganz an­ders war. In je­ner Zeit, be­vor der Mensch her­un­ter­ge­s­tie­gen ist, gab es ei­gent­lich noch kein Mi­ne­ral­reich. Die Er­de hat­te erst die Erb­schaft des Mon­des an­ge­t­re­ten. Das nie­ders­te Reich war das Pflan­zen­reich so­zu­sa­gen. Die Er­de war viel wei­cher. Al­le Ver­tei­lung der flüs­si­gen, der gas­för­mi­gen Stof­fe war ei­ne ganz an­de­re. Wenn Sie die Er­de al­so ge­schaut hät­ten in je­ner Zeit, be­vor der Mensch aus ih­rem at­mo­sphäri­schen Um­kreis zum fes­ten Grund her­un­ter­ge­s­tie­gen war, so wür­de sie Ih­nen nicht vor­ge­kom­men sein wie das, was in der heu­ti­gen Geo­lo­gie und so wei­ter ab­strakt be­schrie­ben wird, son­dern un­se­re Er­de als Gan­zes war da­zu­mal viel näh­er, man möch­te sa­gen, ei­nem Or­ga­nis­mus. Es war die­se Er­de durch­zo­gen von al­ler­lei re­gel­mä­ß­i­gen Strö­mun­gen. Die Er­de glich eher ei­nem le­ben­di­gen We­sen als dem, was sie heu­te ist. Und der Mensch, der mehr als geis­tig-äthe­ri­sches We­sen in je­ner al­ten Zeit vor­han­den war, wur­de da­mals nicht so ge­bo­ren wie heu­te, son­dern er wur­de so­zu­sa­gen her­aus­ge­bo­ren aus der Mut­ter Er­de sel­ber. Die Mut­ter Er­de sel­ber war es, die die­sen Men­schen, die­sen noch geis­tig-äthe­ri­schen Men­schen, wer­den ließ, und der Mensch war, be­vor er sich ab­son­der­te von der gan­zen Er­de, ein We­sen, das wir­k­lich mit der gan­zen Er­de ver­bun­den war. Den­ken Sie sich ein­mal, wie in ir­gend­ei­nem Kör­per, der weich ist, ver­här­te­te Stel­len ent­ste­hen, dann wür­den Sie ein Bild ha­ben, wie da­zu­mal aus der Mut­ter Er­de sel­ber die Men­schen her­aus­ge­bo­ren wur­den. Ja, die Men­schen wa­ren durch al­ler­lei Strö­mun­gen mit der Er­de ver­bun­den, blie­ben mit ihr ver­bun­den.&lt;br /&gt;
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Es war al­so ein ganz an­de­res Le­ben der Men­schen. Das­je­ni­ge, was Sie heu­te zum Bei­spiel als Blut­k­reis­lauf im Men­schen drin­nen ha­ben, ab­ge­sch­los­sen im In­nern von sei­ner Haut, das hat­te sei­ne Fort­set­zung es war in Form na­tür­li­cher Kräf­te vor­han­den übe­rall hin­aus in die um­lie­gen­de Er­de. Woll­ten wir uns ein Bild da­von ent­wer­fen, wie es da­mals war, so müß­ten wir sa­gen: Nicht für das phy­si­sche Au­ge, aber dem hell­se­he­ri­schen Blick fühl­bar, ent­stand inn­er­halb der Er­de ei­ne Stel­le, wel­che sich ab­hob und sich un­ter­schei­den ließ von der üb­ri­gen Um­ge­bung; aber das­je­ni­ge, was da als Kräf­te drin­nen wal­te­te, hing an zahl­rei­chen Fä­den zu­sam­men mit der gan­zen üb­ri­gen Er­de. Das war der An­fang ei­nes phy­si­schen Men­schen.&lt;br /&gt;
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Es gab ei­ne Zeit, in der so die Men­schen mit Fä­den zu­sam­men­hin­gen mit der üb­ri­gen Er­de. Wir be­rüh­ren, wie ge­sagt, da ein be­deut­sa­mes und erns­tes Mys­te­ri­um, das Mys­te­ri­um, wel­ches sei­ne letz­ten Spu­ren hin­ter­las­sen hat da­durch, daß der Mensch, wenn er heu­te in die Welt tritt, den Zu­sam­men­hang mit dem müt­ter­li­chen Or­ga­nis­mus in der Na­bel­schnur ge­löst er­hält. Die­ser Zu­sam­men­hang mit dem müt­ter­li­chen Or­ga­nis­mus ist der letz­te Rest je­nes Zu­sam­men­han­ges, den der Mensch hat­te mit der Mut­ter Er­de. Und wie der Mensch heu­te ein Men­schen­sohn ist, vom Men­schen ge­bo­ren, so ist der Mensch einst­mals ein Er­den­sohn ge­we­sen, von der Er­de ge­bo­ren, da die Er­de noch ein le­ben­di­ges We­sen war. Und da­mit wur­de der Mensch selb­stän­dig, daß die Na­bel­schnur, an der er zu­sam­men­hing mit der gan­zen Er­de, so­zu­sa­gen für ihn ab­ge­schnit­ten wur­de. Da­durch wur­de er ein We­sen, das von sei­nes­g­lei­chen ge­bo­ren wur­de.&lt;br /&gt;
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Klar müs­sen wir uns sein dar­über, daß die Bluts­bah­nen, die heu­te im Men­schen sind, nichts an­de­res sind als die Fort­set­zun­gen von Strö­mun­gen, die in dem al­ten Er­den­zu­stand die gan­ze Er­de durch­dran­gen. Eben­so die Ner­ven­bah­nen: al­les, was Sie als Ner­ven ha­ben, er­hielt sei­ne Fort­set­zung hin­aus in die Mut­ter Er­de. Das ist gleich­sam jetzt her­aus­ge­schnit­ten von dem, was die gan­ze Er­de als Ner­ven durch­ström­te. Und eben­so die an­de­ren Glie­der der men­sch­li­chen We­sen­heit. Her­aus­ge­bo­ren aus der Mut­ter Er­de ist der Mensch. Was heu­te ab­ge­sch­los­sen ist im Men­schen durch sei­ne Haut, ist hin­ein­ge­zo­gen in ihn aus der gan­zen Er­de. Aus der Er­de ist des Men­schen We­sen­heit ge­nom­men und hin­ein­ge­zo­gen in ihn. Der Mensch war, be­vor er Men­schen­sohn wur­de, ein Er­den­sohn. Und «Er­den­sohn» heißt ei­gent­lich «Adam». Al­le die­se al­ten Na­men wei­sen auf be­deut­sa­me Ge­heim­nis­se hin. Wenn wir uns aber des­sen be­wußt sind, so wer­den wir be­g­rei­fen, daß die Er­de, be­vor auf ihr der sicht­ba­re Mensch ent­stand, schon al­le Kräf­te die­ses sicht­ba­ren Men­schen in sich ent­hielt. Be­vor der Mensch ein Mensch wur­de, war die Er­de die Trä­ge­rin al­ler men­sch­li­chen Kräf­te. Die Er­de ist al­so die Ge­bä­re­rin des Men­schen­ge­sch­lech­tes. Eben­so­we­nig wie Sie sich den­ken kön­nen, daß aus der heu­ti­gen stei­ner­nen Er­de je­mals der Mensch ent­springt, eben­so­sehr konn­te der Mensch ent­sprin­gen aus der Er­de, als sie noch ein Le­be­we­sen war. In der le­mu­ri­schen Zeit ist das vor sich ge­gan­gen, was wir mit we­ni­gen Wor­ten an­deu­ten konn­ten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn Sie sich nun fra­gen: Hat­te denn nun nicht die­se Er­de ei­ne un­ge­heu­re Wich­tig­keit für den Men­schen? so müs­sen wir sa­gen: Ja, denn sie ent­hielt in ih­rer Ur­an­la­ge al­les, was der Mensch spä­ter in sich auf­ge­nom­men hat. Ir­gend­wo war das Herz vor­ge­bil­det, ir­gend­wo das Ge­hirn, je­der Ner­ven­strang war vor­be­rei­tet in un­se­rer Er­de. Eben­so aber wie vor­be­rei­tet war un­se­re In­ner­lich­keit in der Er­de, eben­so tra­gen wir in dem, was wir als un­se­re neue Leib­lich­keit aus­ge­bil­det ha­ben wer­den, wenn die Er­de an ih­rem Zie­le ist, die Ge­stalt in uns, wel­che der künf­ti­ge Pla­net, die künf­ti­ge Ver­kör­pe­rung un­se­rer Er­de an­neh­men muß. Heu­te ar­bei­tet der Mensch an sei­ner See­le; da­durch macht er sich sei­nen Leib im­mer ähn­li­cher&lt;br /&gt;
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und ähn­li­cher der See­le. Er wird, wenn die Er­de am En­de ih­rer Bahn, ih­rer Mis­si­on an­ge­langt sein wird, sei­nen Leib so ge­stal­tet ha­ben, daß er ein äu­ße­res Ab­bild der See­le ist, die den Chris­tus in sich auf­ge­nom­men hat. Die­ser Mensch wird hin­über­le­ben und wird sei­ne so ge­bil­de­ten Kräf­te der nächs­ten Ver­kör­pe­rung un­se­rer Er­de einpflan­zen. Der Ju­pi­ter wird so aus­schau­en, wie der Mensch ihn ma­chen kann, in­dem er ihn aus sei­nen ei­ge­nen Lei­bern zu­sam­men­setzt. Die­ser Ju­pi­ter wird zu­nächst sei­ne Ge­stalt von dem er­hal­ten, was der Mensch aus sich selbst ge­macht hat. Den­ken Sie sich, daß all die Lei­ber, die sich so ge­bil­det ha­ben, sich zu­sam­men­fü­gen zu ei­ner ein­zi­gen Wel­ten­ku­gel: das wird der Ju­pi­ter sein. Sie ha­ben als An­la­ge in Ih­rer See­le das­je­ni­ge, was die Ge­stalt des Ju­pi­ters sein wird, was er an Kräf­ten in sich ent­hal­ten wird. Und aus dem Ju­pi­ter wer­den her­aus­ge­bo­ren wer­den die Ju­pi­ter-We­sen. So ar­bei­tet der Mensch heu­te vor für die Ge­burt der Ju­pi­ter-Kör­per.&lt;br /&gt;
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Was muß der Mensch al­so tun, da­mit er der künf­ti­gen Ver­kör­pe­rung un­se­rer Er­de ei­ne wür­di­ge Ge­stalt gibt? Er muß da­für sor­gen, daß die Ar­beit, die er jetzt be­wußt leis­ten kann, in der Chris­tus-ge­mä­ß­en Wei­se vor sich geht, da­mit der äthe­ri­sche Leib, der ein Ab­bild die­ser Ar­beit sein wird, in wür­di­ger Wei­se sich hin­ein­lebt in die ver­geis­tig­te Er­de. Al­le Tei­le die­ses Lei­bes wer­den so sein, wie der Mensch sie ge­macht hat. Was der Mensch ge­macht ha­ben wird aus sei­nem phy­si­schen Lei­be, das wird er in die­se geis­ti­ge Er­de hin­ein­brin­gen, und das­je­ni­ge, was dar­aus sich ge­stal­ten wird, das wird die Grund­la­ge sein für sei­ne Wei­ter­ent­wi­cke­lung. Wie sich Ih­re heu­ti­ge See­le in Ih­rem heu­ti­gen Lei­be, den Sie vom Mon­de er­erbt ha­ben, ent­wi­ckelt, so wird sich die künf­ti­ge See­le in dem­je­ni­gen ent­wi­ckeln, was Sie sel­ber aus ih­rem Lei­be ma­chen. Da­her be­zeich­net man den Leib, das­je­ni­ge, was die See­le, das Ich um­k­lei­det, um­hüllt, was von die­sem Ich be­wohnt wird, als den Tem­pel der im In­nern be­find­li­chen Ich­heit, den Tem­pel der im Men­schen le­ben­di­gen Gött­lich­keit, den Tem­pel Got­tes. In­dem Sie al­so die­sen Leib ge­stal­ten, bau­en Sie ei­nen künf­ti­gen Tem­pel, das heißt die neue Ver­kör­pe­rung der Er­de, auf. Sie bau­en in den rich­ti­gen Ma­ßen den Ju­pi­ter auf, in­dem Sie den men­sch­li­chen Leib in&lt;br /&gt;
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der rich­ti­gen Wei­se aus­ge­stal­ten. Was muß da­her zum Vor­schein kom­men, wenn die Er­de am Ziel an­ge­kom­men sein wird? Ein in al­len Ma­ßen stim­men­der Tem­pel der See­le. Da­her wird dem Ein­ge­weih­ten der Auf­trag ge­ge­ben, die­sen Tem­pel, den der Mensch dann ge­baut ha­ben wird, zu un­ter­su­chen. Daß die See­le das Rich­ti­ge ge­macht hat, wird da­durch zum Vor­schein kom­men, daß er ge­mes­sen wird, die­ser Tem­pel Got­tes. «Und es ward mir ein Rohr ge­ge­ben, ei­nem Ste­cken gleich, und er sprach: Ste­he auf und miß den Tem­pel Got­tes und den Al­tar und die da­r­in­nen an­be­ten. Aber den Vor­hof au­ßer­halb des Tem­pels wirf hin­aus!» (Ka­pi­tel 11, 1.) Das heißt: Al­les das­je­ni­ge muß hin­aus­ge­wor­fen wer­den aus dem Tem­pel, was zur Vor­be­rei­tung da war. Der Mensch muß­te erst phy­si­schen Leib und Äther­leib ha­ben, be­vor er drin­nen ar­bei­ten konn­te. Die­ser phy­si­sche Leib und der Äther­leib, die sind der Vor­hof: die müs­sen ab­fal­len, die wirf hin­aus. Das­je­ni­ge, was der Mensch al­lein ge­macht hat, das be­hält er. Das ist der Tem­pel, in dem woh­nen sol­len neue We­sen zur Zeit des Ju­pi­ter-Da­seins.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Al­so wir le­ben da inn­er­halb ei­ner geis­tig ge­wor­de­nen Er­de. Wir se­hen, wie sich schon vor­be­rei­tet vor­bild­lich die­se Ju­pi­ter-Zeit. Wie die Men­schen mit­brin­gen die Früch­te des Er­den­da­seins, das al­les se­hen wir vor­ge­bil­det. Und jetzt müs­sen wir uns klar sein dar­über, daß inn­er­halb die­ses geis­ti­gen Zu­stan­des der Er­de auf ei­ner höhe­ren Ent­wi­cke­lungs­stu­fe al­les das wie­de­r­er­scheint, was früh­er da war. Vor al­len Din­gen er­schei­nen die Trä­ger der geis­ti­gen Strö­mun­gen wie­der, auf de­nen die Er­de fest­steht, aus de­nen sie her­vor­ge­gan­gen ist. Die Trä­ger die­ser Strö­mun­gen er­schei­nen le­ben­dig wie­der. Es wer­den in Eliasund Mo­ses, wenn wir der christ­li­chen Tra­di­ti­on fol­gen, die per­sön­li­chen Ver­t­re­ter des­sen ge­se­hen, was uns ges­tern in den zwei Säu­len er­schie­nen ist. Die, wel­che die Leh­ren der zwei Säu­len ge­ben, wer­den in der christ­li­chen Eso­te­rik an­ge­se­hen als Elias und Mo­ses. Elias war der­je­ni­ge, der dem Men­schen die Kund­schaft und Bot­schaft brach­te von der ei­nen Säu­le, der Säu­le der Stär­ke, Mo­ses der­je­ni­ge, der sie brach­te von der Säu­le der Weis­heit. «Mo­ses» heißt: Weis­heit oder Wahr­heit, und «Elias» heißt ja es ist schwer, das Wort im Deut­schen aus­zu­drü­cken die wei-&lt;br /&gt;
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sen­de Kraft, das, was die Rich­tung, den Im­puls gibt. So se­hen wir die­se bei­den in der geis­tig ge­wor­de­nen Welt auf­t­re­ten, und zwar auf der Ent­wi­cke­lungs­stu­fe, zu der sie es dann ge­bracht ha­ben wer­den. Denn wie bei der «Ver­klär­ung» nach der christ­li­chen Tra­di­ti­on der Chris­tus er­schie­nen ist zwi­schen Mo­ses und Elias, so er­scheint der gan­ze Vor­gang am En­de der Er­den­ent­wi­cke­lung so, daß die Son­ne, die geis­ti­ge Son­ne der Lie­be, die Of­fen­ba­rung der Er­den­mis­si­on der Lie­be er­scheint, ge­stützt durch Son­ne-Mars und Mond-Mer­kur, durch Elias und Mo­ses. Wie wir ges­tern ge­se­hen ha­ben die bei­den Säu­len, die zu­nächst vor dem Ein­ge­weih­ten er­schei­nen als die Sym­bo­le von Stär­ke und Weis­heit, und dar­über die Son­ne der Lie­be, so kön­nen wir uns jetzt ein Stück wei­ter die Er­den­ent­wi­cke­lung vor­s­tel­len, und in sei­ner Le­ben­dig­keit, in sei­nem Per­sön­li­chen wird uns das­je­ni­ge, was die ei­ne Säu­le ist, als Elias er­schei­nen, und die an­de­re als Mo­ses, und was dar­über ist, als das ei­gent­li­che Chris­tus-Prin­zip.&lt;br /&gt;
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Wenn wir nun­mehr den Blick ein we­nig hin­weg­wen­den von der Er­de sel­ber, von dem, was auf ihr ist, und sie im Zu­sam­men­hang mit dem gan­zen Him­mels­raum be­trach­ten, so sind wir ge­ra­de in dem Zeit­punkt, den wir jetzt be­sp­re­chen, bei ei­ner sehr wich­ti­gen Sa­che an­ge­langt. Er­de und Son­ne wa­ren ein Kör­per. Die Er­de hat sich aus der Son­ne her­aus­ent­wi­ckelt und der Mond hat sich ab­ge­spal­ten. Wir ha­ben ge­sagt, daß das hat ge­sche­hen müs­sen we­gen des rich­ti­gen Ma­ßes der Ent­wi­cke­lung. Nun aber, wo der Mensch die­se Ent­wi­cke­lungs­stu­fen durch­ge­macht hat, nach­dem er sich ver­geis­tigt hat, ist er reif, sich wie­der­um mit den Kräf­te­ver­hält­nis­sen zu ve­r­ei­ni­gen, wel­che auf der Son­ne sind. Er kann das Tem­po der Son­ne mit­ma­chen. Es fin­det nun ein wich­ti­ger Wel­ten­vor­gang statt: die Er­de ve­r­ei­nigt sich wie­der­um mit der Son­ne. Wäh­rend das­je­ni­ge vor­geht, was wir be­spro­chen ha­ben, ve­r­ei­nigt sich die Er­de mit der Son­ne. Wir ha­ben ge­sagt, daß die Son­nen­geis­ter auf die Er­de her­ab­ge­s­tie­gen sind bei dem Er­eig­nis von Gol­ga­tha. Wir ha­ben ge­sagt, daß die­ses Chris­tus-Prin­zip es so weit brin­gen wird, wie wir es ha­ben be­sch­rei­ben kön­nen. Jetzt wird die Er­de reif, sich mit der Son­ne zu ve­r­ei­ni­gen. Und das, was not­wen­dig war, da­mit&lt;br /&gt;
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die Ent­wi­cke­lung nicht zu sch­nell vor sich geht, der Mond, der wird über­wun­den sein, den braucht der Mensch nicht mehr. Der Mond wird in sei­nen Kräf­ten über­wun­den wer­den. Der Mensch kann sich in die­ser Zeit mit der Son­ne ve­r­ei­ni­gen. Er wird in der ver­geis­tig­ten Er­de drin­nen le­ben und zu glei­cher Zeit ver­bun­den sein mit der Kraft der Son­ne, und er wird der Über­win­der des Mon­des sein. Das wird, in­dem es ge­schaut wird, dar­ge­s­tellt durch die­se sym­bo­li­sche Fi­gur des fünf­ten Sie­gels: das Weib, das die Son­ne in sich trägt und den Mond zu ih­ren Fü­ß­en hat. Wir sind an dem Zeit­punkt an­ge­kom­men, da der Mensch ver­geis­tigt ist, da der Mensch sich wie­der­um mit den Kräf­ten der Son­ne ver­bin­det, da Er­de und Son­ne ein Kör­per ist und die Mon­den­kräf­te über­wun­den sein wer­den. (Sie­he das fünf­te Sie­gel­bild.)&lt;br /&gt;
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Und nun­mehr müs­sen wir uns er­in­nern, daß nur der fort­ge­schrit­te­ne­re Teil der We­sen­hei­ten, der vom Prin­zip des Chris­tus im­präg­nier­te Teil, die­se Ent­wi­cke­lung durch­ge­macht hat. Der ist so weit ge­kom­men; die­je­ni­gen aber, die in der Ma­te­rie ver­här­tet sind, sind her­aus­ge­fal­len, ha­ben so­zu­sa­gen ei­ne Art Ne­ben­pla­ne­ten von ver­här­te­ter, ver­f­lei­sch­lich­ter Ma­te­rie ge­bil­det. Nun er­in­nern wir uns ein­mal, wie, as­tra­lisch ge­se­hen, für den Hell­se­her der Mensch her­vor­t­rat, be­vor er auf die Er­de her­un­ter­s­tieg als phy­si­sches We­sen. Er­in­nern wir uns, daß wir ge­nau hin­ge­wie­sen ha­ben dar­auf, daß der Mensch in den vier Ty­pen sei­ner Grup­pen­see­le er­schi­en, in der Ge­stalt des Löw­en, des Ad­lers, des Och­sen und des Men­schen. Die­se vier Ty­pen der Grup­pen­see­le tre­ten uns so­zu­sa­gen ent­ge­gen, be­vor der Mensch her­un­ter­s­teigt ins Phy­si­sche, be­vor er in­di­vi­dua­li­siert wird. Die­se vier ty­pi­schen Ge­stal­ten, die der Mensch ge­habt hat, be­vor er in den phy­si­schen Leib her­ein­ge­t­re­ten ist, sind am heu­ti­gen phy­si­schen Men­schen nicht sicht­bar; die sind in der Ge­walt der See­le. Wie Kaut­schuk ist es her­ein­ge­p­reßt in die men­sch­li­che Form. In der Tat ist es so: Wenn der Mensch sich nicht in sei­ner Ge­walt hat, wenn sei­ne See­le schweigt, ent­we­der da­durch, daß er schläft oder sonst in ei­nem mehr oder we­ni­ger be­wußt­lo­sen Zu­stand ist, dann sieht man heu­te noch, wie der ent­sp­re­chen­de Tier­ty­pus her­aus­kommt. Aber der Mensch hat im&lt;br /&gt;
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Grun­de ge­nom­men da­durch, daß er her­un­ter­ge­s­tie­gen ist auf den phy­si­schen Plan, die­sen Tier­ty­pus über­wun­den. Wann ist dem Men­schen die Fähig­keit ge­ge­ben wor­den, im As­tra­li­schen den Tier­ty­pus zu über­win­den?&lt;br /&gt;
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Er­in­nern wir uns, daß wir ge­spro­chen ha­ben von den sie­ben Zei­träu­men der at­lan­ti­schen Ent­wi­cke­lung. Die­se sie­ben Zei­träu­me um­fas­sen vier ers­te und drei letz­te. Die vier ers­ten wa­ren so, daß der Mensch noch durch­aus Grup­pen­see­le war. Dann, im fünf­ten Zei­traum, ist der ers­te Im­puls zur Ich-See­le ent­stan­den. Wir ha­ben al­so vier Ent­wi­cke­lungs­stu­fen in der At­lan­tis, in de­nen der Mensch erst als Grup­pen­see­le aufrückt, und je­der der vier ers­ten at­lan­ti­schen Ras­sen ent­spricht ei­ne der ty­pi­schen Tier­ge­stal­ten, Löwe, Ad­ler, Kalb oder Stier, und Mensch. Das geht in den Men­schen über im fünf­ten Zei­traum, da ver­lie­ren sich die­se ty­pi­schen Ge­stal­ten. Den­ken Sie sich nun ein­mal, daß der Mensch in sei­ner jet­zi­gen Zeit sich durch­dringt mit dem Chris­tus-Prin­zip und da­durch im­mer mehr und mehr über­win­det das Tie­ri­sche. Wenn er sich aber nicht durch­dringt mit dem Chris­tus-Prin­zip, dann über­win­det er das Tie­ri­sche nicht. Die vier ty­pi­schen Köp­fe, Löwe, Ad­ler, Stier und Mensch, die blei­ben so­zu­sa­gen als et­was, was sei­ne Ge­stalt wie­der­um an­nimmt, wenn es nun wie­der­um her­vor­t­re­ten kann, und da­zu kom­men noch drei an­de­re, die von den drei letz­ten Ras­sen der at­lan­ti­schen Ent­wi­cke­lung, wo der Mensch schon an­ge­fan­gen hat­te, Mensch zu sein. Die­se drei blei­ben auch, wenn der Mensch nicht durch sei­ne See­le da­ran ar­bei­tet, daß die­ses Tie­ri­sche ver­schwin­det. Wie wird al­so der Mensch, der wäh­rend un­se­rer Zeit das Chris­tus-Prin­zip nicht auf­ge­nom­men hat, auf der ver­geis­tig­ten Er­de er­schei­nen? Er wird in der Ma­te­ria­li­tät er­schei­nen; in den Ge­stal­ten, aus de­nen er ge­kom­men ist, wird er sich wie­der zei­gen. Er hat die­se Tier­ge­stal­ten ge­habt und hat noch drei da­zu durch­ge­macht. Das, was die Tier­heit hät­te über­win­den kön­nen, ist nun von ihm un­be­nützt ge­las­sen wor­den. Die Tier­heit springt wie­der her­vor, und zwar in sie­ben Ge­stal­ten. &amp;quot;Wie einst in At­lan­tis die vier Köp­fe auf­tauch­ten, der Tier-Mensch, so wer­den auf­tau­chen aus der ver­wan­del­ten Er­de, aus der as­tra­li­sier­ten Er­de sie­ben sol­che ty­pi­sche Köp­fe,&lt;br /&gt;
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und es wird sich das Schau­spiel wie­der­ho­len, wel­ches sich da­zu­mal ab­ge­spielt hat. Der geis­ti­ge Mensch war in sei­ner An­la­ge vor­han­den, aber er konn­te noch nicht ei­ne in­di­vi­du­el­le Ge­stalt aus­bil­den, er bil­de­te die vier Tier­köp­fe aus. Der geis­ti­ge Mensch in sei­ner An­la­ge wird dar­ge­s­tellt auch für die da­ma­li­ge Zeit durch das Weib, das den Men­schen ge­biert. Es wird auch der Mensch der Zu­kunft dar­ge­s­tellt durch das Weib, das den geis­ti­gen Men­schen ge­biert. Aber das­je­ni­ge, was im Fleisch ge­b­lie­ben ist, wird auf der Ne­be­n­er­de dar­ge­s­tellt durch das Tier mit den sie­ben Köp­fen. Wie da­mals vier Köp­fe da wa­ren, be­vor der Mensch die Mög­lich­keit hat­te, die Tier­heit zu über­win­den, so er­schei­nen die­je­ni­gen, die in der Tier­heft ge­b­lie­ben sind, als ei­ne Ge­samt­heit, als das Tier mit den sie­ben Köp­fen.&lt;br /&gt;
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So al­so tritt tat­säch­lich in der Zu­kunft ein­mal, nach­dem sich die Er­de mit der Son­ne ve­r­ei­nigt hat, wäh­rend oben die ver­geis­tig­te Er­de ist, un­ten al­les das­je­ni­ge auf, was nicht in sich auf­ge­nom­men hat das geis­ti­ge Prin­zip, und es er­schei­nen wie­der­um die Tier­köp­fe, die einst­mals da wa­ren, nur daß sie jetzt au­ßer ih­rer Zeit sind. Jetzt sind sie die Wi­der­sa­cher; vor­her, in der Zeit der Vor­be­rei­tung, wa­ren sie in der rich­ti­gen Zeit. So se­hen wir, daß, wie da­mals aus dem phy­si­schen, jetzt aus dem as­tra­li­schen Meer auf­s­teigt die Son­ne ist auch as­tra­li­siert das Un­ge­heu­er mit den sie­ben Köp­fen, das sie­ben­köp­fi­ge Tier. Al­les das­je­ni­ge, was im Men­schen ver­an­lagt wird durch den äthe­ri­schen Leib bit­te das zu be­ach­ten , das nennt man in der Mys­te­ri­en­spra­che, der sich auch der Apo­ka­lyp­ti­ker be­di­ent, ei­nen «Kopf» oder ein Haupt, weil es ei­ne sol­che ty­pi­sche Haupt­ge­stalt wie den Löw­en­kopf her­vor­ruft, wenn man es hell­se­he­risch sieht. Da­ran müs­sen wir­ken die äthe­ri­schen Kräf­te. Wenn wir die at­lan­ti­sche Ent­wi­cke­lung ver­fol­gen, so war da der Äther­leib noch au­ßer­halb des Kop­fes. Das, was vom Äthe­ri­schen aus im Men­schen ver­an­lagt wird, nennt man in der Spra­che der apo­ka­lyp­ti­schen Mys­te­ri­en «Kopf». Da­mit meint man al­so das, was dem hell­se­he­ri­schen Blick vor­zugs­wei­se als Kopf er­scheint. Das­je­ni­ge aber, was phy­sisch im Men­schen be­wirkt wird durch ir­gend­ein Glied des Äther­lei­bes, das nennt man ein «Horn». Ein «Horn»&lt;br /&gt;
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ist in der Spra­che der Mys­te­ri­en al­so ei­ne sehr ge­heim­nis­vol­le Sa­che. Das­je­ni­ge, was zum Bei­spiel im Men­schen phy­sisch be­wirkt wor­den ist da­durch, daß er ein­mal durch­ge­gan­gen ist durch die­je­ni­ge Ras­se der at­lan­ti­schen Zeit, in wel­cher ty­pisch der Löwe als Grup­pen­see­le da war, das nennt man ein Horn. Al­so das Phy­si­sche, das von ir­gend­ei­nem Glied des Äther­lei­bes her­kommt, nennt man ein «Horn». Ein Horn ist zum Bei­spiel das Or­gan, wel­ches der äu­ße­re phy­si­sche Aus­druck für ir­gend et­was Äthe­ri­sches ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun will ich Ih­nen kon­k­ret sp­re­chen. Al­le phy­si­schen Or­ga­ne des Men­schen sind ei­gent­lich ver­dich­te­te Äther­or­ga­ne, sind aus dem ver­dich­te­ten Äther­leib her­vor­ge­gan­gen. Be­trach­ten wir das men­sch­li­che Herz. Es ist heu­te ein phy­si­sches Or­gan, aber es ist aus ei­nem Äther­or­gan her­aus ver­dich­tet. Die­ses heu­ti­ge men­sch­li­che Herz hat sei­ne An­la­ge er­hal­ten da­mals, als der Mensch durch die Grup­pen­see­len­haf­tig­keit hin­durch­ge­gan­gen ist, die mit dem Löw­en be­zeich­net wird. Al­so ist das Herz das «Horn» des Löw­en­kop­fes, denn als der Äther­leib so weit war, daß der Mensch er­schi­en mit der Grup­pen­see­le, die im Löw­en­kopf sym­bo­li­siert wird, da hat sich die An­la­ge ge­bil­det, die spä­ter das phy­si­sche Herz wur­de. Aus die­ser An­la­ge des Löw­en­men­schen ent­stand die heu­ti­ge men­sch­li­che phy­si­sche Her­z­an­la­ge. Wäh­rend wir al­so den Äther­leib zu­rück­füh­ren in sei­ner Ent­ste­hung auf die Ver­wand­lung ei­nes «Kop­fes» in den an­de­ren, auf das Hin­zu­fü­gen des ei­nen Kop­fes zum an­de­ren, fas­sen wir den men­sch­lich phy­si­schen Leib auf als das Hin­zu­fü­gen ei­nes «Hor­nes» zum an­dern. Tat­säch­lich be­steht der men­sch­li­che Äther­leib aus «Köp­fen», der men­sch­li­che phy­si­sche Leib aus «Hör­nern». Das ist die Spra­che der Mys­te­ri­en. Al­le Or­ga­ne des Men­schen sind aus dem Äther­leib her­aus­ge­bil­det, sind al­so lau­ter «Hör­ner».&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und nun ha­ben wir al­les das, was wir ge­hört ha­ben, ein­mal zu über­den­ken, denn das ist et­was, wo­zu selbst der Apo­ka­lyp­ti­ker sagt: Hier ist Weis­heit. Wir wer­den erst ver­ste­hen die­se Weis­heit, die der Apo­ka­lyp­ti­ker hin­ein­ge­legt hat in die Er­schei­nung des sie­ben­köp­fi­gen Tie­res, das aber zehn Hör­ner hat, wenn wir uns ge­nau über­le­gen, was ei­gent­lich «Horn» in be­zug auf «Kopf» in der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|190}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mys­te­ri­en­spra­che ist. Wir wer­den se­hen, daß die­je­ni­gen We­sen­hei­ten, wel­che sich die­se sie­ben Köp­fe be­wahrt ha­ben, weil sie ste­hen­ge­b­lie­ben sind in der Ent­wi­cke­lung, daß die in der Tat im Ab­grund ei­nen phy­si­schen Leib an­ge­nom­men ha­ben, der aus zehn ver­här­te­ten phy­si­schen Lei­bes­g­lie­dern be­steht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|191}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= ZEHNTER VORTRAG, Nürnberg, 27. Juni 1908 =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daß wir in der Apo­ka­lyp­se des Jo­han­nes ei­ne Be­sch­rei­bung der Ein­wei­hungs­vor­gän­ge ha­ben, oder vi­el­leicht bes­ser ge­sagt, der Ein­wei­hung­s­er­leb­nis­se des christ­lich Ein­zu­wei­hen­den, das ha­ben wir ge­se­hen. Nach­dem wir in den letz­ten Vor­trä­gen den gan­zen Stoff der Apo­ka­lyp­se an un­se­rer See­le ha­ben vor­über­zie­hen las­sen, wer­den wir noch auf die Fra­ge zu ant­wor­ten ha­ben: Was ist denn ei­gent­lich, ge­schicht­lich ge­nom­men, die­se Ur­kun­de? Warum exis­tiert sie als ei­ne sol­che Ur­kun­de? Jetzt aber, wo wir bei je­nem wich­ti­gen Punkt an­ge­langt sind, der sich uns das letz­te­mal ent­hüllt hat, bei dem Über­gang un­se­rer Er­de in ei­nen geis­ti­gen, zu­nächst in ei­nen as­tra­li­schen Zu­stand, bei dem Auf­t­re­ten ge­wis­ser merk­wür­di­ger We­sen­hei­ten in dem, was sich al­so in der Ma­te­rie ver­dich­tet und ab­ge­spal­ten hat von dem nor­ma­len Fort­gan­ge un­se­rer Er­den­ent­wi­cke­lung, jetzt wird es gut sein, be­vor wir vor­wärts­sch­rei­ten, uns so­zu­sa­gen ei­ne Art von Ge­ne­ral­über­blick zu ver­schaf­fen über ge­wis­se Din­ge, die im Grun­driß un­se­rer an­thro­po­so­phi­schen Welt­be­trach­tung lie­gen. Denn Sie ha­ben ge­se­hen, daß bei al­le­dem, was wir zu be­trach­ten hat­ten, ge­wis­se Zah­len­be­grif­fe ei­ne Rol­le spie­len. Und jetzt ste­hen wir da­bei, uns ei­nen Be­griff von dem zu ver­schaf­fen, was das sie­ben­köp­fi­ge und zehn­hör­ni­ge Tier ist und was das zwei­hör­ni­ge Tier ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir müs­sen uns ein­mal ori­en­tie­ren über den Grun­driß der Wel­ten­ent­wi­cke­lung. Die ver­läuft näm­lich durch­aus in Ge­mäß­h­eit ganz be­stimm­ter Zah­len­ver­hält­nis­se. Der Laie in sol­chen Din­gen wird sehr leicht sa­gen, wenn er hört, daß die Sie­ben­zahl und an­de­re Zah­len ei­ne so gro­ße Rol­le spie­len in un­se­ren Be­trach­tun­gen: Nun ja, die­se An­thro­po­so­phen wär­m­en wie­der je­nen al­ten Aber­glau­ben auf, der sich an die Sie­ben­zahl, an die Zwölf­zahl und der­g­lei­chen knüpft. Und schon wenn un­se­re lie­ben Zeit­ge­nos­sen von so et­was hö­ren, was in ei­ner re­gel­mä­ß­i­gen Wei­se nach der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|192}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie­ben­zahl vor­wärts­sch­rei­tet, dann sp­re­chen sie von Aber­glau­ben, ob­wohl die­se un­se­re Zeit­ge­nos­sen ei­gent­lich in be­zug auf das, wo­von sie et­was ver­ste­hen, in ge­nau dem­sel­ben Aber­glau­ben le­ben, denn un­se­re Zeit­ge­nos­sen sp­re­chen zum Bei­spiel da­von, daß der Re­gen­bo­gen sie­ben Far­ben hat, die Tons­ka­la sie­ben Tö­ne, da der ach­te nur ei­ne Wie­der­ho­lung der Prim ist. Und noch auf manch an­de­rem Ge­bie­te spricht man von der Sie­ben­zahl, und mit Recht. In kei­nem an­de­ren Sin­ne als der Phy­si­ker es tut, wenn er von der Sie­ben­zahl der Far­ben spricht, und eben­so wie man in der Ton­leh­re spricht von den sie­ben Tö­nen, so sp­re­chen wir, wenn wir die gro­ßen Wel­ten­ver­hält­nis­se be­trach­ten in be­zug auf die Sie­ben­zahl. Die Sie­ben­zahl ist uns da­bei gar nichts an­de­res als ein Er­geb­nis der ok­kul­ten Er­fah­rung. So wie sich der Mensch hin­s­tellt und die sie­ben Far­ben zählt, so zählt der Ok­kul­tist sie­ben au­f­ein­an­der­fol­gen­de Zu­stän­de der Wel­ten­ent­wi­cke­lung. Und weil die Weis­heit der Welt im­mer von die­sen Din­gen wuß­te und sprach, des­halb ging das in das all­ge­mei­ne Be­wußt­sein über und man fand et­was be­son­ders Be­deu­tungs­vol­les in die­ser Sie­ben­zahl. Ge­ra­de weil die Sie­ben­zahl zum Bei­spiel in den Welt­ver­hält­nis­sen be­grün­det war, ging sie in den all­ge­mei­nen Glau­ben, na­tür­lich auch Aber­glau­ben, über.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir uns da­ran er­in­nern, was wir ge­sagt ha­ben über das Ge­heim­nis der sie­ben Po­sau­nen, der sie­ben Sie­gel, der sie­ben Send­brie­fe, was wir über die sie­ben au­f­ein­an­der­fol­gen­den Pe­rio­den der at­lan­ti­schen Zeit ge­sagt ha­ben, so se­hen wir schon, daß wir ei­gent­lich in der Wel­ten­ent­wi­cke­lung fort­lau­fend Pe­rio­den ha­ben, die sich in Ge­mäß­h­eit der Sie­ben­zahl wie­der­ho­len, und wie ei­nen Grun­driß der Wel­ten­ent­wi­cke­lung wol­len wir uns vor Au­gen rü­cken, daß die Sie­ben­zahl al­le Tei­le der Wel­ten­ent­wi­cke­lung be­herrscht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir ha­ben ge­hört, daß die Er­de, be­vor sie Er­de war, Mond war, be­vor sie Mond war, Son­nen­pla­net und be­vor sie Son­ne war, Sa­turn war. Die Er­de wird, nach­dem sie Er­de ge­we­sen sein wird, in den Ju­pi­ter­zu­stand, dann in den Ve­nus- und zu­letzt in den Vul­k­an­zu­stand über­ge­hen, so daß wir sie­ben au­f­ein­an­der­fol­gen­de pla­ne­ta­ri­sche Ver­kör­pe­run­gen un­se­rer Er­de ha­ben, Sa­turn, Son­ne, Mond,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Er­de, Ju­pi­ter, Ve­nus und Vul­kan. Das sind nun die größ­ten Ab­tei­lun­gen inn­er­halb un­se­rer gan­zen Ent­wi­cke­lung, die wir bis zu ei­nem ge­wis­sen Gra­de hell­se­he­risch über­schau­en kön­nen. Wir ha­ben ja die drei der Er­de vor­an­ge­hen­den Zu­stän­de be­schrie­ben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt wol­len wir uns klar sein dar­über, was denn der Sinn der gan­zen Ent­wi­cke­lung ist, warum die Er­de durch die­se sie­ben Zu­stän­de durch­geht. Die­se sie­ben Zu­stän­de fal­len näm­lich zu­sam­men mit der Ent­wi­cke­lung des men­sch­li­chen Be­wußt­seins. Je­der die­ser Zu­stän­de, Sa­turn, Son­ne, Mond, Er­de, Ju­pi­ter, Ve­nus und Vul­kan, cha­rak­te­ri­siert ei­nen be­stimm­ten men­sch­li­chen Be­wußt­s­eins­zu­stand. Rich­ten wir den Blick zu­rück in die ural­te Sa­turn­zeit. Wir wis­sen, was ge­gen­wär­tig vom Men­schen vor­han­den ist, war da­mals noch nicht vor­han­den, son­dern erst die al­le­r­ers­te An­la­ge sei­nes phy­si­schen Lei­bes. Die­se ers­te An­la­ge konn­te selbst­ver­ständ­lich beim Men­schen nicht ein sol­ches Be­wußt­sein ent­wi­ckeln, wie es heu­te der Mensch hat. An­de­re We­sen hat­ten ein men­sch­li­ches Be­wußt­sein; der Mensch hat­te da­mals ein Be­wußt­sein, wie es heu­te die mi­ne­ra­li­sche Welt hier auf dem phy­si­schen Plan hat. Wir nen­nen das ein tie­fes Tran­ce­be­wußt­sein. Das hat­te die ers­te Men­schen­an­la­ge auf dem Sa­turn. Die­se Sa­turn­ent­wi­cke­lung ist aus dem Grun­de durch­ge­macht wor­den, da­mit der Mensch nach und nach aufrü­cken kann zu sei­nen höhe­ren Be­wußt­s­eins­zu­stän­den. Da­mals hat er den ers­ten durch­ge­macht. Al­so ha­ben wir die Sa­turn­ent­wi­cke­lung zu­sam­men­fal­lend mit dem tie­fen Tran­ce­be­wußt­sein. Das ist die ers­te Be­wußt­s­eins­stu­fe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Na­tür­lich müs­sen Sie sich nicht vor­s­tel­len, daß der Grad des Be­wußt­seins durch die gan­ze Sa­turn­ent­wi­cke­lung der­sel­be bleibt, aber im we­sent­li­chen ist es so, daß der Be­wußt­s­eins­grad des Men­schen auf dem Sa­turn mit tie­fem Tran­ce­be­wußt­sein cha­rak­te­ri­siert wer­den kann. Es ist dump­fer als selbst das, was heu­te der Mensch im tra­um­lo­sen Schla­fe hat, denn da hat heu­te der Mensch das Be­wußt­sein, das er durch­ge­macht hat auf der zwei­ten Stu­fe, wäh­rend der Son­nen­ent­wi­cke­lung. Al­so wäh­rend der zwei­ten Stu­fe, wäh­rend der Son­nen­ent­wi­cke­lung, hat der Mensch durch­ge­macht das tra­um­lo­se Schlaf­be­wußt­sein. Es ist das­sel­be Be­wußt­sein, das&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|194}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
heu­te die Pflan­zen­welt um uns her­um auf dem phy­si­schen Plan hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann kam die Mon­den­stu­fe in der Ent­wi­cke­lung. Da hat der Mensch ein Be­wußt­sein durch­ge­macht, wel­ches schon leich­ter zum Ver­ständ­nis ge­bracht wer­den kann, weil der Mensch im Traum­be­wußt­sein we­nigs­tens ei­nen letz­ten Rest hat von die­sem Mon­den­be­wußt­sein. Das Traum­be­wußt­sein von heu­te ist ja ein Zwi­schen­zu­stand zwi­schen tra­um­lo­sem Schlaf und dem ge­wöhn­li­chen, vom Mor­gen bis zum Abend dau­ern­den hel­len, wa­chen Ta­ges­be­wußt­sein. Al­so der drit­te Zu­stand des Be­wußt­seins wur­de er­reicht auf dem Mond, und er läßt sich ver­g­lei­chen mit dem heu­ti­gen trau­mer­füll­ten Schlaf, aber mit ei­ner ganz an­de­ren Le­ben­dig­keit und Leb­haf­tig­keit. Der trau­mer­füll­te Schlaf gibt ein Be­wußt­sein, das sich aus ein­zel­nen Vor­stel­lungs­fet­zen und Bil­dern zu­sam­men­setzt und nur ei­nen ge­rin­gen Grad von Be­zie­hung hat zur rea­len Au­ßen­welt. Das Mon­den­be­wußt­sein, das ein Traum­bil­der­be­wußt­sein war, hat­te sehr be­deut­sa­me Be­zie­hun­gen zur Au­ßen­welt. Es ent­sprach ge­nau dem, was in der see­lisch-geis­ti­gen Um­welt vor­han­den war. Ei­ne Wie­der­ho­lung hat das wäh­rend der at­lan­ti­schen Zeit des Men­schen ge­fun­den. Wir nen­nen es das Traum­bil­der­be­wußt­sein, könn­ten es auch das som­nam­bu­le Be­wußt­sein nen­nen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das vier­te Be­wußt­sein wird er­reicht und durch­ge­macht auf un­se­rer Er­de, und es ist das­je­ni­ge Be­wußt­sein, wel­ches wir das hel­le Ta­ges­be­wußt­sein oder Ge­gen­stands­be­wußt­sein nen­nen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu ei­nem er­höh­te­ren Be­wußt­s­eins­grad, von dem die meis­ten Men­schen von heu­te kei­ne Ah­nung ha­ben, wer­den die Men­schen auf­s­tei­gen wäh­rend der Ju­pi­ter­zeit, wenn das al­les ge­sche­hen ist, was wir schon be­schrie­ben ha­ben und was im An­schluß an die Apo­ka­lyp­se des Jo­han­nes noch zu be­sch­rei­ben ist. Dann, wenn der Mensch so­zu­sa­gen ge­ret­tet vom Ab­grund her­vor­ge­gan­gen und dem Ver­fall ent­gan­gen ist, wenn er hin­auf­ge­s­tie­gen ist in die as­tra­li­sier­te und ver­geis­tig­te Er­de, dann wird das die Grund­la­ge da­für sein, daß er auf dem Ju­pi­ter das­je­ni­ge Be­wußt­sein er­langt, das wir nen­nen kön­nen das be­wuß­te Bil­der­be­wußt­sein. Wenn man es schil­dern soll, so kann das nur aus den Er­fah­run­gen der Ein­ge­weih­ten her­aus ge­sche­hen. Denn die Ein­wei­hung ist ja nichts an­de­res als&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|195}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die An­eig­nung der Fähig­keit, in ei­ner frühe­ren Ent­wi­cke­lungs­stu­fe zu er­rei­chen, was die nor­ma­le Mensch­heit auf ei­ner spä­te­ren Stu­fe er­reicht. Im be­wuß­ten Bil­der­be­wußt­sein ist der Mensch ge­nau eben­so selbst­be­wußt wie heu­te vom Mor­gen bis zum Abend, aber er nimmt nicht nur wahr die äu­ße­ren Ge­gen­stän­de, son­dern im Blick­feld sei­ner See­le hat er Bil­der, und zwar Bil­der, die nicht et­wa mit ei­ner ge­wis­sen Dumpf­heit ver­knüpft sind, die viel­mehr ein­ge­bet­tet sind in das hel­le Ta­ges­be­wußt­sein. Al­so hel­les Ta­ges­be­wußt­sein und Mon­den­be­wußt­sein zu­sam­men, das gibt das Ju­pi­ter­be­wußt­sein. Der Mensch er­hält sich, was er jetzt hat und er­wirbt sich da­zu die Fähig­keit, das See­lisch-Geis­ti­ge wahr­zu­neh­men.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heu­te ist es so, daß der Ein­ge­weih­te nicht nur den Men­schen sieht, wie er phy­sisch ist, son­dern daß er wahr­nimmt um den Men­schen her­um, ihn um­strah­lend, al­ler­lei geis­ti­ge Ge­bil­de, die der Aus­druck sind der Lei­den­schaf­ten, In­s­tink­te, Ge­dan­ken, mit ei­nem Wort: die Au­ra. Sie um­glänzt, um­glüht den Men­schen wie fei­ne Flam­men, zum Teil wie ein Licht­ne­bel. Al­les das, was so im men­sch­li­chen As­tral­leib ge­se­hen wer­den kann vom Ein­ge­weih­ten, eben­so wie von dem ge­wöhn­li­chen phy­si­schen Au­ge der phy­si­sche Leib mit sei­nen Gren­zen ge­se­hen wird, al­les das ist Bild des­sen, was in den See­len vor­geht. In ei­ner sol­chen Ein­ge­weih­ten­see­le ist ein Be­wußt­sein vor­han­den, das wir be­zeich­nen kön­nen als Mon­den­be­wußt­sein plus Er­den­be­wußt­sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann kommt auf der Ve­nus ein sechs­ter Be­wußt­s­eins­zu­stand, den wir be­zeich­nen kön­nen als das in­spi­rier­te Be­wußt­sein, das Be­wußt­sein der In­spi­ra­ti­on, Be­wußt­sein der In­spi­ra­ti­on aus dem Grun­de, weil auf die­ser Be­wußt­s­eins­stu­fe der Ein­ge­weih­te nicht bloß wahr­zu­neh­men ver­mag, was der See­le an Ge­füh­len, Trie­ben, Lei­den­schaf­ten und so wei­ter ei­gen ist, son­dern weil er da den gan­zen in­ne­ren Cha­rak­ter der See­le in ei­nem ein­heit­li­chen Ton wahr­nimmt. Er fängt an wahr­zu­neh­men das­je­ni­ge, was die Welt der, sa­gen wir, Far­ben- und For­men­ge­bil­de wie ei­ne Sphä­ren­mu­sik durch­dringt, so daß je­de ein­zel­ne We­sen­heit inn­er­halb des­sen, was früh­er als as­tra­li­sches Bild wahr­ge­nom­men wor­den ist, wie ein Ton­ge­bil­de er­scheint.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|196}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die sie­ben­te Be­wußt­s­eins­stu­fe, die auf dem Vul­kan vor­han­den sein wird, wir kön­nen sie nen­nen das in­tui­ti­ve Be­wußt­sein. In­tui­ti­on ist nicht je­nes Tri­via­le, was ge­wöhn­lich heu­te dar­un­ter ver­stan­den wird, wo je­mand durch dun­k­les Ge­fühl et­was glaubt er­ken­nen zu kön­nen; das ist ein Mißbrauch des Wor­tes. In den Ein­ge­weih­ten­schu­len wird In­tui­ti­on für je­ne denk­bar höchs­te Be­wußt­s­eins­stu­fe an­ge­wen­det, wo die See­le eins ist, iden­tisch ist mit den We­sen­hei­ten, wo sie da­r­in­nen ist im In­nern der We­sen­hei­ten und sich mit ih­nen iden­ti­fi­ziert. Trotz­dem die See­le voll­stän­dig in­di­vi­du­ell bleibt, steckt sie in all den Din­gen und We­sen­hei­ten ih­res Blick­fel­des drin­nen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So stel­len uns die sie­ben Stu­fen die­ser gan­zen Er­den­ent­wi­cke­lung sie­ben au­f­ein­an­der­fol­gen­de Be­wußt­s­eins­zu­stän­de dar. Je­der Be­wußt­s­eins­zu­stand nun muß sei­ner­seits in sie­ben Stu­fen er­reicht wer­den. Die­se sie­ben Stu­fen, die je­des­mal durch­ge­macht wer­den müs­sen, nen­nen wir Le­bens­stu­fen, so daß wir un­ter­schei­den sie­ben Be­wußt­s­eins­stu­fen und in je­der Be­wußt­s­eins­stu­fe sie­ben Le­bens­stu­fen. Es ist schwer, aus un­se­rer Spra­che her­aus Wor­te zu fin­den für die­se sie­ben Le­bens­stu­fen. Wenn wir bloß auf un­se­re Er­de Rück­sicht neh­men, so kön­nen wir die Le­bens­stu­fen da­durch be­zeich­nen, daß wir re­den von den sie­ben Rei­chen, denn es fal­len die Le­bens­stu­fen auf der Er­de zu­sam­men mit den sie­ben Rei­chen. Da be­zeich­nen wir die ers­te Le­bens­stu­fe als das ers­te Ele­men­tar­reich, die zwei­te als das zwei­te, die drit­te als das drit­te Ele­men­tar­reich, die vier­te als das Mi­ne­ral­reich, die fünf­te als das Pflan­zen­reich, die sechs­te als das Tier­reich und die sie­ben­te als das Men­schen­reich. Nun könn­ten wir ja sa­gen: Auf je­der die­ser Be­wußt­s­eins­stu­fen wer­den sie­ben sol­che Le­bens­stu­fen durch­ge­macht oder sie­ben Rei­che ab­sol­viert. Aber wenn wir die sie­ben Le­bens­stu­fen des Sa­turn eben­so be­zeich­nen wür­den, als ers­tes, zwei­tes, drit­tes Ele­men­tar­reich, als Mi­ne­ral-, Pflan­zen-, Tier- und Men­schen­reich, so wür­de das nur fal­sche Vor­stel­lun­gen wach­ru­fen, denn die Aus­drü­cke für die­se Rei­che sind ge­prägt nach un­se­ren Er­den­er­fah­run­gen und es wa­ren eben die Rei­che ganz an­ders ge­stal­tet in die­ser ural­ten Zeit, als das heu­te bei den Erd­rei­chen der Fall ist. Wir kön­nen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|197}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nur sa­gen: Ana­log die­sen Rei­chen gab es sie­ben Rei­che auf dem Sa­turn, sie­ben auf der Son­ne. Schon näh­er ka­men die sie­ben Rei­che des Mon­des, und was die sie­ben Le­bens­stu­fen der Er­de sind, das sind eben die sie­ben Rei­che auf der Er­de ge­wor­den. Und auf der Er­de kön­nen wir sie schon leich­ter be­sch­rei­ben, ob­wohl es heu­te au­ßer­or­dent­lich schwer ist, dem Men­schen ei­ne Vor­stel­lung von den drei Ele­men­tar­rei­chen zu ge­ben. Von Mi­ne­ral-, Pflan­zen-, Tier- und Men­schen­reich glaubt ja der Mensch ei­ne ge­sun­de Vor­stel­lung zu ha­ben, ob­wohl das auch nicht der Fall ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vi­el­leicht wird es Ih­nen ge­lin­gen, sich ei­ne Art Vor­stel­lung von den drei Ele­men­tar­rei­chen zu bil­den, wenn Sie sich fol­gen­des sa­gen. Al­so Sie den­ken sich Stei­ne, Me­tal­le und so wei­ter, und die­se Glie­der des Mi­ne­ral­rei­ches im­mer fei­ner und fei­ner wer­dend, so daß Sie im­mer we­ni­ger und we­ni­ger se­hen, daß sie sich so­zu­sa­gen auflö­sen in im­mer fei­ne­re Sub­stan­tia­li­tät. Neh­men wir an, Sie las­sen sie al­le ver­duns­ten, so daß sie ei­gent­lich nur noch ganz fei­ne Sub­stan­tia­li­tät hät­ten, durch die Sie hin­durch­schau­en könn­ten, die Ih­nen nicht mehr sicht­bar wä­re. Aus sol­chen Ge­bil­den wür­de, wenn man sie zu noch im­mer grö­ße­rer Ver­fei­ne­rung bräch­te, et­was her­vor­ge­hen, was sch­ließ­lich nicht mehr ein mi­ne­ra­li­sches Reich ist, son­dern das drit­te Ele­men­tar­reich. Dann wür­den wir zum zwei­ten, zum ers­ten Ele­men­tar­reich auf­s­tei­gen. Es ist für die heu­ti­gen Emp­fin­dungs­qua­li­tä­ten schwer, sich Vor­stel­lun­gen zu ma­chen von die­sen Rei­chen, die hin­ein­ge­heim­nißt, ver­dich­tet sind in un­se­re Welt. So ist es näm­lich, wie wenn die­se Ele­men­tar­rei­che ver­dich­tet in un­se­re Welt hin­ein, sa­gen wir, ver­schwun­den wä­ren. Sie ge­hen un­se­rem Mi­ne­ral­reich voran. Wir ha­ben ja ge­se­hen, wann die­ses Mi­ne­ral­reich sel­ber sich ge­bil­det hat. In frühe­ren Pe­rio­den der Er­den­ent­wi­cke­lung war die­ses Mi­ne­ral­reich eben im Zu­stan­de der Ele­men­tar­rei­che vor­han­den.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun die an­de­ren vier Rei­che. Das mi­ne­ra­li­sche Reich se­hen Sie um sich her­um und eben­so das pflanz­li­che, das tie­ri­sche und das men­sch­li­che. Aber wir wer­den uns klar sein müs­sen, daß die­se Be­nen­nun­gen im ei­gent­li­chen ge­heim­wis­sen­schaft­li­chen Sinn doch nicht ganz rich­tig sind. Der Laie nennt die heu­ti­gen Mi­ne­ra­li­en als&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
dem Mi­ne­ral­reich an­ge­hö­rig, die Pflan­zen als dem Pflan­zen­reich an­ge­hö­rig, die Tie­re als dem Tier­reich und die Men­schen als dem Men­schen­reich an­ge­hö­rig. Das ist zwar lai­en­haft ge­spro­chen rich­tig, das ist für al­le tri­via­len Din­ge des Le­bens durch­aus aus­rei­chend, aber im ok­kul­tis­ti­schen Sinn ist es un­rich­tig. Denn es ist heu­te der Mensch erst im Mi­ne­ral­reich vol­l­en­det. Er wird erst auf­s­tei­gen in künf­ti­gen Ent­wi­cke­lungs­pe­rio­den zum Pflan­zen-, Tier- und Men­schen­reich. Wir kön­nen den Men­schen heu­te, weil er ein Ich-Be­wußt­sein hat, durch­aus Mensch nen­nen, aber wir dür­fen noch nicht sa­gen, er sei im Sin­ne der Ge­heim­wis­sen­schaft im Men­schen­reich ver­kör­pert, denn da­zu ist et­was an­de­res not­wen­dig. Das müs­sen wir be­sp­re­chen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was kann der Mensch heu­te be­g­rei­fen? Dar­auf kommt es an. Er kann heu­te bloß das mi­ne­ra­li­sche Reich ver­ste­hen. So­wie er an das Pflan­zen­reich kommt, ver­steht er es nicht mehr. Das Mi­ne­ral­reich kann er ver­ste­hen, aus den Kräf­ten des Mi­ne­ral­reichs kann er Ma­schi­nen, Häu­ser und so wei­ter zu­sam­men­set­zen. Daß er eben­so durch­schau­en lernt, was in ei­ner Pflan­ze die Kräf­te sind, die die­se Pflan­ze groß wer­den las­sen, das erst wird ihn mit sei­nem Be­wußt­sein ins Pflan­zen­reich er­he­ben. Und daß er be­g­rei­fen lernt, wie ein Tier emp­fin­den kann jetzt kann er nur ei­ne äu­ßer­li­che An­schau­ung da­von be­kom­men , das macht ihn zum An­ge­hö­ri­gen des Tier­reichs. Und wenn er nicht nur sein ei­ge­nes Ich be­g­reift, son­dern ein an­de­res, wenn er ei­nen Men­schen in­ner­lich ganz be­g­reift, dann erst ge­hört er dem Men­schen­reich an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie wer­den am bes­ten ver­ste­hen, daß der Mensch heu­te erst das mi­ne­ra­li­sche Reich be­g­rei­fen kann, wenn Sie fol­gen­de Be­trach­tung ma­chen. Den­ken Sie ein­mal, daß ei­ne gro­ße An­zahl von Ge­lehr­ten sagt: Ja, die Pflan­zen und die Tie­re sind nichts an­de­res als kom­p­li­zier­te Mi­ne­ra­li­en. Und die­se Ge­lehr­ten war­ten dar­auf, daß sie die Stof­fe so zu­sam­men­fü­gen kön­nen, daß sie Pflan­zen und Tie­re wer­den. Sie ge­ben sich der Il­lu­si­on hin, man kön­ne die Pflan­zen als mi­ne­ra­li­sche We­sen be­g­rei­fen, weil sie kei­ne Vor­stel­lung da­von ha­ben, daß es au­ßer dem Mi­ne­ral­reich noch et­was an­de­res gibt. Es sa­gen ja vie­le: Ihr An­thro­po­so­phen träumt da­von, daß es&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
ei­nen Äther­leib gibt, et­was, was über das bloß Mi­ne­ra­li­sche hin­aus­geht, aber ihr sollt nicht mehr träu­men, wenn es uns ge­lin­gen wird, im La­bo­ra­to­ri­um so, wie man heu­te Schwe­fel­säu­re zu­sam­men­setzt, aus den ein­zel­nen Stof­fen, aus Koh­len­stoff, Stick­stoff, Sau­er­stoff, Was­ser­stoff und so wei­ter, ein le­ben­di­ges We­sen auf­zu­bau­en. Man glaubt, das Le­ben­di­ge läßt sich eben­so auf­bau­en, wie sich et­wa Schwe­fel­säu­re zu­sam­men­set­zen läßt; man glaubt, die rein ma­te­ria­lis­ti­sche Wis­sen­schaft wird das ein­mal kön­nen. Man glaubt, die An­thro­po­so­phen wä­ren so töricht, da­ran zu zwei­feln, daß einst­mals die Zeit kom­men wird, wo tat­säch­lich in der Re­tor­te die Pflan­zen er­zeugt wer­den.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die­se Zeit wird kom­men. Das ha­ben aber die­je­ni­gen, die auf ok­kul­tem Bo­den ste­hen, schon im­mer ge­sagt. Sie wis­sen, daß die Zeit kom­men wird, wo der Mensch die Pflan­zen­heit so in die ei­ge­ne Na­tur auf­neh­men wird, wie er heu­te das Mi­ne­ral­reich auf­ge­nom­men hat. Und wie er aus Mi­ne­ra­li­en Häu­ser auf­baut, wie er die Kräf­te des Mi­ne­ral­rei­ches heu­te be­nutzt, so wird er einst­mals aus den ihm dann wohl­be­kann­ten Kräf­ten des Pflan­zen­rei­ches, oh­ne zum Sa­men zu grei­fen, oh­ne die Na­tur­kräf­te in ih­rer un-be­grif­fe­nen Wei­se zu Hil­fe ru­fen zu müs­sen, das Pflan­zen­ge­bil­de und Höhe­res noch im La­bo­ra­to­ri­um er­zeu­gen. Aber wür­de die­se Mög­lich­keit, im La­bo­ra­to­ri­um ein le­ben­di­ges We­sen zu er­zeu­gen, vor­zei­tig ein­t­re­ten, so wä­re sie für den auf dem wah­ren Bo­den der Ge­heim­wis­sen­schaft Ste­hen­den das, was man schwar­ze Ma­gie nennt. Die Men­schen müs­sen für je­den Schritt der Ent­wi­cke­lung erst reif wer­den.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt ei­nen ok­kul­ten Satz, der lau­tet: Erst dann wer­den die Men­schen auf dem Ex­pe­ri­men­tier­tisch le­ben­de We­sen er­zeu­gen, wie sie heu­te mi­ne­ra­li­sche Pro­duk­te her­s­tel­len, wenn der La­bo­ra­to­ri­ums­tisch zum Al­tar und die che­mi­sche Ver­rich­tung zu ei­ner sa­kra­men­ta­len Hand­lung ge­wor­den ist. Das ist ein ok­kul­ter Satz, der im­mer aus­ge­spro­chen wor­den ist. Wahr­lich, so­lan­ge man ins La­bo­ra­to­ri­um geht und glaubt, daß man mit un­hei­li­gen Ge­füh­len das­sel­be tun kann wie mit hei­li­gen, so lan­ge wird man mit dem Wil­len der­je­ni­gen, die in rech­ter Wei­se die Ent­wi­cke­lung lei­ten,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|200}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nie­mals im La­bo­ra­to­ri­um ein le­ben­di­ges We­sen er­zeu­gen kön­nen. Erst dann wird das mög­lich sein, wenn man wis­sen wird, daß ein mi­ne­ra­li­sches Pro­dukt zwar er­zeugt wer­den kann, wenn auch am La­bo­ra­to­ri­ums­tisch ein Schur­ke steht, daß aber nie­mals ein le­ben­di­ges We­sen her­vor­ge­bracht wer­den kann, wenn dies der Fall ist. Denn in das le­ben­di­ge We­sen fließt, wenn es zu­sam­men­ge­baut wird, et­was, was in dem Men­schen selbst drin­nen ist. Wür­de der Mensch ein Schur­ke sein, so wür­de das Schur­ki­sche hin­über­f­lie­ßen und das ent­stan­de­ne We­sen wä­re ein Ab­druck der Schur­ke­rei. Erst wenn man be­g­rei­fen wird, was es heißt, daß der Mensch als gan­ze We­sen­heit mit sei­nem gan­zen In­nern wirkt in dem, was er er­zeugt, erst dann wird die Welt reif sein, das Le­ben­di­ge, das Pflanz­li­che, Tie­ri­sche und Men­sch­li­che, in frei­er Tä­tig­keit zu er­zeu­gen. Dann wird der Mensch auf­ge­s­tie­gen sein in das Pflan­zen­reich, wenn er das Pflanz­li­che eben­so­gut durch­schau­en wird, wie er heu­te das Mi­ne­ra­li­sche durch­schaut. Zum Tier­reich wird er auf­ge­s­tie­gen sein dann, wenn er die Emp­fin­dung so durch­schaut, daß er eben­so ein emp­fin­den­des We­sen ma­chen kann durch sei­ne ei­ge­ne Geis­tes­kraft, wie er heu­te ei­nen Ge­gen­stand her­s­tellt. Und zum Men­schen­reich wird er auf­ge­s­tie­gen sein, wenn er den Men­schen in frei­er Tä­tig­keit neu ge­stal­ten kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So ist der Mensch heu­te in dem mi­ne­ra­li­schen Reich vor­han­den, und die­ses We­sen als Mensch, das wir sind, ist im Grun­de ge­nom­men das ein­zi­ge We­sen, wel­ches schon ganz im mi­ne­ra­li­schen Reich sich aus­ge­bil­det hat, wäh­rend die an­de­ren Rei­che in vie­ler Be­zie­hung auf viel nie­d­ri­ge­rer Stu­fe ste­hen als die­je­ni­ge ist, die man im Ok­kul­tis­mus mit dem Mi­ne­ral­reich be­zeich­net. So zei­gen uns die Pflan­zen ei­ne Art Vor­stu­fe des­sen, was der Mensch er­le­ben wird, wenn er ein­mal selbst im Pflan­zen­reich sein wird. Aber die Pflan­zen sind nicht im Pflan­zen­reich, son­dern höchs­tens Vor­bil­der, nicht Ur­bil­der, son­dern Hin­wei­se auf ein künf­ti­ges Reich, in dem der Mensch sein wird, in dem er die Pflan­zen­na­tur in­ner­lich durch­le­ben wird wie heu­te die mi­ne­ra­li­sche Na­tur.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die­ses Pflan­zen­reich, in dem der Mensch sein wird, das wird noch durch an­de­re Din­ge sich aus­zeich­nen. Es wird vor al­len Din­gen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|201}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
durch ei­nen heu­te zwar manch­mal mit dem Ver­stand ge­sag­ten, aber noch lan­ge nicht be­grif­fe­nen mo­ra­li­schen Satz aus­ge­zeich­net sein. Heu­te lebt der Mensch so, daß man sa­gen kann: Der ein­zel­ne, wenn er sich es auch nicht ge­steht, ist über­zeugt da­von, daß das Glück des ein­zel­nen mög­lich ist, wenn da­ne­ben auch das Un­glück ei­nes an­de­ren herrscht. Es ist durch­aus mög­lich, daß heu­te sich ei­ner glück­lich fühlt, trotz­dem an­de­re Men­schen un­glück­lich sind. Wenn es auch dem Ver­stan­de nach zu­ge­stan­den wird, daß die höchs­te Mo­ral die­je­ni­ge sei, die al­le Men­schen be­glückt, in der Pra­xis ist der Mensch über­zeugt, daß das Glück des ein­zel­nen ganz gut mög­lich ist, oh­ne daß der an­de­re eben­so glück­lich sei wie er. Der Mensch wird, wenn er im Pflan­zen­reich sein wird, ei­ne Ent­wi­cke­lungs­stu­fe in mo­ra­li­scher Be­zie­hung er­reicht ha­ben, wo es ihm un­mög­lich sein wird, sich als Ein­zel­ner glück­lich zu füh­len, wenn an­de­re sei­nes­g­lei­chen un­glück­lich sind. «Das Glück des ein­zel­nen ist un­t­renn­bar mit dem Glück al­ler ver­bun­den»: die­ser Satz wird herr­schen, wenn der Mensch in das Pflan­zen­reich auf­ge­nom­men sein wird. Es könn­te sich kein Mensch ir­gend glück­lich füh­len, wenn sein Glück her­aus­fal­len wür­de aus dem Glü­cke al­ler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So se­hen Sie, daß für so fei­ne Be­grif­fe, wie wir sie im Ok­kul­tis­mus ha­ben müs­sen, wenn wir al­les ver­ste­hen wol­len, heu­te sehr we­nig Emp­fin­dungs­mög­lich­kei­ten be­ste­hen. Aber Sie se­hen auch, daß der Mensch lan­ge Ent­wi­cke­lungs­rei­hen noch vor sich hat. Das al­les muß er er­rei­chen, und es ist noch sehr we­nig da­von vor­han­den.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir sp­re­chen al­so von sie­ben Rei­chen, durch die der Mensch sel­ber hin­durch­geht. Auf dem Ju­pi­ter wird es wie­der sie­ben Rei­che ge­ben, die noch et­was ähn­lich sind den sie­ben Er­den­rei­chen, aber sich doch schon sehr von die­sen un­ter­schei­den. Auf der Ve­nus wer­den es wie­der sie­ben sein und auf dem Vul­kan wie­der. Hier kann man sie gar nicht mehr Rei­che nen­nen, der Be­griff Reich paßt hier nicht mehr. Wenn wir das al­les ins Au­ge fas­sen, müs­sen wir sa­gen: Wir ha­ben zu­nächst sie­ben Ent­wi­cke­lungs­stu­fen des Be­wußt­seins, die Sa­turn-, Son­nen-, Mond-, Er­den-, Ju­pi­ter-, Ve­nus- und Vulk­an­stu­fe, und auf je­der Be­wußt­s­eins­stu­fe sie­ben Le­bens­stu­fen, durch die sich hin­durch­ent­wi­ckeln muß je­g­li­ches We­sen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|202}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
das durch die Be­wußt­s­eins­gra­de hin­durch­geht. Je­de Le­bens­stu­fe muß wie­der­um sie­ben For­men­stu­fen durchlau­fen, und zwar so, daß Sie die so­ge­nann­te phy­si­sche Form­stu­fe, die Sie jetzt um sich ha­ben, als die mit­tels­te zu be­trach­ten ha­ben. Be­vor et­was phy­sisch wird, ist es as­tra­lisch, be­vor es as­tra­lisch wird, ist es auf ei­ner ge­wis­sen geis­ti­gen Stu­fe, die man das nie­de­re De­vachan nennt, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:GA104 202.png|center|550px|Zeichnungaus GA 104, S. 202]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und be­vor et­was zu die­ser Stu­fe hin­ab­s­teigt, ist es in ei­ner höhe­ren De­vach­an­stu­fe. Da ha­ben wir drei Form­stu­fen. Die ers­te kann man noch form­los nen­nen, dann ist die nächs­te ei­ne Form­stu­fe, die wir als die nie­de­re De­vach­an­stu­fe be­zeich­nen, dann kom­men wir zur as­tra­li­schen Stu­fe. Wenn sich das As­tra­li­sche ver­dich­tet, wird es phy­sisch. Dann löst sich das Phy­si­sche wie­der auf und geht zu­rück zu ei­nem voll­kom­me­ne­ren As­tra­li­schen, das geht zu ei­nem voll­kom­me­ne­ren nie­de­ren De­vacha­ni­schen und dies zum höhe­ren De­vacha­ni­schen. Der phy­si­sche Form­zu­stand ist der mitt­le­re.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|203}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie­ben Form­zu­stän­de durch­läuft ein je­des Reich. Sie müs­sen un­ter­schei­den zwi­schen Phy­si­schem und Mi­ne­ra­li­schem; das ist nicht das­sel­be. Man kann, weil heu­te das Phy­si­sche mit dem Mi­ne­ra­li­schen im An­blick zu­sam­men­fällt, bei­de leicht mit­ein­an­der ver­wech­seln. Das mi­ne­ra­li­sche Reich geht durch al­le Form­stu­fen hin­durch. Es kann als mi­ne­ra­li­sches Reich oben in der höchs­ten De­vach­an­stu­fe ver­an­lagt sein. Es steigt dann her­un­ter in die nie­de­re geis­ti­ge Stu­fe und ist im­mer Mi­ne­ral­reich, dann ins As­tra­li­sche, da ist es as­tra­lisch vor­ge­bil­det, und dann ver­dich­tet es sich zum Phy­si­schen. So al­so ha­ben wir in je­dem Reich sie­ben Form­zu­stän­de (sie­he Sche­ma).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Je­der Be­wußt­s­eins­zu­stand kann nur so durchlau­fen wer­den, daß er in sie­ben Le­bens­zu­stän­den ver­läuft. Je­der Le­bens­zu­stand ver­läuft in sie­ben Form­zu­stän­den. Das gibt 7 mal 7 mal 7 Zu­stän­de. In der Tat geht ei­ne gan­ze Ent­wi­cke­lung, wie die Er­de ei­ne hat, durch 7 mal 7 mal 7 Zu­stän­de hin­durch. Un­se­re Er­de war einst­mals Sa­turn; der hat 7 Le­bens­zu­stän­de durch­ge­macht, je­der Le­bens­zu­stand 7 Le­bens­for­men oder Form­zu­stän­de. Da ha­ben Sie 49 Form­zu­stän­de auf dem Sa­turn, 49 auf der Son­ne, 49 auf dem Mon­de und so wei­ter, 7 mal 49 = 343 Form­zu­stän­de. Durch 343 Zu­stän­de läuft der Mensch durch. Als der Sa­turn ganz im An­fang sei­ner Ent­wi­cke­lung war, be­gann er zu­erst im höchs­ten Geis­ti­gen, das wir er­rei­chen kön­nen, als ein Ge­bil­de, das da war im obers­ten De­vachan. Das war der ers­te Form­zu­stand; der war ganz mi­ne­ra­lisch. Er stieg her­un­ter als sol­ches We­sen bis in das phy­si­sche Reich, stieg wie­der hin­auf bis zum obe­ren de­vacha­ni­schen. Und hier be­ginnt die gro­ße Schwie­rig­keit, denn Sie müß­ten jetzt sa­gen, wenn Sie die ge­nann­ten Aus­drü­cke ge­brau­chen wol­len: Der Mensch geht in das nächs­te Reich über. Aber es pas­sen auf den Sa­turn die­se Aus­drü­cke nicht. Es geht der Mensch auf dem Sa­turn auf die­se Wei­se durch 49 Zu­stän­de hin­durch. Das Son­der­ba­re ist nur, daß Sie jetzt fra­gen kön­nen: Da müß­te der Mensch doch auf dem Sa­turn durch Le­bens­zu­stän­de durch­ge­hen. Nun be­kommt er aber erst auf der Son­ne ei­nen Äther­leib. Wie kann man da sa­gen, daß er durch Le­bens­zu­stän­de geht? -- Sie sind nur noch nicht so&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|204}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wie spä­ter, wo er ei­nen Le­bens­leib hat, sie sind stell­ver­t­re­tend. Das wird da­durch be­wirkt, daß höhe­re We­sen he­r­ein­wir­ken. Der Mensch hat kein selb­stän­di­ges Le­ben auf dem Sa­turn, aber höhe­re We­sen durch­drin­gen ihn mit ih­rem Äther­leib, mit ih­rem As­tral­leib, Ich und so wei­ter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Je­den­falls müs­sen Sie be­g­rei­fen, daß der Mensch auf dem Sa­turn 49, auf der Son­ne 49, auf dem Mon­de 49 Zu­stän­de durch­ge­macht hat. Auf der Er­de hat der Mensch von die­sen 49 Zu­stän­den erst die drei ers­ten Le­bens­zu­stän­de durch­ge­macht. Er steht heu­te in dem vier­ten Le­bens­zu­stand, eben im Mi­ne­ral­reich. Er war im ers­ten Le­bens­zu­stand im ers­ten Ele­men­tar­reich und hat da sie­ben Form­zu­stän­de durch­ge­macht, er war im zwei­ten Le­bens­zu­stand im zwei­ten Ele­men­tar­reich und hat da sie­ben Form­zu­stän­de durch­ge­macht, er war im drit­ten Ele­men­tar­reich und hat die sie­ben Form­zu­stän­de durch­ge­macht und ist jetzt im vier­ten Ele­men­tar­reich, wel­ches das­sel­be ist wie das Mi­ne­ral­reich, und ist in die­sem un­ge­fähr in der Mit­te da­r­in­nen. Er ist et­was über die Mit­te hin­aus in dem Mi­ne­ral­reich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Je­den­falls ha­ben Sie aus al­le­dem, das wir da wie ei­nen Grun­driß be­trach­tet ha­ben, ge­se­hen, daß die gan­ze Er­de durch 343 Zu­stän­de hin­durch­geht. Dies bit­te ich Sie jetzt so sich vor­zu­s­tel­len: Der Sa­turn ent­steht und geht durch 49 Zu­stän­de hin­durch. Der Sa­turn ist zu­erst ei­ne feu­ri­ge, ei­ne Wär­me­mas­se und macht ver­schie­de­ne Zu­stän­de durch, aber es ist im­mer die­sel­be Ku­gel, die die­se 49 Zu­stän­de durch­macht. Eben­so ist die Son­ne im­mer wie­der ein und die­sel­be Ku­gel, wel­che die 49 Zu­stän­de durch­macht. Nur gibt es Zwi­schen­zu­stän­de. Es ist, wie wenn zwi­schen den ein­zel­nen Ver­kör­pe­run­gen ei­ne Art von geis­ti­gem Zwi­schen­raum wä­re. Es ist beim Pla­ne­ten wie beim Men­schen. So ma­chen auch die Pla­ne­ten ei­ne sol­che geis­ti­ge Zwi­schen­stu­fe durch; die liegt übe­rall zwi­schen die­sen Zu­stän­den drin­nen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn Sie sich al­so klar wer­den, daß wir im Ver­lauf un­se­rer Ent­wi­cke­lung sie­ben Be­wußt­s­eins­zu­stän­de ha­ben, so wer­den Sie auch durch­schau­en, wie das zu­sam­men­hängt mit dem, was Sie in ver­schie­de­nen Büchern der theo­so­phi­schen Li­te­ra­tur be­schrie­ben&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|205}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
er­hal­ten. Das sind kos­mi­sche Sys­te­me. Es wird ge­sagt, daß un­se­re Er­de ein­mal ei­nen An­fang ge­nom­men hat und aus ei­nem al­ten pla­ne­ta­ri­schen Sys­tem sich ent­wi­ckelt hat, was als Mond be­zeich­net wird. Man müß­te wei­ter zu­rück­ge­hen von dem Mond zur Son­ne, von der Son­ne zum Sa­turn. Je­der die­ser Zu­stän­de zer­fällt in die sie­ben Le­bens­zu­stän­de, ge­wöhn­lich «Run­den» ge­nannt. «Run­den» ist das­sel­be wie Le­bens­zu­stän­de. Und das, was hier Form­zu­stän­de ge­nannt wird, wird ge­wöhn­lich «Glo­ben» ge­nannt. Das ist un­ge­heu­er ir­re­füh­r­end. Es ha­ben sich Men­schen die Vor­stel­lung ge­macht, als wenn die­se sie­ben Glo­ben ne­ben­ein­an­der­lie­gen­de Ku­geln wä­ren:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:GA104 205.png|center|350px|Zeichnung aus GA 104, S. 205]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die­se Zu­stän­de von der äu­ßers­ten, noch ans Form­lo­se gren­zen­den Form durch das Phy­si­sche bis wie­der­um hin­auf zum Form­lo­sen sind kei­ne sie­ben ne­ben­ein­an­der be­ste­hen­den Ku­geln, son­dern das sind sie­ben au­f­ein­an­der­fol­gen­de Zu­stän­de. Erst war das­je­ni­ge, was heu­te phy­sisch ist, als die­sel­be Ku­gel geis­tig, dann wur­de es dich­ter und dich­ter. Es ist die­sel­be Ku­gel, ein­fach ver­dich­tet. Dann wur­de ein Teil as­tra­lisch, dann ein Teil phy­sisch; das ist im­mer die­sel­be Ku­gel. Sie löst sich wie­der auf wie Salz im lau­en Was­ser, wird wie­der­um as­tra­lisch. Zu die­sem As­tra­li­schen sind wir auf­ge­s­tie­gen da, wo uns in der Apo­ka­lyp­se die «Zor­nes­scha­len» be­schrie­ben wer­den. Da wird die Er­de wie­der as­tra­lisch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So se­hen Sie, wie die Sie­ben­zahl die gan­ze Ent­wi­cke­lung be­herrscht, und was wir in den ver­f­los­se­nen Ta­gen ge­schil­dert ha­ben durch man­cher­lei Bil­der manch­mal mit recht gro­tes­ken Bil­dern und je­den­falls mit sol­chen, die weit ab­wei­chen von dem, was heu­te der Mensch in der phy­si­schen Welt se­hen kann , das ha­ben wir jetzt dar­ge­s­tellt als ein Ge­rip­pe, als ein Ge­rüst. Wenn Sie das so dar­s­tel­len, ist es un­ge­fähr so, wie wenn Sie das Ge­rüst von ei­nem Haus auf­füh­ren, das al­le­r­äu­ßers­te, das für die Mau­rer be­stimm­te.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Das hat noch nichts mit der Sa­che zu tun, das sind so­zu­sa­gen erst Ge­dan­ken über die Sa­che. Wir müs­sen auf­s­tei­gen von die­sem rei­nen Ge­dan­ken­sche­ma, das uns ja zum Ver­ständ­nis hilft, zu dem le­ben­di­gen Auf­bau, in­dem wir zum Bei­spiel für die ver­schie­de­nen Zu­stän­de die Bil­der ge­brau­chen, die zu se­hen sind im As­tra­li­schen; dann ha­ben wir erst das­je­ni­ge, was man über­haupt ok­kul­te Weis­heit nennt. So­lan­ge Sie solch ein Ge­rüst auf­bau­en, blei­ben Sie bei dem Den­ken, das Sie ge­wohnt sind, in der phy­si­schen Welt zu ha­ben. Das gan­ze Sche­ma, das wir hin­zeich­ne­ten, ist nur phy­si­sches Den­ken. Das ver­hält sich zur vol­len Wir­k­lich­keit nicht ein­mal wie das in­ne­re Ge­rüst ei­nes Hau­ses zum voll auf­ge­führ­ten Bau, son­dern nur wie das Ge­rüst au­ßen, auf dem die Mau­rer ste­hen. Das muß wie­der ab­ge­ris­sen wer­den, wenn der Bau fer­tig ist. Und so muß das Ge­dan­ken­ge­rüst wie­der ab­ge­ris­sen wer­den, wenn man die Wahr­heit, wie sie sich in Wir­k­lich­keit ver­hält, vor sich ha­ben will. Be­trach­tet man die­se Ab­strak­ti­on schon als das Wir­k­li­che, dann spricht man gar nicht vom wir­k­li­chen Ok­kul­tis­mus, son­dern nur von der Vor­stel­lung, die sich der Mensch in der ge­gen­wär­ti­gen Zeit von den ok­kul­ten Tat­sa­chen ma­chen kann. Wie sich der Mensch heu­te die ok­kul­ten Tat­sa­chen zu­recht­schnei­det, das ist in solch ei­nem Sche­ma ent­hal­ten. Das ist aber un­frucht­bar. Ich muß­te es hin­s­tel­len, weil wir ein sol­ches Sche­ma auch brau­chen. Aber im Grun­de ge­nom­men hilft es dem, der auf wir­k­lich ok­kul­ter Bahn vor­sch­rei­ten will, gar nichts. Wenn Sie die gan­ze Welt bis hin­auf in die höchs­ten ok­kul­ten Tat­sa­chen durch sol­che Sche­men be­sch­rei­ben, so hat das nur ei­ne Be­deu­tung für Ih­re ge­gen­wär­ti­ge In­kar­na­ti­on. In der nächs­ten müs­sen Sie solch ein Sche­ma wie­der ler­nen. Das kann man nur da­durch den­ken, daß man sich des Ge­hirns be­di­ent, das ist nur für das Ge­hirn zu­ge­schnit­ten. Da die­ses aber ab­ge­baut wird beim To­de, so wird die­se gan­ze Be­sch­rei­bung nach dem Sche­ma da ganz zer­st­reut. Wenn Sie da­ge­gen das­je­ni­ge, was wir­k­lich ge­schieht, was wir be­schrie­ben ha­ben als die Au­f­ein­an­der­fol­ge der Sie­gel­bil­der, was das hell­se­he­ri­sche Be­wußt­sein gibt, wenn Sie das er­fas­sen, im Phan­ta­sie­ge­bil­de zu­nächst, so ist das et­was, was nicht ge­bun­den ist an Ihr phy­si­sches Ge­hirn,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
was Ih­nen bleibt nach dem To­de, weil es nicht dem phy­si­schen Den­ken ent­springt, son­dern die Tat­sa­chen hell­se­he­risch gibt. Man muß sich al­so hü­ten, das­je­ni­ge, was heu­te an­ge­st­rebt wird nach dem Mus­ter phy­si­scher Be­g­reif­lich­keit, was auch die höhe­ren Wel­ten sche­ma­ti­sie­ren will, für wir­k­li­chen Ok­kul­tis­mus zu hal­ten. Das ist Be­sch­rei­bung mit den Mit­teln des ge­wöhn­li­chen phy­si­schen Ver­stan­des. Na­tür­lich muß der phy­si­sche Ver­stand ei­ne Rol­le spie­len. Es ist des­halb auch nütz­lich, ein sol­ches Sche­ma hin­zu­s­tel­len, und wir kön­nen noch wei­ter­ge­hen in un­se­rem Sche­ma.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir ha­ben ge­se­hen, daß wir durch 343 Zu­stän­de hin­durch­ge­hen. Aber nun wird die Sa­che erst kom­p­li­ziert, wenn wir uns klar­ma­chen, daß es da­mit noch nicht sein Be­wen­den hat, daß viel­mehr der Mensch inn­er­halb ei­nes Form­zu­stan­des auch noch durch ver­schie­de­ne Zu­stän­de hin­durch­ge­hen muß. Dem jet­zi­gen phy­si­schen Form­zu­stand sind drei an­de­re vor­an­ge­gan­gen und drei an­de­re fol­gen nach. Jetzt geht aber der phy­si­sche wie­der­um durch sie­ben Zu­stän­de durch, und das sind erst die sie­ben, von de­nen wir in den vor­her­ge­hen­den Ta­gen ge­spro­chen ha­ben: der ers­te, wo die Son­ne noch mit der Er­de ver­bun­den ist, der zwei­te, wo sie sich her­aus­löst, der drit­te, wo der Mond weg­geht, der vier­te der­je­ni­ge der at­lan­ti­schen Mensch­heit. Die at­lan­ti­sche Mensch­heit lebt in der vier­ten Ent­wi­cke­lungs­pe­rio­de des phy­si­schen Form­zu­stan­des. Und da­mit ha­ben Sie für je­den Form­zu­stand wie­der­um sie­ben so­ge­nann­te Ras­sen­zu­stän­de, ob­wohl der Aus­druck «Ras­se» nur von un­se­rem mitt­le­ren Zu­stand gilt. Und jetzt ha­ben wir selbst den fünf­ten Zu­stand, den, in dem wir le­ben: die nachat­lan­ti­sche Zeit zwi­schen der gro­ßen at­lan­ti­schen Flut und dem gro­ßen Krie­ge al­ler ge­gen al­le. In die­ser Pe­rio­de le­ben wir. Dann folgt ei­ne an­de­re, die sechs­te, dann die sie­ben­te. Die sechs­te Pe­rio­de wird uns an­ge­deu­tet in der Apo­ka­lyp­se des Jo­han­nes durch die sie­ben Sie­gel, die sie­ben­te durch die sie­ben Po­sau­nen. Dann geht es über in das As­tra­li­sche. Das ist ein neu­er Form­zu­stand, der wie­der­um sie­ben Zu­stän­de ha­ben wird. Un­ser Sche­ma ist noch nicht zu En­de. Wir müs­sen je­den sol­chen Zu­stand, wie er ver­f­ließt zwi­schen ei­nem sol­chen Er­eig­nis, wie die gro­ße Flut ei­nes war, und dem gro­ßen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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Krie­ge al­ler ge­gen al­le, wir müs­sen je­den sol­chen Zu­stand wie­der­um in sie­ben Zu­stän­de zer­tei­len. Für den fünf­ten Zu­stand hei­ßen die­se: in­di­sche Kul­tu­re­po­che, per­si­sche Kul­tu­re­po­che, chal­däisch-ba­by­lo­nisch-as­sy­risch-ägyp­tisch-jü­di­sche Epo­che, grie­chisch-latei­ni­sche Epo­che, un­se­re Epo­che, dann die sechs­te, an­ge­deu­tet in der Apo­ka­lyp­se durch die Ge­mein­de von Phi­la­del­phia, und die sie­ben­te Kul­tu­re­po­che, die die­se wie­der­um ablöst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Al­so wenn wir uns den­ken die gan­ze Evo­lu­ti­on aus lau­ter sol­chen klei­nen Zu­stän­den die aber noch im­mer lang ge­nug sind be­ste­hend, so ha­ben wir 7 mal 7 mal 7 mal 7 mal 7 sol­che Ent­wi­cke­lungs­stu­fen wie die alt­in­di­sche oder die alt­per­si­sche. So vie­le ver­schie­de­ne sol­che Zu­stän­de macht der Mensch zwi­schen Sa­turn und Vul­kan durch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:GA104 208.png|center|200px|Zeichnung aus GA 104, S. 208]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So se­hen Sie, wie die Sie­ben­zahl in au­f­ein­an­der­fol­gen­den Pe­rio­den auf­bau­end die gan­ze Ent­wi­cke­lung be­herrscht. Wie die mu­si­ka­li­schen Tö­ne von Ok­ta­ve zu Ok­ta­ve wei­ter­sch­rei­ten, so ver­f­ließt das gan­ze Wer­den in Wer­de-Ok­ta­ven.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun wol­len wir uns ein­mal da­ran er­in­nern, daß wir sie­ben die­ser Zu­stän­de von den 16807 in un­se­rer Zeit zwi­schen der gro­ßen at­lan­ti­schen Flut und dem gro­ßen Krie­ge al­ler ge­gen al­le ha­ben, daß wir vor­her auch sie­ben hat­ten in der at­lan­ti­schen Zeit. Aber wir er­in­nern uns auch, daß der Mensch vier von die­sen sie­ben Zu­stän­den der at­lan­ti­schen Zeit un­ter ganz an­de­ren Ver­hält­nis­sen durch­ge­macht hat als die drei spä­te­ren. Al­so jetzt wis­sen wir, was das für Zu­stän­de sind, wie wir sie zu zäh­len ha­ben. Vier von die­sen Zu­stän­den der gro­ßen Zahl hat der Mensch wäh­rend der at­lan­ti­schen Zeit so durch­ge­macht, daß er sich fühl­te als ei­ne Grup­pen­see­le, wie wir sie an­ge­ge­ben ha­ben als Ad­ler, Löwe, Stier und Mensch. Die­se vier Grup­pen­see­len bil­de­te er nach und nach aus wäh­rend die­ser vier Grun­dras­sen der at­lan­ti­schen Zeit. Weil nun&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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im­mer Ras­sen üb­rig­b­lei­ben, wie die in­di­sche zum Bei­spiel übrig­ge­b­lie­ben ist, ob­wohl sich spä­te­re ent­wi­ckelt ha­ben die Din­ge le­ben in­ein­an­der , dar­um blie­ben auch die vier Köp­fe, wel­che die Grup­pen­see­len an­ga­ben am Be­ginn der fünf­ten at­lan­ti­schen Kul­tu­re­po­che. Wir ha­ben die­ses vier­köp­fi­ge Tier.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun bil­de­te sich der Mensch zu glei­cher Zeit, als er be­gann sich vom Äthe­ri­schen ins Phy­si­sche zu ver­här­ten, ge­mäß sei­ner vi­er­grup­pi­gen See­le vier­er­lei ver­schie­de­ne Kör­per­g­lie­der aus. Und da­durch, daß sich das­je­ni­ge, was früh­er Grup­pen­see­len­be­wußt­sein war, ins In­di­vi­dual­be­wußt­sein ver­wan­delt hat, da­durch hat der Mensch bei Be­ginn des fünf­ten Zei­traums der At­lan­tis ei­nen Zu­sam­men­fluß der frühe­ren Vier­heit. Er trägt die vier Köp­fe in sich, die sich sum­mie­ren in sei­nem Kop­fe, der all­mäh­lich ent­steht. Der ist aus den vier Grup­pen­köp­fen zu­sam­men­ge­setzt, wie er im Ver­lau­fe der fünf­ten Pe­rio­de sich her­aus­ent­wi­ckelt. Die­sen vier Köp­fen ent­sp­re­chend hat der Mensch vier Tei­le sei­nes phy­si­schen Lei­bes. Das sind zu­nächst die vier «Hör­ner», so daß Sie sich den­ken kön­nen: Weil der Mensch ein äthe­ri­scher Mensch war, hat­te er vier Köp­fe, vier Tier­köp­fe nur der letz­te ist schon Men­schen­tier , denn das ist da­mit ge­meint. Er war vier­köp­fig, und je­des Kraft­sys­tem, das ei­nem die­ser Köp­fe ent­spricht, bil­de­te phy­si­sche Or­ga­ne. Wir ha­ben ges­tern ge­se­hen, daß es ein Kraft­sys­tem war, das un­ser Herz bil­de­te, näm­lich das­je­ni­ge, das mit dem Löw­en­kopf zu­sam­men­hängt. Es sind die ein­zel­nen Or­ga­ne des Men­schen wie Ver­dich­tun­gen der ent­sp­re­chen­den Glie­der des äthe­ri­schen Lei­bes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So denkt der Apo­ka­lyp­ti­ker. Er sagt sich: Das­je­ni­ge, was phy­sisch ist, ist Ver­di­ckung des Äthe­ri­schen. So wie Sie sich den­ken wür­den: Die­se Haut ver­dickt sich und bil­det ei­ne Schwie­le, so denkt sich der Apo­ka­lyp­ti­ker: Der Mensch ist vor­han­den äthe­risch, und das ver­dickt sich, wird phy­sisch. Und weil der Mensch vier­fach vor­han­den ist als vier Grup­pen­see­len, bil­den sich vier sol­che Ver­di­ckun­gen. Die set­zen sei­nen phy­si­schen Leib zu­sam­men. Das ist der Grund, warum man das­je­ni­ge, was im phy­si­schen Leib dem Äther­leib ent­spricht, als «Horn» be­zeich­net. Horn ist ei­ne schwie­li­ge Ver­di­ckung. Man be­zeich­net den Men­schen, wie er ge­ra­de in&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
der vier­ten Pe­rio­de der at­lan­ti­schen Zeit ge­wor­den ist, als ein Tier mit vier Köp­fen und vier Hör­nern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt ent­wi­ckelt er sich zum in­di­vi­du­el­len Men­schen wei­ter. Das be­ginnt dann in der Nähe des heu­ti­gen Ir­land. Der Mensch geht durch drei letz­te Pe­rio­den durch, und zwar so, daß er die An­la­ge zum Ich-Men­schen hat. Da bil­det er zu­nächst, wenn Sie äu­ßer­lich sei­nen phy­si­schen Ent­wi­cke­lungs­gang ver­fol­gen, kei­nen Tier­kör­per mehr aus, son­dern ist zum Men­schen auf­ge­s­tie­gen. Er bil­det die Mensch­heit im­mer mehr aus, bis er das Chris­tus-Prin­zip auf­nimmt. Wenn wir den heu­ti­gen Men­schen an­se­hen, so wer­den wir sa­gen: Wie er heu­te vor uns steht, war er einst­mals nicht. Da­mit er das wer­den konn­te, muß­te er durch vier tie­ri­sche Grup­pen­see­len hin­durch­ge­hen, muß­te er ver­kör­pert wer­den in Kör­pern, die der heu­ti­gen Löw­en­ge­stalt, der Stier­ge­stalt, der Ad­ler- und der Men­schen­ge­stalt ent­sp­re­chen. Dann stieg er höh­er her­auf und wur­de im­mer men­sche­n­ähn­li­cher, und die Ge­stalt der frühe­ren Grup­pen­see­le ver­schwand. Die ist nicht mehr da, der Mensch ist men­sche­n­ähn­lich ge­wor­den.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt müs­sen Sie sich aber auch klar­wer­den über ein wich­ti­ges Er­eig­nis, das da­mals ein­t­rat, als der Mensch men­sche­n­ähn­lich wur­de, und oh­ne des­sen Ver­ständ­nis man nim­mer­mehr be­g­rei­fen kann die Apo­ka­lyp­se des Jo­han­nes, ein Er­eig­nis von größ­ter Wich­tig­keit. Bis zu die­sem Er­eig­nis, wo der Mensch über­ging in die Men­schen­see­len­haf­tig­keit, da war den Bli­cken der Men­schen to­tal ver­bor­gen, was spä­ter of­fen­bar ge­wor­den ist. Der Mensch hat­te ei­ne Art dump­fen, däm­mer­haf­ten Be­wußt­seins. Wenn er mor­gens auf­wach­te, sah er al­les so­zu­sa­gen wie von Ne­bel­ge­bil­den um­ge­ben, und wenn er ein­sch­lief, war er in der geis­ti­gen Welt. Die er­schi­en ihm in Bil­dern, denn das ist die Na­tur der geis­ti­gen Welt. Nun will ich Ih­nen et­was be­sch­rei­ben, was sich ab­spiel­te, be­vor der Mensch phy­sisch in den Men­schen­zu­stand über­ge­gan­gen ist, be­vor er ein­ge­t­re­ten ist aus der Grup­pen­see­len­haf­tig­keit zum vol­len Ich-Be­wußt­sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was der Mensch hier auf der Er­de er­leb­te, das be­stand nur in ei­ner An­zahl von Er­fah­run­gen. Dann sch­lief er ein und war wäh­rend des Schla­fes in dump­fem Be­wußt­sein in ei­ner geis­ti­gen Welt,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
wo er zwi­schen Göt­tern und Geis­tern leb­te, wo­von ein Nach­klang in den My­then und Sa­gen vor­han­den ist. Da er­leb­te er ge­wal­ti­ge Bil­der, zum Bei­spiel das Bild, daß er zwei an­de­ren We­sen be­geg­ne­te, daß die bei­den Stei­ne hin­ter sich war­fen und daß aus den Stei­nen, die hin­ge­wor­fen wa­ren, an­de­re gleich­ge­ar­te­te We­sen aus der Er­de her­aus­wuch­sen, We­sen, wie sie sel­ber wa­ren. Das wa­ren Er­leb­nis­se, wie sie der Mensch noch die gan­ze vier­te Pe­rio­de der at­lan­ti­schen Zeit hin­durch hat­te. Wenn wir das deut­lich aus­sp­re­chen wol­len, so müs­sen wir sa­gen: Al­le Fortpfl­an­zung des Men­schen ge­schah nicht im Be­wußt­sein des Wa­chens, son­dern im Be­wußt­sein des Schla­fes. Wenn der Mensch au­ßer sei­nem phy­si­schen Leib und in der geis­ti­gen Welt war, da brach­te er so­zu­sa­gen in die­sem Be­wußt­s­eins­zu­stand, wo ihm al­les in Bil­dern er­schi­en, das­je­ni­ge, was an Tat­sa­chen für die Fortpfl­an­zung zu ge­sche­hen hat­te, in Be­we­gung, und der gan­ze Fortpfl­an­zungs­akt war in Geis­ti­ges ge­hüllt, er­schi­en ihm in dem Bil­de des Stein­wer­fens hin­ter sich. Der gan­ze Fortpfl­an­zungs­akt war ge­hüllt in geis­ti­ges Be­wußt­sein, lag hin­ter dem Ta­ges­be­wußt­sein. Der Mensch wuß­te nichts vom Ge­sch­lecht­li­chen. Im Ta­ges­be­wußt­sein sah er sich nicht so, als ob er in zwei Ge­sch­lech­tern vor­han­den wä­re, und sei­ne See­le war un­be­rührt von je­dem Ge­dan­ken an das Ge­sch­lecht­li­che. Nicht, als ob es nicht vor­han­den ge­we­sen wä­re. Es war vor­han­den, aber es ruh­te im Dun­kel ei­nes geis­ti­gen Be­wußt­seins. Es war für den Men­schen wäh­rend des Ta­ges­be­wußt­seins nicht vor­han­den.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit der Er­rin­gung der ers­ten An­la­ge zum Ich-Be­wußt­sein wird dem Men­schen die Ge­sch­lecht­lich­keit erst be­wußt. Das ist der Mo­ment, der uns in der Bi­bel dar­ge­s­tellt wird, wo Adam und Eva ge­wahr wer­den, daß es et­was wie ei­ne Ge­sch­lecht­lich­keit gibt. Die­sen be­deu­tungs­vol­len dra­ma­ti­schen Mo­ment, hier­her ha­ben wir ihn in der Er­den­ent­wi­cke­lung zu set­zen. Und wenn Sie hell­se­he­risch zu­rück­bli­cken auf die Zeit, die vor­an­ging, so se­hen Sie von dem Men­schen eben nur das­je­ni­ge, was die Werk­zeu­ge des Geis­tes sind. Das an­de­re war über­haupt nicht zu se­hen. Der Mensch war nur sei­ner obe­ren Ge­stalt nach zu se­hen. Und von dem ge­nann­ten Zeit­punkt an fing man an, den Men­schen ganz zu se­hen. Es ist uns jetzt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
be­g­reif­lich, warum die Men­schen sich nun ver­hüll­ten. Vor­her sa­hen sie nichts, was sie hät­ten ver­hül­len sol­len. So trat der Mensch all­mäh­lich ins Äu­ße­re her­aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir die äu­ße­re Men­schen­ge­stalt als das Ver­dich­te­te des Äthe­ri­schen be­trach­ten, so ha­ben wir in der vier­ten at­lan­ti­schen Stu­fe zu den vier Grup­pen­see­len­köp­fen die vier Hör­ner. Jetzt aber be­ginnt sich für die drei letz­ten at­lan­ti­schen Epo­chen im Phy­si­schen ein Dop­pel­tes aus­zu­bil­den. Für je­de Stu­fe, wo sich wei­ter ein Grup­pen­see­len­kopf aus­bil­den soll­te, bil­de­te sich ein dop­pel­tes Phy­si­sches, männ­lich und weib­lich, aus. Sie ha­ben für die vier ers­ten Stu­fen den Men­schen ge­bil­det mit vier Köp­fen, das ver­dick­te Äthe­ri­sche mit vier Hör­nern. Jetzt ha­ben wir drei fol­gen­de Köp­fe, die nicht sicht­bar sind, weil die äu­ße­re Men­schen­ge­stalt sie auf­nimmt, weil sie nicht zur Dar­stel­lung kom­men. Die­se drei sind nur für den Hell­se­her wahr­zu­neh­men, drei äthe­ri­sche Köp­fe, die Haupt­men­schen­köp­fe, und da­zu je zwei Hör­ner, die wie Schat­ten ne­ben ihm sind, wie Dop­pel­schat­ten. So ha­ben wir, als die at­lan­ti­sche Flut he­r­ein­brach, sie­ben Gat­tungs- oder Grup­pen­see­len­köp­fe, wo­von die drei letz­ten im­mer so er­schei­nen, daß sie ihr Phy­si­sches in zwei­fa­cher Ge­stalt ha­ben, im­mer als Männ­li­ches und Weib­li­ches. Dar­aus se­hen Sie, daß die gan­ze Grup­pen­see­len­haf­tig­keit des Men­schen am En­de der at­lan­ti­schen Zeit, wenn auch das Spä­te­re un­sicht­bar bleibt, sie­ben Köp­fe und zehn Hör­ner hat. Die vier ers­ten Köp­fe be­kom­men kein Männ­li­ches und Weib­li­ches ge­t­rennt an Hör­nern, die drei letz­ten be­kom­men aber Männ­li­ches und Weib­li­ches ge­t­rennt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die sie­ben Köp­fe und zehn Hör­ner hat der Mensch in sich. Das muß er nun so be­ar­bei­ten durch die Auf­nah­me des Chris­tus-Prin­zi­pes, daß sie so­zu­sa­gen ver­nich­tet wer­den. Denn je­des­mal, wenn heu­te der Mensch stirbt, ist in sei­nem as­tra­li­schen Lei­be sehr wohl zu se­hen die Sie­ben­köp­fig­keit und Zehn­hör­nig­keit. Das wird nur zu­sam­men­ge­hal­ten wie Kaut­schuk, der ent­sp­re­chend ge­bil­det wird. Neh­men Sie an, der Mensch ver­här­te­te sich wäh­rend un­se­rer Zeit ge­gen das Chris­tus-Prin­zip und kä­me an in der Zeit des gro­ßen Krie­ges al­ler ge­gen al­le, oh­ne das Chris­tus-Er­leb­nis ge­habt zu&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
ha­ben, kä­me an und hät­te den Chris­tus von sich ge­sto­ßen, dann wür­de, wenn die Er­de ins As­tra­li­sche über­geht, das­je­ni­ge, was da war, wo­zu er es ge­bracht hat, was er hät­te um­wan­deln sol­len, her­vor­sprin­gen, her­vor­sprin­gen in sei­ner al­ten Ge­stalt. Das Tier wür­de er­schei­nen mit den sie­ben Köp­fen und zehn Hör­nern, wäh­rend für die­je­ni­gen, die das Chris­tus-Prin­zip auf­ge­nom­men ha­ben, die Ge­sch­lecht­lich­keit wie­der­um über­wun­den sein wird. Die Ver­här­te­ten wer­den die sechs­hör­ni­ge Ge­sch­lecht­lich­keit wohl be­wah­ren und wer­den in ih­rer Ganz­heit er­schei­nen als das Tier mit den sie­ben Köp­fen und zehn Hör­nern, die ver­an­lagt wor­den sind in der at­lan­ti­schen Zeit. Sie kön­nen um­ge­wan­delt wer­den durch die Auf­nah­me des Chris­tus-Im­pul­ses. Wenn aber der Chris­tus zu­rück­ge­wie­sen wird, wer­den sie blei­ben und wie­der er­schei­nen in je­ner Zeit, die da­mit an­ge­deu­tet wird, daß die Zor­nes­scha­len aus­ge­gos­sen wer­den und die Er­de so­zu­sa­gen ge­spal­ten er­scheint in zwei Tei­le: in den Teil, wo die Chris­tus-Men­schen mit wei­ßen Klei­dern er­schei­nen als die Au­s­er­wähl­ten, schon zur Zeit der Sie­gel, und in den an­de­ren Teil, wo die Men­schen er­schei­nen in der Ge­stalt des Tie­res mit den sie­ben Köp­fen und zehn Hör­nern. Dann er­scheint auch ein an­de­res Tier mit zwei Hör­nern, sym­bo­li­siert durch die Zahl 666.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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= ELFTER VORTRAG, Nürnberg, 29. Juni 1908 =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ent­wi­cke­lung un­se­rer Er­de ha­ben wir so weit ver­folgt, daß wir ge­se­hen ha­ben, wie nach ver­schie­de­nen be­deut­sa­men Er­eig­nis­sen, die uns durch die Auf­sch­lie­ßung der sie­ben Sie­gel, durch das Er­tö­nen der sie­ben Po­sau­nen cha­rak­te­ri­siert sind, in der Zu­kunft die Er­de über­geht in ei­ne Art geis­ti­gen Zu­stand mit al­len ih­ren We­sen­hei­ten. Aus­ge­nom­men wer­den nur die­je­ni­gen sein, die sich wei­ger­ten, das Chris­tus-Prin­zip auf­zu­neh­men, wo­bei wir das «Wei­gern» durch­aus in dem Sinn ei­ner en­er­gi­schen, bös­wil­li­gen und un­in­tel­li­gen­ten geis­ti­gen Op­po­si­ti­on zu den­ken ha­ben. Na­tür­lich wer­den auch die­se We­sen­hei­ten dann, wenn die Er­de ih­re as­tra­li­sche, ih­re geis­ti­ge Form an­ge­nom­men ha­ben wird, nicht in ei­nem derb ma­te­ri­el­len, sa­gen wir, er­di­gen Stoff da sein kön­nen, son­dern auch sie wer­den für die Zeit, die dann folgt nach den Po­sau­n­en­klän­gen, für die Zeit, die wir cha­rak­te­ri­siert ha­ben durch das Aus­gie­ßen der Zor­nes­scha­len, in as­tra­li­sche For­men über­ge­hen, aber ih­re nie­de­rer ge­wor­de­ne Na­tur, das, was ih­nen ei­gen ist, weil sie nicht auf­ge­nom­men ha­ben das Chris­tus-Prin­zip, das wird sich im As­tra­li­schen da­durch au­s­prä­gen, daß sie im we­sent­li­chen je­ne Tier­ge­stalt tra­gen, die wir als das Tier mit den sie­ben Köp­fen und zehn Hör­nern cha­rak­te­ri­siert ha­ben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun ha­ben Sie ja aus al­lem, was ge­sagt wor­den ist, ent­neh­men kön­nen, wie die Be­zie­hung ist zwi­schen dem, was wir da Köp­fe und was wir Hör­ner nen­nen. Aber es wird Ih­nen da­bei noch im­mer ei­ne Fra­ge so­zu­sa­gen auf der See­le sein, die Fra­ge: Warum nennt man denn just das­je­ni­ge, was im phy­si­schen Leib als die­ses oder je­nes Or­gan auf­tritt, ei­gent­lich Horn? Warum be­zeich­net man denn die phy­si­schen Or­ga­ne und ih­re Über­b­leib­sel im As­tra­li­schen, wenn die Er­de as­tra­lisch ge­wor­den sein wird, als Hör­ner? Das ist ja leicht ver­ständ­lich, daß die­je­ni­gen Men­schen, wel­che das Prin­zip des Chris­tus nicht in sich auf­ge­nom­men ha­ben, wie­der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
zu­rück­fal­len müs­sen in den Zu­stand, in dem der Mensch war, be­vor er des Chris­tus-Prin­zi­pes teil­haf­tig wer­den konn­te. Der Mensch war vor­her ein un­in­di­vi­du­el­les We­sen mit ei­ner Grup­pen­see­le, und wir ha­ben ge­se­hen, daß er durch die vier ers­ten Zei­träu­me der at­lan­ti­schen Zeit mit den Grup­pen­see­len aus­ge­stat­tet war, die in rich­ti­ger Wei­se sym­bo­lisch dar­ge­s­tellt wer­den durch den Stier­kopf, Löw­en­kopf, Ad­ler­kopf und den Men­schen­kopf, wo­bei wir uns die­sen letz­te­ren als Tier­men­schen­kopf vor­zu­s­tel­len ha­ben. Wir ha­ben uns al­so durch­aus zu den­ken, daß, wenn der Mensch wie­de­r­er­scheint in der ver­geis­tig­ten Er­de und un­be­nutzt ge­las­sen hat das Chris­tus-Prin­zip wäh­rend un­se­rer Epo­che, er dann, weil er eben nichts da­zu bei­ge­tra­gen hat, sei­ne frühe­re Ti­er­grup­pen­see­len­haf­tig­keit höh­er aus­zu­bil­den, wie­der­um in der al­ten Ge­stalt er­scheint, und nicht nur in die­ser Ge­stalt, son­dern mit wei­te­ren drei Köp­fen, die er durch die spä­te­ren Zei­träu­me sich noch zu­ge­zo­gen hat. Be­vor die gro­ße Flut von At­lan­tis her­ein­ge­bro­chen ist, wa­ren ja auf die ers­ten vier Zei­träu­me noch drei ge­folgt. In die­sen drei Zei­träu­men ha­ben ja die­je­ni­gen, wel­che spä­ter das Chris­tus-Prin­zip auf­ge­nom­men ha­ben, auch in ei­ner ge­wis­sen Wei­se die Mög­lich­keit in sich ge­habt, wei­te­re drei Grup­pen­see­len­köp­fe in sich auf­zu­neh­men, aber sie ha­ben sie um­ge­stal­tet, sie ha­ben das Tie­ri­sche im Men­schen auf ein Höhe­res hin­auf­ge­ho­ben. Sie er­schei­nen in ver­geis­tig­ter Ge­stalt, wenn die Er­de ver­geis­tigt sein wird. Die an­de­ren, die das Chris­tus-Prin­zip von sich ge­wie­sen ha­ben, er­schei­nen mit sie­ben Köp­fen, weil es sie­ben Zei­träu­me gab, inn­er­halb wel­cher vor der Flut das Tie­ri­sche aus­ge­bil­det wor­den ist. Und weil in den letz­ten drei at­lan­ti­schen Zei­ten die Zwei­ge­sch­lech­tig­keit ge­wal­tet hat im Ge­gen­satz zu den vier ers­ten, er­scheint so­zu­sa­gen je­der Kopf mit zwei Mög­lich­kei­ten nach dem Tie­ri­schen hin, mit männ­li­cher und weib­li­cher Mög­lich­keit, so daß je­der Kopf für die­se drei letz­ten Zei­ten mit zwei Hör­nern er­scheint, im gan­zen der Mensch al­so mit zehn Hör­nern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun kann je­mand sa­gen: Ich ver­ste­he wohl, daß die­je­ni­gen Men­schen, die nichts an sich ar­bei­ten, um die Ge­stalt, die sie ha­ben, ab­zu­st­rei­fen, um sie ins Men­sch­li­che her­auf­zu­he­ben, wie­de­r­er­schei­nen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
in der tie­ri­schen Ge­stalt, aber nicht, warum man nun von Hör­nern spricht. Daß man von Köp­fen spricht, das ist leicht zu ver­ste­hen, warum aber von Hör­nern? Nun will ich er­klä­ren, warum man von Hör­nern nicht nur spricht, son­dern sp­re­chen muß. Nicht bloß sym­bo­lisch ist der Aus­druck zu ver­ste­hen, son­dern es ist Wir­k­lich­keit. Tat­säch­lich wer­den die Men­schen, die ver­feh­len, das Chris­tus-Prin­zip in sich auf­zu­neh­men, ja auch in as­tra­li­scher Ge­stalt er­schei­nen. &#039;Weil sie aber ih­re Trie­be so ge­stal­tet ha­ben, daß sie so­zu­sa­gen an der tie­ri­schen Grup­pen­see­le fest­ge­hal­ten ha­ben, er­schei­nen die ent­sp­re­chen­den Trie­be in dem as­tra­li­schen Lei­be, den die Men­schen dann ha­ben wer­den, in Form von hör­ner­ar­ti­gen Fort­set­zun­gen. Es ist ei­ne wir­k­li­che Ge­stalt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich will es an ei­nem Or­gan er­klä­ren, wie es kommt, daß der Mensch, der das Chris­tus-Prin­zip nicht in sich auf­nimmt, tat­säch­lich mit Hör­nern er­scheint, wenn die Er­de sich ver­geis­tigt ha­ben wird. Neh­men Sie das Or­gan des men­sch­li­chen Kehl­kop­fes und die Luf­tröh­re. Sie at­men fort­wäh­rend in die­ser Luf­tröh­re Luft ein und aus. Das ist ei­ne Tä­tig­keit, die der Mensch aus­übt. Die­se Tä­tig­keit steht bei dem Men­schen, der sich ver­geis­tigt, im Di­ens­te des Geis­ti­gen, bei dem Men­schen aber, der nicht sei­ne Hin­nei­gung, sei­ne Hin­ord­nung zum Chris­tus-Prin­zip nimmt, steht sie in Be­zie­hung zu den al­ten, zu den sie­ben Köp­fen ge­hö­ri­gen Kräf­ten. Set­zen wir al­so den Fall, daß wir es sche­ma­tisch so auf­zeich­nen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:GA104 216.png|center|400px|Zeichnung aus GA 104, S. 216]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fort­wäh­rend geht die Luft durch den Kehl­kopf hin­ein von au­ßen. Sie wis­sen aber, daß der as­tra­li­sche Leib des Men­schen ihn um­gibt. Der Strom der Luft, der hin­ein­geht, wird im­mer in Ver­bin­dung sein mit dem As­tra­li­schen. Wenn die Er­de nun sich ver­geis­tigt, zeigt es sich, ob die At­mung bei ei­nem Men­schen ein&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|217}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die­ner des Chris­tus-Prin­zips oder ob sie ein Die­ner der nie­de­ren Kräf­te war, die schon vor dem Chris­tus-Prin­zip in der Welt wa­ren. War sie ein Die­ner des Chris­tus-Prin­zips, dann ver­liert sie je­ne Form, die sich dem heu­ti­gen Lei­be anpaßt. Der Mensch hat dann selbst die Ge­walt, al­les, was as­tra­lisch ist, in ei­ne höhe­re, ver­geis­tig­te Form um­zu­wan­deln. Nimmt er das Chris­tus-Prin­zip nicht auf, dann ist er au­ßer­stan­de, das­je­ni­ge, was der heu­ti­gen flei­sch­li­chen Form an­gepaßt ist, aus die­ser flei­sch­li­chen Form her­aus­zu­brin­gen. Und die Fol­ge da­von ist, daß, nach­dem das Flei­sch­li­che ab­ge­fal­len, ver­schwun­den ist, nach­dem der phy­si­sche Kehl­kopf fort­ge­gan­gen ist, die­se Form des as­tra­li­schen Lei­bes bleibt, die da sich im­mer­fort mit dem Atem hin­ein­steckt in den Kehl­kopf. Die­se Form bleibt in der Ge­stalt ei­nes Hor­nes vor­han­den. Übe­rall, wo am Men­schen die äu­ße­ren as­tra­li­schen Kräf­te ein- und aus­ge­hen, blei­ben sie an­gepaßt der vor­her­ge­hen­den tie­ri­schen Ge­stalt, wenn der Mensch in die as­tra­li­sche Form über­geht, das heißt es er­scheint der Mensch dann mit wah­ren as­tra­li­schen Hör­nern. Das sind wir­k­li­che as­tra­li­sche Ge­stal­ten, sie ent­sp­re­chen ge­nau dem Ein­drin­gen der as­tra­li­schen Sub­stan­tia­li­tät wäh­rend des Er­den­le­bens. Es ist so, daß uns in die­sen Bil­dern nicht be­lie­bi­ge Sym­bo­le hin­ge­s­tellt wer­den, son­dern daß sie die wah­re Ge­stalt des­sen ha­ben, was einst er­scheint. Das gilt es auf­zu­fas­sen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun wol­len wir ein­mal an der Hand des­sen, was wir neu­lich be­trach­tet ha­ben, an der Hand je­nes et­was un­be­hag­li­chen Sche­mas mit den vie­len Zah­len, den Platz in der Welt­ent­wi­cke­lung be­stim­men, an dem wir ste­hen. Da sind wir uns klar dar­über, daß die 49 gro­ßen Ver­wand­lungs­for­men des Sa­turn vor­bei sind, die sie­ben Le­bens­for­men des Sa­turn, die in theo­so­phi­schen Büchern auch «Run­den» ge­nannt wer­den, mit je sie­ben Form­zu­stän­den, «Glo­ben», daß fer­ner vor­über sind die 49 ent­sp­re­chen­den Son­nen­zu­stän­de und die 49 Mond­zu­stän­de. Die hat der Mensch in sei­ner bis­he­ri­gen Ent­wi­cke­lung durch­ge­macht, im gan­zen al­so 147 Zu­stän­de. Da­zu kom­men nun die Zu­stän­de, die der Mensch schon wäh­rend un­se­rer Er­den­ent­wi­cke­lung durch­ge­macht hat. Da sind vor­über die drei ers­ten Le­bens­rei­che, die man auch die drei ers­ten Run­den nennt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Wir le­ben im vier­ten Le­bens­reich, in der vier­ten Run­de. Weil nun je­de sol­che Run­de wie­der­um sie­ben Zu­stän­de der Form um­faßt, so ha­ben wir 3 mal 7 Zu­stän­de wäh­rend der drei ers­ten Run­den ab­sol­viert. Zu den 147 kom­men al­so 21 hin­zu. Das vier­te Le­bens­reich ha­ben wir noch nicht ab­sol­viert, aber wir ha­ben ei­nen Teil von die­sem hin­ter uns. Wir ha­ben die drei ers­ten Form­zu­stän­de ab­sol­viert, den fast noch form­lo­sen geis­ti­gen Zu­stand oder Aru­pa-Zu­stand, den Ru­pa- und den as­tra­li­schen Zu­stand. Im phy­si­schen ste­hen wir. So kom­men zu den 147 plus 21 noch 3 hin­zu. Wir ha­ben al­so ab­sol­viert 171 Form­zu­stän­de von den 343 der sie­ben Pla­ne­ten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie müs­sen vor al­len Din­gen ins Au­ge fas­sen, daß wir jetzt in dem 172. Form­zu­stand ste­hen, und das ist die phy­si­sche Er­de. 171 Zu­stän­de hat sie schon durch­ge­macht. Wäh­rend die­ses 172. Zu­stan­des hat sich al­les das zu­ge­tra­gen, was wir ge­schil­dert ha­ben. Als er be­gon­nen hat, die­ser Zu­stand, war die Er­de ver­bun­den mit Son­ne und Mond. Wäh­rend die­ses Zu­stan­des ist die Son­ne, ist der Mond her­aus­ge­gan­gen, und nach­dem Son­ne und Mond her­aus­ge­gan­gen wa­ren, er­schi­en der Mensch als heu­ti­ger Mensch auf der phy­si­schen Er­de. Und es be­gann dar­auf die at­lan­ti­sche Zeit, von der wir ge­spro­chen ha­ben, und wir ha­ben ge­sagt: Die­sen Zei­traum, der der 172. ist, den müs­sen wir wie­der ein­tei­len in sie­ben Zei­träu­me. Der ers­te liegt weit zu­rück, da war am An­fang noch die Son­ne bei der Er­de. Et­was sehr un­ei­gent­lich ist man ge­wohnt wor­den, die­sen Zei­traum die po­la­ri­sche Men­schen­ras­se zu nen­nen. Von die­ser kann man kaum ei­ne Vor­stel­lung ge­ben. Dann folgt, wäh­rend des Hin­aus­ge­hens der Son­ne, die Ras­se der Hy­per­bo­räer, dann, wäh­rend des Hin­aus­ge­hens des Mon­des, ei­ne drit­te, die so­ge­nann­te le­mu­ri­sche Men­schen­ras­se. Das sind drei Zu­stän­de, und der vier­te inn­er­halb die­ses 172. Zu­stan­des ist die at­lan­ti­sche Ras­se. Die fünf­te Ras­se ist die­je­ni­ge, in der wir selbst ste­hen. Nach der vier­ten war die gro­ße at­lan­ti­sche Flut. Nach der un­se­ri­gen folgt die­je­ni­ge, die in der Apo­ka­lyp­se des Jo­han­nes durch die sie­ben Sie­gel aus­ge­drückt ist, und dann die­je­ni­ge, die durch die sie­ben Po­sau­nen aus­ge­drückt ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|219}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun wis­sen wir, daß je­der die­ser Zei­träu­me wie­der in sie­ben zer­fällt, denn wir ha­ben den un­se­ri­gen, den fünf­ten inn­er­halb des 172. Form­zu­stan­des, zer­teilt in die alt­in­di­sche, alt­per­si­sche, chal­däisch-ba­by­lo­nisch-as­sy­risch-ägyp­tisch-jü­di­sche, in die grie­chisch-latei­ni­sche, in un­se­re, in ei­ne sechs­te und ei­ne sie­ben­te Kul­tu­re­po­che. Dann folgt der gro­ße Krieg al­ler ge­gen al­le. Das, was nach dem gro­ßen Krie­ge kommt, zer­fällt wie­der in sie­ben Glie­der, aus­ge­drückt durch die sie­ben Sie­gel, und das­je­ni­ge, was durch die sie­ben Po­sau­nen aus­ge­drückt ist, ist wie­der­um in sie­ben Glie­der ge­teilt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn Sie nun in Be­tracht zie­hen, daß 171 noch zu­künf­ti­ge Form­zu­stän­de zu den be­reits ver­f­los­se­nen hin­zu­ge­zählt wer­den müs­sen, dann ha­ben Sie 342, ein wei­te­rer da­zu, der ge­gen­wär­ti­ge, gibt al­le 343, aber in die­sem le­ben wir drin­nen, er steht in der Mit­te. Nun kann je­mand sa­gen: Das ist ei­gent­lich ei­ne ganz wun­der­ba­re Sa­che, daß wir ge­ra­de das Glück ha­ben, in der Mit­te der Welt­ent­wi­cke­lung zu le­ben. Das muß in der Tat man­chem, der nicht wei­ter dar­über nach­denkt, als son­der­ba­re Tat­sa­che er­schei­nen, daß wir so mit­ten in der Ent­wi­cke­lung le­ben. Ja, für den­je­ni­gen, der die Sa­che ganz durch­schaut, ist es gar nicht so son­der­bar. Es ist nicht wun­der­ba­rer, als wenn je­mand, der auf frei­em Fel­de in ebe­ner Ge­gend steht, wo er nach hin­ten und vorn gleich weit sieht, sich in der Mit­te des Ge­sichts­fel­des be­fin­det. Wenn er ein Stück wei­ter­geht, blickt er wie­der gleich weit nach hin­ten und nach vor­ne. Ganz an­de­re Zu­stän­de in der Welt­ent­wi­cke­lung wür­den sich er­ge­ben, wenn wir uns an ei­nen an­de­ren Punkt stel­len wür­den. Wir sind im­mer in der Mit­te. Der Mensch kann nach hin­ten und vor­ne im­mer gleich viel se­hen, auch mit noch so hell­se­he­ri­schen Or­ga­nen. Et­was an­de­res könn­te vi­el­leicht noch auf­fäl­lig sein. Es könn­te je­mand sa­gen: Wie kommt es, daß du uns nicht sagst, auch im üb­ri­gen sei­en wir ganz ge­nau in der Mit­te. Denn jetzt stimmt es nicht mehr. Wir zäh­len da den 172. Form­zu­stand. Die ge­naue Mit­te wä­re im vier­ten Zei­traum des­sel­ben, wir ste­hen aber im fünf­ten, al­so et­was über der Mit­te drau­ßen. Das stimmt al­so nicht ge­nau da­mit, daß wir wir­k­lich in der Mit­te sind. Da liegt ei­ne ei­gen­tüm­li­che Tat­sa­che zu­grun­de. Durch ei­nen Ver­g­leich kön­nen Sie es sich klar­ma­chen. Wenn Sie ihn&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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ge­nau er­fas­sen, so se­hen Sie, daß das ei­ne wich­ti­ge Tat­sa­che ist. Es ist wir­k­lich so: In be­zug auf die gro­ßen Haupt­zu­stän­de, Form­zu­stän­de ste­hen wir in der Mit­te, aber in be­zug auf die­je­ni­gen Zu­stän­de, die uns am al­ler­nächs­ten an­ge­hen, ste­hen wir et­was über die Mit­te hin­aus. Warum ist das so?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den­ken Sie sich ein­mal, Sie wür­den in ei­ner ganz ebe­nen Ge­gend auf ei­ner Ei­sen­bahn­st­re­cke fah­ren und in der La­ge sein, nicht im Wag­gon sit­zen zu müs­sen, son­dern in ei­nem für Sie be­son­ders zu­ge­rich­te­ten Wa­gen, und zwar so, daß Sie nach al­len Sei­ten hin ei­nen frei­en Blick hät­ten. Neh­men wir an, Sie wä­ren im­stan­de, das lan­ge Zeit hin­durch zu ma­chen. Sie hät­ten wir­k­lich ei­nen frei­en Aus­blick, und wenn Sie in ir­gend­ei­nem Punk­te Ih­rer Fahrt sehr rasch ein Bild ent­wer­fen könn­ten von der ge­sam­ten Um­ge­bung, so wür­de die­ses Bild voll­stän­dig kreis­för­mig ab­ge­sch­los­sen sein. Nur in ei­nem Fal­le wür­de dies nicht der Fall sein. Den­ken Sie sich ein­mal, Sie sit­zen in dem da­hin­fah­ren­den Zug und fi­xie­ren das Bild, das Sie vor sich ha­ben. In die­sem Au­gen­blick, wo Sie es fi­xie­ren, schla­fen Sie ein und fah­ren ei­ne Zeit­lang schla­fend, und dann, wenn Sie schla­fen, wer­den Sie ei­ne St­re­cke hin­durch nicht ge­wahr, wie das Bild sich ve­r­än­dert. Sie wa­chen auf, und in dem Zeit­punkt, wo Sie auf­wa­chen, da den­ken Sie sich das Bild, das Sie vor­her fi­xiert ha­ben, rasch wie­der auf­le­ben. Jetzt stimmt es nicht, und der Grund da­von ist, daß Sie ei­ne ge­wis­se Zeit­st­re­cke ver­schla­fen ha­ben. Jetzt fällt nicht zu­sam­men Ihr Bild mit dem Blick, der nach al­len Sei­ten gleich ist, denn Sie ha­ben da­zu ein Stück, das Sie ver­schla­fen ha­ben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun fra­gen wir: Ist das wir­k­lich so, daß der Mensch von der Mit­te sei­ner Ent­wi­cke­lung bis in un­se­re Zeit he­r­ein ge­schla­fen hat? Es wä­re uns vi­el­leicht er­klär­lich, daß das Bild bis da­hin voll­stän­dig stim­men muß­te, jetzt, wo wir über die Mit­te hin­aus­ge­kom­men sind, wür­de, wenn wir ge­schla­fen hät­ten, es mög­lich sein, daß das Bild sich ein Stück ver­scho­ben hat. Hat der Mensch ge­schla­fen? Im ok­kul­ten Sinn hat die Mensch­heit seit der Mit­te der at­lan­ti­schen Zeit ge­schla­fen, weil das die Zeit ist, wo dem gan­zen Men­schen­ge­sch­lecht als sol­chem ab­han­den ge­kom­men ist das&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
al­te däm­mer­haf­te Hell­se­hen. Die Men­schen tau­chen un­ter für das Geis­ti­ge wie in ei­nen Schlaf­zu­stand. Sie fan­gen an, ih­ren Blick auf die sinn­li­che Welt zu rich­ten und ge­hen al­so für die geis­ti­ge Welt in ei­nen Schlaf­zu­stand über. Und erst wenn der Mensch wie­der­um das Hell­se­hen er­langt hat, dann wird er so­zu­sa­gen nach al­len Sei­ten ei­nen frei­en Aus­blick ha­ben. Es wird nicht mehr die­se Ver­schie­bung der Evo­lu­ti­on sein, es wird nach vor­ne und hin­ten die­sel­be St­re­cke er­schei­nen. Tat­säch­lich hat der Mensch seit der Mit­te der at­lan­ti­schen Zeit ge­schla­fen da­durch, daß er nicht teil­haf­tig war der An­schau­ung der geis­ti­gen Wel­ten als nor­ma­ler Mensch. Wenn wir von den Ein­ge­weih­ten oder auch von Som­nam­bu­len mei­net­we­gen ab­se­hen, so müs­sen wir sa­gen: Die Men­schen se­hen nicht, denn «se­hen» be­deu­tet, wir­k­lich in die Welt hin­ein­schau­en. Ge­gen­über der geis­ti­gen Welt schläft die Mensch­heit und sie wird noch ei­ne Zeit­lang schla­fen. Seit je­ner at­lan­ti­schen Zeit gilt der Aus­spruch des Jo­han­nes-Evan­ge­li­ums: «Und das Licht schi­en in die Fins­ter­nis, aber die Fins­ter­nis hat es nicht be­grif­fen.»&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So al­so ver­birgt sich in die­ser Ein­tei­lung doch ei­ne wich­ti­ge Wahr­heit, die Wahr­heit, daß die Mensch­heit in ei­nem fins­te­ren Zei­tal­ter lebt, in dem Zei­tal­ter der Fins­ter­nis. Und in die­ses Zei­tal­ter wur­de das Chris­tus-Prin­zip he­r­e­in­ver­setzt, da­mit die Mensch­heit hin­aus­ge­führt wer­de in das Zei­tal­ter des Lichts. Des­halb muß­te ich Ih­nen mit Recht den ge­gen­wär­ti­gen Stand der Ent­wi­cke­lung nicht in die Mit­te, son­dern hin­ter die Mit­te le­gen, weil in At­lan­tis das fins­te­re Zei­tal­ter be­ginnt, das bis in das sechs­te Zei­tal­ter hin­ein­geht, bis da­hin, wo die au­s­er­le­se­ne Schar in wei­ßen Klei­dern er­scheint, wo die­se Schar er­scheint als die ers­ten, die wie­der im­stan­de sind, in den ge­wöhn­li­chen nor­ma­len Ver­hält­nis­sen die geis­ti­ge Welt um sich her­um zu ha­ben. Da ist der Zei­traum der Fins­ter­nis ab­ge­lau­fen, da er­scheint der Zei­traum, von dem es hei­ßen muß: «Das Licht scheint in die Fins­ter­nis und die Fins­ter­nis be­g­reift das Licht.» Das schwar­ze Zei­tal­ter wird des­halb auch die Zeit ge­nannt, in wel­cher der Mensch sei­nen Blick nur auf die phy­sisch-ma­te­ri­el­le Welt rich­tet und im nor­ma­len Zu­stand nicht die geis­ti­ge Welt da­hin­ter sieht.&lt;br /&gt;
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{{SE|222}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun­mehr wol­len wir aber an­knüp­fen an das, was wir wei­ter über die Ent­wi­cke­lung ge­sagt ha­ben. Wenn die Ent­wi­cke­lung bis nach dem sie­ben­ten Zei­traum vor­ge­schrit­ten sein wird, nach der Zeit, wel­che durch die Po­sau­n­en­klän­ge an­ge­deu­tet ist, dann ver­geis­tigt sich die Er­de, und die Er­de geht zu­nächst ins As­tra­li­sche, dann ins De­vacha­ni­sche und in den fei­ne­ren de­vacha­ni­schen Zu­stand über. Und sie geht dann wie­der­um zu­rück in die­sel­ben Zu­stän­de, in­dem sie sich von dem feins­ten Geis­ti­gen im­mer mehr ver­dich­tet und in den­je­ni­gen Zu­stand kommt, wel­chen man ge­wöhn­lich in theo­so­phi­schen Hand­büchern die fünf­te Run­de nennt, die wie­der­um sie­ben Form­zu­stän­de ha­ben wird, und in der Mit­te wie­der­um durch ei­ne sol­che Ent­wi­cke­lung von sie­ben au­f­ein­an­der­fol­gen­den, mei­net­we­gen Ras­se­zu­stän­den cha­rak­te­ri­siert wer­den müß­te.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun wol­len wir uns ein­mal, wenn es uns auch schwer wird, doch in die nächs­ten Zu­stän­de un­se­rer Er­den­ent­wi­cke­lung ein we­nig ver­tie­fen. Wir wol­len ei­nen ganz be­stimm­ten Punkt un­se­rer Ent­wi­cke­lung in der Zu­kunft ins Au­ge fas­sen, eben­so wie wir un­se­ren jet­zi­gen Punkt ins Au­ge ge­faßt ha­ben. Fas­sen wir noch ein­mal un­se­ren jet­zi­gen Ent­wi­cke­lungs­punkt ins Au­ge, und zwar so, daß wir bloß an­fan­gen mit un­se­rem jet­zi­gen 172. Zu­stand. Von die­sem 172. Zu­stan­de hat die Er­de drei Un­ter­zu­stän­de schon ab­sol­viert. Der 172. Zu­stand ist der phy­si­sche Form­zu­stand, die Er­de selbst. Drei [Form­zu­stän­de] hat sie vor­her schon ab­sol­viert. Sie ist jetzt im vier­ten die­ser Zu­stän­de. Wir fas­sen al­so zu­nächst nur ins Au­ge die Form­zu­stän­de [der Er­de]. Wir rech­nen, daß wir in dem vier­ten Le­bens­reich oder der vier­ten Run­de sind. Die be­trach­ten wir als ge­ge­ben und sa­gen: Von die­ser vier­ten Run­de, von die­sem vier­ten Le­bens­reich ha­ben wir durch­ge­macht drei Form­zu­stän­de, und wir sind im vier­ten die­ser Form­zu­stän­de. Fra­gen wir uns nun wei­ter: Wie­viel ha­ben wir von den Un­ter­zu­stän­den durch­ge­macht? Den ers­ten, zwei­ten, drit­ten, vier­ten. Der letz­te war die at­lan­ti­sche Zeit. Die­se letz­te, die at­lan­ti­sche Ent­wi­cke­lungs­zeit, ist al­so ab­ge­sch­los­sen. Wir sa­gen: Wir ha­ben vier Zu­stän­de durch­ge­macht und ste­hen jetzt im fünf­ten. Von die­sem fünf­ten ha­ben wir wie­der­um vier durch­ge­macht an Un­ter­zu­stän­den, näm­lich den alt-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|223}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
in­di­schen, alt­per­si­schen, ägyp­ti­schen, grie­chisch-latei­ni­schen. Im fünf­ten ste­hen wir. So daß wir sa­gen: Vor un­se­rer un­mit­tel­bar jet­zi­gen Ent­wi­cke­lungs­stu­fe ha­ben wir 3, 4, 4 Zu­stän­de ab­sol­viert. Die­se 3, 4, 4 Zu­stän­de, die wir da ab­sol­viert ha­ben, die be­zeich­net man in der Spra­che des Apo­ka­lyp­ti­kers als die Zahl der Ent­wi­cke­lung. Wenn man al­so fragt: Wel­ches ist die Zahl der Ent­wi­cke­lung, un­se­rer Ent­wi­cke­lung? dann heißt die Ant­wort: Die­se Zahl un­se­rer Ent­wi­cke­lung ist «344» (ge­le­sen drei, vier, vier). Es ist das nicht im Sin­ne des Zeh­ner­sys­tems, son­dern des Sie­be­n­er­sys­tems ge­le­sen. Drei Zu­stän­de von sie­ben sind durch­ge­macht, vier Zu­stän­de von den nächs­ten, klei­ne­ren sie­ben sind durch­ge­macht, und vier Zu­stän­de von aber­mals sie­ben klei­ne­ren sind durch­ge­macht. Das be­deu­tet ei­gent­lich die­se «344». Man darf sie nicht wie an­de­re Zah­len ein­fach ab­le­sen, son­dern sie ent­hält ne­ben­ein­an­der ge­schrie­ben die Zahl der Zu­stän­de, die man durch­ge­macht hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun den­ken wir uns fol­gen­des:*) Wenn die Er­de sich ver­geis­tigt und sich in ih­re nächs­ten Zu­stän­de hin­über­ent­wi­ckelt ha­ben wird, dann wer­den im­mer mehr und mehr Stu­fen durch­ge­macht sein. Und ein­mal muß ei­ne Zeit kom­men, wo durch­ge­macht sein wer­den: von der ers­ten Gat­tung 6, von der zwei­ten 6 und von der drit­ten 6 Zu­stän­de. Ge­nau wie wir jetzt als Zahl der Ent­wi­cke­lung 344 ha­ben, so muß ein­mal in der Zu­kunft, in dem Zeit­punkt, wo 6 Le­bens­rei­che oder Run­den, 6 Hauptras­sen und 6 Un­ter­ras­sen durch­ge­macht sind, die Zahl «666» (ge­le­sen sechs, sechs, sechs) gel­ten un­ei­gent­lich ge­le­sen, aber das ist die rich­ti­ge Art und Wei­se der Sch­rei­bung des Apo­ka­lyp­ti­kers. Al­so es wird ein­mal ei­ne Zeit kom­men, wo die Zahl «666» die Zahl der Ent­wi­cke­lung ist. Das wird erst in ei­ner sehr fer­nen Zu­kunft sein, aber die­se Zu­kunft wird schon vor­be­rei­tet in un­se­rer Zeit. Nach­dem drei gro­ße Haupt­zu­stän­de [Hauptras­sen] durch­ge­macht sind, le­ben wir in un­se­rer Zeit im vier­ten. Aber wenn die Zeit vor­über­ge­gan­gen sein wird, wel­che nach dem gro­ßen Krie­ge al­ler ge­gen al­le durch die sie­ben Sie­gel be­zeich­net ist, wenn wir an­ge­langt sein wer­den [beim&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
__________&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;*&amp;lt;/nowiki&amp;gt;) Sie­he den Son­der­hin­weis auf Sei­te 263.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|224}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zei­tal­ter der sie­ben Po­sau­nen], dann wer­den wir von die­ser mitt­le­ren Gat­tung sechs durch­ge­macht ha­ben. Wenn die ers­te Po­sau­ne er­k­lin­gen wird, wer­den wir 6 sol­che Hauptras­sen durch­ge­macht ha­ben, und wenn wir dann hin­über­le­ben in die Zeit der Po­sau­n­en­klän­ge und die Zei­ten vor­über sein wer­den, die durch die ers­ten sechs Po­sau­nen ge­kenn­zeich­net sind, dann ha­ben wir «66» er­lebt. Bis da­hin hat die Mensch­heit Zeit ge­habt, sich vor­zu­be­rei­ten auf den furcht­ba­ren Zeit­punkt, der einst viel spä­ter folgt, da näm­lich, wo nicht nur 66, son­dern «666» er­reicht sein wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Al­les Zu­künf­ti­ge wird schon ge­gen­wär­tig vor­be­rei­tet. Die Zeit, die nach dem gro­ßen Krie­ge al­ler ge­gen al­le ein­ge­t­re­ten sein wird, die Zeit des sie­ben­ten Po­sau­n­en­klan­ges, wird Men­schen se­hen, die da­durch, daß sie sich vom Chris­tus-Prin­zip aus­ge­sch­los­sen ha­ben, ei­nen ho­hen Grad der Bos­heit, der An­la­ge, in den Ab­grund hin­un­ter­zu­sin­ken, er­langt ha­ben wer­den. Bis da­hin wer­den die­se Men­schen da­für ge­sorgt ha­ben, daß sie, wenn der Zeit­punkt 666 kommt, so recht tief in das Bö­se, in den Ab­grund hin­ein­s­tei­gen kön­nen. Die An­la­ge zu die­sem Hin­un­ter­s­tei­gen in den Ab­grund in ur­fer­ner Zu­kunft neh­men die Men­schen schon nach dem gro­ßen Krie­ge al­ler ge­gen al­le in dem Zei­tal­ter [der Po­sau­nen), wenn die sie­ben­te Po­sau­ne er­k­lingt, in sich auf. Zwar wird es noch lan­ge Zeit mög­lich sein, daß die Men­schen, die sol­che An­la­ge dann in sich auf­ge­nom­men ha­ben, um­keh­ren, sich be­keh­ren kön­nen, daß sie zu­rück­keh­ren in ih­rer Ent­wi­cke­lung, um dann noch das Chris­tus-Prin­zip auf­zu­neh­men. Aber die ers­te An­la­ge ist ge­schaf­fen, und die­je­ni­gen, die bei die­ser An­la­ge blei­ben, die wer­den dann, wenn je­ne ur­fer­ne Zu­kunft kom­men wird, die nicht durch 466, son­dern durch 666 an­ge­deu­tet wird, die­se An­la­ge nicht mehr um­wan­deln kön­nen in gu­te An­la­gen. Sie wer­den je­nem furcht­ba­ren Schick­sal er­lie­gen, von dem wir noch zu sp­re­chen ha­ben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So se­hen wir, daß mit die­ser Sechs-Zahl, ob sie nun ein­fach oder dop­pelt oder drei­fach auf­tritt, et­was Sch­lim­mes für die Mensch­heits­ent­wi­cke­lung ver­knüpft ist. Wir le­ben im fünf­ten Haupt- und im fünf­ten Un­ter­zei­traum. Wir wer­den hin­über­le­ben nach dem gro­ßen Krieg in den sechs­ten Zei­traum hin­ein. Aber be­vor der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|225}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gro­ße Krieg kommt, kommt un­mit­tel­bar hin­ter un­se­rem fünf­ten Un­ter­zei­trau­me der sechs­te Un­ter­zei­traum, cha­rak­te­ri­siert durch die Ge­mein­de Phi­la­del­phia. Nun wis­sen wir, daß heu­te die Zeit ist, in wel­cher der Ma­te­ria­lis­mus sich in der Mensch­heit aus­ge­b­rei­tet hat. Wir ha­ben ge­se­hen, wie durch die Jahr­hun­der­te her­auf die Men­schen im­mer ma­te­ria­lis­ti­scher ge­wor­den sind, aber die­ser Ma­te­ria­lis­mus ist ein sol­cher, daß Um­kehr je­der­zeit mög­lich ist. Der ma­te­ria­lis­ti­sche Mensch hat heu­te noch Zeit zur Um­kehr. Da­her muß aber auch in un­se­rer Ge­gen­wart ei­ne spi­ri­tu­el­le Wel­t­an­schau­ung Platz grei­fen, je­ne Wel­t­an­schau­ung, wel­che ein klei­nes Häuf­lein von Men­schen eben zu die­ser ok­kul­ten, spi­ri­tu­el­len Auf­fas­sung der Welt hin­führt. Die­je­ni­gen, die den gro­ßen Bru­der­bund in sei­ner ers­ten An­la­ge be­grün­den wer­den im sechs­ten Zei­traum, der da fol­gen wird auf un­se­re Zeit und der gar nicht so fern liegt, des­sen Be­ginn in ei­ner Zeit liegt, die nur nach Jahr­tau­sen­den zählt, die wer­den die al­le­r­ers­te Ab­spal­tung der Men­schen be­wir­ken. Die­je­ni­gen, die hart­nä­ckig ver­har­ren im Ma­te­ria­lis­mus, und auch die an­de­ren, die ge­neigt sein wer­den, ei­ne spi­ri­tu­el­le An­schau­ung in sich auf­zu­neh­men, die den Bru­der­bund im klei­nen Häuf­lein aus­bil­den, bei­de wer­den schon auf­t­re­ten in un­se­rem sechs­ten Zei­traum. Die­se ein­fa­che 6, sie kann schon für vie­le Men­schen ver­häng­nis­voll wer­den, aber nicht letzt­gül­tig, denn Um­kehr wird auch dann noch mög­lich sein. Aber es wer­den die Men­schen hin­über­le­ben über den gro­ßen Krieg al­ler ge­gen al­le. [Das Zei­tal­ter der sie­ben Sie­gel und] fünf Zei­träu­me [des Po­sau­n­en­zei­tal­ters] wer­den ver­ge­hen, die Sechs­zahl wird wie­der ein­t­re­ten. Nach­her wer­den neu­er­dings die Ver­lo­ckun­gen und Ver­füh­run­gen kom­men, um die ma­te­ria­lis­ti­sche An­la­ge wei­ter aus­zu­bil­den, sie hin­über­zu­tra­gen in die Zeit der Po­sau­n­en­klän­ge, und wenn 6 gro­ße und 6 wei­te­re klei­ne­re Zei­träu­me ver­lau­fen sind, nach 66, da wer­den schon sehr be­trächt­li­che An­la­gen in der Mensch­heit vor­han­den sein, die nicht so leicht gut­zu­ma­chen sind wie un­se­re.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So se­hen wir, daß tat­säch­lich im­mer mehr und mehr die Welt der sch­lech­ten An­la­gen inn­er­halb der Mensch­heit wirkt und daß sich im­mer deut­li­cher und kras­ser die gu­ten Men­schen von den&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|226}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
bö­sen, im Sin­ne der Dar­stel­lung des Apo­ka­lyp­ti­kers, von­ein­an­der schei­den. Die letz­te gro­ße Schei­dung wird sein, wenn nicht nur für die kür­ze­ren, son­dern für die län­ge­ren Zei­träu­me die Sechs­zahl er­füllt sein wird. Das wird dann der Fall sein, wenn un­se­re Er­de ab­sol­viert hat ih­re sechs Le­bens­rei­che oder sechs Run­den und inn­er­halb der sie­ben­ten Run­de wie­der­um sechs Form­zu­stän­de. Wenn sie das ab­sol­viert hat, dann wer­den die An­la­gen der Mensch­heit ins Bö­se sich aus­ge­bil­det ha­ben in ei­ner furcht­ba­ren Ge­stalt. Mit furcht­bar ver­hee­ren­der Ge­walt wird dann das Bö­se nur bei de­nen auf­t­re­ten, die bö­se ge­b­lie­ben sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir fra­gen uns al­so: Wie oft hat inn­er­halb un­se­rer Er­de die Mensch­heit Ge­le­gen­heit, der Ver­füh­rung zum Bö­sen zu un­ter­lie­gen? Zu­nächst in dem­je­ni­gen Zei­traum, der auf den uns­ri­gen folgt, vor dem gro­ßen Krie­ge. Dann hat sie ein zwei­tes und ein drit­tes Mal Ge­le­gen­heit da­zu. Es bil­det sich al­so die­ser Her­ab­s­tieg zum Bö­sen nach und nach aus. Für den Zei­traum nun, wo die Er­de zu­erst über­ge­gan­gen ist in ei­nen geis­ti­gen Zu­stand, für die­sen Zei­traum ha­ben wir es zu­nächst mit zwei Mög­lich­kei­ten zu tun. Wenn die Er­de sich wie­der­um mit der Son­ne ver­bun­den ha­ben wird, da wer­den die­je­ni­gen, die das Chris­tus-Prin­zip in sich auf­ge­nom­men ha­ben, reif sein, auf­zu­ge­hen in die Kräf­te der Er­de, die sich mit der Son­ne ve­r­ei­ni­gen; aus­ge­sch­los­sen wer­den die­je­ni­gen sein, wel­che die Mög­lich­keit zum Bö­sen in sich auf­ge­nom­men ha­ben. Die­se sind gleich­sam so, daß sie die Son­ne von sich sto­ßen, daß sie das­je­ni­ge, was sie be­fähi­gen wür­de, sich mit den Kräf­ten der Son­ne zu ve­r­ei­ni­gen, von sich sto­ßen. Sie sind die Geg­ner der Ve­r­ei­ni­gung mit der Son­ne. Des­halb be­zeich­net der Apo­ka­lyp­ti­ker die­je­ni­ge Ge­walt, das­je­ni­ge We­sen, wel­ches die Men­schen da­hin führt, sich so zu ver­geis­ti­gen, daß sie sich mit der Son­ne ve­r­ei­ni­gen kön­nen, als den Chris­tus in ganz rich­ti­gem Sinn, und, wie wir hö­ren wer­den, als das Lamm. Man be­zeich­net die Chris­tus-We­sen­heit als den Ge­ni­us der Son­ne, der sich mit der Er­de ve­r­ei­nigt und auch der Ge­ni­us der Er­de wird. Er hat schon be­gon­nen, es zu wer­den seit dem Er­eig­nis von Gol­ga­tha.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber es gibt auch ein geg­ne­ri­sches Prin­zip die­ses Lam­mes: Es&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|227}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ist auch ein Son­nen­dä­mon da, das so­ge­nann­te Dä­mo­ni­um der Son­ne, das­je­ni­ge, was in den bö­sen Kräf­ten der Men­schen wirkt, zu­rück­sto­ßend die Kraft des Lam­mes. Und es wirkt so; daß ein ge­wis­ser Teil des men­sch­li­chen Ge­sch­lech­tes aus­ge­sto­ßen wird von der Ent­wi­cke­lung, die zur Son­ne führt. Das sind die geg­ne­ri­schen Kräf­te der Son­ne, die in Op­po­si­ti­on zur Son­ne ste­hen. Das sind zu glei­cher Zeit die­je­ni­gen Kräf­te, die die An­la­ge ha­ben, wenn die 666 Ent­wi­cke­lungs­zu­stän­de ver­f­los­sen sein wer­den, ganz hin­aus­ge­wor­fen zu wer­den aus un­se­rer Ent­wi­cke­lung; sie wer­den dann letzt­gül­tig aus­ge­sto­ßen sein in den Ab­grund. So daß wir sa­gen müs­sen: In je­ner Zeit, wo die Er­de mit der Son­ne ve­r­ei­nigt ist, wird nicht nur das­je­ni­ge aus­ge­sto­ßen sein, was durch das Tier mit den sie­ben Köp­fen und zehn Hör­nern sym­bo­li­siert wird, son­dern auch das, was mit Kräf­ten aus­ge­stat­tet ist, die der Son­ne ge­gen­tei­lig sind. Das al­les ist be­stimmt, in den Ab­grund hin­ein­zu­ver­schwin­den, wenn die 666 er­füllt sein wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun hat man die­se 666 im­mer in ei­ner sehr ge­heim­nis­vol­len Wei­se auf­ge­schrie­ben. Wir wer­den noch se­hen, daß al­ler Grund vor­han­den ist, die­se Tat­sa­chen, die wir jetzt be­sp­re­chen, ins Mys­te­ri­um der Ge­heim­nis­se zu hül­len; al­ler Grund ist da­zu vor­han­den. Und weil das der Fall ist, so hüll­te man sie in sol­ches Mys­te­ri­um und schrieb 666. In den Mys­te­ri­en, aus de­nen der Apo­ka­lyp­ti­ker sei­ne Ein­wei­hung er­hal­ten hat, schrieb man 400 200 6 60. Das ist durch­aus in ei­ner Wei­se ge­schrie­ben, daß es der Laie nicht er­ken­nen kann. Man hat ver­bor­gen die­se 666; als ein Ge­heim­nis soll­te es be­wahrt blei­ben, in­dem Sie hier 400 200 6 60 ha­ben. Und da­durch, daß al­les um­ge­s­tellt wird, ist ein Blend­werk ge­schaf­fen. Nun gibt es in der Schrift der Ein­ge­weih­ten ein ge­wis­ses Prin­zip, das da­rin be­steht, Buch­sta­ben durch ent­sp­re­chen­de Zah­len zum Aus­druck zu brin­gen. Auf die­ses Prin­zip sind ei­ni­ge der merk­wür­di­gen Leu­te ge­kom­men, wel­che im Lau­fe des neun­zehn­ten Jahr­hun­derts das Ge­heim­nis der Zahl 666 ha­ben ent­hül­len wol­len, aber so, wie sie dar­auf ge­kom­men sind, kann man sa­gen: sie ha­ben zwar läu­ten, aber nicht zu­sam­men­schla­gen hö­ren. Denn sie ha­ben sich das, was ich Ih­nen jetzt hier au­s­ein­an­der­ge­setzt ha­be und was&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
eso­te­risch im­mer ge­lehrt wor­den ist, in un­ge­nau­er Art an­ge­eig­net. Sie ha­ben ge­fun­den, daß, wenn man für die­se Zah­len Buch­sta­ben des He­bräi­schen setzt, man «Ne­ro» her­aus­kriegt; sie ha­ben al­so ge­sch­los­sen, das 666 be­deu­te Ne­ro.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist nicht der Fall. 666 muß erst so auf­ge­schrie­ben wer­den: 400 200 6 60, dann be­kommt man her­aus, um was es sich han­delt. Dann muß man sch­rei­ben: 400 als {{He|ת}}, 200 als {{He|ר}}, 6 als {{He|ו}} und 60 als {{He|ס}}. Die­se vier Buch­sta­ben drü­cken die vier Zah­len 400 200 6 60 aus. Sie sind durch ei­ne wun­der­ba­re Art und Wei­se ge­ra­de in die­ses Ge­heim­nis hin­ein­ge­zo­gen wor­den, wun­der­bar durch den Scharf.. Sinn de­rer, die sie hin­ein­ge­zo­gen ha­ben, weil zu glei­cher Zeit die­se vier Buch­sta­ben als Lau­te wie­der­um ganz be­son­de­re ok­kul­te Be­deu­tung hat­ten. Den­ken Sie nur ein­mal, was muß denn ei­gent­lich die Zahl 666 be­deu­ten, wenn sie aus­drü­cken soll, was wir an­ge­führt ha­ben? Sie muß be­deu­ten das Prin­zip, das den Men­schen zur völ­li­gen Ver­här­tung führt im äu­ße­ren phy­si­schen Le­ben, so daß er ge­ra­de­zu von sich stößt, was ihn be­fähigt, die nie­de­ren Prin­zi­pi­en ab­zu­st­rei­fen und hin­auf­zu­s­tei­gen zu den höhe­ren. Was der Mensch be­kom­men hat an phy­si­schem Leib, Äther­leib, as­tra­li­schem Leib und nie­de­rem Ich, be­vor es sich zum höhe­ren hin­auf er­hebt, die­se vier Prin­zi­pi­en wer­den zu glei­cher Zeit durch die­se vier Buch­sta­ben aus­ge­drückt: durch das Sa­mech der phy­si­sche Leib, durch das Waw der Äther­leib, durch das Resch der as­tra­li­sche Leib und durch das Taw das nie­de­re Ich. So se­hen wir, daß das Ver­här­te­te in die­sen vier Prin­zi­pi­en, be­vor sie ih­re gött­li­che Ent­wi­cke­lung be­gin­nen, durch die vier Buch­sta­ben aus­ge­drückt wird. Der Apo­ka­lyp­ti­ker kann wahr­haft sa­gen: «Hier ist Weis­heit!», denn Weis­heit ist da­r­in­nen. «Wer Ver­stand hat, der über­le­ge die Zahl, die Zahl 666!»&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt wol­len wir ein­mal le­sen. Man liest das so, selbst­ver­ständ­lich um­ge­kehrt, von rechts nach links:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:GA104 228.png|center|400px|Zeichnung aus GA 104, S. 228]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|229}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann hat man noch zu er­gän­zen die Vo­ka­le, und es heißt «So­rat». So­rat ist der Na­me des Son­nen­dä­mons, des Geg­ners des Lam­mes. Und je­des sol­ches geis­ti­ge We­sen hat man be­zeich­net nicht nur mit sei­nem Na­men, son­dern auch mit ei­nem ganz be­stimm­ten Sinn­bild, mit ei­nem sym­bo­li­schen Zei­chen. Für So­rat, den Son­nen­dä­mon, gab es die­ses Zei­chen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:GA104 229.png|center|200px|Zeichnung aus GA 104, S. 229]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ei­nen di­cken Strich, der in sich selbst zu­rück­ge­bo­gen ist und vor­ne zwei ge­bo­ge­ne Spit­zen hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und nun müs­sen wir aber den Apo­ka­lyp­ti­ker rich­tig ver­ste­hen. Er sagt ja gleich im An­fang ein merk­wür­di­ges Wort, das ge­wöhn­lich falsch über­setzt wird. Der Ein­gang der Apo­ka­lyp­se heißt doch: «Dies ist die Of­fen­ba­rung Je­su Chris­ti, die ihm Gott ge­ge­ben hat, sei­nen Knech­ten zu zei­gen, was in Kür­ze ge­sche­hen soll, und hat sie in Zei­chen ge­setzt und uns ge­ge­ben durch sei­nen En­gel dem Knecht, dem Die­ner Jo­han­nes.» «In Zei­chen ge­setzt»: al­so wir müs­sen uns dar­auf ge­faßt ma­chen, daß er den wich­ti­gen, den ei­gent­li­chen Mys­te­rien­in­halt in Zei­chen setzt. Er hat das­je­ni­ge, was 666 aus­drückt, in Zei­chen ge­setzt. Was er be­sch­reibt, ist das Zei­chen, und er be­sch­reibt es so (Ka­pi­tel 13, 11): «Und ich sah ein an­der Tier auf­s­tei­gen aus der Er­de, das hat­te zwei Hör­ner gleich­wie ein Lamm.» Das sind nichts an­de­res als die zwei Stri­che oben an der Zeich­nung, und um das zu ver­hül­len, nennt er ein­fach die zwei Stri­che hier «Hör­ner». Das war im­mer so im Ge­brauch der Mys­te­ri­en­spra­che, daß man ein Wort viel­deu­tig ge­braucht hat, um den Un­ein­ge­weih­ten nicht so oh­ne wei­te­res die Mög­lich­keit zu ge­ben, die Sa­che zu ver­ste­hen. Was er al­so hier be­sch­reibt «das hat­te zwei Hör­ner wie ein Lamm», das ist das Zei­chen des Son­nen­dä­mons, das in der Mys­te­ri­en­spra­che aus­ge­drückt wird durch das Wort «So­rat», und das, wenn wir für die ein­zel­nen Buch­sta­ben&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
ih­re Zah­len ein­set­zen, aus­ge­drückt wird durch die vier Zah­len 400 200 6 und 60. Das gibt 666 in sehr ver­hüll­ter Aus­drucks­wei­se.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So se­hen wir, daß der Apo­ka­lyp­ti­ker auf den Geg­ner des Lam­mes hin­deu­tet. Un­ten er­schei­nen da, wo die Er­de ins Geis­ti­ge über­geht, die Ge­stal­ten der Men­schen so, daß sie ih­re al­te Tier­form er­hal­ten. Es er­scheint das Tier mit den sie­ben Köp­fen und zehn Hör­nern, aber es er­scheint auch ihr Ver­füh­rer, der die star­ke Kraft hat, sie nicht zu­rück­kom­men zu las­sen zur Son­ne, der Geg­ner des Chris­tus. Die Men­schen sel­ber kön­nen kei­ne Geg­ner des Chris­tus sein, kön­nen nur so­zu­sa­gen durch das, was in ih­nen an fal­scher Kraft ist, ver­säu­men, das Chris­tus-Prin­zip in sich auf­zu­neh­men. Aber es gibt ei­nen sol­chen Geg­ner: das Son­nen­dä­mo­ni­um. Das er­scheint, so­bald et­was da ist, das ihm zur Beu­te fal­len kann. Be­vor die Beu­te da ist, be­vor die Men­schen da sind mit den sie­ben Köp­fen und zehn Hör­nern, da ist nichts zu ver­füh­ren, da hat auch der Ver­füh­rer nichts zu su­chen. Dann aber, wenn der Mensch mit sol­chen An­la­gen er­scheint,, dann kommt der Ver­füh­rer. Und er er­scheint als das zwei­te der Tie­re und ver­führt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dem Au­gen­blick al­so, wo die Er­de in den as­tra­li­schen Zu­stand über­geht, er­scheint vom Men­schen das­je­ni­ge, was an ihm vor­han­den war, als die Er­de noch mit ei­ner Was­ser­hül­le um­k­lei­det war. Es steigt auf das Men­schen­tier. Aus dem Was­ser sieht man sich er­he­ben das Tier mit den sie­ben Köp­fen und den zehn Hör­nern. Daß die­ses Tier un­be­nützt ge­las­sen hat die Er­de, das macht, daß jetzt aus der Er­de auf­s­tei­gen kann So­rat, der Son­nen­geg­ner, der Ver­füh­rer, der da­durch sich dem Men­schen na­hen und ihn mit al­ler Kraft in den Ab­grund hin­un­ter­rei­ßen kann. So se­hen wir ein We­sen an die Men­schen sich sch­mie­gen von die­sem Zeit­punkt an, das ei­ne furcht­ba­re Ge­walt hat. Was tut denn die­ses We­sen, um die Men­schen in solch schau­der­haf­te Din­ge hin­ein­zu­füh­ren, wie wir sie ah­nen kön­nen? Da­mit die Men­schen ver­führt wer­den zur blo­ßen Un­mo­ral, zu dem, was sie schon als Nor­mal­men­schen ken­nen, da­zu brauch­te es die­ses Un­ge­heu­ers nicht, das als Son­nen­dä­mon er­scheint. Erst wenn das­je­ni­ge, was im gu­ten Sin­ne die We­sen aus­zeich­net, die dem Men­schen­ge­sch­lecht Ret­tung brin­gen, erst wenn&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
die spi­ri­tu­el­le Er­he­bung in ihr Ge­gen­teil ver­wan­delt wird, wenn die spi­ri­tu­el­le Kraft in den Di­enst des nie­de­ren Ich-Prin­zips ge­s­tellt wird, dann kann sie die Mensch­heit so weit brin­gen, daß das Tier, das dar­ge­s­tellt wird mit zwei Hör­nern, über sie Ge­walt er­langt. Der Mißbrauch der spi­ri­tu­el­len Kräf­te hängt zu­sam­men mit je­ner ver­füh­re­ri­schen Kraft des Tie­res mit den zwei Hör­nern. Und wir nen­nen die­sen Mißbrauch der spi­ri­tu­el­len Kraft die schwar­ze Ma­gie im Ge­gen­satz zum. rich­ti­gen Ge­brauch, den wir die wei­ße Ma­gie nen­nen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So wird das Men­schen­ge­sch­lecht da­durch, daß es sich spal­tet, sich dar­auf vor­be­rei­ten, auf der ei­nen Sei­te in im­mer geis­ti­ge­re Zu­stän­de zu ge­lan­gen und da­durch in den Ge­brauch der geis­ti­gen Kräf­te, in die wei­ße Ma­gie hin­ein­zu­kom­men, und auf der an­de­ren Sei­te wird das­je­ni­ge, was Mißbrauch treibt mit den spi­ri­tu­el­len Kräf­ten, sich vor­be­rei­ten für die wil­des­te Kraft des zwei­hör­ni­gen Tie­res, die schwar­ze Ma­gie. Es wird sich letz­ten En­des die Mensch­heit spal­ten in We­sen, wel­che die wei­ße, und in sol­che, wel­che die schwar­ze Ma­gie trei­ben. So ist in dem Ge­heim­nis von 666 oder So­rat das Ge­heim­nis der schwar­zen Ma­gie ver­bor­gen. Und der Ver­füh­rer zur schwar­zen Ma­gie, je­nes furcht­bars­ten Ver­b­re­chens in der Er­den­ent­wi­cke­lung, dem kein Ver­b­re­chen gleich­kom­men kann, er wird vom Apo­ka­lyp­ti­ker dar­ge­s­tellt durch das zwei­hör­ni­ge Tier. So tritt so­zu­sa­gen in un­se­ren Ho­ri­zont ein die Spal­tung der Mensch­heit in ur­fer­ner Zu­kunft: die Au­s­er­wähl­ten des Chris­tus, die zu­letzt sein wer­den die wei­ßen Ma­gi­er, und die Geg­ner, die wil­den Zau­be­rer, die schwar­zen Ma­gi­er, die nicht los kön­nen von der Ma­te­rie und die der Apo­ka­lyp­ti­ker dar­s­tellt als die­je­ni­gen, die mit der Ma­te­rie Un­zucht trei­ben. Da­her wird die­ses gan­ze Trei­ben von schwar­zer Ma­gie, al­les, was da an Ehe ent­steht zwi­schen dem Men­schen und der Ver­här­tung in der Ma­te­rie, ihm zur An­schau­ung ge­bracht vor sei­ner Se­her­see­le in der gro­ßen Ba­by­lon, in der Ge­mein­schaft, die al­le die­je­ni­gen ve­r­eint, die schwar­ze Ma­gie trei­ben, in der furcht­ba­ren Ehe oder viel­mehr wil­den Ehe zwi­schen dem Men­schen und den Kräf­ten der her­ab­ge­kom­me­nen Ma­te­rie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und so se­hen wir in ei­ner ur­fer­nen Zu­kunft zwei Kräf­te ein­an­der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
ge­gen­über­ste­hen: auf der ei­nen Sei­te die­je­ni­gen, die hin­ein­se­geln in die Be­woh­ner­schaft der gro­ßen Ba­by­lon, und auf der an­de­ren die­je­ni­gen, die sich er­he­ben über die Ma­te­rie, die sich als Men­schen ve­r­ei­ni­gen mit dem, was als Prin­zip des Lam­mes hin­ge­s­tellt wird. Wir se­hen, wie auf der ei­nen Sei­te das Schwär­zes­te sich ab­son­dert in der Ba­by­lon, ge­führt von all den der Son­ne ent­ge­gen­ge­setz­ten Kräf­ten, von So­rat, dem zwei­hör­ni­gen Tier, und wir se­hen die Mensch­heit, die sich ent­wi­ckelt hat aus den Au­s­er­wähl­ten, die sich ve­r­ei­ni­gen mit dem ih­nen er­schei­nen­den Chris­tus, dem Lamm: die Hoch­zeit des Lam­mes auf der ei­nen Sei­te, die der Ba­by­lon, der un­ter­ge­hen­den Ba­by­lon auf der an­dern Sei­te. Und wir se­hen hin­un­ter­sin­ken in den Ab­grund Ba­by­lon und auf­s­tei­gen zu der Hand­ha­bung der Kräf­te der wei­ßen Ma­gie die Au­s­er­wähl­ten, die Hoch­zeit ge­hal­ten ha­ben mit dem Lamm. Und weil sie die geis­ti­gen Kräf­te nicht nur er­ken­nen, son­dern auch die­se geis­ti­gen Kräf­te ma­gisch zu hand­ha­ben ver­ste­hen, kön­nen sie vor­be­rei­ten das, was sie an der Er­de ha­ben, zu der nächs­ten pla­ne­ta­ri­schen Ver­kör­pe­rung, zu dem Ju­pi­ter. Sie zeich­nen so­zu­sa­gen die gro­ßen Grun­d­ris­se, die der Ju­pi­ter ha­ben soll. Wir se­hen sich her­au­s­er­he­ben aus der Kraft der wei­ßen Ma­gi­er die vor­be­rei­ten­den Ge­stal­ten, die hin­über­le­ben sol­len als die Ge­stal­ten der nächs­ten Er­den­ver­kör­pe­rung, des Ju­pi­ters: das neue Je­ru­sa­lem se­hen wir aus der wei­ßen Ma­gie sich er­he­ben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor­her aber muß aus­ge­sto­ßen wer­den, was cha­rak­te­ri­siert ist durch So­rat, 666. Aus­ge­sto­ßen wird, was ver­fal­len ist dem Prin­zip des zwei­hör­ni­gen Tie­res und sich da­her ver­här­tet hat zum Tier mit den sie­ben Köp­fen und zehn Hör­nern. Die Kraft, durch wel­che der Son­nen­ge­ni­us über­win­den läßt die­se Aus­ge­sto­ße­nen, die sie hin­un­ter­t­reibt in den Ab­grund, die­se Kraft wird ge­nannt das Ant­litz des Son­nen­ge­ni­us. Und das Ant­litz des Son­nen­ge­ni­us ist Mi­cha­el, der so­zu­sa­gen als Stell­ver­t­re­ter des Son­nen­ge­ni­us das Tier mit den zwei Hör­nern, den Ver­füh­rer, den man auch den gro­ßen Dra­chen nennt, über­win­det. Das wird dar­ge­s­tellt durch das dem Se­her er­schei­nen­de Bild von Mi­cha­el, der den Schlüs­sel zum Ab­grund und die Ket­te in sei­ner Hand hat, der bei Gott steht und die ent-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|233}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ge­gen­ge­setz­ten Kräf­te ge­fes­selt hält. So wird in der christ­lich-ro­sen­k­reu­ze­ri­schen Eso­te­rik das Hin­weg­sto­ßen der­je­ni­gen, die zu 666 ge­hö­ren, und die Über­win­dung des Dra­chens, des Ver­füh­rers, cha­rak­te­ri­siert. So taucht heu­te vor un­se­rem Bli­cke auf, was der Apo­ka­lyp­ti­ker in Ge­heim­nis­se ge­hüllt hat, was man erst durch die Ent­hül­lung her­aus­ho­len muß, und wo­zu er sagt: «Hier ist Weis­heit! Wer Ver­stand hat, der über­le­ge die Zahl des Tie­res», das heißt des zwei­hör­ni­gen Tie­res, «denn die­se Zahl ist 666» (Of­fen­ba­rung Jo­han­nis 13, 18).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die­je­ni­gen, die sie auf Ne­ro be­zo­gen ha­ben, ha­ben die­se Auf­for­de­rung des Apo­ka­lyp­ti­kers sch­lecht er­füllt. Denn Sie se­hen, aus wel­chen Tie­fen der Wel­te­n­er­klär­ung die Weis­heit, die zur Zahl 666 führt, ge­holt wer­den muß. Wenn Sie sich auch heu­te an­zu­s­t­ren­gen hat­ten, um zur Cha­rak­te­ri­sie­rung die­ses Mo­men­tes auf­zu­s­tei­gen, so dür­fen Sie nicht ver­ges­sen, daß An­st­ren­gung da­zu ge­hört, um die tiefs­ten Ge­heim­nis­se zu ver­ste­hen. Und die­se tiefs­ten Ge­heim­nis­se der Welt­ent­wi­cke­lung hat der Apo­ka­lyp­ti­ker hin­ein­ge­legt. Er hat sie ver­hüllt, weil es gut ist für die Men­schen, wenn die wich­tigs­ten Mys­te­ri­en in Zei­chen ge­setzt wer­den. Denn ab­ge­se­hen von al­lem üb­ri­gen: durch je­ne Kräf­te, wel­che an­ge­st­rengt wer­den, die Zei­chen zu ent­hül­len, wird viel von dem er­reicht, was uns zu glei­cher Zeit hin­auf­hebt zu den gu­ten Kräf­ten sel­ber. So las­sen wir es uns nicht ver­drie­ßen, daß wir uns durch ein Zah­len­sche­ma ha­ben hin­durch­win­den müs­sen. Hät­ten Sie in den al­ten Schu­len das auf­fas­sen sol­len, was da über­haupt an sol­chen Zah­len ge­heim ge­ge­ben wor­den ist, be­vor ir­gend et­was Wei­te­res ge­ge­ben wur­de, dann wür­den Sie noch viel an­de­res er­fah­ren ha­ben. Da ha­ben die Schü­ler lan­ge schwei­gen und ru­hig zu­hö­ren müs­sen, wie ih­nen lau­ter Zah­len, 777, 666 und so wei­ter im­mer und im­mer wie­der zu­nächst in ih­rer for­ma­len Be­deu­tung klar­ge­macht wur­den. Und wenn sie die­se Be­deu­tung er­faßt hat­ten, dann erst durf­ten sie das ei­gent­lich In­halt­vol­le er­ken­nen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|234}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= ZWÖLFTER VORTRAG, Nürnberg, 30. Juni 1908 =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es könn­te dem­je­ni­gen, der sich mit sei­nem Ge­füh­le die Aus­füh­run­gen über­legt, die uns am En­de der ges­t­ri­gen Be­trach­tung ent­ge­gen­ge­t­re­ten sind, ein ge­wis­ser An­flug von Ban­gig­keit kom­men über das Schick­sal der zu­künf­ti­gen Mensch­heit. Es muß­te ges­tern vor Ih­re See­le hin­ge­s­tellt wer­den ein Bild die­ser Men­schen­zu­kunft, wie es auf der ei­nen Sei­te al­ler­dings groß, ge­wal­tig und mit Se­lig­keit er­fül­lend ist, ein Bild, das dem Da­sein je­nes zu­künf­ti­gen Men­schen ent­spricht, wel­cher die Mis­si­on un­se­rer Ge­gen­wart auf der Er­de be­grif­fen hat, der den Chris­tus-Geist in sich auf­ge­nom­men hat und da­durch Schritt hat hal­ten kön­nen mit der not­wen­di­gen Ver­geis­ti­gung un­se­rer Er­de, ein herr­li­ches, be­se­li­gen­des Bild der­je­ni­gen Men­schen, die man ge­wöhn­lich im exo­te­ri­schen Chris­ten­tum die «Er­lös­ten» oder auch mit ei­nem nicht ganz zu­tref­fen­den Aus­druck die «Au­s­er­wähl­ten» nennt. Aber auch das Ge­gen­bild muß­te vor Ih­re See­le hin­ge­s­tellt wer­den, je­nes Bild des Ab­grunds, in dem sich ei­ne Mensch­heit fin­det, wel­che nicht in der La­ge war, auf­zu­neh­men die­sen Chris­tus-Geist, die in der Ma­te­rie ste­cken­ge­b­lie­ben ist, sich so­zu­sa­gen von dem in die Zu­kunft hin­ein­ge­hen­den Ver­geis­ti­gung­s­pro­zeß aus­ge­sch­los­sen hat, die her­aus­ge­fal­len ist aus der ver­geis­tig­ten Er­de und in ge­wis­ser Be­zie­hung ab­seits da­von ei­nem furcht­ba­ren Schick­sal ent­ge­gen­geht. Wenn uns aus dem Ab­grund her­auf an­starrt das Tier mit den sie­ben Köp­fen und den zehn Hör­nern, ver­führt durch das an­de­re furcht­ba­re We­sen, das zwei­hör­ni­ge Tier, so er­scheint uns al­ler­dings die­ses Bild Furcht und Sch­re­cken er­re­gend, und man­cher könn­te sich fra­gen: Ist es denn nicht von ei­ner Vor­se­hung hart und un­wei­se, ei­ne An­zahl von Men­schen ei­nem so furcht­ba­ren Schick­sal ent­ge­gen­zu­füh­ren, ei­ne An­zahl von Men­schen ge­wis­ser­ma­ßen zu ver­dam­men zum Ab­grund des Bö­sen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und es könn­te die Fra­ge auf­tau­chen: Hät­te es sich nicht für&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|235}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ei­ne wei­se Vor­se­hung bes­ser ge­ziemt, von vorn­he­r­ein die­ses furcht­ba­re Schick­sal ab­zu­wen­den?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Ant­wort kann man auf die­se Fra­gen zu­nächst et­was ab­strakt, et­was theo­re­tisch sa­gen, und wer die­ses Theo­re­ti­sche füh­len kann, für den be­deu­tet dies ei­gent­lich schon sehr viel: Es ist au­ßer­or­dent­lich wei­se, daß die Vor­se­hung da­für ge­sorgt hat, daß die­ses furcht­ba­re Schick­sal als ei­ne Mög­lich­keit vor ei­ner An­zahl von Men­schen ste­hen kann. Denn wä­re es un­mög­lich, daß der Mensch in die Ab­grün­de des Bö­sen hin­ein­se­gelt, dann wä­re auch das für den Men­schen nicht er­reich­bar, was wir auf der ei­nen Sei­te Lie­be und auf der an­de­ren Sei­te Frei­heit nen­nen, denn für den Ok­kul­tis­ten ist die Frei­heit un­t­renn­bar ver­knüpft mit dem Be­griff der Lie­be. Frei­heit wä­re für den Men­schen un­mög­lich, und Lie­be wä­re für den Men­schen un­mög­lich, wenn nicht die­ses Hin­ab­se­geln mög­lich wä­re. Ein Mensch, der nicht die Mög­lich­keit hät­te, aus ei­ge­nem frei­en Ent­schluß das Gu­te oder auch das Bö­se zu wäh­len, der wä­re ein We­sen, das nur am Gän­gel­band zu ei­nem not­wen­dig zu er­rei­chen­den Gu­ten ge­führt wür­de, in des­sen Wahl es nicht stän­de, das Gu­te aus vol­lem, in sich sel­ber ge­läu­ter­tem Wol­len aus ei­ner der Frei­heit ent­sprin­gen­den Lie­be zu wäh­len. Für ei­nen Men­schen, dem es nicht mög­lich wä­re, die Ge­folg­schaft des Un­ge­heu­ers mit den zwei Hör­nern ein­zu­schla­gen, für den wä­re es auch nicht mög­lich, aus ei­ner selb­s­t­ei­ge­nen Lie­be dem Got­te zu fol­gen. Es lag im Sin­ne der wei­sen Vor­se­hung, der sich durch un­ser Pla­ne­ten­sys­tem hin­durch ent­wi­ckeln­den Mensch­heit die Mög­lich­keit der Frei­heit zu ge­ben, und die­se Mög­lich­keit der Frei­heit war un­ter kei­ner an­de­ren Be­din­gung zu ge­ben als da­durch, daß der Mensch selbst die freie Wahl zu tref­fen hat zwi­schen dem Gu­ten und dem Bö­sen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist aber doch nur, man möch­te sa­gen, ei­ne lee­re The­o­rie, und die Men­schen schwin­gen sich ja nur lang­sam da­zu auf, so et­was nicht nur mit Wor­ten zu sa­gen und in theo­re­ti­schen Au­gen­bli­cken als ei­ne Art Er­klär­ung zu fin­den, son­dern auch im Ge­füh­le zu ha­ben. Sel­ten schwin­gen sich die Men­schen heu­te schon auf zu dem Ge­dan­ken: Ich dan­ke dir, o wei­se Vor­se­hung, daß du es mög­lich ge­macht hast, daß ich dir nicht ei­ne von dir selbst ab­ge­zwun­ge­ne,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|236}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
son­dern frei in mei­ner Brust ent­sprie­ßen­de Lie­be ent­ge­gen­brin­ge; daß du mich nicht zwingst, dich zu lie­ben, son­dern daß du mir es in Wahl ge­s­tellt hast, dir zu fol­gen. Al­ler­dings, zu die­ser Emp­fin­dung müß­te sich der Mensch auf­schwin­gen, wenn er die­se theo­re­ti­sche Er­klär­ung wir­k­lich füh­len könn­te.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber man kann auch aus der hell­se­he­ri­schen Be­trach­tung der Welt her­aus ei­nen an­de­ren Trost oder bes­ser ge­sagt ei­ne an­de­re Be­ru­hi­gung ge­ben. Denn ges­tern schon wur­de be­rührt, daß ei­ne fast un­ab­än­der­li­che An­la­ge für den Ab­grund nur der­je­ni­ge hat, der heu­te schon ir­gend­wie ver­s­trickt wird in die Fang­ar­me des zwei­hör­ni­gen Tie­res, des gro­ßen Ver­füh­rers zu den Küns­ten der schwar­zen Ma­gie. Und selbst für sol­che Men­schen, die heu­te auf die Küns­te der schwar­zen Ma­gie he­r­ein­fal­len, gibt es in der Zu­kunft noch ein­mal ei­ne Mög­lich­keit, um­zu­keh­ren. Die­je­ni­gen aber, und das sind ja vor­läu­fig die meis­ten Men­schen, wel­che über­haupt gar nicht in die La­ge kom­men, ir­gend­wel­chen Küns­ten der schwar­zen Ma­gie zu ver­fal­len, für die ist wohl in dem, was auf den gro­ßen Krieg al­ler ge­gen al­le folgt, ei­ne ge­wis­se An­la­ge zum end­gül­ti­gen Bö­sen vor­han­den, aber die Mög­lich­keit, in der Zu­kunft wie­der um­zu­keh­ren und sich dem Gu­ten zu­zu­wen­den, wird viel grö­ß­er sein als der Zwang, un­be­dingt dem Bö­sen zu fol­gen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus den Vor­trä­gen geht ja her­vor, daß für die­je­ni­gen Men­schen, die sich heu­te ei­ner spi­ri­tu­el­len Wel­t­an­schau­ung zu­wen­den, um hin­über­zu­le­ben über den gro­ßen Krieg in die sechs­te Pe­rio­de hin­ein, die durch die Ent­sie­ge­lung der Sie­gel dar­ge­s­tellt wird, daß für je­ne Schar es mög­lich ist, das Chris­tus-Prin­zip auf­zu­neh­men. Sie wer­den auf­neh­men kön­nen die geis­ti­gen Ele­men­te, die in der durch die Ge­mein­de zu Phi­la­del­phia be­zeich­ne­ten Zeit ver­an­lagt wer­den, sie wer­den sich aus­le­ben kön­nen in der nächs­ten Zeit mit ei­ner star­ken Ver­an­la­gung zur Ver­geis­ti­gung. Es neh­men heu­te die­je­ni­gen, die sich ei­ner spi­ri­tu­el­len An­schau­ung zu­wen­den, ge­wal­ti­ge An­la­gen auf, um die auf­wärts­ge­hen­de Bahn ein­zu­schla­gen. Es darf durch­aus nicht ver­kannt wer­den, wie wich­tig es ist, daß heu­te schon ei­ne An­zahl von Men­schen nicht taub ist ge­gen die Ver­kün­di­gung der so­ge­nann­ten an­thro­po­so­phi­schen Wel­t­an­schau­ung,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
wel­che die ers­ten An­la­gen zum spi­ri­tu­el­len Le­ben in be­wuß­ter Wei­se in die Mensch­heit bringt, wäh­rend es früh­er un­be­wußt ge­schah. Das ist das Wich­ti­ge, daß die­ser Teil der Men­schen die ers­te be­wuß­te An­la­ge zur Auf­wärts­be­we­gung auf­nimmt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber da­durch, daß heu­te ein Häuf­lein sich aus­son­dert, um ei­nen gro­ßen Bru­der­bund zu be­grün­den, der hin­über­le­ben wird in die Zeit der sie­ben Sie­gel, da­durch wird ge­ra­de für die an­de­ren Men­schen, die heu­te noch ein tau­bes Ohr ha­ben für die Ver­kün­di­gung der an­thro­po­so­phi­schen Wel­t­an­schau­ung, auch Rat ge­schaf­fen. Denn wir ha­ben ja bis zum gro­ßen Krie­ge al­ler ge­gen al­le noch vie­le Ver­kör­pe­run­gen der ge­gen­wär­ti­gen See­len durch­zu­ma­chen und wie­der­um bis zum ent­schei­den­den Punk­te nach dem gro­ßen Krie­ge. Und auch nach­her für die Zeit der Sie­gel ha­ben wir vie­le Ver­wand­lun­gen durch­zu­ma­chen, und die Men­schen wer­den oft und oft Ge­le­gen­heit ha­ben, ihr Herz auf­zu­sch­lie­ßen der spi­ri­tu­el­len Wel­t­an­schau­ung, die heu­te durch die an­thro­po­so­phi­sche Be­we­gung fließt. Oft und oft wird Ge­le­gen­heit sein, und Sie dür­fen nicht glau­ben, daß die Ge­le­gen­hei­ten in der Zu­kunft nur sol­che sein wer­den, wie sie heu­te da sind. Oh, die Art und Wei­se, wie wir heu­te in der La­ge sind, ge­gen­über den an­de­ren Men­schen die spi­ri­tu­el­le Wel­t­an­schau­ung zu ver­kün­den, ist et­was noch sehr Schwa­ches. Und wür­de heu­te ein Mensch selbst so re­den, daß sei­ne Stim­me un­mit­tel­bar wie Feu­er des Geis­tes er­tö­nen wür­de, so wä­re das noch et­was Schwa­ches ge­gen­über den Mög­lich­kei­ten, die in spä­te­ren, ent­wi­ckel­te­ren Lei­bern da sein wer­den, um die Mit­men­schen hin­zu­wei­sen auf die­se spi­ri­tu­el­le Be­we­gung. Wenn die Mensch­heit im gan­zen in den fol­gen­den Zei­ten im­mer höh­er und höh­er ent­wi­ckelt sein wird, dann wer­den sich noch ganz an­de­re Mit­tel er­ge­ben, durch wel­che die spi­ri­tu­el­le Wel­t­an­schau­ung in die Her­zen wird drin­gen kön­nen, und das flam­mends­te Wort von heu­te wird ge­ring und schwach sein ge­gen das, was in der Zu­kunft wir­ken wird, um all den See­len die Mög­lich­keit zur spi­ri­tu­el­len Wel­t­an­schau­ung zu ge­ben, die heu­te noch in Lei­bern le­ben, in de­nen kein Herz schlägt für die­se spi­ri­tu­el­le Wel­t­an­schau­ung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir ste­hen im An­fang der spi­ri­tu­el­len Be­we­gung, und sie wird&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|238}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wach­sen, und es wird viel Ver­stockt­heit, viel Ver­här­tung da­zu ge­hö­ren, ge­gen­über den ge­wal­ti­gen Ein­drü­cken der Zu­kunft die Her­zen und See­len zu ver­sch­lie­ßen. Die­je­ni­gen See­len, die heu­te in Lei­bern le­ben, wel­che Her­zen ha­ben, um die an­thro­po­so­phi­sche Wel­t­an­schau­ung zu hö­ren und zu füh­len, die­se See­len be­rei­ten sich da­durch vor, künf­tig in Lei­bern zu le­ben, in de­nen ih­nen Kraft ge­ge­ben sein wird, um ih­ren Mit­men­schen zu die­nen, wel­che bis da­hin nicht die Mög­lich­keit hat­ten, die Her­zen so in sich sel­ber schla­gen zu füh­len. Erst die Vor­be­rei­ter der Vor­be­rei­ter sind wir, wei­ter noch nichts. Ein ganz klei­nes Flämm­chen erst ist heu­te die spi­ri­tu­el­le Be­we­gung, und sie wird sich zu ei­nem ge­wal­ti­gen geis­ti­gen Feu­er in der Zu­kunft ge­stal­ten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir die­ses an­de­re Bild vor un­se­re See­le hin­s­tel­len, wenn wir es so recht durch­emp­fin­den, dann wird ein ganz an­de­res Ge­fühl, ei­ne ganz an­de­re Er­kennt­nis­mög­lich­keit die­ser Tat­sa­che in uns auf­le­ben. Heu­te ist es das, was wir schwar­ze Ma­gie nen­nen, dem die Men­schen in ge­wis­ser Wei­se be­wußt oder un­be­wußt ver­fal­len kön­nen. Die­je­ni­gen, die heu­te so da­hin­le­ben in den Tag hin­ein, die heu­te gar nicht be­rührt wer­den von der spi­ri­tu­el­len Wel­t­an­schau­ung, die in ih­rem be­que­men All­tags­du­sel da­hin­le­ben und sa­gen: Was küm­mert mich, was die­se Träu­mer von An­thro­po­so­phen sp­re­chen , die ha­ben die ge­rings­te Mög­lich­keit, in die Krei­se der schwar­zen Ma­gie hin­ein­zu­kom­men. Für sie ist es so, daß sie heu­te nur die Ge­le­gen­heit ver­säu­men, um einst­mals ih­ren Mit­men­schen zu hel­fen in den Be­st­re­bun­gen zur Er­lan­gung des spi­ri­tu­el­len Le­bens. Für sie selbst kann noch nicht sehr viel ver­lo­ren sein. Die­je­ni­gen aber, die heu­te be­gin­nen, auf ei­ne un­recht­mä­ß­i­ge Wei­se sich an das spi­ri­tu­el­le Le­ben her­an­zu­ma­chen, die neh­men ei­gent­lich in den al­le­r­ers­ten An­fän­gen in sich die An­la­ge auf von et­was, was man schwar­ze Ma­gie nen­nen könn­te. Und nur ganz we­ni­ge In­di­vi­du­en gibt es, die heu­te schon der schwar­zen Ma­gie in je­nem furcht­ba­ren Sinn ver­fal­len sind, in dem ei­gent­lich von die­ser scheuß­li­chen Kunst der Mensch­heit ge­spro­chen wer­den muß.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie wer­den am bes­ten ver­ste­hen, daß es wir­k­lich so ist, wenn ich Ih­nen nur ganz lei­se An­deu­tun­gen ma­che dar­über, wie in sys­te-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|239}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ma­ti­scher Wei­se schwar­ze Ma­gie gepf­lo­gen wird, und dann wer­den Sie schon se­hen, daß Sie Um­schau hal­ten kön­nen hin­auf und hin­ab un­ter all Ih­ren Be­kann­ten, und daß Sie nie­mand fin­den wer­den, dem Sie zu­trau­en könn­ten, daß er sol­chen Küns­ten heu­te schon zu­neigt. Al­les üb­ri­ge ist im Grun­de ge­nom­men nur purs­ter Di­let­tan­tis­mus, der in den fol­gen­den Pe­rio­den sehr leicht wird aus­ge­trie­ben wer­den kön­nen. Es ist ja sch­limm ge­nug, daß in un­se­rer Zeit manch­mal Din­ge an­ge­prie­sen wer­den, um die Men­schen zu über­vor­tei­len und so wei­ter, die in ge­wis­ser Be­zie­hung auch der An­fang sind schwar­zer ma­gi­scher Kunst. Sch­limm ist es auch, daß ge­wis­se An­schau­un­gen he­r­ein­spie­len, wel­che, wenn sie auch durch­aus nicht zur schwar­zen Kunst ge­hö­ren, doch ei­ne ge­wis­se Ver­füh­rung bil­den. Es sind das An­schau­un­gen, die heu­te die Welt be­herr­schen in ge­wis­sen Krei­sen und al­ler­dings un­ter den ma­te­ria­lis­ti­schen Ge­dan­ken wu­chern kön­nen, die aber, wenn sie auch durch­aus nicht un­ge­fähr­lich sind, doch nicht un­heil­bar sein wer­den für die nächs­ten Epo­chen. Erst wenn ein­mal be­gon­nen wird da­mit, daß der Mensch so­zu­sa­gen das Abc der schwar­zen Ma­gie ab­sol­viert, dann ist er auf dem ge­fähr­li­chen We­ge nach dem Ab­grund. Und die­ses Abc be­steht da­rin, daß ein Mensch, der der Schü­ler ei­nes schwar­zen Ma­gi­ers wird, da­zu an­ge­hal­ten wird, in ganz be­wuß­ter Wei­se das Le­ben zu er­tö­ten, dem Le­ben vor al­len Din­gen in der Er­tö­t­ung so­viel Sch­merz als mög­lich zu­zu­fü­gen, und in die­sem Zu­fü­gen des Sch­mer­zes ei­ne ge­wis­se Be­frie­di­gung zu füh­len. Wenn die Ab­sicht be­steht, in ein Le­be­we­sen zu ste­chen oder zu schnei­den mit der Ab­sicht, in dem Sch­mer­ze des­sel­ben Se­lig­keit zu füh­len, dann liegt da­rin das Abc der schwar­zen Küns­te. Was dar­über hin­aus­geht, kann nicht ge­st­reift wer­den. Aber Sie wer­den es schon scheuß­lich ge­nug fin­den, wenn Ih­nen ge­sagt wird, daß der schwarz­ma­gi­sche An­fän­ger zu schnei­den und zu ste­chen hat in le­ben­di­ges Fleisch, nicht so wie der Vi­vi­sek­tor schnei­det es ist dies auch schon et­was Sch­lim­mes, doch fin­det das We­sen der Vi­vi­sek­ti­on sei­ne Über­win­dung in den Vi­vi­sek­to­ren sel­ber, in­dem die­se in Ka­ma­lo­ka an sich selbst die Sch­mer­zen wer­den zu spü­ren ha­ben, die sie ih­ren Op­fern zu­ge­fügt ha­ben, und des­halb die Vi­vi­sek­ti­on in Zu­kunft las­sen wer­den,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|240}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
son­dern wer in sys­te­ma­ti­scher Wei­se ins Fleisch schnei­det und dar­aus Be­frie­di­gung emp­fin­det, der fängt an, auf die ab­schüs­si­ge Bahn der schwar­zen Ma­gie zu kom­men. Und da­durch ist die Mög­lich­keit ge­ge­ben für ihn, im­mer mehr und mehr sich je­nem We­sen zu näh­ern, dem zwei­hör­ni­gen Tier.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die­ses We­sen selbst, das wir als das zwei­hör­ni­ge Tier cha­rak­te­ri­siert ha­ben, brau­chen wir uns durch­aus nur so vor­zu­s­tel­len, daß es als ver­füh­r­en­des We­sen von ganz an­de­rer Art als der Mensch ist. Es stammt aus an­de­ren Welt­pe­rio­den, hat an­de­rer Welt­pe­rio­den Nei­gun­gen an­ge­nom­men und wird sich tief be­frie­digt füh­len, wenn es auf We­sen stößt, wie die­se bö­sen We­sen sein wer­den, die sich ge­wei­gert ha­ben, in­ner­lich an­zu­neh­men, was als Gu­tes aus der Er­de flie­ßen kann. Die­ses We­sen hat nichts von der Er­de ha­ben kön­nen. Es hat kom­men se­hen die Er­den­ent­wi­cke­lung, aber es hat sich ge­sagt: Ich bin nicht mit der Er­de so fort­ge­schrit­ten, daß ich von dem ir­di­schen Da­sein ir­gend et­was ha­ben kann. Die­ses We­sen hät­te nur da­durch et­was ha­ben kön­nen von der Er­de, wenn es in ei­nem be­stimm­ten Au­gen­blick die Herr­schaft hät­te er­lan­gen kön­nen, näm­lich da, wo das Chris­tus-Prin­zip her­un­ter­ge­s­tie­gen ist auf die Er­de. Wenn die­ses Chris­tus-Prin­zip da­mals im Keim er­stickt wor­den wä­re, wenn der Chris­tus von dem Wi­der­sa­cher hät­te über­wun­den wer­den kön­nen, dann al­ler­dings wä­re es mög­lich ge­we­sen, daß die Er­de in ih­rer Ganz­heit die­sem So­rat-Prin­zip ver­fal­len wä­re. Das ist nicht der Fall ge­we­sen, und so muß sich die­ses We­sen begnü­gen mit den Ab­fäl­len, die sich nicht hin­ge­neigt ha­ben zum Chris­tus-Prin­zip, mit je­nen Men­schen, die in der Ma­te­rie ste­cken­ge­b­lie­ben sind. Die wer­den in der Zu­kunft sei­ne Heer­scha­ren sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun müs­sen wir, um die­se Heer­scha­ren noch ge­nau­er zu be­g­rei­fen, uns be­kannt­ma­chen mit zwei Be­grif­fen, die Ih­nen in ge­wis­ser Be­zie­hung ein Schlüs­sel sein kön­nen zu be­stimm­ten Ka­pi­teln der Apo­ka­lyp­se. Wir müs­sen uns be­kannt­ma­chen mit den Be­grif­fen «ers­ter Tod» und «zwei­ter Tod». Was ist der ers­te Tod, und was ist der zwei­te Tod des Men­schen oder der Mensch­heit? Wir müs­sen uns ein ge­nau­es Bild ma­chen von den Be­grif­fen, die der Apo­ka­lyp­ti­ker mit die­sen Wor­ten ver­bun­den hat. Da­zu müs­sen wir noch ein-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|241}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
mal vor un­se­re See­le die ele­men­ta­ren Wahr­hei­ten über das Men­schen­da­sein hin­s­tel­len.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neh­men Sie den Men­schen von heu­te, wie Sie sel­ber ei­ner sind. Er lebt so, daß er vom Mor­gen, wenn er auf­wacht, bis zum Abend, wo er ein­schläft, aus vier Glie­dern be­steht, aus dem phy­si­schen Leib, dem Äther­leib, dem As­tral­leib und dem Ich. Wir wis­sen auch, daß der Mensch wäh­rend sei­nes Er­den­da­seins von sei­nem Ich aus die nie­de­ren Glie­der sei­ner We­sen­heit be­ar­bei­tet und daß es ihm ge­lin­gen muß, wäh­rend des Er­den­da­seins den as­tra­li­schen Leib un­ter die Herr­schaft des Ich zu brin­gen. Wir wis­sen, daß die Er­de ab­ge­löst wer­den wird von dem Ju­pi­ter, ih­rer nächs­ten Ver­kör­pe­rung. Wenn der Mensch auf dem Ju­pi­ter an­ge­langt sein wird, dann wird er als ein an­de­res We­sen vor uns ste­hen. Die­ser Ju­pi­ter­mensch wird von sei­nem Ich aus durch­ge­ar­bei­tet ha­ben sei­nen as­tra­li­schen Leib. Und wenn wir heu­te sa­gen, der Er­den­mensch, der im wa­chen Zu­stand vor uns steht, hat aus­ge­bil­det zu­nächst phy­si­schen Leib, Äther­leib, As­tral­leib und Ich, so müs­sen wir vom Ju­pi­ter­men­schen sa­gen, er wird aus­ge­bil­det ha­ben phy­si­schen Leib, Äther­leib, As­tral­leib und Ich, aber sei­nen as­tra­li­schen Leib wird er um­ge­stal­tet ha­ben zu Geist­selbst. Er wird auf ei­ner höhe­ren Stu­fe des Be­wußt­seins le­ben, auf ei­ner Stu­fe, die fol­gen­der­wei­se cha­rak­te­ri­siert wer­den kann. Je­nes al­te, dump­fe Bil­der­be­wußt­sein des Mon­des, das auch noch in den ers­ten Zei­ten des Er­den­be­wußt­seins da war, das wird in sei­nen Bil­dern als hell­se­he­ri­sches Be­wußt­sein wie­der da sein, aber es wird aus­ge­stat­tet sein mit dem men­sch­li­chen Ich, so daß der Mensch so lo­gisch über­le­gend sein wird mit die­sem Ju­pi­ter­be­wußt­sein, wie er es heu­te mit dem Ta­ges­be­wußt­sein der Er­de ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Ju­pi­ter­mensch wird al­so in ge­wis­ser Be­zie­hung ein nie­d­ri­ger Hell­se­her sein. Es wird ein Teil der see­li­schen Welt für ihn of­fen­lie­gen. Er wird Wohl und We­he sei­ner Um­ge­bung in Bil­dern emp­fin­den, die auf­s­tei­gen inn­er­halb sei­nes ima­gi­na­ti­ven Be­wußt­seins. Die­ser Ju­pi­ter­mensch wird da­her in ganz an­de­ren mo­ra­li­schen Ver­hält­nis­sen le­ben. Den­ken Sie sich, daß Sie als Ju­pi­ter­mensch ei­ne men­sch­li­che See­le vor sich ha­ben: Der Sch­merz, die Lust die­ser&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|242}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
See­le wird auf­s­tei­gen in Bil­dern vor Ih­rer See­le, und die Bil­der des Sch­mer­zes der an­de­ren See­le wer­den Sie quä­len, und Sie wer­den, wenn Sie den Sch­merz der an­de­ren See­le nicht be­sei­ti­gen, un­mög­lich den Sch­merz der an­de­ren See­le mit Ih­rem ei­ge­nen Wohl­sein ve­r­ei­ni­gen kön­nen. Oh, die Bil­der des Lei­des wür­den ei­ne Qual sein für den Ju­pi­ter­men­schen mit dem er­höh­ten Be­wußt­sein, wenn er nichts tun wür­de, um die­ses Leid zu mil­dern und so sei­ne ei­ge­nen quä­len­den Bil­der, die nichts an­de­res sind als der Aus­druck des Lei­des um ihn her­um, gleich­falls weg­zu­schaf­fen. Nicht wird das Wohl und We­he des ein­zel­nen mög­lich sein oh­ne das des an­de­ren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So se­hen wir, wie der Mensch zu sei­nem ge­gen­wär­ti­gen Be­wußt­sein, dem Ich-Be­wußt­sein, ei­nen ganz neu­en Be­wußt­s­eins­zu­stand hin­zu­er­obert. Wenn wir ver­ste­hen wol­len, was das für ei­ne Trag­wei­te hat in der Welt­ent­wi­cke­lung, so müs­sen wir den schla­fen­den Men­schen noch ein­mal vor un­se­re See­le füh­ren. Im Schla­fe liegt im Bet­te Ihr phy­si­scher und Äther­leib, und au­ßer­halb ist das Ich und der as­tra­li­sche Leib. In der Nacht ist es so, daß er wenn wir et­was, sa­gen wir, un­ge­nau re­den schnö­de sei­nen phy­si­schen und Äther­leib ver­läßt. Da­durch aber, daß der Mensch in der La­ge ist, in der Nacht­zeit frei zu wer­den von sei­nem phy­si­schen und Äther­leib, da­durch, daß der Mensch in der Nacht­zeit le­ben kann in ei­ner geis­ti­gen Welt, ist die Mög­lich­keit her­bei­ge­führt, daß er ge­ra­de hier in die­sem Er­den­da­sein von sei­nem Ich aus um­ge­stal­tend wir­ken kann auf sei­nen as­tra­li­schen Leib. Wie ge­schieht nun die­se Wir­kung?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir es an­schau­lich be­sch­rei­ben wol­len, kön­nen wir sa­gen: Neh­men wir den Men­schen in sei­nem tag­wa­chen Zu­stand. Neh­men wir an, er fin­de ne­ben sei­nen Be­rufs­ar­bei­ten und Pf­lich­ten ei­ne wenn auch kur­ze Zeit, um sich höhe­ren Be­trach­tun­gen hin­zu­ge­ben, um sich die gro­ßen Im­pul­se zu ei­gen zu ma­chen, die et­wa aus dem Jo­han­nes-Evan­ge­li­um flie­ßen, aus den Wor­ten: «Im Ur­be­gin­ne war das Wort, und das Wort war bei Gott.» Neh­men wir an, er las­se so in sich er­ste­hen die gro­ßen Bil­der, die ihm durch das Jo­han­nes-Evan­ge­li­um vor­ge­führt wer­den, er sei im­mer von dem Ge­dan­ken er­füllt: Da­mals, im Be­gin­ne un­se­rer Zeit­rech­nung, leb­te&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|243}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
in Pa­läs­t­i­na ei­ne We­sen­heit, der ich nach­fol­gen will. Ich will mein Le­ben so ein­rich­ten, daß al­les vor die­ser We­sen­heit be­ste­hen kann, daß ich mich be­trach­ten kann als ei­nen Men­schen, der die­se Per­sön­lich­keit sich zum Ideal ge­nom­men hat. Da­bei brau­chen wir aber nicht in In­to­le­ranz nur an das Jo­han­nes-Evan­ge­li­um zu den­ken. Auf manch an­de­re Wei­se ist es mög­lich, sich hin­ein­zu­ver­tie­fen in das­je­ni­ge, was die See­le mit sol­chen Bil­dern er­fül­len kann. Und wenn wir auch in ge­wis­ser Wei­se das Jo­han­nes-Evan­ge­li­um als das Größ­te be­zeich­nen müs­sen, was inn­er­halb der Mensch­heit ent­stan­den ist, was die ge­wal­tigs­te Wir­kung aus­ü­ben kann, so dür­fen wir doch sa­gen: Der an­de­re, der hin­ge­bungs­voll in der Leh­re der Ve­dan­ta-Weis­heit auf­geht oder sich in die Bha­ga­vad Gi­ta oder in das Dham­ma­pa­da ver­tieft, auch für den wird ge­nü­gend Ge­le­gen­heit vor­han­den sein, in fol­gen­den Ver­kör­pe­run­gen ge­ra­de durch das, was er so auf­ge­nom­men hat, zum Chris­tus-Prin­zip zu kom­men. Neh­men wir al­so an, ein Mensch durch­drin­ge tags­über sei­ne See­le mit sol­chen Bil­dern und Vor­stel­lun­gen, dann wird sein as­tra­li­scher Leib von die­sen Ge­dan­ken, Ge­füh­len und Bil­dern er­grif­fen, und sie bil­den Kräf­te in sei­nem as­tra­li­schen Leib, er­zeu­gen in ihm die ver­schie­den­ar­tigs­ten Wir­kun­gen. Wenn dann der Mensch aus sei­nem phy­si­schen und Äther­leib des Nachts her­aus­rückt, blei­ben die­se Wir­kun­gen im as­tra­li­schen Lei­be drin­nen, und der­je­ni­ge, der bei Tag sich hat ver­tie­fen kön­nen in die Bil­der und Ge­füh­le des Jo­han­nes-Evan­ge­li­ums, hat et­was ge­schaf­fen in sei­nem as­tra­li­schen Leib, das in der Nacht als ge­wal­ti­ge Wir­kung da­rin auf­tritt. So, müs­sen wir sa­gen, wirkt der Mensch heu­te wäh­rend des tag­wa­chen­den Be­wußt­seins auf sei­nen as­tra­li­schen Leib.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sich be­wußt wer­den die­ser Wir­kun­gen kann heu­te nur der Ein­ge­weih­te; aber der Mensch ent­wi­ckelt sich ja all­mäh­lich hin zu die­sem Be­wußt­sein. Die­je­ni­gen Men­schen, die das Ziel der Er­den­ent­wi­cke­lung er­rei­chen wer­den, wer­den dann ei­nen ganz und gar vom Ich mit dem geis­ti­gen In­halt, den sie sich er­ar­bei­tet ha­ben, durch­drun­ge­nen as­tra­li­schen Leib ha­ben, sie wer­den die­ses Be­wußt­sein als ein Er­geb­nis, als ei­ne Frucht der Er­den­ent­wi­cke­lung ha­ben und hin­über­tra­gen in die Ju­pi­ter­ent­wi­cke­lung. Wir möch­ten sa­gen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
daß der Mensch, wenn die Er­den­zeit so zu En­de ge­gan­gen, ist, Fähig­kei­ten er­langt hat, die sym­bo­lisch dar­ge­s­tellt wer­den durch die Er­bau­ung des neu­en Je­ru­sa­lem. Da wird der Mensch schon hin­ein­bli­cken in je­ne Bil­der­welt des Ju­pi­ter, das Geist­selbst ist dann aus­ge­bil­det in ihm. Das ist das Ziel der Er­den­ent­wi­cke­lung. Was al­so soll der Mensch im Ver­lau­fe der Er­den­ent­wi­cke­lung er­lan­gen? Was ist das ers­te Ziel? Die Um­wand­lung des as­tra­li­schen Lei­bes. Oh, die­ser as­tra­li­sche Leib, der heu­te des Nachts im­mer frei wird vom phy­si­schen und Äther­leib, der wird in Zu­kunft als ein um­ge­bil­de­ter Teil der men­sch­li­chen We­sen­heit er­schei­nen. Da hin­ein trägt der Mensch, was ihm auf der Er­de ge­ge­ben wird. Aber das wür­de noch nicht ge­nü­gen für die Er­den­ent­wi­cke­lung. Den­ken Sie sich, daß der Mensch je­de Nacht her­aus­kom­men wür­de aus dem phy­si­schen und Äther­leib und je­de Nacht sei­nen as­tra­li­schen Leib durch­drin­gen wür­de mit dem, was er auf­ge­nom­men hat tags­über, daß aber der phy­si­sche und der Äther­leib gar nicht da­von be­rührt wür­den, dann wür­de der Mensch das Er­den­ziel den­noch nicht er­rei­chen. Es muß noch et­was an­de­res ein­t­re­ten. Es muß mög­lich sein, daß der Mensch wäh­rend der Er­den­ent­wi­cke­lung im­mer und im­mer wie­der we­nigs­tens in den Äther­leib hin­ein­prägt das­je­ni­ge, was er al­so in sich auf­ge­nom­men hat. Es ist not­wen­dig, daß die­ser Äther­leib auch Wir­kun­gen emp­fan­gen kann von dem, was der Mensch im as­tra­li­schen Leib her­an­bil­det.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Mensch kann noch nicht durch sich selbst in die­sen Äther­leib hin­ein­wir­ken. Auf dem Ju­pi­ter, wenn der Mensch sei­nen as­tra­li­schen Leib um­ge­bil­det ha­ben wird, wird er fähig wer­den, auch in die­sen Äther­leib hin­ein­zu­wir­ken. Heu­te aber kann er das nicht, heu­te braucht er so­zu­sa­gen noch Hel­fer. Auf dem Ju­pi­ter wird der Mensch fähig wer­den, die ei­gent­li­che Ar­beit am Äther­lei­be zu be­gin­nen. Auf der Ve­nus wird er am phy­si­schen Lei­be ar­bei­ten; das ist der am schwers­ten zu über­win­den­de Teil. Heu­te aber muß der Mensch noch die bei­den, den phy­si­schen und den Äther­leib, nachts im Bett lie­gen las­sen und her­aus­kom­men. Daß aber den­noch zu­nächst der Äther­leib sei­ne Wir­kun­gen emp­fängt, so daß der Mensch all­mäh­lich lernt hin­ein­zu­ar­bei­ten in den Äther­leib, da­zu braucht er&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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ei­nen Hel­fer. Und die­ser Hel­fer, der das er­mög­licht, ist kein an­de­rer wie­der­um als die Chris­tus-We­sen­heit, wäh­rend wir die­je­ni­ge We­sen­heit, die dem Men­schen hilft, in den phy­si­schen Leib hin­ein­zu­ar­bei­ten, als den «Va­ter» be­zeich­nen. Be­vor aber nicht der Hel­fer kommt, der es er­mög­licht, in den Äther­leib hin­ein­zu­ar­bei­ten, kann der Mensch nicht in sei­nen phy­si­schen Leib hin­ein­ar­bei­ten: «Nie­mand kommt zum Va­ter, denn durch mich.» Nie­mand er­langt die Fähig­keit, in den phy­si­schen Leib hin­ein­zu­ar­bei­ten, der nicht durch das Chris­tus-Prin­zip hin­durch­ge­gan­gen ist. So wird der Mensch dann, wenn er am Zie­le der Er­den­ent­wi­cke­lung an­ge­langt sein wird, durch die Fähig­keit, sei­nen as­tra­li­schen Leib aus ei­ge­nen Kräf­ten um­zu­bil­den, auch die Fähig­keit ha­ben, bis hin­un­ter auf den Äther­leib zu wir­ken. Das ver­dankt er dem le­ben­di­gen Da­sein des Chris­tus-Prin­zips auf der Er­de. Hät­te sich die­ses nicht als Le­ben­di­ges ve­r­ei­nigt mit der Er­de, wä­re es nicht hin­ein­ge­kom­men in die Au­ra der Er­de, dann wür­de das, was im as­tra­li­schen Leib aus­ge­bil­det ist, sich nicht hin­ein­bil­den in den Äther­leib. Wir se­hen al­so, daß der­je­ni­ge, der sich ver­sch­ließt, in­dem er sich ab­kehrt von dem Chris­tus-Prin­zip, sich der Mög­lich­keit ent­zieht, in sei­nen Äther­leib so hin­ein­zu­ar­bei­ten, wie es schon wäh­rend der Er­den­ent­wi­cke­lung not­wen­dig ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So al­so wer­den wir in ei­ner an­de­ren Wei­se cha­rak­te­ri­sie­ren kön­nen die zwei Ar­ten von Men­schen, die am Ziel der Er­den­ent­wi­cke­lung vor uns ste­hen: Wir ha­ben sol­che Men­schen, wel­che in sich das Chris­tus-Prin­zip auf­ge­nom­men ha­ben, wel­che da­durch ih­ren as­tra­li­schen Leib um­ge­bil­det und von Chris­tus die Hil­fe er­langt ha­ben, auch den Äther­leib um­zu­wan­deln, und an­de­re ha­ben wir, die nicht hin­ge­kom­men sind zum Chris­tus-Prin­zip, die auch nicht in der La­ge wa­ren, ir­gend et­was im Äther­leib zu ve­r­än­dern, denn sie konn­ten nicht den Hel­fer fin­den, den Chris­tus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun schau­en wir ein­mal hin auf die­se Men­schen­zu­kunft. Die Er­de ver­geis­tigt sich, das heißt der Mensch muß et­was voll­stän­dig ver­lie­ren, was er jetzt in sei­nem phy­si­schen Da­sein als zu ihm ge­hö­rig be­trach­tet. Wir kön­nen uns ein Bild da­von ma­chen, was da mit dem Men­schen ge­schieht, wenn wir schon den ge­wöhn­li­chen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|246}}&lt;br /&gt;
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Ver­lauf sei­nes Le­bens nach dem To­de be­trach­ten. Der Mensch ver­liert den phy­si­schen Leib nach dem To­de. Die­sem phy­si­schen Lei­be ist es zu­zu­sch­rei­ben, daß der Mensch Be­gier­den und Nei­gun­gen hat, die sich an das ge­wöhn­li­che Le­ben knüp­fen, und wir ha­ben es ge­schil­dert, was der Mensch nach dem To­de er­lebt. Neh­men wir ei­nen Men­schen an, der ir­gend­ei­ne le­cke­re Spei­se be­son­ders lieb­te. Im Le­ben kann er sich den Ge­nuß ver­schaf­fen, nach dem To­de nicht. Die Be­gier­de hört aber nicht auf, denn sie hat nicht im phy­si­schen, son­dern im As­tral­leib ih­ren Sitz. Weil nun aber das phy­si­sche Werk­zeug fehlt, so fehlt auch die Mög­lich­keit, die­se Be­gier­de zu be­frie­di­gen. Sol­che Men­schen schau­en im Ka­ma­lo­ka hin­un­ter in die phy­si­sche Welt, die sie ver­las­sen ha­ben, sie schau­en da, was ih­nen jetzt noch Ge­nuß ma­chen könn­te von al­le­dem, was un­ten auf der phy­si­schen Welt ist, aber sie kön­nen es nicht ge­nie­ßen, weil sie kein phy­si­sches In­stru­ment da­zu ha­ben, und da­durch kommt je­ner bren­nen­de Durst in sie. So ist es mit al­len Be­gier­den, die im Men­schen ge­b­lie­ben sind nach dem To­de und die hin­ge­ord­net sind nach der phy­si­schen Welt, weil sie nur durch phy­si­sche Werk­zeu­ge be­frie­digt wer­den kön­nen. So ist es je­des­mal nach dem To­de: Der Mensch sieht je­des­mal sei­nen phy­si­schen Leib ab­fal­len, und da­durch, daß ihm von die­sem phy­si­schen Leib et­was ge­b­lie­ben ist, da­durch drängt es ihn noch hin zur ge­wöhn­li­chen Welt un­se­res phy­si­schen Pla­nes und es wird, bis er sich das ab­ge­wöhnt hat in der geis­ti­gen Welt, für ihn die Zeit der Be­gier­denglut da sein.&lt;br /&gt;
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Den­ken Sie sich nun die letz­te ir­di­sche Ver­kör­pe­rung vor der Ver­geis­ti­gung der Er­de, das Ab­le­gen des letz­ten phy­si­schen Lei­bes. Die Men­schen, die heu­te auf der Er­de le­ben, wer­den so weit sein durch das Chris­tus-Prin­zip, daß ih­nen in ge­wis­ser Wei­se die­ses Ab­le­gen des al­ler­letz­ten phy­si­schen Lei­bes kei­ne be­son­de­ren Schwie­rig­kei­ten macht. Aber sie wer­den doch et­was ver­las­sen müs­sen, denn von der ver­geis­tig­ten Er­de ist hin­ge­schwun­den ein für al­le­mal das­je­ni­ge, was Freu­de ge­ben kann aus den Ge­gen­stän­den die­ser Er­de. Den­ken Sie an den letz­ten Tod, der mög­lich ist in der Er­den­ent­wi­cke­lung, an das letz­te Ab­le­gen des phy­si­schen Lei­bes. Die­ser&lt;br /&gt;
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letz­te Tod der Ver­kör­pe­run­gen, das ist es, was in der Apo­ka­lyp­se der ers­te Tod ge­nannt wird. Und die­je­ni­gen, die das Chris­tus-Prin­zip auf­ge­nom­men ha­ben, se­hen die­sen phy­si­schen Leib so­zu­sa­gen wie ei­ne ab­fal­len­de Scha­le. Für sie hat jetzt der Äther­leib Be­deu­tung. Der ist mit Hil­fe des Chris­tus so or­ga­ni­siert, daß er dem as­tra­li­schen Leib vor­der­hand an­gepaßt ist, daß er nicht mehr Lust und Be­gier­de hat nach dem, was da un­ten in der phy­si­schen Welt ist. Nur mit all dem, was durch die Hil­fe des Chris­tus in den Äther­leib hin­ein­ge­bracht wor­den ist, le­ben die Men­schen jetzt wei­ter in der ver­geis­tig­ten Er­de. Sie ha­ben sich ei­ne Har­mo­nie ge­schaf­fen zwi­schen ih­rem as­tra­li­schen Leib und ih­rem Äther­leib. Das Chris­tus-Prin­zip hat eben die­sen Ein­klang ge­schaf­fen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da­ge­gen gibt es die an­de­ren, die das Chris­tus-Prin­zip nicht in sich auf­ge­nom­men ha­ben. Die­se an­de­ren ha­ben sol­chen Ein­klang nicht. Den phy­si­schen Leib müs­sen auch sie ver­lie­ren, denn ei­nen phy­si­schen Leib gibt es zu­nächst in der ver­geis­tig­ten Er­de nicht. Al­les Phy­si­sche muß zu­nächst auf­ge­löst wer­den. Es bleibt zu­rück als Be­gier­de nach dem Phy­si­schen, als das un­ge­läu­ter­te Geis­ti­ge, als das in der Ma­te­rie ver­här­te­te Geis­ti­ge. Ein Äther­leib bleibt zu­rück, dem nicht der Chris­tus ge­hol­fen hat, dem as­tra­li­schen Leib an­gepaßt zu sein, der hin­ge­ord­net ist nach dem phy­si­schen Leib. Das sind die­je­ni­gen Men­schen, die hei­ße Be­gier­denglut emp­fin­den wer­den nach der phy­si­schen Sinn­lich­keit. Un­ge­s­till­te, bren­nen­de Be­gier­denglut wer­den sie im Äther­leib emp­fin­den durch das, was sie im phy­si­schen Le­ben ge­habt ha­ben und was sie jetzt ent­beh­ren müs­sen. So ha­ben wir in die­ser nächs­ten Zeit, nach­dem das Phy­si­sche ab­ge­sch­mol­zen ist, Men­schen, die in ih­rem Äther­leib als in ei­nem We­sens­g­lie­de le­ben, das har­mo­nisch zu­sam­men­k­lingt mit dem as­tra­li­schen Lei­be, und wir ha­ben die an­de­ren Men­schen, de­ren Äther­leib in Mißklang lebt, weil sie Be­gier­de nach dem ha­ben, was ab­ge­fal­len ist im phy­si­schen Lei­be.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann tritt in der wei­te­ren Ent­wi­cke­lung ein Zu­stand ein, wo die Ver­geis­ti­gung der Er­de so fort­sch­rei­tet, daß es auch kei­nen Äther­leib mehr ge­ben kann. Die­je­ni­gen, de­ren Äther­leib ganz im Ein­klang ist mit dem as­tra­li­schen Leib, die wer­fen oh­ne Sch­mer­zen&lt;br /&gt;
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die­sen Äther­leib ab, denn sie blei­ben in ih­rem as­tra­li­schen Lei­be, der er­füllt ist von der Chris­tus-We­sen­heit, und sie emp­fin­den es als Ent­wi­cke­lungs­not­wen­dig­keit, daß der Äther­leib ab­ge­st­reift wird. Denn sie füh­len in sich die Fähig­keit, ihn wie­der­um selbst auf­zu­bau­en, weil sie Chris­tus in sich auf­ge­nom­men ha­ben. Die­je­ni­gen aber, die in die­sem Äther­leib die Be­gier­de nach dem ha­ben, was ver­gan­gen ist, die kön­nen die­sen Äther­leib auch nicht be­hal­ten, wenn al­les as­tra­lisch wird. Er wird ih­nen ge­nom­men wer­den, wird aus ih­nen ge­ris­sen wer­den, und jetzt emp­fin­den sie das als ein zwei­tes Ster­ben, als den «zwei­ten Tod». Die­ser zwei­te Tod geht an den an­de­ren, die ih­ren Äther­leib mit dem as­tra­li­schen Leib durch Auf­nah­me des Chris­tus-Prin­zips har­mo­nisch ge­macht ha­ben, un­ver­merkt vor­über. Über sie hat der zwei­te Tod kei­ne Macht. Die an­de­ren emp­fin­den aber den zwei­ten Tod beim wei­te­ren Hin­über­le­ben in je­ne fol­gen­de as­tra­li­sche Ge­stalt. Dann ist die Mensch­heit in je­nem Zu­stand, wo die­je­ni­gen, die das Ziel der Ent­wi­cke­lung er­reicht ha­ben, ih­ren as­tra­li­schen Leib ganz durch­drun­gen ha­ben mit Chris­tus. Sie sind reif, hin­über­zu­le­ben nach dem Ju­pi­ter, sie ent­wer­fen auf un­se­rer Er­de den Plan zur Ju­pi­ter­ent­wi­cke­lung. Das ist der Plan, der ge­nannt wird das neue Je­ru­sa­lem. Sie le­ben in ei­nem «neu­en Him­mel» und ei­ner «neu­en Er­de»: das ist Ju­pi­ter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die­ser neue Ju­pi­ter wird be­g­lei­tet sein wie von ei­nem Tra­ban­ten von den­je­ni­gen, die aus­ge­sch­los­sen sind von dem Le­ben im Geis­ti­gen, die den zwei­ten Tod er­lebt ha­ben, die da­her kei­ne Mög­lich­keit ha­ben, das Ju­pi­ter­be­wußt­sein zu er­lan­gen. Wir ha­ben al­so sol­che Men­schen, die zum Ju­pi­ter­be­wußt­sein vor­ge­rückt sind, die Ma­nas er­langt ha­ben, und sol­che We­sen­hei­ten, wel­che von sich ge­sto­ßen ha­ben die Kräf­te, die ih­nen die­ses Be­wußt­sein ge­ge­ben hät­ten. Das sind die­je­ni­gen, wel­che auf dem Ju­pi­ter erst das Ich-Be­wußt­sein der Er­de er­langt ha­ben, die al­so so­zu­sa­gen da­ste­hen, wie heu­te der Mensch auf der Er­de da­steht mit sei­nen vier Glie­dern. Aber ein sol­cher Mensch kann sich nur inn­er­halb der Er­de ent­wi­ckeln, nur die Er­de hat die Um­ge­bung den Bo­den, die Luft, die Wol­ken, die Pflan­zen, die Mi­ne­ra­li­en , die not­wen­dig ist für den Men­schen, wenn er das er­rei­chen will, was inn­er­halb der vier Glie­der zu&lt;br /&gt;
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er­rei­chen ist. Der Ju­pi­ter wird ganz an­ders ge­stal­tet sein, ei­ne «neue Er­de» wird er sein. An­ders wer­den Bo­den, Luft, Was­ser, an­ders wird ein je­g­li­ches We­sen sein, und nicht wird die Mög­lich­keit vor­han­den sein, ein Nor­mal­le­ben zu füh­ren für We­sen, die erst das Er­den­be­wußt­sein er­langt ha­ben. Sie wer­den die zu­rück­ge­b­lie­be­nen We­sen­hei­ten sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber nun kommt et­was, was wie­der­um zu un­se­rer Be­ru­hi­gung ge­hört. Selbst auf die­sem Ju­pi­ter gibt es noch ei­ne letz­te Mög­lich­keit, durch die star­ke Kraft, wel­che die Vor­ge­rück­te­ren ha­ben, die­se al­so Hin­un­ter­ge­sun­ke­nen noch ein­mal zur Um­kehr zu be­we­gen und auch ei­ne An­zahl zur Um­kehr zu brin­gen. Erst bei der Ve­nus­ver­kör­pe­rung wird die al­ler­letz­te Ent­schei­dung fal­len, die un­ab­än­der­li­che Ent­schei­dung. Wenn wir das al­les über­den­ken, dann wird der Ge­dan­ke, den wir neu­lich be­spro­chen ha­ben, doch ei­ne an­de­re Fär­bung er­lan­gen. Da wird er un­mög­lich Ban­gig­keit und Be­un­ru­hi­gung her­vor­ru­fen, son­dern nur das ei­ne St­re­ben: Ich will al­les tun, was nö­t­ig ist, um die Er­den­mis­si­on zu er­fül­len.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir uns das al­les in ent­sp­re­chen­der Wei­se vor die See­le rü­cken, dann er­öff­net sich ein gro­ßes, ge­wal­ti­ges Bild der Mensch­heits­zu­kunft, und wir ah­nen, was al­les in der er­leuch­te­ten See­le des Apo­ka­lyp­ti­kers war, der nie­der­ge­schrie­ben hat, was wir eben in die­sen Be­trach­tun­gen stam­melnd her­aus­fin­den konn­ten aus der Apo­ka­lyp­se. Je­des Wort des Apo­ka­lyp­ti­kers ist von Be­deu­tung, ja je­de Wen­dung. Wir müs­sen sie nur klar zu ver­ste­hen su­chen. So wird uns hin­ge­wie­sen, im Sin­ne der ges­t­ri­gen Be­trach­tung, in 666 auf das Tier mit den zwei Hör­nern, und dann wird ge­sagt ein merk­wür­dig Wort: «Hie ist Weis­heit! Wer Ver­stand hat, der über­le­ge die Zahl des Tie­res, denn es ist ei­nes Men­schen Zahl.» Ein schein­ba­rer Wi­der­spruch, aber ei­ner von den vie­len Wi­der­sprüchen, die durch­aus in je­der ok­kul­ten Schrift und Be­trach­tung zu fin­den sind. Sie kön­nen näm­lich des­sen ge­wiß sein, daß ei­ne Be­trach­tung, die so glatt ver­läuft, daß man mit dem ge­wöhn­li­chen Men­schen-All­tags­ver­stand kei­nen Wi­der­spruch fin­den kann, ge­wiß nicht auf ok­kul­tem Bo­den steht. Was in der Welt sich ent­wi­ckelt, ist nicht so flach und tri­vial wie das, was der men­sch­li­che Ver­stand, die&lt;br /&gt;
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ge­wöhn­li­che In­tel­li­genz als Wi­der­spruchs­lo­sig­keit emp­fin­det. Man muß eben tie­fer in die Un­ter­grün­de men­sch­li­cher Be­trach­tung hin­un­ter­tau­chen, dann ver­schwin­den schon die Wi­der­sprüche. Der­je­ni­ge, der ei­ne Pflan­ze be­trach­tet, wie sie wächst von der Wur­zel bis zur Frucht, wie das grü­ne Blatt sich ver­wan­delt in das Blu­men­blatt, das Blu­men­blatt in die Staub­ge­fä­ße und so wei­ter, der kann sa­gen: Hier ha­ben wir wi­der­sp­re­chen­de Ge­stal­ten, das Blu­men­blatt wi­der­spricht dem Sten­gel­blatt. Wer aber tie­fer sieht, wird die Ein­heit er­bli­cken, die tie­fe­re Ein­heit im Wi­der­spruch. So ist es mit dem, was der Ver­stand in der Welt se­hen kann. Er sieht ge­ra­de in den tiefs­ten Weis­hei­ten Wi­der­sprüche. Da­her darf es uns nicht be­rüh­ren, wenn uns hier in der Apo­ka­lyp­se ein schein­ba­rer Wi­der­spruch ent­ge­gen­tritt: «Wer Ver­stand hat, der über­le­ge die Zahl des Tie­res, denn es ist ei­nes Men­schen Zahl.»&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir müs­sen da noch ein­mal be­trach­ten, wo­durch der Mensch hin­ein­kom­men kann in die Mög­lich­keit, von dem zwei­hör­ni­gen Tier ver­führt zu wer­den. Wir ha­ben dar­auf hin­ge­wie­sen, daß der Mensch seit der Mit­te der at­lan­ti­schen Zeit so­zu­sa­gen die höhe­re geis­ti­ge Ent­wi­cke­lung ver­schla­fen hat. Die­se Schla­fens­zeit ist die heu­ti­ge Zeit. Sie war aber not­wen­dig. Wenn sie nicht ein­ge­t­re­ten wä­re, wä­re nie­mals das ge­kom­men, was wir in un­se­rem heu­ti­gen Sinn Ver­stand nen­nen. Die Men­schen vor un­se­rer Zeit ha­ben das nicht ge­habt. Die ha­ben aus an­de­ren Im­pul­sen her­aus ge­han­delt. Ih­re Bil­der ha­ben sie hin­ge­trie­ben zu ih­ren Hand­lun­gen oh­ne Über­le­gung. Die­se al­te Hell­se­her­ga­be hat der Mensch ver­lo­ren, und da­für hat er den Ver­stand ein­ge­tauscht und ist her­un­ter­ge­s­tie­gen in die Ma­te­rie. Da­durch ist ihm der Sch­lei­er ge­wo­ben wor­den vor die geis­ti­ge Welt, da­durch aber hat er sich gleich­zei­tig den Ver­stand er­wor­ben. Die­ser kann ei­ne wich­ti­ge Hem­mung sein für die spi­ri­tu­el­le Ent­wi­cke­lung. Nichts an­de­res wird es zu­letzt sein, was den Men­schen da­von ab­hal­ten kann, gründ­lich da­von ab­hal­ten kann, zum Chris­tus-Prin­zip zu kom­men, als die­ser ver­führ­te Ver­stand, die­se ver­führ­te In­tel­li­genz. Und wenn die­je­ni­gen, die zu­letzt dem zwei­hör­ni­gen Tier ver­fal­len wer­den, zu­rück­bli­cken könn­ten auf das, was ih­nen ei­gent­lich den bö­ses­ten St­reich ge­spielt hat,&lt;br /&gt;
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dann wür­den sie sa­gen: Zwar ist die An­la­ge zum Ab­grund erst spä­ter ge­kom­men, aber was mir ver­fins­tert hat das Chris­tus-Prin­zip, das ist der Ver­stand. Oh, der­je­ni­ge, der die­sen Ver­stand hat, der über­le­ge die Zahl des Tie­res! Denn ge­ra­de da­durch, daß der Mensch Mensch ge­wor­den ist, das heißt mit die­sem Ich-Ver­stand be­gabt wor­den ist, da­durch kann er ver­fal­len dem Tie­re 666. Denn die Zahl des Tie­res ist zu­g­leich ei­nes Men­schen Zahl, und daß es ei­nes Men­schen Zahl ist, kann kein an­de­rer ein­se­hen als der­je­ni­ge, der Ver­stand hat: Des­je­ni­gen Men­schen Zahl ist es, der sich durch sei­nen Ver­stand hat ver­füh­ren las­sen. Sol­che tie­fen Wahr­hei­ten ste­cken da­rin in die­sen Din­gen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So se­hen Sie, daß der Apo­ka­lyp­ti­ker Ih­nen vie­les gibt, wenn Sie die ein­zel­nen An­deu­tun­gen, die wir ge­macht ha­ben, in sich auf­neh­men. Vie­les gibt er, was wir heu­te an­thro­po­so­phi­sche Wahr­hei­ten nen­nen. Er gibt, was er ver­spricht. Er führt den Men­schen hin zur An­schau­ung des­sen, was kom­men wird: zur An­schau­ung der We­sen­hei­ten und Mäch­te, wel­che die Welt len­ken. Er führt uns zu dem Geis­te, der uns auf dem ers­ten Sie­gel, zu der Ge­stalt, die uns auf dem letz­ten Sie­gel ge­ge­ben wird. Da sieht man, wie ihm hell­se­he­risch die Re­gel­mä­ß­ig­keit des neu­en Je­ru­sa­lem sich aus­drückt. Das ist das Se­he­ri­sche da­ran. Die Re­gel­mä­ß­ig­keit des neu­en Je­ru­sa­lem drückt sich da­bei aus; Sie kön­nen im 21. Ka­pi­tel se­hen, wie so­zu­sa­gen die­ses neue Je­ru­sa­lem be­schrie­ben wird als Wür­fel (Vers 16). Zu be­sch­rei­ben, was auf die­sem letz­ten Bil­de ist, wür­de uns zu weit füh­ren. (Sie­he das sie­ben­te Sie­gel­bild.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt ist es not­wen­dig, daß wir dar­auf hin­wei­sen, zu wel­chem Zwe­cke die Apo­ka­lyp­se ge­schrie­ben ist. Ich müß­te frei­lich viel sp­re­chen, wenn ich aus­führ­lich be­sch­rei­ben woll­te, wo­zu sie ge­schrie­ben ist. Aber ei­ne An­deu­tung we­nigs­tens sol­len Sie mit nach Hau­se neh­men, ei­ne An­deu­tung, die sich uns er­gibt aus ei­ner ganz be­stimm­ten Stel­le der Apo­ka­lyp­se. Der­je­ni­ge, der die Apo­ka­lyp­se ge­schrie­ben hat, sagt, daß ei­ne Zeit kom­men wird, wo wir­k­lich je­ner ho­he Be­wußt­s­eins­grad sich ent­wi­ckelt ha­ben wird, wo die Men­schen se­hen wer­den in er­höh­tem Be­wußt­sein die We­sen­hei­ten, wel­che die Welt lei­ten, die We­sen­hei­ten, die durch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
das Lamm, die durch das Er­schei­nen des Men­schen­soh­nes mit dem flam­men­den Schwert cha­rak­te­ri­siert wur­den. Wir wer­den hin­ge­wie­sen dar­auf in Tö­nen, die schon in sich sch­lie­ßen je­ne Be­ru­hi­gung, von der wir ge­spro­chen ha­ben. Der Apo­ka­lyp­ti­ker, der tie­fer Hell­se­her ist, weiß, daß in al­ten Zei­ten die Men­schen be­gabt wa­ren mit ei­nem däm­mer­haf­ten Hell­se­hen. Wir ha­ben es ja cha­rak­te­ri­siert und ge­se­hen, wie die Men­schen da­mals so­zu­sa­gen Ge­nos­sen wa­ren der gött­li­chen Geis­ter­welt, wie sie selbst ge­se­hen ha­ben die gött­lich-geis­ti­ge Welt. Aber wer hat sie ver­lo­ren, die­se Se­her­ga­be, wer? Das müs­sen wir jetzt als wich­ti­ge Fra­ge hin­s­tel­len. Wir ha­ben ge­se­hen, daß sie im Grun­de die­je­ni­gen Men­schen ver­lo­ren ha­ben, die her­aus­ge­führt sind auf den phy­si­schen Plan, zum phy­si­schen Le­ben, da­mals, als die zwei­te Hälf­te der at­lan­ti­schen Zeit be­gann. Die Men­schen sa­hen auf die fes­ten Ge­bil­de un­se­rer Er­de, auf die be­g­renz­ten Ge­gen­stän­de un­se­rer Er­de. Das al­te Hell­se­hen ver­schwand. Selbst­be­wußt wur­den die Men­schen, aber vor ih­nen ver­sch­loß sich die geis­ti­ge Welt. Die Ge­bil­de, wel­che in al­ten Zei­ten die Luft durch­drun­gen ha­ben wie ein Ne­bel­meer, ver­schwan­den, die Luft wur­de rein, der Bo­den frei. Die Men­schen tra­ten her­aus auf die freie Er­de. Das ist ver­hält­nis­mä­ß­ig spät ge­sche­hen; es fällt zu­sam­men mit dem Er­lan­gen des ge­gen­wär­ti­gen Ver­stan­des, des jet­zi­gen Selbst­be­wußt­seins des Men­schen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt er­in­nern wir uns, was wir ge­sagt ha­ben von die­ser Er­de. Wir er­in­nern uns da­ran, daß wir den gro­ßen Mo­ment von Gol­ga­tha hin­ge­s­tellt ha­ben vor un­se­re See­le. Wenn je­mand da­mals die Er­de von fer­ne be­trach­tet hät­te mit hell­se­he­ri­schem Blick, so hät­te er wahr­ge­nom­men in dem Au­gen­blick, wo das Blut aus den Wun­den des Er­lö­sers floß, daß die gan­ze as­tra­li­sche Au­ra der Er­de sich ve­r­än­der­te. Da ist die Er­de durch­drun­gen wor­den von der Chris­tus-Kraft. Durch die­ses Er­eig­nis kann sich die Er­de de­r­einst wie­der mit der Son­ne ve­r­ei­ni­gen. Die­se Kraft wird wach­sen. Das ist die Kraft, die un­se­ren Äther­leib vor dem zwei­ten To­de be­wahrt. Chris­tus wird im­mer mehr und mehr der Erd­geist, und der­je­ni­ge, der ein rech­ter Christ ist, ver­steht die Wor­te: «Wer mein Brot is­set, der tritt mich mit Fü­ß­en», der be­trach­tet den Leib der Er­de als&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
den Leib des Chris­tus. Die Er­de als pla­ne­ta­ri­scher Kör­per ist der Leib des Chris­tus, frei­lich erst im An­fan­ge. Es wird erst der Chris­tus Erd­geist, er wird sich völ­lig mit der Er­de ve­r­ei­ni­gen. Und wenn sich die Er­de spä­ter mit der Son­ne ve­r­ei­ni­gen wird, wird der gro­ße Erd­geist Chris­tus Son­nen­geist sein.&lt;br /&gt;
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Der Leib der Er­de wird der Leib des Chris­tus sein. Und die Men­schen müs­sen die­sen Leib be­ar­bei­ten. Sie ha­ben da­mit be­gon­nen, als sie her­au­s­t­ra­ten auf die Er­de; sie ha­ben die­se Er­de mit ih­ren Kräf­ten be­ar­bei­tet. In al­len Tra­di­tio­nen kann man et­was fin­den, was we­nig be­ach­tet wird, weil man es we­nig ver­steht. So zum Bei­spiel in der per­si­schen Tra­di­ti­on, daß die Men­schen seit je­ner Zeit, seit der sie her­aus­ge­t­re­ten sind aus dem hell­se­he­ri­schen Be­wußt­sein, We­sen ge­wor­den sind, wel­che die Er­de durch­sto­chen ha­ben. Wäh­rend die Men­schen in der Pha­se le­ben, daß sie die Er­de durch­s­te­chen, das heißt die Er­de be­ar­bei­ten, wäh­rend die­ser Zeit al­so, wo sie den Leib des Chris­tus durch­s­te­chen, se­hen sie nicht im hell­se­he­ri­schen Be­wußt­sein die lei­ten­den Kräf­te, vor al­len Din­gen nicht den Chris­tus, von An­ge­sicht zu An­ge­sicht. Aber der Apo­ka­lyp­ti­ker weist auf die Zeit hin, wo nicht nur die Hell­se­her von da­mals das Geis­ti­ge se­hen, son­dern wo die Mensch­heit wie­der an­ge­kom­men sein wird auf der Stu­fe, die es ihr er­mög­licht, das Chris­tus We­sen sel­ber zu se­hen. Se­hen wer­den ihn al­le We­sen, und die­je­ni­gen, die ihn durch­sto­chen ha­ben, wer­den ihn auch se­hen; die­je­ni­gen, die ei­nen Teil ih­rer Ent­wi­cke­lung durch­ma­chen muß­ten im Be­bau­en der Er­de, im Durch­s­te­chen der Er­de, sie wer­den den Chris­tus se­hen. Denn sol­che Wor­te sind so, daß sie den­je­ni­gen, der sie all­mäh­lich ent­hül­len lernt, tief hin­ein­füh­ren in die Vor­stel­lungs­welt der Mys­te­ri­en, der apo­ka­lyp­ti­schen Spra­che.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was hat al­so der Apo­ka­lyp­ti­ker sch­rei­ben wol­len, was hat er dar­s­tel­len wol­len? Die­se Fra­ge be­ant­wor­tet sich uns da­mit, daß wir kurz hin­wei­sen auf den Ur­sprung der Apo­ka­lyp­se. Wo ist zu­erst ent­hal­ten das, was in der Apo­ka­lyp­se ge­schrie­ben ist? Könn­ten Sie zu­rück­ge­hen in die Mys­te­ri­en des al­ten Grie­chen­lands, in die Or­phi­schen, die Eleusi­ni­schen Mys­te­ri­en, zu­rück­ge­hen in die Mys­te­ri­en der al­ten Ägyp­ter, Chal­däer, Per­ser und In­der, all­übe­rall&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
wür­den Sie die Apo­ka­lyp­se fin­den. Sie ist vor­han­den ge­we­sen, sie war da. Sie war nicht ge­schrie­ben, aber sie leb­te von Pries­ter­ge­ne­ra­ti­on zu Pries­ter­ge­ne­ra­ti­on, durch die Ge­ne­ra­tio­nen der In­i­tia­to­ren hin­durch, wo das Ge­dächt­nis so le­ben­dig war, daß man so rei­che Stof­fe be­wäl­ti­gen konn­te. Das Ge­dächt­nis war ja auch in viel spä­te­ren Zei­ten noch weit bes­ser als bei uns. Man er­in­ne­re sich nur an die Sän­ger der Ilia­de, wie sie her­um­ge­zo­gen sind und aus dem Ge­dächt­nis ih­re Ge­sän­ge sin­gen konn­ten. Es ist ver­hält­nis­mä­ß­ig noch nicht so lan­ge Zeit, daß das Ge­dächt­nis so sehr zu­rück­ge­gan­gen ist. In den Mys­te­ri­en wur­den die­se Wahr­hei­ten nicht auf­ge­schrie­ben, aber sie leb­ten von Ge­ne­ra­ti­on zu Ge­ne­ra­ti­on der In­i­tia­to­ren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was hat­te sie für ei­ne Auf­ga­be, die Apo­ka­lyp­se? Sie hat­te die Auf­ga­be, ei­ne In­struk­ti­on zu sein für den­je­ni­gen, der die Schü­ler zur Wei­he brach­te. Da­mals war es so, daß der Mensch, an dem die Ein­wei­hung voll­zo­gen wer­den soll­te, her­aus­ge­führt wur­de aus sei­nem phy­si­schen Lei­be und wie tot blieb. Aber wenn er her­aus­ge­führt war, dann ließ ihn der In­i­tia­tor in sei­nem äthe­ri­schen Lei­be se­hen, was nach­her durch den Chris­tus-Im­puls im phy­si­schen Leib hell­se­he­risch hat ge­se­hen wer­den kön­nen. So wa­ren die al­ten Ein­ge­weih­ten die Pro­phe­ten, die hin­wei­sen konn­ten auf Chris­tus. Und sie ha­ben es ge­tan, sie ha­ben es tun kön­nen, weil der Chris­tus in die­ser Apo­ka­lyp­se ge­zeigt wor­den ist als et­was, was in der Zu­kunft er­scheint. Noch nie hat­te sich das Er­eig­nis von Gol­ga­tha ab­ge­spielt, in wel­chem ein Mensch im phy­si­schen Lei­be das gan­ze In­i­tia­ti­ons­dra­ma vor der Ge­schich­te dar­ge­lebt hät­te.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wo war al­so die Mög­lich­keit, die­ses Er­eig­nis von Gol­ga­tha zu be­g­rei­fen? Auf ge­wis­ser Stu­fe hat­ten es die Ein­ge­weih­ten au­ßer­halb ih­res Lei­bes be­grif­fen. In ei­nem an­de­ren Be­wußt­sein war vor­ge­gan­gen, was auf Gol­ga­tha sich ab­spiel­te. Tau­sen­de hät­te es ge­ben kön­nen, und das Er­eig­nis von Gol­ga­tha hät­te an ih­nen vor­bei­ge­hen kön­nen. Was wä­re es ih­nen ge­we­sen? Der Tod ei­nes ge­wöhn­li­chen Ver­ur­teil­ten! Die Mög­lich­keit, das zu be­g­rei­fen, was sich auf Gol­ga­tha voll­zog, war nur dort, wo man den In­halt der Mys­te­ri­en kann­te. Die In­i­tia­to­ren konn­ten sa­gen: Der­je­ni­ge, den&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|255}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wir euch ge­zeigt ha­ben wäh­rend der drei­ein­halb Ta­ge, den die Pro­phe­ten euch ver­kün­digt ha­ben, den könnt ihr be­g­rei­fen, wenn ihr die Mit­tel aus den Mys­te­ri­en nehmt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Apo­ka­lyp­ti­ker hat die münd­li­che Über­lie­fe­rung der Mys­te­ri­en in sich auf­ge­nom­men, er sag­te sich: Wenn ich mich durch­drin­ge mit dem, was man in den Mys­te­ri­en hat er­fah­ren kön­nen, dann er­scheint mir der Chris­tus. So war die Apo­ka­lyp­se nichts Neu­es, aber die An­wen­dung auf das ein­zi­ge Er­eig­nis von Gol­ga­tha, das war et­was Neu­es. Das war das We­sent­li­che, daß für die­je­ni­gen, die Oh­ren hat­ten zu hö­ren, es ei­ne Mög­lich­keit gab, mit Hil­fe des­sen, was in der Apo­ka­lyp­se des Jo­han­nes steht, nach und nach zum wir­k­li­chen Ver­ständ­nis des Er­eig­nis­ses von Gol­ga­tha vor­zu­drin­gen. Das war die Ab­sicht des Apo­ka­lyp­ti­kers. Aus den al­ten Mys­te­ri­en hat­te er die Apo­ka­lyp­se; sie ist ein uralt-hei­li­ges Buch der Men­schen und ist nur äu­ßer­lich der Mensch­heit ge­schenkt wor­den durch den Jün­ger, den der Herr lieb hat­te und dem er te­s­ta­men­ta­risch ver­macht hat­te, sei­ne wah­re Ge­stalt zu ver­kün­den. Er soll blei­ben, bis Chris­tus kommt, so daß die­je­ni­gen, die mit er­leuch­te­tem Be­wußt­sein aus­ge­stat­tet sind, ihn er­fas­sen kön­nen. Er ist der gro­ße Leh­rer des wah­ren Er­eig­nis­ses von Gol­ga­tha. Er hat den Men­schen die Mit­tel über­ge­ben, das Er­eig­nis von Gol­ga­tha wir­k­lich zu ver­ste­hen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Ein­gang der Apo­ka­lyp­se sagt der Apo­ka­lyp­ti­ker ich ha­be ver­sucht, die ers­ten Wor­te so zu über­set­zen, wie sie über­setzt wer­den müs­sen, wenn sie rich­tig sein sol­len : «Dies ist die Of­fen­ba­rung Je­su Chris­ti, die Gott dar­ge­bo­ten hat sei­nem Die­ner, zu ver­an­schau­li­chen in Kür­ze, wie sich das Not­wen­di­ge voll­zie­hen soll. Dies ist in Zei­chen ge­setzt und ge­sandt durch sei­nen En­gel sei­nem Die­ner Jo­han­nes, und die­ser hat es zum Aus­dru­cke ge­bracht.» Er will «in Kür­ze» schil­dern. Was ist da­mit ge­meint? Das heißt so­viel, wie wenn man aus­drü­cken woll­te: Wenn ich euch im ein­zel­nen schil­dern woll­te al­les, was sich von jetzt bis zum Ziel der Er­den­ent­wi­cke­lung ab­spielt, dann müß­te ich vie­les, vie­les sch­rei­ben. Ich will es euch in ei­nem kur­zen Abriß dar­s­tel­len. Das ha­ben dann die Über­set­zer, die nicht ein­drin­gen konn­ten in den&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|256}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Geist der Apo­ka­lyp­se, so über­setzt, daß sie sag­ten: «zu zei­gen, was in der Kür­ze ge­sche­hen soll». Sie wa­ren der Mei­nung, was sich da ab­spielt, was da ge­schil­dert ist, das soll in kur­zer Zeit ge­sche­hen. Es soll aber hei­ßen: in kur­zem Abriß soll ge­schil­dert wer­den, was sich da voll­zieht. Der ur­sprüng­li­che Text hat ei­ne Wen­dung, die durch­aus als rich­ti­ge Über­set­zung das zu­läßt, was ich in der Ein­lei­tung der «Bil­der ok­kul­ter Sie­gel und Säu­len» in rich­ti­ger Wei­se zu ge­ben ver­sucht ha­be.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun ha­ben wir in ei­ner Rei­he von Be­trach­tun­gen man­ches über die­se uralt-hei­li­ge Ur­kun­de des Men­schen­ge­sch­lech­tes ge­sagt, man­ches über das­je­ni­ge, was als sei­ne Ge­heim­nis­se der Herr mit­ge­teilt hat der Mensch­heit durch den Jün­ger, den er lieb hat­te. Sie ha­ben vi­el­leicht da­durch ah­nen ge­lernt, daß die­se Apo­ka­lyp­se ein tie­fes Buch ist, vol­ler Weis­heit, und ha­ben vi­el­leicht manch­mal wäh­rend die­ser Be­trach­tun­gen Ban­gig­keit ge­habt dar­über, daß man­ches in ihr so schwer ver­ständ­lich ist. Nun möch­te ich Ih­nen ei­nes sa­gen am En­de un­se­rer Be­trach­tun­gen: Al­les, was ich Ih­nen sa­gen konn­te, ent­spricht ganz ge­nau den In­ten­tio­nen des Apo­ka­lyp­ti­kers und wur­de im­mer so in den Schu­len, wel­che die Ab­sicht des Apo­ka­lyp­ti­kers be­wahrt ha­ben, ge­lehrt. Aber es ist nicht al­les, lan­ge nicht al­les, was zu sa­gen wä­re, und man kann noch viel tie­fer in die Wahr­hei­ten, in die Un­ter­grün­de der Apo­ka­lyp­se ge­hen. Und wenn wir in al­le Tie­fen ein­drin­gen wür­den, dann wür­de Ih­nen das, was ich Ih­nen ha­be sa­gen kön­nen, so er­schei­nen, daß man es nur als ei­ne ers­te ober­fläch­li­che Dar­stel­lung cha­rak­te­ri­sie­ren könn­te. Das geht nicht an­ders, man kann zu­erst nur ei­ne ober­fläch­li­che Dar­stel­lung ge­ben. Durch die­se muß man hin­durch­ge­hen. Man muß ein­mal mit dem Ele­men­ta­ren an­fan­gen, dann wird sich schon, wenn man ein klei­nes Stück ge­gan­gen ist, auch die Tie­fe er­ge­ben. Denn es liegt viel, viel un­ter der Ober­fläche, die ein klein we­nig zu lüf­ten, ein klein we­nig zu ent­hül­len wie­der­um mög­lich war. Und wenn Sie die Bahn wei­ter­sch­rei­ten, die Sie in ge­wis­ser Wei­se be­gon­nen ha­ben, in­dem Sie Ih­re Auf­merk­sam­keit der Er­läu­te­rung der Apo­ka­lyp­se des Jo­han­nes zu­ge­wen­det ha­ben, so wer­den Sie all­mäh­lich in die Tie­fen des geis­ti­gen Le­bens hin-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
ein­kom­men. Sie wer­den in Tie­fen hin­ein­kom­men, die heu­te gar nicht mög­lich sind aus­zu­sp­re­chen, weil sie nicht be­wußt wer­den könn­ten, weil eben noch nie­mand Oh­ren hät­te, sie zu hö­ren. Es müs­sen erst durch sol­che Er­klär­un­gen, wie sie nun ge­ge­ben wor­den sind, die Oh­ren vor­be­rei­tet wer­den, zu hö­ren. Dann wer­den sie all­mäh­lich da sein, die Oh­ren, Oh­ren, die hö­ren kön­nen das Wort, das so tief durch die Apo­ka­lyp­se fließt. Wenn Sie al­so ei­ni­ges auf­ge­nom­men ha­ben von dem, was ge­sagt wer­den konn­te, so sei­en Sie sich be­wußt, daß doch nur die ers­te Ober­fläche ge­ge­ben wer­den konn­te, und von die­ser nur ein­zel­ne Be­mer­kun­gen. Las­sen Sie es ei­nen Im­puls wer­den, im­mer tie­fer und tie­fer in das ein­zu­drin­gen, was durch die­se Vor­trä­ge nur ge­ahnt wer­den kann. Wenn ich selbst nur das­je­ni­ge sa­gen woll­te, was über die Ober­fläche ge­sagt wer­den kann, dann müß­te ich Ih­nen noch vie­le, vie­le Wo­chen lang Vor­trä­ge hal­ten. Nur ei­ne An­re­gung konn­ten die­se Vor­trä­ge sein, und der­je­ni­ge, der sie so emp­fin­det, daß er sich sagt: Ich muß tie­fer und tie­fer ein­drin­gen , der wird in rich­ti­gem Sin­ne die­se Vor­trä­ge auf­ge­nom­men ha­ben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
= Hinweise =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Text­ge­stal­tung: Die von Ru­dolf Stei­ner frei ge­hal­te­nen Vor­trä­ge wur­den von Wal­ter Ve­ge­lahn, Ber­lin, ste­no­gra­phisch mit­ge­schrie­ben. Für die zwei­te bis fünf­te Aufla­ge stand nur der ge­druck­te Text der ers­ten Aufla­ge zur Ver­fü­gung. Erst im Jah­re 1971 er­hielt die Ru­dolf Stei­ner-Nachlaßv­er­wal­tung aus dem Nachlaß von Wal­ter Ve­ge­lahn des­sen teil­wei­se noch vor­han­den ge­we­se­ne Ori­gi­nal­un­ter­la­gen für den Erst­druck. Aus dem Ver­g­leich der­sel­ben mit dem bis­her ge­druck­ten Text er­ga­ben sich die auf Sei­te 270 nach­ge­wie­se­nen Kor­rek­tu­ren ge­gen­über der fünf­ten Aufla­ge. Es bleibt trotz­dem zu be­rück­sich­ti­gen, was schon aus dem Ge­leit­wort von Ma­rie Stei­ner zur ers­ten Buch­aus­ga­be her­vor­geht, daß das Ste­no­gramm hie und da Lü­cken ent­hal­ten ha­ben muß, die je­doch in den+ Über­tra­gun­gen von dem Ste­no­gra­phen nicht näh­er ge­kenn­zeich­net wor­den sind. Dar­aus mag die ei­ne oder an­de­re schwer­ver­ständ­li­che Pas­sa­ge re­sul­tie­ren; zum Bei­spiel in be­zug auf die Zahl 666. Sie­he hier­zu den Son­der­hin­weis Sei­te 263.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Zeich­nun­gen zu den Vor­trä­gen wur­den auf­grund der in den Text­un­ter­la­gen wie­der­ge­ge­be­nen Ta­fel­zeich­nun­gen Ru­dolf Stei­ners aus­ge­führt von Leono­re Uh­lig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu der Zeit, als Ru­dolf Stei­ner die­se Vor­trä­ge hielt, stand er mit sei­ner an­thro­po­so­phisch ori­en­tier­ten Geis­tes­wis­sen­schaft noch inn­er­halb der da­ma­li­gen Theo­so­phi­schen Ge­sell­schaft und ge­brauch­te die Be­zeich­nun­gen «Theo­so­phie» und «theo­so­phisch» im Sin­ne sei­ner selb­stän­di­gen Geis­tes­for­schung. Ei­ner spä­te­ren An­ga­be von ihm selbst zu­fol­ge sind die­se Be­zeich­nun­gen durch «An­thro­po­so­phie» oder «Geis­tes­wis­sen­schaft», «an­thro­po­so­phisch» oder «geis­tes­wis­sen­schaft­lich» er­setzt wor­den, es sei denn, daß aus­drück­lich auf die von H. P. Bla­vats­ky aus­ge­gan­ge­ne theo­so­phi­sche Strö­mung Be­zug ge­nom­men wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer­ke Ru­dolf Stei­ners inn­er­halb der Ge­sam­t­aus­ga­be (GA) wer­den in den Hin­wei­sen mit der Bi­b­lio­gra­phie-Num­mer an­ge­ge­ben. Sie­he auch die Über­sicht am Schluß des Ban­des.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu Sei­te:&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|width=&amp;quot;50px&amp;quot;|11&lt;br /&gt;
|He­gel sag­te: Wört­lich: «Der tiefs­te Ge­dan­ke ist mit der Ge­stalt Chris­ti, mit  dem Ge­schicht­li­chen und Äu­ßer­li­chen ve­r­ei­nigt, und das ist eben das  Gro­ße der christ­li­chen Re­li­gi­on, daß sie bei al­ler die­ser Tie­fe  leicht vom Be­wußt­sein in äu­ßer­li­cher Hin­sicht auf­zu­fas­sen ist und zu­g­leich  zum tie­fe­ren Ein­drin­gen auf­for­dert. Sie ist so für je­de Stu­fe der Bil­dung  und be­frie­digt zu­g­leich die höchs­ten An­for­de­run­gen.» In «Vor­le­sun­gen  über die Phi­lo­so­phie der Ge­schich­te».&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|19&lt;br /&gt;
|Pro­fes­sor Dau­mer: Ge­org Fried­rich Dau­mer, Nürn­berg 18001875: «Ka­s­par Hau­ser.  Sein We­sen, sei­ne Un­schuld, sei­ne Er­dul­dun­gen und sein Ur­sprung», Re­gens­burg  1873 u. a.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|ein Schrift­s­tel­ler sagt: Ge­meint sein dürf­te Ja­kob Was­ser­mann (18731934) mit sei­nem Ro­man  «Ca­s­par Hau­ser oder Die Träg­heit des Her­zens», 1907/1908. Zu der da­rin&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|{{SE|260}}&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|an­ge­führ­ten be­son­de­ren Kon­s­tel­la­ti­on  beim Be­gräb­nis Ka­s­par Hau­sers ver­g­lei­che Karl He­y­er: « Ka­s­par Hau­ser  und das Schick­sal Mit­te­l­eu­ro­pas im 19. Jahr­hun­dert». Bei­trä­ge zur  Ge­schich­te des Abend­lan­des, IX. Band, 1958.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|22&lt;br /&gt;
|Goe­thes Wor­te: Wört­lich: «Das Au­ge hat sein Da­sein dem Licht zu dan­ken. Aus  gleich­gül­ti­gen tie­ri­schen Hilf­s­or­ga­nen ruft sich das Licht ein Or­gan  her­vor, das sei­nes­g­lei­chen wer­de, und so bil­det sich das Au­ge am Lich­te  fürs Licht, da­mit das in­ne­re Licht dem äu­ße­ren ent­ge­gen­t­re­te.» Aus  «Goe­thes Na­tur­wis­sen­schaft­li­chen Schrif­ten», her­ausg. und kom­men­tiert  von Ru­dolf Stei­ner in Kür­sch­ners «Deut­sche Na­tio­nal-Lit­te­ra­tur»,  Band III, Bibl.-Nr.lc, Nach­druck Dor­nach 1975, «Ent­wurf ei­ner Far­ben­leh­re.  Ein­lei­tung», S. 88.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|24&lt;br /&gt;
|Goe­the «Al­les Ver­gäng­li­che ist nur ein  Gleich­nis»: Faust  II, Schlußchor.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|26&lt;br /&gt;
|wie Mo­ses den Auf­trag er­hielt: 2. Mo­ses, Kap. 3, 14.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|27&lt;br /&gt;
|«Ehe denn Abra­ham war»: Jo­han­nes 8, Vers 58.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|29&lt;br /&gt;
|Man sagt heu­te leicht: Die Theo­so­phie soll den ein­heit­li­chen Wahr­heits­kern in al­len  Re­li­gio­nen su­chen: Be­zieht sich auf den zwei­ten Grund­satz der Theo­so­phi­schen  Ge­sell­schaft.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|30&lt;br /&gt;
|Die Schü­ler des Chris­tus  Je­sus aber sa­gen: Ver­g­lei­che den I. Brief  des Jo­han­nes, 1, 1-4: «Was von An­fang war, was wir ge­hört, was wir mit un­se­ren  Au­gen ge­se­hen, was wir ge­schaut und un­se­re Hän­de be­tas­tet ha­ben von  dem Wor­te des Le­bens, ja, das Le­ben hat sich of­fen­bart, und wir ha­ben  ge­se­hen und be­zeu­gen und ver­kün­di­gen euch das ewi­ge Le­ben, wel­ches  bei dem Va­ter war und uns er­schie­nen ist; was wir ge­se­hen und ge­hört ha­ben,  ver­kün­di­gen wir euch, da­mit auch ihr Ge­mein­schaft mit uns ha­bet und un­se­re  Ge­mein­schaft ei­ne Ge­mein­schaft sei mit dem Va­ter und mit sei­nem Soh­ne,  Je­sus Chris­tus.»&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|Zeu­gen sollt ihr mir sein: Apo­s­tel­ge­schich­te  I, 8.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|Glaubt ihr nicht an mich: Jo­han­nes 5, Vers 46 «Wenn ihr Mo­ses glaub­tet, so glaub­tet ihr  auch mir, denn er hat von mir ge­schrie­ben.»&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|35&lt;br /&gt;
|auf ei­ner mei­ner Vor­trags­rei­sen  vor ei­ni­gen Wo­chen in Skan­di­na­vi­en: Im  März und April 1908 hielt Ru­dolf Stei­ner in Lund, Mal­mö, Stock­holm, Upp­sa­la,  Kris­tia­nia (Os­lo), Gö­t­e­borg und Ko­pen­ha­gen ins­ge­s­amt zwan­zig Vor­trä­ge,  von de­nen sich je­doch kei­ne Nach­schrif­ten er­hal­ten ha­ben.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|Drui­den- und Drot­ten­mys­te­ri­en:  Die alts­kan­di­na­vi­sche Pries­ter­schaft hieß  die «Drot­ten».&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|Der Sil­ber­ne Ko­dex des Ul­fi­las:  Der go­ti­sche Bi­schof Wul­fi­la (grie­chisch Ul­fi­las)  über­trug im vier­ten Jahr­hun­dert n. Chr. die Bi­bel ins Go­ti­sche. Die  ehr­wür­digs­te al­ler ger­ma­ni­schen Hand­schrif­ten ist mit sil­ber­nen  und gol­de­nen Let­tern auf pur­pur­ge­färb­tes Per­ga­ment ge­schrie­ben.  Sie ist nur noch teil­wei­se er­hal­ten, wur­de im sech­zehn­ten Jahr­hun­dert  in der Ab­tei Wer­den an der Ruhr ent­deckt, kam nach Prag, dann nach Schwe­den,  wur­de von da nach Hol­land ver­sch­leppt und dort mit ei­nem kost­ba­ren Sil­be­r­ein­band  ver­se­hen (da­her der Na­me Co­dex ar­genteus). Heu­te in der Uni­ver­si­täts­bi­b­lio­thek  Upp­sa­la.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|{{SE|261}}&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|39&lt;br /&gt;
|Joa­chim von Flo­ris: Abt von Flo­ris oder Fio­re, gest. 1202. Sei­ne Schrif­ten: Evan­ge­li­um  ae­ter­num, wel­che die bib­li­schen Weis­sa­gun­gen deu­ten. Galt spä­ter  als Pro­phet Ita­li­ens.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|41&lt;br /&gt;
|«Hier ist Weis­heit»: Apo­ka­lyp­se 13, Vers 18.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|42&lt;br /&gt;
|ei­ne In­sel-Ein­sam­keit: Pat­mos. Apo­ka­lyp­se 1, Vers 9. im Geis­te war: Apo­ka­lyp­se  1, Vers 10.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|59&lt;br /&gt;
|dem Zwei­ten der so­ge­nann­ten sie­ben ok­kul­ten  Sie­gel: Sie­he  Ta­fel II und Hin­weis zu den Ta­feln.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|60&lt;br /&gt;
|daß un­se­re Er­de frühe­re  Ver­kör­pe­run­gen durch­ge­macht hat: Ver­g­lei­che  auch Ru­dolf Stei­ner, «Aus der Aka­sha-Chro­nik», Bibl.-Nr. 11, GA 1973 so­wie  «Die Ge­heim­wis­sen­schaft im Um­riß», Bibl.-Nr. 13, GA 1977.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|64&lt;br /&gt;
|das ers­te Sie­gel: Sie­he Ta­fel I. In den frühe­ren Aufla­gen be­fand sich hier ei­ne  Fuß­no­te : «Die christ­li­che Ein­wei­hung hat dies als Sym­bo­lum für die  al­te Ein­wei­hung ge­habt. Hier sind die Din­ge dar­ge­s­tellt vom Stand­punk­te  des Chris­ten­tums aus. Das Chris­ten­tum muß­te die­se Din­ge auf­neh­men,  hat sie aber dann mit an­de­ren ver­mischt.»&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|82&lt;br /&gt;
|daß die Er­den­ent­wi­cke­lung  zer­fällt in die Mars­zeit und in die Mer­kur­zeit: Sie­he Ru­dolf Stei­ner, «Bil­der ok­kul­ter Sie­gel und Säu­len. Der  Münch­ner Kon­g­reß Pfings­ten 1907 und sei­ne Aus­wir­kun­gen», Bibl.-Nr.  284/85, GA 1977, Tex­theft Sei­te 70 im Vor­trag vom 21. Mai 1907.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|91&lt;br /&gt;
|die Sa­ge von Ahas­ver: oder der Ewi­ge Ju­de, nach der Le­gen­de der Schuh­ma­cher Ahas­ve­r­us  von Je­ru­sa­lem, der Chris­tus auf dem We­ge nach Gol­ga­tha von sei­nem Hau­se,  wo er aus­ru­hen woll­te, fort­stieß und zur Stra­fe da­für bis zum Jüngs­ten  Ta­ge ru­he­los um­her­wan­dern muß. Das Volks­buch vom Ewi­gen Ju­den er­schi­en  zu­erst 1602, doch stam­men die ers­ten be­kann­ten Be­le­ge der Le­gen­de  aus dem 13. Jahr­hun­dert.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|114&lt;br /&gt;
|in die­ser Bal­dur-Lo­ki -Sa­ge: Sie­he hier­zu die bei­den Vor­trä­ge Dor­nach, 2. und 3. April  1915, in «We­ge der geis­ti­gen Er­kennt­nis und der Er­neue­rung künst­le­ri­scher  Wel­t­an­schau­ung», GA Bibl.- Nr. 161.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|115&lt;br /&gt;
|die Asu­ras oder Ur­kräf­te:  Wenn hier die Asu­ras mit den Ur­kräf­ten, den Ar­chai,  gleich­ge­s­tellt wer­den, wäh­rend sie spä­ter von Ru­dolf Stei­ner als Geis­ter  cha­rak­te­ri­siert wer­den, die den Men­schen zum Bö­sen ver­füh­ren (Vor­trag  Ber­lin, 22. März 1909 in «Geis­tes­wis­sen­schaft­li­che Men­schen­kun­de»,  GA Bibl.-Nr. 107), so ist zu be­rück­sich­ti­gen, daß even­tu­ell die Nach­schrift  hier ei­nen Man­gel auf­weist, oder Ru­dolf Stei­ner ver­kür­zend hier die Ur­kräf­te  und Asu­ras zu­sam­men nennt, weil die Asu­ras ur­sprüng­lich eben­falls zur  Hier­ar­chie der Ur­kräf­te oder Ar­chai ge­hör­ten. Erst da­durch, daß sie  in der Ent­wick­lung zu­rück­ge­b­lie­ben sind, sind sie zu Kräf­ten ge­wor­den,  die den Men­schen zum Bö­sen ver­füh­ren wol­len. Das er­klärt auch der Na­me,  denn im In­di­schen lau­tet die Be­zeich­nung für Göt­ter «Su­ras» (von Asu =  Atem); A = Vern­ei­nung. Die Su­ras wur­den al­so zu A-Su­ras, zu Un­göt­tern.  In bis­her un­ge­druck­ten No­ti­zen ei­nes Vor­tra­ges von Ru­dolf Stei­ner  (Ber­lin, 17. Ok­tober 1904) heißt es da­zu: «Die im An­fan­ge geis­ti­ge We­sen­hei­ten  wa­ren, die er­schie­nen nun als die Em­pö­rer, die Aufrüh­rer, die sich  jetzt ih­re Un­ab­hän­gig­keit er­obern woll­ten. Su­ras wur­den jetzt zu Asu­ras.»&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|{{SE|262}}&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|118&lt;br /&gt;
|ein nied­li­cher Ver­g­leich:  Der Pla­teau­sche Ver­such. «Es wird ei­ne Mi­schung  aus Was­ser und Al­ko­hol be­rei­tet, die ge­nau das spe­zi­fi­sche Ge­wicht  des rei­nen Oli­ven­ö­les hat, und in die­se Mi­schung dann ein ziem­lich  star­ker Trop­fen Öl ge­gos­sen. Die­ser schwimmt nicht auf der Flüs­sig­keit,  son­dern sinkt bis in die Mit­te der­sel­ben, und zwar in Ge­stalt ei­ner Ku­gel.  Um die­se nun in Be­we­gung zu set­zen, wird ein Scheib­chen aus Kar­ten­pa­pier  im Zen­trum mit ei­ner lan­gen Na­del durch­sto­chen und vor­sich­tig in die  Mit­te der Öl­ku­gel ge­senkt, so daß der äu­ßers­te Rand des Scheib­chens  den Äqua­tor der Ku­gel bil­det. Die­ses Scheib­chen nun wird in Dre­hung ver­setzt,  an­fangs lang­sam, dann im­mer sch­nel­ler und sch­nel­ler. Na­tür­lich teilt  die Be­we­gung sich der Öl­ku­gel mit, und in Fol­ge der Flieh­kraft lö­sen  von die­ser sich Tei­le ab, wel­che nach ih­rer Ab­son­de­rung noch ge­rau­me  Zeit die Dre­hung mit­ma­chen, zu­erst Krei­se, dann Kü­gel­chen. Auf die­se  Wei­se ent­steht ein un­se­rem Pla­ne­ten­sys­tem oft über­ra­schend ähn­li­ches  Ge­bil­de: in der Mit­te näm­lich die größ­te, un­se­re Son­ne vor­s­tel­len­de  Ku­gel, und um sie her­um sich be­we­gend klei­ne­re Ku­geln und Rin­ge, wel­che  uns die Pla­ne­ten samt ih­ren Mon­den ver­sinn­li­chen kön­nen.» Zi­tiert  nach Vin­cenz Knau­er «Die Haupt­pro­b­le­me der Phi­lo­so­phie», Wi­en und  Leip­zig 1892, Sei­te 281. J. A.F. Pla­teau, Phy­si­ker, 1801-1883.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|125&lt;br /&gt;
|die­je­ni­gen, die wir­k­lich  Me­di­zin stu­die­ren: Sie­he Ru­dolf Stei­ner,  «Geis­tes­wis­sen­schaft und Me­di­zin», zwan­zig Vor­trä­ge für Ärz­te und  Me­di­zin­stu­die­ren­de in Dor­nach vom 21. März bis 9. April 1920,  Bibl.-Nr. 312, GA 1976.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|129&lt;br /&gt;
|Und so lang du das nicht  hast: Goe­the, West-öst­li­cher Di­wan, «Se­li­ge  Sehn­sucht», Schlußs­tro­phe.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|140&lt;br /&gt;
|die vier Roth­schilds: Der Va­ter, May­er Am­schel Roth­schild, 17431812, in Frank­furt a.  M., Sa­lo­mon R. 1816, Chef des Wie­ner Hau­ses, Nat­han, der die Fir­ma 1813  von Man­ches­ter nach Lon­don ver­leg­te; Karl be­grün­de­te 1820 in Nea­pel  die Fir­ma; Ja­kob wur­de 1812 Chef des Hau­ses Ge­brü­der Roth­schild in Pa­ris.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|141&lt;br /&gt;
|Was Pau­lus ge­sagt hat: Ga­la­ter 2, 20.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|153&lt;br /&gt;
|Tol­stoi, 18281910.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|163&lt;br /&gt;
|von den gro­ßen Füh­r­ern  der Men­schen: Sie­he Ru­dolf Stei­ner, «Der Ori­ent  im Lich­te des Ok­zi­dents. Die Kin­der des Lu­zi­fer und die Brü­der Chris­ti»,  neun Vor­trä­ge und ei­ne An­spra­che in Mün­chen vom 23.-31. Au­gust 1909,  Bibl.-Nr. 113.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|170&lt;br /&gt;
|je­ne zwei Säu­len beim  Münch­ner Kon­g­reß im Saa­le: Sie­he Hin­weis zu  Sei­te 82, fer­ner «Welt­we­sen und Ich­heit», sie­ben Vor­trä­ge in Ber­lin  zwi­schen dem 6. Ju­ni und 18. Ju­li 1916, Bibl.-Nr. 169, GA 1963.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|197&lt;br /&gt;
|schwer ist [es], dem Men­schen  ei­ne Vor­stel­lung von den drei Ele­men­tar­rei­chen zu ge­ben: Sie­he hier­zu den Vor­trag Ru­dolf Stei­ners, Mün­chen, 4. Dez. 1907  in «Über das Zu­sam­men­wir­ken un­se­rer sicht­ba­ren Welt mit geis­ti­gen  We­sen­hei­ten», Frei­burg i.Br. 1952, vor­ge­se­hen für Bibl.-Nr. 98.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|227&lt;br /&gt;
|Nun hat man die­se 666 im­mer in ei­ner sehr  ge­heim­nis­vol­len Wei­se auf­ge­schrie­ben: Sie­he auch die be­kann­te Dar­stel­lung  bei Agrip­pa von Net­tes­heim, Okk. Phil. II, 22.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|228&lt;br /&gt;
|Waw wird vo­ka­lisch als 0 ge­le­sen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|256&lt;br /&gt;
|in der Ein­lei­tung der «Sie­gel und Säu­len»: Sie­he den fol­gen­den  Hin­weis.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|colspan=&amp;quot;2&amp;quot;|Zu den Ta­feln nach Sei­te 284:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|Die sie­ben Sie­gel: Die ge­mal­ten Ta­feln di­en­ten  der Aus­k­lei­dung des In­nen­rau­mes, in dem der Kon­g­reß der «Fö­d­e­ra­ti­on  eu­ro­päi­scher Sek­tio­nen der Theo­so­phi­schen Ge­sell­schaft » Pfings­ten  1907 Zu Mün­chen statt­fand. Sie wa­ren nach Skiz­zen Ru­dolf Stei­ners durch  Cla­ra Rettich, Stutt­gart, in Far­ben aus­ge­führt, Sie­he «Bil­der ok­kul­ter  Sie­gel und Säu­len. Der Münch­ner Kon­g­reß 1907 und sei­ne Aus­wir­kun­gen»,  Bibl.-Nr. 284/85, GA 1977.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|263}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Sonderhinweis zur Ent­wick­lung der Zahl 666 im 1. Vor­trag =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der ge­druckt vor­lie­gen­de Text stimmt mit der Nach­schrift des Ste­no­gra­phen übe­r­ein. Er hat aber durch den Ste­no­gra­phen of­fen­sicht­lich doch Kür­zun­gen er­lit­ten. Da­durch ist ei­ne be­son­de­re Ver­ständ­nis­schwie­rig­keit ver­bun­den mit der Fra­ge, an wel­chen Punkt der Ge­samt­ent­wi­cke­lung die Zahl 666 ge­nau zu stel­len ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn auf Sei­te 222/223 die Zahl der Ent­wi­cke­lung 344 be­rech­net wird aus Formzu­stän­den, Hauptras­sen und Un­ter­ras­sen, und es auf Sei­te 223 heißt: «Ge­nau wie wir jetzt als Zahl der Ent­wi­cke­lung 344 ha­ben, so muß ein­mal in der Zu­kunft die Zahl 666 gel­ten», dann wür­de lo­gi­scher­wei­se dar­aus fol­gen, daß die Zahl 666 ana­log der Zahl der Ent­wik­ke­lung 344 am En­de der Form­zu­stän­de des vier­ten Le­bens­zu­stan­des und nicht wie im Text am En­de der Le­bens­zu­stän­de auf­t­re­ten müß­te, Das ist aber dem Text zu­fol­ge nicht der Fall. Denn es heißt auf Sei­te 223, 24. Zei­le in be­zug auf die Zahl 666 nicht 6 Form­zu­stän­de, 6 Hauptras­sen und 6 Un­ter­ras­sen, son­dern es heißt: 6 Le­bens­rei­che, 6 Hauptras­sen und 6 Un­ter­ras­sen. Und so wird es auch auf Sei­te 226, 3. Zei­le noch ein­mal wie­der­holt. Das heißt al­so: für die Zahl 666 wer­den die Form­zu­stän­de über­gan­gen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Fra­ge, ob der Text hier rich­tig oder falsch ist, muß of­fen­b­lei­ben, Ei­ne ge­wis­se Er­klär­ung gibt je­doch die nach­fol­gen­de schrift­li­che Auf­zeich­nung Ru­dolf Stei­ners vom Mai 1906. Nach die­ser tritt die Zahl 666 end­gül­tig auf im 6. Form­zu­stand des 6. Le­bens­zu­stan­des des 6. Pla­ne­ten (Ve­nus), aber auch sonst, nur eben in klei­ne­rem Maß­stab, wenn das Evo­lu­ti­ons­ver­hält­nis 666 ist, Als Bei­spiel da­für wird an­ge­führt: in der 6, Un­ter­ras­se der 6, Wur­zel­ras­se des 6. Pla­ne­ten (wo­bei mit 6. Pla­ne­ten nicht die Ve­nus, son­dern die Er­de in ei­ner be­stimm­ten Glie­de­rung ge­meint ist; ver­g­lei­che hier­zu den Text selbst). Ob­wohl auch bei die­sem Bei­spiel die Fra­ge of­fen­b­leibt, wann die drit­te Sechs ge­nau auf­tritt, so geht aus der Auf­zeich­nung doch klar her­vor, daß es sich um Aspek­te han­delt. Aus die­sem Grun­de braucht auch der Text im 11. Vor­trag nicht falsch zu sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
H.W.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|264}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Zeichen und Entwicklung der drei Logoi in der Mensch­heit =&lt;br /&gt;
== Nie­der­schrift für Edu­ard Schu­ré im Mai 1907 ==&lt;br /&gt;
Die Kon­sti­tu­ti­on der Welt geht auf die Drei­heit zu­rück. Im men­sch­li­chen Evo­lu­ti­ons­sys­tem sind von der ers­ten An­la­ge des Men­sch­wer­dens bis zur voll­kom­me­nen Ent­fal­tung die­ser An­la­ge zu un­ter­schei­den:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
drei Be­wußt­s­eins­zu­stän­de als die ers­te Drei­heit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der ers­te die­ser Be­wußt­s­eins­zu­stän­de ist ein mehr oder we­ni­ger dump­fer (schla­far­ti­ger) Be­wußt­s­eins­zu­stand, weil das «Ich» noch nicht ge­bo­ren ist. Der Mensch ist auf die­ser Stu­fe noch ein Glied ei­nes über­ge­ord­ne­ten «Ich»; er ist hell­se­hend, aber er kann die In­hal­te sei­nes Hell­se­hens nicht als die sei­ni­gen an­se­hen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der zwei­te Be­wußt­s­eins­zu­stand wird her­bei­ge­führt durch die Ge­burt des «Ich». Die­ser höhe­re Zu­stand wird her­bei­ge­führt da­durch, daß das Hell­se­hen ver­lo­ren geht. Das Schau­en ei­ner Au­ßen­welt be­ginnt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der drit­te Be­wußt­s­eins­zu­stand wird da­durch her­bei­ge­führt, daß im «Ich» das Hell­se­hen wie­der auf­tritt, so daß der Mensch selbst­be­wuß­ter Hell­se­her wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der ok­kul­ten Schrift­spra­che wird be­zeich­net der ers­te Be­wußt­s­eins­zu­stand durch  d. h. es strahlt von dem Ab­so­lu­ten = das Be­wußt­sein aus, die Welt durch­flu­tend  (Kreis).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun hat man in je­dem die­ser drei Be­wußt­s­eins­zu­stän­de wie­der drei Un­ter­stu­fen zu un­ter­schei­den; al­so:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ers­te Be­wußt­s­eins­stu­fe ist ganz sub­jek­tiv, d. h. der Mensch nimmt nichts von au­ßen wahr, son­dern nur das, was die Gott­heit in ihn einpflanzt. Die­se Be­wußt­s­eins­stu­fe ar­bei­tet sich durch die obi­gen 3 Un­ter­stu­fen der ers­ten Epo­che hin­durch, da­für das Zei­chen: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|265}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die drit­te Be­wußt­s­eins­stu­fe ist ganz ob­jek­tiv, d. h. der Mensch wird die gan­ze Welt als gött­lich wahr­neh­men: &lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|Die mitt­le­re Stu­fe hat da­her das Zei­chen&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Nun geht aber die ers­te Be­wußt­s­eins­stu­fe kon­ti­nu­ier­lich in die zwei­te über; eben­so die zwei­te in die drit­te; da­durch grei­fen die ent­sp­re­chen­den Un­ter­stu­fen III und IV und VI und VII in ein­an­der über, so daß fol­gen­des Bild ent­steht: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So ent­steht aus der Neun­zahl die Sie­ben­zahl. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es wer­den nun ab­sol­viert die­se 7 Be­wußt­s­eins­stu­fen: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1* auf dem Sa­turn&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2* auf der Son­ne&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3* auf dem Mond&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
4* auf der Er­de&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
5* auf dem Ju­pi­ter&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
6* auf der Ve­nus&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
7* auf dem Vul­kan. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ge­gen­wär­tig ist der Mensch in 4*. Man sieht: dem ist vor­an­ge­gan­gen 3*, das aus zwei Un­ter­stu­fen zu­sam­men­ge­f­los­sen ist, und es wird fol­gen 5*, das wie­der aus zwei Un­ter­stu­fen zu­sam­men­f­lie­ßen wird. Be­zeich­net man das rei­ne Mon­den­be­wußt­sein mit III und das rei­ne Er­den­be­wußt­sein mit V, so liegt zwi­schen bei­den et­was, was man als Mars­be­wußt­sein zu be­zeich­nen hat. Es rührt dies da­von her, daß be­vor die Er­de sich von Mond und Son­ne los­ge­ris­sen hat, sie ei­ne Be­geg­nung mit dem Mars hat­te. Ei­ne eben­sol­che Be­geg­nung fin­det statt mit Mer­kur; VI ist das Mer­kur­be­wußt­sein. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|266}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man neh­me nun die Sum­me der Be­wußt­s­eins­stu­fen, wel­che der Mensch bis jetzt durchlau­fen hat. Es sind V bis zum Er­den­be­wußt­sein. Da­her das Zei­chen: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist ein ge­sch­los­se­nes, weil der Mensch oh­ne das Da­zu­kom­men des Mer­kur­be­wußt­seins sich in sich selbst ver­här­ten wür­de. Er kä­me, oh­ne sich dem gött­li­chen Füh­rer (Mer­kur) auf die­ser Stu­fe an­zu­ver­trau­en, in ei­ne Sack­gas­se sei­ner Ent­wi­cke­lung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun hat ein je­der die­ser 7 Be­wußt­s­eins­zu­stän­de sie­ben Le­bens­zu­stän­de zu ab­sol­vie­ren. Das gibt für &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das sind 7 x 7 Le­bens­zu­stän­de durch die gan­ze men­sch­li­che Evo­lu­ti­on hin­durch: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
7 x 7 = 49 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun aber hat man sich die Sa­che so vor­zu­s­tel­len, daß wäh­rend der ers­ten Be­wußt­s­eins­zu­stän­de das, was Men­schen­keim ist, noch nicht sein ei­ge­nes Le­ben ent­fal­ten kann. Es ist da­bei noch das aus frühe­ren Evo­lu­tio­nen üb­rig ge­b­lie­be­ne Le­ben, das lang­sam ab­flu­tet und durch das rein men­sch­li­che Le­ben er­setzt wird. Dies ist im Sin­ne des fol­gen­den Bil­des: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wo das vor­men­sch­li­che Le­ben ganz über­wun­den und das rein men­sch­li­che Le­ben das der Men­schen-Evo­lu­ti­on wird. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|267}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt al­so in der men­sch­li­chen Evo­lu­ti­on ei­nen Punkt, wo inn­er­halb des gan­zen pla­ne­ta­ri­schen Sys­tems das ei­ge­ne Le­ben die­ses Sys­tems an die Stel­le al­les von ei­nem frühe­ren Sys­tem tritt. Die­ser Punkt ist in der Ge­schich­te die Er­schei­nung C h r i s t i .&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie be­zeich­net in die­ser Be­zie­hung die Mit­te der Mensch­heit­se­vo­lu­ti­on. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Le­bens­zu­stän­de ver­lau­fen nun wie­der in Form­zu­stän­den; je­der der 49 Le­bens­zu­stän­de hat sie­ben Form­zu­stän­de durch­zu­ma­chen, das sind für die gan­ze Evo­lu­ti­on &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
49 x 7 = 343 Stu­fen = 7 x 7 x 7. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber auch die Form­zu­stän­de sind nicht vom An­fan­ge an die ei­gen-men­sch­li­chen. Es sind die von ei­nem frühe­ren Sys­tem her­über­ge­brach­ten. Al­les, was sich auf sol­che von ei­nem frühe­ren Sys­tem stam­men­den Form­zu­stän­de be­zieht, be­zeich­net man als Ma­kro­kos­mos. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Form­zu­stän­de, wel­che der Mensch selbst schafft, bil­den den Mi­kro­kos­mos. Von ei­nem Mi­kro­kos­mos kann man erst sp­re­chen, wenn der Men­schen­geist form­schaf­fend wird, wie vor­her der gött­li­che Geist (Welt­geist) form­schaf­fend war. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Über­gang ist die Welt­see­le der gött­li­che Geist, der lang­sam sich in­di­vi­dua­li­siert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es er­gibt sich nun fol­gen­de Über­sicht der Evo­lu­ti­on, wenn man noch be­denkt, daß &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der 1. Lo­gos sich im Men­schen of­fen­bart als At­ma,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der 2. Lo­gos sich im Men­schen of­fen­bart als Budhi,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der 3. Lo­gos sich im Men­schen of­fen­bart als Ma­nas. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|268}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn von die­sen 343 = 7 x 7 x 7 Stu­fen 666 = 6 x 6 x 6 = 216 ver­gan­gen sein wer­den, al­so nach 5 Pla­ne­ten (Sa­turn, Son­ne, Mond, Er­de, Ju­pi­ter) in der Ve­nus,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wenn in die­ser wie­der 5 Le­bens­zu­stän­de ver­f­los­sen sind, al­so im 6. Le­bens­zu­stand der Ve­nus&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und im 6. Form­zu­stand die­ses 6. Le­bens­zu­stan­des, dann wird al­les aus­ge­son­dert sein von der Er­de­ne­vo­lu­ti­on, was nicht zur Voll­kom­men­heit kom­men kann; die Zahl 666 = 216 ist da­her die kri­ti­sche Zahl der Evo­lu­ti­on (Apo­ka­lyp­se).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|269}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein kri­ti­scher Zu­stand tritt aber (wenn auch ein klei­ne­rer als im be­zeich­ne­ten Zeit­punk­te) auch sonst ein, wenn das Evo­lu­ti­ons­ver­hält­nis 666 ist, z. B.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
in der 6. Un­ter­ras­se der 6. Wur­zel­ras­se des 6. Pla­ne­ten, wo­bei Mars und Mer­kur mit­ge­rech­net wer­den, al­so fol­gen­der Zy­k­lus ent­steht:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1. Sa­turn&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2. Son­ne&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3. Mond&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
4. Mars&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
5. Er­de&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
6. Mer­kur die­ser Ein­fluß ist dann in der nächs­ten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
6. Un­ter­ras­se schon ein gro­ßer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Mensch­heit wird al­so dann schon an ei­nen kri­ti­schen Punkt ih­rer Ent­wi­cke­lung kom­men.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|270}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Korrekturen für die 6. Aufla­ge 1979 ge­gen­über der 5. Aufla­ge 1952 =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus dem auf Sei­te 259 be­schrie­be­nen Text­ver­g­leich mit den Ori­gi­nal-Un­ter­la­gen er­ga­ben sich die hier nach­ge­wie­se­nen Än­de­run­gen. In ecki­gen Klam­mern ste­hen­de Ein­fü­gun­gen im Buch­text stam­men vom Her­aus­ge­ber und wer­den im fol­gen­den nicht be­rück­sich­tigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|width=&amp;quot;50px&amp;quot;|Sei­te:&lt;br /&gt;
|width=&amp;quot;75px&amp;quot;|Zei­le:&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|21&lt;br /&gt;
|4 v.o.&lt;br /&gt;
|«eben­so­we­nig wie Sie ei­nes  Be­wei­ses be­dür­fen» statt früh­er «kei­nes Be­wei­ses».&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|28&lt;br /&gt;
|7 v.o.&lt;br /&gt;
|«Das Ich ist et­was  Ver­gäng­li­ches», das Wort «Ich» fehl­te früh­er.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 Sinn­ge­mä­ße Er­gän­zung.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|64&lt;br /&gt;
|1 v.u.&lt;br /&gt;
|«zwei­te Bild» statt  «ers­te Bild». Kor­rek­tur ge­mäß Nach­schrift.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|102&lt;br /&gt;
|1 v.o.&lt;br /&gt;
|«rächest nicht un­ser  Blut», Ein­fü­gung von «nichts» ge­mäß Nach­schrift.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|115&lt;br /&gt;
|5 v.o.&lt;br /&gt;
|«sich ent­wi­ckeln­den» statt «zu­rück­ge­b­lie­be­nen».  Sinn­ge­mä­ße Kor­rek­tur. In der Nach­schrift lü­cken­haft.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|177&lt;br /&gt;
|18 v.o.&lt;br /&gt;
|«nur däm­mer­haft be­wußt»  statt «däm­mer­haft be­wußt, nur an ». Sinn­ge­mä­ße Um­stel­lung des Wört­chens  «nur».&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|185&lt;br /&gt;
|4 v.o.&lt;br /&gt;
|«bei der Ver­klär­ung nach  der christ­li­chen Tra­di­ti­on». Sinn­ge­mä­ße Ein­fü­gung von «nach».&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|185&lt;br /&gt;
|6 v.o.&lt;br /&gt;
|«Er­den­ent­wi­cke­lung so, daß  die Son­ne», statt früh­er: «Er­den­ent­wi­cke­lung: die Son­ne». Kor­rek­tur  ge­mäß Nach­schrift.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|212&lt;br /&gt;
|16/17 v.o.&lt;br /&gt;
|«Haupt­men­schen­köp­fe, und da­zu je zwei Hör­ner,  die wie Schat­ten ne­ben ih­nen sind», statt früh­er: «Haupt­men­schen­köp­fe,  und da­zwi­schen zwei, die wie Schat­ten ne­ben ihm sind». Sinn­ge­mä­ße Kor­rek­tur.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|218&lt;br /&gt;
|11 v.u.&lt;br /&gt;
|«Vor­stel­lung» statt früh­er «Dar­stel­lung».  Kor­rek­tur ge­mäß Nach­schrift.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|219&lt;br /&gt;
|10-12 v.o.&lt;br /&gt;
|«daß 171 noch zu­künf­ti­ge  Form­zu­stän­de zu den be­reits ver­f­los­se­nen hin­zu­ge­zählt wer­den müs­sen, dann ha­ben Sie 342, ein wei­te­rer da­zu, der ge­gen­wär­ti­ge, gibt al­le 343». Die her­vor­ge­ho­be­nen­Wor­te  wur­den ge­mäß Nach­schrift ein­ge­fügt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|220&lt;br /&gt;
|2 v.o.&lt;br /&gt;
|«die gro­ßen Haupt­zu­stän­de, Form­zu­stän­de», Ein­fü­gung von «Form­zu­stän­de» ge­mäß  Nach­schrift.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|222&lt;br /&gt;
|16 v.u.&lt;br /&gt;
|«Von die­sem 172. Zu­stand»  statt früh­er «Vor die­sem ». Sinn­ge­mä­ße Kor­rek­tur.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|222&lt;br /&gt;
|14 v.u.&lt;br /&gt;
|«Der 172. Zu­stand ist der  phy­si­sche Form­zu­stand, die Er­de selbst». Ein­fü­gung von «der phy­si­sche  Form­zu­stand» ge­mäß Nach­schrift.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|222&lt;br /&gt;
|12 v.u.&lt;br /&gt;
|«al­so zu­nächst» statt früh­er «aber zu­nächst».  Sinn­ge­mä­ße Kor­rek­tur.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|223&lt;br /&gt;
|2. v.u.&lt;br /&gt;
|«wel­che nach dem gro­ßen  Krie­ge al­ler ge­gen al­le durch die sie­ben Sie­gel be­zeich­net ist, wenn  wir an­ge­langt sein wer­den » statt früh­er «wel­che durch die sie­ben Sie­gel  be­zeich­net ist, wenn wir an­ge­langt sein wer­den beim  gro­ßen Krie­ge al­ler ge­gen al­le». Sinn­ge­mä­ße Kor­rek­tur.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|224&lt;br /&gt;
|19/20 v.o.&lt;br /&gt;
|«neh­men die Men­schen schon nach dem gro­ßen  Krie­ge al­ler ge­gen al­le, in&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|{{SE|271}}&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|dem Zei­tal­ter [der Po­sau­nen]» statt früh­er:  «neh­men die Men­schen schon in dem Zei­tal­ter nach dem gro­ßen Krie­ge al­ler  ge­gen al­le, wenn die sie­ben­te Po­sau­ne er­k­lingt». Sinn­ge­mä­ße Um­stel­lung.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|225&lt;br /&gt;
|20 v.o.&lt;br /&gt;
|«in un­se­rem sechs­ten  Zei­traum» statt früh­er «im sechs­ten Zei­traum».  Kor­rek­tur ge­mäß Nach­schrift.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|230&lt;br /&gt;
|3 v.u&lt;br /&gt;
|«brauch­te» statt früh­er «braucht». Kor­rek­tur  ge­mäß Nach­schrift.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|H. W.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|* *&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 *&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|37&lt;br /&gt;
|15 v.u.&lt;br /&gt;
|Re­dak­tio­nel­ler Hin­weis:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der nach­ste­hend kur­siv  ge­setz­te, ein­ge­scho­be­ne Text­ab­satz aus dem ERS­TEN VOR­TRAG vom 18.  Ju­ni 1908 fand sich in ei­ner «deutsch-rus­si­schen On­li­ne-Aus­ga­be» und  wur­de vom Ru­dolf-Stei­ner-Ver­lag Dor­nach of­fen­bar ab der 4. Aufla­ge  1954 er­satz- und kom­men­tar­los ge­s­tri­chen. Wir zi­tie­ren hier je­weils  noch ei­nen Ab­satz da­vor und da­nach:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|«Und wie hier die­ses Er­eig­nis der Ge­schich­te, so wird uns al­les, was uns im Le­ben ent­ge­gen­tritt, Gro­ßes und Klei­nes,  ver­tieft und mit ei­nem neu­en Licht durch­strahlt durch die an­thro­po­so­phi­sche  Ge­sin­nung, die sich da­rin be­kun­det, daß man in al­lem phy­sisch Wahr­nehm­ba­ren  den phy­siog­no­mi­schen Aus­druck ei­nes Über­sinn­lich-Geis­ti­gen er­blickt.»&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|«Und es ist mißv­er­stan­den wor­den in den  ver­schie­dens­ten Zei­ten im­mer in dem Sin­ne, in dem Sti­le, wie die­se  ver­schie­de­nen Zei­ten ge­dacht und ge­son­nen ha­ben. Mißv­er­stan­den ist  es wor­den von den Zei­ten, die, man darf sa­gen, spi­ri­tu­ell-ma­te­ria­lis­tisch  ge­dacht ha­ben, von den Zei­ten, die gro­ße Re­li­gi­ons­strö­mun­gen  hin­ein­ge­zwängt ha­ben in ein­sei­ti­ges fa­na­ti­sches Par­tei­ge­trie­be, und es ist mißv­er­stan­den wor­den in der neue­ren Zeit von den­je­ni­gen,  wel­che im gro­ben, im sinn­lichs­ten Ma­te­ria­lis­mus glaub­ten die Rät­sel  der Welt lö­sen zu kön­nen.»&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|Daß es sich so ver­hält, die­se Über­zeu­gung  mö­ge uns durch­drin­gen ge­ra­de wäh­rend die­ses Kur­sus. Und aus solch ei­ner  Über­zeu­gung her­aus mag der Geist, mö­gen die Ge­füh­le strö­men, die wäh­rend  der zwölf apo­ka­lyp­ti­schen Vor­trä­ge in un­se­re See­le flie­ßen, die un­se­re  Her­zen durch­drin­gen sol­len. Inn­er­halb die­ser Ge­sin­nung wol­len wir  an die­sen Kur­sus her­an­t­re­ten, der das tiefs­tes Do­ku­ment des Chris­ten­tums,  die Apo­ka­lyp­se des Jo­han­nes, zum An­knüp­fungs­punk­te nimmt, weil an die­ses  Do­ku­ment die tiefs­ten Wahr­hei­ten des Chris­ten­tums wir­k­lich zwang­los  an­ge­sch­los­sen wer­den kön­nen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|(https://www.anthroposophie.net/ru/ApokalypseRD.htm)&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|272}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Ausführliche Inhaltsangaben von Marie Steiner =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
zur ers­ten Buch­aus­ga­be der Vor­trä­ge &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
===== ÖF­F­ENT­LI­CHER VOR­TRAG, Nürn­berg, 17. Ju­ni  1908 =====&lt;br /&gt;
|[[GA 104#11|11]]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Geis­tes­wis­sen­schaft, Evan­ge­li­um und  Mensch­heits­zu­kunft. Die vor­re­li­giö­se Zeit, die My­tho­lo­gi­en, der re­li­giö­se Zu­stand. Die ver­schie­de­nen Be­wußt­s­einse­tap­pen  und das Ich-Bin.&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
===== ERS­TER VOR­TRAG, Nürn­berg, 18. Ju­ni 1908 =====&lt;br /&gt;
|[[GA 104#34|34]]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Cha­rak­te­ri­sie­rung des Geis­tes der Apo­ka­lyp­se  im All­ge­mei­nen. Was geht inn­er­halb der Ein­wei­hung vor und wie ver­hält sich Ein­wei­hung zu dem We­sen der Apo­ka­lyp­se?&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
===== ZWEI­TER VOR­TRAG, 19. Ju­ni 1908 =====&lt;br /&gt;
|[[GA 104#51|51]]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Ei­ni­ges über das We­sen der Ein­wei­hung  durch Schu­lung der Denk­kräf­te (vor­christ­li­che Zeit),  der Ge­müts­kräf­te (christ­li­che Zeit) und der Wil­lens­kul­tur in den ro­sen­k­reu­ze­ri­schen Schu­lun­gen. Sym­bo­li­sche Dar­stel­lun­gen für die spe­zi­fisch-christ­li­che und christ­lich-ro­sen­k­reu­ze­ri­sche  Ein­wei­hung.&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
===== DRIT­TER VOR­TRAG, 20. Ju­ni 1908 =====&lt;br /&gt;
|[[GA 104#66|66]]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Was ist der­ Mensch? und wo­zu ist er be­stimmt  in un­se­rem Zei­tal­ter? Stu­fenwei­ses Hin­auf­ge­hen in die ima­gi­na­ti­ve, in­spi­rier­te  und in­tui­ti­ve Er­kennt­nis. Der in­ne­re  Fort­gang der sie­ben nachat­lan­ti­schen Kul­tu­ren drückt sich aus in den sie­ben Sie­geln, sie­ben Po­sau­nen, sie­ben Zor­nes scha­len. Die sie­ben Ge­mein­den sind die Re­prä­sen­t­an­ten der sie­ben nachat­lan­ti­schen Kul­tu­re­po­chen; an je­de rich­tet der Apo­ka­lyp­ti­ker ein Send­sch­rei­ben, in wel­chem er sagt, was bei­be­hal­ten wer­den kann vo­m Al­ten und was an­ders wer­den soll.&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
===== VIER­TER VOR­TRAG, 21. Ju­ni 1908 =====&lt;br /&gt;
|[[GA 104#87|87]]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Was die sie­ben Zei­träu­me der nachat­lan­ti­schen  Kul­tur in die See­len her­ein­ge­legt und ver­sie­gelt ha­ben, wird hin­über­le­ben in die sie­ben Zei­träu­me der Zu­kunft. Sie­ben Mal wer­den die See­len ent­sie­gelt wer­den; sie­ben Sie­gel  müs­sen ge­löst wer­den aus dem Buch. In die­sem Buch, das her­ein­ge­schrie­ben ist in die See­len der Men­schen, wer­den die Ein­tra­gun­gen der Kul­tur­zei­träu­me drin­nen ste­hen. Was nicht zur Uns­terb­lich­keit  ge­eig­net ist und ab­fällt, was sich in un­se­ren Zei­ten neu vor­be­rei­tet hat, kommt her­aus, und wird durch das Sym­bo­lum  an­ge­deu­tet, das der In­tel­li­genz ent­spricht: es ist das Pferd. Der Ruf des Ich-Bin über­win­det den Tod. Sym­bo­li­sches Er-&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|{{SE|273}}&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|­schei­nen de­rer, de­nen wei­ße Klei­der ge­ge­ben wer­den. Sym­bo­li­sche Er­fül­lung des­sen, was das äu­ße­re Le­ben gibt im Ver­schwin­den  und der Um­wand­lung von Son­ne und Mond, Spi­ri­tua­li­sie­rung der Mensch­heit.&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
===== FÜNF­TER VOR­TRAG, 22. Ju­ni 1908 =====&lt;br /&gt;
|[[GA 104#104|104]]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Zwi­schen­be­trach­tung. Die vier Zu­stän­de  un­se­res pla­ne­ta­ri­schen Da­seins. Die Apo­ka­lyp­se stellt dar, wie durch die christ­li­che Ein­wei­hung die Zu­kunft der Mensch­heit zur Ent­hül­lung kommt durch das­ Her­au­s­t­re­ten des­sen, was sich in der Ver­gan­gen­heit in den See­len vor­be­rei­tet hat. In der Mit­te der Er­den­ent­wick­lung wird der Mensch erst Mensch. Al­le an­dern  We­sen, die bis da­hin die Mensch­heits­stu­fen ha­ben durch­ma­chen kön­nen, sind über ihn hin­aus­ge­schrit­ten, kön­nen des­halb sei­ne Ent­wick­lung lei­ten; die sind die Re­gu­la­to­ren der Zeit,  die 24 Äl­tes­ten. Von den zu­rück­ge­b­lie­be­nen We­sen­hei­ten stammt die An­la­ge zu dem Tier-, Pflan­zen- und Men­schen­reich. Das glä­s­er­ne Meer deu­tet an das Her­vor­schie­ßen des Mi­ne­ral­reichs in sei­ner ers­ten Ge­stalt. Von da an zeigt uns der Apo­ka­lyp­ti­ker die Bil­der zu­künf­ti­ger Ent­wick­lungs­stu­fen.&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== SECHS­TER VOR­TRAG, 23. Ju­ni 1908 =====&lt;br /&gt;
|[[GA 104#118|118]]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Fort­set­zung der Zwi­schen­be­trach­tung. Mit dem Wel­ten-Ur­ne­bel, von wel­chem der Ok­kul­tis­mus  spricht, wa­ren die 24 Ka­te­go­ri­en von We­sen ver­bun­den, wel­che die Men­schen­stu­fe durch­ge­macht hat­ten, und auch an­de­re We­sen­hei­ten.  Von je­nen ho­hen We­sen, die mit der Son­ne her­aus­gin­gen, den sie­ben Elo­him, son­der­te sich Jah­ve her­aus. Er blieb mit der  Er­de ver­bun­den. In die erst geis­ti­ge men­sch­li­che Ge­stalt ha­ben sich erst nach und nach die fes­ten Tei­le ein­ge­g­lie­dert. Noch der al­te At­lan­tier war ganz an­ders ge­stal­tet und hat­te ein  ganz an­de­res See­len­le­ben. Erst als die Ver­dich­tung der­ Was­ser zur Über­flu­tung ge­führt und der Re­gen­bo­gen her­aus­ge­t­re­ten war, lern­te der Mensch Ich zu sich sa­gen. Früh­er war er in der Geis­tig­keit der Grup­pen­see­le ge­bor­gen; jetzt lern­te er den Gott in sich  selbst füh­len; Jah­ve war der Ich-Lei­ter. Das war das ers­te Auf­däm­mern der In­di­vi­dua­li­tät. Es hat sich der Mensch durch die geis­ti­ge  Ver­fins­te­rung sein Selbst­be­wußt­sein er­kauft. Durch drei Kul­tur­zei­träu­me bis in den vier­ten hin­ein voll­zog sich die­se Ent­wick­lung. Dann wur­de die Er­de von ei­ner neu­en Kraft durch­strömt, ih­re gan­ze Au­ra än­der­te sich durch das Blut, das auf Gol­ga­tha floß. Das Chris­tus-Prin­zip hat­te sich mit der Er­de ver­bun­den.&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|{{SE|274}}&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
===== SIE­BEN­TER VOR­TRAG, 24. Ju­ni 1908 =====&lt;br /&gt;
|[[GA 104#137|137]]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|In ei­nem ve­r­än­der­ten Zu­stand ist aber die Zu­kunft ei­ne Wie­der­ho­lung der Ver­gan­gen­heit: das frühe­re däm­mer­haf­te Hell­se­hen wird sich zu dem er­wor­be­nen hel­len Selbst­be­wußt­sein hin­zu­fü­gen. Durch das He­r­ein­t­re­ten des Chris­tus in die Welt ist der Mensch be­wahrt wor­den vor dem Hin­un­ter­sin­ken in ei­ne Art Ab­grund. Jetzt steht er vor ei­ner Ent­schei­dung. In ge­wis­ser Wei­se ist er schon in den Ab­grund hin­un­ter­ge­s­tie­gen; über­läßt er sich dem Hin­ab­sin­ken, dann wird die Per­sön­lich­keit nicht ge­ret­tet, um in die geis­ti­gen Wel­ten hin­auf­zu­s­tei­gen. In dem Ma­ße als sich im Men­schen das Ver­ständ­nis für den Chris­tus-Im­puls ent­wi­ckelt und zum ei­ge­nen Im­puls wird, wird  die Mensch­heit auf­wärts stei­gen. Nach und nach tau­chen die­je­ni­gen in den Ab­grund hin­ein, die sich das Ich in Form des  Ego­is­mus er­obert ha­ben, aber nicht im­stan­de sind, sich zum Geist zu er­he­ben, der ih­nen das Men­schen­ant­litz ge­ge­ben hat. Die­se wer­den Tierähn­lich, die bö­se Ras­se: nach der Ent­sie­ge­lung wird der Mensch das im Ant­litz ha­ben, was er im Her­zen  trägt. Bei den Er­lös­ten wird sich das Mal­zei­chen, der Na­me des  Chris­tus im Ant­litz aus­drücken. Wir bli­cken auf die Ver­gan­gen­heit als die gro­ße Schu­le der Lie­be und ih­rer zwei Kräf­te; sie führt den St­re­ben­den zu Chris­tus dem wah­ren Licht­trä­ger. Die Ket­te Noah und der geis­ti­ge Adam. Bei der Ent­hül­lung der vier Sie­gel er­scheint vier­mal nach­ein­an­der das Pferd, Sym­bol der blo­ßen In­tel­li­genz. Bei der fünf­ten Ent­sie­ge­lung er­schei­nen in wei­ßen  Klei­dern die­je­ni­gen, die auf­be­wahrt wor­den sind für die Ver­geis­ti­gung, die den Ruf der Er­den­mis­si­on ver­ste­hen und da  sein wer­den, wenn die Skla­ven der Per­sön­lich­keit in den Ab­grund ver­sin­ken. Der sechs­te Kul­tur­zei­traum wird den zur In­tel­li­genz ent­ge­gen­ge­setz­ten  Pol brin­gen in dem Häuf­lein aus al­len Na­tio­nen, das die Bru­der­schaft dar­le­ben wird im Sin­ne der Ge­mein­de von Phi­la­del­phia.&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
===== ACH­TER VOR­TRAG, 25. Ju­ni 1908 =====&lt;br /&gt;
|[[GA 104#156|156]]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Die Ur­sa­che des sich vor­be­rei­ten­den Krie­ges al­ler ge­gen al­le ist das Über­hand­neh­men des Ego­is­mus, der Ich­sucht der Menschen. Die zwei Sei­ten des Ich. In ihm liegt die  Ur­sa­che der Ver­här­tung, wenn es die Lie­be nicht fin­det, es  ist der Ver­füh­rer, der in den Ab­grund stürzt. Es ist aber Un­terp­fand des höchs­ten Zie­les der Men­schen. Des­halb ist Sym­bol für das Ich­be­wußt­sein in der Apo­ka­lyp­se: das schar­fe zwei­schnei­di­ge Schwert im Mun­de des Mensch­heils­re­prä­sen­t­an­ten. Das Bö­se ist im Sc­höp­fungs­plan be­grün­det, da­mit durch es ein­mal  das gro­ße Gu­te da sei. Es ist das Ma­nichäer-Prin­zip. Die&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|{{SE|375}}&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Ent­sie­ge­lung der sie­ben Sie­gel gibt an den Cha­rak­ter der sie­ben  Stam­mes­kul­tu­ren, die sich nach dem gro­ßen Krie­ge bil­den wer­den: der Ein­ge­weih­te schaut sie in der Sym­bo­lik der as­tra­li­schen­Welt. Wenn je­ne Kul­tur ab­ge­lau­fen sein wird, be­ginnt ei­ne neue Pe­rio­de, die sym­bo­li­siert wird durch die sie­ben Po­sau­n­en­klän­ge: sie nimmt der Mensch wahr von der ei­gent­li­chen geis­ti­gen Welt aus, wo die Sphä­ren klän­ge er­tö­nen. Im himm­li­schen Reich er­k­lingt der Ge­dan­ke. Die­ses himm­li­sche Reich wird im sie­ben­ten Zei­traum  her­un­ter­ge­s­tie­gen sein bis in die phy­si­sche­ Welt, wie die as­tra­li­sche im sechs­ten Zei­traum. Die Er­de ver­wan­delt sich in ei­nen as­tra­li­schen Him­mels­kör­per; ei­ne ma­te­ri­el­le Ku­gel wird aus­ge­schie­den  mit den We­sen, die für den Auf­s­tieg un­brauch­bar sind. Das Hin­aus­sto­ßen der Ma­te­rie wird in der Apo­ka­lyp­se an­ge­deu­tet  durch das Aus­gie­ßen der sie­ben gött­li­chen Zor­nes scha­len. Die Auf­nah­me des Höchs­ten, was der Mensch auf­neh­men kann, die in  den Evan­ge­li­en ent­hal­te­ne Bot­schaft der Lie­be, muß nicht nur den Ver­stand, muß das In­ners­te des Men­schen durch­drin­gen: die­ses Buch wird vom Men­schen ver­sch­lun­gen. Die Mars­kräf­te und Mer­kur­kräf­te, sym­bo­li­siert in den zwei Säu­len, sind die Erb­schaft der Ver­gan­gen­heit, nun durch­drun­gen von der Kraft der Lie­be, ent­hal­ten im Buch.&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
===== NE­UN­TER VOR­TRAG, 26. Ju­ni 1908 =====&lt;br /&gt;
|[[GA 104#174|174]]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Ent­ste­hung ei­ner as­tra­li­schen Er­de nach den sie­ben Po­sau­n­en­stö­ß­en mit den­ We­sen, die zu ihr ge­hö­ren. Zwi­schen­be­trach­tung über die Ent­wick­lungs­mög­lich­kei­ten des Men­schen. Das zu­nächst un­be­wuß­te Ar­bei­ten des Ich am as­tra­li­schen,  äthe­ri­schen und phy­si­schen Lei­be. Zu­letzt wird ein mehr oder we­ni­ger selbst­be­wuß­tes Ich aus der Grup­pen­see­len­haf­tig­keit her­aus­ge­ar­bei­tet, das mit der Er­schei­nung des Chris­tus den Im­puls der völ­li­gen In­di­vi­dua­li­tät er­langt. Heu­te ist der An­fang von Geist­selbst da. Wenn die sie­ben­te Po­sau­ne er­k­lingt, wird der Mensch das Phy­si­sche an sei­nem We­sen auflö­sen und als äthe­ri­sches We­sen hin­über­le­ben in die as­tra­lisch ge­wor­de­ne  Er­de. - Rück­blick auf den ers­ten Adam und den ver­wes­li­chen Leib. Der un­ver­wes­li­che Leib des letz­ten Adam trägt die Chris­tus-Auf­nah­me­fähig­keit im Ant­litz: es ist das Mys­te­ri­um der Men­sch­wer­dung. - Blick auf die al­te Er­de als ein von re­gel­mä­ß­i­gen Strö­mun­gen durch­zo­ge­ner Or­ga­nis­mus, aus dem der an­fäng­li­che Mensch her­aus­ge­bo­ren wur­de wie ei­ne Stel­le, wel­che sich  von der Er­de ab­hob, aber doch an zahl­rei­chen Fä­den mit ihr zu­sam­men­hing. Adam heißt Er­den­sohn. In der al­ten Er­de war al­les vor­ge­bil­det: Blut­bah­nen, Ner­ven­bah­nen, al­le Or­ga­ne. Heu­te ar­bei­tet der&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|{{SE|276}}&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Mensch an sei­ner See­le und wird sei­nen Leib zum Ab­bild der See­le ma­chen, die den Chris­tus in sich auf­ge­nom­men hat; er wird sei­ne so ge­bil­de­ten Kräf­te der nächs­ten Ver­kör­pe­rung un­se­rer Er­de einpflan­zen, dem Ju­pi­ter, aus wel­chem die Ju­pi­ter­we­sen einst her­aus­ge­bo­ren wer­den. Der Leib ist in Wahr­heit der Tem­pel der im In­nern be­find­li­chen Ich­heit. Wird  er rich­tig aus­ge­stal­tet, so wird der Ju­pi­ter nach den rich­ti­gen Ma­ßen ge­baut. Inn­er­halb die­ses geis­ti­gen Zu­stan­des der Er­de er­scheint wie­der, was früh­er da war. Elias und Mo­ses, die geis­ti­gen  Ver­t­re­ter des­sen, was wir in den zwei Säu­len ge­se­hen ha­ben. Nach­dem der Mensch sich ver­geis­tigt hat, die Er­de die rich­ti­gen Ma­ße  der Ent­wick­lung durch­ge­macht hat, ist er reif, sich mit den Kräf­te­ver­hält­nis­sen wie­der zu ve­r­ei­ni­gen, die auf der Son­ne sind. Als Über­win­der des Mon­des ve­r­ei­nigt er sich mit der Son­ne: der bild­li­che Aus­druck da­für ist das Weib, das die Son­ne in sich trägt und den Mond zu Fü­ß­en hat. Der nicht vom Chris­tu­s­prin­zip im­präg­nier­te her­aus­ge­fal­le­ne Teil der Mensch­heit hat ei­ne Art Ne­ben­pla­ne­ten ge­bil­det: Es er­schei­nen da die vier Ty­pen der  Grup­pen­see­le in ih­ren Tier­ge­stal­ten und noch drei an­de­re. Was im Fleisch  ge­b­lie­ben ist, wird auf der Ne­be­n­er­de dar­ge­s­tellt durch das Tier mit sie­ben Köp­fen. Jetzt sind sie die sie­ben Wi­der­sa­cher. Was vom Äthe­ri­schen aus im Men­schen ver­an­lagt ist, nennt man im Ok­kul­tis­mus Kopf; was phy­sisch be­wußt wird durch ein Glied des Äther­lei­bes, nennt man Horn.&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
===== ZEHN­TER VOR­TRAG, 27. Ju­ni 1908 =====&lt;br /&gt;
|[[GA 104#191|191]]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Der Grun­driß der­Welt­ent­wick­lung ver­läuft in Zah­len­ver­hält­nis­sen; die Sie­ben­zahl be­herrscht al­le Tei­le der Welt­ent­wick­lung. Sie­ben Zu­stän­de der pla­ne­ta­ri­schen Ver­kör­pe­run­gen fal­len zu­sam­men mit der Ent­wick­lung des men­sch­li­chen  Be­wußt­seins. Um­wand­lung der vier durch­ge­mach­ten Be­wußt­s­eins­zu­stän­de in die drei künf­ti­gen: be­wuß­tes Bil­der-Be­wußt­sein  = Ju­pi­ter; in­spi­rier­tes, wo je­de We­sen­heit wie ein Ton­ge­bil­de  er­scheint des­sen, was früh­er as­tra­li­sches Bild war, das ver­k­lingt jetzt; in­tui­ti­ves Be­wußt­sein, wo die See­le in­di­vi­du­ell bleibt  und doch in al­len Din­gen und We­sen­hei­ten drin­nen steckt. Je­de  die­ser Stu­fen hat sieben Le­bens­stu­fen, die zu­sam­men­fal­len mit den sie­ben Rei­chen. Das den sie­ben Rei­chen der Er­de Ana­lo­ge sind auf den vor­an­ge­gan­ge­nen Pla­ne­ten die Ele­men­tar­rei­che, die in un­se­re Welt hin­ein ver­schwun­den sind. Ganz ge­hört der  Mensch nur dem Mi­ne­ral­reich an, weil er nur die­ses be­g­rei­fen kann. Die an­dern Rei­che sind Vor­stu­fen des­sen, was der  Mensch einst er­le­ben wird; sie sind Vor­bil­der, Hin­wei­se auf ein&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|{{SE|277}}&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|künf­ti­ges Reich, in wel­chem der Mensch einst sein wird. Auf dem Ju­pi­ter wird es et­was den sie­ben Erd­rei­chen noch Ähn­li­ches ge­ben, auf Ve­nus und Vul­kan paßt der Be­griff Reich nicht mehr. Die Le­bens­stu­fen müs­sen wie­der sie­ben Form­stu­fen durchlau­fen; der phy­si­sche ist der mitt­le­re. Er löst sich auf und geht dann wie­der zu­rück zu ei­nem voll­kom­me­nen As­tra­li­schen und nie­de­ren und höhe­ren De­vacha­ni­schen. Von die­sem Ge­dan­ken­sche­ma müs­sen wir auf­s­tei­gen zum le­ben­di­gen Auf­bau mit Hil­fe von Bil­dern, die im As­tra­li­schen zu se­hen sind. Die­se ent­sprin­gen nicht dem Ge­hirn­den­ken, son­dern die Tat­sa­chen ge­ben sie hell­se­he­risch. Auch die Form­zu­stän­de ge­hen durch sie­ben Stu­fen durch und er­ge­ben die Ras­sen- oder Kul­tur­zu­stän­de. Wir le­ben im fünf­ten; der sechs­te wird in der Apo­ka­lyp­se  an­ge­deu­tet durch die sie­ben Sie­gel; der sie­ben­te durch die sie­ben Po­sau­nen. Dann geht das Phy­si­sche in das As­tra­li­sche über. Durch vier tie­ri­sche Grup­pen­see­len muß­te der Mensch hin­durch­ge­hen bis er das In­di­vi­dual­be­wußt­sein er­lang­te, und bil­de­te da­bei vier­er­lei Kör­per­g­lie­der aus: vier Köp­fe, ent­sp­re­chend den vier Kör­per­tei­len; die Hör­ner Ver­di­ckun­gen der äthe­ri­schen  Kraft­sys­te­me. Seit­dem der Ich­mensch das Chris­tu­s­prin­zip auf­nimmt, wer­den kei­ne Tier­köp­fe mehr aus­ge­bil­det. Der Mensch ist men­sche­n­ähn­lich ge­wor­den und er­scheint in wei­ßen  Klei­dern. Ver­nich­tet wer­den die sie­ben Köp­fe und zehn Hör­ner, die von der at­lan­ti­schen Zeit über­nom­men sind. Wer den Chris­tus von sich stößt, wür­de die al­te Ge­stalt zur Er­schei­nung brin­gen: das Tier mit den sie­ben Köp­fen und zehn Hör­nern, wie zur Zeit der Sie­gel, so jetzt in der Zeit, wo die Zor­nesscha­len aus­ge­gos­sen wer­den und die Er­de sich in zwei Tei­le spal­tet.&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
===== ELF­TER VOR­TRAG, 29. Ju­ni 1908 =====&lt;br /&gt;
|[[GA 104#214|214]]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Nach der Zeit, wel­che durch die Po­sau­n­en­klän­ge  an­ge­deu­tet ist, ver­geis­tigt sich die Er­de. Rück­blick auf die Form­zu­stän­de und die Zahl der Ent­wick­lung. Jetzt ist  die­se für uns 344. Ein­mal in der Zu­kunft wird die Zahl 666 gel­ten;  die­se Zu­kunft ist vor­be­rei­tet in un­se­rer Zeit. Die Zeit der sie­ben Po­sau­n­en­klän­ge wird Men­schen se­hen, die tief in das Bö­se  hin­ein­s­tei­gen. Und wenn je­ne ur­fer­ne Zu­kunft kom­men wird, die nicht durch 466, son­dern durch 666 an­ge­deu­tet wird, wer­den sie die­se An­la­ge nicht mehr um­wan­deln kön­nen. Das geg­ne­ri­sche Prin­zip der Chris­tus-Son­nen­we­sen­heit oder des Lam­mes ist der Son­nen­dä­mon: So­rat, das Prin­zip, das den Men­schen zur völ­li­gen Ver­här­tung führt. Im Blend­werk der Zahl liegt  ein Zei­chen des Chris­tus­geg­ners. Der Mißbrauch der spi­ri­-&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|{{SE|278}}&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|tu­el­len Kräf­te, die schwar­ze Ma­gie ist das Ver­füh­rungs­mit­tel des zwei­hör­ni­gen Tie­res. Die Ver­här­tung der Ma­te­rie wird dem Apo­ka­lyp­ti­ker zur An­schau­ung ge­bracht in der gro­ßen Ba­by­lon. Auf der an­dern Sei­te ste­hen die­je­ni­gen, die sich ve­r­ei­ni­gen mit dem Prin­zip  des Lam­mes und die gro­ßen Um­ris­se be­rei­ten zu dem, was der Ju­pi­ter wer­den soll: das neue Je­ru­sa­lem. Die Kraft, durch wel­che der Son­nen­ge­ni­us das zwei­hör­ni­ge Tier, den gro­ßen Dra­chen über­win­det, sie wird in der christ­lich-ro­sen­k­reu­ze­ri­schen Eso­te­rik ge­nannt: der An­blick des Son­nen­ge­ni­us, des Mi­cha­el, der die Schlüs­sel hat und den Dra­chen ge­fes­selt hält.&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
===== ZWÖLF­TER VOR­TRAG, 30. Ju­ni 1908 =====&lt;br /&gt;
|[[GA 104#234|234]]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Durch das Hin­ein­ge­s­tellt­sein in den Ab­grund des Bö­sen ist für den Men­schen erst er­reich­bar Frei­heit und Lie­be. Das So­rat­prin­zip stammt aus an­dern Wel­ten­pe­rio­den, muß sich mit den Ab­fäl­len begnü­gen, mit je­nen, die auf der Er­de in der Ma­te­rie ste­cken ge­b­lie­ben sind. Das wer­den des So­rats Heer­scha­ren sein. Was sind für den Apo­ka­lyp­ti­ker die Be­grif­fe «ers­ter» und «zwei­ter» Tod? Der hell­se­he­ri­sche Ju­pi­ter­mensch wird mit sei­nem Be­wußt­sein in an­de­ren mo­ra­li­schen Ver­hält­nis­sen le­ben. Der schon vom Ich aus um­ge­stal­te­te as­tra­li­sche Leib wird fähig sein, in den Äther­leib hin­ein­zu­wir­ken. Der Hel­fer, der das er­mög­licht, ist die Chris­tus-We­sen­heit. Erst  nach­her kann der Mensch in den phy­si­schen Leib he­r­ein­ar­bei­ten mit der Hil­fe des Va­ters. Das Ab­le­gen des al­ler­letz­ten phy­si­schen Lei­bes ist das, was in der Apo­ka­lyp­se der ers­te Tod ge­nannt wird. Die Men­schen le­ben jetzt wei­ter in der ver­geis­tig­ten Er­de mit all dem, was durch die Hil­fe des Chris­tus in den Äther­leib hin­ein­ge­bracht wor­den ist. Sie le­ben im Ein­klang mit dem Chris­tu­s­prin­zip. Der Äther­leib de­rer, die es zu­rück­ge­wie­sen ha­ben, ist hin­ge­ord­net nach dem phy­si­schen Leib, lebt in Mißklang und Be­gier­denglut. In der wei­te­ren Ver­geis­ti­gung der Er­de wird es auch kei­nen Äther­leib mehr ge­ben. Die, wel­che den Chris­tus in sich auf­ge­nom­men  ha­ben, wer­den ihn oh­ne Mühe ab­st­rei­fen; die an­dern wer­den ihn als ein zwei­tes Ster­ben emp­fin­den in je­der  fol­gen­den as­tra­li­schen Ge­stalt. Das ist der zwei­te Tod. Die das Ziel er­reicht ha­ben, ent­werfen auf der Er­de den Plan zur Ju­pi­ter-Ent­wick­lung: das ist das neue Je­ru­sa­lem. Die­je­ni­gen, die von sich ge­sto­ßen ha­ben die Kräf­te, die ih­nen das Ju­pi­ter-Be­wußt­sein ge­ben kann, wer­den die Zu­rück­ge­b­lie­be­nen, Hin­un­ter­ge­sun­ke­nen sein. Aber es wird noch mög­lich sein, ei­ne An­zahl zur Um­kehr zu brin­gen. Erst bei der Ve­nus-Ver­kör­pe­rung fällt die un­ab­än­der­li­che Ent­schei­dung. -&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|{{SE|279}}&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Die ver­führ­te In­tel­li­genz, das ist das­je­ni­ge, was dem Tie­re ver­fällt; des­halb ist die Zahl des Tie­res ei­nes Men­schen Zahl. Die Re­gel­mä­ß­ig­keit des neu­en Je­ru­sa­lem wird be­schrie­ben im Wür­fel des letz­ten Bil­des.&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|280}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|281}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Über die Vortragsnachschriften Rudolf Steiners =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus Ru­dolf Stei­ners Au­to­bio­gra­phie »Mein Le­bens­gang« (35. Kap., 1925) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es lie­gen nun aus mei­nem an­thro­po­so­phi­schen Wir­ken zwei Er­geb­nis­se vor; ers­tens mei­ne vor al­ler Welt ver­öf­f­ent­lich­ten Bücher, zwei­tens ei­ne gro­ße Rei­he von Kur­sen, die zu­nächst als Pri­vat­druck ge­dacht und ver­käuf­lich nur an Mit­g­lie­der der Theo­so­phi­schen (spä­ter An­thro­po­so­phi­schen) Ge­sell­schaft sein soll­ten. Es wa­ren dies Nach­schrif­ten, die bei den Vor­trä­gen mehr oder we­ni­ger gut ge­macht wor­den sind und die we­gen man­geln­der Zeit nicht von mir kor­ri­giert wer­den konn­ten. Mir wä­re es am liebs­ten ge­we­sen, wenn münd­lich ge­spro­che­nes Wort münd­lich ge­spro­che­nes Wort ge­b­lie­ben wä­re. Aber die Mit­g­lie­der woll­ten den Pri­vat­druck der Kur­se. Und so kam er zu­stan­de. Hät­te ich Zeit ge­habt, die Din­ge zu kor­ri­gie­ren, so hät­te vom An­fan­ge an die Ein­schrän­kung «Nur für Mit­g­lie­der» nicht zu be­ste­hen ge­braucht. Jetzt ist sie seit mehr als ei­nem Jah­re ja fal­len ge­las­sen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier in mei­nem «Le­bens­gang» ist not­wen­dig, vor al­lem zu sa­gen, wie sich die bei­den: mei­ne ver­öf­f­ent­lich­ten Bücher und die­se Pri­vat­dru­cke in das ein­fü­gen, was ich als An­thro­po­so­phie aus­ar­bei­te­te.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer mein ei­ge­nes in­ne­res Rin­gen und Ar­bei­ten für das Hin­s­tel­len der An­thro­po­so­phie vor das Be­wußt­sein der ge­gen­wär­ti­gen Zeit ver­fol­gen will, der muß das an Hand der all­ge­mein ver­öf­f­ent­lich­ten Schrif­ten tun. In ih­nen setz­te ich mich auch mit al­le dem au­s­ein­an­der, was an Er­kennt­nis­st­re­ben in der Zeit vor­han­den ist. Da ist ge­ge­ben, was sich mir in «geis­ti­gem Schau­en» im­mer mehr ge­stal­te­te, was zum Ge­bäu­de der An­thro­po­so­phie al­ler­dings in vie­ler Hin­sicht in un­voll­kom­me­ner Art wur­de.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ne­ben die­se For­de­rung, die «An­thro­po­so­phie» auf­zu­bau­en und da­bei nur dem zu die­nen, was sich er­gab, wenn man Mit­tei­lun­gen aus der Geist-Welt der all­ge­mei­nen Bil­dungs­welt von heu­te zu über­ge­ben hat, trat nun aber die an­de­re, auch dem voll ent­ge­gen­zu­kom­men, was aus der Mit­g­lied­schaft her­aus als See­len­be­dürf­nis, als Geis­tes­sehn­sucht sich of­fen­bar­te.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da war vor al­lem ei­ne star­ke Nei­gung vor­han­den, die Evan­ge­li­en und den Schrift-In­halt der Bi­bel über­haupt in dem Lich­te dar­ge­s­tellt zu hö­ren, das sich als das an­thro­po­so­phi­sche er­ge­ben hat­te. Man woll­te in Kur­sen über die­se der Mensch­heit ge­ge­be­nen Of­fen­ba­run­gen hö­ren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|282}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In­dem in­ter­ne Vor­trags­kur­se im Sin­ne die­ser For­de­rung ge­hal­ten wur­den, kam da­zu noch ein an­de­res. Bei die­sen Vor­trä­gen wa­ren nur Mit­g­lie­der. Sie wa­ren mit den An­fangs-Mit­tei­lun­gen aus An­thro­po­so­phie be­kannt. Man konn­te zu ih­nen eben so sp­re­chen, wie zu Vor­ge­schrit­te­nen auf dem Ge­bie­te der An­thro­po­so­phie. Die Hal­tung die­ser in­ter­nen Vor­trä­ge war ei­ne sol­che, wie sie eben in Schrif­ten nicht sein konn­te, die ganz für die Öf­f­ent­lich­keit be­stimmt wa­ren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich durf­te in in­ter­nen Krei­sen in ei­ner Art über Din­ge sp­re­chen, die ich für die öf­f­ent­li­che Dar­stel­lung, wenn sie für sie von An­fang an be­stimmt ge­we­sen wä­ren, hät­te an­ders ge­stal­ten müs­sen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So liegt in der Zwei­heit, den öf­f­ent­li­chen und den pri­va­ten Schrif­ten, in der Tat et­was vor, das aus zwei ver­schie­de­nen Un­ter­grün­den stammt. Die ganz öf­f­ent­li­chen Schrif­ten sind das Er­geb­nis des­sen, was in mir rang und ar­bei­te­te; in den Pri­vat­dru­cken ringt und ar­bei­tet die Ge­sell­schaft mit. Ich hö­re auf die Schwin­gun­gen im See­len­le­ben der Mit­g­lied­schaft, und in mei­nem le­ben­di­gen Drin­nen­le­ben in dem, was ich da hö­re, ent­steht die Hal­tung der Vor­trä­ge.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist nir­gends auch nur in ge­rings­tem Ma­ße et­was ge­sagt, was nicht reins­tes Er­geb­nis der sich auf­bau­en­den An­thro­po­so­phie wä­re. Von ir­gend ei­ner Kon­zes­si­on an Vor­ur­tei­le oder Vor­emp­fin­dun­gen der Mit­g­lied­schaft kann nicht die Re­de sein. Wer die­se Pri­vat­dru­cke liest, kann sie im volls­ten Sin­ne eben als das neh­men, was An­thro­po­so­phie zu sa­gen hat. Des­halb konn­te ja auch oh­ne Be­den­ken, als die An­kla­gen nach die­ser Rich­tung zu drän­gend wur­den, von der Ein­rich­tung ab­ge­gan­gen wer­den, die­se Dru­cke nur im Krei­se der Mit­g­lied­schaft zu ver­b­rei­ten. Es wird eben nur hin­ge­nom­men wer­den müs­sen, daß in den von mir nicht nach­ge­se­he­nen Vor­la­gen sich Feh­ler­haf­tes fin­det.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Ur­teil über den In­halt ei­nes sol­chen Pri­vat­dru­ckes wird ja al­ler­dings nur dem­je­ni­gen zu­ge­stan­den wer­den kön­nen, der kennt, was als Ur­teils-Vor­aus­set­zung an­ge­nom­men wird. Und das ist für die al­ler­meis­ten die­ser Dru­cke min­des­tens die an­thro­po­so­phi­sche Er­kennt­nis des Men­schen, des Kos­mos, in­so­fern sein We­sen in der An­thro­po­so­phie dar­ge­s­tellt wird, und des­sen, was als «an­thro­po­so­phi­sche Ge­schich­te» in den Mit­tei­lun­gen aus der Geist-Welt sich fin­det.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Glossar ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|A}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|A}}ALBA LONGA&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Al­ba Lon­ga oder die lan­ge Al­ba, die Stadt ei­ner Pries­ter­kul­tur, von der die Kul­tur Roms aus­ge­hen soll­te. Im Meßk­leid der ka­tho­li­schen Pries­ter ha­ben wir noch ei­nen Nach­klang da­von er­hal­ten.|104|74}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ANTHROPOSOPHIE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Man wür­de die heu­ti­ge Be­trach­tung mißv­er­ste­hen, wenn man des Glau­bens wä­re, An­thro­po­so­phie oder Geis­tes­wis­sen­schaft sei in ir­gend­ei­ner Be­zie­hung ei­ne neue Re­li­gi­on, wol­le ir­gend­ein neu­es Re­li­gi­ons­be­kennt­nis an die Stel­le ei­nes al­ten set­zen.|104|12}}ASTRALLEIB&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|In die­sen As­tral­leib sind hin­ein­ge­zeich­net ei­ne Un­sum­me von ver­schie­de­n­er­lei Fi­gu­ren, al­le mög­li­chen Ar­ten von Li­ni­en und Strah­len, man­che blitz­ar­tig, man­che in son­der­ba­ren Win­dun­gen.|104|52}}{{GS|Der as­tra­li­sche Leib ist der Aus­druck sei­ner Lei­den­schaf­ten, sei­ner In­s­tink­te, Trie­be und Be­gier­den, aber auch al­ler sei­ner Ge­dan­ken und Vor­stel­lun­gen.|104|52}}ASTROLOGIE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Tie­fe Weis­heit in der Ster­nen­schrift ist es, was dem al­ten Chal­däer­pries­ter als As­tro­lo­gie ge­of­fen­bart wur­de, als die Ge­heim­nis­se des­sen, was er mit Au­gen sah. Das be­trach­te­te er als Of­fen­ba­rung ei­nes In­ne­ren, Durch­geis­tig­ten.|104|72}}{{GS|So ent­steht je­ne wun­der­ba­re Ster­nen­kun­de, die die Men­schen heu­te kaum mehr ken­nen. Denn was man heu­te als As­tro­lo­gie kennt, ist durch ein Mißv­er­ste­hen der Tat­sa­chen ent­stan­den.|104|72}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ATLANTIS&lt;br /&gt;
{{GS|Des­halb sp­re­chen wir auch von Kul­tur­zei­tal­tern im Ge­gen­satz zu Ras­sen. Al­les das, was et­wa ver­knüpft ist mit dem Ras­sen­be­griff, ist noch Über­b­leib­sel des Zei­trau­mes, der dem un­se­ren vor­an­ge­gan­gen ist, des at­lan­ti­schen. Wir le­ben im Zei­traum der Kul­tu­re­po­chen.|104|69}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|B}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|B}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|C}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|C}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
CHRISTUS &lt;br /&gt;
{{GS|So ha­ben wir im ent­schie­dens­ten Sin­ne ei­nen ab­s­tei­gen­den Kul­tur­weg bis in un­se­re Zeit, in die fünf­te Kul­tu­re­po­che hin­ein, und im­mer tie­fer und tie­fer wür­de es hin­un­ter­ge­hen. Des­halb muß vor dem völ­li­gen Hin­un­ter­g­lei­ten in die Ma­te­rie die Mensch­heit durch ei­nen neu­en Im­puls be­wahrt wer­den. So tief ist vor­her noch nie­mals das We­sen des Men­schen hin­un­ter­ge­s­tie­gen in die Ma­te­rie.|104|77}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|D}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|D}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|E}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|E}}EGOISMUS&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Das sie­ben­te Kul­tur­zei­tal­ter spielt sich ab vor dem Krieg al­ler ge­gen al­le. Da se­hen wir die­se furcht­ba­re Ver­wüs­tung der Kul­tur her­an­kom­men und se­hen das klei­ne Häuf­lein von Men­schen, das ver­stan­den hat, das spi­ri­tu­el­le Prin­zip in sich auf­zu­neh­men und das sich hin­weg­ret­ten wird ge­gen­über der all­ge­mei­nen Zer­trüm­me­rung durch den Ego­is­mus.|104|68}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
EINWEIHUNG&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Ein­wei­hung ist Ent­wi­cke­lung der in je­der See­le schlum­mern­den Kräf­te und Fähig­kei­ten.|104|43}}{{GS|Das muß der ers­te Schritt der Ein­wei­hung sein: den Men­schen wäh­rend des Ta­ges­le­bens et­was tun zu las­sen, in sei­ner See­le sich et­was ab­spie­len zu las­sen, was fort­wirkt, wenn der as­tra­li­sche Leib in der Nacht her­aus­ge­zo­gen wird aus dem phy­si­schen und Äther­leib.|104|47}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ERKENNTNIS DER HÖHEREN WELTEN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Denn al­les, was höhe­re Er­kennt­nis, was höhe­re Voll­kom­men­heit dem Men­schen ge­ben soll, hängt mit der Fra­ge zu­sam­men: Was bin ich und wo­zu bin ich be­stimmt in un­se­rem Zei­tal­ter?|104|66}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ESOTERISCHES CHRISTENTUM&lt;br /&gt;
{{GS|Denn es ist nichts Ge­rin­ge­res in die­sem Do­ku­ment ent­hal­ten als ein gro­ßer Teil der Mys­te­ri­en des Chris­ten­tums, es ist da­rin ent­hal­ten das Tiefs­te von dem, was wir als das eso­te­ri­sche Chris­ten­tum zu be­zeich­nen ha­ben. Kein Wun­der da­her, daß von al­len christ­li­chen Do­ku­men­ten auch ge­ra­de die­ses Do­ku­ment am al­ler­meis­ten mißv­er­stan­den wor­den ist.|104|37}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|F}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|F}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|G}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|G}}GEISTESWISSENSCHAFT&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Man wür­de die heu­ti­ge Be­trach­tung mißv­er­ste­hen, wenn man des Glau­bens wä­re, An­thro­po­so­phie oder Geis­tes­wis­sen­schaft sei in ir­gend­ei­ner Be­zie­hung ei­ne neue Re­li­gi­on, wol­le ir­gend­ein neu­es Re­li­gi­ons­be­kennt­nis an die Stel­le ei­nes al­ten set­zen.|104|12}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
GEISTIGE WELT&lt;br /&gt;
{{GS|Was be­deu­tet die Re­li­gi­on für die Mensch­heit? Re­li­gi­on war und wird noch lan­ge für die Mensch­heit das sein, was schon ihr Wort aus­drückt. Das Wort Re­li­gi­on be­deu­tet: Ver­bin­dung des Men­schen mit sei­nem Gött­li­chen, mit der geis­ti­gen Welt.|104|16}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|H}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|H}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|I}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|I}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ICH&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Wer nicht be­g­reift, daß die­ses Ich ein zwei­schnei­di­ges Schwert ist, der wird kaum den gan­zen Sinn der Mensch­heits- und Wel­ten­ent­wi­cke­lung ver­ste­hen.|104|156}}{{GS|Nur der al­lein ver­steht das Ich, der da weiß, daß, nach­dem er sich die­ses Ich er­run­gen hat im Lau­fe der kos­mi­schen Ent­wi­cke­lung, es nun­mehr un­ver­lier­bar ist, und der Mensch muß vor al­len Din­gen nach der star­ken Kraft st­re­ben, wenn er die Wel­ten­mis­si­on ver­steht, die­ses Ich im­mer in­ner­li­cher, im­mer gött­li­cher zu ma­chen.|104|157}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|J}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|J}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|K}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|K}}KRIEG ALLER GEGEN ALLE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Das sie­ben­te Kul­tur­zei­tal­ter spielt sich ab vor dem Krieg al­ler ge­gen al­le. Da se­hen wir die­se furcht­ba­re Ver­wüs­tung der Kul­tur her­an­kom­men und se­hen das klei­ne Häuf­lein von Men­schen, das ver­stan­den hat, das spi­ri­tu­el­le Prin­zip in sich auf­zu­neh­men und das sich hin­weg­ret­ten wird ge­gen­über der all­ge­mei­nen Zer­trüm­me­rung durch den Ego­is­mus.|104|68}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
KULTUREPOCHEN{{GS|Des­halb sp­re­chen wir auch von Kul­tur­zei­tal­tern im Ge­gen­satz zu Ras­sen. Al­les das, was et­wa ver­knüpft ist mit dem Ras­sen­be­griff, ist noch Über­b­leib­sel des Zei­trau­mes, der dem un­se­ren vor­an­ge­gan­gen ist, des at­lan­ti­schen. Wir le­ben im Zei­traum der Kul­tu­re­po­chen.|104|69}}1. KULTUREPOCHE, EPHESOS&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Die­se ers­te Epo­che in der nachat­lan­ti­schen Zeit ist al­so re­prä­sen­tiert in der ephe­si­schen Ge­mein­de, und das, was zu ver­kün­den ist, soll in ei­nem Brie­fe an die Ge­mein­de von Ephe­sus ver­kün­det wer­den.|104|77}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2. KULTUREPOCHE  SMYRNA&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Der Re­prä­sen­tant der zwei­ten Kul­tu­re­po­che ist die Ge­mein­de oder Kir­che zu Smyr­na. Die­se re­det der Füh­rer der Mensch­heit an in sei­nem zwei­ten Vor­fah­ren, in dem In­spi­ra­tor und Meis­ter der uralt-per­si­schen Kul­tur.|104|79}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3. KULTUREPOCHE PERGAMON&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Nun ge­hen wir wei­ter, zur Ge­mein­de zu Per­ga­mus. Sie ist der Re­prä­sen­tant je­ner Epo­che der Mensch­heit, die mehr und mehr her­au­s­t­rat auf den phy­si­schen Plan, wo der Mensch in der Ster­nen­schrift sah, was sein Geist er­grün­den konn­te.|104|80}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
4. KULTUREPOCHE  THYATIRA&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|[…] die vier­te Kul­tu­re­po­che. Da er­scheint der Er­lö­ser, Chris­tus Je­sus, sel­ber.&lt;br /&gt;
Es ist die Ge­mein­de zu Thya­ti­ra. Da kün­digt er sich an als der «Sohn Got­tes, der Au­gen hat wie Feu­er­flam­men und sei­ne Fü­ße gleich wie Mes­sing». Jetzt kün­digt er sich an als Sohn Got­tes, jetzt ist er der Füh­rer der vier­ten Kul­tu­re­po­che […]|104|82}}{{GS|So ha­ben wir im ent­schie­dens­ten Sin­ne ei­nen ab­s­tei­gen­den Kul­tur­weg bis in un­se­re Zeit, in die fünf­te Kul­tu­re­po­che hin­ein, und im­mer tie­fer und tie­fer wür­de es hin­un­ter­ge­hen. Des­halb muß vor dem völ­li­gen Hin­un­ter­g­lei­ten in die Ma­te­rie die Mensch­heit durch ei­nen neu­en Im­puls be­wahrt wer­den. So tief ist vor­her noch nie­mals das We­sen des Men­schen hin­un­ter­ge­s­tie­gen in die Ma­te­rie.|104|77}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Das sie­ben­te Kul­tur­zei­tal­ter spielt sich ab vor dem Krieg al­ler ge­gen al­le. Da se­hen wir die­se furcht­ba­re Ver­wüs­tung der Kul­tur her­an­kom­men und se­hen das klei­ne Häuf­lein von Men­schen, das ver­stan­den hat, das spi­ri­tu­el­le Prin­zip in sich auf­zu­neh­men und das sich hin­weg­ret­ten wird ge­gen­über der all­ge­mei­nen Zer­trüm­me­rung durch den Ego­is­mus.|104|68}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|L}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|L}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|M}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|M}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
MATERIE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|So ha­ben wir im ent­schie­dens­ten Sin­ne ei­nen ab­s­tei­gen­den Kul­tur­weg bis in un­se­re Zeit, in die fünf­te Kul­tu­re­po­che hin­ein, und im­mer tie­fer und tie­fer wür­de es hin­un­ter­ge­hen. Des­halb muß vor dem völ­li­gen Hin­un­ter­g­lei­ten in die Ma­te­rie die Mensch­heit durch ei­nen neu­en Im­puls be­wahrt wer­den. So tief ist vor­her noch nie­mals das We­sen des Men­schen hin­un­ter­ge­s­tie­gen in die Ma­te­rie.|104|77}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
MYSTERIEN&lt;br /&gt;
{{GS|Denn es ist nichts Ge­rin­ge­res in die­sem Do­ku­ment ent­hal­ten als ein gro­ßer Teil der Mys­te­ri­en des Chris­ten­tums, es ist da­rin ent­hal­ten das Tiefs­te von dem, was wir als das eso­te­ri­sche Chris­ten­tum zu be­zeich­nen ha­ben. Kein Wun­der da­her, daß von al­len christ­li­chen Do­ku­men­ten auch ge­ra­de die­ses Do­ku­ment am al­ler­meis­ten mißv­er­stan­den wor­den ist.|104|37}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|N}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|N}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|O}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|O}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|P}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|P}}PRIESTER&lt;br /&gt;
{{GS|Al­ba Lon­ga oder die lan­ge Al­ba, die Stadt ei­ner Pries­ter­kul­tur, von der die Kul­tur Roms aus­ge­hen soll­te. Im Meßk­leid der ka­tho­li­schen Pries­ter ha­ben wir noch ei­nen Nach­klang da­von er­hal­ten.|104|74}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|Q}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|Q}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|R}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|R}}RASSEN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Des­halb sp­re­chen wir auch von Kul­tur­zei­tal­tern im Ge­gen­satz zu Ras­sen. Al­les das, was et­wa ver­knüpft ist mit dem Ras­sen­be­griff, ist noch Über­b­leib­sel des Zei­trau­mes, der dem un­se­ren vor­an­ge­gan­gen ist, des at­lan­ti­schen. Wir le­ben im Zei­traum der Kul­tu­re­po­chen.|104|69}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
RELIGION&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Man wür­de die heu­ti­ge Be­trach­tung mißv­er­ste­hen, wenn man des Glau­bens wä­re, An­thro­po­so­phie oder Geis­tes­wis­sen­schaft sei in ir­gend­ei­ner Be­zie­hung ei­ne neue Re­li­gi­on, wol­le ir­gend­ein neu­es Re­li­gi­ons­be­kennt­nis an die Stel­le ei­nes al­ten set­zen.|104|12}}{{GS|Was be­deu­tet die Re­li­gi­on für die Mensch­heit? Re­li­gi­on war und wird noch lan­ge für die Mensch­heit das sein, was schon ihr Wort aus­drückt. Das Wort Re­li­gi­on be­deu­tet: Ver­bin­dung des Men­schen mit sei­nem Gött­li­chen, mit der geis­ti­gen Welt.|104|16}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|S}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|S}}SIBYLLINISCHE BÜCHER&lt;br /&gt;
{{GS|Nach ei­nem Jahr­hun­dert wer­den ge­wis­se Kon­s­tel­la­tio­nen da sein, sag­ten sie, und dann muß ein dem Ent­sp­re­chen­des vor sich ge­hen. Und für Jahr­tau­sen­de hin­aus wur­de vor­aus­be­stimmt, was zu tun ist. So ent­stand das, was man als die Si­byl­li­ni­schen Bücher be­zeich­net.|104|73}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|T}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|T}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|U}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|U}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|V}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|V}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|W}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|W}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|X}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|X}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|Y}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|Y}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|Z}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|Z}}ZAHLEN&lt;br /&gt;
{{GS|Inn­er­halb ge­wis­ser eso­te­ri­scher Schu­len hat­te man ei­ne Art von Zah­len­schrift. Ge­wis­se Wor­te, die man nicht in ge­wöhn­li­cher Schrift mit­tei­len woll­te, brach­te man durch Zah­len zum Aus­dru­cke.|104|41}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|0-9}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|0-9}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
7. KULTUREPOCHE&lt;br /&gt;
{{GS|Das sie­ben­te Kul­tur­zei­tal­ter spielt sich ab vor dem Krieg al­ler ge­gen al­le. Da se­hen wir die­se furcht­ba­re Ver­wüs­tung der Kul­tur her­an­kom­men und se­hen das klei­ne Häuf­lein von Men­schen, das ver­stan­den hat, das spi­ri­tu­el­le Prin­zip in sich auf­zu­neh­men und das sich hin­weg­ret­ten wird ge­gen­über der all­ge­mei­nen Zer­trüm­me­rung durch den Ego­is­mus.|104|68}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Literatur =&lt;br /&gt;
* [[a:Rudolf Steiner|Rudolf Steiner]]: &#039;&#039;Die Apokalypse des Johannes&#039;&#039;, [[GA 104]] (1985), ISBN 3-7274-1040-X {{Vorträge|104}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GA}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:GA 104 Die Apokalypse des Johannes|!]] [[Kategorie:Taschenbücher]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:GA]] [[Kategorie:GA (Mitgliedervorträge)]]  [[Kategorie: GA (Zyklus)]] [[Kategorie:Gesamtausgabe]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Apokalypse des Johannes]]&lt;br /&gt;
[[en:GA 104]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Artikel unten}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>ElkeJura</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://steiner.wiki/index.php?title=Gesamtglossar_V&amp;diff=11290</id>
		<title>Gesamtglossar V</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://steiner.wiki/index.php?title=Gesamtglossar_V&amp;diff=11290"/>
		<updated>2025-09-03T18:56:47Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;ElkeJura: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Artikel oben}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Venuszustand&lt;br /&gt;
{{GS|Auch was er im Ätherleib hat, kann er noch nicht beherrschen; das wird er erst beherrschen können, wenn die Erde im Venuszustande sein wird.|103|36}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vergessen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Jeder kann an sich selbst bemerken, wenn er eine kleine Unpäßlichkeit hat, wie sehr es ihm nützt, wenn er es zu einem Vergessen seiner Unpäßlichkeit bringt, namentlich zu einem solchen Vergessen, das hervorgerufen wird durch eine anderweitige Beschäftigung. Das ist also ein positives, gesundes Vergessen!|120|101}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verstandesseele&lt;br /&gt;
{{GS|Unbewußt hat das Ich hineingearbeitet in den Ätherleib, und dieser unbewußt umgeformte Ätherleib ist dasjenige, was Sie in einem systematischen Zusammenhange in der «Theosophie» geschildert finden als Verstandesseele.|103|128}}&lt;br /&gt;
{{GS|Eine Logik, das, was Nachdenken im Ich selber ist, wo man im Ich Begriffe verbindet und trennt, wo man also logisch urteilt, nicht abliest von den Dingen, das tritt erst in der vierten Kulturepoche ein. Daher nennen wir diese vierte Epoche die Epoche der Verstandesseele.|103|173}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorschau auf das nächste Leben&lt;br /&gt;
{{GS|Wenn der Mensch in seinen Ätherleib hineinschlüpft und noch nicht den physischen Leib hat — es ist dies nur ein kurzer Moment, aber von höchster Wichtigkeit —, da hat er eine Vorschau auf das nächste Leben.|99|51}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Artikel unten}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>ElkeJura</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://steiner.wiki/index.php?title=GA_120&amp;diff=11289</id>
		<title>GA 120</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://steiner.wiki/index.php?title=GA_120&amp;diff=11289"/>
		<updated>2025-09-03T18:54:27Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;ElkeJura: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Artikel oben}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:GA120.jpg|thumb|{{RSV|120}}]]&lt;br /&gt;
__NOTOC__&lt;br /&gt;
&amp;lt;div class=&amp;quot;center&amp;quot; &amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;h3&amp;gt;RUDOLF STEINER&amp;lt;/h3&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;h3&amp;gt;VORTRÄGE&amp;lt;/h3&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;h4&amp;gt;VORTRÄGE VOR MITGLIEDERN&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
DER ANTHROPOSOPHISCHEN GESELLSCHAFT&amp;lt;/h4&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;h3&amp;gt;Die Offenbarungen&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
des Karma&amp;lt;/h3&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;h5&amp;gt;Ein Zyklus von elf Vorträgen&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
gehalten in Hamburg&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
zwischen dem 16. und 28. Mai 1910&amp;lt;/h5&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;h3&amp;gt;GA 120&amp;lt;/h3&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;h3&amp;gt;1992&amp;lt;/h3&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Inhaltsverzeichnis =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[GA 120#ERSTER VORTRAG Hamburg, 16. Mai 1910|ERSTER VORTRAG Hamburg, 16. Mai 1910]]&lt;br /&gt;
* [[GA 120#ZWEITER VORTRAG Hamburg, 17. Mai 1910|ZWEITER VORTRAG Hamburg, 17. Mai 1910]]&lt;br /&gt;
* [[GA 120#DRITTER VORTRAG Hamburg, 18. Mai 1910|DRITTER VORTRAG Hamburg, 18. Mai 1910]]&lt;br /&gt;
* [[GA 120#VIERTER VORTRAG Hamburg, 19. Mai 1910|VIERTER VORTRAG Hamburg, 19. Mai 1910]]&lt;br /&gt;
* [[GA 120#FÜNFTER VORTRAG Hamburg, 20. Mai 1910|FÜNFTER VORTRAG Hamburg, 20. Mai 1910]]&lt;br /&gt;
* [[GA 120#SECHSTER VORTRAG Hamburg, 21. Mai 1910|SECHSTER VORTRAG Hamburg, 21. Mai 1910]]&lt;br /&gt;
* [[GA 120#SIEBENTER VORTRAG Hamburg, 22. Mai 1910|SIEBENTER VORTRAG Hamburg, 22. Mai 1910]]&lt;br /&gt;
* [[GA 120#ACHTER VORTRAG Hamburg, 25. Mai 1910|ACHTER VORTRAG Hamburg, 25. Mai 1910]]&lt;br /&gt;
* [[GA 120#NEUNTER VORTRAG Hamburg, 26. Mai 1910|NEUNTER VORTRAG Hamburg, 26. Mai 1910]]&lt;br /&gt;
* [[GA 120#ZEHNTER VORTRAG Hamburg, 27. Mai 1910|ZEHNTER VORTRAG Hamburg, 27. Mai 1910]]&lt;br /&gt;
* [[GA 120#ELFTER VORTRAG Hamburg, 28. Mai 1910|ELFTER VORTRAG Hamburg, 28. Mai 1910]]&lt;br /&gt;
* [[GA 120#EINLADUNG ZUM VORTRAGSZYKLUS|EINLADUNG ZUM VORTRAGSZYKLUS]]&lt;br /&gt;
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* [[GA 120#Literatur|Literatur]]&lt;br /&gt;
* [[GA 120#Glossar|Glossar]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|9}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= ERSTER VORTRAG Hamburg, 16. Mai 1910 =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Zyklus von Vorträgen soll Fragen behandeln aus dem Gebiete der Geisteswissenschaft, die tief in das Leben einschneidend sind. Aus den verschiedenen Darstellungen, die im Laufe der Zeit gegeben wor den sind, ist es uns ja geläufig, daß Geisteswissenschaft nicht eine ab strakte Theorie sein soll, nicht eine bloße Doktrin oder Lehre, sondern ein Quell für Leben und Lebenstüchtigkeit, und sie erfüllt erst dann ihre Aufgabe, wenn durch das, was sie an Erkenntnissen zu geben vermag, etwas hineinfließt in unsere Seelen, was das Leben reicher, verständlicher, was unsere Seelen tüchtiger und tatkräftiger machen kann. Wenn sich nun allerdings derjenige, der sich zu dieser unserer Weltanschauung bekennt, jenes Ideal, das eben mit ein paar Worten gekennzeichnet worden ist, vorhält und in der Gegenwart dann ein wenig Umschau hält, inwiefern er imstande ist, das, was ihm aus der Theosophie erfließt, in diesem Leben umzusetzen, dann könnte er vielleicht zu einem recht wenig erfreulichen Eindruck kommen. Denn wenn man unbefangen alles betrachtet, was heute die Welt meint zu «wissen», was in unserer Gegenwart die Menschen zu diesen oder jenen Gefühlen oder Handlungen treibt, so könnte man sagen, daß dies alles von den theosophischen Ideen und Idealen so unendlich weit verschieden ist, daß der Theosoph gar keine Möglichkeit habe, unmittelbar in das Leben einzugreifen mit dem, was er aus den Quellen der Geisteswissenschaft heraus sich aneignet.- Das wäre aber dennoch eine recht oberflächliche Betrachtung der Sachlage, oberflächlich aus dem Grunde, weil bei einer solchen Betrachtung nicht gerechnet würde mit dem, was wir aus unserer Weltanschauung selber dadurch entnehmen müssen, daß wir uns sagen: Wenn einmal wirklich jene Kräfte, die wir durch Theosophie aufnehmen, stark genug sein werden, dann werden sie auch die MögIichkeit finden, in die Welt einzugreifen; wenn aber niemals etwas dazu getan würde, diese Kräfte immer stärker und stärker zu machen, so würde eben ihr Eingreifen in die Welt unmöglich sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber es ist noch etwas anderes, was uns sozusagen Trost geben kann,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|10}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
selbst wenn wir durch eine solche Betrachtung trostlos werden möchten, und das ist es gerade, was uns aus den Betrachtungen dieses Vortragszyklus folgen soll: Betrachtungen über das, was man menschliches Karma und Karma überhaupt nennt. Denn wir werden mit jeder Stunde, die wir hier verbringen, mehr sehen, wie wir gar nicht genug tun können an der Herbeiführung der Möglichkeit, mit theosophischen Kräften in das Leben einzugreifen, und wie wir, wenn wir ernsthaft an Karma glauben und festhalten, voraussetzen müssen, daß uns Karma selber dasjenige zuwerfen wird, was wir über kurz oder lang zu tun haben werden für unsere Kräfte. Wir werden sehen: Wenn wir vermeinen, wir könnten die aus unsererWeltanschauung gewonnenen Kräfte noch nicht anwenden, dann haben wir eben diese Kräfte noch nicht genügend stark gemacht, damit sie bewirken können, daß Karma es uns auch ermögliche, in die Welt mit diesen Kräften einzugreifen. So soll nicht nur eine Summe von Erkenntnissen über Karma in diesen Vorträgen leben, sondern es soll mit jeder Stunde mehr das Vertrauen in Karma geweckt werden, die Gewißheit, daß, wenn die Zeit gekommen sein wird, ob es nun morgen oder übermorgen oder nach vielen Jahren sein wird, unser Karma uns Aufgaben bringen wird, insofern wir als Bekenner unserer Weltanschauung Aufgaben zu verrichten haben. Karma wird sich uns darstellen als eine Lehre, welche uns nicht nur sagt, wie dieses oder jenes in der Welt sich verhält, sondern welche mit den Aufschlüssen, die sie uns bringt, zu gleicher Zeit uns Lebensbefriedigung und Lebenserhöhung bringen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Allerdings, wenn Karma eine solche Aufgabe erfüllen soll, ist es schon notwendig, daß wir das damit gemeinte Gesetz etwas tiefer ins Auge fassen, sozusagen in seiner Ausbreitung über die Welt. Dazu ist aber diesmal etwas notwendig, was sonst nicht eigentlich in meinem Gebrauche liegt bei geisteswissenschaftlichen Betrachtungen, nämlich eine Definition, eineWorterklärung zu geben. Ich pflege das sonst nicht zu tun, weil mit solchen Worterklärungen in der Regel nicht viel getan ist. Bei unseren Betrachtungen wird in der Regel begonnen mit der Darstellung von Tatsachen, und wenn diese Tatsachen in der entsprechenden Weise gruppiert und geordnet sind, ergeben sich die Begriffe und Vorstellungen von selbst. Wollten wir nun allerdings für die umfassenden &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|11}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fragen, die wir in den nächsten Tagen zu besprechen haben, einen ähnlichen Gang einschlagen, so müßten wir viel mehr Zeit zur Verfügung haben, als uns geboten ist. Deshalb ist es diesmal zur Verständigung notwendig, daß wir, wenn auch nicht eine Definition, so doch eine Art Beschreibung des Begriffes geben, der uns längere Zeit beschäftigen wird. Definitionen haben ja auch nur den Zweck, sich darüber zu verständigen, was man meint, wenn man dieses oder jenes Wort anschlägt oder ausspricht. In diesem Stile soll eine Beschreibung des Begriffes «Karma» gegeben werden, damit wir wissen, wovon wir sprechen, wenn in diesen Vorträgen der Ausdruck «Karma» gebraucht wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus mancherlei Betrachtungen hat wohl ein jeder von uns sich schon einen Begriff gebildet von dem, was Karma ist. Ein recht abstrakter Begriff von Karma ist wohl der, wenn man Karma das «geistige Ursachengesetz» nennt, das Gesetz, wonach auf gewisse Ursachen, die im geistigen Leben liegen, gewisse Wirkungen folgen. Das ist aber ein zu abstrakter Begriff von Karma, weil er zum Teil zu eng, zum Teil aber auch viel zu weit sein würde. Wenn wir Karma überhaupt auffassen wollen als ein Ursachengesetz, so stellen wir es zusammen mit dem, was wir sonst in der Welt als das Gesetz der Kausalität, als das Gesetz von Ursache und Wirkung bezeichnen. Verständigen wir uns einmal darüber, was wir sonst unter dem Ursachengesetz auf dem allgemeinen Gebiete verstehen, wo wir noch nicht von geistigen Tatsachen und geistigen Ereignissen sprechen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es wird heute so oft von der äußeren Wissenschaft betont, daß die eigentliche Bedeutung dieser Wissenschaft darinnen liege, daß sie baue auf das umfassende Ursachengesetz, daß sie überall Wirkungen auf entsprechende Ursachen zu rück führe. Wie dieses Zurückführen von Wirkungen auf Ursachen geschieht, darüber sind sich allerdings die Menschen schon viel weniger klar. Denn Sie werden wohl auch heute noch in Büchern, die da glauben, recht gelehrt zu sein und recht philosophisch die Begriffe klarzulegen, immer noch Aussprüche finden können wie etwa den: Eine Wirkung ist dasjenige, was aus einer Ursache folgt. - Wenn man aber sagt, daß eine Wirkung aus einer Ursache folge, dann redet man an den Tatsachen ganz gewaltig vorbei. Denn wenn wir zum Beispiel den erwärmenden Sonnenstrahl betrachten, der auf eine Metallplatte &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|12}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
auffällt, so daß diese Metallplatte dadurch wärmer geworden ist, dann werden wir von Ursache und Wirkung in der Welt draußen reden. Aber werden wir jemals sagen können, daß die Wirkung - die Erwärmung der Metallplatte - aus der Ursache des warmen Sonnenstrahles folge? Wenn der warme Sonnenstrahl diese Wirkung schon in sich hätte, so würde es die Tatsache nicht geben, da der warme Sonnenstrahl eine Metallplatte gar nicht erwärmt, wenn sie ihm nicht entgegenkommt. Damit in der Welt der Erscheinungen, in der leblosen Welt, die wir zunächst um uns herum haben, eine Wirkung auf eine Ursache folge, ist stets notwendig, daß dieser Ursache etwas entgegenkommt. Und ohne daß etwas der Ursache entgegenkommt, ist niemals von dem Folgen einer Wirkung auf eine Ursache zu sprechen. - Es ist nicht überflüssig, daß wir eine solche scheinbar recht philosophisch und abstrakt klingende Bemerkung vorausschicken; denn man muß sich schon einmal angewöhnen, wenn man fruchtbar vorwärtskommen will auf theosophischem Gebiete, die Begriffe recht genau zu fassen und nicht so nachlässig, wie sie zuweilen in den andern Wissenschaften gefaßt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun aber dürfte niemand von Karma sprechen, wenn bloß in einer solchen Weise eine Wirkung eintreten würde, wie sie vorhanden ist, wenn der wärmende Sonnenstrahl eine Metallplatte erwärmt. Da ist zwar die Kausalität vorhanden, der Zusammenhang von Ursache und Wirkung, aber wir würden niemals zu einem gehörigen Begriff von Karma kommen,wenn wir nur auf diesem Gebiete von Karma sprechen würden. Wir können also nicht von Karma sprechen, wenn bloß eine Wirkung mit einer Ursache in Zusammenhang steht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir können nun weitergehen und uns einen etwas höheren Begriff von dem Zusammenhang zwischen Ursache und Wirkung bilden. Wenn wir zum Beispiel einen Bogen haben, ihn spannen und dann mit diesem Bogen einen Pfeil abschießen, dann ist durch das Spannen des Bogens eine Wirkung eingetreten. Diese Wirkung des abgeschossenen Pfeiles im Zusammenhang mit seiner Ursache werden wir ebensowenig mit dem Ausdruck «Karma» belegen dürfen wie das, was eben gesagt worden ist. Wenn wir aber bei diesem Vorgang etwas anderes betrachten, kommen wir in gewisser Weise schon dem Karma nahe, wenn wir auch &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|13}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dabei noch immer nicht den Karmabegriff fassen: wenn wir nämlich bedenken, daß der Bogen, wenn er recht oft gespannt wird, mit der Zeit schlaff wird. Da wird durch das, was der Bogen tut, was` mit ihm geschieht&amp;gt; nicht bloß eine Wirkung folgen, die sich nach außen hin zeigt, sondern es wird eine Wirkung folgen, die auf den Bogen selber zurück- geht. Es geschieht durch das fortwährende Spannen des Bogens etwas mit dem Bogen selbst. Etwas, das durch das Spannen geschieht, fällt also sozusagen wieder auf den Bogen selbst zurück. Eine Wirkung wird also erzielt, welche auf den Gegenstand zurück fällt, von dem diese Wirkung selbst veranlaßt worden ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das gehört nun schon in den Karmabegriff hinein. Ohne daß eine Wirkung erzeugt wird, die wieder zurückfällt auf das Ding oder die Wesenheit, welche diese Wirkung hervorbringt, ohne diese Eigentümlichkeit des Zurückwirkens der Wirkung auf das verursachende Wesen ist der Karmabegriff nicht zu denken. Da kommen wir also dem Karmabegriff schon insofern etwas näher, als uns klar wird, daß die von einem Ding oder Wesen verursachte Wirkung wieder zurückschlagen muß auf dieses Ding oder Wesen selber. Aber dennoch dürfen wir das Schlaffwerden des Bogens durch das fortwährende Spannen nicht das Karma des Bogens nennen, und zwar aus folgendem Grunde nicht: Wenn wir den Bogen etwa drei bis vier Wochen recht oft gespannt haben, und er ist nach vier Wochen schlaff geworden, dann haben wir in dem schlaffen Bogen eigentlich etwas ganz anderes vor uns, als vor vier Wochen in dem straffen Bogen; der Bogen ist etwas anderes geworden, er ist nicht dasselbe geblieben. Wenn also die zurückschlagende Wirkung so ist, daß sie durchaus etwas anderes aus dem Ding oder Wesen macht, dann dürfen wir doch noch nicht von einem Karma sprechen. Wir dürfen erst von einem Karma sprechen, wenn die Wirkung, die auf das Wesen zurückschlägt, beim Zurückschlagen auf dasselbe Wesen trifft, oder wenn das Wesen wenigstens in einem gewissen Sinne dasselbe geblieben ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So also sind wir dem Karmabegriff wieder um ein Stück nähergekommen. Aber wir bekommen, wenn wir den Karmabegriff so beschreiben wollen, im Grunde genommen von ihm doch nur eine recht ab- strakte Vorstellung. Dennoch werden wir diesen Begriff, wenn wir ihn &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|14}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
abstrakt fassen wollen, kaum genauer fassen können, als wenn wir ihn in der Weise ausdrücken, wie wir es eben jetzt getan haben. Nur das eine müssen wir zum Karmabegriff noch hinzufügen: Wenn die Wirkung, die auf das Wesen zurückschlägt, in demselben Zeitpunkte erfolgt, wenn also Verursachung und zurückschlagende Wirkung in demselben Zeitpunkte stattfinden, dann werden wir kaum von Karma sprechen können. Denn in diesem Falle würde das Wesen, von dem die Wirkung ausgeht, im Grunde genommen die Wirkung unmittelbar hervorbringen wollen, würde also diese Wirkung voraussetzen, würde durchschauen alle Elemente, die zu dieser Wirkung führen. Wenn das&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der Fall ist, sprechen wir doch nicht von Karma. So zum Beispiel werden wir nicht von Karma sprechen, wenn wir einen Menschen vor uns haben, der eine bestimmte Tat vollbringt, mit der er dieses oder jenes beabsichtigt, und wenn dann - gemäß seiner Absicht - diese oder jene Wirkung, die er eben gewollt hat, eintritt. Das heißt, es muß zwischen der Ursache und der Wirkung etwas liegen, was sich dem Wesen bei der Herbeiführung der Ursache unmittelbar entzieht, so daß der Zusammenhang von Ursache und Wirkung zwar vorhanden ist, aber nicht eigentlich von dem Wesen selber beabsichtigt ist. Wenn dieser Zusammenhang von dem Wesen, das verursacht, nicht beabsichtigt ist, dann muß der Grund, warum ein Zusammenhang besteht zwischen Ursache und Wirkung, woanders liegen als in den Absichten des betreffenden Wesens. Das heißt, es muß dieser Grund liegen in einer bestimmten Gesetzmäßigkeit. Das gehört also noch zum Karma dazu, daß der Zusammenhang zwischen Ursache und Wirkung ein gesetzmäßiger ist, der hinübergeht über das, was das Wesen unmittelbar beabsichtigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So hätten wir einige Elemente zusammengetragen, welche uns den Karmabegriff erläutern können. Aber wir müssen alle diese Elemente in dem Karmabegriff darinnen haben und nicht bei einer abstrakten Definition stehenbleiben. Denn sonst werden wir nicht die Offenbarungen des Karma auf den verschiedenen Gebieten der Welt begreifen können. Diese Offenbarungen des Karma werden wir nun zuerst dort aufzusuchen haben, wo uns Karma zunächst entgegentritt: im einzelnen Menschenleben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Können wir im einzelnen Menschenleben so etwas finden und wann&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|15}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
können wir es finden, was wir jetzt eben durch unsere Erläuterung des Karmabegriffes dargestellt haben?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir würden so etwas finden, wenn zum Beispiel ein Erlebnis in unser Leben hineinträte, bei dem wir uns sagen könnten: Dieses Erlebnis, das da für uns auftritt, steht in einem gewissen Zusammenhange mit einem früheren Erlebnis, an dem wir selber beteiligt sind, zu dem wir selber Veranlassung gegeben haben. Versuchen wir einmal - zunächst rein durch Beobachtung des Lebens - festzustellen, ob es so etwas gibt. Wir wollen uns jetzt also rein auf den Standpunkt der äußeren Beobachtung stellen. Wer solche Beobachtungen nicht anstellt, kann auch nie zum Erkennen eines gesetzmäßigen Zusammenhanges im Leben kommen; er kann es ebensowenig, wie derjenige das Gesetz des elastischen Stoßes an zwei Billardkugeln kennenlernen kann, der diesen Stoß nicht beobachten wird. Beobachtung des Lebens kann uns in der Tat zu der Anschauung eines gesetzmäßigen Zusammenhanges führen. Greifen wir dazu gleich einen bestimmten Zusammenhang heraus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sagen wir, ein junger Mensch wäre im achtzehnten Jahre seines Lebens aus dem Berufe, der ihm bis dahin vorgezeichnet zu sein schien, durch irgendein Ereignis herausgewöorfen worden. Nehmen wir an, dieser Mensch hätte bis dahin ein Studium betrieben, hätte sich durch das Studium vorbereitet zu einem Berufe, wie er aus solchem Studium hervorgehen kann, und nun wäre er, zum Beispiel durch einen Unglücksfall seiner Eltern, daraus herausgeworfen worden und mit achtzehn Jahren in den Kaufmannsberuf hineingetrieben worden. Wer solche Fälle unbefangen im Leben beobachtet - mit einem solchen Blick, wie man in der Physik die Erscheinung des Stoßes elastischer Kugeln betrachtet -, der wird dann zum Beispiel finden, daß die Erlebnisse des Kaufmannsberufes, in den der junge Mensch hineingetrieben worden ist, zunächst anregend wirken, daß er darin seine Pflichten ausführt, etwas lernt, vielleicht auch etwas ganz Tüchtiges wird. Aber man kann auch beobachten, daß nach einiger Zeit etwas ganz anderes auch eintritt: ein gewisser Überdruß, eine gewisse Unzufriedenheit. Nicht gleich wird eine solche Unzufriedenheit eintreten. Wenn mit achtzehn Jahren sich der Berufswechsel vollzogen hat, werden vielleicht die nächsten Jahre ruhig vorübergehen. Aber vielleicht um das dreiundzwanzigste &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|16}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jahr herum wird es deutlich werden, daß sich etwas in der Seele festsetzt, was sich wie etwas Unerklärliches zeigt. Wenn man dann weiter nachforscht, kann man häufig bemerken, wenn der Fall klarliegt, daß der Überdruß fünf Jahre nach dem Berufswechsel seine Erklärung findet durch das dreizehnte oder vierzehnte Jahr. Denn die Ursachen für eine solche Erscheinung werden wir sehr häufig zu suchen haben ungefähr eine ebensolche Zeitspanne vor dem Berufswechsel, wie nach demselben ein Ereignis eingetreten ist, wie wir es eben beschrieben haben. Da kann der betreffende Mensch in seinem dreizehnten Jahre während seiner Lernzeit - also fünf Jahre vor seinem Berufswechsel - etwas in seine Gefühlswelt aufgenommen haben, was ihm eine gewisse innere Beseligung gewährte. Nehmen wir an, der Berufswechsel wäre nicht eingetreten; dann würde das, woran sich der junge Mensch im dreizehnten Jahre gewöhnt hatte, im späteren Leben sich ausgelebt und diese oder jene Frucht getragen haben. Nun kam aber der Berufswechsei, der zunächst den jungen Menschen interessiert hat, der seine Seele eingenommen hat. Was dadurch in sein Seelenleben gekommen ist, das hat zurückgedrängt, was früher darinnen war. Eine gewisse Zeit hindurch kann das zurückgedrängt werden, aber indem es zurückgedrängt wird, gewinnt es gerade im Inneren eine besondere Kraft; da sammelt es sozusagen Spannkraft im Inneren an. Da ist es ähnlich, wie wenn wir einen elastischen Ball zusammendrücken: Wir können ihn bis zu einer gewissen Grenze drücken, dann leistet er Widerstand; und wenn er zum Zurückschnellen veranlaßt wird, wird er mit einer um so größeren Kraft zurückschnellen, je mehr wir ihn vorher zusammengedrückt haben. Solche Erlebnisse, wie die eben angedeuteten, die ein junger Mensch aufgenommen hat im dreizehnten Jahre seines Lebens und welche sich dann bis zum Berufswechsel befestigt haben, können auch in gewisser Weise zurückgedrängt werden; dann aber macht sich nach einiger Zeit ein Widerstand in der Seele geltend. Und dann kann man sehen, wie dieser Widerstand stark genug geworden ist, um sich nun in seiner Wirkung zu zeigen. Weil der Seele das fehlt, was sie sonst haben würde, wenn der Berufswechsel nicht gekommen wäre, macht sich das Zurückgedrängte geltend und kommt jetzt so zum Vorschein, daß Unbefriedigung, Überdruß an dem, was die Umgebung bietet, eintritt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|17}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da also haben wir einen Fall, wo der betreffende Mensch etwas er- lebt hat, etwas getan hat in seinem dreizehnten bis vierzehnten Lebens jahre, und wo er später etwas anderes getan hat, nämlich den Berufs wechsel vollzogen hat, und wir sehen, wie diese Ursachen so sich aus- leben, daß sie in ihrer Wirkung später zurückfallen, zurückschlagen auf dasselbe Wesen. In einem solchen Falle würden wir den Karma begriff zunächst auf das Einzelleben des Menschen anwenden müssen. -&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man sollte aber nun nicht dagegen einwenden: Wir haben aber Fälle kennengelernt, wo sich so etwas ganz und gar nicht zeigte! - Das kann sein. Aber es wird auch keinem Physiker einfallen, wenn er die Gesetze des fallenden Steines untersuchen will, der mit dieser oder jener Geschwindigkeit fällt, daß er sich sagen müßte, das Gesetz wäre nicht richtig, wenn der Stein etwa durch einen Schlag aus seiner Richtung geschleudert würde. Man muß lernen, in der richtigen Weise zu beobachten, und diejenigen Erscheinungen ausschließen, welche nicht zur Bildung des Gesetzes gehören. Gewiß würde ein solcher Mensch, der, wenn nichts anderes eintreten würde, mit dreiundzwanzig Jahren die Eindrücke seines dreizehnten Jahres in ihrer Wirkung als Überdruß empfindet, zu diesem Überdruß nicht kommen, wenn er zum Beispiel in der Zwischenzeit geheiratet hätte. Aber da hätten wir es mit etwas zu tun, was für die Feststellung des Grundgesetzes ohne Einfluß ist. Darauf aber kommt es an, daß wir die richtigen Faktoren finden, die uns auf ein Gesetz führen können. Beobachtung an sich ist noch gar nichts; erst geregelte Beobachtung bringt uns zur Erkenntnis des Gesetzes. Nun handelt es sich aber auch darum, solche geregelte Beobachtungen, wenn wir das Gesetz des Karma studieren wollen, in der rechten Weise anzustellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen wir an, um für einen einzelnen Menschen das Karma zu erkennen, jemanden träfe im fünfundzwanzigsten Lebensjahre ein schwerer Schicksalsschlag, der ihm Schmerz und Leid verursacht. Wenn wir nun einfach unsere Beobachtungen so anstellen, daß wir sagen, dieser schwere Schicksalsschlag ist eben in das Leben hereingebrochen und hat es mit Schmerz und Leid erfüllt, wenn wir also bei der bloßen Beobachtung stehenbleiben, werden wir nie zum Erkennen des karmischen Zusammenhanges kommen. Wenn wir aber weiterschreiten und das &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|18}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Leben eines solchen Menschen, der im fünfundzwanzigsten Jahre einen derartigen Schicksalsschlag erlebt hat, in seinem fünfzigsten Jahre betrachten, dann werden wir vielleicht zu einer Anschauung kommen, die wir etwa so ausdrücken können: Der Mensch, den wir da betrachten, ist ein Mensch geworden, fleißig und regsam, der tüchtig im Leben da- steht; jetzt schauen wir weiter zurück in sein Leben. Mit zwanzig Jahren - so finden wir dann - war er noch ein Taugenichts und hat überhaupt nichts tun wollen; mit fünfundzwanzig Jahren hat ihn dann der schwere Schicksalsschlag getroffen. Hätte ihn dieser Schlag nicht getroffen - so können wir jetzt sagen -, so wäre er ein Taugenichts geblieben. Also ist der schwere Schicksalsschlag die Ursache dazu gewesen, daß wir im fünfzigsten Jahre einen regsamen und tüchtigen Menschen vor uns haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine solche Tatsache lehrt uns, daß wir fehlgehen, wenn wir den Schicksalsschlag vom fünfundzwanzigsten Jahre als eine bloße Wirkung betrachten. Denn wenn wir fragen: Was hat er verursacht?, können wir nicht bei der bloßen Beobachtung stehenbleiben.Wenn wir aber einen solchen Schlag nicht als Wirkung betrachten und an das Ende der Erscheinungen stellen, die vorausgegangen sind, sondern wenn wir ihn an den Anfang der nachfolgenden Ereignisse stellen und ihn als Ursache betrachten, dann lernen wir erkennen, daß wir allerdings sogar unser Gefühlsurteil, unser Empfindungsurteil ganz wesentlich ändern können gegenüber diesem Schicksalsschlag. Wir werden vielleicht traurig sein, wenn wir ihn bloß als Wirkung betrachten, daß diesen Menschen dieser Schlag getroffen hat. Betrachten wir ihn dagegen als Ursache eines Späteren, dann können wir vielleicht froh sein und Freude darüber empfinden. Denn diesem Schicksalsschlag ist es zu verdanken - so können wir sagen -, daß der Betreffende ein ordentlicher Mensch geworden ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So sehen wir, daß es an unseren Empfindungen etwas Wesentliches ändern kann, je nachdem wir eine Tatsache des Lebens als Wirkung oder als Ursache betrachten. Es ist also nicht gleichgültig, ob wir irgend etwas, was im Leben den Menschen trifft, als bloße Wirkung oder als Ursache betrachten. Freilich, wenn wir in dem Zeitpunkt die Beobachtung anstellen, wo das schmerzliche Ereignis eingetreten ist, können wir &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|19}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
noch nicht die unmittelbare Wirkung wahrnehmen. Wenn wir uns aber das Karmagesetz gebildet haben aus ähnlichen Beobachtungen, dann kann dieses Karmagesetz selber uns sagen: Jetzt ist vielleicht ein Ereignis schmerzlich, weil es uns bloß als Wirkung des Vorhergehenden entgegentritt; aber es kann auch so betrachtet werden, daß es als Ausgangspunkt für ein Folgendes angesehen wird. Dann können wir sagen: Wir ahnen, daß hier der Ausgangspunkt die Ursache ist von Wirkungen, welche die Sache in ein ganz anderes Licht stellen! So kann das Karmagesetz selber der Quell sein einerTröstung. Die Tröstung wäre nicht da, wenn wir uns gewöhnten, ein Ereignis nur an das Ende und nicht an den Anfang einer Erscheinungsreihe zu setzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es kommt also darauf an, daß wir lernen, das Leben geregelt zu beobachten und in entsprechender Weise die Dinge als Wirkung und Ursache zueinander zu stellen. Wenn wir solche Beobachtungen wirklich durchgreifend anstellen, werden uns im einzelnen Menschenleben Ergebnisse zutage treten, die mit einer gewissen Regelmäßigkeit für das einzelne Menschenleben ablaufen, und andere Ergebnisse werden zutage treten, die uns unregelmäßig in diesem Leben erscheinen. So kann der, welcher das Menschenleben beobachtet - und zwar nicht nur so weit, als gerade die Nase reicht -, merkwürdige Zusammenhänge in diesem Menschenleben finden. Nur werden die Erscheinungen des menschlichen Lebens leider heute nur über kurze Zeitspannen, kaum über einige Jahre, beobachtet; und was nach einer größeren Anzahl von Jahren eintritt&amp;gt; das ist man nicht gewohnt, mit dem in Zusammenhang zu bringen, was etwa früher als Ursache vorhanden sein konnte. Daher werden nur wenige Menschen sich heute finden, die Anfang und Ende des Menschenlebens in einen gewissen Zusammenhang bringen. Dennoch ist dieser Zusammenhang außerordentlich lehrreich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen wir an, wir haben ein Kind in den ersten sieben Jahren seines Lebens so erzogen, daß also wir nicht das getan haben, was gewöhnlich geschieht,daß wir nicht von dem Glauben ausgegangen sind: Wenn einer ein ordentlicher Mensch im Leben werden soll, muß er so und so sein, muß unseren Anschauungen von einem ordentlichen Menschen unbedingt entsprechen. Denn in einem solchen Falle würden wir dem Kinde möglichst genau das alles eintrichtern wollen, was es eben in &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|20}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
unserem Sinne zu einem ordentlichen Menschen machen sollte. Wenn wir aber von der Erkenntnis ausgehen, daß man ein ordentlicher Mensch auf vielerlei Arten sein kann und daß man noch gar keine Vorstellung zu haben braucht, auf welche Art der, der als Kind erst heranwächst, ein ordentlicher Mensch werden soll nach seiner individuellen Anlage, dann werden wir sagen: Was ich auch immer für Begriffe von einem ordentlichen Menschen habe, der Mensch, der aus diesem Kinde entstehen soll, muß dadurch entstehen, daß die besten Anlagen aus ihm herausgeholt werden - was ich vielleicht erst als Rätsel lösen muß! Und man wird sich daher sagen: Was kommt es darauf an, daß ich diesen oder jenen Geboten und dergleichen verpflichtet bin? Das Kind selbst muß ein Bedürfnis fühlen, dieses oder jenes zu tun! Wenn ich das Kind nach seinen individuellen Anlagen entwickeln will, werde ich versuchen, diejenigen Bedürfnisse, die in ihm veranlagt sind, zu entwickeln, herauszuholen, so (iaß vor allen Dingen ein Bedürfnis nach den Handlungen eintritt, das Kind also die Handlungen aus eigenem Bedürfnis tut. - Wir sehen daraus, daß es zwei ganz verschiedene Methoden gibt, auf ein Kind in den ersten sieben Jahren seines Lebens zu wirken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir nun das weitere Leben des Kindes beobachten, wird sich uns lange Zeit nicht zeigen, was die ausgesprochenste Wirkung dessen sein wird, was wir in den ersten Jahren auf diese Weise in das Kind hineingebracht haben. In der Lebensbeobachtung ergibt sich nämlich, daß die eigentlichen Wirkungen dessen, was als Ursachen in die kindliche Seele hineingelegt worden ist, am allerspätesten erst eintreten, das heißt am Lebensabend. Der Mensch kann einen in sich regen Geist bis an sein Lebensende dadurch haben, daß wir ihn als Kind in der Weise erzogen haben, wie es jetzt eben beschrieben worden ist: daß wir auf sein Seelenleben, auf alles, was lebendig in ihm sitzt, Rücksicht genommen haben. Wenn wir das herausgeholt und zur Entwickelung gebracht haben, was an inneren Kräften in ihm vorhanden ist, dann werden wir die Früchte am Lebensabend herauskommen sehen in Gestalt eines reichen Seelenlebens. Dagegen in einer verdorrten und verarmten Seele und demgemäß auch - weil, wie wir später sehen werden, eine verdorrte Seele auch auf den Leib wirkt - in den leiblichen Gebresten &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|21}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
des Alters tritt das auf, was wir in der frühesten Kindheit an dem Menschen Unrichtiges getan haben. Da sehen wir etwas, was sich in gewisser Weise regulär, so daß es für jeden Menschen gültig ist, im Menschenleben als Zusammenhang von Ursache und Wirkung darstellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So könnten wir auch für die mittleren Lebensabschnitte solche Zusammenhänge finden, und wir werden darauf noch aufmerksam machen. - Wie wir einen Menschen vom siebenten bis vierzehnten Jahre behandeln, das tritt in seinen Wirkungen wieder im vorletzten Lebensabschnitt hervor. So sehen wir Ursache und Wirkung zyklisch, wie im Kreise, sich abspielen. Was an Ursachen am frühesten vorhanden war, das tritt als Wirkung am spätesten auf. Aber nicht nur solche Wir kungen und Ursachen sind im einzelnen Menschenleben vorhanden, sondern es geht neben dem zyklischen Verlauf ein geradliniger einher.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An unserem Beispiel, wie das dreizehnte Jahr in das dreiundzwan zigste hineinspielen kann, haben wir gesehen, wie Ursache und Wirkung Im Menschenleben so zusammenhängen, daß dasjenige, was der Mensch in sich erlebt hat, Wirkungen nach sich zieht, die dann wieder auf dasselbe Menschenwesen zurückschlagen. So erfüllt sich Karma im einzelnen Menschenleben. Wir werden aber zu einer Erklärung des Menschenlebens nicht kommen, wenn wir Zusammenhänge zwischen Ursache und Wirkung nur in diesem einzelnen Menschenleben suchen. Wie der Gedanke, der jetzt angeschlagen ist, weiter zu begründen und auszuführen ist, darüber werden wir in den nächsten Stunden sprechen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt soll nur auf etwas hingedeutet werden, das ja bereits bekannt ist: daß die Geisteswissenschaft zeigt, wie dieses Menschenleben zwischen Geburt und Tod die Wiederholung ist früherer Menschenleben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir nun das Charakteristische aufsuchen für das Leben zwischen Geburt und Tod, so können wir als solches bezeichnen die Aus dehnung eines und desselben Bewußtseins - im wesentlichen wenigstens - für die ganze Zeit zwischen Geburt und Tod. Wenn Sie sich zurückerinnern an Ihre früheren Lebensabschnitte, so werden Sie sagen: Es gibt einen Zeitpunkt, der nicht mit meiner Geburt zusammenfällt, sondern etwas später liegt, wo meine Lebenserinnerungen beginnen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das werden alle Menschen sagen, die nicht zu den Eingeweihten gehören; und sie werden dann davon sprechen, daß ihr Bewußtsein soweit &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|22}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nur reicht. Im Grunde genommen haben wir es in dem Zeitraum von der Geburt bis zum Tod in bezug auf den Beginn dieser Lebenserinnerungen mit etwas sehr Eigentümlichem zu tun, und wir werden auch darauf noch zurückkommen; das wird uns in bedeutsame Dinge hinein- leuchten. Wenn wir das aber nicht berücksichtigen, können wir sagen: Charakteristisch für das Leben zwischen Geburt und Tod ist es, daß ein Bewußtsein sich ausdehnt für diese Zeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn nun auch der Mensch im gewöhnlichen Leben, wenn ihn im späteren Lebensalter etwas trifft, die Ursachen dazu in früheren Lebensabschnitten nicht aufsucht, so könnte er es aber dennoch, wenn er nur auf alles aufmerksam genug wäre und alles erforschen würde. Er könnte es mit dem Bewußtsein, das ihm als Erinnerungsbewußtsein zur Verfügung steht. Und wenn er durch die Erinnerung versuchte, sich den Zusammenhang zwischen Früherem und Späterem im karmischen Sinne vor die Seele zu stellen, so würde er zu folgendem Ergebnis kommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er würde zum Beispiel sagen: Ich sehe, daß gewisse Ereignisse, die bei mir eingetreten sind, nicht gekommen wären, wenn nicht das oder jenes in einem früheren Lebensabschnitt eingetreten wäre. - Er würde vielleicht sagen: Für das, was meine Erziehung an mir getan hat, muß ich jetzt büßen. - Aber wenn er auch nur den Zusammenhang einsieht zwischen dem, was nicht er gesündigt hat, sondern was an ihm gesündigt worden ist, und späteren Ereignissen, dann wird ihm schon das eine Hilfe sein. Er wird leichter Mittel und Wege finden, um Schäden, die an ihm begangen worden sind&amp;gt; auszugleichen. Die Erkenntnis eines solchen Zusammenhanges zwischen Ursachen und Wirkungen in unseren einzelnen Lebensabschnitten, die wir durch unser gewöhnliches Bewußtsein überschauen können, kann uns schon im höchsten Grade förderlich sein im Leben. Ja, wenn wir uns diese Erkenntnis erwerben, können wir vielleicht noch etwas anderes tun. - Wenn allerdings ein Mensch achtzig Jahre alt geworden ist und dann zurückschaut auf das, was man als Ursachen zu Ereignissen im achtzigsten Jahre in frühester Kindheit zu suchen hat, so wird es für ihn vielleicht recht schwierig sein, Gegenmittel zu finden, um auszugleichen, was an ihm getan worden ist, und wenn er sich dann belehren läßt, so wird das nicht mehr allzuviel helfen. Wenn er sich aber vorher belehren läßt und hinblickt &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
auf die Sünden, die an ihm begangen sind, und, sagen wir, schon im vierzigsten Jahre dagegen Vorsorge trifft, dann hat er vielleicht doch noch Zeit, um gewisse Gegenmittel zu ergreifen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir sehen also, daß wir uns nicht allein für das unmittelbar Nächst- liegende des Lebenskarma belehren lassen sollen, sondern über Karma und den gesetzmäßigen Zusammenhang, den Karma bedeutet, überhaupt. Das kann uns förderlich sein für unser Leben. - Was tut denn aber ein Mensch, der im vierzigsten Jahre etwas unternimmt, damit die Schäden gewisser Sünden nicht eintreten, die zum Beispiel im zwölften Jahre an ihm begangen worden sind, oder die er selbst begangen hat? Er wird versuchen, was er gesündigt hat oder was an ihm getan worden ist, auszugleichen und alles zu tun, was der Wirkung, die eintreten müßte, vorbeugt. Er wird in gewisser Weise sogar die notwendige Wirkung, die ohne sein Zutun eintreten würde, durch eine andere ersetzen. Die Erkenntnis dessen, was es im zwölften Jahre gegeben hat, wird ihn selbst zu einer bestimmten Handlung im vierzigsten Jahre führen. Diese Handlung hätte er nicht getan, wenn er nicht erkannt hätte, daß es dieses oder jenes im zwölften Jahre gegeben hat. Was hat der Mensch also durch sein Zurückblicken auf sein früheres Leben getan? Er hat selber durch sein Bewußtsein folgen lassen auf eine Ursache eine bestimmte Wirkung. Er hat gewollt die Wirkung, welche er jetzt herbeigeführt hat. - Das zeigt uns, wie in die Linie der karmischen Folgen unser Wille eingreifen und etwas schaffen kann, was an Stelle von sonst eingetretenen karmischen Wirkungen steht. Nehmen wir einen solchen Zusammenhang, wo unser Bewußtsein ganz bewußt eine Verbindung zwischen Ursache und Wirkung im Lebenslauf herbeiführt, so werden wir uns sagen: Bei einem solchen Menschen ist Karma oder karmische Gesetzmäßigkeit ins Bewußtsein hineingetreten, er hat selbst in gewisser Weise die karmischeWirkung herbeigeführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen wir nun aber einmal an, wir legen einer ähnlichen Betrach tung dasjenige zugrunde, was wir über die wiederholten Erdenläufe eines Menschen wissen. Das Bewußtsein, von dem wir eben gesprochen haben, das sich ausdehnt mit der angedeuteten Ausnahme auf unser Leben zwischen Geburt und Tod, das entsteht dadurch, daß sich der Mensch des Instrumentes seines Gehirns bedienen kann. Wenn der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Mensch durch die Pforte des Todes schreitet, tritt ein andersgeartetes Bewußtsein auf, das unabhängig ist vom Gehirn und an wesentlich andere Bedingungen gebunden ist. Und wir wissen, daß für dieses Bewußtsein, das bis zur neuen Geburt dauert, eine Art Rückblick auftritt über alles, was der Mensch in dem Leben zwischen Geburt und Tod vollbracht hat. Im Leben zwischen Geburt und Tod muß sich der Mensch erst die Absicht bilden, zurückzublicken auf irgendwelche Sünden, die an ihm begangen worden sind, wenn er die Wirkung dieser Sünden wirklich karmisch in sein Leben einführen soll. Nach dem Tode schaut der Mensch im Zurückblicken auf sein Leben auf dasjenige, was er an Sünden oder überhaupt an Handlungen vollbracht hat. Da schaut er auch zugleich das&amp;gt; was diese Handlungen an seiner Seele oder aus seiner Seele gemacht haben. Da sieht der Mensch, wie er dadurch, daß er eine bestimmte Handlung getan hat, in seinem Werte gesunken oder gestiegen ist. Haben wir einem andern zum Beispiel irgendein Leid zugefügt, so ist unser Wert dadurch gesunken; wir sind sozusagen weniger wert geworden, sind unvollkommener geworden, indem wir dem andern das Leid zugefügt haben. Wenn wir nun nach dem Tode zurückblicken, sehen wir auf zahlreiche solche Fälle zurück, bei denen w1r uns sagen: Wir sind dadurch unvollkommener geworden. Daraus aber folgt für das Bewußtsein nach dem Tode, daß in ihm die Kraft und der Wille entstehen, wenn es wieder Gelegenheit dazu hat, alles zu tun, um jenen Wert wieder zu erringen, welchen es verloren hat, das heißt der Wille, alles Leid auszugleichen&amp;gt; das es zugefügt hat. Der Mensch nimmt also zwischen Tod und neuer Geburt die Tendenz, die Absicht auf, was er Schlechtes getan hat, wieder auszugleichen, damit er überhaupt den Standpunkt der Vollkommenheit wieder erringen kann, den er als Mensch haben soll und der verhindert worden ist durch die entsprechende Tat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun tritt der Mensch wieder ins Dasein. Sein Bewußtsein wird wieder ein anderes; er erinnert sich nicht zurück an die Zeit zwischen Tod und neuer Geburt und auch nicht daran, wie er die Absicht gefaßt hat, etwas auszugleichen. Aber diese Absicht sitzt in ihm. Und wenn er auch nicht weiß: Du mußt dies oder das tun, um das oder jenes auszugleichen! -, so wird er doch durch die Kraft, die in ihm sitzt, zu irgendeiner&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Handlung hingetrieben, die ein Ausgleich ist. Und jetzt können wir uns eine Vorstellung machen, was vor sich geht, wenn einen Menschen zum Beispiel im zwanzigsten Jahre etwas sehr Schmerzliches trifft. Mit seinem Bewußtsein, das er hat zwischen Geburt und Tod, wird er niedergedrückt sein durch seinen Schmerz. Würde er sich aber daran erinnern, was er in dem Leben zwischen Tod und neuer Geburt an Absichten aufgenommen hat, dann würde er auch die Kraft spüren, die ihn hingetrieben hat an die Stelle, wo er diesen Schmerz hat erleiden können, weil er gefühlt hat, daß er den Grad von Vollkommenheit, den er sich verscherzt hat und den er wiedererringen soll, nur dadurch wieder erreichen kann, daß er diesen Schmerz durchmacht. Wenn also auch das gewöhnliche Bewußtsein sagt: Der Schmerz ist da; du leidest darunter! - und nur den Schmerz in der Wirkung betrachtet, so könnte doch für das Bewußtsein, welches auch die Zeit zwischen Tod und neuer Geburt überblickt, gerade das Aufsuchen des Schmerzes oder irgendeines Unglückes in der Absicht liegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das stellt sich uns tatsächlich dar, wenn wir von einem höheren Gesichtspunkt aus das Menschenleben betrachten. Da können wir sehen, daß im Menschenleben Schicksalsfälle eintreten, die sich nicht darstellen als Wirkungen von Ursachen des einzelnen Lebenslaufes, sondern die aus einem andern Bewußtsein heraus verursacht sind, nämlich aus einem solchen Bewußtsein, das jenseits der Geburt liegt und das unser Leben fortsetzt in frühere Zeiten, als diejenigen sind, die erst seit unserer Geburt abgelaufen sind. Wenn wir diesen Gedanken genau fassen, werden wir sagen: Wir haben zunächst ein Bewußtsein, das sich aus- dehnt über die Zeit zwischen Geburt und Tod und welches wir das Bewußtsein der Einzelpersönlichkeit nennen wollen, und wir wollen als Einzelpersönlichkeit dasjenige bezeichnen, was zwischen Geburt und Tod verläuft. Sodann sehen wir, wie ein Bewußtsein wirken kann über Geburt und Tod hinaus, von dem der Mensch in seinem gewöhnlichen Bewußtsein nichts weiß, das aber gerade so wirken kann wie dieses gewöhnliche Bewußtsein. Wir haben deshalb zunächst geschildert, wie jemand selbst sein Karma übernimmt und im vierzigsten Jahre zum Beispiel etwas ausgleicht, damit ihn die Ursachen vom zwölftenJahre nicht treffen. Da nimmt er Karma in sein Einzelpersön&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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lichkeitsbewußtsein hinein. Wenn dagegen der Mensch irgendwohin getrieben wird, wo er einen Schmerz erleiden kann, um etwas auszugleichen, um ein besserer Mensch zu werden, so kommt das auch aus dem Menschen; nur kommt es nicht aus dem Einzelpersönlichkeitsbewußtsein, sondern aus einem umfassenderen Bewußtsein, das mitumfaßt die Zeit zwischen Tod und neuer Geburt. Dasjenige Wesen im Menschen, welches von diesem Bewußtsein umfaßt wird, wollen wir die «Individualität» des Menschen nennen; und dieses Bewußtsein, das also fortwährend unterbrochen wird durch das Persönlichkeitsbewußtsein, wollen wir das «individuelle Bewußtsein» nennen, im Gegensatz zum Einzelpersönlichkeitsbewußtsein. So sehen wir Karma wirksam in bezug auf die Individualität des Menschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun würden wir das menschliche Leben aber trotzdem nicht verstehen, wenn wir nur die Reihe der Erscheinungen verfolgen würden, wie wir es bis jetzt getan haben, indem wir nur dasjenige ins Auge faßten, was im Menschen um des Menschen selber willen an Ursachen liegt und an Wirkungen aufgesucht wird. Wir brauchen uns nur einen einfachen Fall vor die Seele zu führen, der nur so dargestellt werden soll, daß er anschaulicher wirkt, und wir werden gleich sehen, daß wir das menschliche Leben nicht verstehen, wenn wir nur dasjenige in Betracht ziehen, was wir jetzt eben gesagt haben. - Nehmen wir einen Erfinder oder Entdecker, zum Beispiel Kolumbus oder den Entdecker der Dampfmaschine oder irgendeinen andern. In der Entdeckung liegt eine bestimmte Handlung, eine bestimmte Tat. Wenn wir diese Tat ins Auge fassen, so wie sie der Mensch getan hat, und dann die Ursache suchen, warum sie der Mensch getan hat, dann werden wir immer solche Ursachen finden, welche in der Richtung liegen, wie wir sie jetzt an- gegeben haben. Warum Kolumbus zum Beispiel nach Amerika fuhr, warum er gerade in einem bestimmten Zeitpunkt diese Absicht faßte, dazu werden wir die Ursachen finden in seinem individuellen und persönlichen Karma. Aber wir werden uns jetzt fragen können: Wird diese Ursache nur im persönlichen und individuellen Karma gesucht werden müssen? Und wird die Tat als Wirkung nur betrachtet werden müssen für die Individualität, die in Kolumbus wirksam war? - Daß Kolumbus Amerika entdeckt hat, hat eine bestimmte Wirkung für ihn gehabt. Er &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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ist dadurch gestiegen, ist vollkommener geworden. Das wird sich zeigen in der Fortentwickelung seiner Individualität im folgenden Leben. Aber welche Wirkungen hat diese Tat noch für andere Menschen gehabt? Müßte sie nicht auch als Ursache betrachtet werden, die in unzählige Menschenleben eingegriffen hat?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist aber noch eine ziemlich abstrakte Betrachtung einer solchen Sache, die wir viel tiefer erfassen können, wenn wir das Menschenleben über große Zeitspannen hin betrachten. Nehmen wir an, wir betrachten das Menschenleben,wie es sich abgespielt hat im ägyptisch-chaldäischen Zeitalter, das dem griechisch-lateinischen vorangegangen ist. Wenn wir dieses Zeitalter prüfen in bezug auf das, was es den Menschen gegeben hat und was die Menschen damals erfahren haben, dann zeigt sich uns etwas höchst Eigentümliches. Wenn wir diese Epoche vergleichen mit unserer eigenen, dann werden wir erkennen, daß dasjenige, was in unserem eigenen Zeitalter geschieht, zusammenhängt mit dem, was in der ägyptisch-chaldäischen Kulturperiode vor sich gegangen ist. Das griechisch-lateinische Zeitalter steht zwischen beiden darinnen. In unserer Zeit würden gewisse Dinge nicht geschehen, wenn nicht gewisse Dinge in der ägyptisch-chaldäischen Kultur geschehen wären. Wenn die gegenwärtige Naturwissenschaft dieses oder jenes an Ergebnissen zustande gebracht hat, so rührt das allerdings auch von Kräften her, welche sich aus der Menschenseele entwickelt und entfaltet haben. Aber die Menschenseelen, die in unserer Zeit gewirkt haben, waren auch verkörpert im ägyptisch-chaldäischen Zeitalter und haben dort gewisse Erlebnisse aufgenommen, ohne welche sie das nicht verrichten könnten, was sie heute verrichten. Hätten nicht die Schüler der altägyptischen Tempelpriester die ägyptische Astrologie über die Zusammenhänge des Himmels aufgenommen, so hätten sie nicht auf ihre Art später ein- dringen können in die Weltengeheimnisse, und es wären in gewissen Seelen unserer Zeit nicht die Kräfte gewesen, welche die Menschheit jetzt in unserer Zeit hin ausgeführt haben in die Himmelsräume. Wie kam zum Beispiel Kepler zu seinen Entdeckungen?` Er kam dazu, weil eine Seele in ihm lebte, die im ägyptisch-chaldäischen Zeitraum die Kräfte zu jenen Entdeckungen aufgenommen hatte, welche sie im fünften Zeitraum dann machen konnte. Es erfüllt uns mit einer gewissen &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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inneren Befriedigung, wenn in einzelnen Geistern gleichsam Erinnerungen auftauchen in der Art, daß die Keime zu dem, was sie jetzt tun, in der Vergangenheit gelegt worden sind. Einer der Geister, der Wichtiges geleistet hat in bezug auf die Erforschung der Himmelsgesetze, Kepler, sagt von sich selbst:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
«J~t,ich bin es, ich habe die goldenen Gefäße der Ägypter geraubt, um mt:..,jnem Gott aus ihnen ein Heiligtum zu errichten, fern von den Grenze.n Ägyptens. Wenn ihr mir vergebt, werde ich mich freuen, wenn ihr zürnt, werde ich es tragen; - hier werf ich den Würfel und schreibe dies Buch für den heutigen wie den dereinstigen Leser - was liegt daran? Und wen es auf seinen Leser hundert Jahre warten muß: Gott selbst hat sechs Jahrtausende dessen geharrt, der sein Werk erkennend er- blickt. »&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist eine sporadisch auftauchende Erinnerung des Kepler an das, was er als Keim aufgenommen hat zu dem, was er in seinem persönlichen Dasein als Kepler vollbringen konnte. So könnten Hunderte von ähnlichen Beispielen angeführt werden. - Da sehen wir aber noch etwas anderes als bloß die Tatsache, daß bei Kepler etwas auftaucht, was die Wirkung ist von Erlebnissen eines früheren Erdenlebens. Wir sehen etwas auftauchen, was als die gesetzmäßige Wirkung erscheint für die ganze Menschheit von etwas, was wiederum bedeutsam war für die Menschheit in einer früheren Zeit. Wir sehen, wie der Mensch hin- gestellt wird an einen Ort, um für die ganze Menschheit etwas zu leisten. Wir sehen, daß nicht nur im individuellen Menschenleben, sondern daß in der ganzen Menschheit Zusammenhänge bestehen zwischen Ursachen und Wirkungen, die sich über weite Zeiträume hin erstrecken. Und wir können daraus entnehmen, daß sich das individuelle Karmagesetz kreuzen wird mit den Gesetzen, welche wir nennen können die karmischen Menschheitsgesetze. Manchmal ist dieses Kreuzen allerdings wenig durchsichtig. Denken Sie, was wäre aus unserer Astronomie geworden, wenn einstmals nicht das Fernrohr erfunden worden wäre, das in einer bestimmten Zeit erfunden worden ist. Verfolgen Sie unsere Astronomie zurück, und Sie werden sehen, daß unendlich vieles an der Erfindung des Fernrohres hängt. Nun ist es ja bekannt, daß das Fernrohr dadurch erfunden worden ist, daß in einer optischen Werkstatt einmal Kinder &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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mit Linsen gespielt haben, wobei sie durch einen «Zufall», so könnte man sagen, optische Linsen so zusammengestellt haben, daß hernach jemand darauf gekommen ist: Dadurch könnte sich so etwas ergeben wIe ein Fernrohr. - Denken Sie, wie tief Sie suchen müssen, um zu dem individuellen Karma der Kinder und dem Karma der Menschheit zu kommen, daß in einem bestimmten Zeitpunkt das Fernrohr erfunden worden ist! Versuchen Sie das zusammenzudenken, und Sie werden sehen, wie in merkwürdiger Art das Karma einzelner Individualitäten und das Karma der ganzen Menschheit sich kreuzen und ineinanderweben! Da werden Sie sich sagen: Man müßte sich die ganze Menschheitsentwickelung anders denken, wenn nicht zu einer bestimmten Zeit dies oder jenes eingetreten ware.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Frage ist gewöhnlich ganz müßig: Was wäre mit dem Römischen Reiche geworden, wenn nicht die Griechen in einer bestimmten Zeit den persischen Angriff in den Perserkriegen zurückgeschlagen hätten? - Aber nicht müßig ist die Frage: Wodurch ist es gekommen, daß die Perserkriege gerade in dieser Weise verlaufen sind? - Wer dieser Frage nachgeht und eine Antwort sucht, der wird sehen, daß im Orient ganz bestimmte Errungenschaften nur dadurch zustande kamen, daß gewisse despotische Herrscher da waren, die nur für ihre Person etwas wollten und sich zu diesem Zwecke verbanden mit den Opferpriestern und so weiter. Die ganzen damaligen Staatseinrichtungen waren notwendig, damit im Orient etwas geschaffen werden konnte, aber diese Einrichtungen haben es mit sich gebracht&amp;gt; daß auch alle die Schäden eintraten, die dann eingetreten sind. Und damit hängt es zusammen, daß ein andersgeaitetes Volk - die Griechen - im entsprechenden Moment den morgenländischen Angriff zurückschlagen konnte. Wenn wir das bedenken, werden wir fragen: Wie steht es mit dem Karma der Persönlichkeiten, die in Griechenland gewirkt haben, um den persischen An- griff zurückzuschlagen? - Da werden wir manches Persönliche finden im Karma der betreffenden Menschen; aber wir werden auch finden, daß das persönliche Karma mit dem Volks- und Menschheitskarma verknüpft ist, so daß es berechtigt ist zu sagen: Das ganze Menschheitskarma hat gerade diese bestimmten Persönlichkeiten an diesen Ort in diese Zeit gestellt! - Wir sehen da hineinspielen Menschheitskarma in &lt;br /&gt;
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das Einzelkarma. Und wir werden uns weiter fragen müssen, wie diese Dinge zusammenspielen. Aber wir können noch weitergehen und einen andern Zusammenhang betrachten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir können zurückblicken im Sinne der Geisteswissenschaft auf eine Zeit unserer Erdenentwickelung, in der es auf unserer Erde noch kein Mineralreich gegeben hat. Unserer Erdenentwickelung gingen voran die Saturn-, die Sonnen- und die Mondentwickelung, wo es noch kein mineralisches Reich in unserem Sinne gegeben hat. Erst auf der Erde sind unsere heutigen Mineralien in ihren heutigen Formen entstanden. Dadurch aber, daß sich das Mineralreich ausgeschieden hat im Verlaufe der Erdentwickelung, ist es als ein besonderes Reich für alle Folgezeit da. Vorher haben sich Menschen, Tiere und Pflanzen so entwickelt, daß kein ihnen zugrunde liegendes Mineralreich vorhanden war. Damit die andern Reiche einen späteren Fortschritt erreichen konnten, mußten sie das Mineralreich ausscheiden. Aber nachdem sie es ausgeschieden haben, können sie sich nur so entwickeln, wie sie sich entwickeln auf einem Planeten, der eine feste mineralische Grundlage hat. Und nie wird etwas anderes entstehen als das, was unter der Voraussetzung geschah, daß die Bildung eines Mineralreiches zustande kam. Das Mineral reich ist da, und alle späteren Schicksale der andern Reiche hängen ab von der Entstehung des Mineralreiches, das sich einmal in unserem Erdendasein in einer urfernen Vergangenheit gebildet hat. - So ist mit der Tatsache der Entstehung des Mineral reiches etwas geschehen, womit alle spätere Erdentwickelung zu rechnen hat. Es wird sich an allen andern Wesen erfüllen, was aus der Entstehung des Mineralreiches folgt. Da haben wir wieder in späteren Zeitaltern die karmische Erfüllung für etwas, was früher geschehen ist. Auf der Erde erfüllt sich, was sich auf der Erde vorbereitet hat. Es ist ein Zusammenhang von dem,was früher, und dem, was später geschehen ist, aber auch ein solcher Zusammenhang, der in der Wirkung zurückschlägt auf das verursachende Wesen. Menschen, Tiere und Pflanzen haben das Mineralreich ausgeschieden, und das Mineral reich schlägt wieder auf sie zurück. Da sehen wir, daß es möglich ist, von einem Karma der Erde zu sprechen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und endlich können wir etwas hervorheben, wozu sich die Grund-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
lagen in den allgemeinen Ausführungen der «Geheimwissenschaft im Umriß» finden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir wissen, daß gewisse Wesenheiten zurückgeblieben sind auf der Stufe der alten Mondentwickelung, und daß diese Wesen zurückgeblieben sind, um dem Menschen der Erde ganz bestimmte Eigenschaften beizubringen. Aber nicht nur Wesenheiten sind zurückgeblieben von der alten Mondenzeit der Erde, sondern auch Substantialitäten. Auf der Mondenstufe sind Wesen stehengeblieben, die als luziferische Wesenheiten in unser Erdendasein hineinwirken. Durch diese Tatsache des Stehenbleibens und des Hereinwirkens in unser Erdendasein vollziehen sich im Erdendasein Wirkungen, zu denen die Ursachen schon im Mondendasein gelegt worden sind. Aber auch substantiell vollzieht sich so etwas. - Wenn wir heute unser Sonnensystem ansehen, finden wir es zusammengesetzt aus Weltenkörpern, die regelmäßig wiederkehrende und eine gewisse innere Geschlossenheit zeigende Bewegungen ausführen. Aber andere Weltenkörper finden wir, die sich zwar auch mit einem gewissen Rhythmus bewegen, die aber sozusagen die gewöhnlichen Gesetze des Sonnensystems durchbrechen, nämlich die Kometen. Nun ist die Substanz eines Kometen nicht eine solche mit Gesetzen, wie sie in unserem gewöhnlichen, regulären Sonnensystem bestehen, sondern mit Gesetzen, wie sie im alten Mondendasein existiert haben. In der Tat hat sich im kometarischen Dasein erhalten die Gesetzmäßigkeit des alten Mondendaseins. Ich habe schon öfter erwähnt, daß die Geistes- wissenschaft diese Gesetzmäßigkeit nachgewiesen hat, bevor eine Bestätigung von seiten der Naturwissenschaft eingetreten ist. Im Jahre 1906 habe ich in Paris auf die Tatsache aufmerksam gemacht, daß während des alten Mondendaseins gewisse Verbindungen von Kohlenstoff und Stickstoff eine ähnliche Rolle spielten wie heute auf der Erde Verbindungen von Sauerstoff und Kohlenstoff, also Kohlensäure, Kohlendioxyd und so weiter. Diese letzteren Verbindungen haben etwas Ertötendes. Eine ähnliche Rolle haben Zyanverbindungen, blausäureartige Verbindungen während des alten Mondendaseins gespielt. Auf diese Tatsache wurde hingewiesen von der Geisteswissenschaft 1906. Auch in andern Vorträgen wurde darauf hingewiesen, daß das kometarische Dasein die Gesetze des alten Mondendaseins hineinführt &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|32}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
in unser Sonnensystem, so daß also nicht nur zurückgeblieben sind die luziferischen Wesen, sondern auch die Gesetzmäßigkeit der alten Mondensubstanz, die in unregelmäßiger Weise hineinwirkt in unser Sonnensystem. Und es wurde immer gesagt, das kometarische Dasein müsse heute noch etwas enthalten wie Zyanverbindungen in der Kometenatmosphäre. Erst viel später, als das durch die Geisteswissenschaft verkündet worden ist, in diesem Jahre erst, ist durch die Spektralanalyse das Blausäurespektrum im Kometendasein gefunden worden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier haben Sie einen der Beweise dafür, wenn gesagt wird: Zeigt uns einmal, wie man wirklich mit der Geisteswissenschaft etwas finden kann! - Solche Dinge gibt es mehr; sie sollten nur beobachtet werden. So wirkt also etwas hinein von unserem alten Mondendasein in das jetzige Erdendasein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun fragen wir uns: Darf behauptet werden, daß äußeren sinnlichen Erscheinungen zugrunde liegt ein Geistiges?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den, der sich zur Geisteswissenschaft bekennt, ist es klar, daß hinter allem sinnlich Wirklichen auch ein Geistiges liegt. Wenn substantiell etwas vom alten Mondendasein hineinwirkt in unser Erden- dasein, wenn der Komet unser Erdendasein bestrahlt,,so wirkt dahinter auch etwas Geistiges. Und wir könnten sogar angeben, welches Geistige sich zum Beispiel anzeigt durch den Halleyschen Kometen. Der Halleysche Komet ist der äußere Ausdruck - jedesmal, wenn er in die Sphäre unseres Erdendaseins hineinkommt - zu einem neuen Impuls zum Materialismus. Das mag der heutigen Welt abergläubisch erscheinen. Aber die Menschen sollten sich dann nur darauf besinnen, wie sie selbst geistige Wirkungen von Konstellationen der Sterne herleiten. Oder wer würde nicht sagen, daß der Eskimo deshalb ein andersgeartetes Menschenwesen ist als zum Beispiel der Hindu, weil in der Polargegend die Sonnenstrahlen unter einem andern Winkel einfallen? Überall führen auch die Naturwissenschafter auf Sternkonstellationen geistige Wirkungen in der Menschheit zurück. - Also ein geistiger Impuls zum Materialismus erfolgt parallel dem Halleyschen Kometen. Dieser Impuls kann nachgewiesen werden: Auf das Erscheinen des Halleyschen Kometen vom Jahre 1835 folgte jene materialistische Zeitströmung, die man bezeichnen kann als den Materialismus der zweiten Hälfte des &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
vorIgen Jahrhunderts; auf die Erscheinung vorher folgte die materialistische Aufhlärerei der französischen Enzyklopädisten. Das ist der Zusammenhang.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit gewisse Dinge eintreten im Erdensein, mußten die Ursachen dazu früher, außerhalb des Erdendaseins gelegt werden. Und hier haben wir es sogar mit einem Weltenkarma zu tun. Denn warum ist auf dem alten Monde Geistiges und Substantielles ausgeschaltet worden? Damit gewisse Wirkungen wieder zurückstrahlen können auf die jenigen Wesenheiten, welche dieses ausgeschieden haben. Die luziferisehen Wesenheiten sind ausgeschieden worden, haben eine andere Entwickelung durchmachen müssen, damit für die Wesen, die auf der Erde sind, freier Wille und die Möglichkeit zum Bösen auf der Erde entstehen konnten. Da haben wir etwas, was an karmischen Wirkungen über unser Erdendasein hinausgeht: einen Ausblick auf das Weltenkarma.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So konnten wir heute sprechen über den Karmabegriff, über seine Bedeutung für die einzelne Persönlichkeit, für die Individualität, für die ganze Menschheit, innerhalb der Wirkungen unserer Erde und über die Erde hinaus - und wir haben noch etwas gefunden, was wir als Weltenkarma ansprechen können. So finden wir das Karmagesetz, das wir nennen können ein Gesetz vom Zusammenhang zwischen Ursache und Wirkung, aber in der Weise, daß die Wirkung wieder auf die Ursache zurückschlägt und daß sich beim Zurückschlagen noch das Wesen erhalten hat, dasselbe geblieben ist. Wir finden diese karmische Gesetzmäßigkeit überall in der Welt, insofern wir die Welt als eine geistige betrachten. Wir ahnen, daß sich das Karma auf den verschiedensten Gebieten in der verschiedensten Weise offenbaren wird. Und wir ahnen, wie die verschiedenen karmischen Strömungen - persönliches Karma, Menschheitskarma, Erdenkarma, Weltenkarma und so weiter - sich kreuzen werden und daß uns gerade dadurch die Aufschlüsse werden, die wir brauchen, um das Leben zu verstehen. Und an seinen einzelnen Punkten ist das Leben nur zu verstehen, wenn wir das Zusammenwirken der verschiedensten karmischen Strömungen finden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
= ZWEITER VORTRAG Hamburg, 17. Mai 1910 =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bevor wir zu unseren eigentlichen menschlichen Karmafragen kommen, wie sie angekündigt sind, sind eine Reihe von Vorbetrachtungen notwendig. Dazu gehört das, was gestern gesagt worden ist: eine Art Beschreibung des Karmabegriffes. Dazu gehört auch das, was heute zu sagen sein wird über Karma und Tierreich. Was man nennen könnte äußere Beweise für die Wirklichkeit der karmischen Gesetzmäßigkeit, das werden Sie im Laufe des Zyklus an denjenigen Stellen finden, wo gerade Veranlassung sein wird, auf diese äußeren Beweise besonders hinzudeuten. Bei diesen Gelegenheiten werden Sie auch die Möglichkeit finden, über die Begründung der Karmaidee zu Außenstehenden zu sprechen, welche Sie, über dies oder jenes als Zweifler an der ganzen Karmaidee, befragen werden. Zu alledem sind aber einige Vorbetrachtungen notwendig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was läge denn näher, als zu fragen: Wie verhalten sich tierisches Leben, tierisches Schicksal zu dem, was wir den Verlauf des menschlichen Karma nennen, in dem wir - wie sich zeigen wird - die wichtigsten und tiefeingreifendsten Schicksals fragen für den Menschen beschlossen finden?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Verhältnis der Menschen auf der Erde zur Tierwelt ist ja im Laufe der Zeit und auch je nach den verschiedenen Völkern ein verschiedenes. Und es ist gewiß nicht uninteressant, zu sehen, wie bei Völkerschaften, die sich die besten Teile der uralt heiligen Weisheit der Menschheit bewahrt haben, eine weitgehend mitleidvolle, liebevolle Behandlung der Tiere Platz gegriffen hat. Innerhalb der Welt des Buddhismus zum Beispiel, der sich wichtige Teile alter Weltanschauungen bewahrt hat, wie sie die Menschen in ihrer Urzeit hatten, haben wir eine tiefgehend mitleidvolle Behandlung der Tiere, eine Behandlung der Tiere und Gefühle gegenüber der Tierwelt, die in Europa unzählige Menschen noch nicht verstehen können. Aber auch bei andern Völkern - ich erinnere nur an den Araber in bezug auf Behandlung seines Pferdes -, insbesondere wenn diese Völker sich etwas bewahrt &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
haben von den alten Anschauungen, wie sie als alte Erbstücke da und dort auftreten, finden Sie eine Art «Freundschaft» zu den Tieren, etwas wie menschliche Behandlung der Tiere. Dagegen darf man Wohl sagen, daß in denjenigen Gegenden, in denen sich eine Art von Weltanschauung der Zukunft vorbereitet, in den abendländischen Gegenden, wenig Verständnis für solches Mitleid mit der Tierwelt Platz gegriffen hat. Und charakteristisch ist es, daß im Verlaufe des Mittelalters und dann auch bis in unsere Zeit hinein gerade in Ländern, in denen die christlicheWeltanschauung Ausbreitung gewonnen hat, die Anschauung auf tauchen konnte, daß die Tiere überhaupt nicht als Wesen zu betrachten seien mit einem eigentlichen Seelenleben, sondern als eine Art Auto maten. Und es ist vielleicht nicht mit Unrecht darauf aufmerksam gemacht worden - wenn auch nicht immer mit einem großen Verständ nls -, daß diese Anschauungen, welche von der abendländischen Philosophie vielfach vertreten worden sind, daß die Tiere Automaten seien und ein eigentliches Seelen leben nicht haben, hinuntergesickert sind in die Volkskreise, die kein Mitleid und oft auch keine Grenze kennen in der grausamen Behandlung der ~iere. Ja, die Sache ist so weit gegangen, daß man einen großen Philosophen der Neuzeit, Cartesius, in seinen Gedanken über die Tierwelt recht gründlich hat mißverstehen können.Wir müssen uns natürlich klar sein, daß von den eigentlich bedeutenden Geistern der abendländischen Kulturentwickelung diese Anschauung,daß dieTiere nur Automaten seien, niemals vertreten worden ist. Es hat auch Cartesius nicht diese Anschauung vertreten, obwohl Sie In vielen Büchern über Philosophie lesen können, daß Cartesius eine solche Anschauung vertreten habe. Das ist aber nicht wahr; sondern&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wer Cartesius kennt, der weiß, daß er den Tieren zwar nicht ein solches Seelisches zuschreibt, das sich dazu entwickeln kann, aus dem Ich- Bewußtsein heraus zu elnem Beweise für das Dasein Gottes zu kommen, aber er schreibt dennoch dem ,Tiere zu, daß es durchströmt, durchseelt ist mit den sogenannten Lebensgeistern, die allerdings nicht eine so einheitlicbe Individualität darstellen wie das Ich des Menschen, aber doch in der tierischen Organisation als Seele wirken. Und es ist gerade das Charakteristische, daß man Cartesius in dieser Beziehung hat gründlich mißverstehen können. Denn das zeigt uns, daß in den verflossenen &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|36}}&lt;br /&gt;
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Jahrhunderten unserer abendländischen Entwickelung die Tendenz vorhanden war, den Tieren etwas bloß Automatisches zuzuschreiben, und diese Tendenz hat man selbst da hineingelesen, wo man sie nicht hätte hineinlesen können, wenn man gewissenhaft zu Werke gegangen wäre, nämlich bei Cartesius. Die abendländische Kulturentwickelung hat das Eigentümliche, daß sie sich herausbilden mußte aus den Elementen des Materialismus. Und man kann sogar sagen: Der Aufgang des Christentums hat sich so vollzogen, daß dieser bedeutungsvolle Impuls der Menschheitsentwickelung zuerst in eine materialistische abendländische Gesinnung hineinverpflanzt worden ist. Der Materialismus der neueren Zeit ist nur eine Folge dessen, daß auch das spirituellste Religionsbekenntnis, das Christentum, zunächst im Abendlande eine materialistische Auffassung hat finden können. Es ist einmal - wenn wir so sagen dürfen - das Menschheitsschicksal der abendländischen Völker, daß sie sich emporarbeiten müssen aus materialistischen Untergründen und gerade in der Überwindung der materialistischen Ansichten und Tendenzen die starken Kräfte werden entfalten müssen zu einem höchsten Spiritualismus. Damit, daß dieses Schicksal, dieses Karma den abendländischen Völkern geworden ist, ist auch bei ihnen jener Zug entstanden, die Tiere nur wie Automaten zu betrachten. Wer nicht gut das Wirken des geistigen Lebens durchschauen kann, wer nur sich halten kann an das, was uns in der sinnlichen Außenwelt umgibt, der wird aus den Eindrücken dieser sinnlichen Außenwelt heraus leicht zu einer Auffassung über die Tierwelt kommen können, welche die Tiere möglichst niedrig stellt. Dagegen haben solche Weltanschauungen, die noch Elemente der alten spirituellen Weltanschauungen der Urweisheit der Menschheit in sich behalten haben, sich eine Art Erkenntnis bewahrt über das, was auch in der Tierwelt geistig ist; und trotz allen Mißverständnissen, trotz all dem, was sich in ihre Weltanschauungen eingeschlichen und deren Reinheit verdorben hat, konnten sie doch nicht vergessen&amp;gt; daß geistige Tätigkeiten, geistige Gesetze an dem Ausleben und Ausgestalten des Tierischen betätigt sind. Wenn wir also auf der einen Seite gerade in dem Mangel geistiger Weltanschauungen ein Unverständnis des Tierisch-Seelischen erblicken müssen, so dürfen wir uns auf der andern Seite nicht darüber täuschen, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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daß auch das wiederum nur ein Ausfluß einer rein materialistischen Weltanschauung wäre, wenn wir die Karmaidee, wie sie uns dienen wird, menschliches Schicksal und menschliches Karma zu verstehen, ohne weiteres auf die tierische Welt anwenden würden. Das dürfen wir nicht. Es ist schon gestern darauf hingewiesen worden, daß es notwendig ist, den Begriff des Karma ganz genau zu fassen. Und wir würden fehlgehen,wenn wir das&amp;gt; was wir gefordert haben als ein Rückschlagen der Wirkung auf das Wesen, von dem die Verursachung ausgegangen ist, wenn wir das auch in der tierischen Welt suchen würden; denn in einem umfassenderen Maße werden wir die karmische Gesetzmäßigkeit erst dadurch kennenlernen können, daß wir über das einzelne menschliche Leben zwischen Geburt und Tod hinausgehen, den Menschen verfolgen durch die Aufeinanderfolge seiner Wiederverkörperungen und daß wir finden werden, daß jener Rückschlag einer Ursache, welche wir in einem Leben gelegt haben, erst in einem späteren Leben kommen kann, so daß sich die karmische Gesetzmäßigkeit von Leben zu Leben zieht, und die Wirkungen von Ursachen eben nicht einzutreten brauchen - ja, wenn wir Karma im großen betrachten, auch ganz gewiß nicht eintreten in demselben Leben zwischen Geburt und Tod.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun wissen wir schon aus den äußeren geisteswissenschaftlichen Betrachtungen, daß wir beim T`lere von einer solchenWiederverkörperung, wie sie beim Menschen stattfindet, nicht sprechen können. Für jene menschliche Individualität, welche sich erhält, wenn der Mensch durch die Pforte des Todes schreitet, welche durchlebt ein besonderes Leben im Geistigen in der Zeit vom Tode bis zur neuen Geburt, um dann durch eine neue Geburt wieder ins Dasein zu treten, für diese menschliche Individualität finden wir etwas Ähnliches oder gar etwas ganz Gleiches in der tierischen Welt durchaus nicht. Wir können nicht in derselben Weise, wie wir den menschlichen Tod auffassen, von dem tierischen Tode sprechen. Denn alles, was wir beschreiben als die Schicksale der menschlichen Individualität, nachdem der Mensch durch die Pforte des Todes gesch ritten ist, verhält sich in der Tierwelt nicht in der gleichen Art; und wenn man glauben würde, daß wir in einem tierischen Individuum das wiederverkörperte Wesen eines schon früher auf der Erde vorhanden gewesenen Tieres suchen könnten, wie wir das beim Menschen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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tun müssen, dann würden wir uns durchaus einem Irrtum hingeben. Heute, wo man gern alles, was sich uns in der Welt darbietet, nur seiner Außenseite nach betrachtet und nicht auf das Innere eingeht, können ja die eigentlichen großen Gegensätze, die wichtigsten Unterscheidungen zwischen Mensch und Tier gar nicht vor Augen treten. Äußerlich - rein materialistisch betrachtet - nimmt sich die Erscheinung des Todes bei Mensch und Tier in der gleichen Art aus. Da kann man leicht glauben, wenn man das Leben eines Tieres betrachtet, daß man einzelne Erscheinungen dieses individuellen Lebens des Tieres vergleichen könnte mit einzelnen Erscheinungen des persönlichen Lebens des Menschen zwischen Geburt und Tod. Aber da würde man ganz fehlgehen. Deshalb soll auf die durchgreifenden Unterschiede zwischen demYierischen und dem Menschlichen zunächst an einzelnen Beispielen hingedeutet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nur derjenige kann sich nämlich diesen Unterschied zwischen Tier und Mensch vollständig klarlegen, der unbefangen nicht nur auf die sich seinem äußeren sinnlichen Anschauen, sondern auch auf die seinem kombinierenden Denken sich ergebenden Tatsachen eingeht. Da finden wir eine Erscheinung, die auch von den Naturforschern hervorgehoben wird, mit der aber die Naturforscher der Gegenwart nichts Rechtes anzufangen wissen, nämlich die Erscheinung, daß der Mensch eigentlich das Allereinfachste erst lernen muß: den Gebrauch der einfachsten Werkzeuge hat der Mensch im Laufe seiner Geschichte lernen müssen, und unsere Kinder müssen heute noch die allereinfachsten Sachen eben lernen, und sie müssen eine gewisse Zeit anwenden, um sie zu lernen. Es kostet Mühe, dem Menschen etwas beizubringen, einfache Handgriffe, Verfertigung von Instrumenten und Werkzeugen und so weiter. Wenn wir dagegen die Tiere betrachten, müssen wir sagen: Wieviel besser haben es die Tiere in dieser Beziehung! - Denken wir uns, wie der Biber seinen komplizierten kunstvollen Bau aufführt. Er braucht es nicht zu lernen; er kann es, indem er es mitbringt als eine ihm eingeprägte Gesetzmäßigkeit, wie wir uns als Menschen mitbringen die Möglichkeit, die «Kunst», um das siebente Jahr unsere Zähne zu wechseln. Das braucht auch keiner zu lernen. So bringen sich die Tiere eine solche Fähigkeit mit, wie sie der Biber hat, seinen Bau aufzuführen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Und wenn Sie Umschau halten im Tierreich, werden Sie finden, daß die Tiere sich ganz bestimmte Kunstfertigkeiten mitbringen, durch welche etwas zustande gebracht werden kann, an das menschliche Kunst fertigkeit bei allem, wie wir es so herrlich weit gebracht haben, noch lange nicht heran reicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun kann die Frage entstehen: Wie kommt es denn eigentlich, daß der Mensch, wenn er geboren wird, unfähiger ist als zum Beispiel ein Huhn oder ein Biber, daß er das, was diese Wesenheiten sich schon mit- bringen, erst mühevoll sich aneignen muß? Das ist eine große Frage. Und daß es eine große Frage ist, muß man vor allen Dingen empfinden lernen. Denn es kommt bei dem, was der Mensch für seineWeltanschauung gewinnen muß&amp;gt; viel weniger darauf an, daß man auf wichtige Tatsachen hinweist, als daß man weiß, wo wichtige Fragen zu stellen sind. Tatsachen können richtig sein, brauchen aber nicht immer wertvoll zu sein für unsere Weltanschauung. Nun würde es, obwohl wir noch heute auf die Ursachen dieser Erscheinungen geisteswissenschaftlich eingehen werden, doch zu weit führen, wenn man in allen Einzelheiten zeigen würde, warum das so ist. Aber zunächst kann doch mit ein paar Worten darauf hingewiesen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir geisteswissenschaftlich zurückgehen in der menschlichen Entwickelung bis in urferne Vergangenheiten, so werden wir finden, daß diejenigen Kräfte und Elemente, welche sozusagen dem Biber oder einem andern Tiere zur Verfügung stehen, um solche Kunstfertigkeiten mit sich auf die Welt zu bringen, dem Menschen auch zur Verfügung gestanden haben. Der Mensch hat ja nicht gerade in seine Anlage in urferner Vergangenheit bloß die Ungeschicklichkeit aufgenommen und dem Tiere überlassen müssen die primitive Geschicklichkeit. Er hat diese Anlage auch empfangen, ja im Grunde genommen in einem weit reicheren Maße als die Tiere. Denn wenn auch die Tiere gewisse große Kunstfertigkeiten mit auf die Welt bringen, so sind diese doch im Leben einseitig. Der Mensch kann im Grunde genommen gar nichts, wenn er ins Leben tritt, er muß alles erst lernen, was sich auf die äußere Welt bezieht. Das ist etwas radikal ausgedrückt, aber wir werden uns verstehen. Wenn der Mensch aber dann lernt, zeigt sich bald, daß er vielseitiger, daß seine Entwickelung eine reichere werden kann in bezug &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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auf die Ausprägung gewisser Kunstfertigkeiten und dergleichen, als das beim Tiere der Fall ist. Also der Mensch hat reiche Anlagen ursprünglich mitbekommen - und dennoch hat er sie heute nicht. Nun tritt die eigentümliche Erscheinung zutage, daß ursprünglich Mensch und Tier in gleicher Weise ausgestattet waren. Und wenn wir zurückgehen würden bis zur alten Saturnentwickelung, so würden wir finden, daß eine Unterscheidung der menschlichen und tierischen Entwickelung noch gar nicht stattgefunden hatte. Da waren beide vollständig gleich veranlagt. - Was ist nun in der Zwischenzeit geschehen, daß das Tier alle möglichenGeschicklichkeiten mit ins Dasein trägt,während der Mensch ein so ungeschickter Genosse des Weltendaseins ist? Wie hat sich der Mensch eigentlich benommen in der Zwischenzeit, daß er jetzt plötzlich alles das nicht hat,was er mitbekommen hatte? Hat er das im Laufe der Entwickelung sinnlos verschwendet, während es sich die Tiere als sparsame Haushalter bewahrt haben? Diese Frage kann aus dem wirklichen Tatbestand heraus aufgeworfen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Mensch hat diese Anlagen, die heute das Tier in äußerer Geschicklichkeit auslebt, nicht verschwendet; er hat sie auch verwendet, aber zu etwas anderem als die Tiere. Die Tiere prägen sie in äußeren Geschicklichkeiten aus; Biber und Wespe bauen ihr Nest. Der Mensch hat dieselben Kräfte, welche die Tiere in dieser Art ausleben, in sich selber hineingetan und verwendet. Und er hat dadurch zustande gebracht, was wir seine höhere menschliche Organisation nennen. Daß der Mensch heute seinen Gang aufrecht hat, daß er das vollkommenere Gehirn, überhaupt eine vollkommenere innere Organisation hat, das bedurfte auch gewisser Kräfte; und das sind dieselben Kräfte, mit denen sich der Biber seinen Biberbau errichtet. Der Biber baut sich sein Nest. Der Mensch hat die Kräfte auf sich verwendet, zu seinem Gehirn, zu seinem Nervensystem und so weiter. Daher hat der Mensch zunächst nichts übrig behalten, um in derselben Weise nach außen zu arbeiten. Also, daß wir heute unter den Tieren schreiten mit einem vollkommeneren Bau, das rührt davon her, daß wir alles, was der Biber draußen verarbeitet, einmal im Laufe der Entwickelung auf unseren inneren Bau verwendet haben.Wir haben drinnen unseren Biberbau und können daher nach außen diese Kräfte nicht mehr in derselben Weise entfalten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Da sehen wir, wenn wir an einer einheitlichen Weltauffassung festhalten, wohin die verschiedenen Anlagen, die in den Wesen vorhanden sind, kommen und wie sie uns heute entgegentreten. Indem der Mensch in seiner Weise diese Kräfte verwendet hat, wurde für ihn in seiner Erdentwickelung eine ganz besondere Einrichtung notwendig, die wir zum Teil schon kennen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Warum mußten beim Menschen die Kräfte, von denen jetzt eben gesprochen worden ist und die uns bei den verschiedenen Arten und Gattungen des Tierreiches in äußeren Verrichtungen entgegentreten, auf das Innere der menschlichen Organisation verwendet werden? Weil der Mensch nur dadurch, daß er sich die innere Organisation verschaffen konnte, der Träger dessen werden konnte, was heute das Ich ist, was von Inkarnation zu Inkarnation schreitet. Eine andere Organisation hätte kein solcher Ich-Träger werden können; denn es hängt durchaus von dem äußeren Gehäuse ab, ob eine Ich-Individualität sich im Erden- dasein betätigen kann oder nicht. Sie könnte es nicht, wenn die äußere Organisation nicht der Ich-Individualität angemessen wäre. Alles lief also darauf hinaus, die äußere Organisation dieser Ich-Individualität angemessen zu machen. Dazu mußte eine besondere Einrichtung geschaffen werden, und die kennen wir schon ihrer wesentlichen Seite nach.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir wissen, daß unserer Erdentwickelung vorangegangen ist die Mondentwickelung, dieser wieder die Sonnenentwickelung und dieser eine Saturnentwickelung. Als die alte Mondentwickelung zu Ende war, war der Mensch auf einer Stufe in bezug auf sein äußeres Dasein, die man als Tier-Menschlichkeit bezeichnen kann. Aber damals war diese äußere menschliche 0rganisation noch nicht so weit, daß sie der Träger einer Ich-Individualität hätte werden können. Erst die Erdentwickelung des Menschen hatte die Aufgabe, dieser Organisation das Ich einzuverleiben. Das konnte aber nur dadurch geschehen, daß die Vorgänge unserer Erdentwickelung in einer ganz eigenartigen Weise eingerichtet wurden. - Als die alte Mondentwickelung zu Ende gegangen war, löste sich alles sozusagen in ein Chaos auf. Daraus ging nach einer entsprechenden Zeit kosmischer Dämmerung wieder hervor der neue Kosmos unserer Erdentwickelung. In diesem Kosmos der Erdentwickelung war &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
damals alles enthalten, v`as heute als unser Sonnensystem mit uns und der Erde verbunden ist. Aus diesem Zusammenhang, aus dieser kosmischen Einheit haben sich dann erst abgespalten alle andern Weltkörper von unserer eigentlichen Erde. Wir brauchen nicht einzugehen auf die Art und Weise, wie sich die andern Planeten, Jupiter, Mars und so weiter, abgespalten haben. Wir müssen nur darauf hinweisen, daß in einem bestimmten Zeitpunkt der Erdentwickelung sich unsere Erde und unsere Sonne getrennt haben. Als dann schon die Sonne abgetrennt war und ihre Wirkungen von außen auf die Erde hereinsandte, war unsere Erde noch mit dem heutigen Monde verbunden, so daß die Substanzen und geistigen Kräfte, die heute an den Mond gekettet sind, damals noch mit unserer Erde verbunden waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist öfter schon die Frage berührt worden, was geschehen wäre, wenn sich die Sonne nicht abgespalten hätte von der Erde und nicht übergegangen wäre zu jenem Zustande, in dem sie wie heute von außen auf die Erde wirkt. Indem zunächst die Erde noch mit der Sonne verbunden war, waren bei den ganz anders gearteten Verhältnissen noch das ganze kosmische System und auch die Vorfahren der menschlichen Organisation miteinander vereinigt. Es ist natürlich ein Unding, die heutigen Verhältnisse anzuschauen und dann zu sagen: Was ist das für ein Unsinn von den Theosophen; da hätten ja alle die organisierten Wesen verbrennen müssen! - Diese Wesen waren eben so, daß sie unter den damaligen Verhältnissen in dieser ganz anders gearteten kosmischen Einheit bestehen konnten. - Wenn nun die Sonne in Verbindung mit der Erde geblieben wäre, dann wären ganz andere, viel heftigere Kräfte mit der Erde verbunden geblieben, und die Folge wäre gewesen, daß die ganze Entwickelung der Erde mit einer solchen Heftigkeit und Schnelligkeit fortgeschritten wäre, daß es gar nicht möglich gewesen wäre, daß die menschliche Organisation sich hätte so ausleben können, wie sie sich ausleben mußte. Daher war es notwendig, daß der Erde ein langsameres Tempo und dichtere Kräfte zur Verfügung gestellt wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das konnte nur dadurch geschehen, daß die stürmischen, vehementen Kräfte sich herauszogen aus der Erde. So wirkten die Kräfte der Sonne vor allen Dingen dadurch schwächer, daß sie jetzt von außen durch die Entfernung auf die Erde wirkten. Dadurch aber war nun etwas anderes &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
eingetreten. Es war jetzt die Erde in einem Zustande, daß die Menschen wiederum nicht hätten in der richtigen Weise vorwärtskommen können. Die Verhältnisse waren jetzt zu dicht, zu sehr verholzend und verdorrend für alles Leben. Der Mensch hätte wieder nicht zu seiner Entwickelung kommen können, wenn es so geblieben wäre. Abgeholfen wurde dem durch eine besondere Einrichtung, indem nämlich einige Zeit nach dem Sonnenaustritt der heutige Mond die Erde verlassen hat und die verlangsamenden Kräfte, die das Leben hätten zu einem langsamen Tode kommen lassen, mit sich fortgenommen hat. So blieb die Erde zwischen Sonne und Mond zurück, gerade das richtige Tempo wählend für die menschliche Organisation, um ein Ich als einen Träger der Individualität, die von Inkarnation zu Inkarnation geht, wirklich aufzunehmen. Die menschliche Organisation, wie sie heute ist, war unter gar keinen andern Umständen aus dem Kosmos heraus herzu stellen als durch diesen Vorgang zunächst der Sonnen- und dann der Mondentrennung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es könnte vielleicht jemand sagen: Wenn ich der Herrgott gewesen wäre, so hätte ich es anders gemacht; ich hätte gleich eine solche Mischung hergestellt, daß die menschliche Organisation in einer solchenWeise hätte fortschreiten können, wie sie hat fortschreiten müssen. Warum nun war es nötig, daß zuerst die Sonne heraustreten mußte und daß dann noch einmal ein Mondaustritt notwendig wurde?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer so denkt, denkt viel zu abstrakt. Er denkt nicht daran, daß, wenn in der Weltordnung eine innerliche Mannigfaltigkeit herbeigeführt werden soll, wie es die menschliche Organisation ist, für jeden einzelnen Teil eine besondere Einrichtung notwendig ist und daß man das nicht in die Wirklichkeit umsetzen kann, was sich der menschliche Gedanke spintisierend ausdenkt. In abstracto kann man alles denken; aber in der wirklichen Geisteswissenschaft muß man lernen, konkret zu denken, so daß man sich sagt: Die menschliche Organisation ist ja keine einfache. Sie besteht aus einem physischen Leib, einem Ätherleib und einem astralischen Leib. Diese drei Glieder mußten erst in ein bestimmtes Gleichgewicht gebracht werden, so daß die einzelnen Teile in einem richtigen Verhältnisse zueinander stehen. Das konnte nur durch diesen dreifachen Vorgang stattfinden: Zuerst die Bildung des einheit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
lichen Kosmos, der ganzen kosmischen Einheit Erde, Sonne und Mond zusammen. Dann mußte vollzogen werden für sich dasjenige, was im menschlichen Ätherleib verlangsamend wirken konnte, weil er sonst zu stürmisch alle Entwickelung verzehrt hätte - und das geschah, indem die Sonne hinausgeführt worden ist. Und dann wieder mußte, weil der astralische Leib sonst die menschliche Organisation zu einem Ersterben gebracht hätte, der Mond hinausgeführt werden. Weil der Mensch in seiner Organisation drei Glieder hat, mußten auch diese drei Vorgänge&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
stattfinden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So sehen wir, daß der Mensch sein Dasein, seine gegenwärtigen Eigenschaften einer komplizierten Einrichtung im Kosmos verdankt. Wirwissen aber auch, daß die Entwickelung aller Naturreiche keineswegs gleichen Schritt halten kann mit der allgemeinen Entwickelung. Wir wissen aus den allgemeinen Betrachtungen der letzten Jahre, daß immer auf den einzelnen planetarischenVerkörperungen unserer Erde gewisse Wesenheiten zurückblieben hinter der allgemeinen Entwickelung, welche dann, wenn die Entwickelung vorwärtsschritt, in Zuständen lebten, die der Entwickelung nicht vollständig entsprachen. Wir wissen aber auch, daß alle Entwickelung im Grunde durch solches Zurückbleiben erst richtig in Fluß gebracht werden konnte. Wissen wir doch, daß gewisseWesen während der alten Mondentwickelung zurückgeblieben sind als die «luziferischen Wesenheiten», daß durch sie manches Schlimme verschuldet worden ist, daß wir ihnen aber auch das verdanken, was uns erst das Menschsein möglich macht, nämlich die Möglichkeit der Freiheit, der freien Entfaltung unseres Innenwesens. Ja, wir können sagen: In gewisser Beziehung war das Zurückbleiben der luziferischen Wesenheiten ein Opfer. Sie sind zurückgeblieben, damit sie während des Erdendaseins ganz besondere Tätigkeiten ausüben konnten, näm lich dem Menschen die Leidenschaften verleihen, die mit seiner menschlichen Würde und Selbstbestimmung zusammengehören. - Wir müssen uns eben angewöhnen, ganz andere Begriffe zu gebrauchen, als sie sonst üblich sind, denn aus den gewöhnlichen Begriffen heraus könnte man vielleicht sagen, es hätten die luziferischen Geister gehörig «nachsitzen» müssen, und man wird ihnen ihre Nachlässigkeit nicht verzeihen. Aber es hat sich nicht um eine Nachlässigkeit der luziferischen Wesen ge&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
handelt. Ihr Zurückbleiben ist in gewisser Beziehung ein Opfer gewesen, um durch das, was sie sich durch dieses Opfer angeeignet haben, auf unsere Erdenmenschheit wirken zu können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon aus den gestrigen Andeutungen wissen Sie, daß nicht nur Wesenheiten, sondern auch Substanzen zurückgeblieben sind und sich Gesetze bewahrt haben, die in früheren planetarischen Zuständen die richtigen waren und die sie dann hineingetragen haben in die spätere Entwickelung. So durchkreuzen sich Entwickelungsphasen von alter Zeit mit Entwickelungsphasen von neuer Zeit, sie gehen durcheinander.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dadurch wird die Mannigfaltigkeit des Lebens eigentlich erst möglich. - So stellen sich uns die verschiedensten Grade dar in der Entwickelung der Wesenheiten. Nicht möglich gewesen wäre es, daß neben dem Menschenreich sich überhaupt ein Tierreich entwickelt hätte, wenn nicht nach der Saturnperiode gewisse Wesen zurückgeblieben wären, um - während sich auf der Sonne die Menschen schon zu einer höheren Stufe entwickelt hatten - ein zweites Reich zu bilden und als erste Vorläufer unseres heutigen Tierreiches hervorzukommen. Für die Grundlage späterer Bildungen ist dieses Zurückbleiben durchaus notwendig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn nun die Frage aufgeworfen wird: Warum müssen Wesenheiten und Substanzen zurückbleiben? - so möchte ich das durch einen Vergleich klarmachen. Die Entwickelung des Menschen sollte vorwärts- schreiten von Stufe zu Stufe. Das konnte sie nur dadurch, daß der Mensch sich immer mehr und mehr verfeinerte. Hätte er immer mit denselben Kräften gewirkt&amp;gt; mit denen er während der Saturnphase wirkte, so wäre er nicht vorwärtsgekommen. Er wäre stehengeblieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deshalb mußte er seine Kräfte verfeinern. - Nun nehmen wir, um ein Bild zu haben, einmal ein Glas Wasser an, in welchem irgendein Stoff aufgelöst ist. Da wird alles von oben bis unten in diesem Glas gleiche Färbung zeigen, gleiche Dichtigkeit und so weiter, es wird alles gleich sein. Nehmen wir nun an, es setzen sich die gröberen Stoffe zu Boden, dann bleiben das reinere Wasser und die feineren Substanzen oben. Das Wasser konnte sich also nur dadurch verfeinern, daß es das Gröbere ausgeschieden hat. - So etwas war auch nötig, nachdem die Saturnentwickelung abgelaufen war, es mußte ein solcher Bodensatz entstehen, es mußte die ganze Menschheit etwas ausscheiden und sich &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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die feineren Teile zurückbehalten. Was ausgeschieden worden war, das wurden dann die~iere. Durch das Ausscheiden konnten sich die andern verfeinern und um einen Schritt höher kommen. Und auf jeder solchen Stufe mußten Wesenheiten ausgeschieden werden, damit der Mensch immer höher und höher kommen konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir haben also eine Menschheit, die nur dadurch möglich geworden ist, daß der Mensch sich befreit hat von denjenigen Wesenheiten, die um uns herum in den untergeordneten Reichen leben. Wir haben diese Wesenheiten mit allen ihren Kräften einmal in dem Strom der Entwickelung darinnen gehabt, sie waren damit verbunden wie in dem Wasser die dichteren Bestandteile. Wir haben sie zu Boden sinken lassen und haben uns daraus emporgehoben. Dadurch ist unsere Entwickelung möglich geworden.Wir sehen also hinunter auf die drei neben uns lebenden Naturreiche und sagen: In alledem sehen wir etwas, was unser Boden hat werden müssen, damit wir uns haben entwickeln können. Diese Wesenheiten sind hinuntergesunken, damit wir haben empor- steigen können. So blicken wir in der richtigen Art auf die untergeordneten Naturreiche.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir nun die Erdentwickelung betrachten, wird sich uns dieser Vorgang noch anschaulicher in seinen Einzelheiten darstellen können. Wir müssen uns klar sein, daß alle Tatsachen innerhalb unserer Erdentwickelung doch gewisse Verhältnisse und Zusammenhänge haben. Nun haben wir gesehen, daß die Abtrennung der Sonne und des Mondes von der Erde eigentlich geschehen ist, damit die menschliche Organisation während der Erdentwickelung hat zu derjenigen Höhe kommen können, um eine Individualität zu werden; das gehörte dazu, um die menschliche Organisation gleichsam zu reinigen. Aber dadurch, daß diese Abtrennungen im Weltenall um des Menschen willen geschahen, ist durch solche eingreifende Veränderung in unserem ganzen Sonnensystem doch auch ein Einfluß auf alle drei andern Naturreiche ausgeübt worden, vor allem auf das Tierreich, das uns zunächst steht. Und wenn wir diesen Einfluß verstehen wollen, der auf das Tierreich durch die Vorgänge der Sonnen- und Mondabspaltung geschah, dann bekommen wir aus der Geistesforschung folgenden Aufschluß.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Mensch war auf einer gewissen Stufe seiner Entwickelung, als&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
sich die Sonne abgespalten hatte. Hätte er nun diese Stufe beibehalten müssen, die er während der Zeit hatte, als der Mond noch mit der Erde verbunden war, so hätte der Mensch seine gegenwärtige Organisation nicht erlangen können, er hätte einer gewissen Verödung und Verdorrung entgegengehen müssen. DieMondenkräfte mußten erst heraus- gehen. Daß diese menschliche Organisation möglich geworden ist, ist aber nur dem Umstande zu verdanken, daß der Mensch während der Zeit, als der Mond noch in der Erde war, sich eine Organisation bewahrt hatte, welche noch erweicht werden konnte; denn es wäre möglich gewesen, daß seine Organisation bereits so hart gewesen wäre, daß das Hinausgehen des Mondes nichts mehr genutzt hätte. Auf dieser Stufe, daß die Organisation noch erweicht werden konnte, standen tatsächlich nur die Menschenvorfahren. - Der Mond mußte also zu einer bestimmten Zeit hinausgehen. Was geschah nun bis zu dem Zeitpunkt, wo der Mond heraustrat?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die menschliche Organisation wurde immer gröber und gröber. Der Mensch hat zwar nicht ausgesehen wie Holz. Das wäre eine zu grobe Vorstellung. Es war die damalige Organisation trotz ihrer Grobheit immer noch feiner, als es die jetzige Organisation ist. Aber für die damalige Zeit war die Organisation des Menschen so grob, daß der geistigere Teil des Menschen, der auch dazumal in einer gewissen Weise abwechselnd mit dem physischen Leib zusammen und ohne ihn gelebt hat, in der Zeit zwischen Sonnen- und Mondaustritt endlich dahin gekommen war, daß er, wenn er wieder hat seinen physischen Leib aufsuchen wollen&amp;gt; diesen Leib durch die Vorgänge der Erde so dicht gefunden hat, daß er keine Möglichkeit mehr hatte, in ihn hineinzuziehen und ihn als Gehäuse zu benutzen. Daher geschah es auch, daß der geistig-seelische Teil vieler Menschenvorfahren von der Erde überhaupt Abschied nahm und für eine gewisse Zeit das Fortkommen suchte auf andern, zu unserem Sonnensystem gehörigen Planeten. Nur ein ganz geringer Teil der physischen Leiber war weiter brauchbar und rettete sich über diese Zeit hinüber. Das habe ich auch schon öfter dargestellt, daß die weitaus größte Zahl der Menschenseelen in den Himmelsraum hinauszogen, daß aber die fortlaufende Entwickelungsströmung festgehalten wurde von einem kleinen Teil, nämlich von denjenigen mensch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
lichen Seelen, die am robustesten waren und das alles ertragen und überwinden konnten. Diese robusten Seelen retteten die Entwickelung über die kritische Periode hinüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während dieses ganzenVorganges handelte es sich noch nicht eigentlich um das, was wir menschliche Ichheit, menschliche Individualität nennen. Es war noch mehr der Charakter derGattungsseele vorhanden. Die Seelen gingen, wenn sie sich zurückzogen, auf in die GattungsSeelenhaftigkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann kam der Mondaustritt, und damit war wieder die Möglichkeit gegeben, daß die menschliche Organisation verfeinert wurde, so daß sie die Seelen&amp;gt; welche sich früher hinweggeflüchtet hatten, wieder aufnehmen konnte. Und diese Seelen kamen nach und nach - bis in die atlantische Zeit hinein - wieder herunter und bezogen die menschlichen Leiber. Aber es waren immerhin gewisse Organisationen zurückgeblieben, die sich während der kritischen Zeit herausgebildet hatten. Fortgepflanzt hatten sie sich während dieser Zeit, nur konnten sie nicht Träger werden der menschlichen Seelenhaftigkeit. Es waren eben grobe Organisationen. Es hatten sich also dazumal neben jenen Organisationen, die sich später verfeinern konnten, solche erhalten aus der kritischen Erdenperiode. Diese wurden nun die Vorläufer einer gröberen Organisation, und dadurch kam es, daß neben jenen Organisationen, welche Träger von menschlichen Individualitäten werden konnten, auch solche Organisationen sich fortpflanzten, die nicht Träger menschlicher Individualitäten werden konnten und die die Nachkommen waren der von menschlichen Seelen verlassenen Organismen aus jener Zeit, als die Sonne schon fort und der Mond noch mit der Erde verbunden war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also sehen wir neben dem Menschen sich förmlich herausbilden ein Reich von Organismen, die durch das Beibehalten des Mondcharakters unfähig geworden waren, Träger menschlicher Individualitäten zu sein. Diese Organisationen sind im wesentlichen die, welche die Organisationen unserer heutigen Tiere wurden. Es könnte sonderbar erscheinen, daß diese gröberen Organisationen der heutigen Tiere nun doch wieder gewisse Fähigkeiten haben, welche sogar weisheitsvoll wirken können in der Welt, wie zum Beispiel in dem Biberbau. Das aber kann uns &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
erklärlich werden, wenn wir uns eben die Dinge nicht gar zu einfach vorstellen, sondern uns klar sind, daß gerade die Organisationen dieser Wesenheiten, welche nicht von menschlichen Seelen bezogen worden sind, die äußeren Einrichtungen de`s tierischen Baues, eines gewissen Nervenbaues und dergleichen ausgebildet hatten, die es möglich machten, sich mit den Gesetzen des Erdendaseins ganz in Einklang zu versetzen. Denn jeneWesenheiten, die nicht fähig geblieben waren, menschliche Seelen aufzunehmen, waren während der ganzen Zeit mit der Erde verbunden geblieben. Die andern Organisationen, die sich später verfeinert haben, so daß sie menschliche Individualitäten aufnehmen konnten, waren zwar auch zusammen mit der Erde; aber weil sie später Veränderungen eingehen mußten, als der Mond draußen war, haben sie gerade, was sie sich bis dahin angeeignet hatten, dadurch verloren, daß sie sich verfeinerten, daß sie diese Veränderungen eingehen mußten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also merken wir: Als sich der Mond getrennt hatte von der Erde, waren auf der Erde gewisse Organisationen, die sich einfach fortgepflanzt hatten in der geraden Linie, wie sie hatten entstehen müssen, solange der Mond mit der Erde früher verbunden war. Diese Organisationen waren grob geblieben, hatten sich die Gesetze, die sie hatten, bewahrt und waren in sich so fest geworden, daß, als der Mond heraus- gegangen war, mit ihnen keine Veränderung möglich war. Sie pflanzten sich einfach steif fort. Die andern Organisationen, die Träger von menschlichen Individualitäten wurden, mußten sich verändern, konnten sich nicht steif fortpflanzen. Sie veränderten sich so, daß jetzt hin- einwirken konnten die Wesenheiten, die in der Zwischenzeit gar nicht mit der Erde verbunden waren, die ganz woanders waren und sich erst wieder zusammenfügen mußten mit der Erde. - Da haben Sie den Unterschied zwischen jenen Wesenheiten, die den alten steifen Mondcharakter fortbewahrt hatten, und jenen, die sich verändert hatten. Worin bestand nun die Veränderung?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als die Seelen, die von der Erde fortgegangen waren, wieder zurückkamen und wieder Besitz ergriffen von den Leibern, fingen sie an, das Nervensystem, das Gehirn und so weiter umzubauen.Was sie als Kräfte hatten, das verwendeten sie gleichsam zum inneren Ausbau. An den andern Wesenheiten, die sich versteift hatten, konnte nichts mehr geändert&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|50}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
werden. Von diesen letzteren Organisationen nahmen jetzt andere Wesenheiten Besitz, die sich noch nicht darauf ein ließen, in die Organisation einzugreifen, die noch auf ihren früheren Stufen stehen- geblieben waren, die überhaupt nicht so weit kommen, daß sie in die inneren Organisationen hineinwirken, sondern die von außen wirken wie die tierischen Gattungsseelen. So erhielten diejenigen Organisationen, welche dazu geeignet waren, nach dem Mondaustritt die menschliche Seele; und diese Wesenheiten bearbeiteten dann die Organisation so, daß sie zu dem vollkommenen Menschenbau führte. Die während der Mondenzeit steif gebliebenen Organisationen konnten nicht mehr geändert werden. Von denen ergreifen jetzt Besitz jene Seelen, die überhaupt noch nicht so weit waren, in eine Individualität einzuziehen, die auf der Mondenstufe stehengeblieben waren, die alles ausgebildet hat- ten, was auf der Mondenstufe zu erreichen war, und die daher jetzt als Gattungsseelen von diesen Organisationen Besitz ergriffen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So erklärt sich uns der Unterschied zwischen Mensch und Tier aus den kosmischen Vorgängen heraus. Gerade durch die kosmischen Vorgänge bei der Erdentwickelung ergeben sich uns zweierlei Organisationen. Hätten wir bei dem Bau der unmittelbar unter dem Menschen stehenden Wesenheiten stehenbleiben müssen, so müßten wir jetzt mit unserem Ich die Erde umschweben, weil die Organisationen zu steif geworden sind. Wir könnten nicht herunter, und obwohl wir vollkommenere Wesen geworden sind, müßten wir da sein, wo die Organisationen der Gattungsseelen der Tiere sind. Da aber unsere Organisationen sich verfeinern konnten, so konnten wir in sie einziehen und sie als unsere Wohnplätze benutzen, das heißt, wir konnten in fleischliche Verkörperungen bis zur Erde hinuntersteigen. Die Gattungsseelen hatten kein Bedürfnis danach. Sie wirken von der geistigen Welt in die Wesen hinein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir sehen also in dem Tierreich, das uns umgibt, etwas, was wir heute auch wären, wenn wir eben nicht unsere Organisation der geschilderten Einrichtung verdankten. Fragen wir uns jetzt Wodurch sind denn die unter uns stehenden Tiere mit ihren versteiften Organisationen auf die Erde gekommen? - Durch uns selber sind sie herunter- gekommen! Sie sind die Nachkommen jener Körper, die wir nach dem &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|51}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mondaustritt nicht mehr beziehen wollten, weil sie zu grob geworden waren. Wir haben diese Körper zurückgelassen, um später andere zu finden.Wir hätten später andere nicht finden können, wenn wir damals jene ersten nicht verlassen hätten. Denn wir mußten nach dem Heraus- treten der Sonne auf der Erde unser Fortkommen suchen. - Da haben wir gerade den Vorgang, daß wir sozusagen unter uns zurückließen gewisse Wesenheiten, damit wir selber die Möglichkeit finden konnten, höher hinaufzukommen. Um höher zu kommen, mußten wir zu andern Planeten gehen und die Leiber da unten verkommen lassen. Was unten zurückgeblieben ist, dem verdanken wir in gewisser Beziehung das, was wir sind. Ja, wir können dieses «Verdanken» noch viel genauer schildem. Wir können uns fragen: Wie ist es denn überhaupt möglich geworden, daß wir während der kritischen Periode die Erde verlassen konnten? So ohne weiteres geht das ja nicht, daß ein Wesen hingehen kann, wo es will.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da trat während der Erdentwickelung zum ersten Male dasjenige ein, was wir wiederum den luziferischen Geistern verdanken. Die luziferischen Wesenheiten waren unsere Führer, die uns in der kritischen Periode von der Erdentwickelung hinweggenommen haben. Sie haben uns gleichsam gesagt: Da unten kommt jetzt eine kritische Zeit; da müßt ihr die Erde verlassen! - Die luziferischen Geister waren es, unter deren Führung wir die Erde verlassen haben, dieselben luziferischen Geister, die in unseren damaligen astralischen Leib das luziferische Prinzip, den Hang zu allem, was wir die Möglichkeit des Bösen in uns nennen, hineinbrachten, damit zugleich aber allerdings auch die Möglichkeit der Freiheit. Hätten sie uns damals nicht fortgenommen von der Erde, so wären wir immer gekettet geblieben an die Gestalt, die wir damals geschaffen hatten, und wir könnten jetzt die Gestalt höchstens von oben umschweben, würden sie aber niemals beziehen können. So nahmen sie uns fort und verbanden ihr eigenes Wesen mit unserem Wesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir das ins Auge fassen, wird es uns jetzt verständlich, daß wir, während wir fortgingen, die luziferischen Einflüsse aufnahmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Organisationen, welche dieses Schicksal nicht teilten, damals in ganz besondere Weltgebiete geführt zu werden, die mit der Erde verbunden blieben, die blieben unten ohne den luziferischen Einfluß. Sie &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|52}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
mußten mit uns die Erdenschicksale teilen - konnten aber nicht mit uns unser Himmelsschicksal teilen. Und als wir auf die Erde zurückkamen, hatten wir den luziferischen Einschlag in uns, nicht aber jene andern Wesen, und dadurch wurde es uns möglich, das Leben in einem physischen Körper und doch ein von dem physischen Körper unabhängiges Leben zu führen, so daß wir auch immer mehr und mehr unabhängig von dem physischen Körper werden konnten. Diese andern Wesen aber, die den luziferischen Einschlag nicht in sich hatten, stellten dar, was wir aus ihnen gemacht hatten, was unsere astralischen Leiber waren in der Zwischenzeit zwischen Sonnen- und Mondaustritt, also dasjenige, von dem wir uns befreiten. Wir schauen auf die Tiere und sagen: Alles, was die Tiere darstellen an Grausamkeit, an Gefräßigkeit, an allen tierischen Untugenden, neben der Geschicklichkeit, die sie haben, das hätten wir in uns, wenn wir sie nicht hätten aus uns heraussetzen können! - Wir verdanken die Befreiung unseres astralischen Leibes dem Umstande, daß alle gröberen astralischen Eigenschaften zurückgeblieben sind im Tierreich der Erde. Und wir können sagen: Wohl uns, daß wir das nicht mehr in uns haben: die Grausamkeit des Löwen, die List des Fuchses, daß es aus uns herausgezogen ist und außer uns ein selbständiges Dasein führt!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So haben die Tiere das mit uns gemeinschaftlich, was unser astralischer Leib ist, und haben dadurch die Möglichkeit, Schmerzen empfinden zu können. Aber sie haben gerade durch das, was jetzt gesagt worden ist, nicht die Möglichkeit erlangen können, durch den Schmerz und durch die Überwindung des Schmerzes immer höher und höher zu steigen. Denn sie haben keine Individualität. Dadurch sind die Tiere viel, viel übler daran als wir. Wir müssen die Schmerzen ertragen; aber jeder Schmerz ist für uns ein Mittel zur Vervollkommnung; indem wir ihn überwinden, steigen wir höher durch den Schmerz. Die Tiere haben wir zurückgelassen als etwas, was zwar die Schmerzfähigkeit schon hatte, aber noch nicht das, was sie über den Schmerz erheben konnte, wodurch sie den Schmerz überwinden. Das ist das Schicksal der Tiere. Sie zeigen uns unsere eigene Organisation auf der Stufe, da wir schmerzfähig waren, aber noch nicht durch Überwindung den Schmerz ins Heilsame für die Menschheit umwandeln konnten. So haben wir den &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|53}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tieren im Laufe der Erdentwickelung unser schlimmeres Teil gegeben, und sie stehen um uns herum als Wahrzeichen dessen, daß wir zu unserer Vervollkommnung kamen. Wir hätten den Bodensatz nicht los- bekommen, hätten wir nicht die Tiere zurückgelassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Solche Tatsachen müssen wir nicht als Theorien betrachten lernen, sondern mit kosmischem Weltengefühl. Wir müssen hinblicken auf die Tiere mit dem Gefühl: Da draußen seid ihr, Tiere. Wenn ihr leidet, leidet ihr etwas, was uns Menschen zugute kommt.Wir Menschen haben die Möglichkeit, das Leiden zu überwinden; ihr müßt das Leiden er- dulden. Wir aber haben euch das Leiden gelassen - und uns die Überwindung genommen!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn man dieses kosmische Gefühl aus der Theorie entwickelt, wird es zu dem umfassenden Mitgefühl mit der Tierwelt. Wo daher das kosmische Gefühl aus der Urweisheit der Menschheit entsproß, wo die Menschen sich noch bewahrt hatten eine Erinnerung an das Urwissen, das jedem aus dem dämmerhaften Hellsehen sagte, wie die Dinge einst lagen, da hatte man sich damit auch das Mitgefühl für die Tierwelt bewahrt, und da tritt das Mitgefühl für die Tiere in einem hohen Maße hervor. - Dieses Mitgefühl wird wiederkommen, wenn die Menschen sich angewöhnen werden, spirituelle Weisheit aufzunehmen, wenn die Menschen wiederum einsehen werden, wie das Menschheitskarma mit dem Weltenkarma verbunden ist. In den Zeiten, welche sozusagen Zeiten der Verdunkelung waren, in denen das materialistische Denken Platz griff, hat man von diesen Zusammenhängen keine rechte Ahnung haben können. Da blickte man nur auf das, was im Raume nebeneinander ist, ohne zu berücksichtigen, daß dieses, was nebeneinander im Raume ist, einen einheitlichen Ursprung hat und sich nur in der Entwickelung getrennt hat. Und da fühlte man natürlich auch nicht, was die Menschen mit den Tieren verbindet. Und auf allen Gebieten der Erde, wo man die Mission gehabt hat, zu überdecken das Bewußtsein vom Zusammenhange des Menschen mit der Tierwelt, wo an Stelle dieses Bewußtseins nur ein solches getreten ist, das sich auf den äußeren physischen Raum beschränkt, da hat der Mensch den Tieren das, was er ihnen verdankt, in einer eigenartigen Weise vergolten - indem er sie eben aufgegessen hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Diese Dinge zeigen uns aber zugleich, wie Weltanschauungen zu- sammenhängen mit der menschlichen Empfindungs- und Gefühlswelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Empfindungen und Gefühle sind letzten Endes Folgen derWeltanschauungen, und wie sich die Weltanschauungen und Erkenntnisse ändern, so werden sich auch die Empfindungen und Gefühle innerhalb des Menschheitszusammenhanges ändern. Der Mensch konnte nicht anders, als sich höher entwickeln; er mußte andere Wesen in den Abgrund stoßen, um selbst höher zu steigen. Er konnte den Tieren nicht geben eine Individualität, die im Karma ausgleicht, was die Tiere leiden müssen; er konnte ihnen nur den Schmerz überliefern, ohne ihnen die&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
karmische Gesetzmäßigkeit des Ausgleiches geben zu können. Was er ihnen aber früher nicht geben konnte, das wird ihnen der Mensch einst geben,wenn er zur Freiheit und zum Selbstlos-Sein seiner Individualität gekommen ist. Dann wird er - in bewußter Weise - auch auf diesem Gebiet die karmische Gesetzmäßigkeit fassen und wird sagen: Den Tieren verdanke ich, was ich bin. Was ich den einzelnen tierischen Wesen nicht mehr geben kann, welche von einem Einzeldasein in ein Schattendasein hinuntergegangen sind, was ich sozusagen einstmals an den Tieren verschuldet habe, das muß ich jetzt an den Tieren wieder gutmachen durch die Behandlung, welche ich ihnen angedeihen lasse! - Daher wird mit dem Fortschreiten der Entwickelung durch das Bewußtsein der karmischen Verhältnisse auch wieder ein besseres Verhältnis des Menschen zum Tierreich eintreten, als es jetzt, besonders im Abendlande, vorhanden ist. Eine Behandlung der Tiere wird kommen, durch welche der Mensch die Tiere, die er hinuntergestoßen hat, wieder heraufzieht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So sehen wir Karma und Tierreich denn doch in einem gewissen Verhältnis zueinander. Was das Tier als Schicksal erlebt, das können wir, wenn wir nicht alles durcheinanderwerfen wollen, nicht mit dem menschlichen Karma vergleichen. Aber wenn wir die ganze Erdentwikkelung betrachten und was um der Menschheit und ihrer Entwickelung willen geschehen mußte, dann werden wir sehen, daß wir in der Tat von einer Beziehung des Menschheitskarma zu der Tierwelt sprechen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
= DRITTER VORTRAG Hamburg, 18. Mai 1910 =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Solche Betrachtungen, wie wir sie heute und in den allernächstenTagen anzustellen haben, können sehr leicht einem gewissen Mißverständnis unterworfen sein. Wir werden es zu tun haben mit mancherlei Krankheits- und Gesundheitsfragen vom Gesichtspunkte des Karma, und bei der Gegensätzlichkeit unserer heutigen Zeitströmungen gerade auf diesem Gebiete könnte leicht eine mißverständliche Auffassung der geisteswissenschaftlichen Grundlagen Platz greifen,wenn dieses Kapitel - der Zusammenhang von Krankheit und Gesundheit mit dem Karma - berührt wird. Sie wissen ja, daß in den weitesten Kreisen die Diskussion mit ziemlicher Heftigkeit und Leidenschaftlichkeit wogt, wenn Gesundheits- und Krankheitsfragen in Betracht kommen. Es ist Ihnen ja allen bekannt, wie sehr von seiten der Laien sowohl als auch von seiten dieser oder jener Ärzte Partei ergriffen wird gegen das, was man die wissenschaftliche Medizin nennt. Auf der andern Seite kann leicht bemerkt werden, wie die Vertreter der wissenschaftlichen Medizin vielleicht gerade herausgefordert werden durch manchen ungerechten Angriff, so daß sie nicht nur in eine Art von Leidenschaft verfallen, wenn es sich darum handelt - was ihr gutes Recht ist -, einzutreten für das, was die Wissenschaft dazu zu sagen hat, sondern daß von dieser Seite heute auch ein zum Teil recht arger Kampf geführt wird gegen das, was von andern Gesichtspunkten als den in der offiziellen Medizin vertretenen irgendwie gesagt wird über das in Betracht kommende Gebiet. Theosophie oder Geisteswissenschaft wird nur dann ihren hohen Aufgaben gerecht werden können, wenn sie auf einem solchen, von Diskussionen vielfach verdunkelten Gebiet das unbefangene und objektive Urteil wahrt. Wer ähnliche Vorträge von mir gehört hat, wird wissen, wie wenig es mir darum zu tun ist, einzustimmen in den Chor, der heute das, was man als «Schulmedizin» bezeichnet, diskreditieren will.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von einem Einstimmen in diese oder jene Parteirichtung kann bei der Geisteswissenschaft auch nicht im entferntesten die Rede sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es darf vielleicht gerade bei dieser Gelegenheit eiirleitend betont&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|56}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
werden, daß die Leistungen in bezug auf die Tatsachen und tatsächlichen Erforschungen der Erscheinungen gerade auf dem Gebiet des Krankheitswesens und der Gesundheitsfragen der Menschheit in den letzten Jahren und Jahrzehnten wahrhaftig zu ebensolchem Lobreden, Anerkennen und Bewundern herausfordern wie zahlreiche andere naturwissenschaftliche Ergebnisse. Und von dem, was auf diesem Gebiete an Tatsächlichem geleistet worden ist, darf auch gesagt werden: Wenn sich irgend jemand freuen darf über das, was die Medizin in den letzten Jahren geleistet hat, so kann dies gerade die Geisteswissenschaft sein. Auf der andern Seite muß aber auch betont werden, was gerade für die Naturwissenschaft gilt, daß die Errungenschaften und tatsächlichen Erkenntnisse und Entdeckungen zuweilen recht wenig richtige und befriedigende Interpretationen und Erklärungen finden durch das, was heute wissenschaftliche Meinungen sind. Das ist ja das Hervorstechendste in unserer Zeit für viele Gebiete naturwissenschaftlicher Forschung, daß die Meinungen, die Theorien nicht gewachsen sind den zuweilen wunderbaren Tatsachenergebnissen. Und erst das Licht, das von der Geisteswissenschaft ausgeht, wird Klarheit über das bringen, was auf diesem Gebiet in den letzten Jahren errungen worden ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem das vorausgeschickt worden ist, wird es klar sein, daß es sich nicht um irgendwelches Einstimmen in billige Bekämpfung dessen handelt, was auf dem Gebiet der wissenschaftlichen Medizin heute geleistet werden kann. Dann darf aber auch gesagt werden, daß die bewundernswerten Tatsachen, die zutage getreten sind, nicht fruchtbar werden können in unserer Zeit zum Heile der Menschheit, weil auf der andern Seite geradezu materialistisch gefärbte Meinungen und TheorIen diese Fruchtbarkeit verhindern. Daher ist es für die Theosophie viel besser, daß sie anspruchslos das sagt, was sie zu sagen hat, als in irgendeinen Parteikampf einzugreifen. Es werden dadurch viel weniger die Leidenschaften aufgeregt werden, als sie es heute schon sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir überhaupt einen Gesichtspunkt gewinnen wollen zu den Fragen, die uns beschäftigen sollen, dann müssen wir uns damit bekanntmachen, daß die Ursachen zu irgendeiner Erscheinung in der inannigfaltigsten Weise gesucht werden müssen, nähere und entferntere Ursachen, und daß die Theosophie, wenn es sich darum handeln &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|57}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wird, karmische Ursachen zu Gesundheitsfragen zu suchen, es ein wenig zu tun haben wird mit den entfernteren Ursachen, die nicht an der Oberfläche liegen. Machen wir uns das durch einen Vergleich klar. Wenn Sie den Vergleich überdenken, werden Sie schon auf das kommen, was eigentlich gemeint ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen wir an, irgend jemand stehe auf dem Standpunkt, «wie wir es heute so herrlich weit gebracht haben» auf diesem Gebiete, und er verachte ganz die Meinungen, welche in den vergangenen Jahrhunderten über Gesundheit und Krankheit zutage getreten sind. Wenn Sie versuchen, einen Überblick über die Krankheits- und Gesundheitsfragen zu finden, werden Sie den Eindruck bekommen, daß die Darsteller eines solchen Gebietes gewöhnlich das Urteil haben: Was in den letzten zwanzig bis dreißig Jahren auf diesem Gebiete zutage getreten ist, das ist eine Art absoluter Wahrheit, die zwar ergänzt werden kann, aber nie ein solches absprechen des Urteil erfahren kann wie das, welches solche Beurteiler leider selbst abgeben über das meiste, was auf diesem Gebiete vorangegangen ist an menschlichem Sinnen und Trachten. Es wird zum Beispiel häufig gesagt: Wir finden gerade auf diesem Gebiete in den verflossenen Zeiten den krassesten Aberglauben -, und es werden dann recht abschreckende Beispiele angeführt, wie in den verflossenen Jahrhunderten versucht worden sei, dies oder das zu heilen. Insbesondere schlimm findet man, wenn man irgendwo auf Ausdrücke stößt, welche in der damaligen Bedeutung dem heutigen Bewußtsein längst verlorengegangen sind, sich aber dennoch in das heutige Bewußtsein eingeschlichen haben&amp;gt; und mit denen so, wie sie der heutige Mensch denkt, nichts anzufangen ist. So sagen einige: Da gab es Zeiten, in denen man eine jede Krankheit Gott oder dem Teufel zuschrieb! So schlimm, wie es solche Darsteller machen, liegt es deshalb nicht, weil sie nicht wissen, welcher Komplex von Anschauungen bei einem solchen Begriff ~Gott» oder «Teufel» gemeint war. Durch einen Vergleich können wir uns das klarmachen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen wir an, zwei Leute reden miteinander. Da erzählt der eine dem andern: Eben habe ich eine Stube gesehen, die ganz voller Fliegen ist. Nun sagt mir jemand, das sei ganz natürlich; und das glaube ich auch, denn die Stube ist sehr schmutzig, und dadurch finden die&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|58}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fliegen ihr Fortkommen. Es ist ganz erklärlich, daß man das als Grund für das Vorhandensein der Fliegen annimmt, und ich glaube auch, daß derjenige ganz recht hat, der da sagt, die Fliegen werden nicht mehr in der Stube sein, wenn man einmal gründlich reinemacht! - Nun hat aber ein anderer erzählt, daß er noch etwas anderes wüßte, warum so viele Fliegen in dem Zimmer wären; und die Ursache könne er nicht anders ,bezeichnen,als daß in jenem Zimmer seit langem eine grundfaule Hausfrau hause. - Aber nun sieh einmal, was das für ein grenzenloser Aber- glaube ist: daß die Faulheit wie eine Art Persönlichkeit sei, die nur zu winken brauchte, und dann kämen die Fliegen herein! Da ist die andere Erklärung doch richtiger, die das Vorhandensein der Fliegen durch den angehäuften Schmutz erklärt!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nicht viel anders ist es auf einem andern Gebiete, wenn man sagt: Es ist jemand von einer Krankheit befallen, da er eben eine Infektion durch irgendeine Bazillenart erhalten hat; treibt man die Bazillen aus, so Ist die Heilung da. Nun reden aber da noch Leute von irgendeiner geistigen Ursache, die tiefer liege! Man braucht doch nichts anderes zu tun, als die Bazillen fortzutreiben! - Es ist nicht mehrAberglaube, von einer geistigen Ursache zu sprechen bei Erkrankungen, doch alles übrige anzuerkennen, als in dem Falle, wo die Ursache für das Dasein der Fliegen in einer grundfaulen Hausfrau gesehen wird. Und man braucht nicht zu wettern, wenn man sagt: Die Fliegen werden nicht mehr da sein, wenn einmal reinegemacht wird. Nicht darum handelt es sich, daß der eine den andern bekämpft, sondern daß man lernt, sich gegenseitig zu verstehen und einzugehen auf das, was der eine will und was der andere will. Das muß man durchaus berücksichtigen, wenn von den unmittelbar naheliegenden Ursachen mit Recht gesprochen wird und wenn von den entfernteren Ursachen gesprochen wird. Der objektive Theosoph wird sich durchaus nicht auf den Standpunkt stellen, daß die Faulheit nur eine Art von Wink zu geben brauche, damit die Fliegen in das Zimmer kommen; er wird wissen, daß auch andere materielle Dinge dabei in Betracht kommen, daß aber alles, was materiell zum Ausdruck kommt, seine geistigen Hintergründe hat und daß diese geistigen Hintergründe zum Heile der Menschheit gesucht werden müssen. Diejenigen aber, welche in den Kampf gern einstimmen möchten, die sollen &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|59}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
auch daran erinnert werden, daß die geistigen Ursachen nicht immer in derselben Weise aufgefaßt werden dürfen und auch nicht in der gleichen Art bekämpft werden können wie die gewöhnlichen materiellen Ursachen. Und man darf auch nicht denken, daß man durch das Bekämpfen der geistigen Ursachen enthoben wäre der Bekämpfung der materiellen Ursachen; denn sonst könnte man die Stube schmutzig lassen und brauchte nur gegen die Faulheit der Hausfrau zu Felde zu ziehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir nun das Karma betrachten, müssen wir sprechen von Zusammenhängen zwischen Ereignissen, wie sie im Menschenleben eintreten in einer früheren Zeit und wie sie ihre Wirkung auf dasselbe Menschenwesen zeigen in einer späteren Zeit. Wenn wir sprechen von Gesundheit und Krankheit vom Gesichtspunkte des Karma aus, so heißt das nichts anderes als: Wie können wir uns vorstellen, daß der gesunde oder kranke Zustand eines Menschen seine Begründung findet in früheren Taten, Verrichtungen und Erlebnissen dieses Menschen? Und wie können wir uns vorstellen, daß sein gegenwärtiger Gesundheits- oder Krankheitszustand mit zukünftigen Wirkungen, die auf dasselbe esen zurückfallen, im Zusammenhang steht?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am liebsten wird der heutige Mensch überhaupt glauben, daß eine Krankheit mit den allernächsten Ursachen nur im Zusammenhange stehe. Denn der Grundnerv unserer heutigen Weltanschauung auf allen Gebieten ist ja der, daß man Bequemlichkeit sucht; und stehenbleiben bei den allernächsten Ursachen ist eine bequeme Sache. Daher werden gerade in bezug auf Erkrankungen nur die allernächsten Ursachen berücksichtigt - und am meisten geschieht das von den Kranken selbst. Denn wie wäre es zu leugnen, daß die Kranken selbst veranlaßt sind, solche Bequemlichkeit zu üben? Aus diesem Umstande heraus ergibt sich so viel Unzufriedenheit, wenn ein solcher Glaube existiert, die Krankheit müsse die allernächsten Ursachen haben, welche von dem kundigen Arzt gefunden werden müssen; und wenn der Arzt dann nicht helfen kann, hat er irgend etwas verpfuscht. Aus dieser Bequemlichkeit des Urteils gebt vieles von dem hervor, was heute auf diesem Gebiete gesagt wird. Wer Karma in seinen weitverzweigten Wirkungen zu betrachten versteht, der wird immer mehr seinen Blick erweitern von dem, was heute geschieht, zu Ereignissen, die verhältnismäßig sehr &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|60}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
weit zurückliegen. Und er wird vor allen Dingen die Überzeugung gewinnen, daß eine durchgreifende Erkenntnis eines Sachverhaltes, der den Menschen trifft, nur möglich ist, wenn man den Blick erweitern kann über das, was weiter zurückliegt. Insbesondere beim erkrankten Menschen ist das der Fall.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir vom kranken und auch vom gesunden Menschen sprechen, drängt sich uns die Frage auf die Lippen: Wie können wir uns von dem Kranksein überhaupt einen Begriff machen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn die geisteswissenschaftlicheForschung direkt vorgeht und den hellseherischen Blick zu Hilfe nimmt, wird sie immer, wenn es sich um Erkrankungen des Menschen handelt, Unregelmäßigkeiten bemerken, nicht nur im physischen Leibe des Menschen, sondern auch in den höheren Wesensgliedern des Menschen, im Ätherleibe und im astralischen Leibe. Und der hellseherische Forscher wird bei einem Krankheitsfall immer in Betracht ziehen müssen&amp;gt; welches in dem betreffenden Falle der Anteil sein kann des physischen Leibes auf der einen Seite und des Ätherleibes und des astralischen Leibes auf der andern Seite; denn alle drei Wesensglieder des Menschen können an der Erkrankung beteiligt sein. Nun entsteht die Frage: Welche Vorstellungen können wir über das Wie der Krankheit gewinnen? - Dem kommt man am leichtesten bei, wenn man in Betracht zieht, wieweit man den Begriff «Krankheit» überhaupt ausdehnen darf. Diejenigen, die gern in allerlei allegorisch-symbolischen Begriffen sprechen, auch da, wo sie nicht hin- gehören, denen mag es überlassen bleiben, wenn sie auch bei Mineralien oder Metallen von Erkrankungen sprechen, indem sie zum Beispiel sagen, wenn der Rost das Eisen frißt, sei das eine Krankheit des Eisens. Man muß sich dabei nur darüber klar sein, daß man durch solche abstrakten Begriffe zu einem wirklichen gedeihlichen Erfassen des Lebens nicht kommen kann; man kann nur kommen zu einer Art spielerischen Erkenntnis des Lebens, nicht aber zu einem Erkennen, das wirklich eingreift in die Tatsachen.Wer zu einem realen Krankheitsbegriff und auch zu einem realen Gesundheitsbegriff kommen will, muß sich hüten, davon zu sprechen, daß Mineralien und Metalle auch erkranken können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun ist die Sache schon anders, wenn wir ins Pflanzenreich hinaufgehen. Da dürfen wir gewiß von Erkrankungen der Pflanzen sprechen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Aber gerade Pflanzenkrankheiten sind für das reale Erfassen der Vorstellung «Krankheit» von einem ganz besonderen Interesse und von ganz besonderer Wichtigkeit. Bei Pflanzen wird man, wenn man wieder nicht spielerisch zu Werke geht, nicht leicht sprechen können von inneren Krankheitsursachen. In demselben Maße,wie man bei Tier und Mensch von inneren Krankheitsursachen sprechen kann, kann man bei Pflanzen nicht davon sprechen. Die Erkrankungen im Pflanzenreiche werden Sie immer zurückzuführen haben auf äußere Veranlassungen, auf diese oder jene schädlichen Einflüsse des Bodens, ungenügende Belichtungen, auf diese oder jene Wirkungen des Windes und auf sonstige elementare und Naturwirkungen. Oder Sie werden solche Erkrankungen von Pflanzen zurückzuführen haben auf Einflüsse von Parasiten, die sich an die Pflanzen heranmachen und sie schädigen. Und wir werden innerhalb des Pflanzen reiches mit Recht davon sprechen, daß der Begriff «innere Krankheitsursache» im Grunde gar keine Berechtigung hat. - Es ist natürlich nicht möglich, da ich nicht ein halbes Jahr über dieses Thema sprechen kann, daß ich mit unzähligen Belegen versehe, was ich jetzt angedeutet habe. Aber je tiefer wir in die Pflanzenpathologie eindringen, desto mehr werden wir sehen, daß von dem Begriff «innere Krankheitsursache» bei den Pflanzen nicht die Rede sein kann, sondern daß es sich da um äußere Veranlassungen und Schädigungen, um äußere Einflüsse handelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun haben wir in der Pflanze, wie sie uns zunächst in der äußeren Welt entgegentritt, ein Wesen vor uns, das uns ein Gefüge von einem physischen Leibe und einem Atherleibe zeigt. Und wir haben damit zugleich ein Wesen vor uns, das uns sozusagen aufmerksam darauf macht, daß ein solches Wesen mit physischem Leib und Ätherleib im Grunde dem Prinzip nach gesund ist und daß es warten muß, bis es eine äußere Schädigung erfährt, wenn es krank werden soll. Damit stimmt auch durchaus der geisteswissenschaftliche Tatbestand.Während wir durch die Methoden der hellseherischen Forschung im Tier- und Menschenreich bei Erkrankungen ganz entschieden im Inneren des Wesens - in den übersinnlichen Teilen - Veränderungen erblicken, können wir innerhalb einer erkrankten Pflanze niemals davon sprechen, daß der ursprüngliche Ätherleib selber verändert wäre, sondern nur &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|62}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
davon, daß sich von außen allerlei Störungen und schädliche Einflüsse in den physischen Leib und namentlich in den Ätherleib hineingedrängt haben. Der geisteswissenschaftliche Tatbestand rechtfertigt durchaus das, was wir als allgemeinen Schluß gewinnen: daß in dem, was bei den Pflanzen in Betracht kommt - nämlich physischer Leib und Ätherleib -, etwas ursprünglich Gesundes vorliegt. Aber etwas anderes ist es, wie die Pflanze imstande ist, wenn sie äußere Schädigungen erfährt, alles mögliche aufzuwenden, um in Wachstum und Entwickelung sich gegen die Schädigungen zu wehren, sich zu heilen. Beobachten Sie einmal, wenn Sie eine Pflanze anschneiden, wie sie versucht, die beschädigte Stelle zu umwachsen, zu umgehen, was ihr da im Wege liegt und sie schädigt. Und wir können es fast mit Händen greifen,wie in der Pflanze eine innere Abwehr, eine Heilkraft vorhanden ist, wenn eine äußere Schädigung eintritt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So sehen wir, daß wir in dem Ätherleib und physischen Leib der Pflanze etwas vor uns haben, was imstande ist, mit inneren Heilkräften zu antworten auf äußere Schädigungen. Das ist eine außerordentlich wichtige Tatsache, wenn man auf diesem Gebiete zur Klarheit kommen will. Ein Wesen wie die Pflanze mit physischem Leibe und Ätherleib zeigt uns also nicht nur, daß der physische Leib und der Ätherleib ursprünglich Prinzipien der Gesundheit in sich haben, soviel notwendig ist zur Entwickelung und zum Wachstum des betreffenden Wesens, sondern es zeigt uns ein solches Wesen sogar, daß ein Überschuß vorhanden ist von solchen Kräften, die sich in den Heilkräften ausleben können, wenn von außen Schädigungen kommen. - Woher müssen denn diese Heilkräfte stammen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn Sie in einen bloß physischen Körper hineinschneiden, wird die Schädigung bleiben. Er wird aus sich heraus nichts tun können, um die Schädigung sozusagen zu heilen. Deshalb können wir bei einem bloß physischen Körper nicht von einer Erkrankung sprechen, und am wenigsten davon,daß Krankheit und Heilung in Beziehung zueinander stehen können. Das können wir am besten sehen, wenn eine Krankheit bei einer Pflanze zutage tritt. Da haben wir das Prinzip der inneren Heilkraft zu suchen im Ätherleibe. Das zeigt wiederum im eminentesten Maße der geisteswissenschaftliche Tatbestand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
davon, daß sich von außen allerlei Störungen und schädliche Einflüsse in den physischen Leib und namentlich in denÄtherleib hineingedrängt haben. Der geisteswissenschaftliche Tatbestand rechtfertigt durchaus das, was wir als allgemeinen Schluß gewinnen: daß in dem, was bei den Pflanzen in Betracht kommt - nämlich physischer Leib und Ätherleib -, etwas ursprünglich Gesundes vorliegt. Aber etwas anderes ist es, wie die Pflanze imstande ist, wenn sie äußere Schädigungen erfährt, alles mögliche aufzuwenden, um in Wachstum und Entwickelung sich gegen die Schädigungen zu wehren, sich zu heilen. Beobachten Sie einmal, wenn Sie eine Pflanze anschneiden, wie sie versucht, die beschädigte Stelle zu umwachsen, zu umgehen, was ihr da im Wege liegt und sie schädigt.Und wir können es fast mit Händen greifen,wie in der Pflanze eine innere Abwehr, eine Heilkraft vorhanden ist, wenn eine äußere Schädigung eintritt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So sehen wir, daß wir in dem Ätherleib und physischen Leib der Pflanze etwas vor uns haben, was imstande ist, mit inneren Heilkräften zu antworten auf äußere Schädigungen. Das ist eine außerordentlich wichtige Tatsache, wenn man auf diesem Gebiete zur Klarheit kommen will. Ein Wesen wie die Pflanze mit physischem Leibe und Ätherleib zeigt uns also nicht nur, daß der physische Leib und der Ätherleib ursprünglich Prinzipien der Gesundheit in sich haben, soviel notwendig ist zur Entwickelung und zum Wachstum des betreffenden Wesens, sondern es zeigt uns ein solches Wesen sogar, daß ein Überschuß vorhanden ist von solchen Kräften, die sich in den Heilkräften ausleben können, wenn von außen Schädigungen kommen. - Woher müssen denn diese Heilkräfte stammen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn Sie in einen bloß physischen Körper hineinschneiden, wird die Schädigung bleiben. Er wird aus sich heraus nichts tun können, um die Schädigung sozusagen zu heilen. Deshalb können wir bei einem bloß physischen Körper nicht von einer Erkrankung sprechen, und am wenigsten davon, daß Krankheit und Heilung in Beziehung zueinander stehen können. Das können wir am besten sehen, wenn eine Krankheit bei einer Pflanze zutage tritt. Da haben wir das Prinzip der inneren Heilkraft zu suchen im Ätherleibe. Das zeigt wiederum im eminentesten Maße der geisteswissenschaftliche Tatbestand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|63}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denn um die Wunde einer Pflanze herum beginnt der Ätherleib der Pflanze ein viel regeres Leben, als er vorher dort entfaltete. Er bringt ganz andere Formen aus sich heraus, entwickelt ganz andere Strömungen. Das ist das außerordentlich Interessante, daß wir geradezu älen Ätherieib der Pflanze herausfordern zu einer erhöhten Tätigkeit, wenn wir der Pflanze in bezug auf den physischen Leib eine Schädigung bei- bringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit haben wir zwar nicht den Begriff der Krankheit definiert; aber wir haben etwas getan, um zum Wie der Krankheit zu kommen, und wir haben etwas erreicht, was uns eine Ahnung verschafft über das innere Wie der Heilung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt gehen wir einmal - immer am Leitfaden der inneren, hellseherischen Beobachtung - weiter und versuchen wir, die äußeren Erscheinungen vernunftgemäß zu begreifen, zu denen uns die Geisteswissenschaft führt. Dann können wir jetzt aufsteigen von den Schädigungen, welche wir Pflanzen beibringen, zu gewissen Schädigungen, welche wir Tieren beibringen, die also Wesen sind, die schon einen astralischen Leib haben. Wenn wir da im groben Sinne zu Werke gehen, so werden wir sehen, daß wir bei den höheren Tieren verhältnismäßig sehr wenig - und immer weniger, je höher das Tier steht - von dem erblicken können, was bei den Pflanzen in umfassendem Maße hervortritt: nämlich jenes Antworten des Ätherleibes auf äußere Schädigungen. Wenn wir grobe Schädigungen dem physischen Leibe eines niederen oder auch eines höheren Säugetieres beibringen, reißen wir zum Beispiel einem Hunde ein Bein aus oder dergleichen, dann werden wir finden, daß der Ätherleib des Hundes nicht so leicht mit seiner Heilkraft antworten kann, wie der Atherleib der Pflanze antwortet auf eine Schädigung, die in ahnlicherWeise der Pflanze zugefügt worden ist. Aber auch im Tierreich ist das noch in großem Maße zu sehen. - Nehmen wir an, wir steigen hinunter bis zu ganz niedrigen tierischen Wesen, zu den Tritonen oder ähnlichen. Solche niederen Tierwesen können Sie zerschneiden; schneiden wir einem solchenWesen gewisse Organe ab, so ist das, könnte man sagen, dem Tiere gar nicht besonders unangenehm. Die Organe wachsen mit großer Schnelligkeit wieder nach, und das Tier sieht bald wieder so aus wie früher. Da ist etwas Ähnliches wie bei der Pflanze &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|64}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
geschehen: Wir haben eine gewisse Heilkraft im Ätherleibe herausgefordert. Wer würde leugnen, daß die Herausforderung, Heilkräfte im Ätherleib zu entwickeln, beim Menschen oder beim höheren Tier eine erhebliche Gefährdung der Gesundheit bedeuten würde? Das niedere Tier dagegen wird in seinem Ätherleibe nur herausgefordert, ein an- deres Glied aus seinem Inneren durch seinen Ätherleib herauswachsen zu lassen. Nun steigen wir etwas weiter hinauf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir jetzt zum Beispiel bei Krebsen ein Glied abschneiden, so sind die Krebse nicht sogleich imstande, ein anderes Glied aus sich her- auswachsen zu lassen. Aber wenn sie sich das nächste Mal häuten,wenn sie bei der nächsten Übergangsstufe ihres Lebens ankommen, dann schon treibt für das abgebrochene Glied ein Stumpf heraus; beim zweitenmal wird er schon größer sein, und wenn sich das Tier genügend oft häuten würde, so würde das Glied ersetzt werden durch ein neues. - Da haben Sie die Erscheinung, daß in solchem Ätherleib schon mehr dazu gehört, damit die innere Heilkraft herausgefordert wird. Und bei den höheren Tieren ist das nun gar nicht mehr in diesem Maße der Fall. Wenn wirein höheres Tier verstümmeln, kann es zunächst nicht diese Heilkraft aus seinem Ätherleibe heraus aufbringen. Aber es muß immer wieder betont werden,was heute in einen bedeutsamen naturwissenschaftlichen Streit hineinspielt: Wenn Sie das Tier verstümmeln, und das Tier hat Nachkommen, so übertragen sich diese Verstümmelungen nicht auf die Nachkommen; die nächste Generation hat wieder die vollen Glieder. Wenn der Ätherleib seine Eigenschaften auf die Nachkommen überträgt,wird er wieder angeregt, einen vollständigen Organismus heraus zusetzen. Beim Tritonen wirkt der Ätherleib noch in demselben Tiere, beim Krebs erst in der Häutung; bei den höheren Tieren tritt dasselbe erst bei den Nachkommen ein; da ersetzt der Ätherleib,was in der vor hergehenden Generation verstümmelt worden ist. Wir müssen also solche Erscheinungen in der Natur gradweise betrachten, dann wird es uns klarwerden, daß selbst dann noch von einer Heilkraft im Ätherleibe gesprochen werden muß, wenn die Vererbungen von den Vorfahren auf die Nachkommen gehen, und daß der Ätherleib sich so vererbt, daß er wieder das ganze, ungeteilte Tier hervorbringt. Da haben Sie sozusagen ein Aufsuchen des Wie der Heilkräfte im Ätherleib.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|65}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun können wir die Frage aufwerfen:Woran liegt es denn, je weiter wir in der Tierreihe hinaufsteigen - und wenn wir das Menschen reich äußerlich betrachten, gilt das auch -, daß der Ätherleib immer mehr Anstrengungen machen muß, um überhaupt die Heilkräfte herauszubekommen? - Das liegt daran, daß der Ätherleib in der verschiedensten Weise mit dem physischen Leibe verbunden sein kann. Es gibt zwischen dem physischen Leibe und dem Ätherleibe sozusagen eine innigere Gemeinschaft und eine losere. Nehmen wir zum Beispiel ein niederes Tier, den Triton, bei dem ein abgeschnittenes Glied sich sogleich wieder ansetzt. Da müssen wir eine lose Verbindung annehmen zwischen Ätherleib und physischem Leib. Und in noch höherem Maße gilt das bei der Pflanzenwelt. Da müssen wir sagen: Die Verbindung ist eine derartige, daß der physische Leib nicht imstande ist, auch auf den Ätherleib zurückzuwirken, so daß der Ätherleib ungeschoren bleibt durch das, was im physischen Leibe geschieht, und daß der Ätherleib in gewisser Beziehung unabhängig ist vom physischen Leibe. Nun ist das Wesen des Ätherleibes das des Tätigseins, des Hervorbringens, des Wachstumförderns. Er fördert das Wachstum bis zu einer bestimmten Grenze. In dem Augenblick, da wir bei Pflanzen oder niederen Tieren ein Glied abschneiden, ist der Ätherleib gleich wieder bereit, das Glied zu ergänzen, das heißt, die volle Tätigkeit zu entfalten. Was muß aber vorliegen, wenn er die volle Tätigkeit nicht entfalten kann? Dann müßte er mehr gebunden sein an die Tätigkeit des betreffenden Gliedes. Und&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
das ist in der Tat bei den höheren Tieren der Fall. Da ist eine viel innigere, dichtereVerbindung zwischen Ätherleib und physischem Leib vorhanden. Wenn der physische Leib seine Formen ausbildet, wirken diese Formen - also was in der physischen Natur ist - wieder zurück auf den Ätherleib.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir anschaulich sprechen wollen: Bei ganz niederen Tieren oder bei Pflanzen wirkt das, was draußen ist, nicht zurück auf den Atherleib, läßt ihn ungeschoren, führt ein selbständiges Dasein. Sobald wir zu höheren Tieren kommen, drängen die Formen des physischen Leibes rückwärts sich dem Ätherleibe auf; da ist der Ätherleib ganz angepaßt dem physischen Leibe, und wir verletzen mit dem physischen Leibe zugleich den Ätherleib. Dann muß natürlich derÄtherleib tiefere &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|66}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kräfte anwenden, weil er zuerst sich selber wieder herstellen muß - und dann erst die betreffenden Gliedmaßen. Daher müssen wir an tiefere Heilkräfte appellieren,wenn wir an denÄtherleib eines höheren Tieres herangehen. Womit hängt das aber zusammen? Warum ist der Ätherleib eines höheren Tieres so abhängig von den Formen des physischen Leibes?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Je weiter wir in der Tierreihe vorschreiten, um so mehr haben wir zu berücksichtigen nicht nur die Tätigkeit des physischen Leibes und des Ätherleibes, sondern auch die des astralischen Leibes. Der astralische Leib kommt bei den niederen Tieren in seiner Wirksamkeit noch außerordentlich wenig in Betracht. Daher haben die niederen Tiere noch so viel Pflanzenähnliches. Je höher wir hinaufsteigen, desto mehr kommt der astralische Leib in Betracht. Der wirkt aber nun so, daß er den Ätherleib von sich abhängig macht. EinWesen wie die Pflanze, das nur physischen Leib und Ätherleib hat, hat mit der Außenwelt wenig zu tun; es werden Reize ausgeübt, aber die drücken sich nicht aus in inneren Vorgängen. Wo dagegen ein astralischer Leib wirksam ist, da spiegeln sich die äußeren Eindrücke in inneren Vorgängen. Ein Wesen, das den astralischen Leib nicht wirksam hat, ist innerlich mehr abgeschlossen der Außenwelt gegenüber. Es öffnet sich ein Wesen um so mehr der Außenwelt, als der astralische Leib wirksam ist. Also verbindet der astralische Leib das Innere eines Wesens mit der Außenwelt. Die zunehmende Wirksamkeit des astralischen Leibes macht, daß der Ätherleib viel stärkere Kräfte aufwenden muß, um auftretende Schädigungen wieder auszugleichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir aber jetzt hinaufsteigen vom Tier zum Menschen, ist noch etwas anderes zu berücksichtigen. Da werden in diesen astralischen Leib nicht nur hineingeprägt, hineingetragen die vorgeschriebenen Verrichtungen, wie es mehr beim Tiere der Fall ist: das Tier lebt mehr mit einer gebundenen Marschroute, lebt mehr mit einem gebundenen Lebensprogramm. Sie werden nicht leicht beim Tiere davon sprechen können, daß es in besonderem Maße gegenüber seinen Instinkten ausschwcifend wäre oder sich mehr in seinen Instinkten der Mäßigkeit hingeben könne. Es folgt seinem Lebensprogramm. Was sich beim Tier ausdrückt, ist einer Art von typischem Programm unterworfen. Der &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|67}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mensch aber ist in der Lage, gerade dadurch, daß er höher hinaufgestiegen ist in der Stufenleiter der Entwickelung, alle möglichen Unterschiede - zwischen Richtig und Unrichtig, Wahrheit und Lüge, Gut und Böse - auszuleben. In der verschiedensten Weise kommt er durch nur individuelle Anlässe mit der Außenwelt in Berührung. Alle diese Arten von Berührungen fallen zurück, machen Eindruck auf seinen astralischen Leib. Und die Folge ist, daß auch die Wechselwirkung zwischen astralischem Leib und Ätherleib jetzt nach diesen äußeren Erlebnissen ausfallen muß. Wenn also ein Mensch in irgendeiner Beziehung ein ausschweifendes Leben führt, so bedeutet das einen Eindruck auf seinen astralischen Leib. Wir haben aber gesehen, daß der astralische Leib wieder den Ätherleib beeinflußt - wie, das wird ab- hängen von dem, was in den astralischen Leib hineingelegt worden ist. Daher werden wir jetzt verstehen können, daß der Ätherleib des Menschen geändert wird, je nachdem der Mensch dieses oder jenes Leben führt in den Grenzen von Gut und Böse, Richtig oder Unrichtig, von Wahrheit oder Lüge und so weiter. Das übt einen Einfluß auf den Ätherleib des Menschen aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun erinnern wir uns, wie die Vorgänge sind, wenn der Mensch durch die Pforte des Todes tritt. Wir wissen, daß der physische Leib abgelegt wird und daß zurückbleibt der Ätherleib, der nun mit dem astralischen Leib und dem Ich verbunden ist.Wenn nun nach dem Tode eine Zeit vergangen ist, die sich nur nach Tagen bemißt, wird das Hauptsächlichste des Ätherleibes als ein zweiter Leichnam abgeworfen; es bleibt jedoch ein Extrakt des Ätherleibes zurück, der mitgenommen wird und erhalten bleibt für alle kommenden Zeiten. In diesem Extrakt des Ätherleibes ist nun alles wie in einer Essenz darinnen, was im Leben hineingekommen ist zum Beispiel von einem ausschweifenden Leben, oder was der Mensch aufgenommen hat als das Ergebnis eines richtigen oder unrichtigen Denkens, Handelns und Fühlens. Das enthält der Ätherleib, und das nimmt der Mensch mit in die Zeit bis zur neuen Geburt. Weil das Tier solche Erlebnisse überhaupt nicht hat, kann es natürlich nichts in derselbenWciöse hinter die Pforte des Todes hinüberbringen. Wenn nun der Mensch wieder durch eine Geburt ins Dasein tritt, ist die Essenz seines früheren Ätherleibes etwas, was sich wieder &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
hineinergießt in seinen neuen Ätherleib, was den neuen Ätherleib beim Aufbau durchdringt. Daher hat der Mensch in seinem neuen Dasein im Ätherleib darinnen die Ergebnisse dessen, wie er im früheren Leben gelebt hat. Und da der Ätherleib der Auferbauer ist einer ganz neuen Organisation nach einer neuen Geburt, so prägt sich das jetzt alles auch in seinen physischen Leib hinein. Warum kann sich das in den physischen Leib hineinprägen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die geisteswissenschaftliche Forschung zeigt uns, daß wir in der Form eines Menschenleibes, der durch die Geburt ins Dasein tritt, ungefähr sehen können, welche Taten der Mensch in einem früheren Leben verrichtet hat. Aber werden wir auch eine ganz vernunftgemäße Erklärung finden für das, was sich uns dargestellt hat als abnehmende Heilkraft in der aufsteigenden Entwickelungsreihe der Tiere? Da wir bei einem Tiere nicht-davon sprechen können, daß es bei seiner Geburt eine wiederverkörperte Individualität aus einem früheren Erdendasein mitbringt, so werden wir nur den allgemeinen astralischen Leib dieser Tiergattung wirksam finden, und der wird bei diesem Tier die Heilkräfte des Ätherleibes beschränken. Beim Menschen aber finden wir, daß nicht nur sein astralischer Leib, sondern auch sein Ätherleib imprägniert ist mit den Ergebnissen der Taten des vorhergehenden Lebens. Und weil der Ätherleib für sich die Kraft hat, das hervorzubringen, was er von früher her in sich hat, so werden wir auch begreifen, daß er, wenn jetzt eine andere Kraft in ihm auftritt, auch imstande sein wird, in den ganzen Aufbau der Organisation das hineinzulegen, was er aus früheren Verkörperungen sich mitbringt. Und wir werden j`etzt verstehen, wie hinüberw`irken können unsere Taten aus einem Leben in unseren Gesundheitszustand in dem nächsten Leben und wie wir in unserem Gesundheitszustande vielfach eine karmische Wirkung unserer Taten aus einem vorhergehenden Leben zu suchen haben. Wir können aber noch auf eine andere Weise der Sache beikommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir können fragen: Wirkt nun alles, was wir in dem Leben zwischen Geburt und Tod verrichten, in gleicher Art zurück auf unseren Ätherleib? - Schon im gewöhnlichen Leben können Sie einen gewaltigen Unterschied wahrnehmen zwischen dem Zurückwirken dessen, was wir als bewußte Menschen erleben, und mancherlei andern Erlebnissen auf &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
unsere eigentliche innere Organisation. Da ergibt sich eine höchst interessante Tatsache, die durch die Geisteswissenschaft so recht aufgeklärt werden kann, die aber auch ganz vernunftgemäß zu begreifen ist. Der Mensch hat im Verlaufe seines Lebens eine ganze Summe von Erlebnissen, welche er bewußt aufnimmt und mit seinem Ich verbindet. Die werden in ihm zu Vorstellungen, und er verarbeitet diese Vorstellungen. Aber nun besinnen Sie sich einmal, wie unendlich viele Erlebnisse, Erfahrungen und Eindrücke es gar nicht bis zur Vorstellung bringen und eigentlich doch im Grunde beim Menschen da sind und auf ihn wirken. Es wird Ihnen oft passieren, daß Ihnen jemand sagt: Ich habe dich heute auf der Straße gesehen; du hast mich sogar angeschaut! - und Sie wissen gar nichts davon. So ist es vielfach. Eindruck hat so etwas natürlich gemacht. Ihr Auge hat zwar den andern gesehen; aber der unmittelbare Eindruck ist nicht bis zur Vorstellung gekommen. - Solcher Eindrücke gibt es unzählige, sodaß unser Leben eigentlich in zwei Teile zerfällt: in eine solche Lebensseelenreihe, welche aus bewußten Vorstellungen besteht, und in eine solche, welche wir niemals ganz zum klaren Bewußtsein gebracht haben. Aber es sind noch weitere Unterschiede: Sie werden leicht unterscheiden können zwischen solchen Eindrücken, die Sie in Ihrem Leben gehabt haben und die für Sie zu erinnern sind, also Eindrücke, die so auf Sie gemacht worden sind, daß sie immer in die Erinnerung hineinfallen können; und Sie werden solche Eindrücke gehabt haben, an welche Sie sich nicht erinnern können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also unser Seelen leben zerfällt in ganz verschiedene Kategorien. Und es ist tatsächlich ein ganz beträchtlicher Unterschied zwischen den verschiedenen Kategorien, wenn wir die Wirkung auf das innere Wesen des Menschen betrachten. - Bleiben wir jetzt für ein paar Minuten beim Leben des Menschen zwischen Geburt und Tod. Wenn wir da genau beobachten, zeigt sich uns, daß ein gewaltiger Unterschied ist zwischen denjenigen Vorstellungen, die immer wieder in unser Bewußtsein hineinfallen können, und solchen, die wieder vergessen worden sind, so daß sie eine Erinnerungsfähigkeit nicht eigentlich entwickelt haben. Dieser Unterschied kann am leichtesten durch folgendes klargemacht werden. Denken Sie einen Eindruck, der bei Ihnen eine klare Vorstellung hervorrief. Nehmen wir an, es sei ein Eindruck, der in Ihnen &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|70}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Freude oder Schmerz erregte&amp;gt; also ein Eindruck, der von einem Gefühl begleitet war. Halten wir das fest, daß die meisten Eindrücke - eigentlich alle Eindrücke, die auf uns gemacht werden - von Gefühlen begleitet sind. Und die Gefühle drücken sich nicht nur an der bewußten Oberfläche des Lebens aus, sondern sie wirken tief hinein bis in den physischen Leib. Sie brauchen nur daran wieder zu denken, wie ein Eindruck Sie erblassen läßt, ein anderer Sie erröten macht. Bis in die Umlagerung des Blutes wirken da die Eindrücke. Und nun gehen Sie über zu dem, was entweder überhaupt nicht oder nur flüchtig zum Bewußtsein kommt - und es nicht bis zur Erinnerung bringt. Da zeigt uns die Geisteswissenschaft, daß solche Eindrücke keineswegs weniger von ähnlichen Erregungen begleitet sind als die bewußten. Wenn Sie einen Eindruck empfangen von der Außenwelt, der, wenn Sie ihn bewußt empfangen hätten, Sie erschreckt hätte, daß vielleicht Ihr Herz gepocht hätte, so bleibt derselbe Eindruck, wenn er nicht bewußt wird, doch nicht ohne Wirkung. Er macht aber nicht nur einen Eindruck, sondern er geht auch bis in den physischen Leib. Es tritt da sogar das Eigentümliche auf, daß ein Eindruck, der eine bewußte Vorstellung hervorruft, eine Art von Widerstand findet beim Hinein wirken in die tiefere menschliche Organisation; wenn aber der Eindruck auf uns einfach wirkt, ohne daß wir es zur bewußten Vorstellung bringen, dann hemmt ihn nichts, aber er ist deshalb nicht weniger wirksam. Es ist das menschliche Leben ein viel reicheres als das, was uns davon bewußt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt eine Zeit im menschlichen Leben, wo solche Eindrücke, die so lebendig auf die menschliche Organisation wirken und keine Erinnerungsfähigkeit haben, in besonders reichem Maße erlebt werden. In der ganzen Zeit von der Geburt bis zu dem Zeitpunkt, an dem die Erinnerung beginnt, sind unzählige reiche Eindrücke auf den Menschen gemacht worden, welche alle im Menschen drinnensitzen und auch in dieser Zeit den Menschen verändert haben. Sie wirken ebenso wie die bewußten Eindrücke; aber ihnen steht, besonders wenn sie vergessen sind, nichts entgegen von dem, was sich sonst einordnet in das Seelen- leben als bewußte Vorstellungen und dadurch gleichsam einen Damm bildet. Und diese unbewußten Eindrücke dringen am allertiefsten. Nun kann man schon durch das äußere Leben vielfach die Bestätigung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|71}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
finden, daß es Momente im menschlichen Leben gibt, wo die zweite Sorte von inneren Wirkungen zum Ausdruck kommt. Manche Ereignisse des späteren Menschenlebens können Sie sich nicht erklären. Sie finden gar nicht, wie Sie dazu kommen, gerade in dieser Weise jetzt dieses oder jenes erleben zu müssen. Sie erleben zum Beispiel etwas, das macht auf Sie einen so erschütternden Eindruck, daß Sie sich gar nicht erklären können, wie ein verhältnismäßig so gleichgültiges Erlebnis einen so erschütternden Eindruck machen kann. Wenn Sie nun nach- forschen, werden Sie vielleicht finden, daß Sie gerade in der kritischen Zeit - zwischen der Geburt und dem letzten Zeitpunkt, bis zu dem man sich erinnern kann - ein ähnliches Erlebnis hatten, das Sie aber vergessen haben. Keine Vorstellung ist davon zurückgeblieben. Damals hatten Sie einen erschütterndenEindruck gehabt; der lebt fort und verbindet sich mit dem jetzigen und verstärkt ihn. Und was Sie sonst jetzt viel weniger erschüttert hätte, das macht nun einen besonders starken Eindruck. - Wer das einsieht, wird sich eine Vorstellung davon bilden, wie unendlich verantwortungsvoll die Erziehung in der ersten Kindheit ist und wie etwas seine ganz bedeutungsvollen Schatten oder auch Lichter auf das spätere Leben wirft. Da wirkt also etwas vom Früheren hinüber auf das spätere Leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun kann sich herausstellen, daß solche Eindrücke der Kindheit - besonders wenn sie sich wiederholt haben - die ganze Lebensstimmung so beeinflussen, daß von einem gewissen Zeitpunkt an eine Gemütsverstimmung eintritt, die unerklärlich ist und die nur erklärlich wird, wenn man zurückgeht und weiß, welche Eindrücke aus der früheren Zeit ihre Lichter oder Schatten hineinwerfen in das spätere Leben; denn die sind es, die jetzt in einer dauernden Gemütsverstimmung zum Ausdruck kommen. Man wird dann finden, daß die Ereignisse besonders stark wirken, die nicht gleichgültig an dem Kind vorübergegangen sind und die schon damals besonderen Eindruck auf das Kind gemacht haben. - Wir werden also sagen können: Wenn Affekte, Gefühle und Empfindungen besonders mitwirkend sind an den Eindrücken, die später vergessen werden, dann sind diese Affekte und Gefühlsergüsse ganz besonders wirksam in dem Hervortreiben solch ähnlicher Erlebnisse.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun erinnern Sie sich an die Darstellungen, die von mir öfters gegeben&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
worden sind über das Leben während der Kamalokazeit. Nachdem der Ätherleib des Menschen als ein zweiter Leichnam abgelegt worden ist, lebt der Mensch sein ganzes letztes Leben zurück, geht vorüber an allen seinen Erlebnissen, welche er gehabt hat; aber er geht nicht so vorüber, daß sie ihm gleichgültig bleiben. Gerade während der Kamalokazeit, weil der Mensch seinen alten astralischen Leib noch hat, bewirkt das Durchgemachte die tiefsten Gefühlserlebnisse. - Nehmen wir zum Beispiel an, jemand sterbe mit siebzig Jahren, lebe sein Leben zurück bis in sein vierzigstes Jahr, wo er jemandem eine Ohrfeige gegeben hat. Da erlebt er den Schmerz, welchen er dem andern zugefügt hat. Dadurch wird hervorgerufen eine Art Selbstvorwurf; der bleibt dann als Sehnsucht, und diese Sehnsucht bringt er im nächsten Leben mit, um diese Sache im späteren Leben auszugleichen. Und Sie können begreifen, da in dieser Zeit zwischen Tod und neuer Geburt solche astralischen Erlebnisse vorhanden sind, daß dasjenige, was von uns als Handlung erlebt wird, sich um so sicherer und tiefer einprägt unserem inneren Wesen und beim Aufbau der neuen Leiblichkeit mitwirkt.Wenn wir also schon im gewöhnlichen Leben so stark berührt werden können durch gewisse Erlebnisse, besonders wenn es Gefühlseindrücke waren, daß sie eine Gemütsverstimmung bewirken können, so werden wir begreifen, daß die viel stärkeren Eindrücke des Kamalokalebens sich so eindrücken können, daß sie bei einer neuen Inkarnation bis tief in die Organisation des physischen Leibes hineinwirken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da sehen Sie eine Steigerung einer Erscheinung, die Sie bei aufmerk samer Beobachtung schon im Leben zwischen Geburt und Tod finden können. Solche Vorstellungen, denen mit dem Bewußtsein kein Damm entgegengebracht wird, werden schon zu mehr Unregelmäßigkeiten in der Seele führen können: zu Neurasthenie, zu nervenkrankheitsartigen Erscheinungen, vielleicht auch zu Geisteskrankheiten. Alle diese Erscheinungen stellen sich uns dar wie ursächliche Zusammenhänge von früheren mit späteren Ereignissen und geben uns ein anschauliches Bild dafür.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wollen wir jetzt den Begriff steigern, so können wir sagen: Was wir als Handlungen in einem Leben voll führen, das wird im Leben nach dem Tode umgesetzt in einen mächtigen Affekt, und dieser Affekt, der &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
jetzt durch keine physische Vorstellung geschwächt wird und durch kein gewöhnliches Bewußtsein gehemmt ist - denn das Gehirn ist hierbei nicht nötig -, der durch die andere, tiefer hineinwirkende Form des Bewußtseins erlebt wird, bewirkt nun, daß unsere Taten und unser ganzes Wesen vom vorigen Leben in unserer Anlage und Organisation in einem neuen Leben erscheint. Daher werden wir es begreiflich finden können, daß ein Mensch, der in einer Verkörperung sehr egoistisch gedacht, gefühlt und gehandelt hat, wenn er nach dem Tode vor sich sieht die Früchte seines egoistischen Denkens, Fühlens und Handelns, sich durchzieht mit mächtigen Affekten gegen seine früheren Handlungen. Das ist in der Tat der Fall. Er bekommt Tendenzen in sich, die gegen sein eigenes Wesen gerichtet sind. Und diese Tendenzen, insofern sie aus einem egoistischen Wesen des vorigen Lebens hervorgegangen sind, drücken sich aus in einer in sich schwachen Organisation im neuen Leben. «Schwache 0rganisation&amp;gt; ist hier dem Wesen nach genommen, nicht dem äußeren Eindruck nach. Wir müssen uns daher klar sein, daß eine schwache Organisation zurückgeführt werden kann karmisch auf ein egoistisches Handeln in einem vorhergehenden Leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gehen wir weiter. Nehmen wir an, in einem Leben zeige ein Mensch einen besonderen Hang zur Lügenhaftigkeit. Das ist schon ein Hang, der geht aus einer tieferen Organisation der Seele hervor. Denn wenn sich der Mensch nur dem überläßt, was in seinem allerbewußtesten Leben ist, so wird er nicht eigentlich lügen; nur Affekte und Gefühle, welche aus dem Unterbewußtsein heraus wirken, verleiten zum Lügen. Da haben wir schon etwas Tieferes sitzen. Wenn der Mensch lügenhaft war, werden seine Handlungen, die aus der Lügenhaftigkeit hervorgehen, wieder die heftigsten Affekte im Leben nach dem Tode gegen den Menschen selbst erzeugen, und eine starke Tendenz gegen die Lügenhaftigkeit wird sich zeigen. Dann wird sich der Mensch mitbringen im späteren Leben ni,cht nur eine schwache Organisation, sondern - die Geisteswissenschaft zeigt uns das - eine Organisation, die sozusagen unrichtig gebaut ist,-die regellos gebaute innere Organe in der -feineren Organisation zeigt. Es stimmt da etwas nicht recht zusammen. Das ist bedingt durch früheren Hang zur Lügenhaftigkeit. - Und woher ist der Hang zur Lügenhaftigkeit selbst gekommen? Denn &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
in dem Hang zur Lügenhaftigkeit hat der Mensch ja schon etwas, was auch nicht stimmt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da müssen wir noch weiter zurückgehen. Und da zeigt die Geistes- wissenschaft, daß ein flatterhaftes Leben, das keine Hingabe und keine Liebe kennt, daß ein oberflächliches Leben in der einen Verkörperung sich ausdrückt in dem Hang zur Lügenhaftigkeit in der nächsten Verkörperung; und der Hang zur Lügenhaftigkeit zeigt sich in der zweit- nächsten Inkarnation in den unrichtig gebauten Organen. - So können wir drei aufeinanderfolgende Inkarnationen in ihren Wirkungen karmisch verfolgen: Oberflächlichkeit und Flatterhaftigkeit in der ersten Inkarnation, Hang zur Lügenhaftigkeit in der zweiten und physische Krankheitsdisposition in der dritten Inkarnation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da sehen wir Karma an Gesundheit und Krankheit arbeiten. - Was jetzt gesagt worden ist, ist so gesagt, daß die Tatsachen selber heraus- geholt worden sind aus der geisteswissenschaftlichen Forschung. Nicht Theorien sollten aufgestellt werden, sondern es sind beobachtete Fälle, die durch die Methoden der Geisteswissenschaft untersucht werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir haben also zunächst hingewiesen auf die allergewöhnlichsten Tatsachen - auf die Heilkräfte des Ätherleibes bei den Pflanzen. Wir zeigten dann, wie durch das Hinzutreten des astralischen Leibes bei den Tieren der Ätherleib weniger wirksam ist, und wir sahen ferner, wie durch die Aufnahme des Ich, das ein individuelles Leben im Guten und Bösen, Wahren und Falschen entwickelt&amp;gt; der astralische Leib, der mit dem Hinaufsteigen in der Tierreihe die Heilkräfte nur hemmt, wieder etwas Neues dem Menschen einfügt: die aus dem individuellen Leben ihm ein fließenden karmischen Krankheitseinflüsse. Bei der Pflanze gibt es noch keine inneren Krankheitsursachen, weil die Krankheit noch im Äußerlichen ist und die Heilkräfte des Ätherleibes ungeschwächt wirken. Bei den niederen Tieren haben wir noch einen Ätherleib mit solchen Heilkräften, daß er selbst Glieder ersetzen kann; aber je weiter wir hinaufsteigen, desto mehr prägt sich der astralisc`he Leib dem Ätherleib ein, und dadurch schränkt der Astralleib die Heilkräfte des Ätherleibes ein. Aber weil sich die Tiere nicht in Reinkarnationen fortpflanzen, hängt das, was im Ätherleibe ist, nicht zusammen mit irgendwelchen &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|75}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
moralisch-intellektuellen oder individuellen Qualitäten, sondern mit dem allgemeinen Typus. Beim Menschen jedoch wirkt das, was er in seinem Ich erlebt, zwischen Geburt und Tod hinein bis in den Ätherleib.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Warum kommen denn die Erlebnisse der Kindheit bei den genannten Gemütswirkungen nur in leichten Erkrankungen zum Vorschein? Weil wir die Ursachen zu vielem, was sich in Neurasthenie, Neurose, Hysterie und so weiter zeigt, werden finden können in demselben Leben. Die Ursachen zu tieferen Krankheitsfällen aber werden wir zu suchen haben in einem vorhergehenden Leben, weil sich erst beim Übergang zu einer neuen Geburt dasjenige recht in den Ätherleib hineinverpflanzen kann, was moralisch und intellektuell erlebt wird. Im allgemeinen kann der Atherleib beim Menschen tiefere moralische Wirkungen in einem Leben nicht einverleibt erhalten, obwohl wir einzelne&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ausnahmefälle - und sogar sehr bedeutende Fälle - noch kennenlernen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So haben wir einen Zusammenhang zwischen unserem Leben im Guten und Bösen, im Moralischen und Intellektuellen in der einen In karnation, und unserer Gesundheit oder Krankheit in der nächsten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|76}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= VIERTER VORTRAG Hamburg, 19. Mai 1910 =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es darf die Voraussetzung gemacht werden, daß gerade über die beiden Begriffe, welche den Gegenstand unserer heutigen Betrachtung bilden sollen, nämlich Heilbarkeit und Unheilbarkeit vQn Krankheiten, deutlichere und, man kann sagen, menschenfreundlichere Vorstellungen herrschen werden, wenn einmal die Ideen von Karma und karmischen Zusammenhängen im Leben in weiteren Kreisen werden Platz gegriffen haben. Man darf ja sagen, daß in bezug auf die Begriffe Heilbarkeit und Unheilbarkeit von Krankheiten in den verschiedensten Jahrhunderten die verschiedensten Meinungen verbreitet waren. Und man braucht nicht sehr weit zurückzugehen, um zu sehen, wie ungeheuerlich sich diese Begriffe verändert haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da finden wir eine Zeit - sie ist die Wende zwischen dem Mittel- alter und der neueren Zeit, so etwa das 16., 17. Jahrhundert -, da entwickelten sich allmählich die Vorstellungen, daß man die Krankheitsformen in einer strengen Weise eingrenzen könne und daß es eigentlich für eine jede Krankheit irgendein Kräutlein, irgendeine Mixtur gebe, durch welche die betreffende Krankheit unbedingt geheilt werden müsse. Dieser Glaube dauerte im Grunde recht lange, sogar bis in das 19. Jahrhundert hinein. Und wenn man als Laie oder als Mensch, der die heutigen Zeitbegriffe in sich aufgenommen hat, nachlesen wollte in den Mitteilungen von Krankenbehandlungen vom Ende des 18. oder&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dem Beginn des 19. Jahrhunderts und bis weit in das 19. Jahrhundert hinein, so würde man ersIaunen über all die Mittel und Mittelchen, die damals reichlich angewendet worden sind, von Tees, Mixturen bis zu gefährlicheren Arzneien, Aderlässen und so weiter. Aber gerade das 19. Jahrhundert war es, welches in medizinischen Kreisen, und zwar in angesehenen medizinischen Kreisen, diese Ansicht in das genaue Gegenteil verkehrt hat. Und ich darf wohl selbst sagen, daß mir vieles von` diesen gegenteiligen Ansichten während meiner jüngeren Jahre in den verschiedensten Nuancen und Motiven vor Augen getreten ist. Es war die Gelegenheit dazu gegeben, wenn man etwa die Strömung der nihi&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|77}}&lt;br /&gt;
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listischen medizinischen Schule mitmachte, die sich um die Mitte des 19. Jahrhunderts in Wien vorbereitete und eigentlich immer mehr und mehr an Ansehen gewann. Der Ausgangspunkt zu einer radikalen Änderung in bezug auf die Anschauungen über Heilbarkeit und Unheilbarkeit von Krankheiten war das, was der bedeutende Mediziner Dietl über den Verlauf der Lungenentzündung und ähnlicher Krankheiten zutage förderte. Er war durch allerlei Betrachtungen dazu gekommen, sich zu sagen, daß im Grunde gar kein rechter Einfluß von diesem oder jenem Mittel auf den Verlauf dieser oder jener Krankheit zu bemerken sei. Und gerade unter dem Einfluß von Dietls Schule lernten die damaligen jungen Mediziner über den Heilwert der seit Jahrhunderten heraufgekommenen Heilmittel so denken, daß sie auf alle alten Mittel übertrugen, was mit dem bekannten Sprichwort gemeint ist: Kräht der Hahn auf dem Mist, so ändert sich das Wetter, oder es bleibt, wie es ist! - Sie waren der Meinung, daß es ziemlich einerlei sei für den Verlauf einer Krankheit, ob man diese oder jene Mittel verabreiche oder nicht. Und Dietl war einer, der eine für die damalige Zeit recht überzeugende Statistik zustande brachte, die besagte, daß bei der von ihm eingeführten sogenannten abwartenden Behandlungsweise ungefähr ebenso viele Menschen, die an Lungenentzündung erkrankt waren, geheilt wurden oder starben als bei der früheren Behandlung mit den altehrwürdigen Heilmitteln. Die von Dietl begründete, von Skoda weiter fortgeführte abwartende Behandlung bestand darin, daß man den Kranken in die äußere Lebenslage brachte, die ihn instande setzte, die selbstheilenden Kräfte am allerbesten in Anwendung zu bringen, sie hervorzuholen aus seinem Organismus, und dem Arzte wies man kaum eine andere Stellung an, als den Verlauf der Krankheit zu überwachen, damit er da war, wenn irgend etwas eintrat, wo man mit menschlichen Mitteln sachgemäß Hilfe leisten kann. Im übrigen beschränkte man sich darauf, die Krankheit sozusagen kommen zu sehen, abzuwarten, wie die selbstheilenden Kräfte aus dem Organismus herauskamen, bis das Fieber nach einiger Zeit abfiel und die Selbstheilung durch den Organismus eintrat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese medizinische Schule wurde und wird noch heute mit dem Ausdruck der «nihilistischen Schule» belegt, weil sie auf einem Ausspruch &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
von Professor Skoda fußte, der ungefähr sagte: Wir können vielleicht lernen, Krankheiten zu diagnostizieren, sie zu beschreiben, vielleicht auch zu erklären - heilen aber können wir sie nicht! - Ich erzähle Ihnen Dinge, von denen Sie als von Tatsachen, welche sich im Laufe des 19. Jahrhunderts herausgebildet haben, Notiz nehmen sollen, damit Sie eine Empfindung dafür erhalten, wie sich Vorstellungen auf diesem Gebiete geändert haben. Aber es möge niemand glauben, daß, wenn dies oder jenes hier in rein erzählender Form ausgesprochen wird, deshalb gleich in der einen oder andern Weise Partei ergriffen werden soll. Denn selbstverständlich war der Ausspruch des berühmten Professors Skoda eine Art Radikalismus, und es würde leicht sein, die Grenzen, innerhalb welcher ein solcher Ausspruch gilt, aufzuzeigen. Auf eins aber war mit solcher Meinung hingewiesen, ohne daß man eigentlich die Mittel hatte, bewußt diesen Hinweis irgendwie zu begründen oder zu umschreiben oder in Worte zu bringen - ja nicht einmal in Gedanken konnte man ihn bringen; das heißt, man konnte in den Kreisen, in welchen man ihn aussprach, nicht einmal daran gehen, diesen Hinweis zu denken. Es wurde darauf hingewiesen, daß sich allerdings im Menschen etwas finden müsse, was in gewisser Beziehung bestimmend ist für den Ausgang und für den Verlauf einer Krankheit und was als solches im Grunde genommen doch jenseits dessen liegt, was menschliche Hilfe leisten kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es war also der Hinweis auf etwas gegeben, was jenseits der menschlichen Hilfe liegt; und dieser Hinweis kann niemals, wenn man wirklich den Dingen zu Leibe geht, sich auf etwas anderes beziehen als auf das Gesetz von Karma und auf die Wirksamkeit von Karma im Verlaufe des menschlichen Lebens. Wenn wir den Verlauf einer Krankheit im menschlichen Leben verfolgen - das Heraufkommen der Krankheit, die aus dem Organismus selbst hervorsprießenden Heilkräfte -, wenn wir die Heilentwickelung verfolgen, dann werden wir bei unbefangener Betrachtungsweise, besonders wenn wir darauf Rücksicht nehmen, wie in dem einen Falle Heilung eintritt, während in einem andern Falle keine Heilung möglich erscheint, dahin getrieben werden, nach tieferer Gesetzmäßigkeit zu suchen. Darf diese tiefere Gesetzmäßigkeit gesucht werden in den früheren Erdenleben des Menschen? Das ist für uns die Frage. Darf davon gesprochen werden, daß sich der Mensch gewisse &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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Vorbedingungen mitbringt, die ihn geradezu vorausbestimmt machen, in einem besonderen Falle seine Heilkräfte aus dem Organismus aufrufen zu können, die aber in einem andern Falle so vorausbestimmt sind, daß er trotz aller Anstrengungen nicht imstande ist, die Krankheit zu heilen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn Sie sich an das erinnern, was namentlich gestern ausgeführt worden ist, so werden Sie begreifen, daß in den Vorgängen, die sich abspielen zwischen dem Tode und der neuen Geburt, allerdings ganz besondere Kräfte aufgenommen werden in die menschliche Individualität. Haben wir doch gesagt, daß dem Menschen während der Kamalokazeit die Ereignisse seines letzten Lebens, seine von ihm verrichteten Handlungen im Guten und Bösen, seine Charaktereigenschaften und so weiter vor die Seele treten und daß er durch die Anschauung seines eigenen Lebens in sich die Tendenz aufnimmt, für alles, was unvollkommen in ihm ist und was sich als eine unrichtige Handlung gezeigt hat, Abhilfe und Ausgleich zu schaffen, sich die betreffenden Eigenschaften einzuprägen, welche ihn auf diesem oder jenem Gebiete vollkommener machen. Haben wir das begriffen, so können wir sagen: Diese Absicht, diese Tendenz behält nun der Mensch und geht durch eine neue Geburt mit dieser Absicht wieder ins Dasein. - Der Mensch baut aber selbst an dem neuen Leibe, der sich ihm angliedert und ihn umgliedert im neuen Leben, und er baut ihn auf gemäß den Kräften, welche er sich mitgebracht hat aus früheren Lebensläufen und aus der Zeit zwischen Tod und neuer Geburt. Mit diesen Kräften ist er ausgestattet und webt sie hinein in selne neue Körperlichkeit. Damit haben wir begriffen, daß diese neue Körperlichkeit schwach oder stark ist, je nachdem der Mensch schwache oder starke Kräfte in sie hineinweben kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun müssen wir uns aber doch klar sein, daß eine gewisse Folge eintreten wird, wenn zum Beispiel der Mensch während des Kamalokalebens gesehen hat: Du warst im letzten Leben ein Mensch, der viele Handlungen begangen hat unter dem Einflusse seiner Affekte, von Zorn, Furcht, Abscheu und so weiter. - Solche Handlungen stehen nun lebendig vor seiner Seele in der Kamalokazeit, und da bildet sich heraus in dieser Seele der Gedanke - die Ausdrücke, die uns für diese Kräfte erwachsen können sind natürlich für das physische Leben geprägt! -: &lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Du mußt an dir etwas tun, damit du in dieser Beziehung vollkommener wirst, damit du in der Zukunft nicht mehr geneigt bist, Handlungen unter dem Einflusse deiner Affekte zu begehen! - Dieser Gedanke wird ein Bestandteil der menschlichen Seelenindividualität, und beim Durch- gehen durch eine neue Geburt prägt sich dieser Gedanke weiter ein als eine Kraft in den neu entstehenden Leib. Und in diesen fließt dadurch ein die Tendenz, so etwas zu vollführen mit der ganzen Organisation von physischem Leib, Ätherleib und astralischem Leib, was dem Menschen es jetzt unmöglich macht, aus seinen Affekten heraus, aus Zorn, Haß, Neid und so weiter gewisse Handlungen zu begehen, damit er imstande ist, in dieser Beziehung wirklich sich vollkommener zu machen. Und dadurch wird er dazu kommen, neue Handlungen zu vollführen, welche jetzt den Ausgleich früherer Handlungen bewirken können. So läßt der Mensch aus einer seine gewöhnliche Vernünftigkeit weit überragenden Vernünftigkeit die Absicht in sich hinein fließen, die ihn zu einer höheren Vollkommenheit auf einem bestimmten Gebiete und zum Ausgleich bestimmter Handlungen führen kann. -Wenn Sie in Betracht ziehen, wie mannigfaltig das Leben ist, wie der Mensch von Tag zu Tag solche Handlungen vollführt, die einen derartigen Ausgleich erfordern, so werden Sie begreifen, daß viele solcher nach Ausgleich harrender Gedanken in der Seele sind, wenn die Seele durch eine neue Geburt ins Dasein tritt, und daß diese mannigfaltigen Gedanken sich kreuzen, so daß dadurch der menschliche physische Leib und Ätherleib eine Konfiguration erhalten, in welche alle diese Tendenzen hineinverwoben sind. Um uns nun das verständlich zu machen, nehmen wir einen ganz eklatanten Fall an. Gerade heute aber muß ich ganz besonders betonen, was ich auch sonst stets betone: daß ich vermeide, aus irgendeiner Theorie oder Hypothesenmacherei zu sprechen und daß ich, wenn ich Beispiele anführe, nur solche anführe, die von der Geisteswissenschaft wohl geprüft sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen wir an, jemand habe im letzten Leben so gelebt, daß er aus einem viel zu schwachen Ich-Gefühl heraus gewirkt hat, aus einem IchGefühl, welches in der Hingabe an die äußere Welt viel zu weit ging, so weit, daß es mit einer Unselbständigkeit, Selbstverlorenheit wirkte, wie es für unseren heutigen Menschheitszyklus nicht mehr angemessen &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
ist. Also das fehlende Selbstgefühl war es, welches einen Menschen in einer Inkarnation zu diesen oder jenen Handlungen geführt hat. Nun hat er während der Kamalokazeit die Handlungen vor sich gehabt, die aus diesem fehlenden Selbstgefühl herausgeflossen sind. Er nimmt daraus zunächst die Tendenz auf: Du mußt in dir Kräfte entwickeln, welche dein Selbstgefühl erhöhen, du mußt in einer nächsten Inkarnation dir die Gelegenheit schaffen, gegen den Widerstand deiner Leiblichkeit, gegen die Kräfte, welche dir entgegenkommen werden aus physischem Leib, Ätherleib und astralischem Leib, dein Selbstgefühl zu stählen, damit es gleichsam eine Schule durchmacht. Du mußt dir einen Leib anschaffen, der dir zeigt, wie aus der Leiblichkeit heraus die Anlage zu einem schwachen Selbstgefühl wirkt!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was sich dann in der nächsten Inkarnation abspielen wird, wird wenig ins Bewußtsein treten, es wird sich mehr oder weniger in einer unterbewußten Region abspielen. Der Betreffende wird hinstreben zu einer solchen Inkarnation, welche gerade die derbsten Widerstände seinem Selbstgefühl entgegensetzt, so daß er es nötig hat, sein Selbstgefühl im höchsten Maße anzuspannen. Dadurch wird er wie magnetisch hingezogen werden zu solchen Gegenden und solchen Gelegenheiten, wo sich ihm tiefere Hindernisse entgegenstellen, wo sich sein Selbstgefühl ausleben soll gegen die Organisation der drei Leiber. So sonderbar es Ihnen klingen mag: Solche Individualitäten, die mit diesem Karma belastet sind, daß sie in der charakterisierten Weise durch die Geburt ins Dasein hineinstreben, suchen den Zugang zu Gelegenheiten, wo sie zum Beispiel einer Seuche wie der Cholera ausgesetzt sein können; denn diese bietet ihnen Gelegenheit, jene Widerstände, welche eben gekennzeichnet worden sind, zu finden. Was dabei durchzumachen ist im Inneren gegen die Widerstände der drei Leiber in dem Erkrankten&amp;gt; das kann dann bewirken, daß in der nächsten Inkarnation das Selbstgefühl in einem erheblichen Grade gewachsen ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen wir einen andern eklatanten Fall an, und zwar, damit Sie den Zusammenhang durchschauen können, jetzt gerade den entgegengesetzten Fall. Ein Mensch sieht während der Kamalokazeit, daß er unter einem zu starken Selbstgefühl eine Reihe von Handlungen vollführt hat, die aus einem zu starken Auf-sich-selbst-Bauen geflossen &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
sind. Er sieht, daß er sich mäßigen muß in bezug auf sein Selbstgefühl, daß er es zurückdämmen muß. Da muß er wieder eine Gelegenheit aufsuchen, wo ihm in der nächsten Inkarnation seine drei Leiber die Möglichkeit geben, daß das Selbstgefühl überall in der Leiblichkeit - wie es sich auch anstrenge - keine Schranken findet, daß es überall ins Boden- lose hinein und sich selbst ad absurdum führt. Die Bedingungen dazu sind hergestellt, wenn der Betreffende hingezogen wird zu einer Gelegenheit, die ihm die Malaria bringt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da haben Sie einen Krankheitsfall des karmischen Wirkens und sogar den Satz dargelegt, daß im Grunde der Mensch aus einer höheren Vernünftigkeit, als diejenige ist, welche er mit seinem gewöhnlichen Bewußtsein überschauen kann, hingeleitet wird zu den Gelegenheiten, wo er sich im Verlaufe seines Karma weiter fortentwickeln kann. Wenn Sie namentlich die Dinge ins Auge fassen, welche jetzt eben gesagt worden sind, wird es Ihnen sehr erleichtert werden, Verständnis zu gewinnen gerade für das Epidemische bei den Krankheiten. Wir könnten die verschiedensten Beispiele anführen, die uns alle zeigen, wie der Mensch aus den Erfahrungen seiner Kamalokazeit heraus geradezu die Gelegenheiten aufsucht, diese oder jene Krankheit zu bekommen, um durch, ihre Überwindung und durch die Entfaltung der selbstheilenden Kräfte die Kräfte zu gewinnen, welche ihn die Lebensbahn im ganzen hinauf- führen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorhin sagte ich, wenn ein Mensch viel unter dem Einfluß von Affekten gehandelt hat, so wird er in der Kamalokazeit ebenfalls Handlungen durchleben, die unter dem Einfluß von Affekten überhaupt geschehen sind. Das wird ihm die Tendenz geben, in seiner neuen Inkarnation, in seiner eigenen Leiblichkeit so etwas zu erleben, durch dessen Überwindung er Handlungen vollführt, welche ausgleichend wirken können auf gewisse Handlungen seines früheren Lebens. Insbesondere ist es da jene Form der Erkrankung, die wir in der neueren Zeit als Diphtherie kennen, die in vielen Fällen zutage tritt, wenn eine solche karmische Verwicklung vorliegt, wo sich der Betreffende früher in der Weise ausgelebt hat, daß er vielfach aus allerlei Aufwallungen, Affekten und so weiter gehandelt hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir werden im Verlaufe dieser Vorträge noch manches zu hören&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
bekommen darüber, wie diese oder jene Krankheit bedingt ist. Wir müssen aber jetzt auf noch tiefere Grundlagen eingehen, wenn wir uns die Frage beantworten wollen: Wie kommt es, daß, wenn der Mensch durch die Geburt ins Dasein tritt und er sich durch sein Karma dieTendenz mitbringt, durch die Überwindung dieses oder jenes Leidens das eine oder das andere zu erreichen, wie kommt es, daß es ihm einmal gelingt, wirklich Sieger zu sein, die Krankheit zu überwinden und Kräfte in sich aufzunehmen, die ihn höher bringen, während er das andere Mal unterliegt und die Krankheit Sieger bleibt? Da müssen wir auf die geistigen Prinzipien zurückgehen, die überhaupt das Kranksein im Menschenleben möglich machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daß der Mensch überhaupt erkranken kann, daß er geradezu das Kranksein - sogar aus seinem Karma heraus - suchen kann, das kommt zuletzt aus keinen andern Prinzipien heraus als aus denjenigen, die wir schon oft in den verschiedensten Zusammenhängen unserer theosophischen Betrachtungen uns haben vor die Seele treten lassen. - Wir wissen, daß in einem bestimmten Punkte der Erdentwickelung diejenigen Kräfte in die menschliche Entwickelung eingetreten sind, welche wir die luziferischen Kräfte nennen, welche solchen Wesenheiten angehören, die während der alten Mondentwickelung zurückgeblieben sind und nicht so weit vorgeschritten sind, ~daß sie sozusagen an dem normalen Punkt ihrer Erdentwickelung angelangt wären. Dadurch wurde dem astralischen Leibe des Menschen, bevor sein Ich in der entsprechenden Weise wirken konnte, etwas eingepflanzt, was aus diesen luziferischen Wesen herausströmte. Der Einfluß dieser luziferischen Wesenheiten ist daher ein solcher, der vorzugsweise auf unseren astralischen Leib einstmals ausgeübt worden ist und den der Mensch für die Folgezeit durch seine Entwickelung hindurch in seinem astralischen Leib hatte. Dieser luziferische Einfluß bedeutet in der menschlichen Entwickelung mancherlei. Für unseren heutigen Zweck ist es aber wichtig, hervorzuheben, daß der Mensch, indem er die luziferischen Kräfte in sich hatte, in seinem Inneren einen Verführer hatte, weniger gut zu sein, als er gewesen wäre, wenn der luziferische Einfluß nicht gekommen wäre; und ebenso hatte er dadurch einen Einfluß, mehr aus allerlei Affekten, Leidenschaften und Begierden heraus zu handeln und zu ur&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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teilen, als er geurteilt und gehandelt haben würde,wenn der luziferische Einfluß nicht gewirkt hätte. Durch diesen Einfluß wurde des Menschen eigentliche Individualität veranlaßt, anders zu sein, sozusagen mehr hingegeben zu sein an das, was wir die Begierdenwelt nennen können, als es sonst der Fall gewesen wäre. Und dadurch ist es gekommen, daß der Mensch viel tiefer hineinverstrickt worden ist in die physische Erdenwelt, als es sonst geschehen wäre. Der Mensch drängt sich durch den luziferischen Einfluß mehr hinein in seine Leiblichkeit, identifiziert sich mehr mit der Leiblichkeit, als er sie durchdrungen hätte, wenn kein luziferischer Einfluß gekommen wäre. Denn wäre der Einfluß der luziferischenWesenheiten nicht gekommen, so wäre so mancherlei von dem, was den Menschen auf der Erde locken kann, dieses oder jenes zu begehren, nicht gekommen. Der Mensch wäre gleichgültig an den Eindrücken dieser oder jener Lockmittel vorbeigegangen. Durch Luzifers Einfluß entstanden die Verlockungen der äußeren sinnlichen Welt; diese Verlockungen nahm der Mensch in sich auf. Die Individualität, die durch das Ich gegeben war, wurde durchtränkt mit den Wirkungen, die aus dem luziferischen Prinzip heraus kamen. Und so kam es, daß der Mensch bei seinen ersten Erdeninkarnationen auch den ersten Verlockungen des luziferischen Prinzips verfallen war und diese Verlockungen mitnahm in die späteren Leben. Das heißt, daß die Art und Weise, wie der Mensch den Verlockungen des luziferischen Prinzips verfiel, zu einem Bestandteil seines Karma wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn nun der Mensch nur dieses Prinzip in sich aufgenommen hätte, so würde er immer mehr und mehr den Verlockungen der physischen Erdenwelt verfallen sein; er würde sozusagen immer mehr die Aussicht verloren haben, von dieser physischen Erdenwelt wieder loszukommen. Wir wissen, daß der spätere Einfluß - der Christus-Einfluß - dem luziferischen Prinzip entgegengewirkt hat und es gleichsam wieder zum Ausgleich gebracht hat, so daß der Mensch im Laufe seiner Entwickelung wieder Mittel erhalten hat, diesen luziferischen Einfluß aus sich herauszutreiben. Aber mit dem luziferischen Einfluß war zugleich etwas anderes gegeben. Dadurch,daß der Mensch in seinem astralischen Leib den luziferischen Einfluß aufgenommen hatte, erschien ihm auch die ganze äußere Welt, in die er eintrat, ganz anders, als sie ihm erschienen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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wäre, wenn er dem luziferischen Einfluß nicht hingegeben gewesen wäre. Luzifer drang in des Menschen Inneres. Der Mensch sah mit Luzifer im Inneren die Welt um sich herum. Dadurch trübte sich sein Blick für die Erdenwelt, und es mischte sich nun in die äußeren Eindrücke hinein der ahrimanische Einfluß. Nur dadurch konnte sich AhrIman eInmischen und die äußere Welt zur Illusion gestalten, weil wir uns schon früher von innen heraus die Anlage zur Illusion, zu Maja geschaffen hatten. So war der ahrimanische Einfluß, der hineinzog in die äußere Welt, die den Menschen umgab, die Folge des luziferischen Einflusses. Wir können sagen: Der Mensch saugte ein, weil einmal die Iuziferischen Kräfte in ihm waren, die Möglichkeit, sich mehr in die Sinnenwelt zu verstricken, als er sich ohne den luziferischen Einfluß in das sinnliche Erdenleben verstrickt hätte. Dadurch hat er sich aber auch die Möglichkeit geschaffen, mit allen äußeren Wahrnehmungen von außen den ahrimanischen Einfluß einzusaugen. Und so lebt in der menschlichen Individualität, indem sie durch die verschiedenen Erdeninkarnationen hindurchgeht, der luziferische Einfluß, und als das Ergebnis des luziferischen Einflusses der ahrimanische Einfluß. Diese zwei Mächte kämpfen fortwährend in der menschlichen Individualität. Und die menschliche Individualität ist der Schauplatz geworden für den Kampf von Luzifer und Ahriman.&lt;br /&gt;
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Der Mensch ist mit seinem gewöhnlichen Bewußtsein auch heute noch ausgesetzt sowohl den Verlockungen Luzifers, der aus den Leidenschaften und Affekten seines astralischen Leibes heraus wirkt, wie auch den Verlockungen Ahrimans, der durch Irrtümer, Täuschungen in bezug auf die äußere Welt von außen in den Menschen eindringt. Solange nun der Mensch in einer Inkarnation lebt und die Vorstellungen einen Riegel vorschieben, so daß das, was von Luzifer und Ahriman geschieht, nicht tiefer eindringen kann und ein Hindernis findet an den Vorstellungen, so lange bleibe das, was der Mensch tut, dem moralischen oder dem intellektuellen Urteil unterworfen. Solange der Mensch zwischen Geburt und Tod gegen die Moral sündigt, indem er Luzifer folgt, oder sich gegen die Logik und das gesunde Denken versündigt, indem er Ahriman folgt, so lange bleibt das eine Angelegenheit des gewöhnlichen bewußten Seelenlebens. Wenn der Mensch aber durch die Pforte &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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des Todes schreitet, hört das Vorstellungsleben auf, das an das Instrument des Gehirns gebunden ist. Da beginnt eine andere Form des Bewußtseinslebens. Da dringen in der Tat alle die Dinge, welche im Leben zwischen Geburt und Tod dem moralischen oder dem vernünftigen Urteil unterworfen sind, herunter in die Untergründe des menschlichen Wesens und greifen ein in das, was dann nach dem Kamaloka für das nächste Dasein organisierend wirkt und sich hineinprägt in die plastischen Kräfte, die nun die dreifache menschliche Leiblichkeit aufbauen. Da werden Irrtümer, welche aus der Hingabe an Ahriman folgen, zu Krankheitskräften, die vom Ätherleib her den Menschen infizieren,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und Ausschweifungen, also Dinge, welche im Leben dem moralischen Urteil unterworfen sind, werden zu Krankheitsursachen, welche mehr vom astralischen Leib her wirken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dadurch sehen wir, wie in der Tat unsere Irrtümer aus dem Ahrimanischen in uns - und dazu sind auch die bewußten Irrtümer: Lügen, Unwahrheiten zu rechnen - zu Krankheitsursachen werden, wenn wir allerdings nicht bei einer Inkarnation stehenbleiben, sondern die Wirkung einer Inkarnation auf die folgende betrachten; und wir sehen, wie auch die luziferischen Einflüsse zu Krankheitsursachen auf demselben Wege werden. Wir können in der Tat sagen: Wir begehen unsere Irrtümer nicht ungestraft! Wir tragen den Stempel unserer Irrtümer in unserer nächsten Inkarnation an uns, aber wir tun es aus einer höheren Vernünftigkeit heraus, als diejenige unseres gewöhnlichen Lebens ist, aus derjenigen Vernünftigkeit, welche uns während der Zeit zwischen Tod und neuer Geburt anweist, uns so stark und kräftig zu machen, daß wir fernerhin diesenVerlockungen nicht mehr ausgesetzt sind. So reihen sich Krankheiten sogar ein als mächtige Erzieher in unser Leben. -Wenn wir Krankheiten so betrachten, können wir förmlich sehen, wie bei der Ausbildung einer Krankheit entweder luziferische oder ahrimanische Einflüsse wirksam sind. Wenn einmal diese Dinge werden durchschaut werden von denen, die unter dem Einfluß der geisteswissenschaftlichen Weltanschauung Heiler sein werden, dann werden die Einflüsse dieser Heiler auf den menschlichen Organismus viel intimere sein, als sie heute sein können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir können geradezu in diesem Sinne den Organismus gewisser&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Krankheitsformen durchschauen. Nehmen wir zum Beispiel eine solche Krankheit wie die Lungenentzündung. Sie ist eine Wirkung in der karmischen Folge, welche dadurch entsteht, daß der Betreffende während seiner Kamalokazeit zurückblicken kann auf einen Charakter, der in sich hatte Hang und Neigung zu sinnlichen Ausschweifungen, der in sich hatte sozusagen ein Bedürfnis, sinnlich zu leben. Verwechseln wir ja nicht, was jetzt einem früheren Bewußtsein zugeschrieben wird, mit dem, was im Bewußtsein der nächsten Inkarnation auftritt. Damit hat es zunächst nichts zu tun.Wohl aber wird das, was der Mensch während der Kamalokazeit sieht, sich so umwandeln, daß sich ihm Kräfte ein- prägen zuVorgängen,welche die Lungenentzündung überwinden. Denn gerade in der Überwindung der Lungenentzündung, in der Selbst heilung,welche dabei vom Menschen angestrebt wird,wirkt die menschliche Individualität entgegen den luziferischen Mächten, führt einen förmlichen Krieg gerade gegen die luziferischen Mächte. Daher ist in der Überwindung der Lungenentzündung eine Gelegenheit, dasjenige abzulegen, was ein Charaktermangel in einer vorherigen Inkarnation war. So sehen wir förmlich wirken in der Lungenentzündung den Kampf des Menschen gegen die luziferischen Mächte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anders stellt sich uns die Sache dar, wenn wir bei dem, was wir im heutigen Sprachgebrauch Lungentuberkulose nennen, die eigentümlichen Prozesse auftreten sehen, wenn die selbstheilenden Kräfte in Tätigkeit übergehen, die sich dadurch äußern, daß die schädigenden Einflüsse, welche da entstehen, umgeben werden, umrandet werden von Umhüllungen wie Bindegewebe; dann wird das Ganze ausgefüllt mit kalk-salzhaltiger Materie, welche feste Einschlüsse bildet. Solche Einschlüsse kann der Mensch in seiner Lunge haben, und viel mehr Menschen tragen solche Dinge mit sich herum, als man gewöhnlich glaubt; denn das sind diejenigen Menschen, bei denen eine tuberkulöse Lunge in Heilung übergegangen ist. Wo derartiges vor sich ging, ist wieder ein Kampf aufgeführt worden der menschlichen inneren Wesenheit gegen das, was ahrimanische Kräfte angestellt haben. Es ist ein Abwehrprozeß nach außen, ein Anstürmen gegen das, was durch äußere Materialität hergebracht wird, um zur Selbständigkeit der menschlichen Wesenheit in diesem Sinne zu führen.&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Damit haben wir gezeigt, wie in der Tat die beiden Prinzipien, das ahrimanische und das luziferische, im letzten Grunde im Krankheitsverlauf tätig sind. Und es könnte in vieler Beziehung für diese oder jene Krankheitsform gezeigt werden, wie man eigentlich zwei Typen von Krankheiten unterscheiden müßte: ahrimanische und luziferische Krankheiten. Wenn man das beachten würde, so würde man auch rich tige Prinzipien gewinnen können für die entsprechende Hilfe, welche man den Kranken angedeihen lassen kann. Denn luziferische Krankheitsprozesse werden ganz andere Hilfe erfordern als ahrimanische. Wenn heute noch in einer ziemlich kritiklosen Weise, zum Beispiel im äußeren Heilverfahren, Kräfte angewendet werden, die in der heutigen Elektrotherapie, in der Kaltwasserbehandlung oder in ähnlichem ent halten sind, so muß gesagt werden, daß von vornherein durch die Geisteswissenschaft ein Licht darauf geworfen werden kann, ob man die eine oder die andere Methode anwenden soll, dadurch, daß man unterscheiden würde, ob man es mit einer luziferischen oder einer ahrimanischen Krankheit zu tun hat. Kein Mensch sollte zum Beispiel das Verfahren der Elektrotherapie anwenden bei Erkrankungen, die aus dem Luziferischen stammen; sondern man sollte sie nur bei ahrimanischen Krankheitsformen anwenden. Denn eine Hilfe kann bei luziferischen Krankheitsformen niemals etwas sein, was überhaupt mit dem Wirken des Luzifer gar nichts zu tun hat, nämlich die Prinzipien der Elektrizität; denn diese fallen in das Bereich der ahrimanischen Wesenheiten, wobei sich natürlich nicht nur die ahrimanischen Wesenheiten der Kräfte der Elektrizität bedienen. Dagegen ist ein ganz besonderes Gebiet des Luziferischen dasjenige, was sich bezieht, grob ausgedrückt, auf Warm und Kalt. Alles, was damit zu tun hat, daß die menschliche Organisation wärmer oder kälter wird oder was sie selbst durch äußere Einflüsse wärmer oder kälter macht, das gehört in das Bereich des Luzifer. Und bei alledem, wo wir es zu tun haben mit Warm oder Kalt, haben wir einen Typus luziferischer Krankheitsformen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So also sehen wir, wie Karma in dem Kranksein wirkt und wie es zur Überwindung von Kranksein wirkt. Nun wird es nicht mehr unbegreiflich erscheinen, daß im Karma auch die Heilbarkeit oder Unheilbarkeit einer Krankheit liegt. Wenn Sie sich klarmachen, daß ja das &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Ziel, das karmische Ziel des Erkrankens das ist, den Menschen zu fördern und vollkommener zu machen, so ist die Voraussetzung die, daß der Mensch, wenn er nach der Vernünftigkeit, die er sich aus der Kamalokazeit beim Eintritt in ein neues Dasein mitbringt, einer Krankheit verfällt, jene Heilkräfte dann entwickelt, welche eine Stählung seines inneren Menschen bedeuten und die Möglichkeit, höher zu kommen. Nehmen wir an, die Sache liege so, daß der Mensch in dem Leben, das er noch zubringen kann, vermöge seiner sonstigen Organisation und seines übrigen Karma die Kräfte hat, mit dem, was er durch die Krankheit errungen hat, in diesem Leben selbst weiterzukommen. Dann hat die Heilung einen Sinn. Dann tritt Heilung ein und der Mensch hat in diesem Falle das errungen, was er erringen sollte und was sich an dem Vorhandensein der Krankheit zeigte. Durch das Überwinden der Krankheit hat er sich instand gesetzt, dort vollkommene Kräfte zu haben, wo er früher unvollkommene Kräfte hatte. Ist er durch sein Karma mit solchen Kräften ausgerüstet und durch die günstigen Umstände seines früheren Schicksals so in die Welt gesetzt, daß er die neuen Kräfte anwenden kann und wirken kann, um sich und andern von Nutzen zu sein, dann tritt die Heilung ein; dann windet er sich durch die Krankheit hindurch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen wir nun an, die Sache liege für den Menschen so, daß er die Krankheit überwindet und die Heilkräfte entwickelt und nunmehr vor einem Leben stünde, welches an ihn Anforderungen stellen würde, die mit dem Maß, das er sich jetzt schon errungen hat an Vollkommenem, nicht erfüllt werden können: Er würde zwar einiges erringen durch die geheilte Krankheit, aber es wäre doch nicht möglich, daß er so viel erringt - weil sein übriges Karma das nicht zuläßt -, daß er mit dem, was er sich errungen hat, den andern zum Heile werden kann. Dann tritt das ein, daß sein tieferes Unterbewußtsein sagt: Hier hast du keine Gelegenheit, die volle Kraft von dem zu empfangen, was du eigentlich haben sollst. Du mußtest in diese Inkarnation hineingehen, weil du das Maß an Vollkommenheit gewinnen mußtest, das du nur im physischen Leibe durch die Überwindung einer Krankheit erringen kannst. Das mußtest du erringen; aber weiter ausbilden kannst du es nicht. Nun mußt du in die Verhältnisse gehen, wo dein physischer Leib und andere &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Kräfte dich nicht stören und wo du frei verarbeiten kannst, was du in der Krankheit gewonnen hast. - Das heißt, es sucht eine solche Individualität den Tod, um zwischen Tod und neuer Geburt das weiterzuverarbeiten, was sie im Leben zwischen Geburt und Tod nicht verarbeiten kann. Es geht eine solche Seele durch das Leben zwischen Tod und neuer Geburt durch, um jetzt mit um so stärkeren Kräften, die sie beim Überwinden der Krankheit gewonnen hat, ihre Organisation weiter auszubilden, damit sie im neuen Leben um so mehr wirken kann. In dieser Weise kann förmlich durch die Anwesenheit einer Krankheit eine Art Abschlagszahlung bewirkt werden, die dann erst ergänzt wird nach dem Durchgehen durch den Tod zu dem, was sie sein soll.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir die Sache so betrachten, werden wir uns sagen müssen: Es erscheint durchaus im Karma begründet, daß die eine Krankheit ausgeht mit der Heilung, die andere mit dem Tod. - Wenn wir so die Krankheiten ansehen, werden wir von einem höheren Gesichtspunkt aus durch Karma eine Art Versöhnung, eine tiefe Versöhnung mit dem Leben gewinnen; denn wir werden wissen, daß es in der Gesetzmäßigkeit von Karma liegt, daß, selbst wenn eine Krankheit mit dem Tode ausgeht, der Mensch gefördert wird, daß selbst in einem solchen Falle die Krankheit das Ziel hat, den Menschen höher zu bringen. Nun darf niemand daraus etwa den Schluß ziehen: dann könnte es auch sein, daß wir geradezu den Tod herbeiwünschen müßten in gewissen Krankheitsfällen. Das darf niemand sagen, weil die Entscheidung darüber, was eintreten soll, ob Heilung oder Unheilbarkeit, einer höheren Vernünf tigkeit zufällt, als die ist, welche wir mit unserem gewöhnlichen Bewußtsein umfassen können. Mit unserem gewöhnlichen Bewußtsein müssen wir uns bescheiden innerhalb der Welt zwischen Geburt und Tod, bei solchen Fragen stehenzubleiben. Mit unserem höheren Bewußtsein dürfen wir uns allerdings selbst auf den Standpunkt stellen, der sogar den Tod hinnimmt als ein Geschenk der höheren geistigen Mächte. Mit demjenigen Bewußtsein aber, das helfen und eingreifen soll ins Leben, dürfen wir uns nicht vermessen, uns auf diesen höheren Gesichtspunkt zu stellen. Da könnten wir uns leicht irren und würden in einer unerhörten Weise eingreifen in etwas, worin wir nie eingreifen dürfen:&lt;br /&gt;
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in die menschliche Freiheitssphäre. Wenn wir einem Menschen helfen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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können, damit er die selbstheilenden Kräfte entwickelt, oder indem wir selbst der Natur zu Hilfe kommen, damit Heilung eintritt, so müssen wir das tun. Und soll die Entscheidung darüber fallen, ob der Mensch weiterleben soll oder ob er mehr gefördert wird, wenn der Tod eintritt, dann kann sie niemals anders als so fallen, daß unsere Hilfe eine Hilfe in der Heilung sein kann. Ist sie dies, so setzen wir es in des Menschen eigene Individualität, seine Kräfte anzuwenden, und die ärztliche Hilfe kann dabei nur eine solche sein, die ihn darin unterstützt. Dann wirkt sie nicht hinein in die menschliche Individualität. Ganz anders wäre es, wenn wir eines Menschen Unheilbarkeit in der Weise fördern würden, daß er sein weiteres Fortkommen in einer anderen Welt suchte. Da würden wir in seine Individualität eingreifen und seine Individualität einer andern Wirkungssphäre übergeben. Dann hätten wir unseren Willen der andern Individualität aufgedrängt. Diese Entscheidung müssen wir der Individualität selbst überlassen. Das heißt mit andern Worten: Wir müssen so viel als möglich tun, damit eine Heilung geschieht. Denn alle Überlegungen, die zu einer Heilung führen, kommen aus dem Bewußtsein, das für unsere Erde berechtigt ist; alle andern Maßnahmen würden übergreifen über unsere Erdensphäre; da müssen andere Kräfte eingreifen als die, welche in unser gewöhnliches Bewußtsein hineinfallen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So sehen wir, daß ein richtiges karmisches Verständnis über Heilbarkeit und Unheilbarkeit von Krankheiten dazu führt, daß wir alles aufbringen werden, um dem Menschen zu helfen in der Krankheit; und auf der andern Seite führt es uns auch dazu, daß wir, wenn aus andern Sphären eine andere Entscheidung getroffen wird, diese ebenfalls zu unserer Befriedigung hinnehmen. Etwas anderes haben wir in bezug auf diese andere Entscheidung auch gar nicht nötig. Nötig haben wir, daß wir einen Gesichtspunkt finden, daß uns die Unheilbarkeit einer Krankheit nicht niederdrückt,als ob dieWelt nur das Unvollkommene, das Schlimme und Schlechte hätte. Karmisches Verständnis lähmt nicht unsere Tatkraft in bezug auf das Heilen. Karmisches Verständnis wird uns auf der andern Seite auch wieder in Harmonie bringen mit dem schwersten Schicksal in bezug auf Unheilbarkeit dieser oder jener Krankheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
So haben wir heute gesehen, wie uns karmisches Verständnis allein möglich macht, den Verlauf einer Krankheit in der richtigen Weise aufzufassen und zu begreifen, daß wir geradezu hineinleuchten sehen die karmischen Wirkungen aus unseren früheren Leben in das gegenwärtige. Beispiele im einzelnen werden sich uns noch bei Besprechung der nächsten Fragen darbieten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun wird es uns obliegen, zu unterscheiden zwischen zwei besonderen Krankheitsformen, zwischen denjenigen, welche aus dem menschlichen Inneren kommen, und die ganz besonders erscheinen als durch das Karma herbeigetragen, und zwischen jenen Erkrankungen, die uns scheinbar zufällig treffen dadurch, daß wir äußeren Schädigungen aus gesetzt sind, daß uns dieses oder jenes passiert. Kurz, es wird sich darum handeln: Wie können wir zu einem karmischen Verständnis auch dann kommen, wenn wir zum Beispiel unter die Räder eines Eisenbahnzuges kommen? Das heißt, wie sind sogenannte «zufällige» Erkrankungen durch das Karma zu begreifen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
= FÜNFTER VORTRAG Hamburg, 20. Mai 1910 =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Inhalt des gestrigen Vortrages ist von großer Wichtigkeit sowohl für unsere nächsten Betrachtungen wie auch für das Verständnis der karmischen Zusammenhänge überhaupt. Deshalb - wegen dieser ein- schneidenden Wichtigkeit - lassen Sie mich heute noch einmal in den Hauptzügen kurz zusammenfassen, was der gestrige Vortrag enthalten hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir gingen davon aus, daß sich die Anschauungen über Heilung und über Heilmittel im Laufe verhältnismäßig kurzer Zeiten im letzten Jahrhundert ziemlich radikal verändert haben. Und wir haben darauf hingewiesen, wie im 16. und 17. Jahrhundert namentlich eine Anschauung sich ausbildete, welche ganz und gar auf dem Boden fußte: Für eine jede Krankheit, die mit einem Namen bezeichnet wurde und die man glaubte begrifflich abgrenzen zu können, müßten sich auch diese oder jene Heilmittel in der Welt finden. Und man glaubte mit Sicherheit, daß, wenn das betreffende Mittel angewendet würde, es auf den Verlauf der Krankheit einen Einfluß haben müsse. Wir haben dann darauf hingewiesen, wie sich diese Anschauung mehr oder weniger bis ins 19. Jahrhundert hinein erhalten hat, dann aber danebengestellt den absoluten Gegensatz dieser Anschauung, der sich namentlich zum Ausdruck gebracht hat in dem Nihilismus derWiener medizinischen Schule, der seinen Ausgangspunkt genommen hat von dem berühmten Mediziner Dietl, und seinen Fortgang gefunden hat in Skoda und dessen verschiedenen Schülern. Und wir haben die nihilistische Richtung dadurch charakterisiert, daß wir sagten: Sie fing nicht nur an, über den` absoluten Zusammenhang zwischen diesem oder jenem Heilmittel, zwischen diesen oder jenen Handgriffen in bezug auf die Krankheitsbehandlung und die Krankheit selber gründliche Zweifel zu haben, sondern sie wollte von einem solchen Zusammenhang nichts mehr wissen. Und es kam in die Gemüter der unter dem Einfluß dieser Schule stehenden jungen Ärzte die Anschauung von der sogenannten «Selbstheilung&amp;gt; hinein. Skoda selbst hat ja den für diese Schule bedeutungs&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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vollen Satz ausgesprochen: Wir können eine Krankheit diagnostizieren, wir können sie vielleicht auch erklären und beschreiben; aber Mittel haben wir gegen die Krankheit nicht. - Und de,n Ausgangspunkt nahm diese Richtung davon, daß Dietl nachweisen konnte, daß bei der ab- wartenden Behandlung eine Krankheit wie die Lungenentzündung so verläuft, daß sie innerhalb einer bestimmten Zeit die selbstheilenden Kräfte entwickelt, wenn man nur die nötigen Bedingungen dafür schafft. Und er konnte statistisch nachweisen, daß bei der abwartenden Behandlung ebenso viele Menschen geheilt wurden oder auch starben wie bei Verabreichung der sonst gebräuchlichen Mittel. Damals war die Bezeichnung «therapeutischer Nihilismus» durchaus nicht unberechtigt; denn es war eine absolute Wahrheit, daß sich die Ärzte dieser Schule gar nicht schützen konnten gegen die Meinung der Kranken, daß ein Mittel, ein Rezept eben da sein muß. Der Kranke gab nicht nach, seine Umgebung auch nicht - Mittel mußten verschrieben werden, und die Anhänger dieser Schule halfen sich dann gewöhnlich dadurch, daß sie dünn aufgelösten arabischen Gummi verschrieben, der nach der Meinung der Anhänger der Schule ganz dieselbe Wirkung haben sollte wie die früher angewendeten Mittel. Wir haben daraus erkennen gelernt, wie geradezu hindrängt die moderne wissenschaftliche Tatsachenwelt zu dem, was wir den karmischen Zusammenhang im Leben nennen können. Denn wir mußten uns nun die Frage beantworten: Wie geschieht denn eigentlich das, was man nennen könnte «Selbstheilung»? Oder besser gesagt: Warum geschieht es? Und warum kann in einem andern Falle eine Selbstheilung oder überhaupt eine Heilung nicht eintreten?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn eine ganze Schule, an deren Spitze medizinische Koryphäen standen, darauf verfallen konnte, den Begriff der Selbstheilung einzuführen, so hätte einer, der darüber nachdenkt, dazu kommen müssen, zu sagen: Also wird im Krankheitsprozeß etwas wachgerufen, was zur Überwindung der Krankheit führt! Und das hätte weiter dazu führen müssen, den geheimeren Gründen des Krankheitsverlaufes nachzuspüren. Wir haben nun versucht, darauf hinzuweisen, wie ein solcher karmischer Zusammenhang innerhalb der Menschheitsentwickelung für den Krankheitsverlauf gesucht werden kann. Wir haben gezeigt, daß &lt;br /&gt;
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allerdings das, was der Mensch in seinem gewöhnlichen Leben vollführt an guten und bösen Handlungen, an gescheiten und unsinnigen Handlungen, was er erlebt an richtigen und verkehrten Gemütsauffassungen, daß alles das nicht tief hineingeht in die Untergründe der menschlichen Organisation. Und wir haben den Grund aufgezeigt, warum das, was für das gewöhnliche Leben der moralischen, der intellektuellen und gemüthaften Beurteilung unterliegt, nur an der Oberfläche des gewöhnlichen Lebens sitzenbleibt und nicht dem Gesetze unterliegt, das wir im andern Falle aufzeigen konnten: die tieferliegenden Kräfte der Menschenorganisation zu beeinflussen. Wir haben gezeigt, daß es gleichsam eine Art von Hemmnis gibt gegen das Eindringen der Unmoralität in die tieferen Kräfte des Organismus. Und diese Abwehr gegen das Eindringen dessen, was wir tun und denken, in die Kräfte unserer Organisation liegt darin, daß wir unsere Handlungen, die wir zwischen Geburt und Tod vollbringen, mit unseren bewußten Vorstellungen begleiten. Indem wir eine Handlung oder ein sonstiges Erlebnis mit einer bewußten Vorstellung begleiten, schaffen wir eine Schutzwehr dagegen, daß das Resultat unserer Handlungen hinunterrückt in unseren Organismus. Wir haben dann darauf hingewiesen, welche Bedeutung jenen Erleb nissen zukommt, die unwiederbringlich vergessen worden sind. Da liegt nicht mehr die Möglichkeit vor, sie wieder ins bewußte Vorstellungsleben hinaufzurücken; sondern von solchen Erlebnissen mußten wir sagen, daß sie schon in bestimmter Weise, weil die Schutzwehr derVorstellung fehlt, hinunterdringen in unsere innere Organisation und dort mitwirken können an den gestaltenden Kräften unseres Organismus. Und wir haben hinweisen können auf die Krankheitsformen, welche noch mehr an der Oberfläche liegen: Neurose, Neurasthenie und dergleichen. Sogar hysterische Zustände erfahren da eine Beleuchtung. Wir sagten, daß die Ursachen für solche Zustände gesucht werden müssen in den aus dem Bewußtseinskomplex herausgefallenen,vergessenenVorstellungen, die hinuntergesunken sind in das Innere und sich - wie Einschiebsel unseres Seelenlebens - als Krankheiten geltend machen. - Wir haben darauf hingewiesen, welche ungeheure Bedeutung jener Zeitraum hat, der verläuft von der Geburt bis zu dem Zeitpunkt, wo sich der Mensch an seine Erlebnisse zurückerinnern kann, und es wurde darauf &lt;br /&gt;
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aufmerksam gemacht, wie das, was früher vergessen worden ist, im lebenden Organismus fortwirkt, indem es gleichsam mit den tieferen Kräften der Organisation einen Bund schließt und von dort aus unsere Organisation selber beeinflußt. Es muß also ein Komplex von Vorstellungen, eine Reihe von Erlebnissen hinuntersinken in tiefere Untergründe unseres Wesens, bevor er eingreifen kann in unsere Organisation.-Wir haben dann darauf hingewiesen,wie am gründlichsten dieses Hinuntersinken geschieht, wenn der Mensch durch die Pforte des Todes gegangen ist und das weitere Dasein durchlebt zwischen Tod und neuer Geburt. Da verwandeln sich alle Erlebnisse in ihren Qualitäten in solche Kräfte, welche jetzt organisierend wirken. Und was der Mensch in der Zeit zwischen Tod und neuer Geburt empfunden und gefühlt hat, das nimmt er auf in die plastischen Kräfte, die beteiligt sind am neuen Aufbau des Leibes, wenn der Mensch jetzt neu ins Dasein tritt. Da hat er jetzt in den Bildungskräften das Resultat dessen da rinnen, was er früher noch in seinem Seelenleben, vielleicht auch sogar in seinem bewußten Vorstellungsleben hatte. Und nun konnten wir darauf hin- weisen, daß der Mensch mit seinem vom Ich durchtränkten Vorstellungsleben hin und her pendelt zwischen zwei Einflüssen: zwischen dem luziferischen und dem ahrimanischen Einfluß. Wenn der Mensch eine Verfehlung begeht, die hervorgerufen wird durch Eigenschaften seines astralischen Leibes, durch schlimme Affekte, Zorn und dergleichen, wird er zu Handlungen getrieben durch luziferische Mächte. Wenn dann solche Handlungen jenen Weg gehen, der eben jetzt bezeichnet worden ist, daß sie zu Bildungskräften werden, so haben wir sie in den gestaltenden Kräften, die nunmehr der neuen Leiblichkeit zugrunde liegen als luziferische Krankheitsursachen. Wir haben dann gesehen, wie der Mensch unterliegt den ahrimanischen Kräften, die mehr von außen hereinwirken. Und wieder mußten wir von den ahrimanischen Einflüssen sagen, daß sie sich umwandeln in Bildungskräfte, in gestaltende Kräfte des neu gebauten Organismus, der zustande kommt, wenn der Mensch durch die Geburt ins Dasein tritt. Und insofern sich die Einflüsse Ahrimans in die Bildungskräfte hineinmischen, können wir von Krankheitsanlagen sprechen mit ahrimanischem Charakter. Dann haben wir im einzelnen darauf hingewiesen, wie diese &lt;br /&gt;
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Kräfte, die sich in dieser Weise herausbilden, wirken. Und ich habe Ihnen radikale Beispiele gezeigt für dieses Wirken, weil an radikalen Beispielen die Vorstellung eine deutlichere, scharf umrissene wird. Ich sagte, man nehme an, daß ein Mensch im vorigen Lebenslauf alles das getan hat, was ihn nur zu einem geringen Selbstgefühl und Selbstvertrauen bringen kann, daß er sein Ich so präpariert hat, daß es nichts auf sich gehalten hat, nur in Allgemeinheiten aufging und so weiter. Ein solcher Mensch nimmt nach dem Tode die Tendenz auf, jenen Widerstand zu überwinden und die Kräfte aufzunehmen, welche ihn fähig machen, später im weiteren Verlauf der Inkarnation sein Ich kräftiger, vollkommener zu machen. Das wirkt so, daß er solche Verhältnisse dann sucht, die es ihm möglich machen, gegen dasjenige anzukämpfen, gegen was es gut ist, anzukämpfen mit einem schwachen Selbstgefühl, so daß ein schwaches Selbstgefühl sich an dem Widerstande stärken kann. Und wahr ist es, daß eine solche Tendenz den Menschen dazu führt, sozusagen Gelegenheiten aufzusuchen zur Cholera, weil er darin etwas vor sich hat, was ihm Gelegenheit bietet, jene Widerstände zu überwinden. Und in der Überwindung dieser Widerstände liegt das, was in der nächsten Inkarnation oder aber auch bei eingetretener Heilung in derselben Inkarnation zu einem stärkeren Selbstgefühl führen kann oder zu Kräften, welche ein stärkeres Selbstgefühl durch Selbsterziehung nach und nach heranreifen lassen. Wir haben dann gesagt, daß bei einer Krankheit wie der Malaria die Gelegenheit gegeben ist, etwas auszugleichen, was sich die Seele in einem früheren Leben als ein übermäßiges Selbstgefühl herangezüchtet hat durch ihre Handlungen und Empfindungen. - Diejenigen von Ihnen, welche frühere Betrachtungen unseres theosophischen Lebens mitgemacht haben, werden sich verdeutlichen können einen solchen Verlauf. Es wurde immer gesagt, daß das Ich des Menschen seinen physischen Ausdruck findet im Blut. Nun hängen die beiden Krankheiten, von denen wir eben gesprochen haben, mit dem Blut und den Gesetzen vom Blut zusammen; sie hängen so zusammen, daß beim Cholerafall eine Verdickung des Blutes eintritt. Diese Verdickung ist es, was als Widerstand zu bezeichnen ist, den das schwache Selbstgefühl durchmachen muß und an dem es sich heraner~iehen will. Ebenso können Sie es sich &lt;br /&gt;
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verdeutlichen, daß bei der Malaria eine Art Blutzerfall stattfindet und daß ein überstarkes Selbstgefühl die Möglichkeit braucht, daß es ad absurdum geführt wird, daß im Blutzerfall ein überstarkes Ich in seiner Anstrengung zur Nichtigkeit geführt wird. Das wird in dem Zerfall des Blutes geboten. - Die Dinge sind natürlich außerordentlich intim im Organismus zusammenhängend; aber wenn Sie darauf eingehen, werden Sie sie sich schon zum Verständnis bringen.&lt;br /&gt;
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Aus all dem ergab sich uns: Wenn wir einen Organismus haben, der gebildet ist von einer Seele, die in sich die Tendenz hat, dieses oder jenes nach der einen oder der andern Richtung zu überwinden, so führt diese Tendenz den Menschen dazu, in sich hineinzuprägen die Möglichkeit zur Krankheit, aber auch zugleich die Möglichkeit, anzukämpfen gegen die Krankheit, weil ja die Krankheit aus keinem andern Grunde hervorgerufen wird als aus dem, die Möglichkeit der Heilung zu haben. Und Heilung tritt dann ein, wenn der Mensch nach seinem Gesamtkarma durch die Überwindung der betreffenden Krankheit sich solche Kräfte aneignet, daß er in dem restlichen Leben bis zum Tode durch seine Arbeit auf dem physischen Plan wirklich sich vorwärtsbringen kann. Das heißt, wenn die zu erregenden Kräfte so stark sind, daß er auf dem physischen Plan das auch erreichen kann,weswegen die Krankheit hervorgerufen worden ist, dann arbeitet der Mensch gerade mit den ihm aus dem Heilprozeß zugeflossenen verstärkten Kräften weiter, die er früher nicht gehabt hat. Liegt aber sein Gesamtkarma so, daß er zwar die Absicht gehabt hat, seinen Organismus so zu gestalten, daß er durch die Überwindung der betreffenden Krankheit sich Kräfte zu- führt, welche zu seiner Vervollkommnung führen, daß aber, weil die Dinge mannigfaltig sind, er gleichzeitig den Organismus nach einer andern Richtung hin hat schwach sein lassen müssen, dann kann der Fall eintreten, daß diejenigen Kräfte, welche der Mensch herausstellt und anwendet im Heilprozeß, ihn zwar verstärken, aber doch nicht so weit, daß er dem Arbeiten auf dem physischen Plan schon gewachsen ist. Dann wird er das Stück, was er schon gewonnen hat - weil es auf dem physischen Plan nicht verwendbar ist -,verwenden,wenn er durch die Pforte des Todes geht, und er wird versuchen, das seinen Kräften hinzuzufügeri,was er auf dem physischen Plan nicht hinzufügen konnte, &lt;br /&gt;
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um diese Kräfte in der Ausgestaltung des nächsten Leibes zu zeigen, wenn er wieder in die Geburt tritt. Es bleibt uns noch, wenn wir das vor Augen haben, einen Hinweis zu geben, wie es sich mit denjenigen Krankheitsformen verhält, welche weder zu einer ordentlichen Heilung noch zum Tode führen, sondern zu chronischen Zuständen, zu einer Art von Siechtum oder dergleichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da liegt allerdings etwas vor,was im eminentesten Sinne für die meisten Menschen von einer großen Wichtigkeit ist zu wissen. Da liegt das vor, daß allerdings durch den Heilungsprozeß innerhalb der menschlichen Körperhüllen eingetreten ist, was nur zu erreichen war, daß also in gewissem Sinne die Krankheit überwunden ist. Aber in einem anderen Sinne ist sie doch nicht überwunden; das heißt, daß alles das, was an Ausgleich hat geschaffen werden sollen zwischen Ätherleib und physischem Leib, zwar erreicht worden ist, nicht aber das ausgeglichen worden ist, was an Disharmonie vorhanden war zwischen Ätherleib und astralischem Leib. Das bleibt zurück, und der Mensch pendelt hin und her zwischen Versuchen, zu heilen, und nicht heilen zu können. In einem solchen Falle ist es immer von einer ganz besonderen Wichtigkeit, daß der Mensch möglichst ausnutzt, was er an wirklicher Heilung errungen hat. Und das geschieht am allerwenigsten im Leben. Denn gerade bei solchen Krankheiten, die chronisch werden, befindet sich der Mensch in einem rechten Kreistanz darinnen. Wenn der Mensch in einem solchen Falle imstande sein würde, den Teil seiner Organisation, welcher in sich eine gewisse Heilung erfahren hat, zu isolieren, für sich sozusagen leben zu lassen, und wenn er davon dasjenige zurückziehen könnte, was da noch rumort und nicht in Ordnung ist und was in solchem Falle gewöhnlich mehr gegen das innere Seelenhafte zu liegt, dann würde sich der Mensch sehr viel helfen können. Aber dagegen wirkt das Allerverschiedenste, namentlich das, daß der Mensch, wenn er irgendeine Krankheit gehabt hat und ein chronischer Zustand zurückgeblieben ist, fortwährend unter dem Einflusse dieses Zustandes lebt und daß er - wenn ich mich grob ausdrücken darf - eigentlich niemals gründlich vergessen kann seinen Zustand, niemals gründlich dazu kommt, das, was in ihm doch noch nicht gesund ist, zurückzuziehen von diesem Zustande und es für sich zu behandeln; sondern er wird &lt;br /&gt;
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durch das, was man nennen kann das fortwährende Denken an den andern Teil der Organisation, veranlaßt, gleichsam seinen gesunden Teil wieder in irgendeinen Zusammenhang zu bringen mit dem früher kranken Teil und diesen so neuerdings zu irritieren. Das ist ein besonderer Prozeß. Und um Ihnen diesen Prozeß klarzumachen, möchte ich Ihnen einmal den geisteswissenschaftlichen Tatbestand klarlegen, das, was das hellseherische Bewußtsein sieht, wenn jemand eine Krankheit durchgemacht und dabei etwas zurückbehalten hat, was man als etwas Chronisches bezeichnen kann. Dasselbe geschieht übrigens auch dann, wenn nicht eine besonders auffällige akute Erkrankung vorlag, sondern wenn sich ein Chronisches einstellt, ohne daß ein Akutes besonders bemerkt worden ist. Dann kann man in der Tat sehen, daß sich in den meisten Fällen ein gewisser schwankender Gleichgewichtszustand herausstellt zwischen dem Ätherleibe und dem physischen Leibe, ein Hinund-her-Pendeln von Kräften, wie es nicht sein soll, bei dem es sich aber doch leben läßt. Bei diesem Hin-und-her-Pendeln von Kräften des Ätherleibes und des physischen Leibes wird der betreffende Mensch fortwährend irritiert und dadurch erfüllt von fortdauernden Erregungszuständen. Die sieht das hellseherische Bewußtsein fortwährend auftauchen im astralischen Leibe, und diese Erregungszustände drängen sich fortwährend hinein in den halb kranken und halb gesunden Teil der Organisation, wodurch dann nicht ein stabiles, sondern ein labiles Gleichgewicht zustande kommt. Durch dieses Hineindringen der astralischen Erregungszustände wird der menschliche Zustand, der sonst viel besser sein könnte, in der Tat sehr verschlechtert. Ich bitte zu berücksichtigen, daß das Astralische in diesem Falle nicht zusammenfällt mit dem Bewußtsein, sondern daß es vorzugsweise mit dem zusammenfällt, was innere seelische Erregungen sind, die sich aber der Patient nicht eingestehen will. Weil in solchem Falle das Hemmende der Vorstellungen nicht da ist, deshalb wirken diese Zustände und Affekte, die Gemütserschütterungen, die fortwährenden Zustände des Überdrusses, des In-sich-unzufrieden-Seins nicht immer wie bewußte Kräfte, sondern wIe organisierende, wie Lebenskräfte, die in der tieferen Wesenheit des Menschen sitzen und fortwährend den halb gesunden, halb kranken Teil irritieren. Könnte nun der betreffende Patient es wirklich durch &lt;br /&gt;
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starken Willen, durch Seelenkultur dazu bringen, wenigstens für eine gewisse Zeit seinen Zustand zu vergessen, so würde er daraus solche Befriedigung schöpfen, daß er dann schon aus dieser Befriedigung die Kraft ziehen könnte, um das weiter durchzuführen. Könnte er seinen Zustand vergessen, ganz von ihm absehen, mit starkem Willen sagen: Ich will mich jetzt nicht kümmern um meinen Zustand! - und würde er sodann die Seelenkräfte, welche er dadurch frei bekommt, auf etwas von geistigem Inhalt verwenden, was ihn erhebt, was ihn innerlich sättigt in seiner Seele, würde er diese Kräfte, die sich sonst immer damit beschäftigen, die Gefühle des Schmerzes, des Drückens und Stechens und was da alles ist, zu durchleben, frei bekommen, so würde ihm das eine große Befriedigung gewähren. Denn wenn man diese Gefühle nicht durchlebt, hat man die Kräfte ja frei; dann sind sie verfügbar. Freilich hilft es nicht viel, wenn man sich bloß sagt, man will dieses Klemmen und Stechen und so weiter nicht bemerken; denn wenn man die Kräfte, welche man da frei bekommt, nicht auf etwas Geistiges verwendet, werden die früheren Zustände bald wieder da sein. Wenn man aber die frei gewordenen Kräfte verwendet auf einen die Seele ganz in Anspruch nehmenden geistigen Inhalt, dann wird man bemerken, daß man auf einem komplizierten Wege das erreicht, was sonst unsere Organisation selber ohne unser Zutun in der Überwindung des Krankheitsprozesses erreicht. Es ist ja natürlich, daß der Betreffende dann sorgfältig darauf sehen muß, daß er nicht gerade seine Seele auf einem solchen Wege erfüllt, der wieder direkt zusammenhängt mit dem, was seine Erkrankung ist. Wenn jemand zum Beispiel an einer Schwäche seiner Augen leidet, und er beschäftigt sich, um nicht an die Schwäche seiner Augen zu denken, damit, daß er viel liest, um geistige Kräfte aufzunehmen, so ist es selbstverständlich, daß ihn das nicht zum Ziele führen kann. Aber ganz so weit herzuholen brauchen Sie sich die sogenannten kleinen Belege dafür nicht. Jeder kann an sich selbst bemerken, wenn er eine kleine Unpäßlichkeit hat, wie sehr es ihm nützt, wenn er es zu einem Vergessen seiner Unpäßlichkeit bringt, namentlich zu einem solchen Vergessen, das hervorgerufen wird durch eine anderweitige Beschäftigung. Das ist also ein positives, gesundes Vergessen! Da haben Sie schon einen Hinweis, daß wir nicht ganz machtlos sind gegen die &lt;br /&gt;
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karmischen Wirkungen unserer Verfehlungen in früheren Lebensläufen, welche sich in Krankheiten zum Ausdruck bringen. Denn wir müssen uns sagen: Wenn wir zugeben, daß das, was im Leben zwischen Geburt und Tod einer moralischen, gemüthaften und intellektuellen Beurteilung unterliegt, in einem Leben nicht so tief gehen kann, daß es die Ursache zu einer organischen Erkrankung wird, daß es sich aber in der Zeit nach dem Tode bis zur neuen Geburt so tief in das Leben hinein- senken kann, daß es Krankheit bewirkt, dann müßte es doch auch möglich sein, diesen Prozeß wieder zurückzuverwandeln in einen Bewußtseinsprozeß!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Frage kann auch so gestellt werden: Wenn Krankheiten sich ausleben wie eine karmische Wirkung von geistigen oder sonstigen durch die Seele hervorgerufenen oder erfahrenen Erlebnissen, wenn sie also die Umwandlung solcher Ursachen sind, können wir uns dann nicht auch denken - oder erzählen uns davon die geistigen Tatsachen nichts -, daß das Umwandlungsprodukt, die Krankheit, vermeidbar ist, insofern vermeidbar, als wir statt des Heilungsprozesses, statt dessen, was aus den organischen Regionen herausgeholt wird, als Krankheit herbeigeholt wird zu unserer Erziehung, das geistige Gegenstück, das geistige Äquivalent dafür setzen? Daß wir, wenn wir klug genug sind, die Krankheit umwandeln in einen geistigen Prozeß und die Selbsterziehung, die wir durch die Krankheit ausführen sollen, sozusagen durch die Kräfte unserer Seele ausführen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daß so etwas in den Bereich derTatsachen gehört, möchte icil wieder durch ein Beispiel illustrieren. Wieder muß aber hierbei gesagt werden, daß nur solche Beispiele angeführt werden, die geisteswissenschaftlich untersucht sind; es sind nicht Hypothesenaufstellungen, sondern Fälle. Daher können Sie von mir nicht gerade eine Vollständigkeit verlangen - weil nicht Hypothesen aufgestellt werden, sondern Fälle, die als solche hingenommen werden müssen. Nehmen wir an, im späteren Leben bekommt eine Persönlichkeit Masern, und wir suchen nach dem karmischen Zusammenhang dieses Falles. Wir finden dabei, daß dieser Masernfall aufgetreten ist als eine karmischeWirkung von solchen Vorgängen in einem vorangegangenen Leben, die wir etwa so beschreiben können: Die betreffende Individualität war in einem vorhergehenden &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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Leben eine solche, die sich nicht gern um die äußere Welt bekümmert hat, sich nicht gerade im grob egoistischen Sinne, aber doch viel mit sich selber beschäftigt hat; eine Persönlichkeit also, die viel nachgeforscht hat, nachgedacht hat, aber nicht an den Tatsachen der äußeren Welt, sondern die im inneren Seelenleben geblieben ist. Sie finden auch heute sehr viele Menschen, welche glauben, daß sie durch In-sich-abgeschlossen-Sein, durch Grübeln und so weiter zur Lösung von Welträtseln kommen können. Bei der Persönlichkeit, die ich meine, handelte es sich darum, daß sie mit dem Leben so fertigzuwerden suchte, daß sie innerlich nachgrübelte, wie man sich in diesem oder jenem Falle verhalten soll. Die Schwäche der Seele, welche sich daraus ergeben hat im Verlaufe des Lebens, führte dazu, daß im Leben zwischen Tod und neuer Geburt Kräfte erzeugt wurden, welche den Organismus in verhältnismäßig später Lebenszeit noch einem Masernanfall aussetzten.&lt;br /&gt;
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Jetzt können wir uns fragen: Wir haben auf der einen Seite den Masernanfall, der die physisch-karmische Wirkung ist eines früheren Lebens. Wie ist es denn aber nun mit dem Seelenzustand? Denn das frühere Leben gibt ja als karmische Wirkung auch einen gewissen Seelenzustand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Seelenzustand stellt sich so dar, daß die betreffende Persönlichkeit in dem Leben, wo sie auch den Masernanfall hatte, immer wieder und wieder Selbsttäuschungen unterworfen war. Da haben Sie also die Selbsttäuschungen anzusehen als die seelisch-karmische Folge dieses früheren Lebens und den Eintritt döer Masern als die physischkarmische Folge jenes Lebens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen wir nun an, dieser Persönlichkeit wäre es gelungen, bevor der Masernfall eintrat, etwas zu tun, um sich gründlich zu bessern, das heißt, um eine solche Stärke der Seele sich anzueignen, daß sie nicht mehr ausgesetzt wäre allen möglichen Selbsttäuschungen. Dann würde diese dadurch heranerzogene Seelenstärke dazu geführt haben, daß die Masernerkrankung hätte unterbleiben können, weil das, was im Organismus schon hervorgerufen war bei der Bildung dieser Organisation, seinen Ausgleich gefunden hätte durch die stärkeren Seelenkräfte, welche durch die Selbsterziehung herangezogen worden wären. Ich kann natürlich nicht ein halbes Jahr über diese Sachen reden; aber wenn Sie &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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weit im Leben herumschauen und alle Einzelheiten, welche sich als Erfahrungen darbieten, von diesem hier gegebenen Ausgangspunkt aus betrachten würden, so würden Sie immer finden,daß das äußereWissen voll bestätigen würde - bis in alle Einzelheiten -, was hier gesagt worden ist. Und was ich jetzt gesagt habe über eine Masernerkrankung, das kann zu Gesichtspunkten führen, die erklären, warum Masern gerade zu den gebräuchlichen Kinderkrankheiten gehören. Denn die Eigenschaften, die genannt worden sind, kommen in sehr vielen Leben vor. Insbesondere in gewissen Zeitperioden haben sie in vielen Leben grassiert. Und wenn dann eine solche Persönlichkeit ins Dasein tritt, wird sie so schnell wie möglich Korrektur üben wollen auf diesem Gebiet und in der Zeit zwischen der Geburt und dem gewöhnlichen Auftreten der Kinderkrankheiten, um organische Selbsterziehung zu üben, die Masern durchmachen; denn von einer seelischen Erziehung kann ja in der Regel in diesem Alter nicht die Rede sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daraus sehen Sie, daß wir wirklich davon sprechen können, daß die Krankheit in gewisser Beziehung wieder zurückverwandelt werden kann in einen geistigen Prozeß. Und das ist das ungeheuer Bedeutsame, daß wenn dieser Prozeß in die Seele als Lebensmaxime aufgenommen wird, er eine Anschauung erzeugt, die gesundend auf die Seele wirkt. In unserer Zeit braucht man sich nicht besonders zu wundern, daß man so wenig auf die Seelen wirken kann. Und wer die Zeit heute vom geisteswissenschaftlichen Standpunkt aus durchschaut, der wird es begreifen, daß so viele Mediziner, so viele Ärzte Materialisten werden, können, das heißt, verzweifeln an einem seelischen Einfluß. Denn die Mehrzahl der Menschen beschäftigt sich ja überhaupt nicht mit etwas, was eine befruchtende Kraft hat. All das Zeug, was heute durch die gebräuchliche Literatur geht, hat für die Seelen keine befruchtende Kraft. Deshalb fühlt der, welcher für die Geisteswissenschaft wirken will, in diesem theosophischen Wirken auch etwas im eminenten Sinne Gesundendes, weil das geisteswissenschaftliche Wissen der Menschheit wieder etwas bringen kann, was sich so in die Seelen hineinergießt, daß die Seele abgezogen wird von dem, was die leibliche Organisation bildete. Man darf nur nicht verwechseln, was im Anfang einer solchen Bewegung auftritt, mit dem, was die Bewegung wirklich sein kann. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Es werden ja in die theosophische Bewegung tatsächlich Dinge hinein- gebracht, welche in der äußeren Welt auch grassieren, das heißt, es bringen die Menschen, wenn sie Theosophen werden, vielfach genau dieselben Interessen der Theosophie entgegen, die sie für die Dinge draußen auch haben, und auch alle Unarten, die sie draußen haben. Da wird vieles hineingetragen von den Schattenseiten unseres Zeitalters. Dann aber, wenn sich irgendwelche Schattenseiten bei den Betreffenden zeigen, sagt man, das habe die Theosophie bewirkt. Das ist natürlich eine sehr billige Auskunft!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir so den karmischen Faden sich ziehen sehen von einer Inkarnation in die andere, so haben wir damit die entsprechende Wahrheit doch nur von einer Seite erfaßt. Es werden sich demjenigen, der ein Gefühl dafür erhält, wie sich der karmische Faden von Inkarnation zu Inkarnation hindurchzieht, noch viele Fragen ergeben, die im Laufe der Vorträge berührt werden sollen. Vor allen Dingen muß die Frage berührt werden: Wie hat man zu unterscheiden zwischen einer Krankheit, bei der man äußere Ursachen angeben kann, und einer solchen Krankheit, die voll veranlagt liegt in der menschlichen Organisation selber, so daß man glaubt, was da vorliegt, damit abfertigen zu können, daß man sagt, die Krankheit ist ganz von selbst gekommen, und eine äußere Veranlassung liege nicht vor. - Ganz so stehen ja die Dinge nicht. Aber von gewisser Seite ist es doch berechtigt zu sagen, daß Krankheiten auftreten, für die der Mensch durch sein Inneres besonders disponiert ist. Für zahlreiche Krankheitserscheinungen wird man da- gegen doch äußere Ursachen angeben können. Natürlich nicht für alles, was uns passiert, aber für manches, was uns von außen her zustößt, zum Beispiel, wenn wir ein Bein brechen, müssen wir äußere Ursachen ins Feld führen. Auch das müssen wir zu den äußeren Ursachen zählen, was durch die Witterung geschieht, und ebenso die zahlreichen Krankheitsfälle, deren Ursachen in den schlechten städtischen Wohnungen zu suchen sind. Da eröffnet sich uns wieder ein weites Feld. Und für den, der mit Erfahrungen in die Welt blickt, ist es auch jetzt erklärlich, daß die heutige Moderichtung der Medizin dazu kommt, Krankheitsursachen in den äußeren Einwirkungen, besonders in den Bazillen, zu suchen, von denen ein geistreicher Herr nicht mit Unrecht gesagt hat: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|106}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heute kommen Krankheiten von den Bazillen, wie man ehedem gesagt hat, Krankheiten kommen von Gott oder vom Teufel. Im 13.Jahr- hundert sagte man, Krankheiten kommen von Gott, im 15. Jahrhundert sagte man, sie kommen vom Teufel. Später hieß es dann, sie kommen von den Säften, und heute sagt man, die Krankheiten kommen von den Bazillen. Das sind die Ansichten, die sich abgelöst haben im Laufe der Zeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So müssen wir also sprechen von äußeren Ursachen des menschlichen Krankseins oder Gesundseins. Und da kann der gegenwärtige Mensch leicht versucht sein, ein Wort zu gebrauchen, welches im Grunde sehr geeignet ist, in unsere ganze Weltauffassung Unordnung hineinzubringen. Wenn jemand, der vorher ganz gesund war, in eine durch Influenza oder Diphtherie verseuchte Gegend kommt und hernach erkrankt, so wird der heutige Mensch ganz gewiß geneigt sein zu sagen, daß der Betreffende den Krankheitskeim dadurch aufgenommen hat, daß er in jene Gegend gekommen ist, und er wird dann leicht das Wort Zufall gebrauchen. Von zufälligen Einflüssen wird man heute leicht sprechen. - Das Wort Zufall ist so recht eine Crux, ein Kreuz für jede Weltanschauung. Und solange man eigentlich nicht einmal den Versuch macht, sich ein wenig klarzuwerden über das, was man so leicht mit Zufall bezeichnet, wird man auch nicht vordringen können zu einer einigermaßen befriedigenden Weltanschauung. So stehen wir nun am Ausgangspunkt des Kapitels «Natürliche und zufällige Erkrankungen des Menschen». Da geht es aber nicht anders, als daß wir einleitend heute versuchen, auf das Wort Zufall ein wenig Licht zu werfen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ist nicht der Zufall selber etwas, was uns mißtrauisch machen könnte gegen das, was sich der Mensch heute leicht dabei denkt? Ich habe schon früher einmal darauf aufmerksam gemacht, daß ein geistvoller Mann im 18.Jahrhundert nicht ganz unrecht hatte, als er über die Sitte, großen Entdeckern, Erfindern und so weiter Denkmäler zu errichten, den Ausspruch tat, man müßte doch, wenn man den geschichtlichen Verlauf objektiv betrachtet, die weitaus meisten Denkmäler dem «Zufall» errichten! Und sonderbar: Wenn man eingeht auf die Geschichte, kann man merkwürdige Entdeckungen machen über &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|107}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
das, was sich hinter dem Zufall verbirgt. Ich habe Ihnen erzählt, daß die Erfindung des Fernrohres dem Spiel zu verdanken ist, das Kinder in einer optischen Werkstätte mit optischen Gläsern getrieben haben; dabei kam eine Konstellation zustande, durch die jemand das Fernrohr zustande brachte. Man könnte auch hinweisen auf die berühmte Lampe im Dom zu Pisa, die schon früher vor Tausenden und Tausenden von Menschen ihre Schwingungen mit derselben Regelmäßigkeit ausgeführt hat wie vor Galilei. Aber erst Galilei probierte, wie die Schwingungen zusammenstimmten mit dem Gang seiner Blutzirkulation, und dadurch kam er zu der Auffindung der Pendelgesetze. Würden wir die Pendelgesetze nicht gehabt haben, so würde unser ganzes Kulturleben einen andern Anstrich bekommen haben. Versuchen Sie, ob Sie nicht in der Menschheitsentwickelung einen Sinn suchen können und ob Sie dann noch sagen möchten, daß nur ein Zufall gewaltet hat, zum Beispiel bei Galilei, und ihn zu dieser wichtigen Entdeckung gebracht hat. Aber nehmen wir einen andern Fall.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denken wir daran, was die Luthersche Bibelübersetzung bedeutet für die Kulturländer der europäischen Welt. Machen wir uns klar, was für einen tiefgehenden Einfluß sie genommen hat auf das religiöse Fühlen und Denken und anderseits auf die Heranbildung dessen, was wir die deutsche Schriftsprache nennen. Ich will nur die Tatsache hin- stellen, ohne davon zu sprechen, wie man über sie denken soll; nur daß sie diesen tiefgehenden Einfluß gehabt hat, will ich betonen. Sie müssen nun doch versuchen, einen Sinn zu sehen in jener Erziehung der Menschheit, die seit mehreren Jahrhunderten durch die Luthersche Bibelübersetzung bewirkt worden ist. Wenn Sie es versuchen, darin einen Sinn zu sehen, dann stellen Sie einmal neben dasjenige, was Sie so geistvoll wie möglich über den Sinn der Entwickelung seit dem 16. bis 17. Jahrhundert sagen können, die folgende Tatsache:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Luther hat sich bis zu einer gewissen Zeit seines Lebens tief beschäftigt mit allem, was seine eigene Persönlichkeit zu einer Art von Gotteskindschaft führen könnte durch die Bibellektüre. Er war übergegangen von der Gepflogenheit der Augustiner, vorzugsweise die Kirchenväter zu lesen, zu dem Genuß des Lesens der Bibel selber. Aber alles sprach jetzt dafür, daß sich in seiner Seele entzünden sollte die Gotteskind&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|108}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
schaft in einem umfassenden Gefühl. Und von diesem Gesichtspunkt aus oblag er seinem theologischen Lehramt in der ersten Wittenberger Period,e. Die Tatsache, die ich nun hervorheben möchte, ist die, daß Luther eine gewisse Abneigung hatte, sich den theologischen Doktortitel zu verschaffen, und daß er in einer zufälligen Unterredung, als er einmal zusammensaß mit einem alten Freunde des ErfurterAugustinerklosters, wirklich überredet worden ist, sich den theologischen Doktorhut zu erringen. Das hieß aber nun für ihn ein nochmaliges und wie,der-~ holtes Studium der Bibel. Da hat also das zufällige Zusammensitzen mit seinem Freunde zu einem nochmaligen Studium der Bibel geführt und dann zu alledem, was dadurch zum Ausdruck gekommen ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Versuchen Sie den Sinn für das, was für die letzten Jahrhunderte angedeutet worden ist, zusammenzuhalten mit der Tatsache, daß Luther einmal mit jenem Freunde zusammengesessen hat und sich zur Erringung des theologischen Doktorhutes hat überreden lassen: Da werden Sie eine merkwürdig groteske Zusammenstellung zu machen genötigt sein zwischen dem Sinn der Entwickelung und dem zufälligen Ereignis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was Sie zunächst aus dem Gesagten herauslesen werden, ist, daß es sich vielleicht doch mit der Bedeutung des Zufalles etwas anders verhalten könne, als man gewöhnlich denkt. Gewöhnlich denkt man, daß der Zufall etwas sei, was sozusagen durch die Naturgesetze, durch die Gesetze des Lebens sich überhaupt nicht restlos erklären lasse, daß er eine Art von Überschuß bilde gegenüber dem, was sich erklären läßt. Nehmen Sie nun zu dem, was eben gesagt worden ist, die Tatsache, die uns ja schon zum Verständnis so vieler Seiten des Lebens verholfen hat: daß der Mensch in seiner Individualität seit seinem Erdendasein unterworfen war den beiden Kräften des luziferischen und des ahrimanischen Prinzips. Diese Kräfte und Prinzipien spielen fortwährend in den Menschen hinein, wobei die luziferischen Kräfte mehr dadurch wirken, daß sie das Innere des astralischen Leibes des Menschen ergreifen, während die ahrimanischen Kräfte mehr wirken durch das, was der Mensch als äußere Eindrücke empfängt. In dem, was wir von der Außenwelt empfangen, sitzen die ahrimanischen Kräfte; und in dem, was als Lust oder Unlust, als Affekte und so weiter in der Seele aufsteigt und wirkt, sitzen die luziferischen Kräfte. Nun führt sowohl das &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Iuziferische wie das ahrimanische Prinzip dazu, daß wir uns Täuschungen hingeben; das luziferische Prinzip führt dazu, daß wir uns über unser eigenes Inneres Täuschungen hingeben, daß wir über unser eigenes Inneres falsch urteilen können, eine Illusion im eigenen Inneren schauen können. Es wird Ihnen nicht schwer werden, wenn Sie das Leben vernünftig betrachten, diese Maja im eigenen Seelenleben gewahr zu werden. Versuchen Sie es zu betrachten, wie unendlich oft sich der Mensch einredet, er tue dieses oder jenes aus diesem oder jenem Grunde. Er tut es aber gewöhnlich aus einem ganz andern Grunde, der wesentlich tiefer sitzt; aber er erklärt sich die Handlung, zu der er getrieben wird durch Zorn und Leidenschaft, in seinem Oberbewußtsein auf eine ganz andere Art. Namentlich versucht er das, was in der Welt nicht geschätzt wird, hinwegzudekretieren. Und wenn der Mensch aus recht egoistischen Affekten heraus zu etwas getrieben wird, werden Sie es oft erleben können, daß er seinen grobklotzig-egoistischen Trieben ein unegoistisches Mäntelchen umhängt und erklärt, warum es hat geschehen müssen. Der Mensch weiß aber gewöhnlich selbst nicht, daß er so vorgeht. Wenn er es weiß, tritt gewöhnlich schon der Anfang zu einer Besserung mit einem gewissen Schamgefühl ein. Das schlimmste ist, daß der Mensch aus der Tiefe seiner Seele heraus zu etwas getrieben wird - und sich dann ein Motiv ausdenkt, aus dem er die betreffende Handlung getan habe. Das haben auch schon die modernen Psychologen bemerkt. Aber nur weil heute so wenig psychologische Bildung vorhanden ist, kommen derartig groteske Ausbildungen solcherWahrheiten zustande, wie das bei den heutigen materialistischen Psychologen der Fall ist. Sie kommen zu ganz eigenartigen Ausdeutungen des Lebens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Derjenige, der als Geistesforscher eine solche Tatsache bemerkt, wird sie natürlich in ihrer wahren Bedeutung durchschauen und so charakterisieren, daß in der Tat die zwei Dinge zusammenwirken: das Bewußtsein, und das, was als die tieferen Gründe unter der Schwelle des Bewußtseins waltet. Bemerkt es aber ein materialistischer Psychologe, so wird er die Sache anders behandeln. Da spintisiert er gleich eine Theorie heraus über den Unterschied zwischen dem Vorwand, den der Mensch zu einer Handlung annimmt, und zwischen dem eigentlichen Motiv. - Wenn zum Beispiel ein Psychologe spricht über die heute so &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
viel notierten Schülerselbstmorde, so sagt er, was als Vorwand dazu angeführt würde, das sei nicht das eigentliche Motiv; die eigentlichen Motive lägen viel tiefer: sie lägen meistens in einem irregeleiteten Geschlechtsleben. Diese würden umgewandelt, so daß sie dann dem Bewußtsein diese oder jene Gründe vortäuschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine solche Sache kann oft richtig sein. Aber es würde sie derjenige nIe zu einer umfassenden Theorie machen, der nur ein wenig berührt worden wäre von einer wahrhaft tieferen psychologischen Denkungsart. Eine solche Theorie kann leicht widerlegt werden, denn der Betreffende müßte bedenken: Wenn wirklich der Fall so liegt, daß der Vorwand nichts ist und das Motiv alles, so müßte man das auch bei diesem Psychologen anwenden können und sagen: Es ist also auch bei dir dasjenige, was du hier vorbringst und als Theorie entwickelst, nur Vorwand; suchen wir nach den tieferen Gründen, so sind vielleicht deine angegebenen Gründe ganz derselben Natur. - Hätte ein solcher Psychologe ernsthaft gelernt, warum ein Urteil unmöglich ist, das nach einem solchen Schluß aufgebaut ist wie: Alle Kretenser sind Lügner -, und daß ein solches Urteil schief ist, wenn es ein Kretenser selbst sagt; hätte er gelernt den Grund, warum das so ist, so hätte er auch gelernt, was für sonderbare Zirkelschlüsse dadurch herauskommen, daß man auf gewissen Gebieten Behauptungen auf sich selber zurücktreiben kann. Aber es ist eben fast in dem ganzen Umfange unserer Literatur eine außerordentlich geringe wirklich tiefere Bildung vorhanden. Daher bemerken die Leute dasjenige, was sie selbst tun, gewöhnlich durchaus nicht mehr. Deshalb wird es gerade für die Geisteswissenschaft durchaus notwendig sein, daß solche logischen Konfusionen nach jeder Hinsicht vermieden werden. Am wenigsten vermeiden solche logischen Konfusionen die modernen Philosophen, die sich mit Seelenwissenschaft beschäftigen. Und unser Beispiel ist ein typisches dafür. Wir sehen daran die Streiche, die luziferische Einflüsse dem Menschen spielen, so daß sie ihm das Seelenleben in eine Maja verwandeln und daß er sich ganz andere Motive vortäuschen kann, als sie wirklich in seinem Inneren walten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf diesem Gebiete sollte der Mensch versuchen, eine strengere Selbsterziehung zu handhaben. Heute handhabt sich das Wort gewöhnlich&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
sehr leicht. Aber dieses Wort ist auch ein furchtbarer Verführer. Und wenn das Wort nur schön klingt und nur ein klein wenig den Eindruck macht, daß ein Satz eine wohltätige Handlung vorstellt, dann wird schon das Schönklingen des Satzes Verführer sein, zu glauben, daß das betreffende Motiv in der Seele sei, während in Wahrheit das egoistische Prinzip dahinterstecken kann, von dem der Betreffende gar keine Ahnung zu haben braucht, weil er gar nicht den Willen hat, wirkliche Selbsterkenntnis zu treiben. So sehen wir Luzifer auf der einen Seite wirken. Wie wirkt nun Ahriman auf der andern Seite?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ahriman ist das Prinzip, das sich in unsere Wahrnehmungen mischt und von außen in uns hineinzieht. Nun wirkt Ahriman am allerstärksten in den Fällen, wo wir das Gefühl haben: Hier kommst du mit deinem Denken nicht mehr nach; da stehst du an einem kritischen Punkt mit deinem Denken, da fängt sich das Denken wie in einem Gedankenknäuel. - Da ergreift das ahrimanische Prinzip die Gelegenheit, um wie durch einen Spalt der Außenwelt in uns einzudringen. Wenn wir den Gang der Weltereignisse verfolgen und die mehr offenbaren Ereignisse ansehen, wenn wir zum Beispiel die heutige Physik zurückverfolgen bis zu dem Moment, wo Galilei vor der schwingenden Kirchenlampe im Dom zu Pisa saß, so können wir ein Gedankennetz über alle Ereignisse spinnen, das uns die Sache leicht erklärt; überall werden uns die Dinge erklärlich werden. Da aber, an der Stelle, wo wir zu der schwingenden Kirchenlampe kommen, da verwickeln sich unsere Gedanken. Da ist das Fenster, wo die ahrimanischen Kräfte am allerstärksten in uns eindringen, und da hört unser Denken auf, dasjenige aus den Erscheinungen zu begreifen,wasVernunft und Verständnis in die Sache hineinbringen kann. Da sitzt aber auch das, was man den Zufall nennt. Er sitzt da, wo uns Ahriman am allergefährlichsten wird. Diejenigen Erscheinungen nennt der Mensch zufällig, bei denen er durch den ahrimanischen Einfluß am allerleichtesten getäuscht werden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So wird der Mensch verstehen lernen, daß es nicht in der Natur der Tatsachen liegt, wenn er irgendwo veranlaßt wird, von Zufall zu sprechen, sondern daß es an ihm, an seiner Entwickelung liegen wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und er wird sich nach und nach dazu erziehen müssen, Maja und Illusion zu durchdringen, das heißt, dort die Dinge zu durchdringen, wo&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Ahriman am stärksten wirkt. Und gerade wo wir zu sprechen haben von wichtigen Krankheitsursachen und von einem Licht, das sich über manchen Krankheitsverlauf breiten soll, da werden wir es nötig haben, von dieser Seite her die Erscheinungen anzugreifen. Da werden wir zuerst zu verstehen suchen, inwiefern es kein Zufall ist, wenn ein Mensch gerade mit demjenigen Eisenbahnzug fährt, durch den er umkommen kann, oder wie die Dinge liegen, durch die ein Mensch gerade in einer bestimmten Zeit irgendeinem von außen wirkenden Krankheitskeim ausgesetzt ist oder einer andern Krankheitsursache. Und wenn wir mit eIner geschärften Erkenntnis den Dingen nachgehen können, werden wir imstande sein, das wahre Wesen und die ganze Bedeutung des Krankseins und des Gesundseins für das menschliche Leben noch tiefer zu begreifen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich mußte heute in ausführlicherer Weise zeigen, wie im Inneren des Menschen Luzifer zur Illusion führt und wie Ahriman sich in die äußeren Wahrnehmungen mischt und dort zur Maja führt; wie es eine Wirkung Luzifers ist, wenn sich der Mensch ein falsches Motiv vor- täuscht, und wie die falsche Annahme gegenüber der Welt der Erscheinungen - die Täuschung durch Ahriman - uns zu der Annahme eines Zufalls bringt. Diesen Grund mußte ich schaffen, bevor ich zeigen kann, wie die karmischen Ereignisse, die Ergebnisse des früheren Lebens, beim Menschen auch da wirken und auch da die Erscheinungen erklären, wo scheinbar zufällige äußere Veranlassungen zur Erzeugung von Krankheiten wirken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
= SECHSTER VORTRAG Hamburg, 21. Mai 1910 =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daß eine karmische Gesetzmäßigkeit dann wirken kann, wenn in dem gestern und vorgestern angedeuteten Sinne von dem Inneren des Menschen heraus die Krankheitsursache sich geltend macht, das wird ja leicht begreiflich sein. Wenn aber die Krankheitsursache in gewissem Sinne von außen hereinwirkt - und für wie vielerlei wird heute von der Wissenschaft die Krankheitsursache draußen gesucht in der Infektion -, wenn also das Hauptaugenmerk gerichtet werden muß auf eine äußere Veranlassung zur Krankheit: daß dann die karmische Gesetzmäßigkeit - das, was sich der Mensch als Wirkungen der Erlebnisse und Handlungen seines früheren Lebens mitgebracht hat durch die Geburt - auch in der Weise wirken kann, daß sie diese äußeren Krankheitsursachen herbeischafft, das scheint gewiß vielen noch, und mit Recht, weniger begreiflich zu sein. Dennoch aber werden wir, wenn wir noch weiter die eigentliche Wesenheit des Karma verfolgen, nicht nur verstehen lernen, wie äußere Ursachen zusammenhängen können mit dem, was wir in früheren Leben erlebt und getan haben, sondern wir werden sogar begreifen lernen, daß äußere Lebensunfälle, die uns treffen, also Ereignisse, die man so gern heute zufällig nennen möchte, in einem gesetzmäßigen Zusammenhange stehen können mit dem Verlauf voriger Leben. Allerdings werden wir noch etwas tiefer eindringen müssen in die ganze Natur der menschlichen Wesenheit, wenn wir gerade derartige, eigentlich durch unser ganzes menschliches Anschauen verschleierte Verhältnisse beleuchten wollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir haben ja gestern damit geschlossen, daß wir gezeigt haben, wie der Zufall uns immer eigentlich in einer verschleierten Gestalt das äußere Ereignis darbietet, weil an den Stellen, wo wir vom Zufall sprechen, die Möglichkeit der äußeren Täuschung, die durch die ahrimanischen Mächte herbeigeführt wird, am größten ist. Nun wollen wir einmal das Zustandekommen solcher Zufälligkeiten, das heißt solcher Ereignisse, die man im gewöhnlichen Leben als «Zufälligkeiten» bezeichnet, in einzelnen Fällen vor uns hinstellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|114}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da ist es notwendig, daß wir uns zuerst ein Gesetz, eine Wahrheit, eine Erkenntnis vorhalten: daß im Leben gar manches,was wir mit dem Ausdruck bezeichnen «von innen herauskommend», «von dem Inneren des Menschen stammend», sich schon eigentlich in eine Täuschung kleidet, weil mancherlei, was wir zunächst als im Inneren des Menschen verursacht glauben, wenn wir in Wahrheit über die Illusion hinaus- kommen, schon als etwas von außen nach innen Strömendes bezeichnet werden muß. Und ein solches tritt uns immer da entgegen, wo wir es zu tun haben mit allen jenen Erlebnissen des Menschen, allen jenen Wirkungen auf den Menschen, welche wir begreifen unter dem Namen der «vererbten Merkmale». Die vererbten Merkmale, die uns so entgegen- treten, als ob wir sie nur deshalb hätten, weil sie unsere Vorfahren auch hatten, können uns im eminentesten Maße erscheinen, als ob sie uns ohne unsere Schuld, ohne unser Zutun zugefallen wären. Und wir können leicht zu einer falschen Unterscheidung dessen kommen, was wir uns aus unseren früheren Inkarnationen mitbringen, von dem, was wir von Eltern oderVoreltern geerbt haben. Nun aber geschieht das Wieder- ein treten in eine Verkörperung keineswegs so, als ob wir ohne irgendeine Veranlassung, die mit unserem Inneren zusammenhängt, zu diesem oder jenem Elternpaar, zu diesem oder jenem Volk, in diese oder jene Gegend hingedrängt würden. Schon bei den durchaus nicht in das Gebiet der Krankheiten hineinfallenden vererbten Merkmalen dürfen wir so etwas keineswegs voraussetzen, sondern wir müssen uns sagen: Wenn zum Beispiel in einer Familie, wie der des Musikers Bach, durch viele Generationen hindurch immer wieder und wieder kleinere und größere Musiker geboren wurden - der eine ist dann gewöhnlich hervorragender, aber in der Familie Bach sind über zwanzig mehr oder weniger begabte Musiker geboren worden -, so könnte man leicht glauben, daß man es mit der reinen Vererbungslinie zu tun hätte, daß also Merkmale von den Vorfahren vererbt werden und daß der Mensch gerade deshalb, weil solche Merkmale vorliegen, gewisse aus früheren Inkarnationen mitgebrachte Eigenschaften zu musikalischen Talenten entfaltet. Das ist aber nicht so, sondern die Sache verhält sich vielmehr ganz anders.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen wir an, es würde jemand in einem Leben zwischen Geburt und Tod Gelegenheit haben, viele musikalische Eindrücke zu empfangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Diese musikalischen Eindrücke gingen aber in diesem Leben an ihm vorüber, einfach aus dem Grunde, weil er kein musikalisches Ohr hatte. Andere Eindrücke seines Lebens werden nicht an ihm in derselben Weise vorübergehen, weil er gerade so gebaute Organe hat, daß er die Erlebnisse und Eindrücke in eigene Fähigkeiten umsetzen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daher werden wir sagen können, ein Mensch habe in seinem Leben solche Eindrücke, die er durch die Anlage, welche er von seiner letzten Geburt mitbekommen hat, umzusetzen vermag in Fähigkeiten und Talente; andere Eindrücke hat er, welche er vermöge seines Gesamt karma, weil er durch dieses nicht die entsprechenden Anlagen erhalten hat, nicht umsetzen kann in die entsprechenden Fähigkeiten. Die bleiben aber vorhanden, bleiben aufgespeichert und bilden sich um in der Zeit zwischen Tod und neuer Geburt zu der besonderen Tendenz, in der nächsten Inkarnation nunmehr zum Ausleben zu gelangen. Und diese Tendenz führt den Menschen dahin, im nächsten Leben seine Leiblichkeit gerade in einer solchen Familie zu suchen, welche ihm die entsprechenden Anlagen geben kann. Hat also jemand viele musikalische Eindrücke empfangen und sie wegen eines unmusikalischen Ohres nicht umwandeln können in musikalische Fähigkeiten oder Genüsse, so wird gerade diese Unmöglichkeit die Tendenz in seiner Seele hervorrufen, in eine solche Familie hineinzukommen,welche ihm ein musikalisches Ohr vererben kann. So verstehen wir es, daß, wenn in einer Familie sich der Bau des Ohres ebenso vererbt wie etwa die äußere Form der Nase, alle diejenigen Individualitäten sich zusammendrängen werden in diese Familie, die gerade lechzen - infolge ihrer früheren Inkarnation - nach dem Besitz eines musikalischen Ohres. Und so sehen wir, daß der Mensch in der Tat nicht «zufällig» in irgendeiner Inkarnation ein musikalisches Ohr oder ähnliches geerbt hat, sondern daß er diese vererbten Merkmale gesucht hat, wirklich aufgesucht hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beobachten wir jetzt einen solchen Menschen vom Zeitpunkt seiner Geburt an, dann wird es uns so vorkommen, als ob das musikalische Ohr in ihm wäre, eine Eigenschaft in seinem Inneren. Würden wir aber mit unseren Betrachtungen hinübergehen vor seine Geburt, so würden wir finden, wie das musikalische Ohr, das er sich erst aufgesucht hat, etwas ist, was von außen an ihn herangekommen ist. Vor der Geburt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|116}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
oder Empfängnis war das musikalische Ohr nicht etwas, was in seinem Inneren war, sondern da war nur die Tendenz vorhanden, zu einem solchen Ohr hingetrieben zu werden. Da hat der Mensch ein Äußeres an sich herangezogen. Vor der Wiederverkörperung war die Eigenschaft, die wir nachher eine vererbte nennen, etwas Äußeres; das ist an den Menschen herangekommen, er ist dazu hingeeilt. Mit der Verkörperung wird es dann etwas Inneres und tritt in dem Inneren dieses Menschen auf. - Reden wir also von «vererbten Anlagen», so geben wir uns wieder einer Täuschung hin, welche darin besteht, daß wir etwas, was erst ein Innres geworden ist, nicht in jenem Zeitpunkt betrachten, wo es noch ein Äußeres war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fragen wir uns nun einmal, ob es so wie in diesem Falle, den wir jetzt angeführt haben, nicht auch mit äußeren Ereignissen sein könnte, welche während unseres Lebens zwischen Geburt und Tod eintreten, daß auch da ein Äußeres sich in ein Inneres verwandeln könnte? - Diese Frage würden wir uns nicht beantworten können, wenn wir nicht noch tiefer als bisher das Wesen von Krankheit und Gesundheit ins Auge fassen. Wir haben mancherlei angeführt, um Krankheit und Gesundheit zu charakterisieren, und Sie wissen, daß ich nicht definiere, sondern versuche, nach und nach die Dinge zu beschreiben, immer mehr Merkmale zu den Dingen hinzuzufügen, damit sie nach und nach begreiflich werden. Also mehr Merkmale wollen wir jetzt hinzufügen zu den schon gewonnenen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir müssen Krankheit und Gesundheit vergleichen mit etwas, was Im normalen Leben auftritt; dann werden wir etwas noch Tieferes finden&amp;gt; nämlich den Vergleich mit Schlafen und Wachen. Was geschieht im Menschenwesen, wenn die täglichen Zustände Wachen und Schlafen miteinander abwechseln? Wir wissen&amp;gt; daß beim Einschlafen im Bette zurückgelassen wird der physische Leib und der Ätherleib und daß herausgehen aus dem physischen Leib und dem Ätherleib der astralische Leib und das Ich. Es ist also das Einschlafen für uns ein Herausziehen von Ich und astralischem Leib aus physischem Leib und Ätherleib; das Aufwachen dagegen ist ein Wiederhineingehen des astralischen Leibes und des Ich in den physischen Leib und Ätherleib. Jeden Morgen beim Aufwachen taucht also der Mensch unter in seinen physischen Leib und&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|117}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ätherleib mit dem, was er als innerer Mensch, als astralischer Leib und als Ich ist. Was geschieht nun in bezug auf das, was sich im Menschenwesen als Erlebnis abspielt beim Einschlafen und beim Aufwachen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir den Moment des Einschlafens ins Auge fassen, so stellt ersich uns so dar, daß alle Erlebnisse, die vom Morgen bis zum Abend inunserem Leben auf und ab fluten, daß vor allem die Seelenerlebnisse Lust und Leid, Freude und Schmerz, Leidenschaften, Vorstellungen und so weiter hinuntersinken in ein Unbewußtes. Wir selber sind im normalen Leben, wenn wir schlafen, einem Unbewußten hingegeben.Warum werden wir mit dem Einschlafen unbewußt? - Wir wissen ja, daß wir während des Schlafzustandes von einer geistigen Welt umgeben sind, wie wir imWachzustande umgeben sind von den Dingen und Tatsachen der physisch-sinnlichen Welt. Warum sehen wir diese geistige Welt nicht? Im gewöhnlichen normalen Leben sehen wir die geistigen Tatsachen und geistigen Dinge, die um uns herum sind, aus dem Grunde nicht, weil für uns dieses Sehen bei der gegenwärtigen Menschenreife vom Einschlafen bis zum Aufwachen im höchsten Grade gefahrbringend wäre. In dem Augenblick, wo der Mensch heute bewußt übergehen würde in die Welt, die ihn zwischen Einschlafen und Aufwachen um- gibt, würde zwar sein astralischer Leib, der ja während der alten Mondenzeit seine volle Ausbildung erfahren hat, in die geistige Welt aus- fließen; aber nicht könnte es das Ich, das ja erst während der Erdenzeit sich entwickeln soll und vollständig entwickelt sein wird am Ende der Erdenzeit. Das Ich ist noch nicht so voll entwickelt, daß es vom Einschlafen bis zum Aufwachen seine volle Tätigkeit entfalten könnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist mit dem Ich so, daß wir den Zustand, in den es käme, wenn der Mensch bewußt einschlafen würde, damit vergleichen könnten, daß wir sagen: Nehmen wir an, wir haben ein kleines Tröpfchen einer gefärbten Flüssigkeit, das bringen wir in ein Bassin mit Wasser und lassen es sich darinnen verteilen. Dann wird man von der Farbe dieses Tröpfchens nichts mehr sehen, weil es sich in der ganzen breiten Masse hat auflösen müssen. - So etwas geschieht auch, wenn der Mensch im Einschlafen aus dem physischen Leib und Ätherleib herausgeht. Physischer Leib und Ätherleib sind das, was die ganze menschliche Wesenheit zusammenhält. In dem Augenblick, wo der astralische Leib und das Ich &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|118}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die beiden unteren Glieder verlassen, streben sie auseinander nach allen Seiten hin, haben nur das Bestreben, sich fortwährend auszudehnen. Es würde also dem Ich so gehen, daß es aufgelöst würde, und der Mensch würde vor sich haben zwar die Bilder der geistigen Welt, aber er würde sie mit denjenigen Kräften, die nur sein Ich entfalten kann - denn das Ich wäre ja aufgelöst -, also mit Urteilskräften und Begriffsvermögen und so weiter, nicht verfolgen können, also nicht mit demselben Bewußtsein, mit welchem er die Zustände des Alltags verfolgt. Er würde außer sich sein, würde hin und her gerissen, wesens- und richtungslos schwimmend auf dem Meere der astralischen Eindrücke. Aus diesem Grunde, weil das Ich noch nicht stark genug ist im normalen Zustande des Menschen, wird das Ich so lange zurückwirken auf den astralischen Leib und ihn verhindern, bewußt einzutreten in seine eigentliche Heimat, in die geistige Welt, bis das Ich selber überall mit hin kann, wohin der astralische Leib dringt. So also hat es einen guten Sinn, daß wir das Bewußtsein verlieren im Einschlafen. Wir könnten unser Ich nicht erhalten. Wir werden es erst erhalten können in genügender Weise, wenn die Erdentwickelung an ihrem Ende angekommen sein wird. Deshalb sollen wir auch unseren astralischen Leib nicht entfalten können in bezug auf seine Bewußtseinsfähigkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gerade das Umgekehrte tritt ein, wenn der Mensch aufwacht. Wenn er aufwacht und untertaucht in den physischen Leib und Ätherleib, würde er eigentlich erleben müssen das Innere des physischen Leibes und des Ätherleibes. Das tut er aber nicht. Im Augenblick des Aufwachens wird er verhindert, hineinzuschauen in das Innere seiner Leiblichkeit, denn da wird gleich die Aufmerksamkeit auf die äußeren Erlebnisse gelenkt. Da wird nicht seine Sehkraft, seine Erkenntniskraft dahin gelenkt, sein Inneres zu durchschauen, sondern sie wird abgelenkt auf die Außenwelt. Würde der Mensch sich im Inneren ergreifen, so würde genau das Gegenteil eintreten von dem, was eintritt, wenn sich der Mensch bewußt beim Einschlafen in die geistige Welt hineinbegeben könnte. Alles, was der Mensch sich schon im Verlaufe des Erdenlebens an Geistigem durch sein Ich errungen hat, das würde sich zusammendrängen und es würde jetzt im physischen Leibe und Ätherleibe nach demUntertauchen mit aller Kraft auf ihn wirken. Das würde zur Folge &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
haben, daß alles, was nur irgendwie egoistische Eigenschaft ist, sich mit aller Macht entfalten würde. Und der Mensch würde hinuntertauchen mit seinem Ich und würde mit jedem Stück, mit dem er hinuntertaucht, seine Leidenschaften,Triebe und Begierden in einem immer kraftvolleren Egoismus ergießen. Aller Egoismus würde sich ergießen in sein Trieb- leben. Damit das nicht geschieht, werden wir abgelenkt auf die Außenwelt und nicht mit unserem Bewußtsein in unser Inneres hineingelassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daß das so ist, kann auch aus den Berichten derjenigen hervorgehen, die als Mystiker versuchten, wirklich hineinzukommen in das menschliche Innere. Sehen Sie sich um bei Meister Eckart, bei Johannes Tauler oder bei sonstigen Mystikern des Mittelalters, welche wirklich den Gang in das menschliche Innere unternommen haben. Da haben Sie Mystiker, welche sich hingegeben haben einem Zustand, wo sie ihre Aufmerksamkeit vollständig ablenkten von dem, was sie an der Außenwelt interessieren konnte, um hinunterzusteigen in das eigene Innere. Lesen Sie die Biographien der Heiligen oder der Mystiker, die in das eigene Innere hineinzusteigen versuchten. Was haben sie erfahren? Versuchungen, Anfechtungen und dergleichen, die sie in lebendigen Farben schildern. Das war dasjenige, was sich aus dem zusammengepreßten astralischen Leib und Ich als eine Widerkraft geltend machte. Daher haben diejenigen, welche sozusagen ungeschoren als Mystiker in das eigene Innere hinuntersteigen wollten, mit aller Macht darauf gedrungen, daß in demselben Maße, als sie hinunterstiegen, das Ich ausgelöscht würde. Ein schönes Wort hat sogar Meister Eckart gefunden, um dieses Hinuntersteigen in die eigene Leiblichkeit zu bezeichnen. Er spricht von «Entwerdung&amp;gt;, das heißt Auslöschen des Ich. Und lesen Sie in der «Deutschen Theologie», wie der Verfasser darstellt den mystischen Gang in das menschliche Innere, wie er darauf dringt, daß derjenige, der hinuntersteigen will in die Leiblichkeit, nic`ht mehr aus seinem Ich handelt, sondern daß in ihm der Christus handelt, mit dem er sich ganz durchdrungen hat. Auslöschen wollten solche Mystiker ihr Ich. Nicht sie sollen denken, fühlen und wollen, sondern der Christus in ihnen soll denken, fühlen und wollen, damit nicht dasjenige aus ihnen herauskommt, was in ihnen als Leidenschaften, Trieb und Begierde lebt, sondern damit dasjenige herauskommt, was sich als der &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|120}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Christus in sie ergießt. Daher sagt Paulus: «Nicht ich, sondern der Christus in mir»! Aus solchen Tiefen gehen solche Dinge hervor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So können wir schildern Aufwachen und Einschlafen als innere Erlebnisse der menschlichen Wesenheit: Aufwachen als ein Hinunter- tauchen der zusammengepreßten Ichheit in die Leiblichkeit des Menschen, Einschlafen als ein Sich-Befreien vom Bewußtsein, weil man noch nicht reif ist, in jener Welt zu schauen, in die man eigentlich hin- eindringen muß beim Einschlafen. Dadurch verstehen wir Wachen und Schlafen in jenem Sinne, in welchem wir mancherlei in der Welt verstehen müssen: als das Sich-Durchdringen der verschiedenen Glieder der menschlichenWesenheit. Betrachten wir von diesem Gesichtspunkte aus einen wachenden Menschen, so sagen wir: In dem wachenden Menschen stecken darinnen vier Glieder der menschlichen Wesenheit: physischer Leib, Ätherleib, astralischer Leib und Ich, und sie stecken in einer bestimmtenWeise ineinander.Was folgt daraus? Eben das Wachen! Denn es könnte der Mensch nicht wachen, wenn er nicht so hineinsteigen würde in seine Leiblichkeit, daß die Aufmerksamkeit durch die Außenwelt abgelenkt würde. Gerade von einem ganz bestimmten, geregelten Zusammenwirken der vier Glieder des Menschen hängt es ab, daß der Mensch wacht. Und wieder von dem richtigen Getrenntsein seiner vier Glieder hängt es ab, daß der Mensch schläft. Wir reichen damit nicht aus, daß wir sagen: Der Mensch besteht aus physischem Leib, Ätherleib, astralischem Leib und Ich, sondern wir verstehen den Menschen erst dann&amp;gt; wenn wir wissen, in welchem Grade die verschiedenen Glieder bei einem bestimmten Zustande miteinander verknüpft sind, wie sie ineinanderstecken. Das ist dasWesentliche für die Erkenntnis der menschlichen Natur. Nun betrachten wir die Art des Zusammengefügtseins der vier Glieder des Menschen, wie es uns beim wachen- den Menschen entgegentritt, als das Normale. Wir wollen einmal von diesem Begriff ausgehen: als das Normale den Zustand des wachenden Menschen zu betrachten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun werden sich die meisten von Ihnen erinnern, daß das Bewußtsein, welches wir gegenwärtig als Erdenmenschen haben zwischen Geburt und Tod, nur eine ist von den überhaupt möglichen Bewußtseinsformen. Wenn Sie zum Beispiel die «Geheimwissenschaft im Umriß» &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
oder die früheren Aufsätze «Aus der Akasha-Chronik» studieren, so werden Sie sehen, daß das heutige Bewußtsein eine Bewußtseinsstufe unter sieben verschiedenen Bewußtseinsstufen ist, daß dieses Bewußtsein, das wir heute haben, sich erst entwickelt hat aus drei andern, vorangegangenen Bewußtseinszuständen und sich später entwickeln wird zu drei andern, nachfolgenden Bewußtseinsformen. Während der Mensch Mondenmensch war, hatte er noch kein Ich. Das Ich verband sich mit dem Menschen erst während der Erdenzeit. Daher konnte der Mensch auch die heutige Art des Bewußtseins erst während der Erden- zeit haben. Ein solches Bewußtsein wie das, was wir heute haben zwischen Geburt und Tod, setzt voraus, daß das Ich genau so, wie es heute der Fall ist, mit den andern drei Gliedern zusammenwirkt und das h&amp;amp;hste ist unter den vier Gliedern der menschlichen Wesenheit. Bevor der Mensch mit dem Ich befruchtet worden ist, bestand er nur aus physischem Leib, Ätherleib und astralischem Leib. Da war der astralische Leib sein höchstes Glied, und sein Bewußtseinszustand war ein solcher, daß wir ihn heute höchstens, wenn wir etwas aus dem gewöhnlichen Leben nehmen, mit dem vergleichen könnten, was der Mensch sich wie ein altes Erbstück erhalten hat im Traumbewußtsein. Aber Sie müssen sich nicht das heutigeTraumbewußtsein vorstellen, sondern ein solches, das in den Bildern des Traumes Realitäten`wiedergibt. Wenn Sie den heutigen Traum studieren, werden Sie in den yerschiedensten Bildern recht viel Chaotisches finden, weil das heutige Traumbewußtsein ein altes Erbstück ist. Aber wenn Sie das Bewußtsein, welches dem heutigen vorangegangen ist, studieren würden, dann würden Sie finden, daß Sie äußere Gegenstände, zum Beispiel Pflanzen, damals nicht würden gesehen haben. Also es wäre ein äußerer Eindruck auf den Menschen unmöglich gewesen. Wenn etwas in die Nähe des Menschen gekommen wäre, hätten Sie einen Eindruck bekommen, der seinen Umweg nimmt über das Traumbild in das menschliche Innere, das also ein Sinnbild ist, welches aber einem bestimmten äußeren Gegenstande und Eindruck entsprochen haben würde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also wir haben es vor dem Ich-Bewußtsein zu tun mit einem solchen Bewußtsein, das an den astralischen Leib als das damals höchste Glied gebunden ist, das astralische Bewußtsein, das dumpf und dämmerhaft &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|122}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ist und noch nicht durchleuchtet ist von dem Lichte des Ich. Dieses astralische Bewußtsein ist beim Menschen, als er Erdenmensch geworden ist, überleuchtet worden, übertönt worden von dem Ich-Bewußtsein. Nun ist aber der astralische Leib noch immer in uns, und wir können fragen: Wodurch ist das geschehen, daß unser astralisches Bewußtsein überhaupt hat übertönt, ausgeschaltet werden können, so daß das Ich-Bewußtsein ganz an seine Stelle treten konnte? - Das wurde dadurch möglich, daß durch die Befruchtung des Menschen mit dem Ich die frühere Verbindung zwischen astralischem Leib und Ätherleib zu einer viel loseren gemacht worden ist. Es ist sozusagen die frühere innigere Verbindung gelöst worden. Also es war vor dem Ich-Bewußtsein eine viel innigereVerbindung vorhanden zwischen dem astralischen Leib des Menschen und den niedrigeren Gliedern seiner Wesenheit. Esdrängte sich der astralische Leib viel mehr hinein in die andern Glieder, als er es heute tut. Entrissen worden ist in einer gewissen Beziehung der` astralische Leib dem Ätherleib und dem physischen Leib.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun müssen wir uns einmal diesen Vorgang des sozusagen teilweisen Herausgehens, des Losemachens des astralischen Leibes von Ätherleib und physischem Leib ganz klarmachen. Dann werden wir uns fragen: Gibt es vielleicht auch heute noch die Möglichkeit, bei unserem gewöhnlichen Ich-Bewußtsein etwas herzustellen, was dieser alten Verbindung ähnlich wäre? Könnte es auch heute im Menschenleben geschehen, daß der astralische Leib tiefer hinein will in die andern Glieder, als er soll, sich mehr mit allerlei imprägniert und durchdringt, als es ihm zukommt?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also ein gewisses Normalmaß ist notwendig für das Durchdringen des astralischen Leibes mit Ätherleib und physischem Leib. Nehmen wir nun an, das Normalmaß wird nach irgendeiner Richtung hin überschritten. Dann wird eine Störung eintreten müssen im ganzen menschlichen Organismus; denn was der Mensch heute ist, das hängt davon ab, daß dieses bestimmte Verhältnis zwischen den verschiedenen Wesensgliedern da ist, das uns im wachenden Menschen vor Augen tritt. In dem Augenblicke, wo sich der astralische Leib unrichtig benimmt, wo er tiefer hineindringt in physischen Leib und Ätherleib, muß eine Störung auftreten. Nun haben wir aber in den letzten Betrachtungen gesehen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|123}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
daß das, was wir jetzt folgern, wirklich geschieht. Wir haben den ganzen Vorgang nur von der andern Seite her dargestellt. Wann geschieht es denn?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es geschieht dann, wenn der Mensch in einem früheren Leben in seinen astralischen Leib etwas hineingeprägt hat, irgend etwas hat ein- fließen lassen, was wir für das frühere Leben als eine moralische oder intellektuelle Verfehlung auffassen. Das hat sich dem astralischen Leib eingegraben. Das ist jetzt etwas, wenn der Mensch neuerdings ins Leben tritt, was in der Tat den astralischen Leib veranlassen kann, einen andern Zusammenhang zu suchen mit dem physischen Leib und Ätherleib, als er ihn gesucht hätte, wenn er nicht diese Verfehlung im vorigen Leben in sich hineingeprägt hätte. Also gerade unsere Verfehlungen sind es, die sich unter dem Einfluß von Ahriman und Luzifer vollzogen haben und sich umgestaltet haben in organisierende Kräfte, welche im neuen Leben den astralischen Leib veranlassen, sich anders zum physischen Leib und Ätherleib zu stellen, als er es tun würde, wenn sich solche Kräfte nicht in ihn hineingedrängt hätten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So sehen wir, wie gerade dieWirkungen früherer Gedanken, Empfindungen und Gefühle den astralischen Leib zu dem veranlassen, was Unordnung hervorrufen muß in der menschlichen Organisation. Wenn aber solche Unordnung hervorgerufen wird, was tritt dann ein? Wenn sich der astralische Leib mehr hineindrängt in den physischen Leib und Ätherleib, als er es beim normalen Menschen sollte, so tut er etwas ganz Ähnliches, wie wir des Morgens tun beim Aufwachen, wo wir in dem Moment des Aufwachens mit unserem Ich in unsere zwei Leiber hinuntertauchen. Aufwachen besteht im Hinuntertauchen des Ich-Menschen in den physischen Leib und Ätherleib. Worin besteht nun das, was der astralische Leib tut, wenn er mehr in den physischen Leib und Äther leib hineintritt, als er soll, veranlaßt durch die Wirkungen früherer Erlebnisse? - Was sonst eintritt, wenn wir mit dem Ich und astralischen Leib untertauchen in den physischen Leib und Ätherleib, wenn wir des Morgens aufwachen und etwas wahrnehmen, das zeigt sich gerade darin, daß wir aufwachen. Wie der ganze Wachzustand die Folge ist des Untertauchens des Ich-Menschen in den physischen Leib und Ätherleib, so muß jetzt etwas auftreten, was der astralische Leib tut, also &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
etwas, was wir sonst als Ich-Menschen tun. Er taucht unter in den Äther- und physischen Leib. Wenn wir also einen Menschen vor uns haben, bei dem der astralische Leib die Tendenz aufgenommen hat, sich mehr zu vereinigen mit Ätherleib und physischem Leib, als es normalerweise der Fall sein sollte, so haben wir dieselbe Erscheinung für den Astralleib vor uns, welche wir sonst beim Aufwachen für den Ich Menschen vor uns haben. Was ist dieses zu starke Eindringen des astralischen Leibes in den Ätherleib und physischen Leib? Das ist etwas, was wir sonst als das Wesen der Krankheit bezeichnen können. Wenn unser astralischer Leib dasselbe tut, was wir sonst beim Aufwachen tun, nämlich sich hineindrängt in den physischen Leib und Ätherleib, wenn der astralische Leib, der sonst bei uns kein Bewußtsein entwickeln sollte, nach einem Bewußtsein strebt im physischen Leib und Ätherleib, wenn er in uns aufwachen will, dann werden wir krank. Krankheit ist ein abnormer Wachzustand unseres astralischen Leibes. Was tun wir denn eigentlich, wenn wir im normalen Wohlbefinden stehen, wenn wir im gewöhnlichen Wachzustand leben? Dann wachen wir für das gewöhnliche Leben. Aber damit wir das gewöhnliche Wachbewußtsein haben können, mußten wir ja den astralischen Leib früher in eine andere Verbindung bringen. Wir mußten ihn zum Schlafen bringen. Der astralische Leib muß, wenn wIr am Tage unser Ich-Bewußtsein haben, schlafen; wir können nur gesund sein, wenn unser astralischer Leib schläft in uns. Daher können wir jetzt das Wesen von Gesundheit und Krankheit in folgender Weise auffassen: Krankheit ist ein abnormes Auf- wachen des astralischen Leibes im Menschen, und Gesundheit ist der normale Zustand des Schlafens des astralischen Leibes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und was ist denn das Bewußtsein dieses astralischen Leibes? Wenn wirklich Krankheit das Aufwachen des astralischen Leibes wäre, müßte ja etwas bei ihm eintreten wie ein Bewußtsein. Er wacht abnormerweise auf; also könnten wir ein abnormes Bewußtsein erwarten; aber ein Bewußtsein müßte da sein. Wenn wir in die Krankheit verfallen, müßte etwas Ähnliches entstehen, wie es sonst des Morgens beim Aufwachen eintritt. Es müßte unser Erleben abgelenkt werden auf irgend etwas anderes. Am Morgen taucht sonst unser gewöhnliches Bewußtsein auf. Weiin wir nun krank werden, taucht dann ein Bewußtsein auf? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Ja, es taucht ein Bewußtsein auf, das der Mensch nur allzugut kennt. Und welches ist dieses Bewußtsein? Ein Bewußtsein drückt sich in Erlebnissen aus! Das Bewußtsein, was da auftaucht, drückt sich aus in dem, was wir den Krankheitsschmerz nennen, den wir nicht haben im normalen Wohlbefinden des Wachzustandes, weil da unser astralischer Leib gerade schläft. Schlafen des astralischen Leibes heißt, daß er sich in regelmäßigem Zusammenhang befindet mit physischem Leib und Ätherleib, bedeutet Schmerzlosigkeit. Der Schmerz ist der Ausdruck dafür, daß der astralische Leib sich so hineinpreßt in den physischen Leib und Ätherleib, wie er nicht drinnen sein soll - und zum Bewußtsein kommt. Das ist der Schmerz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun handelt es sich darum, daß wir nicht etwa das, was eben gesagt worden ist, wieder grenzenlos ausdehnen. Es muß, wenn geisteswissenschaftlich gesprochen wird, immer die Grenze eingehalten werden, innerhalb deren etwas gesagt wird. - Es ist gesagt worden, daß wenn unser astralischer Leib aufwacht, ein Bewußtsein entsteht, das von Schmerz durchtränkt ist. Daraus dürfen wir aber nicht schließen, daß Schmerz und Krankheit immer zusammenfallen. Es ist durchaus ein jegliches Hineinpressen des astralischen Leibes in den Ätherleib und physischen Leib ein Kranksein. Aber umgekehrt besteht nicht jedes Kranksein darin, und daß Kranksein auch einen anderen Charakter haben kann, werden wir uns dadurch begreiflich machen können, daß keineswegs alles Kranksein von Schmerzen begleitet ist. Das beachten nur die meisten Menschen deshalb nicht, weil sie zumeist im Leben nicht anstreben, gesund zu sein, sondern sie streben an, schmerzlos zu sein, und wenn sie schmerzlos sind, halten sie das für gesund. Das ist nicht immer so; aber in sehr vielen Fällen wird der Mensch glauben, wenn er schmerzlos ist, sei er gesund. Wir würden uns einer gewaltigen Täuschung hingeben, wenn wir glauben wollten, daß Schmerzempfinden und Kranksein zusammenfällt. Es kann die Leber eines Menschen durch und durch beschädigt sein; wenn der Schaden nicht ein solcher ist, daß durch ihn zum Beispiel das Bauchfell affiziert wird, so tritt gar kein Schmerz auf. Es kann der Mensch einen Krankheitsprozeß in sich haben, der sich gar nicht in Schmerzen äußert. Das kann in vielen Fällen so sein.Vor einer objektiveren Betrachtung sind diese Erkrankungen sogardie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|126}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
schlimmeren. Denn wenn der Mensch Schmerzen empfindet, geht er darauf aus, die Schmerzen loszuwerden; wenn er keine Schmerzen hat, gibt er sich nicht besonders viel Mühe, die Krankheit loszubekommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie verhält es sich nun mit den Erscheinungen, wo keine Schmerzen mit den Krankheitsfällen parallel gehen? Was haben wir da getan? - Da brauchen wir uns nur zu erinnern, daß wir uns wirklich als menschliche Wesen, wie wir heute sind, nach und nach entwickelt haben, daß wir während der Erdenzeit das Ich hinzugefügt haben zu astralischem Leib, Ätherleib und physischem Leib. Aber wir waren auch einmal ein Mensch, der nur physischen Leib und Ätherleib gehabt hat. Ein Wesen, das nur physischen Leib und Ätherleib hat, ist wie eine heutige Pflanze. Bei solchen Wesen kommen wir zu einem dritten Grade von Bewußtsein, einem viel, viel dumpferen Bewußtsein, das nicht einmal bis zur Helligkeit des heutigen Traumbewußtseins hinaufreicht. Es ist ja durchaus ein Irrwm, wenn wir glauben, daß der Mensch im Schlafe kein Bewußtsein hat. Er hat ein Bewußtsein; nur ist es so dumpf, daß er es nicht bis zur Erinnerung in seinem Ich heraufrufen kann. Aber auch in der Pflanze sitzt ein solches Bewußtsein. Es ist eine Art Schlafbewußtsein, also ein noch tieferes als das astralische Bewußtsein. Da kommen wir herunter zu einem noch tieferen Bewußtsein des Menschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen wir nun an, der Mensch habe durch Erlebnisse in früheren Inkarnationen nicht nur solche Unordnung hineingebracht in seine Organisation, welche den astralischen Leib veranlaßt, sich in unordentlicher Weise hineinzuversenken in den physischen Leib und Ätherleib, sondern er habe so etwas vollführt, was den Ätherleib veranlassen kann, in unrichtigerWeise sich in den physischen Leib hineinzudrängen. Es kann durchaus ein solcher Zustand eintreten, daß auch die Verbindung zwischen Ätherleib und physischem Leib nicht die für den heutigen Menschen normale ist, daß sich der Ätherleib zu tief hineindrängt in den physischen Leib. Der astralische Leib, sagen wir, wäre dabei gar nicht beteiligt, sondern was da im früheren Leben veranlagt worden ist, das bewirkt in der menschlichen Organisation eine dichtere Zusammenfügung von Ätherleib und physischem Leib, als es sonst sein soll. Da haben wir dasselbe bei dem Ätherleib, was wir bei dem astralischen Leibe haben im Schmerzbewußtsein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Wenn der Ätherleib sich nun seinerseits zu tief hineinversenkt in den physischen Leib, so taucht ein Bewußtsein auf ähnlich wie des Menschen Schlafbewußtsein, wie das Pflanzenbewußtsein. Kein Wunder daher, daß das auch ein Zustand ist, der vom Menschen gar nicht empfunden wird. Wie er nicht im Schlaf empfindet, so empfindet er auch jetzt diesen Zustand nicht. Und doch ist es ein Aufwachen! Wie unser astralischer Leib abnormerweise aufwacht, wenn er zu tief hinunter- taucht in den Ätherleib und physischen Leib, so wacht der Ätherleib in abnormer Weise auf, wenn er zu tief in den physischen Leib hinein- taucht. Nur kann es der Mensch nicht wahrnehmen, weil es das Auf- wachen zu einem noch dumpferen Bewußtsein als das Schmerzbewußtsein ist. Aber nehmen wir an, der Mensch hätte wirklich in einem früheren Leben so etwas vollzogen, was sich zwischen Tod und neuer Geburt dazu umwirkt, daß der Ätherleib für sich aufwacht, das heißt, intensiven Besitz ergreift vom physischen Leib. Wenn das geschehen ist, lebt auf im Menschen ein tiefes Bewußtsein, das aber nicht in der Weise wahrgenommen werden kann, wie die sonstigen Erlebnisse der menschlichen Seele wahrgenommen werden. Braucht es deshalb nicht zu wirken, weil es nicht wahrgenommen wird? Versuchen wir uns klarzumachen, was ein Bewußtsein für eine eigentümliche Tendenz erhält, wenn es anfängt, um einen Grad tiefer zu liegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn Sie einen solchen äußeren Eindruck erleben, wie zum Beispiel wenn Sie sich verbrennen, so verursacht das Schmerz.Wenn ein Schmerz entstehen soll, so muß das Bewußtsein wenigstens den Grad des Bewußtseins des astralischen Leibes haben. Ein Schmerz muß im astralischen Leibe leben. Wo also irgendeinmal in der Menschenseele Schmerz entsteht, ist eine Tatsache des astralischen Leibes vorhanden. Nehmen wir aber einmal an, es geschehe etwas, was nicht mit Schmerzen verbunden wäre, was dennoch aber einen äußeren Reiz, einen äußeren Eindruck hervorruft. Wenn irgend etwas auf Ihr Auge zufliegt, so verursacht das einen äußeren Reiz; das Auge schließt sich. Schmerz ist damit nicht verbunden. Was ruft der Reiz hervor? Eine Bewegung. Das ist etwas Ähnliches, wie wenn Ihre Fußsohle berührt wird: Schmerz ist es nicht - dennoch zuckt der Fuß. Es gibt also auch solche Eindrücke auf den Menschen, die nicht von Schmerzen begleitet sind, die dennoch &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
aber herausfordern irgendein Geschehnis, eine Bewegung. Da weiß der Mensch nicht - weil er nicht bis in diesen tiefen Grad des Bewußtseins hinunterdringen kann -, wie so etwas zustande kommt, daß eine Bewegung folgt auf den Reiz. Wenn Sie Schmerz empfinden, und Sie weisen dadurch etwas zurück, so ist es der Schmerz, der Sie aufmerksam gemacht hat auf das, was Sie dann zurückweisen. Es kann aber etwas auftreten, was Sie zu einer inneren Bewegung drängt, zu einer Reflexbewegung. Da dringt das Bewußtsein nicht bis zu dem Grade hinunter, wo der Reiz in Bewegung umgesetzt wird. Da haben Sie einen solchen Bewußtseinsgrad, der nicht in Ihre astralischen Erlebnisse hineinkommt, der bewußt nicht erlebt wird, der in einer Art von Schlafbewußtseinssphäre verläuft, der aber darum doch nicht so ist, daß er nicht zu Geschehnissen führen könnte. Wenn ein solches tieferes Eindringen des Ätherleibes in den physischen Leib stattfindet, so ist dies das Hervorbringen eines Bewußtseins, das nicht ein Schmerzbewußtsein ist, weil sich der astralische Leib nicht daran beteiligt, sondern das so dumpf ist, daß es der Mensch nicht wahrnimmt. Damit ist aber nicht gesagt, daß der Mensch in diesem Bewußtsein keine Handlungen ausführen kann, nicht etwas tun könnte, was der ganzen Sachlage entspräche. Der Mensch führt ja auch sonst Handlungen aus, bei denen sein Bewußtsein nicht dabei ist. Sie brauchen nur daran zu denken, wo das gewöhnliche Tagesbewußtsein ausgelöscht ist und der Mensch als Nachtwandler alle möglichen Handlungen ausführt. Da ist nicht etwa gar kein Bewußtsein vorhanden, sondern es ist ein solches Bewußtsein daran beteiligt, das der Mensch nicht miterleben kann, weil er nur die zwei höchsten Bewußtseinsformen erleben kann: das astralische Bewußtsein als Lust und Leid und dergleichen und das Ich-Bewußtsein als Urteil und als gewöhnliches Tagesbewußtsein. Deshalb ist aber die Sache doch nicht so, daß der Mensch aus diesem Schlafbewußtsein heraus nicht handeln könnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun haben wir also auch ein solches tiefes Bewußtsein, das der Mensch nicht mehr erreichen kann, wenn der Ätherleib hinuntersteigt in den physischen Leib. Nehmen wir an, er will aber doch etwas tun, wovon er im normalen Leben nichts wissen kann, was irgendwie mit der Sachlage zusammenhängt, dann wird er das tun, ohne daß er davon &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
etwas weiß. In ihm wird etwas, wird die Sache selbst das tun, ohne daß er selber davon weiß. - Betrachten wir jetzt einen Menschen, der durch irgendwelche Vorkommnisse in einem früheren Leben Ursachen in sich gelegt hat, welche in der Zeit zwischen Tod und neuer Geburt hinunterwirken bis dahin, wo sie zu einem tieferen Eindringen des Ätherleibes in den physischen Leib führen. Dann werden daraus Handlungen hervorgehen, welche zum Auswirken von tieferliegenden Krankheits prozessen führen. Da wird der Mensch dazu gedrängt werden können, äußere Veranlassungen zu Krankheiten geradezu aufzusuchen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es kann sonderbar erscheinen, daß das nicht klar erscheint für das gewöhnliche Ich-Bewußtsein. Der Mensch würde es aber aus seinem gewöhnlichen Ich-Bewußtsein heraus auch nie tun. Er wird sich nie aus seinem gewöhnlichen Ich-Bewußtsein heraus befehlen, in einen Herd von Bazillen einzudringen. Nehmen wir aber an, jenes dumpfe Bewußt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
seIn findet, daß es nötig ist, daß eine äußere Schädigung eintrete und daß sich das abspielen kann, was wir gestern genannt haben den ganzen Sinn des Krankseins. Dann sucht dieses Bewußtsein&amp;gt; das in den physischen Leib hineindringt, die Krankheitsursache auf. Es ist das eigene Wesen des Menschen, das die Krankheitsursache aufsucht, um das zu erreichen, was wir gestern den Krankheitsprozeß genannt haben. So werden Sie aus dem tieferen Wesen der Krankheit heraus begreifen, daß selbst dann, wenn noch keine Schmerzen auftreten, noch immer Gegenwirkungen auftreten können. Und auch wenn Schmerzen sich zeigen, kann noch immer, wenn nur der Ätherleib zu stark eindringt in den physischen Leib, dasjenige eintreten, was man nennen kann das Suchen von äußeren Krankheitsursachen durch tiefergelegene Schichten des menschlichen Bewußtseins selbst. So grotesk es klingt, so ist es doch richtig: Wir suchen uns, ebenso wie unsere vererbten Merkmale, mit einem andern Bewußtseinsgrade unsere äußeren Krankheitsursachen, wenn wir sie brauchen. Das eben Gesagte gilt aber wieder nur in den Grenzen dessen, wie es heute dargestellt ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heute hat es sich vorzugsweise darum gehandelt, gerade klarzulegen, daß der Mensch imstande sein kann, ohne daß er es mit dem ihm bekannten Bewußtseinsgrade verfolgen kann, die Krankheit dadurch zu suchen, daß ein abnormer&amp;gt; tieferer Bewußtseinszustand hergestellt &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
wird. Darum handelte es sich: zu zeigen, daß wir es in der Krankheit zu tun haben mit einem Erwachen von Bewußtseinsstadien, welche wir als Menschen früher schon überwunden haben. Dadurch, daß wir in einem früheren Leben Fehler auf uns geladen haben, verursachen wir, daß wir tiefere Bewußtseinsgrade hervorbringen, als es uns sonst für unser jetziges Leben geziemte. Und was wir aus den Antrieben dieser Bewußtseinsgrade tun, das beeinflußt den Verlauf des Krankheitsprozesses wie auch den Prozeß, der überhaupt erst zur Krankheit führt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da sehen wir, daß in den abnormen Zuständen alte Bewußtseinsstufen heraufsteigen, welche der Mensch längst überwunden hat. Wenn Sie nur ein wenig die Tatsachen des gewöhnlichen Lebens betrachten, können Sie sich schon ein wenig verdeutlichen, was heute gesagt worden ist. Es ist ja so, daß der Mensch durch seine Schmerzen gewissermaßen tiefer hinuntersteigt in sein Wesen. Sie kennen ja den Ausspruch, daß er dann erst weiß, daß er ein Organ hat, wenn es angefangen hat, ihn zu schmerzen. Das ist ein populärer Ausspruch; aber er ist nicht so ganz dumm. Warum weiß der Mensch im normalen Bewußtsein davon nichts? Weil sein Bewußtsein im normalen Falle so weit schläft, daß es nicht intensiv genug untertaucht in den astralischen Leib. Taucht es aber unter, dann entsteht Schmerz, und durch den Schmerz erfährt der Mensch, daß er das betreffende Organ hat. In gar manchen Aussprüchen des gewöhnlichen Lebens liegt etwas durchaus Wahres, weil sie Erbstücke sind aus den früheren Bewußtseinsstadien, in welchen der Mensch, als er i« die geistige Welt hineingesehen hat, noch vieles gewußt hat von dem, was wir heute mühselig wieder heraufholen müssen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn Sie begreifen, daß der Mensch tiefere Schichten des Bewußtseins erleben kann, dann werden Sie auch die Möglichkeit haben, zu begreifen, daß nicht nur äußere Krankheitsursachen, sondern auch äußere Schicksalsschläge vom Menschen aufgesucht werden können, welche sich der Mensch nicht als vernünftig auslegen kann, aber deren Vernunft so wirkt, daß auf tiefere Schichten des Bewußtseins gewirkt wird. - So kann es auch wohl denkbar erscheinen, daß sich der Mensch bei gewöhnlicher Überlegung nicht gerade dorthin stellen wird, wo ihn ein Blitz treffen kann. Mit dem Oberbewußtsein wird er das vermeiden. Aber es könnte in ihm ein Bewußtsein tätig sein, das viel tiefer liegt als &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
das Oberbewußtsein und das ihn gerade an die Stelle hinführt, wo ihn der Blitz treffen kann, unter einer Voraussicht, welche das Ober bewußtsein nicht hat, ein Bewußtsein, das also will, daß der Blitz ihn trifft, so daß der Mensch den Unfall geradezu aufsucht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daß durch karmische Wirkungen Unglücksfälle aufgesucht werden oder auch äußere Krankheitsursachen, das haben wir heute der Möglichkeit nach erst begriffen. Wie das im einzelnen geschieht, wie die Kräfte im Menschen wirken, welche in tieferen Bewußtseinsschichten sind, und wie es damit steht, ob unser Oberbewußtsein solche Unglücksfälle vermeiden darf, das ist wieder eine Frage, die uns auch noch beschäftigen wird. Wie wir verstehen können, daß, wenn der Mensch in eine Gegend geht, wo eine Infektion auf ihn ausgeübt werden kann, da ein Bewußtseinsgrad wirkt, der ihn dorthin getrieben hat, so müssen wir auch verstehen können, wie es sich damit verhält, daß der Mensch Einrichtungen trifft, damit solche Infektionen immer weniger wirken können, daß wir also durch hygienische Maßregeln durch das Oberbewußtsein die Dinge wieder abwenden können. Wir können auch begreifen die Möglichkeit, durch das Oberbewußtsein diese Wirkung abzulenken, und müssen sagen, daß es etwas höchst Unvernünftiges wäre, daß das Unterbewußtsein Krankheitskeime aufsuchen kann, wenn nicht auch auf der andern Seite Krankheitsursachen durch das Oberbewußtsein vermieden werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir werden sehen, daß es «vernünftig» ist, Krankheitskeime aufzusuchen, und daß es auch «vernünftig&amp;gt; ist, von dem Oberbewußtsein aus hygienische Maßregeln zu ergreifen gegen das Eindringen von Infektionsstoffen, um dadurch Krankheitsursachen zu verhindern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
= SIEBENTER VORTRAG Hamburg, 22. Mai 1910 =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie haben in diesen Vorträgen schon gesehen, daß wir uns unserem Ziele stückweise nähern, indem wir aber auch mit jedem Stück, das wir weiterschreiten, tiefer in die Sache einzudringen versuchen. Wir haben zuletzt gesprochen über das Wesen von Schmerzen, die mit einem Krankheitsverlauf verbunden sind; wir haben aber auch darauf aufmerksam gemacht, wie in andern Fällen der Krankheitsverlauf - in gewisser Beziehung wenigstens - sich abspielen kann, ohne daß er begleitet ist von Schmerzerlebnissen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun müssen wir auf das Wesen des Schmerzes noch etwas genauer eingehen. Wir müssen uns noch einmal vor Augen halten, daß Schmerz eintreten kann als eine neben der Erkrankung einherlaufende Erscheinung. Denn das mußten wir ja schon aus der vorigen Betrachtung entnehmen, daß wir Krankheit und Schmerz als etwas Zusammengehöriges nicht betrachten dürfen. Wir müssen uns gegenwärtig halten, daß, wenn mit einer Krankheit Schmerz verknüpft ist, noch etwas anderes dabei im Spiele sein muß als das bloße Erkranktsein. Nun haben wir bereits darauf aufmerksam gemacht, daß bei jenem Vorgang, der beim Übergang von einer Inkarnation in die andere sich abspielt, wo Erlebnisse früherer Inkarnationen in Krankheitsursachen umgewandelt werden, daß da auf der einen Seite das luziferische Prinzip und auf der andern Seite das ahrimanische Prinzip mit hineinspielt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wodurch legt sich denn eigentlich der Mensch den Grund zu Krankheitsprozessen? Warum nimmt er in sich die Tendenz auf, krank zu sein? Was führt ihn dazu, zwischen Tod und neuer Geburt - wir haben ja charakterisiert, wie das die Zeit ist, welche die die Krankheit bewirkenden Kräfte zusammenbringt - solche Kräfte vorzubereiten, welche sich im nächsten Leben in der Krankheit ausleben? - Was den Menschen dazu bringt, ist, daß er auf der einen Seite verfallen kann der Versuchung der luziferischen Macht, und auf der andern Seite der Versuchung der ahrimanischen Macht. Wir wissen ja auch schon, was es heißt: Verfallen der luziferischen Macht. - Alles, was in uns wirkt als &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Begierde, als Eigenschaft der Selbstsucht, des Ehrgeizes, des Hochmutes, der Eitelkeit&amp;gt; alle Eigenschaften, welche zusammenhängen mit einer Art Aufspreizung unseres Ich, sich besonders geltend zu machen, das alles hängt zusammen mit der Versuchung der luziferischen Mächte in uns. Verfallen wir mit andern Worten den Kräften, die in unserem astralischen Leibe wirken und die sich darin ausdrücken, daß wir ego istische Begierden und Leidenschaften haben, dann begehen wir in der entsprechenden Inkarnation Handlungen, zu denen die Verführung von Luzifer, ausgegangen ist. Und wir sehen dann das Resultat solcher von Luzifer beeinflußter Handlungen in der Zeit vom Tode bis zur neuen Geburt und nehmen da in uns die Tendenz auf&amp;gt; uns so zu inkarnieren, daß wir einen Krankheitsprozeß durchmachen, der dazu beitragen kann, wenn wir ihn überwinden, uns aus den Fangarmen dieser luziferischen Mächte wieder zu befreien. Würden also die luziferischen Mächte überhaupt nicht da sein, so würden wir nicht den Versuchungen verfallen können, welche uns dazu bringen, solche Kräfte in uns aufzunehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn nun nichts anderes bestünde im Leben als einzig und allein das, was Luzifer in uns bewirkt, daß wir diese oder jene egoistischen Triebe und Leidenschaften entfalten, dann würden wir eigentlich niemals von den luziferischenVersuchungen loskommen können im Leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir würden sie auch nicht durch die aufeinanderfolgenden Inkarnationen losbekommen können, denn wir würden ihnen immer wieder von neuem verfallen. Wenn wir zum Beispiel einfach in der Erdentwickelung uns selber überlassen worden wären und der luziferische Einfluß doch dagewesen wäre, so würden wir in einer Inkarnation die Versuchungen der luziferischen Mächte haben, würden dann nach dem Tode wahrnehmen, wozu sie uns gebracht haben, würden herbeiführen einen Erkrankungsprozeß; aber wenn wirklich nichts anderes mit ins Spiel käme, würde uns dieser Krankheitsprozeß in dem Leben, wo er sich auslebt, zu keiner besonderen Besserung führen. Er führt uns nur dadurch zu einer Besserung, daß von denjenigen Mächten, deren Gegner Luzifer ist, nun etwas hinzugefügt wird zu dem ganzen Prozeß.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also wenn wir auf der einen Seite den luziferischen Mächten verfallen, stellen sich gleich als eine Gegenwirkung die Mächte ein, deren Gegner &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|134}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die luziferischen Mächte sind, und diese versuchen nun eine Gegenkraft zu entfalten, wodurch der luziferische Einfluß wirklich aus uns ausgetrieben werden kann. Und diese Mächte, deren Gegner also die luziferischen Mächte sind, fügen hinzu zu dem Prozeß, der unter dem Einfluß Luzifers verursacht wird, den Schmerz. So müssen wir den Schmerz als etwas ansehen, was - wenn wir die luziferischen Mächte die bösen Mächte nennen - uns von den guten Mächten zugefügt wird, damit wir gerade durch den Schmerz uns den Fangarmen der bösen Mächte entreißen können und ihnen nicht mehr verfallen. Würde bei dem Krankheitsprozeß, der sich ergibt als eine Folge des Verfallenseins an die luziferischen Mächte, nicht Schmerz eintreten, so würden wir an uns die Erfahrung machen: Es ist ja gar nicht so schlimm, den luziferischen Mächten zu verfallen! - Und wir würden nichts haben in uns, was uns dahin bringen würde, unsere Kräfte anzuwenden, um uns den luziferischen Mächten zu entreißen. Der Schmerz, der das Bewußtwerden des unrichtig wachenden astralischen Leibes ist, er ist zugleich auch das, was uns davon abbringen kann, den luziferischen Mächten auf diesem Gebiet, wo wir ihnen schon verfallen sind, immer weiter zu verfallen. So wird der Schmerz in bezug auf die Versuchungen der luziferischen Mächte unser Erzieher.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sagen Sie nun nicht: Wie kann der Schmerz unser Erzieher sein, wenn wir in uns den Schmerz nur empfinden und seiner wohltätigen Kraft gar nicht gewahr werden? Daß wir seiner wohltätigen Kraft nicht gewahr werden, ist nur eine Folge unseres Ich-Bewußtseins. In dem Bewußtsein&amp;gt; das ich als unter dem Ich-Bewußtsein liegend geschildert habe, spielt sich schon der Prozeß ab, wenn auch der Mensch mit dem Tagesbewußtsein nichts davon weiß: Jetzt erfahre ich Schmerz, und der ist die Folge der durch die guten Mächte mir gegebenen Beigabe zu meinen Verfehlungen! - Das ist im Unterbewußtsein eine Kraft, welche so recht als eine karmische Erfüllung, als ein Impuls wirkt, nicht mehr den Handlungen, Trieben und Begierden, die gerade diese Krankheit hervorgerufen haben, zu verfallen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So sehen wir, wie Karma wirkt,~wie wir den luziferischen Mächten verfallen und wie uns die luziferischen Mächte eine solche Krankheit bringen, die herbeigeführt wird in einer nächsten Inkarnation; und &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|135}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wir sehen, wie wohltätige Mächte uns den Schmerz hinzufügen zu der bloßen Schädigung unserer Organe, damit wir an dem Schmerz ein unter der Oberfläche unseres Bewußtseins liegendes Erziehungsmittel haben. Deshalb können wir sagen: Überall, wo bei einer Krankheit Schmerz auftritt, da ist es eine luziferische Macht, welche diese Krankheit bewirkt hat. Es ist der Schmerz geradezu ein Kennzeichen dafür, daß wir es zu tun haben mit dem Zugrundeliegen von luziferischer Macht. - Menschen, die gerne einteilen, werden ein Bedürfnis danach haben, nun überhaupt zu unterscheiden solche Krankheiten, die rein auf luziferischem Einfluß beruhen, und solche, die rein auf ahrimanischen Einfluß zurückzuführen sind; denn bei allen theoretischen Beschäftigungen ist ja das Einteilen, das Schemenmachen das Allerbequemste, und man glaubt, dadurch sehr viel begriffen zu haben. Aber in Wirklichkeit benehmen sich die Dinge nicht so, daß man sie mit diesen bequemen Mitteln erfassen kann. Da kreuzen sie sich fortwährend und laufen ineinander. Und wir werden auch leicht begreifen können, wenn ein wirklicher Krankheitsprozeß vorliegt, daß ein Teil zurückgeführt werden kann auf luziferischen Einfluß, also auf Dinge, welche mehr in den Eigenschaften unseres astralischen Leibes zu suchen sind, und ein an- derer Teil auch zugleich auf Dinge, die in dem ahrimanischen Einfluß zu suchen sind. So darf auch niemand glauben, wenn ihm irgend etwas wehtut, das sei nur auf luziferischen Einfluß zurückzuführen. Daß er Schmerzen hat, das zeigt ihm denjenigen Teil der Krankheit, der auf luziferischen Einfluß zurückzuführen ist. Aber wir werden das noch leichter verstehen, wenn wir uns fragen: Woher kommt denn der ahrimanische Einfluß?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dem ahrimanischen Einfluß wären die Menschen überhaupt nicht verfallen, wenn sie nicht zuerst dem luziferischen Einfluß verfallen wären. Dadurch, daß die Menschen den luziferischen Einfluß in sich aufnahmen,kam eine solcheVerbindung der vier menschlichen Glieder: physischer Leib, Ätherleib, astralischer Leib und Ich zustande, wie sie nicht zustande gekommen wäre, wenn Luzifer nicht gewirkt hätte und wenn nur die Mächte gewirkt hätten, deren Gegner Luzifer ist. Dann hätte sich der Mensch anders entwickelt. Also hat in bezug auf das menschliche Innere das luziferische Prinzip eine Störung hervorgerufen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|136}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber es hängt vom menschlichen Inneren ab, wie der Mensch die Außenwelt an sich herantreten läßt. Und gerade so, wie Sie mit einem Auge, in welchem etwas zerstört ist, wegen des inneren Fehlers die Außenwelt nicht richtig sehen, so bekommt der Mensch die Außenwelt durch den luziferischen Einfluß überhaupt nicht so zu sehen, wie sie ist. Und weil ein Grund gegeben war für den Menschen, die Außenwelt nicht so zu sehen, wie sie ist, so konnte sich in das nicht richtige Bild der Außenwelt der ahrimanische Einfluß hineindrängen, so daß das Herankommen Ahrimans an den Menschen nur dadurch hat geschehen können, daß erst der luziferische Einfluß gewirkt hatte. Der ahrimanische Einfiuß bewirkte, daß der Mensch nicht nur den egoistischen Leidenschaften, Trieben, Begierden, der Eitelkeit, dem Hochmut und so weiter verfallen kann, sondern daß jetzt in einem menschlichen Organismus, wo der Egoismus in solcher Weise wirkte, sich Organe aus- bildeten, welche die Außenwelt schief und unrichtig sehen mußten. Dadurch konnte sich in die unrichtigen Bilder der Außenwelt Ahriman mischen. Es kam Ahriman heran, und dadurch war der Mensch dem anderen Einflusse ausgesetzt, so daß er nicht nur den inneren Verlockungen verfallen kann, sondern auch in Irrtum und - bei der Beurteilung der Außenwelt und bei seinen Aussagen über die Außenwelt - in Lüge verfallen kann. So ist Ahriman zwar von außen wirkend, aber wir haben ihm erst die Möglichkeit gegeben, daß er an uns herankommen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So also stehen ahrimanischer und luziferischer Einfluß eigentlich nie für sich allein. Sie wirken immer aufeinander, halten sich in gewisser Weise das Gleichgewicht. Von innen drängt Luzifer heraus, von außen wirkt Ahriman herein, und dazwischen bildet sich das Weltenbild. Wenn in irgendeiner Inkarnation das Innere des Menschen stärker wird, wenn er mehr den inneren Einflüssen ausgesetzt ist, dann wird er für die Dinge, wo das Innere so wirkt, daß der Mensch mehr erfaßt wird von Hochmut, Eitelkeit und so weiter, sich mehr dem luziferischen Einfluß hingeben. In einer Inkarnation, wo der Mensch weniger durch sein Gesamtkarma dazu gestimmt ist, den inneren Einflüssen nachzugeben, wird er leichter den Irrtümern und den Verführungen des Ahriman verfallen können. So ist es in der Tat in unserem Leben. Wie wir &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|137}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
täglich durch das Leben gehen, fallen wir bald mehr den Verlockungen des Luzifer, bald mehr den Verlockungen des Ahriman zum Opfer. Und wir pendeln hin und her zwischen diesen beiden, die uns auf der einen Seite dazu führen, uns in unserem Inneren aufzublähen, auf der andern Seite dazu, uns über die äußere Welt Illusionen vorzumachen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es darf an dieser Stelle erwähnt werden - weil es außerordentlich wichtig ist -&amp;gt; daß den Verlockungen von beiden Seiten insbesondere derjenige Widerstand leisten muß, welcher versucht, eine höhere Entwickelung anzustreben und in die geistige Welt einzudringen, sei esdadurch, daß er hinter die Erscheinungen der Außenwelt bis in das Geistige eindringen will oder daß er in das eigene Innere mystisch hinuntersteigen will. Beim Eindringen in die geistige Außenwelt, die hinter der physischen Welt liegt, steht immer das, was Ahriman an täuschenden Bildern vorgaukelt; wenn der Mensch mystisch hinuntersteigen will in die eigene Seele, sind immer die Verlockungen Luzifers in besonderem Maße möglich. Wenn der Mensch Mystiker wird und mit Glück hinunterstrebt, ohne daß er vorher darauf gesehen hat, durch seine Charakterbildung Gegenmittel zu ergreifen gegen Hochmut, Eitelkeit und dergleichen, wenn es ihm gelingt, als Mystiker zu leben, aber ohne besondere moralische Kultur, dann kann er um so mehr den Verlockungen Luzifers verfallen, der von innen herauf in die Seele hinein- wirkt. Wenn daher der Mystiker nicht sehr gesehen hat auf seine moralische Kultur, dann kann er, wenn es ihm gelingt, ein wenig hineinzudringen in sein Inneres, in die große Gefahr kommen, daß er noch stärker, als das bisher der Fall war, die rückschlagende Kraft des luziferischen Einflusses aufruft und daß er noch eitler und hochmütiger wird als vorher. Deshalb ist es so notwendig, daß man vorher durch Charakterbildung dafür sorgt, daß man gegen die in allen Fällen an uns herantretenden Verlockungen der Eitelkeit, des Größenwahnes, des Hochmutes ein Gegenmittel hat. Und wir können nicht genug darin tun, uns gerade diejenigen Eigenschaften anzueignen, welche zur Bescheidenheit und zur Demut führen. Das ist im eminenten Maße notwendig für die Seite unserer höheren Entwickelung, die wir die mysti sche nennen. Auf der andern Seite ist es notwendig, daß sich der Mensch auch gegen die Wahngebilde des Ahriman schützt, wenn er versucht, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|138}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
durch eine Entwickelung, die hinter die Erscheinungen der Außenwelt führt, bis zu den geistigen Urgründen der Dinge zu kommen. Wenn er da nicht versucht, eine Charakterbildung zu erlangen, welche ihn innerlich stark und kräftig macht, die ihn fest gebaut sein läßt auf sein Inneres, dann wird es sehr leicht vorkommen können, daß der betreffende Mensch - und zwar gerade, wenn er Glück hat mit dem Hinausgehen in die geistige Welt - dem Ahriman verfällt, daß Ahriman ihm vorgaukelt Illusion über Illusion, Halluzination über Halluzination.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man kommt häufig in den Fall, daß einen die Menschen in gewisser Beziehung «beim Wort nehmen». Weil so oft betont wird, daß die höhere Entwickelung, die hinter die Erscheinungen der Außenwelt kommen will, verknüpft sein muß mit vollem Bewußtsein, kommt es vor, daß einem die Leute immer wieder halb somnambule Personen bringen, welche versichern: Ja, da nehme ich die geistige Welt wahr, und zwar bei vollem Bewußtsein! - Da kann man immer nur sagen: Wenn du nur nicht bei Bewußtsein sein möchtest; das wäre viel gescheiter! - Denn über dieses «Bewußtsein» täuschen sich die Leute. Es ist ein bloßes Bilderbewußtsein, ein astralisches Bewußtsein; denn wenn diese Personen nicht in einem unterbewußten Grade bewußt wären, würden sie das ja nicht wahrnehmen. Aber darum handelt es sich, daß man, wenn man in die geistige Welt hineingeht, sein Ich-Bewußtsein zusammenhält. An das Ich-Bewußtsein aber ist gebunden Urteilskraft und ein deutliches Unterscheidungsvermögen! Das haben dann die Menschen nicht für die Gestalten, welche sie in der geistigen Welt sehen. Daß sie ein Bewußtsein haben, ist nicht weiter wunderbar; aber jenes Bewußtsein, das mit der Kultur unseres Ich verknüpft ist, das müssen wir haben. Daher wird nicht etwa betont bei einer Entwickelung zum Schauen der höheren Welten, daß die Menschen so schnell wie möglich hineinkommen in eine höhere Welt und allerlei Gestalten sehen oder vielleicht auch allerlei Stimmen hören, sondern es wird betont, daß das Hineingehen in die geistige Welt von Glück und von Vorteil nur dann sein kann, wenn man das Bewußtsein und das Unterscheidungsvermögen und die Urteilskraft schärft. Und das kann nicht besser geschehen als durch das Studium der geisteswissenschaftlichen Wahrheiten. Daher wird betont, daß das Sich-Befassen mit geisteswissenschaftlichen Wahr- &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|139}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
heiten ein Schutz ist gegen das vermeintliche Sehen von allerlei Gestalten, über das keine Urteilskraft sich ausbreiten kann. Wer wirklich geschult ist in dieser Weise, der wird nicht jede beliebige Erscheinung für dies oder jenes halten, sondern er wird vor allen Dingen unterscheiden können zwischen Realität und Nebelbild, und er wird sich vor allen Dingen auch klar sein, daß man namentlich auch mit den Dingen, welche als Gehörswahrnehmungen auftreten, besonders vorsichtig sein muß, weil nie eine Gehörswahrnehmung eine richtige sein kann, wenn der Betreffende nicht durchgegangen ist durch die Sphäre der absoluten Ruhe. Und wer nicht zuerst die absolute Stille und Lautlosigkeit der geistigen Welt erfahren hat, der kann sich ganz gewiß sagen, daß es Trugbilder sind, die er wahrnimmt, und wenn sie ihm etwas noch so Gescheites sagen. Nur wer sich Mühe gegeben hat, seine Urteilskraft zu schärfen gerade dadurch, daß er zu begreifen versucht die Wahrheiten der höheren Welten, nur der kann sich gegen Trugbilder schützen. Die Mittel der äußeren Wissenschaft reichen dazu nicht aus. Die äußere Wissenschaft gibt keine so scharfe, stärkende Urteilskraft, wie sie notwendig ist, um in einer geistigen Welt wirklich zu unterscheiden. Darum kann man wirklich sagen: Wenn Leute etwas mitteilen aus höheren Welten, die nicht vorher sorgfältig darauf geachtet haben, ihre Urteils- kraft zu schärfen - was besonders durch das Studium der Geisteswissenschaft möglich ist -, dann sind solche Mitteilungen immer im höchsten Grade anfechtbar, und sie müßten mindestens immer erst kontrolliert werden durch diejenigen Methoden, die unter der Voraussetzung der wirklichen Schulung errungen sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt nur eine Macht, vor der sich Luzifer zurückzieht: das ist die Moralität. Das ist etwas, was den Luzifer brennt wie das furchtbarste Feuer. Und es gibt kein anderes Mittel, welches dem Ahriman entgegenwlrkt, als an der Geisteswissenschaft geschulte Urteilskraft und Unterscheidungsvermögen. Denn was wir uns auf der Erde als gesunde Urteilskraft aneignen, das ist etwas, was Ahriman furchtbar flieht. Er hat im Grunde vor nichts einen so großen Widerwillen als vor dem, was wir uns durch eine gesunde Schulung unseres Ich-Bewußtseins erringen. Denn wir werden sehen, daß Ahriman einer ganz andern Region angehört, die weit entfernt ist von dem, was wir als unsere gesunde Urteilskraft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|140}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
entwickeln. Im Augenblick, wo Ahriman mit dem zusammen- trifft, was wir uns im Erdendasein als gesunde Urteilskraft errungen haben, bekommt er einen furchtbaren Schreck, denn das ist etwas ganz Unbekanntes für ihn, davor hat er eine große Furcht. Je mehr wir uns daher bemühen, das auszubilden, was im Leben zwischen Geburt und Tod an gesunderUrteilskraft gegeben werden kann, desto mehr arbeiten wir Ahriman entgegen. Das zeigt sich besonders bei allerlei Persönlichkeiten, welche einem gebracht werden und die dann «das Blaue vom Himmel herunter» von all den geistigen Welten erzählen, die sie da gesehen haben. Und wenn man dann den allergeringsten Versuch macht, diesen Persönlichkeiten etwas klarzumachen, ihnen Verständnis und Unterscheidungsvermögen beizubringen, dann hat sie Ahriman gewöhnlich so sehr in der Gewalt, daß sie kaum darauf eingehen können; und das wird um so stärker, je mehr sich die Verlockungen Ahrimans nach der akustischen Seite hin ausdrücken. Gegen das, was sich in visionären Bildern zeigt&amp;gt; gibt es noch mehr Mittel als gegen das, was akustisch sich zeigt, wie gehörte Stimmen und so weiter. Solche Leute haben eine große Abneigung, etwas zu lernen, was für das Ich-Bewußtsein zwischen Geburt und Tod errungen werden muß. Sie mögen es nicht. Aber sie selber sind das nicht, die das nicht mögen. Es sind die ahrimanischen Mächte, welche sie davon wegzerren. Wenn man einen solchen Menschen dann aber so weit bringt, gesunde Urteilskraft zu entwickeln, und er darauf eingeht, Belehrungen anzunehmen, dann zeigt sich sehr bald folgendes. Dann hören die Stimmen und die Halluzinationen auf, weil sie vorher nur ahrimanische Nebelbilder waren und weil Ahriman eine furchtbare Angst bekommt, sobald er verspürI: Da, vom Menschen her, kommt eine gesunde Uiteilskraft!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So ist in der Tat das beste Mittel gegen diese den Menschen besonders schädigenden Erkrankungen des durch Ahriman bewirkten Sehens und halluzinatorischen Hörens dies: den Menschen mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln dazu zu bringen, sich eine gesunde und vernünftige Urteilskraft zu erringen. Das ist für manche Persönlichkeiten außerordentlich schwierig. Denn sie sind in dem Falle, daß es die andere Macht ihnen sehr bequem macht, diese andere Macht leitet sie. Wer aber diese Macht austreiben will, kann es sich nicht so bequem machen. Bei &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|141}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
solchen Persönlichkeiten kommt man dann recht schwer an, denn sie behaupten, man hätte ihnen das genommen, was sie früher in die geistige Welt hinaufgeführt hat, während man sie in Wahrheit gesund gemacht hat und davor bewahrt hat, daß diese Mächte immer mehr und mehr Gewalt über sie bekommen!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir sehen also, wovor die luziferischen und ahrimanischen Mächte einen recht großen Widerwillen haben. Demut, Bescheidenheit beim Menschen, sich nicht für mehr halten, als wozu ein gesundes Urteil berechtigt, das ist etwas, was dem Luzifer gar nicht gefällt. Dagegen ist er da wie die Fliegen in einer unreinen Stube, wenn irgendwo die Eigen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
schaften des Ehrgeizes, der Eitelkeit heraus wollen. Alles dies und besonders die Dinge, welche auf falschen Vorstellungen über sich selbst beruhen, wirken nun wieder dahin, daß wir uns auch für Ahriman bereit machen. Gegen Ahriman schützt aber nichts mehr, als wenn wir uns wirklich im Leben Mühe geben, gesund zu denken, wie es uns das Leben zwischen Geburt und Tod lehrt. Und gerade diejenigen, welche auf dem Boden der Geisteswissenschaft stehen, haben alle Veranlassung, so intensiv, als es nur möglich ist, immer wieder zu betonen, daß es uns als Erdenmenschen nicht geziemt, zu übersehen, was uns gerade durch das Erdenleben gegeben werden soll. Die Menschen, welche es verschmähen, sich ein gesundes Urteil und vernünftiges Unterscheidungsvermögen anzueignen, und leicht ohne dieses hinauf wollen in eine geistige Welt, sie wollen sich im Grunde genommen dem Erdenleben entziehen. Sie wollen so hinschweben über das Erdenleben; sie finden, daß es eigentlich für sie eine viel zu geringe Beschäftigung ist, sich mit allerlei Dingen abzugeben, die zum Verständnis des Erdenlebens führen können. Sie halten sich für etwas Besseres. Gerade eine solche Empfindung ist aber ein neuer Grund zum Hochmut. Daher können wir es immer wieder sehen, daß Persönlichkeiten, die zur Schwärmerei neigen, zu einem Nicht-berührtsein-Wollen von den Erdendingen und dem Erdenleben, es ablehnen, zu lernen, «weil sie ja schon in allem darinnenstehen&amp;gt; und nicht Gemeinschaft machen wollen mit einer solchen Strömung wie der unserigen. Solche Menschen sagen: In die geistige Welt muß ja die Menschheit hinein!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gewiß, aber es gibt nur einen gesunden Paß da hinein, und das ist&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|142}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die auf der Erde errungene Moralität im höheren Sinne, die uns nicht uns selbst überschätzen läßt, die uns nicht zu einem falschen Urteil über uns selbst führt, uns auch nicht abhängig sein läßt von unseren Trieben, Begierden und Leidenschaften; und auf der andern Seite ist es ein emsiges, gesundes Mitarbeiten mit den Verhältnissen des Erdenlebens, nicht ein Über-den-Verhältnissen-des-Erdenlebens-schweben-Wollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit haben wir aus den Tiefen des Karma etwas herausgeholt, was mit den Tiefen des geistigen Lebens zusammenhängt. Von großem Wert kann das sein. Aber nichts ist von Wert für die Entwickelung des Menschen und seiner Individualität, was ohne gesunde Vernunft aus der geistigen Welt herausgeholt wird; und von Wert ist auch das nicht, was ohne Moralität herausgeholt wird. Das kann man einsehen aus den Tatsachen, die das letzte Mal und heute dargestellt worden sind. Und wenn wir das einsehen, können wir uns sagen: Warum sollte der luziferische Einfluß, gerade weil er von früher her wirkt und sich umgewandelt hat in die Krankheit und ausgeglichen wird durch den Schmerz, warum sollte er nicht beim Menschen gleichsam nach sich ziehen den ahrimanischen Einfluß? Und warum sollte nicht bei dem, was uns Schmerz bereitet und uns den luziferischen Verlauf einer Krankheit anzeigt, mitspielen gerade als Folge des luziferischen Einflusses der ahrimanische Einfluß? Wie aber wirkt der ahrimanische Einfluß? Und wie wandeln sich die Verlockungen des Ahriman in Krankheitsursachen um? Wie tritt das auf in einer späteren Inkarnation?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was ahrimanischem Einfluß zuzuschreiben ist, das ist mittelbar doch auf Luzifer zurückzuführen; aber wenn der luziferische Einfluß so stark war, daß er den ahrimanischen Einfluß herausgefordert hat, dann ist der ahrimanische Einfluß der heimtückischere. Er liegt tiefer unten, nicht nur in den Verfehlungen des astralischen Leibes, sondern in den Verfehlungen des Ätherleibes. In einem Bewußtsein, das unter dem Schmerzbewußtsein liegt, tritt der ahrimanische Einfluß auf mit einer Schädigung, welche nicht von Schmerz begleitet zu werden braucht, mit einer solcben Schädigung, die in dem betreffenden Organe, wo sich die Schädigung ausdrückt, zu einem Unbrauchbarwerden dieses Organs führt. - Nehmen wir an, in einer Inkarnation hätte ein ahrimanischer Einfluß gewirkt und hätte das hervorgerufen, was eben ein ahrimani&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|143}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
scher Einfiuß hervorrufen kann. Der Mensch durchlebt nun die Zeit zwischen Tod und neuer Geburt - und tritt wieder auf in einer neuen Inkarnation. Dann zeigt sich, daß irgendein Organ ergriffen ist von der ahrimanischenWirkung, mit andern Worten: In diesem Organ sitzt der Ätherleib viel tiefer darinnen, als er darinsitzen sollte; das Organ ist viel stärker durchdrungen von dem Ätherleib, als es sein sollte. In solchem Falle wird der Mensch wegen des fehlerhaften Organs verleitet, sich nur noch mehr in den Irrtum - das, was Ahriman vollbringt in der Welt - zu verstricken. Mit dem Organ, welches dem ahrimanischen Einfluß seine Schädigung verdankt, in das sich so recht tief hineinversetzt hat der Atherleib, würde der Mensch, wenn er diesen ganzen Prozeß ausleben wollte, sich tiefer in das verstricken, was Ahriman bewirken kann: in die Maja. Da nun aber alles das, was die Außenwelt als Maja erzeugt, nicht mitgenommen werden kann in die geistige Welt, so entzieht sich uns die geistige Welt immer mehr. Denn dort gibt es nur Wahrheit, nicht Illusion! Je mehr wir also in die durch Ahriman bewirkte Illusion hineinverstrickt werden, desto mehr werden wir gerade dazu gedrängt, uns noch viel mehr in die sinnlich-äußere Welt, in die Illusion des Physisch-Sinnlichen hineinzuversetzen, als wir es ohne ein solches schadhaftes Organ tun würden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da aber tritt die gegensätzliche Wirkung ebenso auf, wie die gegensätzliche Wirkung im Schmerz bei dem luziferischen Einfluß auftritt. Da tritt die gegensätzliche Wirkung nun so auf, daß in dem Augenblick, wo die Gefahr vorhanden ist, daß wir uns zu sehr an die physisch- sinnliche Welt ketten und uns dadurch zu viel rauben von dem, was uns hinaufführen könnte in die geistige Welt, daß in diesem Augenblick das Organ zerstört wird, daß es entweder gelähmt oder zu schwach gemacht wird zum Wirken. Es tritt also ein Zerstörungsprozeß ein. - Sehen wir also, daß ein Organ zerstört wird, so müssen wir uns klar seIn, daß wir dies eigentlich wohltätigen Mächten verdanken müssen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
das Organ wird uns genommen, damit wir wieder den Rückweg finden in die geistige Welt. So ist es in der Tat, daß uns - wenn es nicht anders geht - durch gewisse Mächte Organe zerstört werden oder daß wir mit kranken Organen ausgerüstet werden, damit wir nicht zu tief in die Illusion hineingestoßen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|144}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn also jemand zum Beispiel eine Leberkrankheit hat, die als solche nicht von schmerzlichen Erlebnissen begleitet ist, so haben wir es zu tun mit der Wirkung eines vorhergehenden ahrimanischen Einflusses, der dazu geführt hat, der Leber die betreffende Schädigung zuzufügen, weil wir sonst durch die Kräfte, welche verbunden sind mit dem Tieferhineingehen des Ätherleibes, zu sehr in Maja hineingeführt würden, wenn uns dieses Organ nicht genommen würde. Sagen und Mythen haben immer die tiefste Weisheit gewußt und haben sie in sich ausgedrückt. Gerade die Leber ist ein gutes Beispiel dafür. Denn sie ist ein Organ, das am leichtesten für das Hineingleiten des Menschen in die physisch-illusorische Welt wirksam sein kann. Und die Leber ist zugleich das Organ, das uns eigentlich an die Erde kettet. Mit dieser Wahrheit hängt zusammen, daß bei derjenigen Wesenheit, welche den Menschen der Sage nach die Kraft gebracht hat, die sie in das Erdenleben hineinführen und dort recht wirksam machen soll - nämlich bei Prometheus -, gerade an der Leber ein Geier nagt. Ein Geier nagt an der Leber, nicht etwa darum, weil das dem Prometheus einen besonders tiefen Schmerz verursachen soll; denn in diesem Falle würde die Sage nicht stimmen mit den wirklichen Tatsachen. Aber Sagen stimmen immer überein mit den physiologischen Tatsachen! Der Geier nagt an der Leber, weil es nicht wehtut! Denn es sollte darauf hingewiesen werden, daß Prometheus der Menschheit etwas brachte, was sie tiefer hineinverstricken könnte in das Ahrimanische,wenn nicht die gegenteilige, ausgleichende Wirkung geschehen könnte. Okkulte Urkunden sind Immer im Einklang mit den Wahrheiten, welche wir in der Geisteswissenschaft verkünden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich habe Ihnen heute rein aus der Sache heraus gezeigt, daß es die guten Mächte sind, welche über den Menschen den Schmerz verhängen gegenüber dem Einfluß Luzifers. Bringen Sie das einmal in Zusammenhang mit der Urkunde des AltenTestamentes. Als der Einfluß des Luzifer geschehen war, wie er uns symbolisiert wird durch die Schl,ange, welche die Eva verführt, mußte also von den Gegnern des Luzifer gerade über das, wozu Luzifer die Menschen bringen wollte, der Schmerz verhängt werden. Es mußte die Macht, deren Gegner Luzifer ist, jetzt kommen und davon sprechen, daß von nun an Schmerz über die Menschheit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|145}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gebracht wird. Das tut Jahve oder Jehovah, indem er sagt: «Unter Schmerzen sollst du Kinder gebären!»&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Dinge in den okkulten Urkunden weiß man in der Regel nicht zu deuten, solange man die geisteswissenschaftlichen Erklärungen als solche noch nicht hat. Nachher kommt man dann darauf, wie tief diese Urkunden sind. Daher können Sie auch von mir nicht verlangen, daß ich Ihnen aus dem Nichts heraus - ohne die entsprechenden Voraus setzungen - die Dinge ohne weiteres erklären kann. Damit es überhaupt möglich ist, über die Stelle zu sprechen: «Unter Schmerzen sollst du Kinder gebären!», müssen vorausgehen die Betrachtungen über das Karma; denn erst an der betreffenden Stelle kann man die Erklärung darüber einfügen. Daher nutzt es auch nicht viel, wenn man dieses oder jenes erklärt haben will aus den okkulten Urkunden, bevor man die betreffende Stelle in der okkulten Entwickelung erreicht hat. Und es ist immer eine mißliche Sache, zu fragen: Was bedeutet dies? Was bedeutet jenes? - Der Mensch muß immer warten und Geduld haben, bis die betreffende Stelle herangekommen ist; mit den Erklärungen allein würde man nichts erreichen. So sehen wir in unser Leben hineinwirken auf der einen Seite die iuziferischen Mächte, auf der andern Seite diejenigen Mächte, deren Gegner Luzifer ist. Dann wirken die ahrimanischen Mächte in unser Leben hinein, und wir müssen uns klarmachen, daß die Mächte, welche uns Organe unbrauchbar machen, wenn wir dem ahrimanischen Einfluß verfallen, zu den guten Mächten zu rechnen sind, deren Gegner eben Ahriman ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn Sie Ihren Ausgangspunkt nehmen von all dem, was jetzt gesagt worden ist, werden Sie tief hineinschauen können in das komplizierte Getriebe der Menschennatur, und Sie werden dazu kommen können, sich zu sagen: Die luziferischen Mächte sind solche, die während der alten Mondenzeit zurückgeblieben sind; sie wirken heute in unserer Erdentwickelung mit denjenigen Kräften in das menschliche Leben hinein, die eigentlich Mondenkräfte sind, die sich in demjenigen Welten plan, der zum Beispiel nur jenen Mächten entspricht, deren Gegner Luzifer ist, gar nicht innerhalb unserer Erdentwickelung abspielen können. So wirkt Luzifer hinein in den Plan einer anderen Wesenheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|146}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir können aber nun zurückgehen zu weiter zurückliegenden Epochen der Entwickelung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir auf der einen Seite sehen, daß auf dem Monde Wesenheiten zurückblieben in ihrer Entwickelung, um auf der Erde einzugreifen in das menschliche Leben, dann kann uns erklärlich erscheinen, daß auch auf der alten Sonne Wesen zurückgeblieben sind, die dann auf dem Mond eine ähnliche Rolle gespielt haben wie die luziferischen Wesenheiten jetzt auf der Erde. Wir haben heute in der menschlichen Wesenheit etwas, was wir eigentlich als einen Kampf bezeichnen können: der Kampf, der sich abspielt zwischen den luziferischen Gewalten, welche sich in unseren astralischen Leib hineinsetzen, und denjenigen Mächten, die durch unser Ich, durch unsere Erdenerrungenschaften auf uns wirken. Denn die Mächte, deren Gegner Luzifer ist, können ja nur durch unser Ich auf uns wirken. Wenn wIr uns Klarheit und richtige Schätzung über uns selbst aneignen, so können wir das nur mit Hilfe derjenigen Mächte, die auf unser Ich wirken. Dazu müssen wir schon unser Ich anwenden. Deshalb können wir sagen: Indem sich unser Ich aufbäumt gegen die luziferischen Mächte, kämpft in uns Jahve oder Jehovah gegen Luzifer; da kämpft das, was den guten Weltenplan besorgt, gegen das, was sich auflehnt gegen diesen Weltenplan In seiner alleinigen Geltung, und wir sind mit unserem innerstenWesen darinnenstehend in diesem Kampf des Luzifer mit andern Wesenheiten. Wir sind selbst der Schauplatz dieses Kampfes. Und daß wir der Schauplatz dieses Kampfes sind, das zieht uns in Karma hinein - aber nur mittelbar dadurch, daß dieser Kampf mit dem Luzifer sich abspielt. Wenn wir dagegen den Blick nach außen richten, werden wir in die ahrimanischen Mächte hineingezogen. Da spielt sich etwas ab, was von draußen kommt, und hier kommt Ahriman in uns herein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun wissen wir, daß Wesenheiten auf dem alten Monde gelebt haben, die in ähnlicher Weise damals ihre Menschheitsstufe durchgemacht haben, wie wir sie Im Laufe der Erdentwickelung durchmachen. In der «Akasha-Chronik» und in der «Geheimwissenschaft» finden Sie diese Wesen bezeichnet als Engel, Angeloi, Dhyanis; auf den Namen kommt es nicht an. Im Inneren dieser Wesenheiten spielte sich damals aber ein ähnlicher Kampf ab wie der luziferische Kampf in unserer &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|147}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
eigenenWesenheit. DieseWesen waren auf dem alten Monde der Schauplatz eines Kampfes, der sich abspielte durch jene Wesenheiten, welche wieder auf der Sonne zurückgeblieben waren. Dieser Kampf auf dem Monde hat mit unserem inneren Ich nichts zu tun, denn auf dem Monde hatten wir unser Ich noch nicht. Er steht außerhalb dessen, woran unser Ich beteiligt sein kann, er hat sich auf dem alten Monde «in der Brust der Engel» abgespielt. Dadurch sind diese Wesenheiten damals etwas geworden, was sie nur werden konnten unter dem Einfluß von andern Wesenheiten, die zurückgeblieben waren gegenüber der normalen Sonnenentwickelung und die damals für die Angeloi dieselbe Rolle spielten, wie sie die luziferischen Wesenheiten heute für uns spielen. Und das waren die ahrimanischen Wesenheiten, welche während der Sonnenentwickelung ebenso zurückgeblieben sind wie die luziferischen Wesenheiten während der Mondentwickelung. Daher können wir zu diesen Wesenheiten auch nur mittelbar kommen. Ahriman war es aber, der sozusagen der Versucher in der Brust der Angeloi war, und er wirkte in ihnen. Durch ihn sind die Angeloi das geworden, was sie dann geworden sind, und sie haben das, was sie durch Ahriman geworden sind, ebenso herübergebracht wie das&amp;gt; was sie im Guten erreicht haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir haben als Gutes von Luzifer die Möglichkeit, zwischen Gut und Böse zu unterscheiden, freies Entscheidungsvermögen zu entwickeln, freien Willen zu erringen. Das ist für uns nur durch Luzifer zu erreichen. DieseWesenheiten aber haben etwas erreicht und mit hinübergenommen in das Erdendasein,wovon wir sagen können: Wie uns die Angeloi jetzt umgeben als Geistwesen, so haben sie sich zu ihrem jetzigen Sein vorbereitet durch den ahrimanischen Kampf in ihrer Seele zur Zeit der alten Mondentwickelung. Was diese Wesenheiten durchgemacht haben und was sie als Wirkungen in sich haben von dem, was sie durchgemacht haben, das geht uns in unserem innersten Ich nichts an, daran sind wir mit unserem Ich nicht beteiligt. - Wir werden sehen, wie wir mittelbar dazu kommen, weil ja der ahrimanische Einfluß doch wieder in uns hereinwirkt. - Was diese Wesenheiten sich unter dem Einflusse Ahrimans errungen haben, das sind gewisse Wirkungen, zu denen sie die Ursachen während ihres Mondendaseins aufgenommen haben. Während desMondendaseins nahmen dieseWesenheiten durch den ahrimanischen &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|148}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einfluß in sich etwas auf, was sie hineingetragen haben in unser Erden- dasein. Versuchen wir einmal, in unserem Erdendasein das aufzufinden, was uns erscheinen kann als eine solche Wirkung des damaligen ahrimanischen Kampfes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn dieser ahrimanische Kampf auf dem alten Monde nicht stattgefunden hätte, so könnten diese Wesenheiten nicht in unser Erden- dasein hineintragen, was dem alten Mondendasein angehört hat. Denn das würde aufgehört haben, nachdem der alte Mond zugrunde gegangen war. Dadurch, daß die Angeloi den ahrimanischen Einfluß aufgenommen haben, sind sie verstrickt worden in das Mondendasein, geradeso wie wir verstrickt werden durch den luziferischen Einfluß in das Erden- dasein. Sie haben das, was Mondelement ist, in ihr Innerstes aufgenommen und haben es hinübergebracht in unser Erdendasein. Dadurch sind sie imstande geworden, gerade dasjenige in unserem Erdendasein hervorzurufen, was hervorgerufen werden muß, damit unsere Erde nicht ganz dem Einfluß Luzifers verfällt. Unsere Erde würde im ganzen dem Einflusse Luzifers verfallen müssen, wenn diese Tatsache, welche dem Kampfe der Engel mit Ahriman auf dem Monde entspricht, nicht in unser Erdendasein hineingebracht worden wäre.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Welches sind denn die Vorgänge im Erdendasein, die wir als die normalen bezeichnen? Als sich unser jetziges Sonnensystem entsprechend dem Erdenziele geordnet hat, ist das aufgetreten, was wir als die regelmäßigen Bewegungen der Sonne, der Erde und der andern Planeten sehen und was bewirkte, daß,wirTag und Nacht haben, daß die Jahreszeiten in der regelmäßigen Weise aufeinanderfolgen, daß wir Sonnenschein und Regen haben, daß unsere Früchte auf den Feldern gedeihen und so weiter. Das sind Ordnungen, die sich immer wiederholen nach dem Rhythmus des Kosmos, der sich für das jetzige Erdendasein herausgebildet hat, nachdem das Mondendasein in die Dämmerung hinuntergestiegen ist. Aber innerhalb des Erdendaseins wirkt Luzifer. Und wir werden sehen, daß er noch viel mehr wirkt als nur in dem Gebiet, wo wir ihn schon verfolgen konnten, in dem Menschen selbst, wo er sich allerdings seinen wichtigsten Schauplatz ausgesucht hat. Aber selbst wenn Luzifer nur innerhalb des Erdendaseins vorhanden wäre, und schon durch alle die Ordnungen, welche eintreten durch den regelmäßi&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|149}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gen Gang der Planeten um die Sonne, durch den Wechsel von Sommer und Winter, Regen und Sonnenschein und so weiter, würden die Menschen in das verfallen, was wir nennen können «luziferische Verführung&amp;gt;. Wenn den Menschen alles das zukommen würde, was ihnen aus dem geordneten Kosmos zukommen kann,was die regelmäßigen, rhythmischen Bewegungen des Sonnensystems hervorbringen, wenn nur die Gesetze herrschten, welche unserem jetzigen Kosmos angemessen sind, so müßte der Mensch dem luziferischen Einfluß verfallen, müßte das Wohlleben lieber gewinnen als das, was er gewinnen soll zu seinem kosmischen Heil, müßte den regelmäßigen Gang lieber gewinnen als das, was er sich erringen soll.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daher mußten Gegenkräfte geschaffen werden. Es mußten Gegenkräfte wirken, welche dadurch zustande kamen, daß sich hineinmisch ten in die regelmäßigen kosmischen Vorgänge unseres Erdenlebens solche Vorgänge, die für den alten Mond höchst wohltätige und normale waren, die aber heute, wenn sie auf das Erdendasein wirken, abnorme sInd und den regelmäßigen Erdengang gefährden. Diese Einflüsse treten so auf, daß sie gewissermaßen zurechtrücken, was, wenn der bloße Rhythmus vorhanden wäre, als Hang zum Wohlleben, als Behaglichkeit und Üppigkeit entstehen würde; und es zeigen sich uns solche Kräfte zum Beispiel in dem, was als der heftige Hagel dahinstürmt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und wenn das, was sonst unter den regelrechten Kräften der Erde ge schaffen würde, zerstört wird, so wird in einem solchen Falle eine Korrektur geschaffen, die im ganzen wohltätig wirkt, wenn es auch der Mensch zunächst nicht einsieht, weil es eine höhere Vernünftigkeit gibt als die, welche der Mensch begreift. Wenn der Hagel hereinstürmt in die Felder, dann können wir sagen: Auf dem alten Monde waren diese Kräfte, welche im Hagel heranstürmen, segenbringende Kräfte wie heute diejenigen Kräfte, welche segenbringend im Regen und Sonnen schein wirken. Heute stürmen sie herein, damit Korrektur geschaffen wird für das, was der luziferische Einfluß sonst anrichten würde. Und wenn der regelmäßige Gang fortgeht, stürmen sie in immer heftigerer Weise herein, um noch mehr Korrektur zu schaffen. Alles, was zur regelmäßigen Fortentwickelung führt, gehört den Kräften der Erde selber an. Wenn der Vulkan seine Laven hinausschleudert, so wirken &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|150}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
darin Kräfte, welche als verspätete Kräfte vom alten Mond mit herübergebracht worden sind, damit sie Korrektur schaffen im Erden- leben. So ist es mit den Erdbeben und mit den Elementarereignissen überhaupt.Und wir können sehen,daßmanches,was von außen kommt, im Gesamtgange der Entwickelung seine vernünftige Begründung findet. Wie das mit dem menschlichen Ich-Bewußtsein zusammenhängt, das werden wir noch sehen; was unbefriedigend am heutigen Vortrag erscheint, wird sich dadurch morgen ausgleichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir müssen uns aber doch das eine klarlegen, daß diese Dinge alle nur die eine Seite des menschlichen Daseins&amp;gt; des Erdendaseins, des kosmischen Daseins überhaupt, darstellen. Und wenn wir auf der einen Seite sagen, wenn uns ein Organ zerstört wird, sind es wohltätige Wirkungen geistiger Mächte, und wenn wir heute gefunden haben, daß sogar der ganze Gang der Erdentwickelung wieder korrigiert werden muß durch Kräfte aus dem alten Mondendasein, so müssen wir jetzt fragen: Wie steht es nun damit, daß wir versuchen müssen, als Erden- menschen auf der andern Seite wieder Korrektur zu schaffen für die schädlichen Einflüsse der alten Mondenkräfte? - Wir werden ja schon ahnen, daß wir als Erdenmenschen nicht gerade herbeisehnen dürfen Vulkanausbrüche und Erdbeben, daß wir nicht selber Organe zerstören dürfen, um die segensreiche Wirkung der geistigen Mächte zu unterstützen. Aber wir werden uns auch sagen können, und das hat gewiß seIne Berechtigung: Bricht irgendwo eine Epidemie aus, so wird dadurch etwas herbeigeführt, was der Mensch geradezu sucht, damit in ihm etwas ausgeglichen wird. Und wir können annehmen, daß der Mensch hineingetrieben wird in gewisse Verhältnisse, um eine Schädigung zu erfahren, durch deren Überwindung er sich derVervollkommnung nähert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie steht es aber dann mit hygienischen und sanitären Maßregeln?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Könnte nicht jemand sagen: Also werden Epidemien sehr Gutes wirken können? Ist es dann nicht falsch, durch allerlei gesundheitsfördernde Einrichtungen, durch krankheitsvorbeugende Maßnahmen die Möglichkeit zu vermindern, daß solche Einflüsse geschehen? Es könnte jemand darauf kommen, daß man nichts tun sollte, um elementare Ereignisse abzuschwächen, und könnte es damit motivieren, daß es ganz im Sinne der heutigen und gestrigen Ausführungen liege.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|151}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir werden sehen, daß das nicht der Fall ist, aber wieder nur unter gewissen Voraussetzungen nicht der Fall ist. Wir werden nämlich jetzt erst in der richtigen Weise dazu vorbereitet sein, um bei der nächsten Betrachtung derVerhältnisse einerseits zu verstehen, wie uns wohltätige Einflüsse geradezu die Schädigung eines Organs zufügen, damit wir der Wirkung der Maja nicht verfallen, und anderseits uns jener Wirkung bewußt zu werden, die wir hervorrufen, wenn wir uns selbst der Auswirkung solcher wohltätiger Einflüsse entziehen, indem wir sanitäre und hygienische Maßnahmen gegen die Krankheiten ergreifen. - Wir werden sehen, daß wir hier an einem Punkt stehen, an dem der Mensch so häufig steht: Wenn ein scheinbarer Widerspruch auftaucht und ihn die ganze Kraft des Widerspruchs tfeibt, dann ist er nahe daran, an einen solchen Punkt zu kommen, wo die ahrimanischen Mächte einen großen Einfluß auf ihn ausüben können. Nirgends liegt die Möglichkeit so nahe, uns~i~öuschungen hinzugeben,wie jetzt,wo wir in einen solchen Engpaß hineingekommen sind. Und es ist gut, daß wir jetzt da hinein- gekommen sind; denn jetzt können wir sagen: Wohltätige Mächte sind es, welche uns ein Organ unbrauchbar machen, denn das ist eine Gegenwirkung gegen Ahriman; also müßten es jetzt die Schädlinge der Menschheit sein, welche nicht das fordern, was man nennen kann «wohltätige Gegenwirkungen gegen die ahrimanischen Mächte». Denn hygienische Maßregeln und dergleichen würden diese wohltätige Gegenwirkung einschränken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir sind in einem Engpaß. Und es ist gut, daß wir einmal in diesen Widerspruch geführt sind, damit wir darüber nachdenken, daß solche Widersprüche möglich und sogar eine gute Schulung für unseren Geist sind. Denn wenn wir gesehen haben werden, wie wir uns aus diesem Widerspruch herausretten können, dann werden wir aus uns selbst heraus etwas getan haben, was uns Kraft geben kann, um uns den Täuschungen des Ahriman zu entziehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|152}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= ACHTER VORTRAG Hamburg, 25. Mai 1910 =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir zurückdenken an den Widerspruch, den wir am Ende unserer letzten Betrachtung vor uns hin gestellt haben, so müssen wir zu seiner Lösung heute nochmals zurückblicken auf die beiden Kräfte, auf die beiden Prinzipien, die uns nun im Laufe der Zeit geradezu wie die Herausforderer und auch wieder wie die Regulatoren unseres Karma erschienen sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir haben gesehen, daß unser. Karma erst dadurch in Bewegung gebracht wird, daß wir die Einflüsse der luziferischen Gewalten auf unseren astralischen Leib erleiden, daß wir durch die Versuchung dieser Gewalten zu Gefühls-, Trieb- und Leidenschaftsäußerungen kommen, die uns in gewisser Beziehung unvollkommener machen, als wir sonst wären. Wenn nun die luziferischen Einflüsse auf uns wirken, dann fordern sie auf der andern Seite heraus die ahrimanischen Einflüsse, jene Kräfte, welche nun nicht von innen heraus, sondern von außen her auf uns wirken, die im Wechselverkehr mit der Welt durch dasjenige hindurchwirken,was uns eben von außen entgegentritt. So ist es im Grunde Ahriman, der herausgefordert wird durch Luzifer, und wir Menschen sind eigentlich so lebendig hineingestellt in den Streit dieser beiden Prinzipien. Und wir müssen im Leben versuchen, gerade dadurch vorwärtszukommen, daß wir, wenn wir einmal in die Fangarme Luzifers oder Ahrimans gekommen sind, nach Mitteln und Wegen suchen, um wieder durch Überwindung dessen, was in uns angerichtet worden ist, höher zu steigen. Ganz deutlich aber können wir sehen, wie in der Tat dieses Wechselspiel zwischen luziferischen und ahrimanischen Mächten um unsere Person herum stattfindet, wenn wir uns den Fall in einer etwas andern Form noch einmal vor Augen rücken, den wir schon das letzte Mal angeführt haben: den Fall, daß jemand ahrimanischen Einflüssen verfällt, so daß er allerlei Vorspiegelungen,Täuschungen erlebt, daß er glaubt, dies oder jenes werde ihm besonders mitgeteilt oder mache auf ihn nach dieser oder jener Richtung hin einen Eindruck, woraus aber für einen andern, der sich seine gesunde Urteilskraft bewahrt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|153}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
hat, leicht zu erkennen ist, daß der Betreffende Irrtümern und Täuschungen verfallen ist. Das letzte Mal haben wir gesprochen von den Fällen, wo jemand hellseherischen, aber im schlimmen Sinne hellseherischenTäuschungen der geistigen Welt unterworfen wird. Da haben wir ausdrücklich angeführt, daß dies dann ~uschungen sind, die durch ahrimanische Kräfte hervorgerufen werden. Und wir haben gesehen, daß gegen solche Täuschungen, welche durch unrichtiges Hellsehen hervorgerufen werden, es kein anderes oder wenigstens kein günstigeres Mittel gibt als die gesunde Urteilskraft, die erworben wird im physischen Leben zwischen Geburt und Tod.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was wir im letzten Vortrage gesagt haben, ist etwas Bedeutungsvolles und Wesentliches, wenn wir es mit hellseherischen Verirrungen zu tun haben. Denn bei einem Hellsehen, das nicht durch regelrechte Schulung, nicht durch systematische Übungen erreicht worden ist, die streng und richtig geleitet werden, sondern das durch alte vererbte Merkmale eintritt, in Bildern oder Hören in Tönen und dergleichen, bei einem solchen unrichtigen Hellsehen können wir immer finden, daß es zurückgeht, daß es aufhört sogar, wenn der Betreffende die Möglichkeit findet und die Neigung hat, sich ernstlich auf theosophische Studien einzulassen, theosophische Erkenntnis wirklich aufzunehmen, oder gar sich einläßt auf eine wirkliche, sinn- und sachgemäße Schulung. Also in einem solchen Falle, wo wir es mit Verirrungen der übersinnlichen Erkenntnis zu tun haben, können wir sagen, daß die echten Quellen der Erkenntnis, wenn der Betreffende ihnen zugänglich ist, auch immer für ihn eine Hilfe sein werden, die ihn auf den rechten Weg bringen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dagegen dürfen Sie das, was gerade als eine Gegenüberstellung vor- gebracht werden muß und was eine so triviale Wahrheit ist, daß jeder sie kennt, nicht anführen. Jeder weiß, daß wenn jemand durch karmische Verwicklungen dazu gekommen ist, Zustände zu entwickeln, welche ihn zu den Symptomen des Verfolgungswahnes, des Größenwahnes führen, daß er dann in seiner Seele ein ganzes System vonWahnideen ausbilden kann, die von ihm so logisch wie nur möglich begründet werden, die aber doch eben Wahnideen sind. Es kann zum Beispiel vorkommen, daß jemand auf andern Gebieten des Lebens ganz richtig und &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|154}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
logisch denkt, daß er jedoch die`Wahnidee hat, er werde überall verfolgt um dieses oder jenes Grundes willen. Er wird dann imstande sein, wo er hinkommt, aus den geringsten Vorkommnissen Kombinationen geistreichster Art zu machen: Da ist wieder eine Clique, die nichts anderes will, als mir dies oder das anzutun! - Und er wird Ihnen in der geistreichstenArt beweisen,wie begründet seinVerdacht ist. So kann jemand ein ganz logischer Kopf sein und doch in sich gewisse Symptome der Verrücktheit ausleben. Da wird es ganz unmöglich sein, einen solchen Menschen mit logischen Gründen zu widerlegen. Im Gegenteil, wenn man in einem solchen Falle mit logischen Gründen kommt, dann kann es geschehen, daß die Wahnideen, die in dem Inneren des Betreffenden sitzen, erst recht herausgefordert werden und noch schärfere Beweismittel suchen für das, was er als den Inhalt seinerVerfolgungswahnidee geltend macht. - Wenn im geisteswissenschaftlichen Sinne gesprochen wird, müssen die Dinge ganz genau genommen werden. Wenn vorhin und auch das letzte Mal betont worden ist, daß man in den geisteswissenschaftlichen Erkenntnissen, denen sich jemand mit aller Mühe oder sogar in einer prinzipiellen systematischen Schulung hingibt, eine Gegenmacht hat gegen eine Verirrung der hellseherischen Kräfte, so ist damit ein ganz anderer Fall gemeint als der, welcher soeben charakterisiert worden ist. Jetzt handelt es sich nicht darum, daß man dem Betreffenden mit geisteswissenschaftlichen Erkenntnissen beikommt. In der Regel will man ihm beikommen mit Gründen aus dem Gebiet der gewöhnlichen Vernünftigkeit. Für die aber ist ein solcher Mensch absolut unzugänglich. Warum ist das der Fall?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn ein solches Krankheitsbild auftaucht, wie es sich in den geschilderten Symptomen auslebt, haben wir es damit zu tun, daß der Betreffende darin eine karmische Ursache von früheren Verkörperungen, von früheren Verirrungen zutage treten läßt. Was als eine Verirrung des Inneren anzusehen ist, liegt nicht und kann nicht in diesem Falle in der gegenwärtigen Inkarnation liegen, sondern das liegt in einer vorhergehenden Inkarnation. Nun machen wir uns ein Bild, wie so etwas aus der früheren Inkarnation in die gegenwärtige herüberkommt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dazu müssen wir ins Auge fassen, wie eigentlich unsere Seelenentwickelung verläuft. Wir bestehen als äußerer Mensch aus physischem &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|155}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Leib, Ätherleib und astralischem Leib, haben dann im Laufe der Zeit hineingebaut in diese Hüllen durch die Arbeit des Ich die Empfindungsseele in den Empfindungsleib, die Verstandes- oder Gemütsseele in den Atherleib und die Bewußtseinsseele in den physischen Leib. Was wir in unserem Inneren als die drei Seelenglieder entwickeln, das haben wir hineingebaut in die drei Hüllen, das lebt jetzt in diesen drei Hüllen. Nun nehmen wir an, in irgendeiner Inkarnation werden wir durch den Einfluß Luzifers - also dadurch, daß wir in uns egoistische oder sonstige, dem luziferischen Einfluß zuzuschreibende Triebe, Begierden, Instinkte entwickeln - so verführt, daß wir Verfehlungen auf unsere Seele laden. Diese Verfehlungen können nun sein in der Empfindungsseele, können sein in der Verstandes- oder Gemütsseele oder auch in der Bewußtseinsseele. Das ist dann die Ursache, die in irgendeiner folgenden Inkarnation in einem der drei Seelenglieder gegeben ist. Nehmen wir an, es sei ein Fehler, der besonders auf den Kräften der Verstandesseele beruht. Der wird dann in dem Zustande zwischen Tod und neuer Geburt so umgewandelt, daß dasjenige, was zum Beispiel die Verstandesseele verbrochen hat, in seiner Wirkung sich zeigt im Ätherleib. Das ist mittlerweile beim Durchgehen durch den Tod bis zur neuen Geburt hineingearbeitet worden in den Ätherleib. Wir stoßen also in der neuen Inkarnation auf eine Wirkung in dem Ätherleib, die zurückzuführen ist auf eine Ursache in der Verstandesseele in einer vorhergehenden Inkarnation. Nun arbeitet aber dieVerstandesseele der nächsten Inkarnation wieder für sich selbständig in dieser Inkarnation, und es ist nun ein Unterschied, ob der Mensch jene Verfehlung früher begangen hat oder nicht. Hat er sie in einer früheren Inkarnation begangen, so hat er jetzt einen Fehler in seinem Ätherleibe. Das sitzt nun tiefer, der sitzt nicht in der Verstandesseele, sondern im Ätherleibe. Aber was der Mensch sich auf dem physischen Plan als Vernünftigkeit, als Verständigkeit erarbeiten kann, das wirkt ja nur auf seine Verstandesseele; das wirkt nicht auf das, wie seine Verstandesseele in einer früheren Inkarnation sich betätigt hat und was jetzt schon in den Ätherleib hineingearbeitet ist. Daher kann es vorkommen, daß die Kräfte der Verstandesseele,wie sie uns jetzt bei einem Menschen entgegentreten, logisch intakt arbeiten, so daß also das eigentliche menschliche Innere ganz intakt ist, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|156}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
daß aber durch das Zusammenarbeiten zwischen Verstandesseele und dem krankhaften Teil des Ätherleibes von diesem Ätherleib aus nach einer gewissen Richtung hin ein Irrtum projiziert wird. Dann kann man zwar mit den Gründen, die man auf dem physischen Plan aufbringen kann, auf die Verstandesseele wirken, nicht aber unmittelbar auf den Ätherleib. Daher können Sie durch Logik, durch Überzeugung nichts ausrichten, ebensowenig wie Sie mit Logik etwas anfangen können, wenn Sie einen Menschen vor einen konvex gebogenen Spiegel hin- stellen, so daß der Betreffende darin sein verzerrtes Bild sieht, und Sie ihm dann beweisen wollen, daß er unrecht hat, das Bild so zu sehen. Er sieht doch ein verzerrtes Bild. So hängt es auch nicht vom Menschen ab, daß er in einer krankhaften Weise etwas falsch versteht, denn es wird seine sonst gesunde Logik von seinem Ätherleibe aus nicht in einer gesunden Weise gespiegelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf diese Weise können wir die karmische Wirkung früherer Inkarnationen in unserer tieferen Organisation in uns tragen. Und wir können geradezu angeben, wie in einem bestimmten Teig derselben - wie hier in unserem Ätherleib - das Schadhafte vorhanden ist. Daran sehen wir, was wir durch den luziferischen Einfluß in einer früheren Verkörperung herausgefordert und dann umgewandelt haben. Und in der Zwischenzeit zwischen Tod und neuer Geburt kommt die Umwandlung zustande von einem Inneren in ein Äußeres, und dann wirkt uns Ahriman aus unserem eigenen Ätherleibe entgegen. Das zeigt uns, wie Ahriman herangelockt wird an unseren eigenen Ätherleib durch Luzifer. Die frühere Verfehlung war eine luziferische, das Umgewandelte aber ist ein solches, daß uns gleichsam die Quittung dafür in der nächsten Inkarnation durch Ahriman gegeben wird. Und dann handelt es sich darum, daß der Mensch diese Schädigung seines Ätherleibes aus sich herausbringen muß. Das kann nur dadurch geschehen, daß tiefer in seine Organisation ein gegriffen wird, als es mit den gewöhnlichen Mitteln der äußeren Vernunft in einer Inkarnation möglich ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer so etwas durchmacht, daß er zum Beispiel den Symptomen des Verfolgungswahnes in einer bestimmten Inkarnation verfällt, der wird, wenn er neuerdings wieder durch die Pforte des Todes tritt, alle die Tatsachen vor sich haben, welche er sich geleistet hat infolge seiner &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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ahrimanischen Schädigung, und er wird sie in ihrer ganzen Absurdität vor sich haben. Das wird für ihn wieder die Kraft sein, welche ihn für seine nächste Inkarnation gründlich heilt. Denn er kann nur dadurch geheilt werden, daß dasjenige, was er unter dem Einfluß der entsprechenden Symptome vollzogen hat, ihm in der äußeren Welt für die Folge als absurd erscheint. Damit haben Sie etwas gegeben, was von uns zu einer solchen Heilung getan werden kann. Wenn jemand unter derartigen Wahnideen leidet, werden Sie ihn am wenigsten durch logische Gründe von seinen Wahnideen abbringen können. Sie werden dadurch nur seinen Widerspruch erst recht herausfordern. Aber Sie werden etwas erreichen, besonders wenn sich in früher Jugend so etwas zeigt, wenn Sie den Menschen in Lagen bringen, wo sich ihm die Folgen seiner Symptome kraß als unsinnig darstellen, wenn Sie ihn vor Tatsachen führen, die er hervorruft und die als kraß unsinnige wieder auf ihn zurückschlagen. Dadurch können Sie in gewisser Weise eine Heilung hervorrufen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie können auch dann heilend wirken, wenn Sie selbst so weit im Besitze der geisteswissenschaftlichen Wahrheiten sind, daß sie inneres Eigentum Ihrer Seele geworden sind. Sind sie so Ihr Besitz geworden, daß sie stehen und fallen mit Ihrer ganzen Persönlichkeit, dann haben Sie sie ja als den denkbar stärksten Glauben; dann ist Ihre ganze Persönlichkeit ein Ausstrahler dieser geisteswissenschaftlichen Wahrheiten. Mit diesen Wahrheiten, welche hereinströmen in das Leben zwischen Geburt und Tod und es erfüllen, die aber dennoch über dieses Leben selbst hinausragen, die Erkenntnisse sind aus übersinnlicher Welt, mit ihnen können Sie tiefergehende Wirkungen erzielen als mit äußeren Vernunftwahrheiten. Während Sie mit äußeren logischen Gründen nichts anfangen können, werden Sie, wenn Sie die geisteswissenschaftlichen Wahrheiten anwenden und wenn Sie genug Zeit und Gelegenheit dazu haben, allerdings so weit Impulse auf den betreffenden Menschen ausüben können, daß Sie sozusagen in der einen Inkarnation das vermögen, was sonst nur auf dem Umwege von einer auf die andere Inkarnation geschehen kann: nämlich hineinzuwirken von der Verstandesseele in den Ätherleib. Denn die Wahrheiten des physischen Planes sind nicht imstande, auch nur im geringsten die Kluft zwischen Empfin&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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dungsseele und Empfindungsleib, zwischen Verstandesseele und Ätherleib oder gar zwischen Bewußtseinsseele und physischem Leib zu überspringen. Daher werden Sie immer erleben, daß jemand auf dem physischen Plan noch so viel Weisheit über die sinnliche Welt aufnehmen kann: diese Weisheit wird in sehr geringem Zusammenhange stehen mit seiner Gemütswelt, mit dem, was wir nennen das Durchdrungensein seines Empfindungsleibes mit den entsprechenden Impulsen und Leidenschaften. Daher kommt es vor, daß jemand ein sehr gelehrtes Haus sein kann, ein großes theoretisches Wissen haben kann über die Dinge der physischen Welt, ein alter Professor geworden sein kann - und es im Inneren nicht zu einer Umwandlung seiner Triebe und Empfindungen und Leidenschaften gebracht hat, die sich im Empfindungsleib abspielen. Er kann im Grunde viel wissen über die physische Welt und ein krasser Egoist sein, weil er die Impulse dazu in der Jugend aufgenommen hat. - Natürlich kann ganz gut nebeneinander herlaufen äußere physische Wissenschaft und Durchbildung des Empfindungsleibes und Ätherleibes von innen heraus.Und ebenso kann der Mensch Verstandeswahrheiten aufnehmen, mancherlei, was sich als Kräfte der Gemütsseele aufnehmen läßt in bezug auf den physischen Plan, aber er kann jene tiefe Kluft nicht überspringen, welche zwischen der Verstandesseele und dem Ätherleib besteht. Mit andern Worten, Sie können immer wieder finden: Wenn jemand äußerliche Wahrheiten aufnimmt, wenn er auch noch so viel lernt - das eine werden Sie selten finden, daß dieses Gelernte wirklich Gewalt hat auf die formenden Kräfte seines Leibes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei einem Menschen, bei dem die Wahrheiten so wirken, daß sie sein ganzes Sein ergreifen, da werden Sie erleben können, daß sich im Laufe von zehn Jahren seine Physiognomie verändert, daß Sie ihm an der Stirn ablesen können, wie er gerungen hat, wie er zum Beispiel mit gewIssen Zweifeln in seinem Herzen gerungen hat. Oder auch an seinen Gesten können Sie es bemerken, wenn er zum Beispiel aus eigenem Verhalten ein ruhiger Mensch geworden ist. Da drängt sich das in die formenden Kräfte des Organismus hinein, und es wird der Organismus in den feinsten Teilen davon ergriffen. Da wirkt das, was der Mensch spirituell aufnimmt, bis in die feinsten Teile seiner Organisation hinein. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Wenn das, was das Gemüt ergreift, nicht nur auf den physischen Plan weist, dann ist der Mensch nach zehn Jahren auch ein anderer. Aber die Änderung liegt in der normalen Richtung, wie die Anlagen sich im normalen gewöhnlichen Leben ausbilden und ändern. Man kann vielleicht im Verlaufe von zehn Jahren einen andern Gesichtsausdruck bekommen; aber wenn man nicht in der inneren Weise den Abgrund überspringt, sind es äußere Einflüsse gewesen. Da ist es keine den Menschen vom Inneren ergreifende Kraft, was ihn umgestaltet. Daran können wir sehen, daß nur das Spirituelle, was sich im Innersten wirklich mit unserem innersten Menschen verbindet, in der Lage ist, schon in der Zeit zwischen Geburt und Tod umwandelnd auf die formenden Kräfte zu wirken, daß aber mit Sicherheit dieser Übergang, dieses Überschreiten des Abgrundes stattfindet in der karmischen Wirksamkeit zwischen dem Tode und einer neuen Geburt. Wenn zum Beispiel das, was die Empfindungsseele erlebt hat,hineingesenkt wird in jeneWelten, die wir durchschreiten in der Zwischenzeit zwischen Tod und neuer Geburt, dann macht es sich gewiß in der nächsten Inkarnation als formende, bildende Kraft geltend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf diese Weise haben wir das gegenseitige Zusammenwirken Ahrimans und Luzifers begriffen. Und nun fragen wir uns: Wie stellt sich dieses Zusammenwirken dar, wenn die Dinge noch etwas entfernter liegen, wenn sie zum Beispiel als luziferischer Einfluß nicht nur den Abgrund zu überschreiten haben von der Verstandesseele bis zum Ätherleib, sondern wenn sie sozusagen einen weiteren Weg haben?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen wir an, wir unterliegen in einem Leben ganz besonders stark dem Einflusse Luzifers. In einem solchen Falle sind wir mit unserem ganzen inneren Menschen um ein ganzes Stück unvollkommener gewordeh, als wir vorher waren, und in der Kamalokazeit haben wir dann in der eminentesten Weise das vor Augen, daß wir uns sagen: Du mußt etwas ganz Mächtiges tun, um diese Unvollkommenheit wieder auszugleichen! - Wir nehmen also diese Tendenz in uns auf und bilden in der nächsten oder einer der nächsten Inkarnationen mit dem, was jetzt formende Kräfte geworden sind, unseren neuen Organismus so, daß dieser die Tendenz haben muß, den Ausgleich des früher Durchlebten herbeizuführen. Aber nehmen wir an, dasjenige, was den luziferischen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|160}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einfluß ausgelöst hat, sei durch ein Äußeres veranlaßt gewesen, sei eine äußere Begierde gewesen. Dann muß doch wieder Luzifer als ein Einfluß dagewesen sein. Das Äußere hätte nicht auf uns wirken können, wenn nicht Luzifer in uns gewirkt hätte. Wir haben also die Tendenz in uns, das, was wir unter dem luziferischen Einfluß geworden sind, wieder auszugleichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber nun haben wir gesehen, daß der luziferische Einfluß in einer Inkarnation herausfordert den ahrimanischen Einfluß in einer nächsten Inkarnation, daß er ihn herbeizieht, so daß die beiden durchaus in Wechselwirkung miteinander stehen. Der luziferische Einfluß ist aber ein solcher, daß wir sagen konnten: Er zeigt sich für uns im Bewußtsein, das heißt&amp;gt; wir können mit unserem Bewußtsein noch notdürftig hinunterreichen in unseren astralischen Leib. Wir haben gesagt, wenn Schmerzen sich uns zum Bewußtsein bringen, so ist das luziferischer Einfluß. Aber wir können nicht in diejenigen Gebiete hinunter, die wir bezeichnen können als Bewußtsein unseres Ätherleibes und unseres physischen Leibes. Wir haben zwar auch im traumlosen Schlaf ein Bewußtsein, aber ein Bewußtsein von so niederem Grade, daß der Mensch im gewöhnlichen Leben nicht in der Lage ist, von diesem Bewußtsein überhaupt etwas zu wissen. Aber das ist durchaus kein Anlaß, daß wir in diesem Bewußtsein nichts tun. Dieses Bewußtsein hat zum Beispiel normalerweise die Pflanze, die ja nur aus physischem Leib und Ätherleib besteht. Die Pflanze lebt fortwährend in einem traumlosen Schlafbewußtsein. Unser Bewußtsein des Ätherleibes und des physischen Leibes ist auch im Tagwachen vorhanden; aber wir können nicht bis zu ihm hinuntersteigen. Daß aber dieses Bewußtsein handeln kann, das zeigt sich uns zum Beispiel, wenn wir im Schlafe somnambule Handlungen,nachtwandlerische Handlungen ausführen,von denen wir nichts wissen. Das ist das traumlose Schlafbewußtsein, das diese Handlungen vollführt. Das gewöhnliche Ich-Bewußtsein und das astralische Bewußtsein reichen nicht hinunter bis dahin, wo zum Beispiel die Handlungen des Nachtwandlers ausgeführt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber wir dürfen nicht glauben, weil wir bei Tage im Ich-Bewußtsein und astralischen Bewußtsein leben, daß nicht mit uns leben die andern Bewußtseinsarten. Wir wissen nur von ihnen nichts. Nehmen wir nun &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|161}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
an, wir haben durch einen luziferischen Einfluß in einer früheren Inkarnation einen starken ahrimanischen Einfluß herausgefordert; dann wird dieser ahrimanische Einfluß nicht wirken können auf unser gewöhnliches Bewußtsein. Er wird aber ergreifen das Bewußtsein,welches in unserem Ätherleibe sitzt, und dieses Bewußtsein wird uns dann nicht bloß zu einer gewissen Organisation unseres Ätherleibes führen können, sondern sogar zu Handlungen, welche sich so ausleben, daß uns das Bewußtsein unseres Ätherleibes sagt: Du kannst jetzt nur dasjenige aus dir heraus entfernen, was der luziferische Einfluß, dem du in der früheren Inkarnation so mächtig verfallen bist, in dir angestellt hat; und&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
das kannst du dadurch, daß du jetzt eine Handlung begehst, die genau in der umgekehrten Linie liegt als die frühere luziferische Verfehlung!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen wir an, wir seien durch einen luziferischen Einfluß dazu gebracht worden, von einem vorhergehenden religiösen oder nach dem Geistigen hinzielenden Standpunkt zu einem solchen überzugehen, wo der Mensch sagt: Ich will das Leben hier genießen! -, wo er also den Sprung in das Sinnliche mit aller Macht getan hat. Dann fordert so etwas den ahrimanischen Einfluß in der Art heraus, daß genau das Umgekehrte verursacht wird. Da kommt es denn vor, daß der Mensch, wenn er durch das Leben schreitet, einen Punkt aufsucht, wo er aus dem sinnlichen Leben in das geistige mit einem Sprunge wieder hineingehenkann. Dort ist er mit einem Sprunge in das Sinnliche verfallen - hier will er mit einem Sprunge in das geistige Leben zurück. Das Oberbewußtsein bemerkt das nicht; aber das geheimnisvolle Unterbewußtsein, das an den physischen Leib und Ätherleib gekettet ist, treibt jetzt den Menschen dazu&amp;gt; den Ort aufzusuchen, wo man ein Gewitter ab- warten kann, wo eine Eiche steht, eine Bank darunter, und - der Blitz schlägt ein! Da hat sein Unterbewußtsein den Menschen erfüllen lassen, was er in einer früheren Inkarnation getan hat. Da haben wir das Umgekehrte. So begreifen wir eine Wirkung unter einem luziferischen Einfluß in einem früheren Leben, und als Folge einen Einfluß Ahrimans in dein jetzigen Leben. Ahriman muß hier mitwirken zu dem Zwecke, daß wir unser 0berbewußtsein so weit ausschalten, daß in diesem Falle unser ganzer Mensch nur dem Bewußtsein des Ätherleibes oder des physischen Leibes folgt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|162}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf diese Weise begreifen wir mancherlei Dinge, die auch sonst im Leben geschehen. Aber wir dürfen,wenn zum Beispiel jemand im Leben zum Tode kommt oder eine schwere Verwundung erleidet, nicht jeden solchen Fall auf etwas Ähnliches zurückführen. Da würden wir in einer sehr engen Weise das Karma auffassen. Aber es gibt wirklich Strömungen auch in unserer theosophischen Bewegung, welche das Karma in einer recht engen Weise auffassen, die zwar glauben, daß sie in dem Karma wirklich etwas haben, was zu einem höheren Gesichtspunkt führt, es aber nicht wirklich kennen. Sie fassen das Karma so auf, daß, wenn es wirklich so wäre, wie sie es auffassen, immer die ganze Weltordnung wegen eines jeden einzelnen Menschen besonders eingerichtet sein müßte, damit sie zum harmonischen Verlauf und zum Ausgleich eines jeden einzelnen im Menschenleben diente, daß also in einem Leben die Verhältnisse immer so zusammengeführt werden, daß ganz genau der Ausgleich für das geschaffen werden muß, was in einem früheren Leben entstanden ist. Dieser Standpunkt ist aber nicht haltbar. Wie wäre es denn, wenn sich jemand hinstellte vor einen Menschen, dem ein Unglück passiert ist, und ihm sagt: Das ist dein Karma, das ist die karmische Wirkung aus einem früheren Leben; das hast du damals verschuldet! - Wenn aber jetzt der Betreffende diesen oder jenen Glücksfall erlebt, dann sagt der andere: Das führt zurück auf ein Gutes, das du früher getan hast! - Wenn das aber einen wirklichen Wert haben soll, so müßte doch derjenige, der so spricht, erst sehen, was in dem früheren Leben geschehen ist, das diese Wirkung hervorgebracht haben soll. Hätte er sich in das frühere Leben gestellt, so würde er da die Ursachen sehen, die aus jenem Leben kommen, und müßte dann auf die spätere Inkarnation hinschauen, wenn er die Wirkungen erblicken will.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daraus folgt aber für uns logisch folgendes: Es treten in jeder Inkarnation Tatsachen ein, die erste Ereignisse darstellen in dem Leben jedes Menschen, wie es sich von Verkörperung zu Verkörperung abspielt, und diese werden ihren k~rmischen Ausgleich im nächsten Leben haben. Wenn man im nächsten Leben sich dann die Wirkungen anschaut, dann kann man auf die Ursachen hinblicken. Wenn aber jetzt ein Unglücksfall geschieht und man mit allen Mitteln im früheren Leben keine Ursachen dafür findet, dann muß man sich sagen, es findet eben der Aus- &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
gleich in einem späteren Leben statt. Karma ist kein Fatum! Es wird aus jedem Leben etwas in die späteren hineingetragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir das verstehen, werden wir es auch begreiflich finden, daß der Mensch sinnvoll und bedeutungsvoll neue Ereignisse in seinem Leben finden kann. Denken wir daran, daß ja die großen Ereignisse im Gange der Menschheitsentwickelung nur dadurch zustande kommen können, daß sie von bestimmten Personen getragen werden. Personen müssen in einem bestimmten Zeitpunkt die Absichten der Entwickelung übernehmen. Denken Sie daran, wie die mittelalterliche Entwickelung verlaufen wäre, wenn nicht in einer bestimmten Zeit Karl der Große eingegriffen hätte, oder wie das Geistesleben der alten Zeiten verlaufen wäre, wenn nicht in einer bestimmten Zeit Aristoteles gewirkt hätte. Denken Sie, daß Sie, wenn Sie den Gang der Menschheitsentwickelung begreifen wollen, den Aristoteles in die Zeit hineindenken müssen, wo er gelebt hat; denn ohne ihn würde später vieles anders geworden sein. Dadurch sehen wir, daß solche Persönlichkeiten, wie Karl der Große, Aristoteles, Luther und so weiter nicht um ihretwillen, sondern um der Welt willen in der betreffenden Zeit leben mußten. Ihre persönlichen Schicksale sind darum doch innig verflochten mit dem, was in derWelt geschieht. Können wir aber deshalb sagen, daß das, was sie wirken, zusammentrifft mit dem, was sie sich früher verdient oder was sie früher verschuldet haben?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen Sie den Fall von Luther: Alles, was er erlebt und erduldet hat, können Sie nicht nur auf sein karmisches Konto schreiben; Sie müssen sich klar sein, daß dasjenige, was in einem bestimmten Zeitpunkt in der Menschheitsentwickelung geschehen soll, durch das Hineingestelltsein bestimmter Individualitäten geschieht. Diese Individualitäten müssen heruntergeführt werden aus der geistigen Welt ohne Rücksicht darauf, ob sie für sich selbst weit genug sind, um heruntergeführt zu werden, denn sie werden heruntergeführt zu den Zwecken der Menschheitsentwickelung. Und es muß vielleicht ein karmischer Weg frühzeitig unterbrochen oder verlängert werden, damit die betreffenden Persönlichkeiten zu einem bestimmten Zeitpunkt in das Leben hineingestellt werden können. Da werden über Personen Schicksale verhängt, die mit dem vorangegangenen Karma nichts zu tun zu haben &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|164}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
brauchen. Aber wenn man als Mensch einmal so hineingestellt worden ist und wenn man das getan hat, was man zwischen Geburt und Tod tun kann, so bildet das karmische Ursachen. So wahr es also ist, daß ein Luther hineingestellt wird in das Leben um der Menschheit willen und Schicksale erdulden kann, welche nichts zu tun haben mit seinem früheren Karma, so wahr ist es, daß mit seinem späteren Karma dasjenige, was er da vollbringt, wieder etwas zu tun haben wird. Karma ist ein allgemeines Gesetz, und jeder muß es durchleben. Aber wir dürfen es nicht so auffassen, daß wir nur in frühere Verkörperungen zurückblicken, sondern wir müssen es so auffassen, daß wir auch vorwärts- blicken müssen. Deshalb können wir durchaus sagen: Es kann sich uns von diesem Gesichtspunkt aus ergeben, daß allerdings erst ein späteres Leben rechtfertigen kann auch vorhergehende Inkarnationen, indem uns schon Dinge zugefallen sind,welche gar nicht in unserer karmischen Linie liegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen wir folgenden Fall an, der sich tatsächlich zugetragen hat: Bei einer Naturkatastrophe hatten eine Anzahl von Seelen den Untergang gefunden. Wir brauchen durchaus nicht zu glauben, das wäre ihr Karma gewesen, daß sie alle zusammen dabei zugrunde gegangen sind; denn das wäre eine sehr billige Annahme. Es braucht gar nicht so zu sein, daß es immer auf frühere Verschuldungen zurückführt. Es gibt einen erforschten Fall, wo eine Anzahl von Menschen bei einer Naturkatastrophe zugrunde gegangen sind. Das hat dann aber dazu geführt, daß diese Menschen in einer späteren Zeit sich gemeinsam verbunden fühlten und durch das gemeinsame Schicksal sich als stark erwiesen, etwas Gemeinsames in der Welt zu unternehmen. Durch jene Katastrophe war die Ursache gebildet, daß sie im späteren Leben sich gründlich abgewöhnt hatten, nur an der Materie zu hängen, so daß sie sich für ihr späteres Leben eine Gesinnung mitgebracht haben, welche sie zum Spirituellen geführt hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was ist in diesem Falle geschehen? Gehen wir zurück in das vorige Leben, so finden wir, daß als ein besonderes Ereignis das zusammen Untergehen bei einem Erdbeben eingetreten ist: da hat sich ihnen die Wertlosigkeit des Materiellen in dem Augenblicke des Erdbebens vor die Seele gedrängt, und da hat sich bei ihnen die Gesinnung nach dem &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|165}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Spirituellen entwickelt. Daran sehen wir, wie Menschen, die ein Spirituelles der Welt zu bringen hatten, dazu vorbereitet waren durch einen solchen Fall, der uns die Weisheit der Entwickelung zeigt, der geisteswissenschaftlich untersucht ist und sich durchaus zugetragen hat. - So können wir zeigen, daß wir zum ersten Male Ereignisse ins Menschenleben eintreten sehen und daß wir auch beim Untergang eines oder mehrerer Menschen bei einer Katastrophe oder einem Unglücksfall den frühzeitigen Tod eines Menschen nicht immer auf eine frühere Verschuldung zurückführen dürfen, sondern daß so etwas als erste Ursache auftreten kann und daß im nächsten Leben der Ausgleich erfolgt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es sind aber noch andere Fälle möglich. Es kann vorkommen, daß jemand in zwei, drei aufeinanderfoigenden Inkarnationen ein Leben frühzeitig zu beschließen hat. Das kann eintreten,weil diese Individualität dazu berufen ist, der Menschheit durch drei Inkarnationen hindurch etwas zu bringen, was man nur bringen kann, wenn man in der physischen Welt mit solchen Kräften lebt, die sich in einem sich aufbauenden Körper ergeben. Es ist ein ganz anderes, ob man in einem Körper lebt, der sich bis zum fünfunddreißigsten Jahre entwickelt, oder in einem Körper des späteren Alters. Denn bis zum fünfunddreißigsten Jahre schickt der Mensch seine Kraft in die Körperlichkeit, so daß er die Kraft von innen heraus entfaltet. Dann aber beginnt, vom fünfunddreißigsten Jahre angefangen, ein Leben, wo der Mensch nur innerlich weiterschreitet und fortwährend mit seinen Lebenskräften anzustürmen hat gegen die äußeren Kräfte. Diese zwei Lebenshälften sind durchaus verschieden voneinander, wenn wir auf die innere Organisation sehen. Nehmen wir nun an, man braucht gemäß der Weisheit der Entwickelung der Menschheit solche Menschen, welche nur gedeihen können, wenn sie nicht anzustürmen haben gegen das, was sich uns entgegendrängt in der zweiten Lebenshälfte, dann kann es sein, daß die Inkarnationen frühzeitig abgerissen werden. Solche Fälle gibt es. Und wir haben selbst schon bei unseren Zusammenkünften hingewiesen auf eine Individualität, welche nacheinander erschienen ist als großer Prophet, als ein bedeutender Maler und als großer Dichter, und immer mit einem frühzeitigen Tode ihr Leben beschlossen hat, weil das, was diese Individualität in drei Inkarnationen zu leisten hatte, nur dadurch &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|166}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
möglich war, daß die Inkarnationen abgebrochen wurden vor einem Sich-Hineinleben in die zweite Lebenshälfte. Darin haben Sie das Eigentümliche des Verstricktseins von menschlichem individuellem Karma und allgemeinem Menschheitskarma.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir können noch tiefer gehen und können im allgemeinen Menschheitskarma gewisse karmische Ursachen aufsuchen, welche sich in späteren Zeiten dann in ihren Wirkungen zeigen; da muß sich der einzelne Mensch wieder hineingestellt sehen in das Menschheitskarma.Wenn wir die nachatlantische Entwickelung in Betracht ziehen, haben wir die griechisch-lateinische Zeit in der Mitte liegend, voran ging ihr die ägyptisch-chaldäische Zeit, und ihr folgte die unsrige als der fünfte Kulturzeitraum. Auf unsere Zeit wird folgen eine sechste und dann eine siebente Kulturepoche. Aber auch bei anderer Gelegenheit habe ich schon darauf hingewiesen, daß in gewisser Beziehung ein Kreislauf&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
stattfindet in der Aufeinanderfolge der verschiedenen Kulturen, so daß die griechisch-lateinische Kultur als eine besondere für sich dasteht, da`ß dann aber die ägyptisch-chaldäische Epoche in der unsrigen sich wiederholt. Nun habe ich auch schon in diesem Zyklus hervorgehoben, wie Kepler in unserer Kulturepoche lebte und wie früher dieselbe Individualität in einem ägyptischen Leibe lebte und damals unter dem Einfluß der ägyptischen Priesterweisen den Blick hinauflenken durfte zum Himmelsgewölbe, so daß ihr die Geheimnisse der Sterne wie von oben enthüllt wurden. Das brachte sie dann wieder heraus in ihrer KeplerInkarnation, die dort hingestellt worden ist, wo der fünfte Zeitraum den dritten in gewisser Weise wiederholt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber das geht noch weiter. Von der Geisteswissenschaft aus kannman wirklich behaupten, daß die Weltentwickelung und das Menschenleben von den meisten Menschen heute noch in rechter Blindheit angeschaut wird. Bis in die Einzelheiten hinein könnten Sie diese Entsprechungen, diese Wiederholungen, dieses Leben in Zyklen verfolgen. Wenn man einen gewissen Zeitpunkt in der Menschheitsentwickelung nimmt, der etwa in das Jahr 747 vor Christus fällt, so haben Sie darin eine Art Hypomochlion, eine Art Nullpunkt, und was vor und nach diesem Zeitpunkt liegt, entspricht sich in einer ganz bestimmten Weise. Wir können zurückgehen in eine Zeit der ägyptischen Entwickelung &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|167}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und finden dort gewisse Zeremonialgesetze und Gebote, welche als «Gebote der Götter» erschienen. Und das waren sie auch. Es waren Gebote, die sich darauf bezogen, daß der Ägypter zum Beispiel am Tage ganz bestimmte Waschungen, also durch Zeremoniengebräuche und rituelle Vorschriften geregelte Waschungen, vollziehen mußte. Und man sagte dem Ägypter, daß er nur leben könne, wie es die Götter wollen, wenn er an diesem oder jenem Tage so und so viele Waschungen vornimmt. Das war ein Göttergebot, das sich in gewissen Reinlichkeitskulten auslebte. Und wenn wir dann in eine etwas weniger reinliche Zeit in der Zwischenzeit kommen und jetzt wieder, in unserer Zeit, auf hygienische Maßregeln stoßen, wie sie jetzt aus materialistischen Gründen der Menschheit gegeben werden, so sehen wir bei uns richtig sich wiederholen, was in einer entsprechenden Zeit in Ägypten untergegangen ist. Ganz merkwürdig stellt sich die Erfüllung des Früheren im Gesamtkarma dar. Nur ist der Gesamtcharakter immer ein anderer. Kepler hatte in seiner ägyptischen Inkarnation den Blick hinaufgelenkt zum Sternenhimmel; und was diese Individualität dort sah, das prägte sie aus in den großen spirituellen Wahrheiten der ägyptischen Astrologie. Bei ihrer Wiederverkörperung in dem Zeitalter, dem der Beruf des Materialismus zu fiel, prägte dieselbe Individualität diese Tatsachen - unserem Zeitalter entsprechend - in den drei materialistisch gefärbten Keplerschen Gesetzen aus. - Im alten Ägypten waren die Gesetze der Reinigung «gottgeoffenbarte» Gesetze. Der Ägypter glaubte nur dadurch seine Pflicht der Menschheit gegenüber zu erfüllen, daß er bei jeder Gelegenheit in der unglaublichstenWeise für seine Reinigung Sorge trug. Das kommt heute wieder heraus, nur unter ganz materialistischen Gedankeneinflüssen. Der Mensch von heute denkt nicht daran, daß er den Göttern dient, wenn er solche Vorschriften beobachtet, sondern daß er sich selbst dient. Aber es kommt das Frühere wieder heraus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So erfüllt sich alles in der Welt, und zwar in gewissem Sinne ganz zyklisch. Und jetzt werden Sie ahnen, daß es mit den Dingen, die wir das letzte Mal in einem Widerspruch zusammen formuliert haben, sich doch nicht so einfach verhält, wie man anzunehmen geneigt ist. Wenn in einer bestimmten Zeit die Menschen nicht in der Lage waren, gegen Epidemien gewisse Maßregeln zu ergreifen, so waren das die Zeiten, wo &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|168}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
es die Menschen deshalb nicht konnten, weil die Epidemien nach dem allgemeinen weisheitsvollen Weltenplan wirken sollten, damit die Menschenseelen Gelegenheit fanden, auszugleichen, was durch den ahrimanischen Einfluß und durch gewisse frühere luziferische Einflüsse bewirkt worden war. Wenn jetzt andere Bedingungen herbeigeführt werden, so unterliegt das wieder ebenfalls bestimmten großen karmischen Gesetzen. Wir können daraus entnehmen, daß wir diese Fragen wahrhaftig nicht oberflächlich betrachten dürfen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie stimmt das nun zusammen: Wir sagten, wenn der Mensch die Gelegenheit aufsucht, um eine Epidemie, eine Infektion aufzunehmen, so ist das die notwendige Gegenwirkung gegen eine frühere karmische Ursache. Dürfen wir nun hygienische und andere Maßregeln dagegen ergreifen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Frage ist tief, und wir müssen erst das richtige Material herbei- tragen, um sie zu entscheiden. Wir müssen uns klar sein, daß da, wo - ob gleichzeitig oder in längeren Zeiträumen - das luziferische und das ahrimanische Prinzip zusammenwirken oder wo sie sich entgegen- wirken, gewisse Komplikationen im menschlichen Leben eintreten.Und diese Komplikationen wirken so, daß sie uns in den verschiedensten Fällen in der mannigfaltigsten Art entgegentreten, so daß wir nicht zwei Fälle in der gleichen Art sehen werden.Wenn wir aber das menschliche Leben studieren, werden wir uns in folgender Weise dabei hindurchfinden: Wenn wir das Zusammenwirken von Luzifer und Ahriman aufsuchen in dem entsprechenden einzelnen Fall, so werden wir überall einen Faden finden, um durch diesen Zusammenhang hindurch- zukommen. Wir müssen aber dabei scharf unterscheiden zwischen dem inneren und dem äußeren Menschen. Wir mußten heute schon scharf unterscheiden zwischen dem, was sich in der Verstandesseele auslebt, und dem, was als Wirkung derVerstandesseele sich im Ätherleibe zeigt. Wir müssen den Fortgang betrachten, in welchem Karma sich vollzieht, und wir müssen uns zugleich klar sein, daß wir aber doch wieder die Möglichkeit haben, durch entsprechende karmische Einflüsse so auf das Innere zu wirken, daß durch das Innere ein anderer karmischer Ausgleich in der Zukunft vorbereitet wird. Dadurch ist es möglich, daß nun dieses eintreten kann:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|169}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es kann der Mensch ganz besonders in einem früheren Leben durch Empfindungen, Gefühle und so weiter durchgegangen sein, die ihn zur Lieblosigkeit gegen seine Nächsten getrieben haben. Denken wir uns zum Beispiel, daß er durch etwas hindurchgegangen ist, wo er durch karmischeWirkung die Lieblosigkeit in sich aufgenommen hat. Es kann durchaus so sein, daß wir, wie auf absteigender Linie fortfahrend, das Böse erzeugen, daß wir also erst auf einer absteigenden Bahn gehen, damit die entgegengesetzte Spannkraft entwickelt wird, um dann wieder aufzusteigen. Nehmen wir also an, ein Mensch hat sich durch Hin- gabe an gewisse Einflüsse zu einer gewissen Lieblosigkeit hingeneigt; dann tritt die Lieblosigkeit in einem späteren Leben als karmische Wirkung ein und bildet innere Kräfte in seiner Organisation aus. Nun können wir ein Zweifaches tun, bewußt oder auch nicht bewußt; denn unsere Kultur ist noch nicht so weit, es bewußt zu tun. Wir werden bei einem solchen Menschen Vorsorge treffen können, daß jene Eigenschaften in seiner Organisation, welche von der Lieblosigkeit kommen, her- ausgetrieben werden. Wir können da etwas tun, was ein Gegenmittel ist gegen die Wirkung in der äußeren Organisation, die sich als Lieblosigkeit zeigt; aber es wird damit noch nicht immer alle Lieblosigkeit in der Seele aufgehoben sein, es wird nur das äußere Organ der Lieblosigkeit fortgeschafft sein. Denn wenn wir weiter nichts tun, haben wir nur halbe Arbeit geleistet, vielleicht auch gar keine. Wir haben vielleicht dem Menschen physisch, äußerlich geholfen; seelisch aber haben wir ihm nicht geholfen. Indem wir ihm in der äußeren Leiblichkeit das Organ für die Lieblosigkeit fortgenommen haben, kann er jetzt die Lieblosigkeit nicht ausleben; er muß sie in seiner inneren Organisation behalten für eine nächste Inkarnation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen wir an, eine ganze Anzahl von Menschen hätte sich wegen Lieblosigkeit gegen die Menschen hingezogen gefühlt, gewisse Infektionsstoffe aufzunehmen, um einer Epidemie zu verfallen. Nehmen wir weiter an, wir könnten gegen die Epidemie etwas tun. Wir würden dann in einem solchen Falle die äußere Leiblichkeit davor bewahren, die Lieblosigkeit zum Ausdruck zu bringen, aber wir würden dadurch noch nicht die innere Neigung zur Lieblosigkeit fortgeschafft haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denken wir uns aber den Fall so, daß wir, wenn wir das äußere Organ&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|170}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der Lieblosigkeit fortschaffen, die Verpflichtung übernehmen, auf die Seele so zu wirken, daß wir auch der Seele die Neigung zur Lieblosigkeit nehmen. Das Organ der Lieblosigkeit wird im eminenten Sinne getötet - im äußeren leiblichen Sinne - in der Pockenimpfung. Da zeigt sich zum Beispiel folgendes, was geisteswissenschaftlich erforscht ist: In einer Kulturperiode traten die Blattern auf, als die allgemeine Neigung bestand, im höheren Maße Egoismus, Lieblosigkeit zu entwickeln. Da traten die Blattern auf, auch in der äußeren Organisation; das ist so. Man ist in der Theosophie durchaus verpflichtet, die Wahrheit zu sagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun können wir es begreifen, daß in unserer Zeit der Impfschutz aufgetreten ist. Wir können aber noch etwas anderes begreifen, daß nämlich bei den besten Geistern unserer Zeit etwas wie ein Widerwille gegen Impfung vorhanden ist. Das steht mit einem Inneren in Korrespondenz, das ist das Äußere eines Inneren. Und wir können jetzt sagen: Wenn wir auf der einen Seite das Organ töten, hätten wir auch die Verpflichtung, als Gegenstück dazu bei diesem Menschen den materialistischen Charakter durch eine entsprechende spirituelle Erziehung anders zu gestalten. Das müßte das notwendige Gegenstück sein. Wir leisten sonst nur halbe Arbeit. Ja, wir leisten nur eine Arbeit, zu der der Mensch selber in einer späteren Inkarnation in irgendeiner Weise wird das Gegenstück schaffen müssen, wenn er das Pockengift in sich hat und die Eigenschaft aus sich herausgeschafft hat, durch die man geradezu hinneigt zur Blatterner krankung. Hat man die Empfänglichkeit für die Blattern herausgeschafft, so hat man nur die äußere Seite der karmischen Wirksamkeit ins Auge gefaßt. Wenn man auf der einen Seite Hygiene übt, muß man anderseits die Verpflichtung fühlen, den Menschen, deren Organisation man umgewandelt hat, auch etwas für die Seele zu geben. Impfung wird keinem Menschen schaden, welcher nach der Impfung im späteren Leben eine spirituelle Erziehung erhält. Wir haben die Waagschale zu stark zum Sinken gebracht, wenn wir nur auf die eine Seite abzielen und auf die andere keinen Wert legen. Das fühlt man im Grunde in den Kreisen, wo man sagt: Wo hygienische Maßregeln zu weit gehen, würden nur schwache Naturen fortgepflanzt. Das ist zwar unberechtigt; aber Sie sehen, wesentlich ist, daß man eine Aufgabe nicht ohne die andere übernehmen darf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|171}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da kommen wir zu einem wichtigen Gesetz in der Menschheitsentwickelung, das so wirkt, daß immer ein Äußeres und ein Inneres sich die Waage halten müssen und daß man nicht bloß auf das eine sehen darf, sondern auch das andere nicht unberücksichtigt bleiben darf. Da sehen wir in einen großen Zusammenhang hinein und sind jetzt noch nicht einmal zur Behandlung der Frage gekommen: Wie verhalten sich Hygiene und Karma zueinander? Sie werden sehen, daß uns die Beantwortung dieser Frage noch tiefer hineinführt in das Karma. Und wir werden noch sehen, wie auch zwischen der Geburt und dem Tode des Menschen karmische Zusammenhänge bestehen und ferner, wie andere Persönlichkeiten hineinspielen in ein Menschenleben und wie sich der freie Wille des Menschen und das Karma im Einklange befinden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|172}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= NEUNTER VORTRAG Hamburg, 26. Mai 1910 =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es wird ja, wie ich wiederholt bemerkte, nur möglich sein, die großen karmischen Gesetzmäßigkeiten in einigen skizzenhaften Linien anzudeuten, um Anregungen zu geben auf diesem schier unermeßlichen Gebiete.Wenn Sie alles bedenken, was wir in den letzten Tagen besprochen haben, so werden Sie es nicht mehr auffällig finden, daß der Mensch geradezu aus gewissen Bewußtseinsschichten heraus getrieben wird, die ausgleichenden Wirkungen für karmische Ursachen, die er sich selber einverleibt hat, auch in der Außenwelt zu suchen. Er kann geradezu dorthin getrieben werden, wo er zum Beispiel eine Infektion erhalten kann, um in dieser die ausgleichenden Wirkungen für eine sich einverleibte karmische Ursache zu suchen, und selbst zu dem,was man Lebensunfälle nennen kann, kann der Mensch hingetrieben werden, um mit dem Hereinbrechen eines solchen Lebensunfalles eine Ausgleichung zu suchen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie ist es nun mit dem karmischen Verlauf, wenn wir durch irgendwelche Maßnahmen in die Lage kommen, den Menschen daran zu hindern, diesen Ausgleich zu suchen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen wir an, daß wir durch gewisse hygienische Maßnahmen dahin wirken, daß gewisse Ursachen, gewisse Dinge, für die vielleicht der Mensch vermöge seiner karmischen Zusammenhänge Neigung haben muß, überhaupt nicht da sein können. Denken wir uns, es gelänge durch hygienische Maßnahmen, gewisse Krankheitserreger auf einem bestimmten Gebiet zu bekämpfen. Nun haben wir uns bereits vor die Seele geführt, daß es keineswegs im Belieben der Menschen steht, solche Maßnahmen zu treffen. Wir haben gesehen, wie in einem bestimmten Zeitalter zum Beispiel die Neigung zu Reinlichkeitsgesetzen daher entsteht, weil einfach diese Neigung, die in der Zwischenzeit verschwunden war, jetzt bei der umgekehrten Wiederholung in der Entwickelung wieder auftaucht. Daraus haben wir gesehen, daß es in den großen Gesetzen des Menschheitskarma überhaupt liegt, daß in einem bestimmten Zeitpunkt der Mensch dazu kommt, diese oder jene Maßnahmeii zu treffen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|173}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir werden es aber auch leicht begreifen, daß der Mensch in einem früheren Zeitalter nicht dazu gekommen ist, derartige Maßnahmen zu treffen, weil die Menschheit in einem früheren Zeitraum die Epidemien brauchte, die jetzt durch die hygienischen Maßnahmen aus der Welt geschafft werden sollen. In bezug auf große Einrichtungen im Leben unterliegt wirklich die Menschheitsentwickelung ganz bestimmten Gesetzen, und bevor etwas für die gesamte Menschheitsentwickelung von Bedeutung und von Nutzen sein kann, tritt gar nicht die Möglichkeit ein, solche Maßnahmen zu treffen. Denn aus dem vollbewußten, vernünftigen, verständigen Leben, das sich der Mensch zwischen Geburt und Tod aneignen kann, kommen ja solche Maßnahmen nicht, sondern sie kommen aus dem Gesamtgeist der Menschheit. Und Sie brauchen sich nur einmal vor Augen zu halten, wie diese oder jene Erfindung oder Entdeckung auch erst dann auftritt, wenn die Menschheit wirklich dafür reif ist. Ein kleiner Überblick über die Geschichte der Entwickelung der Menschheit auf der Erde kann Ihnen da so manches bieten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denken Sie nur daran, daß unsere Vorfahren - das heißt unsere eigenen Seelen - in Leibern von ganz anderer Gestalt als die heutigen Menschenleiber auf dem alten atlantischen Kontinent gelebt haben, daß dann dieser atlantische Kontinent hinuntergesunken ist und daß die Einrichtungen, die wir heute treffen, sich erst im Bereiche unserer heutigen Kontinente gebildet haben. Es wurden dann in einem ga`nz bestimmten Zeitalter erst die Bewohner der einen aufgetauchten Erdhälfte mit den Bewohnern der andern zusammengeführt. Erst vor kurzem, in einer gar nicht so fernen Vergangenheit, konnten die Völker Europas die Gebiete wieder erreichen, die nach der andern Seite des atlantischen Kontinents sich abgegliedert haben. In solchen Dingen herrschen wirklich große Gesetze. Und ob diese oder jene Dinge entdeckt werden oder ob Maßnahmen getroffen werden, welche es in dieser oder jener Richtung möglich machen, karmisch einzugreifen, das hängt nicht von der Meinung oder der Willkür der Menschen ab, sondern das tritt ein, wenn es eintreten soll. Aber dessen ungeachtet: Wenn wir gewisse Ursachen hinwegräumen, welche sonst dagewesen wären und die durch ihre karmische Verwicklung gewisse Menschen aufgesucht hätten, so können wir dadurch das Karma der Menschen beeinflussen. Dieses Beeinflussen &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|174}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
heißt aber nicht, daß wir es hinwegschaffen, sondern es heißt, daß wir es in eine andere Richtung lenken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denken wir uns also den Fall, eine Anzahl von Menschen würde sich durch karmische Verwicklung gedrängt fühlen, bestimmte Einflüsse aufzusuchen, welche ein karmischer Ausgleich sein würden. Durch hygienische Maßnahmen sind nun einstweilen diese Einflüsse oder Verhältnisse hinweggeräumt worden, die Menschen können sie nicht mehr suchen. Darum aber werden diese Menschen nicht befreit von dem, was in ihnen als karmische Wirkung herausgefordert wird, sondern sie werden gedrängt, andere Wirkungen aufzusuchen. Seinem Karma entkommt der Mensch nicht. Er wird durch solche Maßnahmen nicht entlastet von dem, was er sonst aufgesucht hätte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daraus können Sie entnehmen, daß für einen karmischen Ausgleich, den wir in der Lage wären, nach einer Seite wegzuschaffen, wieder ein Ausgleich nach einer andern Richtung entstehen müßte. Wir schaffen nur die Notwendigkeit, andere Gelegenheiten und Einflüsse aufzusuchen, wenn wir irgendwelche Einflüsse hinwegräumen. Nehmen wir nun an, daß viele Epidemien, gemeinsame Krankheitsursachen, einfach darauf zurückzuführen sind, daß die Menschen, welche diese Krankheitsursachen aufsuchen, hinwegräuriien wollen, was sie sich karmisch anerzogen haben, wie zum Beispiel bei der Pockenepidemie Organe der Lieblosigkeit. Brächten wir es zustande, diese Organe hinwegzuräumen, so bliebe die Ursache der Lieblosigkeit trotzdem bestehen, und die betreffenden Seelen müßten dann in dieser oder einer andern Inkarnation den entsprechenden Ausgleich in einer andern Weise suchen. Wir können begreifen,was da stattfindet, wenn wir auf etwas hinweisen, worauf wir sicher zählen müssen, und das ist das Folgende.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heute werden in der Tat eine ganze Menge von äußeren Einflüssen und Ursachen hinweggeräumt, die sonst aufgesucht worden wären zum Ausgleich gewisser karmischer Dinge, welche die Menschheit in früheren Zeitaltern auf sich geladen hat. Dadurch aber schaffen wir nur die Möglichkeit hinweg, daß der Mensch äußeren Einflüssen verfällt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir machen ihm das äußere Leben angenehmer oder auch gesünder. Dadurch erreichen wir aber nur, daß dasjenige, was der Mensch in dem entsprechenden Krankheitsverhältnis sich als karmischen Ausgleich gesucht &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|175}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
hätte, nun auf anderem Wege gesucht werden muß. Die Seelen, welche auf diesem Wege heute in gesundheitlicher Beziehung gerettet werden, werden also dazu verurteilt, in einer andern Weise diesen karmischen Ausgleich zu suchen. Und Sie werden ihn suchen müssen in zahlreichen Fällen, die gerade zu den geschilderten gehören. Indem ihnen durch ein gesünderes Leben größere physische Annehmlichkeit bereitet wird, indem ihnen das physische Leben erleichtert wird, wird die Seele dadurch in der entgegengesetzten Weise beeinflußt; sie wird so beeinflußt, daß sie nach und nach eine gewisse Leerheit, eine Unbefriedigtheit, eine Unerfülltheit empfinden wird. Und wenn es so fortgehen würde, daß das äußere Leben immer angenehmer, immer gesünder würde, wie man es nach den allgemeinen Vorstellungen im rein materialistischen Leben haben kann, dann würden solche Seelen immer weniger Ansporn haben, in sich selber weiterzukommen. Eine Verödung der Seelen würde in gewissem Sinne parallel einhergehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer sich genauer das Leben ansieht, kann das heute schon bemerken. In kaum einem Zeitalter hat es so viele Menschen gegeben, welche in so angenehmen äußeren Verhältnissen leben, aber mit öden, unbeschäftigten Seelen einhergehen, wie es heute der Fall ist. Diese Menschen eilen darum von Sensation zu Sensation; dann, wenn das Pekuniäre reicht, reisen sie von Stadt zu Stadt, um etwas zu sehen, oder wenn sie in derselben Stadt bleiben müssen, eilen sie jeden Abend von Vergnügen zu Vergnügen. Die Seele bleibt aber darum doch öde, weiß zuletzt selber nicht mehr, was sie aufsuchen soll in der Welt, um einen Inhalt zu bekommen. Namentlich wird durch ein Leben in rein äußeren, physisch annehmlichen Zuständen der Hang erzeugt, nur über das Physische nachzudenken. Und wenn diese Neigung, sich nur mit dem Physischen zu beschäftigen, nicht schon lange vorhanden wäre, so würde auch nicht die Neigung zum theoretischen Materialismus so stark geworden sein, wie es in unserer Zeit der Fall ist. So werden die Seelen leidender, während das äußere Leben gesünder gemacht wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am wenigsten hat derTheosoph über eine solche Tatsache zu klagen, weil überall die Theosophie uns Verständnis der Dinge schafft und damit ein Einsehen, wo der Ausgleich ist. Die Seelen können nur bis zu einem gewissen Grade leer bleiben; dann werden sie wie durch die &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|176}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
eigene Elastizität nach der andern Seite hingeschnellt. Sie suchen dann einen Inhalt, der verwandt ist mit den Tiefen der eigenen Seele, und sie werden dann einsehen, wie notwendig sie es haben, zu einer theosophischen Weltanschauung zu gelangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So sehen wir, wie das, was aus den materialistischen Lebensauffassungen herauskommt, wohl das äußere Leben erleichtert, aber Schwierigkeiten des inneren Lebens schafft, die dahin führen, aus den Leiden der Seele heraus den Inhalt einer spirituellenWeltanschauung zu suchen. Die spirituelle Weltanschauung, wie sie sich heute als die theosophische kundgibt, kommt so den Seelen entgegen, die in der Verödung, an dem, was das äußere Leben, das ganz angenehm eingerichtet sein kann, ihnen an Eindrücken zu geben vermag, keine Befriedigung finden können. Die Seelen werden so lange suchen, immer wieder Neues aufzunehmen, bis die Elastizität von der andern Seite so stark wirkt, daß die Seelen mit dem sich vereinigen werden, was man spirituelles Leben nenneön kann. So gibt es eine Beziehung zwischen Hygiene und den Zukunftshoffnungen der geisteswissenschaftlichen Weltanschauung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie können das heute im Kleinen schon bemerken. Es gibt heute solche Seelen, welche zu andern Äußerlichkeiten eine neue Äußerlichkeit fügen: sich zu interessieren für die theosophische Weltanschauung, welche als neue Sensation die theosophische Weltanschauung aufnehmen. Das ist etwas, was sich bei jeder Strömung in der Menschheitsentwickelung zeigt, daß das, was tiefe, innere Bedeutung hat, auch als Mode, als Sensation wirkt. Aber die wahrhaft für die Theosophie vorbereiteten Seelen sind solche, welche sich entweder unbefriedigt fühlen durch die äußeren Sensationen oder auch einsehen, daß die äußere Wissenschaft mit all ihren Erklärungen die Tatsachen nicht erklären kann. Diese Seelen sind es, welche durch ihr Gesamtkarma so präpariert sind, daß sie sich mit den innersten Gliedern ihres Seelenlebens mit der Theosophie verbinden können. Geisteswissenschaft gehört auch zum Gesamtkarma der Menschheit, und sie wird sich als solche darin einfügen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So können wir das Karma der Menschen nach der einen oder andern Seite in eine andere Richtung bringen; aber wir können nicht die Rückwirkung auf den Menschen beseitigen. In irgendeiner Weise kommt das &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
zurück, was sich der Mensch in früheren Lebensläufen selber zubereitet hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie nun das Karma sinnvoll in der Welt wirkt, das kann am besten eine Betrachtung lehren, wo Karma sozusagen noch ohne moralischen Beigeschmack wirkt, wo es in der großen Welt selber wirkt, ohne daß es etwas zu tun hat mit dem, was der Mensch aus der Seele heraus an moralischen Impulsen entwickelt und was dann zu moralischen oder unmoralischen Handlungen führt. Wir wollen ein Gebiet des Karma vor unsere Seele stellen, in dem das Moralische noch keine Rolle spielt, sondern wo sich etwas Neutrales als karmische Verkettung darstellt. Nehmen wir an, eine Frau lebt in einer bestimmten Inkarnation. Nun werden Sie nicht in Abrede stellen, daß die Frau einfach dadurch, daß sie Frau ist, andere Erlebnisse haben muß als der Mann und daß diese Erlebnisse nicht nur bloß zusammenhängen mit inneren Seelenvorgängen, sondern daß sie im breitesten Maße zusammenhängen mit äußeren Geschehnissen, mit Lebenslagen, in welche die Frau nur dadurch kommt, daß sie Frau ist, und die wieder zurückwirken auf die ganze Seelenverfassung und Seelenstimmung. Daher können wir davon sprechen, daß die Frau zu gewissen Handlungen geführt wird, die im innigsten Zusammenhang stehen mit dem Frauendasein. Der Ausgleich zwischen Mann und Frau findet ja erst auf dem Gebiete des geistigen Zusammenlebens statt. Je tiefer wir nun hinuntersteigen in das bloß Seelische und in das Äußere des Menschen, desto größer wird der Unterschied zwischen Mann und Frau in bezug auf ihr Leben. Und so können wir sagen, daß die Frau auch in gewissen Eigenschaften der Seele verschieden ist vom Manne, daß sie mehr neigt zu jenen Eigenschaften der Seele, die zu Impulsen führen&amp;gt; welche als emotionelle bezeichnet werden müssen; und wir finden sie dazu veranlagt, mehr als der Mann psychische Erlebnisse zu haben. Dafür sind im Leben des Mannes Intellektualismus und Materialismus - dasjenige also, was durch den Mann gekommen ist - mehr zuhause, was auf das Seelenleben einen großen Einfluß hat. Psychisches und Emotionelles bei der Frau, intellektuelle und materialistische Momente beim Mann - so werden sie durch ihre Naturen geradezu bestimmt. Daher hat nun auch die Frau gewisse Nuancen des Seelenlebens dadurch, daß sie Frau ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Nun haben wir ja geschildert,daß dasjenige, was wir als Eigenschaften in der Seele erleben zwischen Tod und neuer Geburt, sich hineindrängt in unsere nächste leibliche Organisation, Was nun stärker psychisch ist, was stärker emotionell ist und im Leben zwischen Geburt und Tod mehr nach dem Inneren der Seele geht, das hat auch mehr Neigung, tiefer einzugreifen in die Organisation, sie viel intensiver zu imprägnieren. Und dadurch, daß die Frau solche Eindrücke aufnimmt, welche mit dem Psychismus, mit dem Emotionalismus zusammenhängen, nimmt sie in tiefere Seelengründe hinein auch die Erfahrungen des Lebens. Der Mann mag reichere Erfahrungen machen, auch wissenschaftlichere: so tief gehen bei ihm die Erfahrungen nicht in das Seelen- leben hinein, wie es bei der Frau der Fall ist. Bei der Frau prägt sich die ganze Erfahrungsumwelt tief ein in die Seele. Dadurch haben die Erlebnisse eine stärkere Tendenz, in die Organisation hineinzuwirken, die Organisation in der Zukunft stärker zu umklammern. Und so nimmt ein Frauenleben die Tendenz auf, durch ihre Erlebnisse in einer Inkarnation tief in den Organismus hineinzugreifen und damit in der nächsten Inkarnation den Organismus selber zu gestalten. Ein tiefes Hinein- arbeiten, ein tiefes Durcharbeiten des Organismus bedeutet nun aber: einen männlichen Organismus hervorbringen. Ein männlicher Organismus wird dadurch hervorgebracht, daß die Kräfte der Seele sich tiefer in das Materielle hineinprägen wollen. Daraus sehen Sie, daß aus den Frauenerlebnissen einer Inkarnation die Wirkung hervorgeht, in der nächsten Inkarnation einen männlichen Organismus hervorzubringen. Da haben Sie aus der Natur des Okkultismus einen Zusammenhang gegeben, der jenseits des Moralischen liegt. Deshalb sagt man im Okkultismus: Der Mann ist das Karma der Frau. - In der Tat ist die Mannesorganisation in einer späteren Inkarnation das Ergebnis der Erfahrungen und Erlebnisse in einer vorhergehenden Fraueninkarnation. Selbst auf die Gefahr hin, daß ich etwa unsympathische Gedanken erwecke bei einigen der Versammelten - es kommt ja immer vor, daß Männer der Gegenwart einen heil losen Respekt davor haben, als Frau inkarniert zu werden -, muß ich diese Dinge als Tatsachen auch wieder ganz objektiv beleuchten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie ist es nun mit den Manneserlebnissen? Mit den Manneserleb&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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nissen verhält es sich so, daß wir sie am besten verstehen, wenn wir gleich von dem ausgehen, was wir jetzt eben dargestellt haben. Bei der Mannesorganisation hat der innere Mensch sich gründlicher in das Materielle hineingelebt, hat es mehr umklammert als bei der Frau. Die Frau behält mehr von dem Geistigen im Unkörperlichen zurück; sie lebt sich nicht so tief in das Materielle hinein, sie erhält ihre Körperlichkeit weicher. Sie trennt sich nicht so weit von dem Geistigen. Das ist das Charakteristische der Frauennatur, daß sie mehr zurückbehält von freier Geistigkeit und sich daher weniger in die Materie hineinarbeitet und vor allem das Gehirn weicher erhält. Daher ist es nicht zu verwundern, daß die Frauen für Neues, insbesondere auf geistigem Gebiete, eben eine besondere Neigung haben, weil sie das Geistige freier behalten haben und weil weniger Widerstand da ist. Und es ist kein Zufall, sondern es entspricht einer tiefen Gesetzmäßigkeit, daß bei einer Bewegung, die durch ihre Natur mit dem Spirituellen zu tun hat, sich eine größere Anzahl von Frauen einfindet als Männer. Und wer Mann ist, der weiß,was für ein schwieriges Instrument das Mannesgehirn oftmals ist. Es bildet furchtbare Hindernisse, wenn man es für biegsamere Gedankengänge brauchen will. Da will es nicht mitgehen. Es muß erst mit allen möglichen Mitteln herangebildet werden, um sich aus der Steifigkeit zu erlösen. Das kann durchaus ein eigenes Erlebnis der Manneserfahrung sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Mannesnatur ist also kondensierter, zusammengezogener; sie ist mehr gepreßt worden, steifer, härter gemacht worden durch das, was der innere Mensch im Manne ist; sie ist materieller gemacht worden. Nun ist ein steiferes Gehirn vor allem ein Instrument für das Intellektuelle, weniger für das Psychische. Denn das Intellektuelle ist etwas, was sich viel mehr auf den physischen Plan bezieht. Was als Intellektualismus des Mannes zu bezeichnen ist, das kommt von seinem steiferen, verfestigten Gehirn. Man könnte dabei von einem gewissen Grade von «Eingefrorenheit&amp;gt; des Gehirns sprechen. Es muß erst auftauen, wenn es sich in feinere Gedankengänge hinein finden soll. Dadurch aber wird der Mann veranlaßt, mehr die Äußerlichkeiten zu erfassen, weniger von denjenigen Erlebnissen aufzunehmen, die mit den Tiefen des Seelenlebens zusammenhängen. Und was er aufnimmt, das geht dann auch &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
nicht tief. Ein äußerer Beweis dafür ist der, wie wenig tief die äußere Wissenschaft geht und wie wenig sie das Innere erfaßt - wie zwar immer im weiten Umkreis gedacht wird, aber wie wenig gründlich die Tatsachen zusammengezogen werden. Wer durch seine eigene Selbstzucht im Denken genötigt ist, die Tatsachen zusammenzufügen, dem könnte von dem, was die äußere Wissenschaft sich nicht scheut, als nebeneinander bestehend hinzustellen, manchmal recht übel werden. Da kann man sehen, wie wenig tief die Dinge gehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Beispiel dafür, wie oberflächlich die Dinge der heutigen Wissenschaft sein können: Nehmen Sie an, ein junger Mensch ist in irgendeinem Kolleg, wo ein enragierter Darwinianer vorträgt. Und bei diesem Vertreter der Selektionstheorie kann der Student etwa solche Dinge vertreten hören: Woher kommt es, daß der Gockel zum Beispiel so schöne, blauschillernde Farben an seinen Federn hat? Das ist auf eine geschlechtliche Zuchtwahl zurückzuführen; denn durch die Farben zieht er die Hennen &#039;an, und die Hennen wählen dann unten den Gockeln diejenigen, welche die bläulichschillernden Federn haben. Dabei kommen dann die andern zu kurz, und es bildet sich infolgedessen besonders die eine Sorte aus. Das ist eine Höherentwickelung, das ist «geschlechtliche Zuchtwahl»! - Und der Student ist froh, daß er weiß, wie eine Aufwärtsentwickelung zustande kommen kann. Jetzt geht er ins nächste Kolleg, wo, sagen wir, das Gebiet der Sinnesphysiologie behandelt wird. Und hier kann es jetzt vorkommen, daß derselbe Student nun im zweiten Kolleg etwa folgendes zu hören bekommt: Man hat Versuche gemacht, welche zeigen, wie verschieden die Farben des Spektrums auf die verschiedenen Wesenheiten wirken. Man kann nachweisen, daß zum Beispiel die Hühner von den gesamten Farben des Spektrums das nicht wahrnehmen, was zum Blau und Violett gehört, sondern daß sie nur dasjenige wahrnehmen, was vom Grünen zum Orange, Rot und Ultrarot geht!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt ist der Student, wenn er diese beiden Tatsachen, die er heute wirklich hören kann, zusammendenken will, darauf angewiesen, die Dinge oberflächlich zu nehmen. Es ist die ganze Selektionstheorie darauf gebaut, daß die Hennen am Gockel etwas sehen sollen an bunten Farben, was ihnen besondere Freude machen soll, was sie aber &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
in Wirklichkeit gar nicht sehen, was für sie wie rabenschwarz erscheint.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist nur ein Beispiel. Aber die Dinge sind so, daß sie dem, der wirklich wissenschaftlich forschen will, auf Schritt und Tritt so begegnen. Daraus sehen Sie, daß die Intellektualität nicht gerade sehr tief elngreift in das Leben, daß sie an der Oberfläche stehenbIeibt. Ich wähle absichtlich die krassen Beispiele. Man wird es ja nicht so leicht glauben wollen, daß die Intellektualität etwas ist, was sich mehr äußerlich abspielt, nicht tief eingreift in das Seelenleben, was wenig das Innere des Menschen ergreift. Und die materialistische Gesinnung ergreift das Seelenleben erst recht nicht. Die Folge davon ist aber die, daß der Mensch aus einer solchen Inkarnation, wo er wenig hineinwirkt in die Seele, die Tendenz aufnimmt zwischen Geburt und Tod, in der nächsten Inkarnation weniger in die Organisation einzudringen. Es ist ja die Kraft dazu weniger aufgenommen worden; deshalb wirkt sie jetzt so, daß der Mensch weniger seine Leiblichkeit imprägniert. Daraus entsteht nun aber die Neigung, in der nächsten Inkarnation einen Frauenleib aufzubauen. Wiederum ist es richtig, wenn man im Okkultismus sagt: Das Weib ist das Karma des Mannes!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf diesem moralisch neutralen Gebiete sehen wir, wie das, was sich der Mensch in einer Inkarnation vorbereitet, in der nächsten Inkarnation seine Leiblichkeit organisiert. Und weil diese D`inge nicht nur tief eingreifen in unser inneres Leben, sondern auch in unsere äußeren Erlebnisse und in unser Handeln&amp;gt; so müssen wir sagen: Indem der Mensch in einer Inkarnation Mannes- oder Frauenerlebnisse hat, wird in der nächsten Inkarnation sein äußeres Handeln in dieser oder jener Weise bestimmt, weil er durch die Frauenerlebnisse die Neigung hat, eine Mannesorganisation sich zu bilden, und umgekehrt durch die Manneserlebnisse eine Frauenorganisation. Nur in seltenen Fällen wiederholt sich die gleiche geschlechtliche Inkarnation; sie kann sich höchstens siebenmal wiederholen. Die Regel jedoch ist die, daß jede männliche Organisation in der nächsten Inkarnation danach strebt, weiblich zu werden, und umgekehrt. Da nützt alle Abneigung nichts, denn es kommt nicht darauf an, was man in der physischen Welt möchte, sondern es kommt auf die Neigungen an, die man in der Zeit zwischen Tod&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|182}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und neuer Geburt hat, und die werden durch vernünftigere Gründe bestimmt als solche, daß man etwa in einer männlichen Inkarnation einen Horror davor hat, in der nächsten Inkarnation sich als Frau zu inkarnieren. Da können Sie sehen, wie das spätere Leben karmisch bestimmt wird durch das frühere und wie auch die Handlungen des späteren Lebens bestimmt werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun handelt es sich darum, daß wir noch einen andern karmischen Zusammenhang einsehen lernen, den wir auch noch benötigen, wenn wir auf die wichtigen Betrachtungen der nächsten Tage Licht werfen wollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Blicken wir dazu noch einmal zurück auf einen recht fernliegenden Zeitpunkt der menschlichen Entwickelung: auf den Zeitpunkt, wo einmal auf der Erde die menschlichen Inkarnationen angefangen haben. Das geschah in der alten lemurischen Zeit. Nun handelt es sich darum, daß damals auf den Menschen zuerst in einer durchgreifenden Art gewirkt hat der luziferische Einfluß und daß dieser dann den ahrimanischen Einfluß herausgefordert hat. Versuchen wir uns einmal vor die Seele zu stellen, wie der luziferische Einfluß äußerlich im Menschen- leben gewirkt hat. - Dadurch, daß der Mensch überhaupt in die Lage gekommen ist, in jenen alten Zeiten den luziferischen Einfluß in sich aufzunehmen, also seinen astralischen Leib mit dem luziferischen Einfluß zu durchdringen, dadurch wurde sein astralischer Leib geneigt, viel tiefer noch in die Organisation einzugreifen, in das Materielle des physischen Leibes viel tiefer hinunterzusteigen, und vor allem auch ganz anders, als er ohne den luziferischen Einfluß hinuntergestiegen wäre. Der Mensch wurde durch den luziferischen Einfluß materieller. Hätte der luziferische Einfluß nicht gewirkt, dann wäre eine geringere Neigung des Menschen entstanden, in die materielle Welt hinunterzusteigen, der Mensch hätte sich als solcher in höheren Regionen des Daseins gehalten. Also es ist eine viel stärkere Durchdringung von äußerem und innerem Menschen geschehen, als es ohne den luziferischen Einfluß der Fall gewesen wäre. Diese Durchdringung war nun zunächst dieVeranlassung dafür, daß der Mensch durch die stärkere Verbindung mit dem Materiellen des äußeren Leibes den Rückblick auf die Ereignisse, welche seiner Einkörperung vorangegangen sind, verloren hat. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|183}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Mensch trat jetzt durch eine so geartete Geburt ins Dasein, daß er sich tief mit dem Materiellen verband und dadurch alle Rückschau auf die früheren Erlebnisse auslöschte. Der Mensch hätte sich sonst die Erinnerung bewahrt an das, was er vor der Geburt im Geistigen erlebt hat. Durch den luziferischen Einfluß wurde nun die Geburt ein Akt, durch den der Mensch so intensive Verbindungen zwischen äußerem und innerem Menschen herstellt, daß ausgelöscht wurde, was der Mensch in derZeit vorher in der geistigenWelt erleben kann. Es wurde der Mensch durch den luziferischen Einfluß beraubt seiner Erinnerungen an die vorhergehenden geistigen Erlebnisse. Die Verbindung mit der äußeren Leiblichkeit macht es, daß der Mensch nicht zurückblicken kann auf das Frühere. Dadurch aber ist der Mensch während seines Lebens darauf angewiesen, immer nur aus der Außenwelt seine Erfahrungen und Erlebnisse zu holen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun wären Sie aber auf einem ganz falschen Wege, wenn Sie glauben würden, daß nur die groben äußeren Stoffe, die der Mensch in sich aufnimmt&amp;gt; auf ihn wirken. Es wirken auf den Menschen nicht nur die Nahrungsmittel und -kräfte, sondern auch die sonstigen Erfahrungen, welche er macht, auch die Dinge, welche durch seine Sinne in ihn ein- fließen. Aber durch das gröbere Verbinden mit der Materie wirken auch die Nahrungsmittel anders. Stellen Sie sich vor, der luziferische Einfluß wäre nicht dagewesen; dann würde von den Nahrungsmitteln bis zu den Sinneseindrücken alles auf den Menschen weit feiner wirken. Er würde alles, was er als Wechselwirkung mit der Außenwelt erlebt, durchdringen mit dem, was er zwischen Tod und neuer Geburt erlebt hat. Dadurch, daß der Mensch die Materialität dichter gestaltet hat, ist er geneigt, auch viel Dichteres aufzunehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es wirkt also der luziferische Einfluß so, daß der Mensch durch die Verdichtung der Materie auch aus der Außenwelt viel Dichteres heranzieht, als er sonst herangezogen hätte. Das Dichtere, was er nun von außen heranzieht, ist aber ganz anders als das sonst weniger Dichte. Das weniger Dichte würde die Erinnerungen an das frühere Leben aufrechterhalten haben; es würde auch bewirken,daß er die Sicherheit hat, daß alles, was der Mensch erlebt zwischen Geburt und Tod, seine Wirkungen hineinerstreckt in einen nie endenden Zeitraum. Der Mensch &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|184}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
würde wissen: Es tritt zwar äußerlich der Tod ein, aber alles, was geschieht, wirkt weiter. Dadurch, daß der Mensch Dichteres aufnehmen mußte, schafft er von Geburt an eine starke Wechselwirkung zwischen seiner eigenen leiblichen Natur und der Außenwelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was hat nun dieser Wechselzustand zur Folge? Die geistige Welt ist ausgelöscht seit der Geburt. Und damit der Mensch im Geistigen leben, in der geistigen Welt aufwachen kann, muß erst wieder jener Zustand eintreten, wo alles, was von außen als dichtere Materialität in uns hineinkommt, wieder von den Menschen genommen wird. Weil wir uns eine dichtere Materialität angeeignet haben, müssen wir, um wieder in das Geistige hineinzukommen, auf den Zeitpunkt warten, wo die äußere materielle Leiblichkeit von uns genommen wird. Was nun da als dichtere Materialität in uns hineindringt&amp;gt; das zerstört stückweise, von unserer Geburt an, unsere menschliche Leiblichkeit. Was da hereinfließt, das ist etwas, was immer mehr und mehr die Leiblichkeit zerstört, bis es sie endlich ganz zerstört hat, daß sie nicht mehr bestehen kann. Von unserer Geburt angefangen, nehmen wir eine dichtere Materialität auf, als wir ohne den luziferischen Einfluß aufgenommen hätten, so daß wir unsere Leiblichkeit langsam vernichten, bis sie mit dem Eintreten` d&amp;amp; Todes ganz unbrauchbar geworden ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daran sehen wir&amp;gt; wie der luziferische Einfluß die karmische Ursache des Todes des Menschen ist. Gäbe es nicht diese Form der Geburt, so gäbe es nicht diese Form des Todes für den Menschen. Der Mensch würde sonst so vor dem Tode stehen, daß ihm die sichere Aussicht auf Kommendes vor Augen stehen würde. Der Tod ist die karmische Folge der Geburt, Geburt und Tod hängen karmisch zusammen. Ohne Geburt, wie sie der Mensch heute erlebt, gäbe es keinen Tod, wie ihn der Mensch erlebt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich habe vorhin schon gesagt, daß beim Tier nicht in demselben Sinne von Karma gesprochen werden kann wie beim Menschen. Wenn jemand sagen würde, daß auch beim Tier Geburt und Tod karmisch zusammenhängen, so.wüßte der Betreffende eben nicht, daß Geburt und Tod für den Menschen etwas ganz anderes sind als für das Tier. Was sich da äußerlich gleich sieht, ist innerlich nicht dasselbe; es handelt sich bei Geburt und Tod nicht um das äußerliche Aufbauen, sondern&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
um das innere Erleben. Beim Tier erlebt nur die Gattungsseele, die Gruppenseele. Das Absterben eines Tieres bedeutet für die Gruppenseele ungefähr dasselbe, was Sie erleben, wenn- Sie sich beim Herankommen des Sommers die Haare kürzer schneiden lassen, die dann wieder langsam nachwachsen. Es fühlt die Gruppenseele einer Tiergattung das Absterben eines Tieres wie das Absterben eines Gliedes, das sich nach und nach wieder ersetzt. Also die Gattungsseele ist das, was wir mit dem menschlichen Ich vergleichen dürfen. Sie kennt nicht Geburt und Tod, sie sieht auf das, was der Geburt vorangeht, fortwährend, und auch auf das, was dem Tode nachfolgt, sieht sie fortwährend. Von Geburt und Tod beim Tier zu sprechen, wie man davon beim Menschen spricht, ist ein Unsinn, weil ganz andere Ursachen vorangehen. Und man leugnet die innere Wirksamkeit des Geistes, wenn man glaubt, was sich äußerlich gleich darstelle, das sei auch von innerlich gleichen Ursachen bewirkt. Gleichheit der äußeren Vorgänge weist nie mit Sicherheit auf gleiche Ursachen hin. Der Geburt des Menschen liegen ganz andere Ursachen zugrunde als der des Tieres, und ebenso stirbt der Mensch aus ganz andern Ursachen heraus als das Tier.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn man ein wenig nachdenken würde, wie das Äußere sich ganz gleich ausnehmen kann, ohne daß das Innere im entferntesten Gleiches erlebt, dann würde man auch schon methodologisch darauf kommen, daß es sich so verhält. Sie können sogar auf höchst einfache Weise darauf kommen, daß der äußere Sinnenschein kein Beweis ist für das innere Leben. Denken Sie sich zwei Menschen; Sie kommen um neun Uhr an einen bestimmten Ort und sehen dort die zwei Menschen nebeneinanderstehen. Um drei Uhr gehen Sie wieder an den betreffenden Ort, nachdem Sie in der Zwischenzeit nicht dort gewesen sind. Da stehen die zwei Menschen wieder an derselben Stelle. Nun könnten Sie schließen: A steht immer noch an demselben Ort, B steht immer noch an demselben Ort, wo er um neun Uhr schon gestanden hat. Untersuchen Sie aber, was diese beiden Menschen inzwischen getan haben, dann werden Sie vielleicht finden, daß der eine da stillgestanden hat, während der andere unterdessen einen weiten Gang getan hat und in der Zwischenzeit müde geworden ist. Da liegen dann ganz andere Vorgänge zugrunde. Und wie es unsinnig wäre, wenn die beiden Menschen &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
um drei Uhr wieder an derselben Stelle stehen, zu sagen, daß in ihrem Inneren das Gleiche vorgegangen sei, ebenso unsinnig ist es, wenn man zwei gleichgeformte Zellen findet, aus ihrer gleichen Struktur schließen zu wollen, daß sie innerlich die gleiche Bedeutung haben. Es handelt sich darum, den ganzen Zusammenhang der Tatsachen zu kennen, der eine Zelle an den betreffenden Ort hingeführt hat. Daher ist die moderne Zellenphysiologie, die ausgeht von der Untersuchung der inneren Struktur der Zellen, auf ganz falschem Wege. Niemals kann das, was sich dem äußeren Sinnenschein darbietet, ausschlaggebend sein für das innere Wesen des Dinges.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So etwas muß man durchdenken, wenn man solche Dinge einsehen will, wie sie sich dem Okkultisten aus den okkulten Beobachtungen ergeben, wie zum Beispiel Geborenwerden und Sterben etwas ganz anderes ist beim Menschen als beim Säugetier oder gar bei den Vögeln. Diese Dinge zu studieren wird erst möglich sein, wenn die Leute wieder ein wenig auf das eingehen, was die geistige Forschung zu sagen hat. Bevor nicht darauf eingegangen wird, wird die äußere Wissenschaft, die beim Sinnenschein und bei den äußeren Tatsachen stehenbleibt, zwar sehr schöne Tatsachen zutage bringen; aber alles, was Menschen meinen können unter solchen Voraussetzungen über solche Tatsachen, das wird niemals maßgebend sein für die Wirklichkeit. Daher ist alles, was heute theoretische Wissenschaft ist, ein phantastisches Gebilde, das dadurch entstanden ist, daß man die äußeren Tatsachen nach dem äußeren Schein kombiniert. Auf manchen Gebieten drängen geradezu die äußeren Tatsachen dazu, in der richtigen Weise zu interpretieren; aber durch die heutigen Meinungen kommt man nicht dazu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So haben wir heute zwei neutrale Gebiete auf dem Felde der karmischen Gesetzmäßigkeit auf uns wirken lassen, und Sie werden sehen, daß sie uns eine Grundlage sein werden für die weiteren Betrachtungen. Wir haben eingesehen, wie die Frauenorganisation die karmische Folge der Manneserlebnisse ist und die Mannesorganisation eine karmische Folge der Frauenerlebnisse; und wir haben endlich eingesehen, daß der Tod eine karmischeWirkung der Geburt im Menschenleben ist. Das ist etwas, was, wenn man versucht, es nach und nach zu verstehen, uns tief hineinführen kann in die karmischen Zusammenhänge des Menschenlebens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|187}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= ZEHNTER VORTRAG Hamburg, 27. Mai 1910 =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gewisse tiefere Fragen des karmischen Zusammenhanges, die sich namentlich auf unseren menschlichen Einfluß auf das Karma und besonders auf das Karma anderer Menschen beziehen, solche Fragen also, die sich auf eine Richtungsänderung des Karma im Kleinen und im Großen beziehen, kann man nicht beantworten, auch nicht eine Vorstellung hervorrufen, wie sie beantwortet werden müssen, wenn man nicht in der Weise, wie wir es heute tun wollen, gewisse bedeutsame Geheimnisse unseres Weltendaseins berührt. Solche Fragen können sich vielleicht dann für jeden aus dem Gesagten ergeben, wenn Sie diesen oder jenen Gedanken, der angeschlagen und von der einen oder andern Seite beleuchtet worden ist, für sich selber weiter ausführen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So kann sich die Frage aufwerfen: Was geschieht, wenn im karmischen Zusammenhange eines Menschen durch das, was er früher erlebt und getan hat, ein Krankheitsprozeß zur Hinwegschaffung dieser karmischen Tatsache notwendig ist und wenn diesem Menschen durch Heilmittel oder durch einen andern Eingriff in derWeise geholfen wird, daß er durch menschliche Hilfe wirklich geheilt wird? Was liegt da vor, und wie verhält sich eine solche Tatsache zu den tieferen Auffassungen von der karmischen Gesetzmäßigkeit?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun bemerke ich von vornherein: Um überhaupt auch nur einige wesentlichere Lichter auf diese Frage zu werfen, müssen Dinge berührt werden, die der heutigen Wissenschaft und dem heutigen Denken der Menschen ganz fern liegen und welche auch nur sozusagen unter Theosophen besprochen werden können, die sich für solche Dinge schon dadurch vorbereitet haben, daß sie mancherlei Wahrheiten aufgenommen haben, die sich auf tiefere Untergründe des Daseins beziehen, und die sich auch ein Gefühl dafür erworben haben, wie Dinge,welche heute nur angedeutet werden können, sich doch voll begründen lassen. Dennoch möchte ich bei dieser Gelegenheit eine Bitte einfügen: Was ich genötigt bin zu sagen über die tieferen Untergründe des Erdendaseins, zum Beispiel was ich mich bemühen werde, in der präzisesten Form auszusprechen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|188}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und was sogleich falsch sein würde, wenn es in anderem Zusammenhang oder gar ohne Zusammenhang gesagt würde und deshalb zu Mißverständnissen Veranlassung geben würde, davon bitte ich, daß es nicht anders behandelt werde als so, daß man es eben aufnimmt. Auch ich muß daher gerade bei diesen Dingen darauf halten, daß niemand sie als ein Lehrgut betrachten sollte, das er irgendwie weitergeben könnte, weil nur der Zusammenhang eine solche Darstellung rechtfertigt und weil eine solche Darstellung nur gerechIfertigt ist, wenn dahinter das Bewußtsein liegt, wie man solche Worte zu prägen hat, um derartiges in Gedanken zum Ausdruck zu bringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um was es sich nun handelt, das ist die Frage nach dem tieferen Wesen des materiellen Daseins auf der einen Seite und nach dem Wesen des seelischen Daseins auf der andern Seite. Eine tiefere Auffassung vom Seelischen und Materiellen werden wir uns heute notwendig aneignen müssen, und zwar werden wir es nötig haben aus einem ganz bestimmten Grunde heraus, aus dem Grunde, weil wir in den verflossenenVorträgen angeführt haben,daß das Seelische des Menschen mehr oder weniger tief hineindringen kann in das Materielle. Ja, wir haben gestern das Wesen des Männlichen dadurch charakterisieren können, daß wir sagten, beim Manne dringe das Seelische tiefer in das Materielle hinein, präge sich tiefer ein, während das Seelische beim Weiblichen in gewisser Beziehung sich mehr zurückzieht und sich mehr ein selbständiges Dasein gegenüber dem Materiellen aneignet. So haben wir gesehen, daß vieles im karmischen Ausleben darauf beruht, wie die Durchdringung des Seelischen und des Materiellen stattfindet. Wir haben auch gesehen, wie ein gewisser Krankheitsprozeß, der in einer Inkarnation auftritt, sich darstellt als die karmische Folge von Verfehlungen, welche die Seele in früheren Verkörperungen begangen hat, indem die Seele damals ihre Taten, Erlebnisse und Impulse in sich verarbeitet und dann auf dem Wege zwischen Tod und neuer Geburt die Tendenz auf- genommen hat, dasjenige, was früher bloß als ein Merkmal, als ein Einfluß des Seelischen sich abgespielt hat, hineinzudrängen in das Körperliche, in das Materielle. Und indem dann die menschliche Wesenheit durchtränkt wird von einem solchen Seelischen, das den luziferischen oder ahrimanischen Einfluß in sich aufgenommen hat, wird gerade dadurch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|189}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
das menschliche Materielle verdorben. Darinnen liegt ja dann der Krankheitsverlauf. Daher können wir sagen: In einem kranken Leibe steckt ein verdorbenes Seelisches, das einen unrichtigen Einfluß erfahren hat, einen luziferischen oder ahrimanischen Einfluß; und in dem Augenblick, wo wir den luziferischen oder ahrimanischen Einfluß aus dem Seelischen herausbringen könnten, würde die richtige Durchdringung von Seele und Leib eintreten, das heißt, es würde Gesundheit eintreten. - Wir müssen also fragen: Wie verhält es sich mit diesen zwei Wesensgliedern des irdischen menschlichen Daseins, welche uns da vor Augen treten, mit der Materie und dem Seelischen? Was sind sie in ihrem tieferen Wesen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn diese Frage aufgeworfen wird, so hat der heutige Mensch gewöhnlich die Meinung, daß die Antwort auf die Frage: Was ist Materie? Was ist Seele? - überall inderWelt gleich ausfallen müßte;und ich glaube nicht, daß es einem Menschen leicht würde, sich mit der Meinung bekanntzumachen, daß für Wesen, welche auf dem alten Monde gelebt haben&amp;gt; die Antwort auf die Frage: Was ist Materie? Was ist Seele? - ganz anders hätte ausfallen müssen als für Wesen, welche auf der Erde leben. Aber das Dasein ist so sehr in Entwickelung, daß sich selbst solche Dinge ändern wie die Vorstellungen, welche sich ein Wesen machen kann von den tieferen Grundlagen seines eigenen Wesens. Und so ändert sich auch dasjenige, was als Antwort gegeben werden muß auf die Frage: Was ist Materie? Was ist Seele? Es ist daher von vornherein zu betonen, daß die Antworten, die gegeben werden, nur Antworten sind, welche der Erdenmensch geben kann und die nur für diesen Erdenmenschen eine Bedeutung haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
«Materie&amp;gt; wird ja der Mensch zunächst nach dem beurteilen, was ihm in der Außenwelt an den verschiedenen Wesenheiten und Dingen entgegentritt und was auf ihn in irgendeiner Weise Eindruck macht. Der Mensch findet dann, daß es verschiedene Arten von Materien gibt, und ich brauche ja darin dicht sehr weit auszuholen, denn was darüber zu sagen wäre, wenn wir mehr Zeit hätten, können Sie in allen entsprechenden Trivialschriften finden. Ich sage daher für jetzt genug, wenn ich darauf hinweise, daß sich Materie verschieden darstellt für den Menschen, indem er die verschiedenen Metalle sieht, Gold, Kupfer, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|190}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Blei und so weiter, oder wenn er dasjenige sieht, was nicht in die Reihe der Metalle gehört. Sie wissen auch, daß die Chemie diese Materien nach und nach zurückgeführt hat auf gewisse Grundstoffe der Materie, die sie Elemente nennt. Diese Elemente wurden ja noch bis ins 19. Jahrhundert hinein so angesehen, daß sie Materien sind, die sich nicht weiter zerlegen lassen. Während wir irgendeine Substanz, welche uns als Materie entgegentritt, zum Beispiel Wasser, trennen können in Wasserstoff und Sauerstoff, haben wir in Wasserstoff und Sauerstoff solche Materie vor uns, die nach der Meinung der Chemie des 19. Jahrhunderts nicht weiter zerlegt werden kann. Bis siebzig solcher Elemente hat man unterschieden. Und Sie wissen wohl auch, daß durch die Erscheinungen, welche in Anknüpfung an einige besondere Elemente, zum Beispiel Radium, haben angestellt werden können, oder daß auch in Anknüpfung an mancherlei Erscheinungen der Elektrizitätslehre der Begriff der Elemente verschiedentlich erschüttert worden ist, daß man zu der Ansicht gekommen ist, daß es nur eine vorläufige Grenze der Materie sei, was man als die etwa siebzig Elemente kennt, und daß man die Zerlegbarkeit weiter zurückführen kann auf eine einzige Grundmaterie, die dann nur durch die innere Kombination, durch das innere Wesenselement, das eine Mal sich zu Gold, das andere Mal zu Kalium, Kalzium und so weiter spezialisiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das sind veränderliche wissenschaftliche Theorien. Und geradeso wie sich die wissenschaftlichen Theorien im Laufe von je fünfzig Jahren im 19. Jahrhundert verändert haben, wie es dahin kommen konnte,daß gewisse Physiker in dem, was Materie sein soll, etwas mit Entitäten, mit Wesenheiten zu Bezeichnendes sahen, etwas, was von der Elektrizität hergenommen ist, wie jetzt die Ionentheorie - das sind wissenschaftliche Moden -, ebenso werden in gar nicht so ferner Zeit andere wissenschaftliche Moden existieren, und man wird sich die Materie anders konstituiert denken. Das sind Tatsachen. Die wissenschaftlichen Meinungen sind veränderlich, müssen auch veränderlich sein, denn sie hängen ganz ab von den jeweiligen Tatsachen, die gerade auf ein Zeitalter besonders signifikant wirken. Dagegen hat die geisteswissenschaftliche Lehre durch alle Epochen hindurchgehend, so lange es Erdenkulturen gibt - und sie wird so lange hindurchgehen, solange es eine &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|191}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erdenkultur geben wird -, immer eine einheitliche, gleiche Anschauung gehabt über das Wesen des materiellen Daseins, über die Materie. Um Sie auf das zu führen, was die Geisteswissenschaft als das Wesentliche der Materie, des Materiellen ansieht, möchte ich folgendes sagen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie kennen den ganz gewöhnlichen Vorgang: wenn wir Eis haben, ist das ein fester Körper, eine feste Materie. Diese Materie ist nicht fest durch ihre eigentliche Wesenheit, sondern sie ist eine feste Materie nur durch äußere Umstände. Sie ist sofort keine feste Materie mehr, wenn wir die Temperatur in entsprechender Weise erhöhen; da ist sie eine flüssige Materie. Wie sich eine Materie in der äußeren Welt darlebt, das hängt also nicht ab von dem, was in ihr selber ist, sondern von den ganzen Verhältnissen des umgebenden Weltalls. - Dann können wir weiter dieser Materie Wärme zuführen, und aus dem Wasser wird von einem bestimmten Punkt ab Dampf. So haben wir Eis, Wasser, Dampf und haben durch die Erhöhung der Temperatur der Umgebung etwas herbeigeführt, was wir bezeichnen können als «die Materie in den verschiedensten Formen». So haben wir an der Materie, wie sie sich uns darstellt, nicht nach einer innerlichen, sie konstituierenden Wesensart zu unterscheiden, sondern wir müssen uns klar sein, daß die Art, wie Materie uns entgegentritt, von der Art der Gesamtkonstitution des Weltalls abhängt und daß man nichts vom ganzen Weltall in einzelne Materien trennen darf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun liegen allerdings die Dinge so, daß die Methoden der heutigen Wissenschaft überhaupt nicht ausreichen, um zu dem zu kommen, wozu Geisteswissenschaft kommen kann. Es kann die heutige Wissenschaft mit ihren Mitteln die Materie, die in der Form eines Stückes Eis durch Temperaturerhöhung erst flüssig und dann dampfförmig wird, niemals so weit führen, daß sie bis zu dem auf der Erde als letzten erreichbaren Zustand kommt, in welchen jede Materie überzuführen ist. Es ist nicht möglich, heute mit wissenschaftlichen Mitteln solche Verhältnisse her- beizuführen, wodurch etwa gezeigt werden könnte: Wenn du Gold nimmst und es immer weiter verdünnst, so weit als du es nur auf der Erde verdünnen kannst, dann kommst du zuletzt zu diesem oder jenem Zustand. Wenn du mit Silber dasselbe machst, ist es ebenso, bei Kupfer auch, und so weiter. - Die Geisteswissenschaft kann das, weil sie zuletzt &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|192}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
fußt auf den hellseherischen Forschungsmethoden. Dadurch ist sie im- stande, eines zu beobachten: Wie in den, man könnte sagen, Zwischen- räumen unserer Materien immer sich ein Gleiches überall findet, ein Gleiches, welches in der Tat die äußerste Grenze darstellt, zu dem überhaupt Materie gebracht werden könnte, was für eine Materie es auch immer sein mag. Es gibt wirklich einen für hellseherische Forschung erreichbaren Auflösungszustand aller Materie, wo sich alle Materie in einem dabei Gleichen zeigt; nur ist das, was da auftritt, nicht mehr Materie, sondern etwas, was jenseits aller spezialisierten Materien liegt, die uns umgeben. Und jede einzelne Materie stellt sich dann dar als ein aus dieser Grundmaterie - es ist ja keine Materie mehr - Kondensiertes, Verdichtetes, ob Sie Gold, Silber oder was immer für eine Materie haben. Es gibt ein Grundwesen unseres materiellen Erdenseins, von dem alles Materielle nur durch Verdichtung zustande gekommen ist. Und auf die Frage: Was ist das für eine Grundmaterie unseres Erdendaseins? - antwortet die Geisteswissenschaft: Jede Materie auf der Erde ist kondensiertes Licht! Es gibt nichts im materiellen Dasein, was etwas anderes wäre als in irgendeiner Form verdichtetes Licht. Daher sehen Sie, daß es für denjenigen, der die Tatsachen kennt, nicht eine Theorie zu begründen gibt wie etwa die Schwingungshypothese des 19.Jahrhunderts, in welcher man versuchte, Licht darzustellen mit Mitteln, die selber gröber sind als das Licht. Licht ist nicht auf etwas anderes in unserem materiellen Dasein zurückzuführen. Wo Sie hin- greifen und eine Materie anfühlen, da haben Sie überall kondensiertes, zusammengepreßtes Licht. Materie ist ihrem Wesen nach Licht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit haben wir vom geisteswissenschaftlichen Standpunkt aus auf die eine Seite der Sache hingewiesen. Wir haben also dasjenige, was allem materiellen Dasein zugrunde liegt, im Lichte zu sehen. Und wenn wir den materiellen Menschenleib ansehen, so ist auch er, insofern er materiell ist, nichts anderes als aus Licht Gewobenes. Insofern der Mensch ein materielles Wesen ist, ist er aus Licht gewoben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nunmehr nehmen wir die andere Frage: Was ist das Wesen des Seelischen? - Wenn wir in ähnlicher Weise mit geisteswissenschaftlichen Mitteln das Substantielle, das wirkliche Grundwesen des Seelischen erforschen würden, so würde sich uns darstellen - so wie alles Materielle &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|193}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nur zusammengepreßtes Licht ist -, daß alle noch so verschiedenen seelischen Erscheinungen auf der Erde sich uns ergeben als Modifikationen, als mannigfaltige Umformungen dessen, was genannt werden muß, wenn wir die Grundbedeutung dieses Wortes wirklich erfassen: Liebe. Jede Regung seelischer Art, wo sie auch immer auftritt, ist in irgendeiner Weise modifizierte Liebe. Und wenn wir Inneres und Äußeres beim Menschen gleichsam ineinandergesteckt haben, ineinandergeprägt haben, so haben wir seine äußere Leiblichkeit gewoben aus Licht, sein inneres Seelisches haben wir gewoben in einer vergeistigten Weise aus Liebe. Liebe und Licht sind in der Tat in allen Erscheinungen unseres Erdendaseins irgendwie ineinandergewoben. Und wer geisteswissenschaftlich die Dinge zu begreifen hat, der fragt in allererster Linie: Wie sind in irgendeinem Grade Liebe und Licht ineinander verwoben?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Liebe und Licht sind die zwei Elemente, die zwei Komponenten, die alles Erdendasein durchsetzen: Liebe als seelisches Erdendasein, Licht als äußeres materielles Erdendasein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun aber tritt gerade jetzt dasjenige ein, daß für die beiden Elemente Licht und Liebe, die sonst eigentlich nach dem großen Gange des Weltendaseins nebeneinanderstehen würden, ein Vermittler da sein muß, der das eine Element in das andere hineinverwebt, der Licht in Liebe hineinverwebt. Das muß eine Macht sein, welche sozusagen kein besonderes Interesse hat an der Liebe, die also hineinverwebt in das Element der Liebe das Licht - die nur Interesse daran hat, dem Lichte die größtmögliche Ausbreitung zu geben, die also Licht hineinstrahlen läßt in das Element der Liebe. Eine solche Macht kann keine Erden- macht sein, denn die Erde ist gerade der Kosmos der Liebe. Die Erde hat die Mission, die Liebe überall hineinzuverweben. Also alles, was mit dem Erdendasein so recht verknüpft ist, hat kein Interesse, das nicht irgendwie von der Liebe berührt sein würde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein solches Interesse aber haben die luziferischen Wesenheiten; die sind gerade auf dem Monde zurückgeblieben, auf dem Kosmos der Weisheit. Sie haben besonders das Interesse, Licht in Liebe hineinzuweben. Daher sind in der Tat die luziferischen Wesenheiten überall am Werke, wo unser Inneres, das eigentlich aus Liebe gewoben ist, irgendwie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|194}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
in Zusammenhang tritt mit dem Lichte, wo es in, irgendeiner Form vorhanden ist; und Licht tritt uns ja in allem materiellen Dasein entgegen. Kommen wir nur irgendwie mit dem Licht in Zusammenhang, so treten die luziferischen Wesenheiten auf, und es verwebt sich das Luziferische in die Liebe. Dadurch ist der Mensch im Laufe der Verkörperungen überhaupt erst in das luziferische Element hineingekommen: Luzifer hat sich verwoben mit dem Elemente der Liebe. So daß in dasjenige, was aus Liebe gewoben ist, sich hineinpreßt das Element des Luzifer, das uns allein dasjenige bringen kann, was die Liebe nicht nur eine restlose Hingabe sein läßt, sondern was die Liebe durchsetzt mit Weisheit, so daß sie eine aus einem Innersten mit Weisheit durch- setzte Liebe ist. Denn sonst, ohne diese Weisheit, wäre die Liebe eine selbstverständliche Kraft, für die der Mensch nicht verantwortlich sein könnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So aber wird die Liebe zur eigentlichen Ich-Kraft, in die hineinverwoben wird das luziferische Element, das sonst nur draußen im Materiellen war. Dadurch wird es erst möglich, daß unser Inneres, dem im Erdendasein das Merkmal der Liebe in allem Umfange zukommen müßte, durchsetzt wird von all dem andern, was wir als ein Wirken des Luzifer bezeichnen können und was von dieser Seite her zu einer Durchdringung des äußeren Materiellen führt, so daß Liebe nicht nur von dem durchwoben wird, was vom Licht gewoben ist, sondern daß solche Liebe entsteht, die von Luzifer durchzogen ist. Indem der Mensch das luziferische Element aufnimmt, durchwebt er das materielle Dasein in seiner eigenen Leiblichkeit mit einem solchen Seelischen, das zwar aus Liebe gewoben ist, wo aber hineinverwoben ist das luziferische Element. Die mit dem luziferischen Element durchsetzte Liebe, die sich in das Materielle hineinimprägniert, das ist die von innen heraus wirkende Krankheitsursache. Und in Anknüpfung an alles, was wir früher angeführt haben als eine notwendige Folge der aus dem luziferischen Element herrührenden Erkrankung, dürfen wir jetzt sagen: Was wir als eine solche Folge im Schmerz zu sehen haben - wir haben ja gesehen, wie der Schmerz eine Folge des luziferischen Elementes ist -, das zeigt uns die Wirkung der karmischen Gesetzmäßigkeit in der Weise, daß die Wirkung einer Tat oder einer Versuchung, die von Luzifer her- &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|195}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
rührt, sich karmisch dergestalt aus lebt, daß im Schmerz sich kundgibt, was zur Überwindung der betreffenden Wirkung führen soll.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie ist es nun aber damit, ob wir in einem solchen Falle helfen dürfen? Dürfen wir hier helfen? Dürfen wir alles, was sich aus dem luziferischen Element hineingedrängt hat mit seinen ganzen Folgen in den Schmerz, in irgendeiner Weise beseitigen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der Antwort auf die Frage nach dem Wesen des Seelischen ergibt sich uns als Notwendigkeit, daß wir das nur tun dürfen, wenn wir für einen Menschen, der das luziferische Element als Krankheitsursache in sich hat, das Mittel finden, um das Luziferische in der entsprechenden Weise zu vertreiben. Was ist das für ein Mittel allein, was stärker wirken muß, damit das luziferische Element in der richtigen Weise entfernt wird? Was ist verunreinigt durch das luziferische Element unserer Erde? - Die Liebe! Daher können wir nur durch Zuführung von Liebe wirkliche Hilfeleistung haben, damit das karmische Element sich in der entsprechend richtigen Weise abspielt. So haben wir letzten Endes bei allem, was in dieser Richtung zu Krankheitsursachen wird, in dem Element der Liebe, das beeinträchtigt worden ist im Seelischen durch den luziferischen Einfluß, etwas zu sehen, dem wir etwas zuführen müssen. Wir müssen Liebe einflößen, damit das, was als Liebestat einfließt, eine Hilfe sein kann. Diesen Charakter zugeführter Liebe haben alle diejenigen Heilungstaten, die sich mehr oder weniger auf das stützen, was man psychische Heilungsprozesse nennen kann. In irgendeiner Form hängt das, was bei psychischen Heilungsprozessen angewendet wird, zusammen mit der Zuführung von Liebe. Liebe ist es, was wir als Balsam dem andern Menschen einflößen. Auf Liebe muß es zuletzt zurückgeführt werden können. Und das kann es auch. Auf Liebe kann es zurückgeführt werden, wenn wir einfache psychische Faktoren in Bewegung setzen, wenn wir einen andern veranlassen, vielleicht auch nur sein herabgedrücktes Gemüt in Ordnung zu bringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das muß alles seinen Impuls in der Liebe haben, von einfachen Heilprozessen ausgehend bis zu dem, was heute oft in laienhafter Weise mit dem Namen «Magnetisieren» benannt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was wird dabei in Wirklichkeit von dem Heiler demjenigen mit- geteilt, der geheilt werden soll? Es ist - wenn wir mit einem Ausdruck &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|196}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der Physik sprechen wollen - ein «Austausch von Spannungen». Was in dem Heiler lebt, namentlich gewisse Prozesse im Ätherleibe&amp;gt; das wird dadurch, daß es in ein gewisses Verhältnis tritt zu dem, der geheilt wer&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
den soll, in eine Art Polarität gebracht zu dem zu Heilenden. Polarität wird hervorgerufen gerade so, wie Sie sonst in einem abstrakteren Sinne Polarität hervorrufen, wenn Sie die eine Art von Elektrizität, die positive, hervorrufen und die entsprechend andere, die negative, in einer gewissen Weise erscheint. Es werden Polaritäten hervorgerufen. Und das ist im eminentesten Sinne als eine Opfertat aufzufassen. Man ruft in sich selber in der Tat einen Prozeß hervor, der nicht nur dazu bestimmt ist, in uns selber eine Bedeutung zu haben - sonst ruft man nur einen Prozeß hervor; in diesem Fall soll aber der Prozeß dazu bestimmt sein, in dem andern eine Polarität zu dem ersten Prozesse hervorzurufen. Und diese Poiarität, die natürlich davon abhängt, daß der Heiler und der zu Heilende in irgendeinem Sinne in Zusammenhang gebracht werden, diesen andern Prozeß in dem andern hervorzurufen, ist im eminentesten Sinne die Hinopferung einer Kraft, die nichts anderes ist als umgewandelte Liebeskraft, Liebestat in irgendeiner Form. Das ist das eigentlich Wirkende bei solchen psychischen Heilungen: die in irgendeine Form umgewandelte Liebeskraft. Und wir müssen uns daher klar sein, daß ohne die zugrunde liegende Liebeskraft die Sache immer etwas haben wird, was nicht zu dem richtigen Ziele führen kann. Aber Liebesprozesse brauchen ja nicht immer nur so zu verlaufen, daß sich der Mensch dessen im gewöhnlichen Tagesbewußtsein vollständig bewußt ist; sie verlaufen auch in den unterbewußten Schichten. Sogar in dem, was als Technik der Heilprozesse angesehen werden kann, selbst in der Art, wie man zum Beispiel die Handstriche macht, wie sie technisch in ein System gebracht werden, auch da liegt schon darinnen, daß sie ein Abbild sind einer Opfertat. Also selbst da, wo wir nicht unmittelbar in einem Heilprozesse den Zusammenhang erblicken, wo wir nicht sehen, was getan wird, liegt doch vor eine Liebestat, wenn sie auch ganz und gar in Technik umgewandelt ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So sehen wir, daß wir deshalb, weil das Seelische im Grundwesen Liebe ist, mit psychischen Heilfaktoren eingreifen können, die scheinbar sehr nach der Peripherie des menschlichen Wesens liegende Prozesse &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|197}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sein können, und daß durch solche Heilfaktoren das, was im Grund- wesen Liebe ist, sich bereichert mit dem, was es braucht als Liebe. Da sehen wir die Hilfe von der einen Seite, die Hilfe, die wir leisten dürfen,weil wir dem Menschen Beistand gewähren müssen, damit er, nachdem er in die Fangarme Luzifers gekommen ist, sich auch wieder aus ihnen befreien kann. Weil das Grundwesen des Seelischen Liebe ist, dürfen wir sehr wohl das Karma in seiner Richtung beeinflussen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun - nach der andern Seite - fragen wir, was ist geworden aus dem aus Licht gewobenen Materiellen, wo das Seelische darinnensteckt? Was ist geschehen mit dem aus Licht gewobenen Materiellen des Menschen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen wir die Körperlichkeit eines Menschen, den äußeren Menschen in seiner materiellen Leiblichkeit.Würde nicht aus dem Seelischen heraus durch den karmischen Prozeß in das Materielle eingeprägt sein eine solche Liebessubstanz, die von Luzifer oder Ahriman durchsetzt wäre, würde nur eine reine Liebessubstanz ein fließen, dann würden wir diese Liebessubstanz nicht als verunreinigend, als verschlechternd empfinden können für die aus Licht gewobene Materie. Würde bloß Liebe einfließen in die Materie, so würde sie so ein fließen in die menschliche Leiblichkeit, daß diese nicht verschlechtert werden könnte; nur weil Liebe ein fließen kann, welche luziferische oder ahrimanische Kräfte aufgenommen hat, kann die aus Licht gewobene Materie schlechter werden, als sie ursprünglich sein sollte. Also kann es nur herrühren von den während der aufeinanderfolgenden Inkarnationen in die Menschen eingeflossenen luziferischen oder ahrimanischen Schädigungen, daß wir in der menschlichen Organisation etwas vor uns haben, was nicht so ist, wie es sein sollte. Wäre es so, wie es sein sollte, so würde es die gesunde Menschenmaterie darstellen; aber da es die Wirkungen Ahrimans und Luzifers in sich aufgenommen hat, kann es krankes Leibliches sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie können wir nun von außen herausbringen die entsprechenden Einflüsse, die von innen durch ein nicht richtiges Seelisches, durch eine nicht richtige Liebessubstanz eingeflossen sind? Was geschieht denn mit dem Leiblichen dadurch, daß etwas Unrichtiges einfließt? Für die Geisteswissenschaft geschieht dadurch etwas, was aus gewobenem Lichte in irgendeiner Weise sein Gegenteil macht. Licht hat sein Gegenteil in einer irgendwie gearteten Finsternis. Alles, was sich real - so sonderbar &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|198}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
es auch klingt - als die Verunreinigung dessen darstellt, das aus Licht gewoben ist, ist eine aus ahrimanischem oder luziferischem Einfluß hineingewobene Finsternis oder Dunkelheit. So sehen wir im menschlichen Materiellen hineingewobene Finsternis. Aber diese Finsternis wurde erst dadurch hineinverwoben, daß diese menschliche LeiblichkeitTräger wurde von dem, was sich als «Ich» durch die Inkarnationen hindurchlebt. Das war früher nicht darinnen. Nur ein menschliches Leibliches kann gerade spezifisch diese Verschlechterungen haben. Die waren früher nicht in dem, was das Licht gewoben hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun nimmt der Mensch heute die Grundlage zum Materiellen aus dem, was er im Verlaufe der Entwickelung nach und nach aus sich herausgesetzt hat. Das ist das Tierreich, das pflanzliche und das mineralische Reich. Diese enthalten auch die verschiedenen Materien, das heißt für das Erdendasein aus Licht Gewobenes. Aber in all diesen Materien ist noch nicht das da rinnen, was im Verlaufe des menschlichen Karma hat vom Inneren des Menschen hineinkommen können in das menschliche materielle Dasein. Wir haben also in den drei Reichen um uns herum etwas, auf das der Mensch durch seinen luziferischen oder ahrimanischen Einfluß von sich aus, insofern er von seiner Liebessubstanz aus wirkt, niemals hat verunreinigend wirken können. Da drinnen ist nichts von ihm, so daß in seiner Reinheit hat ausgebreitet werden können dasjenige, was in bezug auf seine Reinheit beim Menschen- verunreinigt ist. Wenn wir zum Beispiel draußen eine mineralische Materie haben, ein Salz oder etwas anderes, so ist das eine Materie, die der Mensch auch in sich trägt oder tragen kann; bei ihm ist sie aber durchwoben von dem, was wir die von Ahriman oder Luzifer verunreinigte Liebessubstanz nennen können. Draußen aber ist sie rein. So unterscheidet sich jede Substanz draußen von dem, was der Mensch als Substanz in sich trägt. Draußen ist es immer anders, als es im Menschen ist, weil es bei ihm durchwoben ist vom ahrimanischen und luziferischen Einfluß. Das ist der Grund, warum für alles, was der Mensch mehr oder weniger an seiner äußeren Substantialität verderben kann, draußen etwas zu finden sein muß, was das Entsprechende im reinen Zustande darstellt, ohne daß die menschliche Schädigung darinnen ist. Was draußen existiert in der Welt ohne Schädigung, das ist das äußere Heil- &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|199}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
mittel für das entsprechend Geschädigte. Führen Sie das der menschlichen Wesenheit zu in richtiger Weise, dann haben Sie das Spezifikum für die entsprechende Schädigung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da haben Sie ganz objektiv dasjenige, was Sie dem menschlichen Leib als Heilmittel zuführen. Da haben Sie charakterisiert die Schädigung als spezifizierte Dunkelheit, dasjenige, was noch nicht dunkel ist, als das außen gewobene reine Licht - und Sie sehen, warum Sie die im Menschen befindliche Dunkelheit, die dunkle Materie, aufheben können, wenn Sie ihm reine, aus Licht gewobene Materie beibringen können. So haben wir in der reinen, aus Licht gewobenen Materie ein spezifisches Heilmittel gegen die Schädigung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es handelt sich nun darum - und oft wurde darauf aufmerksam gemacht, daß es ein Irrtum ist, dem gerade die Theosophie nicht verfallen darf-,daß es eine Engherzigkeit wäre, wenn man leugnen wollte, daß es eigentlich doch in solchen Fällen etwas gibt, was man bei dieser oder jener Schädigung als ein auf dieses oder jenes Organ wirksames spezifisches Heilmittel verabreichen kann. Es wurde freilich oft gesagt, daß der Organismus die Kräfte habe, sich zu helfen; aber wenn auch das richtig ist, was dieWiener Schule der nihilistischenTherapie geltend gemacht hat: durch die Aufrufung der Gegenkräfte den Heilprozeß einzuleiten -, so können wir dennoch durch spezifische Mittel dem Heilprozeß entgegenkommen. Hier sehen wir einen Parallelismus herrschen, den man aus der Geisteswissenschaft heraus schildern kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus dem, was ich geschildert habe zum Beispiel über Diphtherie, können Sie entnehmen, daß es sich dabei um etwas handelt, was ganz besonders in der karmischen Ursache den astralischen Leib getroffen hat. Nun finden wir etwas, was diesem astralischen Leib am nächsten verwandt ist, in der Umgebung des Menschen, in dem Tierreich. Daher werden Sie bei denjenigen Krankheitsformen, die dem astralischen Leib eminent nahe stehen, immer finden, daß die Heilwissenschaft unbewußt, aus einem dunklen Triebe heraus, nach Mitteln sucht, die aus dem Tierreich hergenommen sind. Bei solchen Krankheiten, deren Ursache im Ätherleib liegt, greift die Heilwissenschaft nach Mitteln aus dem Pflanzenreich. Und es könnte jetzt ein interessanter Vortrag gehalten werden zum Beispiel über die Beziehung der Digitalis purpurea &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|200}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
zu gewissen Herzkrankheiten. Das sind Dinge, die, insofern sie auf Wirklichkeit beruhen, nicht bloß fünf Jahre richtig sind und dann anfangen falsch zu werden, wie ein Mediziner sagte und wie es tatsächlich der Fall ist, wann nur aus äußeren Symptomen geschlossen wird. Aber es gibt einen gewissen Schatz von Heilmitteln, der immer auf irgendeinen Zusammenhang mit der Geisteswissensc1iaft zurück- geht, der sich vererbt hat, ohne daß die Leute wissen, woher er gekommen ist. Ebenso wie es heute die Astronomen nicht wissen, daß die Kant-Laplacesche Theorie aus den Geheimschulen des Mittelalters gekommen ist, so wissen es die Leute nicht, woher die eigentlichen Heilschätze oft stammen. - Und Krankheitsursachen, die mit der Wesenheit des physischen Leibes zusammenhängen, führen dann zur Anwendung von Heilmitteln aus dem Mineralreich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Selbst durch diese analogen Anschauungen kann also ein Fingerzeig auf die Sache gegeben werden. Daher ist für den Menschen durch den Zusammenhang mit der uns umgebenden Welt die Möglichkeit vor- handen, daß ihm von zwei Seiten her geholfen wird: indem man ihm auf der einen Seite modifizierte Liebe beibringt in den psychischen Heilprozessen, oder anderseits in der verschiedensten Weise modifiziertes Licht bei jenen Prozessen, die irgendwie mit äußeren Heilprozessen zusammenhängen. Alles, was getan werden kann, wird entweder mit inneren psychischen Mitteln, mit Liebe, oder mit äußeren Mitteln, mit irgendwie verdichtetem Licht, geleistet. Und wenn einmal die Wissenschaft so weit sein wird, daß sie lernen wird, an das Übersinnliche zu glauben und an den Satz: Materie ist irgendwie kondensiertes Licht -, dann wird von diesem Grundsatz aus ein geistiges Licht geworfen werden auf das systematische Suchen nach der Art, wonach mit äußeren&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mitteln dem Menschen geholfen werden kann. Daraus sehen wir, wie in dem, was während langer Zeiträume aus den Geheimschulen des alten Ägypten und des alten Griechenland heraus nach und nach dem Heilschatze zugefügt worden ist, nicht nur ein bloßer Unsinn steckt, sondern daß in den Sachen überall ein gesunder Kern vorhanden ist. Theosophie ist nicht dazu da, um eine gewisse Partei zu ergreifen, um etwa zu sagen: Das ist eine Richtung, die bringt dem Menschen Gift bei! - Das Wort Gift wirkt ja heute geradezu suggestiv, und die Leute &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|201}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
denken nicht daran, wie relativ dieses Wort ist. Was ist denn eigentlich ein Gift? Jeder Stoff kann ein Gift sein. Es kommt nur auf die Heilweise an und auf die Menge, die auf einmal genossen wird. Wasser ist ein starkes Gift, wenn man zehn Liter auf einmal genießt. Diese Wirkung, innerlich chemisch erfaßt, unterscheidet sich gar nicht besonders davon, daß man dem Menschen irgendeinen an,dern Stoff zu führt. Es kommt immer auf die Menge an, denn alle diese Begriffe sind relativ.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus dem, was wir heute durchschaut haben, können wir sagen: Wir können froh sein, daß selbst für das, was sich der Mensch an Schädigung einverleiben kann, in alledem, was uns als Natur umgibt - wie wir jetzt den Weltprozeß ansehen -, das Gesundende sich irgendwie finden muß, so daß der Mensch die Schädigung wieder überwinden kann. Und das ist auch ein schönes Gefühl, das wir gegenüber der Außenwelt haben können: Wir können uns nicht nur über die Außenwelt freuen, weil sie uns sprießende Blumen schenkt oder uns im Lichtglanz die Berge erstrahlen läßt, sondern wir können uns auch deshalb über sie freuen, weil alles um uns herum in einer so innigen Beziehung steht zu dem, was im Menschen selbst als gut oder böse bezeichnet werden kann. Wir können uns in der Natur nicht nur über das freuen, was uns zunächst anspricht; sondern je tiefer wir eindringen in das, was sich bis zum äußeren materiellen Dasein verdichtet hat, desto mehr werden wir finden: Diese uns erfreuende Natur hat in sich zugleich den mächtigen Heiler für alles&amp;gt; was sich der Mensch als Schädigung zuführen kann, irgendwie ist der Hei 1er in der Natur verborgen. Es handelt sich nur darum, die Sprache des Heilers nicht bloß zu verstehen, sondern ihr auch zu gehorchen und sie wirklich auszuführen. Und heute haben wir in den meisten Fällen aus dem Grunde nicht die Möglichkeit, der Sprache der heilenden Natur zu gehorchen, weil die Verkennung des Lichtes, weil die Finsternis, die sich auch in die Erkenntnis hineingemischt hat, in vieler Beziehung Zustände herbeigeführt hat, welche es nicht gestatten, der reineR Sprache der Natur zu folgen. Und so müssen wir uns darüber klar sein: Wo in einem Falle keine Hilfe geleistet, wo ein Leiden wegen karmischer Zusammenhänge nicht gemildert werden kann, würde das nicht bedeuten, daß es absolut nicht gemildert werden könnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|202}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So sehen wir auch hier wieder einen merkwürdigen Zusammenhang, der uns doch wieder die ganze große Welt einschließlich des Menschen ais ein Wesen erscheinen läßt. In dem Satze: Materie ist gewobenes Licht, Seelisches ist in irgendeiner Weise verdünnte Liebe -, liegen die Schlüssel für unzählige Geheimnisse des Erdendaseins. Die gelten aber nur für das Erdendasein und für kein anderes Gebiet desWeltendaseins. Damit haben wir ja nichts Geringeres gezeigt, als daß wir, wenn wir dem Karma irgendeine Richtungsänderung geben, uns in dem einen oder andern Falle mit dem verbinden, was gerade die zusammensetzen- den Elemente unseres Erdendaseins sind: auf der einen Seite mit dem zur Materie gewordenen Licht, auf der andern Seite mit der zum Seelischen gewordenen Liebe. Wir entnehmen das Heilmittel entweder aus der Umgebung, aus dem dichtgewordenen Licht oder aus unserer ei- genen Seele, aus der heilenden Liebestat, Opfertat, und heilen dann mit der au der Liebe gewonnenen seelischen Kraft. Wir verbinden uns mit dem, was auf der Erde im tiefsten Inneren berechtigt ist, wenn wir uns auf der einen Seite verbinden mit dem Licht, auf der andern Seite mit der Liebe. Alle Erdenzustände sind irgendwie Gleichgewichtszustände zwischen Licht und Liebe. Und ungesund ist eine Störung in dem Gleichgewicht zwischen Licht und Liebe. Ist irgendwo die Störung in der Liebe, so können wir helfen, indem wir die Kraft der Liebe selbst entfalten; und ist die Störung im Lichte, so können wir helfen, indem wir uns im Weltall irgendwie dasjenige Licht verschaffen, welches die Finsternis in uns aufheben kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da haben Sie die Grundelemente des menschlichen Helfens. Sie zeigen, wie alles im Erdendasein auf Gleichgewichtslagen beruht von einander entgegengesetzten oder einander gegenüberstehenden Elementen. Licht und Liebe sind eigentlich sich gegenüberstehende Elemente. Aber auf ihrem Ineinanderverwobensein beruht zuletzt alles, was in unserem Erden leben an Seelischem und an Materiellem vor sich geht. Daher dürfen wir uns nicht wundern, wenn auf allen Gebieten des Menschenlebens von Epoche zu Epoche die Fortentwickelung so geschieht, daß gleichsam die Gleichgewichtslage nach der einen Seite besonders ausschlägt und dann nach der andern Seite wieder versucht wird, sie einzurenken, wenn also unsere Entwickelung so verläuft, daß &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
sie einem Wellenschlage gleicht. In der Tat gleicht unsere Entwickelung einer Art Wellenschlag: sie geht herunter und sie geht hinauf, und es wird immer der gestörte Gleichgewichtszustand ausgeglichen durch das, was nach der andern Seite wieder den entsprechend andern, über die Gleichgewichtslage hinausgehenden Pendelschlag bedeutet. Wenn Sie darauf eingehen, daß es sich im Menschenleben überall handelt um eine Störung des Gleichgewichtes nach der einen oder andern Richtung, dann werden Sie finden, wie Sie dadurch selbst die intimsten Kulturprozesse in irgendeiner Weise beleuchten können. Wenn Sie eine Zeitepoche betrachten, wo in der menschlichen Entwickelung gewisse Schädigungen dadurch eingetreten sind, daß die Menschen nur auf das Innere gesehen haben und nicht auch auf das Äußere, wie zum Beispiel im Mittelalter, wo bei der starken Blüte der Mystik das Äußere unberücksichtigt geblieben ist und auch zu Mißverständnissen nicht nur im Erkennen, sondern auch im Handeln geführt hat, so sehen Sie dann auf der andern Seite jene Zeit folgen, in welcher man die Mystik absolut nicht ertragen kann, dafür aber den Blick in die Außenwelt richtet, um alles zu tun, was das Pendel wieder nach der andern Seite ausschlagen läßt. Da haben Sie Übergänge zwischen Mittelalter und neuerer Zeit. Und Sie werden in der mannigfaltigsten Art solche Störungen der Gleichgewichtslage finden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dabei möchte ich anführen, daß in der Tat in solchen Zeiten wie den unsrigen eine charakteristische Eigenschaft vieler Menschen sich darin zeigt, daß sie völlig vergessen und ganz aus der Aufmerksamkeit verlieren, was man nennen könnte ein Bewußtsein von einer übersinniichen Welt. Das heißt, es gibt in unserer Zeit zahlreiche Menschen, die völlig außer acht lassen, daß es eine geistige Welt gibt, und die also die Gedanken an die geistige Welt ablehnen. In einer solchen Zeit - und überhaupt in solchen Zeiten - ist immer auch in einer gewissen Beziehung das Gegenbild davon vorhanden. Ich möchte das in einer ganz einfachen Weise charakterisieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn es Menschen auf dem physischen Plane gibt, die sich so sehr in das Physische verstricken, daß sie das Geistige ganz und gar vergessen, dann haben jene Menschen, die zwischen Tod und neuer Geburt in der geistigen Welt leben, auf der andern Seite dafür den entgegengesetzten &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Drang, der hervorgerufen ist wie durch ein Karma, das vom physischen Plan hinüberwirkt auf den geistigen Plan: den Drang nämlich, in irgendeiner Weise sich mit Dingen zu beschäftigen, die aus der geistigen Welt in die physische hinein spielen. Das liegt in der Tat zugrunde man- cherlei Hereinwirkungen in die physische Welt von seiten von Menschen, die in der Zeit vor einer neuen Geburt stehen. In die physische Welt wirken dann diese Menschen so hinein, wie sich eben gerade die Mittel ergeben, auf dem Umwege über solche Menschen, die im höheren Maße diesen Einflüssen aus der geistigen Welt zugänglich sind. - Hat man auf diesen Gebieten Klarheit zu bringen, so wird man ja vieles ablehnen müssen, was von dieser oder jener Seite her erzählt wird als Offenbarungen der geistigen Welt von Menschen, die zwischen Tod und neuer Geburt stehen. Und man wird die charakteristischen Fälle gut heraussondern können, wo die Toten - um das Pendel nach der andern Seite ausschlagen zu machen - sehr stark darauf verfallen, irgendwie den Menschen handgreiflich zu zeigen: Es gibt doch eine geistige Welt! Dafür, daß es in unserer Zeit Menschen gibt, die völlig umnachtet sind, die so viel Finsternis in ihr Geistiges hineinverwoben haben, daß sie gar nichts wissen wollen von der geistigen Welt, dafür gibt es Tote, welche aus diesem Mangel heraus den Drang haben, hineinzuwirken in die physische Welt. Am meisten geschehen solche Dinge, wenn von den Menschen auf dem physischen Plan gar nichts dazu getan wird. Und am charakteristischsten sind die Dinge, die sich ohne künstliche Versuche anbieten, die sozusagen auftreten als Kundgebungen aus der geistigen Welt. Daher der Zusammenhang von Menschen auf dem materialistischen Felde auf der einen Seite, und der Drang, der besteht, von der geistigen Welt aus belehrend hereinzuwirken auf der andern Seite.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie werden vieles, was dafür Beleg sein kann, finden in dem Buche unseres Freundes Ludwig Deinhard «Das Mysterium des Menschen». Da ist vieles zusammengestellt und systematisiert von dem, was Sie gerade brauchen und was heute in der Literatur, wo sie wissenschaftlich ist, so zerstreut ist, daß nicht für jeden möglich ist, es sich zusammenzuholen. Daher ist es sehr schön, daß Sie in diesem Buche eine Zusammenstellung haben gerade dieser Seite der geisteswissenschaftlichen Tatsachen, die, wie Sie jetzt sehen, im eminenten Sinne sogar &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
charakteristisch sind für unsere Zeit. Insbesondere finden Sie darin mit großem Glück verzeichnet eine charakteristische Tatsache von einem Forscher, welcher in seinem hiesigen Erdenleben alles mögliche versuchte, um auf dem Wege der materialistischen Methode zum Beweise von der geistigen Welt zu kommen - der verstorbene Frederick Myers - und der dann nach seinem Tode den starken Drang fühlte, dasjenige, was er hier angestrebt hat, durch Hereinstrahlungen aus der geisötigen Welt, mit Hilfen aus der geistigen Welt, hier den Menschen zu zeigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das sollte eine Illustration sein zu dem Satze, daß wir in der Welt und dem Weltendasein zu sehen haben fortwährende Störungen von Gleichgewichten und wiederum das Suchen von Gleichgewichten. Im Erdendasein haben wir als tiefste Elemente dieses sich immerfort störenden und wiederherstellenden Gleichgewichtes die beiden Elemente Licht und Liebe. Und im menschlichen Karma wirken nun von Inkarnation zu Inkarnation die beiden Elemente Licht und Liebe ausgleichend auf die gestörten Gleichgewichtslagen. Denn im Grunde genommen haben` wir in dem durch alle Inkarnationen sich durchschlängelnden Karma gestörte Gleichgewichtslagen, und in Licht und Liebe haben wir den fortwährenden Versuch, das Gleichgewicht wiederherzustellen. Bis einst in ferner Zukunft der Mensch in dem Durchgehen durch seine Inkarnationen endlich dahin gekommen sein wird, einen letzten, durch die Erde erreichbaren Gleichgewichtszustand auszubilden, der dahin führen wird, daß die Menschheit die Erdenmission erfüllt haben wird und das Erdendasein sich in eine neue planetarische Form hinüber- entwickeln wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So habe ich versucht, etwas auseinanderzusetzen, ohne das eine tiefere Begründung der karmischen Zusammenhänge und Gesetze nicht möglich ist. Ich habe mich darum auch nicht gescheut, die geheöimnisvollen Grundlagen, für die unsere heutigeWissenschaft noch lange nicht reif sein wird, einmal heute abzuhandeln: daß Materie in Wahrheit verwobenes Licht ist und daß Seelisches in irgendeiner Beziehung verdünnte Liebe ist. Das sind alte okkulte Sätze, aber Sätze, die für alle folgenden Zeiten wahr bleiben werden und die sich fruchtbar erweisen werden in der Menschheitsentwickelung nicht nur für die Erkenntnis, sondern auch für das menschliche Wirken und Handeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
= ELFTER VORTRAG Hamburg, 28. Mai 1910 =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vieles wäre noch zu sagen über die verschiedenen Offenbarungen des Karma. Aber da wir heute die letzte unserer Betrachtungen haben und die Zeit überhaupt für ein so reiches Thema notwendigerweise kurz sein mußte, so werden Sie es begreiflich finden, daß mancherlei von dem zu Besprechenden, mancherlei vielleicht auch von dem, was Ihnen als Fragen auf der Seele liegt, diesmal nicht seine Erledigung finden kann. Aber unsere Bewegung wird ja weitergehen, und wir werden das, was bei einem Kursus notwendigerweise unerledigt bleiben muß, bei einem andern weiter ausführen und erledigen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was Ihnen wiederholt vor die Seele getreten sein wird, das ist, daß der Mensch die karmische Gesetzmäßigkeit als etwas erlebt, was sozusagen in jedem Augenblick, in dem er lebt, etwas vollkommen Bestimmtes ist, so daß wir in jedem Augenblick unseres Lebens zurückblicken können auf das, was wir durchgemacht haben, was wir getan&amp;gt; gedacht, gefühlt haben in den Inkarnationen, die der betreffenden vorangegangen sind, in welcher wir unsere Betrachtungen anstellen. Und immer werden wir finden, daß unser augenblickliches menschliches inneres und äußeres Schicksal dadurch gefaßt werden kann, daß wir sozusagen eine Art «Lebenskonto» haben, wo wir alle klugen, verständigen, weisen Erlebnisse auf die eine Seite schreiben, und alles Unverständige, alles Böse und Häßliche auf die andere Seite. Auf irgendeiner Seite wird sich dabei ein Überschuß ergeben, und der bedeutet in einem Augenblicke des Lebens auch das Schicksal dieses Augenblickes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun können verschiedene Fragen dabei auftauchen, und die nächste muß die sein: Wie verhält sich das, was die Menschen in ihrem Zusammenleben tun, was sie vollbringen als menschliche Gemeinschaft, zu demjenigen, was wir das individuelle Karma des einzelnen Menschen nennen? Wir haben diese Fragen von andern Seiten her schon berührt. Wenn wir auf irgendein Ereignis der Geschichte zurückblicken, zum Beispiel auf die Perserkriege, so können Sie unmöglich glauben, daß dieses Ereignis, zunächst von griechischer Seite aus ancharakteristisch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
sind für unsere Zeit. Insbesondere finden Sie darin mit großem Glück verzeichnet eine charakteristische Tatsache von einem Forscher, welcher in seinem hiesigen Erdenleben alles mögliche versuchte, um auf dem Wege der materialistischen Methode zum Beweise von der geistigen Welt zu kommen - der verstorbene Frederick Myers - und der dann nach seinem Tode den starken Drang fühlte, dasjenige, was er hier angestrebt hat, durch Hereinstrahlungen aus der geis`tigen Welt, mit Hilfen aus der geistigen Welt, hier den Menschen zu zeigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das sollte eine Illustration sein zu dem Satze, daß wir in der Welt und dem Weltendasein zu sehen haben fortwährende Störungen von Gleichgewichten und wiederum das Suchen von Gleichgewichten. Im Erdendasein haben wir als tiefste Elemente dieses sich immerfort störenden und wiederherstellenden Gleichgewichtes die beiden Elemente Licht und Liebe. Und im menschlichen Karma wirken nun von Inkarnation zu Inkarnation die beiden Elemente Licht und Liebe ausgleichend auf die gestörten Gleichgewichtslagen. Denn im Grunde genommen haben` wir in dem durch alle Inkarnationen sich durchschlängelnden Karma gestörte Gleichgewichtslagen, und in Licht und Liebe haben wir den fortwährenden Versuch, das Gleichgewicht wiederherzustellen. Bis einst in ferner Zukunft der Mensch in dem Durchgehen durch seine Inkarnationen endlich dahin gekommen sein wird, einen letzten, durch die Erde erreichbaren Gleichgewichtszustand auszubilden, der dahin führen wird, daß die Menschheit die Erdenmission erfüllt haben wird und das Erdendasein sich in eine neue planetarische Form hinüber- entwickeln wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So habe ich versucht, etwas auseinanderzusetzen, ohne das eine tiefere Begründung der karmischen Zusammenhänge und Gesetze nicht möglich ist. Ich habe mich darum auch nicht gescheut, die geheöimnisvollen Grundlagen, für die unsere heutigeWissenschaft noch lange nicht reif sein wird, einmal heute abzuhandeln: daß Materie in Wahrheit verwobenes Licht ist und daß Seelisches in irgendeiner Beziehung verdünnte Liebe ist. Das sind alte okkuite Sätze, aber Sätze, die für alle folgenden Zeiten wahr bleiben werden und die sich fruchtbar erweisen werden in der Menschheitsentwickelung nicht nur für die Erkenntnis, sondern auch für das menschliche Wirken und Handeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
gesehen, etwas darstellt, was nur in das Schicksalsbuch der einzelnen Menschen zu schreiben wäre, die auf dem äußeren physischen Plan als zunächst daran beteiligt zu gelten haben. Denken Sie an alle die Führer der Perserkriege, an alle die Menschen, welche sich damals aufgeopfert haben, denken Sie an alles, was von den Führern bis zu dem einzelnen damals im griechischen Heere getan worden ist: Werden Sie jemals, wenn Sie nur einigermaßen vernunftgemäß ein solches Ereignis auf sich wirken lassen, das, was die einzelnen Menschen damals getan haben, bei jedem einzelnen Menschen nur auf das karmische Konto dieser einzelnen Persönlichkeiten schreiben können? Unmöglich werden Sie das können. Denn Sie werden unmöglich sich vorstellen können, daß bei den Ereignissen, die ein ganzes Volk oder einen großen Teil der zivilisierten Menschheit angehen, nichts anderes geschieht, als daß jede einzelne menschliche Individualität nur ihr Karma auslebt. Und so müssen Sie im Verlauf der geschichtlichen Entwickelung immer wieder von Ereignis zu Ereignis gehen, und Sie werden sehen, daß innerhalb der Menschheitsentwickelung selber Sinn und Bedeutung zu finden sind, daß aber solche Ereignisse nicht eines sein können mit dem individuellen Karma des einzelnen Menschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir können eine Angelegenheit wie die Perserkriege auf unsere Seele wirken lassen und uns dann fragen: Was haben sie im Entwickelungsgang der Menschheit für eine Bedeutung? Im Orient hatte sich eine gewisse Kultur entwickelt, die große, gewaltige Lichtseiten hatte. Aber wie jedes Licht seine Schatten mit sich bringt, so müssen wir uns auch klar sein, daß die ganze Kultur des Orients nur dadurch für die Menschheit zu erreichen war, daß auch mancherlei Schattenseiten, die nicht in der menschlichen Entwickelung hätten weitergeführt werden dürfen, sich in jene Kultur hineingedrängt haben. Vor allem war eine solche Schattenseite die, daß der Orient den Drang hatte, durch äußere, rein auf dem physischen Plan liegende Machtmittel sich immer mehr zu vergrößern. Wäre dieser Vergrößerungstrieb nicht erstanden, so wäre natürlich die ganze orientalische Kultur nicht zustande gekommen. Eines ist nicht ohne das andere zu denken. Aber damit die Menschheit sich weiterentwickeln konnte, mußte aus ganz andern Voraussetzungen heraus sich zum Beispiel die griechische Kultur entwickeln. Die griechische&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Kultur hätte aber nicht einen unmittelbaren Anfang nehmen können, sie mußte gewisse Voraussetzungen a,nderswoher bekommen. Und sie hat in der Tat wichtige Voraussetzungen aus der orientalischen Kultur entlehnt. Verschiedene Sagen von Heroen, die von Griechenland hinüberzogen nach dem Orient, stellen nichts weiter dar, als daß Schüler gewisser griechischer Schulen hinübergezogen waren nach dem Orient und den Griechen jene Güter gebracht haben, die nur innerhalb der orientalischen Kultur gewonnen werden konnten, die dann aber weitergepflegt und umgewandelt werden konnten durch das, was aus dem griechischen Volkscharakter, durch das griechische Volkstalent sich herangebildet hatte. Aber dazu mußte aus diesen herübergebrachten Gütern ausgemerzt werden, was ihre Schattenseite war: der Drang, durch rein äußere Machtmittel sich so nach dem Westen hinüber auszudehnen, wie sie waren. Das Römertum, das später entstand als das Griechentum, und alles, was die weiteren Voraussetzungen waren für die Weiterentwickelung der europäischen Menschheit, das hätte sich nicht herausbilden können, wenn nicht die Griechen sich den freien Boden geschaffen hätten für die Fortentwickelung der orientalischen Kultur, wenn sie nicht die Perser und das, was dazugehört, zurück- geschlagen hätten. So konnte filtriert werden, was in Asien geschaffen worden war, indem man die Asiaten zurückschlug.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von diesem Gesichtspunkt aus sind viele Ereignisse in der Weltentwickelung zu betrachten, und man bekommt dann ein eigentümliches Bild. Wenn wir bei einem Vortragszyklus, der drei bis vier Jahre dauern würde, diesen Gedanken nur für die uns geschichtlich überlieferten Dokumente der Menschheit ausführen könnten, so würde sich uns etwas ergeben, was wir wirklich nennen könnten einen Plan in der Entwickelung der Menschheit. Wir würden dann einen solchen Plan überschauen und uns sagen: Dies mußte errungen werden; das hatte diese Schattenseiten, die wieder ausgemerzt werden mußten; das errungene Gut mußte einem andern übergeben und dort weiter ausgebildet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf dieseWeise würden wir einen Plan der Menschheitsentwickelung herausbekommen und würden bei Besprechung dieses Planes eigentlich gar nicht auf den Gedanken verfallen können: Wie ist denn das zustande&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
gekommen, daß zum Beispiel gerade Xerxes oder Miltiades oder Leonidas dieses oder jenes individuelle Karma hatten? Dieses individuelle Karma müssen wir als etwas betrachten, was für sich entschieden und hineinverflochten werden muß in den Plan der Menschheitsentwickelung. Anders ist die Sache durchaus nicht zu fassen. Und so ist es auch für die geisteswissenschaftliche Anschauung. Wenn aber das der Fall ist, müssen wir sagen: In diesem planvollen Fortgang der Menschheitsentwickelung müssen wir für sich etwas sehen, was in ähnlicher Weise in sich zusammenhängt, wie die karmischen Ereignisse im individuellen Menschenleben zusammenhängen. Und dann können wir weiter fragen: Was hat ein solcher Plan in der ganzen Menschheitsentwickelung für eine Beziehung zum einzelnen individuellen Karma des Menschen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Betrachten wir zunächst einmal das, was man nennen könnte das Geschick in der menschlichen Entwickelung selber. Wenn wir zurückblicken, sehen wir, wie Kultur nach Kultur, Volksentwickelung nach Volksentwickelung aufsteigen. Wir sehen weiter, wie Volk für Volk dieses oder jenes Neue leistet, wie etwas bleibt als Unvergängliches aus den einzelnen Volkskulturen, wie aber geradezu die Völker sterben müssen, um das Volksgut, die Errungenschaften der einzelnen Völker zu retten für die entsprechend späteren Epochen der Menschheitsentwickelung. Da müssen wir doch verständlich finden, was die Geisteswissenschaft zu sagen hat, daß in diesem fortlaufenden Gang der Menschheitsentwickelung genau zwei Strömungen zunächst zu unterscheiden sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Betrachten Sie im ganzen Gang der Menschheitsentwickelung das, was wir als fortlaufende Strömung ansehen können, innerhalb welcher sich Welle nach Welle entwickelt, wobei aber das errungene Gut der vorangegangenen Welle für die nachfolgende erhalten bleibt. Wir würden ein Bild davon bekommen, wenn wir hinschauen auf die erste Kultur der nachatlantischen Zeit, auf das, was im alten Indertum an Großartigkeit geleistet worden ist. Wenn wir dieses Großartige aber vergleichen mit dem schwachen Nachklang, der in den Veden davon enthalten ist, die zwar immer noch bewundernswürdig sind, aber eben doch nur ein schwacher Abglanz sind von dem, was die Rishis geleistet haben und was uns die Geisteswissenschaft von dem großen Kultureinschlag der Inder berichtet, dann werden wir sagen müssen: Es war &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
die ursprüngliche Größe dessen, was dieses Volk für die Menschheit zu leisten hatte, schon im Niedergange, als man daran ging, in jenen herrlichen dichterischen Darstellungen dieses Kulturgut der Menschheit aufzubewahren. Aber was die indische Kultur zunächst zu leisten hatte, das floß hinein in den ganzen Gang der Menschheitsentwickelung. Und nur unter dieser Voraussetzung konnte sich das später entwickeln, was wieder ein junges Volkstum brauchte - nicht ein altgewordenes Volk. Es mußten zuerst die Inder zurückgedrängt werden auf die südliche Halbinsel, und es entwickelte sich dann in Persien die Weltanschauung des Zarathustra. Was hatte diese Weltanschauung an Großem in der Zeit, als sie entstand - und wie war sie in verhältnismäßig gar nicht langer Zeit verfallen bei dem Volke, das sie geschaffen! Wir haben dann beim Ägyptertum und Chaldäertum denselben Vorgang. Dann sehen wir das Hinübergehen orientalischerWeisheit nach Griechenland, und sehen, wie die Griechen zurückschlagen das, was auf dem äußeren physischen Plan das Orientalische ist. Wir sehen dann, wie in den Schoß des Griechentums aufgenommen wird, was der ganze Orient geleistet hat, und wie es verwoben wird mit mancherlei, was bis dahin in andern europäischen Gebieten geleistet worden ist. Daraus wird dann ein neuer Kultureinschlag geschaffen, welcher auf vielen Umwegen fähig geworden ist, den christlichen Impuls aufzunehmen und ihn nach dem Westen weiterzuverpfianzen. Und so würden wir auch späterhin einen fortlaufenden Kulturstrom finden, in welchem wir Glied an Glied anreihen können, und jedes folgende Glied erscheint uns zugleich als eine Fortsetzung des vorhergehenden und immer als etwas Neues, was der Menschheit gegeben werden mußte. Aber woraus mußte das hervorwachsen,was sich so von Epoche zu Epoche weiterentwickelt?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denken Sie an alles, was jedes einzelne Volk mit seinem Kulturgebiet erlebt! Denken Sie an alles, was in jedem einzelnen Volke vorgegangen sein muß als eine Summe von Gefühlen und Empfindungen bei unzähligen Menschen, von Wünschen und Enthusiasmus für das, was als das am höchsten Begehrenswerte erscheinen muß und was gerade auf diesem Gebiete als Kultureinschlag gegeben werden soll! Denken Sie, wie die Seelen der einzelnen Menschen bei dem einzelnen Kultureinschlag mit dem, was sie wünschen und erstreben, ganz dabei sein &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
müssen! Und außerdem war notwendig durch unzählige Jahrhunderte der Menschheitsentwickelung hindurch, daß die Völker, wie sie die einzelnen aufeinanderfolgenden Kultureinschläge entwickelten, immer in einer Art Illusion lebten - in der Illusion, daß jedes solche Volk gerade den Kulturschatz, den es selber auszuarbeiten hatte, als etwas Ewiges und Unvergängliches betrachtete, was nimmermehr von ihm genommen werden könnte. Dadurch erst war das hingebungsvolle Arbeiten der einzelnen Völker an der Kultur möglich, daß diese Illusion immer wieder und wieder auftauchte: daß das, was da geschaffen wurde, mit allem, was daran hing, einen ewigen Bestand haben würde. Auch heute ist diese Illusion ja vorhanden; und wenn man sich ihr auch nicht mehr in so positiver Weise hingibt und von der «Ewigkeit» dieser oder jener Kultur redet, so ist sie doch in der Form vorhanden, daß man nicht an das Ende denkt - nicht im Kleinen und nicht im Großen -, daß man sozusagen keine Aufmerksamkeit darauf verwendet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da haben Sie zweierlei, was die Volkskulturen brauchten und was im Grunde genommen erst in unserer Zeit anfängt eine Art von Änderung zu erfahren. Denn das erste Gebiet menschlichen Geisteslebens, wo gründlich solche Illusionen nicht mehr erwachen werden, das wird das theosophische Geistesleben sein. Denn es wäre ein arges Mißverständnis, wenn jemand, der fest auf dem Boden unserer Geistesbewegung steht, glauben wollte, daß die Formen, in welche wir unsere Erkenntnisse gießen, daß die Gedankenausführungen, die wir heute geben können, daß das, was wir heute aus unserem theosophischen Denken, Fühlen und Wollen geben können, einen ewigen Bestand hätte. Sehr kurzsichtig wäre es, zu behaupten, in drei Jahrtausenden würde es noch Menschen geben, die genau ebenso sprechen würden von den theosophischen Wahrheiten, wie wir es heute tun. Wir wissen, daß wir durch unsere Zeitverhältnisse veranlaßt sind, etwas von dem fortlaufenden Entwickelungsprodukt in die gegenwärtigen Formen zu prägen und daß unsere Nachfahren in ganz anderen Formen des Erlebens diese Dinge zum Ausdruck bringen werden. Warum ist das so? Aus einem ähnlichen Grunde, weshalb es durch viele Jahrhunderte und Jahrtausende der Menschheitsentwickelung hindurch geschah, daß Volkskultur über Volkskultur die einzelnen Menschen vieles erleben lassen mußte, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
damit der Beitrag sich aus der gesamten Volksentwickelung heraus- bilden konnte. Denken Sie an die unzähligen Erlebnisse, die im alten Griechenland durchgemacht wurden, und denken Sie an das, was sich als Extrakt daraus für die spätere gesamte Menschheit ergeben hat! Da werden Sie sagen: Es steckt noch mehr darin als nur die einzelnen Strömungen. Es geschehen viele Dinge um dieser Kernströmung willen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deshalb haben wir zwei Dinge zu beobachten: Erstens etwas, was entstehen und zugrunde gehen muß, damit aus diesem Ganzen das zweite - der Quantität nach der kleinste Teil - als ein Bleibendes fort- dauern kann. Wenn wir wissen, daß, seitdem das menschliche Einzelkarma besteht, in der Menschheitsentwickelung zwei Mächte wirken, die wir immer wirksam gefunden haben, Luzifer und Ahriman, dann erst werden wir den Fortgang der Menschheitsentwickelung verstehen. Denn das müssen wir zum Plan der Menschheitsentwickelung rechnen, daß zuletzt, wenn die Erde an ihrem Ziel angelangt sein wird, die Ergebnisse, die so aus den einzelnen Kulturen nach und nach der gesamten Menschheitsentwickelung einverleibt werden, fruchtbar gemacht werden für alle einzelnen lndividualitäten, ganz gleichgültig,welche Schicksale sie durchgemacht haben. Auf dieses Ziel blicken wir aber erst da- durch, daß wir die Weltentwickelung in theosophischem Sinne ansehen. Denn man gebe sich keiner Täuschung hin: Solches Ziel in der richtigen Weise zu denken, unter vollem Bestande der menschlichen Individualität, ohne ein Verschwimmen der Individualität in irgendeine nebulose pantheistische Einheit, sondern so, daß die Individualität voll erhalten bleibt und wieder in sie dasjenige einfließt, was sich die Menschheit im Großen erobert hat - klar und scharf kann dieses Ziel erst der theosophischen Seelenkultur vor Augen stehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir also auf die früheren Kulturen zurückblicken, können wir uns von vornherein sagen: Seit überhaupt menschliche Individualitäten sich inkarnieren, sind beteiligt an der Menschheitsentwickelung Luzifer und Ahriman. Luzifer ist daran so beteiligt, daß er an dem fortlaufenden Kulturstrom immer teilzunehmen sucht, indem er sich einnistet in die menschlichen Astralleiber und sie imprägniert mit dem luziferischen Impuls. Das ist, was Luzifer im Gange der Menschheitsentwickelung vollführt; er wirkt hinein in die menschlichen Astralleiber. Die Menschen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|213}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
könnten das, was Luzifer ihnen gibt, niemals bloß von denjenigen Mächten erhalten, welche den fortlaufenden, eben charakterisierten Kulturstrom bewirken. Trennen Sie diesen Kulturstrom aus dem ganzen Fortgang der Menschheit heraus, dann haben Sie das, was die normal fortschreitenden Geistwesen der Hierarchien herunterströmen lassen in die Menschheit als immer neue Reichtümer. Indem wir hinauf- schauen zu.den Hierarchien, müssen wir sagen: Diejenigen Geistwesen, welche ihre normale Entwickelung durchmachen, gaben der irdischen Kultur das,was bleibendes Gut der Menschheit ist, was zwar später um- gewandelt wurde, aber doch bleibendes Gut der Menschheit geworden Ist. Es ist gleichsam so, wie wenn wir einen Baum haben und in ihm das Mark. So gewinnen wir einen fortlaufend lebendigen Strom der fort- laufenden Kultur.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch diese Mächte, die eine normale Entwickelung für sich durchmachen, hätte es auf diese Weise geschehen können, daß der Mensch sein Ich immer mehr und mehr erfüllt hätte mit dieser fortschreitenden Bereicherung der menschlichen Entwickelung. Hineinfließen würde von Zeit zu Zeit das, was den Menschen weiterbringt; der Mensch würde sich immer mehr anfüllen mit den Gaben der geistigen Welt, und zuletzt, wenn die Erde an ihrem Ziel sein würde, wäre es selbstverständlich, daß der Mensch alles, was aus den geistigen Welten gegeben worden wäre, in sich hätte. Aber eines wäre nicht möglich: daß der Mensch ureigensten, heiligen Eifer entwickelte, Hingebung und Feuer für das, was da geschaffen wird von Kulturepoche zu Kulturepoche. Aus demselben Untergrunde, aus dem jeder Wunsch und jede Begierde herauswächst, erwächst auch der Wunsch nach den großen Idealen, erwächst auch die Begierde nach Menschenbeglückung, nach Leistungen der Künste in den aufeinanderfolgenden menschlichen Kulturepochen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus demselben Grunde, aus dem verderbliche, nach dem Bösen gehende Begierden erwachsen, erwachsen auch die Bestrebungen nach dem Höchsten, was auf der Erde geleistet werden kann. Und es würde das nicht da sein, für was die menschliche Seele als für ein höchstes Gut entbrennt, wenn es nicht auf der andern Seite möglich wäre, daß dieselbe Begierde auch nach der andern Seite in das Laster und in das Böse hinuntersinken kann. Daß es diese Möglichkeit in der Menschheitsentwik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
kelung gibt, das ist das Werk der luziferischen Geister. So dürfen wir nicht verkennen, daß die luziferischen Geister für die Menschen Freiheit gebracht haben zugleich mit der Möglichkeit des Bösen, freie Empfänglichkeit für das, was sonst in die menschliche Seele nur ein fließen würde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber wir haben auch gesehen, daß alles, was Luzifer herausfordert, seine Antwort findet durch Ahriman. So sehen wir Luzifer mit seinem ganzen Heere wirken in dem, was dann im Konkreten den Einschlag der griechischen Kult`ur der ganzen menschlichen Entwickelung geben soll: in den griechischen Heroen, in den griechischen Helden und Künstlern. Luzifer dringt hinein in die astralischen Leiber, läßt sie entbrennen für das, was sie als das Höchste verehren. So wird dasjenige, was mit dem Griechentum in die Entwickelung ein fließen soll, zugleich zum Enthusiasmus der Volksseele. Gerade da steckt Luzifer darinnen. Und weil Luzifer der Mond-, nicht der Erdentwickelung seine Kraft verdankt, fordert er Ahriman heraus; und indem Luzifer von Zeitepoche zu Zeitepoche seine Tätigkeit entwickelt, gliedert sich Ahriman dazu - und verdirbt dasjenige stückweise, was Luzifer auf der Erde bewirkt hat. - Es ist die Weltentwickelung der Menschen ein fortwährendes Wirken zwischen Ahriman und Luzifer. Wirkte Luzifer nicht in der Menschheit, so fehlte der Eifer und das Feuer für den fortlaufenden Strom der Menschheitsentwickelung; wäre Ahriman nicht da, der von Volk zu Volk wieder zerstört, was nicht aus dem fortlaufenden Strom, sondern nur aus dem luziferischen Einschlag kommt, dann würde Luzifer die Einzelkulturen ewig fortführen wollen. So sehen Sie hier Luzifer seIn eigenes Karma sich heraufbeschwören, das eine notwendige Folge der Entwickelung auf dem alten Monde ist. Und die Folge ist nun, daß er Ahriman immerfort an seine Ferse ketten muß. Ahriman ist die karmische Erfüllung des Luzifer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da blicken wir hinein in das Karma der höheren Wesenheiten an dem Beispiel der ahrimanischen und luziferischen Wesenheiten. Da oben ist auch Karma. Überall ist Karma, wo Iche sind. Und Luzifer und Ahriman bergen natürlich Iche in sich; deshalb können die Wirkungen ihrer Taten auf sie selber zurückschlagen. Auf viele dieser Geheimnisse wird erst im Sommer bei dem Zyklus über die biblische &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|215}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schöpfungsgeschichte hingewiesen werden können; nur auf eine Stelle möchte ich schon hier hinweisen, die Ihnen so recht wird zeigen können, von wie unendlicher Tiefe jedes einzelne Wort in den wahren okkulten Urkunden ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Haben Sie nie darüber nachgedacht, warum in der biblischen Schöpfungsgeschichte am Ende eines jeden Schöpfungstages der Satz steht: «Und die Elohim sahen das Werk, und sie sahen, daß es sehr gut war», daß es «aufs beste war»? Das ist ein bedeutungsvolles Wort. Warum steht es da? Der Satz zeigt ja selber, daß er als eine Charakteristik der Elohim gemeint ist, die sich auf dem Monde in normaler Weise entwickelt haben und deren Gegner Luzifer ist. Es ist etwas, das zur Charakteristik der Elohim gehört, daß sie nach jedem Schöpfungstag sahen, daß es «aufs beste war». Aus dem Grunde wird es angegeben, weil dieser Grad die Errungenschaft der Elohim war. Sie konnten auf dem Monde das Werk nur so lange sehen, als sie es taten, konnten nicht ein nachträgliches Bewußtsein davon haben. Daß sie nachträglich zurück- schauen können im nachschauenden Denken auf das Werk, das ist eine besondere Stufe im Bewußtsein der Elohim. Das war erst auf der Erde möglich; und zwar zeigt sich ihr innerer Charakter darin, daß dasWillensmäßige so herausströmt aus ihrem Wesen, daß,wenn sie es ansahen, sie sahen, daß es aufs beste war. Das waren die Elohim,welche ihrWerk auf dem Monde abgeschlossen hatten und die, wenn sie es auf der Erde hinterher beschauten, sagen konnten:Es kann bleiben, es ist aufs beste! - Dazu mußte aber die alte Mondentwickelung vollendet sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie ist es nun mit den luziferischenWesenheiten, also mit denjenigen Wesenheiten, die ihre Mondentwickelung nicht vollendet haben? Die werden also auf der Erde auch versuchen müssen, ihr Werk hinterher anzuschauen, so zum Beispiel wenn sie den Beitrag gegeben haben an Feuer und Enthusiasmus in der griechischen Kultur. Und sie werden dann sehen, wie es ihnen stückweise Ahriman abgebröckelt hat! Und sie werden sagen müssen, weil sie es nicht vollendet haben: Sie sahen ihr Tagewerk, und sie sahen, daß es nicht zum besten war, daß es ausgelöscht werden mußte!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist die große Enttäuschung der luziferischen Geister, daß sie immer von neuem ihr Werk versuchen, immer von neuem das Pendel &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|216}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nach der andern Seite zum Ausschlag bringen wollen - und immer von neuem ihr Werk durch Ahriman zerstört finden. Sie müssen sich innerhalb der Menschheitsentwickelung ein Auf-und-ab-Wogen denken, ein fortwährendes Anfachen von neuen Kräften durch Wesenheiten, die höher sind als wir selber, und daß diese Wesenheiten fortwährende Enttäuschungen erleben. Das ist enthalten in dem Erleben der luziferischen Geister in der Erdentwickelung. Und dieses Karma mußte die Menschheit in sich aufnehmen, weil der Mensch nur dadurch zur wirklichen Freiheit kommen konnte. Freiheit kann nur dadurch ersprießen, daß der Mensch sich den höchsten Inhalt seines Erden-Ich selber gibt. Dasjenige Ich, das der Mensch haben würde, wenn ihm alle Ziele am Ende der Erdentwickelung gegeben würden, kann nicht frei sein; denn es ist von vornherein bestimmt gewesen, alle Güter der Erdentwickelung in die Menschen ein fließen zu lassen. Frei werden konnte der Mensch nur, indem er zu diesem Ich ein anderes, irrtumfähiges Ich hinzuschafft, das in der Lage ist, immer wieder und wieder nach der Seite des Guten und nach der Seite des Bösen zu pendeln und das immer wieder hinauf- streben kann zu dem, was der Inhalt aller Erdentwickelung ist. Das niedere Ich mußte dem Menschen beigegeben werden durch Luzifer, damit das Hinaufarbeiten des Menschen zum höheren Ich seine ureigenste Tat sein kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nur so ist auch freier Wille in der Menschheit möglich. Freier Wille ist etwas, was sich der Mensch nach und nach erringen kann; denn der Mensch ist dazu so gestellt, daß ihm im Leben der freie Wille als ein Ideal vorschwebt. Wo ist denn in einem Mittelzustand der Entwickelung der menschliche Wille frei? Er ist niemals frei, weil er in jedem Augenblick dem luziferischen und ahrimanischen Element verfallen kann; er ist nicht frei, weil jeder Mensch, wenn er die Pforte des Todes durchschritten hat, in der aufsteigenden Zeit der Läuterung - vielleicht durch Jahrzehnte hindurch - einen ganz bestimmten Eindruck hat. Das ist das Wesentliche des Kamalokalebens, daß wir sehen, in welchem Grade wir selber unvollkommen sind durch das, was wir an Unvollkommenem in der Welt getan haben, daß wir Stück für Stück sehen, in welcher Weise wir unvollkommen geworden sind. Daraus geht dann die entschiedene Absicht hervor, alles wieder auszumerzen, was wir un&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|217}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
vollkommen gemacht haben. So ist das Leben in der Kamalokazeit, daß Absicht zu Absicht gefügt wird und der Gesamtentschluß gefaßt wird: Du mußt alles das wieder ausbessern, was du so gedacht und getan hast, daß es dich heruntergebracht hat! - Was der Mensch da fühlt, das prägt er seinem weiteren Leben ein und tritt mit dieser Absicht bei der Geburt ins Dasein - und ladet dadurch sein Karma auf sich. Daher können wir nicht sagen, daß wir, wenn wir durch die Geburt ins Dasein getreten sind, einen freien Willen haben. Einzig und allein können wir davon sprechen, daß wir uns einem freien Willen in dem Maße nähern, als es uns gelungen ist, Herr zu werden über die Einflüsse Luzifers und Ahrimans. Und Herr werden über die luziferischen und ahrimanischen Ein- flüsse können wir durch nichts anderes als durch Erkenntnis. Einmal durch Selbsterkenntnis, indem wir uns immer fähiger machen - auch im Leben zwischen Geburt und Tod -, unsere Schwachheiten in allen drei Seelenmerkmalen kennenzulernen, in Denken, Fühlen und Wollen. Wenn wir uns immer mehr bemühen, uns keiner Illusion mehr hinzu- geben, dann wächst ja in unserem Ich die Kraft, den luziferischen Einfluß entbehren zu können, denn dann werden wir immer mehr fähig, zu entscheiden, welche Hingabe die Güter der Menschheit, die nach und nach erobert wurden, verdienen. Sodann durch Erkenntnis der Außenwelt, die sich ergänzen muß mit der Selbsterkenntnis; beide müssen zusammenwirken. Selbsterkenntnis und Erkenntnis der Außenwelt müssen wir mit unserem Wesen vereinigen; dann werden wir imstande sein, ein klares Verhältnis zu Luzifer zu gewinnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist gerade die Eigentümlichkeit dessen, was wir uns als theosophische Erkenntnis aneignen, daß wir Aufschluß gewinnen darüber, wie weit an jedem menschlichen Tun Neigung und Leidenschaft, Luzifer und Ahriman beteiligt sind. Was haben wir in dieser Reihe von Vorträgen anderes getan, als uns Aufklärung verschafft darüber, wie luziferische und ahrimanische Kräfte in der mannigfaltigsten Weise in unser Leben hineinwirken! In dem gegenwärtigen Zeitalter aber kann die Aufklärung über die luziferischen und ahrimanischen Kräfte beginnen. Und der Mensch muß aufgeklärt sein, wenn er wirklich etwas beitragen will zur Erreichung des Erden-Menschheitszieles. - Wohin Sie den Blick richten, überall wo menschlich gefühlt und gedacht wird, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|218}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
können Sie sehen, wie weit die Menschen noch entfernt sind von einer echten, wahren Aufklärung über die Einflüsse Luzifers und Ahrimans. Da sehen Sie den weitaus größten Teil der Menschheit überhaupt keine solche Aufklärung wollen. Da sehen Sie einen großen Teil der Menschen in einen gewissen religiösen Egoismus verfallen: nur ja mit dieser Seele selbst jenen Zustand des Wohlbefindens zu erreichen, den man sich nur vorstellen kann. Das ist ein Egoismus, von dem sich die Menschen gar nicht bewußt sind, daß sich da die größten Begierden hineinmischen können. Und nirgends mischt sich Luzifer mehr in unsere Gefühle hin- ein als da, wo die Menschen aus ihren Leidenschaften und Begierden heraus nach dem Göttlichen streben, ohne das Göttliche durchleuchtet zu bekommen mit dem Licht der Erkenntnis. Glauben Sie nicht, daß Luzifer gerade da vielfach am Werke ist, wo die Menschen glauben, nach dem Höchsten zu streben? Aber die Formen, die in dieser Weise erstrebt werden, werden ebenfalls zu den Enttäuschungen Luzifers gehören müssen. Und diejenigen, die nun glauben, aus den wüsten Begierden diese oder jene Form einer geistigen Kultur erhalten zu können, die immer wieder und wieder predigen, daß diese Theosophie so schlimm ist, weil sie etwas Neues glaubt, die sollten bedenken, daß es nicht vom Menschenwillen abhängt, wenn sich Ahriman an die Fersen des Luzifer heftet. Und was entstanden ist im Laufe der Entwickelung an Formen, das wird, weil Ahriman sich hineinmischt, durch Luzifer auch wieder untergehen. Retten wird sich allein der fortlaufende Strom der Menschheitsentwickelung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So schauen wir dadurch zurück auf eine vorangegangene Entwickelung, wo als Opfer für uns zurückgeblieben sind gewisse Wesenheiten. Wir wissen jetzt, daß diese Wesenheiten ihr Karma ausleben müssen um unsertwillen, damit wir in normaler Weise ausleben können, was diese Wesenheiten uns einflößen können. Ja, wahrhaftig, Jahve hat dem Menschen ursprünglich eingeflößt durch den göttlichen Odem die Fähigkeit zum Ich; aber wäre nur der göttliche Odem gekommen, der im menschlichen Blut pulsiert, und nicht auch das, was immer wieder abirren kann von dem, was der Jahve-Odem geben kann, würden nicht darinnen arbeiten sowohl luziferische wie ahrimanische Impulse, so würde der Mensch zwar das Was erlangen können der Jahve-Gabe, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|219}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
aber nicht das Wie: daß er es mit einem selbstbewußten freien Ich empfindet. So liegt es doch im Sinne der Weltentwickelung, daß gewisse Wesenheiten auf dem alten Monde zurückgeblieben sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir leben heute in einem Zeit~lter, wo wir in der Tat zurückblicken dürfen auf viele Enttäuschungen Luzifers, wo wir aber auch hinblicken können auf eine Zukunft, in der wir immer mehr verstehen lernen, was der fortlaufende Strom der Entwickelung ist. Und Theosophie wird das Instrument sein zum Verständnis für diesen fortlaufenden Strom der Entwickelung, damit wir uns immer bewußter zu den Einflüssen Luzifers stellen können und immer mehr in die Lage kommen können, luziferische Impulse in uns selber zu erkennen und sie in der richtigen Weise nutzbringend für die Menschheitsentwickelung bewußt zu verwerten, während sie vorher in der Menschheit als ein dunkler Drang gewirkt haben, dessen sich der Mensch nicht bewußt war. Und ebenso ist es mit den ahrimanischen Einflüssen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier ist eines derGebiete,wo man darauf aufmerksam machen kann, wie sozusagen gerade in der Gegenwart eine wichtige Entwickelungsepoche der Menschheit vorliegt, nämlich jene Epoche, in der in gewisser Beziehung tatsächlich die Seelenkräfte sich umkehren. Für viele von Ihnen ist es ja schon charakterisiert worden, daß wir vor einer Epoche stehen, in welcher gewisse Menschen, einzelne Menschen, andere Seelenfähigkeiten entwickeln werden als diejenigen, die man heute gelten läßt. Was heute zum Beispiel die Theosophie aus den Erkenntnissen der Geistesforschung heraus zu sagen weiß, daß der Mensch einen Ätherleib hat außer dem physischen Leib, das wissen aus der Anschauung heraus heute nur die, welche eine methodische Schulung durchgemacht haben. Aber noch vor Ablauf der Mitte des 20. Jahrhunderts - das wissen wir aus dem Lesen der Akasha-Chronik - wird es Menschen geben, die eine natürliche Entwickelung haben werden für ein ätherisches Hellsehen und die, weil die Menschheit an diesen Zeitpunkt gekommen ist, wo sich diese Dinge als natürliche Gabe entwickeln werden, als den physischen Leib durchdringend und am Rande über ihn hinausragend den Ätherleib wahrnehmen werden. Wie der Mensch von einem Hineinschauen in die geistige Welt sich herunterentwickelt hat zum heutigen nur äußerlichen physischen Wahrnehmen und verstandesmäßigen &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|220}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Begreifen der Außenwelt, so beginnt er sich jetzt zu neuen, aber bewußten Fähigkeiten nach und nach zu entwickeln. Diese neuen Fähigkeiten treten zu den alten hinzu, und eine besondere Fähigkeit wird die sein, die ich so charakterisieren kann:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es wird Menschen geben - einzelne zunächst, denn erst im Laufe der nächsten zwei bis drei Jahrtausende wird sich bei einer größeren Anzahl diese Fähigkeit entwickeln, und die ersten Vorläufer werden da sein noch vor Ablauf der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts -, bei denen wird etw`a folgendes eintreten: Die Menschen werden irgendeine Tat erlebt haben, und sie werden versucht sein, etwas zurückzutreten von der Tat. Sie werden dann ein Bild vor sich haben, das von der betreffenden Tat kommt. Sie werden es zuerst nicht kennen, werden keinen Bezug finden zu dem, was sie getan haben. Aber dann werden sie vielleicht schon etwas von der Geisteswissenschaft gehört haben, und dann werden sie erfahren, daß dieses Bild, das ihnen wie eine Art bewußtes Traumbild erscheint, das Gegenbild der eigenen Handlung ist, das Bild für jene Handlung, die geschehen muß, damit das, was eben getan worden ist, seine karmische Erfüllung findet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So steht die Menschheit in der Tat vor einer Epoche, in der sie anfangen wird, Karma nicht nur zu begreifen nach den Lehren und Darstellungen der Geisteswissenschaft, sondern wo sie anfangen wird, Karma nach und nach zu schauen. Während bisher Karma für die Menschen ein dunkler Drang, eine dunkle Begierde war und erst im nächsten Leben ausgelebt werden konnte, erst im Leben zwischen Tod und neuer Geburt umgewandelt werden konnte in eine Absicht, entwickeln sich allmählich die Menschen dahin, daß sie in die Lage kommen, bewußt die Schöpfungen Luzifers wahrzunehmen, zu sehen, wie sie sich ausnehmen werden in ihren Wirkungen. Allerdings werden mit diesem ätherischen Hellsehen nur diejenigen Menschen etwas anfangen können, die Erkenntnis und Selbsterkenntnis angestrebt haben. Immer mehr und mehr werden die Menschen im normalen Zustande vor sich haben die karmischen Bilder für ihre Handlungen. Das wird etwas sein, was die Menschen immer weiterbringen wird, weil sie dadurch wissen werden, was sie der Welt noch schuldig sind, was in ihrem Karma noch als Schuldkonto dasteht. Das ist es ja, was den Menschen unfrei macht, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|221}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
daß er nicht weiß, was er der Welt noch schuldig ist. So darf man also beim Karma gar nicht von vornherein von einem freien Willen sprechen. Das Wort «freier Wille» ist schon falsch; denn man muß sagen: Frei wird der Mensch erst durch seine sich immer steigernde Erkenntnis und dadurch, daß er immer höher steigt und immer mehr hineinwächst in die geistige Welt. Dadurch erfüllt er sich immer mehr und mehr mit dem Inhalt der geistigen Welt und wird immer mehr ein Wesen, das seinen Willen bestimmt. Nicht der Wille kann frei werden, sondern der Mensch als solcher kann frei werden, indem er sich durchdringt mit dem, was er auf dem vergeistigten Gebiet des Weltendaseins erkennen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So blicken wöir auf die Enttäuschungen Luzifers und seine Taten und sagen: So ist seit Jahrtausenden der Grund gelegt zu dem, wo wir stehen; denn würden wir nicht dort stehen, wo wir stehen, so würden wir uns nicht zur Freiheit entwickeln können. Nachdem wir uns aber Aufklärung verschaffen können über Luzifer und Ahriman, können wir ein anderes Verhältnis zu diesen Mächten gewinnen, können die Früchte ziehen von dem, was getan worden ist, können Luzifer und Ahriman sozusagen ihre Arbeiten abnehmen. Da werden sich allerdings die Taten des Luzifer, die er bewirkt hat und die immerfort zu Enttäuschungen geführt haben, wenn sie von uns selbst begangen werden, sich in ihr Gegenteil verkehren müssen. Die Taten Luzifers mußten Begierden erregen, mußten den Menschen hinführen zu dem, was in das Böse einmünden konnte. Wir haben ja gesehen, was für eine gegenteilige Kraft es sein muß, die Luzifer entgegenwirkt: Wenn wir selber Luzifer entgegenwirken sollen, wenn wir seine Angelegenheiten in der Zukunft besorgen sollen, wird es bei uns nur die Liebe sein können&amp;gt; die an die Stelle der Taten des Luzifer treten kann; die Liebe aber wird es sein können. Und ebenso wird es dasjenige sein können, was uns auch aus der Außenwelt fließt, indem wir immer mehr die Dunkelheit wegnehmen, die wir einweben in die äußere Materie. Wenn wir immer mehr diese Dunkelheit hinwegbringen, wenn sie schwindet, und wir dazu gelangen, den ahrimanischen Einfluß auf diese Weise völlig zu überwinden, dann werden wir in der Lage sein, die Welt so zu erkennen, wie sie wirklich als Erdenwelt ist. Dann werden wir uns allmählich nähern solcher Erkenntnis, wie sie heute nur Gut der Geisteswissenschaft sein &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|222}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
kann: Wir werden durchdringen zu dem, was die Materie wirklich ist, zu der Natur des Lichtes. Heute gibt sich selbst die Wissenschaft immer noch über die Natur des Lichtes den mannigfaltigsten Täuschungen hin. Mancher glaubt, daß man das Licht mit physischen Augen sieht. Das ist nicht richtig. Mit physischen Augen sieht man nicht Licht, sondern nur beleuchtete Körper; man sieht Farben an den Körpern. Man sieht nicht Licht, sondern man sieht durch das Licht. Alle solche Täuschungen werden weggeräumt sein. Dadurch wird sich verwandeln das Bild der Welt, das notwendigerweise unter dem Einflusse Abrimans von Irrtum durchwoben sein mußte, und es wird sich durchsetzen mit dem Inhalt der Weisheit. Indem der Mensch zum Licht vordringt, wird er selbst das seelische Gegenbild des Lichtes entwickeln. Und das seelische Gegenbild des Lichtes ist die Weisheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dadurch wird Liebe und Weisheit in die menschliche Seele einziehen. Und Liebe und Weisheit werden die praktische Kraft sein, der eigentliche Lebensimpuls, der sich aus der theosophischen Weltanschauung ergeben soll und ergeben wird. Weisheit, die das innere Gegenbild des Lichtes ist, Weisheit, die sich verbinden kann mit der Liebe, und Liebe, die sich mit Weisheit durchdringt, werden den rechten Weg finden, um wieder zurückzuwirken auf das, was in die Weisheit der äußeren Welt eingetaucht ist. Wenn wir nach und nach der andern Hälfte der Entwickelung teilhaftig werden sollen, Luzifer und Ahriman wieder zu überwinden, dann müssen wir uns durchdringen mit Weisheit und Liebe. Indem wir Weisheit und Liebe entwickeln, entwickeln wir diejenigen Elemente, die wieder von unseren Seelen selber ausfließen werden als Gaben für die, die in der ersten Hälfte der Erdentwickelung sich hin- geopfert haben als luziferische und ahrimanische Mächte, um uns das zu geben, was wir zur Erringung unserer Freiheit brauchen. Diesen Mächten werden wir geben müssen, was wir an Weisheit und Liebe so entwickeln werden. Wir müssen uns aber bewußt sein: Weil Leben in der Welt sein muß, müssen wir Kulturen annehmen, die uns Ausdrucksmittel dieses Lebens sind.Wir wollen uns gern und mit Liebe einer theosophischen Kultur hingeben, die nicht ewig sein wird, aber wir wollen es mit Enthusiasmus hinnehmen und mit Liebe das schaffen, wozu wir früher unter dem Einfluß Luzifers getrieben worden sind. Weil wir jetzt &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|223}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
erkennen, daß wir aus Liebe das schaffen müssen, wozu wir früher durch den luziferischen Einfluß, durch Begierden und Leidenschaften getrieben werden mußten, werden wir jetzt hinter alldem desto mehr überschüssige Liebe entwickeln. Wenn wir nur die notwendige Liebe entwickeln würden, würden wir es nicht dahin bringen, Kultur über Kultur zu entwickeln. Theosophie soll etwas sein, was jede der Zeit entsprechende Forderung mit Hingabe und Liebe leistet, mit demselben Enthusiasmus, mit dem einst die Menschen unter dem Einflusse Luzifers gewirkt haben.Wir werden nicht mehr die Illusion haben, daß das, was wir tun, ewig dauern wird. Aber indem wir in immer sich steigernder Liebe Kultur über Kultur schaffen, schaffen wir damit überschüssige Liebe. Die kommt Luzifer zugute; dadurch werden auch seine Enttäuschungen gutgemacht. An uns liegt es, daß an Luzifer wieder das gutgemacht werden kann, was er an Enttäuschungen erleiden muß, wenn wir nach der andern Seite das zuruööckgeben,was für uns geleistet worden ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist der andere Teil des Karma der höheren Wesenheiten, daß wir eine Liebe entwickeln, die nicht bloß in der Menschheit bleibt, sondern die dazu berufen ist, in den Kosmos einzudringen. In Wesenheiten, die höher sind als wir, werden wir die Liebe einströmen lassen können, und diese Wesenheiten werden sie als Opfer empfinden. Es wird Seelenopfer sein. Seelenopfer wird hinaufströmen zu denen, die einst ihre Gaben herunterströmen ließen, wie einst die Rauchopfer hinaufstrebten zu den Geistern in Zeiten, wo Menschen die spirituellen Güter noch hatten. Damals konnten die Menschen nur die symbolischen Rauchopfer zu den Göttern hinaufsenden. In der Zukunft werden die Menschen Liebesströme hinaufsenden zu den Geistern, und aus dem Liebesopfer wird wieder etwas herunterströmen: dem Menschen werden zu- strömen höhere Kräfte, die, von Geistigem dirigiert, mit immer größerer Macht eingreifen werden in unsere physische Welt. Das werden dann im wahren Sinne magische Kräfte sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So sehen wir den Gang der Menschheitsentwickelung, indem sich Menschheitskarma und Karma der höheren Wesenheiten auslebt. Und wir begreifen jetzt auch,wie sich der Plan der Entwickelung zum einzelnen menschlichen Karma stellt. Nehmen wir an, eine übermenschliche Individualität hätte im Jahre 1910 dieses oder jenes gewirkt, das dann &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|224}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
auf dem physischen Plan durch einen Menschen ausgeführt wurde, so ist dadurch ein Kontakt geschlossen zwischen dieser übermenschlichen Individualität und dem Menschen. Der Mensch ist dann verwoben in das Karma der höheren Wesenheiten. Das ist eine abgeschlossene Korrespondenz. Dann strnöömt ihm aber zu aus den höheren Welten eine Strömung, die ihm etwas in sein Leben hineinbringt; darin hat er nun einen neuen Posten, der zu seinem Karma hinzugefügt ist und der nach der einen oder andern Seite den Ausschlag gibt. So wird menschliches Karma befruchtet von dem allgemeinen Karma, das durch die Welt strömt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sehen wir zum Beispiel auf Miltiades oder irgendeine andere Persönlichkeit: Da hatten sie zu stehen auf dem großen Plan der Geschichte ihres Volkes, da war dies oder jenes durch das Karma der höheren Mächte bedingt - und da wurden sie hingestellt auf ihren Posten. In ihr einzelkarmisches Konto strömte ein, was der ganzen Menschheit zuteil werden sollte. Und indem sie es ausführten, indem sie Taten und Leistungen daran anschlossen, wurde es ihr Einzelkarma. - So leben und weben wir auch mit unserem einzelnen Karma iön dem Makrokosmos als eine kleine Welt, als ein Mikrokosmos.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit sind wir zwar am Ende des Kursus,wenn auch nicht am Ende der Sache. Aber das geht ja nicht anders. Wenn ich nur mit zwei Worten noch sagen darf, daß ich diese Reihe von Vorträgen, gerade über jene menschlichen Fragen, die so tief das menschliche Herz bewegen können und die doch wiederum mit dem größten Schicksal selbst höherer Wesenheiten zusammenhängen, wenii ich sage, daß ich diesen Kursus gehalten habe wirklich aus tiefster Seele heraus und froh bin, daß es möglich war, in einem theosophischen Zweige auch einmal über diese Dinge zu sprechen, unter theosophischen Freunden, die von allen Seiten herbeigeeiit waren, um sich den Betrachtungen über diese Fragen zu widmen, so spreche ich auch diese Worte aus tiefstem Herzen heraus. Diejenigen, welche Gelegenheit haben werden, weitere Kurse zu hören, werden sehen, daß mancherlei von dem sich beantworten wird, was jemand im Anschluß an diesen Zyklus auf` der Seele haben wird. Aber auch die, welche diese Sommerkurse nicht hören können, werden später Gelegenheit haben, so etwas mit mir zu besprechen. Und so darf ich auch diesmal wieder sagen, daß ich die Dinge, die zu besprechen waren, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|225}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
so entgegengenommen haben möchte, daß sie nicht bloß abstrakte Er- kenntnisse sein sollen, sondern solche, die übergehen in unser ganzes Denken, Fühlen und Wollen, in unser ganzes Leben. So daß man an den Theosophen in der Welt sehen möchte Gleichnis und Bild dessen, was man die tiefsten theosophischen Wahrheiten nennen kann. Versuchen wir, uns ganz zu einem solchen Bild und Gleichnis zu machen; dann erst haben wir in der Welt eine theosophische Geistesströmung. In unserem engen Kreise muß diese theosophische Geistesströmung zunächst Betrachtung der spirituellen Erkenntnis sein. Dann aber müssen - zunächst in unserem Mitgliederkreise - diese Erkenntnisse Gesinnungen werden und als solche der Welt gegenübertreten. Und die Welt wird nach und nach einsehen, daß es nicht umsonst war, daß es um die Wende des 20. Jahrhunderts ehrliche und aufrichtige Theosophen gegeben hat, Leute, die aufrichtig und ehrlich an die Gewalt der spirituellen Mächte geglaubt haben. Und indem sie daran geglaubt haben, sind sie selbst durchsetzt worden mit der Kraft, auch dafür zu wirken. Schneller und schneller wird die Kultur in unserem Leben gehen, wenn Sie selber das, was Sie hören, umwandeln in Gesinnung, in Handlung und Tat. Nicht dadurch, daß wir die Menschen überzeugen! Dazu ist die gegenwärtige Kultur nur wenig geeignet. Wahrhaft überzeugt werden immer nur die werden, die aus tiefstem Drang des Herzens an die Theosophie herankommen; die andern werden nicht überzeugt werden. Dieses Karma haben wir auch in geistigen Kreisen als etwas, was der Materialismus hat hervorrufen müssen, und wir müssen diese Schädigungen als etwas betrachten, demgegenüber Geisteswissenschaft sich erweisen muß als eine geistige Macht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So müssen wir das, was wir der Welt geben können, aus unserer Gesinnung heraus geben. Jeder, der Theosophie in das innere Leben der Seele umgewandelt haben wird, wird ein spiritueller Kraftquell sein. Und wer an das Übersinnliche glaubt, darf durchaus die Überzeugung haben, daß unsere theosophischen Erkenntnisse und Gesinnungen spirituell wirken, das heißt, sich unsichtbar in die Welt hinaus verbreiten, wenn wir uns wirklich zu einem bewußten, von dem theosophischen Leben durchdrungenen Werkzeug machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|226}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= EINLADUNG ZUM VORTRAGSZYKLUS =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Zeit vom 15. bis 28. Mai dieses Jahres wird Dr. RUDOLF STEINER in HAMBURG einen Zyklus von Vorträgen halten über das Thema:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;DIE OFFENBARUNGEN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DES KARMA&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wesen und Bedeutung des Karma In Einzelpersönlichkeit, Individualität, Menschheit, Erde, Welt - Karma und Tierreich. - Krankheit und Oesundhelt In Beziehung zu Karma. - Heilung und Unheilbarkelt In Beziehimg zu Karma. - Natilrliche und zufällige Erkrankungen in Beziehung zu Karma. - Lebeusunfälle In Beziehung zu Karma. - EIernentarereignisse, VulkanansbrUche, Erdbeben, Epldernlen In Beziehung zu Karma. - Karma der höheren Wesenheiten. - Tod und Oeburt Im Verhältnis zu Karma. - Freier Wille und Karma in der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zukunft der Menschheitsentwicklung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir laden alle Mitglieder der Theosophischen Gesellschaft hierzu herzlichst ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Zyklus wird mit einer Pfingstfeier am Pfingstsonntag, abends 6 Uhr, im ,,Patriotischen Hause&amp;quot; (beim alten Rathause) eröffnet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle übrigen Vorträge werden pünktlich abends 8 Uhr im ,,Patriotischen Hause&amp;quot; beginnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|227}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für Dienstag, den 24. Mai, ist ein öffentlicher Vortrag vorgesehen, worüber Näheres noch bekanntgegeben wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anmeldungen zum Besuche des Vortrags.Zyklus werderi bald- möglichst erbeten an Herrn G. F. Scharlau, Hamburg, Repsoldstr. 21 a, woselbst auch die Einiaßkarten gegen Einsendung des auf Mk. 10.- festgesetzten Beitrages zu haben sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auskunft über Wohnungsangelegenheiten erteilt Fräulein Victoria Paulsen, Tarpenbeckstraße 31, Mathildenstift.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir hoffen, recht viele theosophische Freunde bei uns begrüßen zu können und sind&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
mit theosophischem Gruß&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Pythagoras - Zweig, Hamburg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
HAMBURG, März 1910.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|228}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= HINWEISE =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu dieser Ausgabe&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Zyklus «Die Offenbarungen des Karma» fand auf Einladung des theosophischen «Pythagoras-Zweiges» im «Patriotischen Hause» beim alten Rathaus in Hamburg vom 15. bis 28. Mai 1910 statt (siehe Programm S. 226-227). Bemerkenswert ist, daß auf dem im März 1910 vorliegenden Programm die Titel der einzelnen Vorträge genannt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum Thema «Offenbarungen des Karma» siehe auch den Band «Wiederverkörperung und Karma», GA 135, die Vorträge «Das Karma des Berufes des Menschen in Anlmüpfung an Goethes Leben», GA 172, sowie die sechs Bände «Esoterische Betrachtungen karmischer Zusammenhänge», GA 235 bis 240.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum Gebrauch der Worte «Theosophie» und «theosophisch»: Diese Worte sind im Sinne von Rudolf Steiners grundlegendem Werk «Theosophie» (1904, GA 9) zu verstehen. Rudolf Steiner wirkte von 1902 bis 1913 als Generalsekretär der deutschen Sektion der damaligen Theosophischen Gesellschaft (Adyar), dann, als es im Zusammenhang mit Zerfallserscheinungen in dieser Gesellschaft zum Ausschluß der deutschen Sektion kam, im Rahmen der von ihm und anderen begründeten «Anthroposophischen Gesellschaft». Er hli von Anfang an ausschließlich die Ergebnisse seiner Geistesforschung vertreten. «Niemand blieb im unklaren darüber, daß ich in der Theosophischen Gesellschaft nur die Ergebnisse meines eigenen forschenden Schauens vorbringen werde» (aus «Mein Lebensgesang», GA 28). Von einer Ersetzung des Ausdrucks «Theosophie» durch «Anthroposophie», wie sie in den ersten zwei Jahrzehnten nach der Trennung von der Theosophischen Gesellschaft auf Rudolf Steiners eigene Weisung hin vorgenommen worden ist, wurde in dieser Ausgabe Abstand genommen; der Leser muß sich jedoch bewußt sein, daß mit «Theosophie», wie sie hier gemeint ist, die von Rudolf Steiner geschaffene Anthroposophie identisch ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Textgrundlagen: Der Text der vorliegenden Ausgabe ist, abgesehen von geringfügigen Abweichungen, mit dem Text des Manuskriptdruckes von 1911 (Zyklus XII) identisch. Dieser wurde anhand von Teilnehmernachschriften erstellt und vom Vortragenden nicht durchgesehen. Die Originalstenogramme liegen nicht mehr vor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Titel des Bandes und die Titel der Vorträge entsprechen den Titeln des damaligen Vortragszyklus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachweis früherer Veröffentlichungen: 1. Aufl. als Manuskriptdruck (Zyklus XII) in Berlin (I911)~ 2. Aufl. (1. Aufl. in Buchform) Dornach 1932 / 3. Aufl. Dornach 1944 / 4. Aufl. Dornach 1949 (photomechanischer Nachdruck der 3. Aufl.) / 5., durchgesehene, mit den vorhandenen Unterlagen verglichene Aufl., Gesamtausgabe Dornach 1956 / 6., durchgesehene, im wesentlichen unveränderte Aufl. Gesamtausgabe Dornach 1968 / 7., unveränderte Aufl., Gesamtausgabe Dornach 1975.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die im wesentlichen unveränderte 8. Au)!age, 1992, wurde von Robert Friedenthal und Martina Sam durchgesehen, die Hinweise zum Text überarbeitet und erweitert sowie ein Namenregister und ausführliche Inhaltsangaben hinzugefügt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|229}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hinweise zum Text&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Werke Rudolf Steiners innerhalb der Gesamtausgabe (GA) werden in den Hinweisen mit der Bibliographie-Nummer angegeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
zu Seite&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
26 Christoph Kolumbus, 1446-1506, entdeckte 1492 auf der Suche nach einem Seeweg nach Indien zunächst Kuba und Halti, von 1493-1504 auch Mittel- und Südamerika. - Über die Bedeutung der Entdeckung Amerikas für die Menschheit siehe auch den Vortrag vom 25. Juni 1923 in «Rhythmen im Kosmos und im Menschenwesen. Wie kommt man zum Schauen der geistigen Welt?», GA 350.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Entdecker der Dampfmaschine: Dem Eisenhändler Newcomen (1663-1729) gelang zusammen mit seinem Kompagnon Cowley die Konstruktion einer Kolben-Dampfmaschine, die von 1712 an zu pralttischen Zwecken verwendet wurde. James Watt (l73618l9) ermöglichte durch Verbesserungen der Konstruktion eine Nutzung der Dampfmaschine auf breitestem Felde, so daß sie zu einer der Grundlagen der Industrialisierung im 19. Jh. wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
27 johannes Kepler, 1571-1630, Mathematiker, Physiker, Astronom. Er stellte auf den Grundlagen des kopemikanischen Planetensystems und der Beobachtungsdaten seines Lehrers Tycho de Brahe seine drei Planetengesetze auf, mit denen er die Dynamik der Planetenbahnen zu deuten versuchte und das Kräftezentrum in die Sonne verlegte. Vgl. über Kepler auch «Die geistige Führung des Menschen und der Menschheit», GA 15, S. 52 und 83; zu den drei Planetengesetzen «Das Verhältnis der verschiedenen naturwissenschaftlichen Gebiete zur Astronomie», GA 323, insbesondere die Vorträge vom 3. und 4. Januar 1921.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
28 Kepler, sagt von sich selbst: Aus der Vorrede zu Keplers Buch «Harmonices mundi» («Weltharmonik», Linz 1619), 5. Buch: «Die vollkommene Harmonie in den himmlischen Bewegungen und die daher rührende Entstehung der Exzentrizitäten, Bahnhalbmesser und Umlaufszeiten».&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
E,findung des Femrohres: Wohl um das Jahr 1608 in Holland.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
31 Auf diese Tatsache wurde hingewiesen von der Ceisteswissenschaft 1906: Siehe den Vortrag vom 11. Juni 1906, enthalten in GA 94 «Kosmogonie». Vgl. Edouard Schure` «Esquisse d`une cosmogonie psychologique d`apre`s des conferences faites ä Paris en 1906 par Rudolf Steiner», Paris 1928, S. 101.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
32 Zyanverbindungen in der Kometenatmo&amp;amp;phäre: Über die Rolle der Zyanverbindungen und ihrem Vorkommen in der Kometenatmosphäre siehe auch die Vorträge vom l0. Oktober und insbesondere vom 24. Oktober 1923 in «Mensch und Welt. Das Wirken des Geistes in der Natur. Über das Wesen der Bienen.», GA 351. - Über Kome«en im allgemeinen vgl. auch die Vorträge vom 5. März 1910 in «Das Ereignis der Christus-Erscheinung in der ätherischen Welt», GA 118; vom 25. Oktober 1909 und vom 9. März 1910 in «Der Christus-Impuls und die Entwickelung des IchBewußtseins», GA 116; vom 10. April 1912 in «Die geistigen Wesenheiten in den Himmelskörpern und Naturreichen», GA 136; vom 17. November I923 in «Der übersinnliche Mensch anthroposophisch eriaßt», GA 231; vom 18. Januar 1921 in Das Verhältnis der verschiedenen naturwissenschaftlichen Gebiete zur Astronomie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|230}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
«, GA 323, und vom 13. September 1924 in «Die Schöpfung der Welt und des Menschen», GA354.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
32 Halleyscher Komet: So genannt nach dem ersten Berechner seiner Bahn, dem englischen Astronomen Edmund Halley (1656-1742). Ihm war bei seinen Berechnungen aufgefallen, daß die Bahn des großen Komeren von 1682 den Bahnen der Kometen von 1531 und 1607 ähnelte. Daraus schloß er, daß es sich bei allen drei Erscheinungen um ein- und denselben Kometen handeln müsse. Halley sagte seine Wiederkunft entsprechend diesem Zyklus von 75/76 Jahren für 1759 richtig voraus. Somit war der erste periodisch wiederkehrende Komet entdeckt. - Dies war insofern von großer Bedeutung, als damit «die geheimnisvollen Kometen... ihres Nimbus entkleidet und in den Gültigkeitsbereich der allgemeinen Naturgesetze eingereiht worden waren« (Max Gerstenberger, Kometen - Außenseiter am Himmelszelr. Stuttgart 1951).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Außerdem meinte man dadurch zumindest den wiederkehrenden Kometen wie den Planeten eine elliptische Bahn zugrunde legen zu können. - Über die Aufgabe des Halleyschen Kometen siehe auch die Vorträge Rudolf Steiners vom 25. Oktober 1909 und 9. März 1910 in «Der Christus-Impuls und die Enrwickelung des Ich-Bewußtseins«, GA 116, und vom 5. März 1910 in «Das Ereignis der Christus-Erscheinung in der ätherischen Welt«, GA 118.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
35 Cartesius in seinen Gedanken über die Tierwelt: Vgl. «Discours de la methode«, 5. Abschnitt, ferner «Traite` de l`homme» sowie «Primae cogitariones circa generationen animalium».&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
41 Wir wissen, daß unserer Erdenentwickelung vorangegangen ist die Mondentwickelung: Siehe hierzu das Kapitel «Die Weltentwickelung und der Mensch» in Rudolf Steiners «Die Geheimwissenschaft im Umriß», GA 13.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
44 Leidenschaften: Es könnte sich eventuell um einen Hörfehler handeln und statt «Leidenschaften« «Eigenschaften« geheißen haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
57 «wie wir es heute so herrlich weit gebracht haben»: Wagner in Goethes «Faust I«, Nacht, Vers 57fl574: «Verzeiht! es ist ein groß Ergerzen, / Sich in den Geist der Zeiten zu versetzen; / Zu schauen, wie vor uns ein weiser Mann gedacht, / Und wie wir`s dann zuletzt so herrlich weit gebracht. «&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
69 wie unendlich viele Erlebnisse, E,fahrungen und Eindrücke es gar nicht bis zur Vorstellung bringen: Vgl. hierzu auch Rudolf Steiners Vortrag vom 18. April 1918 in «Das Ewige in der Menschenseele. Unsterblichkeit und Freiheit«, GA 67.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
77 joseph Dietl, 18O4~1878, studierte Philosophie und Medizin. Als Krankenhausarzt in Wien beschäftigte er sich vor allem mit der Lungenentzündung und veröffentlichte&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
eine Abhandlung über den «Aderlaß in der Lungenentzündung«. Ab 1865 Professor für innere Medizin in Krakau; daneben auch als Landtags- sowie Reichsragsabgeordneter und als polnischer Schriftsteller tätig. Vertreter eines krassen Nihilismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
joseph Skoda, 1805-1881, bedeutender Intemisr, Professor in Wien. Er beschäftigte sich insbesondere mit den physikalischen Methoden der Krankenuntersuchung; seine Abhandlung «Über Perkussion und Auskultation« (1839) begründete die moderne Diagnostik. In der Therapie dagegen verhielt er sich eher zurückhaltend; zusammen mit Carl Roltitansky (18041878) Hauptrepräsentant der jüngeren «Wiener Schule« in der Medizin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|231}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
92 Wie können wir zu einem karmischen Verständnis auch dann kommen, wenn wir zum Beispiel unter die Räder eines Eisenbahnzuges kommen?: Über die karmischen Zusammenhänge von Zivilisationskatastrophen siehe auch Rudolf Steiners Vortrag vom 29. Juni 1924 in «Esoterische Betrachrungen karmischer Zusammenhänge.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zweiter Band», GA 236.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
105 ein geistreicher Herr: Frederik Troels-Lund (184~1921), dänischer Historiker und Professor an der Militärakademie in Kopenhagen, der den hier erwähnten einzelnen Ansichten über die Herkunft der Krankheiten in seinem Buche «Gesundheit und Krankheit in der Anschauung alter Zeiten» (Leipzig 1901) jeweils ein ganzes Kapitel widmet. Dieses Buch befindet sich in der Bibliothek Rudolf Steiners.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
106 ein geistvoller Mann im 18. jahrhundert: Vermutlich Voltaire; konnte jedoch noch nicht nachgewiesen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
107 Galileo Galilei, 15~l642, italienischer Physiker, Mathematiker und Astronom.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Martin LNther&amp;gt; 14831546, Inaugurator der deutschen Reformation. Vgl. auch Rudolf Steiners Ausführungen über ihn in den Vorträgen vom 11. und 18. September 1917 in «Menschliche und menschheitliche Enrwicklungswahrheiten. Das Karma des Materialismus», GA 176.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
114 in einer Familie wie die des Musikers Bach: Johann Sebastian Bach (1685-1750), der größte Musiker in der Reihe bedeutender Komponisten, die die thüringische «Musikerfamilie« Bach im 17. und 18. Jh. hervorbrachte. Vgl. hierzu auch Rudolf Steiners Vortrag vom 26. November 1906 in «Das Wesen des Musikalischen», GA 283.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
119 Meister Eckart, 125~1327, Dominikaner und bedeutender Denker der deutschen Mystik; in seinem letzten Lebensjahr der Häresie angeklagt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Johannes Tauler, um I30fll36l, Dominikaner, Schüler Meister Eckarts. - Zu Tauler, Meister Eckart und die Mystik im allgemeinen vgl. auch Rudolf Steiners Schrift «Die Mystik im Aufgange des neuzeitlichen Geisteslebens und ihr Verhältnis zur modernen Weltanschauung», GA 7.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und lesen Sie in der «Deutschen Theologie«: «Theologia deutsch - Die lerer gar manchen lieblichen underscheit gotlicher warheit und seit gar hohe und gar schone ding von einem volkomen leben», nach der einzigen bis jetzt bekannten Handschrift hrsg. von Franz Pfeiffer, 2. verbesserte und mit einer neudeutschen Übersetzung vermehrte Auflage 1855.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
120 «Nicht ich, sondern der Christus in mir«: Galater 2, 20 «Ich lebe aber; doch nun nicht ich, sondern der Christus lebt in mir«.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
«Die Geheimwissenschaft im Umr`ß« (1910), GA 13.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
121 «Aus d«`rAkasha-Chronik« (19041908), GA 11.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
l36 Der ahrimanische Einfluß bewirkte dann: In der 7. Auflage 1975 hieß es «Der luziferische Einfluß», was den Korrekturvorschlägen einiger Leser entsprach. Jedoch sind die Herausgeber nach gründlicher Prüfung zu dem Ergebnis gekommen, daß es zweifellos «Der ahrimanische Einfluß» heißen muß, da dies aus dem weiteren Vortrag eindeutig hervorgeht; siehe insbesondere S. 142f. «Was ahrimanischem Einfluß zuzuschreiben ..... .&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|232}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
144 mit der Urkunde des Alten Testamentes: Genesis 3.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
146 daß Wesenheiten ... in ähnlicher Art damals ihre Menschheitsstufe durchgemacht haben: Siehe Kap. «Das Leben auf dem Monde», S. 187ff. in «Aus der AkashaChronik&amp;gt;, GA 11, und das Kap. «Die Weltentwickelung und der Mensch«, S. 208 und 215 in «Die Geheimwissenschaft im Umriß», GA 13.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
158 daß sich im Laufe von zehnjahren seine Physiognomie verändert: Vgl. hierzu auch die Ausführungen Rudolf Steiners über den Zusammenhang der Begriffe mit der Gesichtsphysiognomie im Vortrag vom 30. August 1919 in «Allgemeine Menschen- kunde«, GA293.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
163 Karl der Große 742-814, König der Franken und römischer Kaiser.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aristoteles, 384322, Schüler Platos, Erzieher Alexander des Großen, grundlegend für die kulturelle und wissenschaftliche Entwicklung des Abendlandes waren vor allem seine Werke über die Logik.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Martin Luther, siehe Hinw. zu S. I07.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
164 das Zusammen-Untergehen hei einem Erdbeben: Vgl. hierzu auch die Vorrräge Rudolf Steiners vom 27. und 29. Juni 1924 in «Esoterische Betrachtungen karmischer Zusammenhänge, Zweiter Band«, GA 236.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
165 wir haben ... hingewiesen auf eine Individualität: Siehe hierzu auch die Ansprache Rudolf Steiners vom 28. September 1924 in «Esoterische Betrachtungen karmischer Zusammenhänge, Vierter Band«, GA 238, und die Einzelausgabe von vier Vorträgen «Das Weihnachtsmysterium. Novalis, der Seher und Christuskünder«.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
I77 desto größer wird der Unterschied zwischen Mann und Frau in bezug auf ihr Leben:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über den Gegensatz von Männlichem und Weiblichem vgl. auch die Vorrräge vom 5. und 13. März und vom 10. Mai 1910 in «Das Ereignis der Christus-Erscheinung in der ätherischen Welt», GA 118.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
204 Ludwig Deinhard, 1847-1917, Ingenieur und Industrieller. Mit Hübbe-Schleiden zusammeti ältestes Mitglied der deutschen Theosophischen Gesellschaft und 189496 Leiter eines der ersten theosophischen Zweige in München. Er wirkte seit 1900 mit Günther Wagner für die Bildung einer deutschen Sektion und gehörte 1902 bis 1908 zu deren Vorstand. Nach anfänglichen Bedenken schloß er sich später immer enger an Rudolf Steiner an. Sein Buch «Das Mysterium des Menschen im Lichte der psychischen Forschung. Eine Einführung in den Okkultismus«, Berlin 1910, wurde von Rudolf Steiner sehr geschätzt. Vgl. auch den Vortrag vom 19. Mai 1917 im Band «Mitteleuropa zwischen Ost und West», GA 1 74a, und «Zur Geschichte und aus den Inhalten der ersten Abteilung der Esoterischen Schule 19041914«, GA 264.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
205 Frederick W. H. Myers, 1843-1901, Dichter, Spiritist, SchrifrsteIler, Freund von Sir Oliver Lodge; 1882 einer der Gründer der Sociery for Psychical Research in London. - Über die Vorkommnisse um ihn im Zusammenhang mit Sie Oliver Lodge spricht Rudolf Steiner ausführlich im Vortrag vom 27. November 1916 in dem Band «Das Karma des Berufes«, GA 172.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|233}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
206 Perserkriege: Die von 490449 v. Chr. zwischen Persern und Griechen geführten Kriege; von den Persern unternommen, um die Griechen für ihre Teilnahme am ionischen Aufstand zu bestrafen und zu unrerweifen. Trotz zehnfacher Übermacht wurden die Perser von den Griechen unter Miltiades` Führung 490 bei Marathon geschlagen; die Florte des Perserkönigs Xerxes wurde 480 v. Chr. bei Salamis besiegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
209 Xer:zes, um 520465 v. Chr., Perserkönig, Sohn des Dareios; er zog gegen Hellas, um die Niederlage seines Vaters bei Marathon zu rächen, erzwang den Durchgang durch den von Leonidas besetzten Engpaß Thermopylä, unterlag jedoch ebenfalls in der Schlacht bei Salamis 480.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Miltiades, atbenischer Feldherr, schlug die Perser 490 v. Chr. bei Marathon (siehe Hinw. zu S. 209).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Leonidtis, (~ 480 v. Chr.), spartanischer König, fiel im Kampf mit dem Perserkönig Xerxes um den Engpaß Thermopylä.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
214 im Sommer bei dem Zyklus über die biblische Schöpfungsgeschichte: Elf Vorträge in München vom 16. bis 26. August I910; «Die Geheimnisse der biblischen Schöpfungsgeschichte. Das Sechstagewerk im 1. Buch Moses», GA 122.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
215 in der bab~li~chen Schöpfungsgeschichte: I. Buch Moses (Genesis), 1.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|234}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= NAMENREGISTER =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(* = nicht namentlich erwähnt)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aristoteles 163 Myers, Frederick 205&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bach (Familie) 114 Novalis 165*&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bach, Johann Sebastian 114 Paulus, Apostel 120&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Cartesius, Renatus (Descartes, Prometheus 144&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rene) 35f. Skoda, Joseph 77f., 93&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dietl, Joseph 77, 93? Steiner, Rudolf&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deinhard, Ludwig 204 Werke und Vorträge:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eckart, Meister 1 I9 Aus der Akasha-Chronik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eva 144 (GA 11) 121,146&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Galilei, Galileo 107, l1l Die Geheimwissenschaft im Umriß&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Halleyscher Komet 32 (GA 13) 31, 120, 146&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Karl der Große l63 Die Geheimnisse der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kepler, Johannes 27?, l66f. biblischen Schöpfungsgeschichte&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kolumbus, Christoph 26 (GA 122) 214f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Luther, Martin l07?, l63f. Tauler, Johannes 119&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Leonidas 209 Troels-Lund, Frederik 105&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Miltiades 209, 224 Xerxes 209&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Glossar==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|A}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|A}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ahriman&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|[…] wie in der Tat die beiden Prinzipien, das ahrimanische und das luziferische, im letzten Grunde im Krankheitsverlauf tätig sind. Und es könnte in vieler Beziehung für diese oder jene Krankheitsform gezeigt werden, wie man eigentlich zwei Typen von Krankheiten unterscheiden müßte: ahrimanische und luziferische Krankheiten.|120|88}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ätherleib&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|[…] wenn der Mensch durch die Pforte des Todes tritt […]  wird das Hauptsächlichste des Ätherleibes als ein zweiter Leichnam abgeworfen; es bleibt jedoch ein Extrakt des Ätherleibes zurück, der mitgenommen wird und erhalten bleibt für alle kommenden Zeiten.|120|67}}{{GS|So sehen wir, daß wir in dem Ätherleib und physischen Leib der Pflanze etwas vor uns haben, was imstande ist, mit inneren Heilkräften zu antworten auf äußere Schädigungen.|120|62}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|B}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|B}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bewusstsein&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Die Erkenntnis eines solchen Zusammenhanges zwischen Ursachen und Wirkungen in unseren einzelnen Lebensabschnitten, die wir durch unser gewöhnliches Bewußtsein überschauen können, kann uns schon im höchsten Grade förderlich sein im Leben.|120|22}}{{GS|Das Bewußtsein, […] das sich ausdehnt […]  auf unser Leben zwischen Geburt und Tod, das entsteht dadurch, daß sich der Mensch des Instrumentes seines Gehirns bedienen kann. Wenn der Mensch durch die Pforte des Todes schreitet, tritt ein andersgeartetes Bewußtsein auf, das unabhängig ist vom Gehirn und an wesentlich andere Bedingungen gebunden ist.|120|24}}{{GS|Wenn der Mensch aber durch die Pforte des Todes schreitet, hört das Vorstellungsleben auf, das an das Instrument des Gehirns gebunden ist. Da beginnt eine andere Form des Bewußtseinslebens.|120|86}}{{GS|Wir haben gezeigt, daß es gleichsam eine Art von Hemmnis gibt gegen das Eindringen der Unmoralität in die tieferen Kräfte des Organismus. […] Indem wir eine Handlung oder ein sonstiges Erlebnis mit einer bewußten Vorstellung begleiten, schaffen wir eine Schutzwehr dagegen, daß das Resultat unserer Handlungen hinunterrückt in unseren Organismus.|129|95}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|C}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|C}}&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|D}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|D}}&lt;br /&gt;
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{{GlossarNavigationArtikel|E}}&lt;br /&gt;
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{{BS|E}}&lt;br /&gt;
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{{GlossarNavigationArtikel|F}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|F}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|G}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|G}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gehirn&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Das Bewußtsein, […] das sich ausdehnt […]  auf unser Leben zwischen Geburt und Tod, das entsteht dadurch, daß sich der Mensch des Instrumentes seines Gehirns bedienen kann. Wenn der Mensch durch die Pforte des Todes schreitet, tritt ein andersgeartetes Bewußtsein auf, das unabhängig ist vom Gehirn und an wesentlich andere Bedingungen gebunden ist.|120|24}}{{GS|Wenn der Mensch aber durch die Pforte des Todes schreitet, hört das Vorstellungsleben auf, das an das Instrument des Gehirns gebunden ist. Da beginnt eine andere Form des Bewußtseinslebens.|120|86}}&lt;br /&gt;
Geist&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Der Mensch kann einen in sich regen Geist bis an sein Lebensende dadurch haben, daß wir ihn als Kind in der Weise erzogen haben, wie es jetzt eben beschrieben worden ist: daß wir auf sein Seelenleben, auf alles, was lebendig in ihm sitzt, Rücksicht genommen haben.|120|20}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Geisteswissenschaft&lt;br /&gt;
{{GS|[…] Geisteswissenschaft nicht eine abstrakte Theorie sein soll […] erfüllt erst dann ihre Aufgabe, wenn … etwas hineinfließt in unsere Seelen … was unsere Seelen tüchtiger und tatkräftiger machen kann.|120|9}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|H}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|H}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|I}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|I}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|J}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|J}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|K}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|K}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kamaloka&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Wenn wir also schon im gewöhnlichen Leben so stark berührt werden können durch gewisse Erlebnisse, besonders wenn es Gefühlseindrücke waren, daß sie eine Gemütsverstimmung bewirken können, so werden wir begreifen, daß die viel stärkeren Eindrücke des Kamalokalebens sich so eindrücken können, daß sie bei einer neuen Inkarnation bis tief in die Organisation des physischen Leibes hineinwirken.|120|72}}{{GS|Gerade während der Kamalokazeit, weil der Mensch seinen alten astralischen Leib noch hat, bewirkt das Durchgemachte die tiefsten Gefühlserlebnisse.|120|72}}{{GS|Wir könnten die verschiedensten Beispiele anführen, die uns alle zeigen, wie der Mensch aus den Erfahrungen seiner Kamalokazeit heraus geradezu die Gelegenheiten aufsucht, diese oder jene Krankheit zu bekommen, um durch ihre Überwindung und durch die Entfaltung der selbstheilenden Kräfte die Kräfte zu gewinnen, welche ihn die Lebensbahn im ganzen hinauf- führen.|120|82}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Karma&lt;br /&gt;
{{GS|Ohne daß eine Wirkung erzeugt wird, die wieder zurückfällt auf das Ding oder die Wesenheit, welche diese Wirkung hervorbringt, ohne diese Eigentümlichkeit des Zurückwirkens der Wirkung auf das verursachende Wesen ist der Karmabegriff nicht zu denken.|120|13}}&lt;br /&gt;
{{GS|Wir dürfen erst von einem Karma sprechen, wenn die Wirkung, die auf das Wesen zurückschlägt, beim Zurückschlagen auf dasselbe Wesen trifft, […]|120|13}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Karmische Folgen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Das zeigt uns, wie in die Linie der karmischen Folgen unser Wille eingreifen und etwas schaffen kann, was an Stelle von sonst eingetretenen karmischen Wirkungen steht.|120|23}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Karmische Wirkung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Das zeigt uns, wie in die Linie der karmischen Folgen unser Wille eingreifen und etwas schaffen kann, was an Stelle von sonst eingetretenen karmischen Wirkungen steht.|120|23}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kind&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Der Mensch kann einen in sich regen Geist bis an sein Lebensende dadurch haben, daß wir ihn als Kind in der Weise erzogen haben, wie es jetzt eben beschrieben worden ist: daß wir auf sein Seelenleben, auf alles, was lebendig in ihm sitzt, Rücksicht genommen haben.|120|20}}Komet&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Nun ist die Substanz eines Kometen nicht eine solche mit Gesetzen, wie sie in unserem gewöhnlichen, regulären Sonnensystem bestehen, sondern mit Gesetzen, wie sie im alten Mondendasein existiert haben.|120|31}}{{GS|Der Halleysche Komet ist der äußere Ausdruck - jedesmal, wenn er in die Sphäre unseres Erdendaseins hineinkommt - zu einem neuen Impuls zum Materialismus.|120|32}}Krankheit&lt;br /&gt;
{{GS|Wir könnten die verschiedensten Beispiele anführen, die uns alle zeigen, wie der Mensch aus den Erfahrungen seiner Kamalokazeit heraus geradezu die Gelegenheiten aufsucht, diese oder jene Krankheit zu bekommen, um durch ihre Überwindung und durch die Entfaltung der selbstheilenden Kräfte die Kräfte zu gewinnen, welche ihn die Lebensbahn im ganzen hinauf- führen.|120|82}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|L}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|L}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|M}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|M}}Medizin&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Wer ähnliche Vorträge von mir gehört hat, wird wissen, wie wenig es mir darum zu tun ist, einzustimmen in den Chor, der heute das, was man als «Schulmedizin» bezeichnet, diskreditieren will.|55|120}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mensch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Und der hellseherische Forscher wird bei einem Krankheitsfall immer in Betracht ziehen müssen, welches in dem betreffenden Falle der Anteil sein kann des physischen Leibes auf der einen Seite und des Ätherleibes und des astralischen Leibes auf der andern Seite; denn alle drei Wesensglieder des Menschen können an der Erkrankung beteiligt sein.|120|60}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mond&lt;br /&gt;
{{GS|Also sehen wir neben dem Menschen sich förmlich herausbilden ein Reich von Organismen, die durch das Beibehalten des Mondcharakters unfähig geworden waren, Träger menschlicher Individualitäten zu sein. Diese Organisationen sind im wesentlichen die, welche die Organisationen unserer heutigen Tiere wurden.|120|48}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|N}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|N}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|O}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|O}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Organismus&lt;br /&gt;
{{GS|Wir haben gezeigt, daß es gleichsam eine Art von Hemmnis gibt gegen das Eindringen der Unmoralität in die tieferen Kräfte des Organismus. […] Indem wir eine Handlung oder ein sonstiges Erlebnis mit einer bewußten Vorstellung begleiten, schaffen wir eine Schutzwehr dagegen, daß das Resultat unserer Handlungen hinunterrückt in unseren Organismus.|129|95}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|P}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|P}}Pflanzen&lt;br /&gt;
{{GS|Aber je tiefer wir in die Pflanzenpathologie eindringen, desto mehr werden wir sehen, daß von dem Begriff «innere Krankheitsursache» bei den Pflanzen nicht die Rede sein kann, sondern daß es sich da um äußere Veranlassungen und Schädigungen, um äußere Einflüsse handelt.|120|61}}{{GS|Aber je tiefer wir in die Pflanzenpathologie eindringen, desto mehr werden wir sehen, daß von dem Begriff «innere Krankheitsursache» bei den Pflanzen nicht die Rede sein kann, sondern daß es sich da um […] äußere Einflüsse handelt.|120|61}}{{GS|So sehen wir, daß wir in dem Ätherleib und physischen Leib der Pflanze etwas vor uns haben, was imstande ist, mit inneren Heilkräften zu antworten auf äußere Schädigungen.|120|62}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|Q}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|Q}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|R}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|R}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|S}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|S}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schicksalsschlag&lt;br /&gt;
{{GS|Schicksalsschlag […] wenn wir ihn an den Anfang der nachfolgenden Ereignisse stellen und ihn als Ursache betrachten […] Wir werden vielleicht traurig sein […] Betrachten wir ihn dagegen als Ursache eines Späteren, dann können wir vielleicht froh sein und Freude darüber empfinden.|120|18}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seelenleben&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Der Mensch kann einen in sich regen Geist bis an sein Lebensende dadurch haben, daß wir ihn als Kind in der Weise erzogen haben, wie es jetzt eben beschrieben worden ist: daß wir auf sein Seelenleben, auf alles, was lebendig in ihm sitzt, Rücksicht genommen haben.|120|20}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|T}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|T}}Tier&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Wir können nicht in derselben Weise, wie wir den menschlichen Tod auffassen, von dem tierischen Tode sprechen.|120|37}}{{GS|Und wenn Sie Umschau halten im Tierreich, werden Sie finden, daß die Tiere sich ganz bestimmte Kunstfertigkeiten mitbringen, durch welche etwas zustande gebracht werden kann, an das menschliche Kunst fertigkeit bei allem, wie wir es so herrlich weit gebracht haben, noch lange nicht heran reicht.|120|39}}{{GS|Also sehen wir neben dem Menschen sich förmlich herausbilden ein Reich von Organismen, die durch das Beibehalten des Mondcharakters unfähig geworden waren, Träger menschlicher Individualitäten zu sein. Diese Organisationen sind im wesentlichen die, welche die Organisationen unserer heutigen Tiere wurden.|120|48}}{{GS|Wir schauen auf die Tiere und sagen: Alles, was die Tiere darstellen an Grausamkeit, an Gefräßigkeit, an allen tierischen Untugenden, neben der Geschicklichkeit, die sie haben, das hätten wir in uns, wenn wir sie nicht hätten aus uns heraussetzen können!|120|52}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tod&lt;br /&gt;
{{GS|Das Bewußtsein, […] das sich ausdehnt […] auf unser Leben zwischen Geburt und Tod, das entsteht dadurch, daß sich der Mensch des Instrumentes seines Gehirns bedienen kann. Wenn der Mensch durch die Pforte des Todes schreitet, tritt ein andersgeartetes Bewußtsein auf, das unabhängig ist vom Gehirn und an wesentlich andere Bedingungen gebunden ist.|120|24}}{{GS|Wir können nicht in derselben Weise, wie wir den menschlichen Tod auffassen, von dem tierischen Tode sprechen.|120|37}}{{GS|[…] wenn der Mensch durch die Pforte des Todes tritt […]  wird das Hauptsächlichste des Ätherleibes als ein zweiter Leichnam abgeworfen; es bleibt jedoch ein Extrakt des Ätherleibes zurück, der mitgenommen wird und erhalten bleibt für alle kommenden Zeiten.|120|67}}{{GS|Wenn der Mensch aber durch die Pforte des Todes schreitet, hört das Vorstellungsleben auf, das an das Instrument des Gehirns gebunden ist. Da beginnt eine andere Form des Bewußtseinslebens.|120|86}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|U}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|U}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ursache und Wirkung&lt;br /&gt;
{{GS|Damit in der Welt der Erscheinungen, in der leblosen Welt, die wir zunächst um uns herum haben, eine Wirkung auf eine Ursache folge, ist stets notwendig, daß dieser Ursache etwas entgegenkommt. Und ohne daß etwas der Ursache entgegenkommt, ist niemals von dem Folgen einer Wirkung auf eine Ursache zu sprechen.|120|12}}{{GS|Wir werden aber zu einer Erklärung des Menschenlebens nicht kommen, wenn wir Zusammenhänge zwischen Ursache und Wirkung nur in diesem einzelnen Menschenleben suchen.|120|21}}{{GS|Die Erkenntnis eines solchen Zusammenhanges zwischen Ursachen und Wirkungen in unseren einzelnen Lebensabschnitten, die wir durch unser gewöhnliches Bewußtsein überschauen können, kann uns schon im höchsten Grade förderlich sein im Leben.|120|22}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|V}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|V}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vergessen&lt;br /&gt;
{{GS|Jeder kann an sich selbst bemerken, wenn er eine kleine Unpäßlichkeit hat, wie sehr es ihm nützt, wenn er es zu einem Vergessen seiner Unpäßlichkeit bringt, namentlich zu einem solchen Vergessen, das hervorgerufen wird durch eine anderweitige Beschäftigung. Das ist also ein positives, gesundes Vergessen!|120|101}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|W}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|W}}Wesensglieder&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Und der hellseherische Forscher wird bei einem Krankheitsfall immer in Betracht ziehen müssen, welches in dem betreffenden Falle der Anteil sein kann des physischen Leibes auf der einen Seite und des Ätherleibes und des astralischen Leibes auf der andern Seite; denn alle drei Wesensglieder des Menschen können an der Erkrankung beteiligt sein.|120|60}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wille&lt;br /&gt;
{{GS|Das zeigt uns, wie in die Linie der karmischen Folgen unser Wille eingreifen und etwas schaffen kann, was an Stelle von sonst eingetretenen karmischen Wirkungen steht.|120|23}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|X}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|X}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|Y}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|Y}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|Z}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|Z}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|0-9}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|0-9}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Literatur =&lt;br /&gt;
* [[a:Rudolf Steiner|Rudolf Steiner]]: &#039;&#039;Die Offenbarungen des Karma&#039;&#039;, [[GA 120]] (1992), ISBN 3-7274-1200-3 {{Vorträge|120}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GA}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:GA 120 Die Offenbarungen des Karma|!]] [[Kategorie:Taschenbücher]] [[Kategorie:Karma]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:GA]] [[Kategorie:GA (Mitgliedervorträge)]]  [[Kategorie: GA (Zyklus)]] [[Kategorie:Gesamtausgabe]]&lt;br /&gt;
[[en:GA 120]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Artikel unten}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>ElkeJura</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://steiner.wiki/index.php?title=Gesamtglossar_B&amp;diff=11288</id>
		<title>Gesamtglossar B</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://steiner.wiki/index.php?title=Gesamtglossar_B&amp;diff=11288"/>
		<updated>2025-08-27T18:33:33Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;ElkeJura: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Artikel oben}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Babylonisch-assyrisch-chaldäisch-ägyptische Kultur [dritte Kultuepoche]&lt;br /&gt;
{{GS|So hat der Mensch der dritten Kulturepoche hineingearbeitet in die Materie den Geist, durchdrungen die äußere Welt mit dem Geist.|103|148}}&lt;br /&gt;
{{GS|In dem, was für die Inder noch Maja war, in den Bahnen und dem Glanz der Sterne, sieht der Angehörige der dritten Kulturepoche den Ausdruck der Ratschlüsse und Absichten göttlich-geistiger Wesenheiten.|103|156}}&lt;br /&gt;
{{GS|Wenig ist in der ägyptisch-chaldäischassyrisch-babylonischen Zeit von dem im Menschen schon vorhanden, what man innerliche Persönlichkeits- und Verstandeskultur nennen könnte.|103|172}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bewusstsein&lt;br /&gt;
{{GS|Das Blut erzeugt einen fortwährenden Kampf zwischen Leben und Tod […] Mit der eigenen Blutumwandlung im Menschen entstand auch jene Verfinsterung des &#039;&#039;&#039;Bewußtseins&#039;&#039;&#039; über Geburt und Tod hinaus.|99|128}}&lt;br /&gt;
{{GS|... dasjenige, was wir heute bei dem Durchschnittsmenschen «Schlaf» nennen, nur ein vorübergehender Bewußtseinszustand ist, der sich künftig wie heute schon bei den Eingeweihten umwandeln wird in einen Bewußtseinszustand, wo der Mensch leibbefreit hineinsieht in die geistige Welt.|103|18}}&lt;br /&gt;
{{GS|Ganz anders war das Bewußtsein bei Tag und Nacht während der lemurischen Zeit noch verteilt. Da hatten die Menschen alle noch ein dumpfes hellseherisches Bewußtsein […] Der heutige Traum ist nur wie ein letzter ganz verkümmerter Rest dieses alten Hellsehens.|103|45}}&lt;br /&gt;
{{GS|[…] je mehr der Mensch sich einwohnte in seinen physischen Leib, desto mehr verschwanden die nächtlichen hellseherischen Bilder, desto mehr tauchte das heutige Tagesbewußtsein auf.|103|46}}&lt;br /&gt;
{{GS|So steigt der Mensch buchstäblich, wörtlich aus Sphären herunter, die wir bezeichnen müssen als Wasser- und Wasserdampfsphären […] Solange er in den Wasser-Luft-Sphären war, war sein Bewußtsein eine astralisch-helle Wahrnehmungsfähigkeit.|103|113}}&lt;br /&gt;
{{GS|Die nachatlantische Zeit ist also die, während der der Mensch das helle Tagesbewußtsein erlangt. Und er erlangte es dadurch, daß er das alte hellseherische Bewußtsein hingeben mußte.|103|143}}{{GS|Das Bewußtsein, […] das sich ausdehnt […] auf unser Leben zwischen Geburt und Tod, das entsteht dadurch, daß sich der Mensch des Instrumentes seines Gehirns bedienen kann. Wenn der Mensch durch die Pforte des Todes schreitet, tritt ein andersgeartetes Bewußtsein auf, das unabhängig ist vom Gehirn und an wesentlich andere Bedingungen gebunden ist.|120|24}}{{GS|Wenn der Mensch aber durch die Pforte des Todes schreitet, hört das Vorstellungsleben auf, das an das Instrument des Gehirns gebunden ist. Da beginnt eine andere Form des Bewußtseinslebens.|120|86}}{{GS|Wir haben gezeigt, daß es gleichsam eine Art von Hemmnis gibt gegen das Eindringen der Unmoralität in die tieferen Kräfte des Organismus. […] Indem wir eine Handlung oder ein sonstiges Erlebnis mit einer bewußten Vorstellung begleiten, schaffen wir eine Schutzwehr dagegen, daß das Resultat unserer Handlungen hinunterrückt in unseren Organismus.|120|95}}{{GS|[…] weil die Entscheidung darüber, was eintreten soll, ob Heilung oder Unheilbarkeit, einer höheren Vernünftigkeit zufällt, als die ist, welche wir mit unserem gewöhnlichen Bewußtsein umfassen können. Mit unserem gewöhnlichen Bewußtsein müssen wir uns bescheiden innerhalb der Welt zwischen Geburt und Tod, bei solchen Fragen stehenzubleiben.|120|90}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bewusstseinsseele&lt;br /&gt;
{{GS|[…] was unbewußt das Ich am physischen Leib gearbeitet hat, ist das, was Sie dort genannt finden Bewußtseinsseele. Die Bewußtseinsseele also ist entstanden damals gegen das Ende der atlantischen Zeit …|103|128}}&lt;br /&gt;
{{GS|[…] ungefähr trat die Menschheit ein in diese Epoche um die Mitte des Mittelalters, vom 10., 11., 12. Jahrhundert angefangen, wir selbst sind in der Epoche des Eintretens des Ich in die Bewußtseinsseele.|103|173}}&lt;br /&gt;
{{GS|Alle Forderungen der neueren Zeit sind nichts anderes, als daß unbewußt die Menschen die Forderungen der Bewußtseinsseele herausbringen.|103|174}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bewusstseinszustand&lt;br /&gt;
{{GS|Solches Bewusstsein [der erste Bewusstseinszustand], das dumpf ist […] hat der Mensch einstmals auf der ersten Verkörperung unserer Erde gehabt. Man nennt es tiefes Trancebewusstsein. Es gibt Wesen in unserer Umgebung, die solches Bewusstsein noch jetzt haben; das sind die Mineralien|99|85}}&lt;br /&gt;
{{GS|Der zweite Bewusstseinszustand, den wir kennen […] ist der des gewöhnlichen Schlafes […] Dieses Schlafbewusstsein hatten einst alle Menschen dauernd, als die Erde Sonne war[…] Auch heute gibt es noch diesen Bewusstseinszustand: die Pflanzen haben ihn|99|86}}&lt;br /&gt;
{{GS|Der dritte Zustand, der immer noch dämmerhaft und dumpf ist im Verhältnis zu unserem Tagesbewusstsein, ist der des Bilderbewusstseins, und davon haben wir  […] einen Nachklang im traumerfüllten Schlafe […] allerdings nur ein Rudiment von dem, was auf dem Monde das Bewusstsein aller Menschen war|99|86}}&lt;br /&gt;
{{GS|Der vierte Bewußtseinszustand ist der, den jetzt alle Menschen haben. Die Bilder, die der Mensch früher im Raume als Farbenbilder frei schwebend wahrgenommen hat, legen sich gleichsam um die Gegenstände|99|89}}&lt;br /&gt;
{{GS|Der nächste Bewußtseinszustand [der fünfte], […] ist der sogenannte psychische, ein Bewußtseinszustand, in dem man beides zusammen hat, das Bilderbewußtsein und das wache Tagesbewußtsein …[…] in vollständiger Selbstkontrolle […] das Jupiterbewusstein|99|91}}&lt;br /&gt;
{{GS|Dann gibt es noch einen sechsten Bewußtseinszustand, […] dem Bewußtsein der Inspiration|99|91}}&lt;br /&gt;
{{GS|Der siebente Bewußtseinszustand ist das spirituelle Bewußtsein, das eigentlich höchste Bewußtsein, wo der Mensch Allbewußtsein hat|99|91}}&lt;br /&gt;
{{GS|[…] in dem Gespräch des Christus Jesus mit Nikodemus die Unterredung […] des Christus mit einer Persönlichkeit, die imstande ist, dasjenige wahrzunehmen, was man außerhalb des physischen Leibes durch bis zu einem gewissen Grade entwickelte höhere Erkenntnisorgane wahrnimmt. […] Nikodemus kam zu dem Christus Jesus «bei der Nacht», das heißt in einem Bewußtseinszustand, innerhalb welchem sich der Mensch nicht seiner äußeren Sinnesorgane bedient.|103|104}}&lt;br /&gt;
{{GS|Wir haben gesehen, wie in dieser Zeit vor der atlantischen Flut eine so scharfe Trennung noch nicht war zwischen dem Bewußtseinszustand während des Tageslebens und dem Bewußtseinszustand während des Nachtlebens.|103|153}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Blut&lt;br /&gt;
{{GS|Dieses Blut war nicht in einem Menschenleibe, bevor sich ein Ich verkörperte, so daß dieses rote Menschenblut mit der Entwickelung der Erde selbst zusammenhängt|99|82}}&lt;br /&gt;
{{GS|Das Blut erzeugt einen fortwährenden Kampf zwischen Leben und Tod […] Mit der eigenen Blutumwandlung im Menschen entstand auch jene Verfinsterung des Bewußtseins über Geburt und Tod hinaus.|99|128}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Blutsprobe [4. stufe christlicher Einweihungsweg]&lt;br /&gt;
{{GS|Das Vierte ist das, daß dem Schüler sein Leib, den er hat, in seinem Gefühl so fremd werden muß wie ein äußerer Gegenstand […] Er verbindet sein Ich nicht mehr mit seinem Leibe. Dann tritt etwas ein, was man nennt die «Blutsprobe». […] und als inneres Symptom sieht er in einer astralen Vision die «Kreuzigung».|103|192}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Blutsverwandtschaft&lt;br /&gt;
{{GS|Da kam der Christus Jesus und sagte zu seinen nächsten intimsten Eingeweihten: Bisher haben die Menschen bloß geurteilt nach dem Fleisch, nach der Blutsverwandtschaft …Ihr aber sollt an einen viel geistigeren Zusammenhang glauben, an den, der weiter geht als die Blutsverwandtschaft. Ihr sollt an einen geistigen Vatergrund glauben, in dem das Ich wurzelt, der geistiger ist als jener Grund.|103|59}}&lt;br /&gt;
{{GS|Aber es gab eine Zeit, in der noch ein anderes Gedächtnis vorhanden war, wo sich der Mensch nicht nur an seine Taten erinnerte, sondern wo er sich auch an die Taten seines Vaters, seines Großvaters erinnerte wie an seine eigenen. Das Gedächtnis reichte hinüber, weit in die Blutsverwandtschaft der Ahnen bis zum Stammvater.|103|72}}&lt;br /&gt;
{{GS|Der eine liebt den anderen, weil er blutsverwandt mit ihm ist. Die Blutsverwandtschaft ist die Grundlage aller Liebe. Die Blutsverwandten liebten sich zuerst, und aus der Blutsverwandtschaft geht auch die Liebe hervor, sofern sie nicht Geschlechtsliebe ist.|103|79}}&lt;br /&gt;
{{GS|Dasjenige liebte sich in den ursprünglichen Menschheitszeiten, was durch Blutsbande miteinander verbunden war […] Der Christus war gekommen, um diese Liebe zu vergeistigen, um auf der einen Seite die Liebe loszureißen von den Banden, in die sie durch die Blutsverwandtschaft hineinverschlungen wird …|103|89}}&lt;br /&gt;
{{GS|Und das andere, was uns gezeigt wird, ist, daß der Christus immer eine Mission erfüllen will, die absieht von den bloßen Blutsbanden.|103|99}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Brot des Lebens [biblisch]&lt;br /&gt;
{{GS|Als der Logos Fleisch wird und innerhalb der Menschheit erscheint, da ist er ein Kraftimpuls, der unter die Menschen gebracht wird […] der in der Welt als ein Kraftimpuls enthalten ist, an dem der Mensch teilnehmen kann. Da nennt er sich […] das «Brot des Lebens» (6, 48), das ist der technische Ausdruck für Buddhi oder Lebensgeist|103|120}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Buddhi [Lebensgeist]&lt;br /&gt;
{{GS|[…] soviel von seinem Ätherleibe umgestaltet ist zu einem Produkt des Ich, nennen wir dies die Buddhi oder den Lebensgeist|103|34}}&lt;br /&gt;
{{GS|Am Ende der Erdenlaufbahn ist der Mensch durchdrungen von seinem Ich; und dieses sein Ich wohnt selber in dem Astralleib, wenn es als Manas oder Geistselbst den astralischen Leib durchzogen hat. Dieses Ich hat dann den Ätherleib durchzogen, er ist ganz und gar durchsetzt von der Buddhi oder dem Lebensgeiste; und der physische Leib ist ganz und gar durchzogen von Atman oder dem Geistesmenschen, den Produkten des Ich.|103|35}}&lt;br /&gt;
{{GS|Als der Logos Fleisch wird und innerhalb der Menschheit erscheint, da ist er ein Kraftimpuls, der unter die Menschen gebracht wird […] der in der Welt als ein Kraftimpuls enthalten ist, an dem der Mensch teilnehmen kann. Da nennt er sich […] das «Brot des Lebens» (6, 48), das ist der technische Ausdruck für Buddhi oder Lebensgeist.|103|120}}&lt;br /&gt;
{{GS|Wenn der Äther- oder Lebensleib ganz und gar durchgearbeitet, durchkraftet sein wird mit der Kraft des Ich, wird er sein die Buddhi oder der Lebensgeist.|103|127}}&lt;br /&gt;
{{GS|Die Substanz der Buddhi ist nichts anderes als der durch das ICH umgewandelte Teil des Ätherleibes|99|31}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Artikel unten}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>ElkeJura</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://steiner.wiki/index.php?title=Gesamtglossar_H&amp;diff=11287</id>
		<title>Gesamtglossar H</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://steiner.wiki/index.php?title=Gesamtglossar_H&amp;diff=11287"/>
		<updated>2025-08-27T18:32:39Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;ElkeJura: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Artikel oben}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heiliger Geist&lt;br /&gt;
{{GS|[…] kennengelernt haben wir das Wesen des «Heiligen Geistes», des kosmischen Welten-Ichs, das von der «Jungfrau Sophia» empfangen wird und aus dem betreffenden astralischen Leib heraus dann sprechen kann.|103|202}}Heilung&lt;br /&gt;
{{GS|[…] weil die Entscheidung darüber, was eintreten soll, ob Heilung oder Unheilbarkeit, einer höheren Vernünftigkeit zufällt, als die ist, welche wir mit unserem gewöhnlichen Bewußtsein umfassen können. Mit unserem gewöhnlichen Bewußtsein müssen wir uns bescheiden innerhalb der Welt zwischen Geburt und Tod, bei solchen Fragen stehenzubleiben.|120|90}}{{GS|Der Sonnenlogos, der hineinscheinen kann durch die Erleuchtung in den Menschen, er selbst, der Heilige Geist, tritt ein, das Welten-Ich, das kosmische Ich tritt ein, und es spricht fortan der Sonnenlogos in diesen drei Jahren aus dem Jesuskörper.|103|207}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heimatloser Mensch [Geistig]&lt;br /&gt;
{{GS|Ein «heimatloser Mensch» sein heißt: Ein Mensch darf keine Spezialsympathien in der geistigen Welt entwickeln, die ähnlich sind jenen Spezialsympathien, die der Mensch hier in der physischen Welt für einzelne spezielle Gebiete und Zusammenhänge hat […]. Ein objektiver Mensch im vollen Sinne des Wortes muß der Eingeweihte werden.|103|184}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hellsehen&lt;br /&gt;
{{GS|Ganz anders war das Bewußtsein bei Tag und Nacht während der lemurischen Zeit noch verteilt. Da hatten die Menschen alle noch ein dumpfes hellseherisches Bewußtsein […]. Der heutige Traum ist nur wie ein letzter ganz verkümmerter Rest dieses alten Hellsehens.|103|45}}&lt;br /&gt;
{{GS|[…] je mehr der Mensch sich einwohnte in seinen physischen Leib, desto mehr verschwanden die nächtlichen hellseherischen Bilder, desto mehr tauchte das heutige Tagesbewußtsein auf.|103|46}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heirat&lt;br /&gt;
{{GS|Ganz im Anfange der Menschheitsentwickelung auf der Erde wurde überhaupt nur geheiratet in ganz engen Kreisen, in ganz blutsverwandten Familien. Die «Nah-Ehe» war das, woran man im Anfange der Menschheitsentwickelung festgehalten hat.|103|89}}&lt;br /&gt;
{{GS|Zu den Galiläern geht der Christus Jesus, zu denen, die am meisten gemischt sind […]. Warum gerade auf einer Hochzeit? Weil durch die Hochzeit hingedeutet werden kann auf die Fortpflanzung der Menschheit. Und das, was er zeigen will, zeigt er nicht da, wo man nur heiratet in engeren Grenzen […] sondern da, wo man unabhängig von den Blutsbanden heiratet.|103|90}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Himmelfahrt [7. Stufe Christlicher Einweihungsweg]&lt;br /&gt;
{{GS|Das siebente Gefühl kann man mit Worten nicht schildern […]. Daher kann nur hingewiesen werden auf diese Stufe. Sie übersteigt alles, wovon sich der Mensch sonst eine Vorstellung macht. Man nennt sie die «Himmelfahrt» oder die völlige Aufnahme in die geistige Welt.|103|193}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hochzeit zu Kana&lt;br /&gt;
{{GS|Es ist die Hochzeit zu Kana in Galiläa, was man oft auch nennt «das erste der Wunder», besser würde man sagen «das erste der Zeichen», die der Christus Jesus tut.|103|88}}&lt;br /&gt;
{{GS|Zu den Galiläern geht der Christus Jesus, zu denen, die am meisten gemischt sind […]. Warum gerade auf einer Hochzeit? Weil durch die Hochzeit hingedeutet werden kann auf die Fortpflanzung der Menschheit. Und das, was er zeigen will, zeigt er nicht da, wo man nur heiratet in engeren Grenzen […] sondern da, wo man unabhängig von den Blutsbanden heiratet.|103|90}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Höheres Selbst&lt;br /&gt;
{{GS|Das Innere muß für die Aufnahme des höheren Selbstes empfänglich gemacht werden. Ist es empfänglich, dann strömt aus der geistigen Welt des Menschen höheres Selbst in den Menschen ein.|103|200}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Höhere Sinnesorgane&lt;br /&gt;
{{GS|[…] Die Wahrnehmung in einer höheren Welt beruht darauf, daß in die höheren Glieder der menschlichen Wesenheit, in Ätherleib und astralischen Leib, solche höhere Organe hineingebaut werden.|103|188}}&lt;br /&gt;
{{GS|Nur dadurch kann der Astralleib eines Menschen die höheren Sinnesorgane ausgebildet erhalten, daß man sie ihm hineinziseliert, während er außerhalb des physischen Leibes ist […].|103|189}}&lt;br /&gt;
{{GS|Nun aber kommt etwas anderes in Betracht, das ist, daß dann, wenn diese Katharsis eingetreten ist, wenn im astralischen Leibe ausgebildet sind die astralen Sinnesorgane, das Ganze abgedrückt werden muß im Ätherleibe.|103|196}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Artikel unten}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>ElkeJura</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://steiner.wiki/index.php?title=Gesamtglossar_L&amp;diff=11286</id>
		<title>Gesamtglossar L</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://steiner.wiki/index.php?title=Gesamtglossar_L&amp;diff=11286"/>
		<updated>2025-08-27T18:29:27Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;ElkeJura: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Artikel oben}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lazarus [Johannes der Evangelist]&lt;br /&gt;
{{GS|Den Lazarus hat der Herr [Christus] selbst eingeweiht, und als ein Eingeweihteter erhob sich Lazarus aus dem Grabe, das heißt aus seiner Einweihungsstätte.|103|67}}&lt;br /&gt;
{{GS|Daher haben wir in dem ersten Teile des Johannes-Evangeliums das Zeugnis des alten Johannes, in dem zweiten Teil das Zeugnis des neuen Johannes, den der Herr selbst eingeweiht hat. Denn derselbe ist der auferweckte Lazarus […]. Johannes sagen wollte: […] ich erzähle euch, was ich gesehen habe in der geistigen Welt dadurch, daß mir der Herr die Einweihung hat zuteil werden lassen.|103|67}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lebensgeist&lt;br /&gt;
{{GS|[…] soviel von seinem Ätherleibe umgestaltet ist zu einem Produkt des Ich, nennen wir dies die Buddhi oder den Lebensgeist.|103|34}}&lt;br /&gt;
{{GS|Am Ende der Erdenlaufbahn ist der Mensch durchdrungen von seinem Ich; und dieses sein Ich wohnt selber in dem Astralleib, wenn es als Manas oder Geistselbst den astralischen Leib durchzogen hat. Dieses Ich hat dann den Ätherleib durchzogen, er ist ganz und gar durchsetzt von der Buddhi oder dem Lebensgeiste; und der physische Leib ist ganz und gar durchzogen von Atman oder dem Geistesmenschen, den Produkten des Ich.|103|35}}&lt;br /&gt;
{{GS|Als der Logos Fleisch wird und innerhalb der Menschheit erscheint, da ist er ein Kraftimpuls, der unter die Menschen gebracht wird […] der in der Welt als ein Kraftimpuls enthalten ist, an dem der Mensch teilnehmen kann. Da nennt er sich […] das «Brot des Lebens» (6, 48), das ist der technische Ausdruck für Buddhi oder Lebensgeist.|103|120}}&lt;br /&gt;
{{GS|Wenn der Äther- oder Lebensleib ganz und gar durchgearbeitet, durchkraftet sein wird mit der Kraft des Ich, wird er sein die Buddhi oder der Lebensgeist.|103|127}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lemurien, lemurische Zeit&lt;br /&gt;
{{GS|In der lemurischen Zeit gesellte sich zu dem Menschen, der damals aus physischem Leib, Ätherleib und astralischem Leib bestand, auch noch das Ich hinzu.|103|33}}&lt;br /&gt;
{{GS|Zum erstenmal trat das in der alten lemurischen Zeit ein, was wir nennen die Verkörperung des Ich, der eigentlichen innersten Wesenheit des Menschen, in den drei Leibern, im astralischen Leib, Ätherleib und physischen Leib.|103|44}}&lt;br /&gt;
{{GS|Dadurch aber, daß der Mensch längere Zeit außerhalb seines physischen Leibes war, nur kürzere Zeit wachend hineinstieg in den physischen Leib, war das Leben während der lemurischen Zeit überhaupt noch ein ganz anderes.|103|45}}&lt;br /&gt;
{{GS|Vor der atlantischen Zeit hat der Mensch in einem Lande gelebt, das man nach heutigem Sprachgebrauche Lemurien nennt. Es ist ebenfalls durch mächtige Umwälzungen unserer Erde zugrunde gegangen.|103|106}}&lt;br /&gt;
{{GS|Es würde sich Ihnen zwar der Anblick darbieten, daß gewisse Gebiete unserer Erdoberfläche schon annähernd so wie Inseln herausragen aus der im übrigen noch flüssigen, entweder vom Meerwasser umgebenen oder in Dampf gehüllten Erde. Aber […] waren doch noch nicht solche feste Länder wie unsere heutigen Festländer […]. Kurz, es ist noch ein im Feuer tätiges Element in der Erde, lebendig flutet noch alles, wandelt sich […].|103|106}}&lt;br /&gt;
{{GS|Nehmen Sie einmal an was ja in Wirklichkeit nicht möglich ist […]. Sie könnten mit Ihren heutigen Sinnen […] in die letzte lemurische und in die erste atlantische Zeit der Menschheit hineinsehen […] vom Menschen würden Sie nichts sehen können, weil der Mensch in der damaligen Zeit einen so dichten, festen physischen Leib gar nicht hatte. Sie müßten den Menschen […] suchen, sozusagen in den Wassermassen und Dampfmassen.|103|106}}&lt;br /&gt;
{{GS|Damals [lemurische Zeit] hatten Sie nicht diese Gestalt, aber ein solcher Mensch waren Sie: physischer und Ätherleib waren eingehüllt von dem mit dem Ich ausgestatteten Astralleibe. Dieser Zustand dauerte bis hinein in die atlantische Zeit.|103|112}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Licht, Nahrung für Pflanzen&lt;br /&gt;
{{GS|[…] eine Pflanze, die vom Sonnenlicht sich nährt: sie empfängt nicht nur das physische Licht, sondern […] die Tätigkeit geistiger Wesen, […]. Pflanzen mit geistigem Auge betrachten […] erfreut sich die Pflanze der Einwirkung der toten Menschen, die sie umschweben und die im Lichte um sie wirken und weben.|99|49}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Liebe&lt;br /&gt;
{{GS|Die Erde ist der planetarische Zustand für die Entwickelung der Liebe.|103|47}}&lt;br /&gt;
{{GS|Was aber der Mensch wirklich der Erde geben wird, das ist die Liebe, die sich von der sinnlichsten zur vergeistigtsten Art entfalten wird. Das ist die Aufgabe der Erdenentwickelung. Die Erde ist der Kosmos der Liebe.|103|49}}&lt;br /&gt;
{{GS|der Träger der Liebe kann nur das selbständige Ich sein, das sich nach und nach im Laufe der Erdenentwickelung herausbildet.|103|50}}&lt;br /&gt;
{{GS|Wenn die Liebe so vergeistigt ist, daß niemand anderes wollen wird, als zu tun, was das Richtige ist, dann ist das erfüllt, was der Christus Jesus in die Welt bringen wollte.|103|80}}&lt;br /&gt;
{{GS|Ausgegangen ist die Liebe von ihrer niedersten Form, die an die Sinnlichkeit gebunden ist. Dasjenige liebte sich in den ursprünglichen Menschheitszeiten, was durch Blutsbande miteinander verbunden war […]. Der Christus war gekommen, um diese Liebe zu vergeistigen […].|103|89}}&lt;br /&gt;
{{GS|Dadurch, daß sich die Menschen unähnlich geworden sind, wurde die Liebe zuerst in kleinen Gemeinschaften begründet. Nach und nach erst, aus den kleinen Gemeinschaften heraus, können sich die Menschen hinentwickeln zu einer großen Liebesgemeinschaft, wie sie sich konkret gerade durch die Einpflanzung des Geistselbstes entwickeln wird.|103|185}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lieb haben [Mysteriensprache]&lt;br /&gt;
{{GS|Was bedeutet «lieb haben» in der Mysteriensprache? Es drückt aus das Verhältnis des Schülers zum Lehrer. «Den der Herr lieb hatte» ist der intimste, der eingeweihteste Schüler.|103|67}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Logik&lt;br /&gt;
{{GS|Die Geschichte weist Ihnen nach, daß der eigentliche Begründer der Logik Aristoteles ist.|103|173}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Logos&lt;br /&gt;
{{GS|Die Lehre von dem Logos oder Wort hat den Leuten große Schwierigkeiten gemacht. Sie sagen sich: Wir möchten doch so gern, daß alles einfach, schlicht und naiv ist, und da kommt dann das Johannes-Evangelium und spricht von so hohen philosophischen Dingen […].|103|20}}&lt;br /&gt;
{{GS|Das Wort, das aus der Seele tönt, der Logos, war im Anfang da, und der Logos hat die Entwickelung so gelenkt, daß zuletzt ein Wesen entstand, in dem er auch erscheinen konnte.|103|24}}&lt;br /&gt;
{{GS|So dringt derjenige, der die Logoslehre im alten Sinne erkennt, vor zu dem göttlichen Schöpferwort, das der Urbeginn des Daseins ist […].|103|24}}&lt;br /&gt;
{{GS|Und der Logos wirkt noch, heute: Wenn der physische Menschenleib im Bette liegt und verlassen ist vom Ich, dann wirkt der göttliche Logos in den vom Menschen verlassenen Wesensgliedern.|103|39}}&lt;br /&gt;
{{GS|Dieses Göttlich-Geistige in der heutigen Gestalt, wie es allem zugrunde liegt, was dem hellen Tagesbewußtsein erscheint, die unsichtbare Welt hinter dieser ganzen sichtbaren Tageswelt, das nennt die christliche Esoterik den «Logos» oder das «Wort».|103|51}}&lt;br /&gt;
{{GS|In dem Sonnenlichte strömt ein Geistiges der Erde zu.|103|52}}&lt;br /&gt;
{{GS|Der Mond ist das Symbolum für Jahve oder Jehova, und die Sonne ist nichts anderes als das Symbolum für den Logos, der die Summe der anderen sechs Elohim ist.|103|55}}&lt;br /&gt;
{{GS|[…] die historische Erscheinung des Christus Jesus bedeutet nichts anderes, als daß die Kräfte der sechs Elohim oder des Logos sich verkörpert haben in dem Jesus von Nazareth im Anfange unserer Zeitrechnung.|103|56}}&lt;br /&gt;
{{GS|Dasjenige, was wir den Logos nennen, das ist die Summe der sechs Elohim, die mit der Sonne vereinigt sind.|103|123}}&lt;br /&gt;
{{GS|Als Moses den Ruf hört: «Sage, wenn du meinen Namen verkünden wirst, der Ich-bin habe dir das gesagt!», da ertönt zum erstenmal die Kunde und Offenbarung des Logos, des Christus.|103|159}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Löwe [4. Einweihungsgrad]&lt;br /&gt;
{{GS|Man unterschied zum Beispiel in einer gewissen Form morgenländischer Einweihung sieben Grade der Einweihung, und diese sieben Grade der Einweihung benannte man mit allerlei symbolischen Namen […] der vierte [Grad] der des «Löwen» […]. Derjenige, der ein «Löwe» ist, ist ein solcher, der das okkulte Leben in sich verwirklicht […].|103|85}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Luft [Geist]&lt;br /&gt;
{{GS|Der Sprachgebrauch der Zeiten, als die Evangelien entstanden sind, den wir auch studieren müssen, ist so, daß man «Wasser» auch Wasser genannt hat; aber «Pneuma», was heute als «Geist» gebraucht wird, war «Luft».|103|114}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lukas [Evangelist]&lt;br /&gt;
{{GS|Es ist sonderbar, daß Johannes das aus der griechischen Bildung haben soll und daß Lukas, der doch nach dieser Ansicht zu den schlichten Männern gehörte, ebenfalls von dem «Logos» spricht.|103|21}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lügen&lt;br /&gt;
{{GS|So töten Lügen die astralen Gebilde, die entstanden sind und entstehen müssen, und hemmen oder töten so einen Teil der Entwickelung. […]. Daher gibt es ein okkultes Gesetz: Die Lüge ist, geistig angesehen, ein Mord.|99|64}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Luzifer&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|[…] wie in der Tat die beiden Prinzipien, das ahrimanische und das luziferische, im letzten Grunde im Krankheitsverlauf tätig sind. Und es könnte in vieler Beziehung für diese oder jene Krankheitsform gezeigt werden, wie man eigentlich zwei Typen von Krankheiten unterscheiden müßte: ahrimanische und luziferische Krankheiten.|120|88}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Artikel unten}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>ElkeJura</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://steiner.wiki/index.php?title=GA_120&amp;diff=11285</id>
		<title>GA 120</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://steiner.wiki/index.php?title=GA_120&amp;diff=11285"/>
		<updated>2025-08-27T18:25:04Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;ElkeJura: /* Glossar */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Artikel oben}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:GA120.jpg|thumb|{{RSV|120}}]]&lt;br /&gt;
__NOTOC__&lt;br /&gt;
&amp;lt;div class=&amp;quot;center&amp;quot; &amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;h3&amp;gt;RUDOLF STEINER&amp;lt;/h3&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;h3&amp;gt;VORTRÄGE&amp;lt;/h3&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;h4&amp;gt;VORTRÄGE VOR MITGLIEDERN&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
DER ANTHROPOSOPHISCHEN GESELLSCHAFT&amp;lt;/h4&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;h3&amp;gt;Die Offenbarungen&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
des Karma&amp;lt;/h3&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;h5&amp;gt;Ein Zyklus von elf Vorträgen&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
gehalten in Hamburg&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
zwischen dem 16. und 28. Mai 1910&amp;lt;/h5&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;h3&amp;gt;GA 120&amp;lt;/h3&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;h3&amp;gt;1992&amp;lt;/h3&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Inhaltsverzeichnis =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[GA 120#ERSTER VORTRAG Hamburg, 16. Mai 1910|ERSTER VORTRAG Hamburg, 16. Mai 1910]]&lt;br /&gt;
* [[GA 120#ZWEITER VORTRAG Hamburg, 17. Mai 1910|ZWEITER VORTRAG Hamburg, 17. Mai 1910]]&lt;br /&gt;
* [[GA 120#DRITTER VORTRAG Hamburg, 18. Mai 1910|DRITTER VORTRAG Hamburg, 18. Mai 1910]]&lt;br /&gt;
* [[GA 120#VIERTER VORTRAG Hamburg, 19. Mai 1910|VIERTER VORTRAG Hamburg, 19. Mai 1910]]&lt;br /&gt;
* [[GA 120#FÜNFTER VORTRAG Hamburg, 20. Mai 1910|FÜNFTER VORTRAG Hamburg, 20. Mai 1910]]&lt;br /&gt;
* [[GA 120#SECHSTER VORTRAG Hamburg, 21. Mai 1910|SECHSTER VORTRAG Hamburg, 21. Mai 1910]]&lt;br /&gt;
* [[GA 120#SIEBENTER VORTRAG Hamburg, 22. Mai 1910|SIEBENTER VORTRAG Hamburg, 22. Mai 1910]]&lt;br /&gt;
* [[GA 120#ACHTER VORTRAG Hamburg, 25. Mai 1910|ACHTER VORTRAG Hamburg, 25. Mai 1910]]&lt;br /&gt;
* [[GA 120#NEUNTER VORTRAG Hamburg, 26. Mai 1910|NEUNTER VORTRAG Hamburg, 26. Mai 1910]]&lt;br /&gt;
* [[GA 120#ZEHNTER VORTRAG Hamburg, 27. Mai 1910|ZEHNTER VORTRAG Hamburg, 27. Mai 1910]]&lt;br /&gt;
* [[GA 120#ELFTER VORTRAG Hamburg, 28. Mai 1910|ELFTER VORTRAG Hamburg, 28. Mai 1910]]&lt;br /&gt;
* [[GA 120#EINLADUNG ZUM VORTRAGSZYKLUS|EINLADUNG ZUM VORTRAGSZYKLUS]]&lt;br /&gt;
* [[GA 120#HINWEISE|HINWEISE]]&lt;br /&gt;
* [[GA 120#NAMENREGISTER|NAMENREGISTER]]&lt;br /&gt;
* [[GA 120#Literatur|Literatur]]&lt;br /&gt;
* [[GA 120#Glossar|Glossar]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|9}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= ERSTER VORTRAG Hamburg, 16. Mai 1910 =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Zyklus von Vorträgen soll Fragen behandeln aus dem Gebiete der Geisteswissenschaft, die tief in das Leben einschneidend sind. Aus den verschiedenen Darstellungen, die im Laufe der Zeit gegeben wor den sind, ist es uns ja geläufig, daß Geisteswissenschaft nicht eine ab strakte Theorie sein soll, nicht eine bloße Doktrin oder Lehre, sondern ein Quell für Leben und Lebenstüchtigkeit, und sie erfüllt erst dann ihre Aufgabe, wenn durch das, was sie an Erkenntnissen zu geben vermag, etwas hineinfließt in unsere Seelen, was das Leben reicher, verständlicher, was unsere Seelen tüchtiger und tatkräftiger machen kann. Wenn sich nun allerdings derjenige, der sich zu dieser unserer Weltanschauung bekennt, jenes Ideal, das eben mit ein paar Worten gekennzeichnet worden ist, vorhält und in der Gegenwart dann ein wenig Umschau hält, inwiefern er imstande ist, das, was ihm aus der Theosophie erfließt, in diesem Leben umzusetzen, dann könnte er vielleicht zu einem recht wenig erfreulichen Eindruck kommen. Denn wenn man unbefangen alles betrachtet, was heute die Welt meint zu «wissen», was in unserer Gegenwart die Menschen zu diesen oder jenen Gefühlen oder Handlungen treibt, so könnte man sagen, daß dies alles von den theosophischen Ideen und Idealen so unendlich weit verschieden ist, daß der Theosoph gar keine Möglichkeit habe, unmittelbar in das Leben einzugreifen mit dem, was er aus den Quellen der Geisteswissenschaft heraus sich aneignet.- Das wäre aber dennoch eine recht oberflächliche Betrachtung der Sachlage, oberflächlich aus dem Grunde, weil bei einer solchen Betrachtung nicht gerechnet würde mit dem, was wir aus unserer Weltanschauung selber dadurch entnehmen müssen, daß wir uns sagen: Wenn einmal wirklich jene Kräfte, die wir durch Theosophie aufnehmen, stark genug sein werden, dann werden sie auch die MögIichkeit finden, in die Welt einzugreifen; wenn aber niemals etwas dazu getan würde, diese Kräfte immer stärker und stärker zu machen, so würde eben ihr Eingreifen in die Welt unmöglich sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber es ist noch etwas anderes, was uns sozusagen Trost geben kann,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|10}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
selbst wenn wir durch eine solche Betrachtung trostlos werden möchten, und das ist es gerade, was uns aus den Betrachtungen dieses Vortragszyklus folgen soll: Betrachtungen über das, was man menschliches Karma und Karma überhaupt nennt. Denn wir werden mit jeder Stunde, die wir hier verbringen, mehr sehen, wie wir gar nicht genug tun können an der Herbeiführung der Möglichkeit, mit theosophischen Kräften in das Leben einzugreifen, und wie wir, wenn wir ernsthaft an Karma glauben und festhalten, voraussetzen müssen, daß uns Karma selber dasjenige zuwerfen wird, was wir über kurz oder lang zu tun haben werden für unsere Kräfte. Wir werden sehen: Wenn wir vermeinen, wir könnten die aus unsererWeltanschauung gewonnenen Kräfte noch nicht anwenden, dann haben wir eben diese Kräfte noch nicht genügend stark gemacht, damit sie bewirken können, daß Karma es uns auch ermögliche, in die Welt mit diesen Kräften einzugreifen. So soll nicht nur eine Summe von Erkenntnissen über Karma in diesen Vorträgen leben, sondern es soll mit jeder Stunde mehr das Vertrauen in Karma geweckt werden, die Gewißheit, daß, wenn die Zeit gekommen sein wird, ob es nun morgen oder übermorgen oder nach vielen Jahren sein wird, unser Karma uns Aufgaben bringen wird, insofern wir als Bekenner unserer Weltanschauung Aufgaben zu verrichten haben. Karma wird sich uns darstellen als eine Lehre, welche uns nicht nur sagt, wie dieses oder jenes in der Welt sich verhält, sondern welche mit den Aufschlüssen, die sie uns bringt, zu gleicher Zeit uns Lebensbefriedigung und Lebenserhöhung bringen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Allerdings, wenn Karma eine solche Aufgabe erfüllen soll, ist es schon notwendig, daß wir das damit gemeinte Gesetz etwas tiefer ins Auge fassen, sozusagen in seiner Ausbreitung über die Welt. Dazu ist aber diesmal etwas notwendig, was sonst nicht eigentlich in meinem Gebrauche liegt bei geisteswissenschaftlichen Betrachtungen, nämlich eine Definition, eineWorterklärung zu geben. Ich pflege das sonst nicht zu tun, weil mit solchen Worterklärungen in der Regel nicht viel getan ist. Bei unseren Betrachtungen wird in der Regel begonnen mit der Darstellung von Tatsachen, und wenn diese Tatsachen in der entsprechenden Weise gruppiert und geordnet sind, ergeben sich die Begriffe und Vorstellungen von selbst. Wollten wir nun allerdings für die umfassenden &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|11}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fragen, die wir in den nächsten Tagen zu besprechen haben, einen ähnlichen Gang einschlagen, so müßten wir viel mehr Zeit zur Verfügung haben, als uns geboten ist. Deshalb ist es diesmal zur Verständigung notwendig, daß wir, wenn auch nicht eine Definition, so doch eine Art Beschreibung des Begriffes geben, der uns längere Zeit beschäftigen wird. Definitionen haben ja auch nur den Zweck, sich darüber zu verständigen, was man meint, wenn man dieses oder jenes Wort anschlägt oder ausspricht. In diesem Stile soll eine Beschreibung des Begriffes «Karma» gegeben werden, damit wir wissen, wovon wir sprechen, wenn in diesen Vorträgen der Ausdruck «Karma» gebraucht wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus mancherlei Betrachtungen hat wohl ein jeder von uns sich schon einen Begriff gebildet von dem, was Karma ist. Ein recht abstrakter Begriff von Karma ist wohl der, wenn man Karma das «geistige Ursachengesetz» nennt, das Gesetz, wonach auf gewisse Ursachen, die im geistigen Leben liegen, gewisse Wirkungen folgen. Das ist aber ein zu abstrakter Begriff von Karma, weil er zum Teil zu eng, zum Teil aber auch viel zu weit sein würde. Wenn wir Karma überhaupt auffassen wollen als ein Ursachengesetz, so stellen wir es zusammen mit dem, was wir sonst in der Welt als das Gesetz der Kausalität, als das Gesetz von Ursache und Wirkung bezeichnen. Verständigen wir uns einmal darüber, was wir sonst unter dem Ursachengesetz auf dem allgemeinen Gebiete verstehen, wo wir noch nicht von geistigen Tatsachen und geistigen Ereignissen sprechen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es wird heute so oft von der äußeren Wissenschaft betont, daß die eigentliche Bedeutung dieser Wissenschaft darinnen liege, daß sie baue auf das umfassende Ursachengesetz, daß sie überall Wirkungen auf entsprechende Ursachen zu rück führe. Wie dieses Zurückführen von Wirkungen auf Ursachen geschieht, darüber sind sich allerdings die Menschen schon viel weniger klar. Denn Sie werden wohl auch heute noch in Büchern, die da glauben, recht gelehrt zu sein und recht philosophisch die Begriffe klarzulegen, immer noch Aussprüche finden können wie etwa den: Eine Wirkung ist dasjenige, was aus einer Ursache folgt. - Wenn man aber sagt, daß eine Wirkung aus einer Ursache folge, dann redet man an den Tatsachen ganz gewaltig vorbei. Denn wenn wir zum Beispiel den erwärmenden Sonnenstrahl betrachten, der auf eine Metallplatte &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|12}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
auffällt, so daß diese Metallplatte dadurch wärmer geworden ist, dann werden wir von Ursache und Wirkung in der Welt draußen reden. Aber werden wir jemals sagen können, daß die Wirkung - die Erwärmung der Metallplatte - aus der Ursache des warmen Sonnenstrahles folge? Wenn der warme Sonnenstrahl diese Wirkung schon in sich hätte, so würde es die Tatsache nicht geben, da der warme Sonnenstrahl eine Metallplatte gar nicht erwärmt, wenn sie ihm nicht entgegenkommt. Damit in der Welt der Erscheinungen, in der leblosen Welt, die wir zunächst um uns herum haben, eine Wirkung auf eine Ursache folge, ist stets notwendig, daß dieser Ursache etwas entgegenkommt. Und ohne daß etwas der Ursache entgegenkommt, ist niemals von dem Folgen einer Wirkung auf eine Ursache zu sprechen. - Es ist nicht überflüssig, daß wir eine solche scheinbar recht philosophisch und abstrakt klingende Bemerkung vorausschicken; denn man muß sich schon einmal angewöhnen, wenn man fruchtbar vorwärtskommen will auf theosophischem Gebiete, die Begriffe recht genau zu fassen und nicht so nachlässig, wie sie zuweilen in den andern Wissenschaften gefaßt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun aber dürfte niemand von Karma sprechen, wenn bloß in einer solchen Weise eine Wirkung eintreten würde, wie sie vorhanden ist, wenn der wärmende Sonnenstrahl eine Metallplatte erwärmt. Da ist zwar die Kausalität vorhanden, der Zusammenhang von Ursache und Wirkung, aber wir würden niemals zu einem gehörigen Begriff von Karma kommen,wenn wir nur auf diesem Gebiete von Karma sprechen würden. Wir können also nicht von Karma sprechen, wenn bloß eine Wirkung mit einer Ursache in Zusammenhang steht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir können nun weitergehen und uns einen etwas höheren Begriff von dem Zusammenhang zwischen Ursache und Wirkung bilden. Wenn wir zum Beispiel einen Bogen haben, ihn spannen und dann mit diesem Bogen einen Pfeil abschießen, dann ist durch das Spannen des Bogens eine Wirkung eingetreten. Diese Wirkung des abgeschossenen Pfeiles im Zusammenhang mit seiner Ursache werden wir ebensowenig mit dem Ausdruck «Karma» belegen dürfen wie das, was eben gesagt worden ist. Wenn wir aber bei diesem Vorgang etwas anderes betrachten, kommen wir in gewisser Weise schon dem Karma nahe, wenn wir auch &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|13}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dabei noch immer nicht den Karmabegriff fassen: wenn wir nämlich bedenken, daß der Bogen, wenn er recht oft gespannt wird, mit der Zeit schlaff wird. Da wird durch das, was der Bogen tut, was` mit ihm geschieht&amp;gt; nicht bloß eine Wirkung folgen, die sich nach außen hin zeigt, sondern es wird eine Wirkung folgen, die auf den Bogen selber zurück- geht. Es geschieht durch das fortwährende Spannen des Bogens etwas mit dem Bogen selbst. Etwas, das durch das Spannen geschieht, fällt also sozusagen wieder auf den Bogen selbst zurück. Eine Wirkung wird also erzielt, welche auf den Gegenstand zurück fällt, von dem diese Wirkung selbst veranlaßt worden ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das gehört nun schon in den Karmabegriff hinein. Ohne daß eine Wirkung erzeugt wird, die wieder zurückfällt auf das Ding oder die Wesenheit, welche diese Wirkung hervorbringt, ohne diese Eigentümlichkeit des Zurückwirkens der Wirkung auf das verursachende Wesen ist der Karmabegriff nicht zu denken. Da kommen wir also dem Karmabegriff schon insofern etwas näher, als uns klar wird, daß die von einem Ding oder Wesen verursachte Wirkung wieder zurückschlagen muß auf dieses Ding oder Wesen selber. Aber dennoch dürfen wir das Schlaffwerden des Bogens durch das fortwährende Spannen nicht das Karma des Bogens nennen, und zwar aus folgendem Grunde nicht: Wenn wir den Bogen etwa drei bis vier Wochen recht oft gespannt haben, und er ist nach vier Wochen schlaff geworden, dann haben wir in dem schlaffen Bogen eigentlich etwas ganz anderes vor uns, als vor vier Wochen in dem straffen Bogen; der Bogen ist etwas anderes geworden, er ist nicht dasselbe geblieben. Wenn also die zurückschlagende Wirkung so ist, daß sie durchaus etwas anderes aus dem Ding oder Wesen macht, dann dürfen wir doch noch nicht von einem Karma sprechen. Wir dürfen erst von einem Karma sprechen, wenn die Wirkung, die auf das Wesen zurückschlägt, beim Zurückschlagen auf dasselbe Wesen trifft, oder wenn das Wesen wenigstens in einem gewissen Sinne dasselbe geblieben ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So also sind wir dem Karmabegriff wieder um ein Stück nähergekommen. Aber wir bekommen, wenn wir den Karmabegriff so beschreiben wollen, im Grunde genommen von ihm doch nur eine recht ab- strakte Vorstellung. Dennoch werden wir diesen Begriff, wenn wir ihn &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|14}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
abstrakt fassen wollen, kaum genauer fassen können, als wenn wir ihn in der Weise ausdrücken, wie wir es eben jetzt getan haben. Nur das eine müssen wir zum Karmabegriff noch hinzufügen: Wenn die Wirkung, die auf das Wesen zurückschlägt, in demselben Zeitpunkte erfolgt, wenn also Verursachung und zurückschlagende Wirkung in demselben Zeitpunkte stattfinden, dann werden wir kaum von Karma sprechen können. Denn in diesem Falle würde das Wesen, von dem die Wirkung ausgeht, im Grunde genommen die Wirkung unmittelbar hervorbringen wollen, würde also diese Wirkung voraussetzen, würde durchschauen alle Elemente, die zu dieser Wirkung führen. Wenn das&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der Fall ist, sprechen wir doch nicht von Karma. So zum Beispiel werden wir nicht von Karma sprechen, wenn wir einen Menschen vor uns haben, der eine bestimmte Tat vollbringt, mit der er dieses oder jenes beabsichtigt, und wenn dann - gemäß seiner Absicht - diese oder jene Wirkung, die er eben gewollt hat, eintritt. Das heißt, es muß zwischen der Ursache und der Wirkung etwas liegen, was sich dem Wesen bei der Herbeiführung der Ursache unmittelbar entzieht, so daß der Zusammenhang von Ursache und Wirkung zwar vorhanden ist, aber nicht eigentlich von dem Wesen selber beabsichtigt ist. Wenn dieser Zusammenhang von dem Wesen, das verursacht, nicht beabsichtigt ist, dann muß der Grund, warum ein Zusammenhang besteht zwischen Ursache und Wirkung, woanders liegen als in den Absichten des betreffenden Wesens. Das heißt, es muß dieser Grund liegen in einer bestimmten Gesetzmäßigkeit. Das gehört also noch zum Karma dazu, daß der Zusammenhang zwischen Ursache und Wirkung ein gesetzmäßiger ist, der hinübergeht über das, was das Wesen unmittelbar beabsichtigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So hätten wir einige Elemente zusammengetragen, welche uns den Karmabegriff erläutern können. Aber wir müssen alle diese Elemente in dem Karmabegriff darinnen haben und nicht bei einer abstrakten Definition stehenbleiben. Denn sonst werden wir nicht die Offenbarungen des Karma auf den verschiedenen Gebieten der Welt begreifen können. Diese Offenbarungen des Karma werden wir nun zuerst dort aufzusuchen haben, wo uns Karma zunächst entgegentritt: im einzelnen Menschenleben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Können wir im einzelnen Menschenleben so etwas finden und wann&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|15}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
können wir es finden, was wir jetzt eben durch unsere Erläuterung des Karmabegriffes dargestellt haben?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir würden so etwas finden, wenn zum Beispiel ein Erlebnis in unser Leben hineinträte, bei dem wir uns sagen könnten: Dieses Erlebnis, das da für uns auftritt, steht in einem gewissen Zusammenhange mit einem früheren Erlebnis, an dem wir selber beteiligt sind, zu dem wir selber Veranlassung gegeben haben. Versuchen wir einmal - zunächst rein durch Beobachtung des Lebens - festzustellen, ob es so etwas gibt. Wir wollen uns jetzt also rein auf den Standpunkt der äußeren Beobachtung stellen. Wer solche Beobachtungen nicht anstellt, kann auch nie zum Erkennen eines gesetzmäßigen Zusammenhanges im Leben kommen; er kann es ebensowenig, wie derjenige das Gesetz des elastischen Stoßes an zwei Billardkugeln kennenlernen kann, der diesen Stoß nicht beobachten wird. Beobachtung des Lebens kann uns in der Tat zu der Anschauung eines gesetzmäßigen Zusammenhanges führen. Greifen wir dazu gleich einen bestimmten Zusammenhang heraus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sagen wir, ein junger Mensch wäre im achtzehnten Jahre seines Lebens aus dem Berufe, der ihm bis dahin vorgezeichnet zu sein schien, durch irgendein Ereignis herausgewöorfen worden. Nehmen wir an, dieser Mensch hätte bis dahin ein Studium betrieben, hätte sich durch das Studium vorbereitet zu einem Berufe, wie er aus solchem Studium hervorgehen kann, und nun wäre er, zum Beispiel durch einen Unglücksfall seiner Eltern, daraus herausgeworfen worden und mit achtzehn Jahren in den Kaufmannsberuf hineingetrieben worden. Wer solche Fälle unbefangen im Leben beobachtet - mit einem solchen Blick, wie man in der Physik die Erscheinung des Stoßes elastischer Kugeln betrachtet -, der wird dann zum Beispiel finden, daß die Erlebnisse des Kaufmannsberufes, in den der junge Mensch hineingetrieben worden ist, zunächst anregend wirken, daß er darin seine Pflichten ausführt, etwas lernt, vielleicht auch etwas ganz Tüchtiges wird. Aber man kann auch beobachten, daß nach einiger Zeit etwas ganz anderes auch eintritt: ein gewisser Überdruß, eine gewisse Unzufriedenheit. Nicht gleich wird eine solche Unzufriedenheit eintreten. Wenn mit achtzehn Jahren sich der Berufswechsel vollzogen hat, werden vielleicht die nächsten Jahre ruhig vorübergehen. Aber vielleicht um das dreiundzwanzigste &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|16}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jahr herum wird es deutlich werden, daß sich etwas in der Seele festsetzt, was sich wie etwas Unerklärliches zeigt. Wenn man dann weiter nachforscht, kann man häufig bemerken, wenn der Fall klarliegt, daß der Überdruß fünf Jahre nach dem Berufswechsel seine Erklärung findet durch das dreizehnte oder vierzehnte Jahr. Denn die Ursachen für eine solche Erscheinung werden wir sehr häufig zu suchen haben ungefähr eine ebensolche Zeitspanne vor dem Berufswechsel, wie nach demselben ein Ereignis eingetreten ist, wie wir es eben beschrieben haben. Da kann der betreffende Mensch in seinem dreizehnten Jahre während seiner Lernzeit - also fünf Jahre vor seinem Berufswechsel - etwas in seine Gefühlswelt aufgenommen haben, was ihm eine gewisse innere Beseligung gewährte. Nehmen wir an, der Berufswechsel wäre nicht eingetreten; dann würde das, woran sich der junge Mensch im dreizehnten Jahre gewöhnt hatte, im späteren Leben sich ausgelebt und diese oder jene Frucht getragen haben. Nun kam aber der Berufswechsei, der zunächst den jungen Menschen interessiert hat, der seine Seele eingenommen hat. Was dadurch in sein Seelenleben gekommen ist, das hat zurückgedrängt, was früher darinnen war. Eine gewisse Zeit hindurch kann das zurückgedrängt werden, aber indem es zurückgedrängt wird, gewinnt es gerade im Inneren eine besondere Kraft; da sammelt es sozusagen Spannkraft im Inneren an. Da ist es ähnlich, wie wenn wir einen elastischen Ball zusammendrücken: Wir können ihn bis zu einer gewissen Grenze drücken, dann leistet er Widerstand; und wenn er zum Zurückschnellen veranlaßt wird, wird er mit einer um so größeren Kraft zurückschnellen, je mehr wir ihn vorher zusammengedrückt haben. Solche Erlebnisse, wie die eben angedeuteten, die ein junger Mensch aufgenommen hat im dreizehnten Jahre seines Lebens und welche sich dann bis zum Berufswechsel befestigt haben, können auch in gewisser Weise zurückgedrängt werden; dann aber macht sich nach einiger Zeit ein Widerstand in der Seele geltend. Und dann kann man sehen, wie dieser Widerstand stark genug geworden ist, um sich nun in seiner Wirkung zu zeigen. Weil der Seele das fehlt, was sie sonst haben würde, wenn der Berufswechsel nicht gekommen wäre, macht sich das Zurückgedrängte geltend und kommt jetzt so zum Vorschein, daß Unbefriedigung, Überdruß an dem, was die Umgebung bietet, eintritt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|17}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da also haben wir einen Fall, wo der betreffende Mensch etwas er- lebt hat, etwas getan hat in seinem dreizehnten bis vierzehnten Lebens jahre, und wo er später etwas anderes getan hat, nämlich den Berufs wechsel vollzogen hat, und wir sehen, wie diese Ursachen so sich aus- leben, daß sie in ihrer Wirkung später zurückfallen, zurückschlagen auf dasselbe Wesen. In einem solchen Falle würden wir den Karma begriff zunächst auf das Einzelleben des Menschen anwenden müssen. -&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man sollte aber nun nicht dagegen einwenden: Wir haben aber Fälle kennengelernt, wo sich so etwas ganz und gar nicht zeigte! - Das kann sein. Aber es wird auch keinem Physiker einfallen, wenn er die Gesetze des fallenden Steines untersuchen will, der mit dieser oder jener Geschwindigkeit fällt, daß er sich sagen müßte, das Gesetz wäre nicht richtig, wenn der Stein etwa durch einen Schlag aus seiner Richtung geschleudert würde. Man muß lernen, in der richtigen Weise zu beobachten, und diejenigen Erscheinungen ausschließen, welche nicht zur Bildung des Gesetzes gehören. Gewiß würde ein solcher Mensch, der, wenn nichts anderes eintreten würde, mit dreiundzwanzig Jahren die Eindrücke seines dreizehnten Jahres in ihrer Wirkung als Überdruß empfindet, zu diesem Überdruß nicht kommen, wenn er zum Beispiel in der Zwischenzeit geheiratet hätte. Aber da hätten wir es mit etwas zu tun, was für die Feststellung des Grundgesetzes ohne Einfluß ist. Darauf aber kommt es an, daß wir die richtigen Faktoren finden, die uns auf ein Gesetz führen können. Beobachtung an sich ist noch gar nichts; erst geregelte Beobachtung bringt uns zur Erkenntnis des Gesetzes. Nun handelt es sich aber auch darum, solche geregelte Beobachtungen, wenn wir das Gesetz des Karma studieren wollen, in der rechten Weise anzustellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen wir an, um für einen einzelnen Menschen das Karma zu erkennen, jemanden träfe im fünfundzwanzigsten Lebensjahre ein schwerer Schicksalsschlag, der ihm Schmerz und Leid verursacht. Wenn wir nun einfach unsere Beobachtungen so anstellen, daß wir sagen, dieser schwere Schicksalsschlag ist eben in das Leben hereingebrochen und hat es mit Schmerz und Leid erfüllt, wenn wir also bei der bloßen Beobachtung stehenbleiben, werden wir nie zum Erkennen des karmischen Zusammenhanges kommen. Wenn wir aber weiterschreiten und das &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Leben eines solchen Menschen, der im fünfundzwanzigsten Jahre einen derartigen Schicksalsschlag erlebt hat, in seinem fünfzigsten Jahre betrachten, dann werden wir vielleicht zu einer Anschauung kommen, die wir etwa so ausdrücken können: Der Mensch, den wir da betrachten, ist ein Mensch geworden, fleißig und regsam, der tüchtig im Leben da- steht; jetzt schauen wir weiter zurück in sein Leben. Mit zwanzig Jahren - so finden wir dann - war er noch ein Taugenichts und hat überhaupt nichts tun wollen; mit fünfundzwanzig Jahren hat ihn dann der schwere Schicksalsschlag getroffen. Hätte ihn dieser Schlag nicht getroffen - so können wir jetzt sagen -, so wäre er ein Taugenichts geblieben. Also ist der schwere Schicksalsschlag die Ursache dazu gewesen, daß wir im fünfzigsten Jahre einen regsamen und tüchtigen Menschen vor uns haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine solche Tatsache lehrt uns, daß wir fehlgehen, wenn wir den Schicksalsschlag vom fünfundzwanzigsten Jahre als eine bloße Wirkung betrachten. Denn wenn wir fragen: Was hat er verursacht?, können wir nicht bei der bloßen Beobachtung stehenbleiben.Wenn wir aber einen solchen Schlag nicht als Wirkung betrachten und an das Ende der Erscheinungen stellen, die vorausgegangen sind, sondern wenn wir ihn an den Anfang der nachfolgenden Ereignisse stellen und ihn als Ursache betrachten, dann lernen wir erkennen, daß wir allerdings sogar unser Gefühlsurteil, unser Empfindungsurteil ganz wesentlich ändern können gegenüber diesem Schicksalsschlag. Wir werden vielleicht traurig sein, wenn wir ihn bloß als Wirkung betrachten, daß diesen Menschen dieser Schlag getroffen hat. Betrachten wir ihn dagegen als Ursache eines Späteren, dann können wir vielleicht froh sein und Freude darüber empfinden. Denn diesem Schicksalsschlag ist es zu verdanken - so können wir sagen -, daß der Betreffende ein ordentlicher Mensch geworden ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So sehen wir, daß es an unseren Empfindungen etwas Wesentliches ändern kann, je nachdem wir eine Tatsache des Lebens als Wirkung oder als Ursache betrachten. Es ist also nicht gleichgültig, ob wir irgend etwas, was im Leben den Menschen trifft, als bloße Wirkung oder als Ursache betrachten. Freilich, wenn wir in dem Zeitpunkt die Beobachtung anstellen, wo das schmerzliche Ereignis eingetreten ist, können wir &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|19}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
noch nicht die unmittelbare Wirkung wahrnehmen. Wenn wir uns aber das Karmagesetz gebildet haben aus ähnlichen Beobachtungen, dann kann dieses Karmagesetz selber uns sagen: Jetzt ist vielleicht ein Ereignis schmerzlich, weil es uns bloß als Wirkung des Vorhergehenden entgegentritt; aber es kann auch so betrachtet werden, daß es als Ausgangspunkt für ein Folgendes angesehen wird. Dann können wir sagen: Wir ahnen, daß hier der Ausgangspunkt die Ursache ist von Wirkungen, welche die Sache in ein ganz anderes Licht stellen! So kann das Karmagesetz selber der Quell sein einerTröstung. Die Tröstung wäre nicht da, wenn wir uns gewöhnten, ein Ereignis nur an das Ende und nicht an den Anfang einer Erscheinungsreihe zu setzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es kommt also darauf an, daß wir lernen, das Leben geregelt zu beobachten und in entsprechender Weise die Dinge als Wirkung und Ursache zueinander zu stellen. Wenn wir solche Beobachtungen wirklich durchgreifend anstellen, werden uns im einzelnen Menschenleben Ergebnisse zutage treten, die mit einer gewissen Regelmäßigkeit für das einzelne Menschenleben ablaufen, und andere Ergebnisse werden zutage treten, die uns unregelmäßig in diesem Leben erscheinen. So kann der, welcher das Menschenleben beobachtet - und zwar nicht nur so weit, als gerade die Nase reicht -, merkwürdige Zusammenhänge in diesem Menschenleben finden. Nur werden die Erscheinungen des menschlichen Lebens leider heute nur über kurze Zeitspannen, kaum über einige Jahre, beobachtet; und was nach einer größeren Anzahl von Jahren eintritt&amp;gt; das ist man nicht gewohnt, mit dem in Zusammenhang zu bringen, was etwa früher als Ursache vorhanden sein konnte. Daher werden nur wenige Menschen sich heute finden, die Anfang und Ende des Menschenlebens in einen gewissen Zusammenhang bringen. Dennoch ist dieser Zusammenhang außerordentlich lehrreich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen wir an, wir haben ein Kind in den ersten sieben Jahren seines Lebens so erzogen, daß also wir nicht das getan haben, was gewöhnlich geschieht,daß wir nicht von dem Glauben ausgegangen sind: Wenn einer ein ordentlicher Mensch im Leben werden soll, muß er so und so sein, muß unseren Anschauungen von einem ordentlichen Menschen unbedingt entsprechen. Denn in einem solchen Falle würden wir dem Kinde möglichst genau das alles eintrichtern wollen, was es eben in &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
unserem Sinne zu einem ordentlichen Menschen machen sollte. Wenn wir aber von der Erkenntnis ausgehen, daß man ein ordentlicher Mensch auf vielerlei Arten sein kann und daß man noch gar keine Vorstellung zu haben braucht, auf welche Art der, der als Kind erst heranwächst, ein ordentlicher Mensch werden soll nach seiner individuellen Anlage, dann werden wir sagen: Was ich auch immer für Begriffe von einem ordentlichen Menschen habe, der Mensch, der aus diesem Kinde entstehen soll, muß dadurch entstehen, daß die besten Anlagen aus ihm herausgeholt werden - was ich vielleicht erst als Rätsel lösen muß! Und man wird sich daher sagen: Was kommt es darauf an, daß ich diesen oder jenen Geboten und dergleichen verpflichtet bin? Das Kind selbst muß ein Bedürfnis fühlen, dieses oder jenes zu tun! Wenn ich das Kind nach seinen individuellen Anlagen entwickeln will, werde ich versuchen, diejenigen Bedürfnisse, die in ihm veranlagt sind, zu entwickeln, herauszuholen, so (iaß vor allen Dingen ein Bedürfnis nach den Handlungen eintritt, das Kind also die Handlungen aus eigenem Bedürfnis tut. - Wir sehen daraus, daß es zwei ganz verschiedene Methoden gibt, auf ein Kind in den ersten sieben Jahren seines Lebens zu wirken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir nun das weitere Leben des Kindes beobachten, wird sich uns lange Zeit nicht zeigen, was die ausgesprochenste Wirkung dessen sein wird, was wir in den ersten Jahren auf diese Weise in das Kind hineingebracht haben. In der Lebensbeobachtung ergibt sich nämlich, daß die eigentlichen Wirkungen dessen, was als Ursachen in die kindliche Seele hineingelegt worden ist, am allerspätesten erst eintreten, das heißt am Lebensabend. Der Mensch kann einen in sich regen Geist bis an sein Lebensende dadurch haben, daß wir ihn als Kind in der Weise erzogen haben, wie es jetzt eben beschrieben worden ist: daß wir auf sein Seelenleben, auf alles, was lebendig in ihm sitzt, Rücksicht genommen haben. Wenn wir das herausgeholt und zur Entwickelung gebracht haben, was an inneren Kräften in ihm vorhanden ist, dann werden wir die Früchte am Lebensabend herauskommen sehen in Gestalt eines reichen Seelenlebens. Dagegen in einer verdorrten und verarmten Seele und demgemäß auch - weil, wie wir später sehen werden, eine verdorrte Seele auch auf den Leib wirkt - in den leiblichen Gebresten &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|21}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
des Alters tritt das auf, was wir in der frühesten Kindheit an dem Menschen Unrichtiges getan haben. Da sehen wir etwas, was sich in gewisser Weise regulär, so daß es für jeden Menschen gültig ist, im Menschenleben als Zusammenhang von Ursache und Wirkung darstellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So könnten wir auch für die mittleren Lebensabschnitte solche Zusammenhänge finden, und wir werden darauf noch aufmerksam machen. - Wie wir einen Menschen vom siebenten bis vierzehnten Jahre behandeln, das tritt in seinen Wirkungen wieder im vorletzten Lebensabschnitt hervor. So sehen wir Ursache und Wirkung zyklisch, wie im Kreise, sich abspielen. Was an Ursachen am frühesten vorhanden war, das tritt als Wirkung am spätesten auf. Aber nicht nur solche Wir kungen und Ursachen sind im einzelnen Menschenleben vorhanden, sondern es geht neben dem zyklischen Verlauf ein geradliniger einher.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An unserem Beispiel, wie das dreizehnte Jahr in das dreiundzwan zigste hineinspielen kann, haben wir gesehen, wie Ursache und Wirkung Im Menschenleben so zusammenhängen, daß dasjenige, was der Mensch in sich erlebt hat, Wirkungen nach sich zieht, die dann wieder auf dasselbe Menschenwesen zurückschlagen. So erfüllt sich Karma im einzelnen Menschenleben. Wir werden aber zu einer Erklärung des Menschenlebens nicht kommen, wenn wir Zusammenhänge zwischen Ursache und Wirkung nur in diesem einzelnen Menschenleben suchen. Wie der Gedanke, der jetzt angeschlagen ist, weiter zu begründen und auszuführen ist, darüber werden wir in den nächsten Stunden sprechen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt soll nur auf etwas hingedeutet werden, das ja bereits bekannt ist: daß die Geisteswissenschaft zeigt, wie dieses Menschenleben zwischen Geburt und Tod die Wiederholung ist früherer Menschenleben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir nun das Charakteristische aufsuchen für das Leben zwischen Geburt und Tod, so können wir als solches bezeichnen die Aus dehnung eines und desselben Bewußtseins - im wesentlichen wenigstens - für die ganze Zeit zwischen Geburt und Tod. Wenn Sie sich zurückerinnern an Ihre früheren Lebensabschnitte, so werden Sie sagen: Es gibt einen Zeitpunkt, der nicht mit meiner Geburt zusammenfällt, sondern etwas später liegt, wo meine Lebenserinnerungen beginnen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das werden alle Menschen sagen, die nicht zu den Eingeweihten gehören; und sie werden dann davon sprechen, daß ihr Bewußtsein soweit &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
nur reicht. Im Grunde genommen haben wir es in dem Zeitraum von der Geburt bis zum Tod in bezug auf den Beginn dieser Lebenserinnerungen mit etwas sehr Eigentümlichem zu tun, und wir werden auch darauf noch zurückkommen; das wird uns in bedeutsame Dinge hinein- leuchten. Wenn wir das aber nicht berücksichtigen, können wir sagen: Charakteristisch für das Leben zwischen Geburt und Tod ist es, daß ein Bewußtsein sich ausdehnt für diese Zeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn nun auch der Mensch im gewöhnlichen Leben, wenn ihn im späteren Lebensalter etwas trifft, die Ursachen dazu in früheren Lebensabschnitten nicht aufsucht, so könnte er es aber dennoch, wenn er nur auf alles aufmerksam genug wäre und alles erforschen würde. Er könnte es mit dem Bewußtsein, das ihm als Erinnerungsbewußtsein zur Verfügung steht. Und wenn er durch die Erinnerung versuchte, sich den Zusammenhang zwischen Früherem und Späterem im karmischen Sinne vor die Seele zu stellen, so würde er zu folgendem Ergebnis kommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er würde zum Beispiel sagen: Ich sehe, daß gewisse Ereignisse, die bei mir eingetreten sind, nicht gekommen wären, wenn nicht das oder jenes in einem früheren Lebensabschnitt eingetreten wäre. - Er würde vielleicht sagen: Für das, was meine Erziehung an mir getan hat, muß ich jetzt büßen. - Aber wenn er auch nur den Zusammenhang einsieht zwischen dem, was nicht er gesündigt hat, sondern was an ihm gesündigt worden ist, und späteren Ereignissen, dann wird ihm schon das eine Hilfe sein. Er wird leichter Mittel und Wege finden, um Schäden, die an ihm begangen worden sind&amp;gt; auszugleichen. Die Erkenntnis eines solchen Zusammenhanges zwischen Ursachen und Wirkungen in unseren einzelnen Lebensabschnitten, die wir durch unser gewöhnliches Bewußtsein überschauen können, kann uns schon im höchsten Grade förderlich sein im Leben. Ja, wenn wir uns diese Erkenntnis erwerben, können wir vielleicht noch etwas anderes tun. - Wenn allerdings ein Mensch achtzig Jahre alt geworden ist und dann zurückschaut auf das, was man als Ursachen zu Ereignissen im achtzigsten Jahre in frühester Kindheit zu suchen hat, so wird es für ihn vielleicht recht schwierig sein, Gegenmittel zu finden, um auszugleichen, was an ihm getan worden ist, und wenn er sich dann belehren läßt, so wird das nicht mehr allzuviel helfen. Wenn er sich aber vorher belehren läßt und hinblickt &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
auf die Sünden, die an ihm begangen sind, und, sagen wir, schon im vierzigsten Jahre dagegen Vorsorge trifft, dann hat er vielleicht doch noch Zeit, um gewisse Gegenmittel zu ergreifen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir sehen also, daß wir uns nicht allein für das unmittelbar Nächst- liegende des Lebenskarma belehren lassen sollen, sondern über Karma und den gesetzmäßigen Zusammenhang, den Karma bedeutet, überhaupt. Das kann uns förderlich sein für unser Leben. - Was tut denn aber ein Mensch, der im vierzigsten Jahre etwas unternimmt, damit die Schäden gewisser Sünden nicht eintreten, die zum Beispiel im zwölften Jahre an ihm begangen worden sind, oder die er selbst begangen hat? Er wird versuchen, was er gesündigt hat oder was an ihm getan worden ist, auszugleichen und alles zu tun, was der Wirkung, die eintreten müßte, vorbeugt. Er wird in gewisser Weise sogar die notwendige Wirkung, die ohne sein Zutun eintreten würde, durch eine andere ersetzen. Die Erkenntnis dessen, was es im zwölften Jahre gegeben hat, wird ihn selbst zu einer bestimmten Handlung im vierzigsten Jahre führen. Diese Handlung hätte er nicht getan, wenn er nicht erkannt hätte, daß es dieses oder jenes im zwölften Jahre gegeben hat. Was hat der Mensch also durch sein Zurückblicken auf sein früheres Leben getan? Er hat selber durch sein Bewußtsein folgen lassen auf eine Ursache eine bestimmte Wirkung. Er hat gewollt die Wirkung, welche er jetzt herbeigeführt hat. - Das zeigt uns, wie in die Linie der karmischen Folgen unser Wille eingreifen und etwas schaffen kann, was an Stelle von sonst eingetretenen karmischen Wirkungen steht. Nehmen wir einen solchen Zusammenhang, wo unser Bewußtsein ganz bewußt eine Verbindung zwischen Ursache und Wirkung im Lebenslauf herbeiführt, so werden wir uns sagen: Bei einem solchen Menschen ist Karma oder karmische Gesetzmäßigkeit ins Bewußtsein hineingetreten, er hat selbst in gewisser Weise die karmischeWirkung herbeigeführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen wir nun aber einmal an, wir legen einer ähnlichen Betrach tung dasjenige zugrunde, was wir über die wiederholten Erdenläufe eines Menschen wissen. Das Bewußtsein, von dem wir eben gesprochen haben, das sich ausdehnt mit der angedeuteten Ausnahme auf unser Leben zwischen Geburt und Tod, das entsteht dadurch, daß sich der Mensch des Instrumentes seines Gehirns bedienen kann. Wenn der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Mensch durch die Pforte des Todes schreitet, tritt ein andersgeartetes Bewußtsein auf, das unabhängig ist vom Gehirn und an wesentlich andere Bedingungen gebunden ist. Und wir wissen, daß für dieses Bewußtsein, das bis zur neuen Geburt dauert, eine Art Rückblick auftritt über alles, was der Mensch in dem Leben zwischen Geburt und Tod vollbracht hat. Im Leben zwischen Geburt und Tod muß sich der Mensch erst die Absicht bilden, zurückzublicken auf irgendwelche Sünden, die an ihm begangen worden sind, wenn er die Wirkung dieser Sünden wirklich karmisch in sein Leben einführen soll. Nach dem Tode schaut der Mensch im Zurückblicken auf sein Leben auf dasjenige, was er an Sünden oder überhaupt an Handlungen vollbracht hat. Da schaut er auch zugleich das&amp;gt; was diese Handlungen an seiner Seele oder aus seiner Seele gemacht haben. Da sieht der Mensch, wie er dadurch, daß er eine bestimmte Handlung getan hat, in seinem Werte gesunken oder gestiegen ist. Haben wir einem andern zum Beispiel irgendein Leid zugefügt, so ist unser Wert dadurch gesunken; wir sind sozusagen weniger wert geworden, sind unvollkommener geworden, indem wir dem andern das Leid zugefügt haben. Wenn wir nun nach dem Tode zurückblicken, sehen wir auf zahlreiche solche Fälle zurück, bei denen w1r uns sagen: Wir sind dadurch unvollkommener geworden. Daraus aber folgt für das Bewußtsein nach dem Tode, daß in ihm die Kraft und der Wille entstehen, wenn es wieder Gelegenheit dazu hat, alles zu tun, um jenen Wert wieder zu erringen, welchen es verloren hat, das heißt der Wille, alles Leid auszugleichen&amp;gt; das es zugefügt hat. Der Mensch nimmt also zwischen Tod und neuer Geburt die Tendenz, die Absicht auf, was er Schlechtes getan hat, wieder auszugleichen, damit er überhaupt den Standpunkt der Vollkommenheit wieder erringen kann, den er als Mensch haben soll und der verhindert worden ist durch die entsprechende Tat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun tritt der Mensch wieder ins Dasein. Sein Bewußtsein wird wieder ein anderes; er erinnert sich nicht zurück an die Zeit zwischen Tod und neuer Geburt und auch nicht daran, wie er die Absicht gefaßt hat, etwas auszugleichen. Aber diese Absicht sitzt in ihm. Und wenn er auch nicht weiß: Du mußt dies oder das tun, um das oder jenes auszugleichen! -, so wird er doch durch die Kraft, die in ihm sitzt, zu irgendeiner&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Handlung hingetrieben, die ein Ausgleich ist. Und jetzt können wir uns eine Vorstellung machen, was vor sich geht, wenn einen Menschen zum Beispiel im zwanzigsten Jahre etwas sehr Schmerzliches trifft. Mit seinem Bewußtsein, das er hat zwischen Geburt und Tod, wird er niedergedrückt sein durch seinen Schmerz. Würde er sich aber daran erinnern, was er in dem Leben zwischen Tod und neuer Geburt an Absichten aufgenommen hat, dann würde er auch die Kraft spüren, die ihn hingetrieben hat an die Stelle, wo er diesen Schmerz hat erleiden können, weil er gefühlt hat, daß er den Grad von Vollkommenheit, den er sich verscherzt hat und den er wiedererringen soll, nur dadurch wieder erreichen kann, daß er diesen Schmerz durchmacht. Wenn also auch das gewöhnliche Bewußtsein sagt: Der Schmerz ist da; du leidest darunter! - und nur den Schmerz in der Wirkung betrachtet, so könnte doch für das Bewußtsein, welches auch die Zeit zwischen Tod und neuer Geburt überblickt, gerade das Aufsuchen des Schmerzes oder irgendeines Unglückes in der Absicht liegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das stellt sich uns tatsächlich dar, wenn wir von einem höheren Gesichtspunkt aus das Menschenleben betrachten. Da können wir sehen, daß im Menschenleben Schicksalsfälle eintreten, die sich nicht darstellen als Wirkungen von Ursachen des einzelnen Lebenslaufes, sondern die aus einem andern Bewußtsein heraus verursacht sind, nämlich aus einem solchen Bewußtsein, das jenseits der Geburt liegt und das unser Leben fortsetzt in frühere Zeiten, als diejenigen sind, die erst seit unserer Geburt abgelaufen sind. Wenn wir diesen Gedanken genau fassen, werden wir sagen: Wir haben zunächst ein Bewußtsein, das sich aus- dehnt über die Zeit zwischen Geburt und Tod und welches wir das Bewußtsein der Einzelpersönlichkeit nennen wollen, und wir wollen als Einzelpersönlichkeit dasjenige bezeichnen, was zwischen Geburt und Tod verläuft. Sodann sehen wir, wie ein Bewußtsein wirken kann über Geburt und Tod hinaus, von dem der Mensch in seinem gewöhnlichen Bewußtsein nichts weiß, das aber gerade so wirken kann wie dieses gewöhnliche Bewußtsein. Wir haben deshalb zunächst geschildert, wie jemand selbst sein Karma übernimmt und im vierzigsten Jahre zum Beispiel etwas ausgleicht, damit ihn die Ursachen vom zwölftenJahre nicht treffen. Da nimmt er Karma in sein Einzelpersön&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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lichkeitsbewußtsein hinein. Wenn dagegen der Mensch irgendwohin getrieben wird, wo er einen Schmerz erleiden kann, um etwas auszugleichen, um ein besserer Mensch zu werden, so kommt das auch aus dem Menschen; nur kommt es nicht aus dem Einzelpersönlichkeitsbewußtsein, sondern aus einem umfassenderen Bewußtsein, das mitumfaßt die Zeit zwischen Tod und neuer Geburt. Dasjenige Wesen im Menschen, welches von diesem Bewußtsein umfaßt wird, wollen wir die «Individualität» des Menschen nennen; und dieses Bewußtsein, das also fortwährend unterbrochen wird durch das Persönlichkeitsbewußtsein, wollen wir das «individuelle Bewußtsein» nennen, im Gegensatz zum Einzelpersönlichkeitsbewußtsein. So sehen wir Karma wirksam in bezug auf die Individualität des Menschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun würden wir das menschliche Leben aber trotzdem nicht verstehen, wenn wir nur die Reihe der Erscheinungen verfolgen würden, wie wir es bis jetzt getan haben, indem wir nur dasjenige ins Auge faßten, was im Menschen um des Menschen selber willen an Ursachen liegt und an Wirkungen aufgesucht wird. Wir brauchen uns nur einen einfachen Fall vor die Seele zu führen, der nur so dargestellt werden soll, daß er anschaulicher wirkt, und wir werden gleich sehen, daß wir das menschliche Leben nicht verstehen, wenn wir nur dasjenige in Betracht ziehen, was wir jetzt eben gesagt haben. - Nehmen wir einen Erfinder oder Entdecker, zum Beispiel Kolumbus oder den Entdecker der Dampfmaschine oder irgendeinen andern. In der Entdeckung liegt eine bestimmte Handlung, eine bestimmte Tat. Wenn wir diese Tat ins Auge fassen, so wie sie der Mensch getan hat, und dann die Ursache suchen, warum sie der Mensch getan hat, dann werden wir immer solche Ursachen finden, welche in der Richtung liegen, wie wir sie jetzt an- gegeben haben. Warum Kolumbus zum Beispiel nach Amerika fuhr, warum er gerade in einem bestimmten Zeitpunkt diese Absicht faßte, dazu werden wir die Ursachen finden in seinem individuellen und persönlichen Karma. Aber wir werden uns jetzt fragen können: Wird diese Ursache nur im persönlichen und individuellen Karma gesucht werden müssen? Und wird die Tat als Wirkung nur betrachtet werden müssen für die Individualität, die in Kolumbus wirksam war? - Daß Kolumbus Amerika entdeckt hat, hat eine bestimmte Wirkung für ihn gehabt. Er &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
ist dadurch gestiegen, ist vollkommener geworden. Das wird sich zeigen in der Fortentwickelung seiner Individualität im folgenden Leben. Aber welche Wirkungen hat diese Tat noch für andere Menschen gehabt? Müßte sie nicht auch als Ursache betrachtet werden, die in unzählige Menschenleben eingegriffen hat?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist aber noch eine ziemlich abstrakte Betrachtung einer solchen Sache, die wir viel tiefer erfassen können, wenn wir das Menschenleben über große Zeitspannen hin betrachten. Nehmen wir an, wir betrachten das Menschenleben,wie es sich abgespielt hat im ägyptisch-chaldäischen Zeitalter, das dem griechisch-lateinischen vorangegangen ist. Wenn wir dieses Zeitalter prüfen in bezug auf das, was es den Menschen gegeben hat und was die Menschen damals erfahren haben, dann zeigt sich uns etwas höchst Eigentümliches. Wenn wir diese Epoche vergleichen mit unserer eigenen, dann werden wir erkennen, daß dasjenige, was in unserem eigenen Zeitalter geschieht, zusammenhängt mit dem, was in der ägyptisch-chaldäischen Kulturperiode vor sich gegangen ist. Das griechisch-lateinische Zeitalter steht zwischen beiden darinnen. In unserer Zeit würden gewisse Dinge nicht geschehen, wenn nicht gewisse Dinge in der ägyptisch-chaldäischen Kultur geschehen wären. Wenn die gegenwärtige Naturwissenschaft dieses oder jenes an Ergebnissen zustande gebracht hat, so rührt das allerdings auch von Kräften her, welche sich aus der Menschenseele entwickelt und entfaltet haben. Aber die Menschenseelen, die in unserer Zeit gewirkt haben, waren auch verkörpert im ägyptisch-chaldäischen Zeitalter und haben dort gewisse Erlebnisse aufgenommen, ohne welche sie das nicht verrichten könnten, was sie heute verrichten. Hätten nicht die Schüler der altägyptischen Tempelpriester die ägyptische Astrologie über die Zusammenhänge des Himmels aufgenommen, so hätten sie nicht auf ihre Art später ein- dringen können in die Weltengeheimnisse, und es wären in gewissen Seelen unserer Zeit nicht die Kräfte gewesen, welche die Menschheit jetzt in unserer Zeit hin ausgeführt haben in die Himmelsräume. Wie kam zum Beispiel Kepler zu seinen Entdeckungen?` Er kam dazu, weil eine Seele in ihm lebte, die im ägyptisch-chaldäischen Zeitraum die Kräfte zu jenen Entdeckungen aufgenommen hatte, welche sie im fünften Zeitraum dann machen konnte. Es erfüllt uns mit einer gewissen &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
inneren Befriedigung, wenn in einzelnen Geistern gleichsam Erinnerungen auftauchen in der Art, daß die Keime zu dem, was sie jetzt tun, in der Vergangenheit gelegt worden sind. Einer der Geister, der Wichtiges geleistet hat in bezug auf die Erforschung der Himmelsgesetze, Kepler, sagt von sich selbst:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
«J~t,ich bin es, ich habe die goldenen Gefäße der Ägypter geraubt, um mt:..,jnem Gott aus ihnen ein Heiligtum zu errichten, fern von den Grenze.n Ägyptens. Wenn ihr mir vergebt, werde ich mich freuen, wenn ihr zürnt, werde ich es tragen; - hier werf ich den Würfel und schreibe dies Buch für den heutigen wie den dereinstigen Leser - was liegt daran? Und wen es auf seinen Leser hundert Jahre warten muß: Gott selbst hat sechs Jahrtausende dessen geharrt, der sein Werk erkennend er- blickt. »&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist eine sporadisch auftauchende Erinnerung des Kepler an das, was er als Keim aufgenommen hat zu dem, was er in seinem persönlichen Dasein als Kepler vollbringen konnte. So könnten Hunderte von ähnlichen Beispielen angeführt werden. - Da sehen wir aber noch etwas anderes als bloß die Tatsache, daß bei Kepler etwas auftaucht, was die Wirkung ist von Erlebnissen eines früheren Erdenlebens. Wir sehen etwas auftauchen, was als die gesetzmäßige Wirkung erscheint für die ganze Menschheit von etwas, was wiederum bedeutsam war für die Menschheit in einer früheren Zeit. Wir sehen, wie der Mensch hin- gestellt wird an einen Ort, um für die ganze Menschheit etwas zu leisten. Wir sehen, daß nicht nur im individuellen Menschenleben, sondern daß in der ganzen Menschheit Zusammenhänge bestehen zwischen Ursachen und Wirkungen, die sich über weite Zeiträume hin erstrecken. Und wir können daraus entnehmen, daß sich das individuelle Karmagesetz kreuzen wird mit den Gesetzen, welche wir nennen können die karmischen Menschheitsgesetze. Manchmal ist dieses Kreuzen allerdings wenig durchsichtig. Denken Sie, was wäre aus unserer Astronomie geworden, wenn einstmals nicht das Fernrohr erfunden worden wäre, das in einer bestimmten Zeit erfunden worden ist. Verfolgen Sie unsere Astronomie zurück, und Sie werden sehen, daß unendlich vieles an der Erfindung des Fernrohres hängt. Nun ist es ja bekannt, daß das Fernrohr dadurch erfunden worden ist, daß in einer optischen Werkstatt einmal Kinder &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|29}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
mit Linsen gespielt haben, wobei sie durch einen «Zufall», so könnte man sagen, optische Linsen so zusammengestellt haben, daß hernach jemand darauf gekommen ist: Dadurch könnte sich so etwas ergeben wIe ein Fernrohr. - Denken Sie, wie tief Sie suchen müssen, um zu dem individuellen Karma der Kinder und dem Karma der Menschheit zu kommen, daß in einem bestimmten Zeitpunkt das Fernrohr erfunden worden ist! Versuchen Sie das zusammenzudenken, und Sie werden sehen, wie in merkwürdiger Art das Karma einzelner Individualitäten und das Karma der ganzen Menschheit sich kreuzen und ineinanderweben! Da werden Sie sich sagen: Man müßte sich die ganze Menschheitsentwickelung anders denken, wenn nicht zu einer bestimmten Zeit dies oder jenes eingetreten ware.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Frage ist gewöhnlich ganz müßig: Was wäre mit dem Römischen Reiche geworden, wenn nicht die Griechen in einer bestimmten Zeit den persischen Angriff in den Perserkriegen zurückgeschlagen hätten? - Aber nicht müßig ist die Frage: Wodurch ist es gekommen, daß die Perserkriege gerade in dieser Weise verlaufen sind? - Wer dieser Frage nachgeht und eine Antwort sucht, der wird sehen, daß im Orient ganz bestimmte Errungenschaften nur dadurch zustande kamen, daß gewisse despotische Herrscher da waren, die nur für ihre Person etwas wollten und sich zu diesem Zwecke verbanden mit den Opferpriestern und so weiter. Die ganzen damaligen Staatseinrichtungen waren notwendig, damit im Orient etwas geschaffen werden konnte, aber diese Einrichtungen haben es mit sich gebracht&amp;gt; daß auch alle die Schäden eintraten, die dann eingetreten sind. Und damit hängt es zusammen, daß ein andersgeaitetes Volk - die Griechen - im entsprechenden Moment den morgenländischen Angriff zurückschlagen konnte. Wenn wir das bedenken, werden wir fragen: Wie steht es mit dem Karma der Persönlichkeiten, die in Griechenland gewirkt haben, um den persischen An- griff zurückzuschlagen? - Da werden wir manches Persönliche finden im Karma der betreffenden Menschen; aber wir werden auch finden, daß das persönliche Karma mit dem Volks- und Menschheitskarma verknüpft ist, so daß es berechtigt ist zu sagen: Das ganze Menschheitskarma hat gerade diese bestimmten Persönlichkeiten an diesen Ort in diese Zeit gestellt! - Wir sehen da hineinspielen Menschheitskarma in &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|30}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
das Einzelkarma. Und wir werden uns weiter fragen müssen, wie diese Dinge zusammenspielen. Aber wir können noch weitergehen und einen andern Zusammenhang betrachten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir können zurückblicken im Sinne der Geisteswissenschaft auf eine Zeit unserer Erdenentwickelung, in der es auf unserer Erde noch kein Mineralreich gegeben hat. Unserer Erdenentwickelung gingen voran die Saturn-, die Sonnen- und die Mondentwickelung, wo es noch kein mineralisches Reich in unserem Sinne gegeben hat. Erst auf der Erde sind unsere heutigen Mineralien in ihren heutigen Formen entstanden. Dadurch aber, daß sich das Mineralreich ausgeschieden hat im Verlaufe der Erdentwickelung, ist es als ein besonderes Reich für alle Folgezeit da. Vorher haben sich Menschen, Tiere und Pflanzen so entwickelt, daß kein ihnen zugrunde liegendes Mineralreich vorhanden war. Damit die andern Reiche einen späteren Fortschritt erreichen konnten, mußten sie das Mineralreich ausscheiden. Aber nachdem sie es ausgeschieden haben, können sie sich nur so entwickeln, wie sie sich entwickeln auf einem Planeten, der eine feste mineralische Grundlage hat. Und nie wird etwas anderes entstehen als das, was unter der Voraussetzung geschah, daß die Bildung eines Mineralreiches zustande kam. Das Mineral reich ist da, und alle späteren Schicksale der andern Reiche hängen ab von der Entstehung des Mineralreiches, das sich einmal in unserem Erdendasein in einer urfernen Vergangenheit gebildet hat. - So ist mit der Tatsache der Entstehung des Mineral reiches etwas geschehen, womit alle spätere Erdentwickelung zu rechnen hat. Es wird sich an allen andern Wesen erfüllen, was aus der Entstehung des Mineralreiches folgt. Da haben wir wieder in späteren Zeitaltern die karmische Erfüllung für etwas, was früher geschehen ist. Auf der Erde erfüllt sich, was sich auf der Erde vorbereitet hat. Es ist ein Zusammenhang von dem,was früher, und dem, was später geschehen ist, aber auch ein solcher Zusammenhang, der in der Wirkung zurückschlägt auf das verursachende Wesen. Menschen, Tiere und Pflanzen haben das Mineralreich ausgeschieden, und das Mineral reich schlägt wieder auf sie zurück. Da sehen wir, daß es möglich ist, von einem Karma der Erde zu sprechen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und endlich können wir etwas hervorheben, wozu sich die Grund-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|31}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
lagen in den allgemeinen Ausführungen der «Geheimwissenschaft im Umriß» finden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir wissen, daß gewisse Wesenheiten zurückgeblieben sind auf der Stufe der alten Mondentwickelung, und daß diese Wesen zurückgeblieben sind, um dem Menschen der Erde ganz bestimmte Eigenschaften beizubringen. Aber nicht nur Wesenheiten sind zurückgeblieben von der alten Mondenzeit der Erde, sondern auch Substantialitäten. Auf der Mondenstufe sind Wesen stehengeblieben, die als luziferische Wesenheiten in unser Erdendasein hineinwirken. Durch diese Tatsache des Stehenbleibens und des Hereinwirkens in unser Erdendasein vollziehen sich im Erdendasein Wirkungen, zu denen die Ursachen schon im Mondendasein gelegt worden sind. Aber auch substantiell vollzieht sich so etwas. - Wenn wir heute unser Sonnensystem ansehen, finden wir es zusammengesetzt aus Weltenkörpern, die regelmäßig wiederkehrende und eine gewisse innere Geschlossenheit zeigende Bewegungen ausführen. Aber andere Weltenkörper finden wir, die sich zwar auch mit einem gewissen Rhythmus bewegen, die aber sozusagen die gewöhnlichen Gesetze des Sonnensystems durchbrechen, nämlich die Kometen. Nun ist die Substanz eines Kometen nicht eine solche mit Gesetzen, wie sie in unserem gewöhnlichen, regulären Sonnensystem bestehen, sondern mit Gesetzen, wie sie im alten Mondendasein existiert haben. In der Tat hat sich im kometarischen Dasein erhalten die Gesetzmäßigkeit des alten Mondendaseins. Ich habe schon öfter erwähnt, daß die Geistes- wissenschaft diese Gesetzmäßigkeit nachgewiesen hat, bevor eine Bestätigung von seiten der Naturwissenschaft eingetreten ist. Im Jahre 1906 habe ich in Paris auf die Tatsache aufmerksam gemacht, daß während des alten Mondendaseins gewisse Verbindungen von Kohlenstoff und Stickstoff eine ähnliche Rolle spielten wie heute auf der Erde Verbindungen von Sauerstoff und Kohlenstoff, also Kohlensäure, Kohlendioxyd und so weiter. Diese letzteren Verbindungen haben etwas Ertötendes. Eine ähnliche Rolle haben Zyanverbindungen, blausäureartige Verbindungen während des alten Mondendaseins gespielt. Auf diese Tatsache wurde hingewiesen von der Geisteswissenschaft 1906. Auch in andern Vorträgen wurde darauf hingewiesen, daß das kometarische Dasein die Gesetze des alten Mondendaseins hineinführt &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|32}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
in unser Sonnensystem, so daß also nicht nur zurückgeblieben sind die luziferischen Wesen, sondern auch die Gesetzmäßigkeit der alten Mondensubstanz, die in unregelmäßiger Weise hineinwirkt in unser Sonnensystem. Und es wurde immer gesagt, das kometarische Dasein müsse heute noch etwas enthalten wie Zyanverbindungen in der Kometenatmosphäre. Erst viel später, als das durch die Geisteswissenschaft verkündet worden ist, in diesem Jahre erst, ist durch die Spektralanalyse das Blausäurespektrum im Kometendasein gefunden worden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier haben Sie einen der Beweise dafür, wenn gesagt wird: Zeigt uns einmal, wie man wirklich mit der Geisteswissenschaft etwas finden kann! - Solche Dinge gibt es mehr; sie sollten nur beobachtet werden. So wirkt also etwas hinein von unserem alten Mondendasein in das jetzige Erdendasein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun fragen wir uns: Darf behauptet werden, daß äußeren sinnlichen Erscheinungen zugrunde liegt ein Geistiges?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den, der sich zur Geisteswissenschaft bekennt, ist es klar, daß hinter allem sinnlich Wirklichen auch ein Geistiges liegt. Wenn substantiell etwas vom alten Mondendasein hineinwirkt in unser Erden- dasein, wenn der Komet unser Erdendasein bestrahlt,,so wirkt dahinter auch etwas Geistiges. Und wir könnten sogar angeben, welches Geistige sich zum Beispiel anzeigt durch den Halleyschen Kometen. Der Halleysche Komet ist der äußere Ausdruck - jedesmal, wenn er in die Sphäre unseres Erdendaseins hineinkommt - zu einem neuen Impuls zum Materialismus. Das mag der heutigen Welt abergläubisch erscheinen. Aber die Menschen sollten sich dann nur darauf besinnen, wie sie selbst geistige Wirkungen von Konstellationen der Sterne herleiten. Oder wer würde nicht sagen, daß der Eskimo deshalb ein andersgeartetes Menschenwesen ist als zum Beispiel der Hindu, weil in der Polargegend die Sonnenstrahlen unter einem andern Winkel einfallen? Überall führen auch die Naturwissenschafter auf Sternkonstellationen geistige Wirkungen in der Menschheit zurück. - Also ein geistiger Impuls zum Materialismus erfolgt parallel dem Halleyschen Kometen. Dieser Impuls kann nachgewiesen werden: Auf das Erscheinen des Halleyschen Kometen vom Jahre 1835 folgte jene materialistische Zeitströmung, die man bezeichnen kann als den Materialismus der zweiten Hälfte des &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|33}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
vorIgen Jahrhunderts; auf die Erscheinung vorher folgte die materialistische Aufhlärerei der französischen Enzyklopädisten. Das ist der Zusammenhang.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit gewisse Dinge eintreten im Erdensein, mußten die Ursachen dazu früher, außerhalb des Erdendaseins gelegt werden. Und hier haben wir es sogar mit einem Weltenkarma zu tun. Denn warum ist auf dem alten Monde Geistiges und Substantielles ausgeschaltet worden? Damit gewisse Wirkungen wieder zurückstrahlen können auf die jenigen Wesenheiten, welche dieses ausgeschieden haben. Die luziferisehen Wesenheiten sind ausgeschieden worden, haben eine andere Entwickelung durchmachen müssen, damit für die Wesen, die auf der Erde sind, freier Wille und die Möglichkeit zum Bösen auf der Erde entstehen konnten. Da haben wir etwas, was an karmischen Wirkungen über unser Erdendasein hinausgeht: einen Ausblick auf das Weltenkarma.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So konnten wir heute sprechen über den Karmabegriff, über seine Bedeutung für die einzelne Persönlichkeit, für die Individualität, für die ganze Menschheit, innerhalb der Wirkungen unserer Erde und über die Erde hinaus - und wir haben noch etwas gefunden, was wir als Weltenkarma ansprechen können. So finden wir das Karmagesetz, das wir nennen können ein Gesetz vom Zusammenhang zwischen Ursache und Wirkung, aber in der Weise, daß die Wirkung wieder auf die Ursache zurückschlägt und daß sich beim Zurückschlagen noch das Wesen erhalten hat, dasselbe geblieben ist. Wir finden diese karmische Gesetzmäßigkeit überall in der Welt, insofern wir die Welt als eine geistige betrachten. Wir ahnen, daß sich das Karma auf den verschiedensten Gebieten in der verschiedensten Weise offenbaren wird. Und wir ahnen, wie die verschiedenen karmischen Strömungen - persönliches Karma, Menschheitskarma, Erdenkarma, Weltenkarma und so weiter - sich kreuzen werden und daß uns gerade dadurch die Aufschlüsse werden, die wir brauchen, um das Leben zu verstehen. Und an seinen einzelnen Punkten ist das Leben nur zu verstehen, wenn wir das Zusammenwirken der verschiedensten karmischen Strömungen finden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
= ZWEITER VORTRAG Hamburg, 17. Mai 1910 =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bevor wir zu unseren eigentlichen menschlichen Karmafragen kommen, wie sie angekündigt sind, sind eine Reihe von Vorbetrachtungen notwendig. Dazu gehört das, was gestern gesagt worden ist: eine Art Beschreibung des Karmabegriffes. Dazu gehört auch das, was heute zu sagen sein wird über Karma und Tierreich. Was man nennen könnte äußere Beweise für die Wirklichkeit der karmischen Gesetzmäßigkeit, das werden Sie im Laufe des Zyklus an denjenigen Stellen finden, wo gerade Veranlassung sein wird, auf diese äußeren Beweise besonders hinzudeuten. Bei diesen Gelegenheiten werden Sie auch die Möglichkeit finden, über die Begründung der Karmaidee zu Außenstehenden zu sprechen, welche Sie, über dies oder jenes als Zweifler an der ganzen Karmaidee, befragen werden. Zu alledem sind aber einige Vorbetrachtungen notwendig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was läge denn näher, als zu fragen: Wie verhalten sich tierisches Leben, tierisches Schicksal zu dem, was wir den Verlauf des menschlichen Karma nennen, in dem wir - wie sich zeigen wird - die wichtigsten und tiefeingreifendsten Schicksals fragen für den Menschen beschlossen finden?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Verhältnis der Menschen auf der Erde zur Tierwelt ist ja im Laufe der Zeit und auch je nach den verschiedenen Völkern ein verschiedenes. Und es ist gewiß nicht uninteressant, zu sehen, wie bei Völkerschaften, die sich die besten Teile der uralt heiligen Weisheit der Menschheit bewahrt haben, eine weitgehend mitleidvolle, liebevolle Behandlung der Tiere Platz gegriffen hat. Innerhalb der Welt des Buddhismus zum Beispiel, der sich wichtige Teile alter Weltanschauungen bewahrt hat, wie sie die Menschen in ihrer Urzeit hatten, haben wir eine tiefgehend mitleidvolle Behandlung der Tiere, eine Behandlung der Tiere und Gefühle gegenüber der Tierwelt, die in Europa unzählige Menschen noch nicht verstehen können. Aber auch bei andern Völkern - ich erinnere nur an den Araber in bezug auf Behandlung seines Pferdes -, insbesondere wenn diese Völker sich etwas bewahrt &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
haben von den alten Anschauungen, wie sie als alte Erbstücke da und dort auftreten, finden Sie eine Art «Freundschaft» zu den Tieren, etwas wie menschliche Behandlung der Tiere. Dagegen darf man Wohl sagen, daß in denjenigen Gegenden, in denen sich eine Art von Weltanschauung der Zukunft vorbereitet, in den abendländischen Gegenden, wenig Verständnis für solches Mitleid mit der Tierwelt Platz gegriffen hat. Und charakteristisch ist es, daß im Verlaufe des Mittelalters und dann auch bis in unsere Zeit hinein gerade in Ländern, in denen die christlicheWeltanschauung Ausbreitung gewonnen hat, die Anschauung auf tauchen konnte, daß die Tiere überhaupt nicht als Wesen zu betrachten seien mit einem eigentlichen Seelenleben, sondern als eine Art Auto maten. Und es ist vielleicht nicht mit Unrecht darauf aufmerksam gemacht worden - wenn auch nicht immer mit einem großen Verständ nls -, daß diese Anschauungen, welche von der abendländischen Philosophie vielfach vertreten worden sind, daß die Tiere Automaten seien und ein eigentliches Seelen leben nicht haben, hinuntergesickert sind in die Volkskreise, die kein Mitleid und oft auch keine Grenze kennen in der grausamen Behandlung der ~iere. Ja, die Sache ist so weit gegangen, daß man einen großen Philosophen der Neuzeit, Cartesius, in seinen Gedanken über die Tierwelt recht gründlich hat mißverstehen können.Wir müssen uns natürlich klar sein, daß von den eigentlich bedeutenden Geistern der abendländischen Kulturentwickelung diese Anschauung,daß dieTiere nur Automaten seien, niemals vertreten worden ist. Es hat auch Cartesius nicht diese Anschauung vertreten, obwohl Sie In vielen Büchern über Philosophie lesen können, daß Cartesius eine solche Anschauung vertreten habe. Das ist aber nicht wahr; sondern&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wer Cartesius kennt, der weiß, daß er den Tieren zwar nicht ein solches Seelisches zuschreibt, das sich dazu entwickeln kann, aus dem Ich- Bewußtsein heraus zu elnem Beweise für das Dasein Gottes zu kommen, aber er schreibt dennoch dem ,Tiere zu, daß es durchströmt, durchseelt ist mit den sogenannten Lebensgeistern, die allerdings nicht eine so einheitlicbe Individualität darstellen wie das Ich des Menschen, aber doch in der tierischen Organisation als Seele wirken. Und es ist gerade das Charakteristische, daß man Cartesius in dieser Beziehung hat gründlich mißverstehen können. Denn das zeigt uns, daß in den verflossenen &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Jahrhunderten unserer abendländischen Entwickelung die Tendenz vorhanden war, den Tieren etwas bloß Automatisches zuzuschreiben, und diese Tendenz hat man selbst da hineingelesen, wo man sie nicht hätte hineinlesen können, wenn man gewissenhaft zu Werke gegangen wäre, nämlich bei Cartesius. Die abendländische Kulturentwickelung hat das Eigentümliche, daß sie sich herausbilden mußte aus den Elementen des Materialismus. Und man kann sogar sagen: Der Aufgang des Christentums hat sich so vollzogen, daß dieser bedeutungsvolle Impuls der Menschheitsentwickelung zuerst in eine materialistische abendländische Gesinnung hineinverpflanzt worden ist. Der Materialismus der neueren Zeit ist nur eine Folge dessen, daß auch das spirituellste Religionsbekenntnis, das Christentum, zunächst im Abendlande eine materialistische Auffassung hat finden können. Es ist einmal - wenn wir so sagen dürfen - das Menschheitsschicksal der abendländischen Völker, daß sie sich emporarbeiten müssen aus materialistischen Untergründen und gerade in der Überwindung der materialistischen Ansichten und Tendenzen die starken Kräfte werden entfalten müssen zu einem höchsten Spiritualismus. Damit, daß dieses Schicksal, dieses Karma den abendländischen Völkern geworden ist, ist auch bei ihnen jener Zug entstanden, die Tiere nur wie Automaten zu betrachten. Wer nicht gut das Wirken des geistigen Lebens durchschauen kann, wer nur sich halten kann an das, was uns in der sinnlichen Außenwelt umgibt, der wird aus den Eindrücken dieser sinnlichen Außenwelt heraus leicht zu einer Auffassung über die Tierwelt kommen können, welche die Tiere möglichst niedrig stellt. Dagegen haben solche Weltanschauungen, die noch Elemente der alten spirituellen Weltanschauungen der Urweisheit der Menschheit in sich behalten haben, sich eine Art Erkenntnis bewahrt über das, was auch in der Tierwelt geistig ist; und trotz allen Mißverständnissen, trotz all dem, was sich in ihre Weltanschauungen eingeschlichen und deren Reinheit verdorben hat, konnten sie doch nicht vergessen&amp;gt; daß geistige Tätigkeiten, geistige Gesetze an dem Ausleben und Ausgestalten des Tierischen betätigt sind. Wenn wir also auf der einen Seite gerade in dem Mangel geistiger Weltanschauungen ein Unverständnis des Tierisch-Seelischen erblicken müssen, so dürfen wir uns auf der andern Seite nicht darüber täuschen, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
daß auch das wiederum nur ein Ausfluß einer rein materialistischen Weltanschauung wäre, wenn wir die Karmaidee, wie sie uns dienen wird, menschliches Schicksal und menschliches Karma zu verstehen, ohne weiteres auf die tierische Welt anwenden würden. Das dürfen wir nicht. Es ist schon gestern darauf hingewiesen worden, daß es notwendig ist, den Begriff des Karma ganz genau zu fassen. Und wir würden fehlgehen,wenn wir das&amp;gt; was wir gefordert haben als ein Rückschlagen der Wirkung auf das Wesen, von dem die Verursachung ausgegangen ist, wenn wir das auch in der tierischen Welt suchen würden; denn in einem umfassenderen Maße werden wir die karmische Gesetzmäßigkeit erst dadurch kennenlernen können, daß wir über das einzelne menschliche Leben zwischen Geburt und Tod hinausgehen, den Menschen verfolgen durch die Aufeinanderfolge seiner Wiederverkörperungen und daß wir finden werden, daß jener Rückschlag einer Ursache, welche wir in einem Leben gelegt haben, erst in einem späteren Leben kommen kann, so daß sich die karmische Gesetzmäßigkeit von Leben zu Leben zieht, und die Wirkungen von Ursachen eben nicht einzutreten brauchen - ja, wenn wir Karma im großen betrachten, auch ganz gewiß nicht eintreten in demselben Leben zwischen Geburt und Tod.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun wissen wir schon aus den äußeren geisteswissenschaftlichen Betrachtungen, daß wir beim T`lere von einer solchenWiederverkörperung, wie sie beim Menschen stattfindet, nicht sprechen können. Für jene menschliche Individualität, welche sich erhält, wenn der Mensch durch die Pforte des Todes schreitet, welche durchlebt ein besonderes Leben im Geistigen in der Zeit vom Tode bis zur neuen Geburt, um dann durch eine neue Geburt wieder ins Dasein zu treten, für diese menschliche Individualität finden wir etwas Ähnliches oder gar etwas ganz Gleiches in der tierischen Welt durchaus nicht. Wir können nicht in derselben Weise, wie wir den menschlichen Tod auffassen, von dem tierischen Tode sprechen. Denn alles, was wir beschreiben als die Schicksale der menschlichen Individualität, nachdem der Mensch durch die Pforte des Todes gesch ritten ist, verhält sich in der Tierwelt nicht in der gleichen Art; und wenn man glauben würde, daß wir in einem tierischen Individuum das wiederverkörperte Wesen eines schon früher auf der Erde vorhanden gewesenen Tieres suchen könnten, wie wir das beim Menschen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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tun müssen, dann würden wir uns durchaus einem Irrtum hingeben. Heute, wo man gern alles, was sich uns in der Welt darbietet, nur seiner Außenseite nach betrachtet und nicht auf das Innere eingeht, können ja die eigentlichen großen Gegensätze, die wichtigsten Unterscheidungen zwischen Mensch und Tier gar nicht vor Augen treten. Äußerlich - rein materialistisch betrachtet - nimmt sich die Erscheinung des Todes bei Mensch und Tier in der gleichen Art aus. Da kann man leicht glauben, wenn man das Leben eines Tieres betrachtet, daß man einzelne Erscheinungen dieses individuellen Lebens des Tieres vergleichen könnte mit einzelnen Erscheinungen des persönlichen Lebens des Menschen zwischen Geburt und Tod. Aber da würde man ganz fehlgehen. Deshalb soll auf die durchgreifenden Unterschiede zwischen demYierischen und dem Menschlichen zunächst an einzelnen Beispielen hingedeutet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nur derjenige kann sich nämlich diesen Unterschied zwischen Tier und Mensch vollständig klarlegen, der unbefangen nicht nur auf die sich seinem äußeren sinnlichen Anschauen, sondern auch auf die seinem kombinierenden Denken sich ergebenden Tatsachen eingeht. Da finden wir eine Erscheinung, die auch von den Naturforschern hervorgehoben wird, mit der aber die Naturforscher der Gegenwart nichts Rechtes anzufangen wissen, nämlich die Erscheinung, daß der Mensch eigentlich das Allereinfachste erst lernen muß: den Gebrauch der einfachsten Werkzeuge hat der Mensch im Laufe seiner Geschichte lernen müssen, und unsere Kinder müssen heute noch die allereinfachsten Sachen eben lernen, und sie müssen eine gewisse Zeit anwenden, um sie zu lernen. Es kostet Mühe, dem Menschen etwas beizubringen, einfache Handgriffe, Verfertigung von Instrumenten und Werkzeugen und so weiter. Wenn wir dagegen die Tiere betrachten, müssen wir sagen: Wieviel besser haben es die Tiere in dieser Beziehung! - Denken wir uns, wie der Biber seinen komplizierten kunstvollen Bau aufführt. Er braucht es nicht zu lernen; er kann es, indem er es mitbringt als eine ihm eingeprägte Gesetzmäßigkeit, wie wir uns als Menschen mitbringen die Möglichkeit, die «Kunst», um das siebente Jahr unsere Zähne zu wechseln. Das braucht auch keiner zu lernen. So bringen sich die Tiere eine solche Fähigkeit mit, wie sie der Biber hat, seinen Bau aufzuführen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Und wenn Sie Umschau halten im Tierreich, werden Sie finden, daß die Tiere sich ganz bestimmte Kunstfertigkeiten mitbringen, durch welche etwas zustande gebracht werden kann, an das menschliche Kunst fertigkeit bei allem, wie wir es so herrlich weit gebracht haben, noch lange nicht heran reicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun kann die Frage entstehen: Wie kommt es denn eigentlich, daß der Mensch, wenn er geboren wird, unfähiger ist als zum Beispiel ein Huhn oder ein Biber, daß er das, was diese Wesenheiten sich schon mit- bringen, erst mühevoll sich aneignen muß? Das ist eine große Frage. Und daß es eine große Frage ist, muß man vor allen Dingen empfinden lernen. Denn es kommt bei dem, was der Mensch für seineWeltanschauung gewinnen muß&amp;gt; viel weniger darauf an, daß man auf wichtige Tatsachen hinweist, als daß man weiß, wo wichtige Fragen zu stellen sind. Tatsachen können richtig sein, brauchen aber nicht immer wertvoll zu sein für unsere Weltanschauung. Nun würde es, obwohl wir noch heute auf die Ursachen dieser Erscheinungen geisteswissenschaftlich eingehen werden, doch zu weit führen, wenn man in allen Einzelheiten zeigen würde, warum das so ist. Aber zunächst kann doch mit ein paar Worten darauf hingewiesen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir geisteswissenschaftlich zurückgehen in der menschlichen Entwickelung bis in urferne Vergangenheiten, so werden wir finden, daß diejenigen Kräfte und Elemente, welche sozusagen dem Biber oder einem andern Tiere zur Verfügung stehen, um solche Kunstfertigkeiten mit sich auf die Welt zu bringen, dem Menschen auch zur Verfügung gestanden haben. Der Mensch hat ja nicht gerade in seine Anlage in urferner Vergangenheit bloß die Ungeschicklichkeit aufgenommen und dem Tiere überlassen müssen die primitive Geschicklichkeit. Er hat diese Anlage auch empfangen, ja im Grunde genommen in einem weit reicheren Maße als die Tiere. Denn wenn auch die Tiere gewisse große Kunstfertigkeiten mit auf die Welt bringen, so sind diese doch im Leben einseitig. Der Mensch kann im Grunde genommen gar nichts, wenn er ins Leben tritt, er muß alles erst lernen, was sich auf die äußere Welt bezieht. Das ist etwas radikal ausgedrückt, aber wir werden uns verstehen. Wenn der Mensch aber dann lernt, zeigt sich bald, daß er vielseitiger, daß seine Entwickelung eine reichere werden kann in bezug &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
auf die Ausprägung gewisser Kunstfertigkeiten und dergleichen, als das beim Tiere der Fall ist. Also der Mensch hat reiche Anlagen ursprünglich mitbekommen - und dennoch hat er sie heute nicht. Nun tritt die eigentümliche Erscheinung zutage, daß ursprünglich Mensch und Tier in gleicher Weise ausgestattet waren. Und wenn wir zurückgehen würden bis zur alten Saturnentwickelung, so würden wir finden, daß eine Unterscheidung der menschlichen und tierischen Entwickelung noch gar nicht stattgefunden hatte. Da waren beide vollständig gleich veranlagt. - Was ist nun in der Zwischenzeit geschehen, daß das Tier alle möglichenGeschicklichkeiten mit ins Dasein trägt,während der Mensch ein so ungeschickter Genosse des Weltendaseins ist? Wie hat sich der Mensch eigentlich benommen in der Zwischenzeit, daß er jetzt plötzlich alles das nicht hat,was er mitbekommen hatte? Hat er das im Laufe der Entwickelung sinnlos verschwendet, während es sich die Tiere als sparsame Haushalter bewahrt haben? Diese Frage kann aus dem wirklichen Tatbestand heraus aufgeworfen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Mensch hat diese Anlagen, die heute das Tier in äußerer Geschicklichkeit auslebt, nicht verschwendet; er hat sie auch verwendet, aber zu etwas anderem als die Tiere. Die Tiere prägen sie in äußeren Geschicklichkeiten aus; Biber und Wespe bauen ihr Nest. Der Mensch hat dieselben Kräfte, welche die Tiere in dieser Art ausleben, in sich selber hineingetan und verwendet. Und er hat dadurch zustande gebracht, was wir seine höhere menschliche Organisation nennen. Daß der Mensch heute seinen Gang aufrecht hat, daß er das vollkommenere Gehirn, überhaupt eine vollkommenere innere Organisation hat, das bedurfte auch gewisser Kräfte; und das sind dieselben Kräfte, mit denen sich der Biber seinen Biberbau errichtet. Der Biber baut sich sein Nest. Der Mensch hat die Kräfte auf sich verwendet, zu seinem Gehirn, zu seinem Nervensystem und so weiter. Daher hat der Mensch zunächst nichts übrig behalten, um in derselben Weise nach außen zu arbeiten. Also, daß wir heute unter den Tieren schreiten mit einem vollkommeneren Bau, das rührt davon her, daß wir alles, was der Biber draußen verarbeitet, einmal im Laufe der Entwickelung auf unseren inneren Bau verwendet haben.Wir haben drinnen unseren Biberbau und können daher nach außen diese Kräfte nicht mehr in derselben Weise entfalten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Da sehen wir, wenn wir an einer einheitlichen Weltauffassung festhalten, wohin die verschiedenen Anlagen, die in den Wesen vorhanden sind, kommen und wie sie uns heute entgegentreten. Indem der Mensch in seiner Weise diese Kräfte verwendet hat, wurde für ihn in seiner Erdentwickelung eine ganz besondere Einrichtung notwendig, die wir zum Teil schon kennen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Warum mußten beim Menschen die Kräfte, von denen jetzt eben gesprochen worden ist und die uns bei den verschiedenen Arten und Gattungen des Tierreiches in äußeren Verrichtungen entgegentreten, auf das Innere der menschlichen Organisation verwendet werden? Weil der Mensch nur dadurch, daß er sich die innere Organisation verschaffen konnte, der Träger dessen werden konnte, was heute das Ich ist, was von Inkarnation zu Inkarnation schreitet. Eine andere Organisation hätte kein solcher Ich-Träger werden können; denn es hängt durchaus von dem äußeren Gehäuse ab, ob eine Ich-Individualität sich im Erden- dasein betätigen kann oder nicht. Sie könnte es nicht, wenn die äußere Organisation nicht der Ich-Individualität angemessen wäre. Alles lief also darauf hinaus, die äußere Organisation dieser Ich-Individualität angemessen zu machen. Dazu mußte eine besondere Einrichtung geschaffen werden, und die kennen wir schon ihrer wesentlichen Seite nach.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir wissen, daß unserer Erdentwickelung vorangegangen ist die Mondentwickelung, dieser wieder die Sonnenentwickelung und dieser eine Saturnentwickelung. Als die alte Mondentwickelung zu Ende war, war der Mensch auf einer Stufe in bezug auf sein äußeres Dasein, die man als Tier-Menschlichkeit bezeichnen kann. Aber damals war diese äußere menschliche 0rganisation noch nicht so weit, daß sie der Träger einer Ich-Individualität hätte werden können. Erst die Erdentwickelung des Menschen hatte die Aufgabe, dieser Organisation das Ich einzuverleiben. Das konnte aber nur dadurch geschehen, daß die Vorgänge unserer Erdentwickelung in einer ganz eigenartigen Weise eingerichtet wurden. - Als die alte Mondentwickelung zu Ende gegangen war, löste sich alles sozusagen in ein Chaos auf. Daraus ging nach einer entsprechenden Zeit kosmischer Dämmerung wieder hervor der neue Kosmos unserer Erdentwickelung. In diesem Kosmos der Erdentwickelung war &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|42}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
damals alles enthalten, v`as heute als unser Sonnensystem mit uns und der Erde verbunden ist. Aus diesem Zusammenhang, aus dieser kosmischen Einheit haben sich dann erst abgespalten alle andern Weltkörper von unserer eigentlichen Erde. Wir brauchen nicht einzugehen auf die Art und Weise, wie sich die andern Planeten, Jupiter, Mars und so weiter, abgespalten haben. Wir müssen nur darauf hinweisen, daß in einem bestimmten Zeitpunkt der Erdentwickelung sich unsere Erde und unsere Sonne getrennt haben. Als dann schon die Sonne abgetrennt war und ihre Wirkungen von außen auf die Erde hereinsandte, war unsere Erde noch mit dem heutigen Monde verbunden, so daß die Substanzen und geistigen Kräfte, die heute an den Mond gekettet sind, damals noch mit unserer Erde verbunden waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist öfter schon die Frage berührt worden, was geschehen wäre, wenn sich die Sonne nicht abgespalten hätte von der Erde und nicht übergegangen wäre zu jenem Zustande, in dem sie wie heute von außen auf die Erde wirkt. Indem zunächst die Erde noch mit der Sonne verbunden war, waren bei den ganz anders gearteten Verhältnissen noch das ganze kosmische System und auch die Vorfahren der menschlichen Organisation miteinander vereinigt. Es ist natürlich ein Unding, die heutigen Verhältnisse anzuschauen und dann zu sagen: Was ist das für ein Unsinn von den Theosophen; da hätten ja alle die organisierten Wesen verbrennen müssen! - Diese Wesen waren eben so, daß sie unter den damaligen Verhältnissen in dieser ganz anders gearteten kosmischen Einheit bestehen konnten. - Wenn nun die Sonne in Verbindung mit der Erde geblieben wäre, dann wären ganz andere, viel heftigere Kräfte mit der Erde verbunden geblieben, und die Folge wäre gewesen, daß die ganze Entwickelung der Erde mit einer solchen Heftigkeit und Schnelligkeit fortgeschritten wäre, daß es gar nicht möglich gewesen wäre, daß die menschliche Organisation sich hätte so ausleben können, wie sie sich ausleben mußte. Daher war es notwendig, daß der Erde ein langsameres Tempo und dichtere Kräfte zur Verfügung gestellt wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das konnte nur dadurch geschehen, daß die stürmischen, vehementen Kräfte sich herauszogen aus der Erde. So wirkten die Kräfte der Sonne vor allen Dingen dadurch schwächer, daß sie jetzt von außen durch die Entfernung auf die Erde wirkten. Dadurch aber war nun etwas anderes &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|43}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
eingetreten. Es war jetzt die Erde in einem Zustande, daß die Menschen wiederum nicht hätten in der richtigen Weise vorwärtskommen können. Die Verhältnisse waren jetzt zu dicht, zu sehr verholzend und verdorrend für alles Leben. Der Mensch hätte wieder nicht zu seiner Entwickelung kommen können, wenn es so geblieben wäre. Abgeholfen wurde dem durch eine besondere Einrichtung, indem nämlich einige Zeit nach dem Sonnenaustritt der heutige Mond die Erde verlassen hat und die verlangsamenden Kräfte, die das Leben hätten zu einem langsamen Tode kommen lassen, mit sich fortgenommen hat. So blieb die Erde zwischen Sonne und Mond zurück, gerade das richtige Tempo wählend für die menschliche Organisation, um ein Ich als einen Träger der Individualität, die von Inkarnation zu Inkarnation geht, wirklich aufzunehmen. Die menschliche Organisation, wie sie heute ist, war unter gar keinen andern Umständen aus dem Kosmos heraus herzu stellen als durch diesen Vorgang zunächst der Sonnen- und dann der Mondentrennung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es könnte vielleicht jemand sagen: Wenn ich der Herrgott gewesen wäre, so hätte ich es anders gemacht; ich hätte gleich eine solche Mischung hergestellt, daß die menschliche Organisation in einer solchenWeise hätte fortschreiten können, wie sie hat fortschreiten müssen. Warum nun war es nötig, daß zuerst die Sonne heraustreten mußte und daß dann noch einmal ein Mondaustritt notwendig wurde?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer so denkt, denkt viel zu abstrakt. Er denkt nicht daran, daß, wenn in der Weltordnung eine innerliche Mannigfaltigkeit herbeigeführt werden soll, wie es die menschliche Organisation ist, für jeden einzelnen Teil eine besondere Einrichtung notwendig ist und daß man das nicht in die Wirklichkeit umsetzen kann, was sich der menschliche Gedanke spintisierend ausdenkt. In abstracto kann man alles denken; aber in der wirklichen Geisteswissenschaft muß man lernen, konkret zu denken, so daß man sich sagt: Die menschliche Organisation ist ja keine einfache. Sie besteht aus einem physischen Leib, einem Ätherleib und einem astralischen Leib. Diese drei Glieder mußten erst in ein bestimmtes Gleichgewicht gebracht werden, so daß die einzelnen Teile in einem richtigen Verhältnisse zueinander stehen. Das konnte nur durch diesen dreifachen Vorgang stattfinden: Zuerst die Bildung des einheit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|44}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
lichen Kosmos, der ganzen kosmischen Einheit Erde, Sonne und Mond zusammen. Dann mußte vollzogen werden für sich dasjenige, was im menschlichen Ätherleib verlangsamend wirken konnte, weil er sonst zu stürmisch alle Entwickelung verzehrt hätte - und das geschah, indem die Sonne hinausgeführt worden ist. Und dann wieder mußte, weil der astralische Leib sonst die menschliche Organisation zu einem Ersterben gebracht hätte, der Mond hinausgeführt werden. Weil der Mensch in seiner Organisation drei Glieder hat, mußten auch diese drei Vorgänge&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
stattfinden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So sehen wir, daß der Mensch sein Dasein, seine gegenwärtigen Eigenschaften einer komplizierten Einrichtung im Kosmos verdankt. Wirwissen aber auch, daß die Entwickelung aller Naturreiche keineswegs gleichen Schritt halten kann mit der allgemeinen Entwickelung. Wir wissen aus den allgemeinen Betrachtungen der letzten Jahre, daß immer auf den einzelnen planetarischenVerkörperungen unserer Erde gewisse Wesenheiten zurückblieben hinter der allgemeinen Entwickelung, welche dann, wenn die Entwickelung vorwärtsschritt, in Zuständen lebten, die der Entwickelung nicht vollständig entsprachen. Wir wissen aber auch, daß alle Entwickelung im Grunde durch solches Zurückbleiben erst richtig in Fluß gebracht werden konnte. Wissen wir doch, daß gewisseWesen während der alten Mondentwickelung zurückgeblieben sind als die «luziferischen Wesenheiten», daß durch sie manches Schlimme verschuldet worden ist, daß wir ihnen aber auch das verdanken, was uns erst das Menschsein möglich macht, nämlich die Möglichkeit der Freiheit, der freien Entfaltung unseres Innenwesens. Ja, wir können sagen: In gewisser Beziehung war das Zurückbleiben der luziferischen Wesenheiten ein Opfer. Sie sind zurückgeblieben, damit sie während des Erdendaseins ganz besondere Tätigkeiten ausüben konnten, näm lich dem Menschen die Leidenschaften verleihen, die mit seiner menschlichen Würde und Selbstbestimmung zusammengehören. - Wir müssen uns eben angewöhnen, ganz andere Begriffe zu gebrauchen, als sie sonst üblich sind, denn aus den gewöhnlichen Begriffen heraus könnte man vielleicht sagen, es hätten die luziferischen Geister gehörig «nachsitzen» müssen, und man wird ihnen ihre Nachlässigkeit nicht verzeihen. Aber es hat sich nicht um eine Nachlässigkeit der luziferischen Wesen ge&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|45}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
handelt. Ihr Zurückbleiben ist in gewisser Beziehung ein Opfer gewesen, um durch das, was sie sich durch dieses Opfer angeeignet haben, auf unsere Erdenmenschheit wirken zu können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon aus den gestrigen Andeutungen wissen Sie, daß nicht nur Wesenheiten, sondern auch Substanzen zurückgeblieben sind und sich Gesetze bewahrt haben, die in früheren planetarischen Zuständen die richtigen waren und die sie dann hineingetragen haben in die spätere Entwickelung. So durchkreuzen sich Entwickelungsphasen von alter Zeit mit Entwickelungsphasen von neuer Zeit, sie gehen durcheinander.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dadurch wird die Mannigfaltigkeit des Lebens eigentlich erst möglich. - So stellen sich uns die verschiedensten Grade dar in der Entwickelung der Wesenheiten. Nicht möglich gewesen wäre es, daß neben dem Menschenreich sich überhaupt ein Tierreich entwickelt hätte, wenn nicht nach der Saturnperiode gewisse Wesen zurückgeblieben wären, um - während sich auf der Sonne die Menschen schon zu einer höheren Stufe entwickelt hatten - ein zweites Reich zu bilden und als erste Vorläufer unseres heutigen Tierreiches hervorzukommen. Für die Grundlage späterer Bildungen ist dieses Zurückbleiben durchaus notwendig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn nun die Frage aufgeworfen wird: Warum müssen Wesenheiten und Substanzen zurückbleiben? - so möchte ich das durch einen Vergleich klarmachen. Die Entwickelung des Menschen sollte vorwärts- schreiten von Stufe zu Stufe. Das konnte sie nur dadurch, daß der Mensch sich immer mehr und mehr verfeinerte. Hätte er immer mit denselben Kräften gewirkt&amp;gt; mit denen er während der Saturnphase wirkte, so wäre er nicht vorwärtsgekommen. Er wäre stehengeblieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deshalb mußte er seine Kräfte verfeinern. - Nun nehmen wir, um ein Bild zu haben, einmal ein Glas Wasser an, in welchem irgendein Stoff aufgelöst ist. Da wird alles von oben bis unten in diesem Glas gleiche Färbung zeigen, gleiche Dichtigkeit und so weiter, es wird alles gleich sein. Nehmen wir nun an, es setzen sich die gröberen Stoffe zu Boden, dann bleiben das reinere Wasser und die feineren Substanzen oben. Das Wasser konnte sich also nur dadurch verfeinern, daß es das Gröbere ausgeschieden hat. - So etwas war auch nötig, nachdem die Saturnentwickelung abgelaufen war, es mußte ein solcher Bodensatz entstehen, es mußte die ganze Menschheit etwas ausscheiden und sich &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|46}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die feineren Teile zurückbehalten. Was ausgeschieden worden war, das wurden dann die~iere. Durch das Ausscheiden konnten sich die andern verfeinern und um einen Schritt höher kommen. Und auf jeder solchen Stufe mußten Wesenheiten ausgeschieden werden, damit der Mensch immer höher und höher kommen konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir haben also eine Menschheit, die nur dadurch möglich geworden ist, daß der Mensch sich befreit hat von denjenigen Wesenheiten, die um uns herum in den untergeordneten Reichen leben. Wir haben diese Wesenheiten mit allen ihren Kräften einmal in dem Strom der Entwickelung darinnen gehabt, sie waren damit verbunden wie in dem Wasser die dichteren Bestandteile. Wir haben sie zu Boden sinken lassen und haben uns daraus emporgehoben. Dadurch ist unsere Entwickelung möglich geworden.Wir sehen also hinunter auf die drei neben uns lebenden Naturreiche und sagen: In alledem sehen wir etwas, was unser Boden hat werden müssen, damit wir uns haben entwickeln können. Diese Wesenheiten sind hinuntergesunken, damit wir haben empor- steigen können. So blicken wir in der richtigen Art auf die untergeordneten Naturreiche.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir nun die Erdentwickelung betrachten, wird sich uns dieser Vorgang noch anschaulicher in seinen Einzelheiten darstellen können. Wir müssen uns klar sein, daß alle Tatsachen innerhalb unserer Erdentwickelung doch gewisse Verhältnisse und Zusammenhänge haben. Nun haben wir gesehen, daß die Abtrennung der Sonne und des Mondes von der Erde eigentlich geschehen ist, damit die menschliche Organisation während der Erdentwickelung hat zu derjenigen Höhe kommen können, um eine Individualität zu werden; das gehörte dazu, um die menschliche Organisation gleichsam zu reinigen. Aber dadurch, daß diese Abtrennungen im Weltenall um des Menschen willen geschahen, ist durch solche eingreifende Veränderung in unserem ganzen Sonnensystem doch auch ein Einfluß auf alle drei andern Naturreiche ausgeübt worden, vor allem auf das Tierreich, das uns zunächst steht. Und wenn wir diesen Einfluß verstehen wollen, der auf das Tierreich durch die Vorgänge der Sonnen- und Mondabspaltung geschah, dann bekommen wir aus der Geistesforschung folgenden Aufschluß.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Mensch war auf einer gewissen Stufe seiner Entwickelung, als&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|47}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sich die Sonne abgespalten hatte. Hätte er nun diese Stufe beibehalten müssen, die er während der Zeit hatte, als der Mond noch mit der Erde verbunden war, so hätte der Mensch seine gegenwärtige Organisation nicht erlangen können, er hätte einer gewissen Verödung und Verdorrung entgegengehen müssen. DieMondenkräfte mußten erst heraus- gehen. Daß diese menschliche Organisation möglich geworden ist, ist aber nur dem Umstande zu verdanken, daß der Mensch während der Zeit, als der Mond noch in der Erde war, sich eine Organisation bewahrt hatte, welche noch erweicht werden konnte; denn es wäre möglich gewesen, daß seine Organisation bereits so hart gewesen wäre, daß das Hinausgehen des Mondes nichts mehr genutzt hätte. Auf dieser Stufe, daß die Organisation noch erweicht werden konnte, standen tatsächlich nur die Menschenvorfahren. - Der Mond mußte also zu einer bestimmten Zeit hinausgehen. Was geschah nun bis zu dem Zeitpunkt, wo der Mond heraustrat?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die menschliche Organisation wurde immer gröber und gröber. Der Mensch hat zwar nicht ausgesehen wie Holz. Das wäre eine zu grobe Vorstellung. Es war die damalige Organisation trotz ihrer Grobheit immer noch feiner, als es die jetzige Organisation ist. Aber für die damalige Zeit war die Organisation des Menschen so grob, daß der geistigere Teil des Menschen, der auch dazumal in einer gewissen Weise abwechselnd mit dem physischen Leib zusammen und ohne ihn gelebt hat, in der Zeit zwischen Sonnen- und Mondaustritt endlich dahin gekommen war, daß er, wenn er wieder hat seinen physischen Leib aufsuchen wollen&amp;gt; diesen Leib durch die Vorgänge der Erde so dicht gefunden hat, daß er keine Möglichkeit mehr hatte, in ihn hineinzuziehen und ihn als Gehäuse zu benutzen. Daher geschah es auch, daß der geistig-seelische Teil vieler Menschenvorfahren von der Erde überhaupt Abschied nahm und für eine gewisse Zeit das Fortkommen suchte auf andern, zu unserem Sonnensystem gehörigen Planeten. Nur ein ganz geringer Teil der physischen Leiber war weiter brauchbar und rettete sich über diese Zeit hinüber. Das habe ich auch schon öfter dargestellt, daß die weitaus größte Zahl der Menschenseelen in den Himmelsraum hinauszogen, daß aber die fortlaufende Entwickelungsströmung festgehalten wurde von einem kleinen Teil, nämlich von denjenigen mensch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|48}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
lichen Seelen, die am robustesten waren und das alles ertragen und überwinden konnten. Diese robusten Seelen retteten die Entwickelung über die kritische Periode hinüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während dieses ganzenVorganges handelte es sich noch nicht eigentlich um das, was wir menschliche Ichheit, menschliche Individualität nennen. Es war noch mehr der Charakter derGattungsseele vorhanden. Die Seelen gingen, wenn sie sich zurückzogen, auf in die GattungsSeelenhaftigkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann kam der Mondaustritt, und damit war wieder die Möglichkeit gegeben, daß die menschliche Organisation verfeinert wurde, so daß sie die Seelen&amp;gt; welche sich früher hinweggeflüchtet hatten, wieder aufnehmen konnte. Und diese Seelen kamen nach und nach - bis in die atlantische Zeit hinein - wieder herunter und bezogen die menschlichen Leiber. Aber es waren immerhin gewisse Organisationen zurückgeblieben, die sich während der kritischen Zeit herausgebildet hatten. Fortgepflanzt hatten sie sich während dieser Zeit, nur konnten sie nicht Träger werden der menschlichen Seelenhaftigkeit. Es waren eben grobe Organisationen. Es hatten sich also dazumal neben jenen Organisationen, die sich später verfeinern konnten, solche erhalten aus der kritischen Erdenperiode. Diese wurden nun die Vorläufer einer gröberen Organisation, und dadurch kam es, daß neben jenen Organisationen, welche Träger von menschlichen Individualitäten werden konnten, auch solche Organisationen sich fortpflanzten, die nicht Träger menschlicher Individualitäten werden konnten und die die Nachkommen waren der von menschlichen Seelen verlassenen Organismen aus jener Zeit, als die Sonne schon fort und der Mond noch mit der Erde verbunden war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also sehen wir neben dem Menschen sich förmlich herausbilden ein Reich von Organismen, die durch das Beibehalten des Mondcharakters unfähig geworden waren, Träger menschlicher Individualitäten zu sein. Diese Organisationen sind im wesentlichen die, welche die Organisationen unserer heutigen Tiere wurden. Es könnte sonderbar erscheinen, daß diese gröberen Organisationen der heutigen Tiere nun doch wieder gewisse Fähigkeiten haben, welche sogar weisheitsvoll wirken können in der Welt, wie zum Beispiel in dem Biberbau. Das aber kann uns &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|49}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
erklärlich werden, wenn wir uns eben die Dinge nicht gar zu einfach vorstellen, sondern uns klar sind, daß gerade die Organisationen dieser Wesenheiten, welche nicht von menschlichen Seelen bezogen worden sind, die äußeren Einrichtungen de`s tierischen Baues, eines gewissen Nervenbaues und dergleichen ausgebildet hatten, die es möglich machten, sich mit den Gesetzen des Erdendaseins ganz in Einklang zu versetzen. Denn jeneWesenheiten, die nicht fähig geblieben waren, menschliche Seelen aufzunehmen, waren während der ganzen Zeit mit der Erde verbunden geblieben. Die andern Organisationen, die sich später verfeinert haben, so daß sie menschliche Individualitäten aufnehmen konnten, waren zwar auch zusammen mit der Erde; aber weil sie später Veränderungen eingehen mußten, als der Mond draußen war, haben sie gerade, was sie sich bis dahin angeeignet hatten, dadurch verloren, daß sie sich verfeinerten, daß sie diese Veränderungen eingehen mußten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also merken wir: Als sich der Mond getrennt hatte von der Erde, waren auf der Erde gewisse Organisationen, die sich einfach fortgepflanzt hatten in der geraden Linie, wie sie hatten entstehen müssen, solange der Mond mit der Erde früher verbunden war. Diese Organisationen waren grob geblieben, hatten sich die Gesetze, die sie hatten, bewahrt und waren in sich so fest geworden, daß, als der Mond heraus- gegangen war, mit ihnen keine Veränderung möglich war. Sie pflanzten sich einfach steif fort. Die andern Organisationen, die Träger von menschlichen Individualitäten wurden, mußten sich verändern, konnten sich nicht steif fortpflanzen. Sie veränderten sich so, daß jetzt hin- einwirken konnten die Wesenheiten, die in der Zwischenzeit gar nicht mit der Erde verbunden waren, die ganz woanders waren und sich erst wieder zusammenfügen mußten mit der Erde. - Da haben Sie den Unterschied zwischen jenen Wesenheiten, die den alten steifen Mondcharakter fortbewahrt hatten, und jenen, die sich verändert hatten. Worin bestand nun die Veränderung?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als die Seelen, die von der Erde fortgegangen waren, wieder zurückkamen und wieder Besitz ergriffen von den Leibern, fingen sie an, das Nervensystem, das Gehirn und so weiter umzubauen.Was sie als Kräfte hatten, das verwendeten sie gleichsam zum inneren Ausbau. An den andern Wesenheiten, die sich versteift hatten, konnte nichts mehr geändert&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|50}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
werden. Von diesen letzteren Organisationen nahmen jetzt andere Wesenheiten Besitz, die sich noch nicht darauf ein ließen, in die Organisation einzugreifen, die noch auf ihren früheren Stufen stehen- geblieben waren, die überhaupt nicht so weit kommen, daß sie in die inneren Organisationen hineinwirken, sondern die von außen wirken wie die tierischen Gattungsseelen. So erhielten diejenigen Organisationen, welche dazu geeignet waren, nach dem Mondaustritt die menschliche Seele; und diese Wesenheiten bearbeiteten dann die Organisation so, daß sie zu dem vollkommenen Menschenbau führte. Die während der Mondenzeit steif gebliebenen Organisationen konnten nicht mehr geändert werden. Von denen ergreifen jetzt Besitz jene Seelen, die überhaupt noch nicht so weit waren, in eine Individualität einzuziehen, die auf der Mondenstufe stehengeblieben waren, die alles ausgebildet hat- ten, was auf der Mondenstufe zu erreichen war, und die daher jetzt als Gattungsseelen von diesen Organisationen Besitz ergriffen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So erklärt sich uns der Unterschied zwischen Mensch und Tier aus den kosmischen Vorgängen heraus. Gerade durch die kosmischen Vorgänge bei der Erdentwickelung ergeben sich uns zweierlei Organisationen. Hätten wir bei dem Bau der unmittelbar unter dem Menschen stehenden Wesenheiten stehenbleiben müssen, so müßten wir jetzt mit unserem Ich die Erde umschweben, weil die Organisationen zu steif geworden sind. Wir könnten nicht herunter, und obwohl wir vollkommenere Wesen geworden sind, müßten wir da sein, wo die Organisationen der Gattungsseelen der Tiere sind. Da aber unsere Organisationen sich verfeinern konnten, so konnten wir in sie einziehen und sie als unsere Wohnplätze benutzen, das heißt, wir konnten in fleischliche Verkörperungen bis zur Erde hinuntersteigen. Die Gattungsseelen hatten kein Bedürfnis danach. Sie wirken von der geistigen Welt in die Wesen hinein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir sehen also in dem Tierreich, das uns umgibt, etwas, was wir heute auch wären, wenn wir eben nicht unsere Organisation der geschilderten Einrichtung verdankten. Fragen wir uns jetzt Wodurch sind denn die unter uns stehenden Tiere mit ihren versteiften Organisationen auf die Erde gekommen? - Durch uns selber sind sie herunter- gekommen! Sie sind die Nachkommen jener Körper, die wir nach dem &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|51}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mondaustritt nicht mehr beziehen wollten, weil sie zu grob geworden waren. Wir haben diese Körper zurückgelassen, um später andere zu finden.Wir hätten später andere nicht finden können, wenn wir damals jene ersten nicht verlassen hätten. Denn wir mußten nach dem Heraus- treten der Sonne auf der Erde unser Fortkommen suchen. - Da haben wir gerade den Vorgang, daß wir sozusagen unter uns zurückließen gewisse Wesenheiten, damit wir selber die Möglichkeit finden konnten, höher hinaufzukommen. Um höher zu kommen, mußten wir zu andern Planeten gehen und die Leiber da unten verkommen lassen. Was unten zurückgeblieben ist, dem verdanken wir in gewisser Beziehung das, was wir sind. Ja, wir können dieses «Verdanken» noch viel genauer schildem. Wir können uns fragen: Wie ist es denn überhaupt möglich geworden, daß wir während der kritischen Periode die Erde verlassen konnten? So ohne weiteres geht das ja nicht, daß ein Wesen hingehen kann, wo es will.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da trat während der Erdentwickelung zum ersten Male dasjenige ein, was wir wiederum den luziferischen Geistern verdanken. Die luziferischen Wesenheiten waren unsere Führer, die uns in der kritischen Periode von der Erdentwickelung hinweggenommen haben. Sie haben uns gleichsam gesagt: Da unten kommt jetzt eine kritische Zeit; da müßt ihr die Erde verlassen! - Die luziferischen Geister waren es, unter deren Führung wir die Erde verlassen haben, dieselben luziferischen Geister, die in unseren damaligen astralischen Leib das luziferische Prinzip, den Hang zu allem, was wir die Möglichkeit des Bösen in uns nennen, hineinbrachten, damit zugleich aber allerdings auch die Möglichkeit der Freiheit. Hätten sie uns damals nicht fortgenommen von der Erde, so wären wir immer gekettet geblieben an die Gestalt, die wir damals geschaffen hatten, und wir könnten jetzt die Gestalt höchstens von oben umschweben, würden sie aber niemals beziehen können. So nahmen sie uns fort und verbanden ihr eigenes Wesen mit unserem Wesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir das ins Auge fassen, wird es uns jetzt verständlich, daß wir, während wir fortgingen, die luziferischen Einflüsse aufnahmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Organisationen, welche dieses Schicksal nicht teilten, damals in ganz besondere Weltgebiete geführt zu werden, die mit der Erde verbunden blieben, die blieben unten ohne den luziferischen Einfluß. Sie &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|52}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
mußten mit uns die Erdenschicksale teilen - konnten aber nicht mit uns unser Himmelsschicksal teilen. Und als wir auf die Erde zurückkamen, hatten wir den luziferischen Einschlag in uns, nicht aber jene andern Wesen, und dadurch wurde es uns möglich, das Leben in einem physischen Körper und doch ein von dem physischen Körper unabhängiges Leben zu führen, so daß wir auch immer mehr und mehr unabhängig von dem physischen Körper werden konnten. Diese andern Wesen aber, die den luziferischen Einschlag nicht in sich hatten, stellten dar, was wir aus ihnen gemacht hatten, was unsere astralischen Leiber waren in der Zwischenzeit zwischen Sonnen- und Mondaustritt, also dasjenige, von dem wir uns befreiten. Wir schauen auf die Tiere und sagen: Alles, was die Tiere darstellen an Grausamkeit, an Gefräßigkeit, an allen tierischen Untugenden, neben der Geschicklichkeit, die sie haben, das hätten wir in uns, wenn wir sie nicht hätten aus uns heraussetzen können! - Wir verdanken die Befreiung unseres astralischen Leibes dem Umstande, daß alle gröberen astralischen Eigenschaften zurückgeblieben sind im Tierreich der Erde. Und wir können sagen: Wohl uns, daß wir das nicht mehr in uns haben: die Grausamkeit des Löwen, die List des Fuchses, daß es aus uns herausgezogen ist und außer uns ein selbständiges Dasein führt!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So haben die Tiere das mit uns gemeinschaftlich, was unser astralischer Leib ist, und haben dadurch die Möglichkeit, Schmerzen empfinden zu können. Aber sie haben gerade durch das, was jetzt gesagt worden ist, nicht die Möglichkeit erlangen können, durch den Schmerz und durch die Überwindung des Schmerzes immer höher und höher zu steigen. Denn sie haben keine Individualität. Dadurch sind die Tiere viel, viel übler daran als wir. Wir müssen die Schmerzen ertragen; aber jeder Schmerz ist für uns ein Mittel zur Vervollkommnung; indem wir ihn überwinden, steigen wir höher durch den Schmerz. Die Tiere haben wir zurückgelassen als etwas, was zwar die Schmerzfähigkeit schon hatte, aber noch nicht das, was sie über den Schmerz erheben konnte, wodurch sie den Schmerz überwinden. Das ist das Schicksal der Tiere. Sie zeigen uns unsere eigene Organisation auf der Stufe, da wir schmerzfähig waren, aber noch nicht durch Überwindung den Schmerz ins Heilsame für die Menschheit umwandeln konnten. So haben wir den &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|53}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tieren im Laufe der Erdentwickelung unser schlimmeres Teil gegeben, und sie stehen um uns herum als Wahrzeichen dessen, daß wir zu unserer Vervollkommnung kamen. Wir hätten den Bodensatz nicht los- bekommen, hätten wir nicht die Tiere zurückgelassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Solche Tatsachen müssen wir nicht als Theorien betrachten lernen, sondern mit kosmischem Weltengefühl. Wir müssen hinblicken auf die Tiere mit dem Gefühl: Da draußen seid ihr, Tiere. Wenn ihr leidet, leidet ihr etwas, was uns Menschen zugute kommt.Wir Menschen haben die Möglichkeit, das Leiden zu überwinden; ihr müßt das Leiden er- dulden. Wir aber haben euch das Leiden gelassen - und uns die Überwindung genommen!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn man dieses kosmische Gefühl aus der Theorie entwickelt, wird es zu dem umfassenden Mitgefühl mit der Tierwelt. Wo daher das kosmische Gefühl aus der Urweisheit der Menschheit entsproß, wo die Menschen sich noch bewahrt hatten eine Erinnerung an das Urwissen, das jedem aus dem dämmerhaften Hellsehen sagte, wie die Dinge einst lagen, da hatte man sich damit auch das Mitgefühl für die Tierwelt bewahrt, und da tritt das Mitgefühl für die Tiere in einem hohen Maße hervor. - Dieses Mitgefühl wird wiederkommen, wenn die Menschen sich angewöhnen werden, spirituelle Weisheit aufzunehmen, wenn die Menschen wiederum einsehen werden, wie das Menschheitskarma mit dem Weltenkarma verbunden ist. In den Zeiten, welche sozusagen Zeiten der Verdunkelung waren, in denen das materialistische Denken Platz griff, hat man von diesen Zusammenhängen keine rechte Ahnung haben können. Da blickte man nur auf das, was im Raume nebeneinander ist, ohne zu berücksichtigen, daß dieses, was nebeneinander im Raume ist, einen einheitlichen Ursprung hat und sich nur in der Entwickelung getrennt hat. Und da fühlte man natürlich auch nicht, was die Menschen mit den Tieren verbindet. Und auf allen Gebieten der Erde, wo man die Mission gehabt hat, zu überdecken das Bewußtsein vom Zusammenhange des Menschen mit der Tierwelt, wo an Stelle dieses Bewußtseins nur ein solches getreten ist, das sich auf den äußeren physischen Raum beschränkt, da hat der Mensch den Tieren das, was er ihnen verdankt, in einer eigenartigen Weise vergolten - indem er sie eben aufgegessen hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|54}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Dinge zeigen uns aber zugleich, wie Weltanschauungen zu- sammenhängen mit der menschlichen Empfindungs- und Gefühlswelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Empfindungen und Gefühle sind letzten Endes Folgen derWeltanschauungen, und wie sich die Weltanschauungen und Erkenntnisse ändern, so werden sich auch die Empfindungen und Gefühle innerhalb des Menschheitszusammenhanges ändern. Der Mensch konnte nicht anders, als sich höher entwickeln; er mußte andere Wesen in den Abgrund stoßen, um selbst höher zu steigen. Er konnte den Tieren nicht geben eine Individualität, die im Karma ausgleicht, was die Tiere leiden müssen; er konnte ihnen nur den Schmerz überliefern, ohne ihnen die&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
karmische Gesetzmäßigkeit des Ausgleiches geben zu können. Was er ihnen aber früher nicht geben konnte, das wird ihnen der Mensch einst geben,wenn er zur Freiheit und zum Selbstlos-Sein seiner Individualität gekommen ist. Dann wird er - in bewußter Weise - auch auf diesem Gebiet die karmische Gesetzmäßigkeit fassen und wird sagen: Den Tieren verdanke ich, was ich bin. Was ich den einzelnen tierischen Wesen nicht mehr geben kann, welche von einem Einzeldasein in ein Schattendasein hinuntergegangen sind, was ich sozusagen einstmals an den Tieren verschuldet habe, das muß ich jetzt an den Tieren wieder gutmachen durch die Behandlung, welche ich ihnen angedeihen lasse! - Daher wird mit dem Fortschreiten der Entwickelung durch das Bewußtsein der karmischen Verhältnisse auch wieder ein besseres Verhältnis des Menschen zum Tierreich eintreten, als es jetzt, besonders im Abendlande, vorhanden ist. Eine Behandlung der Tiere wird kommen, durch welche der Mensch die Tiere, die er hinuntergestoßen hat, wieder heraufzieht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So sehen wir Karma und Tierreich denn doch in einem gewissen Verhältnis zueinander. Was das Tier als Schicksal erlebt, das können wir, wenn wir nicht alles durcheinanderwerfen wollen, nicht mit dem menschlichen Karma vergleichen. Aber wenn wir die ganze Erdentwikkelung betrachten und was um der Menschheit und ihrer Entwickelung willen geschehen mußte, dann werden wir sehen, daß wir in der Tat von einer Beziehung des Menschheitskarma zu der Tierwelt sprechen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|55}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= DRITTER VORTRAG Hamburg, 18. Mai 1910 =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Solche Betrachtungen, wie wir sie heute und in den allernächstenTagen anzustellen haben, können sehr leicht einem gewissen Mißverständnis unterworfen sein. Wir werden es zu tun haben mit mancherlei Krankheits- und Gesundheitsfragen vom Gesichtspunkte des Karma, und bei der Gegensätzlichkeit unserer heutigen Zeitströmungen gerade auf diesem Gebiete könnte leicht eine mißverständliche Auffassung der geisteswissenschaftlichen Grundlagen Platz greifen,wenn dieses Kapitel - der Zusammenhang von Krankheit und Gesundheit mit dem Karma - berührt wird. Sie wissen ja, daß in den weitesten Kreisen die Diskussion mit ziemlicher Heftigkeit und Leidenschaftlichkeit wogt, wenn Gesundheits- und Krankheitsfragen in Betracht kommen. Es ist Ihnen ja allen bekannt, wie sehr von seiten der Laien sowohl als auch von seiten dieser oder jener Ärzte Partei ergriffen wird gegen das, was man die wissenschaftliche Medizin nennt. Auf der andern Seite kann leicht bemerkt werden, wie die Vertreter der wissenschaftlichen Medizin vielleicht gerade herausgefordert werden durch manchen ungerechten Angriff, so daß sie nicht nur in eine Art von Leidenschaft verfallen, wenn es sich darum handelt - was ihr gutes Recht ist -, einzutreten für das, was die Wissenschaft dazu zu sagen hat, sondern daß von dieser Seite heute auch ein zum Teil recht arger Kampf geführt wird gegen das, was von andern Gesichtspunkten als den in der offiziellen Medizin vertretenen irgendwie gesagt wird über das in Betracht kommende Gebiet. Theosophie oder Geisteswissenschaft wird nur dann ihren hohen Aufgaben gerecht werden können, wenn sie auf einem solchen, von Diskussionen vielfach verdunkelten Gebiet das unbefangene und objektive Urteil wahrt. Wer ähnliche Vorträge von mir gehört hat, wird wissen, wie wenig es mir darum zu tun ist, einzustimmen in den Chor, der heute das, was man als «Schulmedizin» bezeichnet, diskreditieren will.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von einem Einstimmen in diese oder jene Parteirichtung kann bei der Geisteswissenschaft auch nicht im entferntesten die Rede sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es darf vielleicht gerade bei dieser Gelegenheit eiirleitend betont&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|56}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
werden, daß die Leistungen in bezug auf die Tatsachen und tatsächlichen Erforschungen der Erscheinungen gerade auf dem Gebiet des Krankheitswesens und der Gesundheitsfragen der Menschheit in den letzten Jahren und Jahrzehnten wahrhaftig zu ebensolchem Lobreden, Anerkennen und Bewundern herausfordern wie zahlreiche andere naturwissenschaftliche Ergebnisse. Und von dem, was auf diesem Gebiete an Tatsächlichem geleistet worden ist, darf auch gesagt werden: Wenn sich irgend jemand freuen darf über das, was die Medizin in den letzten Jahren geleistet hat, so kann dies gerade die Geisteswissenschaft sein. Auf der andern Seite muß aber auch betont werden, was gerade für die Naturwissenschaft gilt, daß die Errungenschaften und tatsächlichen Erkenntnisse und Entdeckungen zuweilen recht wenig richtige und befriedigende Interpretationen und Erklärungen finden durch das, was heute wissenschaftliche Meinungen sind. Das ist ja das Hervorstechendste in unserer Zeit für viele Gebiete naturwissenschaftlicher Forschung, daß die Meinungen, die Theorien nicht gewachsen sind den zuweilen wunderbaren Tatsachenergebnissen. Und erst das Licht, das von der Geisteswissenschaft ausgeht, wird Klarheit über das bringen, was auf diesem Gebiet in den letzten Jahren errungen worden ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem das vorausgeschickt worden ist, wird es klar sein, daß es sich nicht um irgendwelches Einstimmen in billige Bekämpfung dessen handelt, was auf dem Gebiet der wissenschaftlichen Medizin heute geleistet werden kann. Dann darf aber auch gesagt werden, daß die bewundernswerten Tatsachen, die zutage getreten sind, nicht fruchtbar werden können in unserer Zeit zum Heile der Menschheit, weil auf der andern Seite geradezu materialistisch gefärbte Meinungen und TheorIen diese Fruchtbarkeit verhindern. Daher ist es für die Theosophie viel besser, daß sie anspruchslos das sagt, was sie zu sagen hat, als in irgendeinen Parteikampf einzugreifen. Es werden dadurch viel weniger die Leidenschaften aufgeregt werden, als sie es heute schon sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir überhaupt einen Gesichtspunkt gewinnen wollen zu den Fragen, die uns beschäftigen sollen, dann müssen wir uns damit bekanntmachen, daß die Ursachen zu irgendeiner Erscheinung in der inannigfaltigsten Weise gesucht werden müssen, nähere und entferntere Ursachen, und daß die Theosophie, wenn es sich darum handeln &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|57}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wird, karmische Ursachen zu Gesundheitsfragen zu suchen, es ein wenig zu tun haben wird mit den entfernteren Ursachen, die nicht an der Oberfläche liegen. Machen wir uns das durch einen Vergleich klar. Wenn Sie den Vergleich überdenken, werden Sie schon auf das kommen, was eigentlich gemeint ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen wir an, irgend jemand stehe auf dem Standpunkt, «wie wir es heute so herrlich weit gebracht haben» auf diesem Gebiete, und er verachte ganz die Meinungen, welche in den vergangenen Jahrhunderten über Gesundheit und Krankheit zutage getreten sind. Wenn Sie versuchen, einen Überblick über die Krankheits- und Gesundheitsfragen zu finden, werden Sie den Eindruck bekommen, daß die Darsteller eines solchen Gebietes gewöhnlich das Urteil haben: Was in den letzten zwanzig bis dreißig Jahren auf diesem Gebiete zutage getreten ist, das ist eine Art absoluter Wahrheit, die zwar ergänzt werden kann, aber nie ein solches absprechen des Urteil erfahren kann wie das, welches solche Beurteiler leider selbst abgeben über das meiste, was auf diesem Gebiete vorangegangen ist an menschlichem Sinnen und Trachten. Es wird zum Beispiel häufig gesagt: Wir finden gerade auf diesem Gebiete in den verflossenen Zeiten den krassesten Aberglauben -, und es werden dann recht abschreckende Beispiele angeführt, wie in den verflossenen Jahrhunderten versucht worden sei, dies oder das zu heilen. Insbesondere schlimm findet man, wenn man irgendwo auf Ausdrücke stößt, welche in der damaligen Bedeutung dem heutigen Bewußtsein längst verlorengegangen sind, sich aber dennoch in das heutige Bewußtsein eingeschlichen haben&amp;gt; und mit denen so, wie sie der heutige Mensch denkt, nichts anzufangen ist. So sagen einige: Da gab es Zeiten, in denen man eine jede Krankheit Gott oder dem Teufel zuschrieb! So schlimm, wie es solche Darsteller machen, liegt es deshalb nicht, weil sie nicht wissen, welcher Komplex von Anschauungen bei einem solchen Begriff ~Gott» oder «Teufel» gemeint war. Durch einen Vergleich können wir uns das klarmachen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen wir an, zwei Leute reden miteinander. Da erzählt der eine dem andern: Eben habe ich eine Stube gesehen, die ganz voller Fliegen ist. Nun sagt mir jemand, das sei ganz natürlich; und das glaube ich auch, denn die Stube ist sehr schmutzig, und dadurch finden die&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|58}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fliegen ihr Fortkommen. Es ist ganz erklärlich, daß man das als Grund für das Vorhandensein der Fliegen annimmt, und ich glaube auch, daß derjenige ganz recht hat, der da sagt, die Fliegen werden nicht mehr in der Stube sein, wenn man einmal gründlich reinemacht! - Nun hat aber ein anderer erzählt, daß er noch etwas anderes wüßte, warum so viele Fliegen in dem Zimmer wären; und die Ursache könne er nicht anders ,bezeichnen,als daß in jenem Zimmer seit langem eine grundfaule Hausfrau hause. - Aber nun sieh einmal, was das für ein grenzenloser Aber- glaube ist: daß die Faulheit wie eine Art Persönlichkeit sei, die nur zu winken brauchte, und dann kämen die Fliegen herein! Da ist die andere Erklärung doch richtiger, die das Vorhandensein der Fliegen durch den angehäuften Schmutz erklärt!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nicht viel anders ist es auf einem andern Gebiete, wenn man sagt: Es ist jemand von einer Krankheit befallen, da er eben eine Infektion durch irgendeine Bazillenart erhalten hat; treibt man die Bazillen aus, so Ist die Heilung da. Nun reden aber da noch Leute von irgendeiner geistigen Ursache, die tiefer liege! Man braucht doch nichts anderes zu tun, als die Bazillen fortzutreiben! - Es ist nicht mehrAberglaube, von einer geistigen Ursache zu sprechen bei Erkrankungen, doch alles übrige anzuerkennen, als in dem Falle, wo die Ursache für das Dasein der Fliegen in einer grundfaulen Hausfrau gesehen wird. Und man braucht nicht zu wettern, wenn man sagt: Die Fliegen werden nicht mehr da sein, wenn einmal reinegemacht wird. Nicht darum handelt es sich, daß der eine den andern bekämpft, sondern daß man lernt, sich gegenseitig zu verstehen und einzugehen auf das, was der eine will und was der andere will. Das muß man durchaus berücksichtigen, wenn von den unmittelbar naheliegenden Ursachen mit Recht gesprochen wird und wenn von den entfernteren Ursachen gesprochen wird. Der objektive Theosoph wird sich durchaus nicht auf den Standpunkt stellen, daß die Faulheit nur eine Art von Wink zu geben brauche, damit die Fliegen in das Zimmer kommen; er wird wissen, daß auch andere materielle Dinge dabei in Betracht kommen, daß aber alles, was materiell zum Ausdruck kommt, seine geistigen Hintergründe hat und daß diese geistigen Hintergründe zum Heile der Menschheit gesucht werden müssen. Diejenigen aber, welche in den Kampf gern einstimmen möchten, die sollen &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|59}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
auch daran erinnert werden, daß die geistigen Ursachen nicht immer in derselben Weise aufgefaßt werden dürfen und auch nicht in der gleichen Art bekämpft werden können wie die gewöhnlichen materiellen Ursachen. Und man darf auch nicht denken, daß man durch das Bekämpfen der geistigen Ursachen enthoben wäre der Bekämpfung der materiellen Ursachen; denn sonst könnte man die Stube schmutzig lassen und brauchte nur gegen die Faulheit der Hausfrau zu Felde zu ziehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir nun das Karma betrachten, müssen wir sprechen von Zusammenhängen zwischen Ereignissen, wie sie im Menschenleben eintreten in einer früheren Zeit und wie sie ihre Wirkung auf dasselbe Menschenwesen zeigen in einer späteren Zeit. Wenn wir sprechen von Gesundheit und Krankheit vom Gesichtspunkte des Karma aus, so heißt das nichts anderes als: Wie können wir uns vorstellen, daß der gesunde oder kranke Zustand eines Menschen seine Begründung findet in früheren Taten, Verrichtungen und Erlebnissen dieses Menschen? Und wie können wir uns vorstellen, daß sein gegenwärtiger Gesundheits- oder Krankheitszustand mit zukünftigen Wirkungen, die auf dasselbe esen zurückfallen, im Zusammenhang steht?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am liebsten wird der heutige Mensch überhaupt glauben, daß eine Krankheit mit den allernächsten Ursachen nur im Zusammenhange stehe. Denn der Grundnerv unserer heutigen Weltanschauung auf allen Gebieten ist ja der, daß man Bequemlichkeit sucht; und stehenbleiben bei den allernächsten Ursachen ist eine bequeme Sache. Daher werden gerade in bezug auf Erkrankungen nur die allernächsten Ursachen berücksichtigt - und am meisten geschieht das von den Kranken selbst. Denn wie wäre es zu leugnen, daß die Kranken selbst veranlaßt sind, solche Bequemlichkeit zu üben? Aus diesem Umstande heraus ergibt sich so viel Unzufriedenheit, wenn ein solcher Glaube existiert, die Krankheit müsse die allernächsten Ursachen haben, welche von dem kundigen Arzt gefunden werden müssen; und wenn der Arzt dann nicht helfen kann, hat er irgend etwas verpfuscht. Aus dieser Bequemlichkeit des Urteils gebt vieles von dem hervor, was heute auf diesem Gebiete gesagt wird. Wer Karma in seinen weitverzweigten Wirkungen zu betrachten versteht, der wird immer mehr seinen Blick erweitern von dem, was heute geschieht, zu Ereignissen, die verhältnismäßig sehr &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
weit zurückliegen. Und er wird vor allen Dingen die Überzeugung gewinnen, daß eine durchgreifende Erkenntnis eines Sachverhaltes, der den Menschen trifft, nur möglich ist, wenn man den Blick erweitern kann über das, was weiter zurückliegt. Insbesondere beim erkrankten Menschen ist das der Fall.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir vom kranken und auch vom gesunden Menschen sprechen, drängt sich uns die Frage auf die Lippen: Wie können wir uns von dem Kranksein überhaupt einen Begriff machen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn die geisteswissenschaftlicheForschung direkt vorgeht und den hellseherischen Blick zu Hilfe nimmt, wird sie immer, wenn es sich um Erkrankungen des Menschen handelt, Unregelmäßigkeiten bemerken, nicht nur im physischen Leibe des Menschen, sondern auch in den höheren Wesensgliedern des Menschen, im Ätherleibe und im astralischen Leibe. Und der hellseherische Forscher wird bei einem Krankheitsfall immer in Betracht ziehen müssen&amp;gt; welches in dem betreffenden Falle der Anteil sein kann des physischen Leibes auf der einen Seite und des Ätherleibes und des astralischen Leibes auf der andern Seite; denn alle drei Wesensglieder des Menschen können an der Erkrankung beteiligt sein. Nun entsteht die Frage: Welche Vorstellungen können wir über das Wie der Krankheit gewinnen? - Dem kommt man am leichtesten bei, wenn man in Betracht zieht, wieweit man den Begriff «Krankheit» überhaupt ausdehnen darf. Diejenigen, die gern in allerlei allegorisch-symbolischen Begriffen sprechen, auch da, wo sie nicht hin- gehören, denen mag es überlassen bleiben, wenn sie auch bei Mineralien oder Metallen von Erkrankungen sprechen, indem sie zum Beispiel sagen, wenn der Rost das Eisen frißt, sei das eine Krankheit des Eisens. Man muß sich dabei nur darüber klar sein, daß man durch solche abstrakten Begriffe zu einem wirklichen gedeihlichen Erfassen des Lebens nicht kommen kann; man kann nur kommen zu einer Art spielerischen Erkenntnis des Lebens, nicht aber zu einem Erkennen, das wirklich eingreift in die Tatsachen.Wer zu einem realen Krankheitsbegriff und auch zu einem realen Gesundheitsbegriff kommen will, muß sich hüten, davon zu sprechen, daß Mineralien und Metalle auch erkranken können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun ist die Sache schon anders, wenn wir ins Pflanzenreich hinaufgehen. Da dürfen wir gewiß von Erkrankungen der Pflanzen sprechen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Aber gerade Pflanzenkrankheiten sind für das reale Erfassen der Vorstellung «Krankheit» von einem ganz besonderen Interesse und von ganz besonderer Wichtigkeit. Bei Pflanzen wird man, wenn man wieder nicht spielerisch zu Werke geht, nicht leicht sprechen können von inneren Krankheitsursachen. In demselben Maße,wie man bei Tier und Mensch von inneren Krankheitsursachen sprechen kann, kann man bei Pflanzen nicht davon sprechen. Die Erkrankungen im Pflanzenreiche werden Sie immer zurückzuführen haben auf äußere Veranlassungen, auf diese oder jene schädlichen Einflüsse des Bodens, ungenügende Belichtungen, auf diese oder jene Wirkungen des Windes und auf sonstige elementare und Naturwirkungen. Oder Sie werden solche Erkrankungen von Pflanzen zurückzuführen haben auf Einflüsse von Parasiten, die sich an die Pflanzen heranmachen und sie schädigen. Und wir werden innerhalb des Pflanzen reiches mit Recht davon sprechen, daß der Begriff «innere Krankheitsursache» im Grunde gar keine Berechtigung hat. - Es ist natürlich nicht möglich, da ich nicht ein halbes Jahr über dieses Thema sprechen kann, daß ich mit unzähligen Belegen versehe, was ich jetzt angedeutet habe. Aber je tiefer wir in die Pflanzenpathologie eindringen, desto mehr werden wir sehen, daß von dem Begriff «innere Krankheitsursache» bei den Pflanzen nicht die Rede sein kann, sondern daß es sich da um äußere Veranlassungen und Schädigungen, um äußere Einflüsse handelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun haben wir in der Pflanze, wie sie uns zunächst in der äußeren Welt entgegentritt, ein Wesen vor uns, das uns ein Gefüge von einem physischen Leibe und einem Atherleibe zeigt. Und wir haben damit zugleich ein Wesen vor uns, das uns sozusagen aufmerksam darauf macht, daß ein solches Wesen mit physischem Leib und Ätherleib im Grunde dem Prinzip nach gesund ist und daß es warten muß, bis es eine äußere Schädigung erfährt, wenn es krank werden soll. Damit stimmt auch durchaus der geisteswissenschaftliche Tatbestand.Während wir durch die Methoden der hellseherischen Forschung im Tier- und Menschenreich bei Erkrankungen ganz entschieden im Inneren des Wesens - in den übersinnlichen Teilen - Veränderungen erblicken, können wir innerhalb einer erkrankten Pflanze niemals davon sprechen, daß der ursprüngliche Ätherleib selber verändert wäre, sondern nur &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|62}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
davon, daß sich von außen allerlei Störungen und schädliche Einflüsse in den physischen Leib und namentlich in den Ätherleib hineingedrängt haben. Der geisteswissenschaftliche Tatbestand rechtfertigt durchaus das, was wir als allgemeinen Schluß gewinnen: daß in dem, was bei den Pflanzen in Betracht kommt - nämlich physischer Leib und Ätherleib -, etwas ursprünglich Gesundes vorliegt. Aber etwas anderes ist es, wie die Pflanze imstande ist, wenn sie äußere Schädigungen erfährt, alles mögliche aufzuwenden, um in Wachstum und Entwickelung sich gegen die Schädigungen zu wehren, sich zu heilen. Beobachten Sie einmal, wenn Sie eine Pflanze anschneiden, wie sie versucht, die beschädigte Stelle zu umwachsen, zu umgehen, was ihr da im Wege liegt und sie schädigt. Und wir können es fast mit Händen greifen,wie in der Pflanze eine innere Abwehr, eine Heilkraft vorhanden ist, wenn eine äußere Schädigung eintritt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So sehen wir, daß wir in dem Ätherleib und physischen Leib der Pflanze etwas vor uns haben, was imstande ist, mit inneren Heilkräften zu antworten auf äußere Schädigungen. Das ist eine außerordentlich wichtige Tatsache, wenn man auf diesem Gebiete zur Klarheit kommen will. Ein Wesen wie die Pflanze mit physischem Leibe und Ätherleib zeigt uns also nicht nur, daß der physische Leib und der Ätherleib ursprünglich Prinzipien der Gesundheit in sich haben, soviel notwendig ist zur Entwickelung und zum Wachstum des betreffenden Wesens, sondern es zeigt uns ein solches Wesen sogar, daß ein Überschuß vorhanden ist von solchen Kräften, die sich in den Heilkräften ausleben können, wenn von außen Schädigungen kommen. - Woher müssen denn diese Heilkräfte stammen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn Sie in einen bloß physischen Körper hineinschneiden, wird die Schädigung bleiben. Er wird aus sich heraus nichts tun können, um die Schädigung sozusagen zu heilen. Deshalb können wir bei einem bloß physischen Körper nicht von einer Erkrankung sprechen, und am wenigsten davon,daß Krankheit und Heilung in Beziehung zueinander stehen können. Das können wir am besten sehen, wenn eine Krankheit bei einer Pflanze zutage tritt. Da haben wir das Prinzip der inneren Heilkraft zu suchen im Ätherleibe. Das zeigt wiederum im eminentesten Maße der geisteswissenschaftliche Tatbestand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|62}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
davon, daß sich von außen allerlei Störungen und schädliche Einflüsse in den physischen Leib und namentlich in denÄtherleib hineingedrängt haben. Der geisteswissenschaftliche Tatbestand rechtfertigt durchaus das, was wir als allgemeinen Schluß gewinnen: daß in dem, was bei den Pflanzen in Betracht kommt - nämlich physischer Leib und Ätherleib -, etwas ursprünglich Gesundes vorliegt. Aber etwas anderes ist es, wie die Pflanze imstande ist, wenn sie äußere Schädigungen erfährt, alles mögliche aufzuwenden, um in Wachstum und Entwickelung sich gegen die Schädigungen zu wehren, sich zu heilen. Beobachten Sie einmal, wenn Sie eine Pflanze anschneiden, wie sie versucht, die beschädigte Stelle zu umwachsen, zu umgehen, was ihr da im Wege liegt und sie schädigt.Und wir können es fast mit Händen greifen,wie in der Pflanze eine innere Abwehr, eine Heilkraft vorhanden ist, wenn eine äußere Schädigung eintritt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So sehen wir, daß wir in dem Ätherleib und physischen Leib der Pflanze etwas vor uns haben, was imstande ist, mit inneren Heilkräften zu antworten auf äußere Schädigungen. Das ist eine außerordentlich wichtige Tatsache, wenn man auf diesem Gebiete zur Klarheit kommen will. Ein Wesen wie die Pflanze mit physischem Leibe und Ätherleib zeigt uns also nicht nur, daß der physische Leib und der Ätherleib ursprünglich Prinzipien der Gesundheit in sich haben, soviel notwendig ist zur Entwickelung und zum Wachstum des betreffenden Wesens, sondern es zeigt uns ein solches Wesen sogar, daß ein Überschuß vorhanden ist von solchen Kräften, die sich in den Heilkräften ausleben können, wenn von außen Schädigungen kommen. - Woher müssen denn diese Heilkräfte stammen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn Sie in einen bloß physischen Körper hineinschneiden, wird die Schädigung bleiben. Er wird aus sich heraus nichts tun können, um die Schädigung sozusagen zu heilen. Deshalb können wir bei einem bloß physischen Körper nicht von einer Erkrankung sprechen, und am wenigsten davon, daß Krankheit und Heilung in Beziehung zueinander stehen können. Das können wir am besten sehen, wenn eine Krankheit bei einer Pflanze zutage tritt. Da haben wir das Prinzip der inneren Heilkraft zu suchen im Ätherleibe. Das zeigt wiederum im eminentesten Maße der geisteswissenschaftliche Tatbestand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|63}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denn um die Wunde einer Pflanze herum beginnt der Ätherleib der Pflanze ein viel regeres Leben, als er vorher dort entfaltete. Er bringt ganz andere Formen aus sich heraus, entwickelt ganz andere Strömungen. Das ist das außerordentlich Interessante, daß wir geradezu älen Ätherieib der Pflanze herausfordern zu einer erhöhten Tätigkeit, wenn wir der Pflanze in bezug auf den physischen Leib eine Schädigung bei- bringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit haben wir zwar nicht den Begriff der Krankheit definiert; aber wir haben etwas getan, um zum Wie der Krankheit zu kommen, und wir haben etwas erreicht, was uns eine Ahnung verschafft über das innere Wie der Heilung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt gehen wir einmal - immer am Leitfaden der inneren, hellseherischen Beobachtung - weiter und versuchen wir, die äußeren Erscheinungen vernunftgemäß zu begreifen, zu denen uns die Geisteswissenschaft führt. Dann können wir jetzt aufsteigen von den Schädigungen, welche wir Pflanzen beibringen, zu gewissen Schädigungen, welche wir Tieren beibringen, die also Wesen sind, die schon einen astralischen Leib haben. Wenn wir da im groben Sinne zu Werke gehen, so werden wir sehen, daß wir bei den höheren Tieren verhältnismäßig sehr wenig - und immer weniger, je höher das Tier steht - von dem erblicken können, was bei den Pflanzen in umfassendem Maße hervortritt: nämlich jenes Antworten des Ätherleibes auf äußere Schädigungen. Wenn wir grobe Schädigungen dem physischen Leibe eines niederen oder auch eines höheren Säugetieres beibringen, reißen wir zum Beispiel einem Hunde ein Bein aus oder dergleichen, dann werden wir finden, daß der Ätherleib des Hundes nicht so leicht mit seiner Heilkraft antworten kann, wie der Atherleib der Pflanze antwortet auf eine Schädigung, die in ahnlicherWeise der Pflanze zugefügt worden ist. Aber auch im Tierreich ist das noch in großem Maße zu sehen. - Nehmen wir an, wir steigen hinunter bis zu ganz niedrigen tierischen Wesen, zu den Tritonen oder ähnlichen. Solche niederen Tierwesen können Sie zerschneiden; schneiden wir einem solchenWesen gewisse Organe ab, so ist das, könnte man sagen, dem Tiere gar nicht besonders unangenehm. Die Organe wachsen mit großer Schnelligkeit wieder nach, und das Tier sieht bald wieder so aus wie früher. Da ist etwas Ähnliches wie bei der Pflanze &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|64}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
geschehen: Wir haben eine gewisse Heilkraft im Ätherleibe herausgefordert. Wer würde leugnen, daß die Herausforderung, Heilkräfte im Ätherleib zu entwickeln, beim Menschen oder beim höheren Tier eine erhebliche Gefährdung der Gesundheit bedeuten würde? Das niedere Tier dagegen wird in seinem Ätherleibe nur herausgefordert, ein an- deres Glied aus seinem Inneren durch seinen Ätherleib herauswachsen zu lassen. Nun steigen wir etwas weiter hinauf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir jetzt zum Beispiel bei Krebsen ein Glied abschneiden, so sind die Krebse nicht sogleich imstande, ein anderes Glied aus sich her- auswachsen zu lassen. Aber wenn sie sich das nächste Mal häuten,wenn sie bei der nächsten Übergangsstufe ihres Lebens ankommen, dann schon treibt für das abgebrochene Glied ein Stumpf heraus; beim zweitenmal wird er schon größer sein, und wenn sich das Tier genügend oft häuten würde, so würde das Glied ersetzt werden durch ein neues. - Da haben Sie die Erscheinung, daß in solchem Ätherleib schon mehr dazu gehört, damit die innere Heilkraft herausgefordert wird. Und bei den höheren Tieren ist das nun gar nicht mehr in diesem Maße der Fall. Wenn wirein höheres Tier verstümmeln, kann es zunächst nicht diese Heilkraft aus seinem Ätherleibe heraus aufbringen. Aber es muß immer wieder betont werden,was heute in einen bedeutsamen naturwissenschaftlichen Streit hineinspielt: Wenn Sie das Tier verstümmeln, und das Tier hat Nachkommen, so übertragen sich diese Verstümmelungen nicht auf die Nachkommen; die nächste Generation hat wieder die vollen Glieder. Wenn der Ätherleib seine Eigenschaften auf die Nachkommen überträgt,wird er wieder angeregt, einen vollständigen Organismus heraus zusetzen. Beim Tritonen wirkt der Ätherleib noch in demselben Tiere, beim Krebs erst in der Häutung; bei den höheren Tieren tritt dasselbe erst bei den Nachkommen ein; da ersetzt der Ätherleib,was in der vor hergehenden Generation verstümmelt worden ist. Wir müssen also solche Erscheinungen in der Natur gradweise betrachten, dann wird es uns klarwerden, daß selbst dann noch von einer Heilkraft im Ätherleibe gesprochen werden muß, wenn die Vererbungen von den Vorfahren auf die Nachkommen gehen, und daß der Ätherleib sich so vererbt, daß er wieder das ganze, ungeteilte Tier hervorbringt. Da haben Sie sozusagen ein Aufsuchen des Wie der Heilkräfte im Ätherleib.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|65}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun können wir die Frage aufwerfen:Woran liegt es denn, je weiter wir in der Tierreihe hinaufsteigen - und wenn wir das Menschen reich äußerlich betrachten, gilt das auch -, daß der Ätherleib immer mehr Anstrengungen machen muß, um überhaupt die Heilkräfte herauszubekommen? - Das liegt daran, daß der Ätherleib in der verschiedensten Weise mit dem physischen Leibe verbunden sein kann. Es gibt zwischen dem physischen Leibe und dem Ätherleibe sozusagen eine innigere Gemeinschaft und eine losere. Nehmen wir zum Beispiel ein niederes Tier, den Triton, bei dem ein abgeschnittenes Glied sich sogleich wieder ansetzt. Da müssen wir eine lose Verbindung annehmen zwischen Ätherleib und physischem Leib. Und in noch höherem Maße gilt das bei der Pflanzenwelt. Da müssen wir sagen: Die Verbindung ist eine derartige, daß der physische Leib nicht imstande ist, auch auf den Ätherleib zurückzuwirken, so daß der Ätherleib ungeschoren bleibt durch das, was im physischen Leibe geschieht, und daß der Ätherleib in gewisser Beziehung unabhängig ist vom physischen Leibe. Nun ist das Wesen des Ätherleibes das des Tätigseins, des Hervorbringens, des Wachstumförderns. Er fördert das Wachstum bis zu einer bestimmten Grenze. In dem Augenblick, da wir bei Pflanzen oder niederen Tieren ein Glied abschneiden, ist der Ätherleib gleich wieder bereit, das Glied zu ergänzen, das heißt, die volle Tätigkeit zu entfalten. Was muß aber vorliegen, wenn er die volle Tätigkeit nicht entfalten kann? Dann müßte er mehr gebunden sein an die Tätigkeit des betreffenden Gliedes. Und&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
das ist in der Tat bei den höheren Tieren der Fall. Da ist eine viel innigere, dichtereVerbindung zwischen Ätherleib und physischem Leib vorhanden. Wenn der physische Leib seine Formen ausbildet, wirken diese Formen - also was in der physischen Natur ist - wieder zurück auf den Ätherleib.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir anschaulich sprechen wollen: Bei ganz niederen Tieren oder bei Pflanzen wirkt das, was draußen ist, nicht zurück auf den Atherleib, läßt ihn ungeschoren, führt ein selbständiges Dasein. Sobald wir zu höheren Tieren kommen, drängen die Formen des physischen Leibes rückwärts sich dem Ätherleibe auf; da ist der Ätherleib ganz angepaßt dem physischen Leibe, und wir verletzen mit dem physischen Leibe zugleich den Ätherleib. Dann muß natürlich derÄtherleib tiefere &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Kräfte anwenden, weil er zuerst sich selber wieder herstellen muß - und dann erst die betreffenden Gliedmaßen. Daher müssen wir an tiefere Heilkräfte appellieren,wenn wir an denÄtherleib eines höheren Tieres herangehen. Womit hängt das aber zusammen? Warum ist der Ätherleib eines höheren Tieres so abhängig von den Formen des physischen Leibes?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Je weiter wir in der Tierreihe vorschreiten, um so mehr haben wir zu berücksichtigen nicht nur die Tätigkeit des physischen Leibes und des Ätherleibes, sondern auch die des astralischen Leibes. Der astralische Leib kommt bei den niederen Tieren in seiner Wirksamkeit noch außerordentlich wenig in Betracht. Daher haben die niederen Tiere noch so viel Pflanzenähnliches. Je höher wir hinaufsteigen, desto mehr kommt der astralische Leib in Betracht. Der wirkt aber nun so, daß er den Ätherleib von sich abhängig macht. EinWesen wie die Pflanze, das nur physischen Leib und Ätherleib hat, hat mit der Außenwelt wenig zu tun; es werden Reize ausgeübt, aber die drücken sich nicht aus in inneren Vorgängen. Wo dagegen ein astralischer Leib wirksam ist, da spiegeln sich die äußeren Eindrücke in inneren Vorgängen. Ein Wesen, das den astralischen Leib nicht wirksam hat, ist innerlich mehr abgeschlossen der Außenwelt gegenüber. Es öffnet sich ein Wesen um so mehr der Außenwelt, als der astralische Leib wirksam ist. Also verbindet der astralische Leib das Innere eines Wesens mit der Außenwelt. Die zunehmende Wirksamkeit des astralischen Leibes macht, daß der Ätherleib viel stärkere Kräfte aufwenden muß, um auftretende Schädigungen wieder auszugleichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir aber jetzt hinaufsteigen vom Tier zum Menschen, ist noch etwas anderes zu berücksichtigen. Da werden in diesen astralischen Leib nicht nur hineingeprägt, hineingetragen die vorgeschriebenen Verrichtungen, wie es mehr beim Tiere der Fall ist: das Tier lebt mehr mit einer gebundenen Marschroute, lebt mehr mit einem gebundenen Lebensprogramm. Sie werden nicht leicht beim Tiere davon sprechen können, daß es in besonderem Maße gegenüber seinen Instinkten ausschwcifend wäre oder sich mehr in seinen Instinkten der Mäßigkeit hingeben könne. Es folgt seinem Lebensprogramm. Was sich beim Tier ausdrückt, ist einer Art von typischem Programm unterworfen. Der &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Mensch aber ist in der Lage, gerade dadurch, daß er höher hinaufgestiegen ist in der Stufenleiter der Entwickelung, alle möglichen Unterschiede - zwischen Richtig und Unrichtig, Wahrheit und Lüge, Gut und Böse - auszuleben. In der verschiedensten Weise kommt er durch nur individuelle Anlässe mit der Außenwelt in Berührung. Alle diese Arten von Berührungen fallen zurück, machen Eindruck auf seinen astralischen Leib. Und die Folge ist, daß auch die Wechselwirkung zwischen astralischem Leib und Ätherleib jetzt nach diesen äußeren Erlebnissen ausfallen muß. Wenn also ein Mensch in irgendeiner Beziehung ein ausschweifendes Leben führt, so bedeutet das einen Eindruck auf seinen astralischen Leib. Wir haben aber gesehen, daß der astralische Leib wieder den Ätherleib beeinflußt - wie, das wird ab- hängen von dem, was in den astralischen Leib hineingelegt worden ist. Daher werden wir jetzt verstehen können, daß der Ätherleib des Menschen geändert wird, je nachdem der Mensch dieses oder jenes Leben führt in den Grenzen von Gut und Böse, Richtig oder Unrichtig, von Wahrheit oder Lüge und so weiter. Das übt einen Einfluß auf den Ätherleib des Menschen aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun erinnern wir uns, wie die Vorgänge sind, wenn der Mensch durch die Pforte des Todes tritt. Wir wissen, daß der physische Leib abgelegt wird und daß zurückbleibt der Ätherleib, der nun mit dem astralischen Leib und dem Ich verbunden ist.Wenn nun nach dem Tode eine Zeit vergangen ist, die sich nur nach Tagen bemißt, wird das Hauptsächlichste des Ätherleibes als ein zweiter Leichnam abgeworfen; es bleibt jedoch ein Extrakt des Ätherleibes zurück, der mitgenommen wird und erhalten bleibt für alle kommenden Zeiten. In diesem Extrakt des Ätherleibes ist nun alles wie in einer Essenz darinnen, was im Leben hineingekommen ist zum Beispiel von einem ausschweifenden Leben, oder was der Mensch aufgenommen hat als das Ergebnis eines richtigen oder unrichtigen Denkens, Handelns und Fühlens. Das enthält der Ätherleib, und das nimmt der Mensch mit in die Zeit bis zur neuen Geburt. Weil das Tier solche Erlebnisse überhaupt nicht hat, kann es natürlich nichts in derselbenWciöse hinter die Pforte des Todes hinüberbringen. Wenn nun der Mensch wieder durch eine Geburt ins Dasein tritt, ist die Essenz seines früheren Ätherleibes etwas, was sich wieder &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
hineinergießt in seinen neuen Ätherleib, was den neuen Ätherleib beim Aufbau durchdringt. Daher hat der Mensch in seinem neuen Dasein im Ätherleib darinnen die Ergebnisse dessen, wie er im früheren Leben gelebt hat. Und da der Ätherleib der Auferbauer ist einer ganz neuen Organisation nach einer neuen Geburt, so prägt sich das jetzt alles auch in seinen physischen Leib hinein. Warum kann sich das in den physischen Leib hineinprägen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die geisteswissenschaftliche Forschung zeigt uns, daß wir in der Form eines Menschenleibes, der durch die Geburt ins Dasein tritt, ungefähr sehen können, welche Taten der Mensch in einem früheren Leben verrichtet hat. Aber werden wir auch eine ganz vernunftgemäße Erklärung finden für das, was sich uns dargestellt hat als abnehmende Heilkraft in der aufsteigenden Entwickelungsreihe der Tiere? Da wir bei einem Tiere nicht-davon sprechen können, daß es bei seiner Geburt eine wiederverkörperte Individualität aus einem früheren Erdendasein mitbringt, so werden wir nur den allgemeinen astralischen Leib dieser Tiergattung wirksam finden, und der wird bei diesem Tier die Heilkräfte des Ätherleibes beschränken. Beim Menschen aber finden wir, daß nicht nur sein astralischer Leib, sondern auch sein Ätherleib imprägniert ist mit den Ergebnissen der Taten des vorhergehenden Lebens. Und weil der Ätherleib für sich die Kraft hat, das hervorzubringen, was er von früher her in sich hat, so werden wir auch begreifen, daß er, wenn jetzt eine andere Kraft in ihm auftritt, auch imstande sein wird, in den ganzen Aufbau der Organisation das hineinzulegen, was er aus früheren Verkörperungen sich mitbringt. Und wir werden j`etzt verstehen, wie hinüberw`irken können unsere Taten aus einem Leben in unseren Gesundheitszustand in dem nächsten Leben und wie wir in unserem Gesundheitszustande vielfach eine karmische Wirkung unserer Taten aus einem vorhergehenden Leben zu suchen haben. Wir können aber noch auf eine andere Weise der Sache beikommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir können fragen: Wirkt nun alles, was wir in dem Leben zwischen Geburt und Tod verrichten, in gleicher Art zurück auf unseren Ätherleib? - Schon im gewöhnlichen Leben können Sie einen gewaltigen Unterschied wahrnehmen zwischen dem Zurückwirken dessen, was wir als bewußte Menschen erleben, und mancherlei andern Erlebnissen auf &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
unsere eigentliche innere Organisation. Da ergibt sich eine höchst interessante Tatsache, die durch die Geisteswissenschaft so recht aufgeklärt werden kann, die aber auch ganz vernunftgemäß zu begreifen ist. Der Mensch hat im Verlaufe seines Lebens eine ganze Summe von Erlebnissen, welche er bewußt aufnimmt und mit seinem Ich verbindet. Die werden in ihm zu Vorstellungen, und er verarbeitet diese Vorstellungen. Aber nun besinnen Sie sich einmal, wie unendlich viele Erlebnisse, Erfahrungen und Eindrücke es gar nicht bis zur Vorstellung bringen und eigentlich doch im Grunde beim Menschen da sind und auf ihn wirken. Es wird Ihnen oft passieren, daß Ihnen jemand sagt: Ich habe dich heute auf der Straße gesehen; du hast mich sogar angeschaut! - und Sie wissen gar nichts davon. So ist es vielfach. Eindruck hat so etwas natürlich gemacht. Ihr Auge hat zwar den andern gesehen; aber der unmittelbare Eindruck ist nicht bis zur Vorstellung gekommen. - Solcher Eindrücke gibt es unzählige, sodaß unser Leben eigentlich in zwei Teile zerfällt: in eine solche Lebensseelenreihe, welche aus bewußten Vorstellungen besteht, und in eine solche, welche wir niemals ganz zum klaren Bewußtsein gebracht haben. Aber es sind noch weitere Unterschiede: Sie werden leicht unterscheiden können zwischen solchen Eindrücken, die Sie in Ihrem Leben gehabt haben und die für Sie zu erinnern sind, also Eindrücke, die so auf Sie gemacht worden sind, daß sie immer in die Erinnerung hineinfallen können; und Sie werden solche Eindrücke gehabt haben, an welche Sie sich nicht erinnern können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also unser Seelen leben zerfällt in ganz verschiedene Kategorien. Und es ist tatsächlich ein ganz beträchtlicher Unterschied zwischen den verschiedenen Kategorien, wenn wir die Wirkung auf das innere Wesen des Menschen betrachten. - Bleiben wir jetzt für ein paar Minuten beim Leben des Menschen zwischen Geburt und Tod. Wenn wir da genau beobachten, zeigt sich uns, daß ein gewaltiger Unterschied ist zwischen denjenigen Vorstellungen, die immer wieder in unser Bewußtsein hineinfallen können, und solchen, die wieder vergessen worden sind, so daß sie eine Erinnerungsfähigkeit nicht eigentlich entwickelt haben. Dieser Unterschied kann am leichtesten durch folgendes klargemacht werden. Denken Sie einen Eindruck, der bei Ihnen eine klare Vorstellung hervorrief. Nehmen wir an, es sei ein Eindruck, der in Ihnen &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Freude oder Schmerz erregte&amp;gt; also ein Eindruck, der von einem Gefühl begleitet war. Halten wir das fest, daß die meisten Eindrücke - eigentlich alle Eindrücke, die auf uns gemacht werden - von Gefühlen begleitet sind. Und die Gefühle drücken sich nicht nur an der bewußten Oberfläche des Lebens aus, sondern sie wirken tief hinein bis in den physischen Leib. Sie brauchen nur daran wieder zu denken, wie ein Eindruck Sie erblassen läßt, ein anderer Sie erröten macht. Bis in die Umlagerung des Blutes wirken da die Eindrücke. Und nun gehen Sie über zu dem, was entweder überhaupt nicht oder nur flüchtig zum Bewußtsein kommt - und es nicht bis zur Erinnerung bringt. Da zeigt uns die Geisteswissenschaft, daß solche Eindrücke keineswegs weniger von ähnlichen Erregungen begleitet sind als die bewußten. Wenn Sie einen Eindruck empfangen von der Außenwelt, der, wenn Sie ihn bewußt empfangen hätten, Sie erschreckt hätte, daß vielleicht Ihr Herz gepocht hätte, so bleibt derselbe Eindruck, wenn er nicht bewußt wird, doch nicht ohne Wirkung. Er macht aber nicht nur einen Eindruck, sondern er geht auch bis in den physischen Leib. Es tritt da sogar das Eigentümliche auf, daß ein Eindruck, der eine bewußte Vorstellung hervorruft, eine Art von Widerstand findet beim Hinein wirken in die tiefere menschliche Organisation; wenn aber der Eindruck auf uns einfach wirkt, ohne daß wir es zur bewußten Vorstellung bringen, dann hemmt ihn nichts, aber er ist deshalb nicht weniger wirksam. Es ist das menschliche Leben ein viel reicheres als das, was uns davon bewußt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt eine Zeit im menschlichen Leben, wo solche Eindrücke, die so lebendig auf die menschliche Organisation wirken und keine Erinnerungsfähigkeit haben, in besonders reichem Maße erlebt werden. In der ganzen Zeit von der Geburt bis zu dem Zeitpunkt, an dem die Erinnerung beginnt, sind unzählige reiche Eindrücke auf den Menschen gemacht worden, welche alle im Menschen drinnensitzen und auch in dieser Zeit den Menschen verändert haben. Sie wirken ebenso wie die bewußten Eindrücke; aber ihnen steht, besonders wenn sie vergessen sind, nichts entgegen von dem, was sich sonst einordnet in das Seelen- leben als bewußte Vorstellungen und dadurch gleichsam einen Damm bildet. Und diese unbewußten Eindrücke dringen am allertiefsten. Nun kann man schon durch das äußere Leben vielfach die Bestätigung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|71}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
finden, daß es Momente im menschlichen Leben gibt, wo die zweite Sorte von inneren Wirkungen zum Ausdruck kommt. Manche Ereignisse des späteren Menschenlebens können Sie sich nicht erklären. Sie finden gar nicht, wie Sie dazu kommen, gerade in dieser Weise jetzt dieses oder jenes erleben zu müssen. Sie erleben zum Beispiel etwas, das macht auf Sie einen so erschütternden Eindruck, daß Sie sich gar nicht erklären können, wie ein verhältnismäßig so gleichgültiges Erlebnis einen so erschütternden Eindruck machen kann. Wenn Sie nun nach- forschen, werden Sie vielleicht finden, daß Sie gerade in der kritischen Zeit - zwischen der Geburt und dem letzten Zeitpunkt, bis zu dem man sich erinnern kann - ein ähnliches Erlebnis hatten, das Sie aber vergessen haben. Keine Vorstellung ist davon zurückgeblieben. Damals hatten Sie einen erschütterndenEindruck gehabt; der lebt fort und verbindet sich mit dem jetzigen und verstärkt ihn. Und was Sie sonst jetzt viel weniger erschüttert hätte, das macht nun einen besonders starken Eindruck. - Wer das einsieht, wird sich eine Vorstellung davon bilden, wie unendlich verantwortungsvoll die Erziehung in der ersten Kindheit ist und wie etwas seine ganz bedeutungsvollen Schatten oder auch Lichter auf das spätere Leben wirft. Da wirkt also etwas vom Früheren hinüber auf das spätere Leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun kann sich herausstellen, daß solche Eindrücke der Kindheit - besonders wenn sie sich wiederholt haben - die ganze Lebensstimmung so beeinflussen, daß von einem gewissen Zeitpunkt an eine Gemütsverstimmung eintritt, die unerklärlich ist und die nur erklärlich wird, wenn man zurückgeht und weiß, welche Eindrücke aus der früheren Zeit ihre Lichter oder Schatten hineinwerfen in das spätere Leben; denn die sind es, die jetzt in einer dauernden Gemütsverstimmung zum Ausdruck kommen. Man wird dann finden, daß die Ereignisse besonders stark wirken, die nicht gleichgültig an dem Kind vorübergegangen sind und die schon damals besonderen Eindruck auf das Kind gemacht haben. - Wir werden also sagen können: Wenn Affekte, Gefühle und Empfindungen besonders mitwirkend sind an den Eindrücken, die später vergessen werden, dann sind diese Affekte und Gefühlsergüsse ganz besonders wirksam in dem Hervortreiben solch ähnlicher Erlebnisse.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun erinnern Sie sich an die Darstellungen, die von mir öfters gegeben&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|72}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
worden sind über das Leben während der Kamalokazeit. Nachdem der Ätherleib des Menschen als ein zweiter Leichnam abgelegt worden ist, lebt der Mensch sein ganzes letztes Leben zurück, geht vorüber an allen seinen Erlebnissen, welche er gehabt hat; aber er geht nicht so vorüber, daß sie ihm gleichgültig bleiben. Gerade während der Kamalokazeit, weil der Mensch seinen alten astralischen Leib noch hat, bewirkt das Durchgemachte die tiefsten Gefühlserlebnisse. - Nehmen wir zum Beispiel an, jemand sterbe mit siebzig Jahren, lebe sein Leben zurück bis in sein vierzigstes Jahr, wo er jemandem eine Ohrfeige gegeben hat. Da erlebt er den Schmerz, welchen er dem andern zugefügt hat. Dadurch wird hervorgerufen eine Art Selbstvorwurf; der bleibt dann als Sehnsucht, und diese Sehnsucht bringt er im nächsten Leben mit, um diese Sache im späteren Leben auszugleichen. Und Sie können begreifen, da in dieser Zeit zwischen Tod und neuer Geburt solche astralischen Erlebnisse vorhanden sind, daß dasjenige, was von uns als Handlung erlebt wird, sich um so sicherer und tiefer einprägt unserem inneren Wesen und beim Aufbau der neuen Leiblichkeit mitwirkt.Wenn wir also schon im gewöhnlichen Leben so stark berührt werden können durch gewisse Erlebnisse, besonders wenn es Gefühlseindrücke waren, daß sie eine Gemütsverstimmung bewirken können, so werden wir begreifen, daß die viel stärkeren Eindrücke des Kamalokalebens sich so eindrücken können, daß sie bei einer neuen Inkarnation bis tief in die Organisation des physischen Leibes hineinwirken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da sehen Sie eine Steigerung einer Erscheinung, die Sie bei aufmerk samer Beobachtung schon im Leben zwischen Geburt und Tod finden können. Solche Vorstellungen, denen mit dem Bewußtsein kein Damm entgegengebracht wird, werden schon zu mehr Unregelmäßigkeiten in der Seele führen können: zu Neurasthenie, zu nervenkrankheitsartigen Erscheinungen, vielleicht auch zu Geisteskrankheiten. Alle diese Erscheinungen stellen sich uns dar wie ursächliche Zusammenhänge von früheren mit späteren Ereignissen und geben uns ein anschauliches Bild dafür.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wollen wir jetzt den Begriff steigern, so können wir sagen: Was wir als Handlungen in einem Leben voll führen, das wird im Leben nach dem Tode umgesetzt in einen mächtigen Affekt, und dieser Affekt, der &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|73}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
jetzt durch keine physische Vorstellung geschwächt wird und durch kein gewöhnliches Bewußtsein gehemmt ist - denn das Gehirn ist hierbei nicht nötig -, der durch die andere, tiefer hineinwirkende Form des Bewußtseins erlebt wird, bewirkt nun, daß unsere Taten und unser ganzes Wesen vom vorigen Leben in unserer Anlage und Organisation in einem neuen Leben erscheint. Daher werden wir es begreiflich finden können, daß ein Mensch, der in einer Verkörperung sehr egoistisch gedacht, gefühlt und gehandelt hat, wenn er nach dem Tode vor sich sieht die Früchte seines egoistischen Denkens, Fühlens und Handelns, sich durchzieht mit mächtigen Affekten gegen seine früheren Handlungen. Das ist in der Tat der Fall. Er bekommt Tendenzen in sich, die gegen sein eigenes Wesen gerichtet sind. Und diese Tendenzen, insofern sie aus einem egoistischen Wesen des vorigen Lebens hervorgegangen sind, drücken sich aus in einer in sich schwachen Organisation im neuen Leben. «Schwache 0rganisation&amp;gt; ist hier dem Wesen nach genommen, nicht dem äußeren Eindruck nach. Wir müssen uns daher klar sein, daß eine schwache Organisation zurückgeführt werden kann karmisch auf ein egoistisches Handeln in einem vorhergehenden Leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gehen wir weiter. Nehmen wir an, in einem Leben zeige ein Mensch einen besonderen Hang zur Lügenhaftigkeit. Das ist schon ein Hang, der geht aus einer tieferen Organisation der Seele hervor. Denn wenn sich der Mensch nur dem überläßt, was in seinem allerbewußtesten Leben ist, so wird er nicht eigentlich lügen; nur Affekte und Gefühle, welche aus dem Unterbewußtsein heraus wirken, verleiten zum Lügen. Da haben wir schon etwas Tieferes sitzen. Wenn der Mensch lügenhaft war, werden seine Handlungen, die aus der Lügenhaftigkeit hervorgehen, wieder die heftigsten Affekte im Leben nach dem Tode gegen den Menschen selbst erzeugen, und eine starke Tendenz gegen die Lügenhaftigkeit wird sich zeigen. Dann wird sich der Mensch mitbringen im späteren Leben ni,cht nur eine schwache Organisation, sondern - die Geisteswissenschaft zeigt uns das - eine Organisation, die sozusagen unrichtig gebaut ist,-die regellos gebaute innere Organe in der -feineren Organisation zeigt. Es stimmt da etwas nicht recht zusammen. Das ist bedingt durch früheren Hang zur Lügenhaftigkeit. - Und woher ist der Hang zur Lügenhaftigkeit selbst gekommen? Denn &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|74}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
in dem Hang zur Lügenhaftigkeit hat der Mensch ja schon etwas, was auch nicht stimmt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da müssen wir noch weiter zurückgehen. Und da zeigt die Geistes- wissenschaft, daß ein flatterhaftes Leben, das keine Hingabe und keine Liebe kennt, daß ein oberflächliches Leben in der einen Verkörperung sich ausdrückt in dem Hang zur Lügenhaftigkeit in der nächsten Verkörperung; und der Hang zur Lügenhaftigkeit zeigt sich in der zweit- nächsten Inkarnation in den unrichtig gebauten Organen. - So können wir drei aufeinanderfolgende Inkarnationen in ihren Wirkungen karmisch verfolgen: Oberflächlichkeit und Flatterhaftigkeit in der ersten Inkarnation, Hang zur Lügenhaftigkeit in der zweiten und physische Krankheitsdisposition in der dritten Inkarnation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da sehen wir Karma an Gesundheit und Krankheit arbeiten. - Was jetzt gesagt worden ist, ist so gesagt, daß die Tatsachen selber heraus- geholt worden sind aus der geisteswissenschaftlichen Forschung. Nicht Theorien sollten aufgestellt werden, sondern es sind beobachtete Fälle, die durch die Methoden der Geisteswissenschaft untersucht werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir haben also zunächst hingewiesen auf die allergewöhnlichsten Tatsachen - auf die Heilkräfte des Ätherleibes bei den Pflanzen. Wir zeigten dann, wie durch das Hinzutreten des astralischen Leibes bei den Tieren der Ätherleib weniger wirksam ist, und wir sahen ferner, wie durch die Aufnahme des Ich, das ein individuelles Leben im Guten und Bösen, Wahren und Falschen entwickelt&amp;gt; der astralische Leib, der mit dem Hinaufsteigen in der Tierreihe die Heilkräfte nur hemmt, wieder etwas Neues dem Menschen einfügt: die aus dem individuellen Leben ihm ein fließenden karmischen Krankheitseinflüsse. Bei der Pflanze gibt es noch keine inneren Krankheitsursachen, weil die Krankheit noch im Äußerlichen ist und die Heilkräfte des Ätherleibes ungeschwächt wirken. Bei den niederen Tieren haben wir noch einen Ätherleib mit solchen Heilkräften, daß er selbst Glieder ersetzen kann; aber je weiter wir hinaufsteigen, desto mehr prägt sich der astralisc`he Leib dem Ätherleib ein, und dadurch schränkt der Astralleib die Heilkräfte des Ätherleibes ein. Aber weil sich die Tiere nicht in Reinkarnationen fortpflanzen, hängt das, was im Ätherleibe ist, nicht zusammen mit irgendwelchen &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
moralisch-intellektuellen oder individuellen Qualitäten, sondern mit dem allgemeinen Typus. Beim Menschen jedoch wirkt das, was er in seinem Ich erlebt, zwischen Geburt und Tod hinein bis in den Ätherleib.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Warum kommen denn die Erlebnisse der Kindheit bei den genannten Gemütswirkungen nur in leichten Erkrankungen zum Vorschein? Weil wir die Ursachen zu vielem, was sich in Neurasthenie, Neurose, Hysterie und so weiter zeigt, werden finden können in demselben Leben. Die Ursachen zu tieferen Krankheitsfällen aber werden wir zu suchen haben in einem vorhergehenden Leben, weil sich erst beim Übergang zu einer neuen Geburt dasjenige recht in den Ätherleib hineinverpflanzen kann, was moralisch und intellektuell erlebt wird. Im allgemeinen kann der Atherleib beim Menschen tiefere moralische Wirkungen in einem Leben nicht einverleibt erhalten, obwohl wir einzelne&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ausnahmefälle - und sogar sehr bedeutende Fälle - noch kennenlernen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So haben wir einen Zusammenhang zwischen unserem Leben im Guten und Bösen, im Moralischen und Intellektuellen in der einen In karnation, und unserer Gesundheit oder Krankheit in der nächsten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|76}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= VIERTER VORTRAG Hamburg, 19. Mai 1910 =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es darf die Voraussetzung gemacht werden, daß gerade über die beiden Begriffe, welche den Gegenstand unserer heutigen Betrachtung bilden sollen, nämlich Heilbarkeit und Unheilbarkeit vQn Krankheiten, deutlichere und, man kann sagen, menschenfreundlichere Vorstellungen herrschen werden, wenn einmal die Ideen von Karma und karmischen Zusammenhängen im Leben in weiteren Kreisen werden Platz gegriffen haben. Man darf ja sagen, daß in bezug auf die Begriffe Heilbarkeit und Unheilbarkeit von Krankheiten in den verschiedensten Jahrhunderten die verschiedensten Meinungen verbreitet waren. Und man braucht nicht sehr weit zurückzugehen, um zu sehen, wie ungeheuerlich sich diese Begriffe verändert haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da finden wir eine Zeit - sie ist die Wende zwischen dem Mittel- alter und der neueren Zeit, so etwa das 16., 17. Jahrhundert -, da entwickelten sich allmählich die Vorstellungen, daß man die Krankheitsformen in einer strengen Weise eingrenzen könne und daß es eigentlich für eine jede Krankheit irgendein Kräutlein, irgendeine Mixtur gebe, durch welche die betreffende Krankheit unbedingt geheilt werden müsse. Dieser Glaube dauerte im Grunde recht lange, sogar bis in das 19. Jahrhundert hinein. Und wenn man als Laie oder als Mensch, der die heutigen Zeitbegriffe in sich aufgenommen hat, nachlesen wollte in den Mitteilungen von Krankenbehandlungen vom Ende des 18. oder&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dem Beginn des 19. Jahrhunderts und bis weit in das 19. Jahrhundert hinein, so würde man ersIaunen über all die Mittel und Mittelchen, die damals reichlich angewendet worden sind, von Tees, Mixturen bis zu gefährlicheren Arzneien, Aderlässen und so weiter. Aber gerade das 19. Jahrhundert war es, welches in medizinischen Kreisen, und zwar in angesehenen medizinischen Kreisen, diese Ansicht in das genaue Gegenteil verkehrt hat. Und ich darf wohl selbst sagen, daß mir vieles von` diesen gegenteiligen Ansichten während meiner jüngeren Jahre in den verschiedensten Nuancen und Motiven vor Augen getreten ist. Es war die Gelegenheit dazu gegeben, wenn man etwa die Strömung der nihi&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|77}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
listischen medizinischen Schule mitmachte, die sich um die Mitte des 19. Jahrhunderts in Wien vorbereitete und eigentlich immer mehr und mehr an Ansehen gewann. Der Ausgangspunkt zu einer radikalen Änderung in bezug auf die Anschauungen über Heilbarkeit und Unheilbarkeit von Krankheiten war das, was der bedeutende Mediziner Dietl über den Verlauf der Lungenentzündung und ähnlicher Krankheiten zutage förderte. Er war durch allerlei Betrachtungen dazu gekommen, sich zu sagen, daß im Grunde gar kein rechter Einfluß von diesem oder jenem Mittel auf den Verlauf dieser oder jener Krankheit zu bemerken sei. Und gerade unter dem Einfluß von Dietls Schule lernten die damaligen jungen Mediziner über den Heilwert der seit Jahrhunderten heraufgekommenen Heilmittel so denken, daß sie auf alle alten Mittel übertrugen, was mit dem bekannten Sprichwort gemeint ist: Kräht der Hahn auf dem Mist, so ändert sich das Wetter, oder es bleibt, wie es ist! - Sie waren der Meinung, daß es ziemlich einerlei sei für den Verlauf einer Krankheit, ob man diese oder jene Mittel verabreiche oder nicht. Und Dietl war einer, der eine für die damalige Zeit recht überzeugende Statistik zustande brachte, die besagte, daß bei der von ihm eingeführten sogenannten abwartenden Behandlungsweise ungefähr ebenso viele Menschen, die an Lungenentzündung erkrankt waren, geheilt wurden oder starben als bei der früheren Behandlung mit den altehrwürdigen Heilmitteln. Die von Dietl begründete, von Skoda weiter fortgeführte abwartende Behandlung bestand darin, daß man den Kranken in die äußere Lebenslage brachte, die ihn instande setzte, die selbstheilenden Kräfte am allerbesten in Anwendung zu bringen, sie hervorzuholen aus seinem Organismus, und dem Arzte wies man kaum eine andere Stellung an, als den Verlauf der Krankheit zu überwachen, damit er da war, wenn irgend etwas eintrat, wo man mit menschlichen Mitteln sachgemäß Hilfe leisten kann. Im übrigen beschränkte man sich darauf, die Krankheit sozusagen kommen zu sehen, abzuwarten, wie die selbstheilenden Kräfte aus dem Organismus herauskamen, bis das Fieber nach einiger Zeit abfiel und die Selbstheilung durch den Organismus eintrat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese medizinische Schule wurde und wird noch heute mit dem Ausdruck der «nihilistischen Schule» belegt, weil sie auf einem Ausspruch &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|78}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
von Professor Skoda fußte, der ungefähr sagte: Wir können vielleicht lernen, Krankheiten zu diagnostizieren, sie zu beschreiben, vielleicht auch zu erklären - heilen aber können wir sie nicht! - Ich erzähle Ihnen Dinge, von denen Sie als von Tatsachen, welche sich im Laufe des 19. Jahrhunderts herausgebildet haben, Notiz nehmen sollen, damit Sie eine Empfindung dafür erhalten, wie sich Vorstellungen auf diesem Gebiete geändert haben. Aber es möge niemand glauben, daß, wenn dies oder jenes hier in rein erzählender Form ausgesprochen wird, deshalb gleich in der einen oder andern Weise Partei ergriffen werden soll. Denn selbstverständlich war der Ausspruch des berühmten Professors Skoda eine Art Radikalismus, und es würde leicht sein, die Grenzen, innerhalb welcher ein solcher Ausspruch gilt, aufzuzeigen. Auf eins aber war mit solcher Meinung hingewiesen, ohne daß man eigentlich die Mittel hatte, bewußt diesen Hinweis irgendwie zu begründen oder zu umschreiben oder in Worte zu bringen - ja nicht einmal in Gedanken konnte man ihn bringen; das heißt, man konnte in den Kreisen, in welchen man ihn aussprach, nicht einmal daran gehen, diesen Hinweis zu denken. Es wurde darauf hingewiesen, daß sich allerdings im Menschen etwas finden müsse, was in gewisser Beziehung bestimmend ist für den Ausgang und für den Verlauf einer Krankheit und was als solches im Grunde genommen doch jenseits dessen liegt, was menschliche Hilfe leisten kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es war also der Hinweis auf etwas gegeben, was jenseits der menschlichen Hilfe liegt; und dieser Hinweis kann niemals, wenn man wirklich den Dingen zu Leibe geht, sich auf etwas anderes beziehen als auf das Gesetz von Karma und auf die Wirksamkeit von Karma im Verlaufe des menschlichen Lebens. Wenn wir den Verlauf einer Krankheit im menschlichen Leben verfolgen - das Heraufkommen der Krankheit, die aus dem Organismus selbst hervorsprießenden Heilkräfte -, wenn wir die Heilentwickelung verfolgen, dann werden wir bei unbefangener Betrachtungsweise, besonders wenn wir darauf Rücksicht nehmen, wie in dem einen Falle Heilung eintritt, während in einem andern Falle keine Heilung möglich erscheint, dahin getrieben werden, nach tieferer Gesetzmäßigkeit zu suchen. Darf diese tiefere Gesetzmäßigkeit gesucht werden in den früheren Erdenleben des Menschen? Das ist für uns die Frage. Darf davon gesprochen werden, daß sich der Mensch gewisse &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|79}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorbedingungen mitbringt, die ihn geradezu vorausbestimmt machen, in einem besonderen Falle seine Heilkräfte aus dem Organismus aufrufen zu können, die aber in einem andern Falle so vorausbestimmt sind, daß er trotz aller Anstrengungen nicht imstande ist, die Krankheit zu heilen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn Sie sich an das erinnern, was namentlich gestern ausgeführt worden ist, so werden Sie begreifen, daß in den Vorgängen, die sich abspielen zwischen dem Tode und der neuen Geburt, allerdings ganz besondere Kräfte aufgenommen werden in die menschliche Individualität. Haben wir doch gesagt, daß dem Menschen während der Kamalokazeit die Ereignisse seines letzten Lebens, seine von ihm verrichteten Handlungen im Guten und Bösen, seine Charaktereigenschaften und so weiter vor die Seele treten und daß er durch die Anschauung seines eigenen Lebens in sich die Tendenz aufnimmt, für alles, was unvollkommen in ihm ist und was sich als eine unrichtige Handlung gezeigt hat, Abhilfe und Ausgleich zu schaffen, sich die betreffenden Eigenschaften einzuprägen, welche ihn auf diesem oder jenem Gebiete vollkommener machen. Haben wir das begriffen, so können wir sagen: Diese Absicht, diese Tendenz behält nun der Mensch und geht durch eine neue Geburt mit dieser Absicht wieder ins Dasein. - Der Mensch baut aber selbst an dem neuen Leibe, der sich ihm angliedert und ihn umgliedert im neuen Leben, und er baut ihn auf gemäß den Kräften, welche er sich mitgebracht hat aus früheren Lebensläufen und aus der Zeit zwischen Tod und neuer Geburt. Mit diesen Kräften ist er ausgestattet und webt sie hinein in selne neue Körperlichkeit. Damit haben wir begriffen, daß diese neue Körperlichkeit schwach oder stark ist, je nachdem der Mensch schwache oder starke Kräfte in sie hineinweben kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun müssen wir uns aber doch klar sein, daß eine gewisse Folge eintreten wird, wenn zum Beispiel der Mensch während des Kamalokalebens gesehen hat: Du warst im letzten Leben ein Mensch, der viele Handlungen begangen hat unter dem Einflusse seiner Affekte, von Zorn, Furcht, Abscheu und so weiter. - Solche Handlungen stehen nun lebendig vor seiner Seele in der Kamalokazeit, und da bildet sich heraus in dieser Seele der Gedanke - die Ausdrücke, die uns für diese Kräfte erwachsen können sind natürlich für das physische Leben geprägt! -: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Du mußt an dir etwas tun, damit du in dieser Beziehung vollkommener wirst, damit du in der Zukunft nicht mehr geneigt bist, Handlungen unter dem Einflusse deiner Affekte zu begehen! - Dieser Gedanke wird ein Bestandteil der menschlichen Seelenindividualität, und beim Durch- gehen durch eine neue Geburt prägt sich dieser Gedanke weiter ein als eine Kraft in den neu entstehenden Leib. Und in diesen fließt dadurch ein die Tendenz, so etwas zu vollführen mit der ganzen Organisation von physischem Leib, Ätherleib und astralischem Leib, was dem Menschen es jetzt unmöglich macht, aus seinen Affekten heraus, aus Zorn, Haß, Neid und so weiter gewisse Handlungen zu begehen, damit er imstande ist, in dieser Beziehung wirklich sich vollkommener zu machen. Und dadurch wird er dazu kommen, neue Handlungen zu vollführen, welche jetzt den Ausgleich früherer Handlungen bewirken können. So läßt der Mensch aus einer seine gewöhnliche Vernünftigkeit weit überragenden Vernünftigkeit die Absicht in sich hinein fließen, die ihn zu einer höheren Vollkommenheit auf einem bestimmten Gebiete und zum Ausgleich bestimmter Handlungen führen kann. -Wenn Sie in Betracht ziehen, wie mannigfaltig das Leben ist, wie der Mensch von Tag zu Tag solche Handlungen vollführt, die einen derartigen Ausgleich erfordern, so werden Sie begreifen, daß viele solcher nach Ausgleich harrender Gedanken in der Seele sind, wenn die Seele durch eine neue Geburt ins Dasein tritt, und daß diese mannigfaltigen Gedanken sich kreuzen, so daß dadurch der menschliche physische Leib und Ätherleib eine Konfiguration erhalten, in welche alle diese Tendenzen hineinverwoben sind. Um uns nun das verständlich zu machen, nehmen wir einen ganz eklatanten Fall an. Gerade heute aber muß ich ganz besonders betonen, was ich auch sonst stets betone: daß ich vermeide, aus irgendeiner Theorie oder Hypothesenmacherei zu sprechen und daß ich, wenn ich Beispiele anführe, nur solche anführe, die von der Geisteswissenschaft wohl geprüft sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen wir an, jemand habe im letzten Leben so gelebt, daß er aus einem viel zu schwachen Ich-Gefühl heraus gewirkt hat, aus einem IchGefühl, welches in der Hingabe an die äußere Welt viel zu weit ging, so weit, daß es mit einer Unselbständigkeit, Selbstverlorenheit wirkte, wie es für unseren heutigen Menschheitszyklus nicht mehr angemessen &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|81}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ist. Also das fehlende Selbstgefühl war es, welches einen Menschen in einer Inkarnation zu diesen oder jenen Handlungen geführt hat. Nun hat er während der Kamalokazeit die Handlungen vor sich gehabt, die aus diesem fehlenden Selbstgefühl herausgeflossen sind. Er nimmt daraus zunächst die Tendenz auf: Du mußt in dir Kräfte entwickeln, welche dein Selbstgefühl erhöhen, du mußt in einer nächsten Inkarnation dir die Gelegenheit schaffen, gegen den Widerstand deiner Leiblichkeit, gegen die Kräfte, welche dir entgegenkommen werden aus physischem Leib, Ätherleib und astralischem Leib, dein Selbstgefühl zu stählen, damit es gleichsam eine Schule durchmacht. Du mußt dir einen Leib anschaffen, der dir zeigt, wie aus der Leiblichkeit heraus die Anlage zu einem schwachen Selbstgefühl wirkt!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was sich dann in der nächsten Inkarnation abspielen wird, wird wenig ins Bewußtsein treten, es wird sich mehr oder weniger in einer unterbewußten Region abspielen. Der Betreffende wird hinstreben zu einer solchen Inkarnation, welche gerade die derbsten Widerstände seinem Selbstgefühl entgegensetzt, so daß er es nötig hat, sein Selbstgefühl im höchsten Maße anzuspannen. Dadurch wird er wie magnetisch hingezogen werden zu solchen Gegenden und solchen Gelegenheiten, wo sich ihm tiefere Hindernisse entgegenstellen, wo sich sein Selbstgefühl ausleben soll gegen die Organisation der drei Leiber. So sonderbar es Ihnen klingen mag: Solche Individualitäten, die mit diesem Karma belastet sind, daß sie in der charakterisierten Weise durch die Geburt ins Dasein hineinstreben, suchen den Zugang zu Gelegenheiten, wo sie zum Beispiel einer Seuche wie der Cholera ausgesetzt sein können; denn diese bietet ihnen Gelegenheit, jene Widerstände, welche eben gekennzeichnet worden sind, zu finden. Was dabei durchzumachen ist im Inneren gegen die Widerstände der drei Leiber in dem Erkrankten&amp;gt; das kann dann bewirken, daß in der nächsten Inkarnation das Selbstgefühl in einem erheblichen Grade gewachsen ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen wir einen andern eklatanten Fall an, und zwar, damit Sie den Zusammenhang durchschauen können, jetzt gerade den entgegengesetzten Fall. Ein Mensch sieht während der Kamalokazeit, daß er unter einem zu starken Selbstgefühl eine Reihe von Handlungen vollführt hat, die aus einem zu starken Auf-sich-selbst-Bauen geflossen &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
sind. Er sieht, daß er sich mäßigen muß in bezug auf sein Selbstgefühl, daß er es zurückdämmen muß. Da muß er wieder eine Gelegenheit aufsuchen, wo ihm in der nächsten Inkarnation seine drei Leiber die Möglichkeit geben, daß das Selbstgefühl überall in der Leiblichkeit - wie es sich auch anstrenge - keine Schranken findet, daß es überall ins Boden- lose hinein und sich selbst ad absurdum führt. Die Bedingungen dazu sind hergestellt, wenn der Betreffende hingezogen wird zu einer Gelegenheit, die ihm die Malaria bringt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da haben Sie einen Krankheitsfall des karmischen Wirkens und sogar den Satz dargelegt, daß im Grunde der Mensch aus einer höheren Vernünftigkeit, als diejenige ist, welche er mit seinem gewöhnlichen Bewußtsein überschauen kann, hingeleitet wird zu den Gelegenheiten, wo er sich im Verlaufe seines Karma weiter fortentwickeln kann. Wenn Sie namentlich die Dinge ins Auge fassen, welche jetzt eben gesagt worden sind, wird es Ihnen sehr erleichtert werden, Verständnis zu gewinnen gerade für das Epidemische bei den Krankheiten. Wir könnten die verschiedensten Beispiele anführen, die uns alle zeigen, wie der Mensch aus den Erfahrungen seiner Kamalokazeit heraus geradezu die Gelegenheiten aufsucht, diese oder jene Krankheit zu bekommen, um durch, ihre Überwindung und durch die Entfaltung der selbstheilenden Kräfte die Kräfte zu gewinnen, welche ihn die Lebensbahn im ganzen hinauf- führen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorhin sagte ich, wenn ein Mensch viel unter dem Einfluß von Affekten gehandelt hat, so wird er in der Kamalokazeit ebenfalls Handlungen durchleben, die unter dem Einfluß von Affekten überhaupt geschehen sind. Das wird ihm die Tendenz geben, in seiner neuen Inkarnation, in seiner eigenen Leiblichkeit so etwas zu erleben, durch dessen Überwindung er Handlungen vollführt, welche ausgleichend wirken können auf gewisse Handlungen seines früheren Lebens. Insbesondere ist es da jene Form der Erkrankung, die wir in der neueren Zeit als Diphtherie kennen, die in vielen Fällen zutage tritt, wenn eine solche karmische Verwicklung vorliegt, wo sich der Betreffende früher in der Weise ausgelebt hat, daß er vielfach aus allerlei Aufwallungen, Affekten und so weiter gehandelt hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir werden im Verlaufe dieser Vorträge noch manches zu hören&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
bekommen darüber, wie diese oder jene Krankheit bedingt ist. Wir müssen aber jetzt auf noch tiefere Grundlagen eingehen, wenn wir uns die Frage beantworten wollen: Wie kommt es, daß, wenn der Mensch durch die Geburt ins Dasein tritt und er sich durch sein Karma dieTendenz mitbringt, durch die Überwindung dieses oder jenes Leidens das eine oder das andere zu erreichen, wie kommt es, daß es ihm einmal gelingt, wirklich Sieger zu sein, die Krankheit zu überwinden und Kräfte in sich aufzunehmen, die ihn höher bringen, während er das andere Mal unterliegt und die Krankheit Sieger bleibt? Da müssen wir auf die geistigen Prinzipien zurückgehen, die überhaupt das Kranksein im Menschenleben möglich machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daß der Mensch überhaupt erkranken kann, daß er geradezu das Kranksein - sogar aus seinem Karma heraus - suchen kann, das kommt zuletzt aus keinen andern Prinzipien heraus als aus denjenigen, die wir schon oft in den verschiedensten Zusammenhängen unserer theosophischen Betrachtungen uns haben vor die Seele treten lassen. - Wir wissen, daß in einem bestimmten Punkte der Erdentwickelung diejenigen Kräfte in die menschliche Entwickelung eingetreten sind, welche wir die luziferischen Kräfte nennen, welche solchen Wesenheiten angehören, die während der alten Mondentwickelung zurückgeblieben sind und nicht so weit vorgeschritten sind, ~daß sie sozusagen an dem normalen Punkt ihrer Erdentwickelung angelangt wären. Dadurch wurde dem astralischen Leibe des Menschen, bevor sein Ich in der entsprechenden Weise wirken konnte, etwas eingepflanzt, was aus diesen luziferischen Wesen herausströmte. Der Einfluß dieser luziferischen Wesenheiten ist daher ein solcher, der vorzugsweise auf unseren astralischen Leib einstmals ausgeübt worden ist und den der Mensch für die Folgezeit durch seine Entwickelung hindurch in seinem astralischen Leib hatte. Dieser luziferische Einfluß bedeutet in der menschlichen Entwickelung mancherlei. Für unseren heutigen Zweck ist es aber wichtig, hervorzuheben, daß der Mensch, indem er die luziferischen Kräfte in sich hatte, in seinem Inneren einen Verführer hatte, weniger gut zu sein, als er gewesen wäre, wenn der luziferische Einfluß nicht gekommen wäre; und ebenso hatte er dadurch einen Einfluß, mehr aus allerlei Affekten, Leidenschaften und Begierden heraus zu handeln und zu ur&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
teilen, als er geurteilt und gehandelt haben würde,wenn der luziferische Einfluß nicht gewirkt hätte. Durch diesen Einfluß wurde des Menschen eigentliche Individualität veranlaßt, anders zu sein, sozusagen mehr hingegeben zu sein an das, was wir die Begierdenwelt nennen können, als es sonst der Fall gewesen wäre. Und dadurch ist es gekommen, daß der Mensch viel tiefer hineinverstrickt worden ist in die physische Erdenwelt, als es sonst geschehen wäre. Der Mensch drängt sich durch den luziferischen Einfluß mehr hinein in seine Leiblichkeit, identifiziert sich mehr mit der Leiblichkeit, als er sie durchdrungen hätte, wenn kein luziferischer Einfluß gekommen wäre. Denn wäre der Einfluß der luziferischenWesenheiten nicht gekommen, so wäre so mancherlei von dem, was den Menschen auf der Erde locken kann, dieses oder jenes zu begehren, nicht gekommen. Der Mensch wäre gleichgültig an den Eindrücken dieser oder jener Lockmittel vorbeigegangen. Durch Luzifers Einfluß entstanden die Verlockungen der äußeren sinnlichen Welt; diese Verlockungen nahm der Mensch in sich auf. Die Individualität, die durch das Ich gegeben war, wurde durchtränkt mit den Wirkungen, die aus dem luziferischen Prinzip heraus kamen. Und so kam es, daß der Mensch bei seinen ersten Erdeninkarnationen auch den ersten Verlockungen des luziferischen Prinzips verfallen war und diese Verlockungen mitnahm in die späteren Leben. Das heißt, daß die Art und Weise, wie der Mensch den Verlockungen des luziferischen Prinzips verfiel, zu einem Bestandteil seines Karma wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn nun der Mensch nur dieses Prinzip in sich aufgenommen hätte, so würde er immer mehr und mehr den Verlockungen der physischen Erdenwelt verfallen sein; er würde sozusagen immer mehr die Aussicht verloren haben, von dieser physischen Erdenwelt wieder loszukommen. Wir wissen, daß der spätere Einfluß - der Christus-Einfluß - dem luziferischen Prinzip entgegengewirkt hat und es gleichsam wieder zum Ausgleich gebracht hat, so daß der Mensch im Laufe seiner Entwickelung wieder Mittel erhalten hat, diesen luziferischen Einfluß aus sich herauszutreiben. Aber mit dem luziferischen Einfluß war zugleich etwas anderes gegeben. Dadurch,daß der Mensch in seinem astralischen Leib den luziferischen Einfluß aufgenommen hatte, erschien ihm auch die ganze äußere Welt, in die er eintrat, ganz anders, als sie ihm erschienen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|85}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wäre, wenn er dem luziferischen Einfluß nicht hingegeben gewesen wäre. Luzifer drang in des Menschen Inneres. Der Mensch sah mit Luzifer im Inneren die Welt um sich herum. Dadurch trübte sich sein Blick für die Erdenwelt, und es mischte sich nun in die äußeren Eindrücke hinein der ahrimanische Einfluß. Nur dadurch konnte sich AhrIman eInmischen und die äußere Welt zur Illusion gestalten, weil wir uns schon früher von innen heraus die Anlage zur Illusion, zu Maja geschaffen hatten. So war der ahrimanische Einfluß, der hineinzog in die äußere Welt, die den Menschen umgab, die Folge des luziferischen Einflusses. Wir können sagen: Der Mensch saugte ein, weil einmal die Iuziferischen Kräfte in ihm waren, die Möglichkeit, sich mehr in die Sinnenwelt zu verstricken, als er sich ohne den luziferischen Einfluß in das sinnliche Erdenleben verstrickt hätte. Dadurch hat er sich aber auch die Möglichkeit geschaffen, mit allen äußeren Wahrnehmungen von außen den ahrimanischen Einfluß einzusaugen. Und so lebt in der menschlichen Individualität, indem sie durch die verschiedenen Erdeninkarnationen hindurchgeht, der luziferische Einfluß, und als das Ergebnis des luziferischen Einflusses der ahrimanische Einfluß. Diese zwei Mächte kämpfen fortwährend in der menschlichen Individualität. Und die menschliche Individualität ist der Schauplatz geworden für den Kampf von Luzifer und Ahriman.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Mensch ist mit seinem gewöhnlichen Bewußtsein auch heute noch ausgesetzt sowohl den Verlockungen Luzifers, der aus den Leidenschaften und Affekten seines astralischen Leibes heraus wirkt, wie auch den Verlockungen Ahrimans, der durch Irrtümer, Täuschungen in bezug auf die äußere Welt von außen in den Menschen eindringt. Solange nun der Mensch in einer Inkarnation lebt und die Vorstellungen einen Riegel vorschieben, so daß das, was von Luzifer und Ahriman geschieht, nicht tiefer eindringen kann und ein Hindernis findet an den Vorstellungen, so lange bleibe das, was der Mensch tut, dem moralischen oder dem intellektuellen Urteil unterworfen. Solange der Mensch zwischen Geburt und Tod gegen die Moral sündigt, indem er Luzifer folgt, oder sich gegen die Logik und das gesunde Denken versündigt, indem er Ahriman folgt, so lange bleibt das eine Angelegenheit des gewöhnlichen bewußten Seelenlebens. Wenn der Mensch aber durch die Pforte &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
des Todes schreitet, hört das Vorstellungsleben auf, das an das Instrument des Gehirns gebunden ist. Da beginnt eine andere Form des Bewußtseinslebens. Da dringen in der Tat alle die Dinge, welche im Leben zwischen Geburt und Tod dem moralischen oder dem vernünftigen Urteil unterworfen sind, herunter in die Untergründe des menschlichen Wesens und greifen ein in das, was dann nach dem Kamaloka für das nächste Dasein organisierend wirkt und sich hineinprägt in die plastischen Kräfte, die nun die dreifache menschliche Leiblichkeit aufbauen. Da werden Irrtümer, welche aus der Hingabe an Ahriman folgen, zu Krankheitskräften, die vom Ätherleib her den Menschen infizieren,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und Ausschweifungen, also Dinge, welche im Leben dem moralischen Urteil unterworfen sind, werden zu Krankheitsursachen, welche mehr vom astralischen Leib her wirken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dadurch sehen wir, wie in der Tat unsere Irrtümer aus dem Ahrimanischen in uns - und dazu sind auch die bewußten Irrtümer: Lügen, Unwahrheiten zu rechnen - zu Krankheitsursachen werden, wenn wir allerdings nicht bei einer Inkarnation stehenbleiben, sondern die Wirkung einer Inkarnation auf die folgende betrachten; und wir sehen, wie auch die luziferischen Einflüsse zu Krankheitsursachen auf demselben Wege werden. Wir können in der Tat sagen: Wir begehen unsere Irrtümer nicht ungestraft! Wir tragen den Stempel unserer Irrtümer in unserer nächsten Inkarnation an uns, aber wir tun es aus einer höheren Vernünftigkeit heraus, als diejenige unseres gewöhnlichen Lebens ist, aus derjenigen Vernünftigkeit, welche uns während der Zeit zwischen Tod und neuer Geburt anweist, uns so stark und kräftig zu machen, daß wir fernerhin diesenVerlockungen nicht mehr ausgesetzt sind. So reihen sich Krankheiten sogar ein als mächtige Erzieher in unser Leben. -Wenn wir Krankheiten so betrachten, können wir förmlich sehen, wie bei der Ausbildung einer Krankheit entweder luziferische oder ahrimanische Einflüsse wirksam sind. Wenn einmal diese Dinge werden durchschaut werden von denen, die unter dem Einfluß der geisteswissenschaftlichen Weltanschauung Heiler sein werden, dann werden die Einflüsse dieser Heiler auf den menschlichen Organismus viel intimere sein, als sie heute sein können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir können geradezu in diesem Sinne den Organismus gewisser&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Krankheitsformen durchschauen. Nehmen wir zum Beispiel eine solche Krankheit wie die Lungenentzündung. Sie ist eine Wirkung in der karmischen Folge, welche dadurch entsteht, daß der Betreffende während seiner Kamalokazeit zurückblicken kann auf einen Charakter, der in sich hatte Hang und Neigung zu sinnlichen Ausschweifungen, der in sich hatte sozusagen ein Bedürfnis, sinnlich zu leben. Verwechseln wir ja nicht, was jetzt einem früheren Bewußtsein zugeschrieben wird, mit dem, was im Bewußtsein der nächsten Inkarnation auftritt. Damit hat es zunächst nichts zu tun.Wohl aber wird das, was der Mensch während der Kamalokazeit sieht, sich so umwandeln, daß sich ihm Kräfte ein- prägen zuVorgängen,welche die Lungenentzündung überwinden. Denn gerade in der Überwindung der Lungenentzündung, in der Selbst heilung,welche dabei vom Menschen angestrebt wird,wirkt die menschliche Individualität entgegen den luziferischen Mächten, führt einen förmlichen Krieg gerade gegen die luziferischen Mächte. Daher ist in der Überwindung der Lungenentzündung eine Gelegenheit, dasjenige abzulegen, was ein Charaktermangel in einer vorherigen Inkarnation war. So sehen wir förmlich wirken in der Lungenentzündung den Kampf des Menschen gegen die luziferischen Mächte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anders stellt sich uns die Sache dar, wenn wir bei dem, was wir im heutigen Sprachgebrauch Lungentuberkulose nennen, die eigentümlichen Prozesse auftreten sehen, wenn die selbstheilenden Kräfte in Tätigkeit übergehen, die sich dadurch äußern, daß die schädigenden Einflüsse, welche da entstehen, umgeben werden, umrandet werden von Umhüllungen wie Bindegewebe; dann wird das Ganze ausgefüllt mit kalk-salzhaltiger Materie, welche feste Einschlüsse bildet. Solche Einschlüsse kann der Mensch in seiner Lunge haben, und viel mehr Menschen tragen solche Dinge mit sich herum, als man gewöhnlich glaubt; denn das sind diejenigen Menschen, bei denen eine tuberkulöse Lunge in Heilung übergegangen ist. Wo derartiges vor sich ging, ist wieder ein Kampf aufgeführt worden der menschlichen inneren Wesenheit gegen das, was ahrimanische Kräfte angestellt haben. Es ist ein Abwehrprozeß nach außen, ein Anstürmen gegen das, was durch äußere Materialität hergebracht wird, um zur Selbständigkeit der menschlichen Wesenheit in diesem Sinne zu führen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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Damit haben wir gezeigt, wie in der Tat die beiden Prinzipien, das ahrimanische und das luziferische, im letzten Grunde im Krankheitsverlauf tätig sind. Und es könnte in vieler Beziehung für diese oder jene Krankheitsform gezeigt werden, wie man eigentlich zwei Typen von Krankheiten unterscheiden müßte: ahrimanische und luziferische Krankheiten. Wenn man das beachten würde, so würde man auch rich tige Prinzipien gewinnen können für die entsprechende Hilfe, welche man den Kranken angedeihen lassen kann. Denn luziferische Krankheitsprozesse werden ganz andere Hilfe erfordern als ahrimanische. Wenn heute noch in einer ziemlich kritiklosen Weise, zum Beispiel im äußeren Heilverfahren, Kräfte angewendet werden, die in der heutigen Elektrotherapie, in der Kaltwasserbehandlung oder in ähnlichem ent halten sind, so muß gesagt werden, daß von vornherein durch die Geisteswissenschaft ein Licht darauf geworfen werden kann, ob man die eine oder die andere Methode anwenden soll, dadurch, daß man unterscheiden würde, ob man es mit einer luziferischen oder einer ahrimanischen Krankheit zu tun hat. Kein Mensch sollte zum Beispiel das Verfahren der Elektrotherapie anwenden bei Erkrankungen, die aus dem Luziferischen stammen; sondern man sollte sie nur bei ahrimanischen Krankheitsformen anwenden. Denn eine Hilfe kann bei luziferischen Krankheitsformen niemals etwas sein, was überhaupt mit dem Wirken des Luzifer gar nichts zu tun hat, nämlich die Prinzipien der Elektrizität; denn diese fallen in das Bereich der ahrimanischen Wesenheiten, wobei sich natürlich nicht nur die ahrimanischen Wesenheiten der Kräfte der Elektrizität bedienen. Dagegen ist ein ganz besonderes Gebiet des Luziferischen dasjenige, was sich bezieht, grob ausgedrückt, auf Warm und Kalt. Alles, was damit zu tun hat, daß die menschliche Organisation wärmer oder kälter wird oder was sie selbst durch äußere Einflüsse wärmer oder kälter macht, das gehört in das Bereich des Luzifer. Und bei alledem, wo wir es zu tun haben mit Warm oder Kalt, haben wir einen Typus luziferischer Krankheitsformen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So also sehen wir, wie Karma in dem Kranksein wirkt und wie es zur Überwindung von Kranksein wirkt. Nun wird es nicht mehr unbegreiflich erscheinen, daß im Karma auch die Heilbarkeit oder Unheilbarkeit einer Krankheit liegt. Wenn Sie sich klarmachen, daß ja das &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Ziel, das karmische Ziel des Erkrankens das ist, den Menschen zu fördern und vollkommener zu machen, so ist die Voraussetzung die, daß der Mensch, wenn er nach der Vernünftigkeit, die er sich aus der Kamalokazeit beim Eintritt in ein neues Dasein mitbringt, einer Krankheit verfällt, jene Heilkräfte dann entwickelt, welche eine Stählung seines inneren Menschen bedeuten und die Möglichkeit, höher zu kommen. Nehmen wir an, die Sache liege so, daß der Mensch in dem Leben, das er noch zubringen kann, vermöge seiner sonstigen Organisation und seines übrigen Karma die Kräfte hat, mit dem, was er durch die Krankheit errungen hat, in diesem Leben selbst weiterzukommen. Dann hat die Heilung einen Sinn. Dann tritt Heilung ein und der Mensch hat in diesem Falle das errungen, was er erringen sollte und was sich an dem Vorhandensein der Krankheit zeigte. Durch das Überwinden der Krankheit hat er sich instand gesetzt, dort vollkommene Kräfte zu haben, wo er früher unvollkommene Kräfte hatte. Ist er durch sein Karma mit solchen Kräften ausgerüstet und durch die günstigen Umstände seines früheren Schicksals so in die Welt gesetzt, daß er die neuen Kräfte anwenden kann und wirken kann, um sich und andern von Nutzen zu sein, dann tritt die Heilung ein; dann windet er sich durch die Krankheit hindurch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen wir nun an, die Sache liege für den Menschen so, daß er die Krankheit überwindet und die Heilkräfte entwickelt und nunmehr vor einem Leben stünde, welches an ihn Anforderungen stellen würde, die mit dem Maß, das er sich jetzt schon errungen hat an Vollkommenem, nicht erfüllt werden können: Er würde zwar einiges erringen durch die geheilte Krankheit, aber es wäre doch nicht möglich, daß er so viel erringt - weil sein übriges Karma das nicht zuläßt -, daß er mit dem, was er sich errungen hat, den andern zum Heile werden kann. Dann tritt das ein, daß sein tieferes Unterbewußtsein sagt: Hier hast du keine Gelegenheit, die volle Kraft von dem zu empfangen, was du eigentlich haben sollst. Du mußtest in diese Inkarnation hineingehen, weil du das Maß an Vollkommenheit gewinnen mußtest, das du nur im physischen Leibe durch die Überwindung einer Krankheit erringen kannst. Das mußtest du erringen; aber weiter ausbilden kannst du es nicht. Nun mußt du in die Verhältnisse gehen, wo dein physischer Leib und andere &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Kräfte dich nicht stören und wo du frei verarbeiten kannst, was du in der Krankheit gewonnen hast. - Das heißt, es sucht eine solche Individualität den Tod, um zwischen Tod und neuer Geburt das weiterzuverarbeiten, was sie im Leben zwischen Geburt und Tod nicht verarbeiten kann. Es geht eine solche Seele durch das Leben zwischen Tod und neuer Geburt durch, um jetzt mit um so stärkeren Kräften, die sie beim Überwinden der Krankheit gewonnen hat, ihre Organisation weiter auszubilden, damit sie im neuen Leben um so mehr wirken kann. In dieser Weise kann förmlich durch die Anwesenheit einer Krankheit eine Art Abschlagszahlung bewirkt werden, die dann erst ergänzt wird nach dem Durchgehen durch den Tod zu dem, was sie sein soll.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir die Sache so betrachten, werden wir uns sagen müssen: Es erscheint durchaus im Karma begründet, daß die eine Krankheit ausgeht mit der Heilung, die andere mit dem Tod. - Wenn wir so die Krankheiten ansehen, werden wir von einem höheren Gesichtspunkt aus durch Karma eine Art Versöhnung, eine tiefe Versöhnung mit dem Leben gewinnen; denn wir werden wissen, daß es in der Gesetzmäßigkeit von Karma liegt, daß, selbst wenn eine Krankheit mit dem Tode ausgeht, der Mensch gefördert wird, daß selbst in einem solchen Falle die Krankheit das Ziel hat, den Menschen höher zu bringen. Nun darf niemand daraus etwa den Schluß ziehen: dann könnte es auch sein, daß wir geradezu den Tod herbeiwünschen müßten in gewissen Krankheitsfällen. Das darf niemand sagen, weil die Entscheidung darüber, was eintreten soll, ob Heilung oder Unheilbarkeit, einer höheren Vernünf tigkeit zufällt, als die ist, welche wir mit unserem gewöhnlichen Bewußtsein umfassen können. Mit unserem gewöhnlichen Bewußtsein müssen wir uns bescheiden innerhalb der Welt zwischen Geburt und Tod, bei solchen Fragen stehenzubleiben. Mit unserem höheren Bewußtsein dürfen wir uns allerdings selbst auf den Standpunkt stellen, der sogar den Tod hinnimmt als ein Geschenk der höheren geistigen Mächte. Mit demjenigen Bewußtsein aber, das helfen und eingreifen soll ins Leben, dürfen wir uns nicht vermessen, uns auf diesen höheren Gesichtspunkt zu stellen. Da könnten wir uns leicht irren und würden in einer unerhörten Weise eingreifen in etwas, worin wir nie eingreifen dürfen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
in die menschliche Freiheitssphäre. Wenn wir einem Menschen helfen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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können, damit er die selbstheilenden Kräfte entwickelt, oder indem wir selbst der Natur zu Hilfe kommen, damit Heilung eintritt, so müssen wir das tun. Und soll die Entscheidung darüber fallen, ob der Mensch weiterleben soll oder ob er mehr gefördert wird, wenn der Tod eintritt, dann kann sie niemals anders als so fallen, daß unsere Hilfe eine Hilfe in der Heilung sein kann. Ist sie dies, so setzen wir es in des Menschen eigene Individualität, seine Kräfte anzuwenden, und die ärztliche Hilfe kann dabei nur eine solche sein, die ihn darin unterstützt. Dann wirkt sie nicht hinein in die menschliche Individualität. Ganz anders wäre es, wenn wir eines Menschen Unheilbarkeit in der Weise fördern würden, daß er sein weiteres Fortkommen in einer anderen Welt suchte. Da würden wir in seine Individualität eingreifen und seine Individualität einer andern Wirkungssphäre übergeben. Dann hätten wir unseren Willen der andern Individualität aufgedrängt. Diese Entscheidung müssen wir der Individualität selbst überlassen. Das heißt mit andern Worten: Wir müssen so viel als möglich tun, damit eine Heilung geschieht. Denn alle Überlegungen, die zu einer Heilung führen, kommen aus dem Bewußtsein, das für unsere Erde berechtigt ist; alle andern Maßnahmen würden übergreifen über unsere Erdensphäre; da müssen andere Kräfte eingreifen als die, welche in unser gewöhnliches Bewußtsein hineinfallen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So sehen wir, daß ein richtiges karmisches Verständnis über Heilbarkeit und Unheilbarkeit von Krankheiten dazu führt, daß wir alles aufbringen werden, um dem Menschen zu helfen in der Krankheit; und auf der andern Seite führt es uns auch dazu, daß wir, wenn aus andern Sphären eine andere Entscheidung getroffen wird, diese ebenfalls zu unserer Befriedigung hinnehmen. Etwas anderes haben wir in bezug auf diese andere Entscheidung auch gar nicht nötig. Nötig haben wir, daß wir einen Gesichtspunkt finden, daß uns die Unheilbarkeit einer Krankheit nicht niederdrückt,als ob dieWelt nur das Unvollkommene, das Schlimme und Schlechte hätte. Karmisches Verständnis lähmt nicht unsere Tatkraft in bezug auf das Heilen. Karmisches Verständnis wird uns auf der andern Seite auch wieder in Harmonie bringen mit dem schwersten Schicksal in bezug auf Unheilbarkeit dieser oder jener Krankheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
So haben wir heute gesehen, wie uns karmisches Verständnis allein möglich macht, den Verlauf einer Krankheit in der richtigen Weise aufzufassen und zu begreifen, daß wir geradezu hineinleuchten sehen die karmischen Wirkungen aus unseren früheren Leben in das gegenwärtige. Beispiele im einzelnen werden sich uns noch bei Besprechung der nächsten Fragen darbieten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun wird es uns obliegen, zu unterscheiden zwischen zwei besonderen Krankheitsformen, zwischen denjenigen, welche aus dem menschlichen Inneren kommen, und die ganz besonders erscheinen als durch das Karma herbeigetragen, und zwischen jenen Erkrankungen, die uns scheinbar zufällig treffen dadurch, daß wir äußeren Schädigungen aus gesetzt sind, daß uns dieses oder jenes passiert. Kurz, es wird sich darum handeln: Wie können wir zu einem karmischen Verständnis auch dann kommen, wenn wir zum Beispiel unter die Räder eines Eisenbahnzuges kommen? Das heißt, wie sind sogenannte «zufällige» Erkrankungen durch das Karma zu begreifen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
= FÜNFTER VORTRAG Hamburg, 20. Mai 1910 =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Inhalt des gestrigen Vortrages ist von großer Wichtigkeit sowohl für unsere nächsten Betrachtungen wie auch für das Verständnis der karmischen Zusammenhänge überhaupt. Deshalb - wegen dieser ein- schneidenden Wichtigkeit - lassen Sie mich heute noch einmal in den Hauptzügen kurz zusammenfassen, was der gestrige Vortrag enthalten hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir gingen davon aus, daß sich die Anschauungen über Heilung und über Heilmittel im Laufe verhältnismäßig kurzer Zeiten im letzten Jahrhundert ziemlich radikal verändert haben. Und wir haben darauf hingewiesen, wie im 16. und 17. Jahrhundert namentlich eine Anschauung sich ausbildete, welche ganz und gar auf dem Boden fußte: Für eine jede Krankheit, die mit einem Namen bezeichnet wurde und die man glaubte begrifflich abgrenzen zu können, müßten sich auch diese oder jene Heilmittel in der Welt finden. Und man glaubte mit Sicherheit, daß, wenn das betreffende Mittel angewendet würde, es auf den Verlauf der Krankheit einen Einfluß haben müsse. Wir haben dann darauf hingewiesen, wie sich diese Anschauung mehr oder weniger bis ins 19. Jahrhundert hinein erhalten hat, dann aber danebengestellt den absoluten Gegensatz dieser Anschauung, der sich namentlich zum Ausdruck gebracht hat in dem Nihilismus derWiener medizinischen Schule, der seinen Ausgangspunkt genommen hat von dem berühmten Mediziner Dietl, und seinen Fortgang gefunden hat in Skoda und dessen verschiedenen Schülern. Und wir haben die nihilistische Richtung dadurch charakterisiert, daß wir sagten: Sie fing nicht nur an, über den` absoluten Zusammenhang zwischen diesem oder jenem Heilmittel, zwischen diesen oder jenen Handgriffen in bezug auf die Krankheitsbehandlung und die Krankheit selber gründliche Zweifel zu haben, sondern sie wollte von einem solchen Zusammenhang nichts mehr wissen. Und es kam in die Gemüter der unter dem Einfluß dieser Schule stehenden jungen Ärzte die Anschauung von der sogenannten «Selbstheilung&amp;gt; hinein. Skoda selbst hat ja den für diese Schule bedeutungs&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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vollen Satz ausgesprochen: Wir können eine Krankheit diagnostizieren, wir können sie vielleicht auch erklären und beschreiben; aber Mittel haben wir gegen die Krankheit nicht. - Und de,n Ausgangspunkt nahm diese Richtung davon, daß Dietl nachweisen konnte, daß bei der ab- wartenden Behandlung eine Krankheit wie die Lungenentzündung so verläuft, daß sie innerhalb einer bestimmten Zeit die selbstheilenden Kräfte entwickelt, wenn man nur die nötigen Bedingungen dafür schafft. Und er konnte statistisch nachweisen, daß bei der abwartenden Behandlung ebenso viele Menschen geheilt wurden oder auch starben wie bei Verabreichung der sonst gebräuchlichen Mittel. Damals war die Bezeichnung «therapeutischer Nihilismus» durchaus nicht unberechtigt; denn es war eine absolute Wahrheit, daß sich die Ärzte dieser Schule gar nicht schützen konnten gegen die Meinung der Kranken, daß ein Mittel, ein Rezept eben da sein muß. Der Kranke gab nicht nach, seine Umgebung auch nicht - Mittel mußten verschrieben werden, und die Anhänger dieser Schule halfen sich dann gewöhnlich dadurch, daß sie dünn aufgelösten arabischen Gummi verschrieben, der nach der Meinung der Anhänger der Schule ganz dieselbe Wirkung haben sollte wie die früher angewendeten Mittel. Wir haben daraus erkennen gelernt, wie geradezu hindrängt die moderne wissenschaftliche Tatsachenwelt zu dem, was wir den karmischen Zusammenhang im Leben nennen können. Denn wir mußten uns nun die Frage beantworten: Wie geschieht denn eigentlich das, was man nennen könnte «Selbstheilung»? Oder besser gesagt: Warum geschieht es? Und warum kann in einem andern Falle eine Selbstheilung oder überhaupt eine Heilung nicht eintreten?&lt;br /&gt;
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Wenn eine ganze Schule, an deren Spitze medizinische Koryphäen standen, darauf verfallen konnte, den Begriff der Selbstheilung einzuführen, so hätte einer, der darüber nachdenkt, dazu kommen müssen, zu sagen: Also wird im Krankheitsprozeß etwas wachgerufen, was zur Überwindung der Krankheit führt! Und das hätte weiter dazu führen müssen, den geheimeren Gründen des Krankheitsverlaufes nachzuspüren. Wir haben nun versucht, darauf hinzuweisen, wie ein solcher karmischer Zusammenhang innerhalb der Menschheitsentwickelung für den Krankheitsverlauf gesucht werden kann. Wir haben gezeigt, daß &lt;br /&gt;
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allerdings das, was der Mensch in seinem gewöhnlichen Leben vollführt an guten und bösen Handlungen, an gescheiten und unsinnigen Handlungen, was er erlebt an richtigen und verkehrten Gemütsauffassungen, daß alles das nicht tief hineingeht in die Untergründe der menschlichen Organisation. Und wir haben den Grund aufgezeigt, warum das, was für das gewöhnliche Leben der moralischen, der intellektuellen und gemüthaften Beurteilung unterliegt, nur an der Oberfläche des gewöhnlichen Lebens sitzenbleibt und nicht dem Gesetze unterliegt, das wir im andern Falle aufzeigen konnten: die tieferliegenden Kräfte der Menschenorganisation zu beeinflussen. Wir haben gezeigt, daß es gleichsam eine Art von Hemmnis gibt gegen das Eindringen der Unmoralität in die tieferen Kräfte des Organismus. Und diese Abwehr gegen das Eindringen dessen, was wir tun und denken, in die Kräfte unserer Organisation liegt darin, daß wir unsere Handlungen, die wir zwischen Geburt und Tod vollbringen, mit unseren bewußten Vorstellungen begleiten. Indem wir eine Handlung oder ein sonstiges Erlebnis mit einer bewußten Vorstellung begleiten, schaffen wir eine Schutzwehr dagegen, daß das Resultat unserer Handlungen hinunterrückt in unseren Organismus. Wir haben dann darauf hingewiesen, welche Bedeutung jenen Erleb nissen zukommt, die unwiederbringlich vergessen worden sind. Da liegt nicht mehr die Möglichkeit vor, sie wieder ins bewußte Vorstellungsleben hinaufzurücken; sondern von solchen Erlebnissen mußten wir sagen, daß sie schon in bestimmter Weise, weil die Schutzwehr derVorstellung fehlt, hinunterdringen in unsere innere Organisation und dort mitwirken können an den gestaltenden Kräften unseres Organismus. Und wir haben hinweisen können auf die Krankheitsformen, welche noch mehr an der Oberfläche liegen: Neurose, Neurasthenie und dergleichen. Sogar hysterische Zustände erfahren da eine Beleuchtung. Wir sagten, daß die Ursachen für solche Zustände gesucht werden müssen in den aus dem Bewußtseinskomplex herausgefallenen,vergessenenVorstellungen, die hinuntergesunken sind in das Innere und sich - wie Einschiebsel unseres Seelenlebens - als Krankheiten geltend machen. - Wir haben darauf hingewiesen, welche ungeheure Bedeutung jener Zeitraum hat, der verläuft von der Geburt bis zu dem Zeitpunkt, wo sich der Mensch an seine Erlebnisse zurückerinnern kann, und es wurde darauf &lt;br /&gt;
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aufmerksam gemacht, wie das, was früher vergessen worden ist, im lebenden Organismus fortwirkt, indem es gleichsam mit den tieferen Kräften der Organisation einen Bund schließt und von dort aus unsere Organisation selber beeinflußt. Es muß also ein Komplex von Vorstellungen, eine Reihe von Erlebnissen hinuntersinken in tiefere Untergründe unseres Wesens, bevor er eingreifen kann in unsere Organisation.-Wir haben dann darauf hingewiesen,wie am gründlichsten dieses Hinuntersinken geschieht, wenn der Mensch durch die Pforte des Todes gegangen ist und das weitere Dasein durchlebt zwischen Tod und neuer Geburt. Da verwandeln sich alle Erlebnisse in ihren Qualitäten in solche Kräfte, welche jetzt organisierend wirken. Und was der Mensch in der Zeit zwischen Tod und neuer Geburt empfunden und gefühlt hat, das nimmt er auf in die plastischen Kräfte, die beteiligt sind am neuen Aufbau des Leibes, wenn der Mensch jetzt neu ins Dasein tritt. Da hat er jetzt in den Bildungskräften das Resultat dessen da rinnen, was er früher noch in seinem Seelenleben, vielleicht auch sogar in seinem bewußten Vorstellungsleben hatte. Und nun konnten wir darauf hin- weisen, daß der Mensch mit seinem vom Ich durchtränkten Vorstellungsleben hin und her pendelt zwischen zwei Einflüssen: zwischen dem luziferischen und dem ahrimanischen Einfluß. Wenn der Mensch eine Verfehlung begeht, die hervorgerufen wird durch Eigenschaften seines astralischen Leibes, durch schlimme Affekte, Zorn und dergleichen, wird er zu Handlungen getrieben durch luziferische Mächte. Wenn dann solche Handlungen jenen Weg gehen, der eben jetzt bezeichnet worden ist, daß sie zu Bildungskräften werden, so haben wir sie in den gestaltenden Kräften, die nunmehr der neuen Leiblichkeit zugrunde liegen als luziferische Krankheitsursachen. Wir haben dann gesehen, wie der Mensch unterliegt den ahrimanischen Kräften, die mehr von außen hereinwirken. Und wieder mußten wir von den ahrimanischen Einflüssen sagen, daß sie sich umwandeln in Bildungskräfte, in gestaltende Kräfte des neu gebauten Organismus, der zustande kommt, wenn der Mensch durch die Geburt ins Dasein tritt. Und insofern sich die Einflüsse Ahrimans in die Bildungskräfte hineinmischen, können wir von Krankheitsanlagen sprechen mit ahrimanischem Charakter. Dann haben wir im einzelnen darauf hingewiesen, wie diese &lt;br /&gt;
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Kräfte, die sich in dieser Weise herausbilden, wirken. Und ich habe Ihnen radikale Beispiele gezeigt für dieses Wirken, weil an radikalen Beispielen die Vorstellung eine deutlichere, scharf umrissene wird. Ich sagte, man nehme an, daß ein Mensch im vorigen Lebenslauf alles das getan hat, was ihn nur zu einem geringen Selbstgefühl und Selbstvertrauen bringen kann, daß er sein Ich so präpariert hat, daß es nichts auf sich gehalten hat, nur in Allgemeinheiten aufging und so weiter. Ein solcher Mensch nimmt nach dem Tode die Tendenz auf, jenen Widerstand zu überwinden und die Kräfte aufzunehmen, welche ihn fähig machen, später im weiteren Verlauf der Inkarnation sein Ich kräftiger, vollkommener zu machen. Das wirkt so, daß er solche Verhältnisse dann sucht, die es ihm möglich machen, gegen dasjenige anzukämpfen, gegen was es gut ist, anzukämpfen mit einem schwachen Selbstgefühl, so daß ein schwaches Selbstgefühl sich an dem Widerstande stärken kann. Und wahr ist es, daß eine solche Tendenz den Menschen dazu führt, sozusagen Gelegenheiten aufzusuchen zur Cholera, weil er darin etwas vor sich hat, was ihm Gelegenheit bietet, jene Widerstände zu überwinden. Und in der Überwindung dieser Widerstände liegt das, was in der nächsten Inkarnation oder aber auch bei eingetretener Heilung in derselben Inkarnation zu einem stärkeren Selbstgefühl führen kann oder zu Kräften, welche ein stärkeres Selbstgefühl durch Selbsterziehung nach und nach heranreifen lassen. Wir haben dann gesagt, daß bei einer Krankheit wie der Malaria die Gelegenheit gegeben ist, etwas auszugleichen, was sich die Seele in einem früheren Leben als ein übermäßiges Selbstgefühl herangezüchtet hat durch ihre Handlungen und Empfindungen. - Diejenigen von Ihnen, welche frühere Betrachtungen unseres theosophischen Lebens mitgemacht haben, werden sich verdeutlichen können einen solchen Verlauf. Es wurde immer gesagt, daß das Ich des Menschen seinen physischen Ausdruck findet im Blut. Nun hängen die beiden Krankheiten, von denen wir eben gesprochen haben, mit dem Blut und den Gesetzen vom Blut zusammen; sie hängen so zusammen, daß beim Cholerafall eine Verdickung des Blutes eintritt. Diese Verdickung ist es, was als Widerstand zu bezeichnen ist, den das schwache Selbstgefühl durchmachen muß und an dem es sich heraner~iehen will. Ebenso können Sie es sich &lt;br /&gt;
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verdeutlichen, daß bei der Malaria eine Art Blutzerfall stattfindet und daß ein überstarkes Selbstgefühl die Möglichkeit braucht, daß es ad absurdum geführt wird, daß im Blutzerfall ein überstarkes Ich in seiner Anstrengung zur Nichtigkeit geführt wird. Das wird in dem Zerfall des Blutes geboten. - Die Dinge sind natürlich außerordentlich intim im Organismus zusammenhängend; aber wenn Sie darauf eingehen, werden Sie sie sich schon zum Verständnis bringen.&lt;br /&gt;
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Aus all dem ergab sich uns: Wenn wir einen Organismus haben, der gebildet ist von einer Seele, die in sich die Tendenz hat, dieses oder jenes nach der einen oder der andern Richtung zu überwinden, so führt diese Tendenz den Menschen dazu, in sich hineinzuprägen die Möglichkeit zur Krankheit, aber auch zugleich die Möglichkeit, anzukämpfen gegen die Krankheit, weil ja die Krankheit aus keinem andern Grunde hervorgerufen wird als aus dem, die Möglichkeit der Heilung zu haben. Und Heilung tritt dann ein, wenn der Mensch nach seinem Gesamtkarma durch die Überwindung der betreffenden Krankheit sich solche Kräfte aneignet, daß er in dem restlichen Leben bis zum Tode durch seine Arbeit auf dem physischen Plan wirklich sich vorwärtsbringen kann. Das heißt, wenn die zu erregenden Kräfte so stark sind, daß er auf dem physischen Plan das auch erreichen kann,weswegen die Krankheit hervorgerufen worden ist, dann arbeitet der Mensch gerade mit den ihm aus dem Heilprozeß zugeflossenen verstärkten Kräften weiter, die er früher nicht gehabt hat. Liegt aber sein Gesamtkarma so, daß er zwar die Absicht gehabt hat, seinen Organismus so zu gestalten, daß er durch die Überwindung der betreffenden Krankheit sich Kräfte zu- führt, welche zu seiner Vervollkommnung führen, daß aber, weil die Dinge mannigfaltig sind, er gleichzeitig den Organismus nach einer andern Richtung hin hat schwach sein lassen müssen, dann kann der Fall eintreten, daß diejenigen Kräfte, welche der Mensch herausstellt und anwendet im Heilprozeß, ihn zwar verstärken, aber doch nicht so weit, daß er dem Arbeiten auf dem physischen Plan schon gewachsen ist. Dann wird er das Stück, was er schon gewonnen hat - weil es auf dem physischen Plan nicht verwendbar ist -,verwenden,wenn er durch die Pforte des Todes geht, und er wird versuchen, das seinen Kräften hinzuzufügeri,was er auf dem physischen Plan nicht hinzufügen konnte, &lt;br /&gt;
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um diese Kräfte in der Ausgestaltung des nächsten Leibes zu zeigen, wenn er wieder in die Geburt tritt. Es bleibt uns noch, wenn wir das vor Augen haben, einen Hinweis zu geben, wie es sich mit denjenigen Krankheitsformen verhält, welche weder zu einer ordentlichen Heilung noch zum Tode führen, sondern zu chronischen Zuständen, zu einer Art von Siechtum oder dergleichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da liegt allerdings etwas vor,was im eminentesten Sinne für die meisten Menschen von einer großen Wichtigkeit ist zu wissen. Da liegt das vor, daß allerdings durch den Heilungsprozeß innerhalb der menschlichen Körperhüllen eingetreten ist, was nur zu erreichen war, daß also in gewissem Sinne die Krankheit überwunden ist. Aber in einem anderen Sinne ist sie doch nicht überwunden; das heißt, daß alles das, was an Ausgleich hat geschaffen werden sollen zwischen Ätherleib und physischem Leib, zwar erreicht worden ist, nicht aber das ausgeglichen worden ist, was an Disharmonie vorhanden war zwischen Ätherleib und astralischem Leib. Das bleibt zurück, und der Mensch pendelt hin und her zwischen Versuchen, zu heilen, und nicht heilen zu können. In einem solchen Falle ist es immer von einer ganz besonderen Wichtigkeit, daß der Mensch möglichst ausnutzt, was er an wirklicher Heilung errungen hat. Und das geschieht am allerwenigsten im Leben. Denn gerade bei solchen Krankheiten, die chronisch werden, befindet sich der Mensch in einem rechten Kreistanz darinnen. Wenn der Mensch in einem solchen Falle imstande sein würde, den Teil seiner Organisation, welcher in sich eine gewisse Heilung erfahren hat, zu isolieren, für sich sozusagen leben zu lassen, und wenn er davon dasjenige zurückziehen könnte, was da noch rumort und nicht in Ordnung ist und was in solchem Falle gewöhnlich mehr gegen das innere Seelenhafte zu liegt, dann würde sich der Mensch sehr viel helfen können. Aber dagegen wirkt das Allerverschiedenste, namentlich das, daß der Mensch, wenn er irgendeine Krankheit gehabt hat und ein chronischer Zustand zurückgeblieben ist, fortwährend unter dem Einflusse dieses Zustandes lebt und daß er - wenn ich mich grob ausdrücken darf - eigentlich niemals gründlich vergessen kann seinen Zustand, niemals gründlich dazu kommt, das, was in ihm doch noch nicht gesund ist, zurückzuziehen von diesem Zustande und es für sich zu behandeln; sondern er wird &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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durch das, was man nennen kann das fortwährende Denken an den andern Teil der Organisation, veranlaßt, gleichsam seinen gesunden Teil wieder in irgendeinen Zusammenhang zu bringen mit dem früher kranken Teil und diesen so neuerdings zu irritieren. Das ist ein besonderer Prozeß. Und um Ihnen diesen Prozeß klarzumachen, möchte ich Ihnen einmal den geisteswissenschaftlichen Tatbestand klarlegen, das, was das hellseherische Bewußtsein sieht, wenn jemand eine Krankheit durchgemacht und dabei etwas zurückbehalten hat, was man als etwas Chronisches bezeichnen kann. Dasselbe geschieht übrigens auch dann, wenn nicht eine besonders auffällige akute Erkrankung vorlag, sondern wenn sich ein Chronisches einstellt, ohne daß ein Akutes besonders bemerkt worden ist. Dann kann man in der Tat sehen, daß sich in den meisten Fällen ein gewisser schwankender Gleichgewichtszustand herausstellt zwischen dem Ätherleibe und dem physischen Leibe, ein Hinund-her-Pendeln von Kräften, wie es nicht sein soll, bei dem es sich aber doch leben läßt. Bei diesem Hin-und-her-Pendeln von Kräften des Ätherleibes und des physischen Leibes wird der betreffende Mensch fortwährend irritiert und dadurch erfüllt von fortdauernden Erregungszuständen. Die sieht das hellseherische Bewußtsein fortwährend auftauchen im astralischen Leibe, und diese Erregungszustände drängen sich fortwährend hinein in den halb kranken und halb gesunden Teil der Organisation, wodurch dann nicht ein stabiles, sondern ein labiles Gleichgewicht zustande kommt. Durch dieses Hineindringen der astralischen Erregungszustände wird der menschliche Zustand, der sonst viel besser sein könnte, in der Tat sehr verschlechtert. Ich bitte zu berücksichtigen, daß das Astralische in diesem Falle nicht zusammenfällt mit dem Bewußtsein, sondern daß es vorzugsweise mit dem zusammenfällt, was innere seelische Erregungen sind, die sich aber der Patient nicht eingestehen will. Weil in solchem Falle das Hemmende der Vorstellungen nicht da ist, deshalb wirken diese Zustände und Affekte, die Gemütserschütterungen, die fortwährenden Zustände des Überdrusses, des In-sich-unzufrieden-Seins nicht immer wie bewußte Kräfte, sondern wIe organisierende, wie Lebenskräfte, die in der tieferen Wesenheit des Menschen sitzen und fortwährend den halb gesunden, halb kranken Teil irritieren. Könnte nun der betreffende Patient es wirklich durch &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
starken Willen, durch Seelenkultur dazu bringen, wenigstens für eine gewisse Zeit seinen Zustand zu vergessen, so würde er daraus solche Befriedigung schöpfen, daß er dann schon aus dieser Befriedigung die Kraft ziehen könnte, um das weiter durchzuführen. Könnte er seinen Zustand vergessen, ganz von ihm absehen, mit starkem Willen sagen: Ich will mich jetzt nicht kümmern um meinen Zustand! - und würde er sodann die Seelenkräfte, welche er dadurch frei bekommt, auf etwas von geistigem Inhalt verwenden, was ihn erhebt, was ihn innerlich sättigt in seiner Seele, würde er diese Kräfte, die sich sonst immer damit beschäftigen, die Gefühle des Schmerzes, des Drückens und Stechens und was da alles ist, zu durchleben, frei bekommen, so würde ihm das eine große Befriedigung gewähren. Denn wenn man diese Gefühle nicht durchlebt, hat man die Kräfte ja frei; dann sind sie verfügbar. Freilich hilft es nicht viel, wenn man sich bloß sagt, man will dieses Klemmen und Stechen und so weiter nicht bemerken; denn wenn man die Kräfte, welche man da frei bekommt, nicht auf etwas Geistiges verwendet, werden die früheren Zustände bald wieder da sein. Wenn man aber die frei gewordenen Kräfte verwendet auf einen die Seele ganz in Anspruch nehmenden geistigen Inhalt, dann wird man bemerken, daß man auf einem komplizierten Wege das erreicht, was sonst unsere Organisation selber ohne unser Zutun in der Überwindung des Krankheitsprozesses erreicht. Es ist ja natürlich, daß der Betreffende dann sorgfältig darauf sehen muß, daß er nicht gerade seine Seele auf einem solchen Wege erfüllt, der wieder direkt zusammenhängt mit dem, was seine Erkrankung ist. Wenn jemand zum Beispiel an einer Schwäche seiner Augen leidet, und er beschäftigt sich, um nicht an die Schwäche seiner Augen zu denken, damit, daß er viel liest, um geistige Kräfte aufzunehmen, so ist es selbstverständlich, daß ihn das nicht zum Ziele führen kann. Aber ganz so weit herzuholen brauchen Sie sich die sogenannten kleinen Belege dafür nicht. Jeder kann an sich selbst bemerken, wenn er eine kleine Unpäßlichkeit hat, wie sehr es ihm nützt, wenn er es zu einem Vergessen seiner Unpäßlichkeit bringt, namentlich zu einem solchen Vergessen, das hervorgerufen wird durch eine anderweitige Beschäftigung. Das ist also ein positives, gesundes Vergessen! Da haben Sie schon einen Hinweis, daß wir nicht ganz machtlos sind gegen die &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
karmischen Wirkungen unserer Verfehlungen in früheren Lebensläufen, welche sich in Krankheiten zum Ausdruck bringen. Denn wir müssen uns sagen: Wenn wir zugeben, daß das, was im Leben zwischen Geburt und Tod einer moralischen, gemüthaften und intellektuellen Beurteilung unterliegt, in einem Leben nicht so tief gehen kann, daß es die Ursache zu einer organischen Erkrankung wird, daß es sich aber in der Zeit nach dem Tode bis zur neuen Geburt so tief in das Leben hinein- senken kann, daß es Krankheit bewirkt, dann müßte es doch auch möglich sein, diesen Prozeß wieder zurückzuverwandeln in einen Bewußtseinsprozeß!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Frage kann auch so gestellt werden: Wenn Krankheiten sich ausleben wie eine karmische Wirkung von geistigen oder sonstigen durch die Seele hervorgerufenen oder erfahrenen Erlebnissen, wenn sie also die Umwandlung solcher Ursachen sind, können wir uns dann nicht auch denken - oder erzählen uns davon die geistigen Tatsachen nichts -, daß das Umwandlungsprodukt, die Krankheit, vermeidbar ist, insofern vermeidbar, als wir statt des Heilungsprozesses, statt dessen, was aus den organischen Regionen herausgeholt wird, als Krankheit herbeigeholt wird zu unserer Erziehung, das geistige Gegenstück, das geistige Äquivalent dafür setzen? Daß wir, wenn wir klug genug sind, die Krankheit umwandeln in einen geistigen Prozeß und die Selbsterziehung, die wir durch die Krankheit ausführen sollen, sozusagen durch die Kräfte unserer Seele ausführen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daß so etwas in den Bereich derTatsachen gehört, möchte icil wieder durch ein Beispiel illustrieren. Wieder muß aber hierbei gesagt werden, daß nur solche Beispiele angeführt werden, die geisteswissenschaftlich untersucht sind; es sind nicht Hypothesenaufstellungen, sondern Fälle. Daher können Sie von mir nicht gerade eine Vollständigkeit verlangen - weil nicht Hypothesen aufgestellt werden, sondern Fälle, die als solche hingenommen werden müssen. Nehmen wir an, im späteren Leben bekommt eine Persönlichkeit Masern, und wir suchen nach dem karmischen Zusammenhang dieses Falles. Wir finden dabei, daß dieser Masernfall aufgetreten ist als eine karmischeWirkung von solchen Vorgängen in einem vorangegangenen Leben, die wir etwa so beschreiben können: Die betreffende Individualität war in einem vorhergehenden &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Leben eine solche, die sich nicht gern um die äußere Welt bekümmert hat, sich nicht gerade im grob egoistischen Sinne, aber doch viel mit sich selber beschäftigt hat; eine Persönlichkeit also, die viel nachgeforscht hat, nachgedacht hat, aber nicht an den Tatsachen der äußeren Welt, sondern die im inneren Seelenleben geblieben ist. Sie finden auch heute sehr viele Menschen, welche glauben, daß sie durch In-sich-abgeschlossen-Sein, durch Grübeln und so weiter zur Lösung von Welträtseln kommen können. Bei der Persönlichkeit, die ich meine, handelte es sich darum, daß sie mit dem Leben so fertigzuwerden suchte, daß sie innerlich nachgrübelte, wie man sich in diesem oder jenem Falle verhalten soll. Die Schwäche der Seele, welche sich daraus ergeben hat im Verlaufe des Lebens, führte dazu, daß im Leben zwischen Tod und neuer Geburt Kräfte erzeugt wurden, welche den Organismus in verhältnismäßig später Lebenszeit noch einem Masernanfall aussetzten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt können wir uns fragen: Wir haben auf der einen Seite den Masernanfall, der die physisch-karmische Wirkung ist eines früheren Lebens. Wie ist es denn aber nun mit dem Seelenzustand? Denn das frühere Leben gibt ja als karmische Wirkung auch einen gewissen Seelenzustand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Seelenzustand stellt sich so dar, daß die betreffende Persönlichkeit in dem Leben, wo sie auch den Masernanfall hatte, immer wieder und wieder Selbsttäuschungen unterworfen war. Da haben Sie also die Selbsttäuschungen anzusehen als die seelisch-karmische Folge dieses früheren Lebens und den Eintritt döer Masern als die physischkarmische Folge jenes Lebens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen wir nun an, dieser Persönlichkeit wäre es gelungen, bevor der Masernfall eintrat, etwas zu tun, um sich gründlich zu bessern, das heißt, um eine solche Stärke der Seele sich anzueignen, daß sie nicht mehr ausgesetzt wäre allen möglichen Selbsttäuschungen. Dann würde diese dadurch heranerzogene Seelenstärke dazu geführt haben, daß die Masernerkrankung hätte unterbleiben können, weil das, was im Organismus schon hervorgerufen war bei der Bildung dieser Organisation, seinen Ausgleich gefunden hätte durch die stärkeren Seelenkräfte, welche durch die Selbsterziehung herangezogen worden wären. Ich kann natürlich nicht ein halbes Jahr über diese Sachen reden; aber wenn Sie &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
weit im Leben herumschauen und alle Einzelheiten, welche sich als Erfahrungen darbieten, von diesem hier gegebenen Ausgangspunkt aus betrachten würden, so würden Sie immer finden,daß das äußereWissen voll bestätigen würde - bis in alle Einzelheiten -, was hier gesagt worden ist. Und was ich jetzt gesagt habe über eine Masernerkrankung, das kann zu Gesichtspunkten führen, die erklären, warum Masern gerade zu den gebräuchlichen Kinderkrankheiten gehören. Denn die Eigenschaften, die genannt worden sind, kommen in sehr vielen Leben vor. Insbesondere in gewissen Zeitperioden haben sie in vielen Leben grassiert. Und wenn dann eine solche Persönlichkeit ins Dasein tritt, wird sie so schnell wie möglich Korrektur üben wollen auf diesem Gebiet und in der Zeit zwischen der Geburt und dem gewöhnlichen Auftreten der Kinderkrankheiten, um organische Selbsterziehung zu üben, die Masern durchmachen; denn von einer seelischen Erziehung kann ja in der Regel in diesem Alter nicht die Rede sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daraus sehen Sie, daß wir wirklich davon sprechen können, daß die Krankheit in gewisser Beziehung wieder zurückverwandelt werden kann in einen geistigen Prozeß. Und das ist das ungeheuer Bedeutsame, daß wenn dieser Prozeß in die Seele als Lebensmaxime aufgenommen wird, er eine Anschauung erzeugt, die gesundend auf die Seele wirkt. In unserer Zeit braucht man sich nicht besonders zu wundern, daß man so wenig auf die Seelen wirken kann. Und wer die Zeit heute vom geisteswissenschaftlichen Standpunkt aus durchschaut, der wird es begreifen, daß so viele Mediziner, so viele Ärzte Materialisten werden, können, das heißt, verzweifeln an einem seelischen Einfluß. Denn die Mehrzahl der Menschen beschäftigt sich ja überhaupt nicht mit etwas, was eine befruchtende Kraft hat. All das Zeug, was heute durch die gebräuchliche Literatur geht, hat für die Seelen keine befruchtende Kraft. Deshalb fühlt der, welcher für die Geisteswissenschaft wirken will, in diesem theosophischen Wirken auch etwas im eminenten Sinne Gesundendes, weil das geisteswissenschaftliche Wissen der Menschheit wieder etwas bringen kann, was sich so in die Seelen hineinergießt, daß die Seele abgezogen wird von dem, was die leibliche Organisation bildete. Man darf nur nicht verwechseln, was im Anfang einer solchen Bewegung auftritt, mit dem, was die Bewegung wirklich sein kann. &lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Es werden ja in die theosophische Bewegung tatsächlich Dinge hinein- gebracht, welche in der äußeren Welt auch grassieren, das heißt, es bringen die Menschen, wenn sie Theosophen werden, vielfach genau dieselben Interessen der Theosophie entgegen, die sie für die Dinge draußen auch haben, und auch alle Unarten, die sie draußen haben. Da wird vieles hineingetragen von den Schattenseiten unseres Zeitalters. Dann aber, wenn sich irgendwelche Schattenseiten bei den Betreffenden zeigen, sagt man, das habe die Theosophie bewirkt. Das ist natürlich eine sehr billige Auskunft!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir so den karmischen Faden sich ziehen sehen von einer Inkarnation in die andere, so haben wir damit die entsprechende Wahrheit doch nur von einer Seite erfaßt. Es werden sich demjenigen, der ein Gefühl dafür erhält, wie sich der karmische Faden von Inkarnation zu Inkarnation hindurchzieht, noch viele Fragen ergeben, die im Laufe der Vorträge berührt werden sollen. Vor allen Dingen muß die Frage berührt werden: Wie hat man zu unterscheiden zwischen einer Krankheit, bei der man äußere Ursachen angeben kann, und einer solchen Krankheit, die voll veranlagt liegt in der menschlichen Organisation selber, so daß man glaubt, was da vorliegt, damit abfertigen zu können, daß man sagt, die Krankheit ist ganz von selbst gekommen, und eine äußere Veranlassung liege nicht vor. - Ganz so stehen ja die Dinge nicht. Aber von gewisser Seite ist es doch berechtigt zu sagen, daß Krankheiten auftreten, für die der Mensch durch sein Inneres besonders disponiert ist. Für zahlreiche Krankheitserscheinungen wird man da- gegen doch äußere Ursachen angeben können. Natürlich nicht für alles, was uns passiert, aber für manches, was uns von außen her zustößt, zum Beispiel, wenn wir ein Bein brechen, müssen wir äußere Ursachen ins Feld führen. Auch das müssen wir zu den äußeren Ursachen zählen, was durch die Witterung geschieht, und ebenso die zahlreichen Krankheitsfälle, deren Ursachen in den schlechten städtischen Wohnungen zu suchen sind. Da eröffnet sich uns wieder ein weites Feld. Und für den, der mit Erfahrungen in die Welt blickt, ist es auch jetzt erklärlich, daß die heutige Moderichtung der Medizin dazu kommt, Krankheitsursachen in den äußeren Einwirkungen, besonders in den Bazillen, zu suchen, von denen ein geistreicher Herr nicht mit Unrecht gesagt hat: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Heute kommen Krankheiten von den Bazillen, wie man ehedem gesagt hat, Krankheiten kommen von Gott oder vom Teufel. Im 13.Jahr- hundert sagte man, Krankheiten kommen von Gott, im 15. Jahrhundert sagte man, sie kommen vom Teufel. Später hieß es dann, sie kommen von den Säften, und heute sagt man, die Krankheiten kommen von den Bazillen. Das sind die Ansichten, die sich abgelöst haben im Laufe der Zeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So müssen wir also sprechen von äußeren Ursachen des menschlichen Krankseins oder Gesundseins. Und da kann der gegenwärtige Mensch leicht versucht sein, ein Wort zu gebrauchen, welches im Grunde sehr geeignet ist, in unsere ganze Weltauffassung Unordnung hineinzubringen. Wenn jemand, der vorher ganz gesund war, in eine durch Influenza oder Diphtherie verseuchte Gegend kommt und hernach erkrankt, so wird der heutige Mensch ganz gewiß geneigt sein zu sagen, daß der Betreffende den Krankheitskeim dadurch aufgenommen hat, daß er in jene Gegend gekommen ist, und er wird dann leicht das Wort Zufall gebrauchen. Von zufälligen Einflüssen wird man heute leicht sprechen. - Das Wort Zufall ist so recht eine Crux, ein Kreuz für jede Weltanschauung. Und solange man eigentlich nicht einmal den Versuch macht, sich ein wenig klarzuwerden über das, was man so leicht mit Zufall bezeichnet, wird man auch nicht vordringen können zu einer einigermaßen befriedigenden Weltanschauung. So stehen wir nun am Ausgangspunkt des Kapitels «Natürliche und zufällige Erkrankungen des Menschen». Da geht es aber nicht anders, als daß wir einleitend heute versuchen, auf das Wort Zufall ein wenig Licht zu werfen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ist nicht der Zufall selber etwas, was uns mißtrauisch machen könnte gegen das, was sich der Mensch heute leicht dabei denkt? Ich habe schon früher einmal darauf aufmerksam gemacht, daß ein geistvoller Mann im 18.Jahrhundert nicht ganz unrecht hatte, als er über die Sitte, großen Entdeckern, Erfindern und so weiter Denkmäler zu errichten, den Ausspruch tat, man müßte doch, wenn man den geschichtlichen Verlauf objektiv betrachtet, die weitaus meisten Denkmäler dem «Zufall» errichten! Und sonderbar: Wenn man eingeht auf die Geschichte, kann man merkwürdige Entdeckungen machen über &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
das, was sich hinter dem Zufall verbirgt. Ich habe Ihnen erzählt, daß die Erfindung des Fernrohres dem Spiel zu verdanken ist, das Kinder in einer optischen Werkstätte mit optischen Gläsern getrieben haben; dabei kam eine Konstellation zustande, durch die jemand das Fernrohr zustande brachte. Man könnte auch hinweisen auf die berühmte Lampe im Dom zu Pisa, die schon früher vor Tausenden und Tausenden von Menschen ihre Schwingungen mit derselben Regelmäßigkeit ausgeführt hat wie vor Galilei. Aber erst Galilei probierte, wie die Schwingungen zusammenstimmten mit dem Gang seiner Blutzirkulation, und dadurch kam er zu der Auffindung der Pendelgesetze. Würden wir die Pendelgesetze nicht gehabt haben, so würde unser ganzes Kulturleben einen andern Anstrich bekommen haben. Versuchen Sie, ob Sie nicht in der Menschheitsentwickelung einen Sinn suchen können und ob Sie dann noch sagen möchten, daß nur ein Zufall gewaltet hat, zum Beispiel bei Galilei, und ihn zu dieser wichtigen Entdeckung gebracht hat. Aber nehmen wir einen andern Fall.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denken wir daran, was die Luthersche Bibelübersetzung bedeutet für die Kulturländer der europäischen Welt. Machen wir uns klar, was für einen tiefgehenden Einfluß sie genommen hat auf das religiöse Fühlen und Denken und anderseits auf die Heranbildung dessen, was wir die deutsche Schriftsprache nennen. Ich will nur die Tatsache hin- stellen, ohne davon zu sprechen, wie man über sie denken soll; nur daß sie diesen tiefgehenden Einfluß gehabt hat, will ich betonen. Sie müssen nun doch versuchen, einen Sinn zu sehen in jener Erziehung der Menschheit, die seit mehreren Jahrhunderten durch die Luthersche Bibelübersetzung bewirkt worden ist. Wenn Sie es versuchen, darin einen Sinn zu sehen, dann stellen Sie einmal neben dasjenige, was Sie so geistvoll wie möglich über den Sinn der Entwickelung seit dem 16. bis 17. Jahrhundert sagen können, die folgende Tatsache:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Luther hat sich bis zu einer gewissen Zeit seines Lebens tief beschäftigt mit allem, was seine eigene Persönlichkeit zu einer Art von Gotteskindschaft führen könnte durch die Bibellektüre. Er war übergegangen von der Gepflogenheit der Augustiner, vorzugsweise die Kirchenväter zu lesen, zu dem Genuß des Lesens der Bibel selber. Aber alles sprach jetzt dafür, daß sich in seiner Seele entzünden sollte die Gotteskind&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
schaft in einem umfassenden Gefühl. Und von diesem Gesichtspunkt aus oblag er seinem theologischen Lehramt in der ersten Wittenberger Period,e. Die Tatsache, die ich nun hervorheben möchte, ist die, daß Luther eine gewisse Abneigung hatte, sich den theologischen Doktortitel zu verschaffen, und daß er in einer zufälligen Unterredung, als er einmal zusammensaß mit einem alten Freunde des ErfurterAugustinerklosters, wirklich überredet worden ist, sich den theologischen Doktorhut zu erringen. Das hieß aber nun für ihn ein nochmaliges und wie,der-~ holtes Studium der Bibel. Da hat also das zufällige Zusammensitzen mit seinem Freunde zu einem nochmaligen Studium der Bibel geführt und dann zu alledem, was dadurch zum Ausdruck gekommen ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Versuchen Sie den Sinn für das, was für die letzten Jahrhunderte angedeutet worden ist, zusammenzuhalten mit der Tatsache, daß Luther einmal mit jenem Freunde zusammengesessen hat und sich zur Erringung des theologischen Doktorhutes hat überreden lassen: Da werden Sie eine merkwürdig groteske Zusammenstellung zu machen genötigt sein zwischen dem Sinn der Entwickelung und dem zufälligen Ereignis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was Sie zunächst aus dem Gesagten herauslesen werden, ist, daß es sich vielleicht doch mit der Bedeutung des Zufalles etwas anders verhalten könne, als man gewöhnlich denkt. Gewöhnlich denkt man, daß der Zufall etwas sei, was sozusagen durch die Naturgesetze, durch die Gesetze des Lebens sich überhaupt nicht restlos erklären lasse, daß er eine Art von Überschuß bilde gegenüber dem, was sich erklären läßt. Nehmen Sie nun zu dem, was eben gesagt worden ist, die Tatsache, die uns ja schon zum Verständnis so vieler Seiten des Lebens verholfen hat: daß der Mensch in seiner Individualität seit seinem Erdendasein unterworfen war den beiden Kräften des luziferischen und des ahrimanischen Prinzips. Diese Kräfte und Prinzipien spielen fortwährend in den Menschen hinein, wobei die luziferischen Kräfte mehr dadurch wirken, daß sie das Innere des astralischen Leibes des Menschen ergreifen, während die ahrimanischen Kräfte mehr wirken durch das, was der Mensch als äußere Eindrücke empfängt. In dem, was wir von der Außenwelt empfangen, sitzen die ahrimanischen Kräfte; und in dem, was als Lust oder Unlust, als Affekte und so weiter in der Seele aufsteigt und wirkt, sitzen die luziferischen Kräfte. Nun führt sowohl das &lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Iuziferische wie das ahrimanische Prinzip dazu, daß wir uns Täuschungen hingeben; das luziferische Prinzip führt dazu, daß wir uns über unser eigenes Inneres Täuschungen hingeben, daß wir über unser eigenes Inneres falsch urteilen können, eine Illusion im eigenen Inneren schauen können. Es wird Ihnen nicht schwer werden, wenn Sie das Leben vernünftig betrachten, diese Maja im eigenen Seelenleben gewahr zu werden. Versuchen Sie es zu betrachten, wie unendlich oft sich der Mensch einredet, er tue dieses oder jenes aus diesem oder jenem Grunde. Er tut es aber gewöhnlich aus einem ganz andern Grunde, der wesentlich tiefer sitzt; aber er erklärt sich die Handlung, zu der er getrieben wird durch Zorn und Leidenschaft, in seinem Oberbewußtsein auf eine ganz andere Art. Namentlich versucht er das, was in der Welt nicht geschätzt wird, hinwegzudekretieren. Und wenn der Mensch aus recht egoistischen Affekten heraus zu etwas getrieben wird, werden Sie es oft erleben können, daß er seinen grobklotzig-egoistischen Trieben ein unegoistisches Mäntelchen umhängt und erklärt, warum es hat geschehen müssen. Der Mensch weiß aber gewöhnlich selbst nicht, daß er so vorgeht. Wenn er es weiß, tritt gewöhnlich schon der Anfang zu einer Besserung mit einem gewissen Schamgefühl ein. Das schlimmste ist, daß der Mensch aus der Tiefe seiner Seele heraus zu etwas getrieben wird - und sich dann ein Motiv ausdenkt, aus dem er die betreffende Handlung getan habe. Das haben auch schon die modernen Psychologen bemerkt. Aber nur weil heute so wenig psychologische Bildung vorhanden ist, kommen derartig groteske Ausbildungen solcherWahrheiten zustande, wie das bei den heutigen materialistischen Psychologen der Fall ist. Sie kommen zu ganz eigenartigen Ausdeutungen des Lebens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Derjenige, der als Geistesforscher eine solche Tatsache bemerkt, wird sie natürlich in ihrer wahren Bedeutung durchschauen und so charakterisieren, daß in der Tat die zwei Dinge zusammenwirken: das Bewußtsein, und das, was als die tieferen Gründe unter der Schwelle des Bewußtseins waltet. Bemerkt es aber ein materialistischer Psychologe, so wird er die Sache anders behandeln. Da spintisiert er gleich eine Theorie heraus über den Unterschied zwischen dem Vorwand, den der Mensch zu einer Handlung annimmt, und zwischen dem eigentlichen Motiv. - Wenn zum Beispiel ein Psychologe spricht über die heute so &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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viel notierten Schülerselbstmorde, so sagt er, was als Vorwand dazu angeführt würde, das sei nicht das eigentliche Motiv; die eigentlichen Motive lägen viel tiefer: sie lägen meistens in einem irregeleiteten Geschlechtsleben. Diese würden umgewandelt, so daß sie dann dem Bewußtsein diese oder jene Gründe vortäuschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine solche Sache kann oft richtig sein. Aber es würde sie derjenige nIe zu einer umfassenden Theorie machen, der nur ein wenig berührt worden wäre von einer wahrhaft tieferen psychologischen Denkungsart. Eine solche Theorie kann leicht widerlegt werden, denn der Betreffende müßte bedenken: Wenn wirklich der Fall so liegt, daß der Vorwand nichts ist und das Motiv alles, so müßte man das auch bei diesem Psychologen anwenden können und sagen: Es ist also auch bei dir dasjenige, was du hier vorbringst und als Theorie entwickelst, nur Vorwand; suchen wir nach den tieferen Gründen, so sind vielleicht deine angegebenen Gründe ganz derselben Natur. - Hätte ein solcher Psychologe ernsthaft gelernt, warum ein Urteil unmöglich ist, das nach einem solchen Schluß aufgebaut ist wie: Alle Kretenser sind Lügner -, und daß ein solches Urteil schief ist, wenn es ein Kretenser selbst sagt; hätte er gelernt den Grund, warum das so ist, so hätte er auch gelernt, was für sonderbare Zirkelschlüsse dadurch herauskommen, daß man auf gewissen Gebieten Behauptungen auf sich selber zurücktreiben kann. Aber es ist eben fast in dem ganzen Umfange unserer Literatur eine außerordentlich geringe wirklich tiefere Bildung vorhanden. Daher bemerken die Leute dasjenige, was sie selbst tun, gewöhnlich durchaus nicht mehr. Deshalb wird es gerade für die Geisteswissenschaft durchaus notwendig sein, daß solche logischen Konfusionen nach jeder Hinsicht vermieden werden. Am wenigsten vermeiden solche logischen Konfusionen die modernen Philosophen, die sich mit Seelenwissenschaft beschäftigen. Und unser Beispiel ist ein typisches dafür. Wir sehen daran die Streiche, die luziferische Einflüsse dem Menschen spielen, so daß sie ihm das Seelenleben in eine Maja verwandeln und daß er sich ganz andere Motive vortäuschen kann, als sie wirklich in seinem Inneren walten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf diesem Gebiete sollte der Mensch versuchen, eine strengere Selbsterziehung zu handhaben. Heute handhabt sich das Wort gewöhnlich&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
sehr leicht. Aber dieses Wort ist auch ein furchtbarer Verführer. Und wenn das Wort nur schön klingt und nur ein klein wenig den Eindruck macht, daß ein Satz eine wohltätige Handlung vorstellt, dann wird schon das Schönklingen des Satzes Verführer sein, zu glauben, daß das betreffende Motiv in der Seele sei, während in Wahrheit das egoistische Prinzip dahinterstecken kann, von dem der Betreffende gar keine Ahnung zu haben braucht, weil er gar nicht den Willen hat, wirkliche Selbsterkenntnis zu treiben. So sehen wir Luzifer auf der einen Seite wirken. Wie wirkt nun Ahriman auf der andern Seite?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ahriman ist das Prinzip, das sich in unsere Wahrnehmungen mischt und von außen in uns hineinzieht. Nun wirkt Ahriman am allerstärksten in den Fällen, wo wir das Gefühl haben: Hier kommst du mit deinem Denken nicht mehr nach; da stehst du an einem kritischen Punkt mit deinem Denken, da fängt sich das Denken wie in einem Gedankenknäuel. - Da ergreift das ahrimanische Prinzip die Gelegenheit, um wie durch einen Spalt der Außenwelt in uns einzudringen. Wenn wir den Gang der Weltereignisse verfolgen und die mehr offenbaren Ereignisse ansehen, wenn wir zum Beispiel die heutige Physik zurückverfolgen bis zu dem Moment, wo Galilei vor der schwingenden Kirchenlampe im Dom zu Pisa saß, so können wir ein Gedankennetz über alle Ereignisse spinnen, das uns die Sache leicht erklärt; überall werden uns die Dinge erklärlich werden. Da aber, an der Stelle, wo wir zu der schwingenden Kirchenlampe kommen, da verwickeln sich unsere Gedanken. Da ist das Fenster, wo die ahrimanischen Kräfte am allerstärksten in uns eindringen, und da hört unser Denken auf, dasjenige aus den Erscheinungen zu begreifen,wasVernunft und Verständnis in die Sache hineinbringen kann. Da sitzt aber auch das, was man den Zufall nennt. Er sitzt da, wo uns Ahriman am allergefährlichsten wird. Diejenigen Erscheinungen nennt der Mensch zufällig, bei denen er durch den ahrimanischen Einfluß am allerleichtesten getäuscht werden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So wird der Mensch verstehen lernen, daß es nicht in der Natur der Tatsachen liegt, wenn er irgendwo veranlaßt wird, von Zufall zu sprechen, sondern daß es an ihm, an seiner Entwickelung liegen wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und er wird sich nach und nach dazu erziehen müssen, Maja und Illusion zu durchdringen, das heißt, dort die Dinge zu durchdringen, wo&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|112}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ahriman am stärksten wirkt. Und gerade wo wir zu sprechen haben von wichtigen Krankheitsursachen und von einem Licht, das sich über manchen Krankheitsverlauf breiten soll, da werden wir es nötig haben, von dieser Seite her die Erscheinungen anzugreifen. Da werden wir zuerst zu verstehen suchen, inwiefern es kein Zufall ist, wenn ein Mensch gerade mit demjenigen Eisenbahnzug fährt, durch den er umkommen kann, oder wie die Dinge liegen, durch die ein Mensch gerade in einer bestimmten Zeit irgendeinem von außen wirkenden Krankheitskeim ausgesetzt ist oder einer andern Krankheitsursache. Und wenn wir mit eIner geschärften Erkenntnis den Dingen nachgehen können, werden wir imstande sein, das wahre Wesen und die ganze Bedeutung des Krankseins und des Gesundseins für das menschliche Leben noch tiefer zu begreifen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich mußte heute in ausführlicherer Weise zeigen, wie im Inneren des Menschen Luzifer zur Illusion führt und wie Ahriman sich in die äußeren Wahrnehmungen mischt und dort zur Maja führt; wie es eine Wirkung Luzifers ist, wenn sich der Mensch ein falsches Motiv vor- täuscht, und wie die falsche Annahme gegenüber der Welt der Erscheinungen - die Täuschung durch Ahriman - uns zu der Annahme eines Zufalls bringt. Diesen Grund mußte ich schaffen, bevor ich zeigen kann, wie die karmischen Ereignisse, die Ergebnisse des früheren Lebens, beim Menschen auch da wirken und auch da die Erscheinungen erklären, wo scheinbar zufällige äußere Veranlassungen zur Erzeugung von Krankheiten wirken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|113}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= SECHSTER VORTRAG Hamburg, 21. Mai 1910 =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daß eine karmische Gesetzmäßigkeit dann wirken kann, wenn in dem gestern und vorgestern angedeuteten Sinne von dem Inneren des Menschen heraus die Krankheitsursache sich geltend macht, das wird ja leicht begreiflich sein. Wenn aber die Krankheitsursache in gewissem Sinne von außen hereinwirkt - und für wie vielerlei wird heute von der Wissenschaft die Krankheitsursache draußen gesucht in der Infektion -, wenn also das Hauptaugenmerk gerichtet werden muß auf eine äußere Veranlassung zur Krankheit: daß dann die karmische Gesetzmäßigkeit - das, was sich der Mensch als Wirkungen der Erlebnisse und Handlungen seines früheren Lebens mitgebracht hat durch die Geburt - auch in der Weise wirken kann, daß sie diese äußeren Krankheitsursachen herbeischafft, das scheint gewiß vielen noch, und mit Recht, weniger begreiflich zu sein. Dennoch aber werden wir, wenn wir noch weiter die eigentliche Wesenheit des Karma verfolgen, nicht nur verstehen lernen, wie äußere Ursachen zusammenhängen können mit dem, was wir in früheren Leben erlebt und getan haben, sondern wir werden sogar begreifen lernen, daß äußere Lebensunfälle, die uns treffen, also Ereignisse, die man so gern heute zufällig nennen möchte, in einem gesetzmäßigen Zusammenhange stehen können mit dem Verlauf voriger Leben. Allerdings werden wir noch etwas tiefer eindringen müssen in die ganze Natur der menschlichen Wesenheit, wenn wir gerade derartige, eigentlich durch unser ganzes menschliches Anschauen verschleierte Verhältnisse beleuchten wollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir haben ja gestern damit geschlossen, daß wir gezeigt haben, wie der Zufall uns immer eigentlich in einer verschleierten Gestalt das äußere Ereignis darbietet, weil an den Stellen, wo wir vom Zufall sprechen, die Möglichkeit der äußeren Täuschung, die durch die ahrimanischen Mächte herbeigeführt wird, am größten ist. Nun wollen wir einmal das Zustandekommen solcher Zufälligkeiten, das heißt solcher Ereignisse, die man im gewöhnlichen Leben als «Zufälligkeiten» bezeichnet, in einzelnen Fällen vor uns hinstellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|114}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da ist es notwendig, daß wir uns zuerst ein Gesetz, eine Wahrheit, eine Erkenntnis vorhalten: daß im Leben gar manches,was wir mit dem Ausdruck bezeichnen «von innen herauskommend», «von dem Inneren des Menschen stammend», sich schon eigentlich in eine Täuschung kleidet, weil mancherlei, was wir zunächst als im Inneren des Menschen verursacht glauben, wenn wir in Wahrheit über die Illusion hinaus- kommen, schon als etwas von außen nach innen Strömendes bezeichnet werden muß. Und ein solches tritt uns immer da entgegen, wo wir es zu tun haben mit allen jenen Erlebnissen des Menschen, allen jenen Wirkungen auf den Menschen, welche wir begreifen unter dem Namen der «vererbten Merkmale». Die vererbten Merkmale, die uns so entgegen- treten, als ob wir sie nur deshalb hätten, weil sie unsere Vorfahren auch hatten, können uns im eminentesten Maße erscheinen, als ob sie uns ohne unsere Schuld, ohne unser Zutun zugefallen wären. Und wir können leicht zu einer falschen Unterscheidung dessen kommen, was wir uns aus unseren früheren Inkarnationen mitbringen, von dem, was wir von Eltern oderVoreltern geerbt haben. Nun aber geschieht das Wieder- ein treten in eine Verkörperung keineswegs so, als ob wir ohne irgendeine Veranlassung, die mit unserem Inneren zusammenhängt, zu diesem oder jenem Elternpaar, zu diesem oder jenem Volk, in diese oder jene Gegend hingedrängt würden. Schon bei den durchaus nicht in das Gebiet der Krankheiten hineinfallenden vererbten Merkmalen dürfen wir so etwas keineswegs voraussetzen, sondern wir müssen uns sagen: Wenn zum Beispiel in einer Familie, wie der des Musikers Bach, durch viele Generationen hindurch immer wieder und wieder kleinere und größere Musiker geboren wurden - der eine ist dann gewöhnlich hervorragender, aber in der Familie Bach sind über zwanzig mehr oder weniger begabte Musiker geboren worden -, so könnte man leicht glauben, daß man es mit der reinen Vererbungslinie zu tun hätte, daß also Merkmale von den Vorfahren vererbt werden und daß der Mensch gerade deshalb, weil solche Merkmale vorliegen, gewisse aus früheren Inkarnationen mitgebrachte Eigenschaften zu musikalischen Talenten entfaltet. Das ist aber nicht so, sondern die Sache verhält sich vielmehr ganz anders.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen wir an, es würde jemand in einem Leben zwischen Geburt und Tod Gelegenheit haben, viele musikalische Eindrücke zu empfangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|115}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese musikalischen Eindrücke gingen aber in diesem Leben an ihm vorüber, einfach aus dem Grunde, weil er kein musikalisches Ohr hatte. Andere Eindrücke seines Lebens werden nicht an ihm in derselben Weise vorübergehen, weil er gerade so gebaute Organe hat, daß er die Erlebnisse und Eindrücke in eigene Fähigkeiten umsetzen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daher werden wir sagen können, ein Mensch habe in seinem Leben solche Eindrücke, die er durch die Anlage, welche er von seiner letzten Geburt mitbekommen hat, umzusetzen vermag in Fähigkeiten und Talente; andere Eindrücke hat er, welche er vermöge seines Gesamt karma, weil er durch dieses nicht die entsprechenden Anlagen erhalten hat, nicht umsetzen kann in die entsprechenden Fähigkeiten. Die bleiben aber vorhanden, bleiben aufgespeichert und bilden sich um in der Zeit zwischen Tod und neuer Geburt zu der besonderen Tendenz, in der nächsten Inkarnation nunmehr zum Ausleben zu gelangen. Und diese Tendenz führt den Menschen dahin, im nächsten Leben seine Leiblichkeit gerade in einer solchen Familie zu suchen, welche ihm die entsprechenden Anlagen geben kann. Hat also jemand viele musikalische Eindrücke empfangen und sie wegen eines unmusikalischen Ohres nicht umwandeln können in musikalische Fähigkeiten oder Genüsse, so wird gerade diese Unmöglichkeit die Tendenz in seiner Seele hervorrufen, in eine solche Familie hineinzukommen,welche ihm ein musikalisches Ohr vererben kann. So verstehen wir es, daß, wenn in einer Familie sich der Bau des Ohres ebenso vererbt wie etwa die äußere Form der Nase, alle diejenigen Individualitäten sich zusammendrängen werden in diese Familie, die gerade lechzen - infolge ihrer früheren Inkarnation - nach dem Besitz eines musikalischen Ohres. Und so sehen wir, daß der Mensch in der Tat nicht «zufällig» in irgendeiner Inkarnation ein musikalisches Ohr oder ähnliches geerbt hat, sondern daß er diese vererbten Merkmale gesucht hat, wirklich aufgesucht hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beobachten wir jetzt einen solchen Menschen vom Zeitpunkt seiner Geburt an, dann wird es uns so vorkommen, als ob das musikalische Ohr in ihm wäre, eine Eigenschaft in seinem Inneren. Würden wir aber mit unseren Betrachtungen hinübergehen vor seine Geburt, so würden wir finden, wie das musikalische Ohr, das er sich erst aufgesucht hat, etwas ist, was von außen an ihn herangekommen ist. Vor der Geburt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|116}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
oder Empfängnis war das musikalische Ohr nicht etwas, was in seinem Inneren war, sondern da war nur die Tendenz vorhanden, zu einem solchen Ohr hingetrieben zu werden. Da hat der Mensch ein Äußeres an sich herangezogen. Vor der Wiederverkörperung war die Eigenschaft, die wir nachher eine vererbte nennen, etwas Äußeres; das ist an den Menschen herangekommen, er ist dazu hingeeilt. Mit der Verkörperung wird es dann etwas Inneres und tritt in dem Inneren dieses Menschen auf. - Reden wir also von «vererbten Anlagen», so geben wir uns wieder einer Täuschung hin, welche darin besteht, daß wir etwas, was erst ein Innres geworden ist, nicht in jenem Zeitpunkt betrachten, wo es noch ein Äußeres war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fragen wir uns nun einmal, ob es so wie in diesem Falle, den wir jetzt angeführt haben, nicht auch mit äußeren Ereignissen sein könnte, welche während unseres Lebens zwischen Geburt und Tod eintreten, daß auch da ein Äußeres sich in ein Inneres verwandeln könnte? - Diese Frage würden wir uns nicht beantworten können, wenn wir nicht noch tiefer als bisher das Wesen von Krankheit und Gesundheit ins Auge fassen. Wir haben mancherlei angeführt, um Krankheit und Gesundheit zu charakterisieren, und Sie wissen, daß ich nicht definiere, sondern versuche, nach und nach die Dinge zu beschreiben, immer mehr Merkmale zu den Dingen hinzuzufügen, damit sie nach und nach begreiflich werden. Also mehr Merkmale wollen wir jetzt hinzufügen zu den schon gewonnenen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir müssen Krankheit und Gesundheit vergleichen mit etwas, was Im normalen Leben auftritt; dann werden wir etwas noch Tieferes finden&amp;gt; nämlich den Vergleich mit Schlafen und Wachen. Was geschieht im Menschenwesen, wenn die täglichen Zustände Wachen und Schlafen miteinander abwechseln? Wir wissen&amp;gt; daß beim Einschlafen im Bette zurückgelassen wird der physische Leib und der Ätherleib und daß herausgehen aus dem physischen Leib und dem Ätherleib der astralische Leib und das Ich. Es ist also das Einschlafen für uns ein Herausziehen von Ich und astralischem Leib aus physischem Leib und Ätherleib; das Aufwachen dagegen ist ein Wiederhineingehen des astralischen Leibes und des Ich in den physischen Leib und Ätherleib. Jeden Morgen beim Aufwachen taucht also der Mensch unter in seinen physischen Leib und&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|117}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ätherleib mit dem, was er als innerer Mensch, als astralischer Leib und als Ich ist. Was geschieht nun in bezug auf das, was sich im Menschenwesen als Erlebnis abspielt beim Einschlafen und beim Aufwachen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir den Moment des Einschlafens ins Auge fassen, so stellt ersich uns so dar, daß alle Erlebnisse, die vom Morgen bis zum Abend inunserem Leben auf und ab fluten, daß vor allem die Seelenerlebnisse Lust und Leid, Freude und Schmerz, Leidenschaften, Vorstellungen und so weiter hinuntersinken in ein Unbewußtes. Wir selber sind im normalen Leben, wenn wir schlafen, einem Unbewußten hingegeben.Warum werden wir mit dem Einschlafen unbewußt? - Wir wissen ja, daß wir während des Schlafzustandes von einer geistigen Welt umgeben sind, wie wir imWachzustande umgeben sind von den Dingen und Tatsachen der physisch-sinnlichen Welt. Warum sehen wir diese geistige Welt nicht? Im gewöhnlichen normalen Leben sehen wir die geistigen Tatsachen und geistigen Dinge, die um uns herum sind, aus dem Grunde nicht, weil für uns dieses Sehen bei der gegenwärtigen Menschenreife vom Einschlafen bis zum Aufwachen im höchsten Grade gefahrbringend wäre. In dem Augenblick, wo der Mensch heute bewußt übergehen würde in die Welt, die ihn zwischen Einschlafen und Aufwachen um- gibt, würde zwar sein astralischer Leib, der ja während der alten Mondenzeit seine volle Ausbildung erfahren hat, in die geistige Welt aus- fließen; aber nicht könnte es das Ich, das ja erst während der Erdenzeit sich entwickeln soll und vollständig entwickelt sein wird am Ende der Erdenzeit. Das Ich ist noch nicht so voll entwickelt, daß es vom Einschlafen bis zum Aufwachen seine volle Tätigkeit entfalten könnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist mit dem Ich so, daß wir den Zustand, in den es käme, wenn der Mensch bewußt einschlafen würde, damit vergleichen könnten, daß wir sagen: Nehmen wir an, wir haben ein kleines Tröpfchen einer gefärbten Flüssigkeit, das bringen wir in ein Bassin mit Wasser und lassen es sich darinnen verteilen. Dann wird man von der Farbe dieses Tröpfchens nichts mehr sehen, weil es sich in der ganzen breiten Masse hat auflösen müssen. - So etwas geschieht auch, wenn der Mensch im Einschlafen aus dem physischen Leib und Ätherleib herausgeht. Physischer Leib und Ätherleib sind das, was die ganze menschliche Wesenheit zusammenhält. In dem Augenblick, wo der astralische Leib und das Ich &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|118}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die beiden unteren Glieder verlassen, streben sie auseinander nach allen Seiten hin, haben nur das Bestreben, sich fortwährend auszudehnen. Es würde also dem Ich so gehen, daß es aufgelöst würde, und der Mensch würde vor sich haben zwar die Bilder der geistigen Welt, aber er würde sie mit denjenigen Kräften, die nur sein Ich entfalten kann - denn das Ich wäre ja aufgelöst -, also mit Urteilskräften und Begriffsvermögen und so weiter, nicht verfolgen können, also nicht mit demselben Bewußtsein, mit welchem er die Zustände des Alltags verfolgt. Er würde außer sich sein, würde hin und her gerissen, wesens- und richtungslos schwimmend auf dem Meere der astralischen Eindrücke. Aus diesem Grunde, weil das Ich noch nicht stark genug ist im normalen Zustande des Menschen, wird das Ich so lange zurückwirken auf den astralischen Leib und ihn verhindern, bewußt einzutreten in seine eigentliche Heimat, in die geistige Welt, bis das Ich selber überall mit hin kann, wohin der astralische Leib dringt. So also hat es einen guten Sinn, daß wir das Bewußtsein verlieren im Einschlafen. Wir könnten unser Ich nicht erhalten. Wir werden es erst erhalten können in genügender Weise, wenn die Erdentwickelung an ihrem Ende angekommen sein wird. Deshalb sollen wir auch unseren astralischen Leib nicht entfalten können in bezug auf seine Bewußtseinsfähigkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gerade das Umgekehrte tritt ein, wenn der Mensch aufwacht. Wenn er aufwacht und untertaucht in den physischen Leib und Ätherleib, würde er eigentlich erleben müssen das Innere des physischen Leibes und des Ätherleibes. Das tut er aber nicht. Im Augenblick des Aufwachens wird er verhindert, hineinzuschauen in das Innere seiner Leiblichkeit, denn da wird gleich die Aufmerksamkeit auf die äußeren Erlebnisse gelenkt. Da wird nicht seine Sehkraft, seine Erkenntniskraft dahin gelenkt, sein Inneres zu durchschauen, sondern sie wird abgelenkt auf die Außenwelt. Würde der Mensch sich im Inneren ergreifen, so würde genau das Gegenteil eintreten von dem, was eintritt, wenn sich der Mensch bewußt beim Einschlafen in die geistige Welt hineinbegeben könnte. Alles, was der Mensch sich schon im Verlaufe des Erdenlebens an Geistigem durch sein Ich errungen hat, das würde sich zusammendrängen und es würde jetzt im physischen Leibe und Ätherleibe nach demUntertauchen mit aller Kraft auf ihn wirken. Das würde zur Folge &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|119}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
haben, daß alles, was nur irgendwie egoistische Eigenschaft ist, sich mit aller Macht entfalten würde. Und der Mensch würde hinuntertauchen mit seinem Ich und würde mit jedem Stück, mit dem er hinuntertaucht, seine Leidenschaften,Triebe und Begierden in einem immer kraftvolleren Egoismus ergießen. Aller Egoismus würde sich ergießen in sein Trieb- leben. Damit das nicht geschieht, werden wir abgelenkt auf die Außenwelt und nicht mit unserem Bewußtsein in unser Inneres hineingelassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daß das so ist, kann auch aus den Berichten derjenigen hervorgehen, die als Mystiker versuchten, wirklich hineinzukommen in das menschliche Innere. Sehen Sie sich um bei Meister Eckart, bei Johannes Tauler oder bei sonstigen Mystikern des Mittelalters, welche wirklich den Gang in das menschliche Innere unternommen haben. Da haben Sie Mystiker, welche sich hingegeben haben einem Zustand, wo sie ihre Aufmerksamkeit vollständig ablenkten von dem, was sie an der Außenwelt interessieren konnte, um hinunterzusteigen in das eigene Innere. Lesen Sie die Biographien der Heiligen oder der Mystiker, die in das eigene Innere hineinzusteigen versuchten. Was haben sie erfahren? Versuchungen, Anfechtungen und dergleichen, die sie in lebendigen Farben schildern. Das war dasjenige, was sich aus dem zusammengepreßten astralischen Leib und Ich als eine Widerkraft geltend machte. Daher haben diejenigen, welche sozusagen ungeschoren als Mystiker in das eigene Innere hinuntersteigen wollten, mit aller Macht darauf gedrungen, daß in demselben Maße, als sie hinunterstiegen, das Ich ausgelöscht würde. Ein schönes Wort hat sogar Meister Eckart gefunden, um dieses Hinuntersteigen in die eigene Leiblichkeit zu bezeichnen. Er spricht von «Entwerdung&amp;gt;, das heißt Auslöschen des Ich. Und lesen Sie in der «Deutschen Theologie», wie der Verfasser darstellt den mystischen Gang in das menschliche Innere, wie er darauf dringt, daß derjenige, der hinuntersteigen will in die Leiblichkeit, nic`ht mehr aus seinem Ich handelt, sondern daß in ihm der Christus handelt, mit dem er sich ganz durchdrungen hat. Auslöschen wollten solche Mystiker ihr Ich. Nicht sie sollen denken, fühlen und wollen, sondern der Christus in ihnen soll denken, fühlen und wollen, damit nicht dasjenige aus ihnen herauskommt, was in ihnen als Leidenschaften, Trieb und Begierde lebt, sondern damit dasjenige herauskommt, was sich als der &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|120}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Christus in sie ergießt. Daher sagt Paulus: «Nicht ich, sondern der Christus in mir»! Aus solchen Tiefen gehen solche Dinge hervor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So können wir schildern Aufwachen und Einschlafen als innere Erlebnisse der menschlichen Wesenheit: Aufwachen als ein Hinunter- tauchen der zusammengepreßten Ichheit in die Leiblichkeit des Menschen, Einschlafen als ein Sich-Befreien vom Bewußtsein, weil man noch nicht reif ist, in jener Welt zu schauen, in die man eigentlich hin- eindringen muß beim Einschlafen. Dadurch verstehen wir Wachen und Schlafen in jenem Sinne, in welchem wir mancherlei in der Welt verstehen müssen: als das Sich-Durchdringen der verschiedenen Glieder der menschlichenWesenheit. Betrachten wir von diesem Gesichtspunkte aus einen wachenden Menschen, so sagen wir: In dem wachenden Menschen stecken darinnen vier Glieder der menschlichen Wesenheit: physischer Leib, Ätherleib, astralischer Leib und Ich, und sie stecken in einer bestimmtenWeise ineinander.Was folgt daraus? Eben das Wachen! Denn es könnte der Mensch nicht wachen, wenn er nicht so hineinsteigen würde in seine Leiblichkeit, daß die Aufmerksamkeit durch die Außenwelt abgelenkt würde. Gerade von einem ganz bestimmten, geregelten Zusammenwirken der vier Glieder des Menschen hängt es ab, daß der Mensch wacht. Und wieder von dem richtigen Getrenntsein seiner vier Glieder hängt es ab, daß der Mensch schläft. Wir reichen damit nicht aus, daß wir sagen: Der Mensch besteht aus physischem Leib, Ätherleib, astralischem Leib und Ich, sondern wir verstehen den Menschen erst dann&amp;gt; wenn wir wissen, in welchem Grade die verschiedenen Glieder bei einem bestimmten Zustande miteinander verknüpft sind, wie sie ineinanderstecken. Das ist dasWesentliche für die Erkenntnis der menschlichen Natur. Nun betrachten wir die Art des Zusammengefügtseins der vier Glieder des Menschen, wie es uns beim wachen- den Menschen entgegentritt, als das Normale. Wir wollen einmal von diesem Begriff ausgehen: als das Normale den Zustand des wachenden Menschen zu betrachten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun werden sich die meisten von Ihnen erinnern, daß das Bewußtsein, welches wir gegenwärtig als Erdenmenschen haben zwischen Geburt und Tod, nur eine ist von den überhaupt möglichen Bewußtseinsformen. Wenn Sie zum Beispiel die «Geheimwissenschaft im Umriß» &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|121}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
oder die früheren Aufsätze «Aus der Akasha-Chronik» studieren, so werden Sie sehen, daß das heutige Bewußtsein eine Bewußtseinsstufe unter sieben verschiedenen Bewußtseinsstufen ist, daß dieses Bewußtsein, das wir heute haben, sich erst entwickelt hat aus drei andern, vorangegangenen Bewußtseinszuständen und sich später entwickeln wird zu drei andern, nachfolgenden Bewußtseinsformen. Während der Mensch Mondenmensch war, hatte er noch kein Ich. Das Ich verband sich mit dem Menschen erst während der Erdenzeit. Daher konnte der Mensch auch die heutige Art des Bewußtseins erst während der Erden- zeit haben. Ein solches Bewußtsein wie das, was wir heute haben zwischen Geburt und Tod, setzt voraus, daß das Ich genau so, wie es heute der Fall ist, mit den andern drei Gliedern zusammenwirkt und das h&amp;amp;hste ist unter den vier Gliedern der menschlichen Wesenheit. Bevor der Mensch mit dem Ich befruchtet worden ist, bestand er nur aus physischem Leib, Ätherleib und astralischem Leib. Da war der astralische Leib sein höchstes Glied, und sein Bewußtseinszustand war ein solcher, daß wir ihn heute höchstens, wenn wir etwas aus dem gewöhnlichen Leben nehmen, mit dem vergleichen könnten, was der Mensch sich wie ein altes Erbstück erhalten hat im Traumbewußtsein. Aber Sie müssen sich nicht das heutigeTraumbewußtsein vorstellen, sondern ein solches, das in den Bildern des Traumes Realitäten`wiedergibt. Wenn Sie den heutigen Traum studieren, werden Sie in den yerschiedensten Bildern recht viel Chaotisches finden, weil das heutige Traumbewußtsein ein altes Erbstück ist. Aber wenn Sie das Bewußtsein, welches dem heutigen vorangegangen ist, studieren würden, dann würden Sie finden, daß Sie äußere Gegenstände, zum Beispiel Pflanzen, damals nicht würden gesehen haben. Also es wäre ein äußerer Eindruck auf den Menschen unmöglich gewesen. Wenn etwas in die Nähe des Menschen gekommen wäre, hätten Sie einen Eindruck bekommen, der seinen Umweg nimmt über das Traumbild in das menschliche Innere, das also ein Sinnbild ist, welches aber einem bestimmten äußeren Gegenstande und Eindruck entsprochen haben würde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also wir haben es vor dem Ich-Bewußtsein zu tun mit einem solchen Bewußtsein, das an den astralischen Leib als das damals höchste Glied gebunden ist, das astralische Bewußtsein, das dumpf und dämmerhaft &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|122}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ist und noch nicht durchleuchtet ist von dem Lichte des Ich. Dieses astralische Bewußtsein ist beim Menschen, als er Erdenmensch geworden ist, überleuchtet worden, übertönt worden von dem Ich-Bewußtsein. Nun ist aber der astralische Leib noch immer in uns, und wir können fragen: Wodurch ist das geschehen, daß unser astralisches Bewußtsein überhaupt hat übertönt, ausgeschaltet werden können, so daß das Ich-Bewußtsein ganz an seine Stelle treten konnte? - Das wurde dadurch möglich, daß durch die Befruchtung des Menschen mit dem Ich die frühere Verbindung zwischen astralischem Leib und Ätherleib zu einer viel loseren gemacht worden ist. Es ist sozusagen die frühere innigere Verbindung gelöst worden. Also es war vor dem Ich-Bewußtsein eine viel innigereVerbindung vorhanden zwischen dem astralischen Leib des Menschen und den niedrigeren Gliedern seiner Wesenheit. Esdrängte sich der astralische Leib viel mehr hinein in die andern Glieder, als er es heute tut. Entrissen worden ist in einer gewissen Beziehung der` astralische Leib dem Ätherleib und dem physischen Leib.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun müssen wir uns einmal diesen Vorgang des sozusagen teilweisen Herausgehens, des Losemachens des astralischen Leibes von Ätherleib und physischem Leib ganz klarmachen. Dann werden wir uns fragen: Gibt es vielleicht auch heute noch die Möglichkeit, bei unserem gewöhnlichen Ich-Bewußtsein etwas herzustellen, was dieser alten Verbindung ähnlich wäre? Könnte es auch heute im Menschenleben geschehen, daß der astralische Leib tiefer hinein will in die andern Glieder, als er soll, sich mehr mit allerlei imprägniert und durchdringt, als es ihm zukommt?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also ein gewisses Normalmaß ist notwendig für das Durchdringen des astralischen Leibes mit Ätherleib und physischem Leib. Nehmen wir nun an, das Normalmaß wird nach irgendeiner Richtung hin überschritten. Dann wird eine Störung eintreten müssen im ganzen menschlichen Organismus; denn was der Mensch heute ist, das hängt davon ab, daß dieses bestimmte Verhältnis zwischen den verschiedenen Wesensgliedern da ist, das uns im wachenden Menschen vor Augen tritt. In dem Augenblicke, wo sich der astralische Leib unrichtig benimmt, wo er tiefer hineindringt in physischen Leib und Ätherleib, muß eine Störung auftreten. Nun haben wir aber in den letzten Betrachtungen gesehen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|123}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
daß das, was wir jetzt folgern, wirklich geschieht. Wir haben den ganzen Vorgang nur von der andern Seite her dargestellt. Wann geschieht es denn?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es geschieht dann, wenn der Mensch in einem früheren Leben in seinen astralischen Leib etwas hineingeprägt hat, irgend etwas hat ein- fließen lassen, was wir für das frühere Leben als eine moralische oder intellektuelle Verfehlung auffassen. Das hat sich dem astralischen Leib eingegraben. Das ist jetzt etwas, wenn der Mensch neuerdings ins Leben tritt, was in der Tat den astralischen Leib veranlassen kann, einen andern Zusammenhang zu suchen mit dem physischen Leib und Ätherleib, als er ihn gesucht hätte, wenn er nicht diese Verfehlung im vorigen Leben in sich hineingeprägt hätte. Also gerade unsere Verfehlungen sind es, die sich unter dem Einfluß von Ahriman und Luzifer vollzogen haben und sich umgestaltet haben in organisierende Kräfte, welche im neuen Leben den astralischen Leib veranlassen, sich anders zum physischen Leib und Ätherleib zu stellen, als er es tun würde, wenn sich solche Kräfte nicht in ihn hineingedrängt hätten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So sehen wir, wie gerade dieWirkungen früherer Gedanken, Empfindungen und Gefühle den astralischen Leib zu dem veranlassen, was Unordnung hervorrufen muß in der menschlichen Organisation. Wenn aber solche Unordnung hervorgerufen wird, was tritt dann ein? Wenn sich der astralische Leib mehr hineindrängt in den physischen Leib und Ätherleib, als er es beim normalen Menschen sollte, so tut er etwas ganz Ähnliches, wie wir des Morgens tun beim Aufwachen, wo wir in dem Moment des Aufwachens mit unserem Ich in unsere zwei Leiber hinuntertauchen. Aufwachen besteht im Hinuntertauchen des Ich-Menschen in den physischen Leib und Ätherleib. Worin besteht nun das, was der astralische Leib tut, wenn er mehr in den physischen Leib und Äther leib hineintritt, als er soll, veranlaßt durch die Wirkungen früherer Erlebnisse? - Was sonst eintritt, wenn wir mit dem Ich und astralischen Leib untertauchen in den physischen Leib und Ätherleib, wenn wir des Morgens aufwachen und etwas wahrnehmen, das zeigt sich gerade darin, daß wir aufwachen. Wie der ganze Wachzustand die Folge ist des Untertauchens des Ich-Menschen in den physischen Leib und Ätherleib, so muß jetzt etwas auftreten, was der astralische Leib tut, also &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|124}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
etwas, was wir sonst als Ich-Menschen tun. Er taucht unter in den Äther- und physischen Leib. Wenn wir also einen Menschen vor uns haben, bei dem der astralische Leib die Tendenz aufgenommen hat, sich mehr zu vereinigen mit Ätherleib und physischem Leib, als es normalerweise der Fall sein sollte, so haben wir dieselbe Erscheinung für den Astralleib vor uns, welche wir sonst beim Aufwachen für den Ich Menschen vor uns haben. Was ist dieses zu starke Eindringen des astralischen Leibes in den Ätherleib und physischen Leib? Das ist etwas, was wir sonst als das Wesen der Krankheit bezeichnen können. Wenn unser astralischer Leib dasselbe tut, was wir sonst beim Aufwachen tun, nämlich sich hineindrängt in den physischen Leib und Ätherleib, wenn der astralische Leib, der sonst bei uns kein Bewußtsein entwickeln sollte, nach einem Bewußtsein strebt im physischen Leib und Ätherleib, wenn er in uns aufwachen will, dann werden wir krank. Krankheit ist ein abnormer Wachzustand unseres astralischen Leibes. Was tun wir denn eigentlich, wenn wir im normalen Wohlbefinden stehen, wenn wir im gewöhnlichen Wachzustand leben? Dann wachen wir für das gewöhnliche Leben. Aber damit wir das gewöhnliche Wachbewußtsein haben können, mußten wir ja den astralischen Leib früher in eine andere Verbindung bringen. Wir mußten ihn zum Schlafen bringen. Der astralische Leib muß, wenn wIr am Tage unser Ich-Bewußtsein haben, schlafen; wir können nur gesund sein, wenn unser astralischer Leib schläft in uns. Daher können wir jetzt das Wesen von Gesundheit und Krankheit in folgender Weise auffassen: Krankheit ist ein abnormes Auf- wachen des astralischen Leibes im Menschen, und Gesundheit ist der normale Zustand des Schlafens des astralischen Leibes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und was ist denn das Bewußtsein dieses astralischen Leibes? Wenn wirklich Krankheit das Aufwachen des astralischen Leibes wäre, müßte ja etwas bei ihm eintreten wie ein Bewußtsein. Er wacht abnormerweise auf; also könnten wir ein abnormes Bewußtsein erwarten; aber ein Bewußtsein müßte da sein. Wenn wir in die Krankheit verfallen, müßte etwas Ähnliches entstehen, wie es sonst des Morgens beim Aufwachen eintritt. Es müßte unser Erleben abgelenkt werden auf irgend etwas anderes. Am Morgen taucht sonst unser gewöhnliches Bewußtsein auf. Weiin wir nun krank werden, taucht dann ein Bewußtsein auf? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|125}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ja, es taucht ein Bewußtsein auf, das der Mensch nur allzugut kennt. Und welches ist dieses Bewußtsein? Ein Bewußtsein drückt sich in Erlebnissen aus! Das Bewußtsein, was da auftaucht, drückt sich aus in dem, was wir den Krankheitsschmerz nennen, den wir nicht haben im normalen Wohlbefinden des Wachzustandes, weil da unser astralischer Leib gerade schläft. Schlafen des astralischen Leibes heißt, daß er sich in regelmäßigem Zusammenhang befindet mit physischem Leib und Ätherleib, bedeutet Schmerzlosigkeit. Der Schmerz ist der Ausdruck dafür, daß der astralische Leib sich so hineinpreßt in den physischen Leib und Ätherleib, wie er nicht drinnen sein soll - und zum Bewußtsein kommt. Das ist der Schmerz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun handelt es sich darum, daß wir nicht etwa das, was eben gesagt worden ist, wieder grenzenlos ausdehnen. Es muß, wenn geisteswissenschaftlich gesprochen wird, immer die Grenze eingehalten werden, innerhalb deren etwas gesagt wird. - Es ist gesagt worden, daß wenn unser astralischer Leib aufwacht, ein Bewußtsein entsteht, das von Schmerz durchtränkt ist. Daraus dürfen wir aber nicht schließen, daß Schmerz und Krankheit immer zusammenfallen. Es ist durchaus ein jegliches Hineinpressen des astralischen Leibes in den Ätherleib und physischen Leib ein Kranksein. Aber umgekehrt besteht nicht jedes Kranksein darin, und daß Kranksein auch einen anderen Charakter haben kann, werden wir uns dadurch begreiflich machen können, daß keineswegs alles Kranksein von Schmerzen begleitet ist. Das beachten nur die meisten Menschen deshalb nicht, weil sie zumeist im Leben nicht anstreben, gesund zu sein, sondern sie streben an, schmerzlos zu sein, und wenn sie schmerzlos sind, halten sie das für gesund. Das ist nicht immer so; aber in sehr vielen Fällen wird der Mensch glauben, wenn er schmerzlos ist, sei er gesund. Wir würden uns einer gewaltigen Täuschung hingeben, wenn wir glauben wollten, daß Schmerzempfinden und Kranksein zusammenfällt. Es kann die Leber eines Menschen durch und durch beschädigt sein; wenn der Schaden nicht ein solcher ist, daß durch ihn zum Beispiel das Bauchfell affiziert wird, so tritt gar kein Schmerz auf. Es kann der Mensch einen Krankheitsprozeß in sich haben, der sich gar nicht in Schmerzen äußert. Das kann in vielen Fällen so sein.Vor einer objektiveren Betrachtung sind diese Erkrankungen sogardie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|126}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
schlimmeren. Denn wenn der Mensch Schmerzen empfindet, geht er darauf aus, die Schmerzen loszuwerden; wenn er keine Schmerzen hat, gibt er sich nicht besonders viel Mühe, die Krankheit loszubekommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie verhält es sich nun mit den Erscheinungen, wo keine Schmerzen mit den Krankheitsfällen parallel gehen? Was haben wir da getan? - Da brauchen wir uns nur zu erinnern, daß wir uns wirklich als menschliche Wesen, wie wir heute sind, nach und nach entwickelt haben, daß wir während der Erdenzeit das Ich hinzugefügt haben zu astralischem Leib, Ätherleib und physischem Leib. Aber wir waren auch einmal ein Mensch, der nur physischen Leib und Ätherleib gehabt hat. Ein Wesen, das nur physischen Leib und Ätherleib hat, ist wie eine heutige Pflanze. Bei solchen Wesen kommen wir zu einem dritten Grade von Bewußtsein, einem viel, viel dumpferen Bewußtsein, das nicht einmal bis zur Helligkeit des heutigen Traumbewußtseins hinaufreicht. Es ist ja durchaus ein Irrwm, wenn wir glauben, daß der Mensch im Schlafe kein Bewußtsein hat. Er hat ein Bewußtsein; nur ist es so dumpf, daß er es nicht bis zur Erinnerung in seinem Ich heraufrufen kann. Aber auch in der Pflanze sitzt ein solches Bewußtsein. Es ist eine Art Schlafbewußtsein, also ein noch tieferes als das astralische Bewußtsein. Da kommen wir herunter zu einem noch tieferen Bewußtsein des Menschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen wir nun an, der Mensch habe durch Erlebnisse in früheren Inkarnationen nicht nur solche Unordnung hineingebracht in seine Organisation, welche den astralischen Leib veranlaßt, sich in unordentlicher Weise hineinzuversenken in den physischen Leib und Ätherleib, sondern er habe so etwas vollführt, was den Ätherleib veranlassen kann, in unrichtigerWeise sich in den physischen Leib hineinzudrängen. Es kann durchaus ein solcher Zustand eintreten, daß auch die Verbindung zwischen Ätherleib und physischem Leib nicht die für den heutigen Menschen normale ist, daß sich der Ätherleib zu tief hineindrängt in den physischen Leib. Der astralische Leib, sagen wir, wäre dabei gar nicht beteiligt, sondern was da im früheren Leben veranlagt worden ist, das bewirkt in der menschlichen Organisation eine dichtere Zusammenfügung von Ätherleib und physischem Leib, als es sonst sein soll. Da haben wir dasselbe bei dem Ätherleib, was wir bei dem astralischen Leibe haben im Schmerzbewußtsein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|127}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn der Ätherleib sich nun seinerseits zu tief hineinversenkt in den physischen Leib, so taucht ein Bewußtsein auf ähnlich wie des Menschen Schlafbewußtsein, wie das Pflanzenbewußtsein. Kein Wunder daher, daß das auch ein Zustand ist, der vom Menschen gar nicht empfunden wird. Wie er nicht im Schlaf empfindet, so empfindet er auch jetzt diesen Zustand nicht. Und doch ist es ein Aufwachen! Wie unser astralischer Leib abnormerweise aufwacht, wenn er zu tief hinunter- taucht in den Ätherleib und physischen Leib, so wacht der Ätherleib in abnormer Weise auf, wenn er zu tief in den physischen Leib hinein- taucht. Nur kann es der Mensch nicht wahrnehmen, weil es das Auf- wachen zu einem noch dumpferen Bewußtsein als das Schmerzbewußtsein ist. Aber nehmen wir an, der Mensch hätte wirklich in einem früheren Leben so etwas vollzogen, was sich zwischen Tod und neuer Geburt dazu umwirkt, daß der Ätherleib für sich aufwacht, das heißt, intensiven Besitz ergreift vom physischen Leib. Wenn das geschehen ist, lebt auf im Menschen ein tiefes Bewußtsein, das aber nicht in der Weise wahrgenommen werden kann, wie die sonstigen Erlebnisse der menschlichen Seele wahrgenommen werden. Braucht es deshalb nicht zu wirken, weil es nicht wahrgenommen wird? Versuchen wir uns klarzumachen, was ein Bewußtsein für eine eigentümliche Tendenz erhält, wenn es anfängt, um einen Grad tiefer zu liegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn Sie einen solchen äußeren Eindruck erleben, wie zum Beispiel wenn Sie sich verbrennen, so verursacht das Schmerz.Wenn ein Schmerz entstehen soll, so muß das Bewußtsein wenigstens den Grad des Bewußtseins des astralischen Leibes haben. Ein Schmerz muß im astralischen Leibe leben. Wo also irgendeinmal in der Menschenseele Schmerz entsteht, ist eine Tatsache des astralischen Leibes vorhanden. Nehmen wir aber einmal an, es geschehe etwas, was nicht mit Schmerzen verbunden wäre, was dennoch aber einen äußeren Reiz, einen äußeren Eindruck hervorruft. Wenn irgend etwas auf Ihr Auge zufliegt, so verursacht das einen äußeren Reiz; das Auge schließt sich. Schmerz ist damit nicht verbunden. Was ruft der Reiz hervor? Eine Bewegung. Das ist etwas Ähnliches, wie wenn Ihre Fußsohle berührt wird: Schmerz ist es nicht - dennoch zuckt der Fuß. Es gibt also auch solche Eindrücke auf den Menschen, die nicht von Schmerzen begleitet sind, die dennoch &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
aber herausfordern irgendein Geschehnis, eine Bewegung. Da weiß der Mensch nicht - weil er nicht bis in diesen tiefen Grad des Bewußtseins hinunterdringen kann -, wie so etwas zustande kommt, daß eine Bewegung folgt auf den Reiz. Wenn Sie Schmerz empfinden, und Sie weisen dadurch etwas zurück, so ist es der Schmerz, der Sie aufmerksam gemacht hat auf das, was Sie dann zurückweisen. Es kann aber etwas auftreten, was Sie zu einer inneren Bewegung drängt, zu einer Reflexbewegung. Da dringt das Bewußtsein nicht bis zu dem Grade hinunter, wo der Reiz in Bewegung umgesetzt wird. Da haben Sie einen solchen Bewußtseinsgrad, der nicht in Ihre astralischen Erlebnisse hineinkommt, der bewußt nicht erlebt wird, der in einer Art von Schlafbewußtseinssphäre verläuft, der aber darum doch nicht so ist, daß er nicht zu Geschehnissen führen könnte. Wenn ein solches tieferes Eindringen des Ätherleibes in den physischen Leib stattfindet, so ist dies das Hervorbringen eines Bewußtseins, das nicht ein Schmerzbewußtsein ist, weil sich der astralische Leib nicht daran beteiligt, sondern das so dumpf ist, daß es der Mensch nicht wahrnimmt. Damit ist aber nicht gesagt, daß der Mensch in diesem Bewußtsein keine Handlungen ausführen kann, nicht etwas tun könnte, was der ganzen Sachlage entspräche. Der Mensch führt ja auch sonst Handlungen aus, bei denen sein Bewußtsein nicht dabei ist. Sie brauchen nur daran zu denken, wo das gewöhnliche Tagesbewußtsein ausgelöscht ist und der Mensch als Nachtwandler alle möglichen Handlungen ausführt. Da ist nicht etwa gar kein Bewußtsein vorhanden, sondern es ist ein solches Bewußtsein daran beteiligt, das der Mensch nicht miterleben kann, weil er nur die zwei höchsten Bewußtseinsformen erleben kann: das astralische Bewußtsein als Lust und Leid und dergleichen und das Ich-Bewußtsein als Urteil und als gewöhnliches Tagesbewußtsein. Deshalb ist aber die Sache doch nicht so, daß der Mensch aus diesem Schlafbewußtsein heraus nicht handeln könnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun haben wir also auch ein solches tiefes Bewußtsein, das der Mensch nicht mehr erreichen kann, wenn der Ätherleib hinuntersteigt in den physischen Leib. Nehmen wir an, er will aber doch etwas tun, wovon er im normalen Leben nichts wissen kann, was irgendwie mit der Sachlage zusammenhängt, dann wird er das tun, ohne daß er davon &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
etwas weiß. In ihm wird etwas, wird die Sache selbst das tun, ohne daß er selber davon weiß. - Betrachten wir jetzt einen Menschen, der durch irgendwelche Vorkommnisse in einem früheren Leben Ursachen in sich gelegt hat, welche in der Zeit zwischen Tod und neuer Geburt hinunterwirken bis dahin, wo sie zu einem tieferen Eindringen des Ätherleibes in den physischen Leib führen. Dann werden daraus Handlungen hervorgehen, welche zum Auswirken von tieferliegenden Krankheits prozessen führen. Da wird der Mensch dazu gedrängt werden können, äußere Veranlassungen zu Krankheiten geradezu aufzusuchen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es kann sonderbar erscheinen, daß das nicht klar erscheint für das gewöhnliche Ich-Bewußtsein. Der Mensch würde es aber aus seinem gewöhnlichen Ich-Bewußtsein heraus auch nie tun. Er wird sich nie aus seinem gewöhnlichen Ich-Bewußtsein heraus befehlen, in einen Herd von Bazillen einzudringen. Nehmen wir aber an, jenes dumpfe Bewußt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
seIn findet, daß es nötig ist, daß eine äußere Schädigung eintrete und daß sich das abspielen kann, was wir gestern genannt haben den ganzen Sinn des Krankseins. Dann sucht dieses Bewußtsein&amp;gt; das in den physischen Leib hineindringt, die Krankheitsursache auf. Es ist das eigene Wesen des Menschen, das die Krankheitsursache aufsucht, um das zu erreichen, was wir gestern den Krankheitsprozeß genannt haben. So werden Sie aus dem tieferen Wesen der Krankheit heraus begreifen, daß selbst dann, wenn noch keine Schmerzen auftreten, noch immer Gegenwirkungen auftreten können. Und auch wenn Schmerzen sich zeigen, kann noch immer, wenn nur der Ätherleib zu stark eindringt in den physischen Leib, dasjenige eintreten, was man nennen kann das Suchen von äußeren Krankheitsursachen durch tiefergelegene Schichten des menschlichen Bewußtseins selbst. So grotesk es klingt, so ist es doch richtig: Wir suchen uns, ebenso wie unsere vererbten Merkmale, mit einem andern Bewußtseinsgrade unsere äußeren Krankheitsursachen, wenn wir sie brauchen. Das eben Gesagte gilt aber wieder nur in den Grenzen dessen, wie es heute dargestellt ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heute hat es sich vorzugsweise darum gehandelt, gerade klarzulegen, daß der Mensch imstande sein kann, ohne daß er es mit dem ihm bekannten Bewußtseinsgrade verfolgen kann, die Krankheit dadurch zu suchen, daß ein abnormer&amp;gt; tieferer Bewußtseinszustand hergestellt &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
wird. Darum handelte es sich: zu zeigen, daß wir es in der Krankheit zu tun haben mit einem Erwachen von Bewußtseinsstadien, welche wir als Menschen früher schon überwunden haben. Dadurch, daß wir in einem früheren Leben Fehler auf uns geladen haben, verursachen wir, daß wir tiefere Bewußtseinsgrade hervorbringen, als es uns sonst für unser jetziges Leben geziemte. Und was wir aus den Antrieben dieser Bewußtseinsgrade tun, das beeinflußt den Verlauf des Krankheitsprozesses wie auch den Prozeß, der überhaupt erst zur Krankheit führt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da sehen wir, daß in den abnormen Zuständen alte Bewußtseinsstufen heraufsteigen, welche der Mensch längst überwunden hat. Wenn Sie nur ein wenig die Tatsachen des gewöhnlichen Lebens betrachten, können Sie sich schon ein wenig verdeutlichen, was heute gesagt worden ist. Es ist ja so, daß der Mensch durch seine Schmerzen gewissermaßen tiefer hinuntersteigt in sein Wesen. Sie kennen ja den Ausspruch, daß er dann erst weiß, daß er ein Organ hat, wenn es angefangen hat, ihn zu schmerzen. Das ist ein populärer Ausspruch; aber er ist nicht so ganz dumm. Warum weiß der Mensch im normalen Bewußtsein davon nichts? Weil sein Bewußtsein im normalen Falle so weit schläft, daß es nicht intensiv genug untertaucht in den astralischen Leib. Taucht es aber unter, dann entsteht Schmerz, und durch den Schmerz erfährt der Mensch, daß er das betreffende Organ hat. In gar manchen Aussprüchen des gewöhnlichen Lebens liegt etwas durchaus Wahres, weil sie Erbstücke sind aus den früheren Bewußtseinsstadien, in welchen der Mensch, als er i« die geistige Welt hineingesehen hat, noch vieles gewußt hat von dem, was wir heute mühselig wieder heraufholen müssen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn Sie begreifen, daß der Mensch tiefere Schichten des Bewußtseins erleben kann, dann werden Sie auch die Möglichkeit haben, zu begreifen, daß nicht nur äußere Krankheitsursachen, sondern auch äußere Schicksalsschläge vom Menschen aufgesucht werden können, welche sich der Mensch nicht als vernünftig auslegen kann, aber deren Vernunft so wirkt, daß auf tiefere Schichten des Bewußtseins gewirkt wird. - So kann es auch wohl denkbar erscheinen, daß sich der Mensch bei gewöhnlicher Überlegung nicht gerade dorthin stellen wird, wo ihn ein Blitz treffen kann. Mit dem Oberbewußtsein wird er das vermeiden. Aber es könnte in ihm ein Bewußtsein tätig sein, das viel tiefer liegt als &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
das Oberbewußtsein und das ihn gerade an die Stelle hinführt, wo ihn der Blitz treffen kann, unter einer Voraussicht, welche das Ober bewußtsein nicht hat, ein Bewußtsein, das also will, daß der Blitz ihn trifft, so daß der Mensch den Unfall geradezu aufsucht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daß durch karmische Wirkungen Unglücksfälle aufgesucht werden oder auch äußere Krankheitsursachen, das haben wir heute der Möglichkeit nach erst begriffen. Wie das im einzelnen geschieht, wie die Kräfte im Menschen wirken, welche in tieferen Bewußtseinsschichten sind, und wie es damit steht, ob unser Oberbewußtsein solche Unglücksfälle vermeiden darf, das ist wieder eine Frage, die uns auch noch beschäftigen wird. Wie wir verstehen können, daß, wenn der Mensch in eine Gegend geht, wo eine Infektion auf ihn ausgeübt werden kann, da ein Bewußtseinsgrad wirkt, der ihn dorthin getrieben hat, so müssen wir auch verstehen können, wie es sich damit verhält, daß der Mensch Einrichtungen trifft, damit solche Infektionen immer weniger wirken können, daß wir also durch hygienische Maßregeln durch das Oberbewußtsein die Dinge wieder abwenden können. Wir können auch begreifen die Möglichkeit, durch das Oberbewußtsein diese Wirkung abzulenken, und müssen sagen, daß es etwas höchst Unvernünftiges wäre, daß das Unterbewußtsein Krankheitskeime aufsuchen kann, wenn nicht auch auf der andern Seite Krankheitsursachen durch das Oberbewußtsein vermieden werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir werden sehen, daß es «vernünftig» ist, Krankheitskeime aufzusuchen, und daß es auch «vernünftig&amp;gt; ist, von dem Oberbewußtsein aus hygienische Maßregeln zu ergreifen gegen das Eindringen von Infektionsstoffen, um dadurch Krankheitsursachen zu verhindern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|132}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= SIEBENTER VORTRAG Hamburg, 22. Mai 1910 =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie haben in diesen Vorträgen schon gesehen, daß wir uns unserem Ziele stückweise nähern, indem wir aber auch mit jedem Stück, das wir weiterschreiten, tiefer in die Sache einzudringen versuchen. Wir haben zuletzt gesprochen über das Wesen von Schmerzen, die mit einem Krankheitsverlauf verbunden sind; wir haben aber auch darauf aufmerksam gemacht, wie in andern Fällen der Krankheitsverlauf - in gewisser Beziehung wenigstens - sich abspielen kann, ohne daß er begleitet ist von Schmerzerlebnissen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun müssen wir auf das Wesen des Schmerzes noch etwas genauer eingehen. Wir müssen uns noch einmal vor Augen halten, daß Schmerz eintreten kann als eine neben der Erkrankung einherlaufende Erscheinung. Denn das mußten wir ja schon aus der vorigen Betrachtung entnehmen, daß wir Krankheit und Schmerz als etwas Zusammengehöriges nicht betrachten dürfen. Wir müssen uns gegenwärtig halten, daß, wenn mit einer Krankheit Schmerz verknüpft ist, noch etwas anderes dabei im Spiele sein muß als das bloße Erkranktsein. Nun haben wir bereits darauf aufmerksam gemacht, daß bei jenem Vorgang, der beim Übergang von einer Inkarnation in die andere sich abspielt, wo Erlebnisse früherer Inkarnationen in Krankheitsursachen umgewandelt werden, daß da auf der einen Seite das luziferische Prinzip und auf der andern Seite das ahrimanische Prinzip mit hineinspielt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wodurch legt sich denn eigentlich der Mensch den Grund zu Krankheitsprozessen? Warum nimmt er in sich die Tendenz auf, krank zu sein? Was führt ihn dazu, zwischen Tod und neuer Geburt - wir haben ja charakterisiert, wie das die Zeit ist, welche die die Krankheit bewirkenden Kräfte zusammenbringt - solche Kräfte vorzubereiten, welche sich im nächsten Leben in der Krankheit ausleben? - Was den Menschen dazu bringt, ist, daß er auf der einen Seite verfallen kann der Versuchung der luziferischen Macht, und auf der andern Seite der Versuchung der ahrimanischen Macht. Wir wissen ja auch schon, was es heißt: Verfallen der luziferischen Macht. - Alles, was in uns wirkt als &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|133}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Begierde, als Eigenschaft der Selbstsucht, des Ehrgeizes, des Hochmutes, der Eitelkeit&amp;gt; alle Eigenschaften, welche zusammenhängen mit einer Art Aufspreizung unseres Ich, sich besonders geltend zu machen, das alles hängt zusammen mit der Versuchung der luziferischen Mächte in uns. Verfallen wir mit andern Worten den Kräften, die in unserem astralischen Leibe wirken und die sich darin ausdrücken, daß wir ego istische Begierden und Leidenschaften haben, dann begehen wir in der entsprechenden Inkarnation Handlungen, zu denen die Verführung von Luzifer, ausgegangen ist. Und wir sehen dann das Resultat solcher von Luzifer beeinflußter Handlungen in der Zeit vom Tode bis zur neuen Geburt und nehmen da in uns die Tendenz auf&amp;gt; uns so zu inkarnieren, daß wir einen Krankheitsprozeß durchmachen, der dazu beitragen kann, wenn wir ihn überwinden, uns aus den Fangarmen dieser luziferischen Mächte wieder zu befreien. Würden also die luziferischen Mächte überhaupt nicht da sein, so würden wir nicht den Versuchungen verfallen können, welche uns dazu bringen, solche Kräfte in uns aufzunehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn nun nichts anderes bestünde im Leben als einzig und allein das, was Luzifer in uns bewirkt, daß wir diese oder jene egoistischen Triebe und Leidenschaften entfalten, dann würden wir eigentlich niemals von den luziferischenVersuchungen loskommen können im Leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir würden sie auch nicht durch die aufeinanderfolgenden Inkarnationen losbekommen können, denn wir würden ihnen immer wieder von neuem verfallen. Wenn wir zum Beispiel einfach in der Erdentwickelung uns selber überlassen worden wären und der luziferische Einfluß doch dagewesen wäre, so würden wir in einer Inkarnation die Versuchungen der luziferischen Mächte haben, würden dann nach dem Tode wahrnehmen, wozu sie uns gebracht haben, würden herbeiführen einen Erkrankungsprozeß; aber wenn wirklich nichts anderes mit ins Spiel käme, würde uns dieser Krankheitsprozeß in dem Leben, wo er sich auslebt, zu keiner besonderen Besserung führen. Er führt uns nur dadurch zu einer Besserung, daß von denjenigen Mächten, deren Gegner Luzifer ist, nun etwas hinzugefügt wird zu dem ganzen Prozeß.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also wenn wir auf der einen Seite den luziferischen Mächten verfallen, stellen sich gleich als eine Gegenwirkung die Mächte ein, deren Gegner &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|134}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die luziferischen Mächte sind, und diese versuchen nun eine Gegenkraft zu entfalten, wodurch der luziferische Einfluß wirklich aus uns ausgetrieben werden kann. Und diese Mächte, deren Gegner also die luziferischen Mächte sind, fügen hinzu zu dem Prozeß, der unter dem Einfluß Luzifers verursacht wird, den Schmerz. So müssen wir den Schmerz als etwas ansehen, was - wenn wir die luziferischen Mächte die bösen Mächte nennen - uns von den guten Mächten zugefügt wird, damit wir gerade durch den Schmerz uns den Fangarmen der bösen Mächte entreißen können und ihnen nicht mehr verfallen. Würde bei dem Krankheitsprozeß, der sich ergibt als eine Folge des Verfallenseins an die luziferischen Mächte, nicht Schmerz eintreten, so würden wir an uns die Erfahrung machen: Es ist ja gar nicht so schlimm, den luziferischen Mächten zu verfallen! - Und wir würden nichts haben in uns, was uns dahin bringen würde, unsere Kräfte anzuwenden, um uns den luziferischen Mächten zu entreißen. Der Schmerz, der das Bewußtwerden des unrichtig wachenden astralischen Leibes ist, er ist zugleich auch das, was uns davon abbringen kann, den luziferischen Mächten auf diesem Gebiet, wo wir ihnen schon verfallen sind, immer weiter zu verfallen. So wird der Schmerz in bezug auf die Versuchungen der luziferischen Mächte unser Erzieher.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sagen Sie nun nicht: Wie kann der Schmerz unser Erzieher sein, wenn wir in uns den Schmerz nur empfinden und seiner wohltätigen Kraft gar nicht gewahr werden? Daß wir seiner wohltätigen Kraft nicht gewahr werden, ist nur eine Folge unseres Ich-Bewußtseins. In dem Bewußtsein&amp;gt; das ich als unter dem Ich-Bewußtsein liegend geschildert habe, spielt sich schon der Prozeß ab, wenn auch der Mensch mit dem Tagesbewußtsein nichts davon weiß: Jetzt erfahre ich Schmerz, und der ist die Folge der durch die guten Mächte mir gegebenen Beigabe zu meinen Verfehlungen! - Das ist im Unterbewußtsein eine Kraft, welche so recht als eine karmische Erfüllung, als ein Impuls wirkt, nicht mehr den Handlungen, Trieben und Begierden, die gerade diese Krankheit hervorgerufen haben, zu verfallen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So sehen wir, wie Karma wirkt,~wie wir den luziferischen Mächten verfallen und wie uns die luziferischen Mächte eine solche Krankheit bringen, die herbeigeführt wird in einer nächsten Inkarnation; und &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
wir sehen, wie wohltätige Mächte uns den Schmerz hinzufügen zu der bloßen Schädigung unserer Organe, damit wir an dem Schmerz ein unter der Oberfläche unseres Bewußtseins liegendes Erziehungsmittel haben. Deshalb können wir sagen: Überall, wo bei einer Krankheit Schmerz auftritt, da ist es eine luziferische Macht, welche diese Krankheit bewirkt hat. Es ist der Schmerz geradezu ein Kennzeichen dafür, daß wir es zu tun haben mit dem Zugrundeliegen von luziferischer Macht. - Menschen, die gerne einteilen, werden ein Bedürfnis danach haben, nun überhaupt zu unterscheiden solche Krankheiten, die rein auf luziferischem Einfluß beruhen, und solche, die rein auf ahrimanischen Einfluß zurückzuführen sind; denn bei allen theoretischen Beschäftigungen ist ja das Einteilen, das Schemenmachen das Allerbequemste, und man glaubt, dadurch sehr viel begriffen zu haben. Aber in Wirklichkeit benehmen sich die Dinge nicht so, daß man sie mit diesen bequemen Mitteln erfassen kann. Da kreuzen sie sich fortwährend und laufen ineinander. Und wir werden auch leicht begreifen können, wenn ein wirklicher Krankheitsprozeß vorliegt, daß ein Teil zurückgeführt werden kann auf luziferischen Einfluß, also auf Dinge, welche mehr in den Eigenschaften unseres astralischen Leibes zu suchen sind, und ein an- derer Teil auch zugleich auf Dinge, die in dem ahrimanischen Einfluß zu suchen sind. So darf auch niemand glauben, wenn ihm irgend etwas wehtut, das sei nur auf luziferischen Einfluß zurückzuführen. Daß er Schmerzen hat, das zeigt ihm denjenigen Teil der Krankheit, der auf luziferischen Einfluß zurückzuführen ist. Aber wir werden das noch leichter verstehen, wenn wir uns fragen: Woher kommt denn der ahrimanische Einfluß?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dem ahrimanischen Einfluß wären die Menschen überhaupt nicht verfallen, wenn sie nicht zuerst dem luziferischen Einfluß verfallen wären. Dadurch, daß die Menschen den luziferischen Einfluß in sich aufnahmen,kam eine solcheVerbindung der vier menschlichen Glieder: physischer Leib, Ätherleib, astralischer Leib und Ich zustande, wie sie nicht zustande gekommen wäre, wenn Luzifer nicht gewirkt hätte und wenn nur die Mächte gewirkt hätten, deren Gegner Luzifer ist. Dann hätte sich der Mensch anders entwickelt. Also hat in bezug auf das menschliche Innere das luziferische Prinzip eine Störung hervorgerufen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Aber es hängt vom menschlichen Inneren ab, wie der Mensch die Außenwelt an sich herantreten läßt. Und gerade so, wie Sie mit einem Auge, in welchem etwas zerstört ist, wegen des inneren Fehlers die Außenwelt nicht richtig sehen, so bekommt der Mensch die Außenwelt durch den luziferischen Einfluß überhaupt nicht so zu sehen, wie sie ist. Und weil ein Grund gegeben war für den Menschen, die Außenwelt nicht so zu sehen, wie sie ist, so konnte sich in das nicht richtige Bild der Außenwelt der ahrimanische Einfluß hineindrängen, so daß das Herankommen Ahrimans an den Menschen nur dadurch hat geschehen können, daß erst der luziferische Einfluß gewirkt hatte. Der ahrimanische Einfiuß bewirkte, daß der Mensch nicht nur den egoistischen Leidenschaften, Trieben, Begierden, der Eitelkeit, dem Hochmut und so weiter verfallen kann, sondern daß jetzt in einem menschlichen Organismus, wo der Egoismus in solcher Weise wirkte, sich Organe aus- bildeten, welche die Außenwelt schief und unrichtig sehen mußten. Dadurch konnte sich in die unrichtigen Bilder der Außenwelt Ahriman mischen. Es kam Ahriman heran, und dadurch war der Mensch dem anderen Einflusse ausgesetzt, so daß er nicht nur den inneren Verlockungen verfallen kann, sondern auch in Irrtum und - bei der Beurteilung der Außenwelt und bei seinen Aussagen über die Außenwelt - in Lüge verfallen kann. So ist Ahriman zwar von außen wirkend, aber wir haben ihm erst die Möglichkeit gegeben, daß er an uns herankommen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So also stehen ahrimanischer und luziferischer Einfluß eigentlich nie für sich allein. Sie wirken immer aufeinander, halten sich in gewisser Weise das Gleichgewicht. Von innen drängt Luzifer heraus, von außen wirkt Ahriman herein, und dazwischen bildet sich das Weltenbild. Wenn in irgendeiner Inkarnation das Innere des Menschen stärker wird, wenn er mehr den inneren Einflüssen ausgesetzt ist, dann wird er für die Dinge, wo das Innere so wirkt, daß der Mensch mehr erfaßt wird von Hochmut, Eitelkeit und so weiter, sich mehr dem luziferischen Einfluß hingeben. In einer Inkarnation, wo der Mensch weniger durch sein Gesamtkarma dazu gestimmt ist, den inneren Einflüssen nachzugeben, wird er leichter den Irrtümern und den Verführungen des Ahriman verfallen können. So ist es in der Tat in unserem Leben. Wie wir &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
täglich durch das Leben gehen, fallen wir bald mehr den Verlockungen des Luzifer, bald mehr den Verlockungen des Ahriman zum Opfer. Und wir pendeln hin und her zwischen diesen beiden, die uns auf der einen Seite dazu führen, uns in unserem Inneren aufzublähen, auf der andern Seite dazu, uns über die äußere Welt Illusionen vorzumachen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es darf an dieser Stelle erwähnt werden - weil es außerordentlich wichtig ist -&amp;gt; daß den Verlockungen von beiden Seiten insbesondere derjenige Widerstand leisten muß, welcher versucht, eine höhere Entwickelung anzustreben und in die geistige Welt einzudringen, sei esdadurch, daß er hinter die Erscheinungen der Außenwelt bis in das Geistige eindringen will oder daß er in das eigene Innere mystisch hinuntersteigen will. Beim Eindringen in die geistige Außenwelt, die hinter der physischen Welt liegt, steht immer das, was Ahriman an täuschenden Bildern vorgaukelt; wenn der Mensch mystisch hinuntersteigen will in die eigene Seele, sind immer die Verlockungen Luzifers in besonderem Maße möglich. Wenn der Mensch Mystiker wird und mit Glück hinunterstrebt, ohne daß er vorher darauf gesehen hat, durch seine Charakterbildung Gegenmittel zu ergreifen gegen Hochmut, Eitelkeit und dergleichen, wenn es ihm gelingt, als Mystiker zu leben, aber ohne besondere moralische Kultur, dann kann er um so mehr den Verlockungen Luzifers verfallen, der von innen herauf in die Seele hinein- wirkt. Wenn daher der Mystiker nicht sehr gesehen hat auf seine moralische Kultur, dann kann er, wenn es ihm gelingt, ein wenig hineinzudringen in sein Inneres, in die große Gefahr kommen, daß er noch stärker, als das bisher der Fall war, die rückschlagende Kraft des luziferischen Einflusses aufruft und daß er noch eitler und hochmütiger wird als vorher. Deshalb ist es so notwendig, daß man vorher durch Charakterbildung dafür sorgt, daß man gegen die in allen Fällen an uns herantretenden Verlockungen der Eitelkeit, des Größenwahnes, des Hochmutes ein Gegenmittel hat. Und wir können nicht genug darin tun, uns gerade diejenigen Eigenschaften anzueignen, welche zur Bescheidenheit und zur Demut führen. Das ist im eminenten Maße notwendig für die Seite unserer höheren Entwickelung, die wir die mysti sche nennen. Auf der andern Seite ist es notwendig, daß sich der Mensch auch gegen die Wahngebilde des Ahriman schützt, wenn er versucht, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
durch eine Entwickelung, die hinter die Erscheinungen der Außenwelt führt, bis zu den geistigen Urgründen der Dinge zu kommen. Wenn er da nicht versucht, eine Charakterbildung zu erlangen, welche ihn innerlich stark und kräftig macht, die ihn fest gebaut sein läßt auf sein Inneres, dann wird es sehr leicht vorkommen können, daß der betreffende Mensch - und zwar gerade, wenn er Glück hat mit dem Hinausgehen in die geistige Welt - dem Ahriman verfällt, daß Ahriman ihm vorgaukelt Illusion über Illusion, Halluzination über Halluzination.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man kommt häufig in den Fall, daß einen die Menschen in gewisser Beziehung «beim Wort nehmen». Weil so oft betont wird, daß die höhere Entwickelung, die hinter die Erscheinungen der Außenwelt kommen will, verknüpft sein muß mit vollem Bewußtsein, kommt es vor, daß einem die Leute immer wieder halb somnambule Personen bringen, welche versichern: Ja, da nehme ich die geistige Welt wahr, und zwar bei vollem Bewußtsein! - Da kann man immer nur sagen: Wenn du nur nicht bei Bewußtsein sein möchtest; das wäre viel gescheiter! - Denn über dieses «Bewußtsein» täuschen sich die Leute. Es ist ein bloßes Bilderbewußtsein, ein astralisches Bewußtsein; denn wenn diese Personen nicht in einem unterbewußten Grade bewußt wären, würden sie das ja nicht wahrnehmen. Aber darum handelt es sich, daß man, wenn man in die geistige Welt hineingeht, sein Ich-Bewußtsein zusammenhält. An das Ich-Bewußtsein aber ist gebunden Urteilskraft und ein deutliches Unterscheidungsvermögen! Das haben dann die Menschen nicht für die Gestalten, welche sie in der geistigen Welt sehen. Daß sie ein Bewußtsein haben, ist nicht weiter wunderbar; aber jenes Bewußtsein, das mit der Kultur unseres Ich verknüpft ist, das müssen wir haben. Daher wird nicht etwa betont bei einer Entwickelung zum Schauen der höheren Welten, daß die Menschen so schnell wie möglich hineinkommen in eine höhere Welt und allerlei Gestalten sehen oder vielleicht auch allerlei Stimmen hören, sondern es wird betont, daß das Hineingehen in die geistige Welt von Glück und von Vorteil nur dann sein kann, wenn man das Bewußtsein und das Unterscheidungsvermögen und die Urteilskraft schärft. Und das kann nicht besser geschehen als durch das Studium der geisteswissenschaftlichen Wahrheiten. Daher wird betont, daß das Sich-Befassen mit geisteswissenschaftlichen Wahr- &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
heiten ein Schutz ist gegen das vermeintliche Sehen von allerlei Gestalten, über das keine Urteilskraft sich ausbreiten kann. Wer wirklich geschult ist in dieser Weise, der wird nicht jede beliebige Erscheinung für dies oder jenes halten, sondern er wird vor allen Dingen unterscheiden können zwischen Realität und Nebelbild, und er wird sich vor allen Dingen auch klar sein, daß man namentlich auch mit den Dingen, welche als Gehörswahrnehmungen auftreten, besonders vorsichtig sein muß, weil nie eine Gehörswahrnehmung eine richtige sein kann, wenn der Betreffende nicht durchgegangen ist durch die Sphäre der absoluten Ruhe. Und wer nicht zuerst die absolute Stille und Lautlosigkeit der geistigen Welt erfahren hat, der kann sich ganz gewiß sagen, daß es Trugbilder sind, die er wahrnimmt, und wenn sie ihm etwas noch so Gescheites sagen. Nur wer sich Mühe gegeben hat, seine Urteilskraft zu schärfen gerade dadurch, daß er zu begreifen versucht die Wahrheiten der höheren Welten, nur der kann sich gegen Trugbilder schützen. Die Mittel der äußeren Wissenschaft reichen dazu nicht aus. Die äußere Wissenschaft gibt keine so scharfe, stärkende Urteilskraft, wie sie notwendig ist, um in einer geistigen Welt wirklich zu unterscheiden. Darum kann man wirklich sagen: Wenn Leute etwas mitteilen aus höheren Welten, die nicht vorher sorgfältig darauf geachtet haben, ihre Urteils- kraft zu schärfen - was besonders durch das Studium der Geisteswissenschaft möglich ist -, dann sind solche Mitteilungen immer im höchsten Grade anfechtbar, und sie müßten mindestens immer erst kontrolliert werden durch diejenigen Methoden, die unter der Voraussetzung der wirklichen Schulung errungen sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt nur eine Macht, vor der sich Luzifer zurückzieht: das ist die Moralität. Das ist etwas, was den Luzifer brennt wie das furchtbarste Feuer. Und es gibt kein anderes Mittel, welches dem Ahriman entgegenwlrkt, als an der Geisteswissenschaft geschulte Urteilskraft und Unterscheidungsvermögen. Denn was wir uns auf der Erde als gesunde Urteilskraft aneignen, das ist etwas, was Ahriman furchtbar flieht. Er hat im Grunde vor nichts einen so großen Widerwillen als vor dem, was wir uns durch eine gesunde Schulung unseres Ich-Bewußtseins erringen. Denn wir werden sehen, daß Ahriman einer ganz andern Region angehört, die weit entfernt ist von dem, was wir als unsere gesunde Urteilskraft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
entwickeln. Im Augenblick, wo Ahriman mit dem zusammen- trifft, was wir uns im Erdendasein als gesunde Urteilskraft errungen haben, bekommt er einen furchtbaren Schreck, denn das ist etwas ganz Unbekanntes für ihn, davor hat er eine große Furcht. Je mehr wir uns daher bemühen, das auszubilden, was im Leben zwischen Geburt und Tod an gesunderUrteilskraft gegeben werden kann, desto mehr arbeiten wir Ahriman entgegen. Das zeigt sich besonders bei allerlei Persönlichkeiten, welche einem gebracht werden und die dann «das Blaue vom Himmel herunter» von all den geistigen Welten erzählen, die sie da gesehen haben. Und wenn man dann den allergeringsten Versuch macht, diesen Persönlichkeiten etwas klarzumachen, ihnen Verständnis und Unterscheidungsvermögen beizubringen, dann hat sie Ahriman gewöhnlich so sehr in der Gewalt, daß sie kaum darauf eingehen können; und das wird um so stärker, je mehr sich die Verlockungen Ahrimans nach der akustischen Seite hin ausdrücken. Gegen das, was sich in visionären Bildern zeigt&amp;gt; gibt es noch mehr Mittel als gegen das, was akustisch sich zeigt, wie gehörte Stimmen und so weiter. Solche Leute haben eine große Abneigung, etwas zu lernen, was für das Ich-Bewußtsein zwischen Geburt und Tod errungen werden muß. Sie mögen es nicht. Aber sie selber sind das nicht, die das nicht mögen. Es sind die ahrimanischen Mächte, welche sie davon wegzerren. Wenn man einen solchen Menschen dann aber so weit bringt, gesunde Urteilskraft zu entwickeln, und er darauf eingeht, Belehrungen anzunehmen, dann zeigt sich sehr bald folgendes. Dann hören die Stimmen und die Halluzinationen auf, weil sie vorher nur ahrimanische Nebelbilder waren und weil Ahriman eine furchtbare Angst bekommt, sobald er verspürI: Da, vom Menschen her, kommt eine gesunde Uiteilskraft!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So ist in der Tat das beste Mittel gegen diese den Menschen besonders schädigenden Erkrankungen des durch Ahriman bewirkten Sehens und halluzinatorischen Hörens dies: den Menschen mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln dazu zu bringen, sich eine gesunde und vernünftige Urteilskraft zu erringen. Das ist für manche Persönlichkeiten außerordentlich schwierig. Denn sie sind in dem Falle, daß es die andere Macht ihnen sehr bequem macht, diese andere Macht leitet sie. Wer aber diese Macht austreiben will, kann es sich nicht so bequem machen. Bei &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|141}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
solchen Persönlichkeiten kommt man dann recht schwer an, denn sie behaupten, man hätte ihnen das genommen, was sie früher in die geistige Welt hinaufgeführt hat, während man sie in Wahrheit gesund gemacht hat und davor bewahrt hat, daß diese Mächte immer mehr und mehr Gewalt über sie bekommen!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir sehen also, wovor die luziferischen und ahrimanischen Mächte einen recht großen Widerwillen haben. Demut, Bescheidenheit beim Menschen, sich nicht für mehr halten, als wozu ein gesundes Urteil berechtigt, das ist etwas, was dem Luzifer gar nicht gefällt. Dagegen ist er da wie die Fliegen in einer unreinen Stube, wenn irgendwo die Eigen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
schaften des Ehrgeizes, der Eitelkeit heraus wollen. Alles dies und besonders die Dinge, welche auf falschen Vorstellungen über sich selbst beruhen, wirken nun wieder dahin, daß wir uns auch für Ahriman bereit machen. Gegen Ahriman schützt aber nichts mehr, als wenn wir uns wirklich im Leben Mühe geben, gesund zu denken, wie es uns das Leben zwischen Geburt und Tod lehrt. Und gerade diejenigen, welche auf dem Boden der Geisteswissenschaft stehen, haben alle Veranlassung, so intensiv, als es nur möglich ist, immer wieder zu betonen, daß es uns als Erdenmenschen nicht geziemt, zu übersehen, was uns gerade durch das Erdenleben gegeben werden soll. Die Menschen, welche es verschmähen, sich ein gesundes Urteil und vernünftiges Unterscheidungsvermögen anzueignen, und leicht ohne dieses hinauf wollen in eine geistige Welt, sie wollen sich im Grunde genommen dem Erdenleben entziehen. Sie wollen so hinschweben über das Erdenleben; sie finden, daß es eigentlich für sie eine viel zu geringe Beschäftigung ist, sich mit allerlei Dingen abzugeben, die zum Verständnis des Erdenlebens führen können. Sie halten sich für etwas Besseres. Gerade eine solche Empfindung ist aber ein neuer Grund zum Hochmut. Daher können wir es immer wieder sehen, daß Persönlichkeiten, die zur Schwärmerei neigen, zu einem Nicht-berührtsein-Wollen von den Erdendingen und dem Erdenleben, es ablehnen, zu lernen, «weil sie ja schon in allem darinnenstehen&amp;gt; und nicht Gemeinschaft machen wollen mit einer solchen Strömung wie der unserigen. Solche Menschen sagen: In die geistige Welt muß ja die Menschheit hinein!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gewiß, aber es gibt nur einen gesunden Paß da hinein, und das ist&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|142}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die auf der Erde errungene Moralität im höheren Sinne, die uns nicht uns selbst überschätzen läßt, die uns nicht zu einem falschen Urteil über uns selbst führt, uns auch nicht abhängig sein läßt von unseren Trieben, Begierden und Leidenschaften; und auf der andern Seite ist es ein emsiges, gesundes Mitarbeiten mit den Verhältnissen des Erdenlebens, nicht ein Über-den-Verhältnissen-des-Erdenlebens-schweben-Wollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit haben wir aus den Tiefen des Karma etwas herausgeholt, was mit den Tiefen des geistigen Lebens zusammenhängt. Von großem Wert kann das sein. Aber nichts ist von Wert für die Entwickelung des Menschen und seiner Individualität, was ohne gesunde Vernunft aus der geistigen Welt herausgeholt wird; und von Wert ist auch das nicht, was ohne Moralität herausgeholt wird. Das kann man einsehen aus den Tatsachen, die das letzte Mal und heute dargestellt worden sind. Und wenn wir das einsehen, können wir uns sagen: Warum sollte der luziferische Einfluß, gerade weil er von früher her wirkt und sich umgewandelt hat in die Krankheit und ausgeglichen wird durch den Schmerz, warum sollte er nicht beim Menschen gleichsam nach sich ziehen den ahrimanischen Einfluß? Und warum sollte nicht bei dem, was uns Schmerz bereitet und uns den luziferischen Verlauf einer Krankheit anzeigt, mitspielen gerade als Folge des luziferischen Einflusses der ahrimanische Einfluß? Wie aber wirkt der ahrimanische Einfluß? Und wie wandeln sich die Verlockungen des Ahriman in Krankheitsursachen um? Wie tritt das auf in einer späteren Inkarnation?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was ahrimanischem Einfluß zuzuschreiben ist, das ist mittelbar doch auf Luzifer zurückzuführen; aber wenn der luziferische Einfluß so stark war, daß er den ahrimanischen Einfluß herausgefordert hat, dann ist der ahrimanische Einfluß der heimtückischere. Er liegt tiefer unten, nicht nur in den Verfehlungen des astralischen Leibes, sondern in den Verfehlungen des Ätherleibes. In einem Bewußtsein, das unter dem Schmerzbewußtsein liegt, tritt der ahrimanische Einfluß auf mit einer Schädigung, welche nicht von Schmerz begleitet zu werden braucht, mit einer solcben Schädigung, die in dem betreffenden Organe, wo sich die Schädigung ausdrückt, zu einem Unbrauchbarwerden dieses Organs führt. - Nehmen wir an, in einer Inkarnation hätte ein ahrimanischer Einfluß gewirkt und hätte das hervorgerufen, was eben ein ahrimani&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|143}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
scher Einfiuß hervorrufen kann. Der Mensch durchlebt nun die Zeit zwischen Tod und neuer Geburt - und tritt wieder auf in einer neuen Inkarnation. Dann zeigt sich, daß irgendein Organ ergriffen ist von der ahrimanischenWirkung, mit andern Worten: In diesem Organ sitzt der Ätherleib viel tiefer darinnen, als er darinsitzen sollte; das Organ ist viel stärker durchdrungen von dem Ätherleib, als es sein sollte. In solchem Falle wird der Mensch wegen des fehlerhaften Organs verleitet, sich nur noch mehr in den Irrtum - das, was Ahriman vollbringt in der Welt - zu verstricken. Mit dem Organ, welches dem ahrimanischen Einfluß seine Schädigung verdankt, in das sich so recht tief hineinversetzt hat der Atherleib, würde der Mensch, wenn er diesen ganzen Prozeß ausleben wollte, sich tiefer in das verstricken, was Ahriman bewirken kann: in die Maja. Da nun aber alles das, was die Außenwelt als Maja erzeugt, nicht mitgenommen werden kann in die geistige Welt, so entzieht sich uns die geistige Welt immer mehr. Denn dort gibt es nur Wahrheit, nicht Illusion! Je mehr wir also in die durch Ahriman bewirkte Illusion hineinverstrickt werden, desto mehr werden wir gerade dazu gedrängt, uns noch viel mehr in die sinnlich-äußere Welt, in die Illusion des Physisch-Sinnlichen hineinzuversetzen, als wir es ohne ein solches schadhaftes Organ tun würden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da aber tritt die gegensätzliche Wirkung ebenso auf, wie die gegensätzliche Wirkung im Schmerz bei dem luziferischen Einfluß auftritt. Da tritt die gegensätzliche Wirkung nun so auf, daß in dem Augenblick, wo die Gefahr vorhanden ist, daß wir uns zu sehr an die physisch- sinnliche Welt ketten und uns dadurch zu viel rauben von dem, was uns hinaufführen könnte in die geistige Welt, daß in diesem Augenblick das Organ zerstört wird, daß es entweder gelähmt oder zu schwach gemacht wird zum Wirken. Es tritt also ein Zerstörungsprozeß ein. - Sehen wir also, daß ein Organ zerstört wird, so müssen wir uns klar seIn, daß wir dies eigentlich wohltätigen Mächten verdanken müssen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
das Organ wird uns genommen, damit wir wieder den Rückweg finden in die geistige Welt. So ist es in der Tat, daß uns - wenn es nicht anders geht - durch gewisse Mächte Organe zerstört werden oder daß wir mit kranken Organen ausgerüstet werden, damit wir nicht zu tief in die Illusion hineingestoßen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|144}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn also jemand zum Beispiel eine Leberkrankheit hat, die als solche nicht von schmerzlichen Erlebnissen begleitet ist, so haben wir es zu tun mit der Wirkung eines vorhergehenden ahrimanischen Einflusses, der dazu geführt hat, der Leber die betreffende Schädigung zuzufügen, weil wir sonst durch die Kräfte, welche verbunden sind mit dem Tieferhineingehen des Ätherleibes, zu sehr in Maja hineingeführt würden, wenn uns dieses Organ nicht genommen würde. Sagen und Mythen haben immer die tiefste Weisheit gewußt und haben sie in sich ausgedrückt. Gerade die Leber ist ein gutes Beispiel dafür. Denn sie ist ein Organ, das am leichtesten für das Hineingleiten des Menschen in die physisch-illusorische Welt wirksam sein kann. Und die Leber ist zugleich das Organ, das uns eigentlich an die Erde kettet. Mit dieser Wahrheit hängt zusammen, daß bei derjenigen Wesenheit, welche den Menschen der Sage nach die Kraft gebracht hat, die sie in das Erdenleben hineinführen und dort recht wirksam machen soll - nämlich bei Prometheus -, gerade an der Leber ein Geier nagt. Ein Geier nagt an der Leber, nicht etwa darum, weil das dem Prometheus einen besonders tiefen Schmerz verursachen soll; denn in diesem Falle würde die Sage nicht stimmen mit den wirklichen Tatsachen. Aber Sagen stimmen immer überein mit den physiologischen Tatsachen! Der Geier nagt an der Leber, weil es nicht wehtut! Denn es sollte darauf hingewiesen werden, daß Prometheus der Menschheit etwas brachte, was sie tiefer hineinverstricken könnte in das Ahrimanische,wenn nicht die gegenteilige, ausgleichende Wirkung geschehen könnte. Okkulte Urkunden sind Immer im Einklang mit den Wahrheiten, welche wir in der Geisteswissenschaft verkünden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich habe Ihnen heute rein aus der Sache heraus gezeigt, daß es die guten Mächte sind, welche über den Menschen den Schmerz verhängen gegenüber dem Einfluß Luzifers. Bringen Sie das einmal in Zusammenhang mit der Urkunde des AltenTestamentes. Als der Einfluß des Luzifer geschehen war, wie er uns symbolisiert wird durch die Schl,ange, welche die Eva verführt, mußte also von den Gegnern des Luzifer gerade über das, wozu Luzifer die Menschen bringen wollte, der Schmerz verhängt werden. Es mußte die Macht, deren Gegner Luzifer ist, jetzt kommen und davon sprechen, daß von nun an Schmerz über die Menschheit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|145}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gebracht wird. Das tut Jahve oder Jehovah, indem er sagt: «Unter Schmerzen sollst du Kinder gebären!»&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Dinge in den okkulten Urkunden weiß man in der Regel nicht zu deuten, solange man die geisteswissenschaftlichen Erklärungen als solche noch nicht hat. Nachher kommt man dann darauf, wie tief diese Urkunden sind. Daher können Sie auch von mir nicht verlangen, daß ich Ihnen aus dem Nichts heraus - ohne die entsprechenden Voraus setzungen - die Dinge ohne weiteres erklären kann. Damit es überhaupt möglich ist, über die Stelle zu sprechen: «Unter Schmerzen sollst du Kinder gebären!», müssen vorausgehen die Betrachtungen über das Karma; denn erst an der betreffenden Stelle kann man die Erklärung darüber einfügen. Daher nutzt es auch nicht viel, wenn man dieses oder jenes erklärt haben will aus den okkulten Urkunden, bevor man die betreffende Stelle in der okkulten Entwickelung erreicht hat. Und es ist immer eine mißliche Sache, zu fragen: Was bedeutet dies? Was bedeutet jenes? - Der Mensch muß immer warten und Geduld haben, bis die betreffende Stelle herangekommen ist; mit den Erklärungen allein würde man nichts erreichen. So sehen wir in unser Leben hineinwirken auf der einen Seite die iuziferischen Mächte, auf der andern Seite diejenigen Mächte, deren Gegner Luzifer ist. Dann wirken die ahrimanischen Mächte in unser Leben hinein, und wir müssen uns klarmachen, daß die Mächte, welche uns Organe unbrauchbar machen, wenn wir dem ahrimanischen Einfluß verfallen, zu den guten Mächten zu rechnen sind, deren Gegner eben Ahriman ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn Sie Ihren Ausgangspunkt nehmen von all dem, was jetzt gesagt worden ist, werden Sie tief hineinschauen können in das komplizierte Getriebe der Menschennatur, und Sie werden dazu kommen können, sich zu sagen: Die luziferischen Mächte sind solche, die während der alten Mondenzeit zurückgeblieben sind; sie wirken heute in unserer Erdentwickelung mit denjenigen Kräften in das menschliche Leben hinein, die eigentlich Mondenkräfte sind, die sich in demjenigen Welten plan, der zum Beispiel nur jenen Mächten entspricht, deren Gegner Luzifer ist, gar nicht innerhalb unserer Erdentwickelung abspielen können. So wirkt Luzifer hinein in den Plan einer anderen Wesenheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|146}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir können aber nun zurückgehen zu weiter zurückliegenden Epochen der Entwickelung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir auf der einen Seite sehen, daß auf dem Monde Wesenheiten zurückblieben in ihrer Entwickelung, um auf der Erde einzugreifen in das menschliche Leben, dann kann uns erklärlich erscheinen, daß auch auf der alten Sonne Wesen zurückgeblieben sind, die dann auf dem Mond eine ähnliche Rolle gespielt haben wie die luziferischen Wesenheiten jetzt auf der Erde. Wir haben heute in der menschlichen Wesenheit etwas, was wir eigentlich als einen Kampf bezeichnen können: der Kampf, der sich abspielt zwischen den luziferischen Gewalten, welche sich in unseren astralischen Leib hineinsetzen, und denjenigen Mächten, die durch unser Ich, durch unsere Erdenerrungenschaften auf uns wirken. Denn die Mächte, deren Gegner Luzifer ist, können ja nur durch unser Ich auf uns wirken. Wenn wIr uns Klarheit und richtige Schätzung über uns selbst aneignen, so können wir das nur mit Hilfe derjenigen Mächte, die auf unser Ich wirken. Dazu müssen wir schon unser Ich anwenden. Deshalb können wir sagen: Indem sich unser Ich aufbäumt gegen die luziferischen Mächte, kämpft in uns Jahve oder Jehovah gegen Luzifer; da kämpft das, was den guten Weltenplan besorgt, gegen das, was sich auflehnt gegen diesen Weltenplan In seiner alleinigen Geltung, und wir sind mit unserem innerstenWesen darinnenstehend in diesem Kampf des Luzifer mit andern Wesenheiten. Wir sind selbst der Schauplatz dieses Kampfes. Und daß wir der Schauplatz dieses Kampfes sind, das zieht uns in Karma hinein - aber nur mittelbar dadurch, daß dieser Kampf mit dem Luzifer sich abspielt. Wenn wir dagegen den Blick nach außen richten, werden wir in die ahrimanischen Mächte hineingezogen. Da spielt sich etwas ab, was von draußen kommt, und hier kommt Ahriman in uns herein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun wissen wir, daß Wesenheiten auf dem alten Monde gelebt haben, die in ähnlicher Weise damals ihre Menschheitsstufe durchgemacht haben, wie wir sie Im Laufe der Erdentwickelung durchmachen. In der «Akasha-Chronik» und in der «Geheimwissenschaft» finden Sie diese Wesen bezeichnet als Engel, Angeloi, Dhyanis; auf den Namen kommt es nicht an. Im Inneren dieser Wesenheiten spielte sich damals aber ein ähnlicher Kampf ab wie der luziferische Kampf in unserer &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|147}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
eigenenWesenheit. DieseWesen waren auf dem alten Monde der Schauplatz eines Kampfes, der sich abspielte durch jene Wesenheiten, welche wieder auf der Sonne zurückgeblieben waren. Dieser Kampf auf dem Monde hat mit unserem inneren Ich nichts zu tun, denn auf dem Monde hatten wir unser Ich noch nicht. Er steht außerhalb dessen, woran unser Ich beteiligt sein kann, er hat sich auf dem alten Monde «in der Brust der Engel» abgespielt. Dadurch sind diese Wesenheiten damals etwas geworden, was sie nur werden konnten unter dem Einfluß von andern Wesenheiten, die zurückgeblieben waren gegenüber der normalen Sonnenentwickelung und die damals für die Angeloi dieselbe Rolle spielten, wie sie die luziferischen Wesenheiten heute für uns spielen. Und das waren die ahrimanischen Wesenheiten, welche während der Sonnenentwickelung ebenso zurückgeblieben sind wie die luziferischen Wesenheiten während der Mondentwickelung. Daher können wir zu diesen Wesenheiten auch nur mittelbar kommen. Ahriman war es aber, der sozusagen der Versucher in der Brust der Angeloi war, und er wirkte in ihnen. Durch ihn sind die Angeloi das geworden, was sie dann geworden sind, und sie haben das, was sie durch Ahriman geworden sind, ebenso herübergebracht wie das&amp;gt; was sie im Guten erreicht haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir haben als Gutes von Luzifer die Möglichkeit, zwischen Gut und Böse zu unterscheiden, freies Entscheidungsvermögen zu entwickeln, freien Willen zu erringen. Das ist für uns nur durch Luzifer zu erreichen. DieseWesenheiten aber haben etwas erreicht und mit hinübergenommen in das Erdendasein,wovon wir sagen können: Wie uns die Angeloi jetzt umgeben als Geistwesen, so haben sie sich zu ihrem jetzigen Sein vorbereitet durch den ahrimanischen Kampf in ihrer Seele zur Zeit der alten Mondentwickelung. Was diese Wesenheiten durchgemacht haben und was sie als Wirkungen in sich haben von dem, was sie durchgemacht haben, das geht uns in unserem innersten Ich nichts an, daran sind wir mit unserem Ich nicht beteiligt. - Wir werden sehen, wie wir mittelbar dazu kommen, weil ja der ahrimanische Einfluß doch wieder in uns hereinwirkt. - Was diese Wesenheiten sich unter dem Einflusse Ahrimans errungen haben, das sind gewisse Wirkungen, zu denen sie die Ursachen während ihres Mondendaseins aufgenommen haben. Während desMondendaseins nahmen dieseWesenheiten durch den ahrimanischen &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|148}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einfluß in sich etwas auf, was sie hineingetragen haben in unser Erden- dasein. Versuchen wir einmal, in unserem Erdendasein das aufzufinden, was uns erscheinen kann als eine solche Wirkung des damaligen ahrimanischen Kampfes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn dieser ahrimanische Kampf auf dem alten Monde nicht stattgefunden hätte, so könnten diese Wesenheiten nicht in unser Erden- dasein hineintragen, was dem alten Mondendasein angehört hat. Denn das würde aufgehört haben, nachdem der alte Mond zugrunde gegangen war. Dadurch, daß die Angeloi den ahrimanischen Einfluß aufgenommen haben, sind sie verstrickt worden in das Mondendasein, geradeso wie wir verstrickt werden durch den luziferischen Einfluß in das Erden- dasein. Sie haben das, was Mondelement ist, in ihr Innerstes aufgenommen und haben es hinübergebracht in unser Erdendasein. Dadurch sind sie imstande geworden, gerade dasjenige in unserem Erdendasein hervorzurufen, was hervorgerufen werden muß, damit unsere Erde nicht ganz dem Einfluß Luzifers verfällt. Unsere Erde würde im ganzen dem Einflusse Luzifers verfallen müssen, wenn diese Tatsache, welche dem Kampfe der Engel mit Ahriman auf dem Monde entspricht, nicht in unser Erdendasein hineingebracht worden wäre.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Welches sind denn die Vorgänge im Erdendasein, die wir als die normalen bezeichnen? Als sich unser jetziges Sonnensystem entsprechend dem Erdenziele geordnet hat, ist das aufgetreten, was wir als die regelmäßigen Bewegungen der Sonne, der Erde und der andern Planeten sehen und was bewirkte, daß,wirTag und Nacht haben, daß die Jahreszeiten in der regelmäßigen Weise aufeinanderfolgen, daß wir Sonnenschein und Regen haben, daß unsere Früchte auf den Feldern gedeihen und so weiter. Das sind Ordnungen, die sich immer wiederholen nach dem Rhythmus des Kosmos, der sich für das jetzige Erdendasein herausgebildet hat, nachdem das Mondendasein in die Dämmerung hinuntergestiegen ist. Aber innerhalb des Erdendaseins wirkt Luzifer. Und wir werden sehen, daß er noch viel mehr wirkt als nur in dem Gebiet, wo wir ihn schon verfolgen konnten, in dem Menschen selbst, wo er sich allerdings seinen wichtigsten Schauplatz ausgesucht hat. Aber selbst wenn Luzifer nur innerhalb des Erdendaseins vorhanden wäre, und schon durch alle die Ordnungen, welche eintreten durch den regelmäßi&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|149}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gen Gang der Planeten um die Sonne, durch den Wechsel von Sommer und Winter, Regen und Sonnenschein und so weiter, würden die Menschen in das verfallen, was wir nennen können «luziferische Verführung&amp;gt;. Wenn den Menschen alles das zukommen würde, was ihnen aus dem geordneten Kosmos zukommen kann,was die regelmäßigen, rhythmischen Bewegungen des Sonnensystems hervorbringen, wenn nur die Gesetze herrschten, welche unserem jetzigen Kosmos angemessen sind, so müßte der Mensch dem luziferischen Einfluß verfallen, müßte das Wohlleben lieber gewinnen als das, was er gewinnen soll zu seinem kosmischen Heil, müßte den regelmäßigen Gang lieber gewinnen als das, was er sich erringen soll.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daher mußten Gegenkräfte geschaffen werden. Es mußten Gegenkräfte wirken, welche dadurch zustande kamen, daß sich hineinmisch ten in die regelmäßigen kosmischen Vorgänge unseres Erdenlebens solche Vorgänge, die für den alten Mond höchst wohltätige und normale waren, die aber heute, wenn sie auf das Erdendasein wirken, abnorme sInd und den regelmäßigen Erdengang gefährden. Diese Einflüsse treten so auf, daß sie gewissermaßen zurechtrücken, was, wenn der bloße Rhythmus vorhanden wäre, als Hang zum Wohlleben, als Behaglichkeit und Üppigkeit entstehen würde; und es zeigen sich uns solche Kräfte zum Beispiel in dem, was als der heftige Hagel dahinstürmt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und wenn das, was sonst unter den regelrechten Kräften der Erde ge schaffen würde, zerstört wird, so wird in einem solchen Falle eine Korrektur geschaffen, die im ganzen wohltätig wirkt, wenn es auch der Mensch zunächst nicht einsieht, weil es eine höhere Vernünftigkeit gibt als die, welche der Mensch begreift. Wenn der Hagel hereinstürmt in die Felder, dann können wir sagen: Auf dem alten Monde waren diese Kräfte, welche im Hagel heranstürmen, segenbringende Kräfte wie heute diejenigen Kräfte, welche segenbringend im Regen und Sonnen schein wirken. Heute stürmen sie herein, damit Korrektur geschaffen wird für das, was der luziferische Einfluß sonst anrichten würde. Und wenn der regelmäßige Gang fortgeht, stürmen sie in immer heftigerer Weise herein, um noch mehr Korrektur zu schaffen. Alles, was zur regelmäßigen Fortentwickelung führt, gehört den Kräften der Erde selber an. Wenn der Vulkan seine Laven hinausschleudert, so wirken &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|150}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
darin Kräfte, welche als verspätete Kräfte vom alten Mond mit herübergebracht worden sind, damit sie Korrektur schaffen im Erden- leben. So ist es mit den Erdbeben und mit den Elementarereignissen überhaupt.Und wir können sehen,daßmanches,was von außen kommt, im Gesamtgange der Entwickelung seine vernünftige Begründung findet. Wie das mit dem menschlichen Ich-Bewußtsein zusammenhängt, das werden wir noch sehen; was unbefriedigend am heutigen Vortrag erscheint, wird sich dadurch morgen ausgleichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir müssen uns aber doch das eine klarlegen, daß diese Dinge alle nur die eine Seite des menschlichen Daseins&amp;gt; des Erdendaseins, des kosmischen Daseins überhaupt, darstellen. Und wenn wir auf der einen Seite sagen, wenn uns ein Organ zerstört wird, sind es wohltätige Wirkungen geistiger Mächte, und wenn wir heute gefunden haben, daß sogar der ganze Gang der Erdentwickelung wieder korrigiert werden muß durch Kräfte aus dem alten Mondendasein, so müssen wir jetzt fragen: Wie steht es nun damit, daß wir versuchen müssen, als Erden- menschen auf der andern Seite wieder Korrektur zu schaffen für die schädlichen Einflüsse der alten Mondenkräfte? - Wir werden ja schon ahnen, daß wir als Erdenmenschen nicht gerade herbeisehnen dürfen Vulkanausbrüche und Erdbeben, daß wir nicht selber Organe zerstören dürfen, um die segensreiche Wirkung der geistigen Mächte zu unterstützen. Aber wir werden uns auch sagen können, und das hat gewiß seIne Berechtigung: Bricht irgendwo eine Epidemie aus, so wird dadurch etwas herbeigeführt, was der Mensch geradezu sucht, damit in ihm etwas ausgeglichen wird. Und wir können annehmen, daß der Mensch hineingetrieben wird in gewisse Verhältnisse, um eine Schädigung zu erfahren, durch deren Überwindung er sich derVervollkommnung nähert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie steht es aber dann mit hygienischen und sanitären Maßregeln?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Könnte nicht jemand sagen: Also werden Epidemien sehr Gutes wirken können? Ist es dann nicht falsch, durch allerlei gesundheitsfördernde Einrichtungen, durch krankheitsvorbeugende Maßnahmen die Möglichkeit zu vermindern, daß solche Einflüsse geschehen? Es könnte jemand darauf kommen, daß man nichts tun sollte, um elementare Ereignisse abzuschwächen, und könnte es damit motivieren, daß es ganz im Sinne der heutigen und gestrigen Ausführungen liege.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|151}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir werden sehen, daß das nicht der Fall ist, aber wieder nur unter gewissen Voraussetzungen nicht der Fall ist. Wir werden nämlich jetzt erst in der richtigen Weise dazu vorbereitet sein, um bei der nächsten Betrachtung derVerhältnisse einerseits zu verstehen, wie uns wohltätige Einflüsse geradezu die Schädigung eines Organs zufügen, damit wir der Wirkung der Maja nicht verfallen, und anderseits uns jener Wirkung bewußt zu werden, die wir hervorrufen, wenn wir uns selbst der Auswirkung solcher wohltätiger Einflüsse entziehen, indem wir sanitäre und hygienische Maßnahmen gegen die Krankheiten ergreifen. - Wir werden sehen, daß wir hier an einem Punkt stehen, an dem der Mensch so häufig steht: Wenn ein scheinbarer Widerspruch auftaucht und ihn die ganze Kraft des Widerspruchs tfeibt, dann ist er nahe daran, an einen solchen Punkt zu kommen, wo die ahrimanischen Mächte einen großen Einfluß auf ihn ausüben können. Nirgends liegt die Möglichkeit so nahe, uns~i~öuschungen hinzugeben,wie jetzt,wo wir in einen solchen Engpaß hineingekommen sind. Und es ist gut, daß wir jetzt da hinein- gekommen sind; denn jetzt können wir sagen: Wohltätige Mächte sind es, welche uns ein Organ unbrauchbar machen, denn das ist eine Gegenwirkung gegen Ahriman; also müßten es jetzt die Schädlinge der Menschheit sein, welche nicht das fordern, was man nennen kann «wohltätige Gegenwirkungen gegen die ahrimanischen Mächte». Denn hygienische Maßregeln und dergleichen würden diese wohltätige Gegenwirkung einschränken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir sind in einem Engpaß. Und es ist gut, daß wir einmal in diesen Widerspruch geführt sind, damit wir darüber nachdenken, daß solche Widersprüche möglich und sogar eine gute Schulung für unseren Geist sind. Denn wenn wir gesehen haben werden, wie wir uns aus diesem Widerspruch herausretten können, dann werden wir aus uns selbst heraus etwas getan haben, was uns Kraft geben kann, um uns den Täuschungen des Ahriman zu entziehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|152}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= ACHTER VORTRAG Hamburg, 25. Mai 1910 =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir zurückdenken an den Widerspruch, den wir am Ende unserer letzten Betrachtung vor uns hin gestellt haben, so müssen wir zu seiner Lösung heute nochmals zurückblicken auf die beiden Kräfte, auf die beiden Prinzipien, die uns nun im Laufe der Zeit geradezu wie die Herausforderer und auch wieder wie die Regulatoren unseres Karma erschienen sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir haben gesehen, daß unser. Karma erst dadurch in Bewegung gebracht wird, daß wir die Einflüsse der luziferischen Gewalten auf unseren astralischen Leib erleiden, daß wir durch die Versuchung dieser Gewalten zu Gefühls-, Trieb- und Leidenschaftsäußerungen kommen, die uns in gewisser Beziehung unvollkommener machen, als wir sonst wären. Wenn nun die luziferischen Einflüsse auf uns wirken, dann fordern sie auf der andern Seite heraus die ahrimanischen Einflüsse, jene Kräfte, welche nun nicht von innen heraus, sondern von außen her auf uns wirken, die im Wechselverkehr mit der Welt durch dasjenige hindurchwirken,was uns eben von außen entgegentritt. So ist es im Grunde Ahriman, der herausgefordert wird durch Luzifer, und wir Menschen sind eigentlich so lebendig hineingestellt in den Streit dieser beiden Prinzipien. Und wir müssen im Leben versuchen, gerade dadurch vorwärtszukommen, daß wir, wenn wir einmal in die Fangarme Luzifers oder Ahrimans gekommen sind, nach Mitteln und Wegen suchen, um wieder durch Überwindung dessen, was in uns angerichtet worden ist, höher zu steigen. Ganz deutlich aber können wir sehen, wie in der Tat dieses Wechselspiel zwischen luziferischen und ahrimanischen Mächten um unsere Person herum stattfindet, wenn wir uns den Fall in einer etwas andern Form noch einmal vor Augen rücken, den wir schon das letzte Mal angeführt haben: den Fall, daß jemand ahrimanischen Einflüssen verfällt, so daß er allerlei Vorspiegelungen,Täuschungen erlebt, daß er glaubt, dies oder jenes werde ihm besonders mitgeteilt oder mache auf ihn nach dieser oder jener Richtung hin einen Eindruck, woraus aber für einen andern, der sich seine gesunde Urteilskraft bewahrt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|153}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
hat, leicht zu erkennen ist, daß der Betreffende Irrtümern und Täuschungen verfallen ist. Das letzte Mal haben wir gesprochen von den Fällen, wo jemand hellseherischen, aber im schlimmen Sinne hellseherischenTäuschungen der geistigen Welt unterworfen wird. Da haben wir ausdrücklich angeführt, daß dies dann ~uschungen sind, die durch ahrimanische Kräfte hervorgerufen werden. Und wir haben gesehen, daß gegen solche Täuschungen, welche durch unrichtiges Hellsehen hervorgerufen werden, es kein anderes oder wenigstens kein günstigeres Mittel gibt als die gesunde Urteilskraft, die erworben wird im physischen Leben zwischen Geburt und Tod.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was wir im letzten Vortrage gesagt haben, ist etwas Bedeutungsvolles und Wesentliches, wenn wir es mit hellseherischen Verirrungen zu tun haben. Denn bei einem Hellsehen, das nicht durch regelrechte Schulung, nicht durch systematische Übungen erreicht worden ist, die streng und richtig geleitet werden, sondern das durch alte vererbte Merkmale eintritt, in Bildern oder Hören in Tönen und dergleichen, bei einem solchen unrichtigen Hellsehen können wir immer finden, daß es zurückgeht, daß es aufhört sogar, wenn der Betreffende die Möglichkeit findet und die Neigung hat, sich ernstlich auf theosophische Studien einzulassen, theosophische Erkenntnis wirklich aufzunehmen, oder gar sich einläßt auf eine wirkliche, sinn- und sachgemäße Schulung. Also in einem solchen Falle, wo wir es mit Verirrungen der übersinnlichen Erkenntnis zu tun haben, können wir sagen, daß die echten Quellen der Erkenntnis, wenn der Betreffende ihnen zugänglich ist, auch immer für ihn eine Hilfe sein werden, die ihn auf den rechten Weg bringen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dagegen dürfen Sie das, was gerade als eine Gegenüberstellung vor- gebracht werden muß und was eine so triviale Wahrheit ist, daß jeder sie kennt, nicht anführen. Jeder weiß, daß wenn jemand durch karmische Verwicklungen dazu gekommen ist, Zustände zu entwickeln, welche ihn zu den Symptomen des Verfolgungswahnes, des Größenwahnes führen, daß er dann in seiner Seele ein ganzes System vonWahnideen ausbilden kann, die von ihm so logisch wie nur möglich begründet werden, die aber doch eben Wahnideen sind. Es kann zum Beispiel vorkommen, daß jemand auf andern Gebieten des Lebens ganz richtig und &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|154}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
logisch denkt, daß er jedoch die`Wahnidee hat, er werde überall verfolgt um dieses oder jenes Grundes willen. Er wird dann imstande sein, wo er hinkommt, aus den geringsten Vorkommnissen Kombinationen geistreichster Art zu machen: Da ist wieder eine Clique, die nichts anderes will, als mir dies oder das anzutun! - Und er wird Ihnen in der geistreichstenArt beweisen,wie begründet seinVerdacht ist. So kann jemand ein ganz logischer Kopf sein und doch in sich gewisse Symptome der Verrücktheit ausleben. Da wird es ganz unmöglich sein, einen solchen Menschen mit logischen Gründen zu widerlegen. Im Gegenteil, wenn man in einem solchen Falle mit logischen Gründen kommt, dann kann es geschehen, daß die Wahnideen, die in dem Inneren des Betreffenden sitzen, erst recht herausgefordert werden und noch schärfere Beweismittel suchen für das, was er als den Inhalt seinerVerfolgungswahnidee geltend macht. - Wenn im geisteswissenschaftlichen Sinne gesprochen wird, müssen die Dinge ganz genau genommen werden. Wenn vorhin und auch das letzte Mal betont worden ist, daß man in den geisteswissenschaftlichen Erkenntnissen, denen sich jemand mit aller Mühe oder sogar in einer prinzipiellen systematischen Schulung hingibt, eine Gegenmacht hat gegen eine Verirrung der hellseherischen Kräfte, so ist damit ein ganz anderer Fall gemeint als der, welcher soeben charakterisiert worden ist. Jetzt handelt es sich nicht darum, daß man dem Betreffenden mit geisteswissenschaftlichen Erkenntnissen beikommt. In der Regel will man ihm beikommen mit Gründen aus dem Gebiet der gewöhnlichen Vernünftigkeit. Für die aber ist ein solcher Mensch absolut unzugänglich. Warum ist das der Fall?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn ein solches Krankheitsbild auftaucht, wie es sich in den geschilderten Symptomen auslebt, haben wir es damit zu tun, daß der Betreffende darin eine karmische Ursache von früheren Verkörperungen, von früheren Verirrungen zutage treten läßt. Was als eine Verirrung des Inneren anzusehen ist, liegt nicht und kann nicht in diesem Falle in der gegenwärtigen Inkarnation liegen, sondern das liegt in einer vorhergehenden Inkarnation. Nun machen wir uns ein Bild, wie so etwas aus der früheren Inkarnation in die gegenwärtige herüberkommt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dazu müssen wir ins Auge fassen, wie eigentlich unsere Seelenentwickelung verläuft. Wir bestehen als äußerer Mensch aus physischem &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|155}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Leib, Ätherleib und astralischem Leib, haben dann im Laufe der Zeit hineingebaut in diese Hüllen durch die Arbeit des Ich die Empfindungsseele in den Empfindungsleib, die Verstandes- oder Gemütsseele in den Atherleib und die Bewußtseinsseele in den physischen Leib. Was wir in unserem Inneren als die drei Seelenglieder entwickeln, das haben wir hineingebaut in die drei Hüllen, das lebt jetzt in diesen drei Hüllen. Nun nehmen wir an, in irgendeiner Inkarnation werden wir durch den Einfluß Luzifers - also dadurch, daß wir in uns egoistische oder sonstige, dem luziferischen Einfluß zuzuschreibende Triebe, Begierden, Instinkte entwickeln - so verführt, daß wir Verfehlungen auf unsere Seele laden. Diese Verfehlungen können nun sein in der Empfindungsseele, können sein in der Verstandes- oder Gemütsseele oder auch in der Bewußtseinsseele. Das ist dann die Ursache, die in irgendeiner folgenden Inkarnation in einem der drei Seelenglieder gegeben ist. Nehmen wir an, es sei ein Fehler, der besonders auf den Kräften der Verstandesseele beruht. Der wird dann in dem Zustande zwischen Tod und neuer Geburt so umgewandelt, daß dasjenige, was zum Beispiel die Verstandesseele verbrochen hat, in seiner Wirkung sich zeigt im Ätherleib. Das ist mittlerweile beim Durchgehen durch den Tod bis zur neuen Geburt hineingearbeitet worden in den Ätherleib. Wir stoßen also in der neuen Inkarnation auf eine Wirkung in dem Ätherleib, die zurückzuführen ist auf eine Ursache in der Verstandesseele in einer vorhergehenden Inkarnation. Nun arbeitet aber dieVerstandesseele der nächsten Inkarnation wieder für sich selbständig in dieser Inkarnation, und es ist nun ein Unterschied, ob der Mensch jene Verfehlung früher begangen hat oder nicht. Hat er sie in einer früheren Inkarnation begangen, so hat er jetzt einen Fehler in seinem Ätherleibe. Das sitzt nun tiefer, der sitzt nicht in der Verstandesseele, sondern im Ätherleibe. Aber was der Mensch sich auf dem physischen Plan als Vernünftigkeit, als Verständigkeit erarbeiten kann, das wirkt ja nur auf seine Verstandesseele; das wirkt nicht auf das, wie seine Verstandesseele in einer früheren Inkarnation sich betätigt hat und was jetzt schon in den Ätherleib hineingearbeitet ist. Daher kann es vorkommen, daß die Kräfte der Verstandesseele,wie sie uns jetzt bei einem Menschen entgegentreten, logisch intakt arbeiten, so daß also das eigentliche menschliche Innere ganz intakt ist, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
daß aber durch das Zusammenarbeiten zwischen Verstandesseele und dem krankhaften Teil des Ätherleibes von diesem Ätherleib aus nach einer gewissen Richtung hin ein Irrtum projiziert wird. Dann kann man zwar mit den Gründen, die man auf dem physischen Plan aufbringen kann, auf die Verstandesseele wirken, nicht aber unmittelbar auf den Ätherleib. Daher können Sie durch Logik, durch Überzeugung nichts ausrichten, ebensowenig wie Sie mit Logik etwas anfangen können, wenn Sie einen Menschen vor einen konvex gebogenen Spiegel hin- stellen, so daß der Betreffende darin sein verzerrtes Bild sieht, und Sie ihm dann beweisen wollen, daß er unrecht hat, das Bild so zu sehen. Er sieht doch ein verzerrtes Bild. So hängt es auch nicht vom Menschen ab, daß er in einer krankhaften Weise etwas falsch versteht, denn es wird seine sonst gesunde Logik von seinem Ätherleibe aus nicht in einer gesunden Weise gespiegelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf diese Weise können wir die karmische Wirkung früherer Inkarnationen in unserer tieferen Organisation in uns tragen. Und wir können geradezu angeben, wie in einem bestimmten Teig derselben - wie hier in unserem Ätherleib - das Schadhafte vorhanden ist. Daran sehen wir, was wir durch den luziferischen Einfluß in einer früheren Verkörperung herausgefordert und dann umgewandelt haben. Und in der Zwischenzeit zwischen Tod und neuer Geburt kommt die Umwandlung zustande von einem Inneren in ein Äußeres, und dann wirkt uns Ahriman aus unserem eigenen Ätherleibe entgegen. Das zeigt uns, wie Ahriman herangelockt wird an unseren eigenen Ätherleib durch Luzifer. Die frühere Verfehlung war eine luziferische, das Umgewandelte aber ist ein solches, daß uns gleichsam die Quittung dafür in der nächsten Inkarnation durch Ahriman gegeben wird. Und dann handelt es sich darum, daß der Mensch diese Schädigung seines Ätherleibes aus sich herausbringen muß. Das kann nur dadurch geschehen, daß tiefer in seine Organisation ein gegriffen wird, als es mit den gewöhnlichen Mitteln der äußeren Vernunft in einer Inkarnation möglich ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer so etwas durchmacht, daß er zum Beispiel den Symptomen des Verfolgungswahnes in einer bestimmten Inkarnation verfällt, der wird, wenn er neuerdings wieder durch die Pforte des Todes tritt, alle die Tatsachen vor sich haben, welche er sich geleistet hat infolge seiner &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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ahrimanischen Schädigung, und er wird sie in ihrer ganzen Absurdität vor sich haben. Das wird für ihn wieder die Kraft sein, welche ihn für seine nächste Inkarnation gründlich heilt. Denn er kann nur dadurch geheilt werden, daß dasjenige, was er unter dem Einfluß der entsprechenden Symptome vollzogen hat, ihm in der äußeren Welt für die Folge als absurd erscheint. Damit haben Sie etwas gegeben, was von uns zu einer solchen Heilung getan werden kann. Wenn jemand unter derartigen Wahnideen leidet, werden Sie ihn am wenigsten durch logische Gründe von seinen Wahnideen abbringen können. Sie werden dadurch nur seinen Widerspruch erst recht herausfordern. Aber Sie werden etwas erreichen, besonders wenn sich in früher Jugend so etwas zeigt, wenn Sie den Menschen in Lagen bringen, wo sich ihm die Folgen seiner Symptome kraß als unsinnig darstellen, wenn Sie ihn vor Tatsachen führen, die er hervorruft und die als kraß unsinnige wieder auf ihn zurückschlagen. Dadurch können Sie in gewisser Weise eine Heilung hervorrufen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie können auch dann heilend wirken, wenn Sie selbst so weit im Besitze der geisteswissenschaftlichen Wahrheiten sind, daß sie inneres Eigentum Ihrer Seele geworden sind. Sind sie so Ihr Besitz geworden, daß sie stehen und fallen mit Ihrer ganzen Persönlichkeit, dann haben Sie sie ja als den denkbar stärksten Glauben; dann ist Ihre ganze Persönlichkeit ein Ausstrahler dieser geisteswissenschaftlichen Wahrheiten. Mit diesen Wahrheiten, welche hereinströmen in das Leben zwischen Geburt und Tod und es erfüllen, die aber dennoch über dieses Leben selbst hinausragen, die Erkenntnisse sind aus übersinnlicher Welt, mit ihnen können Sie tiefergehende Wirkungen erzielen als mit äußeren Vernunftwahrheiten. Während Sie mit äußeren logischen Gründen nichts anfangen können, werden Sie, wenn Sie die geisteswissenschaftlichen Wahrheiten anwenden und wenn Sie genug Zeit und Gelegenheit dazu haben, allerdings so weit Impulse auf den betreffenden Menschen ausüben können, daß Sie sozusagen in der einen Inkarnation das vermögen, was sonst nur auf dem Umwege von einer auf die andere Inkarnation geschehen kann: nämlich hineinzuwirken von der Verstandesseele in den Ätherleib. Denn die Wahrheiten des physischen Planes sind nicht imstande, auch nur im geringsten die Kluft zwischen Empfin&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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dungsseele und Empfindungsleib, zwischen Verstandesseele und Ätherleib oder gar zwischen Bewußtseinsseele und physischem Leib zu überspringen. Daher werden Sie immer erleben, daß jemand auf dem physischen Plan noch so viel Weisheit über die sinnliche Welt aufnehmen kann: diese Weisheit wird in sehr geringem Zusammenhange stehen mit seiner Gemütswelt, mit dem, was wir nennen das Durchdrungensein seines Empfindungsleibes mit den entsprechenden Impulsen und Leidenschaften. Daher kommt es vor, daß jemand ein sehr gelehrtes Haus sein kann, ein großes theoretisches Wissen haben kann über die Dinge der physischen Welt, ein alter Professor geworden sein kann - und es im Inneren nicht zu einer Umwandlung seiner Triebe und Empfindungen und Leidenschaften gebracht hat, die sich im Empfindungsleib abspielen. Er kann im Grunde viel wissen über die physische Welt und ein krasser Egoist sein, weil er die Impulse dazu in der Jugend aufgenommen hat. - Natürlich kann ganz gut nebeneinander herlaufen äußere physische Wissenschaft und Durchbildung des Empfindungsleibes und Ätherleibes von innen heraus.Und ebenso kann der Mensch Verstandeswahrheiten aufnehmen, mancherlei, was sich als Kräfte der Gemütsseele aufnehmen läßt in bezug auf den physischen Plan, aber er kann jene tiefe Kluft nicht überspringen, welche zwischen der Verstandesseele und dem Ätherleib besteht. Mit andern Worten, Sie können immer wieder finden: Wenn jemand äußerliche Wahrheiten aufnimmt, wenn er auch noch so viel lernt - das eine werden Sie selten finden, daß dieses Gelernte wirklich Gewalt hat auf die formenden Kräfte seines Leibes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei einem Menschen, bei dem die Wahrheiten so wirken, daß sie sein ganzes Sein ergreifen, da werden Sie erleben können, daß sich im Laufe von zehn Jahren seine Physiognomie verändert, daß Sie ihm an der Stirn ablesen können, wie er gerungen hat, wie er zum Beispiel mit gewIssen Zweifeln in seinem Herzen gerungen hat. Oder auch an seinen Gesten können Sie es bemerken, wenn er zum Beispiel aus eigenem Verhalten ein ruhiger Mensch geworden ist. Da drängt sich das in die formenden Kräfte des Organismus hinein, und es wird der Organismus in den feinsten Teilen davon ergriffen. Da wirkt das, was der Mensch spirituell aufnimmt, bis in die feinsten Teile seiner Organisation hinein. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Wenn das, was das Gemüt ergreift, nicht nur auf den physischen Plan weist, dann ist der Mensch nach zehn Jahren auch ein anderer. Aber die Änderung liegt in der normalen Richtung, wie die Anlagen sich im normalen gewöhnlichen Leben ausbilden und ändern. Man kann vielleicht im Verlaufe von zehn Jahren einen andern Gesichtsausdruck bekommen; aber wenn man nicht in der inneren Weise den Abgrund überspringt, sind es äußere Einflüsse gewesen. Da ist es keine den Menschen vom Inneren ergreifende Kraft, was ihn umgestaltet. Daran können wir sehen, daß nur das Spirituelle, was sich im Innersten wirklich mit unserem innersten Menschen verbindet, in der Lage ist, schon in der Zeit zwischen Geburt und Tod umwandelnd auf die formenden Kräfte zu wirken, daß aber mit Sicherheit dieser Übergang, dieses Überschreiten des Abgrundes stattfindet in der karmischen Wirksamkeit zwischen dem Tode und einer neuen Geburt. Wenn zum Beispiel das, was die Empfindungsseele erlebt hat,hineingesenkt wird in jeneWelten, die wir durchschreiten in der Zwischenzeit zwischen Tod und neuer Geburt, dann macht es sich gewiß in der nächsten Inkarnation als formende, bildende Kraft geltend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf diese Weise haben wir das gegenseitige Zusammenwirken Ahrimans und Luzifers begriffen. Und nun fragen wir uns: Wie stellt sich dieses Zusammenwirken dar, wenn die Dinge noch etwas entfernter liegen, wenn sie zum Beispiel als luziferischer Einfluß nicht nur den Abgrund zu überschreiten haben von der Verstandesseele bis zum Ätherleib, sondern wenn sie sozusagen einen weiteren Weg haben?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen wir an, wir unterliegen in einem Leben ganz besonders stark dem Einflusse Luzifers. In einem solchen Falle sind wir mit unserem ganzen inneren Menschen um ein ganzes Stück unvollkommener gewordeh, als wir vorher waren, und in der Kamalokazeit haben wir dann in der eminentesten Weise das vor Augen, daß wir uns sagen: Du mußt etwas ganz Mächtiges tun, um diese Unvollkommenheit wieder auszugleichen! - Wir nehmen also diese Tendenz in uns auf und bilden in der nächsten oder einer der nächsten Inkarnationen mit dem, was jetzt formende Kräfte geworden sind, unseren neuen Organismus so, daß dieser die Tendenz haben muß, den Ausgleich des früher Durchlebten herbeizuführen. Aber nehmen wir an, dasjenige, was den luziferischen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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Einfluß ausgelöst hat, sei durch ein Äußeres veranlaßt gewesen, sei eine äußere Begierde gewesen. Dann muß doch wieder Luzifer als ein Einfluß dagewesen sein. Das Äußere hätte nicht auf uns wirken können, wenn nicht Luzifer in uns gewirkt hätte. Wir haben also die Tendenz in uns, das, was wir unter dem luziferischen Einfluß geworden sind, wieder auszugleichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber nun haben wir gesehen, daß der luziferische Einfluß in einer Inkarnation herausfordert den ahrimanischen Einfluß in einer nächsten Inkarnation, daß er ihn herbeizieht, so daß die beiden durchaus in Wechselwirkung miteinander stehen. Der luziferische Einfluß ist aber ein solcher, daß wir sagen konnten: Er zeigt sich für uns im Bewußtsein, das heißt&amp;gt; wir können mit unserem Bewußtsein noch notdürftig hinunterreichen in unseren astralischen Leib. Wir haben gesagt, wenn Schmerzen sich uns zum Bewußtsein bringen, so ist das luziferischer Einfluß. Aber wir können nicht in diejenigen Gebiete hinunter, die wir bezeichnen können als Bewußtsein unseres Ätherleibes und unseres physischen Leibes. Wir haben zwar auch im traumlosen Schlaf ein Bewußtsein, aber ein Bewußtsein von so niederem Grade, daß der Mensch im gewöhnlichen Leben nicht in der Lage ist, von diesem Bewußtsein überhaupt etwas zu wissen. Aber das ist durchaus kein Anlaß, daß wir in diesem Bewußtsein nichts tun. Dieses Bewußtsein hat zum Beispiel normalerweise die Pflanze, die ja nur aus physischem Leib und Ätherleib besteht. Die Pflanze lebt fortwährend in einem traumlosen Schlafbewußtsein. Unser Bewußtsein des Ätherleibes und des physischen Leibes ist auch im Tagwachen vorhanden; aber wir können nicht bis zu ihm hinuntersteigen. Daß aber dieses Bewußtsein handeln kann, das zeigt sich uns zum Beispiel, wenn wir im Schlafe somnambule Handlungen,nachtwandlerische Handlungen ausführen,von denen wir nichts wissen. Das ist das traumlose Schlafbewußtsein, das diese Handlungen vollführt. Das gewöhnliche Ich-Bewußtsein und das astralische Bewußtsein reichen nicht hinunter bis dahin, wo zum Beispiel die Handlungen des Nachtwandlers ausgeführt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber wir dürfen nicht glauben, weil wir bei Tage im Ich-Bewußtsein und astralischen Bewußtsein leben, daß nicht mit uns leben die andern Bewußtseinsarten. Wir wissen nur von ihnen nichts. Nehmen wir nun &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
an, wir haben durch einen luziferischen Einfluß in einer früheren Inkarnation einen starken ahrimanischen Einfluß herausgefordert; dann wird dieser ahrimanische Einfluß nicht wirken können auf unser gewöhnliches Bewußtsein. Er wird aber ergreifen das Bewußtsein,welches in unserem Ätherleibe sitzt, und dieses Bewußtsein wird uns dann nicht bloß zu einer gewissen Organisation unseres Ätherleibes führen können, sondern sogar zu Handlungen, welche sich so ausleben, daß uns das Bewußtsein unseres Ätherleibes sagt: Du kannst jetzt nur dasjenige aus dir heraus entfernen, was der luziferische Einfluß, dem du in der früheren Inkarnation so mächtig verfallen bist, in dir angestellt hat; und&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
das kannst du dadurch, daß du jetzt eine Handlung begehst, die genau in der umgekehrten Linie liegt als die frühere luziferische Verfehlung!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen wir an, wir seien durch einen luziferischen Einfluß dazu gebracht worden, von einem vorhergehenden religiösen oder nach dem Geistigen hinzielenden Standpunkt zu einem solchen überzugehen, wo der Mensch sagt: Ich will das Leben hier genießen! -, wo er also den Sprung in das Sinnliche mit aller Macht getan hat. Dann fordert so etwas den ahrimanischen Einfluß in der Art heraus, daß genau das Umgekehrte verursacht wird. Da kommt es denn vor, daß der Mensch, wenn er durch das Leben schreitet, einen Punkt aufsucht, wo er aus dem sinnlichen Leben in das geistige mit einem Sprunge wieder hineingehenkann. Dort ist er mit einem Sprunge in das Sinnliche verfallen - hier will er mit einem Sprunge in das geistige Leben zurück. Das Oberbewußtsein bemerkt das nicht; aber das geheimnisvolle Unterbewußtsein, das an den physischen Leib und Ätherleib gekettet ist, treibt jetzt den Menschen dazu&amp;gt; den Ort aufzusuchen, wo man ein Gewitter ab- warten kann, wo eine Eiche steht, eine Bank darunter, und - der Blitz schlägt ein! Da hat sein Unterbewußtsein den Menschen erfüllen lassen, was er in einer früheren Inkarnation getan hat. Da haben wir das Umgekehrte. So begreifen wir eine Wirkung unter einem luziferischen Einfluß in einem früheren Leben, und als Folge einen Einfluß Ahrimans in dein jetzigen Leben. Ahriman muß hier mitwirken zu dem Zwecke, daß wir unser 0berbewußtsein so weit ausschalten, daß in diesem Falle unser ganzer Mensch nur dem Bewußtsein des Ätherleibes oder des physischen Leibes folgt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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Auf diese Weise begreifen wir mancherlei Dinge, die auch sonst im Leben geschehen. Aber wir dürfen,wenn zum Beispiel jemand im Leben zum Tode kommt oder eine schwere Verwundung erleidet, nicht jeden solchen Fall auf etwas Ähnliches zurückführen. Da würden wir in einer sehr engen Weise das Karma auffassen. Aber es gibt wirklich Strömungen auch in unserer theosophischen Bewegung, welche das Karma in einer recht engen Weise auffassen, die zwar glauben, daß sie in dem Karma wirklich etwas haben, was zu einem höheren Gesichtspunkt führt, es aber nicht wirklich kennen. Sie fassen das Karma so auf, daß, wenn es wirklich so wäre, wie sie es auffassen, immer die ganze Weltordnung wegen eines jeden einzelnen Menschen besonders eingerichtet sein müßte, damit sie zum harmonischen Verlauf und zum Ausgleich eines jeden einzelnen im Menschenleben diente, daß also in einem Leben die Verhältnisse immer so zusammengeführt werden, daß ganz genau der Ausgleich für das geschaffen werden muß, was in einem früheren Leben entstanden ist. Dieser Standpunkt ist aber nicht haltbar. Wie wäre es denn, wenn sich jemand hinstellte vor einen Menschen, dem ein Unglück passiert ist, und ihm sagt: Das ist dein Karma, das ist die karmische Wirkung aus einem früheren Leben; das hast du damals verschuldet! - Wenn aber jetzt der Betreffende diesen oder jenen Glücksfall erlebt, dann sagt der andere: Das führt zurück auf ein Gutes, das du früher getan hast! - Wenn das aber einen wirklichen Wert haben soll, so müßte doch derjenige, der so spricht, erst sehen, was in dem früheren Leben geschehen ist, das diese Wirkung hervorgebracht haben soll. Hätte er sich in das frühere Leben gestellt, so würde er da die Ursachen sehen, die aus jenem Leben kommen, und müßte dann auf die spätere Inkarnation hinschauen, wenn er die Wirkungen erblicken will.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daraus folgt aber für uns logisch folgendes: Es treten in jeder Inkarnation Tatsachen ein, die erste Ereignisse darstellen in dem Leben jedes Menschen, wie es sich von Verkörperung zu Verkörperung abspielt, und diese werden ihren k~rmischen Ausgleich im nächsten Leben haben. Wenn man im nächsten Leben sich dann die Wirkungen anschaut, dann kann man auf die Ursachen hinblicken. Wenn aber jetzt ein Unglücksfall geschieht und man mit allen Mitteln im früheren Leben keine Ursachen dafür findet, dann muß man sich sagen, es findet eben der Aus- &lt;br /&gt;
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gleich in einem späteren Leben statt. Karma ist kein Fatum! Es wird aus jedem Leben etwas in die späteren hineingetragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir das verstehen, werden wir es auch begreiflich finden, daß der Mensch sinnvoll und bedeutungsvoll neue Ereignisse in seinem Leben finden kann. Denken wir daran, daß ja die großen Ereignisse im Gange der Menschheitsentwickelung nur dadurch zustande kommen können, daß sie von bestimmten Personen getragen werden. Personen müssen in einem bestimmten Zeitpunkt die Absichten der Entwickelung übernehmen. Denken Sie daran, wie die mittelalterliche Entwickelung verlaufen wäre, wenn nicht in einer bestimmten Zeit Karl der Große eingegriffen hätte, oder wie das Geistesleben der alten Zeiten verlaufen wäre, wenn nicht in einer bestimmten Zeit Aristoteles gewirkt hätte. Denken Sie, daß Sie, wenn Sie den Gang der Menschheitsentwickelung begreifen wollen, den Aristoteles in die Zeit hineindenken müssen, wo er gelebt hat; denn ohne ihn würde später vieles anders geworden sein. Dadurch sehen wir, daß solche Persönlichkeiten, wie Karl der Große, Aristoteles, Luther und so weiter nicht um ihretwillen, sondern um der Welt willen in der betreffenden Zeit leben mußten. Ihre persönlichen Schicksale sind darum doch innig verflochten mit dem, was in derWelt geschieht. Können wir aber deshalb sagen, daß das, was sie wirken, zusammentrifft mit dem, was sie sich früher verdient oder was sie früher verschuldet haben?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen Sie den Fall von Luther: Alles, was er erlebt und erduldet hat, können Sie nicht nur auf sein karmisches Konto schreiben; Sie müssen sich klar sein, daß dasjenige, was in einem bestimmten Zeitpunkt in der Menschheitsentwickelung geschehen soll, durch das Hineingestelltsein bestimmter Individualitäten geschieht. Diese Individualitäten müssen heruntergeführt werden aus der geistigen Welt ohne Rücksicht darauf, ob sie für sich selbst weit genug sind, um heruntergeführt zu werden, denn sie werden heruntergeführt zu den Zwecken der Menschheitsentwickelung. Und es muß vielleicht ein karmischer Weg frühzeitig unterbrochen oder verlängert werden, damit die betreffenden Persönlichkeiten zu einem bestimmten Zeitpunkt in das Leben hineingestellt werden können. Da werden über Personen Schicksale verhängt, die mit dem vorangegangenen Karma nichts zu tun zu haben &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
brauchen. Aber wenn man als Mensch einmal so hineingestellt worden ist und wenn man das getan hat, was man zwischen Geburt und Tod tun kann, so bildet das karmische Ursachen. So wahr es also ist, daß ein Luther hineingestellt wird in das Leben um der Menschheit willen und Schicksale erdulden kann, welche nichts zu tun haben mit seinem früheren Karma, so wahr ist es, daß mit seinem späteren Karma dasjenige, was er da vollbringt, wieder etwas zu tun haben wird. Karma ist ein allgemeines Gesetz, und jeder muß es durchleben. Aber wir dürfen es nicht so auffassen, daß wir nur in frühere Verkörperungen zurückblicken, sondern wir müssen es so auffassen, daß wir auch vorwärts- blicken müssen. Deshalb können wir durchaus sagen: Es kann sich uns von diesem Gesichtspunkt aus ergeben, daß allerdings erst ein späteres Leben rechtfertigen kann auch vorhergehende Inkarnationen, indem uns schon Dinge zugefallen sind,welche gar nicht in unserer karmischen Linie liegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen wir folgenden Fall an, der sich tatsächlich zugetragen hat: Bei einer Naturkatastrophe hatten eine Anzahl von Seelen den Untergang gefunden. Wir brauchen durchaus nicht zu glauben, das wäre ihr Karma gewesen, daß sie alle zusammen dabei zugrunde gegangen sind; denn das wäre eine sehr billige Annahme. Es braucht gar nicht so zu sein, daß es immer auf frühere Verschuldungen zurückführt. Es gibt einen erforschten Fall, wo eine Anzahl von Menschen bei einer Naturkatastrophe zugrunde gegangen sind. Das hat dann aber dazu geführt, daß diese Menschen in einer späteren Zeit sich gemeinsam verbunden fühlten und durch das gemeinsame Schicksal sich als stark erwiesen, etwas Gemeinsames in der Welt zu unternehmen. Durch jene Katastrophe war die Ursache gebildet, daß sie im späteren Leben sich gründlich abgewöhnt hatten, nur an der Materie zu hängen, so daß sie sich für ihr späteres Leben eine Gesinnung mitgebracht haben, welche sie zum Spirituellen geführt hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was ist in diesem Falle geschehen? Gehen wir zurück in das vorige Leben, so finden wir, daß als ein besonderes Ereignis das zusammen Untergehen bei einem Erdbeben eingetreten ist: da hat sich ihnen die Wertlosigkeit des Materiellen in dem Augenblicke des Erdbebens vor die Seele gedrängt, und da hat sich bei ihnen die Gesinnung nach dem &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Spirituellen entwickelt. Daran sehen wir, wie Menschen, die ein Spirituelles der Welt zu bringen hatten, dazu vorbereitet waren durch einen solchen Fall, der uns die Weisheit der Entwickelung zeigt, der geisteswissenschaftlich untersucht ist und sich durchaus zugetragen hat. - So können wir zeigen, daß wir zum ersten Male Ereignisse ins Menschenleben eintreten sehen und daß wir auch beim Untergang eines oder mehrerer Menschen bei einer Katastrophe oder einem Unglücksfall den frühzeitigen Tod eines Menschen nicht immer auf eine frühere Verschuldung zurückführen dürfen, sondern daß so etwas als erste Ursache auftreten kann und daß im nächsten Leben der Ausgleich erfolgt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es sind aber noch andere Fälle möglich. Es kann vorkommen, daß jemand in zwei, drei aufeinanderfoigenden Inkarnationen ein Leben frühzeitig zu beschließen hat. Das kann eintreten,weil diese Individualität dazu berufen ist, der Menschheit durch drei Inkarnationen hindurch etwas zu bringen, was man nur bringen kann, wenn man in der physischen Welt mit solchen Kräften lebt, die sich in einem sich aufbauenden Körper ergeben. Es ist ein ganz anderes, ob man in einem Körper lebt, der sich bis zum fünfunddreißigsten Jahre entwickelt, oder in einem Körper des späteren Alters. Denn bis zum fünfunddreißigsten Jahre schickt der Mensch seine Kraft in die Körperlichkeit, so daß er die Kraft von innen heraus entfaltet. Dann aber beginnt, vom fünfunddreißigsten Jahre angefangen, ein Leben, wo der Mensch nur innerlich weiterschreitet und fortwährend mit seinen Lebenskräften anzustürmen hat gegen die äußeren Kräfte. Diese zwei Lebenshälften sind durchaus verschieden voneinander, wenn wir auf die innere Organisation sehen. Nehmen wir nun an, man braucht gemäß der Weisheit der Entwickelung der Menschheit solche Menschen, welche nur gedeihen können, wenn sie nicht anzustürmen haben gegen das, was sich uns entgegendrängt in der zweiten Lebenshälfte, dann kann es sein, daß die Inkarnationen frühzeitig abgerissen werden. Solche Fälle gibt es. Und wir haben selbst schon bei unseren Zusammenkünften hingewiesen auf eine Individualität, welche nacheinander erschienen ist als großer Prophet, als ein bedeutender Maler und als großer Dichter, und immer mit einem frühzeitigen Tode ihr Leben beschlossen hat, weil das, was diese Individualität in drei Inkarnationen zu leisten hatte, nur dadurch &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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möglich war, daß die Inkarnationen abgebrochen wurden vor einem Sich-Hineinleben in die zweite Lebenshälfte. Darin haben Sie das Eigentümliche des Verstricktseins von menschlichem individuellem Karma und allgemeinem Menschheitskarma.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir können noch tiefer gehen und können im allgemeinen Menschheitskarma gewisse karmische Ursachen aufsuchen, welche sich in späteren Zeiten dann in ihren Wirkungen zeigen; da muß sich der einzelne Mensch wieder hineingestellt sehen in das Menschheitskarma.Wenn wir die nachatlantische Entwickelung in Betracht ziehen, haben wir die griechisch-lateinische Zeit in der Mitte liegend, voran ging ihr die ägyptisch-chaldäische Zeit, und ihr folgte die unsrige als der fünfte Kulturzeitraum. Auf unsere Zeit wird folgen eine sechste und dann eine siebente Kulturepoche. Aber auch bei anderer Gelegenheit habe ich schon darauf hingewiesen, daß in gewisser Beziehung ein Kreislauf&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
stattfindet in der Aufeinanderfolge der verschiedenen Kulturen, so daß die griechisch-lateinische Kultur als eine besondere für sich dasteht, da`ß dann aber die ägyptisch-chaldäische Epoche in der unsrigen sich wiederholt. Nun habe ich auch schon in diesem Zyklus hervorgehoben, wie Kepler in unserer Kulturepoche lebte und wie früher dieselbe Individualität in einem ägyptischen Leibe lebte und damals unter dem Einfluß der ägyptischen Priesterweisen den Blick hinauflenken durfte zum Himmelsgewölbe, so daß ihr die Geheimnisse der Sterne wie von oben enthüllt wurden. Das brachte sie dann wieder heraus in ihrer KeplerInkarnation, die dort hingestellt worden ist, wo der fünfte Zeitraum den dritten in gewisser Weise wiederholt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber das geht noch weiter. Von der Geisteswissenschaft aus kannman wirklich behaupten, daß die Weltentwickelung und das Menschenleben von den meisten Menschen heute noch in rechter Blindheit angeschaut wird. Bis in die Einzelheiten hinein könnten Sie diese Entsprechungen, diese Wiederholungen, dieses Leben in Zyklen verfolgen. Wenn man einen gewissen Zeitpunkt in der Menschheitsentwickelung nimmt, der etwa in das Jahr 747 vor Christus fällt, so haben Sie darin eine Art Hypomochlion, eine Art Nullpunkt, und was vor und nach diesem Zeitpunkt liegt, entspricht sich in einer ganz bestimmten Weise. Wir können zurückgehen in eine Zeit der ägyptischen Entwickelung &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
und finden dort gewisse Zeremonialgesetze und Gebote, welche als «Gebote der Götter» erschienen. Und das waren sie auch. Es waren Gebote, die sich darauf bezogen, daß der Ägypter zum Beispiel am Tage ganz bestimmte Waschungen, also durch Zeremoniengebräuche und rituelle Vorschriften geregelte Waschungen, vollziehen mußte. Und man sagte dem Ägypter, daß er nur leben könne, wie es die Götter wollen, wenn er an diesem oder jenem Tage so und so viele Waschungen vornimmt. Das war ein Göttergebot, das sich in gewissen Reinlichkeitskulten auslebte. Und wenn wir dann in eine etwas weniger reinliche Zeit in der Zwischenzeit kommen und jetzt wieder, in unserer Zeit, auf hygienische Maßregeln stoßen, wie sie jetzt aus materialistischen Gründen der Menschheit gegeben werden, so sehen wir bei uns richtig sich wiederholen, was in einer entsprechenden Zeit in Ägypten untergegangen ist. Ganz merkwürdig stellt sich die Erfüllung des Früheren im Gesamtkarma dar. Nur ist der Gesamtcharakter immer ein anderer. Kepler hatte in seiner ägyptischen Inkarnation den Blick hinaufgelenkt zum Sternenhimmel; und was diese Individualität dort sah, das prägte sie aus in den großen spirituellen Wahrheiten der ägyptischen Astrologie. Bei ihrer Wiederverkörperung in dem Zeitalter, dem der Beruf des Materialismus zu fiel, prägte dieselbe Individualität diese Tatsachen - unserem Zeitalter entsprechend - in den drei materialistisch gefärbten Keplerschen Gesetzen aus. - Im alten Ägypten waren die Gesetze der Reinigung «gottgeoffenbarte» Gesetze. Der Ägypter glaubte nur dadurch seine Pflicht der Menschheit gegenüber zu erfüllen, daß er bei jeder Gelegenheit in der unglaublichstenWeise für seine Reinigung Sorge trug. Das kommt heute wieder heraus, nur unter ganz materialistischen Gedankeneinflüssen. Der Mensch von heute denkt nicht daran, daß er den Göttern dient, wenn er solche Vorschriften beobachtet, sondern daß er sich selbst dient. Aber es kommt das Frühere wieder heraus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So erfüllt sich alles in der Welt, und zwar in gewissem Sinne ganz zyklisch. Und jetzt werden Sie ahnen, daß es mit den Dingen, die wir das letzte Mal in einem Widerspruch zusammen formuliert haben, sich doch nicht so einfach verhält, wie man anzunehmen geneigt ist. Wenn in einer bestimmten Zeit die Menschen nicht in der Lage waren, gegen Epidemien gewisse Maßregeln zu ergreifen, so waren das die Zeiten, wo &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|168}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
es die Menschen deshalb nicht konnten, weil die Epidemien nach dem allgemeinen weisheitsvollen Weltenplan wirken sollten, damit die Menschenseelen Gelegenheit fanden, auszugleichen, was durch den ahrimanischen Einfluß und durch gewisse frühere luziferische Einflüsse bewirkt worden war. Wenn jetzt andere Bedingungen herbeigeführt werden, so unterliegt das wieder ebenfalls bestimmten großen karmischen Gesetzen. Wir können daraus entnehmen, daß wir diese Fragen wahrhaftig nicht oberflächlich betrachten dürfen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie stimmt das nun zusammen: Wir sagten, wenn der Mensch die Gelegenheit aufsucht, um eine Epidemie, eine Infektion aufzunehmen, so ist das die notwendige Gegenwirkung gegen eine frühere karmische Ursache. Dürfen wir nun hygienische und andere Maßregeln dagegen ergreifen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Frage ist tief, und wir müssen erst das richtige Material herbei- tragen, um sie zu entscheiden. Wir müssen uns klar sein, daß da, wo - ob gleichzeitig oder in längeren Zeiträumen - das luziferische und das ahrimanische Prinzip zusammenwirken oder wo sie sich entgegen- wirken, gewisse Komplikationen im menschlichen Leben eintreten.Und diese Komplikationen wirken so, daß sie uns in den verschiedensten Fällen in der mannigfaltigsten Art entgegentreten, so daß wir nicht zwei Fälle in der gleichen Art sehen werden.Wenn wir aber das menschliche Leben studieren, werden wir uns in folgender Weise dabei hindurchfinden: Wenn wir das Zusammenwirken von Luzifer und Ahriman aufsuchen in dem entsprechenden einzelnen Fall, so werden wir überall einen Faden finden, um durch diesen Zusammenhang hindurch- zukommen. Wir müssen aber dabei scharf unterscheiden zwischen dem inneren und dem äußeren Menschen. Wir mußten heute schon scharf unterscheiden zwischen dem, was sich in der Verstandesseele auslebt, und dem, was als Wirkung derVerstandesseele sich im Ätherleibe zeigt. Wir müssen den Fortgang betrachten, in welchem Karma sich vollzieht, und wir müssen uns zugleich klar sein, daß wir aber doch wieder die Möglichkeit haben, durch entsprechende karmische Einflüsse so auf das Innere zu wirken, daß durch das Innere ein anderer karmischer Ausgleich in der Zukunft vorbereitet wird. Dadurch ist es möglich, daß nun dieses eintreten kann:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|169}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es kann der Mensch ganz besonders in einem früheren Leben durch Empfindungen, Gefühle und so weiter durchgegangen sein, die ihn zur Lieblosigkeit gegen seine Nächsten getrieben haben. Denken wir uns zum Beispiel, daß er durch etwas hindurchgegangen ist, wo er durch karmischeWirkung die Lieblosigkeit in sich aufgenommen hat. Es kann durchaus so sein, daß wir, wie auf absteigender Linie fortfahrend, das Böse erzeugen, daß wir also erst auf einer absteigenden Bahn gehen, damit die entgegengesetzte Spannkraft entwickelt wird, um dann wieder aufzusteigen. Nehmen wir also an, ein Mensch hat sich durch Hin- gabe an gewisse Einflüsse zu einer gewissen Lieblosigkeit hingeneigt; dann tritt die Lieblosigkeit in einem späteren Leben als karmische Wirkung ein und bildet innere Kräfte in seiner Organisation aus. Nun können wir ein Zweifaches tun, bewußt oder auch nicht bewußt; denn unsere Kultur ist noch nicht so weit, es bewußt zu tun. Wir werden bei einem solchen Menschen Vorsorge treffen können, daß jene Eigenschaften in seiner Organisation, welche von der Lieblosigkeit kommen, her- ausgetrieben werden. Wir können da etwas tun, was ein Gegenmittel ist gegen die Wirkung in der äußeren Organisation, die sich als Lieblosigkeit zeigt; aber es wird damit noch nicht immer alle Lieblosigkeit in der Seele aufgehoben sein, es wird nur das äußere Organ der Lieblosigkeit fortgeschafft sein. Denn wenn wir weiter nichts tun, haben wir nur halbe Arbeit geleistet, vielleicht auch gar keine. Wir haben vielleicht dem Menschen physisch, äußerlich geholfen; seelisch aber haben wir ihm nicht geholfen. Indem wir ihm in der äußeren Leiblichkeit das Organ für die Lieblosigkeit fortgenommen haben, kann er jetzt die Lieblosigkeit nicht ausleben; er muß sie in seiner inneren Organisation behalten für eine nächste Inkarnation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen wir an, eine ganze Anzahl von Menschen hätte sich wegen Lieblosigkeit gegen die Menschen hingezogen gefühlt, gewisse Infektionsstoffe aufzunehmen, um einer Epidemie zu verfallen. Nehmen wir weiter an, wir könnten gegen die Epidemie etwas tun. Wir würden dann in einem solchen Falle die äußere Leiblichkeit davor bewahren, die Lieblosigkeit zum Ausdruck zu bringen, aber wir würden dadurch noch nicht die innere Neigung zur Lieblosigkeit fortgeschafft haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denken wir uns aber den Fall so, daß wir, wenn wir das äußere Organ&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|170}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der Lieblosigkeit fortschaffen, die Verpflichtung übernehmen, auf die Seele so zu wirken, daß wir auch der Seele die Neigung zur Lieblosigkeit nehmen. Das Organ der Lieblosigkeit wird im eminenten Sinne getötet - im äußeren leiblichen Sinne - in der Pockenimpfung. Da zeigt sich zum Beispiel folgendes, was geisteswissenschaftlich erforscht ist: In einer Kulturperiode traten die Blattern auf, als die allgemeine Neigung bestand, im höheren Maße Egoismus, Lieblosigkeit zu entwickeln. Da traten die Blattern auf, auch in der äußeren Organisation; das ist so. Man ist in der Theosophie durchaus verpflichtet, die Wahrheit zu sagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun können wir es begreifen, daß in unserer Zeit der Impfschutz aufgetreten ist. Wir können aber noch etwas anderes begreifen, daß nämlich bei den besten Geistern unserer Zeit etwas wie ein Widerwille gegen Impfung vorhanden ist. Das steht mit einem Inneren in Korrespondenz, das ist das Äußere eines Inneren. Und wir können jetzt sagen: Wenn wir auf der einen Seite das Organ töten, hätten wir auch die Verpflichtung, als Gegenstück dazu bei diesem Menschen den materialistischen Charakter durch eine entsprechende spirituelle Erziehung anders zu gestalten. Das müßte das notwendige Gegenstück sein. Wir leisten sonst nur halbe Arbeit. Ja, wir leisten nur eine Arbeit, zu der der Mensch selber in einer späteren Inkarnation in irgendeiner Weise wird das Gegenstück schaffen müssen, wenn er das Pockengift in sich hat und die Eigenschaft aus sich herausgeschafft hat, durch die man geradezu hinneigt zur Blatterner krankung. Hat man die Empfänglichkeit für die Blattern herausgeschafft, so hat man nur die äußere Seite der karmischen Wirksamkeit ins Auge gefaßt. Wenn man auf der einen Seite Hygiene übt, muß man anderseits die Verpflichtung fühlen, den Menschen, deren Organisation man umgewandelt hat, auch etwas für die Seele zu geben. Impfung wird keinem Menschen schaden, welcher nach der Impfung im späteren Leben eine spirituelle Erziehung erhält. Wir haben die Waagschale zu stark zum Sinken gebracht, wenn wir nur auf die eine Seite abzielen und auf die andere keinen Wert legen. Das fühlt man im Grunde in den Kreisen, wo man sagt: Wo hygienische Maßregeln zu weit gehen, würden nur schwache Naturen fortgepflanzt. Das ist zwar unberechtigt; aber Sie sehen, wesentlich ist, daß man eine Aufgabe nicht ohne die andere übernehmen darf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|171}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da kommen wir zu einem wichtigen Gesetz in der Menschheitsentwickelung, das so wirkt, daß immer ein Äußeres und ein Inneres sich die Waage halten müssen und daß man nicht bloß auf das eine sehen darf, sondern auch das andere nicht unberücksichtigt bleiben darf. Da sehen wir in einen großen Zusammenhang hinein und sind jetzt noch nicht einmal zur Behandlung der Frage gekommen: Wie verhalten sich Hygiene und Karma zueinander? Sie werden sehen, daß uns die Beantwortung dieser Frage noch tiefer hineinführt in das Karma. Und wir werden noch sehen, wie auch zwischen der Geburt und dem Tode des Menschen karmische Zusammenhänge bestehen und ferner, wie andere Persönlichkeiten hineinspielen in ein Menschenleben und wie sich der freie Wille des Menschen und das Karma im Einklange befinden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|172}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= NEUNTER VORTRAG Hamburg, 26. Mai 1910 =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es wird ja, wie ich wiederholt bemerkte, nur möglich sein, die großen karmischen Gesetzmäßigkeiten in einigen skizzenhaften Linien anzudeuten, um Anregungen zu geben auf diesem schier unermeßlichen Gebiete.Wenn Sie alles bedenken, was wir in den letzten Tagen besprochen haben, so werden Sie es nicht mehr auffällig finden, daß der Mensch geradezu aus gewissen Bewußtseinsschichten heraus getrieben wird, die ausgleichenden Wirkungen für karmische Ursachen, die er sich selber einverleibt hat, auch in der Außenwelt zu suchen. Er kann geradezu dorthin getrieben werden, wo er zum Beispiel eine Infektion erhalten kann, um in dieser die ausgleichenden Wirkungen für eine sich einverleibte karmische Ursache zu suchen, und selbst zu dem,was man Lebensunfälle nennen kann, kann der Mensch hingetrieben werden, um mit dem Hereinbrechen eines solchen Lebensunfalles eine Ausgleichung zu suchen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie ist es nun mit dem karmischen Verlauf, wenn wir durch irgendwelche Maßnahmen in die Lage kommen, den Menschen daran zu hindern, diesen Ausgleich zu suchen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen wir an, daß wir durch gewisse hygienische Maßnahmen dahin wirken, daß gewisse Ursachen, gewisse Dinge, für die vielleicht der Mensch vermöge seiner karmischen Zusammenhänge Neigung haben muß, überhaupt nicht da sein können. Denken wir uns, es gelänge durch hygienische Maßnahmen, gewisse Krankheitserreger auf einem bestimmten Gebiet zu bekämpfen. Nun haben wir uns bereits vor die Seele geführt, daß es keineswegs im Belieben der Menschen steht, solche Maßnahmen zu treffen. Wir haben gesehen, wie in einem bestimmten Zeitalter zum Beispiel die Neigung zu Reinlichkeitsgesetzen daher entsteht, weil einfach diese Neigung, die in der Zwischenzeit verschwunden war, jetzt bei der umgekehrten Wiederholung in der Entwickelung wieder auftaucht. Daraus haben wir gesehen, daß es in den großen Gesetzen des Menschheitskarma überhaupt liegt, daß in einem bestimmten Zeitpunkt der Mensch dazu kommt, diese oder jene Maßnahmeii zu treffen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|173}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir werden es aber auch leicht begreifen, daß der Mensch in einem früheren Zeitalter nicht dazu gekommen ist, derartige Maßnahmen zu treffen, weil die Menschheit in einem früheren Zeitraum die Epidemien brauchte, die jetzt durch die hygienischen Maßnahmen aus der Welt geschafft werden sollen. In bezug auf große Einrichtungen im Leben unterliegt wirklich die Menschheitsentwickelung ganz bestimmten Gesetzen, und bevor etwas für die gesamte Menschheitsentwickelung von Bedeutung und von Nutzen sein kann, tritt gar nicht die Möglichkeit ein, solche Maßnahmen zu treffen. Denn aus dem vollbewußten, vernünftigen, verständigen Leben, das sich der Mensch zwischen Geburt und Tod aneignen kann, kommen ja solche Maßnahmen nicht, sondern sie kommen aus dem Gesamtgeist der Menschheit. Und Sie brauchen sich nur einmal vor Augen zu halten, wie diese oder jene Erfindung oder Entdeckung auch erst dann auftritt, wenn die Menschheit wirklich dafür reif ist. Ein kleiner Überblick über die Geschichte der Entwickelung der Menschheit auf der Erde kann Ihnen da so manches bieten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denken Sie nur daran, daß unsere Vorfahren - das heißt unsere eigenen Seelen - in Leibern von ganz anderer Gestalt als die heutigen Menschenleiber auf dem alten atlantischen Kontinent gelebt haben, daß dann dieser atlantische Kontinent hinuntergesunken ist und daß die Einrichtungen, die wir heute treffen, sich erst im Bereiche unserer heutigen Kontinente gebildet haben. Es wurden dann in einem ga`nz bestimmten Zeitalter erst die Bewohner der einen aufgetauchten Erdhälfte mit den Bewohnern der andern zusammengeführt. Erst vor kurzem, in einer gar nicht so fernen Vergangenheit, konnten die Völker Europas die Gebiete wieder erreichen, die nach der andern Seite des atlantischen Kontinents sich abgegliedert haben. In solchen Dingen herrschen wirklich große Gesetze. Und ob diese oder jene Dinge entdeckt werden oder ob Maßnahmen getroffen werden, welche es in dieser oder jener Richtung möglich machen, karmisch einzugreifen, das hängt nicht von der Meinung oder der Willkür der Menschen ab, sondern das tritt ein, wenn es eintreten soll. Aber dessen ungeachtet: Wenn wir gewisse Ursachen hinwegräumen, welche sonst dagewesen wären und die durch ihre karmische Verwicklung gewisse Menschen aufgesucht hätten, so können wir dadurch das Karma der Menschen beeinflussen. Dieses Beeinflussen &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|174}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
heißt aber nicht, daß wir es hinwegschaffen, sondern es heißt, daß wir es in eine andere Richtung lenken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denken wir uns also den Fall, eine Anzahl von Menschen würde sich durch karmische Verwicklung gedrängt fühlen, bestimmte Einflüsse aufzusuchen, welche ein karmischer Ausgleich sein würden. Durch hygienische Maßnahmen sind nun einstweilen diese Einflüsse oder Verhältnisse hinweggeräumt worden, die Menschen können sie nicht mehr suchen. Darum aber werden diese Menschen nicht befreit von dem, was in ihnen als karmische Wirkung herausgefordert wird, sondern sie werden gedrängt, andere Wirkungen aufzusuchen. Seinem Karma entkommt der Mensch nicht. Er wird durch solche Maßnahmen nicht entlastet von dem, was er sonst aufgesucht hätte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daraus können Sie entnehmen, daß für einen karmischen Ausgleich, den wir in der Lage wären, nach einer Seite wegzuschaffen, wieder ein Ausgleich nach einer andern Richtung entstehen müßte. Wir schaffen nur die Notwendigkeit, andere Gelegenheiten und Einflüsse aufzusuchen, wenn wir irgendwelche Einflüsse hinwegräumen. Nehmen wir nun an, daß viele Epidemien, gemeinsame Krankheitsursachen, einfach darauf zurückzuführen sind, daß die Menschen, welche diese Krankheitsursachen aufsuchen, hinwegräuriien wollen, was sie sich karmisch anerzogen haben, wie zum Beispiel bei der Pockenepidemie Organe der Lieblosigkeit. Brächten wir es zustande, diese Organe hinwegzuräumen, so bliebe die Ursache der Lieblosigkeit trotzdem bestehen, und die betreffenden Seelen müßten dann in dieser oder einer andern Inkarnation den entsprechenden Ausgleich in einer andern Weise suchen. Wir können begreifen,was da stattfindet, wenn wir auf etwas hinweisen, worauf wir sicher zählen müssen, und das ist das Folgende.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heute werden in der Tat eine ganze Menge von äußeren Einflüssen und Ursachen hinweggeräumt, die sonst aufgesucht worden wären zum Ausgleich gewisser karmischer Dinge, welche die Menschheit in früheren Zeitaltern auf sich geladen hat. Dadurch aber schaffen wir nur die Möglichkeit hinweg, daß der Mensch äußeren Einflüssen verfällt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir machen ihm das äußere Leben angenehmer oder auch gesünder. Dadurch erreichen wir aber nur, daß dasjenige, was der Mensch in dem entsprechenden Krankheitsverhältnis sich als karmischen Ausgleich gesucht &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|175}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
hätte, nun auf anderem Wege gesucht werden muß. Die Seelen, welche auf diesem Wege heute in gesundheitlicher Beziehung gerettet werden, werden also dazu verurteilt, in einer andern Weise diesen karmischen Ausgleich zu suchen. Und Sie werden ihn suchen müssen in zahlreichen Fällen, die gerade zu den geschilderten gehören. Indem ihnen durch ein gesünderes Leben größere physische Annehmlichkeit bereitet wird, indem ihnen das physische Leben erleichtert wird, wird die Seele dadurch in der entgegengesetzten Weise beeinflußt; sie wird so beeinflußt, daß sie nach und nach eine gewisse Leerheit, eine Unbefriedigtheit, eine Unerfülltheit empfinden wird. Und wenn es so fortgehen würde, daß das äußere Leben immer angenehmer, immer gesünder würde, wie man es nach den allgemeinen Vorstellungen im rein materialistischen Leben haben kann, dann würden solche Seelen immer weniger Ansporn haben, in sich selber weiterzukommen. Eine Verödung der Seelen würde in gewissem Sinne parallel einhergehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer sich genauer das Leben ansieht, kann das heute schon bemerken. In kaum einem Zeitalter hat es so viele Menschen gegeben, welche in so angenehmen äußeren Verhältnissen leben, aber mit öden, unbeschäftigten Seelen einhergehen, wie es heute der Fall ist. Diese Menschen eilen darum von Sensation zu Sensation; dann, wenn das Pekuniäre reicht, reisen sie von Stadt zu Stadt, um etwas zu sehen, oder wenn sie in derselben Stadt bleiben müssen, eilen sie jeden Abend von Vergnügen zu Vergnügen. Die Seele bleibt aber darum doch öde, weiß zuletzt selber nicht mehr, was sie aufsuchen soll in der Welt, um einen Inhalt zu bekommen. Namentlich wird durch ein Leben in rein äußeren, physisch annehmlichen Zuständen der Hang erzeugt, nur über das Physische nachzudenken. Und wenn diese Neigung, sich nur mit dem Physischen zu beschäftigen, nicht schon lange vorhanden wäre, so würde auch nicht die Neigung zum theoretischen Materialismus so stark geworden sein, wie es in unserer Zeit der Fall ist. So werden die Seelen leidender, während das äußere Leben gesünder gemacht wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am wenigsten hat derTheosoph über eine solche Tatsache zu klagen, weil überall die Theosophie uns Verständnis der Dinge schafft und damit ein Einsehen, wo der Ausgleich ist. Die Seelen können nur bis zu einem gewissen Grade leer bleiben; dann werden sie wie durch die &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|176}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
eigene Elastizität nach der andern Seite hingeschnellt. Sie suchen dann einen Inhalt, der verwandt ist mit den Tiefen der eigenen Seele, und sie werden dann einsehen, wie notwendig sie es haben, zu einer theosophischen Weltanschauung zu gelangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So sehen wir, wie das, was aus den materialistischen Lebensauffassungen herauskommt, wohl das äußere Leben erleichtert, aber Schwierigkeiten des inneren Lebens schafft, die dahin führen, aus den Leiden der Seele heraus den Inhalt einer spirituellenWeltanschauung zu suchen. Die spirituelle Weltanschauung, wie sie sich heute als die theosophische kundgibt, kommt so den Seelen entgegen, die in der Verödung, an dem, was das äußere Leben, das ganz angenehm eingerichtet sein kann, ihnen an Eindrücken zu geben vermag, keine Befriedigung finden können. Die Seelen werden so lange suchen, immer wieder Neues aufzunehmen, bis die Elastizität von der andern Seite so stark wirkt, daß die Seelen mit dem sich vereinigen werden, was man spirituelles Leben nenneön kann. So gibt es eine Beziehung zwischen Hygiene und den Zukunftshoffnungen der geisteswissenschaftlichen Weltanschauung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie können das heute im Kleinen schon bemerken. Es gibt heute solche Seelen, welche zu andern Äußerlichkeiten eine neue Äußerlichkeit fügen: sich zu interessieren für die theosophische Weltanschauung, welche als neue Sensation die theosophische Weltanschauung aufnehmen. Das ist etwas, was sich bei jeder Strömung in der Menschheitsentwickelung zeigt, daß das, was tiefe, innere Bedeutung hat, auch als Mode, als Sensation wirkt. Aber die wahrhaft für die Theosophie vorbereiteten Seelen sind solche, welche sich entweder unbefriedigt fühlen durch die äußeren Sensationen oder auch einsehen, daß die äußere Wissenschaft mit all ihren Erklärungen die Tatsachen nicht erklären kann. Diese Seelen sind es, welche durch ihr Gesamtkarma so präpariert sind, daß sie sich mit den innersten Gliedern ihres Seelenlebens mit der Theosophie verbinden können. Geisteswissenschaft gehört auch zum Gesamtkarma der Menschheit, und sie wird sich als solche darin einfügen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So können wir das Karma der Menschen nach der einen oder andern Seite in eine andere Richtung bringen; aber wir können nicht die Rückwirkung auf den Menschen beseitigen. In irgendeiner Weise kommt das &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|177}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
zurück, was sich der Mensch in früheren Lebensläufen selber zubereitet hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie nun das Karma sinnvoll in der Welt wirkt, das kann am besten eine Betrachtung lehren, wo Karma sozusagen noch ohne moralischen Beigeschmack wirkt, wo es in der großen Welt selber wirkt, ohne daß es etwas zu tun hat mit dem, was der Mensch aus der Seele heraus an moralischen Impulsen entwickelt und was dann zu moralischen oder unmoralischen Handlungen führt. Wir wollen ein Gebiet des Karma vor unsere Seele stellen, in dem das Moralische noch keine Rolle spielt, sondern wo sich etwas Neutrales als karmische Verkettung darstellt. Nehmen wir an, eine Frau lebt in einer bestimmten Inkarnation. Nun werden Sie nicht in Abrede stellen, daß die Frau einfach dadurch, daß sie Frau ist, andere Erlebnisse haben muß als der Mann und daß diese Erlebnisse nicht nur bloß zusammenhängen mit inneren Seelenvorgängen, sondern daß sie im breitesten Maße zusammenhängen mit äußeren Geschehnissen, mit Lebenslagen, in welche die Frau nur dadurch kommt, daß sie Frau ist, und die wieder zurückwirken auf die ganze Seelenverfassung und Seelenstimmung. Daher können wir davon sprechen, daß die Frau zu gewissen Handlungen geführt wird, die im innigsten Zusammenhang stehen mit dem Frauendasein. Der Ausgleich zwischen Mann und Frau findet ja erst auf dem Gebiete des geistigen Zusammenlebens statt. Je tiefer wir nun hinuntersteigen in das bloß Seelische und in das Äußere des Menschen, desto größer wird der Unterschied zwischen Mann und Frau in bezug auf ihr Leben. Und so können wir sagen, daß die Frau auch in gewissen Eigenschaften der Seele verschieden ist vom Manne, daß sie mehr neigt zu jenen Eigenschaften der Seele, die zu Impulsen führen&amp;gt; welche als emotionelle bezeichnet werden müssen; und wir finden sie dazu veranlagt, mehr als der Mann psychische Erlebnisse zu haben. Dafür sind im Leben des Mannes Intellektualismus und Materialismus - dasjenige also, was durch den Mann gekommen ist - mehr zuhause, was auf das Seelenleben einen großen Einfluß hat. Psychisches und Emotionelles bei der Frau, intellektuelle und materialistische Momente beim Mann - so werden sie durch ihre Naturen geradezu bestimmt. Daher hat nun auch die Frau gewisse Nuancen des Seelenlebens dadurch, daß sie Frau ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|178}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun haben wir ja geschildert,daß dasjenige, was wir als Eigenschaften in der Seele erleben zwischen Tod und neuer Geburt, sich hineindrängt in unsere nächste leibliche Organisation, Was nun stärker psychisch ist, was stärker emotionell ist und im Leben zwischen Geburt und Tod mehr nach dem Inneren der Seele geht, das hat auch mehr Neigung, tiefer einzugreifen in die Organisation, sie viel intensiver zu imprägnieren. Und dadurch, daß die Frau solche Eindrücke aufnimmt, welche mit dem Psychismus, mit dem Emotionalismus zusammenhängen, nimmt sie in tiefere Seelengründe hinein auch die Erfahrungen des Lebens. Der Mann mag reichere Erfahrungen machen, auch wissenschaftlichere: so tief gehen bei ihm die Erfahrungen nicht in das Seelen- leben hinein, wie es bei der Frau der Fall ist. Bei der Frau prägt sich die ganze Erfahrungsumwelt tief ein in die Seele. Dadurch haben die Erlebnisse eine stärkere Tendenz, in die Organisation hineinzuwirken, die Organisation in der Zukunft stärker zu umklammern. Und so nimmt ein Frauenleben die Tendenz auf, durch ihre Erlebnisse in einer Inkarnation tief in den Organismus hineinzugreifen und damit in der nächsten Inkarnation den Organismus selber zu gestalten. Ein tiefes Hinein- arbeiten, ein tiefes Durcharbeiten des Organismus bedeutet nun aber: einen männlichen Organismus hervorbringen. Ein männlicher Organismus wird dadurch hervorgebracht, daß die Kräfte der Seele sich tiefer in das Materielle hineinprägen wollen. Daraus sehen Sie, daß aus den Frauenerlebnissen einer Inkarnation die Wirkung hervorgeht, in der nächsten Inkarnation einen männlichen Organismus hervorzubringen. Da haben Sie aus der Natur des Okkultismus einen Zusammenhang gegeben, der jenseits des Moralischen liegt. Deshalb sagt man im Okkultismus: Der Mann ist das Karma der Frau. - In der Tat ist die Mannesorganisation in einer späteren Inkarnation das Ergebnis der Erfahrungen und Erlebnisse in einer vorhergehenden Fraueninkarnation. Selbst auf die Gefahr hin, daß ich etwa unsympathische Gedanken erwecke bei einigen der Versammelten - es kommt ja immer vor, daß Männer der Gegenwart einen heil losen Respekt davor haben, als Frau inkarniert zu werden -, muß ich diese Dinge als Tatsachen auch wieder ganz objektiv beleuchten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie ist es nun mit den Manneserlebnissen? Mit den Manneserleb&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|179}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nissen verhält es sich so, daß wir sie am besten verstehen, wenn wir gleich von dem ausgehen, was wir jetzt eben dargestellt haben. Bei der Mannesorganisation hat der innere Mensch sich gründlicher in das Materielle hineingelebt, hat es mehr umklammert als bei der Frau. Die Frau behält mehr von dem Geistigen im Unkörperlichen zurück; sie lebt sich nicht so tief in das Materielle hinein, sie erhält ihre Körperlichkeit weicher. Sie trennt sich nicht so weit von dem Geistigen. Das ist das Charakteristische der Frauennatur, daß sie mehr zurückbehält von freier Geistigkeit und sich daher weniger in die Materie hineinarbeitet und vor allem das Gehirn weicher erhält. Daher ist es nicht zu verwundern, daß die Frauen für Neues, insbesondere auf geistigem Gebiete, eben eine besondere Neigung haben, weil sie das Geistige freier behalten haben und weil weniger Widerstand da ist. Und es ist kein Zufall, sondern es entspricht einer tiefen Gesetzmäßigkeit, daß bei einer Bewegung, die durch ihre Natur mit dem Spirituellen zu tun hat, sich eine größere Anzahl von Frauen einfindet als Männer. Und wer Mann ist, der weiß,was für ein schwieriges Instrument das Mannesgehirn oftmals ist. Es bildet furchtbare Hindernisse, wenn man es für biegsamere Gedankengänge brauchen will. Da will es nicht mitgehen. Es muß erst mit allen möglichen Mitteln herangebildet werden, um sich aus der Steifigkeit zu erlösen. Das kann durchaus ein eigenes Erlebnis der Manneserfahrung sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Mannesnatur ist also kondensierter, zusammengezogener; sie ist mehr gepreßt worden, steifer, härter gemacht worden durch das, was der innere Mensch im Manne ist; sie ist materieller gemacht worden. Nun ist ein steiferes Gehirn vor allem ein Instrument für das Intellektuelle, weniger für das Psychische. Denn das Intellektuelle ist etwas, was sich viel mehr auf den physischen Plan bezieht. Was als Intellektualismus des Mannes zu bezeichnen ist, das kommt von seinem steiferen, verfestigten Gehirn. Man könnte dabei von einem gewissen Grade von «Eingefrorenheit&amp;gt; des Gehirns sprechen. Es muß erst auftauen, wenn es sich in feinere Gedankengänge hinein finden soll. Dadurch aber wird der Mann veranlaßt, mehr die Äußerlichkeiten zu erfassen, weniger von denjenigen Erlebnissen aufzunehmen, die mit den Tiefen des Seelenlebens zusammenhängen. Und was er aufnimmt, das geht dann auch &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|180}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nicht tief. Ein äußerer Beweis dafür ist der, wie wenig tief die äußere Wissenschaft geht und wie wenig sie das Innere erfaßt - wie zwar immer im weiten Umkreis gedacht wird, aber wie wenig gründlich die Tatsachen zusammengezogen werden. Wer durch seine eigene Selbstzucht im Denken genötigt ist, die Tatsachen zusammenzufügen, dem könnte von dem, was die äußere Wissenschaft sich nicht scheut, als nebeneinander bestehend hinzustellen, manchmal recht übel werden. Da kann man sehen, wie wenig tief die Dinge gehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Beispiel dafür, wie oberflächlich die Dinge der heutigen Wissenschaft sein können: Nehmen Sie an, ein junger Mensch ist in irgendeinem Kolleg, wo ein enragierter Darwinianer vorträgt. Und bei diesem Vertreter der Selektionstheorie kann der Student etwa solche Dinge vertreten hören: Woher kommt es, daß der Gockel zum Beispiel so schöne, blauschillernde Farben an seinen Federn hat? Das ist auf eine geschlechtliche Zuchtwahl zurückzuführen; denn durch die Farben zieht er die Hennen &#039;an, und die Hennen wählen dann unten den Gockeln diejenigen, welche die bläulichschillernden Federn haben. Dabei kommen dann die andern zu kurz, und es bildet sich infolgedessen besonders die eine Sorte aus. Das ist eine Höherentwickelung, das ist «geschlechtliche Zuchtwahl»! - Und der Student ist froh, daß er weiß, wie eine Aufwärtsentwickelung zustande kommen kann. Jetzt geht er ins nächste Kolleg, wo, sagen wir, das Gebiet der Sinnesphysiologie behandelt wird. Und hier kann es jetzt vorkommen, daß derselbe Student nun im zweiten Kolleg etwa folgendes zu hören bekommt: Man hat Versuche gemacht, welche zeigen, wie verschieden die Farben des Spektrums auf die verschiedenen Wesenheiten wirken. Man kann nachweisen, daß zum Beispiel die Hühner von den gesamten Farben des Spektrums das nicht wahrnehmen, was zum Blau und Violett gehört, sondern daß sie nur dasjenige wahrnehmen, was vom Grünen zum Orange, Rot und Ultrarot geht!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt ist der Student, wenn er diese beiden Tatsachen, die er heute wirklich hören kann, zusammendenken will, darauf angewiesen, die Dinge oberflächlich zu nehmen. Es ist die ganze Selektionstheorie darauf gebaut, daß die Hennen am Gockel etwas sehen sollen an bunten Farben, was ihnen besondere Freude machen soll, was sie aber &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|181}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
in Wirklichkeit gar nicht sehen, was für sie wie rabenschwarz erscheint.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist nur ein Beispiel. Aber die Dinge sind so, daß sie dem, der wirklich wissenschaftlich forschen will, auf Schritt und Tritt so begegnen. Daraus sehen Sie, daß die Intellektualität nicht gerade sehr tief elngreift in das Leben, daß sie an der Oberfläche stehenbIeibt. Ich wähle absichtlich die krassen Beispiele. Man wird es ja nicht so leicht glauben wollen, daß die Intellektualität etwas ist, was sich mehr äußerlich abspielt, nicht tief eingreift in das Seelenleben, was wenig das Innere des Menschen ergreift. Und die materialistische Gesinnung ergreift das Seelenleben erst recht nicht. Die Folge davon ist aber die, daß der Mensch aus einer solchen Inkarnation, wo er wenig hineinwirkt in die Seele, die Tendenz aufnimmt zwischen Geburt und Tod, in der nächsten Inkarnation weniger in die Organisation einzudringen. Es ist ja die Kraft dazu weniger aufgenommen worden; deshalb wirkt sie jetzt so, daß der Mensch weniger seine Leiblichkeit imprägniert. Daraus entsteht nun aber die Neigung, in der nächsten Inkarnation einen Frauenleib aufzubauen. Wiederum ist es richtig, wenn man im Okkultismus sagt: Das Weib ist das Karma des Mannes!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf diesem moralisch neutralen Gebiete sehen wir, wie das, was sich der Mensch in einer Inkarnation vorbereitet, in der nächsten Inkarnation seine Leiblichkeit organisiert. Und weil diese D`inge nicht nur tief eingreifen in unser inneres Leben, sondern auch in unsere äußeren Erlebnisse und in unser Handeln&amp;gt; so müssen wir sagen: Indem der Mensch in einer Inkarnation Mannes- oder Frauenerlebnisse hat, wird in der nächsten Inkarnation sein äußeres Handeln in dieser oder jener Weise bestimmt, weil er durch die Frauenerlebnisse die Neigung hat, eine Mannesorganisation sich zu bilden, und umgekehrt durch die Manneserlebnisse eine Frauenorganisation. Nur in seltenen Fällen wiederholt sich die gleiche geschlechtliche Inkarnation; sie kann sich höchstens siebenmal wiederholen. Die Regel jedoch ist die, daß jede männliche Organisation in der nächsten Inkarnation danach strebt, weiblich zu werden, und umgekehrt. Da nützt alle Abneigung nichts, denn es kommt nicht darauf an, was man in der physischen Welt möchte, sondern es kommt auf die Neigungen an, die man in der Zeit zwischen Tod&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|182}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und neuer Geburt hat, und die werden durch vernünftigere Gründe bestimmt als solche, daß man etwa in einer männlichen Inkarnation einen Horror davor hat, in der nächsten Inkarnation sich als Frau zu inkarnieren. Da können Sie sehen, wie das spätere Leben karmisch bestimmt wird durch das frühere und wie auch die Handlungen des späteren Lebens bestimmt werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun handelt es sich darum, daß wir noch einen andern karmischen Zusammenhang einsehen lernen, den wir auch noch benötigen, wenn wir auf die wichtigen Betrachtungen der nächsten Tage Licht werfen wollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Blicken wir dazu noch einmal zurück auf einen recht fernliegenden Zeitpunkt der menschlichen Entwickelung: auf den Zeitpunkt, wo einmal auf der Erde die menschlichen Inkarnationen angefangen haben. Das geschah in der alten lemurischen Zeit. Nun handelt es sich darum, daß damals auf den Menschen zuerst in einer durchgreifenden Art gewirkt hat der luziferische Einfluß und daß dieser dann den ahrimanischen Einfluß herausgefordert hat. Versuchen wir uns einmal vor die Seele zu stellen, wie der luziferische Einfluß äußerlich im Menschen- leben gewirkt hat. - Dadurch, daß der Mensch überhaupt in die Lage gekommen ist, in jenen alten Zeiten den luziferischen Einfluß in sich aufzunehmen, also seinen astralischen Leib mit dem luziferischen Einfluß zu durchdringen, dadurch wurde sein astralischer Leib geneigt, viel tiefer noch in die Organisation einzugreifen, in das Materielle des physischen Leibes viel tiefer hinunterzusteigen, und vor allem auch ganz anders, als er ohne den luziferischen Einfluß hinuntergestiegen wäre. Der Mensch wurde durch den luziferischen Einfluß materieller. Hätte der luziferische Einfluß nicht gewirkt, dann wäre eine geringere Neigung des Menschen entstanden, in die materielle Welt hinunterzusteigen, der Mensch hätte sich als solcher in höheren Regionen des Daseins gehalten. Also es ist eine viel stärkere Durchdringung von äußerem und innerem Menschen geschehen, als es ohne den luziferischen Einfluß der Fall gewesen wäre. Diese Durchdringung war nun zunächst dieVeranlassung dafür, daß der Mensch durch die stärkere Verbindung mit dem Materiellen des äußeren Leibes den Rückblick auf die Ereignisse, welche seiner Einkörperung vorangegangen sind, verloren hat. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|183}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Mensch trat jetzt durch eine so geartete Geburt ins Dasein, daß er sich tief mit dem Materiellen verband und dadurch alle Rückschau auf die früheren Erlebnisse auslöschte. Der Mensch hätte sich sonst die Erinnerung bewahrt an das, was er vor der Geburt im Geistigen erlebt hat. Durch den luziferischen Einfluß wurde nun die Geburt ein Akt, durch den der Mensch so intensive Verbindungen zwischen äußerem und innerem Menschen herstellt, daß ausgelöscht wurde, was der Mensch in derZeit vorher in der geistigenWelt erleben kann. Es wurde der Mensch durch den luziferischen Einfluß beraubt seiner Erinnerungen an die vorhergehenden geistigen Erlebnisse. Die Verbindung mit der äußeren Leiblichkeit macht es, daß der Mensch nicht zurückblicken kann auf das Frühere. Dadurch aber ist der Mensch während seines Lebens darauf angewiesen, immer nur aus der Außenwelt seine Erfahrungen und Erlebnisse zu holen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun wären Sie aber auf einem ganz falschen Wege, wenn Sie glauben würden, daß nur die groben äußeren Stoffe, die der Mensch in sich aufnimmt&amp;gt; auf ihn wirken. Es wirken auf den Menschen nicht nur die Nahrungsmittel und -kräfte, sondern auch die sonstigen Erfahrungen, welche er macht, auch die Dinge, welche durch seine Sinne in ihn ein- fließen. Aber durch das gröbere Verbinden mit der Materie wirken auch die Nahrungsmittel anders. Stellen Sie sich vor, der luziferische Einfluß wäre nicht dagewesen; dann würde von den Nahrungsmitteln bis zu den Sinneseindrücken alles auf den Menschen weit feiner wirken. Er würde alles, was er als Wechselwirkung mit der Außenwelt erlebt, durchdringen mit dem, was er zwischen Tod und neuer Geburt erlebt hat. Dadurch, daß der Mensch die Materialität dichter gestaltet hat, ist er geneigt, auch viel Dichteres aufzunehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es wirkt also der luziferische Einfluß so, daß der Mensch durch die Verdichtung der Materie auch aus der Außenwelt viel Dichteres heranzieht, als er sonst herangezogen hätte. Das Dichtere, was er nun von außen heranzieht, ist aber ganz anders als das sonst weniger Dichte. Das weniger Dichte würde die Erinnerungen an das frühere Leben aufrechterhalten haben; es würde auch bewirken,daß er die Sicherheit hat, daß alles, was der Mensch erlebt zwischen Geburt und Tod, seine Wirkungen hineinerstreckt in einen nie endenden Zeitraum. Der Mensch &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|184}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
würde wissen: Es tritt zwar äußerlich der Tod ein, aber alles, was geschieht, wirkt weiter. Dadurch, daß der Mensch Dichteres aufnehmen mußte, schafft er von Geburt an eine starke Wechselwirkung zwischen seiner eigenen leiblichen Natur und der Außenwelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was hat nun dieser Wechselzustand zur Folge? Die geistige Welt ist ausgelöscht seit der Geburt. Und damit der Mensch im Geistigen leben, in der geistigen Welt aufwachen kann, muß erst wieder jener Zustand eintreten, wo alles, was von außen als dichtere Materialität in uns hineinkommt, wieder von den Menschen genommen wird. Weil wir uns eine dichtere Materialität angeeignet haben, müssen wir, um wieder in das Geistige hineinzukommen, auf den Zeitpunkt warten, wo die äußere materielle Leiblichkeit von uns genommen wird. Was nun da als dichtere Materialität in uns hineindringt&amp;gt; das zerstört stückweise, von unserer Geburt an, unsere menschliche Leiblichkeit. Was da hereinfließt, das ist etwas, was immer mehr und mehr die Leiblichkeit zerstört, bis es sie endlich ganz zerstört hat, daß sie nicht mehr bestehen kann. Von unserer Geburt angefangen, nehmen wir eine dichtere Materialität auf, als wir ohne den luziferischen Einfluß aufgenommen hätten, so daß wir unsere Leiblichkeit langsam vernichten, bis sie mit dem Eintreten` d&amp;amp; Todes ganz unbrauchbar geworden ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daran sehen wir&amp;gt; wie der luziferische Einfluß die karmische Ursache des Todes des Menschen ist. Gäbe es nicht diese Form der Geburt, so gäbe es nicht diese Form des Todes für den Menschen. Der Mensch würde sonst so vor dem Tode stehen, daß ihm die sichere Aussicht auf Kommendes vor Augen stehen würde. Der Tod ist die karmische Folge der Geburt, Geburt und Tod hängen karmisch zusammen. Ohne Geburt, wie sie der Mensch heute erlebt, gäbe es keinen Tod, wie ihn der Mensch erlebt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich habe vorhin schon gesagt, daß beim Tier nicht in demselben Sinne von Karma gesprochen werden kann wie beim Menschen. Wenn jemand sagen würde, daß auch beim Tier Geburt und Tod karmisch zusammenhängen, so.wüßte der Betreffende eben nicht, daß Geburt und Tod für den Menschen etwas ganz anderes sind als für das Tier. Was sich da äußerlich gleich sieht, ist innerlich nicht dasselbe; es handelt sich bei Geburt und Tod nicht um das äußerliche Aufbauen, sondern&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|185}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
um das innere Erleben. Beim Tier erlebt nur die Gattungsseele, die Gruppenseele. Das Absterben eines Tieres bedeutet für die Gruppenseele ungefähr dasselbe, was Sie erleben, wenn- Sie sich beim Herankommen des Sommers die Haare kürzer schneiden lassen, die dann wieder langsam nachwachsen. Es fühlt die Gruppenseele einer Tiergattung das Absterben eines Tieres wie das Absterben eines Gliedes, das sich nach und nach wieder ersetzt. Also die Gattungsseele ist das, was wir mit dem menschlichen Ich vergleichen dürfen. Sie kennt nicht Geburt und Tod, sie sieht auf das, was der Geburt vorangeht, fortwährend, und auch auf das, was dem Tode nachfolgt, sieht sie fortwährend. Von Geburt und Tod beim Tier zu sprechen, wie man davon beim Menschen spricht, ist ein Unsinn, weil ganz andere Ursachen vorangehen. Und man leugnet die innere Wirksamkeit des Geistes, wenn man glaubt, was sich äußerlich gleich darstelle, das sei auch von innerlich gleichen Ursachen bewirkt. Gleichheit der äußeren Vorgänge weist nie mit Sicherheit auf gleiche Ursachen hin. Der Geburt des Menschen liegen ganz andere Ursachen zugrunde als der des Tieres, und ebenso stirbt der Mensch aus ganz andern Ursachen heraus als das Tier.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn man ein wenig nachdenken würde, wie das Äußere sich ganz gleich ausnehmen kann, ohne daß das Innere im entferntesten Gleiches erlebt, dann würde man auch schon methodologisch darauf kommen, daß es sich so verhält. Sie können sogar auf höchst einfache Weise darauf kommen, daß der äußere Sinnenschein kein Beweis ist für das innere Leben. Denken Sie sich zwei Menschen; Sie kommen um neun Uhr an einen bestimmten Ort und sehen dort die zwei Menschen nebeneinanderstehen. Um drei Uhr gehen Sie wieder an den betreffenden Ort, nachdem Sie in der Zwischenzeit nicht dort gewesen sind. Da stehen die zwei Menschen wieder an derselben Stelle. Nun könnten Sie schließen: A steht immer noch an demselben Ort, B steht immer noch an demselben Ort, wo er um neun Uhr schon gestanden hat. Untersuchen Sie aber, was diese beiden Menschen inzwischen getan haben, dann werden Sie vielleicht finden, daß der eine da stillgestanden hat, während der andere unterdessen einen weiten Gang getan hat und in der Zwischenzeit müde geworden ist. Da liegen dann ganz andere Vorgänge zugrunde. Und wie es unsinnig wäre, wenn die beiden Menschen &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|186}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
um drei Uhr wieder an derselben Stelle stehen, zu sagen, daß in ihrem Inneren das Gleiche vorgegangen sei, ebenso unsinnig ist es, wenn man zwei gleichgeformte Zellen findet, aus ihrer gleichen Struktur schließen zu wollen, daß sie innerlich die gleiche Bedeutung haben. Es handelt sich darum, den ganzen Zusammenhang der Tatsachen zu kennen, der eine Zelle an den betreffenden Ort hingeführt hat. Daher ist die moderne Zellenphysiologie, die ausgeht von der Untersuchung der inneren Struktur der Zellen, auf ganz falschem Wege. Niemals kann das, was sich dem äußeren Sinnenschein darbietet, ausschlaggebend sein für das innere Wesen des Dinges.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So etwas muß man durchdenken, wenn man solche Dinge einsehen will, wie sie sich dem Okkultisten aus den okkulten Beobachtungen ergeben, wie zum Beispiel Geborenwerden und Sterben etwas ganz anderes ist beim Menschen als beim Säugetier oder gar bei den Vögeln. Diese Dinge zu studieren wird erst möglich sein, wenn die Leute wieder ein wenig auf das eingehen, was die geistige Forschung zu sagen hat. Bevor nicht darauf eingegangen wird, wird die äußere Wissenschaft, die beim Sinnenschein und bei den äußeren Tatsachen stehenbleibt, zwar sehr schöne Tatsachen zutage bringen; aber alles, was Menschen meinen können unter solchen Voraussetzungen über solche Tatsachen, das wird niemals maßgebend sein für die Wirklichkeit. Daher ist alles, was heute theoretische Wissenschaft ist, ein phantastisches Gebilde, das dadurch entstanden ist, daß man die äußeren Tatsachen nach dem äußeren Schein kombiniert. Auf manchen Gebieten drängen geradezu die äußeren Tatsachen dazu, in der richtigen Weise zu interpretieren; aber durch die heutigen Meinungen kommt man nicht dazu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So haben wir heute zwei neutrale Gebiete auf dem Felde der karmischen Gesetzmäßigkeit auf uns wirken lassen, und Sie werden sehen, daß sie uns eine Grundlage sein werden für die weiteren Betrachtungen. Wir haben eingesehen, wie die Frauenorganisation die karmische Folge der Manneserlebnisse ist und die Mannesorganisation eine karmische Folge der Frauenerlebnisse; und wir haben endlich eingesehen, daß der Tod eine karmischeWirkung der Geburt im Menschenleben ist. Das ist etwas, was, wenn man versucht, es nach und nach zu verstehen, uns tief hineinführen kann in die karmischen Zusammenhänge des Menschenlebens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|187}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= ZEHNTER VORTRAG Hamburg, 27. Mai 1910 =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gewisse tiefere Fragen des karmischen Zusammenhanges, die sich namentlich auf unseren menschlichen Einfluß auf das Karma und besonders auf das Karma anderer Menschen beziehen, solche Fragen also, die sich auf eine Richtungsänderung des Karma im Kleinen und im Großen beziehen, kann man nicht beantworten, auch nicht eine Vorstellung hervorrufen, wie sie beantwortet werden müssen, wenn man nicht in der Weise, wie wir es heute tun wollen, gewisse bedeutsame Geheimnisse unseres Weltendaseins berührt. Solche Fragen können sich vielleicht dann für jeden aus dem Gesagten ergeben, wenn Sie diesen oder jenen Gedanken, der angeschlagen und von der einen oder andern Seite beleuchtet worden ist, für sich selber weiter ausführen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So kann sich die Frage aufwerfen: Was geschieht, wenn im karmischen Zusammenhange eines Menschen durch das, was er früher erlebt und getan hat, ein Krankheitsprozeß zur Hinwegschaffung dieser karmischen Tatsache notwendig ist und wenn diesem Menschen durch Heilmittel oder durch einen andern Eingriff in derWeise geholfen wird, daß er durch menschliche Hilfe wirklich geheilt wird? Was liegt da vor, und wie verhält sich eine solche Tatsache zu den tieferen Auffassungen von der karmischen Gesetzmäßigkeit?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun bemerke ich von vornherein: Um überhaupt auch nur einige wesentlichere Lichter auf diese Frage zu werfen, müssen Dinge berührt werden, die der heutigen Wissenschaft und dem heutigen Denken der Menschen ganz fern liegen und welche auch nur sozusagen unter Theosophen besprochen werden können, die sich für solche Dinge schon dadurch vorbereitet haben, daß sie mancherlei Wahrheiten aufgenommen haben, die sich auf tiefere Untergründe des Daseins beziehen, und die sich auch ein Gefühl dafür erworben haben, wie Dinge,welche heute nur angedeutet werden können, sich doch voll begründen lassen. Dennoch möchte ich bei dieser Gelegenheit eine Bitte einfügen: Was ich genötigt bin zu sagen über die tieferen Untergründe des Erdendaseins, zum Beispiel was ich mich bemühen werde, in der präzisesten Form auszusprechen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|188}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und was sogleich falsch sein würde, wenn es in anderem Zusammenhang oder gar ohne Zusammenhang gesagt würde und deshalb zu Mißverständnissen Veranlassung geben würde, davon bitte ich, daß es nicht anders behandelt werde als so, daß man es eben aufnimmt. Auch ich muß daher gerade bei diesen Dingen darauf halten, daß niemand sie als ein Lehrgut betrachten sollte, das er irgendwie weitergeben könnte, weil nur der Zusammenhang eine solche Darstellung rechtfertigt und weil eine solche Darstellung nur gerechIfertigt ist, wenn dahinter das Bewußtsein liegt, wie man solche Worte zu prägen hat, um derartiges in Gedanken zum Ausdruck zu bringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um was es sich nun handelt, das ist die Frage nach dem tieferen Wesen des materiellen Daseins auf der einen Seite und nach dem Wesen des seelischen Daseins auf der andern Seite. Eine tiefere Auffassung vom Seelischen und Materiellen werden wir uns heute notwendig aneignen müssen, und zwar werden wir es nötig haben aus einem ganz bestimmten Grunde heraus, aus dem Grunde, weil wir in den verflossenenVorträgen angeführt haben,daß das Seelische des Menschen mehr oder weniger tief hineindringen kann in das Materielle. Ja, wir haben gestern das Wesen des Männlichen dadurch charakterisieren können, daß wir sagten, beim Manne dringe das Seelische tiefer in das Materielle hinein, präge sich tiefer ein, während das Seelische beim Weiblichen in gewisser Beziehung sich mehr zurückzieht und sich mehr ein selbständiges Dasein gegenüber dem Materiellen aneignet. So haben wir gesehen, daß vieles im karmischen Ausleben darauf beruht, wie die Durchdringung des Seelischen und des Materiellen stattfindet. Wir haben auch gesehen, wie ein gewisser Krankheitsprozeß, der in einer Inkarnation auftritt, sich darstellt als die karmische Folge von Verfehlungen, welche die Seele in früheren Verkörperungen begangen hat, indem die Seele damals ihre Taten, Erlebnisse und Impulse in sich verarbeitet und dann auf dem Wege zwischen Tod und neuer Geburt die Tendenz auf- genommen hat, dasjenige, was früher bloß als ein Merkmal, als ein Einfluß des Seelischen sich abgespielt hat, hineinzudrängen in das Körperliche, in das Materielle. Und indem dann die menschliche Wesenheit durchtränkt wird von einem solchen Seelischen, das den luziferischen oder ahrimanischen Einfluß in sich aufgenommen hat, wird gerade dadurch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|189}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
das menschliche Materielle verdorben. Darinnen liegt ja dann der Krankheitsverlauf. Daher können wir sagen: In einem kranken Leibe steckt ein verdorbenes Seelisches, das einen unrichtigen Einfluß erfahren hat, einen luziferischen oder ahrimanischen Einfluß; und in dem Augenblick, wo wir den luziferischen oder ahrimanischen Einfluß aus dem Seelischen herausbringen könnten, würde die richtige Durchdringung von Seele und Leib eintreten, das heißt, es würde Gesundheit eintreten. - Wir müssen also fragen: Wie verhält es sich mit diesen zwei Wesensgliedern des irdischen menschlichen Daseins, welche uns da vor Augen treten, mit der Materie und dem Seelischen? Was sind sie in ihrem tieferen Wesen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn diese Frage aufgeworfen wird, so hat der heutige Mensch gewöhnlich die Meinung, daß die Antwort auf die Frage: Was ist Materie? Was ist Seele? - überall inderWelt gleich ausfallen müßte;und ich glaube nicht, daß es einem Menschen leicht würde, sich mit der Meinung bekanntzumachen, daß für Wesen, welche auf dem alten Monde gelebt haben&amp;gt; die Antwort auf die Frage: Was ist Materie? Was ist Seele? - ganz anders hätte ausfallen müssen als für Wesen, welche auf der Erde leben. Aber das Dasein ist so sehr in Entwickelung, daß sich selbst solche Dinge ändern wie die Vorstellungen, welche sich ein Wesen machen kann von den tieferen Grundlagen seines eigenen Wesens. Und so ändert sich auch dasjenige, was als Antwort gegeben werden muß auf die Frage: Was ist Materie? Was ist Seele? Es ist daher von vornherein zu betonen, daß die Antworten, die gegeben werden, nur Antworten sind, welche der Erdenmensch geben kann und die nur für diesen Erdenmenschen eine Bedeutung haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
«Materie&amp;gt; wird ja der Mensch zunächst nach dem beurteilen, was ihm in der Außenwelt an den verschiedenen Wesenheiten und Dingen entgegentritt und was auf ihn in irgendeiner Weise Eindruck macht. Der Mensch findet dann, daß es verschiedene Arten von Materien gibt, und ich brauche ja darin dicht sehr weit auszuholen, denn was darüber zu sagen wäre, wenn wir mehr Zeit hätten, können Sie in allen entsprechenden Trivialschriften finden. Ich sage daher für jetzt genug, wenn ich darauf hinweise, daß sich Materie verschieden darstellt für den Menschen, indem er die verschiedenen Metalle sieht, Gold, Kupfer, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|190}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Blei und so weiter, oder wenn er dasjenige sieht, was nicht in die Reihe der Metalle gehört. Sie wissen auch, daß die Chemie diese Materien nach und nach zurückgeführt hat auf gewisse Grundstoffe der Materie, die sie Elemente nennt. Diese Elemente wurden ja noch bis ins 19. Jahrhundert hinein so angesehen, daß sie Materien sind, die sich nicht weiter zerlegen lassen. Während wir irgendeine Substanz, welche uns als Materie entgegentritt, zum Beispiel Wasser, trennen können in Wasserstoff und Sauerstoff, haben wir in Wasserstoff und Sauerstoff solche Materie vor uns, die nach der Meinung der Chemie des 19. Jahrhunderts nicht weiter zerlegt werden kann. Bis siebzig solcher Elemente hat man unterschieden. Und Sie wissen wohl auch, daß durch die Erscheinungen, welche in Anknüpfung an einige besondere Elemente, zum Beispiel Radium, haben angestellt werden können, oder daß auch in Anknüpfung an mancherlei Erscheinungen der Elektrizitätslehre der Begriff der Elemente verschiedentlich erschüttert worden ist, daß man zu der Ansicht gekommen ist, daß es nur eine vorläufige Grenze der Materie sei, was man als die etwa siebzig Elemente kennt, und daß man die Zerlegbarkeit weiter zurückführen kann auf eine einzige Grundmaterie, die dann nur durch die innere Kombination, durch das innere Wesenselement, das eine Mal sich zu Gold, das andere Mal zu Kalium, Kalzium und so weiter spezialisiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das sind veränderliche wissenschaftliche Theorien. Und geradeso wie sich die wissenschaftlichen Theorien im Laufe von je fünfzig Jahren im 19. Jahrhundert verändert haben, wie es dahin kommen konnte,daß gewisse Physiker in dem, was Materie sein soll, etwas mit Entitäten, mit Wesenheiten zu Bezeichnendes sahen, etwas, was von der Elektrizität hergenommen ist, wie jetzt die Ionentheorie - das sind wissenschaftliche Moden -, ebenso werden in gar nicht so ferner Zeit andere wissenschaftliche Moden existieren, und man wird sich die Materie anders konstituiert denken. Das sind Tatsachen. Die wissenschaftlichen Meinungen sind veränderlich, müssen auch veränderlich sein, denn sie hängen ganz ab von den jeweiligen Tatsachen, die gerade auf ein Zeitalter besonders signifikant wirken. Dagegen hat die geisteswissenschaftliche Lehre durch alle Epochen hindurchgehend, so lange es Erdenkulturen gibt - und sie wird so lange hindurchgehen, solange es eine &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|191}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erdenkultur geben wird -, immer eine einheitliche, gleiche Anschauung gehabt über das Wesen des materiellen Daseins, über die Materie. Um Sie auf das zu führen, was die Geisteswissenschaft als das Wesentliche der Materie, des Materiellen ansieht, möchte ich folgendes sagen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie kennen den ganz gewöhnlichen Vorgang: wenn wir Eis haben, ist das ein fester Körper, eine feste Materie. Diese Materie ist nicht fest durch ihre eigentliche Wesenheit, sondern sie ist eine feste Materie nur durch äußere Umstände. Sie ist sofort keine feste Materie mehr, wenn wir die Temperatur in entsprechender Weise erhöhen; da ist sie eine flüssige Materie. Wie sich eine Materie in der äußeren Welt darlebt, das hängt also nicht ab von dem, was in ihr selber ist, sondern von den ganzen Verhältnissen des umgebenden Weltalls. - Dann können wir weiter dieser Materie Wärme zuführen, und aus dem Wasser wird von einem bestimmten Punkt ab Dampf. So haben wir Eis, Wasser, Dampf und haben durch die Erhöhung der Temperatur der Umgebung etwas herbeigeführt, was wir bezeichnen können als «die Materie in den verschiedensten Formen». So haben wir an der Materie, wie sie sich uns darstellt, nicht nach einer innerlichen, sie konstituierenden Wesensart zu unterscheiden, sondern wir müssen uns klar sein, daß die Art, wie Materie uns entgegentritt, von der Art der Gesamtkonstitution des Weltalls abhängt und daß man nichts vom ganzen Weltall in einzelne Materien trennen darf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun liegen allerdings die Dinge so, daß die Methoden der heutigen Wissenschaft überhaupt nicht ausreichen, um zu dem zu kommen, wozu Geisteswissenschaft kommen kann. Es kann die heutige Wissenschaft mit ihren Mitteln die Materie, die in der Form eines Stückes Eis durch Temperaturerhöhung erst flüssig und dann dampfförmig wird, niemals so weit führen, daß sie bis zu dem auf der Erde als letzten erreichbaren Zustand kommt, in welchen jede Materie überzuführen ist. Es ist nicht möglich, heute mit wissenschaftlichen Mitteln solche Verhältnisse her- beizuführen, wodurch etwa gezeigt werden könnte: Wenn du Gold nimmst und es immer weiter verdünnst, so weit als du es nur auf der Erde verdünnen kannst, dann kommst du zuletzt zu diesem oder jenem Zustand. Wenn du mit Silber dasselbe machst, ist es ebenso, bei Kupfer auch, und so weiter. - Die Geisteswissenschaft kann das, weil sie zuletzt &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|192}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
fußt auf den hellseherischen Forschungsmethoden. Dadurch ist sie im- stande, eines zu beobachten: Wie in den, man könnte sagen, Zwischen- räumen unserer Materien immer sich ein Gleiches überall findet, ein Gleiches, welches in der Tat die äußerste Grenze darstellt, zu dem überhaupt Materie gebracht werden könnte, was für eine Materie es auch immer sein mag. Es gibt wirklich einen für hellseherische Forschung erreichbaren Auflösungszustand aller Materie, wo sich alle Materie in einem dabei Gleichen zeigt; nur ist das, was da auftritt, nicht mehr Materie, sondern etwas, was jenseits aller spezialisierten Materien liegt, die uns umgeben. Und jede einzelne Materie stellt sich dann dar als ein aus dieser Grundmaterie - es ist ja keine Materie mehr - Kondensiertes, Verdichtetes, ob Sie Gold, Silber oder was immer für eine Materie haben. Es gibt ein Grundwesen unseres materiellen Erdenseins, von dem alles Materielle nur durch Verdichtung zustande gekommen ist. Und auf die Frage: Was ist das für eine Grundmaterie unseres Erdendaseins? - antwortet die Geisteswissenschaft: Jede Materie auf der Erde ist kondensiertes Licht! Es gibt nichts im materiellen Dasein, was etwas anderes wäre als in irgendeiner Form verdichtetes Licht. Daher sehen Sie, daß es für denjenigen, der die Tatsachen kennt, nicht eine Theorie zu begründen gibt wie etwa die Schwingungshypothese des 19.Jahrhunderts, in welcher man versuchte, Licht darzustellen mit Mitteln, die selber gröber sind als das Licht. Licht ist nicht auf etwas anderes in unserem materiellen Dasein zurückzuführen. Wo Sie hin- greifen und eine Materie anfühlen, da haben Sie überall kondensiertes, zusammengepreßtes Licht. Materie ist ihrem Wesen nach Licht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit haben wir vom geisteswissenschaftlichen Standpunkt aus auf die eine Seite der Sache hingewiesen. Wir haben also dasjenige, was allem materiellen Dasein zugrunde liegt, im Lichte zu sehen. Und wenn wir den materiellen Menschenleib ansehen, so ist auch er, insofern er materiell ist, nichts anderes als aus Licht Gewobenes. Insofern der Mensch ein materielles Wesen ist, ist er aus Licht gewoben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nunmehr nehmen wir die andere Frage: Was ist das Wesen des Seelischen? - Wenn wir in ähnlicher Weise mit geisteswissenschaftlichen Mitteln das Substantielle, das wirkliche Grundwesen des Seelischen erforschen würden, so würde sich uns darstellen - so wie alles Materielle &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|193}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nur zusammengepreßtes Licht ist -, daß alle noch so verschiedenen seelischen Erscheinungen auf der Erde sich uns ergeben als Modifikationen, als mannigfaltige Umformungen dessen, was genannt werden muß, wenn wir die Grundbedeutung dieses Wortes wirklich erfassen: Liebe. Jede Regung seelischer Art, wo sie auch immer auftritt, ist in irgendeiner Weise modifizierte Liebe. Und wenn wir Inneres und Äußeres beim Menschen gleichsam ineinandergesteckt haben, ineinandergeprägt haben, so haben wir seine äußere Leiblichkeit gewoben aus Licht, sein inneres Seelisches haben wir gewoben in einer vergeistigten Weise aus Liebe. Liebe und Licht sind in der Tat in allen Erscheinungen unseres Erdendaseins irgendwie ineinandergewoben. Und wer geisteswissenschaftlich die Dinge zu begreifen hat, der fragt in allererster Linie: Wie sind in irgendeinem Grade Liebe und Licht ineinander verwoben?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Liebe und Licht sind die zwei Elemente, die zwei Komponenten, die alles Erdendasein durchsetzen: Liebe als seelisches Erdendasein, Licht als äußeres materielles Erdendasein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun aber tritt gerade jetzt dasjenige ein, daß für die beiden Elemente Licht und Liebe, die sonst eigentlich nach dem großen Gange des Weltendaseins nebeneinanderstehen würden, ein Vermittler da sein muß, der das eine Element in das andere hineinverwebt, der Licht in Liebe hineinverwebt. Das muß eine Macht sein, welche sozusagen kein besonderes Interesse hat an der Liebe, die also hineinverwebt in das Element der Liebe das Licht - die nur Interesse daran hat, dem Lichte die größtmögliche Ausbreitung zu geben, die also Licht hineinstrahlen läßt in das Element der Liebe. Eine solche Macht kann keine Erden- macht sein, denn die Erde ist gerade der Kosmos der Liebe. Die Erde hat die Mission, die Liebe überall hineinzuverweben. Also alles, was mit dem Erdendasein so recht verknüpft ist, hat kein Interesse, das nicht irgendwie von der Liebe berührt sein würde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein solches Interesse aber haben die luziferischen Wesenheiten; die sind gerade auf dem Monde zurückgeblieben, auf dem Kosmos der Weisheit. Sie haben besonders das Interesse, Licht in Liebe hineinzuweben. Daher sind in der Tat die luziferischen Wesenheiten überall am Werke, wo unser Inneres, das eigentlich aus Liebe gewoben ist, irgendwie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|194}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
in Zusammenhang tritt mit dem Lichte, wo es in, irgendeiner Form vorhanden ist; und Licht tritt uns ja in allem materiellen Dasein entgegen. Kommen wir nur irgendwie mit dem Licht in Zusammenhang, so treten die luziferischen Wesenheiten auf, und es verwebt sich das Luziferische in die Liebe. Dadurch ist der Mensch im Laufe der Verkörperungen überhaupt erst in das luziferische Element hineingekommen: Luzifer hat sich verwoben mit dem Elemente der Liebe. So daß in dasjenige, was aus Liebe gewoben ist, sich hineinpreßt das Element des Luzifer, das uns allein dasjenige bringen kann, was die Liebe nicht nur eine restlose Hingabe sein läßt, sondern was die Liebe durchsetzt mit Weisheit, so daß sie eine aus einem Innersten mit Weisheit durch- setzte Liebe ist. Denn sonst, ohne diese Weisheit, wäre die Liebe eine selbstverständliche Kraft, für die der Mensch nicht verantwortlich sein könnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So aber wird die Liebe zur eigentlichen Ich-Kraft, in die hineinverwoben wird das luziferische Element, das sonst nur draußen im Materiellen war. Dadurch wird es erst möglich, daß unser Inneres, dem im Erdendasein das Merkmal der Liebe in allem Umfange zukommen müßte, durchsetzt wird von all dem andern, was wir als ein Wirken des Luzifer bezeichnen können und was von dieser Seite her zu einer Durchdringung des äußeren Materiellen führt, so daß Liebe nicht nur von dem durchwoben wird, was vom Licht gewoben ist, sondern daß solche Liebe entsteht, die von Luzifer durchzogen ist. Indem der Mensch das luziferische Element aufnimmt, durchwebt er das materielle Dasein in seiner eigenen Leiblichkeit mit einem solchen Seelischen, das zwar aus Liebe gewoben ist, wo aber hineinverwoben ist das luziferische Element. Die mit dem luziferischen Element durchsetzte Liebe, die sich in das Materielle hineinimprägniert, das ist die von innen heraus wirkende Krankheitsursache. Und in Anknüpfung an alles, was wir früher angeführt haben als eine notwendige Folge der aus dem luziferischen Element herrührenden Erkrankung, dürfen wir jetzt sagen: Was wir als eine solche Folge im Schmerz zu sehen haben - wir haben ja gesehen, wie der Schmerz eine Folge des luziferischen Elementes ist -, das zeigt uns die Wirkung der karmischen Gesetzmäßigkeit in der Weise, daß die Wirkung einer Tat oder einer Versuchung, die von Luzifer her- &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|195}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
rührt, sich karmisch dergestalt aus lebt, daß im Schmerz sich kundgibt, was zur Überwindung der betreffenden Wirkung führen soll.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie ist es nun aber damit, ob wir in einem solchen Falle helfen dürfen? Dürfen wir hier helfen? Dürfen wir alles, was sich aus dem luziferischen Element hineingedrängt hat mit seinen ganzen Folgen in den Schmerz, in irgendeiner Weise beseitigen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der Antwort auf die Frage nach dem Wesen des Seelischen ergibt sich uns als Notwendigkeit, daß wir das nur tun dürfen, wenn wir für einen Menschen, der das luziferische Element als Krankheitsursache in sich hat, das Mittel finden, um das Luziferische in der entsprechenden Weise zu vertreiben. Was ist das für ein Mittel allein, was stärker wirken muß, damit das luziferische Element in der richtigen Weise entfernt wird? Was ist verunreinigt durch das luziferische Element unserer Erde? - Die Liebe! Daher können wir nur durch Zuführung von Liebe wirkliche Hilfeleistung haben, damit das karmische Element sich in der entsprechend richtigen Weise abspielt. So haben wir letzten Endes bei allem, was in dieser Richtung zu Krankheitsursachen wird, in dem Element der Liebe, das beeinträchtigt worden ist im Seelischen durch den luziferischen Einfluß, etwas zu sehen, dem wir etwas zuführen müssen. Wir müssen Liebe einflößen, damit das, was als Liebestat einfließt, eine Hilfe sein kann. Diesen Charakter zugeführter Liebe haben alle diejenigen Heilungstaten, die sich mehr oder weniger auf das stützen, was man psychische Heilungsprozesse nennen kann. In irgendeiner Form hängt das, was bei psychischen Heilungsprozessen angewendet wird, zusammen mit der Zuführung von Liebe. Liebe ist es, was wir als Balsam dem andern Menschen einflößen. Auf Liebe muß es zuletzt zurückgeführt werden können. Und das kann es auch. Auf Liebe kann es zurückgeführt werden, wenn wir einfache psychische Faktoren in Bewegung setzen, wenn wir einen andern veranlassen, vielleicht auch nur sein herabgedrücktes Gemüt in Ordnung zu bringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das muß alles seinen Impuls in der Liebe haben, von einfachen Heilprozessen ausgehend bis zu dem, was heute oft in laienhafter Weise mit dem Namen «Magnetisieren» benannt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was wird dabei in Wirklichkeit von dem Heiler demjenigen mit- geteilt, der geheilt werden soll? Es ist - wenn wir mit einem Ausdruck &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|196}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der Physik sprechen wollen - ein «Austausch von Spannungen». Was in dem Heiler lebt, namentlich gewisse Prozesse im Ätherleibe&amp;gt; das wird dadurch, daß es in ein gewisses Verhältnis tritt zu dem, der geheilt wer&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
den soll, in eine Art Polarität gebracht zu dem zu Heilenden. Polarität wird hervorgerufen gerade so, wie Sie sonst in einem abstrakteren Sinne Polarität hervorrufen, wenn Sie die eine Art von Elektrizität, die positive, hervorrufen und die entsprechend andere, die negative, in einer gewissen Weise erscheint. Es werden Polaritäten hervorgerufen. Und das ist im eminentesten Sinne als eine Opfertat aufzufassen. Man ruft in sich selber in der Tat einen Prozeß hervor, der nicht nur dazu bestimmt ist, in uns selber eine Bedeutung zu haben - sonst ruft man nur einen Prozeß hervor; in diesem Fall soll aber der Prozeß dazu bestimmt sein, in dem andern eine Polarität zu dem ersten Prozesse hervorzurufen. Und diese Poiarität, die natürlich davon abhängt, daß der Heiler und der zu Heilende in irgendeinem Sinne in Zusammenhang gebracht werden, diesen andern Prozeß in dem andern hervorzurufen, ist im eminentesten Sinne die Hinopferung einer Kraft, die nichts anderes ist als umgewandelte Liebeskraft, Liebestat in irgendeiner Form. Das ist das eigentlich Wirkende bei solchen psychischen Heilungen: die in irgendeine Form umgewandelte Liebeskraft. Und wir müssen uns daher klar sein, daß ohne die zugrunde liegende Liebeskraft die Sache immer etwas haben wird, was nicht zu dem richtigen Ziele führen kann. Aber Liebesprozesse brauchen ja nicht immer nur so zu verlaufen, daß sich der Mensch dessen im gewöhnlichen Tagesbewußtsein vollständig bewußt ist; sie verlaufen auch in den unterbewußten Schichten. Sogar in dem, was als Technik der Heilprozesse angesehen werden kann, selbst in der Art, wie man zum Beispiel die Handstriche macht, wie sie technisch in ein System gebracht werden, auch da liegt schon darinnen, daß sie ein Abbild sind einer Opfertat. Also selbst da, wo wir nicht unmittelbar in einem Heilprozesse den Zusammenhang erblicken, wo wir nicht sehen, was getan wird, liegt doch vor eine Liebestat, wenn sie auch ganz und gar in Technik umgewandelt ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So sehen wir, daß wir deshalb, weil das Seelische im Grundwesen Liebe ist, mit psychischen Heilfaktoren eingreifen können, die scheinbar sehr nach der Peripherie des menschlichen Wesens liegende Prozesse &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|197}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sein können, und daß durch solche Heilfaktoren das, was im Grund- wesen Liebe ist, sich bereichert mit dem, was es braucht als Liebe. Da sehen wir die Hilfe von der einen Seite, die Hilfe, die wir leisten dürfen,weil wir dem Menschen Beistand gewähren müssen, damit er, nachdem er in die Fangarme Luzifers gekommen ist, sich auch wieder aus ihnen befreien kann. Weil das Grundwesen des Seelischen Liebe ist, dürfen wir sehr wohl das Karma in seiner Richtung beeinflussen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun - nach der andern Seite - fragen wir, was ist geworden aus dem aus Licht gewobenen Materiellen, wo das Seelische darinnensteckt? Was ist geschehen mit dem aus Licht gewobenen Materiellen des Menschen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen wir die Körperlichkeit eines Menschen, den äußeren Menschen in seiner materiellen Leiblichkeit.Würde nicht aus dem Seelischen heraus durch den karmischen Prozeß in das Materielle eingeprägt sein eine solche Liebessubstanz, die von Luzifer oder Ahriman durchsetzt wäre, würde nur eine reine Liebessubstanz ein fließen, dann würden wir diese Liebessubstanz nicht als verunreinigend, als verschlechternd empfinden können für die aus Licht gewobene Materie. Würde bloß Liebe einfließen in die Materie, so würde sie so ein fließen in die menschliche Leiblichkeit, daß diese nicht verschlechtert werden könnte; nur weil Liebe ein fließen kann, welche luziferische oder ahrimanische Kräfte aufgenommen hat, kann die aus Licht gewobene Materie schlechter werden, als sie ursprünglich sein sollte. Also kann es nur herrühren von den während der aufeinanderfolgenden Inkarnationen in die Menschen eingeflossenen luziferischen oder ahrimanischen Schädigungen, daß wir in der menschlichen Organisation etwas vor uns haben, was nicht so ist, wie es sein sollte. Wäre es so, wie es sein sollte, so würde es die gesunde Menschenmaterie darstellen; aber da es die Wirkungen Ahrimans und Luzifers in sich aufgenommen hat, kann es krankes Leibliches sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie können wir nun von außen herausbringen die entsprechenden Einflüsse, die von innen durch ein nicht richtiges Seelisches, durch eine nicht richtige Liebessubstanz eingeflossen sind? Was geschieht denn mit dem Leiblichen dadurch, daß etwas Unrichtiges einfließt? Für die Geisteswissenschaft geschieht dadurch etwas, was aus gewobenem Lichte in irgendeiner Weise sein Gegenteil macht. Licht hat sein Gegenteil in einer irgendwie gearteten Finsternis. Alles, was sich real - so sonderbar &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|198}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
es auch klingt - als die Verunreinigung dessen darstellt, das aus Licht gewoben ist, ist eine aus ahrimanischem oder luziferischem Einfluß hineingewobene Finsternis oder Dunkelheit. So sehen wir im menschlichen Materiellen hineingewobene Finsternis. Aber diese Finsternis wurde erst dadurch hineinverwoben, daß diese menschliche LeiblichkeitTräger wurde von dem, was sich als «Ich» durch die Inkarnationen hindurchlebt. Das war früher nicht darinnen. Nur ein menschliches Leibliches kann gerade spezifisch diese Verschlechterungen haben. Die waren früher nicht in dem, was das Licht gewoben hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun nimmt der Mensch heute die Grundlage zum Materiellen aus dem, was er im Verlaufe der Entwickelung nach und nach aus sich herausgesetzt hat. Das ist das Tierreich, das pflanzliche und das mineralische Reich. Diese enthalten auch die verschiedenen Materien, das heißt für das Erdendasein aus Licht Gewobenes. Aber in all diesen Materien ist noch nicht das da rinnen, was im Verlaufe des menschlichen Karma hat vom Inneren des Menschen hineinkommen können in das menschliche materielle Dasein. Wir haben also in den drei Reichen um uns herum etwas, auf das der Mensch durch seinen luziferischen oder ahrimanischen Einfluß von sich aus, insofern er von seiner Liebessubstanz aus wirkt, niemals hat verunreinigend wirken können. Da drinnen ist nichts von ihm, so daß in seiner Reinheit hat ausgebreitet werden können dasjenige, was in bezug auf seine Reinheit beim Menschen- verunreinigt ist. Wenn wir zum Beispiel draußen eine mineralische Materie haben, ein Salz oder etwas anderes, so ist das eine Materie, die der Mensch auch in sich trägt oder tragen kann; bei ihm ist sie aber durchwoben von dem, was wir die von Ahriman oder Luzifer verunreinigte Liebessubstanz nennen können. Draußen aber ist sie rein. So unterscheidet sich jede Substanz draußen von dem, was der Mensch als Substanz in sich trägt. Draußen ist es immer anders, als es im Menschen ist, weil es bei ihm durchwoben ist vom ahrimanischen und luziferischen Einfluß. Das ist der Grund, warum für alles, was der Mensch mehr oder weniger an seiner äußeren Substantialität verderben kann, draußen etwas zu finden sein muß, was das Entsprechende im reinen Zustande darstellt, ohne daß die menschliche Schädigung darinnen ist. Was draußen existiert in der Welt ohne Schädigung, das ist das äußere Heil- &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|199}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
mittel für das entsprechend Geschädigte. Führen Sie das der menschlichen Wesenheit zu in richtiger Weise, dann haben Sie das Spezifikum für die entsprechende Schädigung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da haben Sie ganz objektiv dasjenige, was Sie dem menschlichen Leib als Heilmittel zuführen. Da haben Sie charakterisiert die Schädigung als spezifizierte Dunkelheit, dasjenige, was noch nicht dunkel ist, als das außen gewobene reine Licht - und Sie sehen, warum Sie die im Menschen befindliche Dunkelheit, die dunkle Materie, aufheben können, wenn Sie ihm reine, aus Licht gewobene Materie beibringen können. So haben wir in der reinen, aus Licht gewobenen Materie ein spezifisches Heilmittel gegen die Schädigung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es handelt sich nun darum - und oft wurde darauf aufmerksam gemacht, daß es ein Irrtum ist, dem gerade die Theosophie nicht verfallen darf-,daß es eine Engherzigkeit wäre, wenn man leugnen wollte, daß es eigentlich doch in solchen Fällen etwas gibt, was man bei dieser oder jener Schädigung als ein auf dieses oder jenes Organ wirksames spezifisches Heilmittel verabreichen kann. Es wurde freilich oft gesagt, daß der Organismus die Kräfte habe, sich zu helfen; aber wenn auch das richtig ist, was dieWiener Schule der nihilistischenTherapie geltend gemacht hat: durch die Aufrufung der Gegenkräfte den Heilprozeß einzuleiten -, so können wir dennoch durch spezifische Mittel dem Heilprozeß entgegenkommen. Hier sehen wir einen Parallelismus herrschen, den man aus der Geisteswissenschaft heraus schildern kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus dem, was ich geschildert habe zum Beispiel über Diphtherie, können Sie entnehmen, daß es sich dabei um etwas handelt, was ganz besonders in der karmischen Ursache den astralischen Leib getroffen hat. Nun finden wir etwas, was diesem astralischen Leib am nächsten verwandt ist, in der Umgebung des Menschen, in dem Tierreich. Daher werden Sie bei denjenigen Krankheitsformen, die dem astralischen Leib eminent nahe stehen, immer finden, daß die Heilwissenschaft unbewußt, aus einem dunklen Triebe heraus, nach Mitteln sucht, die aus dem Tierreich hergenommen sind. Bei solchen Krankheiten, deren Ursache im Ätherleib liegt, greift die Heilwissenschaft nach Mitteln aus dem Pflanzenreich. Und es könnte jetzt ein interessanter Vortrag gehalten werden zum Beispiel über die Beziehung der Digitalis purpurea &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|200}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
zu gewissen Herzkrankheiten. Das sind Dinge, die, insofern sie auf Wirklichkeit beruhen, nicht bloß fünf Jahre richtig sind und dann anfangen falsch zu werden, wie ein Mediziner sagte und wie es tatsächlich der Fall ist, wann nur aus äußeren Symptomen geschlossen wird. Aber es gibt einen gewissen Schatz von Heilmitteln, der immer auf irgendeinen Zusammenhang mit der Geisteswissensc1iaft zurück- geht, der sich vererbt hat, ohne daß die Leute wissen, woher er gekommen ist. Ebenso wie es heute die Astronomen nicht wissen, daß die Kant-Laplacesche Theorie aus den Geheimschulen des Mittelalters gekommen ist, so wissen es die Leute nicht, woher die eigentlichen Heilschätze oft stammen. - Und Krankheitsursachen, die mit der Wesenheit des physischen Leibes zusammenhängen, führen dann zur Anwendung von Heilmitteln aus dem Mineralreich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Selbst durch diese analogen Anschauungen kann also ein Fingerzeig auf die Sache gegeben werden. Daher ist für den Menschen durch den Zusammenhang mit der uns umgebenden Welt die Möglichkeit vor- handen, daß ihm von zwei Seiten her geholfen wird: indem man ihm auf der einen Seite modifizierte Liebe beibringt in den psychischen Heilprozessen, oder anderseits in der verschiedensten Weise modifiziertes Licht bei jenen Prozessen, die irgendwie mit äußeren Heilprozessen zusammenhängen. Alles, was getan werden kann, wird entweder mit inneren psychischen Mitteln, mit Liebe, oder mit äußeren Mitteln, mit irgendwie verdichtetem Licht, geleistet. Und wenn einmal die Wissenschaft so weit sein wird, daß sie lernen wird, an das Übersinnliche zu glauben und an den Satz: Materie ist irgendwie kondensiertes Licht -, dann wird von diesem Grundsatz aus ein geistiges Licht geworfen werden auf das systematische Suchen nach der Art, wonach mit äußeren&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mitteln dem Menschen geholfen werden kann. Daraus sehen wir, wie in dem, was während langer Zeiträume aus den Geheimschulen des alten Ägypten und des alten Griechenland heraus nach und nach dem Heilschatze zugefügt worden ist, nicht nur ein bloßer Unsinn steckt, sondern daß in den Sachen überall ein gesunder Kern vorhanden ist. Theosophie ist nicht dazu da, um eine gewisse Partei zu ergreifen, um etwa zu sagen: Das ist eine Richtung, die bringt dem Menschen Gift bei! - Das Wort Gift wirkt ja heute geradezu suggestiv, und die Leute &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|201}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
denken nicht daran, wie relativ dieses Wort ist. Was ist denn eigentlich ein Gift? Jeder Stoff kann ein Gift sein. Es kommt nur auf die Heilweise an und auf die Menge, die auf einmal genossen wird. Wasser ist ein starkes Gift, wenn man zehn Liter auf einmal genießt. Diese Wirkung, innerlich chemisch erfaßt, unterscheidet sich gar nicht besonders davon, daß man dem Menschen irgendeinen an,dern Stoff zu führt. Es kommt immer auf die Menge an, denn alle diese Begriffe sind relativ.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus dem, was wir heute durchschaut haben, können wir sagen: Wir können froh sein, daß selbst für das, was sich der Mensch an Schädigung einverleiben kann, in alledem, was uns als Natur umgibt - wie wir jetzt den Weltprozeß ansehen -, das Gesundende sich irgendwie finden muß, so daß der Mensch die Schädigung wieder überwinden kann. Und das ist auch ein schönes Gefühl, das wir gegenüber der Außenwelt haben können: Wir können uns nicht nur über die Außenwelt freuen, weil sie uns sprießende Blumen schenkt oder uns im Lichtglanz die Berge erstrahlen läßt, sondern wir können uns auch deshalb über sie freuen, weil alles um uns herum in einer so innigen Beziehung steht zu dem, was im Menschen selbst als gut oder böse bezeichnet werden kann. Wir können uns in der Natur nicht nur über das freuen, was uns zunächst anspricht; sondern je tiefer wir eindringen in das, was sich bis zum äußeren materiellen Dasein verdichtet hat, desto mehr werden wir finden: Diese uns erfreuende Natur hat in sich zugleich den mächtigen Heiler für alles&amp;gt; was sich der Mensch als Schädigung zuführen kann, irgendwie ist der Hei 1er in der Natur verborgen. Es handelt sich nur darum, die Sprache des Heilers nicht bloß zu verstehen, sondern ihr auch zu gehorchen und sie wirklich auszuführen. Und heute haben wir in den meisten Fällen aus dem Grunde nicht die Möglichkeit, der Sprache der heilenden Natur zu gehorchen, weil die Verkennung des Lichtes, weil die Finsternis, die sich auch in die Erkenntnis hineingemischt hat, in vieler Beziehung Zustände herbeigeführt hat, welche es nicht gestatten, der reineR Sprache der Natur zu folgen. Und so müssen wir uns darüber klar sein: Wo in einem Falle keine Hilfe geleistet, wo ein Leiden wegen karmischer Zusammenhänge nicht gemildert werden kann, würde das nicht bedeuten, daß es absolut nicht gemildert werden könnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
So sehen wir auch hier wieder einen merkwürdigen Zusammenhang, der uns doch wieder die ganze große Welt einschließlich des Menschen ais ein Wesen erscheinen läßt. In dem Satze: Materie ist gewobenes Licht, Seelisches ist in irgendeiner Weise verdünnte Liebe -, liegen die Schlüssel für unzählige Geheimnisse des Erdendaseins. Die gelten aber nur für das Erdendasein und für kein anderes Gebiet desWeltendaseins. Damit haben wir ja nichts Geringeres gezeigt, als daß wir, wenn wir dem Karma irgendeine Richtungsänderung geben, uns in dem einen oder andern Falle mit dem verbinden, was gerade die zusammensetzen- den Elemente unseres Erdendaseins sind: auf der einen Seite mit dem zur Materie gewordenen Licht, auf der andern Seite mit der zum Seelischen gewordenen Liebe. Wir entnehmen das Heilmittel entweder aus der Umgebung, aus dem dichtgewordenen Licht oder aus unserer ei- genen Seele, aus der heilenden Liebestat, Opfertat, und heilen dann mit der au der Liebe gewonnenen seelischen Kraft. Wir verbinden uns mit dem, was auf der Erde im tiefsten Inneren berechtigt ist, wenn wir uns auf der einen Seite verbinden mit dem Licht, auf der andern Seite mit der Liebe. Alle Erdenzustände sind irgendwie Gleichgewichtszustände zwischen Licht und Liebe. Und ungesund ist eine Störung in dem Gleichgewicht zwischen Licht und Liebe. Ist irgendwo die Störung in der Liebe, so können wir helfen, indem wir die Kraft der Liebe selbst entfalten; und ist die Störung im Lichte, so können wir helfen, indem wir uns im Weltall irgendwie dasjenige Licht verschaffen, welches die Finsternis in uns aufheben kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da haben Sie die Grundelemente des menschlichen Helfens. Sie zeigen, wie alles im Erdendasein auf Gleichgewichtslagen beruht von einander entgegengesetzten oder einander gegenüberstehenden Elementen. Licht und Liebe sind eigentlich sich gegenüberstehende Elemente. Aber auf ihrem Ineinanderverwobensein beruht zuletzt alles, was in unserem Erden leben an Seelischem und an Materiellem vor sich geht. Daher dürfen wir uns nicht wundern, wenn auf allen Gebieten des Menschenlebens von Epoche zu Epoche die Fortentwickelung so geschieht, daß gleichsam die Gleichgewichtslage nach der einen Seite besonders ausschlägt und dann nach der andern Seite wieder versucht wird, sie einzurenken, wenn also unsere Entwickelung so verläuft, daß &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|203}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sie einem Wellenschlage gleicht. In der Tat gleicht unsere Entwickelung einer Art Wellenschlag: sie geht herunter und sie geht hinauf, und es wird immer der gestörte Gleichgewichtszustand ausgeglichen durch das, was nach der andern Seite wieder den entsprechend andern, über die Gleichgewichtslage hinausgehenden Pendelschlag bedeutet. Wenn Sie darauf eingehen, daß es sich im Menschenleben überall handelt um eine Störung des Gleichgewichtes nach der einen oder andern Richtung, dann werden Sie finden, wie Sie dadurch selbst die intimsten Kulturprozesse in irgendeiner Weise beleuchten können. Wenn Sie eine Zeitepoche betrachten, wo in der menschlichen Entwickelung gewisse Schädigungen dadurch eingetreten sind, daß die Menschen nur auf das Innere gesehen haben und nicht auch auf das Äußere, wie zum Beispiel im Mittelalter, wo bei der starken Blüte der Mystik das Äußere unberücksichtigt geblieben ist und auch zu Mißverständnissen nicht nur im Erkennen, sondern auch im Handeln geführt hat, so sehen Sie dann auf der andern Seite jene Zeit folgen, in welcher man die Mystik absolut nicht ertragen kann, dafür aber den Blick in die Außenwelt richtet, um alles zu tun, was das Pendel wieder nach der andern Seite ausschlagen läßt. Da haben Sie Übergänge zwischen Mittelalter und neuerer Zeit. Und Sie werden in der mannigfaltigsten Art solche Störungen der Gleichgewichtslage finden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dabei möchte ich anführen, daß in der Tat in solchen Zeiten wie den unsrigen eine charakteristische Eigenschaft vieler Menschen sich darin zeigt, daß sie völlig vergessen und ganz aus der Aufmerksamkeit verlieren, was man nennen könnte ein Bewußtsein von einer übersinniichen Welt. Das heißt, es gibt in unserer Zeit zahlreiche Menschen, die völlig außer acht lassen, daß es eine geistige Welt gibt, und die also die Gedanken an die geistige Welt ablehnen. In einer solchen Zeit - und überhaupt in solchen Zeiten - ist immer auch in einer gewissen Beziehung das Gegenbild davon vorhanden. Ich möchte das in einer ganz einfachen Weise charakterisieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn es Menschen auf dem physischen Plane gibt, die sich so sehr in das Physische verstricken, daß sie das Geistige ganz und gar vergessen, dann haben jene Menschen, die zwischen Tod und neuer Geburt in der geistigen Welt leben, auf der andern Seite dafür den entgegengesetzten &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|204}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Drang, der hervorgerufen ist wie durch ein Karma, das vom physischen Plan hinüberwirkt auf den geistigen Plan: den Drang nämlich, in irgendeiner Weise sich mit Dingen zu beschäftigen, die aus der geistigen Welt in die physische hinein spielen. Das liegt in der Tat zugrunde man- cherlei Hereinwirkungen in die physische Welt von seiten von Menschen, die in der Zeit vor einer neuen Geburt stehen. In die physische Welt wirken dann diese Menschen so hinein, wie sich eben gerade die Mittel ergeben, auf dem Umwege über solche Menschen, die im höheren Maße diesen Einflüssen aus der geistigen Welt zugänglich sind. - Hat man auf diesen Gebieten Klarheit zu bringen, so wird man ja vieles ablehnen müssen, was von dieser oder jener Seite her erzählt wird als Offenbarungen der geistigen Welt von Menschen, die zwischen Tod und neuer Geburt stehen. Und man wird die charakteristischen Fälle gut heraussondern können, wo die Toten - um das Pendel nach der andern Seite ausschlagen zu machen - sehr stark darauf verfallen, irgendwie den Menschen handgreiflich zu zeigen: Es gibt doch eine geistige Welt! Dafür, daß es in unserer Zeit Menschen gibt, die völlig umnachtet sind, die so viel Finsternis in ihr Geistiges hineinverwoben haben, daß sie gar nichts wissen wollen von der geistigen Welt, dafür gibt es Tote, welche aus diesem Mangel heraus den Drang haben, hineinzuwirken in die physische Welt. Am meisten geschehen solche Dinge, wenn von den Menschen auf dem physischen Plan gar nichts dazu getan wird. Und am charakteristischsten sind die Dinge, die sich ohne künstliche Versuche anbieten, die sozusagen auftreten als Kundgebungen aus der geistigen Welt. Daher der Zusammenhang von Menschen auf dem materialistischen Felde auf der einen Seite, und der Drang, der besteht, von der geistigen Welt aus belehrend hereinzuwirken auf der andern Seite.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie werden vieles, was dafür Beleg sein kann, finden in dem Buche unseres Freundes Ludwig Deinhard «Das Mysterium des Menschen». Da ist vieles zusammengestellt und systematisiert von dem, was Sie gerade brauchen und was heute in der Literatur, wo sie wissenschaftlich ist, so zerstreut ist, daß nicht für jeden möglich ist, es sich zusammenzuholen. Daher ist es sehr schön, daß Sie in diesem Buche eine Zusammenstellung haben gerade dieser Seite der geisteswissenschaftlichen Tatsachen, die, wie Sie jetzt sehen, im eminenten Sinne sogar &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|205}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
charakteristisch sind für unsere Zeit. Insbesondere finden Sie darin mit großem Glück verzeichnet eine charakteristische Tatsache von einem Forscher, welcher in seinem hiesigen Erdenleben alles mögliche versuchte, um auf dem Wege der materialistischen Methode zum Beweise von der geistigen Welt zu kommen - der verstorbene Frederick Myers - und der dann nach seinem Tode den starken Drang fühlte, dasjenige, was er hier angestrebt hat, durch Hereinstrahlungen aus der geisötigen Welt, mit Hilfen aus der geistigen Welt, hier den Menschen zu zeigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das sollte eine Illustration sein zu dem Satze, daß wir in der Welt und dem Weltendasein zu sehen haben fortwährende Störungen von Gleichgewichten und wiederum das Suchen von Gleichgewichten. Im Erdendasein haben wir als tiefste Elemente dieses sich immerfort störenden und wiederherstellenden Gleichgewichtes die beiden Elemente Licht und Liebe. Und im menschlichen Karma wirken nun von Inkarnation zu Inkarnation die beiden Elemente Licht und Liebe ausgleichend auf die gestörten Gleichgewichtslagen. Denn im Grunde genommen haben` wir in dem durch alle Inkarnationen sich durchschlängelnden Karma gestörte Gleichgewichtslagen, und in Licht und Liebe haben wir den fortwährenden Versuch, das Gleichgewicht wiederherzustellen. Bis einst in ferner Zukunft der Mensch in dem Durchgehen durch seine Inkarnationen endlich dahin gekommen sein wird, einen letzten, durch die Erde erreichbaren Gleichgewichtszustand auszubilden, der dahin führen wird, daß die Menschheit die Erdenmission erfüllt haben wird und das Erdendasein sich in eine neue planetarische Form hinüber- entwickeln wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So habe ich versucht, etwas auseinanderzusetzen, ohne das eine tiefere Begründung der karmischen Zusammenhänge und Gesetze nicht möglich ist. Ich habe mich darum auch nicht gescheut, die geheöimnisvollen Grundlagen, für die unsere heutigeWissenschaft noch lange nicht reif sein wird, einmal heute abzuhandeln: daß Materie in Wahrheit verwobenes Licht ist und daß Seelisches in irgendeiner Beziehung verdünnte Liebe ist. Das sind alte okkulte Sätze, aber Sätze, die für alle folgenden Zeiten wahr bleiben werden und die sich fruchtbar erweisen werden in der Menschheitsentwickelung nicht nur für die Erkenntnis, sondern auch für das menschliche Wirken und Handeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|205}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= ELFTER VORTRAG Hamburg, 28. Mai 1910 =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vieles wäre noch zu sagen über die verschiedenen Offenbarungen des Karma. Aber da wir heute die letzte unserer Betrachtungen haben und die Zeit überhaupt für ein so reiches Thema notwendigerweise kurz sein mußte, so werden Sie es begreiflich finden, daß mancherlei von dem zu Besprechenden, mancherlei vielleicht auch von dem, was Ihnen als Fragen auf der Seele liegt, diesmal nicht seine Erledigung finden kann. Aber unsere Bewegung wird ja weitergehen, und wir werden das, was bei einem Kursus notwendigerweise unerledigt bleiben muß, bei einem andern weiter ausführen und erledigen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was Ihnen wiederholt vor die Seele getreten sein wird, das ist, daß der Mensch die karmische Gesetzmäßigkeit als etwas erlebt, was sozusagen in jedem Augenblick, in dem er lebt, etwas vollkommen Bestimmtes ist, so daß wir in jedem Augenblick unseres Lebens zurückblicken können auf das, was wir durchgemacht haben, was wir getan&amp;gt; gedacht, gefühlt haben in den Inkarnationen, die der betreffenden vorangegangen sind, in welcher wir unsere Betrachtungen anstellen. Und immer werden wir finden, daß unser augenblickliches menschliches inneres und äußeres Schicksal dadurch gefaßt werden kann, daß wir sozusagen eine Art «Lebenskonto» haben, wo wir alle klugen, verständigen, weisen Erlebnisse auf die eine Seite schreiben, und alles Unverständige, alles Böse und Häßliche auf die andere Seite. Auf irgendeiner Seite wird sich dabei ein Überschuß ergeben, und der bedeutet in einem Augenblicke des Lebens auch das Schicksal dieses Augenblickes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun können verschiedene Fragen dabei auftauchen, und die nächste muß die sein: Wie verhält sich das, was die Menschen in ihrem Zusammenleben tun, was sie vollbringen als menschliche Gemeinschaft, zu demjenigen, was wir das individuelle Karma des einzelnen Menschen nennen? Wir haben diese Fragen von andern Seiten her schon berührt. Wenn wir auf irgendein Ereignis der Geschichte zurückblicken, zum Beispiel auf die Perserkriege, so können Sie unmöglich glauben, daß dieses Ereignis, zunächst von griechischer Seite aus ancharakteristisch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|206}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sind für unsere Zeit. Insbesondere finden Sie darin mit großem Glück verzeichnet eine charakteristische Tatsache von einem Forscher, welcher in seinem hiesigen Erdenleben alles mögliche versuchte, um auf dem Wege der materialistischen Methode zum Beweise von der geistigen Welt zu kommen - der verstorbene Frederick Myers - und der dann nach seinem Tode den starken Drang fühlte, dasjenige, was er hier angestrebt hat, durch Hereinstrahlungen aus der geis`tigen Welt, mit Hilfen aus der geistigen Welt, hier den Menschen zu zeigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das sollte eine Illustration sein zu dem Satze, daß wir in der Welt und dem Weltendasein zu sehen haben fortwährende Störungen von Gleichgewichten und wiederum das Suchen von Gleichgewichten. Im Erdendasein haben wir als tiefste Elemente dieses sich immerfort störenden und wiederherstellenden Gleichgewichtes die beiden Elemente Licht und Liebe. Und im menschlichen Karma wirken nun von Inkarnation zu Inkarnation die beiden Elemente Licht und Liebe ausgleichend auf die gestörten Gleichgewichtslagen. Denn im Grunde genommen haben` wir in dem durch alle Inkarnationen sich durchschlängelnden Karma gestörte Gleichgewichtslagen, und in Licht und Liebe haben wir den fortwährenden Versuch, das Gleichgewicht wiederherzustellen. Bis einst in ferner Zukunft der Mensch in dem Durchgehen durch seine Inkarnationen endlich dahin gekommen sein wird, einen letzten, durch die Erde erreichbaren Gleichgewichtszustand auszubilden, der dahin führen wird, daß die Menschheit die Erdenmission erfüllt haben wird und das Erdendasein sich in eine neue planetarische Form hinüber- entwickeln wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So habe ich versucht, etwas auseinanderzusetzen, ohne das eine tiefere Begründung der karmischen Zusammenhänge und Gesetze nicht möglich ist. Ich habe mich darum auch nicht gescheut, die geheöimnisvollen Grundlagen, für die unsere heutigeWissenschaft noch lange nicht reif sein wird, einmal heute abzuhandeln: daß Materie in Wahrheit verwobenes Licht ist und daß Seelisches in irgendeiner Beziehung verdünnte Liebe ist. Das sind alte okkuite Sätze, aber Sätze, die für alle folgenden Zeiten wahr bleiben werden und die sich fruchtbar erweisen werden in der Menschheitsentwickelung nicht nur für die Erkenntnis, sondern auch für das menschliche Wirken und Handeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|207}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gesehen, etwas darstellt, was nur in das Schicksalsbuch der einzelnen Menschen zu schreiben wäre, die auf dem äußeren physischen Plan als zunächst daran beteiligt zu gelten haben. Denken Sie an alle die Führer der Perserkriege, an alle die Menschen, welche sich damals aufgeopfert haben, denken Sie an alles, was von den Führern bis zu dem einzelnen damals im griechischen Heere getan worden ist: Werden Sie jemals, wenn Sie nur einigermaßen vernunftgemäß ein solches Ereignis auf sich wirken lassen, das, was die einzelnen Menschen damals getan haben, bei jedem einzelnen Menschen nur auf das karmische Konto dieser einzelnen Persönlichkeiten schreiben können? Unmöglich werden Sie das können. Denn Sie werden unmöglich sich vorstellen können, daß bei den Ereignissen, die ein ganzes Volk oder einen großen Teil der zivilisierten Menschheit angehen, nichts anderes geschieht, als daß jede einzelne menschliche Individualität nur ihr Karma auslebt. Und so müssen Sie im Verlauf der geschichtlichen Entwickelung immer wieder von Ereignis zu Ereignis gehen, und Sie werden sehen, daß innerhalb der Menschheitsentwickelung selber Sinn und Bedeutung zu finden sind, daß aber solche Ereignisse nicht eines sein können mit dem individuellen Karma des einzelnen Menschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir können eine Angelegenheit wie die Perserkriege auf unsere Seele wirken lassen und uns dann fragen: Was haben sie im Entwickelungsgang der Menschheit für eine Bedeutung? Im Orient hatte sich eine gewisse Kultur entwickelt, die große, gewaltige Lichtseiten hatte. Aber wie jedes Licht seine Schatten mit sich bringt, so müssen wir uns auch klar sein, daß die ganze Kultur des Orients nur dadurch für die Menschheit zu erreichen war, daß auch mancherlei Schattenseiten, die nicht in der menschlichen Entwickelung hätten weitergeführt werden dürfen, sich in jene Kultur hineingedrängt haben. Vor allem war eine solche Schattenseite die, daß der Orient den Drang hatte, durch äußere, rein auf dem physischen Plan liegende Machtmittel sich immer mehr zu vergrößern. Wäre dieser Vergrößerungstrieb nicht erstanden, so wäre natürlich die ganze orientalische Kultur nicht zustande gekommen. Eines ist nicht ohne das andere zu denken. Aber damit die Menschheit sich weiterentwickeln konnte, mußte aus ganz andern Voraussetzungen heraus sich zum Beispiel die griechische Kultur entwickeln. Die griechische&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|208}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kultur hätte aber nicht einen unmittelbaren Anfang nehmen können, sie mußte gewisse Voraussetzungen a,nderswoher bekommen. Und sie hat in der Tat wichtige Voraussetzungen aus der orientalischen Kultur entlehnt. Verschiedene Sagen von Heroen, die von Griechenland hinüberzogen nach dem Orient, stellen nichts weiter dar, als daß Schüler gewisser griechischer Schulen hinübergezogen waren nach dem Orient und den Griechen jene Güter gebracht haben, die nur innerhalb der orientalischen Kultur gewonnen werden konnten, die dann aber weitergepflegt und umgewandelt werden konnten durch das, was aus dem griechischen Volkscharakter, durch das griechische Volkstalent sich herangebildet hatte. Aber dazu mußte aus diesen herübergebrachten Gütern ausgemerzt werden, was ihre Schattenseite war: der Drang, durch rein äußere Machtmittel sich so nach dem Westen hinüber auszudehnen, wie sie waren. Das Römertum, das später entstand als das Griechentum, und alles, was die weiteren Voraussetzungen waren für die Weiterentwickelung der europäischen Menschheit, das hätte sich nicht herausbilden können, wenn nicht die Griechen sich den freien Boden geschaffen hätten für die Fortentwickelung der orientalischen Kultur, wenn sie nicht die Perser und das, was dazugehört, zurück- geschlagen hätten. So konnte filtriert werden, was in Asien geschaffen worden war, indem man die Asiaten zurückschlug.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von diesem Gesichtspunkt aus sind viele Ereignisse in der Weltentwickelung zu betrachten, und man bekommt dann ein eigentümliches Bild. Wenn wir bei einem Vortragszyklus, der drei bis vier Jahre dauern würde, diesen Gedanken nur für die uns geschichtlich überlieferten Dokumente der Menschheit ausführen könnten, so würde sich uns etwas ergeben, was wir wirklich nennen könnten einen Plan in der Entwickelung der Menschheit. Wir würden dann einen solchen Plan überschauen und uns sagen: Dies mußte errungen werden; das hatte diese Schattenseiten, die wieder ausgemerzt werden mußten; das errungene Gut mußte einem andern übergeben und dort weiter ausgebildet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf dieseWeise würden wir einen Plan der Menschheitsentwickelung herausbekommen und würden bei Besprechung dieses Planes eigentlich gar nicht auf den Gedanken verfallen können: Wie ist denn das zustande&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|209}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gekommen, daß zum Beispiel gerade Xerxes oder Miltiades oder Leonidas dieses oder jenes individuelle Karma hatten? Dieses individuelle Karma müssen wir als etwas betrachten, was für sich entschieden und hineinverflochten werden muß in den Plan der Menschheitsentwickelung. Anders ist die Sache durchaus nicht zu fassen. Und so ist es auch für die geisteswissenschaftliche Anschauung. Wenn aber das der Fall ist, müssen wir sagen: In diesem planvollen Fortgang der Menschheitsentwickelung müssen wir für sich etwas sehen, was in ähnlicher Weise in sich zusammenhängt, wie die karmischen Ereignisse im individuellen Menschenleben zusammenhängen. Und dann können wir weiter fragen: Was hat ein solcher Plan in der ganzen Menschheitsentwickelung für eine Beziehung zum einzelnen individuellen Karma des Menschen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Betrachten wir zunächst einmal das, was man nennen könnte das Geschick in der menschlichen Entwickelung selber. Wenn wir zurückblicken, sehen wir, wie Kultur nach Kultur, Volksentwickelung nach Volksentwickelung aufsteigen. Wir sehen weiter, wie Volk für Volk dieses oder jenes Neue leistet, wie etwas bleibt als Unvergängliches aus den einzelnen Volkskulturen, wie aber geradezu die Völker sterben müssen, um das Volksgut, die Errungenschaften der einzelnen Völker zu retten für die entsprechend späteren Epochen der Menschheitsentwickelung. Da müssen wir doch verständlich finden, was die Geisteswissenschaft zu sagen hat, daß in diesem fortlaufenden Gang der Menschheitsentwickelung genau zwei Strömungen zunächst zu unterscheiden sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Betrachten Sie im ganzen Gang der Menschheitsentwickelung das, was wir als fortlaufende Strömung ansehen können, innerhalb welcher sich Welle nach Welle entwickelt, wobei aber das errungene Gut der vorangegangenen Welle für die nachfolgende erhalten bleibt. Wir würden ein Bild davon bekommen, wenn wir hinschauen auf die erste Kultur der nachatlantischen Zeit, auf das, was im alten Indertum an Großartigkeit geleistet worden ist. Wenn wir dieses Großartige aber vergleichen mit dem schwachen Nachklang, der in den Veden davon enthalten ist, die zwar immer noch bewundernswürdig sind, aber eben doch nur ein schwacher Abglanz sind von dem, was die Rishis geleistet haben und was uns die Geisteswissenschaft von dem großen Kultureinschlag der Inder berichtet, dann werden wir sagen müssen: Es war &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|210}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die ursprüngliche Größe dessen, was dieses Volk für die Menschheit zu leisten hatte, schon im Niedergange, als man daran ging, in jenen herrlichen dichterischen Darstellungen dieses Kulturgut der Menschheit aufzubewahren. Aber was die indische Kultur zunächst zu leisten hatte, das floß hinein in den ganzen Gang der Menschheitsentwickelung. Und nur unter dieser Voraussetzung konnte sich das später entwickeln, was wieder ein junges Volkstum brauchte - nicht ein altgewordenes Volk. Es mußten zuerst die Inder zurückgedrängt werden auf die südliche Halbinsel, und es entwickelte sich dann in Persien die Weltanschauung des Zarathustra. Was hatte diese Weltanschauung an Großem in der Zeit, als sie entstand - und wie war sie in verhältnismäßig gar nicht langer Zeit verfallen bei dem Volke, das sie geschaffen! Wir haben dann beim Ägyptertum und Chaldäertum denselben Vorgang. Dann sehen wir das Hinübergehen orientalischerWeisheit nach Griechenland, und sehen, wie die Griechen zurückschlagen das, was auf dem äußeren physischen Plan das Orientalische ist. Wir sehen dann, wie in den Schoß des Griechentums aufgenommen wird, was der ganze Orient geleistet hat, und wie es verwoben wird mit mancherlei, was bis dahin in andern europäischen Gebieten geleistet worden ist. Daraus wird dann ein neuer Kultureinschlag geschaffen, welcher auf vielen Umwegen fähig geworden ist, den christlichen Impuls aufzunehmen und ihn nach dem Westen weiterzuverpfianzen. Und so würden wir auch späterhin einen fortlaufenden Kulturstrom finden, in welchem wir Glied an Glied anreihen können, und jedes folgende Glied erscheint uns zugleich als eine Fortsetzung des vorhergehenden und immer als etwas Neues, was der Menschheit gegeben werden mußte. Aber woraus mußte das hervorwachsen,was sich so von Epoche zu Epoche weiterentwickelt?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denken Sie an alles, was jedes einzelne Volk mit seinem Kulturgebiet erlebt! Denken Sie an alles, was in jedem einzelnen Volke vorgegangen sein muß als eine Summe von Gefühlen und Empfindungen bei unzähligen Menschen, von Wünschen und Enthusiasmus für das, was als das am höchsten Begehrenswerte erscheinen muß und was gerade auf diesem Gebiete als Kultureinschlag gegeben werden soll! Denken Sie, wie die Seelen der einzelnen Menschen bei dem einzelnen Kultureinschlag mit dem, was sie wünschen und erstreben, ganz dabei sein &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
müssen! Und außerdem war notwendig durch unzählige Jahrhunderte der Menschheitsentwickelung hindurch, daß die Völker, wie sie die einzelnen aufeinanderfolgenden Kultureinschläge entwickelten, immer in einer Art Illusion lebten - in der Illusion, daß jedes solche Volk gerade den Kulturschatz, den es selber auszuarbeiten hatte, als etwas Ewiges und Unvergängliches betrachtete, was nimmermehr von ihm genommen werden könnte. Dadurch erst war das hingebungsvolle Arbeiten der einzelnen Völker an der Kultur möglich, daß diese Illusion immer wieder und wieder auftauchte: daß das, was da geschaffen wurde, mit allem, was daran hing, einen ewigen Bestand haben würde. Auch heute ist diese Illusion ja vorhanden; und wenn man sich ihr auch nicht mehr in so positiver Weise hingibt und von der «Ewigkeit» dieser oder jener Kultur redet, so ist sie doch in der Form vorhanden, daß man nicht an das Ende denkt - nicht im Kleinen und nicht im Großen -, daß man sozusagen keine Aufmerksamkeit darauf verwendet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da haben Sie zweierlei, was die Volkskulturen brauchten und was im Grunde genommen erst in unserer Zeit anfängt eine Art von Änderung zu erfahren. Denn das erste Gebiet menschlichen Geisteslebens, wo gründlich solche Illusionen nicht mehr erwachen werden, das wird das theosophische Geistesleben sein. Denn es wäre ein arges Mißverständnis, wenn jemand, der fest auf dem Boden unserer Geistesbewegung steht, glauben wollte, daß die Formen, in welche wir unsere Erkenntnisse gießen, daß die Gedankenausführungen, die wir heute geben können, daß das, was wir heute aus unserem theosophischen Denken, Fühlen und Wollen geben können, einen ewigen Bestand hätte. Sehr kurzsichtig wäre es, zu behaupten, in drei Jahrtausenden würde es noch Menschen geben, die genau ebenso sprechen würden von den theosophischen Wahrheiten, wie wir es heute tun. Wir wissen, daß wir durch unsere Zeitverhältnisse veranlaßt sind, etwas von dem fortlaufenden Entwickelungsprodukt in die gegenwärtigen Formen zu prägen und daß unsere Nachfahren in ganz anderen Formen des Erlebens diese Dinge zum Ausdruck bringen werden. Warum ist das so? Aus einem ähnlichen Grunde, weshalb es durch viele Jahrhunderte und Jahrtausende der Menschheitsentwickelung hindurch geschah, daß Volkskultur über Volkskultur die einzelnen Menschen vieles erleben lassen mußte, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
damit der Beitrag sich aus der gesamten Volksentwickelung heraus- bilden konnte. Denken Sie an die unzähligen Erlebnisse, die im alten Griechenland durchgemacht wurden, und denken Sie an das, was sich als Extrakt daraus für die spätere gesamte Menschheit ergeben hat! Da werden Sie sagen: Es steckt noch mehr darin als nur die einzelnen Strömungen. Es geschehen viele Dinge um dieser Kernströmung willen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deshalb haben wir zwei Dinge zu beobachten: Erstens etwas, was entstehen und zugrunde gehen muß, damit aus diesem Ganzen das zweite - der Quantität nach der kleinste Teil - als ein Bleibendes fort- dauern kann. Wenn wir wissen, daß, seitdem das menschliche Einzelkarma besteht, in der Menschheitsentwickelung zwei Mächte wirken, die wir immer wirksam gefunden haben, Luzifer und Ahriman, dann erst werden wir den Fortgang der Menschheitsentwickelung verstehen. Denn das müssen wir zum Plan der Menschheitsentwickelung rechnen, daß zuletzt, wenn die Erde an ihrem Ziel angelangt sein wird, die Ergebnisse, die so aus den einzelnen Kulturen nach und nach der gesamten Menschheitsentwickelung einverleibt werden, fruchtbar gemacht werden für alle einzelnen lndividualitäten, ganz gleichgültig,welche Schicksale sie durchgemacht haben. Auf dieses Ziel blicken wir aber erst da- durch, daß wir die Weltentwickelung in theosophischem Sinne ansehen. Denn man gebe sich keiner Täuschung hin: Solches Ziel in der richtigen Weise zu denken, unter vollem Bestande der menschlichen Individualität, ohne ein Verschwimmen der Individualität in irgendeine nebulose pantheistische Einheit, sondern so, daß die Individualität voll erhalten bleibt und wieder in sie dasjenige einfließt, was sich die Menschheit im Großen erobert hat - klar und scharf kann dieses Ziel erst der theosophischen Seelenkultur vor Augen stehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir also auf die früheren Kulturen zurückblicken, können wir uns von vornherein sagen: Seit überhaupt menschliche Individualitäten sich inkarnieren, sind beteiligt an der Menschheitsentwickelung Luzifer und Ahriman. Luzifer ist daran so beteiligt, daß er an dem fortlaufenden Kulturstrom immer teilzunehmen sucht, indem er sich einnistet in die menschlichen Astralleiber und sie imprägniert mit dem luziferischen Impuls. Das ist, was Luzifer im Gange der Menschheitsentwickelung vollführt; er wirkt hinein in die menschlichen Astralleiber. Die Menschen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
könnten das, was Luzifer ihnen gibt, niemals bloß von denjenigen Mächten erhalten, welche den fortlaufenden, eben charakterisierten Kulturstrom bewirken. Trennen Sie diesen Kulturstrom aus dem ganzen Fortgang der Menschheit heraus, dann haben Sie das, was die normal fortschreitenden Geistwesen der Hierarchien herunterströmen lassen in die Menschheit als immer neue Reichtümer. Indem wir hinauf- schauen zu.den Hierarchien, müssen wir sagen: Diejenigen Geistwesen, welche ihre normale Entwickelung durchmachen, gaben der irdischen Kultur das,was bleibendes Gut der Menschheit ist, was zwar später um- gewandelt wurde, aber doch bleibendes Gut der Menschheit geworden Ist. Es ist gleichsam so, wie wenn wir einen Baum haben und in ihm das Mark. So gewinnen wir einen fortlaufend lebendigen Strom der fort- laufenden Kultur.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch diese Mächte, die eine normale Entwickelung für sich durchmachen, hätte es auf diese Weise geschehen können, daß der Mensch sein Ich immer mehr und mehr erfüllt hätte mit dieser fortschreitenden Bereicherung der menschlichen Entwickelung. Hineinfließen würde von Zeit zu Zeit das, was den Menschen weiterbringt; der Mensch würde sich immer mehr anfüllen mit den Gaben der geistigen Welt, und zuletzt, wenn die Erde an ihrem Ziel sein würde, wäre es selbstverständlich, daß der Mensch alles, was aus den geistigen Welten gegeben worden wäre, in sich hätte. Aber eines wäre nicht möglich: daß der Mensch ureigensten, heiligen Eifer entwickelte, Hingebung und Feuer für das, was da geschaffen wird von Kulturepoche zu Kulturepoche. Aus demselben Untergrunde, aus dem jeder Wunsch und jede Begierde herauswächst, erwächst auch der Wunsch nach den großen Idealen, erwächst auch die Begierde nach Menschenbeglückung, nach Leistungen der Künste in den aufeinanderfolgenden menschlichen Kulturepochen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus demselben Grunde, aus dem verderbliche, nach dem Bösen gehende Begierden erwachsen, erwachsen auch die Bestrebungen nach dem Höchsten, was auf der Erde geleistet werden kann. Und es würde das nicht da sein, für was die menschliche Seele als für ein höchstes Gut entbrennt, wenn es nicht auf der andern Seite möglich wäre, daß dieselbe Begierde auch nach der andern Seite in das Laster und in das Böse hinuntersinken kann. Daß es diese Möglichkeit in der Menschheitsentwik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
kelung gibt, das ist das Werk der luziferischen Geister. So dürfen wir nicht verkennen, daß die luziferischen Geister für die Menschen Freiheit gebracht haben zugleich mit der Möglichkeit des Bösen, freie Empfänglichkeit für das, was sonst in die menschliche Seele nur ein fließen würde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber wir haben auch gesehen, daß alles, was Luzifer herausfordert, seine Antwort findet durch Ahriman. So sehen wir Luzifer mit seinem ganzen Heere wirken in dem, was dann im Konkreten den Einschlag der griechischen Kult`ur der ganzen menschlichen Entwickelung geben soll: in den griechischen Heroen, in den griechischen Helden und Künstlern. Luzifer dringt hinein in die astralischen Leiber, läßt sie entbrennen für das, was sie als das Höchste verehren. So wird dasjenige, was mit dem Griechentum in die Entwickelung ein fließen soll, zugleich zum Enthusiasmus der Volksseele. Gerade da steckt Luzifer darinnen. Und weil Luzifer der Mond-, nicht der Erdentwickelung seine Kraft verdankt, fordert er Ahriman heraus; und indem Luzifer von Zeitepoche zu Zeitepoche seine Tätigkeit entwickelt, gliedert sich Ahriman dazu - und verdirbt dasjenige stückweise, was Luzifer auf der Erde bewirkt hat. - Es ist die Weltentwickelung der Menschen ein fortwährendes Wirken zwischen Ahriman und Luzifer. Wirkte Luzifer nicht in der Menschheit, so fehlte der Eifer und das Feuer für den fortlaufenden Strom der Menschheitsentwickelung; wäre Ahriman nicht da, der von Volk zu Volk wieder zerstört, was nicht aus dem fortlaufenden Strom, sondern nur aus dem luziferischen Einschlag kommt, dann würde Luzifer die Einzelkulturen ewig fortführen wollen. So sehen Sie hier Luzifer seIn eigenes Karma sich heraufbeschwören, das eine notwendige Folge der Entwickelung auf dem alten Monde ist. Und die Folge ist nun, daß er Ahriman immerfort an seine Ferse ketten muß. Ahriman ist die karmische Erfüllung des Luzifer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da blicken wir hinein in das Karma der höheren Wesenheiten an dem Beispiel der ahrimanischen und luziferischen Wesenheiten. Da oben ist auch Karma. Überall ist Karma, wo Iche sind. Und Luzifer und Ahriman bergen natürlich Iche in sich; deshalb können die Wirkungen ihrer Taten auf sie selber zurückschlagen. Auf viele dieser Geheimnisse wird erst im Sommer bei dem Zyklus über die biblische &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Schöpfungsgeschichte hingewiesen werden können; nur auf eine Stelle möchte ich schon hier hinweisen, die Ihnen so recht wird zeigen können, von wie unendlicher Tiefe jedes einzelne Wort in den wahren okkulten Urkunden ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Haben Sie nie darüber nachgedacht, warum in der biblischen Schöpfungsgeschichte am Ende eines jeden Schöpfungstages der Satz steht: «Und die Elohim sahen das Werk, und sie sahen, daß es sehr gut war», daß es «aufs beste war»? Das ist ein bedeutungsvolles Wort. Warum steht es da? Der Satz zeigt ja selber, daß er als eine Charakteristik der Elohim gemeint ist, die sich auf dem Monde in normaler Weise entwickelt haben und deren Gegner Luzifer ist. Es ist etwas, das zur Charakteristik der Elohim gehört, daß sie nach jedem Schöpfungstag sahen, daß es «aufs beste war». Aus dem Grunde wird es angegeben, weil dieser Grad die Errungenschaft der Elohim war. Sie konnten auf dem Monde das Werk nur so lange sehen, als sie es taten, konnten nicht ein nachträgliches Bewußtsein davon haben. Daß sie nachträglich zurück- schauen können im nachschauenden Denken auf das Werk, das ist eine besondere Stufe im Bewußtsein der Elohim. Das war erst auf der Erde möglich; und zwar zeigt sich ihr innerer Charakter darin, daß dasWillensmäßige so herausströmt aus ihrem Wesen, daß,wenn sie es ansahen, sie sahen, daß es aufs beste war. Das waren die Elohim,welche ihrWerk auf dem Monde abgeschlossen hatten und die, wenn sie es auf der Erde hinterher beschauten, sagen konnten:Es kann bleiben, es ist aufs beste! - Dazu mußte aber die alte Mondentwickelung vollendet sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie ist es nun mit den luziferischenWesenheiten, also mit denjenigen Wesenheiten, die ihre Mondentwickelung nicht vollendet haben? Die werden also auf der Erde auch versuchen müssen, ihr Werk hinterher anzuschauen, so zum Beispiel wenn sie den Beitrag gegeben haben an Feuer und Enthusiasmus in der griechischen Kultur. Und sie werden dann sehen, wie es ihnen stückweise Ahriman abgebröckelt hat! Und sie werden sagen müssen, weil sie es nicht vollendet haben: Sie sahen ihr Tagewerk, und sie sahen, daß es nicht zum besten war, daß es ausgelöscht werden mußte!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist die große Enttäuschung der luziferischen Geister, daß sie immer von neuem ihr Werk versuchen, immer von neuem das Pendel &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
nach der andern Seite zum Ausschlag bringen wollen - und immer von neuem ihr Werk durch Ahriman zerstört finden. Sie müssen sich innerhalb der Menschheitsentwickelung ein Auf-und-ab-Wogen denken, ein fortwährendes Anfachen von neuen Kräften durch Wesenheiten, die höher sind als wir selber, und daß diese Wesenheiten fortwährende Enttäuschungen erleben. Das ist enthalten in dem Erleben der luziferischen Geister in der Erdentwickelung. Und dieses Karma mußte die Menschheit in sich aufnehmen, weil der Mensch nur dadurch zur wirklichen Freiheit kommen konnte. Freiheit kann nur dadurch ersprießen, daß der Mensch sich den höchsten Inhalt seines Erden-Ich selber gibt. Dasjenige Ich, das der Mensch haben würde, wenn ihm alle Ziele am Ende der Erdentwickelung gegeben würden, kann nicht frei sein; denn es ist von vornherein bestimmt gewesen, alle Güter der Erdentwickelung in die Menschen ein fließen zu lassen. Frei werden konnte der Mensch nur, indem er zu diesem Ich ein anderes, irrtumfähiges Ich hinzuschafft, das in der Lage ist, immer wieder und wieder nach der Seite des Guten und nach der Seite des Bösen zu pendeln und das immer wieder hinauf- streben kann zu dem, was der Inhalt aller Erdentwickelung ist. Das niedere Ich mußte dem Menschen beigegeben werden durch Luzifer, damit das Hinaufarbeiten des Menschen zum höheren Ich seine ureigenste Tat sein kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nur so ist auch freier Wille in der Menschheit möglich. Freier Wille ist etwas, was sich der Mensch nach und nach erringen kann; denn der Mensch ist dazu so gestellt, daß ihm im Leben der freie Wille als ein Ideal vorschwebt. Wo ist denn in einem Mittelzustand der Entwickelung der menschliche Wille frei? Er ist niemals frei, weil er in jedem Augenblick dem luziferischen und ahrimanischen Element verfallen kann; er ist nicht frei, weil jeder Mensch, wenn er die Pforte des Todes durchschritten hat, in der aufsteigenden Zeit der Läuterung - vielleicht durch Jahrzehnte hindurch - einen ganz bestimmten Eindruck hat. Das ist das Wesentliche des Kamalokalebens, daß wir sehen, in welchem Grade wir selber unvollkommen sind durch das, was wir an Unvollkommenem in der Welt getan haben, daß wir Stück für Stück sehen, in welcher Weise wir unvollkommen geworden sind. Daraus geht dann die entschiedene Absicht hervor, alles wieder auszumerzen, was wir un&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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vollkommen gemacht haben. So ist das Leben in der Kamalokazeit, daß Absicht zu Absicht gefügt wird und der Gesamtentschluß gefaßt wird: Du mußt alles das wieder ausbessern, was du so gedacht und getan hast, daß es dich heruntergebracht hat! - Was der Mensch da fühlt, das prägt er seinem weiteren Leben ein und tritt mit dieser Absicht bei der Geburt ins Dasein - und ladet dadurch sein Karma auf sich. Daher können wir nicht sagen, daß wir, wenn wir durch die Geburt ins Dasein getreten sind, einen freien Willen haben. Einzig und allein können wir davon sprechen, daß wir uns einem freien Willen in dem Maße nähern, als es uns gelungen ist, Herr zu werden über die Einflüsse Luzifers und Ahrimans. Und Herr werden über die luziferischen und ahrimanischen Ein- flüsse können wir durch nichts anderes als durch Erkenntnis. Einmal durch Selbsterkenntnis, indem wir uns immer fähiger machen - auch im Leben zwischen Geburt und Tod -, unsere Schwachheiten in allen drei Seelenmerkmalen kennenzulernen, in Denken, Fühlen und Wollen. Wenn wir uns immer mehr bemühen, uns keiner Illusion mehr hinzu- geben, dann wächst ja in unserem Ich die Kraft, den luziferischen Einfluß entbehren zu können, denn dann werden wir immer mehr fähig, zu entscheiden, welche Hingabe die Güter der Menschheit, die nach und nach erobert wurden, verdienen. Sodann durch Erkenntnis der Außenwelt, die sich ergänzen muß mit der Selbsterkenntnis; beide müssen zusammenwirken. Selbsterkenntnis und Erkenntnis der Außenwelt müssen wir mit unserem Wesen vereinigen; dann werden wir imstande sein, ein klares Verhältnis zu Luzifer zu gewinnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist gerade die Eigentümlichkeit dessen, was wir uns als theosophische Erkenntnis aneignen, daß wir Aufschluß gewinnen darüber, wie weit an jedem menschlichen Tun Neigung und Leidenschaft, Luzifer und Ahriman beteiligt sind. Was haben wir in dieser Reihe von Vorträgen anderes getan, als uns Aufklärung verschafft darüber, wie luziferische und ahrimanische Kräfte in der mannigfaltigsten Weise in unser Leben hineinwirken! In dem gegenwärtigen Zeitalter aber kann die Aufklärung über die luziferischen und ahrimanischen Kräfte beginnen. Und der Mensch muß aufgeklärt sein, wenn er wirklich etwas beitragen will zur Erreichung des Erden-Menschheitszieles. - Wohin Sie den Blick richten, überall wo menschlich gefühlt und gedacht wird, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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können Sie sehen, wie weit die Menschen noch entfernt sind von einer echten, wahren Aufklärung über die Einflüsse Luzifers und Ahrimans. Da sehen Sie den weitaus größten Teil der Menschheit überhaupt keine solche Aufklärung wollen. Da sehen Sie einen großen Teil der Menschen in einen gewissen religiösen Egoismus verfallen: nur ja mit dieser Seele selbst jenen Zustand des Wohlbefindens zu erreichen, den man sich nur vorstellen kann. Das ist ein Egoismus, von dem sich die Menschen gar nicht bewußt sind, daß sich da die größten Begierden hineinmischen können. Und nirgends mischt sich Luzifer mehr in unsere Gefühle hin- ein als da, wo die Menschen aus ihren Leidenschaften und Begierden heraus nach dem Göttlichen streben, ohne das Göttliche durchleuchtet zu bekommen mit dem Licht der Erkenntnis. Glauben Sie nicht, daß Luzifer gerade da vielfach am Werke ist, wo die Menschen glauben, nach dem Höchsten zu streben? Aber die Formen, die in dieser Weise erstrebt werden, werden ebenfalls zu den Enttäuschungen Luzifers gehören müssen. Und diejenigen, die nun glauben, aus den wüsten Begierden diese oder jene Form einer geistigen Kultur erhalten zu können, die immer wieder und wieder predigen, daß diese Theosophie so schlimm ist, weil sie etwas Neues glaubt, die sollten bedenken, daß es nicht vom Menschenwillen abhängt, wenn sich Ahriman an die Fersen des Luzifer heftet. Und was entstanden ist im Laufe der Entwickelung an Formen, das wird, weil Ahriman sich hineinmischt, durch Luzifer auch wieder untergehen. Retten wird sich allein der fortlaufende Strom der Menschheitsentwickelung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So schauen wir dadurch zurück auf eine vorangegangene Entwickelung, wo als Opfer für uns zurückgeblieben sind gewisse Wesenheiten. Wir wissen jetzt, daß diese Wesenheiten ihr Karma ausleben müssen um unsertwillen, damit wir in normaler Weise ausleben können, was diese Wesenheiten uns einflößen können. Ja, wahrhaftig, Jahve hat dem Menschen ursprünglich eingeflößt durch den göttlichen Odem die Fähigkeit zum Ich; aber wäre nur der göttliche Odem gekommen, der im menschlichen Blut pulsiert, und nicht auch das, was immer wieder abirren kann von dem, was der Jahve-Odem geben kann, würden nicht darinnen arbeiten sowohl luziferische wie ahrimanische Impulse, so würde der Mensch zwar das Was erlangen können der Jahve-Gabe, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|219}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
aber nicht das Wie: daß er es mit einem selbstbewußten freien Ich empfindet. So liegt es doch im Sinne der Weltentwickelung, daß gewisse Wesenheiten auf dem alten Monde zurückgeblieben sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir leben heute in einem Zeit~lter, wo wir in der Tat zurückblicken dürfen auf viele Enttäuschungen Luzifers, wo wir aber auch hinblicken können auf eine Zukunft, in der wir immer mehr verstehen lernen, was der fortlaufende Strom der Entwickelung ist. Und Theosophie wird das Instrument sein zum Verständnis für diesen fortlaufenden Strom der Entwickelung, damit wir uns immer bewußter zu den Einflüssen Luzifers stellen können und immer mehr in die Lage kommen können, luziferische Impulse in uns selber zu erkennen und sie in der richtigen Weise nutzbringend für die Menschheitsentwickelung bewußt zu verwerten, während sie vorher in der Menschheit als ein dunkler Drang gewirkt haben, dessen sich der Mensch nicht bewußt war. Und ebenso ist es mit den ahrimanischen Einflüssen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier ist eines derGebiete,wo man darauf aufmerksam machen kann, wie sozusagen gerade in der Gegenwart eine wichtige Entwickelungsepoche der Menschheit vorliegt, nämlich jene Epoche, in der in gewisser Beziehung tatsächlich die Seelenkräfte sich umkehren. Für viele von Ihnen ist es ja schon charakterisiert worden, daß wir vor einer Epoche stehen, in welcher gewisse Menschen, einzelne Menschen, andere Seelenfähigkeiten entwickeln werden als diejenigen, die man heute gelten läßt. Was heute zum Beispiel die Theosophie aus den Erkenntnissen der Geistesforschung heraus zu sagen weiß, daß der Mensch einen Ätherleib hat außer dem physischen Leib, das wissen aus der Anschauung heraus heute nur die, welche eine methodische Schulung durchgemacht haben. Aber noch vor Ablauf der Mitte des 20. Jahrhunderts - das wissen wir aus dem Lesen der Akasha-Chronik - wird es Menschen geben, die eine natürliche Entwickelung haben werden für ein ätherisches Hellsehen und die, weil die Menschheit an diesen Zeitpunkt gekommen ist, wo sich diese Dinge als natürliche Gabe entwickeln werden, als den physischen Leib durchdringend und am Rande über ihn hinausragend den Ätherleib wahrnehmen werden. Wie der Mensch von einem Hineinschauen in die geistige Welt sich herunterentwickelt hat zum heutigen nur äußerlichen physischen Wahrnehmen und verstandesmäßigen &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Begreifen der Außenwelt, so beginnt er sich jetzt zu neuen, aber bewußten Fähigkeiten nach und nach zu entwickeln. Diese neuen Fähigkeiten treten zu den alten hinzu, und eine besondere Fähigkeit wird die sein, die ich so charakterisieren kann:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es wird Menschen geben - einzelne zunächst, denn erst im Laufe der nächsten zwei bis drei Jahrtausende wird sich bei einer größeren Anzahl diese Fähigkeit entwickeln, und die ersten Vorläufer werden da sein noch vor Ablauf der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts -, bei denen wird etw`a folgendes eintreten: Die Menschen werden irgendeine Tat erlebt haben, und sie werden versucht sein, etwas zurückzutreten von der Tat. Sie werden dann ein Bild vor sich haben, das von der betreffenden Tat kommt. Sie werden es zuerst nicht kennen, werden keinen Bezug finden zu dem, was sie getan haben. Aber dann werden sie vielleicht schon etwas von der Geisteswissenschaft gehört haben, und dann werden sie erfahren, daß dieses Bild, das ihnen wie eine Art bewußtes Traumbild erscheint, das Gegenbild der eigenen Handlung ist, das Bild für jene Handlung, die geschehen muß, damit das, was eben getan worden ist, seine karmische Erfüllung findet.&lt;br /&gt;
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So steht die Menschheit in der Tat vor einer Epoche, in der sie anfangen wird, Karma nicht nur zu begreifen nach den Lehren und Darstellungen der Geisteswissenschaft, sondern wo sie anfangen wird, Karma nach und nach zu schauen. Während bisher Karma für die Menschen ein dunkler Drang, eine dunkle Begierde war und erst im nächsten Leben ausgelebt werden konnte, erst im Leben zwischen Tod und neuer Geburt umgewandelt werden konnte in eine Absicht, entwickeln sich allmählich die Menschen dahin, daß sie in die Lage kommen, bewußt die Schöpfungen Luzifers wahrzunehmen, zu sehen, wie sie sich ausnehmen werden in ihren Wirkungen. Allerdings werden mit diesem ätherischen Hellsehen nur diejenigen Menschen etwas anfangen können, die Erkenntnis und Selbsterkenntnis angestrebt haben. Immer mehr und mehr werden die Menschen im normalen Zustande vor sich haben die karmischen Bilder für ihre Handlungen. Das wird etwas sein, was die Menschen immer weiterbringen wird, weil sie dadurch wissen werden, was sie der Welt noch schuldig sind, was in ihrem Karma noch als Schuldkonto dasteht. Das ist es ja, was den Menschen unfrei macht, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
daß er nicht weiß, was er der Welt noch schuldig ist. So darf man also beim Karma gar nicht von vornherein von einem freien Willen sprechen. Das Wort «freier Wille» ist schon falsch; denn man muß sagen: Frei wird der Mensch erst durch seine sich immer steigernde Erkenntnis und dadurch, daß er immer höher steigt und immer mehr hineinwächst in die geistige Welt. Dadurch erfüllt er sich immer mehr und mehr mit dem Inhalt der geistigen Welt und wird immer mehr ein Wesen, das seinen Willen bestimmt. Nicht der Wille kann frei werden, sondern der Mensch als solcher kann frei werden, indem er sich durchdringt mit dem, was er auf dem vergeistigten Gebiet des Weltendaseins erkennen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So blicken wöir auf die Enttäuschungen Luzifers und seine Taten und sagen: So ist seit Jahrtausenden der Grund gelegt zu dem, wo wir stehen; denn würden wir nicht dort stehen, wo wir stehen, so würden wir uns nicht zur Freiheit entwickeln können. Nachdem wir uns aber Aufklärung verschaffen können über Luzifer und Ahriman, können wir ein anderes Verhältnis zu diesen Mächten gewinnen, können die Früchte ziehen von dem, was getan worden ist, können Luzifer und Ahriman sozusagen ihre Arbeiten abnehmen. Da werden sich allerdings die Taten des Luzifer, die er bewirkt hat und die immerfort zu Enttäuschungen geführt haben, wenn sie von uns selbst begangen werden, sich in ihr Gegenteil verkehren müssen. Die Taten Luzifers mußten Begierden erregen, mußten den Menschen hinführen zu dem, was in das Böse einmünden konnte. Wir haben ja gesehen, was für eine gegenteilige Kraft es sein muß, die Luzifer entgegenwirkt: Wenn wir selber Luzifer entgegenwirken sollen, wenn wir seine Angelegenheiten in der Zukunft besorgen sollen, wird es bei uns nur die Liebe sein können&amp;gt; die an die Stelle der Taten des Luzifer treten kann; die Liebe aber wird es sein können. Und ebenso wird es dasjenige sein können, was uns auch aus der Außenwelt fließt, indem wir immer mehr die Dunkelheit wegnehmen, die wir einweben in die äußere Materie. Wenn wir immer mehr diese Dunkelheit hinwegbringen, wenn sie schwindet, und wir dazu gelangen, den ahrimanischen Einfluß auf diese Weise völlig zu überwinden, dann werden wir in der Lage sein, die Welt so zu erkennen, wie sie wirklich als Erdenwelt ist. Dann werden wir uns allmählich nähern solcher Erkenntnis, wie sie heute nur Gut der Geisteswissenschaft sein &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
kann: Wir werden durchdringen zu dem, was die Materie wirklich ist, zu der Natur des Lichtes. Heute gibt sich selbst die Wissenschaft immer noch über die Natur des Lichtes den mannigfaltigsten Täuschungen hin. Mancher glaubt, daß man das Licht mit physischen Augen sieht. Das ist nicht richtig. Mit physischen Augen sieht man nicht Licht, sondern nur beleuchtete Körper; man sieht Farben an den Körpern. Man sieht nicht Licht, sondern man sieht durch das Licht. Alle solche Täuschungen werden weggeräumt sein. Dadurch wird sich verwandeln das Bild der Welt, das notwendigerweise unter dem Einflusse Abrimans von Irrtum durchwoben sein mußte, und es wird sich durchsetzen mit dem Inhalt der Weisheit. Indem der Mensch zum Licht vordringt, wird er selbst das seelische Gegenbild des Lichtes entwickeln. Und das seelische Gegenbild des Lichtes ist die Weisheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dadurch wird Liebe und Weisheit in die menschliche Seele einziehen. Und Liebe und Weisheit werden die praktische Kraft sein, der eigentliche Lebensimpuls, der sich aus der theosophischen Weltanschauung ergeben soll und ergeben wird. Weisheit, die das innere Gegenbild des Lichtes ist, Weisheit, die sich verbinden kann mit der Liebe, und Liebe, die sich mit Weisheit durchdringt, werden den rechten Weg finden, um wieder zurückzuwirken auf das, was in die Weisheit der äußeren Welt eingetaucht ist. Wenn wir nach und nach der andern Hälfte der Entwickelung teilhaftig werden sollen, Luzifer und Ahriman wieder zu überwinden, dann müssen wir uns durchdringen mit Weisheit und Liebe. Indem wir Weisheit und Liebe entwickeln, entwickeln wir diejenigen Elemente, die wieder von unseren Seelen selber ausfließen werden als Gaben für die, die in der ersten Hälfte der Erdentwickelung sich hin- geopfert haben als luziferische und ahrimanische Mächte, um uns das zu geben, was wir zur Erringung unserer Freiheit brauchen. Diesen Mächten werden wir geben müssen, was wir an Weisheit und Liebe so entwickeln werden. Wir müssen uns aber bewußt sein: Weil Leben in der Welt sein muß, müssen wir Kulturen annehmen, die uns Ausdrucksmittel dieses Lebens sind.Wir wollen uns gern und mit Liebe einer theosophischen Kultur hingeben, die nicht ewig sein wird, aber wir wollen es mit Enthusiasmus hinnehmen und mit Liebe das schaffen, wozu wir früher unter dem Einfluß Luzifers getrieben worden sind. Weil wir jetzt &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
erkennen, daß wir aus Liebe das schaffen müssen, wozu wir früher durch den luziferischen Einfluß, durch Begierden und Leidenschaften getrieben werden mußten, werden wir jetzt hinter alldem desto mehr überschüssige Liebe entwickeln. Wenn wir nur die notwendige Liebe entwickeln würden, würden wir es nicht dahin bringen, Kultur über Kultur zu entwickeln. Theosophie soll etwas sein, was jede der Zeit entsprechende Forderung mit Hingabe und Liebe leistet, mit demselben Enthusiasmus, mit dem einst die Menschen unter dem Einflusse Luzifers gewirkt haben.Wir werden nicht mehr die Illusion haben, daß das, was wir tun, ewig dauern wird. Aber indem wir in immer sich steigernder Liebe Kultur über Kultur schaffen, schaffen wir damit überschüssige Liebe. Die kommt Luzifer zugute; dadurch werden auch seine Enttäuschungen gutgemacht. An uns liegt es, daß an Luzifer wieder das gutgemacht werden kann, was er an Enttäuschungen erleiden muß, wenn wir nach der andern Seite das zuruööckgeben,was für uns geleistet worden ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist der andere Teil des Karma der höheren Wesenheiten, daß wir eine Liebe entwickeln, die nicht bloß in der Menschheit bleibt, sondern die dazu berufen ist, in den Kosmos einzudringen. In Wesenheiten, die höher sind als wir, werden wir die Liebe einströmen lassen können, und diese Wesenheiten werden sie als Opfer empfinden. Es wird Seelenopfer sein. Seelenopfer wird hinaufströmen zu denen, die einst ihre Gaben herunterströmen ließen, wie einst die Rauchopfer hinaufstrebten zu den Geistern in Zeiten, wo Menschen die spirituellen Güter noch hatten. Damals konnten die Menschen nur die symbolischen Rauchopfer zu den Göttern hinaufsenden. In der Zukunft werden die Menschen Liebesströme hinaufsenden zu den Geistern, und aus dem Liebesopfer wird wieder etwas herunterströmen: dem Menschen werden zu- strömen höhere Kräfte, die, von Geistigem dirigiert, mit immer größerer Macht eingreifen werden in unsere physische Welt. Das werden dann im wahren Sinne magische Kräfte sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So sehen wir den Gang der Menschheitsentwickelung, indem sich Menschheitskarma und Karma der höheren Wesenheiten auslebt. Und wir begreifen jetzt auch,wie sich der Plan der Entwickelung zum einzelnen menschlichen Karma stellt. Nehmen wir an, eine übermenschliche Individualität hätte im Jahre 1910 dieses oder jenes gewirkt, das dann &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|224}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
auf dem physischen Plan durch einen Menschen ausgeführt wurde, so ist dadurch ein Kontakt geschlossen zwischen dieser übermenschlichen Individualität und dem Menschen. Der Mensch ist dann verwoben in das Karma der höheren Wesenheiten. Das ist eine abgeschlossene Korrespondenz. Dann strnöömt ihm aber zu aus den höheren Welten eine Strömung, die ihm etwas in sein Leben hineinbringt; darin hat er nun einen neuen Posten, der zu seinem Karma hinzugefügt ist und der nach der einen oder andern Seite den Ausschlag gibt. So wird menschliches Karma befruchtet von dem allgemeinen Karma, das durch die Welt strömt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sehen wir zum Beispiel auf Miltiades oder irgendeine andere Persönlichkeit: Da hatten sie zu stehen auf dem großen Plan der Geschichte ihres Volkes, da war dies oder jenes durch das Karma der höheren Mächte bedingt - und da wurden sie hingestellt auf ihren Posten. In ihr einzelkarmisches Konto strömte ein, was der ganzen Menschheit zuteil werden sollte. Und indem sie es ausführten, indem sie Taten und Leistungen daran anschlossen, wurde es ihr Einzelkarma. - So leben und weben wir auch mit unserem einzelnen Karma iön dem Makrokosmos als eine kleine Welt, als ein Mikrokosmos.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit sind wir zwar am Ende des Kursus,wenn auch nicht am Ende der Sache. Aber das geht ja nicht anders. Wenn ich nur mit zwei Worten noch sagen darf, daß ich diese Reihe von Vorträgen, gerade über jene menschlichen Fragen, die so tief das menschliche Herz bewegen können und die doch wiederum mit dem größten Schicksal selbst höherer Wesenheiten zusammenhängen, wenii ich sage, daß ich diesen Kursus gehalten habe wirklich aus tiefster Seele heraus und froh bin, daß es möglich war, in einem theosophischen Zweige auch einmal über diese Dinge zu sprechen, unter theosophischen Freunden, die von allen Seiten herbeigeeiit waren, um sich den Betrachtungen über diese Fragen zu widmen, so spreche ich auch diese Worte aus tiefstem Herzen heraus. Diejenigen, welche Gelegenheit haben werden, weitere Kurse zu hören, werden sehen, daß mancherlei von dem sich beantworten wird, was jemand im Anschluß an diesen Zyklus auf` der Seele haben wird. Aber auch die, welche diese Sommerkurse nicht hören können, werden später Gelegenheit haben, so etwas mit mir zu besprechen. Und so darf ich auch diesmal wieder sagen, daß ich die Dinge, die zu besprechen waren, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|225}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
so entgegengenommen haben möchte, daß sie nicht bloß abstrakte Er- kenntnisse sein sollen, sondern solche, die übergehen in unser ganzes Denken, Fühlen und Wollen, in unser ganzes Leben. So daß man an den Theosophen in der Welt sehen möchte Gleichnis und Bild dessen, was man die tiefsten theosophischen Wahrheiten nennen kann. Versuchen wir, uns ganz zu einem solchen Bild und Gleichnis zu machen; dann erst haben wir in der Welt eine theosophische Geistesströmung. In unserem engen Kreise muß diese theosophische Geistesströmung zunächst Betrachtung der spirituellen Erkenntnis sein. Dann aber müssen - zunächst in unserem Mitgliederkreise - diese Erkenntnisse Gesinnungen werden und als solche der Welt gegenübertreten. Und die Welt wird nach und nach einsehen, daß es nicht umsonst war, daß es um die Wende des 20. Jahrhunderts ehrliche und aufrichtige Theosophen gegeben hat, Leute, die aufrichtig und ehrlich an die Gewalt der spirituellen Mächte geglaubt haben. Und indem sie daran geglaubt haben, sind sie selbst durchsetzt worden mit der Kraft, auch dafür zu wirken. Schneller und schneller wird die Kultur in unserem Leben gehen, wenn Sie selber das, was Sie hören, umwandeln in Gesinnung, in Handlung und Tat. Nicht dadurch, daß wir die Menschen überzeugen! Dazu ist die gegenwärtige Kultur nur wenig geeignet. Wahrhaft überzeugt werden immer nur die werden, die aus tiefstem Drang des Herzens an die Theosophie herankommen; die andern werden nicht überzeugt werden. Dieses Karma haben wir auch in geistigen Kreisen als etwas, was der Materialismus hat hervorrufen müssen, und wir müssen diese Schädigungen als etwas betrachten, demgegenüber Geisteswissenschaft sich erweisen muß als eine geistige Macht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So müssen wir das, was wir der Welt geben können, aus unserer Gesinnung heraus geben. Jeder, der Theosophie in das innere Leben der Seele umgewandelt haben wird, wird ein spiritueller Kraftquell sein. Und wer an das Übersinnliche glaubt, darf durchaus die Überzeugung haben, daß unsere theosophischen Erkenntnisse und Gesinnungen spirituell wirken, das heißt, sich unsichtbar in die Welt hinaus verbreiten, wenn wir uns wirklich zu einem bewußten, von dem theosophischen Leben durchdrungenen Werkzeug machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|226}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= EINLADUNG ZUM VORTRAGSZYKLUS =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Zeit vom 15. bis 28. Mai dieses Jahres wird Dr. RUDOLF STEINER in HAMBURG einen Zyklus von Vorträgen halten über das Thema:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;DIE OFFENBARUNGEN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DES KARMA&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wesen und Bedeutung des Karma In Einzelpersönlichkeit, Individualität, Menschheit, Erde, Welt - Karma und Tierreich. - Krankheit und Oesundhelt In Beziehung zu Karma. - Heilung und Unheilbarkelt In Beziehimg zu Karma. - Natilrliche und zufällige Erkrankungen in Beziehung zu Karma. - Lebeusunfälle In Beziehung zu Karma. - EIernentarereignisse, VulkanansbrUche, Erdbeben, Epldernlen In Beziehung zu Karma. - Karma der höheren Wesenheiten. - Tod und Oeburt Im Verhältnis zu Karma. - Freier Wille und Karma in der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zukunft der Menschheitsentwicklung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir laden alle Mitglieder der Theosophischen Gesellschaft hierzu herzlichst ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Zyklus wird mit einer Pfingstfeier am Pfingstsonntag, abends 6 Uhr, im ,,Patriotischen Hause&amp;quot; (beim alten Rathause) eröffnet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle übrigen Vorträge werden pünktlich abends 8 Uhr im ,,Patriotischen Hause&amp;quot; beginnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|227}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für Dienstag, den 24. Mai, ist ein öffentlicher Vortrag vorgesehen, worüber Näheres noch bekanntgegeben wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anmeldungen zum Besuche des Vortrags.Zyklus werderi bald- möglichst erbeten an Herrn G. F. Scharlau, Hamburg, Repsoldstr. 21 a, woselbst auch die Einiaßkarten gegen Einsendung des auf Mk. 10.- festgesetzten Beitrages zu haben sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auskunft über Wohnungsangelegenheiten erteilt Fräulein Victoria Paulsen, Tarpenbeckstraße 31, Mathildenstift.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir hoffen, recht viele theosophische Freunde bei uns begrüßen zu können und sind&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
mit theosophischem Gruß&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Pythagoras - Zweig, Hamburg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
HAMBURG, März 1910.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|228}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= HINWEISE =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu dieser Ausgabe&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Zyklus «Die Offenbarungen des Karma» fand auf Einladung des theosophischen «Pythagoras-Zweiges» im «Patriotischen Hause» beim alten Rathaus in Hamburg vom 15. bis 28. Mai 1910 statt (siehe Programm S. 226-227). Bemerkenswert ist, daß auf dem im März 1910 vorliegenden Programm die Titel der einzelnen Vorträge genannt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum Thema «Offenbarungen des Karma» siehe auch den Band «Wiederverkörperung und Karma», GA 135, die Vorträge «Das Karma des Berufes des Menschen in Anlmüpfung an Goethes Leben», GA 172, sowie die sechs Bände «Esoterische Betrachtungen karmischer Zusammenhänge», GA 235 bis 240.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum Gebrauch der Worte «Theosophie» und «theosophisch»: Diese Worte sind im Sinne von Rudolf Steiners grundlegendem Werk «Theosophie» (1904, GA 9) zu verstehen. Rudolf Steiner wirkte von 1902 bis 1913 als Generalsekretär der deutschen Sektion der damaligen Theosophischen Gesellschaft (Adyar), dann, als es im Zusammenhang mit Zerfallserscheinungen in dieser Gesellschaft zum Ausschluß der deutschen Sektion kam, im Rahmen der von ihm und anderen begründeten «Anthroposophischen Gesellschaft». Er hli von Anfang an ausschließlich die Ergebnisse seiner Geistesforschung vertreten. «Niemand blieb im unklaren darüber, daß ich in der Theosophischen Gesellschaft nur die Ergebnisse meines eigenen forschenden Schauens vorbringen werde» (aus «Mein Lebensgesang», GA 28). Von einer Ersetzung des Ausdrucks «Theosophie» durch «Anthroposophie», wie sie in den ersten zwei Jahrzehnten nach der Trennung von der Theosophischen Gesellschaft auf Rudolf Steiners eigene Weisung hin vorgenommen worden ist, wurde in dieser Ausgabe Abstand genommen; der Leser muß sich jedoch bewußt sein, daß mit «Theosophie», wie sie hier gemeint ist, die von Rudolf Steiner geschaffene Anthroposophie identisch ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Textgrundlagen: Der Text der vorliegenden Ausgabe ist, abgesehen von geringfügigen Abweichungen, mit dem Text des Manuskriptdruckes von 1911 (Zyklus XII) identisch. Dieser wurde anhand von Teilnehmernachschriften erstellt und vom Vortragenden nicht durchgesehen. Die Originalstenogramme liegen nicht mehr vor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Titel des Bandes und die Titel der Vorträge entsprechen den Titeln des damaligen Vortragszyklus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachweis früherer Veröffentlichungen: 1. Aufl. als Manuskriptdruck (Zyklus XII) in Berlin (I911)~ 2. Aufl. (1. Aufl. in Buchform) Dornach 1932 / 3. Aufl. Dornach 1944 / 4. Aufl. Dornach 1949 (photomechanischer Nachdruck der 3. Aufl.) / 5., durchgesehene, mit den vorhandenen Unterlagen verglichene Aufl., Gesamtausgabe Dornach 1956 / 6., durchgesehene, im wesentlichen unveränderte Aufl. Gesamtausgabe Dornach 1968 / 7., unveränderte Aufl., Gesamtausgabe Dornach 1975.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die im wesentlichen unveränderte 8. Au)!age, 1992, wurde von Robert Friedenthal und Martina Sam durchgesehen, die Hinweise zum Text überarbeitet und erweitert sowie ein Namenregister und ausführliche Inhaltsangaben hinzugefügt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|229}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hinweise zum Text&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Werke Rudolf Steiners innerhalb der Gesamtausgabe (GA) werden in den Hinweisen mit der Bibliographie-Nummer angegeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
zu Seite&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
26 Christoph Kolumbus, 1446-1506, entdeckte 1492 auf der Suche nach einem Seeweg nach Indien zunächst Kuba und Halti, von 1493-1504 auch Mittel- und Südamerika. - Über die Bedeutung der Entdeckung Amerikas für die Menschheit siehe auch den Vortrag vom 25. Juni 1923 in «Rhythmen im Kosmos und im Menschenwesen. Wie kommt man zum Schauen der geistigen Welt?», GA 350.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Entdecker der Dampfmaschine: Dem Eisenhändler Newcomen (1663-1729) gelang zusammen mit seinem Kompagnon Cowley die Konstruktion einer Kolben-Dampfmaschine, die von 1712 an zu pralttischen Zwecken verwendet wurde. James Watt (l73618l9) ermöglichte durch Verbesserungen der Konstruktion eine Nutzung der Dampfmaschine auf breitestem Felde, so daß sie zu einer der Grundlagen der Industrialisierung im 19. Jh. wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
27 johannes Kepler, 1571-1630, Mathematiker, Physiker, Astronom. Er stellte auf den Grundlagen des kopemikanischen Planetensystems und der Beobachtungsdaten seines Lehrers Tycho de Brahe seine drei Planetengesetze auf, mit denen er die Dynamik der Planetenbahnen zu deuten versuchte und das Kräftezentrum in die Sonne verlegte. Vgl. über Kepler auch «Die geistige Führung des Menschen und der Menschheit», GA 15, S. 52 und 83; zu den drei Planetengesetzen «Das Verhältnis der verschiedenen naturwissenschaftlichen Gebiete zur Astronomie», GA 323, insbesondere die Vorträge vom 3. und 4. Januar 1921.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
28 Kepler, sagt von sich selbst: Aus der Vorrede zu Keplers Buch «Harmonices mundi» («Weltharmonik», Linz 1619), 5. Buch: «Die vollkommene Harmonie in den himmlischen Bewegungen und die daher rührende Entstehung der Exzentrizitäten, Bahnhalbmesser und Umlaufszeiten».&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
E,findung des Femrohres: Wohl um das Jahr 1608 in Holland.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
31 Auf diese Tatsache wurde hingewiesen von der Ceisteswissenschaft 1906: Siehe den Vortrag vom 11. Juni 1906, enthalten in GA 94 «Kosmogonie». Vgl. Edouard Schure` «Esquisse d`une cosmogonie psychologique d`apre`s des conferences faites ä Paris en 1906 par Rudolf Steiner», Paris 1928, S. 101.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
32 Zyanverbindungen in der Kometenatmo&amp;amp;phäre: Über die Rolle der Zyanverbindungen und ihrem Vorkommen in der Kometenatmosphäre siehe auch die Vorträge vom l0. Oktober und insbesondere vom 24. Oktober 1923 in «Mensch und Welt. Das Wirken des Geistes in der Natur. Über das Wesen der Bienen.», GA 351. - Über Kome«en im allgemeinen vgl. auch die Vorträge vom 5. März 1910 in «Das Ereignis der Christus-Erscheinung in der ätherischen Welt», GA 118; vom 25. Oktober 1909 und vom 9. März 1910 in «Der Christus-Impuls und die Entwickelung des IchBewußtseins», GA 116; vom 10. April 1912 in «Die geistigen Wesenheiten in den Himmelskörpern und Naturreichen», GA 136; vom 17. November I923 in «Der übersinnliche Mensch anthroposophisch eriaßt», GA 231; vom 18. Januar 1921 in Das Verhältnis der verschiedenen naturwissenschaftlichen Gebiete zur Astronomie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|230}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
«, GA 323, und vom 13. September 1924 in «Die Schöpfung der Welt und des Menschen», GA354.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
32 Halleyscher Komet: So genannt nach dem ersten Berechner seiner Bahn, dem englischen Astronomen Edmund Halley (1656-1742). Ihm war bei seinen Berechnungen aufgefallen, daß die Bahn des großen Komeren von 1682 den Bahnen der Kometen von 1531 und 1607 ähnelte. Daraus schloß er, daß es sich bei allen drei Erscheinungen um ein- und denselben Kometen handeln müsse. Halley sagte seine Wiederkunft entsprechend diesem Zyklus von 75/76 Jahren für 1759 richtig voraus. Somit war der erste periodisch wiederkehrende Komet entdeckt. - Dies war insofern von großer Bedeutung, als damit «die geheimnisvollen Kometen... ihres Nimbus entkleidet und in den Gültigkeitsbereich der allgemeinen Naturgesetze eingereiht worden waren« (Max Gerstenberger, Kometen - Außenseiter am Himmelszelr. Stuttgart 1951).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Außerdem meinte man dadurch zumindest den wiederkehrenden Kometen wie den Planeten eine elliptische Bahn zugrunde legen zu können. - Über die Aufgabe des Halleyschen Kometen siehe auch die Vorträge Rudolf Steiners vom 25. Oktober 1909 und 9. März 1910 in «Der Christus-Impuls und die Enrwickelung des Ich-Bewußtseins«, GA 116, und vom 5. März 1910 in «Das Ereignis der Christus-Erscheinung in der ätherischen Welt«, GA 118.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
35 Cartesius in seinen Gedanken über die Tierwelt: Vgl. «Discours de la methode«, 5. Abschnitt, ferner «Traite` de l`homme» sowie «Primae cogitariones circa generationen animalium».&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
41 Wir wissen, daß unserer Erdenentwickelung vorangegangen ist die Mondentwickelung: Siehe hierzu das Kapitel «Die Weltentwickelung und der Mensch» in Rudolf Steiners «Die Geheimwissenschaft im Umriß», GA 13.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
44 Leidenschaften: Es könnte sich eventuell um einen Hörfehler handeln und statt «Leidenschaften« «Eigenschaften« geheißen haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
57 «wie wir es heute so herrlich weit gebracht haben»: Wagner in Goethes «Faust I«, Nacht, Vers 57fl574: «Verzeiht! es ist ein groß Ergerzen, / Sich in den Geist der Zeiten zu versetzen; / Zu schauen, wie vor uns ein weiser Mann gedacht, / Und wie wir`s dann zuletzt so herrlich weit gebracht. «&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
69 wie unendlich viele Erlebnisse, E,fahrungen und Eindrücke es gar nicht bis zur Vorstellung bringen: Vgl. hierzu auch Rudolf Steiners Vortrag vom 18. April 1918 in «Das Ewige in der Menschenseele. Unsterblichkeit und Freiheit«, GA 67.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
77 joseph Dietl, 18O4~1878, studierte Philosophie und Medizin. Als Krankenhausarzt in Wien beschäftigte er sich vor allem mit der Lungenentzündung und veröffentlichte&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
eine Abhandlung über den «Aderlaß in der Lungenentzündung«. Ab 1865 Professor für innere Medizin in Krakau; daneben auch als Landtags- sowie Reichsragsabgeordneter und als polnischer Schriftsteller tätig. Vertreter eines krassen Nihilismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
joseph Skoda, 1805-1881, bedeutender Intemisr, Professor in Wien. Er beschäftigte sich insbesondere mit den physikalischen Methoden der Krankenuntersuchung; seine Abhandlung «Über Perkussion und Auskultation« (1839) begründete die moderne Diagnostik. In der Therapie dagegen verhielt er sich eher zurückhaltend; zusammen mit Carl Roltitansky (18041878) Hauptrepräsentant der jüngeren «Wiener Schule« in der Medizin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|231}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
92 Wie können wir zu einem karmischen Verständnis auch dann kommen, wenn wir zum Beispiel unter die Räder eines Eisenbahnzuges kommen?: Über die karmischen Zusammenhänge von Zivilisationskatastrophen siehe auch Rudolf Steiners Vortrag vom 29. Juni 1924 in «Esoterische Betrachrungen karmischer Zusammenhänge.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zweiter Band», GA 236.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
105 ein geistreicher Herr: Frederik Troels-Lund (184~1921), dänischer Historiker und Professor an der Militärakademie in Kopenhagen, der den hier erwähnten einzelnen Ansichten über die Herkunft der Krankheiten in seinem Buche «Gesundheit und Krankheit in der Anschauung alter Zeiten» (Leipzig 1901) jeweils ein ganzes Kapitel widmet. Dieses Buch befindet sich in der Bibliothek Rudolf Steiners.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
106 ein geistvoller Mann im 18. jahrhundert: Vermutlich Voltaire; konnte jedoch noch nicht nachgewiesen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
107 Galileo Galilei, 15~l642, italienischer Physiker, Mathematiker und Astronom.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Martin LNther&amp;gt; 14831546, Inaugurator der deutschen Reformation. Vgl. auch Rudolf Steiners Ausführungen über ihn in den Vorträgen vom 11. und 18. September 1917 in «Menschliche und menschheitliche Enrwicklungswahrheiten. Das Karma des Materialismus», GA 176.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
114 in einer Familie wie die des Musikers Bach: Johann Sebastian Bach (1685-1750), der größte Musiker in der Reihe bedeutender Komponisten, die die thüringische «Musikerfamilie« Bach im 17. und 18. Jh. hervorbrachte. Vgl. hierzu auch Rudolf Steiners Vortrag vom 26. November 1906 in «Das Wesen des Musikalischen», GA 283.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
119 Meister Eckart, 125~1327, Dominikaner und bedeutender Denker der deutschen Mystik; in seinem letzten Lebensjahr der Häresie angeklagt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Johannes Tauler, um I30fll36l, Dominikaner, Schüler Meister Eckarts. - Zu Tauler, Meister Eckart und die Mystik im allgemeinen vgl. auch Rudolf Steiners Schrift «Die Mystik im Aufgange des neuzeitlichen Geisteslebens und ihr Verhältnis zur modernen Weltanschauung», GA 7.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und lesen Sie in der «Deutschen Theologie«: «Theologia deutsch - Die lerer gar manchen lieblichen underscheit gotlicher warheit und seit gar hohe und gar schone ding von einem volkomen leben», nach der einzigen bis jetzt bekannten Handschrift hrsg. von Franz Pfeiffer, 2. verbesserte und mit einer neudeutschen Übersetzung vermehrte Auflage 1855.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
120 «Nicht ich, sondern der Christus in mir«: Galater 2, 20 «Ich lebe aber; doch nun nicht ich, sondern der Christus lebt in mir«.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
«Die Geheimwissenschaft im Umr`ß« (1910), GA 13.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
121 «Aus d«`rAkasha-Chronik« (19041908), GA 11.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
l36 Der ahrimanische Einfluß bewirkte dann: In der 7. Auflage 1975 hieß es «Der luziferische Einfluß», was den Korrekturvorschlägen einiger Leser entsprach. Jedoch sind die Herausgeber nach gründlicher Prüfung zu dem Ergebnis gekommen, daß es zweifellos «Der ahrimanische Einfluß» heißen muß, da dies aus dem weiteren Vortrag eindeutig hervorgeht; siehe insbesondere S. 142f. «Was ahrimanischem Einfluß zuzuschreiben ..... .&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|232}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
144 mit der Urkunde des Alten Testamentes: Genesis 3.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
146 daß Wesenheiten ... in ähnlicher Art damals ihre Menschheitsstufe durchgemacht haben: Siehe Kap. «Das Leben auf dem Monde», S. 187ff. in «Aus der AkashaChronik&amp;gt;, GA 11, und das Kap. «Die Weltentwickelung und der Mensch«, S. 208 und 215 in «Die Geheimwissenschaft im Umriß», GA 13.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
158 daß sich im Laufe von zehnjahren seine Physiognomie verändert: Vgl. hierzu auch die Ausführungen Rudolf Steiners über den Zusammenhang der Begriffe mit der Gesichtsphysiognomie im Vortrag vom 30. August 1919 in «Allgemeine Menschen- kunde«, GA293.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
163 Karl der Große 742-814, König der Franken und römischer Kaiser.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aristoteles, 384322, Schüler Platos, Erzieher Alexander des Großen, grundlegend für die kulturelle und wissenschaftliche Entwicklung des Abendlandes waren vor allem seine Werke über die Logik.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Martin Luther, siehe Hinw. zu S. I07.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
164 das Zusammen-Untergehen hei einem Erdbeben: Vgl. hierzu auch die Vorrräge Rudolf Steiners vom 27. und 29. Juni 1924 in «Esoterische Betrachtungen karmischer Zusammenhänge, Zweiter Band«, GA 236.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
165 wir haben ... hingewiesen auf eine Individualität: Siehe hierzu auch die Ansprache Rudolf Steiners vom 28. September 1924 in «Esoterische Betrachtungen karmischer Zusammenhänge, Vierter Band«, GA 238, und die Einzelausgabe von vier Vorträgen «Das Weihnachtsmysterium. Novalis, der Seher und Christuskünder«.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
I77 desto größer wird der Unterschied zwischen Mann und Frau in bezug auf ihr Leben:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über den Gegensatz von Männlichem und Weiblichem vgl. auch die Vorrräge vom 5. und 13. März und vom 10. Mai 1910 in «Das Ereignis der Christus-Erscheinung in der ätherischen Welt», GA 118.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
204 Ludwig Deinhard, 1847-1917, Ingenieur und Industrieller. Mit Hübbe-Schleiden zusammeti ältestes Mitglied der deutschen Theosophischen Gesellschaft und 189496 Leiter eines der ersten theosophischen Zweige in München. Er wirkte seit 1900 mit Günther Wagner für die Bildung einer deutschen Sektion und gehörte 1902 bis 1908 zu deren Vorstand. Nach anfänglichen Bedenken schloß er sich später immer enger an Rudolf Steiner an. Sein Buch «Das Mysterium des Menschen im Lichte der psychischen Forschung. Eine Einführung in den Okkultismus«, Berlin 1910, wurde von Rudolf Steiner sehr geschätzt. Vgl. auch den Vortrag vom 19. Mai 1917 im Band «Mitteleuropa zwischen Ost und West», GA 1 74a, und «Zur Geschichte und aus den Inhalten der ersten Abteilung der Esoterischen Schule 19041914«, GA 264.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
205 Frederick W. H. Myers, 1843-1901, Dichter, Spiritist, SchrifrsteIler, Freund von Sir Oliver Lodge; 1882 einer der Gründer der Sociery for Psychical Research in London. - Über die Vorkommnisse um ihn im Zusammenhang mit Sie Oliver Lodge spricht Rudolf Steiner ausführlich im Vortrag vom 27. November 1916 in dem Band «Das Karma des Berufes«, GA 172.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|233}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
206 Perserkriege: Die von 490449 v. Chr. zwischen Persern und Griechen geführten Kriege; von den Persern unternommen, um die Griechen für ihre Teilnahme am ionischen Aufstand zu bestrafen und zu unrerweifen. Trotz zehnfacher Übermacht wurden die Perser von den Griechen unter Miltiades` Führung 490 bei Marathon geschlagen; die Florte des Perserkönigs Xerxes wurde 480 v. Chr. bei Salamis besiegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
209 Xer:zes, um 520465 v. Chr., Perserkönig, Sohn des Dareios; er zog gegen Hellas, um die Niederlage seines Vaters bei Marathon zu rächen, erzwang den Durchgang durch den von Leonidas besetzten Engpaß Thermopylä, unterlag jedoch ebenfalls in der Schlacht bei Salamis 480.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Miltiades, atbenischer Feldherr, schlug die Perser 490 v. Chr. bei Marathon (siehe Hinw. zu S. 209).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Leonidtis, (~ 480 v. Chr.), spartanischer König, fiel im Kampf mit dem Perserkönig Xerxes um den Engpaß Thermopylä.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
214 im Sommer bei dem Zyklus über die biblische Schöpfungsgeschichte: Elf Vorträge in München vom 16. bis 26. August I910; «Die Geheimnisse der biblischen Schöpfungsgeschichte. Das Sechstagewerk im 1. Buch Moses», GA 122.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
215 in der bab~li~chen Schöpfungsgeschichte: I. Buch Moses (Genesis), 1.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|234}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= NAMENREGISTER =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(* = nicht namentlich erwähnt)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aristoteles 163 Myers, Frederick 205&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bach (Familie) 114 Novalis 165*&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bach, Johann Sebastian 114 Paulus, Apostel 120&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Cartesius, Renatus (Descartes, Prometheus 144&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rene) 35f. Skoda, Joseph 77f., 93&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dietl, Joseph 77, 93? Steiner, Rudolf&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deinhard, Ludwig 204 Werke und Vorträge:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eckart, Meister 1 I9 Aus der Akasha-Chronik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eva 144 (GA 11) 121,146&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Galilei, Galileo 107, l1l Die Geheimwissenschaft im Umriß&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Halleyscher Komet 32 (GA 13) 31, 120, 146&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Karl der Große l63 Die Geheimnisse der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kepler, Johannes 27?, l66f. biblischen Schöpfungsgeschichte&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kolumbus, Christoph 26 (GA 122) 214f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Luther, Martin l07?, l63f. Tauler, Johannes 119&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Leonidas 209 Troels-Lund, Frederik 105&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Miltiades 209, 224 Xerxes 209&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Glossar==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|A}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|A}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ahriman&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|[…] wie in der Tat die beiden Prinzipien, das ahrimanische und das luziferische, im letzten Grunde im Krankheitsverlauf tätig sind. Und es könnte in vieler Beziehung für diese oder jene Krankheitsform gezeigt werden, wie man eigentlich zwei Typen von Krankheiten unterscheiden müßte: ahrimanische und luziferische Krankheiten.|120|88}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ätherleib&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|[…] wenn der Mensch durch die Pforte des Todes tritt […]  wird das Hauptsächlichste des Ätherleibes als ein zweiter Leichnam abgeworfen; es bleibt jedoch ein Extrakt des Ätherleibes zurück, der mitgenommen wird und erhalten bleibt für alle kommenden Zeiten.|120|67}}{{GS|So sehen wir, daß wir in dem Ätherleib und physischen Leib der Pflanze etwas vor uns haben, was imstande ist, mit inneren Heilkräften zu antworten auf äußere Schädigungen.|120|62}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|B}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|B}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bewusstsein&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Die Erkenntnis eines solchen Zusammenhanges zwischen Ursachen und Wirkungen in unseren einzelnen Lebensabschnitten, die wir durch unser gewöhnliches Bewußtsein überschauen können, kann uns schon im höchsten Grade förderlich sein im Leben.|120|22}}{{GS|Das Bewußtsein, […] das sich ausdehnt […]  auf unser Leben zwischen Geburt und Tod, das entsteht dadurch, daß sich der Mensch des Instrumentes seines Gehirns bedienen kann. Wenn der Mensch durch die Pforte des Todes schreitet, tritt ein andersgeartetes Bewußtsein auf, das unabhängig ist vom Gehirn und an wesentlich andere Bedingungen gebunden ist.|120|24}}{{GS|Wenn der Mensch aber durch die Pforte des Todes schreitet, hört das Vorstellungsleben auf, das an das Instrument des Gehirns gebunden ist. Da beginnt eine andere Form des Bewußtseinslebens.|120|86}}{{GS|Wir haben gezeigt, daß es gleichsam eine Art von Hemmnis gibt gegen das Eindringen der Unmoralität in die tieferen Kräfte des Organismus. […] Indem wir eine Handlung oder ein sonstiges Erlebnis mit einer bewußten Vorstellung begleiten, schaffen wir eine Schutzwehr dagegen, daß das Resultat unserer Handlungen hinunterrückt in unseren Organismus.|129|95}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|C}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|C}}&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|D}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|D}}&lt;br /&gt;
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{{GlossarNavigationArtikel|E}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|E}}&lt;br /&gt;
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{{GlossarNavigationArtikel|F}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|F}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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{{GlossarNavigationArtikel|G}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Gehirn&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Das Bewußtsein, […] das sich ausdehnt […]  auf unser Leben zwischen Geburt und Tod, das entsteht dadurch, daß sich der Mensch des Instrumentes seines Gehirns bedienen kann. Wenn der Mensch durch die Pforte des Todes schreitet, tritt ein andersgeartetes Bewußtsein auf, das unabhängig ist vom Gehirn und an wesentlich andere Bedingungen gebunden ist.|120|24}}{{GS|Wenn der Mensch aber durch die Pforte des Todes schreitet, hört das Vorstellungsleben auf, das an das Instrument des Gehirns gebunden ist. Da beginnt eine andere Form des Bewußtseinslebens.|120|86}}&lt;br /&gt;
Geist&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Der Mensch kann einen in sich regen Geist bis an sein Lebensende dadurch haben, daß wir ihn als Kind in der Weise erzogen haben, wie es jetzt eben beschrieben worden ist: daß wir auf sein Seelenleben, auf alles, was lebendig in ihm sitzt, Rücksicht genommen haben.|120|20}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Geisteswissenschaft&lt;br /&gt;
{{GS|[…] Geisteswissenschaft nicht eine abstrakte Theorie sein soll […] erfüllt erst dann ihre Aufgabe, wenn … etwas hineinfließt in unsere Seelen … was unsere Seelen tüchtiger und tatkräftiger machen kann.|120|9}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|H}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|H}}&lt;br /&gt;
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{{GlossarNavigationArtikel|I}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|I}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|J}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|J}}&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
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----&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kamaloka&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Wenn wir also schon im gewöhnlichen Leben so stark berührt werden können durch gewisse Erlebnisse, besonders wenn es Gefühlseindrücke waren, daß sie eine Gemütsverstimmung bewirken können, so werden wir begreifen, daß die viel stärkeren Eindrücke des Kamalokalebens sich so eindrücken können, daß sie bei einer neuen Inkarnation bis tief in die Organisation des physischen Leibes hineinwirken.|120|72}}{{GS|Gerade während der Kamalokazeit, weil der Mensch seinen alten astralischen Leib noch hat, bewirkt das Durchgemachte die tiefsten Gefühlserlebnisse.|120|72}}{{GS|Wir könnten die verschiedensten Beispiele anführen, die uns alle zeigen, wie der Mensch aus den Erfahrungen seiner Kamalokazeit heraus geradezu die Gelegenheiten aufsucht, diese oder jene Krankheit zu bekommen, um durch ihre Überwindung und durch die Entfaltung der selbstheilenden Kräfte die Kräfte zu gewinnen, welche ihn die Lebensbahn im ganzen hinauf- führen.|120|82}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Karma&lt;br /&gt;
{{GS|Ohne daß eine Wirkung erzeugt wird, die wieder zurückfällt auf das Ding oder die Wesenheit, welche diese Wirkung hervorbringt, ohne diese Eigentümlichkeit des Zurückwirkens der Wirkung auf das verursachende Wesen ist der Karmabegriff nicht zu denken.|120|13}}&lt;br /&gt;
{{GS|Wir dürfen erst von einem Karma sprechen, wenn die Wirkung, die auf das Wesen zurückschlägt, beim Zurückschlagen auf dasselbe Wesen trifft, […]|120|13}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Karmische Folgen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Das zeigt uns, wie in die Linie der karmischen Folgen unser Wille eingreifen und etwas schaffen kann, was an Stelle von sonst eingetretenen karmischen Wirkungen steht.|120|23}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Karmische Wirkung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Das zeigt uns, wie in die Linie der karmischen Folgen unser Wille eingreifen und etwas schaffen kann, was an Stelle von sonst eingetretenen karmischen Wirkungen steht.|120|23}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kind&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Der Mensch kann einen in sich regen Geist bis an sein Lebensende dadurch haben, daß wir ihn als Kind in der Weise erzogen haben, wie es jetzt eben beschrieben worden ist: daß wir auf sein Seelenleben, auf alles, was lebendig in ihm sitzt, Rücksicht genommen haben.|120|20}}Komet&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Nun ist die Substanz eines Kometen nicht eine solche mit Gesetzen, wie sie in unserem gewöhnlichen, regulären Sonnensystem bestehen, sondern mit Gesetzen, wie sie im alten Mondendasein existiert haben.|120|31}}{{GS|Der Halleysche Komet ist der äußere Ausdruck - jedesmal, wenn er in die Sphäre unseres Erdendaseins hineinkommt - zu einem neuen Impuls zum Materialismus.|120|32}}Krankheit&lt;br /&gt;
{{GS|Wir könnten die verschiedensten Beispiele anführen, die uns alle zeigen, wie der Mensch aus den Erfahrungen seiner Kamalokazeit heraus geradezu die Gelegenheiten aufsucht, diese oder jene Krankheit zu bekommen, um durch ihre Überwindung und durch die Entfaltung der selbstheilenden Kräfte die Kräfte zu gewinnen, welche ihn die Lebensbahn im ganzen hinauf- führen.|120|82}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|L}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|L}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|M}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|M}}Medizin&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Wer ähnliche Vorträge von mir gehört hat, wird wissen, wie wenig es mir darum zu tun ist, einzustimmen in den Chor, der heute das, was man als «Schulmedizin» bezeichnet, diskreditieren will.|55|120}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mensch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Und der hellseherische Forscher wird bei einem Krankheitsfall immer in Betracht ziehen müssen, welches in dem betreffenden Falle der Anteil sein kann des physischen Leibes auf der einen Seite und des Ätherleibes und des astralischen Leibes auf der andern Seite; denn alle drei Wesensglieder des Menschen können an der Erkrankung beteiligt sein.|120|60}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mond&lt;br /&gt;
{{GS|Also sehen wir neben dem Menschen sich förmlich herausbilden ein Reich von Organismen, die durch das Beibehalten des Mondcharakters unfähig geworden waren, Träger menschlicher Individualitäten zu sein. Diese Organisationen sind im wesentlichen die, welche die Organisationen unserer heutigen Tiere wurden.|120|48}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|N}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|N}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|O}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|O}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Organismus&lt;br /&gt;
{{GS|Wir haben gezeigt, daß es gleichsam eine Art von Hemmnis gibt gegen das Eindringen der Unmoralität in die tieferen Kräfte des Organismus. […] Indem wir eine Handlung oder ein sonstiges Erlebnis mit einer bewußten Vorstellung begleiten, schaffen wir eine Schutzwehr dagegen, daß das Resultat unserer Handlungen hinunterrückt in unseren Organismus.|129|95}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|P}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|P}}Pflanzen&lt;br /&gt;
{{GS|Aber je tiefer wir in die Pflanzenpathologie eindringen, desto mehr werden wir sehen, daß von dem Begriff «innere Krankheitsursache» bei den Pflanzen nicht die Rede sein kann, sondern daß es sich da um äußere Veranlassungen und Schädigungen, um äußere Einflüsse handelt.|120|61}}{{GS|Aber je tiefer wir in die Pflanzenpathologie eindringen, desto mehr werden wir sehen, daß von dem Begriff «innere Krankheitsursache» bei den Pflanzen nicht die Rede sein kann, sondern daß es sich da um […] äußere Einflüsse handelt.|120|61}}{{GS|So sehen wir, daß wir in dem Ätherleib und physischen Leib der Pflanze etwas vor uns haben, was imstande ist, mit inneren Heilkräften zu antworten auf äußere Schädigungen.|120|62}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|Q}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|Q}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|R}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|R}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|S}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|S}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schicksalsschlag&lt;br /&gt;
{{GS|Schicksalsschlag […] wenn wir ihn an den Anfang der nachfolgenden Ereignisse stellen und ihn als Ursache betrachten […] Wir werden vielleicht traurig sein […] Betrachten wir ihn dagegen als Ursache eines Späteren, dann können wir vielleicht froh sein und Freude darüber empfinden.|120|18}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seelenleben&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Der Mensch kann einen in sich regen Geist bis an sein Lebensende dadurch haben, daß wir ihn als Kind in der Weise erzogen haben, wie es jetzt eben beschrieben worden ist: daß wir auf sein Seelenleben, auf alles, was lebendig in ihm sitzt, Rücksicht genommen haben.|120|20}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|T}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|T}}Tier&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Wir können nicht in derselben Weise, wie wir den menschlichen Tod auffassen, von dem tierischen Tode sprechen.|120|37}}{{GS|Und wenn Sie Umschau halten im Tierreich, werden Sie finden, daß die Tiere sich ganz bestimmte Kunstfertigkeiten mitbringen, durch welche etwas zustande gebracht werden kann, an das menschliche Kunst fertigkeit bei allem, wie wir es so herrlich weit gebracht haben, noch lange nicht heran reicht.|120|39}}{{GS|Also sehen wir neben dem Menschen sich förmlich herausbilden ein Reich von Organismen, die durch das Beibehalten des Mondcharakters unfähig geworden waren, Träger menschlicher Individualitäten zu sein. Diese Organisationen sind im wesentlichen die, welche die Organisationen unserer heutigen Tiere wurden.|120|48}}{{GS|Wir schauen auf die Tiere und sagen: Alles, was die Tiere darstellen an Grausamkeit, an Gefräßigkeit, an allen tierischen Untugenden, neben der Geschicklichkeit, die sie haben, das hätten wir in uns, wenn wir sie nicht hätten aus uns heraussetzen können!|120|52}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tod&lt;br /&gt;
{{GS|Das Bewußtsein, […] das sich ausdehnt […] auf unser Leben zwischen Geburt und Tod, das entsteht dadurch, daß sich der Mensch des Instrumentes seines Gehirns bedienen kann. Wenn der Mensch durch die Pforte des Todes schreitet, tritt ein andersgeartetes Bewußtsein auf, das unabhängig ist vom Gehirn und an wesentlich andere Bedingungen gebunden ist.|120|24}}{{GS|Wir können nicht in derselben Weise, wie wir den menschlichen Tod auffassen, von dem tierischen Tode sprechen.|120|37}}{{GS|[…] wenn der Mensch durch die Pforte des Todes tritt […]  wird das Hauptsächlichste des Ätherleibes als ein zweiter Leichnam abgeworfen; es bleibt jedoch ein Extrakt des Ätherleibes zurück, der mitgenommen wird und erhalten bleibt für alle kommenden Zeiten.|120|67}}{{GS|Wenn der Mensch aber durch die Pforte des Todes schreitet, hört das Vorstellungsleben auf, das an das Instrument des Gehirns gebunden ist. Da beginnt eine andere Form des Bewußtseinslebens.|120|86}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|U}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|U}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ursache und Wirkung&lt;br /&gt;
{{GS|Damit in der Welt der Erscheinungen, in der leblosen Welt, die wir zunächst um uns herum haben, eine Wirkung auf eine Ursache folge, ist stets notwendig, daß dieser Ursache etwas entgegenkommt. Und ohne daß etwas der Ursache entgegenkommt, ist niemals von dem Folgen einer Wirkung auf eine Ursache zu sprechen.|120|12}}{{GS|Wir werden aber zu einer Erklärung des Menschenlebens nicht kommen, wenn wir Zusammenhänge zwischen Ursache und Wirkung nur in diesem einzelnen Menschenleben suchen.|120|21}}{{GS|Die Erkenntnis eines solchen Zusammenhanges zwischen Ursachen und Wirkungen in unseren einzelnen Lebensabschnitten, die wir durch unser gewöhnliches Bewußtsein überschauen können, kann uns schon im höchsten Grade förderlich sein im Leben.|120|22}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|V}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|V}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|W}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|W}}Wesensglieder&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Und der hellseherische Forscher wird bei einem Krankheitsfall immer in Betracht ziehen müssen, welches in dem betreffenden Falle der Anteil sein kann des physischen Leibes auf der einen Seite und des Ätherleibes und des astralischen Leibes auf der andern Seite; denn alle drei Wesensglieder des Menschen können an der Erkrankung beteiligt sein.|120|60}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wille&lt;br /&gt;
{{GS|Das zeigt uns, wie in die Linie der karmischen Folgen unser Wille eingreifen und etwas schaffen kann, was an Stelle von sonst eingetretenen karmischen Wirkungen steht.|120|23}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|X}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|X}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|Y}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|Y}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|Z}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|Z}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|0-9}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|0-9}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Literatur =&lt;br /&gt;
* [[a:Rudolf Steiner|Rudolf Steiner]]: &#039;&#039;Die Offenbarungen des Karma&#039;&#039;, [[GA 120]] (1992), ISBN 3-7274-1200-3 {{Vorträge|120}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GA}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:GA 120 Die Offenbarungen des Karma|!]] [[Kategorie:Taschenbücher]] [[Kategorie:Karma]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:GA]] [[Kategorie:GA (Mitgliedervorträge)]]  [[Kategorie: GA (Zyklus)]] [[Kategorie:Gesamtausgabe]]&lt;br /&gt;
[[en:GA 120]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Artikel unten}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>ElkeJura</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://steiner.wiki/index.php?title=Gesamtglossar_O&amp;diff=11284</id>
		<title>Gesamtglossar O</title>
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		<updated>2025-08-27T18:24:08Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;ElkeJura: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Artikel oben}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Offenbarung&lt;br /&gt;
{{GS|Was ist denn im Sinne der christlichen Esoterik das, was im hellen Tagesbewußtsein sichtbar wird, woraus sich die Erde im weiten Umfange zusammensetzt? Es ist eine Offenbarung der göttlichen Kräfte, eine äußere materielle Offenbarung des innerlich Geistigen.|103|51}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ohr&lt;br /&gt;
{{GS|Dieser wundervolle Bau des menschlichen Auges, dieser wunderbare Apparat des menschlichen Ohres, alles das hat erst heute seine Vollkommenheit erlangt, weil es aus der Saturnmasse herausgebildet wurde, und Ätherleib, Astralleib und Ich daran gearbeitet haben.|99|90}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Okkulter [2. Einweihungsgrad]&lt;br /&gt;
{{GS|Man unterschied zum Beispiel in einer gewissen Form morgenländischer Einweihung sieben Grade der Einweihung, und diese sieben Grade der Einweihung benannte man mit allerlei symbolischen Namen […] der zweite [Grad] der des «Okkulten» […]. Der im zweiten Grade Eingeweihte stand schon voll im okkulten Leben.|103|85}}Organismus&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Wir haben gezeigt, daß es gleichsam eine Art von Hemmnis gibt gegen das Eindringen der Unmoralität in die tieferen Kräfte des Organismus. […] Indem wir eine Handlung oder ein sonstiges Erlebnis mit einer bewußten Vorstellung begleiten, schaffen wir eine Schutzwehr dagegen, daß das Resultat unserer Handlungen hinunterrückt in unseren Organismus.|120|95}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Artikel unten}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>ElkeJura</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://steiner.wiki/index.php?title=Gesamtglossar_O&amp;diff=11283</id>
		<title>Gesamtglossar O</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;ElkeJura: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Artikel oben}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Offenbarung&lt;br /&gt;
{{GS|Was ist denn im Sinne der christlichen Esoterik das, was im hellen Tagesbewußtsein sichtbar wird, woraus sich die Erde im weiten Umfange zusammensetzt? Es ist eine Offenbarung der göttlichen Kräfte, eine äußere materielle Offenbarung des innerlich Geistigen.|103|51}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ohr&lt;br /&gt;
{{GS|Dieser wundervolle Bau des menschlichen Auges, dieser wunderbare Apparat des menschlichen Ohres, alles das hat erst heute seine Vollkommenheit erlangt, weil es aus der Saturnmasse herausgebildet wurde, und Ätherleib, Astralleib und Ich daran gearbeitet haben.|99|90}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Okkulter [2. Einweihungsgrad]&lt;br /&gt;
{{GS|Man unterschied zum Beispiel in einer gewissen Form morgenländischer Einweihung sieben Grade der Einweihung, und diese sieben Grade der Einweihung benannte man mit allerlei symbolischen Namen […] der zweite [Grad] der des «Okkulten» […]. Der im zweiten Grade Eingeweihte stand schon voll im okkulten Leben.|103|85}}Organismus&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Wir haben gezeigt, daß es gleichsam eine Art von Hemmnis gibt gegen das Eindringen der Unmoralität in die tieferen Kräfte des Organismus. […] Indem wir eine Handlung oder ein sonstiges Erlebnis mit einer bewußten Vorstellung begleiten, schaffen wir eine Schutzwehr dagegen, daß das Resultat unserer Handlungen hinunterrückt in unseren Organismus.|129|95}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Artikel unten}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>ElkeJura</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://steiner.wiki/index.php?title=Gesamtglossar_B&amp;diff=11282</id>
		<title>Gesamtglossar B</title>
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		<updated>2025-08-27T18:20:55Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;ElkeJura: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Artikel oben}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Babylonisch-assyrisch-chaldäisch-ägyptische Kultur [dritte Kultuepoche]&lt;br /&gt;
{{GS|So hat der Mensch der dritten Kulturepoche hineingearbeitet in die Materie den Geist, durchdrungen die äußere Welt mit dem Geist.|103|148}}&lt;br /&gt;
{{GS|In dem, was für die Inder noch Maja war, in den Bahnen und dem Glanz der Sterne, sieht der Angehörige der dritten Kulturepoche den Ausdruck der Ratschlüsse und Absichten göttlich-geistiger Wesenheiten.|103|156}}&lt;br /&gt;
{{GS|Wenig ist in der ägyptisch-chaldäischassyrisch-babylonischen Zeit von dem im Menschen schon vorhanden, what man innerliche Persönlichkeits- und Verstandeskultur nennen könnte.|103|172}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bewusstsein&lt;br /&gt;
{{GS|Das Blut erzeugt einen fortwährenden Kampf zwischen Leben und Tod […] Mit der eigenen Blutumwandlung im Menschen entstand auch jene Verfinsterung des &#039;&#039;&#039;Bewußtseins&#039;&#039;&#039; über Geburt und Tod hinaus.|99|128}}&lt;br /&gt;
{{GS|... dasjenige, was wir heute bei dem Durchschnittsmenschen «Schlaf» nennen, nur ein vorübergehender Bewußtseinszustand ist, der sich künftig wie heute schon bei den Eingeweihten umwandeln wird in einen Bewußtseinszustand, wo der Mensch leibbefreit hineinsieht in die geistige Welt.|103|18}}&lt;br /&gt;
{{GS|Ganz anders war das Bewußtsein bei Tag und Nacht während der lemurischen Zeit noch verteilt. Da hatten die Menschen alle noch ein dumpfes hellseherisches Bewußtsein […] Der heutige Traum ist nur wie ein letzter ganz verkümmerter Rest dieses alten Hellsehens.|103|45}}&lt;br /&gt;
{{GS|[…] je mehr der Mensch sich einwohnte in seinen physischen Leib, desto mehr verschwanden die nächtlichen hellseherischen Bilder, desto mehr tauchte das heutige Tagesbewußtsein auf.|103|46}}&lt;br /&gt;
{{GS|So steigt der Mensch buchstäblich, wörtlich aus Sphären herunter, die wir bezeichnen müssen als Wasser- und Wasserdampfsphären […] Solange er in den Wasser-Luft-Sphären war, war sein Bewußtsein eine astralisch-helle Wahrnehmungsfähigkeit.|103|113}}&lt;br /&gt;
{{GS|Die nachatlantische Zeit ist also die, während der der Mensch das helle Tagesbewußtsein erlangt. Und er erlangte es dadurch, daß er das alte hellseherische Bewußtsein hingeben mußte.|103|143}}{{GS|Das Bewußtsein, […] das sich ausdehnt […] auf unser Leben zwischen Geburt und Tod, das entsteht dadurch, daß sich der Mensch des Instrumentes seines Gehirns bedienen kann. Wenn der Mensch durch die Pforte des Todes schreitet, tritt ein andersgeartetes Bewußtsein auf, das unabhängig ist vom Gehirn und an wesentlich andere Bedingungen gebunden ist.|120|24}}{{GS|Wenn der Mensch aber durch die Pforte des Todes schreitet, hört das Vorstellungsleben auf, das an das Instrument des Gehirns gebunden ist. Da beginnt eine andere Form des Bewußtseinslebens.|120|86}}{{GS|Wir haben gezeigt, daß es gleichsam eine Art von Hemmnis gibt gegen das Eindringen der Unmoralität in die tieferen Kräfte des Organismus. […] Indem wir eine Handlung oder ein sonstiges Erlebnis mit einer bewußten Vorstellung begleiten, schaffen wir eine Schutzwehr dagegen, daß das Resultat unserer Handlungen hinunterrückt in unseren Organismus.|120|95}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bewusstseinsseele&lt;br /&gt;
{{GS|[…] was unbewußt das Ich am physischen Leib gearbeitet hat, ist das, was Sie dort genannt finden Bewußtseinsseele. Die Bewußtseinsseele also ist entstanden damals gegen das Ende der atlantischen Zeit …|103|128}}&lt;br /&gt;
{{GS|[…] ungefähr trat die Menschheit ein in diese Epoche um die Mitte des Mittelalters, vom 10., 11., 12. Jahrhundert angefangen, wir selbst sind in der Epoche des Eintretens des Ich in die Bewußtseinsseele.|103|173}}&lt;br /&gt;
{{GS|Alle Forderungen der neueren Zeit sind nichts anderes, als daß unbewußt die Menschen die Forderungen der Bewußtseinsseele herausbringen.|103|174}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bewusstseinszustand&lt;br /&gt;
{{GS|Solches Bewusstsein [der erste Bewusstseinszustand], das dumpf ist […] hat der Mensch einstmals auf der ersten Verkörperung unserer Erde gehabt. Man nennt es tiefes Trancebewusstsein. Es gibt Wesen in unserer Umgebung, die solches Bewusstsein noch jetzt haben; das sind die Mineralien|99|85}}&lt;br /&gt;
{{GS|Der zweite Bewusstseinszustand, den wir kennen […] ist der des gewöhnlichen Schlafes […] Dieses Schlafbewusstsein hatten einst alle Menschen dauernd, als die Erde Sonne war[…] Auch heute gibt es noch diesen Bewusstseinszustand: die Pflanzen haben ihn|99|86}}&lt;br /&gt;
{{GS|Der dritte Zustand, der immer noch dämmerhaft und dumpf ist im Verhältnis zu unserem Tagesbewusstsein, ist der des Bilderbewusstseins, und davon haben wir  […] einen Nachklang im traumerfüllten Schlafe […] allerdings nur ein Rudiment von dem, was auf dem Monde das Bewusstsein aller Menschen war|99|86}}&lt;br /&gt;
{{GS|Der vierte Bewußtseinszustand ist der, den jetzt alle Menschen haben. Die Bilder, die der Mensch früher im Raume als Farbenbilder frei schwebend wahrgenommen hat, legen sich gleichsam um die Gegenstände|99|89}}&lt;br /&gt;
{{GS|Der nächste Bewußtseinszustand [der fünfte], […] ist der sogenannte psychische, ein Bewußtseinszustand, in dem man beides zusammen hat, das Bilderbewußtsein und das wache Tagesbewußtsein …[…] in vollständiger Selbstkontrolle […] das Jupiterbewusstein|99|91}}&lt;br /&gt;
{{GS|Dann gibt es noch einen sechsten Bewußtseinszustand, […] dem Bewußtsein der Inspiration|99|91}}&lt;br /&gt;
{{GS|Der siebente Bewußtseinszustand ist das spirituelle Bewußtsein, das eigentlich höchste Bewußtsein, wo der Mensch Allbewußtsein hat|99|91}}&lt;br /&gt;
{{GS|[…] in dem Gespräch des Christus Jesus mit Nikodemus die Unterredung […] des Christus mit einer Persönlichkeit, die imstande ist, dasjenige wahrzunehmen, was man außerhalb des physischen Leibes durch bis zu einem gewissen Grade entwickelte höhere Erkenntnisorgane wahrnimmt. […] Nikodemus kam zu dem Christus Jesus «bei der Nacht», das heißt in einem Bewußtseinszustand, innerhalb welchem sich der Mensch nicht seiner äußeren Sinnesorgane bedient.|103|104}}&lt;br /&gt;
{{GS|Wir haben gesehen, wie in dieser Zeit vor der atlantischen Flut eine so scharfe Trennung noch nicht war zwischen dem Bewußtseinszustand während des Tageslebens und dem Bewußtseinszustand während des Nachtlebens.|103|153}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Blut&lt;br /&gt;
{{GS|Dieses Blut war nicht in einem Menschenleibe, bevor sich ein Ich verkörperte, so daß dieses rote Menschenblut mit der Entwickelung der Erde selbst zusammenhängt|99|82}}&lt;br /&gt;
{{GS|Das Blut erzeugt einen fortwährenden Kampf zwischen Leben und Tod […] Mit der eigenen Blutumwandlung im Menschen entstand auch jene Verfinsterung des Bewußtseins über Geburt und Tod hinaus.|99|128}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Blutsprobe [4. stufe christlicher Einweihungsweg]&lt;br /&gt;
{{GS|Das Vierte ist das, daß dem Schüler sein Leib, den er hat, in seinem Gefühl so fremd werden muß wie ein äußerer Gegenstand […] Er verbindet sein Ich nicht mehr mit seinem Leibe. Dann tritt etwas ein, was man nennt die «Blutsprobe». […] und als inneres Symptom sieht er in einer astralen Vision die «Kreuzigung».|103|192}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Blutsverwandtschaft&lt;br /&gt;
{{GS|Da kam der Christus Jesus und sagte zu seinen nächsten intimsten Eingeweihten: Bisher haben die Menschen bloß geurteilt nach dem Fleisch, nach der Blutsverwandtschaft …Ihr aber sollt an einen viel geistigeren Zusammenhang glauben, an den, der weiter geht als die Blutsverwandtschaft. Ihr sollt an einen geistigen Vatergrund glauben, in dem das Ich wurzelt, der geistiger ist als jener Grund.|103|59}}&lt;br /&gt;
{{GS|Aber es gab eine Zeit, in der noch ein anderes Gedächtnis vorhanden war, wo sich der Mensch nicht nur an seine Taten erinnerte, sondern wo er sich auch an die Taten seines Vaters, seines Großvaters erinnerte wie an seine eigenen. Das Gedächtnis reichte hinüber, weit in die Blutsverwandtschaft der Ahnen bis zum Stammvater.|103|72}}&lt;br /&gt;
{{GS|Der eine liebt den anderen, weil er blutsverwandt mit ihm ist. Die Blutsverwandtschaft ist die Grundlage aller Liebe. Die Blutsverwandten liebten sich zuerst, und aus der Blutsverwandtschaft geht auch die Liebe hervor, sofern sie nicht Geschlechtsliebe ist.|103|79}}&lt;br /&gt;
{{GS|Dasjenige liebte sich in den ursprünglichen Menschheitszeiten, was durch Blutsbande miteinander verbunden war […] Der Christus war gekommen, um diese Liebe zu vergeistigen, um auf der einen Seite die Liebe loszureißen von den Banden, in die sie durch die Blutsverwandtschaft hineinverschlungen wird …|103|89}}&lt;br /&gt;
{{GS|Und das andere, was uns gezeigt wird, ist, daß der Christus immer eine Mission erfüllen will, die absieht von den bloßen Blutsbanden.|103|99}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Brot des Lebens [biblisch]&lt;br /&gt;
{{GS|Als der Logos Fleisch wird und innerhalb der Menschheit erscheint, da ist er ein Kraftimpuls, der unter die Menschen gebracht wird […] der in der Welt als ein Kraftimpuls enthalten ist, an dem der Mensch teilnehmen kann. Da nennt er sich […] das «Brot des Lebens» (6, 48), das ist der technische Ausdruck für Buddhi oder Lebensgeist|103|120}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Buddhi [Lebensgeist]&lt;br /&gt;
{{GS|[…] soviel von seinem Ätherleibe umgestaltet ist zu einem Produkt des Ich, nennen wir dies die Buddhi oder den Lebensgeist|103|34}}&lt;br /&gt;
{{GS|Am Ende der Erdenlaufbahn ist der Mensch durchdrungen von seinem Ich; und dieses sein Ich wohnt selber in dem Astralleib, wenn es als Manas oder Geistselbst den astralischen Leib durchzogen hat. Dieses Ich hat dann den Ätherleib durchzogen, er ist ganz und gar durchsetzt von der Buddhi oder dem Lebensgeiste; und der physische Leib ist ganz und gar durchzogen von Atman oder dem Geistesmenschen, den Produkten des Ich.|103|35}}&lt;br /&gt;
{{GS|Als der Logos Fleisch wird und innerhalb der Menschheit erscheint, da ist er ein Kraftimpuls, der unter die Menschen gebracht wird […] der in der Welt als ein Kraftimpuls enthalten ist, an dem der Mensch teilnehmen kann. Da nennt er sich […] das «Brot des Lebens» (6, 48), das ist der technische Ausdruck für Buddhi oder Lebensgeist.|103|120}}&lt;br /&gt;
{{GS|Wenn der Äther- oder Lebensleib ganz und gar durchgearbeitet, durchkraftet sein wird mit der Kraft des Ich, wird er sein die Buddhi oder der Lebensgeist.|103|127}}&lt;br /&gt;
{{GS|Die Substanz der Buddhi ist nichts anderes als der durch das ICH umgewandelte Teil des Ätherleibes|99|31}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Artikel unten}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>ElkeJura</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://steiner.wiki/index.php?title=GA_120&amp;diff=11281</id>
		<title>GA 120</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://steiner.wiki/index.php?title=GA_120&amp;diff=11281"/>
		<updated>2025-08-13T19:48:52Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;ElkeJura: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Artikel oben}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:GA120.jpg|thumb|{{RSV|120}}]]&lt;br /&gt;
__NOTOC__&lt;br /&gt;
&amp;lt;div class=&amp;quot;center&amp;quot; &amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;h3&amp;gt;RUDOLF STEINER&amp;lt;/h3&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;h3&amp;gt;VORTRÄGE&amp;lt;/h3&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;h4&amp;gt;VORTRÄGE VOR MITGLIEDERN&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
DER ANTHROPOSOPHISCHEN GESELLSCHAFT&amp;lt;/h4&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;h3&amp;gt;Die Offenbarungen&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
des Karma&amp;lt;/h3&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;h5&amp;gt;Ein Zyklus von elf Vorträgen&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
gehalten in Hamburg&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
zwischen dem 16. und 28. Mai 1910&amp;lt;/h5&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;h3&amp;gt;GA 120&amp;lt;/h3&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;h3&amp;gt;1992&amp;lt;/h3&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Inhaltsverzeichnis =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[GA 120#ERSTER VORTRAG Hamburg, 16. Mai 1910|ERSTER VORTRAG Hamburg, 16. Mai 1910]]&lt;br /&gt;
* [[GA 120#ZWEITER VORTRAG Hamburg, 17. Mai 1910|ZWEITER VORTRAG Hamburg, 17. Mai 1910]]&lt;br /&gt;
* [[GA 120#DRITTER VORTRAG Hamburg, 18. Mai 1910|DRITTER VORTRAG Hamburg, 18. Mai 1910]]&lt;br /&gt;
* [[GA 120#VIERTER VORTRAG Hamburg, 19. Mai 1910|VIERTER VORTRAG Hamburg, 19. Mai 1910]]&lt;br /&gt;
* [[GA 120#FÜNFTER VORTRAG Hamburg, 20. Mai 1910|FÜNFTER VORTRAG Hamburg, 20. Mai 1910]]&lt;br /&gt;
* [[GA 120#SECHSTER VORTRAG Hamburg, 21. Mai 1910|SECHSTER VORTRAG Hamburg, 21. Mai 1910]]&lt;br /&gt;
* [[GA 120#SIEBENTER VORTRAG Hamburg, 22. Mai 1910|SIEBENTER VORTRAG Hamburg, 22. Mai 1910]]&lt;br /&gt;
* [[GA 120#ACHTER VORTRAG Hamburg, 25. Mai 1910|ACHTER VORTRAG Hamburg, 25. Mai 1910]]&lt;br /&gt;
* [[GA 120#NEUNTER VORTRAG Hamburg, 26. Mai 1910|NEUNTER VORTRAG Hamburg, 26. Mai 1910]]&lt;br /&gt;
* [[GA 120#ZEHNTER VORTRAG Hamburg, 27. Mai 1910|ZEHNTER VORTRAG Hamburg, 27. Mai 1910]]&lt;br /&gt;
* [[GA 120#ELFTER VORTRAG Hamburg, 28. Mai 1910|ELFTER VORTRAG Hamburg, 28. Mai 1910]]&lt;br /&gt;
* [[GA 120#EINLADUNG ZUM VORTRAGSZYKLUS|EINLADUNG ZUM VORTRAGSZYKLUS]]&lt;br /&gt;
* [[GA 120#HINWEISE|HINWEISE]]&lt;br /&gt;
* [[GA 120#NAMENREGISTER|NAMENREGISTER]]&lt;br /&gt;
* [[GA 120#Literatur|Literatur]]&lt;br /&gt;
* [[GA 120#Glossar|Glossar]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|9}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= ERSTER VORTRAG Hamburg, 16. Mai 1910 =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Zyklus von Vorträgen soll Fragen behandeln aus dem Gebiete der Geisteswissenschaft, die tief in das Leben einschneidend sind. Aus den verschiedenen Darstellungen, die im Laufe der Zeit gegeben wor den sind, ist es uns ja geläufig, daß Geisteswissenschaft nicht eine ab strakte Theorie sein soll, nicht eine bloße Doktrin oder Lehre, sondern ein Quell für Leben und Lebenstüchtigkeit, und sie erfüllt erst dann ihre Aufgabe, wenn durch das, was sie an Erkenntnissen zu geben vermag, etwas hineinfließt in unsere Seelen, was das Leben reicher, verständlicher, was unsere Seelen tüchtiger und tatkräftiger machen kann. Wenn sich nun allerdings derjenige, der sich zu dieser unserer Weltanschauung bekennt, jenes Ideal, das eben mit ein paar Worten gekennzeichnet worden ist, vorhält und in der Gegenwart dann ein wenig Umschau hält, inwiefern er imstande ist, das, was ihm aus der Theosophie erfließt, in diesem Leben umzusetzen, dann könnte er vielleicht zu einem recht wenig erfreulichen Eindruck kommen. Denn wenn man unbefangen alles betrachtet, was heute die Welt meint zu «wissen», was in unserer Gegenwart die Menschen zu diesen oder jenen Gefühlen oder Handlungen treibt, so könnte man sagen, daß dies alles von den theosophischen Ideen und Idealen so unendlich weit verschieden ist, daß der Theosoph gar keine Möglichkeit habe, unmittelbar in das Leben einzugreifen mit dem, was er aus den Quellen der Geisteswissenschaft heraus sich aneignet.- Das wäre aber dennoch eine recht oberflächliche Betrachtung der Sachlage, oberflächlich aus dem Grunde, weil bei einer solchen Betrachtung nicht gerechnet würde mit dem, was wir aus unserer Weltanschauung selber dadurch entnehmen müssen, daß wir uns sagen: Wenn einmal wirklich jene Kräfte, die wir durch Theosophie aufnehmen, stark genug sein werden, dann werden sie auch die MögIichkeit finden, in die Welt einzugreifen; wenn aber niemals etwas dazu getan würde, diese Kräfte immer stärker und stärker zu machen, so würde eben ihr Eingreifen in die Welt unmöglich sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber es ist noch etwas anderes, was uns sozusagen Trost geben kann,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|10}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
selbst wenn wir durch eine solche Betrachtung trostlos werden möchten, und das ist es gerade, was uns aus den Betrachtungen dieses Vortragszyklus folgen soll: Betrachtungen über das, was man menschliches Karma und Karma überhaupt nennt. Denn wir werden mit jeder Stunde, die wir hier verbringen, mehr sehen, wie wir gar nicht genug tun können an der Herbeiführung der Möglichkeit, mit theosophischen Kräften in das Leben einzugreifen, und wie wir, wenn wir ernsthaft an Karma glauben und festhalten, voraussetzen müssen, daß uns Karma selber dasjenige zuwerfen wird, was wir über kurz oder lang zu tun haben werden für unsere Kräfte. Wir werden sehen: Wenn wir vermeinen, wir könnten die aus unsererWeltanschauung gewonnenen Kräfte noch nicht anwenden, dann haben wir eben diese Kräfte noch nicht genügend stark gemacht, damit sie bewirken können, daß Karma es uns auch ermögliche, in die Welt mit diesen Kräften einzugreifen. So soll nicht nur eine Summe von Erkenntnissen über Karma in diesen Vorträgen leben, sondern es soll mit jeder Stunde mehr das Vertrauen in Karma geweckt werden, die Gewißheit, daß, wenn die Zeit gekommen sein wird, ob es nun morgen oder übermorgen oder nach vielen Jahren sein wird, unser Karma uns Aufgaben bringen wird, insofern wir als Bekenner unserer Weltanschauung Aufgaben zu verrichten haben. Karma wird sich uns darstellen als eine Lehre, welche uns nicht nur sagt, wie dieses oder jenes in der Welt sich verhält, sondern welche mit den Aufschlüssen, die sie uns bringt, zu gleicher Zeit uns Lebensbefriedigung und Lebenserhöhung bringen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Allerdings, wenn Karma eine solche Aufgabe erfüllen soll, ist es schon notwendig, daß wir das damit gemeinte Gesetz etwas tiefer ins Auge fassen, sozusagen in seiner Ausbreitung über die Welt. Dazu ist aber diesmal etwas notwendig, was sonst nicht eigentlich in meinem Gebrauche liegt bei geisteswissenschaftlichen Betrachtungen, nämlich eine Definition, eineWorterklärung zu geben. Ich pflege das sonst nicht zu tun, weil mit solchen Worterklärungen in der Regel nicht viel getan ist. Bei unseren Betrachtungen wird in der Regel begonnen mit der Darstellung von Tatsachen, und wenn diese Tatsachen in der entsprechenden Weise gruppiert und geordnet sind, ergeben sich die Begriffe und Vorstellungen von selbst. Wollten wir nun allerdings für die umfassenden &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|11}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fragen, die wir in den nächsten Tagen zu besprechen haben, einen ähnlichen Gang einschlagen, so müßten wir viel mehr Zeit zur Verfügung haben, als uns geboten ist. Deshalb ist es diesmal zur Verständigung notwendig, daß wir, wenn auch nicht eine Definition, so doch eine Art Beschreibung des Begriffes geben, der uns längere Zeit beschäftigen wird. Definitionen haben ja auch nur den Zweck, sich darüber zu verständigen, was man meint, wenn man dieses oder jenes Wort anschlägt oder ausspricht. In diesem Stile soll eine Beschreibung des Begriffes «Karma» gegeben werden, damit wir wissen, wovon wir sprechen, wenn in diesen Vorträgen der Ausdruck «Karma» gebraucht wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus mancherlei Betrachtungen hat wohl ein jeder von uns sich schon einen Begriff gebildet von dem, was Karma ist. Ein recht abstrakter Begriff von Karma ist wohl der, wenn man Karma das «geistige Ursachengesetz» nennt, das Gesetz, wonach auf gewisse Ursachen, die im geistigen Leben liegen, gewisse Wirkungen folgen. Das ist aber ein zu abstrakter Begriff von Karma, weil er zum Teil zu eng, zum Teil aber auch viel zu weit sein würde. Wenn wir Karma überhaupt auffassen wollen als ein Ursachengesetz, so stellen wir es zusammen mit dem, was wir sonst in der Welt als das Gesetz der Kausalität, als das Gesetz von Ursache und Wirkung bezeichnen. Verständigen wir uns einmal darüber, was wir sonst unter dem Ursachengesetz auf dem allgemeinen Gebiete verstehen, wo wir noch nicht von geistigen Tatsachen und geistigen Ereignissen sprechen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es wird heute so oft von der äußeren Wissenschaft betont, daß die eigentliche Bedeutung dieser Wissenschaft darinnen liege, daß sie baue auf das umfassende Ursachengesetz, daß sie überall Wirkungen auf entsprechende Ursachen zu rück führe. Wie dieses Zurückführen von Wirkungen auf Ursachen geschieht, darüber sind sich allerdings die Menschen schon viel weniger klar. Denn Sie werden wohl auch heute noch in Büchern, die da glauben, recht gelehrt zu sein und recht philosophisch die Begriffe klarzulegen, immer noch Aussprüche finden können wie etwa den: Eine Wirkung ist dasjenige, was aus einer Ursache folgt. - Wenn man aber sagt, daß eine Wirkung aus einer Ursache folge, dann redet man an den Tatsachen ganz gewaltig vorbei. Denn wenn wir zum Beispiel den erwärmenden Sonnenstrahl betrachten, der auf eine Metallplatte &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|12}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
auffällt, so daß diese Metallplatte dadurch wärmer geworden ist, dann werden wir von Ursache und Wirkung in der Welt draußen reden. Aber werden wir jemals sagen können, daß die Wirkung - die Erwärmung der Metallplatte - aus der Ursache des warmen Sonnenstrahles folge? Wenn der warme Sonnenstrahl diese Wirkung schon in sich hätte, so würde es die Tatsache nicht geben, da der warme Sonnenstrahl eine Metallplatte gar nicht erwärmt, wenn sie ihm nicht entgegenkommt. Damit in der Welt der Erscheinungen, in der leblosen Welt, die wir zunächst um uns herum haben, eine Wirkung auf eine Ursache folge, ist stets notwendig, daß dieser Ursache etwas entgegenkommt. Und ohne daß etwas der Ursache entgegenkommt, ist niemals von dem Folgen einer Wirkung auf eine Ursache zu sprechen. - Es ist nicht überflüssig, daß wir eine solche scheinbar recht philosophisch und abstrakt klingende Bemerkung vorausschicken; denn man muß sich schon einmal angewöhnen, wenn man fruchtbar vorwärtskommen will auf theosophischem Gebiete, die Begriffe recht genau zu fassen und nicht so nachlässig, wie sie zuweilen in den andern Wissenschaften gefaßt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun aber dürfte niemand von Karma sprechen, wenn bloß in einer solchen Weise eine Wirkung eintreten würde, wie sie vorhanden ist, wenn der wärmende Sonnenstrahl eine Metallplatte erwärmt. Da ist zwar die Kausalität vorhanden, der Zusammenhang von Ursache und Wirkung, aber wir würden niemals zu einem gehörigen Begriff von Karma kommen,wenn wir nur auf diesem Gebiete von Karma sprechen würden. Wir können also nicht von Karma sprechen, wenn bloß eine Wirkung mit einer Ursache in Zusammenhang steht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir können nun weitergehen und uns einen etwas höheren Begriff von dem Zusammenhang zwischen Ursache und Wirkung bilden. Wenn wir zum Beispiel einen Bogen haben, ihn spannen und dann mit diesem Bogen einen Pfeil abschießen, dann ist durch das Spannen des Bogens eine Wirkung eingetreten. Diese Wirkung des abgeschossenen Pfeiles im Zusammenhang mit seiner Ursache werden wir ebensowenig mit dem Ausdruck «Karma» belegen dürfen wie das, was eben gesagt worden ist. Wenn wir aber bei diesem Vorgang etwas anderes betrachten, kommen wir in gewisser Weise schon dem Karma nahe, wenn wir auch &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|13}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dabei noch immer nicht den Karmabegriff fassen: wenn wir nämlich bedenken, daß der Bogen, wenn er recht oft gespannt wird, mit der Zeit schlaff wird. Da wird durch das, was der Bogen tut, was` mit ihm geschieht&amp;gt; nicht bloß eine Wirkung folgen, die sich nach außen hin zeigt, sondern es wird eine Wirkung folgen, die auf den Bogen selber zurück- geht. Es geschieht durch das fortwährende Spannen des Bogens etwas mit dem Bogen selbst. Etwas, das durch das Spannen geschieht, fällt also sozusagen wieder auf den Bogen selbst zurück. Eine Wirkung wird also erzielt, welche auf den Gegenstand zurück fällt, von dem diese Wirkung selbst veranlaßt worden ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das gehört nun schon in den Karmabegriff hinein. Ohne daß eine Wirkung erzeugt wird, die wieder zurückfällt auf das Ding oder die Wesenheit, welche diese Wirkung hervorbringt, ohne diese Eigentümlichkeit des Zurückwirkens der Wirkung auf das verursachende Wesen ist der Karmabegriff nicht zu denken. Da kommen wir also dem Karmabegriff schon insofern etwas näher, als uns klar wird, daß die von einem Ding oder Wesen verursachte Wirkung wieder zurückschlagen muß auf dieses Ding oder Wesen selber. Aber dennoch dürfen wir das Schlaffwerden des Bogens durch das fortwährende Spannen nicht das Karma des Bogens nennen, und zwar aus folgendem Grunde nicht: Wenn wir den Bogen etwa drei bis vier Wochen recht oft gespannt haben, und er ist nach vier Wochen schlaff geworden, dann haben wir in dem schlaffen Bogen eigentlich etwas ganz anderes vor uns, als vor vier Wochen in dem straffen Bogen; der Bogen ist etwas anderes geworden, er ist nicht dasselbe geblieben. Wenn also die zurückschlagende Wirkung so ist, daß sie durchaus etwas anderes aus dem Ding oder Wesen macht, dann dürfen wir doch noch nicht von einem Karma sprechen. Wir dürfen erst von einem Karma sprechen, wenn die Wirkung, die auf das Wesen zurückschlägt, beim Zurückschlagen auf dasselbe Wesen trifft, oder wenn das Wesen wenigstens in einem gewissen Sinne dasselbe geblieben ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So also sind wir dem Karmabegriff wieder um ein Stück nähergekommen. Aber wir bekommen, wenn wir den Karmabegriff so beschreiben wollen, im Grunde genommen von ihm doch nur eine recht ab- strakte Vorstellung. Dennoch werden wir diesen Begriff, wenn wir ihn &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|14}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
abstrakt fassen wollen, kaum genauer fassen können, als wenn wir ihn in der Weise ausdrücken, wie wir es eben jetzt getan haben. Nur das eine müssen wir zum Karmabegriff noch hinzufügen: Wenn die Wirkung, die auf das Wesen zurückschlägt, in demselben Zeitpunkte erfolgt, wenn also Verursachung und zurückschlagende Wirkung in demselben Zeitpunkte stattfinden, dann werden wir kaum von Karma sprechen können. Denn in diesem Falle würde das Wesen, von dem die Wirkung ausgeht, im Grunde genommen die Wirkung unmittelbar hervorbringen wollen, würde also diese Wirkung voraussetzen, würde durchschauen alle Elemente, die zu dieser Wirkung führen. Wenn das&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der Fall ist, sprechen wir doch nicht von Karma. So zum Beispiel werden wir nicht von Karma sprechen, wenn wir einen Menschen vor uns haben, der eine bestimmte Tat vollbringt, mit der er dieses oder jenes beabsichtigt, und wenn dann - gemäß seiner Absicht - diese oder jene Wirkung, die er eben gewollt hat, eintritt. Das heißt, es muß zwischen der Ursache und der Wirkung etwas liegen, was sich dem Wesen bei der Herbeiführung der Ursache unmittelbar entzieht, so daß der Zusammenhang von Ursache und Wirkung zwar vorhanden ist, aber nicht eigentlich von dem Wesen selber beabsichtigt ist. Wenn dieser Zusammenhang von dem Wesen, das verursacht, nicht beabsichtigt ist, dann muß der Grund, warum ein Zusammenhang besteht zwischen Ursache und Wirkung, woanders liegen als in den Absichten des betreffenden Wesens. Das heißt, es muß dieser Grund liegen in einer bestimmten Gesetzmäßigkeit. Das gehört also noch zum Karma dazu, daß der Zusammenhang zwischen Ursache und Wirkung ein gesetzmäßiger ist, der hinübergeht über das, was das Wesen unmittelbar beabsichtigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So hätten wir einige Elemente zusammengetragen, welche uns den Karmabegriff erläutern können. Aber wir müssen alle diese Elemente in dem Karmabegriff darinnen haben und nicht bei einer abstrakten Definition stehenbleiben. Denn sonst werden wir nicht die Offenbarungen des Karma auf den verschiedenen Gebieten der Welt begreifen können. Diese Offenbarungen des Karma werden wir nun zuerst dort aufzusuchen haben, wo uns Karma zunächst entgegentritt: im einzelnen Menschenleben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Können wir im einzelnen Menschenleben so etwas finden und wann&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|15}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
können wir es finden, was wir jetzt eben durch unsere Erläuterung des Karmabegriffes dargestellt haben?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir würden so etwas finden, wenn zum Beispiel ein Erlebnis in unser Leben hineinträte, bei dem wir uns sagen könnten: Dieses Erlebnis, das da für uns auftritt, steht in einem gewissen Zusammenhange mit einem früheren Erlebnis, an dem wir selber beteiligt sind, zu dem wir selber Veranlassung gegeben haben. Versuchen wir einmal - zunächst rein durch Beobachtung des Lebens - festzustellen, ob es so etwas gibt. Wir wollen uns jetzt also rein auf den Standpunkt der äußeren Beobachtung stellen. Wer solche Beobachtungen nicht anstellt, kann auch nie zum Erkennen eines gesetzmäßigen Zusammenhanges im Leben kommen; er kann es ebensowenig, wie derjenige das Gesetz des elastischen Stoßes an zwei Billardkugeln kennenlernen kann, der diesen Stoß nicht beobachten wird. Beobachtung des Lebens kann uns in der Tat zu der Anschauung eines gesetzmäßigen Zusammenhanges führen. Greifen wir dazu gleich einen bestimmten Zusammenhang heraus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sagen wir, ein junger Mensch wäre im achtzehnten Jahre seines Lebens aus dem Berufe, der ihm bis dahin vorgezeichnet zu sein schien, durch irgendein Ereignis herausgewöorfen worden. Nehmen wir an, dieser Mensch hätte bis dahin ein Studium betrieben, hätte sich durch das Studium vorbereitet zu einem Berufe, wie er aus solchem Studium hervorgehen kann, und nun wäre er, zum Beispiel durch einen Unglücksfall seiner Eltern, daraus herausgeworfen worden und mit achtzehn Jahren in den Kaufmannsberuf hineingetrieben worden. Wer solche Fälle unbefangen im Leben beobachtet - mit einem solchen Blick, wie man in der Physik die Erscheinung des Stoßes elastischer Kugeln betrachtet -, der wird dann zum Beispiel finden, daß die Erlebnisse des Kaufmannsberufes, in den der junge Mensch hineingetrieben worden ist, zunächst anregend wirken, daß er darin seine Pflichten ausführt, etwas lernt, vielleicht auch etwas ganz Tüchtiges wird. Aber man kann auch beobachten, daß nach einiger Zeit etwas ganz anderes auch eintritt: ein gewisser Überdruß, eine gewisse Unzufriedenheit. Nicht gleich wird eine solche Unzufriedenheit eintreten. Wenn mit achtzehn Jahren sich der Berufswechsel vollzogen hat, werden vielleicht die nächsten Jahre ruhig vorübergehen. Aber vielleicht um das dreiundzwanzigste &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|16}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jahr herum wird es deutlich werden, daß sich etwas in der Seele festsetzt, was sich wie etwas Unerklärliches zeigt. Wenn man dann weiter nachforscht, kann man häufig bemerken, wenn der Fall klarliegt, daß der Überdruß fünf Jahre nach dem Berufswechsel seine Erklärung findet durch das dreizehnte oder vierzehnte Jahr. Denn die Ursachen für eine solche Erscheinung werden wir sehr häufig zu suchen haben ungefähr eine ebensolche Zeitspanne vor dem Berufswechsel, wie nach demselben ein Ereignis eingetreten ist, wie wir es eben beschrieben haben. Da kann der betreffende Mensch in seinem dreizehnten Jahre während seiner Lernzeit - also fünf Jahre vor seinem Berufswechsel - etwas in seine Gefühlswelt aufgenommen haben, was ihm eine gewisse innere Beseligung gewährte. Nehmen wir an, der Berufswechsel wäre nicht eingetreten; dann würde das, woran sich der junge Mensch im dreizehnten Jahre gewöhnt hatte, im späteren Leben sich ausgelebt und diese oder jene Frucht getragen haben. Nun kam aber der Berufswechsei, der zunächst den jungen Menschen interessiert hat, der seine Seele eingenommen hat. Was dadurch in sein Seelenleben gekommen ist, das hat zurückgedrängt, was früher darinnen war. Eine gewisse Zeit hindurch kann das zurückgedrängt werden, aber indem es zurückgedrängt wird, gewinnt es gerade im Inneren eine besondere Kraft; da sammelt es sozusagen Spannkraft im Inneren an. Da ist es ähnlich, wie wenn wir einen elastischen Ball zusammendrücken: Wir können ihn bis zu einer gewissen Grenze drücken, dann leistet er Widerstand; und wenn er zum Zurückschnellen veranlaßt wird, wird er mit einer um so größeren Kraft zurückschnellen, je mehr wir ihn vorher zusammengedrückt haben. Solche Erlebnisse, wie die eben angedeuteten, die ein junger Mensch aufgenommen hat im dreizehnten Jahre seines Lebens und welche sich dann bis zum Berufswechsel befestigt haben, können auch in gewisser Weise zurückgedrängt werden; dann aber macht sich nach einiger Zeit ein Widerstand in der Seele geltend. Und dann kann man sehen, wie dieser Widerstand stark genug geworden ist, um sich nun in seiner Wirkung zu zeigen. Weil der Seele das fehlt, was sie sonst haben würde, wenn der Berufswechsel nicht gekommen wäre, macht sich das Zurückgedrängte geltend und kommt jetzt so zum Vorschein, daß Unbefriedigung, Überdruß an dem, was die Umgebung bietet, eintritt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|17}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da also haben wir einen Fall, wo der betreffende Mensch etwas er- lebt hat, etwas getan hat in seinem dreizehnten bis vierzehnten Lebens jahre, und wo er später etwas anderes getan hat, nämlich den Berufs wechsel vollzogen hat, und wir sehen, wie diese Ursachen so sich aus- leben, daß sie in ihrer Wirkung später zurückfallen, zurückschlagen auf dasselbe Wesen. In einem solchen Falle würden wir den Karma begriff zunächst auf das Einzelleben des Menschen anwenden müssen. -&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man sollte aber nun nicht dagegen einwenden: Wir haben aber Fälle kennengelernt, wo sich so etwas ganz und gar nicht zeigte! - Das kann sein. Aber es wird auch keinem Physiker einfallen, wenn er die Gesetze des fallenden Steines untersuchen will, der mit dieser oder jener Geschwindigkeit fällt, daß er sich sagen müßte, das Gesetz wäre nicht richtig, wenn der Stein etwa durch einen Schlag aus seiner Richtung geschleudert würde. Man muß lernen, in der richtigen Weise zu beobachten, und diejenigen Erscheinungen ausschließen, welche nicht zur Bildung des Gesetzes gehören. Gewiß würde ein solcher Mensch, der, wenn nichts anderes eintreten würde, mit dreiundzwanzig Jahren die Eindrücke seines dreizehnten Jahres in ihrer Wirkung als Überdruß empfindet, zu diesem Überdruß nicht kommen, wenn er zum Beispiel in der Zwischenzeit geheiratet hätte. Aber da hätten wir es mit etwas zu tun, was für die Feststellung des Grundgesetzes ohne Einfluß ist. Darauf aber kommt es an, daß wir die richtigen Faktoren finden, die uns auf ein Gesetz führen können. Beobachtung an sich ist noch gar nichts; erst geregelte Beobachtung bringt uns zur Erkenntnis des Gesetzes. Nun handelt es sich aber auch darum, solche geregelte Beobachtungen, wenn wir das Gesetz des Karma studieren wollen, in der rechten Weise anzustellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen wir an, um für einen einzelnen Menschen das Karma zu erkennen, jemanden träfe im fünfundzwanzigsten Lebensjahre ein schwerer Schicksalsschlag, der ihm Schmerz und Leid verursacht. Wenn wir nun einfach unsere Beobachtungen so anstellen, daß wir sagen, dieser schwere Schicksalsschlag ist eben in das Leben hereingebrochen und hat es mit Schmerz und Leid erfüllt, wenn wir also bei der bloßen Beobachtung stehenbleiben, werden wir nie zum Erkennen des karmischen Zusammenhanges kommen. Wenn wir aber weiterschreiten und das &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Leben eines solchen Menschen, der im fünfundzwanzigsten Jahre einen derartigen Schicksalsschlag erlebt hat, in seinem fünfzigsten Jahre betrachten, dann werden wir vielleicht zu einer Anschauung kommen, die wir etwa so ausdrücken können: Der Mensch, den wir da betrachten, ist ein Mensch geworden, fleißig und regsam, der tüchtig im Leben da- steht; jetzt schauen wir weiter zurück in sein Leben. Mit zwanzig Jahren - so finden wir dann - war er noch ein Taugenichts und hat überhaupt nichts tun wollen; mit fünfundzwanzig Jahren hat ihn dann der schwere Schicksalsschlag getroffen. Hätte ihn dieser Schlag nicht getroffen - so können wir jetzt sagen -, so wäre er ein Taugenichts geblieben. Also ist der schwere Schicksalsschlag die Ursache dazu gewesen, daß wir im fünfzigsten Jahre einen regsamen und tüchtigen Menschen vor uns haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine solche Tatsache lehrt uns, daß wir fehlgehen, wenn wir den Schicksalsschlag vom fünfundzwanzigsten Jahre als eine bloße Wirkung betrachten. Denn wenn wir fragen: Was hat er verursacht?, können wir nicht bei der bloßen Beobachtung stehenbleiben.Wenn wir aber einen solchen Schlag nicht als Wirkung betrachten und an das Ende der Erscheinungen stellen, die vorausgegangen sind, sondern wenn wir ihn an den Anfang der nachfolgenden Ereignisse stellen und ihn als Ursache betrachten, dann lernen wir erkennen, daß wir allerdings sogar unser Gefühlsurteil, unser Empfindungsurteil ganz wesentlich ändern können gegenüber diesem Schicksalsschlag. Wir werden vielleicht traurig sein, wenn wir ihn bloß als Wirkung betrachten, daß diesen Menschen dieser Schlag getroffen hat. Betrachten wir ihn dagegen als Ursache eines Späteren, dann können wir vielleicht froh sein und Freude darüber empfinden. Denn diesem Schicksalsschlag ist es zu verdanken - so können wir sagen -, daß der Betreffende ein ordentlicher Mensch geworden ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So sehen wir, daß es an unseren Empfindungen etwas Wesentliches ändern kann, je nachdem wir eine Tatsache des Lebens als Wirkung oder als Ursache betrachten. Es ist also nicht gleichgültig, ob wir irgend etwas, was im Leben den Menschen trifft, als bloße Wirkung oder als Ursache betrachten. Freilich, wenn wir in dem Zeitpunkt die Beobachtung anstellen, wo das schmerzliche Ereignis eingetreten ist, können wir &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|19}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
noch nicht die unmittelbare Wirkung wahrnehmen. Wenn wir uns aber das Karmagesetz gebildet haben aus ähnlichen Beobachtungen, dann kann dieses Karmagesetz selber uns sagen: Jetzt ist vielleicht ein Ereignis schmerzlich, weil es uns bloß als Wirkung des Vorhergehenden entgegentritt; aber es kann auch so betrachtet werden, daß es als Ausgangspunkt für ein Folgendes angesehen wird. Dann können wir sagen: Wir ahnen, daß hier der Ausgangspunkt die Ursache ist von Wirkungen, welche die Sache in ein ganz anderes Licht stellen! So kann das Karmagesetz selber der Quell sein einerTröstung. Die Tröstung wäre nicht da, wenn wir uns gewöhnten, ein Ereignis nur an das Ende und nicht an den Anfang einer Erscheinungsreihe zu setzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es kommt also darauf an, daß wir lernen, das Leben geregelt zu beobachten und in entsprechender Weise die Dinge als Wirkung und Ursache zueinander zu stellen. Wenn wir solche Beobachtungen wirklich durchgreifend anstellen, werden uns im einzelnen Menschenleben Ergebnisse zutage treten, die mit einer gewissen Regelmäßigkeit für das einzelne Menschenleben ablaufen, und andere Ergebnisse werden zutage treten, die uns unregelmäßig in diesem Leben erscheinen. So kann der, welcher das Menschenleben beobachtet - und zwar nicht nur so weit, als gerade die Nase reicht -, merkwürdige Zusammenhänge in diesem Menschenleben finden. Nur werden die Erscheinungen des menschlichen Lebens leider heute nur über kurze Zeitspannen, kaum über einige Jahre, beobachtet; und was nach einer größeren Anzahl von Jahren eintritt&amp;gt; das ist man nicht gewohnt, mit dem in Zusammenhang zu bringen, was etwa früher als Ursache vorhanden sein konnte. Daher werden nur wenige Menschen sich heute finden, die Anfang und Ende des Menschenlebens in einen gewissen Zusammenhang bringen. Dennoch ist dieser Zusammenhang außerordentlich lehrreich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen wir an, wir haben ein Kind in den ersten sieben Jahren seines Lebens so erzogen, daß also wir nicht das getan haben, was gewöhnlich geschieht,daß wir nicht von dem Glauben ausgegangen sind: Wenn einer ein ordentlicher Mensch im Leben werden soll, muß er so und so sein, muß unseren Anschauungen von einem ordentlichen Menschen unbedingt entsprechen. Denn in einem solchen Falle würden wir dem Kinde möglichst genau das alles eintrichtern wollen, was es eben in &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
unserem Sinne zu einem ordentlichen Menschen machen sollte. Wenn wir aber von der Erkenntnis ausgehen, daß man ein ordentlicher Mensch auf vielerlei Arten sein kann und daß man noch gar keine Vorstellung zu haben braucht, auf welche Art der, der als Kind erst heranwächst, ein ordentlicher Mensch werden soll nach seiner individuellen Anlage, dann werden wir sagen: Was ich auch immer für Begriffe von einem ordentlichen Menschen habe, der Mensch, der aus diesem Kinde entstehen soll, muß dadurch entstehen, daß die besten Anlagen aus ihm herausgeholt werden - was ich vielleicht erst als Rätsel lösen muß! Und man wird sich daher sagen: Was kommt es darauf an, daß ich diesen oder jenen Geboten und dergleichen verpflichtet bin? Das Kind selbst muß ein Bedürfnis fühlen, dieses oder jenes zu tun! Wenn ich das Kind nach seinen individuellen Anlagen entwickeln will, werde ich versuchen, diejenigen Bedürfnisse, die in ihm veranlagt sind, zu entwickeln, herauszuholen, so (iaß vor allen Dingen ein Bedürfnis nach den Handlungen eintritt, das Kind also die Handlungen aus eigenem Bedürfnis tut. - Wir sehen daraus, daß es zwei ganz verschiedene Methoden gibt, auf ein Kind in den ersten sieben Jahren seines Lebens zu wirken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir nun das weitere Leben des Kindes beobachten, wird sich uns lange Zeit nicht zeigen, was die ausgesprochenste Wirkung dessen sein wird, was wir in den ersten Jahren auf diese Weise in das Kind hineingebracht haben. In der Lebensbeobachtung ergibt sich nämlich, daß die eigentlichen Wirkungen dessen, was als Ursachen in die kindliche Seele hineingelegt worden ist, am allerspätesten erst eintreten, das heißt am Lebensabend. Der Mensch kann einen in sich regen Geist bis an sein Lebensende dadurch haben, daß wir ihn als Kind in der Weise erzogen haben, wie es jetzt eben beschrieben worden ist: daß wir auf sein Seelenleben, auf alles, was lebendig in ihm sitzt, Rücksicht genommen haben. Wenn wir das herausgeholt und zur Entwickelung gebracht haben, was an inneren Kräften in ihm vorhanden ist, dann werden wir die Früchte am Lebensabend herauskommen sehen in Gestalt eines reichen Seelenlebens. Dagegen in einer verdorrten und verarmten Seele und demgemäß auch - weil, wie wir später sehen werden, eine verdorrte Seele auch auf den Leib wirkt - in den leiblichen Gebresten &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|21}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
des Alters tritt das auf, was wir in der frühesten Kindheit an dem Menschen Unrichtiges getan haben. Da sehen wir etwas, was sich in gewisser Weise regulär, so daß es für jeden Menschen gültig ist, im Menschenleben als Zusammenhang von Ursache und Wirkung darstellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So könnten wir auch für die mittleren Lebensabschnitte solche Zusammenhänge finden, und wir werden darauf noch aufmerksam machen. - Wie wir einen Menschen vom siebenten bis vierzehnten Jahre behandeln, das tritt in seinen Wirkungen wieder im vorletzten Lebensabschnitt hervor. So sehen wir Ursache und Wirkung zyklisch, wie im Kreise, sich abspielen. Was an Ursachen am frühesten vorhanden war, das tritt als Wirkung am spätesten auf. Aber nicht nur solche Wir kungen und Ursachen sind im einzelnen Menschenleben vorhanden, sondern es geht neben dem zyklischen Verlauf ein geradliniger einher.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An unserem Beispiel, wie das dreizehnte Jahr in das dreiundzwan zigste hineinspielen kann, haben wir gesehen, wie Ursache und Wirkung Im Menschenleben so zusammenhängen, daß dasjenige, was der Mensch in sich erlebt hat, Wirkungen nach sich zieht, die dann wieder auf dasselbe Menschenwesen zurückschlagen. So erfüllt sich Karma im einzelnen Menschenleben. Wir werden aber zu einer Erklärung des Menschenlebens nicht kommen, wenn wir Zusammenhänge zwischen Ursache und Wirkung nur in diesem einzelnen Menschenleben suchen. Wie der Gedanke, der jetzt angeschlagen ist, weiter zu begründen und auszuführen ist, darüber werden wir in den nächsten Stunden sprechen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt soll nur auf etwas hingedeutet werden, das ja bereits bekannt ist: daß die Geisteswissenschaft zeigt, wie dieses Menschenleben zwischen Geburt und Tod die Wiederholung ist früherer Menschenleben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir nun das Charakteristische aufsuchen für das Leben zwischen Geburt und Tod, so können wir als solches bezeichnen die Aus dehnung eines und desselben Bewußtseins - im wesentlichen wenigstens - für die ganze Zeit zwischen Geburt und Tod. Wenn Sie sich zurückerinnern an Ihre früheren Lebensabschnitte, so werden Sie sagen: Es gibt einen Zeitpunkt, der nicht mit meiner Geburt zusammenfällt, sondern etwas später liegt, wo meine Lebenserinnerungen beginnen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das werden alle Menschen sagen, die nicht zu den Eingeweihten gehören; und sie werden dann davon sprechen, daß ihr Bewußtsein soweit &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|22}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nur reicht. Im Grunde genommen haben wir es in dem Zeitraum von der Geburt bis zum Tod in bezug auf den Beginn dieser Lebenserinnerungen mit etwas sehr Eigentümlichem zu tun, und wir werden auch darauf noch zurückkommen; das wird uns in bedeutsame Dinge hinein- leuchten. Wenn wir das aber nicht berücksichtigen, können wir sagen: Charakteristisch für das Leben zwischen Geburt und Tod ist es, daß ein Bewußtsein sich ausdehnt für diese Zeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn nun auch der Mensch im gewöhnlichen Leben, wenn ihn im späteren Lebensalter etwas trifft, die Ursachen dazu in früheren Lebensabschnitten nicht aufsucht, so könnte er es aber dennoch, wenn er nur auf alles aufmerksam genug wäre und alles erforschen würde. Er könnte es mit dem Bewußtsein, das ihm als Erinnerungsbewußtsein zur Verfügung steht. Und wenn er durch die Erinnerung versuchte, sich den Zusammenhang zwischen Früherem und Späterem im karmischen Sinne vor die Seele zu stellen, so würde er zu folgendem Ergebnis kommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er würde zum Beispiel sagen: Ich sehe, daß gewisse Ereignisse, die bei mir eingetreten sind, nicht gekommen wären, wenn nicht das oder jenes in einem früheren Lebensabschnitt eingetreten wäre. - Er würde vielleicht sagen: Für das, was meine Erziehung an mir getan hat, muß ich jetzt büßen. - Aber wenn er auch nur den Zusammenhang einsieht zwischen dem, was nicht er gesündigt hat, sondern was an ihm gesündigt worden ist, und späteren Ereignissen, dann wird ihm schon das eine Hilfe sein. Er wird leichter Mittel und Wege finden, um Schäden, die an ihm begangen worden sind&amp;gt; auszugleichen. Die Erkenntnis eines solchen Zusammenhanges zwischen Ursachen und Wirkungen in unseren einzelnen Lebensabschnitten, die wir durch unser gewöhnliches Bewußtsein überschauen können, kann uns schon im höchsten Grade förderlich sein im Leben. Ja, wenn wir uns diese Erkenntnis erwerben, können wir vielleicht noch etwas anderes tun. - Wenn allerdings ein Mensch achtzig Jahre alt geworden ist und dann zurückschaut auf das, was man als Ursachen zu Ereignissen im achtzigsten Jahre in frühester Kindheit zu suchen hat, so wird es für ihn vielleicht recht schwierig sein, Gegenmittel zu finden, um auszugleichen, was an ihm getan worden ist, und wenn er sich dann belehren läßt, so wird das nicht mehr allzuviel helfen. Wenn er sich aber vorher belehren läßt und hinblickt &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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auf die Sünden, die an ihm begangen sind, und, sagen wir, schon im vierzigsten Jahre dagegen Vorsorge trifft, dann hat er vielleicht doch noch Zeit, um gewisse Gegenmittel zu ergreifen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir sehen also, daß wir uns nicht allein für das unmittelbar Nächst- liegende des Lebenskarma belehren lassen sollen, sondern über Karma und den gesetzmäßigen Zusammenhang, den Karma bedeutet, überhaupt. Das kann uns förderlich sein für unser Leben. - Was tut denn aber ein Mensch, der im vierzigsten Jahre etwas unternimmt, damit die Schäden gewisser Sünden nicht eintreten, die zum Beispiel im zwölften Jahre an ihm begangen worden sind, oder die er selbst begangen hat? Er wird versuchen, was er gesündigt hat oder was an ihm getan worden ist, auszugleichen und alles zu tun, was der Wirkung, die eintreten müßte, vorbeugt. Er wird in gewisser Weise sogar die notwendige Wirkung, die ohne sein Zutun eintreten würde, durch eine andere ersetzen. Die Erkenntnis dessen, was es im zwölften Jahre gegeben hat, wird ihn selbst zu einer bestimmten Handlung im vierzigsten Jahre führen. Diese Handlung hätte er nicht getan, wenn er nicht erkannt hätte, daß es dieses oder jenes im zwölften Jahre gegeben hat. Was hat der Mensch also durch sein Zurückblicken auf sein früheres Leben getan? Er hat selber durch sein Bewußtsein folgen lassen auf eine Ursache eine bestimmte Wirkung. Er hat gewollt die Wirkung, welche er jetzt herbeigeführt hat. - Das zeigt uns, wie in die Linie der karmischen Folgen unser Wille eingreifen und etwas schaffen kann, was an Stelle von sonst eingetretenen karmischen Wirkungen steht. Nehmen wir einen solchen Zusammenhang, wo unser Bewußtsein ganz bewußt eine Verbindung zwischen Ursache und Wirkung im Lebenslauf herbeiführt, so werden wir uns sagen: Bei einem solchen Menschen ist Karma oder karmische Gesetzmäßigkeit ins Bewußtsein hineingetreten, er hat selbst in gewisser Weise die karmischeWirkung herbeigeführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen wir nun aber einmal an, wir legen einer ähnlichen Betrach tung dasjenige zugrunde, was wir über die wiederholten Erdenläufe eines Menschen wissen. Das Bewußtsein, von dem wir eben gesprochen haben, das sich ausdehnt mit der angedeuteten Ausnahme auf unser Leben zwischen Geburt und Tod, das entsteht dadurch, daß sich der Mensch des Instrumentes seines Gehirns bedienen kann. Wenn der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Mensch durch die Pforte des Todes schreitet, tritt ein andersgeartetes Bewußtsein auf, das unabhängig ist vom Gehirn und an wesentlich andere Bedingungen gebunden ist. Und wir wissen, daß für dieses Bewußtsein, das bis zur neuen Geburt dauert, eine Art Rückblick auftritt über alles, was der Mensch in dem Leben zwischen Geburt und Tod vollbracht hat. Im Leben zwischen Geburt und Tod muß sich der Mensch erst die Absicht bilden, zurückzublicken auf irgendwelche Sünden, die an ihm begangen worden sind, wenn er die Wirkung dieser Sünden wirklich karmisch in sein Leben einführen soll. Nach dem Tode schaut der Mensch im Zurückblicken auf sein Leben auf dasjenige, was er an Sünden oder überhaupt an Handlungen vollbracht hat. Da schaut er auch zugleich das&amp;gt; was diese Handlungen an seiner Seele oder aus seiner Seele gemacht haben. Da sieht der Mensch, wie er dadurch, daß er eine bestimmte Handlung getan hat, in seinem Werte gesunken oder gestiegen ist. Haben wir einem andern zum Beispiel irgendein Leid zugefügt, so ist unser Wert dadurch gesunken; wir sind sozusagen weniger wert geworden, sind unvollkommener geworden, indem wir dem andern das Leid zugefügt haben. Wenn wir nun nach dem Tode zurückblicken, sehen wir auf zahlreiche solche Fälle zurück, bei denen w1r uns sagen: Wir sind dadurch unvollkommener geworden. Daraus aber folgt für das Bewußtsein nach dem Tode, daß in ihm die Kraft und der Wille entstehen, wenn es wieder Gelegenheit dazu hat, alles zu tun, um jenen Wert wieder zu erringen, welchen es verloren hat, das heißt der Wille, alles Leid auszugleichen&amp;gt; das es zugefügt hat. Der Mensch nimmt also zwischen Tod und neuer Geburt die Tendenz, die Absicht auf, was er Schlechtes getan hat, wieder auszugleichen, damit er überhaupt den Standpunkt der Vollkommenheit wieder erringen kann, den er als Mensch haben soll und der verhindert worden ist durch die entsprechende Tat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun tritt der Mensch wieder ins Dasein. Sein Bewußtsein wird wieder ein anderes; er erinnert sich nicht zurück an die Zeit zwischen Tod und neuer Geburt und auch nicht daran, wie er die Absicht gefaßt hat, etwas auszugleichen. Aber diese Absicht sitzt in ihm. Und wenn er auch nicht weiß: Du mußt dies oder das tun, um das oder jenes auszugleichen! -, so wird er doch durch die Kraft, die in ihm sitzt, zu irgendeiner&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|25}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Handlung hingetrieben, die ein Ausgleich ist. Und jetzt können wir uns eine Vorstellung machen, was vor sich geht, wenn einen Menschen zum Beispiel im zwanzigsten Jahre etwas sehr Schmerzliches trifft. Mit seinem Bewußtsein, das er hat zwischen Geburt und Tod, wird er niedergedrückt sein durch seinen Schmerz. Würde er sich aber daran erinnern, was er in dem Leben zwischen Tod und neuer Geburt an Absichten aufgenommen hat, dann würde er auch die Kraft spüren, die ihn hingetrieben hat an die Stelle, wo er diesen Schmerz hat erleiden können, weil er gefühlt hat, daß er den Grad von Vollkommenheit, den er sich verscherzt hat und den er wiedererringen soll, nur dadurch wieder erreichen kann, daß er diesen Schmerz durchmacht. Wenn also auch das gewöhnliche Bewußtsein sagt: Der Schmerz ist da; du leidest darunter! - und nur den Schmerz in der Wirkung betrachtet, so könnte doch für das Bewußtsein, welches auch die Zeit zwischen Tod und neuer Geburt überblickt, gerade das Aufsuchen des Schmerzes oder irgendeines Unglückes in der Absicht liegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das stellt sich uns tatsächlich dar, wenn wir von einem höheren Gesichtspunkt aus das Menschenleben betrachten. Da können wir sehen, daß im Menschenleben Schicksalsfälle eintreten, die sich nicht darstellen als Wirkungen von Ursachen des einzelnen Lebenslaufes, sondern die aus einem andern Bewußtsein heraus verursacht sind, nämlich aus einem solchen Bewußtsein, das jenseits der Geburt liegt und das unser Leben fortsetzt in frühere Zeiten, als diejenigen sind, die erst seit unserer Geburt abgelaufen sind. Wenn wir diesen Gedanken genau fassen, werden wir sagen: Wir haben zunächst ein Bewußtsein, das sich aus- dehnt über die Zeit zwischen Geburt und Tod und welches wir das Bewußtsein der Einzelpersönlichkeit nennen wollen, und wir wollen als Einzelpersönlichkeit dasjenige bezeichnen, was zwischen Geburt und Tod verläuft. Sodann sehen wir, wie ein Bewußtsein wirken kann über Geburt und Tod hinaus, von dem der Mensch in seinem gewöhnlichen Bewußtsein nichts weiß, das aber gerade so wirken kann wie dieses gewöhnliche Bewußtsein. Wir haben deshalb zunächst geschildert, wie jemand selbst sein Karma übernimmt und im vierzigsten Jahre zum Beispiel etwas ausgleicht, damit ihn die Ursachen vom zwölftenJahre nicht treffen. Da nimmt er Karma in sein Einzelpersön&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
lichkeitsbewußtsein hinein. Wenn dagegen der Mensch irgendwohin getrieben wird, wo er einen Schmerz erleiden kann, um etwas auszugleichen, um ein besserer Mensch zu werden, so kommt das auch aus dem Menschen; nur kommt es nicht aus dem Einzelpersönlichkeitsbewußtsein, sondern aus einem umfassenderen Bewußtsein, das mitumfaßt die Zeit zwischen Tod und neuer Geburt. Dasjenige Wesen im Menschen, welches von diesem Bewußtsein umfaßt wird, wollen wir die «Individualität» des Menschen nennen; und dieses Bewußtsein, das also fortwährend unterbrochen wird durch das Persönlichkeitsbewußtsein, wollen wir das «individuelle Bewußtsein» nennen, im Gegensatz zum Einzelpersönlichkeitsbewußtsein. So sehen wir Karma wirksam in bezug auf die Individualität des Menschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun würden wir das menschliche Leben aber trotzdem nicht verstehen, wenn wir nur die Reihe der Erscheinungen verfolgen würden, wie wir es bis jetzt getan haben, indem wir nur dasjenige ins Auge faßten, was im Menschen um des Menschen selber willen an Ursachen liegt und an Wirkungen aufgesucht wird. Wir brauchen uns nur einen einfachen Fall vor die Seele zu führen, der nur so dargestellt werden soll, daß er anschaulicher wirkt, und wir werden gleich sehen, daß wir das menschliche Leben nicht verstehen, wenn wir nur dasjenige in Betracht ziehen, was wir jetzt eben gesagt haben. - Nehmen wir einen Erfinder oder Entdecker, zum Beispiel Kolumbus oder den Entdecker der Dampfmaschine oder irgendeinen andern. In der Entdeckung liegt eine bestimmte Handlung, eine bestimmte Tat. Wenn wir diese Tat ins Auge fassen, so wie sie der Mensch getan hat, und dann die Ursache suchen, warum sie der Mensch getan hat, dann werden wir immer solche Ursachen finden, welche in der Richtung liegen, wie wir sie jetzt an- gegeben haben. Warum Kolumbus zum Beispiel nach Amerika fuhr, warum er gerade in einem bestimmten Zeitpunkt diese Absicht faßte, dazu werden wir die Ursachen finden in seinem individuellen und persönlichen Karma. Aber wir werden uns jetzt fragen können: Wird diese Ursache nur im persönlichen und individuellen Karma gesucht werden müssen? Und wird die Tat als Wirkung nur betrachtet werden müssen für die Individualität, die in Kolumbus wirksam war? - Daß Kolumbus Amerika entdeckt hat, hat eine bestimmte Wirkung für ihn gehabt. Er &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
ist dadurch gestiegen, ist vollkommener geworden. Das wird sich zeigen in der Fortentwickelung seiner Individualität im folgenden Leben. Aber welche Wirkungen hat diese Tat noch für andere Menschen gehabt? Müßte sie nicht auch als Ursache betrachtet werden, die in unzählige Menschenleben eingegriffen hat?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist aber noch eine ziemlich abstrakte Betrachtung einer solchen Sache, die wir viel tiefer erfassen können, wenn wir das Menschenleben über große Zeitspannen hin betrachten. Nehmen wir an, wir betrachten das Menschenleben,wie es sich abgespielt hat im ägyptisch-chaldäischen Zeitalter, das dem griechisch-lateinischen vorangegangen ist. Wenn wir dieses Zeitalter prüfen in bezug auf das, was es den Menschen gegeben hat und was die Menschen damals erfahren haben, dann zeigt sich uns etwas höchst Eigentümliches. Wenn wir diese Epoche vergleichen mit unserer eigenen, dann werden wir erkennen, daß dasjenige, was in unserem eigenen Zeitalter geschieht, zusammenhängt mit dem, was in der ägyptisch-chaldäischen Kulturperiode vor sich gegangen ist. Das griechisch-lateinische Zeitalter steht zwischen beiden darinnen. In unserer Zeit würden gewisse Dinge nicht geschehen, wenn nicht gewisse Dinge in der ägyptisch-chaldäischen Kultur geschehen wären. Wenn die gegenwärtige Naturwissenschaft dieses oder jenes an Ergebnissen zustande gebracht hat, so rührt das allerdings auch von Kräften her, welche sich aus der Menschenseele entwickelt und entfaltet haben. Aber die Menschenseelen, die in unserer Zeit gewirkt haben, waren auch verkörpert im ägyptisch-chaldäischen Zeitalter und haben dort gewisse Erlebnisse aufgenommen, ohne welche sie das nicht verrichten könnten, was sie heute verrichten. Hätten nicht die Schüler der altägyptischen Tempelpriester die ägyptische Astrologie über die Zusammenhänge des Himmels aufgenommen, so hätten sie nicht auf ihre Art später ein- dringen können in die Weltengeheimnisse, und es wären in gewissen Seelen unserer Zeit nicht die Kräfte gewesen, welche die Menschheit jetzt in unserer Zeit hin ausgeführt haben in die Himmelsräume. Wie kam zum Beispiel Kepler zu seinen Entdeckungen?` Er kam dazu, weil eine Seele in ihm lebte, die im ägyptisch-chaldäischen Zeitraum die Kräfte zu jenen Entdeckungen aufgenommen hatte, welche sie im fünften Zeitraum dann machen konnte. Es erfüllt uns mit einer gewissen &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
inneren Befriedigung, wenn in einzelnen Geistern gleichsam Erinnerungen auftauchen in der Art, daß die Keime zu dem, was sie jetzt tun, in der Vergangenheit gelegt worden sind. Einer der Geister, der Wichtiges geleistet hat in bezug auf die Erforschung der Himmelsgesetze, Kepler, sagt von sich selbst:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
«J~t,ich bin es, ich habe die goldenen Gefäße der Ägypter geraubt, um mt:..,jnem Gott aus ihnen ein Heiligtum zu errichten, fern von den Grenze.n Ägyptens. Wenn ihr mir vergebt, werde ich mich freuen, wenn ihr zürnt, werde ich es tragen; - hier werf ich den Würfel und schreibe dies Buch für den heutigen wie den dereinstigen Leser - was liegt daran? Und wen es auf seinen Leser hundert Jahre warten muß: Gott selbst hat sechs Jahrtausende dessen geharrt, der sein Werk erkennend er- blickt. »&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist eine sporadisch auftauchende Erinnerung des Kepler an das, was er als Keim aufgenommen hat zu dem, was er in seinem persönlichen Dasein als Kepler vollbringen konnte. So könnten Hunderte von ähnlichen Beispielen angeführt werden. - Da sehen wir aber noch etwas anderes als bloß die Tatsache, daß bei Kepler etwas auftaucht, was die Wirkung ist von Erlebnissen eines früheren Erdenlebens. Wir sehen etwas auftauchen, was als die gesetzmäßige Wirkung erscheint für die ganze Menschheit von etwas, was wiederum bedeutsam war für die Menschheit in einer früheren Zeit. Wir sehen, wie der Mensch hin- gestellt wird an einen Ort, um für die ganze Menschheit etwas zu leisten. Wir sehen, daß nicht nur im individuellen Menschenleben, sondern daß in der ganzen Menschheit Zusammenhänge bestehen zwischen Ursachen und Wirkungen, die sich über weite Zeiträume hin erstrecken. Und wir können daraus entnehmen, daß sich das individuelle Karmagesetz kreuzen wird mit den Gesetzen, welche wir nennen können die karmischen Menschheitsgesetze. Manchmal ist dieses Kreuzen allerdings wenig durchsichtig. Denken Sie, was wäre aus unserer Astronomie geworden, wenn einstmals nicht das Fernrohr erfunden worden wäre, das in einer bestimmten Zeit erfunden worden ist. Verfolgen Sie unsere Astronomie zurück, und Sie werden sehen, daß unendlich vieles an der Erfindung des Fernrohres hängt. Nun ist es ja bekannt, daß das Fernrohr dadurch erfunden worden ist, daß in einer optischen Werkstatt einmal Kinder &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|29}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
mit Linsen gespielt haben, wobei sie durch einen «Zufall», so könnte man sagen, optische Linsen so zusammengestellt haben, daß hernach jemand darauf gekommen ist: Dadurch könnte sich so etwas ergeben wIe ein Fernrohr. - Denken Sie, wie tief Sie suchen müssen, um zu dem individuellen Karma der Kinder und dem Karma der Menschheit zu kommen, daß in einem bestimmten Zeitpunkt das Fernrohr erfunden worden ist! Versuchen Sie das zusammenzudenken, und Sie werden sehen, wie in merkwürdiger Art das Karma einzelner Individualitäten und das Karma der ganzen Menschheit sich kreuzen und ineinanderweben! Da werden Sie sich sagen: Man müßte sich die ganze Menschheitsentwickelung anders denken, wenn nicht zu einer bestimmten Zeit dies oder jenes eingetreten ware.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Frage ist gewöhnlich ganz müßig: Was wäre mit dem Römischen Reiche geworden, wenn nicht die Griechen in einer bestimmten Zeit den persischen Angriff in den Perserkriegen zurückgeschlagen hätten? - Aber nicht müßig ist die Frage: Wodurch ist es gekommen, daß die Perserkriege gerade in dieser Weise verlaufen sind? - Wer dieser Frage nachgeht und eine Antwort sucht, der wird sehen, daß im Orient ganz bestimmte Errungenschaften nur dadurch zustande kamen, daß gewisse despotische Herrscher da waren, die nur für ihre Person etwas wollten und sich zu diesem Zwecke verbanden mit den Opferpriestern und so weiter. Die ganzen damaligen Staatseinrichtungen waren notwendig, damit im Orient etwas geschaffen werden konnte, aber diese Einrichtungen haben es mit sich gebracht&amp;gt; daß auch alle die Schäden eintraten, die dann eingetreten sind. Und damit hängt es zusammen, daß ein andersgeaitetes Volk - die Griechen - im entsprechenden Moment den morgenländischen Angriff zurückschlagen konnte. Wenn wir das bedenken, werden wir fragen: Wie steht es mit dem Karma der Persönlichkeiten, die in Griechenland gewirkt haben, um den persischen An- griff zurückzuschlagen? - Da werden wir manches Persönliche finden im Karma der betreffenden Menschen; aber wir werden auch finden, daß das persönliche Karma mit dem Volks- und Menschheitskarma verknüpft ist, so daß es berechtigt ist zu sagen: Das ganze Menschheitskarma hat gerade diese bestimmten Persönlichkeiten an diesen Ort in diese Zeit gestellt! - Wir sehen da hineinspielen Menschheitskarma in &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|30}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
das Einzelkarma. Und wir werden uns weiter fragen müssen, wie diese Dinge zusammenspielen. Aber wir können noch weitergehen und einen andern Zusammenhang betrachten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir können zurückblicken im Sinne der Geisteswissenschaft auf eine Zeit unserer Erdenentwickelung, in der es auf unserer Erde noch kein Mineralreich gegeben hat. Unserer Erdenentwickelung gingen voran die Saturn-, die Sonnen- und die Mondentwickelung, wo es noch kein mineralisches Reich in unserem Sinne gegeben hat. Erst auf der Erde sind unsere heutigen Mineralien in ihren heutigen Formen entstanden. Dadurch aber, daß sich das Mineralreich ausgeschieden hat im Verlaufe der Erdentwickelung, ist es als ein besonderes Reich für alle Folgezeit da. Vorher haben sich Menschen, Tiere und Pflanzen so entwickelt, daß kein ihnen zugrunde liegendes Mineralreich vorhanden war. Damit die andern Reiche einen späteren Fortschritt erreichen konnten, mußten sie das Mineralreich ausscheiden. Aber nachdem sie es ausgeschieden haben, können sie sich nur so entwickeln, wie sie sich entwickeln auf einem Planeten, der eine feste mineralische Grundlage hat. Und nie wird etwas anderes entstehen als das, was unter der Voraussetzung geschah, daß die Bildung eines Mineralreiches zustande kam. Das Mineral reich ist da, und alle späteren Schicksale der andern Reiche hängen ab von der Entstehung des Mineralreiches, das sich einmal in unserem Erdendasein in einer urfernen Vergangenheit gebildet hat. - So ist mit der Tatsache der Entstehung des Mineral reiches etwas geschehen, womit alle spätere Erdentwickelung zu rechnen hat. Es wird sich an allen andern Wesen erfüllen, was aus der Entstehung des Mineralreiches folgt. Da haben wir wieder in späteren Zeitaltern die karmische Erfüllung für etwas, was früher geschehen ist. Auf der Erde erfüllt sich, was sich auf der Erde vorbereitet hat. Es ist ein Zusammenhang von dem,was früher, und dem, was später geschehen ist, aber auch ein solcher Zusammenhang, der in der Wirkung zurückschlägt auf das verursachende Wesen. Menschen, Tiere und Pflanzen haben das Mineralreich ausgeschieden, und das Mineral reich schlägt wieder auf sie zurück. Da sehen wir, daß es möglich ist, von einem Karma der Erde zu sprechen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und endlich können wir etwas hervorheben, wozu sich die Grund-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|31}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
lagen in den allgemeinen Ausführungen der «Geheimwissenschaft im Umriß» finden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir wissen, daß gewisse Wesenheiten zurückgeblieben sind auf der Stufe der alten Mondentwickelung, und daß diese Wesen zurückgeblieben sind, um dem Menschen der Erde ganz bestimmte Eigenschaften beizubringen. Aber nicht nur Wesenheiten sind zurückgeblieben von der alten Mondenzeit der Erde, sondern auch Substantialitäten. Auf der Mondenstufe sind Wesen stehengeblieben, die als luziferische Wesenheiten in unser Erdendasein hineinwirken. Durch diese Tatsache des Stehenbleibens und des Hereinwirkens in unser Erdendasein vollziehen sich im Erdendasein Wirkungen, zu denen die Ursachen schon im Mondendasein gelegt worden sind. Aber auch substantiell vollzieht sich so etwas. - Wenn wir heute unser Sonnensystem ansehen, finden wir es zusammengesetzt aus Weltenkörpern, die regelmäßig wiederkehrende und eine gewisse innere Geschlossenheit zeigende Bewegungen ausführen. Aber andere Weltenkörper finden wir, die sich zwar auch mit einem gewissen Rhythmus bewegen, die aber sozusagen die gewöhnlichen Gesetze des Sonnensystems durchbrechen, nämlich die Kometen. Nun ist die Substanz eines Kometen nicht eine solche mit Gesetzen, wie sie in unserem gewöhnlichen, regulären Sonnensystem bestehen, sondern mit Gesetzen, wie sie im alten Mondendasein existiert haben. In der Tat hat sich im kometarischen Dasein erhalten die Gesetzmäßigkeit des alten Mondendaseins. Ich habe schon öfter erwähnt, daß die Geistes- wissenschaft diese Gesetzmäßigkeit nachgewiesen hat, bevor eine Bestätigung von seiten der Naturwissenschaft eingetreten ist. Im Jahre 1906 habe ich in Paris auf die Tatsache aufmerksam gemacht, daß während des alten Mondendaseins gewisse Verbindungen von Kohlenstoff und Stickstoff eine ähnliche Rolle spielten wie heute auf der Erde Verbindungen von Sauerstoff und Kohlenstoff, also Kohlensäure, Kohlendioxyd und so weiter. Diese letzteren Verbindungen haben etwas Ertötendes. Eine ähnliche Rolle haben Zyanverbindungen, blausäureartige Verbindungen während des alten Mondendaseins gespielt. Auf diese Tatsache wurde hingewiesen von der Geisteswissenschaft 1906. Auch in andern Vorträgen wurde darauf hingewiesen, daß das kometarische Dasein die Gesetze des alten Mondendaseins hineinführt &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|32}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
in unser Sonnensystem, so daß also nicht nur zurückgeblieben sind die luziferischen Wesen, sondern auch die Gesetzmäßigkeit der alten Mondensubstanz, die in unregelmäßiger Weise hineinwirkt in unser Sonnensystem. Und es wurde immer gesagt, das kometarische Dasein müsse heute noch etwas enthalten wie Zyanverbindungen in der Kometenatmosphäre. Erst viel später, als das durch die Geisteswissenschaft verkündet worden ist, in diesem Jahre erst, ist durch die Spektralanalyse das Blausäurespektrum im Kometendasein gefunden worden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier haben Sie einen der Beweise dafür, wenn gesagt wird: Zeigt uns einmal, wie man wirklich mit der Geisteswissenschaft etwas finden kann! - Solche Dinge gibt es mehr; sie sollten nur beobachtet werden. So wirkt also etwas hinein von unserem alten Mondendasein in das jetzige Erdendasein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun fragen wir uns: Darf behauptet werden, daß äußeren sinnlichen Erscheinungen zugrunde liegt ein Geistiges?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den, der sich zur Geisteswissenschaft bekennt, ist es klar, daß hinter allem sinnlich Wirklichen auch ein Geistiges liegt. Wenn substantiell etwas vom alten Mondendasein hineinwirkt in unser Erden- dasein, wenn der Komet unser Erdendasein bestrahlt,,so wirkt dahinter auch etwas Geistiges. Und wir könnten sogar angeben, welches Geistige sich zum Beispiel anzeigt durch den Halleyschen Kometen. Der Halleysche Komet ist der äußere Ausdruck - jedesmal, wenn er in die Sphäre unseres Erdendaseins hineinkommt - zu einem neuen Impuls zum Materialismus. Das mag der heutigen Welt abergläubisch erscheinen. Aber die Menschen sollten sich dann nur darauf besinnen, wie sie selbst geistige Wirkungen von Konstellationen der Sterne herleiten. Oder wer würde nicht sagen, daß der Eskimo deshalb ein andersgeartetes Menschenwesen ist als zum Beispiel der Hindu, weil in der Polargegend die Sonnenstrahlen unter einem andern Winkel einfallen? Überall führen auch die Naturwissenschafter auf Sternkonstellationen geistige Wirkungen in der Menschheit zurück. - Also ein geistiger Impuls zum Materialismus erfolgt parallel dem Halleyschen Kometen. Dieser Impuls kann nachgewiesen werden: Auf das Erscheinen des Halleyschen Kometen vom Jahre 1835 folgte jene materialistische Zeitströmung, die man bezeichnen kann als den Materialismus der zweiten Hälfte des &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|33}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
vorIgen Jahrhunderts; auf die Erscheinung vorher folgte die materialistische Aufhlärerei der französischen Enzyklopädisten. Das ist der Zusammenhang.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit gewisse Dinge eintreten im Erdensein, mußten die Ursachen dazu früher, außerhalb des Erdendaseins gelegt werden. Und hier haben wir es sogar mit einem Weltenkarma zu tun. Denn warum ist auf dem alten Monde Geistiges und Substantielles ausgeschaltet worden? Damit gewisse Wirkungen wieder zurückstrahlen können auf die jenigen Wesenheiten, welche dieses ausgeschieden haben. Die luziferisehen Wesenheiten sind ausgeschieden worden, haben eine andere Entwickelung durchmachen müssen, damit für die Wesen, die auf der Erde sind, freier Wille und die Möglichkeit zum Bösen auf der Erde entstehen konnten. Da haben wir etwas, was an karmischen Wirkungen über unser Erdendasein hinausgeht: einen Ausblick auf das Weltenkarma.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So konnten wir heute sprechen über den Karmabegriff, über seine Bedeutung für die einzelne Persönlichkeit, für die Individualität, für die ganze Menschheit, innerhalb der Wirkungen unserer Erde und über die Erde hinaus - und wir haben noch etwas gefunden, was wir als Weltenkarma ansprechen können. So finden wir das Karmagesetz, das wir nennen können ein Gesetz vom Zusammenhang zwischen Ursache und Wirkung, aber in der Weise, daß die Wirkung wieder auf die Ursache zurückschlägt und daß sich beim Zurückschlagen noch das Wesen erhalten hat, dasselbe geblieben ist. Wir finden diese karmische Gesetzmäßigkeit überall in der Welt, insofern wir die Welt als eine geistige betrachten. Wir ahnen, daß sich das Karma auf den verschiedensten Gebieten in der verschiedensten Weise offenbaren wird. Und wir ahnen, wie die verschiedenen karmischen Strömungen - persönliches Karma, Menschheitskarma, Erdenkarma, Weltenkarma und so weiter - sich kreuzen werden und daß uns gerade dadurch die Aufschlüsse werden, die wir brauchen, um das Leben zu verstehen. Und an seinen einzelnen Punkten ist das Leben nur zu verstehen, wenn wir das Zusammenwirken der verschiedensten karmischen Strömungen finden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
= ZWEITER VORTRAG Hamburg, 17. Mai 1910 =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bevor wir zu unseren eigentlichen menschlichen Karmafragen kommen, wie sie angekündigt sind, sind eine Reihe von Vorbetrachtungen notwendig. Dazu gehört das, was gestern gesagt worden ist: eine Art Beschreibung des Karmabegriffes. Dazu gehört auch das, was heute zu sagen sein wird über Karma und Tierreich. Was man nennen könnte äußere Beweise für die Wirklichkeit der karmischen Gesetzmäßigkeit, das werden Sie im Laufe des Zyklus an denjenigen Stellen finden, wo gerade Veranlassung sein wird, auf diese äußeren Beweise besonders hinzudeuten. Bei diesen Gelegenheiten werden Sie auch die Möglichkeit finden, über die Begründung der Karmaidee zu Außenstehenden zu sprechen, welche Sie, über dies oder jenes als Zweifler an der ganzen Karmaidee, befragen werden. Zu alledem sind aber einige Vorbetrachtungen notwendig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was läge denn näher, als zu fragen: Wie verhalten sich tierisches Leben, tierisches Schicksal zu dem, was wir den Verlauf des menschlichen Karma nennen, in dem wir - wie sich zeigen wird - die wichtigsten und tiefeingreifendsten Schicksals fragen für den Menschen beschlossen finden?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Verhältnis der Menschen auf der Erde zur Tierwelt ist ja im Laufe der Zeit und auch je nach den verschiedenen Völkern ein verschiedenes. Und es ist gewiß nicht uninteressant, zu sehen, wie bei Völkerschaften, die sich die besten Teile der uralt heiligen Weisheit der Menschheit bewahrt haben, eine weitgehend mitleidvolle, liebevolle Behandlung der Tiere Platz gegriffen hat. Innerhalb der Welt des Buddhismus zum Beispiel, der sich wichtige Teile alter Weltanschauungen bewahrt hat, wie sie die Menschen in ihrer Urzeit hatten, haben wir eine tiefgehend mitleidvolle Behandlung der Tiere, eine Behandlung der Tiere und Gefühle gegenüber der Tierwelt, die in Europa unzählige Menschen noch nicht verstehen können. Aber auch bei andern Völkern - ich erinnere nur an den Araber in bezug auf Behandlung seines Pferdes -, insbesondere wenn diese Völker sich etwas bewahrt &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|35}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
haben von den alten Anschauungen, wie sie als alte Erbstücke da und dort auftreten, finden Sie eine Art «Freundschaft» zu den Tieren, etwas wie menschliche Behandlung der Tiere. Dagegen darf man Wohl sagen, daß in denjenigen Gegenden, in denen sich eine Art von Weltanschauung der Zukunft vorbereitet, in den abendländischen Gegenden, wenig Verständnis für solches Mitleid mit der Tierwelt Platz gegriffen hat. Und charakteristisch ist es, daß im Verlaufe des Mittelalters und dann auch bis in unsere Zeit hinein gerade in Ländern, in denen die christlicheWeltanschauung Ausbreitung gewonnen hat, die Anschauung auf tauchen konnte, daß die Tiere überhaupt nicht als Wesen zu betrachten seien mit einem eigentlichen Seelenleben, sondern als eine Art Auto maten. Und es ist vielleicht nicht mit Unrecht darauf aufmerksam gemacht worden - wenn auch nicht immer mit einem großen Verständ nls -, daß diese Anschauungen, welche von der abendländischen Philosophie vielfach vertreten worden sind, daß die Tiere Automaten seien und ein eigentliches Seelen leben nicht haben, hinuntergesickert sind in die Volkskreise, die kein Mitleid und oft auch keine Grenze kennen in der grausamen Behandlung der ~iere. Ja, die Sache ist so weit gegangen, daß man einen großen Philosophen der Neuzeit, Cartesius, in seinen Gedanken über die Tierwelt recht gründlich hat mißverstehen können.Wir müssen uns natürlich klar sein, daß von den eigentlich bedeutenden Geistern der abendländischen Kulturentwickelung diese Anschauung,daß dieTiere nur Automaten seien, niemals vertreten worden ist. Es hat auch Cartesius nicht diese Anschauung vertreten, obwohl Sie In vielen Büchern über Philosophie lesen können, daß Cartesius eine solche Anschauung vertreten habe. Das ist aber nicht wahr; sondern&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wer Cartesius kennt, der weiß, daß er den Tieren zwar nicht ein solches Seelisches zuschreibt, das sich dazu entwickeln kann, aus dem Ich- Bewußtsein heraus zu elnem Beweise für das Dasein Gottes zu kommen, aber er schreibt dennoch dem ,Tiere zu, daß es durchströmt, durchseelt ist mit den sogenannten Lebensgeistern, die allerdings nicht eine so einheitlicbe Individualität darstellen wie das Ich des Menschen, aber doch in der tierischen Organisation als Seele wirken. Und es ist gerade das Charakteristische, daß man Cartesius in dieser Beziehung hat gründlich mißverstehen können. Denn das zeigt uns, daß in den verflossenen &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|36}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jahrhunderten unserer abendländischen Entwickelung die Tendenz vorhanden war, den Tieren etwas bloß Automatisches zuzuschreiben, und diese Tendenz hat man selbst da hineingelesen, wo man sie nicht hätte hineinlesen können, wenn man gewissenhaft zu Werke gegangen wäre, nämlich bei Cartesius. Die abendländische Kulturentwickelung hat das Eigentümliche, daß sie sich herausbilden mußte aus den Elementen des Materialismus. Und man kann sogar sagen: Der Aufgang des Christentums hat sich so vollzogen, daß dieser bedeutungsvolle Impuls der Menschheitsentwickelung zuerst in eine materialistische abendländische Gesinnung hineinverpflanzt worden ist. Der Materialismus der neueren Zeit ist nur eine Folge dessen, daß auch das spirituellste Religionsbekenntnis, das Christentum, zunächst im Abendlande eine materialistische Auffassung hat finden können. Es ist einmal - wenn wir so sagen dürfen - das Menschheitsschicksal der abendländischen Völker, daß sie sich emporarbeiten müssen aus materialistischen Untergründen und gerade in der Überwindung der materialistischen Ansichten und Tendenzen die starken Kräfte werden entfalten müssen zu einem höchsten Spiritualismus. Damit, daß dieses Schicksal, dieses Karma den abendländischen Völkern geworden ist, ist auch bei ihnen jener Zug entstanden, die Tiere nur wie Automaten zu betrachten. Wer nicht gut das Wirken des geistigen Lebens durchschauen kann, wer nur sich halten kann an das, was uns in der sinnlichen Außenwelt umgibt, der wird aus den Eindrücken dieser sinnlichen Außenwelt heraus leicht zu einer Auffassung über die Tierwelt kommen können, welche die Tiere möglichst niedrig stellt. Dagegen haben solche Weltanschauungen, die noch Elemente der alten spirituellen Weltanschauungen der Urweisheit der Menschheit in sich behalten haben, sich eine Art Erkenntnis bewahrt über das, was auch in der Tierwelt geistig ist; und trotz allen Mißverständnissen, trotz all dem, was sich in ihre Weltanschauungen eingeschlichen und deren Reinheit verdorben hat, konnten sie doch nicht vergessen&amp;gt; daß geistige Tätigkeiten, geistige Gesetze an dem Ausleben und Ausgestalten des Tierischen betätigt sind. Wenn wir also auf der einen Seite gerade in dem Mangel geistiger Weltanschauungen ein Unverständnis des Tierisch-Seelischen erblicken müssen, so dürfen wir uns auf der andern Seite nicht darüber täuschen, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
daß auch das wiederum nur ein Ausfluß einer rein materialistischen Weltanschauung wäre, wenn wir die Karmaidee, wie sie uns dienen wird, menschliches Schicksal und menschliches Karma zu verstehen, ohne weiteres auf die tierische Welt anwenden würden. Das dürfen wir nicht. Es ist schon gestern darauf hingewiesen worden, daß es notwendig ist, den Begriff des Karma ganz genau zu fassen. Und wir würden fehlgehen,wenn wir das&amp;gt; was wir gefordert haben als ein Rückschlagen der Wirkung auf das Wesen, von dem die Verursachung ausgegangen ist, wenn wir das auch in der tierischen Welt suchen würden; denn in einem umfassenderen Maße werden wir die karmische Gesetzmäßigkeit erst dadurch kennenlernen können, daß wir über das einzelne menschliche Leben zwischen Geburt und Tod hinausgehen, den Menschen verfolgen durch die Aufeinanderfolge seiner Wiederverkörperungen und daß wir finden werden, daß jener Rückschlag einer Ursache, welche wir in einem Leben gelegt haben, erst in einem späteren Leben kommen kann, so daß sich die karmische Gesetzmäßigkeit von Leben zu Leben zieht, und die Wirkungen von Ursachen eben nicht einzutreten brauchen - ja, wenn wir Karma im großen betrachten, auch ganz gewiß nicht eintreten in demselben Leben zwischen Geburt und Tod.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun wissen wir schon aus den äußeren geisteswissenschaftlichen Betrachtungen, daß wir beim T`lere von einer solchenWiederverkörperung, wie sie beim Menschen stattfindet, nicht sprechen können. Für jene menschliche Individualität, welche sich erhält, wenn der Mensch durch die Pforte des Todes schreitet, welche durchlebt ein besonderes Leben im Geistigen in der Zeit vom Tode bis zur neuen Geburt, um dann durch eine neue Geburt wieder ins Dasein zu treten, für diese menschliche Individualität finden wir etwas Ähnliches oder gar etwas ganz Gleiches in der tierischen Welt durchaus nicht. Wir können nicht in derselben Weise, wie wir den menschlichen Tod auffassen, von dem tierischen Tode sprechen. Denn alles, was wir beschreiben als die Schicksale der menschlichen Individualität, nachdem der Mensch durch die Pforte des Todes gesch ritten ist, verhält sich in der Tierwelt nicht in der gleichen Art; und wenn man glauben würde, daß wir in einem tierischen Individuum das wiederverkörperte Wesen eines schon früher auf der Erde vorhanden gewesenen Tieres suchen könnten, wie wir das beim Menschen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
tun müssen, dann würden wir uns durchaus einem Irrtum hingeben. Heute, wo man gern alles, was sich uns in der Welt darbietet, nur seiner Außenseite nach betrachtet und nicht auf das Innere eingeht, können ja die eigentlichen großen Gegensätze, die wichtigsten Unterscheidungen zwischen Mensch und Tier gar nicht vor Augen treten. Äußerlich - rein materialistisch betrachtet - nimmt sich die Erscheinung des Todes bei Mensch und Tier in der gleichen Art aus. Da kann man leicht glauben, wenn man das Leben eines Tieres betrachtet, daß man einzelne Erscheinungen dieses individuellen Lebens des Tieres vergleichen könnte mit einzelnen Erscheinungen des persönlichen Lebens des Menschen zwischen Geburt und Tod. Aber da würde man ganz fehlgehen. Deshalb soll auf die durchgreifenden Unterschiede zwischen demYierischen und dem Menschlichen zunächst an einzelnen Beispielen hingedeutet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nur derjenige kann sich nämlich diesen Unterschied zwischen Tier und Mensch vollständig klarlegen, der unbefangen nicht nur auf die sich seinem äußeren sinnlichen Anschauen, sondern auch auf die seinem kombinierenden Denken sich ergebenden Tatsachen eingeht. Da finden wir eine Erscheinung, die auch von den Naturforschern hervorgehoben wird, mit der aber die Naturforscher der Gegenwart nichts Rechtes anzufangen wissen, nämlich die Erscheinung, daß der Mensch eigentlich das Allereinfachste erst lernen muß: den Gebrauch der einfachsten Werkzeuge hat der Mensch im Laufe seiner Geschichte lernen müssen, und unsere Kinder müssen heute noch die allereinfachsten Sachen eben lernen, und sie müssen eine gewisse Zeit anwenden, um sie zu lernen. Es kostet Mühe, dem Menschen etwas beizubringen, einfache Handgriffe, Verfertigung von Instrumenten und Werkzeugen und so weiter. Wenn wir dagegen die Tiere betrachten, müssen wir sagen: Wieviel besser haben es die Tiere in dieser Beziehung! - Denken wir uns, wie der Biber seinen komplizierten kunstvollen Bau aufführt. Er braucht es nicht zu lernen; er kann es, indem er es mitbringt als eine ihm eingeprägte Gesetzmäßigkeit, wie wir uns als Menschen mitbringen die Möglichkeit, die «Kunst», um das siebente Jahr unsere Zähne zu wechseln. Das braucht auch keiner zu lernen. So bringen sich die Tiere eine solche Fähigkeit mit, wie sie der Biber hat, seinen Bau aufzuführen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Und wenn Sie Umschau halten im Tierreich, werden Sie finden, daß die Tiere sich ganz bestimmte Kunstfertigkeiten mitbringen, durch welche etwas zustande gebracht werden kann, an das menschliche Kunst fertigkeit bei allem, wie wir es so herrlich weit gebracht haben, noch lange nicht heran reicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun kann die Frage entstehen: Wie kommt es denn eigentlich, daß der Mensch, wenn er geboren wird, unfähiger ist als zum Beispiel ein Huhn oder ein Biber, daß er das, was diese Wesenheiten sich schon mit- bringen, erst mühevoll sich aneignen muß? Das ist eine große Frage. Und daß es eine große Frage ist, muß man vor allen Dingen empfinden lernen. Denn es kommt bei dem, was der Mensch für seineWeltanschauung gewinnen muß&amp;gt; viel weniger darauf an, daß man auf wichtige Tatsachen hinweist, als daß man weiß, wo wichtige Fragen zu stellen sind. Tatsachen können richtig sein, brauchen aber nicht immer wertvoll zu sein für unsere Weltanschauung. Nun würde es, obwohl wir noch heute auf die Ursachen dieser Erscheinungen geisteswissenschaftlich eingehen werden, doch zu weit führen, wenn man in allen Einzelheiten zeigen würde, warum das so ist. Aber zunächst kann doch mit ein paar Worten darauf hingewiesen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir geisteswissenschaftlich zurückgehen in der menschlichen Entwickelung bis in urferne Vergangenheiten, so werden wir finden, daß diejenigen Kräfte und Elemente, welche sozusagen dem Biber oder einem andern Tiere zur Verfügung stehen, um solche Kunstfertigkeiten mit sich auf die Welt zu bringen, dem Menschen auch zur Verfügung gestanden haben. Der Mensch hat ja nicht gerade in seine Anlage in urferner Vergangenheit bloß die Ungeschicklichkeit aufgenommen und dem Tiere überlassen müssen die primitive Geschicklichkeit. Er hat diese Anlage auch empfangen, ja im Grunde genommen in einem weit reicheren Maße als die Tiere. Denn wenn auch die Tiere gewisse große Kunstfertigkeiten mit auf die Welt bringen, so sind diese doch im Leben einseitig. Der Mensch kann im Grunde genommen gar nichts, wenn er ins Leben tritt, er muß alles erst lernen, was sich auf die äußere Welt bezieht. Das ist etwas radikal ausgedrückt, aber wir werden uns verstehen. Wenn der Mensch aber dann lernt, zeigt sich bald, daß er vielseitiger, daß seine Entwickelung eine reichere werden kann in bezug &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
auf die Ausprägung gewisser Kunstfertigkeiten und dergleichen, als das beim Tiere der Fall ist. Also der Mensch hat reiche Anlagen ursprünglich mitbekommen - und dennoch hat er sie heute nicht. Nun tritt die eigentümliche Erscheinung zutage, daß ursprünglich Mensch und Tier in gleicher Weise ausgestattet waren. Und wenn wir zurückgehen würden bis zur alten Saturnentwickelung, so würden wir finden, daß eine Unterscheidung der menschlichen und tierischen Entwickelung noch gar nicht stattgefunden hatte. Da waren beide vollständig gleich veranlagt. - Was ist nun in der Zwischenzeit geschehen, daß das Tier alle möglichenGeschicklichkeiten mit ins Dasein trägt,während der Mensch ein so ungeschickter Genosse des Weltendaseins ist? Wie hat sich der Mensch eigentlich benommen in der Zwischenzeit, daß er jetzt plötzlich alles das nicht hat,was er mitbekommen hatte? Hat er das im Laufe der Entwickelung sinnlos verschwendet, während es sich die Tiere als sparsame Haushalter bewahrt haben? Diese Frage kann aus dem wirklichen Tatbestand heraus aufgeworfen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Mensch hat diese Anlagen, die heute das Tier in äußerer Geschicklichkeit auslebt, nicht verschwendet; er hat sie auch verwendet, aber zu etwas anderem als die Tiere. Die Tiere prägen sie in äußeren Geschicklichkeiten aus; Biber und Wespe bauen ihr Nest. Der Mensch hat dieselben Kräfte, welche die Tiere in dieser Art ausleben, in sich selber hineingetan und verwendet. Und er hat dadurch zustande gebracht, was wir seine höhere menschliche Organisation nennen. Daß der Mensch heute seinen Gang aufrecht hat, daß er das vollkommenere Gehirn, überhaupt eine vollkommenere innere Organisation hat, das bedurfte auch gewisser Kräfte; und das sind dieselben Kräfte, mit denen sich der Biber seinen Biberbau errichtet. Der Biber baut sich sein Nest. Der Mensch hat die Kräfte auf sich verwendet, zu seinem Gehirn, zu seinem Nervensystem und so weiter. Daher hat der Mensch zunächst nichts übrig behalten, um in derselben Weise nach außen zu arbeiten. Also, daß wir heute unter den Tieren schreiten mit einem vollkommeneren Bau, das rührt davon her, daß wir alles, was der Biber draußen verarbeitet, einmal im Laufe der Entwickelung auf unseren inneren Bau verwendet haben.Wir haben drinnen unseren Biberbau und können daher nach außen diese Kräfte nicht mehr in derselben Weise entfalten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Da sehen wir, wenn wir an einer einheitlichen Weltauffassung festhalten, wohin die verschiedenen Anlagen, die in den Wesen vorhanden sind, kommen und wie sie uns heute entgegentreten. Indem der Mensch in seiner Weise diese Kräfte verwendet hat, wurde für ihn in seiner Erdentwickelung eine ganz besondere Einrichtung notwendig, die wir zum Teil schon kennen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Warum mußten beim Menschen die Kräfte, von denen jetzt eben gesprochen worden ist und die uns bei den verschiedenen Arten und Gattungen des Tierreiches in äußeren Verrichtungen entgegentreten, auf das Innere der menschlichen Organisation verwendet werden? Weil der Mensch nur dadurch, daß er sich die innere Organisation verschaffen konnte, der Träger dessen werden konnte, was heute das Ich ist, was von Inkarnation zu Inkarnation schreitet. Eine andere Organisation hätte kein solcher Ich-Träger werden können; denn es hängt durchaus von dem äußeren Gehäuse ab, ob eine Ich-Individualität sich im Erden- dasein betätigen kann oder nicht. Sie könnte es nicht, wenn die äußere Organisation nicht der Ich-Individualität angemessen wäre. Alles lief also darauf hinaus, die äußere Organisation dieser Ich-Individualität angemessen zu machen. Dazu mußte eine besondere Einrichtung geschaffen werden, und die kennen wir schon ihrer wesentlichen Seite nach.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir wissen, daß unserer Erdentwickelung vorangegangen ist die Mondentwickelung, dieser wieder die Sonnenentwickelung und dieser eine Saturnentwickelung. Als die alte Mondentwickelung zu Ende war, war der Mensch auf einer Stufe in bezug auf sein äußeres Dasein, die man als Tier-Menschlichkeit bezeichnen kann. Aber damals war diese äußere menschliche 0rganisation noch nicht so weit, daß sie der Träger einer Ich-Individualität hätte werden können. Erst die Erdentwickelung des Menschen hatte die Aufgabe, dieser Organisation das Ich einzuverleiben. Das konnte aber nur dadurch geschehen, daß die Vorgänge unserer Erdentwickelung in einer ganz eigenartigen Weise eingerichtet wurden. - Als die alte Mondentwickelung zu Ende gegangen war, löste sich alles sozusagen in ein Chaos auf. Daraus ging nach einer entsprechenden Zeit kosmischer Dämmerung wieder hervor der neue Kosmos unserer Erdentwickelung. In diesem Kosmos der Erdentwickelung war &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|42}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
damals alles enthalten, v`as heute als unser Sonnensystem mit uns und der Erde verbunden ist. Aus diesem Zusammenhang, aus dieser kosmischen Einheit haben sich dann erst abgespalten alle andern Weltkörper von unserer eigentlichen Erde. Wir brauchen nicht einzugehen auf die Art und Weise, wie sich die andern Planeten, Jupiter, Mars und so weiter, abgespalten haben. Wir müssen nur darauf hinweisen, daß in einem bestimmten Zeitpunkt der Erdentwickelung sich unsere Erde und unsere Sonne getrennt haben. Als dann schon die Sonne abgetrennt war und ihre Wirkungen von außen auf die Erde hereinsandte, war unsere Erde noch mit dem heutigen Monde verbunden, so daß die Substanzen und geistigen Kräfte, die heute an den Mond gekettet sind, damals noch mit unserer Erde verbunden waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist öfter schon die Frage berührt worden, was geschehen wäre, wenn sich die Sonne nicht abgespalten hätte von der Erde und nicht übergegangen wäre zu jenem Zustande, in dem sie wie heute von außen auf die Erde wirkt. Indem zunächst die Erde noch mit der Sonne verbunden war, waren bei den ganz anders gearteten Verhältnissen noch das ganze kosmische System und auch die Vorfahren der menschlichen Organisation miteinander vereinigt. Es ist natürlich ein Unding, die heutigen Verhältnisse anzuschauen und dann zu sagen: Was ist das für ein Unsinn von den Theosophen; da hätten ja alle die organisierten Wesen verbrennen müssen! - Diese Wesen waren eben so, daß sie unter den damaligen Verhältnissen in dieser ganz anders gearteten kosmischen Einheit bestehen konnten. - Wenn nun die Sonne in Verbindung mit der Erde geblieben wäre, dann wären ganz andere, viel heftigere Kräfte mit der Erde verbunden geblieben, und die Folge wäre gewesen, daß die ganze Entwickelung der Erde mit einer solchen Heftigkeit und Schnelligkeit fortgeschritten wäre, daß es gar nicht möglich gewesen wäre, daß die menschliche Organisation sich hätte so ausleben können, wie sie sich ausleben mußte. Daher war es notwendig, daß der Erde ein langsameres Tempo und dichtere Kräfte zur Verfügung gestellt wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das konnte nur dadurch geschehen, daß die stürmischen, vehementen Kräfte sich herauszogen aus der Erde. So wirkten die Kräfte der Sonne vor allen Dingen dadurch schwächer, daß sie jetzt von außen durch die Entfernung auf die Erde wirkten. Dadurch aber war nun etwas anderes &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|43}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
eingetreten. Es war jetzt die Erde in einem Zustande, daß die Menschen wiederum nicht hätten in der richtigen Weise vorwärtskommen können. Die Verhältnisse waren jetzt zu dicht, zu sehr verholzend und verdorrend für alles Leben. Der Mensch hätte wieder nicht zu seiner Entwickelung kommen können, wenn es so geblieben wäre. Abgeholfen wurde dem durch eine besondere Einrichtung, indem nämlich einige Zeit nach dem Sonnenaustritt der heutige Mond die Erde verlassen hat und die verlangsamenden Kräfte, die das Leben hätten zu einem langsamen Tode kommen lassen, mit sich fortgenommen hat. So blieb die Erde zwischen Sonne und Mond zurück, gerade das richtige Tempo wählend für die menschliche Organisation, um ein Ich als einen Träger der Individualität, die von Inkarnation zu Inkarnation geht, wirklich aufzunehmen. Die menschliche Organisation, wie sie heute ist, war unter gar keinen andern Umständen aus dem Kosmos heraus herzu stellen als durch diesen Vorgang zunächst der Sonnen- und dann der Mondentrennung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es könnte vielleicht jemand sagen: Wenn ich der Herrgott gewesen wäre, so hätte ich es anders gemacht; ich hätte gleich eine solche Mischung hergestellt, daß die menschliche Organisation in einer solchenWeise hätte fortschreiten können, wie sie hat fortschreiten müssen. Warum nun war es nötig, daß zuerst die Sonne heraustreten mußte und daß dann noch einmal ein Mondaustritt notwendig wurde?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer so denkt, denkt viel zu abstrakt. Er denkt nicht daran, daß, wenn in der Weltordnung eine innerliche Mannigfaltigkeit herbeigeführt werden soll, wie es die menschliche Organisation ist, für jeden einzelnen Teil eine besondere Einrichtung notwendig ist und daß man das nicht in die Wirklichkeit umsetzen kann, was sich der menschliche Gedanke spintisierend ausdenkt. In abstracto kann man alles denken; aber in der wirklichen Geisteswissenschaft muß man lernen, konkret zu denken, so daß man sich sagt: Die menschliche Organisation ist ja keine einfache. Sie besteht aus einem physischen Leib, einem Ätherleib und einem astralischen Leib. Diese drei Glieder mußten erst in ein bestimmtes Gleichgewicht gebracht werden, so daß die einzelnen Teile in einem richtigen Verhältnisse zueinander stehen. Das konnte nur durch diesen dreifachen Vorgang stattfinden: Zuerst die Bildung des einheit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|44}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
lichen Kosmos, der ganzen kosmischen Einheit Erde, Sonne und Mond zusammen. Dann mußte vollzogen werden für sich dasjenige, was im menschlichen Ätherleib verlangsamend wirken konnte, weil er sonst zu stürmisch alle Entwickelung verzehrt hätte - und das geschah, indem die Sonne hinausgeführt worden ist. Und dann wieder mußte, weil der astralische Leib sonst die menschliche Organisation zu einem Ersterben gebracht hätte, der Mond hinausgeführt werden. Weil der Mensch in seiner Organisation drei Glieder hat, mußten auch diese drei Vorgänge&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
stattfinden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So sehen wir, daß der Mensch sein Dasein, seine gegenwärtigen Eigenschaften einer komplizierten Einrichtung im Kosmos verdankt. Wirwissen aber auch, daß die Entwickelung aller Naturreiche keineswegs gleichen Schritt halten kann mit der allgemeinen Entwickelung. Wir wissen aus den allgemeinen Betrachtungen der letzten Jahre, daß immer auf den einzelnen planetarischenVerkörperungen unserer Erde gewisse Wesenheiten zurückblieben hinter der allgemeinen Entwickelung, welche dann, wenn die Entwickelung vorwärtsschritt, in Zuständen lebten, die der Entwickelung nicht vollständig entsprachen. Wir wissen aber auch, daß alle Entwickelung im Grunde durch solches Zurückbleiben erst richtig in Fluß gebracht werden konnte. Wissen wir doch, daß gewisseWesen während der alten Mondentwickelung zurückgeblieben sind als die «luziferischen Wesenheiten», daß durch sie manches Schlimme verschuldet worden ist, daß wir ihnen aber auch das verdanken, was uns erst das Menschsein möglich macht, nämlich die Möglichkeit der Freiheit, der freien Entfaltung unseres Innenwesens. Ja, wir können sagen: In gewisser Beziehung war das Zurückbleiben der luziferischen Wesenheiten ein Opfer. Sie sind zurückgeblieben, damit sie während des Erdendaseins ganz besondere Tätigkeiten ausüben konnten, näm lich dem Menschen die Leidenschaften verleihen, die mit seiner menschlichen Würde und Selbstbestimmung zusammengehören. - Wir müssen uns eben angewöhnen, ganz andere Begriffe zu gebrauchen, als sie sonst üblich sind, denn aus den gewöhnlichen Begriffen heraus könnte man vielleicht sagen, es hätten die luziferischen Geister gehörig «nachsitzen» müssen, und man wird ihnen ihre Nachlässigkeit nicht verzeihen. Aber es hat sich nicht um eine Nachlässigkeit der luziferischen Wesen ge&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|45}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
handelt. Ihr Zurückbleiben ist in gewisser Beziehung ein Opfer gewesen, um durch das, was sie sich durch dieses Opfer angeeignet haben, auf unsere Erdenmenschheit wirken zu können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon aus den gestrigen Andeutungen wissen Sie, daß nicht nur Wesenheiten, sondern auch Substanzen zurückgeblieben sind und sich Gesetze bewahrt haben, die in früheren planetarischen Zuständen die richtigen waren und die sie dann hineingetragen haben in die spätere Entwickelung. So durchkreuzen sich Entwickelungsphasen von alter Zeit mit Entwickelungsphasen von neuer Zeit, sie gehen durcheinander.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dadurch wird die Mannigfaltigkeit des Lebens eigentlich erst möglich. - So stellen sich uns die verschiedensten Grade dar in der Entwickelung der Wesenheiten. Nicht möglich gewesen wäre es, daß neben dem Menschenreich sich überhaupt ein Tierreich entwickelt hätte, wenn nicht nach der Saturnperiode gewisse Wesen zurückgeblieben wären, um - während sich auf der Sonne die Menschen schon zu einer höheren Stufe entwickelt hatten - ein zweites Reich zu bilden und als erste Vorläufer unseres heutigen Tierreiches hervorzukommen. Für die Grundlage späterer Bildungen ist dieses Zurückbleiben durchaus notwendig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn nun die Frage aufgeworfen wird: Warum müssen Wesenheiten und Substanzen zurückbleiben? - so möchte ich das durch einen Vergleich klarmachen. Die Entwickelung des Menschen sollte vorwärts- schreiten von Stufe zu Stufe. Das konnte sie nur dadurch, daß der Mensch sich immer mehr und mehr verfeinerte. Hätte er immer mit denselben Kräften gewirkt&amp;gt; mit denen er während der Saturnphase wirkte, so wäre er nicht vorwärtsgekommen. Er wäre stehengeblieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deshalb mußte er seine Kräfte verfeinern. - Nun nehmen wir, um ein Bild zu haben, einmal ein Glas Wasser an, in welchem irgendein Stoff aufgelöst ist. Da wird alles von oben bis unten in diesem Glas gleiche Färbung zeigen, gleiche Dichtigkeit und so weiter, es wird alles gleich sein. Nehmen wir nun an, es setzen sich die gröberen Stoffe zu Boden, dann bleiben das reinere Wasser und die feineren Substanzen oben. Das Wasser konnte sich also nur dadurch verfeinern, daß es das Gröbere ausgeschieden hat. - So etwas war auch nötig, nachdem die Saturnentwickelung abgelaufen war, es mußte ein solcher Bodensatz entstehen, es mußte die ganze Menschheit etwas ausscheiden und sich &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|46}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die feineren Teile zurückbehalten. Was ausgeschieden worden war, das wurden dann die~iere. Durch das Ausscheiden konnten sich die andern verfeinern und um einen Schritt höher kommen. Und auf jeder solchen Stufe mußten Wesenheiten ausgeschieden werden, damit der Mensch immer höher und höher kommen konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir haben also eine Menschheit, die nur dadurch möglich geworden ist, daß der Mensch sich befreit hat von denjenigen Wesenheiten, die um uns herum in den untergeordneten Reichen leben. Wir haben diese Wesenheiten mit allen ihren Kräften einmal in dem Strom der Entwickelung darinnen gehabt, sie waren damit verbunden wie in dem Wasser die dichteren Bestandteile. Wir haben sie zu Boden sinken lassen und haben uns daraus emporgehoben. Dadurch ist unsere Entwickelung möglich geworden.Wir sehen also hinunter auf die drei neben uns lebenden Naturreiche und sagen: In alledem sehen wir etwas, was unser Boden hat werden müssen, damit wir uns haben entwickeln können. Diese Wesenheiten sind hinuntergesunken, damit wir haben empor- steigen können. So blicken wir in der richtigen Art auf die untergeordneten Naturreiche.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir nun die Erdentwickelung betrachten, wird sich uns dieser Vorgang noch anschaulicher in seinen Einzelheiten darstellen können. Wir müssen uns klar sein, daß alle Tatsachen innerhalb unserer Erdentwickelung doch gewisse Verhältnisse und Zusammenhänge haben. Nun haben wir gesehen, daß die Abtrennung der Sonne und des Mondes von der Erde eigentlich geschehen ist, damit die menschliche Organisation während der Erdentwickelung hat zu derjenigen Höhe kommen können, um eine Individualität zu werden; das gehörte dazu, um die menschliche Organisation gleichsam zu reinigen. Aber dadurch, daß diese Abtrennungen im Weltenall um des Menschen willen geschahen, ist durch solche eingreifende Veränderung in unserem ganzen Sonnensystem doch auch ein Einfluß auf alle drei andern Naturreiche ausgeübt worden, vor allem auf das Tierreich, das uns zunächst steht. Und wenn wir diesen Einfluß verstehen wollen, der auf das Tierreich durch die Vorgänge der Sonnen- und Mondabspaltung geschah, dann bekommen wir aus der Geistesforschung folgenden Aufschluß.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Mensch war auf einer gewissen Stufe seiner Entwickelung, als&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|47}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sich die Sonne abgespalten hatte. Hätte er nun diese Stufe beibehalten müssen, die er während der Zeit hatte, als der Mond noch mit der Erde verbunden war, so hätte der Mensch seine gegenwärtige Organisation nicht erlangen können, er hätte einer gewissen Verödung und Verdorrung entgegengehen müssen. DieMondenkräfte mußten erst heraus- gehen. Daß diese menschliche Organisation möglich geworden ist, ist aber nur dem Umstande zu verdanken, daß der Mensch während der Zeit, als der Mond noch in der Erde war, sich eine Organisation bewahrt hatte, welche noch erweicht werden konnte; denn es wäre möglich gewesen, daß seine Organisation bereits so hart gewesen wäre, daß das Hinausgehen des Mondes nichts mehr genutzt hätte. Auf dieser Stufe, daß die Organisation noch erweicht werden konnte, standen tatsächlich nur die Menschenvorfahren. - Der Mond mußte also zu einer bestimmten Zeit hinausgehen. Was geschah nun bis zu dem Zeitpunkt, wo der Mond heraustrat?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die menschliche Organisation wurde immer gröber und gröber. Der Mensch hat zwar nicht ausgesehen wie Holz. Das wäre eine zu grobe Vorstellung. Es war die damalige Organisation trotz ihrer Grobheit immer noch feiner, als es die jetzige Organisation ist. Aber für die damalige Zeit war die Organisation des Menschen so grob, daß der geistigere Teil des Menschen, der auch dazumal in einer gewissen Weise abwechselnd mit dem physischen Leib zusammen und ohne ihn gelebt hat, in der Zeit zwischen Sonnen- und Mondaustritt endlich dahin gekommen war, daß er, wenn er wieder hat seinen physischen Leib aufsuchen wollen&amp;gt; diesen Leib durch die Vorgänge der Erde so dicht gefunden hat, daß er keine Möglichkeit mehr hatte, in ihn hineinzuziehen und ihn als Gehäuse zu benutzen. Daher geschah es auch, daß der geistig-seelische Teil vieler Menschenvorfahren von der Erde überhaupt Abschied nahm und für eine gewisse Zeit das Fortkommen suchte auf andern, zu unserem Sonnensystem gehörigen Planeten. Nur ein ganz geringer Teil der physischen Leiber war weiter brauchbar und rettete sich über diese Zeit hinüber. Das habe ich auch schon öfter dargestellt, daß die weitaus größte Zahl der Menschenseelen in den Himmelsraum hinauszogen, daß aber die fortlaufende Entwickelungsströmung festgehalten wurde von einem kleinen Teil, nämlich von denjenigen mensch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|48}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
lichen Seelen, die am robustesten waren und das alles ertragen und überwinden konnten. Diese robusten Seelen retteten die Entwickelung über die kritische Periode hinüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während dieses ganzenVorganges handelte es sich noch nicht eigentlich um das, was wir menschliche Ichheit, menschliche Individualität nennen. Es war noch mehr der Charakter derGattungsseele vorhanden. Die Seelen gingen, wenn sie sich zurückzogen, auf in die GattungsSeelenhaftigkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann kam der Mondaustritt, und damit war wieder die Möglichkeit gegeben, daß die menschliche Organisation verfeinert wurde, so daß sie die Seelen&amp;gt; welche sich früher hinweggeflüchtet hatten, wieder aufnehmen konnte. Und diese Seelen kamen nach und nach - bis in die atlantische Zeit hinein - wieder herunter und bezogen die menschlichen Leiber. Aber es waren immerhin gewisse Organisationen zurückgeblieben, die sich während der kritischen Zeit herausgebildet hatten. Fortgepflanzt hatten sie sich während dieser Zeit, nur konnten sie nicht Träger werden der menschlichen Seelenhaftigkeit. Es waren eben grobe Organisationen. Es hatten sich also dazumal neben jenen Organisationen, die sich später verfeinern konnten, solche erhalten aus der kritischen Erdenperiode. Diese wurden nun die Vorläufer einer gröberen Organisation, und dadurch kam es, daß neben jenen Organisationen, welche Träger von menschlichen Individualitäten werden konnten, auch solche Organisationen sich fortpflanzten, die nicht Träger menschlicher Individualitäten werden konnten und die die Nachkommen waren der von menschlichen Seelen verlassenen Organismen aus jener Zeit, als die Sonne schon fort und der Mond noch mit der Erde verbunden war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also sehen wir neben dem Menschen sich förmlich herausbilden ein Reich von Organismen, die durch das Beibehalten des Mondcharakters unfähig geworden waren, Träger menschlicher Individualitäten zu sein. Diese Organisationen sind im wesentlichen die, welche die Organisationen unserer heutigen Tiere wurden. Es könnte sonderbar erscheinen, daß diese gröberen Organisationen der heutigen Tiere nun doch wieder gewisse Fähigkeiten haben, welche sogar weisheitsvoll wirken können in der Welt, wie zum Beispiel in dem Biberbau. Das aber kann uns &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|49}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
erklärlich werden, wenn wir uns eben die Dinge nicht gar zu einfach vorstellen, sondern uns klar sind, daß gerade die Organisationen dieser Wesenheiten, welche nicht von menschlichen Seelen bezogen worden sind, die äußeren Einrichtungen de`s tierischen Baues, eines gewissen Nervenbaues und dergleichen ausgebildet hatten, die es möglich machten, sich mit den Gesetzen des Erdendaseins ganz in Einklang zu versetzen. Denn jeneWesenheiten, die nicht fähig geblieben waren, menschliche Seelen aufzunehmen, waren während der ganzen Zeit mit der Erde verbunden geblieben. Die andern Organisationen, die sich später verfeinert haben, so daß sie menschliche Individualitäten aufnehmen konnten, waren zwar auch zusammen mit der Erde; aber weil sie später Veränderungen eingehen mußten, als der Mond draußen war, haben sie gerade, was sie sich bis dahin angeeignet hatten, dadurch verloren, daß sie sich verfeinerten, daß sie diese Veränderungen eingehen mußten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also merken wir: Als sich der Mond getrennt hatte von der Erde, waren auf der Erde gewisse Organisationen, die sich einfach fortgepflanzt hatten in der geraden Linie, wie sie hatten entstehen müssen, solange der Mond mit der Erde früher verbunden war. Diese Organisationen waren grob geblieben, hatten sich die Gesetze, die sie hatten, bewahrt und waren in sich so fest geworden, daß, als der Mond heraus- gegangen war, mit ihnen keine Veränderung möglich war. Sie pflanzten sich einfach steif fort. Die andern Organisationen, die Träger von menschlichen Individualitäten wurden, mußten sich verändern, konnten sich nicht steif fortpflanzen. Sie veränderten sich so, daß jetzt hin- einwirken konnten die Wesenheiten, die in der Zwischenzeit gar nicht mit der Erde verbunden waren, die ganz woanders waren und sich erst wieder zusammenfügen mußten mit der Erde. - Da haben Sie den Unterschied zwischen jenen Wesenheiten, die den alten steifen Mondcharakter fortbewahrt hatten, und jenen, die sich verändert hatten. Worin bestand nun die Veränderung?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als die Seelen, die von der Erde fortgegangen waren, wieder zurückkamen und wieder Besitz ergriffen von den Leibern, fingen sie an, das Nervensystem, das Gehirn und so weiter umzubauen.Was sie als Kräfte hatten, das verwendeten sie gleichsam zum inneren Ausbau. An den andern Wesenheiten, die sich versteift hatten, konnte nichts mehr geändert&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|50}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
werden. Von diesen letzteren Organisationen nahmen jetzt andere Wesenheiten Besitz, die sich noch nicht darauf ein ließen, in die Organisation einzugreifen, die noch auf ihren früheren Stufen stehen- geblieben waren, die überhaupt nicht so weit kommen, daß sie in die inneren Organisationen hineinwirken, sondern die von außen wirken wie die tierischen Gattungsseelen. So erhielten diejenigen Organisationen, welche dazu geeignet waren, nach dem Mondaustritt die menschliche Seele; und diese Wesenheiten bearbeiteten dann die Organisation so, daß sie zu dem vollkommenen Menschenbau führte. Die während der Mondenzeit steif gebliebenen Organisationen konnten nicht mehr geändert werden. Von denen ergreifen jetzt Besitz jene Seelen, die überhaupt noch nicht so weit waren, in eine Individualität einzuziehen, die auf der Mondenstufe stehengeblieben waren, die alles ausgebildet hat- ten, was auf der Mondenstufe zu erreichen war, und die daher jetzt als Gattungsseelen von diesen Organisationen Besitz ergriffen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So erklärt sich uns der Unterschied zwischen Mensch und Tier aus den kosmischen Vorgängen heraus. Gerade durch die kosmischen Vorgänge bei der Erdentwickelung ergeben sich uns zweierlei Organisationen. Hätten wir bei dem Bau der unmittelbar unter dem Menschen stehenden Wesenheiten stehenbleiben müssen, so müßten wir jetzt mit unserem Ich die Erde umschweben, weil die Organisationen zu steif geworden sind. Wir könnten nicht herunter, und obwohl wir vollkommenere Wesen geworden sind, müßten wir da sein, wo die Organisationen der Gattungsseelen der Tiere sind. Da aber unsere Organisationen sich verfeinern konnten, so konnten wir in sie einziehen und sie als unsere Wohnplätze benutzen, das heißt, wir konnten in fleischliche Verkörperungen bis zur Erde hinuntersteigen. Die Gattungsseelen hatten kein Bedürfnis danach. Sie wirken von der geistigen Welt in die Wesen hinein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir sehen also in dem Tierreich, das uns umgibt, etwas, was wir heute auch wären, wenn wir eben nicht unsere Organisation der geschilderten Einrichtung verdankten. Fragen wir uns jetzt Wodurch sind denn die unter uns stehenden Tiere mit ihren versteiften Organisationen auf die Erde gekommen? - Durch uns selber sind sie herunter- gekommen! Sie sind die Nachkommen jener Körper, die wir nach dem &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|51}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mondaustritt nicht mehr beziehen wollten, weil sie zu grob geworden waren. Wir haben diese Körper zurückgelassen, um später andere zu finden.Wir hätten später andere nicht finden können, wenn wir damals jene ersten nicht verlassen hätten. Denn wir mußten nach dem Heraus- treten der Sonne auf der Erde unser Fortkommen suchen. - Da haben wir gerade den Vorgang, daß wir sozusagen unter uns zurückließen gewisse Wesenheiten, damit wir selber die Möglichkeit finden konnten, höher hinaufzukommen. Um höher zu kommen, mußten wir zu andern Planeten gehen und die Leiber da unten verkommen lassen. Was unten zurückgeblieben ist, dem verdanken wir in gewisser Beziehung das, was wir sind. Ja, wir können dieses «Verdanken» noch viel genauer schildem. Wir können uns fragen: Wie ist es denn überhaupt möglich geworden, daß wir während der kritischen Periode die Erde verlassen konnten? So ohne weiteres geht das ja nicht, daß ein Wesen hingehen kann, wo es will.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da trat während der Erdentwickelung zum ersten Male dasjenige ein, was wir wiederum den luziferischen Geistern verdanken. Die luziferischen Wesenheiten waren unsere Führer, die uns in der kritischen Periode von der Erdentwickelung hinweggenommen haben. Sie haben uns gleichsam gesagt: Da unten kommt jetzt eine kritische Zeit; da müßt ihr die Erde verlassen! - Die luziferischen Geister waren es, unter deren Führung wir die Erde verlassen haben, dieselben luziferischen Geister, die in unseren damaligen astralischen Leib das luziferische Prinzip, den Hang zu allem, was wir die Möglichkeit des Bösen in uns nennen, hineinbrachten, damit zugleich aber allerdings auch die Möglichkeit der Freiheit. Hätten sie uns damals nicht fortgenommen von der Erde, so wären wir immer gekettet geblieben an die Gestalt, die wir damals geschaffen hatten, und wir könnten jetzt die Gestalt höchstens von oben umschweben, würden sie aber niemals beziehen können. So nahmen sie uns fort und verbanden ihr eigenes Wesen mit unserem Wesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir das ins Auge fassen, wird es uns jetzt verständlich, daß wir, während wir fortgingen, die luziferischen Einflüsse aufnahmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Organisationen, welche dieses Schicksal nicht teilten, damals in ganz besondere Weltgebiete geführt zu werden, die mit der Erde verbunden blieben, die blieben unten ohne den luziferischen Einfluß. Sie &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
mußten mit uns die Erdenschicksale teilen - konnten aber nicht mit uns unser Himmelsschicksal teilen. Und als wir auf die Erde zurückkamen, hatten wir den luziferischen Einschlag in uns, nicht aber jene andern Wesen, und dadurch wurde es uns möglich, das Leben in einem physischen Körper und doch ein von dem physischen Körper unabhängiges Leben zu führen, so daß wir auch immer mehr und mehr unabhängig von dem physischen Körper werden konnten. Diese andern Wesen aber, die den luziferischen Einschlag nicht in sich hatten, stellten dar, was wir aus ihnen gemacht hatten, was unsere astralischen Leiber waren in der Zwischenzeit zwischen Sonnen- und Mondaustritt, also dasjenige, von dem wir uns befreiten. Wir schauen auf die Tiere und sagen: Alles, was die Tiere darstellen an Grausamkeit, an Gefräßigkeit, an allen tierischen Untugenden, neben der Geschicklichkeit, die sie haben, das hätten wir in uns, wenn wir sie nicht hätten aus uns heraussetzen können! - Wir verdanken die Befreiung unseres astralischen Leibes dem Umstande, daß alle gröberen astralischen Eigenschaften zurückgeblieben sind im Tierreich der Erde. Und wir können sagen: Wohl uns, daß wir das nicht mehr in uns haben: die Grausamkeit des Löwen, die List des Fuchses, daß es aus uns herausgezogen ist und außer uns ein selbständiges Dasein führt!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So haben die Tiere das mit uns gemeinschaftlich, was unser astralischer Leib ist, und haben dadurch die Möglichkeit, Schmerzen empfinden zu können. Aber sie haben gerade durch das, was jetzt gesagt worden ist, nicht die Möglichkeit erlangen können, durch den Schmerz und durch die Überwindung des Schmerzes immer höher und höher zu steigen. Denn sie haben keine Individualität. Dadurch sind die Tiere viel, viel übler daran als wir. Wir müssen die Schmerzen ertragen; aber jeder Schmerz ist für uns ein Mittel zur Vervollkommnung; indem wir ihn überwinden, steigen wir höher durch den Schmerz. Die Tiere haben wir zurückgelassen als etwas, was zwar die Schmerzfähigkeit schon hatte, aber noch nicht das, was sie über den Schmerz erheben konnte, wodurch sie den Schmerz überwinden. Das ist das Schicksal der Tiere. Sie zeigen uns unsere eigene Organisation auf der Stufe, da wir schmerzfähig waren, aber noch nicht durch Überwindung den Schmerz ins Heilsame für die Menschheit umwandeln konnten. So haben wir den &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|53}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tieren im Laufe der Erdentwickelung unser schlimmeres Teil gegeben, und sie stehen um uns herum als Wahrzeichen dessen, daß wir zu unserer Vervollkommnung kamen. Wir hätten den Bodensatz nicht los- bekommen, hätten wir nicht die Tiere zurückgelassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Solche Tatsachen müssen wir nicht als Theorien betrachten lernen, sondern mit kosmischem Weltengefühl. Wir müssen hinblicken auf die Tiere mit dem Gefühl: Da draußen seid ihr, Tiere. Wenn ihr leidet, leidet ihr etwas, was uns Menschen zugute kommt.Wir Menschen haben die Möglichkeit, das Leiden zu überwinden; ihr müßt das Leiden er- dulden. Wir aber haben euch das Leiden gelassen - und uns die Überwindung genommen!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn man dieses kosmische Gefühl aus der Theorie entwickelt, wird es zu dem umfassenden Mitgefühl mit der Tierwelt. Wo daher das kosmische Gefühl aus der Urweisheit der Menschheit entsproß, wo die Menschen sich noch bewahrt hatten eine Erinnerung an das Urwissen, das jedem aus dem dämmerhaften Hellsehen sagte, wie die Dinge einst lagen, da hatte man sich damit auch das Mitgefühl für die Tierwelt bewahrt, und da tritt das Mitgefühl für die Tiere in einem hohen Maße hervor. - Dieses Mitgefühl wird wiederkommen, wenn die Menschen sich angewöhnen werden, spirituelle Weisheit aufzunehmen, wenn die Menschen wiederum einsehen werden, wie das Menschheitskarma mit dem Weltenkarma verbunden ist. In den Zeiten, welche sozusagen Zeiten der Verdunkelung waren, in denen das materialistische Denken Platz griff, hat man von diesen Zusammenhängen keine rechte Ahnung haben können. Da blickte man nur auf das, was im Raume nebeneinander ist, ohne zu berücksichtigen, daß dieses, was nebeneinander im Raume ist, einen einheitlichen Ursprung hat und sich nur in der Entwickelung getrennt hat. Und da fühlte man natürlich auch nicht, was die Menschen mit den Tieren verbindet. Und auf allen Gebieten der Erde, wo man die Mission gehabt hat, zu überdecken das Bewußtsein vom Zusammenhange des Menschen mit der Tierwelt, wo an Stelle dieses Bewußtseins nur ein solches getreten ist, das sich auf den äußeren physischen Raum beschränkt, da hat der Mensch den Tieren das, was er ihnen verdankt, in einer eigenartigen Weise vergolten - indem er sie eben aufgegessen hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|54}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Dinge zeigen uns aber zugleich, wie Weltanschauungen zu- sammenhängen mit der menschlichen Empfindungs- und Gefühlswelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Empfindungen und Gefühle sind letzten Endes Folgen derWeltanschauungen, und wie sich die Weltanschauungen und Erkenntnisse ändern, so werden sich auch die Empfindungen und Gefühle innerhalb des Menschheitszusammenhanges ändern. Der Mensch konnte nicht anders, als sich höher entwickeln; er mußte andere Wesen in den Abgrund stoßen, um selbst höher zu steigen. Er konnte den Tieren nicht geben eine Individualität, die im Karma ausgleicht, was die Tiere leiden müssen; er konnte ihnen nur den Schmerz überliefern, ohne ihnen die&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
karmische Gesetzmäßigkeit des Ausgleiches geben zu können. Was er ihnen aber früher nicht geben konnte, das wird ihnen der Mensch einst geben,wenn er zur Freiheit und zum Selbstlos-Sein seiner Individualität gekommen ist. Dann wird er - in bewußter Weise - auch auf diesem Gebiet die karmische Gesetzmäßigkeit fassen und wird sagen: Den Tieren verdanke ich, was ich bin. Was ich den einzelnen tierischen Wesen nicht mehr geben kann, welche von einem Einzeldasein in ein Schattendasein hinuntergegangen sind, was ich sozusagen einstmals an den Tieren verschuldet habe, das muß ich jetzt an den Tieren wieder gutmachen durch die Behandlung, welche ich ihnen angedeihen lasse! - Daher wird mit dem Fortschreiten der Entwickelung durch das Bewußtsein der karmischen Verhältnisse auch wieder ein besseres Verhältnis des Menschen zum Tierreich eintreten, als es jetzt, besonders im Abendlande, vorhanden ist. Eine Behandlung der Tiere wird kommen, durch welche der Mensch die Tiere, die er hinuntergestoßen hat, wieder heraufzieht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So sehen wir Karma und Tierreich denn doch in einem gewissen Verhältnis zueinander. Was das Tier als Schicksal erlebt, das können wir, wenn wir nicht alles durcheinanderwerfen wollen, nicht mit dem menschlichen Karma vergleichen. Aber wenn wir die ganze Erdentwikkelung betrachten und was um der Menschheit und ihrer Entwickelung willen geschehen mußte, dann werden wir sehen, daß wir in der Tat von einer Beziehung des Menschheitskarma zu der Tierwelt sprechen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|55}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= DRITTER VORTRAG Hamburg, 18. Mai 1910 =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Solche Betrachtungen, wie wir sie heute und in den allernächstenTagen anzustellen haben, können sehr leicht einem gewissen Mißverständnis unterworfen sein. Wir werden es zu tun haben mit mancherlei Krankheits- und Gesundheitsfragen vom Gesichtspunkte des Karma, und bei der Gegensätzlichkeit unserer heutigen Zeitströmungen gerade auf diesem Gebiete könnte leicht eine mißverständliche Auffassung der geisteswissenschaftlichen Grundlagen Platz greifen,wenn dieses Kapitel - der Zusammenhang von Krankheit und Gesundheit mit dem Karma - berührt wird. Sie wissen ja, daß in den weitesten Kreisen die Diskussion mit ziemlicher Heftigkeit und Leidenschaftlichkeit wogt, wenn Gesundheits- und Krankheitsfragen in Betracht kommen. Es ist Ihnen ja allen bekannt, wie sehr von seiten der Laien sowohl als auch von seiten dieser oder jener Ärzte Partei ergriffen wird gegen das, was man die wissenschaftliche Medizin nennt. Auf der andern Seite kann leicht bemerkt werden, wie die Vertreter der wissenschaftlichen Medizin vielleicht gerade herausgefordert werden durch manchen ungerechten Angriff, so daß sie nicht nur in eine Art von Leidenschaft verfallen, wenn es sich darum handelt - was ihr gutes Recht ist -, einzutreten für das, was die Wissenschaft dazu zu sagen hat, sondern daß von dieser Seite heute auch ein zum Teil recht arger Kampf geführt wird gegen das, was von andern Gesichtspunkten als den in der offiziellen Medizin vertretenen irgendwie gesagt wird über das in Betracht kommende Gebiet. Theosophie oder Geisteswissenschaft wird nur dann ihren hohen Aufgaben gerecht werden können, wenn sie auf einem solchen, von Diskussionen vielfach verdunkelten Gebiet das unbefangene und objektive Urteil wahrt. Wer ähnliche Vorträge von mir gehört hat, wird wissen, wie wenig es mir darum zu tun ist, einzustimmen in den Chor, der heute das, was man als «Schulmedizin» bezeichnet, diskreditieren will.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von einem Einstimmen in diese oder jene Parteirichtung kann bei der Geisteswissenschaft auch nicht im entferntesten die Rede sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es darf vielleicht gerade bei dieser Gelegenheit eiirleitend betont&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|56}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
werden, daß die Leistungen in bezug auf die Tatsachen und tatsächlichen Erforschungen der Erscheinungen gerade auf dem Gebiet des Krankheitswesens und der Gesundheitsfragen der Menschheit in den letzten Jahren und Jahrzehnten wahrhaftig zu ebensolchem Lobreden, Anerkennen und Bewundern herausfordern wie zahlreiche andere naturwissenschaftliche Ergebnisse. Und von dem, was auf diesem Gebiete an Tatsächlichem geleistet worden ist, darf auch gesagt werden: Wenn sich irgend jemand freuen darf über das, was die Medizin in den letzten Jahren geleistet hat, so kann dies gerade die Geisteswissenschaft sein. Auf der andern Seite muß aber auch betont werden, was gerade für die Naturwissenschaft gilt, daß die Errungenschaften und tatsächlichen Erkenntnisse und Entdeckungen zuweilen recht wenig richtige und befriedigende Interpretationen und Erklärungen finden durch das, was heute wissenschaftliche Meinungen sind. Das ist ja das Hervorstechendste in unserer Zeit für viele Gebiete naturwissenschaftlicher Forschung, daß die Meinungen, die Theorien nicht gewachsen sind den zuweilen wunderbaren Tatsachenergebnissen. Und erst das Licht, das von der Geisteswissenschaft ausgeht, wird Klarheit über das bringen, was auf diesem Gebiet in den letzten Jahren errungen worden ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem das vorausgeschickt worden ist, wird es klar sein, daß es sich nicht um irgendwelches Einstimmen in billige Bekämpfung dessen handelt, was auf dem Gebiet der wissenschaftlichen Medizin heute geleistet werden kann. Dann darf aber auch gesagt werden, daß die bewundernswerten Tatsachen, die zutage getreten sind, nicht fruchtbar werden können in unserer Zeit zum Heile der Menschheit, weil auf der andern Seite geradezu materialistisch gefärbte Meinungen und TheorIen diese Fruchtbarkeit verhindern. Daher ist es für die Theosophie viel besser, daß sie anspruchslos das sagt, was sie zu sagen hat, als in irgendeinen Parteikampf einzugreifen. Es werden dadurch viel weniger die Leidenschaften aufgeregt werden, als sie es heute schon sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir überhaupt einen Gesichtspunkt gewinnen wollen zu den Fragen, die uns beschäftigen sollen, dann müssen wir uns damit bekanntmachen, daß die Ursachen zu irgendeiner Erscheinung in der inannigfaltigsten Weise gesucht werden müssen, nähere und entferntere Ursachen, und daß die Theosophie, wenn es sich darum handeln &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|57}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wird, karmische Ursachen zu Gesundheitsfragen zu suchen, es ein wenig zu tun haben wird mit den entfernteren Ursachen, die nicht an der Oberfläche liegen. Machen wir uns das durch einen Vergleich klar. Wenn Sie den Vergleich überdenken, werden Sie schon auf das kommen, was eigentlich gemeint ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen wir an, irgend jemand stehe auf dem Standpunkt, «wie wir es heute so herrlich weit gebracht haben» auf diesem Gebiete, und er verachte ganz die Meinungen, welche in den vergangenen Jahrhunderten über Gesundheit und Krankheit zutage getreten sind. Wenn Sie versuchen, einen Überblick über die Krankheits- und Gesundheitsfragen zu finden, werden Sie den Eindruck bekommen, daß die Darsteller eines solchen Gebietes gewöhnlich das Urteil haben: Was in den letzten zwanzig bis dreißig Jahren auf diesem Gebiete zutage getreten ist, das ist eine Art absoluter Wahrheit, die zwar ergänzt werden kann, aber nie ein solches absprechen des Urteil erfahren kann wie das, welches solche Beurteiler leider selbst abgeben über das meiste, was auf diesem Gebiete vorangegangen ist an menschlichem Sinnen und Trachten. Es wird zum Beispiel häufig gesagt: Wir finden gerade auf diesem Gebiete in den verflossenen Zeiten den krassesten Aberglauben -, und es werden dann recht abschreckende Beispiele angeführt, wie in den verflossenen Jahrhunderten versucht worden sei, dies oder das zu heilen. Insbesondere schlimm findet man, wenn man irgendwo auf Ausdrücke stößt, welche in der damaligen Bedeutung dem heutigen Bewußtsein längst verlorengegangen sind, sich aber dennoch in das heutige Bewußtsein eingeschlichen haben&amp;gt; und mit denen so, wie sie der heutige Mensch denkt, nichts anzufangen ist. So sagen einige: Da gab es Zeiten, in denen man eine jede Krankheit Gott oder dem Teufel zuschrieb! So schlimm, wie es solche Darsteller machen, liegt es deshalb nicht, weil sie nicht wissen, welcher Komplex von Anschauungen bei einem solchen Begriff ~Gott» oder «Teufel» gemeint war. Durch einen Vergleich können wir uns das klarmachen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen wir an, zwei Leute reden miteinander. Da erzählt der eine dem andern: Eben habe ich eine Stube gesehen, die ganz voller Fliegen ist. Nun sagt mir jemand, das sei ganz natürlich; und das glaube ich auch, denn die Stube ist sehr schmutzig, und dadurch finden die&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|58}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fliegen ihr Fortkommen. Es ist ganz erklärlich, daß man das als Grund für das Vorhandensein der Fliegen annimmt, und ich glaube auch, daß derjenige ganz recht hat, der da sagt, die Fliegen werden nicht mehr in der Stube sein, wenn man einmal gründlich reinemacht! - Nun hat aber ein anderer erzählt, daß er noch etwas anderes wüßte, warum so viele Fliegen in dem Zimmer wären; und die Ursache könne er nicht anders ,bezeichnen,als daß in jenem Zimmer seit langem eine grundfaule Hausfrau hause. - Aber nun sieh einmal, was das für ein grenzenloser Aber- glaube ist: daß die Faulheit wie eine Art Persönlichkeit sei, die nur zu winken brauchte, und dann kämen die Fliegen herein! Da ist die andere Erklärung doch richtiger, die das Vorhandensein der Fliegen durch den angehäuften Schmutz erklärt!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nicht viel anders ist es auf einem andern Gebiete, wenn man sagt: Es ist jemand von einer Krankheit befallen, da er eben eine Infektion durch irgendeine Bazillenart erhalten hat; treibt man die Bazillen aus, so Ist die Heilung da. Nun reden aber da noch Leute von irgendeiner geistigen Ursache, die tiefer liege! Man braucht doch nichts anderes zu tun, als die Bazillen fortzutreiben! - Es ist nicht mehrAberglaube, von einer geistigen Ursache zu sprechen bei Erkrankungen, doch alles übrige anzuerkennen, als in dem Falle, wo die Ursache für das Dasein der Fliegen in einer grundfaulen Hausfrau gesehen wird. Und man braucht nicht zu wettern, wenn man sagt: Die Fliegen werden nicht mehr da sein, wenn einmal reinegemacht wird. Nicht darum handelt es sich, daß der eine den andern bekämpft, sondern daß man lernt, sich gegenseitig zu verstehen und einzugehen auf das, was der eine will und was der andere will. Das muß man durchaus berücksichtigen, wenn von den unmittelbar naheliegenden Ursachen mit Recht gesprochen wird und wenn von den entfernteren Ursachen gesprochen wird. Der objektive Theosoph wird sich durchaus nicht auf den Standpunkt stellen, daß die Faulheit nur eine Art von Wink zu geben brauche, damit die Fliegen in das Zimmer kommen; er wird wissen, daß auch andere materielle Dinge dabei in Betracht kommen, daß aber alles, was materiell zum Ausdruck kommt, seine geistigen Hintergründe hat und daß diese geistigen Hintergründe zum Heile der Menschheit gesucht werden müssen. Diejenigen aber, welche in den Kampf gern einstimmen möchten, die sollen &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|59}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
auch daran erinnert werden, daß die geistigen Ursachen nicht immer in derselben Weise aufgefaßt werden dürfen und auch nicht in der gleichen Art bekämpft werden können wie die gewöhnlichen materiellen Ursachen. Und man darf auch nicht denken, daß man durch das Bekämpfen der geistigen Ursachen enthoben wäre der Bekämpfung der materiellen Ursachen; denn sonst könnte man die Stube schmutzig lassen und brauchte nur gegen die Faulheit der Hausfrau zu Felde zu ziehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir nun das Karma betrachten, müssen wir sprechen von Zusammenhängen zwischen Ereignissen, wie sie im Menschenleben eintreten in einer früheren Zeit und wie sie ihre Wirkung auf dasselbe Menschenwesen zeigen in einer späteren Zeit. Wenn wir sprechen von Gesundheit und Krankheit vom Gesichtspunkte des Karma aus, so heißt das nichts anderes als: Wie können wir uns vorstellen, daß der gesunde oder kranke Zustand eines Menschen seine Begründung findet in früheren Taten, Verrichtungen und Erlebnissen dieses Menschen? Und wie können wir uns vorstellen, daß sein gegenwärtiger Gesundheits- oder Krankheitszustand mit zukünftigen Wirkungen, die auf dasselbe esen zurückfallen, im Zusammenhang steht?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am liebsten wird der heutige Mensch überhaupt glauben, daß eine Krankheit mit den allernächsten Ursachen nur im Zusammenhange stehe. Denn der Grundnerv unserer heutigen Weltanschauung auf allen Gebieten ist ja der, daß man Bequemlichkeit sucht; und stehenbleiben bei den allernächsten Ursachen ist eine bequeme Sache. Daher werden gerade in bezug auf Erkrankungen nur die allernächsten Ursachen berücksichtigt - und am meisten geschieht das von den Kranken selbst. Denn wie wäre es zu leugnen, daß die Kranken selbst veranlaßt sind, solche Bequemlichkeit zu üben? Aus diesem Umstande heraus ergibt sich so viel Unzufriedenheit, wenn ein solcher Glaube existiert, die Krankheit müsse die allernächsten Ursachen haben, welche von dem kundigen Arzt gefunden werden müssen; und wenn der Arzt dann nicht helfen kann, hat er irgend etwas verpfuscht. Aus dieser Bequemlichkeit des Urteils gebt vieles von dem hervor, was heute auf diesem Gebiete gesagt wird. Wer Karma in seinen weitverzweigten Wirkungen zu betrachten versteht, der wird immer mehr seinen Blick erweitern von dem, was heute geschieht, zu Ereignissen, die verhältnismäßig sehr &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
weit zurückliegen. Und er wird vor allen Dingen die Überzeugung gewinnen, daß eine durchgreifende Erkenntnis eines Sachverhaltes, der den Menschen trifft, nur möglich ist, wenn man den Blick erweitern kann über das, was weiter zurückliegt. Insbesondere beim erkrankten Menschen ist das der Fall.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir vom kranken und auch vom gesunden Menschen sprechen, drängt sich uns die Frage auf die Lippen: Wie können wir uns von dem Kranksein überhaupt einen Begriff machen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn die geisteswissenschaftlicheForschung direkt vorgeht und den hellseherischen Blick zu Hilfe nimmt, wird sie immer, wenn es sich um Erkrankungen des Menschen handelt, Unregelmäßigkeiten bemerken, nicht nur im physischen Leibe des Menschen, sondern auch in den höheren Wesensgliedern des Menschen, im Ätherleibe und im astralischen Leibe. Und der hellseherische Forscher wird bei einem Krankheitsfall immer in Betracht ziehen müssen&amp;gt; welches in dem betreffenden Falle der Anteil sein kann des physischen Leibes auf der einen Seite und des Ätherleibes und des astralischen Leibes auf der andern Seite; denn alle drei Wesensglieder des Menschen können an der Erkrankung beteiligt sein. Nun entsteht die Frage: Welche Vorstellungen können wir über das Wie der Krankheit gewinnen? - Dem kommt man am leichtesten bei, wenn man in Betracht zieht, wieweit man den Begriff «Krankheit» überhaupt ausdehnen darf. Diejenigen, die gern in allerlei allegorisch-symbolischen Begriffen sprechen, auch da, wo sie nicht hin- gehören, denen mag es überlassen bleiben, wenn sie auch bei Mineralien oder Metallen von Erkrankungen sprechen, indem sie zum Beispiel sagen, wenn der Rost das Eisen frißt, sei das eine Krankheit des Eisens. Man muß sich dabei nur darüber klar sein, daß man durch solche abstrakten Begriffe zu einem wirklichen gedeihlichen Erfassen des Lebens nicht kommen kann; man kann nur kommen zu einer Art spielerischen Erkenntnis des Lebens, nicht aber zu einem Erkennen, das wirklich eingreift in die Tatsachen.Wer zu einem realen Krankheitsbegriff und auch zu einem realen Gesundheitsbegriff kommen will, muß sich hüten, davon zu sprechen, daß Mineralien und Metalle auch erkranken können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun ist die Sache schon anders, wenn wir ins Pflanzenreich hinaufgehen. Da dürfen wir gewiß von Erkrankungen der Pflanzen sprechen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Aber gerade Pflanzenkrankheiten sind für das reale Erfassen der Vorstellung «Krankheit» von einem ganz besonderen Interesse und von ganz besonderer Wichtigkeit. Bei Pflanzen wird man, wenn man wieder nicht spielerisch zu Werke geht, nicht leicht sprechen können von inneren Krankheitsursachen. In demselben Maße,wie man bei Tier und Mensch von inneren Krankheitsursachen sprechen kann, kann man bei Pflanzen nicht davon sprechen. Die Erkrankungen im Pflanzenreiche werden Sie immer zurückzuführen haben auf äußere Veranlassungen, auf diese oder jene schädlichen Einflüsse des Bodens, ungenügende Belichtungen, auf diese oder jene Wirkungen des Windes und auf sonstige elementare und Naturwirkungen. Oder Sie werden solche Erkrankungen von Pflanzen zurückzuführen haben auf Einflüsse von Parasiten, die sich an die Pflanzen heranmachen und sie schädigen. Und wir werden innerhalb des Pflanzen reiches mit Recht davon sprechen, daß der Begriff «innere Krankheitsursache» im Grunde gar keine Berechtigung hat. - Es ist natürlich nicht möglich, da ich nicht ein halbes Jahr über dieses Thema sprechen kann, daß ich mit unzähligen Belegen versehe, was ich jetzt angedeutet habe. Aber je tiefer wir in die Pflanzenpathologie eindringen, desto mehr werden wir sehen, daß von dem Begriff «innere Krankheitsursache» bei den Pflanzen nicht die Rede sein kann, sondern daß es sich da um äußere Veranlassungen und Schädigungen, um äußere Einflüsse handelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun haben wir in der Pflanze, wie sie uns zunächst in der äußeren Welt entgegentritt, ein Wesen vor uns, das uns ein Gefüge von einem physischen Leibe und einem Atherleibe zeigt. Und wir haben damit zugleich ein Wesen vor uns, das uns sozusagen aufmerksam darauf macht, daß ein solches Wesen mit physischem Leib und Ätherleib im Grunde dem Prinzip nach gesund ist und daß es warten muß, bis es eine äußere Schädigung erfährt, wenn es krank werden soll. Damit stimmt auch durchaus der geisteswissenschaftliche Tatbestand.Während wir durch die Methoden der hellseherischen Forschung im Tier- und Menschenreich bei Erkrankungen ganz entschieden im Inneren des Wesens - in den übersinnlichen Teilen - Veränderungen erblicken, können wir innerhalb einer erkrankten Pflanze niemals davon sprechen, daß der ursprüngliche Ätherleib selber verändert wäre, sondern nur &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
davon, daß sich von außen allerlei Störungen und schädliche Einflüsse in den physischen Leib und namentlich in den Ätherleib hineingedrängt haben. Der geisteswissenschaftliche Tatbestand rechtfertigt durchaus das, was wir als allgemeinen Schluß gewinnen: daß in dem, was bei den Pflanzen in Betracht kommt - nämlich physischer Leib und Ätherleib -, etwas ursprünglich Gesundes vorliegt. Aber etwas anderes ist es, wie die Pflanze imstande ist, wenn sie äußere Schädigungen erfährt, alles mögliche aufzuwenden, um in Wachstum und Entwickelung sich gegen die Schädigungen zu wehren, sich zu heilen. Beobachten Sie einmal, wenn Sie eine Pflanze anschneiden, wie sie versucht, die beschädigte Stelle zu umwachsen, zu umgehen, was ihr da im Wege liegt und sie schädigt. Und wir können es fast mit Händen greifen,wie in der Pflanze eine innere Abwehr, eine Heilkraft vorhanden ist, wenn eine äußere Schädigung eintritt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So sehen wir, daß wir in dem Ätherleib und physischen Leib der Pflanze etwas vor uns haben, was imstande ist, mit inneren Heilkräften zu antworten auf äußere Schädigungen. Das ist eine außerordentlich wichtige Tatsache, wenn man auf diesem Gebiete zur Klarheit kommen will. Ein Wesen wie die Pflanze mit physischem Leibe und Ätherleib zeigt uns also nicht nur, daß der physische Leib und der Ätherleib ursprünglich Prinzipien der Gesundheit in sich haben, soviel notwendig ist zur Entwickelung und zum Wachstum des betreffenden Wesens, sondern es zeigt uns ein solches Wesen sogar, daß ein Überschuß vorhanden ist von solchen Kräften, die sich in den Heilkräften ausleben können, wenn von außen Schädigungen kommen. - Woher müssen denn diese Heilkräfte stammen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn Sie in einen bloß physischen Körper hineinschneiden, wird die Schädigung bleiben. Er wird aus sich heraus nichts tun können, um die Schädigung sozusagen zu heilen. Deshalb können wir bei einem bloß physischen Körper nicht von einer Erkrankung sprechen, und am wenigsten davon,daß Krankheit und Heilung in Beziehung zueinander stehen können. Das können wir am besten sehen, wenn eine Krankheit bei einer Pflanze zutage tritt. Da haben wir das Prinzip der inneren Heilkraft zu suchen im Ätherleibe. Das zeigt wiederum im eminentesten Maße der geisteswissenschaftliche Tatbestand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|62}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
davon, daß sich von außen allerlei Störungen und schädliche Einflüsse in den physischen Leib und namentlich in denÄtherleib hineingedrängt haben. Der geisteswissenschaftliche Tatbestand rechtfertigt durchaus das, was wir als allgemeinen Schluß gewinnen: daß in dem, was bei den Pflanzen in Betracht kommt - nämlich physischer Leib und Ätherleib -, etwas ursprünglich Gesundes vorliegt. Aber etwas anderes ist es, wie die Pflanze imstande ist, wenn sie äußere Schädigungen erfährt, alles mögliche aufzuwenden, um in Wachstum und Entwickelung sich gegen die Schädigungen zu wehren, sich zu heilen. Beobachten Sie einmal, wenn Sie eine Pflanze anschneiden, wie sie versucht, die beschädigte Stelle zu umwachsen, zu umgehen, was ihr da im Wege liegt und sie schädigt.Und wir können es fast mit Händen greifen,wie in der Pflanze eine innere Abwehr, eine Heilkraft vorhanden ist, wenn eine äußere Schädigung eintritt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So sehen wir, daß wir in dem Ätherleib und physischen Leib der Pflanze etwas vor uns haben, was imstande ist, mit inneren Heilkräften zu antworten auf äußere Schädigungen. Das ist eine außerordentlich wichtige Tatsache, wenn man auf diesem Gebiete zur Klarheit kommen will. Ein Wesen wie die Pflanze mit physischem Leibe und Ätherleib zeigt uns also nicht nur, daß der physische Leib und der Ätherleib ursprünglich Prinzipien der Gesundheit in sich haben, soviel notwendig ist zur Entwickelung und zum Wachstum des betreffenden Wesens, sondern es zeigt uns ein solches Wesen sogar, daß ein Überschuß vorhanden ist von solchen Kräften, die sich in den Heilkräften ausleben können, wenn von außen Schädigungen kommen. - Woher müssen denn diese Heilkräfte stammen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn Sie in einen bloß physischen Körper hineinschneiden, wird die Schädigung bleiben. Er wird aus sich heraus nichts tun können, um die Schädigung sozusagen zu heilen. Deshalb können wir bei einem bloß physischen Körper nicht von einer Erkrankung sprechen, und am wenigsten davon, daß Krankheit und Heilung in Beziehung zueinander stehen können. Das können wir am besten sehen, wenn eine Krankheit bei einer Pflanze zutage tritt. Da haben wir das Prinzip der inneren Heilkraft zu suchen im Ätherleibe. Das zeigt wiederum im eminentesten Maße der geisteswissenschaftliche Tatbestand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|63}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denn um die Wunde einer Pflanze herum beginnt der Ätherleib der Pflanze ein viel regeres Leben, als er vorher dort entfaltete. Er bringt ganz andere Formen aus sich heraus, entwickelt ganz andere Strömungen. Das ist das außerordentlich Interessante, daß wir geradezu älen Ätherieib der Pflanze herausfordern zu einer erhöhten Tätigkeit, wenn wir der Pflanze in bezug auf den physischen Leib eine Schädigung bei- bringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit haben wir zwar nicht den Begriff der Krankheit definiert; aber wir haben etwas getan, um zum Wie der Krankheit zu kommen, und wir haben etwas erreicht, was uns eine Ahnung verschafft über das innere Wie der Heilung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt gehen wir einmal - immer am Leitfaden der inneren, hellseherischen Beobachtung - weiter und versuchen wir, die äußeren Erscheinungen vernunftgemäß zu begreifen, zu denen uns die Geisteswissenschaft führt. Dann können wir jetzt aufsteigen von den Schädigungen, welche wir Pflanzen beibringen, zu gewissen Schädigungen, welche wir Tieren beibringen, die also Wesen sind, die schon einen astralischen Leib haben. Wenn wir da im groben Sinne zu Werke gehen, so werden wir sehen, daß wir bei den höheren Tieren verhältnismäßig sehr wenig - und immer weniger, je höher das Tier steht - von dem erblicken können, was bei den Pflanzen in umfassendem Maße hervortritt: nämlich jenes Antworten des Ätherleibes auf äußere Schädigungen. Wenn wir grobe Schädigungen dem physischen Leibe eines niederen oder auch eines höheren Säugetieres beibringen, reißen wir zum Beispiel einem Hunde ein Bein aus oder dergleichen, dann werden wir finden, daß der Ätherleib des Hundes nicht so leicht mit seiner Heilkraft antworten kann, wie der Atherleib der Pflanze antwortet auf eine Schädigung, die in ahnlicherWeise der Pflanze zugefügt worden ist. Aber auch im Tierreich ist das noch in großem Maße zu sehen. - Nehmen wir an, wir steigen hinunter bis zu ganz niedrigen tierischen Wesen, zu den Tritonen oder ähnlichen. Solche niederen Tierwesen können Sie zerschneiden; schneiden wir einem solchenWesen gewisse Organe ab, so ist das, könnte man sagen, dem Tiere gar nicht besonders unangenehm. Die Organe wachsen mit großer Schnelligkeit wieder nach, und das Tier sieht bald wieder so aus wie früher. Da ist etwas Ähnliches wie bei der Pflanze &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|64}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
geschehen: Wir haben eine gewisse Heilkraft im Ätherleibe herausgefordert. Wer würde leugnen, daß die Herausforderung, Heilkräfte im Ätherleib zu entwickeln, beim Menschen oder beim höheren Tier eine erhebliche Gefährdung der Gesundheit bedeuten würde? Das niedere Tier dagegen wird in seinem Ätherleibe nur herausgefordert, ein an- deres Glied aus seinem Inneren durch seinen Ätherleib herauswachsen zu lassen. Nun steigen wir etwas weiter hinauf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir jetzt zum Beispiel bei Krebsen ein Glied abschneiden, so sind die Krebse nicht sogleich imstande, ein anderes Glied aus sich her- auswachsen zu lassen. Aber wenn sie sich das nächste Mal häuten,wenn sie bei der nächsten Übergangsstufe ihres Lebens ankommen, dann schon treibt für das abgebrochene Glied ein Stumpf heraus; beim zweitenmal wird er schon größer sein, und wenn sich das Tier genügend oft häuten würde, so würde das Glied ersetzt werden durch ein neues. - Da haben Sie die Erscheinung, daß in solchem Ätherleib schon mehr dazu gehört, damit die innere Heilkraft herausgefordert wird. Und bei den höheren Tieren ist das nun gar nicht mehr in diesem Maße der Fall. Wenn wirein höheres Tier verstümmeln, kann es zunächst nicht diese Heilkraft aus seinem Ätherleibe heraus aufbringen. Aber es muß immer wieder betont werden,was heute in einen bedeutsamen naturwissenschaftlichen Streit hineinspielt: Wenn Sie das Tier verstümmeln, und das Tier hat Nachkommen, so übertragen sich diese Verstümmelungen nicht auf die Nachkommen; die nächste Generation hat wieder die vollen Glieder. Wenn der Ätherleib seine Eigenschaften auf die Nachkommen überträgt,wird er wieder angeregt, einen vollständigen Organismus heraus zusetzen. Beim Tritonen wirkt der Ätherleib noch in demselben Tiere, beim Krebs erst in der Häutung; bei den höheren Tieren tritt dasselbe erst bei den Nachkommen ein; da ersetzt der Ätherleib,was in der vor hergehenden Generation verstümmelt worden ist. Wir müssen also solche Erscheinungen in der Natur gradweise betrachten, dann wird es uns klarwerden, daß selbst dann noch von einer Heilkraft im Ätherleibe gesprochen werden muß, wenn die Vererbungen von den Vorfahren auf die Nachkommen gehen, und daß der Ätherleib sich so vererbt, daß er wieder das ganze, ungeteilte Tier hervorbringt. Da haben Sie sozusagen ein Aufsuchen des Wie der Heilkräfte im Ätherleib.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|65}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun können wir die Frage aufwerfen:Woran liegt es denn, je weiter wir in der Tierreihe hinaufsteigen - und wenn wir das Menschen reich äußerlich betrachten, gilt das auch -, daß der Ätherleib immer mehr Anstrengungen machen muß, um überhaupt die Heilkräfte herauszubekommen? - Das liegt daran, daß der Ätherleib in der verschiedensten Weise mit dem physischen Leibe verbunden sein kann. Es gibt zwischen dem physischen Leibe und dem Ätherleibe sozusagen eine innigere Gemeinschaft und eine losere. Nehmen wir zum Beispiel ein niederes Tier, den Triton, bei dem ein abgeschnittenes Glied sich sogleich wieder ansetzt. Da müssen wir eine lose Verbindung annehmen zwischen Ätherleib und physischem Leib. Und in noch höherem Maße gilt das bei der Pflanzenwelt. Da müssen wir sagen: Die Verbindung ist eine derartige, daß der physische Leib nicht imstande ist, auch auf den Ätherleib zurückzuwirken, so daß der Ätherleib ungeschoren bleibt durch das, was im physischen Leibe geschieht, und daß der Ätherleib in gewisser Beziehung unabhängig ist vom physischen Leibe. Nun ist das Wesen des Ätherleibes das des Tätigseins, des Hervorbringens, des Wachstumförderns. Er fördert das Wachstum bis zu einer bestimmten Grenze. In dem Augenblick, da wir bei Pflanzen oder niederen Tieren ein Glied abschneiden, ist der Ätherleib gleich wieder bereit, das Glied zu ergänzen, das heißt, die volle Tätigkeit zu entfalten. Was muß aber vorliegen, wenn er die volle Tätigkeit nicht entfalten kann? Dann müßte er mehr gebunden sein an die Tätigkeit des betreffenden Gliedes. Und&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
das ist in der Tat bei den höheren Tieren der Fall. Da ist eine viel innigere, dichtereVerbindung zwischen Ätherleib und physischem Leib vorhanden. Wenn der physische Leib seine Formen ausbildet, wirken diese Formen - also was in der physischen Natur ist - wieder zurück auf den Ätherleib.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir anschaulich sprechen wollen: Bei ganz niederen Tieren oder bei Pflanzen wirkt das, was draußen ist, nicht zurück auf den Atherleib, läßt ihn ungeschoren, führt ein selbständiges Dasein. Sobald wir zu höheren Tieren kommen, drängen die Formen des physischen Leibes rückwärts sich dem Ätherleibe auf; da ist der Ätherleib ganz angepaßt dem physischen Leibe, und wir verletzen mit dem physischen Leibe zugleich den Ätherleib. Dann muß natürlich derÄtherleib tiefere &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Kräfte anwenden, weil er zuerst sich selber wieder herstellen muß - und dann erst die betreffenden Gliedmaßen. Daher müssen wir an tiefere Heilkräfte appellieren,wenn wir an denÄtherleib eines höheren Tieres herangehen. Womit hängt das aber zusammen? Warum ist der Ätherleib eines höheren Tieres so abhängig von den Formen des physischen Leibes?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Je weiter wir in der Tierreihe vorschreiten, um so mehr haben wir zu berücksichtigen nicht nur die Tätigkeit des physischen Leibes und des Ätherleibes, sondern auch die des astralischen Leibes. Der astralische Leib kommt bei den niederen Tieren in seiner Wirksamkeit noch außerordentlich wenig in Betracht. Daher haben die niederen Tiere noch so viel Pflanzenähnliches. Je höher wir hinaufsteigen, desto mehr kommt der astralische Leib in Betracht. Der wirkt aber nun so, daß er den Ätherleib von sich abhängig macht. EinWesen wie die Pflanze, das nur physischen Leib und Ätherleib hat, hat mit der Außenwelt wenig zu tun; es werden Reize ausgeübt, aber die drücken sich nicht aus in inneren Vorgängen. Wo dagegen ein astralischer Leib wirksam ist, da spiegeln sich die äußeren Eindrücke in inneren Vorgängen. Ein Wesen, das den astralischen Leib nicht wirksam hat, ist innerlich mehr abgeschlossen der Außenwelt gegenüber. Es öffnet sich ein Wesen um so mehr der Außenwelt, als der astralische Leib wirksam ist. Also verbindet der astralische Leib das Innere eines Wesens mit der Außenwelt. Die zunehmende Wirksamkeit des astralischen Leibes macht, daß der Ätherleib viel stärkere Kräfte aufwenden muß, um auftretende Schädigungen wieder auszugleichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir aber jetzt hinaufsteigen vom Tier zum Menschen, ist noch etwas anderes zu berücksichtigen. Da werden in diesen astralischen Leib nicht nur hineingeprägt, hineingetragen die vorgeschriebenen Verrichtungen, wie es mehr beim Tiere der Fall ist: das Tier lebt mehr mit einer gebundenen Marschroute, lebt mehr mit einem gebundenen Lebensprogramm. Sie werden nicht leicht beim Tiere davon sprechen können, daß es in besonderem Maße gegenüber seinen Instinkten ausschwcifend wäre oder sich mehr in seinen Instinkten der Mäßigkeit hingeben könne. Es folgt seinem Lebensprogramm. Was sich beim Tier ausdrückt, ist einer Art von typischem Programm unterworfen. Der &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Mensch aber ist in der Lage, gerade dadurch, daß er höher hinaufgestiegen ist in der Stufenleiter der Entwickelung, alle möglichen Unterschiede - zwischen Richtig und Unrichtig, Wahrheit und Lüge, Gut und Böse - auszuleben. In der verschiedensten Weise kommt er durch nur individuelle Anlässe mit der Außenwelt in Berührung. Alle diese Arten von Berührungen fallen zurück, machen Eindruck auf seinen astralischen Leib. Und die Folge ist, daß auch die Wechselwirkung zwischen astralischem Leib und Ätherleib jetzt nach diesen äußeren Erlebnissen ausfallen muß. Wenn also ein Mensch in irgendeiner Beziehung ein ausschweifendes Leben führt, so bedeutet das einen Eindruck auf seinen astralischen Leib. Wir haben aber gesehen, daß der astralische Leib wieder den Ätherleib beeinflußt - wie, das wird ab- hängen von dem, was in den astralischen Leib hineingelegt worden ist. Daher werden wir jetzt verstehen können, daß der Ätherleib des Menschen geändert wird, je nachdem der Mensch dieses oder jenes Leben führt in den Grenzen von Gut und Böse, Richtig oder Unrichtig, von Wahrheit oder Lüge und so weiter. Das übt einen Einfluß auf den Ätherleib des Menschen aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun erinnern wir uns, wie die Vorgänge sind, wenn der Mensch durch die Pforte des Todes tritt. Wir wissen, daß der physische Leib abgelegt wird und daß zurückbleibt der Ätherleib, der nun mit dem astralischen Leib und dem Ich verbunden ist.Wenn nun nach dem Tode eine Zeit vergangen ist, die sich nur nach Tagen bemißt, wird das Hauptsächlichste des Ätherleibes als ein zweiter Leichnam abgeworfen; es bleibt jedoch ein Extrakt des Ätherleibes zurück, der mitgenommen wird und erhalten bleibt für alle kommenden Zeiten. In diesem Extrakt des Ätherleibes ist nun alles wie in einer Essenz darinnen, was im Leben hineingekommen ist zum Beispiel von einem ausschweifenden Leben, oder was der Mensch aufgenommen hat als das Ergebnis eines richtigen oder unrichtigen Denkens, Handelns und Fühlens. Das enthält der Ätherleib, und das nimmt der Mensch mit in die Zeit bis zur neuen Geburt. Weil das Tier solche Erlebnisse überhaupt nicht hat, kann es natürlich nichts in derselbenWciöse hinter die Pforte des Todes hinüberbringen. Wenn nun der Mensch wieder durch eine Geburt ins Dasein tritt, ist die Essenz seines früheren Ätherleibes etwas, was sich wieder &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
hineinergießt in seinen neuen Ätherleib, was den neuen Ätherleib beim Aufbau durchdringt. Daher hat der Mensch in seinem neuen Dasein im Ätherleib darinnen die Ergebnisse dessen, wie er im früheren Leben gelebt hat. Und da der Ätherleib der Auferbauer ist einer ganz neuen Organisation nach einer neuen Geburt, so prägt sich das jetzt alles auch in seinen physischen Leib hinein. Warum kann sich das in den physischen Leib hineinprägen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die geisteswissenschaftliche Forschung zeigt uns, daß wir in der Form eines Menschenleibes, der durch die Geburt ins Dasein tritt, ungefähr sehen können, welche Taten der Mensch in einem früheren Leben verrichtet hat. Aber werden wir auch eine ganz vernunftgemäße Erklärung finden für das, was sich uns dargestellt hat als abnehmende Heilkraft in der aufsteigenden Entwickelungsreihe der Tiere? Da wir bei einem Tiere nicht-davon sprechen können, daß es bei seiner Geburt eine wiederverkörperte Individualität aus einem früheren Erdendasein mitbringt, so werden wir nur den allgemeinen astralischen Leib dieser Tiergattung wirksam finden, und der wird bei diesem Tier die Heilkräfte des Ätherleibes beschränken. Beim Menschen aber finden wir, daß nicht nur sein astralischer Leib, sondern auch sein Ätherleib imprägniert ist mit den Ergebnissen der Taten des vorhergehenden Lebens. Und weil der Ätherleib für sich die Kraft hat, das hervorzubringen, was er von früher her in sich hat, so werden wir auch begreifen, daß er, wenn jetzt eine andere Kraft in ihm auftritt, auch imstande sein wird, in den ganzen Aufbau der Organisation das hineinzulegen, was er aus früheren Verkörperungen sich mitbringt. Und wir werden j`etzt verstehen, wie hinüberw`irken können unsere Taten aus einem Leben in unseren Gesundheitszustand in dem nächsten Leben und wie wir in unserem Gesundheitszustande vielfach eine karmische Wirkung unserer Taten aus einem vorhergehenden Leben zu suchen haben. Wir können aber noch auf eine andere Weise der Sache beikommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir können fragen: Wirkt nun alles, was wir in dem Leben zwischen Geburt und Tod verrichten, in gleicher Art zurück auf unseren Ätherleib? - Schon im gewöhnlichen Leben können Sie einen gewaltigen Unterschied wahrnehmen zwischen dem Zurückwirken dessen, was wir als bewußte Menschen erleben, und mancherlei andern Erlebnissen auf &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
unsere eigentliche innere Organisation. Da ergibt sich eine höchst interessante Tatsache, die durch die Geisteswissenschaft so recht aufgeklärt werden kann, die aber auch ganz vernunftgemäß zu begreifen ist. Der Mensch hat im Verlaufe seines Lebens eine ganze Summe von Erlebnissen, welche er bewußt aufnimmt und mit seinem Ich verbindet. Die werden in ihm zu Vorstellungen, und er verarbeitet diese Vorstellungen. Aber nun besinnen Sie sich einmal, wie unendlich viele Erlebnisse, Erfahrungen und Eindrücke es gar nicht bis zur Vorstellung bringen und eigentlich doch im Grunde beim Menschen da sind und auf ihn wirken. Es wird Ihnen oft passieren, daß Ihnen jemand sagt: Ich habe dich heute auf der Straße gesehen; du hast mich sogar angeschaut! - und Sie wissen gar nichts davon. So ist es vielfach. Eindruck hat so etwas natürlich gemacht. Ihr Auge hat zwar den andern gesehen; aber der unmittelbare Eindruck ist nicht bis zur Vorstellung gekommen. - Solcher Eindrücke gibt es unzählige, sodaß unser Leben eigentlich in zwei Teile zerfällt: in eine solche Lebensseelenreihe, welche aus bewußten Vorstellungen besteht, und in eine solche, welche wir niemals ganz zum klaren Bewußtsein gebracht haben. Aber es sind noch weitere Unterschiede: Sie werden leicht unterscheiden können zwischen solchen Eindrücken, die Sie in Ihrem Leben gehabt haben und die für Sie zu erinnern sind, also Eindrücke, die so auf Sie gemacht worden sind, daß sie immer in die Erinnerung hineinfallen können; und Sie werden solche Eindrücke gehabt haben, an welche Sie sich nicht erinnern können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also unser Seelen leben zerfällt in ganz verschiedene Kategorien. Und es ist tatsächlich ein ganz beträchtlicher Unterschied zwischen den verschiedenen Kategorien, wenn wir die Wirkung auf das innere Wesen des Menschen betrachten. - Bleiben wir jetzt für ein paar Minuten beim Leben des Menschen zwischen Geburt und Tod. Wenn wir da genau beobachten, zeigt sich uns, daß ein gewaltiger Unterschied ist zwischen denjenigen Vorstellungen, die immer wieder in unser Bewußtsein hineinfallen können, und solchen, die wieder vergessen worden sind, so daß sie eine Erinnerungsfähigkeit nicht eigentlich entwickelt haben. Dieser Unterschied kann am leichtesten durch folgendes klargemacht werden. Denken Sie einen Eindruck, der bei Ihnen eine klare Vorstellung hervorrief. Nehmen wir an, es sei ein Eindruck, der in Ihnen &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Freude oder Schmerz erregte&amp;gt; also ein Eindruck, der von einem Gefühl begleitet war. Halten wir das fest, daß die meisten Eindrücke - eigentlich alle Eindrücke, die auf uns gemacht werden - von Gefühlen begleitet sind. Und die Gefühle drücken sich nicht nur an der bewußten Oberfläche des Lebens aus, sondern sie wirken tief hinein bis in den physischen Leib. Sie brauchen nur daran wieder zu denken, wie ein Eindruck Sie erblassen läßt, ein anderer Sie erröten macht. Bis in die Umlagerung des Blutes wirken da die Eindrücke. Und nun gehen Sie über zu dem, was entweder überhaupt nicht oder nur flüchtig zum Bewußtsein kommt - und es nicht bis zur Erinnerung bringt. Da zeigt uns die Geisteswissenschaft, daß solche Eindrücke keineswegs weniger von ähnlichen Erregungen begleitet sind als die bewußten. Wenn Sie einen Eindruck empfangen von der Außenwelt, der, wenn Sie ihn bewußt empfangen hätten, Sie erschreckt hätte, daß vielleicht Ihr Herz gepocht hätte, so bleibt derselbe Eindruck, wenn er nicht bewußt wird, doch nicht ohne Wirkung. Er macht aber nicht nur einen Eindruck, sondern er geht auch bis in den physischen Leib. Es tritt da sogar das Eigentümliche auf, daß ein Eindruck, der eine bewußte Vorstellung hervorruft, eine Art von Widerstand findet beim Hinein wirken in die tiefere menschliche Organisation; wenn aber der Eindruck auf uns einfach wirkt, ohne daß wir es zur bewußten Vorstellung bringen, dann hemmt ihn nichts, aber er ist deshalb nicht weniger wirksam. Es ist das menschliche Leben ein viel reicheres als das, was uns davon bewußt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt eine Zeit im menschlichen Leben, wo solche Eindrücke, die so lebendig auf die menschliche Organisation wirken und keine Erinnerungsfähigkeit haben, in besonders reichem Maße erlebt werden. In der ganzen Zeit von der Geburt bis zu dem Zeitpunkt, an dem die Erinnerung beginnt, sind unzählige reiche Eindrücke auf den Menschen gemacht worden, welche alle im Menschen drinnensitzen und auch in dieser Zeit den Menschen verändert haben. Sie wirken ebenso wie die bewußten Eindrücke; aber ihnen steht, besonders wenn sie vergessen sind, nichts entgegen von dem, was sich sonst einordnet in das Seelen- leben als bewußte Vorstellungen und dadurch gleichsam einen Damm bildet. Und diese unbewußten Eindrücke dringen am allertiefsten. Nun kann man schon durch das äußere Leben vielfach die Bestätigung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|71}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
finden, daß es Momente im menschlichen Leben gibt, wo die zweite Sorte von inneren Wirkungen zum Ausdruck kommt. Manche Ereignisse des späteren Menschenlebens können Sie sich nicht erklären. Sie finden gar nicht, wie Sie dazu kommen, gerade in dieser Weise jetzt dieses oder jenes erleben zu müssen. Sie erleben zum Beispiel etwas, das macht auf Sie einen so erschütternden Eindruck, daß Sie sich gar nicht erklären können, wie ein verhältnismäßig so gleichgültiges Erlebnis einen so erschütternden Eindruck machen kann. Wenn Sie nun nach- forschen, werden Sie vielleicht finden, daß Sie gerade in der kritischen Zeit - zwischen der Geburt und dem letzten Zeitpunkt, bis zu dem man sich erinnern kann - ein ähnliches Erlebnis hatten, das Sie aber vergessen haben. Keine Vorstellung ist davon zurückgeblieben. Damals hatten Sie einen erschütterndenEindruck gehabt; der lebt fort und verbindet sich mit dem jetzigen und verstärkt ihn. Und was Sie sonst jetzt viel weniger erschüttert hätte, das macht nun einen besonders starken Eindruck. - Wer das einsieht, wird sich eine Vorstellung davon bilden, wie unendlich verantwortungsvoll die Erziehung in der ersten Kindheit ist und wie etwas seine ganz bedeutungsvollen Schatten oder auch Lichter auf das spätere Leben wirft. Da wirkt also etwas vom Früheren hinüber auf das spätere Leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun kann sich herausstellen, daß solche Eindrücke der Kindheit - besonders wenn sie sich wiederholt haben - die ganze Lebensstimmung so beeinflussen, daß von einem gewissen Zeitpunkt an eine Gemütsverstimmung eintritt, die unerklärlich ist und die nur erklärlich wird, wenn man zurückgeht und weiß, welche Eindrücke aus der früheren Zeit ihre Lichter oder Schatten hineinwerfen in das spätere Leben; denn die sind es, die jetzt in einer dauernden Gemütsverstimmung zum Ausdruck kommen. Man wird dann finden, daß die Ereignisse besonders stark wirken, die nicht gleichgültig an dem Kind vorübergegangen sind und die schon damals besonderen Eindruck auf das Kind gemacht haben. - Wir werden also sagen können: Wenn Affekte, Gefühle und Empfindungen besonders mitwirkend sind an den Eindrücken, die später vergessen werden, dann sind diese Affekte und Gefühlsergüsse ganz besonders wirksam in dem Hervortreiben solch ähnlicher Erlebnisse.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun erinnern Sie sich an die Darstellungen, die von mir öfters gegeben&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|72}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
worden sind über das Leben während der Kamalokazeit. Nachdem der Ätherleib des Menschen als ein zweiter Leichnam abgelegt worden ist, lebt der Mensch sein ganzes letztes Leben zurück, geht vorüber an allen seinen Erlebnissen, welche er gehabt hat; aber er geht nicht so vorüber, daß sie ihm gleichgültig bleiben. Gerade während der Kamalokazeit, weil der Mensch seinen alten astralischen Leib noch hat, bewirkt das Durchgemachte die tiefsten Gefühlserlebnisse. - Nehmen wir zum Beispiel an, jemand sterbe mit siebzig Jahren, lebe sein Leben zurück bis in sein vierzigstes Jahr, wo er jemandem eine Ohrfeige gegeben hat. Da erlebt er den Schmerz, welchen er dem andern zugefügt hat. Dadurch wird hervorgerufen eine Art Selbstvorwurf; der bleibt dann als Sehnsucht, und diese Sehnsucht bringt er im nächsten Leben mit, um diese Sache im späteren Leben auszugleichen. Und Sie können begreifen, da in dieser Zeit zwischen Tod und neuer Geburt solche astralischen Erlebnisse vorhanden sind, daß dasjenige, was von uns als Handlung erlebt wird, sich um so sicherer und tiefer einprägt unserem inneren Wesen und beim Aufbau der neuen Leiblichkeit mitwirkt.Wenn wir also schon im gewöhnlichen Leben so stark berührt werden können durch gewisse Erlebnisse, besonders wenn es Gefühlseindrücke waren, daß sie eine Gemütsverstimmung bewirken können, so werden wir begreifen, daß die viel stärkeren Eindrücke des Kamalokalebens sich so eindrücken können, daß sie bei einer neuen Inkarnation bis tief in die Organisation des physischen Leibes hineinwirken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da sehen Sie eine Steigerung einer Erscheinung, die Sie bei aufmerk samer Beobachtung schon im Leben zwischen Geburt und Tod finden können. Solche Vorstellungen, denen mit dem Bewußtsein kein Damm entgegengebracht wird, werden schon zu mehr Unregelmäßigkeiten in der Seele führen können: zu Neurasthenie, zu nervenkrankheitsartigen Erscheinungen, vielleicht auch zu Geisteskrankheiten. Alle diese Erscheinungen stellen sich uns dar wie ursächliche Zusammenhänge von früheren mit späteren Ereignissen und geben uns ein anschauliches Bild dafür.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wollen wir jetzt den Begriff steigern, so können wir sagen: Was wir als Handlungen in einem Leben voll führen, das wird im Leben nach dem Tode umgesetzt in einen mächtigen Affekt, und dieser Affekt, der &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|73}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
jetzt durch keine physische Vorstellung geschwächt wird und durch kein gewöhnliches Bewußtsein gehemmt ist - denn das Gehirn ist hierbei nicht nötig -, der durch die andere, tiefer hineinwirkende Form des Bewußtseins erlebt wird, bewirkt nun, daß unsere Taten und unser ganzes Wesen vom vorigen Leben in unserer Anlage und Organisation in einem neuen Leben erscheint. Daher werden wir es begreiflich finden können, daß ein Mensch, der in einer Verkörperung sehr egoistisch gedacht, gefühlt und gehandelt hat, wenn er nach dem Tode vor sich sieht die Früchte seines egoistischen Denkens, Fühlens und Handelns, sich durchzieht mit mächtigen Affekten gegen seine früheren Handlungen. Das ist in der Tat der Fall. Er bekommt Tendenzen in sich, die gegen sein eigenes Wesen gerichtet sind. Und diese Tendenzen, insofern sie aus einem egoistischen Wesen des vorigen Lebens hervorgegangen sind, drücken sich aus in einer in sich schwachen Organisation im neuen Leben. «Schwache 0rganisation&amp;gt; ist hier dem Wesen nach genommen, nicht dem äußeren Eindruck nach. Wir müssen uns daher klar sein, daß eine schwache Organisation zurückgeführt werden kann karmisch auf ein egoistisches Handeln in einem vorhergehenden Leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gehen wir weiter. Nehmen wir an, in einem Leben zeige ein Mensch einen besonderen Hang zur Lügenhaftigkeit. Das ist schon ein Hang, der geht aus einer tieferen Organisation der Seele hervor. Denn wenn sich der Mensch nur dem überläßt, was in seinem allerbewußtesten Leben ist, so wird er nicht eigentlich lügen; nur Affekte und Gefühle, welche aus dem Unterbewußtsein heraus wirken, verleiten zum Lügen. Da haben wir schon etwas Tieferes sitzen. Wenn der Mensch lügenhaft war, werden seine Handlungen, die aus der Lügenhaftigkeit hervorgehen, wieder die heftigsten Affekte im Leben nach dem Tode gegen den Menschen selbst erzeugen, und eine starke Tendenz gegen die Lügenhaftigkeit wird sich zeigen. Dann wird sich der Mensch mitbringen im späteren Leben ni,cht nur eine schwache Organisation, sondern - die Geisteswissenschaft zeigt uns das - eine Organisation, die sozusagen unrichtig gebaut ist,-die regellos gebaute innere Organe in der -feineren Organisation zeigt. Es stimmt da etwas nicht recht zusammen. Das ist bedingt durch früheren Hang zur Lügenhaftigkeit. - Und woher ist der Hang zur Lügenhaftigkeit selbst gekommen? Denn &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|74}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
in dem Hang zur Lügenhaftigkeit hat der Mensch ja schon etwas, was auch nicht stimmt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da müssen wir noch weiter zurückgehen. Und da zeigt die Geistes- wissenschaft, daß ein flatterhaftes Leben, das keine Hingabe und keine Liebe kennt, daß ein oberflächliches Leben in der einen Verkörperung sich ausdrückt in dem Hang zur Lügenhaftigkeit in der nächsten Verkörperung; und der Hang zur Lügenhaftigkeit zeigt sich in der zweit- nächsten Inkarnation in den unrichtig gebauten Organen. - So können wir drei aufeinanderfolgende Inkarnationen in ihren Wirkungen karmisch verfolgen: Oberflächlichkeit und Flatterhaftigkeit in der ersten Inkarnation, Hang zur Lügenhaftigkeit in der zweiten und physische Krankheitsdisposition in der dritten Inkarnation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da sehen wir Karma an Gesundheit und Krankheit arbeiten. - Was jetzt gesagt worden ist, ist so gesagt, daß die Tatsachen selber heraus- geholt worden sind aus der geisteswissenschaftlichen Forschung. Nicht Theorien sollten aufgestellt werden, sondern es sind beobachtete Fälle, die durch die Methoden der Geisteswissenschaft untersucht werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir haben also zunächst hingewiesen auf die allergewöhnlichsten Tatsachen - auf die Heilkräfte des Ätherleibes bei den Pflanzen. Wir zeigten dann, wie durch das Hinzutreten des astralischen Leibes bei den Tieren der Ätherleib weniger wirksam ist, und wir sahen ferner, wie durch die Aufnahme des Ich, das ein individuelles Leben im Guten und Bösen, Wahren und Falschen entwickelt&amp;gt; der astralische Leib, der mit dem Hinaufsteigen in der Tierreihe die Heilkräfte nur hemmt, wieder etwas Neues dem Menschen einfügt: die aus dem individuellen Leben ihm ein fließenden karmischen Krankheitseinflüsse. Bei der Pflanze gibt es noch keine inneren Krankheitsursachen, weil die Krankheit noch im Äußerlichen ist und die Heilkräfte des Ätherleibes ungeschwächt wirken. Bei den niederen Tieren haben wir noch einen Ätherleib mit solchen Heilkräften, daß er selbst Glieder ersetzen kann; aber je weiter wir hinaufsteigen, desto mehr prägt sich der astralisc`he Leib dem Ätherleib ein, und dadurch schränkt der Astralleib die Heilkräfte des Ätherleibes ein. Aber weil sich die Tiere nicht in Reinkarnationen fortpflanzen, hängt das, was im Ätherleibe ist, nicht zusammen mit irgendwelchen &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
moralisch-intellektuellen oder individuellen Qualitäten, sondern mit dem allgemeinen Typus. Beim Menschen jedoch wirkt das, was er in seinem Ich erlebt, zwischen Geburt und Tod hinein bis in den Ätherleib.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Warum kommen denn die Erlebnisse der Kindheit bei den genannten Gemütswirkungen nur in leichten Erkrankungen zum Vorschein? Weil wir die Ursachen zu vielem, was sich in Neurasthenie, Neurose, Hysterie und so weiter zeigt, werden finden können in demselben Leben. Die Ursachen zu tieferen Krankheitsfällen aber werden wir zu suchen haben in einem vorhergehenden Leben, weil sich erst beim Übergang zu einer neuen Geburt dasjenige recht in den Ätherleib hineinverpflanzen kann, was moralisch und intellektuell erlebt wird. Im allgemeinen kann der Atherleib beim Menschen tiefere moralische Wirkungen in einem Leben nicht einverleibt erhalten, obwohl wir einzelne&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ausnahmefälle - und sogar sehr bedeutende Fälle - noch kennenlernen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So haben wir einen Zusammenhang zwischen unserem Leben im Guten und Bösen, im Moralischen und Intellektuellen in der einen In karnation, und unserer Gesundheit oder Krankheit in der nächsten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|76}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= VIERTER VORTRAG Hamburg, 19. Mai 1910 =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es darf die Voraussetzung gemacht werden, daß gerade über die beiden Begriffe, welche den Gegenstand unserer heutigen Betrachtung bilden sollen, nämlich Heilbarkeit und Unheilbarkeit vQn Krankheiten, deutlichere und, man kann sagen, menschenfreundlichere Vorstellungen herrschen werden, wenn einmal die Ideen von Karma und karmischen Zusammenhängen im Leben in weiteren Kreisen werden Platz gegriffen haben. Man darf ja sagen, daß in bezug auf die Begriffe Heilbarkeit und Unheilbarkeit von Krankheiten in den verschiedensten Jahrhunderten die verschiedensten Meinungen verbreitet waren. Und man braucht nicht sehr weit zurückzugehen, um zu sehen, wie ungeheuerlich sich diese Begriffe verändert haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da finden wir eine Zeit - sie ist die Wende zwischen dem Mittel- alter und der neueren Zeit, so etwa das 16., 17. Jahrhundert -, da entwickelten sich allmählich die Vorstellungen, daß man die Krankheitsformen in einer strengen Weise eingrenzen könne und daß es eigentlich für eine jede Krankheit irgendein Kräutlein, irgendeine Mixtur gebe, durch welche die betreffende Krankheit unbedingt geheilt werden müsse. Dieser Glaube dauerte im Grunde recht lange, sogar bis in das 19. Jahrhundert hinein. Und wenn man als Laie oder als Mensch, der die heutigen Zeitbegriffe in sich aufgenommen hat, nachlesen wollte in den Mitteilungen von Krankenbehandlungen vom Ende des 18. oder&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dem Beginn des 19. Jahrhunderts und bis weit in das 19. Jahrhundert hinein, so würde man ersIaunen über all die Mittel und Mittelchen, die damals reichlich angewendet worden sind, von Tees, Mixturen bis zu gefährlicheren Arzneien, Aderlässen und so weiter. Aber gerade das 19. Jahrhundert war es, welches in medizinischen Kreisen, und zwar in angesehenen medizinischen Kreisen, diese Ansicht in das genaue Gegenteil verkehrt hat. Und ich darf wohl selbst sagen, daß mir vieles von` diesen gegenteiligen Ansichten während meiner jüngeren Jahre in den verschiedensten Nuancen und Motiven vor Augen getreten ist. Es war die Gelegenheit dazu gegeben, wenn man etwa die Strömung der nihi&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|77}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
listischen medizinischen Schule mitmachte, die sich um die Mitte des 19. Jahrhunderts in Wien vorbereitete und eigentlich immer mehr und mehr an Ansehen gewann. Der Ausgangspunkt zu einer radikalen Änderung in bezug auf die Anschauungen über Heilbarkeit und Unheilbarkeit von Krankheiten war das, was der bedeutende Mediziner Dietl über den Verlauf der Lungenentzündung und ähnlicher Krankheiten zutage förderte. Er war durch allerlei Betrachtungen dazu gekommen, sich zu sagen, daß im Grunde gar kein rechter Einfluß von diesem oder jenem Mittel auf den Verlauf dieser oder jener Krankheit zu bemerken sei. Und gerade unter dem Einfluß von Dietls Schule lernten die damaligen jungen Mediziner über den Heilwert der seit Jahrhunderten heraufgekommenen Heilmittel so denken, daß sie auf alle alten Mittel übertrugen, was mit dem bekannten Sprichwort gemeint ist: Kräht der Hahn auf dem Mist, so ändert sich das Wetter, oder es bleibt, wie es ist! - Sie waren der Meinung, daß es ziemlich einerlei sei für den Verlauf einer Krankheit, ob man diese oder jene Mittel verabreiche oder nicht. Und Dietl war einer, der eine für die damalige Zeit recht überzeugende Statistik zustande brachte, die besagte, daß bei der von ihm eingeführten sogenannten abwartenden Behandlungsweise ungefähr ebenso viele Menschen, die an Lungenentzündung erkrankt waren, geheilt wurden oder starben als bei der früheren Behandlung mit den altehrwürdigen Heilmitteln. Die von Dietl begründete, von Skoda weiter fortgeführte abwartende Behandlung bestand darin, daß man den Kranken in die äußere Lebenslage brachte, die ihn instande setzte, die selbstheilenden Kräfte am allerbesten in Anwendung zu bringen, sie hervorzuholen aus seinem Organismus, und dem Arzte wies man kaum eine andere Stellung an, als den Verlauf der Krankheit zu überwachen, damit er da war, wenn irgend etwas eintrat, wo man mit menschlichen Mitteln sachgemäß Hilfe leisten kann. Im übrigen beschränkte man sich darauf, die Krankheit sozusagen kommen zu sehen, abzuwarten, wie die selbstheilenden Kräfte aus dem Organismus herauskamen, bis das Fieber nach einiger Zeit abfiel und die Selbstheilung durch den Organismus eintrat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese medizinische Schule wurde und wird noch heute mit dem Ausdruck der «nihilistischen Schule» belegt, weil sie auf einem Ausspruch &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|78}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
von Professor Skoda fußte, der ungefähr sagte: Wir können vielleicht lernen, Krankheiten zu diagnostizieren, sie zu beschreiben, vielleicht auch zu erklären - heilen aber können wir sie nicht! - Ich erzähle Ihnen Dinge, von denen Sie als von Tatsachen, welche sich im Laufe des 19. Jahrhunderts herausgebildet haben, Notiz nehmen sollen, damit Sie eine Empfindung dafür erhalten, wie sich Vorstellungen auf diesem Gebiete geändert haben. Aber es möge niemand glauben, daß, wenn dies oder jenes hier in rein erzählender Form ausgesprochen wird, deshalb gleich in der einen oder andern Weise Partei ergriffen werden soll. Denn selbstverständlich war der Ausspruch des berühmten Professors Skoda eine Art Radikalismus, und es würde leicht sein, die Grenzen, innerhalb welcher ein solcher Ausspruch gilt, aufzuzeigen. Auf eins aber war mit solcher Meinung hingewiesen, ohne daß man eigentlich die Mittel hatte, bewußt diesen Hinweis irgendwie zu begründen oder zu umschreiben oder in Worte zu bringen - ja nicht einmal in Gedanken konnte man ihn bringen; das heißt, man konnte in den Kreisen, in welchen man ihn aussprach, nicht einmal daran gehen, diesen Hinweis zu denken. Es wurde darauf hingewiesen, daß sich allerdings im Menschen etwas finden müsse, was in gewisser Beziehung bestimmend ist für den Ausgang und für den Verlauf einer Krankheit und was als solches im Grunde genommen doch jenseits dessen liegt, was menschliche Hilfe leisten kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es war also der Hinweis auf etwas gegeben, was jenseits der menschlichen Hilfe liegt; und dieser Hinweis kann niemals, wenn man wirklich den Dingen zu Leibe geht, sich auf etwas anderes beziehen als auf das Gesetz von Karma und auf die Wirksamkeit von Karma im Verlaufe des menschlichen Lebens. Wenn wir den Verlauf einer Krankheit im menschlichen Leben verfolgen - das Heraufkommen der Krankheit, die aus dem Organismus selbst hervorsprießenden Heilkräfte -, wenn wir die Heilentwickelung verfolgen, dann werden wir bei unbefangener Betrachtungsweise, besonders wenn wir darauf Rücksicht nehmen, wie in dem einen Falle Heilung eintritt, während in einem andern Falle keine Heilung möglich erscheint, dahin getrieben werden, nach tieferer Gesetzmäßigkeit zu suchen. Darf diese tiefere Gesetzmäßigkeit gesucht werden in den früheren Erdenleben des Menschen? Das ist für uns die Frage. Darf davon gesprochen werden, daß sich der Mensch gewisse &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|79}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorbedingungen mitbringt, die ihn geradezu vorausbestimmt machen, in einem besonderen Falle seine Heilkräfte aus dem Organismus aufrufen zu können, die aber in einem andern Falle so vorausbestimmt sind, daß er trotz aller Anstrengungen nicht imstande ist, die Krankheit zu heilen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn Sie sich an das erinnern, was namentlich gestern ausgeführt worden ist, so werden Sie begreifen, daß in den Vorgängen, die sich abspielen zwischen dem Tode und der neuen Geburt, allerdings ganz besondere Kräfte aufgenommen werden in die menschliche Individualität. Haben wir doch gesagt, daß dem Menschen während der Kamalokazeit die Ereignisse seines letzten Lebens, seine von ihm verrichteten Handlungen im Guten und Bösen, seine Charaktereigenschaften und so weiter vor die Seele treten und daß er durch die Anschauung seines eigenen Lebens in sich die Tendenz aufnimmt, für alles, was unvollkommen in ihm ist und was sich als eine unrichtige Handlung gezeigt hat, Abhilfe und Ausgleich zu schaffen, sich die betreffenden Eigenschaften einzuprägen, welche ihn auf diesem oder jenem Gebiete vollkommener machen. Haben wir das begriffen, so können wir sagen: Diese Absicht, diese Tendenz behält nun der Mensch und geht durch eine neue Geburt mit dieser Absicht wieder ins Dasein. - Der Mensch baut aber selbst an dem neuen Leibe, der sich ihm angliedert und ihn umgliedert im neuen Leben, und er baut ihn auf gemäß den Kräften, welche er sich mitgebracht hat aus früheren Lebensläufen und aus der Zeit zwischen Tod und neuer Geburt. Mit diesen Kräften ist er ausgestattet und webt sie hinein in selne neue Körperlichkeit. Damit haben wir begriffen, daß diese neue Körperlichkeit schwach oder stark ist, je nachdem der Mensch schwache oder starke Kräfte in sie hineinweben kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun müssen wir uns aber doch klar sein, daß eine gewisse Folge eintreten wird, wenn zum Beispiel der Mensch während des Kamalokalebens gesehen hat: Du warst im letzten Leben ein Mensch, der viele Handlungen begangen hat unter dem Einflusse seiner Affekte, von Zorn, Furcht, Abscheu und so weiter. - Solche Handlungen stehen nun lebendig vor seiner Seele in der Kamalokazeit, und da bildet sich heraus in dieser Seele der Gedanke - die Ausdrücke, die uns für diese Kräfte erwachsen können sind natürlich für das physische Leben geprägt! -: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Du mußt an dir etwas tun, damit du in dieser Beziehung vollkommener wirst, damit du in der Zukunft nicht mehr geneigt bist, Handlungen unter dem Einflusse deiner Affekte zu begehen! - Dieser Gedanke wird ein Bestandteil der menschlichen Seelenindividualität, und beim Durch- gehen durch eine neue Geburt prägt sich dieser Gedanke weiter ein als eine Kraft in den neu entstehenden Leib. Und in diesen fließt dadurch ein die Tendenz, so etwas zu vollführen mit der ganzen Organisation von physischem Leib, Ätherleib und astralischem Leib, was dem Menschen es jetzt unmöglich macht, aus seinen Affekten heraus, aus Zorn, Haß, Neid und so weiter gewisse Handlungen zu begehen, damit er imstande ist, in dieser Beziehung wirklich sich vollkommener zu machen. Und dadurch wird er dazu kommen, neue Handlungen zu vollführen, welche jetzt den Ausgleich früherer Handlungen bewirken können. So läßt der Mensch aus einer seine gewöhnliche Vernünftigkeit weit überragenden Vernünftigkeit die Absicht in sich hinein fließen, die ihn zu einer höheren Vollkommenheit auf einem bestimmten Gebiete und zum Ausgleich bestimmter Handlungen führen kann. -Wenn Sie in Betracht ziehen, wie mannigfaltig das Leben ist, wie der Mensch von Tag zu Tag solche Handlungen vollführt, die einen derartigen Ausgleich erfordern, so werden Sie begreifen, daß viele solcher nach Ausgleich harrender Gedanken in der Seele sind, wenn die Seele durch eine neue Geburt ins Dasein tritt, und daß diese mannigfaltigen Gedanken sich kreuzen, so daß dadurch der menschliche physische Leib und Ätherleib eine Konfiguration erhalten, in welche alle diese Tendenzen hineinverwoben sind. Um uns nun das verständlich zu machen, nehmen wir einen ganz eklatanten Fall an. Gerade heute aber muß ich ganz besonders betonen, was ich auch sonst stets betone: daß ich vermeide, aus irgendeiner Theorie oder Hypothesenmacherei zu sprechen und daß ich, wenn ich Beispiele anführe, nur solche anführe, die von der Geisteswissenschaft wohl geprüft sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen wir an, jemand habe im letzten Leben so gelebt, daß er aus einem viel zu schwachen Ich-Gefühl heraus gewirkt hat, aus einem IchGefühl, welches in der Hingabe an die äußere Welt viel zu weit ging, so weit, daß es mit einer Unselbständigkeit, Selbstverlorenheit wirkte, wie es für unseren heutigen Menschheitszyklus nicht mehr angemessen &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|81}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ist. Also das fehlende Selbstgefühl war es, welches einen Menschen in einer Inkarnation zu diesen oder jenen Handlungen geführt hat. Nun hat er während der Kamalokazeit die Handlungen vor sich gehabt, die aus diesem fehlenden Selbstgefühl herausgeflossen sind. Er nimmt daraus zunächst die Tendenz auf: Du mußt in dir Kräfte entwickeln, welche dein Selbstgefühl erhöhen, du mußt in einer nächsten Inkarnation dir die Gelegenheit schaffen, gegen den Widerstand deiner Leiblichkeit, gegen die Kräfte, welche dir entgegenkommen werden aus physischem Leib, Ätherleib und astralischem Leib, dein Selbstgefühl zu stählen, damit es gleichsam eine Schule durchmacht. Du mußt dir einen Leib anschaffen, der dir zeigt, wie aus der Leiblichkeit heraus die Anlage zu einem schwachen Selbstgefühl wirkt!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was sich dann in der nächsten Inkarnation abspielen wird, wird wenig ins Bewußtsein treten, es wird sich mehr oder weniger in einer unterbewußten Region abspielen. Der Betreffende wird hinstreben zu einer solchen Inkarnation, welche gerade die derbsten Widerstände seinem Selbstgefühl entgegensetzt, so daß er es nötig hat, sein Selbstgefühl im höchsten Maße anzuspannen. Dadurch wird er wie magnetisch hingezogen werden zu solchen Gegenden und solchen Gelegenheiten, wo sich ihm tiefere Hindernisse entgegenstellen, wo sich sein Selbstgefühl ausleben soll gegen die Organisation der drei Leiber. So sonderbar es Ihnen klingen mag: Solche Individualitäten, die mit diesem Karma belastet sind, daß sie in der charakterisierten Weise durch die Geburt ins Dasein hineinstreben, suchen den Zugang zu Gelegenheiten, wo sie zum Beispiel einer Seuche wie der Cholera ausgesetzt sein können; denn diese bietet ihnen Gelegenheit, jene Widerstände, welche eben gekennzeichnet worden sind, zu finden. Was dabei durchzumachen ist im Inneren gegen die Widerstände der drei Leiber in dem Erkrankten&amp;gt; das kann dann bewirken, daß in der nächsten Inkarnation das Selbstgefühl in einem erheblichen Grade gewachsen ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen wir einen andern eklatanten Fall an, und zwar, damit Sie den Zusammenhang durchschauen können, jetzt gerade den entgegengesetzten Fall. Ein Mensch sieht während der Kamalokazeit, daß er unter einem zu starken Selbstgefühl eine Reihe von Handlungen vollführt hat, die aus einem zu starken Auf-sich-selbst-Bauen geflossen &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
sind. Er sieht, daß er sich mäßigen muß in bezug auf sein Selbstgefühl, daß er es zurückdämmen muß. Da muß er wieder eine Gelegenheit aufsuchen, wo ihm in der nächsten Inkarnation seine drei Leiber die Möglichkeit geben, daß das Selbstgefühl überall in der Leiblichkeit - wie es sich auch anstrenge - keine Schranken findet, daß es überall ins Boden- lose hinein und sich selbst ad absurdum führt. Die Bedingungen dazu sind hergestellt, wenn der Betreffende hingezogen wird zu einer Gelegenheit, die ihm die Malaria bringt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da haben Sie einen Krankheitsfall des karmischen Wirkens und sogar den Satz dargelegt, daß im Grunde der Mensch aus einer höheren Vernünftigkeit, als diejenige ist, welche er mit seinem gewöhnlichen Bewußtsein überschauen kann, hingeleitet wird zu den Gelegenheiten, wo er sich im Verlaufe seines Karma weiter fortentwickeln kann. Wenn Sie namentlich die Dinge ins Auge fassen, welche jetzt eben gesagt worden sind, wird es Ihnen sehr erleichtert werden, Verständnis zu gewinnen gerade für das Epidemische bei den Krankheiten. Wir könnten die verschiedensten Beispiele anführen, die uns alle zeigen, wie der Mensch aus den Erfahrungen seiner Kamalokazeit heraus geradezu die Gelegenheiten aufsucht, diese oder jene Krankheit zu bekommen, um durch, ihre Überwindung und durch die Entfaltung der selbstheilenden Kräfte die Kräfte zu gewinnen, welche ihn die Lebensbahn im ganzen hinauf- führen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorhin sagte ich, wenn ein Mensch viel unter dem Einfluß von Affekten gehandelt hat, so wird er in der Kamalokazeit ebenfalls Handlungen durchleben, die unter dem Einfluß von Affekten überhaupt geschehen sind. Das wird ihm die Tendenz geben, in seiner neuen Inkarnation, in seiner eigenen Leiblichkeit so etwas zu erleben, durch dessen Überwindung er Handlungen vollführt, welche ausgleichend wirken können auf gewisse Handlungen seines früheren Lebens. Insbesondere ist es da jene Form der Erkrankung, die wir in der neueren Zeit als Diphtherie kennen, die in vielen Fällen zutage tritt, wenn eine solche karmische Verwicklung vorliegt, wo sich der Betreffende früher in der Weise ausgelebt hat, daß er vielfach aus allerlei Aufwallungen, Affekten und so weiter gehandelt hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir werden im Verlaufe dieser Vorträge noch manches zu hören&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
bekommen darüber, wie diese oder jene Krankheit bedingt ist. Wir müssen aber jetzt auf noch tiefere Grundlagen eingehen, wenn wir uns die Frage beantworten wollen: Wie kommt es, daß, wenn der Mensch durch die Geburt ins Dasein tritt und er sich durch sein Karma dieTendenz mitbringt, durch die Überwindung dieses oder jenes Leidens das eine oder das andere zu erreichen, wie kommt es, daß es ihm einmal gelingt, wirklich Sieger zu sein, die Krankheit zu überwinden und Kräfte in sich aufzunehmen, die ihn höher bringen, während er das andere Mal unterliegt und die Krankheit Sieger bleibt? Da müssen wir auf die geistigen Prinzipien zurückgehen, die überhaupt das Kranksein im Menschenleben möglich machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daß der Mensch überhaupt erkranken kann, daß er geradezu das Kranksein - sogar aus seinem Karma heraus - suchen kann, das kommt zuletzt aus keinen andern Prinzipien heraus als aus denjenigen, die wir schon oft in den verschiedensten Zusammenhängen unserer theosophischen Betrachtungen uns haben vor die Seele treten lassen. - Wir wissen, daß in einem bestimmten Punkte der Erdentwickelung diejenigen Kräfte in die menschliche Entwickelung eingetreten sind, welche wir die luziferischen Kräfte nennen, welche solchen Wesenheiten angehören, die während der alten Mondentwickelung zurückgeblieben sind und nicht so weit vorgeschritten sind, ~daß sie sozusagen an dem normalen Punkt ihrer Erdentwickelung angelangt wären. Dadurch wurde dem astralischen Leibe des Menschen, bevor sein Ich in der entsprechenden Weise wirken konnte, etwas eingepflanzt, was aus diesen luziferischen Wesen herausströmte. Der Einfluß dieser luziferischen Wesenheiten ist daher ein solcher, der vorzugsweise auf unseren astralischen Leib einstmals ausgeübt worden ist und den der Mensch für die Folgezeit durch seine Entwickelung hindurch in seinem astralischen Leib hatte. Dieser luziferische Einfluß bedeutet in der menschlichen Entwickelung mancherlei. Für unseren heutigen Zweck ist es aber wichtig, hervorzuheben, daß der Mensch, indem er die luziferischen Kräfte in sich hatte, in seinem Inneren einen Verführer hatte, weniger gut zu sein, als er gewesen wäre, wenn der luziferische Einfluß nicht gekommen wäre; und ebenso hatte er dadurch einen Einfluß, mehr aus allerlei Affekten, Leidenschaften und Begierden heraus zu handeln und zu ur&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
teilen, als er geurteilt und gehandelt haben würde,wenn der luziferische Einfluß nicht gewirkt hätte. Durch diesen Einfluß wurde des Menschen eigentliche Individualität veranlaßt, anders zu sein, sozusagen mehr hingegeben zu sein an das, was wir die Begierdenwelt nennen können, als es sonst der Fall gewesen wäre. Und dadurch ist es gekommen, daß der Mensch viel tiefer hineinverstrickt worden ist in die physische Erdenwelt, als es sonst geschehen wäre. Der Mensch drängt sich durch den luziferischen Einfluß mehr hinein in seine Leiblichkeit, identifiziert sich mehr mit der Leiblichkeit, als er sie durchdrungen hätte, wenn kein luziferischer Einfluß gekommen wäre. Denn wäre der Einfluß der luziferischenWesenheiten nicht gekommen, so wäre so mancherlei von dem, was den Menschen auf der Erde locken kann, dieses oder jenes zu begehren, nicht gekommen. Der Mensch wäre gleichgültig an den Eindrücken dieser oder jener Lockmittel vorbeigegangen. Durch Luzifers Einfluß entstanden die Verlockungen der äußeren sinnlichen Welt; diese Verlockungen nahm der Mensch in sich auf. Die Individualität, die durch das Ich gegeben war, wurde durchtränkt mit den Wirkungen, die aus dem luziferischen Prinzip heraus kamen. Und so kam es, daß der Mensch bei seinen ersten Erdeninkarnationen auch den ersten Verlockungen des luziferischen Prinzips verfallen war und diese Verlockungen mitnahm in die späteren Leben. Das heißt, daß die Art und Weise, wie der Mensch den Verlockungen des luziferischen Prinzips verfiel, zu einem Bestandteil seines Karma wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn nun der Mensch nur dieses Prinzip in sich aufgenommen hätte, so würde er immer mehr und mehr den Verlockungen der physischen Erdenwelt verfallen sein; er würde sozusagen immer mehr die Aussicht verloren haben, von dieser physischen Erdenwelt wieder loszukommen. Wir wissen, daß der spätere Einfluß - der Christus-Einfluß - dem luziferischen Prinzip entgegengewirkt hat und es gleichsam wieder zum Ausgleich gebracht hat, so daß der Mensch im Laufe seiner Entwickelung wieder Mittel erhalten hat, diesen luziferischen Einfluß aus sich herauszutreiben. Aber mit dem luziferischen Einfluß war zugleich etwas anderes gegeben. Dadurch,daß der Mensch in seinem astralischen Leib den luziferischen Einfluß aufgenommen hatte, erschien ihm auch die ganze äußere Welt, in die er eintrat, ganz anders, als sie ihm erschienen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|85}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wäre, wenn er dem luziferischen Einfluß nicht hingegeben gewesen wäre. Luzifer drang in des Menschen Inneres. Der Mensch sah mit Luzifer im Inneren die Welt um sich herum. Dadurch trübte sich sein Blick für die Erdenwelt, und es mischte sich nun in die äußeren Eindrücke hinein der ahrimanische Einfluß. Nur dadurch konnte sich AhrIman eInmischen und die äußere Welt zur Illusion gestalten, weil wir uns schon früher von innen heraus die Anlage zur Illusion, zu Maja geschaffen hatten. So war der ahrimanische Einfluß, der hineinzog in die äußere Welt, die den Menschen umgab, die Folge des luziferischen Einflusses. Wir können sagen: Der Mensch saugte ein, weil einmal die Iuziferischen Kräfte in ihm waren, die Möglichkeit, sich mehr in die Sinnenwelt zu verstricken, als er sich ohne den luziferischen Einfluß in das sinnliche Erdenleben verstrickt hätte. Dadurch hat er sich aber auch die Möglichkeit geschaffen, mit allen äußeren Wahrnehmungen von außen den ahrimanischen Einfluß einzusaugen. Und so lebt in der menschlichen Individualität, indem sie durch die verschiedenen Erdeninkarnationen hindurchgeht, der luziferische Einfluß, und als das Ergebnis des luziferischen Einflusses der ahrimanische Einfluß. Diese zwei Mächte kämpfen fortwährend in der menschlichen Individualität. Und die menschliche Individualität ist der Schauplatz geworden für den Kampf von Luzifer und Ahriman.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Mensch ist mit seinem gewöhnlichen Bewußtsein auch heute noch ausgesetzt sowohl den Verlockungen Luzifers, der aus den Leidenschaften und Affekten seines astralischen Leibes heraus wirkt, wie auch den Verlockungen Ahrimans, der durch Irrtümer, Täuschungen in bezug auf die äußere Welt von außen in den Menschen eindringt. Solange nun der Mensch in einer Inkarnation lebt und die Vorstellungen einen Riegel vorschieben, so daß das, was von Luzifer und Ahriman geschieht, nicht tiefer eindringen kann und ein Hindernis findet an den Vorstellungen, so lange bleibe das, was der Mensch tut, dem moralischen oder dem intellektuellen Urteil unterworfen. Solange der Mensch zwischen Geburt und Tod gegen die Moral sündigt, indem er Luzifer folgt, oder sich gegen die Logik und das gesunde Denken versündigt, indem er Ahriman folgt, so lange bleibt das eine Angelegenheit des gewöhnlichen bewußten Seelenlebens. Wenn der Mensch aber durch die Pforte &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
des Todes schreitet, hört das Vorstellungsleben auf, das an das Instrument des Gehirns gebunden ist. Da beginnt eine andere Form des Bewußtseinslebens. Da dringen in der Tat alle die Dinge, welche im Leben zwischen Geburt und Tod dem moralischen oder dem vernünftigen Urteil unterworfen sind, herunter in die Untergründe des menschlichen Wesens und greifen ein in das, was dann nach dem Kamaloka für das nächste Dasein organisierend wirkt und sich hineinprägt in die plastischen Kräfte, die nun die dreifache menschliche Leiblichkeit aufbauen. Da werden Irrtümer, welche aus der Hingabe an Ahriman folgen, zu Krankheitskräften, die vom Ätherleib her den Menschen infizieren,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und Ausschweifungen, also Dinge, welche im Leben dem moralischen Urteil unterworfen sind, werden zu Krankheitsursachen, welche mehr vom astralischen Leib her wirken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dadurch sehen wir, wie in der Tat unsere Irrtümer aus dem Ahrimanischen in uns - und dazu sind auch die bewußten Irrtümer: Lügen, Unwahrheiten zu rechnen - zu Krankheitsursachen werden, wenn wir allerdings nicht bei einer Inkarnation stehenbleiben, sondern die Wirkung einer Inkarnation auf die folgende betrachten; und wir sehen, wie auch die luziferischen Einflüsse zu Krankheitsursachen auf demselben Wege werden. Wir können in der Tat sagen: Wir begehen unsere Irrtümer nicht ungestraft! Wir tragen den Stempel unserer Irrtümer in unserer nächsten Inkarnation an uns, aber wir tun es aus einer höheren Vernünftigkeit heraus, als diejenige unseres gewöhnlichen Lebens ist, aus derjenigen Vernünftigkeit, welche uns während der Zeit zwischen Tod und neuer Geburt anweist, uns so stark und kräftig zu machen, daß wir fernerhin diesenVerlockungen nicht mehr ausgesetzt sind. So reihen sich Krankheiten sogar ein als mächtige Erzieher in unser Leben. -Wenn wir Krankheiten so betrachten, können wir förmlich sehen, wie bei der Ausbildung einer Krankheit entweder luziferische oder ahrimanische Einflüsse wirksam sind. Wenn einmal diese Dinge werden durchschaut werden von denen, die unter dem Einfluß der geisteswissenschaftlichen Weltanschauung Heiler sein werden, dann werden die Einflüsse dieser Heiler auf den menschlichen Organismus viel intimere sein, als sie heute sein können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir können geradezu in diesem Sinne den Organismus gewisser&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Krankheitsformen durchschauen. Nehmen wir zum Beispiel eine solche Krankheit wie die Lungenentzündung. Sie ist eine Wirkung in der karmischen Folge, welche dadurch entsteht, daß der Betreffende während seiner Kamalokazeit zurückblicken kann auf einen Charakter, der in sich hatte Hang und Neigung zu sinnlichen Ausschweifungen, der in sich hatte sozusagen ein Bedürfnis, sinnlich zu leben. Verwechseln wir ja nicht, was jetzt einem früheren Bewußtsein zugeschrieben wird, mit dem, was im Bewußtsein der nächsten Inkarnation auftritt. Damit hat es zunächst nichts zu tun.Wohl aber wird das, was der Mensch während der Kamalokazeit sieht, sich so umwandeln, daß sich ihm Kräfte ein- prägen zuVorgängen,welche die Lungenentzündung überwinden. Denn gerade in der Überwindung der Lungenentzündung, in der Selbst heilung,welche dabei vom Menschen angestrebt wird,wirkt die menschliche Individualität entgegen den luziferischen Mächten, führt einen förmlichen Krieg gerade gegen die luziferischen Mächte. Daher ist in der Überwindung der Lungenentzündung eine Gelegenheit, dasjenige abzulegen, was ein Charaktermangel in einer vorherigen Inkarnation war. So sehen wir förmlich wirken in der Lungenentzündung den Kampf des Menschen gegen die luziferischen Mächte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anders stellt sich uns die Sache dar, wenn wir bei dem, was wir im heutigen Sprachgebrauch Lungentuberkulose nennen, die eigentümlichen Prozesse auftreten sehen, wenn die selbstheilenden Kräfte in Tätigkeit übergehen, die sich dadurch äußern, daß die schädigenden Einflüsse, welche da entstehen, umgeben werden, umrandet werden von Umhüllungen wie Bindegewebe; dann wird das Ganze ausgefüllt mit kalk-salzhaltiger Materie, welche feste Einschlüsse bildet. Solche Einschlüsse kann der Mensch in seiner Lunge haben, und viel mehr Menschen tragen solche Dinge mit sich herum, als man gewöhnlich glaubt; denn das sind diejenigen Menschen, bei denen eine tuberkulöse Lunge in Heilung übergegangen ist. Wo derartiges vor sich ging, ist wieder ein Kampf aufgeführt worden der menschlichen inneren Wesenheit gegen das, was ahrimanische Kräfte angestellt haben. Es ist ein Abwehrprozeß nach außen, ein Anstürmen gegen das, was durch äußere Materialität hergebracht wird, um zur Selbständigkeit der menschlichen Wesenheit in diesem Sinne zu führen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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Damit haben wir gezeigt, wie in der Tat die beiden Prinzipien, das ahrimanische und das luziferische, im letzten Grunde im Krankheitsverlauf tätig sind. Und es könnte in vieler Beziehung für diese oder jene Krankheitsform gezeigt werden, wie man eigentlich zwei Typen von Krankheiten unterscheiden müßte: ahrimanische und luziferische Krankheiten. Wenn man das beachten würde, so würde man auch rich tige Prinzipien gewinnen können für die entsprechende Hilfe, welche man den Kranken angedeihen lassen kann. Denn luziferische Krankheitsprozesse werden ganz andere Hilfe erfordern als ahrimanische. Wenn heute noch in einer ziemlich kritiklosen Weise, zum Beispiel im äußeren Heilverfahren, Kräfte angewendet werden, die in der heutigen Elektrotherapie, in der Kaltwasserbehandlung oder in ähnlichem ent halten sind, so muß gesagt werden, daß von vornherein durch die Geisteswissenschaft ein Licht darauf geworfen werden kann, ob man die eine oder die andere Methode anwenden soll, dadurch, daß man unterscheiden würde, ob man es mit einer luziferischen oder einer ahrimanischen Krankheit zu tun hat. Kein Mensch sollte zum Beispiel das Verfahren der Elektrotherapie anwenden bei Erkrankungen, die aus dem Luziferischen stammen; sondern man sollte sie nur bei ahrimanischen Krankheitsformen anwenden. Denn eine Hilfe kann bei luziferischen Krankheitsformen niemals etwas sein, was überhaupt mit dem Wirken des Luzifer gar nichts zu tun hat, nämlich die Prinzipien der Elektrizität; denn diese fallen in das Bereich der ahrimanischen Wesenheiten, wobei sich natürlich nicht nur die ahrimanischen Wesenheiten der Kräfte der Elektrizität bedienen. Dagegen ist ein ganz besonderes Gebiet des Luziferischen dasjenige, was sich bezieht, grob ausgedrückt, auf Warm und Kalt. Alles, was damit zu tun hat, daß die menschliche Organisation wärmer oder kälter wird oder was sie selbst durch äußere Einflüsse wärmer oder kälter macht, das gehört in das Bereich des Luzifer. Und bei alledem, wo wir es zu tun haben mit Warm oder Kalt, haben wir einen Typus luziferischer Krankheitsformen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So also sehen wir, wie Karma in dem Kranksein wirkt und wie es zur Überwindung von Kranksein wirkt. Nun wird es nicht mehr unbegreiflich erscheinen, daß im Karma auch die Heilbarkeit oder Unheilbarkeit einer Krankheit liegt. Wenn Sie sich klarmachen, daß ja das &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Ziel, das karmische Ziel des Erkrankens das ist, den Menschen zu fördern und vollkommener zu machen, so ist die Voraussetzung die, daß der Mensch, wenn er nach der Vernünftigkeit, die er sich aus der Kamalokazeit beim Eintritt in ein neues Dasein mitbringt, einer Krankheit verfällt, jene Heilkräfte dann entwickelt, welche eine Stählung seines inneren Menschen bedeuten und die Möglichkeit, höher zu kommen. Nehmen wir an, die Sache liege so, daß der Mensch in dem Leben, das er noch zubringen kann, vermöge seiner sonstigen Organisation und seines übrigen Karma die Kräfte hat, mit dem, was er durch die Krankheit errungen hat, in diesem Leben selbst weiterzukommen. Dann hat die Heilung einen Sinn. Dann tritt Heilung ein und der Mensch hat in diesem Falle das errungen, was er erringen sollte und was sich an dem Vorhandensein der Krankheit zeigte. Durch das Überwinden der Krankheit hat er sich instand gesetzt, dort vollkommene Kräfte zu haben, wo er früher unvollkommene Kräfte hatte. Ist er durch sein Karma mit solchen Kräften ausgerüstet und durch die günstigen Umstände seines früheren Schicksals so in die Welt gesetzt, daß er die neuen Kräfte anwenden kann und wirken kann, um sich und andern von Nutzen zu sein, dann tritt die Heilung ein; dann windet er sich durch die Krankheit hindurch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen wir nun an, die Sache liege für den Menschen so, daß er die Krankheit überwindet und die Heilkräfte entwickelt und nunmehr vor einem Leben stünde, welches an ihn Anforderungen stellen würde, die mit dem Maß, das er sich jetzt schon errungen hat an Vollkommenem, nicht erfüllt werden können: Er würde zwar einiges erringen durch die geheilte Krankheit, aber es wäre doch nicht möglich, daß er so viel erringt - weil sein übriges Karma das nicht zuläßt -, daß er mit dem, was er sich errungen hat, den andern zum Heile werden kann. Dann tritt das ein, daß sein tieferes Unterbewußtsein sagt: Hier hast du keine Gelegenheit, die volle Kraft von dem zu empfangen, was du eigentlich haben sollst. Du mußtest in diese Inkarnation hineingehen, weil du das Maß an Vollkommenheit gewinnen mußtest, das du nur im physischen Leibe durch die Überwindung einer Krankheit erringen kannst. Das mußtest du erringen; aber weiter ausbilden kannst du es nicht. Nun mußt du in die Verhältnisse gehen, wo dein physischer Leib und andere &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Kräfte dich nicht stören und wo du frei verarbeiten kannst, was du in der Krankheit gewonnen hast. - Das heißt, es sucht eine solche Individualität den Tod, um zwischen Tod und neuer Geburt das weiterzuverarbeiten, was sie im Leben zwischen Geburt und Tod nicht verarbeiten kann. Es geht eine solche Seele durch das Leben zwischen Tod und neuer Geburt durch, um jetzt mit um so stärkeren Kräften, die sie beim Überwinden der Krankheit gewonnen hat, ihre Organisation weiter auszubilden, damit sie im neuen Leben um so mehr wirken kann. In dieser Weise kann förmlich durch die Anwesenheit einer Krankheit eine Art Abschlagszahlung bewirkt werden, die dann erst ergänzt wird nach dem Durchgehen durch den Tod zu dem, was sie sein soll.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir die Sache so betrachten, werden wir uns sagen müssen: Es erscheint durchaus im Karma begründet, daß die eine Krankheit ausgeht mit der Heilung, die andere mit dem Tod. - Wenn wir so die Krankheiten ansehen, werden wir von einem höheren Gesichtspunkt aus durch Karma eine Art Versöhnung, eine tiefe Versöhnung mit dem Leben gewinnen; denn wir werden wissen, daß es in der Gesetzmäßigkeit von Karma liegt, daß, selbst wenn eine Krankheit mit dem Tode ausgeht, der Mensch gefördert wird, daß selbst in einem solchen Falle die Krankheit das Ziel hat, den Menschen höher zu bringen. Nun darf niemand daraus etwa den Schluß ziehen: dann könnte es auch sein, daß wir geradezu den Tod herbeiwünschen müßten in gewissen Krankheitsfällen. Das darf niemand sagen, weil die Entscheidung darüber, was eintreten soll, ob Heilung oder Unheilbarkeit, einer höheren Vernünf tigkeit zufällt, als die ist, welche wir mit unserem gewöhnlichen Bewußtsein umfassen können. Mit unserem gewöhnlichen Bewußtsein müssen wir uns bescheiden innerhalb der Welt zwischen Geburt und Tod, bei solchen Fragen stehenzubleiben. Mit unserem höheren Bewußtsein dürfen wir uns allerdings selbst auf den Standpunkt stellen, der sogar den Tod hinnimmt als ein Geschenk der höheren geistigen Mächte. Mit demjenigen Bewußtsein aber, das helfen und eingreifen soll ins Leben, dürfen wir uns nicht vermessen, uns auf diesen höheren Gesichtspunkt zu stellen. Da könnten wir uns leicht irren und würden in einer unerhörten Weise eingreifen in etwas, worin wir nie eingreifen dürfen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
in die menschliche Freiheitssphäre. Wenn wir einem Menschen helfen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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können, damit er die selbstheilenden Kräfte entwickelt, oder indem wir selbst der Natur zu Hilfe kommen, damit Heilung eintritt, so müssen wir das tun. Und soll die Entscheidung darüber fallen, ob der Mensch weiterleben soll oder ob er mehr gefördert wird, wenn der Tod eintritt, dann kann sie niemals anders als so fallen, daß unsere Hilfe eine Hilfe in der Heilung sein kann. Ist sie dies, so setzen wir es in des Menschen eigene Individualität, seine Kräfte anzuwenden, und die ärztliche Hilfe kann dabei nur eine solche sein, die ihn darin unterstützt. Dann wirkt sie nicht hinein in die menschliche Individualität. Ganz anders wäre es, wenn wir eines Menschen Unheilbarkeit in der Weise fördern würden, daß er sein weiteres Fortkommen in einer anderen Welt suchte. Da würden wir in seine Individualität eingreifen und seine Individualität einer andern Wirkungssphäre übergeben. Dann hätten wir unseren Willen der andern Individualität aufgedrängt. Diese Entscheidung müssen wir der Individualität selbst überlassen. Das heißt mit andern Worten: Wir müssen so viel als möglich tun, damit eine Heilung geschieht. Denn alle Überlegungen, die zu einer Heilung führen, kommen aus dem Bewußtsein, das für unsere Erde berechtigt ist; alle andern Maßnahmen würden übergreifen über unsere Erdensphäre; da müssen andere Kräfte eingreifen als die, welche in unser gewöhnliches Bewußtsein hineinfallen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So sehen wir, daß ein richtiges karmisches Verständnis über Heilbarkeit und Unheilbarkeit von Krankheiten dazu führt, daß wir alles aufbringen werden, um dem Menschen zu helfen in der Krankheit; und auf der andern Seite führt es uns auch dazu, daß wir, wenn aus andern Sphären eine andere Entscheidung getroffen wird, diese ebenfalls zu unserer Befriedigung hinnehmen. Etwas anderes haben wir in bezug auf diese andere Entscheidung auch gar nicht nötig. Nötig haben wir, daß wir einen Gesichtspunkt finden, daß uns die Unheilbarkeit einer Krankheit nicht niederdrückt,als ob dieWelt nur das Unvollkommene, das Schlimme und Schlechte hätte. Karmisches Verständnis lähmt nicht unsere Tatkraft in bezug auf das Heilen. Karmisches Verständnis wird uns auf der andern Seite auch wieder in Harmonie bringen mit dem schwersten Schicksal in bezug auf Unheilbarkeit dieser oder jener Krankheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
So haben wir heute gesehen, wie uns karmisches Verständnis allein möglich macht, den Verlauf einer Krankheit in der richtigen Weise aufzufassen und zu begreifen, daß wir geradezu hineinleuchten sehen die karmischen Wirkungen aus unseren früheren Leben in das gegenwärtige. Beispiele im einzelnen werden sich uns noch bei Besprechung der nächsten Fragen darbieten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun wird es uns obliegen, zu unterscheiden zwischen zwei besonderen Krankheitsformen, zwischen denjenigen, welche aus dem menschlichen Inneren kommen, und die ganz besonders erscheinen als durch das Karma herbeigetragen, und zwischen jenen Erkrankungen, die uns scheinbar zufällig treffen dadurch, daß wir äußeren Schädigungen aus gesetzt sind, daß uns dieses oder jenes passiert. Kurz, es wird sich darum handeln: Wie können wir zu einem karmischen Verständnis auch dann kommen, wenn wir zum Beispiel unter die Räder eines Eisenbahnzuges kommen? Das heißt, wie sind sogenannte «zufällige» Erkrankungen durch das Karma zu begreifen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
= FÜNFTER VORTRAG Hamburg, 20. Mai 1910 =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Inhalt des gestrigen Vortrages ist von großer Wichtigkeit sowohl für unsere nächsten Betrachtungen wie auch für das Verständnis der karmischen Zusammenhänge überhaupt. Deshalb - wegen dieser ein- schneidenden Wichtigkeit - lassen Sie mich heute noch einmal in den Hauptzügen kurz zusammenfassen, was der gestrige Vortrag enthalten hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir gingen davon aus, daß sich die Anschauungen über Heilung und über Heilmittel im Laufe verhältnismäßig kurzer Zeiten im letzten Jahrhundert ziemlich radikal verändert haben. Und wir haben darauf hingewiesen, wie im 16. und 17. Jahrhundert namentlich eine Anschauung sich ausbildete, welche ganz und gar auf dem Boden fußte: Für eine jede Krankheit, die mit einem Namen bezeichnet wurde und die man glaubte begrifflich abgrenzen zu können, müßten sich auch diese oder jene Heilmittel in der Welt finden. Und man glaubte mit Sicherheit, daß, wenn das betreffende Mittel angewendet würde, es auf den Verlauf der Krankheit einen Einfluß haben müsse. Wir haben dann darauf hingewiesen, wie sich diese Anschauung mehr oder weniger bis ins 19. Jahrhundert hinein erhalten hat, dann aber danebengestellt den absoluten Gegensatz dieser Anschauung, der sich namentlich zum Ausdruck gebracht hat in dem Nihilismus derWiener medizinischen Schule, der seinen Ausgangspunkt genommen hat von dem berühmten Mediziner Dietl, und seinen Fortgang gefunden hat in Skoda und dessen verschiedenen Schülern. Und wir haben die nihilistische Richtung dadurch charakterisiert, daß wir sagten: Sie fing nicht nur an, über den` absoluten Zusammenhang zwischen diesem oder jenem Heilmittel, zwischen diesen oder jenen Handgriffen in bezug auf die Krankheitsbehandlung und die Krankheit selber gründliche Zweifel zu haben, sondern sie wollte von einem solchen Zusammenhang nichts mehr wissen. Und es kam in die Gemüter der unter dem Einfluß dieser Schule stehenden jungen Ärzte die Anschauung von der sogenannten «Selbstheilung&amp;gt; hinein. Skoda selbst hat ja den für diese Schule bedeutungs&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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vollen Satz ausgesprochen: Wir können eine Krankheit diagnostizieren, wir können sie vielleicht auch erklären und beschreiben; aber Mittel haben wir gegen die Krankheit nicht. - Und de,n Ausgangspunkt nahm diese Richtung davon, daß Dietl nachweisen konnte, daß bei der ab- wartenden Behandlung eine Krankheit wie die Lungenentzündung so verläuft, daß sie innerhalb einer bestimmten Zeit die selbstheilenden Kräfte entwickelt, wenn man nur die nötigen Bedingungen dafür schafft. Und er konnte statistisch nachweisen, daß bei der abwartenden Behandlung ebenso viele Menschen geheilt wurden oder auch starben wie bei Verabreichung der sonst gebräuchlichen Mittel. Damals war die Bezeichnung «therapeutischer Nihilismus» durchaus nicht unberechtigt; denn es war eine absolute Wahrheit, daß sich die Ärzte dieser Schule gar nicht schützen konnten gegen die Meinung der Kranken, daß ein Mittel, ein Rezept eben da sein muß. Der Kranke gab nicht nach, seine Umgebung auch nicht - Mittel mußten verschrieben werden, und die Anhänger dieser Schule halfen sich dann gewöhnlich dadurch, daß sie dünn aufgelösten arabischen Gummi verschrieben, der nach der Meinung der Anhänger der Schule ganz dieselbe Wirkung haben sollte wie die früher angewendeten Mittel. Wir haben daraus erkennen gelernt, wie geradezu hindrängt die moderne wissenschaftliche Tatsachenwelt zu dem, was wir den karmischen Zusammenhang im Leben nennen können. Denn wir mußten uns nun die Frage beantworten: Wie geschieht denn eigentlich das, was man nennen könnte «Selbstheilung»? Oder besser gesagt: Warum geschieht es? Und warum kann in einem andern Falle eine Selbstheilung oder überhaupt eine Heilung nicht eintreten?&lt;br /&gt;
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Wenn eine ganze Schule, an deren Spitze medizinische Koryphäen standen, darauf verfallen konnte, den Begriff der Selbstheilung einzuführen, so hätte einer, der darüber nachdenkt, dazu kommen müssen, zu sagen: Also wird im Krankheitsprozeß etwas wachgerufen, was zur Überwindung der Krankheit führt! Und das hätte weiter dazu führen müssen, den geheimeren Gründen des Krankheitsverlaufes nachzuspüren. Wir haben nun versucht, darauf hinzuweisen, wie ein solcher karmischer Zusammenhang innerhalb der Menschheitsentwickelung für den Krankheitsverlauf gesucht werden kann. Wir haben gezeigt, daß &lt;br /&gt;
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allerdings das, was der Mensch in seinem gewöhnlichen Leben vollführt an guten und bösen Handlungen, an gescheiten und unsinnigen Handlungen, was er erlebt an richtigen und verkehrten Gemütsauffassungen, daß alles das nicht tief hineingeht in die Untergründe der menschlichen Organisation. Und wir haben den Grund aufgezeigt, warum das, was für das gewöhnliche Leben der moralischen, der intellektuellen und gemüthaften Beurteilung unterliegt, nur an der Oberfläche des gewöhnlichen Lebens sitzenbleibt und nicht dem Gesetze unterliegt, das wir im andern Falle aufzeigen konnten: die tieferliegenden Kräfte der Menschenorganisation zu beeinflussen. Wir haben gezeigt, daß es gleichsam eine Art von Hemmnis gibt gegen das Eindringen der Unmoralität in die tieferen Kräfte des Organismus. Und diese Abwehr gegen das Eindringen dessen, was wir tun und denken, in die Kräfte unserer Organisation liegt darin, daß wir unsere Handlungen, die wir zwischen Geburt und Tod vollbringen, mit unseren bewußten Vorstellungen begleiten. Indem wir eine Handlung oder ein sonstiges Erlebnis mit einer bewußten Vorstellung begleiten, schaffen wir eine Schutzwehr dagegen, daß das Resultat unserer Handlungen hinunterrückt in unseren Organismus. Wir haben dann darauf hingewiesen, welche Bedeutung jenen Erleb nissen zukommt, die unwiederbringlich vergessen worden sind. Da liegt nicht mehr die Möglichkeit vor, sie wieder ins bewußte Vorstellungsleben hinaufzurücken; sondern von solchen Erlebnissen mußten wir sagen, daß sie schon in bestimmter Weise, weil die Schutzwehr derVorstellung fehlt, hinunterdringen in unsere innere Organisation und dort mitwirken können an den gestaltenden Kräften unseres Organismus. Und wir haben hinweisen können auf die Krankheitsformen, welche noch mehr an der Oberfläche liegen: Neurose, Neurasthenie und dergleichen. Sogar hysterische Zustände erfahren da eine Beleuchtung. Wir sagten, daß die Ursachen für solche Zustände gesucht werden müssen in den aus dem Bewußtseinskomplex herausgefallenen,vergessenenVorstellungen, die hinuntergesunken sind in das Innere und sich - wie Einschiebsel unseres Seelenlebens - als Krankheiten geltend machen. - Wir haben darauf hingewiesen, welche ungeheure Bedeutung jener Zeitraum hat, der verläuft von der Geburt bis zu dem Zeitpunkt, wo sich der Mensch an seine Erlebnisse zurückerinnern kann, und es wurde darauf &lt;br /&gt;
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aufmerksam gemacht, wie das, was früher vergessen worden ist, im lebenden Organismus fortwirkt, indem es gleichsam mit den tieferen Kräften der Organisation einen Bund schließt und von dort aus unsere Organisation selber beeinflußt. Es muß also ein Komplex von Vorstellungen, eine Reihe von Erlebnissen hinuntersinken in tiefere Untergründe unseres Wesens, bevor er eingreifen kann in unsere Organisation.-Wir haben dann darauf hingewiesen,wie am gründlichsten dieses Hinuntersinken geschieht, wenn der Mensch durch die Pforte des Todes gegangen ist und das weitere Dasein durchlebt zwischen Tod und neuer Geburt. Da verwandeln sich alle Erlebnisse in ihren Qualitäten in solche Kräfte, welche jetzt organisierend wirken. Und was der Mensch in der Zeit zwischen Tod und neuer Geburt empfunden und gefühlt hat, das nimmt er auf in die plastischen Kräfte, die beteiligt sind am neuen Aufbau des Leibes, wenn der Mensch jetzt neu ins Dasein tritt. Da hat er jetzt in den Bildungskräften das Resultat dessen da rinnen, was er früher noch in seinem Seelenleben, vielleicht auch sogar in seinem bewußten Vorstellungsleben hatte. Und nun konnten wir darauf hin- weisen, daß der Mensch mit seinem vom Ich durchtränkten Vorstellungsleben hin und her pendelt zwischen zwei Einflüssen: zwischen dem luziferischen und dem ahrimanischen Einfluß. Wenn der Mensch eine Verfehlung begeht, die hervorgerufen wird durch Eigenschaften seines astralischen Leibes, durch schlimme Affekte, Zorn und dergleichen, wird er zu Handlungen getrieben durch luziferische Mächte. Wenn dann solche Handlungen jenen Weg gehen, der eben jetzt bezeichnet worden ist, daß sie zu Bildungskräften werden, so haben wir sie in den gestaltenden Kräften, die nunmehr der neuen Leiblichkeit zugrunde liegen als luziferische Krankheitsursachen. Wir haben dann gesehen, wie der Mensch unterliegt den ahrimanischen Kräften, die mehr von außen hereinwirken. Und wieder mußten wir von den ahrimanischen Einflüssen sagen, daß sie sich umwandeln in Bildungskräfte, in gestaltende Kräfte des neu gebauten Organismus, der zustande kommt, wenn der Mensch durch die Geburt ins Dasein tritt. Und insofern sich die Einflüsse Ahrimans in die Bildungskräfte hineinmischen, können wir von Krankheitsanlagen sprechen mit ahrimanischem Charakter. Dann haben wir im einzelnen darauf hingewiesen, wie diese &lt;br /&gt;
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Kräfte, die sich in dieser Weise herausbilden, wirken. Und ich habe Ihnen radikale Beispiele gezeigt für dieses Wirken, weil an radikalen Beispielen die Vorstellung eine deutlichere, scharf umrissene wird. Ich sagte, man nehme an, daß ein Mensch im vorigen Lebenslauf alles das getan hat, was ihn nur zu einem geringen Selbstgefühl und Selbstvertrauen bringen kann, daß er sein Ich so präpariert hat, daß es nichts auf sich gehalten hat, nur in Allgemeinheiten aufging und so weiter. Ein solcher Mensch nimmt nach dem Tode die Tendenz auf, jenen Widerstand zu überwinden und die Kräfte aufzunehmen, welche ihn fähig machen, später im weiteren Verlauf der Inkarnation sein Ich kräftiger, vollkommener zu machen. Das wirkt so, daß er solche Verhältnisse dann sucht, die es ihm möglich machen, gegen dasjenige anzukämpfen, gegen was es gut ist, anzukämpfen mit einem schwachen Selbstgefühl, so daß ein schwaches Selbstgefühl sich an dem Widerstande stärken kann. Und wahr ist es, daß eine solche Tendenz den Menschen dazu führt, sozusagen Gelegenheiten aufzusuchen zur Cholera, weil er darin etwas vor sich hat, was ihm Gelegenheit bietet, jene Widerstände zu überwinden. Und in der Überwindung dieser Widerstände liegt das, was in der nächsten Inkarnation oder aber auch bei eingetretener Heilung in derselben Inkarnation zu einem stärkeren Selbstgefühl führen kann oder zu Kräften, welche ein stärkeres Selbstgefühl durch Selbsterziehung nach und nach heranreifen lassen. Wir haben dann gesagt, daß bei einer Krankheit wie der Malaria die Gelegenheit gegeben ist, etwas auszugleichen, was sich die Seele in einem früheren Leben als ein übermäßiges Selbstgefühl herangezüchtet hat durch ihre Handlungen und Empfindungen. - Diejenigen von Ihnen, welche frühere Betrachtungen unseres theosophischen Lebens mitgemacht haben, werden sich verdeutlichen können einen solchen Verlauf. Es wurde immer gesagt, daß das Ich des Menschen seinen physischen Ausdruck findet im Blut. Nun hängen die beiden Krankheiten, von denen wir eben gesprochen haben, mit dem Blut und den Gesetzen vom Blut zusammen; sie hängen so zusammen, daß beim Cholerafall eine Verdickung des Blutes eintritt. Diese Verdickung ist es, was als Widerstand zu bezeichnen ist, den das schwache Selbstgefühl durchmachen muß und an dem es sich heraner~iehen will. Ebenso können Sie es sich &lt;br /&gt;
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verdeutlichen, daß bei der Malaria eine Art Blutzerfall stattfindet und daß ein überstarkes Selbstgefühl die Möglichkeit braucht, daß es ad absurdum geführt wird, daß im Blutzerfall ein überstarkes Ich in seiner Anstrengung zur Nichtigkeit geführt wird. Das wird in dem Zerfall des Blutes geboten. - Die Dinge sind natürlich außerordentlich intim im Organismus zusammenhängend; aber wenn Sie darauf eingehen, werden Sie sie sich schon zum Verständnis bringen.&lt;br /&gt;
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Aus all dem ergab sich uns: Wenn wir einen Organismus haben, der gebildet ist von einer Seele, die in sich die Tendenz hat, dieses oder jenes nach der einen oder der andern Richtung zu überwinden, so führt diese Tendenz den Menschen dazu, in sich hineinzuprägen die Möglichkeit zur Krankheit, aber auch zugleich die Möglichkeit, anzukämpfen gegen die Krankheit, weil ja die Krankheit aus keinem andern Grunde hervorgerufen wird als aus dem, die Möglichkeit der Heilung zu haben. Und Heilung tritt dann ein, wenn der Mensch nach seinem Gesamtkarma durch die Überwindung der betreffenden Krankheit sich solche Kräfte aneignet, daß er in dem restlichen Leben bis zum Tode durch seine Arbeit auf dem physischen Plan wirklich sich vorwärtsbringen kann. Das heißt, wenn die zu erregenden Kräfte so stark sind, daß er auf dem physischen Plan das auch erreichen kann,weswegen die Krankheit hervorgerufen worden ist, dann arbeitet der Mensch gerade mit den ihm aus dem Heilprozeß zugeflossenen verstärkten Kräften weiter, die er früher nicht gehabt hat. Liegt aber sein Gesamtkarma so, daß er zwar die Absicht gehabt hat, seinen Organismus so zu gestalten, daß er durch die Überwindung der betreffenden Krankheit sich Kräfte zu- führt, welche zu seiner Vervollkommnung führen, daß aber, weil die Dinge mannigfaltig sind, er gleichzeitig den Organismus nach einer andern Richtung hin hat schwach sein lassen müssen, dann kann der Fall eintreten, daß diejenigen Kräfte, welche der Mensch herausstellt und anwendet im Heilprozeß, ihn zwar verstärken, aber doch nicht so weit, daß er dem Arbeiten auf dem physischen Plan schon gewachsen ist. Dann wird er das Stück, was er schon gewonnen hat - weil es auf dem physischen Plan nicht verwendbar ist -,verwenden,wenn er durch die Pforte des Todes geht, und er wird versuchen, das seinen Kräften hinzuzufügeri,was er auf dem physischen Plan nicht hinzufügen konnte, &lt;br /&gt;
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um diese Kräfte in der Ausgestaltung des nächsten Leibes zu zeigen, wenn er wieder in die Geburt tritt. Es bleibt uns noch, wenn wir das vor Augen haben, einen Hinweis zu geben, wie es sich mit denjenigen Krankheitsformen verhält, welche weder zu einer ordentlichen Heilung noch zum Tode führen, sondern zu chronischen Zuständen, zu einer Art von Siechtum oder dergleichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da liegt allerdings etwas vor,was im eminentesten Sinne für die meisten Menschen von einer großen Wichtigkeit ist zu wissen. Da liegt das vor, daß allerdings durch den Heilungsprozeß innerhalb der menschlichen Körperhüllen eingetreten ist, was nur zu erreichen war, daß also in gewissem Sinne die Krankheit überwunden ist. Aber in einem anderen Sinne ist sie doch nicht überwunden; das heißt, daß alles das, was an Ausgleich hat geschaffen werden sollen zwischen Ätherleib und physischem Leib, zwar erreicht worden ist, nicht aber das ausgeglichen worden ist, was an Disharmonie vorhanden war zwischen Ätherleib und astralischem Leib. Das bleibt zurück, und der Mensch pendelt hin und her zwischen Versuchen, zu heilen, und nicht heilen zu können. In einem solchen Falle ist es immer von einer ganz besonderen Wichtigkeit, daß der Mensch möglichst ausnutzt, was er an wirklicher Heilung errungen hat. Und das geschieht am allerwenigsten im Leben. Denn gerade bei solchen Krankheiten, die chronisch werden, befindet sich der Mensch in einem rechten Kreistanz darinnen. Wenn der Mensch in einem solchen Falle imstande sein würde, den Teil seiner Organisation, welcher in sich eine gewisse Heilung erfahren hat, zu isolieren, für sich sozusagen leben zu lassen, und wenn er davon dasjenige zurückziehen könnte, was da noch rumort und nicht in Ordnung ist und was in solchem Falle gewöhnlich mehr gegen das innere Seelenhafte zu liegt, dann würde sich der Mensch sehr viel helfen können. Aber dagegen wirkt das Allerverschiedenste, namentlich das, daß der Mensch, wenn er irgendeine Krankheit gehabt hat und ein chronischer Zustand zurückgeblieben ist, fortwährend unter dem Einflusse dieses Zustandes lebt und daß er - wenn ich mich grob ausdrücken darf - eigentlich niemals gründlich vergessen kann seinen Zustand, niemals gründlich dazu kommt, das, was in ihm doch noch nicht gesund ist, zurückzuziehen von diesem Zustande und es für sich zu behandeln; sondern er wird &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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durch das, was man nennen kann das fortwährende Denken an den andern Teil der Organisation, veranlaßt, gleichsam seinen gesunden Teil wieder in irgendeinen Zusammenhang zu bringen mit dem früher kranken Teil und diesen so neuerdings zu irritieren. Das ist ein besonderer Prozeß. Und um Ihnen diesen Prozeß klarzumachen, möchte ich Ihnen einmal den geisteswissenschaftlichen Tatbestand klarlegen, das, was das hellseherische Bewußtsein sieht, wenn jemand eine Krankheit durchgemacht und dabei etwas zurückbehalten hat, was man als etwas Chronisches bezeichnen kann. Dasselbe geschieht übrigens auch dann, wenn nicht eine besonders auffällige akute Erkrankung vorlag, sondern wenn sich ein Chronisches einstellt, ohne daß ein Akutes besonders bemerkt worden ist. Dann kann man in der Tat sehen, daß sich in den meisten Fällen ein gewisser schwankender Gleichgewichtszustand herausstellt zwischen dem Ätherleibe und dem physischen Leibe, ein Hinund-her-Pendeln von Kräften, wie es nicht sein soll, bei dem es sich aber doch leben läßt. Bei diesem Hin-und-her-Pendeln von Kräften des Ätherleibes und des physischen Leibes wird der betreffende Mensch fortwährend irritiert und dadurch erfüllt von fortdauernden Erregungszuständen. Die sieht das hellseherische Bewußtsein fortwährend auftauchen im astralischen Leibe, und diese Erregungszustände drängen sich fortwährend hinein in den halb kranken und halb gesunden Teil der Organisation, wodurch dann nicht ein stabiles, sondern ein labiles Gleichgewicht zustande kommt. Durch dieses Hineindringen der astralischen Erregungszustände wird der menschliche Zustand, der sonst viel besser sein könnte, in der Tat sehr verschlechtert. Ich bitte zu berücksichtigen, daß das Astralische in diesem Falle nicht zusammenfällt mit dem Bewußtsein, sondern daß es vorzugsweise mit dem zusammenfällt, was innere seelische Erregungen sind, die sich aber der Patient nicht eingestehen will. Weil in solchem Falle das Hemmende der Vorstellungen nicht da ist, deshalb wirken diese Zustände und Affekte, die Gemütserschütterungen, die fortwährenden Zustände des Überdrusses, des In-sich-unzufrieden-Seins nicht immer wie bewußte Kräfte, sondern wIe organisierende, wie Lebenskräfte, die in der tieferen Wesenheit des Menschen sitzen und fortwährend den halb gesunden, halb kranken Teil irritieren. Könnte nun der betreffende Patient es wirklich durch &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
starken Willen, durch Seelenkultur dazu bringen, wenigstens für eine gewisse Zeit seinen Zustand zu vergessen, so würde er daraus solche Befriedigung schöpfen, daß er dann schon aus dieser Befriedigung die Kraft ziehen könnte, um das weiter durchzuführen. Könnte er seinen Zustand vergessen, ganz von ihm absehen, mit starkem Willen sagen: Ich will mich jetzt nicht kümmern um meinen Zustand! - und würde er sodann die Seelenkräfte, welche er dadurch frei bekommt, auf etwas von geistigem Inhalt verwenden, was ihn erhebt, was ihn innerlich sättigt in seiner Seele, würde er diese Kräfte, die sich sonst immer damit beschäftigen, die Gefühle des Schmerzes, des Drückens und Stechens und was da alles ist, zu durchleben, frei bekommen, so würde ihm das eine große Befriedigung gewähren. Denn wenn man diese Gefühle nicht durchlebt, hat man die Kräfte ja frei; dann sind sie verfügbar. Freilich hilft es nicht viel, wenn man sich bloß sagt, man will dieses Klemmen und Stechen und so weiter nicht bemerken; denn wenn man die Kräfte, welche man da frei bekommt, nicht auf etwas Geistiges verwendet, werden die früheren Zustände bald wieder da sein. Wenn man aber die frei gewordenen Kräfte verwendet auf einen die Seele ganz in Anspruch nehmenden geistigen Inhalt, dann wird man bemerken, daß man auf einem komplizierten Wege das erreicht, was sonst unsere Organisation selber ohne unser Zutun in der Überwindung des Krankheitsprozesses erreicht. Es ist ja natürlich, daß der Betreffende dann sorgfältig darauf sehen muß, daß er nicht gerade seine Seele auf einem solchen Wege erfüllt, der wieder direkt zusammenhängt mit dem, was seine Erkrankung ist. Wenn jemand zum Beispiel an einer Schwäche seiner Augen leidet, und er beschäftigt sich, um nicht an die Schwäche seiner Augen zu denken, damit, daß er viel liest, um geistige Kräfte aufzunehmen, so ist es selbstverständlich, daß ihn das nicht zum Ziele führen kann. Aber ganz so weit herzuholen brauchen Sie sich die sogenannten kleinen Belege dafür nicht. Jeder kann an sich selbst bemerken, wenn er eine kleine Unpäßlichkeit hat, wie sehr es ihm nützt, wenn er es zu einem Vergessen seiner Unpäßlichkeit bringt, namentlich zu einem solchen Vergessen, das hervorgerufen wird durch eine anderweitige Beschäftigung. Das ist also ein positives, gesundes Vergessen! Da haben Sie schon einen Hinweis, daß wir nicht ganz machtlos sind gegen die &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
karmischen Wirkungen unserer Verfehlungen in früheren Lebensläufen, welche sich in Krankheiten zum Ausdruck bringen. Denn wir müssen uns sagen: Wenn wir zugeben, daß das, was im Leben zwischen Geburt und Tod einer moralischen, gemüthaften und intellektuellen Beurteilung unterliegt, in einem Leben nicht so tief gehen kann, daß es die Ursache zu einer organischen Erkrankung wird, daß es sich aber in der Zeit nach dem Tode bis zur neuen Geburt so tief in das Leben hinein- senken kann, daß es Krankheit bewirkt, dann müßte es doch auch möglich sein, diesen Prozeß wieder zurückzuverwandeln in einen Bewußtseinsprozeß!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Frage kann auch so gestellt werden: Wenn Krankheiten sich ausleben wie eine karmische Wirkung von geistigen oder sonstigen durch die Seele hervorgerufenen oder erfahrenen Erlebnissen, wenn sie also die Umwandlung solcher Ursachen sind, können wir uns dann nicht auch denken - oder erzählen uns davon die geistigen Tatsachen nichts -, daß das Umwandlungsprodukt, die Krankheit, vermeidbar ist, insofern vermeidbar, als wir statt des Heilungsprozesses, statt dessen, was aus den organischen Regionen herausgeholt wird, als Krankheit herbeigeholt wird zu unserer Erziehung, das geistige Gegenstück, das geistige Äquivalent dafür setzen? Daß wir, wenn wir klug genug sind, die Krankheit umwandeln in einen geistigen Prozeß und die Selbsterziehung, die wir durch die Krankheit ausführen sollen, sozusagen durch die Kräfte unserer Seele ausführen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daß so etwas in den Bereich derTatsachen gehört, möchte icil wieder durch ein Beispiel illustrieren. Wieder muß aber hierbei gesagt werden, daß nur solche Beispiele angeführt werden, die geisteswissenschaftlich untersucht sind; es sind nicht Hypothesenaufstellungen, sondern Fälle. Daher können Sie von mir nicht gerade eine Vollständigkeit verlangen - weil nicht Hypothesen aufgestellt werden, sondern Fälle, die als solche hingenommen werden müssen. Nehmen wir an, im späteren Leben bekommt eine Persönlichkeit Masern, und wir suchen nach dem karmischen Zusammenhang dieses Falles. Wir finden dabei, daß dieser Masernfall aufgetreten ist als eine karmischeWirkung von solchen Vorgängen in einem vorangegangenen Leben, die wir etwa so beschreiben können: Die betreffende Individualität war in einem vorhergehenden &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Leben eine solche, die sich nicht gern um die äußere Welt bekümmert hat, sich nicht gerade im grob egoistischen Sinne, aber doch viel mit sich selber beschäftigt hat; eine Persönlichkeit also, die viel nachgeforscht hat, nachgedacht hat, aber nicht an den Tatsachen der äußeren Welt, sondern die im inneren Seelenleben geblieben ist. Sie finden auch heute sehr viele Menschen, welche glauben, daß sie durch In-sich-abgeschlossen-Sein, durch Grübeln und so weiter zur Lösung von Welträtseln kommen können. Bei der Persönlichkeit, die ich meine, handelte es sich darum, daß sie mit dem Leben so fertigzuwerden suchte, daß sie innerlich nachgrübelte, wie man sich in diesem oder jenem Falle verhalten soll. Die Schwäche der Seele, welche sich daraus ergeben hat im Verlaufe des Lebens, führte dazu, daß im Leben zwischen Tod und neuer Geburt Kräfte erzeugt wurden, welche den Organismus in verhältnismäßig später Lebenszeit noch einem Masernanfall aussetzten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt können wir uns fragen: Wir haben auf der einen Seite den Masernanfall, der die physisch-karmische Wirkung ist eines früheren Lebens. Wie ist es denn aber nun mit dem Seelenzustand? Denn das frühere Leben gibt ja als karmische Wirkung auch einen gewissen Seelenzustand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Seelenzustand stellt sich so dar, daß die betreffende Persönlichkeit in dem Leben, wo sie auch den Masernanfall hatte, immer wieder und wieder Selbsttäuschungen unterworfen war. Da haben Sie also die Selbsttäuschungen anzusehen als die seelisch-karmische Folge dieses früheren Lebens und den Eintritt döer Masern als die physischkarmische Folge jenes Lebens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen wir nun an, dieser Persönlichkeit wäre es gelungen, bevor der Masernfall eintrat, etwas zu tun, um sich gründlich zu bessern, das heißt, um eine solche Stärke der Seele sich anzueignen, daß sie nicht mehr ausgesetzt wäre allen möglichen Selbsttäuschungen. Dann würde diese dadurch heranerzogene Seelenstärke dazu geführt haben, daß die Masernerkrankung hätte unterbleiben können, weil das, was im Organismus schon hervorgerufen war bei der Bildung dieser Organisation, seinen Ausgleich gefunden hätte durch die stärkeren Seelenkräfte, welche durch die Selbsterziehung herangezogen worden wären. Ich kann natürlich nicht ein halbes Jahr über diese Sachen reden; aber wenn Sie &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
weit im Leben herumschauen und alle Einzelheiten, welche sich als Erfahrungen darbieten, von diesem hier gegebenen Ausgangspunkt aus betrachten würden, so würden Sie immer finden,daß das äußereWissen voll bestätigen würde - bis in alle Einzelheiten -, was hier gesagt worden ist. Und was ich jetzt gesagt habe über eine Masernerkrankung, das kann zu Gesichtspunkten führen, die erklären, warum Masern gerade zu den gebräuchlichen Kinderkrankheiten gehören. Denn die Eigenschaften, die genannt worden sind, kommen in sehr vielen Leben vor. Insbesondere in gewissen Zeitperioden haben sie in vielen Leben grassiert. Und wenn dann eine solche Persönlichkeit ins Dasein tritt, wird sie so schnell wie möglich Korrektur üben wollen auf diesem Gebiet und in der Zeit zwischen der Geburt und dem gewöhnlichen Auftreten der Kinderkrankheiten, um organische Selbsterziehung zu üben, die Masern durchmachen; denn von einer seelischen Erziehung kann ja in der Regel in diesem Alter nicht die Rede sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daraus sehen Sie, daß wir wirklich davon sprechen können, daß die Krankheit in gewisser Beziehung wieder zurückverwandelt werden kann in einen geistigen Prozeß. Und das ist das ungeheuer Bedeutsame, daß wenn dieser Prozeß in die Seele als Lebensmaxime aufgenommen wird, er eine Anschauung erzeugt, die gesundend auf die Seele wirkt. In unserer Zeit braucht man sich nicht besonders zu wundern, daß man so wenig auf die Seelen wirken kann. Und wer die Zeit heute vom geisteswissenschaftlichen Standpunkt aus durchschaut, der wird es begreifen, daß so viele Mediziner, so viele Ärzte Materialisten werden, können, das heißt, verzweifeln an einem seelischen Einfluß. Denn die Mehrzahl der Menschen beschäftigt sich ja überhaupt nicht mit etwas, was eine befruchtende Kraft hat. All das Zeug, was heute durch die gebräuchliche Literatur geht, hat für die Seelen keine befruchtende Kraft. Deshalb fühlt der, welcher für die Geisteswissenschaft wirken will, in diesem theosophischen Wirken auch etwas im eminenten Sinne Gesundendes, weil das geisteswissenschaftliche Wissen der Menschheit wieder etwas bringen kann, was sich so in die Seelen hineinergießt, daß die Seele abgezogen wird von dem, was die leibliche Organisation bildete. Man darf nur nicht verwechseln, was im Anfang einer solchen Bewegung auftritt, mit dem, was die Bewegung wirklich sein kann. &lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Es werden ja in die theosophische Bewegung tatsächlich Dinge hinein- gebracht, welche in der äußeren Welt auch grassieren, das heißt, es bringen die Menschen, wenn sie Theosophen werden, vielfach genau dieselben Interessen der Theosophie entgegen, die sie für die Dinge draußen auch haben, und auch alle Unarten, die sie draußen haben. Da wird vieles hineingetragen von den Schattenseiten unseres Zeitalters. Dann aber, wenn sich irgendwelche Schattenseiten bei den Betreffenden zeigen, sagt man, das habe die Theosophie bewirkt. Das ist natürlich eine sehr billige Auskunft!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir so den karmischen Faden sich ziehen sehen von einer Inkarnation in die andere, so haben wir damit die entsprechende Wahrheit doch nur von einer Seite erfaßt. Es werden sich demjenigen, der ein Gefühl dafür erhält, wie sich der karmische Faden von Inkarnation zu Inkarnation hindurchzieht, noch viele Fragen ergeben, die im Laufe der Vorträge berührt werden sollen. Vor allen Dingen muß die Frage berührt werden: Wie hat man zu unterscheiden zwischen einer Krankheit, bei der man äußere Ursachen angeben kann, und einer solchen Krankheit, die voll veranlagt liegt in der menschlichen Organisation selber, so daß man glaubt, was da vorliegt, damit abfertigen zu können, daß man sagt, die Krankheit ist ganz von selbst gekommen, und eine äußere Veranlassung liege nicht vor. - Ganz so stehen ja die Dinge nicht. Aber von gewisser Seite ist es doch berechtigt zu sagen, daß Krankheiten auftreten, für die der Mensch durch sein Inneres besonders disponiert ist. Für zahlreiche Krankheitserscheinungen wird man da- gegen doch äußere Ursachen angeben können. Natürlich nicht für alles, was uns passiert, aber für manches, was uns von außen her zustößt, zum Beispiel, wenn wir ein Bein brechen, müssen wir äußere Ursachen ins Feld führen. Auch das müssen wir zu den äußeren Ursachen zählen, was durch die Witterung geschieht, und ebenso die zahlreichen Krankheitsfälle, deren Ursachen in den schlechten städtischen Wohnungen zu suchen sind. Da eröffnet sich uns wieder ein weites Feld. Und für den, der mit Erfahrungen in die Welt blickt, ist es auch jetzt erklärlich, daß die heutige Moderichtung der Medizin dazu kommt, Krankheitsursachen in den äußeren Einwirkungen, besonders in den Bazillen, zu suchen, von denen ein geistreicher Herr nicht mit Unrecht gesagt hat: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Heute kommen Krankheiten von den Bazillen, wie man ehedem gesagt hat, Krankheiten kommen von Gott oder vom Teufel. Im 13.Jahr- hundert sagte man, Krankheiten kommen von Gott, im 15. Jahrhundert sagte man, sie kommen vom Teufel. Später hieß es dann, sie kommen von den Säften, und heute sagt man, die Krankheiten kommen von den Bazillen. Das sind die Ansichten, die sich abgelöst haben im Laufe der Zeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So müssen wir also sprechen von äußeren Ursachen des menschlichen Krankseins oder Gesundseins. Und da kann der gegenwärtige Mensch leicht versucht sein, ein Wort zu gebrauchen, welches im Grunde sehr geeignet ist, in unsere ganze Weltauffassung Unordnung hineinzubringen. Wenn jemand, der vorher ganz gesund war, in eine durch Influenza oder Diphtherie verseuchte Gegend kommt und hernach erkrankt, so wird der heutige Mensch ganz gewiß geneigt sein zu sagen, daß der Betreffende den Krankheitskeim dadurch aufgenommen hat, daß er in jene Gegend gekommen ist, und er wird dann leicht das Wort Zufall gebrauchen. Von zufälligen Einflüssen wird man heute leicht sprechen. - Das Wort Zufall ist so recht eine Crux, ein Kreuz für jede Weltanschauung. Und solange man eigentlich nicht einmal den Versuch macht, sich ein wenig klarzuwerden über das, was man so leicht mit Zufall bezeichnet, wird man auch nicht vordringen können zu einer einigermaßen befriedigenden Weltanschauung. So stehen wir nun am Ausgangspunkt des Kapitels «Natürliche und zufällige Erkrankungen des Menschen». Da geht es aber nicht anders, als daß wir einleitend heute versuchen, auf das Wort Zufall ein wenig Licht zu werfen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ist nicht der Zufall selber etwas, was uns mißtrauisch machen könnte gegen das, was sich der Mensch heute leicht dabei denkt? Ich habe schon früher einmal darauf aufmerksam gemacht, daß ein geistvoller Mann im 18.Jahrhundert nicht ganz unrecht hatte, als er über die Sitte, großen Entdeckern, Erfindern und so weiter Denkmäler zu errichten, den Ausspruch tat, man müßte doch, wenn man den geschichtlichen Verlauf objektiv betrachtet, die weitaus meisten Denkmäler dem «Zufall» errichten! Und sonderbar: Wenn man eingeht auf die Geschichte, kann man merkwürdige Entdeckungen machen über &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
das, was sich hinter dem Zufall verbirgt. Ich habe Ihnen erzählt, daß die Erfindung des Fernrohres dem Spiel zu verdanken ist, das Kinder in einer optischen Werkstätte mit optischen Gläsern getrieben haben; dabei kam eine Konstellation zustande, durch die jemand das Fernrohr zustande brachte. Man könnte auch hinweisen auf die berühmte Lampe im Dom zu Pisa, die schon früher vor Tausenden und Tausenden von Menschen ihre Schwingungen mit derselben Regelmäßigkeit ausgeführt hat wie vor Galilei. Aber erst Galilei probierte, wie die Schwingungen zusammenstimmten mit dem Gang seiner Blutzirkulation, und dadurch kam er zu der Auffindung der Pendelgesetze. Würden wir die Pendelgesetze nicht gehabt haben, so würde unser ganzes Kulturleben einen andern Anstrich bekommen haben. Versuchen Sie, ob Sie nicht in der Menschheitsentwickelung einen Sinn suchen können und ob Sie dann noch sagen möchten, daß nur ein Zufall gewaltet hat, zum Beispiel bei Galilei, und ihn zu dieser wichtigen Entdeckung gebracht hat. Aber nehmen wir einen andern Fall.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denken wir daran, was die Luthersche Bibelübersetzung bedeutet für die Kulturländer der europäischen Welt. Machen wir uns klar, was für einen tiefgehenden Einfluß sie genommen hat auf das religiöse Fühlen und Denken und anderseits auf die Heranbildung dessen, was wir die deutsche Schriftsprache nennen. Ich will nur die Tatsache hin- stellen, ohne davon zu sprechen, wie man über sie denken soll; nur daß sie diesen tiefgehenden Einfluß gehabt hat, will ich betonen. Sie müssen nun doch versuchen, einen Sinn zu sehen in jener Erziehung der Menschheit, die seit mehreren Jahrhunderten durch die Luthersche Bibelübersetzung bewirkt worden ist. Wenn Sie es versuchen, darin einen Sinn zu sehen, dann stellen Sie einmal neben dasjenige, was Sie so geistvoll wie möglich über den Sinn der Entwickelung seit dem 16. bis 17. Jahrhundert sagen können, die folgende Tatsache:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Luther hat sich bis zu einer gewissen Zeit seines Lebens tief beschäftigt mit allem, was seine eigene Persönlichkeit zu einer Art von Gotteskindschaft führen könnte durch die Bibellektüre. Er war übergegangen von der Gepflogenheit der Augustiner, vorzugsweise die Kirchenväter zu lesen, zu dem Genuß des Lesens der Bibel selber. Aber alles sprach jetzt dafür, daß sich in seiner Seele entzünden sollte die Gotteskind&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
schaft in einem umfassenden Gefühl. Und von diesem Gesichtspunkt aus oblag er seinem theologischen Lehramt in der ersten Wittenberger Period,e. Die Tatsache, die ich nun hervorheben möchte, ist die, daß Luther eine gewisse Abneigung hatte, sich den theologischen Doktortitel zu verschaffen, und daß er in einer zufälligen Unterredung, als er einmal zusammensaß mit einem alten Freunde des ErfurterAugustinerklosters, wirklich überredet worden ist, sich den theologischen Doktorhut zu erringen. Das hieß aber nun für ihn ein nochmaliges und wie,der-~ holtes Studium der Bibel. Da hat also das zufällige Zusammensitzen mit seinem Freunde zu einem nochmaligen Studium der Bibel geführt und dann zu alledem, was dadurch zum Ausdruck gekommen ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Versuchen Sie den Sinn für das, was für die letzten Jahrhunderte angedeutet worden ist, zusammenzuhalten mit der Tatsache, daß Luther einmal mit jenem Freunde zusammengesessen hat und sich zur Erringung des theologischen Doktorhutes hat überreden lassen: Da werden Sie eine merkwürdig groteske Zusammenstellung zu machen genötigt sein zwischen dem Sinn der Entwickelung und dem zufälligen Ereignis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was Sie zunächst aus dem Gesagten herauslesen werden, ist, daß es sich vielleicht doch mit der Bedeutung des Zufalles etwas anders verhalten könne, als man gewöhnlich denkt. Gewöhnlich denkt man, daß der Zufall etwas sei, was sozusagen durch die Naturgesetze, durch die Gesetze des Lebens sich überhaupt nicht restlos erklären lasse, daß er eine Art von Überschuß bilde gegenüber dem, was sich erklären läßt. Nehmen Sie nun zu dem, was eben gesagt worden ist, die Tatsache, die uns ja schon zum Verständnis so vieler Seiten des Lebens verholfen hat: daß der Mensch in seiner Individualität seit seinem Erdendasein unterworfen war den beiden Kräften des luziferischen und des ahrimanischen Prinzips. Diese Kräfte und Prinzipien spielen fortwährend in den Menschen hinein, wobei die luziferischen Kräfte mehr dadurch wirken, daß sie das Innere des astralischen Leibes des Menschen ergreifen, während die ahrimanischen Kräfte mehr wirken durch das, was der Mensch als äußere Eindrücke empfängt. In dem, was wir von der Außenwelt empfangen, sitzen die ahrimanischen Kräfte; und in dem, was als Lust oder Unlust, als Affekte und so weiter in der Seele aufsteigt und wirkt, sitzen die luziferischen Kräfte. Nun führt sowohl das &lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Iuziferische wie das ahrimanische Prinzip dazu, daß wir uns Täuschungen hingeben; das luziferische Prinzip führt dazu, daß wir uns über unser eigenes Inneres Täuschungen hingeben, daß wir über unser eigenes Inneres falsch urteilen können, eine Illusion im eigenen Inneren schauen können. Es wird Ihnen nicht schwer werden, wenn Sie das Leben vernünftig betrachten, diese Maja im eigenen Seelenleben gewahr zu werden. Versuchen Sie es zu betrachten, wie unendlich oft sich der Mensch einredet, er tue dieses oder jenes aus diesem oder jenem Grunde. Er tut es aber gewöhnlich aus einem ganz andern Grunde, der wesentlich tiefer sitzt; aber er erklärt sich die Handlung, zu der er getrieben wird durch Zorn und Leidenschaft, in seinem Oberbewußtsein auf eine ganz andere Art. Namentlich versucht er das, was in der Welt nicht geschätzt wird, hinwegzudekretieren. Und wenn der Mensch aus recht egoistischen Affekten heraus zu etwas getrieben wird, werden Sie es oft erleben können, daß er seinen grobklotzig-egoistischen Trieben ein unegoistisches Mäntelchen umhängt und erklärt, warum es hat geschehen müssen. Der Mensch weiß aber gewöhnlich selbst nicht, daß er so vorgeht. Wenn er es weiß, tritt gewöhnlich schon der Anfang zu einer Besserung mit einem gewissen Schamgefühl ein. Das schlimmste ist, daß der Mensch aus der Tiefe seiner Seele heraus zu etwas getrieben wird - und sich dann ein Motiv ausdenkt, aus dem er die betreffende Handlung getan habe. Das haben auch schon die modernen Psychologen bemerkt. Aber nur weil heute so wenig psychologische Bildung vorhanden ist, kommen derartig groteske Ausbildungen solcherWahrheiten zustande, wie das bei den heutigen materialistischen Psychologen der Fall ist. Sie kommen zu ganz eigenartigen Ausdeutungen des Lebens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Derjenige, der als Geistesforscher eine solche Tatsache bemerkt, wird sie natürlich in ihrer wahren Bedeutung durchschauen und so charakterisieren, daß in der Tat die zwei Dinge zusammenwirken: das Bewußtsein, und das, was als die tieferen Gründe unter der Schwelle des Bewußtseins waltet. Bemerkt es aber ein materialistischer Psychologe, so wird er die Sache anders behandeln. Da spintisiert er gleich eine Theorie heraus über den Unterschied zwischen dem Vorwand, den der Mensch zu einer Handlung annimmt, und zwischen dem eigentlichen Motiv. - Wenn zum Beispiel ein Psychologe spricht über die heute so &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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viel notierten Schülerselbstmorde, so sagt er, was als Vorwand dazu angeführt würde, das sei nicht das eigentliche Motiv; die eigentlichen Motive lägen viel tiefer: sie lägen meistens in einem irregeleiteten Geschlechtsleben. Diese würden umgewandelt, so daß sie dann dem Bewußtsein diese oder jene Gründe vortäuschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine solche Sache kann oft richtig sein. Aber es würde sie derjenige nIe zu einer umfassenden Theorie machen, der nur ein wenig berührt worden wäre von einer wahrhaft tieferen psychologischen Denkungsart. Eine solche Theorie kann leicht widerlegt werden, denn der Betreffende müßte bedenken: Wenn wirklich der Fall so liegt, daß der Vorwand nichts ist und das Motiv alles, so müßte man das auch bei diesem Psychologen anwenden können und sagen: Es ist also auch bei dir dasjenige, was du hier vorbringst und als Theorie entwickelst, nur Vorwand; suchen wir nach den tieferen Gründen, so sind vielleicht deine angegebenen Gründe ganz derselben Natur. - Hätte ein solcher Psychologe ernsthaft gelernt, warum ein Urteil unmöglich ist, das nach einem solchen Schluß aufgebaut ist wie: Alle Kretenser sind Lügner -, und daß ein solches Urteil schief ist, wenn es ein Kretenser selbst sagt; hätte er gelernt den Grund, warum das so ist, so hätte er auch gelernt, was für sonderbare Zirkelschlüsse dadurch herauskommen, daß man auf gewissen Gebieten Behauptungen auf sich selber zurücktreiben kann. Aber es ist eben fast in dem ganzen Umfange unserer Literatur eine außerordentlich geringe wirklich tiefere Bildung vorhanden. Daher bemerken die Leute dasjenige, was sie selbst tun, gewöhnlich durchaus nicht mehr. Deshalb wird es gerade für die Geisteswissenschaft durchaus notwendig sein, daß solche logischen Konfusionen nach jeder Hinsicht vermieden werden. Am wenigsten vermeiden solche logischen Konfusionen die modernen Philosophen, die sich mit Seelenwissenschaft beschäftigen. Und unser Beispiel ist ein typisches dafür. Wir sehen daran die Streiche, die luziferische Einflüsse dem Menschen spielen, so daß sie ihm das Seelenleben in eine Maja verwandeln und daß er sich ganz andere Motive vortäuschen kann, als sie wirklich in seinem Inneren walten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf diesem Gebiete sollte der Mensch versuchen, eine strengere Selbsterziehung zu handhaben. Heute handhabt sich das Wort gewöhnlich&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
sehr leicht. Aber dieses Wort ist auch ein furchtbarer Verführer. Und wenn das Wort nur schön klingt und nur ein klein wenig den Eindruck macht, daß ein Satz eine wohltätige Handlung vorstellt, dann wird schon das Schönklingen des Satzes Verführer sein, zu glauben, daß das betreffende Motiv in der Seele sei, während in Wahrheit das egoistische Prinzip dahinterstecken kann, von dem der Betreffende gar keine Ahnung zu haben braucht, weil er gar nicht den Willen hat, wirkliche Selbsterkenntnis zu treiben. So sehen wir Luzifer auf der einen Seite wirken. Wie wirkt nun Ahriman auf der andern Seite?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ahriman ist das Prinzip, das sich in unsere Wahrnehmungen mischt und von außen in uns hineinzieht. Nun wirkt Ahriman am allerstärksten in den Fällen, wo wir das Gefühl haben: Hier kommst du mit deinem Denken nicht mehr nach; da stehst du an einem kritischen Punkt mit deinem Denken, da fängt sich das Denken wie in einem Gedankenknäuel. - Da ergreift das ahrimanische Prinzip die Gelegenheit, um wie durch einen Spalt der Außenwelt in uns einzudringen. Wenn wir den Gang der Weltereignisse verfolgen und die mehr offenbaren Ereignisse ansehen, wenn wir zum Beispiel die heutige Physik zurückverfolgen bis zu dem Moment, wo Galilei vor der schwingenden Kirchenlampe im Dom zu Pisa saß, so können wir ein Gedankennetz über alle Ereignisse spinnen, das uns die Sache leicht erklärt; überall werden uns die Dinge erklärlich werden. Da aber, an der Stelle, wo wir zu der schwingenden Kirchenlampe kommen, da verwickeln sich unsere Gedanken. Da ist das Fenster, wo die ahrimanischen Kräfte am allerstärksten in uns eindringen, und da hört unser Denken auf, dasjenige aus den Erscheinungen zu begreifen,wasVernunft und Verständnis in die Sache hineinbringen kann. Da sitzt aber auch das, was man den Zufall nennt. Er sitzt da, wo uns Ahriman am allergefährlichsten wird. Diejenigen Erscheinungen nennt der Mensch zufällig, bei denen er durch den ahrimanischen Einfluß am allerleichtesten getäuscht werden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So wird der Mensch verstehen lernen, daß es nicht in der Natur der Tatsachen liegt, wenn er irgendwo veranlaßt wird, von Zufall zu sprechen, sondern daß es an ihm, an seiner Entwickelung liegen wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und er wird sich nach und nach dazu erziehen müssen, Maja und Illusion zu durchdringen, das heißt, dort die Dinge zu durchdringen, wo&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|112}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ahriman am stärksten wirkt. Und gerade wo wir zu sprechen haben von wichtigen Krankheitsursachen und von einem Licht, das sich über manchen Krankheitsverlauf breiten soll, da werden wir es nötig haben, von dieser Seite her die Erscheinungen anzugreifen. Da werden wir zuerst zu verstehen suchen, inwiefern es kein Zufall ist, wenn ein Mensch gerade mit demjenigen Eisenbahnzug fährt, durch den er umkommen kann, oder wie die Dinge liegen, durch die ein Mensch gerade in einer bestimmten Zeit irgendeinem von außen wirkenden Krankheitskeim ausgesetzt ist oder einer andern Krankheitsursache. Und wenn wir mit eIner geschärften Erkenntnis den Dingen nachgehen können, werden wir imstande sein, das wahre Wesen und die ganze Bedeutung des Krankseins und des Gesundseins für das menschliche Leben noch tiefer zu begreifen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich mußte heute in ausführlicherer Weise zeigen, wie im Inneren des Menschen Luzifer zur Illusion führt und wie Ahriman sich in die äußeren Wahrnehmungen mischt und dort zur Maja führt; wie es eine Wirkung Luzifers ist, wenn sich der Mensch ein falsches Motiv vor- täuscht, und wie die falsche Annahme gegenüber der Welt der Erscheinungen - die Täuschung durch Ahriman - uns zu der Annahme eines Zufalls bringt. Diesen Grund mußte ich schaffen, bevor ich zeigen kann, wie die karmischen Ereignisse, die Ergebnisse des früheren Lebens, beim Menschen auch da wirken und auch da die Erscheinungen erklären, wo scheinbar zufällige äußere Veranlassungen zur Erzeugung von Krankheiten wirken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|113}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= SECHSTER VORTRAG Hamburg, 21. Mai 1910 =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daß eine karmische Gesetzmäßigkeit dann wirken kann, wenn in dem gestern und vorgestern angedeuteten Sinne von dem Inneren des Menschen heraus die Krankheitsursache sich geltend macht, das wird ja leicht begreiflich sein. Wenn aber die Krankheitsursache in gewissem Sinne von außen hereinwirkt - und für wie vielerlei wird heute von der Wissenschaft die Krankheitsursache draußen gesucht in der Infektion -, wenn also das Hauptaugenmerk gerichtet werden muß auf eine äußere Veranlassung zur Krankheit: daß dann die karmische Gesetzmäßigkeit - das, was sich der Mensch als Wirkungen der Erlebnisse und Handlungen seines früheren Lebens mitgebracht hat durch die Geburt - auch in der Weise wirken kann, daß sie diese äußeren Krankheitsursachen herbeischafft, das scheint gewiß vielen noch, und mit Recht, weniger begreiflich zu sein. Dennoch aber werden wir, wenn wir noch weiter die eigentliche Wesenheit des Karma verfolgen, nicht nur verstehen lernen, wie äußere Ursachen zusammenhängen können mit dem, was wir in früheren Leben erlebt und getan haben, sondern wir werden sogar begreifen lernen, daß äußere Lebensunfälle, die uns treffen, also Ereignisse, die man so gern heute zufällig nennen möchte, in einem gesetzmäßigen Zusammenhange stehen können mit dem Verlauf voriger Leben. Allerdings werden wir noch etwas tiefer eindringen müssen in die ganze Natur der menschlichen Wesenheit, wenn wir gerade derartige, eigentlich durch unser ganzes menschliches Anschauen verschleierte Verhältnisse beleuchten wollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir haben ja gestern damit geschlossen, daß wir gezeigt haben, wie der Zufall uns immer eigentlich in einer verschleierten Gestalt das äußere Ereignis darbietet, weil an den Stellen, wo wir vom Zufall sprechen, die Möglichkeit der äußeren Täuschung, die durch die ahrimanischen Mächte herbeigeführt wird, am größten ist. Nun wollen wir einmal das Zustandekommen solcher Zufälligkeiten, das heißt solcher Ereignisse, die man im gewöhnlichen Leben als «Zufälligkeiten» bezeichnet, in einzelnen Fällen vor uns hinstellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|114}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da ist es notwendig, daß wir uns zuerst ein Gesetz, eine Wahrheit, eine Erkenntnis vorhalten: daß im Leben gar manches,was wir mit dem Ausdruck bezeichnen «von innen herauskommend», «von dem Inneren des Menschen stammend», sich schon eigentlich in eine Täuschung kleidet, weil mancherlei, was wir zunächst als im Inneren des Menschen verursacht glauben, wenn wir in Wahrheit über die Illusion hinaus- kommen, schon als etwas von außen nach innen Strömendes bezeichnet werden muß. Und ein solches tritt uns immer da entgegen, wo wir es zu tun haben mit allen jenen Erlebnissen des Menschen, allen jenen Wirkungen auf den Menschen, welche wir begreifen unter dem Namen der «vererbten Merkmale». Die vererbten Merkmale, die uns so entgegen- treten, als ob wir sie nur deshalb hätten, weil sie unsere Vorfahren auch hatten, können uns im eminentesten Maße erscheinen, als ob sie uns ohne unsere Schuld, ohne unser Zutun zugefallen wären. Und wir können leicht zu einer falschen Unterscheidung dessen kommen, was wir uns aus unseren früheren Inkarnationen mitbringen, von dem, was wir von Eltern oderVoreltern geerbt haben. Nun aber geschieht das Wieder- ein treten in eine Verkörperung keineswegs so, als ob wir ohne irgendeine Veranlassung, die mit unserem Inneren zusammenhängt, zu diesem oder jenem Elternpaar, zu diesem oder jenem Volk, in diese oder jene Gegend hingedrängt würden. Schon bei den durchaus nicht in das Gebiet der Krankheiten hineinfallenden vererbten Merkmalen dürfen wir so etwas keineswegs voraussetzen, sondern wir müssen uns sagen: Wenn zum Beispiel in einer Familie, wie der des Musikers Bach, durch viele Generationen hindurch immer wieder und wieder kleinere und größere Musiker geboren wurden - der eine ist dann gewöhnlich hervorragender, aber in der Familie Bach sind über zwanzig mehr oder weniger begabte Musiker geboren worden -, so könnte man leicht glauben, daß man es mit der reinen Vererbungslinie zu tun hätte, daß also Merkmale von den Vorfahren vererbt werden und daß der Mensch gerade deshalb, weil solche Merkmale vorliegen, gewisse aus früheren Inkarnationen mitgebrachte Eigenschaften zu musikalischen Talenten entfaltet. Das ist aber nicht so, sondern die Sache verhält sich vielmehr ganz anders.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen wir an, es würde jemand in einem Leben zwischen Geburt und Tod Gelegenheit haben, viele musikalische Eindrücke zu empfangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|115}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese musikalischen Eindrücke gingen aber in diesem Leben an ihm vorüber, einfach aus dem Grunde, weil er kein musikalisches Ohr hatte. Andere Eindrücke seines Lebens werden nicht an ihm in derselben Weise vorübergehen, weil er gerade so gebaute Organe hat, daß er die Erlebnisse und Eindrücke in eigene Fähigkeiten umsetzen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daher werden wir sagen können, ein Mensch habe in seinem Leben solche Eindrücke, die er durch die Anlage, welche er von seiner letzten Geburt mitbekommen hat, umzusetzen vermag in Fähigkeiten und Talente; andere Eindrücke hat er, welche er vermöge seines Gesamt karma, weil er durch dieses nicht die entsprechenden Anlagen erhalten hat, nicht umsetzen kann in die entsprechenden Fähigkeiten. Die bleiben aber vorhanden, bleiben aufgespeichert und bilden sich um in der Zeit zwischen Tod und neuer Geburt zu der besonderen Tendenz, in der nächsten Inkarnation nunmehr zum Ausleben zu gelangen. Und diese Tendenz führt den Menschen dahin, im nächsten Leben seine Leiblichkeit gerade in einer solchen Familie zu suchen, welche ihm die entsprechenden Anlagen geben kann. Hat also jemand viele musikalische Eindrücke empfangen und sie wegen eines unmusikalischen Ohres nicht umwandeln können in musikalische Fähigkeiten oder Genüsse, so wird gerade diese Unmöglichkeit die Tendenz in seiner Seele hervorrufen, in eine solche Familie hineinzukommen,welche ihm ein musikalisches Ohr vererben kann. So verstehen wir es, daß, wenn in einer Familie sich der Bau des Ohres ebenso vererbt wie etwa die äußere Form der Nase, alle diejenigen Individualitäten sich zusammendrängen werden in diese Familie, die gerade lechzen - infolge ihrer früheren Inkarnation - nach dem Besitz eines musikalischen Ohres. Und so sehen wir, daß der Mensch in der Tat nicht «zufällig» in irgendeiner Inkarnation ein musikalisches Ohr oder ähnliches geerbt hat, sondern daß er diese vererbten Merkmale gesucht hat, wirklich aufgesucht hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beobachten wir jetzt einen solchen Menschen vom Zeitpunkt seiner Geburt an, dann wird es uns so vorkommen, als ob das musikalische Ohr in ihm wäre, eine Eigenschaft in seinem Inneren. Würden wir aber mit unseren Betrachtungen hinübergehen vor seine Geburt, so würden wir finden, wie das musikalische Ohr, das er sich erst aufgesucht hat, etwas ist, was von außen an ihn herangekommen ist. Vor der Geburt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|116}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
oder Empfängnis war das musikalische Ohr nicht etwas, was in seinem Inneren war, sondern da war nur die Tendenz vorhanden, zu einem solchen Ohr hingetrieben zu werden. Da hat der Mensch ein Äußeres an sich herangezogen. Vor der Wiederverkörperung war die Eigenschaft, die wir nachher eine vererbte nennen, etwas Äußeres; das ist an den Menschen herangekommen, er ist dazu hingeeilt. Mit der Verkörperung wird es dann etwas Inneres und tritt in dem Inneren dieses Menschen auf. - Reden wir also von «vererbten Anlagen», so geben wir uns wieder einer Täuschung hin, welche darin besteht, daß wir etwas, was erst ein Innres geworden ist, nicht in jenem Zeitpunkt betrachten, wo es noch ein Äußeres war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fragen wir uns nun einmal, ob es so wie in diesem Falle, den wir jetzt angeführt haben, nicht auch mit äußeren Ereignissen sein könnte, welche während unseres Lebens zwischen Geburt und Tod eintreten, daß auch da ein Äußeres sich in ein Inneres verwandeln könnte? - Diese Frage würden wir uns nicht beantworten können, wenn wir nicht noch tiefer als bisher das Wesen von Krankheit und Gesundheit ins Auge fassen. Wir haben mancherlei angeführt, um Krankheit und Gesundheit zu charakterisieren, und Sie wissen, daß ich nicht definiere, sondern versuche, nach und nach die Dinge zu beschreiben, immer mehr Merkmale zu den Dingen hinzuzufügen, damit sie nach und nach begreiflich werden. Also mehr Merkmale wollen wir jetzt hinzufügen zu den schon gewonnenen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir müssen Krankheit und Gesundheit vergleichen mit etwas, was Im normalen Leben auftritt; dann werden wir etwas noch Tieferes finden&amp;gt; nämlich den Vergleich mit Schlafen und Wachen. Was geschieht im Menschenwesen, wenn die täglichen Zustände Wachen und Schlafen miteinander abwechseln? Wir wissen&amp;gt; daß beim Einschlafen im Bette zurückgelassen wird der physische Leib und der Ätherleib und daß herausgehen aus dem physischen Leib und dem Ätherleib der astralische Leib und das Ich. Es ist also das Einschlafen für uns ein Herausziehen von Ich und astralischem Leib aus physischem Leib und Ätherleib; das Aufwachen dagegen ist ein Wiederhineingehen des astralischen Leibes und des Ich in den physischen Leib und Ätherleib. Jeden Morgen beim Aufwachen taucht also der Mensch unter in seinen physischen Leib und&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|117}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ätherleib mit dem, was er als innerer Mensch, als astralischer Leib und als Ich ist. Was geschieht nun in bezug auf das, was sich im Menschenwesen als Erlebnis abspielt beim Einschlafen und beim Aufwachen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir den Moment des Einschlafens ins Auge fassen, so stellt ersich uns so dar, daß alle Erlebnisse, die vom Morgen bis zum Abend inunserem Leben auf und ab fluten, daß vor allem die Seelenerlebnisse Lust und Leid, Freude und Schmerz, Leidenschaften, Vorstellungen und so weiter hinuntersinken in ein Unbewußtes. Wir selber sind im normalen Leben, wenn wir schlafen, einem Unbewußten hingegeben.Warum werden wir mit dem Einschlafen unbewußt? - Wir wissen ja, daß wir während des Schlafzustandes von einer geistigen Welt umgeben sind, wie wir imWachzustande umgeben sind von den Dingen und Tatsachen der physisch-sinnlichen Welt. Warum sehen wir diese geistige Welt nicht? Im gewöhnlichen normalen Leben sehen wir die geistigen Tatsachen und geistigen Dinge, die um uns herum sind, aus dem Grunde nicht, weil für uns dieses Sehen bei der gegenwärtigen Menschenreife vom Einschlafen bis zum Aufwachen im höchsten Grade gefahrbringend wäre. In dem Augenblick, wo der Mensch heute bewußt übergehen würde in die Welt, die ihn zwischen Einschlafen und Aufwachen um- gibt, würde zwar sein astralischer Leib, der ja während der alten Mondenzeit seine volle Ausbildung erfahren hat, in die geistige Welt aus- fließen; aber nicht könnte es das Ich, das ja erst während der Erdenzeit sich entwickeln soll und vollständig entwickelt sein wird am Ende der Erdenzeit. Das Ich ist noch nicht so voll entwickelt, daß es vom Einschlafen bis zum Aufwachen seine volle Tätigkeit entfalten könnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist mit dem Ich so, daß wir den Zustand, in den es käme, wenn der Mensch bewußt einschlafen würde, damit vergleichen könnten, daß wir sagen: Nehmen wir an, wir haben ein kleines Tröpfchen einer gefärbten Flüssigkeit, das bringen wir in ein Bassin mit Wasser und lassen es sich darinnen verteilen. Dann wird man von der Farbe dieses Tröpfchens nichts mehr sehen, weil es sich in der ganzen breiten Masse hat auflösen müssen. - So etwas geschieht auch, wenn der Mensch im Einschlafen aus dem physischen Leib und Ätherleib herausgeht. Physischer Leib und Ätherleib sind das, was die ganze menschliche Wesenheit zusammenhält. In dem Augenblick, wo der astralische Leib und das Ich &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|118}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die beiden unteren Glieder verlassen, streben sie auseinander nach allen Seiten hin, haben nur das Bestreben, sich fortwährend auszudehnen. Es würde also dem Ich so gehen, daß es aufgelöst würde, und der Mensch würde vor sich haben zwar die Bilder der geistigen Welt, aber er würde sie mit denjenigen Kräften, die nur sein Ich entfalten kann - denn das Ich wäre ja aufgelöst -, also mit Urteilskräften und Begriffsvermögen und so weiter, nicht verfolgen können, also nicht mit demselben Bewußtsein, mit welchem er die Zustände des Alltags verfolgt. Er würde außer sich sein, würde hin und her gerissen, wesens- und richtungslos schwimmend auf dem Meere der astralischen Eindrücke. Aus diesem Grunde, weil das Ich noch nicht stark genug ist im normalen Zustande des Menschen, wird das Ich so lange zurückwirken auf den astralischen Leib und ihn verhindern, bewußt einzutreten in seine eigentliche Heimat, in die geistige Welt, bis das Ich selber überall mit hin kann, wohin der astralische Leib dringt. So also hat es einen guten Sinn, daß wir das Bewußtsein verlieren im Einschlafen. Wir könnten unser Ich nicht erhalten. Wir werden es erst erhalten können in genügender Weise, wenn die Erdentwickelung an ihrem Ende angekommen sein wird. Deshalb sollen wir auch unseren astralischen Leib nicht entfalten können in bezug auf seine Bewußtseinsfähigkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gerade das Umgekehrte tritt ein, wenn der Mensch aufwacht. Wenn er aufwacht und untertaucht in den physischen Leib und Ätherleib, würde er eigentlich erleben müssen das Innere des physischen Leibes und des Ätherleibes. Das tut er aber nicht. Im Augenblick des Aufwachens wird er verhindert, hineinzuschauen in das Innere seiner Leiblichkeit, denn da wird gleich die Aufmerksamkeit auf die äußeren Erlebnisse gelenkt. Da wird nicht seine Sehkraft, seine Erkenntniskraft dahin gelenkt, sein Inneres zu durchschauen, sondern sie wird abgelenkt auf die Außenwelt. Würde der Mensch sich im Inneren ergreifen, so würde genau das Gegenteil eintreten von dem, was eintritt, wenn sich der Mensch bewußt beim Einschlafen in die geistige Welt hineinbegeben könnte. Alles, was der Mensch sich schon im Verlaufe des Erdenlebens an Geistigem durch sein Ich errungen hat, das würde sich zusammendrängen und es würde jetzt im physischen Leibe und Ätherleibe nach demUntertauchen mit aller Kraft auf ihn wirken. Das würde zur Folge &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|119}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
haben, daß alles, was nur irgendwie egoistische Eigenschaft ist, sich mit aller Macht entfalten würde. Und der Mensch würde hinuntertauchen mit seinem Ich und würde mit jedem Stück, mit dem er hinuntertaucht, seine Leidenschaften,Triebe und Begierden in einem immer kraftvolleren Egoismus ergießen. Aller Egoismus würde sich ergießen in sein Trieb- leben. Damit das nicht geschieht, werden wir abgelenkt auf die Außenwelt und nicht mit unserem Bewußtsein in unser Inneres hineingelassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daß das so ist, kann auch aus den Berichten derjenigen hervorgehen, die als Mystiker versuchten, wirklich hineinzukommen in das menschliche Innere. Sehen Sie sich um bei Meister Eckart, bei Johannes Tauler oder bei sonstigen Mystikern des Mittelalters, welche wirklich den Gang in das menschliche Innere unternommen haben. Da haben Sie Mystiker, welche sich hingegeben haben einem Zustand, wo sie ihre Aufmerksamkeit vollständig ablenkten von dem, was sie an der Außenwelt interessieren konnte, um hinunterzusteigen in das eigene Innere. Lesen Sie die Biographien der Heiligen oder der Mystiker, die in das eigene Innere hineinzusteigen versuchten. Was haben sie erfahren? Versuchungen, Anfechtungen und dergleichen, die sie in lebendigen Farben schildern. Das war dasjenige, was sich aus dem zusammengepreßten astralischen Leib und Ich als eine Widerkraft geltend machte. Daher haben diejenigen, welche sozusagen ungeschoren als Mystiker in das eigene Innere hinuntersteigen wollten, mit aller Macht darauf gedrungen, daß in demselben Maße, als sie hinunterstiegen, das Ich ausgelöscht würde. Ein schönes Wort hat sogar Meister Eckart gefunden, um dieses Hinuntersteigen in die eigene Leiblichkeit zu bezeichnen. Er spricht von «Entwerdung&amp;gt;, das heißt Auslöschen des Ich. Und lesen Sie in der «Deutschen Theologie», wie der Verfasser darstellt den mystischen Gang in das menschliche Innere, wie er darauf dringt, daß derjenige, der hinuntersteigen will in die Leiblichkeit, nic`ht mehr aus seinem Ich handelt, sondern daß in ihm der Christus handelt, mit dem er sich ganz durchdrungen hat. Auslöschen wollten solche Mystiker ihr Ich. Nicht sie sollen denken, fühlen und wollen, sondern der Christus in ihnen soll denken, fühlen und wollen, damit nicht dasjenige aus ihnen herauskommt, was in ihnen als Leidenschaften, Trieb und Begierde lebt, sondern damit dasjenige herauskommt, was sich als der &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|120}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Christus in sie ergießt. Daher sagt Paulus: «Nicht ich, sondern der Christus in mir»! Aus solchen Tiefen gehen solche Dinge hervor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So können wir schildern Aufwachen und Einschlafen als innere Erlebnisse der menschlichen Wesenheit: Aufwachen als ein Hinunter- tauchen der zusammengepreßten Ichheit in die Leiblichkeit des Menschen, Einschlafen als ein Sich-Befreien vom Bewußtsein, weil man noch nicht reif ist, in jener Welt zu schauen, in die man eigentlich hin- eindringen muß beim Einschlafen. Dadurch verstehen wir Wachen und Schlafen in jenem Sinne, in welchem wir mancherlei in der Welt verstehen müssen: als das Sich-Durchdringen der verschiedenen Glieder der menschlichenWesenheit. Betrachten wir von diesem Gesichtspunkte aus einen wachenden Menschen, so sagen wir: In dem wachenden Menschen stecken darinnen vier Glieder der menschlichen Wesenheit: physischer Leib, Ätherleib, astralischer Leib und Ich, und sie stecken in einer bestimmtenWeise ineinander.Was folgt daraus? Eben das Wachen! Denn es könnte der Mensch nicht wachen, wenn er nicht so hineinsteigen würde in seine Leiblichkeit, daß die Aufmerksamkeit durch die Außenwelt abgelenkt würde. Gerade von einem ganz bestimmten, geregelten Zusammenwirken der vier Glieder des Menschen hängt es ab, daß der Mensch wacht. Und wieder von dem richtigen Getrenntsein seiner vier Glieder hängt es ab, daß der Mensch schläft. Wir reichen damit nicht aus, daß wir sagen: Der Mensch besteht aus physischem Leib, Ätherleib, astralischem Leib und Ich, sondern wir verstehen den Menschen erst dann&amp;gt; wenn wir wissen, in welchem Grade die verschiedenen Glieder bei einem bestimmten Zustande miteinander verknüpft sind, wie sie ineinanderstecken. Das ist dasWesentliche für die Erkenntnis der menschlichen Natur. Nun betrachten wir die Art des Zusammengefügtseins der vier Glieder des Menschen, wie es uns beim wachen- den Menschen entgegentritt, als das Normale. Wir wollen einmal von diesem Begriff ausgehen: als das Normale den Zustand des wachenden Menschen zu betrachten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun werden sich die meisten von Ihnen erinnern, daß das Bewußtsein, welches wir gegenwärtig als Erdenmenschen haben zwischen Geburt und Tod, nur eine ist von den überhaupt möglichen Bewußtseinsformen. Wenn Sie zum Beispiel die «Geheimwissenschaft im Umriß» &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|121}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
oder die früheren Aufsätze «Aus der Akasha-Chronik» studieren, so werden Sie sehen, daß das heutige Bewußtsein eine Bewußtseinsstufe unter sieben verschiedenen Bewußtseinsstufen ist, daß dieses Bewußtsein, das wir heute haben, sich erst entwickelt hat aus drei andern, vorangegangenen Bewußtseinszuständen und sich später entwickeln wird zu drei andern, nachfolgenden Bewußtseinsformen. Während der Mensch Mondenmensch war, hatte er noch kein Ich. Das Ich verband sich mit dem Menschen erst während der Erdenzeit. Daher konnte der Mensch auch die heutige Art des Bewußtseins erst während der Erden- zeit haben. Ein solches Bewußtsein wie das, was wir heute haben zwischen Geburt und Tod, setzt voraus, daß das Ich genau so, wie es heute der Fall ist, mit den andern drei Gliedern zusammenwirkt und das h&amp;amp;hste ist unter den vier Gliedern der menschlichen Wesenheit. Bevor der Mensch mit dem Ich befruchtet worden ist, bestand er nur aus physischem Leib, Ätherleib und astralischem Leib. Da war der astralische Leib sein höchstes Glied, und sein Bewußtseinszustand war ein solcher, daß wir ihn heute höchstens, wenn wir etwas aus dem gewöhnlichen Leben nehmen, mit dem vergleichen könnten, was der Mensch sich wie ein altes Erbstück erhalten hat im Traumbewußtsein. Aber Sie müssen sich nicht das heutigeTraumbewußtsein vorstellen, sondern ein solches, das in den Bildern des Traumes Realitäten`wiedergibt. Wenn Sie den heutigen Traum studieren, werden Sie in den yerschiedensten Bildern recht viel Chaotisches finden, weil das heutige Traumbewußtsein ein altes Erbstück ist. Aber wenn Sie das Bewußtsein, welches dem heutigen vorangegangen ist, studieren würden, dann würden Sie finden, daß Sie äußere Gegenstände, zum Beispiel Pflanzen, damals nicht würden gesehen haben. Also es wäre ein äußerer Eindruck auf den Menschen unmöglich gewesen. Wenn etwas in die Nähe des Menschen gekommen wäre, hätten Sie einen Eindruck bekommen, der seinen Umweg nimmt über das Traumbild in das menschliche Innere, das also ein Sinnbild ist, welches aber einem bestimmten äußeren Gegenstande und Eindruck entsprochen haben würde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also wir haben es vor dem Ich-Bewußtsein zu tun mit einem solchen Bewußtsein, das an den astralischen Leib als das damals höchste Glied gebunden ist, das astralische Bewußtsein, das dumpf und dämmerhaft &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|122}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ist und noch nicht durchleuchtet ist von dem Lichte des Ich. Dieses astralische Bewußtsein ist beim Menschen, als er Erdenmensch geworden ist, überleuchtet worden, übertönt worden von dem Ich-Bewußtsein. Nun ist aber der astralische Leib noch immer in uns, und wir können fragen: Wodurch ist das geschehen, daß unser astralisches Bewußtsein überhaupt hat übertönt, ausgeschaltet werden können, so daß das Ich-Bewußtsein ganz an seine Stelle treten konnte? - Das wurde dadurch möglich, daß durch die Befruchtung des Menschen mit dem Ich die frühere Verbindung zwischen astralischem Leib und Ätherleib zu einer viel loseren gemacht worden ist. Es ist sozusagen die frühere innigere Verbindung gelöst worden. Also es war vor dem Ich-Bewußtsein eine viel innigereVerbindung vorhanden zwischen dem astralischen Leib des Menschen und den niedrigeren Gliedern seiner Wesenheit. Esdrängte sich der astralische Leib viel mehr hinein in die andern Glieder, als er es heute tut. Entrissen worden ist in einer gewissen Beziehung der` astralische Leib dem Ätherleib und dem physischen Leib.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun müssen wir uns einmal diesen Vorgang des sozusagen teilweisen Herausgehens, des Losemachens des astralischen Leibes von Ätherleib und physischem Leib ganz klarmachen. Dann werden wir uns fragen: Gibt es vielleicht auch heute noch die Möglichkeit, bei unserem gewöhnlichen Ich-Bewußtsein etwas herzustellen, was dieser alten Verbindung ähnlich wäre? Könnte es auch heute im Menschenleben geschehen, daß der astralische Leib tiefer hinein will in die andern Glieder, als er soll, sich mehr mit allerlei imprägniert und durchdringt, als es ihm zukommt?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also ein gewisses Normalmaß ist notwendig für das Durchdringen des astralischen Leibes mit Ätherleib und physischem Leib. Nehmen wir nun an, das Normalmaß wird nach irgendeiner Richtung hin überschritten. Dann wird eine Störung eintreten müssen im ganzen menschlichen Organismus; denn was der Mensch heute ist, das hängt davon ab, daß dieses bestimmte Verhältnis zwischen den verschiedenen Wesensgliedern da ist, das uns im wachenden Menschen vor Augen tritt. In dem Augenblicke, wo sich der astralische Leib unrichtig benimmt, wo er tiefer hineindringt in physischen Leib und Ätherleib, muß eine Störung auftreten. Nun haben wir aber in den letzten Betrachtungen gesehen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|123}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
daß das, was wir jetzt folgern, wirklich geschieht. Wir haben den ganzen Vorgang nur von der andern Seite her dargestellt. Wann geschieht es denn?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es geschieht dann, wenn der Mensch in einem früheren Leben in seinen astralischen Leib etwas hineingeprägt hat, irgend etwas hat ein- fließen lassen, was wir für das frühere Leben als eine moralische oder intellektuelle Verfehlung auffassen. Das hat sich dem astralischen Leib eingegraben. Das ist jetzt etwas, wenn der Mensch neuerdings ins Leben tritt, was in der Tat den astralischen Leib veranlassen kann, einen andern Zusammenhang zu suchen mit dem physischen Leib und Ätherleib, als er ihn gesucht hätte, wenn er nicht diese Verfehlung im vorigen Leben in sich hineingeprägt hätte. Also gerade unsere Verfehlungen sind es, die sich unter dem Einfluß von Ahriman und Luzifer vollzogen haben und sich umgestaltet haben in organisierende Kräfte, welche im neuen Leben den astralischen Leib veranlassen, sich anders zum physischen Leib und Ätherleib zu stellen, als er es tun würde, wenn sich solche Kräfte nicht in ihn hineingedrängt hätten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So sehen wir, wie gerade dieWirkungen früherer Gedanken, Empfindungen und Gefühle den astralischen Leib zu dem veranlassen, was Unordnung hervorrufen muß in der menschlichen Organisation. Wenn aber solche Unordnung hervorgerufen wird, was tritt dann ein? Wenn sich der astralische Leib mehr hineindrängt in den physischen Leib und Ätherleib, als er es beim normalen Menschen sollte, so tut er etwas ganz Ähnliches, wie wir des Morgens tun beim Aufwachen, wo wir in dem Moment des Aufwachens mit unserem Ich in unsere zwei Leiber hinuntertauchen. Aufwachen besteht im Hinuntertauchen des Ich-Menschen in den physischen Leib und Ätherleib. Worin besteht nun das, was der astralische Leib tut, wenn er mehr in den physischen Leib und Äther leib hineintritt, als er soll, veranlaßt durch die Wirkungen früherer Erlebnisse? - Was sonst eintritt, wenn wir mit dem Ich und astralischen Leib untertauchen in den physischen Leib und Ätherleib, wenn wir des Morgens aufwachen und etwas wahrnehmen, das zeigt sich gerade darin, daß wir aufwachen. Wie der ganze Wachzustand die Folge ist des Untertauchens des Ich-Menschen in den physischen Leib und Ätherleib, so muß jetzt etwas auftreten, was der astralische Leib tut, also &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|124}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
etwas, was wir sonst als Ich-Menschen tun. Er taucht unter in den Äther- und physischen Leib. Wenn wir also einen Menschen vor uns haben, bei dem der astralische Leib die Tendenz aufgenommen hat, sich mehr zu vereinigen mit Ätherleib und physischem Leib, als es normalerweise der Fall sein sollte, so haben wir dieselbe Erscheinung für den Astralleib vor uns, welche wir sonst beim Aufwachen für den Ich Menschen vor uns haben. Was ist dieses zu starke Eindringen des astralischen Leibes in den Ätherleib und physischen Leib? Das ist etwas, was wir sonst als das Wesen der Krankheit bezeichnen können. Wenn unser astralischer Leib dasselbe tut, was wir sonst beim Aufwachen tun, nämlich sich hineindrängt in den physischen Leib und Ätherleib, wenn der astralische Leib, der sonst bei uns kein Bewußtsein entwickeln sollte, nach einem Bewußtsein strebt im physischen Leib und Ätherleib, wenn er in uns aufwachen will, dann werden wir krank. Krankheit ist ein abnormer Wachzustand unseres astralischen Leibes. Was tun wir denn eigentlich, wenn wir im normalen Wohlbefinden stehen, wenn wir im gewöhnlichen Wachzustand leben? Dann wachen wir für das gewöhnliche Leben. Aber damit wir das gewöhnliche Wachbewußtsein haben können, mußten wir ja den astralischen Leib früher in eine andere Verbindung bringen. Wir mußten ihn zum Schlafen bringen. Der astralische Leib muß, wenn wIr am Tage unser Ich-Bewußtsein haben, schlafen; wir können nur gesund sein, wenn unser astralischer Leib schläft in uns. Daher können wir jetzt das Wesen von Gesundheit und Krankheit in folgender Weise auffassen: Krankheit ist ein abnormes Auf- wachen des astralischen Leibes im Menschen, und Gesundheit ist der normale Zustand des Schlafens des astralischen Leibes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und was ist denn das Bewußtsein dieses astralischen Leibes? Wenn wirklich Krankheit das Aufwachen des astralischen Leibes wäre, müßte ja etwas bei ihm eintreten wie ein Bewußtsein. Er wacht abnormerweise auf; also könnten wir ein abnormes Bewußtsein erwarten; aber ein Bewußtsein müßte da sein. Wenn wir in die Krankheit verfallen, müßte etwas Ähnliches entstehen, wie es sonst des Morgens beim Aufwachen eintritt. Es müßte unser Erleben abgelenkt werden auf irgend etwas anderes. Am Morgen taucht sonst unser gewöhnliches Bewußtsein auf. Weiin wir nun krank werden, taucht dann ein Bewußtsein auf? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|125}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ja, es taucht ein Bewußtsein auf, das der Mensch nur allzugut kennt. Und welches ist dieses Bewußtsein? Ein Bewußtsein drückt sich in Erlebnissen aus! Das Bewußtsein, was da auftaucht, drückt sich aus in dem, was wir den Krankheitsschmerz nennen, den wir nicht haben im normalen Wohlbefinden des Wachzustandes, weil da unser astralischer Leib gerade schläft. Schlafen des astralischen Leibes heißt, daß er sich in regelmäßigem Zusammenhang befindet mit physischem Leib und Ätherleib, bedeutet Schmerzlosigkeit. Der Schmerz ist der Ausdruck dafür, daß der astralische Leib sich so hineinpreßt in den physischen Leib und Ätherleib, wie er nicht drinnen sein soll - und zum Bewußtsein kommt. Das ist der Schmerz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun handelt es sich darum, daß wir nicht etwa das, was eben gesagt worden ist, wieder grenzenlos ausdehnen. Es muß, wenn geisteswissenschaftlich gesprochen wird, immer die Grenze eingehalten werden, innerhalb deren etwas gesagt wird. - Es ist gesagt worden, daß wenn unser astralischer Leib aufwacht, ein Bewußtsein entsteht, das von Schmerz durchtränkt ist. Daraus dürfen wir aber nicht schließen, daß Schmerz und Krankheit immer zusammenfallen. Es ist durchaus ein jegliches Hineinpressen des astralischen Leibes in den Ätherleib und physischen Leib ein Kranksein. Aber umgekehrt besteht nicht jedes Kranksein darin, und daß Kranksein auch einen anderen Charakter haben kann, werden wir uns dadurch begreiflich machen können, daß keineswegs alles Kranksein von Schmerzen begleitet ist. Das beachten nur die meisten Menschen deshalb nicht, weil sie zumeist im Leben nicht anstreben, gesund zu sein, sondern sie streben an, schmerzlos zu sein, und wenn sie schmerzlos sind, halten sie das für gesund. Das ist nicht immer so; aber in sehr vielen Fällen wird der Mensch glauben, wenn er schmerzlos ist, sei er gesund. Wir würden uns einer gewaltigen Täuschung hingeben, wenn wir glauben wollten, daß Schmerzempfinden und Kranksein zusammenfällt. Es kann die Leber eines Menschen durch und durch beschädigt sein; wenn der Schaden nicht ein solcher ist, daß durch ihn zum Beispiel das Bauchfell affiziert wird, so tritt gar kein Schmerz auf. Es kann der Mensch einen Krankheitsprozeß in sich haben, der sich gar nicht in Schmerzen äußert. Das kann in vielen Fällen so sein.Vor einer objektiveren Betrachtung sind diese Erkrankungen sogardie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|126}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
schlimmeren. Denn wenn der Mensch Schmerzen empfindet, geht er darauf aus, die Schmerzen loszuwerden; wenn er keine Schmerzen hat, gibt er sich nicht besonders viel Mühe, die Krankheit loszubekommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie verhält es sich nun mit den Erscheinungen, wo keine Schmerzen mit den Krankheitsfällen parallel gehen? Was haben wir da getan? - Da brauchen wir uns nur zu erinnern, daß wir uns wirklich als menschliche Wesen, wie wir heute sind, nach und nach entwickelt haben, daß wir während der Erdenzeit das Ich hinzugefügt haben zu astralischem Leib, Ätherleib und physischem Leib. Aber wir waren auch einmal ein Mensch, der nur physischen Leib und Ätherleib gehabt hat. Ein Wesen, das nur physischen Leib und Ätherleib hat, ist wie eine heutige Pflanze. Bei solchen Wesen kommen wir zu einem dritten Grade von Bewußtsein, einem viel, viel dumpferen Bewußtsein, das nicht einmal bis zur Helligkeit des heutigen Traumbewußtseins hinaufreicht. Es ist ja durchaus ein Irrwm, wenn wir glauben, daß der Mensch im Schlafe kein Bewußtsein hat. Er hat ein Bewußtsein; nur ist es so dumpf, daß er es nicht bis zur Erinnerung in seinem Ich heraufrufen kann. Aber auch in der Pflanze sitzt ein solches Bewußtsein. Es ist eine Art Schlafbewußtsein, also ein noch tieferes als das astralische Bewußtsein. Da kommen wir herunter zu einem noch tieferen Bewußtsein des Menschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen wir nun an, der Mensch habe durch Erlebnisse in früheren Inkarnationen nicht nur solche Unordnung hineingebracht in seine Organisation, welche den astralischen Leib veranlaßt, sich in unordentlicher Weise hineinzuversenken in den physischen Leib und Ätherleib, sondern er habe so etwas vollführt, was den Ätherleib veranlassen kann, in unrichtigerWeise sich in den physischen Leib hineinzudrängen. Es kann durchaus ein solcher Zustand eintreten, daß auch die Verbindung zwischen Ätherleib und physischem Leib nicht die für den heutigen Menschen normale ist, daß sich der Ätherleib zu tief hineindrängt in den physischen Leib. Der astralische Leib, sagen wir, wäre dabei gar nicht beteiligt, sondern was da im früheren Leben veranlagt worden ist, das bewirkt in der menschlichen Organisation eine dichtere Zusammenfügung von Ätherleib und physischem Leib, als es sonst sein soll. Da haben wir dasselbe bei dem Ätherleib, was wir bei dem astralischen Leibe haben im Schmerzbewußtsein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|127}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn der Ätherleib sich nun seinerseits zu tief hineinversenkt in den physischen Leib, so taucht ein Bewußtsein auf ähnlich wie des Menschen Schlafbewußtsein, wie das Pflanzenbewußtsein. Kein Wunder daher, daß das auch ein Zustand ist, der vom Menschen gar nicht empfunden wird. Wie er nicht im Schlaf empfindet, so empfindet er auch jetzt diesen Zustand nicht. Und doch ist es ein Aufwachen! Wie unser astralischer Leib abnormerweise aufwacht, wenn er zu tief hinunter- taucht in den Ätherleib und physischen Leib, so wacht der Ätherleib in abnormer Weise auf, wenn er zu tief in den physischen Leib hinein- taucht. Nur kann es der Mensch nicht wahrnehmen, weil es das Auf- wachen zu einem noch dumpferen Bewußtsein als das Schmerzbewußtsein ist. Aber nehmen wir an, der Mensch hätte wirklich in einem früheren Leben so etwas vollzogen, was sich zwischen Tod und neuer Geburt dazu umwirkt, daß der Ätherleib für sich aufwacht, das heißt, intensiven Besitz ergreift vom physischen Leib. Wenn das geschehen ist, lebt auf im Menschen ein tiefes Bewußtsein, das aber nicht in der Weise wahrgenommen werden kann, wie die sonstigen Erlebnisse der menschlichen Seele wahrgenommen werden. Braucht es deshalb nicht zu wirken, weil es nicht wahrgenommen wird? Versuchen wir uns klarzumachen, was ein Bewußtsein für eine eigentümliche Tendenz erhält, wenn es anfängt, um einen Grad tiefer zu liegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn Sie einen solchen äußeren Eindruck erleben, wie zum Beispiel wenn Sie sich verbrennen, so verursacht das Schmerz.Wenn ein Schmerz entstehen soll, so muß das Bewußtsein wenigstens den Grad des Bewußtseins des astralischen Leibes haben. Ein Schmerz muß im astralischen Leibe leben. Wo also irgendeinmal in der Menschenseele Schmerz entsteht, ist eine Tatsache des astralischen Leibes vorhanden. Nehmen wir aber einmal an, es geschehe etwas, was nicht mit Schmerzen verbunden wäre, was dennoch aber einen äußeren Reiz, einen äußeren Eindruck hervorruft. Wenn irgend etwas auf Ihr Auge zufliegt, so verursacht das einen äußeren Reiz; das Auge schließt sich. Schmerz ist damit nicht verbunden. Was ruft der Reiz hervor? Eine Bewegung. Das ist etwas Ähnliches, wie wenn Ihre Fußsohle berührt wird: Schmerz ist es nicht - dennoch zuckt der Fuß. Es gibt also auch solche Eindrücke auf den Menschen, die nicht von Schmerzen begleitet sind, die dennoch &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
aber herausfordern irgendein Geschehnis, eine Bewegung. Da weiß der Mensch nicht - weil er nicht bis in diesen tiefen Grad des Bewußtseins hinunterdringen kann -, wie so etwas zustande kommt, daß eine Bewegung folgt auf den Reiz. Wenn Sie Schmerz empfinden, und Sie weisen dadurch etwas zurück, so ist es der Schmerz, der Sie aufmerksam gemacht hat auf das, was Sie dann zurückweisen. Es kann aber etwas auftreten, was Sie zu einer inneren Bewegung drängt, zu einer Reflexbewegung. Da dringt das Bewußtsein nicht bis zu dem Grade hinunter, wo der Reiz in Bewegung umgesetzt wird. Da haben Sie einen solchen Bewußtseinsgrad, der nicht in Ihre astralischen Erlebnisse hineinkommt, der bewußt nicht erlebt wird, der in einer Art von Schlafbewußtseinssphäre verläuft, der aber darum doch nicht so ist, daß er nicht zu Geschehnissen führen könnte. Wenn ein solches tieferes Eindringen des Ätherleibes in den physischen Leib stattfindet, so ist dies das Hervorbringen eines Bewußtseins, das nicht ein Schmerzbewußtsein ist, weil sich der astralische Leib nicht daran beteiligt, sondern das so dumpf ist, daß es der Mensch nicht wahrnimmt. Damit ist aber nicht gesagt, daß der Mensch in diesem Bewußtsein keine Handlungen ausführen kann, nicht etwas tun könnte, was der ganzen Sachlage entspräche. Der Mensch führt ja auch sonst Handlungen aus, bei denen sein Bewußtsein nicht dabei ist. Sie brauchen nur daran zu denken, wo das gewöhnliche Tagesbewußtsein ausgelöscht ist und der Mensch als Nachtwandler alle möglichen Handlungen ausführt. Da ist nicht etwa gar kein Bewußtsein vorhanden, sondern es ist ein solches Bewußtsein daran beteiligt, das der Mensch nicht miterleben kann, weil er nur die zwei höchsten Bewußtseinsformen erleben kann: das astralische Bewußtsein als Lust und Leid und dergleichen und das Ich-Bewußtsein als Urteil und als gewöhnliches Tagesbewußtsein. Deshalb ist aber die Sache doch nicht so, daß der Mensch aus diesem Schlafbewußtsein heraus nicht handeln könnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun haben wir also auch ein solches tiefes Bewußtsein, das der Mensch nicht mehr erreichen kann, wenn der Ätherleib hinuntersteigt in den physischen Leib. Nehmen wir an, er will aber doch etwas tun, wovon er im normalen Leben nichts wissen kann, was irgendwie mit der Sachlage zusammenhängt, dann wird er das tun, ohne daß er davon &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
etwas weiß. In ihm wird etwas, wird die Sache selbst das tun, ohne daß er selber davon weiß. - Betrachten wir jetzt einen Menschen, der durch irgendwelche Vorkommnisse in einem früheren Leben Ursachen in sich gelegt hat, welche in der Zeit zwischen Tod und neuer Geburt hinunterwirken bis dahin, wo sie zu einem tieferen Eindringen des Ätherleibes in den physischen Leib führen. Dann werden daraus Handlungen hervorgehen, welche zum Auswirken von tieferliegenden Krankheits prozessen führen. Da wird der Mensch dazu gedrängt werden können, äußere Veranlassungen zu Krankheiten geradezu aufzusuchen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es kann sonderbar erscheinen, daß das nicht klar erscheint für das gewöhnliche Ich-Bewußtsein. Der Mensch würde es aber aus seinem gewöhnlichen Ich-Bewußtsein heraus auch nie tun. Er wird sich nie aus seinem gewöhnlichen Ich-Bewußtsein heraus befehlen, in einen Herd von Bazillen einzudringen. Nehmen wir aber an, jenes dumpfe Bewußt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
seIn findet, daß es nötig ist, daß eine äußere Schädigung eintrete und daß sich das abspielen kann, was wir gestern genannt haben den ganzen Sinn des Krankseins. Dann sucht dieses Bewußtsein&amp;gt; das in den physischen Leib hineindringt, die Krankheitsursache auf. Es ist das eigene Wesen des Menschen, das die Krankheitsursache aufsucht, um das zu erreichen, was wir gestern den Krankheitsprozeß genannt haben. So werden Sie aus dem tieferen Wesen der Krankheit heraus begreifen, daß selbst dann, wenn noch keine Schmerzen auftreten, noch immer Gegenwirkungen auftreten können. Und auch wenn Schmerzen sich zeigen, kann noch immer, wenn nur der Ätherleib zu stark eindringt in den physischen Leib, dasjenige eintreten, was man nennen kann das Suchen von äußeren Krankheitsursachen durch tiefergelegene Schichten des menschlichen Bewußtseins selbst. So grotesk es klingt, so ist es doch richtig: Wir suchen uns, ebenso wie unsere vererbten Merkmale, mit einem andern Bewußtseinsgrade unsere äußeren Krankheitsursachen, wenn wir sie brauchen. Das eben Gesagte gilt aber wieder nur in den Grenzen dessen, wie es heute dargestellt ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heute hat es sich vorzugsweise darum gehandelt, gerade klarzulegen, daß der Mensch imstande sein kann, ohne daß er es mit dem ihm bekannten Bewußtseinsgrade verfolgen kann, die Krankheit dadurch zu suchen, daß ein abnormer&amp;gt; tieferer Bewußtseinszustand hergestellt &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
wird. Darum handelte es sich: zu zeigen, daß wir es in der Krankheit zu tun haben mit einem Erwachen von Bewußtseinsstadien, welche wir als Menschen früher schon überwunden haben. Dadurch, daß wir in einem früheren Leben Fehler auf uns geladen haben, verursachen wir, daß wir tiefere Bewußtseinsgrade hervorbringen, als es uns sonst für unser jetziges Leben geziemte. Und was wir aus den Antrieben dieser Bewußtseinsgrade tun, das beeinflußt den Verlauf des Krankheitsprozesses wie auch den Prozeß, der überhaupt erst zur Krankheit führt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da sehen wir, daß in den abnormen Zuständen alte Bewußtseinsstufen heraufsteigen, welche der Mensch längst überwunden hat. Wenn Sie nur ein wenig die Tatsachen des gewöhnlichen Lebens betrachten, können Sie sich schon ein wenig verdeutlichen, was heute gesagt worden ist. Es ist ja so, daß der Mensch durch seine Schmerzen gewissermaßen tiefer hinuntersteigt in sein Wesen. Sie kennen ja den Ausspruch, daß er dann erst weiß, daß er ein Organ hat, wenn es angefangen hat, ihn zu schmerzen. Das ist ein populärer Ausspruch; aber er ist nicht so ganz dumm. Warum weiß der Mensch im normalen Bewußtsein davon nichts? Weil sein Bewußtsein im normalen Falle so weit schläft, daß es nicht intensiv genug untertaucht in den astralischen Leib. Taucht es aber unter, dann entsteht Schmerz, und durch den Schmerz erfährt der Mensch, daß er das betreffende Organ hat. In gar manchen Aussprüchen des gewöhnlichen Lebens liegt etwas durchaus Wahres, weil sie Erbstücke sind aus den früheren Bewußtseinsstadien, in welchen der Mensch, als er i« die geistige Welt hineingesehen hat, noch vieles gewußt hat von dem, was wir heute mühselig wieder heraufholen müssen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn Sie begreifen, daß der Mensch tiefere Schichten des Bewußtseins erleben kann, dann werden Sie auch die Möglichkeit haben, zu begreifen, daß nicht nur äußere Krankheitsursachen, sondern auch äußere Schicksalsschläge vom Menschen aufgesucht werden können, welche sich der Mensch nicht als vernünftig auslegen kann, aber deren Vernunft so wirkt, daß auf tiefere Schichten des Bewußtseins gewirkt wird. - So kann es auch wohl denkbar erscheinen, daß sich der Mensch bei gewöhnlicher Überlegung nicht gerade dorthin stellen wird, wo ihn ein Blitz treffen kann. Mit dem Oberbewußtsein wird er das vermeiden. Aber es könnte in ihm ein Bewußtsein tätig sein, das viel tiefer liegt als &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
das Oberbewußtsein und das ihn gerade an die Stelle hinführt, wo ihn der Blitz treffen kann, unter einer Voraussicht, welche das Ober bewußtsein nicht hat, ein Bewußtsein, das also will, daß der Blitz ihn trifft, so daß der Mensch den Unfall geradezu aufsucht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daß durch karmische Wirkungen Unglücksfälle aufgesucht werden oder auch äußere Krankheitsursachen, das haben wir heute der Möglichkeit nach erst begriffen. Wie das im einzelnen geschieht, wie die Kräfte im Menschen wirken, welche in tieferen Bewußtseinsschichten sind, und wie es damit steht, ob unser Oberbewußtsein solche Unglücksfälle vermeiden darf, das ist wieder eine Frage, die uns auch noch beschäftigen wird. Wie wir verstehen können, daß, wenn der Mensch in eine Gegend geht, wo eine Infektion auf ihn ausgeübt werden kann, da ein Bewußtseinsgrad wirkt, der ihn dorthin getrieben hat, so müssen wir auch verstehen können, wie es sich damit verhält, daß der Mensch Einrichtungen trifft, damit solche Infektionen immer weniger wirken können, daß wir also durch hygienische Maßregeln durch das Oberbewußtsein die Dinge wieder abwenden können. Wir können auch begreifen die Möglichkeit, durch das Oberbewußtsein diese Wirkung abzulenken, und müssen sagen, daß es etwas höchst Unvernünftiges wäre, daß das Unterbewußtsein Krankheitskeime aufsuchen kann, wenn nicht auch auf der andern Seite Krankheitsursachen durch das Oberbewußtsein vermieden werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir werden sehen, daß es «vernünftig» ist, Krankheitskeime aufzusuchen, und daß es auch «vernünftig&amp;gt; ist, von dem Oberbewußtsein aus hygienische Maßregeln zu ergreifen gegen das Eindringen von Infektionsstoffen, um dadurch Krankheitsursachen zu verhindern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|132}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= SIEBENTER VORTRAG Hamburg, 22. Mai 1910 =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie haben in diesen Vorträgen schon gesehen, daß wir uns unserem Ziele stückweise nähern, indem wir aber auch mit jedem Stück, das wir weiterschreiten, tiefer in die Sache einzudringen versuchen. Wir haben zuletzt gesprochen über das Wesen von Schmerzen, die mit einem Krankheitsverlauf verbunden sind; wir haben aber auch darauf aufmerksam gemacht, wie in andern Fällen der Krankheitsverlauf - in gewisser Beziehung wenigstens - sich abspielen kann, ohne daß er begleitet ist von Schmerzerlebnissen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun müssen wir auf das Wesen des Schmerzes noch etwas genauer eingehen. Wir müssen uns noch einmal vor Augen halten, daß Schmerz eintreten kann als eine neben der Erkrankung einherlaufende Erscheinung. Denn das mußten wir ja schon aus der vorigen Betrachtung entnehmen, daß wir Krankheit und Schmerz als etwas Zusammengehöriges nicht betrachten dürfen. Wir müssen uns gegenwärtig halten, daß, wenn mit einer Krankheit Schmerz verknüpft ist, noch etwas anderes dabei im Spiele sein muß als das bloße Erkranktsein. Nun haben wir bereits darauf aufmerksam gemacht, daß bei jenem Vorgang, der beim Übergang von einer Inkarnation in die andere sich abspielt, wo Erlebnisse früherer Inkarnationen in Krankheitsursachen umgewandelt werden, daß da auf der einen Seite das luziferische Prinzip und auf der andern Seite das ahrimanische Prinzip mit hineinspielt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wodurch legt sich denn eigentlich der Mensch den Grund zu Krankheitsprozessen? Warum nimmt er in sich die Tendenz auf, krank zu sein? Was führt ihn dazu, zwischen Tod und neuer Geburt - wir haben ja charakterisiert, wie das die Zeit ist, welche die die Krankheit bewirkenden Kräfte zusammenbringt - solche Kräfte vorzubereiten, welche sich im nächsten Leben in der Krankheit ausleben? - Was den Menschen dazu bringt, ist, daß er auf der einen Seite verfallen kann der Versuchung der luziferischen Macht, und auf der andern Seite der Versuchung der ahrimanischen Macht. Wir wissen ja auch schon, was es heißt: Verfallen der luziferischen Macht. - Alles, was in uns wirkt als &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|133}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Begierde, als Eigenschaft der Selbstsucht, des Ehrgeizes, des Hochmutes, der Eitelkeit&amp;gt; alle Eigenschaften, welche zusammenhängen mit einer Art Aufspreizung unseres Ich, sich besonders geltend zu machen, das alles hängt zusammen mit der Versuchung der luziferischen Mächte in uns. Verfallen wir mit andern Worten den Kräften, die in unserem astralischen Leibe wirken und die sich darin ausdrücken, daß wir ego istische Begierden und Leidenschaften haben, dann begehen wir in der entsprechenden Inkarnation Handlungen, zu denen die Verführung von Luzifer, ausgegangen ist. Und wir sehen dann das Resultat solcher von Luzifer beeinflußter Handlungen in der Zeit vom Tode bis zur neuen Geburt und nehmen da in uns die Tendenz auf&amp;gt; uns so zu inkarnieren, daß wir einen Krankheitsprozeß durchmachen, der dazu beitragen kann, wenn wir ihn überwinden, uns aus den Fangarmen dieser luziferischen Mächte wieder zu befreien. Würden also die luziferischen Mächte überhaupt nicht da sein, so würden wir nicht den Versuchungen verfallen können, welche uns dazu bringen, solche Kräfte in uns aufzunehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn nun nichts anderes bestünde im Leben als einzig und allein das, was Luzifer in uns bewirkt, daß wir diese oder jene egoistischen Triebe und Leidenschaften entfalten, dann würden wir eigentlich niemals von den luziferischenVersuchungen loskommen können im Leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir würden sie auch nicht durch die aufeinanderfolgenden Inkarnationen losbekommen können, denn wir würden ihnen immer wieder von neuem verfallen. Wenn wir zum Beispiel einfach in der Erdentwickelung uns selber überlassen worden wären und der luziferische Einfluß doch dagewesen wäre, so würden wir in einer Inkarnation die Versuchungen der luziferischen Mächte haben, würden dann nach dem Tode wahrnehmen, wozu sie uns gebracht haben, würden herbeiführen einen Erkrankungsprozeß; aber wenn wirklich nichts anderes mit ins Spiel käme, würde uns dieser Krankheitsprozeß in dem Leben, wo er sich auslebt, zu keiner besonderen Besserung führen. Er führt uns nur dadurch zu einer Besserung, daß von denjenigen Mächten, deren Gegner Luzifer ist, nun etwas hinzugefügt wird zu dem ganzen Prozeß.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also wenn wir auf der einen Seite den luziferischen Mächten verfallen, stellen sich gleich als eine Gegenwirkung die Mächte ein, deren Gegner &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|134}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die luziferischen Mächte sind, und diese versuchen nun eine Gegenkraft zu entfalten, wodurch der luziferische Einfluß wirklich aus uns ausgetrieben werden kann. Und diese Mächte, deren Gegner also die luziferischen Mächte sind, fügen hinzu zu dem Prozeß, der unter dem Einfluß Luzifers verursacht wird, den Schmerz. So müssen wir den Schmerz als etwas ansehen, was - wenn wir die luziferischen Mächte die bösen Mächte nennen - uns von den guten Mächten zugefügt wird, damit wir gerade durch den Schmerz uns den Fangarmen der bösen Mächte entreißen können und ihnen nicht mehr verfallen. Würde bei dem Krankheitsprozeß, der sich ergibt als eine Folge des Verfallenseins an die luziferischen Mächte, nicht Schmerz eintreten, so würden wir an uns die Erfahrung machen: Es ist ja gar nicht so schlimm, den luziferischen Mächten zu verfallen! - Und wir würden nichts haben in uns, was uns dahin bringen würde, unsere Kräfte anzuwenden, um uns den luziferischen Mächten zu entreißen. Der Schmerz, der das Bewußtwerden des unrichtig wachenden astralischen Leibes ist, er ist zugleich auch das, was uns davon abbringen kann, den luziferischen Mächten auf diesem Gebiet, wo wir ihnen schon verfallen sind, immer weiter zu verfallen. So wird der Schmerz in bezug auf die Versuchungen der luziferischen Mächte unser Erzieher.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sagen Sie nun nicht: Wie kann der Schmerz unser Erzieher sein, wenn wir in uns den Schmerz nur empfinden und seiner wohltätigen Kraft gar nicht gewahr werden? Daß wir seiner wohltätigen Kraft nicht gewahr werden, ist nur eine Folge unseres Ich-Bewußtseins. In dem Bewußtsein&amp;gt; das ich als unter dem Ich-Bewußtsein liegend geschildert habe, spielt sich schon der Prozeß ab, wenn auch der Mensch mit dem Tagesbewußtsein nichts davon weiß: Jetzt erfahre ich Schmerz, und der ist die Folge der durch die guten Mächte mir gegebenen Beigabe zu meinen Verfehlungen! - Das ist im Unterbewußtsein eine Kraft, welche so recht als eine karmische Erfüllung, als ein Impuls wirkt, nicht mehr den Handlungen, Trieben und Begierden, die gerade diese Krankheit hervorgerufen haben, zu verfallen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So sehen wir, wie Karma wirkt,~wie wir den luziferischen Mächten verfallen und wie uns die luziferischen Mächte eine solche Krankheit bringen, die herbeigeführt wird in einer nächsten Inkarnation; und &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
wir sehen, wie wohltätige Mächte uns den Schmerz hinzufügen zu der bloßen Schädigung unserer Organe, damit wir an dem Schmerz ein unter der Oberfläche unseres Bewußtseins liegendes Erziehungsmittel haben. Deshalb können wir sagen: Überall, wo bei einer Krankheit Schmerz auftritt, da ist es eine luziferische Macht, welche diese Krankheit bewirkt hat. Es ist der Schmerz geradezu ein Kennzeichen dafür, daß wir es zu tun haben mit dem Zugrundeliegen von luziferischer Macht. - Menschen, die gerne einteilen, werden ein Bedürfnis danach haben, nun überhaupt zu unterscheiden solche Krankheiten, die rein auf luziferischem Einfluß beruhen, und solche, die rein auf ahrimanischen Einfluß zurückzuführen sind; denn bei allen theoretischen Beschäftigungen ist ja das Einteilen, das Schemenmachen das Allerbequemste, und man glaubt, dadurch sehr viel begriffen zu haben. Aber in Wirklichkeit benehmen sich die Dinge nicht so, daß man sie mit diesen bequemen Mitteln erfassen kann. Da kreuzen sie sich fortwährend und laufen ineinander. Und wir werden auch leicht begreifen können, wenn ein wirklicher Krankheitsprozeß vorliegt, daß ein Teil zurückgeführt werden kann auf luziferischen Einfluß, also auf Dinge, welche mehr in den Eigenschaften unseres astralischen Leibes zu suchen sind, und ein an- derer Teil auch zugleich auf Dinge, die in dem ahrimanischen Einfluß zu suchen sind. So darf auch niemand glauben, wenn ihm irgend etwas wehtut, das sei nur auf luziferischen Einfluß zurückzuführen. Daß er Schmerzen hat, das zeigt ihm denjenigen Teil der Krankheit, der auf luziferischen Einfluß zurückzuführen ist. Aber wir werden das noch leichter verstehen, wenn wir uns fragen: Woher kommt denn der ahrimanische Einfluß?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dem ahrimanischen Einfluß wären die Menschen überhaupt nicht verfallen, wenn sie nicht zuerst dem luziferischen Einfluß verfallen wären. Dadurch, daß die Menschen den luziferischen Einfluß in sich aufnahmen,kam eine solcheVerbindung der vier menschlichen Glieder: physischer Leib, Ätherleib, astralischer Leib und Ich zustande, wie sie nicht zustande gekommen wäre, wenn Luzifer nicht gewirkt hätte und wenn nur die Mächte gewirkt hätten, deren Gegner Luzifer ist. Dann hätte sich der Mensch anders entwickelt. Also hat in bezug auf das menschliche Innere das luziferische Prinzip eine Störung hervorgerufen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Aber es hängt vom menschlichen Inneren ab, wie der Mensch die Außenwelt an sich herantreten läßt. Und gerade so, wie Sie mit einem Auge, in welchem etwas zerstört ist, wegen des inneren Fehlers die Außenwelt nicht richtig sehen, so bekommt der Mensch die Außenwelt durch den luziferischen Einfluß überhaupt nicht so zu sehen, wie sie ist. Und weil ein Grund gegeben war für den Menschen, die Außenwelt nicht so zu sehen, wie sie ist, so konnte sich in das nicht richtige Bild der Außenwelt der ahrimanische Einfluß hineindrängen, so daß das Herankommen Ahrimans an den Menschen nur dadurch hat geschehen können, daß erst der luziferische Einfluß gewirkt hatte. Der ahrimanische Einfiuß bewirkte, daß der Mensch nicht nur den egoistischen Leidenschaften, Trieben, Begierden, der Eitelkeit, dem Hochmut und so weiter verfallen kann, sondern daß jetzt in einem menschlichen Organismus, wo der Egoismus in solcher Weise wirkte, sich Organe aus- bildeten, welche die Außenwelt schief und unrichtig sehen mußten. Dadurch konnte sich in die unrichtigen Bilder der Außenwelt Ahriman mischen. Es kam Ahriman heran, und dadurch war der Mensch dem anderen Einflusse ausgesetzt, so daß er nicht nur den inneren Verlockungen verfallen kann, sondern auch in Irrtum und - bei der Beurteilung der Außenwelt und bei seinen Aussagen über die Außenwelt - in Lüge verfallen kann. So ist Ahriman zwar von außen wirkend, aber wir haben ihm erst die Möglichkeit gegeben, daß er an uns herankommen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So also stehen ahrimanischer und luziferischer Einfluß eigentlich nie für sich allein. Sie wirken immer aufeinander, halten sich in gewisser Weise das Gleichgewicht. Von innen drängt Luzifer heraus, von außen wirkt Ahriman herein, und dazwischen bildet sich das Weltenbild. Wenn in irgendeiner Inkarnation das Innere des Menschen stärker wird, wenn er mehr den inneren Einflüssen ausgesetzt ist, dann wird er für die Dinge, wo das Innere so wirkt, daß der Mensch mehr erfaßt wird von Hochmut, Eitelkeit und so weiter, sich mehr dem luziferischen Einfluß hingeben. In einer Inkarnation, wo der Mensch weniger durch sein Gesamtkarma dazu gestimmt ist, den inneren Einflüssen nachzugeben, wird er leichter den Irrtümern und den Verführungen des Ahriman verfallen können. So ist es in der Tat in unserem Leben. Wie wir &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
täglich durch das Leben gehen, fallen wir bald mehr den Verlockungen des Luzifer, bald mehr den Verlockungen des Ahriman zum Opfer. Und wir pendeln hin und her zwischen diesen beiden, die uns auf der einen Seite dazu führen, uns in unserem Inneren aufzublähen, auf der andern Seite dazu, uns über die äußere Welt Illusionen vorzumachen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es darf an dieser Stelle erwähnt werden - weil es außerordentlich wichtig ist -&amp;gt; daß den Verlockungen von beiden Seiten insbesondere derjenige Widerstand leisten muß, welcher versucht, eine höhere Entwickelung anzustreben und in die geistige Welt einzudringen, sei esdadurch, daß er hinter die Erscheinungen der Außenwelt bis in das Geistige eindringen will oder daß er in das eigene Innere mystisch hinuntersteigen will. Beim Eindringen in die geistige Außenwelt, die hinter der physischen Welt liegt, steht immer das, was Ahriman an täuschenden Bildern vorgaukelt; wenn der Mensch mystisch hinuntersteigen will in die eigene Seele, sind immer die Verlockungen Luzifers in besonderem Maße möglich. Wenn der Mensch Mystiker wird und mit Glück hinunterstrebt, ohne daß er vorher darauf gesehen hat, durch seine Charakterbildung Gegenmittel zu ergreifen gegen Hochmut, Eitelkeit und dergleichen, wenn es ihm gelingt, als Mystiker zu leben, aber ohne besondere moralische Kultur, dann kann er um so mehr den Verlockungen Luzifers verfallen, der von innen herauf in die Seele hinein- wirkt. Wenn daher der Mystiker nicht sehr gesehen hat auf seine moralische Kultur, dann kann er, wenn es ihm gelingt, ein wenig hineinzudringen in sein Inneres, in die große Gefahr kommen, daß er noch stärker, als das bisher der Fall war, die rückschlagende Kraft des luziferischen Einflusses aufruft und daß er noch eitler und hochmütiger wird als vorher. Deshalb ist es so notwendig, daß man vorher durch Charakterbildung dafür sorgt, daß man gegen die in allen Fällen an uns herantretenden Verlockungen der Eitelkeit, des Größenwahnes, des Hochmutes ein Gegenmittel hat. Und wir können nicht genug darin tun, uns gerade diejenigen Eigenschaften anzueignen, welche zur Bescheidenheit und zur Demut führen. Das ist im eminenten Maße notwendig für die Seite unserer höheren Entwickelung, die wir die mysti sche nennen. Auf der andern Seite ist es notwendig, daß sich der Mensch auch gegen die Wahngebilde des Ahriman schützt, wenn er versucht, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
durch eine Entwickelung, die hinter die Erscheinungen der Außenwelt führt, bis zu den geistigen Urgründen der Dinge zu kommen. Wenn er da nicht versucht, eine Charakterbildung zu erlangen, welche ihn innerlich stark und kräftig macht, die ihn fest gebaut sein läßt auf sein Inneres, dann wird es sehr leicht vorkommen können, daß der betreffende Mensch - und zwar gerade, wenn er Glück hat mit dem Hinausgehen in die geistige Welt - dem Ahriman verfällt, daß Ahriman ihm vorgaukelt Illusion über Illusion, Halluzination über Halluzination.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man kommt häufig in den Fall, daß einen die Menschen in gewisser Beziehung «beim Wort nehmen». Weil so oft betont wird, daß die höhere Entwickelung, die hinter die Erscheinungen der Außenwelt kommen will, verknüpft sein muß mit vollem Bewußtsein, kommt es vor, daß einem die Leute immer wieder halb somnambule Personen bringen, welche versichern: Ja, da nehme ich die geistige Welt wahr, und zwar bei vollem Bewußtsein! - Da kann man immer nur sagen: Wenn du nur nicht bei Bewußtsein sein möchtest; das wäre viel gescheiter! - Denn über dieses «Bewußtsein» täuschen sich die Leute. Es ist ein bloßes Bilderbewußtsein, ein astralisches Bewußtsein; denn wenn diese Personen nicht in einem unterbewußten Grade bewußt wären, würden sie das ja nicht wahrnehmen. Aber darum handelt es sich, daß man, wenn man in die geistige Welt hineingeht, sein Ich-Bewußtsein zusammenhält. An das Ich-Bewußtsein aber ist gebunden Urteilskraft und ein deutliches Unterscheidungsvermögen! Das haben dann die Menschen nicht für die Gestalten, welche sie in der geistigen Welt sehen. Daß sie ein Bewußtsein haben, ist nicht weiter wunderbar; aber jenes Bewußtsein, das mit der Kultur unseres Ich verknüpft ist, das müssen wir haben. Daher wird nicht etwa betont bei einer Entwickelung zum Schauen der höheren Welten, daß die Menschen so schnell wie möglich hineinkommen in eine höhere Welt und allerlei Gestalten sehen oder vielleicht auch allerlei Stimmen hören, sondern es wird betont, daß das Hineingehen in die geistige Welt von Glück und von Vorteil nur dann sein kann, wenn man das Bewußtsein und das Unterscheidungsvermögen und die Urteilskraft schärft. Und das kann nicht besser geschehen als durch das Studium der geisteswissenschaftlichen Wahrheiten. Daher wird betont, daß das Sich-Befassen mit geisteswissenschaftlichen Wahr- &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
heiten ein Schutz ist gegen das vermeintliche Sehen von allerlei Gestalten, über das keine Urteilskraft sich ausbreiten kann. Wer wirklich geschult ist in dieser Weise, der wird nicht jede beliebige Erscheinung für dies oder jenes halten, sondern er wird vor allen Dingen unterscheiden können zwischen Realität und Nebelbild, und er wird sich vor allen Dingen auch klar sein, daß man namentlich auch mit den Dingen, welche als Gehörswahrnehmungen auftreten, besonders vorsichtig sein muß, weil nie eine Gehörswahrnehmung eine richtige sein kann, wenn der Betreffende nicht durchgegangen ist durch die Sphäre der absoluten Ruhe. Und wer nicht zuerst die absolute Stille und Lautlosigkeit der geistigen Welt erfahren hat, der kann sich ganz gewiß sagen, daß es Trugbilder sind, die er wahrnimmt, und wenn sie ihm etwas noch so Gescheites sagen. Nur wer sich Mühe gegeben hat, seine Urteilskraft zu schärfen gerade dadurch, daß er zu begreifen versucht die Wahrheiten der höheren Welten, nur der kann sich gegen Trugbilder schützen. Die Mittel der äußeren Wissenschaft reichen dazu nicht aus. Die äußere Wissenschaft gibt keine so scharfe, stärkende Urteilskraft, wie sie notwendig ist, um in einer geistigen Welt wirklich zu unterscheiden. Darum kann man wirklich sagen: Wenn Leute etwas mitteilen aus höheren Welten, die nicht vorher sorgfältig darauf geachtet haben, ihre Urteils- kraft zu schärfen - was besonders durch das Studium der Geisteswissenschaft möglich ist -, dann sind solche Mitteilungen immer im höchsten Grade anfechtbar, und sie müßten mindestens immer erst kontrolliert werden durch diejenigen Methoden, die unter der Voraussetzung der wirklichen Schulung errungen sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt nur eine Macht, vor der sich Luzifer zurückzieht: das ist die Moralität. Das ist etwas, was den Luzifer brennt wie das furchtbarste Feuer. Und es gibt kein anderes Mittel, welches dem Ahriman entgegenwlrkt, als an der Geisteswissenschaft geschulte Urteilskraft und Unterscheidungsvermögen. Denn was wir uns auf der Erde als gesunde Urteilskraft aneignen, das ist etwas, was Ahriman furchtbar flieht. Er hat im Grunde vor nichts einen so großen Widerwillen als vor dem, was wir uns durch eine gesunde Schulung unseres Ich-Bewußtseins erringen. Denn wir werden sehen, daß Ahriman einer ganz andern Region angehört, die weit entfernt ist von dem, was wir als unsere gesunde Urteilskraft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
entwickeln. Im Augenblick, wo Ahriman mit dem zusammen- trifft, was wir uns im Erdendasein als gesunde Urteilskraft errungen haben, bekommt er einen furchtbaren Schreck, denn das ist etwas ganz Unbekanntes für ihn, davor hat er eine große Furcht. Je mehr wir uns daher bemühen, das auszubilden, was im Leben zwischen Geburt und Tod an gesunderUrteilskraft gegeben werden kann, desto mehr arbeiten wir Ahriman entgegen. Das zeigt sich besonders bei allerlei Persönlichkeiten, welche einem gebracht werden und die dann «das Blaue vom Himmel herunter» von all den geistigen Welten erzählen, die sie da gesehen haben. Und wenn man dann den allergeringsten Versuch macht, diesen Persönlichkeiten etwas klarzumachen, ihnen Verständnis und Unterscheidungsvermögen beizubringen, dann hat sie Ahriman gewöhnlich so sehr in der Gewalt, daß sie kaum darauf eingehen können; und das wird um so stärker, je mehr sich die Verlockungen Ahrimans nach der akustischen Seite hin ausdrücken. Gegen das, was sich in visionären Bildern zeigt&amp;gt; gibt es noch mehr Mittel als gegen das, was akustisch sich zeigt, wie gehörte Stimmen und so weiter. Solche Leute haben eine große Abneigung, etwas zu lernen, was für das Ich-Bewußtsein zwischen Geburt und Tod errungen werden muß. Sie mögen es nicht. Aber sie selber sind das nicht, die das nicht mögen. Es sind die ahrimanischen Mächte, welche sie davon wegzerren. Wenn man einen solchen Menschen dann aber so weit bringt, gesunde Urteilskraft zu entwickeln, und er darauf eingeht, Belehrungen anzunehmen, dann zeigt sich sehr bald folgendes. Dann hören die Stimmen und die Halluzinationen auf, weil sie vorher nur ahrimanische Nebelbilder waren und weil Ahriman eine furchtbare Angst bekommt, sobald er verspürI: Da, vom Menschen her, kommt eine gesunde Uiteilskraft!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So ist in der Tat das beste Mittel gegen diese den Menschen besonders schädigenden Erkrankungen des durch Ahriman bewirkten Sehens und halluzinatorischen Hörens dies: den Menschen mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln dazu zu bringen, sich eine gesunde und vernünftige Urteilskraft zu erringen. Das ist für manche Persönlichkeiten außerordentlich schwierig. Denn sie sind in dem Falle, daß es die andere Macht ihnen sehr bequem macht, diese andere Macht leitet sie. Wer aber diese Macht austreiben will, kann es sich nicht so bequem machen. Bei &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|141}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
solchen Persönlichkeiten kommt man dann recht schwer an, denn sie behaupten, man hätte ihnen das genommen, was sie früher in die geistige Welt hinaufgeführt hat, während man sie in Wahrheit gesund gemacht hat und davor bewahrt hat, daß diese Mächte immer mehr und mehr Gewalt über sie bekommen!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir sehen also, wovor die luziferischen und ahrimanischen Mächte einen recht großen Widerwillen haben. Demut, Bescheidenheit beim Menschen, sich nicht für mehr halten, als wozu ein gesundes Urteil berechtigt, das ist etwas, was dem Luzifer gar nicht gefällt. Dagegen ist er da wie die Fliegen in einer unreinen Stube, wenn irgendwo die Eigen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
schaften des Ehrgeizes, der Eitelkeit heraus wollen. Alles dies und besonders die Dinge, welche auf falschen Vorstellungen über sich selbst beruhen, wirken nun wieder dahin, daß wir uns auch für Ahriman bereit machen. Gegen Ahriman schützt aber nichts mehr, als wenn wir uns wirklich im Leben Mühe geben, gesund zu denken, wie es uns das Leben zwischen Geburt und Tod lehrt. Und gerade diejenigen, welche auf dem Boden der Geisteswissenschaft stehen, haben alle Veranlassung, so intensiv, als es nur möglich ist, immer wieder zu betonen, daß es uns als Erdenmenschen nicht geziemt, zu übersehen, was uns gerade durch das Erdenleben gegeben werden soll. Die Menschen, welche es verschmähen, sich ein gesundes Urteil und vernünftiges Unterscheidungsvermögen anzueignen, und leicht ohne dieses hinauf wollen in eine geistige Welt, sie wollen sich im Grunde genommen dem Erdenleben entziehen. Sie wollen so hinschweben über das Erdenleben; sie finden, daß es eigentlich für sie eine viel zu geringe Beschäftigung ist, sich mit allerlei Dingen abzugeben, die zum Verständnis des Erdenlebens führen können. Sie halten sich für etwas Besseres. Gerade eine solche Empfindung ist aber ein neuer Grund zum Hochmut. Daher können wir es immer wieder sehen, daß Persönlichkeiten, die zur Schwärmerei neigen, zu einem Nicht-berührtsein-Wollen von den Erdendingen und dem Erdenleben, es ablehnen, zu lernen, «weil sie ja schon in allem darinnenstehen&amp;gt; und nicht Gemeinschaft machen wollen mit einer solchen Strömung wie der unserigen. Solche Menschen sagen: In die geistige Welt muß ja die Menschheit hinein!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gewiß, aber es gibt nur einen gesunden Paß da hinein, und das ist&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|142}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die auf der Erde errungene Moralität im höheren Sinne, die uns nicht uns selbst überschätzen läßt, die uns nicht zu einem falschen Urteil über uns selbst führt, uns auch nicht abhängig sein läßt von unseren Trieben, Begierden und Leidenschaften; und auf der andern Seite ist es ein emsiges, gesundes Mitarbeiten mit den Verhältnissen des Erdenlebens, nicht ein Über-den-Verhältnissen-des-Erdenlebens-schweben-Wollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit haben wir aus den Tiefen des Karma etwas herausgeholt, was mit den Tiefen des geistigen Lebens zusammenhängt. Von großem Wert kann das sein. Aber nichts ist von Wert für die Entwickelung des Menschen und seiner Individualität, was ohne gesunde Vernunft aus der geistigen Welt herausgeholt wird; und von Wert ist auch das nicht, was ohne Moralität herausgeholt wird. Das kann man einsehen aus den Tatsachen, die das letzte Mal und heute dargestellt worden sind. Und wenn wir das einsehen, können wir uns sagen: Warum sollte der luziferische Einfluß, gerade weil er von früher her wirkt und sich umgewandelt hat in die Krankheit und ausgeglichen wird durch den Schmerz, warum sollte er nicht beim Menschen gleichsam nach sich ziehen den ahrimanischen Einfluß? Und warum sollte nicht bei dem, was uns Schmerz bereitet und uns den luziferischen Verlauf einer Krankheit anzeigt, mitspielen gerade als Folge des luziferischen Einflusses der ahrimanische Einfluß? Wie aber wirkt der ahrimanische Einfluß? Und wie wandeln sich die Verlockungen des Ahriman in Krankheitsursachen um? Wie tritt das auf in einer späteren Inkarnation?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was ahrimanischem Einfluß zuzuschreiben ist, das ist mittelbar doch auf Luzifer zurückzuführen; aber wenn der luziferische Einfluß so stark war, daß er den ahrimanischen Einfluß herausgefordert hat, dann ist der ahrimanische Einfluß der heimtückischere. Er liegt tiefer unten, nicht nur in den Verfehlungen des astralischen Leibes, sondern in den Verfehlungen des Ätherleibes. In einem Bewußtsein, das unter dem Schmerzbewußtsein liegt, tritt der ahrimanische Einfluß auf mit einer Schädigung, welche nicht von Schmerz begleitet zu werden braucht, mit einer solcben Schädigung, die in dem betreffenden Organe, wo sich die Schädigung ausdrückt, zu einem Unbrauchbarwerden dieses Organs führt. - Nehmen wir an, in einer Inkarnation hätte ein ahrimanischer Einfluß gewirkt und hätte das hervorgerufen, was eben ein ahrimani&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|143}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
scher Einfiuß hervorrufen kann. Der Mensch durchlebt nun die Zeit zwischen Tod und neuer Geburt - und tritt wieder auf in einer neuen Inkarnation. Dann zeigt sich, daß irgendein Organ ergriffen ist von der ahrimanischenWirkung, mit andern Worten: In diesem Organ sitzt der Ätherleib viel tiefer darinnen, als er darinsitzen sollte; das Organ ist viel stärker durchdrungen von dem Ätherleib, als es sein sollte. In solchem Falle wird der Mensch wegen des fehlerhaften Organs verleitet, sich nur noch mehr in den Irrtum - das, was Ahriman vollbringt in der Welt - zu verstricken. Mit dem Organ, welches dem ahrimanischen Einfluß seine Schädigung verdankt, in das sich so recht tief hineinversetzt hat der Atherleib, würde der Mensch, wenn er diesen ganzen Prozeß ausleben wollte, sich tiefer in das verstricken, was Ahriman bewirken kann: in die Maja. Da nun aber alles das, was die Außenwelt als Maja erzeugt, nicht mitgenommen werden kann in die geistige Welt, so entzieht sich uns die geistige Welt immer mehr. Denn dort gibt es nur Wahrheit, nicht Illusion! Je mehr wir also in die durch Ahriman bewirkte Illusion hineinverstrickt werden, desto mehr werden wir gerade dazu gedrängt, uns noch viel mehr in die sinnlich-äußere Welt, in die Illusion des Physisch-Sinnlichen hineinzuversetzen, als wir es ohne ein solches schadhaftes Organ tun würden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da aber tritt die gegensätzliche Wirkung ebenso auf, wie die gegensätzliche Wirkung im Schmerz bei dem luziferischen Einfluß auftritt. Da tritt die gegensätzliche Wirkung nun so auf, daß in dem Augenblick, wo die Gefahr vorhanden ist, daß wir uns zu sehr an die physisch- sinnliche Welt ketten und uns dadurch zu viel rauben von dem, was uns hinaufführen könnte in die geistige Welt, daß in diesem Augenblick das Organ zerstört wird, daß es entweder gelähmt oder zu schwach gemacht wird zum Wirken. Es tritt also ein Zerstörungsprozeß ein. - Sehen wir also, daß ein Organ zerstört wird, so müssen wir uns klar seIn, daß wir dies eigentlich wohltätigen Mächten verdanken müssen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
das Organ wird uns genommen, damit wir wieder den Rückweg finden in die geistige Welt. So ist es in der Tat, daß uns - wenn es nicht anders geht - durch gewisse Mächte Organe zerstört werden oder daß wir mit kranken Organen ausgerüstet werden, damit wir nicht zu tief in die Illusion hineingestoßen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|144}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn also jemand zum Beispiel eine Leberkrankheit hat, die als solche nicht von schmerzlichen Erlebnissen begleitet ist, so haben wir es zu tun mit der Wirkung eines vorhergehenden ahrimanischen Einflusses, der dazu geführt hat, der Leber die betreffende Schädigung zuzufügen, weil wir sonst durch die Kräfte, welche verbunden sind mit dem Tieferhineingehen des Ätherleibes, zu sehr in Maja hineingeführt würden, wenn uns dieses Organ nicht genommen würde. Sagen und Mythen haben immer die tiefste Weisheit gewußt und haben sie in sich ausgedrückt. Gerade die Leber ist ein gutes Beispiel dafür. Denn sie ist ein Organ, das am leichtesten für das Hineingleiten des Menschen in die physisch-illusorische Welt wirksam sein kann. Und die Leber ist zugleich das Organ, das uns eigentlich an die Erde kettet. Mit dieser Wahrheit hängt zusammen, daß bei derjenigen Wesenheit, welche den Menschen der Sage nach die Kraft gebracht hat, die sie in das Erdenleben hineinführen und dort recht wirksam machen soll - nämlich bei Prometheus -, gerade an der Leber ein Geier nagt. Ein Geier nagt an der Leber, nicht etwa darum, weil das dem Prometheus einen besonders tiefen Schmerz verursachen soll; denn in diesem Falle würde die Sage nicht stimmen mit den wirklichen Tatsachen. Aber Sagen stimmen immer überein mit den physiologischen Tatsachen! Der Geier nagt an der Leber, weil es nicht wehtut! Denn es sollte darauf hingewiesen werden, daß Prometheus der Menschheit etwas brachte, was sie tiefer hineinverstricken könnte in das Ahrimanische,wenn nicht die gegenteilige, ausgleichende Wirkung geschehen könnte. Okkulte Urkunden sind Immer im Einklang mit den Wahrheiten, welche wir in der Geisteswissenschaft verkünden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich habe Ihnen heute rein aus der Sache heraus gezeigt, daß es die guten Mächte sind, welche über den Menschen den Schmerz verhängen gegenüber dem Einfluß Luzifers. Bringen Sie das einmal in Zusammenhang mit der Urkunde des AltenTestamentes. Als der Einfluß des Luzifer geschehen war, wie er uns symbolisiert wird durch die Schl,ange, welche die Eva verführt, mußte also von den Gegnern des Luzifer gerade über das, wozu Luzifer die Menschen bringen wollte, der Schmerz verhängt werden. Es mußte die Macht, deren Gegner Luzifer ist, jetzt kommen und davon sprechen, daß von nun an Schmerz über die Menschheit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|145}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gebracht wird. Das tut Jahve oder Jehovah, indem er sagt: «Unter Schmerzen sollst du Kinder gebären!»&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Dinge in den okkulten Urkunden weiß man in der Regel nicht zu deuten, solange man die geisteswissenschaftlichen Erklärungen als solche noch nicht hat. Nachher kommt man dann darauf, wie tief diese Urkunden sind. Daher können Sie auch von mir nicht verlangen, daß ich Ihnen aus dem Nichts heraus - ohne die entsprechenden Voraus setzungen - die Dinge ohne weiteres erklären kann. Damit es überhaupt möglich ist, über die Stelle zu sprechen: «Unter Schmerzen sollst du Kinder gebären!», müssen vorausgehen die Betrachtungen über das Karma; denn erst an der betreffenden Stelle kann man die Erklärung darüber einfügen. Daher nutzt es auch nicht viel, wenn man dieses oder jenes erklärt haben will aus den okkulten Urkunden, bevor man die betreffende Stelle in der okkulten Entwickelung erreicht hat. Und es ist immer eine mißliche Sache, zu fragen: Was bedeutet dies? Was bedeutet jenes? - Der Mensch muß immer warten und Geduld haben, bis die betreffende Stelle herangekommen ist; mit den Erklärungen allein würde man nichts erreichen. So sehen wir in unser Leben hineinwirken auf der einen Seite die iuziferischen Mächte, auf der andern Seite diejenigen Mächte, deren Gegner Luzifer ist. Dann wirken die ahrimanischen Mächte in unser Leben hinein, und wir müssen uns klarmachen, daß die Mächte, welche uns Organe unbrauchbar machen, wenn wir dem ahrimanischen Einfluß verfallen, zu den guten Mächten zu rechnen sind, deren Gegner eben Ahriman ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn Sie Ihren Ausgangspunkt nehmen von all dem, was jetzt gesagt worden ist, werden Sie tief hineinschauen können in das komplizierte Getriebe der Menschennatur, und Sie werden dazu kommen können, sich zu sagen: Die luziferischen Mächte sind solche, die während der alten Mondenzeit zurückgeblieben sind; sie wirken heute in unserer Erdentwickelung mit denjenigen Kräften in das menschliche Leben hinein, die eigentlich Mondenkräfte sind, die sich in demjenigen Welten plan, der zum Beispiel nur jenen Mächten entspricht, deren Gegner Luzifer ist, gar nicht innerhalb unserer Erdentwickelung abspielen können. So wirkt Luzifer hinein in den Plan einer anderen Wesenheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|146}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir können aber nun zurückgehen zu weiter zurückliegenden Epochen der Entwickelung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir auf der einen Seite sehen, daß auf dem Monde Wesenheiten zurückblieben in ihrer Entwickelung, um auf der Erde einzugreifen in das menschliche Leben, dann kann uns erklärlich erscheinen, daß auch auf der alten Sonne Wesen zurückgeblieben sind, die dann auf dem Mond eine ähnliche Rolle gespielt haben wie die luziferischen Wesenheiten jetzt auf der Erde. Wir haben heute in der menschlichen Wesenheit etwas, was wir eigentlich als einen Kampf bezeichnen können: der Kampf, der sich abspielt zwischen den luziferischen Gewalten, welche sich in unseren astralischen Leib hineinsetzen, und denjenigen Mächten, die durch unser Ich, durch unsere Erdenerrungenschaften auf uns wirken. Denn die Mächte, deren Gegner Luzifer ist, können ja nur durch unser Ich auf uns wirken. Wenn wIr uns Klarheit und richtige Schätzung über uns selbst aneignen, so können wir das nur mit Hilfe derjenigen Mächte, die auf unser Ich wirken. Dazu müssen wir schon unser Ich anwenden. Deshalb können wir sagen: Indem sich unser Ich aufbäumt gegen die luziferischen Mächte, kämpft in uns Jahve oder Jehovah gegen Luzifer; da kämpft das, was den guten Weltenplan besorgt, gegen das, was sich auflehnt gegen diesen Weltenplan In seiner alleinigen Geltung, und wir sind mit unserem innerstenWesen darinnenstehend in diesem Kampf des Luzifer mit andern Wesenheiten. Wir sind selbst der Schauplatz dieses Kampfes. Und daß wir der Schauplatz dieses Kampfes sind, das zieht uns in Karma hinein - aber nur mittelbar dadurch, daß dieser Kampf mit dem Luzifer sich abspielt. Wenn wir dagegen den Blick nach außen richten, werden wir in die ahrimanischen Mächte hineingezogen. Da spielt sich etwas ab, was von draußen kommt, und hier kommt Ahriman in uns herein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun wissen wir, daß Wesenheiten auf dem alten Monde gelebt haben, die in ähnlicher Weise damals ihre Menschheitsstufe durchgemacht haben, wie wir sie Im Laufe der Erdentwickelung durchmachen. In der «Akasha-Chronik» und in der «Geheimwissenschaft» finden Sie diese Wesen bezeichnet als Engel, Angeloi, Dhyanis; auf den Namen kommt es nicht an. Im Inneren dieser Wesenheiten spielte sich damals aber ein ähnlicher Kampf ab wie der luziferische Kampf in unserer &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|147}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
eigenenWesenheit. DieseWesen waren auf dem alten Monde der Schauplatz eines Kampfes, der sich abspielte durch jene Wesenheiten, welche wieder auf der Sonne zurückgeblieben waren. Dieser Kampf auf dem Monde hat mit unserem inneren Ich nichts zu tun, denn auf dem Monde hatten wir unser Ich noch nicht. Er steht außerhalb dessen, woran unser Ich beteiligt sein kann, er hat sich auf dem alten Monde «in der Brust der Engel» abgespielt. Dadurch sind diese Wesenheiten damals etwas geworden, was sie nur werden konnten unter dem Einfluß von andern Wesenheiten, die zurückgeblieben waren gegenüber der normalen Sonnenentwickelung und die damals für die Angeloi dieselbe Rolle spielten, wie sie die luziferischen Wesenheiten heute für uns spielen. Und das waren die ahrimanischen Wesenheiten, welche während der Sonnenentwickelung ebenso zurückgeblieben sind wie die luziferischen Wesenheiten während der Mondentwickelung. Daher können wir zu diesen Wesenheiten auch nur mittelbar kommen. Ahriman war es aber, der sozusagen der Versucher in der Brust der Angeloi war, und er wirkte in ihnen. Durch ihn sind die Angeloi das geworden, was sie dann geworden sind, und sie haben das, was sie durch Ahriman geworden sind, ebenso herübergebracht wie das&amp;gt; was sie im Guten erreicht haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir haben als Gutes von Luzifer die Möglichkeit, zwischen Gut und Böse zu unterscheiden, freies Entscheidungsvermögen zu entwickeln, freien Willen zu erringen. Das ist für uns nur durch Luzifer zu erreichen. DieseWesenheiten aber haben etwas erreicht und mit hinübergenommen in das Erdendasein,wovon wir sagen können: Wie uns die Angeloi jetzt umgeben als Geistwesen, so haben sie sich zu ihrem jetzigen Sein vorbereitet durch den ahrimanischen Kampf in ihrer Seele zur Zeit der alten Mondentwickelung. Was diese Wesenheiten durchgemacht haben und was sie als Wirkungen in sich haben von dem, was sie durchgemacht haben, das geht uns in unserem innersten Ich nichts an, daran sind wir mit unserem Ich nicht beteiligt. - Wir werden sehen, wie wir mittelbar dazu kommen, weil ja der ahrimanische Einfluß doch wieder in uns hereinwirkt. - Was diese Wesenheiten sich unter dem Einflusse Ahrimans errungen haben, das sind gewisse Wirkungen, zu denen sie die Ursachen während ihres Mondendaseins aufgenommen haben. Während desMondendaseins nahmen dieseWesenheiten durch den ahrimanischen &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|148}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einfluß in sich etwas auf, was sie hineingetragen haben in unser Erden- dasein. Versuchen wir einmal, in unserem Erdendasein das aufzufinden, was uns erscheinen kann als eine solche Wirkung des damaligen ahrimanischen Kampfes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn dieser ahrimanische Kampf auf dem alten Monde nicht stattgefunden hätte, so könnten diese Wesenheiten nicht in unser Erden- dasein hineintragen, was dem alten Mondendasein angehört hat. Denn das würde aufgehört haben, nachdem der alte Mond zugrunde gegangen war. Dadurch, daß die Angeloi den ahrimanischen Einfluß aufgenommen haben, sind sie verstrickt worden in das Mondendasein, geradeso wie wir verstrickt werden durch den luziferischen Einfluß in das Erden- dasein. Sie haben das, was Mondelement ist, in ihr Innerstes aufgenommen und haben es hinübergebracht in unser Erdendasein. Dadurch sind sie imstande geworden, gerade dasjenige in unserem Erdendasein hervorzurufen, was hervorgerufen werden muß, damit unsere Erde nicht ganz dem Einfluß Luzifers verfällt. Unsere Erde würde im ganzen dem Einflusse Luzifers verfallen müssen, wenn diese Tatsache, welche dem Kampfe der Engel mit Ahriman auf dem Monde entspricht, nicht in unser Erdendasein hineingebracht worden wäre.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Welches sind denn die Vorgänge im Erdendasein, die wir als die normalen bezeichnen? Als sich unser jetziges Sonnensystem entsprechend dem Erdenziele geordnet hat, ist das aufgetreten, was wir als die regelmäßigen Bewegungen der Sonne, der Erde und der andern Planeten sehen und was bewirkte, daß,wirTag und Nacht haben, daß die Jahreszeiten in der regelmäßigen Weise aufeinanderfolgen, daß wir Sonnenschein und Regen haben, daß unsere Früchte auf den Feldern gedeihen und so weiter. Das sind Ordnungen, die sich immer wiederholen nach dem Rhythmus des Kosmos, der sich für das jetzige Erdendasein herausgebildet hat, nachdem das Mondendasein in die Dämmerung hinuntergestiegen ist. Aber innerhalb des Erdendaseins wirkt Luzifer. Und wir werden sehen, daß er noch viel mehr wirkt als nur in dem Gebiet, wo wir ihn schon verfolgen konnten, in dem Menschen selbst, wo er sich allerdings seinen wichtigsten Schauplatz ausgesucht hat. Aber selbst wenn Luzifer nur innerhalb des Erdendaseins vorhanden wäre, und schon durch alle die Ordnungen, welche eintreten durch den regelmäßi&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|149}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gen Gang der Planeten um die Sonne, durch den Wechsel von Sommer und Winter, Regen und Sonnenschein und so weiter, würden die Menschen in das verfallen, was wir nennen können «luziferische Verführung&amp;gt;. Wenn den Menschen alles das zukommen würde, was ihnen aus dem geordneten Kosmos zukommen kann,was die regelmäßigen, rhythmischen Bewegungen des Sonnensystems hervorbringen, wenn nur die Gesetze herrschten, welche unserem jetzigen Kosmos angemessen sind, so müßte der Mensch dem luziferischen Einfluß verfallen, müßte das Wohlleben lieber gewinnen als das, was er gewinnen soll zu seinem kosmischen Heil, müßte den regelmäßigen Gang lieber gewinnen als das, was er sich erringen soll.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daher mußten Gegenkräfte geschaffen werden. Es mußten Gegenkräfte wirken, welche dadurch zustande kamen, daß sich hineinmisch ten in die regelmäßigen kosmischen Vorgänge unseres Erdenlebens solche Vorgänge, die für den alten Mond höchst wohltätige und normale waren, die aber heute, wenn sie auf das Erdendasein wirken, abnorme sInd und den regelmäßigen Erdengang gefährden. Diese Einflüsse treten so auf, daß sie gewissermaßen zurechtrücken, was, wenn der bloße Rhythmus vorhanden wäre, als Hang zum Wohlleben, als Behaglichkeit und Üppigkeit entstehen würde; und es zeigen sich uns solche Kräfte zum Beispiel in dem, was als der heftige Hagel dahinstürmt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und wenn das, was sonst unter den regelrechten Kräften der Erde ge schaffen würde, zerstört wird, so wird in einem solchen Falle eine Korrektur geschaffen, die im ganzen wohltätig wirkt, wenn es auch der Mensch zunächst nicht einsieht, weil es eine höhere Vernünftigkeit gibt als die, welche der Mensch begreift. Wenn der Hagel hereinstürmt in die Felder, dann können wir sagen: Auf dem alten Monde waren diese Kräfte, welche im Hagel heranstürmen, segenbringende Kräfte wie heute diejenigen Kräfte, welche segenbringend im Regen und Sonnen schein wirken. Heute stürmen sie herein, damit Korrektur geschaffen wird für das, was der luziferische Einfluß sonst anrichten würde. Und wenn der regelmäßige Gang fortgeht, stürmen sie in immer heftigerer Weise herein, um noch mehr Korrektur zu schaffen. Alles, was zur regelmäßigen Fortentwickelung führt, gehört den Kräften der Erde selber an. Wenn der Vulkan seine Laven hinausschleudert, so wirken &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|150}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
darin Kräfte, welche als verspätete Kräfte vom alten Mond mit herübergebracht worden sind, damit sie Korrektur schaffen im Erden- leben. So ist es mit den Erdbeben und mit den Elementarereignissen überhaupt.Und wir können sehen,daßmanches,was von außen kommt, im Gesamtgange der Entwickelung seine vernünftige Begründung findet. Wie das mit dem menschlichen Ich-Bewußtsein zusammenhängt, das werden wir noch sehen; was unbefriedigend am heutigen Vortrag erscheint, wird sich dadurch morgen ausgleichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir müssen uns aber doch das eine klarlegen, daß diese Dinge alle nur die eine Seite des menschlichen Daseins&amp;gt; des Erdendaseins, des kosmischen Daseins überhaupt, darstellen. Und wenn wir auf der einen Seite sagen, wenn uns ein Organ zerstört wird, sind es wohltätige Wirkungen geistiger Mächte, und wenn wir heute gefunden haben, daß sogar der ganze Gang der Erdentwickelung wieder korrigiert werden muß durch Kräfte aus dem alten Mondendasein, so müssen wir jetzt fragen: Wie steht es nun damit, daß wir versuchen müssen, als Erden- menschen auf der andern Seite wieder Korrektur zu schaffen für die schädlichen Einflüsse der alten Mondenkräfte? - Wir werden ja schon ahnen, daß wir als Erdenmenschen nicht gerade herbeisehnen dürfen Vulkanausbrüche und Erdbeben, daß wir nicht selber Organe zerstören dürfen, um die segensreiche Wirkung der geistigen Mächte zu unterstützen. Aber wir werden uns auch sagen können, und das hat gewiß seIne Berechtigung: Bricht irgendwo eine Epidemie aus, so wird dadurch etwas herbeigeführt, was der Mensch geradezu sucht, damit in ihm etwas ausgeglichen wird. Und wir können annehmen, daß der Mensch hineingetrieben wird in gewisse Verhältnisse, um eine Schädigung zu erfahren, durch deren Überwindung er sich derVervollkommnung nähert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie steht es aber dann mit hygienischen und sanitären Maßregeln?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Könnte nicht jemand sagen: Also werden Epidemien sehr Gutes wirken können? Ist es dann nicht falsch, durch allerlei gesundheitsfördernde Einrichtungen, durch krankheitsvorbeugende Maßnahmen die Möglichkeit zu vermindern, daß solche Einflüsse geschehen? Es könnte jemand darauf kommen, daß man nichts tun sollte, um elementare Ereignisse abzuschwächen, und könnte es damit motivieren, daß es ganz im Sinne der heutigen und gestrigen Ausführungen liege.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|151}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir werden sehen, daß das nicht der Fall ist, aber wieder nur unter gewissen Voraussetzungen nicht der Fall ist. Wir werden nämlich jetzt erst in der richtigen Weise dazu vorbereitet sein, um bei der nächsten Betrachtung derVerhältnisse einerseits zu verstehen, wie uns wohltätige Einflüsse geradezu die Schädigung eines Organs zufügen, damit wir der Wirkung der Maja nicht verfallen, und anderseits uns jener Wirkung bewußt zu werden, die wir hervorrufen, wenn wir uns selbst der Auswirkung solcher wohltätiger Einflüsse entziehen, indem wir sanitäre und hygienische Maßnahmen gegen die Krankheiten ergreifen. - Wir werden sehen, daß wir hier an einem Punkt stehen, an dem der Mensch so häufig steht: Wenn ein scheinbarer Widerspruch auftaucht und ihn die ganze Kraft des Widerspruchs tfeibt, dann ist er nahe daran, an einen solchen Punkt zu kommen, wo die ahrimanischen Mächte einen großen Einfluß auf ihn ausüben können. Nirgends liegt die Möglichkeit so nahe, uns~i~öuschungen hinzugeben,wie jetzt,wo wir in einen solchen Engpaß hineingekommen sind. Und es ist gut, daß wir jetzt da hinein- gekommen sind; denn jetzt können wir sagen: Wohltätige Mächte sind es, welche uns ein Organ unbrauchbar machen, denn das ist eine Gegenwirkung gegen Ahriman; also müßten es jetzt die Schädlinge der Menschheit sein, welche nicht das fordern, was man nennen kann «wohltätige Gegenwirkungen gegen die ahrimanischen Mächte». Denn hygienische Maßregeln und dergleichen würden diese wohltätige Gegenwirkung einschränken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir sind in einem Engpaß. Und es ist gut, daß wir einmal in diesen Widerspruch geführt sind, damit wir darüber nachdenken, daß solche Widersprüche möglich und sogar eine gute Schulung für unseren Geist sind. Denn wenn wir gesehen haben werden, wie wir uns aus diesem Widerspruch herausretten können, dann werden wir aus uns selbst heraus etwas getan haben, was uns Kraft geben kann, um uns den Täuschungen des Ahriman zu entziehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|152}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= ACHTER VORTRAG Hamburg, 25. Mai 1910 =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir zurückdenken an den Widerspruch, den wir am Ende unserer letzten Betrachtung vor uns hin gestellt haben, so müssen wir zu seiner Lösung heute nochmals zurückblicken auf die beiden Kräfte, auf die beiden Prinzipien, die uns nun im Laufe der Zeit geradezu wie die Herausforderer und auch wieder wie die Regulatoren unseres Karma erschienen sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir haben gesehen, daß unser. Karma erst dadurch in Bewegung gebracht wird, daß wir die Einflüsse der luziferischen Gewalten auf unseren astralischen Leib erleiden, daß wir durch die Versuchung dieser Gewalten zu Gefühls-, Trieb- und Leidenschaftsäußerungen kommen, die uns in gewisser Beziehung unvollkommener machen, als wir sonst wären. Wenn nun die luziferischen Einflüsse auf uns wirken, dann fordern sie auf der andern Seite heraus die ahrimanischen Einflüsse, jene Kräfte, welche nun nicht von innen heraus, sondern von außen her auf uns wirken, die im Wechselverkehr mit der Welt durch dasjenige hindurchwirken,was uns eben von außen entgegentritt. So ist es im Grunde Ahriman, der herausgefordert wird durch Luzifer, und wir Menschen sind eigentlich so lebendig hineingestellt in den Streit dieser beiden Prinzipien. Und wir müssen im Leben versuchen, gerade dadurch vorwärtszukommen, daß wir, wenn wir einmal in die Fangarme Luzifers oder Ahrimans gekommen sind, nach Mitteln und Wegen suchen, um wieder durch Überwindung dessen, was in uns angerichtet worden ist, höher zu steigen. Ganz deutlich aber können wir sehen, wie in der Tat dieses Wechselspiel zwischen luziferischen und ahrimanischen Mächten um unsere Person herum stattfindet, wenn wir uns den Fall in einer etwas andern Form noch einmal vor Augen rücken, den wir schon das letzte Mal angeführt haben: den Fall, daß jemand ahrimanischen Einflüssen verfällt, so daß er allerlei Vorspiegelungen,Täuschungen erlebt, daß er glaubt, dies oder jenes werde ihm besonders mitgeteilt oder mache auf ihn nach dieser oder jener Richtung hin einen Eindruck, woraus aber für einen andern, der sich seine gesunde Urteilskraft bewahrt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|153}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
hat, leicht zu erkennen ist, daß der Betreffende Irrtümern und Täuschungen verfallen ist. Das letzte Mal haben wir gesprochen von den Fällen, wo jemand hellseherischen, aber im schlimmen Sinne hellseherischenTäuschungen der geistigen Welt unterworfen wird. Da haben wir ausdrücklich angeführt, daß dies dann ~uschungen sind, die durch ahrimanische Kräfte hervorgerufen werden. Und wir haben gesehen, daß gegen solche Täuschungen, welche durch unrichtiges Hellsehen hervorgerufen werden, es kein anderes oder wenigstens kein günstigeres Mittel gibt als die gesunde Urteilskraft, die erworben wird im physischen Leben zwischen Geburt und Tod.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was wir im letzten Vortrage gesagt haben, ist etwas Bedeutungsvolles und Wesentliches, wenn wir es mit hellseherischen Verirrungen zu tun haben. Denn bei einem Hellsehen, das nicht durch regelrechte Schulung, nicht durch systematische Übungen erreicht worden ist, die streng und richtig geleitet werden, sondern das durch alte vererbte Merkmale eintritt, in Bildern oder Hören in Tönen und dergleichen, bei einem solchen unrichtigen Hellsehen können wir immer finden, daß es zurückgeht, daß es aufhört sogar, wenn der Betreffende die Möglichkeit findet und die Neigung hat, sich ernstlich auf theosophische Studien einzulassen, theosophische Erkenntnis wirklich aufzunehmen, oder gar sich einläßt auf eine wirkliche, sinn- und sachgemäße Schulung. Also in einem solchen Falle, wo wir es mit Verirrungen der übersinnlichen Erkenntnis zu tun haben, können wir sagen, daß die echten Quellen der Erkenntnis, wenn der Betreffende ihnen zugänglich ist, auch immer für ihn eine Hilfe sein werden, die ihn auf den rechten Weg bringen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dagegen dürfen Sie das, was gerade als eine Gegenüberstellung vor- gebracht werden muß und was eine so triviale Wahrheit ist, daß jeder sie kennt, nicht anführen. Jeder weiß, daß wenn jemand durch karmische Verwicklungen dazu gekommen ist, Zustände zu entwickeln, welche ihn zu den Symptomen des Verfolgungswahnes, des Größenwahnes führen, daß er dann in seiner Seele ein ganzes System vonWahnideen ausbilden kann, die von ihm so logisch wie nur möglich begründet werden, die aber doch eben Wahnideen sind. Es kann zum Beispiel vorkommen, daß jemand auf andern Gebieten des Lebens ganz richtig und &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|154}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
logisch denkt, daß er jedoch die`Wahnidee hat, er werde überall verfolgt um dieses oder jenes Grundes willen. Er wird dann imstande sein, wo er hinkommt, aus den geringsten Vorkommnissen Kombinationen geistreichster Art zu machen: Da ist wieder eine Clique, die nichts anderes will, als mir dies oder das anzutun! - Und er wird Ihnen in der geistreichstenArt beweisen,wie begründet seinVerdacht ist. So kann jemand ein ganz logischer Kopf sein und doch in sich gewisse Symptome der Verrücktheit ausleben. Da wird es ganz unmöglich sein, einen solchen Menschen mit logischen Gründen zu widerlegen. Im Gegenteil, wenn man in einem solchen Falle mit logischen Gründen kommt, dann kann es geschehen, daß die Wahnideen, die in dem Inneren des Betreffenden sitzen, erst recht herausgefordert werden und noch schärfere Beweismittel suchen für das, was er als den Inhalt seinerVerfolgungswahnidee geltend macht. - Wenn im geisteswissenschaftlichen Sinne gesprochen wird, müssen die Dinge ganz genau genommen werden. Wenn vorhin und auch das letzte Mal betont worden ist, daß man in den geisteswissenschaftlichen Erkenntnissen, denen sich jemand mit aller Mühe oder sogar in einer prinzipiellen systematischen Schulung hingibt, eine Gegenmacht hat gegen eine Verirrung der hellseherischen Kräfte, so ist damit ein ganz anderer Fall gemeint als der, welcher soeben charakterisiert worden ist. Jetzt handelt es sich nicht darum, daß man dem Betreffenden mit geisteswissenschaftlichen Erkenntnissen beikommt. In der Regel will man ihm beikommen mit Gründen aus dem Gebiet der gewöhnlichen Vernünftigkeit. Für die aber ist ein solcher Mensch absolut unzugänglich. Warum ist das der Fall?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn ein solches Krankheitsbild auftaucht, wie es sich in den geschilderten Symptomen auslebt, haben wir es damit zu tun, daß der Betreffende darin eine karmische Ursache von früheren Verkörperungen, von früheren Verirrungen zutage treten läßt. Was als eine Verirrung des Inneren anzusehen ist, liegt nicht und kann nicht in diesem Falle in der gegenwärtigen Inkarnation liegen, sondern das liegt in einer vorhergehenden Inkarnation. Nun machen wir uns ein Bild, wie so etwas aus der früheren Inkarnation in die gegenwärtige herüberkommt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dazu müssen wir ins Auge fassen, wie eigentlich unsere Seelenentwickelung verläuft. Wir bestehen als äußerer Mensch aus physischem &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|155}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Leib, Ätherleib und astralischem Leib, haben dann im Laufe der Zeit hineingebaut in diese Hüllen durch die Arbeit des Ich die Empfindungsseele in den Empfindungsleib, die Verstandes- oder Gemütsseele in den Atherleib und die Bewußtseinsseele in den physischen Leib. Was wir in unserem Inneren als die drei Seelenglieder entwickeln, das haben wir hineingebaut in die drei Hüllen, das lebt jetzt in diesen drei Hüllen. Nun nehmen wir an, in irgendeiner Inkarnation werden wir durch den Einfluß Luzifers - also dadurch, daß wir in uns egoistische oder sonstige, dem luziferischen Einfluß zuzuschreibende Triebe, Begierden, Instinkte entwickeln - so verführt, daß wir Verfehlungen auf unsere Seele laden. Diese Verfehlungen können nun sein in der Empfindungsseele, können sein in der Verstandes- oder Gemütsseele oder auch in der Bewußtseinsseele. Das ist dann die Ursache, die in irgendeiner folgenden Inkarnation in einem der drei Seelenglieder gegeben ist. Nehmen wir an, es sei ein Fehler, der besonders auf den Kräften der Verstandesseele beruht. Der wird dann in dem Zustande zwischen Tod und neuer Geburt so umgewandelt, daß dasjenige, was zum Beispiel die Verstandesseele verbrochen hat, in seiner Wirkung sich zeigt im Ätherleib. Das ist mittlerweile beim Durchgehen durch den Tod bis zur neuen Geburt hineingearbeitet worden in den Ätherleib. Wir stoßen also in der neuen Inkarnation auf eine Wirkung in dem Ätherleib, die zurückzuführen ist auf eine Ursache in der Verstandesseele in einer vorhergehenden Inkarnation. Nun arbeitet aber dieVerstandesseele der nächsten Inkarnation wieder für sich selbständig in dieser Inkarnation, und es ist nun ein Unterschied, ob der Mensch jene Verfehlung früher begangen hat oder nicht. Hat er sie in einer früheren Inkarnation begangen, so hat er jetzt einen Fehler in seinem Ätherleibe. Das sitzt nun tiefer, der sitzt nicht in der Verstandesseele, sondern im Ätherleibe. Aber was der Mensch sich auf dem physischen Plan als Vernünftigkeit, als Verständigkeit erarbeiten kann, das wirkt ja nur auf seine Verstandesseele; das wirkt nicht auf das, wie seine Verstandesseele in einer früheren Inkarnation sich betätigt hat und was jetzt schon in den Ätherleib hineingearbeitet ist. Daher kann es vorkommen, daß die Kräfte der Verstandesseele,wie sie uns jetzt bei einem Menschen entgegentreten, logisch intakt arbeiten, so daß also das eigentliche menschliche Innere ganz intakt ist, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
daß aber durch das Zusammenarbeiten zwischen Verstandesseele und dem krankhaften Teil des Ätherleibes von diesem Ätherleib aus nach einer gewissen Richtung hin ein Irrtum projiziert wird. Dann kann man zwar mit den Gründen, die man auf dem physischen Plan aufbringen kann, auf die Verstandesseele wirken, nicht aber unmittelbar auf den Ätherleib. Daher können Sie durch Logik, durch Überzeugung nichts ausrichten, ebensowenig wie Sie mit Logik etwas anfangen können, wenn Sie einen Menschen vor einen konvex gebogenen Spiegel hin- stellen, so daß der Betreffende darin sein verzerrtes Bild sieht, und Sie ihm dann beweisen wollen, daß er unrecht hat, das Bild so zu sehen. Er sieht doch ein verzerrtes Bild. So hängt es auch nicht vom Menschen ab, daß er in einer krankhaften Weise etwas falsch versteht, denn es wird seine sonst gesunde Logik von seinem Ätherleibe aus nicht in einer gesunden Weise gespiegelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf diese Weise können wir die karmische Wirkung früherer Inkarnationen in unserer tieferen Organisation in uns tragen. Und wir können geradezu angeben, wie in einem bestimmten Teig derselben - wie hier in unserem Ätherleib - das Schadhafte vorhanden ist. Daran sehen wir, was wir durch den luziferischen Einfluß in einer früheren Verkörperung herausgefordert und dann umgewandelt haben. Und in der Zwischenzeit zwischen Tod und neuer Geburt kommt die Umwandlung zustande von einem Inneren in ein Äußeres, und dann wirkt uns Ahriman aus unserem eigenen Ätherleibe entgegen. Das zeigt uns, wie Ahriman herangelockt wird an unseren eigenen Ätherleib durch Luzifer. Die frühere Verfehlung war eine luziferische, das Umgewandelte aber ist ein solches, daß uns gleichsam die Quittung dafür in der nächsten Inkarnation durch Ahriman gegeben wird. Und dann handelt es sich darum, daß der Mensch diese Schädigung seines Ätherleibes aus sich herausbringen muß. Das kann nur dadurch geschehen, daß tiefer in seine Organisation ein gegriffen wird, als es mit den gewöhnlichen Mitteln der äußeren Vernunft in einer Inkarnation möglich ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer so etwas durchmacht, daß er zum Beispiel den Symptomen des Verfolgungswahnes in einer bestimmten Inkarnation verfällt, der wird, wenn er neuerdings wieder durch die Pforte des Todes tritt, alle die Tatsachen vor sich haben, welche er sich geleistet hat infolge seiner &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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ahrimanischen Schädigung, und er wird sie in ihrer ganzen Absurdität vor sich haben. Das wird für ihn wieder die Kraft sein, welche ihn für seine nächste Inkarnation gründlich heilt. Denn er kann nur dadurch geheilt werden, daß dasjenige, was er unter dem Einfluß der entsprechenden Symptome vollzogen hat, ihm in der äußeren Welt für die Folge als absurd erscheint. Damit haben Sie etwas gegeben, was von uns zu einer solchen Heilung getan werden kann. Wenn jemand unter derartigen Wahnideen leidet, werden Sie ihn am wenigsten durch logische Gründe von seinen Wahnideen abbringen können. Sie werden dadurch nur seinen Widerspruch erst recht herausfordern. Aber Sie werden etwas erreichen, besonders wenn sich in früher Jugend so etwas zeigt, wenn Sie den Menschen in Lagen bringen, wo sich ihm die Folgen seiner Symptome kraß als unsinnig darstellen, wenn Sie ihn vor Tatsachen führen, die er hervorruft und die als kraß unsinnige wieder auf ihn zurückschlagen. Dadurch können Sie in gewisser Weise eine Heilung hervorrufen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie können auch dann heilend wirken, wenn Sie selbst so weit im Besitze der geisteswissenschaftlichen Wahrheiten sind, daß sie inneres Eigentum Ihrer Seele geworden sind. Sind sie so Ihr Besitz geworden, daß sie stehen und fallen mit Ihrer ganzen Persönlichkeit, dann haben Sie sie ja als den denkbar stärksten Glauben; dann ist Ihre ganze Persönlichkeit ein Ausstrahler dieser geisteswissenschaftlichen Wahrheiten. Mit diesen Wahrheiten, welche hereinströmen in das Leben zwischen Geburt und Tod und es erfüllen, die aber dennoch über dieses Leben selbst hinausragen, die Erkenntnisse sind aus übersinnlicher Welt, mit ihnen können Sie tiefergehende Wirkungen erzielen als mit äußeren Vernunftwahrheiten. Während Sie mit äußeren logischen Gründen nichts anfangen können, werden Sie, wenn Sie die geisteswissenschaftlichen Wahrheiten anwenden und wenn Sie genug Zeit und Gelegenheit dazu haben, allerdings so weit Impulse auf den betreffenden Menschen ausüben können, daß Sie sozusagen in der einen Inkarnation das vermögen, was sonst nur auf dem Umwege von einer auf die andere Inkarnation geschehen kann: nämlich hineinzuwirken von der Verstandesseele in den Ätherleib. Denn die Wahrheiten des physischen Planes sind nicht imstande, auch nur im geringsten die Kluft zwischen Empfin&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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dungsseele und Empfindungsleib, zwischen Verstandesseele und Ätherleib oder gar zwischen Bewußtseinsseele und physischem Leib zu überspringen. Daher werden Sie immer erleben, daß jemand auf dem physischen Plan noch so viel Weisheit über die sinnliche Welt aufnehmen kann: diese Weisheit wird in sehr geringem Zusammenhange stehen mit seiner Gemütswelt, mit dem, was wir nennen das Durchdrungensein seines Empfindungsleibes mit den entsprechenden Impulsen und Leidenschaften. Daher kommt es vor, daß jemand ein sehr gelehrtes Haus sein kann, ein großes theoretisches Wissen haben kann über die Dinge der physischen Welt, ein alter Professor geworden sein kann - und es im Inneren nicht zu einer Umwandlung seiner Triebe und Empfindungen und Leidenschaften gebracht hat, die sich im Empfindungsleib abspielen. Er kann im Grunde viel wissen über die physische Welt und ein krasser Egoist sein, weil er die Impulse dazu in der Jugend aufgenommen hat. - Natürlich kann ganz gut nebeneinander herlaufen äußere physische Wissenschaft und Durchbildung des Empfindungsleibes und Ätherleibes von innen heraus.Und ebenso kann der Mensch Verstandeswahrheiten aufnehmen, mancherlei, was sich als Kräfte der Gemütsseele aufnehmen läßt in bezug auf den physischen Plan, aber er kann jene tiefe Kluft nicht überspringen, welche zwischen der Verstandesseele und dem Ätherleib besteht. Mit andern Worten, Sie können immer wieder finden: Wenn jemand äußerliche Wahrheiten aufnimmt, wenn er auch noch so viel lernt - das eine werden Sie selten finden, daß dieses Gelernte wirklich Gewalt hat auf die formenden Kräfte seines Leibes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei einem Menschen, bei dem die Wahrheiten so wirken, daß sie sein ganzes Sein ergreifen, da werden Sie erleben können, daß sich im Laufe von zehn Jahren seine Physiognomie verändert, daß Sie ihm an der Stirn ablesen können, wie er gerungen hat, wie er zum Beispiel mit gewIssen Zweifeln in seinem Herzen gerungen hat. Oder auch an seinen Gesten können Sie es bemerken, wenn er zum Beispiel aus eigenem Verhalten ein ruhiger Mensch geworden ist. Da drängt sich das in die formenden Kräfte des Organismus hinein, und es wird der Organismus in den feinsten Teilen davon ergriffen. Da wirkt das, was der Mensch spirituell aufnimmt, bis in die feinsten Teile seiner Organisation hinein. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Wenn das, was das Gemüt ergreift, nicht nur auf den physischen Plan weist, dann ist der Mensch nach zehn Jahren auch ein anderer. Aber die Änderung liegt in der normalen Richtung, wie die Anlagen sich im normalen gewöhnlichen Leben ausbilden und ändern. Man kann vielleicht im Verlaufe von zehn Jahren einen andern Gesichtsausdruck bekommen; aber wenn man nicht in der inneren Weise den Abgrund überspringt, sind es äußere Einflüsse gewesen. Da ist es keine den Menschen vom Inneren ergreifende Kraft, was ihn umgestaltet. Daran können wir sehen, daß nur das Spirituelle, was sich im Innersten wirklich mit unserem innersten Menschen verbindet, in der Lage ist, schon in der Zeit zwischen Geburt und Tod umwandelnd auf die formenden Kräfte zu wirken, daß aber mit Sicherheit dieser Übergang, dieses Überschreiten des Abgrundes stattfindet in der karmischen Wirksamkeit zwischen dem Tode und einer neuen Geburt. Wenn zum Beispiel das, was die Empfindungsseele erlebt hat,hineingesenkt wird in jeneWelten, die wir durchschreiten in der Zwischenzeit zwischen Tod und neuer Geburt, dann macht es sich gewiß in der nächsten Inkarnation als formende, bildende Kraft geltend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf diese Weise haben wir das gegenseitige Zusammenwirken Ahrimans und Luzifers begriffen. Und nun fragen wir uns: Wie stellt sich dieses Zusammenwirken dar, wenn die Dinge noch etwas entfernter liegen, wenn sie zum Beispiel als luziferischer Einfluß nicht nur den Abgrund zu überschreiten haben von der Verstandesseele bis zum Ätherleib, sondern wenn sie sozusagen einen weiteren Weg haben?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen wir an, wir unterliegen in einem Leben ganz besonders stark dem Einflusse Luzifers. In einem solchen Falle sind wir mit unserem ganzen inneren Menschen um ein ganzes Stück unvollkommener gewordeh, als wir vorher waren, und in der Kamalokazeit haben wir dann in der eminentesten Weise das vor Augen, daß wir uns sagen: Du mußt etwas ganz Mächtiges tun, um diese Unvollkommenheit wieder auszugleichen! - Wir nehmen also diese Tendenz in uns auf und bilden in der nächsten oder einer der nächsten Inkarnationen mit dem, was jetzt formende Kräfte geworden sind, unseren neuen Organismus so, daß dieser die Tendenz haben muß, den Ausgleich des früher Durchlebten herbeizuführen. Aber nehmen wir an, dasjenige, was den luziferischen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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Einfluß ausgelöst hat, sei durch ein Äußeres veranlaßt gewesen, sei eine äußere Begierde gewesen. Dann muß doch wieder Luzifer als ein Einfluß dagewesen sein. Das Äußere hätte nicht auf uns wirken können, wenn nicht Luzifer in uns gewirkt hätte. Wir haben also die Tendenz in uns, das, was wir unter dem luziferischen Einfluß geworden sind, wieder auszugleichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber nun haben wir gesehen, daß der luziferische Einfluß in einer Inkarnation herausfordert den ahrimanischen Einfluß in einer nächsten Inkarnation, daß er ihn herbeizieht, so daß die beiden durchaus in Wechselwirkung miteinander stehen. Der luziferische Einfluß ist aber ein solcher, daß wir sagen konnten: Er zeigt sich für uns im Bewußtsein, das heißt&amp;gt; wir können mit unserem Bewußtsein noch notdürftig hinunterreichen in unseren astralischen Leib. Wir haben gesagt, wenn Schmerzen sich uns zum Bewußtsein bringen, so ist das luziferischer Einfluß. Aber wir können nicht in diejenigen Gebiete hinunter, die wir bezeichnen können als Bewußtsein unseres Ätherleibes und unseres physischen Leibes. Wir haben zwar auch im traumlosen Schlaf ein Bewußtsein, aber ein Bewußtsein von so niederem Grade, daß der Mensch im gewöhnlichen Leben nicht in der Lage ist, von diesem Bewußtsein überhaupt etwas zu wissen. Aber das ist durchaus kein Anlaß, daß wir in diesem Bewußtsein nichts tun. Dieses Bewußtsein hat zum Beispiel normalerweise die Pflanze, die ja nur aus physischem Leib und Ätherleib besteht. Die Pflanze lebt fortwährend in einem traumlosen Schlafbewußtsein. Unser Bewußtsein des Ätherleibes und des physischen Leibes ist auch im Tagwachen vorhanden; aber wir können nicht bis zu ihm hinuntersteigen. Daß aber dieses Bewußtsein handeln kann, das zeigt sich uns zum Beispiel, wenn wir im Schlafe somnambule Handlungen,nachtwandlerische Handlungen ausführen,von denen wir nichts wissen. Das ist das traumlose Schlafbewußtsein, das diese Handlungen vollführt. Das gewöhnliche Ich-Bewußtsein und das astralische Bewußtsein reichen nicht hinunter bis dahin, wo zum Beispiel die Handlungen des Nachtwandlers ausgeführt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber wir dürfen nicht glauben, weil wir bei Tage im Ich-Bewußtsein und astralischen Bewußtsein leben, daß nicht mit uns leben die andern Bewußtseinsarten. Wir wissen nur von ihnen nichts. Nehmen wir nun &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
an, wir haben durch einen luziferischen Einfluß in einer früheren Inkarnation einen starken ahrimanischen Einfluß herausgefordert; dann wird dieser ahrimanische Einfluß nicht wirken können auf unser gewöhnliches Bewußtsein. Er wird aber ergreifen das Bewußtsein,welches in unserem Ätherleibe sitzt, und dieses Bewußtsein wird uns dann nicht bloß zu einer gewissen Organisation unseres Ätherleibes führen können, sondern sogar zu Handlungen, welche sich so ausleben, daß uns das Bewußtsein unseres Ätherleibes sagt: Du kannst jetzt nur dasjenige aus dir heraus entfernen, was der luziferische Einfluß, dem du in der früheren Inkarnation so mächtig verfallen bist, in dir angestellt hat; und&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
das kannst du dadurch, daß du jetzt eine Handlung begehst, die genau in der umgekehrten Linie liegt als die frühere luziferische Verfehlung!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen wir an, wir seien durch einen luziferischen Einfluß dazu gebracht worden, von einem vorhergehenden religiösen oder nach dem Geistigen hinzielenden Standpunkt zu einem solchen überzugehen, wo der Mensch sagt: Ich will das Leben hier genießen! -, wo er also den Sprung in das Sinnliche mit aller Macht getan hat. Dann fordert so etwas den ahrimanischen Einfluß in der Art heraus, daß genau das Umgekehrte verursacht wird. Da kommt es denn vor, daß der Mensch, wenn er durch das Leben schreitet, einen Punkt aufsucht, wo er aus dem sinnlichen Leben in das geistige mit einem Sprunge wieder hineingehenkann. Dort ist er mit einem Sprunge in das Sinnliche verfallen - hier will er mit einem Sprunge in das geistige Leben zurück. Das Oberbewußtsein bemerkt das nicht; aber das geheimnisvolle Unterbewußtsein, das an den physischen Leib und Ätherleib gekettet ist, treibt jetzt den Menschen dazu&amp;gt; den Ort aufzusuchen, wo man ein Gewitter ab- warten kann, wo eine Eiche steht, eine Bank darunter, und - der Blitz schlägt ein! Da hat sein Unterbewußtsein den Menschen erfüllen lassen, was er in einer früheren Inkarnation getan hat. Da haben wir das Umgekehrte. So begreifen wir eine Wirkung unter einem luziferischen Einfluß in einem früheren Leben, und als Folge einen Einfluß Ahrimans in dein jetzigen Leben. Ahriman muß hier mitwirken zu dem Zwecke, daß wir unser 0berbewußtsein so weit ausschalten, daß in diesem Falle unser ganzer Mensch nur dem Bewußtsein des Ätherleibes oder des physischen Leibes folgt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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Auf diese Weise begreifen wir mancherlei Dinge, die auch sonst im Leben geschehen. Aber wir dürfen,wenn zum Beispiel jemand im Leben zum Tode kommt oder eine schwere Verwundung erleidet, nicht jeden solchen Fall auf etwas Ähnliches zurückführen. Da würden wir in einer sehr engen Weise das Karma auffassen. Aber es gibt wirklich Strömungen auch in unserer theosophischen Bewegung, welche das Karma in einer recht engen Weise auffassen, die zwar glauben, daß sie in dem Karma wirklich etwas haben, was zu einem höheren Gesichtspunkt führt, es aber nicht wirklich kennen. Sie fassen das Karma so auf, daß, wenn es wirklich so wäre, wie sie es auffassen, immer die ganze Weltordnung wegen eines jeden einzelnen Menschen besonders eingerichtet sein müßte, damit sie zum harmonischen Verlauf und zum Ausgleich eines jeden einzelnen im Menschenleben diente, daß also in einem Leben die Verhältnisse immer so zusammengeführt werden, daß ganz genau der Ausgleich für das geschaffen werden muß, was in einem früheren Leben entstanden ist. Dieser Standpunkt ist aber nicht haltbar. Wie wäre es denn, wenn sich jemand hinstellte vor einen Menschen, dem ein Unglück passiert ist, und ihm sagt: Das ist dein Karma, das ist die karmische Wirkung aus einem früheren Leben; das hast du damals verschuldet! - Wenn aber jetzt der Betreffende diesen oder jenen Glücksfall erlebt, dann sagt der andere: Das führt zurück auf ein Gutes, das du früher getan hast! - Wenn das aber einen wirklichen Wert haben soll, so müßte doch derjenige, der so spricht, erst sehen, was in dem früheren Leben geschehen ist, das diese Wirkung hervorgebracht haben soll. Hätte er sich in das frühere Leben gestellt, so würde er da die Ursachen sehen, die aus jenem Leben kommen, und müßte dann auf die spätere Inkarnation hinschauen, wenn er die Wirkungen erblicken will.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daraus folgt aber für uns logisch folgendes: Es treten in jeder Inkarnation Tatsachen ein, die erste Ereignisse darstellen in dem Leben jedes Menschen, wie es sich von Verkörperung zu Verkörperung abspielt, und diese werden ihren k~rmischen Ausgleich im nächsten Leben haben. Wenn man im nächsten Leben sich dann die Wirkungen anschaut, dann kann man auf die Ursachen hinblicken. Wenn aber jetzt ein Unglücksfall geschieht und man mit allen Mitteln im früheren Leben keine Ursachen dafür findet, dann muß man sich sagen, es findet eben der Aus- &lt;br /&gt;
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gleich in einem späteren Leben statt. Karma ist kein Fatum! Es wird aus jedem Leben etwas in die späteren hineingetragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir das verstehen, werden wir es auch begreiflich finden, daß der Mensch sinnvoll und bedeutungsvoll neue Ereignisse in seinem Leben finden kann. Denken wir daran, daß ja die großen Ereignisse im Gange der Menschheitsentwickelung nur dadurch zustande kommen können, daß sie von bestimmten Personen getragen werden. Personen müssen in einem bestimmten Zeitpunkt die Absichten der Entwickelung übernehmen. Denken Sie daran, wie die mittelalterliche Entwickelung verlaufen wäre, wenn nicht in einer bestimmten Zeit Karl der Große eingegriffen hätte, oder wie das Geistesleben der alten Zeiten verlaufen wäre, wenn nicht in einer bestimmten Zeit Aristoteles gewirkt hätte. Denken Sie, daß Sie, wenn Sie den Gang der Menschheitsentwickelung begreifen wollen, den Aristoteles in die Zeit hineindenken müssen, wo er gelebt hat; denn ohne ihn würde später vieles anders geworden sein. Dadurch sehen wir, daß solche Persönlichkeiten, wie Karl der Große, Aristoteles, Luther und so weiter nicht um ihretwillen, sondern um der Welt willen in der betreffenden Zeit leben mußten. Ihre persönlichen Schicksale sind darum doch innig verflochten mit dem, was in derWelt geschieht. Können wir aber deshalb sagen, daß das, was sie wirken, zusammentrifft mit dem, was sie sich früher verdient oder was sie früher verschuldet haben?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen Sie den Fall von Luther: Alles, was er erlebt und erduldet hat, können Sie nicht nur auf sein karmisches Konto schreiben; Sie müssen sich klar sein, daß dasjenige, was in einem bestimmten Zeitpunkt in der Menschheitsentwickelung geschehen soll, durch das Hineingestelltsein bestimmter Individualitäten geschieht. Diese Individualitäten müssen heruntergeführt werden aus der geistigen Welt ohne Rücksicht darauf, ob sie für sich selbst weit genug sind, um heruntergeführt zu werden, denn sie werden heruntergeführt zu den Zwecken der Menschheitsentwickelung. Und es muß vielleicht ein karmischer Weg frühzeitig unterbrochen oder verlängert werden, damit die betreffenden Persönlichkeiten zu einem bestimmten Zeitpunkt in das Leben hineingestellt werden können. Da werden über Personen Schicksale verhängt, die mit dem vorangegangenen Karma nichts zu tun zu haben &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
brauchen. Aber wenn man als Mensch einmal so hineingestellt worden ist und wenn man das getan hat, was man zwischen Geburt und Tod tun kann, so bildet das karmische Ursachen. So wahr es also ist, daß ein Luther hineingestellt wird in das Leben um der Menschheit willen und Schicksale erdulden kann, welche nichts zu tun haben mit seinem früheren Karma, so wahr ist es, daß mit seinem späteren Karma dasjenige, was er da vollbringt, wieder etwas zu tun haben wird. Karma ist ein allgemeines Gesetz, und jeder muß es durchleben. Aber wir dürfen es nicht so auffassen, daß wir nur in frühere Verkörperungen zurückblicken, sondern wir müssen es so auffassen, daß wir auch vorwärts- blicken müssen. Deshalb können wir durchaus sagen: Es kann sich uns von diesem Gesichtspunkt aus ergeben, daß allerdings erst ein späteres Leben rechtfertigen kann auch vorhergehende Inkarnationen, indem uns schon Dinge zugefallen sind,welche gar nicht in unserer karmischen Linie liegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen wir folgenden Fall an, der sich tatsächlich zugetragen hat: Bei einer Naturkatastrophe hatten eine Anzahl von Seelen den Untergang gefunden. Wir brauchen durchaus nicht zu glauben, das wäre ihr Karma gewesen, daß sie alle zusammen dabei zugrunde gegangen sind; denn das wäre eine sehr billige Annahme. Es braucht gar nicht so zu sein, daß es immer auf frühere Verschuldungen zurückführt. Es gibt einen erforschten Fall, wo eine Anzahl von Menschen bei einer Naturkatastrophe zugrunde gegangen sind. Das hat dann aber dazu geführt, daß diese Menschen in einer späteren Zeit sich gemeinsam verbunden fühlten und durch das gemeinsame Schicksal sich als stark erwiesen, etwas Gemeinsames in der Welt zu unternehmen. Durch jene Katastrophe war die Ursache gebildet, daß sie im späteren Leben sich gründlich abgewöhnt hatten, nur an der Materie zu hängen, so daß sie sich für ihr späteres Leben eine Gesinnung mitgebracht haben, welche sie zum Spirituellen geführt hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was ist in diesem Falle geschehen? Gehen wir zurück in das vorige Leben, so finden wir, daß als ein besonderes Ereignis das zusammen Untergehen bei einem Erdbeben eingetreten ist: da hat sich ihnen die Wertlosigkeit des Materiellen in dem Augenblicke des Erdbebens vor die Seele gedrängt, und da hat sich bei ihnen die Gesinnung nach dem &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Spirituellen entwickelt. Daran sehen wir, wie Menschen, die ein Spirituelles der Welt zu bringen hatten, dazu vorbereitet waren durch einen solchen Fall, der uns die Weisheit der Entwickelung zeigt, der geisteswissenschaftlich untersucht ist und sich durchaus zugetragen hat. - So können wir zeigen, daß wir zum ersten Male Ereignisse ins Menschenleben eintreten sehen und daß wir auch beim Untergang eines oder mehrerer Menschen bei einer Katastrophe oder einem Unglücksfall den frühzeitigen Tod eines Menschen nicht immer auf eine frühere Verschuldung zurückführen dürfen, sondern daß so etwas als erste Ursache auftreten kann und daß im nächsten Leben der Ausgleich erfolgt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es sind aber noch andere Fälle möglich. Es kann vorkommen, daß jemand in zwei, drei aufeinanderfoigenden Inkarnationen ein Leben frühzeitig zu beschließen hat. Das kann eintreten,weil diese Individualität dazu berufen ist, der Menschheit durch drei Inkarnationen hindurch etwas zu bringen, was man nur bringen kann, wenn man in der physischen Welt mit solchen Kräften lebt, die sich in einem sich aufbauenden Körper ergeben. Es ist ein ganz anderes, ob man in einem Körper lebt, der sich bis zum fünfunddreißigsten Jahre entwickelt, oder in einem Körper des späteren Alters. Denn bis zum fünfunddreißigsten Jahre schickt der Mensch seine Kraft in die Körperlichkeit, so daß er die Kraft von innen heraus entfaltet. Dann aber beginnt, vom fünfunddreißigsten Jahre angefangen, ein Leben, wo der Mensch nur innerlich weiterschreitet und fortwährend mit seinen Lebenskräften anzustürmen hat gegen die äußeren Kräfte. Diese zwei Lebenshälften sind durchaus verschieden voneinander, wenn wir auf die innere Organisation sehen. Nehmen wir nun an, man braucht gemäß der Weisheit der Entwickelung der Menschheit solche Menschen, welche nur gedeihen können, wenn sie nicht anzustürmen haben gegen das, was sich uns entgegendrängt in der zweiten Lebenshälfte, dann kann es sein, daß die Inkarnationen frühzeitig abgerissen werden. Solche Fälle gibt es. Und wir haben selbst schon bei unseren Zusammenkünften hingewiesen auf eine Individualität, welche nacheinander erschienen ist als großer Prophet, als ein bedeutender Maler und als großer Dichter, und immer mit einem frühzeitigen Tode ihr Leben beschlossen hat, weil das, was diese Individualität in drei Inkarnationen zu leisten hatte, nur dadurch &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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möglich war, daß die Inkarnationen abgebrochen wurden vor einem Sich-Hineinleben in die zweite Lebenshälfte. Darin haben Sie das Eigentümliche des Verstricktseins von menschlichem individuellem Karma und allgemeinem Menschheitskarma.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir können noch tiefer gehen und können im allgemeinen Menschheitskarma gewisse karmische Ursachen aufsuchen, welche sich in späteren Zeiten dann in ihren Wirkungen zeigen; da muß sich der einzelne Mensch wieder hineingestellt sehen in das Menschheitskarma.Wenn wir die nachatlantische Entwickelung in Betracht ziehen, haben wir die griechisch-lateinische Zeit in der Mitte liegend, voran ging ihr die ägyptisch-chaldäische Zeit, und ihr folgte die unsrige als der fünfte Kulturzeitraum. Auf unsere Zeit wird folgen eine sechste und dann eine siebente Kulturepoche. Aber auch bei anderer Gelegenheit habe ich schon darauf hingewiesen, daß in gewisser Beziehung ein Kreislauf&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
stattfindet in der Aufeinanderfolge der verschiedenen Kulturen, so daß die griechisch-lateinische Kultur als eine besondere für sich dasteht, da`ß dann aber die ägyptisch-chaldäische Epoche in der unsrigen sich wiederholt. Nun habe ich auch schon in diesem Zyklus hervorgehoben, wie Kepler in unserer Kulturepoche lebte und wie früher dieselbe Individualität in einem ägyptischen Leibe lebte und damals unter dem Einfluß der ägyptischen Priesterweisen den Blick hinauflenken durfte zum Himmelsgewölbe, so daß ihr die Geheimnisse der Sterne wie von oben enthüllt wurden. Das brachte sie dann wieder heraus in ihrer KeplerInkarnation, die dort hingestellt worden ist, wo der fünfte Zeitraum den dritten in gewisser Weise wiederholt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber das geht noch weiter. Von der Geisteswissenschaft aus kannman wirklich behaupten, daß die Weltentwickelung und das Menschenleben von den meisten Menschen heute noch in rechter Blindheit angeschaut wird. Bis in die Einzelheiten hinein könnten Sie diese Entsprechungen, diese Wiederholungen, dieses Leben in Zyklen verfolgen. Wenn man einen gewissen Zeitpunkt in der Menschheitsentwickelung nimmt, der etwa in das Jahr 747 vor Christus fällt, so haben Sie darin eine Art Hypomochlion, eine Art Nullpunkt, und was vor und nach diesem Zeitpunkt liegt, entspricht sich in einer ganz bestimmten Weise. Wir können zurückgehen in eine Zeit der ägyptischen Entwickelung &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
und finden dort gewisse Zeremonialgesetze und Gebote, welche als «Gebote der Götter» erschienen. Und das waren sie auch. Es waren Gebote, die sich darauf bezogen, daß der Ägypter zum Beispiel am Tage ganz bestimmte Waschungen, also durch Zeremoniengebräuche und rituelle Vorschriften geregelte Waschungen, vollziehen mußte. Und man sagte dem Ägypter, daß er nur leben könne, wie es die Götter wollen, wenn er an diesem oder jenem Tage so und so viele Waschungen vornimmt. Das war ein Göttergebot, das sich in gewissen Reinlichkeitskulten auslebte. Und wenn wir dann in eine etwas weniger reinliche Zeit in der Zwischenzeit kommen und jetzt wieder, in unserer Zeit, auf hygienische Maßregeln stoßen, wie sie jetzt aus materialistischen Gründen der Menschheit gegeben werden, so sehen wir bei uns richtig sich wiederholen, was in einer entsprechenden Zeit in Ägypten untergegangen ist. Ganz merkwürdig stellt sich die Erfüllung des Früheren im Gesamtkarma dar. Nur ist der Gesamtcharakter immer ein anderer. Kepler hatte in seiner ägyptischen Inkarnation den Blick hinaufgelenkt zum Sternenhimmel; und was diese Individualität dort sah, das prägte sie aus in den großen spirituellen Wahrheiten der ägyptischen Astrologie. Bei ihrer Wiederverkörperung in dem Zeitalter, dem der Beruf des Materialismus zu fiel, prägte dieselbe Individualität diese Tatsachen - unserem Zeitalter entsprechend - in den drei materialistisch gefärbten Keplerschen Gesetzen aus. - Im alten Ägypten waren die Gesetze der Reinigung «gottgeoffenbarte» Gesetze. Der Ägypter glaubte nur dadurch seine Pflicht der Menschheit gegenüber zu erfüllen, daß er bei jeder Gelegenheit in der unglaublichstenWeise für seine Reinigung Sorge trug. Das kommt heute wieder heraus, nur unter ganz materialistischen Gedankeneinflüssen. Der Mensch von heute denkt nicht daran, daß er den Göttern dient, wenn er solche Vorschriften beobachtet, sondern daß er sich selbst dient. Aber es kommt das Frühere wieder heraus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So erfüllt sich alles in der Welt, und zwar in gewissem Sinne ganz zyklisch. Und jetzt werden Sie ahnen, daß es mit den Dingen, die wir das letzte Mal in einem Widerspruch zusammen formuliert haben, sich doch nicht so einfach verhält, wie man anzunehmen geneigt ist. Wenn in einer bestimmten Zeit die Menschen nicht in der Lage waren, gegen Epidemien gewisse Maßregeln zu ergreifen, so waren das die Zeiten, wo &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|168}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
es die Menschen deshalb nicht konnten, weil die Epidemien nach dem allgemeinen weisheitsvollen Weltenplan wirken sollten, damit die Menschenseelen Gelegenheit fanden, auszugleichen, was durch den ahrimanischen Einfluß und durch gewisse frühere luziferische Einflüsse bewirkt worden war. Wenn jetzt andere Bedingungen herbeigeführt werden, so unterliegt das wieder ebenfalls bestimmten großen karmischen Gesetzen. Wir können daraus entnehmen, daß wir diese Fragen wahrhaftig nicht oberflächlich betrachten dürfen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie stimmt das nun zusammen: Wir sagten, wenn der Mensch die Gelegenheit aufsucht, um eine Epidemie, eine Infektion aufzunehmen, so ist das die notwendige Gegenwirkung gegen eine frühere karmische Ursache. Dürfen wir nun hygienische und andere Maßregeln dagegen ergreifen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Frage ist tief, und wir müssen erst das richtige Material herbei- tragen, um sie zu entscheiden. Wir müssen uns klar sein, daß da, wo - ob gleichzeitig oder in längeren Zeiträumen - das luziferische und das ahrimanische Prinzip zusammenwirken oder wo sie sich entgegen- wirken, gewisse Komplikationen im menschlichen Leben eintreten.Und diese Komplikationen wirken so, daß sie uns in den verschiedensten Fällen in der mannigfaltigsten Art entgegentreten, so daß wir nicht zwei Fälle in der gleichen Art sehen werden.Wenn wir aber das menschliche Leben studieren, werden wir uns in folgender Weise dabei hindurchfinden: Wenn wir das Zusammenwirken von Luzifer und Ahriman aufsuchen in dem entsprechenden einzelnen Fall, so werden wir überall einen Faden finden, um durch diesen Zusammenhang hindurch- zukommen. Wir müssen aber dabei scharf unterscheiden zwischen dem inneren und dem äußeren Menschen. Wir mußten heute schon scharf unterscheiden zwischen dem, was sich in der Verstandesseele auslebt, und dem, was als Wirkung derVerstandesseele sich im Ätherleibe zeigt. Wir müssen den Fortgang betrachten, in welchem Karma sich vollzieht, und wir müssen uns zugleich klar sein, daß wir aber doch wieder die Möglichkeit haben, durch entsprechende karmische Einflüsse so auf das Innere zu wirken, daß durch das Innere ein anderer karmischer Ausgleich in der Zukunft vorbereitet wird. Dadurch ist es möglich, daß nun dieses eintreten kann:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|169}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es kann der Mensch ganz besonders in einem früheren Leben durch Empfindungen, Gefühle und so weiter durchgegangen sein, die ihn zur Lieblosigkeit gegen seine Nächsten getrieben haben. Denken wir uns zum Beispiel, daß er durch etwas hindurchgegangen ist, wo er durch karmischeWirkung die Lieblosigkeit in sich aufgenommen hat. Es kann durchaus so sein, daß wir, wie auf absteigender Linie fortfahrend, das Böse erzeugen, daß wir also erst auf einer absteigenden Bahn gehen, damit die entgegengesetzte Spannkraft entwickelt wird, um dann wieder aufzusteigen. Nehmen wir also an, ein Mensch hat sich durch Hin- gabe an gewisse Einflüsse zu einer gewissen Lieblosigkeit hingeneigt; dann tritt die Lieblosigkeit in einem späteren Leben als karmische Wirkung ein und bildet innere Kräfte in seiner Organisation aus. Nun können wir ein Zweifaches tun, bewußt oder auch nicht bewußt; denn unsere Kultur ist noch nicht so weit, es bewußt zu tun. Wir werden bei einem solchen Menschen Vorsorge treffen können, daß jene Eigenschaften in seiner Organisation, welche von der Lieblosigkeit kommen, her- ausgetrieben werden. Wir können da etwas tun, was ein Gegenmittel ist gegen die Wirkung in der äußeren Organisation, die sich als Lieblosigkeit zeigt; aber es wird damit noch nicht immer alle Lieblosigkeit in der Seele aufgehoben sein, es wird nur das äußere Organ der Lieblosigkeit fortgeschafft sein. Denn wenn wir weiter nichts tun, haben wir nur halbe Arbeit geleistet, vielleicht auch gar keine. Wir haben vielleicht dem Menschen physisch, äußerlich geholfen; seelisch aber haben wir ihm nicht geholfen. Indem wir ihm in der äußeren Leiblichkeit das Organ für die Lieblosigkeit fortgenommen haben, kann er jetzt die Lieblosigkeit nicht ausleben; er muß sie in seiner inneren Organisation behalten für eine nächste Inkarnation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen wir an, eine ganze Anzahl von Menschen hätte sich wegen Lieblosigkeit gegen die Menschen hingezogen gefühlt, gewisse Infektionsstoffe aufzunehmen, um einer Epidemie zu verfallen. Nehmen wir weiter an, wir könnten gegen die Epidemie etwas tun. Wir würden dann in einem solchen Falle die äußere Leiblichkeit davor bewahren, die Lieblosigkeit zum Ausdruck zu bringen, aber wir würden dadurch noch nicht die innere Neigung zur Lieblosigkeit fortgeschafft haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denken wir uns aber den Fall so, daß wir, wenn wir das äußere Organ&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|170}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der Lieblosigkeit fortschaffen, die Verpflichtung übernehmen, auf die Seele so zu wirken, daß wir auch der Seele die Neigung zur Lieblosigkeit nehmen. Das Organ der Lieblosigkeit wird im eminenten Sinne getötet - im äußeren leiblichen Sinne - in der Pockenimpfung. Da zeigt sich zum Beispiel folgendes, was geisteswissenschaftlich erforscht ist: In einer Kulturperiode traten die Blattern auf, als die allgemeine Neigung bestand, im höheren Maße Egoismus, Lieblosigkeit zu entwickeln. Da traten die Blattern auf, auch in der äußeren Organisation; das ist so. Man ist in der Theosophie durchaus verpflichtet, die Wahrheit zu sagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun können wir es begreifen, daß in unserer Zeit der Impfschutz aufgetreten ist. Wir können aber noch etwas anderes begreifen, daß nämlich bei den besten Geistern unserer Zeit etwas wie ein Widerwille gegen Impfung vorhanden ist. Das steht mit einem Inneren in Korrespondenz, das ist das Äußere eines Inneren. Und wir können jetzt sagen: Wenn wir auf der einen Seite das Organ töten, hätten wir auch die Verpflichtung, als Gegenstück dazu bei diesem Menschen den materialistischen Charakter durch eine entsprechende spirituelle Erziehung anders zu gestalten. Das müßte das notwendige Gegenstück sein. Wir leisten sonst nur halbe Arbeit. Ja, wir leisten nur eine Arbeit, zu der der Mensch selber in einer späteren Inkarnation in irgendeiner Weise wird das Gegenstück schaffen müssen, wenn er das Pockengift in sich hat und die Eigenschaft aus sich herausgeschafft hat, durch die man geradezu hinneigt zur Blatterner krankung. Hat man die Empfänglichkeit für die Blattern herausgeschafft, so hat man nur die äußere Seite der karmischen Wirksamkeit ins Auge gefaßt. Wenn man auf der einen Seite Hygiene übt, muß man anderseits die Verpflichtung fühlen, den Menschen, deren Organisation man umgewandelt hat, auch etwas für die Seele zu geben. Impfung wird keinem Menschen schaden, welcher nach der Impfung im späteren Leben eine spirituelle Erziehung erhält. Wir haben die Waagschale zu stark zum Sinken gebracht, wenn wir nur auf die eine Seite abzielen und auf die andere keinen Wert legen. Das fühlt man im Grunde in den Kreisen, wo man sagt: Wo hygienische Maßregeln zu weit gehen, würden nur schwache Naturen fortgepflanzt. Das ist zwar unberechtigt; aber Sie sehen, wesentlich ist, daß man eine Aufgabe nicht ohne die andere übernehmen darf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|171}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da kommen wir zu einem wichtigen Gesetz in der Menschheitsentwickelung, das so wirkt, daß immer ein Äußeres und ein Inneres sich die Waage halten müssen und daß man nicht bloß auf das eine sehen darf, sondern auch das andere nicht unberücksichtigt bleiben darf. Da sehen wir in einen großen Zusammenhang hinein und sind jetzt noch nicht einmal zur Behandlung der Frage gekommen: Wie verhalten sich Hygiene und Karma zueinander? Sie werden sehen, daß uns die Beantwortung dieser Frage noch tiefer hineinführt in das Karma. Und wir werden noch sehen, wie auch zwischen der Geburt und dem Tode des Menschen karmische Zusammenhänge bestehen und ferner, wie andere Persönlichkeiten hineinspielen in ein Menschenleben und wie sich der freie Wille des Menschen und das Karma im Einklange befinden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|172}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= NEUNTER VORTRAG Hamburg, 26. Mai 1910 =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es wird ja, wie ich wiederholt bemerkte, nur möglich sein, die großen karmischen Gesetzmäßigkeiten in einigen skizzenhaften Linien anzudeuten, um Anregungen zu geben auf diesem schier unermeßlichen Gebiete.Wenn Sie alles bedenken, was wir in den letzten Tagen besprochen haben, so werden Sie es nicht mehr auffällig finden, daß der Mensch geradezu aus gewissen Bewußtseinsschichten heraus getrieben wird, die ausgleichenden Wirkungen für karmische Ursachen, die er sich selber einverleibt hat, auch in der Außenwelt zu suchen. Er kann geradezu dorthin getrieben werden, wo er zum Beispiel eine Infektion erhalten kann, um in dieser die ausgleichenden Wirkungen für eine sich einverleibte karmische Ursache zu suchen, und selbst zu dem,was man Lebensunfälle nennen kann, kann der Mensch hingetrieben werden, um mit dem Hereinbrechen eines solchen Lebensunfalles eine Ausgleichung zu suchen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie ist es nun mit dem karmischen Verlauf, wenn wir durch irgendwelche Maßnahmen in die Lage kommen, den Menschen daran zu hindern, diesen Ausgleich zu suchen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen wir an, daß wir durch gewisse hygienische Maßnahmen dahin wirken, daß gewisse Ursachen, gewisse Dinge, für die vielleicht der Mensch vermöge seiner karmischen Zusammenhänge Neigung haben muß, überhaupt nicht da sein können. Denken wir uns, es gelänge durch hygienische Maßnahmen, gewisse Krankheitserreger auf einem bestimmten Gebiet zu bekämpfen. Nun haben wir uns bereits vor die Seele geführt, daß es keineswegs im Belieben der Menschen steht, solche Maßnahmen zu treffen. Wir haben gesehen, wie in einem bestimmten Zeitalter zum Beispiel die Neigung zu Reinlichkeitsgesetzen daher entsteht, weil einfach diese Neigung, die in der Zwischenzeit verschwunden war, jetzt bei der umgekehrten Wiederholung in der Entwickelung wieder auftaucht. Daraus haben wir gesehen, daß es in den großen Gesetzen des Menschheitskarma überhaupt liegt, daß in einem bestimmten Zeitpunkt der Mensch dazu kommt, diese oder jene Maßnahmeii zu treffen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|173}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir werden es aber auch leicht begreifen, daß der Mensch in einem früheren Zeitalter nicht dazu gekommen ist, derartige Maßnahmen zu treffen, weil die Menschheit in einem früheren Zeitraum die Epidemien brauchte, die jetzt durch die hygienischen Maßnahmen aus der Welt geschafft werden sollen. In bezug auf große Einrichtungen im Leben unterliegt wirklich die Menschheitsentwickelung ganz bestimmten Gesetzen, und bevor etwas für die gesamte Menschheitsentwickelung von Bedeutung und von Nutzen sein kann, tritt gar nicht die Möglichkeit ein, solche Maßnahmen zu treffen. Denn aus dem vollbewußten, vernünftigen, verständigen Leben, das sich der Mensch zwischen Geburt und Tod aneignen kann, kommen ja solche Maßnahmen nicht, sondern sie kommen aus dem Gesamtgeist der Menschheit. Und Sie brauchen sich nur einmal vor Augen zu halten, wie diese oder jene Erfindung oder Entdeckung auch erst dann auftritt, wenn die Menschheit wirklich dafür reif ist. Ein kleiner Überblick über die Geschichte der Entwickelung der Menschheit auf der Erde kann Ihnen da so manches bieten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denken Sie nur daran, daß unsere Vorfahren - das heißt unsere eigenen Seelen - in Leibern von ganz anderer Gestalt als die heutigen Menschenleiber auf dem alten atlantischen Kontinent gelebt haben, daß dann dieser atlantische Kontinent hinuntergesunken ist und daß die Einrichtungen, die wir heute treffen, sich erst im Bereiche unserer heutigen Kontinente gebildet haben. Es wurden dann in einem ga`nz bestimmten Zeitalter erst die Bewohner der einen aufgetauchten Erdhälfte mit den Bewohnern der andern zusammengeführt. Erst vor kurzem, in einer gar nicht so fernen Vergangenheit, konnten die Völker Europas die Gebiete wieder erreichen, die nach der andern Seite des atlantischen Kontinents sich abgegliedert haben. In solchen Dingen herrschen wirklich große Gesetze. Und ob diese oder jene Dinge entdeckt werden oder ob Maßnahmen getroffen werden, welche es in dieser oder jener Richtung möglich machen, karmisch einzugreifen, das hängt nicht von der Meinung oder der Willkür der Menschen ab, sondern das tritt ein, wenn es eintreten soll. Aber dessen ungeachtet: Wenn wir gewisse Ursachen hinwegräumen, welche sonst dagewesen wären und die durch ihre karmische Verwicklung gewisse Menschen aufgesucht hätten, so können wir dadurch das Karma der Menschen beeinflussen. Dieses Beeinflussen &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|174}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
heißt aber nicht, daß wir es hinwegschaffen, sondern es heißt, daß wir es in eine andere Richtung lenken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denken wir uns also den Fall, eine Anzahl von Menschen würde sich durch karmische Verwicklung gedrängt fühlen, bestimmte Einflüsse aufzusuchen, welche ein karmischer Ausgleich sein würden. Durch hygienische Maßnahmen sind nun einstweilen diese Einflüsse oder Verhältnisse hinweggeräumt worden, die Menschen können sie nicht mehr suchen. Darum aber werden diese Menschen nicht befreit von dem, was in ihnen als karmische Wirkung herausgefordert wird, sondern sie werden gedrängt, andere Wirkungen aufzusuchen. Seinem Karma entkommt der Mensch nicht. Er wird durch solche Maßnahmen nicht entlastet von dem, was er sonst aufgesucht hätte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daraus können Sie entnehmen, daß für einen karmischen Ausgleich, den wir in der Lage wären, nach einer Seite wegzuschaffen, wieder ein Ausgleich nach einer andern Richtung entstehen müßte. Wir schaffen nur die Notwendigkeit, andere Gelegenheiten und Einflüsse aufzusuchen, wenn wir irgendwelche Einflüsse hinwegräumen. Nehmen wir nun an, daß viele Epidemien, gemeinsame Krankheitsursachen, einfach darauf zurückzuführen sind, daß die Menschen, welche diese Krankheitsursachen aufsuchen, hinwegräuriien wollen, was sie sich karmisch anerzogen haben, wie zum Beispiel bei der Pockenepidemie Organe der Lieblosigkeit. Brächten wir es zustande, diese Organe hinwegzuräumen, so bliebe die Ursache der Lieblosigkeit trotzdem bestehen, und die betreffenden Seelen müßten dann in dieser oder einer andern Inkarnation den entsprechenden Ausgleich in einer andern Weise suchen. Wir können begreifen,was da stattfindet, wenn wir auf etwas hinweisen, worauf wir sicher zählen müssen, und das ist das Folgende.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heute werden in der Tat eine ganze Menge von äußeren Einflüssen und Ursachen hinweggeräumt, die sonst aufgesucht worden wären zum Ausgleich gewisser karmischer Dinge, welche die Menschheit in früheren Zeitaltern auf sich geladen hat. Dadurch aber schaffen wir nur die Möglichkeit hinweg, daß der Mensch äußeren Einflüssen verfällt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir machen ihm das äußere Leben angenehmer oder auch gesünder. Dadurch erreichen wir aber nur, daß dasjenige, was der Mensch in dem entsprechenden Krankheitsverhältnis sich als karmischen Ausgleich gesucht &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|175}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
hätte, nun auf anderem Wege gesucht werden muß. Die Seelen, welche auf diesem Wege heute in gesundheitlicher Beziehung gerettet werden, werden also dazu verurteilt, in einer andern Weise diesen karmischen Ausgleich zu suchen. Und Sie werden ihn suchen müssen in zahlreichen Fällen, die gerade zu den geschilderten gehören. Indem ihnen durch ein gesünderes Leben größere physische Annehmlichkeit bereitet wird, indem ihnen das physische Leben erleichtert wird, wird die Seele dadurch in der entgegengesetzten Weise beeinflußt; sie wird so beeinflußt, daß sie nach und nach eine gewisse Leerheit, eine Unbefriedigtheit, eine Unerfülltheit empfinden wird. Und wenn es so fortgehen würde, daß das äußere Leben immer angenehmer, immer gesünder würde, wie man es nach den allgemeinen Vorstellungen im rein materialistischen Leben haben kann, dann würden solche Seelen immer weniger Ansporn haben, in sich selber weiterzukommen. Eine Verödung der Seelen würde in gewissem Sinne parallel einhergehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer sich genauer das Leben ansieht, kann das heute schon bemerken. In kaum einem Zeitalter hat es so viele Menschen gegeben, welche in so angenehmen äußeren Verhältnissen leben, aber mit öden, unbeschäftigten Seelen einhergehen, wie es heute der Fall ist. Diese Menschen eilen darum von Sensation zu Sensation; dann, wenn das Pekuniäre reicht, reisen sie von Stadt zu Stadt, um etwas zu sehen, oder wenn sie in derselben Stadt bleiben müssen, eilen sie jeden Abend von Vergnügen zu Vergnügen. Die Seele bleibt aber darum doch öde, weiß zuletzt selber nicht mehr, was sie aufsuchen soll in der Welt, um einen Inhalt zu bekommen. Namentlich wird durch ein Leben in rein äußeren, physisch annehmlichen Zuständen der Hang erzeugt, nur über das Physische nachzudenken. Und wenn diese Neigung, sich nur mit dem Physischen zu beschäftigen, nicht schon lange vorhanden wäre, so würde auch nicht die Neigung zum theoretischen Materialismus so stark geworden sein, wie es in unserer Zeit der Fall ist. So werden die Seelen leidender, während das äußere Leben gesünder gemacht wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am wenigsten hat derTheosoph über eine solche Tatsache zu klagen, weil überall die Theosophie uns Verständnis der Dinge schafft und damit ein Einsehen, wo der Ausgleich ist. Die Seelen können nur bis zu einem gewissen Grade leer bleiben; dann werden sie wie durch die &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|176}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
eigene Elastizität nach der andern Seite hingeschnellt. Sie suchen dann einen Inhalt, der verwandt ist mit den Tiefen der eigenen Seele, und sie werden dann einsehen, wie notwendig sie es haben, zu einer theosophischen Weltanschauung zu gelangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So sehen wir, wie das, was aus den materialistischen Lebensauffassungen herauskommt, wohl das äußere Leben erleichtert, aber Schwierigkeiten des inneren Lebens schafft, die dahin führen, aus den Leiden der Seele heraus den Inhalt einer spirituellenWeltanschauung zu suchen. Die spirituelle Weltanschauung, wie sie sich heute als die theosophische kundgibt, kommt so den Seelen entgegen, die in der Verödung, an dem, was das äußere Leben, das ganz angenehm eingerichtet sein kann, ihnen an Eindrücken zu geben vermag, keine Befriedigung finden können. Die Seelen werden so lange suchen, immer wieder Neues aufzunehmen, bis die Elastizität von der andern Seite so stark wirkt, daß die Seelen mit dem sich vereinigen werden, was man spirituelles Leben nenneön kann. So gibt es eine Beziehung zwischen Hygiene und den Zukunftshoffnungen der geisteswissenschaftlichen Weltanschauung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie können das heute im Kleinen schon bemerken. Es gibt heute solche Seelen, welche zu andern Äußerlichkeiten eine neue Äußerlichkeit fügen: sich zu interessieren für die theosophische Weltanschauung, welche als neue Sensation die theosophische Weltanschauung aufnehmen. Das ist etwas, was sich bei jeder Strömung in der Menschheitsentwickelung zeigt, daß das, was tiefe, innere Bedeutung hat, auch als Mode, als Sensation wirkt. Aber die wahrhaft für die Theosophie vorbereiteten Seelen sind solche, welche sich entweder unbefriedigt fühlen durch die äußeren Sensationen oder auch einsehen, daß die äußere Wissenschaft mit all ihren Erklärungen die Tatsachen nicht erklären kann. Diese Seelen sind es, welche durch ihr Gesamtkarma so präpariert sind, daß sie sich mit den innersten Gliedern ihres Seelenlebens mit der Theosophie verbinden können. Geisteswissenschaft gehört auch zum Gesamtkarma der Menschheit, und sie wird sich als solche darin einfügen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So können wir das Karma der Menschen nach der einen oder andern Seite in eine andere Richtung bringen; aber wir können nicht die Rückwirkung auf den Menschen beseitigen. In irgendeiner Weise kommt das &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|177}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
zurück, was sich der Mensch in früheren Lebensläufen selber zubereitet hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie nun das Karma sinnvoll in der Welt wirkt, das kann am besten eine Betrachtung lehren, wo Karma sozusagen noch ohne moralischen Beigeschmack wirkt, wo es in der großen Welt selber wirkt, ohne daß es etwas zu tun hat mit dem, was der Mensch aus der Seele heraus an moralischen Impulsen entwickelt und was dann zu moralischen oder unmoralischen Handlungen führt. Wir wollen ein Gebiet des Karma vor unsere Seele stellen, in dem das Moralische noch keine Rolle spielt, sondern wo sich etwas Neutrales als karmische Verkettung darstellt. Nehmen wir an, eine Frau lebt in einer bestimmten Inkarnation. Nun werden Sie nicht in Abrede stellen, daß die Frau einfach dadurch, daß sie Frau ist, andere Erlebnisse haben muß als der Mann und daß diese Erlebnisse nicht nur bloß zusammenhängen mit inneren Seelenvorgängen, sondern daß sie im breitesten Maße zusammenhängen mit äußeren Geschehnissen, mit Lebenslagen, in welche die Frau nur dadurch kommt, daß sie Frau ist, und die wieder zurückwirken auf die ganze Seelenverfassung und Seelenstimmung. Daher können wir davon sprechen, daß die Frau zu gewissen Handlungen geführt wird, die im innigsten Zusammenhang stehen mit dem Frauendasein. Der Ausgleich zwischen Mann und Frau findet ja erst auf dem Gebiete des geistigen Zusammenlebens statt. Je tiefer wir nun hinuntersteigen in das bloß Seelische und in das Äußere des Menschen, desto größer wird der Unterschied zwischen Mann und Frau in bezug auf ihr Leben. Und so können wir sagen, daß die Frau auch in gewissen Eigenschaften der Seele verschieden ist vom Manne, daß sie mehr neigt zu jenen Eigenschaften der Seele, die zu Impulsen führen&amp;gt; welche als emotionelle bezeichnet werden müssen; und wir finden sie dazu veranlagt, mehr als der Mann psychische Erlebnisse zu haben. Dafür sind im Leben des Mannes Intellektualismus und Materialismus - dasjenige also, was durch den Mann gekommen ist - mehr zuhause, was auf das Seelenleben einen großen Einfluß hat. Psychisches und Emotionelles bei der Frau, intellektuelle und materialistische Momente beim Mann - so werden sie durch ihre Naturen geradezu bestimmt. Daher hat nun auch die Frau gewisse Nuancen des Seelenlebens dadurch, daß sie Frau ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|178}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun haben wir ja geschildert,daß dasjenige, was wir als Eigenschaften in der Seele erleben zwischen Tod und neuer Geburt, sich hineindrängt in unsere nächste leibliche Organisation, Was nun stärker psychisch ist, was stärker emotionell ist und im Leben zwischen Geburt und Tod mehr nach dem Inneren der Seele geht, das hat auch mehr Neigung, tiefer einzugreifen in die Organisation, sie viel intensiver zu imprägnieren. Und dadurch, daß die Frau solche Eindrücke aufnimmt, welche mit dem Psychismus, mit dem Emotionalismus zusammenhängen, nimmt sie in tiefere Seelengründe hinein auch die Erfahrungen des Lebens. Der Mann mag reichere Erfahrungen machen, auch wissenschaftlichere: so tief gehen bei ihm die Erfahrungen nicht in das Seelen- leben hinein, wie es bei der Frau der Fall ist. Bei der Frau prägt sich die ganze Erfahrungsumwelt tief ein in die Seele. Dadurch haben die Erlebnisse eine stärkere Tendenz, in die Organisation hineinzuwirken, die Organisation in der Zukunft stärker zu umklammern. Und so nimmt ein Frauenleben die Tendenz auf, durch ihre Erlebnisse in einer Inkarnation tief in den Organismus hineinzugreifen und damit in der nächsten Inkarnation den Organismus selber zu gestalten. Ein tiefes Hinein- arbeiten, ein tiefes Durcharbeiten des Organismus bedeutet nun aber: einen männlichen Organismus hervorbringen. Ein männlicher Organismus wird dadurch hervorgebracht, daß die Kräfte der Seele sich tiefer in das Materielle hineinprägen wollen. Daraus sehen Sie, daß aus den Frauenerlebnissen einer Inkarnation die Wirkung hervorgeht, in der nächsten Inkarnation einen männlichen Organismus hervorzubringen. Da haben Sie aus der Natur des Okkultismus einen Zusammenhang gegeben, der jenseits des Moralischen liegt. Deshalb sagt man im Okkultismus: Der Mann ist das Karma der Frau. - In der Tat ist die Mannesorganisation in einer späteren Inkarnation das Ergebnis der Erfahrungen und Erlebnisse in einer vorhergehenden Fraueninkarnation. Selbst auf die Gefahr hin, daß ich etwa unsympathische Gedanken erwecke bei einigen der Versammelten - es kommt ja immer vor, daß Männer der Gegenwart einen heil losen Respekt davor haben, als Frau inkarniert zu werden -, muß ich diese Dinge als Tatsachen auch wieder ganz objektiv beleuchten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie ist es nun mit den Manneserlebnissen? Mit den Manneserleb&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|179}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nissen verhält es sich so, daß wir sie am besten verstehen, wenn wir gleich von dem ausgehen, was wir jetzt eben dargestellt haben. Bei der Mannesorganisation hat der innere Mensch sich gründlicher in das Materielle hineingelebt, hat es mehr umklammert als bei der Frau. Die Frau behält mehr von dem Geistigen im Unkörperlichen zurück; sie lebt sich nicht so tief in das Materielle hinein, sie erhält ihre Körperlichkeit weicher. Sie trennt sich nicht so weit von dem Geistigen. Das ist das Charakteristische der Frauennatur, daß sie mehr zurückbehält von freier Geistigkeit und sich daher weniger in die Materie hineinarbeitet und vor allem das Gehirn weicher erhält. Daher ist es nicht zu verwundern, daß die Frauen für Neues, insbesondere auf geistigem Gebiete, eben eine besondere Neigung haben, weil sie das Geistige freier behalten haben und weil weniger Widerstand da ist. Und es ist kein Zufall, sondern es entspricht einer tiefen Gesetzmäßigkeit, daß bei einer Bewegung, die durch ihre Natur mit dem Spirituellen zu tun hat, sich eine größere Anzahl von Frauen einfindet als Männer. Und wer Mann ist, der weiß,was für ein schwieriges Instrument das Mannesgehirn oftmals ist. Es bildet furchtbare Hindernisse, wenn man es für biegsamere Gedankengänge brauchen will. Da will es nicht mitgehen. Es muß erst mit allen möglichen Mitteln herangebildet werden, um sich aus der Steifigkeit zu erlösen. Das kann durchaus ein eigenes Erlebnis der Manneserfahrung sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Mannesnatur ist also kondensierter, zusammengezogener; sie ist mehr gepreßt worden, steifer, härter gemacht worden durch das, was der innere Mensch im Manne ist; sie ist materieller gemacht worden. Nun ist ein steiferes Gehirn vor allem ein Instrument für das Intellektuelle, weniger für das Psychische. Denn das Intellektuelle ist etwas, was sich viel mehr auf den physischen Plan bezieht. Was als Intellektualismus des Mannes zu bezeichnen ist, das kommt von seinem steiferen, verfestigten Gehirn. Man könnte dabei von einem gewissen Grade von «Eingefrorenheit&amp;gt; des Gehirns sprechen. Es muß erst auftauen, wenn es sich in feinere Gedankengänge hinein finden soll. Dadurch aber wird der Mann veranlaßt, mehr die Äußerlichkeiten zu erfassen, weniger von denjenigen Erlebnissen aufzunehmen, die mit den Tiefen des Seelenlebens zusammenhängen. Und was er aufnimmt, das geht dann auch &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|180}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nicht tief. Ein äußerer Beweis dafür ist der, wie wenig tief die äußere Wissenschaft geht und wie wenig sie das Innere erfaßt - wie zwar immer im weiten Umkreis gedacht wird, aber wie wenig gründlich die Tatsachen zusammengezogen werden. Wer durch seine eigene Selbstzucht im Denken genötigt ist, die Tatsachen zusammenzufügen, dem könnte von dem, was die äußere Wissenschaft sich nicht scheut, als nebeneinander bestehend hinzustellen, manchmal recht übel werden. Da kann man sehen, wie wenig tief die Dinge gehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Beispiel dafür, wie oberflächlich die Dinge der heutigen Wissenschaft sein können: Nehmen Sie an, ein junger Mensch ist in irgendeinem Kolleg, wo ein enragierter Darwinianer vorträgt. Und bei diesem Vertreter der Selektionstheorie kann der Student etwa solche Dinge vertreten hören: Woher kommt es, daß der Gockel zum Beispiel so schöne, blauschillernde Farben an seinen Federn hat? Das ist auf eine geschlechtliche Zuchtwahl zurückzuführen; denn durch die Farben zieht er die Hennen &#039;an, und die Hennen wählen dann unten den Gockeln diejenigen, welche die bläulichschillernden Federn haben. Dabei kommen dann die andern zu kurz, und es bildet sich infolgedessen besonders die eine Sorte aus. Das ist eine Höherentwickelung, das ist «geschlechtliche Zuchtwahl»! - Und der Student ist froh, daß er weiß, wie eine Aufwärtsentwickelung zustande kommen kann. Jetzt geht er ins nächste Kolleg, wo, sagen wir, das Gebiet der Sinnesphysiologie behandelt wird. Und hier kann es jetzt vorkommen, daß derselbe Student nun im zweiten Kolleg etwa folgendes zu hören bekommt: Man hat Versuche gemacht, welche zeigen, wie verschieden die Farben des Spektrums auf die verschiedenen Wesenheiten wirken. Man kann nachweisen, daß zum Beispiel die Hühner von den gesamten Farben des Spektrums das nicht wahrnehmen, was zum Blau und Violett gehört, sondern daß sie nur dasjenige wahrnehmen, was vom Grünen zum Orange, Rot und Ultrarot geht!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt ist der Student, wenn er diese beiden Tatsachen, die er heute wirklich hören kann, zusammendenken will, darauf angewiesen, die Dinge oberflächlich zu nehmen. Es ist die ganze Selektionstheorie darauf gebaut, daß die Hennen am Gockel etwas sehen sollen an bunten Farben, was ihnen besondere Freude machen soll, was sie aber &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|181}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
in Wirklichkeit gar nicht sehen, was für sie wie rabenschwarz erscheint.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist nur ein Beispiel. Aber die Dinge sind so, daß sie dem, der wirklich wissenschaftlich forschen will, auf Schritt und Tritt so begegnen. Daraus sehen Sie, daß die Intellektualität nicht gerade sehr tief elngreift in das Leben, daß sie an der Oberfläche stehenbIeibt. Ich wähle absichtlich die krassen Beispiele. Man wird es ja nicht so leicht glauben wollen, daß die Intellektualität etwas ist, was sich mehr äußerlich abspielt, nicht tief eingreift in das Seelenleben, was wenig das Innere des Menschen ergreift. Und die materialistische Gesinnung ergreift das Seelenleben erst recht nicht. Die Folge davon ist aber die, daß der Mensch aus einer solchen Inkarnation, wo er wenig hineinwirkt in die Seele, die Tendenz aufnimmt zwischen Geburt und Tod, in der nächsten Inkarnation weniger in die Organisation einzudringen. Es ist ja die Kraft dazu weniger aufgenommen worden; deshalb wirkt sie jetzt so, daß der Mensch weniger seine Leiblichkeit imprägniert. Daraus entsteht nun aber die Neigung, in der nächsten Inkarnation einen Frauenleib aufzubauen. Wiederum ist es richtig, wenn man im Okkultismus sagt: Das Weib ist das Karma des Mannes!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf diesem moralisch neutralen Gebiete sehen wir, wie das, was sich der Mensch in einer Inkarnation vorbereitet, in der nächsten Inkarnation seine Leiblichkeit organisiert. Und weil diese D`inge nicht nur tief eingreifen in unser inneres Leben, sondern auch in unsere äußeren Erlebnisse und in unser Handeln&amp;gt; so müssen wir sagen: Indem der Mensch in einer Inkarnation Mannes- oder Frauenerlebnisse hat, wird in der nächsten Inkarnation sein äußeres Handeln in dieser oder jener Weise bestimmt, weil er durch die Frauenerlebnisse die Neigung hat, eine Mannesorganisation sich zu bilden, und umgekehrt durch die Manneserlebnisse eine Frauenorganisation. Nur in seltenen Fällen wiederholt sich die gleiche geschlechtliche Inkarnation; sie kann sich höchstens siebenmal wiederholen. Die Regel jedoch ist die, daß jede männliche Organisation in der nächsten Inkarnation danach strebt, weiblich zu werden, und umgekehrt. Da nützt alle Abneigung nichts, denn es kommt nicht darauf an, was man in der physischen Welt möchte, sondern es kommt auf die Neigungen an, die man in der Zeit zwischen Tod&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|182}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und neuer Geburt hat, und die werden durch vernünftigere Gründe bestimmt als solche, daß man etwa in einer männlichen Inkarnation einen Horror davor hat, in der nächsten Inkarnation sich als Frau zu inkarnieren. Da können Sie sehen, wie das spätere Leben karmisch bestimmt wird durch das frühere und wie auch die Handlungen des späteren Lebens bestimmt werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun handelt es sich darum, daß wir noch einen andern karmischen Zusammenhang einsehen lernen, den wir auch noch benötigen, wenn wir auf die wichtigen Betrachtungen der nächsten Tage Licht werfen wollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Blicken wir dazu noch einmal zurück auf einen recht fernliegenden Zeitpunkt der menschlichen Entwickelung: auf den Zeitpunkt, wo einmal auf der Erde die menschlichen Inkarnationen angefangen haben. Das geschah in der alten lemurischen Zeit. Nun handelt es sich darum, daß damals auf den Menschen zuerst in einer durchgreifenden Art gewirkt hat der luziferische Einfluß und daß dieser dann den ahrimanischen Einfluß herausgefordert hat. Versuchen wir uns einmal vor die Seele zu stellen, wie der luziferische Einfluß äußerlich im Menschen- leben gewirkt hat. - Dadurch, daß der Mensch überhaupt in die Lage gekommen ist, in jenen alten Zeiten den luziferischen Einfluß in sich aufzunehmen, also seinen astralischen Leib mit dem luziferischen Einfluß zu durchdringen, dadurch wurde sein astralischer Leib geneigt, viel tiefer noch in die Organisation einzugreifen, in das Materielle des physischen Leibes viel tiefer hinunterzusteigen, und vor allem auch ganz anders, als er ohne den luziferischen Einfluß hinuntergestiegen wäre. Der Mensch wurde durch den luziferischen Einfluß materieller. Hätte der luziferische Einfluß nicht gewirkt, dann wäre eine geringere Neigung des Menschen entstanden, in die materielle Welt hinunterzusteigen, der Mensch hätte sich als solcher in höheren Regionen des Daseins gehalten. Also es ist eine viel stärkere Durchdringung von äußerem und innerem Menschen geschehen, als es ohne den luziferischen Einfluß der Fall gewesen wäre. Diese Durchdringung war nun zunächst dieVeranlassung dafür, daß der Mensch durch die stärkere Verbindung mit dem Materiellen des äußeren Leibes den Rückblick auf die Ereignisse, welche seiner Einkörperung vorangegangen sind, verloren hat. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|183}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Mensch trat jetzt durch eine so geartete Geburt ins Dasein, daß er sich tief mit dem Materiellen verband und dadurch alle Rückschau auf die früheren Erlebnisse auslöschte. Der Mensch hätte sich sonst die Erinnerung bewahrt an das, was er vor der Geburt im Geistigen erlebt hat. Durch den luziferischen Einfluß wurde nun die Geburt ein Akt, durch den der Mensch so intensive Verbindungen zwischen äußerem und innerem Menschen herstellt, daß ausgelöscht wurde, was der Mensch in derZeit vorher in der geistigenWelt erleben kann. Es wurde der Mensch durch den luziferischen Einfluß beraubt seiner Erinnerungen an die vorhergehenden geistigen Erlebnisse. Die Verbindung mit der äußeren Leiblichkeit macht es, daß der Mensch nicht zurückblicken kann auf das Frühere. Dadurch aber ist der Mensch während seines Lebens darauf angewiesen, immer nur aus der Außenwelt seine Erfahrungen und Erlebnisse zu holen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun wären Sie aber auf einem ganz falschen Wege, wenn Sie glauben würden, daß nur die groben äußeren Stoffe, die der Mensch in sich aufnimmt&amp;gt; auf ihn wirken. Es wirken auf den Menschen nicht nur die Nahrungsmittel und -kräfte, sondern auch die sonstigen Erfahrungen, welche er macht, auch die Dinge, welche durch seine Sinne in ihn ein- fließen. Aber durch das gröbere Verbinden mit der Materie wirken auch die Nahrungsmittel anders. Stellen Sie sich vor, der luziferische Einfluß wäre nicht dagewesen; dann würde von den Nahrungsmitteln bis zu den Sinneseindrücken alles auf den Menschen weit feiner wirken. Er würde alles, was er als Wechselwirkung mit der Außenwelt erlebt, durchdringen mit dem, was er zwischen Tod und neuer Geburt erlebt hat. Dadurch, daß der Mensch die Materialität dichter gestaltet hat, ist er geneigt, auch viel Dichteres aufzunehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es wirkt also der luziferische Einfluß so, daß der Mensch durch die Verdichtung der Materie auch aus der Außenwelt viel Dichteres heranzieht, als er sonst herangezogen hätte. Das Dichtere, was er nun von außen heranzieht, ist aber ganz anders als das sonst weniger Dichte. Das weniger Dichte würde die Erinnerungen an das frühere Leben aufrechterhalten haben; es würde auch bewirken,daß er die Sicherheit hat, daß alles, was der Mensch erlebt zwischen Geburt und Tod, seine Wirkungen hineinerstreckt in einen nie endenden Zeitraum. Der Mensch &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|184}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
würde wissen: Es tritt zwar äußerlich der Tod ein, aber alles, was geschieht, wirkt weiter. Dadurch, daß der Mensch Dichteres aufnehmen mußte, schafft er von Geburt an eine starke Wechselwirkung zwischen seiner eigenen leiblichen Natur und der Außenwelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was hat nun dieser Wechselzustand zur Folge? Die geistige Welt ist ausgelöscht seit der Geburt. Und damit der Mensch im Geistigen leben, in der geistigen Welt aufwachen kann, muß erst wieder jener Zustand eintreten, wo alles, was von außen als dichtere Materialität in uns hineinkommt, wieder von den Menschen genommen wird. Weil wir uns eine dichtere Materialität angeeignet haben, müssen wir, um wieder in das Geistige hineinzukommen, auf den Zeitpunkt warten, wo die äußere materielle Leiblichkeit von uns genommen wird. Was nun da als dichtere Materialität in uns hineindringt&amp;gt; das zerstört stückweise, von unserer Geburt an, unsere menschliche Leiblichkeit. Was da hereinfließt, das ist etwas, was immer mehr und mehr die Leiblichkeit zerstört, bis es sie endlich ganz zerstört hat, daß sie nicht mehr bestehen kann. Von unserer Geburt angefangen, nehmen wir eine dichtere Materialität auf, als wir ohne den luziferischen Einfluß aufgenommen hätten, so daß wir unsere Leiblichkeit langsam vernichten, bis sie mit dem Eintreten` d&amp;amp; Todes ganz unbrauchbar geworden ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daran sehen wir&amp;gt; wie der luziferische Einfluß die karmische Ursache des Todes des Menschen ist. Gäbe es nicht diese Form der Geburt, so gäbe es nicht diese Form des Todes für den Menschen. Der Mensch würde sonst so vor dem Tode stehen, daß ihm die sichere Aussicht auf Kommendes vor Augen stehen würde. Der Tod ist die karmische Folge der Geburt, Geburt und Tod hängen karmisch zusammen. Ohne Geburt, wie sie der Mensch heute erlebt, gäbe es keinen Tod, wie ihn der Mensch erlebt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich habe vorhin schon gesagt, daß beim Tier nicht in demselben Sinne von Karma gesprochen werden kann wie beim Menschen. Wenn jemand sagen würde, daß auch beim Tier Geburt und Tod karmisch zusammenhängen, so.wüßte der Betreffende eben nicht, daß Geburt und Tod für den Menschen etwas ganz anderes sind als für das Tier. Was sich da äußerlich gleich sieht, ist innerlich nicht dasselbe; es handelt sich bei Geburt und Tod nicht um das äußerliche Aufbauen, sondern&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|185}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
um das innere Erleben. Beim Tier erlebt nur die Gattungsseele, die Gruppenseele. Das Absterben eines Tieres bedeutet für die Gruppenseele ungefähr dasselbe, was Sie erleben, wenn- Sie sich beim Herankommen des Sommers die Haare kürzer schneiden lassen, die dann wieder langsam nachwachsen. Es fühlt die Gruppenseele einer Tiergattung das Absterben eines Tieres wie das Absterben eines Gliedes, das sich nach und nach wieder ersetzt. Also die Gattungsseele ist das, was wir mit dem menschlichen Ich vergleichen dürfen. Sie kennt nicht Geburt und Tod, sie sieht auf das, was der Geburt vorangeht, fortwährend, und auch auf das, was dem Tode nachfolgt, sieht sie fortwährend. Von Geburt und Tod beim Tier zu sprechen, wie man davon beim Menschen spricht, ist ein Unsinn, weil ganz andere Ursachen vorangehen. Und man leugnet die innere Wirksamkeit des Geistes, wenn man glaubt, was sich äußerlich gleich darstelle, das sei auch von innerlich gleichen Ursachen bewirkt. Gleichheit der äußeren Vorgänge weist nie mit Sicherheit auf gleiche Ursachen hin. Der Geburt des Menschen liegen ganz andere Ursachen zugrunde als der des Tieres, und ebenso stirbt der Mensch aus ganz andern Ursachen heraus als das Tier.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn man ein wenig nachdenken würde, wie das Äußere sich ganz gleich ausnehmen kann, ohne daß das Innere im entferntesten Gleiches erlebt, dann würde man auch schon methodologisch darauf kommen, daß es sich so verhält. Sie können sogar auf höchst einfache Weise darauf kommen, daß der äußere Sinnenschein kein Beweis ist für das innere Leben. Denken Sie sich zwei Menschen; Sie kommen um neun Uhr an einen bestimmten Ort und sehen dort die zwei Menschen nebeneinanderstehen. Um drei Uhr gehen Sie wieder an den betreffenden Ort, nachdem Sie in der Zwischenzeit nicht dort gewesen sind. Da stehen die zwei Menschen wieder an derselben Stelle. Nun könnten Sie schließen: A steht immer noch an demselben Ort, B steht immer noch an demselben Ort, wo er um neun Uhr schon gestanden hat. Untersuchen Sie aber, was diese beiden Menschen inzwischen getan haben, dann werden Sie vielleicht finden, daß der eine da stillgestanden hat, während der andere unterdessen einen weiten Gang getan hat und in der Zwischenzeit müde geworden ist. Da liegen dann ganz andere Vorgänge zugrunde. Und wie es unsinnig wäre, wenn die beiden Menschen &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|186}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
um drei Uhr wieder an derselben Stelle stehen, zu sagen, daß in ihrem Inneren das Gleiche vorgegangen sei, ebenso unsinnig ist es, wenn man zwei gleichgeformte Zellen findet, aus ihrer gleichen Struktur schließen zu wollen, daß sie innerlich die gleiche Bedeutung haben. Es handelt sich darum, den ganzen Zusammenhang der Tatsachen zu kennen, der eine Zelle an den betreffenden Ort hingeführt hat. Daher ist die moderne Zellenphysiologie, die ausgeht von der Untersuchung der inneren Struktur der Zellen, auf ganz falschem Wege. Niemals kann das, was sich dem äußeren Sinnenschein darbietet, ausschlaggebend sein für das innere Wesen des Dinges.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So etwas muß man durchdenken, wenn man solche Dinge einsehen will, wie sie sich dem Okkultisten aus den okkulten Beobachtungen ergeben, wie zum Beispiel Geborenwerden und Sterben etwas ganz anderes ist beim Menschen als beim Säugetier oder gar bei den Vögeln. Diese Dinge zu studieren wird erst möglich sein, wenn die Leute wieder ein wenig auf das eingehen, was die geistige Forschung zu sagen hat. Bevor nicht darauf eingegangen wird, wird die äußere Wissenschaft, die beim Sinnenschein und bei den äußeren Tatsachen stehenbleibt, zwar sehr schöne Tatsachen zutage bringen; aber alles, was Menschen meinen können unter solchen Voraussetzungen über solche Tatsachen, das wird niemals maßgebend sein für die Wirklichkeit. Daher ist alles, was heute theoretische Wissenschaft ist, ein phantastisches Gebilde, das dadurch entstanden ist, daß man die äußeren Tatsachen nach dem äußeren Schein kombiniert. Auf manchen Gebieten drängen geradezu die äußeren Tatsachen dazu, in der richtigen Weise zu interpretieren; aber durch die heutigen Meinungen kommt man nicht dazu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So haben wir heute zwei neutrale Gebiete auf dem Felde der karmischen Gesetzmäßigkeit auf uns wirken lassen, und Sie werden sehen, daß sie uns eine Grundlage sein werden für die weiteren Betrachtungen. Wir haben eingesehen, wie die Frauenorganisation die karmische Folge der Manneserlebnisse ist und die Mannesorganisation eine karmische Folge der Frauenerlebnisse; und wir haben endlich eingesehen, daß der Tod eine karmischeWirkung der Geburt im Menschenleben ist. Das ist etwas, was, wenn man versucht, es nach und nach zu verstehen, uns tief hineinführen kann in die karmischen Zusammenhänge des Menschenlebens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|187}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= ZEHNTER VORTRAG Hamburg, 27. Mai 1910 =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gewisse tiefere Fragen des karmischen Zusammenhanges, die sich namentlich auf unseren menschlichen Einfluß auf das Karma und besonders auf das Karma anderer Menschen beziehen, solche Fragen also, die sich auf eine Richtungsänderung des Karma im Kleinen und im Großen beziehen, kann man nicht beantworten, auch nicht eine Vorstellung hervorrufen, wie sie beantwortet werden müssen, wenn man nicht in der Weise, wie wir es heute tun wollen, gewisse bedeutsame Geheimnisse unseres Weltendaseins berührt. Solche Fragen können sich vielleicht dann für jeden aus dem Gesagten ergeben, wenn Sie diesen oder jenen Gedanken, der angeschlagen und von der einen oder andern Seite beleuchtet worden ist, für sich selber weiter ausführen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So kann sich die Frage aufwerfen: Was geschieht, wenn im karmischen Zusammenhange eines Menschen durch das, was er früher erlebt und getan hat, ein Krankheitsprozeß zur Hinwegschaffung dieser karmischen Tatsache notwendig ist und wenn diesem Menschen durch Heilmittel oder durch einen andern Eingriff in derWeise geholfen wird, daß er durch menschliche Hilfe wirklich geheilt wird? Was liegt da vor, und wie verhält sich eine solche Tatsache zu den tieferen Auffassungen von der karmischen Gesetzmäßigkeit?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun bemerke ich von vornherein: Um überhaupt auch nur einige wesentlichere Lichter auf diese Frage zu werfen, müssen Dinge berührt werden, die der heutigen Wissenschaft und dem heutigen Denken der Menschen ganz fern liegen und welche auch nur sozusagen unter Theosophen besprochen werden können, die sich für solche Dinge schon dadurch vorbereitet haben, daß sie mancherlei Wahrheiten aufgenommen haben, die sich auf tiefere Untergründe des Daseins beziehen, und die sich auch ein Gefühl dafür erworben haben, wie Dinge,welche heute nur angedeutet werden können, sich doch voll begründen lassen. Dennoch möchte ich bei dieser Gelegenheit eine Bitte einfügen: Was ich genötigt bin zu sagen über die tieferen Untergründe des Erdendaseins, zum Beispiel was ich mich bemühen werde, in der präzisesten Form auszusprechen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|188}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und was sogleich falsch sein würde, wenn es in anderem Zusammenhang oder gar ohne Zusammenhang gesagt würde und deshalb zu Mißverständnissen Veranlassung geben würde, davon bitte ich, daß es nicht anders behandelt werde als so, daß man es eben aufnimmt. Auch ich muß daher gerade bei diesen Dingen darauf halten, daß niemand sie als ein Lehrgut betrachten sollte, das er irgendwie weitergeben könnte, weil nur der Zusammenhang eine solche Darstellung rechtfertigt und weil eine solche Darstellung nur gerechIfertigt ist, wenn dahinter das Bewußtsein liegt, wie man solche Worte zu prägen hat, um derartiges in Gedanken zum Ausdruck zu bringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um was es sich nun handelt, das ist die Frage nach dem tieferen Wesen des materiellen Daseins auf der einen Seite und nach dem Wesen des seelischen Daseins auf der andern Seite. Eine tiefere Auffassung vom Seelischen und Materiellen werden wir uns heute notwendig aneignen müssen, und zwar werden wir es nötig haben aus einem ganz bestimmten Grunde heraus, aus dem Grunde, weil wir in den verflossenenVorträgen angeführt haben,daß das Seelische des Menschen mehr oder weniger tief hineindringen kann in das Materielle. Ja, wir haben gestern das Wesen des Männlichen dadurch charakterisieren können, daß wir sagten, beim Manne dringe das Seelische tiefer in das Materielle hinein, präge sich tiefer ein, während das Seelische beim Weiblichen in gewisser Beziehung sich mehr zurückzieht und sich mehr ein selbständiges Dasein gegenüber dem Materiellen aneignet. So haben wir gesehen, daß vieles im karmischen Ausleben darauf beruht, wie die Durchdringung des Seelischen und des Materiellen stattfindet. Wir haben auch gesehen, wie ein gewisser Krankheitsprozeß, der in einer Inkarnation auftritt, sich darstellt als die karmische Folge von Verfehlungen, welche die Seele in früheren Verkörperungen begangen hat, indem die Seele damals ihre Taten, Erlebnisse und Impulse in sich verarbeitet und dann auf dem Wege zwischen Tod und neuer Geburt die Tendenz auf- genommen hat, dasjenige, was früher bloß als ein Merkmal, als ein Einfluß des Seelischen sich abgespielt hat, hineinzudrängen in das Körperliche, in das Materielle. Und indem dann die menschliche Wesenheit durchtränkt wird von einem solchen Seelischen, das den luziferischen oder ahrimanischen Einfluß in sich aufgenommen hat, wird gerade dadurch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|189}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
das menschliche Materielle verdorben. Darinnen liegt ja dann der Krankheitsverlauf. Daher können wir sagen: In einem kranken Leibe steckt ein verdorbenes Seelisches, das einen unrichtigen Einfluß erfahren hat, einen luziferischen oder ahrimanischen Einfluß; und in dem Augenblick, wo wir den luziferischen oder ahrimanischen Einfluß aus dem Seelischen herausbringen könnten, würde die richtige Durchdringung von Seele und Leib eintreten, das heißt, es würde Gesundheit eintreten. - Wir müssen also fragen: Wie verhält es sich mit diesen zwei Wesensgliedern des irdischen menschlichen Daseins, welche uns da vor Augen treten, mit der Materie und dem Seelischen? Was sind sie in ihrem tieferen Wesen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn diese Frage aufgeworfen wird, so hat der heutige Mensch gewöhnlich die Meinung, daß die Antwort auf die Frage: Was ist Materie? Was ist Seele? - überall inderWelt gleich ausfallen müßte;und ich glaube nicht, daß es einem Menschen leicht würde, sich mit der Meinung bekanntzumachen, daß für Wesen, welche auf dem alten Monde gelebt haben&amp;gt; die Antwort auf die Frage: Was ist Materie? Was ist Seele? - ganz anders hätte ausfallen müssen als für Wesen, welche auf der Erde leben. Aber das Dasein ist so sehr in Entwickelung, daß sich selbst solche Dinge ändern wie die Vorstellungen, welche sich ein Wesen machen kann von den tieferen Grundlagen seines eigenen Wesens. Und so ändert sich auch dasjenige, was als Antwort gegeben werden muß auf die Frage: Was ist Materie? Was ist Seele? Es ist daher von vornherein zu betonen, daß die Antworten, die gegeben werden, nur Antworten sind, welche der Erdenmensch geben kann und die nur für diesen Erdenmenschen eine Bedeutung haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
«Materie&amp;gt; wird ja der Mensch zunächst nach dem beurteilen, was ihm in der Außenwelt an den verschiedenen Wesenheiten und Dingen entgegentritt und was auf ihn in irgendeiner Weise Eindruck macht. Der Mensch findet dann, daß es verschiedene Arten von Materien gibt, und ich brauche ja darin dicht sehr weit auszuholen, denn was darüber zu sagen wäre, wenn wir mehr Zeit hätten, können Sie in allen entsprechenden Trivialschriften finden. Ich sage daher für jetzt genug, wenn ich darauf hinweise, daß sich Materie verschieden darstellt für den Menschen, indem er die verschiedenen Metalle sieht, Gold, Kupfer, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|190}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Blei und so weiter, oder wenn er dasjenige sieht, was nicht in die Reihe der Metalle gehört. Sie wissen auch, daß die Chemie diese Materien nach und nach zurückgeführt hat auf gewisse Grundstoffe der Materie, die sie Elemente nennt. Diese Elemente wurden ja noch bis ins 19. Jahrhundert hinein so angesehen, daß sie Materien sind, die sich nicht weiter zerlegen lassen. Während wir irgendeine Substanz, welche uns als Materie entgegentritt, zum Beispiel Wasser, trennen können in Wasserstoff und Sauerstoff, haben wir in Wasserstoff und Sauerstoff solche Materie vor uns, die nach der Meinung der Chemie des 19. Jahrhunderts nicht weiter zerlegt werden kann. Bis siebzig solcher Elemente hat man unterschieden. Und Sie wissen wohl auch, daß durch die Erscheinungen, welche in Anknüpfung an einige besondere Elemente, zum Beispiel Radium, haben angestellt werden können, oder daß auch in Anknüpfung an mancherlei Erscheinungen der Elektrizitätslehre der Begriff der Elemente verschiedentlich erschüttert worden ist, daß man zu der Ansicht gekommen ist, daß es nur eine vorläufige Grenze der Materie sei, was man als die etwa siebzig Elemente kennt, und daß man die Zerlegbarkeit weiter zurückführen kann auf eine einzige Grundmaterie, die dann nur durch die innere Kombination, durch das innere Wesenselement, das eine Mal sich zu Gold, das andere Mal zu Kalium, Kalzium und so weiter spezialisiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das sind veränderliche wissenschaftliche Theorien. Und geradeso wie sich die wissenschaftlichen Theorien im Laufe von je fünfzig Jahren im 19. Jahrhundert verändert haben, wie es dahin kommen konnte,daß gewisse Physiker in dem, was Materie sein soll, etwas mit Entitäten, mit Wesenheiten zu Bezeichnendes sahen, etwas, was von der Elektrizität hergenommen ist, wie jetzt die Ionentheorie - das sind wissenschaftliche Moden -, ebenso werden in gar nicht so ferner Zeit andere wissenschaftliche Moden existieren, und man wird sich die Materie anders konstituiert denken. Das sind Tatsachen. Die wissenschaftlichen Meinungen sind veränderlich, müssen auch veränderlich sein, denn sie hängen ganz ab von den jeweiligen Tatsachen, die gerade auf ein Zeitalter besonders signifikant wirken. Dagegen hat die geisteswissenschaftliche Lehre durch alle Epochen hindurchgehend, so lange es Erdenkulturen gibt - und sie wird so lange hindurchgehen, solange es eine &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|191}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erdenkultur geben wird -, immer eine einheitliche, gleiche Anschauung gehabt über das Wesen des materiellen Daseins, über die Materie. Um Sie auf das zu führen, was die Geisteswissenschaft als das Wesentliche der Materie, des Materiellen ansieht, möchte ich folgendes sagen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie kennen den ganz gewöhnlichen Vorgang: wenn wir Eis haben, ist das ein fester Körper, eine feste Materie. Diese Materie ist nicht fest durch ihre eigentliche Wesenheit, sondern sie ist eine feste Materie nur durch äußere Umstände. Sie ist sofort keine feste Materie mehr, wenn wir die Temperatur in entsprechender Weise erhöhen; da ist sie eine flüssige Materie. Wie sich eine Materie in der äußeren Welt darlebt, das hängt also nicht ab von dem, was in ihr selber ist, sondern von den ganzen Verhältnissen des umgebenden Weltalls. - Dann können wir weiter dieser Materie Wärme zuführen, und aus dem Wasser wird von einem bestimmten Punkt ab Dampf. So haben wir Eis, Wasser, Dampf und haben durch die Erhöhung der Temperatur der Umgebung etwas herbeigeführt, was wir bezeichnen können als «die Materie in den verschiedensten Formen». So haben wir an der Materie, wie sie sich uns darstellt, nicht nach einer innerlichen, sie konstituierenden Wesensart zu unterscheiden, sondern wir müssen uns klar sein, daß die Art, wie Materie uns entgegentritt, von der Art der Gesamtkonstitution des Weltalls abhängt und daß man nichts vom ganzen Weltall in einzelne Materien trennen darf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun liegen allerdings die Dinge so, daß die Methoden der heutigen Wissenschaft überhaupt nicht ausreichen, um zu dem zu kommen, wozu Geisteswissenschaft kommen kann. Es kann die heutige Wissenschaft mit ihren Mitteln die Materie, die in der Form eines Stückes Eis durch Temperaturerhöhung erst flüssig und dann dampfförmig wird, niemals so weit führen, daß sie bis zu dem auf der Erde als letzten erreichbaren Zustand kommt, in welchen jede Materie überzuführen ist. Es ist nicht möglich, heute mit wissenschaftlichen Mitteln solche Verhältnisse her- beizuführen, wodurch etwa gezeigt werden könnte: Wenn du Gold nimmst und es immer weiter verdünnst, so weit als du es nur auf der Erde verdünnen kannst, dann kommst du zuletzt zu diesem oder jenem Zustand. Wenn du mit Silber dasselbe machst, ist es ebenso, bei Kupfer auch, und so weiter. - Die Geisteswissenschaft kann das, weil sie zuletzt &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|192}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
fußt auf den hellseherischen Forschungsmethoden. Dadurch ist sie im- stande, eines zu beobachten: Wie in den, man könnte sagen, Zwischen- räumen unserer Materien immer sich ein Gleiches überall findet, ein Gleiches, welches in der Tat die äußerste Grenze darstellt, zu dem überhaupt Materie gebracht werden könnte, was für eine Materie es auch immer sein mag. Es gibt wirklich einen für hellseherische Forschung erreichbaren Auflösungszustand aller Materie, wo sich alle Materie in einem dabei Gleichen zeigt; nur ist das, was da auftritt, nicht mehr Materie, sondern etwas, was jenseits aller spezialisierten Materien liegt, die uns umgeben. Und jede einzelne Materie stellt sich dann dar als ein aus dieser Grundmaterie - es ist ja keine Materie mehr - Kondensiertes, Verdichtetes, ob Sie Gold, Silber oder was immer für eine Materie haben. Es gibt ein Grundwesen unseres materiellen Erdenseins, von dem alles Materielle nur durch Verdichtung zustande gekommen ist. Und auf die Frage: Was ist das für eine Grundmaterie unseres Erdendaseins? - antwortet die Geisteswissenschaft: Jede Materie auf der Erde ist kondensiertes Licht! Es gibt nichts im materiellen Dasein, was etwas anderes wäre als in irgendeiner Form verdichtetes Licht. Daher sehen Sie, daß es für denjenigen, der die Tatsachen kennt, nicht eine Theorie zu begründen gibt wie etwa die Schwingungshypothese des 19.Jahrhunderts, in welcher man versuchte, Licht darzustellen mit Mitteln, die selber gröber sind als das Licht. Licht ist nicht auf etwas anderes in unserem materiellen Dasein zurückzuführen. Wo Sie hin- greifen und eine Materie anfühlen, da haben Sie überall kondensiertes, zusammengepreßtes Licht. Materie ist ihrem Wesen nach Licht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit haben wir vom geisteswissenschaftlichen Standpunkt aus auf die eine Seite der Sache hingewiesen. Wir haben also dasjenige, was allem materiellen Dasein zugrunde liegt, im Lichte zu sehen. Und wenn wir den materiellen Menschenleib ansehen, so ist auch er, insofern er materiell ist, nichts anderes als aus Licht Gewobenes. Insofern der Mensch ein materielles Wesen ist, ist er aus Licht gewoben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nunmehr nehmen wir die andere Frage: Was ist das Wesen des Seelischen? - Wenn wir in ähnlicher Weise mit geisteswissenschaftlichen Mitteln das Substantielle, das wirkliche Grundwesen des Seelischen erforschen würden, so würde sich uns darstellen - so wie alles Materielle &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|193}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nur zusammengepreßtes Licht ist -, daß alle noch so verschiedenen seelischen Erscheinungen auf der Erde sich uns ergeben als Modifikationen, als mannigfaltige Umformungen dessen, was genannt werden muß, wenn wir die Grundbedeutung dieses Wortes wirklich erfassen: Liebe. Jede Regung seelischer Art, wo sie auch immer auftritt, ist in irgendeiner Weise modifizierte Liebe. Und wenn wir Inneres und Äußeres beim Menschen gleichsam ineinandergesteckt haben, ineinandergeprägt haben, so haben wir seine äußere Leiblichkeit gewoben aus Licht, sein inneres Seelisches haben wir gewoben in einer vergeistigten Weise aus Liebe. Liebe und Licht sind in der Tat in allen Erscheinungen unseres Erdendaseins irgendwie ineinandergewoben. Und wer geisteswissenschaftlich die Dinge zu begreifen hat, der fragt in allererster Linie: Wie sind in irgendeinem Grade Liebe und Licht ineinander verwoben?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Liebe und Licht sind die zwei Elemente, die zwei Komponenten, die alles Erdendasein durchsetzen: Liebe als seelisches Erdendasein, Licht als äußeres materielles Erdendasein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun aber tritt gerade jetzt dasjenige ein, daß für die beiden Elemente Licht und Liebe, die sonst eigentlich nach dem großen Gange des Weltendaseins nebeneinanderstehen würden, ein Vermittler da sein muß, der das eine Element in das andere hineinverwebt, der Licht in Liebe hineinverwebt. Das muß eine Macht sein, welche sozusagen kein besonderes Interesse hat an der Liebe, die also hineinverwebt in das Element der Liebe das Licht - die nur Interesse daran hat, dem Lichte die größtmögliche Ausbreitung zu geben, die also Licht hineinstrahlen läßt in das Element der Liebe. Eine solche Macht kann keine Erden- macht sein, denn die Erde ist gerade der Kosmos der Liebe. Die Erde hat die Mission, die Liebe überall hineinzuverweben. Also alles, was mit dem Erdendasein so recht verknüpft ist, hat kein Interesse, das nicht irgendwie von der Liebe berührt sein würde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein solches Interesse aber haben die luziferischen Wesenheiten; die sind gerade auf dem Monde zurückgeblieben, auf dem Kosmos der Weisheit. Sie haben besonders das Interesse, Licht in Liebe hineinzuweben. Daher sind in der Tat die luziferischen Wesenheiten überall am Werke, wo unser Inneres, das eigentlich aus Liebe gewoben ist, irgendwie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|194}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
in Zusammenhang tritt mit dem Lichte, wo es in, irgendeiner Form vorhanden ist; und Licht tritt uns ja in allem materiellen Dasein entgegen. Kommen wir nur irgendwie mit dem Licht in Zusammenhang, so treten die luziferischen Wesenheiten auf, und es verwebt sich das Luziferische in die Liebe. Dadurch ist der Mensch im Laufe der Verkörperungen überhaupt erst in das luziferische Element hineingekommen: Luzifer hat sich verwoben mit dem Elemente der Liebe. So daß in dasjenige, was aus Liebe gewoben ist, sich hineinpreßt das Element des Luzifer, das uns allein dasjenige bringen kann, was die Liebe nicht nur eine restlose Hingabe sein läßt, sondern was die Liebe durchsetzt mit Weisheit, so daß sie eine aus einem Innersten mit Weisheit durch- setzte Liebe ist. Denn sonst, ohne diese Weisheit, wäre die Liebe eine selbstverständliche Kraft, für die der Mensch nicht verantwortlich sein könnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So aber wird die Liebe zur eigentlichen Ich-Kraft, in die hineinverwoben wird das luziferische Element, das sonst nur draußen im Materiellen war. Dadurch wird es erst möglich, daß unser Inneres, dem im Erdendasein das Merkmal der Liebe in allem Umfange zukommen müßte, durchsetzt wird von all dem andern, was wir als ein Wirken des Luzifer bezeichnen können und was von dieser Seite her zu einer Durchdringung des äußeren Materiellen führt, so daß Liebe nicht nur von dem durchwoben wird, was vom Licht gewoben ist, sondern daß solche Liebe entsteht, die von Luzifer durchzogen ist. Indem der Mensch das luziferische Element aufnimmt, durchwebt er das materielle Dasein in seiner eigenen Leiblichkeit mit einem solchen Seelischen, das zwar aus Liebe gewoben ist, wo aber hineinverwoben ist das luziferische Element. Die mit dem luziferischen Element durchsetzte Liebe, die sich in das Materielle hineinimprägniert, das ist die von innen heraus wirkende Krankheitsursache. Und in Anknüpfung an alles, was wir früher angeführt haben als eine notwendige Folge der aus dem luziferischen Element herrührenden Erkrankung, dürfen wir jetzt sagen: Was wir als eine solche Folge im Schmerz zu sehen haben - wir haben ja gesehen, wie der Schmerz eine Folge des luziferischen Elementes ist -, das zeigt uns die Wirkung der karmischen Gesetzmäßigkeit in der Weise, daß die Wirkung einer Tat oder einer Versuchung, die von Luzifer her- &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|195}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
rührt, sich karmisch dergestalt aus lebt, daß im Schmerz sich kundgibt, was zur Überwindung der betreffenden Wirkung führen soll.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie ist es nun aber damit, ob wir in einem solchen Falle helfen dürfen? Dürfen wir hier helfen? Dürfen wir alles, was sich aus dem luziferischen Element hineingedrängt hat mit seinen ganzen Folgen in den Schmerz, in irgendeiner Weise beseitigen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der Antwort auf die Frage nach dem Wesen des Seelischen ergibt sich uns als Notwendigkeit, daß wir das nur tun dürfen, wenn wir für einen Menschen, der das luziferische Element als Krankheitsursache in sich hat, das Mittel finden, um das Luziferische in der entsprechenden Weise zu vertreiben. Was ist das für ein Mittel allein, was stärker wirken muß, damit das luziferische Element in der richtigen Weise entfernt wird? Was ist verunreinigt durch das luziferische Element unserer Erde? - Die Liebe! Daher können wir nur durch Zuführung von Liebe wirkliche Hilfeleistung haben, damit das karmische Element sich in der entsprechend richtigen Weise abspielt. So haben wir letzten Endes bei allem, was in dieser Richtung zu Krankheitsursachen wird, in dem Element der Liebe, das beeinträchtigt worden ist im Seelischen durch den luziferischen Einfluß, etwas zu sehen, dem wir etwas zuführen müssen. Wir müssen Liebe einflößen, damit das, was als Liebestat einfließt, eine Hilfe sein kann. Diesen Charakter zugeführter Liebe haben alle diejenigen Heilungstaten, die sich mehr oder weniger auf das stützen, was man psychische Heilungsprozesse nennen kann. In irgendeiner Form hängt das, was bei psychischen Heilungsprozessen angewendet wird, zusammen mit der Zuführung von Liebe. Liebe ist es, was wir als Balsam dem andern Menschen einflößen. Auf Liebe muß es zuletzt zurückgeführt werden können. Und das kann es auch. Auf Liebe kann es zurückgeführt werden, wenn wir einfache psychische Faktoren in Bewegung setzen, wenn wir einen andern veranlassen, vielleicht auch nur sein herabgedrücktes Gemüt in Ordnung zu bringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das muß alles seinen Impuls in der Liebe haben, von einfachen Heilprozessen ausgehend bis zu dem, was heute oft in laienhafter Weise mit dem Namen «Magnetisieren» benannt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was wird dabei in Wirklichkeit von dem Heiler demjenigen mit- geteilt, der geheilt werden soll? Es ist - wenn wir mit einem Ausdruck &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|196}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der Physik sprechen wollen - ein «Austausch von Spannungen». Was in dem Heiler lebt, namentlich gewisse Prozesse im Ätherleibe&amp;gt; das wird dadurch, daß es in ein gewisses Verhältnis tritt zu dem, der geheilt wer&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
den soll, in eine Art Polarität gebracht zu dem zu Heilenden. Polarität wird hervorgerufen gerade so, wie Sie sonst in einem abstrakteren Sinne Polarität hervorrufen, wenn Sie die eine Art von Elektrizität, die positive, hervorrufen und die entsprechend andere, die negative, in einer gewissen Weise erscheint. Es werden Polaritäten hervorgerufen. Und das ist im eminentesten Sinne als eine Opfertat aufzufassen. Man ruft in sich selber in der Tat einen Prozeß hervor, der nicht nur dazu bestimmt ist, in uns selber eine Bedeutung zu haben - sonst ruft man nur einen Prozeß hervor; in diesem Fall soll aber der Prozeß dazu bestimmt sein, in dem andern eine Polarität zu dem ersten Prozesse hervorzurufen. Und diese Poiarität, die natürlich davon abhängt, daß der Heiler und der zu Heilende in irgendeinem Sinne in Zusammenhang gebracht werden, diesen andern Prozeß in dem andern hervorzurufen, ist im eminentesten Sinne die Hinopferung einer Kraft, die nichts anderes ist als umgewandelte Liebeskraft, Liebestat in irgendeiner Form. Das ist das eigentlich Wirkende bei solchen psychischen Heilungen: die in irgendeine Form umgewandelte Liebeskraft. Und wir müssen uns daher klar sein, daß ohne die zugrunde liegende Liebeskraft die Sache immer etwas haben wird, was nicht zu dem richtigen Ziele führen kann. Aber Liebesprozesse brauchen ja nicht immer nur so zu verlaufen, daß sich der Mensch dessen im gewöhnlichen Tagesbewußtsein vollständig bewußt ist; sie verlaufen auch in den unterbewußten Schichten. Sogar in dem, was als Technik der Heilprozesse angesehen werden kann, selbst in der Art, wie man zum Beispiel die Handstriche macht, wie sie technisch in ein System gebracht werden, auch da liegt schon darinnen, daß sie ein Abbild sind einer Opfertat. Also selbst da, wo wir nicht unmittelbar in einem Heilprozesse den Zusammenhang erblicken, wo wir nicht sehen, was getan wird, liegt doch vor eine Liebestat, wenn sie auch ganz und gar in Technik umgewandelt ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So sehen wir, daß wir deshalb, weil das Seelische im Grundwesen Liebe ist, mit psychischen Heilfaktoren eingreifen können, die scheinbar sehr nach der Peripherie des menschlichen Wesens liegende Prozesse &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|197}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sein können, und daß durch solche Heilfaktoren das, was im Grund- wesen Liebe ist, sich bereichert mit dem, was es braucht als Liebe. Da sehen wir die Hilfe von der einen Seite, die Hilfe, die wir leisten dürfen,weil wir dem Menschen Beistand gewähren müssen, damit er, nachdem er in die Fangarme Luzifers gekommen ist, sich auch wieder aus ihnen befreien kann. Weil das Grundwesen des Seelischen Liebe ist, dürfen wir sehr wohl das Karma in seiner Richtung beeinflussen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun - nach der andern Seite - fragen wir, was ist geworden aus dem aus Licht gewobenen Materiellen, wo das Seelische darinnensteckt? Was ist geschehen mit dem aus Licht gewobenen Materiellen des Menschen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen wir die Körperlichkeit eines Menschen, den äußeren Menschen in seiner materiellen Leiblichkeit.Würde nicht aus dem Seelischen heraus durch den karmischen Prozeß in das Materielle eingeprägt sein eine solche Liebessubstanz, die von Luzifer oder Ahriman durchsetzt wäre, würde nur eine reine Liebessubstanz ein fließen, dann würden wir diese Liebessubstanz nicht als verunreinigend, als verschlechternd empfinden können für die aus Licht gewobene Materie. Würde bloß Liebe einfließen in die Materie, so würde sie so ein fließen in die menschliche Leiblichkeit, daß diese nicht verschlechtert werden könnte; nur weil Liebe ein fließen kann, welche luziferische oder ahrimanische Kräfte aufgenommen hat, kann die aus Licht gewobene Materie schlechter werden, als sie ursprünglich sein sollte. Also kann es nur herrühren von den während der aufeinanderfolgenden Inkarnationen in die Menschen eingeflossenen luziferischen oder ahrimanischen Schädigungen, daß wir in der menschlichen Organisation etwas vor uns haben, was nicht so ist, wie es sein sollte. Wäre es so, wie es sein sollte, so würde es die gesunde Menschenmaterie darstellen; aber da es die Wirkungen Ahrimans und Luzifers in sich aufgenommen hat, kann es krankes Leibliches sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie können wir nun von außen herausbringen die entsprechenden Einflüsse, die von innen durch ein nicht richtiges Seelisches, durch eine nicht richtige Liebessubstanz eingeflossen sind? Was geschieht denn mit dem Leiblichen dadurch, daß etwas Unrichtiges einfließt? Für die Geisteswissenschaft geschieht dadurch etwas, was aus gewobenem Lichte in irgendeiner Weise sein Gegenteil macht. Licht hat sein Gegenteil in einer irgendwie gearteten Finsternis. Alles, was sich real - so sonderbar &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|198}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
es auch klingt - als die Verunreinigung dessen darstellt, das aus Licht gewoben ist, ist eine aus ahrimanischem oder luziferischem Einfluß hineingewobene Finsternis oder Dunkelheit. So sehen wir im menschlichen Materiellen hineingewobene Finsternis. Aber diese Finsternis wurde erst dadurch hineinverwoben, daß diese menschliche LeiblichkeitTräger wurde von dem, was sich als «Ich» durch die Inkarnationen hindurchlebt. Das war früher nicht darinnen. Nur ein menschliches Leibliches kann gerade spezifisch diese Verschlechterungen haben. Die waren früher nicht in dem, was das Licht gewoben hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun nimmt der Mensch heute die Grundlage zum Materiellen aus dem, was er im Verlaufe der Entwickelung nach und nach aus sich herausgesetzt hat. Das ist das Tierreich, das pflanzliche und das mineralische Reich. Diese enthalten auch die verschiedenen Materien, das heißt für das Erdendasein aus Licht Gewobenes. Aber in all diesen Materien ist noch nicht das da rinnen, was im Verlaufe des menschlichen Karma hat vom Inneren des Menschen hineinkommen können in das menschliche materielle Dasein. Wir haben also in den drei Reichen um uns herum etwas, auf das der Mensch durch seinen luziferischen oder ahrimanischen Einfluß von sich aus, insofern er von seiner Liebessubstanz aus wirkt, niemals hat verunreinigend wirken können. Da drinnen ist nichts von ihm, so daß in seiner Reinheit hat ausgebreitet werden können dasjenige, was in bezug auf seine Reinheit beim Menschen- verunreinigt ist. Wenn wir zum Beispiel draußen eine mineralische Materie haben, ein Salz oder etwas anderes, so ist das eine Materie, die der Mensch auch in sich trägt oder tragen kann; bei ihm ist sie aber durchwoben von dem, was wir die von Ahriman oder Luzifer verunreinigte Liebessubstanz nennen können. Draußen aber ist sie rein. So unterscheidet sich jede Substanz draußen von dem, was der Mensch als Substanz in sich trägt. Draußen ist es immer anders, als es im Menschen ist, weil es bei ihm durchwoben ist vom ahrimanischen und luziferischen Einfluß. Das ist der Grund, warum für alles, was der Mensch mehr oder weniger an seiner äußeren Substantialität verderben kann, draußen etwas zu finden sein muß, was das Entsprechende im reinen Zustande darstellt, ohne daß die menschliche Schädigung darinnen ist. Was draußen existiert in der Welt ohne Schädigung, das ist das äußere Heil- &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|199}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
mittel für das entsprechend Geschädigte. Führen Sie das der menschlichen Wesenheit zu in richtiger Weise, dann haben Sie das Spezifikum für die entsprechende Schädigung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da haben Sie ganz objektiv dasjenige, was Sie dem menschlichen Leib als Heilmittel zuführen. Da haben Sie charakterisiert die Schädigung als spezifizierte Dunkelheit, dasjenige, was noch nicht dunkel ist, als das außen gewobene reine Licht - und Sie sehen, warum Sie die im Menschen befindliche Dunkelheit, die dunkle Materie, aufheben können, wenn Sie ihm reine, aus Licht gewobene Materie beibringen können. So haben wir in der reinen, aus Licht gewobenen Materie ein spezifisches Heilmittel gegen die Schädigung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es handelt sich nun darum - und oft wurde darauf aufmerksam gemacht, daß es ein Irrtum ist, dem gerade die Theosophie nicht verfallen darf-,daß es eine Engherzigkeit wäre, wenn man leugnen wollte, daß es eigentlich doch in solchen Fällen etwas gibt, was man bei dieser oder jener Schädigung als ein auf dieses oder jenes Organ wirksames spezifisches Heilmittel verabreichen kann. Es wurde freilich oft gesagt, daß der Organismus die Kräfte habe, sich zu helfen; aber wenn auch das richtig ist, was dieWiener Schule der nihilistischenTherapie geltend gemacht hat: durch die Aufrufung der Gegenkräfte den Heilprozeß einzuleiten -, so können wir dennoch durch spezifische Mittel dem Heilprozeß entgegenkommen. Hier sehen wir einen Parallelismus herrschen, den man aus der Geisteswissenschaft heraus schildern kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus dem, was ich geschildert habe zum Beispiel über Diphtherie, können Sie entnehmen, daß es sich dabei um etwas handelt, was ganz besonders in der karmischen Ursache den astralischen Leib getroffen hat. Nun finden wir etwas, was diesem astralischen Leib am nächsten verwandt ist, in der Umgebung des Menschen, in dem Tierreich. Daher werden Sie bei denjenigen Krankheitsformen, die dem astralischen Leib eminent nahe stehen, immer finden, daß die Heilwissenschaft unbewußt, aus einem dunklen Triebe heraus, nach Mitteln sucht, die aus dem Tierreich hergenommen sind. Bei solchen Krankheiten, deren Ursache im Ätherleib liegt, greift die Heilwissenschaft nach Mitteln aus dem Pflanzenreich. Und es könnte jetzt ein interessanter Vortrag gehalten werden zum Beispiel über die Beziehung der Digitalis purpurea &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|200}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
zu gewissen Herzkrankheiten. Das sind Dinge, die, insofern sie auf Wirklichkeit beruhen, nicht bloß fünf Jahre richtig sind und dann anfangen falsch zu werden, wie ein Mediziner sagte und wie es tatsächlich der Fall ist, wann nur aus äußeren Symptomen geschlossen wird. Aber es gibt einen gewissen Schatz von Heilmitteln, der immer auf irgendeinen Zusammenhang mit der Geisteswissensc1iaft zurück- geht, der sich vererbt hat, ohne daß die Leute wissen, woher er gekommen ist. Ebenso wie es heute die Astronomen nicht wissen, daß die Kant-Laplacesche Theorie aus den Geheimschulen des Mittelalters gekommen ist, so wissen es die Leute nicht, woher die eigentlichen Heilschätze oft stammen. - Und Krankheitsursachen, die mit der Wesenheit des physischen Leibes zusammenhängen, führen dann zur Anwendung von Heilmitteln aus dem Mineralreich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Selbst durch diese analogen Anschauungen kann also ein Fingerzeig auf die Sache gegeben werden. Daher ist für den Menschen durch den Zusammenhang mit der uns umgebenden Welt die Möglichkeit vor- handen, daß ihm von zwei Seiten her geholfen wird: indem man ihm auf der einen Seite modifizierte Liebe beibringt in den psychischen Heilprozessen, oder anderseits in der verschiedensten Weise modifiziertes Licht bei jenen Prozessen, die irgendwie mit äußeren Heilprozessen zusammenhängen. Alles, was getan werden kann, wird entweder mit inneren psychischen Mitteln, mit Liebe, oder mit äußeren Mitteln, mit irgendwie verdichtetem Licht, geleistet. Und wenn einmal die Wissenschaft so weit sein wird, daß sie lernen wird, an das Übersinnliche zu glauben und an den Satz: Materie ist irgendwie kondensiertes Licht -, dann wird von diesem Grundsatz aus ein geistiges Licht geworfen werden auf das systematische Suchen nach der Art, wonach mit äußeren&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mitteln dem Menschen geholfen werden kann. Daraus sehen wir, wie in dem, was während langer Zeiträume aus den Geheimschulen des alten Ägypten und des alten Griechenland heraus nach und nach dem Heilschatze zugefügt worden ist, nicht nur ein bloßer Unsinn steckt, sondern daß in den Sachen überall ein gesunder Kern vorhanden ist. Theosophie ist nicht dazu da, um eine gewisse Partei zu ergreifen, um etwa zu sagen: Das ist eine Richtung, die bringt dem Menschen Gift bei! - Das Wort Gift wirkt ja heute geradezu suggestiv, und die Leute &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|201}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
denken nicht daran, wie relativ dieses Wort ist. Was ist denn eigentlich ein Gift? Jeder Stoff kann ein Gift sein. Es kommt nur auf die Heilweise an und auf die Menge, die auf einmal genossen wird. Wasser ist ein starkes Gift, wenn man zehn Liter auf einmal genießt. Diese Wirkung, innerlich chemisch erfaßt, unterscheidet sich gar nicht besonders davon, daß man dem Menschen irgendeinen an,dern Stoff zu führt. Es kommt immer auf die Menge an, denn alle diese Begriffe sind relativ.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus dem, was wir heute durchschaut haben, können wir sagen: Wir können froh sein, daß selbst für das, was sich der Mensch an Schädigung einverleiben kann, in alledem, was uns als Natur umgibt - wie wir jetzt den Weltprozeß ansehen -, das Gesundende sich irgendwie finden muß, so daß der Mensch die Schädigung wieder überwinden kann. Und das ist auch ein schönes Gefühl, das wir gegenüber der Außenwelt haben können: Wir können uns nicht nur über die Außenwelt freuen, weil sie uns sprießende Blumen schenkt oder uns im Lichtglanz die Berge erstrahlen läßt, sondern wir können uns auch deshalb über sie freuen, weil alles um uns herum in einer so innigen Beziehung steht zu dem, was im Menschen selbst als gut oder böse bezeichnet werden kann. Wir können uns in der Natur nicht nur über das freuen, was uns zunächst anspricht; sondern je tiefer wir eindringen in das, was sich bis zum äußeren materiellen Dasein verdichtet hat, desto mehr werden wir finden: Diese uns erfreuende Natur hat in sich zugleich den mächtigen Heiler für alles&amp;gt; was sich der Mensch als Schädigung zuführen kann, irgendwie ist der Hei 1er in der Natur verborgen. Es handelt sich nur darum, die Sprache des Heilers nicht bloß zu verstehen, sondern ihr auch zu gehorchen und sie wirklich auszuführen. Und heute haben wir in den meisten Fällen aus dem Grunde nicht die Möglichkeit, der Sprache der heilenden Natur zu gehorchen, weil die Verkennung des Lichtes, weil die Finsternis, die sich auch in die Erkenntnis hineingemischt hat, in vieler Beziehung Zustände herbeigeführt hat, welche es nicht gestatten, der reineR Sprache der Natur zu folgen. Und so müssen wir uns darüber klar sein: Wo in einem Falle keine Hilfe geleistet, wo ein Leiden wegen karmischer Zusammenhänge nicht gemildert werden kann, würde das nicht bedeuten, daß es absolut nicht gemildert werden könnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
So sehen wir auch hier wieder einen merkwürdigen Zusammenhang, der uns doch wieder die ganze große Welt einschließlich des Menschen ais ein Wesen erscheinen läßt. In dem Satze: Materie ist gewobenes Licht, Seelisches ist in irgendeiner Weise verdünnte Liebe -, liegen die Schlüssel für unzählige Geheimnisse des Erdendaseins. Die gelten aber nur für das Erdendasein und für kein anderes Gebiet desWeltendaseins. Damit haben wir ja nichts Geringeres gezeigt, als daß wir, wenn wir dem Karma irgendeine Richtungsänderung geben, uns in dem einen oder andern Falle mit dem verbinden, was gerade die zusammensetzen- den Elemente unseres Erdendaseins sind: auf der einen Seite mit dem zur Materie gewordenen Licht, auf der andern Seite mit der zum Seelischen gewordenen Liebe. Wir entnehmen das Heilmittel entweder aus der Umgebung, aus dem dichtgewordenen Licht oder aus unserer ei- genen Seele, aus der heilenden Liebestat, Opfertat, und heilen dann mit der au der Liebe gewonnenen seelischen Kraft. Wir verbinden uns mit dem, was auf der Erde im tiefsten Inneren berechtigt ist, wenn wir uns auf der einen Seite verbinden mit dem Licht, auf der andern Seite mit der Liebe. Alle Erdenzustände sind irgendwie Gleichgewichtszustände zwischen Licht und Liebe. Und ungesund ist eine Störung in dem Gleichgewicht zwischen Licht und Liebe. Ist irgendwo die Störung in der Liebe, so können wir helfen, indem wir die Kraft der Liebe selbst entfalten; und ist die Störung im Lichte, so können wir helfen, indem wir uns im Weltall irgendwie dasjenige Licht verschaffen, welches die Finsternis in uns aufheben kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da haben Sie die Grundelemente des menschlichen Helfens. Sie zeigen, wie alles im Erdendasein auf Gleichgewichtslagen beruht von einander entgegengesetzten oder einander gegenüberstehenden Elementen. Licht und Liebe sind eigentlich sich gegenüberstehende Elemente. Aber auf ihrem Ineinanderverwobensein beruht zuletzt alles, was in unserem Erden leben an Seelischem und an Materiellem vor sich geht. Daher dürfen wir uns nicht wundern, wenn auf allen Gebieten des Menschenlebens von Epoche zu Epoche die Fortentwickelung so geschieht, daß gleichsam die Gleichgewichtslage nach der einen Seite besonders ausschlägt und dann nach der andern Seite wieder versucht wird, sie einzurenken, wenn also unsere Entwickelung so verläuft, daß &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|203}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sie einem Wellenschlage gleicht. In der Tat gleicht unsere Entwickelung einer Art Wellenschlag: sie geht herunter und sie geht hinauf, und es wird immer der gestörte Gleichgewichtszustand ausgeglichen durch das, was nach der andern Seite wieder den entsprechend andern, über die Gleichgewichtslage hinausgehenden Pendelschlag bedeutet. Wenn Sie darauf eingehen, daß es sich im Menschenleben überall handelt um eine Störung des Gleichgewichtes nach der einen oder andern Richtung, dann werden Sie finden, wie Sie dadurch selbst die intimsten Kulturprozesse in irgendeiner Weise beleuchten können. Wenn Sie eine Zeitepoche betrachten, wo in der menschlichen Entwickelung gewisse Schädigungen dadurch eingetreten sind, daß die Menschen nur auf das Innere gesehen haben und nicht auch auf das Äußere, wie zum Beispiel im Mittelalter, wo bei der starken Blüte der Mystik das Äußere unberücksichtigt geblieben ist und auch zu Mißverständnissen nicht nur im Erkennen, sondern auch im Handeln geführt hat, so sehen Sie dann auf der andern Seite jene Zeit folgen, in welcher man die Mystik absolut nicht ertragen kann, dafür aber den Blick in die Außenwelt richtet, um alles zu tun, was das Pendel wieder nach der andern Seite ausschlagen läßt. Da haben Sie Übergänge zwischen Mittelalter und neuerer Zeit. Und Sie werden in der mannigfaltigsten Art solche Störungen der Gleichgewichtslage finden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dabei möchte ich anführen, daß in der Tat in solchen Zeiten wie den unsrigen eine charakteristische Eigenschaft vieler Menschen sich darin zeigt, daß sie völlig vergessen und ganz aus der Aufmerksamkeit verlieren, was man nennen könnte ein Bewußtsein von einer übersinniichen Welt. Das heißt, es gibt in unserer Zeit zahlreiche Menschen, die völlig außer acht lassen, daß es eine geistige Welt gibt, und die also die Gedanken an die geistige Welt ablehnen. In einer solchen Zeit - und überhaupt in solchen Zeiten - ist immer auch in einer gewissen Beziehung das Gegenbild davon vorhanden. Ich möchte das in einer ganz einfachen Weise charakterisieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn es Menschen auf dem physischen Plane gibt, die sich so sehr in das Physische verstricken, daß sie das Geistige ganz und gar vergessen, dann haben jene Menschen, die zwischen Tod und neuer Geburt in der geistigen Welt leben, auf der andern Seite dafür den entgegengesetzten &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|204}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Drang, der hervorgerufen ist wie durch ein Karma, das vom physischen Plan hinüberwirkt auf den geistigen Plan: den Drang nämlich, in irgendeiner Weise sich mit Dingen zu beschäftigen, die aus der geistigen Welt in die physische hinein spielen. Das liegt in der Tat zugrunde man- cherlei Hereinwirkungen in die physische Welt von seiten von Menschen, die in der Zeit vor einer neuen Geburt stehen. In die physische Welt wirken dann diese Menschen so hinein, wie sich eben gerade die Mittel ergeben, auf dem Umwege über solche Menschen, die im höheren Maße diesen Einflüssen aus der geistigen Welt zugänglich sind. - Hat man auf diesen Gebieten Klarheit zu bringen, so wird man ja vieles ablehnen müssen, was von dieser oder jener Seite her erzählt wird als Offenbarungen der geistigen Welt von Menschen, die zwischen Tod und neuer Geburt stehen. Und man wird die charakteristischen Fälle gut heraussondern können, wo die Toten - um das Pendel nach der andern Seite ausschlagen zu machen - sehr stark darauf verfallen, irgendwie den Menschen handgreiflich zu zeigen: Es gibt doch eine geistige Welt! Dafür, daß es in unserer Zeit Menschen gibt, die völlig umnachtet sind, die so viel Finsternis in ihr Geistiges hineinverwoben haben, daß sie gar nichts wissen wollen von der geistigen Welt, dafür gibt es Tote, welche aus diesem Mangel heraus den Drang haben, hineinzuwirken in die physische Welt. Am meisten geschehen solche Dinge, wenn von den Menschen auf dem physischen Plan gar nichts dazu getan wird. Und am charakteristischsten sind die Dinge, die sich ohne künstliche Versuche anbieten, die sozusagen auftreten als Kundgebungen aus der geistigen Welt. Daher der Zusammenhang von Menschen auf dem materialistischen Felde auf der einen Seite, und der Drang, der besteht, von der geistigen Welt aus belehrend hereinzuwirken auf der andern Seite.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie werden vieles, was dafür Beleg sein kann, finden in dem Buche unseres Freundes Ludwig Deinhard «Das Mysterium des Menschen». Da ist vieles zusammengestellt und systematisiert von dem, was Sie gerade brauchen und was heute in der Literatur, wo sie wissenschaftlich ist, so zerstreut ist, daß nicht für jeden möglich ist, es sich zusammenzuholen. Daher ist es sehr schön, daß Sie in diesem Buche eine Zusammenstellung haben gerade dieser Seite der geisteswissenschaftlichen Tatsachen, die, wie Sie jetzt sehen, im eminenten Sinne sogar &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|205}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
charakteristisch sind für unsere Zeit. Insbesondere finden Sie darin mit großem Glück verzeichnet eine charakteristische Tatsache von einem Forscher, welcher in seinem hiesigen Erdenleben alles mögliche versuchte, um auf dem Wege der materialistischen Methode zum Beweise von der geistigen Welt zu kommen - der verstorbene Frederick Myers - und der dann nach seinem Tode den starken Drang fühlte, dasjenige, was er hier angestrebt hat, durch Hereinstrahlungen aus der geisötigen Welt, mit Hilfen aus der geistigen Welt, hier den Menschen zu zeigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das sollte eine Illustration sein zu dem Satze, daß wir in der Welt und dem Weltendasein zu sehen haben fortwährende Störungen von Gleichgewichten und wiederum das Suchen von Gleichgewichten. Im Erdendasein haben wir als tiefste Elemente dieses sich immerfort störenden und wiederherstellenden Gleichgewichtes die beiden Elemente Licht und Liebe. Und im menschlichen Karma wirken nun von Inkarnation zu Inkarnation die beiden Elemente Licht und Liebe ausgleichend auf die gestörten Gleichgewichtslagen. Denn im Grunde genommen haben` wir in dem durch alle Inkarnationen sich durchschlängelnden Karma gestörte Gleichgewichtslagen, und in Licht und Liebe haben wir den fortwährenden Versuch, das Gleichgewicht wiederherzustellen. Bis einst in ferner Zukunft der Mensch in dem Durchgehen durch seine Inkarnationen endlich dahin gekommen sein wird, einen letzten, durch die Erde erreichbaren Gleichgewichtszustand auszubilden, der dahin führen wird, daß die Menschheit die Erdenmission erfüllt haben wird und das Erdendasein sich in eine neue planetarische Form hinüber- entwickeln wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So habe ich versucht, etwas auseinanderzusetzen, ohne das eine tiefere Begründung der karmischen Zusammenhänge und Gesetze nicht möglich ist. Ich habe mich darum auch nicht gescheut, die geheöimnisvollen Grundlagen, für die unsere heutigeWissenschaft noch lange nicht reif sein wird, einmal heute abzuhandeln: daß Materie in Wahrheit verwobenes Licht ist und daß Seelisches in irgendeiner Beziehung verdünnte Liebe ist. Das sind alte okkulte Sätze, aber Sätze, die für alle folgenden Zeiten wahr bleiben werden und die sich fruchtbar erweisen werden in der Menschheitsentwickelung nicht nur für die Erkenntnis, sondern auch für das menschliche Wirken und Handeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|205}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= ELFTER VORTRAG Hamburg, 28. Mai 1910 =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vieles wäre noch zu sagen über die verschiedenen Offenbarungen des Karma. Aber da wir heute die letzte unserer Betrachtungen haben und die Zeit überhaupt für ein so reiches Thema notwendigerweise kurz sein mußte, so werden Sie es begreiflich finden, daß mancherlei von dem zu Besprechenden, mancherlei vielleicht auch von dem, was Ihnen als Fragen auf der Seele liegt, diesmal nicht seine Erledigung finden kann. Aber unsere Bewegung wird ja weitergehen, und wir werden das, was bei einem Kursus notwendigerweise unerledigt bleiben muß, bei einem andern weiter ausführen und erledigen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was Ihnen wiederholt vor die Seele getreten sein wird, das ist, daß der Mensch die karmische Gesetzmäßigkeit als etwas erlebt, was sozusagen in jedem Augenblick, in dem er lebt, etwas vollkommen Bestimmtes ist, so daß wir in jedem Augenblick unseres Lebens zurückblicken können auf das, was wir durchgemacht haben, was wir getan&amp;gt; gedacht, gefühlt haben in den Inkarnationen, die der betreffenden vorangegangen sind, in welcher wir unsere Betrachtungen anstellen. Und immer werden wir finden, daß unser augenblickliches menschliches inneres und äußeres Schicksal dadurch gefaßt werden kann, daß wir sozusagen eine Art «Lebenskonto» haben, wo wir alle klugen, verständigen, weisen Erlebnisse auf die eine Seite schreiben, und alles Unverständige, alles Böse und Häßliche auf die andere Seite. Auf irgendeiner Seite wird sich dabei ein Überschuß ergeben, und der bedeutet in einem Augenblicke des Lebens auch das Schicksal dieses Augenblickes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun können verschiedene Fragen dabei auftauchen, und die nächste muß die sein: Wie verhält sich das, was die Menschen in ihrem Zusammenleben tun, was sie vollbringen als menschliche Gemeinschaft, zu demjenigen, was wir das individuelle Karma des einzelnen Menschen nennen? Wir haben diese Fragen von andern Seiten her schon berührt. Wenn wir auf irgendein Ereignis der Geschichte zurückblicken, zum Beispiel auf die Perserkriege, so können Sie unmöglich glauben, daß dieses Ereignis, zunächst von griechischer Seite aus ancharakteristisch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|206}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sind für unsere Zeit. Insbesondere finden Sie darin mit großem Glück verzeichnet eine charakteristische Tatsache von einem Forscher, welcher in seinem hiesigen Erdenleben alles mögliche versuchte, um auf dem Wege der materialistischen Methode zum Beweise von der geistigen Welt zu kommen - der verstorbene Frederick Myers - und der dann nach seinem Tode den starken Drang fühlte, dasjenige, was er hier angestrebt hat, durch Hereinstrahlungen aus der geis`tigen Welt, mit Hilfen aus der geistigen Welt, hier den Menschen zu zeigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das sollte eine Illustration sein zu dem Satze, daß wir in der Welt und dem Weltendasein zu sehen haben fortwährende Störungen von Gleichgewichten und wiederum das Suchen von Gleichgewichten. Im Erdendasein haben wir als tiefste Elemente dieses sich immerfort störenden und wiederherstellenden Gleichgewichtes die beiden Elemente Licht und Liebe. Und im menschlichen Karma wirken nun von Inkarnation zu Inkarnation die beiden Elemente Licht und Liebe ausgleichend auf die gestörten Gleichgewichtslagen. Denn im Grunde genommen haben` wir in dem durch alle Inkarnationen sich durchschlängelnden Karma gestörte Gleichgewichtslagen, und in Licht und Liebe haben wir den fortwährenden Versuch, das Gleichgewicht wiederherzustellen. Bis einst in ferner Zukunft der Mensch in dem Durchgehen durch seine Inkarnationen endlich dahin gekommen sein wird, einen letzten, durch die Erde erreichbaren Gleichgewichtszustand auszubilden, der dahin führen wird, daß die Menschheit die Erdenmission erfüllt haben wird und das Erdendasein sich in eine neue planetarische Form hinüber- entwickeln wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So habe ich versucht, etwas auseinanderzusetzen, ohne das eine tiefere Begründung der karmischen Zusammenhänge und Gesetze nicht möglich ist. Ich habe mich darum auch nicht gescheut, die geheöimnisvollen Grundlagen, für die unsere heutigeWissenschaft noch lange nicht reif sein wird, einmal heute abzuhandeln: daß Materie in Wahrheit verwobenes Licht ist und daß Seelisches in irgendeiner Beziehung verdünnte Liebe ist. Das sind alte okkuite Sätze, aber Sätze, die für alle folgenden Zeiten wahr bleiben werden und die sich fruchtbar erweisen werden in der Menschheitsentwickelung nicht nur für die Erkenntnis, sondern auch für das menschliche Wirken und Handeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|207}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gesehen, etwas darstellt, was nur in das Schicksalsbuch der einzelnen Menschen zu schreiben wäre, die auf dem äußeren physischen Plan als zunächst daran beteiligt zu gelten haben. Denken Sie an alle die Führer der Perserkriege, an alle die Menschen, welche sich damals aufgeopfert haben, denken Sie an alles, was von den Führern bis zu dem einzelnen damals im griechischen Heere getan worden ist: Werden Sie jemals, wenn Sie nur einigermaßen vernunftgemäß ein solches Ereignis auf sich wirken lassen, das, was die einzelnen Menschen damals getan haben, bei jedem einzelnen Menschen nur auf das karmische Konto dieser einzelnen Persönlichkeiten schreiben können? Unmöglich werden Sie das können. Denn Sie werden unmöglich sich vorstellen können, daß bei den Ereignissen, die ein ganzes Volk oder einen großen Teil der zivilisierten Menschheit angehen, nichts anderes geschieht, als daß jede einzelne menschliche Individualität nur ihr Karma auslebt. Und so müssen Sie im Verlauf der geschichtlichen Entwickelung immer wieder von Ereignis zu Ereignis gehen, und Sie werden sehen, daß innerhalb der Menschheitsentwickelung selber Sinn und Bedeutung zu finden sind, daß aber solche Ereignisse nicht eines sein können mit dem individuellen Karma des einzelnen Menschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir können eine Angelegenheit wie die Perserkriege auf unsere Seele wirken lassen und uns dann fragen: Was haben sie im Entwickelungsgang der Menschheit für eine Bedeutung? Im Orient hatte sich eine gewisse Kultur entwickelt, die große, gewaltige Lichtseiten hatte. Aber wie jedes Licht seine Schatten mit sich bringt, so müssen wir uns auch klar sein, daß die ganze Kultur des Orients nur dadurch für die Menschheit zu erreichen war, daß auch mancherlei Schattenseiten, die nicht in der menschlichen Entwickelung hätten weitergeführt werden dürfen, sich in jene Kultur hineingedrängt haben. Vor allem war eine solche Schattenseite die, daß der Orient den Drang hatte, durch äußere, rein auf dem physischen Plan liegende Machtmittel sich immer mehr zu vergrößern. Wäre dieser Vergrößerungstrieb nicht erstanden, so wäre natürlich die ganze orientalische Kultur nicht zustande gekommen. Eines ist nicht ohne das andere zu denken. Aber damit die Menschheit sich weiterentwickeln konnte, mußte aus ganz andern Voraussetzungen heraus sich zum Beispiel die griechische Kultur entwickeln. Die griechische&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|208}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kultur hätte aber nicht einen unmittelbaren Anfang nehmen können, sie mußte gewisse Voraussetzungen a,nderswoher bekommen. Und sie hat in der Tat wichtige Voraussetzungen aus der orientalischen Kultur entlehnt. Verschiedene Sagen von Heroen, die von Griechenland hinüberzogen nach dem Orient, stellen nichts weiter dar, als daß Schüler gewisser griechischer Schulen hinübergezogen waren nach dem Orient und den Griechen jene Güter gebracht haben, die nur innerhalb der orientalischen Kultur gewonnen werden konnten, die dann aber weitergepflegt und umgewandelt werden konnten durch das, was aus dem griechischen Volkscharakter, durch das griechische Volkstalent sich herangebildet hatte. Aber dazu mußte aus diesen herübergebrachten Gütern ausgemerzt werden, was ihre Schattenseite war: der Drang, durch rein äußere Machtmittel sich so nach dem Westen hinüber auszudehnen, wie sie waren. Das Römertum, das später entstand als das Griechentum, und alles, was die weiteren Voraussetzungen waren für die Weiterentwickelung der europäischen Menschheit, das hätte sich nicht herausbilden können, wenn nicht die Griechen sich den freien Boden geschaffen hätten für die Fortentwickelung der orientalischen Kultur, wenn sie nicht die Perser und das, was dazugehört, zurück- geschlagen hätten. So konnte filtriert werden, was in Asien geschaffen worden war, indem man die Asiaten zurückschlug.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von diesem Gesichtspunkt aus sind viele Ereignisse in der Weltentwickelung zu betrachten, und man bekommt dann ein eigentümliches Bild. Wenn wir bei einem Vortragszyklus, der drei bis vier Jahre dauern würde, diesen Gedanken nur für die uns geschichtlich überlieferten Dokumente der Menschheit ausführen könnten, so würde sich uns etwas ergeben, was wir wirklich nennen könnten einen Plan in der Entwickelung der Menschheit. Wir würden dann einen solchen Plan überschauen und uns sagen: Dies mußte errungen werden; das hatte diese Schattenseiten, die wieder ausgemerzt werden mußten; das errungene Gut mußte einem andern übergeben und dort weiter ausgebildet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf dieseWeise würden wir einen Plan der Menschheitsentwickelung herausbekommen und würden bei Besprechung dieses Planes eigentlich gar nicht auf den Gedanken verfallen können: Wie ist denn das zustande&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|209}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gekommen, daß zum Beispiel gerade Xerxes oder Miltiades oder Leonidas dieses oder jenes individuelle Karma hatten? Dieses individuelle Karma müssen wir als etwas betrachten, was für sich entschieden und hineinverflochten werden muß in den Plan der Menschheitsentwickelung. Anders ist die Sache durchaus nicht zu fassen. Und so ist es auch für die geisteswissenschaftliche Anschauung. Wenn aber das der Fall ist, müssen wir sagen: In diesem planvollen Fortgang der Menschheitsentwickelung müssen wir für sich etwas sehen, was in ähnlicher Weise in sich zusammenhängt, wie die karmischen Ereignisse im individuellen Menschenleben zusammenhängen. Und dann können wir weiter fragen: Was hat ein solcher Plan in der ganzen Menschheitsentwickelung für eine Beziehung zum einzelnen individuellen Karma des Menschen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Betrachten wir zunächst einmal das, was man nennen könnte das Geschick in der menschlichen Entwickelung selber. Wenn wir zurückblicken, sehen wir, wie Kultur nach Kultur, Volksentwickelung nach Volksentwickelung aufsteigen. Wir sehen weiter, wie Volk für Volk dieses oder jenes Neue leistet, wie etwas bleibt als Unvergängliches aus den einzelnen Volkskulturen, wie aber geradezu die Völker sterben müssen, um das Volksgut, die Errungenschaften der einzelnen Völker zu retten für die entsprechend späteren Epochen der Menschheitsentwickelung. Da müssen wir doch verständlich finden, was die Geisteswissenschaft zu sagen hat, daß in diesem fortlaufenden Gang der Menschheitsentwickelung genau zwei Strömungen zunächst zu unterscheiden sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Betrachten Sie im ganzen Gang der Menschheitsentwickelung das, was wir als fortlaufende Strömung ansehen können, innerhalb welcher sich Welle nach Welle entwickelt, wobei aber das errungene Gut der vorangegangenen Welle für die nachfolgende erhalten bleibt. Wir würden ein Bild davon bekommen, wenn wir hinschauen auf die erste Kultur der nachatlantischen Zeit, auf das, was im alten Indertum an Großartigkeit geleistet worden ist. Wenn wir dieses Großartige aber vergleichen mit dem schwachen Nachklang, der in den Veden davon enthalten ist, die zwar immer noch bewundernswürdig sind, aber eben doch nur ein schwacher Abglanz sind von dem, was die Rishis geleistet haben und was uns die Geisteswissenschaft von dem großen Kultureinschlag der Inder berichtet, dann werden wir sagen müssen: Es war &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|210}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die ursprüngliche Größe dessen, was dieses Volk für die Menschheit zu leisten hatte, schon im Niedergange, als man daran ging, in jenen herrlichen dichterischen Darstellungen dieses Kulturgut der Menschheit aufzubewahren. Aber was die indische Kultur zunächst zu leisten hatte, das floß hinein in den ganzen Gang der Menschheitsentwickelung. Und nur unter dieser Voraussetzung konnte sich das später entwickeln, was wieder ein junges Volkstum brauchte - nicht ein altgewordenes Volk. Es mußten zuerst die Inder zurückgedrängt werden auf die südliche Halbinsel, und es entwickelte sich dann in Persien die Weltanschauung des Zarathustra. Was hatte diese Weltanschauung an Großem in der Zeit, als sie entstand - und wie war sie in verhältnismäßig gar nicht langer Zeit verfallen bei dem Volke, das sie geschaffen! Wir haben dann beim Ägyptertum und Chaldäertum denselben Vorgang. Dann sehen wir das Hinübergehen orientalischerWeisheit nach Griechenland, und sehen, wie die Griechen zurückschlagen das, was auf dem äußeren physischen Plan das Orientalische ist. Wir sehen dann, wie in den Schoß des Griechentums aufgenommen wird, was der ganze Orient geleistet hat, und wie es verwoben wird mit mancherlei, was bis dahin in andern europäischen Gebieten geleistet worden ist. Daraus wird dann ein neuer Kultureinschlag geschaffen, welcher auf vielen Umwegen fähig geworden ist, den christlichen Impuls aufzunehmen und ihn nach dem Westen weiterzuverpfianzen. Und so würden wir auch späterhin einen fortlaufenden Kulturstrom finden, in welchem wir Glied an Glied anreihen können, und jedes folgende Glied erscheint uns zugleich als eine Fortsetzung des vorhergehenden und immer als etwas Neues, was der Menschheit gegeben werden mußte. Aber woraus mußte das hervorwachsen,was sich so von Epoche zu Epoche weiterentwickelt?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denken Sie an alles, was jedes einzelne Volk mit seinem Kulturgebiet erlebt! Denken Sie an alles, was in jedem einzelnen Volke vorgegangen sein muß als eine Summe von Gefühlen und Empfindungen bei unzähligen Menschen, von Wünschen und Enthusiasmus für das, was als das am höchsten Begehrenswerte erscheinen muß und was gerade auf diesem Gebiete als Kultureinschlag gegeben werden soll! Denken Sie, wie die Seelen der einzelnen Menschen bei dem einzelnen Kultureinschlag mit dem, was sie wünschen und erstreben, ganz dabei sein &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
müssen! Und außerdem war notwendig durch unzählige Jahrhunderte der Menschheitsentwickelung hindurch, daß die Völker, wie sie die einzelnen aufeinanderfolgenden Kultureinschläge entwickelten, immer in einer Art Illusion lebten - in der Illusion, daß jedes solche Volk gerade den Kulturschatz, den es selber auszuarbeiten hatte, als etwas Ewiges und Unvergängliches betrachtete, was nimmermehr von ihm genommen werden könnte. Dadurch erst war das hingebungsvolle Arbeiten der einzelnen Völker an der Kultur möglich, daß diese Illusion immer wieder und wieder auftauchte: daß das, was da geschaffen wurde, mit allem, was daran hing, einen ewigen Bestand haben würde. Auch heute ist diese Illusion ja vorhanden; und wenn man sich ihr auch nicht mehr in so positiver Weise hingibt und von der «Ewigkeit» dieser oder jener Kultur redet, so ist sie doch in der Form vorhanden, daß man nicht an das Ende denkt - nicht im Kleinen und nicht im Großen -, daß man sozusagen keine Aufmerksamkeit darauf verwendet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da haben Sie zweierlei, was die Volkskulturen brauchten und was im Grunde genommen erst in unserer Zeit anfängt eine Art von Änderung zu erfahren. Denn das erste Gebiet menschlichen Geisteslebens, wo gründlich solche Illusionen nicht mehr erwachen werden, das wird das theosophische Geistesleben sein. Denn es wäre ein arges Mißverständnis, wenn jemand, der fest auf dem Boden unserer Geistesbewegung steht, glauben wollte, daß die Formen, in welche wir unsere Erkenntnisse gießen, daß die Gedankenausführungen, die wir heute geben können, daß das, was wir heute aus unserem theosophischen Denken, Fühlen und Wollen geben können, einen ewigen Bestand hätte. Sehr kurzsichtig wäre es, zu behaupten, in drei Jahrtausenden würde es noch Menschen geben, die genau ebenso sprechen würden von den theosophischen Wahrheiten, wie wir es heute tun. Wir wissen, daß wir durch unsere Zeitverhältnisse veranlaßt sind, etwas von dem fortlaufenden Entwickelungsprodukt in die gegenwärtigen Formen zu prägen und daß unsere Nachfahren in ganz anderen Formen des Erlebens diese Dinge zum Ausdruck bringen werden. Warum ist das so? Aus einem ähnlichen Grunde, weshalb es durch viele Jahrhunderte und Jahrtausende der Menschheitsentwickelung hindurch geschah, daß Volkskultur über Volkskultur die einzelnen Menschen vieles erleben lassen mußte, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
damit der Beitrag sich aus der gesamten Volksentwickelung heraus- bilden konnte. Denken Sie an die unzähligen Erlebnisse, die im alten Griechenland durchgemacht wurden, und denken Sie an das, was sich als Extrakt daraus für die spätere gesamte Menschheit ergeben hat! Da werden Sie sagen: Es steckt noch mehr darin als nur die einzelnen Strömungen. Es geschehen viele Dinge um dieser Kernströmung willen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deshalb haben wir zwei Dinge zu beobachten: Erstens etwas, was entstehen und zugrunde gehen muß, damit aus diesem Ganzen das zweite - der Quantität nach der kleinste Teil - als ein Bleibendes fort- dauern kann. Wenn wir wissen, daß, seitdem das menschliche Einzelkarma besteht, in der Menschheitsentwickelung zwei Mächte wirken, die wir immer wirksam gefunden haben, Luzifer und Ahriman, dann erst werden wir den Fortgang der Menschheitsentwickelung verstehen. Denn das müssen wir zum Plan der Menschheitsentwickelung rechnen, daß zuletzt, wenn die Erde an ihrem Ziel angelangt sein wird, die Ergebnisse, die so aus den einzelnen Kulturen nach und nach der gesamten Menschheitsentwickelung einverleibt werden, fruchtbar gemacht werden für alle einzelnen lndividualitäten, ganz gleichgültig,welche Schicksale sie durchgemacht haben. Auf dieses Ziel blicken wir aber erst da- durch, daß wir die Weltentwickelung in theosophischem Sinne ansehen. Denn man gebe sich keiner Täuschung hin: Solches Ziel in der richtigen Weise zu denken, unter vollem Bestande der menschlichen Individualität, ohne ein Verschwimmen der Individualität in irgendeine nebulose pantheistische Einheit, sondern so, daß die Individualität voll erhalten bleibt und wieder in sie dasjenige einfließt, was sich die Menschheit im Großen erobert hat - klar und scharf kann dieses Ziel erst der theosophischen Seelenkultur vor Augen stehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir also auf die früheren Kulturen zurückblicken, können wir uns von vornherein sagen: Seit überhaupt menschliche Individualitäten sich inkarnieren, sind beteiligt an der Menschheitsentwickelung Luzifer und Ahriman. Luzifer ist daran so beteiligt, daß er an dem fortlaufenden Kulturstrom immer teilzunehmen sucht, indem er sich einnistet in die menschlichen Astralleiber und sie imprägniert mit dem luziferischen Impuls. Das ist, was Luzifer im Gange der Menschheitsentwickelung vollführt; er wirkt hinein in die menschlichen Astralleiber. Die Menschen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
könnten das, was Luzifer ihnen gibt, niemals bloß von denjenigen Mächten erhalten, welche den fortlaufenden, eben charakterisierten Kulturstrom bewirken. Trennen Sie diesen Kulturstrom aus dem ganzen Fortgang der Menschheit heraus, dann haben Sie das, was die normal fortschreitenden Geistwesen der Hierarchien herunterströmen lassen in die Menschheit als immer neue Reichtümer. Indem wir hinauf- schauen zu.den Hierarchien, müssen wir sagen: Diejenigen Geistwesen, welche ihre normale Entwickelung durchmachen, gaben der irdischen Kultur das,was bleibendes Gut der Menschheit ist, was zwar später um- gewandelt wurde, aber doch bleibendes Gut der Menschheit geworden Ist. Es ist gleichsam so, wie wenn wir einen Baum haben und in ihm das Mark. So gewinnen wir einen fortlaufend lebendigen Strom der fort- laufenden Kultur.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch diese Mächte, die eine normale Entwickelung für sich durchmachen, hätte es auf diese Weise geschehen können, daß der Mensch sein Ich immer mehr und mehr erfüllt hätte mit dieser fortschreitenden Bereicherung der menschlichen Entwickelung. Hineinfließen würde von Zeit zu Zeit das, was den Menschen weiterbringt; der Mensch würde sich immer mehr anfüllen mit den Gaben der geistigen Welt, und zuletzt, wenn die Erde an ihrem Ziel sein würde, wäre es selbstverständlich, daß der Mensch alles, was aus den geistigen Welten gegeben worden wäre, in sich hätte. Aber eines wäre nicht möglich: daß der Mensch ureigensten, heiligen Eifer entwickelte, Hingebung und Feuer für das, was da geschaffen wird von Kulturepoche zu Kulturepoche. Aus demselben Untergrunde, aus dem jeder Wunsch und jede Begierde herauswächst, erwächst auch der Wunsch nach den großen Idealen, erwächst auch die Begierde nach Menschenbeglückung, nach Leistungen der Künste in den aufeinanderfolgenden menschlichen Kulturepochen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus demselben Grunde, aus dem verderbliche, nach dem Bösen gehende Begierden erwachsen, erwachsen auch die Bestrebungen nach dem Höchsten, was auf der Erde geleistet werden kann. Und es würde das nicht da sein, für was die menschliche Seele als für ein höchstes Gut entbrennt, wenn es nicht auf der andern Seite möglich wäre, daß dieselbe Begierde auch nach der andern Seite in das Laster und in das Böse hinuntersinken kann. Daß es diese Möglichkeit in der Menschheitsentwik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
kelung gibt, das ist das Werk der luziferischen Geister. So dürfen wir nicht verkennen, daß die luziferischen Geister für die Menschen Freiheit gebracht haben zugleich mit der Möglichkeit des Bösen, freie Empfänglichkeit für das, was sonst in die menschliche Seele nur ein fließen würde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber wir haben auch gesehen, daß alles, was Luzifer herausfordert, seine Antwort findet durch Ahriman. So sehen wir Luzifer mit seinem ganzen Heere wirken in dem, was dann im Konkreten den Einschlag der griechischen Kult`ur der ganzen menschlichen Entwickelung geben soll: in den griechischen Heroen, in den griechischen Helden und Künstlern. Luzifer dringt hinein in die astralischen Leiber, läßt sie entbrennen für das, was sie als das Höchste verehren. So wird dasjenige, was mit dem Griechentum in die Entwickelung ein fließen soll, zugleich zum Enthusiasmus der Volksseele. Gerade da steckt Luzifer darinnen. Und weil Luzifer der Mond-, nicht der Erdentwickelung seine Kraft verdankt, fordert er Ahriman heraus; und indem Luzifer von Zeitepoche zu Zeitepoche seine Tätigkeit entwickelt, gliedert sich Ahriman dazu - und verdirbt dasjenige stückweise, was Luzifer auf der Erde bewirkt hat. - Es ist die Weltentwickelung der Menschen ein fortwährendes Wirken zwischen Ahriman und Luzifer. Wirkte Luzifer nicht in der Menschheit, so fehlte der Eifer und das Feuer für den fortlaufenden Strom der Menschheitsentwickelung; wäre Ahriman nicht da, der von Volk zu Volk wieder zerstört, was nicht aus dem fortlaufenden Strom, sondern nur aus dem luziferischen Einschlag kommt, dann würde Luzifer die Einzelkulturen ewig fortführen wollen. So sehen Sie hier Luzifer seIn eigenes Karma sich heraufbeschwören, das eine notwendige Folge der Entwickelung auf dem alten Monde ist. Und die Folge ist nun, daß er Ahriman immerfort an seine Ferse ketten muß. Ahriman ist die karmische Erfüllung des Luzifer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da blicken wir hinein in das Karma der höheren Wesenheiten an dem Beispiel der ahrimanischen und luziferischen Wesenheiten. Da oben ist auch Karma. Überall ist Karma, wo Iche sind. Und Luzifer und Ahriman bergen natürlich Iche in sich; deshalb können die Wirkungen ihrer Taten auf sie selber zurückschlagen. Auf viele dieser Geheimnisse wird erst im Sommer bei dem Zyklus über die biblische &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Schöpfungsgeschichte hingewiesen werden können; nur auf eine Stelle möchte ich schon hier hinweisen, die Ihnen so recht wird zeigen können, von wie unendlicher Tiefe jedes einzelne Wort in den wahren okkulten Urkunden ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Haben Sie nie darüber nachgedacht, warum in der biblischen Schöpfungsgeschichte am Ende eines jeden Schöpfungstages der Satz steht: «Und die Elohim sahen das Werk, und sie sahen, daß es sehr gut war», daß es «aufs beste war»? Das ist ein bedeutungsvolles Wort. Warum steht es da? Der Satz zeigt ja selber, daß er als eine Charakteristik der Elohim gemeint ist, die sich auf dem Monde in normaler Weise entwickelt haben und deren Gegner Luzifer ist. Es ist etwas, das zur Charakteristik der Elohim gehört, daß sie nach jedem Schöpfungstag sahen, daß es «aufs beste war». Aus dem Grunde wird es angegeben, weil dieser Grad die Errungenschaft der Elohim war. Sie konnten auf dem Monde das Werk nur so lange sehen, als sie es taten, konnten nicht ein nachträgliches Bewußtsein davon haben. Daß sie nachträglich zurück- schauen können im nachschauenden Denken auf das Werk, das ist eine besondere Stufe im Bewußtsein der Elohim. Das war erst auf der Erde möglich; und zwar zeigt sich ihr innerer Charakter darin, daß dasWillensmäßige so herausströmt aus ihrem Wesen, daß,wenn sie es ansahen, sie sahen, daß es aufs beste war. Das waren die Elohim,welche ihrWerk auf dem Monde abgeschlossen hatten und die, wenn sie es auf der Erde hinterher beschauten, sagen konnten:Es kann bleiben, es ist aufs beste! - Dazu mußte aber die alte Mondentwickelung vollendet sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie ist es nun mit den luziferischenWesenheiten, also mit denjenigen Wesenheiten, die ihre Mondentwickelung nicht vollendet haben? Die werden also auf der Erde auch versuchen müssen, ihr Werk hinterher anzuschauen, so zum Beispiel wenn sie den Beitrag gegeben haben an Feuer und Enthusiasmus in der griechischen Kultur. Und sie werden dann sehen, wie es ihnen stückweise Ahriman abgebröckelt hat! Und sie werden sagen müssen, weil sie es nicht vollendet haben: Sie sahen ihr Tagewerk, und sie sahen, daß es nicht zum besten war, daß es ausgelöscht werden mußte!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist die große Enttäuschung der luziferischen Geister, daß sie immer von neuem ihr Werk versuchen, immer von neuem das Pendel &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
nach der andern Seite zum Ausschlag bringen wollen - und immer von neuem ihr Werk durch Ahriman zerstört finden. Sie müssen sich innerhalb der Menschheitsentwickelung ein Auf-und-ab-Wogen denken, ein fortwährendes Anfachen von neuen Kräften durch Wesenheiten, die höher sind als wir selber, und daß diese Wesenheiten fortwährende Enttäuschungen erleben. Das ist enthalten in dem Erleben der luziferischen Geister in der Erdentwickelung. Und dieses Karma mußte die Menschheit in sich aufnehmen, weil der Mensch nur dadurch zur wirklichen Freiheit kommen konnte. Freiheit kann nur dadurch ersprießen, daß der Mensch sich den höchsten Inhalt seines Erden-Ich selber gibt. Dasjenige Ich, das der Mensch haben würde, wenn ihm alle Ziele am Ende der Erdentwickelung gegeben würden, kann nicht frei sein; denn es ist von vornherein bestimmt gewesen, alle Güter der Erdentwickelung in die Menschen ein fließen zu lassen. Frei werden konnte der Mensch nur, indem er zu diesem Ich ein anderes, irrtumfähiges Ich hinzuschafft, das in der Lage ist, immer wieder und wieder nach der Seite des Guten und nach der Seite des Bösen zu pendeln und das immer wieder hinauf- streben kann zu dem, was der Inhalt aller Erdentwickelung ist. Das niedere Ich mußte dem Menschen beigegeben werden durch Luzifer, damit das Hinaufarbeiten des Menschen zum höheren Ich seine ureigenste Tat sein kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nur so ist auch freier Wille in der Menschheit möglich. Freier Wille ist etwas, was sich der Mensch nach und nach erringen kann; denn der Mensch ist dazu so gestellt, daß ihm im Leben der freie Wille als ein Ideal vorschwebt. Wo ist denn in einem Mittelzustand der Entwickelung der menschliche Wille frei? Er ist niemals frei, weil er in jedem Augenblick dem luziferischen und ahrimanischen Element verfallen kann; er ist nicht frei, weil jeder Mensch, wenn er die Pforte des Todes durchschritten hat, in der aufsteigenden Zeit der Läuterung - vielleicht durch Jahrzehnte hindurch - einen ganz bestimmten Eindruck hat. Das ist das Wesentliche des Kamalokalebens, daß wir sehen, in welchem Grade wir selber unvollkommen sind durch das, was wir an Unvollkommenem in der Welt getan haben, daß wir Stück für Stück sehen, in welcher Weise wir unvollkommen geworden sind. Daraus geht dann die entschiedene Absicht hervor, alles wieder auszumerzen, was wir un&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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vollkommen gemacht haben. So ist das Leben in der Kamalokazeit, daß Absicht zu Absicht gefügt wird und der Gesamtentschluß gefaßt wird: Du mußt alles das wieder ausbessern, was du so gedacht und getan hast, daß es dich heruntergebracht hat! - Was der Mensch da fühlt, das prägt er seinem weiteren Leben ein und tritt mit dieser Absicht bei der Geburt ins Dasein - und ladet dadurch sein Karma auf sich. Daher können wir nicht sagen, daß wir, wenn wir durch die Geburt ins Dasein getreten sind, einen freien Willen haben. Einzig und allein können wir davon sprechen, daß wir uns einem freien Willen in dem Maße nähern, als es uns gelungen ist, Herr zu werden über die Einflüsse Luzifers und Ahrimans. Und Herr werden über die luziferischen und ahrimanischen Ein- flüsse können wir durch nichts anderes als durch Erkenntnis. Einmal durch Selbsterkenntnis, indem wir uns immer fähiger machen - auch im Leben zwischen Geburt und Tod -, unsere Schwachheiten in allen drei Seelenmerkmalen kennenzulernen, in Denken, Fühlen und Wollen. Wenn wir uns immer mehr bemühen, uns keiner Illusion mehr hinzu- geben, dann wächst ja in unserem Ich die Kraft, den luziferischen Einfluß entbehren zu können, denn dann werden wir immer mehr fähig, zu entscheiden, welche Hingabe die Güter der Menschheit, die nach und nach erobert wurden, verdienen. Sodann durch Erkenntnis der Außenwelt, die sich ergänzen muß mit der Selbsterkenntnis; beide müssen zusammenwirken. Selbsterkenntnis und Erkenntnis der Außenwelt müssen wir mit unserem Wesen vereinigen; dann werden wir imstande sein, ein klares Verhältnis zu Luzifer zu gewinnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist gerade die Eigentümlichkeit dessen, was wir uns als theosophische Erkenntnis aneignen, daß wir Aufschluß gewinnen darüber, wie weit an jedem menschlichen Tun Neigung und Leidenschaft, Luzifer und Ahriman beteiligt sind. Was haben wir in dieser Reihe von Vorträgen anderes getan, als uns Aufklärung verschafft darüber, wie luziferische und ahrimanische Kräfte in der mannigfaltigsten Weise in unser Leben hineinwirken! In dem gegenwärtigen Zeitalter aber kann die Aufklärung über die luziferischen und ahrimanischen Kräfte beginnen. Und der Mensch muß aufgeklärt sein, wenn er wirklich etwas beitragen will zur Erreichung des Erden-Menschheitszieles. - Wohin Sie den Blick richten, überall wo menschlich gefühlt und gedacht wird, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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können Sie sehen, wie weit die Menschen noch entfernt sind von einer echten, wahren Aufklärung über die Einflüsse Luzifers und Ahrimans. Da sehen Sie den weitaus größten Teil der Menschheit überhaupt keine solche Aufklärung wollen. Da sehen Sie einen großen Teil der Menschen in einen gewissen religiösen Egoismus verfallen: nur ja mit dieser Seele selbst jenen Zustand des Wohlbefindens zu erreichen, den man sich nur vorstellen kann. Das ist ein Egoismus, von dem sich die Menschen gar nicht bewußt sind, daß sich da die größten Begierden hineinmischen können. Und nirgends mischt sich Luzifer mehr in unsere Gefühle hin- ein als da, wo die Menschen aus ihren Leidenschaften und Begierden heraus nach dem Göttlichen streben, ohne das Göttliche durchleuchtet zu bekommen mit dem Licht der Erkenntnis. Glauben Sie nicht, daß Luzifer gerade da vielfach am Werke ist, wo die Menschen glauben, nach dem Höchsten zu streben? Aber die Formen, die in dieser Weise erstrebt werden, werden ebenfalls zu den Enttäuschungen Luzifers gehören müssen. Und diejenigen, die nun glauben, aus den wüsten Begierden diese oder jene Form einer geistigen Kultur erhalten zu können, die immer wieder und wieder predigen, daß diese Theosophie so schlimm ist, weil sie etwas Neues glaubt, die sollten bedenken, daß es nicht vom Menschenwillen abhängt, wenn sich Ahriman an die Fersen des Luzifer heftet. Und was entstanden ist im Laufe der Entwickelung an Formen, das wird, weil Ahriman sich hineinmischt, durch Luzifer auch wieder untergehen. Retten wird sich allein der fortlaufende Strom der Menschheitsentwickelung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So schauen wir dadurch zurück auf eine vorangegangene Entwickelung, wo als Opfer für uns zurückgeblieben sind gewisse Wesenheiten. Wir wissen jetzt, daß diese Wesenheiten ihr Karma ausleben müssen um unsertwillen, damit wir in normaler Weise ausleben können, was diese Wesenheiten uns einflößen können. Ja, wahrhaftig, Jahve hat dem Menschen ursprünglich eingeflößt durch den göttlichen Odem die Fähigkeit zum Ich; aber wäre nur der göttliche Odem gekommen, der im menschlichen Blut pulsiert, und nicht auch das, was immer wieder abirren kann von dem, was der Jahve-Odem geben kann, würden nicht darinnen arbeiten sowohl luziferische wie ahrimanische Impulse, so würde der Mensch zwar das Was erlangen können der Jahve-Gabe, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|219}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
aber nicht das Wie: daß er es mit einem selbstbewußten freien Ich empfindet. So liegt es doch im Sinne der Weltentwickelung, daß gewisse Wesenheiten auf dem alten Monde zurückgeblieben sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir leben heute in einem Zeit~lter, wo wir in der Tat zurückblicken dürfen auf viele Enttäuschungen Luzifers, wo wir aber auch hinblicken können auf eine Zukunft, in der wir immer mehr verstehen lernen, was der fortlaufende Strom der Entwickelung ist. Und Theosophie wird das Instrument sein zum Verständnis für diesen fortlaufenden Strom der Entwickelung, damit wir uns immer bewußter zu den Einflüssen Luzifers stellen können und immer mehr in die Lage kommen können, luziferische Impulse in uns selber zu erkennen und sie in der richtigen Weise nutzbringend für die Menschheitsentwickelung bewußt zu verwerten, während sie vorher in der Menschheit als ein dunkler Drang gewirkt haben, dessen sich der Mensch nicht bewußt war. Und ebenso ist es mit den ahrimanischen Einflüssen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier ist eines derGebiete,wo man darauf aufmerksam machen kann, wie sozusagen gerade in der Gegenwart eine wichtige Entwickelungsepoche der Menschheit vorliegt, nämlich jene Epoche, in der in gewisser Beziehung tatsächlich die Seelenkräfte sich umkehren. Für viele von Ihnen ist es ja schon charakterisiert worden, daß wir vor einer Epoche stehen, in welcher gewisse Menschen, einzelne Menschen, andere Seelenfähigkeiten entwickeln werden als diejenigen, die man heute gelten läßt. Was heute zum Beispiel die Theosophie aus den Erkenntnissen der Geistesforschung heraus zu sagen weiß, daß der Mensch einen Ätherleib hat außer dem physischen Leib, das wissen aus der Anschauung heraus heute nur die, welche eine methodische Schulung durchgemacht haben. Aber noch vor Ablauf der Mitte des 20. Jahrhunderts - das wissen wir aus dem Lesen der Akasha-Chronik - wird es Menschen geben, die eine natürliche Entwickelung haben werden für ein ätherisches Hellsehen und die, weil die Menschheit an diesen Zeitpunkt gekommen ist, wo sich diese Dinge als natürliche Gabe entwickeln werden, als den physischen Leib durchdringend und am Rande über ihn hinausragend den Ätherleib wahrnehmen werden. Wie der Mensch von einem Hineinschauen in die geistige Welt sich herunterentwickelt hat zum heutigen nur äußerlichen physischen Wahrnehmen und verstandesmäßigen &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Begreifen der Außenwelt, so beginnt er sich jetzt zu neuen, aber bewußten Fähigkeiten nach und nach zu entwickeln. Diese neuen Fähigkeiten treten zu den alten hinzu, und eine besondere Fähigkeit wird die sein, die ich so charakterisieren kann:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es wird Menschen geben - einzelne zunächst, denn erst im Laufe der nächsten zwei bis drei Jahrtausende wird sich bei einer größeren Anzahl diese Fähigkeit entwickeln, und die ersten Vorläufer werden da sein noch vor Ablauf der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts -, bei denen wird etw`a folgendes eintreten: Die Menschen werden irgendeine Tat erlebt haben, und sie werden versucht sein, etwas zurückzutreten von der Tat. Sie werden dann ein Bild vor sich haben, das von der betreffenden Tat kommt. Sie werden es zuerst nicht kennen, werden keinen Bezug finden zu dem, was sie getan haben. Aber dann werden sie vielleicht schon etwas von der Geisteswissenschaft gehört haben, und dann werden sie erfahren, daß dieses Bild, das ihnen wie eine Art bewußtes Traumbild erscheint, das Gegenbild der eigenen Handlung ist, das Bild für jene Handlung, die geschehen muß, damit das, was eben getan worden ist, seine karmische Erfüllung findet.&lt;br /&gt;
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So steht die Menschheit in der Tat vor einer Epoche, in der sie anfangen wird, Karma nicht nur zu begreifen nach den Lehren und Darstellungen der Geisteswissenschaft, sondern wo sie anfangen wird, Karma nach und nach zu schauen. Während bisher Karma für die Menschen ein dunkler Drang, eine dunkle Begierde war und erst im nächsten Leben ausgelebt werden konnte, erst im Leben zwischen Tod und neuer Geburt umgewandelt werden konnte in eine Absicht, entwickeln sich allmählich die Menschen dahin, daß sie in die Lage kommen, bewußt die Schöpfungen Luzifers wahrzunehmen, zu sehen, wie sie sich ausnehmen werden in ihren Wirkungen. Allerdings werden mit diesem ätherischen Hellsehen nur diejenigen Menschen etwas anfangen können, die Erkenntnis und Selbsterkenntnis angestrebt haben. Immer mehr und mehr werden die Menschen im normalen Zustande vor sich haben die karmischen Bilder für ihre Handlungen. Das wird etwas sein, was die Menschen immer weiterbringen wird, weil sie dadurch wissen werden, was sie der Welt noch schuldig sind, was in ihrem Karma noch als Schuldkonto dasteht. Das ist es ja, was den Menschen unfrei macht, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
daß er nicht weiß, was er der Welt noch schuldig ist. So darf man also beim Karma gar nicht von vornherein von einem freien Willen sprechen. Das Wort «freier Wille» ist schon falsch; denn man muß sagen: Frei wird der Mensch erst durch seine sich immer steigernde Erkenntnis und dadurch, daß er immer höher steigt und immer mehr hineinwächst in die geistige Welt. Dadurch erfüllt er sich immer mehr und mehr mit dem Inhalt der geistigen Welt und wird immer mehr ein Wesen, das seinen Willen bestimmt. Nicht der Wille kann frei werden, sondern der Mensch als solcher kann frei werden, indem er sich durchdringt mit dem, was er auf dem vergeistigten Gebiet des Weltendaseins erkennen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So blicken wöir auf die Enttäuschungen Luzifers und seine Taten und sagen: So ist seit Jahrtausenden der Grund gelegt zu dem, wo wir stehen; denn würden wir nicht dort stehen, wo wir stehen, so würden wir uns nicht zur Freiheit entwickeln können. Nachdem wir uns aber Aufklärung verschaffen können über Luzifer und Ahriman, können wir ein anderes Verhältnis zu diesen Mächten gewinnen, können die Früchte ziehen von dem, was getan worden ist, können Luzifer und Ahriman sozusagen ihre Arbeiten abnehmen. Da werden sich allerdings die Taten des Luzifer, die er bewirkt hat und die immerfort zu Enttäuschungen geführt haben, wenn sie von uns selbst begangen werden, sich in ihr Gegenteil verkehren müssen. Die Taten Luzifers mußten Begierden erregen, mußten den Menschen hinführen zu dem, was in das Böse einmünden konnte. Wir haben ja gesehen, was für eine gegenteilige Kraft es sein muß, die Luzifer entgegenwirkt: Wenn wir selber Luzifer entgegenwirken sollen, wenn wir seine Angelegenheiten in der Zukunft besorgen sollen, wird es bei uns nur die Liebe sein können&amp;gt; die an die Stelle der Taten des Luzifer treten kann; die Liebe aber wird es sein können. Und ebenso wird es dasjenige sein können, was uns auch aus der Außenwelt fließt, indem wir immer mehr die Dunkelheit wegnehmen, die wir einweben in die äußere Materie. Wenn wir immer mehr diese Dunkelheit hinwegbringen, wenn sie schwindet, und wir dazu gelangen, den ahrimanischen Einfluß auf diese Weise völlig zu überwinden, dann werden wir in der Lage sein, die Welt so zu erkennen, wie sie wirklich als Erdenwelt ist. Dann werden wir uns allmählich nähern solcher Erkenntnis, wie sie heute nur Gut der Geisteswissenschaft sein &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
kann: Wir werden durchdringen zu dem, was die Materie wirklich ist, zu der Natur des Lichtes. Heute gibt sich selbst die Wissenschaft immer noch über die Natur des Lichtes den mannigfaltigsten Täuschungen hin. Mancher glaubt, daß man das Licht mit physischen Augen sieht. Das ist nicht richtig. Mit physischen Augen sieht man nicht Licht, sondern nur beleuchtete Körper; man sieht Farben an den Körpern. Man sieht nicht Licht, sondern man sieht durch das Licht. Alle solche Täuschungen werden weggeräumt sein. Dadurch wird sich verwandeln das Bild der Welt, das notwendigerweise unter dem Einflusse Abrimans von Irrtum durchwoben sein mußte, und es wird sich durchsetzen mit dem Inhalt der Weisheit. Indem der Mensch zum Licht vordringt, wird er selbst das seelische Gegenbild des Lichtes entwickeln. Und das seelische Gegenbild des Lichtes ist die Weisheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dadurch wird Liebe und Weisheit in die menschliche Seele einziehen. Und Liebe und Weisheit werden die praktische Kraft sein, der eigentliche Lebensimpuls, der sich aus der theosophischen Weltanschauung ergeben soll und ergeben wird. Weisheit, die das innere Gegenbild des Lichtes ist, Weisheit, die sich verbinden kann mit der Liebe, und Liebe, die sich mit Weisheit durchdringt, werden den rechten Weg finden, um wieder zurückzuwirken auf das, was in die Weisheit der äußeren Welt eingetaucht ist. Wenn wir nach und nach der andern Hälfte der Entwickelung teilhaftig werden sollen, Luzifer und Ahriman wieder zu überwinden, dann müssen wir uns durchdringen mit Weisheit und Liebe. Indem wir Weisheit und Liebe entwickeln, entwickeln wir diejenigen Elemente, die wieder von unseren Seelen selber ausfließen werden als Gaben für die, die in der ersten Hälfte der Erdentwickelung sich hin- geopfert haben als luziferische und ahrimanische Mächte, um uns das zu geben, was wir zur Erringung unserer Freiheit brauchen. Diesen Mächten werden wir geben müssen, was wir an Weisheit und Liebe so entwickeln werden. Wir müssen uns aber bewußt sein: Weil Leben in der Welt sein muß, müssen wir Kulturen annehmen, die uns Ausdrucksmittel dieses Lebens sind.Wir wollen uns gern und mit Liebe einer theosophischen Kultur hingeben, die nicht ewig sein wird, aber wir wollen es mit Enthusiasmus hinnehmen und mit Liebe das schaffen, wozu wir früher unter dem Einfluß Luzifers getrieben worden sind. Weil wir jetzt &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
erkennen, daß wir aus Liebe das schaffen müssen, wozu wir früher durch den luziferischen Einfluß, durch Begierden und Leidenschaften getrieben werden mußten, werden wir jetzt hinter alldem desto mehr überschüssige Liebe entwickeln. Wenn wir nur die notwendige Liebe entwickeln würden, würden wir es nicht dahin bringen, Kultur über Kultur zu entwickeln. Theosophie soll etwas sein, was jede der Zeit entsprechende Forderung mit Hingabe und Liebe leistet, mit demselben Enthusiasmus, mit dem einst die Menschen unter dem Einflusse Luzifers gewirkt haben.Wir werden nicht mehr die Illusion haben, daß das, was wir tun, ewig dauern wird. Aber indem wir in immer sich steigernder Liebe Kultur über Kultur schaffen, schaffen wir damit überschüssige Liebe. Die kommt Luzifer zugute; dadurch werden auch seine Enttäuschungen gutgemacht. An uns liegt es, daß an Luzifer wieder das gutgemacht werden kann, was er an Enttäuschungen erleiden muß, wenn wir nach der andern Seite das zuruööckgeben,was für uns geleistet worden ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist der andere Teil des Karma der höheren Wesenheiten, daß wir eine Liebe entwickeln, die nicht bloß in der Menschheit bleibt, sondern die dazu berufen ist, in den Kosmos einzudringen. In Wesenheiten, die höher sind als wir, werden wir die Liebe einströmen lassen können, und diese Wesenheiten werden sie als Opfer empfinden. Es wird Seelenopfer sein. Seelenopfer wird hinaufströmen zu denen, die einst ihre Gaben herunterströmen ließen, wie einst die Rauchopfer hinaufstrebten zu den Geistern in Zeiten, wo Menschen die spirituellen Güter noch hatten. Damals konnten die Menschen nur die symbolischen Rauchopfer zu den Göttern hinaufsenden. In der Zukunft werden die Menschen Liebesströme hinaufsenden zu den Geistern, und aus dem Liebesopfer wird wieder etwas herunterströmen: dem Menschen werden zu- strömen höhere Kräfte, die, von Geistigem dirigiert, mit immer größerer Macht eingreifen werden in unsere physische Welt. Das werden dann im wahren Sinne magische Kräfte sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So sehen wir den Gang der Menschheitsentwickelung, indem sich Menschheitskarma und Karma der höheren Wesenheiten auslebt. Und wir begreifen jetzt auch,wie sich der Plan der Entwickelung zum einzelnen menschlichen Karma stellt. Nehmen wir an, eine übermenschliche Individualität hätte im Jahre 1910 dieses oder jenes gewirkt, das dann &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|224}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
auf dem physischen Plan durch einen Menschen ausgeführt wurde, so ist dadurch ein Kontakt geschlossen zwischen dieser übermenschlichen Individualität und dem Menschen. Der Mensch ist dann verwoben in das Karma der höheren Wesenheiten. Das ist eine abgeschlossene Korrespondenz. Dann strnöömt ihm aber zu aus den höheren Welten eine Strömung, die ihm etwas in sein Leben hineinbringt; darin hat er nun einen neuen Posten, der zu seinem Karma hinzugefügt ist und der nach der einen oder andern Seite den Ausschlag gibt. So wird menschliches Karma befruchtet von dem allgemeinen Karma, das durch die Welt strömt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sehen wir zum Beispiel auf Miltiades oder irgendeine andere Persönlichkeit: Da hatten sie zu stehen auf dem großen Plan der Geschichte ihres Volkes, da war dies oder jenes durch das Karma der höheren Mächte bedingt - und da wurden sie hingestellt auf ihren Posten. In ihr einzelkarmisches Konto strömte ein, was der ganzen Menschheit zuteil werden sollte. Und indem sie es ausführten, indem sie Taten und Leistungen daran anschlossen, wurde es ihr Einzelkarma. - So leben und weben wir auch mit unserem einzelnen Karma iön dem Makrokosmos als eine kleine Welt, als ein Mikrokosmos.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit sind wir zwar am Ende des Kursus,wenn auch nicht am Ende der Sache. Aber das geht ja nicht anders. Wenn ich nur mit zwei Worten noch sagen darf, daß ich diese Reihe von Vorträgen, gerade über jene menschlichen Fragen, die so tief das menschliche Herz bewegen können und die doch wiederum mit dem größten Schicksal selbst höherer Wesenheiten zusammenhängen, wenii ich sage, daß ich diesen Kursus gehalten habe wirklich aus tiefster Seele heraus und froh bin, daß es möglich war, in einem theosophischen Zweige auch einmal über diese Dinge zu sprechen, unter theosophischen Freunden, die von allen Seiten herbeigeeiit waren, um sich den Betrachtungen über diese Fragen zu widmen, so spreche ich auch diese Worte aus tiefstem Herzen heraus. Diejenigen, welche Gelegenheit haben werden, weitere Kurse zu hören, werden sehen, daß mancherlei von dem sich beantworten wird, was jemand im Anschluß an diesen Zyklus auf` der Seele haben wird. Aber auch die, welche diese Sommerkurse nicht hören können, werden später Gelegenheit haben, so etwas mit mir zu besprechen. Und so darf ich auch diesmal wieder sagen, daß ich die Dinge, die zu besprechen waren, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|225}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
so entgegengenommen haben möchte, daß sie nicht bloß abstrakte Er- kenntnisse sein sollen, sondern solche, die übergehen in unser ganzes Denken, Fühlen und Wollen, in unser ganzes Leben. So daß man an den Theosophen in der Welt sehen möchte Gleichnis und Bild dessen, was man die tiefsten theosophischen Wahrheiten nennen kann. Versuchen wir, uns ganz zu einem solchen Bild und Gleichnis zu machen; dann erst haben wir in der Welt eine theosophische Geistesströmung. In unserem engen Kreise muß diese theosophische Geistesströmung zunächst Betrachtung der spirituellen Erkenntnis sein. Dann aber müssen - zunächst in unserem Mitgliederkreise - diese Erkenntnisse Gesinnungen werden und als solche der Welt gegenübertreten. Und die Welt wird nach und nach einsehen, daß es nicht umsonst war, daß es um die Wende des 20. Jahrhunderts ehrliche und aufrichtige Theosophen gegeben hat, Leute, die aufrichtig und ehrlich an die Gewalt der spirituellen Mächte geglaubt haben. Und indem sie daran geglaubt haben, sind sie selbst durchsetzt worden mit der Kraft, auch dafür zu wirken. Schneller und schneller wird die Kultur in unserem Leben gehen, wenn Sie selber das, was Sie hören, umwandeln in Gesinnung, in Handlung und Tat. Nicht dadurch, daß wir die Menschen überzeugen! Dazu ist die gegenwärtige Kultur nur wenig geeignet. Wahrhaft überzeugt werden immer nur die werden, die aus tiefstem Drang des Herzens an die Theosophie herankommen; die andern werden nicht überzeugt werden. Dieses Karma haben wir auch in geistigen Kreisen als etwas, was der Materialismus hat hervorrufen müssen, und wir müssen diese Schädigungen als etwas betrachten, demgegenüber Geisteswissenschaft sich erweisen muß als eine geistige Macht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So müssen wir das, was wir der Welt geben können, aus unserer Gesinnung heraus geben. Jeder, der Theosophie in das innere Leben der Seele umgewandelt haben wird, wird ein spiritueller Kraftquell sein. Und wer an das Übersinnliche glaubt, darf durchaus die Überzeugung haben, daß unsere theosophischen Erkenntnisse und Gesinnungen spirituell wirken, das heißt, sich unsichtbar in die Welt hinaus verbreiten, wenn wir uns wirklich zu einem bewußten, von dem theosophischen Leben durchdrungenen Werkzeug machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|226}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= EINLADUNG ZUM VORTRAGSZYKLUS =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Zeit vom 15. bis 28. Mai dieses Jahres wird Dr. RUDOLF STEINER in HAMBURG einen Zyklus von Vorträgen halten über das Thema:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;DIE OFFENBARUNGEN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DES KARMA&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wesen und Bedeutung des Karma In Einzelpersönlichkeit, Individualität, Menschheit, Erde, Welt - Karma und Tierreich. - Krankheit und Oesundhelt In Beziehung zu Karma. - Heilung und Unheilbarkelt In Beziehimg zu Karma. - Natilrliche und zufällige Erkrankungen in Beziehung zu Karma. - Lebeusunfälle In Beziehung zu Karma. - EIernentarereignisse, VulkanansbrUche, Erdbeben, Epldernlen In Beziehung zu Karma. - Karma der höheren Wesenheiten. - Tod und Oeburt Im Verhältnis zu Karma. - Freier Wille und Karma in der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zukunft der Menschheitsentwicklung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir laden alle Mitglieder der Theosophischen Gesellschaft hierzu herzlichst ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Zyklus wird mit einer Pfingstfeier am Pfingstsonntag, abends 6 Uhr, im ,,Patriotischen Hause&amp;quot; (beim alten Rathause) eröffnet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle übrigen Vorträge werden pünktlich abends 8 Uhr im ,,Patriotischen Hause&amp;quot; beginnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|227}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für Dienstag, den 24. Mai, ist ein öffentlicher Vortrag vorgesehen, worüber Näheres noch bekanntgegeben wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anmeldungen zum Besuche des Vortrags.Zyklus werderi bald- möglichst erbeten an Herrn G. F. Scharlau, Hamburg, Repsoldstr. 21 a, woselbst auch die Einiaßkarten gegen Einsendung des auf Mk. 10.- festgesetzten Beitrages zu haben sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auskunft über Wohnungsangelegenheiten erteilt Fräulein Victoria Paulsen, Tarpenbeckstraße 31, Mathildenstift.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir hoffen, recht viele theosophische Freunde bei uns begrüßen zu können und sind&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
mit theosophischem Gruß&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Pythagoras - Zweig, Hamburg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
HAMBURG, März 1910.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|228}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= HINWEISE =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu dieser Ausgabe&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Zyklus «Die Offenbarungen des Karma» fand auf Einladung des theosophischen «Pythagoras-Zweiges» im «Patriotischen Hause» beim alten Rathaus in Hamburg vom 15. bis 28. Mai 1910 statt (siehe Programm S. 226-227). Bemerkenswert ist, daß auf dem im März 1910 vorliegenden Programm die Titel der einzelnen Vorträge genannt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum Thema «Offenbarungen des Karma» siehe auch den Band «Wiederverkörperung und Karma», GA 135, die Vorträge «Das Karma des Berufes des Menschen in Anlmüpfung an Goethes Leben», GA 172, sowie die sechs Bände «Esoterische Betrachtungen karmischer Zusammenhänge», GA 235 bis 240.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum Gebrauch der Worte «Theosophie» und «theosophisch»: Diese Worte sind im Sinne von Rudolf Steiners grundlegendem Werk «Theosophie» (1904, GA 9) zu verstehen. Rudolf Steiner wirkte von 1902 bis 1913 als Generalsekretär der deutschen Sektion der damaligen Theosophischen Gesellschaft (Adyar), dann, als es im Zusammenhang mit Zerfallserscheinungen in dieser Gesellschaft zum Ausschluß der deutschen Sektion kam, im Rahmen der von ihm und anderen begründeten «Anthroposophischen Gesellschaft». Er hli von Anfang an ausschließlich die Ergebnisse seiner Geistesforschung vertreten. «Niemand blieb im unklaren darüber, daß ich in der Theosophischen Gesellschaft nur die Ergebnisse meines eigenen forschenden Schauens vorbringen werde» (aus «Mein Lebensgesang», GA 28). Von einer Ersetzung des Ausdrucks «Theosophie» durch «Anthroposophie», wie sie in den ersten zwei Jahrzehnten nach der Trennung von der Theosophischen Gesellschaft auf Rudolf Steiners eigene Weisung hin vorgenommen worden ist, wurde in dieser Ausgabe Abstand genommen; der Leser muß sich jedoch bewußt sein, daß mit «Theosophie», wie sie hier gemeint ist, die von Rudolf Steiner geschaffene Anthroposophie identisch ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Textgrundlagen: Der Text der vorliegenden Ausgabe ist, abgesehen von geringfügigen Abweichungen, mit dem Text des Manuskriptdruckes von 1911 (Zyklus XII) identisch. Dieser wurde anhand von Teilnehmernachschriften erstellt und vom Vortragenden nicht durchgesehen. Die Originalstenogramme liegen nicht mehr vor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Titel des Bandes und die Titel der Vorträge entsprechen den Titeln des damaligen Vortragszyklus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachweis früherer Veröffentlichungen: 1. Aufl. als Manuskriptdruck (Zyklus XII) in Berlin (I911)~ 2. Aufl. (1. Aufl. in Buchform) Dornach 1932 / 3. Aufl. Dornach 1944 / 4. Aufl. Dornach 1949 (photomechanischer Nachdruck der 3. Aufl.) / 5., durchgesehene, mit den vorhandenen Unterlagen verglichene Aufl., Gesamtausgabe Dornach 1956 / 6., durchgesehene, im wesentlichen unveränderte Aufl. Gesamtausgabe Dornach 1968 / 7., unveränderte Aufl., Gesamtausgabe Dornach 1975.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die im wesentlichen unveränderte 8. Au)!age, 1992, wurde von Robert Friedenthal und Martina Sam durchgesehen, die Hinweise zum Text überarbeitet und erweitert sowie ein Namenregister und ausführliche Inhaltsangaben hinzugefügt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|229}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hinweise zum Text&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Werke Rudolf Steiners innerhalb der Gesamtausgabe (GA) werden in den Hinweisen mit der Bibliographie-Nummer angegeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
zu Seite&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
26 Christoph Kolumbus, 1446-1506, entdeckte 1492 auf der Suche nach einem Seeweg nach Indien zunächst Kuba und Halti, von 1493-1504 auch Mittel- und Südamerika. - Über die Bedeutung der Entdeckung Amerikas für die Menschheit siehe auch den Vortrag vom 25. Juni 1923 in «Rhythmen im Kosmos und im Menschenwesen. Wie kommt man zum Schauen der geistigen Welt?», GA 350.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Entdecker der Dampfmaschine: Dem Eisenhändler Newcomen (1663-1729) gelang zusammen mit seinem Kompagnon Cowley die Konstruktion einer Kolben-Dampfmaschine, die von 1712 an zu pralttischen Zwecken verwendet wurde. James Watt (l73618l9) ermöglichte durch Verbesserungen der Konstruktion eine Nutzung der Dampfmaschine auf breitestem Felde, so daß sie zu einer der Grundlagen der Industrialisierung im 19. Jh. wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
27 johannes Kepler, 1571-1630, Mathematiker, Physiker, Astronom. Er stellte auf den Grundlagen des kopemikanischen Planetensystems und der Beobachtungsdaten seines Lehrers Tycho de Brahe seine drei Planetengesetze auf, mit denen er die Dynamik der Planetenbahnen zu deuten versuchte und das Kräftezentrum in die Sonne verlegte. Vgl. über Kepler auch «Die geistige Führung des Menschen und der Menschheit», GA 15, S. 52 und 83; zu den drei Planetengesetzen «Das Verhältnis der verschiedenen naturwissenschaftlichen Gebiete zur Astronomie», GA 323, insbesondere die Vorträge vom 3. und 4. Januar 1921.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
28 Kepler, sagt von sich selbst: Aus der Vorrede zu Keplers Buch «Harmonices mundi» («Weltharmonik», Linz 1619), 5. Buch: «Die vollkommene Harmonie in den himmlischen Bewegungen und die daher rührende Entstehung der Exzentrizitäten, Bahnhalbmesser und Umlaufszeiten».&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
E,findung des Femrohres: Wohl um das Jahr 1608 in Holland.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
31 Auf diese Tatsache wurde hingewiesen von der Ceisteswissenschaft 1906: Siehe den Vortrag vom 11. Juni 1906, enthalten in GA 94 «Kosmogonie». Vgl. Edouard Schure` «Esquisse d`une cosmogonie psychologique d`apre`s des conferences faites ä Paris en 1906 par Rudolf Steiner», Paris 1928, S. 101.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
32 Zyanverbindungen in der Kometenatmo&amp;amp;phäre: Über die Rolle der Zyanverbindungen und ihrem Vorkommen in der Kometenatmosphäre siehe auch die Vorträge vom l0. Oktober und insbesondere vom 24. Oktober 1923 in «Mensch und Welt. Das Wirken des Geistes in der Natur. Über das Wesen der Bienen.», GA 351. - Über Kome«en im allgemeinen vgl. auch die Vorträge vom 5. März 1910 in «Das Ereignis der Christus-Erscheinung in der ätherischen Welt», GA 118; vom 25. Oktober 1909 und vom 9. März 1910 in «Der Christus-Impuls und die Entwickelung des IchBewußtseins», GA 116; vom 10. April 1912 in «Die geistigen Wesenheiten in den Himmelskörpern und Naturreichen», GA 136; vom 17. November I923 in «Der übersinnliche Mensch anthroposophisch eriaßt», GA 231; vom 18. Januar 1921 in Das Verhältnis der verschiedenen naturwissenschaftlichen Gebiete zur Astronomie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|230}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
«, GA 323, und vom 13. September 1924 in «Die Schöpfung der Welt und des Menschen», GA354.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
32 Halleyscher Komet: So genannt nach dem ersten Berechner seiner Bahn, dem englischen Astronomen Edmund Halley (1656-1742). Ihm war bei seinen Berechnungen aufgefallen, daß die Bahn des großen Komeren von 1682 den Bahnen der Kometen von 1531 und 1607 ähnelte. Daraus schloß er, daß es sich bei allen drei Erscheinungen um ein- und denselben Kometen handeln müsse. Halley sagte seine Wiederkunft entsprechend diesem Zyklus von 75/76 Jahren für 1759 richtig voraus. Somit war der erste periodisch wiederkehrende Komet entdeckt. - Dies war insofern von großer Bedeutung, als damit «die geheimnisvollen Kometen... ihres Nimbus entkleidet und in den Gültigkeitsbereich der allgemeinen Naturgesetze eingereiht worden waren« (Max Gerstenberger, Kometen - Außenseiter am Himmelszelr. Stuttgart 1951).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Außerdem meinte man dadurch zumindest den wiederkehrenden Kometen wie den Planeten eine elliptische Bahn zugrunde legen zu können. - Über die Aufgabe des Halleyschen Kometen siehe auch die Vorträge Rudolf Steiners vom 25. Oktober 1909 und 9. März 1910 in «Der Christus-Impuls und die Enrwickelung des Ich-Bewußtseins«, GA 116, und vom 5. März 1910 in «Das Ereignis der Christus-Erscheinung in der ätherischen Welt«, GA 118.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
35 Cartesius in seinen Gedanken über die Tierwelt: Vgl. «Discours de la methode«, 5. Abschnitt, ferner «Traite` de l`homme» sowie «Primae cogitariones circa generationen animalium».&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
41 Wir wissen, daß unserer Erdenentwickelung vorangegangen ist die Mondentwickelung: Siehe hierzu das Kapitel «Die Weltentwickelung und der Mensch» in Rudolf Steiners «Die Geheimwissenschaft im Umriß», GA 13.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
44 Leidenschaften: Es könnte sich eventuell um einen Hörfehler handeln und statt «Leidenschaften« «Eigenschaften« geheißen haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
57 «wie wir es heute so herrlich weit gebracht haben»: Wagner in Goethes «Faust I«, Nacht, Vers 57fl574: «Verzeiht! es ist ein groß Ergerzen, / Sich in den Geist der Zeiten zu versetzen; / Zu schauen, wie vor uns ein weiser Mann gedacht, / Und wie wir`s dann zuletzt so herrlich weit gebracht. «&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
69 wie unendlich viele Erlebnisse, E,fahrungen und Eindrücke es gar nicht bis zur Vorstellung bringen: Vgl. hierzu auch Rudolf Steiners Vortrag vom 18. April 1918 in «Das Ewige in der Menschenseele. Unsterblichkeit und Freiheit«, GA 67.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
77 joseph Dietl, 18O4~1878, studierte Philosophie und Medizin. Als Krankenhausarzt in Wien beschäftigte er sich vor allem mit der Lungenentzündung und veröffentlichte&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
eine Abhandlung über den «Aderlaß in der Lungenentzündung«. Ab 1865 Professor für innere Medizin in Krakau; daneben auch als Landtags- sowie Reichsragsabgeordneter und als polnischer Schriftsteller tätig. Vertreter eines krassen Nihilismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
joseph Skoda, 1805-1881, bedeutender Intemisr, Professor in Wien. Er beschäftigte sich insbesondere mit den physikalischen Methoden der Krankenuntersuchung; seine Abhandlung «Über Perkussion und Auskultation« (1839) begründete die moderne Diagnostik. In der Therapie dagegen verhielt er sich eher zurückhaltend; zusammen mit Carl Roltitansky (18041878) Hauptrepräsentant der jüngeren «Wiener Schule« in der Medizin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|231}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
92 Wie können wir zu einem karmischen Verständnis auch dann kommen, wenn wir zum Beispiel unter die Räder eines Eisenbahnzuges kommen?: Über die karmischen Zusammenhänge von Zivilisationskatastrophen siehe auch Rudolf Steiners Vortrag vom 29. Juni 1924 in «Esoterische Betrachrungen karmischer Zusammenhänge.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zweiter Band», GA 236.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
105 ein geistreicher Herr: Frederik Troels-Lund (184~1921), dänischer Historiker und Professor an der Militärakademie in Kopenhagen, der den hier erwähnten einzelnen Ansichten über die Herkunft der Krankheiten in seinem Buche «Gesundheit und Krankheit in der Anschauung alter Zeiten» (Leipzig 1901) jeweils ein ganzes Kapitel widmet. Dieses Buch befindet sich in der Bibliothek Rudolf Steiners.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
106 ein geistvoller Mann im 18. jahrhundert: Vermutlich Voltaire; konnte jedoch noch nicht nachgewiesen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
107 Galileo Galilei, 15~l642, italienischer Physiker, Mathematiker und Astronom.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Martin LNther&amp;gt; 14831546, Inaugurator der deutschen Reformation. Vgl. auch Rudolf Steiners Ausführungen über ihn in den Vorträgen vom 11. und 18. September 1917 in «Menschliche und menschheitliche Enrwicklungswahrheiten. Das Karma des Materialismus», GA 176.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
114 in einer Familie wie die des Musikers Bach: Johann Sebastian Bach (1685-1750), der größte Musiker in der Reihe bedeutender Komponisten, die die thüringische «Musikerfamilie« Bach im 17. und 18. Jh. hervorbrachte. Vgl. hierzu auch Rudolf Steiners Vortrag vom 26. November 1906 in «Das Wesen des Musikalischen», GA 283.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
119 Meister Eckart, 125~1327, Dominikaner und bedeutender Denker der deutschen Mystik; in seinem letzten Lebensjahr der Häresie angeklagt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Johannes Tauler, um I30fll36l, Dominikaner, Schüler Meister Eckarts. - Zu Tauler, Meister Eckart und die Mystik im allgemeinen vgl. auch Rudolf Steiners Schrift «Die Mystik im Aufgange des neuzeitlichen Geisteslebens und ihr Verhältnis zur modernen Weltanschauung», GA 7.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und lesen Sie in der «Deutschen Theologie«: «Theologia deutsch - Die lerer gar manchen lieblichen underscheit gotlicher warheit und seit gar hohe und gar schone ding von einem volkomen leben», nach der einzigen bis jetzt bekannten Handschrift hrsg. von Franz Pfeiffer, 2. verbesserte und mit einer neudeutschen Übersetzung vermehrte Auflage 1855.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
120 «Nicht ich, sondern der Christus in mir«: Galater 2, 20 «Ich lebe aber; doch nun nicht ich, sondern der Christus lebt in mir«.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
«Die Geheimwissenschaft im Umr`ß« (1910), GA 13.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
121 «Aus d«`rAkasha-Chronik« (19041908), GA 11.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
l36 Der ahrimanische Einfluß bewirkte dann: In der 7. Auflage 1975 hieß es «Der luziferische Einfluß», was den Korrekturvorschlägen einiger Leser entsprach. Jedoch sind die Herausgeber nach gründlicher Prüfung zu dem Ergebnis gekommen, daß es zweifellos «Der ahrimanische Einfluß» heißen muß, da dies aus dem weiteren Vortrag eindeutig hervorgeht; siehe insbesondere S. 142f. «Was ahrimanischem Einfluß zuzuschreiben ..... .&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|232}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
144 mit der Urkunde des Alten Testamentes: Genesis 3.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
146 daß Wesenheiten ... in ähnlicher Art damals ihre Menschheitsstufe durchgemacht haben: Siehe Kap. «Das Leben auf dem Monde», S. 187ff. in «Aus der AkashaChronik&amp;gt;, GA 11, und das Kap. «Die Weltentwickelung und der Mensch«, S. 208 und 215 in «Die Geheimwissenschaft im Umriß», GA 13.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
158 daß sich im Laufe von zehnjahren seine Physiognomie verändert: Vgl. hierzu auch die Ausführungen Rudolf Steiners über den Zusammenhang der Begriffe mit der Gesichtsphysiognomie im Vortrag vom 30. August 1919 in «Allgemeine Menschen- kunde«, GA293.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
163 Karl der Große 742-814, König der Franken und römischer Kaiser.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aristoteles, 384322, Schüler Platos, Erzieher Alexander des Großen, grundlegend für die kulturelle und wissenschaftliche Entwicklung des Abendlandes waren vor allem seine Werke über die Logik.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Martin Luther, siehe Hinw. zu S. I07.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
164 das Zusammen-Untergehen hei einem Erdbeben: Vgl. hierzu auch die Vorrräge Rudolf Steiners vom 27. und 29. Juni 1924 in «Esoterische Betrachtungen karmischer Zusammenhänge, Zweiter Band«, GA 236.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
165 wir haben ... hingewiesen auf eine Individualität: Siehe hierzu auch die Ansprache Rudolf Steiners vom 28. September 1924 in «Esoterische Betrachtungen karmischer Zusammenhänge, Vierter Band«, GA 238, und die Einzelausgabe von vier Vorträgen «Das Weihnachtsmysterium. Novalis, der Seher und Christuskünder«.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
I77 desto größer wird der Unterschied zwischen Mann und Frau in bezug auf ihr Leben:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über den Gegensatz von Männlichem und Weiblichem vgl. auch die Vorrräge vom 5. und 13. März und vom 10. Mai 1910 in «Das Ereignis der Christus-Erscheinung in der ätherischen Welt», GA 118.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
204 Ludwig Deinhard, 1847-1917, Ingenieur und Industrieller. Mit Hübbe-Schleiden zusammeti ältestes Mitglied der deutschen Theosophischen Gesellschaft und 189496 Leiter eines der ersten theosophischen Zweige in München. Er wirkte seit 1900 mit Günther Wagner für die Bildung einer deutschen Sektion und gehörte 1902 bis 1908 zu deren Vorstand. Nach anfänglichen Bedenken schloß er sich später immer enger an Rudolf Steiner an. Sein Buch «Das Mysterium des Menschen im Lichte der psychischen Forschung. Eine Einführung in den Okkultismus«, Berlin 1910, wurde von Rudolf Steiner sehr geschätzt. Vgl. auch den Vortrag vom 19. Mai 1917 im Band «Mitteleuropa zwischen Ost und West», GA 1 74a, und «Zur Geschichte und aus den Inhalten der ersten Abteilung der Esoterischen Schule 19041914«, GA 264.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
205 Frederick W. H. Myers, 1843-1901, Dichter, Spiritist, SchrifrsteIler, Freund von Sir Oliver Lodge; 1882 einer der Gründer der Sociery for Psychical Research in London. - Über die Vorkommnisse um ihn im Zusammenhang mit Sie Oliver Lodge spricht Rudolf Steiner ausführlich im Vortrag vom 27. November 1916 in dem Band «Das Karma des Berufes«, GA 172.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|233}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
206 Perserkriege: Die von 490449 v. Chr. zwischen Persern und Griechen geführten Kriege; von den Persern unternommen, um die Griechen für ihre Teilnahme am ionischen Aufstand zu bestrafen und zu unrerweifen. Trotz zehnfacher Übermacht wurden die Perser von den Griechen unter Miltiades` Führung 490 bei Marathon geschlagen; die Florte des Perserkönigs Xerxes wurde 480 v. Chr. bei Salamis besiegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
209 Xer:zes, um 520465 v. Chr., Perserkönig, Sohn des Dareios; er zog gegen Hellas, um die Niederlage seines Vaters bei Marathon zu rächen, erzwang den Durchgang durch den von Leonidas besetzten Engpaß Thermopylä, unterlag jedoch ebenfalls in der Schlacht bei Salamis 480.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Miltiades, atbenischer Feldherr, schlug die Perser 490 v. Chr. bei Marathon (siehe Hinw. zu S. 209).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Leonidtis, (~ 480 v. Chr.), spartanischer König, fiel im Kampf mit dem Perserkönig Xerxes um den Engpaß Thermopylä.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
214 im Sommer bei dem Zyklus über die biblische Schöpfungsgeschichte: Elf Vorträge in München vom 16. bis 26. August I910; «Die Geheimnisse der biblischen Schöpfungsgeschichte. Das Sechstagewerk im 1. Buch Moses», GA 122.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
215 in der bab~li~chen Schöpfungsgeschichte: I. Buch Moses (Genesis), 1.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|234}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= NAMENREGISTER =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(* = nicht namentlich erwähnt)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aristoteles 163 Myers, Frederick 205&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bach (Familie) 114 Novalis 165*&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bach, Johann Sebastian 114 Paulus, Apostel 120&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Cartesius, Renatus (Descartes, Prometheus 144&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rene) 35f. Skoda, Joseph 77f., 93&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dietl, Joseph 77, 93? Steiner, Rudolf&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deinhard, Ludwig 204 Werke und Vorträge:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eckart, Meister 1 I9 Aus der Akasha-Chronik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eva 144 (GA 11) 121,146&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Galilei, Galileo 107, l1l Die Geheimwissenschaft im Umriß&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Halleyscher Komet 32 (GA 13) 31, 120, 146&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Karl der Große l63 Die Geheimnisse der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kepler, Johannes 27?, l66f. biblischen Schöpfungsgeschichte&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kolumbus, Christoph 26 (GA 122) 214f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Luther, Martin l07?, l63f. Tauler, Johannes 119&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Leonidas 209 Troels-Lund, Frederik 105&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Miltiades 209, 224 Xerxes 209&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Glossar==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|A}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|A}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ahriman&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|[…] wie in der Tat die beiden Prinzipien, das ahrimanische und das luziferische, im letzten Grunde im Krankheitsverlauf tätig sind. Und es könnte in vieler Beziehung für diese oder jene Krankheitsform gezeigt werden, wie man eigentlich zwei Typen von Krankheiten unterscheiden müßte: ahrimanische und luziferische Krankheiten.|120|88}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ätherleib&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|[…] wenn der Mensch durch die Pforte des Todes tritt […]  wird das Hauptsächlichste des Ätherleibes als ein zweiter Leichnam abgeworfen; es bleibt jedoch ein Extrakt des Ätherleibes zurück, der mitgenommen wird und erhalten bleibt für alle kommenden Zeiten.|120|67}}{{GS|So sehen wir, daß wir in dem Ätherleib und physischen Leib der Pflanze etwas vor uns haben, was imstande ist, mit inneren Heilkräften zu antworten auf äußere Schädigungen.|120|62}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|B}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|B}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bewusstsein&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Die Erkenntnis eines solchen Zusammenhanges zwischen Ursachen und Wirkungen in unseren einzelnen Lebensabschnitten, die wir durch unser gewöhnliches Bewußtsein überschauen können, kann uns schon im höchsten Grade förderlich sein im Leben.|120|22}}{{GS|Das Bewußtsein, […] das sich ausdehnt […]  auf unser Leben zwischen Geburt und Tod, das entsteht dadurch, daß sich der Mensch des Instrumentes seines Gehirns bedienen kann. Wenn der Mensch durch die Pforte des Todes schreitet, tritt ein andersgeartetes Bewußtsein auf, das unabhängig ist vom Gehirn und an wesentlich andere Bedingungen gebunden ist.|120|24}}{{GS|Wenn der Mensch aber durch die Pforte des Todes schreitet, hört das Vorstellungsleben auf, das an das Instrument des Gehirns gebunden ist. Da beginnt eine andere Form des Bewußtseinslebens.|120|86}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|C}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|C}}&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|D}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|D}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|E}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|E}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|F}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|F}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|G}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|G}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gehirn&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Das Bewußtsein, […] das sich ausdehnt […]  auf unser Leben zwischen Geburt und Tod, das entsteht dadurch, daß sich der Mensch des Instrumentes seines Gehirns bedienen kann. Wenn der Mensch durch die Pforte des Todes schreitet, tritt ein andersgeartetes Bewußtsein auf, das unabhängig ist vom Gehirn und an wesentlich andere Bedingungen gebunden ist.|120|24}}{{GS|Wenn der Mensch aber durch die Pforte des Todes schreitet, hört das Vorstellungsleben auf, das an das Instrument des Gehirns gebunden ist. Da beginnt eine andere Form des Bewußtseinslebens.|120|86}}&lt;br /&gt;
Geist&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Der Mensch kann einen in sich regen Geist bis an sein Lebensende dadurch haben, daß wir ihn als Kind in der Weise erzogen haben, wie es jetzt eben beschrieben worden ist: daß wir auf sein Seelenleben, auf alles, was lebendig in ihm sitzt, Rücksicht genommen haben.|120|20}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Geisteswissenschaft&lt;br /&gt;
{{GS|[…] Geisteswissenschaft nicht eine abstrakte Theorie sein soll […] erfüllt erst dann ihre Aufgabe, wenn … etwas hineinfließt in unsere Seelen … was unsere Seelen tüchtiger und tatkräftiger machen kann.|120|9}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|H}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|I}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|I}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|J}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|J}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|K}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|K}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kamaloka&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Wenn wir also schon im gewöhnlichen Leben so stark berührt werden können durch gewisse Erlebnisse, besonders wenn es Gefühlseindrücke waren, daß sie eine Gemütsverstimmung bewirken können, so werden wir begreifen, daß die viel stärkeren Eindrücke des Kamalokalebens sich so eindrücken können, daß sie bei einer neuen Inkarnation bis tief in die Organisation des physischen Leibes hineinwirken.|120|72}}{{GS|Gerade während der Kamalokazeit, weil der Mensch seinen alten astralischen Leib noch hat, bewirkt das Durchgemachte die tiefsten Gefühlserlebnisse.|120|72}}{{GS|Wir könnten die verschiedensten Beispiele anführen, die uns alle zeigen, wie der Mensch aus den Erfahrungen seiner Kamalokazeit heraus geradezu die Gelegenheiten aufsucht, diese oder jene Krankheit zu bekommen, um durch ihre Überwindung und durch die Entfaltung der selbstheilenden Kräfte die Kräfte zu gewinnen, welche ihn die Lebensbahn im ganzen hinauf- führen.|120|82}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Karma&lt;br /&gt;
{{GS|Ohne daß eine Wirkung erzeugt wird, die wieder zurückfällt auf das Ding oder die Wesenheit, welche diese Wirkung hervorbringt, ohne diese Eigentümlichkeit des Zurückwirkens der Wirkung auf das verursachende Wesen ist der Karmabegriff nicht zu denken.|120|13}}&lt;br /&gt;
{{GS|Wir dürfen erst von einem Karma sprechen, wenn die Wirkung, die auf das Wesen zurückschlägt, beim Zurückschlagen auf dasselbe Wesen trifft, […]|120|13}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Karmische Folgen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Das zeigt uns, wie in die Linie der karmischen Folgen unser Wille eingreifen und etwas schaffen kann, was an Stelle von sonst eingetretenen karmischen Wirkungen steht.|120|23}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Karmische Wirkung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Das zeigt uns, wie in die Linie der karmischen Folgen unser Wille eingreifen und etwas schaffen kann, was an Stelle von sonst eingetretenen karmischen Wirkungen steht.|120|23}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kind&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Der Mensch kann einen in sich regen Geist bis an sein Lebensende dadurch haben, daß wir ihn als Kind in der Weise erzogen haben, wie es jetzt eben beschrieben worden ist: daß wir auf sein Seelenleben, auf alles, was lebendig in ihm sitzt, Rücksicht genommen haben.|120|20}}Komet&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Nun ist die Substanz eines Kometen nicht eine solche mit Gesetzen, wie sie in unserem gewöhnlichen, regulären Sonnensystem bestehen, sondern mit Gesetzen, wie sie im alten Mondendasein existiert haben.|120|31}}{{GS|Der Halleysche Komet ist der äußere Ausdruck - jedesmal, wenn er in die Sphäre unseres Erdendaseins hineinkommt - zu einem neuen Impuls zum Materialismus.|120|32}}Krankheit&lt;br /&gt;
{{GS|Wir könnten die verschiedensten Beispiele anführen, die uns alle zeigen, wie der Mensch aus den Erfahrungen seiner Kamalokazeit heraus geradezu die Gelegenheiten aufsucht, diese oder jene Krankheit zu bekommen, um durch ihre Überwindung und durch die Entfaltung der selbstheilenden Kräfte die Kräfte zu gewinnen, welche ihn die Lebensbahn im ganzen hinauf- führen.|120|82}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|L}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|L}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|M}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|M}}Medizin&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Wer ähnliche Vorträge von mir gehört hat, wird wissen, wie wenig es mir darum zu tun ist, einzustimmen in den Chor, der heute das, was man als «Schulmedizin» bezeichnet, diskreditieren will.|55|120}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mensch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Und der hellseherische Forscher wird bei einem Krankheitsfall immer in Betracht ziehen müssen, welches in dem betreffenden Falle der Anteil sein kann des physischen Leibes auf der einen Seite und des Ätherleibes und des astralischen Leibes auf der andern Seite; denn alle drei Wesensglieder des Menschen können an der Erkrankung beteiligt sein.|120|60}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mond&lt;br /&gt;
{{GS|Also sehen wir neben dem Menschen sich förmlich herausbilden ein Reich von Organismen, die durch das Beibehalten des Mondcharakters unfähig geworden waren, Träger menschlicher Individualitäten zu sein. Diese Organisationen sind im wesentlichen die, welche die Organisationen unserer heutigen Tiere wurden.|120|48}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|N}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|N}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|O}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|O}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|P}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|P}}Pflanzen&lt;br /&gt;
{{GS|Aber je tiefer wir in die Pflanzenpathologie eindringen, desto mehr werden wir sehen, daß von dem Begriff «innere Krankheitsursache» bei den Pflanzen nicht die Rede sein kann, sondern daß es sich da um äußere Veranlassungen und Schädigungen, um äußere Einflüsse handelt.|120|61}}{{GS|Aber je tiefer wir in die Pflanzenpathologie eindringen, desto mehr werden wir sehen, daß von dem Begriff «innere Krankheitsursache» bei den Pflanzen nicht die Rede sein kann, sondern daß es sich da um […] äußere Einflüsse handelt.|120|61}}{{GS|So sehen wir, daß wir in dem Ätherleib und physischen Leib der Pflanze etwas vor uns haben, was imstande ist, mit inneren Heilkräften zu antworten auf äußere Schädigungen.|120|62}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|Q}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|Q}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|R}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|R}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|S}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|S}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schicksalsschlag&lt;br /&gt;
{{GS|Schicksalsschlag […] wenn wir ihn an den Anfang der nachfolgenden Ereignisse stellen und ihn als Ursache betrachten […] Wir werden vielleicht traurig sein […] Betrachten wir ihn dagegen als Ursache eines Späteren, dann können wir vielleicht froh sein und Freude darüber empfinden.|120|18}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seelenleben&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Der Mensch kann einen in sich regen Geist bis an sein Lebensende dadurch haben, daß wir ihn als Kind in der Weise erzogen haben, wie es jetzt eben beschrieben worden ist: daß wir auf sein Seelenleben, auf alles, was lebendig in ihm sitzt, Rücksicht genommen haben.|120|20}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|T}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|T}}Tier&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Wir können nicht in derselben Weise, wie wir den menschlichen Tod auffassen, von dem tierischen Tode sprechen.|120|37}}{{GS|Und wenn Sie Umschau halten im Tierreich, werden Sie finden, daß die Tiere sich ganz bestimmte Kunstfertigkeiten mitbringen, durch welche etwas zustande gebracht werden kann, an das menschliche Kunst fertigkeit bei allem, wie wir es so herrlich weit gebracht haben, noch lange nicht heran reicht.|120|39}}{{GS|Also sehen wir neben dem Menschen sich förmlich herausbilden ein Reich von Organismen, die durch das Beibehalten des Mondcharakters unfähig geworden waren, Träger menschlicher Individualitäten zu sein. Diese Organisationen sind im wesentlichen die, welche die Organisationen unserer heutigen Tiere wurden.|120|48}}{{GS|Wir schauen auf die Tiere und sagen: Alles, was die Tiere darstellen an Grausamkeit, an Gefräßigkeit, an allen tierischen Untugenden, neben der Geschicklichkeit, die sie haben, das hätten wir in uns, wenn wir sie nicht hätten aus uns heraussetzen können!|120|52}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tod&lt;br /&gt;
{{GS|Das Bewußtsein, […] das sich ausdehnt […] auf unser Leben zwischen Geburt und Tod, das entsteht dadurch, daß sich der Mensch des Instrumentes seines Gehirns bedienen kann. Wenn der Mensch durch die Pforte des Todes schreitet, tritt ein andersgeartetes Bewußtsein auf, das unabhängig ist vom Gehirn und an wesentlich andere Bedingungen gebunden ist.|120|24}}{{GS|Wir können nicht in derselben Weise, wie wir den menschlichen Tod auffassen, von dem tierischen Tode sprechen.|120|37}}{{GS|[…] wenn der Mensch durch die Pforte des Todes tritt […]  wird das Hauptsächlichste des Ätherleibes als ein zweiter Leichnam abgeworfen; es bleibt jedoch ein Extrakt des Ätherleibes zurück, der mitgenommen wird und erhalten bleibt für alle kommenden Zeiten.|120|67}}{{GS|Wenn der Mensch aber durch die Pforte des Todes schreitet, hört das Vorstellungsleben auf, das an das Instrument des Gehirns gebunden ist. Da beginnt eine andere Form des Bewußtseinslebens.|120|86}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|U}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|U}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ursache und Wirkung&lt;br /&gt;
{{GS|Damit in der Welt der Erscheinungen, in der leblosen Welt, die wir zunächst um uns herum haben, eine Wirkung auf eine Ursache folge, ist stets notwendig, daß dieser Ursache etwas entgegenkommt. Und ohne daß etwas der Ursache entgegenkommt, ist niemals von dem Folgen einer Wirkung auf eine Ursache zu sprechen.|120|12}}{{GS|Wir werden aber zu einer Erklärung des Menschenlebens nicht kommen, wenn wir Zusammenhänge zwischen Ursache und Wirkung nur in diesem einzelnen Menschenleben suchen.|120|21}}{{GS|Die Erkenntnis eines solchen Zusammenhanges zwischen Ursachen und Wirkungen in unseren einzelnen Lebensabschnitten, die wir durch unser gewöhnliches Bewußtsein überschauen können, kann uns schon im höchsten Grade förderlich sein im Leben.|120|22}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|V}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|V}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|W}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|W}}Wesensglieder&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Und der hellseherische Forscher wird bei einem Krankheitsfall immer in Betracht ziehen müssen, welches in dem betreffenden Falle der Anteil sein kann des physischen Leibes auf der einen Seite und des Ätherleibes und des astralischen Leibes auf der andern Seite; denn alle drei Wesensglieder des Menschen können an der Erkrankung beteiligt sein.|120|60}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wille&lt;br /&gt;
{{GS|Das zeigt uns, wie in die Linie der karmischen Folgen unser Wille eingreifen und etwas schaffen kann, was an Stelle von sonst eingetretenen karmischen Wirkungen steht.|120|23}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|X}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|X}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|Y}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|Y}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|Z}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|Z}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|0-9}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|0-9}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Literatur =&lt;br /&gt;
* [[a:Rudolf Steiner|Rudolf Steiner]]: &#039;&#039;Die Offenbarungen des Karma&#039;&#039;, [[GA 120]] (1992), ISBN 3-7274-1200-3 {{Vorträge|120}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GA}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:GA 120 Die Offenbarungen des Karma|!]] [[Kategorie:Taschenbücher]] [[Kategorie:Karma]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:GA]] [[Kategorie:GA (Mitgliedervorträge)]]  [[Kategorie: GA (Zyklus)]] [[Kategorie:Gesamtausgabe]]&lt;br /&gt;
[[en:GA 120]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Artikel unten}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>ElkeJura</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://steiner.wiki/index.php?title=Gesamtglossar_A&amp;diff=11280</id>
		<title>Gesamtglossar A</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://steiner.wiki/index.php?title=Gesamtglossar_A&amp;diff=11280"/>
		<updated>2025-08-13T19:41:38Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;ElkeJura: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Artikel oben}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Abendmahl&lt;br /&gt;
{{GS|Und welche gewaltigen Gefühle sind es, die durch unsere Seele ziehen können, wenn wir so in dem Abendmahl das größte Mysterium der Erde erblicken können: die Verbindung des Ereignisses von Golgatha mit der ganzen Evolution der Erde […]|103|125}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Abraham&lt;br /&gt;
{{GS|Wir haben dann gesehen, wie innerhalb desjenigen Volkes, das die Bekennerschaft des Alten Testamentes bildet, sich ein gewisser Vollkommenheitsgrad dieser Stimmung ausbildete. «Ich und der Vater Abraham sind eins», das heißt, der einzelne fühlte sich geborgen in dem ganzen Zusammenhange bis hinauf zum Vater Abraham. Das war ungefähr auch, was die Grundstimmung […] ausmachte, aller Volksstämme der dritten Kulturepoche.|103|158}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Adam&lt;br /&gt;
{{GS|[…] ist gemeint als ein hellseherischer Schlaf, und was erzählt wird, ist das, was man erfährt in einem höheren Bewußtseinszustand; daher fällt Adam «in einen Schlaf».|103|18}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ägyptische Kultur [CHALDÄISCH-ÄGYPTISCH-ASSYRISCH-BABYLONISCHE-KULTUR, DRITTE KULTUEPOCHE]&lt;br /&gt;
{{GS|Dem Angehörigen der ägyptischen Kultur war es sogar sehr wichtig, daß er die Verhältnisse der Erde besonders durchforschte und die Geometrie ausbildete. Maja wurde erforscht, die äußere Wissenschaft entstand.|103|147}}&lt;br /&gt;
{{GS|So hat der Mensch der dritten Kulturepoche hineingearbeitet in die Materie den Geist, durchdrungen die äußere Welt mit dem Geist.|103|148}}&lt;br /&gt;
{{GS|Die Ägypter balsamierten die Körper der Verstorbenen ein, damit die Menschen in der fünften Epoche ein möglichst großes Persönlichkeitsbewußtsein haben sollten.|103|150}}&lt;br /&gt;
{{GS|Warum wurden die Ägypter die Lehrmeister der Geometrie? Weil sie glaubten, daß man durch den Gedanken, der die Erde abteilt, die Materie auch bezwingen kann und daß sich umformen läßt die Materie, die der Geist des Menschen erfassen kann.|103|156}}&lt;br /&gt;
{{GS|Wenig ist in der ägyptisch-chaldäischassyrisch-babylonischen Zeit von dem im Menschen schon vorhanden, was man innerliche Persönlichkeits- und Verstandeskultur nennen könnte.|103|172}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ahriman&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|[…] wie in der Tat die beiden Prinzipien, das ahrimanische und das luziferische, im letzten Grunde im Krankheitsverlauf tätig sind. Und es könnte in vieler Beziehung für diese oder jene Krankheitsform gezeigt werden, wie man eigentlich zwei Typen von Krankheiten unterscheiden müßte: ahrimanische und luziferische Krankheiten.|120|88}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Akasha-Chronik&lt;br /&gt;
{{GS|Es ist keine gewöhnliche Chronik, sondern eine Chronik, die man als eine lebendige bezeichnen könnte. ... Man kann auch die Willensimpulse, die Gefühle, die Gedanken sehen. ... Das, was jetzt geistig wirkt in uns und im Physischen ausgeflossen ist, das sieht man dort im Geistigen.|99|44}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alba Longa&lt;br /&gt;
{{GS|Alba Longa oder die lange Alba, die Stadt einer Priesterkultur, von der die Kultur Roms ausgehen sollte. Im Meßkleid der katholischen Priester haben wir noch einen Nachklang davon erhalten.|104|74}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alkohol&lt;br /&gt;
{{GS|[…] der Alkohol hat eine ganz bestimmte Wirkung auf den menschlichen Organismus. Er hatte nämlich eine Mission im Laufe der Menschheitsentwickelung […]sozusagen den menschlichen Leib so zu präparieren, daß dieser abgeschnitten wurde von dem Zusammenhang mit dem Göttlichen, damit das persönliche «Ich-bin» herauskommen konnte.|103|92}}&lt;br /&gt;
{{GS|Jetzt, wo die Menschheit wiederum strebt, den Weg zurückzufinden, wo das Ich so weit entwickelt ist, daß der Mensch wieder den Anschluß finden kann an die göttlich-geistigen Mächte, jetzt ist die Zeit gekommen, wo, anfangs sogar aus dem Unbewußten heraus, eine gewisse Reaktion gegen den Alkohol eintritt.|103|92}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alte Einweihung&lt;br /&gt;
{{GS|Man mußte also in der alten Einweihung versuchen, den Ätherleib künstlich herauszuholen […] in eine Art Todesschlaf bringen, der ja dreieinhalb Tage dauerte, währenddem der Ätherleib herausragte aus dem physischen Leibe, gelockert war, so daß das, was der Astralleib erlebte, sich einprägte in den Ätherleib. Und wenn dann der Ätherleib wieder zurückgeführt wurde […] wusste der Mensch, was er in der geistigen Welt erlebt hatte.|103|144}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alter Mond [PLANETARISCHE VERKÖRPERUNG]&lt;br /&gt;
{{GS|Ebenso nun wie beim Menschen ein Zeitraum liegt zwischen einer Verkörperung und einer neuen Geburt, so liegt ein Zeitraum zwischen der Verkörperung unseres Planeten, den wir als Erde bezeichnen, und desjenigen, den wir als den alten Mond bezeichnen.|103|27}}&lt;br /&gt;
{{GS|Dieser alte Mond hatte als planetarische Stufe auch eine Mission. Er hatte noch nicht die Aufgabe, die Liebe auszubilden, er sollte der Planet oder der Kosmos der Weisheit sein.|103|47}}&lt;br /&gt;
{{GS|Noch auf dem Monde war von dem heutigen Menschen nur vorhanden physischer Leib, Ätherleib und astralischer Leib; kein Ich war darinnen.|103|76}}&lt;br /&gt;
{{GS|Wir haben den alten Mond den «Kosmos der Weisheit» genannt. Dieser alte Mond hatte auf einer gewissen Stufe seiner Entwickelung das nicht, was wir heute Erde, feste Erde nennen.|103|107}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Altindische Einweihung&lt;br /&gt;
{{GS|Da gab es eine Zeit, wo unsere Vorfahren hineinschauten in die geistige Welt […] wo sie in der tieferen geistigen Wirklichkeit drinnen steckten. Oh, könnten wir auch da hinein! So sagten sie sich. Und aus dieser Sehnsucht heraus wurde die altindische Methode der Einweihung geschaffen […] Yoga ist die Methode der altindischen Einweihung.|103|144}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Altindische Kultur [URINDISCHE KULTUR]&lt;br /&gt;
{{GS|Dem uralten Inder, wenn er ganz besonders heilig sein will, ist die Welt der Maja wertlos. Diese physische Welt ist ihm eine Illusion […]|103|145}}&lt;br /&gt;
{{GS|Wir haben darauf hingewiesen, wie diese uralt-indische Kultur dadurch zu charakterisieren ist, daß die Gemüter der Menschen beherrscht waren von Sehnsucht und Erinnerung […] Die Erinnerung bestand darin, daß lebendige Überlieferungen geblieben waren von […] der atlantischen Flut […] eine Art dämmerhaften hellseherischen Zustandes […] durch den er hineinblicken konnte in die geistige Welt […]|103|153}}&lt;br /&gt;
{{GS|In der altindischen Kultur war gegenüber der eigenen Geistigkeit noch eine sonderbare Stimmung. Man sagte: Wollen wir in die geistige Welt eindringen, uns über die Illusion erheben, dann müssen wir uns selbst verlieren in der geistigen Welt, müssen möglichst auslöschen das «Ich-bin» und aufgehen in dem All-Geist, in dem Brahman.|103|157}}&lt;br /&gt;
{{GS|In der ersten Kulturepoche der nachatlantischen Zeit macht der Mensch zuerst seinen Ätherleib zum Ich-Träger, wie er vorher seinen physischen Leib dazu gemacht hatte. Das war die alte indische Kultur.|103|171}}&lt;br /&gt;
{{GS|Das alte Indertum war in einem viel höheren Grade, als man sich denkt, dazu geneigt, nicht die Hände zu regen, sondern in Kontemplation sich zu erheben über das Materielle zu den höheren Welten.|103|172}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alte Mysterien&lt;br /&gt;
{{GS|[…] in den alten Mysterien war der Christus Jesus, das heißt der Christus, der in Zukunft erscheinen sollte in der Welt, nicht etwa eine unbekannte Wesenheit. Und alle Mysterien wiesen hin auf Einen, der da kommen sollte.|103|68}}&lt;br /&gt;
{{GS|Einzelne waren es, die immer schon durch die alten Mysterien wußten von den geistigen Welten.|103|77}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Altpersische Kultur&lt;br /&gt;
{{GS|Das, was nun während der altpersischen Kulturepoche ausgebildet wird, ist der eigentliche Astralleib oder der Empfindungsleib; er ist der Träger der eigentlichen Betätigungskräfte des Menschen.|103|171}}&lt;br /&gt;
{{GS|Die Kultur des alten Persertums besteht darin, daß das Ich in den Empfindungsleib gesenkt wird.|103|172}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anthroposophie&lt;br /&gt;
{{GS|Man würde die heutige Betrachtung mißverstehen, wenn man des Glaubens wäre, Anthroposophie oder Geisteswissenschaft sei in irgendeiner Beziehung eine neue Religion, wolle irgendein neues Religionsbekenntnis an die Stelle eines alten setzen.|104|12}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alter Saturn [PLANETARISCHE VERKÖRPERUNG]&lt;br /&gt;
{{GS|Unser physischer Menschenleib hat seine allererste Anlage erhalten auf dem alten Saturn. Damals […] bildete sich eine von dem heutigen menschlichen Leibe freilich ganz verschiedene erste Anlage des physischen Menschenleibes.|103|28}}&lt;br /&gt;
{{GS|Die einzige Wirklichkeit des Saturn war die, daß er einen anderen Wärmezustand hatte als seine Umgebung. Durch etwas anderes hätte man ihn nicht wahrnehmen können.|103|108}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Altes Testament&lt;br /&gt;
{{GS|Der Bekenner des Alten Testaments sagte noch nicht in seiner Persönlichkeit: Ich bin ein Ich. Er fühlte sich in dem ganzen alten jüdischen Volke und fühlte das «Gruppen-Volks-Ich».|103|58}}&lt;br /&gt;
{{GS|Innerhalb der Bekenner des Alten Testamentes sehen wir im vollsten Sinne noch das ausgedrückt, was wir die Zugehörigkeit zur Gruppenseele als die Grundlage des einzelnen Ichs im Gesamt-Ich nennen können.|103|89}}&lt;br /&gt;
{{GS|Wir haben dann gesehen, wie innerhalb desjenigen Volkes, das die Bekennerschaft des Alten Testamentes bildet, sich ein gewisser Vollkommenheitsgrad dieser Stimmung ausbildete. «Ich und der Vater Abraham sind eins», das heißt, der einzelne fühlte sich geborgen in dem ganzen Zusammenhange bis hinauf zum Vater Abraham.|103|158}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aristoteles&lt;br /&gt;
{{GS|Die Geschichte weist Ihnen nach, daß der eigentliche Begründer der Logik Aristoteles ist.|103|173}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Äschylos&lt;br /&gt;
{{GS|Bei Äschylos klingt es in der Dramatik noch nach, wie der Mensch seine eigene Individualität künstlerisch verwerten will. Er tritt selbst in den physischen Plan hinaus und schafft ein Abbild seiner selbst.|103|150}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Assyrisch-babylonisch-chaldäisch-ägyptische Kultur [DRITTE KULTUEPOCHE]&lt;br /&gt;
{{GS|So hat der Mensch der dritten Kulturepoche hineingearbeitet in die Materie den Geist, durchdrungen die äußere Welt mit dem Geist.|103|148}}&lt;br /&gt;
{{GS|Wenig ist in der ägyptisch-chaldäischassyrisch-babylonischen Zeit von dem im Menschen schon vorhanden, was man innerliche Persönlichkeits- und Verstandeskultur nennen könnte.|103|172}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Astralleib&lt;br /&gt;
{{GS|Bei jedem Menschen ist der astralische Leib so, daß er Manas oder Geistselbst enthält; das ist ein Werk des Ich, ein Produkt der Arbeit des Ich.|103|34}}&lt;br /&gt;
{{GS|Und der Astralleib des Menschen, haben wir gesagt, bestehe aus zwei Teilen, aus dem Teile, den der Mensch schon beherrscht, und dem, den er noch nicht beherrscht.|103|36}}&lt;br /&gt;
{{GS|Was ist der astralische Leib? Er erscheint ja dem hellseherischen Bewußtsein auch heute als eine Aura, die den Menschen umgibt. Er ist ein Lichtleib.|103|39}}&lt;br /&gt;
{{GS|Das Ich ist berufen dazu, den astralischen Leib nach und nach zu läutern, zu reinigen, auf eine höhere Stufe zu heben. Wenn der ganze astralische Leib durchläutert, durchkraftet sein wird mit der eigenen Kraft des Ich, wird er sein das Geistselbst oder Manas.|103|127}}&lt;br /&gt;
{{GS|Er [Mensch] hat in alten Zeiten unbewußt bearbeitet seinen astralischen Leib, und es ist der astralische Leib dadurch durchsetzt mit der Empfindungsseele.|103|128}}&lt;br /&gt;
{{GS|Das, was nun während der altpersischen Kulturepoche ausgebildet wird, ist der eigentliche Astralleib oder der Empfindungsleib; er ist der Träger der eigentlichen Betätigungskräfte des Menschen.|103|171}}&lt;br /&gt;
{{GS|Das ist der eigentlich empfindende und denkende Teil des Menschen, und der physische Leib und auch das, was im Ätherleib ist, sind nur seine Vermittler, die Instrumente.|99|35}}&lt;br /&gt;
{{GS|In diesen Astralleib sind hineingezeichnet eine Unsumme von verschiedenerlei Figuren, alle möglichen Arten von Linien und Strahlen, manche blitzartig, manche in sonderbaren Windungen.|104|52}}&lt;br /&gt;
{{GS|Der astralische Leib ist der Ausdruck seiner Leidenschaften, seiner Instinkte, Triebe und Begierden, aber auch aller seiner Gedanken und Vorstellungen.|104|52}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Astrologie&lt;br /&gt;
{{GS|So entsteht jene wunderbare Sternenkunde, die die Menschen heute kaum mehr kennen. Denn was man heute als Astrologie kennt, ist durch ein Mißverstehen der Tatsachen entstanden.|104|72}}&lt;br /&gt;
{{GS|Tiefe Weisheit in der Sternenschrift ist es, was dem alten Chaldäerpriester als Astrologie geoffenbart wurde, als die Geheimnisse dessen, was er mit Augen sah. Das betrachtete er als Offenbarung eines Inneren, Durchgeistigten.|104|72}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ätherleib&lt;br /&gt;
{{GS|[…] dass der Ätherlieb beim Manne weiblich und beim Weibe männlich ist […] Die Kräfte, die den Ätherleib zusammenhalten, finden wir […] in der Welt des Rupa-Devachan […]|99|27}}&lt;br /&gt;
{{GS|Erst als der Saturn sich in die Sonne verwandelte, also während der zweiten Verkörperung unseres Erdplaneten, kam zu diesem physischen Leib der Ätherleib hinzu, durchtränkte, imprägnierte ihn.|103|28}}&lt;br /&gt;
{{GS|Nachdem sich unmittelbar nach dem Tode Ätherleib, astralischer Leib und Ich von dem physischen Leibe getrennt haben, geht nach einiger Zeit auch der Ätherleib aus der Verbindung mit dem astralischen Leibe und dem Ich heraus und löst sich auf im Weltenäther.|103|29}}&lt;br /&gt;
{{GS|[…] soviel von seinem Ätherleibe umgestaltet ist zu einem Produkt des Ich, nennen wir dies die Buddhi oder den Lebensgeist.|103|34}}&lt;br /&gt;
{{GS|Auch was er im Ätherleib hat, kann er noch nicht beherrschen; das wird er erst beherrschen können, wenn die Erde im Venuszustande sein wird.|103|36}}&lt;br /&gt;
{{GS|Treulos verlassen Sie alle jede Nacht Ihren physischen Leib und Ihren Ätherleib. Daraus werden Sie erkennen, daß die Geisteswissenschaft mit einem gewissen Recht darauf hinweist, daß göttlich-geistige Mächte und Kräfte in der Nacht diesen physischen Leib, diesen Ätherleib durchströmen […]|103|87}}&lt;br /&gt;
{{GS|[…] diejenigen Mächte, die auf den Ätherleib wirken, sind in den niederen himmlischen Sphären zu Hause.|103|88}}&lt;br /&gt;
{{GS|Unbewußt hat das Ich hineingearbeitet in den Ätherleib, und dieser unbewußt umgeformte Ätherleib ist dasjenige, was Sie in einem systematischen Zusammenhange in der «Theosophie» geschildert finden als Verstandesseele.|103|128}}&lt;br /&gt;
{{GS|Beim heutigen Menschen findet man hellseherisch das, was Ätherkopf ist, ungefähr in Form und Größe mit dem physischen Kopfe übereinstimmend.|103|137}}&lt;br /&gt;
{{GS|In der ersten Kulturepoche der nachatlantischen Zeit macht der Mensch zuerst seinen Ätherleib zum Ich-Träger, wie er vorher seinen physischen Leib dazu gemacht hatte. Das war die alte indische Kultur.|103|171}}&lt;br /&gt;
{{GS|Das, was nun während der altpersischen Kulturepoche ausgebildet wird, ist der eigentliche Astralleib oder der Empfindungsleib; er ist der Träger der eigentlichen Betätigungskräfte des Menschen.|103|171}}&lt;br /&gt;
{{GS|Nun aber kommt etwas anderes in Betracht, das ist, daß dann, wenn diese Katharsis eingetreten ist, wenn im astralischen Leibe ausgebildet sind die astralen Sinnesorgane, das Ganze abgedrückt werden muß im Ätherleibe.|103|196}}&lt;br /&gt;
{{GS|So sehen wir, daß wir in dem Ätherleib und physischen Leib der Pflanze etwas vor uns haben, was imstande ist, mit inneren Heilkräften zu antworten auf äußere Schädigungen.|120|62}}&lt;br /&gt;
{{GS|[…] wenn der Mensch durch die Pforte des Todes tritt […] wird das Hauptsächlichste des Ätherleibes als ein zweiter Leichnam abgeworfen; es bleibt jedoch ein Extrakt des Ätherleibes zurück, der mitgenommen wird und erhalten bleibt für alle kommenden Zeiten.|120|67}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Atlantis, atlantische Zeit&lt;br /&gt;
{{GS|Damals [lemurische Zeit] hatten Sie nicht diese Gestalt, aber ein solcher Mensch waren Sie: physischer und Ätherleib waren eingehüllt von dem mit dem Ich ausgestatteten Astralleibe. Dieser Zustand dauerte bis hinein in die atlantische Zeit.|103|112}}&lt;br /&gt;
{{GS|[…] dazumal [Atlantis], als der Mensch noch eingebettet war in die göttlich-geistigen Wesenheiten, hatte er in der Nacht ein dämmerhaftes, astralisches Bewußtsein. Wenn er bei Tag untertauchte in seinen flüssigen physischen Leib, da wurde es für ihn Nacht; und wenn er wieder heraus war aus seinem physischen Leibe, da ging ihm das blendende astralische Licht auf.|103|113}}&lt;br /&gt;
{{GS|Im letzten Drittel der atlantischen Zeit wird dann die Menschengestalt immer ähnlicher der heutigen.|103|113}}&lt;br /&gt;
{{GS|Wir haben […] erwähnt, daß unsere Vorfahren in einer weit zurückliegenden Zeit drüben im Westen auf einem Erdgebiete gewohnt haben, das heute eingenommen wird vom Atlantischen Ozeane. Auf der alten Atlantis haben unsere Vorfahren gelebt.|103|136}}&lt;br /&gt;
{{GS|Der alte Atlantier hatte den Ätherkopf mächtig hervorragend über dem physischen Kopfe. Dann wuchsen diese beiden immer mehr zusammen, und es war im letzten Drittel der atlantischen Zeit, als physischer und Ätherkopf zur Deckung kamen.|103|138}}&lt;br /&gt;
{{GS|Wenn Sie durch die alte Atlantis drüben im Westen gegangen wären, hätten Sie eine solche Verteilung von Regen, Nebel, Luft und Sonnenschein, wie Sie es jetzt auf unseren heutigen Ländergebieten haben, nicht erlebt.|103|138}}&lt;br /&gt;
{{GS|[…] in die Gegend des heutigen Tibet. Dahin zog ein verhältnismäßig kleiner, aber namentlich geistig, spirituell sehr weit fortgeschrittener Bruchteil der atlantischen Bevölkerung.|103|139}}&lt;br /&gt;
{{GS|Innerhalb der letzten atlantischen Zeit war es ja so gekommen, daß nach und nach die westlichen Gegenden der Atlantis verschwanden, sich mit Meer bedeckten.|103|140}}&lt;br /&gt;
{{GS|Wenn eine Stadt in Nebel eingehüllt ist und Sie des Abends die Laternen wie mit Farbenauren umgeben sehen, so undeutlich mit Säumen und Farbenstrahlen das gibt Ihnen ein Bild, wie es in dieser Zeit in der Atlantis ausgesehen hat.|103|141}}&lt;br /&gt;
{{GS|Wir haben gesehen, wie in dieser Zeit vor der atlantischen Flut eine so scharfe Trennung noch nicht war zwischen dem Bewußtseinszustand während des Tageslebens und dem Bewußtseinszustand während des Nachtlebens.|103|153}}&lt;br /&gt;
{{GS|Wir haben gesehen, daß eigentlich erst in der späteren atlantischen Zeit die Menschen in die Lage gekommen sind, das Ich oder «Ich-bin» zu empfinden. Denn solange die Menschen die geistigen Bilder sahen, waren sie sich auch klar, daß sie selbst der geistigen Welt angehörten.|103|156}}&lt;br /&gt;
{{GS|Diejenige Menschheitsentwickelung, die der atlantischen Flut vorangegangen ist, also die sich zum großen Teil abgespielt hat auf jenem Kontinente, der da war zwischen dem heutigen Europa und dem heutigen Amerika, der alten Atlantis, diese Menschheitsentwickelung teilen wir auch in sieben aufeinanderfolgende Abschnitte. Für diese sieben Abschnitte gilt noch der Ausdruck «Rassen-Entwickelung».|103|168}}&lt;br /&gt;
{{GS|Die Mission des Atlantiertums war, dem Menschen das Ich einzuimpfen, einzuprägen; und diese Mission geht dann über die atlantische Flut, die man als Sintflut beschreibt, hinüber in unsere Zeit.|103|170}}&lt;br /&gt;
{{GS|Deshalb sprechen wir auch von Kulturzeitaltern im Gegensatz zu Rassen. Alles das, was etwa verknüpft ist mit dem Rassenbegriff, ist noch Überbleibsel des Zeitraumes, der dem unseren vorangegangen ist, des atlantischen. Wir leben im Zeitraum der Kulturepochen.|104|69}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Atman [Geistesmensch]&lt;br /&gt;
{{GS|[…] soviel er [Mensch] am physischen Leib vom Ich aus umgestaltet, nennen wir dies Atman oder den Geistesmenschen.|103|34}}&lt;br /&gt;
{{GS|Am Ende der Erdenlaufbahn ist der Mensch durchdrungen von seinem Ich; und dieses sein Ich wohnt selber in dem Astralleib, wenn es als Manas oder Geistselbst den astralischen Leib durchzogen hat. Dieses Ich hat dann den Ätherleib durchzogen, er ist ganz und gar durchsetzt von der Buddhi oder dem Lebensgeiste; und der physische Leib ist ganz und gar durchzogen von Atman oder dem Geistesmenschen, den Produkten des Ich.|103|35}}&lt;br /&gt;
{{GS|Wenn der physische Leib ganz und gar überwunden, besiegt sein wird vom Ich, wird er sein Atma oder der Geistesmensch.|103|127}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufmerksamkeit&lt;br /&gt;
{{GS|[…] die Aufmerksamkeit der Seele auf gewisse Vorgänge in der uns umgebenden Welt zu lenken. Solche Vorgänge sind das sprießende, wachsende und gedeihende Leben einerseits, und alle Erscheinungen, die mit Verblühen, Verwelken, Absterben zusammenhängen, andererseits.|10|43}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auge&lt;br /&gt;
{{GS|Dieser wundervolle Bau des menschlichen Auges, dieser wunderbare Apparat des menschlichen Ohres, alles das hat erst heute seine Vollkommenheit erlangt, weil es aus der Saturnmasse herausgebildet wurde, und Ätherleib, Astralleib und Ich daran gearbeitet haben.|99|90}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Artikel unten}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>ElkeJura</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://steiner.wiki/index.php?title=GA_120&amp;diff=11279</id>
		<title>GA 120</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://steiner.wiki/index.php?title=GA_120&amp;diff=11279"/>
		<updated>2025-08-13T19:36:09Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;ElkeJura: /* ERSTER VORTRAG Hamburg, 16. Mai 1910 */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Artikel oben}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:GA120.jpg|thumb|{{RSV|120}}]]&lt;br /&gt;
__NOTOC__&lt;br /&gt;
&amp;lt;div class=&amp;quot;center&amp;quot; &amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;h3&amp;gt;RUDOLF STEINER&amp;lt;/h3&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;h3&amp;gt;VORTRÄGE&amp;lt;/h3&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;h4&amp;gt;VORTRÄGE VOR MITGLIEDERN&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
DER ANTHROPOSOPHISCHEN GESELLSCHAFT&amp;lt;/h4&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;h3&amp;gt;Die Offenbarungen&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
des Karma&amp;lt;/h3&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;h5&amp;gt;Ein Zyklus von elf Vorträgen&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
gehalten in Hamburg&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
zwischen dem 16. und 28. Mai 1910&amp;lt;/h5&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;h3&amp;gt;GA 120&amp;lt;/h3&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;h3&amp;gt;1992&amp;lt;/h3&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Inhaltsverzeichnis =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[GA 120#ERSTER VORTRAG Hamburg, 16. Mai 1910|ERSTER VORTRAG Hamburg, 16. Mai 1910]]&lt;br /&gt;
* [[GA 120#ZWEITER VORTRAG Hamburg, 17. Mai 1910|ZWEITER VORTRAG Hamburg, 17. Mai 1910]]&lt;br /&gt;
* [[GA 120#DRITTER VORTRAG Hamburg, 18. Mai 1910|DRITTER VORTRAG Hamburg, 18. Mai 1910]]&lt;br /&gt;
* [[GA 120#VIERTER VORTRAG Hamburg, 19. Mai 1910|VIERTER VORTRAG Hamburg, 19. Mai 1910]]&lt;br /&gt;
* [[GA 120#FÜNFTER VORTRAG Hamburg, 20. Mai 1910|FÜNFTER VORTRAG Hamburg, 20. Mai 1910]]&lt;br /&gt;
* [[GA 120#SECHSTER VORTRAG Hamburg, 21. Mai 1910|SECHSTER VORTRAG Hamburg, 21. Mai 1910]]&lt;br /&gt;
* [[GA 120#SIEBENTER VORTRAG Hamburg, 22. Mai 1910|SIEBENTER VORTRAG Hamburg, 22. Mai 1910]]&lt;br /&gt;
* [[GA 120#ACHTER VORTRAG Hamburg, 25. Mai 1910|ACHTER VORTRAG Hamburg, 25. Mai 1910]]&lt;br /&gt;
* [[GA 120#NEUNTER VORTRAG Hamburg, 26. Mai 1910|NEUNTER VORTRAG Hamburg, 26. Mai 1910]]&lt;br /&gt;
* [[GA 120#ZEHNTER VORTRAG Hamburg, 27. Mai 1910|ZEHNTER VORTRAG Hamburg, 27. Mai 1910]]&lt;br /&gt;
* [[GA 120#ELFTER VORTRAG Hamburg, 28. Mai 1910|ELFTER VORTRAG Hamburg, 28. Mai 1910]]&lt;br /&gt;
* [[GA 120#EINLADUNG ZUM VORTRAGSZYKLUS|EINLADUNG ZUM VORTRAGSZYKLUS]]&lt;br /&gt;
* [[GA 120#HINWEISE|HINWEISE]]&lt;br /&gt;
* [[GA 120#NAMENREGISTER|NAMENREGISTER]]&lt;br /&gt;
* [[GA 120#Literatur|Literatur]]&lt;br /&gt;
* [[GA 120#Glossar|Glossar]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|9}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= ERSTER VORTRAG Hamburg, 16. Mai 1910 =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Zyklus von Vorträgen soll Fragen behandeln aus dem Gebiete der Geisteswissenschaft, die tief in das Leben einschneidend sind. Aus den verschiedenen Darstellungen, die im Laufe der Zeit gegeben wor den sind, ist es uns ja geläufig, daß Geisteswissenschaft nicht eine ab strakte Theorie sein soll, nicht eine bloße Doktrin oder Lehre, sondern ein Quell für Leben und Lebenstüchtigkeit, und sie erfüllt erst dann ihre Aufgabe, wenn durch das, was sie an Erkenntnissen zu geben vermag, etwas hineinfließt in unsere Seelen, was das Leben reicher, verständlicher, was unsere Seelen tüchtiger und tatkräftiger machen kann. Wenn sich nun allerdings derjenige, der sich zu dieser unserer Weltanschauung bekennt, jenes Ideal, das eben mit ein paar Worten gekennzeichnet worden ist, vorhält und in der Gegenwart dann ein wenig Umschau hält, inwiefern er imstande ist, das, was ihm aus der Theosophie erfließt, in diesem Leben umzusetzen, dann könnte er vielleicht zu einem recht wenig erfreulichen Eindruck kommen. Denn wenn man unbefangen alles betrachtet, was heute die Welt meint zu «wissen», was in unserer Gegenwart die Menschen zu diesen oder jenen Gefühlen oder Handlungen treibt, so könnte man sagen, daß dies alles von den theosophischen Ideen und Idealen so unendlich weit verschieden ist, daß der Theosoph gar keine Möglichkeit habe, unmittelbar in das Leben einzugreifen mit dem, was er aus den Quellen der Geisteswissenschaft heraus sich aneignet.- Das wäre aber dennoch eine recht oberflächliche Betrachtung der Sachlage, oberflächlich aus dem Grunde, weil bei einer solchen Betrachtung nicht gerechnet würde mit dem, was wir aus unserer Weltanschauung selber dadurch entnehmen müssen, daß wir uns sagen: Wenn einmal wirklich jene Kräfte, die wir durch Theosophie aufnehmen, stark genug sein werden, dann werden sie auch die MögIichkeit finden, in die Welt einzugreifen; wenn aber niemals etwas dazu getan würde, diese Kräfte immer stärker und stärker zu machen, so würde eben ihr Eingreifen in die Welt unmöglich sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber es ist noch etwas anderes, was uns sozusagen Trost geben kann,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|10}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
selbst wenn wir durch eine solche Betrachtung trostlos werden möchten, und das ist es gerade, was uns aus den Betrachtungen dieses Vortragszyklus folgen soll: Betrachtungen über das, was man menschliches Karma und Karma überhaupt nennt. Denn wir werden mit jeder Stunde, die wir hier verbringen, mehr sehen, wie wir gar nicht genug tun können an der Herbeiführung der Möglichkeit, mit theosophischen Kräften in das Leben einzugreifen, und wie wir, wenn wir ernsthaft an Karma glauben und festhalten, voraussetzen müssen, daß uns Karma selber dasjenige zuwerfen wird, was wir über kurz oder lang zu tun haben werden für unsere Kräfte. Wir werden sehen: Wenn wir vermeinen, wir könnten die aus unsererWeltanschauung gewonnenen Kräfte noch nicht anwenden, dann haben wir eben diese Kräfte noch nicht genügend stark gemacht, damit sie bewirken können, daß Karma es uns auch ermögliche, in die Welt mit diesen Kräften einzugreifen. So soll nicht nur eine Summe von Erkenntnissen über Karma in diesen Vorträgen leben, sondern es soll mit jeder Stunde mehr das Vertrauen in Karma geweckt werden, die Gewißheit, daß, wenn die Zeit gekommen sein wird, ob es nun morgen oder übermorgen oder nach vielen Jahren sein wird, unser Karma uns Aufgaben bringen wird, insofern wir als Bekenner unserer Weltanschauung Aufgaben zu verrichten haben. Karma wird sich uns darstellen als eine Lehre, welche uns nicht nur sagt, wie dieses oder jenes in der Welt sich verhält, sondern welche mit den Aufschlüssen, die sie uns bringt, zu gleicher Zeit uns Lebensbefriedigung und Lebenserhöhung bringen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Allerdings, wenn Karma eine solche Aufgabe erfüllen soll, ist es schon notwendig, daß wir das damit gemeinte Gesetz etwas tiefer ins Auge fassen, sozusagen in seiner Ausbreitung über die Welt. Dazu ist aber diesmal etwas notwendig, was sonst nicht eigentlich in meinem Gebrauche liegt bei geisteswissenschaftlichen Betrachtungen, nämlich eine Definition, eineWorterklärung zu geben. Ich pflege das sonst nicht zu tun, weil mit solchen Worterklärungen in der Regel nicht viel getan ist. Bei unseren Betrachtungen wird in der Regel begonnen mit der Darstellung von Tatsachen, und wenn diese Tatsachen in der entsprechenden Weise gruppiert und geordnet sind, ergeben sich die Begriffe und Vorstellungen von selbst. Wollten wir nun allerdings für die umfassenden &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|11}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fragen, die wir in den nächsten Tagen zu besprechen haben, einen ähnlichen Gang einschlagen, so müßten wir viel mehr Zeit zur Verfügung haben, als uns geboten ist. Deshalb ist es diesmal zur Verständigung notwendig, daß wir, wenn auch nicht eine Definition, so doch eine Art Beschreibung des Begriffes geben, der uns längere Zeit beschäftigen wird. Definitionen haben ja auch nur den Zweck, sich darüber zu verständigen, was man meint, wenn man dieses oder jenes Wort anschlägt oder ausspricht. In diesem Stile soll eine Beschreibung des Begriffes «Karma» gegeben werden, damit wir wissen, wovon wir sprechen, wenn in diesen Vorträgen der Ausdruck «Karma» gebraucht wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus mancherlei Betrachtungen hat wohl ein jeder von uns sich schon einen Begriff gebildet von dem, was Karma ist. Ein recht abstrakter Begriff von Karma ist wohl der, wenn man Karma das «geistige Ursachengesetz» nennt, das Gesetz, wonach auf gewisse Ursachen, die im geistigen Leben liegen, gewisse Wirkungen folgen. Das ist aber ein zu abstrakter Begriff von Karma, weil er zum Teil zu eng, zum Teil aber auch viel zu weit sein würde. Wenn wir Karma überhaupt auffassen wollen als ein Ursachengesetz, so stellen wir es zusammen mit dem, was wir sonst in der Welt als das Gesetz der Kausalität, als das Gesetz von Ursache und Wirkung bezeichnen. Verständigen wir uns einmal darüber, was wir sonst unter dem Ursachengesetz auf dem allgemeinen Gebiete verstehen, wo wir noch nicht von geistigen Tatsachen und geistigen Ereignissen sprechen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es wird heute so oft von der äußeren Wissenschaft betont, daß die eigentliche Bedeutung dieser Wissenschaft darinnen liege, daß sie baue auf das umfassende Ursachengesetz, daß sie überall Wirkungen auf entsprechende Ursachen zu rück führe. Wie dieses Zurückführen von Wirkungen auf Ursachen geschieht, darüber sind sich allerdings die Menschen schon viel weniger klar. Denn Sie werden wohl auch heute noch in Büchern, die da glauben, recht gelehrt zu sein und recht philosophisch die Begriffe klarzulegen, immer noch Aussprüche finden können wie etwa den: Eine Wirkung ist dasjenige, was aus einer Ursache folgt. - Wenn man aber sagt, daß eine Wirkung aus einer Ursache folge, dann redet man an den Tatsachen ganz gewaltig vorbei. Denn wenn wir zum Beispiel den erwärmenden Sonnenstrahl betrachten, der auf eine Metallplatte &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|12}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
auffällt, so daß diese Metallplatte dadurch wärmer geworden ist, dann werden wir von Ursache und Wirkung in der Welt draußen reden. Aber werden wir jemals sagen können, daß die Wirkung - die Erwärmung der Metallplatte - aus der Ursache des warmen Sonnenstrahles folge? Wenn der warme Sonnenstrahl diese Wirkung schon in sich hätte, so würde es die Tatsache nicht geben, da der warme Sonnenstrahl eine Metallplatte gar nicht erwärmt, wenn sie ihm nicht entgegenkommt. Damit in der Welt der Erscheinungen, in der leblosen Welt, die wir zunächst um uns herum haben, eine Wirkung auf eine Ursache folge, ist stets notwendig, daß dieser Ursache etwas entgegenkommt. Und ohne daß etwas der Ursache entgegenkommt, ist niemals von dem Folgen einer Wirkung auf eine Ursache zu sprechen. - Es ist nicht überflüssig, daß wir eine solche scheinbar recht philosophisch und abstrakt klingende Bemerkung vorausschicken; denn man muß sich schon einmal angewöhnen, wenn man fruchtbar vorwärtskommen will auf theosophischem Gebiete, die Begriffe recht genau zu fassen und nicht so nachlässig, wie sie zuweilen in den andern Wissenschaften gefaßt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun aber dürfte niemand von Karma sprechen, wenn bloß in einer solchen Weise eine Wirkung eintreten würde, wie sie vorhanden ist, wenn der wärmende Sonnenstrahl eine Metallplatte erwärmt. Da ist zwar die Kausalität vorhanden, der Zusammenhang von Ursache und Wirkung, aber wir würden niemals zu einem gehörigen Begriff von Karma kommen,wenn wir nur auf diesem Gebiete von Karma sprechen würden. Wir können also nicht von Karma sprechen, wenn bloß eine Wirkung mit einer Ursache in Zusammenhang steht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir können nun weitergehen und uns einen etwas höheren Begriff von dem Zusammenhang zwischen Ursache und Wirkung bilden. Wenn wir zum Beispiel einen Bogen haben, ihn spannen und dann mit diesem Bogen einen Pfeil abschießen, dann ist durch das Spannen des Bogens eine Wirkung eingetreten. Diese Wirkung des abgeschossenen Pfeiles im Zusammenhang mit seiner Ursache werden wir ebensowenig mit dem Ausdruck «Karma» belegen dürfen wie das, was eben gesagt worden ist. Wenn wir aber bei diesem Vorgang etwas anderes betrachten, kommen wir in gewisser Weise schon dem Karma nahe, wenn wir auch &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|13}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dabei noch immer nicht den Karmabegriff fassen: wenn wir nämlich bedenken, daß der Bogen, wenn er recht oft gespannt wird, mit der Zeit schlaff wird. Da wird durch das, was der Bogen tut, was` mit ihm geschieht&amp;gt; nicht bloß eine Wirkung folgen, die sich nach außen hin zeigt, sondern es wird eine Wirkung folgen, die auf den Bogen selber zurück- geht. Es geschieht durch das fortwährende Spannen des Bogens etwas mit dem Bogen selbst. Etwas, das durch das Spannen geschieht, fällt also sozusagen wieder auf den Bogen selbst zurück. Eine Wirkung wird also erzielt, welche auf den Gegenstand zurück fällt, von dem diese Wirkung selbst veranlaßt worden ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das gehört nun schon in den Karmabegriff hinein. Ohne daß eine Wirkung erzeugt wird, die wieder zurückfällt auf das Ding oder die Wesenheit, welche diese Wirkung hervorbringt, ohne diese Eigentümlichkeit des Zurückwirkens der Wirkung auf das verursachende Wesen ist der Karmabegriff nicht zu denken. Da kommen wir also dem Karmabegriff schon insofern etwas näher, als uns klar wird, daß die von einem Ding oder Wesen verursachte Wirkung wieder zurückschlagen muß auf dieses Ding oder Wesen selber. Aber dennoch dürfen wir das Schlaffwerden des Bogens durch das fortwährende Spannen nicht das Karma des Bogens nennen, und zwar aus folgendem Grunde nicht: Wenn wir den Bogen etwa drei bis vier Wochen recht oft gespannt haben, und er ist nach vier Wochen schlaff geworden, dann haben wir in dem schlaffen Bogen eigentlich etwas ganz anderes vor uns, als vor vier Wochen in dem straffen Bogen; der Bogen ist etwas anderes geworden, er ist nicht dasselbe geblieben. Wenn also die zurückschlagende Wirkung so ist, daß sie durchaus etwas anderes aus dem Ding oder Wesen macht, dann dürfen wir doch noch nicht von einem Karma sprechen. Wir dürfen erst von einem Karma sprechen, wenn die Wirkung, die auf das Wesen zurückschlägt, beim Zurückschlagen auf dasselbe Wesen trifft, oder wenn das Wesen wenigstens in einem gewissen Sinne dasselbe geblieben ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So also sind wir dem Karmabegriff wieder um ein Stück nähergekommen. Aber wir bekommen, wenn wir den Karmabegriff so beschreiben wollen, im Grunde genommen von ihm doch nur eine recht ab- strakte Vorstellung. Dennoch werden wir diesen Begriff, wenn wir ihn &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|14}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
abstrakt fassen wollen, kaum genauer fassen können, als wenn wir ihn in der Weise ausdrücken, wie wir es eben jetzt getan haben. Nur das eine müssen wir zum Karmabegriff noch hinzufügen: Wenn die Wirkung, die auf das Wesen zurückschlägt, in demselben Zeitpunkte erfolgt, wenn also Verursachung und zurückschlagende Wirkung in demselben Zeitpunkte stattfinden, dann werden wir kaum von Karma sprechen können. Denn in diesem Falle würde das Wesen, von dem die Wirkung ausgeht, im Grunde genommen die Wirkung unmittelbar hervorbringen wollen, würde also diese Wirkung voraussetzen, würde durchschauen alle Elemente, die zu dieser Wirkung führen. Wenn das&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der Fall ist, sprechen wir doch nicht von Karma. So zum Beispiel werden wir nicht von Karma sprechen, wenn wir einen Menschen vor uns haben, der eine bestimmte Tat vollbringt, mit der er dieses oder jenes beabsichtigt, und wenn dann - gemäß seiner Absicht - diese oder jene Wirkung, die er eben gewollt hat, eintritt. Das heißt, es muß zwischen der Ursache und der Wirkung etwas liegen, was sich dem Wesen bei der Herbeiführung der Ursache unmittelbar entzieht, so daß der Zusammenhang von Ursache und Wirkung zwar vorhanden ist, aber nicht eigentlich von dem Wesen selber beabsichtigt ist. Wenn dieser Zusammenhang von dem Wesen, das verursacht, nicht beabsichtigt ist, dann muß der Grund, warum ein Zusammenhang besteht zwischen Ursache und Wirkung, woanders liegen als in den Absichten des betreffenden Wesens. Das heißt, es muß dieser Grund liegen in einer bestimmten Gesetzmäßigkeit. Das gehört also noch zum Karma dazu, daß der Zusammenhang zwischen Ursache und Wirkung ein gesetzmäßiger ist, der hinübergeht über das, was das Wesen unmittelbar beabsichtigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So hätten wir einige Elemente zusammengetragen, welche uns den Karmabegriff erläutern können. Aber wir müssen alle diese Elemente in dem Karmabegriff darinnen haben und nicht bei einer abstrakten Definition stehenbleiben. Denn sonst werden wir nicht die Offenbarungen des Karma auf den verschiedenen Gebieten der Welt begreifen können. Diese Offenbarungen des Karma werden wir nun zuerst dort aufzusuchen haben, wo uns Karma zunächst entgegentritt: im einzelnen Menschenleben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Können wir im einzelnen Menschenleben so etwas finden und wann&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|15}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
können wir es finden, was wir jetzt eben durch unsere Erläuterung des Karmabegriffes dargestellt haben?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir würden so etwas finden, wenn zum Beispiel ein Erlebnis in unser Leben hineinträte, bei dem wir uns sagen könnten: Dieses Erlebnis, das da für uns auftritt, steht in einem gewissen Zusammenhange mit einem früheren Erlebnis, an dem wir selber beteiligt sind, zu dem wir selber Veranlassung gegeben haben. Versuchen wir einmal - zunächst rein durch Beobachtung des Lebens - festzustellen, ob es so etwas gibt. Wir wollen uns jetzt also rein auf den Standpunkt der äußeren Beobachtung stellen. Wer solche Beobachtungen nicht anstellt, kann auch nie zum Erkennen eines gesetzmäßigen Zusammenhanges im Leben kommen; er kann es ebensowenig, wie derjenige das Gesetz des elastischen Stoßes an zwei Billardkugeln kennenlernen kann, der diesen Stoß nicht beobachten wird. Beobachtung des Lebens kann uns in der Tat zu der Anschauung eines gesetzmäßigen Zusammenhanges führen. Greifen wir dazu gleich einen bestimmten Zusammenhang heraus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sagen wir, ein junger Mensch wäre im achtzehnten Jahre seines Lebens aus dem Berufe, der ihm bis dahin vorgezeichnet zu sein schien, durch irgendein Ereignis herausgewöorfen worden. Nehmen wir an, dieser Mensch hätte bis dahin ein Studium betrieben, hätte sich durch das Studium vorbereitet zu einem Berufe, wie er aus solchem Studium hervorgehen kann, und nun wäre er, zum Beispiel durch einen Unglücksfall seiner Eltern, daraus herausgeworfen worden und mit achtzehn Jahren in den Kaufmannsberuf hineingetrieben worden. Wer solche Fälle unbefangen im Leben beobachtet - mit einem solchen Blick, wie man in der Physik die Erscheinung des Stoßes elastischer Kugeln betrachtet -, der wird dann zum Beispiel finden, daß die Erlebnisse des Kaufmannsberufes, in den der junge Mensch hineingetrieben worden ist, zunächst anregend wirken, daß er darin seine Pflichten ausführt, etwas lernt, vielleicht auch etwas ganz Tüchtiges wird. Aber man kann auch beobachten, daß nach einiger Zeit etwas ganz anderes auch eintritt: ein gewisser Überdruß, eine gewisse Unzufriedenheit. Nicht gleich wird eine solche Unzufriedenheit eintreten. Wenn mit achtzehn Jahren sich der Berufswechsel vollzogen hat, werden vielleicht die nächsten Jahre ruhig vorübergehen. Aber vielleicht um das dreiundzwanzigste &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|16}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jahr herum wird es deutlich werden, daß sich etwas in der Seele festsetzt, was sich wie etwas Unerklärliches zeigt. Wenn man dann weiter nachforscht, kann man häufig bemerken, wenn der Fall klarliegt, daß der Überdruß fünf Jahre nach dem Berufswechsel seine Erklärung findet durch das dreizehnte oder vierzehnte Jahr. Denn die Ursachen für eine solche Erscheinung werden wir sehr häufig zu suchen haben ungefähr eine ebensolche Zeitspanne vor dem Berufswechsel, wie nach demselben ein Ereignis eingetreten ist, wie wir es eben beschrieben haben. Da kann der betreffende Mensch in seinem dreizehnten Jahre während seiner Lernzeit - also fünf Jahre vor seinem Berufswechsel - etwas in seine Gefühlswelt aufgenommen haben, was ihm eine gewisse innere Beseligung gewährte. Nehmen wir an, der Berufswechsel wäre nicht eingetreten; dann würde das, woran sich der junge Mensch im dreizehnten Jahre gewöhnt hatte, im späteren Leben sich ausgelebt und diese oder jene Frucht getragen haben. Nun kam aber der Berufswechsei, der zunächst den jungen Menschen interessiert hat, der seine Seele eingenommen hat. Was dadurch in sein Seelenleben gekommen ist, das hat zurückgedrängt, was früher darinnen war. Eine gewisse Zeit hindurch kann das zurückgedrängt werden, aber indem es zurückgedrängt wird, gewinnt es gerade im Inneren eine besondere Kraft; da sammelt es sozusagen Spannkraft im Inneren an. Da ist es ähnlich, wie wenn wir einen elastischen Ball zusammendrücken: Wir können ihn bis zu einer gewissen Grenze drücken, dann leistet er Widerstand; und wenn er zum Zurückschnellen veranlaßt wird, wird er mit einer um so größeren Kraft zurückschnellen, je mehr wir ihn vorher zusammengedrückt haben. Solche Erlebnisse, wie die eben angedeuteten, die ein junger Mensch aufgenommen hat im dreizehnten Jahre seines Lebens und welche sich dann bis zum Berufswechsel befestigt haben, können auch in gewisser Weise zurückgedrängt werden; dann aber macht sich nach einiger Zeit ein Widerstand in der Seele geltend. Und dann kann man sehen, wie dieser Widerstand stark genug geworden ist, um sich nun in seiner Wirkung zu zeigen. Weil der Seele das fehlt, was sie sonst haben würde, wenn der Berufswechsel nicht gekommen wäre, macht sich das Zurückgedrängte geltend und kommt jetzt so zum Vorschein, daß Unbefriedigung, Überdruß an dem, was die Umgebung bietet, eintritt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|17}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da also haben wir einen Fall, wo der betreffende Mensch etwas er- lebt hat, etwas getan hat in seinem dreizehnten bis vierzehnten Lebens jahre, und wo er später etwas anderes getan hat, nämlich den Berufs wechsel vollzogen hat, und wir sehen, wie diese Ursachen so sich aus- leben, daß sie in ihrer Wirkung später zurückfallen, zurückschlagen auf dasselbe Wesen. In einem solchen Falle würden wir den Karma begriff zunächst auf das Einzelleben des Menschen anwenden müssen. -&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man sollte aber nun nicht dagegen einwenden: Wir haben aber Fälle kennengelernt, wo sich so etwas ganz und gar nicht zeigte! - Das kann sein. Aber es wird auch keinem Physiker einfallen, wenn er die Gesetze des fallenden Steines untersuchen will, der mit dieser oder jener Geschwindigkeit fällt, daß er sich sagen müßte, das Gesetz wäre nicht richtig, wenn der Stein etwa durch einen Schlag aus seiner Richtung geschleudert würde. Man muß lernen, in der richtigen Weise zu beobachten, und diejenigen Erscheinungen ausschließen, welche nicht zur Bildung des Gesetzes gehören. Gewiß würde ein solcher Mensch, der, wenn nichts anderes eintreten würde, mit dreiundzwanzig Jahren die Eindrücke seines dreizehnten Jahres in ihrer Wirkung als Überdruß empfindet, zu diesem Überdruß nicht kommen, wenn er zum Beispiel in der Zwischenzeit geheiratet hätte. Aber da hätten wir es mit etwas zu tun, was für die Feststellung des Grundgesetzes ohne Einfluß ist. Darauf aber kommt es an, daß wir die richtigen Faktoren finden, die uns auf ein Gesetz führen können. Beobachtung an sich ist noch gar nichts; erst geregelte Beobachtung bringt uns zur Erkenntnis des Gesetzes. Nun handelt es sich aber auch darum, solche geregelte Beobachtungen, wenn wir das Gesetz des Karma studieren wollen, in der rechten Weise anzustellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen wir an, um für einen einzelnen Menschen das Karma zu erkennen, jemanden träfe im fünfundzwanzigsten Lebensjahre ein schwerer Schicksalsschlag, der ihm Schmerz und Leid verursacht. Wenn wir nun einfach unsere Beobachtungen so anstellen, daß wir sagen, dieser schwere Schicksalsschlag ist eben in das Leben hereingebrochen und hat es mit Schmerz und Leid erfüllt, wenn wir also bei der bloßen Beobachtung stehenbleiben, werden wir nie zum Erkennen des karmischen Zusammenhanges kommen. Wenn wir aber weiterschreiten und das &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|18}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Leben eines solchen Menschen, der im fünfundzwanzigsten Jahre einen derartigen Schicksalsschlag erlebt hat, in seinem fünfzigsten Jahre betrachten, dann werden wir vielleicht zu einer Anschauung kommen, die wir etwa so ausdrücken können: Der Mensch, den wir da betrachten, ist ein Mensch geworden, fleißig und regsam, der tüchtig im Leben da- steht; jetzt schauen wir weiter zurück in sein Leben. Mit zwanzig Jahren - so finden wir dann - war er noch ein Taugenichts und hat überhaupt nichts tun wollen; mit fünfundzwanzig Jahren hat ihn dann der schwere Schicksalsschlag getroffen. Hätte ihn dieser Schlag nicht getroffen - so können wir jetzt sagen -, so wäre er ein Taugenichts geblieben. Also ist der schwere Schicksalsschlag die Ursache dazu gewesen, daß wir im fünfzigsten Jahre einen regsamen und tüchtigen Menschen vor uns haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine solche Tatsache lehrt uns, daß wir fehlgehen, wenn wir den Schicksalsschlag vom fünfundzwanzigsten Jahre als eine bloße Wirkung betrachten. Denn wenn wir fragen: Was hat er verursacht?, können wir nicht bei der bloßen Beobachtung stehenbleiben.Wenn wir aber einen solchen Schlag nicht als Wirkung betrachten und an das Ende der Erscheinungen stellen, die vorausgegangen sind, sondern wenn wir ihn an den Anfang der nachfolgenden Ereignisse stellen und ihn als Ursache betrachten, dann lernen wir erkennen, daß wir allerdings sogar unser Gefühlsurteil, unser Empfindungsurteil ganz wesentlich ändern können gegenüber diesem Schicksalsschlag. Wir werden vielleicht traurig sein, wenn wir ihn bloß als Wirkung betrachten, daß diesen Menschen dieser Schlag getroffen hat. Betrachten wir ihn dagegen als Ursache eines Späteren, dann können wir vielleicht froh sein und Freude darüber empfinden. Denn diesem Schicksalsschlag ist es zu verdanken - so können wir sagen -, daß der Betreffende ein ordentlicher Mensch geworden ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So sehen wir, daß es an unseren Empfindungen etwas Wesentliches ändern kann, je nachdem wir eine Tatsache des Lebens als Wirkung oder als Ursache betrachten. Es ist also nicht gleichgültig, ob wir irgend etwas, was im Leben den Menschen trifft, als bloße Wirkung oder als Ursache betrachten. Freilich, wenn wir in dem Zeitpunkt die Beobachtung anstellen, wo das schmerzliche Ereignis eingetreten ist, können wir &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|19}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
noch nicht die unmittelbare Wirkung wahrnehmen. Wenn wir uns aber das Karmagesetz gebildet haben aus ähnlichen Beobachtungen, dann kann dieses Karmagesetz selber uns sagen: Jetzt ist vielleicht ein Ereignis schmerzlich, weil es uns bloß als Wirkung des Vorhergehenden entgegentritt; aber es kann auch so betrachtet werden, daß es als Ausgangspunkt für ein Folgendes angesehen wird. Dann können wir sagen: Wir ahnen, daß hier der Ausgangspunkt die Ursache ist von Wirkungen, welche die Sache in ein ganz anderes Licht stellen! So kann das Karmagesetz selber der Quell sein einerTröstung. Die Tröstung wäre nicht da, wenn wir uns gewöhnten, ein Ereignis nur an das Ende und nicht an den Anfang einer Erscheinungsreihe zu setzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es kommt also darauf an, daß wir lernen, das Leben geregelt zu beobachten und in entsprechender Weise die Dinge als Wirkung und Ursache zueinander zu stellen. Wenn wir solche Beobachtungen wirklich durchgreifend anstellen, werden uns im einzelnen Menschenleben Ergebnisse zutage treten, die mit einer gewissen Regelmäßigkeit für das einzelne Menschenleben ablaufen, und andere Ergebnisse werden zutage treten, die uns unregelmäßig in diesem Leben erscheinen. So kann der, welcher das Menschenleben beobachtet - und zwar nicht nur so weit, als gerade die Nase reicht -, merkwürdige Zusammenhänge in diesem Menschenleben finden. Nur werden die Erscheinungen des menschlichen Lebens leider heute nur über kurze Zeitspannen, kaum über einige Jahre, beobachtet; und was nach einer größeren Anzahl von Jahren eintritt&amp;gt; das ist man nicht gewohnt, mit dem in Zusammenhang zu bringen, was etwa früher als Ursache vorhanden sein konnte. Daher werden nur wenige Menschen sich heute finden, die Anfang und Ende des Menschenlebens in einen gewissen Zusammenhang bringen. Dennoch ist dieser Zusammenhang außerordentlich lehrreich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen wir an, wir haben ein Kind in den ersten sieben Jahren seines Lebens so erzogen, daß also wir nicht das getan haben, was gewöhnlich geschieht,daß wir nicht von dem Glauben ausgegangen sind: Wenn einer ein ordentlicher Mensch im Leben werden soll, muß er so und so sein, muß unseren Anschauungen von einem ordentlichen Menschen unbedingt entsprechen. Denn in einem solchen Falle würden wir dem Kinde möglichst genau das alles eintrichtern wollen, was es eben in &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|20}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
unserem Sinne zu einem ordentlichen Menschen machen sollte. Wenn wir aber von der Erkenntnis ausgehen, daß man ein ordentlicher Mensch auf vielerlei Arten sein kann und daß man noch gar keine Vorstellung zu haben braucht, auf welche Art der, der als Kind erst heranwächst, ein ordentlicher Mensch werden soll nach seiner individuellen Anlage, dann werden wir sagen: Was ich auch immer für Begriffe von einem ordentlichen Menschen habe, der Mensch, der aus diesem Kinde entstehen soll, muß dadurch entstehen, daß die besten Anlagen aus ihm herausgeholt werden - was ich vielleicht erst als Rätsel lösen muß! Und man wird sich daher sagen: Was kommt es darauf an, daß ich diesen oder jenen Geboten und dergleichen verpflichtet bin? Das Kind selbst muß ein Bedürfnis fühlen, dieses oder jenes zu tun! Wenn ich das Kind nach seinen individuellen Anlagen entwickeln will, werde ich versuchen, diejenigen Bedürfnisse, die in ihm veranlagt sind, zu entwickeln, herauszuholen, so (iaß vor allen Dingen ein Bedürfnis nach den Handlungen eintritt, das Kind also die Handlungen aus eigenem Bedürfnis tut. - Wir sehen daraus, daß es zwei ganz verschiedene Methoden gibt, auf ein Kind in den ersten sieben Jahren seines Lebens zu wirken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir nun das weitere Leben des Kindes beobachten, wird sich uns lange Zeit nicht zeigen, was die ausgesprochenste Wirkung dessen sein wird, was wir in den ersten Jahren auf diese Weise in das Kind hineingebracht haben. In der Lebensbeobachtung ergibt sich nämlich, daß die eigentlichen Wirkungen dessen, was als Ursachen in die kindliche Seele hineingelegt worden ist, am allerspätesten erst eintreten, das heißt am Lebensabend. Der Mensch kann einen in sich regen Geist bis an sein Lebensende dadurch haben, daß wir ihn als Kind in der Weise erzogen haben, wie es jetzt eben beschrieben worden ist: daß wir auf sein Seelenleben, auf alles, was lebendig in ihm sitzt, Rücksicht genommen haben. Wenn wir das herausgeholt und zur Entwickelung gebracht haben, was an inneren Kräften in ihm vorhanden ist, dann werden wir die Früchte am Lebensabend herauskommen sehen in Gestalt eines reichen Seelenlebens. Dagegen in einer verdorrten und verarmten Seele und demgemäß auch - weil, wie wir später sehen werden, eine verdorrte Seele auch auf den Leib wirkt - in den leiblichen Gebresten &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|21}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
des Alters tritt das auf, was wir in der frühesten Kindheit an dem Menschen Unrichtiges getan haben. Da sehen wir etwas, was sich in gewisser Weise regulär, so daß es für jeden Menschen gültig ist, im Menschenleben als Zusammenhang von Ursache und Wirkung darstellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So könnten wir auch für die mittleren Lebensabschnitte solche Zusammenhänge finden, und wir werden darauf noch aufmerksam machen. - Wie wir einen Menschen vom siebenten bis vierzehnten Jahre behandeln, das tritt in seinen Wirkungen wieder im vorletzten Lebensabschnitt hervor. So sehen wir Ursache und Wirkung zyklisch, wie im Kreise, sich abspielen. Was an Ursachen am frühesten vorhanden war, das tritt als Wirkung am spätesten auf. Aber nicht nur solche Wir kungen und Ursachen sind im einzelnen Menschenleben vorhanden, sondern es geht neben dem zyklischen Verlauf ein geradliniger einher.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An unserem Beispiel, wie das dreizehnte Jahr in das dreiundzwan zigste hineinspielen kann, haben wir gesehen, wie Ursache und Wirkung Im Menschenleben so zusammenhängen, daß dasjenige, was der Mensch in sich erlebt hat, Wirkungen nach sich zieht, die dann wieder auf dasselbe Menschenwesen zurückschlagen. So erfüllt sich Karma im einzelnen Menschenleben. Wir werden aber zu einer Erklärung des Menschenlebens nicht kommen, wenn wir Zusammenhänge zwischen Ursache und Wirkung nur in diesem einzelnen Menschenleben suchen. Wie der Gedanke, der jetzt angeschlagen ist, weiter zu begründen und auszuführen ist, darüber werden wir in den nächsten Stunden sprechen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt soll nur auf etwas hingedeutet werden, das ja bereits bekannt ist: daß die Geisteswissenschaft zeigt, wie dieses Menschenleben zwischen Geburt und Tod die Wiederholung ist früherer Menschenleben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir nun das Charakteristische aufsuchen für das Leben zwischen Geburt und Tod, so können wir als solches bezeichnen die Aus dehnung eines und desselben Bewußtseins - im wesentlichen wenigstens - für die ganze Zeit zwischen Geburt und Tod. Wenn Sie sich zurückerinnern an Ihre früheren Lebensabschnitte, so werden Sie sagen: Es gibt einen Zeitpunkt, der nicht mit meiner Geburt zusammenfällt, sondern etwas später liegt, wo meine Lebenserinnerungen beginnen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das werden alle Menschen sagen, die nicht zu den Eingeweihten gehören; und sie werden dann davon sprechen, daß ihr Bewußtsein soweit &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|22}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nur reicht. Im Grunde genommen haben wir es in dem Zeitraum von der Geburt bis zum Tod in bezug auf den Beginn dieser Lebenserinnerungen mit etwas sehr Eigentümlichem zu tun, und wir werden auch darauf noch zurückkommen; das wird uns in bedeutsame Dinge hinein- leuchten. Wenn wir das aber nicht berücksichtigen, können wir sagen: Charakteristisch für das Leben zwischen Geburt und Tod ist es, daß ein Bewußtsein sich ausdehnt für diese Zeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn nun auch der Mensch im gewöhnlichen Leben, wenn ihn im späteren Lebensalter etwas trifft, die Ursachen dazu in früheren Lebensabschnitten nicht aufsucht, so könnte er es aber dennoch, wenn er nur auf alles aufmerksam genug wäre und alles erforschen würde. Er könnte es mit dem Bewußtsein, das ihm als Erinnerungsbewußtsein zur Verfügung steht. Und wenn er durch die Erinnerung versuchte, sich den Zusammenhang zwischen Früherem und Späterem im karmischen Sinne vor die Seele zu stellen, so würde er zu folgendem Ergebnis kommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er würde zum Beispiel sagen: Ich sehe, daß gewisse Ereignisse, die bei mir eingetreten sind, nicht gekommen wären, wenn nicht das oder jenes in einem früheren Lebensabschnitt eingetreten wäre. - Er würde vielleicht sagen: Für das, was meine Erziehung an mir getan hat, muß ich jetzt büßen. - Aber wenn er auch nur den Zusammenhang einsieht zwischen dem, was nicht er gesündigt hat, sondern was an ihm gesündigt worden ist, und späteren Ereignissen, dann wird ihm schon das eine Hilfe sein. Er wird leichter Mittel und Wege finden, um Schäden, die an ihm begangen worden sind&amp;gt; auszugleichen. Die Erkenntnis eines solchen Zusammenhanges zwischen Ursachen und Wirkungen in unseren einzelnen Lebensabschnitten, die wir durch unser gewöhnliches Bewußtsein überschauen können, kann uns schon im höchsten Grade förderlich sein im Leben. Ja, wenn wir uns diese Erkenntnis erwerben, können wir vielleicht noch etwas anderes tun. - Wenn allerdings ein Mensch achtzig Jahre alt geworden ist und dann zurückschaut auf das, was man als Ursachen zu Ereignissen im achtzigsten Jahre in frühester Kindheit zu suchen hat, so wird es für ihn vielleicht recht schwierig sein, Gegenmittel zu finden, um auszugleichen, was an ihm getan worden ist, und wenn er sich dann belehren läßt, so wird das nicht mehr allzuviel helfen. Wenn er sich aber vorher belehren läßt und hinblickt &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|23}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
auf die Sünden, die an ihm begangen sind, und, sagen wir, schon im vierzigsten Jahre dagegen Vorsorge trifft, dann hat er vielleicht doch noch Zeit, um gewisse Gegenmittel zu ergreifen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir sehen also, daß wir uns nicht allein für das unmittelbar Nächst- liegende des Lebenskarma belehren lassen sollen, sondern über Karma und den gesetzmäßigen Zusammenhang, den Karma bedeutet, überhaupt. Das kann uns förderlich sein für unser Leben. - Was tut denn aber ein Mensch, der im vierzigsten Jahre etwas unternimmt, damit die Schäden gewisser Sünden nicht eintreten, die zum Beispiel im zwölften Jahre an ihm begangen worden sind, oder die er selbst begangen hat? Er wird versuchen, was er gesündigt hat oder was an ihm getan worden ist, auszugleichen und alles zu tun, was der Wirkung, die eintreten müßte, vorbeugt. Er wird in gewisser Weise sogar die notwendige Wirkung, die ohne sein Zutun eintreten würde, durch eine andere ersetzen. Die Erkenntnis dessen, was es im zwölften Jahre gegeben hat, wird ihn selbst zu einer bestimmten Handlung im vierzigsten Jahre führen. Diese Handlung hätte er nicht getan, wenn er nicht erkannt hätte, daß es dieses oder jenes im zwölften Jahre gegeben hat. Was hat der Mensch also durch sein Zurückblicken auf sein früheres Leben getan? Er hat selber durch sein Bewußtsein folgen lassen auf eine Ursache eine bestimmte Wirkung. Er hat gewollt die Wirkung, welche er jetzt herbeigeführt hat. - Das zeigt uns, wie in die Linie der karmischen Folgen unser Wille eingreifen und etwas schaffen kann, was an Stelle von sonst eingetretenen karmischen Wirkungen steht. Nehmen wir einen solchen Zusammenhang, wo unser Bewußtsein ganz bewußt eine Verbindung zwischen Ursache und Wirkung im Lebenslauf herbeiführt, so werden wir uns sagen: Bei einem solchen Menschen ist Karma oder karmische Gesetzmäßigkeit ins Bewußtsein hineingetreten, er hat selbst in gewisser Weise die karmischeWirkung herbeigeführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen wir nun aber einmal an, wir legen einer ähnlichen Betrach tung dasjenige zugrunde, was wir über die wiederholten Erdenläufe eines Menschen wissen. Das Bewußtsein, von dem wir eben gesprochen haben, das sich ausdehnt mit der angedeuteten Ausnahme auf unser Leben zwischen Geburt und Tod, das entsteht dadurch, daß sich der Mensch des Instrumentes seines Gehirns bedienen kann. Wenn der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|24}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mensch durch die Pforte des Todes schreitet, tritt ein andersgeartetes Bewußtsein auf, das unabhängig ist vom Gehirn und an wesentlich andere Bedingungen gebunden ist. Und wir wissen, daß für dieses Bewußtsein, das bis zur neuen Geburt dauert, eine Art Rückblick auftritt über alles, was der Mensch in dem Leben zwischen Geburt und Tod vollbracht hat. Im Leben zwischen Geburt und Tod muß sich der Mensch erst die Absicht bilden, zurückzublicken auf irgendwelche Sünden, die an ihm begangen worden sind, wenn er die Wirkung dieser Sünden wirklich karmisch in sein Leben einführen soll. Nach dem Tode schaut der Mensch im Zurückblicken auf sein Leben auf dasjenige, was er an Sünden oder überhaupt an Handlungen vollbracht hat. Da schaut er auch zugleich das&amp;gt; was diese Handlungen an seiner Seele oder aus seiner Seele gemacht haben. Da sieht der Mensch, wie er dadurch, daß er eine bestimmte Handlung getan hat, in seinem Werte gesunken oder gestiegen ist. Haben wir einem andern zum Beispiel irgendein Leid zugefügt, so ist unser Wert dadurch gesunken; wir sind sozusagen weniger wert geworden, sind unvollkommener geworden, indem wir dem andern das Leid zugefügt haben. Wenn wir nun nach dem Tode zurückblicken, sehen wir auf zahlreiche solche Fälle zurück, bei denen w1r uns sagen: Wir sind dadurch unvollkommener geworden. Daraus aber folgt für das Bewußtsein nach dem Tode, daß in ihm die Kraft und der Wille entstehen, wenn es wieder Gelegenheit dazu hat, alles zu tun, um jenen Wert wieder zu erringen, welchen es verloren hat, das heißt der Wille, alles Leid auszugleichen&amp;gt; das es zugefügt hat. Der Mensch nimmt also zwischen Tod und neuer Geburt die Tendenz, die Absicht auf, was er Schlechtes getan hat, wieder auszugleichen, damit er überhaupt den Standpunkt der Vollkommenheit wieder erringen kann, den er als Mensch haben soll und der verhindert worden ist durch die entsprechende Tat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun tritt der Mensch wieder ins Dasein. Sein Bewußtsein wird wieder ein anderes; er erinnert sich nicht zurück an die Zeit zwischen Tod und neuer Geburt und auch nicht daran, wie er die Absicht gefaßt hat, etwas auszugleichen. Aber diese Absicht sitzt in ihm. Und wenn er auch nicht weiß: Du mußt dies oder das tun, um das oder jenes auszugleichen! -, so wird er doch durch die Kraft, die in ihm sitzt, zu irgendeiner&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|25}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Handlung hingetrieben, die ein Ausgleich ist. Und jetzt können wir uns eine Vorstellung machen, was vor sich geht, wenn einen Menschen zum Beispiel im zwanzigsten Jahre etwas sehr Schmerzliches trifft. Mit seinem Bewußtsein, das er hat zwischen Geburt und Tod, wird er niedergedrückt sein durch seinen Schmerz. Würde er sich aber daran erinnern, was er in dem Leben zwischen Tod und neuer Geburt an Absichten aufgenommen hat, dann würde er auch die Kraft spüren, die ihn hingetrieben hat an die Stelle, wo er diesen Schmerz hat erleiden können, weil er gefühlt hat, daß er den Grad von Vollkommenheit, den er sich verscherzt hat und den er wiedererringen soll, nur dadurch wieder erreichen kann, daß er diesen Schmerz durchmacht. Wenn also auch das gewöhnliche Bewußtsein sagt: Der Schmerz ist da; du leidest darunter! - und nur den Schmerz in der Wirkung betrachtet, so könnte doch für das Bewußtsein, welches auch die Zeit zwischen Tod und neuer Geburt überblickt, gerade das Aufsuchen des Schmerzes oder irgendeines Unglückes in der Absicht liegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das stellt sich uns tatsächlich dar, wenn wir von einem höheren Gesichtspunkt aus das Menschenleben betrachten. Da können wir sehen, daß im Menschenleben Schicksalsfälle eintreten, die sich nicht darstellen als Wirkungen von Ursachen des einzelnen Lebenslaufes, sondern die aus einem andern Bewußtsein heraus verursacht sind, nämlich aus einem solchen Bewußtsein, das jenseits der Geburt liegt und das unser Leben fortsetzt in frühere Zeiten, als diejenigen sind, die erst seit unserer Geburt abgelaufen sind. Wenn wir diesen Gedanken genau fassen, werden wir sagen: Wir haben zunächst ein Bewußtsein, das sich aus- dehnt über die Zeit zwischen Geburt und Tod und welches wir das Bewußtsein der Einzelpersönlichkeit nennen wollen, und wir wollen als Einzelpersönlichkeit dasjenige bezeichnen, was zwischen Geburt und Tod verläuft. Sodann sehen wir, wie ein Bewußtsein wirken kann über Geburt und Tod hinaus, von dem der Mensch in seinem gewöhnlichen Bewußtsein nichts weiß, das aber gerade so wirken kann wie dieses gewöhnliche Bewußtsein. Wir haben deshalb zunächst geschildert, wie jemand selbst sein Karma übernimmt und im vierzigsten Jahre zum Beispiel etwas ausgleicht, damit ihn die Ursachen vom zwölftenJahre nicht treffen. Da nimmt er Karma in sein Einzelpersön&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|26}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
lichkeitsbewußtsein hinein. Wenn dagegen der Mensch irgendwohin getrieben wird, wo er einen Schmerz erleiden kann, um etwas auszugleichen, um ein besserer Mensch zu werden, so kommt das auch aus dem Menschen; nur kommt es nicht aus dem Einzelpersönlichkeitsbewußtsein, sondern aus einem umfassenderen Bewußtsein, das mitumfaßt die Zeit zwischen Tod und neuer Geburt. Dasjenige Wesen im Menschen, welches von diesem Bewußtsein umfaßt wird, wollen wir die «Individualität» des Menschen nennen; und dieses Bewußtsein, das also fortwährend unterbrochen wird durch das Persönlichkeitsbewußtsein, wollen wir das «individuelle Bewußtsein» nennen, im Gegensatz zum Einzelpersönlichkeitsbewußtsein. So sehen wir Karma wirksam in bezug auf die Individualität des Menschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun würden wir das menschliche Leben aber trotzdem nicht verstehen, wenn wir nur die Reihe der Erscheinungen verfolgen würden, wie wir es bis jetzt getan haben, indem wir nur dasjenige ins Auge faßten, was im Menschen um des Menschen selber willen an Ursachen liegt und an Wirkungen aufgesucht wird. Wir brauchen uns nur einen einfachen Fall vor die Seele zu führen, der nur so dargestellt werden soll, daß er anschaulicher wirkt, und wir werden gleich sehen, daß wir das menschliche Leben nicht verstehen, wenn wir nur dasjenige in Betracht ziehen, was wir jetzt eben gesagt haben. - Nehmen wir einen Erfinder oder Entdecker, zum Beispiel Kolumbus oder den Entdecker der Dampfmaschine oder irgendeinen andern. In der Entdeckung liegt eine bestimmte Handlung, eine bestimmte Tat. Wenn wir diese Tat ins Auge fassen, so wie sie der Mensch getan hat, und dann die Ursache suchen, warum sie der Mensch getan hat, dann werden wir immer solche Ursachen finden, welche in der Richtung liegen, wie wir sie jetzt an- gegeben haben. Warum Kolumbus zum Beispiel nach Amerika fuhr, warum er gerade in einem bestimmten Zeitpunkt diese Absicht faßte, dazu werden wir die Ursachen finden in seinem individuellen und persönlichen Karma. Aber wir werden uns jetzt fragen können: Wird diese Ursache nur im persönlichen und individuellen Karma gesucht werden müssen? Und wird die Tat als Wirkung nur betrachtet werden müssen für die Individualität, die in Kolumbus wirksam war? - Daß Kolumbus Amerika entdeckt hat, hat eine bestimmte Wirkung für ihn gehabt. Er &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|27}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ist dadurch gestiegen, ist vollkommener geworden. Das wird sich zeigen in der Fortentwickelung seiner Individualität im folgenden Leben. Aber welche Wirkungen hat diese Tat noch für andere Menschen gehabt? Müßte sie nicht auch als Ursache betrachtet werden, die in unzählige Menschenleben eingegriffen hat?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist aber noch eine ziemlich abstrakte Betrachtung einer solchen Sache, die wir viel tiefer erfassen können, wenn wir das Menschenleben über große Zeitspannen hin betrachten. Nehmen wir an, wir betrachten das Menschenleben,wie es sich abgespielt hat im ägyptisch-chaldäischen Zeitalter, das dem griechisch-lateinischen vorangegangen ist. Wenn wir dieses Zeitalter prüfen in bezug auf das, was es den Menschen gegeben hat und was die Menschen damals erfahren haben, dann zeigt sich uns etwas höchst Eigentümliches. Wenn wir diese Epoche vergleichen mit unserer eigenen, dann werden wir erkennen, daß dasjenige, was in unserem eigenen Zeitalter geschieht, zusammenhängt mit dem, was in der ägyptisch-chaldäischen Kulturperiode vor sich gegangen ist. Das griechisch-lateinische Zeitalter steht zwischen beiden darinnen. In unserer Zeit würden gewisse Dinge nicht geschehen, wenn nicht gewisse Dinge in der ägyptisch-chaldäischen Kultur geschehen wären. Wenn die gegenwärtige Naturwissenschaft dieses oder jenes an Ergebnissen zustande gebracht hat, so rührt das allerdings auch von Kräften her, welche sich aus der Menschenseele entwickelt und entfaltet haben. Aber die Menschenseelen, die in unserer Zeit gewirkt haben, waren auch verkörpert im ägyptisch-chaldäischen Zeitalter und haben dort gewisse Erlebnisse aufgenommen, ohne welche sie das nicht verrichten könnten, was sie heute verrichten. Hätten nicht die Schüler der altägyptischen Tempelpriester die ägyptische Astrologie über die Zusammenhänge des Himmels aufgenommen, so hätten sie nicht auf ihre Art später ein- dringen können in die Weltengeheimnisse, und es wären in gewissen Seelen unserer Zeit nicht die Kräfte gewesen, welche die Menschheit jetzt in unserer Zeit hin ausgeführt haben in die Himmelsräume. Wie kam zum Beispiel Kepler zu seinen Entdeckungen?` Er kam dazu, weil eine Seele in ihm lebte, die im ägyptisch-chaldäischen Zeitraum die Kräfte zu jenen Entdeckungen aufgenommen hatte, welche sie im fünften Zeitraum dann machen konnte. Es erfüllt uns mit einer gewissen &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
inneren Befriedigung, wenn in einzelnen Geistern gleichsam Erinnerungen auftauchen in der Art, daß die Keime zu dem, was sie jetzt tun, in der Vergangenheit gelegt worden sind. Einer der Geister, der Wichtiges geleistet hat in bezug auf die Erforschung der Himmelsgesetze, Kepler, sagt von sich selbst:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
«J~t,ich bin es, ich habe die goldenen Gefäße der Ägypter geraubt, um mt:..,jnem Gott aus ihnen ein Heiligtum zu errichten, fern von den Grenze.n Ägyptens. Wenn ihr mir vergebt, werde ich mich freuen, wenn ihr zürnt, werde ich es tragen; - hier werf ich den Würfel und schreibe dies Buch für den heutigen wie den dereinstigen Leser - was liegt daran? Und wen es auf seinen Leser hundert Jahre warten muß: Gott selbst hat sechs Jahrtausende dessen geharrt, der sein Werk erkennend er- blickt. »&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist eine sporadisch auftauchende Erinnerung des Kepler an das, was er als Keim aufgenommen hat zu dem, was er in seinem persönlichen Dasein als Kepler vollbringen konnte. So könnten Hunderte von ähnlichen Beispielen angeführt werden. - Da sehen wir aber noch etwas anderes als bloß die Tatsache, daß bei Kepler etwas auftaucht, was die Wirkung ist von Erlebnissen eines früheren Erdenlebens. Wir sehen etwas auftauchen, was als die gesetzmäßige Wirkung erscheint für die ganze Menschheit von etwas, was wiederum bedeutsam war für die Menschheit in einer früheren Zeit. Wir sehen, wie der Mensch hin- gestellt wird an einen Ort, um für die ganze Menschheit etwas zu leisten. Wir sehen, daß nicht nur im individuellen Menschenleben, sondern daß in der ganzen Menschheit Zusammenhänge bestehen zwischen Ursachen und Wirkungen, die sich über weite Zeiträume hin erstrecken. Und wir können daraus entnehmen, daß sich das individuelle Karmagesetz kreuzen wird mit den Gesetzen, welche wir nennen können die karmischen Menschheitsgesetze. Manchmal ist dieses Kreuzen allerdings wenig durchsichtig. Denken Sie, was wäre aus unserer Astronomie geworden, wenn einstmals nicht das Fernrohr erfunden worden wäre, das in einer bestimmten Zeit erfunden worden ist. Verfolgen Sie unsere Astronomie zurück, und Sie werden sehen, daß unendlich vieles an der Erfindung des Fernrohres hängt. Nun ist es ja bekannt, daß das Fernrohr dadurch erfunden worden ist, daß in einer optischen Werkstatt einmal Kinder &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|29}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
mit Linsen gespielt haben, wobei sie durch einen «Zufall», so könnte man sagen, optische Linsen so zusammengestellt haben, daß hernach jemand darauf gekommen ist: Dadurch könnte sich so etwas ergeben wIe ein Fernrohr. - Denken Sie, wie tief Sie suchen müssen, um zu dem individuellen Karma der Kinder und dem Karma der Menschheit zu kommen, daß in einem bestimmten Zeitpunkt das Fernrohr erfunden worden ist! Versuchen Sie das zusammenzudenken, und Sie werden sehen, wie in merkwürdiger Art das Karma einzelner Individualitäten und das Karma der ganzen Menschheit sich kreuzen und ineinanderweben! Da werden Sie sich sagen: Man müßte sich die ganze Menschheitsentwickelung anders denken, wenn nicht zu einer bestimmten Zeit dies oder jenes eingetreten ware.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Frage ist gewöhnlich ganz müßig: Was wäre mit dem Römischen Reiche geworden, wenn nicht die Griechen in einer bestimmten Zeit den persischen Angriff in den Perserkriegen zurückgeschlagen hätten? - Aber nicht müßig ist die Frage: Wodurch ist es gekommen, daß die Perserkriege gerade in dieser Weise verlaufen sind? - Wer dieser Frage nachgeht und eine Antwort sucht, der wird sehen, daß im Orient ganz bestimmte Errungenschaften nur dadurch zustande kamen, daß gewisse despotische Herrscher da waren, die nur für ihre Person etwas wollten und sich zu diesem Zwecke verbanden mit den Opferpriestern und so weiter. Die ganzen damaligen Staatseinrichtungen waren notwendig, damit im Orient etwas geschaffen werden konnte, aber diese Einrichtungen haben es mit sich gebracht&amp;gt; daß auch alle die Schäden eintraten, die dann eingetreten sind. Und damit hängt es zusammen, daß ein andersgeaitetes Volk - die Griechen - im entsprechenden Moment den morgenländischen Angriff zurückschlagen konnte. Wenn wir das bedenken, werden wir fragen: Wie steht es mit dem Karma der Persönlichkeiten, die in Griechenland gewirkt haben, um den persischen An- griff zurückzuschlagen? - Da werden wir manches Persönliche finden im Karma der betreffenden Menschen; aber wir werden auch finden, daß das persönliche Karma mit dem Volks- und Menschheitskarma verknüpft ist, so daß es berechtigt ist zu sagen: Das ganze Menschheitskarma hat gerade diese bestimmten Persönlichkeiten an diesen Ort in diese Zeit gestellt! - Wir sehen da hineinspielen Menschheitskarma in &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
das Einzelkarma. Und wir werden uns weiter fragen müssen, wie diese Dinge zusammenspielen. Aber wir können noch weitergehen und einen andern Zusammenhang betrachten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir können zurückblicken im Sinne der Geisteswissenschaft auf eine Zeit unserer Erdenentwickelung, in der es auf unserer Erde noch kein Mineralreich gegeben hat. Unserer Erdenentwickelung gingen voran die Saturn-, die Sonnen- und die Mondentwickelung, wo es noch kein mineralisches Reich in unserem Sinne gegeben hat. Erst auf der Erde sind unsere heutigen Mineralien in ihren heutigen Formen entstanden. Dadurch aber, daß sich das Mineralreich ausgeschieden hat im Verlaufe der Erdentwickelung, ist es als ein besonderes Reich für alle Folgezeit da. Vorher haben sich Menschen, Tiere und Pflanzen so entwickelt, daß kein ihnen zugrunde liegendes Mineralreich vorhanden war. Damit die andern Reiche einen späteren Fortschritt erreichen konnten, mußten sie das Mineralreich ausscheiden. Aber nachdem sie es ausgeschieden haben, können sie sich nur so entwickeln, wie sie sich entwickeln auf einem Planeten, der eine feste mineralische Grundlage hat. Und nie wird etwas anderes entstehen als das, was unter der Voraussetzung geschah, daß die Bildung eines Mineralreiches zustande kam. Das Mineral reich ist da, und alle späteren Schicksale der andern Reiche hängen ab von der Entstehung des Mineralreiches, das sich einmal in unserem Erdendasein in einer urfernen Vergangenheit gebildet hat. - So ist mit der Tatsache der Entstehung des Mineral reiches etwas geschehen, womit alle spätere Erdentwickelung zu rechnen hat. Es wird sich an allen andern Wesen erfüllen, was aus der Entstehung des Mineralreiches folgt. Da haben wir wieder in späteren Zeitaltern die karmische Erfüllung für etwas, was früher geschehen ist. Auf der Erde erfüllt sich, was sich auf der Erde vorbereitet hat. Es ist ein Zusammenhang von dem,was früher, und dem, was später geschehen ist, aber auch ein solcher Zusammenhang, der in der Wirkung zurückschlägt auf das verursachende Wesen. Menschen, Tiere und Pflanzen haben das Mineralreich ausgeschieden, und das Mineral reich schlägt wieder auf sie zurück. Da sehen wir, daß es möglich ist, von einem Karma der Erde zu sprechen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und endlich können wir etwas hervorheben, wozu sich die Grund-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
lagen in den allgemeinen Ausführungen der «Geheimwissenschaft im Umriß» finden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir wissen, daß gewisse Wesenheiten zurückgeblieben sind auf der Stufe der alten Mondentwickelung, und daß diese Wesen zurückgeblieben sind, um dem Menschen der Erde ganz bestimmte Eigenschaften beizubringen. Aber nicht nur Wesenheiten sind zurückgeblieben von der alten Mondenzeit der Erde, sondern auch Substantialitäten. Auf der Mondenstufe sind Wesen stehengeblieben, die als luziferische Wesenheiten in unser Erdendasein hineinwirken. Durch diese Tatsache des Stehenbleibens und des Hereinwirkens in unser Erdendasein vollziehen sich im Erdendasein Wirkungen, zu denen die Ursachen schon im Mondendasein gelegt worden sind. Aber auch substantiell vollzieht sich so etwas. - Wenn wir heute unser Sonnensystem ansehen, finden wir es zusammengesetzt aus Weltenkörpern, die regelmäßig wiederkehrende und eine gewisse innere Geschlossenheit zeigende Bewegungen ausführen. Aber andere Weltenkörper finden wir, die sich zwar auch mit einem gewissen Rhythmus bewegen, die aber sozusagen die gewöhnlichen Gesetze des Sonnensystems durchbrechen, nämlich die Kometen. Nun ist die Substanz eines Kometen nicht eine solche mit Gesetzen, wie sie in unserem gewöhnlichen, regulären Sonnensystem bestehen, sondern mit Gesetzen, wie sie im alten Mondendasein existiert haben. In der Tat hat sich im kometarischen Dasein erhalten die Gesetzmäßigkeit des alten Mondendaseins. Ich habe schon öfter erwähnt, daß die Geistes- wissenschaft diese Gesetzmäßigkeit nachgewiesen hat, bevor eine Bestätigung von seiten der Naturwissenschaft eingetreten ist. Im Jahre 1906 habe ich in Paris auf die Tatsache aufmerksam gemacht, daß während des alten Mondendaseins gewisse Verbindungen von Kohlenstoff und Stickstoff eine ähnliche Rolle spielten wie heute auf der Erde Verbindungen von Sauerstoff und Kohlenstoff, also Kohlensäure, Kohlendioxyd und so weiter. Diese letzteren Verbindungen haben etwas Ertötendes. Eine ähnliche Rolle haben Zyanverbindungen, blausäureartige Verbindungen während des alten Mondendaseins gespielt. Auf diese Tatsache wurde hingewiesen von der Geisteswissenschaft 1906. Auch in andern Vorträgen wurde darauf hingewiesen, daß das kometarische Dasein die Gesetze des alten Mondendaseins hineinführt &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
in unser Sonnensystem, so daß also nicht nur zurückgeblieben sind die luziferischen Wesen, sondern auch die Gesetzmäßigkeit der alten Mondensubstanz, die in unregelmäßiger Weise hineinwirkt in unser Sonnensystem. Und es wurde immer gesagt, das kometarische Dasein müsse heute noch etwas enthalten wie Zyanverbindungen in der Kometenatmosphäre. Erst viel später, als das durch die Geisteswissenschaft verkündet worden ist, in diesem Jahre erst, ist durch die Spektralanalyse das Blausäurespektrum im Kometendasein gefunden worden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier haben Sie einen der Beweise dafür, wenn gesagt wird: Zeigt uns einmal, wie man wirklich mit der Geisteswissenschaft etwas finden kann! - Solche Dinge gibt es mehr; sie sollten nur beobachtet werden. So wirkt also etwas hinein von unserem alten Mondendasein in das jetzige Erdendasein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun fragen wir uns: Darf behauptet werden, daß äußeren sinnlichen Erscheinungen zugrunde liegt ein Geistiges?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den, der sich zur Geisteswissenschaft bekennt, ist es klar, daß hinter allem sinnlich Wirklichen auch ein Geistiges liegt. Wenn substantiell etwas vom alten Mondendasein hineinwirkt in unser Erden- dasein, wenn der Komet unser Erdendasein bestrahlt,,so wirkt dahinter auch etwas Geistiges. Und wir könnten sogar angeben, welches Geistige sich zum Beispiel anzeigt durch den Halleyschen Kometen. Der Halleysche Komet ist der äußere Ausdruck - jedesmal, wenn er in die Sphäre unseres Erdendaseins hineinkommt - zu einem neuen Impuls zum Materialismus. Das mag der heutigen Welt abergläubisch erscheinen. Aber die Menschen sollten sich dann nur darauf besinnen, wie sie selbst geistige Wirkungen von Konstellationen der Sterne herleiten. Oder wer würde nicht sagen, daß der Eskimo deshalb ein andersgeartetes Menschenwesen ist als zum Beispiel der Hindu, weil in der Polargegend die Sonnenstrahlen unter einem andern Winkel einfallen? Überall führen auch die Naturwissenschafter auf Sternkonstellationen geistige Wirkungen in der Menschheit zurück. - Also ein geistiger Impuls zum Materialismus erfolgt parallel dem Halleyschen Kometen. Dieser Impuls kann nachgewiesen werden: Auf das Erscheinen des Halleyschen Kometen vom Jahre 1835 folgte jene materialistische Zeitströmung, die man bezeichnen kann als den Materialismus der zweiten Hälfte des &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
vorIgen Jahrhunderts; auf die Erscheinung vorher folgte die materialistische Aufhlärerei der französischen Enzyklopädisten. Das ist der Zusammenhang.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit gewisse Dinge eintreten im Erdensein, mußten die Ursachen dazu früher, außerhalb des Erdendaseins gelegt werden. Und hier haben wir es sogar mit einem Weltenkarma zu tun. Denn warum ist auf dem alten Monde Geistiges und Substantielles ausgeschaltet worden? Damit gewisse Wirkungen wieder zurückstrahlen können auf die jenigen Wesenheiten, welche dieses ausgeschieden haben. Die luziferisehen Wesenheiten sind ausgeschieden worden, haben eine andere Entwickelung durchmachen müssen, damit für die Wesen, die auf der Erde sind, freier Wille und die Möglichkeit zum Bösen auf der Erde entstehen konnten. Da haben wir etwas, was an karmischen Wirkungen über unser Erdendasein hinausgeht: einen Ausblick auf das Weltenkarma.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So konnten wir heute sprechen über den Karmabegriff, über seine Bedeutung für die einzelne Persönlichkeit, für die Individualität, für die ganze Menschheit, innerhalb der Wirkungen unserer Erde und über die Erde hinaus - und wir haben noch etwas gefunden, was wir als Weltenkarma ansprechen können. So finden wir das Karmagesetz, das wir nennen können ein Gesetz vom Zusammenhang zwischen Ursache und Wirkung, aber in der Weise, daß die Wirkung wieder auf die Ursache zurückschlägt und daß sich beim Zurückschlagen noch das Wesen erhalten hat, dasselbe geblieben ist. Wir finden diese karmische Gesetzmäßigkeit überall in der Welt, insofern wir die Welt als eine geistige betrachten. Wir ahnen, daß sich das Karma auf den verschiedensten Gebieten in der verschiedensten Weise offenbaren wird. Und wir ahnen, wie die verschiedenen karmischen Strömungen - persönliches Karma, Menschheitskarma, Erdenkarma, Weltenkarma und so weiter - sich kreuzen werden und daß uns gerade dadurch die Aufschlüsse werden, die wir brauchen, um das Leben zu verstehen. Und an seinen einzelnen Punkten ist das Leben nur zu verstehen, wenn wir das Zusammenwirken der verschiedensten karmischen Strömungen finden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
= ZWEITER VORTRAG Hamburg, 17. Mai 1910 =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bevor wir zu unseren eigentlichen menschlichen Karmafragen kommen, wie sie angekündigt sind, sind eine Reihe von Vorbetrachtungen notwendig. Dazu gehört das, was gestern gesagt worden ist: eine Art Beschreibung des Karmabegriffes. Dazu gehört auch das, was heute zu sagen sein wird über Karma und Tierreich. Was man nennen könnte äußere Beweise für die Wirklichkeit der karmischen Gesetzmäßigkeit, das werden Sie im Laufe des Zyklus an denjenigen Stellen finden, wo gerade Veranlassung sein wird, auf diese äußeren Beweise besonders hinzudeuten. Bei diesen Gelegenheiten werden Sie auch die Möglichkeit finden, über die Begründung der Karmaidee zu Außenstehenden zu sprechen, welche Sie, über dies oder jenes als Zweifler an der ganzen Karmaidee, befragen werden. Zu alledem sind aber einige Vorbetrachtungen notwendig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was läge denn näher, als zu fragen: Wie verhalten sich tierisches Leben, tierisches Schicksal zu dem, was wir den Verlauf des menschlichen Karma nennen, in dem wir - wie sich zeigen wird - die wichtigsten und tiefeingreifendsten Schicksals fragen für den Menschen beschlossen finden?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Verhältnis der Menschen auf der Erde zur Tierwelt ist ja im Laufe der Zeit und auch je nach den verschiedenen Völkern ein verschiedenes. Und es ist gewiß nicht uninteressant, zu sehen, wie bei Völkerschaften, die sich die besten Teile der uralt heiligen Weisheit der Menschheit bewahrt haben, eine weitgehend mitleidvolle, liebevolle Behandlung der Tiere Platz gegriffen hat. Innerhalb der Welt des Buddhismus zum Beispiel, der sich wichtige Teile alter Weltanschauungen bewahrt hat, wie sie die Menschen in ihrer Urzeit hatten, haben wir eine tiefgehend mitleidvolle Behandlung der Tiere, eine Behandlung der Tiere und Gefühle gegenüber der Tierwelt, die in Europa unzählige Menschen noch nicht verstehen können. Aber auch bei andern Völkern - ich erinnere nur an den Araber in bezug auf Behandlung seines Pferdes -, insbesondere wenn diese Völker sich etwas bewahrt &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
haben von den alten Anschauungen, wie sie als alte Erbstücke da und dort auftreten, finden Sie eine Art «Freundschaft» zu den Tieren, etwas wie menschliche Behandlung der Tiere. Dagegen darf man Wohl sagen, daß in denjenigen Gegenden, in denen sich eine Art von Weltanschauung der Zukunft vorbereitet, in den abendländischen Gegenden, wenig Verständnis für solches Mitleid mit der Tierwelt Platz gegriffen hat. Und charakteristisch ist es, daß im Verlaufe des Mittelalters und dann auch bis in unsere Zeit hinein gerade in Ländern, in denen die christlicheWeltanschauung Ausbreitung gewonnen hat, die Anschauung auf tauchen konnte, daß die Tiere überhaupt nicht als Wesen zu betrachten seien mit einem eigentlichen Seelenleben, sondern als eine Art Auto maten. Und es ist vielleicht nicht mit Unrecht darauf aufmerksam gemacht worden - wenn auch nicht immer mit einem großen Verständ nls -, daß diese Anschauungen, welche von der abendländischen Philosophie vielfach vertreten worden sind, daß die Tiere Automaten seien und ein eigentliches Seelen leben nicht haben, hinuntergesickert sind in die Volkskreise, die kein Mitleid und oft auch keine Grenze kennen in der grausamen Behandlung der ~iere. Ja, die Sache ist so weit gegangen, daß man einen großen Philosophen der Neuzeit, Cartesius, in seinen Gedanken über die Tierwelt recht gründlich hat mißverstehen können.Wir müssen uns natürlich klar sein, daß von den eigentlich bedeutenden Geistern der abendländischen Kulturentwickelung diese Anschauung,daß dieTiere nur Automaten seien, niemals vertreten worden ist. Es hat auch Cartesius nicht diese Anschauung vertreten, obwohl Sie In vielen Büchern über Philosophie lesen können, daß Cartesius eine solche Anschauung vertreten habe. Das ist aber nicht wahr; sondern&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wer Cartesius kennt, der weiß, daß er den Tieren zwar nicht ein solches Seelisches zuschreibt, das sich dazu entwickeln kann, aus dem Ich- Bewußtsein heraus zu elnem Beweise für das Dasein Gottes zu kommen, aber er schreibt dennoch dem ,Tiere zu, daß es durchströmt, durchseelt ist mit den sogenannten Lebensgeistern, die allerdings nicht eine so einheitlicbe Individualität darstellen wie das Ich des Menschen, aber doch in der tierischen Organisation als Seele wirken. Und es ist gerade das Charakteristische, daß man Cartesius in dieser Beziehung hat gründlich mißverstehen können. Denn das zeigt uns, daß in den verflossenen &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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Jahrhunderten unserer abendländischen Entwickelung die Tendenz vorhanden war, den Tieren etwas bloß Automatisches zuzuschreiben, und diese Tendenz hat man selbst da hineingelesen, wo man sie nicht hätte hineinlesen können, wenn man gewissenhaft zu Werke gegangen wäre, nämlich bei Cartesius. Die abendländische Kulturentwickelung hat das Eigentümliche, daß sie sich herausbilden mußte aus den Elementen des Materialismus. Und man kann sogar sagen: Der Aufgang des Christentums hat sich so vollzogen, daß dieser bedeutungsvolle Impuls der Menschheitsentwickelung zuerst in eine materialistische abendländische Gesinnung hineinverpflanzt worden ist. Der Materialismus der neueren Zeit ist nur eine Folge dessen, daß auch das spirituellste Religionsbekenntnis, das Christentum, zunächst im Abendlande eine materialistische Auffassung hat finden können. Es ist einmal - wenn wir so sagen dürfen - das Menschheitsschicksal der abendländischen Völker, daß sie sich emporarbeiten müssen aus materialistischen Untergründen und gerade in der Überwindung der materialistischen Ansichten und Tendenzen die starken Kräfte werden entfalten müssen zu einem höchsten Spiritualismus. Damit, daß dieses Schicksal, dieses Karma den abendländischen Völkern geworden ist, ist auch bei ihnen jener Zug entstanden, die Tiere nur wie Automaten zu betrachten. Wer nicht gut das Wirken des geistigen Lebens durchschauen kann, wer nur sich halten kann an das, was uns in der sinnlichen Außenwelt umgibt, der wird aus den Eindrücken dieser sinnlichen Außenwelt heraus leicht zu einer Auffassung über die Tierwelt kommen können, welche die Tiere möglichst niedrig stellt. Dagegen haben solche Weltanschauungen, die noch Elemente der alten spirituellen Weltanschauungen der Urweisheit der Menschheit in sich behalten haben, sich eine Art Erkenntnis bewahrt über das, was auch in der Tierwelt geistig ist; und trotz allen Mißverständnissen, trotz all dem, was sich in ihre Weltanschauungen eingeschlichen und deren Reinheit verdorben hat, konnten sie doch nicht vergessen&amp;gt; daß geistige Tätigkeiten, geistige Gesetze an dem Ausleben und Ausgestalten des Tierischen betätigt sind. Wenn wir also auf der einen Seite gerade in dem Mangel geistiger Weltanschauungen ein Unverständnis des Tierisch-Seelischen erblicken müssen, so dürfen wir uns auf der andern Seite nicht darüber täuschen, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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daß auch das wiederum nur ein Ausfluß einer rein materialistischen Weltanschauung wäre, wenn wir die Karmaidee, wie sie uns dienen wird, menschliches Schicksal und menschliches Karma zu verstehen, ohne weiteres auf die tierische Welt anwenden würden. Das dürfen wir nicht. Es ist schon gestern darauf hingewiesen worden, daß es notwendig ist, den Begriff des Karma ganz genau zu fassen. Und wir würden fehlgehen,wenn wir das&amp;gt; was wir gefordert haben als ein Rückschlagen der Wirkung auf das Wesen, von dem die Verursachung ausgegangen ist, wenn wir das auch in der tierischen Welt suchen würden; denn in einem umfassenderen Maße werden wir die karmische Gesetzmäßigkeit erst dadurch kennenlernen können, daß wir über das einzelne menschliche Leben zwischen Geburt und Tod hinausgehen, den Menschen verfolgen durch die Aufeinanderfolge seiner Wiederverkörperungen und daß wir finden werden, daß jener Rückschlag einer Ursache, welche wir in einem Leben gelegt haben, erst in einem späteren Leben kommen kann, so daß sich die karmische Gesetzmäßigkeit von Leben zu Leben zieht, und die Wirkungen von Ursachen eben nicht einzutreten brauchen - ja, wenn wir Karma im großen betrachten, auch ganz gewiß nicht eintreten in demselben Leben zwischen Geburt und Tod.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun wissen wir schon aus den äußeren geisteswissenschaftlichen Betrachtungen, daß wir beim T`lere von einer solchenWiederverkörperung, wie sie beim Menschen stattfindet, nicht sprechen können. Für jene menschliche Individualität, welche sich erhält, wenn der Mensch durch die Pforte des Todes schreitet, welche durchlebt ein besonderes Leben im Geistigen in der Zeit vom Tode bis zur neuen Geburt, um dann durch eine neue Geburt wieder ins Dasein zu treten, für diese menschliche Individualität finden wir etwas Ähnliches oder gar etwas ganz Gleiches in der tierischen Welt durchaus nicht. Wir können nicht in derselben Weise, wie wir den menschlichen Tod auffassen, von dem tierischen Tode sprechen. Denn alles, was wir beschreiben als die Schicksale der menschlichen Individualität, nachdem der Mensch durch die Pforte des Todes gesch ritten ist, verhält sich in der Tierwelt nicht in der gleichen Art; und wenn man glauben würde, daß wir in einem tierischen Individuum das wiederverkörperte Wesen eines schon früher auf der Erde vorhanden gewesenen Tieres suchen könnten, wie wir das beim Menschen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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tun müssen, dann würden wir uns durchaus einem Irrtum hingeben. Heute, wo man gern alles, was sich uns in der Welt darbietet, nur seiner Außenseite nach betrachtet und nicht auf das Innere eingeht, können ja die eigentlichen großen Gegensätze, die wichtigsten Unterscheidungen zwischen Mensch und Tier gar nicht vor Augen treten. Äußerlich - rein materialistisch betrachtet - nimmt sich die Erscheinung des Todes bei Mensch und Tier in der gleichen Art aus. Da kann man leicht glauben, wenn man das Leben eines Tieres betrachtet, daß man einzelne Erscheinungen dieses individuellen Lebens des Tieres vergleichen könnte mit einzelnen Erscheinungen des persönlichen Lebens des Menschen zwischen Geburt und Tod. Aber da würde man ganz fehlgehen. Deshalb soll auf die durchgreifenden Unterschiede zwischen demYierischen und dem Menschlichen zunächst an einzelnen Beispielen hingedeutet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nur derjenige kann sich nämlich diesen Unterschied zwischen Tier und Mensch vollständig klarlegen, der unbefangen nicht nur auf die sich seinem äußeren sinnlichen Anschauen, sondern auch auf die seinem kombinierenden Denken sich ergebenden Tatsachen eingeht. Da finden wir eine Erscheinung, die auch von den Naturforschern hervorgehoben wird, mit der aber die Naturforscher der Gegenwart nichts Rechtes anzufangen wissen, nämlich die Erscheinung, daß der Mensch eigentlich das Allereinfachste erst lernen muß: den Gebrauch der einfachsten Werkzeuge hat der Mensch im Laufe seiner Geschichte lernen müssen, und unsere Kinder müssen heute noch die allereinfachsten Sachen eben lernen, und sie müssen eine gewisse Zeit anwenden, um sie zu lernen. Es kostet Mühe, dem Menschen etwas beizubringen, einfache Handgriffe, Verfertigung von Instrumenten und Werkzeugen und so weiter. Wenn wir dagegen die Tiere betrachten, müssen wir sagen: Wieviel besser haben es die Tiere in dieser Beziehung! - Denken wir uns, wie der Biber seinen komplizierten kunstvollen Bau aufführt. Er braucht es nicht zu lernen; er kann es, indem er es mitbringt als eine ihm eingeprägte Gesetzmäßigkeit, wie wir uns als Menschen mitbringen die Möglichkeit, die «Kunst», um das siebente Jahr unsere Zähne zu wechseln. Das braucht auch keiner zu lernen. So bringen sich die Tiere eine solche Fähigkeit mit, wie sie der Biber hat, seinen Bau aufzuführen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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Und wenn Sie Umschau halten im Tierreich, werden Sie finden, daß die Tiere sich ganz bestimmte Kunstfertigkeiten mitbringen, durch welche etwas zustande gebracht werden kann, an das menschliche Kunst fertigkeit bei allem, wie wir es so herrlich weit gebracht haben, noch lange nicht heran reicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun kann die Frage entstehen: Wie kommt es denn eigentlich, daß der Mensch, wenn er geboren wird, unfähiger ist als zum Beispiel ein Huhn oder ein Biber, daß er das, was diese Wesenheiten sich schon mit- bringen, erst mühevoll sich aneignen muß? Das ist eine große Frage. Und daß es eine große Frage ist, muß man vor allen Dingen empfinden lernen. Denn es kommt bei dem, was der Mensch für seineWeltanschauung gewinnen muß&amp;gt; viel weniger darauf an, daß man auf wichtige Tatsachen hinweist, als daß man weiß, wo wichtige Fragen zu stellen sind. Tatsachen können richtig sein, brauchen aber nicht immer wertvoll zu sein für unsere Weltanschauung. Nun würde es, obwohl wir noch heute auf die Ursachen dieser Erscheinungen geisteswissenschaftlich eingehen werden, doch zu weit führen, wenn man in allen Einzelheiten zeigen würde, warum das so ist. Aber zunächst kann doch mit ein paar Worten darauf hingewiesen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir geisteswissenschaftlich zurückgehen in der menschlichen Entwickelung bis in urferne Vergangenheiten, so werden wir finden, daß diejenigen Kräfte und Elemente, welche sozusagen dem Biber oder einem andern Tiere zur Verfügung stehen, um solche Kunstfertigkeiten mit sich auf die Welt zu bringen, dem Menschen auch zur Verfügung gestanden haben. Der Mensch hat ja nicht gerade in seine Anlage in urferner Vergangenheit bloß die Ungeschicklichkeit aufgenommen und dem Tiere überlassen müssen die primitive Geschicklichkeit. Er hat diese Anlage auch empfangen, ja im Grunde genommen in einem weit reicheren Maße als die Tiere. Denn wenn auch die Tiere gewisse große Kunstfertigkeiten mit auf die Welt bringen, so sind diese doch im Leben einseitig. Der Mensch kann im Grunde genommen gar nichts, wenn er ins Leben tritt, er muß alles erst lernen, was sich auf die äußere Welt bezieht. Das ist etwas radikal ausgedrückt, aber wir werden uns verstehen. Wenn der Mensch aber dann lernt, zeigt sich bald, daß er vielseitiger, daß seine Entwickelung eine reichere werden kann in bezug &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
auf die Ausprägung gewisser Kunstfertigkeiten und dergleichen, als das beim Tiere der Fall ist. Also der Mensch hat reiche Anlagen ursprünglich mitbekommen - und dennoch hat er sie heute nicht. Nun tritt die eigentümliche Erscheinung zutage, daß ursprünglich Mensch und Tier in gleicher Weise ausgestattet waren. Und wenn wir zurückgehen würden bis zur alten Saturnentwickelung, so würden wir finden, daß eine Unterscheidung der menschlichen und tierischen Entwickelung noch gar nicht stattgefunden hatte. Da waren beide vollständig gleich veranlagt. - Was ist nun in der Zwischenzeit geschehen, daß das Tier alle möglichenGeschicklichkeiten mit ins Dasein trägt,während der Mensch ein so ungeschickter Genosse des Weltendaseins ist? Wie hat sich der Mensch eigentlich benommen in der Zwischenzeit, daß er jetzt plötzlich alles das nicht hat,was er mitbekommen hatte? Hat er das im Laufe der Entwickelung sinnlos verschwendet, während es sich die Tiere als sparsame Haushalter bewahrt haben? Diese Frage kann aus dem wirklichen Tatbestand heraus aufgeworfen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Mensch hat diese Anlagen, die heute das Tier in äußerer Geschicklichkeit auslebt, nicht verschwendet; er hat sie auch verwendet, aber zu etwas anderem als die Tiere. Die Tiere prägen sie in äußeren Geschicklichkeiten aus; Biber und Wespe bauen ihr Nest. Der Mensch hat dieselben Kräfte, welche die Tiere in dieser Art ausleben, in sich selber hineingetan und verwendet. Und er hat dadurch zustande gebracht, was wir seine höhere menschliche Organisation nennen. Daß der Mensch heute seinen Gang aufrecht hat, daß er das vollkommenere Gehirn, überhaupt eine vollkommenere innere Organisation hat, das bedurfte auch gewisser Kräfte; und das sind dieselben Kräfte, mit denen sich der Biber seinen Biberbau errichtet. Der Biber baut sich sein Nest. Der Mensch hat die Kräfte auf sich verwendet, zu seinem Gehirn, zu seinem Nervensystem und so weiter. Daher hat der Mensch zunächst nichts übrig behalten, um in derselben Weise nach außen zu arbeiten. Also, daß wir heute unter den Tieren schreiten mit einem vollkommeneren Bau, das rührt davon her, daß wir alles, was der Biber draußen verarbeitet, einmal im Laufe der Entwickelung auf unseren inneren Bau verwendet haben.Wir haben drinnen unseren Biberbau und können daher nach außen diese Kräfte nicht mehr in derselben Weise entfalten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Da sehen wir, wenn wir an einer einheitlichen Weltauffassung festhalten, wohin die verschiedenen Anlagen, die in den Wesen vorhanden sind, kommen und wie sie uns heute entgegentreten. Indem der Mensch in seiner Weise diese Kräfte verwendet hat, wurde für ihn in seiner Erdentwickelung eine ganz besondere Einrichtung notwendig, die wir zum Teil schon kennen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Warum mußten beim Menschen die Kräfte, von denen jetzt eben gesprochen worden ist und die uns bei den verschiedenen Arten und Gattungen des Tierreiches in äußeren Verrichtungen entgegentreten, auf das Innere der menschlichen Organisation verwendet werden? Weil der Mensch nur dadurch, daß er sich die innere Organisation verschaffen konnte, der Träger dessen werden konnte, was heute das Ich ist, was von Inkarnation zu Inkarnation schreitet. Eine andere Organisation hätte kein solcher Ich-Träger werden können; denn es hängt durchaus von dem äußeren Gehäuse ab, ob eine Ich-Individualität sich im Erden- dasein betätigen kann oder nicht. Sie könnte es nicht, wenn die äußere Organisation nicht der Ich-Individualität angemessen wäre. Alles lief also darauf hinaus, die äußere Organisation dieser Ich-Individualität angemessen zu machen. Dazu mußte eine besondere Einrichtung geschaffen werden, und die kennen wir schon ihrer wesentlichen Seite nach.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir wissen, daß unserer Erdentwickelung vorangegangen ist die Mondentwickelung, dieser wieder die Sonnenentwickelung und dieser eine Saturnentwickelung. Als die alte Mondentwickelung zu Ende war, war der Mensch auf einer Stufe in bezug auf sein äußeres Dasein, die man als Tier-Menschlichkeit bezeichnen kann. Aber damals war diese äußere menschliche 0rganisation noch nicht so weit, daß sie der Träger einer Ich-Individualität hätte werden können. Erst die Erdentwickelung des Menschen hatte die Aufgabe, dieser Organisation das Ich einzuverleiben. Das konnte aber nur dadurch geschehen, daß die Vorgänge unserer Erdentwickelung in einer ganz eigenartigen Weise eingerichtet wurden. - Als die alte Mondentwickelung zu Ende gegangen war, löste sich alles sozusagen in ein Chaos auf. Daraus ging nach einer entsprechenden Zeit kosmischer Dämmerung wieder hervor der neue Kosmos unserer Erdentwickelung. In diesem Kosmos der Erdentwickelung war &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|42}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
damals alles enthalten, v`as heute als unser Sonnensystem mit uns und der Erde verbunden ist. Aus diesem Zusammenhang, aus dieser kosmischen Einheit haben sich dann erst abgespalten alle andern Weltkörper von unserer eigentlichen Erde. Wir brauchen nicht einzugehen auf die Art und Weise, wie sich die andern Planeten, Jupiter, Mars und so weiter, abgespalten haben. Wir müssen nur darauf hinweisen, daß in einem bestimmten Zeitpunkt der Erdentwickelung sich unsere Erde und unsere Sonne getrennt haben. Als dann schon die Sonne abgetrennt war und ihre Wirkungen von außen auf die Erde hereinsandte, war unsere Erde noch mit dem heutigen Monde verbunden, so daß die Substanzen und geistigen Kräfte, die heute an den Mond gekettet sind, damals noch mit unserer Erde verbunden waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist öfter schon die Frage berührt worden, was geschehen wäre, wenn sich die Sonne nicht abgespalten hätte von der Erde und nicht übergegangen wäre zu jenem Zustande, in dem sie wie heute von außen auf die Erde wirkt. Indem zunächst die Erde noch mit der Sonne verbunden war, waren bei den ganz anders gearteten Verhältnissen noch das ganze kosmische System und auch die Vorfahren der menschlichen Organisation miteinander vereinigt. Es ist natürlich ein Unding, die heutigen Verhältnisse anzuschauen und dann zu sagen: Was ist das für ein Unsinn von den Theosophen; da hätten ja alle die organisierten Wesen verbrennen müssen! - Diese Wesen waren eben so, daß sie unter den damaligen Verhältnissen in dieser ganz anders gearteten kosmischen Einheit bestehen konnten. - Wenn nun die Sonne in Verbindung mit der Erde geblieben wäre, dann wären ganz andere, viel heftigere Kräfte mit der Erde verbunden geblieben, und die Folge wäre gewesen, daß die ganze Entwickelung der Erde mit einer solchen Heftigkeit und Schnelligkeit fortgeschritten wäre, daß es gar nicht möglich gewesen wäre, daß die menschliche Organisation sich hätte so ausleben können, wie sie sich ausleben mußte. Daher war es notwendig, daß der Erde ein langsameres Tempo und dichtere Kräfte zur Verfügung gestellt wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das konnte nur dadurch geschehen, daß die stürmischen, vehementen Kräfte sich herauszogen aus der Erde. So wirkten die Kräfte der Sonne vor allen Dingen dadurch schwächer, daß sie jetzt von außen durch die Entfernung auf die Erde wirkten. Dadurch aber war nun etwas anderes &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|43}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
eingetreten. Es war jetzt die Erde in einem Zustande, daß die Menschen wiederum nicht hätten in der richtigen Weise vorwärtskommen können. Die Verhältnisse waren jetzt zu dicht, zu sehr verholzend und verdorrend für alles Leben. Der Mensch hätte wieder nicht zu seiner Entwickelung kommen können, wenn es so geblieben wäre. Abgeholfen wurde dem durch eine besondere Einrichtung, indem nämlich einige Zeit nach dem Sonnenaustritt der heutige Mond die Erde verlassen hat und die verlangsamenden Kräfte, die das Leben hätten zu einem langsamen Tode kommen lassen, mit sich fortgenommen hat. So blieb die Erde zwischen Sonne und Mond zurück, gerade das richtige Tempo wählend für die menschliche Organisation, um ein Ich als einen Träger der Individualität, die von Inkarnation zu Inkarnation geht, wirklich aufzunehmen. Die menschliche Organisation, wie sie heute ist, war unter gar keinen andern Umständen aus dem Kosmos heraus herzu stellen als durch diesen Vorgang zunächst der Sonnen- und dann der Mondentrennung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es könnte vielleicht jemand sagen: Wenn ich der Herrgott gewesen wäre, so hätte ich es anders gemacht; ich hätte gleich eine solche Mischung hergestellt, daß die menschliche Organisation in einer solchenWeise hätte fortschreiten können, wie sie hat fortschreiten müssen. Warum nun war es nötig, daß zuerst die Sonne heraustreten mußte und daß dann noch einmal ein Mondaustritt notwendig wurde?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer so denkt, denkt viel zu abstrakt. Er denkt nicht daran, daß, wenn in der Weltordnung eine innerliche Mannigfaltigkeit herbeigeführt werden soll, wie es die menschliche Organisation ist, für jeden einzelnen Teil eine besondere Einrichtung notwendig ist und daß man das nicht in die Wirklichkeit umsetzen kann, was sich der menschliche Gedanke spintisierend ausdenkt. In abstracto kann man alles denken; aber in der wirklichen Geisteswissenschaft muß man lernen, konkret zu denken, so daß man sich sagt: Die menschliche Organisation ist ja keine einfache. Sie besteht aus einem physischen Leib, einem Ätherleib und einem astralischen Leib. Diese drei Glieder mußten erst in ein bestimmtes Gleichgewicht gebracht werden, so daß die einzelnen Teile in einem richtigen Verhältnisse zueinander stehen. Das konnte nur durch diesen dreifachen Vorgang stattfinden: Zuerst die Bildung des einheit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
lichen Kosmos, der ganzen kosmischen Einheit Erde, Sonne und Mond zusammen. Dann mußte vollzogen werden für sich dasjenige, was im menschlichen Ätherleib verlangsamend wirken konnte, weil er sonst zu stürmisch alle Entwickelung verzehrt hätte - und das geschah, indem die Sonne hinausgeführt worden ist. Und dann wieder mußte, weil der astralische Leib sonst die menschliche Organisation zu einem Ersterben gebracht hätte, der Mond hinausgeführt werden. Weil der Mensch in seiner Organisation drei Glieder hat, mußten auch diese drei Vorgänge&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
stattfinden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So sehen wir, daß der Mensch sein Dasein, seine gegenwärtigen Eigenschaften einer komplizierten Einrichtung im Kosmos verdankt. Wirwissen aber auch, daß die Entwickelung aller Naturreiche keineswegs gleichen Schritt halten kann mit der allgemeinen Entwickelung. Wir wissen aus den allgemeinen Betrachtungen der letzten Jahre, daß immer auf den einzelnen planetarischenVerkörperungen unserer Erde gewisse Wesenheiten zurückblieben hinter der allgemeinen Entwickelung, welche dann, wenn die Entwickelung vorwärtsschritt, in Zuständen lebten, die der Entwickelung nicht vollständig entsprachen. Wir wissen aber auch, daß alle Entwickelung im Grunde durch solches Zurückbleiben erst richtig in Fluß gebracht werden konnte. Wissen wir doch, daß gewisseWesen während der alten Mondentwickelung zurückgeblieben sind als die «luziferischen Wesenheiten», daß durch sie manches Schlimme verschuldet worden ist, daß wir ihnen aber auch das verdanken, was uns erst das Menschsein möglich macht, nämlich die Möglichkeit der Freiheit, der freien Entfaltung unseres Innenwesens. Ja, wir können sagen: In gewisser Beziehung war das Zurückbleiben der luziferischen Wesenheiten ein Opfer. Sie sind zurückgeblieben, damit sie während des Erdendaseins ganz besondere Tätigkeiten ausüben konnten, näm lich dem Menschen die Leidenschaften verleihen, die mit seiner menschlichen Würde und Selbstbestimmung zusammengehören. - Wir müssen uns eben angewöhnen, ganz andere Begriffe zu gebrauchen, als sie sonst üblich sind, denn aus den gewöhnlichen Begriffen heraus könnte man vielleicht sagen, es hätten die luziferischen Geister gehörig «nachsitzen» müssen, und man wird ihnen ihre Nachlässigkeit nicht verzeihen. Aber es hat sich nicht um eine Nachlässigkeit der luziferischen Wesen ge&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
handelt. Ihr Zurückbleiben ist in gewisser Beziehung ein Opfer gewesen, um durch das, was sie sich durch dieses Opfer angeeignet haben, auf unsere Erdenmenschheit wirken zu können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon aus den gestrigen Andeutungen wissen Sie, daß nicht nur Wesenheiten, sondern auch Substanzen zurückgeblieben sind und sich Gesetze bewahrt haben, die in früheren planetarischen Zuständen die richtigen waren und die sie dann hineingetragen haben in die spätere Entwickelung. So durchkreuzen sich Entwickelungsphasen von alter Zeit mit Entwickelungsphasen von neuer Zeit, sie gehen durcheinander.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dadurch wird die Mannigfaltigkeit des Lebens eigentlich erst möglich. - So stellen sich uns die verschiedensten Grade dar in der Entwickelung der Wesenheiten. Nicht möglich gewesen wäre es, daß neben dem Menschenreich sich überhaupt ein Tierreich entwickelt hätte, wenn nicht nach der Saturnperiode gewisse Wesen zurückgeblieben wären, um - während sich auf der Sonne die Menschen schon zu einer höheren Stufe entwickelt hatten - ein zweites Reich zu bilden und als erste Vorläufer unseres heutigen Tierreiches hervorzukommen. Für die Grundlage späterer Bildungen ist dieses Zurückbleiben durchaus notwendig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn nun die Frage aufgeworfen wird: Warum müssen Wesenheiten und Substanzen zurückbleiben? - so möchte ich das durch einen Vergleich klarmachen. Die Entwickelung des Menschen sollte vorwärts- schreiten von Stufe zu Stufe. Das konnte sie nur dadurch, daß der Mensch sich immer mehr und mehr verfeinerte. Hätte er immer mit denselben Kräften gewirkt&amp;gt; mit denen er während der Saturnphase wirkte, so wäre er nicht vorwärtsgekommen. Er wäre stehengeblieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deshalb mußte er seine Kräfte verfeinern. - Nun nehmen wir, um ein Bild zu haben, einmal ein Glas Wasser an, in welchem irgendein Stoff aufgelöst ist. Da wird alles von oben bis unten in diesem Glas gleiche Färbung zeigen, gleiche Dichtigkeit und so weiter, es wird alles gleich sein. Nehmen wir nun an, es setzen sich die gröberen Stoffe zu Boden, dann bleiben das reinere Wasser und die feineren Substanzen oben. Das Wasser konnte sich also nur dadurch verfeinern, daß es das Gröbere ausgeschieden hat. - So etwas war auch nötig, nachdem die Saturnentwickelung abgelaufen war, es mußte ein solcher Bodensatz entstehen, es mußte die ganze Menschheit etwas ausscheiden und sich &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
die feineren Teile zurückbehalten. Was ausgeschieden worden war, das wurden dann die~iere. Durch das Ausscheiden konnten sich die andern verfeinern und um einen Schritt höher kommen. Und auf jeder solchen Stufe mußten Wesenheiten ausgeschieden werden, damit der Mensch immer höher und höher kommen konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir haben also eine Menschheit, die nur dadurch möglich geworden ist, daß der Mensch sich befreit hat von denjenigen Wesenheiten, die um uns herum in den untergeordneten Reichen leben. Wir haben diese Wesenheiten mit allen ihren Kräften einmal in dem Strom der Entwickelung darinnen gehabt, sie waren damit verbunden wie in dem Wasser die dichteren Bestandteile. Wir haben sie zu Boden sinken lassen und haben uns daraus emporgehoben. Dadurch ist unsere Entwickelung möglich geworden.Wir sehen also hinunter auf die drei neben uns lebenden Naturreiche und sagen: In alledem sehen wir etwas, was unser Boden hat werden müssen, damit wir uns haben entwickeln können. Diese Wesenheiten sind hinuntergesunken, damit wir haben empor- steigen können. So blicken wir in der richtigen Art auf die untergeordneten Naturreiche.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir nun die Erdentwickelung betrachten, wird sich uns dieser Vorgang noch anschaulicher in seinen Einzelheiten darstellen können. Wir müssen uns klar sein, daß alle Tatsachen innerhalb unserer Erdentwickelung doch gewisse Verhältnisse und Zusammenhänge haben. Nun haben wir gesehen, daß die Abtrennung der Sonne und des Mondes von der Erde eigentlich geschehen ist, damit die menschliche Organisation während der Erdentwickelung hat zu derjenigen Höhe kommen können, um eine Individualität zu werden; das gehörte dazu, um die menschliche Organisation gleichsam zu reinigen. Aber dadurch, daß diese Abtrennungen im Weltenall um des Menschen willen geschahen, ist durch solche eingreifende Veränderung in unserem ganzen Sonnensystem doch auch ein Einfluß auf alle drei andern Naturreiche ausgeübt worden, vor allem auf das Tierreich, das uns zunächst steht. Und wenn wir diesen Einfluß verstehen wollen, der auf das Tierreich durch die Vorgänge der Sonnen- und Mondabspaltung geschah, dann bekommen wir aus der Geistesforschung folgenden Aufschluß.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Mensch war auf einer gewissen Stufe seiner Entwickelung, als&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
sich die Sonne abgespalten hatte. Hätte er nun diese Stufe beibehalten müssen, die er während der Zeit hatte, als der Mond noch mit der Erde verbunden war, so hätte der Mensch seine gegenwärtige Organisation nicht erlangen können, er hätte einer gewissen Verödung und Verdorrung entgegengehen müssen. DieMondenkräfte mußten erst heraus- gehen. Daß diese menschliche Organisation möglich geworden ist, ist aber nur dem Umstande zu verdanken, daß der Mensch während der Zeit, als der Mond noch in der Erde war, sich eine Organisation bewahrt hatte, welche noch erweicht werden konnte; denn es wäre möglich gewesen, daß seine Organisation bereits so hart gewesen wäre, daß das Hinausgehen des Mondes nichts mehr genutzt hätte. Auf dieser Stufe, daß die Organisation noch erweicht werden konnte, standen tatsächlich nur die Menschenvorfahren. - Der Mond mußte also zu einer bestimmten Zeit hinausgehen. Was geschah nun bis zu dem Zeitpunkt, wo der Mond heraustrat?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die menschliche Organisation wurde immer gröber und gröber. Der Mensch hat zwar nicht ausgesehen wie Holz. Das wäre eine zu grobe Vorstellung. Es war die damalige Organisation trotz ihrer Grobheit immer noch feiner, als es die jetzige Organisation ist. Aber für die damalige Zeit war die Organisation des Menschen so grob, daß der geistigere Teil des Menschen, der auch dazumal in einer gewissen Weise abwechselnd mit dem physischen Leib zusammen und ohne ihn gelebt hat, in der Zeit zwischen Sonnen- und Mondaustritt endlich dahin gekommen war, daß er, wenn er wieder hat seinen physischen Leib aufsuchen wollen&amp;gt; diesen Leib durch die Vorgänge der Erde so dicht gefunden hat, daß er keine Möglichkeit mehr hatte, in ihn hineinzuziehen und ihn als Gehäuse zu benutzen. Daher geschah es auch, daß der geistig-seelische Teil vieler Menschenvorfahren von der Erde überhaupt Abschied nahm und für eine gewisse Zeit das Fortkommen suchte auf andern, zu unserem Sonnensystem gehörigen Planeten. Nur ein ganz geringer Teil der physischen Leiber war weiter brauchbar und rettete sich über diese Zeit hinüber. Das habe ich auch schon öfter dargestellt, daß die weitaus größte Zahl der Menschenseelen in den Himmelsraum hinauszogen, daß aber die fortlaufende Entwickelungsströmung festgehalten wurde von einem kleinen Teil, nämlich von denjenigen mensch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
lichen Seelen, die am robustesten waren und das alles ertragen und überwinden konnten. Diese robusten Seelen retteten die Entwickelung über die kritische Periode hinüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während dieses ganzenVorganges handelte es sich noch nicht eigentlich um das, was wir menschliche Ichheit, menschliche Individualität nennen. Es war noch mehr der Charakter derGattungsseele vorhanden. Die Seelen gingen, wenn sie sich zurückzogen, auf in die GattungsSeelenhaftigkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann kam der Mondaustritt, und damit war wieder die Möglichkeit gegeben, daß die menschliche Organisation verfeinert wurde, so daß sie die Seelen&amp;gt; welche sich früher hinweggeflüchtet hatten, wieder aufnehmen konnte. Und diese Seelen kamen nach und nach - bis in die atlantische Zeit hinein - wieder herunter und bezogen die menschlichen Leiber. Aber es waren immerhin gewisse Organisationen zurückgeblieben, die sich während der kritischen Zeit herausgebildet hatten. Fortgepflanzt hatten sie sich während dieser Zeit, nur konnten sie nicht Träger werden der menschlichen Seelenhaftigkeit. Es waren eben grobe Organisationen. Es hatten sich also dazumal neben jenen Organisationen, die sich später verfeinern konnten, solche erhalten aus der kritischen Erdenperiode. Diese wurden nun die Vorläufer einer gröberen Organisation, und dadurch kam es, daß neben jenen Organisationen, welche Träger von menschlichen Individualitäten werden konnten, auch solche Organisationen sich fortpflanzten, die nicht Träger menschlicher Individualitäten werden konnten und die die Nachkommen waren der von menschlichen Seelen verlassenen Organismen aus jener Zeit, als die Sonne schon fort und der Mond noch mit der Erde verbunden war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also sehen wir neben dem Menschen sich förmlich herausbilden ein Reich von Organismen, die durch das Beibehalten des Mondcharakters unfähig geworden waren, Träger menschlicher Individualitäten zu sein. Diese Organisationen sind im wesentlichen die, welche die Organisationen unserer heutigen Tiere wurden. Es könnte sonderbar erscheinen, daß diese gröberen Organisationen der heutigen Tiere nun doch wieder gewisse Fähigkeiten haben, welche sogar weisheitsvoll wirken können in der Welt, wie zum Beispiel in dem Biberbau. Das aber kann uns &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
erklärlich werden, wenn wir uns eben die Dinge nicht gar zu einfach vorstellen, sondern uns klar sind, daß gerade die Organisationen dieser Wesenheiten, welche nicht von menschlichen Seelen bezogen worden sind, die äußeren Einrichtungen de`s tierischen Baues, eines gewissen Nervenbaues und dergleichen ausgebildet hatten, die es möglich machten, sich mit den Gesetzen des Erdendaseins ganz in Einklang zu versetzen. Denn jeneWesenheiten, die nicht fähig geblieben waren, menschliche Seelen aufzunehmen, waren während der ganzen Zeit mit der Erde verbunden geblieben. Die andern Organisationen, die sich später verfeinert haben, so daß sie menschliche Individualitäten aufnehmen konnten, waren zwar auch zusammen mit der Erde; aber weil sie später Veränderungen eingehen mußten, als der Mond draußen war, haben sie gerade, was sie sich bis dahin angeeignet hatten, dadurch verloren, daß sie sich verfeinerten, daß sie diese Veränderungen eingehen mußten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also merken wir: Als sich der Mond getrennt hatte von der Erde, waren auf der Erde gewisse Organisationen, die sich einfach fortgepflanzt hatten in der geraden Linie, wie sie hatten entstehen müssen, solange der Mond mit der Erde früher verbunden war. Diese Organisationen waren grob geblieben, hatten sich die Gesetze, die sie hatten, bewahrt und waren in sich so fest geworden, daß, als der Mond heraus- gegangen war, mit ihnen keine Veränderung möglich war. Sie pflanzten sich einfach steif fort. Die andern Organisationen, die Träger von menschlichen Individualitäten wurden, mußten sich verändern, konnten sich nicht steif fortpflanzen. Sie veränderten sich so, daß jetzt hin- einwirken konnten die Wesenheiten, die in der Zwischenzeit gar nicht mit der Erde verbunden waren, die ganz woanders waren und sich erst wieder zusammenfügen mußten mit der Erde. - Da haben Sie den Unterschied zwischen jenen Wesenheiten, die den alten steifen Mondcharakter fortbewahrt hatten, und jenen, die sich verändert hatten. Worin bestand nun die Veränderung?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als die Seelen, die von der Erde fortgegangen waren, wieder zurückkamen und wieder Besitz ergriffen von den Leibern, fingen sie an, das Nervensystem, das Gehirn und so weiter umzubauen.Was sie als Kräfte hatten, das verwendeten sie gleichsam zum inneren Ausbau. An den andern Wesenheiten, die sich versteift hatten, konnte nichts mehr geändert&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|50}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
werden. Von diesen letzteren Organisationen nahmen jetzt andere Wesenheiten Besitz, die sich noch nicht darauf ein ließen, in die Organisation einzugreifen, die noch auf ihren früheren Stufen stehen- geblieben waren, die überhaupt nicht so weit kommen, daß sie in die inneren Organisationen hineinwirken, sondern die von außen wirken wie die tierischen Gattungsseelen. So erhielten diejenigen Organisationen, welche dazu geeignet waren, nach dem Mondaustritt die menschliche Seele; und diese Wesenheiten bearbeiteten dann die Organisation so, daß sie zu dem vollkommenen Menschenbau führte. Die während der Mondenzeit steif gebliebenen Organisationen konnten nicht mehr geändert werden. Von denen ergreifen jetzt Besitz jene Seelen, die überhaupt noch nicht so weit waren, in eine Individualität einzuziehen, die auf der Mondenstufe stehengeblieben waren, die alles ausgebildet hat- ten, was auf der Mondenstufe zu erreichen war, und die daher jetzt als Gattungsseelen von diesen Organisationen Besitz ergriffen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So erklärt sich uns der Unterschied zwischen Mensch und Tier aus den kosmischen Vorgängen heraus. Gerade durch die kosmischen Vorgänge bei der Erdentwickelung ergeben sich uns zweierlei Organisationen. Hätten wir bei dem Bau der unmittelbar unter dem Menschen stehenden Wesenheiten stehenbleiben müssen, so müßten wir jetzt mit unserem Ich die Erde umschweben, weil die Organisationen zu steif geworden sind. Wir könnten nicht herunter, und obwohl wir vollkommenere Wesen geworden sind, müßten wir da sein, wo die Organisationen der Gattungsseelen der Tiere sind. Da aber unsere Organisationen sich verfeinern konnten, so konnten wir in sie einziehen und sie als unsere Wohnplätze benutzen, das heißt, wir konnten in fleischliche Verkörperungen bis zur Erde hinuntersteigen. Die Gattungsseelen hatten kein Bedürfnis danach. Sie wirken von der geistigen Welt in die Wesen hinein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir sehen also in dem Tierreich, das uns umgibt, etwas, was wir heute auch wären, wenn wir eben nicht unsere Organisation der geschilderten Einrichtung verdankten. Fragen wir uns jetzt Wodurch sind denn die unter uns stehenden Tiere mit ihren versteiften Organisationen auf die Erde gekommen? - Durch uns selber sind sie herunter- gekommen! Sie sind die Nachkommen jener Körper, die wir nach dem &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|51}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mondaustritt nicht mehr beziehen wollten, weil sie zu grob geworden waren. Wir haben diese Körper zurückgelassen, um später andere zu finden.Wir hätten später andere nicht finden können, wenn wir damals jene ersten nicht verlassen hätten. Denn wir mußten nach dem Heraus- treten der Sonne auf der Erde unser Fortkommen suchen. - Da haben wir gerade den Vorgang, daß wir sozusagen unter uns zurückließen gewisse Wesenheiten, damit wir selber die Möglichkeit finden konnten, höher hinaufzukommen. Um höher zu kommen, mußten wir zu andern Planeten gehen und die Leiber da unten verkommen lassen. Was unten zurückgeblieben ist, dem verdanken wir in gewisser Beziehung das, was wir sind. Ja, wir können dieses «Verdanken» noch viel genauer schildem. Wir können uns fragen: Wie ist es denn überhaupt möglich geworden, daß wir während der kritischen Periode die Erde verlassen konnten? So ohne weiteres geht das ja nicht, daß ein Wesen hingehen kann, wo es will.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da trat während der Erdentwickelung zum ersten Male dasjenige ein, was wir wiederum den luziferischen Geistern verdanken. Die luziferischen Wesenheiten waren unsere Führer, die uns in der kritischen Periode von der Erdentwickelung hinweggenommen haben. Sie haben uns gleichsam gesagt: Da unten kommt jetzt eine kritische Zeit; da müßt ihr die Erde verlassen! - Die luziferischen Geister waren es, unter deren Führung wir die Erde verlassen haben, dieselben luziferischen Geister, die in unseren damaligen astralischen Leib das luziferische Prinzip, den Hang zu allem, was wir die Möglichkeit des Bösen in uns nennen, hineinbrachten, damit zugleich aber allerdings auch die Möglichkeit der Freiheit. Hätten sie uns damals nicht fortgenommen von der Erde, so wären wir immer gekettet geblieben an die Gestalt, die wir damals geschaffen hatten, und wir könnten jetzt die Gestalt höchstens von oben umschweben, würden sie aber niemals beziehen können. So nahmen sie uns fort und verbanden ihr eigenes Wesen mit unserem Wesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir das ins Auge fassen, wird es uns jetzt verständlich, daß wir, während wir fortgingen, die luziferischen Einflüsse aufnahmen.&lt;br /&gt;
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Die Organisationen, welche dieses Schicksal nicht teilten, damals in ganz besondere Weltgebiete geführt zu werden, die mit der Erde verbunden blieben, die blieben unten ohne den luziferischen Einfluß. Sie &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
mußten mit uns die Erdenschicksale teilen - konnten aber nicht mit uns unser Himmelsschicksal teilen. Und als wir auf die Erde zurückkamen, hatten wir den luziferischen Einschlag in uns, nicht aber jene andern Wesen, und dadurch wurde es uns möglich, das Leben in einem physischen Körper und doch ein von dem physischen Körper unabhängiges Leben zu führen, so daß wir auch immer mehr und mehr unabhängig von dem physischen Körper werden konnten. Diese andern Wesen aber, die den luziferischen Einschlag nicht in sich hatten, stellten dar, was wir aus ihnen gemacht hatten, was unsere astralischen Leiber waren in der Zwischenzeit zwischen Sonnen- und Mondaustritt, also dasjenige, von dem wir uns befreiten. Wir schauen auf die Tiere und sagen: Alles, was die Tiere darstellen an Grausamkeit, an Gefräßigkeit, an allen tierischen Untugenden, neben der Geschicklichkeit, die sie haben, das hätten wir in uns, wenn wir sie nicht hätten aus uns heraussetzen können! - Wir verdanken die Befreiung unseres astralischen Leibes dem Umstande, daß alle gröberen astralischen Eigenschaften zurückgeblieben sind im Tierreich der Erde. Und wir können sagen: Wohl uns, daß wir das nicht mehr in uns haben: die Grausamkeit des Löwen, die List des Fuchses, daß es aus uns herausgezogen ist und außer uns ein selbständiges Dasein führt!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So haben die Tiere das mit uns gemeinschaftlich, was unser astralischer Leib ist, und haben dadurch die Möglichkeit, Schmerzen empfinden zu können. Aber sie haben gerade durch das, was jetzt gesagt worden ist, nicht die Möglichkeit erlangen können, durch den Schmerz und durch die Überwindung des Schmerzes immer höher und höher zu steigen. Denn sie haben keine Individualität. Dadurch sind die Tiere viel, viel übler daran als wir. Wir müssen die Schmerzen ertragen; aber jeder Schmerz ist für uns ein Mittel zur Vervollkommnung; indem wir ihn überwinden, steigen wir höher durch den Schmerz. Die Tiere haben wir zurückgelassen als etwas, was zwar die Schmerzfähigkeit schon hatte, aber noch nicht das, was sie über den Schmerz erheben konnte, wodurch sie den Schmerz überwinden. Das ist das Schicksal der Tiere. Sie zeigen uns unsere eigene Organisation auf der Stufe, da wir schmerzfähig waren, aber noch nicht durch Überwindung den Schmerz ins Heilsame für die Menschheit umwandeln konnten. So haben wir den &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Tieren im Laufe der Erdentwickelung unser schlimmeres Teil gegeben, und sie stehen um uns herum als Wahrzeichen dessen, daß wir zu unserer Vervollkommnung kamen. Wir hätten den Bodensatz nicht los- bekommen, hätten wir nicht die Tiere zurückgelassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Solche Tatsachen müssen wir nicht als Theorien betrachten lernen, sondern mit kosmischem Weltengefühl. Wir müssen hinblicken auf die Tiere mit dem Gefühl: Da draußen seid ihr, Tiere. Wenn ihr leidet, leidet ihr etwas, was uns Menschen zugute kommt.Wir Menschen haben die Möglichkeit, das Leiden zu überwinden; ihr müßt das Leiden er- dulden. Wir aber haben euch das Leiden gelassen - und uns die Überwindung genommen!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn man dieses kosmische Gefühl aus der Theorie entwickelt, wird es zu dem umfassenden Mitgefühl mit der Tierwelt. Wo daher das kosmische Gefühl aus der Urweisheit der Menschheit entsproß, wo die Menschen sich noch bewahrt hatten eine Erinnerung an das Urwissen, das jedem aus dem dämmerhaften Hellsehen sagte, wie die Dinge einst lagen, da hatte man sich damit auch das Mitgefühl für die Tierwelt bewahrt, und da tritt das Mitgefühl für die Tiere in einem hohen Maße hervor. - Dieses Mitgefühl wird wiederkommen, wenn die Menschen sich angewöhnen werden, spirituelle Weisheit aufzunehmen, wenn die Menschen wiederum einsehen werden, wie das Menschheitskarma mit dem Weltenkarma verbunden ist. In den Zeiten, welche sozusagen Zeiten der Verdunkelung waren, in denen das materialistische Denken Platz griff, hat man von diesen Zusammenhängen keine rechte Ahnung haben können. Da blickte man nur auf das, was im Raume nebeneinander ist, ohne zu berücksichtigen, daß dieses, was nebeneinander im Raume ist, einen einheitlichen Ursprung hat und sich nur in der Entwickelung getrennt hat. Und da fühlte man natürlich auch nicht, was die Menschen mit den Tieren verbindet. Und auf allen Gebieten der Erde, wo man die Mission gehabt hat, zu überdecken das Bewußtsein vom Zusammenhange des Menschen mit der Tierwelt, wo an Stelle dieses Bewußtseins nur ein solches getreten ist, das sich auf den äußeren physischen Raum beschränkt, da hat der Mensch den Tieren das, was er ihnen verdankt, in einer eigenartigen Weise vergolten - indem er sie eben aufgegessen hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|54}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Dinge zeigen uns aber zugleich, wie Weltanschauungen zu- sammenhängen mit der menschlichen Empfindungs- und Gefühlswelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Empfindungen und Gefühle sind letzten Endes Folgen derWeltanschauungen, und wie sich die Weltanschauungen und Erkenntnisse ändern, so werden sich auch die Empfindungen und Gefühle innerhalb des Menschheitszusammenhanges ändern. Der Mensch konnte nicht anders, als sich höher entwickeln; er mußte andere Wesen in den Abgrund stoßen, um selbst höher zu steigen. Er konnte den Tieren nicht geben eine Individualität, die im Karma ausgleicht, was die Tiere leiden müssen; er konnte ihnen nur den Schmerz überliefern, ohne ihnen die&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
karmische Gesetzmäßigkeit des Ausgleiches geben zu können. Was er ihnen aber früher nicht geben konnte, das wird ihnen der Mensch einst geben,wenn er zur Freiheit und zum Selbstlos-Sein seiner Individualität gekommen ist. Dann wird er - in bewußter Weise - auch auf diesem Gebiet die karmische Gesetzmäßigkeit fassen und wird sagen: Den Tieren verdanke ich, was ich bin. Was ich den einzelnen tierischen Wesen nicht mehr geben kann, welche von einem Einzeldasein in ein Schattendasein hinuntergegangen sind, was ich sozusagen einstmals an den Tieren verschuldet habe, das muß ich jetzt an den Tieren wieder gutmachen durch die Behandlung, welche ich ihnen angedeihen lasse! - Daher wird mit dem Fortschreiten der Entwickelung durch das Bewußtsein der karmischen Verhältnisse auch wieder ein besseres Verhältnis des Menschen zum Tierreich eintreten, als es jetzt, besonders im Abendlande, vorhanden ist. Eine Behandlung der Tiere wird kommen, durch welche der Mensch die Tiere, die er hinuntergestoßen hat, wieder heraufzieht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So sehen wir Karma und Tierreich denn doch in einem gewissen Verhältnis zueinander. Was das Tier als Schicksal erlebt, das können wir, wenn wir nicht alles durcheinanderwerfen wollen, nicht mit dem menschlichen Karma vergleichen. Aber wenn wir die ganze Erdentwikkelung betrachten und was um der Menschheit und ihrer Entwickelung willen geschehen mußte, dann werden wir sehen, daß wir in der Tat von einer Beziehung des Menschheitskarma zu der Tierwelt sprechen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|55}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= DRITTER VORTRAG Hamburg, 18. Mai 1910 =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Solche Betrachtungen, wie wir sie heute und in den allernächstenTagen anzustellen haben, können sehr leicht einem gewissen Mißverständnis unterworfen sein. Wir werden es zu tun haben mit mancherlei Krankheits- und Gesundheitsfragen vom Gesichtspunkte des Karma, und bei der Gegensätzlichkeit unserer heutigen Zeitströmungen gerade auf diesem Gebiete könnte leicht eine mißverständliche Auffassung der geisteswissenschaftlichen Grundlagen Platz greifen,wenn dieses Kapitel - der Zusammenhang von Krankheit und Gesundheit mit dem Karma - berührt wird. Sie wissen ja, daß in den weitesten Kreisen die Diskussion mit ziemlicher Heftigkeit und Leidenschaftlichkeit wogt, wenn Gesundheits- und Krankheitsfragen in Betracht kommen. Es ist Ihnen ja allen bekannt, wie sehr von seiten der Laien sowohl als auch von seiten dieser oder jener Ärzte Partei ergriffen wird gegen das, was man die wissenschaftliche Medizin nennt. Auf der andern Seite kann leicht bemerkt werden, wie die Vertreter der wissenschaftlichen Medizin vielleicht gerade herausgefordert werden durch manchen ungerechten Angriff, so daß sie nicht nur in eine Art von Leidenschaft verfallen, wenn es sich darum handelt - was ihr gutes Recht ist -, einzutreten für das, was die Wissenschaft dazu zu sagen hat, sondern daß von dieser Seite heute auch ein zum Teil recht arger Kampf geführt wird gegen das, was von andern Gesichtspunkten als den in der offiziellen Medizin vertretenen irgendwie gesagt wird über das in Betracht kommende Gebiet. Theosophie oder Geisteswissenschaft wird nur dann ihren hohen Aufgaben gerecht werden können, wenn sie auf einem solchen, von Diskussionen vielfach verdunkelten Gebiet das unbefangene und objektive Urteil wahrt. Wer ähnliche Vorträge von mir gehört hat, wird wissen, wie wenig es mir darum zu tun ist, einzustimmen in den Chor, der heute das, was man als «Schulmedizin» bezeichnet, diskreditieren will.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von einem Einstimmen in diese oder jene Parteirichtung kann bei der Geisteswissenschaft auch nicht im entferntesten die Rede sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es darf vielleicht gerade bei dieser Gelegenheit eiirleitend betont&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
werden, daß die Leistungen in bezug auf die Tatsachen und tatsächlichen Erforschungen der Erscheinungen gerade auf dem Gebiet des Krankheitswesens und der Gesundheitsfragen der Menschheit in den letzten Jahren und Jahrzehnten wahrhaftig zu ebensolchem Lobreden, Anerkennen und Bewundern herausfordern wie zahlreiche andere naturwissenschaftliche Ergebnisse. Und von dem, was auf diesem Gebiete an Tatsächlichem geleistet worden ist, darf auch gesagt werden: Wenn sich irgend jemand freuen darf über das, was die Medizin in den letzten Jahren geleistet hat, so kann dies gerade die Geisteswissenschaft sein. Auf der andern Seite muß aber auch betont werden, was gerade für die Naturwissenschaft gilt, daß die Errungenschaften und tatsächlichen Erkenntnisse und Entdeckungen zuweilen recht wenig richtige und befriedigende Interpretationen und Erklärungen finden durch das, was heute wissenschaftliche Meinungen sind. Das ist ja das Hervorstechendste in unserer Zeit für viele Gebiete naturwissenschaftlicher Forschung, daß die Meinungen, die Theorien nicht gewachsen sind den zuweilen wunderbaren Tatsachenergebnissen. Und erst das Licht, das von der Geisteswissenschaft ausgeht, wird Klarheit über das bringen, was auf diesem Gebiet in den letzten Jahren errungen worden ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem das vorausgeschickt worden ist, wird es klar sein, daß es sich nicht um irgendwelches Einstimmen in billige Bekämpfung dessen handelt, was auf dem Gebiet der wissenschaftlichen Medizin heute geleistet werden kann. Dann darf aber auch gesagt werden, daß die bewundernswerten Tatsachen, die zutage getreten sind, nicht fruchtbar werden können in unserer Zeit zum Heile der Menschheit, weil auf der andern Seite geradezu materialistisch gefärbte Meinungen und TheorIen diese Fruchtbarkeit verhindern. Daher ist es für die Theosophie viel besser, daß sie anspruchslos das sagt, was sie zu sagen hat, als in irgendeinen Parteikampf einzugreifen. Es werden dadurch viel weniger die Leidenschaften aufgeregt werden, als sie es heute schon sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir überhaupt einen Gesichtspunkt gewinnen wollen zu den Fragen, die uns beschäftigen sollen, dann müssen wir uns damit bekanntmachen, daß die Ursachen zu irgendeiner Erscheinung in der inannigfaltigsten Weise gesucht werden müssen, nähere und entferntere Ursachen, und daß die Theosophie, wenn es sich darum handeln &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
wird, karmische Ursachen zu Gesundheitsfragen zu suchen, es ein wenig zu tun haben wird mit den entfernteren Ursachen, die nicht an der Oberfläche liegen. Machen wir uns das durch einen Vergleich klar. Wenn Sie den Vergleich überdenken, werden Sie schon auf das kommen, was eigentlich gemeint ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen wir an, irgend jemand stehe auf dem Standpunkt, «wie wir es heute so herrlich weit gebracht haben» auf diesem Gebiete, und er verachte ganz die Meinungen, welche in den vergangenen Jahrhunderten über Gesundheit und Krankheit zutage getreten sind. Wenn Sie versuchen, einen Überblick über die Krankheits- und Gesundheitsfragen zu finden, werden Sie den Eindruck bekommen, daß die Darsteller eines solchen Gebietes gewöhnlich das Urteil haben: Was in den letzten zwanzig bis dreißig Jahren auf diesem Gebiete zutage getreten ist, das ist eine Art absoluter Wahrheit, die zwar ergänzt werden kann, aber nie ein solches absprechen des Urteil erfahren kann wie das, welches solche Beurteiler leider selbst abgeben über das meiste, was auf diesem Gebiete vorangegangen ist an menschlichem Sinnen und Trachten. Es wird zum Beispiel häufig gesagt: Wir finden gerade auf diesem Gebiete in den verflossenen Zeiten den krassesten Aberglauben -, und es werden dann recht abschreckende Beispiele angeführt, wie in den verflossenen Jahrhunderten versucht worden sei, dies oder das zu heilen. Insbesondere schlimm findet man, wenn man irgendwo auf Ausdrücke stößt, welche in der damaligen Bedeutung dem heutigen Bewußtsein längst verlorengegangen sind, sich aber dennoch in das heutige Bewußtsein eingeschlichen haben&amp;gt; und mit denen so, wie sie der heutige Mensch denkt, nichts anzufangen ist. So sagen einige: Da gab es Zeiten, in denen man eine jede Krankheit Gott oder dem Teufel zuschrieb! So schlimm, wie es solche Darsteller machen, liegt es deshalb nicht, weil sie nicht wissen, welcher Komplex von Anschauungen bei einem solchen Begriff ~Gott» oder «Teufel» gemeint war. Durch einen Vergleich können wir uns das klarmachen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen wir an, zwei Leute reden miteinander. Da erzählt der eine dem andern: Eben habe ich eine Stube gesehen, die ganz voller Fliegen ist. Nun sagt mir jemand, das sei ganz natürlich; und das glaube ich auch, denn die Stube ist sehr schmutzig, und dadurch finden die&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Fliegen ihr Fortkommen. Es ist ganz erklärlich, daß man das als Grund für das Vorhandensein der Fliegen annimmt, und ich glaube auch, daß derjenige ganz recht hat, der da sagt, die Fliegen werden nicht mehr in der Stube sein, wenn man einmal gründlich reinemacht! - Nun hat aber ein anderer erzählt, daß er noch etwas anderes wüßte, warum so viele Fliegen in dem Zimmer wären; und die Ursache könne er nicht anders ,bezeichnen,als daß in jenem Zimmer seit langem eine grundfaule Hausfrau hause. - Aber nun sieh einmal, was das für ein grenzenloser Aber- glaube ist: daß die Faulheit wie eine Art Persönlichkeit sei, die nur zu winken brauchte, und dann kämen die Fliegen herein! Da ist die andere Erklärung doch richtiger, die das Vorhandensein der Fliegen durch den angehäuften Schmutz erklärt!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nicht viel anders ist es auf einem andern Gebiete, wenn man sagt: Es ist jemand von einer Krankheit befallen, da er eben eine Infektion durch irgendeine Bazillenart erhalten hat; treibt man die Bazillen aus, so Ist die Heilung da. Nun reden aber da noch Leute von irgendeiner geistigen Ursache, die tiefer liege! Man braucht doch nichts anderes zu tun, als die Bazillen fortzutreiben! - Es ist nicht mehrAberglaube, von einer geistigen Ursache zu sprechen bei Erkrankungen, doch alles übrige anzuerkennen, als in dem Falle, wo die Ursache für das Dasein der Fliegen in einer grundfaulen Hausfrau gesehen wird. Und man braucht nicht zu wettern, wenn man sagt: Die Fliegen werden nicht mehr da sein, wenn einmal reinegemacht wird. Nicht darum handelt es sich, daß der eine den andern bekämpft, sondern daß man lernt, sich gegenseitig zu verstehen und einzugehen auf das, was der eine will und was der andere will. Das muß man durchaus berücksichtigen, wenn von den unmittelbar naheliegenden Ursachen mit Recht gesprochen wird und wenn von den entfernteren Ursachen gesprochen wird. Der objektive Theosoph wird sich durchaus nicht auf den Standpunkt stellen, daß die Faulheit nur eine Art von Wink zu geben brauche, damit die Fliegen in das Zimmer kommen; er wird wissen, daß auch andere materielle Dinge dabei in Betracht kommen, daß aber alles, was materiell zum Ausdruck kommt, seine geistigen Hintergründe hat und daß diese geistigen Hintergründe zum Heile der Menschheit gesucht werden müssen. Diejenigen aber, welche in den Kampf gern einstimmen möchten, die sollen &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
auch daran erinnert werden, daß die geistigen Ursachen nicht immer in derselben Weise aufgefaßt werden dürfen und auch nicht in der gleichen Art bekämpft werden können wie die gewöhnlichen materiellen Ursachen. Und man darf auch nicht denken, daß man durch das Bekämpfen der geistigen Ursachen enthoben wäre der Bekämpfung der materiellen Ursachen; denn sonst könnte man die Stube schmutzig lassen und brauchte nur gegen die Faulheit der Hausfrau zu Felde zu ziehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir nun das Karma betrachten, müssen wir sprechen von Zusammenhängen zwischen Ereignissen, wie sie im Menschenleben eintreten in einer früheren Zeit und wie sie ihre Wirkung auf dasselbe Menschenwesen zeigen in einer späteren Zeit. Wenn wir sprechen von Gesundheit und Krankheit vom Gesichtspunkte des Karma aus, so heißt das nichts anderes als: Wie können wir uns vorstellen, daß der gesunde oder kranke Zustand eines Menschen seine Begründung findet in früheren Taten, Verrichtungen und Erlebnissen dieses Menschen? Und wie können wir uns vorstellen, daß sein gegenwärtiger Gesundheits- oder Krankheitszustand mit zukünftigen Wirkungen, die auf dasselbe esen zurückfallen, im Zusammenhang steht?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am liebsten wird der heutige Mensch überhaupt glauben, daß eine Krankheit mit den allernächsten Ursachen nur im Zusammenhange stehe. Denn der Grundnerv unserer heutigen Weltanschauung auf allen Gebieten ist ja der, daß man Bequemlichkeit sucht; und stehenbleiben bei den allernächsten Ursachen ist eine bequeme Sache. Daher werden gerade in bezug auf Erkrankungen nur die allernächsten Ursachen berücksichtigt - und am meisten geschieht das von den Kranken selbst. Denn wie wäre es zu leugnen, daß die Kranken selbst veranlaßt sind, solche Bequemlichkeit zu üben? Aus diesem Umstande heraus ergibt sich so viel Unzufriedenheit, wenn ein solcher Glaube existiert, die Krankheit müsse die allernächsten Ursachen haben, welche von dem kundigen Arzt gefunden werden müssen; und wenn der Arzt dann nicht helfen kann, hat er irgend etwas verpfuscht. Aus dieser Bequemlichkeit des Urteils gebt vieles von dem hervor, was heute auf diesem Gebiete gesagt wird. Wer Karma in seinen weitverzweigten Wirkungen zu betrachten versteht, der wird immer mehr seinen Blick erweitern von dem, was heute geschieht, zu Ereignissen, die verhältnismäßig sehr &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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weit zurückliegen. Und er wird vor allen Dingen die Überzeugung gewinnen, daß eine durchgreifende Erkenntnis eines Sachverhaltes, der den Menschen trifft, nur möglich ist, wenn man den Blick erweitern kann über das, was weiter zurückliegt. Insbesondere beim erkrankten Menschen ist das der Fall.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir vom kranken und auch vom gesunden Menschen sprechen, drängt sich uns die Frage auf die Lippen: Wie können wir uns von dem Kranksein überhaupt einen Begriff machen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn die geisteswissenschaftlicheForschung direkt vorgeht und den hellseherischen Blick zu Hilfe nimmt, wird sie immer, wenn es sich um Erkrankungen des Menschen handelt, Unregelmäßigkeiten bemerken, nicht nur im physischen Leibe des Menschen, sondern auch in den höheren Wesensgliedern des Menschen, im Ätherleibe und im astralischen Leibe. Und der hellseherische Forscher wird bei einem Krankheitsfall immer in Betracht ziehen müssen&amp;gt; welches in dem betreffenden Falle der Anteil sein kann des physischen Leibes auf der einen Seite und des Ätherleibes und des astralischen Leibes auf der andern Seite; denn alle drei Wesensglieder des Menschen können an der Erkrankung beteiligt sein. Nun entsteht die Frage: Welche Vorstellungen können wir über das Wie der Krankheit gewinnen? - Dem kommt man am leichtesten bei, wenn man in Betracht zieht, wieweit man den Begriff «Krankheit» überhaupt ausdehnen darf. Diejenigen, die gern in allerlei allegorisch-symbolischen Begriffen sprechen, auch da, wo sie nicht hin- gehören, denen mag es überlassen bleiben, wenn sie auch bei Mineralien oder Metallen von Erkrankungen sprechen, indem sie zum Beispiel sagen, wenn der Rost das Eisen frißt, sei das eine Krankheit des Eisens. Man muß sich dabei nur darüber klar sein, daß man durch solche abstrakten Begriffe zu einem wirklichen gedeihlichen Erfassen des Lebens nicht kommen kann; man kann nur kommen zu einer Art spielerischen Erkenntnis des Lebens, nicht aber zu einem Erkennen, das wirklich eingreift in die Tatsachen.Wer zu einem realen Krankheitsbegriff und auch zu einem realen Gesundheitsbegriff kommen will, muß sich hüten, davon zu sprechen, daß Mineralien und Metalle auch erkranken können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun ist die Sache schon anders, wenn wir ins Pflanzenreich hinaufgehen. Da dürfen wir gewiß von Erkrankungen der Pflanzen sprechen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Aber gerade Pflanzenkrankheiten sind für das reale Erfassen der Vorstellung «Krankheit» von einem ganz besonderen Interesse und von ganz besonderer Wichtigkeit. Bei Pflanzen wird man, wenn man wieder nicht spielerisch zu Werke geht, nicht leicht sprechen können von inneren Krankheitsursachen. In demselben Maße,wie man bei Tier und Mensch von inneren Krankheitsursachen sprechen kann, kann man bei Pflanzen nicht davon sprechen. Die Erkrankungen im Pflanzenreiche werden Sie immer zurückzuführen haben auf äußere Veranlassungen, auf diese oder jene schädlichen Einflüsse des Bodens, ungenügende Belichtungen, auf diese oder jene Wirkungen des Windes und auf sonstige elementare und Naturwirkungen. Oder Sie werden solche Erkrankungen von Pflanzen zurückzuführen haben auf Einflüsse von Parasiten, die sich an die Pflanzen heranmachen und sie schädigen. Und wir werden innerhalb des Pflanzen reiches mit Recht davon sprechen, daß der Begriff «innere Krankheitsursache» im Grunde gar keine Berechtigung hat. - Es ist natürlich nicht möglich, da ich nicht ein halbes Jahr über dieses Thema sprechen kann, daß ich mit unzähligen Belegen versehe, was ich jetzt angedeutet habe. Aber je tiefer wir in die Pflanzenpathologie eindringen, desto mehr werden wir sehen, daß von dem Begriff «innere Krankheitsursache» bei den Pflanzen nicht die Rede sein kann, sondern daß es sich da um äußere Veranlassungen und Schädigungen, um äußere Einflüsse handelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun haben wir in der Pflanze, wie sie uns zunächst in der äußeren Welt entgegentritt, ein Wesen vor uns, das uns ein Gefüge von einem physischen Leibe und einem Atherleibe zeigt. Und wir haben damit zugleich ein Wesen vor uns, das uns sozusagen aufmerksam darauf macht, daß ein solches Wesen mit physischem Leib und Ätherleib im Grunde dem Prinzip nach gesund ist und daß es warten muß, bis es eine äußere Schädigung erfährt, wenn es krank werden soll. Damit stimmt auch durchaus der geisteswissenschaftliche Tatbestand.Während wir durch die Methoden der hellseherischen Forschung im Tier- und Menschenreich bei Erkrankungen ganz entschieden im Inneren des Wesens - in den übersinnlichen Teilen - Veränderungen erblicken, können wir innerhalb einer erkrankten Pflanze niemals davon sprechen, daß der ursprüngliche Ätherleib selber verändert wäre, sondern nur &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
davon, daß sich von außen allerlei Störungen und schädliche Einflüsse in den physischen Leib und namentlich in den Ätherleib hineingedrängt haben. Der geisteswissenschaftliche Tatbestand rechtfertigt durchaus das, was wir als allgemeinen Schluß gewinnen: daß in dem, was bei den Pflanzen in Betracht kommt - nämlich physischer Leib und Ätherleib -, etwas ursprünglich Gesundes vorliegt. Aber etwas anderes ist es, wie die Pflanze imstande ist, wenn sie äußere Schädigungen erfährt, alles mögliche aufzuwenden, um in Wachstum und Entwickelung sich gegen die Schädigungen zu wehren, sich zu heilen. Beobachten Sie einmal, wenn Sie eine Pflanze anschneiden, wie sie versucht, die beschädigte Stelle zu umwachsen, zu umgehen, was ihr da im Wege liegt und sie schädigt. Und wir können es fast mit Händen greifen,wie in der Pflanze eine innere Abwehr, eine Heilkraft vorhanden ist, wenn eine äußere Schädigung eintritt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So sehen wir, daß wir in dem Ätherleib und physischen Leib der Pflanze etwas vor uns haben, was imstande ist, mit inneren Heilkräften zu antworten auf äußere Schädigungen. Das ist eine außerordentlich wichtige Tatsache, wenn man auf diesem Gebiete zur Klarheit kommen will. Ein Wesen wie die Pflanze mit physischem Leibe und Ätherleib zeigt uns also nicht nur, daß der physische Leib und der Ätherleib ursprünglich Prinzipien der Gesundheit in sich haben, soviel notwendig ist zur Entwickelung und zum Wachstum des betreffenden Wesens, sondern es zeigt uns ein solches Wesen sogar, daß ein Überschuß vorhanden ist von solchen Kräften, die sich in den Heilkräften ausleben können, wenn von außen Schädigungen kommen. - Woher müssen denn diese Heilkräfte stammen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn Sie in einen bloß physischen Körper hineinschneiden, wird die Schädigung bleiben. Er wird aus sich heraus nichts tun können, um die Schädigung sozusagen zu heilen. Deshalb können wir bei einem bloß physischen Körper nicht von einer Erkrankung sprechen, und am wenigsten davon,daß Krankheit und Heilung in Beziehung zueinander stehen können. Das können wir am besten sehen, wenn eine Krankheit bei einer Pflanze zutage tritt. Da haben wir das Prinzip der inneren Heilkraft zu suchen im Ätherleibe. Das zeigt wiederum im eminentesten Maße der geisteswissenschaftliche Tatbestand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
davon, daß sich von außen allerlei Störungen und schädliche Einflüsse in den physischen Leib und namentlich in denÄtherleib hineingedrängt haben. Der geisteswissenschaftliche Tatbestand rechtfertigt durchaus das, was wir als allgemeinen Schluß gewinnen: daß in dem, was bei den Pflanzen in Betracht kommt - nämlich physischer Leib und Ätherleib -, etwas ursprünglich Gesundes vorliegt. Aber etwas anderes ist es, wie die Pflanze imstande ist, wenn sie äußere Schädigungen erfährt, alles mögliche aufzuwenden, um in Wachstum und Entwickelung sich gegen die Schädigungen zu wehren, sich zu heilen. Beobachten Sie einmal, wenn Sie eine Pflanze anschneiden, wie sie versucht, die beschädigte Stelle zu umwachsen, zu umgehen, was ihr da im Wege liegt und sie schädigt.Und wir können es fast mit Händen greifen,wie in der Pflanze eine innere Abwehr, eine Heilkraft vorhanden ist, wenn eine äußere Schädigung eintritt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So sehen wir, daß wir in dem Ätherleib und physischen Leib der Pflanze etwas vor uns haben, was imstande ist, mit inneren Heilkräften zu antworten auf äußere Schädigungen. Das ist eine außerordentlich wichtige Tatsache, wenn man auf diesem Gebiete zur Klarheit kommen will. Ein Wesen wie die Pflanze mit physischem Leibe und Ätherleib zeigt uns also nicht nur, daß der physische Leib und der Ätherleib ursprünglich Prinzipien der Gesundheit in sich haben, soviel notwendig ist zur Entwickelung und zum Wachstum des betreffenden Wesens, sondern es zeigt uns ein solches Wesen sogar, daß ein Überschuß vorhanden ist von solchen Kräften, die sich in den Heilkräften ausleben können, wenn von außen Schädigungen kommen. - Woher müssen denn diese Heilkräfte stammen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn Sie in einen bloß physischen Körper hineinschneiden, wird die Schädigung bleiben. Er wird aus sich heraus nichts tun können, um die Schädigung sozusagen zu heilen. Deshalb können wir bei einem bloß physischen Körper nicht von einer Erkrankung sprechen, und am wenigsten davon, daß Krankheit und Heilung in Beziehung zueinander stehen können. Das können wir am besten sehen, wenn eine Krankheit bei einer Pflanze zutage tritt. Da haben wir das Prinzip der inneren Heilkraft zu suchen im Ätherleibe. Das zeigt wiederum im eminentesten Maße der geisteswissenschaftliche Tatbestand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|63}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denn um die Wunde einer Pflanze herum beginnt der Ätherleib der Pflanze ein viel regeres Leben, als er vorher dort entfaltete. Er bringt ganz andere Formen aus sich heraus, entwickelt ganz andere Strömungen. Das ist das außerordentlich Interessante, daß wir geradezu älen Ätherieib der Pflanze herausfordern zu einer erhöhten Tätigkeit, wenn wir der Pflanze in bezug auf den physischen Leib eine Schädigung bei- bringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit haben wir zwar nicht den Begriff der Krankheit definiert; aber wir haben etwas getan, um zum Wie der Krankheit zu kommen, und wir haben etwas erreicht, was uns eine Ahnung verschafft über das innere Wie der Heilung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt gehen wir einmal - immer am Leitfaden der inneren, hellseherischen Beobachtung - weiter und versuchen wir, die äußeren Erscheinungen vernunftgemäß zu begreifen, zu denen uns die Geisteswissenschaft führt. Dann können wir jetzt aufsteigen von den Schädigungen, welche wir Pflanzen beibringen, zu gewissen Schädigungen, welche wir Tieren beibringen, die also Wesen sind, die schon einen astralischen Leib haben. Wenn wir da im groben Sinne zu Werke gehen, so werden wir sehen, daß wir bei den höheren Tieren verhältnismäßig sehr wenig - und immer weniger, je höher das Tier steht - von dem erblicken können, was bei den Pflanzen in umfassendem Maße hervortritt: nämlich jenes Antworten des Ätherleibes auf äußere Schädigungen. Wenn wir grobe Schädigungen dem physischen Leibe eines niederen oder auch eines höheren Säugetieres beibringen, reißen wir zum Beispiel einem Hunde ein Bein aus oder dergleichen, dann werden wir finden, daß der Ätherleib des Hundes nicht so leicht mit seiner Heilkraft antworten kann, wie der Atherleib der Pflanze antwortet auf eine Schädigung, die in ahnlicherWeise der Pflanze zugefügt worden ist. Aber auch im Tierreich ist das noch in großem Maße zu sehen. - Nehmen wir an, wir steigen hinunter bis zu ganz niedrigen tierischen Wesen, zu den Tritonen oder ähnlichen. Solche niederen Tierwesen können Sie zerschneiden; schneiden wir einem solchenWesen gewisse Organe ab, so ist das, könnte man sagen, dem Tiere gar nicht besonders unangenehm. Die Organe wachsen mit großer Schnelligkeit wieder nach, und das Tier sieht bald wieder so aus wie früher. Da ist etwas Ähnliches wie bei der Pflanze &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|64}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
geschehen: Wir haben eine gewisse Heilkraft im Ätherleibe herausgefordert. Wer würde leugnen, daß die Herausforderung, Heilkräfte im Ätherleib zu entwickeln, beim Menschen oder beim höheren Tier eine erhebliche Gefährdung der Gesundheit bedeuten würde? Das niedere Tier dagegen wird in seinem Ätherleibe nur herausgefordert, ein an- deres Glied aus seinem Inneren durch seinen Ätherleib herauswachsen zu lassen. Nun steigen wir etwas weiter hinauf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir jetzt zum Beispiel bei Krebsen ein Glied abschneiden, so sind die Krebse nicht sogleich imstande, ein anderes Glied aus sich her- auswachsen zu lassen. Aber wenn sie sich das nächste Mal häuten,wenn sie bei der nächsten Übergangsstufe ihres Lebens ankommen, dann schon treibt für das abgebrochene Glied ein Stumpf heraus; beim zweitenmal wird er schon größer sein, und wenn sich das Tier genügend oft häuten würde, so würde das Glied ersetzt werden durch ein neues. - Da haben Sie die Erscheinung, daß in solchem Ätherleib schon mehr dazu gehört, damit die innere Heilkraft herausgefordert wird. Und bei den höheren Tieren ist das nun gar nicht mehr in diesem Maße der Fall. Wenn wirein höheres Tier verstümmeln, kann es zunächst nicht diese Heilkraft aus seinem Ätherleibe heraus aufbringen. Aber es muß immer wieder betont werden,was heute in einen bedeutsamen naturwissenschaftlichen Streit hineinspielt: Wenn Sie das Tier verstümmeln, und das Tier hat Nachkommen, so übertragen sich diese Verstümmelungen nicht auf die Nachkommen; die nächste Generation hat wieder die vollen Glieder. Wenn der Ätherleib seine Eigenschaften auf die Nachkommen überträgt,wird er wieder angeregt, einen vollständigen Organismus heraus zusetzen. Beim Tritonen wirkt der Ätherleib noch in demselben Tiere, beim Krebs erst in der Häutung; bei den höheren Tieren tritt dasselbe erst bei den Nachkommen ein; da ersetzt der Ätherleib,was in der vor hergehenden Generation verstümmelt worden ist. Wir müssen also solche Erscheinungen in der Natur gradweise betrachten, dann wird es uns klarwerden, daß selbst dann noch von einer Heilkraft im Ätherleibe gesprochen werden muß, wenn die Vererbungen von den Vorfahren auf die Nachkommen gehen, und daß der Ätherleib sich so vererbt, daß er wieder das ganze, ungeteilte Tier hervorbringt. Da haben Sie sozusagen ein Aufsuchen des Wie der Heilkräfte im Ätherleib.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Nun können wir die Frage aufwerfen:Woran liegt es denn, je weiter wir in der Tierreihe hinaufsteigen - und wenn wir das Menschen reich äußerlich betrachten, gilt das auch -, daß der Ätherleib immer mehr Anstrengungen machen muß, um überhaupt die Heilkräfte herauszubekommen? - Das liegt daran, daß der Ätherleib in der verschiedensten Weise mit dem physischen Leibe verbunden sein kann. Es gibt zwischen dem physischen Leibe und dem Ätherleibe sozusagen eine innigere Gemeinschaft und eine losere. Nehmen wir zum Beispiel ein niederes Tier, den Triton, bei dem ein abgeschnittenes Glied sich sogleich wieder ansetzt. Da müssen wir eine lose Verbindung annehmen zwischen Ätherleib und physischem Leib. Und in noch höherem Maße gilt das bei der Pflanzenwelt. Da müssen wir sagen: Die Verbindung ist eine derartige, daß der physische Leib nicht imstande ist, auch auf den Ätherleib zurückzuwirken, so daß der Ätherleib ungeschoren bleibt durch das, was im physischen Leibe geschieht, und daß der Ätherleib in gewisser Beziehung unabhängig ist vom physischen Leibe. Nun ist das Wesen des Ätherleibes das des Tätigseins, des Hervorbringens, des Wachstumförderns. Er fördert das Wachstum bis zu einer bestimmten Grenze. In dem Augenblick, da wir bei Pflanzen oder niederen Tieren ein Glied abschneiden, ist der Ätherleib gleich wieder bereit, das Glied zu ergänzen, das heißt, die volle Tätigkeit zu entfalten. Was muß aber vorliegen, wenn er die volle Tätigkeit nicht entfalten kann? Dann müßte er mehr gebunden sein an die Tätigkeit des betreffenden Gliedes. Und&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
das ist in der Tat bei den höheren Tieren der Fall. Da ist eine viel innigere, dichtereVerbindung zwischen Ätherleib und physischem Leib vorhanden. Wenn der physische Leib seine Formen ausbildet, wirken diese Formen - also was in der physischen Natur ist - wieder zurück auf den Ätherleib.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir anschaulich sprechen wollen: Bei ganz niederen Tieren oder bei Pflanzen wirkt das, was draußen ist, nicht zurück auf den Atherleib, läßt ihn ungeschoren, führt ein selbständiges Dasein. Sobald wir zu höheren Tieren kommen, drängen die Formen des physischen Leibes rückwärts sich dem Ätherleibe auf; da ist der Ätherleib ganz angepaßt dem physischen Leibe, und wir verletzen mit dem physischen Leibe zugleich den Ätherleib. Dann muß natürlich derÄtherleib tiefere &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Kräfte anwenden, weil er zuerst sich selber wieder herstellen muß - und dann erst die betreffenden Gliedmaßen. Daher müssen wir an tiefere Heilkräfte appellieren,wenn wir an denÄtherleib eines höheren Tieres herangehen. Womit hängt das aber zusammen? Warum ist der Ätherleib eines höheren Tieres so abhängig von den Formen des physischen Leibes?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Je weiter wir in der Tierreihe vorschreiten, um so mehr haben wir zu berücksichtigen nicht nur die Tätigkeit des physischen Leibes und des Ätherleibes, sondern auch die des astralischen Leibes. Der astralische Leib kommt bei den niederen Tieren in seiner Wirksamkeit noch außerordentlich wenig in Betracht. Daher haben die niederen Tiere noch so viel Pflanzenähnliches. Je höher wir hinaufsteigen, desto mehr kommt der astralische Leib in Betracht. Der wirkt aber nun so, daß er den Ätherleib von sich abhängig macht. EinWesen wie die Pflanze, das nur physischen Leib und Ätherleib hat, hat mit der Außenwelt wenig zu tun; es werden Reize ausgeübt, aber die drücken sich nicht aus in inneren Vorgängen. Wo dagegen ein astralischer Leib wirksam ist, da spiegeln sich die äußeren Eindrücke in inneren Vorgängen. Ein Wesen, das den astralischen Leib nicht wirksam hat, ist innerlich mehr abgeschlossen der Außenwelt gegenüber. Es öffnet sich ein Wesen um so mehr der Außenwelt, als der astralische Leib wirksam ist. Also verbindet der astralische Leib das Innere eines Wesens mit der Außenwelt. Die zunehmende Wirksamkeit des astralischen Leibes macht, daß der Ätherleib viel stärkere Kräfte aufwenden muß, um auftretende Schädigungen wieder auszugleichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir aber jetzt hinaufsteigen vom Tier zum Menschen, ist noch etwas anderes zu berücksichtigen. Da werden in diesen astralischen Leib nicht nur hineingeprägt, hineingetragen die vorgeschriebenen Verrichtungen, wie es mehr beim Tiere der Fall ist: das Tier lebt mehr mit einer gebundenen Marschroute, lebt mehr mit einem gebundenen Lebensprogramm. Sie werden nicht leicht beim Tiere davon sprechen können, daß es in besonderem Maße gegenüber seinen Instinkten ausschwcifend wäre oder sich mehr in seinen Instinkten der Mäßigkeit hingeben könne. Es folgt seinem Lebensprogramm. Was sich beim Tier ausdrückt, ist einer Art von typischem Programm unterworfen. Der &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Mensch aber ist in der Lage, gerade dadurch, daß er höher hinaufgestiegen ist in der Stufenleiter der Entwickelung, alle möglichen Unterschiede - zwischen Richtig und Unrichtig, Wahrheit und Lüge, Gut und Böse - auszuleben. In der verschiedensten Weise kommt er durch nur individuelle Anlässe mit der Außenwelt in Berührung. Alle diese Arten von Berührungen fallen zurück, machen Eindruck auf seinen astralischen Leib. Und die Folge ist, daß auch die Wechselwirkung zwischen astralischem Leib und Ätherleib jetzt nach diesen äußeren Erlebnissen ausfallen muß. Wenn also ein Mensch in irgendeiner Beziehung ein ausschweifendes Leben führt, so bedeutet das einen Eindruck auf seinen astralischen Leib. Wir haben aber gesehen, daß der astralische Leib wieder den Ätherleib beeinflußt - wie, das wird ab- hängen von dem, was in den astralischen Leib hineingelegt worden ist. Daher werden wir jetzt verstehen können, daß der Ätherleib des Menschen geändert wird, je nachdem der Mensch dieses oder jenes Leben führt in den Grenzen von Gut und Böse, Richtig oder Unrichtig, von Wahrheit oder Lüge und so weiter. Das übt einen Einfluß auf den Ätherleib des Menschen aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun erinnern wir uns, wie die Vorgänge sind, wenn der Mensch durch die Pforte des Todes tritt. Wir wissen, daß der physische Leib abgelegt wird und daß zurückbleibt der Ätherleib, der nun mit dem astralischen Leib und dem Ich verbunden ist.Wenn nun nach dem Tode eine Zeit vergangen ist, die sich nur nach Tagen bemißt, wird das Hauptsächlichste des Ätherleibes als ein zweiter Leichnam abgeworfen; es bleibt jedoch ein Extrakt des Ätherleibes zurück, der mitgenommen wird und erhalten bleibt für alle kommenden Zeiten. In diesem Extrakt des Ätherleibes ist nun alles wie in einer Essenz darinnen, was im Leben hineingekommen ist zum Beispiel von einem ausschweifenden Leben, oder was der Mensch aufgenommen hat als das Ergebnis eines richtigen oder unrichtigen Denkens, Handelns und Fühlens. Das enthält der Ätherleib, und das nimmt der Mensch mit in die Zeit bis zur neuen Geburt. Weil das Tier solche Erlebnisse überhaupt nicht hat, kann es natürlich nichts in derselbenWciöse hinter die Pforte des Todes hinüberbringen. Wenn nun der Mensch wieder durch eine Geburt ins Dasein tritt, ist die Essenz seines früheren Ätherleibes etwas, was sich wieder &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
hineinergießt in seinen neuen Ätherleib, was den neuen Ätherleib beim Aufbau durchdringt. Daher hat der Mensch in seinem neuen Dasein im Ätherleib darinnen die Ergebnisse dessen, wie er im früheren Leben gelebt hat. Und da der Ätherleib der Auferbauer ist einer ganz neuen Organisation nach einer neuen Geburt, so prägt sich das jetzt alles auch in seinen physischen Leib hinein. Warum kann sich das in den physischen Leib hineinprägen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die geisteswissenschaftliche Forschung zeigt uns, daß wir in der Form eines Menschenleibes, der durch die Geburt ins Dasein tritt, ungefähr sehen können, welche Taten der Mensch in einem früheren Leben verrichtet hat. Aber werden wir auch eine ganz vernunftgemäße Erklärung finden für das, was sich uns dargestellt hat als abnehmende Heilkraft in der aufsteigenden Entwickelungsreihe der Tiere? Da wir bei einem Tiere nicht-davon sprechen können, daß es bei seiner Geburt eine wiederverkörperte Individualität aus einem früheren Erdendasein mitbringt, so werden wir nur den allgemeinen astralischen Leib dieser Tiergattung wirksam finden, und der wird bei diesem Tier die Heilkräfte des Ätherleibes beschränken. Beim Menschen aber finden wir, daß nicht nur sein astralischer Leib, sondern auch sein Ätherleib imprägniert ist mit den Ergebnissen der Taten des vorhergehenden Lebens. Und weil der Ätherleib für sich die Kraft hat, das hervorzubringen, was er von früher her in sich hat, so werden wir auch begreifen, daß er, wenn jetzt eine andere Kraft in ihm auftritt, auch imstande sein wird, in den ganzen Aufbau der Organisation das hineinzulegen, was er aus früheren Verkörperungen sich mitbringt. Und wir werden j`etzt verstehen, wie hinüberw`irken können unsere Taten aus einem Leben in unseren Gesundheitszustand in dem nächsten Leben und wie wir in unserem Gesundheitszustande vielfach eine karmische Wirkung unserer Taten aus einem vorhergehenden Leben zu suchen haben. Wir können aber noch auf eine andere Weise der Sache beikommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir können fragen: Wirkt nun alles, was wir in dem Leben zwischen Geburt und Tod verrichten, in gleicher Art zurück auf unseren Ätherleib? - Schon im gewöhnlichen Leben können Sie einen gewaltigen Unterschied wahrnehmen zwischen dem Zurückwirken dessen, was wir als bewußte Menschen erleben, und mancherlei andern Erlebnissen auf &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|69}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
unsere eigentliche innere Organisation. Da ergibt sich eine höchst interessante Tatsache, die durch die Geisteswissenschaft so recht aufgeklärt werden kann, die aber auch ganz vernunftgemäß zu begreifen ist. Der Mensch hat im Verlaufe seines Lebens eine ganze Summe von Erlebnissen, welche er bewußt aufnimmt und mit seinem Ich verbindet. Die werden in ihm zu Vorstellungen, und er verarbeitet diese Vorstellungen. Aber nun besinnen Sie sich einmal, wie unendlich viele Erlebnisse, Erfahrungen und Eindrücke es gar nicht bis zur Vorstellung bringen und eigentlich doch im Grunde beim Menschen da sind und auf ihn wirken. Es wird Ihnen oft passieren, daß Ihnen jemand sagt: Ich habe dich heute auf der Straße gesehen; du hast mich sogar angeschaut! - und Sie wissen gar nichts davon. So ist es vielfach. Eindruck hat so etwas natürlich gemacht. Ihr Auge hat zwar den andern gesehen; aber der unmittelbare Eindruck ist nicht bis zur Vorstellung gekommen. - Solcher Eindrücke gibt es unzählige, sodaß unser Leben eigentlich in zwei Teile zerfällt: in eine solche Lebensseelenreihe, welche aus bewußten Vorstellungen besteht, und in eine solche, welche wir niemals ganz zum klaren Bewußtsein gebracht haben. Aber es sind noch weitere Unterschiede: Sie werden leicht unterscheiden können zwischen solchen Eindrücken, die Sie in Ihrem Leben gehabt haben und die für Sie zu erinnern sind, also Eindrücke, die so auf Sie gemacht worden sind, daß sie immer in die Erinnerung hineinfallen können; und Sie werden solche Eindrücke gehabt haben, an welche Sie sich nicht erinnern können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also unser Seelen leben zerfällt in ganz verschiedene Kategorien. Und es ist tatsächlich ein ganz beträchtlicher Unterschied zwischen den verschiedenen Kategorien, wenn wir die Wirkung auf das innere Wesen des Menschen betrachten. - Bleiben wir jetzt für ein paar Minuten beim Leben des Menschen zwischen Geburt und Tod. Wenn wir da genau beobachten, zeigt sich uns, daß ein gewaltiger Unterschied ist zwischen denjenigen Vorstellungen, die immer wieder in unser Bewußtsein hineinfallen können, und solchen, die wieder vergessen worden sind, so daß sie eine Erinnerungsfähigkeit nicht eigentlich entwickelt haben. Dieser Unterschied kann am leichtesten durch folgendes klargemacht werden. Denken Sie einen Eindruck, der bei Ihnen eine klare Vorstellung hervorrief. Nehmen wir an, es sei ein Eindruck, der in Ihnen &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Freude oder Schmerz erregte&amp;gt; also ein Eindruck, der von einem Gefühl begleitet war. Halten wir das fest, daß die meisten Eindrücke - eigentlich alle Eindrücke, die auf uns gemacht werden - von Gefühlen begleitet sind. Und die Gefühle drücken sich nicht nur an der bewußten Oberfläche des Lebens aus, sondern sie wirken tief hinein bis in den physischen Leib. Sie brauchen nur daran wieder zu denken, wie ein Eindruck Sie erblassen läßt, ein anderer Sie erröten macht. Bis in die Umlagerung des Blutes wirken da die Eindrücke. Und nun gehen Sie über zu dem, was entweder überhaupt nicht oder nur flüchtig zum Bewußtsein kommt - und es nicht bis zur Erinnerung bringt. Da zeigt uns die Geisteswissenschaft, daß solche Eindrücke keineswegs weniger von ähnlichen Erregungen begleitet sind als die bewußten. Wenn Sie einen Eindruck empfangen von der Außenwelt, der, wenn Sie ihn bewußt empfangen hätten, Sie erschreckt hätte, daß vielleicht Ihr Herz gepocht hätte, so bleibt derselbe Eindruck, wenn er nicht bewußt wird, doch nicht ohne Wirkung. Er macht aber nicht nur einen Eindruck, sondern er geht auch bis in den physischen Leib. Es tritt da sogar das Eigentümliche auf, daß ein Eindruck, der eine bewußte Vorstellung hervorruft, eine Art von Widerstand findet beim Hinein wirken in die tiefere menschliche Organisation; wenn aber der Eindruck auf uns einfach wirkt, ohne daß wir es zur bewußten Vorstellung bringen, dann hemmt ihn nichts, aber er ist deshalb nicht weniger wirksam. Es ist das menschliche Leben ein viel reicheres als das, was uns davon bewußt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt eine Zeit im menschlichen Leben, wo solche Eindrücke, die so lebendig auf die menschliche Organisation wirken und keine Erinnerungsfähigkeit haben, in besonders reichem Maße erlebt werden. In der ganzen Zeit von der Geburt bis zu dem Zeitpunkt, an dem die Erinnerung beginnt, sind unzählige reiche Eindrücke auf den Menschen gemacht worden, welche alle im Menschen drinnensitzen und auch in dieser Zeit den Menschen verändert haben. Sie wirken ebenso wie die bewußten Eindrücke; aber ihnen steht, besonders wenn sie vergessen sind, nichts entgegen von dem, was sich sonst einordnet in das Seelen- leben als bewußte Vorstellungen und dadurch gleichsam einen Damm bildet. Und diese unbewußten Eindrücke dringen am allertiefsten. Nun kann man schon durch das äußere Leben vielfach die Bestätigung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
finden, daß es Momente im menschlichen Leben gibt, wo die zweite Sorte von inneren Wirkungen zum Ausdruck kommt. Manche Ereignisse des späteren Menschenlebens können Sie sich nicht erklären. Sie finden gar nicht, wie Sie dazu kommen, gerade in dieser Weise jetzt dieses oder jenes erleben zu müssen. Sie erleben zum Beispiel etwas, das macht auf Sie einen so erschütternden Eindruck, daß Sie sich gar nicht erklären können, wie ein verhältnismäßig so gleichgültiges Erlebnis einen so erschütternden Eindruck machen kann. Wenn Sie nun nach- forschen, werden Sie vielleicht finden, daß Sie gerade in der kritischen Zeit - zwischen der Geburt und dem letzten Zeitpunkt, bis zu dem man sich erinnern kann - ein ähnliches Erlebnis hatten, das Sie aber vergessen haben. Keine Vorstellung ist davon zurückgeblieben. Damals hatten Sie einen erschütterndenEindruck gehabt; der lebt fort und verbindet sich mit dem jetzigen und verstärkt ihn. Und was Sie sonst jetzt viel weniger erschüttert hätte, das macht nun einen besonders starken Eindruck. - Wer das einsieht, wird sich eine Vorstellung davon bilden, wie unendlich verantwortungsvoll die Erziehung in der ersten Kindheit ist und wie etwas seine ganz bedeutungsvollen Schatten oder auch Lichter auf das spätere Leben wirft. Da wirkt also etwas vom Früheren hinüber auf das spätere Leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun kann sich herausstellen, daß solche Eindrücke der Kindheit - besonders wenn sie sich wiederholt haben - die ganze Lebensstimmung so beeinflussen, daß von einem gewissen Zeitpunkt an eine Gemütsverstimmung eintritt, die unerklärlich ist und die nur erklärlich wird, wenn man zurückgeht und weiß, welche Eindrücke aus der früheren Zeit ihre Lichter oder Schatten hineinwerfen in das spätere Leben; denn die sind es, die jetzt in einer dauernden Gemütsverstimmung zum Ausdruck kommen. Man wird dann finden, daß die Ereignisse besonders stark wirken, die nicht gleichgültig an dem Kind vorübergegangen sind und die schon damals besonderen Eindruck auf das Kind gemacht haben. - Wir werden also sagen können: Wenn Affekte, Gefühle und Empfindungen besonders mitwirkend sind an den Eindrücken, die später vergessen werden, dann sind diese Affekte und Gefühlsergüsse ganz besonders wirksam in dem Hervortreiben solch ähnlicher Erlebnisse.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun erinnern Sie sich an die Darstellungen, die von mir öfters gegeben&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
worden sind über das Leben während der Kamalokazeit. Nachdem der Ätherleib des Menschen als ein zweiter Leichnam abgelegt worden ist, lebt der Mensch sein ganzes letztes Leben zurück, geht vorüber an allen seinen Erlebnissen, welche er gehabt hat; aber er geht nicht so vorüber, daß sie ihm gleichgültig bleiben. Gerade während der Kamalokazeit, weil der Mensch seinen alten astralischen Leib noch hat, bewirkt das Durchgemachte die tiefsten Gefühlserlebnisse. - Nehmen wir zum Beispiel an, jemand sterbe mit siebzig Jahren, lebe sein Leben zurück bis in sein vierzigstes Jahr, wo er jemandem eine Ohrfeige gegeben hat. Da erlebt er den Schmerz, welchen er dem andern zugefügt hat. Dadurch wird hervorgerufen eine Art Selbstvorwurf; der bleibt dann als Sehnsucht, und diese Sehnsucht bringt er im nächsten Leben mit, um diese Sache im späteren Leben auszugleichen. Und Sie können begreifen, da in dieser Zeit zwischen Tod und neuer Geburt solche astralischen Erlebnisse vorhanden sind, daß dasjenige, was von uns als Handlung erlebt wird, sich um so sicherer und tiefer einprägt unserem inneren Wesen und beim Aufbau der neuen Leiblichkeit mitwirkt.Wenn wir also schon im gewöhnlichen Leben so stark berührt werden können durch gewisse Erlebnisse, besonders wenn es Gefühlseindrücke waren, daß sie eine Gemütsverstimmung bewirken können, so werden wir begreifen, daß die viel stärkeren Eindrücke des Kamalokalebens sich so eindrücken können, daß sie bei einer neuen Inkarnation bis tief in die Organisation des physischen Leibes hineinwirken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da sehen Sie eine Steigerung einer Erscheinung, die Sie bei aufmerk samer Beobachtung schon im Leben zwischen Geburt und Tod finden können. Solche Vorstellungen, denen mit dem Bewußtsein kein Damm entgegengebracht wird, werden schon zu mehr Unregelmäßigkeiten in der Seele führen können: zu Neurasthenie, zu nervenkrankheitsartigen Erscheinungen, vielleicht auch zu Geisteskrankheiten. Alle diese Erscheinungen stellen sich uns dar wie ursächliche Zusammenhänge von früheren mit späteren Ereignissen und geben uns ein anschauliches Bild dafür.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wollen wir jetzt den Begriff steigern, so können wir sagen: Was wir als Handlungen in einem Leben voll führen, das wird im Leben nach dem Tode umgesetzt in einen mächtigen Affekt, und dieser Affekt, der &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
jetzt durch keine physische Vorstellung geschwächt wird und durch kein gewöhnliches Bewußtsein gehemmt ist - denn das Gehirn ist hierbei nicht nötig -, der durch die andere, tiefer hineinwirkende Form des Bewußtseins erlebt wird, bewirkt nun, daß unsere Taten und unser ganzes Wesen vom vorigen Leben in unserer Anlage und Organisation in einem neuen Leben erscheint. Daher werden wir es begreiflich finden können, daß ein Mensch, der in einer Verkörperung sehr egoistisch gedacht, gefühlt und gehandelt hat, wenn er nach dem Tode vor sich sieht die Früchte seines egoistischen Denkens, Fühlens und Handelns, sich durchzieht mit mächtigen Affekten gegen seine früheren Handlungen. Das ist in der Tat der Fall. Er bekommt Tendenzen in sich, die gegen sein eigenes Wesen gerichtet sind. Und diese Tendenzen, insofern sie aus einem egoistischen Wesen des vorigen Lebens hervorgegangen sind, drücken sich aus in einer in sich schwachen Organisation im neuen Leben. «Schwache 0rganisation&amp;gt; ist hier dem Wesen nach genommen, nicht dem äußeren Eindruck nach. Wir müssen uns daher klar sein, daß eine schwache Organisation zurückgeführt werden kann karmisch auf ein egoistisches Handeln in einem vorhergehenden Leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gehen wir weiter. Nehmen wir an, in einem Leben zeige ein Mensch einen besonderen Hang zur Lügenhaftigkeit. Das ist schon ein Hang, der geht aus einer tieferen Organisation der Seele hervor. Denn wenn sich der Mensch nur dem überläßt, was in seinem allerbewußtesten Leben ist, so wird er nicht eigentlich lügen; nur Affekte und Gefühle, welche aus dem Unterbewußtsein heraus wirken, verleiten zum Lügen. Da haben wir schon etwas Tieferes sitzen. Wenn der Mensch lügenhaft war, werden seine Handlungen, die aus der Lügenhaftigkeit hervorgehen, wieder die heftigsten Affekte im Leben nach dem Tode gegen den Menschen selbst erzeugen, und eine starke Tendenz gegen die Lügenhaftigkeit wird sich zeigen. Dann wird sich der Mensch mitbringen im späteren Leben ni,cht nur eine schwache Organisation, sondern - die Geisteswissenschaft zeigt uns das - eine Organisation, die sozusagen unrichtig gebaut ist,-die regellos gebaute innere Organe in der -feineren Organisation zeigt. Es stimmt da etwas nicht recht zusammen. Das ist bedingt durch früheren Hang zur Lügenhaftigkeit. - Und woher ist der Hang zur Lügenhaftigkeit selbst gekommen? Denn &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
in dem Hang zur Lügenhaftigkeit hat der Mensch ja schon etwas, was auch nicht stimmt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da müssen wir noch weiter zurückgehen. Und da zeigt die Geistes- wissenschaft, daß ein flatterhaftes Leben, das keine Hingabe und keine Liebe kennt, daß ein oberflächliches Leben in der einen Verkörperung sich ausdrückt in dem Hang zur Lügenhaftigkeit in der nächsten Verkörperung; und der Hang zur Lügenhaftigkeit zeigt sich in der zweit- nächsten Inkarnation in den unrichtig gebauten Organen. - So können wir drei aufeinanderfolgende Inkarnationen in ihren Wirkungen karmisch verfolgen: Oberflächlichkeit und Flatterhaftigkeit in der ersten Inkarnation, Hang zur Lügenhaftigkeit in der zweiten und physische Krankheitsdisposition in der dritten Inkarnation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da sehen wir Karma an Gesundheit und Krankheit arbeiten. - Was jetzt gesagt worden ist, ist so gesagt, daß die Tatsachen selber heraus- geholt worden sind aus der geisteswissenschaftlichen Forschung. Nicht Theorien sollten aufgestellt werden, sondern es sind beobachtete Fälle, die durch die Methoden der Geisteswissenschaft untersucht werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir haben also zunächst hingewiesen auf die allergewöhnlichsten Tatsachen - auf die Heilkräfte des Ätherleibes bei den Pflanzen. Wir zeigten dann, wie durch das Hinzutreten des astralischen Leibes bei den Tieren der Ätherleib weniger wirksam ist, und wir sahen ferner, wie durch die Aufnahme des Ich, das ein individuelles Leben im Guten und Bösen, Wahren und Falschen entwickelt&amp;gt; der astralische Leib, der mit dem Hinaufsteigen in der Tierreihe die Heilkräfte nur hemmt, wieder etwas Neues dem Menschen einfügt: die aus dem individuellen Leben ihm ein fließenden karmischen Krankheitseinflüsse. Bei der Pflanze gibt es noch keine inneren Krankheitsursachen, weil die Krankheit noch im Äußerlichen ist und die Heilkräfte des Ätherleibes ungeschwächt wirken. Bei den niederen Tieren haben wir noch einen Ätherleib mit solchen Heilkräften, daß er selbst Glieder ersetzen kann; aber je weiter wir hinaufsteigen, desto mehr prägt sich der astralisc`he Leib dem Ätherleib ein, und dadurch schränkt der Astralleib die Heilkräfte des Ätherleibes ein. Aber weil sich die Tiere nicht in Reinkarnationen fortpflanzen, hängt das, was im Ätherleibe ist, nicht zusammen mit irgendwelchen &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
moralisch-intellektuellen oder individuellen Qualitäten, sondern mit dem allgemeinen Typus. Beim Menschen jedoch wirkt das, was er in seinem Ich erlebt, zwischen Geburt und Tod hinein bis in den Ätherleib.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Warum kommen denn die Erlebnisse der Kindheit bei den genannten Gemütswirkungen nur in leichten Erkrankungen zum Vorschein? Weil wir die Ursachen zu vielem, was sich in Neurasthenie, Neurose, Hysterie und so weiter zeigt, werden finden können in demselben Leben. Die Ursachen zu tieferen Krankheitsfällen aber werden wir zu suchen haben in einem vorhergehenden Leben, weil sich erst beim Übergang zu einer neuen Geburt dasjenige recht in den Ätherleib hineinverpflanzen kann, was moralisch und intellektuell erlebt wird. Im allgemeinen kann der Atherleib beim Menschen tiefere moralische Wirkungen in einem Leben nicht einverleibt erhalten, obwohl wir einzelne&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ausnahmefälle - und sogar sehr bedeutende Fälle - noch kennenlernen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So haben wir einen Zusammenhang zwischen unserem Leben im Guten und Bösen, im Moralischen und Intellektuellen in der einen In karnation, und unserer Gesundheit oder Krankheit in der nächsten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
= VIERTER VORTRAG Hamburg, 19. Mai 1910 =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es darf die Voraussetzung gemacht werden, daß gerade über die beiden Begriffe, welche den Gegenstand unserer heutigen Betrachtung bilden sollen, nämlich Heilbarkeit und Unheilbarkeit vQn Krankheiten, deutlichere und, man kann sagen, menschenfreundlichere Vorstellungen herrschen werden, wenn einmal die Ideen von Karma und karmischen Zusammenhängen im Leben in weiteren Kreisen werden Platz gegriffen haben. Man darf ja sagen, daß in bezug auf die Begriffe Heilbarkeit und Unheilbarkeit von Krankheiten in den verschiedensten Jahrhunderten die verschiedensten Meinungen verbreitet waren. Und man braucht nicht sehr weit zurückzugehen, um zu sehen, wie ungeheuerlich sich diese Begriffe verändert haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da finden wir eine Zeit - sie ist die Wende zwischen dem Mittel- alter und der neueren Zeit, so etwa das 16., 17. Jahrhundert -, da entwickelten sich allmählich die Vorstellungen, daß man die Krankheitsformen in einer strengen Weise eingrenzen könne und daß es eigentlich für eine jede Krankheit irgendein Kräutlein, irgendeine Mixtur gebe, durch welche die betreffende Krankheit unbedingt geheilt werden müsse. Dieser Glaube dauerte im Grunde recht lange, sogar bis in das 19. Jahrhundert hinein. Und wenn man als Laie oder als Mensch, der die heutigen Zeitbegriffe in sich aufgenommen hat, nachlesen wollte in den Mitteilungen von Krankenbehandlungen vom Ende des 18. oder&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dem Beginn des 19. Jahrhunderts und bis weit in das 19. Jahrhundert hinein, so würde man ersIaunen über all die Mittel und Mittelchen, die damals reichlich angewendet worden sind, von Tees, Mixturen bis zu gefährlicheren Arzneien, Aderlässen und so weiter. Aber gerade das 19. Jahrhundert war es, welches in medizinischen Kreisen, und zwar in angesehenen medizinischen Kreisen, diese Ansicht in das genaue Gegenteil verkehrt hat. Und ich darf wohl selbst sagen, daß mir vieles von` diesen gegenteiligen Ansichten während meiner jüngeren Jahre in den verschiedensten Nuancen und Motiven vor Augen getreten ist. Es war die Gelegenheit dazu gegeben, wenn man etwa die Strömung der nihi&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|77}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
listischen medizinischen Schule mitmachte, die sich um die Mitte des 19. Jahrhunderts in Wien vorbereitete und eigentlich immer mehr und mehr an Ansehen gewann. Der Ausgangspunkt zu einer radikalen Änderung in bezug auf die Anschauungen über Heilbarkeit und Unheilbarkeit von Krankheiten war das, was der bedeutende Mediziner Dietl über den Verlauf der Lungenentzündung und ähnlicher Krankheiten zutage förderte. Er war durch allerlei Betrachtungen dazu gekommen, sich zu sagen, daß im Grunde gar kein rechter Einfluß von diesem oder jenem Mittel auf den Verlauf dieser oder jener Krankheit zu bemerken sei. Und gerade unter dem Einfluß von Dietls Schule lernten die damaligen jungen Mediziner über den Heilwert der seit Jahrhunderten heraufgekommenen Heilmittel so denken, daß sie auf alle alten Mittel übertrugen, was mit dem bekannten Sprichwort gemeint ist: Kräht der Hahn auf dem Mist, so ändert sich das Wetter, oder es bleibt, wie es ist! - Sie waren der Meinung, daß es ziemlich einerlei sei für den Verlauf einer Krankheit, ob man diese oder jene Mittel verabreiche oder nicht. Und Dietl war einer, der eine für die damalige Zeit recht überzeugende Statistik zustande brachte, die besagte, daß bei der von ihm eingeführten sogenannten abwartenden Behandlungsweise ungefähr ebenso viele Menschen, die an Lungenentzündung erkrankt waren, geheilt wurden oder starben als bei der früheren Behandlung mit den altehrwürdigen Heilmitteln. Die von Dietl begründete, von Skoda weiter fortgeführte abwartende Behandlung bestand darin, daß man den Kranken in die äußere Lebenslage brachte, die ihn instande setzte, die selbstheilenden Kräfte am allerbesten in Anwendung zu bringen, sie hervorzuholen aus seinem Organismus, und dem Arzte wies man kaum eine andere Stellung an, als den Verlauf der Krankheit zu überwachen, damit er da war, wenn irgend etwas eintrat, wo man mit menschlichen Mitteln sachgemäß Hilfe leisten kann. Im übrigen beschränkte man sich darauf, die Krankheit sozusagen kommen zu sehen, abzuwarten, wie die selbstheilenden Kräfte aus dem Organismus herauskamen, bis das Fieber nach einiger Zeit abfiel und die Selbstheilung durch den Organismus eintrat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese medizinische Schule wurde und wird noch heute mit dem Ausdruck der «nihilistischen Schule» belegt, weil sie auf einem Ausspruch &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
von Professor Skoda fußte, der ungefähr sagte: Wir können vielleicht lernen, Krankheiten zu diagnostizieren, sie zu beschreiben, vielleicht auch zu erklären - heilen aber können wir sie nicht! - Ich erzähle Ihnen Dinge, von denen Sie als von Tatsachen, welche sich im Laufe des 19. Jahrhunderts herausgebildet haben, Notiz nehmen sollen, damit Sie eine Empfindung dafür erhalten, wie sich Vorstellungen auf diesem Gebiete geändert haben. Aber es möge niemand glauben, daß, wenn dies oder jenes hier in rein erzählender Form ausgesprochen wird, deshalb gleich in der einen oder andern Weise Partei ergriffen werden soll. Denn selbstverständlich war der Ausspruch des berühmten Professors Skoda eine Art Radikalismus, und es würde leicht sein, die Grenzen, innerhalb welcher ein solcher Ausspruch gilt, aufzuzeigen. Auf eins aber war mit solcher Meinung hingewiesen, ohne daß man eigentlich die Mittel hatte, bewußt diesen Hinweis irgendwie zu begründen oder zu umschreiben oder in Worte zu bringen - ja nicht einmal in Gedanken konnte man ihn bringen; das heißt, man konnte in den Kreisen, in welchen man ihn aussprach, nicht einmal daran gehen, diesen Hinweis zu denken. Es wurde darauf hingewiesen, daß sich allerdings im Menschen etwas finden müsse, was in gewisser Beziehung bestimmend ist für den Ausgang und für den Verlauf einer Krankheit und was als solches im Grunde genommen doch jenseits dessen liegt, was menschliche Hilfe leisten kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es war also der Hinweis auf etwas gegeben, was jenseits der menschlichen Hilfe liegt; und dieser Hinweis kann niemals, wenn man wirklich den Dingen zu Leibe geht, sich auf etwas anderes beziehen als auf das Gesetz von Karma und auf die Wirksamkeit von Karma im Verlaufe des menschlichen Lebens. Wenn wir den Verlauf einer Krankheit im menschlichen Leben verfolgen - das Heraufkommen der Krankheit, die aus dem Organismus selbst hervorsprießenden Heilkräfte -, wenn wir die Heilentwickelung verfolgen, dann werden wir bei unbefangener Betrachtungsweise, besonders wenn wir darauf Rücksicht nehmen, wie in dem einen Falle Heilung eintritt, während in einem andern Falle keine Heilung möglich erscheint, dahin getrieben werden, nach tieferer Gesetzmäßigkeit zu suchen. Darf diese tiefere Gesetzmäßigkeit gesucht werden in den früheren Erdenleben des Menschen? Das ist für uns die Frage. Darf davon gesprochen werden, daß sich der Mensch gewisse &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Vorbedingungen mitbringt, die ihn geradezu vorausbestimmt machen, in einem besonderen Falle seine Heilkräfte aus dem Organismus aufrufen zu können, die aber in einem andern Falle so vorausbestimmt sind, daß er trotz aller Anstrengungen nicht imstande ist, die Krankheit zu heilen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn Sie sich an das erinnern, was namentlich gestern ausgeführt worden ist, so werden Sie begreifen, daß in den Vorgängen, die sich abspielen zwischen dem Tode und der neuen Geburt, allerdings ganz besondere Kräfte aufgenommen werden in die menschliche Individualität. Haben wir doch gesagt, daß dem Menschen während der Kamalokazeit die Ereignisse seines letzten Lebens, seine von ihm verrichteten Handlungen im Guten und Bösen, seine Charaktereigenschaften und so weiter vor die Seele treten und daß er durch die Anschauung seines eigenen Lebens in sich die Tendenz aufnimmt, für alles, was unvollkommen in ihm ist und was sich als eine unrichtige Handlung gezeigt hat, Abhilfe und Ausgleich zu schaffen, sich die betreffenden Eigenschaften einzuprägen, welche ihn auf diesem oder jenem Gebiete vollkommener machen. Haben wir das begriffen, so können wir sagen: Diese Absicht, diese Tendenz behält nun der Mensch und geht durch eine neue Geburt mit dieser Absicht wieder ins Dasein. - Der Mensch baut aber selbst an dem neuen Leibe, der sich ihm angliedert und ihn umgliedert im neuen Leben, und er baut ihn auf gemäß den Kräften, welche er sich mitgebracht hat aus früheren Lebensläufen und aus der Zeit zwischen Tod und neuer Geburt. Mit diesen Kräften ist er ausgestattet und webt sie hinein in selne neue Körperlichkeit. Damit haben wir begriffen, daß diese neue Körperlichkeit schwach oder stark ist, je nachdem der Mensch schwache oder starke Kräfte in sie hineinweben kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun müssen wir uns aber doch klar sein, daß eine gewisse Folge eintreten wird, wenn zum Beispiel der Mensch während des Kamalokalebens gesehen hat: Du warst im letzten Leben ein Mensch, der viele Handlungen begangen hat unter dem Einflusse seiner Affekte, von Zorn, Furcht, Abscheu und so weiter. - Solche Handlungen stehen nun lebendig vor seiner Seele in der Kamalokazeit, und da bildet sich heraus in dieser Seele der Gedanke - die Ausdrücke, die uns für diese Kräfte erwachsen können sind natürlich für das physische Leben geprägt! -: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Du mußt an dir etwas tun, damit du in dieser Beziehung vollkommener wirst, damit du in der Zukunft nicht mehr geneigt bist, Handlungen unter dem Einflusse deiner Affekte zu begehen! - Dieser Gedanke wird ein Bestandteil der menschlichen Seelenindividualität, und beim Durch- gehen durch eine neue Geburt prägt sich dieser Gedanke weiter ein als eine Kraft in den neu entstehenden Leib. Und in diesen fließt dadurch ein die Tendenz, so etwas zu vollführen mit der ganzen Organisation von physischem Leib, Ätherleib und astralischem Leib, was dem Menschen es jetzt unmöglich macht, aus seinen Affekten heraus, aus Zorn, Haß, Neid und so weiter gewisse Handlungen zu begehen, damit er imstande ist, in dieser Beziehung wirklich sich vollkommener zu machen. Und dadurch wird er dazu kommen, neue Handlungen zu vollführen, welche jetzt den Ausgleich früherer Handlungen bewirken können. So läßt der Mensch aus einer seine gewöhnliche Vernünftigkeit weit überragenden Vernünftigkeit die Absicht in sich hinein fließen, die ihn zu einer höheren Vollkommenheit auf einem bestimmten Gebiete und zum Ausgleich bestimmter Handlungen führen kann. -Wenn Sie in Betracht ziehen, wie mannigfaltig das Leben ist, wie der Mensch von Tag zu Tag solche Handlungen vollführt, die einen derartigen Ausgleich erfordern, so werden Sie begreifen, daß viele solcher nach Ausgleich harrender Gedanken in der Seele sind, wenn die Seele durch eine neue Geburt ins Dasein tritt, und daß diese mannigfaltigen Gedanken sich kreuzen, so daß dadurch der menschliche physische Leib und Ätherleib eine Konfiguration erhalten, in welche alle diese Tendenzen hineinverwoben sind. Um uns nun das verständlich zu machen, nehmen wir einen ganz eklatanten Fall an. Gerade heute aber muß ich ganz besonders betonen, was ich auch sonst stets betone: daß ich vermeide, aus irgendeiner Theorie oder Hypothesenmacherei zu sprechen und daß ich, wenn ich Beispiele anführe, nur solche anführe, die von der Geisteswissenschaft wohl geprüft sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen wir an, jemand habe im letzten Leben so gelebt, daß er aus einem viel zu schwachen Ich-Gefühl heraus gewirkt hat, aus einem IchGefühl, welches in der Hingabe an die äußere Welt viel zu weit ging, so weit, daß es mit einer Unselbständigkeit, Selbstverlorenheit wirkte, wie es für unseren heutigen Menschheitszyklus nicht mehr angemessen &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
ist. Also das fehlende Selbstgefühl war es, welches einen Menschen in einer Inkarnation zu diesen oder jenen Handlungen geführt hat. Nun hat er während der Kamalokazeit die Handlungen vor sich gehabt, die aus diesem fehlenden Selbstgefühl herausgeflossen sind. Er nimmt daraus zunächst die Tendenz auf: Du mußt in dir Kräfte entwickeln, welche dein Selbstgefühl erhöhen, du mußt in einer nächsten Inkarnation dir die Gelegenheit schaffen, gegen den Widerstand deiner Leiblichkeit, gegen die Kräfte, welche dir entgegenkommen werden aus physischem Leib, Ätherleib und astralischem Leib, dein Selbstgefühl zu stählen, damit es gleichsam eine Schule durchmacht. Du mußt dir einen Leib anschaffen, der dir zeigt, wie aus der Leiblichkeit heraus die Anlage zu einem schwachen Selbstgefühl wirkt!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was sich dann in der nächsten Inkarnation abspielen wird, wird wenig ins Bewußtsein treten, es wird sich mehr oder weniger in einer unterbewußten Region abspielen. Der Betreffende wird hinstreben zu einer solchen Inkarnation, welche gerade die derbsten Widerstände seinem Selbstgefühl entgegensetzt, so daß er es nötig hat, sein Selbstgefühl im höchsten Maße anzuspannen. Dadurch wird er wie magnetisch hingezogen werden zu solchen Gegenden und solchen Gelegenheiten, wo sich ihm tiefere Hindernisse entgegenstellen, wo sich sein Selbstgefühl ausleben soll gegen die Organisation der drei Leiber. So sonderbar es Ihnen klingen mag: Solche Individualitäten, die mit diesem Karma belastet sind, daß sie in der charakterisierten Weise durch die Geburt ins Dasein hineinstreben, suchen den Zugang zu Gelegenheiten, wo sie zum Beispiel einer Seuche wie der Cholera ausgesetzt sein können; denn diese bietet ihnen Gelegenheit, jene Widerstände, welche eben gekennzeichnet worden sind, zu finden. Was dabei durchzumachen ist im Inneren gegen die Widerstände der drei Leiber in dem Erkrankten&amp;gt; das kann dann bewirken, daß in der nächsten Inkarnation das Selbstgefühl in einem erheblichen Grade gewachsen ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen wir einen andern eklatanten Fall an, und zwar, damit Sie den Zusammenhang durchschauen können, jetzt gerade den entgegengesetzten Fall. Ein Mensch sieht während der Kamalokazeit, daß er unter einem zu starken Selbstgefühl eine Reihe von Handlungen vollführt hat, die aus einem zu starken Auf-sich-selbst-Bauen geflossen &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|82}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sind. Er sieht, daß er sich mäßigen muß in bezug auf sein Selbstgefühl, daß er es zurückdämmen muß. Da muß er wieder eine Gelegenheit aufsuchen, wo ihm in der nächsten Inkarnation seine drei Leiber die Möglichkeit geben, daß das Selbstgefühl überall in der Leiblichkeit - wie es sich auch anstrenge - keine Schranken findet, daß es überall ins Boden- lose hinein und sich selbst ad absurdum führt. Die Bedingungen dazu sind hergestellt, wenn der Betreffende hingezogen wird zu einer Gelegenheit, die ihm die Malaria bringt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da haben Sie einen Krankheitsfall des karmischen Wirkens und sogar den Satz dargelegt, daß im Grunde der Mensch aus einer höheren Vernünftigkeit, als diejenige ist, welche er mit seinem gewöhnlichen Bewußtsein überschauen kann, hingeleitet wird zu den Gelegenheiten, wo er sich im Verlaufe seines Karma weiter fortentwickeln kann. Wenn Sie namentlich die Dinge ins Auge fassen, welche jetzt eben gesagt worden sind, wird es Ihnen sehr erleichtert werden, Verständnis zu gewinnen gerade für das Epidemische bei den Krankheiten. Wir könnten die verschiedensten Beispiele anführen, die uns alle zeigen, wie der Mensch aus den Erfahrungen seiner Kamalokazeit heraus geradezu die Gelegenheiten aufsucht, diese oder jene Krankheit zu bekommen, um durch, ihre Überwindung und durch die Entfaltung der selbstheilenden Kräfte die Kräfte zu gewinnen, welche ihn die Lebensbahn im ganzen hinauf- führen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorhin sagte ich, wenn ein Mensch viel unter dem Einfluß von Affekten gehandelt hat, so wird er in der Kamalokazeit ebenfalls Handlungen durchleben, die unter dem Einfluß von Affekten überhaupt geschehen sind. Das wird ihm die Tendenz geben, in seiner neuen Inkarnation, in seiner eigenen Leiblichkeit so etwas zu erleben, durch dessen Überwindung er Handlungen vollführt, welche ausgleichend wirken können auf gewisse Handlungen seines früheren Lebens. Insbesondere ist es da jene Form der Erkrankung, die wir in der neueren Zeit als Diphtherie kennen, die in vielen Fällen zutage tritt, wenn eine solche karmische Verwicklung vorliegt, wo sich der Betreffende früher in der Weise ausgelebt hat, daß er vielfach aus allerlei Aufwallungen, Affekten und so weiter gehandelt hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir werden im Verlaufe dieser Vorträge noch manches zu hören&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
bekommen darüber, wie diese oder jene Krankheit bedingt ist. Wir müssen aber jetzt auf noch tiefere Grundlagen eingehen, wenn wir uns die Frage beantworten wollen: Wie kommt es, daß, wenn der Mensch durch die Geburt ins Dasein tritt und er sich durch sein Karma dieTendenz mitbringt, durch die Überwindung dieses oder jenes Leidens das eine oder das andere zu erreichen, wie kommt es, daß es ihm einmal gelingt, wirklich Sieger zu sein, die Krankheit zu überwinden und Kräfte in sich aufzunehmen, die ihn höher bringen, während er das andere Mal unterliegt und die Krankheit Sieger bleibt? Da müssen wir auf die geistigen Prinzipien zurückgehen, die überhaupt das Kranksein im Menschenleben möglich machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daß der Mensch überhaupt erkranken kann, daß er geradezu das Kranksein - sogar aus seinem Karma heraus - suchen kann, das kommt zuletzt aus keinen andern Prinzipien heraus als aus denjenigen, die wir schon oft in den verschiedensten Zusammenhängen unserer theosophischen Betrachtungen uns haben vor die Seele treten lassen. - Wir wissen, daß in einem bestimmten Punkte der Erdentwickelung diejenigen Kräfte in die menschliche Entwickelung eingetreten sind, welche wir die luziferischen Kräfte nennen, welche solchen Wesenheiten angehören, die während der alten Mondentwickelung zurückgeblieben sind und nicht so weit vorgeschritten sind, ~daß sie sozusagen an dem normalen Punkt ihrer Erdentwickelung angelangt wären. Dadurch wurde dem astralischen Leibe des Menschen, bevor sein Ich in der entsprechenden Weise wirken konnte, etwas eingepflanzt, was aus diesen luziferischen Wesen herausströmte. Der Einfluß dieser luziferischen Wesenheiten ist daher ein solcher, der vorzugsweise auf unseren astralischen Leib einstmals ausgeübt worden ist und den der Mensch für die Folgezeit durch seine Entwickelung hindurch in seinem astralischen Leib hatte. Dieser luziferische Einfluß bedeutet in der menschlichen Entwickelung mancherlei. Für unseren heutigen Zweck ist es aber wichtig, hervorzuheben, daß der Mensch, indem er die luziferischen Kräfte in sich hatte, in seinem Inneren einen Verführer hatte, weniger gut zu sein, als er gewesen wäre, wenn der luziferische Einfluß nicht gekommen wäre; und ebenso hatte er dadurch einen Einfluß, mehr aus allerlei Affekten, Leidenschaften und Begierden heraus zu handeln und zu ur&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
teilen, als er geurteilt und gehandelt haben würde,wenn der luziferische Einfluß nicht gewirkt hätte. Durch diesen Einfluß wurde des Menschen eigentliche Individualität veranlaßt, anders zu sein, sozusagen mehr hingegeben zu sein an das, was wir die Begierdenwelt nennen können, als es sonst der Fall gewesen wäre. Und dadurch ist es gekommen, daß der Mensch viel tiefer hineinverstrickt worden ist in die physische Erdenwelt, als es sonst geschehen wäre. Der Mensch drängt sich durch den luziferischen Einfluß mehr hinein in seine Leiblichkeit, identifiziert sich mehr mit der Leiblichkeit, als er sie durchdrungen hätte, wenn kein luziferischer Einfluß gekommen wäre. Denn wäre der Einfluß der luziferischenWesenheiten nicht gekommen, so wäre so mancherlei von dem, was den Menschen auf der Erde locken kann, dieses oder jenes zu begehren, nicht gekommen. Der Mensch wäre gleichgültig an den Eindrücken dieser oder jener Lockmittel vorbeigegangen. Durch Luzifers Einfluß entstanden die Verlockungen der äußeren sinnlichen Welt; diese Verlockungen nahm der Mensch in sich auf. Die Individualität, die durch das Ich gegeben war, wurde durchtränkt mit den Wirkungen, die aus dem luziferischen Prinzip heraus kamen. Und so kam es, daß der Mensch bei seinen ersten Erdeninkarnationen auch den ersten Verlockungen des luziferischen Prinzips verfallen war und diese Verlockungen mitnahm in die späteren Leben. Das heißt, daß die Art und Weise, wie der Mensch den Verlockungen des luziferischen Prinzips verfiel, zu einem Bestandteil seines Karma wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn nun der Mensch nur dieses Prinzip in sich aufgenommen hätte, so würde er immer mehr und mehr den Verlockungen der physischen Erdenwelt verfallen sein; er würde sozusagen immer mehr die Aussicht verloren haben, von dieser physischen Erdenwelt wieder loszukommen. Wir wissen, daß der spätere Einfluß - der Christus-Einfluß - dem luziferischen Prinzip entgegengewirkt hat und es gleichsam wieder zum Ausgleich gebracht hat, so daß der Mensch im Laufe seiner Entwickelung wieder Mittel erhalten hat, diesen luziferischen Einfluß aus sich herauszutreiben. Aber mit dem luziferischen Einfluß war zugleich etwas anderes gegeben. Dadurch,daß der Mensch in seinem astralischen Leib den luziferischen Einfluß aufgenommen hatte, erschien ihm auch die ganze äußere Welt, in die er eintrat, ganz anders, als sie ihm erschienen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
wäre, wenn er dem luziferischen Einfluß nicht hingegeben gewesen wäre. Luzifer drang in des Menschen Inneres. Der Mensch sah mit Luzifer im Inneren die Welt um sich herum. Dadurch trübte sich sein Blick für die Erdenwelt, und es mischte sich nun in die äußeren Eindrücke hinein der ahrimanische Einfluß. Nur dadurch konnte sich AhrIman eInmischen und die äußere Welt zur Illusion gestalten, weil wir uns schon früher von innen heraus die Anlage zur Illusion, zu Maja geschaffen hatten. So war der ahrimanische Einfluß, der hineinzog in die äußere Welt, die den Menschen umgab, die Folge des luziferischen Einflusses. Wir können sagen: Der Mensch saugte ein, weil einmal die Iuziferischen Kräfte in ihm waren, die Möglichkeit, sich mehr in die Sinnenwelt zu verstricken, als er sich ohne den luziferischen Einfluß in das sinnliche Erdenleben verstrickt hätte. Dadurch hat er sich aber auch die Möglichkeit geschaffen, mit allen äußeren Wahrnehmungen von außen den ahrimanischen Einfluß einzusaugen. Und so lebt in der menschlichen Individualität, indem sie durch die verschiedenen Erdeninkarnationen hindurchgeht, der luziferische Einfluß, und als das Ergebnis des luziferischen Einflusses der ahrimanische Einfluß. Diese zwei Mächte kämpfen fortwährend in der menschlichen Individualität. Und die menschliche Individualität ist der Schauplatz geworden für den Kampf von Luzifer und Ahriman.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Mensch ist mit seinem gewöhnlichen Bewußtsein auch heute noch ausgesetzt sowohl den Verlockungen Luzifers, der aus den Leidenschaften und Affekten seines astralischen Leibes heraus wirkt, wie auch den Verlockungen Ahrimans, der durch Irrtümer, Täuschungen in bezug auf die äußere Welt von außen in den Menschen eindringt. Solange nun der Mensch in einer Inkarnation lebt und die Vorstellungen einen Riegel vorschieben, so daß das, was von Luzifer und Ahriman geschieht, nicht tiefer eindringen kann und ein Hindernis findet an den Vorstellungen, so lange bleibe das, was der Mensch tut, dem moralischen oder dem intellektuellen Urteil unterworfen. Solange der Mensch zwischen Geburt und Tod gegen die Moral sündigt, indem er Luzifer folgt, oder sich gegen die Logik und das gesunde Denken versündigt, indem er Ahriman folgt, so lange bleibt das eine Angelegenheit des gewöhnlichen bewußten Seelenlebens. Wenn der Mensch aber durch die Pforte &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
des Todes schreitet, hört das Vorstellungsleben auf, das an das Instrument des Gehirns gebunden ist. Da beginnt eine andere Form des Bewußtseinslebens. Da dringen in der Tat alle die Dinge, welche im Leben zwischen Geburt und Tod dem moralischen oder dem vernünftigen Urteil unterworfen sind, herunter in die Untergründe des menschlichen Wesens und greifen ein in das, was dann nach dem Kamaloka für das nächste Dasein organisierend wirkt und sich hineinprägt in die plastischen Kräfte, die nun die dreifache menschliche Leiblichkeit aufbauen. Da werden Irrtümer, welche aus der Hingabe an Ahriman folgen, zu Krankheitskräften, die vom Ätherleib her den Menschen infizieren,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und Ausschweifungen, also Dinge, welche im Leben dem moralischen Urteil unterworfen sind, werden zu Krankheitsursachen, welche mehr vom astralischen Leib her wirken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dadurch sehen wir, wie in der Tat unsere Irrtümer aus dem Ahrimanischen in uns - und dazu sind auch die bewußten Irrtümer: Lügen, Unwahrheiten zu rechnen - zu Krankheitsursachen werden, wenn wir allerdings nicht bei einer Inkarnation stehenbleiben, sondern die Wirkung einer Inkarnation auf die folgende betrachten; und wir sehen, wie auch die luziferischen Einflüsse zu Krankheitsursachen auf demselben Wege werden. Wir können in der Tat sagen: Wir begehen unsere Irrtümer nicht ungestraft! Wir tragen den Stempel unserer Irrtümer in unserer nächsten Inkarnation an uns, aber wir tun es aus einer höheren Vernünftigkeit heraus, als diejenige unseres gewöhnlichen Lebens ist, aus derjenigen Vernünftigkeit, welche uns während der Zeit zwischen Tod und neuer Geburt anweist, uns so stark und kräftig zu machen, daß wir fernerhin diesenVerlockungen nicht mehr ausgesetzt sind. So reihen sich Krankheiten sogar ein als mächtige Erzieher in unser Leben. -Wenn wir Krankheiten so betrachten, können wir förmlich sehen, wie bei der Ausbildung einer Krankheit entweder luziferische oder ahrimanische Einflüsse wirksam sind. Wenn einmal diese Dinge werden durchschaut werden von denen, die unter dem Einfluß der geisteswissenschaftlichen Weltanschauung Heiler sein werden, dann werden die Einflüsse dieser Heiler auf den menschlichen Organismus viel intimere sein, als sie heute sein können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir können geradezu in diesem Sinne den Organismus gewisser&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Krankheitsformen durchschauen. Nehmen wir zum Beispiel eine solche Krankheit wie die Lungenentzündung. Sie ist eine Wirkung in der karmischen Folge, welche dadurch entsteht, daß der Betreffende während seiner Kamalokazeit zurückblicken kann auf einen Charakter, der in sich hatte Hang und Neigung zu sinnlichen Ausschweifungen, der in sich hatte sozusagen ein Bedürfnis, sinnlich zu leben. Verwechseln wir ja nicht, was jetzt einem früheren Bewußtsein zugeschrieben wird, mit dem, was im Bewußtsein der nächsten Inkarnation auftritt. Damit hat es zunächst nichts zu tun.Wohl aber wird das, was der Mensch während der Kamalokazeit sieht, sich so umwandeln, daß sich ihm Kräfte ein- prägen zuVorgängen,welche die Lungenentzündung überwinden. Denn gerade in der Überwindung der Lungenentzündung, in der Selbst heilung,welche dabei vom Menschen angestrebt wird,wirkt die menschliche Individualität entgegen den luziferischen Mächten, führt einen förmlichen Krieg gerade gegen die luziferischen Mächte. Daher ist in der Überwindung der Lungenentzündung eine Gelegenheit, dasjenige abzulegen, was ein Charaktermangel in einer vorherigen Inkarnation war. So sehen wir förmlich wirken in der Lungenentzündung den Kampf des Menschen gegen die luziferischen Mächte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anders stellt sich uns die Sache dar, wenn wir bei dem, was wir im heutigen Sprachgebrauch Lungentuberkulose nennen, die eigentümlichen Prozesse auftreten sehen, wenn die selbstheilenden Kräfte in Tätigkeit übergehen, die sich dadurch äußern, daß die schädigenden Einflüsse, welche da entstehen, umgeben werden, umrandet werden von Umhüllungen wie Bindegewebe; dann wird das Ganze ausgefüllt mit kalk-salzhaltiger Materie, welche feste Einschlüsse bildet. Solche Einschlüsse kann der Mensch in seiner Lunge haben, und viel mehr Menschen tragen solche Dinge mit sich herum, als man gewöhnlich glaubt; denn das sind diejenigen Menschen, bei denen eine tuberkulöse Lunge in Heilung übergegangen ist. Wo derartiges vor sich ging, ist wieder ein Kampf aufgeführt worden der menschlichen inneren Wesenheit gegen das, was ahrimanische Kräfte angestellt haben. Es ist ein Abwehrprozeß nach außen, ein Anstürmen gegen das, was durch äußere Materialität hergebracht wird, um zur Selbständigkeit der menschlichen Wesenheit in diesem Sinne zu führen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Damit haben wir gezeigt, wie in der Tat die beiden Prinzipien, das ahrimanische und das luziferische, im letzten Grunde im Krankheitsverlauf tätig sind. Und es könnte in vieler Beziehung für diese oder jene Krankheitsform gezeigt werden, wie man eigentlich zwei Typen von Krankheiten unterscheiden müßte: ahrimanische und luziferische Krankheiten. Wenn man das beachten würde, so würde man auch rich tige Prinzipien gewinnen können für die entsprechende Hilfe, welche man den Kranken angedeihen lassen kann. Denn luziferische Krankheitsprozesse werden ganz andere Hilfe erfordern als ahrimanische. Wenn heute noch in einer ziemlich kritiklosen Weise, zum Beispiel im äußeren Heilverfahren, Kräfte angewendet werden, die in der heutigen Elektrotherapie, in der Kaltwasserbehandlung oder in ähnlichem ent halten sind, so muß gesagt werden, daß von vornherein durch die Geisteswissenschaft ein Licht darauf geworfen werden kann, ob man die eine oder die andere Methode anwenden soll, dadurch, daß man unterscheiden würde, ob man es mit einer luziferischen oder einer ahrimanischen Krankheit zu tun hat. Kein Mensch sollte zum Beispiel das Verfahren der Elektrotherapie anwenden bei Erkrankungen, die aus dem Luziferischen stammen; sondern man sollte sie nur bei ahrimanischen Krankheitsformen anwenden. Denn eine Hilfe kann bei luziferischen Krankheitsformen niemals etwas sein, was überhaupt mit dem Wirken des Luzifer gar nichts zu tun hat, nämlich die Prinzipien der Elektrizität; denn diese fallen in das Bereich der ahrimanischen Wesenheiten, wobei sich natürlich nicht nur die ahrimanischen Wesenheiten der Kräfte der Elektrizität bedienen. Dagegen ist ein ganz besonderes Gebiet des Luziferischen dasjenige, was sich bezieht, grob ausgedrückt, auf Warm und Kalt. Alles, was damit zu tun hat, daß die menschliche Organisation wärmer oder kälter wird oder was sie selbst durch äußere Einflüsse wärmer oder kälter macht, das gehört in das Bereich des Luzifer. Und bei alledem, wo wir es zu tun haben mit Warm oder Kalt, haben wir einen Typus luziferischer Krankheitsformen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So also sehen wir, wie Karma in dem Kranksein wirkt und wie es zur Überwindung von Kranksein wirkt. Nun wird es nicht mehr unbegreiflich erscheinen, daß im Karma auch die Heilbarkeit oder Unheilbarkeit einer Krankheit liegt. Wenn Sie sich klarmachen, daß ja das &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Ziel, das karmische Ziel des Erkrankens das ist, den Menschen zu fördern und vollkommener zu machen, so ist die Voraussetzung die, daß der Mensch, wenn er nach der Vernünftigkeit, die er sich aus der Kamalokazeit beim Eintritt in ein neues Dasein mitbringt, einer Krankheit verfällt, jene Heilkräfte dann entwickelt, welche eine Stählung seines inneren Menschen bedeuten und die Möglichkeit, höher zu kommen. Nehmen wir an, die Sache liege so, daß der Mensch in dem Leben, das er noch zubringen kann, vermöge seiner sonstigen Organisation und seines übrigen Karma die Kräfte hat, mit dem, was er durch die Krankheit errungen hat, in diesem Leben selbst weiterzukommen. Dann hat die Heilung einen Sinn. Dann tritt Heilung ein und der Mensch hat in diesem Falle das errungen, was er erringen sollte und was sich an dem Vorhandensein der Krankheit zeigte. Durch das Überwinden der Krankheit hat er sich instand gesetzt, dort vollkommene Kräfte zu haben, wo er früher unvollkommene Kräfte hatte. Ist er durch sein Karma mit solchen Kräften ausgerüstet und durch die günstigen Umstände seines früheren Schicksals so in die Welt gesetzt, daß er die neuen Kräfte anwenden kann und wirken kann, um sich und andern von Nutzen zu sein, dann tritt die Heilung ein; dann windet er sich durch die Krankheit hindurch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen wir nun an, die Sache liege für den Menschen so, daß er die Krankheit überwindet und die Heilkräfte entwickelt und nunmehr vor einem Leben stünde, welches an ihn Anforderungen stellen würde, die mit dem Maß, das er sich jetzt schon errungen hat an Vollkommenem, nicht erfüllt werden können: Er würde zwar einiges erringen durch die geheilte Krankheit, aber es wäre doch nicht möglich, daß er so viel erringt - weil sein übriges Karma das nicht zuläßt -, daß er mit dem, was er sich errungen hat, den andern zum Heile werden kann. Dann tritt das ein, daß sein tieferes Unterbewußtsein sagt: Hier hast du keine Gelegenheit, die volle Kraft von dem zu empfangen, was du eigentlich haben sollst. Du mußtest in diese Inkarnation hineingehen, weil du das Maß an Vollkommenheit gewinnen mußtest, das du nur im physischen Leibe durch die Überwindung einer Krankheit erringen kannst. Das mußtest du erringen; aber weiter ausbilden kannst du es nicht. Nun mußt du in die Verhältnisse gehen, wo dein physischer Leib und andere &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Kräfte dich nicht stören und wo du frei verarbeiten kannst, was du in der Krankheit gewonnen hast. - Das heißt, es sucht eine solche Individualität den Tod, um zwischen Tod und neuer Geburt das weiterzuverarbeiten, was sie im Leben zwischen Geburt und Tod nicht verarbeiten kann. Es geht eine solche Seele durch das Leben zwischen Tod und neuer Geburt durch, um jetzt mit um so stärkeren Kräften, die sie beim Überwinden der Krankheit gewonnen hat, ihre Organisation weiter auszubilden, damit sie im neuen Leben um so mehr wirken kann. In dieser Weise kann förmlich durch die Anwesenheit einer Krankheit eine Art Abschlagszahlung bewirkt werden, die dann erst ergänzt wird nach dem Durchgehen durch den Tod zu dem, was sie sein soll.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir die Sache so betrachten, werden wir uns sagen müssen: Es erscheint durchaus im Karma begründet, daß die eine Krankheit ausgeht mit der Heilung, die andere mit dem Tod. - Wenn wir so die Krankheiten ansehen, werden wir von einem höheren Gesichtspunkt aus durch Karma eine Art Versöhnung, eine tiefe Versöhnung mit dem Leben gewinnen; denn wir werden wissen, daß es in der Gesetzmäßigkeit von Karma liegt, daß, selbst wenn eine Krankheit mit dem Tode ausgeht, der Mensch gefördert wird, daß selbst in einem solchen Falle die Krankheit das Ziel hat, den Menschen höher zu bringen. Nun darf niemand daraus etwa den Schluß ziehen: dann könnte es auch sein, daß wir geradezu den Tod herbeiwünschen müßten in gewissen Krankheitsfällen. Das darf niemand sagen, weil die Entscheidung darüber, was eintreten soll, ob Heilung oder Unheilbarkeit, einer höheren Vernünf tigkeit zufällt, als die ist, welche wir mit unserem gewöhnlichen Bewußtsein umfassen können. Mit unserem gewöhnlichen Bewußtsein müssen wir uns bescheiden innerhalb der Welt zwischen Geburt und Tod, bei solchen Fragen stehenzubleiben. Mit unserem höheren Bewußtsein dürfen wir uns allerdings selbst auf den Standpunkt stellen, der sogar den Tod hinnimmt als ein Geschenk der höheren geistigen Mächte. Mit demjenigen Bewußtsein aber, das helfen und eingreifen soll ins Leben, dürfen wir uns nicht vermessen, uns auf diesen höheren Gesichtspunkt zu stellen. Da könnten wir uns leicht irren und würden in einer unerhörten Weise eingreifen in etwas, worin wir nie eingreifen dürfen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
in die menschliche Freiheitssphäre. Wenn wir einem Menschen helfen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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können, damit er die selbstheilenden Kräfte entwickelt, oder indem wir selbst der Natur zu Hilfe kommen, damit Heilung eintritt, so müssen wir das tun. Und soll die Entscheidung darüber fallen, ob der Mensch weiterleben soll oder ob er mehr gefördert wird, wenn der Tod eintritt, dann kann sie niemals anders als so fallen, daß unsere Hilfe eine Hilfe in der Heilung sein kann. Ist sie dies, so setzen wir es in des Menschen eigene Individualität, seine Kräfte anzuwenden, und die ärztliche Hilfe kann dabei nur eine solche sein, die ihn darin unterstützt. Dann wirkt sie nicht hinein in die menschliche Individualität. Ganz anders wäre es, wenn wir eines Menschen Unheilbarkeit in der Weise fördern würden, daß er sein weiteres Fortkommen in einer anderen Welt suchte. Da würden wir in seine Individualität eingreifen und seine Individualität einer andern Wirkungssphäre übergeben. Dann hätten wir unseren Willen der andern Individualität aufgedrängt. Diese Entscheidung müssen wir der Individualität selbst überlassen. Das heißt mit andern Worten: Wir müssen so viel als möglich tun, damit eine Heilung geschieht. Denn alle Überlegungen, die zu einer Heilung führen, kommen aus dem Bewußtsein, das für unsere Erde berechtigt ist; alle andern Maßnahmen würden übergreifen über unsere Erdensphäre; da müssen andere Kräfte eingreifen als die, welche in unser gewöhnliches Bewußtsein hineinfallen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So sehen wir, daß ein richtiges karmisches Verständnis über Heilbarkeit und Unheilbarkeit von Krankheiten dazu führt, daß wir alles aufbringen werden, um dem Menschen zu helfen in der Krankheit; und auf der andern Seite führt es uns auch dazu, daß wir, wenn aus andern Sphären eine andere Entscheidung getroffen wird, diese ebenfalls zu unserer Befriedigung hinnehmen. Etwas anderes haben wir in bezug auf diese andere Entscheidung auch gar nicht nötig. Nötig haben wir, daß wir einen Gesichtspunkt finden, daß uns die Unheilbarkeit einer Krankheit nicht niederdrückt,als ob dieWelt nur das Unvollkommene, das Schlimme und Schlechte hätte. Karmisches Verständnis lähmt nicht unsere Tatkraft in bezug auf das Heilen. Karmisches Verständnis wird uns auf der andern Seite auch wieder in Harmonie bringen mit dem schwersten Schicksal in bezug auf Unheilbarkeit dieser oder jener Krankheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
So haben wir heute gesehen, wie uns karmisches Verständnis allein möglich macht, den Verlauf einer Krankheit in der richtigen Weise aufzufassen und zu begreifen, daß wir geradezu hineinleuchten sehen die karmischen Wirkungen aus unseren früheren Leben in das gegenwärtige. Beispiele im einzelnen werden sich uns noch bei Besprechung der nächsten Fragen darbieten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun wird es uns obliegen, zu unterscheiden zwischen zwei besonderen Krankheitsformen, zwischen denjenigen, welche aus dem menschlichen Inneren kommen, und die ganz besonders erscheinen als durch das Karma herbeigetragen, und zwischen jenen Erkrankungen, die uns scheinbar zufällig treffen dadurch, daß wir äußeren Schädigungen aus gesetzt sind, daß uns dieses oder jenes passiert. Kurz, es wird sich darum handeln: Wie können wir zu einem karmischen Verständnis auch dann kommen, wenn wir zum Beispiel unter die Räder eines Eisenbahnzuges kommen? Das heißt, wie sind sogenannte «zufällige» Erkrankungen durch das Karma zu begreifen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
= FÜNFTER VORTRAG Hamburg, 20. Mai 1910 =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Inhalt des gestrigen Vortrages ist von großer Wichtigkeit sowohl für unsere nächsten Betrachtungen wie auch für das Verständnis der karmischen Zusammenhänge überhaupt. Deshalb - wegen dieser ein- schneidenden Wichtigkeit - lassen Sie mich heute noch einmal in den Hauptzügen kurz zusammenfassen, was der gestrige Vortrag enthalten hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir gingen davon aus, daß sich die Anschauungen über Heilung und über Heilmittel im Laufe verhältnismäßig kurzer Zeiten im letzten Jahrhundert ziemlich radikal verändert haben. Und wir haben darauf hingewiesen, wie im 16. und 17. Jahrhundert namentlich eine Anschauung sich ausbildete, welche ganz und gar auf dem Boden fußte: Für eine jede Krankheit, die mit einem Namen bezeichnet wurde und die man glaubte begrifflich abgrenzen zu können, müßten sich auch diese oder jene Heilmittel in der Welt finden. Und man glaubte mit Sicherheit, daß, wenn das betreffende Mittel angewendet würde, es auf den Verlauf der Krankheit einen Einfluß haben müsse. Wir haben dann darauf hingewiesen, wie sich diese Anschauung mehr oder weniger bis ins 19. Jahrhundert hinein erhalten hat, dann aber danebengestellt den absoluten Gegensatz dieser Anschauung, der sich namentlich zum Ausdruck gebracht hat in dem Nihilismus derWiener medizinischen Schule, der seinen Ausgangspunkt genommen hat von dem berühmten Mediziner Dietl, und seinen Fortgang gefunden hat in Skoda und dessen verschiedenen Schülern. Und wir haben die nihilistische Richtung dadurch charakterisiert, daß wir sagten: Sie fing nicht nur an, über den` absoluten Zusammenhang zwischen diesem oder jenem Heilmittel, zwischen diesen oder jenen Handgriffen in bezug auf die Krankheitsbehandlung und die Krankheit selber gründliche Zweifel zu haben, sondern sie wollte von einem solchen Zusammenhang nichts mehr wissen. Und es kam in die Gemüter der unter dem Einfluß dieser Schule stehenden jungen Ärzte die Anschauung von der sogenannten «Selbstheilung&amp;gt; hinein. Skoda selbst hat ja den für diese Schule bedeutungs&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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vollen Satz ausgesprochen: Wir können eine Krankheit diagnostizieren, wir können sie vielleicht auch erklären und beschreiben; aber Mittel haben wir gegen die Krankheit nicht. - Und de,n Ausgangspunkt nahm diese Richtung davon, daß Dietl nachweisen konnte, daß bei der ab- wartenden Behandlung eine Krankheit wie die Lungenentzündung so verläuft, daß sie innerhalb einer bestimmten Zeit die selbstheilenden Kräfte entwickelt, wenn man nur die nötigen Bedingungen dafür schafft. Und er konnte statistisch nachweisen, daß bei der abwartenden Behandlung ebenso viele Menschen geheilt wurden oder auch starben wie bei Verabreichung der sonst gebräuchlichen Mittel. Damals war die Bezeichnung «therapeutischer Nihilismus» durchaus nicht unberechtigt; denn es war eine absolute Wahrheit, daß sich die Ärzte dieser Schule gar nicht schützen konnten gegen die Meinung der Kranken, daß ein Mittel, ein Rezept eben da sein muß. Der Kranke gab nicht nach, seine Umgebung auch nicht - Mittel mußten verschrieben werden, und die Anhänger dieser Schule halfen sich dann gewöhnlich dadurch, daß sie dünn aufgelösten arabischen Gummi verschrieben, der nach der Meinung der Anhänger der Schule ganz dieselbe Wirkung haben sollte wie die früher angewendeten Mittel. Wir haben daraus erkennen gelernt, wie geradezu hindrängt die moderne wissenschaftliche Tatsachenwelt zu dem, was wir den karmischen Zusammenhang im Leben nennen können. Denn wir mußten uns nun die Frage beantworten: Wie geschieht denn eigentlich das, was man nennen könnte «Selbstheilung»? Oder besser gesagt: Warum geschieht es? Und warum kann in einem andern Falle eine Selbstheilung oder überhaupt eine Heilung nicht eintreten?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn eine ganze Schule, an deren Spitze medizinische Koryphäen standen, darauf verfallen konnte, den Begriff der Selbstheilung einzuführen, so hätte einer, der darüber nachdenkt, dazu kommen müssen, zu sagen: Also wird im Krankheitsprozeß etwas wachgerufen, was zur Überwindung der Krankheit führt! Und das hätte weiter dazu führen müssen, den geheimeren Gründen des Krankheitsverlaufes nachzuspüren. Wir haben nun versucht, darauf hinzuweisen, wie ein solcher karmischer Zusammenhang innerhalb der Menschheitsentwickelung für den Krankheitsverlauf gesucht werden kann. Wir haben gezeigt, daß &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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allerdings das, was der Mensch in seinem gewöhnlichen Leben vollführt an guten und bösen Handlungen, an gescheiten und unsinnigen Handlungen, was er erlebt an richtigen und verkehrten Gemütsauffassungen, daß alles das nicht tief hineingeht in die Untergründe der menschlichen Organisation. Und wir haben den Grund aufgezeigt, warum das, was für das gewöhnliche Leben der moralischen, der intellektuellen und gemüthaften Beurteilung unterliegt, nur an der Oberfläche des gewöhnlichen Lebens sitzenbleibt und nicht dem Gesetze unterliegt, das wir im andern Falle aufzeigen konnten: die tieferliegenden Kräfte der Menschenorganisation zu beeinflussen. Wir haben gezeigt, daß es gleichsam eine Art von Hemmnis gibt gegen das Eindringen der Unmoralität in die tieferen Kräfte des Organismus. Und diese Abwehr gegen das Eindringen dessen, was wir tun und denken, in die Kräfte unserer Organisation liegt darin, daß wir unsere Handlungen, die wir zwischen Geburt und Tod vollbringen, mit unseren bewußten Vorstellungen begleiten. Indem wir eine Handlung oder ein sonstiges Erlebnis mit einer bewußten Vorstellung begleiten, schaffen wir eine Schutzwehr dagegen, daß das Resultat unserer Handlungen hinunterrückt in unseren Organismus. Wir haben dann darauf hingewiesen, welche Bedeutung jenen Erleb nissen zukommt, die unwiederbringlich vergessen worden sind. Da liegt nicht mehr die Möglichkeit vor, sie wieder ins bewußte Vorstellungsleben hinaufzurücken; sondern von solchen Erlebnissen mußten wir sagen, daß sie schon in bestimmter Weise, weil die Schutzwehr derVorstellung fehlt, hinunterdringen in unsere innere Organisation und dort mitwirken können an den gestaltenden Kräften unseres Organismus. Und wir haben hinweisen können auf die Krankheitsformen, welche noch mehr an der Oberfläche liegen: Neurose, Neurasthenie und dergleichen. Sogar hysterische Zustände erfahren da eine Beleuchtung. Wir sagten, daß die Ursachen für solche Zustände gesucht werden müssen in den aus dem Bewußtseinskomplex herausgefallenen,vergessenenVorstellungen, die hinuntergesunken sind in das Innere und sich - wie Einschiebsel unseres Seelenlebens - als Krankheiten geltend machen. - Wir haben darauf hingewiesen, welche ungeheure Bedeutung jener Zeitraum hat, der verläuft von der Geburt bis zu dem Zeitpunkt, wo sich der Mensch an seine Erlebnisse zurückerinnern kann, und es wurde darauf &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
aufmerksam gemacht, wie das, was früher vergessen worden ist, im lebenden Organismus fortwirkt, indem es gleichsam mit den tieferen Kräften der Organisation einen Bund schließt und von dort aus unsere Organisation selber beeinflußt. Es muß also ein Komplex von Vorstellungen, eine Reihe von Erlebnissen hinuntersinken in tiefere Untergründe unseres Wesens, bevor er eingreifen kann in unsere Organisation.-Wir haben dann darauf hingewiesen,wie am gründlichsten dieses Hinuntersinken geschieht, wenn der Mensch durch die Pforte des Todes gegangen ist und das weitere Dasein durchlebt zwischen Tod und neuer Geburt. Da verwandeln sich alle Erlebnisse in ihren Qualitäten in solche Kräfte, welche jetzt organisierend wirken. Und was der Mensch in der Zeit zwischen Tod und neuer Geburt empfunden und gefühlt hat, das nimmt er auf in die plastischen Kräfte, die beteiligt sind am neuen Aufbau des Leibes, wenn der Mensch jetzt neu ins Dasein tritt. Da hat er jetzt in den Bildungskräften das Resultat dessen da rinnen, was er früher noch in seinem Seelenleben, vielleicht auch sogar in seinem bewußten Vorstellungsleben hatte. Und nun konnten wir darauf hin- weisen, daß der Mensch mit seinem vom Ich durchtränkten Vorstellungsleben hin und her pendelt zwischen zwei Einflüssen: zwischen dem luziferischen und dem ahrimanischen Einfluß. Wenn der Mensch eine Verfehlung begeht, die hervorgerufen wird durch Eigenschaften seines astralischen Leibes, durch schlimme Affekte, Zorn und dergleichen, wird er zu Handlungen getrieben durch luziferische Mächte. Wenn dann solche Handlungen jenen Weg gehen, der eben jetzt bezeichnet worden ist, daß sie zu Bildungskräften werden, so haben wir sie in den gestaltenden Kräften, die nunmehr der neuen Leiblichkeit zugrunde liegen als luziferische Krankheitsursachen. Wir haben dann gesehen, wie der Mensch unterliegt den ahrimanischen Kräften, die mehr von außen hereinwirken. Und wieder mußten wir von den ahrimanischen Einflüssen sagen, daß sie sich umwandeln in Bildungskräfte, in gestaltende Kräfte des neu gebauten Organismus, der zustande kommt, wenn der Mensch durch die Geburt ins Dasein tritt. Und insofern sich die Einflüsse Ahrimans in die Bildungskräfte hineinmischen, können wir von Krankheitsanlagen sprechen mit ahrimanischem Charakter. Dann haben wir im einzelnen darauf hingewiesen, wie diese &lt;br /&gt;
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Kräfte, die sich in dieser Weise herausbilden, wirken. Und ich habe Ihnen radikale Beispiele gezeigt für dieses Wirken, weil an radikalen Beispielen die Vorstellung eine deutlichere, scharf umrissene wird. Ich sagte, man nehme an, daß ein Mensch im vorigen Lebenslauf alles das getan hat, was ihn nur zu einem geringen Selbstgefühl und Selbstvertrauen bringen kann, daß er sein Ich so präpariert hat, daß es nichts auf sich gehalten hat, nur in Allgemeinheiten aufging und so weiter. Ein solcher Mensch nimmt nach dem Tode die Tendenz auf, jenen Widerstand zu überwinden und die Kräfte aufzunehmen, welche ihn fähig machen, später im weiteren Verlauf der Inkarnation sein Ich kräftiger, vollkommener zu machen. Das wirkt so, daß er solche Verhältnisse dann sucht, die es ihm möglich machen, gegen dasjenige anzukämpfen, gegen was es gut ist, anzukämpfen mit einem schwachen Selbstgefühl, so daß ein schwaches Selbstgefühl sich an dem Widerstande stärken kann. Und wahr ist es, daß eine solche Tendenz den Menschen dazu führt, sozusagen Gelegenheiten aufzusuchen zur Cholera, weil er darin etwas vor sich hat, was ihm Gelegenheit bietet, jene Widerstände zu überwinden. Und in der Überwindung dieser Widerstände liegt das, was in der nächsten Inkarnation oder aber auch bei eingetretener Heilung in derselben Inkarnation zu einem stärkeren Selbstgefühl führen kann oder zu Kräften, welche ein stärkeres Selbstgefühl durch Selbsterziehung nach und nach heranreifen lassen. Wir haben dann gesagt, daß bei einer Krankheit wie der Malaria die Gelegenheit gegeben ist, etwas auszugleichen, was sich die Seele in einem früheren Leben als ein übermäßiges Selbstgefühl herangezüchtet hat durch ihre Handlungen und Empfindungen. - Diejenigen von Ihnen, welche frühere Betrachtungen unseres theosophischen Lebens mitgemacht haben, werden sich verdeutlichen können einen solchen Verlauf. Es wurde immer gesagt, daß das Ich des Menschen seinen physischen Ausdruck findet im Blut. Nun hängen die beiden Krankheiten, von denen wir eben gesprochen haben, mit dem Blut und den Gesetzen vom Blut zusammen; sie hängen so zusammen, daß beim Cholerafall eine Verdickung des Blutes eintritt. Diese Verdickung ist es, was als Widerstand zu bezeichnen ist, den das schwache Selbstgefühl durchmachen muß und an dem es sich heraner~iehen will. Ebenso können Sie es sich &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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verdeutlichen, daß bei der Malaria eine Art Blutzerfall stattfindet und daß ein überstarkes Selbstgefühl die Möglichkeit braucht, daß es ad absurdum geführt wird, daß im Blutzerfall ein überstarkes Ich in seiner Anstrengung zur Nichtigkeit geführt wird. Das wird in dem Zerfall des Blutes geboten. - Die Dinge sind natürlich außerordentlich intim im Organismus zusammenhängend; aber wenn Sie darauf eingehen, werden Sie sie sich schon zum Verständnis bringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus all dem ergab sich uns: Wenn wir einen Organismus haben, der gebildet ist von einer Seele, die in sich die Tendenz hat, dieses oder jenes nach der einen oder der andern Richtung zu überwinden, so führt diese Tendenz den Menschen dazu, in sich hineinzuprägen die Möglichkeit zur Krankheit, aber auch zugleich die Möglichkeit, anzukämpfen gegen die Krankheit, weil ja die Krankheit aus keinem andern Grunde hervorgerufen wird als aus dem, die Möglichkeit der Heilung zu haben. Und Heilung tritt dann ein, wenn der Mensch nach seinem Gesamtkarma durch die Überwindung der betreffenden Krankheit sich solche Kräfte aneignet, daß er in dem restlichen Leben bis zum Tode durch seine Arbeit auf dem physischen Plan wirklich sich vorwärtsbringen kann. Das heißt, wenn die zu erregenden Kräfte so stark sind, daß er auf dem physischen Plan das auch erreichen kann,weswegen die Krankheit hervorgerufen worden ist, dann arbeitet der Mensch gerade mit den ihm aus dem Heilprozeß zugeflossenen verstärkten Kräften weiter, die er früher nicht gehabt hat. Liegt aber sein Gesamtkarma so, daß er zwar die Absicht gehabt hat, seinen Organismus so zu gestalten, daß er durch die Überwindung der betreffenden Krankheit sich Kräfte zu- führt, welche zu seiner Vervollkommnung führen, daß aber, weil die Dinge mannigfaltig sind, er gleichzeitig den Organismus nach einer andern Richtung hin hat schwach sein lassen müssen, dann kann der Fall eintreten, daß diejenigen Kräfte, welche der Mensch herausstellt und anwendet im Heilprozeß, ihn zwar verstärken, aber doch nicht so weit, daß er dem Arbeiten auf dem physischen Plan schon gewachsen ist. Dann wird er das Stück, was er schon gewonnen hat - weil es auf dem physischen Plan nicht verwendbar ist -,verwenden,wenn er durch die Pforte des Todes geht, und er wird versuchen, das seinen Kräften hinzuzufügeri,was er auf dem physischen Plan nicht hinzufügen konnte, &lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
um diese Kräfte in der Ausgestaltung des nächsten Leibes zu zeigen, wenn er wieder in die Geburt tritt. Es bleibt uns noch, wenn wir das vor Augen haben, einen Hinweis zu geben, wie es sich mit denjenigen Krankheitsformen verhält, welche weder zu einer ordentlichen Heilung noch zum Tode führen, sondern zu chronischen Zuständen, zu einer Art von Siechtum oder dergleichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da liegt allerdings etwas vor,was im eminentesten Sinne für die meisten Menschen von einer großen Wichtigkeit ist zu wissen. Da liegt das vor, daß allerdings durch den Heilungsprozeß innerhalb der menschlichen Körperhüllen eingetreten ist, was nur zu erreichen war, daß also in gewissem Sinne die Krankheit überwunden ist. Aber in einem anderen Sinne ist sie doch nicht überwunden; das heißt, daß alles das, was an Ausgleich hat geschaffen werden sollen zwischen Ätherleib und physischem Leib, zwar erreicht worden ist, nicht aber das ausgeglichen worden ist, was an Disharmonie vorhanden war zwischen Ätherleib und astralischem Leib. Das bleibt zurück, und der Mensch pendelt hin und her zwischen Versuchen, zu heilen, und nicht heilen zu können. In einem solchen Falle ist es immer von einer ganz besonderen Wichtigkeit, daß der Mensch möglichst ausnutzt, was er an wirklicher Heilung errungen hat. Und das geschieht am allerwenigsten im Leben. Denn gerade bei solchen Krankheiten, die chronisch werden, befindet sich der Mensch in einem rechten Kreistanz darinnen. Wenn der Mensch in einem solchen Falle imstande sein würde, den Teil seiner Organisation, welcher in sich eine gewisse Heilung erfahren hat, zu isolieren, für sich sozusagen leben zu lassen, und wenn er davon dasjenige zurückziehen könnte, was da noch rumort und nicht in Ordnung ist und was in solchem Falle gewöhnlich mehr gegen das innere Seelenhafte zu liegt, dann würde sich der Mensch sehr viel helfen können. Aber dagegen wirkt das Allerverschiedenste, namentlich das, daß der Mensch, wenn er irgendeine Krankheit gehabt hat und ein chronischer Zustand zurückgeblieben ist, fortwährend unter dem Einflusse dieses Zustandes lebt und daß er - wenn ich mich grob ausdrücken darf - eigentlich niemals gründlich vergessen kann seinen Zustand, niemals gründlich dazu kommt, das, was in ihm doch noch nicht gesund ist, zurückzuziehen von diesem Zustande und es für sich zu behandeln; sondern er wird &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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durch das, was man nennen kann das fortwährende Denken an den andern Teil der Organisation, veranlaßt, gleichsam seinen gesunden Teil wieder in irgendeinen Zusammenhang zu bringen mit dem früher kranken Teil und diesen so neuerdings zu irritieren. Das ist ein besonderer Prozeß. Und um Ihnen diesen Prozeß klarzumachen, möchte ich Ihnen einmal den geisteswissenschaftlichen Tatbestand klarlegen, das, was das hellseherische Bewußtsein sieht, wenn jemand eine Krankheit durchgemacht und dabei etwas zurückbehalten hat, was man als etwas Chronisches bezeichnen kann. Dasselbe geschieht übrigens auch dann, wenn nicht eine besonders auffällige akute Erkrankung vorlag, sondern wenn sich ein Chronisches einstellt, ohne daß ein Akutes besonders bemerkt worden ist. Dann kann man in der Tat sehen, daß sich in den meisten Fällen ein gewisser schwankender Gleichgewichtszustand herausstellt zwischen dem Ätherleibe und dem physischen Leibe, ein Hinund-her-Pendeln von Kräften, wie es nicht sein soll, bei dem es sich aber doch leben läßt. Bei diesem Hin-und-her-Pendeln von Kräften des Ätherleibes und des physischen Leibes wird der betreffende Mensch fortwährend irritiert und dadurch erfüllt von fortdauernden Erregungszuständen. Die sieht das hellseherische Bewußtsein fortwährend auftauchen im astralischen Leibe, und diese Erregungszustände drängen sich fortwährend hinein in den halb kranken und halb gesunden Teil der Organisation, wodurch dann nicht ein stabiles, sondern ein labiles Gleichgewicht zustande kommt. Durch dieses Hineindringen der astralischen Erregungszustände wird der menschliche Zustand, der sonst viel besser sein könnte, in der Tat sehr verschlechtert. Ich bitte zu berücksichtigen, daß das Astralische in diesem Falle nicht zusammenfällt mit dem Bewußtsein, sondern daß es vorzugsweise mit dem zusammenfällt, was innere seelische Erregungen sind, die sich aber der Patient nicht eingestehen will. Weil in solchem Falle das Hemmende der Vorstellungen nicht da ist, deshalb wirken diese Zustände und Affekte, die Gemütserschütterungen, die fortwährenden Zustände des Überdrusses, des In-sich-unzufrieden-Seins nicht immer wie bewußte Kräfte, sondern wIe organisierende, wie Lebenskräfte, die in der tieferen Wesenheit des Menschen sitzen und fortwährend den halb gesunden, halb kranken Teil irritieren. Könnte nun der betreffende Patient es wirklich durch &lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
starken Willen, durch Seelenkultur dazu bringen, wenigstens für eine gewisse Zeit seinen Zustand zu vergessen, so würde er daraus solche Befriedigung schöpfen, daß er dann schon aus dieser Befriedigung die Kraft ziehen könnte, um das weiter durchzuführen. Könnte er seinen Zustand vergessen, ganz von ihm absehen, mit starkem Willen sagen: Ich will mich jetzt nicht kümmern um meinen Zustand! - und würde er sodann die Seelenkräfte, welche er dadurch frei bekommt, auf etwas von geistigem Inhalt verwenden, was ihn erhebt, was ihn innerlich sättigt in seiner Seele, würde er diese Kräfte, die sich sonst immer damit beschäftigen, die Gefühle des Schmerzes, des Drückens und Stechens und was da alles ist, zu durchleben, frei bekommen, so würde ihm das eine große Befriedigung gewähren. Denn wenn man diese Gefühle nicht durchlebt, hat man die Kräfte ja frei; dann sind sie verfügbar. Freilich hilft es nicht viel, wenn man sich bloß sagt, man will dieses Klemmen und Stechen und so weiter nicht bemerken; denn wenn man die Kräfte, welche man da frei bekommt, nicht auf etwas Geistiges verwendet, werden die früheren Zustände bald wieder da sein. Wenn man aber die frei gewordenen Kräfte verwendet auf einen die Seele ganz in Anspruch nehmenden geistigen Inhalt, dann wird man bemerken, daß man auf einem komplizierten Wege das erreicht, was sonst unsere Organisation selber ohne unser Zutun in der Überwindung des Krankheitsprozesses erreicht. Es ist ja natürlich, daß der Betreffende dann sorgfältig darauf sehen muß, daß er nicht gerade seine Seele auf einem solchen Wege erfüllt, der wieder direkt zusammenhängt mit dem, was seine Erkrankung ist. Wenn jemand zum Beispiel an einer Schwäche seiner Augen leidet, und er beschäftigt sich, um nicht an die Schwäche seiner Augen zu denken, damit, daß er viel liest, um geistige Kräfte aufzunehmen, so ist es selbstverständlich, daß ihn das nicht zum Ziele führen kann. Aber ganz so weit herzuholen brauchen Sie sich die sogenannten kleinen Belege dafür nicht. Jeder kann an sich selbst bemerken, wenn er eine kleine Unpäßlichkeit hat, wie sehr es ihm nützt, wenn er es zu einem Vergessen seiner Unpäßlichkeit bringt, namentlich zu einem solchen Vergessen, das hervorgerufen wird durch eine anderweitige Beschäftigung. Das ist also ein positives, gesundes Vergessen! Da haben Sie schon einen Hinweis, daß wir nicht ganz machtlos sind gegen die &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
karmischen Wirkungen unserer Verfehlungen in früheren Lebensläufen, welche sich in Krankheiten zum Ausdruck bringen. Denn wir müssen uns sagen: Wenn wir zugeben, daß das, was im Leben zwischen Geburt und Tod einer moralischen, gemüthaften und intellektuellen Beurteilung unterliegt, in einem Leben nicht so tief gehen kann, daß es die Ursache zu einer organischen Erkrankung wird, daß es sich aber in der Zeit nach dem Tode bis zur neuen Geburt so tief in das Leben hinein- senken kann, daß es Krankheit bewirkt, dann müßte es doch auch möglich sein, diesen Prozeß wieder zurückzuverwandeln in einen Bewußtseinsprozeß!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Frage kann auch so gestellt werden: Wenn Krankheiten sich ausleben wie eine karmische Wirkung von geistigen oder sonstigen durch die Seele hervorgerufenen oder erfahrenen Erlebnissen, wenn sie also die Umwandlung solcher Ursachen sind, können wir uns dann nicht auch denken - oder erzählen uns davon die geistigen Tatsachen nichts -, daß das Umwandlungsprodukt, die Krankheit, vermeidbar ist, insofern vermeidbar, als wir statt des Heilungsprozesses, statt dessen, was aus den organischen Regionen herausgeholt wird, als Krankheit herbeigeholt wird zu unserer Erziehung, das geistige Gegenstück, das geistige Äquivalent dafür setzen? Daß wir, wenn wir klug genug sind, die Krankheit umwandeln in einen geistigen Prozeß und die Selbsterziehung, die wir durch die Krankheit ausführen sollen, sozusagen durch die Kräfte unserer Seele ausführen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daß so etwas in den Bereich derTatsachen gehört, möchte icil wieder durch ein Beispiel illustrieren. Wieder muß aber hierbei gesagt werden, daß nur solche Beispiele angeführt werden, die geisteswissenschaftlich untersucht sind; es sind nicht Hypothesenaufstellungen, sondern Fälle. Daher können Sie von mir nicht gerade eine Vollständigkeit verlangen - weil nicht Hypothesen aufgestellt werden, sondern Fälle, die als solche hingenommen werden müssen. Nehmen wir an, im späteren Leben bekommt eine Persönlichkeit Masern, und wir suchen nach dem karmischen Zusammenhang dieses Falles. Wir finden dabei, daß dieser Masernfall aufgetreten ist als eine karmischeWirkung von solchen Vorgängen in einem vorangegangenen Leben, die wir etwa so beschreiben können: Die betreffende Individualität war in einem vorhergehenden &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Leben eine solche, die sich nicht gern um die äußere Welt bekümmert hat, sich nicht gerade im grob egoistischen Sinne, aber doch viel mit sich selber beschäftigt hat; eine Persönlichkeit also, die viel nachgeforscht hat, nachgedacht hat, aber nicht an den Tatsachen der äußeren Welt, sondern die im inneren Seelenleben geblieben ist. Sie finden auch heute sehr viele Menschen, welche glauben, daß sie durch In-sich-abgeschlossen-Sein, durch Grübeln und so weiter zur Lösung von Welträtseln kommen können. Bei der Persönlichkeit, die ich meine, handelte es sich darum, daß sie mit dem Leben so fertigzuwerden suchte, daß sie innerlich nachgrübelte, wie man sich in diesem oder jenem Falle verhalten soll. Die Schwäche der Seele, welche sich daraus ergeben hat im Verlaufe des Lebens, führte dazu, daß im Leben zwischen Tod und neuer Geburt Kräfte erzeugt wurden, welche den Organismus in verhältnismäßig später Lebenszeit noch einem Masernanfall aussetzten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt können wir uns fragen: Wir haben auf der einen Seite den Masernanfall, der die physisch-karmische Wirkung ist eines früheren Lebens. Wie ist es denn aber nun mit dem Seelenzustand? Denn das frühere Leben gibt ja als karmische Wirkung auch einen gewissen Seelenzustand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Seelenzustand stellt sich so dar, daß die betreffende Persönlichkeit in dem Leben, wo sie auch den Masernanfall hatte, immer wieder und wieder Selbsttäuschungen unterworfen war. Da haben Sie also die Selbsttäuschungen anzusehen als die seelisch-karmische Folge dieses früheren Lebens und den Eintritt döer Masern als die physischkarmische Folge jenes Lebens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen wir nun an, dieser Persönlichkeit wäre es gelungen, bevor der Masernfall eintrat, etwas zu tun, um sich gründlich zu bessern, das heißt, um eine solche Stärke der Seele sich anzueignen, daß sie nicht mehr ausgesetzt wäre allen möglichen Selbsttäuschungen. Dann würde diese dadurch heranerzogene Seelenstärke dazu geführt haben, daß die Masernerkrankung hätte unterbleiben können, weil das, was im Organismus schon hervorgerufen war bei der Bildung dieser Organisation, seinen Ausgleich gefunden hätte durch die stärkeren Seelenkräfte, welche durch die Selbsterziehung herangezogen worden wären. Ich kann natürlich nicht ein halbes Jahr über diese Sachen reden; aber wenn Sie &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
weit im Leben herumschauen und alle Einzelheiten, welche sich als Erfahrungen darbieten, von diesem hier gegebenen Ausgangspunkt aus betrachten würden, so würden Sie immer finden,daß das äußereWissen voll bestätigen würde - bis in alle Einzelheiten -, was hier gesagt worden ist. Und was ich jetzt gesagt habe über eine Masernerkrankung, das kann zu Gesichtspunkten führen, die erklären, warum Masern gerade zu den gebräuchlichen Kinderkrankheiten gehören. Denn die Eigenschaften, die genannt worden sind, kommen in sehr vielen Leben vor. Insbesondere in gewissen Zeitperioden haben sie in vielen Leben grassiert. Und wenn dann eine solche Persönlichkeit ins Dasein tritt, wird sie so schnell wie möglich Korrektur üben wollen auf diesem Gebiet und in der Zeit zwischen der Geburt und dem gewöhnlichen Auftreten der Kinderkrankheiten, um organische Selbsterziehung zu üben, die Masern durchmachen; denn von einer seelischen Erziehung kann ja in der Regel in diesem Alter nicht die Rede sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daraus sehen Sie, daß wir wirklich davon sprechen können, daß die Krankheit in gewisser Beziehung wieder zurückverwandelt werden kann in einen geistigen Prozeß. Und das ist das ungeheuer Bedeutsame, daß wenn dieser Prozeß in die Seele als Lebensmaxime aufgenommen wird, er eine Anschauung erzeugt, die gesundend auf die Seele wirkt. In unserer Zeit braucht man sich nicht besonders zu wundern, daß man so wenig auf die Seelen wirken kann. Und wer die Zeit heute vom geisteswissenschaftlichen Standpunkt aus durchschaut, der wird es begreifen, daß so viele Mediziner, so viele Ärzte Materialisten werden, können, das heißt, verzweifeln an einem seelischen Einfluß. Denn die Mehrzahl der Menschen beschäftigt sich ja überhaupt nicht mit etwas, was eine befruchtende Kraft hat. All das Zeug, was heute durch die gebräuchliche Literatur geht, hat für die Seelen keine befruchtende Kraft. Deshalb fühlt der, welcher für die Geisteswissenschaft wirken will, in diesem theosophischen Wirken auch etwas im eminenten Sinne Gesundendes, weil das geisteswissenschaftliche Wissen der Menschheit wieder etwas bringen kann, was sich so in die Seelen hineinergießt, daß die Seele abgezogen wird von dem, was die leibliche Organisation bildete. Man darf nur nicht verwechseln, was im Anfang einer solchen Bewegung auftritt, mit dem, was die Bewegung wirklich sein kann. &lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Es werden ja in die theosophische Bewegung tatsächlich Dinge hinein- gebracht, welche in der äußeren Welt auch grassieren, das heißt, es bringen die Menschen, wenn sie Theosophen werden, vielfach genau dieselben Interessen der Theosophie entgegen, die sie für die Dinge draußen auch haben, und auch alle Unarten, die sie draußen haben. Da wird vieles hineingetragen von den Schattenseiten unseres Zeitalters. Dann aber, wenn sich irgendwelche Schattenseiten bei den Betreffenden zeigen, sagt man, das habe die Theosophie bewirkt. Das ist natürlich eine sehr billige Auskunft!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir so den karmischen Faden sich ziehen sehen von einer Inkarnation in die andere, so haben wir damit die entsprechende Wahrheit doch nur von einer Seite erfaßt. Es werden sich demjenigen, der ein Gefühl dafür erhält, wie sich der karmische Faden von Inkarnation zu Inkarnation hindurchzieht, noch viele Fragen ergeben, die im Laufe der Vorträge berührt werden sollen. Vor allen Dingen muß die Frage berührt werden: Wie hat man zu unterscheiden zwischen einer Krankheit, bei der man äußere Ursachen angeben kann, und einer solchen Krankheit, die voll veranlagt liegt in der menschlichen Organisation selber, so daß man glaubt, was da vorliegt, damit abfertigen zu können, daß man sagt, die Krankheit ist ganz von selbst gekommen, und eine äußere Veranlassung liege nicht vor. - Ganz so stehen ja die Dinge nicht. Aber von gewisser Seite ist es doch berechtigt zu sagen, daß Krankheiten auftreten, für die der Mensch durch sein Inneres besonders disponiert ist. Für zahlreiche Krankheitserscheinungen wird man da- gegen doch äußere Ursachen angeben können. Natürlich nicht für alles, was uns passiert, aber für manches, was uns von außen her zustößt, zum Beispiel, wenn wir ein Bein brechen, müssen wir äußere Ursachen ins Feld führen. Auch das müssen wir zu den äußeren Ursachen zählen, was durch die Witterung geschieht, und ebenso die zahlreichen Krankheitsfälle, deren Ursachen in den schlechten städtischen Wohnungen zu suchen sind. Da eröffnet sich uns wieder ein weites Feld. Und für den, der mit Erfahrungen in die Welt blickt, ist es auch jetzt erklärlich, daß die heutige Moderichtung der Medizin dazu kommt, Krankheitsursachen in den äußeren Einwirkungen, besonders in den Bazillen, zu suchen, von denen ein geistreicher Herr nicht mit Unrecht gesagt hat: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Heute kommen Krankheiten von den Bazillen, wie man ehedem gesagt hat, Krankheiten kommen von Gott oder vom Teufel. Im 13.Jahr- hundert sagte man, Krankheiten kommen von Gott, im 15. Jahrhundert sagte man, sie kommen vom Teufel. Später hieß es dann, sie kommen von den Säften, und heute sagt man, die Krankheiten kommen von den Bazillen. Das sind die Ansichten, die sich abgelöst haben im Laufe der Zeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So müssen wir also sprechen von äußeren Ursachen des menschlichen Krankseins oder Gesundseins. Und da kann der gegenwärtige Mensch leicht versucht sein, ein Wort zu gebrauchen, welches im Grunde sehr geeignet ist, in unsere ganze Weltauffassung Unordnung hineinzubringen. Wenn jemand, der vorher ganz gesund war, in eine durch Influenza oder Diphtherie verseuchte Gegend kommt und hernach erkrankt, so wird der heutige Mensch ganz gewiß geneigt sein zu sagen, daß der Betreffende den Krankheitskeim dadurch aufgenommen hat, daß er in jene Gegend gekommen ist, und er wird dann leicht das Wort Zufall gebrauchen. Von zufälligen Einflüssen wird man heute leicht sprechen. - Das Wort Zufall ist so recht eine Crux, ein Kreuz für jede Weltanschauung. Und solange man eigentlich nicht einmal den Versuch macht, sich ein wenig klarzuwerden über das, was man so leicht mit Zufall bezeichnet, wird man auch nicht vordringen können zu einer einigermaßen befriedigenden Weltanschauung. So stehen wir nun am Ausgangspunkt des Kapitels «Natürliche und zufällige Erkrankungen des Menschen». Da geht es aber nicht anders, als daß wir einleitend heute versuchen, auf das Wort Zufall ein wenig Licht zu werfen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ist nicht der Zufall selber etwas, was uns mißtrauisch machen könnte gegen das, was sich der Mensch heute leicht dabei denkt? Ich habe schon früher einmal darauf aufmerksam gemacht, daß ein geistvoller Mann im 18.Jahrhundert nicht ganz unrecht hatte, als er über die Sitte, großen Entdeckern, Erfindern und so weiter Denkmäler zu errichten, den Ausspruch tat, man müßte doch, wenn man den geschichtlichen Verlauf objektiv betrachtet, die weitaus meisten Denkmäler dem «Zufall» errichten! Und sonderbar: Wenn man eingeht auf die Geschichte, kann man merkwürdige Entdeckungen machen über &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|107}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
das, was sich hinter dem Zufall verbirgt. Ich habe Ihnen erzählt, daß die Erfindung des Fernrohres dem Spiel zu verdanken ist, das Kinder in einer optischen Werkstätte mit optischen Gläsern getrieben haben; dabei kam eine Konstellation zustande, durch die jemand das Fernrohr zustande brachte. Man könnte auch hinweisen auf die berühmte Lampe im Dom zu Pisa, die schon früher vor Tausenden und Tausenden von Menschen ihre Schwingungen mit derselben Regelmäßigkeit ausgeführt hat wie vor Galilei. Aber erst Galilei probierte, wie die Schwingungen zusammenstimmten mit dem Gang seiner Blutzirkulation, und dadurch kam er zu der Auffindung der Pendelgesetze. Würden wir die Pendelgesetze nicht gehabt haben, so würde unser ganzes Kulturleben einen andern Anstrich bekommen haben. Versuchen Sie, ob Sie nicht in der Menschheitsentwickelung einen Sinn suchen können und ob Sie dann noch sagen möchten, daß nur ein Zufall gewaltet hat, zum Beispiel bei Galilei, und ihn zu dieser wichtigen Entdeckung gebracht hat. Aber nehmen wir einen andern Fall.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denken wir daran, was die Luthersche Bibelübersetzung bedeutet für die Kulturländer der europäischen Welt. Machen wir uns klar, was für einen tiefgehenden Einfluß sie genommen hat auf das religiöse Fühlen und Denken und anderseits auf die Heranbildung dessen, was wir die deutsche Schriftsprache nennen. Ich will nur die Tatsache hin- stellen, ohne davon zu sprechen, wie man über sie denken soll; nur daß sie diesen tiefgehenden Einfluß gehabt hat, will ich betonen. Sie müssen nun doch versuchen, einen Sinn zu sehen in jener Erziehung der Menschheit, die seit mehreren Jahrhunderten durch die Luthersche Bibelübersetzung bewirkt worden ist. Wenn Sie es versuchen, darin einen Sinn zu sehen, dann stellen Sie einmal neben dasjenige, was Sie so geistvoll wie möglich über den Sinn der Entwickelung seit dem 16. bis 17. Jahrhundert sagen können, die folgende Tatsache:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Luther hat sich bis zu einer gewissen Zeit seines Lebens tief beschäftigt mit allem, was seine eigene Persönlichkeit zu einer Art von Gotteskindschaft führen könnte durch die Bibellektüre. Er war übergegangen von der Gepflogenheit der Augustiner, vorzugsweise die Kirchenväter zu lesen, zu dem Genuß des Lesens der Bibel selber. Aber alles sprach jetzt dafür, daß sich in seiner Seele entzünden sollte die Gotteskind&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
schaft in einem umfassenden Gefühl. Und von diesem Gesichtspunkt aus oblag er seinem theologischen Lehramt in der ersten Wittenberger Period,e. Die Tatsache, die ich nun hervorheben möchte, ist die, daß Luther eine gewisse Abneigung hatte, sich den theologischen Doktortitel zu verschaffen, und daß er in einer zufälligen Unterredung, als er einmal zusammensaß mit einem alten Freunde des ErfurterAugustinerklosters, wirklich überredet worden ist, sich den theologischen Doktorhut zu erringen. Das hieß aber nun für ihn ein nochmaliges und wie,der-~ holtes Studium der Bibel. Da hat also das zufällige Zusammensitzen mit seinem Freunde zu einem nochmaligen Studium der Bibel geführt und dann zu alledem, was dadurch zum Ausdruck gekommen ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Versuchen Sie den Sinn für das, was für die letzten Jahrhunderte angedeutet worden ist, zusammenzuhalten mit der Tatsache, daß Luther einmal mit jenem Freunde zusammengesessen hat und sich zur Erringung des theologischen Doktorhutes hat überreden lassen: Da werden Sie eine merkwürdig groteske Zusammenstellung zu machen genötigt sein zwischen dem Sinn der Entwickelung und dem zufälligen Ereignis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was Sie zunächst aus dem Gesagten herauslesen werden, ist, daß es sich vielleicht doch mit der Bedeutung des Zufalles etwas anders verhalten könne, als man gewöhnlich denkt. Gewöhnlich denkt man, daß der Zufall etwas sei, was sozusagen durch die Naturgesetze, durch die Gesetze des Lebens sich überhaupt nicht restlos erklären lasse, daß er eine Art von Überschuß bilde gegenüber dem, was sich erklären läßt. Nehmen Sie nun zu dem, was eben gesagt worden ist, die Tatsache, die uns ja schon zum Verständnis so vieler Seiten des Lebens verholfen hat: daß der Mensch in seiner Individualität seit seinem Erdendasein unterworfen war den beiden Kräften des luziferischen und des ahrimanischen Prinzips. Diese Kräfte und Prinzipien spielen fortwährend in den Menschen hinein, wobei die luziferischen Kräfte mehr dadurch wirken, daß sie das Innere des astralischen Leibes des Menschen ergreifen, während die ahrimanischen Kräfte mehr wirken durch das, was der Mensch als äußere Eindrücke empfängt. In dem, was wir von der Außenwelt empfangen, sitzen die ahrimanischen Kräfte; und in dem, was als Lust oder Unlust, als Affekte und so weiter in der Seele aufsteigt und wirkt, sitzen die luziferischen Kräfte. Nun führt sowohl das &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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Iuziferische wie das ahrimanische Prinzip dazu, daß wir uns Täuschungen hingeben; das luziferische Prinzip führt dazu, daß wir uns über unser eigenes Inneres Täuschungen hingeben, daß wir über unser eigenes Inneres falsch urteilen können, eine Illusion im eigenen Inneren schauen können. Es wird Ihnen nicht schwer werden, wenn Sie das Leben vernünftig betrachten, diese Maja im eigenen Seelenleben gewahr zu werden. Versuchen Sie es zu betrachten, wie unendlich oft sich der Mensch einredet, er tue dieses oder jenes aus diesem oder jenem Grunde. Er tut es aber gewöhnlich aus einem ganz andern Grunde, der wesentlich tiefer sitzt; aber er erklärt sich die Handlung, zu der er getrieben wird durch Zorn und Leidenschaft, in seinem Oberbewußtsein auf eine ganz andere Art. Namentlich versucht er das, was in der Welt nicht geschätzt wird, hinwegzudekretieren. Und wenn der Mensch aus recht egoistischen Affekten heraus zu etwas getrieben wird, werden Sie es oft erleben können, daß er seinen grobklotzig-egoistischen Trieben ein unegoistisches Mäntelchen umhängt und erklärt, warum es hat geschehen müssen. Der Mensch weiß aber gewöhnlich selbst nicht, daß er so vorgeht. Wenn er es weiß, tritt gewöhnlich schon der Anfang zu einer Besserung mit einem gewissen Schamgefühl ein. Das schlimmste ist, daß der Mensch aus der Tiefe seiner Seele heraus zu etwas getrieben wird - und sich dann ein Motiv ausdenkt, aus dem er die betreffende Handlung getan habe. Das haben auch schon die modernen Psychologen bemerkt. Aber nur weil heute so wenig psychologische Bildung vorhanden ist, kommen derartig groteske Ausbildungen solcherWahrheiten zustande, wie das bei den heutigen materialistischen Psychologen der Fall ist. Sie kommen zu ganz eigenartigen Ausdeutungen des Lebens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Derjenige, der als Geistesforscher eine solche Tatsache bemerkt, wird sie natürlich in ihrer wahren Bedeutung durchschauen und so charakterisieren, daß in der Tat die zwei Dinge zusammenwirken: das Bewußtsein, und das, was als die tieferen Gründe unter der Schwelle des Bewußtseins waltet. Bemerkt es aber ein materialistischer Psychologe, so wird er die Sache anders behandeln. Da spintisiert er gleich eine Theorie heraus über den Unterschied zwischen dem Vorwand, den der Mensch zu einer Handlung annimmt, und zwischen dem eigentlichen Motiv. - Wenn zum Beispiel ein Psychologe spricht über die heute so &lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
viel notierten Schülerselbstmorde, so sagt er, was als Vorwand dazu angeführt würde, das sei nicht das eigentliche Motiv; die eigentlichen Motive lägen viel tiefer: sie lägen meistens in einem irregeleiteten Geschlechtsleben. Diese würden umgewandelt, so daß sie dann dem Bewußtsein diese oder jene Gründe vortäuschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine solche Sache kann oft richtig sein. Aber es würde sie derjenige nIe zu einer umfassenden Theorie machen, der nur ein wenig berührt worden wäre von einer wahrhaft tieferen psychologischen Denkungsart. Eine solche Theorie kann leicht widerlegt werden, denn der Betreffende müßte bedenken: Wenn wirklich der Fall so liegt, daß der Vorwand nichts ist und das Motiv alles, so müßte man das auch bei diesem Psychologen anwenden können und sagen: Es ist also auch bei dir dasjenige, was du hier vorbringst und als Theorie entwickelst, nur Vorwand; suchen wir nach den tieferen Gründen, so sind vielleicht deine angegebenen Gründe ganz derselben Natur. - Hätte ein solcher Psychologe ernsthaft gelernt, warum ein Urteil unmöglich ist, das nach einem solchen Schluß aufgebaut ist wie: Alle Kretenser sind Lügner -, und daß ein solches Urteil schief ist, wenn es ein Kretenser selbst sagt; hätte er gelernt den Grund, warum das so ist, so hätte er auch gelernt, was für sonderbare Zirkelschlüsse dadurch herauskommen, daß man auf gewissen Gebieten Behauptungen auf sich selber zurücktreiben kann. Aber es ist eben fast in dem ganzen Umfange unserer Literatur eine außerordentlich geringe wirklich tiefere Bildung vorhanden. Daher bemerken die Leute dasjenige, was sie selbst tun, gewöhnlich durchaus nicht mehr. Deshalb wird es gerade für die Geisteswissenschaft durchaus notwendig sein, daß solche logischen Konfusionen nach jeder Hinsicht vermieden werden. Am wenigsten vermeiden solche logischen Konfusionen die modernen Philosophen, die sich mit Seelenwissenschaft beschäftigen. Und unser Beispiel ist ein typisches dafür. Wir sehen daran die Streiche, die luziferische Einflüsse dem Menschen spielen, so daß sie ihm das Seelenleben in eine Maja verwandeln und daß er sich ganz andere Motive vortäuschen kann, als sie wirklich in seinem Inneren walten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf diesem Gebiete sollte der Mensch versuchen, eine strengere Selbsterziehung zu handhaben. Heute handhabt sich das Wort gewöhnlich&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|111}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sehr leicht. Aber dieses Wort ist auch ein furchtbarer Verführer. Und wenn das Wort nur schön klingt und nur ein klein wenig den Eindruck macht, daß ein Satz eine wohltätige Handlung vorstellt, dann wird schon das Schönklingen des Satzes Verführer sein, zu glauben, daß das betreffende Motiv in der Seele sei, während in Wahrheit das egoistische Prinzip dahinterstecken kann, von dem der Betreffende gar keine Ahnung zu haben braucht, weil er gar nicht den Willen hat, wirkliche Selbsterkenntnis zu treiben. So sehen wir Luzifer auf der einen Seite wirken. Wie wirkt nun Ahriman auf der andern Seite?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ahriman ist das Prinzip, das sich in unsere Wahrnehmungen mischt und von außen in uns hineinzieht. Nun wirkt Ahriman am allerstärksten in den Fällen, wo wir das Gefühl haben: Hier kommst du mit deinem Denken nicht mehr nach; da stehst du an einem kritischen Punkt mit deinem Denken, da fängt sich das Denken wie in einem Gedankenknäuel. - Da ergreift das ahrimanische Prinzip die Gelegenheit, um wie durch einen Spalt der Außenwelt in uns einzudringen. Wenn wir den Gang der Weltereignisse verfolgen und die mehr offenbaren Ereignisse ansehen, wenn wir zum Beispiel die heutige Physik zurückverfolgen bis zu dem Moment, wo Galilei vor der schwingenden Kirchenlampe im Dom zu Pisa saß, so können wir ein Gedankennetz über alle Ereignisse spinnen, das uns die Sache leicht erklärt; überall werden uns die Dinge erklärlich werden. Da aber, an der Stelle, wo wir zu der schwingenden Kirchenlampe kommen, da verwickeln sich unsere Gedanken. Da ist das Fenster, wo die ahrimanischen Kräfte am allerstärksten in uns eindringen, und da hört unser Denken auf, dasjenige aus den Erscheinungen zu begreifen,wasVernunft und Verständnis in die Sache hineinbringen kann. Da sitzt aber auch das, was man den Zufall nennt. Er sitzt da, wo uns Ahriman am allergefährlichsten wird. Diejenigen Erscheinungen nennt der Mensch zufällig, bei denen er durch den ahrimanischen Einfluß am allerleichtesten getäuscht werden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So wird der Mensch verstehen lernen, daß es nicht in der Natur der Tatsachen liegt, wenn er irgendwo veranlaßt wird, von Zufall zu sprechen, sondern daß es an ihm, an seiner Entwickelung liegen wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und er wird sich nach und nach dazu erziehen müssen, Maja und Illusion zu durchdringen, das heißt, dort die Dinge zu durchdringen, wo&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|112}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ahriman am stärksten wirkt. Und gerade wo wir zu sprechen haben von wichtigen Krankheitsursachen und von einem Licht, das sich über manchen Krankheitsverlauf breiten soll, da werden wir es nötig haben, von dieser Seite her die Erscheinungen anzugreifen. Da werden wir zuerst zu verstehen suchen, inwiefern es kein Zufall ist, wenn ein Mensch gerade mit demjenigen Eisenbahnzug fährt, durch den er umkommen kann, oder wie die Dinge liegen, durch die ein Mensch gerade in einer bestimmten Zeit irgendeinem von außen wirkenden Krankheitskeim ausgesetzt ist oder einer andern Krankheitsursache. Und wenn wir mit eIner geschärften Erkenntnis den Dingen nachgehen können, werden wir imstande sein, das wahre Wesen und die ganze Bedeutung des Krankseins und des Gesundseins für das menschliche Leben noch tiefer zu begreifen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich mußte heute in ausführlicherer Weise zeigen, wie im Inneren des Menschen Luzifer zur Illusion führt und wie Ahriman sich in die äußeren Wahrnehmungen mischt und dort zur Maja führt; wie es eine Wirkung Luzifers ist, wenn sich der Mensch ein falsches Motiv vor- täuscht, und wie die falsche Annahme gegenüber der Welt der Erscheinungen - die Täuschung durch Ahriman - uns zu der Annahme eines Zufalls bringt. Diesen Grund mußte ich schaffen, bevor ich zeigen kann, wie die karmischen Ereignisse, die Ergebnisse des früheren Lebens, beim Menschen auch da wirken und auch da die Erscheinungen erklären, wo scheinbar zufällige äußere Veranlassungen zur Erzeugung von Krankheiten wirken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|113}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= SECHSTER VORTRAG Hamburg, 21. Mai 1910 =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daß eine karmische Gesetzmäßigkeit dann wirken kann, wenn in dem gestern und vorgestern angedeuteten Sinne von dem Inneren des Menschen heraus die Krankheitsursache sich geltend macht, das wird ja leicht begreiflich sein. Wenn aber die Krankheitsursache in gewissem Sinne von außen hereinwirkt - und für wie vielerlei wird heute von der Wissenschaft die Krankheitsursache draußen gesucht in der Infektion -, wenn also das Hauptaugenmerk gerichtet werden muß auf eine äußere Veranlassung zur Krankheit: daß dann die karmische Gesetzmäßigkeit - das, was sich der Mensch als Wirkungen der Erlebnisse und Handlungen seines früheren Lebens mitgebracht hat durch die Geburt - auch in der Weise wirken kann, daß sie diese äußeren Krankheitsursachen herbeischafft, das scheint gewiß vielen noch, und mit Recht, weniger begreiflich zu sein. Dennoch aber werden wir, wenn wir noch weiter die eigentliche Wesenheit des Karma verfolgen, nicht nur verstehen lernen, wie äußere Ursachen zusammenhängen können mit dem, was wir in früheren Leben erlebt und getan haben, sondern wir werden sogar begreifen lernen, daß äußere Lebensunfälle, die uns treffen, also Ereignisse, die man so gern heute zufällig nennen möchte, in einem gesetzmäßigen Zusammenhange stehen können mit dem Verlauf voriger Leben. Allerdings werden wir noch etwas tiefer eindringen müssen in die ganze Natur der menschlichen Wesenheit, wenn wir gerade derartige, eigentlich durch unser ganzes menschliches Anschauen verschleierte Verhältnisse beleuchten wollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir haben ja gestern damit geschlossen, daß wir gezeigt haben, wie der Zufall uns immer eigentlich in einer verschleierten Gestalt das äußere Ereignis darbietet, weil an den Stellen, wo wir vom Zufall sprechen, die Möglichkeit der äußeren Täuschung, die durch die ahrimanischen Mächte herbeigeführt wird, am größten ist. Nun wollen wir einmal das Zustandekommen solcher Zufälligkeiten, das heißt solcher Ereignisse, die man im gewöhnlichen Leben als «Zufälligkeiten» bezeichnet, in einzelnen Fällen vor uns hinstellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|114}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da ist es notwendig, daß wir uns zuerst ein Gesetz, eine Wahrheit, eine Erkenntnis vorhalten: daß im Leben gar manches,was wir mit dem Ausdruck bezeichnen «von innen herauskommend», «von dem Inneren des Menschen stammend», sich schon eigentlich in eine Täuschung kleidet, weil mancherlei, was wir zunächst als im Inneren des Menschen verursacht glauben, wenn wir in Wahrheit über die Illusion hinaus- kommen, schon als etwas von außen nach innen Strömendes bezeichnet werden muß. Und ein solches tritt uns immer da entgegen, wo wir es zu tun haben mit allen jenen Erlebnissen des Menschen, allen jenen Wirkungen auf den Menschen, welche wir begreifen unter dem Namen der «vererbten Merkmale». Die vererbten Merkmale, die uns so entgegen- treten, als ob wir sie nur deshalb hätten, weil sie unsere Vorfahren auch hatten, können uns im eminentesten Maße erscheinen, als ob sie uns ohne unsere Schuld, ohne unser Zutun zugefallen wären. Und wir können leicht zu einer falschen Unterscheidung dessen kommen, was wir uns aus unseren früheren Inkarnationen mitbringen, von dem, was wir von Eltern oderVoreltern geerbt haben. Nun aber geschieht das Wieder- ein treten in eine Verkörperung keineswegs so, als ob wir ohne irgendeine Veranlassung, die mit unserem Inneren zusammenhängt, zu diesem oder jenem Elternpaar, zu diesem oder jenem Volk, in diese oder jene Gegend hingedrängt würden. Schon bei den durchaus nicht in das Gebiet der Krankheiten hineinfallenden vererbten Merkmalen dürfen wir so etwas keineswegs voraussetzen, sondern wir müssen uns sagen: Wenn zum Beispiel in einer Familie, wie der des Musikers Bach, durch viele Generationen hindurch immer wieder und wieder kleinere und größere Musiker geboren wurden - der eine ist dann gewöhnlich hervorragender, aber in der Familie Bach sind über zwanzig mehr oder weniger begabte Musiker geboren worden -, so könnte man leicht glauben, daß man es mit der reinen Vererbungslinie zu tun hätte, daß also Merkmale von den Vorfahren vererbt werden und daß der Mensch gerade deshalb, weil solche Merkmale vorliegen, gewisse aus früheren Inkarnationen mitgebrachte Eigenschaften zu musikalischen Talenten entfaltet. Das ist aber nicht so, sondern die Sache verhält sich vielmehr ganz anders.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen wir an, es würde jemand in einem Leben zwischen Geburt und Tod Gelegenheit haben, viele musikalische Eindrücke zu empfangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|115}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese musikalischen Eindrücke gingen aber in diesem Leben an ihm vorüber, einfach aus dem Grunde, weil er kein musikalisches Ohr hatte. Andere Eindrücke seines Lebens werden nicht an ihm in derselben Weise vorübergehen, weil er gerade so gebaute Organe hat, daß er die Erlebnisse und Eindrücke in eigene Fähigkeiten umsetzen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daher werden wir sagen können, ein Mensch habe in seinem Leben solche Eindrücke, die er durch die Anlage, welche er von seiner letzten Geburt mitbekommen hat, umzusetzen vermag in Fähigkeiten und Talente; andere Eindrücke hat er, welche er vermöge seines Gesamt karma, weil er durch dieses nicht die entsprechenden Anlagen erhalten hat, nicht umsetzen kann in die entsprechenden Fähigkeiten. Die bleiben aber vorhanden, bleiben aufgespeichert und bilden sich um in der Zeit zwischen Tod und neuer Geburt zu der besonderen Tendenz, in der nächsten Inkarnation nunmehr zum Ausleben zu gelangen. Und diese Tendenz führt den Menschen dahin, im nächsten Leben seine Leiblichkeit gerade in einer solchen Familie zu suchen, welche ihm die entsprechenden Anlagen geben kann. Hat also jemand viele musikalische Eindrücke empfangen und sie wegen eines unmusikalischen Ohres nicht umwandeln können in musikalische Fähigkeiten oder Genüsse, so wird gerade diese Unmöglichkeit die Tendenz in seiner Seele hervorrufen, in eine solche Familie hineinzukommen,welche ihm ein musikalisches Ohr vererben kann. So verstehen wir es, daß, wenn in einer Familie sich der Bau des Ohres ebenso vererbt wie etwa die äußere Form der Nase, alle diejenigen Individualitäten sich zusammendrängen werden in diese Familie, die gerade lechzen - infolge ihrer früheren Inkarnation - nach dem Besitz eines musikalischen Ohres. Und so sehen wir, daß der Mensch in der Tat nicht «zufällig» in irgendeiner Inkarnation ein musikalisches Ohr oder ähnliches geerbt hat, sondern daß er diese vererbten Merkmale gesucht hat, wirklich aufgesucht hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beobachten wir jetzt einen solchen Menschen vom Zeitpunkt seiner Geburt an, dann wird es uns so vorkommen, als ob das musikalische Ohr in ihm wäre, eine Eigenschaft in seinem Inneren. Würden wir aber mit unseren Betrachtungen hinübergehen vor seine Geburt, so würden wir finden, wie das musikalische Ohr, das er sich erst aufgesucht hat, etwas ist, was von außen an ihn herangekommen ist. Vor der Geburt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|116}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
oder Empfängnis war das musikalische Ohr nicht etwas, was in seinem Inneren war, sondern da war nur die Tendenz vorhanden, zu einem solchen Ohr hingetrieben zu werden. Da hat der Mensch ein Äußeres an sich herangezogen. Vor der Wiederverkörperung war die Eigenschaft, die wir nachher eine vererbte nennen, etwas Äußeres; das ist an den Menschen herangekommen, er ist dazu hingeeilt. Mit der Verkörperung wird es dann etwas Inneres und tritt in dem Inneren dieses Menschen auf. - Reden wir also von «vererbten Anlagen», so geben wir uns wieder einer Täuschung hin, welche darin besteht, daß wir etwas, was erst ein Innres geworden ist, nicht in jenem Zeitpunkt betrachten, wo es noch ein Äußeres war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fragen wir uns nun einmal, ob es so wie in diesem Falle, den wir jetzt angeführt haben, nicht auch mit äußeren Ereignissen sein könnte, welche während unseres Lebens zwischen Geburt und Tod eintreten, daß auch da ein Äußeres sich in ein Inneres verwandeln könnte? - Diese Frage würden wir uns nicht beantworten können, wenn wir nicht noch tiefer als bisher das Wesen von Krankheit und Gesundheit ins Auge fassen. Wir haben mancherlei angeführt, um Krankheit und Gesundheit zu charakterisieren, und Sie wissen, daß ich nicht definiere, sondern versuche, nach und nach die Dinge zu beschreiben, immer mehr Merkmale zu den Dingen hinzuzufügen, damit sie nach und nach begreiflich werden. Also mehr Merkmale wollen wir jetzt hinzufügen zu den schon gewonnenen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir müssen Krankheit und Gesundheit vergleichen mit etwas, was Im normalen Leben auftritt; dann werden wir etwas noch Tieferes finden&amp;gt; nämlich den Vergleich mit Schlafen und Wachen. Was geschieht im Menschenwesen, wenn die täglichen Zustände Wachen und Schlafen miteinander abwechseln? Wir wissen&amp;gt; daß beim Einschlafen im Bette zurückgelassen wird der physische Leib und der Ätherleib und daß herausgehen aus dem physischen Leib und dem Ätherleib der astralische Leib und das Ich. Es ist also das Einschlafen für uns ein Herausziehen von Ich und astralischem Leib aus physischem Leib und Ätherleib; das Aufwachen dagegen ist ein Wiederhineingehen des astralischen Leibes und des Ich in den physischen Leib und Ätherleib. Jeden Morgen beim Aufwachen taucht also der Mensch unter in seinen physischen Leib und&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|117}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ätherleib mit dem, was er als innerer Mensch, als astralischer Leib und als Ich ist. Was geschieht nun in bezug auf das, was sich im Menschenwesen als Erlebnis abspielt beim Einschlafen und beim Aufwachen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir den Moment des Einschlafens ins Auge fassen, so stellt ersich uns so dar, daß alle Erlebnisse, die vom Morgen bis zum Abend inunserem Leben auf und ab fluten, daß vor allem die Seelenerlebnisse Lust und Leid, Freude und Schmerz, Leidenschaften, Vorstellungen und so weiter hinuntersinken in ein Unbewußtes. Wir selber sind im normalen Leben, wenn wir schlafen, einem Unbewußten hingegeben.Warum werden wir mit dem Einschlafen unbewußt? - Wir wissen ja, daß wir während des Schlafzustandes von einer geistigen Welt umgeben sind, wie wir imWachzustande umgeben sind von den Dingen und Tatsachen der physisch-sinnlichen Welt. Warum sehen wir diese geistige Welt nicht? Im gewöhnlichen normalen Leben sehen wir die geistigen Tatsachen und geistigen Dinge, die um uns herum sind, aus dem Grunde nicht, weil für uns dieses Sehen bei der gegenwärtigen Menschenreife vom Einschlafen bis zum Aufwachen im höchsten Grade gefahrbringend wäre. In dem Augenblick, wo der Mensch heute bewußt übergehen würde in die Welt, die ihn zwischen Einschlafen und Aufwachen um- gibt, würde zwar sein astralischer Leib, der ja während der alten Mondenzeit seine volle Ausbildung erfahren hat, in die geistige Welt aus- fließen; aber nicht könnte es das Ich, das ja erst während der Erdenzeit sich entwickeln soll und vollständig entwickelt sein wird am Ende der Erdenzeit. Das Ich ist noch nicht so voll entwickelt, daß es vom Einschlafen bis zum Aufwachen seine volle Tätigkeit entfalten könnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist mit dem Ich so, daß wir den Zustand, in den es käme, wenn der Mensch bewußt einschlafen würde, damit vergleichen könnten, daß wir sagen: Nehmen wir an, wir haben ein kleines Tröpfchen einer gefärbten Flüssigkeit, das bringen wir in ein Bassin mit Wasser und lassen es sich darinnen verteilen. Dann wird man von der Farbe dieses Tröpfchens nichts mehr sehen, weil es sich in der ganzen breiten Masse hat auflösen müssen. - So etwas geschieht auch, wenn der Mensch im Einschlafen aus dem physischen Leib und Ätherleib herausgeht. Physischer Leib und Ätherleib sind das, was die ganze menschliche Wesenheit zusammenhält. In dem Augenblick, wo der astralische Leib und das Ich &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|118}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die beiden unteren Glieder verlassen, streben sie auseinander nach allen Seiten hin, haben nur das Bestreben, sich fortwährend auszudehnen. Es würde also dem Ich so gehen, daß es aufgelöst würde, und der Mensch würde vor sich haben zwar die Bilder der geistigen Welt, aber er würde sie mit denjenigen Kräften, die nur sein Ich entfalten kann - denn das Ich wäre ja aufgelöst -, also mit Urteilskräften und Begriffsvermögen und so weiter, nicht verfolgen können, also nicht mit demselben Bewußtsein, mit welchem er die Zustände des Alltags verfolgt. Er würde außer sich sein, würde hin und her gerissen, wesens- und richtungslos schwimmend auf dem Meere der astralischen Eindrücke. Aus diesem Grunde, weil das Ich noch nicht stark genug ist im normalen Zustande des Menschen, wird das Ich so lange zurückwirken auf den astralischen Leib und ihn verhindern, bewußt einzutreten in seine eigentliche Heimat, in die geistige Welt, bis das Ich selber überall mit hin kann, wohin der astralische Leib dringt. So also hat es einen guten Sinn, daß wir das Bewußtsein verlieren im Einschlafen. Wir könnten unser Ich nicht erhalten. Wir werden es erst erhalten können in genügender Weise, wenn die Erdentwickelung an ihrem Ende angekommen sein wird. Deshalb sollen wir auch unseren astralischen Leib nicht entfalten können in bezug auf seine Bewußtseinsfähigkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gerade das Umgekehrte tritt ein, wenn der Mensch aufwacht. Wenn er aufwacht und untertaucht in den physischen Leib und Ätherleib, würde er eigentlich erleben müssen das Innere des physischen Leibes und des Ätherleibes. Das tut er aber nicht. Im Augenblick des Aufwachens wird er verhindert, hineinzuschauen in das Innere seiner Leiblichkeit, denn da wird gleich die Aufmerksamkeit auf die äußeren Erlebnisse gelenkt. Da wird nicht seine Sehkraft, seine Erkenntniskraft dahin gelenkt, sein Inneres zu durchschauen, sondern sie wird abgelenkt auf die Außenwelt. Würde der Mensch sich im Inneren ergreifen, so würde genau das Gegenteil eintreten von dem, was eintritt, wenn sich der Mensch bewußt beim Einschlafen in die geistige Welt hineinbegeben könnte. Alles, was der Mensch sich schon im Verlaufe des Erdenlebens an Geistigem durch sein Ich errungen hat, das würde sich zusammendrängen und es würde jetzt im physischen Leibe und Ätherleibe nach demUntertauchen mit aller Kraft auf ihn wirken. Das würde zur Folge &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|119}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
haben, daß alles, was nur irgendwie egoistische Eigenschaft ist, sich mit aller Macht entfalten würde. Und der Mensch würde hinuntertauchen mit seinem Ich und würde mit jedem Stück, mit dem er hinuntertaucht, seine Leidenschaften,Triebe und Begierden in einem immer kraftvolleren Egoismus ergießen. Aller Egoismus würde sich ergießen in sein Trieb- leben. Damit das nicht geschieht, werden wir abgelenkt auf die Außenwelt und nicht mit unserem Bewußtsein in unser Inneres hineingelassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daß das so ist, kann auch aus den Berichten derjenigen hervorgehen, die als Mystiker versuchten, wirklich hineinzukommen in das menschliche Innere. Sehen Sie sich um bei Meister Eckart, bei Johannes Tauler oder bei sonstigen Mystikern des Mittelalters, welche wirklich den Gang in das menschliche Innere unternommen haben. Da haben Sie Mystiker, welche sich hingegeben haben einem Zustand, wo sie ihre Aufmerksamkeit vollständig ablenkten von dem, was sie an der Außenwelt interessieren konnte, um hinunterzusteigen in das eigene Innere. Lesen Sie die Biographien der Heiligen oder der Mystiker, die in das eigene Innere hineinzusteigen versuchten. Was haben sie erfahren? Versuchungen, Anfechtungen und dergleichen, die sie in lebendigen Farben schildern. Das war dasjenige, was sich aus dem zusammengepreßten astralischen Leib und Ich als eine Widerkraft geltend machte. Daher haben diejenigen, welche sozusagen ungeschoren als Mystiker in das eigene Innere hinuntersteigen wollten, mit aller Macht darauf gedrungen, daß in demselben Maße, als sie hinunterstiegen, das Ich ausgelöscht würde. Ein schönes Wort hat sogar Meister Eckart gefunden, um dieses Hinuntersteigen in die eigene Leiblichkeit zu bezeichnen. Er spricht von «Entwerdung&amp;gt;, das heißt Auslöschen des Ich. Und lesen Sie in der «Deutschen Theologie», wie der Verfasser darstellt den mystischen Gang in das menschliche Innere, wie er darauf dringt, daß derjenige, der hinuntersteigen will in die Leiblichkeit, nic`ht mehr aus seinem Ich handelt, sondern daß in ihm der Christus handelt, mit dem er sich ganz durchdrungen hat. Auslöschen wollten solche Mystiker ihr Ich. Nicht sie sollen denken, fühlen und wollen, sondern der Christus in ihnen soll denken, fühlen und wollen, damit nicht dasjenige aus ihnen herauskommt, was in ihnen als Leidenschaften, Trieb und Begierde lebt, sondern damit dasjenige herauskommt, was sich als der &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|120}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Christus in sie ergießt. Daher sagt Paulus: «Nicht ich, sondern der Christus in mir»! Aus solchen Tiefen gehen solche Dinge hervor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So können wir schildern Aufwachen und Einschlafen als innere Erlebnisse der menschlichen Wesenheit: Aufwachen als ein Hinunter- tauchen der zusammengepreßten Ichheit in die Leiblichkeit des Menschen, Einschlafen als ein Sich-Befreien vom Bewußtsein, weil man noch nicht reif ist, in jener Welt zu schauen, in die man eigentlich hin- eindringen muß beim Einschlafen. Dadurch verstehen wir Wachen und Schlafen in jenem Sinne, in welchem wir mancherlei in der Welt verstehen müssen: als das Sich-Durchdringen der verschiedenen Glieder der menschlichenWesenheit. Betrachten wir von diesem Gesichtspunkte aus einen wachenden Menschen, so sagen wir: In dem wachenden Menschen stecken darinnen vier Glieder der menschlichen Wesenheit: physischer Leib, Ätherleib, astralischer Leib und Ich, und sie stecken in einer bestimmtenWeise ineinander.Was folgt daraus? Eben das Wachen! Denn es könnte der Mensch nicht wachen, wenn er nicht so hineinsteigen würde in seine Leiblichkeit, daß die Aufmerksamkeit durch die Außenwelt abgelenkt würde. Gerade von einem ganz bestimmten, geregelten Zusammenwirken der vier Glieder des Menschen hängt es ab, daß der Mensch wacht. Und wieder von dem richtigen Getrenntsein seiner vier Glieder hängt es ab, daß der Mensch schläft. Wir reichen damit nicht aus, daß wir sagen: Der Mensch besteht aus physischem Leib, Ätherleib, astralischem Leib und Ich, sondern wir verstehen den Menschen erst dann&amp;gt; wenn wir wissen, in welchem Grade die verschiedenen Glieder bei einem bestimmten Zustande miteinander verknüpft sind, wie sie ineinanderstecken. Das ist dasWesentliche für die Erkenntnis der menschlichen Natur. Nun betrachten wir die Art des Zusammengefügtseins der vier Glieder des Menschen, wie es uns beim wachen- den Menschen entgegentritt, als das Normale. Wir wollen einmal von diesem Begriff ausgehen: als das Normale den Zustand des wachenden Menschen zu betrachten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun werden sich die meisten von Ihnen erinnern, daß das Bewußtsein, welches wir gegenwärtig als Erdenmenschen haben zwischen Geburt und Tod, nur eine ist von den überhaupt möglichen Bewußtseinsformen. Wenn Sie zum Beispiel die «Geheimwissenschaft im Umriß» &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|121}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
oder die früheren Aufsätze «Aus der Akasha-Chronik» studieren, so werden Sie sehen, daß das heutige Bewußtsein eine Bewußtseinsstufe unter sieben verschiedenen Bewußtseinsstufen ist, daß dieses Bewußtsein, das wir heute haben, sich erst entwickelt hat aus drei andern, vorangegangenen Bewußtseinszuständen und sich später entwickeln wird zu drei andern, nachfolgenden Bewußtseinsformen. Während der Mensch Mondenmensch war, hatte er noch kein Ich. Das Ich verband sich mit dem Menschen erst während der Erdenzeit. Daher konnte der Mensch auch die heutige Art des Bewußtseins erst während der Erden- zeit haben. Ein solches Bewußtsein wie das, was wir heute haben zwischen Geburt und Tod, setzt voraus, daß das Ich genau so, wie es heute der Fall ist, mit den andern drei Gliedern zusammenwirkt und das h&amp;amp;hste ist unter den vier Gliedern der menschlichen Wesenheit. Bevor der Mensch mit dem Ich befruchtet worden ist, bestand er nur aus physischem Leib, Ätherleib und astralischem Leib. Da war der astralische Leib sein höchstes Glied, und sein Bewußtseinszustand war ein solcher, daß wir ihn heute höchstens, wenn wir etwas aus dem gewöhnlichen Leben nehmen, mit dem vergleichen könnten, was der Mensch sich wie ein altes Erbstück erhalten hat im Traumbewußtsein. Aber Sie müssen sich nicht das heutigeTraumbewußtsein vorstellen, sondern ein solches, das in den Bildern des Traumes Realitäten`wiedergibt. Wenn Sie den heutigen Traum studieren, werden Sie in den yerschiedensten Bildern recht viel Chaotisches finden, weil das heutige Traumbewußtsein ein altes Erbstück ist. Aber wenn Sie das Bewußtsein, welches dem heutigen vorangegangen ist, studieren würden, dann würden Sie finden, daß Sie äußere Gegenstände, zum Beispiel Pflanzen, damals nicht würden gesehen haben. Also es wäre ein äußerer Eindruck auf den Menschen unmöglich gewesen. Wenn etwas in die Nähe des Menschen gekommen wäre, hätten Sie einen Eindruck bekommen, der seinen Umweg nimmt über das Traumbild in das menschliche Innere, das also ein Sinnbild ist, welches aber einem bestimmten äußeren Gegenstande und Eindruck entsprochen haben würde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also wir haben es vor dem Ich-Bewußtsein zu tun mit einem solchen Bewußtsein, das an den astralischen Leib als das damals höchste Glied gebunden ist, das astralische Bewußtsein, das dumpf und dämmerhaft &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|122}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ist und noch nicht durchleuchtet ist von dem Lichte des Ich. Dieses astralische Bewußtsein ist beim Menschen, als er Erdenmensch geworden ist, überleuchtet worden, übertönt worden von dem Ich-Bewußtsein. Nun ist aber der astralische Leib noch immer in uns, und wir können fragen: Wodurch ist das geschehen, daß unser astralisches Bewußtsein überhaupt hat übertönt, ausgeschaltet werden können, so daß das Ich-Bewußtsein ganz an seine Stelle treten konnte? - Das wurde dadurch möglich, daß durch die Befruchtung des Menschen mit dem Ich die frühere Verbindung zwischen astralischem Leib und Ätherleib zu einer viel loseren gemacht worden ist. Es ist sozusagen die frühere innigere Verbindung gelöst worden. Also es war vor dem Ich-Bewußtsein eine viel innigereVerbindung vorhanden zwischen dem astralischen Leib des Menschen und den niedrigeren Gliedern seiner Wesenheit. Esdrängte sich der astralische Leib viel mehr hinein in die andern Glieder, als er es heute tut. Entrissen worden ist in einer gewissen Beziehung der` astralische Leib dem Ätherleib und dem physischen Leib.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun müssen wir uns einmal diesen Vorgang des sozusagen teilweisen Herausgehens, des Losemachens des astralischen Leibes von Ätherleib und physischem Leib ganz klarmachen. Dann werden wir uns fragen: Gibt es vielleicht auch heute noch die Möglichkeit, bei unserem gewöhnlichen Ich-Bewußtsein etwas herzustellen, was dieser alten Verbindung ähnlich wäre? Könnte es auch heute im Menschenleben geschehen, daß der astralische Leib tiefer hinein will in die andern Glieder, als er soll, sich mehr mit allerlei imprägniert und durchdringt, als es ihm zukommt?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also ein gewisses Normalmaß ist notwendig für das Durchdringen des astralischen Leibes mit Ätherleib und physischem Leib. Nehmen wir nun an, das Normalmaß wird nach irgendeiner Richtung hin überschritten. Dann wird eine Störung eintreten müssen im ganzen menschlichen Organismus; denn was der Mensch heute ist, das hängt davon ab, daß dieses bestimmte Verhältnis zwischen den verschiedenen Wesensgliedern da ist, das uns im wachenden Menschen vor Augen tritt. In dem Augenblicke, wo sich der astralische Leib unrichtig benimmt, wo er tiefer hineindringt in physischen Leib und Ätherleib, muß eine Störung auftreten. Nun haben wir aber in den letzten Betrachtungen gesehen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|123}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
daß das, was wir jetzt folgern, wirklich geschieht. Wir haben den ganzen Vorgang nur von der andern Seite her dargestellt. Wann geschieht es denn?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es geschieht dann, wenn der Mensch in einem früheren Leben in seinen astralischen Leib etwas hineingeprägt hat, irgend etwas hat ein- fließen lassen, was wir für das frühere Leben als eine moralische oder intellektuelle Verfehlung auffassen. Das hat sich dem astralischen Leib eingegraben. Das ist jetzt etwas, wenn der Mensch neuerdings ins Leben tritt, was in der Tat den astralischen Leib veranlassen kann, einen andern Zusammenhang zu suchen mit dem physischen Leib und Ätherleib, als er ihn gesucht hätte, wenn er nicht diese Verfehlung im vorigen Leben in sich hineingeprägt hätte. Also gerade unsere Verfehlungen sind es, die sich unter dem Einfluß von Ahriman und Luzifer vollzogen haben und sich umgestaltet haben in organisierende Kräfte, welche im neuen Leben den astralischen Leib veranlassen, sich anders zum physischen Leib und Ätherleib zu stellen, als er es tun würde, wenn sich solche Kräfte nicht in ihn hineingedrängt hätten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So sehen wir, wie gerade dieWirkungen früherer Gedanken, Empfindungen und Gefühle den astralischen Leib zu dem veranlassen, was Unordnung hervorrufen muß in der menschlichen Organisation. Wenn aber solche Unordnung hervorgerufen wird, was tritt dann ein? Wenn sich der astralische Leib mehr hineindrängt in den physischen Leib und Ätherleib, als er es beim normalen Menschen sollte, so tut er etwas ganz Ähnliches, wie wir des Morgens tun beim Aufwachen, wo wir in dem Moment des Aufwachens mit unserem Ich in unsere zwei Leiber hinuntertauchen. Aufwachen besteht im Hinuntertauchen des Ich-Menschen in den physischen Leib und Ätherleib. Worin besteht nun das, was der astralische Leib tut, wenn er mehr in den physischen Leib und Äther leib hineintritt, als er soll, veranlaßt durch die Wirkungen früherer Erlebnisse? - Was sonst eintritt, wenn wir mit dem Ich und astralischen Leib untertauchen in den physischen Leib und Ätherleib, wenn wir des Morgens aufwachen und etwas wahrnehmen, das zeigt sich gerade darin, daß wir aufwachen. Wie der ganze Wachzustand die Folge ist des Untertauchens des Ich-Menschen in den physischen Leib und Ätherleib, so muß jetzt etwas auftreten, was der astralische Leib tut, also &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|124}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
etwas, was wir sonst als Ich-Menschen tun. Er taucht unter in den Äther- und physischen Leib. Wenn wir also einen Menschen vor uns haben, bei dem der astralische Leib die Tendenz aufgenommen hat, sich mehr zu vereinigen mit Ätherleib und physischem Leib, als es normalerweise der Fall sein sollte, so haben wir dieselbe Erscheinung für den Astralleib vor uns, welche wir sonst beim Aufwachen für den Ich Menschen vor uns haben. Was ist dieses zu starke Eindringen des astralischen Leibes in den Ätherleib und physischen Leib? Das ist etwas, was wir sonst als das Wesen der Krankheit bezeichnen können. Wenn unser astralischer Leib dasselbe tut, was wir sonst beim Aufwachen tun, nämlich sich hineindrängt in den physischen Leib und Ätherleib, wenn der astralische Leib, der sonst bei uns kein Bewußtsein entwickeln sollte, nach einem Bewußtsein strebt im physischen Leib und Ätherleib, wenn er in uns aufwachen will, dann werden wir krank. Krankheit ist ein abnormer Wachzustand unseres astralischen Leibes. Was tun wir denn eigentlich, wenn wir im normalen Wohlbefinden stehen, wenn wir im gewöhnlichen Wachzustand leben? Dann wachen wir für das gewöhnliche Leben. Aber damit wir das gewöhnliche Wachbewußtsein haben können, mußten wir ja den astralischen Leib früher in eine andere Verbindung bringen. Wir mußten ihn zum Schlafen bringen. Der astralische Leib muß, wenn wIr am Tage unser Ich-Bewußtsein haben, schlafen; wir können nur gesund sein, wenn unser astralischer Leib schläft in uns. Daher können wir jetzt das Wesen von Gesundheit und Krankheit in folgender Weise auffassen: Krankheit ist ein abnormes Auf- wachen des astralischen Leibes im Menschen, und Gesundheit ist der normale Zustand des Schlafens des astralischen Leibes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und was ist denn das Bewußtsein dieses astralischen Leibes? Wenn wirklich Krankheit das Aufwachen des astralischen Leibes wäre, müßte ja etwas bei ihm eintreten wie ein Bewußtsein. Er wacht abnormerweise auf; also könnten wir ein abnormes Bewußtsein erwarten; aber ein Bewußtsein müßte da sein. Wenn wir in die Krankheit verfallen, müßte etwas Ähnliches entstehen, wie es sonst des Morgens beim Aufwachen eintritt. Es müßte unser Erleben abgelenkt werden auf irgend etwas anderes. Am Morgen taucht sonst unser gewöhnliches Bewußtsein auf. Weiin wir nun krank werden, taucht dann ein Bewußtsein auf? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|125}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ja, es taucht ein Bewußtsein auf, das der Mensch nur allzugut kennt. Und welches ist dieses Bewußtsein? Ein Bewußtsein drückt sich in Erlebnissen aus! Das Bewußtsein, was da auftaucht, drückt sich aus in dem, was wir den Krankheitsschmerz nennen, den wir nicht haben im normalen Wohlbefinden des Wachzustandes, weil da unser astralischer Leib gerade schläft. Schlafen des astralischen Leibes heißt, daß er sich in regelmäßigem Zusammenhang befindet mit physischem Leib und Ätherleib, bedeutet Schmerzlosigkeit. Der Schmerz ist der Ausdruck dafür, daß der astralische Leib sich so hineinpreßt in den physischen Leib und Ätherleib, wie er nicht drinnen sein soll - und zum Bewußtsein kommt. Das ist der Schmerz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun handelt es sich darum, daß wir nicht etwa das, was eben gesagt worden ist, wieder grenzenlos ausdehnen. Es muß, wenn geisteswissenschaftlich gesprochen wird, immer die Grenze eingehalten werden, innerhalb deren etwas gesagt wird. - Es ist gesagt worden, daß wenn unser astralischer Leib aufwacht, ein Bewußtsein entsteht, das von Schmerz durchtränkt ist. Daraus dürfen wir aber nicht schließen, daß Schmerz und Krankheit immer zusammenfallen. Es ist durchaus ein jegliches Hineinpressen des astralischen Leibes in den Ätherleib und physischen Leib ein Kranksein. Aber umgekehrt besteht nicht jedes Kranksein darin, und daß Kranksein auch einen anderen Charakter haben kann, werden wir uns dadurch begreiflich machen können, daß keineswegs alles Kranksein von Schmerzen begleitet ist. Das beachten nur die meisten Menschen deshalb nicht, weil sie zumeist im Leben nicht anstreben, gesund zu sein, sondern sie streben an, schmerzlos zu sein, und wenn sie schmerzlos sind, halten sie das für gesund. Das ist nicht immer so; aber in sehr vielen Fällen wird der Mensch glauben, wenn er schmerzlos ist, sei er gesund. Wir würden uns einer gewaltigen Täuschung hingeben, wenn wir glauben wollten, daß Schmerzempfinden und Kranksein zusammenfällt. Es kann die Leber eines Menschen durch und durch beschädigt sein; wenn der Schaden nicht ein solcher ist, daß durch ihn zum Beispiel das Bauchfell affiziert wird, so tritt gar kein Schmerz auf. Es kann der Mensch einen Krankheitsprozeß in sich haben, der sich gar nicht in Schmerzen äußert. Das kann in vielen Fällen so sein.Vor einer objektiveren Betrachtung sind diese Erkrankungen sogardie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
schlimmeren. Denn wenn der Mensch Schmerzen empfindet, geht er darauf aus, die Schmerzen loszuwerden; wenn er keine Schmerzen hat, gibt er sich nicht besonders viel Mühe, die Krankheit loszubekommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie verhält es sich nun mit den Erscheinungen, wo keine Schmerzen mit den Krankheitsfällen parallel gehen? Was haben wir da getan? - Da brauchen wir uns nur zu erinnern, daß wir uns wirklich als menschliche Wesen, wie wir heute sind, nach und nach entwickelt haben, daß wir während der Erdenzeit das Ich hinzugefügt haben zu astralischem Leib, Ätherleib und physischem Leib. Aber wir waren auch einmal ein Mensch, der nur physischen Leib und Ätherleib gehabt hat. Ein Wesen, das nur physischen Leib und Ätherleib hat, ist wie eine heutige Pflanze. Bei solchen Wesen kommen wir zu einem dritten Grade von Bewußtsein, einem viel, viel dumpferen Bewußtsein, das nicht einmal bis zur Helligkeit des heutigen Traumbewußtseins hinaufreicht. Es ist ja durchaus ein Irrwm, wenn wir glauben, daß der Mensch im Schlafe kein Bewußtsein hat. Er hat ein Bewußtsein; nur ist es so dumpf, daß er es nicht bis zur Erinnerung in seinem Ich heraufrufen kann. Aber auch in der Pflanze sitzt ein solches Bewußtsein. Es ist eine Art Schlafbewußtsein, also ein noch tieferes als das astralische Bewußtsein. Da kommen wir herunter zu einem noch tieferen Bewußtsein des Menschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen wir nun an, der Mensch habe durch Erlebnisse in früheren Inkarnationen nicht nur solche Unordnung hineingebracht in seine Organisation, welche den astralischen Leib veranlaßt, sich in unordentlicher Weise hineinzuversenken in den physischen Leib und Ätherleib, sondern er habe so etwas vollführt, was den Ätherleib veranlassen kann, in unrichtigerWeise sich in den physischen Leib hineinzudrängen. Es kann durchaus ein solcher Zustand eintreten, daß auch die Verbindung zwischen Ätherleib und physischem Leib nicht die für den heutigen Menschen normale ist, daß sich der Ätherleib zu tief hineindrängt in den physischen Leib. Der astralische Leib, sagen wir, wäre dabei gar nicht beteiligt, sondern was da im früheren Leben veranlagt worden ist, das bewirkt in der menschlichen Organisation eine dichtere Zusammenfügung von Ätherleib und physischem Leib, als es sonst sein soll. Da haben wir dasselbe bei dem Ätherleib, was wir bei dem astralischen Leibe haben im Schmerzbewußtsein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Wenn der Ätherleib sich nun seinerseits zu tief hineinversenkt in den physischen Leib, so taucht ein Bewußtsein auf ähnlich wie des Menschen Schlafbewußtsein, wie das Pflanzenbewußtsein. Kein Wunder daher, daß das auch ein Zustand ist, der vom Menschen gar nicht empfunden wird. Wie er nicht im Schlaf empfindet, so empfindet er auch jetzt diesen Zustand nicht. Und doch ist es ein Aufwachen! Wie unser astralischer Leib abnormerweise aufwacht, wenn er zu tief hinunter- taucht in den Ätherleib und physischen Leib, so wacht der Ätherleib in abnormer Weise auf, wenn er zu tief in den physischen Leib hinein- taucht. Nur kann es der Mensch nicht wahrnehmen, weil es das Auf- wachen zu einem noch dumpferen Bewußtsein als das Schmerzbewußtsein ist. Aber nehmen wir an, der Mensch hätte wirklich in einem früheren Leben so etwas vollzogen, was sich zwischen Tod und neuer Geburt dazu umwirkt, daß der Ätherleib für sich aufwacht, das heißt, intensiven Besitz ergreift vom physischen Leib. Wenn das geschehen ist, lebt auf im Menschen ein tiefes Bewußtsein, das aber nicht in der Weise wahrgenommen werden kann, wie die sonstigen Erlebnisse der menschlichen Seele wahrgenommen werden. Braucht es deshalb nicht zu wirken, weil es nicht wahrgenommen wird? Versuchen wir uns klarzumachen, was ein Bewußtsein für eine eigentümliche Tendenz erhält, wenn es anfängt, um einen Grad tiefer zu liegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn Sie einen solchen äußeren Eindruck erleben, wie zum Beispiel wenn Sie sich verbrennen, so verursacht das Schmerz.Wenn ein Schmerz entstehen soll, so muß das Bewußtsein wenigstens den Grad des Bewußtseins des astralischen Leibes haben. Ein Schmerz muß im astralischen Leibe leben. Wo also irgendeinmal in der Menschenseele Schmerz entsteht, ist eine Tatsache des astralischen Leibes vorhanden. Nehmen wir aber einmal an, es geschehe etwas, was nicht mit Schmerzen verbunden wäre, was dennoch aber einen äußeren Reiz, einen äußeren Eindruck hervorruft. Wenn irgend etwas auf Ihr Auge zufliegt, so verursacht das einen äußeren Reiz; das Auge schließt sich. Schmerz ist damit nicht verbunden. Was ruft der Reiz hervor? Eine Bewegung. Das ist etwas Ähnliches, wie wenn Ihre Fußsohle berührt wird: Schmerz ist es nicht - dennoch zuckt der Fuß. Es gibt also auch solche Eindrücke auf den Menschen, die nicht von Schmerzen begleitet sind, die dennoch &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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aber herausfordern irgendein Geschehnis, eine Bewegung. Da weiß der Mensch nicht - weil er nicht bis in diesen tiefen Grad des Bewußtseins hinunterdringen kann -, wie so etwas zustande kommt, daß eine Bewegung folgt auf den Reiz. Wenn Sie Schmerz empfinden, und Sie weisen dadurch etwas zurück, so ist es der Schmerz, der Sie aufmerksam gemacht hat auf das, was Sie dann zurückweisen. Es kann aber etwas auftreten, was Sie zu einer inneren Bewegung drängt, zu einer Reflexbewegung. Da dringt das Bewußtsein nicht bis zu dem Grade hinunter, wo der Reiz in Bewegung umgesetzt wird. Da haben Sie einen solchen Bewußtseinsgrad, der nicht in Ihre astralischen Erlebnisse hineinkommt, der bewußt nicht erlebt wird, der in einer Art von Schlafbewußtseinssphäre verläuft, der aber darum doch nicht so ist, daß er nicht zu Geschehnissen führen könnte. Wenn ein solches tieferes Eindringen des Ätherleibes in den physischen Leib stattfindet, so ist dies das Hervorbringen eines Bewußtseins, das nicht ein Schmerzbewußtsein ist, weil sich der astralische Leib nicht daran beteiligt, sondern das so dumpf ist, daß es der Mensch nicht wahrnimmt. Damit ist aber nicht gesagt, daß der Mensch in diesem Bewußtsein keine Handlungen ausführen kann, nicht etwas tun könnte, was der ganzen Sachlage entspräche. Der Mensch führt ja auch sonst Handlungen aus, bei denen sein Bewußtsein nicht dabei ist. Sie brauchen nur daran zu denken, wo das gewöhnliche Tagesbewußtsein ausgelöscht ist und der Mensch als Nachtwandler alle möglichen Handlungen ausführt. Da ist nicht etwa gar kein Bewußtsein vorhanden, sondern es ist ein solches Bewußtsein daran beteiligt, das der Mensch nicht miterleben kann, weil er nur die zwei höchsten Bewußtseinsformen erleben kann: das astralische Bewußtsein als Lust und Leid und dergleichen und das Ich-Bewußtsein als Urteil und als gewöhnliches Tagesbewußtsein. Deshalb ist aber die Sache doch nicht so, daß der Mensch aus diesem Schlafbewußtsein heraus nicht handeln könnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun haben wir also auch ein solches tiefes Bewußtsein, das der Mensch nicht mehr erreichen kann, wenn der Ätherleib hinuntersteigt in den physischen Leib. Nehmen wir an, er will aber doch etwas tun, wovon er im normalen Leben nichts wissen kann, was irgendwie mit der Sachlage zusammenhängt, dann wird er das tun, ohne daß er davon &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
etwas weiß. In ihm wird etwas, wird die Sache selbst das tun, ohne daß er selber davon weiß. - Betrachten wir jetzt einen Menschen, der durch irgendwelche Vorkommnisse in einem früheren Leben Ursachen in sich gelegt hat, welche in der Zeit zwischen Tod und neuer Geburt hinunterwirken bis dahin, wo sie zu einem tieferen Eindringen des Ätherleibes in den physischen Leib führen. Dann werden daraus Handlungen hervorgehen, welche zum Auswirken von tieferliegenden Krankheits prozessen führen. Da wird der Mensch dazu gedrängt werden können, äußere Veranlassungen zu Krankheiten geradezu aufzusuchen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es kann sonderbar erscheinen, daß das nicht klar erscheint für das gewöhnliche Ich-Bewußtsein. Der Mensch würde es aber aus seinem gewöhnlichen Ich-Bewußtsein heraus auch nie tun. Er wird sich nie aus seinem gewöhnlichen Ich-Bewußtsein heraus befehlen, in einen Herd von Bazillen einzudringen. Nehmen wir aber an, jenes dumpfe Bewußt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
seIn findet, daß es nötig ist, daß eine äußere Schädigung eintrete und daß sich das abspielen kann, was wir gestern genannt haben den ganzen Sinn des Krankseins. Dann sucht dieses Bewußtsein&amp;gt; das in den physischen Leib hineindringt, die Krankheitsursache auf. Es ist das eigene Wesen des Menschen, das die Krankheitsursache aufsucht, um das zu erreichen, was wir gestern den Krankheitsprozeß genannt haben. So werden Sie aus dem tieferen Wesen der Krankheit heraus begreifen, daß selbst dann, wenn noch keine Schmerzen auftreten, noch immer Gegenwirkungen auftreten können. Und auch wenn Schmerzen sich zeigen, kann noch immer, wenn nur der Ätherleib zu stark eindringt in den physischen Leib, dasjenige eintreten, was man nennen kann das Suchen von äußeren Krankheitsursachen durch tiefergelegene Schichten des menschlichen Bewußtseins selbst. So grotesk es klingt, so ist es doch richtig: Wir suchen uns, ebenso wie unsere vererbten Merkmale, mit einem andern Bewußtseinsgrade unsere äußeren Krankheitsursachen, wenn wir sie brauchen. Das eben Gesagte gilt aber wieder nur in den Grenzen dessen, wie es heute dargestellt ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heute hat es sich vorzugsweise darum gehandelt, gerade klarzulegen, daß der Mensch imstande sein kann, ohne daß er es mit dem ihm bekannten Bewußtseinsgrade verfolgen kann, die Krankheit dadurch zu suchen, daß ein abnormer&amp;gt; tieferer Bewußtseinszustand hergestellt &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
wird. Darum handelte es sich: zu zeigen, daß wir es in der Krankheit zu tun haben mit einem Erwachen von Bewußtseinsstadien, welche wir als Menschen früher schon überwunden haben. Dadurch, daß wir in einem früheren Leben Fehler auf uns geladen haben, verursachen wir, daß wir tiefere Bewußtseinsgrade hervorbringen, als es uns sonst für unser jetziges Leben geziemte. Und was wir aus den Antrieben dieser Bewußtseinsgrade tun, das beeinflußt den Verlauf des Krankheitsprozesses wie auch den Prozeß, der überhaupt erst zur Krankheit führt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da sehen wir, daß in den abnormen Zuständen alte Bewußtseinsstufen heraufsteigen, welche der Mensch längst überwunden hat. Wenn Sie nur ein wenig die Tatsachen des gewöhnlichen Lebens betrachten, können Sie sich schon ein wenig verdeutlichen, was heute gesagt worden ist. Es ist ja so, daß der Mensch durch seine Schmerzen gewissermaßen tiefer hinuntersteigt in sein Wesen. Sie kennen ja den Ausspruch, daß er dann erst weiß, daß er ein Organ hat, wenn es angefangen hat, ihn zu schmerzen. Das ist ein populärer Ausspruch; aber er ist nicht so ganz dumm. Warum weiß der Mensch im normalen Bewußtsein davon nichts? Weil sein Bewußtsein im normalen Falle so weit schläft, daß es nicht intensiv genug untertaucht in den astralischen Leib. Taucht es aber unter, dann entsteht Schmerz, und durch den Schmerz erfährt der Mensch, daß er das betreffende Organ hat. In gar manchen Aussprüchen des gewöhnlichen Lebens liegt etwas durchaus Wahres, weil sie Erbstücke sind aus den früheren Bewußtseinsstadien, in welchen der Mensch, als er i« die geistige Welt hineingesehen hat, noch vieles gewußt hat von dem, was wir heute mühselig wieder heraufholen müssen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn Sie begreifen, daß der Mensch tiefere Schichten des Bewußtseins erleben kann, dann werden Sie auch die Möglichkeit haben, zu begreifen, daß nicht nur äußere Krankheitsursachen, sondern auch äußere Schicksalsschläge vom Menschen aufgesucht werden können, welche sich der Mensch nicht als vernünftig auslegen kann, aber deren Vernunft so wirkt, daß auf tiefere Schichten des Bewußtseins gewirkt wird. - So kann es auch wohl denkbar erscheinen, daß sich der Mensch bei gewöhnlicher Überlegung nicht gerade dorthin stellen wird, wo ihn ein Blitz treffen kann. Mit dem Oberbewußtsein wird er das vermeiden. Aber es könnte in ihm ein Bewußtsein tätig sein, das viel tiefer liegt als &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
das Oberbewußtsein und das ihn gerade an die Stelle hinführt, wo ihn der Blitz treffen kann, unter einer Voraussicht, welche das Ober bewußtsein nicht hat, ein Bewußtsein, das also will, daß der Blitz ihn trifft, so daß der Mensch den Unfall geradezu aufsucht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daß durch karmische Wirkungen Unglücksfälle aufgesucht werden oder auch äußere Krankheitsursachen, das haben wir heute der Möglichkeit nach erst begriffen. Wie das im einzelnen geschieht, wie die Kräfte im Menschen wirken, welche in tieferen Bewußtseinsschichten sind, und wie es damit steht, ob unser Oberbewußtsein solche Unglücksfälle vermeiden darf, das ist wieder eine Frage, die uns auch noch beschäftigen wird. Wie wir verstehen können, daß, wenn der Mensch in eine Gegend geht, wo eine Infektion auf ihn ausgeübt werden kann, da ein Bewußtseinsgrad wirkt, der ihn dorthin getrieben hat, so müssen wir auch verstehen können, wie es sich damit verhält, daß der Mensch Einrichtungen trifft, damit solche Infektionen immer weniger wirken können, daß wir also durch hygienische Maßregeln durch das Oberbewußtsein die Dinge wieder abwenden können. Wir können auch begreifen die Möglichkeit, durch das Oberbewußtsein diese Wirkung abzulenken, und müssen sagen, daß es etwas höchst Unvernünftiges wäre, daß das Unterbewußtsein Krankheitskeime aufsuchen kann, wenn nicht auch auf der andern Seite Krankheitsursachen durch das Oberbewußtsein vermieden werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir werden sehen, daß es «vernünftig» ist, Krankheitskeime aufzusuchen, und daß es auch «vernünftig&amp;gt; ist, von dem Oberbewußtsein aus hygienische Maßregeln zu ergreifen gegen das Eindringen von Infektionsstoffen, um dadurch Krankheitsursachen zu verhindern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
= SIEBENTER VORTRAG Hamburg, 22. Mai 1910 =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie haben in diesen Vorträgen schon gesehen, daß wir uns unserem Ziele stückweise nähern, indem wir aber auch mit jedem Stück, das wir weiterschreiten, tiefer in die Sache einzudringen versuchen. Wir haben zuletzt gesprochen über das Wesen von Schmerzen, die mit einem Krankheitsverlauf verbunden sind; wir haben aber auch darauf aufmerksam gemacht, wie in andern Fällen der Krankheitsverlauf - in gewisser Beziehung wenigstens - sich abspielen kann, ohne daß er begleitet ist von Schmerzerlebnissen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun müssen wir auf das Wesen des Schmerzes noch etwas genauer eingehen. Wir müssen uns noch einmal vor Augen halten, daß Schmerz eintreten kann als eine neben der Erkrankung einherlaufende Erscheinung. Denn das mußten wir ja schon aus der vorigen Betrachtung entnehmen, daß wir Krankheit und Schmerz als etwas Zusammengehöriges nicht betrachten dürfen. Wir müssen uns gegenwärtig halten, daß, wenn mit einer Krankheit Schmerz verknüpft ist, noch etwas anderes dabei im Spiele sein muß als das bloße Erkranktsein. Nun haben wir bereits darauf aufmerksam gemacht, daß bei jenem Vorgang, der beim Übergang von einer Inkarnation in die andere sich abspielt, wo Erlebnisse früherer Inkarnationen in Krankheitsursachen umgewandelt werden, daß da auf der einen Seite das luziferische Prinzip und auf der andern Seite das ahrimanische Prinzip mit hineinspielt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wodurch legt sich denn eigentlich der Mensch den Grund zu Krankheitsprozessen? Warum nimmt er in sich die Tendenz auf, krank zu sein? Was führt ihn dazu, zwischen Tod und neuer Geburt - wir haben ja charakterisiert, wie das die Zeit ist, welche die die Krankheit bewirkenden Kräfte zusammenbringt - solche Kräfte vorzubereiten, welche sich im nächsten Leben in der Krankheit ausleben? - Was den Menschen dazu bringt, ist, daß er auf der einen Seite verfallen kann der Versuchung der luziferischen Macht, und auf der andern Seite der Versuchung der ahrimanischen Macht. Wir wissen ja auch schon, was es heißt: Verfallen der luziferischen Macht. - Alles, was in uns wirkt als &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Begierde, als Eigenschaft der Selbstsucht, des Ehrgeizes, des Hochmutes, der Eitelkeit&amp;gt; alle Eigenschaften, welche zusammenhängen mit einer Art Aufspreizung unseres Ich, sich besonders geltend zu machen, das alles hängt zusammen mit der Versuchung der luziferischen Mächte in uns. Verfallen wir mit andern Worten den Kräften, die in unserem astralischen Leibe wirken und die sich darin ausdrücken, daß wir ego istische Begierden und Leidenschaften haben, dann begehen wir in der entsprechenden Inkarnation Handlungen, zu denen die Verführung von Luzifer, ausgegangen ist. Und wir sehen dann das Resultat solcher von Luzifer beeinflußter Handlungen in der Zeit vom Tode bis zur neuen Geburt und nehmen da in uns die Tendenz auf&amp;gt; uns so zu inkarnieren, daß wir einen Krankheitsprozeß durchmachen, der dazu beitragen kann, wenn wir ihn überwinden, uns aus den Fangarmen dieser luziferischen Mächte wieder zu befreien. Würden also die luziferischen Mächte überhaupt nicht da sein, so würden wir nicht den Versuchungen verfallen können, welche uns dazu bringen, solche Kräfte in uns aufzunehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn nun nichts anderes bestünde im Leben als einzig und allein das, was Luzifer in uns bewirkt, daß wir diese oder jene egoistischen Triebe und Leidenschaften entfalten, dann würden wir eigentlich niemals von den luziferischenVersuchungen loskommen können im Leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir würden sie auch nicht durch die aufeinanderfolgenden Inkarnationen losbekommen können, denn wir würden ihnen immer wieder von neuem verfallen. Wenn wir zum Beispiel einfach in der Erdentwickelung uns selber überlassen worden wären und der luziferische Einfluß doch dagewesen wäre, so würden wir in einer Inkarnation die Versuchungen der luziferischen Mächte haben, würden dann nach dem Tode wahrnehmen, wozu sie uns gebracht haben, würden herbeiführen einen Erkrankungsprozeß; aber wenn wirklich nichts anderes mit ins Spiel käme, würde uns dieser Krankheitsprozeß in dem Leben, wo er sich auslebt, zu keiner besonderen Besserung führen. Er führt uns nur dadurch zu einer Besserung, daß von denjenigen Mächten, deren Gegner Luzifer ist, nun etwas hinzugefügt wird zu dem ganzen Prozeß.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also wenn wir auf der einen Seite den luziferischen Mächten verfallen, stellen sich gleich als eine Gegenwirkung die Mächte ein, deren Gegner &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
die luziferischen Mächte sind, und diese versuchen nun eine Gegenkraft zu entfalten, wodurch der luziferische Einfluß wirklich aus uns ausgetrieben werden kann. Und diese Mächte, deren Gegner also die luziferischen Mächte sind, fügen hinzu zu dem Prozeß, der unter dem Einfluß Luzifers verursacht wird, den Schmerz. So müssen wir den Schmerz als etwas ansehen, was - wenn wir die luziferischen Mächte die bösen Mächte nennen - uns von den guten Mächten zugefügt wird, damit wir gerade durch den Schmerz uns den Fangarmen der bösen Mächte entreißen können und ihnen nicht mehr verfallen. Würde bei dem Krankheitsprozeß, der sich ergibt als eine Folge des Verfallenseins an die luziferischen Mächte, nicht Schmerz eintreten, so würden wir an uns die Erfahrung machen: Es ist ja gar nicht so schlimm, den luziferischen Mächten zu verfallen! - Und wir würden nichts haben in uns, was uns dahin bringen würde, unsere Kräfte anzuwenden, um uns den luziferischen Mächten zu entreißen. Der Schmerz, der das Bewußtwerden des unrichtig wachenden astralischen Leibes ist, er ist zugleich auch das, was uns davon abbringen kann, den luziferischen Mächten auf diesem Gebiet, wo wir ihnen schon verfallen sind, immer weiter zu verfallen. So wird der Schmerz in bezug auf die Versuchungen der luziferischen Mächte unser Erzieher.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sagen Sie nun nicht: Wie kann der Schmerz unser Erzieher sein, wenn wir in uns den Schmerz nur empfinden und seiner wohltätigen Kraft gar nicht gewahr werden? Daß wir seiner wohltätigen Kraft nicht gewahr werden, ist nur eine Folge unseres Ich-Bewußtseins. In dem Bewußtsein&amp;gt; das ich als unter dem Ich-Bewußtsein liegend geschildert habe, spielt sich schon der Prozeß ab, wenn auch der Mensch mit dem Tagesbewußtsein nichts davon weiß: Jetzt erfahre ich Schmerz, und der ist die Folge der durch die guten Mächte mir gegebenen Beigabe zu meinen Verfehlungen! - Das ist im Unterbewußtsein eine Kraft, welche so recht als eine karmische Erfüllung, als ein Impuls wirkt, nicht mehr den Handlungen, Trieben und Begierden, die gerade diese Krankheit hervorgerufen haben, zu verfallen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So sehen wir, wie Karma wirkt,~wie wir den luziferischen Mächten verfallen und wie uns die luziferischen Mächte eine solche Krankheit bringen, die herbeigeführt wird in einer nächsten Inkarnation; und &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
wir sehen, wie wohltätige Mächte uns den Schmerz hinzufügen zu der bloßen Schädigung unserer Organe, damit wir an dem Schmerz ein unter der Oberfläche unseres Bewußtseins liegendes Erziehungsmittel haben. Deshalb können wir sagen: Überall, wo bei einer Krankheit Schmerz auftritt, da ist es eine luziferische Macht, welche diese Krankheit bewirkt hat. Es ist der Schmerz geradezu ein Kennzeichen dafür, daß wir es zu tun haben mit dem Zugrundeliegen von luziferischer Macht. - Menschen, die gerne einteilen, werden ein Bedürfnis danach haben, nun überhaupt zu unterscheiden solche Krankheiten, die rein auf luziferischem Einfluß beruhen, und solche, die rein auf ahrimanischen Einfluß zurückzuführen sind; denn bei allen theoretischen Beschäftigungen ist ja das Einteilen, das Schemenmachen das Allerbequemste, und man glaubt, dadurch sehr viel begriffen zu haben. Aber in Wirklichkeit benehmen sich die Dinge nicht so, daß man sie mit diesen bequemen Mitteln erfassen kann. Da kreuzen sie sich fortwährend und laufen ineinander. Und wir werden auch leicht begreifen können, wenn ein wirklicher Krankheitsprozeß vorliegt, daß ein Teil zurückgeführt werden kann auf luziferischen Einfluß, also auf Dinge, welche mehr in den Eigenschaften unseres astralischen Leibes zu suchen sind, und ein an- derer Teil auch zugleich auf Dinge, die in dem ahrimanischen Einfluß zu suchen sind. So darf auch niemand glauben, wenn ihm irgend etwas wehtut, das sei nur auf luziferischen Einfluß zurückzuführen. Daß er Schmerzen hat, das zeigt ihm denjenigen Teil der Krankheit, der auf luziferischen Einfluß zurückzuführen ist. Aber wir werden das noch leichter verstehen, wenn wir uns fragen: Woher kommt denn der ahrimanische Einfluß?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dem ahrimanischen Einfluß wären die Menschen überhaupt nicht verfallen, wenn sie nicht zuerst dem luziferischen Einfluß verfallen wären. Dadurch, daß die Menschen den luziferischen Einfluß in sich aufnahmen,kam eine solcheVerbindung der vier menschlichen Glieder: physischer Leib, Ätherleib, astralischer Leib und Ich zustande, wie sie nicht zustande gekommen wäre, wenn Luzifer nicht gewirkt hätte und wenn nur die Mächte gewirkt hätten, deren Gegner Luzifer ist. Dann hätte sich der Mensch anders entwickelt. Also hat in bezug auf das menschliche Innere das luziferische Prinzip eine Störung hervorgerufen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|136}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber es hängt vom menschlichen Inneren ab, wie der Mensch die Außenwelt an sich herantreten läßt. Und gerade so, wie Sie mit einem Auge, in welchem etwas zerstört ist, wegen des inneren Fehlers die Außenwelt nicht richtig sehen, so bekommt der Mensch die Außenwelt durch den luziferischen Einfluß überhaupt nicht so zu sehen, wie sie ist. Und weil ein Grund gegeben war für den Menschen, die Außenwelt nicht so zu sehen, wie sie ist, so konnte sich in das nicht richtige Bild der Außenwelt der ahrimanische Einfluß hineindrängen, so daß das Herankommen Ahrimans an den Menschen nur dadurch hat geschehen können, daß erst der luziferische Einfluß gewirkt hatte. Der ahrimanische Einfiuß bewirkte, daß der Mensch nicht nur den egoistischen Leidenschaften, Trieben, Begierden, der Eitelkeit, dem Hochmut und so weiter verfallen kann, sondern daß jetzt in einem menschlichen Organismus, wo der Egoismus in solcher Weise wirkte, sich Organe aus- bildeten, welche die Außenwelt schief und unrichtig sehen mußten. Dadurch konnte sich in die unrichtigen Bilder der Außenwelt Ahriman mischen. Es kam Ahriman heran, und dadurch war der Mensch dem anderen Einflusse ausgesetzt, so daß er nicht nur den inneren Verlockungen verfallen kann, sondern auch in Irrtum und - bei der Beurteilung der Außenwelt und bei seinen Aussagen über die Außenwelt - in Lüge verfallen kann. So ist Ahriman zwar von außen wirkend, aber wir haben ihm erst die Möglichkeit gegeben, daß er an uns herankommen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So also stehen ahrimanischer und luziferischer Einfluß eigentlich nie für sich allein. Sie wirken immer aufeinander, halten sich in gewisser Weise das Gleichgewicht. Von innen drängt Luzifer heraus, von außen wirkt Ahriman herein, und dazwischen bildet sich das Weltenbild. Wenn in irgendeiner Inkarnation das Innere des Menschen stärker wird, wenn er mehr den inneren Einflüssen ausgesetzt ist, dann wird er für die Dinge, wo das Innere so wirkt, daß der Mensch mehr erfaßt wird von Hochmut, Eitelkeit und so weiter, sich mehr dem luziferischen Einfluß hingeben. In einer Inkarnation, wo der Mensch weniger durch sein Gesamtkarma dazu gestimmt ist, den inneren Einflüssen nachzugeben, wird er leichter den Irrtümern und den Verführungen des Ahriman verfallen können. So ist es in der Tat in unserem Leben. Wie wir &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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täglich durch das Leben gehen, fallen wir bald mehr den Verlockungen des Luzifer, bald mehr den Verlockungen des Ahriman zum Opfer. Und wir pendeln hin und her zwischen diesen beiden, die uns auf der einen Seite dazu führen, uns in unserem Inneren aufzublähen, auf der andern Seite dazu, uns über die äußere Welt Illusionen vorzumachen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es darf an dieser Stelle erwähnt werden - weil es außerordentlich wichtig ist -&amp;gt; daß den Verlockungen von beiden Seiten insbesondere derjenige Widerstand leisten muß, welcher versucht, eine höhere Entwickelung anzustreben und in die geistige Welt einzudringen, sei esdadurch, daß er hinter die Erscheinungen der Außenwelt bis in das Geistige eindringen will oder daß er in das eigene Innere mystisch hinuntersteigen will. Beim Eindringen in die geistige Außenwelt, die hinter der physischen Welt liegt, steht immer das, was Ahriman an täuschenden Bildern vorgaukelt; wenn der Mensch mystisch hinuntersteigen will in die eigene Seele, sind immer die Verlockungen Luzifers in besonderem Maße möglich. Wenn der Mensch Mystiker wird und mit Glück hinunterstrebt, ohne daß er vorher darauf gesehen hat, durch seine Charakterbildung Gegenmittel zu ergreifen gegen Hochmut, Eitelkeit und dergleichen, wenn es ihm gelingt, als Mystiker zu leben, aber ohne besondere moralische Kultur, dann kann er um so mehr den Verlockungen Luzifers verfallen, der von innen herauf in die Seele hinein- wirkt. Wenn daher der Mystiker nicht sehr gesehen hat auf seine moralische Kultur, dann kann er, wenn es ihm gelingt, ein wenig hineinzudringen in sein Inneres, in die große Gefahr kommen, daß er noch stärker, als das bisher der Fall war, die rückschlagende Kraft des luziferischen Einflusses aufruft und daß er noch eitler und hochmütiger wird als vorher. Deshalb ist es so notwendig, daß man vorher durch Charakterbildung dafür sorgt, daß man gegen die in allen Fällen an uns herantretenden Verlockungen der Eitelkeit, des Größenwahnes, des Hochmutes ein Gegenmittel hat. Und wir können nicht genug darin tun, uns gerade diejenigen Eigenschaften anzueignen, welche zur Bescheidenheit und zur Demut führen. Das ist im eminenten Maße notwendig für die Seite unserer höheren Entwickelung, die wir die mysti sche nennen. Auf der andern Seite ist es notwendig, daß sich der Mensch auch gegen die Wahngebilde des Ahriman schützt, wenn er versucht, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
durch eine Entwickelung, die hinter die Erscheinungen der Außenwelt führt, bis zu den geistigen Urgründen der Dinge zu kommen. Wenn er da nicht versucht, eine Charakterbildung zu erlangen, welche ihn innerlich stark und kräftig macht, die ihn fest gebaut sein läßt auf sein Inneres, dann wird es sehr leicht vorkommen können, daß der betreffende Mensch - und zwar gerade, wenn er Glück hat mit dem Hinausgehen in die geistige Welt - dem Ahriman verfällt, daß Ahriman ihm vorgaukelt Illusion über Illusion, Halluzination über Halluzination.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man kommt häufig in den Fall, daß einen die Menschen in gewisser Beziehung «beim Wort nehmen». Weil so oft betont wird, daß die höhere Entwickelung, die hinter die Erscheinungen der Außenwelt kommen will, verknüpft sein muß mit vollem Bewußtsein, kommt es vor, daß einem die Leute immer wieder halb somnambule Personen bringen, welche versichern: Ja, da nehme ich die geistige Welt wahr, und zwar bei vollem Bewußtsein! - Da kann man immer nur sagen: Wenn du nur nicht bei Bewußtsein sein möchtest; das wäre viel gescheiter! - Denn über dieses «Bewußtsein» täuschen sich die Leute. Es ist ein bloßes Bilderbewußtsein, ein astralisches Bewußtsein; denn wenn diese Personen nicht in einem unterbewußten Grade bewußt wären, würden sie das ja nicht wahrnehmen. Aber darum handelt es sich, daß man, wenn man in die geistige Welt hineingeht, sein Ich-Bewußtsein zusammenhält. An das Ich-Bewußtsein aber ist gebunden Urteilskraft und ein deutliches Unterscheidungsvermögen! Das haben dann die Menschen nicht für die Gestalten, welche sie in der geistigen Welt sehen. Daß sie ein Bewußtsein haben, ist nicht weiter wunderbar; aber jenes Bewußtsein, das mit der Kultur unseres Ich verknüpft ist, das müssen wir haben. Daher wird nicht etwa betont bei einer Entwickelung zum Schauen der höheren Welten, daß die Menschen so schnell wie möglich hineinkommen in eine höhere Welt und allerlei Gestalten sehen oder vielleicht auch allerlei Stimmen hören, sondern es wird betont, daß das Hineingehen in die geistige Welt von Glück und von Vorteil nur dann sein kann, wenn man das Bewußtsein und das Unterscheidungsvermögen und die Urteilskraft schärft. Und das kann nicht besser geschehen als durch das Studium der geisteswissenschaftlichen Wahrheiten. Daher wird betont, daß das Sich-Befassen mit geisteswissenschaftlichen Wahr- &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|139}}&lt;br /&gt;
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heiten ein Schutz ist gegen das vermeintliche Sehen von allerlei Gestalten, über das keine Urteilskraft sich ausbreiten kann. Wer wirklich geschult ist in dieser Weise, der wird nicht jede beliebige Erscheinung für dies oder jenes halten, sondern er wird vor allen Dingen unterscheiden können zwischen Realität und Nebelbild, und er wird sich vor allen Dingen auch klar sein, daß man namentlich auch mit den Dingen, welche als Gehörswahrnehmungen auftreten, besonders vorsichtig sein muß, weil nie eine Gehörswahrnehmung eine richtige sein kann, wenn der Betreffende nicht durchgegangen ist durch die Sphäre der absoluten Ruhe. Und wer nicht zuerst die absolute Stille und Lautlosigkeit der geistigen Welt erfahren hat, der kann sich ganz gewiß sagen, daß es Trugbilder sind, die er wahrnimmt, und wenn sie ihm etwas noch so Gescheites sagen. Nur wer sich Mühe gegeben hat, seine Urteilskraft zu schärfen gerade dadurch, daß er zu begreifen versucht die Wahrheiten der höheren Welten, nur der kann sich gegen Trugbilder schützen. Die Mittel der äußeren Wissenschaft reichen dazu nicht aus. Die äußere Wissenschaft gibt keine so scharfe, stärkende Urteilskraft, wie sie notwendig ist, um in einer geistigen Welt wirklich zu unterscheiden. Darum kann man wirklich sagen: Wenn Leute etwas mitteilen aus höheren Welten, die nicht vorher sorgfältig darauf geachtet haben, ihre Urteils- kraft zu schärfen - was besonders durch das Studium der Geisteswissenschaft möglich ist -, dann sind solche Mitteilungen immer im höchsten Grade anfechtbar, und sie müßten mindestens immer erst kontrolliert werden durch diejenigen Methoden, die unter der Voraussetzung der wirklichen Schulung errungen sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt nur eine Macht, vor der sich Luzifer zurückzieht: das ist die Moralität. Das ist etwas, was den Luzifer brennt wie das furchtbarste Feuer. Und es gibt kein anderes Mittel, welches dem Ahriman entgegenwlrkt, als an der Geisteswissenschaft geschulte Urteilskraft und Unterscheidungsvermögen. Denn was wir uns auf der Erde als gesunde Urteilskraft aneignen, das ist etwas, was Ahriman furchtbar flieht. Er hat im Grunde vor nichts einen so großen Widerwillen als vor dem, was wir uns durch eine gesunde Schulung unseres Ich-Bewußtseins erringen. Denn wir werden sehen, daß Ahriman einer ganz andern Region angehört, die weit entfernt ist von dem, was wir als unsere gesunde Urteilskraft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
entwickeln. Im Augenblick, wo Ahriman mit dem zusammen- trifft, was wir uns im Erdendasein als gesunde Urteilskraft errungen haben, bekommt er einen furchtbaren Schreck, denn das ist etwas ganz Unbekanntes für ihn, davor hat er eine große Furcht. Je mehr wir uns daher bemühen, das auszubilden, was im Leben zwischen Geburt und Tod an gesunderUrteilskraft gegeben werden kann, desto mehr arbeiten wir Ahriman entgegen. Das zeigt sich besonders bei allerlei Persönlichkeiten, welche einem gebracht werden und die dann «das Blaue vom Himmel herunter» von all den geistigen Welten erzählen, die sie da gesehen haben. Und wenn man dann den allergeringsten Versuch macht, diesen Persönlichkeiten etwas klarzumachen, ihnen Verständnis und Unterscheidungsvermögen beizubringen, dann hat sie Ahriman gewöhnlich so sehr in der Gewalt, daß sie kaum darauf eingehen können; und das wird um so stärker, je mehr sich die Verlockungen Ahrimans nach der akustischen Seite hin ausdrücken. Gegen das, was sich in visionären Bildern zeigt&amp;gt; gibt es noch mehr Mittel als gegen das, was akustisch sich zeigt, wie gehörte Stimmen und so weiter. Solche Leute haben eine große Abneigung, etwas zu lernen, was für das Ich-Bewußtsein zwischen Geburt und Tod errungen werden muß. Sie mögen es nicht. Aber sie selber sind das nicht, die das nicht mögen. Es sind die ahrimanischen Mächte, welche sie davon wegzerren. Wenn man einen solchen Menschen dann aber so weit bringt, gesunde Urteilskraft zu entwickeln, und er darauf eingeht, Belehrungen anzunehmen, dann zeigt sich sehr bald folgendes. Dann hören die Stimmen und die Halluzinationen auf, weil sie vorher nur ahrimanische Nebelbilder waren und weil Ahriman eine furchtbare Angst bekommt, sobald er verspürI: Da, vom Menschen her, kommt eine gesunde Uiteilskraft!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So ist in der Tat das beste Mittel gegen diese den Menschen besonders schädigenden Erkrankungen des durch Ahriman bewirkten Sehens und halluzinatorischen Hörens dies: den Menschen mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln dazu zu bringen, sich eine gesunde und vernünftige Urteilskraft zu erringen. Das ist für manche Persönlichkeiten außerordentlich schwierig. Denn sie sind in dem Falle, daß es die andere Macht ihnen sehr bequem macht, diese andere Macht leitet sie. Wer aber diese Macht austreiben will, kann es sich nicht so bequem machen. Bei &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
solchen Persönlichkeiten kommt man dann recht schwer an, denn sie behaupten, man hätte ihnen das genommen, was sie früher in die geistige Welt hinaufgeführt hat, während man sie in Wahrheit gesund gemacht hat und davor bewahrt hat, daß diese Mächte immer mehr und mehr Gewalt über sie bekommen!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir sehen also, wovor die luziferischen und ahrimanischen Mächte einen recht großen Widerwillen haben. Demut, Bescheidenheit beim Menschen, sich nicht für mehr halten, als wozu ein gesundes Urteil berechtigt, das ist etwas, was dem Luzifer gar nicht gefällt. Dagegen ist er da wie die Fliegen in einer unreinen Stube, wenn irgendwo die Eigen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
schaften des Ehrgeizes, der Eitelkeit heraus wollen. Alles dies und besonders die Dinge, welche auf falschen Vorstellungen über sich selbst beruhen, wirken nun wieder dahin, daß wir uns auch für Ahriman bereit machen. Gegen Ahriman schützt aber nichts mehr, als wenn wir uns wirklich im Leben Mühe geben, gesund zu denken, wie es uns das Leben zwischen Geburt und Tod lehrt. Und gerade diejenigen, welche auf dem Boden der Geisteswissenschaft stehen, haben alle Veranlassung, so intensiv, als es nur möglich ist, immer wieder zu betonen, daß es uns als Erdenmenschen nicht geziemt, zu übersehen, was uns gerade durch das Erdenleben gegeben werden soll. Die Menschen, welche es verschmähen, sich ein gesundes Urteil und vernünftiges Unterscheidungsvermögen anzueignen, und leicht ohne dieses hinauf wollen in eine geistige Welt, sie wollen sich im Grunde genommen dem Erdenleben entziehen. Sie wollen so hinschweben über das Erdenleben; sie finden, daß es eigentlich für sie eine viel zu geringe Beschäftigung ist, sich mit allerlei Dingen abzugeben, die zum Verständnis des Erdenlebens führen können. Sie halten sich für etwas Besseres. Gerade eine solche Empfindung ist aber ein neuer Grund zum Hochmut. Daher können wir es immer wieder sehen, daß Persönlichkeiten, die zur Schwärmerei neigen, zu einem Nicht-berührtsein-Wollen von den Erdendingen und dem Erdenleben, es ablehnen, zu lernen, «weil sie ja schon in allem darinnenstehen&amp;gt; und nicht Gemeinschaft machen wollen mit einer solchen Strömung wie der unserigen. Solche Menschen sagen: In die geistige Welt muß ja die Menschheit hinein!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gewiß, aber es gibt nur einen gesunden Paß da hinein, und das ist&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
die auf der Erde errungene Moralität im höheren Sinne, die uns nicht uns selbst überschätzen läßt, die uns nicht zu einem falschen Urteil über uns selbst führt, uns auch nicht abhängig sein läßt von unseren Trieben, Begierden und Leidenschaften; und auf der andern Seite ist es ein emsiges, gesundes Mitarbeiten mit den Verhältnissen des Erdenlebens, nicht ein Über-den-Verhältnissen-des-Erdenlebens-schweben-Wollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit haben wir aus den Tiefen des Karma etwas herausgeholt, was mit den Tiefen des geistigen Lebens zusammenhängt. Von großem Wert kann das sein. Aber nichts ist von Wert für die Entwickelung des Menschen und seiner Individualität, was ohne gesunde Vernunft aus der geistigen Welt herausgeholt wird; und von Wert ist auch das nicht, was ohne Moralität herausgeholt wird. Das kann man einsehen aus den Tatsachen, die das letzte Mal und heute dargestellt worden sind. Und wenn wir das einsehen, können wir uns sagen: Warum sollte der luziferische Einfluß, gerade weil er von früher her wirkt und sich umgewandelt hat in die Krankheit und ausgeglichen wird durch den Schmerz, warum sollte er nicht beim Menschen gleichsam nach sich ziehen den ahrimanischen Einfluß? Und warum sollte nicht bei dem, was uns Schmerz bereitet und uns den luziferischen Verlauf einer Krankheit anzeigt, mitspielen gerade als Folge des luziferischen Einflusses der ahrimanische Einfluß? Wie aber wirkt der ahrimanische Einfluß? Und wie wandeln sich die Verlockungen des Ahriman in Krankheitsursachen um? Wie tritt das auf in einer späteren Inkarnation?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was ahrimanischem Einfluß zuzuschreiben ist, das ist mittelbar doch auf Luzifer zurückzuführen; aber wenn der luziferische Einfluß so stark war, daß er den ahrimanischen Einfluß herausgefordert hat, dann ist der ahrimanische Einfluß der heimtückischere. Er liegt tiefer unten, nicht nur in den Verfehlungen des astralischen Leibes, sondern in den Verfehlungen des Ätherleibes. In einem Bewußtsein, das unter dem Schmerzbewußtsein liegt, tritt der ahrimanische Einfluß auf mit einer Schädigung, welche nicht von Schmerz begleitet zu werden braucht, mit einer solcben Schädigung, die in dem betreffenden Organe, wo sich die Schädigung ausdrückt, zu einem Unbrauchbarwerden dieses Organs führt. - Nehmen wir an, in einer Inkarnation hätte ein ahrimanischer Einfluß gewirkt und hätte das hervorgerufen, was eben ein ahrimani&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
scher Einfiuß hervorrufen kann. Der Mensch durchlebt nun die Zeit zwischen Tod und neuer Geburt - und tritt wieder auf in einer neuen Inkarnation. Dann zeigt sich, daß irgendein Organ ergriffen ist von der ahrimanischenWirkung, mit andern Worten: In diesem Organ sitzt der Ätherleib viel tiefer darinnen, als er darinsitzen sollte; das Organ ist viel stärker durchdrungen von dem Ätherleib, als es sein sollte. In solchem Falle wird der Mensch wegen des fehlerhaften Organs verleitet, sich nur noch mehr in den Irrtum - das, was Ahriman vollbringt in der Welt - zu verstricken. Mit dem Organ, welches dem ahrimanischen Einfluß seine Schädigung verdankt, in das sich so recht tief hineinversetzt hat der Atherleib, würde der Mensch, wenn er diesen ganzen Prozeß ausleben wollte, sich tiefer in das verstricken, was Ahriman bewirken kann: in die Maja. Da nun aber alles das, was die Außenwelt als Maja erzeugt, nicht mitgenommen werden kann in die geistige Welt, so entzieht sich uns die geistige Welt immer mehr. Denn dort gibt es nur Wahrheit, nicht Illusion! Je mehr wir also in die durch Ahriman bewirkte Illusion hineinverstrickt werden, desto mehr werden wir gerade dazu gedrängt, uns noch viel mehr in die sinnlich-äußere Welt, in die Illusion des Physisch-Sinnlichen hineinzuversetzen, als wir es ohne ein solches schadhaftes Organ tun würden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da aber tritt die gegensätzliche Wirkung ebenso auf, wie die gegensätzliche Wirkung im Schmerz bei dem luziferischen Einfluß auftritt. Da tritt die gegensätzliche Wirkung nun so auf, daß in dem Augenblick, wo die Gefahr vorhanden ist, daß wir uns zu sehr an die physisch- sinnliche Welt ketten und uns dadurch zu viel rauben von dem, was uns hinaufführen könnte in die geistige Welt, daß in diesem Augenblick das Organ zerstört wird, daß es entweder gelähmt oder zu schwach gemacht wird zum Wirken. Es tritt also ein Zerstörungsprozeß ein. - Sehen wir also, daß ein Organ zerstört wird, so müssen wir uns klar seIn, daß wir dies eigentlich wohltätigen Mächten verdanken müssen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
das Organ wird uns genommen, damit wir wieder den Rückweg finden in die geistige Welt. So ist es in der Tat, daß uns - wenn es nicht anders geht - durch gewisse Mächte Organe zerstört werden oder daß wir mit kranken Organen ausgerüstet werden, damit wir nicht zu tief in die Illusion hineingestoßen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Wenn also jemand zum Beispiel eine Leberkrankheit hat, die als solche nicht von schmerzlichen Erlebnissen begleitet ist, so haben wir es zu tun mit der Wirkung eines vorhergehenden ahrimanischen Einflusses, der dazu geführt hat, der Leber die betreffende Schädigung zuzufügen, weil wir sonst durch die Kräfte, welche verbunden sind mit dem Tieferhineingehen des Ätherleibes, zu sehr in Maja hineingeführt würden, wenn uns dieses Organ nicht genommen würde. Sagen und Mythen haben immer die tiefste Weisheit gewußt und haben sie in sich ausgedrückt. Gerade die Leber ist ein gutes Beispiel dafür. Denn sie ist ein Organ, das am leichtesten für das Hineingleiten des Menschen in die physisch-illusorische Welt wirksam sein kann. Und die Leber ist zugleich das Organ, das uns eigentlich an die Erde kettet. Mit dieser Wahrheit hängt zusammen, daß bei derjenigen Wesenheit, welche den Menschen der Sage nach die Kraft gebracht hat, die sie in das Erdenleben hineinführen und dort recht wirksam machen soll - nämlich bei Prometheus -, gerade an der Leber ein Geier nagt. Ein Geier nagt an der Leber, nicht etwa darum, weil das dem Prometheus einen besonders tiefen Schmerz verursachen soll; denn in diesem Falle würde die Sage nicht stimmen mit den wirklichen Tatsachen. Aber Sagen stimmen immer überein mit den physiologischen Tatsachen! Der Geier nagt an der Leber, weil es nicht wehtut! Denn es sollte darauf hingewiesen werden, daß Prometheus der Menschheit etwas brachte, was sie tiefer hineinverstricken könnte in das Ahrimanische,wenn nicht die gegenteilige, ausgleichende Wirkung geschehen könnte. Okkulte Urkunden sind Immer im Einklang mit den Wahrheiten, welche wir in der Geisteswissenschaft verkünden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich habe Ihnen heute rein aus der Sache heraus gezeigt, daß es die guten Mächte sind, welche über den Menschen den Schmerz verhängen gegenüber dem Einfluß Luzifers. Bringen Sie das einmal in Zusammenhang mit der Urkunde des AltenTestamentes. Als der Einfluß des Luzifer geschehen war, wie er uns symbolisiert wird durch die Schl,ange, welche die Eva verführt, mußte also von den Gegnern des Luzifer gerade über das, wozu Luzifer die Menschen bringen wollte, der Schmerz verhängt werden. Es mußte die Macht, deren Gegner Luzifer ist, jetzt kommen und davon sprechen, daß von nun an Schmerz über die Menschheit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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gebracht wird. Das tut Jahve oder Jehovah, indem er sagt: «Unter Schmerzen sollst du Kinder gebären!»&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Dinge in den okkulten Urkunden weiß man in der Regel nicht zu deuten, solange man die geisteswissenschaftlichen Erklärungen als solche noch nicht hat. Nachher kommt man dann darauf, wie tief diese Urkunden sind. Daher können Sie auch von mir nicht verlangen, daß ich Ihnen aus dem Nichts heraus - ohne die entsprechenden Voraus setzungen - die Dinge ohne weiteres erklären kann. Damit es überhaupt möglich ist, über die Stelle zu sprechen: «Unter Schmerzen sollst du Kinder gebären!», müssen vorausgehen die Betrachtungen über das Karma; denn erst an der betreffenden Stelle kann man die Erklärung darüber einfügen. Daher nutzt es auch nicht viel, wenn man dieses oder jenes erklärt haben will aus den okkulten Urkunden, bevor man die betreffende Stelle in der okkulten Entwickelung erreicht hat. Und es ist immer eine mißliche Sache, zu fragen: Was bedeutet dies? Was bedeutet jenes? - Der Mensch muß immer warten und Geduld haben, bis die betreffende Stelle herangekommen ist; mit den Erklärungen allein würde man nichts erreichen. So sehen wir in unser Leben hineinwirken auf der einen Seite die iuziferischen Mächte, auf der andern Seite diejenigen Mächte, deren Gegner Luzifer ist. Dann wirken die ahrimanischen Mächte in unser Leben hinein, und wir müssen uns klarmachen, daß die Mächte, welche uns Organe unbrauchbar machen, wenn wir dem ahrimanischen Einfluß verfallen, zu den guten Mächten zu rechnen sind, deren Gegner eben Ahriman ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn Sie Ihren Ausgangspunkt nehmen von all dem, was jetzt gesagt worden ist, werden Sie tief hineinschauen können in das komplizierte Getriebe der Menschennatur, und Sie werden dazu kommen können, sich zu sagen: Die luziferischen Mächte sind solche, die während der alten Mondenzeit zurückgeblieben sind; sie wirken heute in unserer Erdentwickelung mit denjenigen Kräften in das menschliche Leben hinein, die eigentlich Mondenkräfte sind, die sich in demjenigen Welten plan, der zum Beispiel nur jenen Mächten entspricht, deren Gegner Luzifer ist, gar nicht innerhalb unserer Erdentwickelung abspielen können. So wirkt Luzifer hinein in den Plan einer anderen Wesenheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Wir können aber nun zurückgehen zu weiter zurückliegenden Epochen der Entwickelung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir auf der einen Seite sehen, daß auf dem Monde Wesenheiten zurückblieben in ihrer Entwickelung, um auf der Erde einzugreifen in das menschliche Leben, dann kann uns erklärlich erscheinen, daß auch auf der alten Sonne Wesen zurückgeblieben sind, die dann auf dem Mond eine ähnliche Rolle gespielt haben wie die luziferischen Wesenheiten jetzt auf der Erde. Wir haben heute in der menschlichen Wesenheit etwas, was wir eigentlich als einen Kampf bezeichnen können: der Kampf, der sich abspielt zwischen den luziferischen Gewalten, welche sich in unseren astralischen Leib hineinsetzen, und denjenigen Mächten, die durch unser Ich, durch unsere Erdenerrungenschaften auf uns wirken. Denn die Mächte, deren Gegner Luzifer ist, können ja nur durch unser Ich auf uns wirken. Wenn wIr uns Klarheit und richtige Schätzung über uns selbst aneignen, so können wir das nur mit Hilfe derjenigen Mächte, die auf unser Ich wirken. Dazu müssen wir schon unser Ich anwenden. Deshalb können wir sagen: Indem sich unser Ich aufbäumt gegen die luziferischen Mächte, kämpft in uns Jahve oder Jehovah gegen Luzifer; da kämpft das, was den guten Weltenplan besorgt, gegen das, was sich auflehnt gegen diesen Weltenplan In seiner alleinigen Geltung, und wir sind mit unserem innerstenWesen darinnenstehend in diesem Kampf des Luzifer mit andern Wesenheiten. Wir sind selbst der Schauplatz dieses Kampfes. Und daß wir der Schauplatz dieses Kampfes sind, das zieht uns in Karma hinein - aber nur mittelbar dadurch, daß dieser Kampf mit dem Luzifer sich abspielt. Wenn wir dagegen den Blick nach außen richten, werden wir in die ahrimanischen Mächte hineingezogen. Da spielt sich etwas ab, was von draußen kommt, und hier kommt Ahriman in uns herein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun wissen wir, daß Wesenheiten auf dem alten Monde gelebt haben, die in ähnlicher Weise damals ihre Menschheitsstufe durchgemacht haben, wie wir sie Im Laufe der Erdentwickelung durchmachen. In der «Akasha-Chronik» und in der «Geheimwissenschaft» finden Sie diese Wesen bezeichnet als Engel, Angeloi, Dhyanis; auf den Namen kommt es nicht an. Im Inneren dieser Wesenheiten spielte sich damals aber ein ähnlicher Kampf ab wie der luziferische Kampf in unserer &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
eigenenWesenheit. DieseWesen waren auf dem alten Monde der Schauplatz eines Kampfes, der sich abspielte durch jene Wesenheiten, welche wieder auf der Sonne zurückgeblieben waren. Dieser Kampf auf dem Monde hat mit unserem inneren Ich nichts zu tun, denn auf dem Monde hatten wir unser Ich noch nicht. Er steht außerhalb dessen, woran unser Ich beteiligt sein kann, er hat sich auf dem alten Monde «in der Brust der Engel» abgespielt. Dadurch sind diese Wesenheiten damals etwas geworden, was sie nur werden konnten unter dem Einfluß von andern Wesenheiten, die zurückgeblieben waren gegenüber der normalen Sonnenentwickelung und die damals für die Angeloi dieselbe Rolle spielten, wie sie die luziferischen Wesenheiten heute für uns spielen. Und das waren die ahrimanischen Wesenheiten, welche während der Sonnenentwickelung ebenso zurückgeblieben sind wie die luziferischen Wesenheiten während der Mondentwickelung. Daher können wir zu diesen Wesenheiten auch nur mittelbar kommen. Ahriman war es aber, der sozusagen der Versucher in der Brust der Angeloi war, und er wirkte in ihnen. Durch ihn sind die Angeloi das geworden, was sie dann geworden sind, und sie haben das, was sie durch Ahriman geworden sind, ebenso herübergebracht wie das&amp;gt; was sie im Guten erreicht haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir haben als Gutes von Luzifer die Möglichkeit, zwischen Gut und Böse zu unterscheiden, freies Entscheidungsvermögen zu entwickeln, freien Willen zu erringen. Das ist für uns nur durch Luzifer zu erreichen. DieseWesenheiten aber haben etwas erreicht und mit hinübergenommen in das Erdendasein,wovon wir sagen können: Wie uns die Angeloi jetzt umgeben als Geistwesen, so haben sie sich zu ihrem jetzigen Sein vorbereitet durch den ahrimanischen Kampf in ihrer Seele zur Zeit der alten Mondentwickelung. Was diese Wesenheiten durchgemacht haben und was sie als Wirkungen in sich haben von dem, was sie durchgemacht haben, das geht uns in unserem innersten Ich nichts an, daran sind wir mit unserem Ich nicht beteiligt. - Wir werden sehen, wie wir mittelbar dazu kommen, weil ja der ahrimanische Einfluß doch wieder in uns hereinwirkt. - Was diese Wesenheiten sich unter dem Einflusse Ahrimans errungen haben, das sind gewisse Wirkungen, zu denen sie die Ursachen während ihres Mondendaseins aufgenommen haben. Während desMondendaseins nahmen dieseWesenheiten durch den ahrimanischen &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|148}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einfluß in sich etwas auf, was sie hineingetragen haben in unser Erden- dasein. Versuchen wir einmal, in unserem Erdendasein das aufzufinden, was uns erscheinen kann als eine solche Wirkung des damaligen ahrimanischen Kampfes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn dieser ahrimanische Kampf auf dem alten Monde nicht stattgefunden hätte, so könnten diese Wesenheiten nicht in unser Erden- dasein hineintragen, was dem alten Mondendasein angehört hat. Denn das würde aufgehört haben, nachdem der alte Mond zugrunde gegangen war. Dadurch, daß die Angeloi den ahrimanischen Einfluß aufgenommen haben, sind sie verstrickt worden in das Mondendasein, geradeso wie wir verstrickt werden durch den luziferischen Einfluß in das Erden- dasein. Sie haben das, was Mondelement ist, in ihr Innerstes aufgenommen und haben es hinübergebracht in unser Erdendasein. Dadurch sind sie imstande geworden, gerade dasjenige in unserem Erdendasein hervorzurufen, was hervorgerufen werden muß, damit unsere Erde nicht ganz dem Einfluß Luzifers verfällt. Unsere Erde würde im ganzen dem Einflusse Luzifers verfallen müssen, wenn diese Tatsache, welche dem Kampfe der Engel mit Ahriman auf dem Monde entspricht, nicht in unser Erdendasein hineingebracht worden wäre.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Welches sind denn die Vorgänge im Erdendasein, die wir als die normalen bezeichnen? Als sich unser jetziges Sonnensystem entsprechend dem Erdenziele geordnet hat, ist das aufgetreten, was wir als die regelmäßigen Bewegungen der Sonne, der Erde und der andern Planeten sehen und was bewirkte, daß,wirTag und Nacht haben, daß die Jahreszeiten in der regelmäßigen Weise aufeinanderfolgen, daß wir Sonnenschein und Regen haben, daß unsere Früchte auf den Feldern gedeihen und so weiter. Das sind Ordnungen, die sich immer wiederholen nach dem Rhythmus des Kosmos, der sich für das jetzige Erdendasein herausgebildet hat, nachdem das Mondendasein in die Dämmerung hinuntergestiegen ist. Aber innerhalb des Erdendaseins wirkt Luzifer. Und wir werden sehen, daß er noch viel mehr wirkt als nur in dem Gebiet, wo wir ihn schon verfolgen konnten, in dem Menschen selbst, wo er sich allerdings seinen wichtigsten Schauplatz ausgesucht hat. Aber selbst wenn Luzifer nur innerhalb des Erdendaseins vorhanden wäre, und schon durch alle die Ordnungen, welche eintreten durch den regelmäßi&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
gen Gang der Planeten um die Sonne, durch den Wechsel von Sommer und Winter, Regen und Sonnenschein und so weiter, würden die Menschen in das verfallen, was wir nennen können «luziferische Verführung&amp;gt;. Wenn den Menschen alles das zukommen würde, was ihnen aus dem geordneten Kosmos zukommen kann,was die regelmäßigen, rhythmischen Bewegungen des Sonnensystems hervorbringen, wenn nur die Gesetze herrschten, welche unserem jetzigen Kosmos angemessen sind, so müßte der Mensch dem luziferischen Einfluß verfallen, müßte das Wohlleben lieber gewinnen als das, was er gewinnen soll zu seinem kosmischen Heil, müßte den regelmäßigen Gang lieber gewinnen als das, was er sich erringen soll.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daher mußten Gegenkräfte geschaffen werden. Es mußten Gegenkräfte wirken, welche dadurch zustande kamen, daß sich hineinmisch ten in die regelmäßigen kosmischen Vorgänge unseres Erdenlebens solche Vorgänge, die für den alten Mond höchst wohltätige und normale waren, die aber heute, wenn sie auf das Erdendasein wirken, abnorme sInd und den regelmäßigen Erdengang gefährden. Diese Einflüsse treten so auf, daß sie gewissermaßen zurechtrücken, was, wenn der bloße Rhythmus vorhanden wäre, als Hang zum Wohlleben, als Behaglichkeit und Üppigkeit entstehen würde; und es zeigen sich uns solche Kräfte zum Beispiel in dem, was als der heftige Hagel dahinstürmt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und wenn das, was sonst unter den regelrechten Kräften der Erde ge schaffen würde, zerstört wird, so wird in einem solchen Falle eine Korrektur geschaffen, die im ganzen wohltätig wirkt, wenn es auch der Mensch zunächst nicht einsieht, weil es eine höhere Vernünftigkeit gibt als die, welche der Mensch begreift. Wenn der Hagel hereinstürmt in die Felder, dann können wir sagen: Auf dem alten Monde waren diese Kräfte, welche im Hagel heranstürmen, segenbringende Kräfte wie heute diejenigen Kräfte, welche segenbringend im Regen und Sonnen schein wirken. Heute stürmen sie herein, damit Korrektur geschaffen wird für das, was der luziferische Einfluß sonst anrichten würde. Und wenn der regelmäßige Gang fortgeht, stürmen sie in immer heftigerer Weise herein, um noch mehr Korrektur zu schaffen. Alles, was zur regelmäßigen Fortentwickelung führt, gehört den Kräften der Erde selber an. Wenn der Vulkan seine Laven hinausschleudert, so wirken &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
darin Kräfte, welche als verspätete Kräfte vom alten Mond mit herübergebracht worden sind, damit sie Korrektur schaffen im Erden- leben. So ist es mit den Erdbeben und mit den Elementarereignissen überhaupt.Und wir können sehen,daßmanches,was von außen kommt, im Gesamtgange der Entwickelung seine vernünftige Begründung findet. Wie das mit dem menschlichen Ich-Bewußtsein zusammenhängt, das werden wir noch sehen; was unbefriedigend am heutigen Vortrag erscheint, wird sich dadurch morgen ausgleichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir müssen uns aber doch das eine klarlegen, daß diese Dinge alle nur die eine Seite des menschlichen Daseins&amp;gt; des Erdendaseins, des kosmischen Daseins überhaupt, darstellen. Und wenn wir auf der einen Seite sagen, wenn uns ein Organ zerstört wird, sind es wohltätige Wirkungen geistiger Mächte, und wenn wir heute gefunden haben, daß sogar der ganze Gang der Erdentwickelung wieder korrigiert werden muß durch Kräfte aus dem alten Mondendasein, so müssen wir jetzt fragen: Wie steht es nun damit, daß wir versuchen müssen, als Erden- menschen auf der andern Seite wieder Korrektur zu schaffen für die schädlichen Einflüsse der alten Mondenkräfte? - Wir werden ja schon ahnen, daß wir als Erdenmenschen nicht gerade herbeisehnen dürfen Vulkanausbrüche und Erdbeben, daß wir nicht selber Organe zerstören dürfen, um die segensreiche Wirkung der geistigen Mächte zu unterstützen. Aber wir werden uns auch sagen können, und das hat gewiß seIne Berechtigung: Bricht irgendwo eine Epidemie aus, so wird dadurch etwas herbeigeführt, was der Mensch geradezu sucht, damit in ihm etwas ausgeglichen wird. Und wir können annehmen, daß der Mensch hineingetrieben wird in gewisse Verhältnisse, um eine Schädigung zu erfahren, durch deren Überwindung er sich derVervollkommnung nähert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie steht es aber dann mit hygienischen und sanitären Maßregeln?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Könnte nicht jemand sagen: Also werden Epidemien sehr Gutes wirken können? Ist es dann nicht falsch, durch allerlei gesundheitsfördernde Einrichtungen, durch krankheitsvorbeugende Maßnahmen die Möglichkeit zu vermindern, daß solche Einflüsse geschehen? Es könnte jemand darauf kommen, daß man nichts tun sollte, um elementare Ereignisse abzuschwächen, und könnte es damit motivieren, daß es ganz im Sinne der heutigen und gestrigen Ausführungen liege.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Wir werden sehen, daß das nicht der Fall ist, aber wieder nur unter gewissen Voraussetzungen nicht der Fall ist. Wir werden nämlich jetzt erst in der richtigen Weise dazu vorbereitet sein, um bei der nächsten Betrachtung derVerhältnisse einerseits zu verstehen, wie uns wohltätige Einflüsse geradezu die Schädigung eines Organs zufügen, damit wir der Wirkung der Maja nicht verfallen, und anderseits uns jener Wirkung bewußt zu werden, die wir hervorrufen, wenn wir uns selbst der Auswirkung solcher wohltätiger Einflüsse entziehen, indem wir sanitäre und hygienische Maßnahmen gegen die Krankheiten ergreifen. - Wir werden sehen, daß wir hier an einem Punkt stehen, an dem der Mensch so häufig steht: Wenn ein scheinbarer Widerspruch auftaucht und ihn die ganze Kraft des Widerspruchs tfeibt, dann ist er nahe daran, an einen solchen Punkt zu kommen, wo die ahrimanischen Mächte einen großen Einfluß auf ihn ausüben können. Nirgends liegt die Möglichkeit so nahe, uns~i~öuschungen hinzugeben,wie jetzt,wo wir in einen solchen Engpaß hineingekommen sind. Und es ist gut, daß wir jetzt da hinein- gekommen sind; denn jetzt können wir sagen: Wohltätige Mächte sind es, welche uns ein Organ unbrauchbar machen, denn das ist eine Gegenwirkung gegen Ahriman; also müßten es jetzt die Schädlinge der Menschheit sein, welche nicht das fordern, was man nennen kann «wohltätige Gegenwirkungen gegen die ahrimanischen Mächte». Denn hygienische Maßregeln und dergleichen würden diese wohltätige Gegenwirkung einschränken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir sind in einem Engpaß. Und es ist gut, daß wir einmal in diesen Widerspruch geführt sind, damit wir darüber nachdenken, daß solche Widersprüche möglich und sogar eine gute Schulung für unseren Geist sind. Denn wenn wir gesehen haben werden, wie wir uns aus diesem Widerspruch herausretten können, dann werden wir aus uns selbst heraus etwas getan haben, was uns Kraft geben kann, um uns den Täuschungen des Ahriman zu entziehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|152}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= ACHTER VORTRAG Hamburg, 25. Mai 1910 =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir zurückdenken an den Widerspruch, den wir am Ende unserer letzten Betrachtung vor uns hin gestellt haben, so müssen wir zu seiner Lösung heute nochmals zurückblicken auf die beiden Kräfte, auf die beiden Prinzipien, die uns nun im Laufe der Zeit geradezu wie die Herausforderer und auch wieder wie die Regulatoren unseres Karma erschienen sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir haben gesehen, daß unser. Karma erst dadurch in Bewegung gebracht wird, daß wir die Einflüsse der luziferischen Gewalten auf unseren astralischen Leib erleiden, daß wir durch die Versuchung dieser Gewalten zu Gefühls-, Trieb- und Leidenschaftsäußerungen kommen, die uns in gewisser Beziehung unvollkommener machen, als wir sonst wären. Wenn nun die luziferischen Einflüsse auf uns wirken, dann fordern sie auf der andern Seite heraus die ahrimanischen Einflüsse, jene Kräfte, welche nun nicht von innen heraus, sondern von außen her auf uns wirken, die im Wechselverkehr mit der Welt durch dasjenige hindurchwirken,was uns eben von außen entgegentritt. So ist es im Grunde Ahriman, der herausgefordert wird durch Luzifer, und wir Menschen sind eigentlich so lebendig hineingestellt in den Streit dieser beiden Prinzipien. Und wir müssen im Leben versuchen, gerade dadurch vorwärtszukommen, daß wir, wenn wir einmal in die Fangarme Luzifers oder Ahrimans gekommen sind, nach Mitteln und Wegen suchen, um wieder durch Überwindung dessen, was in uns angerichtet worden ist, höher zu steigen. Ganz deutlich aber können wir sehen, wie in der Tat dieses Wechselspiel zwischen luziferischen und ahrimanischen Mächten um unsere Person herum stattfindet, wenn wir uns den Fall in einer etwas andern Form noch einmal vor Augen rücken, den wir schon das letzte Mal angeführt haben: den Fall, daß jemand ahrimanischen Einflüssen verfällt, so daß er allerlei Vorspiegelungen,Täuschungen erlebt, daß er glaubt, dies oder jenes werde ihm besonders mitgeteilt oder mache auf ihn nach dieser oder jener Richtung hin einen Eindruck, woraus aber für einen andern, der sich seine gesunde Urteilskraft bewahrt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|153}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
hat, leicht zu erkennen ist, daß der Betreffende Irrtümern und Täuschungen verfallen ist. Das letzte Mal haben wir gesprochen von den Fällen, wo jemand hellseherischen, aber im schlimmen Sinne hellseherischenTäuschungen der geistigen Welt unterworfen wird. Da haben wir ausdrücklich angeführt, daß dies dann ~uschungen sind, die durch ahrimanische Kräfte hervorgerufen werden. Und wir haben gesehen, daß gegen solche Täuschungen, welche durch unrichtiges Hellsehen hervorgerufen werden, es kein anderes oder wenigstens kein günstigeres Mittel gibt als die gesunde Urteilskraft, die erworben wird im physischen Leben zwischen Geburt und Tod.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was wir im letzten Vortrage gesagt haben, ist etwas Bedeutungsvolles und Wesentliches, wenn wir es mit hellseherischen Verirrungen zu tun haben. Denn bei einem Hellsehen, das nicht durch regelrechte Schulung, nicht durch systematische Übungen erreicht worden ist, die streng und richtig geleitet werden, sondern das durch alte vererbte Merkmale eintritt, in Bildern oder Hören in Tönen und dergleichen, bei einem solchen unrichtigen Hellsehen können wir immer finden, daß es zurückgeht, daß es aufhört sogar, wenn der Betreffende die Möglichkeit findet und die Neigung hat, sich ernstlich auf theosophische Studien einzulassen, theosophische Erkenntnis wirklich aufzunehmen, oder gar sich einläßt auf eine wirkliche, sinn- und sachgemäße Schulung. Also in einem solchen Falle, wo wir es mit Verirrungen der übersinnlichen Erkenntnis zu tun haben, können wir sagen, daß die echten Quellen der Erkenntnis, wenn der Betreffende ihnen zugänglich ist, auch immer für ihn eine Hilfe sein werden, die ihn auf den rechten Weg bringen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dagegen dürfen Sie das, was gerade als eine Gegenüberstellung vor- gebracht werden muß und was eine so triviale Wahrheit ist, daß jeder sie kennt, nicht anführen. Jeder weiß, daß wenn jemand durch karmische Verwicklungen dazu gekommen ist, Zustände zu entwickeln, welche ihn zu den Symptomen des Verfolgungswahnes, des Größenwahnes führen, daß er dann in seiner Seele ein ganzes System vonWahnideen ausbilden kann, die von ihm so logisch wie nur möglich begründet werden, die aber doch eben Wahnideen sind. Es kann zum Beispiel vorkommen, daß jemand auf andern Gebieten des Lebens ganz richtig und &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|154}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
logisch denkt, daß er jedoch die`Wahnidee hat, er werde überall verfolgt um dieses oder jenes Grundes willen. Er wird dann imstande sein, wo er hinkommt, aus den geringsten Vorkommnissen Kombinationen geistreichster Art zu machen: Da ist wieder eine Clique, die nichts anderes will, als mir dies oder das anzutun! - Und er wird Ihnen in der geistreichstenArt beweisen,wie begründet seinVerdacht ist. So kann jemand ein ganz logischer Kopf sein und doch in sich gewisse Symptome der Verrücktheit ausleben. Da wird es ganz unmöglich sein, einen solchen Menschen mit logischen Gründen zu widerlegen. Im Gegenteil, wenn man in einem solchen Falle mit logischen Gründen kommt, dann kann es geschehen, daß die Wahnideen, die in dem Inneren des Betreffenden sitzen, erst recht herausgefordert werden und noch schärfere Beweismittel suchen für das, was er als den Inhalt seinerVerfolgungswahnidee geltend macht. - Wenn im geisteswissenschaftlichen Sinne gesprochen wird, müssen die Dinge ganz genau genommen werden. Wenn vorhin und auch das letzte Mal betont worden ist, daß man in den geisteswissenschaftlichen Erkenntnissen, denen sich jemand mit aller Mühe oder sogar in einer prinzipiellen systematischen Schulung hingibt, eine Gegenmacht hat gegen eine Verirrung der hellseherischen Kräfte, so ist damit ein ganz anderer Fall gemeint als der, welcher soeben charakterisiert worden ist. Jetzt handelt es sich nicht darum, daß man dem Betreffenden mit geisteswissenschaftlichen Erkenntnissen beikommt. In der Regel will man ihm beikommen mit Gründen aus dem Gebiet der gewöhnlichen Vernünftigkeit. Für die aber ist ein solcher Mensch absolut unzugänglich. Warum ist das der Fall?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn ein solches Krankheitsbild auftaucht, wie es sich in den geschilderten Symptomen auslebt, haben wir es damit zu tun, daß der Betreffende darin eine karmische Ursache von früheren Verkörperungen, von früheren Verirrungen zutage treten läßt. Was als eine Verirrung des Inneren anzusehen ist, liegt nicht und kann nicht in diesem Falle in der gegenwärtigen Inkarnation liegen, sondern das liegt in einer vorhergehenden Inkarnation. Nun machen wir uns ein Bild, wie so etwas aus der früheren Inkarnation in die gegenwärtige herüberkommt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dazu müssen wir ins Auge fassen, wie eigentlich unsere Seelenentwickelung verläuft. Wir bestehen als äußerer Mensch aus physischem &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Leib, Ätherleib und astralischem Leib, haben dann im Laufe der Zeit hineingebaut in diese Hüllen durch die Arbeit des Ich die Empfindungsseele in den Empfindungsleib, die Verstandes- oder Gemütsseele in den Atherleib und die Bewußtseinsseele in den physischen Leib. Was wir in unserem Inneren als die drei Seelenglieder entwickeln, das haben wir hineingebaut in die drei Hüllen, das lebt jetzt in diesen drei Hüllen. Nun nehmen wir an, in irgendeiner Inkarnation werden wir durch den Einfluß Luzifers - also dadurch, daß wir in uns egoistische oder sonstige, dem luziferischen Einfluß zuzuschreibende Triebe, Begierden, Instinkte entwickeln - so verführt, daß wir Verfehlungen auf unsere Seele laden. Diese Verfehlungen können nun sein in der Empfindungsseele, können sein in der Verstandes- oder Gemütsseele oder auch in der Bewußtseinsseele. Das ist dann die Ursache, die in irgendeiner folgenden Inkarnation in einem der drei Seelenglieder gegeben ist. Nehmen wir an, es sei ein Fehler, der besonders auf den Kräften der Verstandesseele beruht. Der wird dann in dem Zustande zwischen Tod und neuer Geburt so umgewandelt, daß dasjenige, was zum Beispiel die Verstandesseele verbrochen hat, in seiner Wirkung sich zeigt im Ätherleib. Das ist mittlerweile beim Durchgehen durch den Tod bis zur neuen Geburt hineingearbeitet worden in den Ätherleib. Wir stoßen also in der neuen Inkarnation auf eine Wirkung in dem Ätherleib, die zurückzuführen ist auf eine Ursache in der Verstandesseele in einer vorhergehenden Inkarnation. Nun arbeitet aber dieVerstandesseele der nächsten Inkarnation wieder für sich selbständig in dieser Inkarnation, und es ist nun ein Unterschied, ob der Mensch jene Verfehlung früher begangen hat oder nicht. Hat er sie in einer früheren Inkarnation begangen, so hat er jetzt einen Fehler in seinem Ätherleibe. Das sitzt nun tiefer, der sitzt nicht in der Verstandesseele, sondern im Ätherleibe. Aber was der Mensch sich auf dem physischen Plan als Vernünftigkeit, als Verständigkeit erarbeiten kann, das wirkt ja nur auf seine Verstandesseele; das wirkt nicht auf das, wie seine Verstandesseele in einer früheren Inkarnation sich betätigt hat und was jetzt schon in den Ätherleib hineingearbeitet ist. Daher kann es vorkommen, daß die Kräfte der Verstandesseele,wie sie uns jetzt bei einem Menschen entgegentreten, logisch intakt arbeiten, so daß also das eigentliche menschliche Innere ganz intakt ist, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
daß aber durch das Zusammenarbeiten zwischen Verstandesseele und dem krankhaften Teil des Ätherleibes von diesem Ätherleib aus nach einer gewissen Richtung hin ein Irrtum projiziert wird. Dann kann man zwar mit den Gründen, die man auf dem physischen Plan aufbringen kann, auf die Verstandesseele wirken, nicht aber unmittelbar auf den Ätherleib. Daher können Sie durch Logik, durch Überzeugung nichts ausrichten, ebensowenig wie Sie mit Logik etwas anfangen können, wenn Sie einen Menschen vor einen konvex gebogenen Spiegel hin- stellen, so daß der Betreffende darin sein verzerrtes Bild sieht, und Sie ihm dann beweisen wollen, daß er unrecht hat, das Bild so zu sehen. Er sieht doch ein verzerrtes Bild. So hängt es auch nicht vom Menschen ab, daß er in einer krankhaften Weise etwas falsch versteht, denn es wird seine sonst gesunde Logik von seinem Ätherleibe aus nicht in einer gesunden Weise gespiegelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf diese Weise können wir die karmische Wirkung früherer Inkarnationen in unserer tieferen Organisation in uns tragen. Und wir können geradezu angeben, wie in einem bestimmten Teig derselben - wie hier in unserem Ätherleib - das Schadhafte vorhanden ist. Daran sehen wir, was wir durch den luziferischen Einfluß in einer früheren Verkörperung herausgefordert und dann umgewandelt haben. Und in der Zwischenzeit zwischen Tod und neuer Geburt kommt die Umwandlung zustande von einem Inneren in ein Äußeres, und dann wirkt uns Ahriman aus unserem eigenen Ätherleibe entgegen. Das zeigt uns, wie Ahriman herangelockt wird an unseren eigenen Ätherleib durch Luzifer. Die frühere Verfehlung war eine luziferische, das Umgewandelte aber ist ein solches, daß uns gleichsam die Quittung dafür in der nächsten Inkarnation durch Ahriman gegeben wird. Und dann handelt es sich darum, daß der Mensch diese Schädigung seines Ätherleibes aus sich herausbringen muß. Das kann nur dadurch geschehen, daß tiefer in seine Organisation ein gegriffen wird, als es mit den gewöhnlichen Mitteln der äußeren Vernunft in einer Inkarnation möglich ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer so etwas durchmacht, daß er zum Beispiel den Symptomen des Verfolgungswahnes in einer bestimmten Inkarnation verfällt, der wird, wenn er neuerdings wieder durch die Pforte des Todes tritt, alle die Tatsachen vor sich haben, welche er sich geleistet hat infolge seiner &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
ahrimanischen Schädigung, und er wird sie in ihrer ganzen Absurdität vor sich haben. Das wird für ihn wieder die Kraft sein, welche ihn für seine nächste Inkarnation gründlich heilt. Denn er kann nur dadurch geheilt werden, daß dasjenige, was er unter dem Einfluß der entsprechenden Symptome vollzogen hat, ihm in der äußeren Welt für die Folge als absurd erscheint. Damit haben Sie etwas gegeben, was von uns zu einer solchen Heilung getan werden kann. Wenn jemand unter derartigen Wahnideen leidet, werden Sie ihn am wenigsten durch logische Gründe von seinen Wahnideen abbringen können. Sie werden dadurch nur seinen Widerspruch erst recht herausfordern. Aber Sie werden etwas erreichen, besonders wenn sich in früher Jugend so etwas zeigt, wenn Sie den Menschen in Lagen bringen, wo sich ihm die Folgen seiner Symptome kraß als unsinnig darstellen, wenn Sie ihn vor Tatsachen führen, die er hervorruft und die als kraß unsinnige wieder auf ihn zurückschlagen. Dadurch können Sie in gewisser Weise eine Heilung hervorrufen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie können auch dann heilend wirken, wenn Sie selbst so weit im Besitze der geisteswissenschaftlichen Wahrheiten sind, daß sie inneres Eigentum Ihrer Seele geworden sind. Sind sie so Ihr Besitz geworden, daß sie stehen und fallen mit Ihrer ganzen Persönlichkeit, dann haben Sie sie ja als den denkbar stärksten Glauben; dann ist Ihre ganze Persönlichkeit ein Ausstrahler dieser geisteswissenschaftlichen Wahrheiten. Mit diesen Wahrheiten, welche hereinströmen in das Leben zwischen Geburt und Tod und es erfüllen, die aber dennoch über dieses Leben selbst hinausragen, die Erkenntnisse sind aus übersinnlicher Welt, mit ihnen können Sie tiefergehende Wirkungen erzielen als mit äußeren Vernunftwahrheiten. Während Sie mit äußeren logischen Gründen nichts anfangen können, werden Sie, wenn Sie die geisteswissenschaftlichen Wahrheiten anwenden und wenn Sie genug Zeit und Gelegenheit dazu haben, allerdings so weit Impulse auf den betreffenden Menschen ausüben können, daß Sie sozusagen in der einen Inkarnation das vermögen, was sonst nur auf dem Umwege von einer auf die andere Inkarnation geschehen kann: nämlich hineinzuwirken von der Verstandesseele in den Ätherleib. Denn die Wahrheiten des physischen Planes sind nicht imstande, auch nur im geringsten die Kluft zwischen Empfin&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
dungsseele und Empfindungsleib, zwischen Verstandesseele und Ätherleib oder gar zwischen Bewußtseinsseele und physischem Leib zu überspringen. Daher werden Sie immer erleben, daß jemand auf dem physischen Plan noch so viel Weisheit über die sinnliche Welt aufnehmen kann: diese Weisheit wird in sehr geringem Zusammenhange stehen mit seiner Gemütswelt, mit dem, was wir nennen das Durchdrungensein seines Empfindungsleibes mit den entsprechenden Impulsen und Leidenschaften. Daher kommt es vor, daß jemand ein sehr gelehrtes Haus sein kann, ein großes theoretisches Wissen haben kann über die Dinge der physischen Welt, ein alter Professor geworden sein kann - und es im Inneren nicht zu einer Umwandlung seiner Triebe und Empfindungen und Leidenschaften gebracht hat, die sich im Empfindungsleib abspielen. Er kann im Grunde viel wissen über die physische Welt und ein krasser Egoist sein, weil er die Impulse dazu in der Jugend aufgenommen hat. - Natürlich kann ganz gut nebeneinander herlaufen äußere physische Wissenschaft und Durchbildung des Empfindungsleibes und Ätherleibes von innen heraus.Und ebenso kann der Mensch Verstandeswahrheiten aufnehmen, mancherlei, was sich als Kräfte der Gemütsseele aufnehmen läßt in bezug auf den physischen Plan, aber er kann jene tiefe Kluft nicht überspringen, welche zwischen der Verstandesseele und dem Ätherleib besteht. Mit andern Worten, Sie können immer wieder finden: Wenn jemand äußerliche Wahrheiten aufnimmt, wenn er auch noch so viel lernt - das eine werden Sie selten finden, daß dieses Gelernte wirklich Gewalt hat auf die formenden Kräfte seines Leibes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei einem Menschen, bei dem die Wahrheiten so wirken, daß sie sein ganzes Sein ergreifen, da werden Sie erleben können, daß sich im Laufe von zehn Jahren seine Physiognomie verändert, daß Sie ihm an der Stirn ablesen können, wie er gerungen hat, wie er zum Beispiel mit gewIssen Zweifeln in seinem Herzen gerungen hat. Oder auch an seinen Gesten können Sie es bemerken, wenn er zum Beispiel aus eigenem Verhalten ein ruhiger Mensch geworden ist. Da drängt sich das in die formenden Kräfte des Organismus hinein, und es wird der Organismus in den feinsten Teilen davon ergriffen. Da wirkt das, was der Mensch spirituell aufnimmt, bis in die feinsten Teile seiner Organisation hinein. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Wenn das, was das Gemüt ergreift, nicht nur auf den physischen Plan weist, dann ist der Mensch nach zehn Jahren auch ein anderer. Aber die Änderung liegt in der normalen Richtung, wie die Anlagen sich im normalen gewöhnlichen Leben ausbilden und ändern. Man kann vielleicht im Verlaufe von zehn Jahren einen andern Gesichtsausdruck bekommen; aber wenn man nicht in der inneren Weise den Abgrund überspringt, sind es äußere Einflüsse gewesen. Da ist es keine den Menschen vom Inneren ergreifende Kraft, was ihn umgestaltet. Daran können wir sehen, daß nur das Spirituelle, was sich im Innersten wirklich mit unserem innersten Menschen verbindet, in der Lage ist, schon in der Zeit zwischen Geburt und Tod umwandelnd auf die formenden Kräfte zu wirken, daß aber mit Sicherheit dieser Übergang, dieses Überschreiten des Abgrundes stattfindet in der karmischen Wirksamkeit zwischen dem Tode und einer neuen Geburt. Wenn zum Beispiel das, was die Empfindungsseele erlebt hat,hineingesenkt wird in jeneWelten, die wir durchschreiten in der Zwischenzeit zwischen Tod und neuer Geburt, dann macht es sich gewiß in der nächsten Inkarnation als formende, bildende Kraft geltend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf diese Weise haben wir das gegenseitige Zusammenwirken Ahrimans und Luzifers begriffen. Und nun fragen wir uns: Wie stellt sich dieses Zusammenwirken dar, wenn die Dinge noch etwas entfernter liegen, wenn sie zum Beispiel als luziferischer Einfluß nicht nur den Abgrund zu überschreiten haben von der Verstandesseele bis zum Ätherleib, sondern wenn sie sozusagen einen weiteren Weg haben?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen wir an, wir unterliegen in einem Leben ganz besonders stark dem Einflusse Luzifers. In einem solchen Falle sind wir mit unserem ganzen inneren Menschen um ein ganzes Stück unvollkommener gewordeh, als wir vorher waren, und in der Kamalokazeit haben wir dann in der eminentesten Weise das vor Augen, daß wir uns sagen: Du mußt etwas ganz Mächtiges tun, um diese Unvollkommenheit wieder auszugleichen! - Wir nehmen also diese Tendenz in uns auf und bilden in der nächsten oder einer der nächsten Inkarnationen mit dem, was jetzt formende Kräfte geworden sind, unseren neuen Organismus so, daß dieser die Tendenz haben muß, den Ausgleich des früher Durchlebten herbeizuführen. Aber nehmen wir an, dasjenige, was den luziferischen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Einfluß ausgelöst hat, sei durch ein Äußeres veranlaßt gewesen, sei eine äußere Begierde gewesen. Dann muß doch wieder Luzifer als ein Einfluß dagewesen sein. Das Äußere hätte nicht auf uns wirken können, wenn nicht Luzifer in uns gewirkt hätte. Wir haben also die Tendenz in uns, das, was wir unter dem luziferischen Einfluß geworden sind, wieder auszugleichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber nun haben wir gesehen, daß der luziferische Einfluß in einer Inkarnation herausfordert den ahrimanischen Einfluß in einer nächsten Inkarnation, daß er ihn herbeizieht, so daß die beiden durchaus in Wechselwirkung miteinander stehen. Der luziferische Einfluß ist aber ein solcher, daß wir sagen konnten: Er zeigt sich für uns im Bewußtsein, das heißt&amp;gt; wir können mit unserem Bewußtsein noch notdürftig hinunterreichen in unseren astralischen Leib. Wir haben gesagt, wenn Schmerzen sich uns zum Bewußtsein bringen, so ist das luziferischer Einfluß. Aber wir können nicht in diejenigen Gebiete hinunter, die wir bezeichnen können als Bewußtsein unseres Ätherleibes und unseres physischen Leibes. Wir haben zwar auch im traumlosen Schlaf ein Bewußtsein, aber ein Bewußtsein von so niederem Grade, daß der Mensch im gewöhnlichen Leben nicht in der Lage ist, von diesem Bewußtsein überhaupt etwas zu wissen. Aber das ist durchaus kein Anlaß, daß wir in diesem Bewußtsein nichts tun. Dieses Bewußtsein hat zum Beispiel normalerweise die Pflanze, die ja nur aus physischem Leib und Ätherleib besteht. Die Pflanze lebt fortwährend in einem traumlosen Schlafbewußtsein. Unser Bewußtsein des Ätherleibes und des physischen Leibes ist auch im Tagwachen vorhanden; aber wir können nicht bis zu ihm hinuntersteigen. Daß aber dieses Bewußtsein handeln kann, das zeigt sich uns zum Beispiel, wenn wir im Schlafe somnambule Handlungen,nachtwandlerische Handlungen ausführen,von denen wir nichts wissen. Das ist das traumlose Schlafbewußtsein, das diese Handlungen vollführt. Das gewöhnliche Ich-Bewußtsein und das astralische Bewußtsein reichen nicht hinunter bis dahin, wo zum Beispiel die Handlungen des Nachtwandlers ausgeführt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber wir dürfen nicht glauben, weil wir bei Tage im Ich-Bewußtsein und astralischen Bewußtsein leben, daß nicht mit uns leben die andern Bewußtseinsarten. Wir wissen nur von ihnen nichts. Nehmen wir nun &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|161}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
an, wir haben durch einen luziferischen Einfluß in einer früheren Inkarnation einen starken ahrimanischen Einfluß herausgefordert; dann wird dieser ahrimanische Einfluß nicht wirken können auf unser gewöhnliches Bewußtsein. Er wird aber ergreifen das Bewußtsein,welches in unserem Ätherleibe sitzt, und dieses Bewußtsein wird uns dann nicht bloß zu einer gewissen Organisation unseres Ätherleibes führen können, sondern sogar zu Handlungen, welche sich so ausleben, daß uns das Bewußtsein unseres Ätherleibes sagt: Du kannst jetzt nur dasjenige aus dir heraus entfernen, was der luziferische Einfluß, dem du in der früheren Inkarnation so mächtig verfallen bist, in dir angestellt hat; und&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
das kannst du dadurch, daß du jetzt eine Handlung begehst, die genau in der umgekehrten Linie liegt als die frühere luziferische Verfehlung!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen wir an, wir seien durch einen luziferischen Einfluß dazu gebracht worden, von einem vorhergehenden religiösen oder nach dem Geistigen hinzielenden Standpunkt zu einem solchen überzugehen, wo der Mensch sagt: Ich will das Leben hier genießen! -, wo er also den Sprung in das Sinnliche mit aller Macht getan hat. Dann fordert so etwas den ahrimanischen Einfluß in der Art heraus, daß genau das Umgekehrte verursacht wird. Da kommt es denn vor, daß der Mensch, wenn er durch das Leben schreitet, einen Punkt aufsucht, wo er aus dem sinnlichen Leben in das geistige mit einem Sprunge wieder hineingehenkann. Dort ist er mit einem Sprunge in das Sinnliche verfallen - hier will er mit einem Sprunge in das geistige Leben zurück. Das Oberbewußtsein bemerkt das nicht; aber das geheimnisvolle Unterbewußtsein, das an den physischen Leib und Ätherleib gekettet ist, treibt jetzt den Menschen dazu&amp;gt; den Ort aufzusuchen, wo man ein Gewitter ab- warten kann, wo eine Eiche steht, eine Bank darunter, und - der Blitz schlägt ein! Da hat sein Unterbewußtsein den Menschen erfüllen lassen, was er in einer früheren Inkarnation getan hat. Da haben wir das Umgekehrte. So begreifen wir eine Wirkung unter einem luziferischen Einfluß in einem früheren Leben, und als Folge einen Einfluß Ahrimans in dein jetzigen Leben. Ahriman muß hier mitwirken zu dem Zwecke, daß wir unser 0berbewußtsein so weit ausschalten, daß in diesem Falle unser ganzer Mensch nur dem Bewußtsein des Ätherleibes oder des physischen Leibes folgt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|162}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf diese Weise begreifen wir mancherlei Dinge, die auch sonst im Leben geschehen. Aber wir dürfen,wenn zum Beispiel jemand im Leben zum Tode kommt oder eine schwere Verwundung erleidet, nicht jeden solchen Fall auf etwas Ähnliches zurückführen. Da würden wir in einer sehr engen Weise das Karma auffassen. Aber es gibt wirklich Strömungen auch in unserer theosophischen Bewegung, welche das Karma in einer recht engen Weise auffassen, die zwar glauben, daß sie in dem Karma wirklich etwas haben, was zu einem höheren Gesichtspunkt führt, es aber nicht wirklich kennen. Sie fassen das Karma so auf, daß, wenn es wirklich so wäre, wie sie es auffassen, immer die ganze Weltordnung wegen eines jeden einzelnen Menschen besonders eingerichtet sein müßte, damit sie zum harmonischen Verlauf und zum Ausgleich eines jeden einzelnen im Menschenleben diente, daß also in einem Leben die Verhältnisse immer so zusammengeführt werden, daß ganz genau der Ausgleich für das geschaffen werden muß, was in einem früheren Leben entstanden ist. Dieser Standpunkt ist aber nicht haltbar. Wie wäre es denn, wenn sich jemand hinstellte vor einen Menschen, dem ein Unglück passiert ist, und ihm sagt: Das ist dein Karma, das ist die karmische Wirkung aus einem früheren Leben; das hast du damals verschuldet! - Wenn aber jetzt der Betreffende diesen oder jenen Glücksfall erlebt, dann sagt der andere: Das führt zurück auf ein Gutes, das du früher getan hast! - Wenn das aber einen wirklichen Wert haben soll, so müßte doch derjenige, der so spricht, erst sehen, was in dem früheren Leben geschehen ist, das diese Wirkung hervorgebracht haben soll. Hätte er sich in das frühere Leben gestellt, so würde er da die Ursachen sehen, die aus jenem Leben kommen, und müßte dann auf die spätere Inkarnation hinschauen, wenn er die Wirkungen erblicken will.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daraus folgt aber für uns logisch folgendes: Es treten in jeder Inkarnation Tatsachen ein, die erste Ereignisse darstellen in dem Leben jedes Menschen, wie es sich von Verkörperung zu Verkörperung abspielt, und diese werden ihren k~rmischen Ausgleich im nächsten Leben haben. Wenn man im nächsten Leben sich dann die Wirkungen anschaut, dann kann man auf die Ursachen hinblicken. Wenn aber jetzt ein Unglücksfall geschieht und man mit allen Mitteln im früheren Leben keine Ursachen dafür findet, dann muß man sich sagen, es findet eben der Aus- &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
gleich in einem späteren Leben statt. Karma ist kein Fatum! Es wird aus jedem Leben etwas in die späteren hineingetragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir das verstehen, werden wir es auch begreiflich finden, daß der Mensch sinnvoll und bedeutungsvoll neue Ereignisse in seinem Leben finden kann. Denken wir daran, daß ja die großen Ereignisse im Gange der Menschheitsentwickelung nur dadurch zustande kommen können, daß sie von bestimmten Personen getragen werden. Personen müssen in einem bestimmten Zeitpunkt die Absichten der Entwickelung übernehmen. Denken Sie daran, wie die mittelalterliche Entwickelung verlaufen wäre, wenn nicht in einer bestimmten Zeit Karl der Große eingegriffen hätte, oder wie das Geistesleben der alten Zeiten verlaufen wäre, wenn nicht in einer bestimmten Zeit Aristoteles gewirkt hätte. Denken Sie, daß Sie, wenn Sie den Gang der Menschheitsentwickelung begreifen wollen, den Aristoteles in die Zeit hineindenken müssen, wo er gelebt hat; denn ohne ihn würde später vieles anders geworden sein. Dadurch sehen wir, daß solche Persönlichkeiten, wie Karl der Große, Aristoteles, Luther und so weiter nicht um ihretwillen, sondern um der Welt willen in der betreffenden Zeit leben mußten. Ihre persönlichen Schicksale sind darum doch innig verflochten mit dem, was in derWelt geschieht. Können wir aber deshalb sagen, daß das, was sie wirken, zusammentrifft mit dem, was sie sich früher verdient oder was sie früher verschuldet haben?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen Sie den Fall von Luther: Alles, was er erlebt und erduldet hat, können Sie nicht nur auf sein karmisches Konto schreiben; Sie müssen sich klar sein, daß dasjenige, was in einem bestimmten Zeitpunkt in der Menschheitsentwickelung geschehen soll, durch das Hineingestelltsein bestimmter Individualitäten geschieht. Diese Individualitäten müssen heruntergeführt werden aus der geistigen Welt ohne Rücksicht darauf, ob sie für sich selbst weit genug sind, um heruntergeführt zu werden, denn sie werden heruntergeführt zu den Zwecken der Menschheitsentwickelung. Und es muß vielleicht ein karmischer Weg frühzeitig unterbrochen oder verlängert werden, damit die betreffenden Persönlichkeiten zu einem bestimmten Zeitpunkt in das Leben hineingestellt werden können. Da werden über Personen Schicksale verhängt, die mit dem vorangegangenen Karma nichts zu tun zu haben &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
brauchen. Aber wenn man als Mensch einmal so hineingestellt worden ist und wenn man das getan hat, was man zwischen Geburt und Tod tun kann, so bildet das karmische Ursachen. So wahr es also ist, daß ein Luther hineingestellt wird in das Leben um der Menschheit willen und Schicksale erdulden kann, welche nichts zu tun haben mit seinem früheren Karma, so wahr ist es, daß mit seinem späteren Karma dasjenige, was er da vollbringt, wieder etwas zu tun haben wird. Karma ist ein allgemeines Gesetz, und jeder muß es durchleben. Aber wir dürfen es nicht so auffassen, daß wir nur in frühere Verkörperungen zurückblicken, sondern wir müssen es so auffassen, daß wir auch vorwärts- blicken müssen. Deshalb können wir durchaus sagen: Es kann sich uns von diesem Gesichtspunkt aus ergeben, daß allerdings erst ein späteres Leben rechtfertigen kann auch vorhergehende Inkarnationen, indem uns schon Dinge zugefallen sind,welche gar nicht in unserer karmischen Linie liegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen wir folgenden Fall an, der sich tatsächlich zugetragen hat: Bei einer Naturkatastrophe hatten eine Anzahl von Seelen den Untergang gefunden. Wir brauchen durchaus nicht zu glauben, das wäre ihr Karma gewesen, daß sie alle zusammen dabei zugrunde gegangen sind; denn das wäre eine sehr billige Annahme. Es braucht gar nicht so zu sein, daß es immer auf frühere Verschuldungen zurückführt. Es gibt einen erforschten Fall, wo eine Anzahl von Menschen bei einer Naturkatastrophe zugrunde gegangen sind. Das hat dann aber dazu geführt, daß diese Menschen in einer späteren Zeit sich gemeinsam verbunden fühlten und durch das gemeinsame Schicksal sich als stark erwiesen, etwas Gemeinsames in der Welt zu unternehmen. Durch jene Katastrophe war die Ursache gebildet, daß sie im späteren Leben sich gründlich abgewöhnt hatten, nur an der Materie zu hängen, so daß sie sich für ihr späteres Leben eine Gesinnung mitgebracht haben, welche sie zum Spirituellen geführt hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was ist in diesem Falle geschehen? Gehen wir zurück in das vorige Leben, so finden wir, daß als ein besonderes Ereignis das zusammen Untergehen bei einem Erdbeben eingetreten ist: da hat sich ihnen die Wertlosigkeit des Materiellen in dem Augenblicke des Erdbebens vor die Seele gedrängt, und da hat sich bei ihnen die Gesinnung nach dem &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Spirituellen entwickelt. Daran sehen wir, wie Menschen, die ein Spirituelles der Welt zu bringen hatten, dazu vorbereitet waren durch einen solchen Fall, der uns die Weisheit der Entwickelung zeigt, der geisteswissenschaftlich untersucht ist und sich durchaus zugetragen hat. - So können wir zeigen, daß wir zum ersten Male Ereignisse ins Menschenleben eintreten sehen und daß wir auch beim Untergang eines oder mehrerer Menschen bei einer Katastrophe oder einem Unglücksfall den frühzeitigen Tod eines Menschen nicht immer auf eine frühere Verschuldung zurückführen dürfen, sondern daß so etwas als erste Ursache auftreten kann und daß im nächsten Leben der Ausgleich erfolgt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es sind aber noch andere Fälle möglich. Es kann vorkommen, daß jemand in zwei, drei aufeinanderfoigenden Inkarnationen ein Leben frühzeitig zu beschließen hat. Das kann eintreten,weil diese Individualität dazu berufen ist, der Menschheit durch drei Inkarnationen hindurch etwas zu bringen, was man nur bringen kann, wenn man in der physischen Welt mit solchen Kräften lebt, die sich in einem sich aufbauenden Körper ergeben. Es ist ein ganz anderes, ob man in einem Körper lebt, der sich bis zum fünfunddreißigsten Jahre entwickelt, oder in einem Körper des späteren Alters. Denn bis zum fünfunddreißigsten Jahre schickt der Mensch seine Kraft in die Körperlichkeit, so daß er die Kraft von innen heraus entfaltet. Dann aber beginnt, vom fünfunddreißigsten Jahre angefangen, ein Leben, wo der Mensch nur innerlich weiterschreitet und fortwährend mit seinen Lebenskräften anzustürmen hat gegen die äußeren Kräfte. Diese zwei Lebenshälften sind durchaus verschieden voneinander, wenn wir auf die innere Organisation sehen. Nehmen wir nun an, man braucht gemäß der Weisheit der Entwickelung der Menschheit solche Menschen, welche nur gedeihen können, wenn sie nicht anzustürmen haben gegen das, was sich uns entgegendrängt in der zweiten Lebenshälfte, dann kann es sein, daß die Inkarnationen frühzeitig abgerissen werden. Solche Fälle gibt es. Und wir haben selbst schon bei unseren Zusammenkünften hingewiesen auf eine Individualität, welche nacheinander erschienen ist als großer Prophet, als ein bedeutender Maler und als großer Dichter, und immer mit einem frühzeitigen Tode ihr Leben beschlossen hat, weil das, was diese Individualität in drei Inkarnationen zu leisten hatte, nur dadurch &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|166}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
möglich war, daß die Inkarnationen abgebrochen wurden vor einem Sich-Hineinleben in die zweite Lebenshälfte. Darin haben Sie das Eigentümliche des Verstricktseins von menschlichem individuellem Karma und allgemeinem Menschheitskarma.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir können noch tiefer gehen und können im allgemeinen Menschheitskarma gewisse karmische Ursachen aufsuchen, welche sich in späteren Zeiten dann in ihren Wirkungen zeigen; da muß sich der einzelne Mensch wieder hineingestellt sehen in das Menschheitskarma.Wenn wir die nachatlantische Entwickelung in Betracht ziehen, haben wir die griechisch-lateinische Zeit in der Mitte liegend, voran ging ihr die ägyptisch-chaldäische Zeit, und ihr folgte die unsrige als der fünfte Kulturzeitraum. Auf unsere Zeit wird folgen eine sechste und dann eine siebente Kulturepoche. Aber auch bei anderer Gelegenheit habe ich schon darauf hingewiesen, daß in gewisser Beziehung ein Kreislauf&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
stattfindet in der Aufeinanderfolge der verschiedenen Kulturen, so daß die griechisch-lateinische Kultur als eine besondere für sich dasteht, da`ß dann aber die ägyptisch-chaldäische Epoche in der unsrigen sich wiederholt. Nun habe ich auch schon in diesem Zyklus hervorgehoben, wie Kepler in unserer Kulturepoche lebte und wie früher dieselbe Individualität in einem ägyptischen Leibe lebte und damals unter dem Einfluß der ägyptischen Priesterweisen den Blick hinauflenken durfte zum Himmelsgewölbe, so daß ihr die Geheimnisse der Sterne wie von oben enthüllt wurden. Das brachte sie dann wieder heraus in ihrer KeplerInkarnation, die dort hingestellt worden ist, wo der fünfte Zeitraum den dritten in gewisser Weise wiederholt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber das geht noch weiter. Von der Geisteswissenschaft aus kannman wirklich behaupten, daß die Weltentwickelung und das Menschenleben von den meisten Menschen heute noch in rechter Blindheit angeschaut wird. Bis in die Einzelheiten hinein könnten Sie diese Entsprechungen, diese Wiederholungen, dieses Leben in Zyklen verfolgen. Wenn man einen gewissen Zeitpunkt in der Menschheitsentwickelung nimmt, der etwa in das Jahr 747 vor Christus fällt, so haben Sie darin eine Art Hypomochlion, eine Art Nullpunkt, und was vor und nach diesem Zeitpunkt liegt, entspricht sich in einer ganz bestimmten Weise. Wir können zurückgehen in eine Zeit der ägyptischen Entwickelung &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|167}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und finden dort gewisse Zeremonialgesetze und Gebote, welche als «Gebote der Götter» erschienen. Und das waren sie auch. Es waren Gebote, die sich darauf bezogen, daß der Ägypter zum Beispiel am Tage ganz bestimmte Waschungen, also durch Zeremoniengebräuche und rituelle Vorschriften geregelte Waschungen, vollziehen mußte. Und man sagte dem Ägypter, daß er nur leben könne, wie es die Götter wollen, wenn er an diesem oder jenem Tage so und so viele Waschungen vornimmt. Das war ein Göttergebot, das sich in gewissen Reinlichkeitskulten auslebte. Und wenn wir dann in eine etwas weniger reinliche Zeit in der Zwischenzeit kommen und jetzt wieder, in unserer Zeit, auf hygienische Maßregeln stoßen, wie sie jetzt aus materialistischen Gründen der Menschheit gegeben werden, so sehen wir bei uns richtig sich wiederholen, was in einer entsprechenden Zeit in Ägypten untergegangen ist. Ganz merkwürdig stellt sich die Erfüllung des Früheren im Gesamtkarma dar. Nur ist der Gesamtcharakter immer ein anderer. Kepler hatte in seiner ägyptischen Inkarnation den Blick hinaufgelenkt zum Sternenhimmel; und was diese Individualität dort sah, das prägte sie aus in den großen spirituellen Wahrheiten der ägyptischen Astrologie. Bei ihrer Wiederverkörperung in dem Zeitalter, dem der Beruf des Materialismus zu fiel, prägte dieselbe Individualität diese Tatsachen - unserem Zeitalter entsprechend - in den drei materialistisch gefärbten Keplerschen Gesetzen aus. - Im alten Ägypten waren die Gesetze der Reinigung «gottgeoffenbarte» Gesetze. Der Ägypter glaubte nur dadurch seine Pflicht der Menschheit gegenüber zu erfüllen, daß er bei jeder Gelegenheit in der unglaublichstenWeise für seine Reinigung Sorge trug. Das kommt heute wieder heraus, nur unter ganz materialistischen Gedankeneinflüssen. Der Mensch von heute denkt nicht daran, daß er den Göttern dient, wenn er solche Vorschriften beobachtet, sondern daß er sich selbst dient. Aber es kommt das Frühere wieder heraus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So erfüllt sich alles in der Welt, und zwar in gewissem Sinne ganz zyklisch. Und jetzt werden Sie ahnen, daß es mit den Dingen, die wir das letzte Mal in einem Widerspruch zusammen formuliert haben, sich doch nicht so einfach verhält, wie man anzunehmen geneigt ist. Wenn in einer bestimmten Zeit die Menschen nicht in der Lage waren, gegen Epidemien gewisse Maßregeln zu ergreifen, so waren das die Zeiten, wo &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|168}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
es die Menschen deshalb nicht konnten, weil die Epidemien nach dem allgemeinen weisheitsvollen Weltenplan wirken sollten, damit die Menschenseelen Gelegenheit fanden, auszugleichen, was durch den ahrimanischen Einfluß und durch gewisse frühere luziferische Einflüsse bewirkt worden war. Wenn jetzt andere Bedingungen herbeigeführt werden, so unterliegt das wieder ebenfalls bestimmten großen karmischen Gesetzen. Wir können daraus entnehmen, daß wir diese Fragen wahrhaftig nicht oberflächlich betrachten dürfen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie stimmt das nun zusammen: Wir sagten, wenn der Mensch die Gelegenheit aufsucht, um eine Epidemie, eine Infektion aufzunehmen, so ist das die notwendige Gegenwirkung gegen eine frühere karmische Ursache. Dürfen wir nun hygienische und andere Maßregeln dagegen ergreifen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Frage ist tief, und wir müssen erst das richtige Material herbei- tragen, um sie zu entscheiden. Wir müssen uns klar sein, daß da, wo - ob gleichzeitig oder in längeren Zeiträumen - das luziferische und das ahrimanische Prinzip zusammenwirken oder wo sie sich entgegen- wirken, gewisse Komplikationen im menschlichen Leben eintreten.Und diese Komplikationen wirken so, daß sie uns in den verschiedensten Fällen in der mannigfaltigsten Art entgegentreten, so daß wir nicht zwei Fälle in der gleichen Art sehen werden.Wenn wir aber das menschliche Leben studieren, werden wir uns in folgender Weise dabei hindurchfinden: Wenn wir das Zusammenwirken von Luzifer und Ahriman aufsuchen in dem entsprechenden einzelnen Fall, so werden wir überall einen Faden finden, um durch diesen Zusammenhang hindurch- zukommen. Wir müssen aber dabei scharf unterscheiden zwischen dem inneren und dem äußeren Menschen. Wir mußten heute schon scharf unterscheiden zwischen dem, was sich in der Verstandesseele auslebt, und dem, was als Wirkung derVerstandesseele sich im Ätherleibe zeigt. Wir müssen den Fortgang betrachten, in welchem Karma sich vollzieht, und wir müssen uns zugleich klar sein, daß wir aber doch wieder die Möglichkeit haben, durch entsprechende karmische Einflüsse so auf das Innere zu wirken, daß durch das Innere ein anderer karmischer Ausgleich in der Zukunft vorbereitet wird. Dadurch ist es möglich, daß nun dieses eintreten kann:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Es kann der Mensch ganz besonders in einem früheren Leben durch Empfindungen, Gefühle und so weiter durchgegangen sein, die ihn zur Lieblosigkeit gegen seine Nächsten getrieben haben. Denken wir uns zum Beispiel, daß er durch etwas hindurchgegangen ist, wo er durch karmischeWirkung die Lieblosigkeit in sich aufgenommen hat. Es kann durchaus so sein, daß wir, wie auf absteigender Linie fortfahrend, das Böse erzeugen, daß wir also erst auf einer absteigenden Bahn gehen, damit die entgegengesetzte Spannkraft entwickelt wird, um dann wieder aufzusteigen. Nehmen wir also an, ein Mensch hat sich durch Hin- gabe an gewisse Einflüsse zu einer gewissen Lieblosigkeit hingeneigt; dann tritt die Lieblosigkeit in einem späteren Leben als karmische Wirkung ein und bildet innere Kräfte in seiner Organisation aus. Nun können wir ein Zweifaches tun, bewußt oder auch nicht bewußt; denn unsere Kultur ist noch nicht so weit, es bewußt zu tun. Wir werden bei einem solchen Menschen Vorsorge treffen können, daß jene Eigenschaften in seiner Organisation, welche von der Lieblosigkeit kommen, her- ausgetrieben werden. Wir können da etwas tun, was ein Gegenmittel ist gegen die Wirkung in der äußeren Organisation, die sich als Lieblosigkeit zeigt; aber es wird damit noch nicht immer alle Lieblosigkeit in der Seele aufgehoben sein, es wird nur das äußere Organ der Lieblosigkeit fortgeschafft sein. Denn wenn wir weiter nichts tun, haben wir nur halbe Arbeit geleistet, vielleicht auch gar keine. Wir haben vielleicht dem Menschen physisch, äußerlich geholfen; seelisch aber haben wir ihm nicht geholfen. Indem wir ihm in der äußeren Leiblichkeit das Organ für die Lieblosigkeit fortgenommen haben, kann er jetzt die Lieblosigkeit nicht ausleben; er muß sie in seiner inneren Organisation behalten für eine nächste Inkarnation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen wir an, eine ganze Anzahl von Menschen hätte sich wegen Lieblosigkeit gegen die Menschen hingezogen gefühlt, gewisse Infektionsstoffe aufzunehmen, um einer Epidemie zu verfallen. Nehmen wir weiter an, wir könnten gegen die Epidemie etwas tun. Wir würden dann in einem solchen Falle die äußere Leiblichkeit davor bewahren, die Lieblosigkeit zum Ausdruck zu bringen, aber wir würden dadurch noch nicht die innere Neigung zur Lieblosigkeit fortgeschafft haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denken wir uns aber den Fall so, daß wir, wenn wir das äußere Organ&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|170}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der Lieblosigkeit fortschaffen, die Verpflichtung übernehmen, auf die Seele so zu wirken, daß wir auch der Seele die Neigung zur Lieblosigkeit nehmen. Das Organ der Lieblosigkeit wird im eminenten Sinne getötet - im äußeren leiblichen Sinne - in der Pockenimpfung. Da zeigt sich zum Beispiel folgendes, was geisteswissenschaftlich erforscht ist: In einer Kulturperiode traten die Blattern auf, als die allgemeine Neigung bestand, im höheren Maße Egoismus, Lieblosigkeit zu entwickeln. Da traten die Blattern auf, auch in der äußeren Organisation; das ist so. Man ist in der Theosophie durchaus verpflichtet, die Wahrheit zu sagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun können wir es begreifen, daß in unserer Zeit der Impfschutz aufgetreten ist. Wir können aber noch etwas anderes begreifen, daß nämlich bei den besten Geistern unserer Zeit etwas wie ein Widerwille gegen Impfung vorhanden ist. Das steht mit einem Inneren in Korrespondenz, das ist das Äußere eines Inneren. Und wir können jetzt sagen: Wenn wir auf der einen Seite das Organ töten, hätten wir auch die Verpflichtung, als Gegenstück dazu bei diesem Menschen den materialistischen Charakter durch eine entsprechende spirituelle Erziehung anders zu gestalten. Das müßte das notwendige Gegenstück sein. Wir leisten sonst nur halbe Arbeit. Ja, wir leisten nur eine Arbeit, zu der der Mensch selber in einer späteren Inkarnation in irgendeiner Weise wird das Gegenstück schaffen müssen, wenn er das Pockengift in sich hat und die Eigenschaft aus sich herausgeschafft hat, durch die man geradezu hinneigt zur Blatterner krankung. Hat man die Empfänglichkeit für die Blattern herausgeschafft, so hat man nur die äußere Seite der karmischen Wirksamkeit ins Auge gefaßt. Wenn man auf der einen Seite Hygiene übt, muß man anderseits die Verpflichtung fühlen, den Menschen, deren Organisation man umgewandelt hat, auch etwas für die Seele zu geben. Impfung wird keinem Menschen schaden, welcher nach der Impfung im späteren Leben eine spirituelle Erziehung erhält. Wir haben die Waagschale zu stark zum Sinken gebracht, wenn wir nur auf die eine Seite abzielen und auf die andere keinen Wert legen. Das fühlt man im Grunde in den Kreisen, wo man sagt: Wo hygienische Maßregeln zu weit gehen, würden nur schwache Naturen fortgepflanzt. Das ist zwar unberechtigt; aber Sie sehen, wesentlich ist, daß man eine Aufgabe nicht ohne die andere übernehmen darf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Da kommen wir zu einem wichtigen Gesetz in der Menschheitsentwickelung, das so wirkt, daß immer ein Äußeres und ein Inneres sich die Waage halten müssen und daß man nicht bloß auf das eine sehen darf, sondern auch das andere nicht unberücksichtigt bleiben darf. Da sehen wir in einen großen Zusammenhang hinein und sind jetzt noch nicht einmal zur Behandlung der Frage gekommen: Wie verhalten sich Hygiene und Karma zueinander? Sie werden sehen, daß uns die Beantwortung dieser Frage noch tiefer hineinführt in das Karma. Und wir werden noch sehen, wie auch zwischen der Geburt und dem Tode des Menschen karmische Zusammenhänge bestehen und ferner, wie andere Persönlichkeiten hineinspielen in ein Menschenleben und wie sich der freie Wille des Menschen und das Karma im Einklange befinden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|172}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= NEUNTER VORTRAG Hamburg, 26. Mai 1910 =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es wird ja, wie ich wiederholt bemerkte, nur möglich sein, die großen karmischen Gesetzmäßigkeiten in einigen skizzenhaften Linien anzudeuten, um Anregungen zu geben auf diesem schier unermeßlichen Gebiete.Wenn Sie alles bedenken, was wir in den letzten Tagen besprochen haben, so werden Sie es nicht mehr auffällig finden, daß der Mensch geradezu aus gewissen Bewußtseinsschichten heraus getrieben wird, die ausgleichenden Wirkungen für karmische Ursachen, die er sich selber einverleibt hat, auch in der Außenwelt zu suchen. Er kann geradezu dorthin getrieben werden, wo er zum Beispiel eine Infektion erhalten kann, um in dieser die ausgleichenden Wirkungen für eine sich einverleibte karmische Ursache zu suchen, und selbst zu dem,was man Lebensunfälle nennen kann, kann der Mensch hingetrieben werden, um mit dem Hereinbrechen eines solchen Lebensunfalles eine Ausgleichung zu suchen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie ist es nun mit dem karmischen Verlauf, wenn wir durch irgendwelche Maßnahmen in die Lage kommen, den Menschen daran zu hindern, diesen Ausgleich zu suchen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen wir an, daß wir durch gewisse hygienische Maßnahmen dahin wirken, daß gewisse Ursachen, gewisse Dinge, für die vielleicht der Mensch vermöge seiner karmischen Zusammenhänge Neigung haben muß, überhaupt nicht da sein können. Denken wir uns, es gelänge durch hygienische Maßnahmen, gewisse Krankheitserreger auf einem bestimmten Gebiet zu bekämpfen. Nun haben wir uns bereits vor die Seele geführt, daß es keineswegs im Belieben der Menschen steht, solche Maßnahmen zu treffen. Wir haben gesehen, wie in einem bestimmten Zeitalter zum Beispiel die Neigung zu Reinlichkeitsgesetzen daher entsteht, weil einfach diese Neigung, die in der Zwischenzeit verschwunden war, jetzt bei der umgekehrten Wiederholung in der Entwickelung wieder auftaucht. Daraus haben wir gesehen, daß es in den großen Gesetzen des Menschheitskarma überhaupt liegt, daß in einem bestimmten Zeitpunkt der Mensch dazu kommt, diese oder jene Maßnahmeii zu treffen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Wir werden es aber auch leicht begreifen, daß der Mensch in einem früheren Zeitalter nicht dazu gekommen ist, derartige Maßnahmen zu treffen, weil die Menschheit in einem früheren Zeitraum die Epidemien brauchte, die jetzt durch die hygienischen Maßnahmen aus der Welt geschafft werden sollen. In bezug auf große Einrichtungen im Leben unterliegt wirklich die Menschheitsentwickelung ganz bestimmten Gesetzen, und bevor etwas für die gesamte Menschheitsentwickelung von Bedeutung und von Nutzen sein kann, tritt gar nicht die Möglichkeit ein, solche Maßnahmen zu treffen. Denn aus dem vollbewußten, vernünftigen, verständigen Leben, das sich der Mensch zwischen Geburt und Tod aneignen kann, kommen ja solche Maßnahmen nicht, sondern sie kommen aus dem Gesamtgeist der Menschheit. Und Sie brauchen sich nur einmal vor Augen zu halten, wie diese oder jene Erfindung oder Entdeckung auch erst dann auftritt, wenn die Menschheit wirklich dafür reif ist. Ein kleiner Überblick über die Geschichte der Entwickelung der Menschheit auf der Erde kann Ihnen da so manches bieten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denken Sie nur daran, daß unsere Vorfahren - das heißt unsere eigenen Seelen - in Leibern von ganz anderer Gestalt als die heutigen Menschenleiber auf dem alten atlantischen Kontinent gelebt haben, daß dann dieser atlantische Kontinent hinuntergesunken ist und daß die Einrichtungen, die wir heute treffen, sich erst im Bereiche unserer heutigen Kontinente gebildet haben. Es wurden dann in einem ga`nz bestimmten Zeitalter erst die Bewohner der einen aufgetauchten Erdhälfte mit den Bewohnern der andern zusammengeführt. Erst vor kurzem, in einer gar nicht so fernen Vergangenheit, konnten die Völker Europas die Gebiete wieder erreichen, die nach der andern Seite des atlantischen Kontinents sich abgegliedert haben. In solchen Dingen herrschen wirklich große Gesetze. Und ob diese oder jene Dinge entdeckt werden oder ob Maßnahmen getroffen werden, welche es in dieser oder jener Richtung möglich machen, karmisch einzugreifen, das hängt nicht von der Meinung oder der Willkür der Menschen ab, sondern das tritt ein, wenn es eintreten soll. Aber dessen ungeachtet: Wenn wir gewisse Ursachen hinwegräumen, welche sonst dagewesen wären und die durch ihre karmische Verwicklung gewisse Menschen aufgesucht hätten, so können wir dadurch das Karma der Menschen beeinflussen. Dieses Beeinflussen &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|174}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
heißt aber nicht, daß wir es hinwegschaffen, sondern es heißt, daß wir es in eine andere Richtung lenken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denken wir uns also den Fall, eine Anzahl von Menschen würde sich durch karmische Verwicklung gedrängt fühlen, bestimmte Einflüsse aufzusuchen, welche ein karmischer Ausgleich sein würden. Durch hygienische Maßnahmen sind nun einstweilen diese Einflüsse oder Verhältnisse hinweggeräumt worden, die Menschen können sie nicht mehr suchen. Darum aber werden diese Menschen nicht befreit von dem, was in ihnen als karmische Wirkung herausgefordert wird, sondern sie werden gedrängt, andere Wirkungen aufzusuchen. Seinem Karma entkommt der Mensch nicht. Er wird durch solche Maßnahmen nicht entlastet von dem, was er sonst aufgesucht hätte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daraus können Sie entnehmen, daß für einen karmischen Ausgleich, den wir in der Lage wären, nach einer Seite wegzuschaffen, wieder ein Ausgleich nach einer andern Richtung entstehen müßte. Wir schaffen nur die Notwendigkeit, andere Gelegenheiten und Einflüsse aufzusuchen, wenn wir irgendwelche Einflüsse hinwegräumen. Nehmen wir nun an, daß viele Epidemien, gemeinsame Krankheitsursachen, einfach darauf zurückzuführen sind, daß die Menschen, welche diese Krankheitsursachen aufsuchen, hinwegräuriien wollen, was sie sich karmisch anerzogen haben, wie zum Beispiel bei der Pockenepidemie Organe der Lieblosigkeit. Brächten wir es zustande, diese Organe hinwegzuräumen, so bliebe die Ursache der Lieblosigkeit trotzdem bestehen, und die betreffenden Seelen müßten dann in dieser oder einer andern Inkarnation den entsprechenden Ausgleich in einer andern Weise suchen. Wir können begreifen,was da stattfindet, wenn wir auf etwas hinweisen, worauf wir sicher zählen müssen, und das ist das Folgende.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heute werden in der Tat eine ganze Menge von äußeren Einflüssen und Ursachen hinweggeräumt, die sonst aufgesucht worden wären zum Ausgleich gewisser karmischer Dinge, welche die Menschheit in früheren Zeitaltern auf sich geladen hat. Dadurch aber schaffen wir nur die Möglichkeit hinweg, daß der Mensch äußeren Einflüssen verfällt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir machen ihm das äußere Leben angenehmer oder auch gesünder. Dadurch erreichen wir aber nur, daß dasjenige, was der Mensch in dem entsprechenden Krankheitsverhältnis sich als karmischen Ausgleich gesucht &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|175}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
hätte, nun auf anderem Wege gesucht werden muß. Die Seelen, welche auf diesem Wege heute in gesundheitlicher Beziehung gerettet werden, werden also dazu verurteilt, in einer andern Weise diesen karmischen Ausgleich zu suchen. Und Sie werden ihn suchen müssen in zahlreichen Fällen, die gerade zu den geschilderten gehören. Indem ihnen durch ein gesünderes Leben größere physische Annehmlichkeit bereitet wird, indem ihnen das physische Leben erleichtert wird, wird die Seele dadurch in der entgegengesetzten Weise beeinflußt; sie wird so beeinflußt, daß sie nach und nach eine gewisse Leerheit, eine Unbefriedigtheit, eine Unerfülltheit empfinden wird. Und wenn es so fortgehen würde, daß das äußere Leben immer angenehmer, immer gesünder würde, wie man es nach den allgemeinen Vorstellungen im rein materialistischen Leben haben kann, dann würden solche Seelen immer weniger Ansporn haben, in sich selber weiterzukommen. Eine Verödung der Seelen würde in gewissem Sinne parallel einhergehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer sich genauer das Leben ansieht, kann das heute schon bemerken. In kaum einem Zeitalter hat es so viele Menschen gegeben, welche in so angenehmen äußeren Verhältnissen leben, aber mit öden, unbeschäftigten Seelen einhergehen, wie es heute der Fall ist. Diese Menschen eilen darum von Sensation zu Sensation; dann, wenn das Pekuniäre reicht, reisen sie von Stadt zu Stadt, um etwas zu sehen, oder wenn sie in derselben Stadt bleiben müssen, eilen sie jeden Abend von Vergnügen zu Vergnügen. Die Seele bleibt aber darum doch öde, weiß zuletzt selber nicht mehr, was sie aufsuchen soll in der Welt, um einen Inhalt zu bekommen. Namentlich wird durch ein Leben in rein äußeren, physisch annehmlichen Zuständen der Hang erzeugt, nur über das Physische nachzudenken. Und wenn diese Neigung, sich nur mit dem Physischen zu beschäftigen, nicht schon lange vorhanden wäre, so würde auch nicht die Neigung zum theoretischen Materialismus so stark geworden sein, wie es in unserer Zeit der Fall ist. So werden die Seelen leidender, während das äußere Leben gesünder gemacht wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am wenigsten hat derTheosoph über eine solche Tatsache zu klagen, weil überall die Theosophie uns Verständnis der Dinge schafft und damit ein Einsehen, wo der Ausgleich ist. Die Seelen können nur bis zu einem gewissen Grade leer bleiben; dann werden sie wie durch die &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|176}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
eigene Elastizität nach der andern Seite hingeschnellt. Sie suchen dann einen Inhalt, der verwandt ist mit den Tiefen der eigenen Seele, und sie werden dann einsehen, wie notwendig sie es haben, zu einer theosophischen Weltanschauung zu gelangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So sehen wir, wie das, was aus den materialistischen Lebensauffassungen herauskommt, wohl das äußere Leben erleichtert, aber Schwierigkeiten des inneren Lebens schafft, die dahin führen, aus den Leiden der Seele heraus den Inhalt einer spirituellenWeltanschauung zu suchen. Die spirituelle Weltanschauung, wie sie sich heute als die theosophische kundgibt, kommt so den Seelen entgegen, die in der Verödung, an dem, was das äußere Leben, das ganz angenehm eingerichtet sein kann, ihnen an Eindrücken zu geben vermag, keine Befriedigung finden können. Die Seelen werden so lange suchen, immer wieder Neues aufzunehmen, bis die Elastizität von der andern Seite so stark wirkt, daß die Seelen mit dem sich vereinigen werden, was man spirituelles Leben nenneön kann. So gibt es eine Beziehung zwischen Hygiene und den Zukunftshoffnungen der geisteswissenschaftlichen Weltanschauung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie können das heute im Kleinen schon bemerken. Es gibt heute solche Seelen, welche zu andern Äußerlichkeiten eine neue Äußerlichkeit fügen: sich zu interessieren für die theosophische Weltanschauung, welche als neue Sensation die theosophische Weltanschauung aufnehmen. Das ist etwas, was sich bei jeder Strömung in der Menschheitsentwickelung zeigt, daß das, was tiefe, innere Bedeutung hat, auch als Mode, als Sensation wirkt. Aber die wahrhaft für die Theosophie vorbereiteten Seelen sind solche, welche sich entweder unbefriedigt fühlen durch die äußeren Sensationen oder auch einsehen, daß die äußere Wissenschaft mit all ihren Erklärungen die Tatsachen nicht erklären kann. Diese Seelen sind es, welche durch ihr Gesamtkarma so präpariert sind, daß sie sich mit den innersten Gliedern ihres Seelenlebens mit der Theosophie verbinden können. Geisteswissenschaft gehört auch zum Gesamtkarma der Menschheit, und sie wird sich als solche darin einfügen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So können wir das Karma der Menschen nach der einen oder andern Seite in eine andere Richtung bringen; aber wir können nicht die Rückwirkung auf den Menschen beseitigen. In irgendeiner Weise kommt das &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
zurück, was sich der Mensch in früheren Lebensläufen selber zubereitet hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie nun das Karma sinnvoll in der Welt wirkt, das kann am besten eine Betrachtung lehren, wo Karma sozusagen noch ohne moralischen Beigeschmack wirkt, wo es in der großen Welt selber wirkt, ohne daß es etwas zu tun hat mit dem, was der Mensch aus der Seele heraus an moralischen Impulsen entwickelt und was dann zu moralischen oder unmoralischen Handlungen führt. Wir wollen ein Gebiet des Karma vor unsere Seele stellen, in dem das Moralische noch keine Rolle spielt, sondern wo sich etwas Neutrales als karmische Verkettung darstellt. Nehmen wir an, eine Frau lebt in einer bestimmten Inkarnation. Nun werden Sie nicht in Abrede stellen, daß die Frau einfach dadurch, daß sie Frau ist, andere Erlebnisse haben muß als der Mann und daß diese Erlebnisse nicht nur bloß zusammenhängen mit inneren Seelenvorgängen, sondern daß sie im breitesten Maße zusammenhängen mit äußeren Geschehnissen, mit Lebenslagen, in welche die Frau nur dadurch kommt, daß sie Frau ist, und die wieder zurückwirken auf die ganze Seelenverfassung und Seelenstimmung. Daher können wir davon sprechen, daß die Frau zu gewissen Handlungen geführt wird, die im innigsten Zusammenhang stehen mit dem Frauendasein. Der Ausgleich zwischen Mann und Frau findet ja erst auf dem Gebiete des geistigen Zusammenlebens statt. Je tiefer wir nun hinuntersteigen in das bloß Seelische und in das Äußere des Menschen, desto größer wird der Unterschied zwischen Mann und Frau in bezug auf ihr Leben. Und so können wir sagen, daß die Frau auch in gewissen Eigenschaften der Seele verschieden ist vom Manne, daß sie mehr neigt zu jenen Eigenschaften der Seele, die zu Impulsen führen&amp;gt; welche als emotionelle bezeichnet werden müssen; und wir finden sie dazu veranlagt, mehr als der Mann psychische Erlebnisse zu haben. Dafür sind im Leben des Mannes Intellektualismus und Materialismus - dasjenige also, was durch den Mann gekommen ist - mehr zuhause, was auf das Seelenleben einen großen Einfluß hat. Psychisches und Emotionelles bei der Frau, intellektuelle und materialistische Momente beim Mann - so werden sie durch ihre Naturen geradezu bestimmt. Daher hat nun auch die Frau gewisse Nuancen des Seelenlebens dadurch, daß sie Frau ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Nun haben wir ja geschildert,daß dasjenige, was wir als Eigenschaften in der Seele erleben zwischen Tod und neuer Geburt, sich hineindrängt in unsere nächste leibliche Organisation, Was nun stärker psychisch ist, was stärker emotionell ist und im Leben zwischen Geburt und Tod mehr nach dem Inneren der Seele geht, das hat auch mehr Neigung, tiefer einzugreifen in die Organisation, sie viel intensiver zu imprägnieren. Und dadurch, daß die Frau solche Eindrücke aufnimmt, welche mit dem Psychismus, mit dem Emotionalismus zusammenhängen, nimmt sie in tiefere Seelengründe hinein auch die Erfahrungen des Lebens. Der Mann mag reichere Erfahrungen machen, auch wissenschaftlichere: so tief gehen bei ihm die Erfahrungen nicht in das Seelen- leben hinein, wie es bei der Frau der Fall ist. Bei der Frau prägt sich die ganze Erfahrungsumwelt tief ein in die Seele. Dadurch haben die Erlebnisse eine stärkere Tendenz, in die Organisation hineinzuwirken, die Organisation in der Zukunft stärker zu umklammern. Und so nimmt ein Frauenleben die Tendenz auf, durch ihre Erlebnisse in einer Inkarnation tief in den Organismus hineinzugreifen und damit in der nächsten Inkarnation den Organismus selber zu gestalten. Ein tiefes Hinein- arbeiten, ein tiefes Durcharbeiten des Organismus bedeutet nun aber: einen männlichen Organismus hervorbringen. Ein männlicher Organismus wird dadurch hervorgebracht, daß die Kräfte der Seele sich tiefer in das Materielle hineinprägen wollen. Daraus sehen Sie, daß aus den Frauenerlebnissen einer Inkarnation die Wirkung hervorgeht, in der nächsten Inkarnation einen männlichen Organismus hervorzubringen. Da haben Sie aus der Natur des Okkultismus einen Zusammenhang gegeben, der jenseits des Moralischen liegt. Deshalb sagt man im Okkultismus: Der Mann ist das Karma der Frau. - In der Tat ist die Mannesorganisation in einer späteren Inkarnation das Ergebnis der Erfahrungen und Erlebnisse in einer vorhergehenden Fraueninkarnation. Selbst auf die Gefahr hin, daß ich etwa unsympathische Gedanken erwecke bei einigen der Versammelten - es kommt ja immer vor, daß Männer der Gegenwart einen heil losen Respekt davor haben, als Frau inkarniert zu werden -, muß ich diese Dinge als Tatsachen auch wieder ganz objektiv beleuchten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie ist es nun mit den Manneserlebnissen? Mit den Manneserleb&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|179}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nissen verhält es sich so, daß wir sie am besten verstehen, wenn wir gleich von dem ausgehen, was wir jetzt eben dargestellt haben. Bei der Mannesorganisation hat der innere Mensch sich gründlicher in das Materielle hineingelebt, hat es mehr umklammert als bei der Frau. Die Frau behält mehr von dem Geistigen im Unkörperlichen zurück; sie lebt sich nicht so tief in das Materielle hinein, sie erhält ihre Körperlichkeit weicher. Sie trennt sich nicht so weit von dem Geistigen. Das ist das Charakteristische der Frauennatur, daß sie mehr zurückbehält von freier Geistigkeit und sich daher weniger in die Materie hineinarbeitet und vor allem das Gehirn weicher erhält. Daher ist es nicht zu verwundern, daß die Frauen für Neues, insbesondere auf geistigem Gebiete, eben eine besondere Neigung haben, weil sie das Geistige freier behalten haben und weil weniger Widerstand da ist. Und es ist kein Zufall, sondern es entspricht einer tiefen Gesetzmäßigkeit, daß bei einer Bewegung, die durch ihre Natur mit dem Spirituellen zu tun hat, sich eine größere Anzahl von Frauen einfindet als Männer. Und wer Mann ist, der weiß,was für ein schwieriges Instrument das Mannesgehirn oftmals ist. Es bildet furchtbare Hindernisse, wenn man es für biegsamere Gedankengänge brauchen will. Da will es nicht mitgehen. Es muß erst mit allen möglichen Mitteln herangebildet werden, um sich aus der Steifigkeit zu erlösen. Das kann durchaus ein eigenes Erlebnis der Manneserfahrung sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Mannesnatur ist also kondensierter, zusammengezogener; sie ist mehr gepreßt worden, steifer, härter gemacht worden durch das, was der innere Mensch im Manne ist; sie ist materieller gemacht worden. Nun ist ein steiferes Gehirn vor allem ein Instrument für das Intellektuelle, weniger für das Psychische. Denn das Intellektuelle ist etwas, was sich viel mehr auf den physischen Plan bezieht. Was als Intellektualismus des Mannes zu bezeichnen ist, das kommt von seinem steiferen, verfestigten Gehirn. Man könnte dabei von einem gewissen Grade von «Eingefrorenheit&amp;gt; des Gehirns sprechen. Es muß erst auftauen, wenn es sich in feinere Gedankengänge hinein finden soll. Dadurch aber wird der Mann veranlaßt, mehr die Äußerlichkeiten zu erfassen, weniger von denjenigen Erlebnissen aufzunehmen, die mit den Tiefen des Seelenlebens zusammenhängen. Und was er aufnimmt, das geht dann auch &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
nicht tief. Ein äußerer Beweis dafür ist der, wie wenig tief die äußere Wissenschaft geht und wie wenig sie das Innere erfaßt - wie zwar immer im weiten Umkreis gedacht wird, aber wie wenig gründlich die Tatsachen zusammengezogen werden. Wer durch seine eigene Selbstzucht im Denken genötigt ist, die Tatsachen zusammenzufügen, dem könnte von dem, was die äußere Wissenschaft sich nicht scheut, als nebeneinander bestehend hinzustellen, manchmal recht übel werden. Da kann man sehen, wie wenig tief die Dinge gehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Beispiel dafür, wie oberflächlich die Dinge der heutigen Wissenschaft sein können: Nehmen Sie an, ein junger Mensch ist in irgendeinem Kolleg, wo ein enragierter Darwinianer vorträgt. Und bei diesem Vertreter der Selektionstheorie kann der Student etwa solche Dinge vertreten hören: Woher kommt es, daß der Gockel zum Beispiel so schöne, blauschillernde Farben an seinen Federn hat? Das ist auf eine geschlechtliche Zuchtwahl zurückzuführen; denn durch die Farben zieht er die Hennen &#039;an, und die Hennen wählen dann unten den Gockeln diejenigen, welche die bläulichschillernden Federn haben. Dabei kommen dann die andern zu kurz, und es bildet sich infolgedessen besonders die eine Sorte aus. Das ist eine Höherentwickelung, das ist «geschlechtliche Zuchtwahl»! - Und der Student ist froh, daß er weiß, wie eine Aufwärtsentwickelung zustande kommen kann. Jetzt geht er ins nächste Kolleg, wo, sagen wir, das Gebiet der Sinnesphysiologie behandelt wird. Und hier kann es jetzt vorkommen, daß derselbe Student nun im zweiten Kolleg etwa folgendes zu hören bekommt: Man hat Versuche gemacht, welche zeigen, wie verschieden die Farben des Spektrums auf die verschiedenen Wesenheiten wirken. Man kann nachweisen, daß zum Beispiel die Hühner von den gesamten Farben des Spektrums das nicht wahrnehmen, was zum Blau und Violett gehört, sondern daß sie nur dasjenige wahrnehmen, was vom Grünen zum Orange, Rot und Ultrarot geht!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt ist der Student, wenn er diese beiden Tatsachen, die er heute wirklich hören kann, zusammendenken will, darauf angewiesen, die Dinge oberflächlich zu nehmen. Es ist die ganze Selektionstheorie darauf gebaut, daß die Hennen am Gockel etwas sehen sollen an bunten Farben, was ihnen besondere Freude machen soll, was sie aber &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|181}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
in Wirklichkeit gar nicht sehen, was für sie wie rabenschwarz erscheint.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist nur ein Beispiel. Aber die Dinge sind so, daß sie dem, der wirklich wissenschaftlich forschen will, auf Schritt und Tritt so begegnen. Daraus sehen Sie, daß die Intellektualität nicht gerade sehr tief elngreift in das Leben, daß sie an der Oberfläche stehenbIeibt. Ich wähle absichtlich die krassen Beispiele. Man wird es ja nicht so leicht glauben wollen, daß die Intellektualität etwas ist, was sich mehr äußerlich abspielt, nicht tief eingreift in das Seelenleben, was wenig das Innere des Menschen ergreift. Und die materialistische Gesinnung ergreift das Seelenleben erst recht nicht. Die Folge davon ist aber die, daß der Mensch aus einer solchen Inkarnation, wo er wenig hineinwirkt in die Seele, die Tendenz aufnimmt zwischen Geburt und Tod, in der nächsten Inkarnation weniger in die Organisation einzudringen. Es ist ja die Kraft dazu weniger aufgenommen worden; deshalb wirkt sie jetzt so, daß der Mensch weniger seine Leiblichkeit imprägniert. Daraus entsteht nun aber die Neigung, in der nächsten Inkarnation einen Frauenleib aufzubauen. Wiederum ist es richtig, wenn man im Okkultismus sagt: Das Weib ist das Karma des Mannes!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf diesem moralisch neutralen Gebiete sehen wir, wie das, was sich der Mensch in einer Inkarnation vorbereitet, in der nächsten Inkarnation seine Leiblichkeit organisiert. Und weil diese D`inge nicht nur tief eingreifen in unser inneres Leben, sondern auch in unsere äußeren Erlebnisse und in unser Handeln&amp;gt; so müssen wir sagen: Indem der Mensch in einer Inkarnation Mannes- oder Frauenerlebnisse hat, wird in der nächsten Inkarnation sein äußeres Handeln in dieser oder jener Weise bestimmt, weil er durch die Frauenerlebnisse die Neigung hat, eine Mannesorganisation sich zu bilden, und umgekehrt durch die Manneserlebnisse eine Frauenorganisation. Nur in seltenen Fällen wiederholt sich die gleiche geschlechtliche Inkarnation; sie kann sich höchstens siebenmal wiederholen. Die Regel jedoch ist die, daß jede männliche Organisation in der nächsten Inkarnation danach strebt, weiblich zu werden, und umgekehrt. Da nützt alle Abneigung nichts, denn es kommt nicht darauf an, was man in der physischen Welt möchte, sondern es kommt auf die Neigungen an, die man in der Zeit zwischen Tod&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|182}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und neuer Geburt hat, und die werden durch vernünftigere Gründe bestimmt als solche, daß man etwa in einer männlichen Inkarnation einen Horror davor hat, in der nächsten Inkarnation sich als Frau zu inkarnieren. Da können Sie sehen, wie das spätere Leben karmisch bestimmt wird durch das frühere und wie auch die Handlungen des späteren Lebens bestimmt werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun handelt es sich darum, daß wir noch einen andern karmischen Zusammenhang einsehen lernen, den wir auch noch benötigen, wenn wir auf die wichtigen Betrachtungen der nächsten Tage Licht werfen wollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Blicken wir dazu noch einmal zurück auf einen recht fernliegenden Zeitpunkt der menschlichen Entwickelung: auf den Zeitpunkt, wo einmal auf der Erde die menschlichen Inkarnationen angefangen haben. Das geschah in der alten lemurischen Zeit. Nun handelt es sich darum, daß damals auf den Menschen zuerst in einer durchgreifenden Art gewirkt hat der luziferische Einfluß und daß dieser dann den ahrimanischen Einfluß herausgefordert hat. Versuchen wir uns einmal vor die Seele zu stellen, wie der luziferische Einfluß äußerlich im Menschen- leben gewirkt hat. - Dadurch, daß der Mensch überhaupt in die Lage gekommen ist, in jenen alten Zeiten den luziferischen Einfluß in sich aufzunehmen, also seinen astralischen Leib mit dem luziferischen Einfluß zu durchdringen, dadurch wurde sein astralischer Leib geneigt, viel tiefer noch in die Organisation einzugreifen, in das Materielle des physischen Leibes viel tiefer hinunterzusteigen, und vor allem auch ganz anders, als er ohne den luziferischen Einfluß hinuntergestiegen wäre. Der Mensch wurde durch den luziferischen Einfluß materieller. Hätte der luziferische Einfluß nicht gewirkt, dann wäre eine geringere Neigung des Menschen entstanden, in die materielle Welt hinunterzusteigen, der Mensch hätte sich als solcher in höheren Regionen des Daseins gehalten. Also es ist eine viel stärkere Durchdringung von äußerem und innerem Menschen geschehen, als es ohne den luziferischen Einfluß der Fall gewesen wäre. Diese Durchdringung war nun zunächst dieVeranlassung dafür, daß der Mensch durch die stärkere Verbindung mit dem Materiellen des äußeren Leibes den Rückblick auf die Ereignisse, welche seiner Einkörperung vorangegangen sind, verloren hat. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|183}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Mensch trat jetzt durch eine so geartete Geburt ins Dasein, daß er sich tief mit dem Materiellen verband und dadurch alle Rückschau auf die früheren Erlebnisse auslöschte. Der Mensch hätte sich sonst die Erinnerung bewahrt an das, was er vor der Geburt im Geistigen erlebt hat. Durch den luziferischen Einfluß wurde nun die Geburt ein Akt, durch den der Mensch so intensive Verbindungen zwischen äußerem und innerem Menschen herstellt, daß ausgelöscht wurde, was der Mensch in derZeit vorher in der geistigenWelt erleben kann. Es wurde der Mensch durch den luziferischen Einfluß beraubt seiner Erinnerungen an die vorhergehenden geistigen Erlebnisse. Die Verbindung mit der äußeren Leiblichkeit macht es, daß der Mensch nicht zurückblicken kann auf das Frühere. Dadurch aber ist der Mensch während seines Lebens darauf angewiesen, immer nur aus der Außenwelt seine Erfahrungen und Erlebnisse zu holen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun wären Sie aber auf einem ganz falschen Wege, wenn Sie glauben würden, daß nur die groben äußeren Stoffe, die der Mensch in sich aufnimmt&amp;gt; auf ihn wirken. Es wirken auf den Menschen nicht nur die Nahrungsmittel und -kräfte, sondern auch die sonstigen Erfahrungen, welche er macht, auch die Dinge, welche durch seine Sinne in ihn ein- fließen. Aber durch das gröbere Verbinden mit der Materie wirken auch die Nahrungsmittel anders. Stellen Sie sich vor, der luziferische Einfluß wäre nicht dagewesen; dann würde von den Nahrungsmitteln bis zu den Sinneseindrücken alles auf den Menschen weit feiner wirken. Er würde alles, was er als Wechselwirkung mit der Außenwelt erlebt, durchdringen mit dem, was er zwischen Tod und neuer Geburt erlebt hat. Dadurch, daß der Mensch die Materialität dichter gestaltet hat, ist er geneigt, auch viel Dichteres aufzunehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es wirkt also der luziferische Einfluß so, daß der Mensch durch die Verdichtung der Materie auch aus der Außenwelt viel Dichteres heranzieht, als er sonst herangezogen hätte. Das Dichtere, was er nun von außen heranzieht, ist aber ganz anders als das sonst weniger Dichte. Das weniger Dichte würde die Erinnerungen an das frühere Leben aufrechterhalten haben; es würde auch bewirken,daß er die Sicherheit hat, daß alles, was der Mensch erlebt zwischen Geburt und Tod, seine Wirkungen hineinerstreckt in einen nie endenden Zeitraum. Der Mensch &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|184}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
würde wissen: Es tritt zwar äußerlich der Tod ein, aber alles, was geschieht, wirkt weiter. Dadurch, daß der Mensch Dichteres aufnehmen mußte, schafft er von Geburt an eine starke Wechselwirkung zwischen seiner eigenen leiblichen Natur und der Außenwelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was hat nun dieser Wechselzustand zur Folge? Die geistige Welt ist ausgelöscht seit der Geburt. Und damit der Mensch im Geistigen leben, in der geistigen Welt aufwachen kann, muß erst wieder jener Zustand eintreten, wo alles, was von außen als dichtere Materialität in uns hineinkommt, wieder von den Menschen genommen wird. Weil wir uns eine dichtere Materialität angeeignet haben, müssen wir, um wieder in das Geistige hineinzukommen, auf den Zeitpunkt warten, wo die äußere materielle Leiblichkeit von uns genommen wird. Was nun da als dichtere Materialität in uns hineindringt&amp;gt; das zerstört stückweise, von unserer Geburt an, unsere menschliche Leiblichkeit. Was da hereinfließt, das ist etwas, was immer mehr und mehr die Leiblichkeit zerstört, bis es sie endlich ganz zerstört hat, daß sie nicht mehr bestehen kann. Von unserer Geburt angefangen, nehmen wir eine dichtere Materialität auf, als wir ohne den luziferischen Einfluß aufgenommen hätten, so daß wir unsere Leiblichkeit langsam vernichten, bis sie mit dem Eintreten` d&amp;amp; Todes ganz unbrauchbar geworden ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daran sehen wir&amp;gt; wie der luziferische Einfluß die karmische Ursache des Todes des Menschen ist. Gäbe es nicht diese Form der Geburt, so gäbe es nicht diese Form des Todes für den Menschen. Der Mensch würde sonst so vor dem Tode stehen, daß ihm die sichere Aussicht auf Kommendes vor Augen stehen würde. Der Tod ist die karmische Folge der Geburt, Geburt und Tod hängen karmisch zusammen. Ohne Geburt, wie sie der Mensch heute erlebt, gäbe es keinen Tod, wie ihn der Mensch erlebt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich habe vorhin schon gesagt, daß beim Tier nicht in demselben Sinne von Karma gesprochen werden kann wie beim Menschen. Wenn jemand sagen würde, daß auch beim Tier Geburt und Tod karmisch zusammenhängen, so.wüßte der Betreffende eben nicht, daß Geburt und Tod für den Menschen etwas ganz anderes sind als für das Tier. Was sich da äußerlich gleich sieht, ist innerlich nicht dasselbe; es handelt sich bei Geburt und Tod nicht um das äußerliche Aufbauen, sondern&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|185}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
um das innere Erleben. Beim Tier erlebt nur die Gattungsseele, die Gruppenseele. Das Absterben eines Tieres bedeutet für die Gruppenseele ungefähr dasselbe, was Sie erleben, wenn- Sie sich beim Herankommen des Sommers die Haare kürzer schneiden lassen, die dann wieder langsam nachwachsen. Es fühlt die Gruppenseele einer Tiergattung das Absterben eines Tieres wie das Absterben eines Gliedes, das sich nach und nach wieder ersetzt. Also die Gattungsseele ist das, was wir mit dem menschlichen Ich vergleichen dürfen. Sie kennt nicht Geburt und Tod, sie sieht auf das, was der Geburt vorangeht, fortwährend, und auch auf das, was dem Tode nachfolgt, sieht sie fortwährend. Von Geburt und Tod beim Tier zu sprechen, wie man davon beim Menschen spricht, ist ein Unsinn, weil ganz andere Ursachen vorangehen. Und man leugnet die innere Wirksamkeit des Geistes, wenn man glaubt, was sich äußerlich gleich darstelle, das sei auch von innerlich gleichen Ursachen bewirkt. Gleichheit der äußeren Vorgänge weist nie mit Sicherheit auf gleiche Ursachen hin. Der Geburt des Menschen liegen ganz andere Ursachen zugrunde als der des Tieres, und ebenso stirbt der Mensch aus ganz andern Ursachen heraus als das Tier.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn man ein wenig nachdenken würde, wie das Äußere sich ganz gleich ausnehmen kann, ohne daß das Innere im entferntesten Gleiches erlebt, dann würde man auch schon methodologisch darauf kommen, daß es sich so verhält. Sie können sogar auf höchst einfache Weise darauf kommen, daß der äußere Sinnenschein kein Beweis ist für das innere Leben. Denken Sie sich zwei Menschen; Sie kommen um neun Uhr an einen bestimmten Ort und sehen dort die zwei Menschen nebeneinanderstehen. Um drei Uhr gehen Sie wieder an den betreffenden Ort, nachdem Sie in der Zwischenzeit nicht dort gewesen sind. Da stehen die zwei Menschen wieder an derselben Stelle. Nun könnten Sie schließen: A steht immer noch an demselben Ort, B steht immer noch an demselben Ort, wo er um neun Uhr schon gestanden hat. Untersuchen Sie aber, was diese beiden Menschen inzwischen getan haben, dann werden Sie vielleicht finden, daß der eine da stillgestanden hat, während der andere unterdessen einen weiten Gang getan hat und in der Zwischenzeit müde geworden ist. Da liegen dann ganz andere Vorgänge zugrunde. Und wie es unsinnig wäre, wenn die beiden Menschen &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|186}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
um drei Uhr wieder an derselben Stelle stehen, zu sagen, daß in ihrem Inneren das Gleiche vorgegangen sei, ebenso unsinnig ist es, wenn man zwei gleichgeformte Zellen findet, aus ihrer gleichen Struktur schließen zu wollen, daß sie innerlich die gleiche Bedeutung haben. Es handelt sich darum, den ganzen Zusammenhang der Tatsachen zu kennen, der eine Zelle an den betreffenden Ort hingeführt hat. Daher ist die moderne Zellenphysiologie, die ausgeht von der Untersuchung der inneren Struktur der Zellen, auf ganz falschem Wege. Niemals kann das, was sich dem äußeren Sinnenschein darbietet, ausschlaggebend sein für das innere Wesen des Dinges.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So etwas muß man durchdenken, wenn man solche Dinge einsehen will, wie sie sich dem Okkultisten aus den okkulten Beobachtungen ergeben, wie zum Beispiel Geborenwerden und Sterben etwas ganz anderes ist beim Menschen als beim Säugetier oder gar bei den Vögeln. Diese Dinge zu studieren wird erst möglich sein, wenn die Leute wieder ein wenig auf das eingehen, was die geistige Forschung zu sagen hat. Bevor nicht darauf eingegangen wird, wird die äußere Wissenschaft, die beim Sinnenschein und bei den äußeren Tatsachen stehenbleibt, zwar sehr schöne Tatsachen zutage bringen; aber alles, was Menschen meinen können unter solchen Voraussetzungen über solche Tatsachen, das wird niemals maßgebend sein für die Wirklichkeit. Daher ist alles, was heute theoretische Wissenschaft ist, ein phantastisches Gebilde, das dadurch entstanden ist, daß man die äußeren Tatsachen nach dem äußeren Schein kombiniert. Auf manchen Gebieten drängen geradezu die äußeren Tatsachen dazu, in der richtigen Weise zu interpretieren; aber durch die heutigen Meinungen kommt man nicht dazu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So haben wir heute zwei neutrale Gebiete auf dem Felde der karmischen Gesetzmäßigkeit auf uns wirken lassen, und Sie werden sehen, daß sie uns eine Grundlage sein werden für die weiteren Betrachtungen. Wir haben eingesehen, wie die Frauenorganisation die karmische Folge der Manneserlebnisse ist und die Mannesorganisation eine karmische Folge der Frauenerlebnisse; und wir haben endlich eingesehen, daß der Tod eine karmischeWirkung der Geburt im Menschenleben ist. Das ist etwas, was, wenn man versucht, es nach und nach zu verstehen, uns tief hineinführen kann in die karmischen Zusammenhänge des Menschenlebens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|187}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= ZEHNTER VORTRAG Hamburg, 27. Mai 1910 =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gewisse tiefere Fragen des karmischen Zusammenhanges, die sich namentlich auf unseren menschlichen Einfluß auf das Karma und besonders auf das Karma anderer Menschen beziehen, solche Fragen also, die sich auf eine Richtungsänderung des Karma im Kleinen und im Großen beziehen, kann man nicht beantworten, auch nicht eine Vorstellung hervorrufen, wie sie beantwortet werden müssen, wenn man nicht in der Weise, wie wir es heute tun wollen, gewisse bedeutsame Geheimnisse unseres Weltendaseins berührt. Solche Fragen können sich vielleicht dann für jeden aus dem Gesagten ergeben, wenn Sie diesen oder jenen Gedanken, der angeschlagen und von der einen oder andern Seite beleuchtet worden ist, für sich selber weiter ausführen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So kann sich die Frage aufwerfen: Was geschieht, wenn im karmischen Zusammenhange eines Menschen durch das, was er früher erlebt und getan hat, ein Krankheitsprozeß zur Hinwegschaffung dieser karmischen Tatsache notwendig ist und wenn diesem Menschen durch Heilmittel oder durch einen andern Eingriff in derWeise geholfen wird, daß er durch menschliche Hilfe wirklich geheilt wird? Was liegt da vor, und wie verhält sich eine solche Tatsache zu den tieferen Auffassungen von der karmischen Gesetzmäßigkeit?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun bemerke ich von vornherein: Um überhaupt auch nur einige wesentlichere Lichter auf diese Frage zu werfen, müssen Dinge berührt werden, die der heutigen Wissenschaft und dem heutigen Denken der Menschen ganz fern liegen und welche auch nur sozusagen unter Theosophen besprochen werden können, die sich für solche Dinge schon dadurch vorbereitet haben, daß sie mancherlei Wahrheiten aufgenommen haben, die sich auf tiefere Untergründe des Daseins beziehen, und die sich auch ein Gefühl dafür erworben haben, wie Dinge,welche heute nur angedeutet werden können, sich doch voll begründen lassen. Dennoch möchte ich bei dieser Gelegenheit eine Bitte einfügen: Was ich genötigt bin zu sagen über die tieferen Untergründe des Erdendaseins, zum Beispiel was ich mich bemühen werde, in der präzisesten Form auszusprechen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|188}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und was sogleich falsch sein würde, wenn es in anderem Zusammenhang oder gar ohne Zusammenhang gesagt würde und deshalb zu Mißverständnissen Veranlassung geben würde, davon bitte ich, daß es nicht anders behandelt werde als so, daß man es eben aufnimmt. Auch ich muß daher gerade bei diesen Dingen darauf halten, daß niemand sie als ein Lehrgut betrachten sollte, das er irgendwie weitergeben könnte, weil nur der Zusammenhang eine solche Darstellung rechtfertigt und weil eine solche Darstellung nur gerechIfertigt ist, wenn dahinter das Bewußtsein liegt, wie man solche Worte zu prägen hat, um derartiges in Gedanken zum Ausdruck zu bringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um was es sich nun handelt, das ist die Frage nach dem tieferen Wesen des materiellen Daseins auf der einen Seite und nach dem Wesen des seelischen Daseins auf der andern Seite. Eine tiefere Auffassung vom Seelischen und Materiellen werden wir uns heute notwendig aneignen müssen, und zwar werden wir es nötig haben aus einem ganz bestimmten Grunde heraus, aus dem Grunde, weil wir in den verflossenenVorträgen angeführt haben,daß das Seelische des Menschen mehr oder weniger tief hineindringen kann in das Materielle. Ja, wir haben gestern das Wesen des Männlichen dadurch charakterisieren können, daß wir sagten, beim Manne dringe das Seelische tiefer in das Materielle hinein, präge sich tiefer ein, während das Seelische beim Weiblichen in gewisser Beziehung sich mehr zurückzieht und sich mehr ein selbständiges Dasein gegenüber dem Materiellen aneignet. So haben wir gesehen, daß vieles im karmischen Ausleben darauf beruht, wie die Durchdringung des Seelischen und des Materiellen stattfindet. Wir haben auch gesehen, wie ein gewisser Krankheitsprozeß, der in einer Inkarnation auftritt, sich darstellt als die karmische Folge von Verfehlungen, welche die Seele in früheren Verkörperungen begangen hat, indem die Seele damals ihre Taten, Erlebnisse und Impulse in sich verarbeitet und dann auf dem Wege zwischen Tod und neuer Geburt die Tendenz auf- genommen hat, dasjenige, was früher bloß als ein Merkmal, als ein Einfluß des Seelischen sich abgespielt hat, hineinzudrängen in das Körperliche, in das Materielle. Und indem dann die menschliche Wesenheit durchtränkt wird von einem solchen Seelischen, das den luziferischen oder ahrimanischen Einfluß in sich aufgenommen hat, wird gerade dadurch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|189}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
das menschliche Materielle verdorben. Darinnen liegt ja dann der Krankheitsverlauf. Daher können wir sagen: In einem kranken Leibe steckt ein verdorbenes Seelisches, das einen unrichtigen Einfluß erfahren hat, einen luziferischen oder ahrimanischen Einfluß; und in dem Augenblick, wo wir den luziferischen oder ahrimanischen Einfluß aus dem Seelischen herausbringen könnten, würde die richtige Durchdringung von Seele und Leib eintreten, das heißt, es würde Gesundheit eintreten. - Wir müssen also fragen: Wie verhält es sich mit diesen zwei Wesensgliedern des irdischen menschlichen Daseins, welche uns da vor Augen treten, mit der Materie und dem Seelischen? Was sind sie in ihrem tieferen Wesen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn diese Frage aufgeworfen wird, so hat der heutige Mensch gewöhnlich die Meinung, daß die Antwort auf die Frage: Was ist Materie? Was ist Seele? - überall inderWelt gleich ausfallen müßte;und ich glaube nicht, daß es einem Menschen leicht würde, sich mit der Meinung bekanntzumachen, daß für Wesen, welche auf dem alten Monde gelebt haben&amp;gt; die Antwort auf die Frage: Was ist Materie? Was ist Seele? - ganz anders hätte ausfallen müssen als für Wesen, welche auf der Erde leben. Aber das Dasein ist so sehr in Entwickelung, daß sich selbst solche Dinge ändern wie die Vorstellungen, welche sich ein Wesen machen kann von den tieferen Grundlagen seines eigenen Wesens. Und so ändert sich auch dasjenige, was als Antwort gegeben werden muß auf die Frage: Was ist Materie? Was ist Seele? Es ist daher von vornherein zu betonen, daß die Antworten, die gegeben werden, nur Antworten sind, welche der Erdenmensch geben kann und die nur für diesen Erdenmenschen eine Bedeutung haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
«Materie&amp;gt; wird ja der Mensch zunächst nach dem beurteilen, was ihm in der Außenwelt an den verschiedenen Wesenheiten und Dingen entgegentritt und was auf ihn in irgendeiner Weise Eindruck macht. Der Mensch findet dann, daß es verschiedene Arten von Materien gibt, und ich brauche ja darin dicht sehr weit auszuholen, denn was darüber zu sagen wäre, wenn wir mehr Zeit hätten, können Sie in allen entsprechenden Trivialschriften finden. Ich sage daher für jetzt genug, wenn ich darauf hinweise, daß sich Materie verschieden darstellt für den Menschen, indem er die verschiedenen Metalle sieht, Gold, Kupfer, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|190}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Blei und so weiter, oder wenn er dasjenige sieht, was nicht in die Reihe der Metalle gehört. Sie wissen auch, daß die Chemie diese Materien nach und nach zurückgeführt hat auf gewisse Grundstoffe der Materie, die sie Elemente nennt. Diese Elemente wurden ja noch bis ins 19. Jahrhundert hinein so angesehen, daß sie Materien sind, die sich nicht weiter zerlegen lassen. Während wir irgendeine Substanz, welche uns als Materie entgegentritt, zum Beispiel Wasser, trennen können in Wasserstoff und Sauerstoff, haben wir in Wasserstoff und Sauerstoff solche Materie vor uns, die nach der Meinung der Chemie des 19. Jahrhunderts nicht weiter zerlegt werden kann. Bis siebzig solcher Elemente hat man unterschieden. Und Sie wissen wohl auch, daß durch die Erscheinungen, welche in Anknüpfung an einige besondere Elemente, zum Beispiel Radium, haben angestellt werden können, oder daß auch in Anknüpfung an mancherlei Erscheinungen der Elektrizitätslehre der Begriff der Elemente verschiedentlich erschüttert worden ist, daß man zu der Ansicht gekommen ist, daß es nur eine vorläufige Grenze der Materie sei, was man als die etwa siebzig Elemente kennt, und daß man die Zerlegbarkeit weiter zurückführen kann auf eine einzige Grundmaterie, die dann nur durch die innere Kombination, durch das innere Wesenselement, das eine Mal sich zu Gold, das andere Mal zu Kalium, Kalzium und so weiter spezialisiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das sind veränderliche wissenschaftliche Theorien. Und geradeso wie sich die wissenschaftlichen Theorien im Laufe von je fünfzig Jahren im 19. Jahrhundert verändert haben, wie es dahin kommen konnte,daß gewisse Physiker in dem, was Materie sein soll, etwas mit Entitäten, mit Wesenheiten zu Bezeichnendes sahen, etwas, was von der Elektrizität hergenommen ist, wie jetzt die Ionentheorie - das sind wissenschaftliche Moden -, ebenso werden in gar nicht so ferner Zeit andere wissenschaftliche Moden existieren, und man wird sich die Materie anders konstituiert denken. Das sind Tatsachen. Die wissenschaftlichen Meinungen sind veränderlich, müssen auch veränderlich sein, denn sie hängen ganz ab von den jeweiligen Tatsachen, die gerade auf ein Zeitalter besonders signifikant wirken. Dagegen hat die geisteswissenschaftliche Lehre durch alle Epochen hindurchgehend, so lange es Erdenkulturen gibt - und sie wird so lange hindurchgehen, solange es eine &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|191}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erdenkultur geben wird -, immer eine einheitliche, gleiche Anschauung gehabt über das Wesen des materiellen Daseins, über die Materie. Um Sie auf das zu führen, was die Geisteswissenschaft als das Wesentliche der Materie, des Materiellen ansieht, möchte ich folgendes sagen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie kennen den ganz gewöhnlichen Vorgang: wenn wir Eis haben, ist das ein fester Körper, eine feste Materie. Diese Materie ist nicht fest durch ihre eigentliche Wesenheit, sondern sie ist eine feste Materie nur durch äußere Umstände. Sie ist sofort keine feste Materie mehr, wenn wir die Temperatur in entsprechender Weise erhöhen; da ist sie eine flüssige Materie. Wie sich eine Materie in der äußeren Welt darlebt, das hängt also nicht ab von dem, was in ihr selber ist, sondern von den ganzen Verhältnissen des umgebenden Weltalls. - Dann können wir weiter dieser Materie Wärme zuführen, und aus dem Wasser wird von einem bestimmten Punkt ab Dampf. So haben wir Eis, Wasser, Dampf und haben durch die Erhöhung der Temperatur der Umgebung etwas herbeigeführt, was wir bezeichnen können als «die Materie in den verschiedensten Formen». So haben wir an der Materie, wie sie sich uns darstellt, nicht nach einer innerlichen, sie konstituierenden Wesensart zu unterscheiden, sondern wir müssen uns klar sein, daß die Art, wie Materie uns entgegentritt, von der Art der Gesamtkonstitution des Weltalls abhängt und daß man nichts vom ganzen Weltall in einzelne Materien trennen darf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun liegen allerdings die Dinge so, daß die Methoden der heutigen Wissenschaft überhaupt nicht ausreichen, um zu dem zu kommen, wozu Geisteswissenschaft kommen kann. Es kann die heutige Wissenschaft mit ihren Mitteln die Materie, die in der Form eines Stückes Eis durch Temperaturerhöhung erst flüssig und dann dampfförmig wird, niemals so weit führen, daß sie bis zu dem auf der Erde als letzten erreichbaren Zustand kommt, in welchen jede Materie überzuführen ist. Es ist nicht möglich, heute mit wissenschaftlichen Mitteln solche Verhältnisse her- beizuführen, wodurch etwa gezeigt werden könnte: Wenn du Gold nimmst und es immer weiter verdünnst, so weit als du es nur auf der Erde verdünnen kannst, dann kommst du zuletzt zu diesem oder jenem Zustand. Wenn du mit Silber dasselbe machst, ist es ebenso, bei Kupfer auch, und so weiter. - Die Geisteswissenschaft kann das, weil sie zuletzt &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|192}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
fußt auf den hellseherischen Forschungsmethoden. Dadurch ist sie im- stande, eines zu beobachten: Wie in den, man könnte sagen, Zwischen- räumen unserer Materien immer sich ein Gleiches überall findet, ein Gleiches, welches in der Tat die äußerste Grenze darstellt, zu dem überhaupt Materie gebracht werden könnte, was für eine Materie es auch immer sein mag. Es gibt wirklich einen für hellseherische Forschung erreichbaren Auflösungszustand aller Materie, wo sich alle Materie in einem dabei Gleichen zeigt; nur ist das, was da auftritt, nicht mehr Materie, sondern etwas, was jenseits aller spezialisierten Materien liegt, die uns umgeben. Und jede einzelne Materie stellt sich dann dar als ein aus dieser Grundmaterie - es ist ja keine Materie mehr - Kondensiertes, Verdichtetes, ob Sie Gold, Silber oder was immer für eine Materie haben. Es gibt ein Grundwesen unseres materiellen Erdenseins, von dem alles Materielle nur durch Verdichtung zustande gekommen ist. Und auf die Frage: Was ist das für eine Grundmaterie unseres Erdendaseins? - antwortet die Geisteswissenschaft: Jede Materie auf der Erde ist kondensiertes Licht! Es gibt nichts im materiellen Dasein, was etwas anderes wäre als in irgendeiner Form verdichtetes Licht. Daher sehen Sie, daß es für denjenigen, der die Tatsachen kennt, nicht eine Theorie zu begründen gibt wie etwa die Schwingungshypothese des 19.Jahrhunderts, in welcher man versuchte, Licht darzustellen mit Mitteln, die selber gröber sind als das Licht. Licht ist nicht auf etwas anderes in unserem materiellen Dasein zurückzuführen. Wo Sie hin- greifen und eine Materie anfühlen, da haben Sie überall kondensiertes, zusammengepreßtes Licht. Materie ist ihrem Wesen nach Licht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit haben wir vom geisteswissenschaftlichen Standpunkt aus auf die eine Seite der Sache hingewiesen. Wir haben also dasjenige, was allem materiellen Dasein zugrunde liegt, im Lichte zu sehen. Und wenn wir den materiellen Menschenleib ansehen, so ist auch er, insofern er materiell ist, nichts anderes als aus Licht Gewobenes. Insofern der Mensch ein materielles Wesen ist, ist er aus Licht gewoben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nunmehr nehmen wir die andere Frage: Was ist das Wesen des Seelischen? - Wenn wir in ähnlicher Weise mit geisteswissenschaftlichen Mitteln das Substantielle, das wirkliche Grundwesen des Seelischen erforschen würden, so würde sich uns darstellen - so wie alles Materielle &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|193}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nur zusammengepreßtes Licht ist -, daß alle noch so verschiedenen seelischen Erscheinungen auf der Erde sich uns ergeben als Modifikationen, als mannigfaltige Umformungen dessen, was genannt werden muß, wenn wir die Grundbedeutung dieses Wortes wirklich erfassen: Liebe. Jede Regung seelischer Art, wo sie auch immer auftritt, ist in irgendeiner Weise modifizierte Liebe. Und wenn wir Inneres und Äußeres beim Menschen gleichsam ineinandergesteckt haben, ineinandergeprägt haben, so haben wir seine äußere Leiblichkeit gewoben aus Licht, sein inneres Seelisches haben wir gewoben in einer vergeistigten Weise aus Liebe. Liebe und Licht sind in der Tat in allen Erscheinungen unseres Erdendaseins irgendwie ineinandergewoben. Und wer geisteswissenschaftlich die Dinge zu begreifen hat, der fragt in allererster Linie: Wie sind in irgendeinem Grade Liebe und Licht ineinander verwoben?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Liebe und Licht sind die zwei Elemente, die zwei Komponenten, die alles Erdendasein durchsetzen: Liebe als seelisches Erdendasein, Licht als äußeres materielles Erdendasein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun aber tritt gerade jetzt dasjenige ein, daß für die beiden Elemente Licht und Liebe, die sonst eigentlich nach dem großen Gange des Weltendaseins nebeneinanderstehen würden, ein Vermittler da sein muß, der das eine Element in das andere hineinverwebt, der Licht in Liebe hineinverwebt. Das muß eine Macht sein, welche sozusagen kein besonderes Interesse hat an der Liebe, die also hineinverwebt in das Element der Liebe das Licht - die nur Interesse daran hat, dem Lichte die größtmögliche Ausbreitung zu geben, die also Licht hineinstrahlen läßt in das Element der Liebe. Eine solche Macht kann keine Erden- macht sein, denn die Erde ist gerade der Kosmos der Liebe. Die Erde hat die Mission, die Liebe überall hineinzuverweben. Also alles, was mit dem Erdendasein so recht verknüpft ist, hat kein Interesse, das nicht irgendwie von der Liebe berührt sein würde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein solches Interesse aber haben die luziferischen Wesenheiten; die sind gerade auf dem Monde zurückgeblieben, auf dem Kosmos der Weisheit. Sie haben besonders das Interesse, Licht in Liebe hineinzuweben. Daher sind in der Tat die luziferischen Wesenheiten überall am Werke, wo unser Inneres, das eigentlich aus Liebe gewoben ist, irgendwie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|194}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
in Zusammenhang tritt mit dem Lichte, wo es in, irgendeiner Form vorhanden ist; und Licht tritt uns ja in allem materiellen Dasein entgegen. Kommen wir nur irgendwie mit dem Licht in Zusammenhang, so treten die luziferischen Wesenheiten auf, und es verwebt sich das Luziferische in die Liebe. Dadurch ist der Mensch im Laufe der Verkörperungen überhaupt erst in das luziferische Element hineingekommen: Luzifer hat sich verwoben mit dem Elemente der Liebe. So daß in dasjenige, was aus Liebe gewoben ist, sich hineinpreßt das Element des Luzifer, das uns allein dasjenige bringen kann, was die Liebe nicht nur eine restlose Hingabe sein läßt, sondern was die Liebe durchsetzt mit Weisheit, so daß sie eine aus einem Innersten mit Weisheit durch- setzte Liebe ist. Denn sonst, ohne diese Weisheit, wäre die Liebe eine selbstverständliche Kraft, für die der Mensch nicht verantwortlich sein könnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So aber wird die Liebe zur eigentlichen Ich-Kraft, in die hineinverwoben wird das luziferische Element, das sonst nur draußen im Materiellen war. Dadurch wird es erst möglich, daß unser Inneres, dem im Erdendasein das Merkmal der Liebe in allem Umfange zukommen müßte, durchsetzt wird von all dem andern, was wir als ein Wirken des Luzifer bezeichnen können und was von dieser Seite her zu einer Durchdringung des äußeren Materiellen führt, so daß Liebe nicht nur von dem durchwoben wird, was vom Licht gewoben ist, sondern daß solche Liebe entsteht, die von Luzifer durchzogen ist. Indem der Mensch das luziferische Element aufnimmt, durchwebt er das materielle Dasein in seiner eigenen Leiblichkeit mit einem solchen Seelischen, das zwar aus Liebe gewoben ist, wo aber hineinverwoben ist das luziferische Element. Die mit dem luziferischen Element durchsetzte Liebe, die sich in das Materielle hineinimprägniert, das ist die von innen heraus wirkende Krankheitsursache. Und in Anknüpfung an alles, was wir früher angeführt haben als eine notwendige Folge der aus dem luziferischen Element herrührenden Erkrankung, dürfen wir jetzt sagen: Was wir als eine solche Folge im Schmerz zu sehen haben - wir haben ja gesehen, wie der Schmerz eine Folge des luziferischen Elementes ist -, das zeigt uns die Wirkung der karmischen Gesetzmäßigkeit in der Weise, daß die Wirkung einer Tat oder einer Versuchung, die von Luzifer her- &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|195}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
rührt, sich karmisch dergestalt aus lebt, daß im Schmerz sich kundgibt, was zur Überwindung der betreffenden Wirkung führen soll.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie ist es nun aber damit, ob wir in einem solchen Falle helfen dürfen? Dürfen wir hier helfen? Dürfen wir alles, was sich aus dem luziferischen Element hineingedrängt hat mit seinen ganzen Folgen in den Schmerz, in irgendeiner Weise beseitigen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der Antwort auf die Frage nach dem Wesen des Seelischen ergibt sich uns als Notwendigkeit, daß wir das nur tun dürfen, wenn wir für einen Menschen, der das luziferische Element als Krankheitsursache in sich hat, das Mittel finden, um das Luziferische in der entsprechenden Weise zu vertreiben. Was ist das für ein Mittel allein, was stärker wirken muß, damit das luziferische Element in der richtigen Weise entfernt wird? Was ist verunreinigt durch das luziferische Element unserer Erde? - Die Liebe! Daher können wir nur durch Zuführung von Liebe wirkliche Hilfeleistung haben, damit das karmische Element sich in der entsprechend richtigen Weise abspielt. So haben wir letzten Endes bei allem, was in dieser Richtung zu Krankheitsursachen wird, in dem Element der Liebe, das beeinträchtigt worden ist im Seelischen durch den luziferischen Einfluß, etwas zu sehen, dem wir etwas zuführen müssen. Wir müssen Liebe einflößen, damit das, was als Liebestat einfließt, eine Hilfe sein kann. Diesen Charakter zugeführter Liebe haben alle diejenigen Heilungstaten, die sich mehr oder weniger auf das stützen, was man psychische Heilungsprozesse nennen kann. In irgendeiner Form hängt das, was bei psychischen Heilungsprozessen angewendet wird, zusammen mit der Zuführung von Liebe. Liebe ist es, was wir als Balsam dem andern Menschen einflößen. Auf Liebe muß es zuletzt zurückgeführt werden können. Und das kann es auch. Auf Liebe kann es zurückgeführt werden, wenn wir einfache psychische Faktoren in Bewegung setzen, wenn wir einen andern veranlassen, vielleicht auch nur sein herabgedrücktes Gemüt in Ordnung zu bringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das muß alles seinen Impuls in der Liebe haben, von einfachen Heilprozessen ausgehend bis zu dem, was heute oft in laienhafter Weise mit dem Namen «Magnetisieren» benannt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was wird dabei in Wirklichkeit von dem Heiler demjenigen mit- geteilt, der geheilt werden soll? Es ist - wenn wir mit einem Ausdruck &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|196}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der Physik sprechen wollen - ein «Austausch von Spannungen». Was in dem Heiler lebt, namentlich gewisse Prozesse im Ätherleibe&amp;gt; das wird dadurch, daß es in ein gewisses Verhältnis tritt zu dem, der geheilt wer&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
den soll, in eine Art Polarität gebracht zu dem zu Heilenden. Polarität wird hervorgerufen gerade so, wie Sie sonst in einem abstrakteren Sinne Polarität hervorrufen, wenn Sie die eine Art von Elektrizität, die positive, hervorrufen und die entsprechend andere, die negative, in einer gewissen Weise erscheint. Es werden Polaritäten hervorgerufen. Und das ist im eminentesten Sinne als eine Opfertat aufzufassen. Man ruft in sich selber in der Tat einen Prozeß hervor, der nicht nur dazu bestimmt ist, in uns selber eine Bedeutung zu haben - sonst ruft man nur einen Prozeß hervor; in diesem Fall soll aber der Prozeß dazu bestimmt sein, in dem andern eine Polarität zu dem ersten Prozesse hervorzurufen. Und diese Poiarität, die natürlich davon abhängt, daß der Heiler und der zu Heilende in irgendeinem Sinne in Zusammenhang gebracht werden, diesen andern Prozeß in dem andern hervorzurufen, ist im eminentesten Sinne die Hinopferung einer Kraft, die nichts anderes ist als umgewandelte Liebeskraft, Liebestat in irgendeiner Form. Das ist das eigentlich Wirkende bei solchen psychischen Heilungen: die in irgendeine Form umgewandelte Liebeskraft. Und wir müssen uns daher klar sein, daß ohne die zugrunde liegende Liebeskraft die Sache immer etwas haben wird, was nicht zu dem richtigen Ziele führen kann. Aber Liebesprozesse brauchen ja nicht immer nur so zu verlaufen, daß sich der Mensch dessen im gewöhnlichen Tagesbewußtsein vollständig bewußt ist; sie verlaufen auch in den unterbewußten Schichten. Sogar in dem, was als Technik der Heilprozesse angesehen werden kann, selbst in der Art, wie man zum Beispiel die Handstriche macht, wie sie technisch in ein System gebracht werden, auch da liegt schon darinnen, daß sie ein Abbild sind einer Opfertat. Also selbst da, wo wir nicht unmittelbar in einem Heilprozesse den Zusammenhang erblicken, wo wir nicht sehen, was getan wird, liegt doch vor eine Liebestat, wenn sie auch ganz und gar in Technik umgewandelt ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So sehen wir, daß wir deshalb, weil das Seelische im Grundwesen Liebe ist, mit psychischen Heilfaktoren eingreifen können, die scheinbar sehr nach der Peripherie des menschlichen Wesens liegende Prozesse &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|197}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sein können, und daß durch solche Heilfaktoren das, was im Grund- wesen Liebe ist, sich bereichert mit dem, was es braucht als Liebe. Da sehen wir die Hilfe von der einen Seite, die Hilfe, die wir leisten dürfen,weil wir dem Menschen Beistand gewähren müssen, damit er, nachdem er in die Fangarme Luzifers gekommen ist, sich auch wieder aus ihnen befreien kann. Weil das Grundwesen des Seelischen Liebe ist, dürfen wir sehr wohl das Karma in seiner Richtung beeinflussen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun - nach der andern Seite - fragen wir, was ist geworden aus dem aus Licht gewobenen Materiellen, wo das Seelische darinnensteckt? Was ist geschehen mit dem aus Licht gewobenen Materiellen des Menschen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen wir die Körperlichkeit eines Menschen, den äußeren Menschen in seiner materiellen Leiblichkeit.Würde nicht aus dem Seelischen heraus durch den karmischen Prozeß in das Materielle eingeprägt sein eine solche Liebessubstanz, die von Luzifer oder Ahriman durchsetzt wäre, würde nur eine reine Liebessubstanz ein fließen, dann würden wir diese Liebessubstanz nicht als verunreinigend, als verschlechternd empfinden können für die aus Licht gewobene Materie. Würde bloß Liebe einfließen in die Materie, so würde sie so ein fließen in die menschliche Leiblichkeit, daß diese nicht verschlechtert werden könnte; nur weil Liebe ein fließen kann, welche luziferische oder ahrimanische Kräfte aufgenommen hat, kann die aus Licht gewobene Materie schlechter werden, als sie ursprünglich sein sollte. Also kann es nur herrühren von den während der aufeinanderfolgenden Inkarnationen in die Menschen eingeflossenen luziferischen oder ahrimanischen Schädigungen, daß wir in der menschlichen Organisation etwas vor uns haben, was nicht so ist, wie es sein sollte. Wäre es so, wie es sein sollte, so würde es die gesunde Menschenmaterie darstellen; aber da es die Wirkungen Ahrimans und Luzifers in sich aufgenommen hat, kann es krankes Leibliches sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie können wir nun von außen herausbringen die entsprechenden Einflüsse, die von innen durch ein nicht richtiges Seelisches, durch eine nicht richtige Liebessubstanz eingeflossen sind? Was geschieht denn mit dem Leiblichen dadurch, daß etwas Unrichtiges einfließt? Für die Geisteswissenschaft geschieht dadurch etwas, was aus gewobenem Lichte in irgendeiner Weise sein Gegenteil macht. Licht hat sein Gegenteil in einer irgendwie gearteten Finsternis. Alles, was sich real - so sonderbar &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|198}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
es auch klingt - als die Verunreinigung dessen darstellt, das aus Licht gewoben ist, ist eine aus ahrimanischem oder luziferischem Einfluß hineingewobene Finsternis oder Dunkelheit. So sehen wir im menschlichen Materiellen hineingewobene Finsternis. Aber diese Finsternis wurde erst dadurch hineinverwoben, daß diese menschliche LeiblichkeitTräger wurde von dem, was sich als «Ich» durch die Inkarnationen hindurchlebt. Das war früher nicht darinnen. Nur ein menschliches Leibliches kann gerade spezifisch diese Verschlechterungen haben. Die waren früher nicht in dem, was das Licht gewoben hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun nimmt der Mensch heute die Grundlage zum Materiellen aus dem, was er im Verlaufe der Entwickelung nach und nach aus sich herausgesetzt hat. Das ist das Tierreich, das pflanzliche und das mineralische Reich. Diese enthalten auch die verschiedenen Materien, das heißt für das Erdendasein aus Licht Gewobenes. Aber in all diesen Materien ist noch nicht das da rinnen, was im Verlaufe des menschlichen Karma hat vom Inneren des Menschen hineinkommen können in das menschliche materielle Dasein. Wir haben also in den drei Reichen um uns herum etwas, auf das der Mensch durch seinen luziferischen oder ahrimanischen Einfluß von sich aus, insofern er von seiner Liebessubstanz aus wirkt, niemals hat verunreinigend wirken können. Da drinnen ist nichts von ihm, so daß in seiner Reinheit hat ausgebreitet werden können dasjenige, was in bezug auf seine Reinheit beim Menschen- verunreinigt ist. Wenn wir zum Beispiel draußen eine mineralische Materie haben, ein Salz oder etwas anderes, so ist das eine Materie, die der Mensch auch in sich trägt oder tragen kann; bei ihm ist sie aber durchwoben von dem, was wir die von Ahriman oder Luzifer verunreinigte Liebessubstanz nennen können. Draußen aber ist sie rein. So unterscheidet sich jede Substanz draußen von dem, was der Mensch als Substanz in sich trägt. Draußen ist es immer anders, als es im Menschen ist, weil es bei ihm durchwoben ist vom ahrimanischen und luziferischen Einfluß. Das ist der Grund, warum für alles, was der Mensch mehr oder weniger an seiner äußeren Substantialität verderben kann, draußen etwas zu finden sein muß, was das Entsprechende im reinen Zustande darstellt, ohne daß die menschliche Schädigung darinnen ist. Was draußen existiert in der Welt ohne Schädigung, das ist das äußere Heil- &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|199}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
mittel für das entsprechend Geschädigte. Führen Sie das der menschlichen Wesenheit zu in richtiger Weise, dann haben Sie das Spezifikum für die entsprechende Schädigung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da haben Sie ganz objektiv dasjenige, was Sie dem menschlichen Leib als Heilmittel zuführen. Da haben Sie charakterisiert die Schädigung als spezifizierte Dunkelheit, dasjenige, was noch nicht dunkel ist, als das außen gewobene reine Licht - und Sie sehen, warum Sie die im Menschen befindliche Dunkelheit, die dunkle Materie, aufheben können, wenn Sie ihm reine, aus Licht gewobene Materie beibringen können. So haben wir in der reinen, aus Licht gewobenen Materie ein spezifisches Heilmittel gegen die Schädigung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es handelt sich nun darum - und oft wurde darauf aufmerksam gemacht, daß es ein Irrtum ist, dem gerade die Theosophie nicht verfallen darf-,daß es eine Engherzigkeit wäre, wenn man leugnen wollte, daß es eigentlich doch in solchen Fällen etwas gibt, was man bei dieser oder jener Schädigung als ein auf dieses oder jenes Organ wirksames spezifisches Heilmittel verabreichen kann. Es wurde freilich oft gesagt, daß der Organismus die Kräfte habe, sich zu helfen; aber wenn auch das richtig ist, was dieWiener Schule der nihilistischenTherapie geltend gemacht hat: durch die Aufrufung der Gegenkräfte den Heilprozeß einzuleiten -, so können wir dennoch durch spezifische Mittel dem Heilprozeß entgegenkommen. Hier sehen wir einen Parallelismus herrschen, den man aus der Geisteswissenschaft heraus schildern kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus dem, was ich geschildert habe zum Beispiel über Diphtherie, können Sie entnehmen, daß es sich dabei um etwas handelt, was ganz besonders in der karmischen Ursache den astralischen Leib getroffen hat. Nun finden wir etwas, was diesem astralischen Leib am nächsten verwandt ist, in der Umgebung des Menschen, in dem Tierreich. Daher werden Sie bei denjenigen Krankheitsformen, die dem astralischen Leib eminent nahe stehen, immer finden, daß die Heilwissenschaft unbewußt, aus einem dunklen Triebe heraus, nach Mitteln sucht, die aus dem Tierreich hergenommen sind. Bei solchen Krankheiten, deren Ursache im Ätherleib liegt, greift die Heilwissenschaft nach Mitteln aus dem Pflanzenreich. Und es könnte jetzt ein interessanter Vortrag gehalten werden zum Beispiel über die Beziehung der Digitalis purpurea &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|200}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
zu gewissen Herzkrankheiten. Das sind Dinge, die, insofern sie auf Wirklichkeit beruhen, nicht bloß fünf Jahre richtig sind und dann anfangen falsch zu werden, wie ein Mediziner sagte und wie es tatsächlich der Fall ist, wann nur aus äußeren Symptomen geschlossen wird. Aber es gibt einen gewissen Schatz von Heilmitteln, der immer auf irgendeinen Zusammenhang mit der Geisteswissensc1iaft zurück- geht, der sich vererbt hat, ohne daß die Leute wissen, woher er gekommen ist. Ebenso wie es heute die Astronomen nicht wissen, daß die Kant-Laplacesche Theorie aus den Geheimschulen des Mittelalters gekommen ist, so wissen es die Leute nicht, woher die eigentlichen Heilschätze oft stammen. - Und Krankheitsursachen, die mit der Wesenheit des physischen Leibes zusammenhängen, führen dann zur Anwendung von Heilmitteln aus dem Mineralreich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Selbst durch diese analogen Anschauungen kann also ein Fingerzeig auf die Sache gegeben werden. Daher ist für den Menschen durch den Zusammenhang mit der uns umgebenden Welt die Möglichkeit vor- handen, daß ihm von zwei Seiten her geholfen wird: indem man ihm auf der einen Seite modifizierte Liebe beibringt in den psychischen Heilprozessen, oder anderseits in der verschiedensten Weise modifiziertes Licht bei jenen Prozessen, die irgendwie mit äußeren Heilprozessen zusammenhängen. Alles, was getan werden kann, wird entweder mit inneren psychischen Mitteln, mit Liebe, oder mit äußeren Mitteln, mit irgendwie verdichtetem Licht, geleistet. Und wenn einmal die Wissenschaft so weit sein wird, daß sie lernen wird, an das Übersinnliche zu glauben und an den Satz: Materie ist irgendwie kondensiertes Licht -, dann wird von diesem Grundsatz aus ein geistiges Licht geworfen werden auf das systematische Suchen nach der Art, wonach mit äußeren&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mitteln dem Menschen geholfen werden kann. Daraus sehen wir, wie in dem, was während langer Zeiträume aus den Geheimschulen des alten Ägypten und des alten Griechenland heraus nach und nach dem Heilschatze zugefügt worden ist, nicht nur ein bloßer Unsinn steckt, sondern daß in den Sachen überall ein gesunder Kern vorhanden ist. Theosophie ist nicht dazu da, um eine gewisse Partei zu ergreifen, um etwa zu sagen: Das ist eine Richtung, die bringt dem Menschen Gift bei! - Das Wort Gift wirkt ja heute geradezu suggestiv, und die Leute &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|201}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
denken nicht daran, wie relativ dieses Wort ist. Was ist denn eigentlich ein Gift? Jeder Stoff kann ein Gift sein. Es kommt nur auf die Heilweise an und auf die Menge, die auf einmal genossen wird. Wasser ist ein starkes Gift, wenn man zehn Liter auf einmal genießt. Diese Wirkung, innerlich chemisch erfaßt, unterscheidet sich gar nicht besonders davon, daß man dem Menschen irgendeinen an,dern Stoff zu führt. Es kommt immer auf die Menge an, denn alle diese Begriffe sind relativ.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus dem, was wir heute durchschaut haben, können wir sagen: Wir können froh sein, daß selbst für das, was sich der Mensch an Schädigung einverleiben kann, in alledem, was uns als Natur umgibt - wie wir jetzt den Weltprozeß ansehen -, das Gesundende sich irgendwie finden muß, so daß der Mensch die Schädigung wieder überwinden kann. Und das ist auch ein schönes Gefühl, das wir gegenüber der Außenwelt haben können: Wir können uns nicht nur über die Außenwelt freuen, weil sie uns sprießende Blumen schenkt oder uns im Lichtglanz die Berge erstrahlen läßt, sondern wir können uns auch deshalb über sie freuen, weil alles um uns herum in einer so innigen Beziehung steht zu dem, was im Menschen selbst als gut oder böse bezeichnet werden kann. Wir können uns in der Natur nicht nur über das freuen, was uns zunächst anspricht; sondern je tiefer wir eindringen in das, was sich bis zum äußeren materiellen Dasein verdichtet hat, desto mehr werden wir finden: Diese uns erfreuende Natur hat in sich zugleich den mächtigen Heiler für alles&amp;gt; was sich der Mensch als Schädigung zuführen kann, irgendwie ist der Hei 1er in der Natur verborgen. Es handelt sich nur darum, die Sprache des Heilers nicht bloß zu verstehen, sondern ihr auch zu gehorchen und sie wirklich auszuführen. Und heute haben wir in den meisten Fällen aus dem Grunde nicht die Möglichkeit, der Sprache der heilenden Natur zu gehorchen, weil die Verkennung des Lichtes, weil die Finsternis, die sich auch in die Erkenntnis hineingemischt hat, in vieler Beziehung Zustände herbeigeführt hat, welche es nicht gestatten, der reineR Sprache der Natur zu folgen. Und so müssen wir uns darüber klar sein: Wo in einem Falle keine Hilfe geleistet, wo ein Leiden wegen karmischer Zusammenhänge nicht gemildert werden kann, würde das nicht bedeuten, daß es absolut nicht gemildert werden könnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|202}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So sehen wir auch hier wieder einen merkwürdigen Zusammenhang, der uns doch wieder die ganze große Welt einschließlich des Menschen ais ein Wesen erscheinen läßt. In dem Satze: Materie ist gewobenes Licht, Seelisches ist in irgendeiner Weise verdünnte Liebe -, liegen die Schlüssel für unzählige Geheimnisse des Erdendaseins. Die gelten aber nur für das Erdendasein und für kein anderes Gebiet desWeltendaseins. Damit haben wir ja nichts Geringeres gezeigt, als daß wir, wenn wir dem Karma irgendeine Richtungsänderung geben, uns in dem einen oder andern Falle mit dem verbinden, was gerade die zusammensetzen- den Elemente unseres Erdendaseins sind: auf der einen Seite mit dem zur Materie gewordenen Licht, auf der andern Seite mit der zum Seelischen gewordenen Liebe. Wir entnehmen das Heilmittel entweder aus der Umgebung, aus dem dichtgewordenen Licht oder aus unserer ei- genen Seele, aus der heilenden Liebestat, Opfertat, und heilen dann mit der au der Liebe gewonnenen seelischen Kraft. Wir verbinden uns mit dem, was auf der Erde im tiefsten Inneren berechtigt ist, wenn wir uns auf der einen Seite verbinden mit dem Licht, auf der andern Seite mit der Liebe. Alle Erdenzustände sind irgendwie Gleichgewichtszustände zwischen Licht und Liebe. Und ungesund ist eine Störung in dem Gleichgewicht zwischen Licht und Liebe. Ist irgendwo die Störung in der Liebe, so können wir helfen, indem wir die Kraft der Liebe selbst entfalten; und ist die Störung im Lichte, so können wir helfen, indem wir uns im Weltall irgendwie dasjenige Licht verschaffen, welches die Finsternis in uns aufheben kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da haben Sie die Grundelemente des menschlichen Helfens. Sie zeigen, wie alles im Erdendasein auf Gleichgewichtslagen beruht von einander entgegengesetzten oder einander gegenüberstehenden Elementen. Licht und Liebe sind eigentlich sich gegenüberstehende Elemente. Aber auf ihrem Ineinanderverwobensein beruht zuletzt alles, was in unserem Erden leben an Seelischem und an Materiellem vor sich geht. Daher dürfen wir uns nicht wundern, wenn auf allen Gebieten des Menschenlebens von Epoche zu Epoche die Fortentwickelung so geschieht, daß gleichsam die Gleichgewichtslage nach der einen Seite besonders ausschlägt und dann nach der andern Seite wieder versucht wird, sie einzurenken, wenn also unsere Entwickelung so verläuft, daß &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|203}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sie einem Wellenschlage gleicht. In der Tat gleicht unsere Entwickelung einer Art Wellenschlag: sie geht herunter und sie geht hinauf, und es wird immer der gestörte Gleichgewichtszustand ausgeglichen durch das, was nach der andern Seite wieder den entsprechend andern, über die Gleichgewichtslage hinausgehenden Pendelschlag bedeutet. Wenn Sie darauf eingehen, daß es sich im Menschenleben überall handelt um eine Störung des Gleichgewichtes nach der einen oder andern Richtung, dann werden Sie finden, wie Sie dadurch selbst die intimsten Kulturprozesse in irgendeiner Weise beleuchten können. Wenn Sie eine Zeitepoche betrachten, wo in der menschlichen Entwickelung gewisse Schädigungen dadurch eingetreten sind, daß die Menschen nur auf das Innere gesehen haben und nicht auch auf das Äußere, wie zum Beispiel im Mittelalter, wo bei der starken Blüte der Mystik das Äußere unberücksichtigt geblieben ist und auch zu Mißverständnissen nicht nur im Erkennen, sondern auch im Handeln geführt hat, so sehen Sie dann auf der andern Seite jene Zeit folgen, in welcher man die Mystik absolut nicht ertragen kann, dafür aber den Blick in die Außenwelt richtet, um alles zu tun, was das Pendel wieder nach der andern Seite ausschlagen läßt. Da haben Sie Übergänge zwischen Mittelalter und neuerer Zeit. Und Sie werden in der mannigfaltigsten Art solche Störungen der Gleichgewichtslage finden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dabei möchte ich anführen, daß in der Tat in solchen Zeiten wie den unsrigen eine charakteristische Eigenschaft vieler Menschen sich darin zeigt, daß sie völlig vergessen und ganz aus der Aufmerksamkeit verlieren, was man nennen könnte ein Bewußtsein von einer übersinniichen Welt. Das heißt, es gibt in unserer Zeit zahlreiche Menschen, die völlig außer acht lassen, daß es eine geistige Welt gibt, und die also die Gedanken an die geistige Welt ablehnen. In einer solchen Zeit - und überhaupt in solchen Zeiten - ist immer auch in einer gewissen Beziehung das Gegenbild davon vorhanden. Ich möchte das in einer ganz einfachen Weise charakterisieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn es Menschen auf dem physischen Plane gibt, die sich so sehr in das Physische verstricken, daß sie das Geistige ganz und gar vergessen, dann haben jene Menschen, die zwischen Tod und neuer Geburt in der geistigen Welt leben, auf der andern Seite dafür den entgegengesetzten &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|204}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Drang, der hervorgerufen ist wie durch ein Karma, das vom physischen Plan hinüberwirkt auf den geistigen Plan: den Drang nämlich, in irgendeiner Weise sich mit Dingen zu beschäftigen, die aus der geistigen Welt in die physische hinein spielen. Das liegt in der Tat zugrunde man- cherlei Hereinwirkungen in die physische Welt von seiten von Menschen, die in der Zeit vor einer neuen Geburt stehen. In die physische Welt wirken dann diese Menschen so hinein, wie sich eben gerade die Mittel ergeben, auf dem Umwege über solche Menschen, die im höheren Maße diesen Einflüssen aus der geistigen Welt zugänglich sind. - Hat man auf diesen Gebieten Klarheit zu bringen, so wird man ja vieles ablehnen müssen, was von dieser oder jener Seite her erzählt wird als Offenbarungen der geistigen Welt von Menschen, die zwischen Tod und neuer Geburt stehen. Und man wird die charakteristischen Fälle gut heraussondern können, wo die Toten - um das Pendel nach der andern Seite ausschlagen zu machen - sehr stark darauf verfallen, irgendwie den Menschen handgreiflich zu zeigen: Es gibt doch eine geistige Welt! Dafür, daß es in unserer Zeit Menschen gibt, die völlig umnachtet sind, die so viel Finsternis in ihr Geistiges hineinverwoben haben, daß sie gar nichts wissen wollen von der geistigen Welt, dafür gibt es Tote, welche aus diesem Mangel heraus den Drang haben, hineinzuwirken in die physische Welt. Am meisten geschehen solche Dinge, wenn von den Menschen auf dem physischen Plan gar nichts dazu getan wird. Und am charakteristischsten sind die Dinge, die sich ohne künstliche Versuche anbieten, die sozusagen auftreten als Kundgebungen aus der geistigen Welt. Daher der Zusammenhang von Menschen auf dem materialistischen Felde auf der einen Seite, und der Drang, der besteht, von der geistigen Welt aus belehrend hereinzuwirken auf der andern Seite.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie werden vieles, was dafür Beleg sein kann, finden in dem Buche unseres Freundes Ludwig Deinhard «Das Mysterium des Menschen». Da ist vieles zusammengestellt und systematisiert von dem, was Sie gerade brauchen und was heute in der Literatur, wo sie wissenschaftlich ist, so zerstreut ist, daß nicht für jeden möglich ist, es sich zusammenzuholen. Daher ist es sehr schön, daß Sie in diesem Buche eine Zusammenstellung haben gerade dieser Seite der geisteswissenschaftlichen Tatsachen, die, wie Sie jetzt sehen, im eminenten Sinne sogar &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|205}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
charakteristisch sind für unsere Zeit. Insbesondere finden Sie darin mit großem Glück verzeichnet eine charakteristische Tatsache von einem Forscher, welcher in seinem hiesigen Erdenleben alles mögliche versuchte, um auf dem Wege der materialistischen Methode zum Beweise von der geistigen Welt zu kommen - der verstorbene Frederick Myers - und der dann nach seinem Tode den starken Drang fühlte, dasjenige, was er hier angestrebt hat, durch Hereinstrahlungen aus der geisötigen Welt, mit Hilfen aus der geistigen Welt, hier den Menschen zu zeigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das sollte eine Illustration sein zu dem Satze, daß wir in der Welt und dem Weltendasein zu sehen haben fortwährende Störungen von Gleichgewichten und wiederum das Suchen von Gleichgewichten. Im Erdendasein haben wir als tiefste Elemente dieses sich immerfort störenden und wiederherstellenden Gleichgewichtes die beiden Elemente Licht und Liebe. Und im menschlichen Karma wirken nun von Inkarnation zu Inkarnation die beiden Elemente Licht und Liebe ausgleichend auf die gestörten Gleichgewichtslagen. Denn im Grunde genommen haben` wir in dem durch alle Inkarnationen sich durchschlängelnden Karma gestörte Gleichgewichtslagen, und in Licht und Liebe haben wir den fortwährenden Versuch, das Gleichgewicht wiederherzustellen. Bis einst in ferner Zukunft der Mensch in dem Durchgehen durch seine Inkarnationen endlich dahin gekommen sein wird, einen letzten, durch die Erde erreichbaren Gleichgewichtszustand auszubilden, der dahin führen wird, daß die Menschheit die Erdenmission erfüllt haben wird und das Erdendasein sich in eine neue planetarische Form hinüber- entwickeln wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So habe ich versucht, etwas auseinanderzusetzen, ohne das eine tiefere Begründung der karmischen Zusammenhänge und Gesetze nicht möglich ist. Ich habe mich darum auch nicht gescheut, die geheöimnisvollen Grundlagen, für die unsere heutigeWissenschaft noch lange nicht reif sein wird, einmal heute abzuhandeln: daß Materie in Wahrheit verwobenes Licht ist und daß Seelisches in irgendeiner Beziehung verdünnte Liebe ist. Das sind alte okkulte Sätze, aber Sätze, die für alle folgenden Zeiten wahr bleiben werden und die sich fruchtbar erweisen werden in der Menschheitsentwickelung nicht nur für die Erkenntnis, sondern auch für das menschliche Wirken und Handeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|205}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= ELFTER VORTRAG Hamburg, 28. Mai 1910 =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vieles wäre noch zu sagen über die verschiedenen Offenbarungen des Karma. Aber da wir heute die letzte unserer Betrachtungen haben und die Zeit überhaupt für ein so reiches Thema notwendigerweise kurz sein mußte, so werden Sie es begreiflich finden, daß mancherlei von dem zu Besprechenden, mancherlei vielleicht auch von dem, was Ihnen als Fragen auf der Seele liegt, diesmal nicht seine Erledigung finden kann. Aber unsere Bewegung wird ja weitergehen, und wir werden das, was bei einem Kursus notwendigerweise unerledigt bleiben muß, bei einem andern weiter ausführen und erledigen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was Ihnen wiederholt vor die Seele getreten sein wird, das ist, daß der Mensch die karmische Gesetzmäßigkeit als etwas erlebt, was sozusagen in jedem Augenblick, in dem er lebt, etwas vollkommen Bestimmtes ist, so daß wir in jedem Augenblick unseres Lebens zurückblicken können auf das, was wir durchgemacht haben, was wir getan&amp;gt; gedacht, gefühlt haben in den Inkarnationen, die der betreffenden vorangegangen sind, in welcher wir unsere Betrachtungen anstellen. Und immer werden wir finden, daß unser augenblickliches menschliches inneres und äußeres Schicksal dadurch gefaßt werden kann, daß wir sozusagen eine Art «Lebenskonto» haben, wo wir alle klugen, verständigen, weisen Erlebnisse auf die eine Seite schreiben, und alles Unverständige, alles Böse und Häßliche auf die andere Seite. Auf irgendeiner Seite wird sich dabei ein Überschuß ergeben, und der bedeutet in einem Augenblicke des Lebens auch das Schicksal dieses Augenblickes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun können verschiedene Fragen dabei auftauchen, und die nächste muß die sein: Wie verhält sich das, was die Menschen in ihrem Zusammenleben tun, was sie vollbringen als menschliche Gemeinschaft, zu demjenigen, was wir das individuelle Karma des einzelnen Menschen nennen? Wir haben diese Fragen von andern Seiten her schon berührt. Wenn wir auf irgendein Ereignis der Geschichte zurückblicken, zum Beispiel auf die Perserkriege, so können Sie unmöglich glauben, daß dieses Ereignis, zunächst von griechischer Seite aus ancharakteristisch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|206}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sind für unsere Zeit. Insbesondere finden Sie darin mit großem Glück verzeichnet eine charakteristische Tatsache von einem Forscher, welcher in seinem hiesigen Erdenleben alles mögliche versuchte, um auf dem Wege der materialistischen Methode zum Beweise von der geistigen Welt zu kommen - der verstorbene Frederick Myers - und der dann nach seinem Tode den starken Drang fühlte, dasjenige, was er hier angestrebt hat, durch Hereinstrahlungen aus der geis`tigen Welt, mit Hilfen aus der geistigen Welt, hier den Menschen zu zeigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das sollte eine Illustration sein zu dem Satze, daß wir in der Welt und dem Weltendasein zu sehen haben fortwährende Störungen von Gleichgewichten und wiederum das Suchen von Gleichgewichten. Im Erdendasein haben wir als tiefste Elemente dieses sich immerfort störenden und wiederherstellenden Gleichgewichtes die beiden Elemente Licht und Liebe. Und im menschlichen Karma wirken nun von Inkarnation zu Inkarnation die beiden Elemente Licht und Liebe ausgleichend auf die gestörten Gleichgewichtslagen. Denn im Grunde genommen haben` wir in dem durch alle Inkarnationen sich durchschlängelnden Karma gestörte Gleichgewichtslagen, und in Licht und Liebe haben wir den fortwährenden Versuch, das Gleichgewicht wiederherzustellen. Bis einst in ferner Zukunft der Mensch in dem Durchgehen durch seine Inkarnationen endlich dahin gekommen sein wird, einen letzten, durch die Erde erreichbaren Gleichgewichtszustand auszubilden, der dahin führen wird, daß die Menschheit die Erdenmission erfüllt haben wird und das Erdendasein sich in eine neue planetarische Form hinüber- entwickeln wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So habe ich versucht, etwas auseinanderzusetzen, ohne das eine tiefere Begründung der karmischen Zusammenhänge und Gesetze nicht möglich ist. Ich habe mich darum auch nicht gescheut, die geheöimnisvollen Grundlagen, für die unsere heutigeWissenschaft noch lange nicht reif sein wird, einmal heute abzuhandeln: daß Materie in Wahrheit verwobenes Licht ist und daß Seelisches in irgendeiner Beziehung verdünnte Liebe ist. Das sind alte okkuite Sätze, aber Sätze, die für alle folgenden Zeiten wahr bleiben werden und die sich fruchtbar erweisen werden in der Menschheitsentwickelung nicht nur für die Erkenntnis, sondern auch für das menschliche Wirken und Handeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|207}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gesehen, etwas darstellt, was nur in das Schicksalsbuch der einzelnen Menschen zu schreiben wäre, die auf dem äußeren physischen Plan als zunächst daran beteiligt zu gelten haben. Denken Sie an alle die Führer der Perserkriege, an alle die Menschen, welche sich damals aufgeopfert haben, denken Sie an alles, was von den Führern bis zu dem einzelnen damals im griechischen Heere getan worden ist: Werden Sie jemals, wenn Sie nur einigermaßen vernunftgemäß ein solches Ereignis auf sich wirken lassen, das, was die einzelnen Menschen damals getan haben, bei jedem einzelnen Menschen nur auf das karmische Konto dieser einzelnen Persönlichkeiten schreiben können? Unmöglich werden Sie das können. Denn Sie werden unmöglich sich vorstellen können, daß bei den Ereignissen, die ein ganzes Volk oder einen großen Teil der zivilisierten Menschheit angehen, nichts anderes geschieht, als daß jede einzelne menschliche Individualität nur ihr Karma auslebt. Und so müssen Sie im Verlauf der geschichtlichen Entwickelung immer wieder von Ereignis zu Ereignis gehen, und Sie werden sehen, daß innerhalb der Menschheitsentwickelung selber Sinn und Bedeutung zu finden sind, daß aber solche Ereignisse nicht eines sein können mit dem individuellen Karma des einzelnen Menschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir können eine Angelegenheit wie die Perserkriege auf unsere Seele wirken lassen und uns dann fragen: Was haben sie im Entwickelungsgang der Menschheit für eine Bedeutung? Im Orient hatte sich eine gewisse Kultur entwickelt, die große, gewaltige Lichtseiten hatte. Aber wie jedes Licht seine Schatten mit sich bringt, so müssen wir uns auch klar sein, daß die ganze Kultur des Orients nur dadurch für die Menschheit zu erreichen war, daß auch mancherlei Schattenseiten, die nicht in der menschlichen Entwickelung hätten weitergeführt werden dürfen, sich in jene Kultur hineingedrängt haben. Vor allem war eine solche Schattenseite die, daß der Orient den Drang hatte, durch äußere, rein auf dem physischen Plan liegende Machtmittel sich immer mehr zu vergrößern. Wäre dieser Vergrößerungstrieb nicht erstanden, so wäre natürlich die ganze orientalische Kultur nicht zustande gekommen. Eines ist nicht ohne das andere zu denken. Aber damit die Menschheit sich weiterentwickeln konnte, mußte aus ganz andern Voraussetzungen heraus sich zum Beispiel die griechische Kultur entwickeln. Die griechische&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|208}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kultur hätte aber nicht einen unmittelbaren Anfang nehmen können, sie mußte gewisse Voraussetzungen a,nderswoher bekommen. Und sie hat in der Tat wichtige Voraussetzungen aus der orientalischen Kultur entlehnt. Verschiedene Sagen von Heroen, die von Griechenland hinüberzogen nach dem Orient, stellen nichts weiter dar, als daß Schüler gewisser griechischer Schulen hinübergezogen waren nach dem Orient und den Griechen jene Güter gebracht haben, die nur innerhalb der orientalischen Kultur gewonnen werden konnten, die dann aber weitergepflegt und umgewandelt werden konnten durch das, was aus dem griechischen Volkscharakter, durch das griechische Volkstalent sich herangebildet hatte. Aber dazu mußte aus diesen herübergebrachten Gütern ausgemerzt werden, was ihre Schattenseite war: der Drang, durch rein äußere Machtmittel sich so nach dem Westen hinüber auszudehnen, wie sie waren. Das Römertum, das später entstand als das Griechentum, und alles, was die weiteren Voraussetzungen waren für die Weiterentwickelung der europäischen Menschheit, das hätte sich nicht herausbilden können, wenn nicht die Griechen sich den freien Boden geschaffen hätten für die Fortentwickelung der orientalischen Kultur, wenn sie nicht die Perser und das, was dazugehört, zurück- geschlagen hätten. So konnte filtriert werden, was in Asien geschaffen worden war, indem man die Asiaten zurückschlug.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von diesem Gesichtspunkt aus sind viele Ereignisse in der Weltentwickelung zu betrachten, und man bekommt dann ein eigentümliches Bild. Wenn wir bei einem Vortragszyklus, der drei bis vier Jahre dauern würde, diesen Gedanken nur für die uns geschichtlich überlieferten Dokumente der Menschheit ausführen könnten, so würde sich uns etwas ergeben, was wir wirklich nennen könnten einen Plan in der Entwickelung der Menschheit. Wir würden dann einen solchen Plan überschauen und uns sagen: Dies mußte errungen werden; das hatte diese Schattenseiten, die wieder ausgemerzt werden mußten; das errungene Gut mußte einem andern übergeben und dort weiter ausgebildet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf dieseWeise würden wir einen Plan der Menschheitsentwickelung herausbekommen und würden bei Besprechung dieses Planes eigentlich gar nicht auf den Gedanken verfallen können: Wie ist denn das zustande&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
gekommen, daß zum Beispiel gerade Xerxes oder Miltiades oder Leonidas dieses oder jenes individuelle Karma hatten? Dieses individuelle Karma müssen wir als etwas betrachten, was für sich entschieden und hineinverflochten werden muß in den Plan der Menschheitsentwickelung. Anders ist die Sache durchaus nicht zu fassen. Und so ist es auch für die geisteswissenschaftliche Anschauung. Wenn aber das der Fall ist, müssen wir sagen: In diesem planvollen Fortgang der Menschheitsentwickelung müssen wir für sich etwas sehen, was in ähnlicher Weise in sich zusammenhängt, wie die karmischen Ereignisse im individuellen Menschenleben zusammenhängen. Und dann können wir weiter fragen: Was hat ein solcher Plan in der ganzen Menschheitsentwickelung für eine Beziehung zum einzelnen individuellen Karma des Menschen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Betrachten wir zunächst einmal das, was man nennen könnte das Geschick in der menschlichen Entwickelung selber. Wenn wir zurückblicken, sehen wir, wie Kultur nach Kultur, Volksentwickelung nach Volksentwickelung aufsteigen. Wir sehen weiter, wie Volk für Volk dieses oder jenes Neue leistet, wie etwas bleibt als Unvergängliches aus den einzelnen Volkskulturen, wie aber geradezu die Völker sterben müssen, um das Volksgut, die Errungenschaften der einzelnen Völker zu retten für die entsprechend späteren Epochen der Menschheitsentwickelung. Da müssen wir doch verständlich finden, was die Geisteswissenschaft zu sagen hat, daß in diesem fortlaufenden Gang der Menschheitsentwickelung genau zwei Strömungen zunächst zu unterscheiden sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Betrachten Sie im ganzen Gang der Menschheitsentwickelung das, was wir als fortlaufende Strömung ansehen können, innerhalb welcher sich Welle nach Welle entwickelt, wobei aber das errungene Gut der vorangegangenen Welle für die nachfolgende erhalten bleibt. Wir würden ein Bild davon bekommen, wenn wir hinschauen auf die erste Kultur der nachatlantischen Zeit, auf das, was im alten Indertum an Großartigkeit geleistet worden ist. Wenn wir dieses Großartige aber vergleichen mit dem schwachen Nachklang, der in den Veden davon enthalten ist, die zwar immer noch bewundernswürdig sind, aber eben doch nur ein schwacher Abglanz sind von dem, was die Rishis geleistet haben und was uns die Geisteswissenschaft von dem großen Kultureinschlag der Inder berichtet, dann werden wir sagen müssen: Es war &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
die ursprüngliche Größe dessen, was dieses Volk für die Menschheit zu leisten hatte, schon im Niedergange, als man daran ging, in jenen herrlichen dichterischen Darstellungen dieses Kulturgut der Menschheit aufzubewahren. Aber was die indische Kultur zunächst zu leisten hatte, das floß hinein in den ganzen Gang der Menschheitsentwickelung. Und nur unter dieser Voraussetzung konnte sich das später entwickeln, was wieder ein junges Volkstum brauchte - nicht ein altgewordenes Volk. Es mußten zuerst die Inder zurückgedrängt werden auf die südliche Halbinsel, und es entwickelte sich dann in Persien die Weltanschauung des Zarathustra. Was hatte diese Weltanschauung an Großem in der Zeit, als sie entstand - und wie war sie in verhältnismäßig gar nicht langer Zeit verfallen bei dem Volke, das sie geschaffen! Wir haben dann beim Ägyptertum und Chaldäertum denselben Vorgang. Dann sehen wir das Hinübergehen orientalischerWeisheit nach Griechenland, und sehen, wie die Griechen zurückschlagen das, was auf dem äußeren physischen Plan das Orientalische ist. Wir sehen dann, wie in den Schoß des Griechentums aufgenommen wird, was der ganze Orient geleistet hat, und wie es verwoben wird mit mancherlei, was bis dahin in andern europäischen Gebieten geleistet worden ist. Daraus wird dann ein neuer Kultureinschlag geschaffen, welcher auf vielen Umwegen fähig geworden ist, den christlichen Impuls aufzunehmen und ihn nach dem Westen weiterzuverpfianzen. Und so würden wir auch späterhin einen fortlaufenden Kulturstrom finden, in welchem wir Glied an Glied anreihen können, und jedes folgende Glied erscheint uns zugleich als eine Fortsetzung des vorhergehenden und immer als etwas Neues, was der Menschheit gegeben werden mußte. Aber woraus mußte das hervorwachsen,was sich so von Epoche zu Epoche weiterentwickelt?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denken Sie an alles, was jedes einzelne Volk mit seinem Kulturgebiet erlebt! Denken Sie an alles, was in jedem einzelnen Volke vorgegangen sein muß als eine Summe von Gefühlen und Empfindungen bei unzähligen Menschen, von Wünschen und Enthusiasmus für das, was als das am höchsten Begehrenswerte erscheinen muß und was gerade auf diesem Gebiete als Kultureinschlag gegeben werden soll! Denken Sie, wie die Seelen der einzelnen Menschen bei dem einzelnen Kultureinschlag mit dem, was sie wünschen und erstreben, ganz dabei sein &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
müssen! Und außerdem war notwendig durch unzählige Jahrhunderte der Menschheitsentwickelung hindurch, daß die Völker, wie sie die einzelnen aufeinanderfolgenden Kultureinschläge entwickelten, immer in einer Art Illusion lebten - in der Illusion, daß jedes solche Volk gerade den Kulturschatz, den es selber auszuarbeiten hatte, als etwas Ewiges und Unvergängliches betrachtete, was nimmermehr von ihm genommen werden könnte. Dadurch erst war das hingebungsvolle Arbeiten der einzelnen Völker an der Kultur möglich, daß diese Illusion immer wieder und wieder auftauchte: daß das, was da geschaffen wurde, mit allem, was daran hing, einen ewigen Bestand haben würde. Auch heute ist diese Illusion ja vorhanden; und wenn man sich ihr auch nicht mehr in so positiver Weise hingibt und von der «Ewigkeit» dieser oder jener Kultur redet, so ist sie doch in der Form vorhanden, daß man nicht an das Ende denkt - nicht im Kleinen und nicht im Großen -, daß man sozusagen keine Aufmerksamkeit darauf verwendet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da haben Sie zweierlei, was die Volkskulturen brauchten und was im Grunde genommen erst in unserer Zeit anfängt eine Art von Änderung zu erfahren. Denn das erste Gebiet menschlichen Geisteslebens, wo gründlich solche Illusionen nicht mehr erwachen werden, das wird das theosophische Geistesleben sein. Denn es wäre ein arges Mißverständnis, wenn jemand, der fest auf dem Boden unserer Geistesbewegung steht, glauben wollte, daß die Formen, in welche wir unsere Erkenntnisse gießen, daß die Gedankenausführungen, die wir heute geben können, daß das, was wir heute aus unserem theosophischen Denken, Fühlen und Wollen geben können, einen ewigen Bestand hätte. Sehr kurzsichtig wäre es, zu behaupten, in drei Jahrtausenden würde es noch Menschen geben, die genau ebenso sprechen würden von den theosophischen Wahrheiten, wie wir es heute tun. Wir wissen, daß wir durch unsere Zeitverhältnisse veranlaßt sind, etwas von dem fortlaufenden Entwickelungsprodukt in die gegenwärtigen Formen zu prägen und daß unsere Nachfahren in ganz anderen Formen des Erlebens diese Dinge zum Ausdruck bringen werden. Warum ist das so? Aus einem ähnlichen Grunde, weshalb es durch viele Jahrhunderte und Jahrtausende der Menschheitsentwickelung hindurch geschah, daß Volkskultur über Volkskultur die einzelnen Menschen vieles erleben lassen mußte, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
damit der Beitrag sich aus der gesamten Volksentwickelung heraus- bilden konnte. Denken Sie an die unzähligen Erlebnisse, die im alten Griechenland durchgemacht wurden, und denken Sie an das, was sich als Extrakt daraus für die spätere gesamte Menschheit ergeben hat! Da werden Sie sagen: Es steckt noch mehr darin als nur die einzelnen Strömungen. Es geschehen viele Dinge um dieser Kernströmung willen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deshalb haben wir zwei Dinge zu beobachten: Erstens etwas, was entstehen und zugrunde gehen muß, damit aus diesem Ganzen das zweite - der Quantität nach der kleinste Teil - als ein Bleibendes fort- dauern kann. Wenn wir wissen, daß, seitdem das menschliche Einzelkarma besteht, in der Menschheitsentwickelung zwei Mächte wirken, die wir immer wirksam gefunden haben, Luzifer und Ahriman, dann erst werden wir den Fortgang der Menschheitsentwickelung verstehen. Denn das müssen wir zum Plan der Menschheitsentwickelung rechnen, daß zuletzt, wenn die Erde an ihrem Ziel angelangt sein wird, die Ergebnisse, die so aus den einzelnen Kulturen nach und nach der gesamten Menschheitsentwickelung einverleibt werden, fruchtbar gemacht werden für alle einzelnen lndividualitäten, ganz gleichgültig,welche Schicksale sie durchgemacht haben. Auf dieses Ziel blicken wir aber erst da- durch, daß wir die Weltentwickelung in theosophischem Sinne ansehen. Denn man gebe sich keiner Täuschung hin: Solches Ziel in der richtigen Weise zu denken, unter vollem Bestande der menschlichen Individualität, ohne ein Verschwimmen der Individualität in irgendeine nebulose pantheistische Einheit, sondern so, daß die Individualität voll erhalten bleibt und wieder in sie dasjenige einfließt, was sich die Menschheit im Großen erobert hat - klar und scharf kann dieses Ziel erst der theosophischen Seelenkultur vor Augen stehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir also auf die früheren Kulturen zurückblicken, können wir uns von vornherein sagen: Seit überhaupt menschliche Individualitäten sich inkarnieren, sind beteiligt an der Menschheitsentwickelung Luzifer und Ahriman. Luzifer ist daran so beteiligt, daß er an dem fortlaufenden Kulturstrom immer teilzunehmen sucht, indem er sich einnistet in die menschlichen Astralleiber und sie imprägniert mit dem luziferischen Impuls. Das ist, was Luzifer im Gange der Menschheitsentwickelung vollführt; er wirkt hinein in die menschlichen Astralleiber. Die Menschen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
könnten das, was Luzifer ihnen gibt, niemals bloß von denjenigen Mächten erhalten, welche den fortlaufenden, eben charakterisierten Kulturstrom bewirken. Trennen Sie diesen Kulturstrom aus dem ganzen Fortgang der Menschheit heraus, dann haben Sie das, was die normal fortschreitenden Geistwesen der Hierarchien herunterströmen lassen in die Menschheit als immer neue Reichtümer. Indem wir hinauf- schauen zu.den Hierarchien, müssen wir sagen: Diejenigen Geistwesen, welche ihre normale Entwickelung durchmachen, gaben der irdischen Kultur das,was bleibendes Gut der Menschheit ist, was zwar später um- gewandelt wurde, aber doch bleibendes Gut der Menschheit geworden Ist. Es ist gleichsam so, wie wenn wir einen Baum haben und in ihm das Mark. So gewinnen wir einen fortlaufend lebendigen Strom der fort- laufenden Kultur.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch diese Mächte, die eine normale Entwickelung für sich durchmachen, hätte es auf diese Weise geschehen können, daß der Mensch sein Ich immer mehr und mehr erfüllt hätte mit dieser fortschreitenden Bereicherung der menschlichen Entwickelung. Hineinfließen würde von Zeit zu Zeit das, was den Menschen weiterbringt; der Mensch würde sich immer mehr anfüllen mit den Gaben der geistigen Welt, und zuletzt, wenn die Erde an ihrem Ziel sein würde, wäre es selbstverständlich, daß der Mensch alles, was aus den geistigen Welten gegeben worden wäre, in sich hätte. Aber eines wäre nicht möglich: daß der Mensch ureigensten, heiligen Eifer entwickelte, Hingebung und Feuer für das, was da geschaffen wird von Kulturepoche zu Kulturepoche. Aus demselben Untergrunde, aus dem jeder Wunsch und jede Begierde herauswächst, erwächst auch der Wunsch nach den großen Idealen, erwächst auch die Begierde nach Menschenbeglückung, nach Leistungen der Künste in den aufeinanderfolgenden menschlichen Kulturepochen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus demselben Grunde, aus dem verderbliche, nach dem Bösen gehende Begierden erwachsen, erwachsen auch die Bestrebungen nach dem Höchsten, was auf der Erde geleistet werden kann. Und es würde das nicht da sein, für was die menschliche Seele als für ein höchstes Gut entbrennt, wenn es nicht auf der andern Seite möglich wäre, daß dieselbe Begierde auch nach der andern Seite in das Laster und in das Böse hinuntersinken kann. Daß es diese Möglichkeit in der Menschheitsentwik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
kelung gibt, das ist das Werk der luziferischen Geister. So dürfen wir nicht verkennen, daß die luziferischen Geister für die Menschen Freiheit gebracht haben zugleich mit der Möglichkeit des Bösen, freie Empfänglichkeit für das, was sonst in die menschliche Seele nur ein fließen würde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber wir haben auch gesehen, daß alles, was Luzifer herausfordert, seine Antwort findet durch Ahriman. So sehen wir Luzifer mit seinem ganzen Heere wirken in dem, was dann im Konkreten den Einschlag der griechischen Kult`ur der ganzen menschlichen Entwickelung geben soll: in den griechischen Heroen, in den griechischen Helden und Künstlern. Luzifer dringt hinein in die astralischen Leiber, läßt sie entbrennen für das, was sie als das Höchste verehren. So wird dasjenige, was mit dem Griechentum in die Entwickelung ein fließen soll, zugleich zum Enthusiasmus der Volksseele. Gerade da steckt Luzifer darinnen. Und weil Luzifer der Mond-, nicht der Erdentwickelung seine Kraft verdankt, fordert er Ahriman heraus; und indem Luzifer von Zeitepoche zu Zeitepoche seine Tätigkeit entwickelt, gliedert sich Ahriman dazu - und verdirbt dasjenige stückweise, was Luzifer auf der Erde bewirkt hat. - Es ist die Weltentwickelung der Menschen ein fortwährendes Wirken zwischen Ahriman und Luzifer. Wirkte Luzifer nicht in der Menschheit, so fehlte der Eifer und das Feuer für den fortlaufenden Strom der Menschheitsentwickelung; wäre Ahriman nicht da, der von Volk zu Volk wieder zerstört, was nicht aus dem fortlaufenden Strom, sondern nur aus dem luziferischen Einschlag kommt, dann würde Luzifer die Einzelkulturen ewig fortführen wollen. So sehen Sie hier Luzifer seIn eigenes Karma sich heraufbeschwören, das eine notwendige Folge der Entwickelung auf dem alten Monde ist. Und die Folge ist nun, daß er Ahriman immerfort an seine Ferse ketten muß. Ahriman ist die karmische Erfüllung des Luzifer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da blicken wir hinein in das Karma der höheren Wesenheiten an dem Beispiel der ahrimanischen und luziferischen Wesenheiten. Da oben ist auch Karma. Überall ist Karma, wo Iche sind. Und Luzifer und Ahriman bergen natürlich Iche in sich; deshalb können die Wirkungen ihrer Taten auf sie selber zurückschlagen. Auf viele dieser Geheimnisse wird erst im Sommer bei dem Zyklus über die biblische &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Schöpfungsgeschichte hingewiesen werden können; nur auf eine Stelle möchte ich schon hier hinweisen, die Ihnen so recht wird zeigen können, von wie unendlicher Tiefe jedes einzelne Wort in den wahren okkulten Urkunden ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Haben Sie nie darüber nachgedacht, warum in der biblischen Schöpfungsgeschichte am Ende eines jeden Schöpfungstages der Satz steht: «Und die Elohim sahen das Werk, und sie sahen, daß es sehr gut war», daß es «aufs beste war»? Das ist ein bedeutungsvolles Wort. Warum steht es da? Der Satz zeigt ja selber, daß er als eine Charakteristik der Elohim gemeint ist, die sich auf dem Monde in normaler Weise entwickelt haben und deren Gegner Luzifer ist. Es ist etwas, das zur Charakteristik der Elohim gehört, daß sie nach jedem Schöpfungstag sahen, daß es «aufs beste war». Aus dem Grunde wird es angegeben, weil dieser Grad die Errungenschaft der Elohim war. Sie konnten auf dem Monde das Werk nur so lange sehen, als sie es taten, konnten nicht ein nachträgliches Bewußtsein davon haben. Daß sie nachträglich zurück- schauen können im nachschauenden Denken auf das Werk, das ist eine besondere Stufe im Bewußtsein der Elohim. Das war erst auf der Erde möglich; und zwar zeigt sich ihr innerer Charakter darin, daß dasWillensmäßige so herausströmt aus ihrem Wesen, daß,wenn sie es ansahen, sie sahen, daß es aufs beste war. Das waren die Elohim,welche ihrWerk auf dem Monde abgeschlossen hatten und die, wenn sie es auf der Erde hinterher beschauten, sagen konnten:Es kann bleiben, es ist aufs beste! - Dazu mußte aber die alte Mondentwickelung vollendet sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie ist es nun mit den luziferischenWesenheiten, also mit denjenigen Wesenheiten, die ihre Mondentwickelung nicht vollendet haben? Die werden also auf der Erde auch versuchen müssen, ihr Werk hinterher anzuschauen, so zum Beispiel wenn sie den Beitrag gegeben haben an Feuer und Enthusiasmus in der griechischen Kultur. Und sie werden dann sehen, wie es ihnen stückweise Ahriman abgebröckelt hat! Und sie werden sagen müssen, weil sie es nicht vollendet haben: Sie sahen ihr Tagewerk, und sie sahen, daß es nicht zum besten war, daß es ausgelöscht werden mußte!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist die große Enttäuschung der luziferischen Geister, daß sie immer von neuem ihr Werk versuchen, immer von neuem das Pendel &lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
nach der andern Seite zum Ausschlag bringen wollen - und immer von neuem ihr Werk durch Ahriman zerstört finden. Sie müssen sich innerhalb der Menschheitsentwickelung ein Auf-und-ab-Wogen denken, ein fortwährendes Anfachen von neuen Kräften durch Wesenheiten, die höher sind als wir selber, und daß diese Wesenheiten fortwährende Enttäuschungen erleben. Das ist enthalten in dem Erleben der luziferischen Geister in der Erdentwickelung. Und dieses Karma mußte die Menschheit in sich aufnehmen, weil der Mensch nur dadurch zur wirklichen Freiheit kommen konnte. Freiheit kann nur dadurch ersprießen, daß der Mensch sich den höchsten Inhalt seines Erden-Ich selber gibt. Dasjenige Ich, das der Mensch haben würde, wenn ihm alle Ziele am Ende der Erdentwickelung gegeben würden, kann nicht frei sein; denn es ist von vornherein bestimmt gewesen, alle Güter der Erdentwickelung in die Menschen ein fließen zu lassen. Frei werden konnte der Mensch nur, indem er zu diesem Ich ein anderes, irrtumfähiges Ich hinzuschafft, das in der Lage ist, immer wieder und wieder nach der Seite des Guten und nach der Seite des Bösen zu pendeln und das immer wieder hinauf- streben kann zu dem, was der Inhalt aller Erdentwickelung ist. Das niedere Ich mußte dem Menschen beigegeben werden durch Luzifer, damit das Hinaufarbeiten des Menschen zum höheren Ich seine ureigenste Tat sein kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nur so ist auch freier Wille in der Menschheit möglich. Freier Wille ist etwas, was sich der Mensch nach und nach erringen kann; denn der Mensch ist dazu so gestellt, daß ihm im Leben der freie Wille als ein Ideal vorschwebt. Wo ist denn in einem Mittelzustand der Entwickelung der menschliche Wille frei? Er ist niemals frei, weil er in jedem Augenblick dem luziferischen und ahrimanischen Element verfallen kann; er ist nicht frei, weil jeder Mensch, wenn er die Pforte des Todes durchschritten hat, in der aufsteigenden Zeit der Läuterung - vielleicht durch Jahrzehnte hindurch - einen ganz bestimmten Eindruck hat. Das ist das Wesentliche des Kamalokalebens, daß wir sehen, in welchem Grade wir selber unvollkommen sind durch das, was wir an Unvollkommenem in der Welt getan haben, daß wir Stück für Stück sehen, in welcher Weise wir unvollkommen geworden sind. Daraus geht dann die entschiedene Absicht hervor, alles wieder auszumerzen, was wir un&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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vollkommen gemacht haben. So ist das Leben in der Kamalokazeit, daß Absicht zu Absicht gefügt wird und der Gesamtentschluß gefaßt wird: Du mußt alles das wieder ausbessern, was du so gedacht und getan hast, daß es dich heruntergebracht hat! - Was der Mensch da fühlt, das prägt er seinem weiteren Leben ein und tritt mit dieser Absicht bei der Geburt ins Dasein - und ladet dadurch sein Karma auf sich. Daher können wir nicht sagen, daß wir, wenn wir durch die Geburt ins Dasein getreten sind, einen freien Willen haben. Einzig und allein können wir davon sprechen, daß wir uns einem freien Willen in dem Maße nähern, als es uns gelungen ist, Herr zu werden über die Einflüsse Luzifers und Ahrimans. Und Herr werden über die luziferischen und ahrimanischen Ein- flüsse können wir durch nichts anderes als durch Erkenntnis. Einmal durch Selbsterkenntnis, indem wir uns immer fähiger machen - auch im Leben zwischen Geburt und Tod -, unsere Schwachheiten in allen drei Seelenmerkmalen kennenzulernen, in Denken, Fühlen und Wollen. Wenn wir uns immer mehr bemühen, uns keiner Illusion mehr hinzu- geben, dann wächst ja in unserem Ich die Kraft, den luziferischen Einfluß entbehren zu können, denn dann werden wir immer mehr fähig, zu entscheiden, welche Hingabe die Güter der Menschheit, die nach und nach erobert wurden, verdienen. Sodann durch Erkenntnis der Außenwelt, die sich ergänzen muß mit der Selbsterkenntnis; beide müssen zusammenwirken. Selbsterkenntnis und Erkenntnis der Außenwelt müssen wir mit unserem Wesen vereinigen; dann werden wir imstande sein, ein klares Verhältnis zu Luzifer zu gewinnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist gerade die Eigentümlichkeit dessen, was wir uns als theosophische Erkenntnis aneignen, daß wir Aufschluß gewinnen darüber, wie weit an jedem menschlichen Tun Neigung und Leidenschaft, Luzifer und Ahriman beteiligt sind. Was haben wir in dieser Reihe von Vorträgen anderes getan, als uns Aufklärung verschafft darüber, wie luziferische und ahrimanische Kräfte in der mannigfaltigsten Weise in unser Leben hineinwirken! In dem gegenwärtigen Zeitalter aber kann die Aufklärung über die luziferischen und ahrimanischen Kräfte beginnen. Und der Mensch muß aufgeklärt sein, wenn er wirklich etwas beitragen will zur Erreichung des Erden-Menschheitszieles. - Wohin Sie den Blick richten, überall wo menschlich gefühlt und gedacht wird, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
können Sie sehen, wie weit die Menschen noch entfernt sind von einer echten, wahren Aufklärung über die Einflüsse Luzifers und Ahrimans. Da sehen Sie den weitaus größten Teil der Menschheit überhaupt keine solche Aufklärung wollen. Da sehen Sie einen großen Teil der Menschen in einen gewissen religiösen Egoismus verfallen: nur ja mit dieser Seele selbst jenen Zustand des Wohlbefindens zu erreichen, den man sich nur vorstellen kann. Das ist ein Egoismus, von dem sich die Menschen gar nicht bewußt sind, daß sich da die größten Begierden hineinmischen können. Und nirgends mischt sich Luzifer mehr in unsere Gefühle hin- ein als da, wo die Menschen aus ihren Leidenschaften und Begierden heraus nach dem Göttlichen streben, ohne das Göttliche durchleuchtet zu bekommen mit dem Licht der Erkenntnis. Glauben Sie nicht, daß Luzifer gerade da vielfach am Werke ist, wo die Menschen glauben, nach dem Höchsten zu streben? Aber die Formen, die in dieser Weise erstrebt werden, werden ebenfalls zu den Enttäuschungen Luzifers gehören müssen. Und diejenigen, die nun glauben, aus den wüsten Begierden diese oder jene Form einer geistigen Kultur erhalten zu können, die immer wieder und wieder predigen, daß diese Theosophie so schlimm ist, weil sie etwas Neues glaubt, die sollten bedenken, daß es nicht vom Menschenwillen abhängt, wenn sich Ahriman an die Fersen des Luzifer heftet. Und was entstanden ist im Laufe der Entwickelung an Formen, das wird, weil Ahriman sich hineinmischt, durch Luzifer auch wieder untergehen. Retten wird sich allein der fortlaufende Strom der Menschheitsentwickelung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So schauen wir dadurch zurück auf eine vorangegangene Entwickelung, wo als Opfer für uns zurückgeblieben sind gewisse Wesenheiten. Wir wissen jetzt, daß diese Wesenheiten ihr Karma ausleben müssen um unsertwillen, damit wir in normaler Weise ausleben können, was diese Wesenheiten uns einflößen können. Ja, wahrhaftig, Jahve hat dem Menschen ursprünglich eingeflößt durch den göttlichen Odem die Fähigkeit zum Ich; aber wäre nur der göttliche Odem gekommen, der im menschlichen Blut pulsiert, und nicht auch das, was immer wieder abirren kann von dem, was der Jahve-Odem geben kann, würden nicht darinnen arbeiten sowohl luziferische wie ahrimanische Impulse, so würde der Mensch zwar das Was erlangen können der Jahve-Gabe, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
aber nicht das Wie: daß er es mit einem selbstbewußten freien Ich empfindet. So liegt es doch im Sinne der Weltentwickelung, daß gewisse Wesenheiten auf dem alten Monde zurückgeblieben sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir leben heute in einem Zeit~lter, wo wir in der Tat zurückblicken dürfen auf viele Enttäuschungen Luzifers, wo wir aber auch hinblicken können auf eine Zukunft, in der wir immer mehr verstehen lernen, was der fortlaufende Strom der Entwickelung ist. Und Theosophie wird das Instrument sein zum Verständnis für diesen fortlaufenden Strom der Entwickelung, damit wir uns immer bewußter zu den Einflüssen Luzifers stellen können und immer mehr in die Lage kommen können, luziferische Impulse in uns selber zu erkennen und sie in der richtigen Weise nutzbringend für die Menschheitsentwickelung bewußt zu verwerten, während sie vorher in der Menschheit als ein dunkler Drang gewirkt haben, dessen sich der Mensch nicht bewußt war. Und ebenso ist es mit den ahrimanischen Einflüssen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier ist eines derGebiete,wo man darauf aufmerksam machen kann, wie sozusagen gerade in der Gegenwart eine wichtige Entwickelungsepoche der Menschheit vorliegt, nämlich jene Epoche, in der in gewisser Beziehung tatsächlich die Seelenkräfte sich umkehren. Für viele von Ihnen ist es ja schon charakterisiert worden, daß wir vor einer Epoche stehen, in welcher gewisse Menschen, einzelne Menschen, andere Seelenfähigkeiten entwickeln werden als diejenigen, die man heute gelten läßt. Was heute zum Beispiel die Theosophie aus den Erkenntnissen der Geistesforschung heraus zu sagen weiß, daß der Mensch einen Ätherleib hat außer dem physischen Leib, das wissen aus der Anschauung heraus heute nur die, welche eine methodische Schulung durchgemacht haben. Aber noch vor Ablauf der Mitte des 20. Jahrhunderts - das wissen wir aus dem Lesen der Akasha-Chronik - wird es Menschen geben, die eine natürliche Entwickelung haben werden für ein ätherisches Hellsehen und die, weil die Menschheit an diesen Zeitpunkt gekommen ist, wo sich diese Dinge als natürliche Gabe entwickeln werden, als den physischen Leib durchdringend und am Rande über ihn hinausragend den Ätherleib wahrnehmen werden. Wie der Mensch von einem Hineinschauen in die geistige Welt sich herunterentwickelt hat zum heutigen nur äußerlichen physischen Wahrnehmen und verstandesmäßigen &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Begreifen der Außenwelt, so beginnt er sich jetzt zu neuen, aber bewußten Fähigkeiten nach und nach zu entwickeln. Diese neuen Fähigkeiten treten zu den alten hinzu, und eine besondere Fähigkeit wird die sein, die ich so charakterisieren kann:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es wird Menschen geben - einzelne zunächst, denn erst im Laufe der nächsten zwei bis drei Jahrtausende wird sich bei einer größeren Anzahl diese Fähigkeit entwickeln, und die ersten Vorläufer werden da sein noch vor Ablauf der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts -, bei denen wird etw`a folgendes eintreten: Die Menschen werden irgendeine Tat erlebt haben, und sie werden versucht sein, etwas zurückzutreten von der Tat. Sie werden dann ein Bild vor sich haben, das von der betreffenden Tat kommt. Sie werden es zuerst nicht kennen, werden keinen Bezug finden zu dem, was sie getan haben. Aber dann werden sie vielleicht schon etwas von der Geisteswissenschaft gehört haben, und dann werden sie erfahren, daß dieses Bild, das ihnen wie eine Art bewußtes Traumbild erscheint, das Gegenbild der eigenen Handlung ist, das Bild für jene Handlung, die geschehen muß, damit das, was eben getan worden ist, seine karmische Erfüllung findet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So steht die Menschheit in der Tat vor einer Epoche, in der sie anfangen wird, Karma nicht nur zu begreifen nach den Lehren und Darstellungen der Geisteswissenschaft, sondern wo sie anfangen wird, Karma nach und nach zu schauen. Während bisher Karma für die Menschen ein dunkler Drang, eine dunkle Begierde war und erst im nächsten Leben ausgelebt werden konnte, erst im Leben zwischen Tod und neuer Geburt umgewandelt werden konnte in eine Absicht, entwickeln sich allmählich die Menschen dahin, daß sie in die Lage kommen, bewußt die Schöpfungen Luzifers wahrzunehmen, zu sehen, wie sie sich ausnehmen werden in ihren Wirkungen. Allerdings werden mit diesem ätherischen Hellsehen nur diejenigen Menschen etwas anfangen können, die Erkenntnis und Selbsterkenntnis angestrebt haben. Immer mehr und mehr werden die Menschen im normalen Zustande vor sich haben die karmischen Bilder für ihre Handlungen. Das wird etwas sein, was die Menschen immer weiterbringen wird, weil sie dadurch wissen werden, was sie der Welt noch schuldig sind, was in ihrem Karma noch als Schuldkonto dasteht. Das ist es ja, was den Menschen unfrei macht, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|221}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
daß er nicht weiß, was er der Welt noch schuldig ist. So darf man also beim Karma gar nicht von vornherein von einem freien Willen sprechen. Das Wort «freier Wille» ist schon falsch; denn man muß sagen: Frei wird der Mensch erst durch seine sich immer steigernde Erkenntnis und dadurch, daß er immer höher steigt und immer mehr hineinwächst in die geistige Welt. Dadurch erfüllt er sich immer mehr und mehr mit dem Inhalt der geistigen Welt und wird immer mehr ein Wesen, das seinen Willen bestimmt. Nicht der Wille kann frei werden, sondern der Mensch als solcher kann frei werden, indem er sich durchdringt mit dem, was er auf dem vergeistigten Gebiet des Weltendaseins erkennen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So blicken wöir auf die Enttäuschungen Luzifers und seine Taten und sagen: So ist seit Jahrtausenden der Grund gelegt zu dem, wo wir stehen; denn würden wir nicht dort stehen, wo wir stehen, so würden wir uns nicht zur Freiheit entwickeln können. Nachdem wir uns aber Aufklärung verschaffen können über Luzifer und Ahriman, können wir ein anderes Verhältnis zu diesen Mächten gewinnen, können die Früchte ziehen von dem, was getan worden ist, können Luzifer und Ahriman sozusagen ihre Arbeiten abnehmen. Da werden sich allerdings die Taten des Luzifer, die er bewirkt hat und die immerfort zu Enttäuschungen geführt haben, wenn sie von uns selbst begangen werden, sich in ihr Gegenteil verkehren müssen. Die Taten Luzifers mußten Begierden erregen, mußten den Menschen hinführen zu dem, was in das Böse einmünden konnte. Wir haben ja gesehen, was für eine gegenteilige Kraft es sein muß, die Luzifer entgegenwirkt: Wenn wir selber Luzifer entgegenwirken sollen, wenn wir seine Angelegenheiten in der Zukunft besorgen sollen, wird es bei uns nur die Liebe sein können&amp;gt; die an die Stelle der Taten des Luzifer treten kann; die Liebe aber wird es sein können. Und ebenso wird es dasjenige sein können, was uns auch aus der Außenwelt fließt, indem wir immer mehr die Dunkelheit wegnehmen, die wir einweben in die äußere Materie. Wenn wir immer mehr diese Dunkelheit hinwegbringen, wenn sie schwindet, und wir dazu gelangen, den ahrimanischen Einfluß auf diese Weise völlig zu überwinden, dann werden wir in der Lage sein, die Welt so zu erkennen, wie sie wirklich als Erdenwelt ist. Dann werden wir uns allmählich nähern solcher Erkenntnis, wie sie heute nur Gut der Geisteswissenschaft sein &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|222}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
kann: Wir werden durchdringen zu dem, was die Materie wirklich ist, zu der Natur des Lichtes. Heute gibt sich selbst die Wissenschaft immer noch über die Natur des Lichtes den mannigfaltigsten Täuschungen hin. Mancher glaubt, daß man das Licht mit physischen Augen sieht. Das ist nicht richtig. Mit physischen Augen sieht man nicht Licht, sondern nur beleuchtete Körper; man sieht Farben an den Körpern. Man sieht nicht Licht, sondern man sieht durch das Licht. Alle solche Täuschungen werden weggeräumt sein. Dadurch wird sich verwandeln das Bild der Welt, das notwendigerweise unter dem Einflusse Abrimans von Irrtum durchwoben sein mußte, und es wird sich durchsetzen mit dem Inhalt der Weisheit. Indem der Mensch zum Licht vordringt, wird er selbst das seelische Gegenbild des Lichtes entwickeln. Und das seelische Gegenbild des Lichtes ist die Weisheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dadurch wird Liebe und Weisheit in die menschliche Seele einziehen. Und Liebe und Weisheit werden die praktische Kraft sein, der eigentliche Lebensimpuls, der sich aus der theosophischen Weltanschauung ergeben soll und ergeben wird. Weisheit, die das innere Gegenbild des Lichtes ist, Weisheit, die sich verbinden kann mit der Liebe, und Liebe, die sich mit Weisheit durchdringt, werden den rechten Weg finden, um wieder zurückzuwirken auf das, was in die Weisheit der äußeren Welt eingetaucht ist. Wenn wir nach und nach der andern Hälfte der Entwickelung teilhaftig werden sollen, Luzifer und Ahriman wieder zu überwinden, dann müssen wir uns durchdringen mit Weisheit und Liebe. Indem wir Weisheit und Liebe entwickeln, entwickeln wir diejenigen Elemente, die wieder von unseren Seelen selber ausfließen werden als Gaben für die, die in der ersten Hälfte der Erdentwickelung sich hin- geopfert haben als luziferische und ahrimanische Mächte, um uns das zu geben, was wir zur Erringung unserer Freiheit brauchen. Diesen Mächten werden wir geben müssen, was wir an Weisheit und Liebe so entwickeln werden. Wir müssen uns aber bewußt sein: Weil Leben in der Welt sein muß, müssen wir Kulturen annehmen, die uns Ausdrucksmittel dieses Lebens sind.Wir wollen uns gern und mit Liebe einer theosophischen Kultur hingeben, die nicht ewig sein wird, aber wir wollen es mit Enthusiasmus hinnehmen und mit Liebe das schaffen, wozu wir früher unter dem Einfluß Luzifers getrieben worden sind. Weil wir jetzt &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|223}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
erkennen, daß wir aus Liebe das schaffen müssen, wozu wir früher durch den luziferischen Einfluß, durch Begierden und Leidenschaften getrieben werden mußten, werden wir jetzt hinter alldem desto mehr überschüssige Liebe entwickeln. Wenn wir nur die notwendige Liebe entwickeln würden, würden wir es nicht dahin bringen, Kultur über Kultur zu entwickeln. Theosophie soll etwas sein, was jede der Zeit entsprechende Forderung mit Hingabe und Liebe leistet, mit demselben Enthusiasmus, mit dem einst die Menschen unter dem Einflusse Luzifers gewirkt haben.Wir werden nicht mehr die Illusion haben, daß das, was wir tun, ewig dauern wird. Aber indem wir in immer sich steigernder Liebe Kultur über Kultur schaffen, schaffen wir damit überschüssige Liebe. Die kommt Luzifer zugute; dadurch werden auch seine Enttäuschungen gutgemacht. An uns liegt es, daß an Luzifer wieder das gutgemacht werden kann, was er an Enttäuschungen erleiden muß, wenn wir nach der andern Seite das zuruööckgeben,was für uns geleistet worden ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist der andere Teil des Karma der höheren Wesenheiten, daß wir eine Liebe entwickeln, die nicht bloß in der Menschheit bleibt, sondern die dazu berufen ist, in den Kosmos einzudringen. In Wesenheiten, die höher sind als wir, werden wir die Liebe einströmen lassen können, und diese Wesenheiten werden sie als Opfer empfinden. Es wird Seelenopfer sein. Seelenopfer wird hinaufströmen zu denen, die einst ihre Gaben herunterströmen ließen, wie einst die Rauchopfer hinaufstrebten zu den Geistern in Zeiten, wo Menschen die spirituellen Güter noch hatten. Damals konnten die Menschen nur die symbolischen Rauchopfer zu den Göttern hinaufsenden. In der Zukunft werden die Menschen Liebesströme hinaufsenden zu den Geistern, und aus dem Liebesopfer wird wieder etwas herunterströmen: dem Menschen werden zu- strömen höhere Kräfte, die, von Geistigem dirigiert, mit immer größerer Macht eingreifen werden in unsere physische Welt. Das werden dann im wahren Sinne magische Kräfte sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So sehen wir den Gang der Menschheitsentwickelung, indem sich Menschheitskarma und Karma der höheren Wesenheiten auslebt. Und wir begreifen jetzt auch,wie sich der Plan der Entwickelung zum einzelnen menschlichen Karma stellt. Nehmen wir an, eine übermenschliche Individualität hätte im Jahre 1910 dieses oder jenes gewirkt, das dann &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|224}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
auf dem physischen Plan durch einen Menschen ausgeführt wurde, so ist dadurch ein Kontakt geschlossen zwischen dieser übermenschlichen Individualität und dem Menschen. Der Mensch ist dann verwoben in das Karma der höheren Wesenheiten. Das ist eine abgeschlossene Korrespondenz. Dann strnöömt ihm aber zu aus den höheren Welten eine Strömung, die ihm etwas in sein Leben hineinbringt; darin hat er nun einen neuen Posten, der zu seinem Karma hinzugefügt ist und der nach der einen oder andern Seite den Ausschlag gibt. So wird menschliches Karma befruchtet von dem allgemeinen Karma, das durch die Welt strömt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sehen wir zum Beispiel auf Miltiades oder irgendeine andere Persönlichkeit: Da hatten sie zu stehen auf dem großen Plan der Geschichte ihres Volkes, da war dies oder jenes durch das Karma der höheren Mächte bedingt - und da wurden sie hingestellt auf ihren Posten. In ihr einzelkarmisches Konto strömte ein, was der ganzen Menschheit zuteil werden sollte. Und indem sie es ausführten, indem sie Taten und Leistungen daran anschlossen, wurde es ihr Einzelkarma. - So leben und weben wir auch mit unserem einzelnen Karma iön dem Makrokosmos als eine kleine Welt, als ein Mikrokosmos.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit sind wir zwar am Ende des Kursus,wenn auch nicht am Ende der Sache. Aber das geht ja nicht anders. Wenn ich nur mit zwei Worten noch sagen darf, daß ich diese Reihe von Vorträgen, gerade über jene menschlichen Fragen, die so tief das menschliche Herz bewegen können und die doch wiederum mit dem größten Schicksal selbst höherer Wesenheiten zusammenhängen, wenii ich sage, daß ich diesen Kursus gehalten habe wirklich aus tiefster Seele heraus und froh bin, daß es möglich war, in einem theosophischen Zweige auch einmal über diese Dinge zu sprechen, unter theosophischen Freunden, die von allen Seiten herbeigeeiit waren, um sich den Betrachtungen über diese Fragen zu widmen, so spreche ich auch diese Worte aus tiefstem Herzen heraus. Diejenigen, welche Gelegenheit haben werden, weitere Kurse zu hören, werden sehen, daß mancherlei von dem sich beantworten wird, was jemand im Anschluß an diesen Zyklus auf` der Seele haben wird. Aber auch die, welche diese Sommerkurse nicht hören können, werden später Gelegenheit haben, so etwas mit mir zu besprechen. Und so darf ich auch diesmal wieder sagen, daß ich die Dinge, die zu besprechen waren, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|225}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
so entgegengenommen haben möchte, daß sie nicht bloß abstrakte Er- kenntnisse sein sollen, sondern solche, die übergehen in unser ganzes Denken, Fühlen und Wollen, in unser ganzes Leben. So daß man an den Theosophen in der Welt sehen möchte Gleichnis und Bild dessen, was man die tiefsten theosophischen Wahrheiten nennen kann. Versuchen wir, uns ganz zu einem solchen Bild und Gleichnis zu machen; dann erst haben wir in der Welt eine theosophische Geistesströmung. In unserem engen Kreise muß diese theosophische Geistesströmung zunächst Betrachtung der spirituellen Erkenntnis sein. Dann aber müssen - zunächst in unserem Mitgliederkreise - diese Erkenntnisse Gesinnungen werden und als solche der Welt gegenübertreten. Und die Welt wird nach und nach einsehen, daß es nicht umsonst war, daß es um die Wende des 20. Jahrhunderts ehrliche und aufrichtige Theosophen gegeben hat, Leute, die aufrichtig und ehrlich an die Gewalt der spirituellen Mächte geglaubt haben. Und indem sie daran geglaubt haben, sind sie selbst durchsetzt worden mit der Kraft, auch dafür zu wirken. Schneller und schneller wird die Kultur in unserem Leben gehen, wenn Sie selber das, was Sie hören, umwandeln in Gesinnung, in Handlung und Tat. Nicht dadurch, daß wir die Menschen überzeugen! Dazu ist die gegenwärtige Kultur nur wenig geeignet. Wahrhaft überzeugt werden immer nur die werden, die aus tiefstem Drang des Herzens an die Theosophie herankommen; die andern werden nicht überzeugt werden. Dieses Karma haben wir auch in geistigen Kreisen als etwas, was der Materialismus hat hervorrufen müssen, und wir müssen diese Schädigungen als etwas betrachten, demgegenüber Geisteswissenschaft sich erweisen muß als eine geistige Macht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So müssen wir das, was wir der Welt geben können, aus unserer Gesinnung heraus geben. Jeder, der Theosophie in das innere Leben der Seele umgewandelt haben wird, wird ein spiritueller Kraftquell sein. Und wer an das Übersinnliche glaubt, darf durchaus die Überzeugung haben, daß unsere theosophischen Erkenntnisse und Gesinnungen spirituell wirken, das heißt, sich unsichtbar in die Welt hinaus verbreiten, wenn wir uns wirklich zu einem bewußten, von dem theosophischen Leben durchdrungenen Werkzeug machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|226}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= EINLADUNG ZUM VORTRAGSZYKLUS =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Zeit vom 15. bis 28. Mai dieses Jahres wird Dr. RUDOLF STEINER in HAMBURG einen Zyklus von Vorträgen halten über das Thema:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;DIE OFFENBARUNGEN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DES KARMA&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wesen und Bedeutung des Karma In Einzelpersönlichkeit, Individualität, Menschheit, Erde, Welt - Karma und Tierreich. - Krankheit und Oesundhelt In Beziehung zu Karma. - Heilung und Unheilbarkelt In Beziehimg zu Karma. - Natilrliche und zufällige Erkrankungen in Beziehung zu Karma. - Lebeusunfälle In Beziehung zu Karma. - EIernentarereignisse, VulkanansbrUche, Erdbeben, Epldernlen In Beziehung zu Karma. - Karma der höheren Wesenheiten. - Tod und Oeburt Im Verhältnis zu Karma. - Freier Wille und Karma in der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zukunft der Menschheitsentwicklung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir laden alle Mitglieder der Theosophischen Gesellschaft hierzu herzlichst ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Zyklus wird mit einer Pfingstfeier am Pfingstsonntag, abends 6 Uhr, im ,,Patriotischen Hause&amp;quot; (beim alten Rathause) eröffnet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle übrigen Vorträge werden pünktlich abends 8 Uhr im ,,Patriotischen Hause&amp;quot; beginnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|227}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für Dienstag, den 24. Mai, ist ein öffentlicher Vortrag vorgesehen, worüber Näheres noch bekanntgegeben wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anmeldungen zum Besuche des Vortrags.Zyklus werderi bald- möglichst erbeten an Herrn G. F. Scharlau, Hamburg, Repsoldstr. 21 a, woselbst auch die Einiaßkarten gegen Einsendung des auf Mk. 10.- festgesetzten Beitrages zu haben sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auskunft über Wohnungsangelegenheiten erteilt Fräulein Victoria Paulsen, Tarpenbeckstraße 31, Mathildenstift.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir hoffen, recht viele theosophische Freunde bei uns begrüßen zu können und sind&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
mit theosophischem Gruß&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Pythagoras - Zweig, Hamburg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
HAMBURG, März 1910.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|228}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= HINWEISE =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu dieser Ausgabe&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Zyklus «Die Offenbarungen des Karma» fand auf Einladung des theosophischen «Pythagoras-Zweiges» im «Patriotischen Hause» beim alten Rathaus in Hamburg vom 15. bis 28. Mai 1910 statt (siehe Programm S. 226-227). Bemerkenswert ist, daß auf dem im März 1910 vorliegenden Programm die Titel der einzelnen Vorträge genannt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum Thema «Offenbarungen des Karma» siehe auch den Band «Wiederverkörperung und Karma», GA 135, die Vorträge «Das Karma des Berufes des Menschen in Anlmüpfung an Goethes Leben», GA 172, sowie die sechs Bände «Esoterische Betrachtungen karmischer Zusammenhänge», GA 235 bis 240.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum Gebrauch der Worte «Theosophie» und «theosophisch»: Diese Worte sind im Sinne von Rudolf Steiners grundlegendem Werk «Theosophie» (1904, GA 9) zu verstehen. Rudolf Steiner wirkte von 1902 bis 1913 als Generalsekretär der deutschen Sektion der damaligen Theosophischen Gesellschaft (Adyar), dann, als es im Zusammenhang mit Zerfallserscheinungen in dieser Gesellschaft zum Ausschluß der deutschen Sektion kam, im Rahmen der von ihm und anderen begründeten «Anthroposophischen Gesellschaft». Er hli von Anfang an ausschließlich die Ergebnisse seiner Geistesforschung vertreten. «Niemand blieb im unklaren darüber, daß ich in der Theosophischen Gesellschaft nur die Ergebnisse meines eigenen forschenden Schauens vorbringen werde» (aus «Mein Lebensgesang», GA 28). Von einer Ersetzung des Ausdrucks «Theosophie» durch «Anthroposophie», wie sie in den ersten zwei Jahrzehnten nach der Trennung von der Theosophischen Gesellschaft auf Rudolf Steiners eigene Weisung hin vorgenommen worden ist, wurde in dieser Ausgabe Abstand genommen; der Leser muß sich jedoch bewußt sein, daß mit «Theosophie», wie sie hier gemeint ist, die von Rudolf Steiner geschaffene Anthroposophie identisch ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Textgrundlagen: Der Text der vorliegenden Ausgabe ist, abgesehen von geringfügigen Abweichungen, mit dem Text des Manuskriptdruckes von 1911 (Zyklus XII) identisch. Dieser wurde anhand von Teilnehmernachschriften erstellt und vom Vortragenden nicht durchgesehen. Die Originalstenogramme liegen nicht mehr vor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Titel des Bandes und die Titel der Vorträge entsprechen den Titeln des damaligen Vortragszyklus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachweis früherer Veröffentlichungen: 1. Aufl. als Manuskriptdruck (Zyklus XII) in Berlin (I911)~ 2. Aufl. (1. Aufl. in Buchform) Dornach 1932 / 3. Aufl. Dornach 1944 / 4. Aufl. Dornach 1949 (photomechanischer Nachdruck der 3. Aufl.) / 5., durchgesehene, mit den vorhandenen Unterlagen verglichene Aufl., Gesamtausgabe Dornach 1956 / 6., durchgesehene, im wesentlichen unveränderte Aufl. Gesamtausgabe Dornach 1968 / 7., unveränderte Aufl., Gesamtausgabe Dornach 1975.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die im wesentlichen unveränderte 8. Au)!age, 1992, wurde von Robert Friedenthal und Martina Sam durchgesehen, die Hinweise zum Text überarbeitet und erweitert sowie ein Namenregister und ausführliche Inhaltsangaben hinzugefügt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|229}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hinweise zum Text&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Werke Rudolf Steiners innerhalb der Gesamtausgabe (GA) werden in den Hinweisen mit der Bibliographie-Nummer angegeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
zu Seite&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
26 Christoph Kolumbus, 1446-1506, entdeckte 1492 auf der Suche nach einem Seeweg nach Indien zunächst Kuba und Halti, von 1493-1504 auch Mittel- und Südamerika. - Über die Bedeutung der Entdeckung Amerikas für die Menschheit siehe auch den Vortrag vom 25. Juni 1923 in «Rhythmen im Kosmos und im Menschenwesen. Wie kommt man zum Schauen der geistigen Welt?», GA 350.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Entdecker der Dampfmaschine: Dem Eisenhändler Newcomen (1663-1729) gelang zusammen mit seinem Kompagnon Cowley die Konstruktion einer Kolben-Dampfmaschine, die von 1712 an zu pralttischen Zwecken verwendet wurde. James Watt (l73618l9) ermöglichte durch Verbesserungen der Konstruktion eine Nutzung der Dampfmaschine auf breitestem Felde, so daß sie zu einer der Grundlagen der Industrialisierung im 19. Jh. wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
27 johannes Kepler, 1571-1630, Mathematiker, Physiker, Astronom. Er stellte auf den Grundlagen des kopemikanischen Planetensystems und der Beobachtungsdaten seines Lehrers Tycho de Brahe seine drei Planetengesetze auf, mit denen er die Dynamik der Planetenbahnen zu deuten versuchte und das Kräftezentrum in die Sonne verlegte. Vgl. über Kepler auch «Die geistige Führung des Menschen und der Menschheit», GA 15, S. 52 und 83; zu den drei Planetengesetzen «Das Verhältnis der verschiedenen naturwissenschaftlichen Gebiete zur Astronomie», GA 323, insbesondere die Vorträge vom 3. und 4. Januar 1921.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
28 Kepler, sagt von sich selbst: Aus der Vorrede zu Keplers Buch «Harmonices mundi» («Weltharmonik», Linz 1619), 5. Buch: «Die vollkommene Harmonie in den himmlischen Bewegungen und die daher rührende Entstehung der Exzentrizitäten, Bahnhalbmesser und Umlaufszeiten».&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
E,findung des Femrohres: Wohl um das Jahr 1608 in Holland.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
31 Auf diese Tatsache wurde hingewiesen von der Ceisteswissenschaft 1906: Siehe den Vortrag vom 11. Juni 1906, enthalten in GA 94 «Kosmogonie». Vgl. Edouard Schure` «Esquisse d`une cosmogonie psychologique d`apre`s des conferences faites ä Paris en 1906 par Rudolf Steiner», Paris 1928, S. 101.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
32 Zyanverbindungen in der Kometenatmo&amp;amp;phäre: Über die Rolle der Zyanverbindungen und ihrem Vorkommen in der Kometenatmosphäre siehe auch die Vorträge vom l0. Oktober und insbesondere vom 24. Oktober 1923 in «Mensch und Welt. Das Wirken des Geistes in der Natur. Über das Wesen der Bienen.», GA 351. - Über Kome«en im allgemeinen vgl. auch die Vorträge vom 5. März 1910 in «Das Ereignis der Christus-Erscheinung in der ätherischen Welt», GA 118; vom 25. Oktober 1909 und vom 9. März 1910 in «Der Christus-Impuls und die Entwickelung des IchBewußtseins», GA 116; vom 10. April 1912 in «Die geistigen Wesenheiten in den Himmelskörpern und Naturreichen», GA 136; vom 17. November I923 in «Der übersinnliche Mensch anthroposophisch eriaßt», GA 231; vom 18. Januar 1921 in Das Verhältnis der verschiedenen naturwissenschaftlichen Gebiete zur Astronomie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|230}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
«, GA 323, und vom 13. September 1924 in «Die Schöpfung der Welt und des Menschen», GA354.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
32 Halleyscher Komet: So genannt nach dem ersten Berechner seiner Bahn, dem englischen Astronomen Edmund Halley (1656-1742). Ihm war bei seinen Berechnungen aufgefallen, daß die Bahn des großen Komeren von 1682 den Bahnen der Kometen von 1531 und 1607 ähnelte. Daraus schloß er, daß es sich bei allen drei Erscheinungen um ein- und denselben Kometen handeln müsse. Halley sagte seine Wiederkunft entsprechend diesem Zyklus von 75/76 Jahren für 1759 richtig voraus. Somit war der erste periodisch wiederkehrende Komet entdeckt. - Dies war insofern von großer Bedeutung, als damit «die geheimnisvollen Kometen... ihres Nimbus entkleidet und in den Gültigkeitsbereich der allgemeinen Naturgesetze eingereiht worden waren« (Max Gerstenberger, Kometen - Außenseiter am Himmelszelr. Stuttgart 1951).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Außerdem meinte man dadurch zumindest den wiederkehrenden Kometen wie den Planeten eine elliptische Bahn zugrunde legen zu können. - Über die Aufgabe des Halleyschen Kometen siehe auch die Vorträge Rudolf Steiners vom 25. Oktober 1909 und 9. März 1910 in «Der Christus-Impuls und die Enrwickelung des Ich-Bewußtseins«, GA 116, und vom 5. März 1910 in «Das Ereignis der Christus-Erscheinung in der ätherischen Welt«, GA 118.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
35 Cartesius in seinen Gedanken über die Tierwelt: Vgl. «Discours de la methode«, 5. Abschnitt, ferner «Traite` de l`homme» sowie «Primae cogitariones circa generationen animalium».&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
41 Wir wissen, daß unserer Erdenentwickelung vorangegangen ist die Mondentwickelung: Siehe hierzu das Kapitel «Die Weltentwickelung und der Mensch» in Rudolf Steiners «Die Geheimwissenschaft im Umriß», GA 13.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
44 Leidenschaften: Es könnte sich eventuell um einen Hörfehler handeln und statt «Leidenschaften« «Eigenschaften« geheißen haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
57 «wie wir es heute so herrlich weit gebracht haben»: Wagner in Goethes «Faust I«, Nacht, Vers 57fl574: «Verzeiht! es ist ein groß Ergerzen, / Sich in den Geist der Zeiten zu versetzen; / Zu schauen, wie vor uns ein weiser Mann gedacht, / Und wie wir`s dann zuletzt so herrlich weit gebracht. «&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
69 wie unendlich viele Erlebnisse, E,fahrungen und Eindrücke es gar nicht bis zur Vorstellung bringen: Vgl. hierzu auch Rudolf Steiners Vortrag vom 18. April 1918 in «Das Ewige in der Menschenseele. Unsterblichkeit und Freiheit«, GA 67.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
77 joseph Dietl, 18O4~1878, studierte Philosophie und Medizin. Als Krankenhausarzt in Wien beschäftigte er sich vor allem mit der Lungenentzündung und veröffentlichte&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
eine Abhandlung über den «Aderlaß in der Lungenentzündung«. Ab 1865 Professor für innere Medizin in Krakau; daneben auch als Landtags- sowie Reichsragsabgeordneter und als polnischer Schriftsteller tätig. Vertreter eines krassen Nihilismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
joseph Skoda, 1805-1881, bedeutender Intemisr, Professor in Wien. Er beschäftigte sich insbesondere mit den physikalischen Methoden der Krankenuntersuchung; seine Abhandlung «Über Perkussion und Auskultation« (1839) begründete die moderne Diagnostik. In der Therapie dagegen verhielt er sich eher zurückhaltend; zusammen mit Carl Roltitansky (18041878) Hauptrepräsentant der jüngeren «Wiener Schule« in der Medizin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|231}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
92 Wie können wir zu einem karmischen Verständnis auch dann kommen, wenn wir zum Beispiel unter die Räder eines Eisenbahnzuges kommen?: Über die karmischen Zusammenhänge von Zivilisationskatastrophen siehe auch Rudolf Steiners Vortrag vom 29. Juni 1924 in «Esoterische Betrachrungen karmischer Zusammenhänge.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zweiter Band», GA 236.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
105 ein geistreicher Herr: Frederik Troels-Lund (184~1921), dänischer Historiker und Professor an der Militärakademie in Kopenhagen, der den hier erwähnten einzelnen Ansichten über die Herkunft der Krankheiten in seinem Buche «Gesundheit und Krankheit in der Anschauung alter Zeiten» (Leipzig 1901) jeweils ein ganzes Kapitel widmet. Dieses Buch befindet sich in der Bibliothek Rudolf Steiners.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
106 ein geistvoller Mann im 18. jahrhundert: Vermutlich Voltaire; konnte jedoch noch nicht nachgewiesen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
107 Galileo Galilei, 15~l642, italienischer Physiker, Mathematiker und Astronom.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Martin LNther&amp;gt; 14831546, Inaugurator der deutschen Reformation. Vgl. auch Rudolf Steiners Ausführungen über ihn in den Vorträgen vom 11. und 18. September 1917 in «Menschliche und menschheitliche Enrwicklungswahrheiten. Das Karma des Materialismus», GA 176.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
114 in einer Familie wie die des Musikers Bach: Johann Sebastian Bach (1685-1750), der größte Musiker in der Reihe bedeutender Komponisten, die die thüringische «Musikerfamilie« Bach im 17. und 18. Jh. hervorbrachte. Vgl. hierzu auch Rudolf Steiners Vortrag vom 26. November 1906 in «Das Wesen des Musikalischen», GA 283.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
119 Meister Eckart, 125~1327, Dominikaner und bedeutender Denker der deutschen Mystik; in seinem letzten Lebensjahr der Häresie angeklagt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Johannes Tauler, um I30fll36l, Dominikaner, Schüler Meister Eckarts. - Zu Tauler, Meister Eckart und die Mystik im allgemeinen vgl. auch Rudolf Steiners Schrift «Die Mystik im Aufgange des neuzeitlichen Geisteslebens und ihr Verhältnis zur modernen Weltanschauung», GA 7.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und lesen Sie in der «Deutschen Theologie«: «Theologia deutsch - Die lerer gar manchen lieblichen underscheit gotlicher warheit und seit gar hohe und gar schone ding von einem volkomen leben», nach der einzigen bis jetzt bekannten Handschrift hrsg. von Franz Pfeiffer, 2. verbesserte und mit einer neudeutschen Übersetzung vermehrte Auflage 1855.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
120 «Nicht ich, sondern der Christus in mir«: Galater 2, 20 «Ich lebe aber; doch nun nicht ich, sondern der Christus lebt in mir«.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
«Die Geheimwissenschaft im Umr`ß« (1910), GA 13.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
121 «Aus d«`rAkasha-Chronik« (19041908), GA 11.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
l36 Der ahrimanische Einfluß bewirkte dann: In der 7. Auflage 1975 hieß es «Der luziferische Einfluß», was den Korrekturvorschlägen einiger Leser entsprach. Jedoch sind die Herausgeber nach gründlicher Prüfung zu dem Ergebnis gekommen, daß es zweifellos «Der ahrimanische Einfluß» heißen muß, da dies aus dem weiteren Vortrag eindeutig hervorgeht; siehe insbesondere S. 142f. «Was ahrimanischem Einfluß zuzuschreiben ..... .&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|232}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
144 mit der Urkunde des Alten Testamentes: Genesis 3.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
146 daß Wesenheiten ... in ähnlicher Art damals ihre Menschheitsstufe durchgemacht haben: Siehe Kap. «Das Leben auf dem Monde», S. 187ff. in «Aus der AkashaChronik&amp;gt;, GA 11, und das Kap. «Die Weltentwickelung und der Mensch«, S. 208 und 215 in «Die Geheimwissenschaft im Umriß», GA 13.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
158 daß sich im Laufe von zehnjahren seine Physiognomie verändert: Vgl. hierzu auch die Ausführungen Rudolf Steiners über den Zusammenhang der Begriffe mit der Gesichtsphysiognomie im Vortrag vom 30. August 1919 in «Allgemeine Menschen- kunde«, GA293.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
163 Karl der Große 742-814, König der Franken und römischer Kaiser.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aristoteles, 384322, Schüler Platos, Erzieher Alexander des Großen, grundlegend für die kulturelle und wissenschaftliche Entwicklung des Abendlandes waren vor allem seine Werke über die Logik.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Martin Luther, siehe Hinw. zu S. I07.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
164 das Zusammen-Untergehen hei einem Erdbeben: Vgl. hierzu auch die Vorrräge Rudolf Steiners vom 27. und 29. Juni 1924 in «Esoterische Betrachtungen karmischer Zusammenhänge, Zweiter Band«, GA 236.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
165 wir haben ... hingewiesen auf eine Individualität: Siehe hierzu auch die Ansprache Rudolf Steiners vom 28. September 1924 in «Esoterische Betrachtungen karmischer Zusammenhänge, Vierter Band«, GA 238, und die Einzelausgabe von vier Vorträgen «Das Weihnachtsmysterium. Novalis, der Seher und Christuskünder«.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
I77 desto größer wird der Unterschied zwischen Mann und Frau in bezug auf ihr Leben:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über den Gegensatz von Männlichem und Weiblichem vgl. auch die Vorrräge vom 5. und 13. März und vom 10. Mai 1910 in «Das Ereignis der Christus-Erscheinung in der ätherischen Welt», GA 118.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
204 Ludwig Deinhard, 1847-1917, Ingenieur und Industrieller. Mit Hübbe-Schleiden zusammeti ältestes Mitglied der deutschen Theosophischen Gesellschaft und 189496 Leiter eines der ersten theosophischen Zweige in München. Er wirkte seit 1900 mit Günther Wagner für die Bildung einer deutschen Sektion und gehörte 1902 bis 1908 zu deren Vorstand. Nach anfänglichen Bedenken schloß er sich später immer enger an Rudolf Steiner an. Sein Buch «Das Mysterium des Menschen im Lichte der psychischen Forschung. Eine Einführung in den Okkultismus«, Berlin 1910, wurde von Rudolf Steiner sehr geschätzt. Vgl. auch den Vortrag vom 19. Mai 1917 im Band «Mitteleuropa zwischen Ost und West», GA 1 74a, und «Zur Geschichte und aus den Inhalten der ersten Abteilung der Esoterischen Schule 19041914«, GA 264.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
205 Frederick W. H. Myers, 1843-1901, Dichter, Spiritist, SchrifrsteIler, Freund von Sir Oliver Lodge; 1882 einer der Gründer der Sociery for Psychical Research in London. - Über die Vorkommnisse um ihn im Zusammenhang mit Sie Oliver Lodge spricht Rudolf Steiner ausführlich im Vortrag vom 27. November 1916 in dem Band «Das Karma des Berufes«, GA 172.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|233}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
206 Perserkriege: Die von 490449 v. Chr. zwischen Persern und Griechen geführten Kriege; von den Persern unternommen, um die Griechen für ihre Teilnahme am ionischen Aufstand zu bestrafen und zu unrerweifen. Trotz zehnfacher Übermacht wurden die Perser von den Griechen unter Miltiades` Führung 490 bei Marathon geschlagen; die Florte des Perserkönigs Xerxes wurde 480 v. Chr. bei Salamis besiegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
209 Xer:zes, um 520465 v. Chr., Perserkönig, Sohn des Dareios; er zog gegen Hellas, um die Niederlage seines Vaters bei Marathon zu rächen, erzwang den Durchgang durch den von Leonidas besetzten Engpaß Thermopylä, unterlag jedoch ebenfalls in der Schlacht bei Salamis 480.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Miltiades, atbenischer Feldherr, schlug die Perser 490 v. Chr. bei Marathon (siehe Hinw. zu S. 209).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Leonidtis, (~ 480 v. Chr.), spartanischer König, fiel im Kampf mit dem Perserkönig Xerxes um den Engpaß Thermopylä.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
214 im Sommer bei dem Zyklus über die biblische Schöpfungsgeschichte: Elf Vorträge in München vom 16. bis 26. August I910; «Die Geheimnisse der biblischen Schöpfungsgeschichte. Das Sechstagewerk im 1. Buch Moses», GA 122.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
215 in der bab~li~chen Schöpfungsgeschichte: I. Buch Moses (Genesis), 1.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|234}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= NAMENREGISTER =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(* = nicht namentlich erwähnt)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aristoteles 163 Myers, Frederick 205&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bach (Familie) 114 Novalis 165*&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bach, Johann Sebastian 114 Paulus, Apostel 120&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Cartesius, Renatus (Descartes, Prometheus 144&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rene) 35f. Skoda, Joseph 77f., 93&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dietl, Joseph 77, 93? Steiner, Rudolf&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deinhard, Ludwig 204 Werke und Vorträge:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eckart, Meister 1 I9 Aus der Akasha-Chronik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eva 144 (GA 11) 121,146&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Galilei, Galileo 107, l1l Die Geheimwissenschaft im Umriß&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Halleyscher Komet 32 (GA 13) 31, 120, 146&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Karl der Große l63 Die Geheimnisse der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kepler, Johannes 27?, l66f. biblischen Schöpfungsgeschichte&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kolumbus, Christoph 26 (GA 122) 214f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Luther, Martin l07?, l63f. Tauler, Johannes 119&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Leonidas 209 Troels-Lund, Frederik 105&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Miltiades 209, 224 Xerxes 209&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Glossar==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|A}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|A}}ÄTHERLEIB&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|[…] wenn der Mensch durch die Pforte des Todes tritt […]  wird das Hauptsächlichste des Ätherleibes als ein zweiter Leichnam abgeworfen; es bleibt jedoch ein Extrakt des Ätherleibes zurück, der mitgenommen wird und erhalten bleibt für alle kommenden Zeiten.|120|67}}{{GS|So sehen wir, daß wir in dem Ätherleib und physischen Leib der Pflanze etwas vor uns haben, was imstande ist, mit inneren Heilkräften zu antworten auf äußere Schädigungen.|120|62}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|B}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|B}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BEWUSSTSEIN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Die Erkenntnis eines solchen Zusammenhanges zwischen Ursachen und Wirkungen in unseren einzelnen Lebensabschnitten, die wir durch unser gewöhnliches Bewußtsein überschauen können, kann uns schon im höchsten Grade förderlich sein im Leben.|120|22}}{{GS|Das Bewußtsein, […] das sich ausdehnt […]  auf unser Leben zwischen Geburt und Tod, das entsteht dadurch, daß sich der Mensch des Instrumentes seines Gehirns bedienen kann. Wenn der Mensch durch die Pforte des Todes schreitet, tritt ein andersgeartetes Bewußtsein auf, das unabhängig ist vom Gehirn und an wesentlich andere Bedingungen gebunden ist.|120|24}}{{GS|Wenn der Mensch aber durch die Pforte des Todes schreitet, hört das Vorstellungsleben auf, das an das Instrument des Gehirns gebunden ist. Da beginnt eine andere Form des Bewußtseinslebens.|120|86}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|C}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|C}}&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|D}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|D}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|E}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|E}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|F}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|F}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|G}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|G}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
GEHIRN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Das Bewußtsein, […] das sich ausdehnt […]  auf unser Leben zwischen Geburt und Tod, das entsteht dadurch, daß sich der Mensch des Instrumentes seines Gehirns bedienen kann. Wenn der Mensch durch die Pforte des Todes schreitet, tritt ein andersgeartetes Bewußtsein auf, das unabhängig ist vom Gehirn und an wesentlich andere Bedingungen gebunden ist.|120|24}}{{GS|Wenn der Mensch aber durch die Pforte des Todes schreitet, hört das Vorstellungsleben auf, das an das Instrument des Gehirns gebunden ist. Da beginnt eine andere Form des Bewußtseinslebens.|120|86}}&lt;br /&gt;
GEIST&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Der Mensch kann einen in sich regen Geist bis an sein Lebensende dadurch haben, daß wir ihn als Kind in der Weise erzogen haben, wie es jetzt eben beschrieben worden ist: daß wir auf sein Seelenleben, auf alles, was lebendig in ihm sitzt, Rücksicht genommen haben.|120|20}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
GEISTESWISSENSCHAFT&lt;br /&gt;
{{GS|[…] Geisteswissenschaft nicht eine abstrakte Theorie sein soll […] erfüllt erst dann ihre Aufgabe, wenn … etwas hineinfließt in unsere Seelen … was unsere Seelen tüchtiger und tatkräftiger machen kann.|120|9}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|H}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|H}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|I}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|I}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|J}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|J}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|K}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|K}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
KAMALOKA&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Wenn wir also schon im gewöhnlichen Leben so stark berührt werden können durch gewisse Erlebnisse, besonders wenn es Gefühlseindrücke waren, daß sie eine Gemütsverstimmung bewirken können, so werden wir begreifen, daß die viel stärkeren Eindrücke des Kamalokalebens sich so eindrücken können, daß sie bei einer neuen Inkarnation bis tief in die Organisation des physischen Leibes hineinwirken.|120|72}}{{GS|Gerade während der Kamalokazeit, weil der Mensch seinen alten astralischen Leib noch hat, bewirkt das Durchgemachte die tiefsten Gefühlserlebnisse.|120|72}}{{GS|Wir könnten die verschiedensten Beispiele anführen, die uns alle zeigen, wie der Mensch aus den Erfahrungen seiner Kamalokazeit heraus geradezu die Gelegenheiten aufsucht, diese oder jene Krankheit zu bekommen, um durch ihre Überwindung und durch die Entfaltung der selbstheilenden Kräfte die Kräfte zu gewinnen, welche ihn die Lebensbahn im ganzen hinauf- führen.|120|82}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
KARMA&lt;br /&gt;
{{GS|Ohne daß eine Wirkung erzeugt wird, die wieder zurückfällt auf das Ding oder die Wesenheit, welche diese Wirkung hervorbringt, ohne diese Eigentümlichkeit des Zurückwirkens der Wirkung auf das verursachende Wesen ist der Karmabegriff nicht zu denken.|120|13}}&lt;br /&gt;
{{GS|Wir dürfen erst von einem Karma sprechen, wenn die Wirkung, die auf das Wesen zurückschlägt, beim Zurückschlagen auf dasselbe Wesen trifft, […]|120|13}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
KARMISCHE FOLGEN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Das zeigt uns, wie in die Linie der karmischen Folgen unser Wille eingreifen und etwas schaffen kann, was an Stelle von sonst eingetretenen karmischen Wirkungen steht.|120|23}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
KARMISCHE WIRKUNG&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Das zeigt uns, wie in die Linie der karmischen Folgen unser Wille eingreifen und etwas schaffen kann, was an Stelle von sonst eingetretenen karmischen Wirkungen steht.|120|23}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
KIND&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Der Mensch kann einen in sich regen Geist bis an sein Lebensende dadurch haben, daß wir ihn als Kind in der Weise erzogen haben, wie es jetzt eben beschrieben worden ist: daß wir auf sein Seelenleben, auf alles, was lebendig in ihm sitzt, Rücksicht genommen haben.|120|20}}KOMET&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Nun ist die Substanz eines Kometen nicht eine solche mit Gesetzen, wie sie in unserem gewöhnlichen, regulären Sonnensystem bestehen, sondern mit Gesetzen, wie sie im alten Mondendasein existiert haben.|120|31}}{{GS|Der Halleysche Komet ist der äußere Ausdruck - jedesmal, wenn er in die Sphäre unseres Erdendaseins hineinkommt - zu einem neuen Impuls zum Materialismus.|120|32}}KRANKHEIT&lt;br /&gt;
{{GS|Wir könnten die verschiedensten Beispiele anführen, die uns alle zeigen, wie der Mensch aus den Erfahrungen seiner Kamalokazeit heraus geradezu die Gelegenheiten aufsucht, diese oder jene Krankheit zu bekommen, um durch ihre Überwindung und durch die Entfaltung der selbstheilenden Kräfte die Kräfte zu gewinnen, welche ihn die Lebensbahn im ganzen hinauf- führen.|120|82}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|L}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|L}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|M}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|M}}MEDIZIN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Wer ähnliche Vorträge von mir gehört hat, wird wissen, wie wenig es mir darum zu tun ist, einzustimmen in den Chor, der heute das, was man als «Schulmedizin» bezeichnet, diskreditieren will.|55|120}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
MENSCH&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Und der hellseherische Forscher wird bei einem Krankheitsfall immer in Betracht ziehen müssen, welches in dem betreffenden Falle der Anteil sein kann des physischen Leibes auf der einen Seite und des Ätherleibes und des astralischen Leibes auf der andern Seite; denn alle drei Wesensglieder des Menschen können an der Erkrankung beteiligt sein.|120|60}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
MOND&lt;br /&gt;
{{GS|Also sehen wir neben dem Menschen sich förmlich herausbilden ein Reich von Organismen, die durch das Beibehalten des Mondcharakters unfähig geworden waren, Träger menschlicher Individualitäten zu sein. Diese Organisationen sind im wesentlichen die, welche die Organisationen unserer heutigen Tiere wurden.|120|48}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|N}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|N}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|O}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|O}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|P}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|P}}PFLANZEN&lt;br /&gt;
{{GS|Aber je tiefer wir in die Pflanzenpathologie eindringen, desto mehr werden wir sehen, daß von dem Begriff «innere Krankheitsursache» bei den Pflanzen nicht die Rede sein kann, sondern daß es sich da um äußere Veranlassungen und Schädigungen, um äußere Einflüsse handelt.|120|61}}{{GS|Aber je tiefer wir in die Pflanzenpathologie eindringen, desto mehr werden wir sehen, daß von dem Begriff «innere Krankheitsursache» bei den Pflanzen nicht die Rede sein kann, sondern daß es sich da um […] äußere Einflüsse handelt.|120|61}}{{GS|So sehen wir, daß wir in dem Ätherleib und physischen Leib der Pflanze etwas vor uns haben, was imstande ist, mit inneren Heilkräften zu antworten auf äußere Schädigungen.|120|62}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|Q}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|Q}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|R}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|R}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|S}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|S}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
SCHICKSALSSCHLAG&lt;br /&gt;
{{GS|Schicksalsschlag […] wenn wir ihn an den Anfang der nachfolgenden Ereignisse stellen und ihn als Ursache betrachten […] Wir werden vielleicht traurig sein […] Betrachten wir ihn dagegen als Ursache eines Späteren, dann können wir vielleicht froh sein und Freude darüber empfinden.|120|18}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
SEELENLEBEN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Der Mensch kann einen in sich regen Geist bis an sein Lebensende dadurch haben, daß wir ihn als Kind in der Weise erzogen haben, wie es jetzt eben beschrieben worden ist: daß wir auf sein Seelenleben, auf alles, was lebendig in ihm sitzt, Rücksicht genommen haben.|120|20}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|T}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|T}}TIER&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Wir können nicht in derselben Weise, wie wir den menschlichen Tod auffassen, von dem tierischen Tode sprechen.|120|37}}{{GS|Und wenn Sie Umschau halten im Tierreich, werden Sie finden, daß die Tiere sich ganz bestimmte Kunstfertigkeiten mitbringen, durch welche etwas zustande gebracht werden kann, an das menschliche Kunst fertigkeit bei allem, wie wir es so herrlich weit gebracht haben, noch lange nicht heran reicht.|120|39}}{{GS|Also sehen wir neben dem Menschen sich förmlich herausbilden ein Reich von Organismen, die durch das Beibehalten des Mondcharakters unfähig geworden waren, Träger menschlicher Individualitäten zu sein. Diese Organisationen sind im wesentlichen die, welche die Organisationen unserer heutigen Tiere wurden.|120|48}}{{GS|Wir schauen auf die Tiere und sagen: Alles, was die Tiere darstellen an Grausamkeit, an Gefräßigkeit, an allen tierischen Untugenden, neben der Geschicklichkeit, die sie haben, das hätten wir in uns, wenn wir sie nicht hätten aus uns heraussetzen können!|120|52}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TOD&lt;br /&gt;
{{GS|Das Bewußtsein, […] das sich ausdehnt […] auf unser Leben zwischen Geburt und Tod, das entsteht dadurch, daß sich der Mensch des Instrumentes seines Gehirns bedienen kann. Wenn der Mensch durch die Pforte des Todes schreitet, tritt ein andersgeartetes Bewußtsein auf, das unabhängig ist vom Gehirn und an wesentlich andere Bedingungen gebunden ist.|120|24}}{{GS|Wir können nicht in derselben Weise, wie wir den menschlichen Tod auffassen, von dem tierischen Tode sprechen.|120|37}}{{GS|[…] wenn der Mensch durch die Pforte des Todes tritt […]  wird das Hauptsächlichste des Ätherleibes als ein zweiter Leichnam abgeworfen; es bleibt jedoch ein Extrakt des Ätherleibes zurück, der mitgenommen wird und erhalten bleibt für alle kommenden Zeiten.|120|67}}{{GS|Wenn der Mensch aber durch die Pforte des Todes schreitet, hört das Vorstellungsleben auf, das an das Instrument des Gehirns gebunden ist. Da beginnt eine andere Form des Bewußtseinslebens.|120|86}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|U}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|U}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
URSACHE UND WIRKUNG&lt;br /&gt;
{{GS|Damit in der Welt der Erscheinungen, in der leblosen Welt, die wir zunächst um uns herum haben, eine Wirkung auf eine Ursache folge, ist stets notwendig, daß dieser Ursache etwas entgegenkommt. Und ohne daß etwas der Ursache entgegenkommt, ist niemals von dem Folgen einer Wirkung auf eine Ursache zu sprechen.|120|12}}{{GS|Wir werden aber zu einer Erklärung des Menschenlebens nicht kommen, wenn wir Zusammenhänge zwischen Ursache und Wirkung nur in diesem einzelnen Menschenleben suchen.|120|21}}{{GS|Die Erkenntnis eines solchen Zusammenhanges zwischen Ursachen und Wirkungen in unseren einzelnen Lebensabschnitten, die wir durch unser gewöhnliches Bewußtsein überschauen können, kann uns schon im höchsten Grade förderlich sein im Leben.|120|22}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|V}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|V}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|W}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|W}}WESENSGLIEDER&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Und der hellseherische Forscher wird bei einem Krankheitsfall immer in Betracht ziehen müssen, welches in dem betreffenden Falle der Anteil sein kann des physischen Leibes auf der einen Seite und des Ätherleibes und des astralischen Leibes auf der andern Seite; denn alle drei Wesensglieder des Menschen können an der Erkrankung beteiligt sein.|120|60}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WILLE&lt;br /&gt;
{{GS|Das zeigt uns, wie in die Linie der karmischen Folgen unser Wille eingreifen und etwas schaffen kann, was an Stelle von sonst eingetretenen karmischen Wirkungen steht.|120|23}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|X}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|X}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|Y}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|Y}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|Z}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|Z}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|0-9}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|0-9}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Literatur =&lt;br /&gt;
* [[a:Rudolf Steiner|Rudolf Steiner]]: &#039;&#039;Die Offenbarungen des Karma&#039;&#039;, [[GA 120]] (1992), ISBN 3-7274-1200-3 {{Vorträge|120}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GA}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:GA 120 Die Offenbarungen des Karma|!]] [[Kategorie:Taschenbücher]] [[Kategorie:Karma]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:GA]] [[Kategorie:GA (Mitgliedervorträge)]]  [[Kategorie: GA (Zyklus)]] [[Kategorie:Gesamtausgabe]]&lt;br /&gt;
[[en:GA 120]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Artikel unten}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>ElkeJura</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://steiner.wiki/index.php?title=Gesamtglossar_T&amp;diff=11278</id>
		<title>Gesamtglossar T</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://steiner.wiki/index.php?title=Gesamtglossar_T&amp;diff=11278"/>
		<updated>2025-08-13T19:34:53Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;ElkeJura: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Artikel oben}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tag&lt;br /&gt;
{{GS|Daß aber Sonne und Erde in solchen Verhältnissen zueinander gestanden haben, wird in der Genesis erst vom vierten Zeitraum, vom vierten «Tage» der Schöpfung erzählt. «Tage» können daher überhaupt erst am vierten Tage der Schöpfungsgeschichte anfangen.|103|18}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tagesbewusstsein&lt;br /&gt;
{{GS|Was ist denn im Sinne der christlichen Esoterik das, was im hellen Tagesbewußtsein sichtbar wird, woraus sich die Erde im weiten Umfange zusammensetzt? Es ist eine Offenbarung der göttlichen Kräfte, eine äußere materielle Offenbarung des innerlich Geistigen.|103|51}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Taufe&lt;br /&gt;
{{GS|Der Christus Jesus sollte mit etwas anderem taufen. Er sollte die Menschen nicht auf die Vergangenheit weisen, sondern durch die Entwickelung der Geistigkeit in ihrem Innern auf die Zukunft.|103|94}}&lt;br /&gt;
{{GS|Die Wassertaufe war eine Erinnerungstaufe. Die Taufe aber mit dem «heiligen Geist» ist eine prophetische Taufe […].|103|95}}&lt;br /&gt;
{{GS|«Reinigung» ist das, was durch die Taufe bewirkt wird.|103|97}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tier&lt;br /&gt;
{{GS|Wenn es auch Tierwesen gibt, welche heute schon tönen können, so ist das doch etwas anderes; sie stehen noch in ganz anderen Zuständen, zwar tönen sie, aber es tönt die Gottheit in ihnen.|103|38}}&lt;br /&gt;
{{GS|Wenn der einzelne Löwe «Ich» sagen könnte, wäre damit nicht das einzelne Tier gemeint, sondern das Gruppen-Ich in der astralischen Welt; alle Löwen würden dazu «Ich» sagen. So sagen ganze Gruppen von gleichgeformten Tieren zu dem im Astralischen übersinnlich-wahrnehmbaren Gruppen-Ich «Ich».|103|71}}&lt;br /&gt;
{{GS|Bei jedem Tiere finden wir, daß […] in der physischen Welt die Wesenheit dieses Tieres besteht aus dem physischen Leibe, dem Äther- oder Lebensleibe und dem astralischen Leibe […] wenn er zu dem eigentlichen Ich des Tieres kommen will […] da muß er hinaufsteigen in die astralische Welt. Da ist die Gruppenseele oder das Gruppen-Ich der Tiere.|103|137}}&lt;br /&gt;
{{GS|Also sehen wir neben dem Menschen sich förmlich herausbilden ein Reich von Organismen, die durch das Beibehalten des Mondcharakters unfähig geworden waren, Träger menschlicher Individualitäten zu sein. Diese Organisationen sind im wesentlichen die, welche die Organisationen unserer heutigen Tiere wurden.|120|48}}&lt;br /&gt;
{{GS|Wir schauen auf die Tiere und sagen: Alles, was die Tiere darstellen an Grausamkeit, an Gefräßigkeit, an allen tierischen Untugenden, neben der Geschicklichkeit, die sie haben, das hätten wir in uns, wenn wir sie nicht hätten aus uns heraussetzen können!|120|52}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tod, Tätigkeit des Menschen&lt;br /&gt;
{{GS|So also ist die Arbeit der Menschen zwischen Tod und neuer Geburt im Devachan. […]. kein untätiges Ruhen; Schaffende sind sie am Werdegang […], und so verstehen wir, wie das Weltenwerden geschieht.|99|49}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tod&lt;br /&gt;
{{GS|[…] dadurch, daß der physische Leib noch nicht vom Ich durchkraftet ist, dadurch ist möglich Krankheit und Tod.|103|129}}&lt;br /&gt;
{{GS|Das Bewußtsein, […] das sich ausdehnt […] auf unser Leben zwischen Geburt und Tod, das entsteht dadurch, daß sich der Mensch des Instrumentes seines Gehirns bedienen kann. Wenn der Mensch durch die Pforte des Todes schreitet, tritt ein andersgeartetes Bewußtsein auf, das unabhängig ist vom Gehirn und an wesentlich andere Bedingungen gebunden ist.|120|24}}&lt;br /&gt;
{{GS|[…] wenn der Mensch durch die Pforte des Todes tritt […] wird das Hauptsächlichste des Ätherleibes als ein zweiter Leichnam abgeworfen; es bleibt jedoch ein Extrakt des Ätherleibes zurück, der mitgenommen wird und erhalten bleibt für alle kommenden Zeiten.|120|67}}{{GS|Wenn der Mensch aber durch die Pforte des Todes schreitet, hört das Vorstellungsleben auf, das an das Instrument des Gehirns gebunden ist. Da beginnt eine andere Form des Bewußtseinslebens.|120|86}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ton&lt;br /&gt;
{{GS|Die ganze Natur fängt an, dem Menschen durch ihr Ertönen Geheimnisse zuzuraunen. Was vorher seiner Seele unverständlicher Schall war, wird dadurch sinnvolle Sprache der Natur. Und wobei er vorher nur Ton gehört hat, beim Erklingen des sogenannten Leblosen, vernimmt er jetzt eine neue Sprache der Seele. […]. Er fängt an, mit der Seele zu hören.|10|49}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tote&lt;br /&gt;
{{GS|Das Licht, das uns umgibt, bildet den Körper der Toten.|99|48}}&lt;br /&gt;
{{GS|Es erfreut sich die Pflanze der Einwirkung der toten Menschen, die sie umschweben und die im Lichte um sie wirken und weben.|99|49}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Traum&lt;br /&gt;
{{GS|Der Traum hat die Zeit nach rückwärts verlegt, er gehorcht nicht den Verhältnissen der Welt, er ist ein Zeitbildner.|99|87}}&lt;br /&gt;
{{Artikel unten}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>ElkeJura</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://steiner.wiki/index.php?title=Gesamtglossar_G&amp;diff=11277</id>
		<title>Gesamtglossar G</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://steiner.wiki/index.php?title=Gesamtglossar_G&amp;diff=11277"/>
		<updated>2025-08-13T19:33:31Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;ElkeJura: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Artikel oben}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Galiläa, Galiläer&lt;br /&gt;
{{GS|Galiläa war das Gebiet, wo Völker aus allen möglichen Stämmen und Völkern gemischt waren. Der «Galiläer» bedeutet der «Mischling»|103|90}}&lt;br /&gt;
{{GS|Christus geht zu den Galiläern, die zusammengewürfelt sind aus allerlei Nationen, die nicht durch Blutsbande verknüpft sind, und tut da das erste Zeichen seiner Mission; und er schickt sich so weit in ihre Lebensgewohnheiten, daß er ihnen das Wasser in Wein verwandelt.|103|96}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gedächtnis&lt;br /&gt;
{{GS|Aber es gab eine Zeit, in der noch ein anderes Gedächtnis vorhanden war, wo sich der Mensch nicht nur an seine Taten erinnerte, sondern wo er sich auch an die Taten seines Vaters, seines Großvaters erinnerte wie an seine eigenen. Das Gedächtnis reichte hinüber, weit in die Blutsverwandtschaft der Ahnen bis zum Stammvater.|103|72}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gedanken&lt;br /&gt;
{{GS|Wer aber die Welt wirklich kennt, der weiß, daß viel, viel stärkere Wirkungen ausgehen von einem haßerfüllten Gedanken, als je durch einen Steinwurf erregt werden können [...]|99|63}}&lt;br /&gt;
{{GS|An die Stelle kleinlicher Gefühlsschwelgerei und spielerischer Gedankenverknüpfung treten bedeutsame Gefühle und fruchtbare Gedanken. Und diese Gefühle und Gedanken führen den Menschen dazu, sich in der geistigen Welt zu orientieren.|10|48}}&lt;br /&gt;
{{GS|[…] daß Gefühle und Gedanken wirkliche Tatsachen sind, genau so wie Tische und Stühle in der physisch-sinnlichen Welt […] daß ein verkehrter Gedanke so verheerend wirken kann wie eine blindlings losgeschossene Flintenkugel für die physischen Gegenstände, die sie trifft.|10|47}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gefahren geistigen Strebens&lt;br /&gt;
{{GS|Es wird in unserer Zeit von vielen Menschen der Weg zur Geheimwissenschaft gesucht. Auf mancherlei Art wird das getan; und viele gefährliche, ja verwerfliche Prozeduren werden probiert. […] Durch die hier vorgezeichneten Wege kann niemand Schaden nehmen, der nichts forciert.|10|57}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gefühl&lt;br /&gt;
{{GS|[…] daß Gefühle und Gedanken wirkliche Tatsachen sind, genau so wie Tische und Stühle in der physisch-sinnlichen Welt […] daß ein verkehrter Gedanke so verheerend wirken kann wie eine blindlings losgeschossene Flintenkugel für die physischen Gegenstände, die sie trifft.|10|47}}&lt;br /&gt;
{{GS|An die Stelle kleinlicher Gefühlsschwelgerei und spielerischer Gedankenverknüpfung treten bedeutsame Gefühle und fruchtbare Gedanken. Und diese Gefühle und Gedanken führen den Menschen dazu, sich in der geistigen Welt zu orientieren.|10|48}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Geheimschüler&lt;br /&gt;
{{GS|Der Geheimschüler muß die Kraft suchen, sich selbst in gewissen Zeiten wie ein Fremder gegenüberzustehen.|10|31}}&lt;br /&gt;
{{GS|Was für die Ausbildung des Geheimschülers ganz besonders wichtig ist, das ist die Art, wie er anderen Menschen beim Sprechen zuhört. Er muß sich daran gewöhnen, dies so zu tun, daß dabei sein eigenes Innere vollkommen schweigt. […] In der Geistesforschung wird solches planmäßig geübt.|10|50}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Geheimschulung&lt;br /&gt;
{{GS|Es hat, seit es ein Menschengeschlecht gibt, auch immer eine Schulung gegeben, durch die solche, die höhere Fähigkeiten hatten, denen Anleitung gaben […] Man nennt solche Schulung Geheimschulung […] heißt geheimwissenschaftlicher oder okkulter Unterricht.|10|16}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gehirn&lt;br /&gt;
{{GS|Das Bewußtsein, […] das sich ausdehnt […] auf unser Leben zwischen Geburt und Tod, das entsteht dadurch, daß sich der Mensch des Instrumentes seines Gehirns bedienen kann. Wenn der Mensch durch die Pforte des Todes schreitet, tritt ein andersgeartetes Bewußtsein auf, das unabhängig ist vom Gehirn und an wesentlich andere Bedingungen gebunden ist.|120|24}}{{GS|Wenn der Mensch aber durch die Pforte des Todes schreitet, hört das Vorstellungsleben auf, das an das Instrument des Gehirns gebunden ist. Da beginnt eine andere Form des Bewußtseinslebens.|120|86}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Geisselung [2. stufe christlicher Einweihungsweg]&lt;br /&gt;
{{GS|Die zweite Stufe besteht darin, daß dem Schüler gesagt wird: […] Du mußt dir vorstellen, wie es wäre, wenn alle möglichen Schmerzen und Leiden der Welt herantreten an dich […] wenn du ausgesetzt wärest dem Ansturm aller möglichen Hindernisse, und du mußt dich in das Gefühl versetzen, daß du aufrecht stehen mußt, wenn auch alles Elend der Welt an dich herankommt!|103|191}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Geist im Schatten&lt;br /&gt;
{{GS|Wenn das Auge des Sehers sich entwickelt [...] oft eine eigentümliche Wahrnehmung. [...] Der Körper hält auf das Licht, doch nicht den Geist, und im Schatten, den der Körper wirft, kann man den Geist entdecken.|99|49}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Geist, Geistiges&lt;br /&gt;
{{GS|Wenn der Mensch nämlich im heutigen Entwickelungszyklus im gewöhnlichen Sinne schläft, so liegen sein physischer Leib und Ätherleib im Bette, das Ich mit dem Astralleib ist herausgehoben. Der Mensch kann dann nicht irgendwelche geistigen Ereignisse um sich herum wahrnehmen, weil sein Astralleib noch nicht die geistigen Sinnesorgane hat, um in der Welt, in der der Mensch dann ist, wahrzunehmen.|103|65}}&lt;br /&gt;
{{GS|[…] im Verwesen oder Verbrennen des physischen Leibes, wenn sich die Teile auseinanderbewegen, sich auflösen, da zeigt sich zu gleicher Zeit im Geistigen das Entgegengesetzte, da zeigt sich das Entstehen eines geistigen Bewußtseins. Physische Auflösung ist geistige Geburt.|103|131}}&lt;br /&gt;
{{GS|Der Sprachgebrauch der Zeiten, als die Evangelien entstanden sind, den wir auch studieren müssen, ist so, daß man «Wasser» auch Wasser genannt hat; aber «Pneuma», was heute als «Geist» gebraucht wird, war «Luft»|103|114}}&lt;br /&gt;
{{GS|Der Mensch kann einen in sich regen Geist bis an sein Lebensende dadurch haben, daß wir ihn als Kind in der Weise erzogen haben, wie es jetzt eben beschrieben worden ist: daß wir auf sein Seelenleben, auf alles, was lebendig in ihm sitzt, Rücksicht genommen haben.|120|20}}&lt;br /&gt;
{{GS|Alles beruht schließlich darauf, daß der Mensch fortwährend Leib, Seele und Geist mit sich herumträgt, daß er sich aber nur seines Leibes im ausgesprochenen Sinne bewußt ist, nicht seiner Seele und seines Geistes. Und der Geheimschüler wird sich der Seele und des Geistes bewußt, wie sich der gewöhnliche Mensch seines Leibes bewußt ist.|10|60}}&lt;br /&gt;
{{GS|Er muß lieben lernen, was ihm der Geist da zuströmt. Bald hört er dann auch auf, diese Gedankenwelt als etwas zu empfinden, was unwirklicher sei als die Dinge des Alltags, die ihn umgeben.|10|37}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Geistesmensch [Atman]&lt;br /&gt;
{{GS|[…] soviel er [Mensch] am physischen Leib vom Ich aus umgestaltet, nennen wir dies Atman oder den Geistesmenschen.|103|34}}&lt;br /&gt;
{{GS|Am Ende der Erdenlaufbahn ist der Mensch durchdrungen von seinem Ich; und dieses sein Ich wohnt selber in dem Astralleib, wenn es als Manas oder Geistselbst den astralischen Leib durchzogen hat. Dieses Ich hat dann den Ätherleib durchzogen, er ist ganz und gar durchsetzt von der Buddhi oder dem Lebensgeiste; und der physische Leib ist ganz und gar durchzogen von Atman oder dem Geistesmenschen, den Produkten des Ich.|103|35}}&lt;br /&gt;
{{GS|Wenn der physische Leib ganz und gar überwunden, besiegt sein wird vom Ich, wird er sein Atma oder der Geistesmensch.|103|127}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Geisteswissenschaft&lt;br /&gt;
{{GS|Das gerade ist die Art, wie die rosenkreuzerische Methode das Geistige behandeln will: weniger Abstraktion, dafür die Betrachtung der alltäglichen Lebensfragen. Darauf kommt es nicht an, daß man sagt: Geisteswissenschaft ist Geisteswissenschaft , sondern daß man im unmittelbaren Leben ernst damit macht.|99|144}}&lt;br /&gt;
{{GS|Wenn die Geisteswissenschaft ihre wirkliche Aufgabe gegenüber dem modernen Menschengeist erfüllen will, dann muß sie zeigen, daß der Mensch, wenn er nur seine inneren Kräfte und Fähigkeiten gebrauchen lernt […] eindringen kann in die Geheimnisse des Daseins […]|103|9}}&lt;br /&gt;
{{GS|Geisteswissenschaft aber liefert aus sich die Erkenntnisse der geistigen Welten, die im Johannes-Evangelium aufgezeichnet sind.|103|12}}&lt;br /&gt;
{{GS|Wir werden […] sehen, wie das, was wir Geisteswissenschaft nennen, wahrhafte Wiedergabe ist des Johannes-Evangeliums.|103|25}}&lt;br /&gt;
{{GS|Es dürfte aus den drei bisherigen Vorträgen einigermaßen hervorgegangen sein, daß man im Johannes-Evangelium die geisteswissenschaftlichen Wahrheiten wiederzufinden in der Lage ist. Aber ebenso dürfte klar geworden sein, daß es notwendig ist, um diese Wahrheiten zu finden, jedes Wort dieses Johannes-Evangeliums wirklich auf die Goldwaage zu legen.|103|62}}&lt;br /&gt;
{{GS|Versuchen wir, immer mehr uns damit bekannt zu machen, daß Geisteswissenschaft etwas ist, was mannigfaltig ist, nicht ein Glaubensbekenntnis, sondern ein Weg zur Erkenntnis, daß sie daher die Mannigfaltigkeit erträgt.|103|215}}&lt;br /&gt;
{{GS|[…] Geisteswissenschaft nicht eine abstrakte Theorie sein soll […] erfüllt erst dann ihre Aufgabe, wenn […] etwas hineinfließt in unsere Seelen […] was unsere Seelen tüchtiger und tatkräftiger machen kann.|120|9}}&lt;br /&gt;
{{GS|Man würde die heutige Betrachtung mißverstehen, wenn man des Glaubens wäre, Anthroposophie oder Geisteswissenschaft sei in irgendeiner Beziehung eine neue Religion, wolle irgendein neues Religionsbekenntnis an die Stelle eines alten setzen.|104|12}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Geistige Welt&lt;br /&gt;
{{GS|Was bedeutet die Religion für die Menschheit? Religion war und wird noch lange für die Menschheit das sein, was schon ihr Wort ausdrückt. Das Wort Religion bedeutet: Verbindung des Menschen mit seinem Göttlichen, mit der geistigen Welt.|104|16}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Geistselbst [Manas]&lt;br /&gt;
{{GS|Man hat sich gewöhnt, in der morgenländischen Weisheit den Teil des astralischen Leibes, der vom Ich schon umgestaltet ist, Manas zu nennen, deutsch: Geistselbst.|103|34}}&lt;br /&gt;
{{GS|Am Ende der Erdenlaufbahn ist der Mensch durchdrungen von seinem Ich; und dieses sein Ich wohnt selber in dem Astralleib, wenn es als Manas oder Geistselbst den astralischen Leib durchzogen hat. Dieses Ich hat dann den Ätherleib durchzogen, er ist ganz und gar durchsetzt von der Buddhi oder dem Lebensgeiste; und der physische Leib ist ganz und gar durchzogen von Atman oder dem Geistesmenschen, den Produkten des Ich.|103|35}}&lt;br /&gt;
{{GS|Das Ich ist berufen dazu, den astralischen Leib nach und nach zu läutern, zu reinigen, auf eine höhere Stufe zu heben. Wenn der ganze astralische Leib durchläutert, durchkraftet sein wird mit der eigenen Kraft des Ich, wird er sein das Geistselbst oder Manas.|103|127}}&lt;br /&gt;
{{GS|Aber in unserer nachatlantischen Kulturepoche muß schon wieder etwas anderes kommen: da muß langsam hineingehen in den Menschen Manas oder das Geistselbst.|103|170}}&lt;br /&gt;
{{GS|Solange die Menschen noch nicht vom Geistselbst vollständig überschattet sind, gibt es Meinungen, die voneinander verschieden sind. Diese Meinungen sind noch nicht im wahren Innersten des Menschen empfunden.|103|174}}&lt;br /&gt;
{{GS|So wird, wenn im Verlauf der sechsten Kulturepoche das Geistselbst in die Menschen einziehen wird, tatsächlich eine geistige Sonne da sein, der sich alle Menschen zuneigen und in der sie übereinstimmen werden.|103|175}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gelassenheit (innere Ruhe)&lt;br /&gt;
{{GS|Eine der ersten dieser Regeln kann nun etwa in die folgenden Worte der Sprache gekleidet werden: «Schaffe dir Augenblicke innerer Ruhe und lerne in diesen Augenblicken das Wesentliche von dem Unwesentlichen unterscheiden.»|10|29}}&lt;br /&gt;
{{GS|Es gehört gewiß in mancher Lebenslage eine große Kraft dazu, sich Augenblicke innerer Ruhe zu schaffen. Aber je größer die notwendige Kraft, desto bedeutender ist auch das, was erreicht wird.|10|36}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Genesis&lt;br /&gt;
{{GS|Daß aber Sonne und Erde in solchen Verhältnissen zueinander gestanden haben, wird in der Genesis erst vom vierten Zeitraum, vom vierten «Tage» der Schöpfung erzählt. «Tage» können daher überhaupt erst am vierten Tage der Schöpfungsgeschichte anfangen.|103|18}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Genuss&lt;br /&gt;
{{GS|Der Geheimschüler betrachtet den Genuß nur als ein Mittel, um sich für die Welt zu veredeln. Der Genuß ist ihm ein Kundschafter, der ihn unterrichtet über die Welt; aber er schreitet nach dem Unterricht durch den Genuß zur Arbeit vorwärts. Er lernt […] um das Gelernte in den Dienst der Welt zu stellen.|10|27}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Geometrie&lt;br /&gt;
{{GS|Warum wurden die Ägypter die Lehrmeister der Geometrie? Weil sie glaubten, daß man durch den Gedanken, der die Erde abteilt, die Materie auch bezwingen kann und daß sich umformen läßt die Materie, die der Geist des Menschen erfassen kann.|103|156}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gespenster oder Spektren&lt;br /&gt;
{{GS|Ebenso durchsetzen den Ätherleib Wesenheiten, von denen sich der Mensch frei machen muß, das sind die Spektren oder Gespenster, [...]|99|71}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gnade&lt;br /&gt;
{{GS|Als Gnade bezeichnete man im christlichen Sinne die Fähigkeit der Seele, aus dem Innern heraus das Gute zu tun. Die Gnade und die im Innern erkannte Wahrheit ist durch Christus entstanden.|103|80}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gnosis&lt;br /&gt;
{{GS|Die Gnosis kennt den Christus ebenso wie das esoterische Christentum, aber nur als eine geistige Wesenheit, und sieht höchstens in dem Jesus von Nazareth einen mehr oder weniger an diese geistige Wesenheit gebundenen menschlichen Verkünder.|103|57}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Goethe&lt;br /&gt;
{{GS|[…] Leipziger Zeit dem Tode recht nahestand. […] hatte er ein wichtiges Erlebnis, eine Art von Initiation. Goethe war sich dieser zunächst nicht bewußt, sie wirkte als eine Art poetischer Strömung in seiner Seele, […] Solch einen Lichtblitz finden wir in dem Gedicht «Die Geheimnisse», das die intimsten Freunde Goethes als eine seiner tiefsten Schöpfungen bezeichnet haben […] niemals die Kraft wiederfinden konnte, zu diesem Fragmente den Schluß zu gestalten|99|13}}&lt;br /&gt;
{{GS|[…] Goethe konnte endlich, nachdem er sich dieser Initiation mehr und mehr bewußt geworden war, jene merkwürdige Prosadichtung entstehen lassen, die wir als das «Märchen von der grünen Schlange und der schönen Lilie» kennen|99|13}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gotik&lt;br /&gt;
{{GS|Die gotische Kirche ist nicht bloß das Wohnhaus Gottes, sondern zu gleicher Zeit der Versammlungsort der zum Gotte betenden Menge.|103|163}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gott&lt;br /&gt;
{{GS|Wenn es auch Tierwesen gibt, welche heute schon tönen können, so ist das doch etwas anderes; sie stehen noch in ganz anderen Zuständen, zwar tönen sie, aber es tönt die Gottheit in ihnen.|103|38}}&lt;br /&gt;
{{GS|Die Außenwelt ist in allen ihren Erscheinungen erfüllt von göttlicher Herrlichkeit; aber man muß das Göttliche erst in seiner Seele selbst erlebt haben, wenn man es in der Umgebung finden will.|10|26}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gott-Mensch&lt;br /&gt;
{{GS|Deshalb zerfällt für das christliche Bewußtsein das ganze Menschenwerden in eine vorchristliche und in eine nachchristliche Zeit. Der Gott-Mensch konnte nur in einer bestimmten Zeit von dem Menschen begriffen werden.|103|164}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Grablegung und Auferstehung [6. stufe christlicher Einweihungsweg]&lt;br /&gt;
{{GS|Das Sechste ist das, was man die «Grablegung und Auferstehung» nennt. Das ist die Stufe, wo der Schüler sich eins fühlt mit dem ganzen Erdenleib […] Sein Leben hat sich erweitert zu planetarischem Leben.|103|193}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Griechischer Tempel&lt;br /&gt;
{{GS|Dieses Mitfühlen mit den Linien des Raumes, das heißt «den lebendigen Geist geometrisierend fühlen». Das ist, was Plato gemeint hat, als er den ungeheuren Ausdruck gebrauchte: «Gott geometrisiert fortwährend.» Diese Linien im Raum sind vorhanden, und danach baute der Grieche seinen Tempel.|103|163}}&lt;br /&gt;
{{GS|Was ist denn der griechische Tempel? Er ist mit Notwendigkeit ein Wohnhaus des Gottes […] In dem griechischen Tempel wohnte der Gott selbst darinnen.|103|163}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Griechisch-lateinische Kultur [vierte Kulturepoche]&lt;br /&gt;
{{GS|In der vierten Kulturepoche, der griechisch-lateinischen, setzt der Mensch zunächst sein inneres Wesen in die Außenwelt hinaus. Da sehen Sie zunächst, wie in Griechenland der Mensch sich selbst in der Materie, in den Formen objektiviert.|103|150}}&lt;br /&gt;
{{GS|Die vierte Kultur, die griechisch-lateinische, ist die mittlere und innerhalb der Zeit dieser mittleren der nachatlantischen Kulturen tritt der Christus Jesus auf der Erde auf.|103|150}}&lt;br /&gt;
{{GS|Die vierte Zeitepoche ist die, wo der Mensch das, was er in seinem Geiste erfaßt, restlos der Materie einverleibt.|103|162}}&lt;br /&gt;
{{GS|Wir sehen die Werke der griechischen Plastiker, der griechischen Dramatiker, wo der Mensch das, was er sein seelisches Eigentum nennt, sich verkörpert vor die Seele hinstellt.|103|161}}&lt;br /&gt;
{{GS|Für den, der etwas davon versteht, gibt es sogar keine bedeutendere, keine vollendetere Architektur als die griechische, die der reinste Ausdruck ist der inneren Raumgesetzlichkeit.|103|162}}&lt;br /&gt;
{{GS|Der Grieche hatte sie architektonisch vor sich; er empfand die Horizontale nicht bloß als Linie, sondern er empfand sie als Druckkraft, und er empfand die Säule nicht bloß als Stock, sondern empfand sie als Tragkraft.|103|163}}&lt;br /&gt;
{{GS|Dieses Mitfühlen mit den Linien des Raumes, das heißt «den lebendigen Geist geometrisierend fühlen». Das ist, was Plato gemeint hat, als er den ungeheuren Ausdruck gebrauchte: «Gott geometrisiert fortwährend.» Diese Linien im Raum sind vorhanden, und danach baute der Grieche seinen Tempel.|103|163}}&lt;br /&gt;
{{GS|Die griechische Kulturepoche war die schönste Durchdringung des in sich entdeckten Bewußtseins der Menschheit und dessen, was draußen im Raume als das Göttliche empfunden wurde. Der Mensch war ganz und gar zusammengewachsen mit der physisch-sinnlichen Welt in dieser Kulturepoche.|103|164}}&lt;br /&gt;
{{GS|Eine Logik, das, was Nachdenken im Ich selber ist, wo man im Ich Begriffe verbindet und trennt, wo man also logisch urteilt, nicht abliest von den Dingen, das tritt erst in der vierten Kulturepoche ein. Daher nennen wir diese vierte Epoche die Epoche der Verstandesseele.|103|173}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gruppen-Ich&lt;br /&gt;
{{GS|Aus dem Gruppenseelencharakter hat sich auch der Mensch entwickelt und nach und nach sich hinaufgeschwungen dazu, in der Einzelpersönlichkeit das Ich zu empfinden. Wir können gewisse Dinge, besonders die religiösen Urkunden, nur verstehen, wenn wir dies Geheimnis von den Gruppenseelen, von den Gruppen-Ichen wissen.|103|72}}&lt;br /&gt;
{{GS|Die Menschen leben ja doch, insofern sie sichtbare Menschen waren, als einzelne. Sie fühlen zwar das Gruppen-Ich, aber für die Sinne waren sie einzelne. Da sie sich noch nicht als einzelne fühlten, konnten sie auch noch nicht die Liebe in vollem Maße innerlich haben.|103|79}}&lt;br /&gt;
{{GS|auch heute sind die Menschen noch nicht in allen Dingen über die Gruppen-Iche hinaus. In wie vielen Dingen ist der Mensch heute durchaus nicht individueller Mensch, sondern ein Gruppenwesen.|103|80}}&lt;br /&gt;
{{GS|Erst wenn er zu dem eigentlichen Ich des Tieres kommen will, kann er nicht in der physischen Welt bleiben, da muß er hinaufsteigen in die astralische Welt. Da ist die Gruppenseele oder das Gruppen-Ich der Tiere.|103|137}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gruppenseele&lt;br /&gt;
{{GS|So wie eine Kuh dasselbe Aussehen hat wie ihre Nachkommen […] weil da die Gruppenseele zugrunde liegt, so sahen auch die Menschen ihren Vorfahren zum Verwechseln ähnlich […] Woher kommt nun die Tatsache, daß die Menschen sich nicht mehr ähnlich sind?|99|127}}&lt;br /&gt;
{{GS|Aus dem Gruppenseelencharakter hat sich auch der Mensch entwickelt und nach und nach sich hinaufgeschwungen dazu, in der Einzelpersönlichkeit das Ich zu empfinden. Wir können gewisse Dinge, besonders die religiösen Urkunden, nur verstehen, wenn wir dies Geheimnis von den Gruppenseelen, von den Gruppen-Ichen wissen.|103|72}}&lt;br /&gt;
{{GS|Innerhalb der Bekenner des Alten Testamentes sehen wir im vollsten Sinne noch das ausgedrückt, what wir die Zugehörigkeit zur Gruppenseele als die Grundlage des einzelnen Ichs im Gesamt-Ich nennen können.|103|89}}&lt;br /&gt;
{{GS|Darauf wird hingewiesen, daß es etwas Besonderes ist, daß der Christus zu einem Volke geht [Samariter], dessen Iche aus der Gruppenseele herausgehoben, entwurzelt sind.|103|99}}&lt;br /&gt;
{{GS|Erst wenn er zu dem eigentlichen Ich des Tieres kommen will, kann er nicht in der physischen Welt bleiben, da muß er hinaufsteigen in die astralische Welt. Da ist die Gruppenseele oder das Gruppen-Ich der Tiere.|103|137}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Artikel unten}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>ElkeJura</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://steiner.wiki/index.php?title=Gesamtglossar_B&amp;diff=11276</id>
		<title>Gesamtglossar B</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://steiner.wiki/index.php?title=Gesamtglossar_B&amp;diff=11276"/>
		<updated>2025-08-13T19:32:31Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;ElkeJura: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Artikel oben}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Babylonisch-assyrisch-chaldäisch-ägyptische Kultur [dritte Kultuepoche]&lt;br /&gt;
{{GS|So hat der Mensch der dritten Kulturepoche hineingearbeitet in die Materie den Geist, durchdrungen die äußere Welt mit dem Geist.|103|148}}&lt;br /&gt;
{{GS|In dem, was für die Inder noch Maja war, in den Bahnen und dem Glanz der Sterne, sieht der Angehörige der dritten Kulturepoche den Ausdruck der Ratschlüsse und Absichten göttlich-geistiger Wesenheiten.|103|156}}&lt;br /&gt;
{{GS|Wenig ist in der ägyptisch-chaldäischassyrisch-babylonischen Zeit von dem im Menschen schon vorhanden, what man innerliche Persönlichkeits- und Verstandeskultur nennen könnte.|103|172}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bewusstsein&lt;br /&gt;
{{GS|Das Blut erzeugt einen fortwährenden Kampf zwischen Leben und Tod […] Mit der eigenen Blutumwandlung im Menschen entstand auch jene Verfinsterung des &#039;&#039;&#039;Bewußtseins&#039;&#039;&#039; über Geburt und Tod hinaus.|99|128}}&lt;br /&gt;
{{GS|... dasjenige, was wir heute bei dem Durchschnittsmenschen «Schlaf» nennen, nur ein vorübergehender Bewußtseinszustand ist, der sich künftig wie heute schon bei den Eingeweihten umwandeln wird in einen Bewußtseinszustand, wo der Mensch leibbefreit hineinsieht in die geistige Welt.|103|18}}&lt;br /&gt;
{{GS|Ganz anders war das Bewußtsein bei Tag und Nacht während der lemurischen Zeit noch verteilt. Da hatten die Menschen alle noch ein dumpfes hellseherisches Bewußtsein […] Der heutige Traum ist nur wie ein letzter ganz verkümmerter Rest dieses alten Hellsehens.|103|45}}&lt;br /&gt;
{{GS|[…] je mehr der Mensch sich einwohnte in seinen physischen Leib, desto mehr verschwanden die nächtlichen hellseherischen Bilder, desto mehr tauchte das heutige Tagesbewußtsein auf.|103|46}}&lt;br /&gt;
{{GS|So steigt der Mensch buchstäblich, wörtlich aus Sphären herunter, die wir bezeichnen müssen als Wasser- und Wasserdampfsphären […] Solange er in den Wasser-Luft-Sphären war, war sein Bewußtsein eine astralisch-helle Wahrnehmungsfähigkeit.|103|113}}&lt;br /&gt;
{{GS|Die nachatlantische Zeit ist also die, während der der Mensch das helle Tagesbewußtsein erlangt. Und er erlangte es dadurch, daß er das alte hellseherische Bewußtsein hingeben mußte.|103|143}}{{GS|Das Bewußtsein, […] das sich ausdehnt […] auf unser Leben zwischen Geburt und Tod, das entsteht dadurch, daß sich der Mensch des Instrumentes seines Gehirns bedienen kann. Wenn der Mensch durch die Pforte des Todes schreitet, tritt ein andersgeartetes Bewußtsein auf, das unabhängig ist vom Gehirn und an wesentlich andere Bedingungen gebunden ist.|120|24}}{{GS|Wenn der Mensch aber durch die Pforte des Todes schreitet, hört das Vorstellungsleben auf, das an das Instrument des Gehirns gebunden ist. Da beginnt eine andere Form des Bewußtseinslebens.|120|86}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bewusstseinsseele&lt;br /&gt;
{{GS|[…] was unbewußt das Ich am physischen Leib gearbeitet hat, ist das, was Sie dort genannt finden Bewußtseinsseele. Die Bewußtseinsseele also ist entstanden damals gegen das Ende der atlantischen Zeit …|103|128}}&lt;br /&gt;
{{GS|[…] ungefähr trat die Menschheit ein in diese Epoche um die Mitte des Mittelalters, vom 10., 11., 12. Jahrhundert angefangen, wir selbst sind in der Epoche des Eintretens des Ich in die Bewußtseinsseele.|103|173}}&lt;br /&gt;
{{GS|Alle Forderungen der neueren Zeit sind nichts anderes, als daß unbewußt die Menschen die Forderungen der Bewußtseinsseele herausbringen.|103|174}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bewusstseinszustand&lt;br /&gt;
{{GS|Solches Bewusstsein [der erste Bewusstseinszustand], das dumpf ist […] hat der Mensch einstmals auf der ersten Verkörperung unserer Erde gehabt. Man nennt es tiefes Trancebewusstsein. Es gibt Wesen in unserer Umgebung, die solches Bewusstsein noch jetzt haben; das sind die Mineralien|99|85}}&lt;br /&gt;
{{GS|Der zweite Bewusstseinszustand, den wir kennen […] ist der des gewöhnlichen Schlafes […] Dieses Schlafbewusstsein hatten einst alle Menschen dauernd, als die Erde Sonne war[…] Auch heute gibt es noch diesen Bewusstseinszustand: die Pflanzen haben ihn|99|86}}&lt;br /&gt;
{{GS|Der dritte Zustand, der immer noch dämmerhaft und dumpf ist im Verhältnis zu unserem Tagesbewusstsein, ist der des Bilderbewusstseins, und davon haben wir  […] einen Nachklang im traumerfüllten Schlafe […] allerdings nur ein Rudiment von dem, was auf dem Monde das Bewusstsein aller Menschen war|99|86}}&lt;br /&gt;
{{GS|Der vierte Bewußtseinszustand ist der, den jetzt alle Menschen haben. Die Bilder, die der Mensch früher im Raume als Farbenbilder frei schwebend wahrgenommen hat, legen sich gleichsam um die Gegenstände|99|89}}&lt;br /&gt;
{{GS|Der nächste Bewußtseinszustand [der fünfte], […] ist der sogenannte psychische, ein Bewußtseinszustand, in dem man beides zusammen hat, das Bilderbewußtsein und das wache Tagesbewußtsein …[…] in vollständiger Selbstkontrolle […] das Jupiterbewusstein|99|91}}&lt;br /&gt;
{{GS|Dann gibt es noch einen sechsten Bewußtseinszustand, […] dem Bewußtsein der Inspiration|99|91}}&lt;br /&gt;
{{GS|Der siebente Bewußtseinszustand ist das spirituelle Bewußtsein, das eigentlich höchste Bewußtsein, wo der Mensch Allbewußtsein hat|99|91}}&lt;br /&gt;
{{GS|[…] in dem Gespräch des Christus Jesus mit Nikodemus die Unterredung […] des Christus mit einer Persönlichkeit, die imstande ist, dasjenige wahrzunehmen, was man außerhalb des physischen Leibes durch bis zu einem gewissen Grade entwickelte höhere Erkenntnisorgane wahrnimmt. […] Nikodemus kam zu dem Christus Jesus «bei der Nacht», das heißt in einem Bewußtseinszustand, innerhalb welchem sich der Mensch nicht seiner äußeren Sinnesorgane bedient.|103|104}}&lt;br /&gt;
{{GS|Wir haben gesehen, wie in dieser Zeit vor der atlantischen Flut eine so scharfe Trennung noch nicht war zwischen dem Bewußtseinszustand während des Tageslebens und dem Bewußtseinszustand während des Nachtlebens.|103|153}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Blut&lt;br /&gt;
{{GS|Dieses Blut war nicht in einem Menschenleibe, bevor sich ein Ich verkörperte, so daß dieses rote Menschenblut mit der Entwickelung der Erde selbst zusammenhängt|99|82}}&lt;br /&gt;
{{GS|Das Blut erzeugt einen fortwährenden Kampf zwischen Leben und Tod […] Mit der eigenen Blutumwandlung im Menschen entstand auch jene Verfinsterung des Bewußtseins über Geburt und Tod hinaus.|99|128}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Blutsprobe [4. stufe christlicher Einweihungsweg]&lt;br /&gt;
{{GS|Das Vierte ist das, daß dem Schüler sein Leib, den er hat, in seinem Gefühl so fremd werden muß wie ein äußerer Gegenstand […] Er verbindet sein Ich nicht mehr mit seinem Leibe. Dann tritt etwas ein, was man nennt die «Blutsprobe». […] und als inneres Symptom sieht er in einer astralen Vision die «Kreuzigung».|103|192}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Blutsverwandtschaft&lt;br /&gt;
{{GS|Da kam der Christus Jesus und sagte zu seinen nächsten intimsten Eingeweihten: Bisher haben die Menschen bloß geurteilt nach dem Fleisch, nach der Blutsverwandtschaft …Ihr aber sollt an einen viel geistigeren Zusammenhang glauben, an den, der weiter geht als die Blutsverwandtschaft. Ihr sollt an einen geistigen Vatergrund glauben, in dem das Ich wurzelt, der geistiger ist als jener Grund.|103|59}}&lt;br /&gt;
{{GS|Aber es gab eine Zeit, in der noch ein anderes Gedächtnis vorhanden war, wo sich der Mensch nicht nur an seine Taten erinnerte, sondern wo er sich auch an die Taten seines Vaters, seines Großvaters erinnerte wie an seine eigenen. Das Gedächtnis reichte hinüber, weit in die Blutsverwandtschaft der Ahnen bis zum Stammvater.|103|72}}&lt;br /&gt;
{{GS|Der eine liebt den anderen, weil er blutsverwandt mit ihm ist. Die Blutsverwandtschaft ist die Grundlage aller Liebe. Die Blutsverwandten liebten sich zuerst, und aus der Blutsverwandtschaft geht auch die Liebe hervor, sofern sie nicht Geschlechtsliebe ist.|103|79}}&lt;br /&gt;
{{GS|Dasjenige liebte sich in den ursprünglichen Menschheitszeiten, was durch Blutsbande miteinander verbunden war […] Der Christus war gekommen, um diese Liebe zu vergeistigen, um auf der einen Seite die Liebe loszureißen von den Banden, in die sie durch die Blutsverwandtschaft hineinverschlungen wird …|103|89}}&lt;br /&gt;
{{GS|Und das andere, was uns gezeigt wird, ist, daß der Christus immer eine Mission erfüllen will, die absieht von den bloßen Blutsbanden.|103|99}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Brot des Lebens [biblisch]&lt;br /&gt;
{{GS|Als der Logos Fleisch wird und innerhalb der Menschheit erscheint, da ist er ein Kraftimpuls, der unter die Menschen gebracht wird […] der in der Welt als ein Kraftimpuls enthalten ist, an dem der Mensch teilnehmen kann. Da nennt er sich […] das «Brot des Lebens» (6, 48), das ist der technische Ausdruck für Buddhi oder Lebensgeist|103|120}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Buddhi [Lebensgeist]&lt;br /&gt;
{{GS|[…] soviel von seinem Ätherleibe umgestaltet ist zu einem Produkt des Ich, nennen wir dies die Buddhi oder den Lebensgeist|103|34}}&lt;br /&gt;
{{GS|Am Ende der Erdenlaufbahn ist der Mensch durchdrungen von seinem Ich; und dieses sein Ich wohnt selber in dem Astralleib, wenn es als Manas oder Geistselbst den astralischen Leib durchzogen hat. Dieses Ich hat dann den Ätherleib durchzogen, er ist ganz und gar durchsetzt von der Buddhi oder dem Lebensgeiste; und der physische Leib ist ganz und gar durchzogen von Atman oder dem Geistesmenschen, den Produkten des Ich.|103|35}}&lt;br /&gt;
{{GS|Als der Logos Fleisch wird und innerhalb der Menschheit erscheint, da ist er ein Kraftimpuls, der unter die Menschen gebracht wird […] der in der Welt als ein Kraftimpuls enthalten ist, an dem der Mensch teilnehmen kann. Da nennt er sich […] das «Brot des Lebens» (6, 48), das ist der technische Ausdruck für Buddhi oder Lebensgeist.|103|120}}&lt;br /&gt;
{{GS|Wenn der Äther- oder Lebensleib ganz und gar durchgearbeitet, durchkraftet sein wird mit der Kraft des Ich, wird er sein die Buddhi oder der Lebensgeist.|103|127}}&lt;br /&gt;
{{GS|Die Substanz der Buddhi ist nichts anderes als der durch das ICH umgewandelte Teil des Ätherleibes|99|31}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Artikel unten}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>ElkeJura</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://steiner.wiki/index.php?title=GA_10&amp;diff=11275</id>
		<title>GA 10</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://steiner.wiki/index.php?title=GA_10&amp;diff=11275"/>
		<updated>2025-08-06T13:08:17Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;ElkeJura: /* Glossar */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Artikel oben}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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= Inhaltsverzeichnis =&lt;br /&gt;
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* [[GA 10#VORREDE ZUM ACHTEN BIS ELFTEN TAUSEND|VORREDE ZUM ACHTEN BIS ELFTEN TAUSEND]]&lt;br /&gt;
* [[GA 10#VORREDE ZUR FÜNFTEN AUFLAGE|VORREDE ZUR FÜNFTEN AUFLAGE]]&lt;br /&gt;
* [[GA 10#VORREDE ZUR DRITTEN AUFLAGE|VORREDE ZUR DRITTEN AUFLAGE]]&lt;br /&gt;
* [[GA 10#WIE ERLANGT MAN ERKENNTNISSE DER HÖHEREN WELTEN?|WIE ERLANGT MAN ERKENNTNISSE DER HÖHEREN WELTEN?]]&lt;br /&gt;
** [[GA 10#Bedingungen|Bedingungen]]&lt;br /&gt;
** [[GA 10#Innere Ruhe|Innere Ruhe]]&lt;br /&gt;
* [[GA 10#DIE STUFEN DER EINWEIHUNG|DIE STUFEN DER EINWEIHUNG]]&lt;br /&gt;
** [[GA 10#Die Vorbereitung|Die Vorbereitung]]&lt;br /&gt;
** [[GA 10#Die Erleuchtung|Die Erleuchtung]]&lt;br /&gt;
** [[GA 10#Kontrolle der Gedanken und Gefühle|Kontrolle der Gedanken und Gefühle]]&lt;br /&gt;
* [[GA 10#DIE EINWEIHUNG|DIE EINWEIHUNG]]&lt;br /&gt;
* [[GA 10#PRAKTISCHE GESICHTSPUNKTE|PRAKTISCHE GESICHTSPUNKTE]]&lt;br /&gt;
* [[GA 10#DIE BEDINGUNGEN ZUR GEHEIMSCHULUNG|DIE BEDINGUNGEN ZUR GEHEIMSCHULUNG]]&lt;br /&gt;
* [[GA 10#ÜBER EINIGE WIRKUNGEN DER EINWEIHUNG|ÜBER EINIGE WIRKUNGEN DER EINWEIHUNG]]&lt;br /&gt;
* [[GA 10#VERÄNDERUNGEN IM TRAUMLEBEN DES GEHEIMSCHÜLERS|VERÄNDERUNGEN IM TRAUMLEBEN DES GEHEIMSCHÜLERS]]&lt;br /&gt;
* [[GA 10#DIE ERLANGUNG DER KONTINUITÄT DES BEWUSSTSEINS|DIE ERLANGUNG DER KONTINUITÄT DES BEWUSSTSEINS]]&lt;br /&gt;
* [[GA 10#DIE SPALTUNG DER PERSÖNLICHKEIT WÄHREND DER GEISTESSCHULUNG|DIE SPALTUNG DER PERSÖNLICHKEIT WÄHREND DER GEISTESSCHULUNG]]&lt;br /&gt;
* [[GA 10#DER HÜTER DER SCHWELLE|DER HÜTER DER SCHWELLE]]&lt;br /&gt;
* [[GA 10#LEBEN UND TOD. DER GROSSE HÜTER DER SCHWELLE|LEBEN UND TOD. DER GROSSE HÜTER DER SCHWELLE]]&lt;br /&gt;
* [[GA 10#NACHWORT ZUM ACHTEN BIS ELFTEN TAUSEND|NACHWORT ZUM ACHTEN BIS ELFTEN TAUSEND]]&lt;br /&gt;
* [[GA 10#Glossar|Glossar]]&lt;br /&gt;
* [[GA 10#Literatur|Literatur]]&lt;br /&gt;
** [[GA 10#Originalausgaben|Originalausgaben]]&lt;br /&gt;
&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|7}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= VORREDE ZUM ACHTEN BIS ELFTEN TAUSEND =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An dem Inhalte dieser Neuauflage des vorliegenden Buches schienen mir heim neuerlichen Durcharbeiten nur geringe Änderungen notwendig. Dagegen habe ich dieser Ausgabe ein «Nachwort» hinzugefügt, durch das ich mich bemüht habe, manches deutlicher als früher zu sagen, was die seelischen Grundlagen betrifft, auf welche die Mitteilungen des Buches gestellt werden müssen, damit sie ohne Mißverständnis entgegengenommen werden. Ich glaube, daß der Inhalt dieses Nachwortes auch geeignet sein könnte, manchen Gegner der anthroposophischen Geisteswissenschaft darüber Aufzuklären, daß er sein Urteil nur dadurch aufrechterhalten kann, weil er sich unter dieser Geisteswissenschaft etwas ganz anderes vorstellt, als sie ist; während er, was sie ist, gar nicht ins Auge faßt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mai 1918 Rudolf Steiner&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|8}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= VORREDE ZUR FÜNFTEN AUFLAGE =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für diese Neuauflage von «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» ist die vor mehr als zehn Jahren niedergeschriebene Darstellung in allen Einzelheiten wieder durchgearbeitet worden. Das Bedürfnis nach solcher Durcharbeitung entsteht naturgemäß bei Mitteilungen über Seelenerlebnisse und Seelenwege von der Art, wie sie in diesem Buche gegeben sind. Es kann ja keinen Teil innerhalb des Mitgeteilten geben, mit dem die Seele des Mitteilers nicht innig verbunden bliebe und der nicht etwas enthielte, das an dieser Seele fortdauernd arbeitet. Es ist wohl auch kaum anders möglich, als daß mit diesem seelischen Arbeiten sich ein Streben nach erhöhter Klarheit und Deutlichkeit der vor Jahren gegebenen Darstellung verbindet. Diesem Streben ist entsprungen, was ich für das Buch bei dieser Neuauflage zu tun bemüht war. Zwar sind alle wesentlichen Glieder der Auseinandersetzungen, alle Hauptsachen so geblieben, wie sie waren; und doch sind wichtige Änderungen vollzogen worden. Ich konnte für eine genauere Charakterisierung im einzelnen an vielen Stellen manches tun. Und dies schien mir wichtig. Will jemand das in dem Buche Mitgeteilte in dem eigenen Geistesleben anwenden, so ist es von Bedeutung, daß er die Seelenwege, von denen die Rede ist, in möglichst genauer Charakterisierung ins Auge zu fassen vermag. In einem viel höheren Maße als an die Schilderung der Tatsachen der physischen Welt können sich an diejenige innerer geistiger Vorgänge Mißverständnisse knüpfen. Das Bewegliche des Seelenlebens, die Notwendigkeit, diesem Leben gegenüber nie aus dem Bewußtsein&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|9}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
zu verlieren, wie verschieden es ist von allem Leben in der physischen Welt, und vieles andere, machen solche Mißverständnisse möglich. Ich habe bei dieser Neuauflage die Aufmerksamkeit darauf gerichtet, die Stellen des Buches aufzufinden, wo solche Mißverständnisse entstehen können; und ich habe mich bemüht, bei der Abfassung ihrem Entstehen entgegenzuarbeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als ich die Aufsätze schrieb, aus welchen das Buch zusammengesetzt ist, mußte über manches auch aus dem Grunde anders gesprochen werden als gegenwärtig, weil ich auf den Inhalt dessen, was ich in den letzten zehn Jahren über Tatsachen der Erkenntnis geistiger Welten veröffentlicht habe, damals anders hinzudeuten hatte, als es jetzt, nach der Veröffentlichung, zu geschehen hat. In meiner «Geheimwissenschaft», in der «Führung des Menschen und der Menschheit», in «Ein Weg zur Selbsterkenntnis» und besonders in «Die Schwelle der geistigen Welt», auch in anderen meiner Schriften sind geistige Vorgänge geschildert, auf deren Vorhandensein dieses Buch vor mehr als zehn Jahren zwar schon hindeuten mußte, dies aber doch mit anderen Worten, als es gegenwärtig richtig scheint. Ich mußte damals von vielem, das in dem Buche noch nicht geschildert wurde, sagen, es könne durch «mündliche Mitteilung» erfahren werden. Gegenwärtig ist nun vieles von dem veröffentlicht, was mit solchen Hinweisen gemeint war. Es waren aber diese Hinweise, die irrtümliche Meinungen bei den Lesern vielleicht nicht völlig ausschlossen. Man könnte etwa in dem persönlichen Verhältnis zu diesem oder jenem Lehrer bei dem nach Geistesschulung Strebenden etwas viel Wesentlicheres sehen, als gesehen werden soll. Ich hoffe, daß es&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|10}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
mir gelungen ist, in dieser neuen Auflage durch die Art der Darstellung mancher Einzelheiten schärfer zu betonen, wie es bei dem, der Geistesschulung sucht im Sinne der gegenwärtigen geistigen Bedingungen, viel mehr auf ein völlig unmittelbares Verhältnis zur objektiven Geistes-Welt als auf ein Verhältnis zur Persönlichkeit eines Lehrers ankommt. Dieser wird auch in der Geistesschulung immer mehr die Stellung nur eines solchen Helfers annehmen, die der Lehrende, gemäß den neueren Anschauungen, in irgendeinem anderen Wissenszweige innehat. Ich glaube genügend darauf hingewiesen zu haben, daß des Lehrers Autorität und der Glaube an ihn in der Geistesschulung keine andere Rolle spielen sollten, als dies der Fall ist auf irgendeinem anderen Gebiete des Wissens und Lebens. Mir scheint viel darauf anzukommen, daß immer richtiger beurteilt werde gerade dieses Verhältnis des Geistesforschers zu Menschen, die Interesse entwickeln für die Ergebnisse seines Forschens. So glaube ich das Buch verbessert zu haben, wo ich das Verbesserungsbedürftige nach zehn Jahren zu finden in der Lage war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An diesen ersten Teil soll sich ein zweiter anschließen. Dieser soll weitere Ausführungen über die Seelenverfassung bringen, welche den Menschen zum Erleben der höheren Welten führt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Neuauflage des Buches lag fertig gedruckt vor, als der große Krieg begann, den die Menschheit gegenwärtig erlebt. Diese Vorbemerkungen habe ich zu schreiben, während meine Seele tief bewegt ist von dem schicksaltragenden Ereignisse.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Berlin, 7. September 1914 Rudolf Steiner&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|11}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= VORREDE ZUR DRITTEN AUFLAGE =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es erscheinen hiermit als Buch meine Ausführungen, welche ursprünglich als einzelne Aufsätze unter dem Titel «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» abgedruckt waren. Zunächst wird dieser Band den ersten Teil bringen; ein folgender wird die Fortsetzung enthalten. Diese Arbeit über die Entwickelung des Menschen zum Erfassen der übersinnlichen Welten soll nicht in neuer Gestalt vor die Welt treten ohne einige Geleitworte, welche ihr hiermit vorgesetzt werden. Die in ihr enthaltenen Mitteilungen über die Seelenentwickelung des Menschen möchten verschiedenen Bedürfnissen dienen. Zunächst soll denjenigen Personen etwas gegeben werden, welche sich hingezogen fühlen zu den Ergebnissen der Geistesforschung und welche die Frage aufwerfen müssen: Ja, woher haben diejenigen ihr Wissen, welche behaupten, etwas über hohe Rätselfragen des Lebens sagen zu können? Die Geisteswissenschaft sagt über solche Rätsel etwas. Wer die Tatsachen beobachten will, welche zu diesen Aussagen führen, der muß zu übersinnlichen Erkenntnissen aufsteigen. Er muß den Weg gehen, welcher in dieser Schrift zu schildern versucht wird. Doch wäre es ein Irrtum, zu glauben, daß die Mitteilungen der Geisteswissenschaft für den wertlos seien, der nicht Neigung oder Möglichkeit hat, diesen Weg selbst zu gehen. Um die Tatsachen zu erforschen, muß man die Fähigkeit haben, in die übersinnlichen Welten hineinzutreten. Sind sie aber erforscht und werden sie mitgeteilt, so kann auch derjenige, welcher sie nicht selber wahrnimmt, sich eine hinreichende Überzeugung von der Wahrheit der Mitteilungen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|12}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
verschaffen. Ein großer Teil derselben ist ohne weiteres dadurch zu prüfen, daß man die gesunde Urteilskraft in wirklich unbefangener Weise auf sie anwendet. Man wird sich nur nicht in dieser Unbefangenheit stören lassen dürfen durch alle möglichen Vorurteile, die einmal im Menschenleben so zahlreich vorhanden sind. Es wird zum Beispiel leicht vorkommen, daß jemand findet, dies oder jenes vertrage sich nicht mit gewissen wissenschaftlichen Ergebnissen der Gegenwart. In Wahrheit gibt es kein wissenschaftliches Ergebnis, welches der geistigen Forschung widerspricht. Doch kann man leicht glauben, daß dieses oder jenes wissenschaftliche Urteil zu den Mitteilungen über die höheren Welten nicht stimme, wenn man nicht allseitig und unbefangen die wissenschaftlichen Ergebnisse zu Rate zieht. Man wird finden, daß, je unbefangener man die Geisteswissenschaft gerade mit den positiven wissenschaftlichen Errungenschaften zusammenhält, um so schöner die volle Übereinstimmung erkannt werden kann. Ein anderer Teil der geisteswissenschaftlichen Mitteilungen wird sich allerdings mehr oder weniger dem bloßen Verstandesurteile entziehen. Aber es wird unschwer derjenige ein rechtes Verhältnis auch zu diesem Teile gewinnen können, welcher einsieht, daß nicht nur der Verstand, sondern auch das gesunde Gefühl ein Richter über die Wahrheit sein kann. Und wo dieses Gefühl sich nicht durch Sympathie oder Antipathie für diese oder jene Meinung treiben läßt, sondern wirklich unbefangen die Erkenntnisse der übersinnlichen Welten auf sich wirken läßt, da wird sich auch ein entsprechendes Gefühlsurteil ergeben. Und noch manch anderen Weg gibt es zur Bewahrheitung dieser Erkenntnisse&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|13}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
für diejenigen Personen, welche den Pfad in die übersinnliche Welt nicht beschreiten können und wollen. Solche Menschen können aber gleichwohl fühlen, welchen Wert diese Erkenntnisse für das Leben haben, auch wenn sie sie nur aus den Mitteilungen der Geistesforscher erfahren. Ein schauender Mensch kann nicht ein jeder augenblicklich werden; eine rechte gesunde Lebensnahrung sind aber die Erkenntnisse des schauenden Menschen für jedermann. Denn anwenden im Leben kann sie jeder. Und wer es tut, wird bald einsehen, was das Leben mit ihnen auf allen Gebieten sein kann und was es entbehrt, wenn man sie ausschließt. Die Erkenntnisse der übersinnlichen Welten erweisen sich, richtig im Leben angewendet, nicht unpraktisch, sondern im höchsten Sinne praktisch. Wenn aber auch jemand den höheren Erkenntnispfad nicht selbst betreten will, so kann er doch, wenn er Neigung für die auf demselben beobachteten Tatsachen hat, fragen: Wie kommt der schauende Mensch zu diesen Tatsachen? Denjenigen Personen, welche ein Interesse an dieser Frage haben, möchte diese Schrift ein Bild von dem geben, was man unternehmen muß, um die übersinnliche Welt wirklich kennenzulernen. Sie möchte den Weg in dieselbe so darstellen, daß auch derjenige, der ihn nicht selbst geht, Vertrauen gewinnen kann zu dem, was ein solcher sagt, der ihn gegangen ist. Man kann ja auch, wenn man gewahr wird, was der Geistesforscher tut, dies richtig finden und sich sagen: die Schilderung des Pfades in die höheren Welten macht auf mich einen solchen Eindruck, daß ich verstehen kann, warum die mitgeteilten Tatsachen mir einleuchtend erscheinen. So soll also diese Schrift jenen dienen, welche in ihrem Wahrheitssinn und&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|14}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wahrheitsgefühl für die übersinnliche Welt eine Stärkung und Sicherheit wünschen. Nicht minder möchte sie aber auch denjenigen etwas bieten, welche den Weg zu den übersinnlichen Erkenntnissen selbst suchen. Diejenigen Personen werden die Wahrheit des hier Dargestellten am besten erproben, welche sie in sich selbst verwirklichen. Wer solch eine Absicht hat, wird gut tun, sich immer wieder zu sagen, daß bei Darstellung der Seelen-Entwickelung mehr notwendig ist als ein solches Bekanntwerden mit dem Inhalte, wie es bei anderen Ausführungen oftmals angestrebt wird. Ein intimes Hineinleben in die Darstellung ist notwendig; die Voraussetzung soll man machen, daß man die eine Sache nicht nur durch das begreifen soll, was über sie selbst gesagt wird, sondern durch manches, was über ganz anderes mitgeteilt wird. Man wird so die Vorstellung erhalten, daß nicht in einer Wahrheit das Wesentliche liegt, sondern in dem Zusammenstimmen aller. Wer Übungen ausführen will, muß das ganz ernstlich bedenken. Eine Übung kann richtig verstanden, auch richtig ausgeführt sein; und dennoch kann sie unrichtig wirken, wenn nicht von dem Ausführenden ihr eine andere Übung hinzugefügt wird, welche die Einseitigkeit der ersten zu einer Harmonie der Seele auslöst. Wer diese Schrift intim liest, so daß ihm Lesen wie ein innerliches Erleben wird, der wird sich nicht nur mit dem Inhalte bekannt machen, sondern auch an dieser Stelle dieses, an einer anderen jenes Gefühl haben; und dadurch wird er erkennen, welches Gewicht für die Seelenentwickelung dem einen oder dem anderen zukommt. Er wird auch herausfinden, in welcher Form er diese oder jene Übung, nach seiner besonderen Individualität, gerade bei&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|15}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sich versuchen sollte. Wenn, wie hier, Beschreibungen in Betracht kommen von Vorgängen, welche erlebt werden sollen, so erweist sich als notwendig, daß man auf den Inhalt immer wieder zurückgreife; denn man wird sich überzeugen, daß man manches erst dann für sich selbst zu einem befriedigenden Verständnis bringt, wenn man es versucht hat und nach dem Versuche gewisse Feinheiten der Sache bemerkt, die einem früher entgehen mußten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch solche Leser, welche den Weg, der vorgezeichnet ist, nicht zu gehen beabsichtigen, werden in der Schrift manches Brauchbare für das innere Leben finden: Lebensregeln, Hinweise, wie dies oder jenes sich aufklärt, was rätselhaft erscheint und so weiter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und mancher, der durch seine Lebenserfahrung dieses oder jenes hinter sich hat, in mancher Beziehung eine Lebenseinweihung durchgemacht hat, wird eine gewisse Befriedigung finden können, wenn er im Zusammenhange geklärt findet, was ihm im einzelnen vorgeschwebt hat; was er schon wußte, ohne vielleicht dies Wissen bis zu einer für ihn selbst hinreichenden Vorstellung gebracht zu haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|16}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= WIE ERLANGT MAN ERKENNTNISSE DER HÖHEREN WELTEN?=&lt;br /&gt;
== Bedingungen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es schlummern in jedem Menschen Fähigkeiten, durch die er sich Erkenntnisse über höhere Welten erwerben kann. Der Mystiker, der Gnostiker, der Theosoph sprachen stets von einer Seelen- und einer Geisterwelt, die für sie ebenso vorhanden sind wie diejenige, die man mit physischen Augen sehen, mit physischen Händen betasten kann. Der Zuhörer darf sich in jedem Augenblicke sagen: wovon dieser spricht, kann ich auch erfahren, wenn ich gewisse Kräfte in mir entwickele, die heute noch in mir schlummern. Es kann sich nur darum handeln, wie man es anzufangen hat, um solche Fähigkeiten in sich zu entwickeln. Dazu können nur diejenigen Anleitung geben, die schon in sich solche Kräfte haben. Es hat, seit es ein Menschengeschlecht gibt, auch immer eine Schulung gegeben, durch die solche, die höhere Fähigkeiten hatten, denen Anleitung gaben, die ebensolche Fähigkeiten suchten. Man nennt solche Schulung Geheimschulung; und der Unterricht, welcher da empfangen wird, heißt geheimwissenschaftlicher oder okkulter Unterricht. Eine solche Bezeichnung erweckt naturgemäß Mißverständnis. Wer sie hört, kann leicht zu dem Glauben verführt werden, daß diejenigen, die für solche Schulung tätig sind, eine besonders bevorzugte Menschenklasse darstellen wollen, die willkürlich ihr Wissen den Mitmenschen vorenthält. Ja, man denkt wohl auch, daß vielleicht überhaupt nichts Erhebliches hinter solchem Wissen stecke. Denn, wenn es&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|17}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ein wahres Wissen wäre so ist man versucht zu denken , so brauchte man daraus kein Geheimnis zu machen: man könnte es öffentlich mitteilen und die Vorteile davon allen Menschen zugänglich machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diejenigen, welche in die Natur des Geheimwissens eingeweiht sind, wundern sich nicht im geringsten darüber, daß die Uneingeweihten so denken. Worin das Geheimnis der Einweihung besteht, kann nur derjenige verstehen, der selbst diese Einweihung in die höheren Geheimnisse des Daseins bis zu einem gewissen Grade erfahren hat. Nun kann man fragen: wie soll denn der Uneingeweihte überhaupt irgendein menschliches Interesse an dem sogenannten Geheimwissen unter solchen Umständen erlangen? Wie und warum soll er etwas suchen, von dessen Natur er sich doch gar keine Vorstellung machen kann? Aber schon einer solchen Frage liegt eine ganz irrtümliche Vorstellung von dem Wesen des Geheimwissens zugrunde. In Wahrheit verhält es sich mit dem Geheimwissen nämlich doch nicht anders als mit allem übrigen Wissen und Können des Menschen. Dieses Geheimwissen ist für den Durchschnittsmenschen in keiner anderen Beziehung ein Geheimnis, als warum das Schreiben für den ein Geheimnis ist, der es nicht gelernt hat. Und wie jeder schreiben lernen kann, der die rechten Wege dazu wählt, so kann jeder ein Geheimschüler, ja ein Geheimlehrer werden, der die entsprechenden Wege dazu sucht. Nur in einer Hinsicht liegen die Verhältnisse hier noch anders als beim äußeren Wissen und Können. Es kann jemandem durch Armut, durch die Kulturverhältnisse, in die er hineingeboren ist, die Möglichkeit fehlen, sich die Kunst des Schreibens anzueignen; für die Erlangung von Wissen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|18}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und Können in den höheren Welten gibt es kein Hindernis für denjenigen, der diese ernstlich sucht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele glauben, man müsse die Meister des höheren Wissens da und dort aufsuchen, um von ihnen Aufschlüsse zu erhalten. Aber zweierlei ist richtig. Erstens wird derjenige, der ernstlich nach höherem Wissen trachtet, keine Mühe, kein Hindernis scheuen, um einen Eingeweihten aufzusuchen, der ihn in die höheren Geheimnisse der Welt einführen kann. Aber andererseits kann auch jeder sich klar darüber sein, daß ihn die Einweihung unter allen Umständen finden wird, wenn ernstes und würdiges Streben nach Erkenntnis vorliegt. Denn es gibt ein natürliches Gesetz für alle Eingeweihten, das sie dazu veranlaßt, keinem suchenden Menschen ein ihm gebührendes Wissen vorzuenthalten. Aber es gibt ein ebenso natürliches Gesetz, welches besagt, daß niemandem irgend etwas von dem Geheimwissen ausgeliefert werden kann, zu dem er nicht berufen ist und ein Eingeweihter ist um so vollkommener, je strenger er diese beiden Gesetze beobachtet. Das geistige Band, das alle Eingeweihten umfaßt, ist kein äußeres, aber die beiden genannten Gesetze bilden feste Klammern, durch welche die Bestandteile dieses Bandes zusammengehalten werden. Du magst in intimer Freundschaft mit einem Eingeweihten leben: du bist doch so lange von seinem Wesen getrennt, bis du selbst ein Eingeweihter geworden bist. Du magst das Herz, die Liebe eines Eingeweihten im vollsten Sinne genießen: sein Geheimnis wird er dir erst anvertrauen, wenn du reif dazu bist. Du magst ihm schmeicheln, du magst ihn foltern: nichts kann ihn bestimmen, dir irgend etwas zu verraten, von dem er weiß, daß es dir nicht verraten werden darf,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|19}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
weil du auf der Stufe deiner Entwickelung dem Geheimnis noch nicht den rechten Empfang in deiner Seele zu bereiten verstehst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Wege, die den Menschen reif zum Empfange eines Geheimnisses machen, sind genau bestimmte. Ihre Richtung ist mit unauslöschbaren, ewigen Buchstaben vorgezeichnet in den Geisteswelten, in denen die Eingeweihten die höheren Geheimnisse behüten. In alten Zeiten, die vor unsrer «Geschichte» liegen, waren die Tempel des Geistes auch äußerlich sichtbare; heute, wo unser Leben so ungeistig geworden ist, sind sie nicht in der Welt vorhanden, die dem äußeren Auge sichtbar ist. Aber sie sind geistig überall vorhanden; und jeder, der sucht, kann sie finden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nur in seiner eigenen Seele kann der Mensch die Mittel finden, die ihm den Mund der Eingeweihten öffnen. Gewisse Eigenschaften muß er in sich bis zu einem bestimmten hohen Grade entwickeln, dann können ihm die höchsten Geistesschätze zuteil werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine gewisse Grundstimmung der Seele muß den Anfang bilden. Der Geheimforscher nennt diese Grundstimmung den Pfad der Verehrung, der Devotion gegenüber der Wahrheit und Erkenntnis. Nur wer diese Grundstimmung hat, kann Geheimschüler werden. Wer Erlebnisse auf diesem Gebiete hat, der weiß, welche Anlagen bei denen schon in der Kindheit zu bemerken sind, welche später Geheimschüler werden. Es gibt Kinder, die mit heiliger Scheu zu gewissen von ihnen verehrten Personen emporblicken. Sie haben eine Ehrfurcht vor ihnen, die ihnen im tiefsten Herzensgrunde verbietet, irgendeinen Gedanken aufkommen zu lassen von Kritik, von Opposition. Solche Kinder wachsen zu Jünglingen und Jungfrauen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|20}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
heran, denen es wohltut, wenn sie zu irgend etwas Verehrungsvollem aufsehen können. Aus den Reihen dieser Menschenkinder gehen viele Geheimschüler hervor. Hast du einmal vor der Türe eines verehrten Mannes gestanden und hast du bei diesem deinem ersten Besuche eine heilige Scheu empfunden, auf die Klinke zu drücken, um in das Zimmer zu treten, das für dich ein «Heiligtum» ist, so hat sich in dir ein Gefühl geäußert, das der Keim sein kann für deine spätere Geheimschülerschaft. Es ist ein Glück für jeden heranwachsenden Menschen, solche Gefühle als Anlagen in sich zu tragen. Man glaube nur ja nicht, daß solche Anlagen den Keim zur Unterwürfigkeit und Sklaverei bilden. Es wird später die erst kindliche Verehrung gegenüber Menschen zur Verehrung gegenüber Wahrheit und Erkenntnis. Die Erfahrung lehrt, daß diejenigen Menschen auch am besten verstehen, das Haupt frei zu tragen, die verehren gelernt haben da, wo Verehrung am Platze ist. Und am Platze ist sie überall da, wo sie aus den Tiefen des Herzens entspringt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir nicht das tiefgründige Gefühl in uns entwickeln, daß es etwas Höheres gibt, als wir sind, werden wir auch nicht in uns die Kraft finden, uns zu einem Höheren hinaufzuentwickeln. Der Eingeweihte hat sich nur dadurch die Kraft errungen, sein Haupt zu den Höhen der Erkenntnis zu erheben, daß er sein Herz in die Tiefen der Ehrfurcht, der Devotion geführt hat. Höhe des Geistes kann nur erklommen werden, wenn durch das Tor der Demut geschritten wird. Ein rechtes Wissen kannst du nur erlangen, wenn du gelernt hast, dieses Wissen zu achten. Der Mensch hat gewiß das Recht, sein Auge dem Lichte entgegenzuhalten; aber er muß dieses Recht erwerben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|21}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im geistigen Leben gibt es ebenso Gesetze wie im materiellen. Streiche eine Glasstange mit einem entsprechenden Stoffe, und sie wird elektrisch, das heißt: sie erhält die Kraft, kleine Körper anzuziehen. Dies entspricht einem Naturgesetz. Hat man ein wenig Physik gelernt, so weiß man dies. Und ebenso weiß man, wenn man die Anfangsgründe der Geheimwissenschaft kennt, daß jedes in der Seele entwickelte Gefühl von wahrer Devotion eine Kraft entwickelt, die in der Erkenntnis früher oder später weiter führen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer in seinen Anlagen die devotionellen Gefühle hat, oder wer das Glück hat, sie durch eine entsprechende Erziehung eingepflanzt zu erhalten, der bringt vieles mit, wenn er im späteren Leben den Zugang zu höheren Erkenntnissen sucht. Wer eine solche Vorbereitung nicht mitbringt, dem erwachsen schon auf der ersten Stufe des Erkenntnispfades Schwierigkeiten, wenn er nicht durch Selbsterziehung die devotionelle Stimmung energisch in sich zu erzeugen unternimmt. In unserer Zeit ist es ganz besonders wichtig, daß auf diesen Punkt die volle Aufmerksamkeit gelenkt wird. Unsere Zivilisation neigt mehr zur Kritik, zum Richten, zum Aburteilen und wenig zur Devotion, zur hingebungsvollen Verehrung. Unsere Kinder schon kritisieren viel mehr, als sie hingebungsvoll verehren. Aber jede Kritik, jedes richtende Urteil vertreiben ebensosehr die Kräfte der Seele zur höheren Erkenntnis, wie jede hingebungsvolle Ehrfurcht sie entwickelt. Damit soll gar nichts gegen unsere Zivilisation gesagt sein. Es handelt sich hier gar nicht darum, Kritik an dieser unserer Zivilisation zu üben. Gerade der Kritik, dem selbstbewußten. menschlichen Urteil, dem «Prüfet alles und das Beste&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|22}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
behaltet», verdanken wir die Größe unserer Kultur. Nimmermehr hätte der Mensch die Wissenschaft, die Industrie, den Verkehr, die Rechtsverhältnisse unserer Zeit erlangt, wenn er nicht überall Kritik geübt, überall den Maßstab seines Urteils angelegt hätte. Aber was wir dadurch an äußerer Kultur gewonnen haben, mußten wir mit einer entsprechenden Einbuße an höherer Erkenntnis, an spirituellem Leben bezahlen. Betont muß werden, daß es sich beim höheren Wissen nicht um Verehrung von Menschen, sondern um eine solche gegenüber Wahrheit und Erkenntnis handelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nur das eine muß freilich sich jeder klarmachen, daß derjenige, der ganz in der veräußerlichten Zivilisation unserer Tage darinnen steckt, es sehr schwer hat, zur Erkenntnis der höheren Welten vorzudringen. Er kann es nur, wenn er energisch an sich arbeitet. In einer Zeit, in der die Verhältnisse des materiellen Lebens einfache waren, war auch geistiger Aufschwung leichter zu erreichen. Das Verehrungswürdige, das Heiligzuhaltende hob sich mehr von den übrigen Weltverhältnissen ab. Die Ideale werden in einem kritischen Zeitalter herabgezogen. Andere Gefühle treten an die Stelle der Verehrung, der Ehrfurcht, der Anbetung und Bewunderung. Unser Zeitalter drängt diese Gefühle immer mehr zurück, so daß sie durch das alltägliche Leben dem Menschen nur noch in sehr geringem Grade zugeführt werden. Wer höhere Erkenntnis sucht, muß sie in sich erzeugen. Er muß sie selbst seiner Seele einflößen. Das kann man nicht durch Studium. Das kann man nur durch das Leben. Wer Geheimschüler werden will, muß sich daher energisch zur devotionellen Stimmung erziehen. Er muß überall in seiner Umgebung,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|23}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
in seinen Erlebnissen dasjenige aufsuchen, was ihm Bewunderung und Ehrerbietung abzwingen kann. Begegne ich einem Menschen und tadle ich seine Schwächen, so raube ich mir höhere Erkenntniskraft; suche ich liebevoll mich in seine Vorzüge zu vertiefen, so sammle ich solche Kraft. Der Geheimjünger muß fortwährend darauf bedacht sein, diese Anleitung zu befolgen. Erfahrene Geheimforscher wissen, was sie für eine Kraft dem Umstande verdanken, daß sie immer wieder allen Dingen gegenüber auf das Gute sehen und mit dem richtenden Urteile zurückhalten. Aber dies darf nicht eine äußerliche Lebensregel bleiben. Sondern es muß von dem Innersten unsrer Seele Besitz ergreifen. Der Mensch hat es in seiner Hand, sich selbst zu vervollkommnen, sich mit der Zeit ganz zu verwandeln. Aber es muß sich diese Umwandlung in seinem Innersten, in seinem Gedankenleben vollziehen. Es genügt nicht, daß ich äußerlich in meinem Verhalten Achtung gegenüber einem Wesen zeige. Ich muß diese Achtung in meinen Gedanken haben. Damit muß der Geheimschüler beginnen, daß er die Devotion in sein Gedankenleben aufnimmt. Er muß auf die Gedanken der Unehrerbietung, der abfälligen Kritik in seinem Bewußtsein achten. Und er muß geradezu suchen, in sich Gedanken der Devotion zu pflegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jeder Augenblick, in dem man sich hinsetzt, um gewahr zu werden in seinem Bewußtsein, was in einem steckt an abfälligen, richtenden, kritischen Urteilen über Welt und Leben: jeder solcher Augenblick bringt uns der höheren Erkenntnis näher. Und wir steigen rasch auf, wenn wir in solchen Augenblicken unser Bewußtsein nur erfüllen mit Gedanken, die uns mit Bewunderung, Achtung,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|24}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verehrung gegenüber Welt und Leben erfüllen. Wer in diesen Dingen Erfahrung hat, der weiß, daß in jedem solchen Augenblicke Kräfte in dem Menschen erweckt werden, die sonst schlummernd bleiben. Es werden dadurch dem Menschen die geistigen Augen geöffnet. Er fängt dadurch an, Dinge um sich herum zu sehen, die er früher nicht hat sehen können. Er fängt an zu begreifen, daß er vorher nur einen Teil der ihn umgebenden Welt gesehen hat. Der Mensch, der ihm gegenübertritt, zeigt ihm jetzt eine ganz andere Gestalt als vorher. Zwar wird er durch diese Lebensregel noch nicht imstande sein, schon das zu sehen, was zum Beispiel als die menschliche Aura beschrieben wird. Denn dazu ist eine noch höhere Schulung nötig. Aber eben zu dieser höheren Schulung kann er aufsteigen, wenn er vorher eine energische Schulung in Devotion durchgemacht hat.*&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Geräuschlos und unbemerkt von der äußeren Welt vollzieht sich das Betreten des «Erkenntnispfades» durch den Geheimschüler. Niemand braucht an ihm eine Veränderung wahrzunehmen. Er tut seine Pflichten wie vorher; er besorgt seine Geschäfte wie ehedem. Die Verwandlung geht lediglich mit der inneren Seite der Seele vor sich, die dem äußeren Auge entzogen ist. Zunächst überstrahlt das ganze Gemütsleben des Menschen die eine Grundstimmung der Devotion gegenüber allem wahrhaft Ehrwürdigen. In diesem einen Grundgefühle findet sein ganzes Seelenleben den Mittelpunkt. Wie die Sonne durch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- - -&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;#&amp;lt;/nowiki&amp;gt;FN010-024-* In übersichtlicher Art findet man den «Pfad der Erkenntnis» im letzten Abschnitt meiner «Theosophie, Einführung in übersinnliche Weltanschauung und Menschenbestimmung». Hier sollen im einzelnen praktische Gesichtspunkte angegeben werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|25}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ihre Strahlen alles Lebendige belebt, so belebt beim Geheimschüler die Verehrung alle Empfindungen der Seele.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es wird dem Menschen anfangs nicht leicht, zu glauben, daß Gefühle wie Ehrerbietung, Achtung und so weiter etwas mit seiner Erkenntnis zu tun haben. Dies rührt davon her, daß man geneigt ist, die Erkenntnis als eine Fähigkeit für sich hinzustellen, die mit dem in keiner Verbindung steht, was sonst in der Seele vorgeht man bedenkt dabei aber nicht, daß die Seele es ist, welche erkennt und für die Seele sind Gefühle das, was für den Leib die Stoffe sind, welche seine Nahrung ausmachen. Wenn man dem Leibe Steine statt Brot gibt, so erstirbt seine Tätigkeit ähnlich ist es mit der Seele. Für sie sind Verehrung, Achtung, Devotion nährende Stoffe, die sie gesund, kräftig machen; vor allem kräftig zur Tätigkeit des Erkennens. Mißachtung, Antipathie, Unterschätzung des Anerkennenswerten bewirken Lähmung und Ersterben der erkennenden Tätigkeit. Für den Geistesforscher ist diese Tatsache an der Aura ersichtlich. Eine Seele, die sich verehrende, devotionelle Gefühle aneignet, bewirkt eine Veränderung ihrer Aura. Gewisse als gelbrote, braun-rote zu bezeichnende geistige Farbentöne verschwinden und werden durch blaurote ersetzt. Dadurch aber öffnet sich das Erkenntnisvermögen; es empfängt Kunde von Tatsachen in seiner Umgebung, von denen es vorher keine Ahnung hatte. Die Verehrung weckt eine sympathische Kraft in der Seele, und durch diese werden Eigenschaften der uns umgebenden Wesen von uns angezogen, die sonst verborgen bleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wirksamer noch wird das, was durch die Devotion zu erreichen ist, wenn eine andere Gefühlsart hinzukommt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|26}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie besteht darinnen, daß der Mensch lernt, sich immer weniger den Eindrücken der Außenwelt hinzugeben, und dafür ein reges Innenleben entwickelt. Ein Mensch, der von einem Eindruck der Außenwelt zu dem andern jagt, der stets nach «Zerstreuung» sucht, findet nicht den Weg zur Geheimwissenschaft. Nicht abstumpfen soll sich der Geheimschüler für die Außenwelt; aber sein reiches Innenleben soll ihm die Richtung geben, in der er sich ihren Eindrücken hingibt. Wenn ein gefühlsreicher und gemütstiefer Mensch durch eine schöne Gebirgslandschaft geht, erlebt er anderes als ein gefühlsarmer. Erst was wir im Innern erleben, gibt uns den Schlüssel zu den Schönheiten der Außenwelt. Der eine fährt über das Meer, und nur wenig innere Erlebnisse ziehen durch seine Seele; der andere empfindet dabei die ewige Sprache des Weltgeistes; ihm enthüllen sich geheime Rätsel der Schöpfung. Man muß gelernt haben, mit seinen eigenen Gefühlen, Vorstellungen umzugehen, wenn man ein inhaltvolles Verhältnis zur Außenwelt entwickeln will. Die Außenwelt ist in allen ihren Erscheinungen erfüllt von göttlicher Herrlichkeit; aber man muß das Göttliche erst in seiner Seele selbst erlebt haben, wenn man es in der Umgebung finden will. Der Geheimschüler wird darauf verwiesen, sich Augenblicke in seinem Leben zu schaffen, in denen er still und einsam sich in sich selbst versenkt. Nicht den Angelegenheiten seines eigenen Ich aber soll er sich in solchen Augenblicken hingeben. Das würde das Gegenteil von dem bewirken, was beabsichtigt ist. Er soll vielmehr in solchen Augenblicken in aller Stille nachklingen lassen, was er erlebt hat, was ihm die äußere Welt gesagt hat. Jede Blume, jedes Tier, jede Handlung wird ihm in solchen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|27}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
stillen Augenblicken ungeahnte Geheimnisse enthüllen. Und er wird vorbereitet dadurch, neue Eindrücke der Außenwelt mit ganz anderen Augen zu sehen als vorher. Wer nur Eindruck nach Eindruck genießen will, stumpft sein Erkenntnisvermögen ab. Wer, nach dem Genusse, sich von dem Genusse etwas offenbaren läßt, der pflegt und erzieht sein Erkenntnisvermögen. Er muß sich nur daran gewöhnen, nicht etwa nur den Genuß nachklingen zu lassen, sondern, mit Verzicht auf weiteren Genuß, das Genossene durch innere Tätigkeit zu verarbeiten. Die Klippe ist hier eine sehr große, die Gefahr bringt. Statt in sich zu arbeiten, kann man leicht in das Gegenteil verfallen und den Genuß nur hinterher noch völlig ausschöpfen wollen. Man unterschätze nicht, daß sich hier unabsehbare Quellen des Irrtums für den Geheimschüler eröffnen. Er muß ja hindurch zwischen einer Schar von Verführern seiner Seele. Sie alle wollen sein «Ich» verhärten, in sich selbst verschließen. Er aber soll es aufschließen für die Welt. Er muß ja den Genuß suchen; denn nur durch ihn kommt die Außenwelt an ihn heran. Stumpft er sich gegen den Genuß ab, so wird er wie eine Pflanze, die aus ihrer Umgebung keine Nahrungsstoffe mehr an sich ziehen kann. Bleibt er aber beim Genusse stehen, so verschließt er sich in sich selbst Er wird nur etwas für sich, nichts für die Welt bedeuten. Mag er in sich dann noch so sehr leben, mag er sein «Ich» noch so stark pflegen: die Welt scheidet ihn aus. Für sie ist er tot. Der Geheimschüler betrachtet den Genuß nur als ein Mittel, um sich für die Welt zu veredeln. Der Genuß ist ihm ein Kundschafter, der ihn unterrichtet über die Welt; aber er schreitet nach dem Unterricht durch den Genuß zur Arbeit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|28}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
vorwärts. Er lernt nicht, um das Gelernte als seine Wissensschätze aufzuhäufen, sondern um das Gelernte in den Dienst der Welt zu stellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist ein Grundsatz in aller Geheimwissenschaft, der nicht übertreten werden darf, wenn irgendein Ziel erreicht werden soll. Jede Geheimschulung muß ihn dem Schüler einprägen. Er heißt: Jede Erkenntnis, die du suchst, nur um dein Wissen zu bereichern, nur um Schätze in dir anzuhäufen, führt dich ab von deinem Wege; jede Erkenntnis aber, die du suchst, um reifer zu werden auf dem Wege der Menschenveredelung und der Weltenentwickelung, die bringt dich einen Schritt vorwärts. Dieses Gesetz fordert unerbittlich seine Beobachtung. Und man ist nicht früher Geheimschüler, ehe man dieses Gesetz zur Richtschnur seines Lebens gemacht hat. Man kann diese Wahrheit der geistigen Schulung in den kurzen Satz zusammenfassen: Jede Idee, die dir nicht zum Ideal wird, ertötet in deiner Seele eine Kraft; jede Idee, die aber zum Ideal wird, erschafft in dir Lebenskräfte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Innere Ruhe ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf den Pfad der Verehrung und auf die Entwickelung des inneren Lebens wird der Geheimschüler im Anfange seiner Laufbahn gewiesen. Die Geisteswissenschaft gibt nun auch praktische Regeln an die Hand, durch deren Beobachtung der Pfad betreten, das innere Leben entwickelt werden kann. Diese praktischen Regeln entstammen nicht der Willkür. Sie beruhen auf uralten Erfahrungen und uraltem Wissen. Sie werden überall in der gleichen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|29}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Art gegeben, wo die Wege zur höheren Erkenntnis gewiesen werden. Alle wahren Lehrer des geistigen Lebens stimmen in bezug auf den Inhalt dieser Regeln überein, wenn sie dieselben auch nicht immer in die gleichen Worte kleiden. Die untergeordnete, eigentlich nur scheinbare Verschiedenheit rührt von Tatsachen her, welche hier nicht zu besprechen sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kein Lehrer des Geisteslebens will durch solche Regeln eine Herrschaft über andere Menschen ausüben. Er will niemand in seiner Selbständigkeit beeinträchtigen. Denn es gibt keine besseren Schätzer und Hüter der menschlichen Selbständigkeit als die Geheimforscher. Es ist (im ersten Teile in dieser Schrift) gesagt worden, das Band, das alle Eingeweihten umfaßt, sei ein geistiges, und zwei naturgemäße Gesetze bilden die Klammern, welche die Bestandteile dieses Bandes zusammenhalten. Tritt nun der Eingeweihte aus seinem umschlossenen Geistgebiet heraus, vor die Öffentlichkeit: dann kommt für ihn sogleich ein drittes Gesetz in Betracht. Es ist dieses: Richte jede deiner Taten, jedes deiner Worte so ein, daß durch dich in keines Menschen freien Willensentschluß eingegriffen wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer durchschaut hat, daß ein wahrer Lehrer des Geisteslebens ganz von dieser Gesinnung durchdrungen ist, der kann auch wissen, daß er nichts von seiner Selbständigkeit einbüßt, wenn er den praktischen Regeln folgt, die ihm gebeten werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine der ersten dieser Regeln kann nun etwa in die folgenden Worte der Sprache gekleidet werden: «Schaffe dir Augenblicke innerer Ruhe und lerne in diesen Augenblicken das Wesentliche von dem Unwesentlichen unterscheiden.»&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|30}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es wird hier gesagt, diese praktische Regel laute so in «Worte der Sprache gefaßt». Ursprünglich werden nämlich alle Regeln und Lehren der Geisteswissenschaft in einer sinnbildlichen Zeichensprache gegeben. Und wer ihre ganze Bedeutung und Tragweite kennenlernen will, der muß erst diese sinnbildliche Sprache sich zum Verständnis bringen. Dieses Verständnis ist davon abhängig, daß der Betreffende bereits die ersten Schritte in der Geheimwissenschaft getan hat. Diese Schritte aber kann er durch die genaue Beobachtung solcher Regeln gehen, wie sie hier gegeben werden. Jedem steht der Weg offen, der ernstliches Wollen hat&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einfach ist die obige Regel bezüglich der Augenblicke der inneren Ruhe. Und einfach ist auch ihre Befolgung. Aber zum Ziele führt sie nur, wenn sie ebenso ernst und streng angefaßt wird, wie sie einfach ist. Ohne Umschweife soll daher hier auch gesagt werden, wie diese Regel zu befolgen ist&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Geheimschüler hat sich eine kurze Zeit von seinem täglichen Leben auszusondern, um sich in dieser Zeit mit etwas ganz anderem zu befassen, als die Gegenstände seiner täglichen Beschäftigung sind. Und auch die Art seiner Beschäftigung muß eine ganz andere sein als diejenige, mit der er den übrigen Tag ausfüllt. Das ist aber nicht so zu verstehen, als ob dasjenige, was er in dieser ausgesonderten Zeit vollbringt, nichts zu tun habe mit dem Inhalt seiner täglichen Arbeit. Im Gegenteil: der Mensch, der solche abgesonderten Augenblicke in der rechten Art sucht, wird bald bemerken, daß er durch sie erst die volle Kraft zu seiner Tagesaufgabe erhält. Auch darf nicht geglaubt werden, daß die Beobachtung dieser Regel jemandem&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|31}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wirklich Zeit von seiner Pflichtenleistung entziehen könne. Wenn jemand wirklich nicht mehr Zeit zur Verfügung haben sollte, so genügen fünf Minuten jeden Tag. Es kommt darauf an, wie diese fünf Minuten angewendet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dieser Zeit soll der Mensch sich vollständig herausreißen aus seinem Alltagsleben. Sein Gedanken-, sein Gefühlsleben soll da eine andere Färbung erhalten, als sie sonst haben. Er soll seine Freuden, seine Leiden, seine Sorgen, seine Erfahrungen, seine Taten vor seiner Seele vorbeiziehen lassen. Und er soll sich dabei so stellen, daß er alles das, was er sonst erlebt, von einem höheren Gesichtspunkte aus ansieht. Man denke nur einmal daran, wie man im gewöhnlichen Leben etwas ganz anders ansieht, was ein anderer erlebt oder getan hat, als was man selbst erlebt oder getan hat. Das kann nicht anders sein. Denn mit dem, was man selbst erlebt oder tut, ist man verwoben; das Erlebnis oder die Tat eines anderen betrachtet man nur. Was man in den ausgesonderten Augenblicken anzustreben hat, ist nun, die eigenen Erlebnisse und Taten so anzuschauen, so zu beurteilen, als ob man sie nicht selbst, sondern als ob sie ein anderer erlebt oder getan hätte. Man stelle sich einmal vor: jemand habe einen schweren Schicksalsschlag erlebt. Wie anders steht er dem gegenüber als einem ganz gleichen Schicksalsschläge bei seinem Mitmenschen? Niemand kann das für unberechtigt halten. Es liegt in der menschlichen Natur. Und ähnlich wie in solchen außergewöhnlichen Fällen ist es in den alltäglichen Angelegenheiten des Lebens. Der Geheimschüler muß die Kraft suchen, sich selbst in gewissen Zeiten wie ein Fremder gegenüberzustehen. Mit der inneren Ruhe&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|32}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
des Beurteilers muß er sich selbst entgegentreten. Erreicht man das, dann zeigen sich einem die eigenen Erlebnisse in einem neuen Lichte. Solange man in sie verwoben ist, solange man in ihnen steht, hängt man mit dem Unwesentlichen ebenso zusammen wie mit dem Wesentlichen. Kommt man zur inneren Ruhe des Überblicks, dann sondert sich das Wesentliche von dem Unwesentlichen. Kummer und Freude, jeder Gedanke, jeder Entschluß erscheinen anders, wenn man sich so selbst gegenübersteht. Es ist, wie wenn man den ganzen Tag hindurch in einem Orte sich aufgehalten hat und das Kleinste ebenso nahe gesehen hat wie das Größte; dann des Abends auf einen benachbarten Hügel steigt und den ganzen Ort auf einmal überschaut. Da erscheinen die Teile dieses Ortes in anderen gegenseitigen Verhältnissen, als wenn man darinnen ist. Mit gegenwärtig erlebten Schicksalsfügungen wird und braucht dies nicht zu gelingen; mit länger vergangenen muß es vom Schüler des Geisteslebens erstrebt werden. Der Wert solcher inneren, ruhigen Selbstschau hängt viel weniger davon ab, was man dabei erschaut, als vielmehr davon, daß man in sich die Kraft findet, die solche innere Ruhe entwickelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denn jeder Mensch trägt neben seinem wir wollen ihn so nennen Alltagsmenschen in seinem Innern noch einen höheren Menschen. Dieser höhere Mensch bleibt so lange verborgen, bis er geweckt wird. Und jeder kann diesen höheren Menschen nur selbst in sich erwecken. Solange aber dieser höhere Mensch nicht erweckt ist, so lange bleiben auch die in jedem Menschen schlummernden höheren Fähigkeiten verborgen, die zu übersinnlichen Erkenntnissen führen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|33}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Solange jemand die Frucht der inneren Ruhe nicht fühlt, muß er sich eben sagen, daß er in der ernsten strengen Befolgung der angeführten Regel fortfahren muß. Für jeden, der so verfährt, kommt der Tag, wo es um ihn herum geistig hell wird, wo sich einem Auge, das er bis dahin in sich nicht gekannt hat, eine ganz neue Welt erschließen wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und nichts braucht sich im äußeren Leben des Geheimschülers zu ändern dadurch, daß er anfängt, diese Regel zu befolgen. Er geht seinen Pflichten nach wie vorher; er duldet dieselben Leiden und erlebt dieselben Freuden zunächst wie vorher. In keiner Weise kann er dadurch dem «Leben» entfremdet werden. Ja, er kann um so voller den übrigen Tag hindurch diesem «Leben» nachgehen, weil er in seinen ausgesonderten Augenblicken ein «höheres Leben» sich aneignet. Nach und nach wird dieses «höhere Leben» schon seinen Einfluß auf das gewöhnliche geltend machen. Die Ruhe der ausgesonderten Augenblicke wird ihre Wirkung auch auf den Alltag haben. Der ganze Mensch wird ruhiger werden, wird Sicherheit bei all seinen Handlungen gewinnen, wird nicht mehr aus der Fassung gebracht werden können durch alle möglichen Zwischenfälle. Allmählich wird sich solch angehender Geheimschüler sozusagen immer mehr selbst leiten und weniger von den Umständen und äußeren Einflüssen leiten lassen. Ein solcher Mensch wird bald bemerken, was für eine Kraftquelle solche ausgesonderte Zeitabschnitte für ihn sind. Er wird anfangen, sich über Dinge nicht mehr zu ärgern, über die er sich vorher geärgert hat; unzählige Dinge, die er vorher gefürchtet hat, hören auf, ihm Befürchtungen zu machen. Eine ganz neue&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|34}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lebensauffassung eignet er sich an. Vorher ging er vielleicht zaghaft an diese oder jene Verrichtung. Er sagte sich: Oh, meine Kraft reicht nicht aus, dies so zu machen, wie ich es gerne gemacht hätte. Jetzt kommt ihm nicht mehr dieser Gedanke, sondern vielmehr ein ganz anderer. Nunmehr sagt er sich nämlich: Ich will alle Kraft zusammennehmen, um meine Sache so gut zu machen, als ich nur irgend kann. Und den Gedanken, der ihn zaghaft machen könnte, unterdrückt er. Denn er weiß, daß ihn eben die Zaghaftigkeit zu einer schlechten Leistung veranlassen könnte, daß jedenfalls diese Zaghaftigkeit nichts beitragen kann zur Verbesserung dessen, was ihm obliegt. Und so ziehen Gedanke nach Gedanke in die Lebensauffassung des Geheimschülers ein, die fruchtbar, förderlich sind für sein Leben. Sie treten an die Stelle von solchen, die ihm hinderlich, schwächend waren. Er fängt an, sein Lebensschiff einen sicheren, festen Gang zu führen innerhalb der Wogen des Lebens, während es vorher von diesen Wogen hin und her geschlagen worden ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und solche Ruhe und Sicherheit wirken auch auf das ganze menschliche Wesen zurück. Der innere Mensch wächst dadurch. Und mit ihm wachsen jene inneren Fähigkeiten, welche zu den höheren Erkenntnissen führen. Denn durch seine in dieser Richtung gemachten Fortschritte gelangt der Geheimschüler allmählich dahin, daß er selbst bestimmt, wie die Eindrücke der Außenwelt auf ihn einwirken dürfen. Er hört zum Beispiel ein Wort, durch das ein anderer ihn verletzen oder ärgern will. Vor seiner Geheimschülerschaft wäre er auch verletzt worden oder hätte sich geärgert. Da er nun den Pfad der Geheimschülerschaft betreten hat, ist er imstande, dem Worte seinen verletzenden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|35}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
oder ärgerlichen Stachel zu nehmen, bevor es den Weg zu seinem Innern gefunden hat. Oder ein anderes Beispiel. Ein Mensch wird leicht ungeduldig, wenn er warten soll. Er betritt den Pfad des Geheimschülers. Er durchdringt sich in seinen Augenblicken der Ruhe so sehr mit dem Gefühl von der Zwecklosigkeit vieler Ungeduld, daß er fortan bei jeder erlebten Ungeduld sofort dieses Gefühl gegenwärtig hat. Die Ungeduld, die sich schon einstellen wollte, verschwindet, und eine Zeit, die sonst verlorengegangen wäre unter den Vorstellungen der Ungeduld, wird vielleicht ausgefüllt von einer nützlichen Beobachtung, die während des Wartens gemacht werden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun muß man sich nur die Tragweite von alledem vergegenwärtigen. Man bedenke, daß der «höhere Mensch» im Menschen in fortwährender Entwickelung ist. Durch die beschriebene Ruhe und Sicherheit wird ihm aber allein eine gesetzmäßige Entwickelung ermöglicht. Die Wogen des äußeren Lebens zwängen den inneren Menschen von allen Seiten ein, wenn der Mensch nicht dieses Leben beherrscht, sondern von ihm beherrscht wird. Ein solcher Mensch ist wie eine Pflanze, die sich in einer Felsspalte entwickeln soll. Sie verkümmert so lange, bis man ihr Raum schafft. Dem inneren Menschen können keine äußeren Kräfte Raum schaffen. Das vermag nur die innere Ruhe, die er seiner Seele schafft. Äußere Verhältnisse können nur seine äußere Lebenslage ändern; den «geistigen Menschen» in ihm können sie nie und nimmer erwecken. In sich selbst muß der Geheimschüler einen neuen, einen höheren Menschen gebären.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser «höhere Mensch» wird dann der «innere Herrscher»,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|36}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der mit sicherer Hand die Verhältnisse des äußeren Menschen führt. Solange der äußere Mensch die Oberhand und Leitung hat, ist dieser «innere» sein Sklave und kann daher seine Kräfte nicht entfalten. Hängt es von etwas anderem als von mir ab, ob ich mich ärgere oder nicht, so bin ich nicht Herr meiner selbst, oder noch besser gesagt : ich habe den «Herrscher in mir» noch nicht gefunden. Ich muß in mir die Fähigkeit entwickeln, die Eindrücke der Außenwelt nur in einer durch mich selbst bestimmten Weise an mich herankommen zu lassen; dann kann ich erst Geheimschüler werden. Und nur insoweit der Geheimschüler ernstlich nach dieser Kraft sucht, kann er zum Ziel kommen. Es kommt nicht darauf an, wie weit es einer in einer bestimmten Zeit bringt; sondern allein darauf, daß er ernstlich sucht. Schon manchen hat es gegeben, der jahrelang sich angestrengt hat, ohne an sich einen merklichen Fortschritt zu bemerken; viele von denen aber, die nicht verzweifelt, sondern unerschütterlich geblieben sind, haben dann ganz plötzlich den «inneren Sieg» errungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gehört gewiß in mancher Lebenslage eine große Kraft dazu, sich Augenblicke innerer Ruhe zu schaffen. Aber je größer die notwendige Kraft, desto bedeutender ist auch das, was erreicht wird. Alles hängt in bezug auf die Geheimschülerschaft davon ab, daß man energisch, mit innerer Wahrheit und rückhaltloser Aufrichtigkeit sich selbst, mit allen seinen Handlungen und Taten, als ein völlig Fremder gegenüberstehen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber nur eine Seite der inneren Tätigkeit des Geheimschülers ist durch diese Geburt des eigenen höheren Menschen gekennzeichnet. Es muß dazu noch etwas anderes&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|37}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
kommen. Wenn sich nämlich der Mensch auch selbst als ein Fremder gegenübersteht, so betrachtet er doch nur sich selbst; er sieht auf diejenigen Erlebnisse und Handlungen, mit denen er durch seine besondere Lebenslage verwachsen ist. Er muß darüber hinauskommen. Er muß sich erheben zu einem rein Menschlichen, das nichts mehr mit seiner besonderen Lage zu tun hat. Er muß zu einer Betrachtung derjenigen Dinge übergehen, die ihn als Mensch etwas angingen, auch wenn er unter ganz anderen Verhältnissen, in einer ganz anderen Lage lebte. Dadurch lebt in ihm etwas auf, was über das Persönliche hinausragt. Er richtet damit den Blick in höhere Welten, als diejenigen sind, mit denen ihn der Alltag zusammenführt. Und damit beginnt der Mensch zu fühlen, zu erleben, daß er solchen höheren Welten angehört. Es sind das Welten, über die ihm seine Sinne, seine alltägliche Beschäftigung nichts sagen können. So erst verlegt er den Mittelpunkt seines Wesens in sein Inneres. Er hört auf die Stimmen in seinem Innern, die in den Augenblicken der Ruhe zu ihm sprechen; er pflegt im Innern Umgang mit der geistigen Welt. Er ist dem Alltag entrückt. Der Lärm dieses Alltags ist für ihn verstummt. Es ist um ihn herum still geworden. Er weist alles ab, was ihn an solche Eindrücke von außen erinnert. Die ruhige Beschaulichkeit im Innern, die Zwiesprache mit der rein geistigen Welt füllt seine ganze Seele aus. Ein natürliches Lebensbedürfnis muß dem Geheimschüler solche stille Beschaulichkeit werden. Er ist zunächst ganz in eine Gedanken-Welt versenkt. Er muß für diese stille Gedankentätigkeit ein lebendiges Gefühl entwickeln. Er muß lieben lernen, was ihm der Geist da zuströmt. Bald hört er dann auch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|38}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
auf, diese Gedankenwelt als etwas zu empfinden, was unwirklicher sei als die Dinge des Alltags, die ihn umgeben. Er fängt an, mit seinen Gedanken umzugehen wie mit den Dingen im Raume. Und dann naht für ihn auch der Augenblick, in dem er das, was sich ihm in der Stille innerer Gedankenarbeit offenbart, als viel höher, wirklicher zu fühlen beginnt als die Dinge im Raume. Er erfährt, daß sich Leben in dieser Gedankenwelt ausspricht. Er sieht ein, daß sich in Gedanken nicht bloße Schattenbilder ausleben, sondern, daß durch sie verborgene Wesenheiten zu ihm sprechen. Es fängt an, aus der Stille heraus zu ihm zu sprechen. Vorher hat es nur durch sein Ohr zu ihm getönt; jetzt tönt es durch seine Seele. Eine innere Sprache ein inneres Wort hat sich ihm erschlossen. Beseligt im höchsten Grade fühlt sich der Geheimschüler, wenn er diesen Augenblick zum ersten Male erlebt. Über seine ganze äußere Welt ergießt sich ein inneres Licht. Ein zweites Leben beginnt für ihn. Der Strom einer göttlichen, einer gottbeseligenden Welt ergießt sich durch ihn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Solches Leben der Seele in Gedanken, das sich immer mehr erweitert zu einem Leben in geistiger Wesenheit, nennt die Gnosis, die Geisteswissenschaft Meditation (beschauliches Nachdenken). Diese Meditation ist das Mittel zu übersinnlicher Erkenntnis. Aber nicht schwelgen in Gefühlen soll der Geheimschüler in solchen Augenblicken. Er soll nicht unbestimmte Empfindungen in seiner Seele haben. Das würde ihn nur hindern, zu wahrer geistiger Erkenntnis zu kommen. Klar, scharf, bestimmt sollen sich seine Gedanken gestalten. Dazu wird er einen Anhalt finden, wenn er sich nicht blind an die Gedanken hält, die ihm aufsteigen. Er soll sich vielmehr mit den&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|39}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
hohen Gedanken durchdringen, welche vorgeschrittene, schon vom Geist erfaßte Menschen in solchen Augenblicken gedacht haben. Er soll zum Ausgangspunkte die Schriften nehmen, die selbst solcher Offenbarung in der Meditation entsprossen sind. In der mystischen, in der gnostischen, in der geisteswissenschaftlichen Literatur von heute findet der Geheimschüler solche Schriften. Da ergeben sich ihm die Stoffe zu seiner Meditation. Die Geistsucher haben selbst in solchen Schriften die Gedanken der göttlichen Wissenschaft niedergelegt; der Geist hat durch seine Boten sie der Welt verkündigen lassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch solche Meditation geht eine völlige Verwandlung mit dem Geheimschüler vor. Er fängt an, über die Wirklichkeit ganz neue Vorstellungen sich zu bilden. Alle Dinge erhalten für ihn einen anderen Wert. Immer wieder muß es gesagt werden: nicht weltfremd wird der Geheimschüler durch solche Wandlung. Er wird auf keinen Fall seinem alltäglichen Pflichtenkreis entfremdet. Denn er lernt einsehen, daß die geringste Handlung, die er zu vollbringen hat, das geringste Erlebnis, das sich ihm darbietet, im Zusammenhang stehen mit den großen Weltwesenheiten und Weltereignissen. Wird ihm dieser Zusammenhang durch seine beschaulichen Augenblicke erst klar, dann geht er mit neuer vollerer Kraft an seinen täglichen Wirkungskreis. Denn jetzt weiß er: was er arbeitet, was er leidet, das arbeitet, leidet er um eines großen, geistigen Weltzusammenhanges willen. Kraft zum Leben, nicht Lässigkeit quillt aus der Meditation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit sicherem Schritt geht der Geheimschüler durch das Leben. Was es ihm auch bringen mag, läßt ihn aufrecht schreiten. Vorher hat er nicht gewußt, warum er arbeitet,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|40}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
warum er leidet: jetzt weiß er dies. Einzusehen ist, daß solche Meditationstätigkeit besser zum Ziele führt, wenn sie unter Anleitung erfahrener Menschen geschieht. Solchen Menschen, die von sich aus wissen, wie alles am besten zu machen ist. Man sehe daher den Rat, die Anweisung solcher Menschen sich an. Man verliert dadurch wahrlich nicht seine Freiheit. Was sonst nur unsicheres Tappen sein kann, wird durch solche Anleitung zum zielsicheren Arbeiten. Wer sich um solche kümmert, die in dieser Richtung Wissen, Erfahrung haben, wird niemals vergeblich anklopfen. Er sei sich nur bewußt, daß er nichts anderes sucht als den Rat eines Freundes, nicht die Übermacht eines solchen, der herrschen will. Man wird immer finden, daß diejenigen, die wirklich wissen, die bescheidensten Menschen sind, und daß ihnen nichts ferner liegt als dasjenige, was die Menschen Machtgelüste nennen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer sich durch die Meditation erhebt zu dem, was den Menschen mit dem Geist verbindet, der beginnt in sich das zu beleben, was ewig in ihm ist, was nicht durch Geburt und Tod begrenzt ist. Nur diejenigen können zweifeln an einem solchen Ewigen, die es nicht selbst erlebt haben. So ist die Meditation der Weg, der den Menschen auch zur Erkenntnis, zur Anschauung seines ewigen, unzerstörbaren Wesenskernes führt. Und nur durch sie kann der Mensch zu solcher Anschauung kommen. Gnosis, Geisteswissenschaft sprechen von der Ewigkeit dieses Wesenskernes, von der Wiederverkörperung desselben. Oft wird gefragt, warum weiß der Mensch nichts von seinen Erlebnissen, die jenseits von Geburt und Tod liegen? Aber nicht so sollte gefragt werden. Sondern vielmehr so: wie gelangt man zu solchem Wissen? In der richtigen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|41}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Meditation eröffnet sich der Weg. Durch sie lebt die Erinnerung auf an Erlebnisse, die jenseits von Geburt und Tod liegen. Jeder kann dieses Wissen erwerben; in jedem liegen die Fähigkeiten, selbst zu erkennen, selbst zu schauen, was echte Mystik, Geisteswissenschaft, Anthroposophie und Gnosis lehren. Er muß nur die richtigen Mittel wählen. Nur ein Wesen, das Ohren und Augen hat, kann Töne und Farben wahrnehmen. Und auch das Auge kann nichts wahrnehmen, wenn das Licht fehlt, das die Dinge sichtbar macht. In der Geheimwissenschaft sind die Mittel gegeben, die geistigen Ohren und Augen zu entwickeln und das geistige Licht zu entzünden. Als drei Stufen können die Mittel der geistigen Schulung bezeichnet werden: 1. Die Vorbereitung. Sie entwickelt die geistigen Sinne. 2. Die Erleuchtung. Sie zündet das geistige Licht an. 3. Die Einweihung. Sie eröffnet den Verkehr mit den höheren Wesenheiten des Geistes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|42}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= DIE STUFEN DER EINWEIHUNG =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die folgenden Mitteilungen sind Glieder einer geistigen Schulung, über deren Namen und Wesenheit jeder sich klar wird, der sie richtig anwendet. Sie beziehen sich auf die drei Stufen, durch welche die Schule des geistigen Lebens zu einem gewissen Grade der Einweihung führt. Aber nur so viel von diesen Auseinandersetzungen wird man hier finden, als eben öffentlich gesagt werden kann. Es sind dies Andeutungen, welche aus einer noch viel tieferen, intimen Lehre herausgeholt sind. In der Geheimschulung selbst wird ein ganz bestimmter Lehrgang befolgt. Gewisse Verrichtungen dienen dazu, die Seele des Menschen zum bewußten Verkehr mit der geistigen Welt zu bringen. Diese Verrichtungen verhalten sich etwa zu dem, was im folgenden mitgeteilt wird, wie der Unterricht, den man jemandem in einer höheren streng geregelten Schule gibt, zu der Unterweisung, die man ihm gelegentlich auf einer vorbereitenden Schule zuteil werden läßt. Doch kann die ernste und beharrliche Verfolgung dessen, was man hier angedeutet findet, zur wirklichen Geheimschulung führen. Allerdings, das ungeduldige Probieren, ohne Ernst und Beharrlichkeit, kann zu gar nichts führen. Von Erfolg kann das Geheimstudium nur sein, wenn dasjenige zunächst eingehalten wird, was bereits gesagt worden ist, und auf dieser Grundlage fortgeschritten wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Stufen, welche die angedeutete Überlieferung angibt, sind die folgenden drei: 1. Die Vorbereitung, 2. die Erleuchtung, 3. die Einweihung. Es ist nicht durchaus notwendig, daß diese drei Stufen sich so folgen, daß man&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|43}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die erste ganz durchgemacht hat, bevor die zweite, und diese, bevor die dritte an die Reihe kommen. Man kann in bezug auf gewisse Dinge schon der Erleuchtung, ja der Einweihung teilhaftig werden, wenn man in bezug auf andere sich noch in der Vorbereitung befindet. Doch wird man eine gewisse Zeit in Vorbereitung zu verbringen haben, bevor überhaupt eine Erleuchtung beginnen kann. Und wenigstens für einiges wird man erleuchtet sein müssen, wenn der Anfang mit der Einweihung gemacht werden soll. In der Beschreibung aber müssen, der Einfachheit wegen, die drei Stufen hintereinander folgen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Vorbereitung ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Vorbereitung besteht in einer ganz bestimmten Pflege des Gefühls- und Gedankenlebens. Durch diese Pflege werden Seelen- und Geistesleib mit höheren Sinneswerkzeugen und Tätigkeitsorganen begabt, wie die Naturkräfte den physischen Leib aus unbestimmter lebendiger Materie mit Organen ausgerüstet haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Anfang muß damit gemacht werden, die Aufmerksamkeit der Seele auf gewisse Vorgänge in der uns umgebenden Welt zu lenken. Solche Vorgänge sind das sprießende, wachsende und gedeihende Leben einerseits, und alle Erscheinungen, die mit Verblühen, Verwelken, Absterben zusammenhängen, andererseits. Überall, wohin der Mensch die Augen wendet, sind solche Vorgänge gleichzeitig vorhanden. Und überall rufen sie naturgemäß auch in dem Menschen Gefühle und Gedanken hervor. Aber nicht genug gibt sich unter gewöhnlichen Verhältnissen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|44}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der Mensch diesen Gefühlen und Gedanken hin. Dazu eilt er viel zu rasch von einem Eindruck zum anderen. Es handelt sich darum, daß er intensiv die Aufmerksamkeit ganz bewußt auf diese Tatsachen lenke. Er muß, wo er Blühen und Gedeihen einer ganz bestimmten Art wahrnimmt, alles andere aus seiner Seele verbannen und sich kurze Zeit ganz allein diesem einen Eindrucke überlassen. Er wird sich bald überzeugen, daß ein Gefühl, das in einem solchen Falle durch seine Seele früher nur durchgehuscht ist, anschwillt, daß es eine kräftige und energische Form annimmt. Diese Gefühlsform muß er dann ruhig in sich nachklingen lassen. Er muß dabei ganz still in seinem Innern werden. Er muß sich abschließen von der übrigen Außenwelt und ganz allein dem folgen, was seine Seele zu der Tatsache des Blühens und Gedeihens sagt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dabei soll man nur ja nicht glauben, daß man weit kommt, wenn man seine Sinne etwa stumpf macht gegen die Welt. Erst schaue man so lebhaft, so genau, als es nur irgend möglich ist, die Dinge an. Dann erst gebe man sich dem in der Seele auflebenden Gefühle, dem aufsteigenden Gedanken hin. Worauf es ankommt, ist, daß man auf beides, im völligen inneren Gleichgewicht, die Aufmerksamkeit richte. Findet man die nötige Ruhe und gibt man sich dem hin, was in der Seele auflebt, dann wird man nach entsprechender Zeit das Folgende erleben. Man wird neue Arten von Gefühlen und Gedanken in seinem Innern aufsteigen sehen, die man vorher nicht gekannt hat. Je öfter man in einer solchen Weise die Aufmerksamkeit auf etwas Wachsendes, Blühendes und Gedeihendes und damit abwechselnd auf etwas Welkendes, Absterbendes&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|45}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
lenkt, desto lebhafter werden diese Gefühle werden. Und aus den Gefühlen und Gedanken, die so entstehen, bauen sich die Hellseherorgane ebenso auf, wie sich durch Naturkräfte aus belebtem Stoffe Augen und Ohren des physischen Körpers aufbauen. Eine ganz bestimmte Gefühlsform knüpft sich an das Wachsen und Werden; eine andere ganz bestimmte an das Verwelken und Absterben. Aber nur dann, wenn die Pflege dieser Gefühle auf die beschriebene Art angestrebt wird. Es ist möglich, annähernd richtig zu beschreiben, wie diese Gefühle sind. Eine vollständige Vorstellung kann sich davon jeder selbst verschaffen, indem er diese inneren Erlebnisse durchmacht. Wer oft die Aufmerksamkeit auf den Vorgang des Werdens, des Gedeihens, des Blühens gelenkt hat, der wird etwas fühlen, was der Empfindung bei einem Sonnenaufgang entfernt ähnlich ist. Und aus dem Vorgang des Welkens, Absterbens wird sich ihm ein Erlebnis ergeben, das in ebensolcher Art mit dem langsamen Aufsteigen des Mondes im Gesichtskreis zu vergleichen ist. Diese beiden Gefühle sind zwei Kräfte, die bei gehöriger Pflege, bei immer lebhafter werdender Ausbildung zu den bedeutsamsten geistigen Wirkungen führen. Wer sich immer wieder und wieder planmäßig, mit Vorsatz, solchen Gefühlen überläßt, dem eröffnet sich eine neue Welt. Die Seelenwelt, der sogenannte astrale Plan, beginnt vor ihm aufzudämmern. Wachsen und Vergehen bleiben für ihn nicht mehr Tatsachen, die ihm solch unbestimmte, Eindrücke machen wie vorher. Sie formen sich vielmehr zu geistigen Linien und Figuren, von denen er vorher nichts ahnte. Und diese Linien und Figuren haben für die verschiedenen Erscheinungen auch verschiedene Gestalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|46}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine blühende Blume zaubert vor seine Seele eine ganz bestimmte, Linie, ebenso ein im Wachsen begriffenes Tier oder ein im Absterben befindlicher Baum. Die Seelenwelt (der astrale Plan) breitet sich langsam vor ihm aus. Nichts Willkürliches liegt in diesen Linien und Figuren. Zwei Geheimschüler, die sich auf der entsprechenden Stufe der Ausbildung befinden, werden bei dem gleichen Vorgange stets dieselben Linien und Figuren sehen. So gewiß zwei richtig sehende Menschen einen runden Tisch rund sehen, und nicht einer rund und der andere viereckig, so gewiß stellt sich vor zwei Seelen beim Anblicke einer blühenden Blume dieselbe geistige Gestalt. So wie die Gestalten der Pflanzen und Tiere in der gewöhnlichen Naturgeschichte beschrieben werden, so beschreibt oder zeichnet der Kenner der Geheimwissenschaft die geistigen Gestalten der Wachstums und Absterbensvorgänge nach Gattungen und Arten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn der Schüler so weit ist, daß er solch geistige Gestalten von Erscheinungen sehen kann, die sich seinem äußeren Auge auch physisch zeigen: dann wird er auch nicht weit entfernt sein von der Stufe, Dinge zu sehen, die kein physisches Dasein haben, die also dem ganz verborgen (okkult) bleiben müssen, der keine, Unterweisung in der Geheimlehre erhalten hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu betonen ist, daß der Geheimforscher sich nicht in ein Nachsinnen verlieren soll, was dieses oder jenes Ding bedeutet. Durch solche Verstandesarbeit bringt er sich nur von dem rechten Wege ab. Er soll frisch, mit gesundem Sinne, mit scharfer Beobachtungsgabe in die Sinnenwelt sehen und dann sich seinen Gefühlen überlassen. Was die Dinge bedeuten, das soll nicht er mit spekulierendem Verstande&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|47}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ausmachen wollen, sondern er soll es sich von den Dingen selbst sagen lassen.*&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Weiteres, worauf es ankommt, ist das, was die Geheimwissenschaft die Orientierung in den höheren Welten nennt. Man gelangt dazu, wenn man sich ganz von dem Bewußtsein durchdringt, daß Gefühle und Gedanken wirkliche Tatsachen sind, genau so wie Tische und Stühle in der physisch-sinnlichen Welt. In der seelischen und in der Gedankenwelt wirken Gefühle und Gedanken aufeinander wie in der physischen die sinnlichen Dinge. Solange jemand nicht lebhaft von diesem Bewußtsein durchdrungen ist, wird er nicht glauben, daß ein verkehrter Gedanke, den er hegt, auf andere Gedanken, die den Gedankenraum beleben, so verheerend wirken kann wie eine blindlings losgeschossene Flintenkugel für die physischen Gegenstände, die sie trifft. Ein solcher wird sich vielleicht niemals erlauben, eine physisch sichtbare Handlung zu begehen, die er für sinnlos hält. Er wird aber nicht davor zurückschrecken, verkehrte Gedanken oder Gefühle zu hegen. Denn diese erscheinen ihm ungefährlich für die übrige Welt. In der Geheimwissenschaft kann man aber nur vorwärtskommen, wenn man auf seine Gedanken und Gefühle ebenso achtet, wie man auf seine Schritte in der physischen Welt achtet. Wenn jemand eine Wand sieht, so versucht er nicht, geradewegs durch dieselbe durchzurennen; er lenkt seine Schritte seitwärts. Er richtet&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- - -&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;#&amp;lt;/nowiki&amp;gt;FN010-047-* Bemerkt soll werden, daß künstlerisches Empfinden, gepaart mit einer stillen, in sich versenkten Natur, die beste Vorbedingung für die Entwickelung der geistigen Fähigkeiten ist. Dieses Empfinden dringt ja durch die Oberfläche der Dinge hindurch und gelangt dadurch zu deren Geheimnissen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|48}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sich eben nach den Gesetzen der physischen Welt. Solche Gesetze, gibt es nun auch für die Gefühls- und Gedankenwelt. Nur können sie dem Menschen da nicht von außen sich aufdrängen. Sie müssen aus dem Leben seiner Seele selbst fließen. Man gelangt dazu, wenn man sich jederzeit verbietet, verkehrte Gefühle und Gedanken zu hegen. Alles willkürliche, Hin- und Hersinnen, alles spielerische Phantasieren, alle zufällig auf- und abwogenden Gefühle muß man sich in dieser Zeit verbieten. Man macht sich dadurch nicht gefühlsarm. Man wird nämlich bald finden, daß man reich an Gefühlen, schöpferisch in wahrer Phantasie erst wird, wenn man in solcher Art sein Inneres regelt. An die Stelle kleinlicher Gefühlsschwelgerei und spielerischer Gedankenverknüpfung treten bedeutsame Gefühle und fruchtbare Gedanken. Und diese Gefühle und Gedanken führen den Menschen dazu, sich in der geistigen Welt zu orientieren. Er kommt in richtige Verhältnisse zu den Dingen der Geisteswelt. Eine ganz bestimmte Wirkung tritt für ihn ein. Wie er als physischer Mensch seinen Weg findet zwischen den physischen Dingen, so führt ihn jetzt sein Pfad zwischen Wachsen und Absterben, die er ja auf dem oben bezeichneten Weg kennenlernt, hindurch. Er folgt dann allem Wachsenden, Gedeihenden und auch andererseits allem Verwelkenden und Absterbenden so, wie es zu seinem und der Welt Gedeihen erforderlich ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine weitere Pflege hat der Geheimschüler der Welt der Töne angedeihen zu lassen. Man unterscheide da zwischen dem Tone, der durch das sogenannte Leblose (einen fallenden Körper, eine Glocke oder ein Musikinstrument) hervorgebracht wird, und dem, welcher von Lebendigem&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|49}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(einem Tiere oder Menschen) stammt. Wer eine Glocke hört, wird den Ton wahrnehmen und ein angenehmes Gefühl daran knüpfen; wer den Schrei eines Tieres hört, wird außer diesem Gefühl in dem Tone noch die Offenbarung eines inneren Erlebnisses des Tieres, Lust oder Schmerz, verspüren. Bei der letzteren Art von Tönen hat der Geheimschüler einzusetzen. Er soll seine ganze Aufmerksamkeit darauf lenken, daß der Ton ihm etwas verkündet, was außer der eigenen Seele liegt. Und er soll sich versenken in dieses Fremde. Er soll sein Gefühl innig verbinden mit dem Schmerz oder der Lust, die ihm durch den Ton verkündet werden. Er soll darüber hinweg sich setzen, was für ihn der Ton ist, ob er ihm angenehm oder unangenehm ist, wohlbehaglich oder mißfällig; nur das soll seine Seele erfüllen, was in dem Wesen vorgeht, von dem der Ton kommt. Wer planmäßig und mit Vorbedacht solche Übungen macht, der wird sich dadurch die Fähigkeit aneignen, mit einem Wesen, sozusagen, zusammenzufließen, von dem der Ton ausgeht. Einem musikalisch empfindenden Menschen wird solche Pflege seines Gemütslebens leichter sein als einem unmusikalischen. Doch darf niemand glauben, daß der musikalische Sinn schon diese Pflege ersetzt. Man muß, als Geheimschüler, in dieser Art der ganzen Natur gegenüber empfinden lernen. Und dadurch senkt sich in Gefühls und Gedankenwelt eine neue Anlage. Die ganze Natur fängt an, dem Menschen durch ihr Ertönen Geheimnisse zuzuraunen. Was vorher seiner Seele unverständlicher Schall war, wird dadurch sinnvolle Sprache der Natur. Und wobei er vorher nur Ton gehört hat, beim Erklingen des sogenannten Leblosen, vernimmt er jetzt eine neue Sprache der Seele.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|50}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schreitet er in solcher Pflege, seiner Gefühle vorwärts, dann wird er bald gewahr, daß er hören kann, wovon er vorher nichts vermutet hat. Er fängt an, mit der Seele zu hören.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dazu muß dann noch etwas anderes kommen, um zum Gipfel zu gelangen, der auf diesem Gebiete zu erreichen ist. Was für die Ausbildung des Geheimschülers ganz besonders wichtig ist, das ist die Art, wie er anderen Menschen beim Sprechen zuhört. Er muß sich daran gewöhnen, dies so zu tun, daß dabei sein eigenes Innere vollkommen schweigt. Wenn jemand eine Meinung äußert, und ein anderer hört zu, so wird sich im Innern des letzteren im allgemeinen Zustimmung oder Widerspruch regen. Viele Menschen werden wohl auch sofort sich gedrängt fühlen, ihre zustimmende und namentlich ihre widersprechende Meinung zu äußern. Alle solche Zustimmung und allen solchen Widerspruch muß der Geheimschüler zum Schweigen bringen. Es kommt dabei nicht darauf an, daß er plötzlich seine Lebensart so ändere, daß er solch inneres, gründliches Schweigen fortwährend zu erreichen sucht. Er wird damit den Anfang machen müssen, daß er es in einzelnen Fällen tut, die er sich mit Vorsatz auswählt. Dann wird sich ganz langsam und allmählich, wie von selbst, diese ganz neue Art des Zuhörens in seine Gewohnheiten einschleichen. In der Geistesforschung wird solches planmäßig geübt. Die Schüler fühlen sich verpflichtet, übungsweise zu gewissen Zeiten sich die entgegengesetztesten Gedanken anzuhören und dabei alle Zustimmung und namentlich alles abfällige Urteilen vollständig zum Verstummen zu bringen. Es kommt darauf an, daß dabei nicht nur alles verstandesmäßige Urteilen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|51}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
schweige, sondern auch alle Gefühle des Mißfallens, der Ablehnung oder auch Zustimmung. Insbesondere muß sich der Schüler stets sorgfältig beobachten, ob nicht solche Gefühle, wenn auch nicht an der Oberfläche, so doch im intimsten Innern seiner Seele vorhanden seien. Er muß sich zum Beispiel die Aussprüche von Menschen anhören, die in irgendeiner Beziehung weit unter ihm stehen, und muß dabei jedes Gefühl des Besserwissens oder der Überlegenheit unterdrücken. Nützlich ist es für jeden, in solcher Art Kindern zuzuhören. Auch der Weiseste kann unermeßlich viel von Kindern lernen. So bringt es der Mensch dazu, die Worte des anderen ganz selbstlos zu hören, mit vollkommener Ausschaltung seiner eigenen Person, deren Meinung und Gefühlsweise. Wenn er sich so übt, kritiklos zuzuhören, auch dann, wenn die völlig entgegengesetzte Meinung vorgebracht wird, wenn das «Verkehrteste» sich vor ihm abspielt, dann lernt er nach und nach mit dem Wesen eines anderen vollständig zu verschmelzen, ganz in dasselbe aufzugehen. Er hört dann durch die Worte hindurch in des anderen Seele hinein. Durch anhaltende Übung solcher Art wird erst der Ton das rechte Mittel, um Seele, und Geist wahrzunehmen. Allerdings gehört dazu die allerstrengste Selbstzucht. Aber diese führt zu einem hohen Ziele. Wenn diese Übungen nämlich in Verbindung mit den anderen getrieben werden, die angegeben worden sind bezüglich des Tönens in der Natur, so erwächst der Seele ein neuer Hörsinn. Sie wird imstande, Kundgebungen aus der geistigen Welt wahrzunehmen, die nicht ihren Ausdruck finden in äußeren Tönen, die für das physische Ohr wahrnehmbar sind. Die Wahrnehmung des «inneren Wortes» erwacht. Dem&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|52}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Geheimschüler offenbaren sich allmählich von der Geisteswelt aus Wahrheiten. Er hört auf geistige Art zu sich sprechen.* Alle höheren Wahrheiten werden durch solches «inneres Einsprechen» erreicht. Und was man aus dem Munde eines wahren Geheimforschers hören kann, das hat er durch diese Art in Erfahrung gebracht. Damit aber soll nicht gesagt sein, daß es unnötig sei, sich mit geheimwissenschaftlichen Schriften zu befassen, bevor man selbst in solcher Weise «inneres Einsprechen» vernehmen kann. Im Gegenteil: das Lesen solcher Schriften, das Anhören der Geheimforscherlehren sind selbst Mittel, auch zu eigener Erkenntnis zu gelangen. Jeder Satz der Geheimwissenschaft, den der Mensch hört, ist geeignet, den Sinn dahin zu lenken, wohin er gelangen muß, soll die Seele wahren Fortschritt erleben. Zu all dem Gesagten muß vielmehr eifriges Studium dessen treten, was die Geheimforscher der Welt mitteilen. Bei aller Geheimschulung gehört solches Studium zur Vorbereitung. Und wer alle sonstigen Mittel anwenden wollte, er käme zu keinem Ziele, wenn er nicht die Lehren der Geheimforscher in sich aufnähme. Denn weil diese Lehren aus dem lebendigen «inneren Worte», aus der «lebendigen Einsprechung» geschöpft sind, haben sie selbst geistiges Leben. Sie sind nicht bloß Worte. Sie sind lebendige Kräfte. Und während du den Worten eines Geheimkundigen folgst, während du ein Buch liest, das einer wirklichen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- - -&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
FN010-052-* Nur wer durch selbstloses Zuhören es dahin bringt, daß er wirklich von innen aufnehmen kann, still, ohne Regung einer persönlichen Meinung oder eines persönlichen Gefühls, zu dem können die höheren Wesenheiten sprechen, von denen man in der Geheimwissenschaft spricht. Solange man noch irgendeine Meinung, irgendein Gefühl dem zu Hörenden entgegenschleudert, schweigen die Wesenheiten der Geisteswelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|53}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
inneren Erfahrung entstammt, wirken in deiner Seele Kräfte, welche dich ebenso hellsehend machen, wie die Naturkräfte aus lebendigem Stoffe deine Augen und Ohren gebildet haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Erleuchtung ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Erleuchtung geht von sehr einfachen Vorgängen aus. Auch dabei handelt es sich darum, gewisse Gefühle und Gedanken zu entwickeln, die in jedem Menschen schlummern und die erwachen müssen. Nur wer mit voller Geduld, streng und anhaltend die einfachen Vorgänge durchnimmt, den können sie zur Wahrnehmung der inneren Lichterscheinungen führen. Der erste Anfang wird damit gemacht, in einer bestimmten Art verschiedene Naturwesen zu betrachten, und zwar zum Beispiele: einen durchsichtigen, schön geformten Stein (Kristall), eine Pflanze und ein Tier. Man suche zuerst seine ganze Aufmerksamkeit auf einen Vergleich des Steines mit dem Tier in folgender Art zu lenken. Die Gedanken, die hier angeführt werden, müssen von lebhaften Gefühlen begleitet, durch die Seele ziehen. Und kein anderer Gedanke, kein anderes Gefühl dürfen sich einmischen und die intensiv aufmerksame Betrachtung stören. Man sage sich: «Der Stein hat eine Gestalt; das Tier hat auch eine Gestalt. Der Stein bleibt ruhig an seinem Ort. Das Tier verändert seinen Ort. Es ist der Trieb (die Begierde), welcher das Tier veranlaßt, seinen Ort zu ändern. Und die Triebe sind es auch, denen die Gestalt des Tieres dient. Seine Organe, seine Werkzeuge, sind diesen Trieben gemäß ausgebildet. Die Gestalt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|54}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
des Steins ist nicht nach Begierden, sondern durch begierdelose Kraft gebildet.»* Wenn man sich intensiv in diese Gedanken versenkt und dabei mit gespannter Aufmerksamkeit Stein und Tier betrachtet: dann leben in der Seele, zwei ganz verschiedene, Gefühlsarten auf. Aus dem Stein strömt die eine Art des Gefühls, aus dem Tiere die andere Art in unsere Seele. Die Sache wird wahrscheinlich im Anfange nicht gelingen: aber nach und nach, bei wirklicher geduldiger Übung, werden sich diese Gefühle einstellen. Man muß nur immerfort und fort üben. Erst sind die Gefühle nur so lange vorhanden, als die Betrachtung dauert, später wirken sie nach. Und dann werden sie zu etwas, was in der Seele lebendig bleibt. Der Mensch braucht sich dann nur zu besinnen: und die beiden Gefühle steigen immer, auch ohne Betrachtung eines äußeren Gegenstandes, auf. Aus diesen Gefühlen und den mit ihnen verbundenen Gedanken bilden sich Hellseherorgane. Tritt dann in der Betrachtung noch die Pflanze hinzu, so wird man bemerken, daß das von ihr ausgehende Gefühl, seiner Beschaffenheit und auch seinem Grade nach, in der Mitte liegt zwischen dem vom Stein und dem vom Tier ausströmenden. Die Organe, welche sich auf solche Art bilden, sind Geistesaugen. Man lernt mit ihnen allmählich etwas wie seelische und geistige Farben zu sehen. Solange man nur das sich angeeignet hat, was als&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- - -&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;#&amp;lt;/nowiki&amp;gt;FN010-054-* Die hier gemeinte Tatsache, insofern sie sich auf Kristallbeobachtung bezieht, ist von solchen, die nur in äußerlicher Weise (exoterisch) davon gehört haben, in mancherlei Art verdreht worden, woraus Verrichtungen wie «Kristallsehen» und so weiter entstanden sind. Derlei Manipulationen beruhen auf Mißverständnissen. Sie sind in vielen Büchern beschrieben worden. Aber sie bilden niemals den Gegenstand wahren (esoterischen) Geheimunterrichtes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|55}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
«Vorbereitung» beschrieben worden ist, bleibt die geistige Welt mit ihren Linien und Figuren dunkel; durch die Erleuchtung wird sie hell. Auch hier muß bemerkt werden, daß die Worte «dunkel» und «hell» sowie die anderen gebrauchten Ausdrücke nur annähernd aussprechen, was gemeint ist. Will man sich aber der gebräuchlichen Sprache bedienen, so ist nichts anderes möglich. Diese Sprache ist ja nur für die physischen Verhältnisse geschaffen. Die Geheimwissenschaft bezeichnet nun das, was für das Hellseherorgan vom Stein ausströmt, als «blau» oder «blaurot». Dasjenige, was vom Tier empfunden wird, als «rot» oder «rotgelb». In der Tat sind es Farben «geistiger Art», die da gesehen werden. Die von der Pflanze ausgehende, Farbe ist «grün», das nach und nach in ein helles ätherisches Rosarot übergeht. Die Pflanze ist nämlich dasjenige Naturwesen, welches in höheren Welten in einer gewissen Beziehung ihrer Beschaffenheit in der physischen Welt gleicht. Nicht dasselbe ist aber bei Stein und Tier der Fall. Nun muß man sich klar sein, daß mit den obengenannten Farben nur die Hauptschattierungen des Stein-, Pflanzen- und Tierreiches angegeben sind. In Wirklichkeit sind alle möglichen Zwischenschattierungen vorhanden. Jeder Stein, jede Pflanze, jedes Tier hat seine ganz bestimmte Farbennuance. Dazu kommen die Wesen der höheren Welten, die niemals sich physisch verkörpern, mit ihren oft wundervollen, oft auch gräßlichen Farben. In der Tat ist der Farbenreichtum in diesen höheren Welten unermeßlich viel größer als in der physischen Welt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hat der Mensch einmal die Fähigkeit erworben, mit «Geistesaugen» zu sehen, so begegnet er auch, über kurz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|56}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
oder lang, den genannten höheren, zum Teil auch tieferen Wesen, als der Mensch ist, die niemals die physische Wirklichkeit betreten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hat der Mensch es so weit gebracht, wie hier beschrieben ist, so stehen ihm die Wege zu vielem offen. Aber es ist keinem anzuraten, noch weiter zu gehen ohne sorgfältige Beachtung des vom Geistesforscher Gesagten oder sonst von ihm Mitgeteilten. Und auch für das schon Gesagte ist eine Beachtung solcher kundigen Führerschaft das Allerbeste. Hat übrigens der Mensch in sich die Kraft und Ausdauer, es so weit zu bringen, wie es den angegebenen elementaren Stufen der Erleuchtung entspricht, so wird er ganz gewiß auch die rechte Führung suchen und finden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Vorsicht ist aber unter allen Umständen notwendig, und wer sie nicht anwenden will, der soll am besten alle Schritte, in die Geheimwissenschaft unterlassen. Es ist notwendig, daß der Mensch, der Geheimschüler wird, nichts verliere von seinen Eigenschaften als edler, guter und für alles physisch Wirkliche empfänglicher Mensch. Er muß im Gegenteile seine moralische Kraft, seine innere Lauterkeit, seine Beobachtungsgabe während der Geheimschülerschaft fortwährend steigern. Um ein Einzelnes zu erwähnen: Während der elementaren Erleuchtungsübungen muß der Geheimschüler dafür sorgen, daß er sein Mitgefühl für die Menschen- und Tierwelt, seinen Sinn für Schönheit der Natur immerfort vergrößere. Sorgt er nicht dafür, so stumpfen sich jenes Gefühl und dieser Sinn durch solche Übungen fortwährend ab. Das Herz würde hart, der Sinn stumpf. Und das müßte zu gefährlichen Ergebnissen führen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie sich die Erleuchtung gestaltet, wenn man im Sinne&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|57}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der obigen Übungen über Stein, Pflanze und Tier zum Menschen heraufsteigt, und wie, nach der Erleuchtung, der Zusammenschluß der Seele mit der geistigen Welt unter allen Umständen sich einmal einstellt und zur Einweihung hingeleitet: davon wird in den nächsten Abschnitten gesprochen werden, soweit das sein kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es wird in unserer Zeit von vielen Menschen der Weg zur Geheimwissenschaft gesucht. Auf mancherlei Art wird das getan; und viele gefährliche, ja verwerfliche Prozeduren werden probiert. Deshalb sollen diejenigen, die etwas Wahrhaftes von diesen Dingen zu wissen meinen, anderen die Möglichkeit geben, einiges aus der Geheim-Schulung kennenzulernen. Nur soviel ist hier mitgeteilt worden, als solcher Möglichkeit entspricht. Es ist notwendig, daß etwas von dem Wahren bekanntwerde, damit nicht das Irrtümliche großen Schaden anrichte. Durch die hier vorgezeichneten Wege kann niemand Schaden nehmen, der nichts forciert. Nur das eine muß beachtet werden: niemand darf mehr Zeit und Kraft auf solche Übungen verwenden, als ihm nach seiner Lebensstellung, nach seinen Pflichten zur Verfügung stehen. Niemand darf durch den Geheimpfad irgend etwas in seinen äußeren Lebensverhältnissen augenblicklich ändern. Will man wirkliche Ergebnisse, dann muß man Geduld haben; man muß nach wenigen Minuten der Übung aufhören können und ruhig seiner Tagesarbeit nachgehen. Und nichts darf sich von Gedanken an die Übungen in die Tagesarbeit mischen. Wer nicht im höchsten und besten Sinne warten gelernt hat, der taugt nicht zum Geheimschüler und wird auch niemals zu Ergebnissen kommen, die einen erheblichen Wert haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|58}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Kontrolle der Gedanken und Gefühle ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn jemand die Wege zur Geheimwissenschaft in der Art sucht, wie es in dem vorhergehenden Kapitel beschrieben worden ist, dann darf er nicht versäumen, sich während der ganzen Arbeit durch einen fortwirkenden Gedanken zu stärken. Er muß sich nämlich stets vor Augen halten, daß er nach einiger Zeit schon ganz erhebliche Fortschritte gemacht haben kann, ohne daß sie sich ihm in der Weise zeigen, wie er es vielleicht erwartet hat. Wer dies nicht bedenkt, wird leicht die Beharrlichkeit verlieren und nach kurzer Zeit alle Versuche aufgeben. Die Kräfte und Fähigkeiten, welche man zu entwickeln hat, sind anfänglich von sehr zarter Art. Und ihre Wesenheit ist etwas ganz anderes als das, wovon sich der Mensch vorher Vorstellungen gemacht hat. Er war ja nur gewohnt, sich mit der physischen Welt zu beschäftigen. Die geistige und seelische entzog sich seinen Blicken und auch seinen Begriffen. Es ist daher gar nicht zu verwundern, daß er jetzt, wo sich in ihm geistige und seelische Kräfte entwickeln, diese nicht sogleich bemerkt. Darinnen liegt die Möglichkeit einer Beirrung für den, welcher sich, ohne sich an die Erfahrungen zu halten, welche kundige Forscher gesammelt haben, auf den Geheimpfad begibt. Der Geheimforscher kennt die Fortschritte, welche der Schüler macht, lange bevor dieser sich selbst ihrer bewußt wird. Er weiß, wie die zarten geistigen Augen sich heranbilden, ehe der Schüler etwas davon weiß. Und ein großer Teil der Anweisungen dieses Geheimforschers besteht eben darinnen, das zum Ausdrucke zu bringen, was bewirkt, daß der Schüler das Vertrauen, die Geduld, die Ausdauer nicht verliere,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|59}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
bevor er zur eigenen Erkenntnis seiner Fortschritte gelangt. Geben kann ja der Geheimkundige seinem Zögling nichts, was in diesem nicht auf verborgene Art schon liegt. Er kann nur anleiten zur Entwickelung von schlummernden Fähigkeiten. Aber, was er aus seinen Erfahrungen mitteilt, wird eine Stütze sein dem, der sich aus dem Dunkel zum Lichte durchringen will.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gar viele verlassen den Pfad zur Geheimwissenschaft bald, nachdem sie ihn betreten haben, weil ihnen ihre Fortschritte nicht sogleich bemerklich werden. Und selbst, wenn die ersten für den Zögling wahrnehmbaren höheren Erfahrungen auftreten, so betrachtet sie dieser oft als Illusionen, weil er sich ganz andere Vorstellungen von dem gemacht hat, was er erleben soll. Er verliert den Mut, weil er entweder die ersten Erfahrungen für wertlos hält oder weil sie ihm doch so unscheinbar vorkommen, daß er nicht glaubt, sie könnten ihn in absehbarer Zeit zu irgend etwas Erheblichem führen. Mut und Selbstvertrauen sind aber zwei Lichter, die auf dem Wege zur Geheimwissenschaft nicht erlöschen dürfen. Wer es nicht über sich bringen kann, eine Übung, die scheinbar unzähligemal mißglückt ist, immer wieder und wieder geduldig fortzusetzen, der kann nicht weit kommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viel früher als eine deutliche Wahrnehmung von den Fortschritten tritt ein dunkles Gefühl auf, daß man auf dem rechten Wege sei und dieses Gefühl sollte man hegen und pflegen. Denn es kann zu einem sicheren Führer werden. Vor allem muß man den Glauben ausrotten, als ob es ganz absonderliche, geheimnisvolle Verrichtungen sein müßten, durch die man zu höheren Erkenntnissen gelangt. Man muß sich klarmachen, daß von den Gefühlen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|60}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und Gedanken ausgegangen werden muß, mit denen der Mensch ja fortwährend lebt, und daß er diesen Gefühlen und Gedanken nur eine andere Richtung geben muß, als die gewohnte ist. Ein jeder sage sich zunächst: in meiner eigenen Gefühls- und Gedankenwelt liegen die höchsten Geheimnisse verborgen: ich habe sie bisher nur noch nicht wahrgenommen. Alles beruht schließlich darauf, daß der Mensch fortwährend Leib, Seele und Geist mit sich herumträgt, daß er sich aber nur seines Leibes im ausgesprochenen Sinne bewußt ist, nicht seiner Seele und seines Geistes. Und der Geheimschüler wird sich der Seele und des Geistes bewußt, wie sich der gewöhnliche Mensch seines Leibes bewußt ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deshalb kommt es darauf an, die Gefühle und Gedanken in die rechte Richtung zu bringen. Dann entwickelt man die Wahrnehmungen für das im gewöhnlichen Leben Unsichtbare. Hier soll einer der Wege angegeben werden, wie man das macht. Eine einfache Sache ist es wieder, wie fast alles, was bisher mitgeteilt worden ist. Aber von den größten Wirkungen ist sie, wenn sie beharrlich durchgeführt wird und wenn der Mensch vermag, mit der nötigen intimen Stimmung sich ihr hinzugeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man lege ein kleines Samenkorn einer Pflanze vor sich hin. Es kommt darauf an, sich vor diesem unscheinbaren Ding die rechten Gedanken intensiv zu machen und durch diese Gedanken gewisse Gefühle zu entwickeln. Zuerst mache man sich klar, was man wirklich mit Augen sieht. Man beschreibe für sich Form, Farbe und alle sonstigen Eigenschaften des Samens. Dann überlege man folgendes. Aus diesem Samenkorn wird eine vielgestaltige Pflanze entstehen, wenn es in die Erde gepflanzt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|61}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man vergegenwärtige sich diese Pflanze. Man baue sie sich in der Phantasie auf. Und dann denke man: Was ich mir jetzt in meiner Phantasie vorstelle, das werden die Kräfte der Erde und des Lichtes später wirklich aus dem Samenkorn hervorlocken. Wenn ich ein künstlich geformtes Ding vor mir hätte, das ganz täuschend dem Samenkorn nachgeahmt wäre, so daß es meine Augen nicht von einem wahren unterscheiden könnten, so würde keine Kraft der Erde und des Lichtes aus diesem eine Pflanze hervorlocken. Wer sich diesen Gedanken ganz klar macht, wer ihn innerlich erlebt, der wird sich auch den folgenden mit dem richtigen Gefühle bilden können. Er wird sich sagen: in dem Samenkorn ruht schon auf verborgene Art als Kraft der ganzen Pflanze das, was später aus ihm herauswächst. In der künstlichen Nachahmung ruht diese Kraft nicht. Und doch sind für meine Augen beide gleich. In dem wirklichen Samenkorn ist also etwas unsichtbar enthalten, was in der Nachahmung nicht ist. Auf dieses Unsichtbare lenke man nun Gefühl und Gedanken.* Man stelle sich vor: dieses Unsichtbare wird sich später in die sichtbare Pflanze verwandeln, die ich in Gestalt und Farbe vor mir haben werde. Man hänge dem Gedanken nach: das Unsichtbare wird sichtbar werden. Könnte ich nicht denken, so könnte sich mir auch nicht schon jetzt ankündigen, was erst später sichtbar werden wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- - -&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;#&amp;lt;/nowiki&amp;gt;FN010-061-* Wer da einwenden wollte, daß bei einer genaueren mikroskopischen Untersuchung sich ja doch die Nachahmung von dem wirklichen Samenkorn unterscheide, der zeigte nur, daß er nicht erfaßt hat, worauf es ankommt. Es handelt sich nicht darum, was man genau wirklich in sinnenfälliger Weise vor sich hat, sondern darum, daß man daran seelisch-geistige Kräfte entwickele.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|62}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Besonders deutlich sei es betont: Was man da denkt, muß man auch intensiv fühlen. Man muß in Ruhe, ohne alle störenden Beimischungen anderer Gedanken, den einen oben angedeuteten in sich erleben. Und man muß sich Zeit lassen, so daß sich der Gedanke und das Gefühl, das sich an ihn knüpft, gleichsam in die Seele einbohren. Bringt man das in der rechten Weise zustande, dann wird man nach einiger Zeit vielleicht erst nach vielen Versuchen eine Kraft in sich verspüren. Und diese Kraft wird eine neue Anschauung erschaffen. Das Samenkorn wird wie in einer kleinen Lichtwolke eingeschlossen erscheinen. Es wird auf sinnlich-geistige Weise, als eine Art Flamme empfunden werden. Gegenüber der Mitte dieser Flamme empfindet man so, wie man beim Eindruck der Farbe Lila empfindet; gegenüber dem Rande, wie man der Farbe bläulich gegenüber empfindet. Da erscheint das, was man vorher nicht gesehen hat und was die Kraft des Gedankens und der Gefühle geschaffen hat, die man in sich erregt hat. Was sinnlich unsichtbar war, die Pflanze, die erst später sichtbar werden wird, das offenbart sich da auf geistig sichtbare Art.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist begreiflich, daß mancher Mensch das alles für Illusion halten wird. Viele werden sagen: «Was sollen mir solche Gesichte, solche Phantasmen?» Und manche werden abfallen und den Pfad nicht fortsetzen. Aber gerade darauf kommt es an: in diesen schwierigen Punkten der menschlichen Entwickelung nicht Phantasie und geistige Wirklichkeit miteinander zu verwechseln. Und ferner darauf, den Mut zu haben, vorwärts zu dringen und nicht furchtsam und kleinmütig zu werden. Auf der anderen Seite aber muß allerdings betont werden, daß der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|63}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gesunde Sinn, der Wahrheit und Täuschung unterscheidet, fortwährend gepflegt werden muß. Der Mensch darf während all dieser Übungen nie die volle bewußte Herrschaft über sich selbst verlieren. So sicher, wie er über die Dinge und Vorgänge des Alltagslebens denkt, so muß er auch hier denken. Schlimm wäre es, wenn er in Träumerei verfiele. Verstandesklar, um nicht zu sagen: nüchtern, muß er in jedem Augenblicke bleiben. Und der größte Fehler wäre gemacht, wenn der Mensch durch solche Übungen sein Gleichgewicht verlöre, wenn er abgehalten würde, so gesund und klar über die Dinge des Alltagslebens zu urteilen, wie er das vorher getan hat. Immer wieder soll sich der Geheimschüler daher prüfen, ob er nicht etwa aus seinem Gleichgewicht herausgefallen ist, ob er derselbe geblieben ist innerhalb der Verhältnisse, in denen er lebt. Festes Ruhen in sich selbst, klarer Sinn für alles, das muß er sich bewahren. Allerdings ist streng zu beachten, daß man sich nicht jeder beliebigen Träumerei hingeben soll, sich nicht allen möglichen Übungen überlassen soll. Die Gedankenrichtungen, die hier angegeben werden, sind seit Urzeiten in den Geheimschulen erprobt und geübt. Und nur solche werden hier mitgeteilt. Wer solche anderer Art anwenden wollte, die er sich selbst bildet oder von denen er da oder dort hört und liest, der muß in die Irre gehen und wird sich bald auf dem Pfade uferloser Phantastik befinden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine weitere Übung, die sich an die beschriebene anzuschließen hat, ist die folgende. Man stelle sich einer Pflanze gegenüber, die sich auf der Stufe der vollen Entwickelung befindet. Nun erfülle man sich mit dem Gedanken, daß die Zeit kommen werde, wo diese Pflanze abstirbt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|64}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nichts wird von dem mehr sein, was ich jetzt vor mir sehe. Aber diese Pflanze wird dann Samenkörner aus sich entwickelt haben, die wieder zu neuen Pflanzen werden. Wieder werde ich gewahr, daß in dem, was ich sehe, etwas verborgen ruht, was ich nicht sehe. Ich erfülle mich ganz mit dem Gedanken: diese Pflanzengestalt mit ihren Farben wird künftig nicht mehr sein. Aber die Vorstellung, daß sie Samen bildet, lehrt mich, daß sie nicht in Nichts verschwinden werde. Was sie vor dem Verschwinden bewahrt, kann ich jetzt ebensowenig mit Augen sehen, wie ich früher die Pflanze im Samenkorn habe sehen können. Es gibt also in ihr etwas, was ich nicht mit Augen sehe. Lasse ich diesen Gedanken in mir leben und verbindet sich das entsprechende Gefühl in mir mit ihm, dann entwickelt sich wieder, nach angemessener Zeit, in meiner Seele eine Kraft, die zur neuen Anschauung wird. Aus der Pflanze wächst wieder eine Art von geistiger Flammenbildung heraus. Diese ist natürlich entsprechend größer als die vorhin geschilderte. Die Flamme kann etwa in ihrem mittleren Teile grünlichblau und an ihrem äußeren Rande gelblichrot empfunden werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es muß ausdrücklich betont werden, daß man, was hier als «Farben» bezeichnet wird, nicht so sieht, wie physische Augen die Farben sehen, sondern daß man durch die geistige Wahrnehmung ähnliches empfindet, wie wenn man einen physischen Farbeneindruck hat. Geistig «blau» wahrnehmen heißt etwas empfinden oder erfühlen, was ähnlich dem ist, was man empfindet, wenn der Blick des physischen Auges auf der Farbe «Blau» ruht. Dies muß berücksichtigen, wer allmählich wirklich zu geistigen Wahrnehmungen aufsteigen will. Er erwartet sonst, im&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|65}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Geistigen nur eine Wiederholung des Physischen zu finden. Das mußte ihn auf das bitterste beirren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer es dahin gebracht hat, solches geistig zu sehen, hat viel gewonnen. Denn die Dinge enthüllen sich ihm nicht nur im gegenwärtigen Sein, sondern auch in ihrem Entstehen und Vergehen. Er fängt an, überall den Geist zu schauen, von dem die sinnlichen Augen nichts wissen können. Und damit hat er die ersten Schritte dazu getan, um allmählich durch eigene Anschauung hinter das Geheimnis von Geburt und Tod zu kommen. Für die äußeren Sinne entsteht ein Wesen bei der Geburt; es vergeht im Tode. Dies ist aber nur deshalb, weil diese Sinne den verborgenen Geist des Wesens nicht wahrnehmen. Für den Geist sind Geburt und Tod nur eine Verwandlung, wie das Hervorsprießen der Blume aus der Knospe eine Verwandlung ist, die sich vor den sinnlichen Augen abspielt. Will man das aber durch eigene Anschauung kennenlernen, so muß man in der angedeuteten Art erst den geistigen Sinn dafür erwecken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um gleich noch einen Einwand hinwegzunehmen, den manche Menschen machen könnten, die einige seelische (psychische) Erfahrung haben, sei dieses gesagt. Es soll gar nicht bestritten werden, daß es kürzere, einfachere Wege gibt, daß manche aus eigener Anschauung die Erscheinungen von Geburt und Tod kennenlernen, ohne erst alles das, was hier beschrieben wird, durchgemacht zu haben. Es gibt eben Menschen, welche bedeutende psychische Anlagen haben, die nur eines kleinen Anstoßes bedürfen, um entwickelt zu werden. Aber das sind Ausnahmen. Der hier angegebene Weg ist jedoch ein allgemeiner und sicherer. Man kann sich ja auch einige chemische&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|66}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kenntnisse auf einem ausnahmsweisen Weg erwerben; will man aber Chemiker werden, dann muß man den allgemeinen und sicheren Weg gehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein folgenschwerer Irrtum würde sich ergeben, wenn jemand glauben wollte, er könne, um bequemer zum Ziele zu gelangen, sich das besprochene Samenkörnchen oder die Pflanze bloß vorstellen, bloß in der Phantasie vorhalten. Wer dies tut, kann wohl auch zum Ziele kommen, doch nicht so sicher wie auf die angegebene Art. Die Anschauung, zu der man kommt, wird in den meisten Fällen nur ein Blendwerk der Phantasie sein. Bei ihr müßte dann die Umwandlung in geistige Anschauung erst abgewartet werden. Denn darauf kommt es an, daß nicht ich in bloßer Willkür mir Anschauungen schaffe, sondern darauf, daß die Wirklichkeit sie in mir erschafft. Aus den Tiefen meiner eigenen Seele muß die Wahrheit hervorquellen; aber nicht mein gewöhnliches Ich darf selbst der Zauberer sein, der die Wahrheit hervorlocken will, sondern die Wesen müssen dieser Zauberer sein, deren geistige Wahrheit ich schauen will.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hat der Mensch durch solcherlei Übungen in sich die ersten Anfänge zu geistigen Anschauungen gefunden, so darf er aufsteigen zur Betrachtung des Menschen selbst. Einfache Erscheinungen des menschlichen Lebens müssen zunächst gewählt werden. Bevor man aber dazu schreitet, ist es notwendig, besonders ernstlich an der vollen Lauterkeit seines moralischen Charakters zu arbeiten. Man muß jeden Gedanken daran entfernen, daß man etwa auf diese Art erlangte Erkenntnis zum persönlichen Eigennutz anwenden werde. Man muß mit sich darüber einig sein, daß man niemals eine Macht über seine Mitmenschen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|67}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die man etwa erlangen werde, im Sinne des Bösen ausnutzen werde. Deshalb muß jeder, der Geheimnisse über die menschliche Natur durch eigene Anschauung sucht, die goldene Regel der wahren Geheimwissenschaften befolgen. Und diese goldene Regel ist: wenn du einen Schritt vorwärts zu machen versuchst in der Erkenntnis geheimer Wahrheiten, so mache zugleich drei vorwärts in der Vervollkommnung deines Charakters zum Guten. Wer diese Regel befolgt, der kann solche Übungen machen, wie nunmehr eine beschrieben werden soll.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man vergegenwärtige sich einen Menschen, von dem man einmal beobachtet hat, wie er nach irgendeiner Sache verlangt hat. Auf die Begierde soll die Aufmerksamkeit gerichtet werden. Am besten ist es, den Zeitpunkt in der Erinnerung wachzurufen, in dem die Begierde am lebhaftesten war und in dem es ziemlich unentschieden war, ob der Mensch das Verlangte erhalten werde oder nicht. Und nun gebe man sich der Vorstellung an das, was man in der Erinnerung beobachtet, ganz hin. Man stelle die denkbar größte innere Ruhe der eigenen Seele her. Man versuche so viel, als nur möglich ist, blind und taub zu sein für alles andere, was ringsherum vorgeht. Und man achte besonders darauf, daß durch die angeregte Vorstellung in der Seele ein Gefühl erwache. Dieses Gefühl lasse man in sich heraufziehen wie eine Wolke, die an dem sonst ganz leeren Horizont heraufzieht. Es ist ja nun natürlich, daß in der Regel die Beobachtung dadurch unterbrochen wird, daß man den Menschen, auf den man die Aufmerksamkeit lenkt, nicht lange genug in dem geschilderten Seelenzustand beobachtet hat. Man wird wahrscheinlich Hunderte und Aberhunderte von vergeblichen Versuchen anstellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|68}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man darf eben die Geduld nicht verlieren. Nach vielen Versuchen wird man es dahin bringen, daß man in der eigenen Seele ein Gefühl erlebt, das dem Seelenzustand des beobachteten Menschen entspricht. Dann wird man aber auch nach einiger Zeit bemerken, daß durch dieses Gefühl in der eigenen Seele eine Kraft erwächst, die zur geistigen Anschauung des Seelenzustandes des anderen wird. Im Gesichtsfelde wird ein Bild auftreten, das man wie etwas Leuchtendes empfindet. Und dieses geistig leuchtende Bild ist die sogenannte astrale Verkörperung des beobachteten Seelenzustandes der Begierde. Wieder als flammenähnlich empfunden kann dieses Bild beschrieben werden. Es wird in der Mitte wie gelbrot sein und am Rande wie rötlichblau oder lila empfunden werden. Viel kommt darauf an, daß man mit solcher geistigen Anschauung zart umgehe. Man tut am besten, wenn man zunächst zu niemand davon spricht als nur etwa zu seinem Lehrer, wenn man einen solchen hat. Denn versucht man eine solche Erscheinung durch ungeschickte Worte zu beschreiben, so gibt man sich meistens argen Täuschungen hin. Man gebraucht die gewöhnlichen Worte, die doch für solche Dinge nicht bestimmt und daher für sie zu grob und schwerfällig sind. Die Folge ist dann, daß man durch den eigenen Versuch, die Sache in Worte zu kleiden, verführt wird, sich in die wahren Anschauungen allerlei Phantasieblendwerke hineinzumischen. Wieder ist eine wichtige Regel für den Geheimschüler: Verstehe über deine geistigen Gesichte zu schweigen. Ja, schweige sogar vor dir selber darüber. Versuche nicht, was du im Geiste erschaust, in Worte zu kleiden oder mit dem ungeschickten Verstande zu ergrübeln. Gib dich unbefangen deiner&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|69}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
geistigen Anschauung hin und störe sie dir nicht durch vieles Nachdenken darüber. Denn du mußt bedenken, daß dein Nachdenken anfangs ganz und gar nicht deinem Schauen gewachsen ist. Dieses Nachdenken hast du dir in deinem bisherigen, bloß auf die physisch-sinnliche Welt beschränkten Leben erworben; und was du dir jetzt erwirbst, geht darüber hinaus. Suche also nicht, an das neue Höhere den Maßstab des alten anzulegen. Nur wer schon einige Festigkeit hat im Beobachten innerer Erfahrungen, der kann darüber reden, um durch solches Reden seine Mitmenschen anzuregen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu der beschriebenen Übung mag eine ergänzende kommen. Man beobachte in der gleichen Art, wie einem Menschen die Befriedigung irgendeines Wunsches, die Erfüllung einer Erwartung zuteil geworden ist. Gebraucht man dabei dieselben Regeln und Vorsichten, die eben für den anderen Fall angegeben worden sind, so wird man auch da zu einer geistigen Anschauung gelangen. Man wird eine geistige Flammenbildung bemerken, die in der Mitte als gelb sich fühlt und die wie mit einem grünlichen Rande empfunden wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Leicht kann der Mensch durch solche Beobachtung seiner Mitmenschen in einen moralischen Fehler verfallen. Er kann lieblos werden. Daß dies nicht der Fall sei, muß eben mit allen nur erdenkbaren Mitteln angestrebt werden. Beobachtet man so, dann soll man eben durchaus schon auf der Höhe stehen, in der es einem zur völligen Gewißheit geworden ist, daß Gedanken wirkliche Dinge sind. Man darf sich da nicht mehr gestatten, über seinen Mitmenschen so zu denken, daß die Gedanken mit der höchsten Achtung der Menschenwürde, und der Menschenfreiheit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|70}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nicht verträglich wären. Daß ein Mensch nur ein Beobachtungsobjekt für uns sein könnte: dieser Gedanke darf uns nicht einen Augenblick erfüllen. Hand in Hand mit jeder Geheimbeobachtung über die menschliche Natur muß die Selbsterziehung dahin gehen, die volle Selbstgeltung eines jeden Menschen uneingeschränkt zu schätzen und das als etwas Heiliges, von uns Unantastbares auch in Gedanken und Gefühlen zu betrachten, was in dem Menschen wohnt. Ein Gefühl von heiliger Scheu vor allem Menschlichen, selbst wenn es nur als Erinnerung gedacht wird, muß uns erfüllen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nur an den zwei Beispielen sollte vorläufig hier gezeigt werden, wie man sich zur Erleuchtung über die menschliche Natur durchringt. Daran konnte aber wenigstens der Weg gezeigt werden, der zu betreten ist. Wer die notwendige innere Stille und Ruhe findet, die zu solcher Beobachtung gehören, dessen Seele wird schon dadurch eine große Verwandlung durchmachen. Das wird bald so weit gehen, daß die innere Bereicherung, die sein Wesen erfährt, ihm Sicherheit und Ruhe gibt auch in seinem äußeren Verhalten. Und dieses verwandelte äußere Verhalten wird wieder zurückwirken auf seine Seele. Und so wird er sich weiter helfen. Er wird Mittel und Wege finden, immer mehr von der menschlichen Natur zu Entdecken, was den äußeren Sinnen verborgen ist; und er wird dann auch reif werden, einen Einblick zu tun in die geheimnisvollen Zusammenhänge zwischen der Menschennatur und all dem, was sonst noch im Weltall vorhanden ist. Und auf diesem Wege naht sich der Mensch immer mehr dem Zeitpunkte, wo er die ersten Schritte der Einweihung bewerkstelligen kann. Bevor diese aber getan&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|71}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
werden können, ist noch eines notwendig. Es ist dies etwas, dessen Notwendigkeit der Geheimschüler zunächst vielleicht am wenigsten einsehen wird. Später aber wird er dies.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was nämlich der Einzuweihende mitbringen muß, ist ein in gewisser Beziehung ausgebildeter Mut und Furchtlosigkeit. Der Geheimschüler muß geradezu die Gelegenheiten aufsuchen, durch welche diese Tugenden ausgebildet werden. In der Geheimschulung sollten sie ganz systematisch herangebildet werden. Aber auch das Leben selbst ist namentlich nach dieser Richtung hin eine gute Geheimschule; vielleicht die beste. Einer Gefahr ruhig ins Auge schauen, Schwierigkeiten ohne Zagen überwinden wollen: solches muß der Geheimschüler können. Er muß zum Beispiel einer Gefahr gegenüber sich sofort zu der Empfindung aufraffen: meine Angst nützt nach gar keiner Seite; ich darf sie gar nicht haben; ich muß nur an das denken, was zu tun ist. Und er muß es so weit bringen, daß für Gelegenheiten, in denen er vorher ängstlich war, «Angsthaben», «Mutloswerden» für ihn wenigstens im eigentlichen innersten Empfinden unmögliche Dinge werden. Durch die Selbsterziehung nach dieser Richtung entwickelt nämlich der Mensch in sich ganz bestimmte Kräfte, die er braucht, wenn er in höhere Geheimnisse eingeweiht werden soll. So wie der physische Mensch Nervenkraft braucht, um seine physischen Sinne zu benutzen, so bedarf der seelische Mensch jener Kraft, die nur entwickelt wird in mutvollen und furchtlosen Naturen. Wer zu den höheren Geheimnissen vordringt, der sieht nämlich Dinge, welche dem gewöhnlichen Menschen durch die Täuschungen der Sinne verborgen bleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|72}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denn, wenn die physischen Sinne uns auch die höhere Wahrheit nicht schauen lassen, so sind sie eben dadurch auch des Menschen Wohltäter. Durch sie verbergen sich für ihn Dinge, welche ihn, unvorbereitet, in maßlose Bestürzung versetzen müßten, deren Anblick er nicht ertragen könnte. Diesem Anblick muß der Geheimschüler gewachsen werden. Er verliert gewisse Stützen in der Außenwelt, die er eben dem Umstande verdankte, daß er in Täuschung befangen war. Es ist wirklich und buchstäblich so, wie wenn man jemand auf eine Gefahr aufmerksam machte, in der er schon lange geschwebt hat, von der er aber nichts gewußt hat. Vorher hatte er keine Angst: jetzt aber, nachdem er weiß, überkommt ihn die Angst, obwohl die Gefahr durch sein Wissen nicht größer geworden ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kräfte der Welt sind zerstörende und aufbauende: das Schicksal der äußeren Wesenheiten ist Entstehen und Vergehen. In das Wirken dieser Kräfte, in den Gang dieses Schicksals soll der Wissende blicken. Der Schleier, der im gewöhnlichen Leben vor den geistigen Augen liegt, soll entfernt werden. Der Mensch selbst aber ist mit diesen Kräften, mit diesem Schicksal verwoben. In seiner eigenen Natur sind zerstörende und aufbauende Kräfte. So unverhüllt die anderen Dinge vor das sehende Auge des Wissenden treten, so unverhüllt zeigt die eigene Seele sich selbst. Solcher Selbsterkenntnis gegenüber darf der Geheimschüler nicht die Kraft verlieren. Und sie wird ihm nur dann nicht fehlen, wenn er einen Überschuß an ihr mitbringt. Damit dieses der Fall sei, muß er lernen, in schwierigen Lebensverhältnissen die innere Ruhe und Sicherheit zu bewahren; er muß in sich ein starkes Vertrauen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|73}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
in die guten Mächte des Daseins erziehen. Er muß darauf gefaßt sein, daß manche Triebfedern ihn nicht mehr leiten werden, die ihn bisher geleitet haben. Er wird ja einsehen müssen, daß er bisher manches nur getan und gedacht hat, weil er in Unwissenheit befangen war. Solche Gründe, wie er sie bisher gehabt, werden wegfallen. Er hat manches aus Eitelkeit getan; er wird sehen, wie unsäglich wertlos alle Eitelkeit für den Wissenden ist. Er hat manches aus Habsucht getan; er wird gewahr werden, wie zerstörend alle Habsucht ist. Ganz neue Triebfedern zum Handeln und Denken wird er entwickeln müssen. Und eben dazu gehören Mut und Furchtlosigkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorzüglich handelt es sich darum, im tiefsten Innern des Gedankenlebens selbst diesen Mut und diese Furchtlosigkeit zu pflegen. Der Geheimschüler muß lernen, über einen Mißerfolg nicht zu verzagen. Er muß zu dem Gedanken fähig sein: «Ich will vergessen, daß mir diese Sache schon wieder mißglückt ist, und aufs neue versuchen, wie wenn nichts gewesen wäre.» So ringt er sich durch zu der Überzeugung, daß die Kraftquellen in der Welt, aus denen er schöpfen kann, unversieglich sind. Er strebt immer wieder nach dem Geistigen, das ihn heben und tragen wird, wie oft auch sein Irdisches sich als kraftlos und schwach erwiesen haben mag. Er muß fähig sein, der Zukunft entgegenzuleben, und in diesem Streben sich durch keine Erfahrung der Vergangenheit stören lassen. Hat der Mensch die geschilderten Eigenschaften bis zu einem gewissen Grade, dann ist er reif, die wahren Namen der Dinge zu erfahren, die der Schlüssel zu dem höheren Wissen sind. Denn darin besteht die Einweihung, daß man lernt, die Dinge der Welt bei demjenigen Namen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|74}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
zu benennen, die sie im Geiste ihrer göttlichen Urheber haben. In diesen ihren Namen liegen die Geheimnisse der Dinge. Deshalb sprechen die Eingeweihten eine andere Sprache als Uneingeweihte, weil die ersteren die Bezeichnung der Wesen nennen, durch welche diese selbst gemacht sind. Soweit von der Einweihung (Initiation) selbst gesprochen werden kann, soll das im nächsten Kapitel folgen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|75}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= DIE EINWEIHUNG =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Einweihung ist die höchste der Stufen einer Geheim­schulung, über welche in einer Schrift noch Andeutungen gegeben werden können, die allgemein verständlich sind. Über alles, was darüber liegt, sind Mitteilungen schwer verständlich. Aber auch dazu findet jeder den Weg, der durch die Vorbereitung, Erleuchtung und Einweihung bis zu den niederen Geheimnissen vorgedrungen ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Wissen und Können, das einem Menschen durch die Einweihung zuteil wird, könnte er ohne eine solche erst in einer sehr fernen Zukunft nach vielen Verkörpe­rungen auf einem ganz anderen Wege und auch in einer ganz anderen Form erwerben. Wer heute eingeweiht wird, erfährt etwas, was er sonst viel später, unter ganz anderen Verhältnissen, erfahren würde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Mensch kann von den Geheimnissen des Daseins nur so viel wirklich erfahren, als dem Grade seiner Reife entspricht. Nur deshalb gibt es Hindernisse zu den höhe­ren Stufen des Wissens und Könnens. Der Mensch soll ein Schießgewehr nicht früher gebrauchen, als bis er ge­nügende Erfahrung hat, um durch den Gebrauch nicht Unheil anzurichten. Würde heute jemand ohne weiteres eingeweiht, so würde ihm die Erfahrung fehlen, die er durch die Verkörperungen in der Zukunft noch machen wird, bis ihm die entsprechenden Geheimnisse im regelmäßigen Verlauf seiner Entwickelung zuteil werden. Deshalb müssen an der Pforte der Einweihung die Erfah­rungen durch etwas anderes ersetzt sein. In einem Ersatz für künftige Erfahrungen bestehen daher die ersten Unter­weisungen des Einweihungskandidaten. Es sind das die&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|76}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sogenannten «Proben», die er durchzumachen hat und die sich als regelmäßige Folge des Seelenlebens ergeben, wenn Übungen, wie die in den vorhergehenden Kapiteln geschilderten, richtig fortgesetzt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von diesen «Proben» wird ja auch in Büchern oft ge­sprochen. Aber es ist nur natürlich, daß von ihrer Natur durch solche Besprechungen in der Regel ganz falsche Vorstellungen hervorgerufen werden müssen. Denn wer nicht durch die Vorbereitung und Erleuchtung hindurch­gegangen ist, hat ja nichts von diesen Proben jemals erfahren. Ein solcher kann sie auch nicht sachgemäß beschreiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dem Einzuweihenden müssen sich gewisse Dinge und Tatsachen ergeben, die den höheren Welten angehören. Er kann sie aber nur sehen und hören, wenn er die gei­stigen Wahrnehmungen wie Figuren, Farben, Töne und so weiter empfinden kann, von denen bei Besprechung der «Vorbereitung» und «Erleuchtung» berichtet worden ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die erste «Probe» besteht darinnen, daß er eine wah­rere Anschauung erlangt von den leiblichen Eigenschaften der leblosen Körper, dann der Pflanzen, der Tiere und des Menschen, als sie der Durchschnittsmensch besitzt. Damit ist aber nicht das gemeint, was man heute wissen­schaftliche Erkenntnis nennt. Denn nicht um Wissen­schaft, sondern um Anschauung handelt es sich. In der Regel ist der Vorgang so, daß der Einzuweihende erken­nen lernt, wie sich die Naturdinge und Lebewesen für das geistige Ohr und geistige Auge kundgeben. In einer gewissen Weise stehen diese Dinge dann unverhüllt nackt vor dem Beschauer. Dem sinnlichen Auge und dem sinnlichen Ohre verbergen sich die Eigenschaften,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|77}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die man da hört und sieht. Sie sind für dieses sinnliche An­schauen wie mit einem Schleier verhüllt. Daß dieser Schleier für den Einzuweihenden wegfällt, beruht auf einem Vorgang, den man als «geistigen Verbrennungsprozeß» bezeichnet. Deshalb wird diese erste Probe die «Feuerprobe» genannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für manche Menschen ist das gewöhnliche Leben selbst schon ein mehr oder weniger unbewußter Einweihungs­prozeß durch die Feuerprobe. Es sind das diejenigen, wel­che durch reiche Erfahrungen von solcher Art durch­gehen, daß ihr Selbstvertrauen, ihr Mut und ihre Stand­haftigkeit in gesunder Weise groß werden und daß sie Leid, Enttäuschung, Mißlingen von Unternehmungen mit Seelengröße und namentlich mit Ruhe und in ungebro­chener Kraft ertragen lernen. Wer Erfahrungen in dieser Art durchgemacht hat, der ist oft schon, ohne daß er es deutlich weiß, ein Eingeweihter; und es bedarf dann nur eines wenigen, um ihm geistige Ohren und Augen zu öffnen, so daß er ein Hellsehender wird. Denn das ist fest­zuhalten: es handelt sich bei einer wahren «Feuerprobe» nicht darum, daß die Neugierde des Kandidaten befriedigt werde. Gewiß, er lernt außergewöhnliche Tatsachen ken­nen, von denen andere Menschen keine Ahnung haben. Aber dieses Kennenlernen ist nicht das Ziel, sondern nur das Mittel zum Ziel. Das Ziel aber ist, daß sich der Kan­didat durch die Erkenntnis der höheren Welten größeres und wahreres Selbstvertrauen, höheren Mut und eine ganz andere Seelengröße und Ausdauer erwerbe, als sie in der Regel innerhalb der niederen Welt erlangt werden kön­nen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der «Feuerprobe» kann jeder Kandidat noch umkehren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|78}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er wird gestärkt in physischer und seelischer Be­ziehung dann sein Leben fortsetzen und wohl erst in einer nächsten Verkörperung die Einweihung fortsetzen. In sei­ner gegenwärtigen aber wird er ein brauchbareres Glied der menschlichen Gesellschaft sein, als er vorher war. In welcher Lage er sich auch befinden mag: seine Festigkeit, seine Umsicht, sein günstiger Einfluß auf seine Mitmen­schen, seine Entschlossenheit werden zugenommen haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Will der Kandidat nach vollbrachter Feuerprobe die Geheimschulung fortsetzen, so muß ihm nunmehr ein bestimmtes Schriftsystem enthüllt werden, wie solche in der Geheimschulung üblich sind. In diesen Schriftsystemen offenbaren sich die eigentlichen Geheimlehren. Denn das­jenige, was in den Dingen wirklich «verborgen» (okkult) ist, kann weder mit den Worten der gewöhnlichen Spra­che unmittelbar ausgesprochen, noch kann es mit den ge­wöhnlichen Schriftsystemen aufgezeichnet werden. Die­jenigen, welche von den Eingeweihten gelernt haben, übersetzen die Lehren der Geheimwissenschaft in die ge­wöhnliche Sprache, so gut das geht. Die okkulte Schrift offenbart sich der Seele, wenn diese die geistige Wahrneh­mung erlangt hat. Denn diese Schrift steht in der geisti­gen Welt immer geschrieben. Man lernt sie nicht so, wie man eine künstliche Schrift lesen lernt. Man wächst viel­mehr in sachgemäßer Weise der hellsichtigen Erkenntnis entgegen, und während dieses Wachsens entwickelt sich wie eine seelische Fähigkeit die Kraft, welche die vorhan­denen Geschehnisse und Wesenheiten der geistigen Welt wie die Charaktere einer Schrift zu entziffern sich gedrängt fühlt. Es könnte sein, daß diese Kraft und mit ihr das Erleben der entsprechenden «Probe» mit der fortschreitenden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Seelenentwickelung wie von selbst erwa­chen. Doch sicherer gelangt man zum Ziele, wenn man die Anweisungen der erfahrenen Geheimforscher befolgt, die Gewandtheit haben im Entziffern der okkulten Schrift.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Zeichen der Geheimschrift sind nicht willkürlich ersonnen, sondern sie entsprechen den Kräften, welche in der Welt wirksam sind. Man lernt durch diese Zeichen die Sprache der Dinge. Dem Kandidaten zeigt sich alsbald, daß die Zeichen, die er kennenlernt, den Figuren, Farben, Tönen und so weiter entsprechen, die er während der Vor­bereitung und Erleuchtung wahrzunehmen gelernt hat. Es zeigt sich ihm, daß alles Vorhergehende nur wie ein Buchstabieren war. Jetzt erst fängt er an, in der höheren Welt zu lesen. In einem großen Zusammenhang erscheint ihm alles, was vorher nur vereinzelte Figur, Ton, Farbe war. Jetzt erst gewinnt er die rechte Sicherheit im Beob­achten der höheren Welten. Vorher konnte er nie mit Be­stimmtheit wissen, ob die Dinge, die er gesehen hat, auch richtig gesehen waren. Und jetzt erst kann eine geregelte Verständigung zwischen dem Kandidaten und dem Ein­geweihten auf den Gebieten des höheren Wissens statt­finden. Denn wie auch das Zusammenleben eines Einge­weihten mit einem anderen Menschen im gewöhnlichen Leben gestaltet sein mag: von dem höheren Wissen in unmittelbarer Gestalt kann der Eingeweihte nur in der erwähnten Zeichensprache etwas mitteilen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch diese Sprache wird der Geheimschüler auch be­kannt mit gewissen Verhaltungsmaßregeln für das Leben. Er lernt gewisse Pflichten kennen, von denen er vorher nichts gewußt hat. Und wenn er diese Verhaltungsmaßregeln kennengelernt hat, so kann er Dinge vollbringen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
die eine Bedeutung haben, wie sie niemals die Taten eines Uneingeweihten haben können. Er handelt von den höhe­ren Welten aus. Die Anweisungen zu solchen Handlun­gen können nur in der angedeuteten Schrift verstanden werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es muß aber betont werden, daß es Menschen gibt, die solche Handlungen unbewußt auszuführen vermögen, trotzdem sie nicht eine Geheimschulung durchgemacht haben. Solche «Helfer der Welt und Menschheit» schreiten segnend und wohltuend durchs Leben. Ihnen sind durch Gründe, die hier nicht zu erörtern sind, Gaben ver­liehen worden, die übernatürlich erscheinen. Was sie von dem Geheimschüler unterscheidet, ist lediglich das, daß dieser mit Bewußtsein, mit voller Einsicht in den ganzen Zusammenhang handelt. Er erringt eben durch Schulung, was jenen von höheren Mächten zum Heile der Welt beschert worden ist. Die Gottbegnadeten kann man aufrich­tig verehren; aber deswegen darf man die Arbeit der Schu­lung nicht für überflüssig halten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hat der Geheimschüler die erwähnte Zeichenschrift ge­lernt, dann beginnt für ihn eine weitere «Probe». Durch diese muß sich erweisen, ob er sich frei und sicher in der höheren Welt bewegen kann. Im gewöhnlichen Leben wird der Mensch durch Antriebe von außen zu seinen Handlungen bewogen. Er arbeitet dieses oder jenes, weil ihm die Verhältnisse, diese oder jene Pflichten auferlegen. Es braucht wohl kaum erwähnt zu werden, daß der Ge­heimschüler keine seiner Pflichten im gewöhnlichen Le­ben versäumen darf, weil er in höheren Welten lebt. Keine Pflicht in einer höheren Welt kann jemanden zwin­gen, eine einzige seiner Pflichten in der gewöhnlichen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
außer acht zu lassen. Der Familienvater bleibt ebenso guter Familienvater, die Mutter ebenso gute Mutter, der Beamte wird von nichts abgehalten, ebensowenig der Soldat oder ein anderer, wenn sie Geheimschüler werden. Im Gegen­teil: alle die Eigenschaften, die den Menschen im Leben tüchtig machen, steigern sich bei dem Geheimschüler in einem Maße, von dem sich der Uneingeweihte keinen Begriff machen kann. Und wenn das dem Uneingeweihten auch oft nicht immer, sogar selten nicht so erscheint, dann rührt das nur davon her, daß er den Eingeweihten nicht immer richtig zu beurteilen vermag. Was letzterer tut, ist manchmal dem anderen nicht sogleich durchsich­tig. Aber auch das ist, wie gesagt, nur in besonderen Fäl­len zu bemerken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den auf der genannten Stufe der Einweihung An­gelangten gibt es nun Pflichten, zu denen kein äußerer Anstoß vorhanden ist. Er wird in diesen Dingen nicht durch äußere Verhältnisse,, sondern nur durch jene Maßregeln veranlaßt, welche ihm in der «verborgenen» Spra­che offenbar werden. Nun muß er durch die zweite «Probe» zeigen, daß er, geführt von einer solchen Maßregel, ebenso sicher und fest handelt, wie etwa ein Beamter seine ihm obliegenden Pflichten vollführt. Zu die­sem Zwecke wird durch die Geheimschulung der Kandi­dat sich vor eine bestimmte Aufgabe gestellt fühlen. Dieser soll eine Handlung ausführen infolge von Wahr­nehmungen, die er macht auf Grund dessen, was er auf der Vorbereitungs- und Erleuchtungsstufe gelernt hat. Und was er auszuführen hat, das muß er erkennen durch die gekennzeichnete Schrift, die er sich angeeignet hat. Er­kennt er seine Pflicht und handelt er richtig, dann hat er&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|82}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die Probe bestanden. Man erkennt den Erfolg an der Ver­änderung, die sich mit den als Figuren, Farben und Tönen empfundenen Wahrnehmungen der Geistesohren und -augen durch die Handlung vollzieht. In den Fortschrit­ten der Geheimschulung wird ganz genau angegeben, wie diese Figuren und so weiter nach der Handlung aussehen, empfunden werden. Und der Kandidat muß wissen, wie er eine solche Veränderung hervorzubringen vermag. Man nennt diese Probe die «Wasserprobe», weil bei der Tätigkeit in diesen höheren Gebieten dem Menschen die Stütze durch die äußeren Verhältnisse so fehlt, wie beim Bewegen im Wasser, dessen Grund man nicht erreicht, die Stütze fehlt. Der Vorgang muß so oft wiederholt werden, bis der Kandidat völlige Sicherheit hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch bei dieser Probe handelt es sich um das Erwerben einer Eigenschaft; und durch die Erfahrungen in der höhe­ren Welt bildet der Mensch diese Eigenschaft in kurzer Zeit in einem solch hohen Grade aus, daß er im gewöhn­lichen Verlaufe der Entwickelung wohl durch viele Ver­körperungen hindurchgehen müßte, um ihn zu erreichen. Worauf es nämlich ankommt, ist das Folgende. Der Kan­didat darf, um die angegebene Veränderung auf dem höheren Gebiet des Daseins hervorzubringen, lediglich dem folgen, was sich ihm auf Grund seiner höheren Wahrnehmung und als Folge seines Lesens der verbor­genen Schrift ergibt. Würde er während seiner Handlung irgend etwas von seinen Wünschen, Meinungen und so weiter einmischen, folgte er nur einen Augenblick nicht den Gesetzen, die er als richtig erkannt hat, sondern seiner Willkür: dann würde etwas ganz anderes geschehen, als geschehen soll. In diesem Falle verlöre der Kandidat sofort&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
die Richtung auf sein Ziel der Handlung, und Ver­wirrung träte ein. Daher hat der Mensch durch diese Probe in reichlichstem Maße Gelegenheit, seine Selbst­beherrschung auszubilden. Und darauf kommt es an. Wie­der kann daher diese Probe von denen leichter bestanden werden, die vor der Einweihung durch ein Leben gegan­gen sind, das ihnen die Erwerbung der Selbstbeherrschung gebracht hat. Wer sich die Fähigkeit erworben hat, hohen Grundsätzen und Idealen mit Hintansetzung der persön­lichen Laune und Willkür zu folgen, wer versteht, die Pflicht auch immer da zu erfüllen, wo die Neigungen und Sympathien gar zu gerne von dieser Pflicht ablenken wol­len, der ist unbewußt schon mitten im gewöhnlichen Le­ben ein Eingeweihter. Und nur ein Geringes wird notwen­dig sein, damit er die geschilderte Probe bestehe. Ja, es muß sogar gesagt werden, daß ein gewisser schon im Le­ben unbewußt erlangter Grad von Einweihung in der Regel durchaus notwendig sein wird, um die zweite Probe zu bestehen. Denn wie es vielen Menschen, die in der Ju­gend nicht richtig schreiben gelernt haben, schwer wird, dies nachzuholen, wenn sie einmal die volle Lebensreife erlangt haben, so wird es auch schwer, den notwendigen Grad von Selbstbeherrschung beim Einblicke in die höhe­ren Welten auszubilden, wenn man nicht schon vorher darinnen einen gewissen Grad im alltäglichen Leben sich angeeignet hat. Die Dinge der physischen Welt ändern sich nicht, was wir auch wünschen, begehren, was immer wir auch für Neigungen haben. In den höheren Welten aber sind unsere Wünsche, Begierden und Neigungen von Wirkung für die Dinge. Wollen wir da auf die Dinge in entsprechender Weise wirken, so müssen wir uns ganz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
in unserer Gewalt haben, müssen lediglich den richtigen Maßregeln folgen und keinerlei Willkür unterworfen sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Eigenschaft des Menschen, die auf dieser Stufe der Einweihung ganz besonders in Betracht kommt, ist eine unbedingt gesunde und sichere Urteilskraft. Auf die Her­anbildung einer solchen muß schon auf allen früheren Stufen gesehen werden; und auf dieser muß es sich erwei­sen, ob der Kandidat sie so handhabt, daß er für den wah­ren Erkenntnispfad geeignet ist. Er kann nur dann weiter­kommen, wenn er Illusion, wesenlose Phantasiegebilde, Aberglauben und alle Art von Blendwerk von der wahren Wirklichkeit unterscheiden kann. Und auf den höheren Stufen des Daseins ist das zunächst schwieriger als auf den niederen. Da muß jedes Vorurteil, jede liebgewordene Meinung schwinden in bezug auf die Dinge, auf die es ankommt; und einzig und allein die Wahrheit muß Richt­schnur sein. Vollkommene Bereitschaft muß vorhanden sein, einen Gedanken, eine Ansicht, eine Neigung sofort aufzugeben, wenn das logische Denken solches fordert. Gewißheit in höheren Welten ist nur zu erlangen, wenn man nie die eigene Meinung schont.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Menschen mit einer Denkungsart, die zur Phantastik, zum Aberglauben neigt, können auf dem Geheimpfade keinen Fortschritt machen. Ein kostbares Gut soll ja der Geheimjünger erringen. Alle Zweifel an den höheren Welten werden von ihm genommen. Diese enthüllen sich in ihren Gesetzen vor seinen Blicken. Aber er kann dieses Gut nicht erringen, solange er sich von Blendwerken und Illusionen täuschen läßt. Schlimm wäre es für ihn, wenn seine Phantasie, seine Vorurteile mit seinem Verstande&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
durchgingen. Träumer und Phantasten sind für den Ge­heimpfad ebenso ungeeignet wie abergläubische Perso­nen. Das alles kann nicht genug betont werden. Denn in Träumerei, Phantastik und Aberglauben lauern die schlimmsten Feinde auf dem Wege zu Erkenntnissen in höheren Welten. Es braucht aber auch niemand zu glauben, daß dem Geheimjünger die Poesie des Lebens, die Begeisterungsfähigkeit verlorengehe, weil über dem Tore, das zur zweiten Probe der Einweihung führt, die Worte stehen: «Alle Vorurteile müssen von dir fallen», und weil er an der Eingangspforte zur ersten Probe bereits lesen muß: «Ohne gesunden Menschenverstand sind alle deine Schritte vergebens.»&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ist der Kandidat in dieser Art weit genug vorgeschrit­ten, so wartet die dritte «Probe» auf ihn. Bei dieser wird ihm kein Ziel fühlbar. Es ist alles in seine eigene Hand gelegt. Er befindet sich in einer Lage, wo ihn nichts zum Handeln veranlaßt. Er muß ganz allein aus sich seinen Weg finden. Dinge oder Personen, die ihn zu etwas bewegen, sind nicht da. Nichts und niemand kann ihm jetzt die Kraft geben, die er braucht, als nur er selbst. Fände er diese Kraft nicht in sich selbst, so stände er sehr bald wie­der da, wo er vorher gestanden hat. Doch muß man sagen, daß nur wenige von denen, welche die vorigen Proben bestanden haben, hier diese Kraft nicht finden werden. Man bleibt entweder schon vorher zurück, oder man besteht auch hier. Alles, was nötig ist, das besteht darinnen, rasch mit sich selbst zurecht zu kommen. Denn man muß hier sein «höheres Selbst» im wahrsten Sinne des Wortes finden. Man muß sich rasch entschließen, auf die Ein­gebung des Geistes in allen Dingen zu hören. Zeit zu&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
irgendwelchen Bedenken, Zweifeln und so weiter hat man hier nicht mehr. Jede Minute Zögerung würde nur beweisen, daß man noch nicht reif ist. Was abhält, auf den Geist zu hören, muß kühn überwunden werden. Es kommt darauf an, Geistesgegenwart in dieser Lage zu be­weisen. Und das ist auch die Eigenschaft, auf deren voll­kommene Ausbildung es auf dieser Entwickelungsstufe abgesehen ist. Alle Verlockungen zum Handeln, ja selbst zum Denken, an die ein Mensch vorher gewöhnt war, hören auf. Um nicht untätig zu bleiben, darf der Mensch sich selbst nicht verlieren. Denn nur in sich selbst kann er den einzigen festen Punkt finden, an den er sich zu hal­ten vermag. Niemand, der dies hier liest, ohne weiter mit den Sachen vertraut zu sein, sollte eine Antipathie emp­finden gegen dieses Zurückgewiesensein auf sich selbst. Denn es bedeutet für den Menschen die schönste Glück­seligkeit, wenn er die geschilderte Probe besteht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und nicht weniger als in den anderen Fällen ist auch für diesen Punkt das gewöhnliche Leben für viele Menschen schon eine Geheimschule. Personen, die es dahin gebracht haben, daß sie, vor plötzlich an sie herantretende Lebensaufgaben gestellt, ohne Zögern, ohne viel Beden­ken eines raschen Entschlusses fähig sind, ihnen ist das Leben eine solche Schulung. Die geeigneten Lagen sind diejenigen, wo ein erfolgreiches Handeln sofort unmög­lich wird, wenn der Mensch nicht rasch eingreift. Wer rasch bei der Hand ist, zuzugreifen, wenn ein Unglück in Sicht ist, während durch einige Augenblicke Zögerung das Unglück bereits geschehen wäre, und wer eine solche rasche Entschlußfähigkeit zu einer bleibenden Eigen­schaft bei sich gemacht hat, der hat unbewußt die Reife&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
für die dritte «Probe» erworben. Denn auf die Heranbildung der unbedingten Geistesgegenwart kommt es bei ihr an. Man nennt sie in den Geheimschulen die «Luftprobe», weil der Kandidat bei ihr sich weder auf den festen Boden der äußeren Veranlassungen stützen kann noch auf dasjenige, was sich aus den Farben, Formen und so weiter ergibt, die er durch Vorbereitung und Erleuch­tung kennengelernt hat, sondern ausschließlich auf sich selbst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hat der Geheimjünger diese Probe bestanden, dann darf er den «Tempel der höheren Erkenntnisse» betre­ten. Was darüber weiter zu sagen ist, kann nur die aller­spärlichste Andeutung sein. Was jetzt zu leisten ist, wird oft so ausgedrückt, daß man sagt: der Geheimjünger habe einen «Eid» zu leisten, nichts von den Geheimlehren zu «verraten». Doch sind die Ausdrücke «Eid» und «ver­raten» keineswegs sachgemäß und sogar zunächst irreführend. Es handelt sich um keinen «Eid» im gewöhn­lichen Sinne des Wortes. Man macht vielmehr auf dieser Stufe der Entwickelung eine Erfahrung. Man lernt, wie man die Geheimlehre anwendet, wie man sie in den Dienst der Menschheit stellt. Man fängt an, die Welt erst recht zu verstehen. Nicht auf das «Verschweigen» der höheren Wahrheiten kommt es da an, sondern vielmehr auf die rechte Art, den entsprechenden Takt, sie zu ver­treten. Worüber man «schweigen» lernt, das ist etwas ganz anderes. Man eignet sich diese herrliche Eigenschaft nämlich in bezug auf vieles an, worüber man vorher ge­redet hat, namentlich auf die Art, wie man geredet hat. Ein schlechter Eingeweihter wäre der, welcher nicht die erfahrenen Geheimnisse in den Dienst der Welt stellte, so&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
gut und soweit dies nur möglich ist. Es gibt kein anderes Hindernis für die Mitteilung auf diesem Gebiete als allein das Nichtverstehen von seiten dessen, der empfangen soll. Zum beliebigen Reden darüber eignen sich allerdings die höheren Geheimnisse nicht. Aber es ist niemandem etwas «verboten» zu sagen, der die beschriebene Stufe der Ent­wickelung erlangt hat. Kein anderer Mensch und kein Wesen legt ihm einen dahingehenden «Eid» auf. Alles ist in seine eigene Verantwortlichkeit gestellt. Was er lernt, ist, in jeder Lage ganz durch sich selbst zu finden, was er zu tun hat. Und der «Eid» bedeutet nichts, als daß der Mensch reif geworden ist, eine solche Verantwortung tra­gen zu können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ist der Kandidat reif geworden zu dem Beschriebenen, dann erhält er dasjenige, was man sinnbildlich als den «Vergessenheitstrunk» bezeichnet. Er wird nämlich in das Geheimnis eingeweiht, wie man wirken kann, ohne sich durch das niedere Gedächtnis fortwährend stören zu las­sen. Das ist für den Eingeweihten notwendig. Denn er muß stets das volle Vertrauen in die unmittelbare Gegen­wart haben. Er muß die Schleier der Erinnerung zerstören können, die sich in jedem Augenblick des Lebens um den Menschen ausbreiten. Wenn ich etwas, was mir heute be­gegnet, nach dem beurteile, was ich gestern erfahren habe, so bin ich vielfachen Irrtümern unterworfen. Natür­lich ist damit nicht gemeint, daß man seine im Leben ge­wonnene Erfahrung verleugne. Man soll sich sie immer gegenwärtig halten, so gut man kann. Aber man muß als Eingeweihter die Fähigkeit haben, jedes neue Erlebnis aus sich selbst zu beurteilen, es ungetrübt durch alle Ver­gangenheit auf sich wirken zu lassen. Ich muß in jedem&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|89}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Augenblicke darauf gefaßt sein, daß mir ein jegliches Ding oder Wesen eine ganz neue Offenbarung bringen kann. Beurteile ich das Neue nach dem Alten, so bin ich dem Irrtum unterworfen. Gerade dadurch wird mir die Erinnerung an alte Erfahrungen am nützlichsten, daß sie mich befähigt, Neues zu sehen. Hätte ich eine bestimmte Erfahrung nicht, so würde ich die Eigenschaft eines Din­ges oder eines Wesens, die mir entgegentreten, vielleicht gar nicht sehen. Aber eben zum Sehen des Neuen, nicht zur Beurteilung des Neuen nach dem Alten soll die Er­fahrung dienen. In dieser Beziehung erlangt der Ein­geweihte ganz bestimmte Fähigkeiten. Dadurch enthül­len sich ihm viele Dinge, die dem Uneingeweihten ver­borgen bleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der zweite «Trank», der dem Eingeweihten verabreicht wird, ist der «Gedächtnistrank». Durch ihn erlangt er die Fähigkeit, höhere Geheimnisse stets im Geiste gegenwär­tig zu haben. Dazu würde das gewöhnliche Gedächtnis nicht ausreichen. Man muß ganz eins werden mit den höheren Wahrheiten. Man muß sie nicht nur wissen, son­dern ganz selbstverständlich in lebendigem Tun hand­haben, wie man als gewöhnlicher Mensch ißt und trinkt. Übung, Gewöhnung, Neigung müssen sie werden. Man muß gar nicht über sie in gewöhnlichem Sinne nachzu­denken brauchen; sie müssen sich durch den Menschen selbst darstellen, durch ihn fließen wie die Lebensfunk­tionen seines Organismus. So macht er sich in geistigem Sinne immer mehr zu dem, wozu ihn im physischen die Natur gemacht hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|90}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= PRAKTISCHE GESICHTSPUNKTE =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn der Mensch seine Ausbildung in bezug auf Gefühle, Gedanken und Stimmungen so durchmacht, wie dies in den Kapiteln über Vorbereitung, Erleuchtung und Einweihung beschrieben worden ist, so bewirkt er in sei­ner Seele und in seinem Geist eine ähnliche Gliederung, wie sie die Natur in seinem physischen Leibe bewirkt hat. Vor dieser Ausbildung sind Seele und Geist ungegliederte Massen. Der Hellseher nimmt sie wahr als ineinandergreifende, spiralige Nebelwirbel, die vorzugsweise wie rötliche und rötlichbraune oder auch rötlichgelbe Farben matt glimmend empfunden werden; nach der Ausbildung beginnen sie wie die gelblichgrünen, grünlichblauen Far­ben geistig zu erglänzen und zeigen einen regelmäßigen Bau. Der Mensch gelangt zu solcher Regelmäßigkeit und damit zu höheren Erkenntnissen, wenn er in seine Ge­fühle, Gedanken und Stimmungen solche Ordnung bringt, wie sie die Natur in seine körperlichen Verrichtungen gebracht hat, so daß er sehen, hören, verdauen, atmen, sprechen und so weiter kann. Mit der Seele atmen und sehen und so weiter, mit dem Geiste hören und sprechen und so weiter lernt der Geheimschüler allmählich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es sollen hier nur noch einige praktische Gesichts­punkte genauer ausgeführt werden, die zur höheren See­len- und Geisteserziehung gehören. Es sind solche, die im Grunde jeder, ohne auf andere Regeln Rücksicht zu nehmen, befolgen kann und durch die er in der Geheimwis­senschaft eine Strecke weit gelangt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine besondere Ausbildung muß man in der Geduld anstreben. Jede Regung der Ungeduld wirkt lähmend, ja&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|91}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ertötend auf die im Menschen schlummernden höheren Fähigkeiten. Man soll nicht verlangen, daß sich von heute auf morgen unermeßliche Einblicke in die höheren Wel­ten eröffnen. Denn dann kommen sie in der Regel ganz gewiß nicht; Zufriedenheit mit dem Geringsten, das man erreicht, Ruhe und Gelassenheit sollen sich der Seele immer mehr bemächtigen. Es ist ja begreiflich, daß der Lernende ungeduldig die Ergebnisse erwartet. Dennoch erlangt er nichts, solange er diese Ungeduld nicht be­meistert. Es nützt auch nichts, wenn man diese Ungeduld nur in gewöhnlichem Sinne des Wortes bekämpft. Dann wird sie nur um so stärker. Man täuscht sich dann über sie hinweg, und in den Tiefen der Seele sitzt sie nur um so stärker. Nur wenn man sich einem ganz bestimmten Gedanken immer wieder hingibt, ihn ganz sich zu eigen macht, erreicht man etwas. Dieser Gedanke ist: «Ich muß zwar alles tun zu meiner Seelen- und Geistesausbildung; aber ich werde ganz ruhig warten, bis ich von höheren Mächten für würdig befunden werde zu bestimmter Er­leuchtung.» Wird dieser Gedanke im Menschen so mäch­tig, daß er zur Charakteranlage sich gestaltet, dann ist man auf dem rechten Wege. Schon im Äußerlichen prägt sich dann diese Charakteranlage aus. Der Blick des Auges wird ruhig, die Bewegungen sicher, die Entschlüsse be­stimmt, und alles, was man Nervosität nennt, weicht all­mählich von dem Menschen. Scheinbar unbedeutende, kleine Regeln kommen dabei in Betracht. Zum Beispiel es fügt uns jemand eine Beleidigung zu. Vor unserer Geheimerziehung wenden wir unser Gefühl gegen den Be­leidiger. Ärger wallt in unserem Innern auf. In dem Ge­heimschüler aber steigt sofort bei einer solchen Gelegenheit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|92}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der Gedanke auf: «Eine solche Beleidigung ändert nichts an meinem Werte»; und er tut dann, was gegen die Beleidigung zu unternehmen ist, mit Ruhe und Gelassen­heit, nicht aus dem Ärger heraus. Es kommt natürlich nicht darauf an, etwa jede Beleidigung einfach hinzuneh­men, sondern darauf, daß man so ruhig und sicher in der Ahndung einer Beleidigung der eigenen Person gegen­über ist, wie man wäre, wenn die Beleidigung einem anderen zugefügt worden wäre, bei dem man das Recht hat, sie zu ahnden. Immer muß berücksichtigt werden, daß sich die Geheimschulung nicht in groben äußeren Vorgängen, sondern in feinen, stillen Umwandlungen des Gefühls­- und Gedankenlebens vollzieht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Geduld wirkt anziehend auf die Schätze des höheren Wissens. Ungeduld wirkt auf sie abstoßend. In Hast und Unruhe kann nichts auf den höheren Gebieten des Daseins erlangt werden. Vor allen Dingen müssen Verlan­gen und Begierde schweigen. Das sind Eigenschaften der Seele, vor denen sich alles höhere Wissen scheu zurückzieht. So wertvoll auch alle höhere Erkenntnis ist: man darf sie nicht verlangen, wenn sie zu uns kommen soll. Wer sie haben will um seiner selbst willen, der erlangt sie nie. Und das erfordert vor allem, daß man in tiefster Seele wahr gegen sich selbst sei. Man darf sich in nichts über sich selbst täuschen. Man muß seinen eigenen Feh­lern, Schwächen und Untauglichkeiten mit innerer Wahr­haftigkeit ins Antlitz schauen. In dem Augenblicke, wo du irgendeine deiner Schwächen vor dir selbst entschul­digst, hast du dir einen Stein hingelegt auf den Weg, der dich aufwärts führen soll. Solche Steine kannst du nur durch Selbstaufklärung über dich beseitigen. Es gibt nur&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|93}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
einen Weg, seine Fehler und Schwächen abzulegen, und der ist: sie richtig zu erkennen. Alles schlummert in der Menschenseele und kann erweckt werden. Auch seinen Verstand und seine Vernunft kann der Mensch verbessern, wenn er sich in Ruhe und Gelassenheit darüber aufklärt, warum er in dieser Beziehung schwach ist. Solche Selbsterkenntnis ist natürlich schwierig, denn die Ver­suchung zur Täuschung über sich selbst ist eine unermeß­lich große. Wer sich an Wahrheit gegen sich selbst ge­wöhnt, öffnet sich die Pforten zu höherer Einsicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schwinden muß beim Geheimschüler eine jegliche Neugierde. Er muß sich soviel wie möglich das Fragen abgewöhnen über Dinge, die er nur zur Befriedigung sei­nes persönlichen Wissensdranges wissen will. Nur das soll er fragen, was ihm zur Vervollkommnung seiner We­senheit im Dienste der Entwickelung dienen kann. Dabei soll in ihm aber die Freude, die Hingabe an das Wissen in keiner Weise gelähmt werden. Auf alles, was zu sol­chem Ziele dient, soll er andächtig hinhorchen und jede Gelegenheit zu solcher Andacht aufsuchen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Insbesondere ist zur Geheimausbildung eine Erziehung des Wunschlebens notwendig. Man soll nicht etwa wunschlos werden. Denn alles, was wir erreichen sollen, sollen wir ja auch wünschen. Und ein Wunsch wird immer in Erfüllung gehen, wenn hinter ihm eine ganz besondere Kraft steht. Diese Kraft kommt aus der richtigen Erkennt­nis. «In keiner Art zu wünschen, bevor man das Richtige auf einem Gebiete erkannt hat», das ist eine der goldenen Regeln für den Geheimschüler. Der Weise lernt zuerst die Gesetze der Welt kennen, dann werden seine Wünsche zu Kräften, welche sich verwirklichen. Ein Beispiel, das&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|94}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
deutlich wirkt, soll hier angeführt werden. Gewiß wün­schen viele, aus eigener Anschauung über ihr Leben vor ihrer Geburt etwas zu erfahren. Solcher Wunsch ist ganz zwecklos und ergebnislos, solange der Betreffende sich nicht die Erkenntnis der Gesetze durch geisteswissen­schaftliches Studium angeeignet hat und zwar in ihrem feinsten, intimsten Charakter von dem Wesen des Ewi­gen. Hat er sich aber diese Erkenntnis wirklich erworben, und will er dann weiterkommen, so wird er es durch sei­nen veredelten, geläuterten Wunsch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es nützt auch nichts, zu sagen: Ja, ich will ja ge­rade mein vorhergehendes Leben übersehen und zu dem Zwecke eben lernen. Man muß vielmehr imstande sein, diesen Wunsch ganz fallenzulassen, ganz von sich auszuschalten, und zunächst ganz ohne diese Absicht lernen. Man muß die Freude, die Hingebung an dem Gelernten entwickeln ohne die genannte Absicht. Denn nur da­durch lernt man zugleich den entsprechenden Wunsch so zu haben, daß er seine Erfüllung nach sich zieht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;*&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn ich zornig bin oder mich ärgere, so richte ich einen Wall in der Seelenwelt um mich auf, und die Kräfte können nicht an mich herantreten, welche meine seeli­schen Augen entwickeln sollen. Ärgert mich zum Beispiel ein Mensch, so schickt er einen seelischen Strom in die Seelenwelt. Ich kann diesen Strom so lange nicht sehen, als ich noch fähig bin, mich zu ärgern. Mein Ärger ver­deckt ihn mir. Nun darf ich auch nicht glauben, daß ich sofort eine seelische (astralische) Erscheinung haben werde, wenn ich mich nicht mehr ärgere. Denn dazu ist&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
notwendig, daß sich erst in mir ein seelisches Auge ent­wickele. Aber die Anlage zu einem solchen Auge liegt in jedem Menschen. Es bleibt unwirksam, solange der Mensch fähig ist, sich zu ärgern. Aber es ist auch noch nicht sogleich da, wenn man ein wenig das Ärgern be­kämpft hat. Man muß vielmehr fortfahren in dieser Be­kämpfung des Ärgers und in Geduld immer wieder fort­fahren; dann wird man eines Tages bemerken, daß sich dieses seelische Auge entwickelt hat. Allerdings ist nicht der Ärger das einzige, was man zu solchem Ziele zu bekämpfen hat. Viele werden ungeduldig oder zweifelnd, weil sie jahrelang einige Eigenschaften der Seele bekämpft haben und das Hellsehen doch nicht eintritt. Sie haben dann eben einige Eigenschaften ausgebildet und andere um so mehr überwuchern lassen. Die Gabe des Hellsehens tritt erst dann ein, wenn alle Eigenschaften unterdrückt sind, welche die entsprechenden schlummernden Fähigkeiten nicht herauskommen lassen. Allerdings stellen sich Anfänge des Schauens (oder Hörens) schon früher ein; aber das sind zarte Pflänzchen, die leicht allem möglichen Irrtum unterworfen sind und die auch leicht absterben, wenn sie nicht sorgfältig weiter gehegt und ge­pflegt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu den Eigenschaften, die zum Beispiel ebenso be­kämpft werden müssen wie Zorn und Ärger, gehören Furchtsamkeit, Aberglaube und Vorurteilssucht, Eitelkeit und Ehrgeiz, Neugierde und unnötige Mitteilungssucht, das Unterschiedmachen in bezug auf Menschen nach äußerlichen Rang-, Geschlechts-, Stammeskennzeichen und so weiter. In unserer Zeit wird man recht schwer begreifen, daß die Bekämpfung solcher Eigenschaften etwas&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|96}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
zu tun habe mit der Erhöhung der Erkenntnisfähigkeit. Aber jeder Geheimwissenschafter weiß, daß von solchen Dingen viel mehr abhängt als von der Erweiterung der Intelligenz und von dem Anstellen künstlicher Übungen. Insbesondere kann leicht ein Mißverständnis darüber ent­stehen, wenn manche glauben, daß man sich tollkühn machen solle, weil man furchtlos sein soll, daß man sich vor den Unterschieden der Menschen verschließen soll, weil man die Standes-, Rassen- und so weiter Vorurteile bekämpfen soll. Man lernt vielmehr erst richtig erkennen, wenn man nicht mehr in Vorurteilen befangen ist. Schon in gewöhnlichem Sinne ist es richtig, daß mich die Furcht vor einer Erscheinung hindert, sie klar zu beurtei­len, daß mich ein Rassenvorurteil hindert, in eines Men­schen Seele zu blicken. Diesen gewöhnlichen Sinn muß der Geheimschüler in großer Feinheit und Schärfe bei sich zur Entwickelung bringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen Stein in den Weg der Geheimerziehung wirft dem Menschen auch alles, was er sagt, ohne daß er es gründlich in seinen Gedanken geläutert hat. Und dabei muß etwas in Betracht kommen, was hier nur durch ein Beispiel erläutert werden kann. Wenn mir jemand zum Beispiel etwas sagt und ich habe darauf zu erwidern, so muß ich bemüht sein, des anderen Meinung, Gefühl, ja Vorurteil mehr zu beachten, als was ich im Augenblicke selbst zu der in Rede stehenden Sache zu sagen habe. Hiermit ist eine feine Taktausbildung angedeutet, welcher sich der Geheimschüler sorgfältig zu widmen hat. Er muß sich ein Urteil darüber aneignen, wie weit es für den anderen eine Bedeutung hat, wenn er der seinigen die eigene Mei­nung entgegenhält. Nicht zurückhalten soll man deshalb&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
mit seiner Meinung. Davon kann nicht im entferntesten die Rede sein. Aber man soll so genau als nur irgend mög­lich auf den anderen hinhören und aus dem, was man ge­hört hat, die Gestalt seiner eigenen Erwiderung formen. Immer wieder steigt in einem solchen Falle in dem Ge­heimschüler ein Gedanke auf; und er ist auf dem rechten Wege, wenn dieser Gedanke in ihm so lebt, daß er Cha­rakteranlage geworden ist. Dies ist der Gedanke: «Nicht darauf kommt es an, daß ich etwas anderes meine als der andere, sondern darauf, daß der andere das Richtige aus Eigenem finden wird, wenn ich etwas dazu beitrage.» Durch solche und ähnliche Gedanken überströmt den Charakter und die Handlungsweise des Geheimschülers das Gepräge der Milde, die ein Hauptmittel aller Geheimschulung ist. Härte verscheucht um dich herum die Seelengebilde, die dein seelisches Auge erwecken sollen; Milde schafft dir die Hindernisse hinweg und öffnet deine Organe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und mit der Milde wird sich alsbald ein anderer Zug in der Seele ausbilden: das ruhige Achten auf alle Feinheiten des seelischen Lebens in der Umgebung bei völli­ger Schweigsamkeit der eigenen Seelenregungen. Und hat es ein Mensch zu diesem gebracht, dann wirken die Seelenregungen seiner Umgebung auf ihn so ein, daß die eigene Seele wächst und wachsend sich gliedert, wie die Pflanze gedeiht im Sonnenlichte. Milde und Schweigsam­keit in wahrer Geduld öffnen die Seele der Seelenwelt, den Geist dem Geisterlande. «Verharre in Ruhe und Ab­geschlossenheit, schließe die Sinne für das, was sie dir vor deiner Geheimschulung überliefert haben, bringe alle Gedanken zum Stillstand, die nach deinen vorherigen Ge­wohnheiten in dir auf- und abwogten, werde ganz still&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|98}}&lt;br /&gt;
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und schweigsam in deinem Innern und warte in Geduld, dann fangen höhere Welten an, deine Seelenaugen und Geistesohren auszubilden. Du darfst nicht erwarten, daß du sogleich siehst und hörst in der Seelen- und Geisterwelt. Denn was du tust, trägt nur bei, deine höheren Sinne aus­zubilden. Seelisch sehen und geistig hören aber wirst du erst, wenn du diese Sinne haben wirst. Hast du eine Weile so in Ruhe und Abgeschlossenheit verharrt, so gehe an deine gewohnten Tagesgeschäfte, indem du dir vorher noch tief den Gedanken eingeprägt: es wird mir einmal werden, was mir werden soll, wenn ich dazu reif bin. Und unterlasse es streng, etwas von den höheren Gewalten durch deine Willkür an dich zu ziehen.» Das sind Anwei­sungen, die jeder Geheimschüler von seinem Lehrer im Beginne des Weges erhält. Beobachtet er sie, dann ver­vollkommnet er sich. Beobachtet er sie nicht, dann ist alles Arbeiten vergebens. Aber sie sind nur für den schwie­rig, der nicht Geduld und Standhaftigkeit hat. Es gibt keine anderen Hindernisse, als diejenigen sind, die sich ein jeder selbst in den Weg wirft und die auch jeder vermei­den kann, wenn er wirklich will. Das muß immer wieder betont werden, weil sich viele eine ganz falsche Vorstel­lung bilden über die Schwierigkeiten des Geheimpfades. Es ist in gewissem Sinne leichter, die ersten Stufen dieses Pfades zu überschreiten, als ohne Geheimschulung mit den alleralltäglichsten Schwierigkeiten des Lebens fertig zu werden. Außerdem durften hier nur solche Dinge mitgeteilt werden, die von keinerlei Art von Gefahren begleitet sind für die körperliche und seelische Gesundheit. Es gibt ja auch andere Wege, die schneller zum Ziele füh­ren; aber mit diesen hat, was hier gemeint ist, nichts zu&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|99}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
tun, weil sie gewisse Wirkungen auf den Menschen haben können, die ein erfahrener Geheimkundiger nicht anstrebt. Da einiges von solchen Wegen doch immer wieder in die Öffentlichkeit dringt, so muß ausdrücklich davor gewarnt werden, sie zu betreten. Aus Gründen, die nur der Eingeweihte verstehen kann, können diese Wege nie in ihrer wahren Gestalt öffentlich bekanntgegeben wer­den. Und die Bruchstücke, die dort und da erscheinen, können zu nichts Gedeihlichem, wohl aber zur Untergrabung von Gesundheit, Glück und Seelenfrieden füh­ren. Wer sich nicht ganz dunklen Mächten anvertrauen will, von deren wahrem Wesen und Ursprung er nichts wissen kann, der vermeide es, sich auf solche Dinge ein­zulassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es kann noch einiges gesagt werden über die Um­gebung, in welcher die Übungen der Geheimschulung vorgenommen werden sollen. Denn darauf kommt einiges an. Doch liegt die Sache fast für jeden Menschen anders. Wer in einer Umgebung übt, die nur von selbstsüchtigen Interessen, zum Beispiel von dem modernen Kampfe ums Dasein, erfüllt ist, der muß sich bewußt sein, daß diese Interessen nicht ohne Einfluß bleiben auf die Ausbildung seiner seelischen Organe. Zwar sind die inneren Gesetze dieser Organe so stark, daß dieser Einfluß nicht ein allzu schädlicher werden kann. Sowenig eine Lilie durch eine noch so unangemessene Umgebung zu einer Distel wer­den kann, so wenig kann sich das seelische Auge zu etwas anderem bilden, als wozu es bestimmt ist, auch wenn die selbstsüchtigen Interessen der modernen Städte darauf einwirken. Aber gut ist es unter allen Umständen, wenn der Geheimschüler ab und zu den stillen Frieden und die&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|100}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
innere Würde und Anmut der Natur zu seiner Umgebung macht. Besonders günstig liegt die Sache bei dem, der seine Geheimschulung ganz in der grünen Pflanzenwelt oder zwischen sonnigen Bergen und dem lieben Weben der Einfalt vornehmen kann. Das treibt die inneren Organe in einer Harmonie heraus, die niemals in der modernen Stadt entstehen kann. Etwas besser als der bloße Stadtmensch ist auch schon derjenige gestellt, welcher wenigstens während seiner Kindheit Tannenluft atmen, Schneegipfel schauen und das stille Treiben der Waldtiere und Insekten beobachten durfte. Keiner derjenigen aber, denen es aufgegeben ist, in der Stadt zu leben, darf es unterlassen, seinen in Bildung begriffenen Seelen- und Geistesorganen als Nahrung die inspirierten Lehren der Geistesforschung zuzuführen. Wessen Auge nicht jeden Frühling die Wälder Tag für Tag in ihrem Grün verfol­gen kann, der sollte dafür seinem Herzen die erhabenen Lehren der Bhagavad-Gita, des Johannes-Evangeliums, des Thomas von Kempen und die Darstellungen der gei­steswissenschaftlichen Ergebnisse zuführen. Viele Wege gibt es zum Gipfel der Einsicht; aber eine richtige Wahl ist unerläßlich. Der Geheimkundige weiß gar manches über solche Wege zu sagen, was dem Uneingeweihten ab­sonderlich erscheint. Es kann zum Beispiel jemand sehr weit auf dem Geheimpfade sein. Er kann sozusagen un­mittelbar vor dem Öffnen der seelischen Augen und gei­stigen Ohren stehen; und dann hat er das Glück, eine Fahrt über das ruhige oder vielleicht auch das wildbewegte Meer zu machen, und eine Binde löst sich von seinen See­lenaugen: plötzlich wird er sehend. Ein anderer ist eben­falls so weit, daß diese Binde sich nur zu lösen braucht;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|101}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
es geschieht durch einen starken Schicksalsschlag. Auf einen anderen Menschen hätte dieser Schlag wohl den Einfluß gehabt, daß er seine Kraft lähmte, seine Energie untergrübe; für den Geheimschüler wird er zum Anlaß der Erleuchtung. Ein dritter harrt in Geduld aus; Jahre hindurch hat er so geharrt, ohne eine merkliche Frucht. Plötzlich in seinem ruhigen Sitzen in der stillen Kammer wird es geistig Licht um ihn, die Wände verschwinden, werden seelisch durchsichtig, und eine neue Welt breitet sich vor seinem sehend gewordenen Auge aus oder erklingt seinem hörend gewordenen Geistesohre.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
= DIE BEDINGUNGEN ZUR GEHEIMSCHULUNG =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bedingungen zum Antritt der Geheimschulung sind nicht solche, die von irgend jemand durch Willkür festgesetzt werden. Sie ergeben sich aus dem Wesen des Ge­heimwissens. Wie ein Mensch nicht Maler werden kann, der keinen Pinsel in die Hand nehmen will, so kann nie­mand eine Geheimschulung empfangen, der nicht erfül­len will, was die Geheimlehrer als notwendige Forderung angeben. Im Grunde kann der Geheimlehrer nichts geben als Ratschläge. Und in diesem Sinne ist auch alles aufzu­nehmen, was er sagt. Er hat die vorbereitenden Wege zum Erkennen der höheren Welten durchgemacht. Er weiß aus Erfahrung, was notwendig ist. Es hängt ganz von dem freien Willen des einzelnen ab, ob er die gleichen Wege wandeln will oder nicht. Wenn jemand verlangen wollte, daß ihm ein Lehrer eine Geheimschulung zukommen ließe, ohne die Bedingungen erfüllen zu wollen, so gliche eine solche Forderung eben durchaus der: lehre mich ma­len, aber befreie mich davon, einen Pinsel zu berühren. Der Geheimlehrer kann auch niemals etwas bieten, wenn ihm nicht der freie Wille des Aufzunehmenden entgegen­kommt. Aber es muß betont werden, daß der allgemeine Wunsch nach höherem Wissen nicht genügt. Diesen Wunsch werden natürlich viele haben. Wer nur diesen Wunsch hat, ohne auf die besonderen Bedingungen der Geheimschulung eingehen zu wollen, von dem kann zunächst nichts erreicht werden. Das sollen diejenigen be­denken, die sich darüber beklagen, daß die Geheimschu­lung ihnen nicht leicht wird. Wer die strengen Bedingun­gen nicht erfüllen kann oder will, der muß eben vorläufig&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|103}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
auf Geheimschulung verzichten. Zwar sind die Bedingun­gen streng, aber nicht hart, da ihre Erfüllung nicht nur eine freie Tat sein soll, sondern sogar sein muß.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer das nicht bedenkt, für den können die Forderun­gen der Geheimschulung leicht als Seelen- oder Gewissenszwang erscheinen. Denn die Schulung beruht ja auf einer Ausbildung des inneren Lebens; der Geheimlehrer muß also Ratschläge erteilen, die sich auf dieses innere Leben beziehen. Aber nichts kann als Zwang aufgefaßt werden, was als Ausfluß eines freien Entschlusses gefor­dert wird. Wenn jemand von dem Lehrer forderte: teile mir deine Geheimnisse mit, aber lasse mich bei meinen gewohnten Empfindungen, Gefühlen und Vorstellungen, so verlangt er eben etwas ganz Unmögliches. Er will dann nichts weiter als die Neugierde, den Wissenstrieb befrie­digen. Bei einer solchen Gesinnung kann aber Geheimwissen nie erlangt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es sollen nun der Reihe nach die Bedingungen für den Geheimschüler entwickelt werden. Es muß betont wer­den, daß bei keiner dieser Bedingungen eine vollständige Erfüllung verlangt wird, sondern lediglich das Streben nach einer solchen Erfüllung. Ganz erfüllen kann die Be­dingungen niemand; aber sich auf den Weg zu ihrer Er­füllung begeben kann jeder. Nur auf den Willen, auf die Gesinnung, sich auf diesen Weg zu begeben, kommt es an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die erste Bedingung ist: man richte sein Augenmerk darauf, die körperliche und geistige Gesundheit zu fördern. Wie gesund ein Mensch ist, das hängt zunächst natürlich nicht von ihm ab. Danach trachten, sich nach dieser Richtung zu fördern, das kann ein jeder. Nur aus einem gesunden Menschen kann gesunde Erkenntnis&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|104}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
kommen. Die Geheimschulung weist einen nicht gesun­den Menschen nicht zurück; aber sie muß verlangen, daß der Schüler den Willen habe, gesund zu leben. Dar­innen muß der Mensch die möglichste Selbständigkeit erlangen. Die guten Ratschläge anderer, die zumeist un­gefragt jedem zukommen, sind in der Regel ganz überflüssig. Ein jeder muß sich bestreben, selbst auf sich zu achten. Vielmehr wird es sich in physischer Beziehung darum handeln, schädliche Einflüsse abzuhalten, als um anderes. Um unsere Pflichten zu erfüllen, müssen wir uns ja oft Dinge auferlegen, die unserer Gesundheit nicht för­derlich sind. Der Mensch muß verstehen, im rechten Falle die Pflicht höher zu stellen als die Sorge um die Gesund­heit. Aber was kann nicht alles unterlassen werden bei einigem guten Willen! Die Pflicht muß in vielen Fällen höher stehen als die Gesundheit, ja oft höher als das Le­ben; der Genuß darf es bei dem Geheimschüler nie. Bei ihm kann der Genuß nur ein Mittel für Gesundheit und Leben sein. Und es ist in dieser Richtung durchaus not­wendig, daß man ganz ehrlich und wahrhaftig gegen sich selbst sei. Nichts nützt es, ein asketisches Leben zu führen, wenn dieses aus ähnlichen Beweggründen entspringt wie andere Genüsse. Es kann jemand an dem Asketismus ein Wohlgefallen haben wie ein anderer am Weintrinken. Er kann aber nicht hoffen, daß ihm dieser Asketismus etwas zu höherer Erkenntnis nütze. Viele schieben alles, was sie scheinbar hindert, sich nach dieser Richtung zu för­dern, auf ihre Lebenslage. Sie sagen: «Bei meinen Lebensverhältnissen kann ich mich nicht entwickeln.» Es mag für viele in anderer Beziehung wünschenswert sein, ihre Lebenslage zu ändern; zum Zwecke der Geheimschulung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|105}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
braucht dies kein Mensch zu tun. Zu diesem Ziele braucht man nur gerade in der Lage, in der man ist, so viel für seine leibliche und seelische Gesundheit zu tun, als mög­lich ist. Eine jegliche Arbeit kann dem Ganzen der Mensch­heit dienen; und es ist viel größer von der Menschenseele, sich klarzumachen, wie notwendig eine kleinliche, viel­leicht häßliche Arbeit für dieses Ganze ist, als zu glauben:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
«Diese Arbeit ist für mich zu schlecht, ich bin zu ande­rem berufen.» Besonders wichtig für den Geheimschü­ler ist das Streben nach völliger geistiger Gesundheit. Un­gesundes Gemüts- und Denkleben bringt auf alle Fälle von den Wegen zu höheren Erkenntnissen ab. Klares, ruhiges Denken, sicheres Empfinden und Fühlen sind hier die Grundlage. Nichts soll ja dem Geheimschüler ferner liegen als die Neigung zum Phantastischen, zum aufgeregten Wesen, zur Nervosität, zur Exaltation, zum Fana­tismus. Einen gesunden Blick für alle Verhältnisse des Lebens soll er sich aneignen; sicher soll er sich im Leben zurechtfinden; ruhig soll er die Dinge zu sich sprechen und auf sich wirken lassen. Er soll sich bemühen, überall, wo es nötig ist, dem Leben gerecht zu werden. Alles Überspannte, Einseitige soll in seinem Urteilen und Empfin­den vermieden werden. Würde diese Bedingung nicht er­füllt, so käme der Geheimschüler statt in höhere Welten in diejenige seiner eigenen Einbildungskraft; statt der Wahrheit machten sich Lieblingsmeinungen bei ihm gel­tend. Besser ist es für den Geheimschüler, «nüchtern» zu sein als exaltiert und phantastisch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die zweite Bedingung ist, sich als ein Glied des ganzen Lebens zu fühlen. In der Erfüllung dieser Bedingung ist viel eingeschlossen. Aber ein jeder kann sie nur auf seine&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|106}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
eigene Art erfüllen. Bin ich Erzieher und mein Zögling entspricht nicht dem, was ich wünsche, so soll ich mein Gefühl zunächst nicht gegen den Zögling richten, son­dern gegen mich selbst. Ich soll mich so weit als eins mit meinem Zögling fühlen, daß ich mich frage: «Ist das, was beim Zögling nicht genügt, nicht die Folge meiner eige­nen Tat?» Statt mein Gefühl gegen ihn zu richten, werde ich dann vielmehr darüber nachdenken, wie ich mich selbst verhalten soll, damit in Zukunft der Zögling mei­nen Forderungen besser entsprechen könne. Aus solcher Gesinnungsart heraus ändert sich allmählich die ganze Denkungsart des Menschen. Das gilt für das Kleinste wie für das Größte. Ich sehe aus solcher Gesinnung heraus zum Beispiel einen Verbrecher anders an als ohne die­selbe. Ich halte zurück mit meinem Urteile und sage mir: «Ich bin nur ein Mensch wie dieser. Die Erziehung, die durch die Verhältnisse mir geworden ist, hat mich vielleicht allein vor seinem Schicksale bewahrt.» Ich komme dann wohl auch zu dem Gedanken, daß dieser Menschenbruder ein anderer geworden wäre, wenn die Lehrer, die ihre Mühe auf mich verwendet haben, sie hätten ihm an­gedeihen lassen. Ich werde bedenken, daß mir etwas zuteil geworden ist, was ihm entzogen war, daß ich mein Gutes gerade dem Umstand verdanke, daß es ihm ent­zogen worden ist. Und dann wird mir die Vorstellung auch nicht mehr ferne liegen, daß ich nur ein Glied in der ganzen Menschheit bin und mitverantwortlich für alles, was geschieht. Es soll hier nicht gesagt werden, daß ein solcher Gedanke sich sofort in äußere agitatorische Taten umsetzen soll. Aber still in der Seele soll er gepflegt wer­den. Dann wird er sich ganz allmählich in dem äußeren&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|107}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verhalten eines Menschen ausprägen. Und in solchen Dingen kann doch jeder nur bei sich selbst zu reformieren anfangen. Nichts fruchtet es, im Sinne solcher Gedanken allgemeine Forderungen an die Menschheit zu stellen. Wie die Menschen sein sollen: darüber ist leicht ein Urteil ge­bildet; der Geheimschüler aber arbeitet in der Tiefe, nicht an der Oberfläche. Es wäre daher ganz unrichtig, wenn man die hier angedeutete Forderung der Geheimlehrer mit irgendeiner äußerlichen, etwa gar einer politischen Forderung in Verbindung brächte, mit der die Geistesschulung nichts zu tun haben kann. Politische Agitatoren «wissen» in der Regel, was von anderen Menschen zu «fordern» ist; von Forderungen an sich selbst ist bei ihnen weniger die Rede.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und damit hängt die dritte Bedingung für die Geheimschulung unmittelbar zusammen. Der Zögling muß sich zu der Anschauung emporringen können, daß seine Ge­danken und Gefühle ebenso Bedeutung für die Welt haben wie seine Handlungen. Es muß erkannt werden, daß es ebenso verderblich ist, wenn ich meinen Mitmenschen hasse, wie wenn ich ihn schlage. Dann komme ich auch zu der Erkenntnis, daß ich nicht nur für mich etwas tue, wenn ich mich selbst vervollkommene, sondern auch für die Welt. Aus meinen reinen Gefühlen und Ge­danken zieht die Welt ebensolchen Nutzen wie aus mei­nem Wohlverhalten. Solange ich nicht glauben kann an diese Weltbedeutung meines Innern, so lange tauge ich nicht zum Geheimschüler. Erst dann bin ich von dem rechten Glauben an die Bedeutung meines Inneren, mei­ner Seele erfüllt, wenn ich an diesem Seelischen in der Art arbeite, als wenn es zum mindesten ebenso wirklich&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|108}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wäre wie alles Äußere. Ich muß zugeben, daß mein Ge­fühl ebenso eine Wirkung hat wie eine Verrichtung meiner Hand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit ist eigentlich schon die vierte Bedingung aus­gesprochen: die Aneignung der Ansicht, daß des Menschen eigentliche Wesenheit nicht im Äußerlichen, son­dern im Inneren liegt. Wer sich nur als ein Produkt der Außenwelt ansieht, als ein Ergebnis der physischen Welt, kann es in der Geheimschulung zu nichts bringen. Sich als seelisch-geistiges Wesen fühlen ist eine Grundlage für solche Schulung. Wer zu solchem Gefühle vordringt, der ist dann geeignet zu unterscheiden zwischen innerer Ver­pflichtung und dem äußeren Erfolge. Er lernt erkennen, daß das eine nicht unmittelbar an dem anderen gemessen werden kann. Der Geheimschüler muß die rechte Mitte finden zwischen dem, was die äußeren Bedingungen vor­schreiben, und dem, was er als das Richtige für sein Ver­halten erkennt. Er soll nicht seiner Umgebung etwas auf­drängen, wofür diese kein Verständnis haben kann; aber er soll auch ganz frei sein von der Sucht, nur das zu tun, was von dieser Umgebung anerkannt werden kann. Die Anerkennung für seine Wahrheiten muß er einzig und allein in der Stimme seiner ehrlichen, nach Erkenntnis ringenden Seele suchen. Aber lernen soll er von seiner Umgebung, soviel er nur irgend kann, um herauszu­finden, was ihr frommt und nützlich ist. So wird er in sich selbst das entwickeln, was man in der Geheimwissen­schaft die «geistige Waage» nennt. Auf einer ihrer Waage­schalen liegt ein «offenes Herz» für die Bedürfnisse der Außenwelt, auf der anderen «innere Festigkeit und un­erschütterliche Ausdauer».&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Und damit ist auf die fünfte Bedingung gedeutet: die Standhaftigkeit in der Befolgung eines einmal gefaßten Entschlusses. Nichts darf den Geheimschüler dazu brin­gen, von einem gefaßten Entschluß abzukommen, als lediglich die Einsicht, daß er im Irrtume befangen ist. Jeder Entschluß ist eine Kraft, und wenn diese Kraft auch nicht einen unmittelbaren Erfolg da hat, wohin sie zu­nächst gewandt ist, sie wirkt in ihrer Weise. Der Erfolg ist nur entscheidend, wenn man eine Handlung aus Begierde vollbringt. Aber alle Handlungen, die aus Begierde voll­bracht werden, sind wertlos gegenüber der höheren Welt. Hier entscheidet allein die Liebe zu einer Handlung. In dieser Liebe soll sich ausleben alles, was den Geheimschü­ler zu einer Handlung treibt. Dann wird er auch nicht erlahmen, einen Entschluß immer wieder in Tat umzusetzen, wie oft er ihm auch mißlungen sein mag. Und so kommt er dazu, nicht erst die äußeren Wirkungen sei­ner Taten abzuwarten, sondern sich an den Handlungen selbst zu befriedigen. Er wird lernen, seine Taten, ja sein ganzes Wesen der Welt zu opfern, wie auch immer diese sein Opfer aufnehmen mag. Zu solchem Opferdienst muß sich bereit erklären, wer Geheimschüler werden will.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine sechste Bedingung ist die Entwickelung des Ge­fühles der Dankbarkeit gegenüber allem, was dem Menschen zukommt. Man muß wissen, daß das eigene Dasein ein Geschenk des ganzen Weltalls ist. Was ist alles not­wendig, damit jeder von uns sein Dasein empfangen und fristen kann! Was verdanken wir der Natur und anderen Menschen! Zu solchen Gedanken müssen diejenigen ge­neigt sein, die Geheimschulung wollen. Wer sich ihnen nicht hingeben kann, der vermag nicht in sich jene Allliebe&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|110}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
zu entwickeln, die notwendig ist, um zu höherer Er­kenntnis zu kommen. Etwas, das ich nicht liebe, kann sich mir nicht offenbaren. Und eine jede Offenbarung muß mich mit Dank erfüllen, denn ich werde durch sie reicher.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle die genannten Bedingungen müssen sich in einer siebenten vereinigen: das Leben unablässig in dem Sinne aufzufassen, wie es die Bedingungen fordern. Dadurch schafft sich der Zögling die Möglichkeit, seinem Leben ein einheitliches Gepräge zu geben. Seine einzelnen Le­bensäußerungen werden miteinander im Einklang, nicht im Widerspruche stehen. Er wird zu der Ruhe vorbereitet sein, zu welcher er kommen muß während der ersten Schritte in der Geheimschulung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hat jemand den ernsten und ehrlichen Willen, die an­gegebenen Bedingungen zu erfüllen, dann mag er sich zur Geistesschulung entschließen. Er wird sich dann bereitfinden, die angeführten Ratschläge zu befolgen. Es mag gar manchem vieles an diesen Ratschlägen wie etwas Äußerliches erscheinen. Ein solcher wird vielleicht sagen, er hätte erwartet, daß die Schulung in weniger strengen Formen verlaufen sollte. Aber alles Innere muß sich in einem Äußeren ausleben. Und ebensowenig, wie ein Bild schon da ist, wenn es bloß im Kopf des Malers existiert, ebensowenig kann eine Geheimschulung ohne äußeren Ausdruck sein. Nur diejenigen achten die strengen For­men gering, welche nicht wissen, daß im Äußeren das Innere zum Ausdruck kommen muß. Es ist wahr, daß es auf den Geist einer Sache ankommt und nicht auf die Form. Aber so wie die Form ohne den Geist nichtig ist, so wäre der Geist tatenlos, wenn er sich nicht eine Form erschüfe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|111}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die gestellten Bedingungen sind geeignet, den Geheim­schüler stark genug zu machen, um auch die weiteren Forderungen zu erfüllen, welche die Geistesschulung an ihn stellen muß. Fehlen ihm diese Bedingungen, dann wird er vor jeder neuen Anforderung mit Bedenken stehen. Er wird ohne sie das Vertrauen nicht zu den Menschen haben können, das für ihn notwendig ist. Und auf Vertrauen und wahre Menschenliebe muß alles Wahr­heitsstreben gebaut sein. Es muß darauf gebaut sein, ob­gleich es nicht daraus entspringen, sondern nur aus der eigenen Seelenkraft quellen kann. Und die Menschenliebe muß sich allmählich erweitern zur Liebe zu allen Wesen, ja zu allem Dasein. Wer die genannten Bedingungen nicht erfüllt, wird auch nicht die volle Liebe zu allem Aufbauen, zu allem Schaffen haben, und die Neigung, alle Zerstörung, alles Vernichten als solche zu unterlas­sen. Der Geheimschüler muß so werden, daß er nie etwas vernichtet um des Vernichtens willen, nicht in Handlun­gen, aber auch nicht in Worten, Gefühlen und Gedanken. Für ihn soll es Freude am Entstehen, am Werden geben; und nur dann darf er die Hand bieten zu einer Vernich­tung, wenn er auch imstande ist, aus und durch die Ver­nichtung neues Leben zu fördern. Damit ist nicht gemeint, daß der Geheimschüler zusehen darf, wie das Schlechte überwuchert; aber er soll sogar am Schlechten diejenigen Seiten suchen, durch die er es in ein Gutes wandeln kann. Er wird sich immer klarer darüber, daß die richtigste Be­kämpfung des Schlechten und Unvollkommenen das Schaffen des Guten und Vollkommenen ist. Der Geheim­schüler weiß, daß aus dem Nichts nicht etwas geschaffen werden kann, daß aber das Unvollkommene in ein Vollkommenes&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|112}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
umgewandelt werden kann. Wer in sich die Neigung zum Schaffen entwickelt, der findet auch bald die Fähigkeit, sich dem Schlechten gegenüber richtig zu verhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer in eine Geheimschulung sich einläßt, muß sich klarmachen, daß durch sie gebaut und nicht zerstört werden soll. Er soll daher den Willen zur ehrlichen, hinge­bungsvollen Arbeit, nicht zur Kritik und zum Zerstören mitbringen. Er soll der Andacht fähig sein, denn man soll lernen, was man noch nicht weiß. Man soll andächtig zu dem blicken, was sich erschließt. Arbeit und Andacht: das sind Grundgefühle, die von dem Geheimschüler gefor­dert werden müssen. Mancher wird erfahren müssen, daß er in der Schulung nicht vorwärtskommt, trotzdem er, nach seiner Ansicht, rastlos tätig ist. Es kommt davon her, daß er die Arbeit und Andacht nicht im rechten Sinne er­faßt hat. Diejenige Arbeit wird den geringsten Erfolg haben, die um dieses Erfolges willen unternommen wird, und dasjenige Lernen wird am wenigsten vorwärtsbrin­gen, das ohne Andacht verläuft. Die Liebe zur Arbeit, nicht zum Erfolg, bringt allein vorwärts. Und wenn der Lernende gesundes Denken und sicheres Urteilen sucht, so braucht er sich nicht durch Zweifel und Mißtrauen die Andacht zu verkümmern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man braucht nicht zu sklavischer Abhängigkeit im Ur­teilen zu kommen, wenn man einer Mitteilung, die man empfängt, nicht zuerst die eigene Meinung, sondern eine ruhige Andacht und Hingabe entgegenbringt. Diejenigen, welche in der Erkenntnis einiges erlangt haben, wis­sen, daß sie nicht dem eigensinnigen persönlichen Urteile, sondern dem ruhigen Hinhorchen und Verarbeiten alles&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|113}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
verdanken. Man soll stets im Auge behalten, daß man das nicht mehr zu lernen braucht, was man schon beurtei­len kann. Will man also nur urteilen, so kann man über­haupt nicht mehr lernen. In der Geheimschulung kommt es aber auf das Lernen an. Man soll da ganz und gar den Willen haben, ein Lernender zu sein. Kann man etwas nicht verstehen, dann urteile man lieber gar nicht, als daß man verurteile. Man lasse sich dann das Verständnis für eine spätere Zeit. Je höher man die Stufen der Erkennt­nis hinansteigt, desto mehr hat man dieses ruhige, andäch­tige Hinhorchen nötig. Alles Erkennen der Wahrheit, alles Leben und Handeln in der Welt des Geistes wird auf höheren Gebieten subtil, zart im Vergleich mit den Ver­richtungen des gewöhnlichen Verstandes und des Lebens in der physischen Welt. Je mehr sich die Kreise des Men­schen erweitern, desto feiner werden die Verrichtungen, die er vorzunehmen hat. Weil dies so ist, deshalb kom­men die Menschen in bezug auf höhere Gebiete zu so ver­schiedenen «Ansichten» und «Standpunkten». Allein, es gibt auch über höhere Wahrheiten in Wirklichkeit nur eine Meinung. Man kann zu dieser einen Meinung kom­men, wenn man sich durch Arbeit und Andacht dazu er­hoben hat, die Wahrheit wirklich zu schauen. Nur der­jenige kann zu einer Ansicht kommen, die von der einen wahren abweicht, der, nicht genügend vorbereitet, nach seinen Lieblingsvorstellungen, seinen gewohnten Gedan­ken und so weiter urteilt. Wie es nur eine Ansicht über einen mathematischen Lehrsatz gibt, so auch über die Dinge der höheren Welten. Aber man muß sich erst vor­bereiten, um zu einer solchen «Ansicht» kommen zu kön­nen. Wenn man das bedenken wollte, so würden für niemand&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|114}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die Bedingungen der Geheimlehrer etwas Über­raschendes haben. Es ist durchaus richtig, daß die Wahr­heit und das höhere Leben in jeder Menschenseele woh­nen und daß sie ein jeder selbst finden kann und muß. Aber sie liegen tief und können nur nach Hinwegräu­mung von Hindernissen aus ihren tiefen Schächten heraufgeholt werden. Wie man das vollbringt, darüber kann nur raten, wer Erfahrung in der Geheimwissenschaft hat. Solchen Rat gibt die Geisteswissenschaft. Sie drängt nie­mand eine Wahrheit auf, sie verkündet kein Dogma; sie zeigt aber einen Weg. Zwar könnte jeder vielleicht aber erst nach vielen Verkörperungen diesen Weg auch allein finden; doch ist es eine Verkürzung des Weges, was in der Geheimschulung erreicht wird. Der Mensch gelangt da­durch früher zu einem Punkte, auf dem er mitwirken kann in den Welten, wo das Menschenheil und die Menschenentwickelung durch geistige Arbeit gefördert wer­den.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit sind die Dinge angedeutet, welche zunächst über die Erlangung höherer Welterfahrung mitgeteilt werden sollen. Im nächsten Kapitel sollen diese Ausführungen dadurch fortgesetzt werden, daß gezeigt wird, was in den höheren Gliedern der Menschennatur (im Seelenorganis­mus oder Astralleib und im Geiste oder Gedankenleib) vorgeht während dieser Entwickelung. Dadurch werden diese Mitteilungen in eine neue Beleuchtung gerückt, und es wird in einem tieferen Sinne in sie eingedrungen wer­den können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|115}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= ÜBER EINIGE WIRKUNGEN DER EINWEIHUNG =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gehört zu den Grundsätzen wahrer Geheimwissenschaft, daß derjenige, welcher sich ihr widmet, dies mit vollem Bewußtsein tue. Er soll nichts vornehmen, nicht üben, wovon er nicht weiß, was es für eine Wirkung hat. Ein Geheimlehrer, der jemand einen Rat oder eine An­weisung gibt, wird immer zugleich sagen, was durch die Befolgung in Leib, Seele oder Geist desjenigen eintritt, der nach höherer Erkenntnis strebt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier sollen nun einige Wirkungen auf die Seele des Geheimschülers angegeben werden. Erst wer solche Dinge kennt, wie sie hier mitgeteilt werden, kann in vollem Be­wußtsein die Übungen vornehmen, welche zur Erkenntnis übersinnlicher Welten führen. Und nur ein solcher ist ein echter Geheimschüler. Alles Tappen im dunkeln ist bei wirklicher Geheimschulung streng verpönt. Wer nicht mit offenen Augen seine Schulung vollziehen will, mag Medium werden; zum Hellseher im Sinne der Geheimwissenschaft kann er es nicht bringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei dem, welcher in diesem Sinne die in den vorher­gehenden Abschnitten (über Erwerbung übersinnlicher Erkenntnisse) beschriebenen Übungen macht, gehen zunächst gewisse Veränderungen im sogenannten Seelenorganismus vor sich. Dieser ist nur für den Hellseher wahrnehmbar. Man kann ihn mit einer mehr oder weni­ger geistig-seelisch leuchtenden Wolke vergleichen, in deren Mitte der physische Körper des Menschen sich be­findet.* In diesem Organismus werden die Triebe, Begier­den, Leidenschaften, Vorstellungen und so weiter geistig&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- - -&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;#&amp;lt;/nowiki&amp;gt;FN010-115-* Eine Beschreibung findet man in des Verfassers «Theosophie».&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|116}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sichtbar. Sinnliche Begierde zum Beispiel empfindet man darinnen wie dunkelrötliche Ausstrahlungen von bestimmter Form. Ein reiner, edler Gedanke findet seinen Ausdruck wie in einer rötlichvioletten Ausstrahlung. Der scharfe Begriff, den der logische Denker faßt, fühlt sich wie eine gelbliche Figur mit ganz bestimmten Umrissen. Der verworrene Gedanke des unklaren Kopfes tritt als Figur mit unbestimmten Umrissen auf. Die Gedanken der Menschen mit einseitigen, verbohrten Ansichten erschei­nen in ihren Umrissen scharf, unbeweglich, diejenigen solcher Persönlichkeiten, welche zugänglich für die An­sichten anderer sind, sieht man in beweglichen, sich wan­delnden Umrissen und so weiter, und so weiter.*&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Je weiter nun der Mensch in seiner Seelenentwicke­lung fortschreitet, desto regelmäßiger gegliedert wird sein Seelenorganismus. Beim Menschen mit einem unentwickelten Seelenleben ist er verworren, ungegliedert. Aber auch in einem solchen ungegliederten Seelenorganismus kann der Hellseher ein Gebilde wahrnehmen, das sich deutlich von der Umgebung abhebt. Es verläuft vom In­nern des Kopfes bis zur Mitte des physischen Körpers. Es nimmt sich aus wie eine Art selbständiger Leib, welcher gewisse Organe hat. Diejenigen Organe, die hier zunächst besprochen werden sollen, werden in der Nähe folgender&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- - -&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;#&amp;lt;/nowiki&amp;gt;FN010-116-* Man muß bei allen folgenden Schilderungen darauf achten, daß zum Beispiel beim »Sehen» einer Farbe geistiges Sehen (Schauen) ge­meint ist. Wenn die hellsichtige Erkenntnis davon spricht: »ich sehe rot», so bedeutet dies: «ich habe im Seelisch-Geistigen ein Erlebnis, welches gleichkommt dem physischen Erlebnis beim Eindruck der roten Farbe.» Nur weil es der hellsichtigen Erkenntnis in einem solchen Falle ganz naturgemäß ist, zu sagen: «ich sehe rot», wird dieser Ausdruck ange­wandt. Wer dies nicht bedenkt, kann leicht eine Farbenvision mit einem wahrhaft hellsichtigen Erlebnis verwechseln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|117}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
physischer Körperteile geistig wahrgenommen: das erste zwischen den Augen, das zweite in der Nähe des Kehlkopfes, das dritte in der Gegend des Herzens, das vierte liegt in der Nachbarschaft der sogenannten Magengrube, das fünfte und sechste haben ihren Sitz im Unterleibe. Diese Gebilde werden von den Geheimkundigen «Räder» (Chakrams) oder auch «Lotusblumen» genannt. Sie hei­ßen so wegen der Ähnlichkeit mit Rädern oder Blumen; doch muß man sich natürlich klar darüber sein, daß ein solcher Ausdruck nicht viel zutreffender ist, als wenn man die beiden Lungenteile «Lungenflügel» nennt. Wie man sich hier klar ist, daß man es nicht mit «Flügeln» zu tun hat, so muß man auch dort nur an eine vergleichsweise Bezeichnung denken. Diese «Lotusblumen» sind nun beim unentwickelten Menschen von dunklen Farben und ruhig, unbewegt. Beim Hellseher aber sind sie in Bewe­gung und von leuchtenden Farbenschattierungen. Auch beim Medium ist etwas Ähnliches der Fall, doch in an­derer Art. Darauf soll hier nicht näher eingegangen wer­den. Wenn nun ein Geheimschüler mit seinen Übungen beginnt, so ist das erste, daß sich die Lotusblumen aufhel­len; später beginnen sie sich zu drehen. Wenn dies letztere eintritt, so beginnt die Fähigkeit des Hellsehens. Denn diese «Blumen» sind die Sinnesorgane der Seele.* Und ihre Drehung ist der Ausdruck dafür, daß im Übersinn­lichen wahrgenommen wird. Niemand kann etwas Übersinnliches schauen, bevor sich seine astralen Sinne in die­ser Art ausgebildet haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- - -&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;#&amp;lt;/nowiki&amp;gt;FN010-117-* Auch in bezug auf diese Wahrnehmungen des «Drehens», ja der «Lotusblumen» selbst, gilt, was in der vorigen Anmerkung über das «Sehen der Farben» gesagt worden ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|118}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das geistige Sinnesorgan, welches sich in der Nähe des Kehlkopfes befindet, macht es möglich, hellseherisch die Gedankenart eines anderen Seelenwesens zu durch­schauen, es gestattet auch einen tieferen Einblick in die wahren Gesetze der Naturerscheinungen. Das Organ in der Nachbarschaft des Herzens eröffnet eine hellseherische Erkenntnis der Gesinnungsart anderer Seelen. Wer es ausgebildet hat, kann auch bestimmte tiefere Kräfte bei Tieren und Pflanzen erkennen. Durch den Sinn in der Nähe der sogenannten Magengrube erlangt man Kennt­nis von den Fähigkeiten und Talenten der Seelen; man kann durchschauen, welche Rolle Tiere, Pflanzen, Steine, Metalle, atmosphärische Erscheinungen und so weiter im Haushalte der Natur spielen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Organ in der Nähe des Kehlkopfes hat sechzehn «Blumenblätter» oder «Radspeichen», das in der Nähe des Herzens deren zwölf, das in der Nachbarschaft der Magengrube liegende deren zehn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun hängen gewisse seelische Verrichtungen mit der Ausbildung dieser Sinnesorgane zusammen. Und wer diese Verrichtungen in einer ganz bestimmten Weise aus­übt, der trägt etwas bei zur Ausbildung der betreffenden geistigen Sinnesorgane. Von der «sechzehnblätterigen Lotusblume» sind acht Blätter auf einer früheren Entwickelungsstufe des Menschen in urferner Vergangenheit be­reits ausgebildet gewesen. Zu dieser Ausbildung hat der Mensch selbst nichts beigetragen. Er hat sie als eine Na­turgabe erhalten, als er noch in einem Zustande traumhaften, dumpfen Bewußtseins war. Auf der damaligen Stufe der Menschheitsentwickelung waren sie auch in Tätigkeit. Jedoch vertrug sich diese Art von Tätigkeit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|119}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
eben nur mit jenem dumpfen Bewußtseinszustande. Als dann das Bewußtsein sich aufhellte, verfinsterten sich die Blätter und stellten ihre Tätigkeit ein. Die anderen acht kann der Mensch selbst durch bewußte Übungen ausbil­den. Dadurch wird die ganze Lotusblume leuchtend und beweglich. Von der Entwickelung eines jeden der sech­zehn Blätter hängt die Erwerbung gewisser Fähigkeiten ab. Doch, wie bereits angedeutet, kann der Mensch nur acht davon bewußt entwickeln; die anderen acht erschei­nen dann von selbst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Entwickelung geht in folgender Art vor sich. Der Mensch muß auf gewisse Seelenvorgänge Aufmerksam­keit und Sorgfalt verwenden, die er gewöhnlich sorglos und unaufmerksam ausführt. Es gibt acht solche Vor­gänge. Der erste ist die Art und Weise, wie man sich Vorstellungen aneignet. Gewöhnlich überläßt sich in die­ser Beziehung der Mensch ganz dem Zufall. Er hört dies und das, sieht das eine und das andere und bildet sich da­nach seine Begriffe. Solange er so verfährt, bleibt seine sechzehnblätterige Lotusblume ganz unwirksam. Erst wenn er seine Selbsterziehung nach dieser Richtung in die Hand nimmt, beginnt sie wirksam zu werden. Er muß zu diesem Zwecke auf seine Vorstellungen achten. Eine jede Vorstellung soll für ihn Bedeutung gewinnen. Er soll in ihr eine bestimmte Botschaft, eine Kunde über Dinge der Außenwelt sehen. Und er soll nicht befriedigt sein von Vorstellungen, die nicht eine solche Bedeutung ha­ben. Er soll sein ganzes Begriffsleben so lenken, daß es ein treuer Spiegel der Außenwelt wird. Sein Streben soll da­hin gehen, unrichtige Vorstellungen aus seiner Seele zu entfernen. Der zweite Seelenvorgang betrifft in einer&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|120}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ähnlichen Richtung die Entschlüsse des Menschen. Er soll nur aus gegründeter, voller Überlegung selbst zu dem Unbedeutendsten sich entschließen. Alles gedankenlose Han­deln, alles bedeutungslose Tun soll er von seiner Seele fernhalten. Zu allem soll er wohlerwogene Gründe ha­ben. Und er soll unterlassen, wozu kein bedeutsamer Grund drängt. Der dritte Vorgang bezieht sich auf das Reden. Nur was Sinn und Bedeutung hat, soll von den Lippen des Geheimschülers kommen. Alles Reden um des Redens willen bringt ihn von seinem Wege ab. Die ge­wöhnliche Art der Unterhaltung, wo wahllos und bunt alles durcheinander geredet wird, soll der Geheimschüler meiden. Dabei aber soll er sich nicht etwa ausschließen von dem Verkehr mit seinen Mitmenschen. Gerade im Verkehr soll sein Reden sich zur Bedeutsamkeit entwic­keln. Er steht jedem Rede und Antwort, aber er tut es gedankenvoll, nach jeder Richtung überlegt. Niemals redet er unbegründet. Er versucht nicht zuviel und nicht zuwenig Worte zu machen. Der vierte Seelenvorgang ist die Regelung des äußeren Handelns. Der Geheimschüler versucht sein Handeln so einzurichten, daß es zu den Handlungen seiner Mitmenschen und zu den Vorgängen seiner Umgebung stimmt. Er unterläßt Handlungen, welche für andere störend sind oder die im Widerspruche stehen mit dem, was um ihn herum vorgeht. Er sucht sein Tun so einzurichten, daß es sich harmonisch eingliedert in seine Umgebung, in seine Lebenslage und so weiter. Wo er durch etwas anderes veranlaßt wird zu handeln, da beobachtet er sorgfältig, wie er der Veranlassung am besten entsprechen könne. Wo er aus sich heraus handelt, da erwägt er die Wirkungen seiner Handlungsweise auf&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|121}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
das deutlichste. Das fünfte, was hier in Betracht kommt, liegt in der Einrichtung des ganzen Lebens. Der Geheimschüler versucht natur- und geistgemäß zu leben. Er über­hastet nichts und ist nicht träge. Übergeschäftigkeit und Lässigkeit liegen ihm gleich ferne. Er sieht das Leben als ein Mittel der Arbeit an und richtet sich dementsprechend ein. Gesundheitspflege, Gewohnheiten und so weiter rich­tet er für sich so ein, daß ein harmonisches Leben die Folge ist. Das sechste betrifft das menschliche Streben. Der Geheimschüler prüft seine Fähigkeiten, sein Können und verhält sich im Sinne solcher Selbsterkenntnis. Er ver­sucht nichts zu tun, was außerhalb seiner Kräfte liegt; aber auch nichts zu unterlassen, was innerhalb derselben sich befindet. Anderseits stellt er sich Ziele, die mit den Idealen, mit den großen Pflichten eines Menschen zusam­menhängen. Er fügt sich nicht bloß gedankenlos als ein Rad ein in das Menschentriebwerk, sondern er sucht seine Aufgaben zu begreifen, über das Alltägliche hinauszu­blicken. Er strebt danach, seine Obliegenheiten immer besser und vollkommener zu machen. Das siebente in seinem Seelenleben betrifft das Streben, möglichst viel vom Leben zu lernen. Nichts geht an dem Geheimschüler vorbei, was ihm nicht Anlaß gibt, Erfahrung zu sammeln, die ihm nützlich ist für das Leben. Hat er etwas unrichtig und unvollkommen verrichtet, so wird das ein Anlaß, ähnliches später richtig oder vollkommen zu machen. Sieht er andere handeln, so beobachtet er sie zu einem ähnlichen Ziele. Er versucht, sich einen reichen Schatz von Erfahrungen zu sammeln und ihn stets sorgfältig zu Rate zu ziehen. Und er tut nichts, ohne auf Erlebnisse zu­rückzublicken, die ihm eine Hilfe sein können bei seinen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|122}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Entschlüssen und Verrichtungen. Das achte endlich ist: der Geheimschüler muß von Zeit zu Zeit Blicke in sein Inneres tun; er muß sich in sich selbst versenken, sorg­sam mit sich zu Rate gehen, seine Lebensgrundsätze bil­den und prüfen, seine Kenntnisse in Gedanken durchlau­fen, seine Pflichten erwägen, über den Inhalt und Zweck des Lebens nachdenken und so weiter. Alle diese Dinge sind ja in den vorhergehenden Abschnitten schon besprochen worden. Hier werden sie nur aufgezählt im Hinblick auf die Entwickelung der sechzehnblätterigen Lotus­blume. Durch ihre Übung wird diese immer vollkomme­ner und vollkommener. Denn von solchen Übungen hängt die Ausbildung der Hellsehergabe ab. Je mehr zum Beispiel dasjenige, was ein Mensch denkt und redet, mit den Vorgängen in der Außenwelt zusammenstimmt, desto schneller entwickelt sich diese Gabe. Wer Unwahres denkt oder redet, tötet etwas in dem Keime der sechzehnblätte­rigen Lotusblume. Wahrhaftigkeit, Aufrichtigkeit, Ehr­lichkeit sind in dieser Beziehung aufbauende, Lügenhaf­tigkeit, Falschheit, Unredlichkeit sind zerstörende Kräfte. Und der Geheimschüler muß wissen, daß es hierbei nicht allein auf die «gute Absicht», sondern auf die wirkliche Tat ankommt. Denke und sage ich etwas, was mit der Wirklichkeit nicht übereinstimmt, so zerstöre ich etwas in meinem geistigen Sinnesorgan, auch wenn ich dabei eine noch so gute Absicht zu haben glaube. Es ist wie mit dem Kinde, das sich verbrennt, wenn es ins Feuer greift, auch wenn dies aus Unwissenheit geschieht. Die Ein­richtung der besprochenen Seelenvorgänge in der charak­terisierten Richtung läßt die sechzehnblätterige Lotus­blume in herrlichen Farben erstrahlen und gibt ihr eine&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|123}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gesetzmäßige Bewegung. Doch ist dabei zu beachten, daß die gekennzeichnete Hellsehergabe nicht früher auftreten kann, als ein bestimmter Grad von Ausbildung der Seele erlangt ist. Solange es noch Mühe macht, das Leben in dieser Richtung zu führen, so lange zeigt sich diese Gabe nicht. Solange man auf die geschilderten Vorgänge noch besonders achten muß, ist man nicht reif. Erst wenn man es so weit gebracht hat, daß man in der angegebenen Art lebt, wie es der Mensch sonst gewohnheitsmäßig tut, dann zeigen sich die ersten Spuren des Hellsehens. Die Dinge dürfen dann nicht mehr mühevoll sein, sondern müssen selbstverständliche Lebensart geworden sein. Man darf nicht nötig haben, sich fortwährend zu beobachten, sich anzutreiben, daß man so lebe. Alles muß Gewohn­heit geworden sein. Es gibt gewisse Anweisungen, wel­che die sechzehnblätterige Lotusblume auf andere Art zur Entfaltung bringen. Alle solchen Anweisungen verwirft die wahre Geheimwissenschaft. Denn sie führen zur Zer­störung der leiblichen Gesundheit und zum moralischen Verderben. Sie sind leichter durchzuführen als das Ge­schilderte. Dieses ist langwierig und mühevoll. Aber es führt zu sicherem Ziele und kann nur moralisch kräftigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die verzerrte Ausbildung einer Lotusblume hat nicht nur Illusionen und phantastische Vorstellungen im Fall des Auftretens einer gewissen Hellsehergabe zur Folge, sondern auch Verirrungen und Haltlosigkeit im gewöhnlichen Leben. Man kann durch eine solche Ausbildung furchtsam, neidisch, eitel, hochfahrend, eigenwillig und so weiter werden, während man vorher alle diese Eigen­schaften nicht hatte. Es ist gesagt worden, daß acht von den Blättern der sechzehnblätterigen Lotusblume bereits&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|124}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
in urferner Vergangenheit entwickelt waren und daß diese bei der Geheimschulung von selbst wieder auftreten. Es muß nun bei der Bestrebung des Geheimschülers alle Sorgfalt auf die acht anderen Blätter verwendet werden. Bei verkehrter Schulung treten leicht die früher entwickelten allein auf und die neu zu bildenden bleiben verkümmert. Dies wird insbesondere der Fall sein, wenn bei der Schulung zu wenig auf logisches, vernünftiges Den­ken gesehen wird. Es ist von der allergrößten Wichtigkeit, daß der Geheimschüler ein verständiger, auf klares Den­ken haltender Mensch ist. Und von weiterer Wichtigkeit ist, daß er sich der größten Klarheit befleißigt im Sprechen. Menschen, die anfangen etwas vom Übersinnlichen zu ahnen, werden gern über diese Dinge gesprächig. Dadurch halten sie ihre richtige Entwickelung auf. Je weniger man über diese Dinge redet, desto besser ist es. Erst wer bis zu einem gewissen Grade der Klarheit gekommen ist, sollte reden. Im Beginne des Unterrichts sind Geheimschüler in der Regel erstaunt, wie wenig «neugierig» der schon geistig Geschulte ist gegenüber den Mitteilungen ihrer Erlebnisse. Am heilsamsten für sie wäre es eben, wenn sie sich über ihre Erlebnisse ganz ausschweigen und weiter nichts besprechen wollten, als wie gut oder wie schlecht es ihnen gelingt, ihre Übungen durchzuführen oder die Anweisungen zu befolgen. Denn der schon geistig Ge­schulte hat ganz andere Quellen zur Beurteilung der Fortschritte als ihre direkten Mitteilungen. Die acht in Frage kommenden Blätter der sechzehnblätterigen Lotusblume werden durch solche Mitteilungen immer etwas verhärtet, während sie weich und biegsam erhalten werden sollten. Es soll ein Beispiel angeführt werden, um das zu erläutern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|125}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dies möge nicht vom übersinnlichen, sondern der Deutlichkeit halber vom gewöhnlichen Leben hergenom­men werden. Angenommen, ich höre eine Nachricht und bilde mir darüber sogleich ein Urteil. In einer kurzen Zeit darauf bekomme ich über dieselbe Sache eine weitere Nachricht, die mit der ersteren nicht stimmt. Ich bin dadurch genötigt, das schon gebildete Urteil umzubilden. Die Folge davon ist ein ungünstiger Einfluß auf meine sechzehnblätterige Lotusblume. Ganz anders wäre die Sache, wenn ich zuerst mit meinem Urteil zurückhaltend gewesen wäre, wenn ich zu der ganzen Angelegenheit in­nerlich in Gedanken und äußerlich in Worten «geschwiegen» hätte, bis ich ganz sichere Anhaltspunkte für mein Urteil gehabt hätte. Behutsamkeit im Bilden und Ausspre­chen von Urteilen wird allmählich zum besonderen Kennzeichen des Geheimschülers. Dagegen wächst seine Empfänglichkeit für Eindrücke und Erfahrungen, die er schweigsam an sich vorüberziehen läßt, um möglichst viele Anhaltspunkte sich zu schaffen, wenn er zu urteilen hat. Es sind bläulichrötliche und rosenrote Nuancen in den Lotusblumenblättern, die durch solche Behutsamkeit auftreten, während im anderen Falle dunkelrote und orangefarbige Nuancen auftreten. In einer ähnlichen Art wie die sechzehnblätterige* wird auch die zwölfblätterige Lotusblume, in der Nähe des Herzens, gestaltet. Auch von&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- - -&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;#&amp;lt;/nowiki&amp;gt;FN010-125-* Der Kundige wird in den Bedingungen für die Entwickelung der «sechzehnblätterigen Lotusblume» wiedererkennen die Anweisungen, welche der Buddha seinen Jüngern für den «Pfad» gegeben hat. Doch handelt es sich hier nicht darum, «Buddhismus» zu lehren, sondern Ent­wickelungsbedingungen zu schildern, die aus der Geisteswissenschaft selbst sich ergeben. Daß sie mit gewissen Lehren des Buddha übereinstimmen, kann nicht hindern, sie an sich für wahr zu finden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|126}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ihr war die Hälfte der Blätter in einem vergangenen Ent­wickelungszustande des Menschen bereits vorhanden und in Tätigkeit. Diese sechs Blätter brauchen daher bei der Geheimschulung nicht besonders ausgebildet zu werden; sie erscheinen von selbst und beginnen sich zu drehen, wenn an den anderen sechs gearbeitet wird. Wieder muß, um diese Entwickelung zu fördern, der Mensch gewissen Seelentätigkeiten in bewußter Weise eine bestimmte Richtung geben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man muß sich nun klarmachen, daß die Wahrneh­mungen der einzelnen geistigen oder Seelensinne einen verschiedenen Charakter tragen. Die Lotusblume mit zwölf Blättern vermittelt eine andere Wahrnehmung als die sechzehnblätterige. Diese letztere nimmt Gestalten wahr. Die Gedankenart, die eine Seele hat, die Gesetze, nach denen eine Naturerscheinung sich vollzieht, treten für die sechzehnblätterige Lotusblume in Gestalten auf. Das sind aber nicht starre, ruhige Gestalten, sondern be­wegte, mit Leben erfüllte Formen. Der Hellseher, bei dem sich dieser Sinn entwickelt hat, kann für jede Gedankenart, für jedes Naturgesetz eine Form nennen, in denen sie sich ausprägen. Ein Rachegedanke zum Beispiel kleidet sich in eine pfeilartige, zackige Figur, ein wohlwollender Gedanke hat oft die Gestalt einer sich öffnenden Blume und so weiter. Bestimmte, bedeutungsvolle Gedanken sind regelmäßig, symmetrisch gebildet, unklare Begriffe haben gekräuselte Umrisse. Ganz andere Wahrnehmungen treten durch die zwölfblätterige Lotusblume zutage. Man kann die Art dieser Wahrnehmungen an­nähernd charakterisieren, wenn man sie als Seelenwärme und Seelenkälte bezeichnet. Ein mit diesem Sinn ausgestatteter&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|127}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hellseher fühlt von den Figuren, die er durch die sechzehnblätterige Lotusblume wahrnimmt, solche Seelenwärme oder Seelenkälte ausströmen. Man stelle sich einmal vor, ein Hellseher hätte nur die sechzehnblätterige, nicht aber die zwölfblätterige Lotusblume ent­wickelt. Dann würde er bei einem wohlwollenden Ge­danken nur die oben beschriebene Figur sehen. Ein ande­rer, der beide Sinne ausgebildet hat, bemerkt auch noch diejenige Ausströmung dieses Gedankens, die man eben nur mit Seelenwärme bezeichnen kann. Nur nebenbei soll bemerkt werden, daß in der Geheimschulung nie der eine Sinn ohne den anderen ausgebildet wird, so daß das obige nur als eine Annahme zur Verdeutlichung anzusehen ist. Dem Hellseher eröffnet sich durch die Aus­bildung der zwölfblätterigen Lotusblume auch ein tiefes Verständnis für Naturvorgänge. Alles, was auf ein Wach­sen, Entwickeln begründet ist, strömt Seelenwärme aus; alles, was in Vergehen, Zerstörung, Untergang begriffen ist, tritt mit dem Charakter der Seelenkälte auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ausbildung dieses Sinnes wird auf folgende Art gefördert. Das erste, was in dieser Beziehung der Geheimschüler beobachtet, ist die Regelung seines Gedanken­laufes (die sogenannte Gedankenkontrolle). So wie die sechzehnblätterige Lotusblume durch wahre bedeutungsvolle Gedanken zur Entwickelung kommt, so die zwölf­blätterige durch innere Beherrschung des Gedankenver­laufes. Irrlichtelierende Gedanken, die nicht in sinngemäßer, logischer Weise, sondern rein zufällig anein­andergefügt sind, verderben die Form dieser Lotusblume. Je mehr ein Gedanke aus dem anderen folgt, je mehr allem Unlogischen aus dem Wege gegangen wird, desto&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|128}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
mehr erhält dieses Sinnesorgan die ihm entsprechende Form. Hört der Geheimschüler unlogische Gedanken, so läßt er sich sogleich das Richtige durch den Kopf gehen. Er soll nicht lieblos sich einer vielleicht unlogischen Um­gebung entziehen, um seine Entwickelung zu fördern. Er soll auch nicht den Drang in sich fühlen, alles Unlogische in seiner Umgebung sofort zu korrigieren. Er wird viel­mehr ganz still in seinem Innern die von außen auf ihn einstürmenden Gedanken in eine logische, sinngemäße Richtung bringen. Und er bestrebt sich, in seinen eigenen Gedanken überall diese Richtung einzuhalten. Ein zweites ist, eine ebensolche Folgerichtigkeit in sein Han­deln zu bringen (Kontrolle der Handlungen). Alle Unbeständigkeit, Disharmonie im Handeln gereichen der in Rede stehenden Lotusblume zum Verderben. Wenn der Geheimschüler etwas getan hat, so richtet er sein folgen­des Handeln danach ein, daß es in logischer Art aus dem ersten folgt. Wer heute im anderen Sinn handelt als gestern, wird nie den charakterisierten Sinn entwickeln. Das dritte ist die Erziehung zur Ausdauer. Der Geheimschüler läßt sich nicht durch diese oder jene Einflüsse von einem Ziel abbringen, das er sich gesteckt hat, solange er dieses Ziel als ein richtiges ansehen kann. Hindernisse sind für ihn eine Aufforderung, sie zu überwinden, aber keine Abhaltungsgründe. Das vierte ist die Duldsam­keit (Toleranz) gegenüber Menschen, anderen Wesen und auch Tatsachen. Der Geheimschüler unterdrückt alle überflüssige Kritik gegenüber dem Unvollkommenen, Bösen und Schlechten und sucht vielmehr alles zu begreifen, was an ihn herantritt. Wie die Sonne ihr Licht nicht dem Schlechten und Bösen entzieht, so er nicht seine&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
verständnisvolle Anteilnahme. Begegnet dem Geheimschüler irgendein Ungemach, so ergeht er sich nicht in abfälligen Urteilen, sondern er nimmt das Notwendige hin und sucht, soweit seine Kraft reicht, die Sache zum Guten zu wenden. Andere Meinungen betrachtet er nicht nur von seinem Standpunkte aus, sondern er sucht sich in die Lage des anderen zu versetzen. Das fünfte ist die Unbefangenheit gegenüber den Erscheinungen des Lebens. Man spricht in dieser Beziehung auch von dem «Glauben» oder «Vertrauen». Der Geheimschüler tritt jedem Menschen, jedem Wesen mit diesem Vertrauen entgegen. Und er erfüllt sich bei seinen Handlungen mit solchem Vertrauen. Er sagt sich nie, wenn ihm etwas mit­geteilt wird: das glaube ich nicht, weil es meiner bisherigen Meinung widerspricht. Er ist vielmehr in jedem Augenblicke bereit, seine Meinung und Ansicht an einer neuen zu prüfen und zu berichtigen. Er bleibt immer empfänglich für alles, was an ihn herantritt. Und er ver­traut auf die Wirksamkeit dessen, was er unternimmt. Zaghaftigkeit und Zweifelsucht verbannt er aus seinem Wesen. Hat er eine Absicht, so hat er auch den Glauben an die Kraft dieser Absicht. Hundert Mißerfolge können ihm diesen Glauben nicht nehmen. Es ist dies jener «Glaube, der Berge zu versetzen vermag». Das sechste ist die Erwerbung eines gewissen Lebensgleichgewichtes (Gleichmutes). Der Geheimschüler strebt an, seine gleichmäßige Stimmung zu erhalten, ob ihn Leid, ob ihn Er­freuliches trifft. Das Schwanken zwischen «himmelhochjauchzend, zu Tode betrübt» gewöhnt er sich ab. Das Un­glück, die Gefahr finden ihn ebenso gewappnet wie das Glück, die Förderung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|130}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Leser von geisteswissenschaftlichen Schriften fin­den das Geschilderte als die sogenannten «sechs Eigenschaften» aufgezählt, welche der bei sich entwickeln muß, der die Einweihung anstrebt. Hier sollte ihr Zusammen­hang mit dem seelischen Sinne dargelegt werden, welcher die zwölfblätterige Lotusblume genannt wird. Die Ge­heimschulung vermag wieder besondere Anweisungen zu geben, welche diese Lotusblume zum Reifen bringen, aber auch hier hängt die Ausbildung der regelmäßigen Form dieses Sinnesorganes an der Entwickelung der auf­gezählten Eigenschaften. Wird diese Entwickelung außer acht gelassen, dann gestaltet sich dieses Organ zu einem Zerrbilde. Und es können dadurch bei Ausbildung einer gewissen Hellsehergabe in dieser Richtung die genannten Eigenschaften sich statt zum Guten zum Schlechten wen­den. Der Mensch kann besonders unduldsam, zaghaft, ab­lehnend gegen seine Umgebung werden. Er kann zum Beispiel eine Empfindung erhalten für Gesinnungen an­derer Seelen und diese deswegen fliehen oder hassen. Es kann so weit kommen, daß er wegen der Seelenkälte, die ihn bei Ansichten überströmt, welche ihm widerstreben, gar nicht zuhören kann oder in abstoßender Art sich ge­bärdet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kommt zu allem Gesagten noch die Beobachtung ge­wisser Vorschriften hinzu, welche Geheimschüler von Ge­heimlehrern nur mündlich empfangen können, so tritt eine entsprechende Beschleunigung in der Entwickelung der Lotusblume ein. Doch führen die hier gegebenen An­weisungen durchaus in die wirkliche Geheimschulung ein. Nützlich aber ist auch für den, der nicht eine Geheimschulung durchmachen will oder kann, die Einrichtung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|131}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
des Lebens in der angegebenen Richtung. Denn die Wir­kung auf den Seelenorganismus tritt auf alle Fälle ein, wenn auch langsam. Und für den Geheimschüler ist die Beobachtung dieser Grundsätze unerläßlich. Würde er eine Geheimschulung versuchen, ohne sie einzuhalten, so könnte er nur mit mangelhaftem Gedankenauge in die höheren Welten eintreten; und statt die Wahrheit zu er­kennen, würde er dann nur Täuschungen und Illusionen unterworfen sein. Er würde in einer gewissen Beziehung hellsehend werden; aber im Grunde nur größerer Blindheit unterliegen als vorher. Denn ehedem stand er wenig­stens innerhalb der Sinnenwelt fest und hatte an ihr einen bestimmten Halt; jetzt aber sieht er hinter die Sinnenwelt und wird an dieser irre, bevor er sicher in einer höheren Welt steht. Er kann dann vielleicht überhaupt nicht mehr Wahrheit von Irrtum unterscheiden und verliert alle Richtung im Leben. Gerade aus diesem Grunde ist Ge­duld so nötig in diesen Dingen. Man muß immer beden­ken, daß die Geisteswissenschaft nicht weiter mit ihren Anweisungen gehen darf, als volle Willigkeit zu einer geregelten Entwickelung der «Lotusblumen» vorliegt. Es würden sich wahre Zerrbilder dieser Blumen entwickeln, wenn sie zur Reife gebracht würden, bevor sie in ruhiger Weise die ihnen zukommende Form erlangt haben. Denn die speziellen Anweisungen der Geisteswissenschaft bewirken das Reifwerden, die Form aber wird durch die ge­schilderte Lebensart ihnen gegeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von besonders feiner Art ist die Seelenpflege, die zur Entwickelung der zehnblätterigen Lotusblume notwendig ist. Denn hier handelt es sich darum, die Sinnes­eindrücke selbst in bewußter Weise beherrschen zu lernen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Für den angehenden Hellseher ist das ganz beson­ders nötig. Nur dadurch vermag er einen Quell zahlloser Illusionen und geistiger Willkürlichkeiten zu vermeiden. Der Mensch macht sich gewöhnlich gar nicht klar, von welchen Dingen seine Einfälle, seine Erinnerungen beherrscht sind und wodurch sie hervorgerufen werden. Man nehme folgenden Fall an. Jemand fährt in der Eisen­bahn. Er ist mit einem Gedanken beschäftigt. Plötzlich nimmt sein Gedanke eine ganz andere Wendung. Er erin­nert sich an ein Erlebnis, das er vor Jahren gehabt hat, und verspinnt es mit seinen gegenwärtigen Gedanken. Er hat nun aber gar nicht bemerkt, daß sein Auge zum Fen­ster hinausgerichtet und der Blick auf eine Person gerich­tet war, welche Ähnlichkeit hatte mit einer anderen, die in das erinnerte Erlebnis hineinverwickelt war. Was er gesehen hat, kommt ihm gar nicht zum Bewußtsein, son­dern nur die Wirkung. So glaubt er, daß ihm die Sache «von selbst eingefallen» sei. Wieviel im Leben kommt nicht auf solche Art zustande. Wie spielen in unser Leben Dinge hinein, die wir erfahren und gelesen haben, ohne daß man sich den Zusammenhang ins Bewußtsein bringt. Jemand kann zum Beispiel eine bestimmte Farbe nicht leiden; er weiß aber gar nicht, daß dies deshalb der Fall ist, weil der Lehrer, der ihn vor vielen Jahren gequält hat, einen Rock in dieser Farbe gehabt hat. Unzählige Illusio­nen beruhen auf solchen Zusammenhängen. Viele Dinge prägen sich der Seele ein, ohne daß sie auch dem Bewußt­sein einverleibt werden. Es kann folgender Fall vorkom­men. Jemand liest in der Zeitung von dem Tode einer bekannten Persönlichkeit. Und nun behauptet er ganz fest, er habe diesen Todesfall schon «gestern» vorausgeahnt,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
obgleich er nichts gehört und gesehen habe, was ihn auf diesen Gedanken hätte bringen können. Und es ist wahr, wie «von selbst» ist ihm «gestern» der Gedanke aufgetaucht: die betreffende Person werde sterben. Er hat nur eines nicht beachtet. Er ist ein paar Stunden, bevor ihm «gestern» der Gedanke aufgestoßen ist, bei einem Bekannten zu Besuch gewesen. Auf dem Tisch lag ein Zeitungsblatt. Er hat darin nicht gelesen. Aber unbewußt fiel doch sein Auge auf die Nachricht von der schweren Erkrankung der in Rede stehenden Persönlichkeit. Des Eindruckes ist er sich nicht bewußt geworden. Aber die Wirkung war die «Ahnung». Wenn man sich solche Dinge überlegt, so kann man ermessen, was für eine Quelle von Illusionen und Phantastereien in solchen Verhältnissen liegt. Und diese Quelle muß derjenige ver­stopfen, der seine zehnblätterige Lotusblume ausbilden will. Denn durch diese Lotusblume kann man tief verbor­gene Eigenschaften an Seelen wahrnehmen. Aber Wahrheit ist diesen Wahrnehmungen nur dann beizumessen, wenn man von den gekennzeichneten Täuschungen ganz frei geworden ist. Es ist zu diesem Zwecke notwendig, daß man sich zum Herrn über das macht, was von der Außen­welt auf einen einwirkt. Man muß es dahin bringen, daß Eindrücke, die man nicht empfangen will, man auch wirk­lich nicht empfängt. Solch eine Fähigkeit kann nur durch ein starkes Innenleben herangezogen werden. Man muß es in den Willen bekommen, daß man nur die Dinge auf sich wirken läßt, auf die man die Aufmerksamkeit wen­det, und daß man sich Eindrücken wirklich entzieht, an die man sich nicht willkürlich wendet. Was man sieht, muß man sehen wollen, und worauf man keine Aufmerksamkeit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
wendet, muß tatsächlich für einen nicht da sein. Je lebhafter, energischer die innere Arbeit der Seele wird, desto mehr wird man das erreichen. Der Geheimschüler muß alles gedankenlose Herumschauen und Herumhören vermeiden. Für ihn soll nur da sein, worauf er Ohr und Auge richtet. Er muß sich darin üben, daß er im größten Trubel nichts zu hören braucht, wenn er nicht hören will; er soll sein Auge unempfänglich machen für Dinge, auf die er nicht besonders hinschaut. Wie mit einem seeli­schen Panzer muß er umgeben sein für alle unbewußten Eindrücke. Besonders auf das Gedankenleben selbst muß er nach dieser Richtung hin Sorgfalt verwenden. Er setzt sich einen Gedanken vor, und er versucht nur das weiterzudenken, was er ganz bewußt, in völliger Freiheit, an diesen Gedanken angliedern kann. Beliebige Einfälle weist er ab. Will er den Gedanken mit irgendeinem andern in Beziehung setzen, so besinnt er sich sorgfältig, wo dieser andere an ihn herangetreten ist. Er geht noch weiter. Wenn er zum Beispiel eine bestimmte Antipathie gegen irgend etwas hat, so bekämpft er sie und sucht eine bewußte Beziehung zu dem betreffenden Dinge herzu­stellen. Auf diese Art mischen sich immer weniger un­bewußte Elemente in sein Seelenleben hinein. Nur durch solche strenge Selbstzucht erlangt die zehnblätterige Lo­tusblume die Gestalt, die sie haben sollte. Das Seelenleben des Geheimschülers muß ein Leben in Aufmerksamkeit werden, und worauf man keine Aufmerksamkeit verwen­den will oder soll, das muß man sich wirklich fernzuhal­ten wissen. Tritt zu einer solchen Selbstzucht eine Me­ditation, welche den Anweisungen der Geisteswissen­schaft entspricht, dann kommt die in der Gegend der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|135}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Magengrube befindliche Lotusblume in der richtigen Weise zum Reifen, und das, was durch die vorher geschilderten geistigen Sinnesorgane nur Form und Wärme hatte, erhält geistig Licht und Farbe. Und dadurch enthül­len sich zum Beispiel Talente und Fähigkeiten von Seelen, Kräfte und verborgene Eigenschaften in der Natur. Die Farbenaura der belebten Wesen wird dadurch sichtbar; das, was um uns ist, kündigt dadurch seine seelenhaften Eigenschaften an. Man wird zugeben, daß gerade in der Entwickelung auf diesem Gebiete die allergrößte Sorgfalt notwendig ist, denn das Spiel unbewußter Erinnerungen ist hier ein unermeßlich reges. Wäre das nicht der Fall, so würden viele Menschen gerade den hier in Frage kom­menden Sinn haben, denn er tritt fast sogleich auf, wenn der Mensch wirklich die Eindrücke seiner Sinne ganz und gar so in seiner Gewalt hat, daß sie nur mehr seiner Auf­merksamkeit oder Unaufmerksamkeit unterworfen sind. Nur solange die Macht der äußeren Sinne diesen seeli­schen Sinn in Dämpfung und Dumpfheit erhält, bleibt er unwirksam.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schwieriger als die Ausbildung der beschriebenen Lo­tusblume ist diejenige der sechsblätterigen, welche sich in der Körpermitte befindet. Denn zu dieser Ausbildung muß die vollkommene Beherrschung des ganzen Menschen durch das Selbstbewußtsein angestrebt werden, so daß bei ihm Leib, Seele und Geist in einer vollkommenen Harmonie sind. Die Verrichtungen des Leibes, die Nei­gungen und Leidenschaften der Seele, die Gedanken und Ideen des Geistes müssen in einen vollkommenen Einklang miteinander gebracht werden. Der Leib muß so ver­edelt und geläutert werden, daß seine Organe zu nichts&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
drängen, was nicht im Dienste der Seele und des Geistes geschieht. Die Seele soll durch den Leib nicht zu Begier­den und Leidenschaften gedrängt werden, die einem rei­nen und edlen Denken widersprechen. Der Geist aber soll nicht wie ein Sklavenhalter mit seinen Pflichtgeboten und Gesetzen über die Seele herrschen müssen; sondern diese soll aus eigener freier Neigung den Pflichten und Geboten folgen. Nicht wie etwas, dem er sich wider­willig fügt, soll die Pflicht über dem Geheimschüler schweben, sondern wie etwas, das er vollführt, weil er es liebt. Eine freie Seele, die im Gleichgewichte zwischen Sinnlichkeit und Geistigkeit steht, muß der Geheimschüler entwickeln. Er muß es dahin bringen, daß er sich sei­ner Sinnlichkeit überlassen darf, weil diese so geläutert ist, daß sie die Macht verloren hat, ihn zu sich herabzuziehen. Er soll es nicht mehr nötig haben, seine Leiden­schaften zu zügeln, weil diese von selbst dem Rechten folgen. Solange der Mensch es nötig hat, sich zu kasteien, kann er nicht Geheimschüler auf einer gewissen Stufe sein. Eine Tugend, zu der man sich erst zwingen muß, ist für die Geheimschülerschaft noch wertlos. Solange man eine Begierde noch hat, stört diese die Schülerschaft, auch wenn man sich bemüht, ihr nicht zu willfahren. Und es ist einerlei, ob diese Begierde mehr dem Leibe oder mehr der Seele angehört. Wenn jemand zum Beispiel ein be­stimmtes Reizmittel vermeidet, um durch die Entziehung des Genusses sich zu läutern, so hilft ihm dies nur dann, wenn sein Leib durch diese Enthaltung keine Beschwer­den erleidet. Ist letzteres der Fall, so zeigt es, daß der Leib das Reizmittel begehrt, und die Enthaltung ist wertlos. In diesem Falle kann es eben durchaus sein, daß der Mensch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
zunächst auf das angestrebte Ziel verzichten muß und warten, bis günstigere sinnliche Verhältnisse vielleicht erst in einem anderen Leben für ihn vorliegen. Ein vernünftiger Verzicht ist in einer gewissen Lage eine viel größere Errungenschaft als das Erstreben einer Sache, die unter gegebenen Verhältnissen eben nicht zu erreichen ist. Ja, es fördert solch ein vernünftiger Verzicht die Ent­wickelung mehr als das Entgegengesetzte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer die sechsblätterige Lotusblume entwickelt hat, der gelangt zum Verkehr mit Wesen, die den höheren Welten angehören, jedoch nur dann, wenn deren Dasein sich in der Seelenwelt zeigt. Die Geheimschulung empfiehlt aber nicht eine Entwickelung dieser Lotusblume, bevor der Schüler nicht auf dem Wege weit vorgeschritten ist, durch den er seinen Geist in eine noch höhere Welt erheben kann. Dieser Eintritt in die eigentliche Geisteswelt muß nämlich immer die Ausbildung der Lotusblumen beglei­ten. Sonst gerät der Schüler in Verwirrung und Unsicher­heit. Er würde zwar sehen lernen, aber es fehlte ihm die Fähigkeit, das Gesehene in der richtigen Weise zu beurtei­len. Nun liegt schon in dem, was zur Ausbildung der sechsblätterigen Lotusblume verlangt wird, eine gewisse Bürgschaft gegen Verwirrung und Haltlosigkeit. Denn nicht leicht wird jemand in diese Verwirrung zu bringen sein, der das vollkommene Gleichgewicht zwischen Sinn­lichkeit (Leib), Leidenschaft (Seele) und Idee (Geist) er­langt hat. Dennoch ist noch mehr notwendig als diese Bürgschaft, wenn durch Entwickelung der sechsblätterigen Lotusblume dem Menschen Wesen mit Leben und Selbständigkeit wahrnehmbar werden, welche einer Welt angehören, die von derjenigen seiner physischen Sinne so&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|138}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
durchaus verschieden ist. Um Sicherheit in diesen Welten zu haben, genügt ihm nicht das Ausbilden der Lotusblu­men, sondern er muß da noch höhere Organe zu seiner Verfügung haben. Es soll nun über die Entwickelung die­ser noch höheren Organe gesprochen werden; dann kann auch von den anderen Lotusblumen und der anderweiti­gen Organisation des Seelenleibes* die Rede sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;*&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ausbildung des Seelenleibes, wie sie eben geschil­dert worden ist, macht dem Menschen möglich, übersinn­liche Erscheinungen wahrzunehmen. Wer sich aber in die­ser Welt wirklich zurechtfinden will, der darf nicht auf dieser Stufe der Entwickelung stehenbleiben. Die bloße Beweglichkeit der Lotusblumen genügt nicht. Der Mensch muß in der Lage sein, die Bewegung seiner geistigen Or­gane selbständig, mit vollem Bewußtsein zu regeln und zu beherrschen. Er würde sonst ein Spielball äußerlicher Kräfte und Mächte werden. Soll er das nicht werden, so muß er sich die Fähigkeit erwerben, das sogenannte «in­nere Wort» zu vernehmen. Um dazu zu kommen, muß nicht nur der Seelenleib, sondern auch der Ätherleib ent­wickelt werden. Es ist dies jener feine Leib, der sich für den Hellseher als eine Art Doppelgänger des physischen Körpers zeigt. Er ist gewissermaßen eine Zwischenstufe&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- - -&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;#&amp;lt;/nowiki&amp;gt;FN010-138-* Es ist selbstverständlich, daß, dem Wortsinne nach, der Ausdruck «Seelenleib» (wie mancher ähnliche der Geisteswissenschaft) einen Widerspruch enthält. Doch wird dieser Ausdruck gebraucht, weil das hellseherische Erkennen etwas wahrnimmt, was so im Geistigen erlebt wird, wie im Physischen der Leib wahrgenommen wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|139}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
zwischen diesem Körper und dem Seelenleib.* Ist man mit hellseherischen Fähigkeiten begabt, so kann man sich mit vollem Bewußtsein den physischen Körper eines Men­schen, der vor einem steht, absuggerieren. Es ist das auf einer höheren Stufe nichts anderes als eine Übung der Aufmerksamkeit auf einer niedrigeren. So wie der Mensch seine Aufmerksamkeit von etwas, das vor ihm ist, ablen­ken kann, so daß es für ihn nicht da ist, so vermag der Hellseher einen physischen Körper für seine Wahrneh­mung ganz auszulöschen, so daß er für ihn physisch ganz durchsichtig wird. Vollführt er das mit einem Menschen, der vor ihm steht, dann bleibt vor seinem seelischen Auge noch der sogenannte Ätherleib vorhanden, außer dem Seelenleibe, der größer als beide ist und der auch beide durchdringt. Der Ätherleib hat annähernd die Größe und Form des physischen Leibes, so daß er ungefähr auch den­selben Raum ausfüllt, den auch der physische Körper ein­nimmt. Er ist ein äußerst zart und fein organisiertes Ge­bilde.** Seine Grundfarbe ist eine andere als die im Re­genbogen enthaltenen sieben Farben. Wer ihn beobach­ten kann, lernt eine Farbe kennen, die für die sinnliche Beobachtung eigentlich gar nicht vorhanden ist. Sie läßt sich am ehesten mit der Farbe der jungen Pfirsichblüte vergleichen. Will man den Ätherleib ganz allein für sich betrachten, so muß man auch die Erscheinung des Seelenleibes&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- - -&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;#&amp;lt;/nowiki&amp;gt;FN010-139-1-* Man vergleiche zu dieser Darstellung die Schilderung in des Ver­fassers «Theosophie».&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;#&amp;lt;/nowiki&amp;gt;FN010-139-2-** Den Physiker bitte ich, sich an dem Ausdruck «Ätherleib» nicht zu stoßen. Mit dem Worte «Äther» soll nur die Feinheit des in Betracht kommenden Gebildes angedeutet werden. Mit dem «Äther» der physika­lischen Hypothesen braucht das hier Angeführte zunächst gar nicht zusammengebracht zu werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|140}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
für die Beobachtung auslöschen durch eine ähnlich geartete Übung der Aufmerksamkeit wie die oben gekennzeichnete. Tut man dies nicht, dann verändert sich der Anblick des Ätherleibes durch den ihn ganz durchdringenden Seelenleib.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun sind beim Menschen die Teilchen des Ätherleibes in einer fortwährenden Bewegung. Zahllose Strömungen durchziehen ihn nach allen Seiten. Durch diese Strömun­gen wird das Leben unterhalten und geregelt. Jeder Kör­per, der lebt, hat einen solchen Ätherleib. Die Pflanzen und die Tiere haben ihn auch. Ja, selbst bei den Minera­lien sind Spuren für den aufmerksamen Beobachter wahr­nehmbar. Die genannten Strömungen und Bewegungen sind zunächst von dem Willen und Bewußtsein des Men­schen ganz unabhängig, wie die Tätigkeit des Herzens oder Magens im physischen Körper von der Willkür nicht abhängig ist. Und solange der Mensch seine Ausbildung im Sinne der Erwerbung übersinnlicher Fähigkeiten nicht in die Hand nimmt, bleibt diese Unabhängigkeit auch bestehen. Denn gerade darin besteht die höhere Entwicke­lung auf einer gewissen Stufe, daß zu den vom Bewußt­sein unabhängigen Strömungen und Bewegungen des Ätherleibes solche hinzutreten, welche der Mensch in be­wußter Weise selbst bewirkt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn die Geheimschulung so weit gekommen ist, daß die in den vorhergehenden Abschnitten gekennzeichne­ten Lotusblumen sich zu bewegen beginnen, dann hat der Schüler auch bereits manches von dem vollzogen, was zur Hervorrufung ganz bestimmter Strömungen und Bewe­gungen in seinem Ätherkörper führt. Der Zweck dieser Entwickelung ist, daß sich in der Gegend des physischen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|141}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herzens eine Art Mittelpunkt bildet, von dem Strömun­gen und Bewegungen in den mannigfaltigsten geistigen Farben und Formen ausgehen. Dieser Mittelpunkt ist in Wirklichkeit kein bloßer Punkt, sondern ein ganz kompliziertes Gebilde, ein wunderbares Organ. Es leuchtet und schillert geistig in den allerverschiedensten Farben und zeigt Formen von großer Regelmäßigkeit, die sich mit Schnelligkeit verändern können. Und weitere Formen und Farbenströmungen laufen von diesem Organ nach den Tei­len des übrigen Körpers und auch noch über diesen hinaus, indem sie den ganzen Seelenleib durchziehen und durchleuchten. Die wichtigsten dieser Strömungen aber gehen zu den Lotusblumen. Sie durchziehen die einzelnen Blät­ter derselben und regeln ihre Drehung; dann strömen sie an den Spitzen der Blätter nach außen, um sich im äuße­ren Raum zu verlieren. Je entwickelter ein Mensch ist, desto größer wird der Umkreis, in dem sich diese Strömungen verbreiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einer besonders nahen Beziehung steht die zwölf­blätterige Lotusblume zu dem geschilderten Mittelpunkte. In sie laufen unmittelbar die Strömungen ein. Und durch sie hindurch gehen auf der einen Seite Strömungen zu der sechzehnblätterigen und der zweiblätterigen, auf der an­deren (unteren) Seite zu den acht-, sechs- und vierblätte­rigen Lotusblumen. In dieser Anordnung liegt der Grund, warum auf die Ausbildung der zwölfblätterigen Lotus­blume bei der Geheimschulung eine ganz besondere Sorg­falt verwendet werden muß. Würde hier etwas verfehlt, so müßte die ganze Ausbildung des Apparates eine unordentliche sein. Man kann aus dem Gesagten ermes­sen, von wie zarter und intimer Art die Geheimschulung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|142}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ist und wie genau man vorgehen muß, wenn alles in ge­höriger Weise sich entwickeln soll. Ohne weiteres ist hieraus auch ersichtlich, daß nur derjenige über Anweisung zur Ausbildung übersinnlicher Fähigkeiten reden kann, der alles, was er an einem anderen ausbilden soll, selbst an sich erfahren hat und der vollkommen in der Lage ist zu erkennen, ob seine Anweisungen auch zu dem ganz richtigen Erfolge führen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn der Geheimschüler das ausführt, was ihm durch die Anweisungen vorgeschrieben wird, dann bringt er sei­nem Ätherleib solche Strömungen und Bewegungen bei, welche in Harmonie stehen mit den Gesetzen und der Entwickelung der Welt, zu welcher der Mensch gehört. Daher sind die Anweisungen stets ein Abbild der großen Gesetze der Weltentwickelung. Sie bestehen in den er­wähnten und ähnlichen Meditations- und Konzentrationsübungen, welche, gehörig angewendet, die geschilderten Wirkungen haben. Der Geistesschüler muß in gewissen Zeiten seine Seele ganz mit dem Inhalte der Übungen durchdringen, sich innerlich gleichsam ganz damit ausfül­len. Mit Einfachem beginnt es, was vor allem geeignet ist, das verständige und vernünftige Denken des Kopfes zu vertiefen, zu verinnerlichen. Dieses Denken wird dadurch frei und unabhängig gemacht von allen sinnlichen Ein­drücken und Erfahrungen. Es wird gewissermaßen in einen Punkt zusammengefaßt, welchen der Mensch ganz in seiner Gewalt hat. Dadurch wird ein vorläufiger Mit­telpunkt geschaffen für die Strömungen des Ätherleibes. Dieser Mittelpunkt ist zunächst noch nicht in der Herzgegend, sondern im Kopfe. Dem Hellseher zeigt er sich dort als Ausgangspunkt von Bewegungen. Nur eine&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|143}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
solche Geheimschulung hat den vollen Erfolg, welche zu­erst diesen Mittelpunkt schafft. Würde gleich vom Anfang an der Mittelpunkt in die Herzgegend verlegt, so könnte der angehende Hellseher zwar gewisse Einblicke in die höheren Welten tun; er könnte aber keine richtige Einsicht in den Zusammenhang dieser höheren Welten mit unserer sinnlichen gewinnen. Und dies ist für den Menschen auf der gegenwärtigen Stufe der Weltentwickelung eine unbedingte Notwendigkeit. Der Hellseher darf nicht zum Schwärmer werden; er muß den festen Boden unter den Füßen behalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Mittelpunkt im Kopfe wird dann, wenn er gehö­rig befestigt ist, weiter nach unten verlegt, und zwar in die Gegend des Kehlkopfes. Das wird im weiteren Anwen­den der Konzentrationsübungen bewirkt. Dann strahlen die charakterisierten Bewegungen des Ätherleibes von die­ser Gegend aus. Sie erleuchten den Seelenraum in der Umgebung des Menschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein weiteres Üben befähigt den Geheimschüler, die Lage seines Ätherleibes selbst zu bestimmen. Vorher ist diese Lage von den Kräften abhängig, die von außen kom­men und vom physischen Körper ausgehen. Durch die weitere Entwickelung wird der Mensch imstande, den Ätherleib nach allen Seiten zu drehen. Diese Fähigkeit wird durch Strömungen bewirkt, welche ungefähr längs der beiden Hände verlaufen und die ihren Mittelpunkt in der zweiblätterigen Lotusblume in der Augengegend ha­ben. Alles dies kommt dadurch zustande, daß sich die Strahlungen, die vom Kehlkopf ausgehen, zu runden For­men gestalten, von denen eine Anzahl zu der zweiblätterigen Lotusblume hingehen, um von da aus als wellige&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|144}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Strömungen den Weg längs der Hände zu nehmen. Eine weitere Folge besteht darin, daß sich diese Ströme in der feinsten Art verästeln und verzweigen und zu einer Art Geflecht werden, das wie ein Netzwerk (Netzhaut) zur Grenze des ganzen Ätherleibes sich umbildet. Während dieser vorher nach außen keinen Abschluß hatte, so daß die Lebensströme aus dem allgemeinen Lebensmeer unmittelbar aus- und einströmten, müssen jetzt die Einwir­kungen von außen dieses Häutchen durchlaufen. Dadurch wird der Mensch für diese äußeren Strömungen empfind­lich. Sie werden ihm wahrnehmbar. Nunmehr ist auch der Zeitpunkt gekommen, um dem ganzen Strom- und Bewegungssystem den Mittelpunkt in der Herzgegend zu geben. Das geschieht wieder durch die Fortsetzung der Konzentrations- und Meditationsübung. Und damit ist auch die Stufe erreicht, auf welcher der Mensch mit dem «inneren Wort» begabt wird. Alle Dinge erhalten nun­mehr für den Menschen eine neue Bedeutung. Sie werden gewissermaßen in ihrem innersten Wesen geistig hörbar; sie sprechen von ihrem eigentlichen Wesen zu dem Men­schen. Die gekennzeichneten Strömungen setzen ihn mit dem Innern der Welt in Verbindung, zu welcher er ge­hört. Er beginnt das Leben seiner Umgebung mitzuerle­ben und kann es in der Bewegung seiner Lotusblumen nachklingen lassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit betritt der Mensch die geistige Welt. Ist er so weit, so gewinnt er ein neues Verständnis für dasjenige, was die großen Lehrer der Menschheit gesprochen haben. Buddhas Reden und die Evangelien zum Beispiel wirken jetzt in einer neuen Art auf ihn ein. Sie durchströmen ihn mit einer Seligkeit, die er vorher nicht geahnt hat. Denn&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|145}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der Ton ihrer Worte folgt den Bewegungen und Rhyth­men, die er nun selbst in sich ausgebildet hat. Er kann es jetzt unmittelbar wissen, daß ein solcher Mensch wie Buddha oder die Evangelienschreiber nicht ihre Offen­barungen, sondern diejenigen aussprechen, welche ihnen zugeflossen sind vom innersten Wesen der Dinge. Es soll hier auf eine Tatsache aufmerksam gemacht werden, die wohl nur aus dem Vorhergehenden verständlich wird. Den Menschen unserer gegenwärtigen Bildungsstufe sind die vielen Wiederholungen in Buddhas Reden nicht recht begreiflich. Dem Geheimschüler werden sie zu etwas, worauf er gern mit seinem inneren Sinne ruht. Denn sie entsprechen gewissen Bewegungen rhythmischer Art im Ätherleib. Die Hingabe an sie in vollkommener innerer Ruhe bewirkt auch ein Zusammenklingen mit solchen Bewegungen. Und weil diese Bewegungen ein Abbild sind bestimmter Weltrhythmen, die auch in gewissen Punkten Wiederholung und regelmäßige Rückkehr zu früheren darstellen, so lebt sich im Hinhören auf die Weise Bud­dhas der Mensch in den Zusammenhang mit den Weltgeheimnissen hinein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Geisteswissenschaft wird von vier Eigenschaften gesprochen, welche sich der Mensch auf dem sogenannten Prüfungspfade erwerben muß, um zu höherer Erkenntnis aufzusteigen. Es ist die erste davon die Fähigkeit, in den Gedanken das Wahre von der Erscheinung zu scheiden, die Wahrheit von der bloßen Meinung. Die zweite Eigen­schaft ist die richtige Schätzung des Wahren und Wirk­lichen gegenüber der Erscheinung. Die dritte Fähigkeit besteht in der schon im vorigen Kapitel erwähnten Ausübung der sechs Eigenschaften: Gedankenkontrolle,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|146}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kontrolle der Handlungen, Beharrlichkeit, Duldsamkeit, Glaube und Gleichmut. Die vierte ist die Liebe zur inne­ren Freiheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein bloßes verstandesmäßiges Begreifen dessen, was in diesen Eigenschaften liegt, nützt gar nichts. Sie müssen der Seele so einverleibt werden, daß sie innere Gewohn­heiten begründen. Man nehme zum Beispiel die erste Eigenschaft: Die Unterscheidung des Wahren von der Er­scheinung. Der Mensch muß sich so schulen, daß er bei jeglichem Dinge, das ihm gegenübertritt, ganz wie selbst­verständlich unterscheidet zwischen dem, was unwesent­lich ist, und dem, was Bedeutung hat. Man kann sich so nur schulen, wenn man in aller Ruhe und Geduld bei seinen Beobachtungen der Außenwelt immer wieder die dahingehenden Versuche macht. Zuletzt haftet in natür­licher Weise der Blick ebenso an dem Wahren, wie er vor­her an dem Unwesentlichen sich befriedigt hat. «Alles Vergängliche ist nur ein Gleichnis»: diese Wahrheit wird zu einer selbstverständlichen Überzeugung der Seele. Und so wird es mit den anderen der genannten vier Eigen­schaften zu halten sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun verwandelt sich tatsächlich der feine Ätherleib des Menschen unter dem Einfluß dieser vier Seelengewohn­heiten. Durch die erste «Unterscheidung des Wahren von der Erscheinung» wird der gekennzeichnete Mittelpunkt im Kopfe erzeugt und der im Kehlkopf vorbereitet. Zur wirklichen Ausbildung sind dann allerdings die Konzen­trationsübungen notwendig, von denen oben gesprochen worden ist. Sie bilden aus, und die vier Gewohnheiten bringen zur Reife. Ist der Mittelpunkt in der Gegend des Kehlkopfes vorbereitet, dann wird jene angedeutete&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|147}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
freie Beherrschung des Ätherleibes und sein Überziehen und Begrenzen mit dem Netzhautgeflecht bewirkt durch die richtige Schätzung des Wahren gegenüber der unwe­sentlichen Erscheinung. Bringt es der Mensch zu solcher Schätzung, dann werden ihm allmählich die geistigen Tat­sachen wahrnehmbar. Er soll aber nicht glauben, daß er bloß Handlungen zu vollziehen hat, welche vor einer ver­standesmäßigen Schätzung als bedeutungsvoll erscheinen. Die geringste Handlung, jeder kleine Handgriff hat etwas Bedeutungsvolles im großen Haushalte des Weltganzen, und es kommt nur darauf an, ein Bewußtsein von dieser Bedeutung zu haben. Nicht auf Unterschätzung, sondern auf richtige Einschätzung der alltäglichen Verrichtungen des Lebens kommt es an. Von den sechs Tugenden, aus denen sich die dritte Eigenschaft zusammensetzt, ist be­reits gesprochen worden. Sie hängen zusammen mit der Ausbildung der zwölfblätterigen Lotusblume in der Herzgegend. Dahin muß ja, wie gezeigt worden ist, in der Tat der Lebensstrom des Ätherleibes geleitet werden. Die vierte Eigenschaft: das Verlangen nach Befreiung, dient dann dazu, das Ätherorgan in der Nähe des Herzens zur Reifung zu bringen. Wird diese Eigenschaft zur Seelengewohnheit, dann befreit sich der Mensch von allem, was nur mit den Fähigkeiten seiner persönlichen Natur zu­sammenhängt. Er hört auf, die Dinge von seinem Sonderstandpunkte aus zu betrachten. Die Grenzen seines engen Selbst, die ihn an diesen Standpunkt fesseln, verschwin­den. Die Geheimnisse der geistigen Welt erhalten Zu­gang zu seinem Innern. Dies ist die Befreiung. Denn jene Fesseln zwingen den Menschen, die Dinge und Wesen so anzusehen, wie es seiner persönlichen Art entspricht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|148}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von dieser persönlichen Art, die Dinge zu betrachten, muß der Geheimschüler unabhängig, frei werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man sieht hieraus, daß die Vorschriften, welche von der Geisteswissenschaft ausgehen, tief in die innerste Men­schennatur hinein bestimmend wirken. Und die Vorschrif­ten über die vier genannten Eigenschaften sind solche Vorschriften. Sie finden sich in der einen oder der anderen Form in allen mit der Geisteswelt rechnenden Welt­anschauungen. Nicht aus einem dunklen Gefühl heraus haben die Begründer solcher Weltanschauungen solche Vorschriften den Menschen gegeben. Sie haben das viel­mehr aus dem Grunde getan, weil sie große Eingeweihte waren. Aus der Erkenntnis heraus haben sie ihre sittlichen Vorschriften geformt. Sie wußten, wie diese auf die feinere Natur des Menschen wirken, und wollten, daß die Beken­ner diese feinere Natur allmählich zur Ausbildung brin­gen. Im Sinne solcher Weltanschauungen leben heißt an seiner eigenen geistigen Vervollkommnung arbeiten. Und nur wenn der Mensch das tut, dient er dem Weltganzen. Sich vervollkommnen ist keineswegs Selbstsucht. Denn der unvollkommene Mensch ist auch ein unvollkommener Diener der Menschheit und der Welt. Man dient dem Ganzen um so besser, je vollkommener man selbst ist. Hier gilt es: «Wenn die Rose selbst sich schmückt, schmückt sie auch den Garten.»&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Begründer der bedeutungsvollen Weltanschauun­gen sind dadurch die großen Eingeweihten. Das, was von ihnen kommt, fließt in die Menschenseelen hinein. Und dadurch kommt mit der Menschheit die ganze Welt vor­wärts. Ganz bewußt haben die Eingeweihten an diesem Entwickelungsprozeß der Menschheit gearbeitet. Nur&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|149}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dann versteht man den Inhalt ihrer Anweisungen, wenn man beachtet, daß diese aus der Erkenntnis der tiefinnersten Menschennatur heraus geschöpft sind. Große Erken­ner waren die Eingeweihten, und aus ihrer Erkenntnis heraus haben sie die Ideale der Menschheit geprägt. Der Mensch aber kommt diesen Führern nahe, wenn er sich in seiner eigenen Entwickelung zu ihren Höhen erhebt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn bei einem Menschen die Ausbildung des Ätherleibes in der Art begonnen hat, wie das im Vorangegangenen beschrieben ist, dann erschließt sich ihm ein völlig neues Leben. Und er muß durch die Geheimschulung zur richtigen Zeit die Aufklärungen erhalten, welche ihn befähigen, sich in diesem neuen Leben zurechtzufinden. Er sieht zum Beispiel durch die sechzehnblätterige Lotus­blume geistig Gestalten einer höheren Welt. Nun muß er sich klarmachen, wie verschieden diese Gestalten sind, je nachdem sie von diesen oder jenen Gegenständen oder Wesen verursacht sind. Das erste, worauf er die Aufmerk­samkeit wenden kann, ist, daß er auf eine gewisse Art die­ser Gestalten durch seine eigenen Gedanken und Emp­findungen einen starken Einfluß ausüben kann, auf andere gar nicht oder doch nur in geringem Maße. Eine Art der Figuren ändert sich sofort, wenn der Betrachter bei ihrem Auftreten den Gedanken hat: «das ist schön», und dann im Laufe der Anschauung diesen Gedanken ändert in die­sen: «das ist nützlich». Besonders haben die Gestalten, welche von Mineralien oder künstlich gemachten Gegen­ständen herrühren, die Eigentümlichkeit, daß sie sich durch jeden Gedanken oder jedes Gefühl, das ihnen der Beschauer entgegenbringt, ändern. In geringerem Maße ist das schon der Fall bei den Gestalten, welche Pflanzen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|150}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
zukommen; und noch weniger findet es statt bei denen, welche Tieren entsprechen. Auch diese Gestalten sind beweglich und voll Leben. Aber diese Beweglichkeit rührt nur zum Teil von dem Einfluß der menschlichen Gedan­ken und Empfindungen her, zum anderen Teile wird sie durch Ursachen bewirkt, auf welche der Mensch keinen Einfluß hat. Nun tritt aber innerhalb dieser ganzen Ge­staltenwelt eine Sorte von Formen auf, welche der Ein­wirkung von seiten des Menschen selbst zunächst fast ganz entzogen sind. Der Geheimschüler kann sich davon überzeugen, daß diese Gestalten weder von Mineralien noch von künstlichen Gegenständen, auch nicht von Pflanzen oder Tieren herrühren. Er muß nun, um völlig ins klare zu kommen, die Gestalten betrachten, von denen er wissen kann, daß sie durch die Gefühle, Triebe, Leiden­schaften und so weiter von anderen Menschen verursacht werden. Aber auch diesen Gestalten gegenüber kann er finden, daß seine eigenen Gedanken und Empfindungen noch einigen, wenn auch verhältnismäßig geringen Ein­fluß haben. Es bleibt innerhalb der Gestaltenwelt immer ein Rest, auf den dieser Einfluß verschwindend gering ist. Ja, dieser Rest bildet im Anfange der Laufbahn des Ge­heimschülers sogar einen sehr großen Teil dessen, was er überhaupt sieht. Über die Natur dieses Teiles kann er sich nun nur aufklären, wenn er sich selbst beobachtet. Da fin­det er, welche Gestalten durch ihn selbst bewirkt worden sind. Das, was er selbst tut, will, wünscht und so weiter, kommt in diesen Gestalten zum Ausdruck. Ein Trieb, der in ihm wohnt, eine Begierde, die er hat, eine Absicht, die er hegt, und so weiter: alles das zeigt sich in solchen Ge­stalten. Ja, sein ganzer Charakter prägt sich in einer solchen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|151}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gestaltenwelt aus. Der Mensch kann somit durch seine bewußten Gestalten und Gefühle einen Einfluß auf alle Gestalten ausüben, welche nicht von ihm selbst ausgehen; auf diejenigen Figuren aber, die er durch sein eigenes Wesen in der höheren Welt bewirkt, hat er keinen Einfluß mehr, sobald sie durch ihn geschaffen worden sind. Es geht nun aus dem Gesagten auch hervor, daß in der höheren Anschauung das menschliche Innere, die eigene Trieb-, Begierden- und Vorstellungswelt sich ge­nauso in äußeren Figuren zeigt wie andere Gegenstände und Wesenheiten. Die Innenwelt wird für die höhere Er­kenntnis zu einem Teile der Außenwelt. Wie wenn man in der physischen Welt von allen Seiten mit Spiegeln um­geben wäre und so seine leibliche Gestalt beschauen könnte, so tritt in einer höheren Welt die seelische Wesen­heit des Menschen diesem als Spiegelbild entgegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf dieser Entwickelungsstufe ist für den Geheimschüler der Zeitpunkt eingetreten, in dem er die Illusion, wel­che aus der persönlichen Begrenztheit stammt, überwin­det. Er kann jetzt das, was innerhalb seiner Persönlichkeit ist, beobachten als Außenwelt, wie er früher als Außen­welt betrachtete, was auf seine Sinne einwirkte. So lernt er allmählich durch die Erfahrung sich so behandeln, wie er früher die Wesen um sich her behandelte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Würde des Menschen Blick in diese Geisteswelten geöffnet, ehe er in genügender Art auf deren Wesen vorbe­reitet worden ist, so stünde er zunächst vor dem charak­terisierten Gemälde seiner eigenen Seele wie vor einem Rätsel. Die Gestalten seiner eigenen Triebe und Leiden­schaften treten ihm da entgegen in Formen, welche er als tierische oder seltener auch als menschliche empfindet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|152}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zwar sind die Tiergestalten dieser Welt niemals ganz gleich denen der physischen Welt, aber sie haben doch eine entfernte Ähnlichkeit. Von ungeübten Beobachtern werden sie wohl auch für gleich gehalten. Man muß sich nun, wenn man diese Welt betritt, eine ganz neue Art des Urteilens aneignen. Denn abgesehen davon, daß die Dinge, die eigentlich dem menschlichen Innern angehö­ren, als Außenwelt erscheinen, treten sie auch noch als das Spiegelbild dessen auf, was sie wirklich sind. Wenn man zum Beispiel eine Zahl da erblickt, so muß man sie um­gekehrt als Spiegelbild lesen. 265 zum Beispiel bedeutet in Wahrheit hier 562. Eine Kugel sieht man so, wie wenn man in ihrem Mittelpunkte wäre. Man hat sich dann diese Innenansicht erst in der richtigen Art zu übersetzen. Aber auch seelische Eigenschaften erscheinen als Spiegelbild. Ein Wunsch, der sich auf etwas Äußeres bezieht, tritt als eine Gestalt auf, die zu dem Wünschenden selbst sich hin­bewegt. Leidenschaften, welche in der niederen Natur des Menschen ihren Sitz haben, können die Form von Tieren oder ähnliche Gestaltungen annehmen, die sich auf den Menschen losstürzen. In Wirklichkeit streben ja diese Lei­denschaften nach außen; sie suchen den Gegenstand ihrer Befriedigung in der Außenwelt. Aber dieses Suchen nach außen stellt sich im Spiegelbild als Angriff auf den Träger der Leidenschaft dar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn der Geheimschüler, bevor er zu höherem Schauen aufsteigt, durch ruhige, sachliche Selbstbeobachtung seine eigenen Eigenschaften selber kennengelernt hat, dann wird er auch in dem Augenblicke, da ihm sein Inneres im äußeren Spiegelbilde entgegentritt, Mut und Kraft finden, um sich in der richtigen Art zu verhalten. Menschen, welche&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|153}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sich durch solche Selbstprüfung nicht genügend mit dem eigenen Innern bekannt gemacht haben, werden sich in ihrem Spiegelbilde nicht erkennen und dieses dann für fremde Wirklichkeit halten. Auch werden sie durch den Anblick ängstlich und reden sich, weil sie die Sache nicht ertragen können, ein, das Ganze sei nur phantastisches Er­zeugnis, das zu nichts führen könne. In beiden Fällen stünde der Mensch durch sein unreifes Ankommen auf einer gewissen Entwickelungsstufe der eigenen höheren Ausbildung verhängnisvoll im Wege.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist durchaus notwendig, daß der Geheimschüler durch den geistigen Anblick seiner eigenen Seele hindurchgehe, um zu Höherem vorzudringen. Denn im eige­nen Selbst hat er ja doch dasjenige Geistig-Seelische, das er am besten beurteilen kann. Hat er sich von seiner Per­sönlichkeit in der physischen Welt zunächst eine tüchtige Erkenntnis erworben und tritt ihm zuerst das Bild dieser Persönlichkeit in der höheren Welt entgegen, dann kann er beides vergleichen. Er kann das Höhere auf ein ihm Bekanntes beziehen und vermag so von einem festen Bo­den auszugehen. Wenn ihm dagegen noch so viele andere geistige Wesenheiten entgegenträten, so vermöchte er sich doch über ihre Eigenart und Wesenheit zunächst kei­nen Aufschluß zu geben. Er würde bald den Boden unter den Füßen schwinden fühlen. Es kann daher gar nicht oft genug betont werden, daß der sichere Zugang zur höheren Welt derjenige ist, der über die gediegene Erkenntnis und Beurteilung der eigenen Wesenheit führt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Geistige Bilder sind es also, welchen der Mensch zu­nächst auf seiner Bahn zur höheren Welt begegnet. Denn die Wirklichkeit, welche diesen Bildern entspricht, ist ja&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|154}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
in ihm selbst. Reif muß demnach der Geheimschüler sein, um auf dieser ersten Stufe nicht derbe Realitäten zu ver­langen, sondern die Bilder als das Richtige zu betrachten. Aber innerhalb dieser Bilderwelt lernt er bald etwas Neues kennen. Sein niederes Selbst ist nur als Spiegelgemälde vor ihm vorhanden; aber mitten in diesem Spiegelgemälde erscheint die wahre Wirklichkeit des höheren Selbst. Aus dem Bilde der niederen Persönlichkeit her­aus wird die Gestalt des geistigen Ich sichtbar. Und erst von dem letzteren aus spinnen sich die Fäden zu anderen höheren geistigen Wirklichkeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und nun ist die Zeit gekommen, um die zweiblätterige Lotusblume in der Augengegend zu gebrauchen. Fängt sie an sich zu bewegen, so findet der Mensch die Möglichkeit, sein höheres Ich mit übergeordneten geistigen Wesen­heiten in Verbindung zu setzen. Die Ströme, welche von dieser Lotusblume ausgehen, bewegen sich so zu höheren Wirklichkeiten hin, daß die entsprechenden Bewegungen dem Menschen völlig bewußt sind. Wie das Licht dem Auge die physischen Gegenstände sichtbar macht, so diese Strömungen die geistigen Wesen höherer Welten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch Versenkung in der Geisteswissenschaft entstam­mende Vorstellungen, welche Grundwahrheiten enthalten, lernt der Schüler die Strömungen der Augenlotus­blume in Bewegung setzen und dirigieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was gesunde Urteilskraft, klare, logische Schulung ist, das erweist sich ganz besonders auf dieser Stufe der Ent­wickelung. Man muß nur bedenken, daß da das höhere Selbst, das bisher keimhaft, unbewußt im Menschen ge­schlummert hat, zu bewußtem Dasein geboren wird. Nicht etwa bloß im bildlichen, sondern in ganz wirklichem&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|155}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sinne hat man es mit einer Geburt in der geistigen Welt zu tun. Und das geborene Wesen, das höhere Selbst, muß mit allen notwendigen Organen und Anlagen zur Welt kommen, wenn es lebensfähig sein soll. Wie die Natur vorsorgen muß, daß ein Kind mit wohlgebildeten Ohren und Augen zur Welt komme, so müssen die Gesetze der Eigenentwickelung eines Menschen Sorge tra­gen, daß sein höheres Selbst mit den notwendigen Fähig­keiten ins Dasein trete. Und diese Gesetze, welche die Ausbildung der höheren Organe des Geistes selbst besor­gen, sind keine anderen als die gesunden Vernunft- und Moralgesetze der physischen Welt. Wie im Mutterschoße das Kind reift, so im physischen Selbst der geistige Mensch. Die Gesundheit des Kindes hängt von normaler Wirksamkeit der Naturgesetze im Mutterschoße ab. Die Gesundheit des geistigen Menschen ist in gleicher Art von den Gesetzen des gewöhnlichen Verstandes und der im physischen Leben wirksamen Vernunft bedingt. Niemand kann ein gesundes höheres Selbst gebären, der nicht in der physischen Welt gesund lebt und denkt. Natur- und vernunftgemäßes Leben sind die Grundlage aller wahren Geistesentwickelung. Wie das Kind im Schoße der Mut­ter schon nach den Naturkräften lebt, die es nach seiner Geburt mit seinen Sinnesorganen wahrnimmt, so lebt das höhere Selbst des Menschen nach den Gesetzen der gei­stigen Welt schon während des physischen Daseins. Und wie das Kind aus einem dunklen Lebensgefühl heraus sich die entsprechenden Kräfte aneignet, so kann es der Mensch mit den Kräften der geistigen Welt, bevor sein höheres Selbst geboren wird. Ja, er muß dies tun, wenn dies letztere als vollentwickeltes Wesen zur Welt kommen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|156}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
soll. Es wäre nicht richtig, wenn jemand sagte: ich kann die Lehren der Geisteswissenschaft nicht annehmen, bevor ich nicht selbst sehe. Denn ohne die Vertiefung in die Geistesforschung kann er überhaupt nicht zu wahrer hö­herer Erkenntnis kommen. Er wäre dann in derselben Lage wie ein Kind im Mutterschoße, das verweigerte, die Kräfte zu gebrauchen, die ihm durch die Mutter zukom­men, und warten wollte, bis es sich dieselben selbst ver­schaffen kann. So wie der Kindeskeim im Lebensgefühl die Richtigkeit des Dargereichten erfährt, so der noch nicht sehende Mensch die Wahrheit der Lehren der Gei­steswissenschaft. Es gibt eine Einsicht, die auf Wahrheitsgefühl und klare, gesunde, allseitig urteilende Vernunft gebaut ist, in diese Lehren, auch wenn man die geistigen Dinge noch nicht schaut. Man muß die mystischen Er­kenntnisse zuerst lernen und sich eben gerade durch dieses Lernen zum Schauen vorbereiten. Ein Mensch, der zum Schauen käme, bevor er in dieser Art gelernt hat, gliche einem Kinde, das wohl mit Augen und Ohren, aber ohne Gehirn geboren wäre. Es breitete sich die ganze Farben- und Tonwelt vor ihm aus; aber es könnte nichts damit an­fangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was also dem Menschen vorher durch sein Wahrheits­gefühl, durch Verstand und Vernunft einleuchtend war, das wird auf der geschilderten Stufe der Geheimschülerschaft eigenes Erlebnis. Er hat jetzt ein unmittelbares Wis­sen von seinem höheren Selbst. Und er lernt erkennen, daß dieses höhere Selbst mit geistigen Wesenheiten höhe­rer Art zusammenhängt und mit ihnen eine Einheit bil­det. Er sieht also, wie das niedere Selbst aus einer höheren Welt herstammt. Und es zeigt sich ihm, daß seine höhere&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|157}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Natur die niedere überdauert. Er kann nunmehr selbst sein Vergängliches von seinem Bleibenden unterscheiden. Das heißt nichts anderes, als er lernt die Lehre von der Einkörperung (Inkarnation) des höheren Selbst in ein nie­deres aus eigener Anschauung verstehen. Es wird ihm jetzt klar, daß er in einem höheren geistigen Zusammenhange darinnen steht, daß seine Eigenschaften, seine Schicksale durch diesen Zusammenhang verursacht sind. Er lernt das Gesetz seines Lebens, Karma, erkennen. Er sieht ein, daß sein niederes Selbst, wie es gegenwärtig sein Dasein ausmacht, nur eine der Gestalten ist, die sein höhe­res Wesen annehmen kann. Und er erblickt die Möglich­keit vor sich, von seinem höheren Selbst aus an sich zu arbeiten, auf daß er vollkommener und immer vollkom­mener werde. Er kann nunmehr auch die großen Unter­schiede der Menschen hinsichtlich ihrer Vollkommen­heitsgrade einsehen. Er wird gewahr, daß es über ihm ste­hende Menschen gibt, welche die noch vor ihm liegenden Stufen schon erreicht haben. Er sieht ein, daß die Lehren und Taten solcher Menschen von den Eingebungen aus einer höheren Welt herrühren. Dies verdankt er seinem ersten eigenen Blick in diese höhere Welt. Was man «große Eingeweihte der Menschheit» nennt, wird jetzt beginnen, für ihn Tatsache zu werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das sind die Gaben, die der Geheimschüler dieser Stufe seiner Entwickelung verdankt: Einsicht in das höhere Selbst, in die Lehre von der Einkörperung oder Inkarna­tion dieses höheren Selbst in ein niederes, in das Gesetz, wonach das Leben in der physischen Welt geregelt wird nach geistigen Zusammenhängen Karmagesetz , und endlich in das Dasein großer Eingeweihter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|158}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man sagt deshalb auch von einem Schüler, der diese Stufe erreicht hat, daß ihm der Zweifel völlig geschwunden sei. Konnte er sich vorher einen auf Vernunftgründe und gesundes Denken gebauten Glauben aneignen, so tritt jetzt an die Stelle dieses Glaubens das volle Wissen und die durch nichts zu erschütternde Einsicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Religionen haben in ihren Zeremonien, Sakramen­ten und Riten äußerlich sichtbare Abbilder höherer geistiger Vorgänge und Wesen gegeben. Nur wer die Tiefen der großen Religionen noch nicht durchschaut hat, kann diese verkennen. Wer aber in die geistige Wirklichkeit selbst hineinschaut, der wird auch die große Bedeutung jener äußerlich sichtbaren Handlungen verstehen. Und für ihn wird dann der religiöse Dienst selbst ein Abbild seines Verkehrs mit der geistig übergeordneten Welt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man sieht, in welcher Art der Geheimschüler durch Erreichung dieser Stufe wirklich ein neuer Mensch gewor­den ist. Er kann nun allmählich dazu heranreifen, durch die Strömungen seines Ätherkörpers das eigentliche hö­here Lebenselement zu dirigieren und damit eine hohe Freiheit von seinem physischen Körper zu erlangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|159}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= VERÄNDERUNGEN IM TRAUMLEBEN DES GEHEIMSCHÜLERS =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Ankündigung, daß der Geheimschüler die im vori­gen Kapitel beschriebene Stufe der Entwickelung erreicht hat oder doch bald erreichen werde, ist die Veränderung, die mit seinem Traumleben vorgeht. Vorher waren die Träume verworren und willkürlich. Nun fangen sie an, einen regelmäßigen Charakter anzunehmen. Ihre Bilder werden sinnvoll zusammenhängend wie die Vorstellun­gen des Alltagslebens. Man kann in ihnen Gesetz, Ur­sache und Wirkung erkennen. Und auch der Inhalt der Träume ändert sich. Während man vorher nur Nach­klänge des täglichen Lebens, umgeformte Eindrücke der Umgebung oder der eigenen Körperzustände wahrnimmt, treten jetzt Bilder aus einer Welt auf, mit der man vorher unbekannt war. Zunächst bleibt allerdings der allgemeine Charakter des Traumlebens bestehen, insofern sich der Traum vom wachen Vorstellen dadurch unterscheidet, daß er sinnbildlich dasjenige gibt, was er ausdrücken will. Einem aufmerksamen Beurteiler des Traumlebens kann ja diese Sinnbildlichkeit nicht entgehen. Man träumt zum Bei­spiel davon, daß man ein häßliches Tier gefangen und ein unangenehmes Gefühl in der Hand hat. Man wacht auf und merkt, daß man einen Zipfel der Bettdecke mit der Hand umschlossen hält. Die Wahrnehmung drückt sich also nicht ungeschminkt aus, sondern durch das gekenn­zeichnete Sinnbild. Oder man träumt, daß man vor einem Verfolger flieht; man empfindet dabei Angst. Beim Aufwachen zeigt sich, daß man von Herzklopfen wäh­rend des Schlafes befallen war. Der Magen, welcher mit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|160}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
schwerverdaulichen Speisen erfüllt ist, verursacht beäng­stigende Traumbilder. Auch Vorgänge in der Umgebung des schlafenden Menschen spiegeln sich im Traume als Sinnbilder. Das Schlagen einer Uhr kann das Bild eines Soldatentrupps hervorrufen, der bei Trommelschlag vorbeimarschiert. Ein umfallender Stuhl kann die Veranlassung zu einem ganzen Traumdrama sein, in dem der Schlag sich als Schuß widerspiegelt und so weiter. Diese sinnbildliche Art des Ausdruckes hat nun auch der gere­gelte Traum des Menschen, dessen Ätherkörper sich zu entwickeln beginnt. Aber er hört auf, bloße Tatsachen der physischen Umgebung oder des eigenen sinnlichen Leibes widerzuspiegeln. So wie diejenigen Träume regelmäßig werden, welche diesen Dingen ihren Ursprung verdan­ken, so mischen sich auch solche Traumbilder ein, die Ausdruck von Dingen und Verhältnissen einer anderen Welt sind. Hier werden zuerst Erfahrungen gemacht, wel­che dem gewöhnlichen Tagesbewußtsein unzugänglich sind. Nun darf man keineswegs glauben, daß irgendein wahrer Mystiker die Dinge, die er in solcher Art traum­haft erlebt, zur Grundlage irgendwelcher maßgebenden Mitteilungen einer höheren Welt schon macht. Nur als die ersten Anzeichen einer höheren Entwickelung hat man solche Traumerlebnisse zu betrachten. Bald tritt auch als weitere Folge die Tatsache ein, daß die Bilder des träu­menden Geheimschülers nicht mehr wie früher der Lei­tung des besonnenen Verstandes entzogen sind, sondern von diesem geregelt und ordnungsgemäß überschaut wer­den wie die Vorstellungen und Empfindungen des Wachbewußtseins. Es verschwindet eben immer mehr und mehr der Unterschied zwischen dem Traumbewußtsein und diesem&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|161}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wachzustand. Der Träumende ist im vollen Sinne des Wortes während des Traumlebens wach; das heißt, er fühlt sich als Herr und Führer seiner bildhaften Vorstel­lungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während des Träumens befindet sich der Mensch tat­sächlich in einer Welt, welche von derjenigen seiner phy­sischen Sinne verschieden ist. Nur vermag der Mensch mit unentwickelten geistigen Organen sich von dieser Welt keine anderen als die gekennzeichneten verworre­nen Vorstellungen zu bilden. Sie ist für ihn nur so vorhanden, wie die sinnliche Welt für ein Wesen da wäre, das höchstens die allerersten Anlagen von Augen hat. Deshalb kann der Mensch auch nichts sehen in dieser Welt als die Nachbilder und Widerspiegelungen des gewöhnlichen Lebens. Diese kann er aber aus dem Grunde im Traume sehen, weil seine Seele ihre Tageswahrneh­mungen selbst als Bilder in den Stoff hineinmalt, aus dem jene andere Welt besteht. Man muß sich nämlich klar darüber sein, daß der Mensch neben seinem gewöhn­lichen bewußten Tagesleben noch ein zweites, unbewuß­tes, in der angedeuteten anderen Welt führt. Alles, was er wahrnimmt und denkt, gräbt er in Abdrücken in diese Welt ein. Man kann diese Abdrücke eben nur sehen, wenn die Lotusblumen entwickelt sind. Nun sind bei jedem Menschen gewisse spärliche Anlagen der Lotusblumen immer vorhanden. Während des Tagesbewußtseins kann er damit nichts wahrnehmen, weil die Eindrücke auf ihn ganz schwach sind. Es ist dies aus einem ähnlichen Grunde, warum man während des Tages die Sterne nicht sieht. Sie kommen für die Wahrnehmungen gegenüber dem mächtig wirkenden Sonnenlicht nicht auf. So kommen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|162}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die schwachen geistigen Eindrücke gegenüber den machtvollen Eindrücken der physischen Sinne nicht zur Geltung. Wenn nun im Schlaf die Tore der äußeren Sinne geschlossen sind, so leuchten diese Eindrücke verworren auf. Und der Träumende wird dann der in einer anderen Welt gemachten Erfahrungen gewahr. Aber, wie gesagt, zunächst sind diese Erfahrungen nichts weiter als das­jenige, was das an die physischen Sinne gebundene Vor­stellen selbst in die geistige Welt eingegraben hat. Erst die entwickelten Lotusblumen machen es möglich, daß Kundgebungen, welche nicht der physischen Welt angehören, dort verzeichnet werden. Und durch den ent­wickelten Ätherleib entsteht dann ein volles Wissen von diesen aus anderen Welten herrührenden Einzeichnun­gen. Damit hat der Verkehr des Menschen in einer neuen Welt begonnen. Und der Mensch muß jetzt durch die Anleitungen der Geheimschulung ein Doppeltes zunächst erreichen. Zuerst muß es ihm möglich werden, ganz vollständig wie im Wachen die im Traume gemach­ten Beobachtungen zu gewahren. Hat er dies erreicht, so wird er dazu geführt, dieselben Beobachtungen auch während des gewöhnlichen Wachzustandes zu machen. Seine Aufmerksamkeit auf geistige Eindrücke wird da einfach so geregelt, daß diese Eindrücke gegenüber den physischen nicht mehr zu verschwinden brauchen, son­dern daß er sie neben und mit diesen immerfort haben kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hat der Geheimschüler diese Fähigkeit erlangt, dann tritt eben vor seinen geistigen Augen etwas von dem Ge­mälde auf, das im vorigen Kapitel beschrieben worden ist. Er kann nunmehr wahrnehmen, was in der geistigen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|163}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Welt vorhanden ist als die Ursache für die physische. Und er kann vor allem sein höheres Selbst innerhalb dieser Welt erkennen. Seine nächste Aufgabe ist nun, in die­ses höhere Selbst gewissermaßen hineinzuwachsen, das heißt, es wirklich als seine wahre Wesenheit anzusehen und auch sich dementsprechend zu verhalten. Immer mehr erhält er nun die Vorstellung und das lebendige Gefühl davon, daß sein physischer Leib und was er vorher sein «Ich» genannt hat nur mehr ein Werkzeug des höhe­ren Ich ist. Er bekommt eine Empfindung gegenüber dem niederen Selbst, wie es der auf die Sinnenwelt beschränkte Mensch gegenüber einem Werkzeug oder Fahrzeug hat, deren er sich bedient. So wie dieser den Wagen, in dem er fährt, nicht zu seinem «Ich» rechnet, auch wenn er sagt: «Ich fahre» wie «Ich gehe», so hat der entwickelte Mensch, wenn er sagt: «Ich gehe zur Tür hinein», eigent­lich die Vorstellung: «Ich trage meinen Leib zur Tür hinein.» Nur muß das für ihn ein so selbstverständlicher Begriff sein, daß er nicht einen Augenblick den festen Boden der physischen Welt verliert, daß niemals ein Ge­fühl von Entfremdung deshalb gegenüber der Sinnenwelt auftritt. Soll der Geheimschüler nicht zum Schwärmer oder Phantasten werden, so muß er durch das höhere Be­wußtsein sein Leben in der physischen Welt nicht ver­armen, sondern bereichern, so wie es derjenige bereichert, der sich statt seiner Beine eines Eisenbahnzuges bedient, um einen Weg zu machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hat es der Geheimschüler zu einem solchen Leben in seinem höheren Ich gebracht, dann oder vielmehr schon während der Aneignung des höheren Bewußtseins wird ihm klar, wie er die geistige Wahrnehmungskraft in dem&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|164}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
in der Herzgegend erzeugten Organ zum Dasein erwecken und durch die in den vorigen Kapiteln charakterisierten Strömungen leiten kann. Diese Wahrnehmungskraft ist ein Element von höherer Stofflichkeit, das von dem ge­nannten Organ ausgeht und in leuchtender Schönheit durch die sich bewegenden Lotusblumen und auch durch die anderen Kanäle des ausgebildeten Ätherleibes strömt. Es strahlt von da nach außen in die umgebende geistige Welt und macht sie geistig sichtbar, wie das von außen auf die Gegenstände fallende Sonnenlicht diese physisch sichtbar macht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie diese Wahrnehmungskraft im Herzorgane erzeugt wird, das kann nur allmählich im Ausbilden selbst ver­standen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deutlich als Gegenstände und Wesen wahrnehmbar wird die geistige Welt eigentlich erst für einen Menschen, der in solcher Art das charakterisierte Wahrnehmungs­organ durch seinen Ätherleib und nach der Außenwelt senden kann, um damit die Gegenstände zu beleuchten. Man sieht daraus, daß ein vollkommenes Bewußtsein von einem Gegenstande der geistigen Welt nur unter der Bedingung entstehen kann, daß der Mensch selbst das Geisteslicht auf ihn wirft. In Wahrheit wohnt nun das «Ich», welches dieses Wahrnehmungsorgan erzeugt, gar nicht im physischen Menschenkörper, sondern, wie ge­zeigt worden ist, außerhalb desselben. Das Herzorgan ist nur der Ort, wo der Mensch von außen her dieses geistige Lichtorgan entfacht. Würde er es nicht hier, sondern an einem anderen Orte entzünden, so hätten die durch dasselbe zustande gebrachten geistigen Wahrnehmungen keinen Zusammenhang mit der physischen Welt. Aber&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|165}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der Mensch soll ja alles höhere Geistige eben auf die physische Welt beziehen und durch sich in die letztere hereinwirken lassen. Das Herzorgan ist gerade dasjenige, durch welches das höhere Ich das sinnliche Selbst zu sei­nem Werkzeug macht und von dem aus dies letztere ge­handhabt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun ist die Empfindung, welche der entwickelte Mensch gegenüber den Dingen der geistigen Welt hat, eine andere als die, welche dem Sinnenmenschen gegen­über der physischen Welt eigen ist. Der letztere fühlt sich an einem gewissen Orte der Sinnenwelt, und die wahr­genommenen Gegenstände sind für ihn «außerhalb». Der geistig entwickelte Mensch dagegen fühlt sich mit dem geistigen Gegenstande seiner Wahrnehmung wie vereinigt, wie «im Innern» desselben. Er wandelt in der Tat im Geistesraume von Ort zu Ort. Man nennt ihn deshalb in der Sprache der Geheimwissenschaft auch den «Wanderer». Er ist zunächst nirgends zu Hause. Bliebe er bei dieser bloßen Wanderschaft, dann könnte er keinen Gegenstand im geistigen Raume wirklich bestimmen. Wie man einen Gegenstand oder Ort im physischen Raume dadurch bestimmt, daß man von einem gewissen Punkte ausgeht, so muß das auch in der erreichten ande­ren Welt der Fall sein. Man muß sich auch da irgendwo einen Ort suchen, den man zunächst ganz genau erforscht und geistig für sich in Besitz nimmt. In diesem Orte muß man sich eine geistige Heimat gründen und dann alles andere zu dieser Heimat in ein Verhältnis setzen. Auch der in der physischen Welt lebende Mensch sieht ja alles so, wie es die Vorstellungen seiner physischen Heimat mit sich bringen. Ein Berliner beschreibt unwillkürlich Lon­don&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|166}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
anders als ein Pariser. Nur ist es mit der geistigen Heimat doch anders als mit der physischen. In die letztere ist man ohne sein Zutun hineingeboren, in ihr hat man während der Jugendzeit eine Reihe von Vorstellungen instinktiv aufgenommen, von denen fortan alles unwill­kürlich beleuchtet wird. Die geistige Heimat hat man sich aber mit vollem Bewußtsein selbst gebildet. Man ur­teilt von ihr ausgehend deshalb auch in voller lichter Freiheit. Dieses Bilden einer geistigen Heimat nennt man in der Sprache der Geheimwissenschaft «eine Hütte bauen».&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das geistige Schauen auf dieser Stufe erstreckt sich zu­nächst auf die geistigen Gegenbilder der physischen Welt, soweit diese Gegenbilder in der sogenannten astralen Welt liegen. In dieser Welt befindet sich alles dasjenige, was seinem Wesen nach gleich den menschlichen Trie­ben, Gefühlen, Begierden und Leidenschaften ist. Denn zu allen den Menschen umgebenden Sinnesdingen gehören auch Kräfte, die mit diesen menschlichen verwandt sind. Ein Kristall zum Beispiel wird in seine Form gegos­sen durch Kräfte, die sich der höheren Anschauung gegen­über ausnehmen wie ein Trieb, der im Menschen wirkt. Durch ähnliche Kräfte wird der Saft durch die Gefäße der Pflanze geleitet, werden die Blüten zur Entfaltung, die Samenkapseln zum Aufspringen gebracht. Alle diese Kräfte gewinnen Form und Farbe für die entwickelten geistigen Wahrnehmungsorgane, wie die Gegenstände der physischen Welt Form und Farbe für das physische Auge haben. Der Geheimschüler sieht auf der geschilder­ten Stufe seiner Entwickelung nicht nur den Kristall, die Pflanze, sondern auch die gekennzeichneten geistigen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|167}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kräfte. Und er sieht die tierischen und menschlichen Triebe nicht nur durch die physischen Lebensäußerungen ihrer Träger, sondern auch unmittelbar als Gegenstände, wie er in der physischen Welt Tische und Stühle sieht. Die ganze Instinkt-, Trieb-, Wunsch-, Leidenschaftswelt eines Tieres oder Menschen wird zu der astralen Wolke, in welche das Wesen eingehüllt wird, zur Aura.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weiter nimmt der Hellseher auf dieser Stufe seiner Ent­wickelung auch Dinge wahr, die sich der sinnlichen Auf­fassung fast oder vollständig entziehen. Er kann zum Bei­spiel den astralen Unterschied merken zwischen einem Raume, der zum großen Teile mit niedrig gesinnten Men­schen erfüllt ist, und einem solchen, in dem hochgesinnte Personen anwesend sind. In einem Krankenhause ist nicht nur die physische, sondern auch die geistige Atmosphäre eine andere als in einem Tanzsaale. Eine Handelsstadt hat eine andere astrale Luft als ein Universitätsort. Zunächst wird das Wahrnehmungsvermögen des hellsehend gewor­denen Menschen für solche Dinge nur schwach entwickelt sein. Es wird sich zu den zuerst genannten Gegenständen so verhalten wie das Traumbewußtsein des Sinnenmen­schen zu seinem Wachbewußtsein. Aber allmählich wird er auch auf dieser Stufe voll erwachen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die höchste Errungenschaft des Hellsehers, der den charakterisierten Grad des Schauens erreicht hat, ist diejenige, auf welcher sich ihm die astralen Gegenwirkun­gen der tierischen und menschlichen Triebe und Leiden­schaften zeigen. Eine liebevolle Handlung hat eine an­dere astrale Begleiterscheinung als eine solche, die vom Hasse ausgeht. Die sinnlose Begierde stellt außer sich selbst noch ein häßliches astrales Gegenbild dar, die auf&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|168}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hohes gerichtete Empfindung dagegen ein schönes. Diese Gegenbilder sind während des physischen Menschenlebens nur schwach zu sehen. Denn ihre Stärke wird durch das Leben in der physischen Welt beeinträchtigt. Ein Wunsch nach einem Gegenstande erzeugt zum Beispiel ein solches Spiegelbild außer dem, als welches dieser Wunsch selbst in der astralen Welt erscheint. Wird aber der Wunsch durch das Erlangen des physischen Gegen­standes befriedigt oder ist wenigstens die Möglichkeit zu solcher Befriedigung vorhanden, so wird das Gegenbild nur ein sehr schwacher Schein sein. Zu seiner vollen Gel­tung gelangt es erst nach dem Tode des Menschen, wenn die Seele noch immer, ihrer Natur nach, solchen Wunsch hegen muß, ihn aber nicht mehr befriedigen kann, weil der Gegenstand und auch das physische Organ dazu fehlen. Der sinnlich veranlagte Mensch wird auch nach seinem Tode zum Beispiel die Gier nach Gaumengenuß haben. Ihm fehlt jetzt aber die Möglichkeit der Befriedigung, da er doch keinen Gaumen mehr hat. Das hat zur Folge, daß der Wunsch ein besonders heftiges Gegenbild erzeugt, von dem die Seele dann gequält wird. Man nennt diese Erfahrungen durch die Gegenbilder der niederen Seelennatur nach dem Tode die Erlebnisse im Seelenreich, be­sonders in dem Orte der Begierden. Sie schwinden erst, wenn die Seele sich geläutert hat von allen nach der phy­sischen Welt hinzielenden Begierden. Dann steigt diese Seele erst in das höhere Gebiet (Geisteswelt) auf. Wenn auch diese Gegenbilder beim noch physisch lebenden Menschen schwach sind: sie sind doch vorhanden und begleiten ihn als seine Begierden-Anlage, wie den Ko­meten sein Schweif begleitet. Und der Hellseher kann sie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|169}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sehen, wenn er die entsprechende Entwickelungsstufe er­reicht hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In solchen Erfahrungen und in allen denen, welche da­mit verwandt sind, lebt der Geheimschüler in dem Stadium, das beschrieben worden ist. Bis zu noch höheren geistigen Erlebnissen kann er es auf dieser Entwickelungs­stufe noch nicht bringen. Er muß von da an noch höher aufwärts steigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|170}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= DIE ERLANGUNG DER KONTINUITÄT DES BEWUSSTSEINS =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Leben des Menschen verläuft im Wechsel von drei Zuständen. Diese sind: Wachsein, traumerfüllter Schlaf und traumloser tiefer Schlaf. Man kann verstehen, wie man zu den höheren Erkenntnissen der geistigen Welten gelangt, wenn man sich eine Vorstellung davon bildet, was für Veränderungen in bezug auf diese drei Zustände bei demjenigen Menschen vorgehen müssen, der solche Erkenntnis suchen will. Bevor der Mensch eine Schulung für diese Erkenntnis durchgemacht hat, wird sein Bewußtsein fortwährend unterbrochen von den Ruhepausen des Schlafes. In diesen Pausen weiß die Seele nichts von der Außenwelt und auch nichts von sich selbst. Nur für gewisse Zeiten tauchen aus dem allgemeinen Meere der Bewußtlosigkeit die Träume auf, welche anknüpfen an Vorgänge der Außenwelt oder an Zustände des eigenen Leibes. Zunächst sieht man in den Träumen nur eine besondere Äußerung des Schlaflebens, und man spricht daher wohl überhaupt nur von zwei Zuständen: Schlafen und Wachen. Für die Geheimwissenschaft aber hat der Traum eine selbständige Bedeutung neben den beiden anderen Zuständen. Es ist im vorigen Kapitel beschrieben worden, welche Veränderung in dem Traumleben des Menschen vorgeht, der den Aufstieg zu höherer Erkenntnis unternimmt. Seine Träume verlieren den bedeutungslosen, unregelmäßigen und zusammenhanglosen Charakter und werden immer mehr und mehr zu einer regelerfüllten, zusammenhängenden Welt. Bei weiterer Entwickelung gibt dann diese aus der Traumwelt geborene neue Welt der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|171}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
äußeren sinnlichen Wirklichkeit nicht nur an innerer Wahrheit nichts nach, sondern in ihr offenbaren sich Tatsachen, die im vollen Sinne des Wortes eine höhere Wirklichkeit darstellen. In der sinnlichen Welt sind nämlich überall Geheimnisse und Rätsel verborgen. Diese Welt zeigt wohl die Wirkungen gewisser höherer Tatsachen; allein der Mensch, der seine Wahrnehmung bloß auf seine Sinne beschränkt, kann nicht zu den Ursachen dringen. Dem Geheimschüler offenbaren sich in dem geschilderten, aus dem Traumleben herausgebildeten, aber keineswegs etwa bei ihm stehenbleibenden Zustande diese Ursachen teilweise. Er darf ja allerdings diese Offenbarungen so lange nicht als wirkliche Erkenntnisse ansehen, als sich ihm noch nicht während des gewöhnlichen wachen Lebens dieselben Dinge zeigen. Aber auch dazu gelangt er. Er entwickelt sich dazu, den Zustand, den er erst aus dem Traumleben sich geschaffen hat, in das wache Bewußtsein herüberzunehmen. Dann ist für ihn die Sinnenwelt um etwas ganz Neues bereichert. Wie ein Mensch, der, blind geboren und operiert, nach seinem Sehendwerden die Dinge der Umgebung um all die Wahrnehmungen des Auges bereichert erkennt, so schaut der auf obige Art hellsehend gewordene Mensch die ganze ihn umgebende Welt mit neuen Eigenschaften, Dingen, Wesen und so weiter. Er braucht nunmehr nicht auf den Traum zu warten, um in einer anderen Welt zu leben, sondern er kann sich zu höherer Wahrnehmung immer, wenn es angemessen ist, in den geschilderten Zustand versetzen. Bei ihm hat dann dieser Zustand eine ähnliche Bedeutung, wie im gewöhnlichen Leben eine solche das Wahrnehmen der Dinge bei tätigen Sinnen gegenüber&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|172}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dem bei nicht tätigen Sinnen hat. Man kann eben in wahrem Sinne sagen: der Geheimschüler öffnet die Sinne seiner Seele, und er schaut die Dinge, welche den leiblichen Sinnen verborgen bleiben müssen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Zustand bildet nun nur einen Übergang zu noch höheren Stufen der Erkenntnis des Geheimschülers. Setzt dieser die ihm bei seiner Geheimschulung dienenden Übungen fort, so wird er nach angemessener Zeit finden, daß nicht nur mit seinem Traumleben die beschriebene durchgreifende Veränderung vorgeht, sondern daß sich die Verwandlung auch auf den vorher traumlosen tiefen Schlaf ausdehnt. Er merkt, daß die völlige Bewußtlosigkeit, in welcher er sich früher während dieses Schlafes Befunden hat, unterbrochen wird von vereinzelten bewußten Erlebnissen. Aus der allgemeinen Finsternis des Schlafes tauchen Wahrnehmungen von einer Art auf, die er vorher nicht gekannt hat. Es ist natürlich nicht leicht, diese Wahrnehmungen zu beschreiben, denn unsere Sprache ist ja nur für die Sinneswelt geschaffen, und man kann daher nur annähernd Worte für das finden, was gar nicht dieser Sinneswelt angehört. Doch muß man die Worte zur Beschreibung der höheren Welten zunächst verwenden. Das kann nur dadurch geschehen, daß vieles in Gleichnissen gesagt wird. Aber da alles in der Welt mit anderem verwandt ist, so kann dies auch geschehen. Die Dinge und Wesen der höheren Welten sind mit denen der Sinneswelt wenigstens so weit verwandt, daß bei gutem Willen immerhin eine Vorstellung von diesen höheren Welten auch durch die für die Sinneswelt gebräuchlichen Worte erzielt werden kann. Man muß sich nur immer dessen bewußt bleiben, daß vieles bei solchen Beschreibungen übersinnlicher&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|173}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Welten Gleichnis und Sinnbild sein muß. Die Geheimschulung selbst vollzieht sich daher nur zum Teil in den Worten der gewöhnlichen Sprache; im übrigen lernt der Schüler zu seinem Aufstieg noch eine sich wie selbstverständlich ergebende sinnbildliche Ausdrucksart. Man muß sie sich während der Geheimschulung selbst aneignen. Dies hindert aber nicht, daß man auch durch gewöhnliche Beschreibungen, wie sie hier gegeben werden, etwas über die Natur der höheren Welten erfährt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Will man eine Vorstellung geben von den obenerwähnten Erlebnissen, die zunächst aus dem Meere der Bewußtlosigkeit während des tiefen Schlafes auftauchen, so kann man sie am besten mit einer Art von Hören vergleichen. Von wahrgenommenen Tönen und Worten kann man sprechen. Wie man die Erlebnisse des Traumschlafes zutreffend als eine Art des Schauens im Vergleiche mit den Wahrnehmungen der Sinne bezeichnen kann, so lassen sich die Tatsachen des tiefen Schlafes mit den Eindrücken des Ohres vergleichen. (Als Zwischenbemerkung soll nur gesagt werden, daß das Schauen auch für die geistigen Welten das Höhere ist. Farben sind auch in dieser Welt etwas Höheres als Töne und Worte. Aber das, was der Geheimschüler von dieser Welt bei seiner Schulung zuerst wahrnimmt, sind eben noch nicht die höheren Farben, sondern die niederen Töne. Nur weil der Mensch nach seiner allgemeinen Entwickelung für die Welt schon geeigneter ist, die sich im Traumschlaf offenbart, nimmt er da sogleich die Farben wahr. Für die höhere Welt, die sich im Tiefschlaf enthüllt, ist er noch weniger geeignet. Deshalb offenbart sich diese ihm zunächst in Tönen und Worten;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|174}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
später kann er auch hier zu Farben und Formen aufsteigen.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn nun der Geheimschüler merkt, daß er solche Erlebnisse im tiefen Schlafe hat, dann ist es zunächst seine Aufgabe, sich dieselben so deutlich und klar wie möglich zu machen. Anfangs fällt das sehr schwer; denn die Wahrnehmung des in diesem Zustande Erlebten ist zunächst eine außerordentlich geringe. Man weiß nach dem Erwachen wohl, daß man etwas erlebt hat; was es aber gewesen ist, darüber bleibt man völlig im unklaren. Das Wichtigste während dieses Anfangszustandes ist, daß man ruhig und gelassen bleibt und nicht einen Augenblick in irgendwelche Unruhe und Ungeduld verfällt. Diese müßten unter allen Umständen nur schädlich wirken. Vor allem können sie die weitere Entwickelung nie beschleunigen, sondern müssen sie verzögern. Man muß sich ruhig sozusagen dem überlassen, was einem gegeben oder geschenkt wird; alles Gewaltsame muß unterbleiben. Kann man in einem Zeitpunkte Schlaferlebnisse nicht gewahr werden, so warte man geduldig, bis dieses möglich sein wird. Denn dieser Augenblick kommt gewiß einmal. Und war man vorher geduldig und gelassen, so bleibt dann die Wahrnehmungsfähigkeit ein sicherer Besitz, während sie bei einem gewaltsamen Vorgehen zwar einmal auftreten, aber sich dann wieder für längere Zeit vollständig verlieren kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ist die Wahrnehmungsfähigkeit einmal eingetreten und stehen einem die Schlaferlebnisse vollkommen klar und deutlich vor dem Bewußtsein, dann hat man auf folgendes die Aufmerksamkeit zu richten. Unter diesen Erlebnissen sind ganz genau zweierlei Arten zu unterscheiden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|175}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die eine Art wird ganz fremd sein gegenüber all dem, was man vorher jemals kennengelernt hat. An diesen Erlebnissen mag man zunächst seine Freude haben; man mag sich an ihnen erbauen; aber man lasse sie im übrigen vorläufig auf sich beruhen. Sie sind die ersten Vorboten der höheren geistigen Welt, in welcher man sich erst später zurechtfinden wird. Die andere Art von Erlebnissen aber wird dem aufmerksamen Betrachter eine gewisse Verwandtschaft mit der gewöhnlichen Welt zeigen, in welcher er lebt. Worüber er während des Lebens nachdenkt, was er begreifen möchte an den Dingen seiner Umgebung, aber mit dem gewöhnlichen Verstande nicht begreifen kann, darüber geben ihm diese Schlaferlebnisse Aufschluß. Der Mensch denkt während des Alltagslebens über das nach, was ihn umgibt. Er macht sich Vorstellungen, um den Zusammenhang der Dinge zu begreifen. Er sucht das durch Begriffe zu verstehen, was seine Sinne wahrnehmen. Auf solche Vorstellungen und Begriffe beziehen sich die Schlaferlebnisse. Was früher dunkler, schattenhafter Begriff war, gewinnt etwas Klangvolles, Lebendiges, das man eben nur mit den Tönen und Worten der Sinneswelt vergleichen kann. Es wird dem Menschen immer mehr so, wie wenn ihm die Lösung der Rätsel, über die er nachdenken muß, aus einer höheren Welt in Tönen und Worten zugeraunt würde. Und er vermag dann dasjenige, was ihm aus einer anderen Welt zukommt, mit dem gewöhnlichen Leben zu verbinden. Was vorher nur sein Gedanke erreichen konnte, ist jetzt für ihn Erlebnis, so lebendig und inhaltvoll wie nur irgendein Erlebnis der Sinneswelt sein kann. Die Dinge und Wesen dieser Sinneswelt sind eben durchaus nicht bloß&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|176}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
das, als was sie der Sinneswahrnehmung erscheinen. Sie sind der Ausdruck und Ausfluß einer geistigen Welt. Diese vorher verborgene Geisteswelt tönt jetzt für den Geheimschüler aus seiner ganzen Umgebung heraus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist leicht einzusehen, daß ein Segen in dieser höheren Wahrnehmungsfähigkeit für den Menschen nur dann liegen kann, wenn in den seelischen Sinnen, die sich ihm eröffnet haben, alles in Ordnung ist, wie ja der Mensch auch seine gewöhnlichen Sinneswerkzeuge zur wahren Beobachtung der Welt nur gebrauchen kann, wenn sie gesetzmäßig eingerichtet sind. Nun bildet sich der Mensch selbst diese höheren Sinne durch die Übungen, die ihm die Geheimschulung anweist. Zu diesen Übungen gehört die Konzentration, das ist das Richten der Aufmerksamkeit auf ganz bestimmte mit den Weltgeheimnissen zusammenhängende Vorstellungen und Begriffe. Und es gehört ferner dazu das Meditieren, das ist das Leben in solchen Ideen, das vollkommene Versenken in dieselben in vorgeschriebener Art. Durch Konzentrieren und Meditieren arbeitet der Mensch an seiner Seele. Er entwickelt dadurch in ihr die seelischen Wahrnehmungsorgane. Während er den Aufgaben der Konzentration und Meditation obliegt, wächst innerhalb seines Leibes seine Seele, wie der Kindeskeim im Leibe der Mutter wächst. Und wenn dann während des Schlafes die geschilderten einzelnen Erlebnisse eintreten, dann rückt der Moment der Geburt heran für die freigewordene Seele, die dadurch buchstäblich ein anderes Wesen geworden ist, das der Mensch in sich zur Keimung und Reifung bringt. Die Anstrengungen für das Konzentrieren und das Meditieren müssen deshalb sorgfältige sein, und sie müssen genau eingehalten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|177}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
werden, weil sie ja die Gesetze für die Keimung und das Reifwerden des gekennzeichneten höheren Menschenseelenwesens sind. Und dieses muß bei seiner Geburt ein in sich harmonischer, richtig gegliederter Organismus sein. Wird aber in den Vorschriften etwas verfehlt, so kommt nicht ein solches gesetzmäßiges Lebewesen, sondern eine Fehlgeburt auf geistigem Gebiet zustande, die nicht lebensfähig ist&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daß die Geburt dieses höheren Seelenwesens zunächst im tiefen Schlafe erfolgt, wird begreiflich erscheinen, wenn man bedenkt, daß der zarte, noch wenig widerstandsfähige Organismus bei einem etwaigen Erscheinen während des sinnlichen Alltagslebens durch die starken, harten Vorgänge dieses Lebens ja gar nicht zur Geltung kommen könnte. Seine Tätigkeit käme nicht in Betracht gegenüber der Tätigkeit des Leibes. Im Schlafe, wenn der Körper ruht, soweit seine Tätigkeit von der sinnlichen Wahrnehmung abhängt, kann die im Anfang so zarte, unscheinbare Tätigkeit der höheren Seele zum Vorschein kommen. Wieder aber muß beachtet werden, daß der Geheimschüler die Schlaferlebnisse so lange nicht als vollgültige Erkenntnisse ansehen darf, solange er nicht imstande ist, die erwachte höhere Seele auch in das Tagesbewußtsein herüberzunehmen. Ist er das imstande, so vermag er auch zwischen und innerhalb der Tageserlebnisse die geistige Welt nach ihrem Charakter wahrzunehmen, das heißt, er kann die Geheimnisse seiner Umgebung seelisch als Töne und Worte erfassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun muß man sich auf dieser Stufe der Entwickelung klarwerden, daß man es ja zunächst mit einzelnen mehr oder weniger unzusammenhängenden geistigen Erlebnissen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|178}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
zu tun hat. Man muß sich daher hüten, sich aus ihnen irgendein abgeschlossenes oder auch nur zusammenhängendes Erkenntnisgebäude aufbauen zu wollen. Da mußten sich allerlei phantastische Vorstellungen und Ideen in die Seelenwelt einmischen; und man könnte sich so sehr leicht eine Welt zusammenbauen, die mit der wirklichen geistigen gar nichts zu tun hat. Strengste Selbstkontrolle muß ja von dem Geheimschüler fortwährend geübt werden. Das richtigste ist, über die einzelnen wirklichen Erlebnisse, die man hat, immer mehr und mehr zur Klarheit zu kommen und abzuwarten, bis sich neue ergeben in völlig ungezwungener Art, die sich wie von selbst mit den schon vorhandenen verbinden. Es tritt da nämlich bei dem Geheimschüler durch die Kraft der geistigen Welt, in die er nun einmal gekommen ist, und bei Anwendung der entsprechenden Übungen eine immer mehr um sich greifende Erweiterung des Bewußtseins im tiefen Schlafe ein. Immer mehr Erlebnisse treten hervor aus der Bewußtlosigkeit und immer kleinere Strecken des Schlaflebens werden bewußtlos sein. So schließen sich dann die einzelnen Schlaferfahrungen eben immer mehr von selbst zusammen, ohne daß dieser wahre Zusammenschluß durch allerlei Kombinationen und Schlußfolgerungen gestört würde, die doch nur von dem an die Sinneswelt gewöhnten Verstande herrühren würden. Je weniger aber von den Denkgewohnheiten dieser sinnlichen Welt in unberechtigter Weise hineingemischt wird in die höheren Erlebnisse, desto besser ist es. Verhält man sich so, dann nähert man sich immer mehr und mehr derjenigen Stufe auf dem Wege zu höherer Erkenntnis, auf welcher Zustände, die vorher nur unbewußt im Schlafleben vorhanden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|179}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
waren, in vollständig bewußte umgewandelt werden. Man lebt dann, wenn der Körper ruht, ebenso in einer Wirklichkeit, wie dies beim Wachen der Fall ist. Es wird überflüssig sein, zu bemerken, daß während des Schlafes selbst zunächst man es mit einer anderen Wirklichkeit zu tun hat, als die sinnliche Umgebung ist, in welcher sich der Körper befindet. Man lernt ja und muß um fest auf dem Boden der Sinneswelt stehenzubleiben und nicht Phantast zu werden lernen, die höheren Schlaferlebnisse an die sinnliche Umgebung anzuknüpfen. Aber zunächst ist eben die im Schlaf erlebte Welt eine vollkommen neue Offenbarung. Man nennt in der Geheimwissenschaft die wichtige Stufe, die in der Bewußtheit des Schlaflebens besteht, die Kontinuität (Ununterbrochenheit) des Bewußtseins.*&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei einem Menschen, der diese Stufe erreicht hat, hört das Erleben und Erfahren in solchen Zeiten nicht auf, in denen der physische Leib ruht und der Seele keine Eindrücke durch die Sinneswerkzeuge zugeführt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- - -&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;#&amp;lt;/nowiki&amp;gt;FN010-179-* Was hier angedeutet wird, ist für eine gewisse Stufe der Entwickelung eine Art «Ideal», das am Ende eines langen Weges liegt. Was der Geheimschüler zunächst kennenlernt, sind die zwei Zustände: Bewußtsein bei einer seelischen Verfassung, in welcher ihm vorher nur regellose Träume, und in einer solchen, in der nur bewußtloser, traumloser Schlaf möglich war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|180}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= DIE SPALTUNG DER PERSÖNLICHKEIT WÄHREND DER GEISTESSCHULUNG =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während des Schlafes empfängt die menschliche Seele nicht die Mitteilungen von seiten der physischen Sinneswerkzeuge. Die Wahrnehmungen der gewöhnlichen Außenwelt fließen ihr in diesem Zustande nicht zu. Sie ist in Wahrheit in gewisser Beziehung außerhalb des Teiles der menschlichen Wesenheit, des sogenannten physischen Leibes, welcher im Wachen die Sinneswahrnehmungen und das Denken vermittelt. Sie ist dann nur in Verbindung mit den feineren Leibern (dem Ätherleib und dem Astralleib), welche sich der Beobachtung der physischen Sinne entziehen. Aber die Tätigkeit dieser feineren Leiber hört im Schlafe nicht etwa auf. So wie der physische Leib mit den Dingen und Wesen der physischen Welt in Verbindung steht, wie er von ihnen Wirkungen empfängt und auf sie wirkt, so lebt die Seele in einer höheren Welt. Und dieses Leben dauert während des Schlafes fort. Tatsächlich ist die Seele während des Schlafes in voller Regsamkeit. Nur kann der Mensch von dieser seiner eigenen Tätigkeit so lange nichts wissen, als er nicht geistige Wahrnehmungsorgane hat, durch welche er während des Schlafes ebensogut beobachten kann, was um ihn herum vorgeht und was er selber treibt, wie er das mit seinen gewöhnlichen Sinnen im Tagesleben für seine physische Umgebung kann. Die Geheimschulung besteht (wie in den vorhergehenden Kapiteln gezeigt worden ist) in der Ausbildung solcher geistigen Sinneswerkzeuge.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verwandelt sich nun durch die Geheimschulung das Schlafleben des Menschen in dem Sinne, wie es im vorigen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|181}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kapitel beschrieben worden ist, so kann er alles, was in diesem Zustande um ihn herum vorgeht, bewußt verfolgen; er kann sich willkürlich in seiner Umgebung zurechtfinden, wie das mit seinen Erlebnissen während des wachen Alltagsiebens durch die gewöhnlichen Sinne der Fall ist. Dabei ist allerdings zu beachten, daß die Wahrnehmung der gewöhnlichen sinnlichen Umgebung schon einen höheren Grad des Hellsehens voraussetzt. (Es ist darauf schon im vorigen Kapitel hingedeutet worden.) Im Beginn der Entwickelung nimmt der Geheimschüler nur Dinge wahr, die einer anderen Welt angehören, ohne deren Zusammenhang mit den Gegenständen seiner alltäglichen sinnlichen Umgebung bemerken zu können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was an so charakteristischen Beispielen des Traum- und Schlaflebens anschaulich wird, findet fortwährend beim Menschen statt. Die Seele lebt ohne Unterbrechung in höheren Welten und ist innerhalb der letzteren tätig. Sie schöpft aus diesen höheren Welten heraus die Anregungen, durch welche sie immerwährend auf den physischen Leib wirkt. Nur bleibt für den Menschen dieses sein höheres Leben unbewußt. Der Geheimschüler aber bringt es zum Bewußtsein. Dadurch wird sein Leben überhaupt ein anderes. Solange die Seele nicht im höheren Sinne sehend ist, wird sie von übergeordneten Weltwesen geführt. Und wie das Leben eines Blinden, der durch Operation sehend geworden ist, ein anderes wird, als es vorher war, da er sich auf seine Führerschaft verlassen mußte, so ändert sich das Leben des Menschen durch die Geheimschulung. Er wird der Führerschaft entwachsen und muß fortan seine Leitung selbst übernehmen. Sobald dies eintritt, ist er, wie begreiflich, Irrtümern unterworfen, von&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|182}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
denen das gewöhnliche Bewußtsein nichts ahnt. Er handelt jetzt aus einer Welt heraus, aus der ihn früher höhere Gewalten, ihm selbst unbewußt, beeinflußten. Diese höheren Gewalten sind durch die allgemeine Weltharmonie geordnet. Aus dieser Weltharmonie tritt der Geheimschüler heraus. Er hat nunmehr selbst Dinge zu tun, die vorher für ihn ohne sein Zutun vollzogen worden sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weil dies letztere der Fall ist, deshalb wird in den Schriften, die von solchen Dingen handeln, viel von den Gefahren gesprochen, welche mit dem Aufstieg in die höheren Welten verbunden sind. Die Schilderungen, die da zuweilen von solchen Gefahren gemacht werden, sind wohl geeignet, ängstliche Gemüter nur mit Schaudern auf dieses höhere Leben blicken zu lassen. Doch muß gesagt werden, daß diese Gefahren nur dann vorhanden sind, wenn die notwendigen Vorsichtsmaßregeln außer acht gelassen werden. Wenn dagegen wirklich alles beachtet wird, was wahre Geheimschulung als Ratschläge an die Hand gibt, dann erfolgt der Aufstieg zwar durch Erlebnisse hindurch, die an Gewalt und Größe alles überragen, was die kühnste Phantasie des Sinnesmenschen sich ausmalen kann; aber von einer Beeinträchtigung der Gesundheit oder des Lebens kann nicht die Rede sein. Der Mensch lernt grausige, das Leben an allen Ecken und Enden bedrohende Gewalten kennen. Es wird ihm möglich, sich selbst gewisser Kräfte und Wesen zu bedienen, welche der sinnlichen Wahrnehmung entzogen sind. Und die Versuchung ist groß, sich dieser Kräfte im Dienste eines eigenen unerlaubten Interesses zu bemächtigen oder aus mangelnder Erkenntnis der höheren Welten in irrtümlicher Weise solche Kräfte zu verwenden. Einige von solchen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|183}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
besonders bedeutsamen Erlebnissen (zum Beispiel die Begegnung mit dem «Hüter der Schwelle») sollen noch in diesen Aufsätzen geschildert werden. Aber man muß doch bedenken, daß die lebenfeindlichen Mächte auch dann vorhanden sind, wenn man sie nicht kennt. Wahr ist allerdings, daß dann deren Verhältnis zum Menschen von höheren Kräften bestimmt wird und daß dieses Verhältnis sich auch ändert, wenn der Mensch mit Bewußtsein in diese ihm vorher verborgene Welt eintritt. Aber es wird dafür auch sein eigenes Dasein gesteigert, sein Lebenskreis um ein ungeheures Feld bereichert. Eine wirkliche Gefahr liegt nur dann vor, wenn der Geheimschüler durch Ungeduld oder Unbescheidenheit sich gegenüber den Erfahrungen der höheren Welt zu früh eine gewisse Selbständigkeit beimißt, wenn er nicht abwarten kann, bis ihm die zureichende Einsicht in die übersinnlichen Gesetze wirklich zuteil wird. Auf diesem Gebiete sind eben Demut und Bescheidenheit noch viel weniger leere Worte als im gewöhnlichen Leben. Sind diese aber dem Schüler im allerbesten Sinne eigen, so kann er sicher sein, daß sich sein Aufstieg ins höhere Leben gefahrlos für alles das vollzieht, was man gewöhnlich Gesundheit und Leben nennt. Vor allen Dingen darf keine Disharmonie aufkommen zwischen den höheren Erlebnissen und den Vorgängen und Anforderungen des alltäglichen Lebens. Des Menschen Aufgabe ist durchaus auf dieser Erde zu suchen. Und wer den Aufgaben auf dieser Erde sich entziehen und in eine andere Welt flüchten will, der mag sicher sein, daß er sein Ziel nicht erreicht Aber was die Sinne wahrnehmen, ist nur ein Teil der Welt und im Geistigen liegen die Wesenheiten, welche sich in den Tatsachen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|184}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der sinnlichen Welt ausdrücken. Man soll teilhaftig werden des Geistes, damit man seine Offenbarungen in die Sinneswelt hineintragen kann. Der Mensch gestaltet die Erde um, indem er ihr einpflanzt, was er von dem Geisterlande her erkundet. Darinnen liegt seine Aufgabe. Nur weil die sinnliche Erde von der geistigen Welt abhängt, weil man wahrhaftig auf der Erde nur wirken kann, wenn man Teilhaber an jenen Welten ist, in denen die schaffenden Kräfte verborgen sind, deshalb soll man zu diesen letzteren aufsteigen wollen. Tritt man mit dieser Gesinnung an die Geheimschulung heran und weicht man keinen Augenblick von der dadurch vorgezeichneten Richtung ab, dann hat man nicht die allergeringsten Gefahren zu befürchten. Niemand sollte sich von den in Aussicht stehenden Gefahren von der Geheimschulung abhalten lassen; für einen jeden aber sollte diese Aussicht eine strenge Aufforderung sein, sich durchaus jene Eigenschaften anzueignen, welche der wahre Geheimschüler haben soll.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach diesen Voraussetzungen, die wohl alles Schreckhafte beseitigen, soll nun hier an die Schilderung einiger sogenannter «Gefahren» geschritten werden. Große Veränderungen gehen allerdings mit den obengenannten feineren Leibern beim Geheimschüler vor sich. Solche Veränderungen hängen mit gewissen Entwickelungsvorgängen der drei Grundkräfte der Seele, mit Wollen, Fühlen und Denken zusammen. Diese drei Kräfte stehen vor der Geheimschulung des Menschen in einer ganz bestimmten, durch höhere Weltgesetze geregelten Verbindung. Nicht in beliebiger Weise will, fühlt oder denkt der Mensch. Wenn zum Beispiel eine bestimmte Vorstellung im Bewußtsein auftaucht, so schließt sich an sie nach&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|185}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
natürlichen Gesetzen ein gewisses Gefühl oder es folgt auf sie ein gesetzmäßig mit ihr zusammenhängender Willensentschluß. Man betritt ein Zimmer, findet es dumpfig und öffnet die Fenster. Man hört seinen Namen rufen und folgt dem Rufe. Man wird gefragt und gibt Antwort. Man sieht ein übelriechendes Ding und bekommt ein Gefühl von Unlust. Das sind einfache Zusammenhänge zwischen Denken, Fühlen und Wollen. Wenn man aber das menschliche Leben überschaut, so wird man finden, daß sich alles in diesem Leben auf solche Zusammenhänge aufbaut. Ja, man bezeichnet das Leben eines Menschen nur dann als ein «normales», wenn man in demselben eine solche Verbindung von Denken, Fühlen und Wollen bemerkt, die in den Gesetzen der menschlichen Natur begründet liegt. Man fände es diesen Gesetzen widersprechend, wenn ein Mensch zum Beispiel beim Anblick eines übelriechenden Gegenstandes ein Lustgefühl empfände oder wenn er auf Fragen nicht antwortete. Die Erfolge, die man sich von einer richtigen Erziehung oder einem angemessenen Unterricht verspricht, beruhen darauf, daß man voraussetzt, man könne eine der menschlichen Natur entsprechende Verbindung zwischen Denken, Fühlen und Wollen beim Zögling herstellen. Wenn man diesem gewisse Vorstellungen beibringt, so tut man es in der Annahme, daß sie später mit seinen Gefühlen und Willensentschlüssen in gesetzmäßige Verbindungen eingehen. Alles das rührt davon her, daß in den feineren Seelenleibern des Menschen die Mittelpunkte der drei Kräfte, des Denkens, Fühlens und Wollens, in einer gesetzmäßigen Art miteinander verbunden sind. Und diese Verbindung in dem feineren Seelenorganismus hat auch ihr Abbild in dem groben&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|186}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
physischen Körper. Auch in diesem stehen die Organe des Wollens in einer gewissen gesetzmäßigen Verbindung mit denen des Denkens und Fühlens. Ein bestimmter Gedanke ruft regelmäßig daher ein Gefühl oder eine Willenstätigkeit hervor. Bei der höheren Entwickelung des Menschen werden nun die Fäden, welche die drei Grundkräfte miteinander verbinden, unterbrochen. Zuerst geschieht diese Unterbrechung nur in dem charakterisierten feineren Seelenorganismus; bei noch höherem Aufstieg aber erstreckt sich die Trennung auch auf den physischen Körper. (Es zerfällt bei der höheren geistigen Entwickelung des Menschen tatsächlich zum Beispiel sein Gehirn in drei voneinander getrennte Glieder. Die Trennung ist allerdings eine solche, daß sie für die gewöhnliche sinnliche Anschauung nicht wahrnehmbar und auch durch die schärfsten sinnlichen Instrumente nicht nachweisbar ist. Aber sie tritt ein, und der Hellseher hat Mittel, sie zu beobachten. Das Gehirn des höheren Hellsehers zerfällt in drei selbständig wirkende Wesenheiten: das Denk-, Fühl- und Willensgehirn.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Organe des Denkens, Fühlens und Wollens stehen sodann ganz frei für sich da. Und ihre Verbindung wird nunmehr durch keine ihnen selbst eingepflanzten Gesetze hergestellt, sondern muß durch das erwachte höhere Bewußtsein des Menschen selbst besorgt werden. Das ist nämlich die Veränderung, welche der Geheimschüler an sich bemerkt, daß kein Zusammenhang zwischen einer Vorstellung und einem Gefühl oder einem Gefühl und einem Willensentschluß und so weiter sich einstellt, wenn er nicht selbst einen solchen schafft. Kein Antrieb führt ihn von einem Gedanken zu einer Handlung, wenn er&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|187}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
diesen Antrieb nicht frei in sich bewirkt. Er kann nunmehr völlig gefühllos vor einer Tatsache stehen, die ihm vor seiner Schulung glühende Liebe oder ärgsten Haß eingeflößt hat; er kann untätig bleiben bei einem Gedanken, der ihn vorher zu einer Handlung wie von selbst begeistert hat. Und er kann Taten verrichten aus Willensentschlüssen heraus, für welche bei einem nicht durch die Geheimschulung hindurchgegangenen Menschen auch nicht die geringste Veranlassung vorliegt. Die große Errungenschaft, welche dem Geheimschüler zuteil wird, ist, daß er die vollkommene Herrschaft erlangt über das Zusammenwirken der drei Seelenkräfte; aber dieses Zusammenwirken wird dafür auch vollständig in seine eigene Verantwortlichkeit gestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst durch diese Umwandlung seines Wesens kann der Mensch in bewußte Verbindung treten mit gewissen übersinnlichen Kräften und Wesenheiten. Denn es haben seine eigenen Seelenkräfte zu gewissen Grundkräften der Welt entsprechende Verwandtschaft. Die Kraft zum Beispiel, die im Willen liegt, kann auf bestimmte Dinge und Wesenheiten der höheren Welt wirken und diese auch wahrnehmen. Aber sie kann das erst dann, wenn sie frei geworden ist von ihrer Verbindung mit dem Fühlen und Denken innerhalb der Seele. Sobald diese Verbindung gelöst ist, tritt die Wirkung des Willens nach außen hervor. Und so ist es auch mit den Kräften des Denkens und Fühlens. Wenn mir ein Mensch ein Haßgefühl zusendet, so ist dieses für den Hellseher sichtbar als eine feine Licht-Wolke von bestimmter Färbung. Und ein solcher Hellseher kann dieses Haßgefühl abwehren, wie der Sinnes-Mensch einen physischen Schlag abwehrt, der gegen ihn&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|188}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
geführt wird. Der Haß wird in der übersinnlichen Welt eine anschaubare Erscheinung. Aber nur dadurch kann ihn der Hellseher wahrnehmen, daß er die Kraft, die in seinem Gefühle liegt, nach außen zu senden vermag, wie der Sinnesmensch die Empfänglichkeit seines Auges nach außen richtet. Und so wie mit dem Haß ist es mit weit bedeutungsvolleren Tatsachen der sinnlichen Welt. Der Mensch kann mit ihnen in bewußten Verkehr treten durch die Freilegung der Grundkräfte seiner Seele.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch die geschilderte Trennung der Kräfte des Denkens, Fühlens und Wollens ist nun, bei Außerachtlassung der geheimwissenschaftlichen Vorschriften, eine dreifache Verirrung auf dem Entwickelungsgange des Menschen möglich. Eine solche kann eintreten, wenn die Verbindungsbahnen zerstört werden, bevor das höhere Bewußtsein mit seiner Erkenntnis so weit ist, daß es die Zügel, die ein freies harmonisches Zusammenwirken der getrennten Kräfte herstellen, ordentlich zu führen vermag. Denn in der Regel sind nicht alle drei Grundkräfte des Menschen in einem bestimmten Lebensabschnitt gleich weit in ihrer Entwickelung vorgeschritten. Bei dem einen Menschen ist das Denken dem Fühlen und Wollen vorangeschritten, bei einem zweiten hat eine andere Kraft die Oberhand über ihre Genossen. Solange nun der durch die höheren Weltgesetze hergestellte Zusammenhang der Kräfte aufrechterhalten bleibt, kann durch das Hervorstechen der einen oder der anderen keine im höheren Sinne störende Unregelmäßigkeit eintreten. Beim Willensmenschen zum Beispiel wirken Denken und Gefühl durch jene Gesetze doch ausgleichend, und sie verhindern, daß der überwiegende Wille in besondere Ausartungen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|189}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
verfällt. Tritt ein solcher Willensmensch aber in die Geheimschulung ein, so hört der gesetzmäßige Einfluß von Gefühl und Gedanke auf den zu ungeheuren Kraftleistungen unausgesetzt drängenden Willen vollständig auf. Ist dann der Mensch in der vollkommenen Beherrschung des höheren Bewußtseins nicht so weit, daß er selbst die Harmonie hervorrufen kann, so geht der Wille seine eigenen zügellosen Wege. Er überwältigt fortwährend seinen Träger. Gefühl und Denken fallen einer vollkommenen Machtlosigkeit anheim; der Mensch wird durch die ihn sklavisch beherrschende Willensmacht gepeitscht. Eine Gewaltnatur, die von einer zügellosen Handlung zur anderen schreitet, ist entstanden. Ein zweiter Abweg entsteht, wenn das Gefühl in einer maßlosen Art sich von den gesetzmäßigen Zügeln befreit. Eine zur Verehrung anderer Menschen neigende Person kann sich dann in grenzenlose Abhängigkeit bis zum Verluste jedes eigenen Willens und Gedankens begeben. Statt höherer Erkenntnis ist dann die erbarmungswürdigste Aushöhlung und Kraftlosigkeit das Los einer solchen Persönlichkeit. Oder es kann bei solch überwiegendem Gefühlsleben eine zu Frömmigkeit und religiöser Erhebung neigende Natur in eine sie ganz hinreißende Religionsschwelgerei verfallen. Das dritte Übel bildet sich, wenn das Denken überwiegt. Dann tritt eine lebensfeindliche, in sich verschlossene Beschaulichkeit auf. Für solche Menschen scheint dann die Welt nur mehr insoweit Bedeutung zu haben, als sie ihnen Gegenstände liefert zur Befriedigung ihrer ins Grenzenlose gesteigerten Weisheitsgier. Sie werden durch keinen Gedanken zu einer Handlung oder einem Gefühl angeregt. Sie treten überall als teilnahmslose, kalte Naturen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|190}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
auf. Jede Berührung mit Dingen der alltäglichen Wirklichkeit fliehen sie wie etwas, das ihnen Ekel erregt oder das wenigstens für sie alle Bedeutung verloren hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das sind die drei Irrpfade, auf welche der Geheimschüler geraten kann: das Gewaltmenschentum, die Gefühlsschwelgerei, das kalte, lieblose Weisheitsstreben. Für eine äußerliche Betrachtungsweise auch für die materialistische der Schulmedizin unterscheidet sich das Bild eines solchen auf Abwegen befindlichen Menschen, vor allen Dingen dem Grade nach, nicht viel von demjenigen eines Irrsinnigen oder wenigstens einer schwer «nervenkranken Person». Ihnen darf natürlich der Geheimschüler nicht gleichen. Es kommt bei ihm darauf an, daß Denken, Fühlen, Wollen, die drei Grundkräfte der Seele, eine harmonische Entwickelung durchgemacht haben, bevor sie aus der ihnen eingepflanzten Verbindung gelöst und dem erwachten höheren Bewußtsein unterstellt werden können. Denn ist einmal der Fehler geschehen, ist eine Grundkraft der Zügellosigkeit anheimgefallen, so tritt die höhere Seele zunächst als eine Fehlgeburt zutage. Die ungebändigte Kraft füllt dann die ganze Persönlichkeit des Menschen aus; und für lange ist nicht daran zu denken, daß alles wieder ins Gleichgewicht kommt. Was als eine harmlose Charakterveranlagung erscheint, solange der Mensch ohne Geheimschulung ist, nämlich ob er eine Willens-, Gefühls- oder Denkernatur ist, das steigert sich beim Geheimschüler so, daß sich das zum Leben notwendige Allgemeinmenschliche demgegenüber ganz verliert. Zu einer wirklich ernsten Gefahr wird das allerdings erst in dem Augenblicke, in welchem der Schüler die Fähigkeit erlangt, Erlebnisse wie im Schlafbewußtsein&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|191}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
so auch im wachen Zustande vor sich zu haben. Solange es bei der bloßen Erhellung der Schlafpausen verbleibt, wirkt während des Wachzustandes das von den allgemeinen Weltgesetzen geregelte Sinnesleben immer wieder ausgleichend auf das gestörte Gleichgewicht der Seele zurück. Deshalb ist es so notwendig, daß das Wachleben des Geheimschülers in jeder Richtung ein regelmäßiges, gesundes sei. Je mehr er den Anforderungen entspricht, welche die äußere Welt an eine gesunde, kräftige Gestaltung von Leib, Seele und Geist stellt, desto besser ist es für ihn. Schlimm dagegen kann es für ihn werden, wenn das alltägliche Wachleben aufregend oder aufreibend auf ihn wirkt, wenn also zu den größeren Veränderungen, die in seinem Innern vorgehen, irgendwelche zerstörende oder hemmende Einflüsse des äußeren Lebens hinzutreten. Er soll alles aufsuchen, was seinen Kräften entsprechend ist und was ihn in ein ungestörtes, harmonisches Zusammenleben mit seiner Umgebung hineinbringt. Und er soll alles vermeiden, was dieser Harmonie Eintrag tut, was Unruhe und Hast in sein Leben bringt. Dabei kommt es weniger darauf an, diese Unruhe und Hast sich in einem äußerlichen Sinne abzuwälzen, als vielmehr darauf, zu sorgen, daß die Stimmung, die Absichten und Gedanken und die Gesundheit des Leibes darunter nicht fortwährenden Schwankungen ausgesetzt werden. All das fällt dem Menschen während seiner Geheimschulung nicht so leicht wie vorher. Denn die höheren Erlebnisse, die nunmehr in sein Leben hineinspielen, wirken ununterbrochen auf sein ganzes Dasein. Ist innerhalb dieser höheren Erlebnisse etwas nicht in Ordnung, so lauert die Unregelmäßigkeit unausgesetzt und kann ihn bei jeder Gelegenheit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|192}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
aus den geordneten Bahnen herauswerfen. Deshalb darf der Geheimschüler nichts unterlassen, was ihm stets die Herrschaft über sein ganzes Wesen sichert. Nie sollte ihm Geistesgegenwart oder ein ruhiges Überblicken aller in Betracht kommenden Situationen des Lebens mangeln. Aber eine echte Geheimschulung erzeugt im Grunde alle diese Eigenschaften durch sich selbst. Und man lernt während einer solchen die Gefahren nur kennen, indem man zugleich in den richtigen Augenblicken die volle Macht erlangt, sie aus dem Felde zu schlagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|193}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= DER HÜTER DER SCHWELLE =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wichtige Erlebnisse beim Erheben in die höheren Welten sind die Begegnungen mit dem «Hüter der Schwelle». Es gibt nicht nur einen, sondern im wesentlichen zwei, einen «kleineren» und einen «größeren» «Hüter der Schwelle». Dem ersteren begegnet der Mensch dann, wenn sich die Verbindungsfäden zwischen Willen, Denken und Fühlen innerhalb der feineren Leiber (des Astral- und Ätherleibes) so zu lösen beginnen, wie das im vorigen Kapitel gekennzeichnet worden ist. Dem «größeren Hüter der Schwelle» tritt der Mensch gegenüber, wenn sich die Auflösung der Verbindungen auch auf die physischen Teile des Leibes (namentlich zunächst das Gehirn) erstreckt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der «kleinere Hüter der Schwelle» ist ein selbständiges Wesen. Dieses ist für den Menschen nicht vorhanden, bevor die entsprechende Entwickelungsstufe von ihm erreicht ist. Nur einige der wesentlichsten Eigentümlichkeiten desselben können hier verzeichnet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es soll zunächst versucht werden, in erzählender Form die Begegnung des Geheimschülers mit dem Hüter der Schwelle darzustellen. Erst durch diese Begegnung wird der Schüler gewahr, daß Denken, Fühlen und Wollen bei ihm sich aus ihrer ihnen eingepflanzten Verbindung gelöst haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein allerdings schreckliches, gespenstisches Wesen steht vor dem Schüler. Dieser hat alle Geistesgegenwart und alles Vertrauen in die Sicherheit seines Erkenntnisweges notwendig, die er sich während seiner bisherigen Geheimschülerschaft aber hinlänglich aneignen konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|194}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der «Hüter» gibt seine Bedeutung etwa in folgenden Worten kund: «Über dir walteten bisher Mächte, welche dir unsichtbar waren. Sie bewirkten, daß während deiner bisherigen Lebensläufe jede deiner guten Taten ihren Lohn und jede deiner üblen Handlungen ihre schlimmen Folgen hatten. Durch ihren Einfluß baute sich dein Charakter aus deinen Lebenserfahrungen und aus deinen Gedanken auf. Sie verursachten dein Schicksal. Sie bestimmten das Maß von Lust und Schmerz, das dir in einer deiner Verkörperungen zugemessen war, nach deinem Verhalten in früheren Verkörperungen. Sie herrschten über dir in Form des allumfassenden Karmagesetzes. Diese Mächte werden nun einen Teil ihrer Zügel von dir loslösen. Und etwas von der Arbeit, die sie an dir getan haben, mußt du nun selbst tun. Dich traf bisher mancher schwere Schicksalsschlag. Du wußtest nicht warum? Es war die Folge einer schädlichen Tat in einem deiner vorhergehenden Lebensläufe. Du fandest Glück und Freude und nahmest sie hin. Auch sie waren die Wirkung früherer Taten. Du hast in deinem Charakter manche schöne Seiten, manche häßliche Flecken. Du hast beides selbst verursacht durch vorhergehende Erlebnisse und Gedanken. Du hast bisher die letzteren nicht gekannt; nur die Wirkungen waren dir offenbar. Sie aber, die karmischen Mächte, sahen alle deine vormaligen Lebenstaten, deine verborgensten Gedanken und Gefühle. Und sie haben danach bestimmt, wie du jetzt bist und wie du jetzt lebst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun aber sollen dir selbst offenbar werden alle die guten und alle die schlimmen Seiten deiner vergangenen Lebensläufe. Sie waren bis jetzt in deine eigene Wesenheit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|195}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
hineinverwoben, sie waren in dir, und du konntest sie nicht sehen, wie du physisch dein eigenes Gehirn nicht sehen kannst. Jetzt aber lösen sie sich von dir los, sie treten aus deiner Persönlichkeit heraus. Sie nehmen eine selbständige Gestalt an, die du sehen kannst, wie du die Steine und Pflanzen der Außenwelt siehst. Und ich bin es selbst, die Wesenheit, die sich einen Leib gebildet hat aus deinen edlen und deinen üblen Verrichtungen. Meine gespenstige Gestalt ist aus dem Kontobuche deines eigenen Lebens gewoben. Unsichtbar hast du mich bisher in dir selbst getragen. Aber es war wohltätig für dich, daß es so war. Denn die Weisheit deines dir verborgenen Geschickes hat deshalb auch bisher an der Auslöschung der häßlichen Flecken in meiner Gestalt in dir gearbeitet. Jetzt, da ich aus dir herausgetreten bin, ist auch diese verborgene Weisheit von dir gewichen. Sie wird sich fernerhin nicht mehr um dich kümmern. Sie wird die Arbeit dann nur in deine eigenen Hände legen. Ich muß zu einer in sich vollkommenen, herrlichen Wesenheit werden, wenn ich nicht dem Verderben anheimfallen soll. Und geschähe das letztere, so würde ich auch dich selbst mit mir hinabziehen in eine dunkle, verderbte Welt. Deine eigene Weisheit muß nun, wenn das letztere verhindert werden soll, so groß sein, daß sie die Aufgabe jener von dir gewichenen verborgenen Weisheit übernehmen kann. Ich werde, wenn du meine Schwelle überschritten hast, keinen Augenblick mehr als dir sichtbare Gestalt von deiner Seite weichen. Und wenn du fortan Unrichtiges tust oder denkst, so wirst du sogleich deine Schuld als eine häßliche, dämonische Verzerrung an dieser meiner Gestalt wahrnehmen. Erst wenn du all dein&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|196}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
vergangenes Unrichtiges gutgemacht und dich so geläutert hast, daß dir weiter Übles ganz unmöglich ist, dann wird sich mein Wesen in leuchtende Schönheit verwandelt haben. Und dann werde ich mich zum Heile deiner ferneren Wirksamkeit wieder mit dir zu einem Wesen vereinigen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Meine Schwelle aber ist gezimmert aus einem jeglichen Furchtgefühl, das noch in dir ist, und aus einer jeglichen Scheu vor der Kraft, die volle Verantwortung für all dein Tun und Denken selbst zu übernehmen. Solange du noch irgendeine Furcht vor der selbsteigenen Lenkung deines Geschickes hast, so lange ist in diese Schwelle nicht alles hineingebaut, was sie erhalten muß. Und solange ihr ein einziger Baustein noch fehlt, so lange müßtest du wie gebannt an dieser Schwelle stehenbleiben oder stolpern. Versuche nicht früher diese Schwelle zu überschreiten, bis du ganz frei von Furcht und bereit zu höchster Verantwortlichkeit dich fühlst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bisher trat ich nur aus deiner eigenen Persönlichkeit heraus, wenn der Tod dich von einem irdischen Lebenslauf abberief. Aber auch da war meine Gestalt dir verschleiert. Nur die Schicksalsmächte, welche über dir walteten, sahen mich und konnten, nach meinem Aussehen, in den Zwischenpausen zwischen dem Tode und einer neuen Geburt, dir Kraft und Fähigkeit ausbilden, damit du in einem neuen Erdenleben an der Verschönerung meiner Gestalt zum Heile deines Fortkommens arbeiten konntest. Ich selbst war es auch, dessen Unvollkommenheit die Schicksalsmächte immer wieder dazu zwang, dich in eine neue Verkörperung auf die Erde zurückzuführen. Starbest du, so war ich da; und meinetwegen bestimmten die Lenker&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|197}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
des Karma deine Wiedergeburt. Erst wenn du durch immer wieder erneuerte Leben in dieser Art mich unbewußt ganz zur Vollkommenheit umgeschaffen gehabt hättest, wärest du nicht den Todesmächten verfallen, sondern du hättest dich ganz mit mir vereint und wärest in Einheit mit mir in die Unsterblichkeit hinübergegangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So stehe ich heute sichtbar vor dir, wie ich stets unsichtbar neben dir in der Sterbestunde gestanden habe. Wenn du meine Schwelle überschritten haben wirst, so betrittst du die Reiche, die du sonst nach dem physischen Tode betreten hast. Du betrittst sie mit vollem Wissen und wirst fortan, indem du äußerlich sichtbar auf Erden wandelst, zugleich im Reiche des Todes, das ist aber im Reiche des ewigen Lebens, wandeln. Ich bin wirklich auch der Todesengel; aber ich, ich bin zugleich der Bringer eines nie versiegenden höheren Lebens. Beim lebendigen Leibe wirst du durch mich sterben, um die Wiedergeburt zum unzerstörbaren Dasein zu erleben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Reich, das du nunmehr betrittst, wird dich bekannt machen mit Wesen übersinnlicher Art. Die Seligkeit wird dein Anteil in diesem Reiche sein. Aber die erste Bekanntschaft mit dieser Welt muß ich selbst sein, ich, der ich dein eigenes Geschöpf bin. Früher lebte ich von deinem eigenen Leben; aber jetzt bin ich durch dich zu einem eigenen Dasein erwacht und stehe vor dir als sichtbares Richtmaß deiner künftigen Taten, vielleicht auch als dein immerwährender Vorwurf. Du konntest mich schaffen; aber du hast damit auch zugleich die Pflicht übernommen, mich umzuschaffen.»&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was hier, in eine Erzählung gekleidet, angedeutet ist, hat man sich nicht etwa als etwas Sinnbildliches vorzustellen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|198}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sondern als ein im höchsten Grade wirkliches Erlebnis des Geheimschülers.*&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Hüter soll ihn warnen, ja nicht weiter zu gehen, wenn er nicht die Kraft in sich fühlt, den Forderungen zu entsprechen, die in der obigen Anrede enthalten sind. So schrecklich die Gestalt dieses Hüters auch ist, sie ist doch nur die Wirkung des eigenen vergangenen Lebens des Schülers, ist nur sein eigener Charakter, zu selbständigem Lehen außer ihm erweckt. Und diese Erweckung geschieht durch die Auseinanderlösung von Wille, Denken und Gefühl. Schon das ist ein Erlebnis von tief bedeutungsvoller Art, daß man zum ersten Male fühlt, man habe einem geistigen Wesen selbst den Ursprung gegeben. Es muß nun die Vorbereitung des Geheimschülers dahin zielen, daß er ohne eine jegliche Scheu den schrecklichen Anblick aushält und daß er im Augenblicke der Begegnung seine Kraft wirklich so gewachsen fühlt, daß er es auf sich nehmen kann, die Verschönung des «Hüters» mit vollem Wissen auf sich zu laden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- - -&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;#&amp;lt;/nowiki&amp;gt;FN010-198-* Es ist aus obigem klar, daß der geschilderte «Hüter der Schwelle» eine solche (astrale) Gestalt ist, welche dem erwachenden höheren Schauen des Geheimschülers sich offenbart. Und zu dieser übersinnlichen Begegnung führt die Geheimwissenschaft. Es ist eine Verrichtung niederer Magie, den «Hüter der Schwelle» auch sinnlich sichtbar zu machen. Dabei handelte es sich um die Herstellung einer Wolke feinen Stoffes, eines Räucherwerkes, das aus einer Reibe von Stoffen in bestimmter Mischung hergestellt wird. Die entwickelte Kraft des Magiers ist dann imstande, gestaltend auf das Räucherwerk zu wirken und dessen Substanz mit dem noch unausgeglichenen Karma des Menschen zu beleben. Wer genügend vorbereitet für das höhere Schauen ist, braucht dergleichen sinnliche Anschauung nicht mehr; und wem sein noch unausgeglichenes Karma ohne genügende Vorbereitung als sinnlich lebendiges Wesen vor Augen träte, der liefe Gefahr, in schlimme Abwege zu geraten. Er sollte nicht danach streben. In Bulwers «Zanoni» wird romanhaft eine Darstellung dieses «Hüters der Schwelle» gegeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|199}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Folge der glücklich überstandenen Begegnung mit dem «Hüter der Schwelle» ist, daß der nächste physische Tod dann für den Geheimschüler ein ganz anderes Ereignis ist, als vorher die Tode waren. Er erlebt bewußt das Sterben, indem er den physischen Körper ablegt, wie man ein Kleid ablegt, das abgenutzt oder vielleicht auch durch einen plötzlichen Riß unbrauchbar geworden ist. Dieser sein physischer Tod ist dann sozusagen eine erhebliche Tatsache nur für die anderen, welche mit ihm leben und die mit ihren Wahrnehmungen noch ganz auf die Sinnenwelt beschrankt sind. Für sie «stirbt» der Geheimschüler. Für ihn ändert sich nichts von Bedeutung in seiner ganzen Umgebung. Die ganze übersinnliche Welt, in die er eingetreten ist, stand vor dem Tode schon in entsprechender Art vor ihm, und dieselbe Welt wird auch nach dem Tode vor ihm stehen. Nun hängt der «Hüter der Schwelle» aber noch mit anderem zusammen. Der Mensch gehört einer Familie, einem Volke, einer Rasse an; sein Wirken in dieser Welt hängt von seiner Zugehörigkeit zu einer solchen Gesamtheit ab. Auch sein besonderer Charakter steht damit im Zusammenhange. Und das bewußte Wirken der einzelnen Menschen ist keineswegs alles, womit man bei einer Familie, einem Stamme, Volke, einer Rasse zu rechnen hat. Es gibt ein Familien-, Volks- (und so weiter) Schicksal, wie es einen Familien-, Rassen- (und so weiter) Charakter gibt. Für den Menschen, der auf seine Sinne beschränkt ist, bleiben diese Dinge allgemeine Begriffe, und der materialistische Denker in seinem Vorurteil wird verächtlich auf den Geheimwissenschafter herabsehen, wenn er hört, daß für diesen letzteren der Familien- oder der Volkscharakter, das&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|200}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stammes- oder Rassenschicksal ebenso wirklichen Wesen zukommen, wie der Charakter und das Schicksal des einzelnen Menschen einer wirklichen Persönlichkeit zukommen. Der Geheimwissenschafter lernt eben höhere Welten kennen, von denen die einzelnen Persönlichkeiten ebenso Glieder sind, wie Arme, Beine und Kopf Glieder des Menschen sind. Und in dem Leben einer Familie, eines Volkes, einer Rasse wirken außer den einzelnen Menschen auch die ganz wirklichen Familienseelen, Volksseelen, Rassengeister. Ja, in einem gewissen Sinne sind die einzelnen Menschen nur die ausführenden Organe dieser Familienseelen, Rassengeister und so weiter. In voller Wahrheit kann man davon sprechen, daß sich zum Beispiel eine Volksseele des einzelnen zu ihrem Volke gehörigen Menschen bedient, um gewisse Arbeiten auszuführen. Die Volksseele steigt nicht bis zur sinnlichen Wirklichkeit herab. Sie wandelt in höheren Welten. Und um in der physisch-sinnlichen Welt zu wirken, bedient sie sich der physischen Organe des einzelnen Menschen. Es ist in einem höheren Sinne gerade so, wie wenn sich ein Bautechniker zur Ausführung der Einzelheiten des Baues der Arbeiter bedient. Jeder Mensch erhält im wahrsten Sinne des Wortes seine Arbeit von der Familien-, Volks- oder Rassenseele zugeteilt nun wird der Sinnesmensch jedoch keineswegs in den höheren Plan seiner Arbeit eingeweiht. Er arbeitet unbewußt an den Zielen der Volks-, Rassenseelen und so weiter mit. Von dem Zeitpunkte an, wo der Geheimschüler dem Hüter der Schwelle begegnet, hat er nicht bloß seine eigenen Aufgaben als Persönlichkeit zu kennen, sondern er muß wissentlich mitarbeiten an denen seines Volkes, seiner Rasse. Jede Erweiterung seines&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|201}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gesichtskreises legt ihm unbedingt auch erweiterte Pflichten auf. Der wirkliche Vorgang dabei ist der, daß der Geheimschüler seinem feineren Seelenkörper einen neuen hinzufügt. Er zieht ein Kleid mehr an. Bisher schritt er durch die Welt mit den Hüllen, welche seine Persönlichkeit einkleiden. Und was er für seine Gemeinsamkeit, für sein Volk, seine Rasse und so weiter zu tun hatte, dafür sorgten die höheren Geister, die sich seiner Persönlichkeit bedienten. Eine weitere Enthüllung, die ihm nun der «Hüter der Schwelle» macht, ist die, daß fernerhin diese Geister ihre Hand von ihm abziehen werden. Er muß aus der Gemeinsamkeit ganz heraustreten. Und er würde sich als einzelner vollständig in sich verhärten, er würde dem Verderben entgegengehen, wenn er nun nicht selbst sich die Kräfte erwürbe, welche den Volks- und Rassengeistern eigen sind. Zwar werden viele Menschen sagen: «Oh, ich habe mich ganz frei gemacht von allen Stammes- und Rassenzusammenhängen; ich will nur «Mensch» und «nichts als Mensch» sein.» Ihnen muß man aber sagen: Wer hat dich zu dieser Freiheit gebracht? Hat dich nicht deine Familie so hineingestellt in die Welt, wie du jetzt darinnen stehst? Hat dich nicht dein Stamm, dein Volk, deine Rasse zu dem gemacht, was du bist? Sie haben dich erzogen; und wenn du über alle Vorurteile erhaben, einer der Lichtbringer und Wohltäter deines Stammes oder selbst deiner Rasse bist, du verdankst das ihrer Erziehung. Ja, auch wenn du von dir sagst, du seiest «nichts als Mensch»: selbst daß du so geworden bist, verdankst du den Geistern deiner Gemeinschaften. Erst der Geheimschüler lernt erkennen, was es heißt, ganz verlassen sein von Volks-, Stammes-, Rassengeistern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|202}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst er erfährt an sich selbst die Bedeutungslosigkeit aller solcher Erziehung für das Leben, das ihm nun bevorsteht. Denn alles, was an ihm herangezogen ist, löst sich vollständig auf durch das Zerreißen der Fäden zwischen Wille, Denken und Gefühl. Er blickt auf die Ergebnisse aller bisherigen Erziehung zurück, wie man auf ein Haus blicken müßte, das in seinen einzelnen Ziegelsteinen auseinanderbröckelt und das man nun in neuer Form wieder aufbauen muß. Es ist wieder mehr als ein bloßes Sinnbild, wenn man sagt: Nachdem der «Hüter der Schwelle» über seine ersten Forderungen sich ausgesprochen hat, dann erhebt sich von dem Orte aus, an dem er steht, ein Wirbelwind, der all die geistigen Leuchten zum Verlöschen bringt, die bisher den Lebensweg erhellt haben. Und eine völlige Finsternis breitet sich vor dem Geheimschüler aus. Sie wird nur unterbrochen von dem Schein, den der «Hüter der Schwelle» selbst ausstrahlt. Und aus der Dunkelheit heraus ertönen seine weiteren Ermahnungen: «Überschreite meine Schwelle nicht, bevor du dir klar bist, daß du die Finsternis vor dir selbst durchleuchten wirst; tue auch nicht einen einzigen Schritt vorwärts, wenn es dir nicht zur Gewißheit geworden ist, daß du Brennstoff genug in deiner eigenen Lampe hast. Die Lampen von Führern, welche du bisher hattest, werden dir in der Zukunft fehlen.» Nach diesen Worten hat der Schüler sich umzuwenden und den Blick nach hinten zu wenden. Der «Hüter der Schwelle» zieht nunmehr einen Vorhang hinweg, der bisher tiefe Lebensgeheimnisse verhüllt hat. Die Stammes-, Volks- und Rassengeister werden in ihrer vollen Wirksamkeit offenbar; und der Schüler sieht ebenso genau, wie er bisher geführt worden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|203}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ist, als ihm anderseits klar wird, daß er nunmehr diese Führerschaft nicht mehr haben wird. Dies ist eine zweite Warnung, welche der Mensch an der Schwelle durch ihren Hüter erlebt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unvorbereitet könnte den hier angedeuteten Anblick allerdings niemand ertragen; aber die höhere Schulung, welche dem Menschen überhaupt möglich macht, bis zur Schwelle vorzudringen, setzt ihn zugleich in die Lage, im entsprechenden Augenblicke die notwendige Kraft zu finden. Ja, diese Schulung kann eine so harmonische sein, daß dem Eintritt in das neue Leben jeder erregende oder tumultuarische Charakter genommen wird. Dann wird für den Geheimschüler das Erlebnis an der Schwelle von einem Vorgefühl jener Seligkeit begleitet sein, welche den Grundton seines neu erwachten Lebens bilden wird. Die Empfindung der neuen Freiheit wird alle anderen Gefühle überwiegen; und mit dieser Empfindung werden ihm die neuen Pflichten und die neue Verantwortung wie etwas erscheinen, das der Mensch auf einer Stufe des Lebens übernehmen muß.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|204}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= LEBEN UND TOD. DER GROSSE HÜTER DER SCHWELLE =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist geschildert worden, wie bedeutsam für den Menschen die Begegnung mit dem sogenannten kleineren Hüter der «Schwelle» dadurch ist, daß er in diesem ein übersinnliches Wesen gewahr wird, das er gewissermaßen selbst hervorgebracht hat. Der Leib dieses Wesens ist zusammengesetzt aus den ihm vorher unsichtbaren Folgen seiner eigenen Handlungen, Gefühle und Gedanken. Aber diese unsichtbaren Kräfte sind die Ursachen geworden seines Schicksals und seines Charakters. Es wird nunmehr dem Menschen klar, wie er in der Vergangenheit selbst die Grundlagen für seine Gegenwart gelegt hat. Sein Wesen steht dadurch bis zu einem gewissen Grade offenbar vor ihm. Es sind zum Beispiel bestimmte Neigungen und Gewohnheiten in ihm. Jetzt kann er sich klarmachen, warum er diese hat. Gewisse Schicksalsschläge haben ihn getroffen; nun erkennt er, woher diese kommen. Er wird gewahr, weshalb er das eine liebt, das andere haßt, warum er durch dies oder jenes glücklich oder unglücklich ist. Das sichtbare Leben wird ihm durch die unsichtbaren Ursachen verständlich. Auch die wesentlichen Lebenstatsachen, Krankheit und Gesundheit, Tod und Geburt, entschleiern sich vor seinen Blicken. Er merkt, daß er vor seiner Geburt die Ursachen gewoben hat, die ihn notwendig wieder ins Leben hereinführen mußten. Er kennt nunmehr die Wesenheit in sich, welche in dieser sichtbaren Welt aufgebaut ist auf eine unvollkommene Art und die auch nur in derselben sichtbaren Welt ihrer Vollkommenheit zugeführt werden kann. Denn&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|205}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
in keiner anderen Welt gibt es eine Gelegenheit, an dem Ausbau dieser Wesenheit zu arbeiten. Und ferner sieht er ein, daß der Tod ihn zunächst nicht für immer von dieser Welt trennen kann. Denn er muß sich sagen: «Ich bin dereinst zum ersten Male in diese Welt gekommen, weil ich damals ein solches Wesen war, welches das Leben in dieser Welt brauchte, um sich Eigenschaften zu erwerben, die es sich in keiner anderen Welt hätte erwerben können. Und ich muß so lange mit dieser Welt verbunden sein, bis ich alles in mir entwickelt habe, was in ihr gewonnen werden kann. Ich werde dereinst nur dadurch ein tauglicher Mitarbeiter in einer anderen Welt werden, daß ich mir in der sinnlich sichtbaren alle die Fähigkeiten dazu erwerbe.» Es gehört nämlich zu den wichtigsten Erlebnissen des Eingeweihten, daß er die sinnlich sichtbare Natur in ihrem wahren Werte besser kennen und schätzen lernt, als er dies vor seiner Geistesschulung konnte. Diese Erkenntnis wird ihm gerade durch seinen Einblick in die übersinnliche Welt. Wer einen solchen Einblick nicht getan hat und sich deshalb vielleicht nur der Ahnung hingibt, daß die übersinnlichen Gebiete die unendlich wertvolleren sind, der kann die sinnliche Welt unterschätzen. Wer aber diesen Einblick getan hat, der weiß, daß er ohne die Erlebnisse in der sichtbaren Wirklichkeit ganz ohnmächtig in der unsichtbaren wäre. Soll er in der letzteren leben, so muß er Fähigkeiten und Werkzeuge zu diesem Leben haben. Die kann er sich aber nur in der sichtbaren erwerben. Er wird geistig sehen müssen, wenn die unsichtbare Welt für ihn bewußt werden soll. Aber diese Sehkraft für eine «höhere» Welt wird durch die Erlebnisse in der «niederen» allmählich ausgebildet. Man kann ebensowenig&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|206}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
in einer geistigen Welt mit geistigen Augen geboren werden, wenn man diese nicht in der sinnlichen sich gebildet hat, wie das Kind nicht mit physischen Augen geboren werden könnte, wenn diese sich nicht im Mutterleibe gebildet hätten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von diesem Gesichtspunkte aus wird man auch einsehen, warum die «Schwelle» zur übersinnlichen Welt von einem «Hüter» bewacht wird. Es darf nämlich auf keinen Fall dem Menschen ein wirklicher Einblick in jene Gebiete gestattet werden, bevor er dazu die notwendigen Fähigkeiten erworben hat. Deshalb wird jedesmal beim Tode, wenn der Mensch, noch unfähig zur Arbeit in einer anderen Welt, diese betritt, der Schleier vorgezogen vor ihren Erlebnissen. Er soll sie erst erblicken, wenn er ganz dazu reif geworden ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Betritt der Geheimschüler die übersinnliche Welt, dann erhält das Leben für ihn einen ganz neuen Sinn, er sieht in der sinnlichen Welt den Keimboden für eine höhere. Und in einem gewissen Sinne wird ihm diese «höhere» ohne die «niedere» als eine mangelhafte erscheinen. Zwei Ausblicke eröffnen sich ihm. Der eine in die Vergangenheit, der andere in die Zukunft. In eine Vergangenheit schaut er, in welcher diese sinnliche Welt noch nicht war. Denn über das Vorurteil, daß die übersinnliche Welt sich aus der sinnlichen entwickelt habe, ist er längst hinweg. Er weiß, daß das Übersinnliche zuerst war und daß sich alles Sinnliche aus diesem entwickelt habe. Er sieht, daß er selbst, bevor er zum ersten Male in diese sinnliche Welt gekommen ist, einer übersinnlichen angehört hat. Aber diese einstige übersinnliche Welt brauchte den Durchgang durch die sinnliche. Ihre Weiterentwickelung wäre&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|207}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ohne diesen Durchgang nicht möglich gewesen. Erst wenn sich innerhalb des sinnlichen Reiches Wesen entwickelt haben werden mit entsprechenden Fähigkeiten, kann die übersinnliche wieder ihren Fortgang nehmen. Und diese Wesenheiten sind die Menschen. Diese sind somit, so wie sie jetzt leben, einer unvollkommenen Stufe des geistigen Daseins entsprungen und werden selbst innerhalb derselben zu derjenigen Vollkommenheit geführt, durch die sie dann tauglich sein werden zur Weiterarbeit an der höheren Welt. Und hier knüpft der Ausblick in die Zukunft an. Er weist auf eine höhere Stufe der übersinnlichen Welt. In dieser werden die Früchte sein, die in der sinnlichen ausgebildet werden. Die letztere als solche wird überwunden; ihre Ergebnisse aber einer höheren einverleibt sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit ist das Verständnis gegeben für Krankheit und Tod in der sinnlichen Welt. Der Tod ist nämlich nichts anderes als der Ausdruck dafür, daß die einstige übersinnliche Welt an einem Punkte angekommen war, von dem aus sie durch sich selbst nicht weitergehen konnte. Ein allgemeiner Tod wäre notwendig für sie gewesen, wenn sie nicht einen neuen Lebenseinschlag erhalten hätte. Und so ist dieses neue Leben zu einem Kampf gegen den allgemeinen Tod geworden. Aus den Resten einer absterbenden, in sich erstarrenden Welt erblühten die Keime einer neuen. Deshalb haben wir Sterben und Leben in der Welt und langsam gehen die Dinge ineinander über. Die absterbenden Teile der alten Welt haften noch den neuen Lebenskeimen an, die ja aus ihnen hervorgegangen sind. Den deutlichsten Ausdruck findet das eben im Menschen. Er trägt als seine Hülle an sich, was sich aus jener alten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|208}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Welt erhalten hat; und innerhalb dieser Hülle bildet sich der Keim jenes Wesens aus, das zukünftig leben wird. Er ist so ein Doppelwesen, ein sterbliches und ein unsterbliches. Das Sterbliche ist in seinem End-, das Unsterbliche in seinem Anfangszustand. Aber erst innerhalb dieser Doppelwelt, die ihren Ausdruck in dem Sinnlich-Physischen findet, eignet er sich die Fähigkeiten dazu an, die Welt der Unsterblichkeit zuzuführen. Ja, seine Aufgabe ist, aus dem Sterblichen selbst die Früchte für das Unsterbliche herauszuholen. Blickt er also auf sein Wesen, wie er es selbst in der Vergangenheit aufgebaut hat, so muß er sich sagen: Ich habe in mir die Elemente einer absterbenden Welt. Sie arbeiten in mir, und nur allmählich kann ich ihre Macht durch die neuauflebenden unsterblichen brechen. So geht des Menschen Weg vom Tode zum Leben. Könnte er mit vollem Bewußtsein in der Sterbestunde zu sich sprechen, so müßte er sich sagen: «Das Sterbende war mein Lehrmeister. Daß ich sterbe, ist eine Wirkung der ganzen Vergangenheit, mit der ich verwoben bin. Aber das Feld des Sterblichen hat mir die Keime zum Unsterblichen gereift. Diese trage ich in eine andere Welt mit hinaus. Wenn es bloß auf das Vergangene ankäme, dann hätte ich überhaupt niemals geboren werden können. Das Leben des Vergangenen ist mit der Geburt abgeschlossen. Das Leben im Sinnlichen ist durch den neuen Lebenskeim dem allgemeinen Tode abgerungen. Die Zeit zwischen Geburt und Tod ist nur der Ausdruck dafür, wieviel das neue Leben der absterbenden Vergangenheit abringen konnte. Und die Krankheit ist nichts als die Fortwirkung der absterbenden Teile dieser Vergangenheit.»&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|209}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus all dem heraus findet die Frage ihre Antwort, warum der Mensch erst allmählich sich aus Verirrung und Unvollkommenheit zu der Wahrheit und dem Guten durcharbeitet. Seine Handlungen, Gefühle und Gedanken stehen zunächst unter der Herrschaft des Vergehenden und Absterbenden. Aus diesem sind seine sinnlich-physischen Organe herausgebildet. Daher sind diese Organe und alles, was sie zunächst antreibt, selbst dem Vergehen geweiht. Nicht die Instinkte, Triebe, Leidenschaften und so weiter und die zu ihnen gehörigen Organe stellen ein Unvergängliches dar, sondern erst das wird unvergänglich sein, was als das Werk dieser Organe erscheint. Erst wenn der Mensch aus dem Vergehenden alles herausgearbeitet hat, was herauszuarbeiten ist, wird er die Grundlage abstreifen können, aus welcher er herausgewachsen ist und die ihren Ausdruck in der physisch-sinnlichen Welt findet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So stellt der erste «Hüter der Schwelle» das Ebenbild des Menschen in seiner Doppelnatur dar, aus Vergänglichem und Unvergänglichem gemischt. Und klar zeigt sich an ihm, was noch fehlt bis zur Erreichung der hehren Lichtgestalt, welche wieder die reine geistige Welt bewohnen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Grad der Verstricktheit mit der physisch-sinnlichen Natur wird dem Menschen durch den «Hüter der Schwelle» anschaulich. Diese Verstricktheit drückt sich zunächst in dem Vorhandensein der Instinkte, Triebe, Begierden, egoistischen Wünsche, in allen Formen des Eigennutzes und so weiter aus. Sie kommt dann in der Angehörigkeit zu einer Rasse, einem Volke und so weiter zum Ausdruck. Denn Völker und Rassen sind nur die verschiedenen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|210}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Entwickelungsstufen zur reinen Menschheit hin. Es steht eine Rasse, ein Volk um so höher, je vollkommener ihre Angehörigen den reinen, idealen Menschheitstypus zum Ausdrucke bringen, je mehr sie sich von dem physisch Vergänglichen zu dem übersinnlich Unvergänglichen durchgearbeitet haben. Die Entwickelung des Menschen durch die Wiederverkörperungen in immer höher stehenden Volks- und Rassenformen ist daher ein Befreiungsprozeß. Zuletzt muß der Mensch in seiner harmonischen Vollkommenheit erscheinen. In einer ähnlichen Art ist der Durchgang durch immer reinere sittliche und religiöse Anschauungsformen eine Vervollkommnung. Denn jede sittliche Stufe enthält noch die Sucht nach dem Vergänglichen neben den idealistischen Zukunftskeimen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun erscheint in dem geschilderten «Hüter der Schwelle» nur das Ergebnis der verflossenen Zeit. Und von den Zukunftskeimen ist nur dasjenige darinnen, was in dieser verflossenen Zeit hineingewoben worden ist. Aber der Mensch muß in die zukünftige übersinnliche Welt alles mitbringen, was er aus der Sinnenwelt herausholen kann. Wollte er nur das mitbringen, was in sein Gegenbild bloß aus der Vergangenheit hinein verwoben ist, so hätte er seine irdische Aufgabe nur teilweise erfüllt. Deshalb gesellt sich nun zu dem «kleineren Hüter der Schwelle» nach einiger Zeit der größere. Wieder soll in erzählender Form dargelegt werden, was sich als Begegnung mit diesem zweiten «Hüter der Schwelle» abspielt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem der Mensch erkannt hat, wovon er sich befreien muß, tritt ihm eine erhabene Lichtgestalt in den Weg. Deren Schönheit zu beschreiben ist schwierig in den Worten unserer Sprache. Diese Begegnung findet statt,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|211}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wenn sich die Organe des Denkens, Fühlens und Wollens auch für den physischen Leib so weit voneinander gelöst haben, daß die Regelung ihrer gegenseitigen Beziehungen nicht mehr durch sie selbst, sondern durch das höhere Bewußtsein geschieht, das sich nun ganz getrennt hat von den physischen Bedingungen. Die Organe des Denkens, Fühlens und Wollens sind dann die Werkzeuge in der Gewalt der menschlichen Seele geworden, die ihre Herrschaft über sie aus übersinnlichen Regionen ausübt. Dieser so aus allen sinnlichen Banden befreiten Seele tritt nun der zweite «Hüter der Schwelle» entgegen und spricht etwa folgendes:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
«Du hast dich losgelöst aus der Sinnenwelt. Dein Heimatrecht in der übersinnlichen Welt ist erworben. Von hier aus kannst du nunmehr wirken. Du brauchst um deinetwillen deine physische Leiblichkeit in gegenwärtiger Gestalt nicht mehr. Wolltest du dir bloß die Fähigkeit erwerben, in dieser übersinnlichen Welt zu wohnen, du brauchtest nicht mehr in die sinnliche zurückzukehren. Aber nun blicke auf mich. Sieh, wie unermeßlich erhaben ich über all dem stehe, was du heute bereits aus dir gemacht hast. Du bist zu der gegenwärtigen Stufe deiner Vollendung gekommen durch die Fähigkeiten, welche du in der Sinnenwelt entwickeln konntest, solange du noch auf sie angewiesen warst. Nun aber muß für dich eine Zeit beginnen, in welcher deine befreiten Kräfte weiter an dieser Sinnenwelt arbeiten. Bisher hast du nur dich selbst erlöst, nun kannst du als ein Befreiter alle deine Genossen in der Sinnenwelt mitbefreien. Als einzelner hast du bis heute gestrebt; nun gliedere dich ein in das Ganze, damit du nicht nur dich mitbringst in die übersinnliche&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|212}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Welt, sondern alles andere, was in der sinnlichen vorhanden ist. Mit meiner Gestalt wirst du dich einst vereinigen können, aber ich kann kein Seliger sein, solange es noch Unselige gibt! Als einzelner Befreiter möchtest du immerhin schon heute in das Reich des Übersinnlichen eingehen. Dann aber würdest du hinabschauen müssen auf die noch unerlösten Wesen der Sinnenwelt. Und du hättest dein Schicksal von dem ihrigen getrennt. Aber ihr seid alle miteinander verbunden. Ihr mußtet alle hinabsteigen in die Sinnenwelt, um aus ihr heraufzuholen die Kräfte für eine höhere. Würdest du dich von ihnen trennen, so mißbrauchtest du die Kräfte, die du doch nur in Gemeinschaft mit ihnen hast entwickeln können. Wären sie nicht hinabgestiegen, so hättest es auch du nicht können; ohne sie fehlten dir die Kräfte zu deinem übersinnlichen Dasein. Du mußt diese Kräfte, die du mit ihnen errungen hast, auch mit ihnen teilen. Ich wehre dir daher den Einlaß in die höchsten Gebiete der übersinnlichen Welt, solange du nicht alle deine erworbenen Kräfte zur Erlösung deiner Mitwelt verwendet hast. Du magst mit dem schon Erlangten dich in den unteren Gebieten der übersinnlichen Welt aufhalten; vor der Pforte zu den höheren stehe ich aber und wehre dir den Eintritt so lange, als du noch Kräfte hast, die unangewendet geblieben sind in der sinnlichen Welt. Und willst du die deinigen nicht anwenden, so werden andere kommen, die sie anwenden; dann wird eine hohe übersinnliche Welt alle Früchte der sinnlichen aufnehmen; dir aber wird der Boden entzogen sein, mit dem du verwachsen warst die geläuterte Welt wird sich über dich hinausentwickeln. Du&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|213}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wirst von ihr ausgeschlossen sein. So ist dein Pfad der schwarze, jene aber, von welchen du dich gesondert hast, gehen den weißen Pfad.»&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So kündigt sich der «große Hüter» der Schwelle bald an, nachdem die Begegnung mit dem ersten Wächter erfolgt ist. Der Eingeweihte weiß aber ganz genau, was ihm bevorsteht, wenn er den Lockungen eines vorzeitigen Aufenthaltes in der übersinnlichen Welt folgt. Ein unbeschreiblicher Glanz geht von dem zweiten Hüter der Schwelle aus; die Vereinigung mit ihm steht als ein fernes Ziel vor der schauenden Seele. Doch ebenso steht da die Gewißheit, daß diese Vereinigung erst möglich wird, wenn der Eingeweihte alle Kräfte, die ihm aus dieser Welt zugeflossen sind, auch aufgewendet hat im Dienste der Befreiung und Erlösung dieser Welt. Entschließt er sich, den Forderungen der höheren Lichtgestalt zu folgen, dann wird er beitragen können zur Befreiung des Menschengeschlechts. Er bringt seine Gaben dar auf dem Opferaltar der Menschheit. Zieht er seine eigene vorzeitige Erhöhung in die übersinnliche Welt vor, dann schreitet die Menschheitsströmung über ihn hinweg. Für sich selbst kann er nach seiner Befreiung aus der Sinnenwelt keine neuen Kräfte mehr gewinnen. Stellt er ihr seine Arbeit doch zur Verfügung, so geschieht es mit dem Verzicht, aus der Stätte seines ferneren Wirkens selbst für sich noch etwas zu holen. Man kann nun nicht sagen, es sei selbstverständlich, daß der Mensch den weißen Pfad wählen werde, wenn er so vor die Entscheidung gestellt wird. Das hängt nämlich ganz davon ab, ob er bei dieser Entscheidung schon so geläutert ist, daß keinerlei Selbstsucht ihm die Lockungen der Seligkeit begehrenswert erscheinen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|214}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
läßt. Denn diese Lockungen sind die denkbar größten. Und auf der anderen Seite sind eigentlich gar keine besonderen Lockungen vorhanden. Hier spricht gar nichts zum Egoismus. Was der Mensch in den höheren Regionen des Übersinnlichen erhalten wird, ist nichts, was zu ihm kommt, sondern lediglich etwas, das von ihm ausgeht: die Liebe zu seiner Mitwelt. Alles, was der Egoismus verlangt, wird nämlich durchaus nicht entbehrt auf dem schwarzen Pfade. Im Gegenteil: die Früchte dieses Pfades sind gerade die vollkommenste Befriedigung des Egoismus. Und will jemand nur für sich die Seligkeit, so wird er ganz gewiß diesen schwarzen Pfad wandeln, denn er ist der für ihn angemessene. Es darf daher niemand von den Okkultisten des weißen Pfades erwarten, daß sie ihm eine Anweisung zur Entwickelung des eigenen egoistischen Ich geben werden. Für die Seligkeit des einzelnen haben sie nicht das allergeringste Interesse. Die mag jeder für sich erreichen. Sie zu beschleunigen ist nicht die Aufgabe der weißen Okkultisten. Diesen liegt lediglich an der Entwickelung und Befreiung aller Wesen, die Menschen und Genossen des Menschen sind. Daher geben sie nur Anweisungen, wie man seine Kräfte zur Mitarbeit an diesem Werke ausbilden kann. Sie stellen daher die selbstlose Hingabe und Opferwilligkeit allen anderen Fähigkeiten voran. Sie weisen niemand geradezu ab, denn auch der Egoistischste kann sich läutern. Aber wer nur für sich etwas sucht, wird, solange er das tut, bei den Okkultisten nichts finden. Selbst wenn diese ihm nicht ihre Hilfe entziehen; er, der Suchende, entzieht sich den Früchten der Hilfeleistung. Wer daher wirklich den Anweisungen der guten Geheimlehrer folgt, wird nach dem Übertreten der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|215}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schwelle die Forderungen des großen Hüters verstehen; wer diesen Anweisungen aber nicht folgt, der darf auch gar nicht hoffen, daß er je zur Schwelle durch sie kommen werde. Ihre Anweisungen führen zum Guten oder aber zu gar nichts. Denn eine Führung zur egoistischen Seligkeit und zum bloßen Leben in der übersinnlichen Welt liegt außerhalb der Grenzen ihrer Aufgabe. Diese ist von vornherein so veranlagt, daß sie den Schüler so lange von der überirdischen Welt fernhält, bis dieser sie mit dem Willen zur hingebenden Mitarbeit betritt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|216}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= NACHWORT ZUM ACHTEN BIS ELFTEN TAUSEND =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Weg zu übersinnlicher Erkenntnis, der in dieser Schrift gekennzeichnet wird, führt zu einem seelischen Erleben, demgegenüber es von ganz besonderer Wichtigkeit ist, daß, wer es anstrebt, sich keinen Täuschungen und Mißverständnissen über dasselbe hingibt und es liegt dem Menschen nahe, sich über dasjenige zu täuschen, was hier in Betracht kommt. Eine der Täuschungen, die besonders schwerwiegende, entsteht, wenn man das ganze Gebiet des Seelenerlebens, von dem in wahrer Geisteswissenschaft die Rede ist, so verschiebt, daß es in der Umgebung des Aberglaubens, des visionären Träumens, des Mediumismus und mancher anderer Entartungen des Menschenstrebens eingereiht erscheint. Diese Verschiebung rührt oft davon her, daß Menschen, welche in ihrer von echtem Erkenntnisstreben abliegenden Art sich einen Weg in die übersinnliche Wirklichkeit suchen möchten und die dabei auf die genannten Entartungen verfallen, mit solchen verwechselt werden, die den in dieser Schrift gezeichneten Weg gehen wollen. Was auf dem hier gemeinten Wege von der Menschenseele durchlebt wird, das verläuft durchaus im Felde rein geistig-seelischen Erfahrens. Es ist nur dadurch möglich, solches zu durchleben, daß sich der Mensch auch noch für andere innere Erfahrungen so frei und unabhängig von dem Leibesleben machen kann, wie er im Erleben des gewöhnlichen Bewußtseins nur ist, wenn er sich über das von außen Wahrgenommene oder das im Innern Gewünschte, Gefühlte, Gewollte Gedanken macht, die nicht aus dem Wahrgenommenen, Gefühlten, Gewollten selbst herrühren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|217}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt Menschen, die an das Vorhandensein solcher Gedanken überhaupt nicht glauben. Diese meinen: der Mensch könne nichts denken, was er nicht aus der Wahrnehmung oder dem leiblich bedingten Innenleben herauszieht und alle Gedanken seien nur gewissermaßen Schattenbilder von Wahrnehmungen oder von inneren Erlebnissen. Wer dieses behauptet, der tut es nur, weil er sich niemals zu der Fähigkeit gebracht hat, mit seiner Seele das reine, in sich beruhende Gedankenleben zu erleben. Wer aber solches erlebt hat, für den ist es Erfahrung geworden, daß überall, wo im Seelenleben Denken waltet, in dem Maße, als dieses Denken andere Seelenverrichtungen durchdringt, der Mensch in einer Tätigkeit begriffen ist, an deren Zustandekommen sein Leib unbeteiligt ist. Im gewöhnlichen Seelenleben ist ja fast immer das Denken mit anderen Seelenverrichtungen: Wahrnehmen, Fühlen, Wollen und so weiter vermischt. Diese anderen Verrichtungen kommen durch den Leib zustande. Aber in sie spielt das Denken hinein. Und in dem Maße, in dem es hineinspielt, geht in dem Menschen und durch den Menschen etwas vor sich, an dem der Leib nicht mitbeteiligt ist. Die Menschen, welche dieses in Abrede stellen, können nicht über die Täuschung hinauskommen, welche dadurch entsteht, daß sie die denkerische Betätigung immer mit anderen Verrichtungen vereinigt beobachten. Aber man kann im inneren Erleben sich seelisch dazu aufraffen, den denkerischen Teil des Innenlebens auch abgesondert von allem andern für sich zu erfahren. Man kann aus dem Umfange des Seelenlebens etwas herauslösen, das nur in reinen Gedanken besteht. In Gedanken, die in sich bestehen, aus denen alles ausgeschaltet ist, was&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|218}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wahrnehmung oder leiblich bedingtes Innenleben geben. Solche Gedanken offenbaren sich durch sich selbst, durch das, was sie sind, als ein geistig, ein übersinnlich Wesenhaftes. Und die Seele, die mit solchen Gedanken sich vereinigt, indem sie während dieser Vereinigung alles Wahrnehmen, alles Erinnern, alles sonstige Innenleben ausschließt, weiß sich mit dem Denken selbst in einem übersinnlichen Gebiet und erlebt sich außerhalb des Leibes. Für denjenigen, welcher diesen ganzen Sachverhalt durchschaut, kann die Frage gar nicht mehr in Betracht kommen: gibt es ein Erleben der Seele in einem übersinnlichen Element außerhalb des Leibes? Denn für ihn hieße es in Abrede stellen, was er aus der Erfahrung weiß. Für ihn gibt es nur die Frage: was verhindert die Menschen, eine solche sichere Tatsache anzuerkennen? Und zu dieser Frage findet er die Antwort, daß die in Frage kommende Tatsache eine solche ist, die sich nicht offenbart, wenn der Mensch sich nicht vorher in eine solche Seelenverfassung versetzt, daß er die Offenbarung empfangen kann. Nun werden zunächst die Menschen mißtrauisch, wenn sie selbst etwas erst rein seelisch tun sollen, damit sich ihnen ein an sich von ihnen Unabhängiges offenbare. Sie glauben da, weil sie sich vorbereiten müssen, die Offenbarung zu empfangen, sie machen den Inhalt der Offenbarung. Sie wollen Erfahrungen, zu denen der Mensch nichts tut, gegenüber denen er ganz passiv bleibt. Sind solche Menschen außerdem noch unbekannt mit den einfachsten Anforderungen an wissenschaftliches Erfassen eines Tatbestandes, dann sehen sie in Seelen-Inhalten oder Seelen-Hervorbringungen, bei denen die Seele unter den Grad von bewußter Eigenbetätigung herabgedrückt ist, der im&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|219}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sinneswahrnehmen und im willkürlichen Tun vorliegt, eine objektive Offenbarung eines nicht sinnlichen Wesenhaften. Solche Seelen-Inhalte sind die visionären Erlebnisse, die mediumistischen Offenbarungen. Was aber durch solche Offenbarungen zutage tritt, ist keine übersinnliche, es ist eine untersinnliche Welt. Das menschliche bewußte Wachleben verläuft nicht völlig in dem Leibe; es verläuft vor allem der bewußte Teil dieses Lebens an der Grenze zwischen Leib und physischer Außenwelt; so das Wahrnehmungsleben, bei dem, was in den Sinnesorganen vorgeht, ebensogut das Hineinragen eines außerleiblichen Vorganges in den Leib ist wie ein Durchdringen dieses Vorganges vom Leibe aus; und so das Willensleben, das auf einem Hineinstellen des menschlichen Wesens in das Weltenwesen beruht, so daß, was im Menschen durch seinen Willen geschieht, zugleich Glied des Weltgeschehens ist. In diesem an der Leibesgrenze verlaufenden seelischen Erleben ist der Mensch in hohem Grade abhängig von seiner Leibesorganisation; aber es spielt die denkerische Betätigung in dieses Erleben hinein, und in dem Maße, als das der Fall ist, macht sich in Sinneswahrnehmung und Wollen der Mensch vom Leibe unabhängig. Im visionären Erleben und im mediumistischen Hervorbringen tritt der Mensch völlig in die Abhängigkeit vom Leibe ein. Er schaltet aus seinem Seelenleben dasjenige aus, was ihn in Wahrnehmung und Wollen vom Leibe unabhängig macht. Und dadurch werden Seelen-Inhalte und Seelen-Hervorbringungen bloße Offenbarungen des Leibeslebens. Visionäres Erleben und mediumistisches Hervorbringen sind die Ergebnisse des Umstandes, daß der Mensch bei diesem Erleben und Hervorbringen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|220}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
mit seiner Seele weniger vom Leibe unabhängig ist als im gewöhnlichen Wahrnehmungs- und Willensleben. Bei dem Erleben des Übersinnlichen, das in dieser Schrift gemeint ist, geht nun die Entwickelung des Seelen-Erlebens gerade nach der entgegengesetzten Richtung gegenüber der visionären oder mediumistischen. Die Seele macht sich fortschreitend unabhängiger vom Leibe, als sie im Wahrnehmungs- und Willensleben ist. Sie erreicht diejenige Unabhängigkeit, die im Erleben reiner Gedanken zu fassen ist, für eine viel breitere Seelenbetätigung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für die hier gemeinte übersinnliche Seelenbetätigung ist es außerordentlich bedeutsam, in voller Klarheit das Erleben des reinen Denkens zu durchschauen. Denn im Grunde ist dieses Erleben selbst schon eine übersinnliche Seelenbetätigung. Nur eine solche, durch die man noch nichts Übersinnliches schaut. Man lebt mit dem reinen Denken im Übersinnlichen; aber man erlebt nur dieses auf eine übersinnliche Art; man erlebt noch nichts anderes Übersinnliches. Und das übersinnliche Erleben muß sein eine Fortsetzung desjenigen Seelen-Erlebens, das schon im Vereinigen mit dem reinen Denken erreicht werden kann. Deshalb ist es so bedeutungsvoll, diese Vereinigung richtig erfahren zu können. Denn von dem Verständnisse dieser Vereinigung aus leuchtet das Licht, das auch rechte Einsicht in das Wesen der übersinnlichen Erkenntnis bringen kann. Sobald das Seelen-Erleben unter die Bewußtseinsklarheit, die im Denken sich auslebt, heruntersinken würde, wäre sie für die wahre Erkenntnis der übersinnlichen Welt auf einem Irrwege. Sie würde erfaßt von den Leibesverrichtungen; was sie erlebt und hervorbringt, ist dann nicht Offenbarung des Übersinnlichen durch sie,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|221}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sondern Leibesoffenbarung im Bereich der untersinnlichen Welt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;*&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sobald die Seele mit ihren Erlebnissen in das Feld des Übersinnlichen eindringt, sind diese Erlebnisse von einer solchen Art, daß sich die sprachlichen Ausdrücke für sie nicht in so leichter Art finden lassen wie für die Erlebnisse im Bereiche der sinnlichen Welt. Man muß oftmals bei Beschreibungen des übersinnlichen Erlebens sich bewußt sein, daß gewissermaßen die Entfernung des sprachlichen Ausdrucks von dem ausgedrückten wirklichen Tatbestande eine größere ist als im physischen Erleben. Man muß sich ein Verständnis dafür erwerben, daß mancher Ausdruck wie eine Verbildlichung in zarter Weise auf das nur hinweist, auf das er sich bezieht. So ist es auf Seite 30 dieser Schrift gesagt: «Ursprünglich werden nämlich alle Regeln und Lehren der Geisteswissenschaft in einer sinnbildlichen Zeichensprache gegeben.» Und auf Seite 78 f. mußte von einem «bestimmten Schriftsystem» gesprochen werden. Es kann nun leicht jemandem beikommen, solche Schrift in einer ähnlichen Art lernen zu wollen, wie man Lautzeichen und deren Zusammenfügungen für die Schrift einer gewöhnlichen physischen Sprache erlernt. Nun muß allerdings gesagt werden: es hat gegeben und gibt geisteswissenschaftliche Schulen und Vereinigungen, welche im Besitze symbolischer Zeichen sind, durch die sie übersinnliche Tatbestände zum Ausdruck bringen. Und wer in die Bedeutung dieser Sinnbilder eingeweiht wird, der hat dadurch ein Mittel, sein Seelen-Erleben zu den in Frage kommenden übersinnlichen Wirklichkeiten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|222}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
hinzulenken. Aber ein für das übersinnliche Erleben Wesentliches ist vielmehr, daß im Laufe eines solchen übersinnlichen Erlebens, wie es durch die Verwirklichung des Inhaltes dieser Schrift von der Seele erreicht werden kann, diese Seele in der Anschauung des Übersinnlichen die Offenbarung einer solchen Schrift durch ihre eigene Erfahrung gewinnt. Das Übersinnliche sagt der Seele etwas, das sich diese in verbildlichende Zeichen übersetzen muß, damit sie es vollbewußt überschauen kann. Es kann gesagt werden: was in dieser Schrift mitgeteilt ist, das kann von jeder Seele verwirklicht werden. Und im Laufe der Verwirklichung, den sich nach den gemachten Angaben die Seele selbst bestimmen kann, stellen sich die Ergebnisse ein, die beschrieben sind. Man nehme doch ein solches Buch, wie dieses ist, wie ein Gespräch, das der Verfasser mit dem Leser führt. Wenn gesagt ist: der Geheimschüler bedürfe der persönlichen Anweisung, so fasse man dies doch so auf, daß das Buch selbst eine solche persönliche Anweisung ist. In früheren Zeiten gab es Gründe, solche persönliche Anweisungen dem mündlichen Geheim-Unterrichte vorzubehalten; gegenwärtig sind wir auf einer Entwickelungsstufe der Menschheit angelangt, in der das geisteswissenschaftliche Erkennen eine viel größere Verbreitung erfahren muß als früher. Es muß in ganz anderem Maße jedem zugänglich sein als in alter Zeit. Da tritt eben das Buch an die Stelle der früheren mündlichen Unterweisung. Der Glaube, daß man durchaus über das in dem Buche Gesagte hinaus noch eine persönliche Unterweisung brauche, hat nur eine bedingte Richtigkeit. Der eine oder der andere kann ja freilich ein persönliches Nachhelfen brauchen, und ein solches kann ihm bedeutungsvoll&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|223}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sein. Aber es führte in die Irre, wenn man meinte, es gäbe Hauptsachen, die man im Buche nicht finde. Man findet sie, wenn man recht und namentlich wenn man vollständig liest.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;*&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Schilderungen dieses Buches nehmen sich so aus, als ob sie Anweisungen wären zum völligen Anderswerden des ganzen Menschen. Wer sie richtig liest, wird aber finden, daß sie nichts anderes sagen wollen, als in welcher inneren Seelenverfassung ein Mensch sein muß in denjenigen Augenblicken seines Lebens, in denen er der übersinnlichen Welt gegenüberstehen will. Diese Seelenverfassung entwickelt er als eine zweite Wesenheit in sich; und die gesunde andere Wesenheit läuft in der alten Weise ihren Gang fort. Er weiß beide Wesenheiten in Vollbewußtheit auseinanderzuhalten; er weiß sie in rechter Art miteinander in Wechselwirkung zu setzen. Er macht sich nicht dadurch für das Leben unbrauchbar und untüchtig, daß er Interesse und Geschicklichkeit für dieses verliert und «den ganzen Tag Geistesforscher ist». Allerdings muß gesagt werden, daß die Erlebnisweise in der übersinnlichen Welt ihr Licht auf das ganze Wesen des Menschen ausstrahlen wird; aber dies kann nicht in einer von dem Leben ablenkenden Art sein, sondern in einer dieses Leben tüchtiger, fruchtbarer machenden Weise. Daß trotzdem die Schilderung so gehalten werden mußte, wie es der Fall ist, das rührt davon her, daß allerdings jeder auf das Übersinnliche gerichtete Erkenntnisvorgang den ganzen Menschen in Anspruch nimmt, so daß in dem Augenblicke, in dem der Mensch an einen solchen Erkenntnisvorgang&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|224}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
hingegeben ist, er dies mit seinem ganzen Wesen sein muß. Soviel der Farbenwahrnehmungsvorgang nur die Einzelheit des Auges mit seiner Nervenfortsetzung in Anspruch nimmt, soviel nimmt ein übersinnlicher Erkenntnisvorgang den ganzen Menschen in Anspruch. Dieser wird «ganz Auge» oder «ganz Ohr». Weil dies so ist, deshalb sieht es so aus, daß, wenn man von der Bildung von übersinnlichen Erkenntnisvorgängen Mitteilung macht, man von einer Umwandlung des Menschen spräche; man meine, der gewöhnliche Mensch sei nichts Rechtes; er müsse etwas ganz anderes werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;*&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu dem auf Seite 115 ff. «Über einige Wirkungen der Einweihung» Gesagten möchte ich noch etwas hinzufügen, was mit einiger Abänderung auch für andere Ausführungen dieses Buches gelten kann. Es könnte wohl jemand auf den Gedanken kommen: wozu solche Beschreibung von bildhaften Ausgestaltungen übersinnlichen Erlebens; könnte man nicht dieses Erleben in Ideen ohne solche Versinnlichung schildern? Darauf muß erwidert werden: Es kommt für das Erleben der übersinnlichen Wirklichkeit in Betracht, daß der Mensch sich im Übersinnlichen selbst als ein Übersinnliches weiß. Ohne das Hinblicken auf seine eigene übersinnliche Wesenheit, deren Wirklichkeit in der hier gegebenen Schilderung der «Lotusblumen» und des «ätherischen Leibes» vollkommen in ihrer Art zur Offenbarung kommt, erlebte sich der Mensch im Übersinnlichen so, wie wenn er im Sinnlichen nur so drinnen stände, daß ihm die Dinge und Vorgänge um ihn her sich offenbarten, er aber von seinem eigenen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|225}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Leibe nichts wüßte. Was er in «Seelenleib» und «Ätherleib» als seine übersinnliche Gestaltung schaut, das macht, daß er seiner selbst bewußt im Übersinnlichen steht, wie er durch die Wahrnehmung seines Sinnenleibes seiner selbst bewußt in der Sinnenwelt steht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;notiz center&amp;quot;&lt;br /&gt;
|&amp;lt;small&amp;gt;[[GA 9|vorige GA ◁]] [[Die Rudolf Steiner Gesamtausgabe|&amp;amp;nbsp;&amp;amp;nbsp;■&amp;amp;nbsp;&amp;amp;nbsp;]] [[GA 11|▷ nächste GA]]&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Glossar ==&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|A}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|A}}AUFMERKSAMKEIT&lt;br /&gt;
{{GS|[…] die Aufmerksamkeit der Seele auf gewisse Vorgänge in der uns umgebenden Welt zu lenken. Solche Vorgänge sind das sprießende, wachsende und gedeihende Leben einerseits, und alle Erscheinungen, die mit Verblühen, Verwelken, Absterben zusammenhängen, andererseits.|10|43}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|B}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|B}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|C}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|C}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|D}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|D}}DEVOTION&lt;br /&gt;
{{GS|Eine gewisse Grundstimmung der Seele muß den Anfang bilden. Der Geheimforscher nennt diese Grundstimmung den Pfad der Verehrung, der Devotion gegenüber der Wahrheit und Erkenntnis. […] Man glaube nur ja nicht, daß solche Anlagen den Keim zur Unterwürfigkeit und Sklaverei bilden.|10|20}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|E}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|E}}EINWEIHUNG&lt;br /&gt;
{{GS|Denn es gibt ein natürliches Gesetz für alle Eingeweihten, das sie dazu veranlaßt, keinem suchenden Menschen ein ihm gebührendes Wissen vorzuenthalten.|10|18}}&lt;br /&gt;
ERKENNTNIS DER HÖHEREN WELTEN&lt;br /&gt;
{{GS|Nur das eine muß freilich sich jeder klarmachen, daß derjenige, der ganz in der veräußerlichten Zivilisation unserer Tage darinnen steckt, es sehr schwer hat, zur Erkenntnis der höheren Welten vorzudringen.|10|22}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|F}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|F}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|G}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|G}}GEDANKEN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|[…] daß Gefühle und Gedanken wirkliche Tatsachen sind, genau so wie Tische und Stühle in der physisch-sinnlichen Welt [[[…]]] daß ein verkehrter Gedanke    so verheerend wirken kann wie eine blindlings losgeschossene Flintenkugel für die physischen Gegenstände, die sie trifft.|10|47}}{{GS|An die Stelle kleinlicher Gefühlsschwelgerei und spielerischer Gedankenverknüpfung treten bedeutsame Gefühle und fruchtbare Gedanken. Und diese Gefühle und Gedanken führen den Menschen dazu, sich in der geistigen Welt zu orientieren.|10|48}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
GEFAHREN GEISTIGEN STREBENS&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Es wird in unserer Zeit von vielen Menschen der Weg zur Geheimwissenschaft gesucht. Auf mancherlei Art wird das getan; und viele gefährliche, ja verwerfliche Prozeduren werden probiert. [[[…]]] Durch die hier vorgezeichneten Wege kann niemand Schaden nehmen, der nichts forciert.|10|57}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
GEFÜHL&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|[…] daß Gefühle und Gedanken wirkliche Tatsachen sind, genau so wie Tische und Stühle in der physisch-sinnlichen Welt [[[…]]] daß ein verkehrter Gedanke    so verheerend wirken kann wie eine blindlings losgeschossene Flintenkugel für die physischen Gegenstände, die sie trifft.|10|47}}{{GS|An die Stelle kleinlicher Gefühlsschwelgerei und spielerischer Gedankenverknüpfung treten bedeutsame Gefühle und fruchtbare Gedanken. Und diese Gefühle und Gedanken führen den Menschen dazu, sich in der geistigen Welt zu orientieren.|10|48}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
GEHEIMSCHÜLER&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Der Geheimschüler muß die Kraft suchen, sich selbst in gewissen Zeiten wie ein Fremder gegenüberzustehen.|10|31}}{{GS|Was für die Ausbildung des Geheimschülers ganz besonders wichtig ist, das ist die Art, wie er anderen Menschen beim Sprechen zuhört. Er muß sich daran gewöhnen, dies so zu tun, daß dabei sein eigenes Innere vollkommen schweigt. […] In der Geistesforschung wird solches planmäßig geübt.|10|50}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
GEHEIMSCHULUNG&lt;br /&gt;
{{GS|Es hat, seit es ein Menschengeschlecht gibt, auch immer eine Schulung gegeben, durch die solche, die höhere Fähigkeiten hatten, denen Anleitung gaben […] Man nennt solche Schulung Geheimschulung […] heißt geheimwissenschaftlicher oder okkulter Unterricht.|10|16}}&lt;br /&gt;
GEIST/GEISTIGES&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Er muß lieben lernen, was ihm der Geist da zuströmt. Bald hört er dann auch auf, diese Gedankenwelt als etwas zu empfinden, was unwirklicher sei als die Dinge des Alltags, die ihn umgeben.|10|37}}{{GS|Alles beruht schließlich darauf, daß der Mensch fortwährend Leib, Seele und Geist mit sich herumträgt, daß er sich aber nur seines Leibes im ausgesprochenen Sinne bewußt ist, nicht seiner Seele und seines Geistes. Und der Geheimschüler wird sich der Seele und des Geistes bewußt, wie sich der gewöhnliche Mensch seines Leibes bewußt ist.|10|60}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
GELASSENHEIT (Innere Ruhe)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine der ersten dieser Regeln kann nun etwa in die folgenden Worte der Sprache gekleidet werden: «Schaffe dir Augenblicke innerer Ruhe und lerne in diesen Augenblicken das Wesentliche von dem Unwesentlichen unterscheiden.»&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Es gehört gewiß in mancher Lebenslage eine große Kraft dazu, sich Augenblicke innerer Ruhe zu schaffen. Aber je größer die notwendige Kraft, desto bedeutender ist auch das, was erreicht wird.|10|36}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
GENUSS&lt;br /&gt;
{{GS|Der Geheimschüler betrachtet den Genuß nur als ein Mittel, um sich für die Welt zu veredeln. Der Genuß ist ihm ein Kundschafter, der ihn unterrichtet über die Welt; aber er schreitet nach dem Unterricht durch den Genuß zur Arbeit vorwärts. Er lernt […] um das Gelernte in den Dienst der Welt zu stellen.|10|27}}&lt;br /&gt;
GOTT&lt;br /&gt;
{{GS|Die Außenwelt ist in allen ihren Erscheinungen erfüllt von göttlicher Herrlichkeit; aber man muß das Göttliche erst in seiner Seele selbst erlebt haben, wenn man es in der Umgebung finden will.|10|26}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|H}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|H}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|I}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|I}}INNENWELT&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|So erst verlegt er den Mittelpunkt seines Wesens in sein Inneres. Er hört auf die Stimmen in seinem Innern, die in den Augenblicken der Ruhe zu ihm sprechen; er pflegt im Innern Umgang mit der geistigen Welt.|10|37}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|J}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|J}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|K}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|K}}KIND&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Nützlich ist es für jeden, in solcher Art Kindern zuzuhören. Auch der Weiseste kann unermeßlich viel von Kindern lernen. So bringt es der Mensch dazu, die Worte des anderen ganz selbstlos zu hören, mit vollkommener Ausschaltung seiner eigenen Person, deren Meinung und Gefühlsweise.|10|51}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
KRAFT&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Der Geheimschüler muß die Kraft suchen, sich selbst in gewissen Zeiten wie ein Fremder gegenüberzustehen.|10|31}}{{GS|Es gehört gewiß in mancher Lebenslage eine große Kraft dazu, sich Augenblicke innerer Ruhe zu schaffen. Aber je größer die notwendige Kraft, desto bedeutender ist auch das, was erreicht wird.|10|36}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|L}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|L}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|M}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|M}}MUT&lt;br /&gt;
{{GS|Mut und Selbstvertrauen sind aber zwei Lichter, die auf dem Wege zur Geheimwissenschaft nicht erlöschen dürfen. Wer es nicht über sich bringen kann, eine Übung, die scheinbar unzähligemal mißglückt ist, immer wieder und wieder geduldig fortzusetzen, der kann nicht weit kommen.|10|59}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|N}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|N}}NATUR&lt;br /&gt;
{{GS|Die ganze Natur fängt an, dem Menschen durch ihr Ertönen Geheimnisse zuzuraunen. Was vorher seiner Seele unverständlicher Schall war, wird dadurch sinnvolle Sprache der Natur. Und wobei er vorher nur Ton gehört hat, beim Erklingen des sogenannten Leblosen, vernimmt er jetzt eine neue Sprache der Seele. […] Er fängt an, mit der Seele zu hören.|10|49}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|O}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|O}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|P}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|P}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|Q}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|Q}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|R}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|R}}REGELN&lt;br /&gt;
{{GS|Die Geisteswissenschaft gibt nun auch praktische Regeln an die Hand […] Eine der ersten dieser Regeln […] : «Schaffe dir Augenblicke innerer Ruhe und lerne in diesen Augenblicken das Wesentliche von dem Unwesentlichen unterscheiden.»|10|29}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|S}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|S}}SCHWEIGEN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Was für die Ausbildung des Geheimschülers ganz besonders wichtig ist, das ist die Art, wie er anderen Menschen beim Sprechen zuhört. Er muß sich daran gewöhnen, dies so zu tun, daß dabei sein eigenes Innere vollkommen schweigt. […] In der Geistesforschung wird solches planmäßig geübt.|10|50}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
SEELE&lt;br /&gt;
{{GS|[…] die Aufmerksamkeit der Seele auf gewisse Vorgänge in der uns umgebenden Welt zu lenken. Solche Vorgänge sind das sprießende, wachsende und gedeihende Leben einerseits, und alle Erscheinungen, die mit Verblühen, Verwelken, Absterben zusammenhängen, andererseits.|10|43}}{{GS|Die ganze Natur fängt an, dem Menschen durch ihr Ertönen Geheimnisse zuzuraunen. Was vorher seiner Seele unverständlicher Schall war, wird dadurch sinnvolle Sprache der Natur. Und wobei er vorher nur Ton gehört hat, beim Erklingen des sogenannten Leblosen, vernimmt er jetzt eine neue Sprache der Seele. […] Er fängt an, mit der Seele zu hören.|10|49}}{{GS|Alles beruht schließlich darauf, daß der Mensch fortwährend Leib, Seele und Geist mit sich herumträgt, daß er sich aber nur seines Leibes im ausgesprochenen Sinne bewußt ist, nicht seiner Seele und seines Geistes. Und der Geheimschüler wird sich der Seele und des Geistes bewußt, wie sich der gewöhnliche Mensch seines Leibes bewußt ist.|10|60}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
SELBSTVERTRAUEN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Mut und Selbstvertrauen sind aber zwei Lichter, die auf dem Wege zur Geheimwissenschaft nicht erlöschen dürfen. Wer es nicht über sich bringen kann, eine Übung, die scheinbar unzähligemal mißglückt ist, immer wieder und wieder geduldig fortzusetzen, der kann nicht weit kommen.|10|59}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
SPRECHEN&lt;br /&gt;
{{GS|Was für die Ausbildung des Geheimschülers ganz besonders wichtig ist, das ist die Art, wie er anderen Menschen beim Sprechen zuhört. Er muß sich daran gewöhnen, dies so zu tun, daß dabei sein eigenes Innere vollkommen schweigt. […] In der Geistesforschung wird solches planmäßig geübt.|10|50}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|T}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|T}}TON&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Die ganze Natur fängt an, dem Menschen durch ihr Ertönen Geheimnisse zuzuraunen. Was vorher seiner Seele unverständlicher Schall war, wird dadurch sinnvolle Sprache der Natur. Und wobei er vorher nur Ton gehört hat, beim Erklingen des sogenannten Leblosen, vernimmt er jetzt eine neue Sprache der Seele. […]  Er fängt an, mit der Seele zu hören.|10|49}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
{{BS|0-9}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Literatur =&lt;br /&gt;
* [[a:Rudolf Steiner|Rudolf Steiner]]: &#039;&#039;Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?&#039;&#039;, [[GA 10]] (1993), ISBN 3-7274-0100-1; &#039;&#039;&#039;Tb 600&#039;&#039;&#039;, ISBN 978-3-7274-6001-2 {{Schriften|10}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GA}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Originalausgaben ==&lt;br /&gt;
* [https://www.odysseetheater.org/ftp/anthroposophie/Rudolf_Steiner/Faksimiles/GA010_1904.pdf Ausgabe 1904]&lt;br /&gt;
* [https://www.odysseetheater.org/ftp/anthroposophie/Rudolf_Steiner/Faksimiles/GA010_1907.pdf Ausgabe 1907]&lt;br /&gt;
* [https://www.odysseetheater.org/ftp/anthroposophie/Rudolf_Steiner/Faksimiles/GA010_1909.pdf Ausgabe 1909]&lt;br /&gt;
* [https://www.odysseetheater.org/ftp/anthroposophie/Rudolf_Steiner/Faksimiles/GA010_1910.pdf Ausgabe 1910]&lt;br /&gt;
* [https://www.odysseetheater.org/ftp/anthroposophie/Rudolf_Steiner/Faksimiles/GA010_1914.pdf Ausgabe 1914]&lt;br /&gt;
* [https://www.odysseetheater.org/ftp/anthroposophie/Rudolf_Steiner/Faksimiles/GA010_1918.pdf Ausgabe 1918]&lt;br /&gt;
* [https://www.odysseetheater.org/ftp/anthroposophie/Rudolf_Steiner/Faksimiles/GA010_1919.pdf Ausgabe 1919]&lt;br /&gt;
* [https://www.odysseetheater.org/ftp/anthroposophie/Rudolf_Steiner/Faksimiles/GA010_1922.pdf Ausgabe 1922]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:GA 10 Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?|!]] [[Kategorie:GA|GA 010]] [[Kategorie:GA (Schriften)|GA 010]] [[Kategorie:Gesamtausgabe|GA 010]] [[Kategorie:Taschenbücher|GA 010]]&lt;br /&gt;
[[en:GA 10]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Artikel unten}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>ElkeJura</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://steiner.wiki/index.php?title=GA_10&amp;diff=11274</id>
		<title>GA 10</title>
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		<updated>2025-08-06T13:01:56Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;ElkeJura: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Artikel oben}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:GA10.jpg|thumb|{{RSV|010}}]]&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;notiz center&amp;quot;&lt;br /&gt;
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|}&lt;br /&gt;
__NOTOC__&lt;br /&gt;
&amp;lt;div class=&amp;quot;center&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;h3&amp;gt;RUDOLF STEINER&amp;lt;/h3&amp;gt; &lt;br /&gt;
&amp;lt;h3&amp;gt;SCHRIFTEN&amp;lt;/h3&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;h3&amp;gt;Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?&amp;lt;/h3&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;h4&amp;gt;(1. Teil)&amp;lt;/h4&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;h3&amp;gt;GA 10&amp;lt;/h3&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;h3&amp;gt;1992&amp;lt;/h3&amp;gt; &lt;br /&gt;
&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Inhaltsverzeichnis =&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;font-family: &#039;Baar Zeitgeist&#039;; font-size: 100%;&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
* [[GA 10#VORREDE ZUM ACHTEN BIS ELFTEN TAUSEND|VORREDE ZUM ACHTEN BIS ELFTEN TAUSEND]]&lt;br /&gt;
* [[GA 10#VORREDE ZUR FÜNFTEN AUFLAGE|VORREDE ZUR FÜNFTEN AUFLAGE]]&lt;br /&gt;
* [[GA 10#VORREDE ZUR DRITTEN AUFLAGE|VORREDE ZUR DRITTEN AUFLAGE]]&lt;br /&gt;
* [[GA 10#WIE ERLANGT MAN ERKENNTNISSE DER HÖHEREN WELTEN?|WIE ERLANGT MAN ERKENNTNISSE DER HÖHEREN WELTEN?]]&lt;br /&gt;
** [[GA 10#Bedingungen|Bedingungen]]&lt;br /&gt;
** [[GA 10#Innere Ruhe|Innere Ruhe]]&lt;br /&gt;
* [[GA 10#DIE STUFEN DER EINWEIHUNG|DIE STUFEN DER EINWEIHUNG]]&lt;br /&gt;
** [[GA 10#Die Vorbereitung|Die Vorbereitung]]&lt;br /&gt;
** [[GA 10#Die Erleuchtung|Die Erleuchtung]]&lt;br /&gt;
** [[GA 10#Kontrolle der Gedanken und Gefühle|Kontrolle der Gedanken und Gefühle]]&lt;br /&gt;
* [[GA 10#DIE EINWEIHUNG|DIE EINWEIHUNG]]&lt;br /&gt;
* [[GA 10#PRAKTISCHE GESICHTSPUNKTE|PRAKTISCHE GESICHTSPUNKTE]]&lt;br /&gt;
* [[GA 10#DIE BEDINGUNGEN ZUR GEHEIMSCHULUNG|DIE BEDINGUNGEN ZUR GEHEIMSCHULUNG]]&lt;br /&gt;
* [[GA 10#ÜBER EINIGE WIRKUNGEN DER EINWEIHUNG|ÜBER EINIGE WIRKUNGEN DER EINWEIHUNG]]&lt;br /&gt;
* [[GA 10#VERÄNDERUNGEN IM TRAUMLEBEN DES GEHEIMSCHÜLERS|VERÄNDERUNGEN IM TRAUMLEBEN DES GEHEIMSCHÜLERS]]&lt;br /&gt;
* [[GA 10#DIE ERLANGUNG DER KONTINUITÄT DES BEWUSSTSEINS|DIE ERLANGUNG DER KONTINUITÄT DES BEWUSSTSEINS]]&lt;br /&gt;
* [[GA 10#DIE SPALTUNG DER PERSÖNLICHKEIT WÄHREND DER GEISTESSCHULUNG|DIE SPALTUNG DER PERSÖNLICHKEIT WÄHREND DER GEISTESSCHULUNG]]&lt;br /&gt;
* [[GA 10#DER HÜTER DER SCHWELLE|DER HÜTER DER SCHWELLE]]&lt;br /&gt;
* [[GA 10#LEBEN UND TOD. DER GROSSE HÜTER DER SCHWELLE|LEBEN UND TOD. DER GROSSE HÜTER DER SCHWELLE]]&lt;br /&gt;
* [[GA 10#NACHWORT ZUM ACHTEN BIS ELFTEN TAUSEND|NACHWORT ZUM ACHTEN BIS ELFTEN TAUSEND]]&lt;br /&gt;
* [[GA 10#Glossar|Glossar]]&lt;br /&gt;
* [[GA 10#Literatur|Literatur]]&lt;br /&gt;
** [[GA 10#Originalausgaben|Originalausgaben]]&lt;br /&gt;
&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|7}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= VORREDE ZUM ACHTEN BIS ELFTEN TAUSEND =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An dem Inhalte dieser Neuauflage des vorliegenden Buches schienen mir heim neuerlichen Durcharbeiten nur geringe Änderungen notwendig. Dagegen habe ich dieser Ausgabe ein «Nachwort» hinzugefügt, durch das ich mich bemüht habe, manches deutlicher als früher zu sagen, was die seelischen Grundlagen betrifft, auf welche die Mitteilungen des Buches gestellt werden müssen, damit sie ohne Mißverständnis entgegengenommen werden. Ich glaube, daß der Inhalt dieses Nachwortes auch geeignet sein könnte, manchen Gegner der anthroposophischen Geisteswissenschaft darüber Aufzuklären, daß er sein Urteil nur dadurch aufrechterhalten kann, weil er sich unter dieser Geisteswissenschaft etwas ganz anderes vorstellt, als sie ist; während er, was sie ist, gar nicht ins Auge faßt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mai 1918 Rudolf Steiner&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|8}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= VORREDE ZUR FÜNFTEN AUFLAGE =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für diese Neuauflage von «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» ist die vor mehr als zehn Jahren niedergeschriebene Darstellung in allen Einzelheiten wieder durchgearbeitet worden. Das Bedürfnis nach solcher Durcharbeitung entsteht naturgemäß bei Mitteilungen über Seelenerlebnisse und Seelenwege von der Art, wie sie in diesem Buche gegeben sind. Es kann ja keinen Teil innerhalb des Mitgeteilten geben, mit dem die Seele des Mitteilers nicht innig verbunden bliebe und der nicht etwas enthielte, das an dieser Seele fortdauernd arbeitet. Es ist wohl auch kaum anders möglich, als daß mit diesem seelischen Arbeiten sich ein Streben nach erhöhter Klarheit und Deutlichkeit der vor Jahren gegebenen Darstellung verbindet. Diesem Streben ist entsprungen, was ich für das Buch bei dieser Neuauflage zu tun bemüht war. Zwar sind alle wesentlichen Glieder der Auseinandersetzungen, alle Hauptsachen so geblieben, wie sie waren; und doch sind wichtige Änderungen vollzogen worden. Ich konnte für eine genauere Charakterisierung im einzelnen an vielen Stellen manches tun. Und dies schien mir wichtig. Will jemand das in dem Buche Mitgeteilte in dem eigenen Geistesleben anwenden, so ist es von Bedeutung, daß er die Seelenwege, von denen die Rede ist, in möglichst genauer Charakterisierung ins Auge zu fassen vermag. In einem viel höheren Maße als an die Schilderung der Tatsachen der physischen Welt können sich an diejenige innerer geistiger Vorgänge Mißverständnisse knüpfen. Das Bewegliche des Seelenlebens, die Notwendigkeit, diesem Leben gegenüber nie aus dem Bewußtsein&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|9}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
zu verlieren, wie verschieden es ist von allem Leben in der physischen Welt, und vieles andere, machen solche Mißverständnisse möglich. Ich habe bei dieser Neuauflage die Aufmerksamkeit darauf gerichtet, die Stellen des Buches aufzufinden, wo solche Mißverständnisse entstehen können; und ich habe mich bemüht, bei der Abfassung ihrem Entstehen entgegenzuarbeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als ich die Aufsätze schrieb, aus welchen das Buch zusammengesetzt ist, mußte über manches auch aus dem Grunde anders gesprochen werden als gegenwärtig, weil ich auf den Inhalt dessen, was ich in den letzten zehn Jahren über Tatsachen der Erkenntnis geistiger Welten veröffentlicht habe, damals anders hinzudeuten hatte, als es jetzt, nach der Veröffentlichung, zu geschehen hat. In meiner «Geheimwissenschaft», in der «Führung des Menschen und der Menschheit», in «Ein Weg zur Selbsterkenntnis» und besonders in «Die Schwelle der geistigen Welt», auch in anderen meiner Schriften sind geistige Vorgänge geschildert, auf deren Vorhandensein dieses Buch vor mehr als zehn Jahren zwar schon hindeuten mußte, dies aber doch mit anderen Worten, als es gegenwärtig richtig scheint. Ich mußte damals von vielem, das in dem Buche noch nicht geschildert wurde, sagen, es könne durch «mündliche Mitteilung» erfahren werden. Gegenwärtig ist nun vieles von dem veröffentlicht, was mit solchen Hinweisen gemeint war. Es waren aber diese Hinweise, die irrtümliche Meinungen bei den Lesern vielleicht nicht völlig ausschlossen. Man könnte etwa in dem persönlichen Verhältnis zu diesem oder jenem Lehrer bei dem nach Geistesschulung Strebenden etwas viel Wesentlicheres sehen, als gesehen werden soll. Ich hoffe, daß es&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|10}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
mir gelungen ist, in dieser neuen Auflage durch die Art der Darstellung mancher Einzelheiten schärfer zu betonen, wie es bei dem, der Geistesschulung sucht im Sinne der gegenwärtigen geistigen Bedingungen, viel mehr auf ein völlig unmittelbares Verhältnis zur objektiven Geistes-Welt als auf ein Verhältnis zur Persönlichkeit eines Lehrers ankommt. Dieser wird auch in der Geistesschulung immer mehr die Stellung nur eines solchen Helfers annehmen, die der Lehrende, gemäß den neueren Anschauungen, in irgendeinem anderen Wissenszweige innehat. Ich glaube genügend darauf hingewiesen zu haben, daß des Lehrers Autorität und der Glaube an ihn in der Geistesschulung keine andere Rolle spielen sollten, als dies der Fall ist auf irgendeinem anderen Gebiete des Wissens und Lebens. Mir scheint viel darauf anzukommen, daß immer richtiger beurteilt werde gerade dieses Verhältnis des Geistesforschers zu Menschen, die Interesse entwickeln für die Ergebnisse seines Forschens. So glaube ich das Buch verbessert zu haben, wo ich das Verbesserungsbedürftige nach zehn Jahren zu finden in der Lage war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An diesen ersten Teil soll sich ein zweiter anschließen. Dieser soll weitere Ausführungen über die Seelenverfassung bringen, welche den Menschen zum Erleben der höheren Welten führt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Neuauflage des Buches lag fertig gedruckt vor, als der große Krieg begann, den die Menschheit gegenwärtig erlebt. Diese Vorbemerkungen habe ich zu schreiben, während meine Seele tief bewegt ist von dem schicksaltragenden Ereignisse.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Berlin, 7. September 1914 Rudolf Steiner&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|11}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= VORREDE ZUR DRITTEN AUFLAGE =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es erscheinen hiermit als Buch meine Ausführungen, welche ursprünglich als einzelne Aufsätze unter dem Titel «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» abgedruckt waren. Zunächst wird dieser Band den ersten Teil bringen; ein folgender wird die Fortsetzung enthalten. Diese Arbeit über die Entwickelung des Menschen zum Erfassen der übersinnlichen Welten soll nicht in neuer Gestalt vor die Welt treten ohne einige Geleitworte, welche ihr hiermit vorgesetzt werden. Die in ihr enthaltenen Mitteilungen über die Seelenentwickelung des Menschen möchten verschiedenen Bedürfnissen dienen. Zunächst soll denjenigen Personen etwas gegeben werden, welche sich hingezogen fühlen zu den Ergebnissen der Geistesforschung und welche die Frage aufwerfen müssen: Ja, woher haben diejenigen ihr Wissen, welche behaupten, etwas über hohe Rätselfragen des Lebens sagen zu können? Die Geisteswissenschaft sagt über solche Rätsel etwas. Wer die Tatsachen beobachten will, welche zu diesen Aussagen führen, der muß zu übersinnlichen Erkenntnissen aufsteigen. Er muß den Weg gehen, welcher in dieser Schrift zu schildern versucht wird. Doch wäre es ein Irrtum, zu glauben, daß die Mitteilungen der Geisteswissenschaft für den wertlos seien, der nicht Neigung oder Möglichkeit hat, diesen Weg selbst zu gehen. Um die Tatsachen zu erforschen, muß man die Fähigkeit haben, in die übersinnlichen Welten hineinzutreten. Sind sie aber erforscht und werden sie mitgeteilt, so kann auch derjenige, welcher sie nicht selber wahrnimmt, sich eine hinreichende Überzeugung von der Wahrheit der Mitteilungen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|12}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
verschaffen. Ein großer Teil derselben ist ohne weiteres dadurch zu prüfen, daß man die gesunde Urteilskraft in wirklich unbefangener Weise auf sie anwendet. Man wird sich nur nicht in dieser Unbefangenheit stören lassen dürfen durch alle möglichen Vorurteile, die einmal im Menschenleben so zahlreich vorhanden sind. Es wird zum Beispiel leicht vorkommen, daß jemand findet, dies oder jenes vertrage sich nicht mit gewissen wissenschaftlichen Ergebnissen der Gegenwart. In Wahrheit gibt es kein wissenschaftliches Ergebnis, welches der geistigen Forschung widerspricht. Doch kann man leicht glauben, daß dieses oder jenes wissenschaftliche Urteil zu den Mitteilungen über die höheren Welten nicht stimme, wenn man nicht allseitig und unbefangen die wissenschaftlichen Ergebnisse zu Rate zieht. Man wird finden, daß, je unbefangener man die Geisteswissenschaft gerade mit den positiven wissenschaftlichen Errungenschaften zusammenhält, um so schöner die volle Übereinstimmung erkannt werden kann. Ein anderer Teil der geisteswissenschaftlichen Mitteilungen wird sich allerdings mehr oder weniger dem bloßen Verstandesurteile entziehen. Aber es wird unschwer derjenige ein rechtes Verhältnis auch zu diesem Teile gewinnen können, welcher einsieht, daß nicht nur der Verstand, sondern auch das gesunde Gefühl ein Richter über die Wahrheit sein kann. Und wo dieses Gefühl sich nicht durch Sympathie oder Antipathie für diese oder jene Meinung treiben läßt, sondern wirklich unbefangen die Erkenntnisse der übersinnlichen Welten auf sich wirken läßt, da wird sich auch ein entsprechendes Gefühlsurteil ergeben. Und noch manch anderen Weg gibt es zur Bewahrheitung dieser Erkenntnisse&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
für diejenigen Personen, welche den Pfad in die übersinnliche Welt nicht beschreiten können und wollen. Solche Menschen können aber gleichwohl fühlen, welchen Wert diese Erkenntnisse für das Leben haben, auch wenn sie sie nur aus den Mitteilungen der Geistesforscher erfahren. Ein schauender Mensch kann nicht ein jeder augenblicklich werden; eine rechte gesunde Lebensnahrung sind aber die Erkenntnisse des schauenden Menschen für jedermann. Denn anwenden im Leben kann sie jeder. Und wer es tut, wird bald einsehen, was das Leben mit ihnen auf allen Gebieten sein kann und was es entbehrt, wenn man sie ausschließt. Die Erkenntnisse der übersinnlichen Welten erweisen sich, richtig im Leben angewendet, nicht unpraktisch, sondern im höchsten Sinne praktisch. Wenn aber auch jemand den höheren Erkenntnispfad nicht selbst betreten will, so kann er doch, wenn er Neigung für die auf demselben beobachteten Tatsachen hat, fragen: Wie kommt der schauende Mensch zu diesen Tatsachen? Denjenigen Personen, welche ein Interesse an dieser Frage haben, möchte diese Schrift ein Bild von dem geben, was man unternehmen muß, um die übersinnliche Welt wirklich kennenzulernen. Sie möchte den Weg in dieselbe so darstellen, daß auch derjenige, der ihn nicht selbst geht, Vertrauen gewinnen kann zu dem, was ein solcher sagt, der ihn gegangen ist. Man kann ja auch, wenn man gewahr wird, was der Geistesforscher tut, dies richtig finden und sich sagen: die Schilderung des Pfades in die höheren Welten macht auf mich einen solchen Eindruck, daß ich verstehen kann, warum die mitgeteilten Tatsachen mir einleuchtend erscheinen. So soll also diese Schrift jenen dienen, welche in ihrem Wahrheitssinn und&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Wahrheitsgefühl für die übersinnliche Welt eine Stärkung und Sicherheit wünschen. Nicht minder möchte sie aber auch denjenigen etwas bieten, welche den Weg zu den übersinnlichen Erkenntnissen selbst suchen. Diejenigen Personen werden die Wahrheit des hier Dargestellten am besten erproben, welche sie in sich selbst verwirklichen. Wer solch eine Absicht hat, wird gut tun, sich immer wieder zu sagen, daß bei Darstellung der Seelen-Entwickelung mehr notwendig ist als ein solches Bekanntwerden mit dem Inhalte, wie es bei anderen Ausführungen oftmals angestrebt wird. Ein intimes Hineinleben in die Darstellung ist notwendig; die Voraussetzung soll man machen, daß man die eine Sache nicht nur durch das begreifen soll, was über sie selbst gesagt wird, sondern durch manches, was über ganz anderes mitgeteilt wird. Man wird so die Vorstellung erhalten, daß nicht in einer Wahrheit das Wesentliche liegt, sondern in dem Zusammenstimmen aller. Wer Übungen ausführen will, muß das ganz ernstlich bedenken. Eine Übung kann richtig verstanden, auch richtig ausgeführt sein; und dennoch kann sie unrichtig wirken, wenn nicht von dem Ausführenden ihr eine andere Übung hinzugefügt wird, welche die Einseitigkeit der ersten zu einer Harmonie der Seele auslöst. Wer diese Schrift intim liest, so daß ihm Lesen wie ein innerliches Erleben wird, der wird sich nicht nur mit dem Inhalte bekannt machen, sondern auch an dieser Stelle dieses, an einer anderen jenes Gefühl haben; und dadurch wird er erkennen, welches Gewicht für die Seelenentwickelung dem einen oder dem anderen zukommt. Er wird auch herausfinden, in welcher Form er diese oder jene Übung, nach seiner besonderen Individualität, gerade bei&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
sich versuchen sollte. Wenn, wie hier, Beschreibungen in Betracht kommen von Vorgängen, welche erlebt werden sollen, so erweist sich als notwendig, daß man auf den Inhalt immer wieder zurückgreife; denn man wird sich überzeugen, daß man manches erst dann für sich selbst zu einem befriedigenden Verständnis bringt, wenn man es versucht hat und nach dem Versuche gewisse Feinheiten der Sache bemerkt, die einem früher entgehen mußten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch solche Leser, welche den Weg, der vorgezeichnet ist, nicht zu gehen beabsichtigen, werden in der Schrift manches Brauchbare für das innere Leben finden: Lebensregeln, Hinweise, wie dies oder jenes sich aufklärt, was rätselhaft erscheint und so weiter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und mancher, der durch seine Lebenserfahrung dieses oder jenes hinter sich hat, in mancher Beziehung eine Lebenseinweihung durchgemacht hat, wird eine gewisse Befriedigung finden können, wenn er im Zusammenhange geklärt findet, was ihm im einzelnen vorgeschwebt hat; was er schon wußte, ohne vielleicht dies Wissen bis zu einer für ihn selbst hinreichenden Vorstellung gebracht zu haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
= WIE ERLANGT MAN ERKENNTNISSE DER HÖHEREN WELTEN?=&lt;br /&gt;
== Bedingungen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es schlummern in jedem Menschen Fähigkeiten, durch die er sich Erkenntnisse über höhere Welten erwerben kann. Der Mystiker, der Gnostiker, der Theosoph sprachen stets von einer Seelen- und einer Geisterwelt, die für sie ebenso vorhanden sind wie diejenige, die man mit physischen Augen sehen, mit physischen Händen betasten kann. Der Zuhörer darf sich in jedem Augenblicke sagen: wovon dieser spricht, kann ich auch erfahren, wenn ich gewisse Kräfte in mir entwickele, die heute noch in mir schlummern. Es kann sich nur darum handeln, wie man es anzufangen hat, um solche Fähigkeiten in sich zu entwickeln. Dazu können nur diejenigen Anleitung geben, die schon in sich solche Kräfte haben. Es hat, seit es ein Menschengeschlecht gibt, auch immer eine Schulung gegeben, durch die solche, die höhere Fähigkeiten hatten, denen Anleitung gaben, die ebensolche Fähigkeiten suchten. Man nennt solche Schulung Geheimschulung; und der Unterricht, welcher da empfangen wird, heißt geheimwissenschaftlicher oder okkulter Unterricht. Eine solche Bezeichnung erweckt naturgemäß Mißverständnis. Wer sie hört, kann leicht zu dem Glauben verführt werden, daß diejenigen, die für solche Schulung tätig sind, eine besonders bevorzugte Menschenklasse darstellen wollen, die willkürlich ihr Wissen den Mitmenschen vorenthält. Ja, man denkt wohl auch, daß vielleicht überhaupt nichts Erhebliches hinter solchem Wissen stecke. Denn, wenn es&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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ein wahres Wissen wäre so ist man versucht zu denken , so brauchte man daraus kein Geheimnis zu machen: man könnte es öffentlich mitteilen und die Vorteile davon allen Menschen zugänglich machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diejenigen, welche in die Natur des Geheimwissens eingeweiht sind, wundern sich nicht im geringsten darüber, daß die Uneingeweihten so denken. Worin das Geheimnis der Einweihung besteht, kann nur derjenige verstehen, der selbst diese Einweihung in die höheren Geheimnisse des Daseins bis zu einem gewissen Grade erfahren hat. Nun kann man fragen: wie soll denn der Uneingeweihte überhaupt irgendein menschliches Interesse an dem sogenannten Geheimwissen unter solchen Umständen erlangen? Wie und warum soll er etwas suchen, von dessen Natur er sich doch gar keine Vorstellung machen kann? Aber schon einer solchen Frage liegt eine ganz irrtümliche Vorstellung von dem Wesen des Geheimwissens zugrunde. In Wahrheit verhält es sich mit dem Geheimwissen nämlich doch nicht anders als mit allem übrigen Wissen und Können des Menschen. Dieses Geheimwissen ist für den Durchschnittsmenschen in keiner anderen Beziehung ein Geheimnis, als warum das Schreiben für den ein Geheimnis ist, der es nicht gelernt hat. Und wie jeder schreiben lernen kann, der die rechten Wege dazu wählt, so kann jeder ein Geheimschüler, ja ein Geheimlehrer werden, der die entsprechenden Wege dazu sucht. Nur in einer Hinsicht liegen die Verhältnisse hier noch anders als beim äußeren Wissen und Können. Es kann jemandem durch Armut, durch die Kulturverhältnisse, in die er hineingeboren ist, die Möglichkeit fehlen, sich die Kunst des Schreibens anzueignen; für die Erlangung von Wissen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
und Können in den höheren Welten gibt es kein Hindernis für denjenigen, der diese ernstlich sucht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele glauben, man müsse die Meister des höheren Wissens da und dort aufsuchen, um von ihnen Aufschlüsse zu erhalten. Aber zweierlei ist richtig. Erstens wird derjenige, der ernstlich nach höherem Wissen trachtet, keine Mühe, kein Hindernis scheuen, um einen Eingeweihten aufzusuchen, der ihn in die höheren Geheimnisse der Welt einführen kann. Aber andererseits kann auch jeder sich klar darüber sein, daß ihn die Einweihung unter allen Umständen finden wird, wenn ernstes und würdiges Streben nach Erkenntnis vorliegt. Denn es gibt ein natürliches Gesetz für alle Eingeweihten, das sie dazu veranlaßt, keinem suchenden Menschen ein ihm gebührendes Wissen vorzuenthalten. Aber es gibt ein ebenso natürliches Gesetz, welches besagt, daß niemandem irgend etwas von dem Geheimwissen ausgeliefert werden kann, zu dem er nicht berufen ist und ein Eingeweihter ist um so vollkommener, je strenger er diese beiden Gesetze beobachtet. Das geistige Band, das alle Eingeweihten umfaßt, ist kein äußeres, aber die beiden genannten Gesetze bilden feste Klammern, durch welche die Bestandteile dieses Bandes zusammengehalten werden. Du magst in intimer Freundschaft mit einem Eingeweihten leben: du bist doch so lange von seinem Wesen getrennt, bis du selbst ein Eingeweihter geworden bist. Du magst das Herz, die Liebe eines Eingeweihten im vollsten Sinne genießen: sein Geheimnis wird er dir erst anvertrauen, wenn du reif dazu bist. Du magst ihm schmeicheln, du magst ihn foltern: nichts kann ihn bestimmen, dir irgend etwas zu verraten, von dem er weiß, daß es dir nicht verraten werden darf,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
weil du auf der Stufe deiner Entwickelung dem Geheimnis noch nicht den rechten Empfang in deiner Seele zu bereiten verstehst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Wege, die den Menschen reif zum Empfange eines Geheimnisses machen, sind genau bestimmte. Ihre Richtung ist mit unauslöschbaren, ewigen Buchstaben vorgezeichnet in den Geisteswelten, in denen die Eingeweihten die höheren Geheimnisse behüten. In alten Zeiten, die vor unsrer «Geschichte» liegen, waren die Tempel des Geistes auch äußerlich sichtbare; heute, wo unser Leben so ungeistig geworden ist, sind sie nicht in der Welt vorhanden, die dem äußeren Auge sichtbar ist. Aber sie sind geistig überall vorhanden; und jeder, der sucht, kann sie finden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nur in seiner eigenen Seele kann der Mensch die Mittel finden, die ihm den Mund der Eingeweihten öffnen. Gewisse Eigenschaften muß er in sich bis zu einem bestimmten hohen Grade entwickeln, dann können ihm die höchsten Geistesschätze zuteil werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine gewisse Grundstimmung der Seele muß den Anfang bilden. Der Geheimforscher nennt diese Grundstimmung den Pfad der Verehrung, der Devotion gegenüber der Wahrheit und Erkenntnis. Nur wer diese Grundstimmung hat, kann Geheimschüler werden. Wer Erlebnisse auf diesem Gebiete hat, der weiß, welche Anlagen bei denen schon in der Kindheit zu bemerken sind, welche später Geheimschüler werden. Es gibt Kinder, die mit heiliger Scheu zu gewissen von ihnen verehrten Personen emporblicken. Sie haben eine Ehrfurcht vor ihnen, die ihnen im tiefsten Herzensgrunde verbietet, irgendeinen Gedanken aufkommen zu lassen von Kritik, von Opposition. Solche Kinder wachsen zu Jünglingen und Jungfrauen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
heran, denen es wohltut, wenn sie zu irgend etwas Verehrungsvollem aufsehen können. Aus den Reihen dieser Menschenkinder gehen viele Geheimschüler hervor. Hast du einmal vor der Türe eines verehrten Mannes gestanden und hast du bei diesem deinem ersten Besuche eine heilige Scheu empfunden, auf die Klinke zu drücken, um in das Zimmer zu treten, das für dich ein «Heiligtum» ist, so hat sich in dir ein Gefühl geäußert, das der Keim sein kann für deine spätere Geheimschülerschaft. Es ist ein Glück für jeden heranwachsenden Menschen, solche Gefühle als Anlagen in sich zu tragen. Man glaube nur ja nicht, daß solche Anlagen den Keim zur Unterwürfigkeit und Sklaverei bilden. Es wird später die erst kindliche Verehrung gegenüber Menschen zur Verehrung gegenüber Wahrheit und Erkenntnis. Die Erfahrung lehrt, daß diejenigen Menschen auch am besten verstehen, das Haupt frei zu tragen, die verehren gelernt haben da, wo Verehrung am Platze ist. Und am Platze ist sie überall da, wo sie aus den Tiefen des Herzens entspringt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir nicht das tiefgründige Gefühl in uns entwickeln, daß es etwas Höheres gibt, als wir sind, werden wir auch nicht in uns die Kraft finden, uns zu einem Höheren hinaufzuentwickeln. Der Eingeweihte hat sich nur dadurch die Kraft errungen, sein Haupt zu den Höhen der Erkenntnis zu erheben, daß er sein Herz in die Tiefen der Ehrfurcht, der Devotion geführt hat. Höhe des Geistes kann nur erklommen werden, wenn durch das Tor der Demut geschritten wird. Ein rechtes Wissen kannst du nur erlangen, wenn du gelernt hast, dieses Wissen zu achten. Der Mensch hat gewiß das Recht, sein Auge dem Lichte entgegenzuhalten; aber er muß dieses Recht erwerben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|21}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im geistigen Leben gibt es ebenso Gesetze wie im materiellen. Streiche eine Glasstange mit einem entsprechenden Stoffe, und sie wird elektrisch, das heißt: sie erhält die Kraft, kleine Körper anzuziehen. Dies entspricht einem Naturgesetz. Hat man ein wenig Physik gelernt, so weiß man dies. Und ebenso weiß man, wenn man die Anfangsgründe der Geheimwissenschaft kennt, daß jedes in der Seele entwickelte Gefühl von wahrer Devotion eine Kraft entwickelt, die in der Erkenntnis früher oder später weiter führen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer in seinen Anlagen die devotionellen Gefühle hat, oder wer das Glück hat, sie durch eine entsprechende Erziehung eingepflanzt zu erhalten, der bringt vieles mit, wenn er im späteren Leben den Zugang zu höheren Erkenntnissen sucht. Wer eine solche Vorbereitung nicht mitbringt, dem erwachsen schon auf der ersten Stufe des Erkenntnispfades Schwierigkeiten, wenn er nicht durch Selbsterziehung die devotionelle Stimmung energisch in sich zu erzeugen unternimmt. In unserer Zeit ist es ganz besonders wichtig, daß auf diesen Punkt die volle Aufmerksamkeit gelenkt wird. Unsere Zivilisation neigt mehr zur Kritik, zum Richten, zum Aburteilen und wenig zur Devotion, zur hingebungsvollen Verehrung. Unsere Kinder schon kritisieren viel mehr, als sie hingebungsvoll verehren. Aber jede Kritik, jedes richtende Urteil vertreiben ebensosehr die Kräfte der Seele zur höheren Erkenntnis, wie jede hingebungsvolle Ehrfurcht sie entwickelt. Damit soll gar nichts gegen unsere Zivilisation gesagt sein. Es handelt sich hier gar nicht darum, Kritik an dieser unserer Zivilisation zu üben. Gerade der Kritik, dem selbstbewußten. menschlichen Urteil, dem «Prüfet alles und das Beste&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|22}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
behaltet», verdanken wir die Größe unserer Kultur. Nimmermehr hätte der Mensch die Wissenschaft, die Industrie, den Verkehr, die Rechtsverhältnisse unserer Zeit erlangt, wenn er nicht überall Kritik geübt, überall den Maßstab seines Urteils angelegt hätte. Aber was wir dadurch an äußerer Kultur gewonnen haben, mußten wir mit einer entsprechenden Einbuße an höherer Erkenntnis, an spirituellem Leben bezahlen. Betont muß werden, daß es sich beim höheren Wissen nicht um Verehrung von Menschen, sondern um eine solche gegenüber Wahrheit und Erkenntnis handelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nur das eine muß freilich sich jeder klarmachen, daß derjenige, der ganz in der veräußerlichten Zivilisation unserer Tage darinnen steckt, es sehr schwer hat, zur Erkenntnis der höheren Welten vorzudringen. Er kann es nur, wenn er energisch an sich arbeitet. In einer Zeit, in der die Verhältnisse des materiellen Lebens einfache waren, war auch geistiger Aufschwung leichter zu erreichen. Das Verehrungswürdige, das Heiligzuhaltende hob sich mehr von den übrigen Weltverhältnissen ab. Die Ideale werden in einem kritischen Zeitalter herabgezogen. Andere Gefühle treten an die Stelle der Verehrung, der Ehrfurcht, der Anbetung und Bewunderung. Unser Zeitalter drängt diese Gefühle immer mehr zurück, so daß sie durch das alltägliche Leben dem Menschen nur noch in sehr geringem Grade zugeführt werden. Wer höhere Erkenntnis sucht, muß sie in sich erzeugen. Er muß sie selbst seiner Seele einflößen. Das kann man nicht durch Studium. Das kann man nur durch das Leben. Wer Geheimschüler werden will, muß sich daher energisch zur devotionellen Stimmung erziehen. Er muß überall in seiner Umgebung,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|23}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
in seinen Erlebnissen dasjenige aufsuchen, was ihm Bewunderung und Ehrerbietung abzwingen kann. Begegne ich einem Menschen und tadle ich seine Schwächen, so raube ich mir höhere Erkenntniskraft; suche ich liebevoll mich in seine Vorzüge zu vertiefen, so sammle ich solche Kraft. Der Geheimjünger muß fortwährend darauf bedacht sein, diese Anleitung zu befolgen. Erfahrene Geheimforscher wissen, was sie für eine Kraft dem Umstande verdanken, daß sie immer wieder allen Dingen gegenüber auf das Gute sehen und mit dem richtenden Urteile zurückhalten. Aber dies darf nicht eine äußerliche Lebensregel bleiben. Sondern es muß von dem Innersten unsrer Seele Besitz ergreifen. Der Mensch hat es in seiner Hand, sich selbst zu vervollkommnen, sich mit der Zeit ganz zu verwandeln. Aber es muß sich diese Umwandlung in seinem Innersten, in seinem Gedankenleben vollziehen. Es genügt nicht, daß ich äußerlich in meinem Verhalten Achtung gegenüber einem Wesen zeige. Ich muß diese Achtung in meinen Gedanken haben. Damit muß der Geheimschüler beginnen, daß er die Devotion in sein Gedankenleben aufnimmt. Er muß auf die Gedanken der Unehrerbietung, der abfälligen Kritik in seinem Bewußtsein achten. Und er muß geradezu suchen, in sich Gedanken der Devotion zu pflegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jeder Augenblick, in dem man sich hinsetzt, um gewahr zu werden in seinem Bewußtsein, was in einem steckt an abfälligen, richtenden, kritischen Urteilen über Welt und Leben: jeder solcher Augenblick bringt uns der höheren Erkenntnis näher. Und wir steigen rasch auf, wenn wir in solchen Augenblicken unser Bewußtsein nur erfüllen mit Gedanken, die uns mit Bewunderung, Achtung,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|24}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verehrung gegenüber Welt und Leben erfüllen. Wer in diesen Dingen Erfahrung hat, der weiß, daß in jedem solchen Augenblicke Kräfte in dem Menschen erweckt werden, die sonst schlummernd bleiben. Es werden dadurch dem Menschen die geistigen Augen geöffnet. Er fängt dadurch an, Dinge um sich herum zu sehen, die er früher nicht hat sehen können. Er fängt an zu begreifen, daß er vorher nur einen Teil der ihn umgebenden Welt gesehen hat. Der Mensch, der ihm gegenübertritt, zeigt ihm jetzt eine ganz andere Gestalt als vorher. Zwar wird er durch diese Lebensregel noch nicht imstande sein, schon das zu sehen, was zum Beispiel als die menschliche Aura beschrieben wird. Denn dazu ist eine noch höhere Schulung nötig. Aber eben zu dieser höheren Schulung kann er aufsteigen, wenn er vorher eine energische Schulung in Devotion durchgemacht hat.*&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Geräuschlos und unbemerkt von der äußeren Welt vollzieht sich das Betreten des «Erkenntnispfades» durch den Geheimschüler. Niemand braucht an ihm eine Veränderung wahrzunehmen. Er tut seine Pflichten wie vorher; er besorgt seine Geschäfte wie ehedem. Die Verwandlung geht lediglich mit der inneren Seite der Seele vor sich, die dem äußeren Auge entzogen ist. Zunächst überstrahlt das ganze Gemütsleben des Menschen die eine Grundstimmung der Devotion gegenüber allem wahrhaft Ehrwürdigen. In diesem einen Grundgefühle findet sein ganzes Seelenleben den Mittelpunkt. Wie die Sonne durch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- - -&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;#&amp;lt;/nowiki&amp;gt;FN010-024-* In übersichtlicher Art findet man den «Pfad der Erkenntnis» im letzten Abschnitt meiner «Theosophie, Einführung in übersinnliche Weltanschauung und Menschenbestimmung». Hier sollen im einzelnen praktische Gesichtspunkte angegeben werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|25}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ihre Strahlen alles Lebendige belebt, so belebt beim Geheimschüler die Verehrung alle Empfindungen der Seele.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es wird dem Menschen anfangs nicht leicht, zu glauben, daß Gefühle wie Ehrerbietung, Achtung und so weiter etwas mit seiner Erkenntnis zu tun haben. Dies rührt davon her, daß man geneigt ist, die Erkenntnis als eine Fähigkeit für sich hinzustellen, die mit dem in keiner Verbindung steht, was sonst in der Seele vorgeht man bedenkt dabei aber nicht, daß die Seele es ist, welche erkennt und für die Seele sind Gefühle das, was für den Leib die Stoffe sind, welche seine Nahrung ausmachen. Wenn man dem Leibe Steine statt Brot gibt, so erstirbt seine Tätigkeit ähnlich ist es mit der Seele. Für sie sind Verehrung, Achtung, Devotion nährende Stoffe, die sie gesund, kräftig machen; vor allem kräftig zur Tätigkeit des Erkennens. Mißachtung, Antipathie, Unterschätzung des Anerkennenswerten bewirken Lähmung und Ersterben der erkennenden Tätigkeit. Für den Geistesforscher ist diese Tatsache an der Aura ersichtlich. Eine Seele, die sich verehrende, devotionelle Gefühle aneignet, bewirkt eine Veränderung ihrer Aura. Gewisse als gelbrote, braun-rote zu bezeichnende geistige Farbentöne verschwinden und werden durch blaurote ersetzt. Dadurch aber öffnet sich das Erkenntnisvermögen; es empfängt Kunde von Tatsachen in seiner Umgebung, von denen es vorher keine Ahnung hatte. Die Verehrung weckt eine sympathische Kraft in der Seele, und durch diese werden Eigenschaften der uns umgebenden Wesen von uns angezogen, die sonst verborgen bleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wirksamer noch wird das, was durch die Devotion zu erreichen ist, wenn eine andere Gefühlsart hinzukommt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|26}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie besteht darinnen, daß der Mensch lernt, sich immer weniger den Eindrücken der Außenwelt hinzugeben, und dafür ein reges Innenleben entwickelt. Ein Mensch, der von einem Eindruck der Außenwelt zu dem andern jagt, der stets nach «Zerstreuung» sucht, findet nicht den Weg zur Geheimwissenschaft. Nicht abstumpfen soll sich der Geheimschüler für die Außenwelt; aber sein reiches Innenleben soll ihm die Richtung geben, in der er sich ihren Eindrücken hingibt. Wenn ein gefühlsreicher und gemütstiefer Mensch durch eine schöne Gebirgslandschaft geht, erlebt er anderes als ein gefühlsarmer. Erst was wir im Innern erleben, gibt uns den Schlüssel zu den Schönheiten der Außenwelt. Der eine fährt über das Meer, und nur wenig innere Erlebnisse ziehen durch seine Seele; der andere empfindet dabei die ewige Sprache des Weltgeistes; ihm enthüllen sich geheime Rätsel der Schöpfung. Man muß gelernt haben, mit seinen eigenen Gefühlen, Vorstellungen umzugehen, wenn man ein inhaltvolles Verhältnis zur Außenwelt entwickeln will. Die Außenwelt ist in allen ihren Erscheinungen erfüllt von göttlicher Herrlichkeit; aber man muß das Göttliche erst in seiner Seele selbst erlebt haben, wenn man es in der Umgebung finden will. Der Geheimschüler wird darauf verwiesen, sich Augenblicke in seinem Leben zu schaffen, in denen er still und einsam sich in sich selbst versenkt. Nicht den Angelegenheiten seines eigenen Ich aber soll er sich in solchen Augenblicken hingeben. Das würde das Gegenteil von dem bewirken, was beabsichtigt ist. Er soll vielmehr in solchen Augenblicken in aller Stille nachklingen lassen, was er erlebt hat, was ihm die äußere Welt gesagt hat. Jede Blume, jedes Tier, jede Handlung wird ihm in solchen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|27}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
stillen Augenblicken ungeahnte Geheimnisse enthüllen. Und er wird vorbereitet dadurch, neue Eindrücke der Außenwelt mit ganz anderen Augen zu sehen als vorher. Wer nur Eindruck nach Eindruck genießen will, stumpft sein Erkenntnisvermögen ab. Wer, nach dem Genusse, sich von dem Genusse etwas offenbaren läßt, der pflegt und erzieht sein Erkenntnisvermögen. Er muß sich nur daran gewöhnen, nicht etwa nur den Genuß nachklingen zu lassen, sondern, mit Verzicht auf weiteren Genuß, das Genossene durch innere Tätigkeit zu verarbeiten. Die Klippe ist hier eine sehr große, die Gefahr bringt. Statt in sich zu arbeiten, kann man leicht in das Gegenteil verfallen und den Genuß nur hinterher noch völlig ausschöpfen wollen. Man unterschätze nicht, daß sich hier unabsehbare Quellen des Irrtums für den Geheimschüler eröffnen. Er muß ja hindurch zwischen einer Schar von Verführern seiner Seele. Sie alle wollen sein «Ich» verhärten, in sich selbst verschließen. Er aber soll es aufschließen für die Welt. Er muß ja den Genuß suchen; denn nur durch ihn kommt die Außenwelt an ihn heran. Stumpft er sich gegen den Genuß ab, so wird er wie eine Pflanze, die aus ihrer Umgebung keine Nahrungsstoffe mehr an sich ziehen kann. Bleibt er aber beim Genusse stehen, so verschließt er sich in sich selbst Er wird nur etwas für sich, nichts für die Welt bedeuten. Mag er in sich dann noch so sehr leben, mag er sein «Ich» noch so stark pflegen: die Welt scheidet ihn aus. Für sie ist er tot. Der Geheimschüler betrachtet den Genuß nur als ein Mittel, um sich für die Welt zu veredeln. Der Genuß ist ihm ein Kundschafter, der ihn unterrichtet über die Welt; aber er schreitet nach dem Unterricht durch den Genuß zur Arbeit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|28}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
vorwärts. Er lernt nicht, um das Gelernte als seine Wissensschätze aufzuhäufen, sondern um das Gelernte in den Dienst der Welt zu stellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist ein Grundsatz in aller Geheimwissenschaft, der nicht übertreten werden darf, wenn irgendein Ziel erreicht werden soll. Jede Geheimschulung muß ihn dem Schüler einprägen. Er heißt: Jede Erkenntnis, die du suchst, nur um dein Wissen zu bereichern, nur um Schätze in dir anzuhäufen, führt dich ab von deinem Wege; jede Erkenntnis aber, die du suchst, um reifer zu werden auf dem Wege der Menschenveredelung und der Weltenentwickelung, die bringt dich einen Schritt vorwärts. Dieses Gesetz fordert unerbittlich seine Beobachtung. Und man ist nicht früher Geheimschüler, ehe man dieses Gesetz zur Richtschnur seines Lebens gemacht hat. Man kann diese Wahrheit der geistigen Schulung in den kurzen Satz zusammenfassen: Jede Idee, die dir nicht zum Ideal wird, ertötet in deiner Seele eine Kraft; jede Idee, die aber zum Ideal wird, erschafft in dir Lebenskräfte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Innere Ruhe ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf den Pfad der Verehrung und auf die Entwickelung des inneren Lebens wird der Geheimschüler im Anfange seiner Laufbahn gewiesen. Die Geisteswissenschaft gibt nun auch praktische Regeln an die Hand, durch deren Beobachtung der Pfad betreten, das innere Leben entwickelt werden kann. Diese praktischen Regeln entstammen nicht der Willkür. Sie beruhen auf uralten Erfahrungen und uraltem Wissen. Sie werden überall in der gleichen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|29}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Art gegeben, wo die Wege zur höheren Erkenntnis gewiesen werden. Alle wahren Lehrer des geistigen Lebens stimmen in bezug auf den Inhalt dieser Regeln überein, wenn sie dieselben auch nicht immer in die gleichen Worte kleiden. Die untergeordnete, eigentlich nur scheinbare Verschiedenheit rührt von Tatsachen her, welche hier nicht zu besprechen sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kein Lehrer des Geisteslebens will durch solche Regeln eine Herrschaft über andere Menschen ausüben. Er will niemand in seiner Selbständigkeit beeinträchtigen. Denn es gibt keine besseren Schätzer und Hüter der menschlichen Selbständigkeit als die Geheimforscher. Es ist (im ersten Teile in dieser Schrift) gesagt worden, das Band, das alle Eingeweihten umfaßt, sei ein geistiges, und zwei naturgemäße Gesetze bilden die Klammern, welche die Bestandteile dieses Bandes zusammenhalten. Tritt nun der Eingeweihte aus seinem umschlossenen Geistgebiet heraus, vor die Öffentlichkeit: dann kommt für ihn sogleich ein drittes Gesetz in Betracht. Es ist dieses: Richte jede deiner Taten, jedes deiner Worte so ein, daß durch dich in keines Menschen freien Willensentschluß eingegriffen wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer durchschaut hat, daß ein wahrer Lehrer des Geisteslebens ganz von dieser Gesinnung durchdrungen ist, der kann auch wissen, daß er nichts von seiner Selbständigkeit einbüßt, wenn er den praktischen Regeln folgt, die ihm gebeten werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine der ersten dieser Regeln kann nun etwa in die folgenden Worte der Sprache gekleidet werden: «Schaffe dir Augenblicke innerer Ruhe und lerne in diesen Augenblicken das Wesentliche von dem Unwesentlichen unterscheiden.»&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|30}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es wird hier gesagt, diese praktische Regel laute so in «Worte der Sprache gefaßt». Ursprünglich werden nämlich alle Regeln und Lehren der Geisteswissenschaft in einer sinnbildlichen Zeichensprache gegeben. Und wer ihre ganze Bedeutung und Tragweite kennenlernen will, der muß erst diese sinnbildliche Sprache sich zum Verständnis bringen. Dieses Verständnis ist davon abhängig, daß der Betreffende bereits die ersten Schritte in der Geheimwissenschaft getan hat. Diese Schritte aber kann er durch die genaue Beobachtung solcher Regeln gehen, wie sie hier gegeben werden. Jedem steht der Weg offen, der ernstliches Wollen hat&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einfach ist die obige Regel bezüglich der Augenblicke der inneren Ruhe. Und einfach ist auch ihre Befolgung. Aber zum Ziele führt sie nur, wenn sie ebenso ernst und streng angefaßt wird, wie sie einfach ist. Ohne Umschweife soll daher hier auch gesagt werden, wie diese Regel zu befolgen ist&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Geheimschüler hat sich eine kurze Zeit von seinem täglichen Leben auszusondern, um sich in dieser Zeit mit etwas ganz anderem zu befassen, als die Gegenstände seiner täglichen Beschäftigung sind. Und auch die Art seiner Beschäftigung muß eine ganz andere sein als diejenige, mit der er den übrigen Tag ausfüllt. Das ist aber nicht so zu verstehen, als ob dasjenige, was er in dieser ausgesonderten Zeit vollbringt, nichts zu tun habe mit dem Inhalt seiner täglichen Arbeit. Im Gegenteil: der Mensch, der solche abgesonderten Augenblicke in der rechten Art sucht, wird bald bemerken, daß er durch sie erst die volle Kraft zu seiner Tagesaufgabe erhält. Auch darf nicht geglaubt werden, daß die Beobachtung dieser Regel jemandem&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|31}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wirklich Zeit von seiner Pflichtenleistung entziehen könne. Wenn jemand wirklich nicht mehr Zeit zur Verfügung haben sollte, so genügen fünf Minuten jeden Tag. Es kommt darauf an, wie diese fünf Minuten angewendet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dieser Zeit soll der Mensch sich vollständig herausreißen aus seinem Alltagsleben. Sein Gedanken-, sein Gefühlsleben soll da eine andere Färbung erhalten, als sie sonst haben. Er soll seine Freuden, seine Leiden, seine Sorgen, seine Erfahrungen, seine Taten vor seiner Seele vorbeiziehen lassen. Und er soll sich dabei so stellen, daß er alles das, was er sonst erlebt, von einem höheren Gesichtspunkte aus ansieht. Man denke nur einmal daran, wie man im gewöhnlichen Leben etwas ganz anders ansieht, was ein anderer erlebt oder getan hat, als was man selbst erlebt oder getan hat. Das kann nicht anders sein. Denn mit dem, was man selbst erlebt oder tut, ist man verwoben; das Erlebnis oder die Tat eines anderen betrachtet man nur. Was man in den ausgesonderten Augenblicken anzustreben hat, ist nun, die eigenen Erlebnisse und Taten so anzuschauen, so zu beurteilen, als ob man sie nicht selbst, sondern als ob sie ein anderer erlebt oder getan hätte. Man stelle sich einmal vor: jemand habe einen schweren Schicksalsschlag erlebt. Wie anders steht er dem gegenüber als einem ganz gleichen Schicksalsschläge bei seinem Mitmenschen? Niemand kann das für unberechtigt halten. Es liegt in der menschlichen Natur. Und ähnlich wie in solchen außergewöhnlichen Fällen ist es in den alltäglichen Angelegenheiten des Lebens. Der Geheimschüler muß die Kraft suchen, sich selbst in gewissen Zeiten wie ein Fremder gegenüberzustehen. Mit der inneren Ruhe&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|32}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
des Beurteilers muß er sich selbst entgegentreten. Erreicht man das, dann zeigen sich einem die eigenen Erlebnisse in einem neuen Lichte. Solange man in sie verwoben ist, solange man in ihnen steht, hängt man mit dem Unwesentlichen ebenso zusammen wie mit dem Wesentlichen. Kommt man zur inneren Ruhe des Überblicks, dann sondert sich das Wesentliche von dem Unwesentlichen. Kummer und Freude, jeder Gedanke, jeder Entschluß erscheinen anders, wenn man sich so selbst gegenübersteht. Es ist, wie wenn man den ganzen Tag hindurch in einem Orte sich aufgehalten hat und das Kleinste ebenso nahe gesehen hat wie das Größte; dann des Abends auf einen benachbarten Hügel steigt und den ganzen Ort auf einmal überschaut. Da erscheinen die Teile dieses Ortes in anderen gegenseitigen Verhältnissen, als wenn man darinnen ist. Mit gegenwärtig erlebten Schicksalsfügungen wird und braucht dies nicht zu gelingen; mit länger vergangenen muß es vom Schüler des Geisteslebens erstrebt werden. Der Wert solcher inneren, ruhigen Selbstschau hängt viel weniger davon ab, was man dabei erschaut, als vielmehr davon, daß man in sich die Kraft findet, die solche innere Ruhe entwickelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denn jeder Mensch trägt neben seinem wir wollen ihn so nennen Alltagsmenschen in seinem Innern noch einen höheren Menschen. Dieser höhere Mensch bleibt so lange verborgen, bis er geweckt wird. Und jeder kann diesen höheren Menschen nur selbst in sich erwecken. Solange aber dieser höhere Mensch nicht erweckt ist, so lange bleiben auch die in jedem Menschen schlummernden höheren Fähigkeiten verborgen, die zu übersinnlichen Erkenntnissen führen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|33}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Solange jemand die Frucht der inneren Ruhe nicht fühlt, muß er sich eben sagen, daß er in der ernsten strengen Befolgung der angeführten Regel fortfahren muß. Für jeden, der so verfährt, kommt der Tag, wo es um ihn herum geistig hell wird, wo sich einem Auge, das er bis dahin in sich nicht gekannt hat, eine ganz neue Welt erschließen wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und nichts braucht sich im äußeren Leben des Geheimschülers zu ändern dadurch, daß er anfängt, diese Regel zu befolgen. Er geht seinen Pflichten nach wie vorher; er duldet dieselben Leiden und erlebt dieselben Freuden zunächst wie vorher. In keiner Weise kann er dadurch dem «Leben» entfremdet werden. Ja, er kann um so voller den übrigen Tag hindurch diesem «Leben» nachgehen, weil er in seinen ausgesonderten Augenblicken ein «höheres Leben» sich aneignet. Nach und nach wird dieses «höhere Leben» schon seinen Einfluß auf das gewöhnliche geltend machen. Die Ruhe der ausgesonderten Augenblicke wird ihre Wirkung auch auf den Alltag haben. Der ganze Mensch wird ruhiger werden, wird Sicherheit bei all seinen Handlungen gewinnen, wird nicht mehr aus der Fassung gebracht werden können durch alle möglichen Zwischenfälle. Allmählich wird sich solch angehender Geheimschüler sozusagen immer mehr selbst leiten und weniger von den Umständen und äußeren Einflüssen leiten lassen. Ein solcher Mensch wird bald bemerken, was für eine Kraftquelle solche ausgesonderte Zeitabschnitte für ihn sind. Er wird anfangen, sich über Dinge nicht mehr zu ärgern, über die er sich vorher geärgert hat; unzählige Dinge, die er vorher gefürchtet hat, hören auf, ihm Befürchtungen zu machen. Eine ganz neue&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|34}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lebensauffassung eignet er sich an. Vorher ging er vielleicht zaghaft an diese oder jene Verrichtung. Er sagte sich: Oh, meine Kraft reicht nicht aus, dies so zu machen, wie ich es gerne gemacht hätte. Jetzt kommt ihm nicht mehr dieser Gedanke, sondern vielmehr ein ganz anderer. Nunmehr sagt er sich nämlich: Ich will alle Kraft zusammennehmen, um meine Sache so gut zu machen, als ich nur irgend kann. Und den Gedanken, der ihn zaghaft machen könnte, unterdrückt er. Denn er weiß, daß ihn eben die Zaghaftigkeit zu einer schlechten Leistung veranlassen könnte, daß jedenfalls diese Zaghaftigkeit nichts beitragen kann zur Verbesserung dessen, was ihm obliegt. Und so ziehen Gedanke nach Gedanke in die Lebensauffassung des Geheimschülers ein, die fruchtbar, förderlich sind für sein Leben. Sie treten an die Stelle von solchen, die ihm hinderlich, schwächend waren. Er fängt an, sein Lebensschiff einen sicheren, festen Gang zu führen innerhalb der Wogen des Lebens, während es vorher von diesen Wogen hin und her geschlagen worden ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und solche Ruhe und Sicherheit wirken auch auf das ganze menschliche Wesen zurück. Der innere Mensch wächst dadurch. Und mit ihm wachsen jene inneren Fähigkeiten, welche zu den höheren Erkenntnissen führen. Denn durch seine in dieser Richtung gemachten Fortschritte gelangt der Geheimschüler allmählich dahin, daß er selbst bestimmt, wie die Eindrücke der Außenwelt auf ihn einwirken dürfen. Er hört zum Beispiel ein Wort, durch das ein anderer ihn verletzen oder ärgern will. Vor seiner Geheimschülerschaft wäre er auch verletzt worden oder hätte sich geärgert. Da er nun den Pfad der Geheimschülerschaft betreten hat, ist er imstande, dem Worte seinen verletzenden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|35}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
oder ärgerlichen Stachel zu nehmen, bevor es den Weg zu seinem Innern gefunden hat. Oder ein anderes Beispiel. Ein Mensch wird leicht ungeduldig, wenn er warten soll. Er betritt den Pfad des Geheimschülers. Er durchdringt sich in seinen Augenblicken der Ruhe so sehr mit dem Gefühl von der Zwecklosigkeit vieler Ungeduld, daß er fortan bei jeder erlebten Ungeduld sofort dieses Gefühl gegenwärtig hat. Die Ungeduld, die sich schon einstellen wollte, verschwindet, und eine Zeit, die sonst verlorengegangen wäre unter den Vorstellungen der Ungeduld, wird vielleicht ausgefüllt von einer nützlichen Beobachtung, die während des Wartens gemacht werden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun muß man sich nur die Tragweite von alledem vergegenwärtigen. Man bedenke, daß der «höhere Mensch» im Menschen in fortwährender Entwickelung ist. Durch die beschriebene Ruhe und Sicherheit wird ihm aber allein eine gesetzmäßige Entwickelung ermöglicht. Die Wogen des äußeren Lebens zwängen den inneren Menschen von allen Seiten ein, wenn der Mensch nicht dieses Leben beherrscht, sondern von ihm beherrscht wird. Ein solcher Mensch ist wie eine Pflanze, die sich in einer Felsspalte entwickeln soll. Sie verkümmert so lange, bis man ihr Raum schafft. Dem inneren Menschen können keine äußeren Kräfte Raum schaffen. Das vermag nur die innere Ruhe, die er seiner Seele schafft. Äußere Verhältnisse können nur seine äußere Lebenslage ändern; den «geistigen Menschen» in ihm können sie nie und nimmer erwecken. In sich selbst muß der Geheimschüler einen neuen, einen höheren Menschen gebären.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser «höhere Mensch» wird dann der «innere Herrscher»,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|36}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der mit sicherer Hand die Verhältnisse des äußeren Menschen führt. Solange der äußere Mensch die Oberhand und Leitung hat, ist dieser «innere» sein Sklave und kann daher seine Kräfte nicht entfalten. Hängt es von etwas anderem als von mir ab, ob ich mich ärgere oder nicht, so bin ich nicht Herr meiner selbst, oder noch besser gesagt : ich habe den «Herrscher in mir» noch nicht gefunden. Ich muß in mir die Fähigkeit entwickeln, die Eindrücke der Außenwelt nur in einer durch mich selbst bestimmten Weise an mich herankommen zu lassen; dann kann ich erst Geheimschüler werden. Und nur insoweit der Geheimschüler ernstlich nach dieser Kraft sucht, kann er zum Ziel kommen. Es kommt nicht darauf an, wie weit es einer in einer bestimmten Zeit bringt; sondern allein darauf, daß er ernstlich sucht. Schon manchen hat es gegeben, der jahrelang sich angestrengt hat, ohne an sich einen merklichen Fortschritt zu bemerken; viele von denen aber, die nicht verzweifelt, sondern unerschütterlich geblieben sind, haben dann ganz plötzlich den «inneren Sieg» errungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gehört gewiß in mancher Lebenslage eine große Kraft dazu, sich Augenblicke innerer Ruhe zu schaffen. Aber je größer die notwendige Kraft, desto bedeutender ist auch das, was erreicht wird. Alles hängt in bezug auf die Geheimschülerschaft davon ab, daß man energisch, mit innerer Wahrheit und rückhaltloser Aufrichtigkeit sich selbst, mit allen seinen Handlungen und Taten, als ein völlig Fremder gegenüberstehen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber nur eine Seite der inneren Tätigkeit des Geheimschülers ist durch diese Geburt des eigenen höheren Menschen gekennzeichnet. Es muß dazu noch etwas anderes&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|37}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
kommen. Wenn sich nämlich der Mensch auch selbst als ein Fremder gegenübersteht, so betrachtet er doch nur sich selbst; er sieht auf diejenigen Erlebnisse und Handlungen, mit denen er durch seine besondere Lebenslage verwachsen ist. Er muß darüber hinauskommen. Er muß sich erheben zu einem rein Menschlichen, das nichts mehr mit seiner besonderen Lage zu tun hat. Er muß zu einer Betrachtung derjenigen Dinge übergehen, die ihn als Mensch etwas angingen, auch wenn er unter ganz anderen Verhältnissen, in einer ganz anderen Lage lebte. Dadurch lebt in ihm etwas auf, was über das Persönliche hinausragt. Er richtet damit den Blick in höhere Welten, als diejenigen sind, mit denen ihn der Alltag zusammenführt. Und damit beginnt der Mensch zu fühlen, zu erleben, daß er solchen höheren Welten angehört. Es sind das Welten, über die ihm seine Sinne, seine alltägliche Beschäftigung nichts sagen können. So erst verlegt er den Mittelpunkt seines Wesens in sein Inneres. Er hört auf die Stimmen in seinem Innern, die in den Augenblicken der Ruhe zu ihm sprechen; er pflegt im Innern Umgang mit der geistigen Welt. Er ist dem Alltag entrückt. Der Lärm dieses Alltags ist für ihn verstummt. Es ist um ihn herum still geworden. Er weist alles ab, was ihn an solche Eindrücke von außen erinnert. Die ruhige Beschaulichkeit im Innern, die Zwiesprache mit der rein geistigen Welt füllt seine ganze Seele aus. Ein natürliches Lebensbedürfnis muß dem Geheimschüler solche stille Beschaulichkeit werden. Er ist zunächst ganz in eine Gedanken-Welt versenkt. Er muß für diese stille Gedankentätigkeit ein lebendiges Gefühl entwickeln. Er muß lieben lernen, was ihm der Geist da zuströmt. Bald hört er dann auch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|38}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
auf, diese Gedankenwelt als etwas zu empfinden, was unwirklicher sei als die Dinge des Alltags, die ihn umgeben. Er fängt an, mit seinen Gedanken umzugehen wie mit den Dingen im Raume. Und dann naht für ihn auch der Augenblick, in dem er das, was sich ihm in der Stille innerer Gedankenarbeit offenbart, als viel höher, wirklicher zu fühlen beginnt als die Dinge im Raume. Er erfährt, daß sich Leben in dieser Gedankenwelt ausspricht. Er sieht ein, daß sich in Gedanken nicht bloße Schattenbilder ausleben, sondern, daß durch sie verborgene Wesenheiten zu ihm sprechen. Es fängt an, aus der Stille heraus zu ihm zu sprechen. Vorher hat es nur durch sein Ohr zu ihm getönt; jetzt tönt es durch seine Seele. Eine innere Sprache ein inneres Wort hat sich ihm erschlossen. Beseligt im höchsten Grade fühlt sich der Geheimschüler, wenn er diesen Augenblick zum ersten Male erlebt. Über seine ganze äußere Welt ergießt sich ein inneres Licht. Ein zweites Leben beginnt für ihn. Der Strom einer göttlichen, einer gottbeseligenden Welt ergießt sich durch ihn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Solches Leben der Seele in Gedanken, das sich immer mehr erweitert zu einem Leben in geistiger Wesenheit, nennt die Gnosis, die Geisteswissenschaft Meditation (beschauliches Nachdenken). Diese Meditation ist das Mittel zu übersinnlicher Erkenntnis. Aber nicht schwelgen in Gefühlen soll der Geheimschüler in solchen Augenblicken. Er soll nicht unbestimmte Empfindungen in seiner Seele haben. Das würde ihn nur hindern, zu wahrer geistiger Erkenntnis zu kommen. Klar, scharf, bestimmt sollen sich seine Gedanken gestalten. Dazu wird er einen Anhalt finden, wenn er sich nicht blind an die Gedanken hält, die ihm aufsteigen. Er soll sich vielmehr mit den&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|39}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
hohen Gedanken durchdringen, welche vorgeschrittene, schon vom Geist erfaßte Menschen in solchen Augenblicken gedacht haben. Er soll zum Ausgangspunkte die Schriften nehmen, die selbst solcher Offenbarung in der Meditation entsprossen sind. In der mystischen, in der gnostischen, in der geisteswissenschaftlichen Literatur von heute findet der Geheimschüler solche Schriften. Da ergeben sich ihm die Stoffe zu seiner Meditation. Die Geistsucher haben selbst in solchen Schriften die Gedanken der göttlichen Wissenschaft niedergelegt; der Geist hat durch seine Boten sie der Welt verkündigen lassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch solche Meditation geht eine völlige Verwandlung mit dem Geheimschüler vor. Er fängt an, über die Wirklichkeit ganz neue Vorstellungen sich zu bilden. Alle Dinge erhalten für ihn einen anderen Wert. Immer wieder muß es gesagt werden: nicht weltfremd wird der Geheimschüler durch solche Wandlung. Er wird auf keinen Fall seinem alltäglichen Pflichtenkreis entfremdet. Denn er lernt einsehen, daß die geringste Handlung, die er zu vollbringen hat, das geringste Erlebnis, das sich ihm darbietet, im Zusammenhang stehen mit den großen Weltwesenheiten und Weltereignissen. Wird ihm dieser Zusammenhang durch seine beschaulichen Augenblicke erst klar, dann geht er mit neuer vollerer Kraft an seinen täglichen Wirkungskreis. Denn jetzt weiß er: was er arbeitet, was er leidet, das arbeitet, leidet er um eines großen, geistigen Weltzusammenhanges willen. Kraft zum Leben, nicht Lässigkeit quillt aus der Meditation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit sicherem Schritt geht der Geheimschüler durch das Leben. Was es ihm auch bringen mag, läßt ihn aufrecht schreiten. Vorher hat er nicht gewußt, warum er arbeitet,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|40}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
warum er leidet: jetzt weiß er dies. Einzusehen ist, daß solche Meditationstätigkeit besser zum Ziele führt, wenn sie unter Anleitung erfahrener Menschen geschieht. Solchen Menschen, die von sich aus wissen, wie alles am besten zu machen ist. Man sehe daher den Rat, die Anweisung solcher Menschen sich an. Man verliert dadurch wahrlich nicht seine Freiheit. Was sonst nur unsicheres Tappen sein kann, wird durch solche Anleitung zum zielsicheren Arbeiten. Wer sich um solche kümmert, die in dieser Richtung Wissen, Erfahrung haben, wird niemals vergeblich anklopfen. Er sei sich nur bewußt, daß er nichts anderes sucht als den Rat eines Freundes, nicht die Übermacht eines solchen, der herrschen will. Man wird immer finden, daß diejenigen, die wirklich wissen, die bescheidensten Menschen sind, und daß ihnen nichts ferner liegt als dasjenige, was die Menschen Machtgelüste nennen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer sich durch die Meditation erhebt zu dem, was den Menschen mit dem Geist verbindet, der beginnt in sich das zu beleben, was ewig in ihm ist, was nicht durch Geburt und Tod begrenzt ist. Nur diejenigen können zweifeln an einem solchen Ewigen, die es nicht selbst erlebt haben. So ist die Meditation der Weg, der den Menschen auch zur Erkenntnis, zur Anschauung seines ewigen, unzerstörbaren Wesenskernes führt. Und nur durch sie kann der Mensch zu solcher Anschauung kommen. Gnosis, Geisteswissenschaft sprechen von der Ewigkeit dieses Wesenskernes, von der Wiederverkörperung desselben. Oft wird gefragt, warum weiß der Mensch nichts von seinen Erlebnissen, die jenseits von Geburt und Tod liegen? Aber nicht so sollte gefragt werden. Sondern vielmehr so: wie gelangt man zu solchem Wissen? In der richtigen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|41}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Meditation eröffnet sich der Weg. Durch sie lebt die Erinnerung auf an Erlebnisse, die jenseits von Geburt und Tod liegen. Jeder kann dieses Wissen erwerben; in jedem liegen die Fähigkeiten, selbst zu erkennen, selbst zu schauen, was echte Mystik, Geisteswissenschaft, Anthroposophie und Gnosis lehren. Er muß nur die richtigen Mittel wählen. Nur ein Wesen, das Ohren und Augen hat, kann Töne und Farben wahrnehmen. Und auch das Auge kann nichts wahrnehmen, wenn das Licht fehlt, das die Dinge sichtbar macht. In der Geheimwissenschaft sind die Mittel gegeben, die geistigen Ohren und Augen zu entwickeln und das geistige Licht zu entzünden. Als drei Stufen können die Mittel der geistigen Schulung bezeichnet werden: 1. Die Vorbereitung. Sie entwickelt die geistigen Sinne. 2. Die Erleuchtung. Sie zündet das geistige Licht an. 3. Die Einweihung. Sie eröffnet den Verkehr mit den höheren Wesenheiten des Geistes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|42}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= DIE STUFEN DER EINWEIHUNG =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die folgenden Mitteilungen sind Glieder einer geistigen Schulung, über deren Namen und Wesenheit jeder sich klar wird, der sie richtig anwendet. Sie beziehen sich auf die drei Stufen, durch welche die Schule des geistigen Lebens zu einem gewissen Grade der Einweihung führt. Aber nur so viel von diesen Auseinandersetzungen wird man hier finden, als eben öffentlich gesagt werden kann. Es sind dies Andeutungen, welche aus einer noch viel tieferen, intimen Lehre herausgeholt sind. In der Geheimschulung selbst wird ein ganz bestimmter Lehrgang befolgt. Gewisse Verrichtungen dienen dazu, die Seele des Menschen zum bewußten Verkehr mit der geistigen Welt zu bringen. Diese Verrichtungen verhalten sich etwa zu dem, was im folgenden mitgeteilt wird, wie der Unterricht, den man jemandem in einer höheren streng geregelten Schule gibt, zu der Unterweisung, die man ihm gelegentlich auf einer vorbereitenden Schule zuteil werden läßt. Doch kann die ernste und beharrliche Verfolgung dessen, was man hier angedeutet findet, zur wirklichen Geheimschulung führen. Allerdings, das ungeduldige Probieren, ohne Ernst und Beharrlichkeit, kann zu gar nichts führen. Von Erfolg kann das Geheimstudium nur sein, wenn dasjenige zunächst eingehalten wird, was bereits gesagt worden ist, und auf dieser Grundlage fortgeschritten wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Stufen, welche die angedeutete Überlieferung angibt, sind die folgenden drei: 1. Die Vorbereitung, 2. die Erleuchtung, 3. die Einweihung. Es ist nicht durchaus notwendig, daß diese drei Stufen sich so folgen, daß man&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|43}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die erste ganz durchgemacht hat, bevor die zweite, und diese, bevor die dritte an die Reihe kommen. Man kann in bezug auf gewisse Dinge schon der Erleuchtung, ja der Einweihung teilhaftig werden, wenn man in bezug auf andere sich noch in der Vorbereitung befindet. Doch wird man eine gewisse Zeit in Vorbereitung zu verbringen haben, bevor überhaupt eine Erleuchtung beginnen kann. Und wenigstens für einiges wird man erleuchtet sein müssen, wenn der Anfang mit der Einweihung gemacht werden soll. In der Beschreibung aber müssen, der Einfachheit wegen, die drei Stufen hintereinander folgen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Vorbereitung ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Vorbereitung besteht in einer ganz bestimmten Pflege des Gefühls- und Gedankenlebens. Durch diese Pflege werden Seelen- und Geistesleib mit höheren Sinneswerkzeugen und Tätigkeitsorganen begabt, wie die Naturkräfte den physischen Leib aus unbestimmter lebendiger Materie mit Organen ausgerüstet haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Anfang muß damit gemacht werden, die Aufmerksamkeit der Seele auf gewisse Vorgänge in der uns umgebenden Welt zu lenken. Solche Vorgänge sind das sprießende, wachsende und gedeihende Leben einerseits, und alle Erscheinungen, die mit Verblühen, Verwelken, Absterben zusammenhängen, andererseits. Überall, wohin der Mensch die Augen wendet, sind solche Vorgänge gleichzeitig vorhanden. Und überall rufen sie naturgemäß auch in dem Menschen Gefühle und Gedanken hervor. Aber nicht genug gibt sich unter gewöhnlichen Verhältnissen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|44}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der Mensch diesen Gefühlen und Gedanken hin. Dazu eilt er viel zu rasch von einem Eindruck zum anderen. Es handelt sich darum, daß er intensiv die Aufmerksamkeit ganz bewußt auf diese Tatsachen lenke. Er muß, wo er Blühen und Gedeihen einer ganz bestimmten Art wahrnimmt, alles andere aus seiner Seele verbannen und sich kurze Zeit ganz allein diesem einen Eindrucke überlassen. Er wird sich bald überzeugen, daß ein Gefühl, das in einem solchen Falle durch seine Seele früher nur durchgehuscht ist, anschwillt, daß es eine kräftige und energische Form annimmt. Diese Gefühlsform muß er dann ruhig in sich nachklingen lassen. Er muß dabei ganz still in seinem Innern werden. Er muß sich abschließen von der übrigen Außenwelt und ganz allein dem folgen, was seine Seele zu der Tatsache des Blühens und Gedeihens sagt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dabei soll man nur ja nicht glauben, daß man weit kommt, wenn man seine Sinne etwa stumpf macht gegen die Welt. Erst schaue man so lebhaft, so genau, als es nur irgend möglich ist, die Dinge an. Dann erst gebe man sich dem in der Seele auflebenden Gefühle, dem aufsteigenden Gedanken hin. Worauf es ankommt, ist, daß man auf beides, im völligen inneren Gleichgewicht, die Aufmerksamkeit richte. Findet man die nötige Ruhe und gibt man sich dem hin, was in der Seele auflebt, dann wird man nach entsprechender Zeit das Folgende erleben. Man wird neue Arten von Gefühlen und Gedanken in seinem Innern aufsteigen sehen, die man vorher nicht gekannt hat. Je öfter man in einer solchen Weise die Aufmerksamkeit auf etwas Wachsendes, Blühendes und Gedeihendes und damit abwechselnd auf etwas Welkendes, Absterbendes&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|45}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
lenkt, desto lebhafter werden diese Gefühle werden. Und aus den Gefühlen und Gedanken, die so entstehen, bauen sich die Hellseherorgane ebenso auf, wie sich durch Naturkräfte aus belebtem Stoffe Augen und Ohren des physischen Körpers aufbauen. Eine ganz bestimmte Gefühlsform knüpft sich an das Wachsen und Werden; eine andere ganz bestimmte an das Verwelken und Absterben. Aber nur dann, wenn die Pflege dieser Gefühle auf die beschriebene Art angestrebt wird. Es ist möglich, annähernd richtig zu beschreiben, wie diese Gefühle sind. Eine vollständige Vorstellung kann sich davon jeder selbst verschaffen, indem er diese inneren Erlebnisse durchmacht. Wer oft die Aufmerksamkeit auf den Vorgang des Werdens, des Gedeihens, des Blühens gelenkt hat, der wird etwas fühlen, was der Empfindung bei einem Sonnenaufgang entfernt ähnlich ist. Und aus dem Vorgang des Welkens, Absterbens wird sich ihm ein Erlebnis ergeben, das in ebensolcher Art mit dem langsamen Aufsteigen des Mondes im Gesichtskreis zu vergleichen ist. Diese beiden Gefühle sind zwei Kräfte, die bei gehöriger Pflege, bei immer lebhafter werdender Ausbildung zu den bedeutsamsten geistigen Wirkungen führen. Wer sich immer wieder und wieder planmäßig, mit Vorsatz, solchen Gefühlen überläßt, dem eröffnet sich eine neue Welt. Die Seelenwelt, der sogenannte astrale Plan, beginnt vor ihm aufzudämmern. Wachsen und Vergehen bleiben für ihn nicht mehr Tatsachen, die ihm solch unbestimmte, Eindrücke machen wie vorher. Sie formen sich vielmehr zu geistigen Linien und Figuren, von denen er vorher nichts ahnte. Und diese Linien und Figuren haben für die verschiedenen Erscheinungen auch verschiedene Gestalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|46}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine blühende Blume zaubert vor seine Seele eine ganz bestimmte, Linie, ebenso ein im Wachsen begriffenes Tier oder ein im Absterben befindlicher Baum. Die Seelenwelt (der astrale Plan) breitet sich langsam vor ihm aus. Nichts Willkürliches liegt in diesen Linien und Figuren. Zwei Geheimschüler, die sich auf der entsprechenden Stufe der Ausbildung befinden, werden bei dem gleichen Vorgange stets dieselben Linien und Figuren sehen. So gewiß zwei richtig sehende Menschen einen runden Tisch rund sehen, und nicht einer rund und der andere viereckig, so gewiß stellt sich vor zwei Seelen beim Anblicke einer blühenden Blume dieselbe geistige Gestalt. So wie die Gestalten der Pflanzen und Tiere in der gewöhnlichen Naturgeschichte beschrieben werden, so beschreibt oder zeichnet der Kenner der Geheimwissenschaft die geistigen Gestalten der Wachstums und Absterbensvorgänge nach Gattungen und Arten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn der Schüler so weit ist, daß er solch geistige Gestalten von Erscheinungen sehen kann, die sich seinem äußeren Auge auch physisch zeigen: dann wird er auch nicht weit entfernt sein von der Stufe, Dinge zu sehen, die kein physisches Dasein haben, die also dem ganz verborgen (okkult) bleiben müssen, der keine, Unterweisung in der Geheimlehre erhalten hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu betonen ist, daß der Geheimforscher sich nicht in ein Nachsinnen verlieren soll, was dieses oder jenes Ding bedeutet. Durch solche Verstandesarbeit bringt er sich nur von dem rechten Wege ab. Er soll frisch, mit gesundem Sinne, mit scharfer Beobachtungsgabe in die Sinnenwelt sehen und dann sich seinen Gefühlen überlassen. Was die Dinge bedeuten, das soll nicht er mit spekulierendem Verstande&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|47}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ausmachen wollen, sondern er soll es sich von den Dingen selbst sagen lassen.*&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Weiteres, worauf es ankommt, ist das, was die Geheimwissenschaft die Orientierung in den höheren Welten nennt. Man gelangt dazu, wenn man sich ganz von dem Bewußtsein durchdringt, daß Gefühle und Gedanken wirkliche Tatsachen sind, genau so wie Tische und Stühle in der physisch-sinnlichen Welt. In der seelischen und in der Gedankenwelt wirken Gefühle und Gedanken aufeinander wie in der physischen die sinnlichen Dinge. Solange jemand nicht lebhaft von diesem Bewußtsein durchdrungen ist, wird er nicht glauben, daß ein verkehrter Gedanke, den er hegt, auf andere Gedanken, die den Gedankenraum beleben, so verheerend wirken kann wie eine blindlings losgeschossene Flintenkugel für die physischen Gegenstände, die sie trifft. Ein solcher wird sich vielleicht niemals erlauben, eine physisch sichtbare Handlung zu begehen, die er für sinnlos hält. Er wird aber nicht davor zurückschrecken, verkehrte Gedanken oder Gefühle zu hegen. Denn diese erscheinen ihm ungefährlich für die übrige Welt. In der Geheimwissenschaft kann man aber nur vorwärtskommen, wenn man auf seine Gedanken und Gefühle ebenso achtet, wie man auf seine Schritte in der physischen Welt achtet. Wenn jemand eine Wand sieht, so versucht er nicht, geradewegs durch dieselbe durchzurennen; er lenkt seine Schritte seitwärts. Er richtet&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- - -&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;#&amp;lt;/nowiki&amp;gt;FN010-047-* Bemerkt soll werden, daß künstlerisches Empfinden, gepaart mit einer stillen, in sich versenkten Natur, die beste Vorbedingung für die Entwickelung der geistigen Fähigkeiten ist. Dieses Empfinden dringt ja durch die Oberfläche der Dinge hindurch und gelangt dadurch zu deren Geheimnissen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|48}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sich eben nach den Gesetzen der physischen Welt. Solche Gesetze, gibt es nun auch für die Gefühls- und Gedankenwelt. Nur können sie dem Menschen da nicht von außen sich aufdrängen. Sie müssen aus dem Leben seiner Seele selbst fließen. Man gelangt dazu, wenn man sich jederzeit verbietet, verkehrte Gefühle und Gedanken zu hegen. Alles willkürliche, Hin- und Hersinnen, alles spielerische Phantasieren, alle zufällig auf- und abwogenden Gefühle muß man sich in dieser Zeit verbieten. Man macht sich dadurch nicht gefühlsarm. Man wird nämlich bald finden, daß man reich an Gefühlen, schöpferisch in wahrer Phantasie erst wird, wenn man in solcher Art sein Inneres regelt. An die Stelle kleinlicher Gefühlsschwelgerei und spielerischer Gedankenverknüpfung treten bedeutsame Gefühle und fruchtbare Gedanken. Und diese Gefühle und Gedanken führen den Menschen dazu, sich in der geistigen Welt zu orientieren. Er kommt in richtige Verhältnisse zu den Dingen der Geisteswelt. Eine ganz bestimmte Wirkung tritt für ihn ein. Wie er als physischer Mensch seinen Weg findet zwischen den physischen Dingen, so führt ihn jetzt sein Pfad zwischen Wachsen und Absterben, die er ja auf dem oben bezeichneten Weg kennenlernt, hindurch. Er folgt dann allem Wachsenden, Gedeihenden und auch andererseits allem Verwelkenden und Absterbenden so, wie es zu seinem und der Welt Gedeihen erforderlich ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine weitere Pflege hat der Geheimschüler der Welt der Töne angedeihen zu lassen. Man unterscheide da zwischen dem Tone, der durch das sogenannte Leblose (einen fallenden Körper, eine Glocke oder ein Musikinstrument) hervorgebracht wird, und dem, welcher von Lebendigem&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|49}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(einem Tiere oder Menschen) stammt. Wer eine Glocke hört, wird den Ton wahrnehmen und ein angenehmes Gefühl daran knüpfen; wer den Schrei eines Tieres hört, wird außer diesem Gefühl in dem Tone noch die Offenbarung eines inneren Erlebnisses des Tieres, Lust oder Schmerz, verspüren. Bei der letzteren Art von Tönen hat der Geheimschüler einzusetzen. Er soll seine ganze Aufmerksamkeit darauf lenken, daß der Ton ihm etwas verkündet, was außer der eigenen Seele liegt. Und er soll sich versenken in dieses Fremde. Er soll sein Gefühl innig verbinden mit dem Schmerz oder der Lust, die ihm durch den Ton verkündet werden. Er soll darüber hinweg sich setzen, was für ihn der Ton ist, ob er ihm angenehm oder unangenehm ist, wohlbehaglich oder mißfällig; nur das soll seine Seele erfüllen, was in dem Wesen vorgeht, von dem der Ton kommt. Wer planmäßig und mit Vorbedacht solche Übungen macht, der wird sich dadurch die Fähigkeit aneignen, mit einem Wesen, sozusagen, zusammenzufließen, von dem der Ton ausgeht. Einem musikalisch empfindenden Menschen wird solche Pflege seines Gemütslebens leichter sein als einem unmusikalischen. Doch darf niemand glauben, daß der musikalische Sinn schon diese Pflege ersetzt. Man muß, als Geheimschüler, in dieser Art der ganzen Natur gegenüber empfinden lernen. Und dadurch senkt sich in Gefühls und Gedankenwelt eine neue Anlage. Die ganze Natur fängt an, dem Menschen durch ihr Ertönen Geheimnisse zuzuraunen. Was vorher seiner Seele unverständlicher Schall war, wird dadurch sinnvolle Sprache der Natur. Und wobei er vorher nur Ton gehört hat, beim Erklingen des sogenannten Leblosen, vernimmt er jetzt eine neue Sprache der Seele.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|50}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schreitet er in solcher Pflege, seiner Gefühle vorwärts, dann wird er bald gewahr, daß er hören kann, wovon er vorher nichts vermutet hat. Er fängt an, mit der Seele zu hören.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dazu muß dann noch etwas anderes kommen, um zum Gipfel zu gelangen, der auf diesem Gebiete zu erreichen ist. Was für die Ausbildung des Geheimschülers ganz besonders wichtig ist, das ist die Art, wie er anderen Menschen beim Sprechen zuhört. Er muß sich daran gewöhnen, dies so zu tun, daß dabei sein eigenes Innere vollkommen schweigt. Wenn jemand eine Meinung äußert, und ein anderer hört zu, so wird sich im Innern des letzteren im allgemeinen Zustimmung oder Widerspruch regen. Viele Menschen werden wohl auch sofort sich gedrängt fühlen, ihre zustimmende und namentlich ihre widersprechende Meinung zu äußern. Alle solche Zustimmung und allen solchen Widerspruch muß der Geheimschüler zum Schweigen bringen. Es kommt dabei nicht darauf an, daß er plötzlich seine Lebensart so ändere, daß er solch inneres, gründliches Schweigen fortwährend zu erreichen sucht. Er wird damit den Anfang machen müssen, daß er es in einzelnen Fällen tut, die er sich mit Vorsatz auswählt. Dann wird sich ganz langsam und allmählich, wie von selbst, diese ganz neue Art des Zuhörens in seine Gewohnheiten einschleichen. In der Geistesforschung wird solches planmäßig geübt. Die Schüler fühlen sich verpflichtet, übungsweise zu gewissen Zeiten sich die entgegengesetztesten Gedanken anzuhören und dabei alle Zustimmung und namentlich alles abfällige Urteilen vollständig zum Verstummen zu bringen. Es kommt darauf an, daß dabei nicht nur alles verstandesmäßige Urteilen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|51}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
schweige, sondern auch alle Gefühle des Mißfallens, der Ablehnung oder auch Zustimmung. Insbesondere muß sich der Schüler stets sorgfältig beobachten, ob nicht solche Gefühle, wenn auch nicht an der Oberfläche, so doch im intimsten Innern seiner Seele vorhanden seien. Er muß sich zum Beispiel die Aussprüche von Menschen anhören, die in irgendeiner Beziehung weit unter ihm stehen, und muß dabei jedes Gefühl des Besserwissens oder der Überlegenheit unterdrücken. Nützlich ist es für jeden, in solcher Art Kindern zuzuhören. Auch der Weiseste kann unermeßlich viel von Kindern lernen. So bringt es der Mensch dazu, die Worte des anderen ganz selbstlos zu hören, mit vollkommener Ausschaltung seiner eigenen Person, deren Meinung und Gefühlsweise. Wenn er sich so übt, kritiklos zuzuhören, auch dann, wenn die völlig entgegengesetzte Meinung vorgebracht wird, wenn das «Verkehrteste» sich vor ihm abspielt, dann lernt er nach und nach mit dem Wesen eines anderen vollständig zu verschmelzen, ganz in dasselbe aufzugehen. Er hört dann durch die Worte hindurch in des anderen Seele hinein. Durch anhaltende Übung solcher Art wird erst der Ton das rechte Mittel, um Seele, und Geist wahrzunehmen. Allerdings gehört dazu die allerstrengste Selbstzucht. Aber diese führt zu einem hohen Ziele. Wenn diese Übungen nämlich in Verbindung mit den anderen getrieben werden, die angegeben worden sind bezüglich des Tönens in der Natur, so erwächst der Seele ein neuer Hörsinn. Sie wird imstande, Kundgebungen aus der geistigen Welt wahrzunehmen, die nicht ihren Ausdruck finden in äußeren Tönen, die für das physische Ohr wahrnehmbar sind. Die Wahrnehmung des «inneren Wortes» erwacht. Dem&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|52}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Geheimschüler offenbaren sich allmählich von der Geisteswelt aus Wahrheiten. Er hört auf geistige Art zu sich sprechen.* Alle höheren Wahrheiten werden durch solches «inneres Einsprechen» erreicht. Und was man aus dem Munde eines wahren Geheimforschers hören kann, das hat er durch diese Art in Erfahrung gebracht. Damit aber soll nicht gesagt sein, daß es unnötig sei, sich mit geheimwissenschaftlichen Schriften zu befassen, bevor man selbst in solcher Weise «inneres Einsprechen» vernehmen kann. Im Gegenteil: das Lesen solcher Schriften, das Anhören der Geheimforscherlehren sind selbst Mittel, auch zu eigener Erkenntnis zu gelangen. Jeder Satz der Geheimwissenschaft, den der Mensch hört, ist geeignet, den Sinn dahin zu lenken, wohin er gelangen muß, soll die Seele wahren Fortschritt erleben. Zu all dem Gesagten muß vielmehr eifriges Studium dessen treten, was die Geheimforscher der Welt mitteilen. Bei aller Geheimschulung gehört solches Studium zur Vorbereitung. Und wer alle sonstigen Mittel anwenden wollte, er käme zu keinem Ziele, wenn er nicht die Lehren der Geheimforscher in sich aufnähme. Denn weil diese Lehren aus dem lebendigen «inneren Worte», aus der «lebendigen Einsprechung» geschöpft sind, haben sie selbst geistiges Leben. Sie sind nicht bloß Worte. Sie sind lebendige Kräfte. Und während du den Worten eines Geheimkundigen folgst, während du ein Buch liest, das einer wirklichen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- - -&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
FN010-052-* Nur wer durch selbstloses Zuhören es dahin bringt, daß er wirklich von innen aufnehmen kann, still, ohne Regung einer persönlichen Meinung oder eines persönlichen Gefühls, zu dem können die höheren Wesenheiten sprechen, von denen man in der Geheimwissenschaft spricht. Solange man noch irgendeine Meinung, irgendein Gefühl dem zu Hörenden entgegenschleudert, schweigen die Wesenheiten der Geisteswelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|53}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
inneren Erfahrung entstammt, wirken in deiner Seele Kräfte, welche dich ebenso hellsehend machen, wie die Naturkräfte aus lebendigem Stoffe deine Augen und Ohren gebildet haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Erleuchtung ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Erleuchtung geht von sehr einfachen Vorgängen aus. Auch dabei handelt es sich darum, gewisse Gefühle und Gedanken zu entwickeln, die in jedem Menschen schlummern und die erwachen müssen. Nur wer mit voller Geduld, streng und anhaltend die einfachen Vorgänge durchnimmt, den können sie zur Wahrnehmung der inneren Lichterscheinungen führen. Der erste Anfang wird damit gemacht, in einer bestimmten Art verschiedene Naturwesen zu betrachten, und zwar zum Beispiele: einen durchsichtigen, schön geformten Stein (Kristall), eine Pflanze und ein Tier. Man suche zuerst seine ganze Aufmerksamkeit auf einen Vergleich des Steines mit dem Tier in folgender Art zu lenken. Die Gedanken, die hier angeführt werden, müssen von lebhaften Gefühlen begleitet, durch die Seele ziehen. Und kein anderer Gedanke, kein anderes Gefühl dürfen sich einmischen und die intensiv aufmerksame Betrachtung stören. Man sage sich: «Der Stein hat eine Gestalt; das Tier hat auch eine Gestalt. Der Stein bleibt ruhig an seinem Ort. Das Tier verändert seinen Ort. Es ist der Trieb (die Begierde), welcher das Tier veranlaßt, seinen Ort zu ändern. Und die Triebe sind es auch, denen die Gestalt des Tieres dient. Seine Organe, seine Werkzeuge, sind diesen Trieben gemäß ausgebildet. Die Gestalt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|54}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
des Steins ist nicht nach Begierden, sondern durch begierdelose Kraft gebildet.»* Wenn man sich intensiv in diese Gedanken versenkt und dabei mit gespannter Aufmerksamkeit Stein und Tier betrachtet: dann leben in der Seele, zwei ganz verschiedene, Gefühlsarten auf. Aus dem Stein strömt die eine Art des Gefühls, aus dem Tiere die andere Art in unsere Seele. Die Sache wird wahrscheinlich im Anfange nicht gelingen: aber nach und nach, bei wirklicher geduldiger Übung, werden sich diese Gefühle einstellen. Man muß nur immerfort und fort üben. Erst sind die Gefühle nur so lange vorhanden, als die Betrachtung dauert, später wirken sie nach. Und dann werden sie zu etwas, was in der Seele lebendig bleibt. Der Mensch braucht sich dann nur zu besinnen: und die beiden Gefühle steigen immer, auch ohne Betrachtung eines äußeren Gegenstandes, auf. Aus diesen Gefühlen und den mit ihnen verbundenen Gedanken bilden sich Hellseherorgane. Tritt dann in der Betrachtung noch die Pflanze hinzu, so wird man bemerken, daß das von ihr ausgehende Gefühl, seiner Beschaffenheit und auch seinem Grade nach, in der Mitte liegt zwischen dem vom Stein und dem vom Tier ausströmenden. Die Organe, welche sich auf solche Art bilden, sind Geistesaugen. Man lernt mit ihnen allmählich etwas wie seelische und geistige Farben zu sehen. Solange man nur das sich angeeignet hat, was als&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- - -&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;#&amp;lt;/nowiki&amp;gt;FN010-054-* Die hier gemeinte Tatsache, insofern sie sich auf Kristallbeobachtung bezieht, ist von solchen, die nur in äußerlicher Weise (exoterisch) davon gehört haben, in mancherlei Art verdreht worden, woraus Verrichtungen wie «Kristallsehen» und so weiter entstanden sind. Derlei Manipulationen beruhen auf Mißverständnissen. Sie sind in vielen Büchern beschrieben worden. Aber sie bilden niemals den Gegenstand wahren (esoterischen) Geheimunterrichtes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|55}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
«Vorbereitung» beschrieben worden ist, bleibt die geistige Welt mit ihren Linien und Figuren dunkel; durch die Erleuchtung wird sie hell. Auch hier muß bemerkt werden, daß die Worte «dunkel» und «hell» sowie die anderen gebrauchten Ausdrücke nur annähernd aussprechen, was gemeint ist. Will man sich aber der gebräuchlichen Sprache bedienen, so ist nichts anderes möglich. Diese Sprache ist ja nur für die physischen Verhältnisse geschaffen. Die Geheimwissenschaft bezeichnet nun das, was für das Hellseherorgan vom Stein ausströmt, als «blau» oder «blaurot». Dasjenige, was vom Tier empfunden wird, als «rot» oder «rotgelb». In der Tat sind es Farben «geistiger Art», die da gesehen werden. Die von der Pflanze ausgehende, Farbe ist «grün», das nach und nach in ein helles ätherisches Rosarot übergeht. Die Pflanze ist nämlich dasjenige Naturwesen, welches in höheren Welten in einer gewissen Beziehung ihrer Beschaffenheit in der physischen Welt gleicht. Nicht dasselbe ist aber bei Stein und Tier der Fall. Nun muß man sich klar sein, daß mit den obengenannten Farben nur die Hauptschattierungen des Stein-, Pflanzen- und Tierreiches angegeben sind. In Wirklichkeit sind alle möglichen Zwischenschattierungen vorhanden. Jeder Stein, jede Pflanze, jedes Tier hat seine ganz bestimmte Farbennuance. Dazu kommen die Wesen der höheren Welten, die niemals sich physisch verkörpern, mit ihren oft wundervollen, oft auch gräßlichen Farben. In der Tat ist der Farbenreichtum in diesen höheren Welten unermeßlich viel größer als in der physischen Welt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hat der Mensch einmal die Fähigkeit erworben, mit «Geistesaugen» zu sehen, so begegnet er auch, über kurz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|56}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
oder lang, den genannten höheren, zum Teil auch tieferen Wesen, als der Mensch ist, die niemals die physische Wirklichkeit betreten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hat der Mensch es so weit gebracht, wie hier beschrieben ist, so stehen ihm die Wege zu vielem offen. Aber es ist keinem anzuraten, noch weiter zu gehen ohne sorgfältige Beachtung des vom Geistesforscher Gesagten oder sonst von ihm Mitgeteilten. Und auch für das schon Gesagte ist eine Beachtung solcher kundigen Führerschaft das Allerbeste. Hat übrigens der Mensch in sich die Kraft und Ausdauer, es so weit zu bringen, wie es den angegebenen elementaren Stufen der Erleuchtung entspricht, so wird er ganz gewiß auch die rechte Führung suchen und finden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Vorsicht ist aber unter allen Umständen notwendig, und wer sie nicht anwenden will, der soll am besten alle Schritte, in die Geheimwissenschaft unterlassen. Es ist notwendig, daß der Mensch, der Geheimschüler wird, nichts verliere von seinen Eigenschaften als edler, guter und für alles physisch Wirkliche empfänglicher Mensch. Er muß im Gegenteile seine moralische Kraft, seine innere Lauterkeit, seine Beobachtungsgabe während der Geheimschülerschaft fortwährend steigern. Um ein Einzelnes zu erwähnen: Während der elementaren Erleuchtungsübungen muß der Geheimschüler dafür sorgen, daß er sein Mitgefühl für die Menschen- und Tierwelt, seinen Sinn für Schönheit der Natur immerfort vergrößere. Sorgt er nicht dafür, so stumpfen sich jenes Gefühl und dieser Sinn durch solche Übungen fortwährend ab. Das Herz würde hart, der Sinn stumpf. Und das müßte zu gefährlichen Ergebnissen führen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie sich die Erleuchtung gestaltet, wenn man im Sinne&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|57}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der obigen Übungen über Stein, Pflanze und Tier zum Menschen heraufsteigt, und wie, nach der Erleuchtung, der Zusammenschluß der Seele mit der geistigen Welt unter allen Umständen sich einmal einstellt und zur Einweihung hingeleitet: davon wird in den nächsten Abschnitten gesprochen werden, soweit das sein kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es wird in unserer Zeit von vielen Menschen der Weg zur Geheimwissenschaft gesucht. Auf mancherlei Art wird das getan; und viele gefährliche, ja verwerfliche Prozeduren werden probiert. Deshalb sollen diejenigen, die etwas Wahrhaftes von diesen Dingen zu wissen meinen, anderen die Möglichkeit geben, einiges aus der Geheim-Schulung kennenzulernen. Nur soviel ist hier mitgeteilt worden, als solcher Möglichkeit entspricht. Es ist notwendig, daß etwas von dem Wahren bekanntwerde, damit nicht das Irrtümliche großen Schaden anrichte. Durch die hier vorgezeichneten Wege kann niemand Schaden nehmen, der nichts forciert. Nur das eine muß beachtet werden: niemand darf mehr Zeit und Kraft auf solche Übungen verwenden, als ihm nach seiner Lebensstellung, nach seinen Pflichten zur Verfügung stehen. Niemand darf durch den Geheimpfad irgend etwas in seinen äußeren Lebensverhältnissen augenblicklich ändern. Will man wirkliche Ergebnisse, dann muß man Geduld haben; man muß nach wenigen Minuten der Übung aufhören können und ruhig seiner Tagesarbeit nachgehen. Und nichts darf sich von Gedanken an die Übungen in die Tagesarbeit mischen. Wer nicht im höchsten und besten Sinne warten gelernt hat, der taugt nicht zum Geheimschüler und wird auch niemals zu Ergebnissen kommen, die einen erheblichen Wert haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|58}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Kontrolle der Gedanken und Gefühle ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn jemand die Wege zur Geheimwissenschaft in der Art sucht, wie es in dem vorhergehenden Kapitel beschrieben worden ist, dann darf er nicht versäumen, sich während der ganzen Arbeit durch einen fortwirkenden Gedanken zu stärken. Er muß sich nämlich stets vor Augen halten, daß er nach einiger Zeit schon ganz erhebliche Fortschritte gemacht haben kann, ohne daß sie sich ihm in der Weise zeigen, wie er es vielleicht erwartet hat. Wer dies nicht bedenkt, wird leicht die Beharrlichkeit verlieren und nach kurzer Zeit alle Versuche aufgeben. Die Kräfte und Fähigkeiten, welche man zu entwickeln hat, sind anfänglich von sehr zarter Art. Und ihre Wesenheit ist etwas ganz anderes als das, wovon sich der Mensch vorher Vorstellungen gemacht hat. Er war ja nur gewohnt, sich mit der physischen Welt zu beschäftigen. Die geistige und seelische entzog sich seinen Blicken und auch seinen Begriffen. Es ist daher gar nicht zu verwundern, daß er jetzt, wo sich in ihm geistige und seelische Kräfte entwickeln, diese nicht sogleich bemerkt. Darinnen liegt die Möglichkeit einer Beirrung für den, welcher sich, ohne sich an die Erfahrungen zu halten, welche kundige Forscher gesammelt haben, auf den Geheimpfad begibt. Der Geheimforscher kennt die Fortschritte, welche der Schüler macht, lange bevor dieser sich selbst ihrer bewußt wird. Er weiß, wie die zarten geistigen Augen sich heranbilden, ehe der Schüler etwas davon weiß. Und ein großer Teil der Anweisungen dieses Geheimforschers besteht eben darinnen, das zum Ausdrucke zu bringen, was bewirkt, daß der Schüler das Vertrauen, die Geduld, die Ausdauer nicht verliere,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|59}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
bevor er zur eigenen Erkenntnis seiner Fortschritte gelangt. Geben kann ja der Geheimkundige seinem Zögling nichts, was in diesem nicht auf verborgene Art schon liegt. Er kann nur anleiten zur Entwickelung von schlummernden Fähigkeiten. Aber, was er aus seinen Erfahrungen mitteilt, wird eine Stütze sein dem, der sich aus dem Dunkel zum Lichte durchringen will.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gar viele verlassen den Pfad zur Geheimwissenschaft bald, nachdem sie ihn betreten haben, weil ihnen ihre Fortschritte nicht sogleich bemerklich werden. Und selbst, wenn die ersten für den Zögling wahrnehmbaren höheren Erfahrungen auftreten, so betrachtet sie dieser oft als Illusionen, weil er sich ganz andere Vorstellungen von dem gemacht hat, was er erleben soll. Er verliert den Mut, weil er entweder die ersten Erfahrungen für wertlos hält oder weil sie ihm doch so unscheinbar vorkommen, daß er nicht glaubt, sie könnten ihn in absehbarer Zeit zu irgend etwas Erheblichem führen. Mut und Selbstvertrauen sind aber zwei Lichter, die auf dem Wege zur Geheimwissenschaft nicht erlöschen dürfen. Wer es nicht über sich bringen kann, eine Übung, die scheinbar unzähligemal mißglückt ist, immer wieder und wieder geduldig fortzusetzen, der kann nicht weit kommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viel früher als eine deutliche Wahrnehmung von den Fortschritten tritt ein dunkles Gefühl auf, daß man auf dem rechten Wege sei und dieses Gefühl sollte man hegen und pflegen. Denn es kann zu einem sicheren Führer werden. Vor allem muß man den Glauben ausrotten, als ob es ganz absonderliche, geheimnisvolle Verrichtungen sein müßten, durch die man zu höheren Erkenntnissen gelangt. Man muß sich klarmachen, daß von den Gefühlen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|60}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und Gedanken ausgegangen werden muß, mit denen der Mensch ja fortwährend lebt, und daß er diesen Gefühlen und Gedanken nur eine andere Richtung geben muß, als die gewohnte ist. Ein jeder sage sich zunächst: in meiner eigenen Gefühls- und Gedankenwelt liegen die höchsten Geheimnisse verborgen: ich habe sie bisher nur noch nicht wahrgenommen. Alles beruht schließlich darauf, daß der Mensch fortwährend Leib, Seele und Geist mit sich herumträgt, daß er sich aber nur seines Leibes im ausgesprochenen Sinne bewußt ist, nicht seiner Seele und seines Geistes. Und der Geheimschüler wird sich der Seele und des Geistes bewußt, wie sich der gewöhnliche Mensch seines Leibes bewußt ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deshalb kommt es darauf an, die Gefühle und Gedanken in die rechte Richtung zu bringen. Dann entwickelt man die Wahrnehmungen für das im gewöhnlichen Leben Unsichtbare. Hier soll einer der Wege angegeben werden, wie man das macht. Eine einfache Sache ist es wieder, wie fast alles, was bisher mitgeteilt worden ist. Aber von den größten Wirkungen ist sie, wenn sie beharrlich durchgeführt wird und wenn der Mensch vermag, mit der nötigen intimen Stimmung sich ihr hinzugeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man lege ein kleines Samenkorn einer Pflanze vor sich hin. Es kommt darauf an, sich vor diesem unscheinbaren Ding die rechten Gedanken intensiv zu machen und durch diese Gedanken gewisse Gefühle zu entwickeln. Zuerst mache man sich klar, was man wirklich mit Augen sieht. Man beschreibe für sich Form, Farbe und alle sonstigen Eigenschaften des Samens. Dann überlege man folgendes. Aus diesem Samenkorn wird eine vielgestaltige Pflanze entstehen, wenn es in die Erde gepflanzt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|61}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man vergegenwärtige sich diese Pflanze. Man baue sie sich in der Phantasie auf. Und dann denke man: Was ich mir jetzt in meiner Phantasie vorstelle, das werden die Kräfte der Erde und des Lichtes später wirklich aus dem Samenkorn hervorlocken. Wenn ich ein künstlich geformtes Ding vor mir hätte, das ganz täuschend dem Samenkorn nachgeahmt wäre, so daß es meine Augen nicht von einem wahren unterscheiden könnten, so würde keine Kraft der Erde und des Lichtes aus diesem eine Pflanze hervorlocken. Wer sich diesen Gedanken ganz klar macht, wer ihn innerlich erlebt, der wird sich auch den folgenden mit dem richtigen Gefühle bilden können. Er wird sich sagen: in dem Samenkorn ruht schon auf verborgene Art als Kraft der ganzen Pflanze das, was später aus ihm herauswächst. In der künstlichen Nachahmung ruht diese Kraft nicht. Und doch sind für meine Augen beide gleich. In dem wirklichen Samenkorn ist also etwas unsichtbar enthalten, was in der Nachahmung nicht ist. Auf dieses Unsichtbare lenke man nun Gefühl und Gedanken.* Man stelle sich vor: dieses Unsichtbare wird sich später in die sichtbare Pflanze verwandeln, die ich in Gestalt und Farbe vor mir haben werde. Man hänge dem Gedanken nach: das Unsichtbare wird sichtbar werden. Könnte ich nicht denken, so könnte sich mir auch nicht schon jetzt ankündigen, was erst später sichtbar werden wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- - -&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;#&amp;lt;/nowiki&amp;gt;FN010-061-* Wer da einwenden wollte, daß bei einer genaueren mikroskopischen Untersuchung sich ja doch die Nachahmung von dem wirklichen Samenkorn unterscheide, der zeigte nur, daß er nicht erfaßt hat, worauf es ankommt. Es handelt sich nicht darum, was man genau wirklich in sinnenfälliger Weise vor sich hat, sondern darum, daß man daran seelisch-geistige Kräfte entwickele.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|62}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Besonders deutlich sei es betont: Was man da denkt, muß man auch intensiv fühlen. Man muß in Ruhe, ohne alle störenden Beimischungen anderer Gedanken, den einen oben angedeuteten in sich erleben. Und man muß sich Zeit lassen, so daß sich der Gedanke und das Gefühl, das sich an ihn knüpft, gleichsam in die Seele einbohren. Bringt man das in der rechten Weise zustande, dann wird man nach einiger Zeit vielleicht erst nach vielen Versuchen eine Kraft in sich verspüren. Und diese Kraft wird eine neue Anschauung erschaffen. Das Samenkorn wird wie in einer kleinen Lichtwolke eingeschlossen erscheinen. Es wird auf sinnlich-geistige Weise, als eine Art Flamme empfunden werden. Gegenüber der Mitte dieser Flamme empfindet man so, wie man beim Eindruck der Farbe Lila empfindet; gegenüber dem Rande, wie man der Farbe bläulich gegenüber empfindet. Da erscheint das, was man vorher nicht gesehen hat und was die Kraft des Gedankens und der Gefühle geschaffen hat, die man in sich erregt hat. Was sinnlich unsichtbar war, die Pflanze, die erst später sichtbar werden wird, das offenbart sich da auf geistig sichtbare Art.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist begreiflich, daß mancher Mensch das alles für Illusion halten wird. Viele werden sagen: «Was sollen mir solche Gesichte, solche Phantasmen?» Und manche werden abfallen und den Pfad nicht fortsetzen. Aber gerade darauf kommt es an: in diesen schwierigen Punkten der menschlichen Entwickelung nicht Phantasie und geistige Wirklichkeit miteinander zu verwechseln. Und ferner darauf, den Mut zu haben, vorwärts zu dringen und nicht furchtsam und kleinmütig zu werden. Auf der anderen Seite aber muß allerdings betont werden, daß der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|63}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gesunde Sinn, der Wahrheit und Täuschung unterscheidet, fortwährend gepflegt werden muß. Der Mensch darf während all dieser Übungen nie die volle bewußte Herrschaft über sich selbst verlieren. So sicher, wie er über die Dinge und Vorgänge des Alltagslebens denkt, so muß er auch hier denken. Schlimm wäre es, wenn er in Träumerei verfiele. Verstandesklar, um nicht zu sagen: nüchtern, muß er in jedem Augenblicke bleiben. Und der größte Fehler wäre gemacht, wenn der Mensch durch solche Übungen sein Gleichgewicht verlöre, wenn er abgehalten würde, so gesund und klar über die Dinge des Alltagslebens zu urteilen, wie er das vorher getan hat. Immer wieder soll sich der Geheimschüler daher prüfen, ob er nicht etwa aus seinem Gleichgewicht herausgefallen ist, ob er derselbe geblieben ist innerhalb der Verhältnisse, in denen er lebt. Festes Ruhen in sich selbst, klarer Sinn für alles, das muß er sich bewahren. Allerdings ist streng zu beachten, daß man sich nicht jeder beliebigen Träumerei hingeben soll, sich nicht allen möglichen Übungen überlassen soll. Die Gedankenrichtungen, die hier angegeben werden, sind seit Urzeiten in den Geheimschulen erprobt und geübt. Und nur solche werden hier mitgeteilt. Wer solche anderer Art anwenden wollte, die er sich selbst bildet oder von denen er da oder dort hört und liest, der muß in die Irre gehen und wird sich bald auf dem Pfade uferloser Phantastik befinden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine weitere Übung, die sich an die beschriebene anzuschließen hat, ist die folgende. Man stelle sich einer Pflanze gegenüber, die sich auf der Stufe der vollen Entwickelung befindet. Nun erfülle man sich mit dem Gedanken, daß die Zeit kommen werde, wo diese Pflanze abstirbt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|64}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nichts wird von dem mehr sein, was ich jetzt vor mir sehe. Aber diese Pflanze wird dann Samenkörner aus sich entwickelt haben, die wieder zu neuen Pflanzen werden. Wieder werde ich gewahr, daß in dem, was ich sehe, etwas verborgen ruht, was ich nicht sehe. Ich erfülle mich ganz mit dem Gedanken: diese Pflanzengestalt mit ihren Farben wird künftig nicht mehr sein. Aber die Vorstellung, daß sie Samen bildet, lehrt mich, daß sie nicht in Nichts verschwinden werde. Was sie vor dem Verschwinden bewahrt, kann ich jetzt ebensowenig mit Augen sehen, wie ich früher die Pflanze im Samenkorn habe sehen können. Es gibt also in ihr etwas, was ich nicht mit Augen sehe. Lasse ich diesen Gedanken in mir leben und verbindet sich das entsprechende Gefühl in mir mit ihm, dann entwickelt sich wieder, nach angemessener Zeit, in meiner Seele eine Kraft, die zur neuen Anschauung wird. Aus der Pflanze wächst wieder eine Art von geistiger Flammenbildung heraus. Diese ist natürlich entsprechend größer als die vorhin geschilderte. Die Flamme kann etwa in ihrem mittleren Teile grünlichblau und an ihrem äußeren Rande gelblichrot empfunden werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es muß ausdrücklich betont werden, daß man, was hier als «Farben» bezeichnet wird, nicht so sieht, wie physische Augen die Farben sehen, sondern daß man durch die geistige Wahrnehmung ähnliches empfindet, wie wenn man einen physischen Farbeneindruck hat. Geistig «blau» wahrnehmen heißt etwas empfinden oder erfühlen, was ähnlich dem ist, was man empfindet, wenn der Blick des physischen Auges auf der Farbe «Blau» ruht. Dies muß berücksichtigen, wer allmählich wirklich zu geistigen Wahrnehmungen aufsteigen will. Er erwartet sonst, im&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|65}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Geistigen nur eine Wiederholung des Physischen zu finden. Das mußte ihn auf das bitterste beirren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer es dahin gebracht hat, solches geistig zu sehen, hat viel gewonnen. Denn die Dinge enthüllen sich ihm nicht nur im gegenwärtigen Sein, sondern auch in ihrem Entstehen und Vergehen. Er fängt an, überall den Geist zu schauen, von dem die sinnlichen Augen nichts wissen können. Und damit hat er die ersten Schritte dazu getan, um allmählich durch eigene Anschauung hinter das Geheimnis von Geburt und Tod zu kommen. Für die äußeren Sinne entsteht ein Wesen bei der Geburt; es vergeht im Tode. Dies ist aber nur deshalb, weil diese Sinne den verborgenen Geist des Wesens nicht wahrnehmen. Für den Geist sind Geburt und Tod nur eine Verwandlung, wie das Hervorsprießen der Blume aus der Knospe eine Verwandlung ist, die sich vor den sinnlichen Augen abspielt. Will man das aber durch eigene Anschauung kennenlernen, so muß man in der angedeuteten Art erst den geistigen Sinn dafür erwecken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um gleich noch einen Einwand hinwegzunehmen, den manche Menschen machen könnten, die einige seelische (psychische) Erfahrung haben, sei dieses gesagt. Es soll gar nicht bestritten werden, daß es kürzere, einfachere Wege gibt, daß manche aus eigener Anschauung die Erscheinungen von Geburt und Tod kennenlernen, ohne erst alles das, was hier beschrieben wird, durchgemacht zu haben. Es gibt eben Menschen, welche bedeutende psychische Anlagen haben, die nur eines kleinen Anstoßes bedürfen, um entwickelt zu werden. Aber das sind Ausnahmen. Der hier angegebene Weg ist jedoch ein allgemeiner und sicherer. Man kann sich ja auch einige chemische&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|66}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kenntnisse auf einem ausnahmsweisen Weg erwerben; will man aber Chemiker werden, dann muß man den allgemeinen und sicheren Weg gehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein folgenschwerer Irrtum würde sich ergeben, wenn jemand glauben wollte, er könne, um bequemer zum Ziele zu gelangen, sich das besprochene Samenkörnchen oder die Pflanze bloß vorstellen, bloß in der Phantasie vorhalten. Wer dies tut, kann wohl auch zum Ziele kommen, doch nicht so sicher wie auf die angegebene Art. Die Anschauung, zu der man kommt, wird in den meisten Fällen nur ein Blendwerk der Phantasie sein. Bei ihr müßte dann die Umwandlung in geistige Anschauung erst abgewartet werden. Denn darauf kommt es an, daß nicht ich in bloßer Willkür mir Anschauungen schaffe, sondern darauf, daß die Wirklichkeit sie in mir erschafft. Aus den Tiefen meiner eigenen Seele muß die Wahrheit hervorquellen; aber nicht mein gewöhnliches Ich darf selbst der Zauberer sein, der die Wahrheit hervorlocken will, sondern die Wesen müssen dieser Zauberer sein, deren geistige Wahrheit ich schauen will.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hat der Mensch durch solcherlei Übungen in sich die ersten Anfänge zu geistigen Anschauungen gefunden, so darf er aufsteigen zur Betrachtung des Menschen selbst. Einfache Erscheinungen des menschlichen Lebens müssen zunächst gewählt werden. Bevor man aber dazu schreitet, ist es notwendig, besonders ernstlich an der vollen Lauterkeit seines moralischen Charakters zu arbeiten. Man muß jeden Gedanken daran entfernen, daß man etwa auf diese Art erlangte Erkenntnis zum persönlichen Eigennutz anwenden werde. Man muß mit sich darüber einig sein, daß man niemals eine Macht über seine Mitmenschen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|67}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die man etwa erlangen werde, im Sinne des Bösen ausnutzen werde. Deshalb muß jeder, der Geheimnisse über die menschliche Natur durch eigene Anschauung sucht, die goldene Regel der wahren Geheimwissenschaften befolgen. Und diese goldene Regel ist: wenn du einen Schritt vorwärts zu machen versuchst in der Erkenntnis geheimer Wahrheiten, so mache zugleich drei vorwärts in der Vervollkommnung deines Charakters zum Guten. Wer diese Regel befolgt, der kann solche Übungen machen, wie nunmehr eine beschrieben werden soll.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man vergegenwärtige sich einen Menschen, von dem man einmal beobachtet hat, wie er nach irgendeiner Sache verlangt hat. Auf die Begierde soll die Aufmerksamkeit gerichtet werden. Am besten ist es, den Zeitpunkt in der Erinnerung wachzurufen, in dem die Begierde am lebhaftesten war und in dem es ziemlich unentschieden war, ob der Mensch das Verlangte erhalten werde oder nicht. Und nun gebe man sich der Vorstellung an das, was man in der Erinnerung beobachtet, ganz hin. Man stelle die denkbar größte innere Ruhe der eigenen Seele her. Man versuche so viel, als nur möglich ist, blind und taub zu sein für alles andere, was ringsherum vorgeht. Und man achte besonders darauf, daß durch die angeregte Vorstellung in der Seele ein Gefühl erwache. Dieses Gefühl lasse man in sich heraufziehen wie eine Wolke, die an dem sonst ganz leeren Horizont heraufzieht. Es ist ja nun natürlich, daß in der Regel die Beobachtung dadurch unterbrochen wird, daß man den Menschen, auf den man die Aufmerksamkeit lenkt, nicht lange genug in dem geschilderten Seelenzustand beobachtet hat. Man wird wahrscheinlich Hunderte und Aberhunderte von vergeblichen Versuchen anstellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|68}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man darf eben die Geduld nicht verlieren. Nach vielen Versuchen wird man es dahin bringen, daß man in der eigenen Seele ein Gefühl erlebt, das dem Seelenzustand des beobachteten Menschen entspricht. Dann wird man aber auch nach einiger Zeit bemerken, daß durch dieses Gefühl in der eigenen Seele eine Kraft erwächst, die zur geistigen Anschauung des Seelenzustandes des anderen wird. Im Gesichtsfelde wird ein Bild auftreten, das man wie etwas Leuchtendes empfindet. Und dieses geistig leuchtende Bild ist die sogenannte astrale Verkörperung des beobachteten Seelenzustandes der Begierde. Wieder als flammenähnlich empfunden kann dieses Bild beschrieben werden. Es wird in der Mitte wie gelbrot sein und am Rande wie rötlichblau oder lila empfunden werden. Viel kommt darauf an, daß man mit solcher geistigen Anschauung zart umgehe. Man tut am besten, wenn man zunächst zu niemand davon spricht als nur etwa zu seinem Lehrer, wenn man einen solchen hat. Denn versucht man eine solche Erscheinung durch ungeschickte Worte zu beschreiben, so gibt man sich meistens argen Täuschungen hin. Man gebraucht die gewöhnlichen Worte, die doch für solche Dinge nicht bestimmt und daher für sie zu grob und schwerfällig sind. Die Folge ist dann, daß man durch den eigenen Versuch, die Sache in Worte zu kleiden, verführt wird, sich in die wahren Anschauungen allerlei Phantasieblendwerke hineinzumischen. Wieder ist eine wichtige Regel für den Geheimschüler: Verstehe über deine geistigen Gesichte zu schweigen. Ja, schweige sogar vor dir selber darüber. Versuche nicht, was du im Geiste erschaust, in Worte zu kleiden oder mit dem ungeschickten Verstande zu ergrübeln. Gib dich unbefangen deiner&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|69}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
geistigen Anschauung hin und störe sie dir nicht durch vieles Nachdenken darüber. Denn du mußt bedenken, daß dein Nachdenken anfangs ganz und gar nicht deinem Schauen gewachsen ist. Dieses Nachdenken hast du dir in deinem bisherigen, bloß auf die physisch-sinnliche Welt beschränkten Leben erworben; und was du dir jetzt erwirbst, geht darüber hinaus. Suche also nicht, an das neue Höhere den Maßstab des alten anzulegen. Nur wer schon einige Festigkeit hat im Beobachten innerer Erfahrungen, der kann darüber reden, um durch solches Reden seine Mitmenschen anzuregen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu der beschriebenen Übung mag eine ergänzende kommen. Man beobachte in der gleichen Art, wie einem Menschen die Befriedigung irgendeines Wunsches, die Erfüllung einer Erwartung zuteil geworden ist. Gebraucht man dabei dieselben Regeln und Vorsichten, die eben für den anderen Fall angegeben worden sind, so wird man auch da zu einer geistigen Anschauung gelangen. Man wird eine geistige Flammenbildung bemerken, die in der Mitte als gelb sich fühlt und die wie mit einem grünlichen Rande empfunden wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Leicht kann der Mensch durch solche Beobachtung seiner Mitmenschen in einen moralischen Fehler verfallen. Er kann lieblos werden. Daß dies nicht der Fall sei, muß eben mit allen nur erdenkbaren Mitteln angestrebt werden. Beobachtet man so, dann soll man eben durchaus schon auf der Höhe stehen, in der es einem zur völligen Gewißheit geworden ist, daß Gedanken wirkliche Dinge sind. Man darf sich da nicht mehr gestatten, über seinen Mitmenschen so zu denken, daß die Gedanken mit der höchsten Achtung der Menschenwürde, und der Menschenfreiheit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|70}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nicht verträglich wären. Daß ein Mensch nur ein Beobachtungsobjekt für uns sein könnte: dieser Gedanke darf uns nicht einen Augenblick erfüllen. Hand in Hand mit jeder Geheimbeobachtung über die menschliche Natur muß die Selbsterziehung dahin gehen, die volle Selbstgeltung eines jeden Menschen uneingeschränkt zu schätzen und das als etwas Heiliges, von uns Unantastbares auch in Gedanken und Gefühlen zu betrachten, was in dem Menschen wohnt. Ein Gefühl von heiliger Scheu vor allem Menschlichen, selbst wenn es nur als Erinnerung gedacht wird, muß uns erfüllen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nur an den zwei Beispielen sollte vorläufig hier gezeigt werden, wie man sich zur Erleuchtung über die menschliche Natur durchringt. Daran konnte aber wenigstens der Weg gezeigt werden, der zu betreten ist. Wer die notwendige innere Stille und Ruhe findet, die zu solcher Beobachtung gehören, dessen Seele wird schon dadurch eine große Verwandlung durchmachen. Das wird bald so weit gehen, daß die innere Bereicherung, die sein Wesen erfährt, ihm Sicherheit und Ruhe gibt auch in seinem äußeren Verhalten. Und dieses verwandelte äußere Verhalten wird wieder zurückwirken auf seine Seele. Und so wird er sich weiter helfen. Er wird Mittel und Wege finden, immer mehr von der menschlichen Natur zu Entdecken, was den äußeren Sinnen verborgen ist; und er wird dann auch reif werden, einen Einblick zu tun in die geheimnisvollen Zusammenhänge zwischen der Menschennatur und all dem, was sonst noch im Weltall vorhanden ist. Und auf diesem Wege naht sich der Mensch immer mehr dem Zeitpunkte, wo er die ersten Schritte der Einweihung bewerkstelligen kann. Bevor diese aber getan&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|71}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
werden können, ist noch eines notwendig. Es ist dies etwas, dessen Notwendigkeit der Geheimschüler zunächst vielleicht am wenigsten einsehen wird. Später aber wird er dies.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was nämlich der Einzuweihende mitbringen muß, ist ein in gewisser Beziehung ausgebildeter Mut und Furchtlosigkeit. Der Geheimschüler muß geradezu die Gelegenheiten aufsuchen, durch welche diese Tugenden ausgebildet werden. In der Geheimschulung sollten sie ganz systematisch herangebildet werden. Aber auch das Leben selbst ist namentlich nach dieser Richtung hin eine gute Geheimschule; vielleicht die beste. Einer Gefahr ruhig ins Auge schauen, Schwierigkeiten ohne Zagen überwinden wollen: solches muß der Geheimschüler können. Er muß zum Beispiel einer Gefahr gegenüber sich sofort zu der Empfindung aufraffen: meine Angst nützt nach gar keiner Seite; ich darf sie gar nicht haben; ich muß nur an das denken, was zu tun ist. Und er muß es so weit bringen, daß für Gelegenheiten, in denen er vorher ängstlich war, «Angsthaben», «Mutloswerden» für ihn wenigstens im eigentlichen innersten Empfinden unmögliche Dinge werden. Durch die Selbsterziehung nach dieser Richtung entwickelt nämlich der Mensch in sich ganz bestimmte Kräfte, die er braucht, wenn er in höhere Geheimnisse eingeweiht werden soll. So wie der physische Mensch Nervenkraft braucht, um seine physischen Sinne zu benutzen, so bedarf der seelische Mensch jener Kraft, die nur entwickelt wird in mutvollen und furchtlosen Naturen. Wer zu den höheren Geheimnissen vordringt, der sieht nämlich Dinge, welche dem gewöhnlichen Menschen durch die Täuschungen der Sinne verborgen bleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|72}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denn, wenn die physischen Sinne uns auch die höhere Wahrheit nicht schauen lassen, so sind sie eben dadurch auch des Menschen Wohltäter. Durch sie verbergen sich für ihn Dinge, welche ihn, unvorbereitet, in maßlose Bestürzung versetzen müßten, deren Anblick er nicht ertragen könnte. Diesem Anblick muß der Geheimschüler gewachsen werden. Er verliert gewisse Stützen in der Außenwelt, die er eben dem Umstande verdankte, daß er in Täuschung befangen war. Es ist wirklich und buchstäblich so, wie wenn man jemand auf eine Gefahr aufmerksam machte, in der er schon lange geschwebt hat, von der er aber nichts gewußt hat. Vorher hatte er keine Angst: jetzt aber, nachdem er weiß, überkommt ihn die Angst, obwohl die Gefahr durch sein Wissen nicht größer geworden ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kräfte der Welt sind zerstörende und aufbauende: das Schicksal der äußeren Wesenheiten ist Entstehen und Vergehen. In das Wirken dieser Kräfte, in den Gang dieses Schicksals soll der Wissende blicken. Der Schleier, der im gewöhnlichen Leben vor den geistigen Augen liegt, soll entfernt werden. Der Mensch selbst aber ist mit diesen Kräften, mit diesem Schicksal verwoben. In seiner eigenen Natur sind zerstörende und aufbauende Kräfte. So unverhüllt die anderen Dinge vor das sehende Auge des Wissenden treten, so unverhüllt zeigt die eigene Seele sich selbst. Solcher Selbsterkenntnis gegenüber darf der Geheimschüler nicht die Kraft verlieren. Und sie wird ihm nur dann nicht fehlen, wenn er einen Überschuß an ihr mitbringt. Damit dieses der Fall sei, muß er lernen, in schwierigen Lebensverhältnissen die innere Ruhe und Sicherheit zu bewahren; er muß in sich ein starkes Vertrauen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|73}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
in die guten Mächte des Daseins erziehen. Er muß darauf gefaßt sein, daß manche Triebfedern ihn nicht mehr leiten werden, die ihn bisher geleitet haben. Er wird ja einsehen müssen, daß er bisher manches nur getan und gedacht hat, weil er in Unwissenheit befangen war. Solche Gründe, wie er sie bisher gehabt, werden wegfallen. Er hat manches aus Eitelkeit getan; er wird sehen, wie unsäglich wertlos alle Eitelkeit für den Wissenden ist. Er hat manches aus Habsucht getan; er wird gewahr werden, wie zerstörend alle Habsucht ist. Ganz neue Triebfedern zum Handeln und Denken wird er entwickeln müssen. Und eben dazu gehören Mut und Furchtlosigkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorzüglich handelt es sich darum, im tiefsten Innern des Gedankenlebens selbst diesen Mut und diese Furchtlosigkeit zu pflegen. Der Geheimschüler muß lernen, über einen Mißerfolg nicht zu verzagen. Er muß zu dem Gedanken fähig sein: «Ich will vergessen, daß mir diese Sache schon wieder mißglückt ist, und aufs neue versuchen, wie wenn nichts gewesen wäre.» So ringt er sich durch zu der Überzeugung, daß die Kraftquellen in der Welt, aus denen er schöpfen kann, unversieglich sind. Er strebt immer wieder nach dem Geistigen, das ihn heben und tragen wird, wie oft auch sein Irdisches sich als kraftlos und schwach erwiesen haben mag. Er muß fähig sein, der Zukunft entgegenzuleben, und in diesem Streben sich durch keine Erfahrung der Vergangenheit stören lassen. Hat der Mensch die geschilderten Eigenschaften bis zu einem gewissen Grade, dann ist er reif, die wahren Namen der Dinge zu erfahren, die der Schlüssel zu dem höheren Wissen sind. Denn darin besteht die Einweihung, daß man lernt, die Dinge der Welt bei demjenigen Namen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|74}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
zu benennen, die sie im Geiste ihrer göttlichen Urheber haben. In diesen ihren Namen liegen die Geheimnisse der Dinge. Deshalb sprechen die Eingeweihten eine andere Sprache als Uneingeweihte, weil die ersteren die Bezeichnung der Wesen nennen, durch welche diese selbst gemacht sind. Soweit von der Einweihung (Initiation) selbst gesprochen werden kann, soll das im nächsten Kapitel folgen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|75}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= DIE EINWEIHUNG =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Einweihung ist die höchste der Stufen einer Geheim­schulung, über welche in einer Schrift noch Andeutungen gegeben werden können, die allgemein verständlich sind. Über alles, was darüber liegt, sind Mitteilungen schwer verständlich. Aber auch dazu findet jeder den Weg, der durch die Vorbereitung, Erleuchtung und Einweihung bis zu den niederen Geheimnissen vorgedrungen ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Wissen und Können, das einem Menschen durch die Einweihung zuteil wird, könnte er ohne eine solche erst in einer sehr fernen Zukunft nach vielen Verkörpe­rungen auf einem ganz anderen Wege und auch in einer ganz anderen Form erwerben. Wer heute eingeweiht wird, erfährt etwas, was er sonst viel später, unter ganz anderen Verhältnissen, erfahren würde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Mensch kann von den Geheimnissen des Daseins nur so viel wirklich erfahren, als dem Grade seiner Reife entspricht. Nur deshalb gibt es Hindernisse zu den höhe­ren Stufen des Wissens und Könnens. Der Mensch soll ein Schießgewehr nicht früher gebrauchen, als bis er ge­nügende Erfahrung hat, um durch den Gebrauch nicht Unheil anzurichten. Würde heute jemand ohne weiteres eingeweiht, so würde ihm die Erfahrung fehlen, die er durch die Verkörperungen in der Zukunft noch machen wird, bis ihm die entsprechenden Geheimnisse im regelmäßigen Verlauf seiner Entwickelung zuteil werden. Deshalb müssen an der Pforte der Einweihung die Erfah­rungen durch etwas anderes ersetzt sein. In einem Ersatz für künftige Erfahrungen bestehen daher die ersten Unter­weisungen des Einweihungskandidaten. Es sind das die&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|76}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sogenannten «Proben», die er durchzumachen hat und die sich als regelmäßige Folge des Seelenlebens ergeben, wenn Übungen, wie die in den vorhergehenden Kapiteln geschilderten, richtig fortgesetzt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von diesen «Proben» wird ja auch in Büchern oft ge­sprochen. Aber es ist nur natürlich, daß von ihrer Natur durch solche Besprechungen in der Regel ganz falsche Vorstellungen hervorgerufen werden müssen. Denn wer nicht durch die Vorbereitung und Erleuchtung hindurch­gegangen ist, hat ja nichts von diesen Proben jemals erfahren. Ein solcher kann sie auch nicht sachgemäß beschreiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dem Einzuweihenden müssen sich gewisse Dinge und Tatsachen ergeben, die den höheren Welten angehören. Er kann sie aber nur sehen und hören, wenn er die gei­stigen Wahrnehmungen wie Figuren, Farben, Töne und so weiter empfinden kann, von denen bei Besprechung der «Vorbereitung» und «Erleuchtung» berichtet worden ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die erste «Probe» besteht darinnen, daß er eine wah­rere Anschauung erlangt von den leiblichen Eigenschaften der leblosen Körper, dann der Pflanzen, der Tiere und des Menschen, als sie der Durchschnittsmensch besitzt. Damit ist aber nicht das gemeint, was man heute wissen­schaftliche Erkenntnis nennt. Denn nicht um Wissen­schaft, sondern um Anschauung handelt es sich. In der Regel ist der Vorgang so, daß der Einzuweihende erken­nen lernt, wie sich die Naturdinge und Lebewesen für das geistige Ohr und geistige Auge kundgeben. In einer gewissen Weise stehen diese Dinge dann unverhüllt nackt vor dem Beschauer. Dem sinnlichen Auge und dem sinnlichen Ohre verbergen sich die Eigenschaften,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|77}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die man da hört und sieht. Sie sind für dieses sinnliche An­schauen wie mit einem Schleier verhüllt. Daß dieser Schleier für den Einzuweihenden wegfällt, beruht auf einem Vorgang, den man als «geistigen Verbrennungsprozeß» bezeichnet. Deshalb wird diese erste Probe die «Feuerprobe» genannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für manche Menschen ist das gewöhnliche Leben selbst schon ein mehr oder weniger unbewußter Einweihungs­prozeß durch die Feuerprobe. Es sind das diejenigen, wel­che durch reiche Erfahrungen von solcher Art durch­gehen, daß ihr Selbstvertrauen, ihr Mut und ihre Stand­haftigkeit in gesunder Weise groß werden und daß sie Leid, Enttäuschung, Mißlingen von Unternehmungen mit Seelengröße und namentlich mit Ruhe und in ungebro­chener Kraft ertragen lernen. Wer Erfahrungen in dieser Art durchgemacht hat, der ist oft schon, ohne daß er es deutlich weiß, ein Eingeweihter; und es bedarf dann nur eines wenigen, um ihm geistige Ohren und Augen zu öffnen, so daß er ein Hellsehender wird. Denn das ist fest­zuhalten: es handelt sich bei einer wahren «Feuerprobe» nicht darum, daß die Neugierde des Kandidaten befriedigt werde. Gewiß, er lernt außergewöhnliche Tatsachen ken­nen, von denen andere Menschen keine Ahnung haben. Aber dieses Kennenlernen ist nicht das Ziel, sondern nur das Mittel zum Ziel. Das Ziel aber ist, daß sich der Kan­didat durch die Erkenntnis der höheren Welten größeres und wahreres Selbstvertrauen, höheren Mut und eine ganz andere Seelengröße und Ausdauer erwerbe, als sie in der Regel innerhalb der niederen Welt erlangt werden kön­nen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der «Feuerprobe» kann jeder Kandidat noch umkehren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|78}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er wird gestärkt in physischer und seelischer Be­ziehung dann sein Leben fortsetzen und wohl erst in einer nächsten Verkörperung die Einweihung fortsetzen. In sei­ner gegenwärtigen aber wird er ein brauchbareres Glied der menschlichen Gesellschaft sein, als er vorher war. In welcher Lage er sich auch befinden mag: seine Festigkeit, seine Umsicht, sein günstiger Einfluß auf seine Mitmen­schen, seine Entschlossenheit werden zugenommen haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Will der Kandidat nach vollbrachter Feuerprobe die Geheimschulung fortsetzen, so muß ihm nunmehr ein bestimmtes Schriftsystem enthüllt werden, wie solche in der Geheimschulung üblich sind. In diesen Schriftsystemen offenbaren sich die eigentlichen Geheimlehren. Denn das­jenige, was in den Dingen wirklich «verborgen» (okkult) ist, kann weder mit den Worten der gewöhnlichen Spra­che unmittelbar ausgesprochen, noch kann es mit den ge­wöhnlichen Schriftsystemen aufgezeichnet werden. Die­jenigen, welche von den Eingeweihten gelernt haben, übersetzen die Lehren der Geheimwissenschaft in die ge­wöhnliche Sprache, so gut das geht. Die okkulte Schrift offenbart sich der Seele, wenn diese die geistige Wahrneh­mung erlangt hat. Denn diese Schrift steht in der geisti­gen Welt immer geschrieben. Man lernt sie nicht so, wie man eine künstliche Schrift lesen lernt. Man wächst viel­mehr in sachgemäßer Weise der hellsichtigen Erkenntnis entgegen, und während dieses Wachsens entwickelt sich wie eine seelische Fähigkeit die Kraft, welche die vorhan­denen Geschehnisse und Wesenheiten der geistigen Welt wie die Charaktere einer Schrift zu entziffern sich gedrängt fühlt. Es könnte sein, daß diese Kraft und mit ihr das Erleben der entsprechenden «Probe» mit der fortschreitenden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|79}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seelenentwickelung wie von selbst erwa­chen. Doch sicherer gelangt man zum Ziele, wenn man die Anweisungen der erfahrenen Geheimforscher befolgt, die Gewandtheit haben im Entziffern der okkulten Schrift.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Zeichen der Geheimschrift sind nicht willkürlich ersonnen, sondern sie entsprechen den Kräften, welche in der Welt wirksam sind. Man lernt durch diese Zeichen die Sprache der Dinge. Dem Kandidaten zeigt sich alsbald, daß die Zeichen, die er kennenlernt, den Figuren, Farben, Tönen und so weiter entsprechen, die er während der Vor­bereitung und Erleuchtung wahrzunehmen gelernt hat. Es zeigt sich ihm, daß alles Vorhergehende nur wie ein Buchstabieren war. Jetzt erst fängt er an, in der höheren Welt zu lesen. In einem großen Zusammenhang erscheint ihm alles, was vorher nur vereinzelte Figur, Ton, Farbe war. Jetzt erst gewinnt er die rechte Sicherheit im Beob­achten der höheren Welten. Vorher konnte er nie mit Be­stimmtheit wissen, ob die Dinge, die er gesehen hat, auch richtig gesehen waren. Und jetzt erst kann eine geregelte Verständigung zwischen dem Kandidaten und dem Ein­geweihten auf den Gebieten des höheren Wissens statt­finden. Denn wie auch das Zusammenleben eines Einge­weihten mit einem anderen Menschen im gewöhnlichen Leben gestaltet sein mag: von dem höheren Wissen in unmittelbarer Gestalt kann der Eingeweihte nur in der erwähnten Zeichensprache etwas mitteilen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch diese Sprache wird der Geheimschüler auch be­kannt mit gewissen Verhaltungsmaßregeln für das Leben. Er lernt gewisse Pflichten kennen, von denen er vorher nichts gewußt hat. Und wenn er diese Verhaltungsmaßregeln kennengelernt hat, so kann er Dinge vollbringen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|80}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die eine Bedeutung haben, wie sie niemals die Taten eines Uneingeweihten haben können. Er handelt von den höhe­ren Welten aus. Die Anweisungen zu solchen Handlun­gen können nur in der angedeuteten Schrift verstanden werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es muß aber betont werden, daß es Menschen gibt, die solche Handlungen unbewußt auszuführen vermögen, trotzdem sie nicht eine Geheimschulung durchgemacht haben. Solche «Helfer der Welt und Menschheit» schreiten segnend und wohltuend durchs Leben. Ihnen sind durch Gründe, die hier nicht zu erörtern sind, Gaben ver­liehen worden, die übernatürlich erscheinen. Was sie von dem Geheimschüler unterscheidet, ist lediglich das, daß dieser mit Bewußtsein, mit voller Einsicht in den ganzen Zusammenhang handelt. Er erringt eben durch Schulung, was jenen von höheren Mächten zum Heile der Welt beschert worden ist. Die Gottbegnadeten kann man aufrich­tig verehren; aber deswegen darf man die Arbeit der Schu­lung nicht für überflüssig halten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hat der Geheimschüler die erwähnte Zeichenschrift ge­lernt, dann beginnt für ihn eine weitere «Probe». Durch diese muß sich erweisen, ob er sich frei und sicher in der höheren Welt bewegen kann. Im gewöhnlichen Leben wird der Mensch durch Antriebe von außen zu seinen Handlungen bewogen. Er arbeitet dieses oder jenes, weil ihm die Verhältnisse, diese oder jene Pflichten auferlegen. Es braucht wohl kaum erwähnt zu werden, daß der Ge­heimschüler keine seiner Pflichten im gewöhnlichen Le­ben versäumen darf, weil er in höheren Welten lebt. Keine Pflicht in einer höheren Welt kann jemanden zwin­gen, eine einzige seiner Pflichten in der gewöhnlichen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|81}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
außer acht zu lassen. Der Familienvater bleibt ebenso guter Familienvater, die Mutter ebenso gute Mutter, der Beamte wird von nichts abgehalten, ebensowenig der Soldat oder ein anderer, wenn sie Geheimschüler werden. Im Gegen­teil: alle die Eigenschaften, die den Menschen im Leben tüchtig machen, steigern sich bei dem Geheimschüler in einem Maße, von dem sich der Uneingeweihte keinen Begriff machen kann. Und wenn das dem Uneingeweihten auch oft nicht immer, sogar selten nicht so erscheint, dann rührt das nur davon her, daß er den Eingeweihten nicht immer richtig zu beurteilen vermag. Was letzterer tut, ist manchmal dem anderen nicht sogleich durchsich­tig. Aber auch das ist, wie gesagt, nur in besonderen Fäl­len zu bemerken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den auf der genannten Stufe der Einweihung An­gelangten gibt es nun Pflichten, zu denen kein äußerer Anstoß vorhanden ist. Er wird in diesen Dingen nicht durch äußere Verhältnisse,, sondern nur durch jene Maßregeln veranlaßt, welche ihm in der «verborgenen» Spra­che offenbar werden. Nun muß er durch die zweite «Probe» zeigen, daß er, geführt von einer solchen Maßregel, ebenso sicher und fest handelt, wie etwa ein Beamter seine ihm obliegenden Pflichten vollführt. Zu die­sem Zwecke wird durch die Geheimschulung der Kandi­dat sich vor eine bestimmte Aufgabe gestellt fühlen. Dieser soll eine Handlung ausführen infolge von Wahr­nehmungen, die er macht auf Grund dessen, was er auf der Vorbereitungs- und Erleuchtungsstufe gelernt hat. Und was er auszuführen hat, das muß er erkennen durch die gekennzeichnete Schrift, die er sich angeeignet hat. Er­kennt er seine Pflicht und handelt er richtig, dann hat er&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|82}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die Probe bestanden. Man erkennt den Erfolg an der Ver­änderung, die sich mit den als Figuren, Farben und Tönen empfundenen Wahrnehmungen der Geistesohren und -augen durch die Handlung vollzieht. In den Fortschrit­ten der Geheimschulung wird ganz genau angegeben, wie diese Figuren und so weiter nach der Handlung aussehen, empfunden werden. Und der Kandidat muß wissen, wie er eine solche Veränderung hervorzubringen vermag. Man nennt diese Probe die «Wasserprobe», weil bei der Tätigkeit in diesen höheren Gebieten dem Menschen die Stütze durch die äußeren Verhältnisse so fehlt, wie beim Bewegen im Wasser, dessen Grund man nicht erreicht, die Stütze fehlt. Der Vorgang muß so oft wiederholt werden, bis der Kandidat völlige Sicherheit hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch bei dieser Probe handelt es sich um das Erwerben einer Eigenschaft; und durch die Erfahrungen in der höhe­ren Welt bildet der Mensch diese Eigenschaft in kurzer Zeit in einem solch hohen Grade aus, daß er im gewöhn­lichen Verlaufe der Entwickelung wohl durch viele Ver­körperungen hindurchgehen müßte, um ihn zu erreichen. Worauf es nämlich ankommt, ist das Folgende. Der Kan­didat darf, um die angegebene Veränderung auf dem höheren Gebiet des Daseins hervorzubringen, lediglich dem folgen, was sich ihm auf Grund seiner höheren Wahrnehmung und als Folge seines Lesens der verbor­genen Schrift ergibt. Würde er während seiner Handlung irgend etwas von seinen Wünschen, Meinungen und so weiter einmischen, folgte er nur einen Augenblick nicht den Gesetzen, die er als richtig erkannt hat, sondern seiner Willkür: dann würde etwas ganz anderes geschehen, als geschehen soll. In diesem Falle verlöre der Kandidat sofort&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|83}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die Richtung auf sein Ziel der Handlung, und Ver­wirrung träte ein. Daher hat der Mensch durch diese Probe in reichlichstem Maße Gelegenheit, seine Selbst­beherrschung auszubilden. Und darauf kommt es an. Wie­der kann daher diese Probe von denen leichter bestanden werden, die vor der Einweihung durch ein Leben gegan­gen sind, das ihnen die Erwerbung der Selbstbeherrschung gebracht hat. Wer sich die Fähigkeit erworben hat, hohen Grundsätzen und Idealen mit Hintansetzung der persön­lichen Laune und Willkür zu folgen, wer versteht, die Pflicht auch immer da zu erfüllen, wo die Neigungen und Sympathien gar zu gerne von dieser Pflicht ablenken wol­len, der ist unbewußt schon mitten im gewöhnlichen Le­ben ein Eingeweihter. Und nur ein Geringes wird notwen­dig sein, damit er die geschilderte Probe bestehe. Ja, es muß sogar gesagt werden, daß ein gewisser schon im Le­ben unbewußt erlangter Grad von Einweihung in der Regel durchaus notwendig sein wird, um die zweite Probe zu bestehen. Denn wie es vielen Menschen, die in der Ju­gend nicht richtig schreiben gelernt haben, schwer wird, dies nachzuholen, wenn sie einmal die volle Lebensreife erlangt haben, so wird es auch schwer, den notwendigen Grad von Selbstbeherrschung beim Einblicke in die höhe­ren Welten auszubilden, wenn man nicht schon vorher darinnen einen gewissen Grad im alltäglichen Leben sich angeeignet hat. Die Dinge der physischen Welt ändern sich nicht, was wir auch wünschen, begehren, was immer wir auch für Neigungen haben. In den höheren Welten aber sind unsere Wünsche, Begierden und Neigungen von Wirkung für die Dinge. Wollen wir da auf die Dinge in entsprechender Weise wirken, so müssen wir uns ganz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|84}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
in unserer Gewalt haben, müssen lediglich den richtigen Maßregeln folgen und keinerlei Willkür unterworfen sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Eigenschaft des Menschen, die auf dieser Stufe der Einweihung ganz besonders in Betracht kommt, ist eine unbedingt gesunde und sichere Urteilskraft. Auf die Her­anbildung einer solchen muß schon auf allen früheren Stufen gesehen werden; und auf dieser muß es sich erwei­sen, ob der Kandidat sie so handhabt, daß er für den wah­ren Erkenntnispfad geeignet ist. Er kann nur dann weiter­kommen, wenn er Illusion, wesenlose Phantasiegebilde, Aberglauben und alle Art von Blendwerk von der wahren Wirklichkeit unterscheiden kann. Und auf den höheren Stufen des Daseins ist das zunächst schwieriger als auf den niederen. Da muß jedes Vorurteil, jede liebgewordene Meinung schwinden in bezug auf die Dinge, auf die es ankommt; und einzig und allein die Wahrheit muß Richt­schnur sein. Vollkommene Bereitschaft muß vorhanden sein, einen Gedanken, eine Ansicht, eine Neigung sofort aufzugeben, wenn das logische Denken solches fordert. Gewißheit in höheren Welten ist nur zu erlangen, wenn man nie die eigene Meinung schont.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Menschen mit einer Denkungsart, die zur Phantastik, zum Aberglauben neigt, können auf dem Geheimpfade keinen Fortschritt machen. Ein kostbares Gut soll ja der Geheimjünger erringen. Alle Zweifel an den höheren Welten werden von ihm genommen. Diese enthüllen sich in ihren Gesetzen vor seinen Blicken. Aber er kann dieses Gut nicht erringen, solange er sich von Blendwerken und Illusionen täuschen läßt. Schlimm wäre es für ihn, wenn seine Phantasie, seine Vorurteile mit seinem Verstande&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|85}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
durchgingen. Träumer und Phantasten sind für den Ge­heimpfad ebenso ungeeignet wie abergläubische Perso­nen. Das alles kann nicht genug betont werden. Denn in Träumerei, Phantastik und Aberglauben lauern die schlimmsten Feinde auf dem Wege zu Erkenntnissen in höheren Welten. Es braucht aber auch niemand zu glauben, daß dem Geheimjünger die Poesie des Lebens, die Begeisterungsfähigkeit verlorengehe, weil über dem Tore, das zur zweiten Probe der Einweihung führt, die Worte stehen: «Alle Vorurteile müssen von dir fallen», und weil er an der Eingangspforte zur ersten Probe bereits lesen muß: «Ohne gesunden Menschenverstand sind alle deine Schritte vergebens.»&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ist der Kandidat in dieser Art weit genug vorgeschrit­ten, so wartet die dritte «Probe» auf ihn. Bei dieser wird ihm kein Ziel fühlbar. Es ist alles in seine eigene Hand gelegt. Er befindet sich in einer Lage, wo ihn nichts zum Handeln veranlaßt. Er muß ganz allein aus sich seinen Weg finden. Dinge oder Personen, die ihn zu etwas bewegen, sind nicht da. Nichts und niemand kann ihm jetzt die Kraft geben, die er braucht, als nur er selbst. Fände er diese Kraft nicht in sich selbst, so stände er sehr bald wie­der da, wo er vorher gestanden hat. Doch muß man sagen, daß nur wenige von denen, welche die vorigen Proben bestanden haben, hier diese Kraft nicht finden werden. Man bleibt entweder schon vorher zurück, oder man besteht auch hier. Alles, was nötig ist, das besteht darinnen, rasch mit sich selbst zurecht zu kommen. Denn man muß hier sein «höheres Selbst» im wahrsten Sinne des Wortes finden. Man muß sich rasch entschließen, auf die Ein­gebung des Geistes in allen Dingen zu hören. Zeit zu&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|86}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
irgendwelchen Bedenken, Zweifeln und so weiter hat man hier nicht mehr. Jede Minute Zögerung würde nur beweisen, daß man noch nicht reif ist. Was abhält, auf den Geist zu hören, muß kühn überwunden werden. Es kommt darauf an, Geistesgegenwart in dieser Lage zu be­weisen. Und das ist auch die Eigenschaft, auf deren voll­kommene Ausbildung es auf dieser Entwickelungsstufe abgesehen ist. Alle Verlockungen zum Handeln, ja selbst zum Denken, an die ein Mensch vorher gewöhnt war, hören auf. Um nicht untätig zu bleiben, darf der Mensch sich selbst nicht verlieren. Denn nur in sich selbst kann er den einzigen festen Punkt finden, an den er sich zu hal­ten vermag. Niemand, der dies hier liest, ohne weiter mit den Sachen vertraut zu sein, sollte eine Antipathie emp­finden gegen dieses Zurückgewiesensein auf sich selbst. Denn es bedeutet für den Menschen die schönste Glück­seligkeit, wenn er die geschilderte Probe besteht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und nicht weniger als in den anderen Fällen ist auch für diesen Punkt das gewöhnliche Leben für viele Menschen schon eine Geheimschule. Personen, die es dahin gebracht haben, daß sie, vor plötzlich an sie herantretende Lebensaufgaben gestellt, ohne Zögern, ohne viel Beden­ken eines raschen Entschlusses fähig sind, ihnen ist das Leben eine solche Schulung. Die geeigneten Lagen sind diejenigen, wo ein erfolgreiches Handeln sofort unmög­lich wird, wenn der Mensch nicht rasch eingreift. Wer rasch bei der Hand ist, zuzugreifen, wenn ein Unglück in Sicht ist, während durch einige Augenblicke Zögerung das Unglück bereits geschehen wäre, und wer eine solche rasche Entschlußfähigkeit zu einer bleibenden Eigen­schaft bei sich gemacht hat, der hat unbewußt die Reife&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|87}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
für die dritte «Probe» erworben. Denn auf die Heranbildung der unbedingten Geistesgegenwart kommt es bei ihr an. Man nennt sie in den Geheimschulen die «Luftprobe», weil der Kandidat bei ihr sich weder auf den festen Boden der äußeren Veranlassungen stützen kann noch auf dasjenige, was sich aus den Farben, Formen und so weiter ergibt, die er durch Vorbereitung und Erleuch­tung kennengelernt hat, sondern ausschließlich auf sich selbst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hat der Geheimjünger diese Probe bestanden, dann darf er den «Tempel der höheren Erkenntnisse» betre­ten. Was darüber weiter zu sagen ist, kann nur die aller­spärlichste Andeutung sein. Was jetzt zu leisten ist, wird oft so ausgedrückt, daß man sagt: der Geheimjünger habe einen «Eid» zu leisten, nichts von den Geheimlehren zu «verraten». Doch sind die Ausdrücke «Eid» und «ver­raten» keineswegs sachgemäß und sogar zunächst irreführend. Es handelt sich um keinen «Eid» im gewöhn­lichen Sinne des Wortes. Man macht vielmehr auf dieser Stufe der Entwickelung eine Erfahrung. Man lernt, wie man die Geheimlehre anwendet, wie man sie in den Dienst der Menschheit stellt. Man fängt an, die Welt erst recht zu verstehen. Nicht auf das «Verschweigen» der höheren Wahrheiten kommt es da an, sondern vielmehr auf die rechte Art, den entsprechenden Takt, sie zu ver­treten. Worüber man «schweigen» lernt, das ist etwas ganz anderes. Man eignet sich diese herrliche Eigenschaft nämlich in bezug auf vieles an, worüber man vorher ge­redet hat, namentlich auf die Art, wie man geredet hat. Ein schlechter Eingeweihter wäre der, welcher nicht die erfahrenen Geheimnisse in den Dienst der Welt stellte, so&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|88}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gut und soweit dies nur möglich ist. Es gibt kein anderes Hindernis für die Mitteilung auf diesem Gebiete als allein das Nichtverstehen von seiten dessen, der empfangen soll. Zum beliebigen Reden darüber eignen sich allerdings die höheren Geheimnisse nicht. Aber es ist niemandem etwas «verboten» zu sagen, der die beschriebene Stufe der Ent­wickelung erlangt hat. Kein anderer Mensch und kein Wesen legt ihm einen dahingehenden «Eid» auf. Alles ist in seine eigene Verantwortlichkeit gestellt. Was er lernt, ist, in jeder Lage ganz durch sich selbst zu finden, was er zu tun hat. Und der «Eid» bedeutet nichts, als daß der Mensch reif geworden ist, eine solche Verantwortung tra­gen zu können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ist der Kandidat reif geworden zu dem Beschriebenen, dann erhält er dasjenige, was man sinnbildlich als den «Vergessenheitstrunk» bezeichnet. Er wird nämlich in das Geheimnis eingeweiht, wie man wirken kann, ohne sich durch das niedere Gedächtnis fortwährend stören zu las­sen. Das ist für den Eingeweihten notwendig. Denn er muß stets das volle Vertrauen in die unmittelbare Gegen­wart haben. Er muß die Schleier der Erinnerung zerstören können, die sich in jedem Augenblick des Lebens um den Menschen ausbreiten. Wenn ich etwas, was mir heute be­gegnet, nach dem beurteile, was ich gestern erfahren habe, so bin ich vielfachen Irrtümern unterworfen. Natür­lich ist damit nicht gemeint, daß man seine im Leben ge­wonnene Erfahrung verleugne. Man soll sich sie immer gegenwärtig halten, so gut man kann. Aber man muß als Eingeweihter die Fähigkeit haben, jedes neue Erlebnis aus sich selbst zu beurteilen, es ungetrübt durch alle Ver­gangenheit auf sich wirken zu lassen. Ich muß in jedem&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|89}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Augenblicke darauf gefaßt sein, daß mir ein jegliches Ding oder Wesen eine ganz neue Offenbarung bringen kann. Beurteile ich das Neue nach dem Alten, so bin ich dem Irrtum unterworfen. Gerade dadurch wird mir die Erinnerung an alte Erfahrungen am nützlichsten, daß sie mich befähigt, Neues zu sehen. Hätte ich eine bestimmte Erfahrung nicht, so würde ich die Eigenschaft eines Din­ges oder eines Wesens, die mir entgegentreten, vielleicht gar nicht sehen. Aber eben zum Sehen des Neuen, nicht zur Beurteilung des Neuen nach dem Alten soll die Er­fahrung dienen. In dieser Beziehung erlangt der Ein­geweihte ganz bestimmte Fähigkeiten. Dadurch enthül­len sich ihm viele Dinge, die dem Uneingeweihten ver­borgen bleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der zweite «Trank», der dem Eingeweihten verabreicht wird, ist der «Gedächtnistrank». Durch ihn erlangt er die Fähigkeit, höhere Geheimnisse stets im Geiste gegenwär­tig zu haben. Dazu würde das gewöhnliche Gedächtnis nicht ausreichen. Man muß ganz eins werden mit den höheren Wahrheiten. Man muß sie nicht nur wissen, son­dern ganz selbstverständlich in lebendigem Tun hand­haben, wie man als gewöhnlicher Mensch ißt und trinkt. Übung, Gewöhnung, Neigung müssen sie werden. Man muß gar nicht über sie in gewöhnlichem Sinne nachzu­denken brauchen; sie müssen sich durch den Menschen selbst darstellen, durch ihn fließen wie die Lebensfunk­tionen seines Organismus. So macht er sich in geistigem Sinne immer mehr zu dem, wozu ihn im physischen die Natur gemacht hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|90}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= PRAKTISCHE GESICHTSPUNKTE =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn der Mensch seine Ausbildung in bezug auf Gefühle, Gedanken und Stimmungen so durchmacht, wie dies in den Kapiteln über Vorbereitung, Erleuchtung und Einweihung beschrieben worden ist, so bewirkt er in sei­ner Seele und in seinem Geist eine ähnliche Gliederung, wie sie die Natur in seinem physischen Leibe bewirkt hat. Vor dieser Ausbildung sind Seele und Geist ungegliederte Massen. Der Hellseher nimmt sie wahr als ineinandergreifende, spiralige Nebelwirbel, die vorzugsweise wie rötliche und rötlichbraune oder auch rötlichgelbe Farben matt glimmend empfunden werden; nach der Ausbildung beginnen sie wie die gelblichgrünen, grünlichblauen Far­ben geistig zu erglänzen und zeigen einen regelmäßigen Bau. Der Mensch gelangt zu solcher Regelmäßigkeit und damit zu höheren Erkenntnissen, wenn er in seine Ge­fühle, Gedanken und Stimmungen solche Ordnung bringt, wie sie die Natur in seine körperlichen Verrichtungen gebracht hat, so daß er sehen, hören, verdauen, atmen, sprechen und so weiter kann. Mit der Seele atmen und sehen und so weiter, mit dem Geiste hören und sprechen und so weiter lernt der Geheimschüler allmählich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es sollen hier nur noch einige praktische Gesichts­punkte genauer ausgeführt werden, die zur höheren See­len- und Geisteserziehung gehören. Es sind solche, die im Grunde jeder, ohne auf andere Regeln Rücksicht zu nehmen, befolgen kann und durch die er in der Geheimwis­senschaft eine Strecke weit gelangt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine besondere Ausbildung muß man in der Geduld anstreben. Jede Regung der Ungeduld wirkt lähmend, ja&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|91}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ertötend auf die im Menschen schlummernden höheren Fähigkeiten. Man soll nicht verlangen, daß sich von heute auf morgen unermeßliche Einblicke in die höheren Wel­ten eröffnen. Denn dann kommen sie in der Regel ganz gewiß nicht; Zufriedenheit mit dem Geringsten, das man erreicht, Ruhe und Gelassenheit sollen sich der Seele immer mehr bemächtigen. Es ist ja begreiflich, daß der Lernende ungeduldig die Ergebnisse erwartet. Dennoch erlangt er nichts, solange er diese Ungeduld nicht be­meistert. Es nützt auch nichts, wenn man diese Ungeduld nur in gewöhnlichem Sinne des Wortes bekämpft. Dann wird sie nur um so stärker. Man täuscht sich dann über sie hinweg, und in den Tiefen der Seele sitzt sie nur um so stärker. Nur wenn man sich einem ganz bestimmten Gedanken immer wieder hingibt, ihn ganz sich zu eigen macht, erreicht man etwas. Dieser Gedanke ist: «Ich muß zwar alles tun zu meiner Seelen- und Geistesausbildung; aber ich werde ganz ruhig warten, bis ich von höheren Mächten für würdig befunden werde zu bestimmter Er­leuchtung.» Wird dieser Gedanke im Menschen so mäch­tig, daß er zur Charakteranlage sich gestaltet, dann ist man auf dem rechten Wege. Schon im Äußerlichen prägt sich dann diese Charakteranlage aus. Der Blick des Auges wird ruhig, die Bewegungen sicher, die Entschlüsse be­stimmt, und alles, was man Nervosität nennt, weicht all­mählich von dem Menschen. Scheinbar unbedeutende, kleine Regeln kommen dabei in Betracht. Zum Beispiel es fügt uns jemand eine Beleidigung zu. Vor unserer Geheimerziehung wenden wir unser Gefühl gegen den Be­leidiger. Ärger wallt in unserem Innern auf. In dem Ge­heimschüler aber steigt sofort bei einer solchen Gelegenheit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|92}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der Gedanke auf: «Eine solche Beleidigung ändert nichts an meinem Werte»; und er tut dann, was gegen die Beleidigung zu unternehmen ist, mit Ruhe und Gelassen­heit, nicht aus dem Ärger heraus. Es kommt natürlich nicht darauf an, etwa jede Beleidigung einfach hinzuneh­men, sondern darauf, daß man so ruhig und sicher in der Ahndung einer Beleidigung der eigenen Person gegen­über ist, wie man wäre, wenn die Beleidigung einem anderen zugefügt worden wäre, bei dem man das Recht hat, sie zu ahnden. Immer muß berücksichtigt werden, daß sich die Geheimschulung nicht in groben äußeren Vorgängen, sondern in feinen, stillen Umwandlungen des Gefühls­- und Gedankenlebens vollzieht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Geduld wirkt anziehend auf die Schätze des höheren Wissens. Ungeduld wirkt auf sie abstoßend. In Hast und Unruhe kann nichts auf den höheren Gebieten des Daseins erlangt werden. Vor allen Dingen müssen Verlan­gen und Begierde schweigen. Das sind Eigenschaften der Seele, vor denen sich alles höhere Wissen scheu zurückzieht. So wertvoll auch alle höhere Erkenntnis ist: man darf sie nicht verlangen, wenn sie zu uns kommen soll. Wer sie haben will um seiner selbst willen, der erlangt sie nie. Und das erfordert vor allem, daß man in tiefster Seele wahr gegen sich selbst sei. Man darf sich in nichts über sich selbst täuschen. Man muß seinen eigenen Feh­lern, Schwächen und Untauglichkeiten mit innerer Wahr­haftigkeit ins Antlitz schauen. In dem Augenblicke, wo du irgendeine deiner Schwächen vor dir selbst entschul­digst, hast du dir einen Stein hingelegt auf den Weg, der dich aufwärts führen soll. Solche Steine kannst du nur durch Selbstaufklärung über dich beseitigen. Es gibt nur&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|93}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
einen Weg, seine Fehler und Schwächen abzulegen, und der ist: sie richtig zu erkennen. Alles schlummert in der Menschenseele und kann erweckt werden. Auch seinen Verstand und seine Vernunft kann der Mensch verbessern, wenn er sich in Ruhe und Gelassenheit darüber aufklärt, warum er in dieser Beziehung schwach ist. Solche Selbsterkenntnis ist natürlich schwierig, denn die Ver­suchung zur Täuschung über sich selbst ist eine unermeß­lich große. Wer sich an Wahrheit gegen sich selbst ge­wöhnt, öffnet sich die Pforten zu höherer Einsicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schwinden muß beim Geheimschüler eine jegliche Neugierde. Er muß sich soviel wie möglich das Fragen abgewöhnen über Dinge, die er nur zur Befriedigung sei­nes persönlichen Wissensdranges wissen will. Nur das soll er fragen, was ihm zur Vervollkommnung seiner We­senheit im Dienste der Entwickelung dienen kann. Dabei soll in ihm aber die Freude, die Hingabe an das Wissen in keiner Weise gelähmt werden. Auf alles, was zu sol­chem Ziele dient, soll er andächtig hinhorchen und jede Gelegenheit zu solcher Andacht aufsuchen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Insbesondere ist zur Geheimausbildung eine Erziehung des Wunschlebens notwendig. Man soll nicht etwa wunschlos werden. Denn alles, was wir erreichen sollen, sollen wir ja auch wünschen. Und ein Wunsch wird immer in Erfüllung gehen, wenn hinter ihm eine ganz besondere Kraft steht. Diese Kraft kommt aus der richtigen Erkennt­nis. «In keiner Art zu wünschen, bevor man das Richtige auf einem Gebiete erkannt hat», das ist eine der goldenen Regeln für den Geheimschüler. Der Weise lernt zuerst die Gesetze der Welt kennen, dann werden seine Wünsche zu Kräften, welche sich verwirklichen. Ein Beispiel, das&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|94}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
deutlich wirkt, soll hier angeführt werden. Gewiß wün­schen viele, aus eigener Anschauung über ihr Leben vor ihrer Geburt etwas zu erfahren. Solcher Wunsch ist ganz zwecklos und ergebnislos, solange der Betreffende sich nicht die Erkenntnis der Gesetze durch geisteswissen­schaftliches Studium angeeignet hat und zwar in ihrem feinsten, intimsten Charakter von dem Wesen des Ewi­gen. Hat er sich aber diese Erkenntnis wirklich erworben, und will er dann weiterkommen, so wird er es durch sei­nen veredelten, geläuterten Wunsch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es nützt auch nichts, zu sagen: Ja, ich will ja ge­rade mein vorhergehendes Leben übersehen und zu dem Zwecke eben lernen. Man muß vielmehr imstande sein, diesen Wunsch ganz fallenzulassen, ganz von sich auszuschalten, und zunächst ganz ohne diese Absicht lernen. Man muß die Freude, die Hingebung an dem Gelernten entwickeln ohne die genannte Absicht. Denn nur da­durch lernt man zugleich den entsprechenden Wunsch so zu haben, daß er seine Erfüllung nach sich zieht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;*&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn ich zornig bin oder mich ärgere, so richte ich einen Wall in der Seelenwelt um mich auf, und die Kräfte können nicht an mich herantreten, welche meine seeli­schen Augen entwickeln sollen. Ärgert mich zum Beispiel ein Mensch, so schickt er einen seelischen Strom in die Seelenwelt. Ich kann diesen Strom so lange nicht sehen, als ich noch fähig bin, mich zu ärgern. Mein Ärger ver­deckt ihn mir. Nun darf ich auch nicht glauben, daß ich sofort eine seelische (astralische) Erscheinung haben werde, wenn ich mich nicht mehr ärgere. Denn dazu ist&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|95}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
notwendig, daß sich erst in mir ein seelisches Auge ent­wickele. Aber die Anlage zu einem solchen Auge liegt in jedem Menschen. Es bleibt unwirksam, solange der Mensch fähig ist, sich zu ärgern. Aber es ist auch noch nicht sogleich da, wenn man ein wenig das Ärgern be­kämpft hat. Man muß vielmehr fortfahren in dieser Be­kämpfung des Ärgers und in Geduld immer wieder fort­fahren; dann wird man eines Tages bemerken, daß sich dieses seelische Auge entwickelt hat. Allerdings ist nicht der Ärger das einzige, was man zu solchem Ziele zu bekämpfen hat. Viele werden ungeduldig oder zweifelnd, weil sie jahrelang einige Eigenschaften der Seele bekämpft haben und das Hellsehen doch nicht eintritt. Sie haben dann eben einige Eigenschaften ausgebildet und andere um so mehr überwuchern lassen. Die Gabe des Hellsehens tritt erst dann ein, wenn alle Eigenschaften unterdrückt sind, welche die entsprechenden schlummernden Fähigkeiten nicht herauskommen lassen. Allerdings stellen sich Anfänge des Schauens (oder Hörens) schon früher ein; aber das sind zarte Pflänzchen, die leicht allem möglichen Irrtum unterworfen sind und die auch leicht absterben, wenn sie nicht sorgfältig weiter gehegt und ge­pflegt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu den Eigenschaften, die zum Beispiel ebenso be­kämpft werden müssen wie Zorn und Ärger, gehören Furchtsamkeit, Aberglaube und Vorurteilssucht, Eitelkeit und Ehrgeiz, Neugierde und unnötige Mitteilungssucht, das Unterschiedmachen in bezug auf Menschen nach äußerlichen Rang-, Geschlechts-, Stammeskennzeichen und so weiter. In unserer Zeit wird man recht schwer begreifen, daß die Bekämpfung solcher Eigenschaften etwas&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|96}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
zu tun habe mit der Erhöhung der Erkenntnisfähigkeit. Aber jeder Geheimwissenschafter weiß, daß von solchen Dingen viel mehr abhängt als von der Erweiterung der Intelligenz und von dem Anstellen künstlicher Übungen. Insbesondere kann leicht ein Mißverständnis darüber ent­stehen, wenn manche glauben, daß man sich tollkühn machen solle, weil man furchtlos sein soll, daß man sich vor den Unterschieden der Menschen verschließen soll, weil man die Standes-, Rassen- und so weiter Vorurteile bekämpfen soll. Man lernt vielmehr erst richtig erkennen, wenn man nicht mehr in Vorurteilen befangen ist. Schon in gewöhnlichem Sinne ist es richtig, daß mich die Furcht vor einer Erscheinung hindert, sie klar zu beurtei­len, daß mich ein Rassenvorurteil hindert, in eines Men­schen Seele zu blicken. Diesen gewöhnlichen Sinn muß der Geheimschüler in großer Feinheit und Schärfe bei sich zur Entwickelung bringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen Stein in den Weg der Geheimerziehung wirft dem Menschen auch alles, was er sagt, ohne daß er es gründlich in seinen Gedanken geläutert hat. Und dabei muß etwas in Betracht kommen, was hier nur durch ein Beispiel erläutert werden kann. Wenn mir jemand zum Beispiel etwas sagt und ich habe darauf zu erwidern, so muß ich bemüht sein, des anderen Meinung, Gefühl, ja Vorurteil mehr zu beachten, als was ich im Augenblicke selbst zu der in Rede stehenden Sache zu sagen habe. Hiermit ist eine feine Taktausbildung angedeutet, welcher sich der Geheimschüler sorgfältig zu widmen hat. Er muß sich ein Urteil darüber aneignen, wie weit es für den anderen eine Bedeutung hat, wenn er der seinigen die eigene Mei­nung entgegenhält. Nicht zurückhalten soll man deshalb&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|97}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
mit seiner Meinung. Davon kann nicht im entferntesten die Rede sein. Aber man soll so genau als nur irgend mög­lich auf den anderen hinhören und aus dem, was man ge­hört hat, die Gestalt seiner eigenen Erwiderung formen. Immer wieder steigt in einem solchen Falle in dem Ge­heimschüler ein Gedanke auf; und er ist auf dem rechten Wege, wenn dieser Gedanke in ihm so lebt, daß er Cha­rakteranlage geworden ist. Dies ist der Gedanke: «Nicht darauf kommt es an, daß ich etwas anderes meine als der andere, sondern darauf, daß der andere das Richtige aus Eigenem finden wird, wenn ich etwas dazu beitrage.» Durch solche und ähnliche Gedanken überströmt den Charakter und die Handlungsweise des Geheimschülers das Gepräge der Milde, die ein Hauptmittel aller Geheimschulung ist. Härte verscheucht um dich herum die Seelengebilde, die dein seelisches Auge erwecken sollen; Milde schafft dir die Hindernisse hinweg und öffnet deine Organe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und mit der Milde wird sich alsbald ein anderer Zug in der Seele ausbilden: das ruhige Achten auf alle Feinheiten des seelischen Lebens in der Umgebung bei völli­ger Schweigsamkeit der eigenen Seelenregungen. Und hat es ein Mensch zu diesem gebracht, dann wirken die Seelenregungen seiner Umgebung auf ihn so ein, daß die eigene Seele wächst und wachsend sich gliedert, wie die Pflanze gedeiht im Sonnenlichte. Milde und Schweigsam­keit in wahrer Geduld öffnen die Seele der Seelenwelt, den Geist dem Geisterlande. «Verharre in Ruhe und Ab­geschlossenheit, schließe die Sinne für das, was sie dir vor deiner Geheimschulung überliefert haben, bringe alle Gedanken zum Stillstand, die nach deinen vorherigen Ge­wohnheiten in dir auf- und abwogten, werde ganz still&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
und schweigsam in deinem Innern und warte in Geduld, dann fangen höhere Welten an, deine Seelenaugen und Geistesohren auszubilden. Du darfst nicht erwarten, daß du sogleich siehst und hörst in der Seelen- und Geisterwelt. Denn was du tust, trägt nur bei, deine höheren Sinne aus­zubilden. Seelisch sehen und geistig hören aber wirst du erst, wenn du diese Sinne haben wirst. Hast du eine Weile so in Ruhe und Abgeschlossenheit verharrt, so gehe an deine gewohnten Tagesgeschäfte, indem du dir vorher noch tief den Gedanken eingeprägt: es wird mir einmal werden, was mir werden soll, wenn ich dazu reif bin. Und unterlasse es streng, etwas von den höheren Gewalten durch deine Willkür an dich zu ziehen.» Das sind Anwei­sungen, die jeder Geheimschüler von seinem Lehrer im Beginne des Weges erhält. Beobachtet er sie, dann ver­vollkommnet er sich. Beobachtet er sie nicht, dann ist alles Arbeiten vergebens. Aber sie sind nur für den schwie­rig, der nicht Geduld und Standhaftigkeit hat. Es gibt keine anderen Hindernisse, als diejenigen sind, die sich ein jeder selbst in den Weg wirft und die auch jeder vermei­den kann, wenn er wirklich will. Das muß immer wieder betont werden, weil sich viele eine ganz falsche Vorstel­lung bilden über die Schwierigkeiten des Geheimpfades. Es ist in gewissem Sinne leichter, die ersten Stufen dieses Pfades zu überschreiten, als ohne Geheimschulung mit den alleralltäglichsten Schwierigkeiten des Lebens fertig zu werden. Außerdem durften hier nur solche Dinge mitgeteilt werden, die von keinerlei Art von Gefahren begleitet sind für die körperliche und seelische Gesundheit. Es gibt ja auch andere Wege, die schneller zum Ziele füh­ren; aber mit diesen hat, was hier gemeint ist, nichts zu&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|99}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
tun, weil sie gewisse Wirkungen auf den Menschen haben können, die ein erfahrener Geheimkundiger nicht anstrebt. Da einiges von solchen Wegen doch immer wieder in die Öffentlichkeit dringt, so muß ausdrücklich davor gewarnt werden, sie zu betreten. Aus Gründen, die nur der Eingeweihte verstehen kann, können diese Wege nie in ihrer wahren Gestalt öffentlich bekanntgegeben wer­den. Und die Bruchstücke, die dort und da erscheinen, können zu nichts Gedeihlichem, wohl aber zur Untergrabung von Gesundheit, Glück und Seelenfrieden füh­ren. Wer sich nicht ganz dunklen Mächten anvertrauen will, von deren wahrem Wesen und Ursprung er nichts wissen kann, der vermeide es, sich auf solche Dinge ein­zulassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es kann noch einiges gesagt werden über die Um­gebung, in welcher die Übungen der Geheimschulung vorgenommen werden sollen. Denn darauf kommt einiges an. Doch liegt die Sache fast für jeden Menschen anders. Wer in einer Umgebung übt, die nur von selbstsüchtigen Interessen, zum Beispiel von dem modernen Kampfe ums Dasein, erfüllt ist, der muß sich bewußt sein, daß diese Interessen nicht ohne Einfluß bleiben auf die Ausbildung seiner seelischen Organe. Zwar sind die inneren Gesetze dieser Organe so stark, daß dieser Einfluß nicht ein allzu schädlicher werden kann. Sowenig eine Lilie durch eine noch so unangemessene Umgebung zu einer Distel wer­den kann, so wenig kann sich das seelische Auge zu etwas anderem bilden, als wozu es bestimmt ist, auch wenn die selbstsüchtigen Interessen der modernen Städte darauf einwirken. Aber gut ist es unter allen Umständen, wenn der Geheimschüler ab und zu den stillen Frieden und die&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|100}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
innere Würde und Anmut der Natur zu seiner Umgebung macht. Besonders günstig liegt die Sache bei dem, der seine Geheimschulung ganz in der grünen Pflanzenwelt oder zwischen sonnigen Bergen und dem lieben Weben der Einfalt vornehmen kann. Das treibt die inneren Organe in einer Harmonie heraus, die niemals in der modernen Stadt entstehen kann. Etwas besser als der bloße Stadtmensch ist auch schon derjenige gestellt, welcher wenigstens während seiner Kindheit Tannenluft atmen, Schneegipfel schauen und das stille Treiben der Waldtiere und Insekten beobachten durfte. Keiner derjenigen aber, denen es aufgegeben ist, in der Stadt zu leben, darf es unterlassen, seinen in Bildung begriffenen Seelen- und Geistesorganen als Nahrung die inspirierten Lehren der Geistesforschung zuzuführen. Wessen Auge nicht jeden Frühling die Wälder Tag für Tag in ihrem Grün verfol­gen kann, der sollte dafür seinem Herzen die erhabenen Lehren der Bhagavad-Gita, des Johannes-Evangeliums, des Thomas von Kempen und die Darstellungen der gei­steswissenschaftlichen Ergebnisse zuführen. Viele Wege gibt es zum Gipfel der Einsicht; aber eine richtige Wahl ist unerläßlich. Der Geheimkundige weiß gar manches über solche Wege zu sagen, was dem Uneingeweihten ab­sonderlich erscheint. Es kann zum Beispiel jemand sehr weit auf dem Geheimpfade sein. Er kann sozusagen un­mittelbar vor dem Öffnen der seelischen Augen und gei­stigen Ohren stehen; und dann hat er das Glück, eine Fahrt über das ruhige oder vielleicht auch das wildbewegte Meer zu machen, und eine Binde löst sich von seinen See­lenaugen: plötzlich wird er sehend. Ein anderer ist eben­falls so weit, daß diese Binde sich nur zu lösen braucht;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|101}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
es geschieht durch einen starken Schicksalsschlag. Auf einen anderen Menschen hätte dieser Schlag wohl den Einfluß gehabt, daß er seine Kraft lähmte, seine Energie untergrübe; für den Geheimschüler wird er zum Anlaß der Erleuchtung. Ein dritter harrt in Geduld aus; Jahre hindurch hat er so geharrt, ohne eine merkliche Frucht. Plötzlich in seinem ruhigen Sitzen in der stillen Kammer wird es geistig Licht um ihn, die Wände verschwinden, werden seelisch durchsichtig, und eine neue Welt breitet sich vor seinem sehend gewordenen Auge aus oder erklingt seinem hörend gewordenen Geistesohre.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|102}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= DIE BEDINGUNGEN ZUR GEHEIMSCHULUNG =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bedingungen zum Antritt der Geheimschulung sind nicht solche, die von irgend jemand durch Willkür festgesetzt werden. Sie ergeben sich aus dem Wesen des Ge­heimwissens. Wie ein Mensch nicht Maler werden kann, der keinen Pinsel in die Hand nehmen will, so kann nie­mand eine Geheimschulung empfangen, der nicht erfül­len will, was die Geheimlehrer als notwendige Forderung angeben. Im Grunde kann der Geheimlehrer nichts geben als Ratschläge. Und in diesem Sinne ist auch alles aufzu­nehmen, was er sagt. Er hat die vorbereitenden Wege zum Erkennen der höheren Welten durchgemacht. Er weiß aus Erfahrung, was notwendig ist. Es hängt ganz von dem freien Willen des einzelnen ab, ob er die gleichen Wege wandeln will oder nicht. Wenn jemand verlangen wollte, daß ihm ein Lehrer eine Geheimschulung zukommen ließe, ohne die Bedingungen erfüllen zu wollen, so gliche eine solche Forderung eben durchaus der: lehre mich ma­len, aber befreie mich davon, einen Pinsel zu berühren. Der Geheimlehrer kann auch niemals etwas bieten, wenn ihm nicht der freie Wille des Aufzunehmenden entgegen­kommt. Aber es muß betont werden, daß der allgemeine Wunsch nach höherem Wissen nicht genügt. Diesen Wunsch werden natürlich viele haben. Wer nur diesen Wunsch hat, ohne auf die besonderen Bedingungen der Geheimschulung eingehen zu wollen, von dem kann zunächst nichts erreicht werden. Das sollen diejenigen be­denken, die sich darüber beklagen, daß die Geheimschu­lung ihnen nicht leicht wird. Wer die strengen Bedingun­gen nicht erfüllen kann oder will, der muß eben vorläufig&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|103}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
auf Geheimschulung verzichten. Zwar sind die Bedingun­gen streng, aber nicht hart, da ihre Erfüllung nicht nur eine freie Tat sein soll, sondern sogar sein muß.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer das nicht bedenkt, für den können die Forderun­gen der Geheimschulung leicht als Seelen- oder Gewissenszwang erscheinen. Denn die Schulung beruht ja auf einer Ausbildung des inneren Lebens; der Geheimlehrer muß also Ratschläge erteilen, die sich auf dieses innere Leben beziehen. Aber nichts kann als Zwang aufgefaßt werden, was als Ausfluß eines freien Entschlusses gefor­dert wird. Wenn jemand von dem Lehrer forderte: teile mir deine Geheimnisse mit, aber lasse mich bei meinen gewohnten Empfindungen, Gefühlen und Vorstellungen, so verlangt er eben etwas ganz Unmögliches. Er will dann nichts weiter als die Neugierde, den Wissenstrieb befrie­digen. Bei einer solchen Gesinnung kann aber Geheimwissen nie erlangt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es sollen nun der Reihe nach die Bedingungen für den Geheimschüler entwickelt werden. Es muß betont wer­den, daß bei keiner dieser Bedingungen eine vollständige Erfüllung verlangt wird, sondern lediglich das Streben nach einer solchen Erfüllung. Ganz erfüllen kann die Be­dingungen niemand; aber sich auf den Weg zu ihrer Er­füllung begeben kann jeder. Nur auf den Willen, auf die Gesinnung, sich auf diesen Weg zu begeben, kommt es an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die erste Bedingung ist: man richte sein Augenmerk darauf, die körperliche und geistige Gesundheit zu fördern. Wie gesund ein Mensch ist, das hängt zunächst natürlich nicht von ihm ab. Danach trachten, sich nach dieser Richtung zu fördern, das kann ein jeder. Nur aus einem gesunden Menschen kann gesunde Erkenntnis&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|104}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
kommen. Die Geheimschulung weist einen nicht gesun­den Menschen nicht zurück; aber sie muß verlangen, daß der Schüler den Willen habe, gesund zu leben. Dar­innen muß der Mensch die möglichste Selbständigkeit erlangen. Die guten Ratschläge anderer, die zumeist un­gefragt jedem zukommen, sind in der Regel ganz überflüssig. Ein jeder muß sich bestreben, selbst auf sich zu achten. Vielmehr wird es sich in physischer Beziehung darum handeln, schädliche Einflüsse abzuhalten, als um anderes. Um unsere Pflichten zu erfüllen, müssen wir uns ja oft Dinge auferlegen, die unserer Gesundheit nicht för­derlich sind. Der Mensch muß verstehen, im rechten Falle die Pflicht höher zu stellen als die Sorge um die Gesund­heit. Aber was kann nicht alles unterlassen werden bei einigem guten Willen! Die Pflicht muß in vielen Fällen höher stehen als die Gesundheit, ja oft höher als das Le­ben; der Genuß darf es bei dem Geheimschüler nie. Bei ihm kann der Genuß nur ein Mittel für Gesundheit und Leben sein. Und es ist in dieser Richtung durchaus not­wendig, daß man ganz ehrlich und wahrhaftig gegen sich selbst sei. Nichts nützt es, ein asketisches Leben zu führen, wenn dieses aus ähnlichen Beweggründen entspringt wie andere Genüsse. Es kann jemand an dem Asketismus ein Wohlgefallen haben wie ein anderer am Weintrinken. Er kann aber nicht hoffen, daß ihm dieser Asketismus etwas zu höherer Erkenntnis nütze. Viele schieben alles, was sie scheinbar hindert, sich nach dieser Richtung zu för­dern, auf ihre Lebenslage. Sie sagen: «Bei meinen Lebensverhältnissen kann ich mich nicht entwickeln.» Es mag für viele in anderer Beziehung wünschenswert sein, ihre Lebenslage zu ändern; zum Zwecke der Geheimschulung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|105}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
braucht dies kein Mensch zu tun. Zu diesem Ziele braucht man nur gerade in der Lage, in der man ist, so viel für seine leibliche und seelische Gesundheit zu tun, als mög­lich ist. Eine jegliche Arbeit kann dem Ganzen der Mensch­heit dienen; und es ist viel größer von der Menschenseele, sich klarzumachen, wie notwendig eine kleinliche, viel­leicht häßliche Arbeit für dieses Ganze ist, als zu glauben:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
«Diese Arbeit ist für mich zu schlecht, ich bin zu ande­rem berufen.» Besonders wichtig für den Geheimschü­ler ist das Streben nach völliger geistiger Gesundheit. Un­gesundes Gemüts- und Denkleben bringt auf alle Fälle von den Wegen zu höheren Erkenntnissen ab. Klares, ruhiges Denken, sicheres Empfinden und Fühlen sind hier die Grundlage. Nichts soll ja dem Geheimschüler ferner liegen als die Neigung zum Phantastischen, zum aufgeregten Wesen, zur Nervosität, zur Exaltation, zum Fana­tismus. Einen gesunden Blick für alle Verhältnisse des Lebens soll er sich aneignen; sicher soll er sich im Leben zurechtfinden; ruhig soll er die Dinge zu sich sprechen und auf sich wirken lassen. Er soll sich bemühen, überall, wo es nötig ist, dem Leben gerecht zu werden. Alles Überspannte, Einseitige soll in seinem Urteilen und Empfin­den vermieden werden. Würde diese Bedingung nicht er­füllt, so käme der Geheimschüler statt in höhere Welten in diejenige seiner eigenen Einbildungskraft; statt der Wahrheit machten sich Lieblingsmeinungen bei ihm gel­tend. Besser ist es für den Geheimschüler, «nüchtern» zu sein als exaltiert und phantastisch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die zweite Bedingung ist, sich als ein Glied des ganzen Lebens zu fühlen. In der Erfüllung dieser Bedingung ist viel eingeschlossen. Aber ein jeder kann sie nur auf seine&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|106}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
eigene Art erfüllen. Bin ich Erzieher und mein Zögling entspricht nicht dem, was ich wünsche, so soll ich mein Gefühl zunächst nicht gegen den Zögling richten, son­dern gegen mich selbst. Ich soll mich so weit als eins mit meinem Zögling fühlen, daß ich mich frage: «Ist das, was beim Zögling nicht genügt, nicht die Folge meiner eige­nen Tat?» Statt mein Gefühl gegen ihn zu richten, werde ich dann vielmehr darüber nachdenken, wie ich mich selbst verhalten soll, damit in Zukunft der Zögling mei­nen Forderungen besser entsprechen könne. Aus solcher Gesinnungsart heraus ändert sich allmählich die ganze Denkungsart des Menschen. Das gilt für das Kleinste wie für das Größte. Ich sehe aus solcher Gesinnung heraus zum Beispiel einen Verbrecher anders an als ohne die­selbe. Ich halte zurück mit meinem Urteile und sage mir: «Ich bin nur ein Mensch wie dieser. Die Erziehung, die durch die Verhältnisse mir geworden ist, hat mich vielleicht allein vor seinem Schicksale bewahrt.» Ich komme dann wohl auch zu dem Gedanken, daß dieser Menschenbruder ein anderer geworden wäre, wenn die Lehrer, die ihre Mühe auf mich verwendet haben, sie hätten ihm an­gedeihen lassen. Ich werde bedenken, daß mir etwas zuteil geworden ist, was ihm entzogen war, daß ich mein Gutes gerade dem Umstand verdanke, daß es ihm ent­zogen worden ist. Und dann wird mir die Vorstellung auch nicht mehr ferne liegen, daß ich nur ein Glied in der ganzen Menschheit bin und mitverantwortlich für alles, was geschieht. Es soll hier nicht gesagt werden, daß ein solcher Gedanke sich sofort in äußere agitatorische Taten umsetzen soll. Aber still in der Seele soll er gepflegt wer­den. Dann wird er sich ganz allmählich in dem äußeren&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|107}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verhalten eines Menschen ausprägen. Und in solchen Dingen kann doch jeder nur bei sich selbst zu reformieren anfangen. Nichts fruchtet es, im Sinne solcher Gedanken allgemeine Forderungen an die Menschheit zu stellen. Wie die Menschen sein sollen: darüber ist leicht ein Urteil ge­bildet; der Geheimschüler aber arbeitet in der Tiefe, nicht an der Oberfläche. Es wäre daher ganz unrichtig, wenn man die hier angedeutete Forderung der Geheimlehrer mit irgendeiner äußerlichen, etwa gar einer politischen Forderung in Verbindung brächte, mit der die Geistesschulung nichts zu tun haben kann. Politische Agitatoren «wissen» in der Regel, was von anderen Menschen zu «fordern» ist; von Forderungen an sich selbst ist bei ihnen weniger die Rede.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und damit hängt die dritte Bedingung für die Geheimschulung unmittelbar zusammen. Der Zögling muß sich zu der Anschauung emporringen können, daß seine Ge­danken und Gefühle ebenso Bedeutung für die Welt haben wie seine Handlungen. Es muß erkannt werden, daß es ebenso verderblich ist, wenn ich meinen Mitmenschen hasse, wie wenn ich ihn schlage. Dann komme ich auch zu der Erkenntnis, daß ich nicht nur für mich etwas tue, wenn ich mich selbst vervollkommene, sondern auch für die Welt. Aus meinen reinen Gefühlen und Ge­danken zieht die Welt ebensolchen Nutzen wie aus mei­nem Wohlverhalten. Solange ich nicht glauben kann an diese Weltbedeutung meines Innern, so lange tauge ich nicht zum Geheimschüler. Erst dann bin ich von dem rechten Glauben an die Bedeutung meines Inneren, mei­ner Seele erfüllt, wenn ich an diesem Seelischen in der Art arbeite, als wenn es zum mindesten ebenso wirklich&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|108}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wäre wie alles Äußere. Ich muß zugeben, daß mein Ge­fühl ebenso eine Wirkung hat wie eine Verrichtung meiner Hand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit ist eigentlich schon die vierte Bedingung aus­gesprochen: die Aneignung der Ansicht, daß des Menschen eigentliche Wesenheit nicht im Äußerlichen, son­dern im Inneren liegt. Wer sich nur als ein Produkt der Außenwelt ansieht, als ein Ergebnis der physischen Welt, kann es in der Geheimschulung zu nichts bringen. Sich als seelisch-geistiges Wesen fühlen ist eine Grundlage für solche Schulung. Wer zu solchem Gefühle vordringt, der ist dann geeignet zu unterscheiden zwischen innerer Ver­pflichtung und dem äußeren Erfolge. Er lernt erkennen, daß das eine nicht unmittelbar an dem anderen gemessen werden kann. Der Geheimschüler muß die rechte Mitte finden zwischen dem, was die äußeren Bedingungen vor­schreiben, und dem, was er als das Richtige für sein Ver­halten erkennt. Er soll nicht seiner Umgebung etwas auf­drängen, wofür diese kein Verständnis haben kann; aber er soll auch ganz frei sein von der Sucht, nur das zu tun, was von dieser Umgebung anerkannt werden kann. Die Anerkennung für seine Wahrheiten muß er einzig und allein in der Stimme seiner ehrlichen, nach Erkenntnis ringenden Seele suchen. Aber lernen soll er von seiner Umgebung, soviel er nur irgend kann, um herauszu­finden, was ihr frommt und nützlich ist. So wird er in sich selbst das entwickeln, was man in der Geheimwissen­schaft die «geistige Waage» nennt. Auf einer ihrer Waage­schalen liegt ein «offenes Herz» für die Bedürfnisse der Außenwelt, auf der anderen «innere Festigkeit und un­erschütterliche Ausdauer».&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|109}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und damit ist auf die fünfte Bedingung gedeutet: die Standhaftigkeit in der Befolgung eines einmal gefaßten Entschlusses. Nichts darf den Geheimschüler dazu brin­gen, von einem gefaßten Entschluß abzukommen, als lediglich die Einsicht, daß er im Irrtume befangen ist. Jeder Entschluß ist eine Kraft, und wenn diese Kraft auch nicht einen unmittelbaren Erfolg da hat, wohin sie zu­nächst gewandt ist, sie wirkt in ihrer Weise. Der Erfolg ist nur entscheidend, wenn man eine Handlung aus Begierde vollbringt. Aber alle Handlungen, die aus Begierde voll­bracht werden, sind wertlos gegenüber der höheren Welt. Hier entscheidet allein die Liebe zu einer Handlung. In dieser Liebe soll sich ausleben alles, was den Geheimschü­ler zu einer Handlung treibt. Dann wird er auch nicht erlahmen, einen Entschluß immer wieder in Tat umzusetzen, wie oft er ihm auch mißlungen sein mag. Und so kommt er dazu, nicht erst die äußeren Wirkungen sei­ner Taten abzuwarten, sondern sich an den Handlungen selbst zu befriedigen. Er wird lernen, seine Taten, ja sein ganzes Wesen der Welt zu opfern, wie auch immer diese sein Opfer aufnehmen mag. Zu solchem Opferdienst muß sich bereit erklären, wer Geheimschüler werden will.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine sechste Bedingung ist die Entwickelung des Ge­fühles der Dankbarkeit gegenüber allem, was dem Menschen zukommt. Man muß wissen, daß das eigene Dasein ein Geschenk des ganzen Weltalls ist. Was ist alles not­wendig, damit jeder von uns sein Dasein empfangen und fristen kann! Was verdanken wir der Natur und anderen Menschen! Zu solchen Gedanken müssen diejenigen ge­neigt sein, die Geheimschulung wollen. Wer sich ihnen nicht hingeben kann, der vermag nicht in sich jene Allliebe&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|110}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
zu entwickeln, die notwendig ist, um zu höherer Er­kenntnis zu kommen. Etwas, das ich nicht liebe, kann sich mir nicht offenbaren. Und eine jede Offenbarung muß mich mit Dank erfüllen, denn ich werde durch sie reicher.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle die genannten Bedingungen müssen sich in einer siebenten vereinigen: das Leben unablässig in dem Sinne aufzufassen, wie es die Bedingungen fordern. Dadurch schafft sich der Zögling die Möglichkeit, seinem Leben ein einheitliches Gepräge zu geben. Seine einzelnen Le­bensäußerungen werden miteinander im Einklang, nicht im Widerspruche stehen. Er wird zu der Ruhe vorbereitet sein, zu welcher er kommen muß während der ersten Schritte in der Geheimschulung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hat jemand den ernsten und ehrlichen Willen, die an­gegebenen Bedingungen zu erfüllen, dann mag er sich zur Geistesschulung entschließen. Er wird sich dann bereitfinden, die angeführten Ratschläge zu befolgen. Es mag gar manchem vieles an diesen Ratschlägen wie etwas Äußerliches erscheinen. Ein solcher wird vielleicht sagen, er hätte erwartet, daß die Schulung in weniger strengen Formen verlaufen sollte. Aber alles Innere muß sich in einem Äußeren ausleben. Und ebensowenig, wie ein Bild schon da ist, wenn es bloß im Kopf des Malers existiert, ebensowenig kann eine Geheimschulung ohne äußeren Ausdruck sein. Nur diejenigen achten die strengen For­men gering, welche nicht wissen, daß im Äußeren das Innere zum Ausdruck kommen muß. Es ist wahr, daß es auf den Geist einer Sache ankommt und nicht auf die Form. Aber so wie die Form ohne den Geist nichtig ist, so wäre der Geist tatenlos, wenn er sich nicht eine Form erschüfe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|111}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die gestellten Bedingungen sind geeignet, den Geheim­schüler stark genug zu machen, um auch die weiteren Forderungen zu erfüllen, welche die Geistesschulung an ihn stellen muß. Fehlen ihm diese Bedingungen, dann wird er vor jeder neuen Anforderung mit Bedenken stehen. Er wird ohne sie das Vertrauen nicht zu den Menschen haben können, das für ihn notwendig ist. Und auf Vertrauen und wahre Menschenliebe muß alles Wahr­heitsstreben gebaut sein. Es muß darauf gebaut sein, ob­gleich es nicht daraus entspringen, sondern nur aus der eigenen Seelenkraft quellen kann. Und die Menschenliebe muß sich allmählich erweitern zur Liebe zu allen Wesen, ja zu allem Dasein. Wer die genannten Bedingungen nicht erfüllt, wird auch nicht die volle Liebe zu allem Aufbauen, zu allem Schaffen haben, und die Neigung, alle Zerstörung, alles Vernichten als solche zu unterlas­sen. Der Geheimschüler muß so werden, daß er nie etwas vernichtet um des Vernichtens willen, nicht in Handlun­gen, aber auch nicht in Worten, Gefühlen und Gedanken. Für ihn soll es Freude am Entstehen, am Werden geben; und nur dann darf er die Hand bieten zu einer Vernich­tung, wenn er auch imstande ist, aus und durch die Ver­nichtung neues Leben zu fördern. Damit ist nicht gemeint, daß der Geheimschüler zusehen darf, wie das Schlechte überwuchert; aber er soll sogar am Schlechten diejenigen Seiten suchen, durch die er es in ein Gutes wandeln kann. Er wird sich immer klarer darüber, daß die richtigste Be­kämpfung des Schlechten und Unvollkommenen das Schaffen des Guten und Vollkommenen ist. Der Geheim­schüler weiß, daß aus dem Nichts nicht etwas geschaffen werden kann, daß aber das Unvollkommene in ein Vollkommenes&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|112}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
umgewandelt werden kann. Wer in sich die Neigung zum Schaffen entwickelt, der findet auch bald die Fähigkeit, sich dem Schlechten gegenüber richtig zu verhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer in eine Geheimschulung sich einläßt, muß sich klarmachen, daß durch sie gebaut und nicht zerstört werden soll. Er soll daher den Willen zur ehrlichen, hinge­bungsvollen Arbeit, nicht zur Kritik und zum Zerstören mitbringen. Er soll der Andacht fähig sein, denn man soll lernen, was man noch nicht weiß. Man soll andächtig zu dem blicken, was sich erschließt. Arbeit und Andacht: das sind Grundgefühle, die von dem Geheimschüler gefor­dert werden müssen. Mancher wird erfahren müssen, daß er in der Schulung nicht vorwärtskommt, trotzdem er, nach seiner Ansicht, rastlos tätig ist. Es kommt davon her, daß er die Arbeit und Andacht nicht im rechten Sinne er­faßt hat. Diejenige Arbeit wird den geringsten Erfolg haben, die um dieses Erfolges willen unternommen wird, und dasjenige Lernen wird am wenigsten vorwärtsbrin­gen, das ohne Andacht verläuft. Die Liebe zur Arbeit, nicht zum Erfolg, bringt allein vorwärts. Und wenn der Lernende gesundes Denken und sicheres Urteilen sucht, so braucht er sich nicht durch Zweifel und Mißtrauen die Andacht zu verkümmern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man braucht nicht zu sklavischer Abhängigkeit im Ur­teilen zu kommen, wenn man einer Mitteilung, die man empfängt, nicht zuerst die eigene Meinung, sondern eine ruhige Andacht und Hingabe entgegenbringt. Diejenigen, welche in der Erkenntnis einiges erlangt haben, wis­sen, daß sie nicht dem eigensinnigen persönlichen Urteile, sondern dem ruhigen Hinhorchen und Verarbeiten alles&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|113}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
verdanken. Man soll stets im Auge behalten, daß man das nicht mehr zu lernen braucht, was man schon beurtei­len kann. Will man also nur urteilen, so kann man über­haupt nicht mehr lernen. In der Geheimschulung kommt es aber auf das Lernen an. Man soll da ganz und gar den Willen haben, ein Lernender zu sein. Kann man etwas nicht verstehen, dann urteile man lieber gar nicht, als daß man verurteile. Man lasse sich dann das Verständnis für eine spätere Zeit. Je höher man die Stufen der Erkennt­nis hinansteigt, desto mehr hat man dieses ruhige, andäch­tige Hinhorchen nötig. Alles Erkennen der Wahrheit, alles Leben und Handeln in der Welt des Geistes wird auf höheren Gebieten subtil, zart im Vergleich mit den Ver­richtungen des gewöhnlichen Verstandes und des Lebens in der physischen Welt. Je mehr sich die Kreise des Men­schen erweitern, desto feiner werden die Verrichtungen, die er vorzunehmen hat. Weil dies so ist, deshalb kom­men die Menschen in bezug auf höhere Gebiete zu so ver­schiedenen «Ansichten» und «Standpunkten». Allein, es gibt auch über höhere Wahrheiten in Wirklichkeit nur eine Meinung. Man kann zu dieser einen Meinung kom­men, wenn man sich durch Arbeit und Andacht dazu er­hoben hat, die Wahrheit wirklich zu schauen. Nur der­jenige kann zu einer Ansicht kommen, die von der einen wahren abweicht, der, nicht genügend vorbereitet, nach seinen Lieblingsvorstellungen, seinen gewohnten Gedan­ken und so weiter urteilt. Wie es nur eine Ansicht über einen mathematischen Lehrsatz gibt, so auch über die Dinge der höheren Welten. Aber man muß sich erst vor­bereiten, um zu einer solchen «Ansicht» kommen zu kön­nen. Wenn man das bedenken wollte, so würden für niemand&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|114}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die Bedingungen der Geheimlehrer etwas Über­raschendes haben. Es ist durchaus richtig, daß die Wahr­heit und das höhere Leben in jeder Menschenseele woh­nen und daß sie ein jeder selbst finden kann und muß. Aber sie liegen tief und können nur nach Hinwegräu­mung von Hindernissen aus ihren tiefen Schächten heraufgeholt werden. Wie man das vollbringt, darüber kann nur raten, wer Erfahrung in der Geheimwissenschaft hat. Solchen Rat gibt die Geisteswissenschaft. Sie drängt nie­mand eine Wahrheit auf, sie verkündet kein Dogma; sie zeigt aber einen Weg. Zwar könnte jeder vielleicht aber erst nach vielen Verkörperungen diesen Weg auch allein finden; doch ist es eine Verkürzung des Weges, was in der Geheimschulung erreicht wird. Der Mensch gelangt da­durch früher zu einem Punkte, auf dem er mitwirken kann in den Welten, wo das Menschenheil und die Menschenentwickelung durch geistige Arbeit gefördert wer­den.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit sind die Dinge angedeutet, welche zunächst über die Erlangung höherer Welterfahrung mitgeteilt werden sollen. Im nächsten Kapitel sollen diese Ausführungen dadurch fortgesetzt werden, daß gezeigt wird, was in den höheren Gliedern der Menschennatur (im Seelenorganis­mus oder Astralleib und im Geiste oder Gedankenleib) vorgeht während dieser Entwickelung. Dadurch werden diese Mitteilungen in eine neue Beleuchtung gerückt, und es wird in einem tieferen Sinne in sie eingedrungen wer­den können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|115}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= ÜBER EINIGE WIRKUNGEN DER EINWEIHUNG =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gehört zu den Grundsätzen wahrer Geheimwissenschaft, daß derjenige, welcher sich ihr widmet, dies mit vollem Bewußtsein tue. Er soll nichts vornehmen, nicht üben, wovon er nicht weiß, was es für eine Wirkung hat. Ein Geheimlehrer, der jemand einen Rat oder eine An­weisung gibt, wird immer zugleich sagen, was durch die Befolgung in Leib, Seele oder Geist desjenigen eintritt, der nach höherer Erkenntnis strebt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier sollen nun einige Wirkungen auf die Seele des Geheimschülers angegeben werden. Erst wer solche Dinge kennt, wie sie hier mitgeteilt werden, kann in vollem Be­wußtsein die Übungen vornehmen, welche zur Erkenntnis übersinnlicher Welten führen. Und nur ein solcher ist ein echter Geheimschüler. Alles Tappen im dunkeln ist bei wirklicher Geheimschulung streng verpönt. Wer nicht mit offenen Augen seine Schulung vollziehen will, mag Medium werden; zum Hellseher im Sinne der Geheimwissenschaft kann er es nicht bringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei dem, welcher in diesem Sinne die in den vorher­gehenden Abschnitten (über Erwerbung übersinnlicher Erkenntnisse) beschriebenen Übungen macht, gehen zunächst gewisse Veränderungen im sogenannten Seelenorganismus vor sich. Dieser ist nur für den Hellseher wahrnehmbar. Man kann ihn mit einer mehr oder weni­ger geistig-seelisch leuchtenden Wolke vergleichen, in deren Mitte der physische Körper des Menschen sich be­findet.* In diesem Organismus werden die Triebe, Begier­den, Leidenschaften, Vorstellungen und so weiter geistig&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- - -&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;#&amp;lt;/nowiki&amp;gt;FN010-115-* Eine Beschreibung findet man in des Verfassers «Theosophie».&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|116}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sichtbar. Sinnliche Begierde zum Beispiel empfindet man darinnen wie dunkelrötliche Ausstrahlungen von bestimmter Form. Ein reiner, edler Gedanke findet seinen Ausdruck wie in einer rötlichvioletten Ausstrahlung. Der scharfe Begriff, den der logische Denker faßt, fühlt sich wie eine gelbliche Figur mit ganz bestimmten Umrissen. Der verworrene Gedanke des unklaren Kopfes tritt als Figur mit unbestimmten Umrissen auf. Die Gedanken der Menschen mit einseitigen, verbohrten Ansichten erschei­nen in ihren Umrissen scharf, unbeweglich, diejenigen solcher Persönlichkeiten, welche zugänglich für die An­sichten anderer sind, sieht man in beweglichen, sich wan­delnden Umrissen und so weiter, und so weiter.*&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Je weiter nun der Mensch in seiner Seelenentwicke­lung fortschreitet, desto regelmäßiger gegliedert wird sein Seelenorganismus. Beim Menschen mit einem unentwickelten Seelenleben ist er verworren, ungegliedert. Aber auch in einem solchen ungegliederten Seelenorganismus kann der Hellseher ein Gebilde wahrnehmen, das sich deutlich von der Umgebung abhebt. Es verläuft vom In­nern des Kopfes bis zur Mitte des physischen Körpers. Es nimmt sich aus wie eine Art selbständiger Leib, welcher gewisse Organe hat. Diejenigen Organe, die hier zunächst besprochen werden sollen, werden in der Nähe folgender&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- - -&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;#&amp;lt;/nowiki&amp;gt;FN010-116-* Man muß bei allen folgenden Schilderungen darauf achten, daß zum Beispiel beim »Sehen» einer Farbe geistiges Sehen (Schauen) ge­meint ist. Wenn die hellsichtige Erkenntnis davon spricht: »ich sehe rot», so bedeutet dies: «ich habe im Seelisch-Geistigen ein Erlebnis, welches gleichkommt dem physischen Erlebnis beim Eindruck der roten Farbe.» Nur weil es der hellsichtigen Erkenntnis in einem solchen Falle ganz naturgemäß ist, zu sagen: «ich sehe rot», wird dieser Ausdruck ange­wandt. Wer dies nicht bedenkt, kann leicht eine Farbenvision mit einem wahrhaft hellsichtigen Erlebnis verwechseln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|117}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
physischer Körperteile geistig wahrgenommen: das erste zwischen den Augen, das zweite in der Nähe des Kehlkopfes, das dritte in der Gegend des Herzens, das vierte liegt in der Nachbarschaft der sogenannten Magengrube, das fünfte und sechste haben ihren Sitz im Unterleibe. Diese Gebilde werden von den Geheimkundigen «Räder» (Chakrams) oder auch «Lotusblumen» genannt. Sie hei­ßen so wegen der Ähnlichkeit mit Rädern oder Blumen; doch muß man sich natürlich klar darüber sein, daß ein solcher Ausdruck nicht viel zutreffender ist, als wenn man die beiden Lungenteile «Lungenflügel» nennt. Wie man sich hier klar ist, daß man es nicht mit «Flügeln» zu tun hat, so muß man auch dort nur an eine vergleichsweise Bezeichnung denken. Diese «Lotusblumen» sind nun beim unentwickelten Menschen von dunklen Farben und ruhig, unbewegt. Beim Hellseher aber sind sie in Bewe­gung und von leuchtenden Farbenschattierungen. Auch beim Medium ist etwas Ähnliches der Fall, doch in an­derer Art. Darauf soll hier nicht näher eingegangen wer­den. Wenn nun ein Geheimschüler mit seinen Übungen beginnt, so ist das erste, daß sich die Lotusblumen aufhel­len; später beginnen sie sich zu drehen. Wenn dies letztere eintritt, so beginnt die Fähigkeit des Hellsehens. Denn diese «Blumen» sind die Sinnesorgane der Seele.* Und ihre Drehung ist der Ausdruck dafür, daß im Übersinn­lichen wahrgenommen wird. Niemand kann etwas Übersinnliches schauen, bevor sich seine astralen Sinne in die­ser Art ausgebildet haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;#&amp;lt;/nowiki&amp;gt;FN010-117-* Auch in bezug auf diese Wahrnehmungen des «Drehens», ja der «Lotusblumen» selbst, gilt, was in der vorigen Anmerkung über das «Sehen der Farben» gesagt worden ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|118}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das geistige Sinnesorgan, welches sich in der Nähe des Kehlkopfes befindet, macht es möglich, hellseherisch die Gedankenart eines anderen Seelenwesens zu durch­schauen, es gestattet auch einen tieferen Einblick in die wahren Gesetze der Naturerscheinungen. Das Organ in der Nachbarschaft des Herzens eröffnet eine hellseherische Erkenntnis der Gesinnungsart anderer Seelen. Wer es ausgebildet hat, kann auch bestimmte tiefere Kräfte bei Tieren und Pflanzen erkennen. Durch den Sinn in der Nähe der sogenannten Magengrube erlangt man Kennt­nis von den Fähigkeiten und Talenten der Seelen; man kann durchschauen, welche Rolle Tiere, Pflanzen, Steine, Metalle, atmosphärische Erscheinungen und so weiter im Haushalte der Natur spielen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Organ in der Nähe des Kehlkopfes hat sechzehn «Blumenblätter» oder «Radspeichen», das in der Nähe des Herzens deren zwölf, das in der Nachbarschaft der Magengrube liegende deren zehn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun hängen gewisse seelische Verrichtungen mit der Ausbildung dieser Sinnesorgane zusammen. Und wer diese Verrichtungen in einer ganz bestimmten Weise aus­übt, der trägt etwas bei zur Ausbildung der betreffenden geistigen Sinnesorgane. Von der «sechzehnblätterigen Lotusblume» sind acht Blätter auf einer früheren Entwickelungsstufe des Menschen in urferner Vergangenheit be­reits ausgebildet gewesen. Zu dieser Ausbildung hat der Mensch selbst nichts beigetragen. Er hat sie als eine Na­turgabe erhalten, als er noch in einem Zustande traumhaften, dumpfen Bewußtseins war. Auf der damaligen Stufe der Menschheitsentwickelung waren sie auch in Tätigkeit. Jedoch vertrug sich diese Art von Tätigkeit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|119}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
eben nur mit jenem dumpfen Bewußtseinszustande. Als dann das Bewußtsein sich aufhellte, verfinsterten sich die Blätter und stellten ihre Tätigkeit ein. Die anderen acht kann der Mensch selbst durch bewußte Übungen ausbil­den. Dadurch wird die ganze Lotusblume leuchtend und beweglich. Von der Entwickelung eines jeden der sech­zehn Blätter hängt die Erwerbung gewisser Fähigkeiten ab. Doch, wie bereits angedeutet, kann der Mensch nur acht davon bewußt entwickeln; die anderen acht erschei­nen dann von selbst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Entwickelung geht in folgender Art vor sich. Der Mensch muß auf gewisse Seelenvorgänge Aufmerksam­keit und Sorgfalt verwenden, die er gewöhnlich sorglos und unaufmerksam ausführt. Es gibt acht solche Vor­gänge. Der erste ist die Art und Weise, wie man sich Vorstellungen aneignet. Gewöhnlich überläßt sich in die­ser Beziehung der Mensch ganz dem Zufall. Er hört dies und das, sieht das eine und das andere und bildet sich da­nach seine Begriffe. Solange er so verfährt, bleibt seine sechzehnblätterige Lotusblume ganz unwirksam. Erst wenn er seine Selbsterziehung nach dieser Richtung in die Hand nimmt, beginnt sie wirksam zu werden. Er muß zu diesem Zwecke auf seine Vorstellungen achten. Eine jede Vorstellung soll für ihn Bedeutung gewinnen. Er soll in ihr eine bestimmte Botschaft, eine Kunde über Dinge der Außenwelt sehen. Und er soll nicht befriedigt sein von Vorstellungen, die nicht eine solche Bedeutung ha­ben. Er soll sein ganzes Begriffsleben so lenken, daß es ein treuer Spiegel der Außenwelt wird. Sein Streben soll da­hin gehen, unrichtige Vorstellungen aus seiner Seele zu entfernen. Der zweite Seelenvorgang betrifft in einer&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|120}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ähnlichen Richtung die Entschlüsse des Menschen. Er soll nur aus gegründeter, voller Überlegung selbst zu dem Unbedeutendsten sich entschließen. Alles gedankenlose Han­deln, alles bedeutungslose Tun soll er von seiner Seele fernhalten. Zu allem soll er wohlerwogene Gründe ha­ben. Und er soll unterlassen, wozu kein bedeutsamer Grund drängt. Der dritte Vorgang bezieht sich auf das Reden. Nur was Sinn und Bedeutung hat, soll von den Lippen des Geheimschülers kommen. Alles Reden um des Redens willen bringt ihn von seinem Wege ab. Die ge­wöhnliche Art der Unterhaltung, wo wahllos und bunt alles durcheinander geredet wird, soll der Geheimschüler meiden. Dabei aber soll er sich nicht etwa ausschließen von dem Verkehr mit seinen Mitmenschen. Gerade im Verkehr soll sein Reden sich zur Bedeutsamkeit entwic­keln. Er steht jedem Rede und Antwort, aber er tut es gedankenvoll, nach jeder Richtung überlegt. Niemals redet er unbegründet. Er versucht nicht zuviel und nicht zuwenig Worte zu machen. Der vierte Seelenvorgang ist die Regelung des äußeren Handelns. Der Geheimschüler versucht sein Handeln so einzurichten, daß es zu den Handlungen seiner Mitmenschen und zu den Vorgängen seiner Umgebung stimmt. Er unterläßt Handlungen, welche für andere störend sind oder die im Widerspruche stehen mit dem, was um ihn herum vorgeht. Er sucht sein Tun so einzurichten, daß es sich harmonisch eingliedert in seine Umgebung, in seine Lebenslage und so weiter. Wo er durch etwas anderes veranlaßt wird zu handeln, da beobachtet er sorgfältig, wie er der Veranlassung am besten entsprechen könne. Wo er aus sich heraus handelt, da erwägt er die Wirkungen seiner Handlungsweise auf&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
das deutlichste. Das fünfte, was hier in Betracht kommt, liegt in der Einrichtung des ganzen Lebens. Der Geheimschüler versucht natur- und geistgemäß zu leben. Er über­hastet nichts und ist nicht träge. Übergeschäftigkeit und Lässigkeit liegen ihm gleich ferne. Er sieht das Leben als ein Mittel der Arbeit an und richtet sich dementsprechend ein. Gesundheitspflege, Gewohnheiten und so weiter rich­tet er für sich so ein, daß ein harmonisches Leben die Folge ist. Das sechste betrifft das menschliche Streben. Der Geheimschüler prüft seine Fähigkeiten, sein Können und verhält sich im Sinne solcher Selbsterkenntnis. Er ver­sucht nichts zu tun, was außerhalb seiner Kräfte liegt; aber auch nichts zu unterlassen, was innerhalb derselben sich befindet. Anderseits stellt er sich Ziele, die mit den Idealen, mit den großen Pflichten eines Menschen zusam­menhängen. Er fügt sich nicht bloß gedankenlos als ein Rad ein in das Menschentriebwerk, sondern er sucht seine Aufgaben zu begreifen, über das Alltägliche hinauszu­blicken. Er strebt danach, seine Obliegenheiten immer besser und vollkommener zu machen. Das siebente in seinem Seelenleben betrifft das Streben, möglichst viel vom Leben zu lernen. Nichts geht an dem Geheimschüler vorbei, was ihm nicht Anlaß gibt, Erfahrung zu sammeln, die ihm nützlich ist für das Leben. Hat er etwas unrichtig und unvollkommen verrichtet, so wird das ein Anlaß, ähnliches später richtig oder vollkommen zu machen. Sieht er andere handeln, so beobachtet er sie zu einem ähnlichen Ziele. Er versucht, sich einen reichen Schatz von Erfahrungen zu sammeln und ihn stets sorgfältig zu Rate zu ziehen. Und er tut nichts, ohne auf Erlebnisse zu­rückzublicken, die ihm eine Hilfe sein können bei seinen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|122}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Entschlüssen und Verrichtungen. Das achte endlich ist: der Geheimschüler muß von Zeit zu Zeit Blicke in sein Inneres tun; er muß sich in sich selbst versenken, sorg­sam mit sich zu Rate gehen, seine Lebensgrundsätze bil­den und prüfen, seine Kenntnisse in Gedanken durchlau­fen, seine Pflichten erwägen, über den Inhalt und Zweck des Lebens nachdenken und so weiter. Alle diese Dinge sind ja in den vorhergehenden Abschnitten schon besprochen worden. Hier werden sie nur aufgezählt im Hinblick auf die Entwickelung der sechzehnblätterigen Lotus­blume. Durch ihre Übung wird diese immer vollkomme­ner und vollkommener. Denn von solchen Übungen hängt die Ausbildung der Hellsehergabe ab. Je mehr zum Beispiel dasjenige, was ein Mensch denkt und redet, mit den Vorgängen in der Außenwelt zusammenstimmt, desto schneller entwickelt sich diese Gabe. Wer Unwahres denkt oder redet, tötet etwas in dem Keime der sechzehnblätte­rigen Lotusblume. Wahrhaftigkeit, Aufrichtigkeit, Ehr­lichkeit sind in dieser Beziehung aufbauende, Lügenhaf­tigkeit, Falschheit, Unredlichkeit sind zerstörende Kräfte. Und der Geheimschüler muß wissen, daß es hierbei nicht allein auf die «gute Absicht», sondern auf die wirkliche Tat ankommt. Denke und sage ich etwas, was mit der Wirklichkeit nicht übereinstimmt, so zerstöre ich etwas in meinem geistigen Sinnesorgan, auch wenn ich dabei eine noch so gute Absicht zu haben glaube. Es ist wie mit dem Kinde, das sich verbrennt, wenn es ins Feuer greift, auch wenn dies aus Unwissenheit geschieht. Die Ein­richtung der besprochenen Seelenvorgänge in der charak­terisierten Richtung läßt die sechzehnblätterige Lotus­blume in herrlichen Farben erstrahlen und gibt ihr eine&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|123}}&lt;br /&gt;
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gesetzmäßige Bewegung. Doch ist dabei zu beachten, daß die gekennzeichnete Hellsehergabe nicht früher auftreten kann, als ein bestimmter Grad von Ausbildung der Seele erlangt ist. Solange es noch Mühe macht, das Leben in dieser Richtung zu führen, so lange zeigt sich diese Gabe nicht. Solange man auf die geschilderten Vorgänge noch besonders achten muß, ist man nicht reif. Erst wenn man es so weit gebracht hat, daß man in der angegebenen Art lebt, wie es der Mensch sonst gewohnheitsmäßig tut, dann zeigen sich die ersten Spuren des Hellsehens. Die Dinge dürfen dann nicht mehr mühevoll sein, sondern müssen selbstverständliche Lebensart geworden sein. Man darf nicht nötig haben, sich fortwährend zu beobachten, sich anzutreiben, daß man so lebe. Alles muß Gewohn­heit geworden sein. Es gibt gewisse Anweisungen, wel­che die sechzehnblätterige Lotusblume auf andere Art zur Entfaltung bringen. Alle solchen Anweisungen verwirft die wahre Geheimwissenschaft. Denn sie führen zur Zer­störung der leiblichen Gesundheit und zum moralischen Verderben. Sie sind leichter durchzuführen als das Ge­schilderte. Dieses ist langwierig und mühevoll. Aber es führt zu sicherem Ziele und kann nur moralisch kräftigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die verzerrte Ausbildung einer Lotusblume hat nicht nur Illusionen und phantastische Vorstellungen im Fall des Auftretens einer gewissen Hellsehergabe zur Folge, sondern auch Verirrungen und Haltlosigkeit im gewöhnlichen Leben. Man kann durch eine solche Ausbildung furchtsam, neidisch, eitel, hochfahrend, eigenwillig und so weiter werden, während man vorher alle diese Eigen­schaften nicht hatte. Es ist gesagt worden, daß acht von den Blättern der sechzehnblätterigen Lotusblume bereits&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
in urferner Vergangenheit entwickelt waren und daß diese bei der Geheimschulung von selbst wieder auftreten. Es muß nun bei der Bestrebung des Geheimschülers alle Sorgfalt auf die acht anderen Blätter verwendet werden. Bei verkehrter Schulung treten leicht die früher entwickelten allein auf und die neu zu bildenden bleiben verkümmert. Dies wird insbesondere der Fall sein, wenn bei der Schulung zu wenig auf logisches, vernünftiges Den­ken gesehen wird. Es ist von der allergrößten Wichtigkeit, daß der Geheimschüler ein verständiger, auf klares Den­ken haltender Mensch ist. Und von weiterer Wichtigkeit ist, daß er sich der größten Klarheit befleißigt im Sprechen. Menschen, die anfangen etwas vom Übersinnlichen zu ahnen, werden gern über diese Dinge gesprächig. Dadurch halten sie ihre richtige Entwickelung auf. Je weniger man über diese Dinge redet, desto besser ist es. Erst wer bis zu einem gewissen Grade der Klarheit gekommen ist, sollte reden. Im Beginne des Unterrichts sind Geheimschüler in der Regel erstaunt, wie wenig «neugierig» der schon geistig Geschulte ist gegenüber den Mitteilungen ihrer Erlebnisse. Am heilsamsten für sie wäre es eben, wenn sie sich über ihre Erlebnisse ganz ausschweigen und weiter nichts besprechen wollten, als wie gut oder wie schlecht es ihnen gelingt, ihre Übungen durchzuführen oder die Anweisungen zu befolgen. Denn der schon geistig Ge­schulte hat ganz andere Quellen zur Beurteilung der Fortschritte als ihre direkten Mitteilungen. Die acht in Frage kommenden Blätter der sechzehnblätterigen Lotusblume werden durch solche Mitteilungen immer etwas verhärtet, während sie weich und biegsam erhalten werden sollten. Es soll ein Beispiel angeführt werden, um das zu erläutern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|125}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dies möge nicht vom übersinnlichen, sondern der Deutlichkeit halber vom gewöhnlichen Leben hergenom­men werden. Angenommen, ich höre eine Nachricht und bilde mir darüber sogleich ein Urteil. In einer kurzen Zeit darauf bekomme ich über dieselbe Sache eine weitere Nachricht, die mit der ersteren nicht stimmt. Ich bin dadurch genötigt, das schon gebildete Urteil umzubilden. Die Folge davon ist ein ungünstiger Einfluß auf meine sechzehnblätterige Lotusblume. Ganz anders wäre die Sache, wenn ich zuerst mit meinem Urteil zurückhaltend gewesen wäre, wenn ich zu der ganzen Angelegenheit in­nerlich in Gedanken und äußerlich in Worten «geschwiegen» hätte, bis ich ganz sichere Anhaltspunkte für mein Urteil gehabt hätte. Behutsamkeit im Bilden und Ausspre­chen von Urteilen wird allmählich zum besonderen Kennzeichen des Geheimschülers. Dagegen wächst seine Empfänglichkeit für Eindrücke und Erfahrungen, die er schweigsam an sich vorüberziehen läßt, um möglichst viele Anhaltspunkte sich zu schaffen, wenn er zu urteilen hat. Es sind bläulichrötliche und rosenrote Nuancen in den Lotusblumenblättern, die durch solche Behutsamkeit auftreten, während im anderen Falle dunkelrote und orangefarbige Nuancen auftreten. In einer ähnlichen Art wie die sechzehnblätterige* wird auch die zwölfblätterige Lotusblume, in der Nähe des Herzens, gestaltet. Auch von&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- - -&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;#&amp;lt;/nowiki&amp;gt;FN010-125-* Der Kundige wird in den Bedingungen für die Entwickelung der «sechzehnblätterigen Lotusblume» wiedererkennen die Anweisungen, welche der Buddha seinen Jüngern für den «Pfad» gegeben hat. Doch handelt es sich hier nicht darum, «Buddhismus» zu lehren, sondern Ent­wickelungsbedingungen zu schildern, die aus der Geisteswissenschaft selbst sich ergeben. Daß sie mit gewissen Lehren des Buddha übereinstimmen, kann nicht hindern, sie an sich für wahr zu finden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
ihr war die Hälfte der Blätter in einem vergangenen Ent­wickelungszustande des Menschen bereits vorhanden und in Tätigkeit. Diese sechs Blätter brauchen daher bei der Geheimschulung nicht besonders ausgebildet zu werden; sie erscheinen von selbst und beginnen sich zu drehen, wenn an den anderen sechs gearbeitet wird. Wieder muß, um diese Entwickelung zu fördern, der Mensch gewissen Seelentätigkeiten in bewußter Weise eine bestimmte Richtung geben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man muß sich nun klarmachen, daß die Wahrneh­mungen der einzelnen geistigen oder Seelensinne einen verschiedenen Charakter tragen. Die Lotusblume mit zwölf Blättern vermittelt eine andere Wahrnehmung als die sechzehnblätterige. Diese letztere nimmt Gestalten wahr. Die Gedankenart, die eine Seele hat, die Gesetze, nach denen eine Naturerscheinung sich vollzieht, treten für die sechzehnblätterige Lotusblume in Gestalten auf. Das sind aber nicht starre, ruhige Gestalten, sondern be­wegte, mit Leben erfüllte Formen. Der Hellseher, bei dem sich dieser Sinn entwickelt hat, kann für jede Gedankenart, für jedes Naturgesetz eine Form nennen, in denen sie sich ausprägen. Ein Rachegedanke zum Beispiel kleidet sich in eine pfeilartige, zackige Figur, ein wohlwollender Gedanke hat oft die Gestalt einer sich öffnenden Blume und so weiter. Bestimmte, bedeutungsvolle Gedanken sind regelmäßig, symmetrisch gebildet, unklare Begriffe haben gekräuselte Umrisse. Ganz andere Wahrnehmungen treten durch die zwölfblätterige Lotusblume zutage. Man kann die Art dieser Wahrnehmungen an­nähernd charakterisieren, wenn man sie als Seelenwärme und Seelenkälte bezeichnet. Ein mit diesem Sinn ausgestatteter&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|127}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hellseher fühlt von den Figuren, die er durch die sechzehnblätterige Lotusblume wahrnimmt, solche Seelenwärme oder Seelenkälte ausströmen. Man stelle sich einmal vor, ein Hellseher hätte nur die sechzehnblätterige, nicht aber die zwölfblätterige Lotusblume ent­wickelt. Dann würde er bei einem wohlwollenden Ge­danken nur die oben beschriebene Figur sehen. Ein ande­rer, der beide Sinne ausgebildet hat, bemerkt auch noch diejenige Ausströmung dieses Gedankens, die man eben nur mit Seelenwärme bezeichnen kann. Nur nebenbei soll bemerkt werden, daß in der Geheimschulung nie der eine Sinn ohne den anderen ausgebildet wird, so daß das obige nur als eine Annahme zur Verdeutlichung anzusehen ist. Dem Hellseher eröffnet sich durch die Aus­bildung der zwölfblätterigen Lotusblume auch ein tiefes Verständnis für Naturvorgänge. Alles, was auf ein Wach­sen, Entwickeln begründet ist, strömt Seelenwärme aus; alles, was in Vergehen, Zerstörung, Untergang begriffen ist, tritt mit dem Charakter der Seelenkälte auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ausbildung dieses Sinnes wird auf folgende Art gefördert. Das erste, was in dieser Beziehung der Geheimschüler beobachtet, ist die Regelung seines Gedanken­laufes (die sogenannte Gedankenkontrolle). So wie die sechzehnblätterige Lotusblume durch wahre bedeutungsvolle Gedanken zur Entwickelung kommt, so die zwölf­blätterige durch innere Beherrschung des Gedankenver­laufes. Irrlichtelierende Gedanken, die nicht in sinngemäßer, logischer Weise, sondern rein zufällig anein­andergefügt sind, verderben die Form dieser Lotusblume. Je mehr ein Gedanke aus dem anderen folgt, je mehr allem Unlogischen aus dem Wege gegangen wird, desto&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|128}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
mehr erhält dieses Sinnesorgan die ihm entsprechende Form. Hört der Geheimschüler unlogische Gedanken, so läßt er sich sogleich das Richtige durch den Kopf gehen. Er soll nicht lieblos sich einer vielleicht unlogischen Um­gebung entziehen, um seine Entwickelung zu fördern. Er soll auch nicht den Drang in sich fühlen, alles Unlogische in seiner Umgebung sofort zu korrigieren. Er wird viel­mehr ganz still in seinem Innern die von außen auf ihn einstürmenden Gedanken in eine logische, sinngemäße Richtung bringen. Und er bestrebt sich, in seinen eigenen Gedanken überall diese Richtung einzuhalten. Ein zweites ist, eine ebensolche Folgerichtigkeit in sein Han­deln zu bringen (Kontrolle der Handlungen). Alle Unbeständigkeit, Disharmonie im Handeln gereichen der in Rede stehenden Lotusblume zum Verderben. Wenn der Geheimschüler etwas getan hat, so richtet er sein folgen­des Handeln danach ein, daß es in logischer Art aus dem ersten folgt. Wer heute im anderen Sinn handelt als gestern, wird nie den charakterisierten Sinn entwickeln. Das dritte ist die Erziehung zur Ausdauer. Der Geheimschüler läßt sich nicht durch diese oder jene Einflüsse von einem Ziel abbringen, das er sich gesteckt hat, solange er dieses Ziel als ein richtiges ansehen kann. Hindernisse sind für ihn eine Aufforderung, sie zu überwinden, aber keine Abhaltungsgründe. Das vierte ist die Duldsam­keit (Toleranz) gegenüber Menschen, anderen Wesen und auch Tatsachen. Der Geheimschüler unterdrückt alle überflüssige Kritik gegenüber dem Unvollkommenen, Bösen und Schlechten und sucht vielmehr alles zu begreifen, was an ihn herantritt. Wie die Sonne ihr Licht nicht dem Schlechten und Bösen entzieht, so er nicht seine&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
verständnisvolle Anteilnahme. Begegnet dem Geheimschüler irgendein Ungemach, so ergeht er sich nicht in abfälligen Urteilen, sondern er nimmt das Notwendige hin und sucht, soweit seine Kraft reicht, die Sache zum Guten zu wenden. Andere Meinungen betrachtet er nicht nur von seinem Standpunkte aus, sondern er sucht sich in die Lage des anderen zu versetzen. Das fünfte ist die Unbefangenheit gegenüber den Erscheinungen des Lebens. Man spricht in dieser Beziehung auch von dem «Glauben» oder «Vertrauen». Der Geheimschüler tritt jedem Menschen, jedem Wesen mit diesem Vertrauen entgegen. Und er erfüllt sich bei seinen Handlungen mit solchem Vertrauen. Er sagt sich nie, wenn ihm etwas mit­geteilt wird: das glaube ich nicht, weil es meiner bisherigen Meinung widerspricht. Er ist vielmehr in jedem Augenblicke bereit, seine Meinung und Ansicht an einer neuen zu prüfen und zu berichtigen. Er bleibt immer empfänglich für alles, was an ihn herantritt. Und er ver­traut auf die Wirksamkeit dessen, was er unternimmt. Zaghaftigkeit und Zweifelsucht verbannt er aus seinem Wesen. Hat er eine Absicht, so hat er auch den Glauben an die Kraft dieser Absicht. Hundert Mißerfolge können ihm diesen Glauben nicht nehmen. Es ist dies jener «Glaube, der Berge zu versetzen vermag». Das sechste ist die Erwerbung eines gewissen Lebensgleichgewichtes (Gleichmutes). Der Geheimschüler strebt an, seine gleichmäßige Stimmung zu erhalten, ob ihn Leid, ob ihn Er­freuliches trifft. Das Schwanken zwischen «himmelhochjauchzend, zu Tode betrübt» gewöhnt er sich ab. Das Un­glück, die Gefahr finden ihn ebenso gewappnet wie das Glück, die Förderung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Die Leser von geisteswissenschaftlichen Schriften fin­den das Geschilderte als die sogenannten «sechs Eigenschaften» aufgezählt, welche der bei sich entwickeln muß, der die Einweihung anstrebt. Hier sollte ihr Zusammen­hang mit dem seelischen Sinne dargelegt werden, welcher die zwölfblätterige Lotusblume genannt wird. Die Ge­heimschulung vermag wieder besondere Anweisungen zu geben, welche diese Lotusblume zum Reifen bringen, aber auch hier hängt die Ausbildung der regelmäßigen Form dieses Sinnesorganes an der Entwickelung der auf­gezählten Eigenschaften. Wird diese Entwickelung außer acht gelassen, dann gestaltet sich dieses Organ zu einem Zerrbilde. Und es können dadurch bei Ausbildung einer gewissen Hellsehergabe in dieser Richtung die genannten Eigenschaften sich statt zum Guten zum Schlechten wen­den. Der Mensch kann besonders unduldsam, zaghaft, ab­lehnend gegen seine Umgebung werden. Er kann zum Beispiel eine Empfindung erhalten für Gesinnungen an­derer Seelen und diese deswegen fliehen oder hassen. Es kann so weit kommen, daß er wegen der Seelenkälte, die ihn bei Ansichten überströmt, welche ihm widerstreben, gar nicht zuhören kann oder in abstoßender Art sich ge­bärdet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kommt zu allem Gesagten noch die Beobachtung ge­wisser Vorschriften hinzu, welche Geheimschüler von Ge­heimlehrern nur mündlich empfangen können, so tritt eine entsprechende Beschleunigung in der Entwickelung der Lotusblume ein. Doch führen die hier gegebenen An­weisungen durchaus in die wirkliche Geheimschulung ein. Nützlich aber ist auch für den, der nicht eine Geheimschulung durchmachen will oder kann, die Einrichtung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|131}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
des Lebens in der angegebenen Richtung. Denn die Wir­kung auf den Seelenorganismus tritt auf alle Fälle ein, wenn auch langsam. Und für den Geheimschüler ist die Beobachtung dieser Grundsätze unerläßlich. Würde er eine Geheimschulung versuchen, ohne sie einzuhalten, so könnte er nur mit mangelhaftem Gedankenauge in die höheren Welten eintreten; und statt die Wahrheit zu er­kennen, würde er dann nur Täuschungen und Illusionen unterworfen sein. Er würde in einer gewissen Beziehung hellsehend werden; aber im Grunde nur größerer Blindheit unterliegen als vorher. Denn ehedem stand er wenig­stens innerhalb der Sinnenwelt fest und hatte an ihr einen bestimmten Halt; jetzt aber sieht er hinter die Sinnenwelt und wird an dieser irre, bevor er sicher in einer höheren Welt steht. Er kann dann vielleicht überhaupt nicht mehr Wahrheit von Irrtum unterscheiden und verliert alle Richtung im Leben. Gerade aus diesem Grunde ist Ge­duld so nötig in diesen Dingen. Man muß immer beden­ken, daß die Geisteswissenschaft nicht weiter mit ihren Anweisungen gehen darf, als volle Willigkeit zu einer geregelten Entwickelung der «Lotusblumen» vorliegt. Es würden sich wahre Zerrbilder dieser Blumen entwickeln, wenn sie zur Reife gebracht würden, bevor sie in ruhiger Weise die ihnen zukommende Form erlangt haben. Denn die speziellen Anweisungen der Geisteswissenschaft bewirken das Reifwerden, die Form aber wird durch die ge­schilderte Lebensart ihnen gegeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von besonders feiner Art ist die Seelenpflege, die zur Entwickelung der zehnblätterigen Lotusblume notwendig ist. Denn hier handelt es sich darum, die Sinnes­eindrücke selbst in bewußter Weise beherrschen zu lernen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Für den angehenden Hellseher ist das ganz beson­ders nötig. Nur dadurch vermag er einen Quell zahlloser Illusionen und geistiger Willkürlichkeiten zu vermeiden. Der Mensch macht sich gewöhnlich gar nicht klar, von welchen Dingen seine Einfälle, seine Erinnerungen beherrscht sind und wodurch sie hervorgerufen werden. Man nehme folgenden Fall an. Jemand fährt in der Eisen­bahn. Er ist mit einem Gedanken beschäftigt. Plötzlich nimmt sein Gedanke eine ganz andere Wendung. Er erin­nert sich an ein Erlebnis, das er vor Jahren gehabt hat, und verspinnt es mit seinen gegenwärtigen Gedanken. Er hat nun aber gar nicht bemerkt, daß sein Auge zum Fen­ster hinausgerichtet und der Blick auf eine Person gerich­tet war, welche Ähnlichkeit hatte mit einer anderen, die in das erinnerte Erlebnis hineinverwickelt war. Was er gesehen hat, kommt ihm gar nicht zum Bewußtsein, son­dern nur die Wirkung. So glaubt er, daß ihm die Sache «von selbst eingefallen» sei. Wieviel im Leben kommt nicht auf solche Art zustande. Wie spielen in unser Leben Dinge hinein, die wir erfahren und gelesen haben, ohne daß man sich den Zusammenhang ins Bewußtsein bringt. Jemand kann zum Beispiel eine bestimmte Farbe nicht leiden; er weiß aber gar nicht, daß dies deshalb der Fall ist, weil der Lehrer, der ihn vor vielen Jahren gequält hat, einen Rock in dieser Farbe gehabt hat. Unzählige Illusio­nen beruhen auf solchen Zusammenhängen. Viele Dinge prägen sich der Seele ein, ohne daß sie auch dem Bewußt­sein einverleibt werden. Es kann folgender Fall vorkom­men. Jemand liest in der Zeitung von dem Tode einer bekannten Persönlichkeit. Und nun behauptet er ganz fest, er habe diesen Todesfall schon «gestern» vorausgeahnt,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
obgleich er nichts gehört und gesehen habe, was ihn auf diesen Gedanken hätte bringen können. Und es ist wahr, wie «von selbst» ist ihm «gestern» der Gedanke aufgetaucht: die betreffende Person werde sterben. Er hat nur eines nicht beachtet. Er ist ein paar Stunden, bevor ihm «gestern» der Gedanke aufgestoßen ist, bei einem Bekannten zu Besuch gewesen. Auf dem Tisch lag ein Zeitungsblatt. Er hat darin nicht gelesen. Aber unbewußt fiel doch sein Auge auf die Nachricht von der schweren Erkrankung der in Rede stehenden Persönlichkeit. Des Eindruckes ist er sich nicht bewußt geworden. Aber die Wirkung war die «Ahnung». Wenn man sich solche Dinge überlegt, so kann man ermessen, was für eine Quelle von Illusionen und Phantastereien in solchen Verhältnissen liegt. Und diese Quelle muß derjenige ver­stopfen, der seine zehnblätterige Lotusblume ausbilden will. Denn durch diese Lotusblume kann man tief verbor­gene Eigenschaften an Seelen wahrnehmen. Aber Wahrheit ist diesen Wahrnehmungen nur dann beizumessen, wenn man von den gekennzeichneten Täuschungen ganz frei geworden ist. Es ist zu diesem Zwecke notwendig, daß man sich zum Herrn über das macht, was von der Außen­welt auf einen einwirkt. Man muß es dahin bringen, daß Eindrücke, die man nicht empfangen will, man auch wirk­lich nicht empfängt. Solch eine Fähigkeit kann nur durch ein starkes Innenleben herangezogen werden. Man muß es in den Willen bekommen, daß man nur die Dinge auf sich wirken läßt, auf die man die Aufmerksamkeit wen­det, und daß man sich Eindrücken wirklich entzieht, an die man sich nicht willkürlich wendet. Was man sieht, muß man sehen wollen, und worauf man keine Aufmerksamkeit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
wendet, muß tatsächlich für einen nicht da sein. Je lebhafter, energischer die innere Arbeit der Seele wird, desto mehr wird man das erreichen. Der Geheimschüler muß alles gedankenlose Herumschauen und Herumhören vermeiden. Für ihn soll nur da sein, worauf er Ohr und Auge richtet. Er muß sich darin üben, daß er im größten Trubel nichts zu hören braucht, wenn er nicht hören will; er soll sein Auge unempfänglich machen für Dinge, auf die er nicht besonders hinschaut. Wie mit einem seeli­schen Panzer muß er umgeben sein für alle unbewußten Eindrücke. Besonders auf das Gedankenleben selbst muß er nach dieser Richtung hin Sorgfalt verwenden. Er setzt sich einen Gedanken vor, und er versucht nur das weiterzudenken, was er ganz bewußt, in völliger Freiheit, an diesen Gedanken angliedern kann. Beliebige Einfälle weist er ab. Will er den Gedanken mit irgendeinem andern in Beziehung setzen, so besinnt er sich sorgfältig, wo dieser andere an ihn herangetreten ist. Er geht noch weiter. Wenn er zum Beispiel eine bestimmte Antipathie gegen irgend etwas hat, so bekämpft er sie und sucht eine bewußte Beziehung zu dem betreffenden Dinge herzu­stellen. Auf diese Art mischen sich immer weniger un­bewußte Elemente in sein Seelenleben hinein. Nur durch solche strenge Selbstzucht erlangt die zehnblätterige Lo­tusblume die Gestalt, die sie haben sollte. Das Seelenleben des Geheimschülers muß ein Leben in Aufmerksamkeit werden, und worauf man keine Aufmerksamkeit verwen­den will oder soll, das muß man sich wirklich fernzuhal­ten wissen. Tritt zu einer solchen Selbstzucht eine Me­ditation, welche den Anweisungen der Geisteswissen­schaft entspricht, dann kommt die in der Gegend der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|135}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Magengrube befindliche Lotusblume in der richtigen Weise zum Reifen, und das, was durch die vorher geschilderten geistigen Sinnesorgane nur Form und Wärme hatte, erhält geistig Licht und Farbe. Und dadurch enthül­len sich zum Beispiel Talente und Fähigkeiten von Seelen, Kräfte und verborgene Eigenschaften in der Natur. Die Farbenaura der belebten Wesen wird dadurch sichtbar; das, was um uns ist, kündigt dadurch seine seelenhaften Eigenschaften an. Man wird zugeben, daß gerade in der Entwickelung auf diesem Gebiete die allergrößte Sorgfalt notwendig ist, denn das Spiel unbewußter Erinnerungen ist hier ein unermeßlich reges. Wäre das nicht der Fall, so würden viele Menschen gerade den hier in Frage kom­menden Sinn haben, denn er tritt fast sogleich auf, wenn der Mensch wirklich die Eindrücke seiner Sinne ganz und gar so in seiner Gewalt hat, daß sie nur mehr seiner Auf­merksamkeit oder Unaufmerksamkeit unterworfen sind. Nur solange die Macht der äußeren Sinne diesen seeli­schen Sinn in Dämpfung und Dumpfheit erhält, bleibt er unwirksam.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schwieriger als die Ausbildung der beschriebenen Lo­tusblume ist diejenige der sechsblätterigen, welche sich in der Körpermitte befindet. Denn zu dieser Ausbildung muß die vollkommene Beherrschung des ganzen Menschen durch das Selbstbewußtsein angestrebt werden, so daß bei ihm Leib, Seele und Geist in einer vollkommenen Harmonie sind. Die Verrichtungen des Leibes, die Nei­gungen und Leidenschaften der Seele, die Gedanken und Ideen des Geistes müssen in einen vollkommenen Einklang miteinander gebracht werden. Der Leib muß so ver­edelt und geläutert werden, daß seine Organe zu nichts&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
drängen, was nicht im Dienste der Seele und des Geistes geschieht. Die Seele soll durch den Leib nicht zu Begier­den und Leidenschaften gedrängt werden, die einem rei­nen und edlen Denken widersprechen. Der Geist aber soll nicht wie ein Sklavenhalter mit seinen Pflichtgeboten und Gesetzen über die Seele herrschen müssen; sondern diese soll aus eigener freier Neigung den Pflichten und Geboten folgen. Nicht wie etwas, dem er sich wider­willig fügt, soll die Pflicht über dem Geheimschüler schweben, sondern wie etwas, das er vollführt, weil er es liebt. Eine freie Seele, die im Gleichgewichte zwischen Sinnlichkeit und Geistigkeit steht, muß der Geheimschüler entwickeln. Er muß es dahin bringen, daß er sich sei­ner Sinnlichkeit überlassen darf, weil diese so geläutert ist, daß sie die Macht verloren hat, ihn zu sich herabzuziehen. Er soll es nicht mehr nötig haben, seine Leiden­schaften zu zügeln, weil diese von selbst dem Rechten folgen. Solange der Mensch es nötig hat, sich zu kasteien, kann er nicht Geheimschüler auf einer gewissen Stufe sein. Eine Tugend, zu der man sich erst zwingen muß, ist für die Geheimschülerschaft noch wertlos. Solange man eine Begierde noch hat, stört diese die Schülerschaft, auch wenn man sich bemüht, ihr nicht zu willfahren. Und es ist einerlei, ob diese Begierde mehr dem Leibe oder mehr der Seele angehört. Wenn jemand zum Beispiel ein be­stimmtes Reizmittel vermeidet, um durch die Entziehung des Genusses sich zu läutern, so hilft ihm dies nur dann, wenn sein Leib durch diese Enthaltung keine Beschwer­den erleidet. Ist letzteres der Fall, so zeigt es, daß der Leib das Reizmittel begehrt, und die Enthaltung ist wertlos. In diesem Falle kann es eben durchaus sein, daß der Mensch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
zunächst auf das angestrebte Ziel verzichten muß und warten, bis günstigere sinnliche Verhältnisse vielleicht erst in einem anderen Leben für ihn vorliegen. Ein vernünftiger Verzicht ist in einer gewissen Lage eine viel größere Errungenschaft als das Erstreben einer Sache, die unter gegebenen Verhältnissen eben nicht zu erreichen ist. Ja, es fördert solch ein vernünftiger Verzicht die Ent­wickelung mehr als das Entgegengesetzte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer die sechsblätterige Lotusblume entwickelt hat, der gelangt zum Verkehr mit Wesen, die den höheren Welten angehören, jedoch nur dann, wenn deren Dasein sich in der Seelenwelt zeigt. Die Geheimschulung empfiehlt aber nicht eine Entwickelung dieser Lotusblume, bevor der Schüler nicht auf dem Wege weit vorgeschritten ist, durch den er seinen Geist in eine noch höhere Welt erheben kann. Dieser Eintritt in die eigentliche Geisteswelt muß nämlich immer die Ausbildung der Lotusblumen beglei­ten. Sonst gerät der Schüler in Verwirrung und Unsicher­heit. Er würde zwar sehen lernen, aber es fehlte ihm die Fähigkeit, das Gesehene in der richtigen Weise zu beurtei­len. Nun liegt schon in dem, was zur Ausbildung der sechsblätterigen Lotusblume verlangt wird, eine gewisse Bürgschaft gegen Verwirrung und Haltlosigkeit. Denn nicht leicht wird jemand in diese Verwirrung zu bringen sein, der das vollkommene Gleichgewicht zwischen Sinn­lichkeit (Leib), Leidenschaft (Seele) und Idee (Geist) er­langt hat. Dennoch ist noch mehr notwendig als diese Bürgschaft, wenn durch Entwickelung der sechsblätterigen Lotusblume dem Menschen Wesen mit Leben und Selbständigkeit wahrnehmbar werden, welche einer Welt angehören, die von derjenigen seiner physischen Sinne so&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|138}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
durchaus verschieden ist. Um Sicherheit in diesen Welten zu haben, genügt ihm nicht das Ausbilden der Lotusblu­men, sondern er muß da noch höhere Organe zu seiner Verfügung haben. Es soll nun über die Entwickelung die­ser noch höheren Organe gesprochen werden; dann kann auch von den anderen Lotusblumen und der anderweiti­gen Organisation des Seelenleibes* die Rede sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;*&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ausbildung des Seelenleibes, wie sie eben geschil­dert worden ist, macht dem Menschen möglich, übersinn­liche Erscheinungen wahrzunehmen. Wer sich aber in die­ser Welt wirklich zurechtfinden will, der darf nicht auf dieser Stufe der Entwickelung stehenbleiben. Die bloße Beweglichkeit der Lotusblumen genügt nicht. Der Mensch muß in der Lage sein, die Bewegung seiner geistigen Or­gane selbständig, mit vollem Bewußtsein zu regeln und zu beherrschen. Er würde sonst ein Spielball äußerlicher Kräfte und Mächte werden. Soll er das nicht werden, so muß er sich die Fähigkeit erwerben, das sogenannte «in­nere Wort» zu vernehmen. Um dazu zu kommen, muß nicht nur der Seelenleib, sondern auch der Ätherleib ent­wickelt werden. Es ist dies jener feine Leib, der sich für den Hellseher als eine Art Doppelgänger des physischen Körpers zeigt. Er ist gewissermaßen eine Zwischenstufe&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- - -&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;#&amp;lt;/nowiki&amp;gt;FN010-138-* Es ist selbstverständlich, daß, dem Wortsinne nach, der Ausdruck «Seelenleib» (wie mancher ähnliche der Geisteswissenschaft) einen Widerspruch enthält. Doch wird dieser Ausdruck gebraucht, weil das hellseherische Erkennen etwas wahrnimmt, was so im Geistigen erlebt wird, wie im Physischen der Leib wahrgenommen wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|139}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
zwischen diesem Körper und dem Seelenleib.* Ist man mit hellseherischen Fähigkeiten begabt, so kann man sich mit vollem Bewußtsein den physischen Körper eines Men­schen, der vor einem steht, absuggerieren. Es ist das auf einer höheren Stufe nichts anderes als eine Übung der Aufmerksamkeit auf einer niedrigeren. So wie der Mensch seine Aufmerksamkeit von etwas, das vor ihm ist, ablen­ken kann, so daß es für ihn nicht da ist, so vermag der Hellseher einen physischen Körper für seine Wahrneh­mung ganz auszulöschen, so daß er für ihn physisch ganz durchsichtig wird. Vollführt er das mit einem Menschen, der vor ihm steht, dann bleibt vor seinem seelischen Auge noch der sogenannte Ätherleib vorhanden, außer dem Seelenleibe, der größer als beide ist und der auch beide durchdringt. Der Ätherleib hat annähernd die Größe und Form des physischen Leibes, so daß er ungefähr auch den­selben Raum ausfüllt, den auch der physische Körper ein­nimmt. Er ist ein äußerst zart und fein organisiertes Ge­bilde.** Seine Grundfarbe ist eine andere als die im Re­genbogen enthaltenen sieben Farben. Wer ihn beobach­ten kann, lernt eine Farbe kennen, die für die sinnliche Beobachtung eigentlich gar nicht vorhanden ist. Sie läßt sich am ehesten mit der Farbe der jungen Pfirsichblüte vergleichen. Will man den Ätherleib ganz allein für sich betrachten, so muß man auch die Erscheinung des Seelenleibes&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- - -&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;#&amp;lt;/nowiki&amp;gt;FN010-139-1-* Man vergleiche zu dieser Darstellung die Schilderung in des Ver­fassers «Theosophie».&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;#&amp;lt;/nowiki&amp;gt;FN010-139-2-** Den Physiker bitte ich, sich an dem Ausdruck «Ätherleib» nicht zu stoßen. Mit dem Worte «Äther» soll nur die Feinheit des in Betracht kommenden Gebildes angedeutet werden. Mit dem «Äther» der physika­lischen Hypothesen braucht das hier Angeführte zunächst gar nicht zusammengebracht zu werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|140}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
für die Beobachtung auslöschen durch eine ähnlich geartete Übung der Aufmerksamkeit wie die oben gekennzeichnete. Tut man dies nicht, dann verändert sich der Anblick des Ätherleibes durch den ihn ganz durchdringenden Seelenleib.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun sind beim Menschen die Teilchen des Ätherleibes in einer fortwährenden Bewegung. Zahllose Strömungen durchziehen ihn nach allen Seiten. Durch diese Strömun­gen wird das Leben unterhalten und geregelt. Jeder Kör­per, der lebt, hat einen solchen Ätherleib. Die Pflanzen und die Tiere haben ihn auch. Ja, selbst bei den Minera­lien sind Spuren für den aufmerksamen Beobachter wahr­nehmbar. Die genannten Strömungen und Bewegungen sind zunächst von dem Willen und Bewußtsein des Men­schen ganz unabhängig, wie die Tätigkeit des Herzens oder Magens im physischen Körper von der Willkür nicht abhängig ist. Und solange der Mensch seine Ausbildung im Sinne der Erwerbung übersinnlicher Fähigkeiten nicht in die Hand nimmt, bleibt diese Unabhängigkeit auch bestehen. Denn gerade darin besteht die höhere Entwicke­lung auf einer gewissen Stufe, daß zu den vom Bewußt­sein unabhängigen Strömungen und Bewegungen des Ätherleibes solche hinzutreten, welche der Mensch in be­wußter Weise selbst bewirkt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn die Geheimschulung so weit gekommen ist, daß die in den vorhergehenden Abschnitten gekennzeichne­ten Lotusblumen sich zu bewegen beginnen, dann hat der Schüler auch bereits manches von dem vollzogen, was zur Hervorrufung ganz bestimmter Strömungen und Bewe­gungen in seinem Ätherkörper führt. Der Zweck dieser Entwickelung ist, daß sich in der Gegend des physischen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|141}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herzens eine Art Mittelpunkt bildet, von dem Strömun­gen und Bewegungen in den mannigfaltigsten geistigen Farben und Formen ausgehen. Dieser Mittelpunkt ist in Wirklichkeit kein bloßer Punkt, sondern ein ganz kompliziertes Gebilde, ein wunderbares Organ. Es leuchtet und schillert geistig in den allerverschiedensten Farben und zeigt Formen von großer Regelmäßigkeit, die sich mit Schnelligkeit verändern können. Und weitere Formen und Farbenströmungen laufen von diesem Organ nach den Tei­len des übrigen Körpers und auch noch über diesen hinaus, indem sie den ganzen Seelenleib durchziehen und durchleuchten. Die wichtigsten dieser Strömungen aber gehen zu den Lotusblumen. Sie durchziehen die einzelnen Blät­ter derselben und regeln ihre Drehung; dann strömen sie an den Spitzen der Blätter nach außen, um sich im äuße­ren Raum zu verlieren. Je entwickelter ein Mensch ist, desto größer wird der Umkreis, in dem sich diese Strömungen verbreiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einer besonders nahen Beziehung steht die zwölf­blätterige Lotusblume zu dem geschilderten Mittelpunkte. In sie laufen unmittelbar die Strömungen ein. Und durch sie hindurch gehen auf der einen Seite Strömungen zu der sechzehnblätterigen und der zweiblätterigen, auf der an­deren (unteren) Seite zu den acht-, sechs- und vierblätte­rigen Lotusblumen. In dieser Anordnung liegt der Grund, warum auf die Ausbildung der zwölfblätterigen Lotus­blume bei der Geheimschulung eine ganz besondere Sorg­falt verwendet werden muß. Würde hier etwas verfehlt, so müßte die ganze Ausbildung des Apparates eine unordentliche sein. Man kann aus dem Gesagten ermes­sen, von wie zarter und intimer Art die Geheimschulung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|142}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ist und wie genau man vorgehen muß, wenn alles in ge­höriger Weise sich entwickeln soll. Ohne weiteres ist hieraus auch ersichtlich, daß nur derjenige über Anweisung zur Ausbildung übersinnlicher Fähigkeiten reden kann, der alles, was er an einem anderen ausbilden soll, selbst an sich erfahren hat und der vollkommen in der Lage ist zu erkennen, ob seine Anweisungen auch zu dem ganz richtigen Erfolge führen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn der Geheimschüler das ausführt, was ihm durch die Anweisungen vorgeschrieben wird, dann bringt er sei­nem Ätherleib solche Strömungen und Bewegungen bei, welche in Harmonie stehen mit den Gesetzen und der Entwickelung der Welt, zu welcher der Mensch gehört. Daher sind die Anweisungen stets ein Abbild der großen Gesetze der Weltentwickelung. Sie bestehen in den er­wähnten und ähnlichen Meditations- und Konzentrationsübungen, welche, gehörig angewendet, die geschilderten Wirkungen haben. Der Geistesschüler muß in gewissen Zeiten seine Seele ganz mit dem Inhalte der Übungen durchdringen, sich innerlich gleichsam ganz damit ausfül­len. Mit Einfachem beginnt es, was vor allem geeignet ist, das verständige und vernünftige Denken des Kopfes zu vertiefen, zu verinnerlichen. Dieses Denken wird dadurch frei und unabhängig gemacht von allen sinnlichen Ein­drücken und Erfahrungen. Es wird gewissermaßen in einen Punkt zusammengefaßt, welchen der Mensch ganz in seiner Gewalt hat. Dadurch wird ein vorläufiger Mit­telpunkt geschaffen für die Strömungen des Ätherleibes. Dieser Mittelpunkt ist zunächst noch nicht in der Herzgegend, sondern im Kopfe. Dem Hellseher zeigt er sich dort als Ausgangspunkt von Bewegungen. Nur eine&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|143}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
solche Geheimschulung hat den vollen Erfolg, welche zu­erst diesen Mittelpunkt schafft. Würde gleich vom Anfang an der Mittelpunkt in die Herzgegend verlegt, so könnte der angehende Hellseher zwar gewisse Einblicke in die höheren Welten tun; er könnte aber keine richtige Einsicht in den Zusammenhang dieser höheren Welten mit unserer sinnlichen gewinnen. Und dies ist für den Menschen auf der gegenwärtigen Stufe der Weltentwickelung eine unbedingte Notwendigkeit. Der Hellseher darf nicht zum Schwärmer werden; er muß den festen Boden unter den Füßen behalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Mittelpunkt im Kopfe wird dann, wenn er gehö­rig befestigt ist, weiter nach unten verlegt, und zwar in die Gegend des Kehlkopfes. Das wird im weiteren Anwen­den der Konzentrationsübungen bewirkt. Dann strahlen die charakterisierten Bewegungen des Ätherleibes von die­ser Gegend aus. Sie erleuchten den Seelenraum in der Umgebung des Menschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein weiteres Üben befähigt den Geheimschüler, die Lage seines Ätherleibes selbst zu bestimmen. Vorher ist diese Lage von den Kräften abhängig, die von außen kom­men und vom physischen Körper ausgehen. Durch die weitere Entwickelung wird der Mensch imstande, den Ätherleib nach allen Seiten zu drehen. Diese Fähigkeit wird durch Strömungen bewirkt, welche ungefähr längs der beiden Hände verlaufen und die ihren Mittelpunkt in der zweiblätterigen Lotusblume in der Augengegend ha­ben. Alles dies kommt dadurch zustande, daß sich die Strahlungen, die vom Kehlkopf ausgehen, zu runden For­men gestalten, von denen eine Anzahl zu der zweiblätterigen Lotusblume hingehen, um von da aus als wellige&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|144}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Strömungen den Weg längs der Hände zu nehmen. Eine weitere Folge besteht darin, daß sich diese Ströme in der feinsten Art verästeln und verzweigen und zu einer Art Geflecht werden, das wie ein Netzwerk (Netzhaut) zur Grenze des ganzen Ätherleibes sich umbildet. Während dieser vorher nach außen keinen Abschluß hatte, so daß die Lebensströme aus dem allgemeinen Lebensmeer unmittelbar aus- und einströmten, müssen jetzt die Einwir­kungen von außen dieses Häutchen durchlaufen. Dadurch wird der Mensch für diese äußeren Strömungen empfind­lich. Sie werden ihm wahrnehmbar. Nunmehr ist auch der Zeitpunkt gekommen, um dem ganzen Strom- und Bewegungssystem den Mittelpunkt in der Herzgegend zu geben. Das geschieht wieder durch die Fortsetzung der Konzentrations- und Meditationsübung. Und damit ist auch die Stufe erreicht, auf welcher der Mensch mit dem «inneren Wort» begabt wird. Alle Dinge erhalten nun­mehr für den Menschen eine neue Bedeutung. Sie werden gewissermaßen in ihrem innersten Wesen geistig hörbar; sie sprechen von ihrem eigentlichen Wesen zu dem Men­schen. Die gekennzeichneten Strömungen setzen ihn mit dem Innern der Welt in Verbindung, zu welcher er ge­hört. Er beginnt das Leben seiner Umgebung mitzuerle­ben und kann es in der Bewegung seiner Lotusblumen nachklingen lassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit betritt der Mensch die geistige Welt. Ist er so weit, so gewinnt er ein neues Verständnis für dasjenige, was die großen Lehrer der Menschheit gesprochen haben. Buddhas Reden und die Evangelien zum Beispiel wirken jetzt in einer neuen Art auf ihn ein. Sie durchströmen ihn mit einer Seligkeit, die er vorher nicht geahnt hat. Denn&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|145}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der Ton ihrer Worte folgt den Bewegungen und Rhyth­men, die er nun selbst in sich ausgebildet hat. Er kann es jetzt unmittelbar wissen, daß ein solcher Mensch wie Buddha oder die Evangelienschreiber nicht ihre Offen­barungen, sondern diejenigen aussprechen, welche ihnen zugeflossen sind vom innersten Wesen der Dinge. Es soll hier auf eine Tatsache aufmerksam gemacht werden, die wohl nur aus dem Vorhergehenden verständlich wird. Den Menschen unserer gegenwärtigen Bildungsstufe sind die vielen Wiederholungen in Buddhas Reden nicht recht begreiflich. Dem Geheimschüler werden sie zu etwas, worauf er gern mit seinem inneren Sinne ruht. Denn sie entsprechen gewissen Bewegungen rhythmischer Art im Ätherleib. Die Hingabe an sie in vollkommener innerer Ruhe bewirkt auch ein Zusammenklingen mit solchen Bewegungen. Und weil diese Bewegungen ein Abbild sind bestimmter Weltrhythmen, die auch in gewissen Punkten Wiederholung und regelmäßige Rückkehr zu früheren darstellen, so lebt sich im Hinhören auf die Weise Bud­dhas der Mensch in den Zusammenhang mit den Weltgeheimnissen hinein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Geisteswissenschaft wird von vier Eigenschaften gesprochen, welche sich der Mensch auf dem sogenannten Prüfungspfade erwerben muß, um zu höherer Erkenntnis aufzusteigen. Es ist die erste davon die Fähigkeit, in den Gedanken das Wahre von der Erscheinung zu scheiden, die Wahrheit von der bloßen Meinung. Die zweite Eigen­schaft ist die richtige Schätzung des Wahren und Wirk­lichen gegenüber der Erscheinung. Die dritte Fähigkeit besteht in der schon im vorigen Kapitel erwähnten Ausübung der sechs Eigenschaften: Gedankenkontrolle,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|146}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kontrolle der Handlungen, Beharrlichkeit, Duldsamkeit, Glaube und Gleichmut. Die vierte ist die Liebe zur inne­ren Freiheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein bloßes verstandesmäßiges Begreifen dessen, was in diesen Eigenschaften liegt, nützt gar nichts. Sie müssen der Seele so einverleibt werden, daß sie innere Gewohn­heiten begründen. Man nehme zum Beispiel die erste Eigenschaft: Die Unterscheidung des Wahren von der Er­scheinung. Der Mensch muß sich so schulen, daß er bei jeglichem Dinge, das ihm gegenübertritt, ganz wie selbst­verständlich unterscheidet zwischen dem, was unwesent­lich ist, und dem, was Bedeutung hat. Man kann sich so nur schulen, wenn man in aller Ruhe und Geduld bei seinen Beobachtungen der Außenwelt immer wieder die dahingehenden Versuche macht. Zuletzt haftet in natür­licher Weise der Blick ebenso an dem Wahren, wie er vor­her an dem Unwesentlichen sich befriedigt hat. «Alles Vergängliche ist nur ein Gleichnis»: diese Wahrheit wird zu einer selbstverständlichen Überzeugung der Seele. Und so wird es mit den anderen der genannten vier Eigen­schaften zu halten sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun verwandelt sich tatsächlich der feine Ätherleib des Menschen unter dem Einfluß dieser vier Seelengewohn­heiten. Durch die erste «Unterscheidung des Wahren von der Erscheinung» wird der gekennzeichnete Mittelpunkt im Kopfe erzeugt und der im Kehlkopf vorbereitet. Zur wirklichen Ausbildung sind dann allerdings die Konzen­trationsübungen notwendig, von denen oben gesprochen worden ist. Sie bilden aus, und die vier Gewohnheiten bringen zur Reife. Ist der Mittelpunkt in der Gegend des Kehlkopfes vorbereitet, dann wird jene angedeutete&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|147}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
freie Beherrschung des Ätherleibes und sein Überziehen und Begrenzen mit dem Netzhautgeflecht bewirkt durch die richtige Schätzung des Wahren gegenüber der unwe­sentlichen Erscheinung. Bringt es der Mensch zu solcher Schätzung, dann werden ihm allmählich die geistigen Tat­sachen wahrnehmbar. Er soll aber nicht glauben, daß er bloß Handlungen zu vollziehen hat, welche vor einer ver­standesmäßigen Schätzung als bedeutungsvoll erscheinen. Die geringste Handlung, jeder kleine Handgriff hat etwas Bedeutungsvolles im großen Haushalte des Weltganzen, und es kommt nur darauf an, ein Bewußtsein von dieser Bedeutung zu haben. Nicht auf Unterschätzung, sondern auf richtige Einschätzung der alltäglichen Verrichtungen des Lebens kommt es an. Von den sechs Tugenden, aus denen sich die dritte Eigenschaft zusammensetzt, ist be­reits gesprochen worden. Sie hängen zusammen mit der Ausbildung der zwölfblätterigen Lotusblume in der Herzgegend. Dahin muß ja, wie gezeigt worden ist, in der Tat der Lebensstrom des Ätherleibes geleitet werden. Die vierte Eigenschaft: das Verlangen nach Befreiung, dient dann dazu, das Ätherorgan in der Nähe des Herzens zur Reifung zu bringen. Wird diese Eigenschaft zur Seelengewohnheit, dann befreit sich der Mensch von allem, was nur mit den Fähigkeiten seiner persönlichen Natur zu­sammenhängt. Er hört auf, die Dinge von seinem Sonderstandpunkte aus zu betrachten. Die Grenzen seines engen Selbst, die ihn an diesen Standpunkt fesseln, verschwin­den. Die Geheimnisse der geistigen Welt erhalten Zu­gang zu seinem Innern. Dies ist die Befreiung. Denn jene Fesseln zwingen den Menschen, die Dinge und Wesen so anzusehen, wie es seiner persönlichen Art entspricht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Von dieser persönlichen Art, die Dinge zu betrachten, muß der Geheimschüler unabhängig, frei werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man sieht hieraus, daß die Vorschriften, welche von der Geisteswissenschaft ausgehen, tief in die innerste Men­schennatur hinein bestimmend wirken. Und die Vorschrif­ten über die vier genannten Eigenschaften sind solche Vorschriften. Sie finden sich in der einen oder der anderen Form in allen mit der Geisteswelt rechnenden Welt­anschauungen. Nicht aus einem dunklen Gefühl heraus haben die Begründer solcher Weltanschauungen solche Vorschriften den Menschen gegeben. Sie haben das viel­mehr aus dem Grunde getan, weil sie große Eingeweihte waren. Aus der Erkenntnis heraus haben sie ihre sittlichen Vorschriften geformt. Sie wußten, wie diese auf die feinere Natur des Menschen wirken, und wollten, daß die Beken­ner diese feinere Natur allmählich zur Ausbildung brin­gen. Im Sinne solcher Weltanschauungen leben heißt an seiner eigenen geistigen Vervollkommnung arbeiten. Und nur wenn der Mensch das tut, dient er dem Weltganzen. Sich vervollkommnen ist keineswegs Selbstsucht. Denn der unvollkommene Mensch ist auch ein unvollkommener Diener der Menschheit und der Welt. Man dient dem Ganzen um so besser, je vollkommener man selbst ist. Hier gilt es: «Wenn die Rose selbst sich schmückt, schmückt sie auch den Garten.»&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Begründer der bedeutungsvollen Weltanschauun­gen sind dadurch die großen Eingeweihten. Das, was von ihnen kommt, fließt in die Menschenseelen hinein. Und dadurch kommt mit der Menschheit die ganze Welt vor­wärts. Ganz bewußt haben die Eingeweihten an diesem Entwickelungsprozeß der Menschheit gearbeitet. Nur&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|149}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dann versteht man den Inhalt ihrer Anweisungen, wenn man beachtet, daß diese aus der Erkenntnis der tiefinnersten Menschennatur heraus geschöpft sind. Große Erken­ner waren die Eingeweihten, und aus ihrer Erkenntnis heraus haben sie die Ideale der Menschheit geprägt. Der Mensch aber kommt diesen Führern nahe, wenn er sich in seiner eigenen Entwickelung zu ihren Höhen erhebt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn bei einem Menschen die Ausbildung des Ätherleibes in der Art begonnen hat, wie das im Vorangegangenen beschrieben ist, dann erschließt sich ihm ein völlig neues Leben. Und er muß durch die Geheimschulung zur richtigen Zeit die Aufklärungen erhalten, welche ihn befähigen, sich in diesem neuen Leben zurechtzufinden. Er sieht zum Beispiel durch die sechzehnblätterige Lotus­blume geistig Gestalten einer höheren Welt. Nun muß er sich klarmachen, wie verschieden diese Gestalten sind, je nachdem sie von diesen oder jenen Gegenständen oder Wesen verursacht sind. Das erste, worauf er die Aufmerk­samkeit wenden kann, ist, daß er auf eine gewisse Art die­ser Gestalten durch seine eigenen Gedanken und Emp­findungen einen starken Einfluß ausüben kann, auf andere gar nicht oder doch nur in geringem Maße. Eine Art der Figuren ändert sich sofort, wenn der Betrachter bei ihrem Auftreten den Gedanken hat: «das ist schön», und dann im Laufe der Anschauung diesen Gedanken ändert in die­sen: «das ist nützlich». Besonders haben die Gestalten, welche von Mineralien oder künstlich gemachten Gegen­ständen herrühren, die Eigentümlichkeit, daß sie sich durch jeden Gedanken oder jedes Gefühl, das ihnen der Beschauer entgegenbringt, ändern. In geringerem Maße ist das schon der Fall bei den Gestalten, welche Pflanzen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|150}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
zukommen; und noch weniger findet es statt bei denen, welche Tieren entsprechen. Auch diese Gestalten sind beweglich und voll Leben. Aber diese Beweglichkeit rührt nur zum Teil von dem Einfluß der menschlichen Gedan­ken und Empfindungen her, zum anderen Teile wird sie durch Ursachen bewirkt, auf welche der Mensch keinen Einfluß hat. Nun tritt aber innerhalb dieser ganzen Ge­staltenwelt eine Sorte von Formen auf, welche der Ein­wirkung von seiten des Menschen selbst zunächst fast ganz entzogen sind. Der Geheimschüler kann sich davon überzeugen, daß diese Gestalten weder von Mineralien noch von künstlichen Gegenständen, auch nicht von Pflanzen oder Tieren herrühren. Er muß nun, um völlig ins klare zu kommen, die Gestalten betrachten, von denen er wissen kann, daß sie durch die Gefühle, Triebe, Leiden­schaften und so weiter von anderen Menschen verursacht werden. Aber auch diesen Gestalten gegenüber kann er finden, daß seine eigenen Gedanken und Empfindungen noch einigen, wenn auch verhältnismäßig geringen Ein­fluß haben. Es bleibt innerhalb der Gestaltenwelt immer ein Rest, auf den dieser Einfluß verschwindend gering ist. Ja, dieser Rest bildet im Anfange der Laufbahn des Ge­heimschülers sogar einen sehr großen Teil dessen, was er überhaupt sieht. Über die Natur dieses Teiles kann er sich nun nur aufklären, wenn er sich selbst beobachtet. Da fin­det er, welche Gestalten durch ihn selbst bewirkt worden sind. Das, was er selbst tut, will, wünscht und so weiter, kommt in diesen Gestalten zum Ausdruck. Ein Trieb, der in ihm wohnt, eine Begierde, die er hat, eine Absicht, die er hegt, und so weiter: alles das zeigt sich in solchen Ge­stalten. Ja, sein ganzer Charakter prägt sich in einer solchen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|151}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gestaltenwelt aus. Der Mensch kann somit durch seine bewußten Gestalten und Gefühle einen Einfluß auf alle Gestalten ausüben, welche nicht von ihm selbst ausgehen; auf diejenigen Figuren aber, die er durch sein eigenes Wesen in der höheren Welt bewirkt, hat er keinen Einfluß mehr, sobald sie durch ihn geschaffen worden sind. Es geht nun aus dem Gesagten auch hervor, daß in der höheren Anschauung das menschliche Innere, die eigene Trieb-, Begierden- und Vorstellungswelt sich ge­nauso in äußeren Figuren zeigt wie andere Gegenstände und Wesenheiten. Die Innenwelt wird für die höhere Er­kenntnis zu einem Teile der Außenwelt. Wie wenn man in der physischen Welt von allen Seiten mit Spiegeln um­geben wäre und so seine leibliche Gestalt beschauen könnte, so tritt in einer höheren Welt die seelische Wesen­heit des Menschen diesem als Spiegelbild entgegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf dieser Entwickelungsstufe ist für den Geheimschüler der Zeitpunkt eingetreten, in dem er die Illusion, wel­che aus der persönlichen Begrenztheit stammt, überwin­det. Er kann jetzt das, was innerhalb seiner Persönlichkeit ist, beobachten als Außenwelt, wie er früher als Außen­welt betrachtete, was auf seine Sinne einwirkte. So lernt er allmählich durch die Erfahrung sich so behandeln, wie er früher die Wesen um sich her behandelte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Würde des Menschen Blick in diese Geisteswelten geöffnet, ehe er in genügender Art auf deren Wesen vorbe­reitet worden ist, so stünde er zunächst vor dem charak­terisierten Gemälde seiner eigenen Seele wie vor einem Rätsel. Die Gestalten seiner eigenen Triebe und Leiden­schaften treten ihm da entgegen in Formen, welche er als tierische oder seltener auch als menschliche empfindet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Zwar sind die Tiergestalten dieser Welt niemals ganz gleich denen der physischen Welt, aber sie haben doch eine entfernte Ähnlichkeit. Von ungeübten Beobachtern werden sie wohl auch für gleich gehalten. Man muß sich nun, wenn man diese Welt betritt, eine ganz neue Art des Urteilens aneignen. Denn abgesehen davon, daß die Dinge, die eigentlich dem menschlichen Innern angehö­ren, als Außenwelt erscheinen, treten sie auch noch als das Spiegelbild dessen auf, was sie wirklich sind. Wenn man zum Beispiel eine Zahl da erblickt, so muß man sie um­gekehrt als Spiegelbild lesen. 265 zum Beispiel bedeutet in Wahrheit hier 562. Eine Kugel sieht man so, wie wenn man in ihrem Mittelpunkte wäre. Man hat sich dann diese Innenansicht erst in der richtigen Art zu übersetzen. Aber auch seelische Eigenschaften erscheinen als Spiegelbild. Ein Wunsch, der sich auf etwas Äußeres bezieht, tritt als eine Gestalt auf, die zu dem Wünschenden selbst sich hin­bewegt. Leidenschaften, welche in der niederen Natur des Menschen ihren Sitz haben, können die Form von Tieren oder ähnliche Gestaltungen annehmen, die sich auf den Menschen losstürzen. In Wirklichkeit streben ja diese Lei­denschaften nach außen; sie suchen den Gegenstand ihrer Befriedigung in der Außenwelt. Aber dieses Suchen nach außen stellt sich im Spiegelbild als Angriff auf den Träger der Leidenschaft dar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn der Geheimschüler, bevor er zu höherem Schauen aufsteigt, durch ruhige, sachliche Selbstbeobachtung seine eigenen Eigenschaften selber kennengelernt hat, dann wird er auch in dem Augenblicke, da ihm sein Inneres im äußeren Spiegelbilde entgegentritt, Mut und Kraft finden, um sich in der richtigen Art zu verhalten. Menschen, welche&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|153}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sich durch solche Selbstprüfung nicht genügend mit dem eigenen Innern bekannt gemacht haben, werden sich in ihrem Spiegelbilde nicht erkennen und dieses dann für fremde Wirklichkeit halten. Auch werden sie durch den Anblick ängstlich und reden sich, weil sie die Sache nicht ertragen können, ein, das Ganze sei nur phantastisches Er­zeugnis, das zu nichts führen könne. In beiden Fällen stünde der Mensch durch sein unreifes Ankommen auf einer gewissen Entwickelungsstufe der eigenen höheren Ausbildung verhängnisvoll im Wege.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist durchaus notwendig, daß der Geheimschüler durch den geistigen Anblick seiner eigenen Seele hindurchgehe, um zu Höherem vorzudringen. Denn im eige­nen Selbst hat er ja doch dasjenige Geistig-Seelische, das er am besten beurteilen kann. Hat er sich von seiner Per­sönlichkeit in der physischen Welt zunächst eine tüchtige Erkenntnis erworben und tritt ihm zuerst das Bild dieser Persönlichkeit in der höheren Welt entgegen, dann kann er beides vergleichen. Er kann das Höhere auf ein ihm Bekanntes beziehen und vermag so von einem festen Bo­den auszugehen. Wenn ihm dagegen noch so viele andere geistige Wesenheiten entgegenträten, so vermöchte er sich doch über ihre Eigenart und Wesenheit zunächst kei­nen Aufschluß zu geben. Er würde bald den Boden unter den Füßen schwinden fühlen. Es kann daher gar nicht oft genug betont werden, daß der sichere Zugang zur höheren Welt derjenige ist, der über die gediegene Erkenntnis und Beurteilung der eigenen Wesenheit führt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Geistige Bilder sind es also, welchen der Mensch zu­nächst auf seiner Bahn zur höheren Welt begegnet. Denn die Wirklichkeit, welche diesen Bildern entspricht, ist ja&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|154}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
in ihm selbst. Reif muß demnach der Geheimschüler sein, um auf dieser ersten Stufe nicht derbe Realitäten zu ver­langen, sondern die Bilder als das Richtige zu betrachten. Aber innerhalb dieser Bilderwelt lernt er bald etwas Neues kennen. Sein niederes Selbst ist nur als Spiegelgemälde vor ihm vorhanden; aber mitten in diesem Spiegelgemälde erscheint die wahre Wirklichkeit des höheren Selbst. Aus dem Bilde der niederen Persönlichkeit her­aus wird die Gestalt des geistigen Ich sichtbar. Und erst von dem letzteren aus spinnen sich die Fäden zu anderen höheren geistigen Wirklichkeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und nun ist die Zeit gekommen, um die zweiblätterige Lotusblume in der Augengegend zu gebrauchen. Fängt sie an sich zu bewegen, so findet der Mensch die Möglichkeit, sein höheres Ich mit übergeordneten geistigen Wesen­heiten in Verbindung zu setzen. Die Ströme, welche von dieser Lotusblume ausgehen, bewegen sich so zu höheren Wirklichkeiten hin, daß die entsprechenden Bewegungen dem Menschen völlig bewußt sind. Wie das Licht dem Auge die physischen Gegenstände sichtbar macht, so diese Strömungen die geistigen Wesen höherer Welten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch Versenkung in der Geisteswissenschaft entstam­mende Vorstellungen, welche Grundwahrheiten enthalten, lernt der Schüler die Strömungen der Augenlotus­blume in Bewegung setzen und dirigieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was gesunde Urteilskraft, klare, logische Schulung ist, das erweist sich ganz besonders auf dieser Stufe der Ent­wickelung. Man muß nur bedenken, daß da das höhere Selbst, das bisher keimhaft, unbewußt im Menschen ge­schlummert hat, zu bewußtem Dasein geboren wird. Nicht etwa bloß im bildlichen, sondern in ganz wirklichem&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|155}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sinne hat man es mit einer Geburt in der geistigen Welt zu tun. Und das geborene Wesen, das höhere Selbst, muß mit allen notwendigen Organen und Anlagen zur Welt kommen, wenn es lebensfähig sein soll. Wie die Natur vorsorgen muß, daß ein Kind mit wohlgebildeten Ohren und Augen zur Welt komme, so müssen die Gesetze der Eigenentwickelung eines Menschen Sorge tra­gen, daß sein höheres Selbst mit den notwendigen Fähig­keiten ins Dasein trete. Und diese Gesetze, welche die Ausbildung der höheren Organe des Geistes selbst besor­gen, sind keine anderen als die gesunden Vernunft- und Moralgesetze der physischen Welt. Wie im Mutterschoße das Kind reift, so im physischen Selbst der geistige Mensch. Die Gesundheit des Kindes hängt von normaler Wirksamkeit der Naturgesetze im Mutterschoße ab. Die Gesundheit des geistigen Menschen ist in gleicher Art von den Gesetzen des gewöhnlichen Verstandes und der im physischen Leben wirksamen Vernunft bedingt. Niemand kann ein gesundes höheres Selbst gebären, der nicht in der physischen Welt gesund lebt und denkt. Natur- und vernunftgemäßes Leben sind die Grundlage aller wahren Geistesentwickelung. Wie das Kind im Schoße der Mut­ter schon nach den Naturkräften lebt, die es nach seiner Geburt mit seinen Sinnesorganen wahrnimmt, so lebt das höhere Selbst des Menschen nach den Gesetzen der gei­stigen Welt schon während des physischen Daseins. Und wie das Kind aus einem dunklen Lebensgefühl heraus sich die entsprechenden Kräfte aneignet, so kann es der Mensch mit den Kräften der geistigen Welt, bevor sein höheres Selbst geboren wird. Ja, er muß dies tun, wenn dies letztere als vollentwickeltes Wesen zur Welt kommen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|156}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
soll. Es wäre nicht richtig, wenn jemand sagte: ich kann die Lehren der Geisteswissenschaft nicht annehmen, bevor ich nicht selbst sehe. Denn ohne die Vertiefung in die Geistesforschung kann er überhaupt nicht zu wahrer hö­herer Erkenntnis kommen. Er wäre dann in derselben Lage wie ein Kind im Mutterschoße, das verweigerte, die Kräfte zu gebrauchen, die ihm durch die Mutter zukom­men, und warten wollte, bis es sich dieselben selbst ver­schaffen kann. So wie der Kindeskeim im Lebensgefühl die Richtigkeit des Dargereichten erfährt, so der noch nicht sehende Mensch die Wahrheit der Lehren der Gei­steswissenschaft. Es gibt eine Einsicht, die auf Wahrheitsgefühl und klare, gesunde, allseitig urteilende Vernunft gebaut ist, in diese Lehren, auch wenn man die geistigen Dinge noch nicht schaut. Man muß die mystischen Er­kenntnisse zuerst lernen und sich eben gerade durch dieses Lernen zum Schauen vorbereiten. Ein Mensch, der zum Schauen käme, bevor er in dieser Art gelernt hat, gliche einem Kinde, das wohl mit Augen und Ohren, aber ohne Gehirn geboren wäre. Es breitete sich die ganze Farben- und Tonwelt vor ihm aus; aber es könnte nichts damit an­fangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was also dem Menschen vorher durch sein Wahrheits­gefühl, durch Verstand und Vernunft einleuchtend war, das wird auf der geschilderten Stufe der Geheimschülerschaft eigenes Erlebnis. Er hat jetzt ein unmittelbares Wis­sen von seinem höheren Selbst. Und er lernt erkennen, daß dieses höhere Selbst mit geistigen Wesenheiten höhe­rer Art zusammenhängt und mit ihnen eine Einheit bil­det. Er sieht also, wie das niedere Selbst aus einer höheren Welt herstammt. Und es zeigt sich ihm, daß seine höhere&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|157}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Natur die niedere überdauert. Er kann nunmehr selbst sein Vergängliches von seinem Bleibenden unterscheiden. Das heißt nichts anderes, als er lernt die Lehre von der Einkörperung (Inkarnation) des höheren Selbst in ein nie­deres aus eigener Anschauung verstehen. Es wird ihm jetzt klar, daß er in einem höheren geistigen Zusammenhange darinnen steht, daß seine Eigenschaften, seine Schicksale durch diesen Zusammenhang verursacht sind. Er lernt das Gesetz seines Lebens, Karma, erkennen. Er sieht ein, daß sein niederes Selbst, wie es gegenwärtig sein Dasein ausmacht, nur eine der Gestalten ist, die sein höhe­res Wesen annehmen kann. Und er erblickt die Möglich­keit vor sich, von seinem höheren Selbst aus an sich zu arbeiten, auf daß er vollkommener und immer vollkom­mener werde. Er kann nunmehr auch die großen Unter­schiede der Menschen hinsichtlich ihrer Vollkommen­heitsgrade einsehen. Er wird gewahr, daß es über ihm ste­hende Menschen gibt, welche die noch vor ihm liegenden Stufen schon erreicht haben. Er sieht ein, daß die Lehren und Taten solcher Menschen von den Eingebungen aus einer höheren Welt herrühren. Dies verdankt er seinem ersten eigenen Blick in diese höhere Welt. Was man «große Eingeweihte der Menschheit» nennt, wird jetzt beginnen, für ihn Tatsache zu werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das sind die Gaben, die der Geheimschüler dieser Stufe seiner Entwickelung verdankt: Einsicht in das höhere Selbst, in die Lehre von der Einkörperung oder Inkarna­tion dieses höheren Selbst in ein niederes, in das Gesetz, wonach das Leben in der physischen Welt geregelt wird nach geistigen Zusammenhängen Karmagesetz , und endlich in das Dasein großer Eingeweihter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|158}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man sagt deshalb auch von einem Schüler, der diese Stufe erreicht hat, daß ihm der Zweifel völlig geschwunden sei. Konnte er sich vorher einen auf Vernunftgründe und gesundes Denken gebauten Glauben aneignen, so tritt jetzt an die Stelle dieses Glaubens das volle Wissen und die durch nichts zu erschütternde Einsicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Religionen haben in ihren Zeremonien, Sakramen­ten und Riten äußerlich sichtbare Abbilder höherer geistiger Vorgänge und Wesen gegeben. Nur wer die Tiefen der großen Religionen noch nicht durchschaut hat, kann diese verkennen. Wer aber in die geistige Wirklichkeit selbst hineinschaut, der wird auch die große Bedeutung jener äußerlich sichtbaren Handlungen verstehen. Und für ihn wird dann der religiöse Dienst selbst ein Abbild seines Verkehrs mit der geistig übergeordneten Welt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man sieht, in welcher Art der Geheimschüler durch Erreichung dieser Stufe wirklich ein neuer Mensch gewor­den ist. Er kann nun allmählich dazu heranreifen, durch die Strömungen seines Ätherkörpers das eigentliche hö­here Lebenselement zu dirigieren und damit eine hohe Freiheit von seinem physischen Körper zu erlangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|159}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= VERÄNDERUNGEN IM TRAUMLEBEN DES GEHEIMSCHÜLERS =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Ankündigung, daß der Geheimschüler die im vori­gen Kapitel beschriebene Stufe der Entwickelung erreicht hat oder doch bald erreichen werde, ist die Veränderung, die mit seinem Traumleben vorgeht. Vorher waren die Träume verworren und willkürlich. Nun fangen sie an, einen regelmäßigen Charakter anzunehmen. Ihre Bilder werden sinnvoll zusammenhängend wie die Vorstellun­gen des Alltagslebens. Man kann in ihnen Gesetz, Ur­sache und Wirkung erkennen. Und auch der Inhalt der Träume ändert sich. Während man vorher nur Nach­klänge des täglichen Lebens, umgeformte Eindrücke der Umgebung oder der eigenen Körperzustände wahrnimmt, treten jetzt Bilder aus einer Welt auf, mit der man vorher unbekannt war. Zunächst bleibt allerdings der allgemeine Charakter des Traumlebens bestehen, insofern sich der Traum vom wachen Vorstellen dadurch unterscheidet, daß er sinnbildlich dasjenige gibt, was er ausdrücken will. Einem aufmerksamen Beurteiler des Traumlebens kann ja diese Sinnbildlichkeit nicht entgehen. Man träumt zum Bei­spiel davon, daß man ein häßliches Tier gefangen und ein unangenehmes Gefühl in der Hand hat. Man wacht auf und merkt, daß man einen Zipfel der Bettdecke mit der Hand umschlossen hält. Die Wahrnehmung drückt sich also nicht ungeschminkt aus, sondern durch das gekenn­zeichnete Sinnbild. Oder man träumt, daß man vor einem Verfolger flieht; man empfindet dabei Angst. Beim Aufwachen zeigt sich, daß man von Herzklopfen wäh­rend des Schlafes befallen war. Der Magen, welcher mit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|160}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
schwerverdaulichen Speisen erfüllt ist, verursacht beäng­stigende Traumbilder. Auch Vorgänge in der Umgebung des schlafenden Menschen spiegeln sich im Traume als Sinnbilder. Das Schlagen einer Uhr kann das Bild eines Soldatentrupps hervorrufen, der bei Trommelschlag vorbeimarschiert. Ein umfallender Stuhl kann die Veranlassung zu einem ganzen Traumdrama sein, in dem der Schlag sich als Schuß widerspiegelt und so weiter. Diese sinnbildliche Art des Ausdruckes hat nun auch der gere­gelte Traum des Menschen, dessen Ätherkörper sich zu entwickeln beginnt. Aber er hört auf, bloße Tatsachen der physischen Umgebung oder des eigenen sinnlichen Leibes widerzuspiegeln. So wie diejenigen Träume regelmäßig werden, welche diesen Dingen ihren Ursprung verdan­ken, so mischen sich auch solche Traumbilder ein, die Ausdruck von Dingen und Verhältnissen einer anderen Welt sind. Hier werden zuerst Erfahrungen gemacht, wel­che dem gewöhnlichen Tagesbewußtsein unzugänglich sind. Nun darf man keineswegs glauben, daß irgendein wahrer Mystiker die Dinge, die er in solcher Art traum­haft erlebt, zur Grundlage irgendwelcher maßgebenden Mitteilungen einer höheren Welt schon macht. Nur als die ersten Anzeichen einer höheren Entwickelung hat man solche Traumerlebnisse zu betrachten. Bald tritt auch als weitere Folge die Tatsache ein, daß die Bilder des träu­menden Geheimschülers nicht mehr wie früher der Lei­tung des besonnenen Verstandes entzogen sind, sondern von diesem geregelt und ordnungsgemäß überschaut wer­den wie die Vorstellungen und Empfindungen des Wachbewußtseins. Es verschwindet eben immer mehr und mehr der Unterschied zwischen dem Traumbewußtsein und diesem&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|161}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wachzustand. Der Träumende ist im vollen Sinne des Wortes während des Traumlebens wach; das heißt, er fühlt sich als Herr und Führer seiner bildhaften Vorstel­lungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während des Träumens befindet sich der Mensch tat­sächlich in einer Welt, welche von derjenigen seiner phy­sischen Sinne verschieden ist. Nur vermag der Mensch mit unentwickelten geistigen Organen sich von dieser Welt keine anderen als die gekennzeichneten verworre­nen Vorstellungen zu bilden. Sie ist für ihn nur so vorhanden, wie die sinnliche Welt für ein Wesen da wäre, das höchstens die allerersten Anlagen von Augen hat. Deshalb kann der Mensch auch nichts sehen in dieser Welt als die Nachbilder und Widerspiegelungen des gewöhnlichen Lebens. Diese kann er aber aus dem Grunde im Traume sehen, weil seine Seele ihre Tageswahrneh­mungen selbst als Bilder in den Stoff hineinmalt, aus dem jene andere Welt besteht. Man muß sich nämlich klar darüber sein, daß der Mensch neben seinem gewöhn­lichen bewußten Tagesleben noch ein zweites, unbewuß­tes, in der angedeuteten anderen Welt führt. Alles, was er wahrnimmt und denkt, gräbt er in Abdrücken in diese Welt ein. Man kann diese Abdrücke eben nur sehen, wenn die Lotusblumen entwickelt sind. Nun sind bei jedem Menschen gewisse spärliche Anlagen der Lotusblumen immer vorhanden. Während des Tagesbewußtseins kann er damit nichts wahrnehmen, weil die Eindrücke auf ihn ganz schwach sind. Es ist dies aus einem ähnlichen Grunde, warum man während des Tages die Sterne nicht sieht. Sie kommen für die Wahrnehmungen gegenüber dem mächtig wirkenden Sonnenlicht nicht auf. So kommen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|162}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die schwachen geistigen Eindrücke gegenüber den machtvollen Eindrücken der physischen Sinne nicht zur Geltung. Wenn nun im Schlaf die Tore der äußeren Sinne geschlossen sind, so leuchten diese Eindrücke verworren auf. Und der Träumende wird dann der in einer anderen Welt gemachten Erfahrungen gewahr. Aber, wie gesagt, zunächst sind diese Erfahrungen nichts weiter als das­jenige, was das an die physischen Sinne gebundene Vor­stellen selbst in die geistige Welt eingegraben hat. Erst die entwickelten Lotusblumen machen es möglich, daß Kundgebungen, welche nicht der physischen Welt angehören, dort verzeichnet werden. Und durch den ent­wickelten Ätherleib entsteht dann ein volles Wissen von diesen aus anderen Welten herrührenden Einzeichnun­gen. Damit hat der Verkehr des Menschen in einer neuen Welt begonnen. Und der Mensch muß jetzt durch die Anleitungen der Geheimschulung ein Doppeltes zunächst erreichen. Zuerst muß es ihm möglich werden, ganz vollständig wie im Wachen die im Traume gemach­ten Beobachtungen zu gewahren. Hat er dies erreicht, so wird er dazu geführt, dieselben Beobachtungen auch während des gewöhnlichen Wachzustandes zu machen. Seine Aufmerksamkeit auf geistige Eindrücke wird da einfach so geregelt, daß diese Eindrücke gegenüber den physischen nicht mehr zu verschwinden brauchen, son­dern daß er sie neben und mit diesen immerfort haben kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hat der Geheimschüler diese Fähigkeit erlangt, dann tritt eben vor seinen geistigen Augen etwas von dem Ge­mälde auf, das im vorigen Kapitel beschrieben worden ist. Er kann nunmehr wahrnehmen, was in der geistigen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|163}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Welt vorhanden ist als die Ursache für die physische. Und er kann vor allem sein höheres Selbst innerhalb dieser Welt erkennen. Seine nächste Aufgabe ist nun, in die­ses höhere Selbst gewissermaßen hineinzuwachsen, das heißt, es wirklich als seine wahre Wesenheit anzusehen und auch sich dementsprechend zu verhalten. Immer mehr erhält er nun die Vorstellung und das lebendige Gefühl davon, daß sein physischer Leib und was er vorher sein «Ich» genannt hat nur mehr ein Werkzeug des höhe­ren Ich ist. Er bekommt eine Empfindung gegenüber dem niederen Selbst, wie es der auf die Sinnenwelt beschränkte Mensch gegenüber einem Werkzeug oder Fahrzeug hat, deren er sich bedient. So wie dieser den Wagen, in dem er fährt, nicht zu seinem «Ich» rechnet, auch wenn er sagt: «Ich fahre» wie «Ich gehe», so hat der entwickelte Mensch, wenn er sagt: «Ich gehe zur Tür hinein», eigent­lich die Vorstellung: «Ich trage meinen Leib zur Tür hinein.» Nur muß das für ihn ein so selbstverständlicher Begriff sein, daß er nicht einen Augenblick den festen Boden der physischen Welt verliert, daß niemals ein Ge­fühl von Entfremdung deshalb gegenüber der Sinnenwelt auftritt. Soll der Geheimschüler nicht zum Schwärmer oder Phantasten werden, so muß er durch das höhere Be­wußtsein sein Leben in der physischen Welt nicht ver­armen, sondern bereichern, so wie es derjenige bereichert, der sich statt seiner Beine eines Eisenbahnzuges bedient, um einen Weg zu machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hat es der Geheimschüler zu einem solchen Leben in seinem höheren Ich gebracht, dann oder vielmehr schon während der Aneignung des höheren Bewußtseins wird ihm klar, wie er die geistige Wahrnehmungskraft in dem&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|164}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
in der Herzgegend erzeugten Organ zum Dasein erwecken und durch die in den vorigen Kapiteln charakterisierten Strömungen leiten kann. Diese Wahrnehmungskraft ist ein Element von höherer Stofflichkeit, das von dem ge­nannten Organ ausgeht und in leuchtender Schönheit durch die sich bewegenden Lotusblumen und auch durch die anderen Kanäle des ausgebildeten Ätherleibes strömt. Es strahlt von da nach außen in die umgebende geistige Welt und macht sie geistig sichtbar, wie das von außen auf die Gegenstände fallende Sonnenlicht diese physisch sichtbar macht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie diese Wahrnehmungskraft im Herzorgane erzeugt wird, das kann nur allmählich im Ausbilden selbst ver­standen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deutlich als Gegenstände und Wesen wahrnehmbar wird die geistige Welt eigentlich erst für einen Menschen, der in solcher Art das charakterisierte Wahrnehmungs­organ durch seinen Ätherleib und nach der Außenwelt senden kann, um damit die Gegenstände zu beleuchten. Man sieht daraus, daß ein vollkommenes Bewußtsein von einem Gegenstande der geistigen Welt nur unter der Bedingung entstehen kann, daß der Mensch selbst das Geisteslicht auf ihn wirft. In Wahrheit wohnt nun das «Ich», welches dieses Wahrnehmungsorgan erzeugt, gar nicht im physischen Menschenkörper, sondern, wie ge­zeigt worden ist, außerhalb desselben. Das Herzorgan ist nur der Ort, wo der Mensch von außen her dieses geistige Lichtorgan entfacht. Würde er es nicht hier, sondern an einem anderen Orte entzünden, so hätten die durch dasselbe zustande gebrachten geistigen Wahrnehmungen keinen Zusammenhang mit der physischen Welt. Aber&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|165}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der Mensch soll ja alles höhere Geistige eben auf die physische Welt beziehen und durch sich in die letztere hereinwirken lassen. Das Herzorgan ist gerade dasjenige, durch welches das höhere Ich das sinnliche Selbst zu sei­nem Werkzeug macht und von dem aus dies letztere ge­handhabt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun ist die Empfindung, welche der entwickelte Mensch gegenüber den Dingen der geistigen Welt hat, eine andere als die, welche dem Sinnenmenschen gegen­über der physischen Welt eigen ist. Der letztere fühlt sich an einem gewissen Orte der Sinnenwelt, und die wahr­genommenen Gegenstände sind für ihn «außerhalb». Der geistig entwickelte Mensch dagegen fühlt sich mit dem geistigen Gegenstande seiner Wahrnehmung wie vereinigt, wie «im Innern» desselben. Er wandelt in der Tat im Geistesraume von Ort zu Ort. Man nennt ihn deshalb in der Sprache der Geheimwissenschaft auch den «Wanderer». Er ist zunächst nirgends zu Hause. Bliebe er bei dieser bloßen Wanderschaft, dann könnte er keinen Gegenstand im geistigen Raume wirklich bestimmen. Wie man einen Gegenstand oder Ort im physischen Raume dadurch bestimmt, daß man von einem gewissen Punkte ausgeht, so muß das auch in der erreichten ande­ren Welt der Fall sein. Man muß sich auch da irgendwo einen Ort suchen, den man zunächst ganz genau erforscht und geistig für sich in Besitz nimmt. In diesem Orte muß man sich eine geistige Heimat gründen und dann alles andere zu dieser Heimat in ein Verhältnis setzen. Auch der in der physischen Welt lebende Mensch sieht ja alles so, wie es die Vorstellungen seiner physischen Heimat mit sich bringen. Ein Berliner beschreibt unwillkürlich Lon­don&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|166}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
anders als ein Pariser. Nur ist es mit der geistigen Heimat doch anders als mit der physischen. In die letztere ist man ohne sein Zutun hineingeboren, in ihr hat man während der Jugendzeit eine Reihe von Vorstellungen instinktiv aufgenommen, von denen fortan alles unwill­kürlich beleuchtet wird. Die geistige Heimat hat man sich aber mit vollem Bewußtsein selbst gebildet. Man ur­teilt von ihr ausgehend deshalb auch in voller lichter Freiheit. Dieses Bilden einer geistigen Heimat nennt man in der Sprache der Geheimwissenschaft «eine Hütte bauen».&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das geistige Schauen auf dieser Stufe erstreckt sich zu­nächst auf die geistigen Gegenbilder der physischen Welt, soweit diese Gegenbilder in der sogenannten astralen Welt liegen. In dieser Welt befindet sich alles dasjenige, was seinem Wesen nach gleich den menschlichen Trie­ben, Gefühlen, Begierden und Leidenschaften ist. Denn zu allen den Menschen umgebenden Sinnesdingen gehören auch Kräfte, die mit diesen menschlichen verwandt sind. Ein Kristall zum Beispiel wird in seine Form gegos­sen durch Kräfte, die sich der höheren Anschauung gegen­über ausnehmen wie ein Trieb, der im Menschen wirkt. Durch ähnliche Kräfte wird der Saft durch die Gefäße der Pflanze geleitet, werden die Blüten zur Entfaltung, die Samenkapseln zum Aufspringen gebracht. Alle diese Kräfte gewinnen Form und Farbe für die entwickelten geistigen Wahrnehmungsorgane, wie die Gegenstände der physischen Welt Form und Farbe für das physische Auge haben. Der Geheimschüler sieht auf der geschilder­ten Stufe seiner Entwickelung nicht nur den Kristall, die Pflanze, sondern auch die gekennzeichneten geistigen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|167}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kräfte. Und er sieht die tierischen und menschlichen Triebe nicht nur durch die physischen Lebensäußerungen ihrer Träger, sondern auch unmittelbar als Gegenstände, wie er in der physischen Welt Tische und Stühle sieht. Die ganze Instinkt-, Trieb-, Wunsch-, Leidenschaftswelt eines Tieres oder Menschen wird zu der astralen Wolke, in welche das Wesen eingehüllt wird, zur Aura.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weiter nimmt der Hellseher auf dieser Stufe seiner Ent­wickelung auch Dinge wahr, die sich der sinnlichen Auf­fassung fast oder vollständig entziehen. Er kann zum Bei­spiel den astralen Unterschied merken zwischen einem Raume, der zum großen Teile mit niedrig gesinnten Men­schen erfüllt ist, und einem solchen, in dem hochgesinnte Personen anwesend sind. In einem Krankenhause ist nicht nur die physische, sondern auch die geistige Atmosphäre eine andere als in einem Tanzsaale. Eine Handelsstadt hat eine andere astrale Luft als ein Universitätsort. Zunächst wird das Wahrnehmungsvermögen des hellsehend gewor­denen Menschen für solche Dinge nur schwach entwickelt sein. Es wird sich zu den zuerst genannten Gegenständen so verhalten wie das Traumbewußtsein des Sinnenmen­schen zu seinem Wachbewußtsein. Aber allmählich wird er auch auf dieser Stufe voll erwachen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die höchste Errungenschaft des Hellsehers, der den charakterisierten Grad des Schauens erreicht hat, ist diejenige, auf welcher sich ihm die astralen Gegenwirkun­gen der tierischen und menschlichen Triebe und Leiden­schaften zeigen. Eine liebevolle Handlung hat eine an­dere astrale Begleiterscheinung als eine solche, die vom Hasse ausgeht. Die sinnlose Begierde stellt außer sich selbst noch ein häßliches astrales Gegenbild dar, die auf&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|168}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hohes gerichtete Empfindung dagegen ein schönes. Diese Gegenbilder sind während des physischen Menschenlebens nur schwach zu sehen. Denn ihre Stärke wird durch das Leben in der physischen Welt beeinträchtigt. Ein Wunsch nach einem Gegenstande erzeugt zum Beispiel ein solches Spiegelbild außer dem, als welches dieser Wunsch selbst in der astralen Welt erscheint. Wird aber der Wunsch durch das Erlangen des physischen Gegen­standes befriedigt oder ist wenigstens die Möglichkeit zu solcher Befriedigung vorhanden, so wird das Gegenbild nur ein sehr schwacher Schein sein. Zu seiner vollen Gel­tung gelangt es erst nach dem Tode des Menschen, wenn die Seele noch immer, ihrer Natur nach, solchen Wunsch hegen muß, ihn aber nicht mehr befriedigen kann, weil der Gegenstand und auch das physische Organ dazu fehlen. Der sinnlich veranlagte Mensch wird auch nach seinem Tode zum Beispiel die Gier nach Gaumengenuß haben. Ihm fehlt jetzt aber die Möglichkeit der Befriedigung, da er doch keinen Gaumen mehr hat. Das hat zur Folge, daß der Wunsch ein besonders heftiges Gegenbild erzeugt, von dem die Seele dann gequält wird. Man nennt diese Erfahrungen durch die Gegenbilder der niederen Seelennatur nach dem Tode die Erlebnisse im Seelenreich, be­sonders in dem Orte der Begierden. Sie schwinden erst, wenn die Seele sich geläutert hat von allen nach der phy­sischen Welt hinzielenden Begierden. Dann steigt diese Seele erst in das höhere Gebiet (Geisteswelt) auf. Wenn auch diese Gegenbilder beim noch physisch lebenden Menschen schwach sind: sie sind doch vorhanden und begleiten ihn als seine Begierden-Anlage, wie den Ko­meten sein Schweif begleitet. Und der Hellseher kann sie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|169}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sehen, wenn er die entsprechende Entwickelungsstufe er­reicht hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In solchen Erfahrungen und in allen denen, welche da­mit verwandt sind, lebt der Geheimschüler in dem Stadium, das beschrieben worden ist. Bis zu noch höheren geistigen Erlebnissen kann er es auf dieser Entwickelungs­stufe noch nicht bringen. Er muß von da an noch höher aufwärts steigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|170}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= DIE ERLANGUNG DER KONTINUITÄT DES BEWUSSTSEINS =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Leben des Menschen verläuft im Wechsel von drei Zuständen. Diese sind: Wachsein, traumerfüllter Schlaf und traumloser tiefer Schlaf. Man kann verstehen, wie man zu den höheren Erkenntnissen der geistigen Welten gelangt, wenn man sich eine Vorstellung davon bildet, was für Veränderungen in bezug auf diese drei Zustände bei demjenigen Menschen vorgehen müssen, der solche Erkenntnis suchen will. Bevor der Mensch eine Schulung für diese Erkenntnis durchgemacht hat, wird sein Bewußtsein fortwährend unterbrochen von den Ruhepausen des Schlafes. In diesen Pausen weiß die Seele nichts von der Außenwelt und auch nichts von sich selbst. Nur für gewisse Zeiten tauchen aus dem allgemeinen Meere der Bewußtlosigkeit die Träume auf, welche anknüpfen an Vorgänge der Außenwelt oder an Zustände des eigenen Leibes. Zunächst sieht man in den Träumen nur eine besondere Äußerung des Schlaflebens, und man spricht daher wohl überhaupt nur von zwei Zuständen: Schlafen und Wachen. Für die Geheimwissenschaft aber hat der Traum eine selbständige Bedeutung neben den beiden anderen Zuständen. Es ist im vorigen Kapitel beschrieben worden, welche Veränderung in dem Traumleben des Menschen vorgeht, der den Aufstieg zu höherer Erkenntnis unternimmt. Seine Träume verlieren den bedeutungslosen, unregelmäßigen und zusammenhanglosen Charakter und werden immer mehr und mehr zu einer regelerfüllten, zusammenhängenden Welt. Bei weiterer Entwickelung gibt dann diese aus der Traumwelt geborene neue Welt der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|171}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
äußeren sinnlichen Wirklichkeit nicht nur an innerer Wahrheit nichts nach, sondern in ihr offenbaren sich Tatsachen, die im vollen Sinne des Wortes eine höhere Wirklichkeit darstellen. In der sinnlichen Welt sind nämlich überall Geheimnisse und Rätsel verborgen. Diese Welt zeigt wohl die Wirkungen gewisser höherer Tatsachen; allein der Mensch, der seine Wahrnehmung bloß auf seine Sinne beschränkt, kann nicht zu den Ursachen dringen. Dem Geheimschüler offenbaren sich in dem geschilderten, aus dem Traumleben herausgebildeten, aber keineswegs etwa bei ihm stehenbleibenden Zustande diese Ursachen teilweise. Er darf ja allerdings diese Offenbarungen so lange nicht als wirkliche Erkenntnisse ansehen, als sich ihm noch nicht während des gewöhnlichen wachen Lebens dieselben Dinge zeigen. Aber auch dazu gelangt er. Er entwickelt sich dazu, den Zustand, den er erst aus dem Traumleben sich geschaffen hat, in das wache Bewußtsein herüberzunehmen. Dann ist für ihn die Sinnenwelt um etwas ganz Neues bereichert. Wie ein Mensch, der, blind geboren und operiert, nach seinem Sehendwerden die Dinge der Umgebung um all die Wahrnehmungen des Auges bereichert erkennt, so schaut der auf obige Art hellsehend gewordene Mensch die ganze ihn umgebende Welt mit neuen Eigenschaften, Dingen, Wesen und so weiter. Er braucht nunmehr nicht auf den Traum zu warten, um in einer anderen Welt zu leben, sondern er kann sich zu höherer Wahrnehmung immer, wenn es angemessen ist, in den geschilderten Zustand versetzen. Bei ihm hat dann dieser Zustand eine ähnliche Bedeutung, wie im gewöhnlichen Leben eine solche das Wahrnehmen der Dinge bei tätigen Sinnen gegenüber&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|172}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dem bei nicht tätigen Sinnen hat. Man kann eben in wahrem Sinne sagen: der Geheimschüler öffnet die Sinne seiner Seele, und er schaut die Dinge, welche den leiblichen Sinnen verborgen bleiben müssen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Zustand bildet nun nur einen Übergang zu noch höheren Stufen der Erkenntnis des Geheimschülers. Setzt dieser die ihm bei seiner Geheimschulung dienenden Übungen fort, so wird er nach angemessener Zeit finden, daß nicht nur mit seinem Traumleben die beschriebene durchgreifende Veränderung vorgeht, sondern daß sich die Verwandlung auch auf den vorher traumlosen tiefen Schlaf ausdehnt. Er merkt, daß die völlige Bewußtlosigkeit, in welcher er sich früher während dieses Schlafes Befunden hat, unterbrochen wird von vereinzelten bewußten Erlebnissen. Aus der allgemeinen Finsternis des Schlafes tauchen Wahrnehmungen von einer Art auf, die er vorher nicht gekannt hat. Es ist natürlich nicht leicht, diese Wahrnehmungen zu beschreiben, denn unsere Sprache ist ja nur für die Sinneswelt geschaffen, und man kann daher nur annähernd Worte für das finden, was gar nicht dieser Sinneswelt angehört. Doch muß man die Worte zur Beschreibung der höheren Welten zunächst verwenden. Das kann nur dadurch geschehen, daß vieles in Gleichnissen gesagt wird. Aber da alles in der Welt mit anderem verwandt ist, so kann dies auch geschehen. Die Dinge und Wesen der höheren Welten sind mit denen der Sinneswelt wenigstens so weit verwandt, daß bei gutem Willen immerhin eine Vorstellung von diesen höheren Welten auch durch die für die Sinneswelt gebräuchlichen Worte erzielt werden kann. Man muß sich nur immer dessen bewußt bleiben, daß vieles bei solchen Beschreibungen übersinnlicher&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|173}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Welten Gleichnis und Sinnbild sein muß. Die Geheimschulung selbst vollzieht sich daher nur zum Teil in den Worten der gewöhnlichen Sprache; im übrigen lernt der Schüler zu seinem Aufstieg noch eine sich wie selbstverständlich ergebende sinnbildliche Ausdrucksart. Man muß sie sich während der Geheimschulung selbst aneignen. Dies hindert aber nicht, daß man auch durch gewöhnliche Beschreibungen, wie sie hier gegeben werden, etwas über die Natur der höheren Welten erfährt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Will man eine Vorstellung geben von den obenerwähnten Erlebnissen, die zunächst aus dem Meere der Bewußtlosigkeit während des tiefen Schlafes auftauchen, so kann man sie am besten mit einer Art von Hören vergleichen. Von wahrgenommenen Tönen und Worten kann man sprechen. Wie man die Erlebnisse des Traumschlafes zutreffend als eine Art des Schauens im Vergleiche mit den Wahrnehmungen der Sinne bezeichnen kann, so lassen sich die Tatsachen des tiefen Schlafes mit den Eindrücken des Ohres vergleichen. (Als Zwischenbemerkung soll nur gesagt werden, daß das Schauen auch für die geistigen Welten das Höhere ist. Farben sind auch in dieser Welt etwas Höheres als Töne und Worte. Aber das, was der Geheimschüler von dieser Welt bei seiner Schulung zuerst wahrnimmt, sind eben noch nicht die höheren Farben, sondern die niederen Töne. Nur weil der Mensch nach seiner allgemeinen Entwickelung für die Welt schon geeigneter ist, die sich im Traumschlaf offenbart, nimmt er da sogleich die Farben wahr. Für die höhere Welt, die sich im Tiefschlaf enthüllt, ist er noch weniger geeignet. Deshalb offenbart sich diese ihm zunächst in Tönen und Worten;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|174}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
später kann er auch hier zu Farben und Formen aufsteigen.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn nun der Geheimschüler merkt, daß er solche Erlebnisse im tiefen Schlafe hat, dann ist es zunächst seine Aufgabe, sich dieselben so deutlich und klar wie möglich zu machen. Anfangs fällt das sehr schwer; denn die Wahrnehmung des in diesem Zustande Erlebten ist zunächst eine außerordentlich geringe. Man weiß nach dem Erwachen wohl, daß man etwas erlebt hat; was es aber gewesen ist, darüber bleibt man völlig im unklaren. Das Wichtigste während dieses Anfangszustandes ist, daß man ruhig und gelassen bleibt und nicht einen Augenblick in irgendwelche Unruhe und Ungeduld verfällt. Diese müßten unter allen Umständen nur schädlich wirken. Vor allem können sie die weitere Entwickelung nie beschleunigen, sondern müssen sie verzögern. Man muß sich ruhig sozusagen dem überlassen, was einem gegeben oder geschenkt wird; alles Gewaltsame muß unterbleiben. Kann man in einem Zeitpunkte Schlaferlebnisse nicht gewahr werden, so warte man geduldig, bis dieses möglich sein wird. Denn dieser Augenblick kommt gewiß einmal. Und war man vorher geduldig und gelassen, so bleibt dann die Wahrnehmungsfähigkeit ein sicherer Besitz, während sie bei einem gewaltsamen Vorgehen zwar einmal auftreten, aber sich dann wieder für längere Zeit vollständig verlieren kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ist die Wahrnehmungsfähigkeit einmal eingetreten und stehen einem die Schlaferlebnisse vollkommen klar und deutlich vor dem Bewußtsein, dann hat man auf folgendes die Aufmerksamkeit zu richten. Unter diesen Erlebnissen sind ganz genau zweierlei Arten zu unterscheiden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|175}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die eine Art wird ganz fremd sein gegenüber all dem, was man vorher jemals kennengelernt hat. An diesen Erlebnissen mag man zunächst seine Freude haben; man mag sich an ihnen erbauen; aber man lasse sie im übrigen vorläufig auf sich beruhen. Sie sind die ersten Vorboten der höheren geistigen Welt, in welcher man sich erst später zurechtfinden wird. Die andere Art von Erlebnissen aber wird dem aufmerksamen Betrachter eine gewisse Verwandtschaft mit der gewöhnlichen Welt zeigen, in welcher er lebt. Worüber er während des Lebens nachdenkt, was er begreifen möchte an den Dingen seiner Umgebung, aber mit dem gewöhnlichen Verstande nicht begreifen kann, darüber geben ihm diese Schlaferlebnisse Aufschluß. Der Mensch denkt während des Alltagslebens über das nach, was ihn umgibt. Er macht sich Vorstellungen, um den Zusammenhang der Dinge zu begreifen. Er sucht das durch Begriffe zu verstehen, was seine Sinne wahrnehmen. Auf solche Vorstellungen und Begriffe beziehen sich die Schlaferlebnisse. Was früher dunkler, schattenhafter Begriff war, gewinnt etwas Klangvolles, Lebendiges, das man eben nur mit den Tönen und Worten der Sinneswelt vergleichen kann. Es wird dem Menschen immer mehr so, wie wenn ihm die Lösung der Rätsel, über die er nachdenken muß, aus einer höheren Welt in Tönen und Worten zugeraunt würde. Und er vermag dann dasjenige, was ihm aus einer anderen Welt zukommt, mit dem gewöhnlichen Leben zu verbinden. Was vorher nur sein Gedanke erreichen konnte, ist jetzt für ihn Erlebnis, so lebendig und inhaltvoll wie nur irgendein Erlebnis der Sinneswelt sein kann. Die Dinge und Wesen dieser Sinneswelt sind eben durchaus nicht bloß&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|176}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
das, als was sie der Sinneswahrnehmung erscheinen. Sie sind der Ausdruck und Ausfluß einer geistigen Welt. Diese vorher verborgene Geisteswelt tönt jetzt für den Geheimschüler aus seiner ganzen Umgebung heraus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist leicht einzusehen, daß ein Segen in dieser höheren Wahrnehmungsfähigkeit für den Menschen nur dann liegen kann, wenn in den seelischen Sinnen, die sich ihm eröffnet haben, alles in Ordnung ist, wie ja der Mensch auch seine gewöhnlichen Sinneswerkzeuge zur wahren Beobachtung der Welt nur gebrauchen kann, wenn sie gesetzmäßig eingerichtet sind. Nun bildet sich der Mensch selbst diese höheren Sinne durch die Übungen, die ihm die Geheimschulung anweist. Zu diesen Übungen gehört die Konzentration, das ist das Richten der Aufmerksamkeit auf ganz bestimmte mit den Weltgeheimnissen zusammenhängende Vorstellungen und Begriffe. Und es gehört ferner dazu das Meditieren, das ist das Leben in solchen Ideen, das vollkommene Versenken in dieselben in vorgeschriebener Art. Durch Konzentrieren und Meditieren arbeitet der Mensch an seiner Seele. Er entwickelt dadurch in ihr die seelischen Wahrnehmungsorgane. Während er den Aufgaben der Konzentration und Meditation obliegt, wächst innerhalb seines Leibes seine Seele, wie der Kindeskeim im Leibe der Mutter wächst. Und wenn dann während des Schlafes die geschilderten einzelnen Erlebnisse eintreten, dann rückt der Moment der Geburt heran für die freigewordene Seele, die dadurch buchstäblich ein anderes Wesen geworden ist, das der Mensch in sich zur Keimung und Reifung bringt. Die Anstrengungen für das Konzentrieren und das Meditieren müssen deshalb sorgfältige sein, und sie müssen genau eingehalten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|177}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
werden, weil sie ja die Gesetze für die Keimung und das Reifwerden des gekennzeichneten höheren Menschenseelenwesens sind. Und dieses muß bei seiner Geburt ein in sich harmonischer, richtig gegliederter Organismus sein. Wird aber in den Vorschriften etwas verfehlt, so kommt nicht ein solches gesetzmäßiges Lebewesen, sondern eine Fehlgeburt auf geistigem Gebiet zustande, die nicht lebensfähig ist&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daß die Geburt dieses höheren Seelenwesens zunächst im tiefen Schlafe erfolgt, wird begreiflich erscheinen, wenn man bedenkt, daß der zarte, noch wenig widerstandsfähige Organismus bei einem etwaigen Erscheinen während des sinnlichen Alltagslebens durch die starken, harten Vorgänge dieses Lebens ja gar nicht zur Geltung kommen könnte. Seine Tätigkeit käme nicht in Betracht gegenüber der Tätigkeit des Leibes. Im Schlafe, wenn der Körper ruht, soweit seine Tätigkeit von der sinnlichen Wahrnehmung abhängt, kann die im Anfang so zarte, unscheinbare Tätigkeit der höheren Seele zum Vorschein kommen. Wieder aber muß beachtet werden, daß der Geheimschüler die Schlaferlebnisse so lange nicht als vollgültige Erkenntnisse ansehen darf, solange er nicht imstande ist, die erwachte höhere Seele auch in das Tagesbewußtsein herüberzunehmen. Ist er das imstande, so vermag er auch zwischen und innerhalb der Tageserlebnisse die geistige Welt nach ihrem Charakter wahrzunehmen, das heißt, er kann die Geheimnisse seiner Umgebung seelisch als Töne und Worte erfassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun muß man sich auf dieser Stufe der Entwickelung klarwerden, daß man es ja zunächst mit einzelnen mehr oder weniger unzusammenhängenden geistigen Erlebnissen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|178}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
zu tun hat. Man muß sich daher hüten, sich aus ihnen irgendein abgeschlossenes oder auch nur zusammenhängendes Erkenntnisgebäude aufbauen zu wollen. Da mußten sich allerlei phantastische Vorstellungen und Ideen in die Seelenwelt einmischen; und man könnte sich so sehr leicht eine Welt zusammenbauen, die mit der wirklichen geistigen gar nichts zu tun hat. Strengste Selbstkontrolle muß ja von dem Geheimschüler fortwährend geübt werden. Das richtigste ist, über die einzelnen wirklichen Erlebnisse, die man hat, immer mehr und mehr zur Klarheit zu kommen und abzuwarten, bis sich neue ergeben in völlig ungezwungener Art, die sich wie von selbst mit den schon vorhandenen verbinden. Es tritt da nämlich bei dem Geheimschüler durch die Kraft der geistigen Welt, in die er nun einmal gekommen ist, und bei Anwendung der entsprechenden Übungen eine immer mehr um sich greifende Erweiterung des Bewußtseins im tiefen Schlafe ein. Immer mehr Erlebnisse treten hervor aus der Bewußtlosigkeit und immer kleinere Strecken des Schlaflebens werden bewußtlos sein. So schließen sich dann die einzelnen Schlaferfahrungen eben immer mehr von selbst zusammen, ohne daß dieser wahre Zusammenschluß durch allerlei Kombinationen und Schlußfolgerungen gestört würde, die doch nur von dem an die Sinneswelt gewöhnten Verstande herrühren würden. Je weniger aber von den Denkgewohnheiten dieser sinnlichen Welt in unberechtigter Weise hineingemischt wird in die höheren Erlebnisse, desto besser ist es. Verhält man sich so, dann nähert man sich immer mehr und mehr derjenigen Stufe auf dem Wege zu höherer Erkenntnis, auf welcher Zustände, die vorher nur unbewußt im Schlafleben vorhanden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|179}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
waren, in vollständig bewußte umgewandelt werden. Man lebt dann, wenn der Körper ruht, ebenso in einer Wirklichkeit, wie dies beim Wachen der Fall ist. Es wird überflüssig sein, zu bemerken, daß während des Schlafes selbst zunächst man es mit einer anderen Wirklichkeit zu tun hat, als die sinnliche Umgebung ist, in welcher sich der Körper befindet. Man lernt ja und muß um fest auf dem Boden der Sinneswelt stehenzubleiben und nicht Phantast zu werden lernen, die höheren Schlaferlebnisse an die sinnliche Umgebung anzuknüpfen. Aber zunächst ist eben die im Schlaf erlebte Welt eine vollkommen neue Offenbarung. Man nennt in der Geheimwissenschaft die wichtige Stufe, die in der Bewußtheit des Schlaflebens besteht, die Kontinuität (Ununterbrochenheit) des Bewußtseins.*&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei einem Menschen, der diese Stufe erreicht hat, hört das Erleben und Erfahren in solchen Zeiten nicht auf, in denen der physische Leib ruht und der Seele keine Eindrücke durch die Sinneswerkzeuge zugeführt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- - -&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;#&amp;lt;/nowiki&amp;gt;FN010-179-* Was hier angedeutet wird, ist für eine gewisse Stufe der Entwickelung eine Art «Ideal», das am Ende eines langen Weges liegt. Was der Geheimschüler zunächst kennenlernt, sind die zwei Zustände: Bewußtsein bei einer seelischen Verfassung, in welcher ihm vorher nur regellose Träume, und in einer solchen, in der nur bewußtloser, traumloser Schlaf möglich war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|180}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= DIE SPALTUNG DER PERSÖNLICHKEIT WÄHREND DER GEISTESSCHULUNG =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während des Schlafes empfängt die menschliche Seele nicht die Mitteilungen von seiten der physischen Sinneswerkzeuge. Die Wahrnehmungen der gewöhnlichen Außenwelt fließen ihr in diesem Zustande nicht zu. Sie ist in Wahrheit in gewisser Beziehung außerhalb des Teiles der menschlichen Wesenheit, des sogenannten physischen Leibes, welcher im Wachen die Sinneswahrnehmungen und das Denken vermittelt. Sie ist dann nur in Verbindung mit den feineren Leibern (dem Ätherleib und dem Astralleib), welche sich der Beobachtung der physischen Sinne entziehen. Aber die Tätigkeit dieser feineren Leiber hört im Schlafe nicht etwa auf. So wie der physische Leib mit den Dingen und Wesen der physischen Welt in Verbindung steht, wie er von ihnen Wirkungen empfängt und auf sie wirkt, so lebt die Seele in einer höheren Welt. Und dieses Leben dauert während des Schlafes fort. Tatsächlich ist die Seele während des Schlafes in voller Regsamkeit. Nur kann der Mensch von dieser seiner eigenen Tätigkeit so lange nichts wissen, als er nicht geistige Wahrnehmungsorgane hat, durch welche er während des Schlafes ebensogut beobachten kann, was um ihn herum vorgeht und was er selber treibt, wie er das mit seinen gewöhnlichen Sinnen im Tagesleben für seine physische Umgebung kann. Die Geheimschulung besteht (wie in den vorhergehenden Kapiteln gezeigt worden ist) in der Ausbildung solcher geistigen Sinneswerkzeuge.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verwandelt sich nun durch die Geheimschulung das Schlafleben des Menschen in dem Sinne, wie es im vorigen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|181}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kapitel beschrieben worden ist, so kann er alles, was in diesem Zustande um ihn herum vorgeht, bewußt verfolgen; er kann sich willkürlich in seiner Umgebung zurechtfinden, wie das mit seinen Erlebnissen während des wachen Alltagsiebens durch die gewöhnlichen Sinne der Fall ist. Dabei ist allerdings zu beachten, daß die Wahrnehmung der gewöhnlichen sinnlichen Umgebung schon einen höheren Grad des Hellsehens voraussetzt. (Es ist darauf schon im vorigen Kapitel hingedeutet worden.) Im Beginn der Entwickelung nimmt der Geheimschüler nur Dinge wahr, die einer anderen Welt angehören, ohne deren Zusammenhang mit den Gegenständen seiner alltäglichen sinnlichen Umgebung bemerken zu können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was an so charakteristischen Beispielen des Traum- und Schlaflebens anschaulich wird, findet fortwährend beim Menschen statt. Die Seele lebt ohne Unterbrechung in höheren Welten und ist innerhalb der letzteren tätig. Sie schöpft aus diesen höheren Welten heraus die Anregungen, durch welche sie immerwährend auf den physischen Leib wirkt. Nur bleibt für den Menschen dieses sein höheres Leben unbewußt. Der Geheimschüler aber bringt es zum Bewußtsein. Dadurch wird sein Leben überhaupt ein anderes. Solange die Seele nicht im höheren Sinne sehend ist, wird sie von übergeordneten Weltwesen geführt. Und wie das Leben eines Blinden, der durch Operation sehend geworden ist, ein anderes wird, als es vorher war, da er sich auf seine Führerschaft verlassen mußte, so ändert sich das Leben des Menschen durch die Geheimschulung. Er wird der Führerschaft entwachsen und muß fortan seine Leitung selbst übernehmen. Sobald dies eintritt, ist er, wie begreiflich, Irrtümern unterworfen, von&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
denen das gewöhnliche Bewußtsein nichts ahnt. Er handelt jetzt aus einer Welt heraus, aus der ihn früher höhere Gewalten, ihm selbst unbewußt, beeinflußten. Diese höheren Gewalten sind durch die allgemeine Weltharmonie geordnet. Aus dieser Weltharmonie tritt der Geheimschüler heraus. Er hat nunmehr selbst Dinge zu tun, die vorher für ihn ohne sein Zutun vollzogen worden sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weil dies letztere der Fall ist, deshalb wird in den Schriften, die von solchen Dingen handeln, viel von den Gefahren gesprochen, welche mit dem Aufstieg in die höheren Welten verbunden sind. Die Schilderungen, die da zuweilen von solchen Gefahren gemacht werden, sind wohl geeignet, ängstliche Gemüter nur mit Schaudern auf dieses höhere Leben blicken zu lassen. Doch muß gesagt werden, daß diese Gefahren nur dann vorhanden sind, wenn die notwendigen Vorsichtsmaßregeln außer acht gelassen werden. Wenn dagegen wirklich alles beachtet wird, was wahre Geheimschulung als Ratschläge an die Hand gibt, dann erfolgt der Aufstieg zwar durch Erlebnisse hindurch, die an Gewalt und Größe alles überragen, was die kühnste Phantasie des Sinnesmenschen sich ausmalen kann; aber von einer Beeinträchtigung der Gesundheit oder des Lebens kann nicht die Rede sein. Der Mensch lernt grausige, das Leben an allen Ecken und Enden bedrohende Gewalten kennen. Es wird ihm möglich, sich selbst gewisser Kräfte und Wesen zu bedienen, welche der sinnlichen Wahrnehmung entzogen sind. Und die Versuchung ist groß, sich dieser Kräfte im Dienste eines eigenen unerlaubten Interesses zu bemächtigen oder aus mangelnder Erkenntnis der höheren Welten in irrtümlicher Weise solche Kräfte zu verwenden. Einige von solchen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|183}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
besonders bedeutsamen Erlebnissen (zum Beispiel die Begegnung mit dem «Hüter der Schwelle») sollen noch in diesen Aufsätzen geschildert werden. Aber man muß doch bedenken, daß die lebenfeindlichen Mächte auch dann vorhanden sind, wenn man sie nicht kennt. Wahr ist allerdings, daß dann deren Verhältnis zum Menschen von höheren Kräften bestimmt wird und daß dieses Verhältnis sich auch ändert, wenn der Mensch mit Bewußtsein in diese ihm vorher verborgene Welt eintritt. Aber es wird dafür auch sein eigenes Dasein gesteigert, sein Lebenskreis um ein ungeheures Feld bereichert. Eine wirkliche Gefahr liegt nur dann vor, wenn der Geheimschüler durch Ungeduld oder Unbescheidenheit sich gegenüber den Erfahrungen der höheren Welt zu früh eine gewisse Selbständigkeit beimißt, wenn er nicht abwarten kann, bis ihm die zureichende Einsicht in die übersinnlichen Gesetze wirklich zuteil wird. Auf diesem Gebiete sind eben Demut und Bescheidenheit noch viel weniger leere Worte als im gewöhnlichen Leben. Sind diese aber dem Schüler im allerbesten Sinne eigen, so kann er sicher sein, daß sich sein Aufstieg ins höhere Leben gefahrlos für alles das vollzieht, was man gewöhnlich Gesundheit und Leben nennt. Vor allen Dingen darf keine Disharmonie aufkommen zwischen den höheren Erlebnissen und den Vorgängen und Anforderungen des alltäglichen Lebens. Des Menschen Aufgabe ist durchaus auf dieser Erde zu suchen. Und wer den Aufgaben auf dieser Erde sich entziehen und in eine andere Welt flüchten will, der mag sicher sein, daß er sein Ziel nicht erreicht Aber was die Sinne wahrnehmen, ist nur ein Teil der Welt und im Geistigen liegen die Wesenheiten, welche sich in den Tatsachen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|184}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der sinnlichen Welt ausdrücken. Man soll teilhaftig werden des Geistes, damit man seine Offenbarungen in die Sinneswelt hineintragen kann. Der Mensch gestaltet die Erde um, indem er ihr einpflanzt, was er von dem Geisterlande her erkundet. Darinnen liegt seine Aufgabe. Nur weil die sinnliche Erde von der geistigen Welt abhängt, weil man wahrhaftig auf der Erde nur wirken kann, wenn man Teilhaber an jenen Welten ist, in denen die schaffenden Kräfte verborgen sind, deshalb soll man zu diesen letzteren aufsteigen wollen. Tritt man mit dieser Gesinnung an die Geheimschulung heran und weicht man keinen Augenblick von der dadurch vorgezeichneten Richtung ab, dann hat man nicht die allergeringsten Gefahren zu befürchten. Niemand sollte sich von den in Aussicht stehenden Gefahren von der Geheimschulung abhalten lassen; für einen jeden aber sollte diese Aussicht eine strenge Aufforderung sein, sich durchaus jene Eigenschaften anzueignen, welche der wahre Geheimschüler haben soll.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach diesen Voraussetzungen, die wohl alles Schreckhafte beseitigen, soll nun hier an die Schilderung einiger sogenannter «Gefahren» geschritten werden. Große Veränderungen gehen allerdings mit den obengenannten feineren Leibern beim Geheimschüler vor sich. Solche Veränderungen hängen mit gewissen Entwickelungsvorgängen der drei Grundkräfte der Seele, mit Wollen, Fühlen und Denken zusammen. Diese drei Kräfte stehen vor der Geheimschulung des Menschen in einer ganz bestimmten, durch höhere Weltgesetze geregelten Verbindung. Nicht in beliebiger Weise will, fühlt oder denkt der Mensch. Wenn zum Beispiel eine bestimmte Vorstellung im Bewußtsein auftaucht, so schließt sich an sie nach&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|185}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
natürlichen Gesetzen ein gewisses Gefühl oder es folgt auf sie ein gesetzmäßig mit ihr zusammenhängender Willensentschluß. Man betritt ein Zimmer, findet es dumpfig und öffnet die Fenster. Man hört seinen Namen rufen und folgt dem Rufe. Man wird gefragt und gibt Antwort. Man sieht ein übelriechendes Ding und bekommt ein Gefühl von Unlust. Das sind einfache Zusammenhänge zwischen Denken, Fühlen und Wollen. Wenn man aber das menschliche Leben überschaut, so wird man finden, daß sich alles in diesem Leben auf solche Zusammenhänge aufbaut. Ja, man bezeichnet das Leben eines Menschen nur dann als ein «normales», wenn man in demselben eine solche Verbindung von Denken, Fühlen und Wollen bemerkt, die in den Gesetzen der menschlichen Natur begründet liegt. Man fände es diesen Gesetzen widersprechend, wenn ein Mensch zum Beispiel beim Anblick eines übelriechenden Gegenstandes ein Lustgefühl empfände oder wenn er auf Fragen nicht antwortete. Die Erfolge, die man sich von einer richtigen Erziehung oder einem angemessenen Unterricht verspricht, beruhen darauf, daß man voraussetzt, man könne eine der menschlichen Natur entsprechende Verbindung zwischen Denken, Fühlen und Wollen beim Zögling herstellen. Wenn man diesem gewisse Vorstellungen beibringt, so tut man es in der Annahme, daß sie später mit seinen Gefühlen und Willensentschlüssen in gesetzmäßige Verbindungen eingehen. Alles das rührt davon her, daß in den feineren Seelenleibern des Menschen die Mittelpunkte der drei Kräfte, des Denkens, Fühlens und Wollens, in einer gesetzmäßigen Art miteinander verbunden sind. Und diese Verbindung in dem feineren Seelenorganismus hat auch ihr Abbild in dem groben&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
physischen Körper. Auch in diesem stehen die Organe des Wollens in einer gewissen gesetzmäßigen Verbindung mit denen des Denkens und Fühlens. Ein bestimmter Gedanke ruft regelmäßig daher ein Gefühl oder eine Willenstätigkeit hervor. Bei der höheren Entwickelung des Menschen werden nun die Fäden, welche die drei Grundkräfte miteinander verbinden, unterbrochen. Zuerst geschieht diese Unterbrechung nur in dem charakterisierten feineren Seelenorganismus; bei noch höherem Aufstieg aber erstreckt sich die Trennung auch auf den physischen Körper. (Es zerfällt bei der höheren geistigen Entwickelung des Menschen tatsächlich zum Beispiel sein Gehirn in drei voneinander getrennte Glieder. Die Trennung ist allerdings eine solche, daß sie für die gewöhnliche sinnliche Anschauung nicht wahrnehmbar und auch durch die schärfsten sinnlichen Instrumente nicht nachweisbar ist. Aber sie tritt ein, und der Hellseher hat Mittel, sie zu beobachten. Das Gehirn des höheren Hellsehers zerfällt in drei selbständig wirkende Wesenheiten: das Denk-, Fühl- und Willensgehirn.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Organe des Denkens, Fühlens und Wollens stehen sodann ganz frei für sich da. Und ihre Verbindung wird nunmehr durch keine ihnen selbst eingepflanzten Gesetze hergestellt, sondern muß durch das erwachte höhere Bewußtsein des Menschen selbst besorgt werden. Das ist nämlich die Veränderung, welche der Geheimschüler an sich bemerkt, daß kein Zusammenhang zwischen einer Vorstellung und einem Gefühl oder einem Gefühl und einem Willensentschluß und so weiter sich einstellt, wenn er nicht selbst einen solchen schafft. Kein Antrieb führt ihn von einem Gedanken zu einer Handlung, wenn er&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|187}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
diesen Antrieb nicht frei in sich bewirkt. Er kann nunmehr völlig gefühllos vor einer Tatsache stehen, die ihm vor seiner Schulung glühende Liebe oder ärgsten Haß eingeflößt hat; er kann untätig bleiben bei einem Gedanken, der ihn vorher zu einer Handlung wie von selbst begeistert hat. Und er kann Taten verrichten aus Willensentschlüssen heraus, für welche bei einem nicht durch die Geheimschulung hindurchgegangenen Menschen auch nicht die geringste Veranlassung vorliegt. Die große Errungenschaft, welche dem Geheimschüler zuteil wird, ist, daß er die vollkommene Herrschaft erlangt über das Zusammenwirken der drei Seelenkräfte; aber dieses Zusammenwirken wird dafür auch vollständig in seine eigene Verantwortlichkeit gestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst durch diese Umwandlung seines Wesens kann der Mensch in bewußte Verbindung treten mit gewissen übersinnlichen Kräften und Wesenheiten. Denn es haben seine eigenen Seelenkräfte zu gewissen Grundkräften der Welt entsprechende Verwandtschaft. Die Kraft zum Beispiel, die im Willen liegt, kann auf bestimmte Dinge und Wesenheiten der höheren Welt wirken und diese auch wahrnehmen. Aber sie kann das erst dann, wenn sie frei geworden ist von ihrer Verbindung mit dem Fühlen und Denken innerhalb der Seele. Sobald diese Verbindung gelöst ist, tritt die Wirkung des Willens nach außen hervor. Und so ist es auch mit den Kräften des Denkens und Fühlens. Wenn mir ein Mensch ein Haßgefühl zusendet, so ist dieses für den Hellseher sichtbar als eine feine Licht-Wolke von bestimmter Färbung. Und ein solcher Hellseher kann dieses Haßgefühl abwehren, wie der Sinnes-Mensch einen physischen Schlag abwehrt, der gegen ihn&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|188}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
geführt wird. Der Haß wird in der übersinnlichen Welt eine anschaubare Erscheinung. Aber nur dadurch kann ihn der Hellseher wahrnehmen, daß er die Kraft, die in seinem Gefühle liegt, nach außen zu senden vermag, wie der Sinnesmensch die Empfänglichkeit seines Auges nach außen richtet. Und so wie mit dem Haß ist es mit weit bedeutungsvolleren Tatsachen der sinnlichen Welt. Der Mensch kann mit ihnen in bewußten Verkehr treten durch die Freilegung der Grundkräfte seiner Seele.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch die geschilderte Trennung der Kräfte des Denkens, Fühlens und Wollens ist nun, bei Außerachtlassung der geheimwissenschaftlichen Vorschriften, eine dreifache Verirrung auf dem Entwickelungsgange des Menschen möglich. Eine solche kann eintreten, wenn die Verbindungsbahnen zerstört werden, bevor das höhere Bewußtsein mit seiner Erkenntnis so weit ist, daß es die Zügel, die ein freies harmonisches Zusammenwirken der getrennten Kräfte herstellen, ordentlich zu führen vermag. Denn in der Regel sind nicht alle drei Grundkräfte des Menschen in einem bestimmten Lebensabschnitt gleich weit in ihrer Entwickelung vorgeschritten. Bei dem einen Menschen ist das Denken dem Fühlen und Wollen vorangeschritten, bei einem zweiten hat eine andere Kraft die Oberhand über ihre Genossen. Solange nun der durch die höheren Weltgesetze hergestellte Zusammenhang der Kräfte aufrechterhalten bleibt, kann durch das Hervorstechen der einen oder der anderen keine im höheren Sinne störende Unregelmäßigkeit eintreten. Beim Willensmenschen zum Beispiel wirken Denken und Gefühl durch jene Gesetze doch ausgleichend, und sie verhindern, daß der überwiegende Wille in besondere Ausartungen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
verfällt. Tritt ein solcher Willensmensch aber in die Geheimschulung ein, so hört der gesetzmäßige Einfluß von Gefühl und Gedanke auf den zu ungeheuren Kraftleistungen unausgesetzt drängenden Willen vollständig auf. Ist dann der Mensch in der vollkommenen Beherrschung des höheren Bewußtseins nicht so weit, daß er selbst die Harmonie hervorrufen kann, so geht der Wille seine eigenen zügellosen Wege. Er überwältigt fortwährend seinen Träger. Gefühl und Denken fallen einer vollkommenen Machtlosigkeit anheim; der Mensch wird durch die ihn sklavisch beherrschende Willensmacht gepeitscht. Eine Gewaltnatur, die von einer zügellosen Handlung zur anderen schreitet, ist entstanden. Ein zweiter Abweg entsteht, wenn das Gefühl in einer maßlosen Art sich von den gesetzmäßigen Zügeln befreit. Eine zur Verehrung anderer Menschen neigende Person kann sich dann in grenzenlose Abhängigkeit bis zum Verluste jedes eigenen Willens und Gedankens begeben. Statt höherer Erkenntnis ist dann die erbarmungswürdigste Aushöhlung und Kraftlosigkeit das Los einer solchen Persönlichkeit. Oder es kann bei solch überwiegendem Gefühlsleben eine zu Frömmigkeit und religiöser Erhebung neigende Natur in eine sie ganz hinreißende Religionsschwelgerei verfallen. Das dritte Übel bildet sich, wenn das Denken überwiegt. Dann tritt eine lebensfeindliche, in sich verschlossene Beschaulichkeit auf. Für solche Menschen scheint dann die Welt nur mehr insoweit Bedeutung zu haben, als sie ihnen Gegenstände liefert zur Befriedigung ihrer ins Grenzenlose gesteigerten Weisheitsgier. Sie werden durch keinen Gedanken zu einer Handlung oder einem Gefühl angeregt. Sie treten überall als teilnahmslose, kalte Naturen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|190}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
auf. Jede Berührung mit Dingen der alltäglichen Wirklichkeit fliehen sie wie etwas, das ihnen Ekel erregt oder das wenigstens für sie alle Bedeutung verloren hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das sind die drei Irrpfade, auf welche der Geheimschüler geraten kann: das Gewaltmenschentum, die Gefühlsschwelgerei, das kalte, lieblose Weisheitsstreben. Für eine äußerliche Betrachtungsweise auch für die materialistische der Schulmedizin unterscheidet sich das Bild eines solchen auf Abwegen befindlichen Menschen, vor allen Dingen dem Grade nach, nicht viel von demjenigen eines Irrsinnigen oder wenigstens einer schwer «nervenkranken Person». Ihnen darf natürlich der Geheimschüler nicht gleichen. Es kommt bei ihm darauf an, daß Denken, Fühlen, Wollen, die drei Grundkräfte der Seele, eine harmonische Entwickelung durchgemacht haben, bevor sie aus der ihnen eingepflanzten Verbindung gelöst und dem erwachten höheren Bewußtsein unterstellt werden können. Denn ist einmal der Fehler geschehen, ist eine Grundkraft der Zügellosigkeit anheimgefallen, so tritt die höhere Seele zunächst als eine Fehlgeburt zutage. Die ungebändigte Kraft füllt dann die ganze Persönlichkeit des Menschen aus; und für lange ist nicht daran zu denken, daß alles wieder ins Gleichgewicht kommt. Was als eine harmlose Charakterveranlagung erscheint, solange der Mensch ohne Geheimschulung ist, nämlich ob er eine Willens-, Gefühls- oder Denkernatur ist, das steigert sich beim Geheimschüler so, daß sich das zum Leben notwendige Allgemeinmenschliche demgegenüber ganz verliert. Zu einer wirklich ernsten Gefahr wird das allerdings erst in dem Augenblicke, in welchem der Schüler die Fähigkeit erlangt, Erlebnisse wie im Schlafbewußtsein&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|191}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
so auch im wachen Zustande vor sich zu haben. Solange es bei der bloßen Erhellung der Schlafpausen verbleibt, wirkt während des Wachzustandes das von den allgemeinen Weltgesetzen geregelte Sinnesleben immer wieder ausgleichend auf das gestörte Gleichgewicht der Seele zurück. Deshalb ist es so notwendig, daß das Wachleben des Geheimschülers in jeder Richtung ein regelmäßiges, gesundes sei. Je mehr er den Anforderungen entspricht, welche die äußere Welt an eine gesunde, kräftige Gestaltung von Leib, Seele und Geist stellt, desto besser ist es für ihn. Schlimm dagegen kann es für ihn werden, wenn das alltägliche Wachleben aufregend oder aufreibend auf ihn wirkt, wenn also zu den größeren Veränderungen, die in seinem Innern vorgehen, irgendwelche zerstörende oder hemmende Einflüsse des äußeren Lebens hinzutreten. Er soll alles aufsuchen, was seinen Kräften entsprechend ist und was ihn in ein ungestörtes, harmonisches Zusammenleben mit seiner Umgebung hineinbringt. Und er soll alles vermeiden, was dieser Harmonie Eintrag tut, was Unruhe und Hast in sein Leben bringt. Dabei kommt es weniger darauf an, diese Unruhe und Hast sich in einem äußerlichen Sinne abzuwälzen, als vielmehr darauf, zu sorgen, daß die Stimmung, die Absichten und Gedanken und die Gesundheit des Leibes darunter nicht fortwährenden Schwankungen ausgesetzt werden. All das fällt dem Menschen während seiner Geheimschulung nicht so leicht wie vorher. Denn die höheren Erlebnisse, die nunmehr in sein Leben hineinspielen, wirken ununterbrochen auf sein ganzes Dasein. Ist innerhalb dieser höheren Erlebnisse etwas nicht in Ordnung, so lauert die Unregelmäßigkeit unausgesetzt und kann ihn bei jeder Gelegenheit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|192}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
aus den geordneten Bahnen herauswerfen. Deshalb darf der Geheimschüler nichts unterlassen, was ihm stets die Herrschaft über sein ganzes Wesen sichert. Nie sollte ihm Geistesgegenwart oder ein ruhiges Überblicken aller in Betracht kommenden Situationen des Lebens mangeln. Aber eine echte Geheimschulung erzeugt im Grunde alle diese Eigenschaften durch sich selbst. Und man lernt während einer solchen die Gefahren nur kennen, indem man zugleich in den richtigen Augenblicken die volle Macht erlangt, sie aus dem Felde zu schlagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|193}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= DER HÜTER DER SCHWELLE =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wichtige Erlebnisse beim Erheben in die höheren Welten sind die Begegnungen mit dem «Hüter der Schwelle». Es gibt nicht nur einen, sondern im wesentlichen zwei, einen «kleineren» und einen «größeren» «Hüter der Schwelle». Dem ersteren begegnet der Mensch dann, wenn sich die Verbindungsfäden zwischen Willen, Denken und Fühlen innerhalb der feineren Leiber (des Astral- und Ätherleibes) so zu lösen beginnen, wie das im vorigen Kapitel gekennzeichnet worden ist. Dem «größeren Hüter der Schwelle» tritt der Mensch gegenüber, wenn sich die Auflösung der Verbindungen auch auf die physischen Teile des Leibes (namentlich zunächst das Gehirn) erstreckt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der «kleinere Hüter der Schwelle» ist ein selbständiges Wesen. Dieses ist für den Menschen nicht vorhanden, bevor die entsprechende Entwickelungsstufe von ihm erreicht ist. Nur einige der wesentlichsten Eigentümlichkeiten desselben können hier verzeichnet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es soll zunächst versucht werden, in erzählender Form die Begegnung des Geheimschülers mit dem Hüter der Schwelle darzustellen. Erst durch diese Begegnung wird der Schüler gewahr, daß Denken, Fühlen und Wollen bei ihm sich aus ihrer ihnen eingepflanzten Verbindung gelöst haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein allerdings schreckliches, gespenstisches Wesen steht vor dem Schüler. Dieser hat alle Geistesgegenwart und alles Vertrauen in die Sicherheit seines Erkenntnisweges notwendig, die er sich während seiner bisherigen Geheimschülerschaft aber hinlänglich aneignen konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|194}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der «Hüter» gibt seine Bedeutung etwa in folgenden Worten kund: «Über dir walteten bisher Mächte, welche dir unsichtbar waren. Sie bewirkten, daß während deiner bisherigen Lebensläufe jede deiner guten Taten ihren Lohn und jede deiner üblen Handlungen ihre schlimmen Folgen hatten. Durch ihren Einfluß baute sich dein Charakter aus deinen Lebenserfahrungen und aus deinen Gedanken auf. Sie verursachten dein Schicksal. Sie bestimmten das Maß von Lust und Schmerz, das dir in einer deiner Verkörperungen zugemessen war, nach deinem Verhalten in früheren Verkörperungen. Sie herrschten über dir in Form des allumfassenden Karmagesetzes. Diese Mächte werden nun einen Teil ihrer Zügel von dir loslösen. Und etwas von der Arbeit, die sie an dir getan haben, mußt du nun selbst tun. Dich traf bisher mancher schwere Schicksalsschlag. Du wußtest nicht warum? Es war die Folge einer schädlichen Tat in einem deiner vorhergehenden Lebensläufe. Du fandest Glück und Freude und nahmest sie hin. Auch sie waren die Wirkung früherer Taten. Du hast in deinem Charakter manche schöne Seiten, manche häßliche Flecken. Du hast beides selbst verursacht durch vorhergehende Erlebnisse und Gedanken. Du hast bisher die letzteren nicht gekannt; nur die Wirkungen waren dir offenbar. Sie aber, die karmischen Mächte, sahen alle deine vormaligen Lebenstaten, deine verborgensten Gedanken und Gefühle. Und sie haben danach bestimmt, wie du jetzt bist und wie du jetzt lebst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun aber sollen dir selbst offenbar werden alle die guten und alle die schlimmen Seiten deiner vergangenen Lebensläufe. Sie waren bis jetzt in deine eigene Wesenheit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|195}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
hineinverwoben, sie waren in dir, und du konntest sie nicht sehen, wie du physisch dein eigenes Gehirn nicht sehen kannst. Jetzt aber lösen sie sich von dir los, sie treten aus deiner Persönlichkeit heraus. Sie nehmen eine selbständige Gestalt an, die du sehen kannst, wie du die Steine und Pflanzen der Außenwelt siehst. Und ich bin es selbst, die Wesenheit, die sich einen Leib gebildet hat aus deinen edlen und deinen üblen Verrichtungen. Meine gespenstige Gestalt ist aus dem Kontobuche deines eigenen Lebens gewoben. Unsichtbar hast du mich bisher in dir selbst getragen. Aber es war wohltätig für dich, daß es so war. Denn die Weisheit deines dir verborgenen Geschickes hat deshalb auch bisher an der Auslöschung der häßlichen Flecken in meiner Gestalt in dir gearbeitet. Jetzt, da ich aus dir herausgetreten bin, ist auch diese verborgene Weisheit von dir gewichen. Sie wird sich fernerhin nicht mehr um dich kümmern. Sie wird die Arbeit dann nur in deine eigenen Hände legen. Ich muß zu einer in sich vollkommenen, herrlichen Wesenheit werden, wenn ich nicht dem Verderben anheimfallen soll. Und geschähe das letztere, so würde ich auch dich selbst mit mir hinabziehen in eine dunkle, verderbte Welt. Deine eigene Weisheit muß nun, wenn das letztere verhindert werden soll, so groß sein, daß sie die Aufgabe jener von dir gewichenen verborgenen Weisheit übernehmen kann. Ich werde, wenn du meine Schwelle überschritten hast, keinen Augenblick mehr als dir sichtbare Gestalt von deiner Seite weichen. Und wenn du fortan Unrichtiges tust oder denkst, so wirst du sogleich deine Schuld als eine häßliche, dämonische Verzerrung an dieser meiner Gestalt wahrnehmen. Erst wenn du all dein&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|196}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
vergangenes Unrichtiges gutgemacht und dich so geläutert hast, daß dir weiter Übles ganz unmöglich ist, dann wird sich mein Wesen in leuchtende Schönheit verwandelt haben. Und dann werde ich mich zum Heile deiner ferneren Wirksamkeit wieder mit dir zu einem Wesen vereinigen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Meine Schwelle aber ist gezimmert aus einem jeglichen Furchtgefühl, das noch in dir ist, und aus einer jeglichen Scheu vor der Kraft, die volle Verantwortung für all dein Tun und Denken selbst zu übernehmen. Solange du noch irgendeine Furcht vor der selbsteigenen Lenkung deines Geschickes hast, so lange ist in diese Schwelle nicht alles hineingebaut, was sie erhalten muß. Und solange ihr ein einziger Baustein noch fehlt, so lange müßtest du wie gebannt an dieser Schwelle stehenbleiben oder stolpern. Versuche nicht früher diese Schwelle zu überschreiten, bis du ganz frei von Furcht und bereit zu höchster Verantwortlichkeit dich fühlst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bisher trat ich nur aus deiner eigenen Persönlichkeit heraus, wenn der Tod dich von einem irdischen Lebenslauf abberief. Aber auch da war meine Gestalt dir verschleiert. Nur die Schicksalsmächte, welche über dir walteten, sahen mich und konnten, nach meinem Aussehen, in den Zwischenpausen zwischen dem Tode und einer neuen Geburt, dir Kraft und Fähigkeit ausbilden, damit du in einem neuen Erdenleben an der Verschönerung meiner Gestalt zum Heile deines Fortkommens arbeiten konntest. Ich selbst war es auch, dessen Unvollkommenheit die Schicksalsmächte immer wieder dazu zwang, dich in eine neue Verkörperung auf die Erde zurückzuführen. Starbest du, so war ich da; und meinetwegen bestimmten die Lenker&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|197}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
des Karma deine Wiedergeburt. Erst wenn du durch immer wieder erneuerte Leben in dieser Art mich unbewußt ganz zur Vollkommenheit umgeschaffen gehabt hättest, wärest du nicht den Todesmächten verfallen, sondern du hättest dich ganz mit mir vereint und wärest in Einheit mit mir in die Unsterblichkeit hinübergegangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So stehe ich heute sichtbar vor dir, wie ich stets unsichtbar neben dir in der Sterbestunde gestanden habe. Wenn du meine Schwelle überschritten haben wirst, so betrittst du die Reiche, die du sonst nach dem physischen Tode betreten hast. Du betrittst sie mit vollem Wissen und wirst fortan, indem du äußerlich sichtbar auf Erden wandelst, zugleich im Reiche des Todes, das ist aber im Reiche des ewigen Lebens, wandeln. Ich bin wirklich auch der Todesengel; aber ich, ich bin zugleich der Bringer eines nie versiegenden höheren Lebens. Beim lebendigen Leibe wirst du durch mich sterben, um die Wiedergeburt zum unzerstörbaren Dasein zu erleben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Reich, das du nunmehr betrittst, wird dich bekannt machen mit Wesen übersinnlicher Art. Die Seligkeit wird dein Anteil in diesem Reiche sein. Aber die erste Bekanntschaft mit dieser Welt muß ich selbst sein, ich, der ich dein eigenes Geschöpf bin. Früher lebte ich von deinem eigenen Leben; aber jetzt bin ich durch dich zu einem eigenen Dasein erwacht und stehe vor dir als sichtbares Richtmaß deiner künftigen Taten, vielleicht auch als dein immerwährender Vorwurf. Du konntest mich schaffen; aber du hast damit auch zugleich die Pflicht übernommen, mich umzuschaffen.»&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was hier, in eine Erzählung gekleidet, angedeutet ist, hat man sich nicht etwa als etwas Sinnbildliches vorzustellen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|198}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sondern als ein im höchsten Grade wirkliches Erlebnis des Geheimschülers.*&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Hüter soll ihn warnen, ja nicht weiter zu gehen, wenn er nicht die Kraft in sich fühlt, den Forderungen zu entsprechen, die in der obigen Anrede enthalten sind. So schrecklich die Gestalt dieses Hüters auch ist, sie ist doch nur die Wirkung des eigenen vergangenen Lebens des Schülers, ist nur sein eigener Charakter, zu selbständigem Lehen außer ihm erweckt. Und diese Erweckung geschieht durch die Auseinanderlösung von Wille, Denken und Gefühl. Schon das ist ein Erlebnis von tief bedeutungsvoller Art, daß man zum ersten Male fühlt, man habe einem geistigen Wesen selbst den Ursprung gegeben. Es muß nun die Vorbereitung des Geheimschülers dahin zielen, daß er ohne eine jegliche Scheu den schrecklichen Anblick aushält und daß er im Augenblicke der Begegnung seine Kraft wirklich so gewachsen fühlt, daß er es auf sich nehmen kann, die Verschönung des «Hüters» mit vollem Wissen auf sich zu laden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- - -&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;#&amp;lt;/nowiki&amp;gt;FN010-198-* Es ist aus obigem klar, daß der geschilderte «Hüter der Schwelle» eine solche (astrale) Gestalt ist, welche dem erwachenden höheren Schauen des Geheimschülers sich offenbart. Und zu dieser übersinnlichen Begegnung führt die Geheimwissenschaft. Es ist eine Verrichtung niederer Magie, den «Hüter der Schwelle» auch sinnlich sichtbar zu machen. Dabei handelte es sich um die Herstellung einer Wolke feinen Stoffes, eines Räucherwerkes, das aus einer Reibe von Stoffen in bestimmter Mischung hergestellt wird. Die entwickelte Kraft des Magiers ist dann imstande, gestaltend auf das Räucherwerk zu wirken und dessen Substanz mit dem noch unausgeglichenen Karma des Menschen zu beleben. Wer genügend vorbereitet für das höhere Schauen ist, braucht dergleichen sinnliche Anschauung nicht mehr; und wem sein noch unausgeglichenes Karma ohne genügende Vorbereitung als sinnlich lebendiges Wesen vor Augen träte, der liefe Gefahr, in schlimme Abwege zu geraten. Er sollte nicht danach streben. In Bulwers «Zanoni» wird romanhaft eine Darstellung dieses «Hüters der Schwelle» gegeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|199}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Folge der glücklich überstandenen Begegnung mit dem «Hüter der Schwelle» ist, daß der nächste physische Tod dann für den Geheimschüler ein ganz anderes Ereignis ist, als vorher die Tode waren. Er erlebt bewußt das Sterben, indem er den physischen Körper ablegt, wie man ein Kleid ablegt, das abgenutzt oder vielleicht auch durch einen plötzlichen Riß unbrauchbar geworden ist. Dieser sein physischer Tod ist dann sozusagen eine erhebliche Tatsache nur für die anderen, welche mit ihm leben und die mit ihren Wahrnehmungen noch ganz auf die Sinnenwelt beschrankt sind. Für sie «stirbt» der Geheimschüler. Für ihn ändert sich nichts von Bedeutung in seiner ganzen Umgebung. Die ganze übersinnliche Welt, in die er eingetreten ist, stand vor dem Tode schon in entsprechender Art vor ihm, und dieselbe Welt wird auch nach dem Tode vor ihm stehen. Nun hängt der «Hüter der Schwelle» aber noch mit anderem zusammen. Der Mensch gehört einer Familie, einem Volke, einer Rasse an; sein Wirken in dieser Welt hängt von seiner Zugehörigkeit zu einer solchen Gesamtheit ab. Auch sein besonderer Charakter steht damit im Zusammenhange. Und das bewußte Wirken der einzelnen Menschen ist keineswegs alles, womit man bei einer Familie, einem Stamme, Volke, einer Rasse zu rechnen hat. Es gibt ein Familien-, Volks- (und so weiter) Schicksal, wie es einen Familien-, Rassen- (und so weiter) Charakter gibt. Für den Menschen, der auf seine Sinne beschränkt ist, bleiben diese Dinge allgemeine Begriffe, und der materialistische Denker in seinem Vorurteil wird verächtlich auf den Geheimwissenschafter herabsehen, wenn er hört, daß für diesen letzteren der Familien- oder der Volkscharakter, das&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Stammes- oder Rassenschicksal ebenso wirklichen Wesen zukommen, wie der Charakter und das Schicksal des einzelnen Menschen einer wirklichen Persönlichkeit zukommen. Der Geheimwissenschafter lernt eben höhere Welten kennen, von denen die einzelnen Persönlichkeiten ebenso Glieder sind, wie Arme, Beine und Kopf Glieder des Menschen sind. Und in dem Leben einer Familie, eines Volkes, einer Rasse wirken außer den einzelnen Menschen auch die ganz wirklichen Familienseelen, Volksseelen, Rassengeister. Ja, in einem gewissen Sinne sind die einzelnen Menschen nur die ausführenden Organe dieser Familienseelen, Rassengeister und so weiter. In voller Wahrheit kann man davon sprechen, daß sich zum Beispiel eine Volksseele des einzelnen zu ihrem Volke gehörigen Menschen bedient, um gewisse Arbeiten auszuführen. Die Volksseele steigt nicht bis zur sinnlichen Wirklichkeit herab. Sie wandelt in höheren Welten. Und um in der physisch-sinnlichen Welt zu wirken, bedient sie sich der physischen Organe des einzelnen Menschen. Es ist in einem höheren Sinne gerade so, wie wenn sich ein Bautechniker zur Ausführung der Einzelheiten des Baues der Arbeiter bedient. Jeder Mensch erhält im wahrsten Sinne des Wortes seine Arbeit von der Familien-, Volks- oder Rassenseele zugeteilt nun wird der Sinnesmensch jedoch keineswegs in den höheren Plan seiner Arbeit eingeweiht. Er arbeitet unbewußt an den Zielen der Volks-, Rassenseelen und so weiter mit. Von dem Zeitpunkte an, wo der Geheimschüler dem Hüter der Schwelle begegnet, hat er nicht bloß seine eigenen Aufgaben als Persönlichkeit zu kennen, sondern er muß wissentlich mitarbeiten an denen seines Volkes, seiner Rasse. Jede Erweiterung seines&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Gesichtskreises legt ihm unbedingt auch erweiterte Pflichten auf. Der wirkliche Vorgang dabei ist der, daß der Geheimschüler seinem feineren Seelenkörper einen neuen hinzufügt. Er zieht ein Kleid mehr an. Bisher schritt er durch die Welt mit den Hüllen, welche seine Persönlichkeit einkleiden. Und was er für seine Gemeinsamkeit, für sein Volk, seine Rasse und so weiter zu tun hatte, dafür sorgten die höheren Geister, die sich seiner Persönlichkeit bedienten. Eine weitere Enthüllung, die ihm nun der «Hüter der Schwelle» macht, ist die, daß fernerhin diese Geister ihre Hand von ihm abziehen werden. Er muß aus der Gemeinsamkeit ganz heraustreten. Und er würde sich als einzelner vollständig in sich verhärten, er würde dem Verderben entgegengehen, wenn er nun nicht selbst sich die Kräfte erwürbe, welche den Volks- und Rassengeistern eigen sind. Zwar werden viele Menschen sagen: «Oh, ich habe mich ganz frei gemacht von allen Stammes- und Rassenzusammenhängen; ich will nur «Mensch» und «nichts als Mensch» sein.» Ihnen muß man aber sagen: Wer hat dich zu dieser Freiheit gebracht? Hat dich nicht deine Familie so hineingestellt in die Welt, wie du jetzt darinnen stehst? Hat dich nicht dein Stamm, dein Volk, deine Rasse zu dem gemacht, was du bist? Sie haben dich erzogen; und wenn du über alle Vorurteile erhaben, einer der Lichtbringer und Wohltäter deines Stammes oder selbst deiner Rasse bist, du verdankst das ihrer Erziehung. Ja, auch wenn du von dir sagst, du seiest «nichts als Mensch»: selbst daß du so geworden bist, verdankst du den Geistern deiner Gemeinschaften. Erst der Geheimschüler lernt erkennen, was es heißt, ganz verlassen sein von Volks-, Stammes-, Rassengeistern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|202}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst er erfährt an sich selbst die Bedeutungslosigkeit aller solcher Erziehung für das Leben, das ihm nun bevorsteht. Denn alles, was an ihm herangezogen ist, löst sich vollständig auf durch das Zerreißen der Fäden zwischen Wille, Denken und Gefühl. Er blickt auf die Ergebnisse aller bisherigen Erziehung zurück, wie man auf ein Haus blicken müßte, das in seinen einzelnen Ziegelsteinen auseinanderbröckelt und das man nun in neuer Form wieder aufbauen muß. Es ist wieder mehr als ein bloßes Sinnbild, wenn man sagt: Nachdem der «Hüter der Schwelle» über seine ersten Forderungen sich ausgesprochen hat, dann erhebt sich von dem Orte aus, an dem er steht, ein Wirbelwind, der all die geistigen Leuchten zum Verlöschen bringt, die bisher den Lebensweg erhellt haben. Und eine völlige Finsternis breitet sich vor dem Geheimschüler aus. Sie wird nur unterbrochen von dem Schein, den der «Hüter der Schwelle» selbst ausstrahlt. Und aus der Dunkelheit heraus ertönen seine weiteren Ermahnungen: «Überschreite meine Schwelle nicht, bevor du dir klar bist, daß du die Finsternis vor dir selbst durchleuchten wirst; tue auch nicht einen einzigen Schritt vorwärts, wenn es dir nicht zur Gewißheit geworden ist, daß du Brennstoff genug in deiner eigenen Lampe hast. Die Lampen von Führern, welche du bisher hattest, werden dir in der Zukunft fehlen.» Nach diesen Worten hat der Schüler sich umzuwenden und den Blick nach hinten zu wenden. Der «Hüter der Schwelle» zieht nunmehr einen Vorhang hinweg, der bisher tiefe Lebensgeheimnisse verhüllt hat. Die Stammes-, Volks- und Rassengeister werden in ihrer vollen Wirksamkeit offenbar; und der Schüler sieht ebenso genau, wie er bisher geführt worden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|203}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ist, als ihm anderseits klar wird, daß er nunmehr diese Führerschaft nicht mehr haben wird. Dies ist eine zweite Warnung, welche der Mensch an der Schwelle durch ihren Hüter erlebt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unvorbereitet könnte den hier angedeuteten Anblick allerdings niemand ertragen; aber die höhere Schulung, welche dem Menschen überhaupt möglich macht, bis zur Schwelle vorzudringen, setzt ihn zugleich in die Lage, im entsprechenden Augenblicke die notwendige Kraft zu finden. Ja, diese Schulung kann eine so harmonische sein, daß dem Eintritt in das neue Leben jeder erregende oder tumultuarische Charakter genommen wird. Dann wird für den Geheimschüler das Erlebnis an der Schwelle von einem Vorgefühl jener Seligkeit begleitet sein, welche den Grundton seines neu erwachten Lebens bilden wird. Die Empfindung der neuen Freiheit wird alle anderen Gefühle überwiegen; und mit dieser Empfindung werden ihm die neuen Pflichten und die neue Verantwortung wie etwas erscheinen, das der Mensch auf einer Stufe des Lebens übernehmen muß.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
= LEBEN UND TOD. DER GROSSE HÜTER DER SCHWELLE =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist geschildert worden, wie bedeutsam für den Menschen die Begegnung mit dem sogenannten kleineren Hüter der «Schwelle» dadurch ist, daß er in diesem ein übersinnliches Wesen gewahr wird, das er gewissermaßen selbst hervorgebracht hat. Der Leib dieses Wesens ist zusammengesetzt aus den ihm vorher unsichtbaren Folgen seiner eigenen Handlungen, Gefühle und Gedanken. Aber diese unsichtbaren Kräfte sind die Ursachen geworden seines Schicksals und seines Charakters. Es wird nunmehr dem Menschen klar, wie er in der Vergangenheit selbst die Grundlagen für seine Gegenwart gelegt hat. Sein Wesen steht dadurch bis zu einem gewissen Grade offenbar vor ihm. Es sind zum Beispiel bestimmte Neigungen und Gewohnheiten in ihm. Jetzt kann er sich klarmachen, warum er diese hat. Gewisse Schicksalsschläge haben ihn getroffen; nun erkennt er, woher diese kommen. Er wird gewahr, weshalb er das eine liebt, das andere haßt, warum er durch dies oder jenes glücklich oder unglücklich ist. Das sichtbare Leben wird ihm durch die unsichtbaren Ursachen verständlich. Auch die wesentlichen Lebenstatsachen, Krankheit und Gesundheit, Tod und Geburt, entschleiern sich vor seinen Blicken. Er merkt, daß er vor seiner Geburt die Ursachen gewoben hat, die ihn notwendig wieder ins Leben hereinführen mußten. Er kennt nunmehr die Wesenheit in sich, welche in dieser sichtbaren Welt aufgebaut ist auf eine unvollkommene Art und die auch nur in derselben sichtbaren Welt ihrer Vollkommenheit zugeführt werden kann. Denn&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|205}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
in keiner anderen Welt gibt es eine Gelegenheit, an dem Ausbau dieser Wesenheit zu arbeiten. Und ferner sieht er ein, daß der Tod ihn zunächst nicht für immer von dieser Welt trennen kann. Denn er muß sich sagen: «Ich bin dereinst zum ersten Male in diese Welt gekommen, weil ich damals ein solches Wesen war, welches das Leben in dieser Welt brauchte, um sich Eigenschaften zu erwerben, die es sich in keiner anderen Welt hätte erwerben können. Und ich muß so lange mit dieser Welt verbunden sein, bis ich alles in mir entwickelt habe, was in ihr gewonnen werden kann. Ich werde dereinst nur dadurch ein tauglicher Mitarbeiter in einer anderen Welt werden, daß ich mir in der sinnlich sichtbaren alle die Fähigkeiten dazu erwerbe.» Es gehört nämlich zu den wichtigsten Erlebnissen des Eingeweihten, daß er die sinnlich sichtbare Natur in ihrem wahren Werte besser kennen und schätzen lernt, als er dies vor seiner Geistesschulung konnte. Diese Erkenntnis wird ihm gerade durch seinen Einblick in die übersinnliche Welt. Wer einen solchen Einblick nicht getan hat und sich deshalb vielleicht nur der Ahnung hingibt, daß die übersinnlichen Gebiete die unendlich wertvolleren sind, der kann die sinnliche Welt unterschätzen. Wer aber diesen Einblick getan hat, der weiß, daß er ohne die Erlebnisse in der sichtbaren Wirklichkeit ganz ohnmächtig in der unsichtbaren wäre. Soll er in der letzteren leben, so muß er Fähigkeiten und Werkzeuge zu diesem Leben haben. Die kann er sich aber nur in der sichtbaren erwerben. Er wird geistig sehen müssen, wenn die unsichtbare Welt für ihn bewußt werden soll. Aber diese Sehkraft für eine «höhere» Welt wird durch die Erlebnisse in der «niederen» allmählich ausgebildet. Man kann ebensowenig&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|206}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
in einer geistigen Welt mit geistigen Augen geboren werden, wenn man diese nicht in der sinnlichen sich gebildet hat, wie das Kind nicht mit physischen Augen geboren werden könnte, wenn diese sich nicht im Mutterleibe gebildet hätten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von diesem Gesichtspunkte aus wird man auch einsehen, warum die «Schwelle» zur übersinnlichen Welt von einem «Hüter» bewacht wird. Es darf nämlich auf keinen Fall dem Menschen ein wirklicher Einblick in jene Gebiete gestattet werden, bevor er dazu die notwendigen Fähigkeiten erworben hat. Deshalb wird jedesmal beim Tode, wenn der Mensch, noch unfähig zur Arbeit in einer anderen Welt, diese betritt, der Schleier vorgezogen vor ihren Erlebnissen. Er soll sie erst erblicken, wenn er ganz dazu reif geworden ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Betritt der Geheimschüler die übersinnliche Welt, dann erhält das Leben für ihn einen ganz neuen Sinn, er sieht in der sinnlichen Welt den Keimboden für eine höhere. Und in einem gewissen Sinne wird ihm diese «höhere» ohne die «niedere» als eine mangelhafte erscheinen. Zwei Ausblicke eröffnen sich ihm. Der eine in die Vergangenheit, der andere in die Zukunft. In eine Vergangenheit schaut er, in welcher diese sinnliche Welt noch nicht war. Denn über das Vorurteil, daß die übersinnliche Welt sich aus der sinnlichen entwickelt habe, ist er längst hinweg. Er weiß, daß das Übersinnliche zuerst war und daß sich alles Sinnliche aus diesem entwickelt habe. Er sieht, daß er selbst, bevor er zum ersten Male in diese sinnliche Welt gekommen ist, einer übersinnlichen angehört hat. Aber diese einstige übersinnliche Welt brauchte den Durchgang durch die sinnliche. Ihre Weiterentwickelung wäre&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|207}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ohne diesen Durchgang nicht möglich gewesen. Erst wenn sich innerhalb des sinnlichen Reiches Wesen entwickelt haben werden mit entsprechenden Fähigkeiten, kann die übersinnliche wieder ihren Fortgang nehmen. Und diese Wesenheiten sind die Menschen. Diese sind somit, so wie sie jetzt leben, einer unvollkommenen Stufe des geistigen Daseins entsprungen und werden selbst innerhalb derselben zu derjenigen Vollkommenheit geführt, durch die sie dann tauglich sein werden zur Weiterarbeit an der höheren Welt. Und hier knüpft der Ausblick in die Zukunft an. Er weist auf eine höhere Stufe der übersinnlichen Welt. In dieser werden die Früchte sein, die in der sinnlichen ausgebildet werden. Die letztere als solche wird überwunden; ihre Ergebnisse aber einer höheren einverleibt sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit ist das Verständnis gegeben für Krankheit und Tod in der sinnlichen Welt. Der Tod ist nämlich nichts anderes als der Ausdruck dafür, daß die einstige übersinnliche Welt an einem Punkte angekommen war, von dem aus sie durch sich selbst nicht weitergehen konnte. Ein allgemeiner Tod wäre notwendig für sie gewesen, wenn sie nicht einen neuen Lebenseinschlag erhalten hätte. Und so ist dieses neue Leben zu einem Kampf gegen den allgemeinen Tod geworden. Aus den Resten einer absterbenden, in sich erstarrenden Welt erblühten die Keime einer neuen. Deshalb haben wir Sterben und Leben in der Welt und langsam gehen die Dinge ineinander über. Die absterbenden Teile der alten Welt haften noch den neuen Lebenskeimen an, die ja aus ihnen hervorgegangen sind. Den deutlichsten Ausdruck findet das eben im Menschen. Er trägt als seine Hülle an sich, was sich aus jener alten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|208}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Welt erhalten hat; und innerhalb dieser Hülle bildet sich der Keim jenes Wesens aus, das zukünftig leben wird. Er ist so ein Doppelwesen, ein sterbliches und ein unsterbliches. Das Sterbliche ist in seinem End-, das Unsterbliche in seinem Anfangszustand. Aber erst innerhalb dieser Doppelwelt, die ihren Ausdruck in dem Sinnlich-Physischen findet, eignet er sich die Fähigkeiten dazu an, die Welt der Unsterblichkeit zuzuführen. Ja, seine Aufgabe ist, aus dem Sterblichen selbst die Früchte für das Unsterbliche herauszuholen. Blickt er also auf sein Wesen, wie er es selbst in der Vergangenheit aufgebaut hat, so muß er sich sagen: Ich habe in mir die Elemente einer absterbenden Welt. Sie arbeiten in mir, und nur allmählich kann ich ihre Macht durch die neuauflebenden unsterblichen brechen. So geht des Menschen Weg vom Tode zum Leben. Könnte er mit vollem Bewußtsein in der Sterbestunde zu sich sprechen, so müßte er sich sagen: «Das Sterbende war mein Lehrmeister. Daß ich sterbe, ist eine Wirkung der ganzen Vergangenheit, mit der ich verwoben bin. Aber das Feld des Sterblichen hat mir die Keime zum Unsterblichen gereift. Diese trage ich in eine andere Welt mit hinaus. Wenn es bloß auf das Vergangene ankäme, dann hätte ich überhaupt niemals geboren werden können. Das Leben des Vergangenen ist mit der Geburt abgeschlossen. Das Leben im Sinnlichen ist durch den neuen Lebenskeim dem allgemeinen Tode abgerungen. Die Zeit zwischen Geburt und Tod ist nur der Ausdruck dafür, wieviel das neue Leben der absterbenden Vergangenheit abringen konnte. Und die Krankheit ist nichts als die Fortwirkung der absterbenden Teile dieser Vergangenheit.»&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|209}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus all dem heraus findet die Frage ihre Antwort, warum der Mensch erst allmählich sich aus Verirrung und Unvollkommenheit zu der Wahrheit und dem Guten durcharbeitet. Seine Handlungen, Gefühle und Gedanken stehen zunächst unter der Herrschaft des Vergehenden und Absterbenden. Aus diesem sind seine sinnlich-physischen Organe herausgebildet. Daher sind diese Organe und alles, was sie zunächst antreibt, selbst dem Vergehen geweiht. Nicht die Instinkte, Triebe, Leidenschaften und so weiter und die zu ihnen gehörigen Organe stellen ein Unvergängliches dar, sondern erst das wird unvergänglich sein, was als das Werk dieser Organe erscheint. Erst wenn der Mensch aus dem Vergehenden alles herausgearbeitet hat, was herauszuarbeiten ist, wird er die Grundlage abstreifen können, aus welcher er herausgewachsen ist und die ihren Ausdruck in der physisch-sinnlichen Welt findet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So stellt der erste «Hüter der Schwelle» das Ebenbild des Menschen in seiner Doppelnatur dar, aus Vergänglichem und Unvergänglichem gemischt. Und klar zeigt sich an ihm, was noch fehlt bis zur Erreichung der hehren Lichtgestalt, welche wieder die reine geistige Welt bewohnen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Grad der Verstricktheit mit der physisch-sinnlichen Natur wird dem Menschen durch den «Hüter der Schwelle» anschaulich. Diese Verstricktheit drückt sich zunächst in dem Vorhandensein der Instinkte, Triebe, Begierden, egoistischen Wünsche, in allen Formen des Eigennutzes und so weiter aus. Sie kommt dann in der Angehörigkeit zu einer Rasse, einem Volke und so weiter zum Ausdruck. Denn Völker und Rassen sind nur die verschiedenen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|210}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Entwickelungsstufen zur reinen Menschheit hin. Es steht eine Rasse, ein Volk um so höher, je vollkommener ihre Angehörigen den reinen, idealen Menschheitstypus zum Ausdrucke bringen, je mehr sie sich von dem physisch Vergänglichen zu dem übersinnlich Unvergänglichen durchgearbeitet haben. Die Entwickelung des Menschen durch die Wiederverkörperungen in immer höher stehenden Volks- und Rassenformen ist daher ein Befreiungsprozeß. Zuletzt muß der Mensch in seiner harmonischen Vollkommenheit erscheinen. In einer ähnlichen Art ist der Durchgang durch immer reinere sittliche und religiöse Anschauungsformen eine Vervollkommnung. Denn jede sittliche Stufe enthält noch die Sucht nach dem Vergänglichen neben den idealistischen Zukunftskeimen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun erscheint in dem geschilderten «Hüter der Schwelle» nur das Ergebnis der verflossenen Zeit. Und von den Zukunftskeimen ist nur dasjenige darinnen, was in dieser verflossenen Zeit hineingewoben worden ist. Aber der Mensch muß in die zukünftige übersinnliche Welt alles mitbringen, was er aus der Sinnenwelt herausholen kann. Wollte er nur das mitbringen, was in sein Gegenbild bloß aus der Vergangenheit hinein verwoben ist, so hätte er seine irdische Aufgabe nur teilweise erfüllt. Deshalb gesellt sich nun zu dem «kleineren Hüter der Schwelle» nach einiger Zeit der größere. Wieder soll in erzählender Form dargelegt werden, was sich als Begegnung mit diesem zweiten «Hüter der Schwelle» abspielt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem der Mensch erkannt hat, wovon er sich befreien muß, tritt ihm eine erhabene Lichtgestalt in den Weg. Deren Schönheit zu beschreiben ist schwierig in den Worten unserer Sprache. Diese Begegnung findet statt,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|211}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wenn sich die Organe des Denkens, Fühlens und Wollens auch für den physischen Leib so weit voneinander gelöst haben, daß die Regelung ihrer gegenseitigen Beziehungen nicht mehr durch sie selbst, sondern durch das höhere Bewußtsein geschieht, das sich nun ganz getrennt hat von den physischen Bedingungen. Die Organe des Denkens, Fühlens und Wollens sind dann die Werkzeuge in der Gewalt der menschlichen Seele geworden, die ihre Herrschaft über sie aus übersinnlichen Regionen ausübt. Dieser so aus allen sinnlichen Banden befreiten Seele tritt nun der zweite «Hüter der Schwelle» entgegen und spricht etwa folgendes:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
«Du hast dich losgelöst aus der Sinnenwelt. Dein Heimatrecht in der übersinnlichen Welt ist erworben. Von hier aus kannst du nunmehr wirken. Du brauchst um deinetwillen deine physische Leiblichkeit in gegenwärtiger Gestalt nicht mehr. Wolltest du dir bloß die Fähigkeit erwerben, in dieser übersinnlichen Welt zu wohnen, du brauchtest nicht mehr in die sinnliche zurückzukehren. Aber nun blicke auf mich. Sieh, wie unermeßlich erhaben ich über all dem stehe, was du heute bereits aus dir gemacht hast. Du bist zu der gegenwärtigen Stufe deiner Vollendung gekommen durch die Fähigkeiten, welche du in der Sinnenwelt entwickeln konntest, solange du noch auf sie angewiesen warst. Nun aber muß für dich eine Zeit beginnen, in welcher deine befreiten Kräfte weiter an dieser Sinnenwelt arbeiten. Bisher hast du nur dich selbst erlöst, nun kannst du als ein Befreiter alle deine Genossen in der Sinnenwelt mitbefreien. Als einzelner hast du bis heute gestrebt; nun gliedere dich ein in das Ganze, damit du nicht nur dich mitbringst in die übersinnliche&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|212}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Welt, sondern alles andere, was in der sinnlichen vorhanden ist. Mit meiner Gestalt wirst du dich einst vereinigen können, aber ich kann kein Seliger sein, solange es noch Unselige gibt! Als einzelner Befreiter möchtest du immerhin schon heute in das Reich des Übersinnlichen eingehen. Dann aber würdest du hinabschauen müssen auf die noch unerlösten Wesen der Sinnenwelt. Und du hättest dein Schicksal von dem ihrigen getrennt. Aber ihr seid alle miteinander verbunden. Ihr mußtet alle hinabsteigen in die Sinnenwelt, um aus ihr heraufzuholen die Kräfte für eine höhere. Würdest du dich von ihnen trennen, so mißbrauchtest du die Kräfte, die du doch nur in Gemeinschaft mit ihnen hast entwickeln können. Wären sie nicht hinabgestiegen, so hättest es auch du nicht können; ohne sie fehlten dir die Kräfte zu deinem übersinnlichen Dasein. Du mußt diese Kräfte, die du mit ihnen errungen hast, auch mit ihnen teilen. Ich wehre dir daher den Einlaß in die höchsten Gebiete der übersinnlichen Welt, solange du nicht alle deine erworbenen Kräfte zur Erlösung deiner Mitwelt verwendet hast. Du magst mit dem schon Erlangten dich in den unteren Gebieten der übersinnlichen Welt aufhalten; vor der Pforte zu den höheren stehe ich aber und wehre dir den Eintritt so lange, als du noch Kräfte hast, die unangewendet geblieben sind in der sinnlichen Welt. Und willst du die deinigen nicht anwenden, so werden andere kommen, die sie anwenden; dann wird eine hohe übersinnliche Welt alle Früchte der sinnlichen aufnehmen; dir aber wird der Boden entzogen sein, mit dem du verwachsen warst die geläuterte Welt wird sich über dich hinausentwickeln. Du&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|213}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wirst von ihr ausgeschlossen sein. So ist dein Pfad der schwarze, jene aber, von welchen du dich gesondert hast, gehen den weißen Pfad.»&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So kündigt sich der «große Hüter» der Schwelle bald an, nachdem die Begegnung mit dem ersten Wächter erfolgt ist. Der Eingeweihte weiß aber ganz genau, was ihm bevorsteht, wenn er den Lockungen eines vorzeitigen Aufenthaltes in der übersinnlichen Welt folgt. Ein unbeschreiblicher Glanz geht von dem zweiten Hüter der Schwelle aus; die Vereinigung mit ihm steht als ein fernes Ziel vor der schauenden Seele. Doch ebenso steht da die Gewißheit, daß diese Vereinigung erst möglich wird, wenn der Eingeweihte alle Kräfte, die ihm aus dieser Welt zugeflossen sind, auch aufgewendet hat im Dienste der Befreiung und Erlösung dieser Welt. Entschließt er sich, den Forderungen der höheren Lichtgestalt zu folgen, dann wird er beitragen können zur Befreiung des Menschengeschlechts. Er bringt seine Gaben dar auf dem Opferaltar der Menschheit. Zieht er seine eigene vorzeitige Erhöhung in die übersinnliche Welt vor, dann schreitet die Menschheitsströmung über ihn hinweg. Für sich selbst kann er nach seiner Befreiung aus der Sinnenwelt keine neuen Kräfte mehr gewinnen. Stellt er ihr seine Arbeit doch zur Verfügung, so geschieht es mit dem Verzicht, aus der Stätte seines ferneren Wirkens selbst für sich noch etwas zu holen. Man kann nun nicht sagen, es sei selbstverständlich, daß der Mensch den weißen Pfad wählen werde, wenn er so vor die Entscheidung gestellt wird. Das hängt nämlich ganz davon ab, ob er bei dieser Entscheidung schon so geläutert ist, daß keinerlei Selbstsucht ihm die Lockungen der Seligkeit begehrenswert erscheinen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
läßt. Denn diese Lockungen sind die denkbar größten. Und auf der anderen Seite sind eigentlich gar keine besonderen Lockungen vorhanden. Hier spricht gar nichts zum Egoismus. Was der Mensch in den höheren Regionen des Übersinnlichen erhalten wird, ist nichts, was zu ihm kommt, sondern lediglich etwas, das von ihm ausgeht: die Liebe zu seiner Mitwelt. Alles, was der Egoismus verlangt, wird nämlich durchaus nicht entbehrt auf dem schwarzen Pfade. Im Gegenteil: die Früchte dieses Pfades sind gerade die vollkommenste Befriedigung des Egoismus. Und will jemand nur für sich die Seligkeit, so wird er ganz gewiß diesen schwarzen Pfad wandeln, denn er ist der für ihn angemessene. Es darf daher niemand von den Okkultisten des weißen Pfades erwarten, daß sie ihm eine Anweisung zur Entwickelung des eigenen egoistischen Ich geben werden. Für die Seligkeit des einzelnen haben sie nicht das allergeringste Interesse. Die mag jeder für sich erreichen. Sie zu beschleunigen ist nicht die Aufgabe der weißen Okkultisten. Diesen liegt lediglich an der Entwickelung und Befreiung aller Wesen, die Menschen und Genossen des Menschen sind. Daher geben sie nur Anweisungen, wie man seine Kräfte zur Mitarbeit an diesem Werke ausbilden kann. Sie stellen daher die selbstlose Hingabe und Opferwilligkeit allen anderen Fähigkeiten voran. Sie weisen niemand geradezu ab, denn auch der Egoistischste kann sich läutern. Aber wer nur für sich etwas sucht, wird, solange er das tut, bei den Okkultisten nichts finden. Selbst wenn diese ihm nicht ihre Hilfe entziehen; er, der Suchende, entzieht sich den Früchten der Hilfeleistung. Wer daher wirklich den Anweisungen der guten Geheimlehrer folgt, wird nach dem Übertreten der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|215}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schwelle die Forderungen des großen Hüters verstehen; wer diesen Anweisungen aber nicht folgt, der darf auch gar nicht hoffen, daß er je zur Schwelle durch sie kommen werde. Ihre Anweisungen führen zum Guten oder aber zu gar nichts. Denn eine Führung zur egoistischen Seligkeit und zum bloßen Leben in der übersinnlichen Welt liegt außerhalb der Grenzen ihrer Aufgabe. Diese ist von vornherein so veranlagt, daß sie den Schüler so lange von der überirdischen Welt fernhält, bis dieser sie mit dem Willen zur hingebenden Mitarbeit betritt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|216}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= NACHWORT ZUM ACHTEN BIS ELFTEN TAUSEND =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Weg zu übersinnlicher Erkenntnis, der in dieser Schrift gekennzeichnet wird, führt zu einem seelischen Erleben, demgegenüber es von ganz besonderer Wichtigkeit ist, daß, wer es anstrebt, sich keinen Täuschungen und Mißverständnissen über dasselbe hingibt und es liegt dem Menschen nahe, sich über dasjenige zu täuschen, was hier in Betracht kommt. Eine der Täuschungen, die besonders schwerwiegende, entsteht, wenn man das ganze Gebiet des Seelenerlebens, von dem in wahrer Geisteswissenschaft die Rede ist, so verschiebt, daß es in der Umgebung des Aberglaubens, des visionären Träumens, des Mediumismus und mancher anderer Entartungen des Menschenstrebens eingereiht erscheint. Diese Verschiebung rührt oft davon her, daß Menschen, welche in ihrer von echtem Erkenntnisstreben abliegenden Art sich einen Weg in die übersinnliche Wirklichkeit suchen möchten und die dabei auf die genannten Entartungen verfallen, mit solchen verwechselt werden, die den in dieser Schrift gezeichneten Weg gehen wollen. Was auf dem hier gemeinten Wege von der Menschenseele durchlebt wird, das verläuft durchaus im Felde rein geistig-seelischen Erfahrens. Es ist nur dadurch möglich, solches zu durchleben, daß sich der Mensch auch noch für andere innere Erfahrungen so frei und unabhängig von dem Leibesleben machen kann, wie er im Erleben des gewöhnlichen Bewußtseins nur ist, wenn er sich über das von außen Wahrgenommene oder das im Innern Gewünschte, Gefühlte, Gewollte Gedanken macht, die nicht aus dem Wahrgenommenen, Gefühlten, Gewollten selbst herrühren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|217}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt Menschen, die an das Vorhandensein solcher Gedanken überhaupt nicht glauben. Diese meinen: der Mensch könne nichts denken, was er nicht aus der Wahrnehmung oder dem leiblich bedingten Innenleben herauszieht und alle Gedanken seien nur gewissermaßen Schattenbilder von Wahrnehmungen oder von inneren Erlebnissen. Wer dieses behauptet, der tut es nur, weil er sich niemals zu der Fähigkeit gebracht hat, mit seiner Seele das reine, in sich beruhende Gedankenleben zu erleben. Wer aber solches erlebt hat, für den ist es Erfahrung geworden, daß überall, wo im Seelenleben Denken waltet, in dem Maße, als dieses Denken andere Seelenverrichtungen durchdringt, der Mensch in einer Tätigkeit begriffen ist, an deren Zustandekommen sein Leib unbeteiligt ist. Im gewöhnlichen Seelenleben ist ja fast immer das Denken mit anderen Seelenverrichtungen: Wahrnehmen, Fühlen, Wollen und so weiter vermischt. Diese anderen Verrichtungen kommen durch den Leib zustande. Aber in sie spielt das Denken hinein. Und in dem Maße, in dem es hineinspielt, geht in dem Menschen und durch den Menschen etwas vor sich, an dem der Leib nicht mitbeteiligt ist. Die Menschen, welche dieses in Abrede stellen, können nicht über die Täuschung hinauskommen, welche dadurch entsteht, daß sie die denkerische Betätigung immer mit anderen Verrichtungen vereinigt beobachten. Aber man kann im inneren Erleben sich seelisch dazu aufraffen, den denkerischen Teil des Innenlebens auch abgesondert von allem andern für sich zu erfahren. Man kann aus dem Umfange des Seelenlebens etwas herauslösen, das nur in reinen Gedanken besteht. In Gedanken, die in sich bestehen, aus denen alles ausgeschaltet ist, was&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|218}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wahrnehmung oder leiblich bedingtes Innenleben geben. Solche Gedanken offenbaren sich durch sich selbst, durch das, was sie sind, als ein geistig, ein übersinnlich Wesenhaftes. Und die Seele, die mit solchen Gedanken sich vereinigt, indem sie während dieser Vereinigung alles Wahrnehmen, alles Erinnern, alles sonstige Innenleben ausschließt, weiß sich mit dem Denken selbst in einem übersinnlichen Gebiet und erlebt sich außerhalb des Leibes. Für denjenigen, welcher diesen ganzen Sachverhalt durchschaut, kann die Frage gar nicht mehr in Betracht kommen: gibt es ein Erleben der Seele in einem übersinnlichen Element außerhalb des Leibes? Denn für ihn hieße es in Abrede stellen, was er aus der Erfahrung weiß. Für ihn gibt es nur die Frage: was verhindert die Menschen, eine solche sichere Tatsache anzuerkennen? Und zu dieser Frage findet er die Antwort, daß die in Frage kommende Tatsache eine solche ist, die sich nicht offenbart, wenn der Mensch sich nicht vorher in eine solche Seelenverfassung versetzt, daß er die Offenbarung empfangen kann. Nun werden zunächst die Menschen mißtrauisch, wenn sie selbst etwas erst rein seelisch tun sollen, damit sich ihnen ein an sich von ihnen Unabhängiges offenbare. Sie glauben da, weil sie sich vorbereiten müssen, die Offenbarung zu empfangen, sie machen den Inhalt der Offenbarung. Sie wollen Erfahrungen, zu denen der Mensch nichts tut, gegenüber denen er ganz passiv bleibt. Sind solche Menschen außerdem noch unbekannt mit den einfachsten Anforderungen an wissenschaftliches Erfassen eines Tatbestandes, dann sehen sie in Seelen-Inhalten oder Seelen-Hervorbringungen, bei denen die Seele unter den Grad von bewußter Eigenbetätigung herabgedrückt ist, der im&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|219}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sinneswahrnehmen und im willkürlichen Tun vorliegt, eine objektive Offenbarung eines nicht sinnlichen Wesenhaften. Solche Seelen-Inhalte sind die visionären Erlebnisse, die mediumistischen Offenbarungen. Was aber durch solche Offenbarungen zutage tritt, ist keine übersinnliche, es ist eine untersinnliche Welt. Das menschliche bewußte Wachleben verläuft nicht völlig in dem Leibe; es verläuft vor allem der bewußte Teil dieses Lebens an der Grenze zwischen Leib und physischer Außenwelt; so das Wahrnehmungsleben, bei dem, was in den Sinnesorganen vorgeht, ebensogut das Hineinragen eines außerleiblichen Vorganges in den Leib ist wie ein Durchdringen dieses Vorganges vom Leibe aus; und so das Willensleben, das auf einem Hineinstellen des menschlichen Wesens in das Weltenwesen beruht, so daß, was im Menschen durch seinen Willen geschieht, zugleich Glied des Weltgeschehens ist. In diesem an der Leibesgrenze verlaufenden seelischen Erleben ist der Mensch in hohem Grade abhängig von seiner Leibesorganisation; aber es spielt die denkerische Betätigung in dieses Erleben hinein, und in dem Maße, als das der Fall ist, macht sich in Sinneswahrnehmung und Wollen der Mensch vom Leibe unabhängig. Im visionären Erleben und im mediumistischen Hervorbringen tritt der Mensch völlig in die Abhängigkeit vom Leibe ein. Er schaltet aus seinem Seelenleben dasjenige aus, was ihn in Wahrnehmung und Wollen vom Leibe unabhängig macht. Und dadurch werden Seelen-Inhalte und Seelen-Hervorbringungen bloße Offenbarungen des Leibeslebens. Visionäres Erleben und mediumistisches Hervorbringen sind die Ergebnisse des Umstandes, daß der Mensch bei diesem Erleben und Hervorbringen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|220}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
mit seiner Seele weniger vom Leibe unabhängig ist als im gewöhnlichen Wahrnehmungs- und Willensleben. Bei dem Erleben des Übersinnlichen, das in dieser Schrift gemeint ist, geht nun die Entwickelung des Seelen-Erlebens gerade nach der entgegengesetzten Richtung gegenüber der visionären oder mediumistischen. Die Seele macht sich fortschreitend unabhängiger vom Leibe, als sie im Wahrnehmungs- und Willensleben ist. Sie erreicht diejenige Unabhängigkeit, die im Erleben reiner Gedanken zu fassen ist, für eine viel breitere Seelenbetätigung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für die hier gemeinte übersinnliche Seelenbetätigung ist es außerordentlich bedeutsam, in voller Klarheit das Erleben des reinen Denkens zu durchschauen. Denn im Grunde ist dieses Erleben selbst schon eine übersinnliche Seelenbetätigung. Nur eine solche, durch die man noch nichts Übersinnliches schaut. Man lebt mit dem reinen Denken im Übersinnlichen; aber man erlebt nur dieses auf eine übersinnliche Art; man erlebt noch nichts anderes Übersinnliches. Und das übersinnliche Erleben muß sein eine Fortsetzung desjenigen Seelen-Erlebens, das schon im Vereinigen mit dem reinen Denken erreicht werden kann. Deshalb ist es so bedeutungsvoll, diese Vereinigung richtig erfahren zu können. Denn von dem Verständnisse dieser Vereinigung aus leuchtet das Licht, das auch rechte Einsicht in das Wesen der übersinnlichen Erkenntnis bringen kann. Sobald das Seelen-Erleben unter die Bewußtseinsklarheit, die im Denken sich auslebt, heruntersinken würde, wäre sie für die wahre Erkenntnis der übersinnlichen Welt auf einem Irrwege. Sie würde erfaßt von den Leibesverrichtungen; was sie erlebt und hervorbringt, ist dann nicht Offenbarung des Übersinnlichen durch sie,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|221}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sondern Leibesoffenbarung im Bereich der untersinnlichen Welt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;*&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sobald die Seele mit ihren Erlebnissen in das Feld des Übersinnlichen eindringt, sind diese Erlebnisse von einer solchen Art, daß sich die sprachlichen Ausdrücke für sie nicht in so leichter Art finden lassen wie für die Erlebnisse im Bereiche der sinnlichen Welt. Man muß oftmals bei Beschreibungen des übersinnlichen Erlebens sich bewußt sein, daß gewissermaßen die Entfernung des sprachlichen Ausdrucks von dem ausgedrückten wirklichen Tatbestande eine größere ist als im physischen Erleben. Man muß sich ein Verständnis dafür erwerben, daß mancher Ausdruck wie eine Verbildlichung in zarter Weise auf das nur hinweist, auf das er sich bezieht. So ist es auf Seite 30 dieser Schrift gesagt: «Ursprünglich werden nämlich alle Regeln und Lehren der Geisteswissenschaft in einer sinnbildlichen Zeichensprache gegeben.» Und auf Seite 78 f. mußte von einem «bestimmten Schriftsystem» gesprochen werden. Es kann nun leicht jemandem beikommen, solche Schrift in einer ähnlichen Art lernen zu wollen, wie man Lautzeichen und deren Zusammenfügungen für die Schrift einer gewöhnlichen physischen Sprache erlernt. Nun muß allerdings gesagt werden: es hat gegeben und gibt geisteswissenschaftliche Schulen und Vereinigungen, welche im Besitze symbolischer Zeichen sind, durch die sie übersinnliche Tatbestände zum Ausdruck bringen. Und wer in die Bedeutung dieser Sinnbilder eingeweiht wird, der hat dadurch ein Mittel, sein Seelen-Erleben zu den in Frage kommenden übersinnlichen Wirklichkeiten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|222}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
hinzulenken. Aber ein für das übersinnliche Erleben Wesentliches ist vielmehr, daß im Laufe eines solchen übersinnlichen Erlebens, wie es durch die Verwirklichung des Inhaltes dieser Schrift von der Seele erreicht werden kann, diese Seele in der Anschauung des Übersinnlichen die Offenbarung einer solchen Schrift durch ihre eigene Erfahrung gewinnt. Das Übersinnliche sagt der Seele etwas, das sich diese in verbildlichende Zeichen übersetzen muß, damit sie es vollbewußt überschauen kann. Es kann gesagt werden: was in dieser Schrift mitgeteilt ist, das kann von jeder Seele verwirklicht werden. Und im Laufe der Verwirklichung, den sich nach den gemachten Angaben die Seele selbst bestimmen kann, stellen sich die Ergebnisse ein, die beschrieben sind. Man nehme doch ein solches Buch, wie dieses ist, wie ein Gespräch, das der Verfasser mit dem Leser führt. Wenn gesagt ist: der Geheimschüler bedürfe der persönlichen Anweisung, so fasse man dies doch so auf, daß das Buch selbst eine solche persönliche Anweisung ist. In früheren Zeiten gab es Gründe, solche persönliche Anweisungen dem mündlichen Geheim-Unterrichte vorzubehalten; gegenwärtig sind wir auf einer Entwickelungsstufe der Menschheit angelangt, in der das geisteswissenschaftliche Erkennen eine viel größere Verbreitung erfahren muß als früher. Es muß in ganz anderem Maße jedem zugänglich sein als in alter Zeit. Da tritt eben das Buch an die Stelle der früheren mündlichen Unterweisung. Der Glaube, daß man durchaus über das in dem Buche Gesagte hinaus noch eine persönliche Unterweisung brauche, hat nur eine bedingte Richtigkeit. Der eine oder der andere kann ja freilich ein persönliches Nachhelfen brauchen, und ein solches kann ihm bedeutungsvoll&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|223}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sein. Aber es führte in die Irre, wenn man meinte, es gäbe Hauptsachen, die man im Buche nicht finde. Man findet sie, wenn man recht und namentlich wenn man vollständig liest.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;*&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Schilderungen dieses Buches nehmen sich so aus, als ob sie Anweisungen wären zum völligen Anderswerden des ganzen Menschen. Wer sie richtig liest, wird aber finden, daß sie nichts anderes sagen wollen, als in welcher inneren Seelenverfassung ein Mensch sein muß in denjenigen Augenblicken seines Lebens, in denen er der übersinnlichen Welt gegenüberstehen will. Diese Seelenverfassung entwickelt er als eine zweite Wesenheit in sich; und die gesunde andere Wesenheit läuft in der alten Weise ihren Gang fort. Er weiß beide Wesenheiten in Vollbewußtheit auseinanderzuhalten; er weiß sie in rechter Art miteinander in Wechselwirkung zu setzen. Er macht sich nicht dadurch für das Leben unbrauchbar und untüchtig, daß er Interesse und Geschicklichkeit für dieses verliert und «den ganzen Tag Geistesforscher ist». Allerdings muß gesagt werden, daß die Erlebnisweise in der übersinnlichen Welt ihr Licht auf das ganze Wesen des Menschen ausstrahlen wird; aber dies kann nicht in einer von dem Leben ablenkenden Art sein, sondern in einer dieses Leben tüchtiger, fruchtbarer machenden Weise. Daß trotzdem die Schilderung so gehalten werden mußte, wie es der Fall ist, das rührt davon her, daß allerdings jeder auf das Übersinnliche gerichtete Erkenntnisvorgang den ganzen Menschen in Anspruch nimmt, so daß in dem Augenblicke, in dem der Mensch an einen solchen Erkenntnisvorgang&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|224}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
hingegeben ist, er dies mit seinem ganzen Wesen sein muß. Soviel der Farbenwahrnehmungsvorgang nur die Einzelheit des Auges mit seiner Nervenfortsetzung in Anspruch nimmt, soviel nimmt ein übersinnlicher Erkenntnisvorgang den ganzen Menschen in Anspruch. Dieser wird «ganz Auge» oder «ganz Ohr». Weil dies so ist, deshalb sieht es so aus, daß, wenn man von der Bildung von übersinnlichen Erkenntnisvorgängen Mitteilung macht, man von einer Umwandlung des Menschen spräche; man meine, der gewöhnliche Mensch sei nichts Rechtes; er müsse etwas ganz anderes werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;*&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu dem auf Seite 115 ff. «Über einige Wirkungen der Einweihung» Gesagten möchte ich noch etwas hinzufügen, was mit einiger Abänderung auch für andere Ausführungen dieses Buches gelten kann. Es könnte wohl jemand auf den Gedanken kommen: wozu solche Beschreibung von bildhaften Ausgestaltungen übersinnlichen Erlebens; könnte man nicht dieses Erleben in Ideen ohne solche Versinnlichung schildern? Darauf muß erwidert werden: Es kommt für das Erleben der übersinnlichen Wirklichkeit in Betracht, daß der Mensch sich im Übersinnlichen selbst als ein Übersinnliches weiß. Ohne das Hinblicken auf seine eigene übersinnliche Wesenheit, deren Wirklichkeit in der hier gegebenen Schilderung der «Lotusblumen» und des «ätherischen Leibes» vollkommen in ihrer Art zur Offenbarung kommt, erlebte sich der Mensch im Übersinnlichen so, wie wenn er im Sinnlichen nur so drinnen stände, daß ihm die Dinge und Vorgänge um ihn her sich offenbarten, er aber von seinem eigenen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|225}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Leibe nichts wüßte. Was er in «Seelenleib» und «Ätherleib» als seine übersinnliche Gestaltung schaut, das macht, daß er seiner selbst bewußt im Übersinnlichen steht, wie er durch die Wahrnehmung seines Sinnenleibes seiner selbst bewußt in der Sinnenwelt steht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;notiz center&amp;quot;&lt;br /&gt;
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|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Glossar ==&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|A}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|A}}AUFMERKSAMKEIT&lt;br /&gt;
{{GS|[[[[…]]]] die Aufmerksamkeit der Seele auf gewisse Vorgänge in der uns umgebenden Welt zu lenken. Solche Vorgänge sind das sprießende, wachsende und gedeihende Leben einerseits, und alle Erscheinungen, die mit Verblühen, Verwelken, Absterben zusammenhängen, andererseits.|10|43}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|B}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|B}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|C}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|C}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|D}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|D}}DEVOTION&lt;br /&gt;
{{GS|Eine gewisse Grundstimmung der Seele muß den Anfang bilden. Der Geheimforscher nennt diese Grundstimmung den Pfad der Verehrung, der Devotion gegenüber der Wahrheit und Erkenntnis. [[[[…]]]]  Man glaube nur ja nicht, daß solche Anlagen den Keim zur Unterwürfigkeit und Sklaverei bilden.|10|20}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|E}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|E}}EINWEIHUNG&lt;br /&gt;
{{GS|Denn es gibt ein natürliches Gesetz für alle Eingeweihten, das sie dazu veranlaßt, keinem suchenden Menschen ein ihm gebührendes Wissen vorzuenthalten.|10|18}}&lt;br /&gt;
ERKENNTNIS DER HÖHEREN WELTEN&lt;br /&gt;
{{GS|Nur das eine muß freilich sich jeder klarmachen, daß derjenige, der ganz in der veräußerlichten Zivilisation unserer Tage darinnen steckt, es sehr schwer hat, zur Erkenntnis der höheren Welten vorzudringen.|10|22}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|F}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|F}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|G}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|G}}GEDANKEN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|[[…]] daß Gefühle und Gedanken wirkliche Tatsachen sind, genau so wie Tische und Stühle in der physisch-sinnlichen Welt [[[…]]] daß ein verkehrter Gedanke    so verheerend wirken kann wie eine blindlings losgeschossene Flintenkugel für die physischen Gegenstände, die sie trifft.|10|47}}{{GS|An die Stelle kleinlicher Gefühlsschwelgerei und spielerischer Gedankenverknüpfung treten bedeutsame Gefühle und fruchtbare Gedanken. Und diese Gefühle und Gedanken führen den Menschen dazu, sich in der geistigen Welt zu orientieren.|10|48}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
GEFAHREN GEISTIGEN STREBENS&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Es wird in unserer Zeit von vielen Menschen der Weg zur Geheimwissenschaft gesucht. Auf mancherlei Art wird das getan; und viele gefährliche, ja verwerfliche Prozeduren werden probiert. [[[…]]] Durch die hier vorgezeichneten Wege kann niemand Schaden nehmen, der nichts forciert.|10|57}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
GEFÜHL&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|[[…]] daß Gefühle und Gedanken wirkliche Tatsachen sind, genau so wie Tische und Stühle in der physisch-sinnlichen Welt [[[…]]] daß ein verkehrter Gedanke    so verheerend wirken kann wie eine blindlings losgeschossene Flintenkugel für die physischen Gegenstände, die sie trifft.|10|47}}{{GS|An die Stelle kleinlicher Gefühlsschwelgerei und spielerischer Gedankenverknüpfung treten bedeutsame Gefühle und fruchtbare Gedanken. Und diese Gefühle und Gedanken führen den Menschen dazu, sich in der geistigen Welt zu orientieren.|10|48}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
GEHEIMSCHÜLER&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Der Geheimschüler muß die Kraft suchen, sich selbst in gewissen Zeiten wie ein Fremder gegenüberzustehen.|10|31}}{{GS|Was für die Ausbildung des Geheimschülers ganz besonders wichtig ist, das ist die Art, wie er anderen Menschen beim Sprechen zuhört. Er muß sich daran gewöhnen, dies so zu tun, daß dabei sein eigenes Innere vollkommen schweigt. [[[…]]] In der Geistesforschung wird solches planmäßig geübt.|10|50}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
GEHEIMSCHULUNG&lt;br /&gt;
{{GS|Es hat, seit es ein Menschengeschlecht gibt, auch immer eine Schulung gegeben, durch die solche, die höhere Fähigkeiten hatten, denen Anleitung gaben [[…]] Man nennt solche Schulung Geheimschulung [[…]] heißt geheimwissenschaftlicher oder okkulter Unterricht.|10|16}}&lt;br /&gt;
GEIST/GEISTIGES&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Er muß lieben lernen, was ihm der Geist da zuströmt. Bald hört er dann auch auf, diese Gedankenwelt als etwas zu empfinden, was unwirklicher sei als die Dinge des Alltags, die ihn umgeben.|10|37}}{{GS|Alles beruht schließlich darauf, daß der Mensch fortwährend Leib, Seele und Geist mit sich herumträgt, daß er sich aber nur seines Leibes im ausgesprochenen Sinne bewußt ist, nicht seiner Seele und seines Geistes. Und der Geheimschüler wird sich der Seele und des Geistes bewußt, wie sich der gewöhnliche Mensch seines Leibes bewußt ist.|10|60}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
GELASSENHEIT (Innere Ruhe)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine der ersten dieser Regeln kann nun etwa in die folgenden Worte der Sprache gekleidet werden: «Schaffe dir Augenblicke innerer Ruhe und lerne in diesen Augenblicken das Wesentliche von dem Unwesentlichen unterscheiden.»&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Es gehört gewiß in mancher Lebenslage eine große Kraft dazu, sich Augenblicke innerer Ruhe zu schaffen. Aber je größer die notwendige Kraft, desto bedeutender ist auch das, was erreicht wird.|10|36}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
GENUSS&lt;br /&gt;
{{GS|Der Geheimschüler betrachtet den Genuß nur als ein Mittel, um sich für die Welt zu veredeln. Der Genuß ist ihm ein Kundschafter, der ihn unterrichtet über die Welt; aber er schreitet nach dem Unterricht durch den Genuß zur Arbeit vorwärts. Er lernt [[…]] um das Gelernte in den Dienst der Welt zu stellen.|10|27}}&lt;br /&gt;
GOTT&lt;br /&gt;
{{GS|Die Außenwelt ist in allen ihren Erscheinungen erfüllt von göttlicher Herrlichkeit; aber man muß das Göttliche erst in seiner Seele selbst erlebt haben, wenn man es in der Umgebung finden will.|10|26}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|H}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|H}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|I}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|I}}INNENWELT&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|So erst verlegt er den Mittelpunkt seines Wesens in sein Inneres. Er hört auf die Stimmen in seinem Innern, die in den Augenblicken der Ruhe zu ihm sprechen; er pflegt im Innern Umgang mit der geistigen Welt.|10|37}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|J}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|J}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|K}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|K}}KIND&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Nützlich ist es für jeden, in solcher Art Kindern zuzuhören. Auch der Weiseste kann unermeßlich viel von Kindern lernen. So bringt es der Mensch dazu, die Worte des anderen ganz selbstlos zu hören, mit vollkommener Ausschaltung seiner eigenen Person, deren Meinung und Gefühlsweise.|10|51}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
KRAFT&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Der Geheimschüler muß die Kraft suchen, sich selbst in gewissen Zeiten wie ein Fremder gegenüberzustehen.|10|31}}{{GS|Es gehört gewiß in mancher Lebenslage eine große Kraft dazu, sich Augenblicke innerer Ruhe zu schaffen. Aber je größer die notwendige Kraft, desto bedeutender ist auch das, was erreicht wird.|10|36}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|L}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|L}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|M}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|M}}MUT&lt;br /&gt;
{{GS|Mut und Selbstvertrauen sind aber zwei Lichter, die auf dem Wege zur Geheimwissenschaft nicht erlöschen dürfen. Wer es nicht über sich bringen kann, eine Übung, die scheinbar unzähligemal mißglückt ist, immer wieder und wieder geduldig fortzusetzen, der kann nicht weit kommen.|10|59}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|N}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|N}}NATUR&lt;br /&gt;
{{GS|Die ganze Natur fängt an, dem Menschen durch ihr Ertönen Geheimnisse zuzuraunen. Was vorher seiner Seele unverständlicher Schall war, wird dadurch sinnvolle Sprache der Natur. Und wobei er vorher nur Ton gehört hat, beim Erklingen des sogenannten Leblosen, vernimmt er jetzt eine neue Sprache der Seele. [[[…]]]  Er fängt an, mit der Seele zu hören.|10|49}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|O}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|O}}&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
{{BS|Q}}&lt;br /&gt;
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{{GlossarNavigationArtikel|R}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|R}}REGELN&lt;br /&gt;
{{GS|Die Geisteswissenschaft gibt nun auch praktische Regeln an die Hand [[[…]]]  Eine der ersten dieser Regeln [[…]] : «Schaffe dir Augenblicke innerer Ruhe und lerne in diesen Augenblicken das Wesentliche von dem Unwesentlichen unterscheiden.»|10|29}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|S}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|S}}SCHWEIGEN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Was für die Ausbildung des Geheimschülers ganz besonders wichtig ist, das ist die Art, wie er anderen Menschen beim Sprechen zuhört. Er muß sich daran gewöhnen, dies so zu tun, daß dabei sein eigenes Innere vollkommen schweigt. [[[…]]] In der Geistesforschung wird solches planmäßig geübt.|10|50}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
SEELE&lt;br /&gt;
{{GS|[[…]] die Aufmerksamkeit der Seele auf gewisse Vorgänge in der uns umgebenden Welt zu lenken. Solche Vorgänge sind das sprießende, wachsende und gedeihende Leben einerseits, und alle Erscheinungen, die mit Verblühen, Verwelken, Absterben zusammenhängen, andererseits.|10|43}}{{GS|Die ganze Natur fängt an, dem Menschen durch ihr Ertönen Geheimnisse zuzuraunen. Was vorher seiner Seele unverständlicher Schall war, wird dadurch sinnvolle Sprache der Natur. Und wobei er vorher nur Ton gehört hat, beim Erklingen des sogenannten Leblosen, vernimmt er jetzt eine neue Sprache der Seele. [[[…]]]  Er fängt an, mit der Seele zu hören.|10|49}}{{GS|Alles beruht schließlich darauf, daß der Mensch fortwährend Leib, Seele und Geist mit sich herumträgt, daß er sich aber nur seines Leibes im ausgesprochenen Sinne bewußt ist, nicht seiner Seele und seines Geistes. Und der Geheimschüler wird sich der Seele und des Geistes bewußt, wie sich der gewöhnliche Mensch seines Leibes bewußt ist.|10|60}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
SELBSTVERTRAUEN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Mut und Selbstvertrauen sind aber zwei Lichter, die auf dem Wege zur Geheimwissenschaft nicht erlöschen dürfen. Wer es nicht über sich bringen kann, eine Übung, die scheinbar unzähligemal mißglückt ist, immer wieder und wieder geduldig fortzusetzen, der kann nicht weit kommen.|10|59}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
SPRECHEN&lt;br /&gt;
{{GS|Was für die Ausbildung des Geheimschülers ganz besonders wichtig ist, das ist die Art, wie er anderen Menschen beim Sprechen zuhört. Er muß sich daran gewöhnen, dies so zu tun, daß dabei sein eigenes Innere vollkommen schweigt. [[[…]]] In der Geistesforschung wird solches planmäßig geübt.|10|50}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|T}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|T}}TON&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Die ganze Natur fängt an, dem Menschen durch ihr Ertönen Geheimnisse zuzuraunen. Was vorher seiner Seele unverständlicher Schall war, wird dadurch sinnvolle Sprache der Natur. Und wobei er vorher nur Ton gehört hat, beim Erklingen des sogenannten Leblosen, vernimmt er jetzt eine neue Sprache der Seele. [[[…]]]  Er fängt an, mit der Seele zu hören.|10|49}}&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
{{BS|Y}}&lt;br /&gt;
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{{GlossarNavigationArtikel|Z}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|Z}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|0-9}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|0-9}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Literatur =&lt;br /&gt;
* [[a:Rudolf Steiner|Rudolf Steiner]]: &#039;&#039;Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?&#039;&#039;, [[GA 10]] (1993), ISBN 3-7274-0100-1; &#039;&#039;&#039;Tb 600&#039;&#039;&#039;, ISBN 978-3-7274-6001-2 {{Schriften|10}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GA}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Originalausgaben ==&lt;br /&gt;
* [https://www.odysseetheater.org/ftp/anthroposophie/Rudolf_Steiner/Faksimiles/GA010_1904.pdf Ausgabe 1904]&lt;br /&gt;
* [https://www.odysseetheater.org/ftp/anthroposophie/Rudolf_Steiner/Faksimiles/GA010_1907.pdf Ausgabe 1907]&lt;br /&gt;
* [https://www.odysseetheater.org/ftp/anthroposophie/Rudolf_Steiner/Faksimiles/GA010_1909.pdf Ausgabe 1909]&lt;br /&gt;
* [https://www.odysseetheater.org/ftp/anthroposophie/Rudolf_Steiner/Faksimiles/GA010_1910.pdf Ausgabe 1910]&lt;br /&gt;
* [https://www.odysseetheater.org/ftp/anthroposophie/Rudolf_Steiner/Faksimiles/GA010_1914.pdf Ausgabe 1914]&lt;br /&gt;
* [https://www.odysseetheater.org/ftp/anthroposophie/Rudolf_Steiner/Faksimiles/GA010_1918.pdf Ausgabe 1918]&lt;br /&gt;
* [https://www.odysseetheater.org/ftp/anthroposophie/Rudolf_Steiner/Faksimiles/GA010_1919.pdf Ausgabe 1919]&lt;br /&gt;
* [https://www.odysseetheater.org/ftp/anthroposophie/Rudolf_Steiner/Faksimiles/GA010_1922.pdf Ausgabe 1922]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:GA 10 Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?|!]] [[Kategorie:GA|GA 010]] [[Kategorie:GA (Schriften)|GA 010]] [[Kategorie:Gesamtausgabe|GA 010]] [[Kategorie:Taschenbücher|GA 010]]&lt;br /&gt;
[[en:GA 10]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Artikel unten}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>ElkeJura</name></author>
	</entry>
	<entry>
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		<title>GA 10</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;ElkeJura: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Artikel oben}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:GA10.jpg|thumb|{{RSV|010}}]]&lt;br /&gt;
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= Inhaltsverzeichnis =&lt;br /&gt;
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* [[GA 10#VORREDE ZUM ACHTEN BIS ELFTEN TAUSEND|VORREDE ZUM ACHTEN BIS ELFTEN TAUSEND]]&lt;br /&gt;
* [[GA 10#VORREDE ZUR FÜNFTEN AUFLAGE|VORREDE ZUR FÜNFTEN AUFLAGE]]&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
= VORREDE ZUM ACHTEN BIS ELFTEN TAUSEND =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An dem Inhalte dieser Neuauflage des vorliegenden Buches schienen mir heim neuerlichen Durcharbeiten nur geringe Änderungen notwendig. Dagegen habe ich dieser Ausgabe ein «Nachwort» hinzugefügt, durch das ich mich bemüht habe, manches deutlicher als früher zu sagen, was die seelischen Grundlagen betrifft, auf welche die Mitteilungen des Buches gestellt werden müssen, damit sie ohne Mißverständnis entgegengenommen werden. Ich glaube, daß der Inhalt dieses Nachwortes auch geeignet sein könnte, manchen Gegner der anthroposophischen Geisteswissenschaft darüber Aufzuklären, daß er sein Urteil nur dadurch aufrechterhalten kann, weil er sich unter dieser Geisteswissenschaft etwas ganz anderes vorstellt, als sie ist; während er, was sie ist, gar nicht ins Auge faßt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mai 1918 Rudolf Steiner&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|8}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= VORREDE ZUR FÜNFTEN AUFLAGE =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für diese Neuauflage von «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» ist die vor mehr als zehn Jahren niedergeschriebene Darstellung in allen Einzelheiten wieder durchgearbeitet worden. Das Bedürfnis nach solcher Durcharbeitung entsteht naturgemäß bei Mitteilungen über Seelenerlebnisse und Seelenwege von der Art, wie sie in diesem Buche gegeben sind. Es kann ja keinen Teil innerhalb des Mitgeteilten geben, mit dem die Seele des Mitteilers nicht innig verbunden bliebe und der nicht etwas enthielte, das an dieser Seele fortdauernd arbeitet. Es ist wohl auch kaum anders möglich, als daß mit diesem seelischen Arbeiten sich ein Streben nach erhöhter Klarheit und Deutlichkeit der vor Jahren gegebenen Darstellung verbindet. Diesem Streben ist entsprungen, was ich für das Buch bei dieser Neuauflage zu tun bemüht war. Zwar sind alle wesentlichen Glieder der Auseinandersetzungen, alle Hauptsachen so geblieben, wie sie waren; und doch sind wichtige Änderungen vollzogen worden. Ich konnte für eine genauere Charakterisierung im einzelnen an vielen Stellen manches tun. Und dies schien mir wichtig. Will jemand das in dem Buche Mitgeteilte in dem eigenen Geistesleben anwenden, so ist es von Bedeutung, daß er die Seelenwege, von denen die Rede ist, in möglichst genauer Charakterisierung ins Auge zu fassen vermag. In einem viel höheren Maße als an die Schilderung der Tatsachen der physischen Welt können sich an diejenige innerer geistiger Vorgänge Mißverständnisse knüpfen. Das Bewegliche des Seelenlebens, die Notwendigkeit, diesem Leben gegenüber nie aus dem Bewußtsein&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|9}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
zu verlieren, wie verschieden es ist von allem Leben in der physischen Welt, und vieles andere, machen solche Mißverständnisse möglich. Ich habe bei dieser Neuauflage die Aufmerksamkeit darauf gerichtet, die Stellen des Buches aufzufinden, wo solche Mißverständnisse entstehen können; und ich habe mich bemüht, bei der Abfassung ihrem Entstehen entgegenzuarbeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als ich die Aufsätze schrieb, aus welchen das Buch zusammengesetzt ist, mußte über manches auch aus dem Grunde anders gesprochen werden als gegenwärtig, weil ich auf den Inhalt dessen, was ich in den letzten zehn Jahren über Tatsachen der Erkenntnis geistiger Welten veröffentlicht habe, damals anders hinzudeuten hatte, als es jetzt, nach der Veröffentlichung, zu geschehen hat. In meiner «Geheimwissenschaft», in der «Führung des Menschen und der Menschheit», in «Ein Weg zur Selbsterkenntnis» und besonders in «Die Schwelle der geistigen Welt», auch in anderen meiner Schriften sind geistige Vorgänge geschildert, auf deren Vorhandensein dieses Buch vor mehr als zehn Jahren zwar schon hindeuten mußte, dies aber doch mit anderen Worten, als es gegenwärtig richtig scheint. Ich mußte damals von vielem, das in dem Buche noch nicht geschildert wurde, sagen, es könne durch «mündliche Mitteilung» erfahren werden. Gegenwärtig ist nun vieles von dem veröffentlicht, was mit solchen Hinweisen gemeint war. Es waren aber diese Hinweise, die irrtümliche Meinungen bei den Lesern vielleicht nicht völlig ausschlossen. Man könnte etwa in dem persönlichen Verhältnis zu diesem oder jenem Lehrer bei dem nach Geistesschulung Strebenden etwas viel Wesentlicheres sehen, als gesehen werden soll. Ich hoffe, daß es&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|10}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
mir gelungen ist, in dieser neuen Auflage durch die Art der Darstellung mancher Einzelheiten schärfer zu betonen, wie es bei dem, der Geistesschulung sucht im Sinne der gegenwärtigen geistigen Bedingungen, viel mehr auf ein völlig unmittelbares Verhältnis zur objektiven Geistes-Welt als auf ein Verhältnis zur Persönlichkeit eines Lehrers ankommt. Dieser wird auch in der Geistesschulung immer mehr die Stellung nur eines solchen Helfers annehmen, die der Lehrende, gemäß den neueren Anschauungen, in irgendeinem anderen Wissenszweige innehat. Ich glaube genügend darauf hingewiesen zu haben, daß des Lehrers Autorität und der Glaube an ihn in der Geistesschulung keine andere Rolle spielen sollten, als dies der Fall ist auf irgendeinem anderen Gebiete des Wissens und Lebens. Mir scheint viel darauf anzukommen, daß immer richtiger beurteilt werde gerade dieses Verhältnis des Geistesforschers zu Menschen, die Interesse entwickeln für die Ergebnisse seines Forschens. So glaube ich das Buch verbessert zu haben, wo ich das Verbesserungsbedürftige nach zehn Jahren zu finden in der Lage war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An diesen ersten Teil soll sich ein zweiter anschließen. Dieser soll weitere Ausführungen über die Seelenverfassung bringen, welche den Menschen zum Erleben der höheren Welten führt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Neuauflage des Buches lag fertig gedruckt vor, als der große Krieg begann, den die Menschheit gegenwärtig erlebt. Diese Vorbemerkungen habe ich zu schreiben, während meine Seele tief bewegt ist von dem schicksaltragenden Ereignisse.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Berlin, 7. September 1914 Rudolf Steiner&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|11}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= VORREDE ZUR DRITTEN AUFLAGE =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es erscheinen hiermit als Buch meine Ausführungen, welche ursprünglich als einzelne Aufsätze unter dem Titel «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» abgedruckt waren. Zunächst wird dieser Band den ersten Teil bringen; ein folgender wird die Fortsetzung enthalten. Diese Arbeit über die Entwickelung des Menschen zum Erfassen der übersinnlichen Welten soll nicht in neuer Gestalt vor die Welt treten ohne einige Geleitworte, welche ihr hiermit vorgesetzt werden. Die in ihr enthaltenen Mitteilungen über die Seelenentwickelung des Menschen möchten verschiedenen Bedürfnissen dienen. Zunächst soll denjenigen Personen etwas gegeben werden, welche sich hingezogen fühlen zu den Ergebnissen der Geistesforschung und welche die Frage aufwerfen müssen: Ja, woher haben diejenigen ihr Wissen, welche behaupten, etwas über hohe Rätselfragen des Lebens sagen zu können? Die Geisteswissenschaft sagt über solche Rätsel etwas. Wer die Tatsachen beobachten will, welche zu diesen Aussagen führen, der muß zu übersinnlichen Erkenntnissen aufsteigen. Er muß den Weg gehen, welcher in dieser Schrift zu schildern versucht wird. Doch wäre es ein Irrtum, zu glauben, daß die Mitteilungen der Geisteswissenschaft für den wertlos seien, der nicht Neigung oder Möglichkeit hat, diesen Weg selbst zu gehen. Um die Tatsachen zu erforschen, muß man die Fähigkeit haben, in die übersinnlichen Welten hineinzutreten. Sind sie aber erforscht und werden sie mitgeteilt, so kann auch derjenige, welcher sie nicht selber wahrnimmt, sich eine hinreichende Überzeugung von der Wahrheit der Mitteilungen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|12}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
verschaffen. Ein großer Teil derselben ist ohne weiteres dadurch zu prüfen, daß man die gesunde Urteilskraft in wirklich unbefangener Weise auf sie anwendet. Man wird sich nur nicht in dieser Unbefangenheit stören lassen dürfen durch alle möglichen Vorurteile, die einmal im Menschenleben so zahlreich vorhanden sind. Es wird zum Beispiel leicht vorkommen, daß jemand findet, dies oder jenes vertrage sich nicht mit gewissen wissenschaftlichen Ergebnissen der Gegenwart. In Wahrheit gibt es kein wissenschaftliches Ergebnis, welches der geistigen Forschung widerspricht. Doch kann man leicht glauben, daß dieses oder jenes wissenschaftliche Urteil zu den Mitteilungen über die höheren Welten nicht stimme, wenn man nicht allseitig und unbefangen die wissenschaftlichen Ergebnisse zu Rate zieht. Man wird finden, daß, je unbefangener man die Geisteswissenschaft gerade mit den positiven wissenschaftlichen Errungenschaften zusammenhält, um so schöner die volle Übereinstimmung erkannt werden kann. Ein anderer Teil der geisteswissenschaftlichen Mitteilungen wird sich allerdings mehr oder weniger dem bloßen Verstandesurteile entziehen. Aber es wird unschwer derjenige ein rechtes Verhältnis auch zu diesem Teile gewinnen können, welcher einsieht, daß nicht nur der Verstand, sondern auch das gesunde Gefühl ein Richter über die Wahrheit sein kann. Und wo dieses Gefühl sich nicht durch Sympathie oder Antipathie für diese oder jene Meinung treiben läßt, sondern wirklich unbefangen die Erkenntnisse der übersinnlichen Welten auf sich wirken läßt, da wird sich auch ein entsprechendes Gefühlsurteil ergeben. Und noch manch anderen Weg gibt es zur Bewahrheitung dieser Erkenntnisse&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|13}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
für diejenigen Personen, welche den Pfad in die übersinnliche Welt nicht beschreiten können und wollen. Solche Menschen können aber gleichwohl fühlen, welchen Wert diese Erkenntnisse für das Leben haben, auch wenn sie sie nur aus den Mitteilungen der Geistesforscher erfahren. Ein schauender Mensch kann nicht ein jeder augenblicklich werden; eine rechte gesunde Lebensnahrung sind aber die Erkenntnisse des schauenden Menschen für jedermann. Denn anwenden im Leben kann sie jeder. Und wer es tut, wird bald einsehen, was das Leben mit ihnen auf allen Gebieten sein kann und was es entbehrt, wenn man sie ausschließt. Die Erkenntnisse der übersinnlichen Welten erweisen sich, richtig im Leben angewendet, nicht unpraktisch, sondern im höchsten Sinne praktisch. Wenn aber auch jemand den höheren Erkenntnispfad nicht selbst betreten will, so kann er doch, wenn er Neigung für die auf demselben beobachteten Tatsachen hat, fragen: Wie kommt der schauende Mensch zu diesen Tatsachen? Denjenigen Personen, welche ein Interesse an dieser Frage haben, möchte diese Schrift ein Bild von dem geben, was man unternehmen muß, um die übersinnliche Welt wirklich kennenzulernen. Sie möchte den Weg in dieselbe so darstellen, daß auch derjenige, der ihn nicht selbst geht, Vertrauen gewinnen kann zu dem, was ein solcher sagt, der ihn gegangen ist. Man kann ja auch, wenn man gewahr wird, was der Geistesforscher tut, dies richtig finden und sich sagen: die Schilderung des Pfades in die höheren Welten macht auf mich einen solchen Eindruck, daß ich verstehen kann, warum die mitgeteilten Tatsachen mir einleuchtend erscheinen. So soll also diese Schrift jenen dienen, welche in ihrem Wahrheitssinn und&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|14}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wahrheitsgefühl für die übersinnliche Welt eine Stärkung und Sicherheit wünschen. Nicht minder möchte sie aber auch denjenigen etwas bieten, welche den Weg zu den übersinnlichen Erkenntnissen selbst suchen. Diejenigen Personen werden die Wahrheit des hier Dargestellten am besten erproben, welche sie in sich selbst verwirklichen. Wer solch eine Absicht hat, wird gut tun, sich immer wieder zu sagen, daß bei Darstellung der Seelen-Entwickelung mehr notwendig ist als ein solches Bekanntwerden mit dem Inhalte, wie es bei anderen Ausführungen oftmals angestrebt wird. Ein intimes Hineinleben in die Darstellung ist notwendig; die Voraussetzung soll man machen, daß man die eine Sache nicht nur durch das begreifen soll, was über sie selbst gesagt wird, sondern durch manches, was über ganz anderes mitgeteilt wird. Man wird so die Vorstellung erhalten, daß nicht in einer Wahrheit das Wesentliche liegt, sondern in dem Zusammenstimmen aller. Wer Übungen ausführen will, muß das ganz ernstlich bedenken. Eine Übung kann richtig verstanden, auch richtig ausgeführt sein; und dennoch kann sie unrichtig wirken, wenn nicht von dem Ausführenden ihr eine andere Übung hinzugefügt wird, welche die Einseitigkeit der ersten zu einer Harmonie der Seele auslöst. Wer diese Schrift intim liest, so daß ihm Lesen wie ein innerliches Erleben wird, der wird sich nicht nur mit dem Inhalte bekannt machen, sondern auch an dieser Stelle dieses, an einer anderen jenes Gefühl haben; und dadurch wird er erkennen, welches Gewicht für die Seelenentwickelung dem einen oder dem anderen zukommt. Er wird auch herausfinden, in welcher Form er diese oder jene Übung, nach seiner besonderen Individualität, gerade bei&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|15}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sich versuchen sollte. Wenn, wie hier, Beschreibungen in Betracht kommen von Vorgängen, welche erlebt werden sollen, so erweist sich als notwendig, daß man auf den Inhalt immer wieder zurückgreife; denn man wird sich überzeugen, daß man manches erst dann für sich selbst zu einem befriedigenden Verständnis bringt, wenn man es versucht hat und nach dem Versuche gewisse Feinheiten der Sache bemerkt, die einem früher entgehen mußten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch solche Leser, welche den Weg, der vorgezeichnet ist, nicht zu gehen beabsichtigen, werden in der Schrift manches Brauchbare für das innere Leben finden: Lebensregeln, Hinweise, wie dies oder jenes sich aufklärt, was rätselhaft erscheint und so weiter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und mancher, der durch seine Lebenserfahrung dieses oder jenes hinter sich hat, in mancher Beziehung eine Lebenseinweihung durchgemacht hat, wird eine gewisse Befriedigung finden können, wenn er im Zusammenhange geklärt findet, was ihm im einzelnen vorgeschwebt hat; was er schon wußte, ohne vielleicht dies Wissen bis zu einer für ihn selbst hinreichenden Vorstellung gebracht zu haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
= WIE ERLANGT MAN ERKENNTNISSE DER HÖHEREN WELTEN?=&lt;br /&gt;
== Bedingungen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es schlummern in jedem Menschen Fähigkeiten, durch die er sich Erkenntnisse über höhere Welten erwerben kann. Der Mystiker, der Gnostiker, der Theosoph sprachen stets von einer Seelen- und einer Geisterwelt, die für sie ebenso vorhanden sind wie diejenige, die man mit physischen Augen sehen, mit physischen Händen betasten kann. Der Zuhörer darf sich in jedem Augenblicke sagen: wovon dieser spricht, kann ich auch erfahren, wenn ich gewisse Kräfte in mir entwickele, die heute noch in mir schlummern. Es kann sich nur darum handeln, wie man es anzufangen hat, um solche Fähigkeiten in sich zu entwickeln. Dazu können nur diejenigen Anleitung geben, die schon in sich solche Kräfte haben. Es hat, seit es ein Menschengeschlecht gibt, auch immer eine Schulung gegeben, durch die solche, die höhere Fähigkeiten hatten, denen Anleitung gaben, die ebensolche Fähigkeiten suchten. Man nennt solche Schulung Geheimschulung; und der Unterricht, welcher da empfangen wird, heißt geheimwissenschaftlicher oder okkulter Unterricht. Eine solche Bezeichnung erweckt naturgemäß Mißverständnis. Wer sie hört, kann leicht zu dem Glauben verführt werden, daß diejenigen, die für solche Schulung tätig sind, eine besonders bevorzugte Menschenklasse darstellen wollen, die willkürlich ihr Wissen den Mitmenschen vorenthält. Ja, man denkt wohl auch, daß vielleicht überhaupt nichts Erhebliches hinter solchem Wissen stecke. Denn, wenn es&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|17}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ein wahres Wissen wäre so ist man versucht zu denken , so brauchte man daraus kein Geheimnis zu machen: man könnte es öffentlich mitteilen und die Vorteile davon allen Menschen zugänglich machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diejenigen, welche in die Natur des Geheimwissens eingeweiht sind, wundern sich nicht im geringsten darüber, daß die Uneingeweihten so denken. Worin das Geheimnis der Einweihung besteht, kann nur derjenige verstehen, der selbst diese Einweihung in die höheren Geheimnisse des Daseins bis zu einem gewissen Grade erfahren hat. Nun kann man fragen: wie soll denn der Uneingeweihte überhaupt irgendein menschliches Interesse an dem sogenannten Geheimwissen unter solchen Umständen erlangen? Wie und warum soll er etwas suchen, von dessen Natur er sich doch gar keine Vorstellung machen kann? Aber schon einer solchen Frage liegt eine ganz irrtümliche Vorstellung von dem Wesen des Geheimwissens zugrunde. In Wahrheit verhält es sich mit dem Geheimwissen nämlich doch nicht anders als mit allem übrigen Wissen und Können des Menschen. Dieses Geheimwissen ist für den Durchschnittsmenschen in keiner anderen Beziehung ein Geheimnis, als warum das Schreiben für den ein Geheimnis ist, der es nicht gelernt hat. Und wie jeder schreiben lernen kann, der die rechten Wege dazu wählt, so kann jeder ein Geheimschüler, ja ein Geheimlehrer werden, der die entsprechenden Wege dazu sucht. Nur in einer Hinsicht liegen die Verhältnisse hier noch anders als beim äußeren Wissen und Können. Es kann jemandem durch Armut, durch die Kulturverhältnisse, in die er hineingeboren ist, die Möglichkeit fehlen, sich die Kunst des Schreibens anzueignen; für die Erlangung von Wissen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|18}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und Können in den höheren Welten gibt es kein Hindernis für denjenigen, der diese ernstlich sucht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele glauben, man müsse die Meister des höheren Wissens da und dort aufsuchen, um von ihnen Aufschlüsse zu erhalten. Aber zweierlei ist richtig. Erstens wird derjenige, der ernstlich nach höherem Wissen trachtet, keine Mühe, kein Hindernis scheuen, um einen Eingeweihten aufzusuchen, der ihn in die höheren Geheimnisse der Welt einführen kann. Aber andererseits kann auch jeder sich klar darüber sein, daß ihn die Einweihung unter allen Umständen finden wird, wenn ernstes und würdiges Streben nach Erkenntnis vorliegt. Denn es gibt ein natürliches Gesetz für alle Eingeweihten, das sie dazu veranlaßt, keinem suchenden Menschen ein ihm gebührendes Wissen vorzuenthalten. Aber es gibt ein ebenso natürliches Gesetz, welches besagt, daß niemandem irgend etwas von dem Geheimwissen ausgeliefert werden kann, zu dem er nicht berufen ist und ein Eingeweihter ist um so vollkommener, je strenger er diese beiden Gesetze beobachtet. Das geistige Band, das alle Eingeweihten umfaßt, ist kein äußeres, aber die beiden genannten Gesetze bilden feste Klammern, durch welche die Bestandteile dieses Bandes zusammengehalten werden. Du magst in intimer Freundschaft mit einem Eingeweihten leben: du bist doch so lange von seinem Wesen getrennt, bis du selbst ein Eingeweihter geworden bist. Du magst das Herz, die Liebe eines Eingeweihten im vollsten Sinne genießen: sein Geheimnis wird er dir erst anvertrauen, wenn du reif dazu bist. Du magst ihm schmeicheln, du magst ihn foltern: nichts kann ihn bestimmen, dir irgend etwas zu verraten, von dem er weiß, daß es dir nicht verraten werden darf,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
weil du auf der Stufe deiner Entwickelung dem Geheimnis noch nicht den rechten Empfang in deiner Seele zu bereiten verstehst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Wege, die den Menschen reif zum Empfange eines Geheimnisses machen, sind genau bestimmte. Ihre Richtung ist mit unauslöschbaren, ewigen Buchstaben vorgezeichnet in den Geisteswelten, in denen die Eingeweihten die höheren Geheimnisse behüten. In alten Zeiten, die vor unsrer «Geschichte» liegen, waren die Tempel des Geistes auch äußerlich sichtbare; heute, wo unser Leben so ungeistig geworden ist, sind sie nicht in der Welt vorhanden, die dem äußeren Auge sichtbar ist. Aber sie sind geistig überall vorhanden; und jeder, der sucht, kann sie finden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nur in seiner eigenen Seele kann der Mensch die Mittel finden, die ihm den Mund der Eingeweihten öffnen. Gewisse Eigenschaften muß er in sich bis zu einem bestimmten hohen Grade entwickeln, dann können ihm die höchsten Geistesschätze zuteil werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine gewisse Grundstimmung der Seele muß den Anfang bilden. Der Geheimforscher nennt diese Grundstimmung den Pfad der Verehrung, der Devotion gegenüber der Wahrheit und Erkenntnis. Nur wer diese Grundstimmung hat, kann Geheimschüler werden. Wer Erlebnisse auf diesem Gebiete hat, der weiß, welche Anlagen bei denen schon in der Kindheit zu bemerken sind, welche später Geheimschüler werden. Es gibt Kinder, die mit heiliger Scheu zu gewissen von ihnen verehrten Personen emporblicken. Sie haben eine Ehrfurcht vor ihnen, die ihnen im tiefsten Herzensgrunde verbietet, irgendeinen Gedanken aufkommen zu lassen von Kritik, von Opposition. Solche Kinder wachsen zu Jünglingen und Jungfrauen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|20}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
heran, denen es wohltut, wenn sie zu irgend etwas Verehrungsvollem aufsehen können. Aus den Reihen dieser Menschenkinder gehen viele Geheimschüler hervor. Hast du einmal vor der Türe eines verehrten Mannes gestanden und hast du bei diesem deinem ersten Besuche eine heilige Scheu empfunden, auf die Klinke zu drücken, um in das Zimmer zu treten, das für dich ein «Heiligtum» ist, so hat sich in dir ein Gefühl geäußert, das der Keim sein kann für deine spätere Geheimschülerschaft. Es ist ein Glück für jeden heranwachsenden Menschen, solche Gefühle als Anlagen in sich zu tragen. Man glaube nur ja nicht, daß solche Anlagen den Keim zur Unterwürfigkeit und Sklaverei bilden. Es wird später die erst kindliche Verehrung gegenüber Menschen zur Verehrung gegenüber Wahrheit und Erkenntnis. Die Erfahrung lehrt, daß diejenigen Menschen auch am besten verstehen, das Haupt frei zu tragen, die verehren gelernt haben da, wo Verehrung am Platze ist. Und am Platze ist sie überall da, wo sie aus den Tiefen des Herzens entspringt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir nicht das tiefgründige Gefühl in uns entwickeln, daß es etwas Höheres gibt, als wir sind, werden wir auch nicht in uns die Kraft finden, uns zu einem Höheren hinaufzuentwickeln. Der Eingeweihte hat sich nur dadurch die Kraft errungen, sein Haupt zu den Höhen der Erkenntnis zu erheben, daß er sein Herz in die Tiefen der Ehrfurcht, der Devotion geführt hat. Höhe des Geistes kann nur erklommen werden, wenn durch das Tor der Demut geschritten wird. Ein rechtes Wissen kannst du nur erlangen, wenn du gelernt hast, dieses Wissen zu achten. Der Mensch hat gewiß das Recht, sein Auge dem Lichte entgegenzuhalten; aber er muß dieses Recht erwerben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|21}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im geistigen Leben gibt es ebenso Gesetze wie im materiellen. Streiche eine Glasstange mit einem entsprechenden Stoffe, und sie wird elektrisch, das heißt: sie erhält die Kraft, kleine Körper anzuziehen. Dies entspricht einem Naturgesetz. Hat man ein wenig Physik gelernt, so weiß man dies. Und ebenso weiß man, wenn man die Anfangsgründe der Geheimwissenschaft kennt, daß jedes in der Seele entwickelte Gefühl von wahrer Devotion eine Kraft entwickelt, die in der Erkenntnis früher oder später weiter führen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer in seinen Anlagen die devotionellen Gefühle hat, oder wer das Glück hat, sie durch eine entsprechende Erziehung eingepflanzt zu erhalten, der bringt vieles mit, wenn er im späteren Leben den Zugang zu höheren Erkenntnissen sucht. Wer eine solche Vorbereitung nicht mitbringt, dem erwachsen schon auf der ersten Stufe des Erkenntnispfades Schwierigkeiten, wenn er nicht durch Selbsterziehung die devotionelle Stimmung energisch in sich zu erzeugen unternimmt. In unserer Zeit ist es ganz besonders wichtig, daß auf diesen Punkt die volle Aufmerksamkeit gelenkt wird. Unsere Zivilisation neigt mehr zur Kritik, zum Richten, zum Aburteilen und wenig zur Devotion, zur hingebungsvollen Verehrung. Unsere Kinder schon kritisieren viel mehr, als sie hingebungsvoll verehren. Aber jede Kritik, jedes richtende Urteil vertreiben ebensosehr die Kräfte der Seele zur höheren Erkenntnis, wie jede hingebungsvolle Ehrfurcht sie entwickelt. Damit soll gar nichts gegen unsere Zivilisation gesagt sein. Es handelt sich hier gar nicht darum, Kritik an dieser unserer Zivilisation zu üben. Gerade der Kritik, dem selbstbewußten. menschlichen Urteil, dem «Prüfet alles und das Beste&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|22}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
behaltet», verdanken wir die Größe unserer Kultur. Nimmermehr hätte der Mensch die Wissenschaft, die Industrie, den Verkehr, die Rechtsverhältnisse unserer Zeit erlangt, wenn er nicht überall Kritik geübt, überall den Maßstab seines Urteils angelegt hätte. Aber was wir dadurch an äußerer Kultur gewonnen haben, mußten wir mit einer entsprechenden Einbuße an höherer Erkenntnis, an spirituellem Leben bezahlen. Betont muß werden, daß es sich beim höheren Wissen nicht um Verehrung von Menschen, sondern um eine solche gegenüber Wahrheit und Erkenntnis handelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nur das eine muß freilich sich jeder klarmachen, daß derjenige, der ganz in der veräußerlichten Zivilisation unserer Tage darinnen steckt, es sehr schwer hat, zur Erkenntnis der höheren Welten vorzudringen. Er kann es nur, wenn er energisch an sich arbeitet. In einer Zeit, in der die Verhältnisse des materiellen Lebens einfache waren, war auch geistiger Aufschwung leichter zu erreichen. Das Verehrungswürdige, das Heiligzuhaltende hob sich mehr von den übrigen Weltverhältnissen ab. Die Ideale werden in einem kritischen Zeitalter herabgezogen. Andere Gefühle treten an die Stelle der Verehrung, der Ehrfurcht, der Anbetung und Bewunderung. Unser Zeitalter drängt diese Gefühle immer mehr zurück, so daß sie durch das alltägliche Leben dem Menschen nur noch in sehr geringem Grade zugeführt werden. Wer höhere Erkenntnis sucht, muß sie in sich erzeugen. Er muß sie selbst seiner Seele einflößen. Das kann man nicht durch Studium. Das kann man nur durch das Leben. Wer Geheimschüler werden will, muß sich daher energisch zur devotionellen Stimmung erziehen. Er muß überall in seiner Umgebung,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|23}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
in seinen Erlebnissen dasjenige aufsuchen, was ihm Bewunderung und Ehrerbietung abzwingen kann. Begegne ich einem Menschen und tadle ich seine Schwächen, so raube ich mir höhere Erkenntniskraft; suche ich liebevoll mich in seine Vorzüge zu vertiefen, so sammle ich solche Kraft. Der Geheimjünger muß fortwährend darauf bedacht sein, diese Anleitung zu befolgen. Erfahrene Geheimforscher wissen, was sie für eine Kraft dem Umstande verdanken, daß sie immer wieder allen Dingen gegenüber auf das Gute sehen und mit dem richtenden Urteile zurückhalten. Aber dies darf nicht eine äußerliche Lebensregel bleiben. Sondern es muß von dem Innersten unsrer Seele Besitz ergreifen. Der Mensch hat es in seiner Hand, sich selbst zu vervollkommnen, sich mit der Zeit ganz zu verwandeln. Aber es muß sich diese Umwandlung in seinem Innersten, in seinem Gedankenleben vollziehen. Es genügt nicht, daß ich äußerlich in meinem Verhalten Achtung gegenüber einem Wesen zeige. Ich muß diese Achtung in meinen Gedanken haben. Damit muß der Geheimschüler beginnen, daß er die Devotion in sein Gedankenleben aufnimmt. Er muß auf die Gedanken der Unehrerbietung, der abfälligen Kritik in seinem Bewußtsein achten. Und er muß geradezu suchen, in sich Gedanken der Devotion zu pflegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jeder Augenblick, in dem man sich hinsetzt, um gewahr zu werden in seinem Bewußtsein, was in einem steckt an abfälligen, richtenden, kritischen Urteilen über Welt und Leben: jeder solcher Augenblick bringt uns der höheren Erkenntnis näher. Und wir steigen rasch auf, wenn wir in solchen Augenblicken unser Bewußtsein nur erfüllen mit Gedanken, die uns mit Bewunderung, Achtung,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|24}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verehrung gegenüber Welt und Leben erfüllen. Wer in diesen Dingen Erfahrung hat, der weiß, daß in jedem solchen Augenblicke Kräfte in dem Menschen erweckt werden, die sonst schlummernd bleiben. Es werden dadurch dem Menschen die geistigen Augen geöffnet. Er fängt dadurch an, Dinge um sich herum zu sehen, die er früher nicht hat sehen können. Er fängt an zu begreifen, daß er vorher nur einen Teil der ihn umgebenden Welt gesehen hat. Der Mensch, der ihm gegenübertritt, zeigt ihm jetzt eine ganz andere Gestalt als vorher. Zwar wird er durch diese Lebensregel noch nicht imstande sein, schon das zu sehen, was zum Beispiel als die menschliche Aura beschrieben wird. Denn dazu ist eine noch höhere Schulung nötig. Aber eben zu dieser höheren Schulung kann er aufsteigen, wenn er vorher eine energische Schulung in Devotion durchgemacht hat.*&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Geräuschlos und unbemerkt von der äußeren Welt vollzieht sich das Betreten des «Erkenntnispfades» durch den Geheimschüler. Niemand braucht an ihm eine Veränderung wahrzunehmen. Er tut seine Pflichten wie vorher; er besorgt seine Geschäfte wie ehedem. Die Verwandlung geht lediglich mit der inneren Seite der Seele vor sich, die dem äußeren Auge entzogen ist. Zunächst überstrahlt das ganze Gemütsleben des Menschen die eine Grundstimmung der Devotion gegenüber allem wahrhaft Ehrwürdigen. In diesem einen Grundgefühle findet sein ganzes Seelenleben den Mittelpunkt. Wie die Sonne durch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- - -&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;#&amp;lt;/nowiki&amp;gt;FN010-024-* In übersichtlicher Art findet man den «Pfad der Erkenntnis» im letzten Abschnitt meiner «Theosophie, Einführung in übersinnliche Weltanschauung und Menschenbestimmung». Hier sollen im einzelnen praktische Gesichtspunkte angegeben werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|25}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ihre Strahlen alles Lebendige belebt, so belebt beim Geheimschüler die Verehrung alle Empfindungen der Seele.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es wird dem Menschen anfangs nicht leicht, zu glauben, daß Gefühle wie Ehrerbietung, Achtung und so weiter etwas mit seiner Erkenntnis zu tun haben. Dies rührt davon her, daß man geneigt ist, die Erkenntnis als eine Fähigkeit für sich hinzustellen, die mit dem in keiner Verbindung steht, was sonst in der Seele vorgeht man bedenkt dabei aber nicht, daß die Seele es ist, welche erkennt und für die Seele sind Gefühle das, was für den Leib die Stoffe sind, welche seine Nahrung ausmachen. Wenn man dem Leibe Steine statt Brot gibt, so erstirbt seine Tätigkeit ähnlich ist es mit der Seele. Für sie sind Verehrung, Achtung, Devotion nährende Stoffe, die sie gesund, kräftig machen; vor allem kräftig zur Tätigkeit des Erkennens. Mißachtung, Antipathie, Unterschätzung des Anerkennenswerten bewirken Lähmung und Ersterben der erkennenden Tätigkeit. Für den Geistesforscher ist diese Tatsache an der Aura ersichtlich. Eine Seele, die sich verehrende, devotionelle Gefühle aneignet, bewirkt eine Veränderung ihrer Aura. Gewisse als gelbrote, braun-rote zu bezeichnende geistige Farbentöne verschwinden und werden durch blaurote ersetzt. Dadurch aber öffnet sich das Erkenntnisvermögen; es empfängt Kunde von Tatsachen in seiner Umgebung, von denen es vorher keine Ahnung hatte. Die Verehrung weckt eine sympathische Kraft in der Seele, und durch diese werden Eigenschaften der uns umgebenden Wesen von uns angezogen, die sonst verborgen bleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wirksamer noch wird das, was durch die Devotion zu erreichen ist, wenn eine andere Gefühlsart hinzukommt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|26}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie besteht darinnen, daß der Mensch lernt, sich immer weniger den Eindrücken der Außenwelt hinzugeben, und dafür ein reges Innenleben entwickelt. Ein Mensch, der von einem Eindruck der Außenwelt zu dem andern jagt, der stets nach «Zerstreuung» sucht, findet nicht den Weg zur Geheimwissenschaft. Nicht abstumpfen soll sich der Geheimschüler für die Außenwelt; aber sein reiches Innenleben soll ihm die Richtung geben, in der er sich ihren Eindrücken hingibt. Wenn ein gefühlsreicher und gemütstiefer Mensch durch eine schöne Gebirgslandschaft geht, erlebt er anderes als ein gefühlsarmer. Erst was wir im Innern erleben, gibt uns den Schlüssel zu den Schönheiten der Außenwelt. Der eine fährt über das Meer, und nur wenig innere Erlebnisse ziehen durch seine Seele; der andere empfindet dabei die ewige Sprache des Weltgeistes; ihm enthüllen sich geheime Rätsel der Schöpfung. Man muß gelernt haben, mit seinen eigenen Gefühlen, Vorstellungen umzugehen, wenn man ein inhaltvolles Verhältnis zur Außenwelt entwickeln will. Die Außenwelt ist in allen ihren Erscheinungen erfüllt von göttlicher Herrlichkeit; aber man muß das Göttliche erst in seiner Seele selbst erlebt haben, wenn man es in der Umgebung finden will. Der Geheimschüler wird darauf verwiesen, sich Augenblicke in seinem Leben zu schaffen, in denen er still und einsam sich in sich selbst versenkt. Nicht den Angelegenheiten seines eigenen Ich aber soll er sich in solchen Augenblicken hingeben. Das würde das Gegenteil von dem bewirken, was beabsichtigt ist. Er soll vielmehr in solchen Augenblicken in aller Stille nachklingen lassen, was er erlebt hat, was ihm die äußere Welt gesagt hat. Jede Blume, jedes Tier, jede Handlung wird ihm in solchen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|27}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
stillen Augenblicken ungeahnte Geheimnisse enthüllen. Und er wird vorbereitet dadurch, neue Eindrücke der Außenwelt mit ganz anderen Augen zu sehen als vorher. Wer nur Eindruck nach Eindruck genießen will, stumpft sein Erkenntnisvermögen ab. Wer, nach dem Genusse, sich von dem Genusse etwas offenbaren läßt, der pflegt und erzieht sein Erkenntnisvermögen. Er muß sich nur daran gewöhnen, nicht etwa nur den Genuß nachklingen zu lassen, sondern, mit Verzicht auf weiteren Genuß, das Genossene durch innere Tätigkeit zu verarbeiten. Die Klippe ist hier eine sehr große, die Gefahr bringt. Statt in sich zu arbeiten, kann man leicht in das Gegenteil verfallen und den Genuß nur hinterher noch völlig ausschöpfen wollen. Man unterschätze nicht, daß sich hier unabsehbare Quellen des Irrtums für den Geheimschüler eröffnen. Er muß ja hindurch zwischen einer Schar von Verführern seiner Seele. Sie alle wollen sein «Ich» verhärten, in sich selbst verschließen. Er aber soll es aufschließen für die Welt. Er muß ja den Genuß suchen; denn nur durch ihn kommt die Außenwelt an ihn heran. Stumpft er sich gegen den Genuß ab, so wird er wie eine Pflanze, die aus ihrer Umgebung keine Nahrungsstoffe mehr an sich ziehen kann. Bleibt er aber beim Genusse stehen, so verschließt er sich in sich selbst Er wird nur etwas für sich, nichts für die Welt bedeuten. Mag er in sich dann noch so sehr leben, mag er sein «Ich» noch so stark pflegen: die Welt scheidet ihn aus. Für sie ist er tot. Der Geheimschüler betrachtet den Genuß nur als ein Mittel, um sich für die Welt zu veredeln. Der Genuß ist ihm ein Kundschafter, der ihn unterrichtet über die Welt; aber er schreitet nach dem Unterricht durch den Genuß zur Arbeit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|28}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
vorwärts. Er lernt nicht, um das Gelernte als seine Wissensschätze aufzuhäufen, sondern um das Gelernte in den Dienst der Welt zu stellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist ein Grundsatz in aller Geheimwissenschaft, der nicht übertreten werden darf, wenn irgendein Ziel erreicht werden soll. Jede Geheimschulung muß ihn dem Schüler einprägen. Er heißt: Jede Erkenntnis, die du suchst, nur um dein Wissen zu bereichern, nur um Schätze in dir anzuhäufen, führt dich ab von deinem Wege; jede Erkenntnis aber, die du suchst, um reifer zu werden auf dem Wege der Menschenveredelung und der Weltenentwickelung, die bringt dich einen Schritt vorwärts. Dieses Gesetz fordert unerbittlich seine Beobachtung. Und man ist nicht früher Geheimschüler, ehe man dieses Gesetz zur Richtschnur seines Lebens gemacht hat. Man kann diese Wahrheit der geistigen Schulung in den kurzen Satz zusammenfassen: Jede Idee, die dir nicht zum Ideal wird, ertötet in deiner Seele eine Kraft; jede Idee, die aber zum Ideal wird, erschafft in dir Lebenskräfte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Innere Ruhe ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf den Pfad der Verehrung und auf die Entwickelung des inneren Lebens wird der Geheimschüler im Anfange seiner Laufbahn gewiesen. Die Geisteswissenschaft gibt nun auch praktische Regeln an die Hand, durch deren Beobachtung der Pfad betreten, das innere Leben entwickelt werden kann. Diese praktischen Regeln entstammen nicht der Willkür. Sie beruhen auf uralten Erfahrungen und uraltem Wissen. Sie werden überall in der gleichen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|29}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Art gegeben, wo die Wege zur höheren Erkenntnis gewiesen werden. Alle wahren Lehrer des geistigen Lebens stimmen in bezug auf den Inhalt dieser Regeln überein, wenn sie dieselben auch nicht immer in die gleichen Worte kleiden. Die untergeordnete, eigentlich nur scheinbare Verschiedenheit rührt von Tatsachen her, welche hier nicht zu besprechen sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kein Lehrer des Geisteslebens will durch solche Regeln eine Herrschaft über andere Menschen ausüben. Er will niemand in seiner Selbständigkeit beeinträchtigen. Denn es gibt keine besseren Schätzer und Hüter der menschlichen Selbständigkeit als die Geheimforscher. Es ist (im ersten Teile in dieser Schrift) gesagt worden, das Band, das alle Eingeweihten umfaßt, sei ein geistiges, und zwei naturgemäße Gesetze bilden die Klammern, welche die Bestandteile dieses Bandes zusammenhalten. Tritt nun der Eingeweihte aus seinem umschlossenen Geistgebiet heraus, vor die Öffentlichkeit: dann kommt für ihn sogleich ein drittes Gesetz in Betracht. Es ist dieses: Richte jede deiner Taten, jedes deiner Worte so ein, daß durch dich in keines Menschen freien Willensentschluß eingegriffen wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer durchschaut hat, daß ein wahrer Lehrer des Geisteslebens ganz von dieser Gesinnung durchdrungen ist, der kann auch wissen, daß er nichts von seiner Selbständigkeit einbüßt, wenn er den praktischen Regeln folgt, die ihm gebeten werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine der ersten dieser Regeln kann nun etwa in die folgenden Worte der Sprache gekleidet werden: «Schaffe dir Augenblicke innerer Ruhe und lerne in diesen Augenblicken das Wesentliche von dem Unwesentlichen unterscheiden.»&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|30}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es wird hier gesagt, diese praktische Regel laute so in «Worte der Sprache gefaßt». Ursprünglich werden nämlich alle Regeln und Lehren der Geisteswissenschaft in einer sinnbildlichen Zeichensprache gegeben. Und wer ihre ganze Bedeutung und Tragweite kennenlernen will, der muß erst diese sinnbildliche Sprache sich zum Verständnis bringen. Dieses Verständnis ist davon abhängig, daß der Betreffende bereits die ersten Schritte in der Geheimwissenschaft getan hat. Diese Schritte aber kann er durch die genaue Beobachtung solcher Regeln gehen, wie sie hier gegeben werden. Jedem steht der Weg offen, der ernstliches Wollen hat&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einfach ist die obige Regel bezüglich der Augenblicke der inneren Ruhe. Und einfach ist auch ihre Befolgung. Aber zum Ziele führt sie nur, wenn sie ebenso ernst und streng angefaßt wird, wie sie einfach ist. Ohne Umschweife soll daher hier auch gesagt werden, wie diese Regel zu befolgen ist&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Geheimschüler hat sich eine kurze Zeit von seinem täglichen Leben auszusondern, um sich in dieser Zeit mit etwas ganz anderem zu befassen, als die Gegenstände seiner täglichen Beschäftigung sind. Und auch die Art seiner Beschäftigung muß eine ganz andere sein als diejenige, mit der er den übrigen Tag ausfüllt. Das ist aber nicht so zu verstehen, als ob dasjenige, was er in dieser ausgesonderten Zeit vollbringt, nichts zu tun habe mit dem Inhalt seiner täglichen Arbeit. Im Gegenteil: der Mensch, der solche abgesonderten Augenblicke in der rechten Art sucht, wird bald bemerken, daß er durch sie erst die volle Kraft zu seiner Tagesaufgabe erhält. Auch darf nicht geglaubt werden, daß die Beobachtung dieser Regel jemandem&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|31}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wirklich Zeit von seiner Pflichtenleistung entziehen könne. Wenn jemand wirklich nicht mehr Zeit zur Verfügung haben sollte, so genügen fünf Minuten jeden Tag. Es kommt darauf an, wie diese fünf Minuten angewendet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dieser Zeit soll der Mensch sich vollständig herausreißen aus seinem Alltagsleben. Sein Gedanken-, sein Gefühlsleben soll da eine andere Färbung erhalten, als sie sonst haben. Er soll seine Freuden, seine Leiden, seine Sorgen, seine Erfahrungen, seine Taten vor seiner Seele vorbeiziehen lassen. Und er soll sich dabei so stellen, daß er alles das, was er sonst erlebt, von einem höheren Gesichtspunkte aus ansieht. Man denke nur einmal daran, wie man im gewöhnlichen Leben etwas ganz anders ansieht, was ein anderer erlebt oder getan hat, als was man selbst erlebt oder getan hat. Das kann nicht anders sein. Denn mit dem, was man selbst erlebt oder tut, ist man verwoben; das Erlebnis oder die Tat eines anderen betrachtet man nur. Was man in den ausgesonderten Augenblicken anzustreben hat, ist nun, die eigenen Erlebnisse und Taten so anzuschauen, so zu beurteilen, als ob man sie nicht selbst, sondern als ob sie ein anderer erlebt oder getan hätte. Man stelle sich einmal vor: jemand habe einen schweren Schicksalsschlag erlebt. Wie anders steht er dem gegenüber als einem ganz gleichen Schicksalsschläge bei seinem Mitmenschen? Niemand kann das für unberechtigt halten. Es liegt in der menschlichen Natur. Und ähnlich wie in solchen außergewöhnlichen Fällen ist es in den alltäglichen Angelegenheiten des Lebens. Der Geheimschüler muß die Kraft suchen, sich selbst in gewissen Zeiten wie ein Fremder gegenüberzustehen. Mit der inneren Ruhe&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|32}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
des Beurteilers muß er sich selbst entgegentreten. Erreicht man das, dann zeigen sich einem die eigenen Erlebnisse in einem neuen Lichte. Solange man in sie verwoben ist, solange man in ihnen steht, hängt man mit dem Unwesentlichen ebenso zusammen wie mit dem Wesentlichen. Kommt man zur inneren Ruhe des Überblicks, dann sondert sich das Wesentliche von dem Unwesentlichen. Kummer und Freude, jeder Gedanke, jeder Entschluß erscheinen anders, wenn man sich so selbst gegenübersteht. Es ist, wie wenn man den ganzen Tag hindurch in einem Orte sich aufgehalten hat und das Kleinste ebenso nahe gesehen hat wie das Größte; dann des Abends auf einen benachbarten Hügel steigt und den ganzen Ort auf einmal überschaut. Da erscheinen die Teile dieses Ortes in anderen gegenseitigen Verhältnissen, als wenn man darinnen ist. Mit gegenwärtig erlebten Schicksalsfügungen wird und braucht dies nicht zu gelingen; mit länger vergangenen muß es vom Schüler des Geisteslebens erstrebt werden. Der Wert solcher inneren, ruhigen Selbstschau hängt viel weniger davon ab, was man dabei erschaut, als vielmehr davon, daß man in sich die Kraft findet, die solche innere Ruhe entwickelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denn jeder Mensch trägt neben seinem wir wollen ihn so nennen Alltagsmenschen in seinem Innern noch einen höheren Menschen. Dieser höhere Mensch bleibt so lange verborgen, bis er geweckt wird. Und jeder kann diesen höheren Menschen nur selbst in sich erwecken. Solange aber dieser höhere Mensch nicht erweckt ist, so lange bleiben auch die in jedem Menschen schlummernden höheren Fähigkeiten verborgen, die zu übersinnlichen Erkenntnissen führen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|33}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Solange jemand die Frucht der inneren Ruhe nicht fühlt, muß er sich eben sagen, daß er in der ernsten strengen Befolgung der angeführten Regel fortfahren muß. Für jeden, der so verfährt, kommt der Tag, wo es um ihn herum geistig hell wird, wo sich einem Auge, das er bis dahin in sich nicht gekannt hat, eine ganz neue Welt erschließen wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und nichts braucht sich im äußeren Leben des Geheimschülers zu ändern dadurch, daß er anfängt, diese Regel zu befolgen. Er geht seinen Pflichten nach wie vorher; er duldet dieselben Leiden und erlebt dieselben Freuden zunächst wie vorher. In keiner Weise kann er dadurch dem «Leben» entfremdet werden. Ja, er kann um so voller den übrigen Tag hindurch diesem «Leben» nachgehen, weil er in seinen ausgesonderten Augenblicken ein «höheres Leben» sich aneignet. Nach und nach wird dieses «höhere Leben» schon seinen Einfluß auf das gewöhnliche geltend machen. Die Ruhe der ausgesonderten Augenblicke wird ihre Wirkung auch auf den Alltag haben. Der ganze Mensch wird ruhiger werden, wird Sicherheit bei all seinen Handlungen gewinnen, wird nicht mehr aus der Fassung gebracht werden können durch alle möglichen Zwischenfälle. Allmählich wird sich solch angehender Geheimschüler sozusagen immer mehr selbst leiten und weniger von den Umständen und äußeren Einflüssen leiten lassen. Ein solcher Mensch wird bald bemerken, was für eine Kraftquelle solche ausgesonderte Zeitabschnitte für ihn sind. Er wird anfangen, sich über Dinge nicht mehr zu ärgern, über die er sich vorher geärgert hat; unzählige Dinge, die er vorher gefürchtet hat, hören auf, ihm Befürchtungen zu machen. Eine ganz neue&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|34}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lebensauffassung eignet er sich an. Vorher ging er vielleicht zaghaft an diese oder jene Verrichtung. Er sagte sich: Oh, meine Kraft reicht nicht aus, dies so zu machen, wie ich es gerne gemacht hätte. Jetzt kommt ihm nicht mehr dieser Gedanke, sondern vielmehr ein ganz anderer. Nunmehr sagt er sich nämlich: Ich will alle Kraft zusammennehmen, um meine Sache so gut zu machen, als ich nur irgend kann. Und den Gedanken, der ihn zaghaft machen könnte, unterdrückt er. Denn er weiß, daß ihn eben die Zaghaftigkeit zu einer schlechten Leistung veranlassen könnte, daß jedenfalls diese Zaghaftigkeit nichts beitragen kann zur Verbesserung dessen, was ihm obliegt. Und so ziehen Gedanke nach Gedanke in die Lebensauffassung des Geheimschülers ein, die fruchtbar, förderlich sind für sein Leben. Sie treten an die Stelle von solchen, die ihm hinderlich, schwächend waren. Er fängt an, sein Lebensschiff einen sicheren, festen Gang zu führen innerhalb der Wogen des Lebens, während es vorher von diesen Wogen hin und her geschlagen worden ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und solche Ruhe und Sicherheit wirken auch auf das ganze menschliche Wesen zurück. Der innere Mensch wächst dadurch. Und mit ihm wachsen jene inneren Fähigkeiten, welche zu den höheren Erkenntnissen führen. Denn durch seine in dieser Richtung gemachten Fortschritte gelangt der Geheimschüler allmählich dahin, daß er selbst bestimmt, wie die Eindrücke der Außenwelt auf ihn einwirken dürfen. Er hört zum Beispiel ein Wort, durch das ein anderer ihn verletzen oder ärgern will. Vor seiner Geheimschülerschaft wäre er auch verletzt worden oder hätte sich geärgert. Da er nun den Pfad der Geheimschülerschaft betreten hat, ist er imstande, dem Worte seinen verletzenden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|35}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
oder ärgerlichen Stachel zu nehmen, bevor es den Weg zu seinem Innern gefunden hat. Oder ein anderes Beispiel. Ein Mensch wird leicht ungeduldig, wenn er warten soll. Er betritt den Pfad des Geheimschülers. Er durchdringt sich in seinen Augenblicken der Ruhe so sehr mit dem Gefühl von der Zwecklosigkeit vieler Ungeduld, daß er fortan bei jeder erlebten Ungeduld sofort dieses Gefühl gegenwärtig hat. Die Ungeduld, die sich schon einstellen wollte, verschwindet, und eine Zeit, die sonst verlorengegangen wäre unter den Vorstellungen der Ungeduld, wird vielleicht ausgefüllt von einer nützlichen Beobachtung, die während des Wartens gemacht werden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun muß man sich nur die Tragweite von alledem vergegenwärtigen. Man bedenke, daß der «höhere Mensch» im Menschen in fortwährender Entwickelung ist. Durch die beschriebene Ruhe und Sicherheit wird ihm aber allein eine gesetzmäßige Entwickelung ermöglicht. Die Wogen des äußeren Lebens zwängen den inneren Menschen von allen Seiten ein, wenn der Mensch nicht dieses Leben beherrscht, sondern von ihm beherrscht wird. Ein solcher Mensch ist wie eine Pflanze, die sich in einer Felsspalte entwickeln soll. Sie verkümmert so lange, bis man ihr Raum schafft. Dem inneren Menschen können keine äußeren Kräfte Raum schaffen. Das vermag nur die innere Ruhe, die er seiner Seele schafft. Äußere Verhältnisse können nur seine äußere Lebenslage ändern; den «geistigen Menschen» in ihm können sie nie und nimmer erwecken. In sich selbst muß der Geheimschüler einen neuen, einen höheren Menschen gebären.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser «höhere Mensch» wird dann der «innere Herrscher»,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|36}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der mit sicherer Hand die Verhältnisse des äußeren Menschen führt. Solange der äußere Mensch die Oberhand und Leitung hat, ist dieser «innere» sein Sklave und kann daher seine Kräfte nicht entfalten. Hängt es von etwas anderem als von mir ab, ob ich mich ärgere oder nicht, so bin ich nicht Herr meiner selbst, oder noch besser gesagt : ich habe den «Herrscher in mir» noch nicht gefunden. Ich muß in mir die Fähigkeit entwickeln, die Eindrücke der Außenwelt nur in einer durch mich selbst bestimmten Weise an mich herankommen zu lassen; dann kann ich erst Geheimschüler werden. Und nur insoweit der Geheimschüler ernstlich nach dieser Kraft sucht, kann er zum Ziel kommen. Es kommt nicht darauf an, wie weit es einer in einer bestimmten Zeit bringt; sondern allein darauf, daß er ernstlich sucht. Schon manchen hat es gegeben, der jahrelang sich angestrengt hat, ohne an sich einen merklichen Fortschritt zu bemerken; viele von denen aber, die nicht verzweifelt, sondern unerschütterlich geblieben sind, haben dann ganz plötzlich den «inneren Sieg» errungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gehört gewiß in mancher Lebenslage eine große Kraft dazu, sich Augenblicke innerer Ruhe zu schaffen. Aber je größer die notwendige Kraft, desto bedeutender ist auch das, was erreicht wird. Alles hängt in bezug auf die Geheimschülerschaft davon ab, daß man energisch, mit innerer Wahrheit und rückhaltloser Aufrichtigkeit sich selbst, mit allen seinen Handlungen und Taten, als ein völlig Fremder gegenüberstehen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber nur eine Seite der inneren Tätigkeit des Geheimschülers ist durch diese Geburt des eigenen höheren Menschen gekennzeichnet. Es muß dazu noch etwas anderes&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|37}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
kommen. Wenn sich nämlich der Mensch auch selbst als ein Fremder gegenübersteht, so betrachtet er doch nur sich selbst; er sieht auf diejenigen Erlebnisse und Handlungen, mit denen er durch seine besondere Lebenslage verwachsen ist. Er muß darüber hinauskommen. Er muß sich erheben zu einem rein Menschlichen, das nichts mehr mit seiner besonderen Lage zu tun hat. Er muß zu einer Betrachtung derjenigen Dinge übergehen, die ihn als Mensch etwas angingen, auch wenn er unter ganz anderen Verhältnissen, in einer ganz anderen Lage lebte. Dadurch lebt in ihm etwas auf, was über das Persönliche hinausragt. Er richtet damit den Blick in höhere Welten, als diejenigen sind, mit denen ihn der Alltag zusammenführt. Und damit beginnt der Mensch zu fühlen, zu erleben, daß er solchen höheren Welten angehört. Es sind das Welten, über die ihm seine Sinne, seine alltägliche Beschäftigung nichts sagen können. So erst verlegt er den Mittelpunkt seines Wesens in sein Inneres. Er hört auf die Stimmen in seinem Innern, die in den Augenblicken der Ruhe zu ihm sprechen; er pflegt im Innern Umgang mit der geistigen Welt. Er ist dem Alltag entrückt. Der Lärm dieses Alltags ist für ihn verstummt. Es ist um ihn herum still geworden. Er weist alles ab, was ihn an solche Eindrücke von außen erinnert. Die ruhige Beschaulichkeit im Innern, die Zwiesprache mit der rein geistigen Welt füllt seine ganze Seele aus. Ein natürliches Lebensbedürfnis muß dem Geheimschüler solche stille Beschaulichkeit werden. Er ist zunächst ganz in eine Gedanken-Welt versenkt. Er muß für diese stille Gedankentätigkeit ein lebendiges Gefühl entwickeln. Er muß lieben lernen, was ihm der Geist da zuströmt. Bald hört er dann auch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|38}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
auf, diese Gedankenwelt als etwas zu empfinden, was unwirklicher sei als die Dinge des Alltags, die ihn umgeben. Er fängt an, mit seinen Gedanken umzugehen wie mit den Dingen im Raume. Und dann naht für ihn auch der Augenblick, in dem er das, was sich ihm in der Stille innerer Gedankenarbeit offenbart, als viel höher, wirklicher zu fühlen beginnt als die Dinge im Raume. Er erfährt, daß sich Leben in dieser Gedankenwelt ausspricht. Er sieht ein, daß sich in Gedanken nicht bloße Schattenbilder ausleben, sondern, daß durch sie verborgene Wesenheiten zu ihm sprechen. Es fängt an, aus der Stille heraus zu ihm zu sprechen. Vorher hat es nur durch sein Ohr zu ihm getönt; jetzt tönt es durch seine Seele. Eine innere Sprache ein inneres Wort hat sich ihm erschlossen. Beseligt im höchsten Grade fühlt sich der Geheimschüler, wenn er diesen Augenblick zum ersten Male erlebt. Über seine ganze äußere Welt ergießt sich ein inneres Licht. Ein zweites Leben beginnt für ihn. Der Strom einer göttlichen, einer gottbeseligenden Welt ergießt sich durch ihn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Solches Leben der Seele in Gedanken, das sich immer mehr erweitert zu einem Leben in geistiger Wesenheit, nennt die Gnosis, die Geisteswissenschaft Meditation (beschauliches Nachdenken). Diese Meditation ist das Mittel zu übersinnlicher Erkenntnis. Aber nicht schwelgen in Gefühlen soll der Geheimschüler in solchen Augenblicken. Er soll nicht unbestimmte Empfindungen in seiner Seele haben. Das würde ihn nur hindern, zu wahrer geistiger Erkenntnis zu kommen. Klar, scharf, bestimmt sollen sich seine Gedanken gestalten. Dazu wird er einen Anhalt finden, wenn er sich nicht blind an die Gedanken hält, die ihm aufsteigen. Er soll sich vielmehr mit den&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|39}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
hohen Gedanken durchdringen, welche vorgeschrittene, schon vom Geist erfaßte Menschen in solchen Augenblicken gedacht haben. Er soll zum Ausgangspunkte die Schriften nehmen, die selbst solcher Offenbarung in der Meditation entsprossen sind. In der mystischen, in der gnostischen, in der geisteswissenschaftlichen Literatur von heute findet der Geheimschüler solche Schriften. Da ergeben sich ihm die Stoffe zu seiner Meditation. Die Geistsucher haben selbst in solchen Schriften die Gedanken der göttlichen Wissenschaft niedergelegt; der Geist hat durch seine Boten sie der Welt verkündigen lassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch solche Meditation geht eine völlige Verwandlung mit dem Geheimschüler vor. Er fängt an, über die Wirklichkeit ganz neue Vorstellungen sich zu bilden. Alle Dinge erhalten für ihn einen anderen Wert. Immer wieder muß es gesagt werden: nicht weltfremd wird der Geheimschüler durch solche Wandlung. Er wird auf keinen Fall seinem alltäglichen Pflichtenkreis entfremdet. Denn er lernt einsehen, daß die geringste Handlung, die er zu vollbringen hat, das geringste Erlebnis, das sich ihm darbietet, im Zusammenhang stehen mit den großen Weltwesenheiten und Weltereignissen. Wird ihm dieser Zusammenhang durch seine beschaulichen Augenblicke erst klar, dann geht er mit neuer vollerer Kraft an seinen täglichen Wirkungskreis. Denn jetzt weiß er: was er arbeitet, was er leidet, das arbeitet, leidet er um eines großen, geistigen Weltzusammenhanges willen. Kraft zum Leben, nicht Lässigkeit quillt aus der Meditation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit sicherem Schritt geht der Geheimschüler durch das Leben. Was es ihm auch bringen mag, läßt ihn aufrecht schreiten. Vorher hat er nicht gewußt, warum er arbeitet,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|40}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
warum er leidet: jetzt weiß er dies. Einzusehen ist, daß solche Meditationstätigkeit besser zum Ziele führt, wenn sie unter Anleitung erfahrener Menschen geschieht. Solchen Menschen, die von sich aus wissen, wie alles am besten zu machen ist. Man sehe daher den Rat, die Anweisung solcher Menschen sich an. Man verliert dadurch wahrlich nicht seine Freiheit. Was sonst nur unsicheres Tappen sein kann, wird durch solche Anleitung zum zielsicheren Arbeiten. Wer sich um solche kümmert, die in dieser Richtung Wissen, Erfahrung haben, wird niemals vergeblich anklopfen. Er sei sich nur bewußt, daß er nichts anderes sucht als den Rat eines Freundes, nicht die Übermacht eines solchen, der herrschen will. Man wird immer finden, daß diejenigen, die wirklich wissen, die bescheidensten Menschen sind, und daß ihnen nichts ferner liegt als dasjenige, was die Menschen Machtgelüste nennen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer sich durch die Meditation erhebt zu dem, was den Menschen mit dem Geist verbindet, der beginnt in sich das zu beleben, was ewig in ihm ist, was nicht durch Geburt und Tod begrenzt ist. Nur diejenigen können zweifeln an einem solchen Ewigen, die es nicht selbst erlebt haben. So ist die Meditation der Weg, der den Menschen auch zur Erkenntnis, zur Anschauung seines ewigen, unzerstörbaren Wesenskernes führt. Und nur durch sie kann der Mensch zu solcher Anschauung kommen. Gnosis, Geisteswissenschaft sprechen von der Ewigkeit dieses Wesenskernes, von der Wiederverkörperung desselben. Oft wird gefragt, warum weiß der Mensch nichts von seinen Erlebnissen, die jenseits von Geburt und Tod liegen? Aber nicht so sollte gefragt werden. Sondern vielmehr so: wie gelangt man zu solchem Wissen? In der richtigen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|41}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Meditation eröffnet sich der Weg. Durch sie lebt die Erinnerung auf an Erlebnisse, die jenseits von Geburt und Tod liegen. Jeder kann dieses Wissen erwerben; in jedem liegen die Fähigkeiten, selbst zu erkennen, selbst zu schauen, was echte Mystik, Geisteswissenschaft, Anthroposophie und Gnosis lehren. Er muß nur die richtigen Mittel wählen. Nur ein Wesen, das Ohren und Augen hat, kann Töne und Farben wahrnehmen. Und auch das Auge kann nichts wahrnehmen, wenn das Licht fehlt, das die Dinge sichtbar macht. In der Geheimwissenschaft sind die Mittel gegeben, die geistigen Ohren und Augen zu entwickeln und das geistige Licht zu entzünden. Als drei Stufen können die Mittel der geistigen Schulung bezeichnet werden: 1. Die Vorbereitung. Sie entwickelt die geistigen Sinne. 2. Die Erleuchtung. Sie zündet das geistige Licht an. 3. Die Einweihung. Sie eröffnet den Verkehr mit den höheren Wesenheiten des Geistes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|42}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= DIE STUFEN DER EINWEIHUNG =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die folgenden Mitteilungen sind Glieder einer geistigen Schulung, über deren Namen und Wesenheit jeder sich klar wird, der sie richtig anwendet. Sie beziehen sich auf die drei Stufen, durch welche die Schule des geistigen Lebens zu einem gewissen Grade der Einweihung führt. Aber nur so viel von diesen Auseinandersetzungen wird man hier finden, als eben öffentlich gesagt werden kann. Es sind dies Andeutungen, welche aus einer noch viel tieferen, intimen Lehre herausgeholt sind. In der Geheimschulung selbst wird ein ganz bestimmter Lehrgang befolgt. Gewisse Verrichtungen dienen dazu, die Seele des Menschen zum bewußten Verkehr mit der geistigen Welt zu bringen. Diese Verrichtungen verhalten sich etwa zu dem, was im folgenden mitgeteilt wird, wie der Unterricht, den man jemandem in einer höheren streng geregelten Schule gibt, zu der Unterweisung, die man ihm gelegentlich auf einer vorbereitenden Schule zuteil werden läßt. Doch kann die ernste und beharrliche Verfolgung dessen, was man hier angedeutet findet, zur wirklichen Geheimschulung führen. Allerdings, das ungeduldige Probieren, ohne Ernst und Beharrlichkeit, kann zu gar nichts führen. Von Erfolg kann das Geheimstudium nur sein, wenn dasjenige zunächst eingehalten wird, was bereits gesagt worden ist, und auf dieser Grundlage fortgeschritten wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Stufen, welche die angedeutete Überlieferung angibt, sind die folgenden drei: 1. Die Vorbereitung, 2. die Erleuchtung, 3. die Einweihung. Es ist nicht durchaus notwendig, daß diese drei Stufen sich so folgen, daß man&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
die erste ganz durchgemacht hat, bevor die zweite, und diese, bevor die dritte an die Reihe kommen. Man kann in bezug auf gewisse Dinge schon der Erleuchtung, ja der Einweihung teilhaftig werden, wenn man in bezug auf andere sich noch in der Vorbereitung befindet. Doch wird man eine gewisse Zeit in Vorbereitung zu verbringen haben, bevor überhaupt eine Erleuchtung beginnen kann. Und wenigstens für einiges wird man erleuchtet sein müssen, wenn der Anfang mit der Einweihung gemacht werden soll. In der Beschreibung aber müssen, der Einfachheit wegen, die drei Stufen hintereinander folgen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Vorbereitung ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Vorbereitung besteht in einer ganz bestimmten Pflege des Gefühls- und Gedankenlebens. Durch diese Pflege werden Seelen- und Geistesleib mit höheren Sinneswerkzeugen und Tätigkeitsorganen begabt, wie die Naturkräfte den physischen Leib aus unbestimmter lebendiger Materie mit Organen ausgerüstet haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Anfang muß damit gemacht werden, die Aufmerksamkeit der Seele auf gewisse Vorgänge in der uns umgebenden Welt zu lenken. Solche Vorgänge sind das sprießende, wachsende und gedeihende Leben einerseits, und alle Erscheinungen, die mit Verblühen, Verwelken, Absterben zusammenhängen, andererseits. Überall, wohin der Mensch die Augen wendet, sind solche Vorgänge gleichzeitig vorhanden. Und überall rufen sie naturgemäß auch in dem Menschen Gefühle und Gedanken hervor. Aber nicht genug gibt sich unter gewöhnlichen Verhältnissen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
der Mensch diesen Gefühlen und Gedanken hin. Dazu eilt er viel zu rasch von einem Eindruck zum anderen. Es handelt sich darum, daß er intensiv die Aufmerksamkeit ganz bewußt auf diese Tatsachen lenke. Er muß, wo er Blühen und Gedeihen einer ganz bestimmten Art wahrnimmt, alles andere aus seiner Seele verbannen und sich kurze Zeit ganz allein diesem einen Eindrucke überlassen. Er wird sich bald überzeugen, daß ein Gefühl, das in einem solchen Falle durch seine Seele früher nur durchgehuscht ist, anschwillt, daß es eine kräftige und energische Form annimmt. Diese Gefühlsform muß er dann ruhig in sich nachklingen lassen. Er muß dabei ganz still in seinem Innern werden. Er muß sich abschließen von der übrigen Außenwelt und ganz allein dem folgen, was seine Seele zu der Tatsache des Blühens und Gedeihens sagt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dabei soll man nur ja nicht glauben, daß man weit kommt, wenn man seine Sinne etwa stumpf macht gegen die Welt. Erst schaue man so lebhaft, so genau, als es nur irgend möglich ist, die Dinge an. Dann erst gebe man sich dem in der Seele auflebenden Gefühle, dem aufsteigenden Gedanken hin. Worauf es ankommt, ist, daß man auf beides, im völligen inneren Gleichgewicht, die Aufmerksamkeit richte. Findet man die nötige Ruhe und gibt man sich dem hin, was in der Seele auflebt, dann wird man nach entsprechender Zeit das Folgende erleben. Man wird neue Arten von Gefühlen und Gedanken in seinem Innern aufsteigen sehen, die man vorher nicht gekannt hat. Je öfter man in einer solchen Weise die Aufmerksamkeit auf etwas Wachsendes, Blühendes und Gedeihendes und damit abwechselnd auf etwas Welkendes, Absterbendes&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
lenkt, desto lebhafter werden diese Gefühle werden. Und aus den Gefühlen und Gedanken, die so entstehen, bauen sich die Hellseherorgane ebenso auf, wie sich durch Naturkräfte aus belebtem Stoffe Augen und Ohren des physischen Körpers aufbauen. Eine ganz bestimmte Gefühlsform knüpft sich an das Wachsen und Werden; eine andere ganz bestimmte an das Verwelken und Absterben. Aber nur dann, wenn die Pflege dieser Gefühle auf die beschriebene Art angestrebt wird. Es ist möglich, annähernd richtig zu beschreiben, wie diese Gefühle sind. Eine vollständige Vorstellung kann sich davon jeder selbst verschaffen, indem er diese inneren Erlebnisse durchmacht. Wer oft die Aufmerksamkeit auf den Vorgang des Werdens, des Gedeihens, des Blühens gelenkt hat, der wird etwas fühlen, was der Empfindung bei einem Sonnenaufgang entfernt ähnlich ist. Und aus dem Vorgang des Welkens, Absterbens wird sich ihm ein Erlebnis ergeben, das in ebensolcher Art mit dem langsamen Aufsteigen des Mondes im Gesichtskreis zu vergleichen ist. Diese beiden Gefühle sind zwei Kräfte, die bei gehöriger Pflege, bei immer lebhafter werdender Ausbildung zu den bedeutsamsten geistigen Wirkungen führen. Wer sich immer wieder und wieder planmäßig, mit Vorsatz, solchen Gefühlen überläßt, dem eröffnet sich eine neue Welt. Die Seelenwelt, der sogenannte astrale Plan, beginnt vor ihm aufzudämmern. Wachsen und Vergehen bleiben für ihn nicht mehr Tatsachen, die ihm solch unbestimmte, Eindrücke machen wie vorher. Sie formen sich vielmehr zu geistigen Linien und Figuren, von denen er vorher nichts ahnte. Und diese Linien und Figuren haben für die verschiedenen Erscheinungen auch verschiedene Gestalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Eine blühende Blume zaubert vor seine Seele eine ganz bestimmte, Linie, ebenso ein im Wachsen begriffenes Tier oder ein im Absterben befindlicher Baum. Die Seelenwelt (der astrale Plan) breitet sich langsam vor ihm aus. Nichts Willkürliches liegt in diesen Linien und Figuren. Zwei Geheimschüler, die sich auf der entsprechenden Stufe der Ausbildung befinden, werden bei dem gleichen Vorgange stets dieselben Linien und Figuren sehen. So gewiß zwei richtig sehende Menschen einen runden Tisch rund sehen, und nicht einer rund und der andere viereckig, so gewiß stellt sich vor zwei Seelen beim Anblicke einer blühenden Blume dieselbe geistige Gestalt. So wie die Gestalten der Pflanzen und Tiere in der gewöhnlichen Naturgeschichte beschrieben werden, so beschreibt oder zeichnet der Kenner der Geheimwissenschaft die geistigen Gestalten der Wachstums und Absterbensvorgänge nach Gattungen und Arten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn der Schüler so weit ist, daß er solch geistige Gestalten von Erscheinungen sehen kann, die sich seinem äußeren Auge auch physisch zeigen: dann wird er auch nicht weit entfernt sein von der Stufe, Dinge zu sehen, die kein physisches Dasein haben, die also dem ganz verborgen (okkult) bleiben müssen, der keine, Unterweisung in der Geheimlehre erhalten hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu betonen ist, daß der Geheimforscher sich nicht in ein Nachsinnen verlieren soll, was dieses oder jenes Ding bedeutet. Durch solche Verstandesarbeit bringt er sich nur von dem rechten Wege ab. Er soll frisch, mit gesundem Sinne, mit scharfer Beobachtungsgabe in die Sinnenwelt sehen und dann sich seinen Gefühlen überlassen. Was die Dinge bedeuten, das soll nicht er mit spekulierendem Verstande&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
ausmachen wollen, sondern er soll es sich von den Dingen selbst sagen lassen.*&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Weiteres, worauf es ankommt, ist das, was die Geheimwissenschaft die Orientierung in den höheren Welten nennt. Man gelangt dazu, wenn man sich ganz von dem Bewußtsein durchdringt, daß Gefühle und Gedanken wirkliche Tatsachen sind, genau so wie Tische und Stühle in der physisch-sinnlichen Welt. In der seelischen und in der Gedankenwelt wirken Gefühle und Gedanken aufeinander wie in der physischen die sinnlichen Dinge. Solange jemand nicht lebhaft von diesem Bewußtsein durchdrungen ist, wird er nicht glauben, daß ein verkehrter Gedanke, den er hegt, auf andere Gedanken, die den Gedankenraum beleben, so verheerend wirken kann wie eine blindlings losgeschossene Flintenkugel für die physischen Gegenstände, die sie trifft. Ein solcher wird sich vielleicht niemals erlauben, eine physisch sichtbare Handlung zu begehen, die er für sinnlos hält. Er wird aber nicht davor zurückschrecken, verkehrte Gedanken oder Gefühle zu hegen. Denn diese erscheinen ihm ungefährlich für die übrige Welt. In der Geheimwissenschaft kann man aber nur vorwärtskommen, wenn man auf seine Gedanken und Gefühle ebenso achtet, wie man auf seine Schritte in der physischen Welt achtet. Wenn jemand eine Wand sieht, so versucht er nicht, geradewegs durch dieselbe durchzurennen; er lenkt seine Schritte seitwärts. Er richtet&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- - -&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;#&amp;lt;/nowiki&amp;gt;FN010-047-* Bemerkt soll werden, daß künstlerisches Empfinden, gepaart mit einer stillen, in sich versenkten Natur, die beste Vorbedingung für die Entwickelung der geistigen Fähigkeiten ist. Dieses Empfinden dringt ja durch die Oberfläche der Dinge hindurch und gelangt dadurch zu deren Geheimnissen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
sich eben nach den Gesetzen der physischen Welt. Solche Gesetze, gibt es nun auch für die Gefühls- und Gedankenwelt. Nur können sie dem Menschen da nicht von außen sich aufdrängen. Sie müssen aus dem Leben seiner Seele selbst fließen. Man gelangt dazu, wenn man sich jederzeit verbietet, verkehrte Gefühle und Gedanken zu hegen. Alles willkürliche, Hin- und Hersinnen, alles spielerische Phantasieren, alle zufällig auf- und abwogenden Gefühle muß man sich in dieser Zeit verbieten. Man macht sich dadurch nicht gefühlsarm. Man wird nämlich bald finden, daß man reich an Gefühlen, schöpferisch in wahrer Phantasie erst wird, wenn man in solcher Art sein Inneres regelt. An die Stelle kleinlicher Gefühlsschwelgerei und spielerischer Gedankenverknüpfung treten bedeutsame Gefühle und fruchtbare Gedanken. Und diese Gefühle und Gedanken führen den Menschen dazu, sich in der geistigen Welt zu orientieren. Er kommt in richtige Verhältnisse zu den Dingen der Geisteswelt. Eine ganz bestimmte Wirkung tritt für ihn ein. Wie er als physischer Mensch seinen Weg findet zwischen den physischen Dingen, so führt ihn jetzt sein Pfad zwischen Wachsen und Absterben, die er ja auf dem oben bezeichneten Weg kennenlernt, hindurch. Er folgt dann allem Wachsenden, Gedeihenden und auch andererseits allem Verwelkenden und Absterbenden so, wie es zu seinem und der Welt Gedeihen erforderlich ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine weitere Pflege hat der Geheimschüler der Welt der Töne angedeihen zu lassen. Man unterscheide da zwischen dem Tone, der durch das sogenannte Leblose (einen fallenden Körper, eine Glocke oder ein Musikinstrument) hervorgebracht wird, und dem, welcher von Lebendigem&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
(einem Tiere oder Menschen) stammt. Wer eine Glocke hört, wird den Ton wahrnehmen und ein angenehmes Gefühl daran knüpfen; wer den Schrei eines Tieres hört, wird außer diesem Gefühl in dem Tone noch die Offenbarung eines inneren Erlebnisses des Tieres, Lust oder Schmerz, verspüren. Bei der letzteren Art von Tönen hat der Geheimschüler einzusetzen. Er soll seine ganze Aufmerksamkeit darauf lenken, daß der Ton ihm etwas verkündet, was außer der eigenen Seele liegt. Und er soll sich versenken in dieses Fremde. Er soll sein Gefühl innig verbinden mit dem Schmerz oder der Lust, die ihm durch den Ton verkündet werden. Er soll darüber hinweg sich setzen, was für ihn der Ton ist, ob er ihm angenehm oder unangenehm ist, wohlbehaglich oder mißfällig; nur das soll seine Seele erfüllen, was in dem Wesen vorgeht, von dem der Ton kommt. Wer planmäßig und mit Vorbedacht solche Übungen macht, der wird sich dadurch die Fähigkeit aneignen, mit einem Wesen, sozusagen, zusammenzufließen, von dem der Ton ausgeht. Einem musikalisch empfindenden Menschen wird solche Pflege seines Gemütslebens leichter sein als einem unmusikalischen. Doch darf niemand glauben, daß der musikalische Sinn schon diese Pflege ersetzt. Man muß, als Geheimschüler, in dieser Art der ganzen Natur gegenüber empfinden lernen. Und dadurch senkt sich in Gefühls und Gedankenwelt eine neue Anlage. Die ganze Natur fängt an, dem Menschen durch ihr Ertönen Geheimnisse zuzuraunen. Was vorher seiner Seele unverständlicher Schall war, wird dadurch sinnvolle Sprache der Natur. Und wobei er vorher nur Ton gehört hat, beim Erklingen des sogenannten Leblosen, vernimmt er jetzt eine neue Sprache der Seele.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Schreitet er in solcher Pflege, seiner Gefühle vorwärts, dann wird er bald gewahr, daß er hören kann, wovon er vorher nichts vermutet hat. Er fängt an, mit der Seele zu hören.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dazu muß dann noch etwas anderes kommen, um zum Gipfel zu gelangen, der auf diesem Gebiete zu erreichen ist. Was für die Ausbildung des Geheimschülers ganz besonders wichtig ist, das ist die Art, wie er anderen Menschen beim Sprechen zuhört. Er muß sich daran gewöhnen, dies so zu tun, daß dabei sein eigenes Innere vollkommen schweigt. Wenn jemand eine Meinung äußert, und ein anderer hört zu, so wird sich im Innern des letzteren im allgemeinen Zustimmung oder Widerspruch regen. Viele Menschen werden wohl auch sofort sich gedrängt fühlen, ihre zustimmende und namentlich ihre widersprechende Meinung zu äußern. Alle solche Zustimmung und allen solchen Widerspruch muß der Geheimschüler zum Schweigen bringen. Es kommt dabei nicht darauf an, daß er plötzlich seine Lebensart so ändere, daß er solch inneres, gründliches Schweigen fortwährend zu erreichen sucht. Er wird damit den Anfang machen müssen, daß er es in einzelnen Fällen tut, die er sich mit Vorsatz auswählt. Dann wird sich ganz langsam und allmählich, wie von selbst, diese ganz neue Art des Zuhörens in seine Gewohnheiten einschleichen. In der Geistesforschung wird solches planmäßig geübt. Die Schüler fühlen sich verpflichtet, übungsweise zu gewissen Zeiten sich die entgegengesetztesten Gedanken anzuhören und dabei alle Zustimmung und namentlich alles abfällige Urteilen vollständig zum Verstummen zu bringen. Es kommt darauf an, daß dabei nicht nur alles verstandesmäßige Urteilen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
schweige, sondern auch alle Gefühle des Mißfallens, der Ablehnung oder auch Zustimmung. Insbesondere muß sich der Schüler stets sorgfältig beobachten, ob nicht solche Gefühle, wenn auch nicht an der Oberfläche, so doch im intimsten Innern seiner Seele vorhanden seien. Er muß sich zum Beispiel die Aussprüche von Menschen anhören, die in irgendeiner Beziehung weit unter ihm stehen, und muß dabei jedes Gefühl des Besserwissens oder der Überlegenheit unterdrücken. Nützlich ist es für jeden, in solcher Art Kindern zuzuhören. Auch der Weiseste kann unermeßlich viel von Kindern lernen. So bringt es der Mensch dazu, die Worte des anderen ganz selbstlos zu hören, mit vollkommener Ausschaltung seiner eigenen Person, deren Meinung und Gefühlsweise. Wenn er sich so übt, kritiklos zuzuhören, auch dann, wenn die völlig entgegengesetzte Meinung vorgebracht wird, wenn das «Verkehrteste» sich vor ihm abspielt, dann lernt er nach und nach mit dem Wesen eines anderen vollständig zu verschmelzen, ganz in dasselbe aufzugehen. Er hört dann durch die Worte hindurch in des anderen Seele hinein. Durch anhaltende Übung solcher Art wird erst der Ton das rechte Mittel, um Seele, und Geist wahrzunehmen. Allerdings gehört dazu die allerstrengste Selbstzucht. Aber diese führt zu einem hohen Ziele. Wenn diese Übungen nämlich in Verbindung mit den anderen getrieben werden, die angegeben worden sind bezüglich des Tönens in der Natur, so erwächst der Seele ein neuer Hörsinn. Sie wird imstande, Kundgebungen aus der geistigen Welt wahrzunehmen, die nicht ihren Ausdruck finden in äußeren Tönen, die für das physische Ohr wahrnehmbar sind. Die Wahrnehmung des «inneren Wortes» erwacht. Dem&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Geheimschüler offenbaren sich allmählich von der Geisteswelt aus Wahrheiten. Er hört auf geistige Art zu sich sprechen.* Alle höheren Wahrheiten werden durch solches «inneres Einsprechen» erreicht. Und was man aus dem Munde eines wahren Geheimforschers hören kann, das hat er durch diese Art in Erfahrung gebracht. Damit aber soll nicht gesagt sein, daß es unnötig sei, sich mit geheimwissenschaftlichen Schriften zu befassen, bevor man selbst in solcher Weise «inneres Einsprechen» vernehmen kann. Im Gegenteil: das Lesen solcher Schriften, das Anhören der Geheimforscherlehren sind selbst Mittel, auch zu eigener Erkenntnis zu gelangen. Jeder Satz der Geheimwissenschaft, den der Mensch hört, ist geeignet, den Sinn dahin zu lenken, wohin er gelangen muß, soll die Seele wahren Fortschritt erleben. Zu all dem Gesagten muß vielmehr eifriges Studium dessen treten, was die Geheimforscher der Welt mitteilen. Bei aller Geheimschulung gehört solches Studium zur Vorbereitung. Und wer alle sonstigen Mittel anwenden wollte, er käme zu keinem Ziele, wenn er nicht die Lehren der Geheimforscher in sich aufnähme. Denn weil diese Lehren aus dem lebendigen «inneren Worte», aus der «lebendigen Einsprechung» geschöpft sind, haben sie selbst geistiges Leben. Sie sind nicht bloß Worte. Sie sind lebendige Kräfte. Und während du den Worten eines Geheimkundigen folgst, während du ein Buch liest, das einer wirklichen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- - -&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
FN010-052-* Nur wer durch selbstloses Zuhören es dahin bringt, daß er wirklich von innen aufnehmen kann, still, ohne Regung einer persönlichen Meinung oder eines persönlichen Gefühls, zu dem können die höheren Wesenheiten sprechen, von denen man in der Geheimwissenschaft spricht. Solange man noch irgendeine Meinung, irgendein Gefühl dem zu Hörenden entgegenschleudert, schweigen die Wesenheiten der Geisteswelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
inneren Erfahrung entstammt, wirken in deiner Seele Kräfte, welche dich ebenso hellsehend machen, wie die Naturkräfte aus lebendigem Stoffe deine Augen und Ohren gebildet haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Erleuchtung ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Erleuchtung geht von sehr einfachen Vorgängen aus. Auch dabei handelt es sich darum, gewisse Gefühle und Gedanken zu entwickeln, die in jedem Menschen schlummern und die erwachen müssen. Nur wer mit voller Geduld, streng und anhaltend die einfachen Vorgänge durchnimmt, den können sie zur Wahrnehmung der inneren Lichterscheinungen führen. Der erste Anfang wird damit gemacht, in einer bestimmten Art verschiedene Naturwesen zu betrachten, und zwar zum Beispiele: einen durchsichtigen, schön geformten Stein (Kristall), eine Pflanze und ein Tier. Man suche zuerst seine ganze Aufmerksamkeit auf einen Vergleich des Steines mit dem Tier in folgender Art zu lenken. Die Gedanken, die hier angeführt werden, müssen von lebhaften Gefühlen begleitet, durch die Seele ziehen. Und kein anderer Gedanke, kein anderes Gefühl dürfen sich einmischen und die intensiv aufmerksame Betrachtung stören. Man sage sich: «Der Stein hat eine Gestalt; das Tier hat auch eine Gestalt. Der Stein bleibt ruhig an seinem Ort. Das Tier verändert seinen Ort. Es ist der Trieb (die Begierde), welcher das Tier veranlaßt, seinen Ort zu ändern. Und die Triebe sind es auch, denen die Gestalt des Tieres dient. Seine Organe, seine Werkzeuge, sind diesen Trieben gemäß ausgebildet. Die Gestalt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
des Steins ist nicht nach Begierden, sondern durch begierdelose Kraft gebildet.»* Wenn man sich intensiv in diese Gedanken versenkt und dabei mit gespannter Aufmerksamkeit Stein und Tier betrachtet: dann leben in der Seele, zwei ganz verschiedene, Gefühlsarten auf. Aus dem Stein strömt die eine Art des Gefühls, aus dem Tiere die andere Art in unsere Seele. Die Sache wird wahrscheinlich im Anfange nicht gelingen: aber nach und nach, bei wirklicher geduldiger Übung, werden sich diese Gefühle einstellen. Man muß nur immerfort und fort üben. Erst sind die Gefühle nur so lange vorhanden, als die Betrachtung dauert, später wirken sie nach. Und dann werden sie zu etwas, was in der Seele lebendig bleibt. Der Mensch braucht sich dann nur zu besinnen: und die beiden Gefühle steigen immer, auch ohne Betrachtung eines äußeren Gegenstandes, auf. Aus diesen Gefühlen und den mit ihnen verbundenen Gedanken bilden sich Hellseherorgane. Tritt dann in der Betrachtung noch die Pflanze hinzu, so wird man bemerken, daß das von ihr ausgehende Gefühl, seiner Beschaffenheit und auch seinem Grade nach, in der Mitte liegt zwischen dem vom Stein und dem vom Tier ausströmenden. Die Organe, welche sich auf solche Art bilden, sind Geistesaugen. Man lernt mit ihnen allmählich etwas wie seelische und geistige Farben zu sehen. Solange man nur das sich angeeignet hat, was als&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- - -&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;#&amp;lt;/nowiki&amp;gt;FN010-054-* Die hier gemeinte Tatsache, insofern sie sich auf Kristallbeobachtung bezieht, ist von solchen, die nur in äußerlicher Weise (exoterisch) davon gehört haben, in mancherlei Art verdreht worden, woraus Verrichtungen wie «Kristallsehen» und so weiter entstanden sind. Derlei Manipulationen beruhen auf Mißverständnissen. Sie sind in vielen Büchern beschrieben worden. Aber sie bilden niemals den Gegenstand wahren (esoterischen) Geheimunterrichtes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
«Vorbereitung» beschrieben worden ist, bleibt die geistige Welt mit ihren Linien und Figuren dunkel; durch die Erleuchtung wird sie hell. Auch hier muß bemerkt werden, daß die Worte «dunkel» und «hell» sowie die anderen gebrauchten Ausdrücke nur annähernd aussprechen, was gemeint ist. Will man sich aber der gebräuchlichen Sprache bedienen, so ist nichts anderes möglich. Diese Sprache ist ja nur für die physischen Verhältnisse geschaffen. Die Geheimwissenschaft bezeichnet nun das, was für das Hellseherorgan vom Stein ausströmt, als «blau» oder «blaurot». Dasjenige, was vom Tier empfunden wird, als «rot» oder «rotgelb». In der Tat sind es Farben «geistiger Art», die da gesehen werden. Die von der Pflanze ausgehende, Farbe ist «grün», das nach und nach in ein helles ätherisches Rosarot übergeht. Die Pflanze ist nämlich dasjenige Naturwesen, welches in höheren Welten in einer gewissen Beziehung ihrer Beschaffenheit in der physischen Welt gleicht. Nicht dasselbe ist aber bei Stein und Tier der Fall. Nun muß man sich klar sein, daß mit den obengenannten Farben nur die Hauptschattierungen des Stein-, Pflanzen- und Tierreiches angegeben sind. In Wirklichkeit sind alle möglichen Zwischenschattierungen vorhanden. Jeder Stein, jede Pflanze, jedes Tier hat seine ganz bestimmte Farbennuance. Dazu kommen die Wesen der höheren Welten, die niemals sich physisch verkörpern, mit ihren oft wundervollen, oft auch gräßlichen Farben. In der Tat ist der Farbenreichtum in diesen höheren Welten unermeßlich viel größer als in der physischen Welt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hat der Mensch einmal die Fähigkeit erworben, mit «Geistesaugen» zu sehen, so begegnet er auch, über kurz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
oder lang, den genannten höheren, zum Teil auch tieferen Wesen, als der Mensch ist, die niemals die physische Wirklichkeit betreten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hat der Mensch es so weit gebracht, wie hier beschrieben ist, so stehen ihm die Wege zu vielem offen. Aber es ist keinem anzuraten, noch weiter zu gehen ohne sorgfältige Beachtung des vom Geistesforscher Gesagten oder sonst von ihm Mitgeteilten. Und auch für das schon Gesagte ist eine Beachtung solcher kundigen Führerschaft das Allerbeste. Hat übrigens der Mensch in sich die Kraft und Ausdauer, es so weit zu bringen, wie es den angegebenen elementaren Stufen der Erleuchtung entspricht, so wird er ganz gewiß auch die rechte Führung suchen und finden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Vorsicht ist aber unter allen Umständen notwendig, und wer sie nicht anwenden will, der soll am besten alle Schritte, in die Geheimwissenschaft unterlassen. Es ist notwendig, daß der Mensch, der Geheimschüler wird, nichts verliere von seinen Eigenschaften als edler, guter und für alles physisch Wirkliche empfänglicher Mensch. Er muß im Gegenteile seine moralische Kraft, seine innere Lauterkeit, seine Beobachtungsgabe während der Geheimschülerschaft fortwährend steigern. Um ein Einzelnes zu erwähnen: Während der elementaren Erleuchtungsübungen muß der Geheimschüler dafür sorgen, daß er sein Mitgefühl für die Menschen- und Tierwelt, seinen Sinn für Schönheit der Natur immerfort vergrößere. Sorgt er nicht dafür, so stumpfen sich jenes Gefühl und dieser Sinn durch solche Übungen fortwährend ab. Das Herz würde hart, der Sinn stumpf. Und das müßte zu gefährlichen Ergebnissen führen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie sich die Erleuchtung gestaltet, wenn man im Sinne&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
der obigen Übungen über Stein, Pflanze und Tier zum Menschen heraufsteigt, und wie, nach der Erleuchtung, der Zusammenschluß der Seele mit der geistigen Welt unter allen Umständen sich einmal einstellt und zur Einweihung hingeleitet: davon wird in den nächsten Abschnitten gesprochen werden, soweit das sein kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es wird in unserer Zeit von vielen Menschen der Weg zur Geheimwissenschaft gesucht. Auf mancherlei Art wird das getan; und viele gefährliche, ja verwerfliche Prozeduren werden probiert. Deshalb sollen diejenigen, die etwas Wahrhaftes von diesen Dingen zu wissen meinen, anderen die Möglichkeit geben, einiges aus der Geheim-Schulung kennenzulernen. Nur soviel ist hier mitgeteilt worden, als solcher Möglichkeit entspricht. Es ist notwendig, daß etwas von dem Wahren bekanntwerde, damit nicht das Irrtümliche großen Schaden anrichte. Durch die hier vorgezeichneten Wege kann niemand Schaden nehmen, der nichts forciert. Nur das eine muß beachtet werden: niemand darf mehr Zeit und Kraft auf solche Übungen verwenden, als ihm nach seiner Lebensstellung, nach seinen Pflichten zur Verfügung stehen. Niemand darf durch den Geheimpfad irgend etwas in seinen äußeren Lebensverhältnissen augenblicklich ändern. Will man wirkliche Ergebnisse, dann muß man Geduld haben; man muß nach wenigen Minuten der Übung aufhören können und ruhig seiner Tagesarbeit nachgehen. Und nichts darf sich von Gedanken an die Übungen in die Tagesarbeit mischen. Wer nicht im höchsten und besten Sinne warten gelernt hat, der taugt nicht zum Geheimschüler und wird auch niemals zu Ergebnissen kommen, die einen erheblichen Wert haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
== Kontrolle der Gedanken und Gefühle ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn jemand die Wege zur Geheimwissenschaft in der Art sucht, wie es in dem vorhergehenden Kapitel beschrieben worden ist, dann darf er nicht versäumen, sich während der ganzen Arbeit durch einen fortwirkenden Gedanken zu stärken. Er muß sich nämlich stets vor Augen halten, daß er nach einiger Zeit schon ganz erhebliche Fortschritte gemacht haben kann, ohne daß sie sich ihm in der Weise zeigen, wie er es vielleicht erwartet hat. Wer dies nicht bedenkt, wird leicht die Beharrlichkeit verlieren und nach kurzer Zeit alle Versuche aufgeben. Die Kräfte und Fähigkeiten, welche man zu entwickeln hat, sind anfänglich von sehr zarter Art. Und ihre Wesenheit ist etwas ganz anderes als das, wovon sich der Mensch vorher Vorstellungen gemacht hat. Er war ja nur gewohnt, sich mit der physischen Welt zu beschäftigen. Die geistige und seelische entzog sich seinen Blicken und auch seinen Begriffen. Es ist daher gar nicht zu verwundern, daß er jetzt, wo sich in ihm geistige und seelische Kräfte entwickeln, diese nicht sogleich bemerkt. Darinnen liegt die Möglichkeit einer Beirrung für den, welcher sich, ohne sich an die Erfahrungen zu halten, welche kundige Forscher gesammelt haben, auf den Geheimpfad begibt. Der Geheimforscher kennt die Fortschritte, welche der Schüler macht, lange bevor dieser sich selbst ihrer bewußt wird. Er weiß, wie die zarten geistigen Augen sich heranbilden, ehe der Schüler etwas davon weiß. Und ein großer Teil der Anweisungen dieses Geheimforschers besteht eben darinnen, das zum Ausdrucke zu bringen, was bewirkt, daß der Schüler das Vertrauen, die Geduld, die Ausdauer nicht verliere,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
bevor er zur eigenen Erkenntnis seiner Fortschritte gelangt. Geben kann ja der Geheimkundige seinem Zögling nichts, was in diesem nicht auf verborgene Art schon liegt. Er kann nur anleiten zur Entwickelung von schlummernden Fähigkeiten. Aber, was er aus seinen Erfahrungen mitteilt, wird eine Stütze sein dem, der sich aus dem Dunkel zum Lichte durchringen will.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gar viele verlassen den Pfad zur Geheimwissenschaft bald, nachdem sie ihn betreten haben, weil ihnen ihre Fortschritte nicht sogleich bemerklich werden. Und selbst, wenn die ersten für den Zögling wahrnehmbaren höheren Erfahrungen auftreten, so betrachtet sie dieser oft als Illusionen, weil er sich ganz andere Vorstellungen von dem gemacht hat, was er erleben soll. Er verliert den Mut, weil er entweder die ersten Erfahrungen für wertlos hält oder weil sie ihm doch so unscheinbar vorkommen, daß er nicht glaubt, sie könnten ihn in absehbarer Zeit zu irgend etwas Erheblichem führen. Mut und Selbstvertrauen sind aber zwei Lichter, die auf dem Wege zur Geheimwissenschaft nicht erlöschen dürfen. Wer es nicht über sich bringen kann, eine Übung, die scheinbar unzähligemal mißglückt ist, immer wieder und wieder geduldig fortzusetzen, der kann nicht weit kommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viel früher als eine deutliche Wahrnehmung von den Fortschritten tritt ein dunkles Gefühl auf, daß man auf dem rechten Wege sei und dieses Gefühl sollte man hegen und pflegen. Denn es kann zu einem sicheren Führer werden. Vor allem muß man den Glauben ausrotten, als ob es ganz absonderliche, geheimnisvolle Verrichtungen sein müßten, durch die man zu höheren Erkenntnissen gelangt. Man muß sich klarmachen, daß von den Gefühlen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|60}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und Gedanken ausgegangen werden muß, mit denen der Mensch ja fortwährend lebt, und daß er diesen Gefühlen und Gedanken nur eine andere Richtung geben muß, als die gewohnte ist. Ein jeder sage sich zunächst: in meiner eigenen Gefühls- und Gedankenwelt liegen die höchsten Geheimnisse verborgen: ich habe sie bisher nur noch nicht wahrgenommen. Alles beruht schließlich darauf, daß der Mensch fortwährend Leib, Seele und Geist mit sich herumträgt, daß er sich aber nur seines Leibes im ausgesprochenen Sinne bewußt ist, nicht seiner Seele und seines Geistes. Und der Geheimschüler wird sich der Seele und des Geistes bewußt, wie sich der gewöhnliche Mensch seines Leibes bewußt ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deshalb kommt es darauf an, die Gefühle und Gedanken in die rechte Richtung zu bringen. Dann entwickelt man die Wahrnehmungen für das im gewöhnlichen Leben Unsichtbare. Hier soll einer der Wege angegeben werden, wie man das macht. Eine einfache Sache ist es wieder, wie fast alles, was bisher mitgeteilt worden ist. Aber von den größten Wirkungen ist sie, wenn sie beharrlich durchgeführt wird und wenn der Mensch vermag, mit der nötigen intimen Stimmung sich ihr hinzugeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man lege ein kleines Samenkorn einer Pflanze vor sich hin. Es kommt darauf an, sich vor diesem unscheinbaren Ding die rechten Gedanken intensiv zu machen und durch diese Gedanken gewisse Gefühle zu entwickeln. Zuerst mache man sich klar, was man wirklich mit Augen sieht. Man beschreibe für sich Form, Farbe und alle sonstigen Eigenschaften des Samens. Dann überlege man folgendes. Aus diesem Samenkorn wird eine vielgestaltige Pflanze entstehen, wenn es in die Erde gepflanzt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|61}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man vergegenwärtige sich diese Pflanze. Man baue sie sich in der Phantasie auf. Und dann denke man: Was ich mir jetzt in meiner Phantasie vorstelle, das werden die Kräfte der Erde und des Lichtes später wirklich aus dem Samenkorn hervorlocken. Wenn ich ein künstlich geformtes Ding vor mir hätte, das ganz täuschend dem Samenkorn nachgeahmt wäre, so daß es meine Augen nicht von einem wahren unterscheiden könnten, so würde keine Kraft der Erde und des Lichtes aus diesem eine Pflanze hervorlocken. Wer sich diesen Gedanken ganz klar macht, wer ihn innerlich erlebt, der wird sich auch den folgenden mit dem richtigen Gefühle bilden können. Er wird sich sagen: in dem Samenkorn ruht schon auf verborgene Art als Kraft der ganzen Pflanze das, was später aus ihm herauswächst. In der künstlichen Nachahmung ruht diese Kraft nicht. Und doch sind für meine Augen beide gleich. In dem wirklichen Samenkorn ist also etwas unsichtbar enthalten, was in der Nachahmung nicht ist. Auf dieses Unsichtbare lenke man nun Gefühl und Gedanken.* Man stelle sich vor: dieses Unsichtbare wird sich später in die sichtbare Pflanze verwandeln, die ich in Gestalt und Farbe vor mir haben werde. Man hänge dem Gedanken nach: das Unsichtbare wird sichtbar werden. Könnte ich nicht denken, so könnte sich mir auch nicht schon jetzt ankündigen, was erst später sichtbar werden wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- - -&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;#&amp;lt;/nowiki&amp;gt;FN010-061-* Wer da einwenden wollte, daß bei einer genaueren mikroskopischen Untersuchung sich ja doch die Nachahmung von dem wirklichen Samenkorn unterscheide, der zeigte nur, daß er nicht erfaßt hat, worauf es ankommt. Es handelt sich nicht darum, was man genau wirklich in sinnenfälliger Weise vor sich hat, sondern darum, daß man daran seelisch-geistige Kräfte entwickele.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|62}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Besonders deutlich sei es betont: Was man da denkt, muß man auch intensiv fühlen. Man muß in Ruhe, ohne alle störenden Beimischungen anderer Gedanken, den einen oben angedeuteten in sich erleben. Und man muß sich Zeit lassen, so daß sich der Gedanke und das Gefühl, das sich an ihn knüpft, gleichsam in die Seele einbohren. Bringt man das in der rechten Weise zustande, dann wird man nach einiger Zeit vielleicht erst nach vielen Versuchen eine Kraft in sich verspüren. Und diese Kraft wird eine neue Anschauung erschaffen. Das Samenkorn wird wie in einer kleinen Lichtwolke eingeschlossen erscheinen. Es wird auf sinnlich-geistige Weise, als eine Art Flamme empfunden werden. Gegenüber der Mitte dieser Flamme empfindet man so, wie man beim Eindruck der Farbe Lila empfindet; gegenüber dem Rande, wie man der Farbe bläulich gegenüber empfindet. Da erscheint das, was man vorher nicht gesehen hat und was die Kraft des Gedankens und der Gefühle geschaffen hat, die man in sich erregt hat. Was sinnlich unsichtbar war, die Pflanze, die erst später sichtbar werden wird, das offenbart sich da auf geistig sichtbare Art.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist begreiflich, daß mancher Mensch das alles für Illusion halten wird. Viele werden sagen: «Was sollen mir solche Gesichte, solche Phantasmen?» Und manche werden abfallen und den Pfad nicht fortsetzen. Aber gerade darauf kommt es an: in diesen schwierigen Punkten der menschlichen Entwickelung nicht Phantasie und geistige Wirklichkeit miteinander zu verwechseln. Und ferner darauf, den Mut zu haben, vorwärts zu dringen und nicht furchtsam und kleinmütig zu werden. Auf der anderen Seite aber muß allerdings betont werden, daß der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|63}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gesunde Sinn, der Wahrheit und Täuschung unterscheidet, fortwährend gepflegt werden muß. Der Mensch darf während all dieser Übungen nie die volle bewußte Herrschaft über sich selbst verlieren. So sicher, wie er über die Dinge und Vorgänge des Alltagslebens denkt, so muß er auch hier denken. Schlimm wäre es, wenn er in Träumerei verfiele. Verstandesklar, um nicht zu sagen: nüchtern, muß er in jedem Augenblicke bleiben. Und der größte Fehler wäre gemacht, wenn der Mensch durch solche Übungen sein Gleichgewicht verlöre, wenn er abgehalten würde, so gesund und klar über die Dinge des Alltagslebens zu urteilen, wie er das vorher getan hat. Immer wieder soll sich der Geheimschüler daher prüfen, ob er nicht etwa aus seinem Gleichgewicht herausgefallen ist, ob er derselbe geblieben ist innerhalb der Verhältnisse, in denen er lebt. Festes Ruhen in sich selbst, klarer Sinn für alles, das muß er sich bewahren. Allerdings ist streng zu beachten, daß man sich nicht jeder beliebigen Träumerei hingeben soll, sich nicht allen möglichen Übungen überlassen soll. Die Gedankenrichtungen, die hier angegeben werden, sind seit Urzeiten in den Geheimschulen erprobt und geübt. Und nur solche werden hier mitgeteilt. Wer solche anderer Art anwenden wollte, die er sich selbst bildet oder von denen er da oder dort hört und liest, der muß in die Irre gehen und wird sich bald auf dem Pfade uferloser Phantastik befinden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine weitere Übung, die sich an die beschriebene anzuschließen hat, ist die folgende. Man stelle sich einer Pflanze gegenüber, die sich auf der Stufe der vollen Entwickelung befindet. Nun erfülle man sich mit dem Gedanken, daß die Zeit kommen werde, wo diese Pflanze abstirbt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|64}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nichts wird von dem mehr sein, was ich jetzt vor mir sehe. Aber diese Pflanze wird dann Samenkörner aus sich entwickelt haben, die wieder zu neuen Pflanzen werden. Wieder werde ich gewahr, daß in dem, was ich sehe, etwas verborgen ruht, was ich nicht sehe. Ich erfülle mich ganz mit dem Gedanken: diese Pflanzengestalt mit ihren Farben wird künftig nicht mehr sein. Aber die Vorstellung, daß sie Samen bildet, lehrt mich, daß sie nicht in Nichts verschwinden werde. Was sie vor dem Verschwinden bewahrt, kann ich jetzt ebensowenig mit Augen sehen, wie ich früher die Pflanze im Samenkorn habe sehen können. Es gibt also in ihr etwas, was ich nicht mit Augen sehe. Lasse ich diesen Gedanken in mir leben und verbindet sich das entsprechende Gefühl in mir mit ihm, dann entwickelt sich wieder, nach angemessener Zeit, in meiner Seele eine Kraft, die zur neuen Anschauung wird. Aus der Pflanze wächst wieder eine Art von geistiger Flammenbildung heraus. Diese ist natürlich entsprechend größer als die vorhin geschilderte. Die Flamme kann etwa in ihrem mittleren Teile grünlichblau und an ihrem äußeren Rande gelblichrot empfunden werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es muß ausdrücklich betont werden, daß man, was hier als «Farben» bezeichnet wird, nicht so sieht, wie physische Augen die Farben sehen, sondern daß man durch die geistige Wahrnehmung ähnliches empfindet, wie wenn man einen physischen Farbeneindruck hat. Geistig «blau» wahrnehmen heißt etwas empfinden oder erfühlen, was ähnlich dem ist, was man empfindet, wenn der Blick des physischen Auges auf der Farbe «Blau» ruht. Dies muß berücksichtigen, wer allmählich wirklich zu geistigen Wahrnehmungen aufsteigen will. Er erwartet sonst, im&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|65}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Geistigen nur eine Wiederholung des Physischen zu finden. Das mußte ihn auf das bitterste beirren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer es dahin gebracht hat, solches geistig zu sehen, hat viel gewonnen. Denn die Dinge enthüllen sich ihm nicht nur im gegenwärtigen Sein, sondern auch in ihrem Entstehen und Vergehen. Er fängt an, überall den Geist zu schauen, von dem die sinnlichen Augen nichts wissen können. Und damit hat er die ersten Schritte dazu getan, um allmählich durch eigene Anschauung hinter das Geheimnis von Geburt und Tod zu kommen. Für die äußeren Sinne entsteht ein Wesen bei der Geburt; es vergeht im Tode. Dies ist aber nur deshalb, weil diese Sinne den verborgenen Geist des Wesens nicht wahrnehmen. Für den Geist sind Geburt und Tod nur eine Verwandlung, wie das Hervorsprießen der Blume aus der Knospe eine Verwandlung ist, die sich vor den sinnlichen Augen abspielt. Will man das aber durch eigene Anschauung kennenlernen, so muß man in der angedeuteten Art erst den geistigen Sinn dafür erwecken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um gleich noch einen Einwand hinwegzunehmen, den manche Menschen machen könnten, die einige seelische (psychische) Erfahrung haben, sei dieses gesagt. Es soll gar nicht bestritten werden, daß es kürzere, einfachere Wege gibt, daß manche aus eigener Anschauung die Erscheinungen von Geburt und Tod kennenlernen, ohne erst alles das, was hier beschrieben wird, durchgemacht zu haben. Es gibt eben Menschen, welche bedeutende psychische Anlagen haben, die nur eines kleinen Anstoßes bedürfen, um entwickelt zu werden. Aber das sind Ausnahmen. Der hier angegebene Weg ist jedoch ein allgemeiner und sicherer. Man kann sich ja auch einige chemische&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|66}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kenntnisse auf einem ausnahmsweisen Weg erwerben; will man aber Chemiker werden, dann muß man den allgemeinen und sicheren Weg gehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein folgenschwerer Irrtum würde sich ergeben, wenn jemand glauben wollte, er könne, um bequemer zum Ziele zu gelangen, sich das besprochene Samenkörnchen oder die Pflanze bloß vorstellen, bloß in der Phantasie vorhalten. Wer dies tut, kann wohl auch zum Ziele kommen, doch nicht so sicher wie auf die angegebene Art. Die Anschauung, zu der man kommt, wird in den meisten Fällen nur ein Blendwerk der Phantasie sein. Bei ihr müßte dann die Umwandlung in geistige Anschauung erst abgewartet werden. Denn darauf kommt es an, daß nicht ich in bloßer Willkür mir Anschauungen schaffe, sondern darauf, daß die Wirklichkeit sie in mir erschafft. Aus den Tiefen meiner eigenen Seele muß die Wahrheit hervorquellen; aber nicht mein gewöhnliches Ich darf selbst der Zauberer sein, der die Wahrheit hervorlocken will, sondern die Wesen müssen dieser Zauberer sein, deren geistige Wahrheit ich schauen will.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hat der Mensch durch solcherlei Übungen in sich die ersten Anfänge zu geistigen Anschauungen gefunden, so darf er aufsteigen zur Betrachtung des Menschen selbst. Einfache Erscheinungen des menschlichen Lebens müssen zunächst gewählt werden. Bevor man aber dazu schreitet, ist es notwendig, besonders ernstlich an der vollen Lauterkeit seines moralischen Charakters zu arbeiten. Man muß jeden Gedanken daran entfernen, daß man etwa auf diese Art erlangte Erkenntnis zum persönlichen Eigennutz anwenden werde. Man muß mit sich darüber einig sein, daß man niemals eine Macht über seine Mitmenschen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|67}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die man etwa erlangen werde, im Sinne des Bösen ausnutzen werde. Deshalb muß jeder, der Geheimnisse über die menschliche Natur durch eigene Anschauung sucht, die goldene Regel der wahren Geheimwissenschaften befolgen. Und diese goldene Regel ist: wenn du einen Schritt vorwärts zu machen versuchst in der Erkenntnis geheimer Wahrheiten, so mache zugleich drei vorwärts in der Vervollkommnung deines Charakters zum Guten. Wer diese Regel befolgt, der kann solche Übungen machen, wie nunmehr eine beschrieben werden soll.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man vergegenwärtige sich einen Menschen, von dem man einmal beobachtet hat, wie er nach irgendeiner Sache verlangt hat. Auf die Begierde soll die Aufmerksamkeit gerichtet werden. Am besten ist es, den Zeitpunkt in der Erinnerung wachzurufen, in dem die Begierde am lebhaftesten war und in dem es ziemlich unentschieden war, ob der Mensch das Verlangte erhalten werde oder nicht. Und nun gebe man sich der Vorstellung an das, was man in der Erinnerung beobachtet, ganz hin. Man stelle die denkbar größte innere Ruhe der eigenen Seele her. Man versuche so viel, als nur möglich ist, blind und taub zu sein für alles andere, was ringsherum vorgeht. Und man achte besonders darauf, daß durch die angeregte Vorstellung in der Seele ein Gefühl erwache. Dieses Gefühl lasse man in sich heraufziehen wie eine Wolke, die an dem sonst ganz leeren Horizont heraufzieht. Es ist ja nun natürlich, daß in der Regel die Beobachtung dadurch unterbrochen wird, daß man den Menschen, auf den man die Aufmerksamkeit lenkt, nicht lange genug in dem geschilderten Seelenzustand beobachtet hat. Man wird wahrscheinlich Hunderte und Aberhunderte von vergeblichen Versuchen anstellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|68}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man darf eben die Geduld nicht verlieren. Nach vielen Versuchen wird man es dahin bringen, daß man in der eigenen Seele ein Gefühl erlebt, das dem Seelenzustand des beobachteten Menschen entspricht. Dann wird man aber auch nach einiger Zeit bemerken, daß durch dieses Gefühl in der eigenen Seele eine Kraft erwächst, die zur geistigen Anschauung des Seelenzustandes des anderen wird. Im Gesichtsfelde wird ein Bild auftreten, das man wie etwas Leuchtendes empfindet. Und dieses geistig leuchtende Bild ist die sogenannte astrale Verkörperung des beobachteten Seelenzustandes der Begierde. Wieder als flammenähnlich empfunden kann dieses Bild beschrieben werden. Es wird in der Mitte wie gelbrot sein und am Rande wie rötlichblau oder lila empfunden werden. Viel kommt darauf an, daß man mit solcher geistigen Anschauung zart umgehe. Man tut am besten, wenn man zunächst zu niemand davon spricht als nur etwa zu seinem Lehrer, wenn man einen solchen hat. Denn versucht man eine solche Erscheinung durch ungeschickte Worte zu beschreiben, so gibt man sich meistens argen Täuschungen hin. Man gebraucht die gewöhnlichen Worte, die doch für solche Dinge nicht bestimmt und daher für sie zu grob und schwerfällig sind. Die Folge ist dann, daß man durch den eigenen Versuch, die Sache in Worte zu kleiden, verführt wird, sich in die wahren Anschauungen allerlei Phantasieblendwerke hineinzumischen. Wieder ist eine wichtige Regel für den Geheimschüler: Verstehe über deine geistigen Gesichte zu schweigen. Ja, schweige sogar vor dir selber darüber. Versuche nicht, was du im Geiste erschaust, in Worte zu kleiden oder mit dem ungeschickten Verstande zu ergrübeln. Gib dich unbefangen deiner&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|69}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
geistigen Anschauung hin und störe sie dir nicht durch vieles Nachdenken darüber. Denn du mußt bedenken, daß dein Nachdenken anfangs ganz und gar nicht deinem Schauen gewachsen ist. Dieses Nachdenken hast du dir in deinem bisherigen, bloß auf die physisch-sinnliche Welt beschränkten Leben erworben; und was du dir jetzt erwirbst, geht darüber hinaus. Suche also nicht, an das neue Höhere den Maßstab des alten anzulegen. Nur wer schon einige Festigkeit hat im Beobachten innerer Erfahrungen, der kann darüber reden, um durch solches Reden seine Mitmenschen anzuregen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu der beschriebenen Übung mag eine ergänzende kommen. Man beobachte in der gleichen Art, wie einem Menschen die Befriedigung irgendeines Wunsches, die Erfüllung einer Erwartung zuteil geworden ist. Gebraucht man dabei dieselben Regeln und Vorsichten, die eben für den anderen Fall angegeben worden sind, so wird man auch da zu einer geistigen Anschauung gelangen. Man wird eine geistige Flammenbildung bemerken, die in der Mitte als gelb sich fühlt und die wie mit einem grünlichen Rande empfunden wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Leicht kann der Mensch durch solche Beobachtung seiner Mitmenschen in einen moralischen Fehler verfallen. Er kann lieblos werden. Daß dies nicht der Fall sei, muß eben mit allen nur erdenkbaren Mitteln angestrebt werden. Beobachtet man so, dann soll man eben durchaus schon auf der Höhe stehen, in der es einem zur völligen Gewißheit geworden ist, daß Gedanken wirkliche Dinge sind. Man darf sich da nicht mehr gestatten, über seinen Mitmenschen so zu denken, daß die Gedanken mit der höchsten Achtung der Menschenwürde, und der Menschenfreiheit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|70}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nicht verträglich wären. Daß ein Mensch nur ein Beobachtungsobjekt für uns sein könnte: dieser Gedanke darf uns nicht einen Augenblick erfüllen. Hand in Hand mit jeder Geheimbeobachtung über die menschliche Natur muß die Selbsterziehung dahin gehen, die volle Selbstgeltung eines jeden Menschen uneingeschränkt zu schätzen und das als etwas Heiliges, von uns Unantastbares auch in Gedanken und Gefühlen zu betrachten, was in dem Menschen wohnt. Ein Gefühl von heiliger Scheu vor allem Menschlichen, selbst wenn es nur als Erinnerung gedacht wird, muß uns erfüllen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nur an den zwei Beispielen sollte vorläufig hier gezeigt werden, wie man sich zur Erleuchtung über die menschliche Natur durchringt. Daran konnte aber wenigstens der Weg gezeigt werden, der zu betreten ist. Wer die notwendige innere Stille und Ruhe findet, die zu solcher Beobachtung gehören, dessen Seele wird schon dadurch eine große Verwandlung durchmachen. Das wird bald so weit gehen, daß die innere Bereicherung, die sein Wesen erfährt, ihm Sicherheit und Ruhe gibt auch in seinem äußeren Verhalten. Und dieses verwandelte äußere Verhalten wird wieder zurückwirken auf seine Seele. Und so wird er sich weiter helfen. Er wird Mittel und Wege finden, immer mehr von der menschlichen Natur zu Entdecken, was den äußeren Sinnen verborgen ist; und er wird dann auch reif werden, einen Einblick zu tun in die geheimnisvollen Zusammenhänge zwischen der Menschennatur und all dem, was sonst noch im Weltall vorhanden ist. Und auf diesem Wege naht sich der Mensch immer mehr dem Zeitpunkte, wo er die ersten Schritte der Einweihung bewerkstelligen kann. Bevor diese aber getan&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|71}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
werden können, ist noch eines notwendig. Es ist dies etwas, dessen Notwendigkeit der Geheimschüler zunächst vielleicht am wenigsten einsehen wird. Später aber wird er dies.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was nämlich der Einzuweihende mitbringen muß, ist ein in gewisser Beziehung ausgebildeter Mut und Furchtlosigkeit. Der Geheimschüler muß geradezu die Gelegenheiten aufsuchen, durch welche diese Tugenden ausgebildet werden. In der Geheimschulung sollten sie ganz systematisch herangebildet werden. Aber auch das Leben selbst ist namentlich nach dieser Richtung hin eine gute Geheimschule; vielleicht die beste. Einer Gefahr ruhig ins Auge schauen, Schwierigkeiten ohne Zagen überwinden wollen: solches muß der Geheimschüler können. Er muß zum Beispiel einer Gefahr gegenüber sich sofort zu der Empfindung aufraffen: meine Angst nützt nach gar keiner Seite; ich darf sie gar nicht haben; ich muß nur an das denken, was zu tun ist. Und er muß es so weit bringen, daß für Gelegenheiten, in denen er vorher ängstlich war, «Angsthaben», «Mutloswerden» für ihn wenigstens im eigentlichen innersten Empfinden unmögliche Dinge werden. Durch die Selbsterziehung nach dieser Richtung entwickelt nämlich der Mensch in sich ganz bestimmte Kräfte, die er braucht, wenn er in höhere Geheimnisse eingeweiht werden soll. So wie der physische Mensch Nervenkraft braucht, um seine physischen Sinne zu benutzen, so bedarf der seelische Mensch jener Kraft, die nur entwickelt wird in mutvollen und furchtlosen Naturen. Wer zu den höheren Geheimnissen vordringt, der sieht nämlich Dinge, welche dem gewöhnlichen Menschen durch die Täuschungen der Sinne verborgen bleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|72}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denn, wenn die physischen Sinne uns auch die höhere Wahrheit nicht schauen lassen, so sind sie eben dadurch auch des Menschen Wohltäter. Durch sie verbergen sich für ihn Dinge, welche ihn, unvorbereitet, in maßlose Bestürzung versetzen müßten, deren Anblick er nicht ertragen könnte. Diesem Anblick muß der Geheimschüler gewachsen werden. Er verliert gewisse Stützen in der Außenwelt, die er eben dem Umstande verdankte, daß er in Täuschung befangen war. Es ist wirklich und buchstäblich so, wie wenn man jemand auf eine Gefahr aufmerksam machte, in der er schon lange geschwebt hat, von der er aber nichts gewußt hat. Vorher hatte er keine Angst: jetzt aber, nachdem er weiß, überkommt ihn die Angst, obwohl die Gefahr durch sein Wissen nicht größer geworden ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kräfte der Welt sind zerstörende und aufbauende: das Schicksal der äußeren Wesenheiten ist Entstehen und Vergehen. In das Wirken dieser Kräfte, in den Gang dieses Schicksals soll der Wissende blicken. Der Schleier, der im gewöhnlichen Leben vor den geistigen Augen liegt, soll entfernt werden. Der Mensch selbst aber ist mit diesen Kräften, mit diesem Schicksal verwoben. In seiner eigenen Natur sind zerstörende und aufbauende Kräfte. So unverhüllt die anderen Dinge vor das sehende Auge des Wissenden treten, so unverhüllt zeigt die eigene Seele sich selbst. Solcher Selbsterkenntnis gegenüber darf der Geheimschüler nicht die Kraft verlieren. Und sie wird ihm nur dann nicht fehlen, wenn er einen Überschuß an ihr mitbringt. Damit dieses der Fall sei, muß er lernen, in schwierigen Lebensverhältnissen die innere Ruhe und Sicherheit zu bewahren; er muß in sich ein starkes Vertrauen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|73}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
in die guten Mächte des Daseins erziehen. Er muß darauf gefaßt sein, daß manche Triebfedern ihn nicht mehr leiten werden, die ihn bisher geleitet haben. Er wird ja einsehen müssen, daß er bisher manches nur getan und gedacht hat, weil er in Unwissenheit befangen war. Solche Gründe, wie er sie bisher gehabt, werden wegfallen. Er hat manches aus Eitelkeit getan; er wird sehen, wie unsäglich wertlos alle Eitelkeit für den Wissenden ist. Er hat manches aus Habsucht getan; er wird gewahr werden, wie zerstörend alle Habsucht ist. Ganz neue Triebfedern zum Handeln und Denken wird er entwickeln müssen. Und eben dazu gehören Mut und Furchtlosigkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorzüglich handelt es sich darum, im tiefsten Innern des Gedankenlebens selbst diesen Mut und diese Furchtlosigkeit zu pflegen. Der Geheimschüler muß lernen, über einen Mißerfolg nicht zu verzagen. Er muß zu dem Gedanken fähig sein: «Ich will vergessen, daß mir diese Sache schon wieder mißglückt ist, und aufs neue versuchen, wie wenn nichts gewesen wäre.» So ringt er sich durch zu der Überzeugung, daß die Kraftquellen in der Welt, aus denen er schöpfen kann, unversieglich sind. Er strebt immer wieder nach dem Geistigen, das ihn heben und tragen wird, wie oft auch sein Irdisches sich als kraftlos und schwach erwiesen haben mag. Er muß fähig sein, der Zukunft entgegenzuleben, und in diesem Streben sich durch keine Erfahrung der Vergangenheit stören lassen. Hat der Mensch die geschilderten Eigenschaften bis zu einem gewissen Grade, dann ist er reif, die wahren Namen der Dinge zu erfahren, die der Schlüssel zu dem höheren Wissen sind. Denn darin besteht die Einweihung, daß man lernt, die Dinge der Welt bei demjenigen Namen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|74}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
zu benennen, die sie im Geiste ihrer göttlichen Urheber haben. In diesen ihren Namen liegen die Geheimnisse der Dinge. Deshalb sprechen die Eingeweihten eine andere Sprache als Uneingeweihte, weil die ersteren die Bezeichnung der Wesen nennen, durch welche diese selbst gemacht sind. Soweit von der Einweihung (Initiation) selbst gesprochen werden kann, soll das im nächsten Kapitel folgen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|75}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= DIE EINWEIHUNG =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Einweihung ist die höchste der Stufen einer Geheim­schulung, über welche in einer Schrift noch Andeutungen gegeben werden können, die allgemein verständlich sind. Über alles, was darüber liegt, sind Mitteilungen schwer verständlich. Aber auch dazu findet jeder den Weg, der durch die Vorbereitung, Erleuchtung und Einweihung bis zu den niederen Geheimnissen vorgedrungen ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Wissen und Können, das einem Menschen durch die Einweihung zuteil wird, könnte er ohne eine solche erst in einer sehr fernen Zukunft nach vielen Verkörpe­rungen auf einem ganz anderen Wege und auch in einer ganz anderen Form erwerben. Wer heute eingeweiht wird, erfährt etwas, was er sonst viel später, unter ganz anderen Verhältnissen, erfahren würde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Mensch kann von den Geheimnissen des Daseins nur so viel wirklich erfahren, als dem Grade seiner Reife entspricht. Nur deshalb gibt es Hindernisse zu den höhe­ren Stufen des Wissens und Könnens. Der Mensch soll ein Schießgewehr nicht früher gebrauchen, als bis er ge­nügende Erfahrung hat, um durch den Gebrauch nicht Unheil anzurichten. Würde heute jemand ohne weiteres eingeweiht, so würde ihm die Erfahrung fehlen, die er durch die Verkörperungen in der Zukunft noch machen wird, bis ihm die entsprechenden Geheimnisse im regelmäßigen Verlauf seiner Entwickelung zuteil werden. Deshalb müssen an der Pforte der Einweihung die Erfah­rungen durch etwas anderes ersetzt sein. In einem Ersatz für künftige Erfahrungen bestehen daher die ersten Unter­weisungen des Einweihungskandidaten. Es sind das die&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|76}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sogenannten «Proben», die er durchzumachen hat und die sich als regelmäßige Folge des Seelenlebens ergeben, wenn Übungen, wie die in den vorhergehenden Kapiteln geschilderten, richtig fortgesetzt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von diesen «Proben» wird ja auch in Büchern oft ge­sprochen. Aber es ist nur natürlich, daß von ihrer Natur durch solche Besprechungen in der Regel ganz falsche Vorstellungen hervorgerufen werden müssen. Denn wer nicht durch die Vorbereitung und Erleuchtung hindurch­gegangen ist, hat ja nichts von diesen Proben jemals erfahren. Ein solcher kann sie auch nicht sachgemäß beschreiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dem Einzuweihenden müssen sich gewisse Dinge und Tatsachen ergeben, die den höheren Welten angehören. Er kann sie aber nur sehen und hören, wenn er die gei­stigen Wahrnehmungen wie Figuren, Farben, Töne und so weiter empfinden kann, von denen bei Besprechung der «Vorbereitung» und «Erleuchtung» berichtet worden ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die erste «Probe» besteht darinnen, daß er eine wah­rere Anschauung erlangt von den leiblichen Eigenschaften der leblosen Körper, dann der Pflanzen, der Tiere und des Menschen, als sie der Durchschnittsmensch besitzt. Damit ist aber nicht das gemeint, was man heute wissen­schaftliche Erkenntnis nennt. Denn nicht um Wissen­schaft, sondern um Anschauung handelt es sich. In der Regel ist der Vorgang so, daß der Einzuweihende erken­nen lernt, wie sich die Naturdinge und Lebewesen für das geistige Ohr und geistige Auge kundgeben. In einer gewissen Weise stehen diese Dinge dann unverhüllt nackt vor dem Beschauer. Dem sinnlichen Auge und dem sinnlichen Ohre verbergen sich die Eigenschaften,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|77}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die man da hört und sieht. Sie sind für dieses sinnliche An­schauen wie mit einem Schleier verhüllt. Daß dieser Schleier für den Einzuweihenden wegfällt, beruht auf einem Vorgang, den man als «geistigen Verbrennungsprozeß» bezeichnet. Deshalb wird diese erste Probe die «Feuerprobe» genannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für manche Menschen ist das gewöhnliche Leben selbst schon ein mehr oder weniger unbewußter Einweihungs­prozeß durch die Feuerprobe. Es sind das diejenigen, wel­che durch reiche Erfahrungen von solcher Art durch­gehen, daß ihr Selbstvertrauen, ihr Mut und ihre Stand­haftigkeit in gesunder Weise groß werden und daß sie Leid, Enttäuschung, Mißlingen von Unternehmungen mit Seelengröße und namentlich mit Ruhe und in ungebro­chener Kraft ertragen lernen. Wer Erfahrungen in dieser Art durchgemacht hat, der ist oft schon, ohne daß er es deutlich weiß, ein Eingeweihter; und es bedarf dann nur eines wenigen, um ihm geistige Ohren und Augen zu öffnen, so daß er ein Hellsehender wird. Denn das ist fest­zuhalten: es handelt sich bei einer wahren «Feuerprobe» nicht darum, daß die Neugierde des Kandidaten befriedigt werde. Gewiß, er lernt außergewöhnliche Tatsachen ken­nen, von denen andere Menschen keine Ahnung haben. Aber dieses Kennenlernen ist nicht das Ziel, sondern nur das Mittel zum Ziel. Das Ziel aber ist, daß sich der Kan­didat durch die Erkenntnis der höheren Welten größeres und wahreres Selbstvertrauen, höheren Mut und eine ganz andere Seelengröße und Ausdauer erwerbe, als sie in der Regel innerhalb der niederen Welt erlangt werden kön­nen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der «Feuerprobe» kann jeder Kandidat noch umkehren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|78}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er wird gestärkt in physischer und seelischer Be­ziehung dann sein Leben fortsetzen und wohl erst in einer nächsten Verkörperung die Einweihung fortsetzen. In sei­ner gegenwärtigen aber wird er ein brauchbareres Glied der menschlichen Gesellschaft sein, als er vorher war. In welcher Lage er sich auch befinden mag: seine Festigkeit, seine Umsicht, sein günstiger Einfluß auf seine Mitmen­schen, seine Entschlossenheit werden zugenommen haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Will der Kandidat nach vollbrachter Feuerprobe die Geheimschulung fortsetzen, so muß ihm nunmehr ein bestimmtes Schriftsystem enthüllt werden, wie solche in der Geheimschulung üblich sind. In diesen Schriftsystemen offenbaren sich die eigentlichen Geheimlehren. Denn das­jenige, was in den Dingen wirklich «verborgen» (okkult) ist, kann weder mit den Worten der gewöhnlichen Spra­che unmittelbar ausgesprochen, noch kann es mit den ge­wöhnlichen Schriftsystemen aufgezeichnet werden. Die­jenigen, welche von den Eingeweihten gelernt haben, übersetzen die Lehren der Geheimwissenschaft in die ge­wöhnliche Sprache, so gut das geht. Die okkulte Schrift offenbart sich der Seele, wenn diese die geistige Wahrneh­mung erlangt hat. Denn diese Schrift steht in der geisti­gen Welt immer geschrieben. Man lernt sie nicht so, wie man eine künstliche Schrift lesen lernt. Man wächst viel­mehr in sachgemäßer Weise der hellsichtigen Erkenntnis entgegen, und während dieses Wachsens entwickelt sich wie eine seelische Fähigkeit die Kraft, welche die vorhan­denen Geschehnisse und Wesenheiten der geistigen Welt wie die Charaktere einer Schrift zu entziffern sich gedrängt fühlt. Es könnte sein, daß diese Kraft und mit ihr das Erleben der entsprechenden «Probe» mit der fortschreitenden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|79}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seelenentwickelung wie von selbst erwa­chen. Doch sicherer gelangt man zum Ziele, wenn man die Anweisungen der erfahrenen Geheimforscher befolgt, die Gewandtheit haben im Entziffern der okkulten Schrift.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Zeichen der Geheimschrift sind nicht willkürlich ersonnen, sondern sie entsprechen den Kräften, welche in der Welt wirksam sind. Man lernt durch diese Zeichen die Sprache der Dinge. Dem Kandidaten zeigt sich alsbald, daß die Zeichen, die er kennenlernt, den Figuren, Farben, Tönen und so weiter entsprechen, die er während der Vor­bereitung und Erleuchtung wahrzunehmen gelernt hat. Es zeigt sich ihm, daß alles Vorhergehende nur wie ein Buchstabieren war. Jetzt erst fängt er an, in der höheren Welt zu lesen. In einem großen Zusammenhang erscheint ihm alles, was vorher nur vereinzelte Figur, Ton, Farbe war. Jetzt erst gewinnt er die rechte Sicherheit im Beob­achten der höheren Welten. Vorher konnte er nie mit Be­stimmtheit wissen, ob die Dinge, die er gesehen hat, auch richtig gesehen waren. Und jetzt erst kann eine geregelte Verständigung zwischen dem Kandidaten und dem Ein­geweihten auf den Gebieten des höheren Wissens statt­finden. Denn wie auch das Zusammenleben eines Einge­weihten mit einem anderen Menschen im gewöhnlichen Leben gestaltet sein mag: von dem höheren Wissen in unmittelbarer Gestalt kann der Eingeweihte nur in der erwähnten Zeichensprache etwas mitteilen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch diese Sprache wird der Geheimschüler auch be­kannt mit gewissen Verhaltungsmaßregeln für das Leben. Er lernt gewisse Pflichten kennen, von denen er vorher nichts gewußt hat. Und wenn er diese Verhaltungsmaßregeln kennengelernt hat, so kann er Dinge vollbringen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|80}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die eine Bedeutung haben, wie sie niemals die Taten eines Uneingeweihten haben können. Er handelt von den höhe­ren Welten aus. Die Anweisungen zu solchen Handlun­gen können nur in der angedeuteten Schrift verstanden werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es muß aber betont werden, daß es Menschen gibt, die solche Handlungen unbewußt auszuführen vermögen, trotzdem sie nicht eine Geheimschulung durchgemacht haben. Solche «Helfer der Welt und Menschheit» schreiten segnend und wohltuend durchs Leben. Ihnen sind durch Gründe, die hier nicht zu erörtern sind, Gaben ver­liehen worden, die übernatürlich erscheinen. Was sie von dem Geheimschüler unterscheidet, ist lediglich das, daß dieser mit Bewußtsein, mit voller Einsicht in den ganzen Zusammenhang handelt. Er erringt eben durch Schulung, was jenen von höheren Mächten zum Heile der Welt beschert worden ist. Die Gottbegnadeten kann man aufrich­tig verehren; aber deswegen darf man die Arbeit der Schu­lung nicht für überflüssig halten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hat der Geheimschüler die erwähnte Zeichenschrift ge­lernt, dann beginnt für ihn eine weitere «Probe». Durch diese muß sich erweisen, ob er sich frei und sicher in der höheren Welt bewegen kann. Im gewöhnlichen Leben wird der Mensch durch Antriebe von außen zu seinen Handlungen bewogen. Er arbeitet dieses oder jenes, weil ihm die Verhältnisse, diese oder jene Pflichten auferlegen. Es braucht wohl kaum erwähnt zu werden, daß der Ge­heimschüler keine seiner Pflichten im gewöhnlichen Le­ben versäumen darf, weil er in höheren Welten lebt. Keine Pflicht in einer höheren Welt kann jemanden zwin­gen, eine einzige seiner Pflichten in der gewöhnlichen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|81}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
außer acht zu lassen. Der Familienvater bleibt ebenso guter Familienvater, die Mutter ebenso gute Mutter, der Beamte wird von nichts abgehalten, ebensowenig der Soldat oder ein anderer, wenn sie Geheimschüler werden. Im Gegen­teil: alle die Eigenschaften, die den Menschen im Leben tüchtig machen, steigern sich bei dem Geheimschüler in einem Maße, von dem sich der Uneingeweihte keinen Begriff machen kann. Und wenn das dem Uneingeweihten auch oft nicht immer, sogar selten nicht so erscheint, dann rührt das nur davon her, daß er den Eingeweihten nicht immer richtig zu beurteilen vermag. Was letzterer tut, ist manchmal dem anderen nicht sogleich durchsich­tig. Aber auch das ist, wie gesagt, nur in besonderen Fäl­len zu bemerken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den auf der genannten Stufe der Einweihung An­gelangten gibt es nun Pflichten, zu denen kein äußerer Anstoß vorhanden ist. Er wird in diesen Dingen nicht durch äußere Verhältnisse,, sondern nur durch jene Maßregeln veranlaßt, welche ihm in der «verborgenen» Spra­che offenbar werden. Nun muß er durch die zweite «Probe» zeigen, daß er, geführt von einer solchen Maßregel, ebenso sicher und fest handelt, wie etwa ein Beamter seine ihm obliegenden Pflichten vollführt. Zu die­sem Zwecke wird durch die Geheimschulung der Kandi­dat sich vor eine bestimmte Aufgabe gestellt fühlen. Dieser soll eine Handlung ausführen infolge von Wahr­nehmungen, die er macht auf Grund dessen, was er auf der Vorbereitungs- und Erleuchtungsstufe gelernt hat. Und was er auszuführen hat, das muß er erkennen durch die gekennzeichnete Schrift, die er sich angeeignet hat. Er­kennt er seine Pflicht und handelt er richtig, dann hat er&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|82}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die Probe bestanden. Man erkennt den Erfolg an der Ver­änderung, die sich mit den als Figuren, Farben und Tönen empfundenen Wahrnehmungen der Geistesohren und -augen durch die Handlung vollzieht. In den Fortschrit­ten der Geheimschulung wird ganz genau angegeben, wie diese Figuren und so weiter nach der Handlung aussehen, empfunden werden. Und der Kandidat muß wissen, wie er eine solche Veränderung hervorzubringen vermag. Man nennt diese Probe die «Wasserprobe», weil bei der Tätigkeit in diesen höheren Gebieten dem Menschen die Stütze durch die äußeren Verhältnisse so fehlt, wie beim Bewegen im Wasser, dessen Grund man nicht erreicht, die Stütze fehlt. Der Vorgang muß so oft wiederholt werden, bis der Kandidat völlige Sicherheit hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch bei dieser Probe handelt es sich um das Erwerben einer Eigenschaft; und durch die Erfahrungen in der höhe­ren Welt bildet der Mensch diese Eigenschaft in kurzer Zeit in einem solch hohen Grade aus, daß er im gewöhn­lichen Verlaufe der Entwickelung wohl durch viele Ver­körperungen hindurchgehen müßte, um ihn zu erreichen. Worauf es nämlich ankommt, ist das Folgende. Der Kan­didat darf, um die angegebene Veränderung auf dem höheren Gebiet des Daseins hervorzubringen, lediglich dem folgen, was sich ihm auf Grund seiner höheren Wahrnehmung und als Folge seines Lesens der verbor­genen Schrift ergibt. Würde er während seiner Handlung irgend etwas von seinen Wünschen, Meinungen und so weiter einmischen, folgte er nur einen Augenblick nicht den Gesetzen, die er als richtig erkannt hat, sondern seiner Willkür: dann würde etwas ganz anderes geschehen, als geschehen soll. In diesem Falle verlöre der Kandidat sofort&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|83}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die Richtung auf sein Ziel der Handlung, und Ver­wirrung träte ein. Daher hat der Mensch durch diese Probe in reichlichstem Maße Gelegenheit, seine Selbst­beherrschung auszubilden. Und darauf kommt es an. Wie­der kann daher diese Probe von denen leichter bestanden werden, die vor der Einweihung durch ein Leben gegan­gen sind, das ihnen die Erwerbung der Selbstbeherrschung gebracht hat. Wer sich die Fähigkeit erworben hat, hohen Grundsätzen und Idealen mit Hintansetzung der persön­lichen Laune und Willkür zu folgen, wer versteht, die Pflicht auch immer da zu erfüllen, wo die Neigungen und Sympathien gar zu gerne von dieser Pflicht ablenken wol­len, der ist unbewußt schon mitten im gewöhnlichen Le­ben ein Eingeweihter. Und nur ein Geringes wird notwen­dig sein, damit er die geschilderte Probe bestehe. Ja, es muß sogar gesagt werden, daß ein gewisser schon im Le­ben unbewußt erlangter Grad von Einweihung in der Regel durchaus notwendig sein wird, um die zweite Probe zu bestehen. Denn wie es vielen Menschen, die in der Ju­gend nicht richtig schreiben gelernt haben, schwer wird, dies nachzuholen, wenn sie einmal die volle Lebensreife erlangt haben, so wird es auch schwer, den notwendigen Grad von Selbstbeherrschung beim Einblicke in die höhe­ren Welten auszubilden, wenn man nicht schon vorher darinnen einen gewissen Grad im alltäglichen Leben sich angeeignet hat. Die Dinge der physischen Welt ändern sich nicht, was wir auch wünschen, begehren, was immer wir auch für Neigungen haben. In den höheren Welten aber sind unsere Wünsche, Begierden und Neigungen von Wirkung für die Dinge. Wollen wir da auf die Dinge in entsprechender Weise wirken, so müssen wir uns ganz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|84}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
in unserer Gewalt haben, müssen lediglich den richtigen Maßregeln folgen und keinerlei Willkür unterworfen sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Eigenschaft des Menschen, die auf dieser Stufe der Einweihung ganz besonders in Betracht kommt, ist eine unbedingt gesunde und sichere Urteilskraft. Auf die Her­anbildung einer solchen muß schon auf allen früheren Stufen gesehen werden; und auf dieser muß es sich erwei­sen, ob der Kandidat sie so handhabt, daß er für den wah­ren Erkenntnispfad geeignet ist. Er kann nur dann weiter­kommen, wenn er Illusion, wesenlose Phantasiegebilde, Aberglauben und alle Art von Blendwerk von der wahren Wirklichkeit unterscheiden kann. Und auf den höheren Stufen des Daseins ist das zunächst schwieriger als auf den niederen. Da muß jedes Vorurteil, jede liebgewordene Meinung schwinden in bezug auf die Dinge, auf die es ankommt; und einzig und allein die Wahrheit muß Richt­schnur sein. Vollkommene Bereitschaft muß vorhanden sein, einen Gedanken, eine Ansicht, eine Neigung sofort aufzugeben, wenn das logische Denken solches fordert. Gewißheit in höheren Welten ist nur zu erlangen, wenn man nie die eigene Meinung schont.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Menschen mit einer Denkungsart, die zur Phantastik, zum Aberglauben neigt, können auf dem Geheimpfade keinen Fortschritt machen. Ein kostbares Gut soll ja der Geheimjünger erringen. Alle Zweifel an den höheren Welten werden von ihm genommen. Diese enthüllen sich in ihren Gesetzen vor seinen Blicken. Aber er kann dieses Gut nicht erringen, solange er sich von Blendwerken und Illusionen täuschen läßt. Schlimm wäre es für ihn, wenn seine Phantasie, seine Vorurteile mit seinem Verstande&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|85}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
durchgingen. Träumer und Phantasten sind für den Ge­heimpfad ebenso ungeeignet wie abergläubische Perso­nen. Das alles kann nicht genug betont werden. Denn in Träumerei, Phantastik und Aberglauben lauern die schlimmsten Feinde auf dem Wege zu Erkenntnissen in höheren Welten. Es braucht aber auch niemand zu glauben, daß dem Geheimjünger die Poesie des Lebens, die Begeisterungsfähigkeit verlorengehe, weil über dem Tore, das zur zweiten Probe der Einweihung führt, die Worte stehen: «Alle Vorurteile müssen von dir fallen», und weil er an der Eingangspforte zur ersten Probe bereits lesen muß: «Ohne gesunden Menschenverstand sind alle deine Schritte vergebens.»&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ist der Kandidat in dieser Art weit genug vorgeschrit­ten, so wartet die dritte «Probe» auf ihn. Bei dieser wird ihm kein Ziel fühlbar. Es ist alles in seine eigene Hand gelegt. Er befindet sich in einer Lage, wo ihn nichts zum Handeln veranlaßt. Er muß ganz allein aus sich seinen Weg finden. Dinge oder Personen, die ihn zu etwas bewegen, sind nicht da. Nichts und niemand kann ihm jetzt die Kraft geben, die er braucht, als nur er selbst. Fände er diese Kraft nicht in sich selbst, so stände er sehr bald wie­der da, wo er vorher gestanden hat. Doch muß man sagen, daß nur wenige von denen, welche die vorigen Proben bestanden haben, hier diese Kraft nicht finden werden. Man bleibt entweder schon vorher zurück, oder man besteht auch hier. Alles, was nötig ist, das besteht darinnen, rasch mit sich selbst zurecht zu kommen. Denn man muß hier sein «höheres Selbst» im wahrsten Sinne des Wortes finden. Man muß sich rasch entschließen, auf die Ein­gebung des Geistes in allen Dingen zu hören. Zeit zu&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|86}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
irgendwelchen Bedenken, Zweifeln und so weiter hat man hier nicht mehr. Jede Minute Zögerung würde nur beweisen, daß man noch nicht reif ist. Was abhält, auf den Geist zu hören, muß kühn überwunden werden. Es kommt darauf an, Geistesgegenwart in dieser Lage zu be­weisen. Und das ist auch die Eigenschaft, auf deren voll­kommene Ausbildung es auf dieser Entwickelungsstufe abgesehen ist. Alle Verlockungen zum Handeln, ja selbst zum Denken, an die ein Mensch vorher gewöhnt war, hören auf. Um nicht untätig zu bleiben, darf der Mensch sich selbst nicht verlieren. Denn nur in sich selbst kann er den einzigen festen Punkt finden, an den er sich zu hal­ten vermag. Niemand, der dies hier liest, ohne weiter mit den Sachen vertraut zu sein, sollte eine Antipathie emp­finden gegen dieses Zurückgewiesensein auf sich selbst. Denn es bedeutet für den Menschen die schönste Glück­seligkeit, wenn er die geschilderte Probe besteht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und nicht weniger als in den anderen Fällen ist auch für diesen Punkt das gewöhnliche Leben für viele Menschen schon eine Geheimschule. Personen, die es dahin gebracht haben, daß sie, vor plötzlich an sie herantretende Lebensaufgaben gestellt, ohne Zögern, ohne viel Beden­ken eines raschen Entschlusses fähig sind, ihnen ist das Leben eine solche Schulung. Die geeigneten Lagen sind diejenigen, wo ein erfolgreiches Handeln sofort unmög­lich wird, wenn der Mensch nicht rasch eingreift. Wer rasch bei der Hand ist, zuzugreifen, wenn ein Unglück in Sicht ist, während durch einige Augenblicke Zögerung das Unglück bereits geschehen wäre, und wer eine solche rasche Entschlußfähigkeit zu einer bleibenden Eigen­schaft bei sich gemacht hat, der hat unbewußt die Reife&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|87}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
für die dritte «Probe» erworben. Denn auf die Heranbildung der unbedingten Geistesgegenwart kommt es bei ihr an. Man nennt sie in den Geheimschulen die «Luftprobe», weil der Kandidat bei ihr sich weder auf den festen Boden der äußeren Veranlassungen stützen kann noch auf dasjenige, was sich aus den Farben, Formen und so weiter ergibt, die er durch Vorbereitung und Erleuch­tung kennengelernt hat, sondern ausschließlich auf sich selbst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hat der Geheimjünger diese Probe bestanden, dann darf er den «Tempel der höheren Erkenntnisse» betre­ten. Was darüber weiter zu sagen ist, kann nur die aller­spärlichste Andeutung sein. Was jetzt zu leisten ist, wird oft so ausgedrückt, daß man sagt: der Geheimjünger habe einen «Eid» zu leisten, nichts von den Geheimlehren zu «verraten». Doch sind die Ausdrücke «Eid» und «ver­raten» keineswegs sachgemäß und sogar zunächst irreführend. Es handelt sich um keinen «Eid» im gewöhn­lichen Sinne des Wortes. Man macht vielmehr auf dieser Stufe der Entwickelung eine Erfahrung. Man lernt, wie man die Geheimlehre anwendet, wie man sie in den Dienst der Menschheit stellt. Man fängt an, die Welt erst recht zu verstehen. Nicht auf das «Verschweigen» der höheren Wahrheiten kommt es da an, sondern vielmehr auf die rechte Art, den entsprechenden Takt, sie zu ver­treten. Worüber man «schweigen» lernt, das ist etwas ganz anderes. Man eignet sich diese herrliche Eigenschaft nämlich in bezug auf vieles an, worüber man vorher ge­redet hat, namentlich auf die Art, wie man geredet hat. Ein schlechter Eingeweihter wäre der, welcher nicht die erfahrenen Geheimnisse in den Dienst der Welt stellte, so&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|88}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gut und soweit dies nur möglich ist. Es gibt kein anderes Hindernis für die Mitteilung auf diesem Gebiete als allein das Nichtverstehen von seiten dessen, der empfangen soll. Zum beliebigen Reden darüber eignen sich allerdings die höheren Geheimnisse nicht. Aber es ist niemandem etwas «verboten» zu sagen, der die beschriebene Stufe der Ent­wickelung erlangt hat. Kein anderer Mensch und kein Wesen legt ihm einen dahingehenden «Eid» auf. Alles ist in seine eigene Verantwortlichkeit gestellt. Was er lernt, ist, in jeder Lage ganz durch sich selbst zu finden, was er zu tun hat. Und der «Eid» bedeutet nichts, als daß der Mensch reif geworden ist, eine solche Verantwortung tra­gen zu können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ist der Kandidat reif geworden zu dem Beschriebenen, dann erhält er dasjenige, was man sinnbildlich als den «Vergessenheitstrunk» bezeichnet. Er wird nämlich in das Geheimnis eingeweiht, wie man wirken kann, ohne sich durch das niedere Gedächtnis fortwährend stören zu las­sen. Das ist für den Eingeweihten notwendig. Denn er muß stets das volle Vertrauen in die unmittelbare Gegen­wart haben. Er muß die Schleier der Erinnerung zerstören können, die sich in jedem Augenblick des Lebens um den Menschen ausbreiten. Wenn ich etwas, was mir heute be­gegnet, nach dem beurteile, was ich gestern erfahren habe, so bin ich vielfachen Irrtümern unterworfen. Natür­lich ist damit nicht gemeint, daß man seine im Leben ge­wonnene Erfahrung verleugne. Man soll sich sie immer gegenwärtig halten, so gut man kann. Aber man muß als Eingeweihter die Fähigkeit haben, jedes neue Erlebnis aus sich selbst zu beurteilen, es ungetrübt durch alle Ver­gangenheit auf sich wirken zu lassen. Ich muß in jedem&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|89}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Augenblicke darauf gefaßt sein, daß mir ein jegliches Ding oder Wesen eine ganz neue Offenbarung bringen kann. Beurteile ich das Neue nach dem Alten, so bin ich dem Irrtum unterworfen. Gerade dadurch wird mir die Erinnerung an alte Erfahrungen am nützlichsten, daß sie mich befähigt, Neues zu sehen. Hätte ich eine bestimmte Erfahrung nicht, so würde ich die Eigenschaft eines Din­ges oder eines Wesens, die mir entgegentreten, vielleicht gar nicht sehen. Aber eben zum Sehen des Neuen, nicht zur Beurteilung des Neuen nach dem Alten soll die Er­fahrung dienen. In dieser Beziehung erlangt der Ein­geweihte ganz bestimmte Fähigkeiten. Dadurch enthül­len sich ihm viele Dinge, die dem Uneingeweihten ver­borgen bleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der zweite «Trank», der dem Eingeweihten verabreicht wird, ist der «Gedächtnistrank». Durch ihn erlangt er die Fähigkeit, höhere Geheimnisse stets im Geiste gegenwär­tig zu haben. Dazu würde das gewöhnliche Gedächtnis nicht ausreichen. Man muß ganz eins werden mit den höheren Wahrheiten. Man muß sie nicht nur wissen, son­dern ganz selbstverständlich in lebendigem Tun hand­haben, wie man als gewöhnlicher Mensch ißt und trinkt. Übung, Gewöhnung, Neigung müssen sie werden. Man muß gar nicht über sie in gewöhnlichem Sinne nachzu­denken brauchen; sie müssen sich durch den Menschen selbst darstellen, durch ihn fließen wie die Lebensfunk­tionen seines Organismus. So macht er sich in geistigem Sinne immer mehr zu dem, wozu ihn im physischen die Natur gemacht hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|90}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= PRAKTISCHE GESICHTSPUNKTE =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn der Mensch seine Ausbildung in bezug auf Gefühle, Gedanken und Stimmungen so durchmacht, wie dies in den Kapiteln über Vorbereitung, Erleuchtung und Einweihung beschrieben worden ist, so bewirkt er in sei­ner Seele und in seinem Geist eine ähnliche Gliederung, wie sie die Natur in seinem physischen Leibe bewirkt hat. Vor dieser Ausbildung sind Seele und Geist ungegliederte Massen. Der Hellseher nimmt sie wahr als ineinandergreifende, spiralige Nebelwirbel, die vorzugsweise wie rötliche und rötlichbraune oder auch rötlichgelbe Farben matt glimmend empfunden werden; nach der Ausbildung beginnen sie wie die gelblichgrünen, grünlichblauen Far­ben geistig zu erglänzen und zeigen einen regelmäßigen Bau. Der Mensch gelangt zu solcher Regelmäßigkeit und damit zu höheren Erkenntnissen, wenn er in seine Ge­fühle, Gedanken und Stimmungen solche Ordnung bringt, wie sie die Natur in seine körperlichen Verrichtungen gebracht hat, so daß er sehen, hören, verdauen, atmen, sprechen und so weiter kann. Mit der Seele atmen und sehen und so weiter, mit dem Geiste hören und sprechen und so weiter lernt der Geheimschüler allmählich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es sollen hier nur noch einige praktische Gesichts­punkte genauer ausgeführt werden, die zur höheren See­len- und Geisteserziehung gehören. Es sind solche, die im Grunde jeder, ohne auf andere Regeln Rücksicht zu nehmen, befolgen kann und durch die er in der Geheimwis­senschaft eine Strecke weit gelangt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine besondere Ausbildung muß man in der Geduld anstreben. Jede Regung der Ungeduld wirkt lähmend, ja&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|91}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ertötend auf die im Menschen schlummernden höheren Fähigkeiten. Man soll nicht verlangen, daß sich von heute auf morgen unermeßliche Einblicke in die höheren Wel­ten eröffnen. Denn dann kommen sie in der Regel ganz gewiß nicht; Zufriedenheit mit dem Geringsten, das man erreicht, Ruhe und Gelassenheit sollen sich der Seele immer mehr bemächtigen. Es ist ja begreiflich, daß der Lernende ungeduldig die Ergebnisse erwartet. Dennoch erlangt er nichts, solange er diese Ungeduld nicht be­meistert. Es nützt auch nichts, wenn man diese Ungeduld nur in gewöhnlichem Sinne des Wortes bekämpft. Dann wird sie nur um so stärker. Man täuscht sich dann über sie hinweg, und in den Tiefen der Seele sitzt sie nur um so stärker. Nur wenn man sich einem ganz bestimmten Gedanken immer wieder hingibt, ihn ganz sich zu eigen macht, erreicht man etwas. Dieser Gedanke ist: «Ich muß zwar alles tun zu meiner Seelen- und Geistesausbildung; aber ich werde ganz ruhig warten, bis ich von höheren Mächten für würdig befunden werde zu bestimmter Er­leuchtung.» Wird dieser Gedanke im Menschen so mäch­tig, daß er zur Charakteranlage sich gestaltet, dann ist man auf dem rechten Wege. Schon im Äußerlichen prägt sich dann diese Charakteranlage aus. Der Blick des Auges wird ruhig, die Bewegungen sicher, die Entschlüsse be­stimmt, und alles, was man Nervosität nennt, weicht all­mählich von dem Menschen. Scheinbar unbedeutende, kleine Regeln kommen dabei in Betracht. Zum Beispiel es fügt uns jemand eine Beleidigung zu. Vor unserer Geheimerziehung wenden wir unser Gefühl gegen den Be­leidiger. Ärger wallt in unserem Innern auf. In dem Ge­heimschüler aber steigt sofort bei einer solchen Gelegenheit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|92}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der Gedanke auf: «Eine solche Beleidigung ändert nichts an meinem Werte»; und er tut dann, was gegen die Beleidigung zu unternehmen ist, mit Ruhe und Gelassen­heit, nicht aus dem Ärger heraus. Es kommt natürlich nicht darauf an, etwa jede Beleidigung einfach hinzuneh­men, sondern darauf, daß man so ruhig und sicher in der Ahndung einer Beleidigung der eigenen Person gegen­über ist, wie man wäre, wenn die Beleidigung einem anderen zugefügt worden wäre, bei dem man das Recht hat, sie zu ahnden. Immer muß berücksichtigt werden, daß sich die Geheimschulung nicht in groben äußeren Vorgängen, sondern in feinen, stillen Umwandlungen des Gefühls­- und Gedankenlebens vollzieht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Geduld wirkt anziehend auf die Schätze des höheren Wissens. Ungeduld wirkt auf sie abstoßend. In Hast und Unruhe kann nichts auf den höheren Gebieten des Daseins erlangt werden. Vor allen Dingen müssen Verlan­gen und Begierde schweigen. Das sind Eigenschaften der Seele, vor denen sich alles höhere Wissen scheu zurückzieht. So wertvoll auch alle höhere Erkenntnis ist: man darf sie nicht verlangen, wenn sie zu uns kommen soll. Wer sie haben will um seiner selbst willen, der erlangt sie nie. Und das erfordert vor allem, daß man in tiefster Seele wahr gegen sich selbst sei. Man darf sich in nichts über sich selbst täuschen. Man muß seinen eigenen Feh­lern, Schwächen und Untauglichkeiten mit innerer Wahr­haftigkeit ins Antlitz schauen. In dem Augenblicke, wo du irgendeine deiner Schwächen vor dir selbst entschul­digst, hast du dir einen Stein hingelegt auf den Weg, der dich aufwärts führen soll. Solche Steine kannst du nur durch Selbstaufklärung über dich beseitigen. Es gibt nur&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|93}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
einen Weg, seine Fehler und Schwächen abzulegen, und der ist: sie richtig zu erkennen. Alles schlummert in der Menschenseele und kann erweckt werden. Auch seinen Verstand und seine Vernunft kann der Mensch verbessern, wenn er sich in Ruhe und Gelassenheit darüber aufklärt, warum er in dieser Beziehung schwach ist. Solche Selbsterkenntnis ist natürlich schwierig, denn die Ver­suchung zur Täuschung über sich selbst ist eine unermeß­lich große. Wer sich an Wahrheit gegen sich selbst ge­wöhnt, öffnet sich die Pforten zu höherer Einsicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schwinden muß beim Geheimschüler eine jegliche Neugierde. Er muß sich soviel wie möglich das Fragen abgewöhnen über Dinge, die er nur zur Befriedigung sei­nes persönlichen Wissensdranges wissen will. Nur das soll er fragen, was ihm zur Vervollkommnung seiner We­senheit im Dienste der Entwickelung dienen kann. Dabei soll in ihm aber die Freude, die Hingabe an das Wissen in keiner Weise gelähmt werden. Auf alles, was zu sol­chem Ziele dient, soll er andächtig hinhorchen und jede Gelegenheit zu solcher Andacht aufsuchen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Insbesondere ist zur Geheimausbildung eine Erziehung des Wunschlebens notwendig. Man soll nicht etwa wunschlos werden. Denn alles, was wir erreichen sollen, sollen wir ja auch wünschen. Und ein Wunsch wird immer in Erfüllung gehen, wenn hinter ihm eine ganz besondere Kraft steht. Diese Kraft kommt aus der richtigen Erkennt­nis. «In keiner Art zu wünschen, bevor man das Richtige auf einem Gebiete erkannt hat», das ist eine der goldenen Regeln für den Geheimschüler. Der Weise lernt zuerst die Gesetze der Welt kennen, dann werden seine Wünsche zu Kräften, welche sich verwirklichen. Ein Beispiel, das&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|94}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
deutlich wirkt, soll hier angeführt werden. Gewiß wün­schen viele, aus eigener Anschauung über ihr Leben vor ihrer Geburt etwas zu erfahren. Solcher Wunsch ist ganz zwecklos und ergebnislos, solange der Betreffende sich nicht die Erkenntnis der Gesetze durch geisteswissen­schaftliches Studium angeeignet hat und zwar in ihrem feinsten, intimsten Charakter von dem Wesen des Ewi­gen. Hat er sich aber diese Erkenntnis wirklich erworben, und will er dann weiterkommen, so wird er es durch sei­nen veredelten, geläuterten Wunsch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es nützt auch nichts, zu sagen: Ja, ich will ja ge­rade mein vorhergehendes Leben übersehen und zu dem Zwecke eben lernen. Man muß vielmehr imstande sein, diesen Wunsch ganz fallenzulassen, ganz von sich auszuschalten, und zunächst ganz ohne diese Absicht lernen. Man muß die Freude, die Hingebung an dem Gelernten entwickeln ohne die genannte Absicht. Denn nur da­durch lernt man zugleich den entsprechenden Wunsch so zu haben, daß er seine Erfüllung nach sich zieht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;*&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn ich zornig bin oder mich ärgere, so richte ich einen Wall in der Seelenwelt um mich auf, und die Kräfte können nicht an mich herantreten, welche meine seeli­schen Augen entwickeln sollen. Ärgert mich zum Beispiel ein Mensch, so schickt er einen seelischen Strom in die Seelenwelt. Ich kann diesen Strom so lange nicht sehen, als ich noch fähig bin, mich zu ärgern. Mein Ärger ver­deckt ihn mir. Nun darf ich auch nicht glauben, daß ich sofort eine seelische (astralische) Erscheinung haben werde, wenn ich mich nicht mehr ärgere. Denn dazu ist&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|95}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
notwendig, daß sich erst in mir ein seelisches Auge ent­wickele. Aber die Anlage zu einem solchen Auge liegt in jedem Menschen. Es bleibt unwirksam, solange der Mensch fähig ist, sich zu ärgern. Aber es ist auch noch nicht sogleich da, wenn man ein wenig das Ärgern be­kämpft hat. Man muß vielmehr fortfahren in dieser Be­kämpfung des Ärgers und in Geduld immer wieder fort­fahren; dann wird man eines Tages bemerken, daß sich dieses seelische Auge entwickelt hat. Allerdings ist nicht der Ärger das einzige, was man zu solchem Ziele zu bekämpfen hat. Viele werden ungeduldig oder zweifelnd, weil sie jahrelang einige Eigenschaften der Seele bekämpft haben und das Hellsehen doch nicht eintritt. Sie haben dann eben einige Eigenschaften ausgebildet und andere um so mehr überwuchern lassen. Die Gabe des Hellsehens tritt erst dann ein, wenn alle Eigenschaften unterdrückt sind, welche die entsprechenden schlummernden Fähigkeiten nicht herauskommen lassen. Allerdings stellen sich Anfänge des Schauens (oder Hörens) schon früher ein; aber das sind zarte Pflänzchen, die leicht allem möglichen Irrtum unterworfen sind und die auch leicht absterben, wenn sie nicht sorgfältig weiter gehegt und ge­pflegt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu den Eigenschaften, die zum Beispiel ebenso be­kämpft werden müssen wie Zorn und Ärger, gehören Furchtsamkeit, Aberglaube und Vorurteilssucht, Eitelkeit und Ehrgeiz, Neugierde und unnötige Mitteilungssucht, das Unterschiedmachen in bezug auf Menschen nach äußerlichen Rang-, Geschlechts-, Stammeskennzeichen und so weiter. In unserer Zeit wird man recht schwer begreifen, daß die Bekämpfung solcher Eigenschaften etwas&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|96}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
zu tun habe mit der Erhöhung der Erkenntnisfähigkeit. Aber jeder Geheimwissenschafter weiß, daß von solchen Dingen viel mehr abhängt als von der Erweiterung der Intelligenz und von dem Anstellen künstlicher Übungen. Insbesondere kann leicht ein Mißverständnis darüber ent­stehen, wenn manche glauben, daß man sich tollkühn machen solle, weil man furchtlos sein soll, daß man sich vor den Unterschieden der Menschen verschließen soll, weil man die Standes-, Rassen- und so weiter Vorurteile bekämpfen soll. Man lernt vielmehr erst richtig erkennen, wenn man nicht mehr in Vorurteilen befangen ist. Schon in gewöhnlichem Sinne ist es richtig, daß mich die Furcht vor einer Erscheinung hindert, sie klar zu beurtei­len, daß mich ein Rassenvorurteil hindert, in eines Men­schen Seele zu blicken. Diesen gewöhnlichen Sinn muß der Geheimschüler in großer Feinheit und Schärfe bei sich zur Entwickelung bringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen Stein in den Weg der Geheimerziehung wirft dem Menschen auch alles, was er sagt, ohne daß er es gründlich in seinen Gedanken geläutert hat. Und dabei muß etwas in Betracht kommen, was hier nur durch ein Beispiel erläutert werden kann. Wenn mir jemand zum Beispiel etwas sagt und ich habe darauf zu erwidern, so muß ich bemüht sein, des anderen Meinung, Gefühl, ja Vorurteil mehr zu beachten, als was ich im Augenblicke selbst zu der in Rede stehenden Sache zu sagen habe. Hiermit ist eine feine Taktausbildung angedeutet, welcher sich der Geheimschüler sorgfältig zu widmen hat. Er muß sich ein Urteil darüber aneignen, wie weit es für den anderen eine Bedeutung hat, wenn er der seinigen die eigene Mei­nung entgegenhält. Nicht zurückhalten soll man deshalb&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|97}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
mit seiner Meinung. Davon kann nicht im entferntesten die Rede sein. Aber man soll so genau als nur irgend mög­lich auf den anderen hinhören und aus dem, was man ge­hört hat, die Gestalt seiner eigenen Erwiderung formen. Immer wieder steigt in einem solchen Falle in dem Ge­heimschüler ein Gedanke auf; und er ist auf dem rechten Wege, wenn dieser Gedanke in ihm so lebt, daß er Cha­rakteranlage geworden ist. Dies ist der Gedanke: «Nicht darauf kommt es an, daß ich etwas anderes meine als der andere, sondern darauf, daß der andere das Richtige aus Eigenem finden wird, wenn ich etwas dazu beitrage.» Durch solche und ähnliche Gedanken überströmt den Charakter und die Handlungsweise des Geheimschülers das Gepräge der Milde, die ein Hauptmittel aller Geheimschulung ist. Härte verscheucht um dich herum die Seelengebilde, die dein seelisches Auge erwecken sollen; Milde schafft dir die Hindernisse hinweg und öffnet deine Organe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und mit der Milde wird sich alsbald ein anderer Zug in der Seele ausbilden: das ruhige Achten auf alle Feinheiten des seelischen Lebens in der Umgebung bei völli­ger Schweigsamkeit der eigenen Seelenregungen. Und hat es ein Mensch zu diesem gebracht, dann wirken die Seelenregungen seiner Umgebung auf ihn so ein, daß die eigene Seele wächst und wachsend sich gliedert, wie die Pflanze gedeiht im Sonnenlichte. Milde und Schweigsam­keit in wahrer Geduld öffnen die Seele der Seelenwelt, den Geist dem Geisterlande. «Verharre in Ruhe und Ab­geschlossenheit, schließe die Sinne für das, was sie dir vor deiner Geheimschulung überliefert haben, bringe alle Gedanken zum Stillstand, die nach deinen vorherigen Ge­wohnheiten in dir auf- und abwogten, werde ganz still&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
und schweigsam in deinem Innern und warte in Geduld, dann fangen höhere Welten an, deine Seelenaugen und Geistesohren auszubilden. Du darfst nicht erwarten, daß du sogleich siehst und hörst in der Seelen- und Geisterwelt. Denn was du tust, trägt nur bei, deine höheren Sinne aus­zubilden. Seelisch sehen und geistig hören aber wirst du erst, wenn du diese Sinne haben wirst. Hast du eine Weile so in Ruhe und Abgeschlossenheit verharrt, so gehe an deine gewohnten Tagesgeschäfte, indem du dir vorher noch tief den Gedanken eingeprägt: es wird mir einmal werden, was mir werden soll, wenn ich dazu reif bin. Und unterlasse es streng, etwas von den höheren Gewalten durch deine Willkür an dich zu ziehen.» Das sind Anwei­sungen, die jeder Geheimschüler von seinem Lehrer im Beginne des Weges erhält. Beobachtet er sie, dann ver­vollkommnet er sich. Beobachtet er sie nicht, dann ist alles Arbeiten vergebens. Aber sie sind nur für den schwie­rig, der nicht Geduld und Standhaftigkeit hat. Es gibt keine anderen Hindernisse, als diejenigen sind, die sich ein jeder selbst in den Weg wirft und die auch jeder vermei­den kann, wenn er wirklich will. Das muß immer wieder betont werden, weil sich viele eine ganz falsche Vorstel­lung bilden über die Schwierigkeiten des Geheimpfades. Es ist in gewissem Sinne leichter, die ersten Stufen dieses Pfades zu überschreiten, als ohne Geheimschulung mit den alleralltäglichsten Schwierigkeiten des Lebens fertig zu werden. Außerdem durften hier nur solche Dinge mitgeteilt werden, die von keinerlei Art von Gefahren begleitet sind für die körperliche und seelische Gesundheit. Es gibt ja auch andere Wege, die schneller zum Ziele füh­ren; aber mit diesen hat, was hier gemeint ist, nichts zu&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
tun, weil sie gewisse Wirkungen auf den Menschen haben können, die ein erfahrener Geheimkundiger nicht anstrebt. Da einiges von solchen Wegen doch immer wieder in die Öffentlichkeit dringt, so muß ausdrücklich davor gewarnt werden, sie zu betreten. Aus Gründen, die nur der Eingeweihte verstehen kann, können diese Wege nie in ihrer wahren Gestalt öffentlich bekanntgegeben wer­den. Und die Bruchstücke, die dort und da erscheinen, können zu nichts Gedeihlichem, wohl aber zur Untergrabung von Gesundheit, Glück und Seelenfrieden füh­ren. Wer sich nicht ganz dunklen Mächten anvertrauen will, von deren wahrem Wesen und Ursprung er nichts wissen kann, der vermeide es, sich auf solche Dinge ein­zulassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es kann noch einiges gesagt werden über die Um­gebung, in welcher die Übungen der Geheimschulung vorgenommen werden sollen. Denn darauf kommt einiges an. Doch liegt die Sache fast für jeden Menschen anders. Wer in einer Umgebung übt, die nur von selbstsüchtigen Interessen, zum Beispiel von dem modernen Kampfe ums Dasein, erfüllt ist, der muß sich bewußt sein, daß diese Interessen nicht ohne Einfluß bleiben auf die Ausbildung seiner seelischen Organe. Zwar sind die inneren Gesetze dieser Organe so stark, daß dieser Einfluß nicht ein allzu schädlicher werden kann. Sowenig eine Lilie durch eine noch so unangemessene Umgebung zu einer Distel wer­den kann, so wenig kann sich das seelische Auge zu etwas anderem bilden, als wozu es bestimmt ist, auch wenn die selbstsüchtigen Interessen der modernen Städte darauf einwirken. Aber gut ist es unter allen Umständen, wenn der Geheimschüler ab und zu den stillen Frieden und die&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|100}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
innere Würde und Anmut der Natur zu seiner Umgebung macht. Besonders günstig liegt die Sache bei dem, der seine Geheimschulung ganz in der grünen Pflanzenwelt oder zwischen sonnigen Bergen und dem lieben Weben der Einfalt vornehmen kann. Das treibt die inneren Organe in einer Harmonie heraus, die niemals in der modernen Stadt entstehen kann. Etwas besser als der bloße Stadtmensch ist auch schon derjenige gestellt, welcher wenigstens während seiner Kindheit Tannenluft atmen, Schneegipfel schauen und das stille Treiben der Waldtiere und Insekten beobachten durfte. Keiner derjenigen aber, denen es aufgegeben ist, in der Stadt zu leben, darf es unterlassen, seinen in Bildung begriffenen Seelen- und Geistesorganen als Nahrung die inspirierten Lehren der Geistesforschung zuzuführen. Wessen Auge nicht jeden Frühling die Wälder Tag für Tag in ihrem Grün verfol­gen kann, der sollte dafür seinem Herzen die erhabenen Lehren der Bhagavad-Gita, des Johannes-Evangeliums, des Thomas von Kempen und die Darstellungen der gei­steswissenschaftlichen Ergebnisse zuführen. Viele Wege gibt es zum Gipfel der Einsicht; aber eine richtige Wahl ist unerläßlich. Der Geheimkundige weiß gar manches über solche Wege zu sagen, was dem Uneingeweihten ab­sonderlich erscheint. Es kann zum Beispiel jemand sehr weit auf dem Geheimpfade sein. Er kann sozusagen un­mittelbar vor dem Öffnen der seelischen Augen und gei­stigen Ohren stehen; und dann hat er das Glück, eine Fahrt über das ruhige oder vielleicht auch das wildbewegte Meer zu machen, und eine Binde löst sich von seinen See­lenaugen: plötzlich wird er sehend. Ein anderer ist eben­falls so weit, daß diese Binde sich nur zu lösen braucht;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|101}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
es geschieht durch einen starken Schicksalsschlag. Auf einen anderen Menschen hätte dieser Schlag wohl den Einfluß gehabt, daß er seine Kraft lähmte, seine Energie untergrübe; für den Geheimschüler wird er zum Anlaß der Erleuchtung. Ein dritter harrt in Geduld aus; Jahre hindurch hat er so geharrt, ohne eine merkliche Frucht. Plötzlich in seinem ruhigen Sitzen in der stillen Kammer wird es geistig Licht um ihn, die Wände verschwinden, werden seelisch durchsichtig, und eine neue Welt breitet sich vor seinem sehend gewordenen Auge aus oder erklingt seinem hörend gewordenen Geistesohre.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
= DIE BEDINGUNGEN ZUR GEHEIMSCHULUNG =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bedingungen zum Antritt der Geheimschulung sind nicht solche, die von irgend jemand durch Willkür festgesetzt werden. Sie ergeben sich aus dem Wesen des Ge­heimwissens. Wie ein Mensch nicht Maler werden kann, der keinen Pinsel in die Hand nehmen will, so kann nie­mand eine Geheimschulung empfangen, der nicht erfül­len will, was die Geheimlehrer als notwendige Forderung angeben. Im Grunde kann der Geheimlehrer nichts geben als Ratschläge. Und in diesem Sinne ist auch alles aufzu­nehmen, was er sagt. Er hat die vorbereitenden Wege zum Erkennen der höheren Welten durchgemacht. Er weiß aus Erfahrung, was notwendig ist. Es hängt ganz von dem freien Willen des einzelnen ab, ob er die gleichen Wege wandeln will oder nicht. Wenn jemand verlangen wollte, daß ihm ein Lehrer eine Geheimschulung zukommen ließe, ohne die Bedingungen erfüllen zu wollen, so gliche eine solche Forderung eben durchaus der: lehre mich ma­len, aber befreie mich davon, einen Pinsel zu berühren. Der Geheimlehrer kann auch niemals etwas bieten, wenn ihm nicht der freie Wille des Aufzunehmenden entgegen­kommt. Aber es muß betont werden, daß der allgemeine Wunsch nach höherem Wissen nicht genügt. Diesen Wunsch werden natürlich viele haben. Wer nur diesen Wunsch hat, ohne auf die besonderen Bedingungen der Geheimschulung eingehen zu wollen, von dem kann zunächst nichts erreicht werden. Das sollen diejenigen be­denken, die sich darüber beklagen, daß die Geheimschu­lung ihnen nicht leicht wird. Wer die strengen Bedingun­gen nicht erfüllen kann oder will, der muß eben vorläufig&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|103}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
auf Geheimschulung verzichten. Zwar sind die Bedingun­gen streng, aber nicht hart, da ihre Erfüllung nicht nur eine freie Tat sein soll, sondern sogar sein muß.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer das nicht bedenkt, für den können die Forderun­gen der Geheimschulung leicht als Seelen- oder Gewissenszwang erscheinen. Denn die Schulung beruht ja auf einer Ausbildung des inneren Lebens; der Geheimlehrer muß also Ratschläge erteilen, die sich auf dieses innere Leben beziehen. Aber nichts kann als Zwang aufgefaßt werden, was als Ausfluß eines freien Entschlusses gefor­dert wird. Wenn jemand von dem Lehrer forderte: teile mir deine Geheimnisse mit, aber lasse mich bei meinen gewohnten Empfindungen, Gefühlen und Vorstellungen, so verlangt er eben etwas ganz Unmögliches. Er will dann nichts weiter als die Neugierde, den Wissenstrieb befrie­digen. Bei einer solchen Gesinnung kann aber Geheimwissen nie erlangt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es sollen nun der Reihe nach die Bedingungen für den Geheimschüler entwickelt werden. Es muß betont wer­den, daß bei keiner dieser Bedingungen eine vollständige Erfüllung verlangt wird, sondern lediglich das Streben nach einer solchen Erfüllung. Ganz erfüllen kann die Be­dingungen niemand; aber sich auf den Weg zu ihrer Er­füllung begeben kann jeder. Nur auf den Willen, auf die Gesinnung, sich auf diesen Weg zu begeben, kommt es an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die erste Bedingung ist: man richte sein Augenmerk darauf, die körperliche und geistige Gesundheit zu fördern. Wie gesund ein Mensch ist, das hängt zunächst natürlich nicht von ihm ab. Danach trachten, sich nach dieser Richtung zu fördern, das kann ein jeder. Nur aus einem gesunden Menschen kann gesunde Erkenntnis&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|104}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
kommen. Die Geheimschulung weist einen nicht gesun­den Menschen nicht zurück; aber sie muß verlangen, daß der Schüler den Willen habe, gesund zu leben. Dar­innen muß der Mensch die möglichste Selbständigkeit erlangen. Die guten Ratschläge anderer, die zumeist un­gefragt jedem zukommen, sind in der Regel ganz überflüssig. Ein jeder muß sich bestreben, selbst auf sich zu achten. Vielmehr wird es sich in physischer Beziehung darum handeln, schädliche Einflüsse abzuhalten, als um anderes. Um unsere Pflichten zu erfüllen, müssen wir uns ja oft Dinge auferlegen, die unserer Gesundheit nicht för­derlich sind. Der Mensch muß verstehen, im rechten Falle die Pflicht höher zu stellen als die Sorge um die Gesund­heit. Aber was kann nicht alles unterlassen werden bei einigem guten Willen! Die Pflicht muß in vielen Fällen höher stehen als die Gesundheit, ja oft höher als das Le­ben; der Genuß darf es bei dem Geheimschüler nie. Bei ihm kann der Genuß nur ein Mittel für Gesundheit und Leben sein. Und es ist in dieser Richtung durchaus not­wendig, daß man ganz ehrlich und wahrhaftig gegen sich selbst sei. Nichts nützt es, ein asketisches Leben zu führen, wenn dieses aus ähnlichen Beweggründen entspringt wie andere Genüsse. Es kann jemand an dem Asketismus ein Wohlgefallen haben wie ein anderer am Weintrinken. Er kann aber nicht hoffen, daß ihm dieser Asketismus etwas zu höherer Erkenntnis nütze. Viele schieben alles, was sie scheinbar hindert, sich nach dieser Richtung zu för­dern, auf ihre Lebenslage. Sie sagen: «Bei meinen Lebensverhältnissen kann ich mich nicht entwickeln.» Es mag für viele in anderer Beziehung wünschenswert sein, ihre Lebenslage zu ändern; zum Zwecke der Geheimschulung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|105}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
braucht dies kein Mensch zu tun. Zu diesem Ziele braucht man nur gerade in der Lage, in der man ist, so viel für seine leibliche und seelische Gesundheit zu tun, als mög­lich ist. Eine jegliche Arbeit kann dem Ganzen der Mensch­heit dienen; und es ist viel größer von der Menschenseele, sich klarzumachen, wie notwendig eine kleinliche, viel­leicht häßliche Arbeit für dieses Ganze ist, als zu glauben:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
«Diese Arbeit ist für mich zu schlecht, ich bin zu ande­rem berufen.» Besonders wichtig für den Geheimschü­ler ist das Streben nach völliger geistiger Gesundheit. Un­gesundes Gemüts- und Denkleben bringt auf alle Fälle von den Wegen zu höheren Erkenntnissen ab. Klares, ruhiges Denken, sicheres Empfinden und Fühlen sind hier die Grundlage. Nichts soll ja dem Geheimschüler ferner liegen als die Neigung zum Phantastischen, zum aufgeregten Wesen, zur Nervosität, zur Exaltation, zum Fana­tismus. Einen gesunden Blick für alle Verhältnisse des Lebens soll er sich aneignen; sicher soll er sich im Leben zurechtfinden; ruhig soll er die Dinge zu sich sprechen und auf sich wirken lassen. Er soll sich bemühen, überall, wo es nötig ist, dem Leben gerecht zu werden. Alles Überspannte, Einseitige soll in seinem Urteilen und Empfin­den vermieden werden. Würde diese Bedingung nicht er­füllt, so käme der Geheimschüler statt in höhere Welten in diejenige seiner eigenen Einbildungskraft; statt der Wahrheit machten sich Lieblingsmeinungen bei ihm gel­tend. Besser ist es für den Geheimschüler, «nüchtern» zu sein als exaltiert und phantastisch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die zweite Bedingung ist, sich als ein Glied des ganzen Lebens zu fühlen. In der Erfüllung dieser Bedingung ist viel eingeschlossen. Aber ein jeder kann sie nur auf seine&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|106}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
eigene Art erfüllen. Bin ich Erzieher und mein Zögling entspricht nicht dem, was ich wünsche, so soll ich mein Gefühl zunächst nicht gegen den Zögling richten, son­dern gegen mich selbst. Ich soll mich so weit als eins mit meinem Zögling fühlen, daß ich mich frage: «Ist das, was beim Zögling nicht genügt, nicht die Folge meiner eige­nen Tat?» Statt mein Gefühl gegen ihn zu richten, werde ich dann vielmehr darüber nachdenken, wie ich mich selbst verhalten soll, damit in Zukunft der Zögling mei­nen Forderungen besser entsprechen könne. Aus solcher Gesinnungsart heraus ändert sich allmählich die ganze Denkungsart des Menschen. Das gilt für das Kleinste wie für das Größte. Ich sehe aus solcher Gesinnung heraus zum Beispiel einen Verbrecher anders an als ohne die­selbe. Ich halte zurück mit meinem Urteile und sage mir: «Ich bin nur ein Mensch wie dieser. Die Erziehung, die durch die Verhältnisse mir geworden ist, hat mich vielleicht allein vor seinem Schicksale bewahrt.» Ich komme dann wohl auch zu dem Gedanken, daß dieser Menschenbruder ein anderer geworden wäre, wenn die Lehrer, die ihre Mühe auf mich verwendet haben, sie hätten ihm an­gedeihen lassen. Ich werde bedenken, daß mir etwas zuteil geworden ist, was ihm entzogen war, daß ich mein Gutes gerade dem Umstand verdanke, daß es ihm ent­zogen worden ist. Und dann wird mir die Vorstellung auch nicht mehr ferne liegen, daß ich nur ein Glied in der ganzen Menschheit bin und mitverantwortlich für alles, was geschieht. Es soll hier nicht gesagt werden, daß ein solcher Gedanke sich sofort in äußere agitatorische Taten umsetzen soll. Aber still in der Seele soll er gepflegt wer­den. Dann wird er sich ganz allmählich in dem äußeren&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|107}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verhalten eines Menschen ausprägen. Und in solchen Dingen kann doch jeder nur bei sich selbst zu reformieren anfangen. Nichts fruchtet es, im Sinne solcher Gedanken allgemeine Forderungen an die Menschheit zu stellen. Wie die Menschen sein sollen: darüber ist leicht ein Urteil ge­bildet; der Geheimschüler aber arbeitet in der Tiefe, nicht an der Oberfläche. Es wäre daher ganz unrichtig, wenn man die hier angedeutete Forderung der Geheimlehrer mit irgendeiner äußerlichen, etwa gar einer politischen Forderung in Verbindung brächte, mit der die Geistesschulung nichts zu tun haben kann. Politische Agitatoren «wissen» in der Regel, was von anderen Menschen zu «fordern» ist; von Forderungen an sich selbst ist bei ihnen weniger die Rede.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und damit hängt die dritte Bedingung für die Geheimschulung unmittelbar zusammen. Der Zögling muß sich zu der Anschauung emporringen können, daß seine Ge­danken und Gefühle ebenso Bedeutung für die Welt haben wie seine Handlungen. Es muß erkannt werden, daß es ebenso verderblich ist, wenn ich meinen Mitmenschen hasse, wie wenn ich ihn schlage. Dann komme ich auch zu der Erkenntnis, daß ich nicht nur für mich etwas tue, wenn ich mich selbst vervollkommene, sondern auch für die Welt. Aus meinen reinen Gefühlen und Ge­danken zieht die Welt ebensolchen Nutzen wie aus mei­nem Wohlverhalten. Solange ich nicht glauben kann an diese Weltbedeutung meines Innern, so lange tauge ich nicht zum Geheimschüler. Erst dann bin ich von dem rechten Glauben an die Bedeutung meines Inneren, mei­ner Seele erfüllt, wenn ich an diesem Seelischen in der Art arbeite, als wenn es zum mindesten ebenso wirklich&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|108}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wäre wie alles Äußere. Ich muß zugeben, daß mein Ge­fühl ebenso eine Wirkung hat wie eine Verrichtung meiner Hand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit ist eigentlich schon die vierte Bedingung aus­gesprochen: die Aneignung der Ansicht, daß des Menschen eigentliche Wesenheit nicht im Äußerlichen, son­dern im Inneren liegt. Wer sich nur als ein Produkt der Außenwelt ansieht, als ein Ergebnis der physischen Welt, kann es in der Geheimschulung zu nichts bringen. Sich als seelisch-geistiges Wesen fühlen ist eine Grundlage für solche Schulung. Wer zu solchem Gefühle vordringt, der ist dann geeignet zu unterscheiden zwischen innerer Ver­pflichtung und dem äußeren Erfolge. Er lernt erkennen, daß das eine nicht unmittelbar an dem anderen gemessen werden kann. Der Geheimschüler muß die rechte Mitte finden zwischen dem, was die äußeren Bedingungen vor­schreiben, und dem, was er als das Richtige für sein Ver­halten erkennt. Er soll nicht seiner Umgebung etwas auf­drängen, wofür diese kein Verständnis haben kann; aber er soll auch ganz frei sein von der Sucht, nur das zu tun, was von dieser Umgebung anerkannt werden kann. Die Anerkennung für seine Wahrheiten muß er einzig und allein in der Stimme seiner ehrlichen, nach Erkenntnis ringenden Seele suchen. Aber lernen soll er von seiner Umgebung, soviel er nur irgend kann, um herauszu­finden, was ihr frommt und nützlich ist. So wird er in sich selbst das entwickeln, was man in der Geheimwissen­schaft die «geistige Waage» nennt. Auf einer ihrer Waage­schalen liegt ein «offenes Herz» für die Bedürfnisse der Außenwelt, auf der anderen «innere Festigkeit und un­erschütterliche Ausdauer».&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Und damit ist auf die fünfte Bedingung gedeutet: die Standhaftigkeit in der Befolgung eines einmal gefaßten Entschlusses. Nichts darf den Geheimschüler dazu brin­gen, von einem gefaßten Entschluß abzukommen, als lediglich die Einsicht, daß er im Irrtume befangen ist. Jeder Entschluß ist eine Kraft, und wenn diese Kraft auch nicht einen unmittelbaren Erfolg da hat, wohin sie zu­nächst gewandt ist, sie wirkt in ihrer Weise. Der Erfolg ist nur entscheidend, wenn man eine Handlung aus Begierde vollbringt. Aber alle Handlungen, die aus Begierde voll­bracht werden, sind wertlos gegenüber der höheren Welt. Hier entscheidet allein die Liebe zu einer Handlung. In dieser Liebe soll sich ausleben alles, was den Geheimschü­ler zu einer Handlung treibt. Dann wird er auch nicht erlahmen, einen Entschluß immer wieder in Tat umzusetzen, wie oft er ihm auch mißlungen sein mag. Und so kommt er dazu, nicht erst die äußeren Wirkungen sei­ner Taten abzuwarten, sondern sich an den Handlungen selbst zu befriedigen. Er wird lernen, seine Taten, ja sein ganzes Wesen der Welt zu opfern, wie auch immer diese sein Opfer aufnehmen mag. Zu solchem Opferdienst muß sich bereit erklären, wer Geheimschüler werden will.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine sechste Bedingung ist die Entwickelung des Ge­fühles der Dankbarkeit gegenüber allem, was dem Menschen zukommt. Man muß wissen, daß das eigene Dasein ein Geschenk des ganzen Weltalls ist. Was ist alles not­wendig, damit jeder von uns sein Dasein empfangen und fristen kann! Was verdanken wir der Natur und anderen Menschen! Zu solchen Gedanken müssen diejenigen ge­neigt sein, die Geheimschulung wollen. Wer sich ihnen nicht hingeben kann, der vermag nicht in sich jene Allliebe&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|110}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
zu entwickeln, die notwendig ist, um zu höherer Er­kenntnis zu kommen. Etwas, das ich nicht liebe, kann sich mir nicht offenbaren. Und eine jede Offenbarung muß mich mit Dank erfüllen, denn ich werde durch sie reicher.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle die genannten Bedingungen müssen sich in einer siebenten vereinigen: das Leben unablässig in dem Sinne aufzufassen, wie es die Bedingungen fordern. Dadurch schafft sich der Zögling die Möglichkeit, seinem Leben ein einheitliches Gepräge zu geben. Seine einzelnen Le­bensäußerungen werden miteinander im Einklang, nicht im Widerspruche stehen. Er wird zu der Ruhe vorbereitet sein, zu welcher er kommen muß während der ersten Schritte in der Geheimschulung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hat jemand den ernsten und ehrlichen Willen, die an­gegebenen Bedingungen zu erfüllen, dann mag er sich zur Geistesschulung entschließen. Er wird sich dann bereitfinden, die angeführten Ratschläge zu befolgen. Es mag gar manchem vieles an diesen Ratschlägen wie etwas Äußerliches erscheinen. Ein solcher wird vielleicht sagen, er hätte erwartet, daß die Schulung in weniger strengen Formen verlaufen sollte. Aber alles Innere muß sich in einem Äußeren ausleben. Und ebensowenig, wie ein Bild schon da ist, wenn es bloß im Kopf des Malers existiert, ebensowenig kann eine Geheimschulung ohne äußeren Ausdruck sein. Nur diejenigen achten die strengen For­men gering, welche nicht wissen, daß im Äußeren das Innere zum Ausdruck kommen muß. Es ist wahr, daß es auf den Geist einer Sache ankommt und nicht auf die Form. Aber so wie die Form ohne den Geist nichtig ist, so wäre der Geist tatenlos, wenn er sich nicht eine Form erschüfe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|111}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die gestellten Bedingungen sind geeignet, den Geheim­schüler stark genug zu machen, um auch die weiteren Forderungen zu erfüllen, welche die Geistesschulung an ihn stellen muß. Fehlen ihm diese Bedingungen, dann wird er vor jeder neuen Anforderung mit Bedenken stehen. Er wird ohne sie das Vertrauen nicht zu den Menschen haben können, das für ihn notwendig ist. Und auf Vertrauen und wahre Menschenliebe muß alles Wahr­heitsstreben gebaut sein. Es muß darauf gebaut sein, ob­gleich es nicht daraus entspringen, sondern nur aus der eigenen Seelenkraft quellen kann. Und die Menschenliebe muß sich allmählich erweitern zur Liebe zu allen Wesen, ja zu allem Dasein. Wer die genannten Bedingungen nicht erfüllt, wird auch nicht die volle Liebe zu allem Aufbauen, zu allem Schaffen haben, und die Neigung, alle Zerstörung, alles Vernichten als solche zu unterlas­sen. Der Geheimschüler muß so werden, daß er nie etwas vernichtet um des Vernichtens willen, nicht in Handlun­gen, aber auch nicht in Worten, Gefühlen und Gedanken. Für ihn soll es Freude am Entstehen, am Werden geben; und nur dann darf er die Hand bieten zu einer Vernich­tung, wenn er auch imstande ist, aus und durch die Ver­nichtung neues Leben zu fördern. Damit ist nicht gemeint, daß der Geheimschüler zusehen darf, wie das Schlechte überwuchert; aber er soll sogar am Schlechten diejenigen Seiten suchen, durch die er es in ein Gutes wandeln kann. Er wird sich immer klarer darüber, daß die richtigste Be­kämpfung des Schlechten und Unvollkommenen das Schaffen des Guten und Vollkommenen ist. Der Geheim­schüler weiß, daß aus dem Nichts nicht etwas geschaffen werden kann, daß aber das Unvollkommene in ein Vollkommenes&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|112}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
umgewandelt werden kann. Wer in sich die Neigung zum Schaffen entwickelt, der findet auch bald die Fähigkeit, sich dem Schlechten gegenüber richtig zu verhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer in eine Geheimschulung sich einläßt, muß sich klarmachen, daß durch sie gebaut und nicht zerstört werden soll. Er soll daher den Willen zur ehrlichen, hinge­bungsvollen Arbeit, nicht zur Kritik und zum Zerstören mitbringen. Er soll der Andacht fähig sein, denn man soll lernen, was man noch nicht weiß. Man soll andächtig zu dem blicken, was sich erschließt. Arbeit und Andacht: das sind Grundgefühle, die von dem Geheimschüler gefor­dert werden müssen. Mancher wird erfahren müssen, daß er in der Schulung nicht vorwärtskommt, trotzdem er, nach seiner Ansicht, rastlos tätig ist. Es kommt davon her, daß er die Arbeit und Andacht nicht im rechten Sinne er­faßt hat. Diejenige Arbeit wird den geringsten Erfolg haben, die um dieses Erfolges willen unternommen wird, und dasjenige Lernen wird am wenigsten vorwärtsbrin­gen, das ohne Andacht verläuft. Die Liebe zur Arbeit, nicht zum Erfolg, bringt allein vorwärts. Und wenn der Lernende gesundes Denken und sicheres Urteilen sucht, so braucht er sich nicht durch Zweifel und Mißtrauen die Andacht zu verkümmern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man braucht nicht zu sklavischer Abhängigkeit im Ur­teilen zu kommen, wenn man einer Mitteilung, die man empfängt, nicht zuerst die eigene Meinung, sondern eine ruhige Andacht und Hingabe entgegenbringt. Diejenigen, welche in der Erkenntnis einiges erlangt haben, wis­sen, daß sie nicht dem eigensinnigen persönlichen Urteile, sondern dem ruhigen Hinhorchen und Verarbeiten alles&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|113}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
verdanken. Man soll stets im Auge behalten, daß man das nicht mehr zu lernen braucht, was man schon beurtei­len kann. Will man also nur urteilen, so kann man über­haupt nicht mehr lernen. In der Geheimschulung kommt es aber auf das Lernen an. Man soll da ganz und gar den Willen haben, ein Lernender zu sein. Kann man etwas nicht verstehen, dann urteile man lieber gar nicht, als daß man verurteile. Man lasse sich dann das Verständnis für eine spätere Zeit. Je höher man die Stufen der Erkennt­nis hinansteigt, desto mehr hat man dieses ruhige, andäch­tige Hinhorchen nötig. Alles Erkennen der Wahrheit, alles Leben und Handeln in der Welt des Geistes wird auf höheren Gebieten subtil, zart im Vergleich mit den Ver­richtungen des gewöhnlichen Verstandes und des Lebens in der physischen Welt. Je mehr sich die Kreise des Men­schen erweitern, desto feiner werden die Verrichtungen, die er vorzunehmen hat. Weil dies so ist, deshalb kom­men die Menschen in bezug auf höhere Gebiete zu so ver­schiedenen «Ansichten» und «Standpunkten». Allein, es gibt auch über höhere Wahrheiten in Wirklichkeit nur eine Meinung. Man kann zu dieser einen Meinung kom­men, wenn man sich durch Arbeit und Andacht dazu er­hoben hat, die Wahrheit wirklich zu schauen. Nur der­jenige kann zu einer Ansicht kommen, die von der einen wahren abweicht, der, nicht genügend vorbereitet, nach seinen Lieblingsvorstellungen, seinen gewohnten Gedan­ken und so weiter urteilt. Wie es nur eine Ansicht über einen mathematischen Lehrsatz gibt, so auch über die Dinge der höheren Welten. Aber man muß sich erst vor­bereiten, um zu einer solchen «Ansicht» kommen zu kön­nen. Wenn man das bedenken wollte, so würden für niemand&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|114}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die Bedingungen der Geheimlehrer etwas Über­raschendes haben. Es ist durchaus richtig, daß die Wahr­heit und das höhere Leben in jeder Menschenseele woh­nen und daß sie ein jeder selbst finden kann und muß. Aber sie liegen tief und können nur nach Hinwegräu­mung von Hindernissen aus ihren tiefen Schächten heraufgeholt werden. Wie man das vollbringt, darüber kann nur raten, wer Erfahrung in der Geheimwissenschaft hat. Solchen Rat gibt die Geisteswissenschaft. Sie drängt nie­mand eine Wahrheit auf, sie verkündet kein Dogma; sie zeigt aber einen Weg. Zwar könnte jeder vielleicht aber erst nach vielen Verkörperungen diesen Weg auch allein finden; doch ist es eine Verkürzung des Weges, was in der Geheimschulung erreicht wird. Der Mensch gelangt da­durch früher zu einem Punkte, auf dem er mitwirken kann in den Welten, wo das Menschenheil und die Menschenentwickelung durch geistige Arbeit gefördert wer­den.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit sind die Dinge angedeutet, welche zunächst über die Erlangung höherer Welterfahrung mitgeteilt werden sollen. Im nächsten Kapitel sollen diese Ausführungen dadurch fortgesetzt werden, daß gezeigt wird, was in den höheren Gliedern der Menschennatur (im Seelenorganis­mus oder Astralleib und im Geiste oder Gedankenleib) vorgeht während dieser Entwickelung. Dadurch werden diese Mitteilungen in eine neue Beleuchtung gerückt, und es wird in einem tieferen Sinne in sie eingedrungen wer­den können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|115}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= ÜBER EINIGE WIRKUNGEN DER EINWEIHUNG =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gehört zu den Grundsätzen wahrer Geheimwissenschaft, daß derjenige, welcher sich ihr widmet, dies mit vollem Bewußtsein tue. Er soll nichts vornehmen, nicht üben, wovon er nicht weiß, was es für eine Wirkung hat. Ein Geheimlehrer, der jemand einen Rat oder eine An­weisung gibt, wird immer zugleich sagen, was durch die Befolgung in Leib, Seele oder Geist desjenigen eintritt, der nach höherer Erkenntnis strebt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier sollen nun einige Wirkungen auf die Seele des Geheimschülers angegeben werden. Erst wer solche Dinge kennt, wie sie hier mitgeteilt werden, kann in vollem Be­wußtsein die Übungen vornehmen, welche zur Erkenntnis übersinnlicher Welten führen. Und nur ein solcher ist ein echter Geheimschüler. Alles Tappen im dunkeln ist bei wirklicher Geheimschulung streng verpönt. Wer nicht mit offenen Augen seine Schulung vollziehen will, mag Medium werden; zum Hellseher im Sinne der Geheimwissenschaft kann er es nicht bringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei dem, welcher in diesem Sinne die in den vorher­gehenden Abschnitten (über Erwerbung übersinnlicher Erkenntnisse) beschriebenen Übungen macht, gehen zunächst gewisse Veränderungen im sogenannten Seelenorganismus vor sich. Dieser ist nur für den Hellseher wahrnehmbar. Man kann ihn mit einer mehr oder weni­ger geistig-seelisch leuchtenden Wolke vergleichen, in deren Mitte der physische Körper des Menschen sich be­findet.* In diesem Organismus werden die Triebe, Begier­den, Leidenschaften, Vorstellungen und so weiter geistig&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- - -&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;#&amp;lt;/nowiki&amp;gt;FN010-115-* Eine Beschreibung findet man in des Verfassers «Theosophie».&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|116}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sichtbar. Sinnliche Begierde zum Beispiel empfindet man darinnen wie dunkelrötliche Ausstrahlungen von bestimmter Form. Ein reiner, edler Gedanke findet seinen Ausdruck wie in einer rötlichvioletten Ausstrahlung. Der scharfe Begriff, den der logische Denker faßt, fühlt sich wie eine gelbliche Figur mit ganz bestimmten Umrissen. Der verworrene Gedanke des unklaren Kopfes tritt als Figur mit unbestimmten Umrissen auf. Die Gedanken der Menschen mit einseitigen, verbohrten Ansichten erschei­nen in ihren Umrissen scharf, unbeweglich, diejenigen solcher Persönlichkeiten, welche zugänglich für die An­sichten anderer sind, sieht man in beweglichen, sich wan­delnden Umrissen und so weiter, und so weiter.*&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Je weiter nun der Mensch in seiner Seelenentwicke­lung fortschreitet, desto regelmäßiger gegliedert wird sein Seelenorganismus. Beim Menschen mit einem unentwickelten Seelenleben ist er verworren, ungegliedert. Aber auch in einem solchen ungegliederten Seelenorganismus kann der Hellseher ein Gebilde wahrnehmen, das sich deutlich von der Umgebung abhebt. Es verläuft vom In­nern des Kopfes bis zur Mitte des physischen Körpers. Es nimmt sich aus wie eine Art selbständiger Leib, welcher gewisse Organe hat. Diejenigen Organe, die hier zunächst besprochen werden sollen, werden in der Nähe folgender&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- - -&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;#&amp;lt;/nowiki&amp;gt;FN010-116-* Man muß bei allen folgenden Schilderungen darauf achten, daß zum Beispiel beim »Sehen» einer Farbe geistiges Sehen (Schauen) ge­meint ist. Wenn die hellsichtige Erkenntnis davon spricht: »ich sehe rot», so bedeutet dies: «ich habe im Seelisch-Geistigen ein Erlebnis, welches gleichkommt dem physischen Erlebnis beim Eindruck der roten Farbe.» Nur weil es der hellsichtigen Erkenntnis in einem solchen Falle ganz naturgemäß ist, zu sagen: «ich sehe rot», wird dieser Ausdruck ange­wandt. Wer dies nicht bedenkt, kann leicht eine Farbenvision mit einem wahrhaft hellsichtigen Erlebnis verwechseln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|117}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
physischer Körperteile geistig wahrgenommen: das erste zwischen den Augen, das zweite in der Nähe des Kehlkopfes, das dritte in der Gegend des Herzens, das vierte liegt in der Nachbarschaft der sogenannten Magengrube, das fünfte und sechste haben ihren Sitz im Unterleibe. Diese Gebilde werden von den Geheimkundigen «Räder» (Chakrams) oder auch «Lotusblumen» genannt. Sie hei­ßen so wegen der Ähnlichkeit mit Rädern oder Blumen; doch muß man sich natürlich klar darüber sein, daß ein solcher Ausdruck nicht viel zutreffender ist, als wenn man die beiden Lungenteile «Lungenflügel» nennt. Wie man sich hier klar ist, daß man es nicht mit «Flügeln» zu tun hat, so muß man auch dort nur an eine vergleichsweise Bezeichnung denken. Diese «Lotusblumen» sind nun beim unentwickelten Menschen von dunklen Farben und ruhig, unbewegt. Beim Hellseher aber sind sie in Bewe­gung und von leuchtenden Farbenschattierungen. Auch beim Medium ist etwas Ähnliches der Fall, doch in an­derer Art. Darauf soll hier nicht näher eingegangen wer­den. Wenn nun ein Geheimschüler mit seinen Übungen beginnt, so ist das erste, daß sich die Lotusblumen aufhel­len; später beginnen sie sich zu drehen. Wenn dies letztere eintritt, so beginnt die Fähigkeit des Hellsehens. Denn diese «Blumen» sind die Sinnesorgane der Seele.* Und ihre Drehung ist der Ausdruck dafür, daß im Übersinn­lichen wahrgenommen wird. Niemand kann etwas Übersinnliches schauen, bevor sich seine astralen Sinne in die­ser Art ausgebildet haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- - -&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;#&amp;lt;/nowiki&amp;gt;FN010-117-* Auch in bezug auf diese Wahrnehmungen des «Drehens», ja der «Lotusblumen» selbst, gilt, was in der vorigen Anmerkung über das «Sehen der Farben» gesagt worden ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|118}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das geistige Sinnesorgan, welches sich in der Nähe des Kehlkopfes befindet, macht es möglich, hellseherisch die Gedankenart eines anderen Seelenwesens zu durch­schauen, es gestattet auch einen tieferen Einblick in die wahren Gesetze der Naturerscheinungen. Das Organ in der Nachbarschaft des Herzens eröffnet eine hellseherische Erkenntnis der Gesinnungsart anderer Seelen. Wer es ausgebildet hat, kann auch bestimmte tiefere Kräfte bei Tieren und Pflanzen erkennen. Durch den Sinn in der Nähe der sogenannten Magengrube erlangt man Kennt­nis von den Fähigkeiten und Talenten der Seelen; man kann durchschauen, welche Rolle Tiere, Pflanzen, Steine, Metalle, atmosphärische Erscheinungen und so weiter im Haushalte der Natur spielen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Organ in der Nähe des Kehlkopfes hat sechzehn «Blumenblätter» oder «Radspeichen», das in der Nähe des Herzens deren zwölf, das in der Nachbarschaft der Magengrube liegende deren zehn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun hängen gewisse seelische Verrichtungen mit der Ausbildung dieser Sinnesorgane zusammen. Und wer diese Verrichtungen in einer ganz bestimmten Weise aus­übt, der trägt etwas bei zur Ausbildung der betreffenden geistigen Sinnesorgane. Von der «sechzehnblätterigen Lotusblume» sind acht Blätter auf einer früheren Entwickelungsstufe des Menschen in urferner Vergangenheit be­reits ausgebildet gewesen. Zu dieser Ausbildung hat der Mensch selbst nichts beigetragen. Er hat sie als eine Na­turgabe erhalten, als er noch in einem Zustande traumhaften, dumpfen Bewußtseins war. Auf der damaligen Stufe der Menschheitsentwickelung waren sie auch in Tätigkeit. Jedoch vertrug sich diese Art von Tätigkeit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|119}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
eben nur mit jenem dumpfen Bewußtseinszustande. Als dann das Bewußtsein sich aufhellte, verfinsterten sich die Blätter und stellten ihre Tätigkeit ein. Die anderen acht kann der Mensch selbst durch bewußte Übungen ausbil­den. Dadurch wird die ganze Lotusblume leuchtend und beweglich. Von der Entwickelung eines jeden der sech­zehn Blätter hängt die Erwerbung gewisser Fähigkeiten ab. Doch, wie bereits angedeutet, kann der Mensch nur acht davon bewußt entwickeln; die anderen acht erschei­nen dann von selbst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Entwickelung geht in folgender Art vor sich. Der Mensch muß auf gewisse Seelenvorgänge Aufmerksam­keit und Sorgfalt verwenden, die er gewöhnlich sorglos und unaufmerksam ausführt. Es gibt acht solche Vor­gänge. Der erste ist die Art und Weise, wie man sich Vorstellungen aneignet. Gewöhnlich überläßt sich in die­ser Beziehung der Mensch ganz dem Zufall. Er hört dies und das, sieht das eine und das andere und bildet sich da­nach seine Begriffe. Solange er so verfährt, bleibt seine sechzehnblätterige Lotusblume ganz unwirksam. Erst wenn er seine Selbsterziehung nach dieser Richtung in die Hand nimmt, beginnt sie wirksam zu werden. Er muß zu diesem Zwecke auf seine Vorstellungen achten. Eine jede Vorstellung soll für ihn Bedeutung gewinnen. Er soll in ihr eine bestimmte Botschaft, eine Kunde über Dinge der Außenwelt sehen. Und er soll nicht befriedigt sein von Vorstellungen, die nicht eine solche Bedeutung ha­ben. Er soll sein ganzes Begriffsleben so lenken, daß es ein treuer Spiegel der Außenwelt wird. Sein Streben soll da­hin gehen, unrichtige Vorstellungen aus seiner Seele zu entfernen. Der zweite Seelenvorgang betrifft in einer&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|120}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ähnlichen Richtung die Entschlüsse des Menschen. Er soll nur aus gegründeter, voller Überlegung selbst zu dem Unbedeutendsten sich entschließen. Alles gedankenlose Han­deln, alles bedeutungslose Tun soll er von seiner Seele fernhalten. Zu allem soll er wohlerwogene Gründe ha­ben. Und er soll unterlassen, wozu kein bedeutsamer Grund drängt. Der dritte Vorgang bezieht sich auf das Reden. Nur was Sinn und Bedeutung hat, soll von den Lippen des Geheimschülers kommen. Alles Reden um des Redens willen bringt ihn von seinem Wege ab. Die ge­wöhnliche Art der Unterhaltung, wo wahllos und bunt alles durcheinander geredet wird, soll der Geheimschüler meiden. Dabei aber soll er sich nicht etwa ausschließen von dem Verkehr mit seinen Mitmenschen. Gerade im Verkehr soll sein Reden sich zur Bedeutsamkeit entwic­keln. Er steht jedem Rede und Antwort, aber er tut es gedankenvoll, nach jeder Richtung überlegt. Niemals redet er unbegründet. Er versucht nicht zuviel und nicht zuwenig Worte zu machen. Der vierte Seelenvorgang ist die Regelung des äußeren Handelns. Der Geheimschüler versucht sein Handeln so einzurichten, daß es zu den Handlungen seiner Mitmenschen und zu den Vorgängen seiner Umgebung stimmt. Er unterläßt Handlungen, welche für andere störend sind oder die im Widerspruche stehen mit dem, was um ihn herum vorgeht. Er sucht sein Tun so einzurichten, daß es sich harmonisch eingliedert in seine Umgebung, in seine Lebenslage und so weiter. Wo er durch etwas anderes veranlaßt wird zu handeln, da beobachtet er sorgfältig, wie er der Veranlassung am besten entsprechen könne. Wo er aus sich heraus handelt, da erwägt er die Wirkungen seiner Handlungsweise auf&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|121}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
das deutlichste. Das fünfte, was hier in Betracht kommt, liegt in der Einrichtung des ganzen Lebens. Der Geheimschüler versucht natur- und geistgemäß zu leben. Er über­hastet nichts und ist nicht träge. Übergeschäftigkeit und Lässigkeit liegen ihm gleich ferne. Er sieht das Leben als ein Mittel der Arbeit an und richtet sich dementsprechend ein. Gesundheitspflege, Gewohnheiten und so weiter rich­tet er für sich so ein, daß ein harmonisches Leben die Folge ist. Das sechste betrifft das menschliche Streben. Der Geheimschüler prüft seine Fähigkeiten, sein Können und verhält sich im Sinne solcher Selbsterkenntnis. Er ver­sucht nichts zu tun, was außerhalb seiner Kräfte liegt; aber auch nichts zu unterlassen, was innerhalb derselben sich befindet. Anderseits stellt er sich Ziele, die mit den Idealen, mit den großen Pflichten eines Menschen zusam­menhängen. Er fügt sich nicht bloß gedankenlos als ein Rad ein in das Menschentriebwerk, sondern er sucht seine Aufgaben zu begreifen, über das Alltägliche hinauszu­blicken. Er strebt danach, seine Obliegenheiten immer besser und vollkommener zu machen. Das siebente in seinem Seelenleben betrifft das Streben, möglichst viel vom Leben zu lernen. Nichts geht an dem Geheimschüler vorbei, was ihm nicht Anlaß gibt, Erfahrung zu sammeln, die ihm nützlich ist für das Leben. Hat er etwas unrichtig und unvollkommen verrichtet, so wird das ein Anlaß, ähnliches später richtig oder vollkommen zu machen. Sieht er andere handeln, so beobachtet er sie zu einem ähnlichen Ziele. Er versucht, sich einen reichen Schatz von Erfahrungen zu sammeln und ihn stets sorgfältig zu Rate zu ziehen. Und er tut nichts, ohne auf Erlebnisse zu­rückzublicken, die ihm eine Hilfe sein können bei seinen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|122}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Entschlüssen und Verrichtungen. Das achte endlich ist: der Geheimschüler muß von Zeit zu Zeit Blicke in sein Inneres tun; er muß sich in sich selbst versenken, sorg­sam mit sich zu Rate gehen, seine Lebensgrundsätze bil­den und prüfen, seine Kenntnisse in Gedanken durchlau­fen, seine Pflichten erwägen, über den Inhalt und Zweck des Lebens nachdenken und so weiter. Alle diese Dinge sind ja in den vorhergehenden Abschnitten schon besprochen worden. Hier werden sie nur aufgezählt im Hinblick auf die Entwickelung der sechzehnblätterigen Lotus­blume. Durch ihre Übung wird diese immer vollkomme­ner und vollkommener. Denn von solchen Übungen hängt die Ausbildung der Hellsehergabe ab. Je mehr zum Beispiel dasjenige, was ein Mensch denkt und redet, mit den Vorgängen in der Außenwelt zusammenstimmt, desto schneller entwickelt sich diese Gabe. Wer Unwahres denkt oder redet, tötet etwas in dem Keime der sechzehnblätte­rigen Lotusblume. Wahrhaftigkeit, Aufrichtigkeit, Ehr­lichkeit sind in dieser Beziehung aufbauende, Lügenhaf­tigkeit, Falschheit, Unredlichkeit sind zerstörende Kräfte. Und der Geheimschüler muß wissen, daß es hierbei nicht allein auf die «gute Absicht», sondern auf die wirkliche Tat ankommt. Denke und sage ich etwas, was mit der Wirklichkeit nicht übereinstimmt, so zerstöre ich etwas in meinem geistigen Sinnesorgan, auch wenn ich dabei eine noch so gute Absicht zu haben glaube. Es ist wie mit dem Kinde, das sich verbrennt, wenn es ins Feuer greift, auch wenn dies aus Unwissenheit geschieht. Die Ein­richtung der besprochenen Seelenvorgänge in der charak­terisierten Richtung läßt die sechzehnblätterige Lotus­blume in herrlichen Farben erstrahlen und gibt ihr eine&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
gesetzmäßige Bewegung. Doch ist dabei zu beachten, daß die gekennzeichnete Hellsehergabe nicht früher auftreten kann, als ein bestimmter Grad von Ausbildung der Seele erlangt ist. Solange es noch Mühe macht, das Leben in dieser Richtung zu führen, so lange zeigt sich diese Gabe nicht. Solange man auf die geschilderten Vorgänge noch besonders achten muß, ist man nicht reif. Erst wenn man es so weit gebracht hat, daß man in der angegebenen Art lebt, wie es der Mensch sonst gewohnheitsmäßig tut, dann zeigen sich die ersten Spuren des Hellsehens. Die Dinge dürfen dann nicht mehr mühevoll sein, sondern müssen selbstverständliche Lebensart geworden sein. Man darf nicht nötig haben, sich fortwährend zu beobachten, sich anzutreiben, daß man so lebe. Alles muß Gewohn­heit geworden sein. Es gibt gewisse Anweisungen, wel­che die sechzehnblätterige Lotusblume auf andere Art zur Entfaltung bringen. Alle solchen Anweisungen verwirft die wahre Geheimwissenschaft. Denn sie führen zur Zer­störung der leiblichen Gesundheit und zum moralischen Verderben. Sie sind leichter durchzuführen als das Ge­schilderte. Dieses ist langwierig und mühevoll. Aber es führt zu sicherem Ziele und kann nur moralisch kräftigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die verzerrte Ausbildung einer Lotusblume hat nicht nur Illusionen und phantastische Vorstellungen im Fall des Auftretens einer gewissen Hellsehergabe zur Folge, sondern auch Verirrungen und Haltlosigkeit im gewöhnlichen Leben. Man kann durch eine solche Ausbildung furchtsam, neidisch, eitel, hochfahrend, eigenwillig und so weiter werden, während man vorher alle diese Eigen­schaften nicht hatte. Es ist gesagt worden, daß acht von den Blättern der sechzehnblätterigen Lotusblume bereits&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|124}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
in urferner Vergangenheit entwickelt waren und daß diese bei der Geheimschulung von selbst wieder auftreten. Es muß nun bei der Bestrebung des Geheimschülers alle Sorgfalt auf die acht anderen Blätter verwendet werden. Bei verkehrter Schulung treten leicht die früher entwickelten allein auf und die neu zu bildenden bleiben verkümmert. Dies wird insbesondere der Fall sein, wenn bei der Schulung zu wenig auf logisches, vernünftiges Den­ken gesehen wird. Es ist von der allergrößten Wichtigkeit, daß der Geheimschüler ein verständiger, auf klares Den­ken haltender Mensch ist. Und von weiterer Wichtigkeit ist, daß er sich der größten Klarheit befleißigt im Sprechen. Menschen, die anfangen etwas vom Übersinnlichen zu ahnen, werden gern über diese Dinge gesprächig. Dadurch halten sie ihre richtige Entwickelung auf. Je weniger man über diese Dinge redet, desto besser ist es. Erst wer bis zu einem gewissen Grade der Klarheit gekommen ist, sollte reden. Im Beginne des Unterrichts sind Geheimschüler in der Regel erstaunt, wie wenig «neugierig» der schon geistig Geschulte ist gegenüber den Mitteilungen ihrer Erlebnisse. Am heilsamsten für sie wäre es eben, wenn sie sich über ihre Erlebnisse ganz ausschweigen und weiter nichts besprechen wollten, als wie gut oder wie schlecht es ihnen gelingt, ihre Übungen durchzuführen oder die Anweisungen zu befolgen. Denn der schon geistig Ge­schulte hat ganz andere Quellen zur Beurteilung der Fortschritte als ihre direkten Mitteilungen. Die acht in Frage kommenden Blätter der sechzehnblätterigen Lotusblume werden durch solche Mitteilungen immer etwas verhärtet, während sie weich und biegsam erhalten werden sollten. Es soll ein Beispiel angeführt werden, um das zu erläutern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|125}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dies möge nicht vom übersinnlichen, sondern der Deutlichkeit halber vom gewöhnlichen Leben hergenom­men werden. Angenommen, ich höre eine Nachricht und bilde mir darüber sogleich ein Urteil. In einer kurzen Zeit darauf bekomme ich über dieselbe Sache eine weitere Nachricht, die mit der ersteren nicht stimmt. Ich bin dadurch genötigt, das schon gebildete Urteil umzubilden. Die Folge davon ist ein ungünstiger Einfluß auf meine sechzehnblätterige Lotusblume. Ganz anders wäre die Sache, wenn ich zuerst mit meinem Urteil zurückhaltend gewesen wäre, wenn ich zu der ganzen Angelegenheit in­nerlich in Gedanken und äußerlich in Worten «geschwiegen» hätte, bis ich ganz sichere Anhaltspunkte für mein Urteil gehabt hätte. Behutsamkeit im Bilden und Ausspre­chen von Urteilen wird allmählich zum besonderen Kennzeichen des Geheimschülers. Dagegen wächst seine Empfänglichkeit für Eindrücke und Erfahrungen, die er schweigsam an sich vorüberziehen läßt, um möglichst viele Anhaltspunkte sich zu schaffen, wenn er zu urteilen hat. Es sind bläulichrötliche und rosenrote Nuancen in den Lotusblumenblättern, die durch solche Behutsamkeit auftreten, während im anderen Falle dunkelrote und orangefarbige Nuancen auftreten. In einer ähnlichen Art wie die sechzehnblätterige* wird auch die zwölfblätterige Lotusblume, in der Nähe des Herzens, gestaltet. Auch von&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- - -&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;#&amp;lt;/nowiki&amp;gt;FN010-125-* Der Kundige wird in den Bedingungen für die Entwickelung der «sechzehnblätterigen Lotusblume» wiedererkennen die Anweisungen, welche der Buddha seinen Jüngern für den «Pfad» gegeben hat. Doch handelt es sich hier nicht darum, «Buddhismus» zu lehren, sondern Ent­wickelungsbedingungen zu schildern, die aus der Geisteswissenschaft selbst sich ergeben. Daß sie mit gewissen Lehren des Buddha übereinstimmen, kann nicht hindern, sie an sich für wahr zu finden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|126}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ihr war die Hälfte der Blätter in einem vergangenen Ent­wickelungszustande des Menschen bereits vorhanden und in Tätigkeit. Diese sechs Blätter brauchen daher bei der Geheimschulung nicht besonders ausgebildet zu werden; sie erscheinen von selbst und beginnen sich zu drehen, wenn an den anderen sechs gearbeitet wird. Wieder muß, um diese Entwickelung zu fördern, der Mensch gewissen Seelentätigkeiten in bewußter Weise eine bestimmte Richtung geben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man muß sich nun klarmachen, daß die Wahrneh­mungen der einzelnen geistigen oder Seelensinne einen verschiedenen Charakter tragen. Die Lotusblume mit zwölf Blättern vermittelt eine andere Wahrnehmung als die sechzehnblätterige. Diese letztere nimmt Gestalten wahr. Die Gedankenart, die eine Seele hat, die Gesetze, nach denen eine Naturerscheinung sich vollzieht, treten für die sechzehnblätterige Lotusblume in Gestalten auf. Das sind aber nicht starre, ruhige Gestalten, sondern be­wegte, mit Leben erfüllte Formen. Der Hellseher, bei dem sich dieser Sinn entwickelt hat, kann für jede Gedankenart, für jedes Naturgesetz eine Form nennen, in denen sie sich ausprägen. Ein Rachegedanke zum Beispiel kleidet sich in eine pfeilartige, zackige Figur, ein wohlwollender Gedanke hat oft die Gestalt einer sich öffnenden Blume und so weiter. Bestimmte, bedeutungsvolle Gedanken sind regelmäßig, symmetrisch gebildet, unklare Begriffe haben gekräuselte Umrisse. Ganz andere Wahrnehmungen treten durch die zwölfblätterige Lotusblume zutage. Man kann die Art dieser Wahrnehmungen an­nähernd charakterisieren, wenn man sie als Seelenwärme und Seelenkälte bezeichnet. Ein mit diesem Sinn ausgestatteter&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|127}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hellseher fühlt von den Figuren, die er durch die sechzehnblätterige Lotusblume wahrnimmt, solche Seelenwärme oder Seelenkälte ausströmen. Man stelle sich einmal vor, ein Hellseher hätte nur die sechzehnblätterige, nicht aber die zwölfblätterige Lotusblume ent­wickelt. Dann würde er bei einem wohlwollenden Ge­danken nur die oben beschriebene Figur sehen. Ein ande­rer, der beide Sinne ausgebildet hat, bemerkt auch noch diejenige Ausströmung dieses Gedankens, die man eben nur mit Seelenwärme bezeichnen kann. Nur nebenbei soll bemerkt werden, daß in der Geheimschulung nie der eine Sinn ohne den anderen ausgebildet wird, so daß das obige nur als eine Annahme zur Verdeutlichung anzusehen ist. Dem Hellseher eröffnet sich durch die Aus­bildung der zwölfblätterigen Lotusblume auch ein tiefes Verständnis für Naturvorgänge. Alles, was auf ein Wach­sen, Entwickeln begründet ist, strömt Seelenwärme aus; alles, was in Vergehen, Zerstörung, Untergang begriffen ist, tritt mit dem Charakter der Seelenkälte auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ausbildung dieses Sinnes wird auf folgende Art gefördert. Das erste, was in dieser Beziehung der Geheimschüler beobachtet, ist die Regelung seines Gedanken­laufes (die sogenannte Gedankenkontrolle). So wie die sechzehnblätterige Lotusblume durch wahre bedeutungsvolle Gedanken zur Entwickelung kommt, so die zwölf­blätterige durch innere Beherrschung des Gedankenver­laufes. Irrlichtelierende Gedanken, die nicht in sinngemäßer, logischer Weise, sondern rein zufällig anein­andergefügt sind, verderben die Form dieser Lotusblume. Je mehr ein Gedanke aus dem anderen folgt, je mehr allem Unlogischen aus dem Wege gegangen wird, desto&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|128}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
mehr erhält dieses Sinnesorgan die ihm entsprechende Form. Hört der Geheimschüler unlogische Gedanken, so läßt er sich sogleich das Richtige durch den Kopf gehen. Er soll nicht lieblos sich einer vielleicht unlogischen Um­gebung entziehen, um seine Entwickelung zu fördern. Er soll auch nicht den Drang in sich fühlen, alles Unlogische in seiner Umgebung sofort zu korrigieren. Er wird viel­mehr ganz still in seinem Innern die von außen auf ihn einstürmenden Gedanken in eine logische, sinngemäße Richtung bringen. Und er bestrebt sich, in seinen eigenen Gedanken überall diese Richtung einzuhalten. Ein zweites ist, eine ebensolche Folgerichtigkeit in sein Han­deln zu bringen (Kontrolle der Handlungen). Alle Unbeständigkeit, Disharmonie im Handeln gereichen der in Rede stehenden Lotusblume zum Verderben. Wenn der Geheimschüler etwas getan hat, so richtet er sein folgen­des Handeln danach ein, daß es in logischer Art aus dem ersten folgt. Wer heute im anderen Sinn handelt als gestern, wird nie den charakterisierten Sinn entwickeln. Das dritte ist die Erziehung zur Ausdauer. Der Geheimschüler läßt sich nicht durch diese oder jene Einflüsse von einem Ziel abbringen, das er sich gesteckt hat, solange er dieses Ziel als ein richtiges ansehen kann. Hindernisse sind für ihn eine Aufforderung, sie zu überwinden, aber keine Abhaltungsgründe. Das vierte ist die Duldsam­keit (Toleranz) gegenüber Menschen, anderen Wesen und auch Tatsachen. Der Geheimschüler unterdrückt alle überflüssige Kritik gegenüber dem Unvollkommenen, Bösen und Schlechten und sucht vielmehr alles zu begreifen, was an ihn herantritt. Wie die Sonne ihr Licht nicht dem Schlechten und Bösen entzieht, so er nicht seine&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
verständnisvolle Anteilnahme. Begegnet dem Geheimschüler irgendein Ungemach, so ergeht er sich nicht in abfälligen Urteilen, sondern er nimmt das Notwendige hin und sucht, soweit seine Kraft reicht, die Sache zum Guten zu wenden. Andere Meinungen betrachtet er nicht nur von seinem Standpunkte aus, sondern er sucht sich in die Lage des anderen zu versetzen. Das fünfte ist die Unbefangenheit gegenüber den Erscheinungen des Lebens. Man spricht in dieser Beziehung auch von dem «Glauben» oder «Vertrauen». Der Geheimschüler tritt jedem Menschen, jedem Wesen mit diesem Vertrauen entgegen. Und er erfüllt sich bei seinen Handlungen mit solchem Vertrauen. Er sagt sich nie, wenn ihm etwas mit­geteilt wird: das glaube ich nicht, weil es meiner bisherigen Meinung widerspricht. Er ist vielmehr in jedem Augenblicke bereit, seine Meinung und Ansicht an einer neuen zu prüfen und zu berichtigen. Er bleibt immer empfänglich für alles, was an ihn herantritt. Und er ver­traut auf die Wirksamkeit dessen, was er unternimmt. Zaghaftigkeit und Zweifelsucht verbannt er aus seinem Wesen. Hat er eine Absicht, so hat er auch den Glauben an die Kraft dieser Absicht. Hundert Mißerfolge können ihm diesen Glauben nicht nehmen. Es ist dies jener «Glaube, der Berge zu versetzen vermag». Das sechste ist die Erwerbung eines gewissen Lebensgleichgewichtes (Gleichmutes). Der Geheimschüler strebt an, seine gleichmäßige Stimmung zu erhalten, ob ihn Leid, ob ihn Er­freuliches trifft. Das Schwanken zwischen «himmelhochjauchzend, zu Tode betrübt» gewöhnt er sich ab. Das Un­glück, die Gefahr finden ihn ebenso gewappnet wie das Glück, die Förderung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|130}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Leser von geisteswissenschaftlichen Schriften fin­den das Geschilderte als die sogenannten «sechs Eigenschaften» aufgezählt, welche der bei sich entwickeln muß, der die Einweihung anstrebt. Hier sollte ihr Zusammen­hang mit dem seelischen Sinne dargelegt werden, welcher die zwölfblätterige Lotusblume genannt wird. Die Ge­heimschulung vermag wieder besondere Anweisungen zu geben, welche diese Lotusblume zum Reifen bringen, aber auch hier hängt die Ausbildung der regelmäßigen Form dieses Sinnesorganes an der Entwickelung der auf­gezählten Eigenschaften. Wird diese Entwickelung außer acht gelassen, dann gestaltet sich dieses Organ zu einem Zerrbilde. Und es können dadurch bei Ausbildung einer gewissen Hellsehergabe in dieser Richtung die genannten Eigenschaften sich statt zum Guten zum Schlechten wen­den. Der Mensch kann besonders unduldsam, zaghaft, ab­lehnend gegen seine Umgebung werden. Er kann zum Beispiel eine Empfindung erhalten für Gesinnungen an­derer Seelen und diese deswegen fliehen oder hassen. Es kann so weit kommen, daß er wegen der Seelenkälte, die ihn bei Ansichten überströmt, welche ihm widerstreben, gar nicht zuhören kann oder in abstoßender Art sich ge­bärdet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kommt zu allem Gesagten noch die Beobachtung ge­wisser Vorschriften hinzu, welche Geheimschüler von Ge­heimlehrern nur mündlich empfangen können, so tritt eine entsprechende Beschleunigung in der Entwickelung der Lotusblume ein. Doch führen die hier gegebenen An­weisungen durchaus in die wirkliche Geheimschulung ein. Nützlich aber ist auch für den, der nicht eine Geheimschulung durchmachen will oder kann, die Einrichtung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|131}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
des Lebens in der angegebenen Richtung. Denn die Wir­kung auf den Seelenorganismus tritt auf alle Fälle ein, wenn auch langsam. Und für den Geheimschüler ist die Beobachtung dieser Grundsätze unerläßlich. Würde er eine Geheimschulung versuchen, ohne sie einzuhalten, so könnte er nur mit mangelhaftem Gedankenauge in die höheren Welten eintreten; und statt die Wahrheit zu er­kennen, würde er dann nur Täuschungen und Illusionen unterworfen sein. Er würde in einer gewissen Beziehung hellsehend werden; aber im Grunde nur größerer Blindheit unterliegen als vorher. Denn ehedem stand er wenig­stens innerhalb der Sinnenwelt fest und hatte an ihr einen bestimmten Halt; jetzt aber sieht er hinter die Sinnenwelt und wird an dieser irre, bevor er sicher in einer höheren Welt steht. Er kann dann vielleicht überhaupt nicht mehr Wahrheit von Irrtum unterscheiden und verliert alle Richtung im Leben. Gerade aus diesem Grunde ist Ge­duld so nötig in diesen Dingen. Man muß immer beden­ken, daß die Geisteswissenschaft nicht weiter mit ihren Anweisungen gehen darf, als volle Willigkeit zu einer geregelten Entwickelung der «Lotusblumen» vorliegt. Es würden sich wahre Zerrbilder dieser Blumen entwickeln, wenn sie zur Reife gebracht würden, bevor sie in ruhiger Weise die ihnen zukommende Form erlangt haben. Denn die speziellen Anweisungen der Geisteswissenschaft bewirken das Reifwerden, die Form aber wird durch die ge­schilderte Lebensart ihnen gegeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von besonders feiner Art ist die Seelenpflege, die zur Entwickelung der zehnblätterigen Lotusblume notwendig ist. Denn hier handelt es sich darum, die Sinnes­eindrücke selbst in bewußter Weise beherrschen zu lernen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|132}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den angehenden Hellseher ist das ganz beson­ders nötig. Nur dadurch vermag er einen Quell zahlloser Illusionen und geistiger Willkürlichkeiten zu vermeiden. Der Mensch macht sich gewöhnlich gar nicht klar, von welchen Dingen seine Einfälle, seine Erinnerungen beherrscht sind und wodurch sie hervorgerufen werden. Man nehme folgenden Fall an. Jemand fährt in der Eisen­bahn. Er ist mit einem Gedanken beschäftigt. Plötzlich nimmt sein Gedanke eine ganz andere Wendung. Er erin­nert sich an ein Erlebnis, das er vor Jahren gehabt hat, und verspinnt es mit seinen gegenwärtigen Gedanken. Er hat nun aber gar nicht bemerkt, daß sein Auge zum Fen­ster hinausgerichtet und der Blick auf eine Person gerich­tet war, welche Ähnlichkeit hatte mit einer anderen, die in das erinnerte Erlebnis hineinverwickelt war. Was er gesehen hat, kommt ihm gar nicht zum Bewußtsein, son­dern nur die Wirkung. So glaubt er, daß ihm die Sache «von selbst eingefallen» sei. Wieviel im Leben kommt nicht auf solche Art zustande. Wie spielen in unser Leben Dinge hinein, die wir erfahren und gelesen haben, ohne daß man sich den Zusammenhang ins Bewußtsein bringt. Jemand kann zum Beispiel eine bestimmte Farbe nicht leiden; er weiß aber gar nicht, daß dies deshalb der Fall ist, weil der Lehrer, der ihn vor vielen Jahren gequält hat, einen Rock in dieser Farbe gehabt hat. Unzählige Illusio­nen beruhen auf solchen Zusammenhängen. Viele Dinge prägen sich der Seele ein, ohne daß sie auch dem Bewußt­sein einverleibt werden. Es kann folgender Fall vorkom­men. Jemand liest in der Zeitung von dem Tode einer bekannten Persönlichkeit. Und nun behauptet er ganz fest, er habe diesen Todesfall schon «gestern» vorausgeahnt,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|133}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
obgleich er nichts gehört und gesehen habe, was ihn auf diesen Gedanken hätte bringen können. Und es ist wahr, wie «von selbst» ist ihm «gestern» der Gedanke aufgetaucht: die betreffende Person werde sterben. Er hat nur eines nicht beachtet. Er ist ein paar Stunden, bevor ihm «gestern» der Gedanke aufgestoßen ist, bei einem Bekannten zu Besuch gewesen. Auf dem Tisch lag ein Zeitungsblatt. Er hat darin nicht gelesen. Aber unbewußt fiel doch sein Auge auf die Nachricht von der schweren Erkrankung der in Rede stehenden Persönlichkeit. Des Eindruckes ist er sich nicht bewußt geworden. Aber die Wirkung war die «Ahnung». Wenn man sich solche Dinge überlegt, so kann man ermessen, was für eine Quelle von Illusionen und Phantastereien in solchen Verhältnissen liegt. Und diese Quelle muß derjenige ver­stopfen, der seine zehnblätterige Lotusblume ausbilden will. Denn durch diese Lotusblume kann man tief verbor­gene Eigenschaften an Seelen wahrnehmen. Aber Wahrheit ist diesen Wahrnehmungen nur dann beizumessen, wenn man von den gekennzeichneten Täuschungen ganz frei geworden ist. Es ist zu diesem Zwecke notwendig, daß man sich zum Herrn über das macht, was von der Außen­welt auf einen einwirkt. Man muß es dahin bringen, daß Eindrücke, die man nicht empfangen will, man auch wirk­lich nicht empfängt. Solch eine Fähigkeit kann nur durch ein starkes Innenleben herangezogen werden. Man muß es in den Willen bekommen, daß man nur die Dinge auf sich wirken läßt, auf die man die Aufmerksamkeit wen­det, und daß man sich Eindrücken wirklich entzieht, an die man sich nicht willkürlich wendet. Was man sieht, muß man sehen wollen, und worauf man keine Aufmerksamkeit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|134}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wendet, muß tatsächlich für einen nicht da sein. Je lebhafter, energischer die innere Arbeit der Seele wird, desto mehr wird man das erreichen. Der Geheimschüler muß alles gedankenlose Herumschauen und Herumhören vermeiden. Für ihn soll nur da sein, worauf er Ohr und Auge richtet. Er muß sich darin üben, daß er im größten Trubel nichts zu hören braucht, wenn er nicht hören will; er soll sein Auge unempfänglich machen für Dinge, auf die er nicht besonders hinschaut. Wie mit einem seeli­schen Panzer muß er umgeben sein für alle unbewußten Eindrücke. Besonders auf das Gedankenleben selbst muß er nach dieser Richtung hin Sorgfalt verwenden. Er setzt sich einen Gedanken vor, und er versucht nur das weiterzudenken, was er ganz bewußt, in völliger Freiheit, an diesen Gedanken angliedern kann. Beliebige Einfälle weist er ab. Will er den Gedanken mit irgendeinem andern in Beziehung setzen, so besinnt er sich sorgfältig, wo dieser andere an ihn herangetreten ist. Er geht noch weiter. Wenn er zum Beispiel eine bestimmte Antipathie gegen irgend etwas hat, so bekämpft er sie und sucht eine bewußte Beziehung zu dem betreffenden Dinge herzu­stellen. Auf diese Art mischen sich immer weniger un­bewußte Elemente in sein Seelenleben hinein. Nur durch solche strenge Selbstzucht erlangt die zehnblätterige Lo­tusblume die Gestalt, die sie haben sollte. Das Seelenleben des Geheimschülers muß ein Leben in Aufmerksamkeit werden, und worauf man keine Aufmerksamkeit verwen­den will oder soll, das muß man sich wirklich fernzuhal­ten wissen. Tritt zu einer solchen Selbstzucht eine Me­ditation, welche den Anweisungen der Geisteswissen­schaft entspricht, dann kommt die in der Gegend der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|135}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Magengrube befindliche Lotusblume in der richtigen Weise zum Reifen, und das, was durch die vorher geschilderten geistigen Sinnesorgane nur Form und Wärme hatte, erhält geistig Licht und Farbe. Und dadurch enthül­len sich zum Beispiel Talente und Fähigkeiten von Seelen, Kräfte und verborgene Eigenschaften in der Natur. Die Farbenaura der belebten Wesen wird dadurch sichtbar; das, was um uns ist, kündigt dadurch seine seelenhaften Eigenschaften an. Man wird zugeben, daß gerade in der Entwickelung auf diesem Gebiete die allergrößte Sorgfalt notwendig ist, denn das Spiel unbewußter Erinnerungen ist hier ein unermeßlich reges. Wäre das nicht der Fall, so würden viele Menschen gerade den hier in Frage kom­menden Sinn haben, denn er tritt fast sogleich auf, wenn der Mensch wirklich die Eindrücke seiner Sinne ganz und gar so in seiner Gewalt hat, daß sie nur mehr seiner Auf­merksamkeit oder Unaufmerksamkeit unterworfen sind. Nur solange die Macht der äußeren Sinne diesen seeli­schen Sinn in Dämpfung und Dumpfheit erhält, bleibt er unwirksam.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schwieriger als die Ausbildung der beschriebenen Lo­tusblume ist diejenige der sechsblätterigen, welche sich in der Körpermitte befindet. Denn zu dieser Ausbildung muß die vollkommene Beherrschung des ganzen Menschen durch das Selbstbewußtsein angestrebt werden, so daß bei ihm Leib, Seele und Geist in einer vollkommenen Harmonie sind. Die Verrichtungen des Leibes, die Nei­gungen und Leidenschaften der Seele, die Gedanken und Ideen des Geistes müssen in einen vollkommenen Einklang miteinander gebracht werden. Der Leib muß so ver­edelt und geläutert werden, daß seine Organe zu nichts&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|136}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
drängen, was nicht im Dienste der Seele und des Geistes geschieht. Die Seele soll durch den Leib nicht zu Begier­den und Leidenschaften gedrängt werden, die einem rei­nen und edlen Denken widersprechen. Der Geist aber soll nicht wie ein Sklavenhalter mit seinen Pflichtgeboten und Gesetzen über die Seele herrschen müssen; sondern diese soll aus eigener freier Neigung den Pflichten und Geboten folgen. Nicht wie etwas, dem er sich wider­willig fügt, soll die Pflicht über dem Geheimschüler schweben, sondern wie etwas, das er vollführt, weil er es liebt. Eine freie Seele, die im Gleichgewichte zwischen Sinnlichkeit und Geistigkeit steht, muß der Geheimschüler entwickeln. Er muß es dahin bringen, daß er sich sei­ner Sinnlichkeit überlassen darf, weil diese so geläutert ist, daß sie die Macht verloren hat, ihn zu sich herabzuziehen. Er soll es nicht mehr nötig haben, seine Leiden­schaften zu zügeln, weil diese von selbst dem Rechten folgen. Solange der Mensch es nötig hat, sich zu kasteien, kann er nicht Geheimschüler auf einer gewissen Stufe sein. Eine Tugend, zu der man sich erst zwingen muß, ist für die Geheimschülerschaft noch wertlos. Solange man eine Begierde noch hat, stört diese die Schülerschaft, auch wenn man sich bemüht, ihr nicht zu willfahren. Und es ist einerlei, ob diese Begierde mehr dem Leibe oder mehr der Seele angehört. Wenn jemand zum Beispiel ein be­stimmtes Reizmittel vermeidet, um durch die Entziehung des Genusses sich zu läutern, so hilft ihm dies nur dann, wenn sein Leib durch diese Enthaltung keine Beschwer­den erleidet. Ist letzteres der Fall, so zeigt es, daß der Leib das Reizmittel begehrt, und die Enthaltung ist wertlos. In diesem Falle kann es eben durchaus sein, daß der Mensch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|137}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
zunächst auf das angestrebte Ziel verzichten muß und warten, bis günstigere sinnliche Verhältnisse vielleicht erst in einem anderen Leben für ihn vorliegen. Ein vernünftiger Verzicht ist in einer gewissen Lage eine viel größere Errungenschaft als das Erstreben einer Sache, die unter gegebenen Verhältnissen eben nicht zu erreichen ist. Ja, es fördert solch ein vernünftiger Verzicht die Ent­wickelung mehr als das Entgegengesetzte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer die sechsblätterige Lotusblume entwickelt hat, der gelangt zum Verkehr mit Wesen, die den höheren Welten angehören, jedoch nur dann, wenn deren Dasein sich in der Seelenwelt zeigt. Die Geheimschulung empfiehlt aber nicht eine Entwickelung dieser Lotusblume, bevor der Schüler nicht auf dem Wege weit vorgeschritten ist, durch den er seinen Geist in eine noch höhere Welt erheben kann. Dieser Eintritt in die eigentliche Geisteswelt muß nämlich immer die Ausbildung der Lotusblumen beglei­ten. Sonst gerät der Schüler in Verwirrung und Unsicher­heit. Er würde zwar sehen lernen, aber es fehlte ihm die Fähigkeit, das Gesehene in der richtigen Weise zu beurtei­len. Nun liegt schon in dem, was zur Ausbildung der sechsblätterigen Lotusblume verlangt wird, eine gewisse Bürgschaft gegen Verwirrung und Haltlosigkeit. Denn nicht leicht wird jemand in diese Verwirrung zu bringen sein, der das vollkommene Gleichgewicht zwischen Sinn­lichkeit (Leib), Leidenschaft (Seele) und Idee (Geist) er­langt hat. Dennoch ist noch mehr notwendig als diese Bürgschaft, wenn durch Entwickelung der sechsblätterigen Lotusblume dem Menschen Wesen mit Leben und Selbständigkeit wahrnehmbar werden, welche einer Welt angehören, die von derjenigen seiner physischen Sinne so&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|138}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
durchaus verschieden ist. Um Sicherheit in diesen Welten zu haben, genügt ihm nicht das Ausbilden der Lotusblu­men, sondern er muß da noch höhere Organe zu seiner Verfügung haben. Es soll nun über die Entwickelung die­ser noch höheren Organe gesprochen werden; dann kann auch von den anderen Lotusblumen und der anderweiti­gen Organisation des Seelenleibes* die Rede sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;*&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ausbildung des Seelenleibes, wie sie eben geschil­dert worden ist, macht dem Menschen möglich, übersinn­liche Erscheinungen wahrzunehmen. Wer sich aber in die­ser Welt wirklich zurechtfinden will, der darf nicht auf dieser Stufe der Entwickelung stehenbleiben. Die bloße Beweglichkeit der Lotusblumen genügt nicht. Der Mensch muß in der Lage sein, die Bewegung seiner geistigen Or­gane selbständig, mit vollem Bewußtsein zu regeln und zu beherrschen. Er würde sonst ein Spielball äußerlicher Kräfte und Mächte werden. Soll er das nicht werden, so muß er sich die Fähigkeit erwerben, das sogenannte «in­nere Wort» zu vernehmen. Um dazu zu kommen, muß nicht nur der Seelenleib, sondern auch der Ätherleib ent­wickelt werden. Es ist dies jener feine Leib, der sich für den Hellseher als eine Art Doppelgänger des physischen Körpers zeigt. Er ist gewissermaßen eine Zwischenstufe&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- - -&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;#&amp;lt;/nowiki&amp;gt;FN010-138-* Es ist selbstverständlich, daß, dem Wortsinne nach, der Ausdruck «Seelenleib» (wie mancher ähnliche der Geisteswissenschaft) einen Widerspruch enthält. Doch wird dieser Ausdruck gebraucht, weil das hellseherische Erkennen etwas wahrnimmt, was so im Geistigen erlebt wird, wie im Physischen der Leib wahrgenommen wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|139}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
zwischen diesem Körper und dem Seelenleib.* Ist man mit hellseherischen Fähigkeiten begabt, so kann man sich mit vollem Bewußtsein den physischen Körper eines Men­schen, der vor einem steht, absuggerieren. Es ist das auf einer höheren Stufe nichts anderes als eine Übung der Aufmerksamkeit auf einer niedrigeren. So wie der Mensch seine Aufmerksamkeit von etwas, das vor ihm ist, ablen­ken kann, so daß es für ihn nicht da ist, so vermag der Hellseher einen physischen Körper für seine Wahrneh­mung ganz auszulöschen, so daß er für ihn physisch ganz durchsichtig wird. Vollführt er das mit einem Menschen, der vor ihm steht, dann bleibt vor seinem seelischen Auge noch der sogenannte Ätherleib vorhanden, außer dem Seelenleibe, der größer als beide ist und der auch beide durchdringt. Der Ätherleib hat annähernd die Größe und Form des physischen Leibes, so daß er ungefähr auch den­selben Raum ausfüllt, den auch der physische Körper ein­nimmt. Er ist ein äußerst zart und fein organisiertes Ge­bilde.** Seine Grundfarbe ist eine andere als die im Re­genbogen enthaltenen sieben Farben. Wer ihn beobach­ten kann, lernt eine Farbe kennen, die für die sinnliche Beobachtung eigentlich gar nicht vorhanden ist. Sie läßt sich am ehesten mit der Farbe der jungen Pfirsichblüte vergleichen. Will man den Ätherleib ganz allein für sich betrachten, so muß man auch die Erscheinung des Seelenleibes&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- - -&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;#&amp;lt;/nowiki&amp;gt;FN010-139-1-* Man vergleiche zu dieser Darstellung die Schilderung in des Ver­fassers «Theosophie».&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;#&amp;lt;/nowiki&amp;gt;FN010-139-2-** Den Physiker bitte ich, sich an dem Ausdruck «Ätherleib» nicht zu stoßen. Mit dem Worte «Äther» soll nur die Feinheit des in Betracht kommenden Gebildes angedeutet werden. Mit dem «Äther» der physika­lischen Hypothesen braucht das hier Angeführte zunächst gar nicht zusammengebracht zu werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|140}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
für die Beobachtung auslöschen durch eine ähnlich geartete Übung der Aufmerksamkeit wie die oben gekennzeichnete. Tut man dies nicht, dann verändert sich der Anblick des Ätherleibes durch den ihn ganz durchdringenden Seelenleib.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun sind beim Menschen die Teilchen des Ätherleibes in einer fortwährenden Bewegung. Zahllose Strömungen durchziehen ihn nach allen Seiten. Durch diese Strömun­gen wird das Leben unterhalten und geregelt. Jeder Kör­per, der lebt, hat einen solchen Ätherleib. Die Pflanzen und die Tiere haben ihn auch. Ja, selbst bei den Minera­lien sind Spuren für den aufmerksamen Beobachter wahr­nehmbar. Die genannten Strömungen und Bewegungen sind zunächst von dem Willen und Bewußtsein des Men­schen ganz unabhängig, wie die Tätigkeit des Herzens oder Magens im physischen Körper von der Willkür nicht abhängig ist. Und solange der Mensch seine Ausbildung im Sinne der Erwerbung übersinnlicher Fähigkeiten nicht in die Hand nimmt, bleibt diese Unabhängigkeit auch bestehen. Denn gerade darin besteht die höhere Entwicke­lung auf einer gewissen Stufe, daß zu den vom Bewußt­sein unabhängigen Strömungen und Bewegungen des Ätherleibes solche hinzutreten, welche der Mensch in be­wußter Weise selbst bewirkt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn die Geheimschulung so weit gekommen ist, daß die in den vorhergehenden Abschnitten gekennzeichne­ten Lotusblumen sich zu bewegen beginnen, dann hat der Schüler auch bereits manches von dem vollzogen, was zur Hervorrufung ganz bestimmter Strömungen und Bewe­gungen in seinem Ätherkörper führt. Der Zweck dieser Entwickelung ist, daß sich in der Gegend des physischen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|141}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herzens eine Art Mittelpunkt bildet, von dem Strömun­gen und Bewegungen in den mannigfaltigsten geistigen Farben und Formen ausgehen. Dieser Mittelpunkt ist in Wirklichkeit kein bloßer Punkt, sondern ein ganz kompliziertes Gebilde, ein wunderbares Organ. Es leuchtet und schillert geistig in den allerverschiedensten Farben und zeigt Formen von großer Regelmäßigkeit, die sich mit Schnelligkeit verändern können. Und weitere Formen und Farbenströmungen laufen von diesem Organ nach den Tei­len des übrigen Körpers und auch noch über diesen hinaus, indem sie den ganzen Seelenleib durchziehen und durchleuchten. Die wichtigsten dieser Strömungen aber gehen zu den Lotusblumen. Sie durchziehen die einzelnen Blät­ter derselben und regeln ihre Drehung; dann strömen sie an den Spitzen der Blätter nach außen, um sich im äuße­ren Raum zu verlieren. Je entwickelter ein Mensch ist, desto größer wird der Umkreis, in dem sich diese Strömungen verbreiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einer besonders nahen Beziehung steht die zwölf­blätterige Lotusblume zu dem geschilderten Mittelpunkte. In sie laufen unmittelbar die Strömungen ein. Und durch sie hindurch gehen auf der einen Seite Strömungen zu der sechzehnblätterigen und der zweiblätterigen, auf der an­deren (unteren) Seite zu den acht-, sechs- und vierblätte­rigen Lotusblumen. In dieser Anordnung liegt der Grund, warum auf die Ausbildung der zwölfblätterigen Lotus­blume bei der Geheimschulung eine ganz besondere Sorg­falt verwendet werden muß. Würde hier etwas verfehlt, so müßte die ganze Ausbildung des Apparates eine unordentliche sein. Man kann aus dem Gesagten ermes­sen, von wie zarter und intimer Art die Geheimschulung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|142}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ist und wie genau man vorgehen muß, wenn alles in ge­höriger Weise sich entwickeln soll. Ohne weiteres ist hieraus auch ersichtlich, daß nur derjenige über Anweisung zur Ausbildung übersinnlicher Fähigkeiten reden kann, der alles, was er an einem anderen ausbilden soll, selbst an sich erfahren hat und der vollkommen in der Lage ist zu erkennen, ob seine Anweisungen auch zu dem ganz richtigen Erfolge führen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn der Geheimschüler das ausführt, was ihm durch die Anweisungen vorgeschrieben wird, dann bringt er sei­nem Ätherleib solche Strömungen und Bewegungen bei, welche in Harmonie stehen mit den Gesetzen und der Entwickelung der Welt, zu welcher der Mensch gehört. Daher sind die Anweisungen stets ein Abbild der großen Gesetze der Weltentwickelung. Sie bestehen in den er­wähnten und ähnlichen Meditations- und Konzentrationsübungen, welche, gehörig angewendet, die geschilderten Wirkungen haben. Der Geistesschüler muß in gewissen Zeiten seine Seele ganz mit dem Inhalte der Übungen durchdringen, sich innerlich gleichsam ganz damit ausfül­len. Mit Einfachem beginnt es, was vor allem geeignet ist, das verständige und vernünftige Denken des Kopfes zu vertiefen, zu verinnerlichen. Dieses Denken wird dadurch frei und unabhängig gemacht von allen sinnlichen Ein­drücken und Erfahrungen. Es wird gewissermaßen in einen Punkt zusammengefaßt, welchen der Mensch ganz in seiner Gewalt hat. Dadurch wird ein vorläufiger Mit­telpunkt geschaffen für die Strömungen des Ätherleibes. Dieser Mittelpunkt ist zunächst noch nicht in der Herzgegend, sondern im Kopfe. Dem Hellseher zeigt er sich dort als Ausgangspunkt von Bewegungen. Nur eine&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|143}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
solche Geheimschulung hat den vollen Erfolg, welche zu­erst diesen Mittelpunkt schafft. Würde gleich vom Anfang an der Mittelpunkt in die Herzgegend verlegt, so könnte der angehende Hellseher zwar gewisse Einblicke in die höheren Welten tun; er könnte aber keine richtige Einsicht in den Zusammenhang dieser höheren Welten mit unserer sinnlichen gewinnen. Und dies ist für den Menschen auf der gegenwärtigen Stufe der Weltentwickelung eine unbedingte Notwendigkeit. Der Hellseher darf nicht zum Schwärmer werden; er muß den festen Boden unter den Füßen behalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Mittelpunkt im Kopfe wird dann, wenn er gehö­rig befestigt ist, weiter nach unten verlegt, und zwar in die Gegend des Kehlkopfes. Das wird im weiteren Anwen­den der Konzentrationsübungen bewirkt. Dann strahlen die charakterisierten Bewegungen des Ätherleibes von die­ser Gegend aus. Sie erleuchten den Seelenraum in der Umgebung des Menschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein weiteres Üben befähigt den Geheimschüler, die Lage seines Ätherleibes selbst zu bestimmen. Vorher ist diese Lage von den Kräften abhängig, die von außen kom­men und vom physischen Körper ausgehen. Durch die weitere Entwickelung wird der Mensch imstande, den Ätherleib nach allen Seiten zu drehen. Diese Fähigkeit wird durch Strömungen bewirkt, welche ungefähr längs der beiden Hände verlaufen und die ihren Mittelpunkt in der zweiblätterigen Lotusblume in der Augengegend ha­ben. Alles dies kommt dadurch zustande, daß sich die Strahlungen, die vom Kehlkopf ausgehen, zu runden For­men gestalten, von denen eine Anzahl zu der zweiblätterigen Lotusblume hingehen, um von da aus als wellige&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|144}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Strömungen den Weg längs der Hände zu nehmen. Eine weitere Folge besteht darin, daß sich diese Ströme in der feinsten Art verästeln und verzweigen und zu einer Art Geflecht werden, das wie ein Netzwerk (Netzhaut) zur Grenze des ganzen Ätherleibes sich umbildet. Während dieser vorher nach außen keinen Abschluß hatte, so daß die Lebensströme aus dem allgemeinen Lebensmeer unmittelbar aus- und einströmten, müssen jetzt die Einwir­kungen von außen dieses Häutchen durchlaufen. Dadurch wird der Mensch für diese äußeren Strömungen empfind­lich. Sie werden ihm wahrnehmbar. Nunmehr ist auch der Zeitpunkt gekommen, um dem ganzen Strom- und Bewegungssystem den Mittelpunkt in der Herzgegend zu geben. Das geschieht wieder durch die Fortsetzung der Konzentrations- und Meditationsübung. Und damit ist auch die Stufe erreicht, auf welcher der Mensch mit dem «inneren Wort» begabt wird. Alle Dinge erhalten nun­mehr für den Menschen eine neue Bedeutung. Sie werden gewissermaßen in ihrem innersten Wesen geistig hörbar; sie sprechen von ihrem eigentlichen Wesen zu dem Men­schen. Die gekennzeichneten Strömungen setzen ihn mit dem Innern der Welt in Verbindung, zu welcher er ge­hört. Er beginnt das Leben seiner Umgebung mitzuerle­ben und kann es in der Bewegung seiner Lotusblumen nachklingen lassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit betritt der Mensch die geistige Welt. Ist er so weit, so gewinnt er ein neues Verständnis für dasjenige, was die großen Lehrer der Menschheit gesprochen haben. Buddhas Reden und die Evangelien zum Beispiel wirken jetzt in einer neuen Art auf ihn ein. Sie durchströmen ihn mit einer Seligkeit, die er vorher nicht geahnt hat. Denn&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|145}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der Ton ihrer Worte folgt den Bewegungen und Rhyth­men, die er nun selbst in sich ausgebildet hat. Er kann es jetzt unmittelbar wissen, daß ein solcher Mensch wie Buddha oder die Evangelienschreiber nicht ihre Offen­barungen, sondern diejenigen aussprechen, welche ihnen zugeflossen sind vom innersten Wesen der Dinge. Es soll hier auf eine Tatsache aufmerksam gemacht werden, die wohl nur aus dem Vorhergehenden verständlich wird. Den Menschen unserer gegenwärtigen Bildungsstufe sind die vielen Wiederholungen in Buddhas Reden nicht recht begreiflich. Dem Geheimschüler werden sie zu etwas, worauf er gern mit seinem inneren Sinne ruht. Denn sie entsprechen gewissen Bewegungen rhythmischer Art im Ätherleib. Die Hingabe an sie in vollkommener innerer Ruhe bewirkt auch ein Zusammenklingen mit solchen Bewegungen. Und weil diese Bewegungen ein Abbild sind bestimmter Weltrhythmen, die auch in gewissen Punkten Wiederholung und regelmäßige Rückkehr zu früheren darstellen, so lebt sich im Hinhören auf die Weise Bud­dhas der Mensch in den Zusammenhang mit den Weltgeheimnissen hinein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Geisteswissenschaft wird von vier Eigenschaften gesprochen, welche sich der Mensch auf dem sogenannten Prüfungspfade erwerben muß, um zu höherer Erkenntnis aufzusteigen. Es ist die erste davon die Fähigkeit, in den Gedanken das Wahre von der Erscheinung zu scheiden, die Wahrheit von der bloßen Meinung. Die zweite Eigen­schaft ist die richtige Schätzung des Wahren und Wirk­lichen gegenüber der Erscheinung. Die dritte Fähigkeit besteht in der schon im vorigen Kapitel erwähnten Ausübung der sechs Eigenschaften: Gedankenkontrolle,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|146}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kontrolle der Handlungen, Beharrlichkeit, Duldsamkeit, Glaube und Gleichmut. Die vierte ist die Liebe zur inne­ren Freiheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein bloßes verstandesmäßiges Begreifen dessen, was in diesen Eigenschaften liegt, nützt gar nichts. Sie müssen der Seele so einverleibt werden, daß sie innere Gewohn­heiten begründen. Man nehme zum Beispiel die erste Eigenschaft: Die Unterscheidung des Wahren von der Er­scheinung. Der Mensch muß sich so schulen, daß er bei jeglichem Dinge, das ihm gegenübertritt, ganz wie selbst­verständlich unterscheidet zwischen dem, was unwesent­lich ist, und dem, was Bedeutung hat. Man kann sich so nur schulen, wenn man in aller Ruhe und Geduld bei seinen Beobachtungen der Außenwelt immer wieder die dahingehenden Versuche macht. Zuletzt haftet in natür­licher Weise der Blick ebenso an dem Wahren, wie er vor­her an dem Unwesentlichen sich befriedigt hat. «Alles Vergängliche ist nur ein Gleichnis»: diese Wahrheit wird zu einer selbstverständlichen Überzeugung der Seele. Und so wird es mit den anderen der genannten vier Eigen­schaften zu halten sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun verwandelt sich tatsächlich der feine Ätherleib des Menschen unter dem Einfluß dieser vier Seelengewohn­heiten. Durch die erste «Unterscheidung des Wahren von der Erscheinung» wird der gekennzeichnete Mittelpunkt im Kopfe erzeugt und der im Kehlkopf vorbereitet. Zur wirklichen Ausbildung sind dann allerdings die Konzen­trationsübungen notwendig, von denen oben gesprochen worden ist. Sie bilden aus, und die vier Gewohnheiten bringen zur Reife. Ist der Mittelpunkt in der Gegend des Kehlkopfes vorbereitet, dann wird jene angedeutete&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|147}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
freie Beherrschung des Ätherleibes und sein Überziehen und Begrenzen mit dem Netzhautgeflecht bewirkt durch die richtige Schätzung des Wahren gegenüber der unwe­sentlichen Erscheinung. Bringt es der Mensch zu solcher Schätzung, dann werden ihm allmählich die geistigen Tat­sachen wahrnehmbar. Er soll aber nicht glauben, daß er bloß Handlungen zu vollziehen hat, welche vor einer ver­standesmäßigen Schätzung als bedeutungsvoll erscheinen. Die geringste Handlung, jeder kleine Handgriff hat etwas Bedeutungsvolles im großen Haushalte des Weltganzen, und es kommt nur darauf an, ein Bewußtsein von dieser Bedeutung zu haben. Nicht auf Unterschätzung, sondern auf richtige Einschätzung der alltäglichen Verrichtungen des Lebens kommt es an. Von den sechs Tugenden, aus denen sich die dritte Eigenschaft zusammensetzt, ist be­reits gesprochen worden. Sie hängen zusammen mit der Ausbildung der zwölfblätterigen Lotusblume in der Herzgegend. Dahin muß ja, wie gezeigt worden ist, in der Tat der Lebensstrom des Ätherleibes geleitet werden. Die vierte Eigenschaft: das Verlangen nach Befreiung, dient dann dazu, das Ätherorgan in der Nähe des Herzens zur Reifung zu bringen. Wird diese Eigenschaft zur Seelengewohnheit, dann befreit sich der Mensch von allem, was nur mit den Fähigkeiten seiner persönlichen Natur zu­sammenhängt. Er hört auf, die Dinge von seinem Sonderstandpunkte aus zu betrachten. Die Grenzen seines engen Selbst, die ihn an diesen Standpunkt fesseln, verschwin­den. Die Geheimnisse der geistigen Welt erhalten Zu­gang zu seinem Innern. Dies ist die Befreiung. Denn jene Fesseln zwingen den Menschen, die Dinge und Wesen so anzusehen, wie es seiner persönlichen Art entspricht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|148}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von dieser persönlichen Art, die Dinge zu betrachten, muß der Geheimschüler unabhängig, frei werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man sieht hieraus, daß die Vorschriften, welche von der Geisteswissenschaft ausgehen, tief in die innerste Men­schennatur hinein bestimmend wirken. Und die Vorschrif­ten über die vier genannten Eigenschaften sind solche Vorschriften. Sie finden sich in der einen oder der anderen Form in allen mit der Geisteswelt rechnenden Welt­anschauungen. Nicht aus einem dunklen Gefühl heraus haben die Begründer solcher Weltanschauungen solche Vorschriften den Menschen gegeben. Sie haben das viel­mehr aus dem Grunde getan, weil sie große Eingeweihte waren. Aus der Erkenntnis heraus haben sie ihre sittlichen Vorschriften geformt. Sie wußten, wie diese auf die feinere Natur des Menschen wirken, und wollten, daß die Beken­ner diese feinere Natur allmählich zur Ausbildung brin­gen. Im Sinne solcher Weltanschauungen leben heißt an seiner eigenen geistigen Vervollkommnung arbeiten. Und nur wenn der Mensch das tut, dient er dem Weltganzen. Sich vervollkommnen ist keineswegs Selbstsucht. Denn der unvollkommene Mensch ist auch ein unvollkommener Diener der Menschheit und der Welt. Man dient dem Ganzen um so besser, je vollkommener man selbst ist. Hier gilt es: «Wenn die Rose selbst sich schmückt, schmückt sie auch den Garten.»&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Begründer der bedeutungsvollen Weltanschauun­gen sind dadurch die großen Eingeweihten. Das, was von ihnen kommt, fließt in die Menschenseelen hinein. Und dadurch kommt mit der Menschheit die ganze Welt vor­wärts. Ganz bewußt haben die Eingeweihten an diesem Entwickelungsprozeß der Menschheit gearbeitet. Nur&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|149}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dann versteht man den Inhalt ihrer Anweisungen, wenn man beachtet, daß diese aus der Erkenntnis der tiefinnersten Menschennatur heraus geschöpft sind. Große Erken­ner waren die Eingeweihten, und aus ihrer Erkenntnis heraus haben sie die Ideale der Menschheit geprägt. Der Mensch aber kommt diesen Führern nahe, wenn er sich in seiner eigenen Entwickelung zu ihren Höhen erhebt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn bei einem Menschen die Ausbildung des Ätherleibes in der Art begonnen hat, wie das im Vorangegangenen beschrieben ist, dann erschließt sich ihm ein völlig neues Leben. Und er muß durch die Geheimschulung zur richtigen Zeit die Aufklärungen erhalten, welche ihn befähigen, sich in diesem neuen Leben zurechtzufinden. Er sieht zum Beispiel durch die sechzehnblätterige Lotus­blume geistig Gestalten einer höheren Welt. Nun muß er sich klarmachen, wie verschieden diese Gestalten sind, je nachdem sie von diesen oder jenen Gegenständen oder Wesen verursacht sind. Das erste, worauf er die Aufmerk­samkeit wenden kann, ist, daß er auf eine gewisse Art die­ser Gestalten durch seine eigenen Gedanken und Emp­findungen einen starken Einfluß ausüben kann, auf andere gar nicht oder doch nur in geringem Maße. Eine Art der Figuren ändert sich sofort, wenn der Betrachter bei ihrem Auftreten den Gedanken hat: «das ist schön», und dann im Laufe der Anschauung diesen Gedanken ändert in die­sen: «das ist nützlich». Besonders haben die Gestalten, welche von Mineralien oder künstlich gemachten Gegen­ständen herrühren, die Eigentümlichkeit, daß sie sich durch jeden Gedanken oder jedes Gefühl, das ihnen der Beschauer entgegenbringt, ändern. In geringerem Maße ist das schon der Fall bei den Gestalten, welche Pflanzen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|150}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
zukommen; und noch weniger findet es statt bei denen, welche Tieren entsprechen. Auch diese Gestalten sind beweglich und voll Leben. Aber diese Beweglichkeit rührt nur zum Teil von dem Einfluß der menschlichen Gedan­ken und Empfindungen her, zum anderen Teile wird sie durch Ursachen bewirkt, auf welche der Mensch keinen Einfluß hat. Nun tritt aber innerhalb dieser ganzen Ge­staltenwelt eine Sorte von Formen auf, welche der Ein­wirkung von seiten des Menschen selbst zunächst fast ganz entzogen sind. Der Geheimschüler kann sich davon überzeugen, daß diese Gestalten weder von Mineralien noch von künstlichen Gegenständen, auch nicht von Pflanzen oder Tieren herrühren. Er muß nun, um völlig ins klare zu kommen, die Gestalten betrachten, von denen er wissen kann, daß sie durch die Gefühle, Triebe, Leiden­schaften und so weiter von anderen Menschen verursacht werden. Aber auch diesen Gestalten gegenüber kann er finden, daß seine eigenen Gedanken und Empfindungen noch einigen, wenn auch verhältnismäßig geringen Ein­fluß haben. Es bleibt innerhalb der Gestaltenwelt immer ein Rest, auf den dieser Einfluß verschwindend gering ist. Ja, dieser Rest bildet im Anfange der Laufbahn des Ge­heimschülers sogar einen sehr großen Teil dessen, was er überhaupt sieht. Über die Natur dieses Teiles kann er sich nun nur aufklären, wenn er sich selbst beobachtet. Da fin­det er, welche Gestalten durch ihn selbst bewirkt worden sind. Das, was er selbst tut, will, wünscht und so weiter, kommt in diesen Gestalten zum Ausdruck. Ein Trieb, der in ihm wohnt, eine Begierde, die er hat, eine Absicht, die er hegt, und so weiter: alles das zeigt sich in solchen Ge­stalten. Ja, sein ganzer Charakter prägt sich in einer solchen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|151}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gestaltenwelt aus. Der Mensch kann somit durch seine bewußten Gestalten und Gefühle einen Einfluß auf alle Gestalten ausüben, welche nicht von ihm selbst ausgehen; auf diejenigen Figuren aber, die er durch sein eigenes Wesen in der höheren Welt bewirkt, hat er keinen Einfluß mehr, sobald sie durch ihn geschaffen worden sind. Es geht nun aus dem Gesagten auch hervor, daß in der höheren Anschauung das menschliche Innere, die eigene Trieb-, Begierden- und Vorstellungswelt sich ge­nauso in äußeren Figuren zeigt wie andere Gegenstände und Wesenheiten. Die Innenwelt wird für die höhere Er­kenntnis zu einem Teile der Außenwelt. Wie wenn man in der physischen Welt von allen Seiten mit Spiegeln um­geben wäre und so seine leibliche Gestalt beschauen könnte, so tritt in einer höheren Welt die seelische Wesen­heit des Menschen diesem als Spiegelbild entgegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf dieser Entwickelungsstufe ist für den Geheimschüler der Zeitpunkt eingetreten, in dem er die Illusion, wel­che aus der persönlichen Begrenztheit stammt, überwin­det. Er kann jetzt das, was innerhalb seiner Persönlichkeit ist, beobachten als Außenwelt, wie er früher als Außen­welt betrachtete, was auf seine Sinne einwirkte. So lernt er allmählich durch die Erfahrung sich so behandeln, wie er früher die Wesen um sich her behandelte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Würde des Menschen Blick in diese Geisteswelten geöffnet, ehe er in genügender Art auf deren Wesen vorbe­reitet worden ist, so stünde er zunächst vor dem charak­terisierten Gemälde seiner eigenen Seele wie vor einem Rätsel. Die Gestalten seiner eigenen Triebe und Leiden­schaften treten ihm da entgegen in Formen, welche er als tierische oder seltener auch als menschliche empfindet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|152}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zwar sind die Tiergestalten dieser Welt niemals ganz gleich denen der physischen Welt, aber sie haben doch eine entfernte Ähnlichkeit. Von ungeübten Beobachtern werden sie wohl auch für gleich gehalten. Man muß sich nun, wenn man diese Welt betritt, eine ganz neue Art des Urteilens aneignen. Denn abgesehen davon, daß die Dinge, die eigentlich dem menschlichen Innern angehö­ren, als Außenwelt erscheinen, treten sie auch noch als das Spiegelbild dessen auf, was sie wirklich sind. Wenn man zum Beispiel eine Zahl da erblickt, so muß man sie um­gekehrt als Spiegelbild lesen. 265 zum Beispiel bedeutet in Wahrheit hier 562. Eine Kugel sieht man so, wie wenn man in ihrem Mittelpunkte wäre. Man hat sich dann diese Innenansicht erst in der richtigen Art zu übersetzen. Aber auch seelische Eigenschaften erscheinen als Spiegelbild. Ein Wunsch, der sich auf etwas Äußeres bezieht, tritt als eine Gestalt auf, die zu dem Wünschenden selbst sich hin­bewegt. Leidenschaften, welche in der niederen Natur des Menschen ihren Sitz haben, können die Form von Tieren oder ähnliche Gestaltungen annehmen, die sich auf den Menschen losstürzen. In Wirklichkeit streben ja diese Lei­denschaften nach außen; sie suchen den Gegenstand ihrer Befriedigung in der Außenwelt. Aber dieses Suchen nach außen stellt sich im Spiegelbild als Angriff auf den Träger der Leidenschaft dar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn der Geheimschüler, bevor er zu höherem Schauen aufsteigt, durch ruhige, sachliche Selbstbeobachtung seine eigenen Eigenschaften selber kennengelernt hat, dann wird er auch in dem Augenblicke, da ihm sein Inneres im äußeren Spiegelbilde entgegentritt, Mut und Kraft finden, um sich in der richtigen Art zu verhalten. Menschen, welche&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|153}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sich durch solche Selbstprüfung nicht genügend mit dem eigenen Innern bekannt gemacht haben, werden sich in ihrem Spiegelbilde nicht erkennen und dieses dann für fremde Wirklichkeit halten. Auch werden sie durch den Anblick ängstlich und reden sich, weil sie die Sache nicht ertragen können, ein, das Ganze sei nur phantastisches Er­zeugnis, das zu nichts führen könne. In beiden Fällen stünde der Mensch durch sein unreifes Ankommen auf einer gewissen Entwickelungsstufe der eigenen höheren Ausbildung verhängnisvoll im Wege.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist durchaus notwendig, daß der Geheimschüler durch den geistigen Anblick seiner eigenen Seele hindurchgehe, um zu Höherem vorzudringen. Denn im eige­nen Selbst hat er ja doch dasjenige Geistig-Seelische, das er am besten beurteilen kann. Hat er sich von seiner Per­sönlichkeit in der physischen Welt zunächst eine tüchtige Erkenntnis erworben und tritt ihm zuerst das Bild dieser Persönlichkeit in der höheren Welt entgegen, dann kann er beides vergleichen. Er kann das Höhere auf ein ihm Bekanntes beziehen und vermag so von einem festen Bo­den auszugehen. Wenn ihm dagegen noch so viele andere geistige Wesenheiten entgegenträten, so vermöchte er sich doch über ihre Eigenart und Wesenheit zunächst kei­nen Aufschluß zu geben. Er würde bald den Boden unter den Füßen schwinden fühlen. Es kann daher gar nicht oft genug betont werden, daß der sichere Zugang zur höheren Welt derjenige ist, der über die gediegene Erkenntnis und Beurteilung der eigenen Wesenheit führt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Geistige Bilder sind es also, welchen der Mensch zu­nächst auf seiner Bahn zur höheren Welt begegnet. Denn die Wirklichkeit, welche diesen Bildern entspricht, ist ja&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|154}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
in ihm selbst. Reif muß demnach der Geheimschüler sein, um auf dieser ersten Stufe nicht derbe Realitäten zu ver­langen, sondern die Bilder als das Richtige zu betrachten. Aber innerhalb dieser Bilderwelt lernt er bald etwas Neues kennen. Sein niederes Selbst ist nur als Spiegelgemälde vor ihm vorhanden; aber mitten in diesem Spiegelgemälde erscheint die wahre Wirklichkeit des höheren Selbst. Aus dem Bilde der niederen Persönlichkeit her­aus wird die Gestalt des geistigen Ich sichtbar. Und erst von dem letzteren aus spinnen sich die Fäden zu anderen höheren geistigen Wirklichkeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und nun ist die Zeit gekommen, um die zweiblätterige Lotusblume in der Augengegend zu gebrauchen. Fängt sie an sich zu bewegen, so findet der Mensch die Möglichkeit, sein höheres Ich mit übergeordneten geistigen Wesen­heiten in Verbindung zu setzen. Die Ströme, welche von dieser Lotusblume ausgehen, bewegen sich so zu höheren Wirklichkeiten hin, daß die entsprechenden Bewegungen dem Menschen völlig bewußt sind. Wie das Licht dem Auge die physischen Gegenstände sichtbar macht, so diese Strömungen die geistigen Wesen höherer Welten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch Versenkung in der Geisteswissenschaft entstam­mende Vorstellungen, welche Grundwahrheiten enthalten, lernt der Schüler die Strömungen der Augenlotus­blume in Bewegung setzen und dirigieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was gesunde Urteilskraft, klare, logische Schulung ist, das erweist sich ganz besonders auf dieser Stufe der Ent­wickelung. Man muß nur bedenken, daß da das höhere Selbst, das bisher keimhaft, unbewußt im Menschen ge­schlummert hat, zu bewußtem Dasein geboren wird. Nicht etwa bloß im bildlichen, sondern in ganz wirklichem&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|155}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sinne hat man es mit einer Geburt in der geistigen Welt zu tun. Und das geborene Wesen, das höhere Selbst, muß mit allen notwendigen Organen und Anlagen zur Welt kommen, wenn es lebensfähig sein soll. Wie die Natur vorsorgen muß, daß ein Kind mit wohlgebildeten Ohren und Augen zur Welt komme, so müssen die Gesetze der Eigenentwickelung eines Menschen Sorge tra­gen, daß sein höheres Selbst mit den notwendigen Fähig­keiten ins Dasein trete. Und diese Gesetze, welche die Ausbildung der höheren Organe des Geistes selbst besor­gen, sind keine anderen als die gesunden Vernunft- und Moralgesetze der physischen Welt. Wie im Mutterschoße das Kind reift, so im physischen Selbst der geistige Mensch. Die Gesundheit des Kindes hängt von normaler Wirksamkeit der Naturgesetze im Mutterschoße ab. Die Gesundheit des geistigen Menschen ist in gleicher Art von den Gesetzen des gewöhnlichen Verstandes und der im physischen Leben wirksamen Vernunft bedingt. Niemand kann ein gesundes höheres Selbst gebären, der nicht in der physischen Welt gesund lebt und denkt. Natur- und vernunftgemäßes Leben sind die Grundlage aller wahren Geistesentwickelung. Wie das Kind im Schoße der Mut­ter schon nach den Naturkräften lebt, die es nach seiner Geburt mit seinen Sinnesorganen wahrnimmt, so lebt das höhere Selbst des Menschen nach den Gesetzen der gei­stigen Welt schon während des physischen Daseins. Und wie das Kind aus einem dunklen Lebensgefühl heraus sich die entsprechenden Kräfte aneignet, so kann es der Mensch mit den Kräften der geistigen Welt, bevor sein höheres Selbst geboren wird. Ja, er muß dies tun, wenn dies letztere als vollentwickeltes Wesen zur Welt kommen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|156}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
soll. Es wäre nicht richtig, wenn jemand sagte: ich kann die Lehren der Geisteswissenschaft nicht annehmen, bevor ich nicht selbst sehe. Denn ohne die Vertiefung in die Geistesforschung kann er überhaupt nicht zu wahrer hö­herer Erkenntnis kommen. Er wäre dann in derselben Lage wie ein Kind im Mutterschoße, das verweigerte, die Kräfte zu gebrauchen, die ihm durch die Mutter zukom­men, und warten wollte, bis es sich dieselben selbst ver­schaffen kann. So wie der Kindeskeim im Lebensgefühl die Richtigkeit des Dargereichten erfährt, so der noch nicht sehende Mensch die Wahrheit der Lehren der Gei­steswissenschaft. Es gibt eine Einsicht, die auf Wahrheitsgefühl und klare, gesunde, allseitig urteilende Vernunft gebaut ist, in diese Lehren, auch wenn man die geistigen Dinge noch nicht schaut. Man muß die mystischen Er­kenntnisse zuerst lernen und sich eben gerade durch dieses Lernen zum Schauen vorbereiten. Ein Mensch, der zum Schauen käme, bevor er in dieser Art gelernt hat, gliche einem Kinde, das wohl mit Augen und Ohren, aber ohne Gehirn geboren wäre. Es breitete sich die ganze Farben- und Tonwelt vor ihm aus; aber es könnte nichts damit an­fangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was also dem Menschen vorher durch sein Wahrheits­gefühl, durch Verstand und Vernunft einleuchtend war, das wird auf der geschilderten Stufe der Geheimschülerschaft eigenes Erlebnis. Er hat jetzt ein unmittelbares Wis­sen von seinem höheren Selbst. Und er lernt erkennen, daß dieses höhere Selbst mit geistigen Wesenheiten höhe­rer Art zusammenhängt und mit ihnen eine Einheit bil­det. Er sieht also, wie das niedere Selbst aus einer höheren Welt herstammt. Und es zeigt sich ihm, daß seine höhere&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|157}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Natur die niedere überdauert. Er kann nunmehr selbst sein Vergängliches von seinem Bleibenden unterscheiden. Das heißt nichts anderes, als er lernt die Lehre von der Einkörperung (Inkarnation) des höheren Selbst in ein nie­deres aus eigener Anschauung verstehen. Es wird ihm jetzt klar, daß er in einem höheren geistigen Zusammenhange darinnen steht, daß seine Eigenschaften, seine Schicksale durch diesen Zusammenhang verursacht sind. Er lernt das Gesetz seines Lebens, Karma, erkennen. Er sieht ein, daß sein niederes Selbst, wie es gegenwärtig sein Dasein ausmacht, nur eine der Gestalten ist, die sein höhe­res Wesen annehmen kann. Und er erblickt die Möglich­keit vor sich, von seinem höheren Selbst aus an sich zu arbeiten, auf daß er vollkommener und immer vollkom­mener werde. Er kann nunmehr auch die großen Unter­schiede der Menschen hinsichtlich ihrer Vollkommen­heitsgrade einsehen. Er wird gewahr, daß es über ihm ste­hende Menschen gibt, welche die noch vor ihm liegenden Stufen schon erreicht haben. Er sieht ein, daß die Lehren und Taten solcher Menschen von den Eingebungen aus einer höheren Welt herrühren. Dies verdankt er seinem ersten eigenen Blick in diese höhere Welt. Was man «große Eingeweihte der Menschheit» nennt, wird jetzt beginnen, für ihn Tatsache zu werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das sind die Gaben, die der Geheimschüler dieser Stufe seiner Entwickelung verdankt: Einsicht in das höhere Selbst, in die Lehre von der Einkörperung oder Inkarna­tion dieses höheren Selbst in ein niederes, in das Gesetz, wonach das Leben in der physischen Welt geregelt wird nach geistigen Zusammenhängen Karmagesetz , und endlich in das Dasein großer Eingeweihter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|158}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man sagt deshalb auch von einem Schüler, der diese Stufe erreicht hat, daß ihm der Zweifel völlig geschwunden sei. Konnte er sich vorher einen auf Vernunftgründe und gesundes Denken gebauten Glauben aneignen, so tritt jetzt an die Stelle dieses Glaubens das volle Wissen und die durch nichts zu erschütternde Einsicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Religionen haben in ihren Zeremonien, Sakramen­ten und Riten äußerlich sichtbare Abbilder höherer geistiger Vorgänge und Wesen gegeben. Nur wer die Tiefen der großen Religionen noch nicht durchschaut hat, kann diese verkennen. Wer aber in die geistige Wirklichkeit selbst hineinschaut, der wird auch die große Bedeutung jener äußerlich sichtbaren Handlungen verstehen. Und für ihn wird dann der religiöse Dienst selbst ein Abbild seines Verkehrs mit der geistig übergeordneten Welt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man sieht, in welcher Art der Geheimschüler durch Erreichung dieser Stufe wirklich ein neuer Mensch gewor­den ist. Er kann nun allmählich dazu heranreifen, durch die Strömungen seines Ätherkörpers das eigentliche hö­here Lebenselement zu dirigieren und damit eine hohe Freiheit von seinem physischen Körper zu erlangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|159}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= VERÄNDERUNGEN IM TRAUMLEBEN DES GEHEIMSCHÜLERS =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Ankündigung, daß der Geheimschüler die im vori­gen Kapitel beschriebene Stufe der Entwickelung erreicht hat oder doch bald erreichen werde, ist die Veränderung, die mit seinem Traumleben vorgeht. Vorher waren die Träume verworren und willkürlich. Nun fangen sie an, einen regelmäßigen Charakter anzunehmen. Ihre Bilder werden sinnvoll zusammenhängend wie die Vorstellun­gen des Alltagslebens. Man kann in ihnen Gesetz, Ur­sache und Wirkung erkennen. Und auch der Inhalt der Träume ändert sich. Während man vorher nur Nach­klänge des täglichen Lebens, umgeformte Eindrücke der Umgebung oder der eigenen Körperzustände wahrnimmt, treten jetzt Bilder aus einer Welt auf, mit der man vorher unbekannt war. Zunächst bleibt allerdings der allgemeine Charakter des Traumlebens bestehen, insofern sich der Traum vom wachen Vorstellen dadurch unterscheidet, daß er sinnbildlich dasjenige gibt, was er ausdrücken will. Einem aufmerksamen Beurteiler des Traumlebens kann ja diese Sinnbildlichkeit nicht entgehen. Man träumt zum Bei­spiel davon, daß man ein häßliches Tier gefangen und ein unangenehmes Gefühl in der Hand hat. Man wacht auf und merkt, daß man einen Zipfel der Bettdecke mit der Hand umschlossen hält. Die Wahrnehmung drückt sich also nicht ungeschminkt aus, sondern durch das gekenn­zeichnete Sinnbild. Oder man träumt, daß man vor einem Verfolger flieht; man empfindet dabei Angst. Beim Aufwachen zeigt sich, daß man von Herzklopfen wäh­rend des Schlafes befallen war. Der Magen, welcher mit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|160}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
schwerverdaulichen Speisen erfüllt ist, verursacht beäng­stigende Traumbilder. Auch Vorgänge in der Umgebung des schlafenden Menschen spiegeln sich im Traume als Sinnbilder. Das Schlagen einer Uhr kann das Bild eines Soldatentrupps hervorrufen, der bei Trommelschlag vorbeimarschiert. Ein umfallender Stuhl kann die Veranlassung zu einem ganzen Traumdrama sein, in dem der Schlag sich als Schuß widerspiegelt und so weiter. Diese sinnbildliche Art des Ausdruckes hat nun auch der gere­gelte Traum des Menschen, dessen Ätherkörper sich zu entwickeln beginnt. Aber er hört auf, bloße Tatsachen der physischen Umgebung oder des eigenen sinnlichen Leibes widerzuspiegeln. So wie diejenigen Träume regelmäßig werden, welche diesen Dingen ihren Ursprung verdan­ken, so mischen sich auch solche Traumbilder ein, die Ausdruck von Dingen und Verhältnissen einer anderen Welt sind. Hier werden zuerst Erfahrungen gemacht, wel­che dem gewöhnlichen Tagesbewußtsein unzugänglich sind. Nun darf man keineswegs glauben, daß irgendein wahrer Mystiker die Dinge, die er in solcher Art traum­haft erlebt, zur Grundlage irgendwelcher maßgebenden Mitteilungen einer höheren Welt schon macht. Nur als die ersten Anzeichen einer höheren Entwickelung hat man solche Traumerlebnisse zu betrachten. Bald tritt auch als weitere Folge die Tatsache ein, daß die Bilder des träu­menden Geheimschülers nicht mehr wie früher der Lei­tung des besonnenen Verstandes entzogen sind, sondern von diesem geregelt und ordnungsgemäß überschaut wer­den wie die Vorstellungen und Empfindungen des Wachbewußtseins. Es verschwindet eben immer mehr und mehr der Unterschied zwischen dem Traumbewußtsein und diesem&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|161}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wachzustand. Der Träumende ist im vollen Sinne des Wortes während des Traumlebens wach; das heißt, er fühlt sich als Herr und Führer seiner bildhaften Vorstel­lungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während des Träumens befindet sich der Mensch tat­sächlich in einer Welt, welche von derjenigen seiner phy­sischen Sinne verschieden ist. Nur vermag der Mensch mit unentwickelten geistigen Organen sich von dieser Welt keine anderen als die gekennzeichneten verworre­nen Vorstellungen zu bilden. Sie ist für ihn nur so vorhanden, wie die sinnliche Welt für ein Wesen da wäre, das höchstens die allerersten Anlagen von Augen hat. Deshalb kann der Mensch auch nichts sehen in dieser Welt als die Nachbilder und Widerspiegelungen des gewöhnlichen Lebens. Diese kann er aber aus dem Grunde im Traume sehen, weil seine Seele ihre Tageswahrneh­mungen selbst als Bilder in den Stoff hineinmalt, aus dem jene andere Welt besteht. Man muß sich nämlich klar darüber sein, daß der Mensch neben seinem gewöhn­lichen bewußten Tagesleben noch ein zweites, unbewuß­tes, in der angedeuteten anderen Welt führt. Alles, was er wahrnimmt und denkt, gräbt er in Abdrücken in diese Welt ein. Man kann diese Abdrücke eben nur sehen, wenn die Lotusblumen entwickelt sind. Nun sind bei jedem Menschen gewisse spärliche Anlagen der Lotusblumen immer vorhanden. Während des Tagesbewußtseins kann er damit nichts wahrnehmen, weil die Eindrücke auf ihn ganz schwach sind. Es ist dies aus einem ähnlichen Grunde, warum man während des Tages die Sterne nicht sieht. Sie kommen für die Wahrnehmungen gegenüber dem mächtig wirkenden Sonnenlicht nicht auf. So kommen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|162}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die schwachen geistigen Eindrücke gegenüber den machtvollen Eindrücken der physischen Sinne nicht zur Geltung. Wenn nun im Schlaf die Tore der äußeren Sinne geschlossen sind, so leuchten diese Eindrücke verworren auf. Und der Träumende wird dann der in einer anderen Welt gemachten Erfahrungen gewahr. Aber, wie gesagt, zunächst sind diese Erfahrungen nichts weiter als das­jenige, was das an die physischen Sinne gebundene Vor­stellen selbst in die geistige Welt eingegraben hat. Erst die entwickelten Lotusblumen machen es möglich, daß Kundgebungen, welche nicht der physischen Welt angehören, dort verzeichnet werden. Und durch den ent­wickelten Ätherleib entsteht dann ein volles Wissen von diesen aus anderen Welten herrührenden Einzeichnun­gen. Damit hat der Verkehr des Menschen in einer neuen Welt begonnen. Und der Mensch muß jetzt durch die Anleitungen der Geheimschulung ein Doppeltes zunächst erreichen. Zuerst muß es ihm möglich werden, ganz vollständig wie im Wachen die im Traume gemach­ten Beobachtungen zu gewahren. Hat er dies erreicht, so wird er dazu geführt, dieselben Beobachtungen auch während des gewöhnlichen Wachzustandes zu machen. Seine Aufmerksamkeit auf geistige Eindrücke wird da einfach so geregelt, daß diese Eindrücke gegenüber den physischen nicht mehr zu verschwinden brauchen, son­dern daß er sie neben und mit diesen immerfort haben kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hat der Geheimschüler diese Fähigkeit erlangt, dann tritt eben vor seinen geistigen Augen etwas von dem Ge­mälde auf, das im vorigen Kapitel beschrieben worden ist. Er kann nunmehr wahrnehmen, was in der geistigen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|163}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Welt vorhanden ist als die Ursache für die physische. Und er kann vor allem sein höheres Selbst innerhalb dieser Welt erkennen. Seine nächste Aufgabe ist nun, in die­ses höhere Selbst gewissermaßen hineinzuwachsen, das heißt, es wirklich als seine wahre Wesenheit anzusehen und auch sich dementsprechend zu verhalten. Immer mehr erhält er nun die Vorstellung und das lebendige Gefühl davon, daß sein physischer Leib und was er vorher sein «Ich» genannt hat nur mehr ein Werkzeug des höhe­ren Ich ist. Er bekommt eine Empfindung gegenüber dem niederen Selbst, wie es der auf die Sinnenwelt beschränkte Mensch gegenüber einem Werkzeug oder Fahrzeug hat, deren er sich bedient. So wie dieser den Wagen, in dem er fährt, nicht zu seinem «Ich» rechnet, auch wenn er sagt: «Ich fahre» wie «Ich gehe», so hat der entwickelte Mensch, wenn er sagt: «Ich gehe zur Tür hinein», eigent­lich die Vorstellung: «Ich trage meinen Leib zur Tür hinein.» Nur muß das für ihn ein so selbstverständlicher Begriff sein, daß er nicht einen Augenblick den festen Boden der physischen Welt verliert, daß niemals ein Ge­fühl von Entfremdung deshalb gegenüber der Sinnenwelt auftritt. Soll der Geheimschüler nicht zum Schwärmer oder Phantasten werden, so muß er durch das höhere Be­wußtsein sein Leben in der physischen Welt nicht ver­armen, sondern bereichern, so wie es derjenige bereichert, der sich statt seiner Beine eines Eisenbahnzuges bedient, um einen Weg zu machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hat es der Geheimschüler zu einem solchen Leben in seinem höheren Ich gebracht, dann oder vielmehr schon während der Aneignung des höheren Bewußtseins wird ihm klar, wie er die geistige Wahrnehmungskraft in dem&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|164}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
in der Herzgegend erzeugten Organ zum Dasein erwecken und durch die in den vorigen Kapiteln charakterisierten Strömungen leiten kann. Diese Wahrnehmungskraft ist ein Element von höherer Stofflichkeit, das von dem ge­nannten Organ ausgeht und in leuchtender Schönheit durch die sich bewegenden Lotusblumen und auch durch die anderen Kanäle des ausgebildeten Ätherleibes strömt. Es strahlt von da nach außen in die umgebende geistige Welt und macht sie geistig sichtbar, wie das von außen auf die Gegenstände fallende Sonnenlicht diese physisch sichtbar macht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie diese Wahrnehmungskraft im Herzorgane erzeugt wird, das kann nur allmählich im Ausbilden selbst ver­standen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deutlich als Gegenstände und Wesen wahrnehmbar wird die geistige Welt eigentlich erst für einen Menschen, der in solcher Art das charakterisierte Wahrnehmungs­organ durch seinen Ätherleib und nach der Außenwelt senden kann, um damit die Gegenstände zu beleuchten. Man sieht daraus, daß ein vollkommenes Bewußtsein von einem Gegenstande der geistigen Welt nur unter der Bedingung entstehen kann, daß der Mensch selbst das Geisteslicht auf ihn wirft. In Wahrheit wohnt nun das «Ich», welches dieses Wahrnehmungsorgan erzeugt, gar nicht im physischen Menschenkörper, sondern, wie ge­zeigt worden ist, außerhalb desselben. Das Herzorgan ist nur der Ort, wo der Mensch von außen her dieses geistige Lichtorgan entfacht. Würde er es nicht hier, sondern an einem anderen Orte entzünden, so hätten die durch dasselbe zustande gebrachten geistigen Wahrnehmungen keinen Zusammenhang mit der physischen Welt. Aber&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|165}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der Mensch soll ja alles höhere Geistige eben auf die physische Welt beziehen und durch sich in die letztere hereinwirken lassen. Das Herzorgan ist gerade dasjenige, durch welches das höhere Ich das sinnliche Selbst zu sei­nem Werkzeug macht und von dem aus dies letztere ge­handhabt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun ist die Empfindung, welche der entwickelte Mensch gegenüber den Dingen der geistigen Welt hat, eine andere als die, welche dem Sinnenmenschen gegen­über der physischen Welt eigen ist. Der letztere fühlt sich an einem gewissen Orte der Sinnenwelt, und die wahr­genommenen Gegenstände sind für ihn «außerhalb». Der geistig entwickelte Mensch dagegen fühlt sich mit dem geistigen Gegenstande seiner Wahrnehmung wie vereinigt, wie «im Innern» desselben. Er wandelt in der Tat im Geistesraume von Ort zu Ort. Man nennt ihn deshalb in der Sprache der Geheimwissenschaft auch den «Wanderer». Er ist zunächst nirgends zu Hause. Bliebe er bei dieser bloßen Wanderschaft, dann könnte er keinen Gegenstand im geistigen Raume wirklich bestimmen. Wie man einen Gegenstand oder Ort im physischen Raume dadurch bestimmt, daß man von einem gewissen Punkte ausgeht, so muß das auch in der erreichten ande­ren Welt der Fall sein. Man muß sich auch da irgendwo einen Ort suchen, den man zunächst ganz genau erforscht und geistig für sich in Besitz nimmt. In diesem Orte muß man sich eine geistige Heimat gründen und dann alles andere zu dieser Heimat in ein Verhältnis setzen. Auch der in der physischen Welt lebende Mensch sieht ja alles so, wie es die Vorstellungen seiner physischen Heimat mit sich bringen. Ein Berliner beschreibt unwillkürlich Lon­don&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|166}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
anders als ein Pariser. Nur ist es mit der geistigen Heimat doch anders als mit der physischen. In die letztere ist man ohne sein Zutun hineingeboren, in ihr hat man während der Jugendzeit eine Reihe von Vorstellungen instinktiv aufgenommen, von denen fortan alles unwill­kürlich beleuchtet wird. Die geistige Heimat hat man sich aber mit vollem Bewußtsein selbst gebildet. Man ur­teilt von ihr ausgehend deshalb auch in voller lichter Freiheit. Dieses Bilden einer geistigen Heimat nennt man in der Sprache der Geheimwissenschaft «eine Hütte bauen».&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das geistige Schauen auf dieser Stufe erstreckt sich zu­nächst auf die geistigen Gegenbilder der physischen Welt, soweit diese Gegenbilder in der sogenannten astralen Welt liegen. In dieser Welt befindet sich alles dasjenige, was seinem Wesen nach gleich den menschlichen Trie­ben, Gefühlen, Begierden und Leidenschaften ist. Denn zu allen den Menschen umgebenden Sinnesdingen gehören auch Kräfte, die mit diesen menschlichen verwandt sind. Ein Kristall zum Beispiel wird in seine Form gegos­sen durch Kräfte, die sich der höheren Anschauung gegen­über ausnehmen wie ein Trieb, der im Menschen wirkt. Durch ähnliche Kräfte wird der Saft durch die Gefäße der Pflanze geleitet, werden die Blüten zur Entfaltung, die Samenkapseln zum Aufspringen gebracht. Alle diese Kräfte gewinnen Form und Farbe für die entwickelten geistigen Wahrnehmungsorgane, wie die Gegenstände der physischen Welt Form und Farbe für das physische Auge haben. Der Geheimschüler sieht auf der geschilder­ten Stufe seiner Entwickelung nicht nur den Kristall, die Pflanze, sondern auch die gekennzeichneten geistigen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|167}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kräfte. Und er sieht die tierischen und menschlichen Triebe nicht nur durch die physischen Lebensäußerungen ihrer Träger, sondern auch unmittelbar als Gegenstände, wie er in der physischen Welt Tische und Stühle sieht. Die ganze Instinkt-, Trieb-, Wunsch-, Leidenschaftswelt eines Tieres oder Menschen wird zu der astralen Wolke, in welche das Wesen eingehüllt wird, zur Aura.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weiter nimmt der Hellseher auf dieser Stufe seiner Ent­wickelung auch Dinge wahr, die sich der sinnlichen Auf­fassung fast oder vollständig entziehen. Er kann zum Bei­spiel den astralen Unterschied merken zwischen einem Raume, der zum großen Teile mit niedrig gesinnten Men­schen erfüllt ist, und einem solchen, in dem hochgesinnte Personen anwesend sind. In einem Krankenhause ist nicht nur die physische, sondern auch die geistige Atmosphäre eine andere als in einem Tanzsaale. Eine Handelsstadt hat eine andere astrale Luft als ein Universitätsort. Zunächst wird das Wahrnehmungsvermögen des hellsehend gewor­denen Menschen für solche Dinge nur schwach entwickelt sein. Es wird sich zu den zuerst genannten Gegenständen so verhalten wie das Traumbewußtsein des Sinnenmen­schen zu seinem Wachbewußtsein. Aber allmählich wird er auch auf dieser Stufe voll erwachen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die höchste Errungenschaft des Hellsehers, der den charakterisierten Grad des Schauens erreicht hat, ist diejenige, auf welcher sich ihm die astralen Gegenwirkun­gen der tierischen und menschlichen Triebe und Leiden­schaften zeigen. Eine liebevolle Handlung hat eine an­dere astrale Begleiterscheinung als eine solche, die vom Hasse ausgeht. Die sinnlose Begierde stellt außer sich selbst noch ein häßliches astrales Gegenbild dar, die auf&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|168}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hohes gerichtete Empfindung dagegen ein schönes. Diese Gegenbilder sind während des physischen Menschenlebens nur schwach zu sehen. Denn ihre Stärke wird durch das Leben in der physischen Welt beeinträchtigt. Ein Wunsch nach einem Gegenstande erzeugt zum Beispiel ein solches Spiegelbild außer dem, als welches dieser Wunsch selbst in der astralen Welt erscheint. Wird aber der Wunsch durch das Erlangen des physischen Gegen­standes befriedigt oder ist wenigstens die Möglichkeit zu solcher Befriedigung vorhanden, so wird das Gegenbild nur ein sehr schwacher Schein sein. Zu seiner vollen Gel­tung gelangt es erst nach dem Tode des Menschen, wenn die Seele noch immer, ihrer Natur nach, solchen Wunsch hegen muß, ihn aber nicht mehr befriedigen kann, weil der Gegenstand und auch das physische Organ dazu fehlen. Der sinnlich veranlagte Mensch wird auch nach seinem Tode zum Beispiel die Gier nach Gaumengenuß haben. Ihm fehlt jetzt aber die Möglichkeit der Befriedigung, da er doch keinen Gaumen mehr hat. Das hat zur Folge, daß der Wunsch ein besonders heftiges Gegenbild erzeugt, von dem die Seele dann gequält wird. Man nennt diese Erfahrungen durch die Gegenbilder der niederen Seelennatur nach dem Tode die Erlebnisse im Seelenreich, be­sonders in dem Orte der Begierden. Sie schwinden erst, wenn die Seele sich geläutert hat von allen nach der phy­sischen Welt hinzielenden Begierden. Dann steigt diese Seele erst in das höhere Gebiet (Geisteswelt) auf. Wenn auch diese Gegenbilder beim noch physisch lebenden Menschen schwach sind: sie sind doch vorhanden und begleiten ihn als seine Begierden-Anlage, wie den Ko­meten sein Schweif begleitet. Und der Hellseher kann sie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|169}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sehen, wenn er die entsprechende Entwickelungsstufe er­reicht hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In solchen Erfahrungen und in allen denen, welche da­mit verwandt sind, lebt der Geheimschüler in dem Stadium, das beschrieben worden ist. Bis zu noch höheren geistigen Erlebnissen kann er es auf dieser Entwickelungs­stufe noch nicht bringen. Er muß von da an noch höher aufwärts steigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|170}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= DIE ERLANGUNG DER KONTINUITÄT DES BEWUSSTSEINS =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Leben des Menschen verläuft im Wechsel von drei Zuständen. Diese sind: Wachsein, traumerfüllter Schlaf und traumloser tiefer Schlaf. Man kann verstehen, wie man zu den höheren Erkenntnissen der geistigen Welten gelangt, wenn man sich eine Vorstellung davon bildet, was für Veränderungen in bezug auf diese drei Zustände bei demjenigen Menschen vorgehen müssen, der solche Erkenntnis suchen will. Bevor der Mensch eine Schulung für diese Erkenntnis durchgemacht hat, wird sein Bewußtsein fortwährend unterbrochen von den Ruhepausen des Schlafes. In diesen Pausen weiß die Seele nichts von der Außenwelt und auch nichts von sich selbst. Nur für gewisse Zeiten tauchen aus dem allgemeinen Meere der Bewußtlosigkeit die Träume auf, welche anknüpfen an Vorgänge der Außenwelt oder an Zustände des eigenen Leibes. Zunächst sieht man in den Träumen nur eine besondere Äußerung des Schlaflebens, und man spricht daher wohl überhaupt nur von zwei Zuständen: Schlafen und Wachen. Für die Geheimwissenschaft aber hat der Traum eine selbständige Bedeutung neben den beiden anderen Zuständen. Es ist im vorigen Kapitel beschrieben worden, welche Veränderung in dem Traumleben des Menschen vorgeht, der den Aufstieg zu höherer Erkenntnis unternimmt. Seine Träume verlieren den bedeutungslosen, unregelmäßigen und zusammenhanglosen Charakter und werden immer mehr und mehr zu einer regelerfüllten, zusammenhängenden Welt. Bei weiterer Entwickelung gibt dann diese aus der Traumwelt geborene neue Welt der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|171}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
äußeren sinnlichen Wirklichkeit nicht nur an innerer Wahrheit nichts nach, sondern in ihr offenbaren sich Tatsachen, die im vollen Sinne des Wortes eine höhere Wirklichkeit darstellen. In der sinnlichen Welt sind nämlich überall Geheimnisse und Rätsel verborgen. Diese Welt zeigt wohl die Wirkungen gewisser höherer Tatsachen; allein der Mensch, der seine Wahrnehmung bloß auf seine Sinne beschränkt, kann nicht zu den Ursachen dringen. Dem Geheimschüler offenbaren sich in dem geschilderten, aus dem Traumleben herausgebildeten, aber keineswegs etwa bei ihm stehenbleibenden Zustande diese Ursachen teilweise. Er darf ja allerdings diese Offenbarungen so lange nicht als wirkliche Erkenntnisse ansehen, als sich ihm noch nicht während des gewöhnlichen wachen Lebens dieselben Dinge zeigen. Aber auch dazu gelangt er. Er entwickelt sich dazu, den Zustand, den er erst aus dem Traumleben sich geschaffen hat, in das wache Bewußtsein herüberzunehmen. Dann ist für ihn die Sinnenwelt um etwas ganz Neues bereichert. Wie ein Mensch, der, blind geboren und operiert, nach seinem Sehendwerden die Dinge der Umgebung um all die Wahrnehmungen des Auges bereichert erkennt, so schaut der auf obige Art hellsehend gewordene Mensch die ganze ihn umgebende Welt mit neuen Eigenschaften, Dingen, Wesen und so weiter. Er braucht nunmehr nicht auf den Traum zu warten, um in einer anderen Welt zu leben, sondern er kann sich zu höherer Wahrnehmung immer, wenn es angemessen ist, in den geschilderten Zustand versetzen. Bei ihm hat dann dieser Zustand eine ähnliche Bedeutung, wie im gewöhnlichen Leben eine solche das Wahrnehmen der Dinge bei tätigen Sinnen gegenüber&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|172}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dem bei nicht tätigen Sinnen hat. Man kann eben in wahrem Sinne sagen: der Geheimschüler öffnet die Sinne seiner Seele, und er schaut die Dinge, welche den leiblichen Sinnen verborgen bleiben müssen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Zustand bildet nun nur einen Übergang zu noch höheren Stufen der Erkenntnis des Geheimschülers. Setzt dieser die ihm bei seiner Geheimschulung dienenden Übungen fort, so wird er nach angemessener Zeit finden, daß nicht nur mit seinem Traumleben die beschriebene durchgreifende Veränderung vorgeht, sondern daß sich die Verwandlung auch auf den vorher traumlosen tiefen Schlaf ausdehnt. Er merkt, daß die völlige Bewußtlosigkeit, in welcher er sich früher während dieses Schlafes Befunden hat, unterbrochen wird von vereinzelten bewußten Erlebnissen. Aus der allgemeinen Finsternis des Schlafes tauchen Wahrnehmungen von einer Art auf, die er vorher nicht gekannt hat. Es ist natürlich nicht leicht, diese Wahrnehmungen zu beschreiben, denn unsere Sprache ist ja nur für die Sinneswelt geschaffen, und man kann daher nur annähernd Worte für das finden, was gar nicht dieser Sinneswelt angehört. Doch muß man die Worte zur Beschreibung der höheren Welten zunächst verwenden. Das kann nur dadurch geschehen, daß vieles in Gleichnissen gesagt wird. Aber da alles in der Welt mit anderem verwandt ist, so kann dies auch geschehen. Die Dinge und Wesen der höheren Welten sind mit denen der Sinneswelt wenigstens so weit verwandt, daß bei gutem Willen immerhin eine Vorstellung von diesen höheren Welten auch durch die für die Sinneswelt gebräuchlichen Worte erzielt werden kann. Man muß sich nur immer dessen bewußt bleiben, daß vieles bei solchen Beschreibungen übersinnlicher&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|173}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Welten Gleichnis und Sinnbild sein muß. Die Geheimschulung selbst vollzieht sich daher nur zum Teil in den Worten der gewöhnlichen Sprache; im übrigen lernt der Schüler zu seinem Aufstieg noch eine sich wie selbstverständlich ergebende sinnbildliche Ausdrucksart. Man muß sie sich während der Geheimschulung selbst aneignen. Dies hindert aber nicht, daß man auch durch gewöhnliche Beschreibungen, wie sie hier gegeben werden, etwas über die Natur der höheren Welten erfährt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Will man eine Vorstellung geben von den obenerwähnten Erlebnissen, die zunächst aus dem Meere der Bewußtlosigkeit während des tiefen Schlafes auftauchen, so kann man sie am besten mit einer Art von Hören vergleichen. Von wahrgenommenen Tönen und Worten kann man sprechen. Wie man die Erlebnisse des Traumschlafes zutreffend als eine Art des Schauens im Vergleiche mit den Wahrnehmungen der Sinne bezeichnen kann, so lassen sich die Tatsachen des tiefen Schlafes mit den Eindrücken des Ohres vergleichen. (Als Zwischenbemerkung soll nur gesagt werden, daß das Schauen auch für die geistigen Welten das Höhere ist. Farben sind auch in dieser Welt etwas Höheres als Töne und Worte. Aber das, was der Geheimschüler von dieser Welt bei seiner Schulung zuerst wahrnimmt, sind eben noch nicht die höheren Farben, sondern die niederen Töne. Nur weil der Mensch nach seiner allgemeinen Entwickelung für die Welt schon geeigneter ist, die sich im Traumschlaf offenbart, nimmt er da sogleich die Farben wahr. Für die höhere Welt, die sich im Tiefschlaf enthüllt, ist er noch weniger geeignet. Deshalb offenbart sich diese ihm zunächst in Tönen und Worten;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|174}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
später kann er auch hier zu Farben und Formen aufsteigen.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn nun der Geheimschüler merkt, daß er solche Erlebnisse im tiefen Schlafe hat, dann ist es zunächst seine Aufgabe, sich dieselben so deutlich und klar wie möglich zu machen. Anfangs fällt das sehr schwer; denn die Wahrnehmung des in diesem Zustande Erlebten ist zunächst eine außerordentlich geringe. Man weiß nach dem Erwachen wohl, daß man etwas erlebt hat; was es aber gewesen ist, darüber bleibt man völlig im unklaren. Das Wichtigste während dieses Anfangszustandes ist, daß man ruhig und gelassen bleibt und nicht einen Augenblick in irgendwelche Unruhe und Ungeduld verfällt. Diese müßten unter allen Umständen nur schädlich wirken. Vor allem können sie die weitere Entwickelung nie beschleunigen, sondern müssen sie verzögern. Man muß sich ruhig sozusagen dem überlassen, was einem gegeben oder geschenkt wird; alles Gewaltsame muß unterbleiben. Kann man in einem Zeitpunkte Schlaferlebnisse nicht gewahr werden, so warte man geduldig, bis dieses möglich sein wird. Denn dieser Augenblick kommt gewiß einmal. Und war man vorher geduldig und gelassen, so bleibt dann die Wahrnehmungsfähigkeit ein sicherer Besitz, während sie bei einem gewaltsamen Vorgehen zwar einmal auftreten, aber sich dann wieder für längere Zeit vollständig verlieren kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ist die Wahrnehmungsfähigkeit einmal eingetreten und stehen einem die Schlaferlebnisse vollkommen klar und deutlich vor dem Bewußtsein, dann hat man auf folgendes die Aufmerksamkeit zu richten. Unter diesen Erlebnissen sind ganz genau zweierlei Arten zu unterscheiden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|175}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die eine Art wird ganz fremd sein gegenüber all dem, was man vorher jemals kennengelernt hat. An diesen Erlebnissen mag man zunächst seine Freude haben; man mag sich an ihnen erbauen; aber man lasse sie im übrigen vorläufig auf sich beruhen. Sie sind die ersten Vorboten der höheren geistigen Welt, in welcher man sich erst später zurechtfinden wird. Die andere Art von Erlebnissen aber wird dem aufmerksamen Betrachter eine gewisse Verwandtschaft mit der gewöhnlichen Welt zeigen, in welcher er lebt. Worüber er während des Lebens nachdenkt, was er begreifen möchte an den Dingen seiner Umgebung, aber mit dem gewöhnlichen Verstande nicht begreifen kann, darüber geben ihm diese Schlaferlebnisse Aufschluß. Der Mensch denkt während des Alltagslebens über das nach, was ihn umgibt. Er macht sich Vorstellungen, um den Zusammenhang der Dinge zu begreifen. Er sucht das durch Begriffe zu verstehen, was seine Sinne wahrnehmen. Auf solche Vorstellungen und Begriffe beziehen sich die Schlaferlebnisse. Was früher dunkler, schattenhafter Begriff war, gewinnt etwas Klangvolles, Lebendiges, das man eben nur mit den Tönen und Worten der Sinneswelt vergleichen kann. Es wird dem Menschen immer mehr so, wie wenn ihm die Lösung der Rätsel, über die er nachdenken muß, aus einer höheren Welt in Tönen und Worten zugeraunt würde. Und er vermag dann dasjenige, was ihm aus einer anderen Welt zukommt, mit dem gewöhnlichen Leben zu verbinden. Was vorher nur sein Gedanke erreichen konnte, ist jetzt für ihn Erlebnis, so lebendig und inhaltvoll wie nur irgendein Erlebnis der Sinneswelt sein kann. Die Dinge und Wesen dieser Sinneswelt sind eben durchaus nicht bloß&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|176}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
das, als was sie der Sinneswahrnehmung erscheinen. Sie sind der Ausdruck und Ausfluß einer geistigen Welt. Diese vorher verborgene Geisteswelt tönt jetzt für den Geheimschüler aus seiner ganzen Umgebung heraus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist leicht einzusehen, daß ein Segen in dieser höheren Wahrnehmungsfähigkeit für den Menschen nur dann liegen kann, wenn in den seelischen Sinnen, die sich ihm eröffnet haben, alles in Ordnung ist, wie ja der Mensch auch seine gewöhnlichen Sinneswerkzeuge zur wahren Beobachtung der Welt nur gebrauchen kann, wenn sie gesetzmäßig eingerichtet sind. Nun bildet sich der Mensch selbst diese höheren Sinne durch die Übungen, die ihm die Geheimschulung anweist. Zu diesen Übungen gehört die Konzentration, das ist das Richten der Aufmerksamkeit auf ganz bestimmte mit den Weltgeheimnissen zusammenhängende Vorstellungen und Begriffe. Und es gehört ferner dazu das Meditieren, das ist das Leben in solchen Ideen, das vollkommene Versenken in dieselben in vorgeschriebener Art. Durch Konzentrieren und Meditieren arbeitet der Mensch an seiner Seele. Er entwickelt dadurch in ihr die seelischen Wahrnehmungsorgane. Während er den Aufgaben der Konzentration und Meditation obliegt, wächst innerhalb seines Leibes seine Seele, wie der Kindeskeim im Leibe der Mutter wächst. Und wenn dann während des Schlafes die geschilderten einzelnen Erlebnisse eintreten, dann rückt der Moment der Geburt heran für die freigewordene Seele, die dadurch buchstäblich ein anderes Wesen geworden ist, das der Mensch in sich zur Keimung und Reifung bringt. Die Anstrengungen für das Konzentrieren und das Meditieren müssen deshalb sorgfältige sein, und sie müssen genau eingehalten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|177}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
werden, weil sie ja die Gesetze für die Keimung und das Reifwerden des gekennzeichneten höheren Menschenseelenwesens sind. Und dieses muß bei seiner Geburt ein in sich harmonischer, richtig gegliederter Organismus sein. Wird aber in den Vorschriften etwas verfehlt, so kommt nicht ein solches gesetzmäßiges Lebewesen, sondern eine Fehlgeburt auf geistigem Gebiet zustande, die nicht lebensfähig ist&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daß die Geburt dieses höheren Seelenwesens zunächst im tiefen Schlafe erfolgt, wird begreiflich erscheinen, wenn man bedenkt, daß der zarte, noch wenig widerstandsfähige Organismus bei einem etwaigen Erscheinen während des sinnlichen Alltagslebens durch die starken, harten Vorgänge dieses Lebens ja gar nicht zur Geltung kommen könnte. Seine Tätigkeit käme nicht in Betracht gegenüber der Tätigkeit des Leibes. Im Schlafe, wenn der Körper ruht, soweit seine Tätigkeit von der sinnlichen Wahrnehmung abhängt, kann die im Anfang so zarte, unscheinbare Tätigkeit der höheren Seele zum Vorschein kommen. Wieder aber muß beachtet werden, daß der Geheimschüler die Schlaferlebnisse so lange nicht als vollgültige Erkenntnisse ansehen darf, solange er nicht imstande ist, die erwachte höhere Seele auch in das Tagesbewußtsein herüberzunehmen. Ist er das imstande, so vermag er auch zwischen und innerhalb der Tageserlebnisse die geistige Welt nach ihrem Charakter wahrzunehmen, das heißt, er kann die Geheimnisse seiner Umgebung seelisch als Töne und Worte erfassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun muß man sich auf dieser Stufe der Entwickelung klarwerden, daß man es ja zunächst mit einzelnen mehr oder weniger unzusammenhängenden geistigen Erlebnissen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|178}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
zu tun hat. Man muß sich daher hüten, sich aus ihnen irgendein abgeschlossenes oder auch nur zusammenhängendes Erkenntnisgebäude aufbauen zu wollen. Da mußten sich allerlei phantastische Vorstellungen und Ideen in die Seelenwelt einmischen; und man könnte sich so sehr leicht eine Welt zusammenbauen, die mit der wirklichen geistigen gar nichts zu tun hat. Strengste Selbstkontrolle muß ja von dem Geheimschüler fortwährend geübt werden. Das richtigste ist, über die einzelnen wirklichen Erlebnisse, die man hat, immer mehr und mehr zur Klarheit zu kommen und abzuwarten, bis sich neue ergeben in völlig ungezwungener Art, die sich wie von selbst mit den schon vorhandenen verbinden. Es tritt da nämlich bei dem Geheimschüler durch die Kraft der geistigen Welt, in die er nun einmal gekommen ist, und bei Anwendung der entsprechenden Übungen eine immer mehr um sich greifende Erweiterung des Bewußtseins im tiefen Schlafe ein. Immer mehr Erlebnisse treten hervor aus der Bewußtlosigkeit und immer kleinere Strecken des Schlaflebens werden bewußtlos sein. So schließen sich dann die einzelnen Schlaferfahrungen eben immer mehr von selbst zusammen, ohne daß dieser wahre Zusammenschluß durch allerlei Kombinationen und Schlußfolgerungen gestört würde, die doch nur von dem an die Sinneswelt gewöhnten Verstande herrühren würden. Je weniger aber von den Denkgewohnheiten dieser sinnlichen Welt in unberechtigter Weise hineingemischt wird in die höheren Erlebnisse, desto besser ist es. Verhält man sich so, dann nähert man sich immer mehr und mehr derjenigen Stufe auf dem Wege zu höherer Erkenntnis, auf welcher Zustände, die vorher nur unbewußt im Schlafleben vorhanden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|179}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
waren, in vollständig bewußte umgewandelt werden. Man lebt dann, wenn der Körper ruht, ebenso in einer Wirklichkeit, wie dies beim Wachen der Fall ist. Es wird überflüssig sein, zu bemerken, daß während des Schlafes selbst zunächst man es mit einer anderen Wirklichkeit zu tun hat, als die sinnliche Umgebung ist, in welcher sich der Körper befindet. Man lernt ja und muß um fest auf dem Boden der Sinneswelt stehenzubleiben und nicht Phantast zu werden lernen, die höheren Schlaferlebnisse an die sinnliche Umgebung anzuknüpfen. Aber zunächst ist eben die im Schlaf erlebte Welt eine vollkommen neue Offenbarung. Man nennt in der Geheimwissenschaft die wichtige Stufe, die in der Bewußtheit des Schlaflebens besteht, die Kontinuität (Ununterbrochenheit) des Bewußtseins.*&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei einem Menschen, der diese Stufe erreicht hat, hört das Erleben und Erfahren in solchen Zeiten nicht auf, in denen der physische Leib ruht und der Seele keine Eindrücke durch die Sinneswerkzeuge zugeführt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- - -&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;#&amp;lt;/nowiki&amp;gt;FN010-179-* Was hier angedeutet wird, ist für eine gewisse Stufe der Entwickelung eine Art «Ideal», das am Ende eines langen Weges liegt. Was der Geheimschüler zunächst kennenlernt, sind die zwei Zustände: Bewußtsein bei einer seelischen Verfassung, in welcher ihm vorher nur regellose Träume, und in einer solchen, in der nur bewußtloser, traumloser Schlaf möglich war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|180}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= DIE SPALTUNG DER PERSÖNLICHKEIT WÄHREND DER GEISTESSCHULUNG =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während des Schlafes empfängt die menschliche Seele nicht die Mitteilungen von seiten der physischen Sinneswerkzeuge. Die Wahrnehmungen der gewöhnlichen Außenwelt fließen ihr in diesem Zustande nicht zu. Sie ist in Wahrheit in gewisser Beziehung außerhalb des Teiles der menschlichen Wesenheit, des sogenannten physischen Leibes, welcher im Wachen die Sinneswahrnehmungen und das Denken vermittelt. Sie ist dann nur in Verbindung mit den feineren Leibern (dem Ätherleib und dem Astralleib), welche sich der Beobachtung der physischen Sinne entziehen. Aber die Tätigkeit dieser feineren Leiber hört im Schlafe nicht etwa auf. So wie der physische Leib mit den Dingen und Wesen der physischen Welt in Verbindung steht, wie er von ihnen Wirkungen empfängt und auf sie wirkt, so lebt die Seele in einer höheren Welt. Und dieses Leben dauert während des Schlafes fort. Tatsächlich ist die Seele während des Schlafes in voller Regsamkeit. Nur kann der Mensch von dieser seiner eigenen Tätigkeit so lange nichts wissen, als er nicht geistige Wahrnehmungsorgane hat, durch welche er während des Schlafes ebensogut beobachten kann, was um ihn herum vorgeht und was er selber treibt, wie er das mit seinen gewöhnlichen Sinnen im Tagesleben für seine physische Umgebung kann. Die Geheimschulung besteht (wie in den vorhergehenden Kapiteln gezeigt worden ist) in der Ausbildung solcher geistigen Sinneswerkzeuge.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verwandelt sich nun durch die Geheimschulung das Schlafleben des Menschen in dem Sinne, wie es im vorigen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|181}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kapitel beschrieben worden ist, so kann er alles, was in diesem Zustande um ihn herum vorgeht, bewußt verfolgen; er kann sich willkürlich in seiner Umgebung zurechtfinden, wie das mit seinen Erlebnissen während des wachen Alltagsiebens durch die gewöhnlichen Sinne der Fall ist. Dabei ist allerdings zu beachten, daß die Wahrnehmung der gewöhnlichen sinnlichen Umgebung schon einen höheren Grad des Hellsehens voraussetzt. (Es ist darauf schon im vorigen Kapitel hingedeutet worden.) Im Beginn der Entwickelung nimmt der Geheimschüler nur Dinge wahr, die einer anderen Welt angehören, ohne deren Zusammenhang mit den Gegenständen seiner alltäglichen sinnlichen Umgebung bemerken zu können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was an so charakteristischen Beispielen des Traum- und Schlaflebens anschaulich wird, findet fortwährend beim Menschen statt. Die Seele lebt ohne Unterbrechung in höheren Welten und ist innerhalb der letzteren tätig. Sie schöpft aus diesen höheren Welten heraus die Anregungen, durch welche sie immerwährend auf den physischen Leib wirkt. Nur bleibt für den Menschen dieses sein höheres Leben unbewußt. Der Geheimschüler aber bringt es zum Bewußtsein. Dadurch wird sein Leben überhaupt ein anderes. Solange die Seele nicht im höheren Sinne sehend ist, wird sie von übergeordneten Weltwesen geführt. Und wie das Leben eines Blinden, der durch Operation sehend geworden ist, ein anderes wird, als es vorher war, da er sich auf seine Führerschaft verlassen mußte, so ändert sich das Leben des Menschen durch die Geheimschulung. Er wird der Führerschaft entwachsen und muß fortan seine Leitung selbst übernehmen. Sobald dies eintritt, ist er, wie begreiflich, Irrtümern unterworfen, von&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|182}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
denen das gewöhnliche Bewußtsein nichts ahnt. Er handelt jetzt aus einer Welt heraus, aus der ihn früher höhere Gewalten, ihm selbst unbewußt, beeinflußten. Diese höheren Gewalten sind durch die allgemeine Weltharmonie geordnet. Aus dieser Weltharmonie tritt der Geheimschüler heraus. Er hat nunmehr selbst Dinge zu tun, die vorher für ihn ohne sein Zutun vollzogen worden sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weil dies letztere der Fall ist, deshalb wird in den Schriften, die von solchen Dingen handeln, viel von den Gefahren gesprochen, welche mit dem Aufstieg in die höheren Welten verbunden sind. Die Schilderungen, die da zuweilen von solchen Gefahren gemacht werden, sind wohl geeignet, ängstliche Gemüter nur mit Schaudern auf dieses höhere Leben blicken zu lassen. Doch muß gesagt werden, daß diese Gefahren nur dann vorhanden sind, wenn die notwendigen Vorsichtsmaßregeln außer acht gelassen werden. Wenn dagegen wirklich alles beachtet wird, was wahre Geheimschulung als Ratschläge an die Hand gibt, dann erfolgt der Aufstieg zwar durch Erlebnisse hindurch, die an Gewalt und Größe alles überragen, was die kühnste Phantasie des Sinnesmenschen sich ausmalen kann; aber von einer Beeinträchtigung der Gesundheit oder des Lebens kann nicht die Rede sein. Der Mensch lernt grausige, das Leben an allen Ecken und Enden bedrohende Gewalten kennen. Es wird ihm möglich, sich selbst gewisser Kräfte und Wesen zu bedienen, welche der sinnlichen Wahrnehmung entzogen sind. Und die Versuchung ist groß, sich dieser Kräfte im Dienste eines eigenen unerlaubten Interesses zu bemächtigen oder aus mangelnder Erkenntnis der höheren Welten in irrtümlicher Weise solche Kräfte zu verwenden. Einige von solchen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|183}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
besonders bedeutsamen Erlebnissen (zum Beispiel die Begegnung mit dem «Hüter der Schwelle») sollen noch in diesen Aufsätzen geschildert werden. Aber man muß doch bedenken, daß die lebenfeindlichen Mächte auch dann vorhanden sind, wenn man sie nicht kennt. Wahr ist allerdings, daß dann deren Verhältnis zum Menschen von höheren Kräften bestimmt wird und daß dieses Verhältnis sich auch ändert, wenn der Mensch mit Bewußtsein in diese ihm vorher verborgene Welt eintritt. Aber es wird dafür auch sein eigenes Dasein gesteigert, sein Lebenskreis um ein ungeheures Feld bereichert. Eine wirkliche Gefahr liegt nur dann vor, wenn der Geheimschüler durch Ungeduld oder Unbescheidenheit sich gegenüber den Erfahrungen der höheren Welt zu früh eine gewisse Selbständigkeit beimißt, wenn er nicht abwarten kann, bis ihm die zureichende Einsicht in die übersinnlichen Gesetze wirklich zuteil wird. Auf diesem Gebiete sind eben Demut und Bescheidenheit noch viel weniger leere Worte als im gewöhnlichen Leben. Sind diese aber dem Schüler im allerbesten Sinne eigen, so kann er sicher sein, daß sich sein Aufstieg ins höhere Leben gefahrlos für alles das vollzieht, was man gewöhnlich Gesundheit und Leben nennt. Vor allen Dingen darf keine Disharmonie aufkommen zwischen den höheren Erlebnissen und den Vorgängen und Anforderungen des alltäglichen Lebens. Des Menschen Aufgabe ist durchaus auf dieser Erde zu suchen. Und wer den Aufgaben auf dieser Erde sich entziehen und in eine andere Welt flüchten will, der mag sicher sein, daß er sein Ziel nicht erreicht Aber was die Sinne wahrnehmen, ist nur ein Teil der Welt und im Geistigen liegen die Wesenheiten, welche sich in den Tatsachen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|184}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der sinnlichen Welt ausdrücken. Man soll teilhaftig werden des Geistes, damit man seine Offenbarungen in die Sinneswelt hineintragen kann. Der Mensch gestaltet die Erde um, indem er ihr einpflanzt, was er von dem Geisterlande her erkundet. Darinnen liegt seine Aufgabe. Nur weil die sinnliche Erde von der geistigen Welt abhängt, weil man wahrhaftig auf der Erde nur wirken kann, wenn man Teilhaber an jenen Welten ist, in denen die schaffenden Kräfte verborgen sind, deshalb soll man zu diesen letzteren aufsteigen wollen. Tritt man mit dieser Gesinnung an die Geheimschulung heran und weicht man keinen Augenblick von der dadurch vorgezeichneten Richtung ab, dann hat man nicht die allergeringsten Gefahren zu befürchten. Niemand sollte sich von den in Aussicht stehenden Gefahren von der Geheimschulung abhalten lassen; für einen jeden aber sollte diese Aussicht eine strenge Aufforderung sein, sich durchaus jene Eigenschaften anzueignen, welche der wahre Geheimschüler haben soll.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach diesen Voraussetzungen, die wohl alles Schreckhafte beseitigen, soll nun hier an die Schilderung einiger sogenannter «Gefahren» geschritten werden. Große Veränderungen gehen allerdings mit den obengenannten feineren Leibern beim Geheimschüler vor sich. Solche Veränderungen hängen mit gewissen Entwickelungsvorgängen der drei Grundkräfte der Seele, mit Wollen, Fühlen und Denken zusammen. Diese drei Kräfte stehen vor der Geheimschulung des Menschen in einer ganz bestimmten, durch höhere Weltgesetze geregelten Verbindung. Nicht in beliebiger Weise will, fühlt oder denkt der Mensch. Wenn zum Beispiel eine bestimmte Vorstellung im Bewußtsein auftaucht, so schließt sich an sie nach&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|185}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
natürlichen Gesetzen ein gewisses Gefühl oder es folgt auf sie ein gesetzmäßig mit ihr zusammenhängender Willensentschluß. Man betritt ein Zimmer, findet es dumpfig und öffnet die Fenster. Man hört seinen Namen rufen und folgt dem Rufe. Man wird gefragt und gibt Antwort. Man sieht ein übelriechendes Ding und bekommt ein Gefühl von Unlust. Das sind einfache Zusammenhänge zwischen Denken, Fühlen und Wollen. Wenn man aber das menschliche Leben überschaut, so wird man finden, daß sich alles in diesem Leben auf solche Zusammenhänge aufbaut. Ja, man bezeichnet das Leben eines Menschen nur dann als ein «normales», wenn man in demselben eine solche Verbindung von Denken, Fühlen und Wollen bemerkt, die in den Gesetzen der menschlichen Natur begründet liegt. Man fände es diesen Gesetzen widersprechend, wenn ein Mensch zum Beispiel beim Anblick eines übelriechenden Gegenstandes ein Lustgefühl empfände oder wenn er auf Fragen nicht antwortete. Die Erfolge, die man sich von einer richtigen Erziehung oder einem angemessenen Unterricht verspricht, beruhen darauf, daß man voraussetzt, man könne eine der menschlichen Natur entsprechende Verbindung zwischen Denken, Fühlen und Wollen beim Zögling herstellen. Wenn man diesem gewisse Vorstellungen beibringt, so tut man es in der Annahme, daß sie später mit seinen Gefühlen und Willensentschlüssen in gesetzmäßige Verbindungen eingehen. Alles das rührt davon her, daß in den feineren Seelenleibern des Menschen die Mittelpunkte der drei Kräfte, des Denkens, Fühlens und Wollens, in einer gesetzmäßigen Art miteinander verbunden sind. Und diese Verbindung in dem feineren Seelenorganismus hat auch ihr Abbild in dem groben&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|186}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
physischen Körper. Auch in diesem stehen die Organe des Wollens in einer gewissen gesetzmäßigen Verbindung mit denen des Denkens und Fühlens. Ein bestimmter Gedanke ruft regelmäßig daher ein Gefühl oder eine Willenstätigkeit hervor. Bei der höheren Entwickelung des Menschen werden nun die Fäden, welche die drei Grundkräfte miteinander verbinden, unterbrochen. Zuerst geschieht diese Unterbrechung nur in dem charakterisierten feineren Seelenorganismus; bei noch höherem Aufstieg aber erstreckt sich die Trennung auch auf den physischen Körper. (Es zerfällt bei der höheren geistigen Entwickelung des Menschen tatsächlich zum Beispiel sein Gehirn in drei voneinander getrennte Glieder. Die Trennung ist allerdings eine solche, daß sie für die gewöhnliche sinnliche Anschauung nicht wahrnehmbar und auch durch die schärfsten sinnlichen Instrumente nicht nachweisbar ist. Aber sie tritt ein, und der Hellseher hat Mittel, sie zu beobachten. Das Gehirn des höheren Hellsehers zerfällt in drei selbständig wirkende Wesenheiten: das Denk-, Fühl- und Willensgehirn.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Organe des Denkens, Fühlens und Wollens stehen sodann ganz frei für sich da. Und ihre Verbindung wird nunmehr durch keine ihnen selbst eingepflanzten Gesetze hergestellt, sondern muß durch das erwachte höhere Bewußtsein des Menschen selbst besorgt werden. Das ist nämlich die Veränderung, welche der Geheimschüler an sich bemerkt, daß kein Zusammenhang zwischen einer Vorstellung und einem Gefühl oder einem Gefühl und einem Willensentschluß und so weiter sich einstellt, wenn er nicht selbst einen solchen schafft. Kein Antrieb führt ihn von einem Gedanken zu einer Handlung, wenn er&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|187}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
diesen Antrieb nicht frei in sich bewirkt. Er kann nunmehr völlig gefühllos vor einer Tatsache stehen, die ihm vor seiner Schulung glühende Liebe oder ärgsten Haß eingeflößt hat; er kann untätig bleiben bei einem Gedanken, der ihn vorher zu einer Handlung wie von selbst begeistert hat. Und er kann Taten verrichten aus Willensentschlüssen heraus, für welche bei einem nicht durch die Geheimschulung hindurchgegangenen Menschen auch nicht die geringste Veranlassung vorliegt. Die große Errungenschaft, welche dem Geheimschüler zuteil wird, ist, daß er die vollkommene Herrschaft erlangt über das Zusammenwirken der drei Seelenkräfte; aber dieses Zusammenwirken wird dafür auch vollständig in seine eigene Verantwortlichkeit gestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst durch diese Umwandlung seines Wesens kann der Mensch in bewußte Verbindung treten mit gewissen übersinnlichen Kräften und Wesenheiten. Denn es haben seine eigenen Seelenkräfte zu gewissen Grundkräften der Welt entsprechende Verwandtschaft. Die Kraft zum Beispiel, die im Willen liegt, kann auf bestimmte Dinge und Wesenheiten der höheren Welt wirken und diese auch wahrnehmen. Aber sie kann das erst dann, wenn sie frei geworden ist von ihrer Verbindung mit dem Fühlen und Denken innerhalb der Seele. Sobald diese Verbindung gelöst ist, tritt die Wirkung des Willens nach außen hervor. Und so ist es auch mit den Kräften des Denkens und Fühlens. Wenn mir ein Mensch ein Haßgefühl zusendet, so ist dieses für den Hellseher sichtbar als eine feine Licht-Wolke von bestimmter Färbung. Und ein solcher Hellseher kann dieses Haßgefühl abwehren, wie der Sinnes-Mensch einen physischen Schlag abwehrt, der gegen ihn&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|188}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
geführt wird. Der Haß wird in der übersinnlichen Welt eine anschaubare Erscheinung. Aber nur dadurch kann ihn der Hellseher wahrnehmen, daß er die Kraft, die in seinem Gefühle liegt, nach außen zu senden vermag, wie der Sinnesmensch die Empfänglichkeit seines Auges nach außen richtet. Und so wie mit dem Haß ist es mit weit bedeutungsvolleren Tatsachen der sinnlichen Welt. Der Mensch kann mit ihnen in bewußten Verkehr treten durch die Freilegung der Grundkräfte seiner Seele.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch die geschilderte Trennung der Kräfte des Denkens, Fühlens und Wollens ist nun, bei Außerachtlassung der geheimwissenschaftlichen Vorschriften, eine dreifache Verirrung auf dem Entwickelungsgange des Menschen möglich. Eine solche kann eintreten, wenn die Verbindungsbahnen zerstört werden, bevor das höhere Bewußtsein mit seiner Erkenntnis so weit ist, daß es die Zügel, die ein freies harmonisches Zusammenwirken der getrennten Kräfte herstellen, ordentlich zu führen vermag. Denn in der Regel sind nicht alle drei Grundkräfte des Menschen in einem bestimmten Lebensabschnitt gleich weit in ihrer Entwickelung vorgeschritten. Bei dem einen Menschen ist das Denken dem Fühlen und Wollen vorangeschritten, bei einem zweiten hat eine andere Kraft die Oberhand über ihre Genossen. Solange nun der durch die höheren Weltgesetze hergestellte Zusammenhang der Kräfte aufrechterhalten bleibt, kann durch das Hervorstechen der einen oder der anderen keine im höheren Sinne störende Unregelmäßigkeit eintreten. Beim Willensmenschen zum Beispiel wirken Denken und Gefühl durch jene Gesetze doch ausgleichend, und sie verhindern, daß der überwiegende Wille in besondere Ausartungen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|189}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
verfällt. Tritt ein solcher Willensmensch aber in die Geheimschulung ein, so hört der gesetzmäßige Einfluß von Gefühl und Gedanke auf den zu ungeheuren Kraftleistungen unausgesetzt drängenden Willen vollständig auf. Ist dann der Mensch in der vollkommenen Beherrschung des höheren Bewußtseins nicht so weit, daß er selbst die Harmonie hervorrufen kann, so geht der Wille seine eigenen zügellosen Wege. Er überwältigt fortwährend seinen Träger. Gefühl und Denken fallen einer vollkommenen Machtlosigkeit anheim; der Mensch wird durch die ihn sklavisch beherrschende Willensmacht gepeitscht. Eine Gewaltnatur, die von einer zügellosen Handlung zur anderen schreitet, ist entstanden. Ein zweiter Abweg entsteht, wenn das Gefühl in einer maßlosen Art sich von den gesetzmäßigen Zügeln befreit. Eine zur Verehrung anderer Menschen neigende Person kann sich dann in grenzenlose Abhängigkeit bis zum Verluste jedes eigenen Willens und Gedankens begeben. Statt höherer Erkenntnis ist dann die erbarmungswürdigste Aushöhlung und Kraftlosigkeit das Los einer solchen Persönlichkeit. Oder es kann bei solch überwiegendem Gefühlsleben eine zu Frömmigkeit und religiöser Erhebung neigende Natur in eine sie ganz hinreißende Religionsschwelgerei verfallen. Das dritte Übel bildet sich, wenn das Denken überwiegt. Dann tritt eine lebensfeindliche, in sich verschlossene Beschaulichkeit auf. Für solche Menschen scheint dann die Welt nur mehr insoweit Bedeutung zu haben, als sie ihnen Gegenstände liefert zur Befriedigung ihrer ins Grenzenlose gesteigerten Weisheitsgier. Sie werden durch keinen Gedanken zu einer Handlung oder einem Gefühl angeregt. Sie treten überall als teilnahmslose, kalte Naturen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|190}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
auf. Jede Berührung mit Dingen der alltäglichen Wirklichkeit fliehen sie wie etwas, das ihnen Ekel erregt oder das wenigstens für sie alle Bedeutung verloren hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das sind die drei Irrpfade, auf welche der Geheimschüler geraten kann: das Gewaltmenschentum, die Gefühlsschwelgerei, das kalte, lieblose Weisheitsstreben. Für eine äußerliche Betrachtungsweise auch für die materialistische der Schulmedizin unterscheidet sich das Bild eines solchen auf Abwegen befindlichen Menschen, vor allen Dingen dem Grade nach, nicht viel von demjenigen eines Irrsinnigen oder wenigstens einer schwer «nervenkranken Person». Ihnen darf natürlich der Geheimschüler nicht gleichen. Es kommt bei ihm darauf an, daß Denken, Fühlen, Wollen, die drei Grundkräfte der Seele, eine harmonische Entwickelung durchgemacht haben, bevor sie aus der ihnen eingepflanzten Verbindung gelöst und dem erwachten höheren Bewußtsein unterstellt werden können. Denn ist einmal der Fehler geschehen, ist eine Grundkraft der Zügellosigkeit anheimgefallen, so tritt die höhere Seele zunächst als eine Fehlgeburt zutage. Die ungebändigte Kraft füllt dann die ganze Persönlichkeit des Menschen aus; und für lange ist nicht daran zu denken, daß alles wieder ins Gleichgewicht kommt. Was als eine harmlose Charakterveranlagung erscheint, solange der Mensch ohne Geheimschulung ist, nämlich ob er eine Willens-, Gefühls- oder Denkernatur ist, das steigert sich beim Geheimschüler so, daß sich das zum Leben notwendige Allgemeinmenschliche demgegenüber ganz verliert. Zu einer wirklich ernsten Gefahr wird das allerdings erst in dem Augenblicke, in welchem der Schüler die Fähigkeit erlangt, Erlebnisse wie im Schlafbewußtsein&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|191}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
so auch im wachen Zustande vor sich zu haben. Solange es bei der bloßen Erhellung der Schlafpausen verbleibt, wirkt während des Wachzustandes das von den allgemeinen Weltgesetzen geregelte Sinnesleben immer wieder ausgleichend auf das gestörte Gleichgewicht der Seele zurück. Deshalb ist es so notwendig, daß das Wachleben des Geheimschülers in jeder Richtung ein regelmäßiges, gesundes sei. Je mehr er den Anforderungen entspricht, welche die äußere Welt an eine gesunde, kräftige Gestaltung von Leib, Seele und Geist stellt, desto besser ist es für ihn. Schlimm dagegen kann es für ihn werden, wenn das alltägliche Wachleben aufregend oder aufreibend auf ihn wirkt, wenn also zu den größeren Veränderungen, die in seinem Innern vorgehen, irgendwelche zerstörende oder hemmende Einflüsse des äußeren Lebens hinzutreten. Er soll alles aufsuchen, was seinen Kräften entsprechend ist und was ihn in ein ungestörtes, harmonisches Zusammenleben mit seiner Umgebung hineinbringt. Und er soll alles vermeiden, was dieser Harmonie Eintrag tut, was Unruhe und Hast in sein Leben bringt. Dabei kommt es weniger darauf an, diese Unruhe und Hast sich in einem äußerlichen Sinne abzuwälzen, als vielmehr darauf, zu sorgen, daß die Stimmung, die Absichten und Gedanken und die Gesundheit des Leibes darunter nicht fortwährenden Schwankungen ausgesetzt werden. All das fällt dem Menschen während seiner Geheimschulung nicht so leicht wie vorher. Denn die höheren Erlebnisse, die nunmehr in sein Leben hineinspielen, wirken ununterbrochen auf sein ganzes Dasein. Ist innerhalb dieser höheren Erlebnisse etwas nicht in Ordnung, so lauert die Unregelmäßigkeit unausgesetzt und kann ihn bei jeder Gelegenheit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|192}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
aus den geordneten Bahnen herauswerfen. Deshalb darf der Geheimschüler nichts unterlassen, was ihm stets die Herrschaft über sein ganzes Wesen sichert. Nie sollte ihm Geistesgegenwart oder ein ruhiges Überblicken aller in Betracht kommenden Situationen des Lebens mangeln. Aber eine echte Geheimschulung erzeugt im Grunde alle diese Eigenschaften durch sich selbst. Und man lernt während einer solchen die Gefahren nur kennen, indem man zugleich in den richtigen Augenblicken die volle Macht erlangt, sie aus dem Felde zu schlagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|193}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= DER HÜTER DER SCHWELLE =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wichtige Erlebnisse beim Erheben in die höheren Welten sind die Begegnungen mit dem «Hüter der Schwelle». Es gibt nicht nur einen, sondern im wesentlichen zwei, einen «kleineren» und einen «größeren» «Hüter der Schwelle». Dem ersteren begegnet der Mensch dann, wenn sich die Verbindungsfäden zwischen Willen, Denken und Fühlen innerhalb der feineren Leiber (des Astral- und Ätherleibes) so zu lösen beginnen, wie das im vorigen Kapitel gekennzeichnet worden ist. Dem «größeren Hüter der Schwelle» tritt der Mensch gegenüber, wenn sich die Auflösung der Verbindungen auch auf die physischen Teile des Leibes (namentlich zunächst das Gehirn) erstreckt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der «kleinere Hüter der Schwelle» ist ein selbständiges Wesen. Dieses ist für den Menschen nicht vorhanden, bevor die entsprechende Entwickelungsstufe von ihm erreicht ist. Nur einige der wesentlichsten Eigentümlichkeiten desselben können hier verzeichnet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es soll zunächst versucht werden, in erzählender Form die Begegnung des Geheimschülers mit dem Hüter der Schwelle darzustellen. Erst durch diese Begegnung wird der Schüler gewahr, daß Denken, Fühlen und Wollen bei ihm sich aus ihrer ihnen eingepflanzten Verbindung gelöst haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein allerdings schreckliches, gespenstisches Wesen steht vor dem Schüler. Dieser hat alle Geistesgegenwart und alles Vertrauen in die Sicherheit seines Erkenntnisweges notwendig, die er sich während seiner bisherigen Geheimschülerschaft aber hinlänglich aneignen konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|194}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der «Hüter» gibt seine Bedeutung etwa in folgenden Worten kund: «Über dir walteten bisher Mächte, welche dir unsichtbar waren. Sie bewirkten, daß während deiner bisherigen Lebensläufe jede deiner guten Taten ihren Lohn und jede deiner üblen Handlungen ihre schlimmen Folgen hatten. Durch ihren Einfluß baute sich dein Charakter aus deinen Lebenserfahrungen und aus deinen Gedanken auf. Sie verursachten dein Schicksal. Sie bestimmten das Maß von Lust und Schmerz, das dir in einer deiner Verkörperungen zugemessen war, nach deinem Verhalten in früheren Verkörperungen. Sie herrschten über dir in Form des allumfassenden Karmagesetzes. Diese Mächte werden nun einen Teil ihrer Zügel von dir loslösen. Und etwas von der Arbeit, die sie an dir getan haben, mußt du nun selbst tun. Dich traf bisher mancher schwere Schicksalsschlag. Du wußtest nicht warum? Es war die Folge einer schädlichen Tat in einem deiner vorhergehenden Lebensläufe. Du fandest Glück und Freude und nahmest sie hin. Auch sie waren die Wirkung früherer Taten. Du hast in deinem Charakter manche schöne Seiten, manche häßliche Flecken. Du hast beides selbst verursacht durch vorhergehende Erlebnisse und Gedanken. Du hast bisher die letzteren nicht gekannt; nur die Wirkungen waren dir offenbar. Sie aber, die karmischen Mächte, sahen alle deine vormaligen Lebenstaten, deine verborgensten Gedanken und Gefühle. Und sie haben danach bestimmt, wie du jetzt bist und wie du jetzt lebst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun aber sollen dir selbst offenbar werden alle die guten und alle die schlimmen Seiten deiner vergangenen Lebensläufe. Sie waren bis jetzt in deine eigene Wesenheit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|195}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
hineinverwoben, sie waren in dir, und du konntest sie nicht sehen, wie du physisch dein eigenes Gehirn nicht sehen kannst. Jetzt aber lösen sie sich von dir los, sie treten aus deiner Persönlichkeit heraus. Sie nehmen eine selbständige Gestalt an, die du sehen kannst, wie du die Steine und Pflanzen der Außenwelt siehst. Und ich bin es selbst, die Wesenheit, die sich einen Leib gebildet hat aus deinen edlen und deinen üblen Verrichtungen. Meine gespenstige Gestalt ist aus dem Kontobuche deines eigenen Lebens gewoben. Unsichtbar hast du mich bisher in dir selbst getragen. Aber es war wohltätig für dich, daß es so war. Denn die Weisheit deines dir verborgenen Geschickes hat deshalb auch bisher an der Auslöschung der häßlichen Flecken in meiner Gestalt in dir gearbeitet. Jetzt, da ich aus dir herausgetreten bin, ist auch diese verborgene Weisheit von dir gewichen. Sie wird sich fernerhin nicht mehr um dich kümmern. Sie wird die Arbeit dann nur in deine eigenen Hände legen. Ich muß zu einer in sich vollkommenen, herrlichen Wesenheit werden, wenn ich nicht dem Verderben anheimfallen soll. Und geschähe das letztere, so würde ich auch dich selbst mit mir hinabziehen in eine dunkle, verderbte Welt. Deine eigene Weisheit muß nun, wenn das letztere verhindert werden soll, so groß sein, daß sie die Aufgabe jener von dir gewichenen verborgenen Weisheit übernehmen kann. Ich werde, wenn du meine Schwelle überschritten hast, keinen Augenblick mehr als dir sichtbare Gestalt von deiner Seite weichen. Und wenn du fortan Unrichtiges tust oder denkst, so wirst du sogleich deine Schuld als eine häßliche, dämonische Verzerrung an dieser meiner Gestalt wahrnehmen. Erst wenn du all dein&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|196}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
vergangenes Unrichtiges gutgemacht und dich so geläutert hast, daß dir weiter Übles ganz unmöglich ist, dann wird sich mein Wesen in leuchtende Schönheit verwandelt haben. Und dann werde ich mich zum Heile deiner ferneren Wirksamkeit wieder mit dir zu einem Wesen vereinigen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Meine Schwelle aber ist gezimmert aus einem jeglichen Furchtgefühl, das noch in dir ist, und aus einer jeglichen Scheu vor der Kraft, die volle Verantwortung für all dein Tun und Denken selbst zu übernehmen. Solange du noch irgendeine Furcht vor der selbsteigenen Lenkung deines Geschickes hast, so lange ist in diese Schwelle nicht alles hineingebaut, was sie erhalten muß. Und solange ihr ein einziger Baustein noch fehlt, so lange müßtest du wie gebannt an dieser Schwelle stehenbleiben oder stolpern. Versuche nicht früher diese Schwelle zu überschreiten, bis du ganz frei von Furcht und bereit zu höchster Verantwortlichkeit dich fühlst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bisher trat ich nur aus deiner eigenen Persönlichkeit heraus, wenn der Tod dich von einem irdischen Lebenslauf abberief. Aber auch da war meine Gestalt dir verschleiert. Nur die Schicksalsmächte, welche über dir walteten, sahen mich und konnten, nach meinem Aussehen, in den Zwischenpausen zwischen dem Tode und einer neuen Geburt, dir Kraft und Fähigkeit ausbilden, damit du in einem neuen Erdenleben an der Verschönerung meiner Gestalt zum Heile deines Fortkommens arbeiten konntest. Ich selbst war es auch, dessen Unvollkommenheit die Schicksalsmächte immer wieder dazu zwang, dich in eine neue Verkörperung auf die Erde zurückzuführen. Starbest du, so war ich da; und meinetwegen bestimmten die Lenker&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|197}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
des Karma deine Wiedergeburt. Erst wenn du durch immer wieder erneuerte Leben in dieser Art mich unbewußt ganz zur Vollkommenheit umgeschaffen gehabt hättest, wärest du nicht den Todesmächten verfallen, sondern du hättest dich ganz mit mir vereint und wärest in Einheit mit mir in die Unsterblichkeit hinübergegangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So stehe ich heute sichtbar vor dir, wie ich stets unsichtbar neben dir in der Sterbestunde gestanden habe. Wenn du meine Schwelle überschritten haben wirst, so betrittst du die Reiche, die du sonst nach dem physischen Tode betreten hast. Du betrittst sie mit vollem Wissen und wirst fortan, indem du äußerlich sichtbar auf Erden wandelst, zugleich im Reiche des Todes, das ist aber im Reiche des ewigen Lebens, wandeln. Ich bin wirklich auch der Todesengel; aber ich, ich bin zugleich der Bringer eines nie versiegenden höheren Lebens. Beim lebendigen Leibe wirst du durch mich sterben, um die Wiedergeburt zum unzerstörbaren Dasein zu erleben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Reich, das du nunmehr betrittst, wird dich bekannt machen mit Wesen übersinnlicher Art. Die Seligkeit wird dein Anteil in diesem Reiche sein. Aber die erste Bekanntschaft mit dieser Welt muß ich selbst sein, ich, der ich dein eigenes Geschöpf bin. Früher lebte ich von deinem eigenen Leben; aber jetzt bin ich durch dich zu einem eigenen Dasein erwacht und stehe vor dir als sichtbares Richtmaß deiner künftigen Taten, vielleicht auch als dein immerwährender Vorwurf. Du konntest mich schaffen; aber du hast damit auch zugleich die Pflicht übernommen, mich umzuschaffen.»&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was hier, in eine Erzählung gekleidet, angedeutet ist, hat man sich nicht etwa als etwas Sinnbildliches vorzustellen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|198}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sondern als ein im höchsten Grade wirkliches Erlebnis des Geheimschülers.*&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Hüter soll ihn warnen, ja nicht weiter zu gehen, wenn er nicht die Kraft in sich fühlt, den Forderungen zu entsprechen, die in der obigen Anrede enthalten sind. So schrecklich die Gestalt dieses Hüters auch ist, sie ist doch nur die Wirkung des eigenen vergangenen Lebens des Schülers, ist nur sein eigener Charakter, zu selbständigem Lehen außer ihm erweckt. Und diese Erweckung geschieht durch die Auseinanderlösung von Wille, Denken und Gefühl. Schon das ist ein Erlebnis von tief bedeutungsvoller Art, daß man zum ersten Male fühlt, man habe einem geistigen Wesen selbst den Ursprung gegeben. Es muß nun die Vorbereitung des Geheimschülers dahin zielen, daß er ohne eine jegliche Scheu den schrecklichen Anblick aushält und daß er im Augenblicke der Begegnung seine Kraft wirklich so gewachsen fühlt, daß er es auf sich nehmen kann, die Verschönung des «Hüters» mit vollem Wissen auf sich zu laden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- - -&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;#&amp;lt;/nowiki&amp;gt;FN010-198-* Es ist aus obigem klar, daß der geschilderte «Hüter der Schwelle» eine solche (astrale) Gestalt ist, welche dem erwachenden höheren Schauen des Geheimschülers sich offenbart. Und zu dieser übersinnlichen Begegnung führt die Geheimwissenschaft. Es ist eine Verrichtung niederer Magie, den «Hüter der Schwelle» auch sinnlich sichtbar zu machen. Dabei handelte es sich um die Herstellung einer Wolke feinen Stoffes, eines Räucherwerkes, das aus einer Reibe von Stoffen in bestimmter Mischung hergestellt wird. Die entwickelte Kraft des Magiers ist dann imstande, gestaltend auf das Räucherwerk zu wirken und dessen Substanz mit dem noch unausgeglichenen Karma des Menschen zu beleben. Wer genügend vorbereitet für das höhere Schauen ist, braucht dergleichen sinnliche Anschauung nicht mehr; und wem sein noch unausgeglichenes Karma ohne genügende Vorbereitung als sinnlich lebendiges Wesen vor Augen träte, der liefe Gefahr, in schlimme Abwege zu geraten. Er sollte nicht danach streben. In Bulwers «Zanoni» wird romanhaft eine Darstellung dieses «Hüters der Schwelle» gegeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|199}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Folge der glücklich überstandenen Begegnung mit dem «Hüter der Schwelle» ist, daß der nächste physische Tod dann für den Geheimschüler ein ganz anderes Ereignis ist, als vorher die Tode waren. Er erlebt bewußt das Sterben, indem er den physischen Körper ablegt, wie man ein Kleid ablegt, das abgenutzt oder vielleicht auch durch einen plötzlichen Riß unbrauchbar geworden ist. Dieser sein physischer Tod ist dann sozusagen eine erhebliche Tatsache nur für die anderen, welche mit ihm leben und die mit ihren Wahrnehmungen noch ganz auf die Sinnenwelt beschrankt sind. Für sie «stirbt» der Geheimschüler. Für ihn ändert sich nichts von Bedeutung in seiner ganzen Umgebung. Die ganze übersinnliche Welt, in die er eingetreten ist, stand vor dem Tode schon in entsprechender Art vor ihm, und dieselbe Welt wird auch nach dem Tode vor ihm stehen. Nun hängt der «Hüter der Schwelle» aber noch mit anderem zusammen. Der Mensch gehört einer Familie, einem Volke, einer Rasse an; sein Wirken in dieser Welt hängt von seiner Zugehörigkeit zu einer solchen Gesamtheit ab. Auch sein besonderer Charakter steht damit im Zusammenhange. Und das bewußte Wirken der einzelnen Menschen ist keineswegs alles, womit man bei einer Familie, einem Stamme, Volke, einer Rasse zu rechnen hat. Es gibt ein Familien-, Volks- (und so weiter) Schicksal, wie es einen Familien-, Rassen- (und so weiter) Charakter gibt. Für den Menschen, der auf seine Sinne beschränkt ist, bleiben diese Dinge allgemeine Begriffe, und der materialistische Denker in seinem Vorurteil wird verächtlich auf den Geheimwissenschafter herabsehen, wenn er hört, daß für diesen letzteren der Familien- oder der Volkscharakter, das&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|200}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stammes- oder Rassenschicksal ebenso wirklichen Wesen zukommen, wie der Charakter und das Schicksal des einzelnen Menschen einer wirklichen Persönlichkeit zukommen. Der Geheimwissenschafter lernt eben höhere Welten kennen, von denen die einzelnen Persönlichkeiten ebenso Glieder sind, wie Arme, Beine und Kopf Glieder des Menschen sind. Und in dem Leben einer Familie, eines Volkes, einer Rasse wirken außer den einzelnen Menschen auch die ganz wirklichen Familienseelen, Volksseelen, Rassengeister. Ja, in einem gewissen Sinne sind die einzelnen Menschen nur die ausführenden Organe dieser Familienseelen, Rassengeister und so weiter. In voller Wahrheit kann man davon sprechen, daß sich zum Beispiel eine Volksseele des einzelnen zu ihrem Volke gehörigen Menschen bedient, um gewisse Arbeiten auszuführen. Die Volksseele steigt nicht bis zur sinnlichen Wirklichkeit herab. Sie wandelt in höheren Welten. Und um in der physisch-sinnlichen Welt zu wirken, bedient sie sich der physischen Organe des einzelnen Menschen. Es ist in einem höheren Sinne gerade so, wie wenn sich ein Bautechniker zur Ausführung der Einzelheiten des Baues der Arbeiter bedient. Jeder Mensch erhält im wahrsten Sinne des Wortes seine Arbeit von der Familien-, Volks- oder Rassenseele zugeteilt nun wird der Sinnesmensch jedoch keineswegs in den höheren Plan seiner Arbeit eingeweiht. Er arbeitet unbewußt an den Zielen der Volks-, Rassenseelen und so weiter mit. Von dem Zeitpunkte an, wo der Geheimschüler dem Hüter der Schwelle begegnet, hat er nicht bloß seine eigenen Aufgaben als Persönlichkeit zu kennen, sondern er muß wissentlich mitarbeiten an denen seines Volkes, seiner Rasse. Jede Erweiterung seines&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|201}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gesichtskreises legt ihm unbedingt auch erweiterte Pflichten auf. Der wirkliche Vorgang dabei ist der, daß der Geheimschüler seinem feineren Seelenkörper einen neuen hinzufügt. Er zieht ein Kleid mehr an. Bisher schritt er durch die Welt mit den Hüllen, welche seine Persönlichkeit einkleiden. Und was er für seine Gemeinsamkeit, für sein Volk, seine Rasse und so weiter zu tun hatte, dafür sorgten die höheren Geister, die sich seiner Persönlichkeit bedienten. Eine weitere Enthüllung, die ihm nun der «Hüter der Schwelle» macht, ist die, daß fernerhin diese Geister ihre Hand von ihm abziehen werden. Er muß aus der Gemeinsamkeit ganz heraustreten. Und er würde sich als einzelner vollständig in sich verhärten, er würde dem Verderben entgegengehen, wenn er nun nicht selbst sich die Kräfte erwürbe, welche den Volks- und Rassengeistern eigen sind. Zwar werden viele Menschen sagen: «Oh, ich habe mich ganz frei gemacht von allen Stammes- und Rassenzusammenhängen; ich will nur «Mensch» und «nichts als Mensch» sein.» Ihnen muß man aber sagen: Wer hat dich zu dieser Freiheit gebracht? Hat dich nicht deine Familie so hineingestellt in die Welt, wie du jetzt darinnen stehst? Hat dich nicht dein Stamm, dein Volk, deine Rasse zu dem gemacht, was du bist? Sie haben dich erzogen; und wenn du über alle Vorurteile erhaben, einer der Lichtbringer und Wohltäter deines Stammes oder selbst deiner Rasse bist, du verdankst das ihrer Erziehung. Ja, auch wenn du von dir sagst, du seiest «nichts als Mensch»: selbst daß du so geworden bist, verdankst du den Geistern deiner Gemeinschaften. Erst der Geheimschüler lernt erkennen, was es heißt, ganz verlassen sein von Volks-, Stammes-, Rassengeistern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|202}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst er erfährt an sich selbst die Bedeutungslosigkeit aller solcher Erziehung für das Leben, das ihm nun bevorsteht. Denn alles, was an ihm herangezogen ist, löst sich vollständig auf durch das Zerreißen der Fäden zwischen Wille, Denken und Gefühl. Er blickt auf die Ergebnisse aller bisherigen Erziehung zurück, wie man auf ein Haus blicken müßte, das in seinen einzelnen Ziegelsteinen auseinanderbröckelt und das man nun in neuer Form wieder aufbauen muß. Es ist wieder mehr als ein bloßes Sinnbild, wenn man sagt: Nachdem der «Hüter der Schwelle» über seine ersten Forderungen sich ausgesprochen hat, dann erhebt sich von dem Orte aus, an dem er steht, ein Wirbelwind, der all die geistigen Leuchten zum Verlöschen bringt, die bisher den Lebensweg erhellt haben. Und eine völlige Finsternis breitet sich vor dem Geheimschüler aus. Sie wird nur unterbrochen von dem Schein, den der «Hüter der Schwelle» selbst ausstrahlt. Und aus der Dunkelheit heraus ertönen seine weiteren Ermahnungen: «Überschreite meine Schwelle nicht, bevor du dir klar bist, daß du die Finsternis vor dir selbst durchleuchten wirst; tue auch nicht einen einzigen Schritt vorwärts, wenn es dir nicht zur Gewißheit geworden ist, daß du Brennstoff genug in deiner eigenen Lampe hast. Die Lampen von Führern, welche du bisher hattest, werden dir in der Zukunft fehlen.» Nach diesen Worten hat der Schüler sich umzuwenden und den Blick nach hinten zu wenden. Der «Hüter der Schwelle» zieht nunmehr einen Vorhang hinweg, der bisher tiefe Lebensgeheimnisse verhüllt hat. Die Stammes-, Volks- und Rassengeister werden in ihrer vollen Wirksamkeit offenbar; und der Schüler sieht ebenso genau, wie er bisher geführt worden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|203}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ist, als ihm anderseits klar wird, daß er nunmehr diese Führerschaft nicht mehr haben wird. Dies ist eine zweite Warnung, welche der Mensch an der Schwelle durch ihren Hüter erlebt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unvorbereitet könnte den hier angedeuteten Anblick allerdings niemand ertragen; aber die höhere Schulung, welche dem Menschen überhaupt möglich macht, bis zur Schwelle vorzudringen, setzt ihn zugleich in die Lage, im entsprechenden Augenblicke die notwendige Kraft zu finden. Ja, diese Schulung kann eine so harmonische sein, daß dem Eintritt in das neue Leben jeder erregende oder tumultuarische Charakter genommen wird. Dann wird für den Geheimschüler das Erlebnis an der Schwelle von einem Vorgefühl jener Seligkeit begleitet sein, welche den Grundton seines neu erwachten Lebens bilden wird. Die Empfindung der neuen Freiheit wird alle anderen Gefühle überwiegen; und mit dieser Empfindung werden ihm die neuen Pflichten und die neue Verantwortung wie etwas erscheinen, das der Mensch auf einer Stufe des Lebens übernehmen muß.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|204}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= LEBEN UND TOD. DER GROSSE HÜTER DER SCHWELLE =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist geschildert worden, wie bedeutsam für den Menschen die Begegnung mit dem sogenannten kleineren Hüter der «Schwelle» dadurch ist, daß er in diesem ein übersinnliches Wesen gewahr wird, das er gewissermaßen selbst hervorgebracht hat. Der Leib dieses Wesens ist zusammengesetzt aus den ihm vorher unsichtbaren Folgen seiner eigenen Handlungen, Gefühle und Gedanken. Aber diese unsichtbaren Kräfte sind die Ursachen geworden seines Schicksals und seines Charakters. Es wird nunmehr dem Menschen klar, wie er in der Vergangenheit selbst die Grundlagen für seine Gegenwart gelegt hat. Sein Wesen steht dadurch bis zu einem gewissen Grade offenbar vor ihm. Es sind zum Beispiel bestimmte Neigungen und Gewohnheiten in ihm. Jetzt kann er sich klarmachen, warum er diese hat. Gewisse Schicksalsschläge haben ihn getroffen; nun erkennt er, woher diese kommen. Er wird gewahr, weshalb er das eine liebt, das andere haßt, warum er durch dies oder jenes glücklich oder unglücklich ist. Das sichtbare Leben wird ihm durch die unsichtbaren Ursachen verständlich. Auch die wesentlichen Lebenstatsachen, Krankheit und Gesundheit, Tod und Geburt, entschleiern sich vor seinen Blicken. Er merkt, daß er vor seiner Geburt die Ursachen gewoben hat, die ihn notwendig wieder ins Leben hereinführen mußten. Er kennt nunmehr die Wesenheit in sich, welche in dieser sichtbaren Welt aufgebaut ist auf eine unvollkommene Art und die auch nur in derselben sichtbaren Welt ihrer Vollkommenheit zugeführt werden kann. Denn&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|205}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
in keiner anderen Welt gibt es eine Gelegenheit, an dem Ausbau dieser Wesenheit zu arbeiten. Und ferner sieht er ein, daß der Tod ihn zunächst nicht für immer von dieser Welt trennen kann. Denn er muß sich sagen: «Ich bin dereinst zum ersten Male in diese Welt gekommen, weil ich damals ein solches Wesen war, welches das Leben in dieser Welt brauchte, um sich Eigenschaften zu erwerben, die es sich in keiner anderen Welt hätte erwerben können. Und ich muß so lange mit dieser Welt verbunden sein, bis ich alles in mir entwickelt habe, was in ihr gewonnen werden kann. Ich werde dereinst nur dadurch ein tauglicher Mitarbeiter in einer anderen Welt werden, daß ich mir in der sinnlich sichtbaren alle die Fähigkeiten dazu erwerbe.» Es gehört nämlich zu den wichtigsten Erlebnissen des Eingeweihten, daß er die sinnlich sichtbare Natur in ihrem wahren Werte besser kennen und schätzen lernt, als er dies vor seiner Geistesschulung konnte. Diese Erkenntnis wird ihm gerade durch seinen Einblick in die übersinnliche Welt. Wer einen solchen Einblick nicht getan hat und sich deshalb vielleicht nur der Ahnung hingibt, daß die übersinnlichen Gebiete die unendlich wertvolleren sind, der kann die sinnliche Welt unterschätzen. Wer aber diesen Einblick getan hat, der weiß, daß er ohne die Erlebnisse in der sichtbaren Wirklichkeit ganz ohnmächtig in der unsichtbaren wäre. Soll er in der letzteren leben, so muß er Fähigkeiten und Werkzeuge zu diesem Leben haben. Die kann er sich aber nur in der sichtbaren erwerben. Er wird geistig sehen müssen, wenn die unsichtbare Welt für ihn bewußt werden soll. Aber diese Sehkraft für eine «höhere» Welt wird durch die Erlebnisse in der «niederen» allmählich ausgebildet. Man kann ebensowenig&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|206}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
in einer geistigen Welt mit geistigen Augen geboren werden, wenn man diese nicht in der sinnlichen sich gebildet hat, wie das Kind nicht mit physischen Augen geboren werden könnte, wenn diese sich nicht im Mutterleibe gebildet hätten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von diesem Gesichtspunkte aus wird man auch einsehen, warum die «Schwelle» zur übersinnlichen Welt von einem «Hüter» bewacht wird. Es darf nämlich auf keinen Fall dem Menschen ein wirklicher Einblick in jene Gebiete gestattet werden, bevor er dazu die notwendigen Fähigkeiten erworben hat. Deshalb wird jedesmal beim Tode, wenn der Mensch, noch unfähig zur Arbeit in einer anderen Welt, diese betritt, der Schleier vorgezogen vor ihren Erlebnissen. Er soll sie erst erblicken, wenn er ganz dazu reif geworden ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Betritt der Geheimschüler die übersinnliche Welt, dann erhält das Leben für ihn einen ganz neuen Sinn, er sieht in der sinnlichen Welt den Keimboden für eine höhere. Und in einem gewissen Sinne wird ihm diese «höhere» ohne die «niedere» als eine mangelhafte erscheinen. Zwei Ausblicke eröffnen sich ihm. Der eine in die Vergangenheit, der andere in die Zukunft. In eine Vergangenheit schaut er, in welcher diese sinnliche Welt noch nicht war. Denn über das Vorurteil, daß die übersinnliche Welt sich aus der sinnlichen entwickelt habe, ist er längst hinweg. Er weiß, daß das Übersinnliche zuerst war und daß sich alles Sinnliche aus diesem entwickelt habe. Er sieht, daß er selbst, bevor er zum ersten Male in diese sinnliche Welt gekommen ist, einer übersinnlichen angehört hat. Aber diese einstige übersinnliche Welt brauchte den Durchgang durch die sinnliche. Ihre Weiterentwickelung wäre&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|207}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ohne diesen Durchgang nicht möglich gewesen. Erst wenn sich innerhalb des sinnlichen Reiches Wesen entwickelt haben werden mit entsprechenden Fähigkeiten, kann die übersinnliche wieder ihren Fortgang nehmen. Und diese Wesenheiten sind die Menschen. Diese sind somit, so wie sie jetzt leben, einer unvollkommenen Stufe des geistigen Daseins entsprungen und werden selbst innerhalb derselben zu derjenigen Vollkommenheit geführt, durch die sie dann tauglich sein werden zur Weiterarbeit an der höheren Welt. Und hier knüpft der Ausblick in die Zukunft an. Er weist auf eine höhere Stufe der übersinnlichen Welt. In dieser werden die Früchte sein, die in der sinnlichen ausgebildet werden. Die letztere als solche wird überwunden; ihre Ergebnisse aber einer höheren einverleibt sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit ist das Verständnis gegeben für Krankheit und Tod in der sinnlichen Welt. Der Tod ist nämlich nichts anderes als der Ausdruck dafür, daß die einstige übersinnliche Welt an einem Punkte angekommen war, von dem aus sie durch sich selbst nicht weitergehen konnte. Ein allgemeiner Tod wäre notwendig für sie gewesen, wenn sie nicht einen neuen Lebenseinschlag erhalten hätte. Und so ist dieses neue Leben zu einem Kampf gegen den allgemeinen Tod geworden. Aus den Resten einer absterbenden, in sich erstarrenden Welt erblühten die Keime einer neuen. Deshalb haben wir Sterben und Leben in der Welt und langsam gehen die Dinge ineinander über. Die absterbenden Teile der alten Welt haften noch den neuen Lebenskeimen an, die ja aus ihnen hervorgegangen sind. Den deutlichsten Ausdruck findet das eben im Menschen. Er trägt als seine Hülle an sich, was sich aus jener alten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|208}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Welt erhalten hat; und innerhalb dieser Hülle bildet sich der Keim jenes Wesens aus, das zukünftig leben wird. Er ist so ein Doppelwesen, ein sterbliches und ein unsterbliches. Das Sterbliche ist in seinem End-, das Unsterbliche in seinem Anfangszustand. Aber erst innerhalb dieser Doppelwelt, die ihren Ausdruck in dem Sinnlich-Physischen findet, eignet er sich die Fähigkeiten dazu an, die Welt der Unsterblichkeit zuzuführen. Ja, seine Aufgabe ist, aus dem Sterblichen selbst die Früchte für das Unsterbliche herauszuholen. Blickt er also auf sein Wesen, wie er es selbst in der Vergangenheit aufgebaut hat, so muß er sich sagen: Ich habe in mir die Elemente einer absterbenden Welt. Sie arbeiten in mir, und nur allmählich kann ich ihre Macht durch die neuauflebenden unsterblichen brechen. So geht des Menschen Weg vom Tode zum Leben. Könnte er mit vollem Bewußtsein in der Sterbestunde zu sich sprechen, so müßte er sich sagen: «Das Sterbende war mein Lehrmeister. Daß ich sterbe, ist eine Wirkung der ganzen Vergangenheit, mit der ich verwoben bin. Aber das Feld des Sterblichen hat mir die Keime zum Unsterblichen gereift. Diese trage ich in eine andere Welt mit hinaus. Wenn es bloß auf das Vergangene ankäme, dann hätte ich überhaupt niemals geboren werden können. Das Leben des Vergangenen ist mit der Geburt abgeschlossen. Das Leben im Sinnlichen ist durch den neuen Lebenskeim dem allgemeinen Tode abgerungen. Die Zeit zwischen Geburt und Tod ist nur der Ausdruck dafür, wieviel das neue Leben der absterbenden Vergangenheit abringen konnte. Und die Krankheit ist nichts als die Fortwirkung der absterbenden Teile dieser Vergangenheit.»&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|209}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus all dem heraus findet die Frage ihre Antwort, warum der Mensch erst allmählich sich aus Verirrung und Unvollkommenheit zu der Wahrheit und dem Guten durcharbeitet. Seine Handlungen, Gefühle und Gedanken stehen zunächst unter der Herrschaft des Vergehenden und Absterbenden. Aus diesem sind seine sinnlich-physischen Organe herausgebildet. Daher sind diese Organe und alles, was sie zunächst antreibt, selbst dem Vergehen geweiht. Nicht die Instinkte, Triebe, Leidenschaften und so weiter und die zu ihnen gehörigen Organe stellen ein Unvergängliches dar, sondern erst das wird unvergänglich sein, was als das Werk dieser Organe erscheint. Erst wenn der Mensch aus dem Vergehenden alles herausgearbeitet hat, was herauszuarbeiten ist, wird er die Grundlage abstreifen können, aus welcher er herausgewachsen ist und die ihren Ausdruck in der physisch-sinnlichen Welt findet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So stellt der erste «Hüter der Schwelle» das Ebenbild des Menschen in seiner Doppelnatur dar, aus Vergänglichem und Unvergänglichem gemischt. Und klar zeigt sich an ihm, was noch fehlt bis zur Erreichung der hehren Lichtgestalt, welche wieder die reine geistige Welt bewohnen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Grad der Verstricktheit mit der physisch-sinnlichen Natur wird dem Menschen durch den «Hüter der Schwelle» anschaulich. Diese Verstricktheit drückt sich zunächst in dem Vorhandensein der Instinkte, Triebe, Begierden, egoistischen Wünsche, in allen Formen des Eigennutzes und so weiter aus. Sie kommt dann in der Angehörigkeit zu einer Rasse, einem Volke und so weiter zum Ausdruck. Denn Völker und Rassen sind nur die verschiedenen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|210}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Entwickelungsstufen zur reinen Menschheit hin. Es steht eine Rasse, ein Volk um so höher, je vollkommener ihre Angehörigen den reinen, idealen Menschheitstypus zum Ausdrucke bringen, je mehr sie sich von dem physisch Vergänglichen zu dem übersinnlich Unvergänglichen durchgearbeitet haben. Die Entwickelung des Menschen durch die Wiederverkörperungen in immer höher stehenden Volks- und Rassenformen ist daher ein Befreiungsprozeß. Zuletzt muß der Mensch in seiner harmonischen Vollkommenheit erscheinen. In einer ähnlichen Art ist der Durchgang durch immer reinere sittliche und religiöse Anschauungsformen eine Vervollkommnung. Denn jede sittliche Stufe enthält noch die Sucht nach dem Vergänglichen neben den idealistischen Zukunftskeimen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun erscheint in dem geschilderten «Hüter der Schwelle» nur das Ergebnis der verflossenen Zeit. Und von den Zukunftskeimen ist nur dasjenige darinnen, was in dieser verflossenen Zeit hineingewoben worden ist. Aber der Mensch muß in die zukünftige übersinnliche Welt alles mitbringen, was er aus der Sinnenwelt herausholen kann. Wollte er nur das mitbringen, was in sein Gegenbild bloß aus der Vergangenheit hinein verwoben ist, so hätte er seine irdische Aufgabe nur teilweise erfüllt. Deshalb gesellt sich nun zu dem «kleineren Hüter der Schwelle» nach einiger Zeit der größere. Wieder soll in erzählender Form dargelegt werden, was sich als Begegnung mit diesem zweiten «Hüter der Schwelle» abspielt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem der Mensch erkannt hat, wovon er sich befreien muß, tritt ihm eine erhabene Lichtgestalt in den Weg. Deren Schönheit zu beschreiben ist schwierig in den Worten unserer Sprache. Diese Begegnung findet statt,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|211}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wenn sich die Organe des Denkens, Fühlens und Wollens auch für den physischen Leib so weit voneinander gelöst haben, daß die Regelung ihrer gegenseitigen Beziehungen nicht mehr durch sie selbst, sondern durch das höhere Bewußtsein geschieht, das sich nun ganz getrennt hat von den physischen Bedingungen. Die Organe des Denkens, Fühlens und Wollens sind dann die Werkzeuge in der Gewalt der menschlichen Seele geworden, die ihre Herrschaft über sie aus übersinnlichen Regionen ausübt. Dieser so aus allen sinnlichen Banden befreiten Seele tritt nun der zweite «Hüter der Schwelle» entgegen und spricht etwa folgendes:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
«Du hast dich losgelöst aus der Sinnenwelt. Dein Heimatrecht in der übersinnlichen Welt ist erworben. Von hier aus kannst du nunmehr wirken. Du brauchst um deinetwillen deine physische Leiblichkeit in gegenwärtiger Gestalt nicht mehr. Wolltest du dir bloß die Fähigkeit erwerben, in dieser übersinnlichen Welt zu wohnen, du brauchtest nicht mehr in die sinnliche zurückzukehren. Aber nun blicke auf mich. Sieh, wie unermeßlich erhaben ich über all dem stehe, was du heute bereits aus dir gemacht hast. Du bist zu der gegenwärtigen Stufe deiner Vollendung gekommen durch die Fähigkeiten, welche du in der Sinnenwelt entwickeln konntest, solange du noch auf sie angewiesen warst. Nun aber muß für dich eine Zeit beginnen, in welcher deine befreiten Kräfte weiter an dieser Sinnenwelt arbeiten. Bisher hast du nur dich selbst erlöst, nun kannst du als ein Befreiter alle deine Genossen in der Sinnenwelt mitbefreien. Als einzelner hast du bis heute gestrebt; nun gliedere dich ein in das Ganze, damit du nicht nur dich mitbringst in die übersinnliche&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|212}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Welt, sondern alles andere, was in der sinnlichen vorhanden ist. Mit meiner Gestalt wirst du dich einst vereinigen können, aber ich kann kein Seliger sein, solange es noch Unselige gibt! Als einzelner Befreiter möchtest du immerhin schon heute in das Reich des Übersinnlichen eingehen. Dann aber würdest du hinabschauen müssen auf die noch unerlösten Wesen der Sinnenwelt. Und du hättest dein Schicksal von dem ihrigen getrennt. Aber ihr seid alle miteinander verbunden. Ihr mußtet alle hinabsteigen in die Sinnenwelt, um aus ihr heraufzuholen die Kräfte für eine höhere. Würdest du dich von ihnen trennen, so mißbrauchtest du die Kräfte, die du doch nur in Gemeinschaft mit ihnen hast entwickeln können. Wären sie nicht hinabgestiegen, so hättest es auch du nicht können; ohne sie fehlten dir die Kräfte zu deinem übersinnlichen Dasein. Du mußt diese Kräfte, die du mit ihnen errungen hast, auch mit ihnen teilen. Ich wehre dir daher den Einlaß in die höchsten Gebiete der übersinnlichen Welt, solange du nicht alle deine erworbenen Kräfte zur Erlösung deiner Mitwelt verwendet hast. Du magst mit dem schon Erlangten dich in den unteren Gebieten der übersinnlichen Welt aufhalten; vor der Pforte zu den höheren stehe ich aber und wehre dir den Eintritt so lange, als du noch Kräfte hast, die unangewendet geblieben sind in der sinnlichen Welt. Und willst du die deinigen nicht anwenden, so werden andere kommen, die sie anwenden; dann wird eine hohe übersinnliche Welt alle Früchte der sinnlichen aufnehmen; dir aber wird der Boden entzogen sein, mit dem du verwachsen warst die geläuterte Welt wird sich über dich hinausentwickeln. Du&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|213}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wirst von ihr ausgeschlossen sein. So ist dein Pfad der schwarze, jene aber, von welchen du dich gesondert hast, gehen den weißen Pfad.»&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So kündigt sich der «große Hüter» der Schwelle bald an, nachdem die Begegnung mit dem ersten Wächter erfolgt ist. Der Eingeweihte weiß aber ganz genau, was ihm bevorsteht, wenn er den Lockungen eines vorzeitigen Aufenthaltes in der übersinnlichen Welt folgt. Ein unbeschreiblicher Glanz geht von dem zweiten Hüter der Schwelle aus; die Vereinigung mit ihm steht als ein fernes Ziel vor der schauenden Seele. Doch ebenso steht da die Gewißheit, daß diese Vereinigung erst möglich wird, wenn der Eingeweihte alle Kräfte, die ihm aus dieser Welt zugeflossen sind, auch aufgewendet hat im Dienste der Befreiung und Erlösung dieser Welt. Entschließt er sich, den Forderungen der höheren Lichtgestalt zu folgen, dann wird er beitragen können zur Befreiung des Menschengeschlechts. Er bringt seine Gaben dar auf dem Opferaltar der Menschheit. Zieht er seine eigene vorzeitige Erhöhung in die übersinnliche Welt vor, dann schreitet die Menschheitsströmung über ihn hinweg. Für sich selbst kann er nach seiner Befreiung aus der Sinnenwelt keine neuen Kräfte mehr gewinnen. Stellt er ihr seine Arbeit doch zur Verfügung, so geschieht es mit dem Verzicht, aus der Stätte seines ferneren Wirkens selbst für sich noch etwas zu holen. Man kann nun nicht sagen, es sei selbstverständlich, daß der Mensch den weißen Pfad wählen werde, wenn er so vor die Entscheidung gestellt wird. Das hängt nämlich ganz davon ab, ob er bei dieser Entscheidung schon so geläutert ist, daß keinerlei Selbstsucht ihm die Lockungen der Seligkeit begehrenswert erscheinen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|214}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
läßt. Denn diese Lockungen sind die denkbar größten. Und auf der anderen Seite sind eigentlich gar keine besonderen Lockungen vorhanden. Hier spricht gar nichts zum Egoismus. Was der Mensch in den höheren Regionen des Übersinnlichen erhalten wird, ist nichts, was zu ihm kommt, sondern lediglich etwas, das von ihm ausgeht: die Liebe zu seiner Mitwelt. Alles, was der Egoismus verlangt, wird nämlich durchaus nicht entbehrt auf dem schwarzen Pfade. Im Gegenteil: die Früchte dieses Pfades sind gerade die vollkommenste Befriedigung des Egoismus. Und will jemand nur für sich die Seligkeit, so wird er ganz gewiß diesen schwarzen Pfad wandeln, denn er ist der für ihn angemessene. Es darf daher niemand von den Okkultisten des weißen Pfades erwarten, daß sie ihm eine Anweisung zur Entwickelung des eigenen egoistischen Ich geben werden. Für die Seligkeit des einzelnen haben sie nicht das allergeringste Interesse. Die mag jeder für sich erreichen. Sie zu beschleunigen ist nicht die Aufgabe der weißen Okkultisten. Diesen liegt lediglich an der Entwickelung und Befreiung aller Wesen, die Menschen und Genossen des Menschen sind. Daher geben sie nur Anweisungen, wie man seine Kräfte zur Mitarbeit an diesem Werke ausbilden kann. Sie stellen daher die selbstlose Hingabe und Opferwilligkeit allen anderen Fähigkeiten voran. Sie weisen niemand geradezu ab, denn auch der Egoistischste kann sich läutern. Aber wer nur für sich etwas sucht, wird, solange er das tut, bei den Okkultisten nichts finden. Selbst wenn diese ihm nicht ihre Hilfe entziehen; er, der Suchende, entzieht sich den Früchten der Hilfeleistung. Wer daher wirklich den Anweisungen der guten Geheimlehrer folgt, wird nach dem Übertreten der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|215}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schwelle die Forderungen des großen Hüters verstehen; wer diesen Anweisungen aber nicht folgt, der darf auch gar nicht hoffen, daß er je zur Schwelle durch sie kommen werde. Ihre Anweisungen führen zum Guten oder aber zu gar nichts. Denn eine Führung zur egoistischen Seligkeit und zum bloßen Leben in der übersinnlichen Welt liegt außerhalb der Grenzen ihrer Aufgabe. Diese ist von vornherein so veranlagt, daß sie den Schüler so lange von der überirdischen Welt fernhält, bis dieser sie mit dem Willen zur hingebenden Mitarbeit betritt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|216}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= NACHWORT ZUM ACHTEN BIS ELFTEN TAUSEND =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Weg zu übersinnlicher Erkenntnis, der in dieser Schrift gekennzeichnet wird, führt zu einem seelischen Erleben, demgegenüber es von ganz besonderer Wichtigkeit ist, daß, wer es anstrebt, sich keinen Täuschungen und Mißverständnissen über dasselbe hingibt und es liegt dem Menschen nahe, sich über dasjenige zu täuschen, was hier in Betracht kommt. Eine der Täuschungen, die besonders schwerwiegende, entsteht, wenn man das ganze Gebiet des Seelenerlebens, von dem in wahrer Geisteswissenschaft die Rede ist, so verschiebt, daß es in der Umgebung des Aberglaubens, des visionären Träumens, des Mediumismus und mancher anderer Entartungen des Menschenstrebens eingereiht erscheint. Diese Verschiebung rührt oft davon her, daß Menschen, welche in ihrer von echtem Erkenntnisstreben abliegenden Art sich einen Weg in die übersinnliche Wirklichkeit suchen möchten und die dabei auf die genannten Entartungen verfallen, mit solchen verwechselt werden, die den in dieser Schrift gezeichneten Weg gehen wollen. Was auf dem hier gemeinten Wege von der Menschenseele durchlebt wird, das verläuft durchaus im Felde rein geistig-seelischen Erfahrens. Es ist nur dadurch möglich, solches zu durchleben, daß sich der Mensch auch noch für andere innere Erfahrungen so frei und unabhängig von dem Leibesleben machen kann, wie er im Erleben des gewöhnlichen Bewußtseins nur ist, wenn er sich über das von außen Wahrgenommene oder das im Innern Gewünschte, Gefühlte, Gewollte Gedanken macht, die nicht aus dem Wahrgenommenen, Gefühlten, Gewollten selbst herrühren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|217}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt Menschen, die an das Vorhandensein solcher Gedanken überhaupt nicht glauben. Diese meinen: der Mensch könne nichts denken, was er nicht aus der Wahrnehmung oder dem leiblich bedingten Innenleben herauszieht und alle Gedanken seien nur gewissermaßen Schattenbilder von Wahrnehmungen oder von inneren Erlebnissen. Wer dieses behauptet, der tut es nur, weil er sich niemals zu der Fähigkeit gebracht hat, mit seiner Seele das reine, in sich beruhende Gedankenleben zu erleben. Wer aber solches erlebt hat, für den ist es Erfahrung geworden, daß überall, wo im Seelenleben Denken waltet, in dem Maße, als dieses Denken andere Seelenverrichtungen durchdringt, der Mensch in einer Tätigkeit begriffen ist, an deren Zustandekommen sein Leib unbeteiligt ist. Im gewöhnlichen Seelenleben ist ja fast immer das Denken mit anderen Seelenverrichtungen: Wahrnehmen, Fühlen, Wollen und so weiter vermischt. Diese anderen Verrichtungen kommen durch den Leib zustande. Aber in sie spielt das Denken hinein. Und in dem Maße, in dem es hineinspielt, geht in dem Menschen und durch den Menschen etwas vor sich, an dem der Leib nicht mitbeteiligt ist. Die Menschen, welche dieses in Abrede stellen, können nicht über die Täuschung hinauskommen, welche dadurch entsteht, daß sie die denkerische Betätigung immer mit anderen Verrichtungen vereinigt beobachten. Aber man kann im inneren Erleben sich seelisch dazu aufraffen, den denkerischen Teil des Innenlebens auch abgesondert von allem andern für sich zu erfahren. Man kann aus dem Umfange des Seelenlebens etwas herauslösen, das nur in reinen Gedanken besteht. In Gedanken, die in sich bestehen, aus denen alles ausgeschaltet ist, was&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|218}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wahrnehmung oder leiblich bedingtes Innenleben geben. Solche Gedanken offenbaren sich durch sich selbst, durch das, was sie sind, als ein geistig, ein übersinnlich Wesenhaftes. Und die Seele, die mit solchen Gedanken sich vereinigt, indem sie während dieser Vereinigung alles Wahrnehmen, alles Erinnern, alles sonstige Innenleben ausschließt, weiß sich mit dem Denken selbst in einem übersinnlichen Gebiet und erlebt sich außerhalb des Leibes. Für denjenigen, welcher diesen ganzen Sachverhalt durchschaut, kann die Frage gar nicht mehr in Betracht kommen: gibt es ein Erleben der Seele in einem übersinnlichen Element außerhalb des Leibes? Denn für ihn hieße es in Abrede stellen, was er aus der Erfahrung weiß. Für ihn gibt es nur die Frage: was verhindert die Menschen, eine solche sichere Tatsache anzuerkennen? Und zu dieser Frage findet er die Antwort, daß die in Frage kommende Tatsache eine solche ist, die sich nicht offenbart, wenn der Mensch sich nicht vorher in eine solche Seelenverfassung versetzt, daß er die Offenbarung empfangen kann. Nun werden zunächst die Menschen mißtrauisch, wenn sie selbst etwas erst rein seelisch tun sollen, damit sich ihnen ein an sich von ihnen Unabhängiges offenbare. Sie glauben da, weil sie sich vorbereiten müssen, die Offenbarung zu empfangen, sie machen den Inhalt der Offenbarung. Sie wollen Erfahrungen, zu denen der Mensch nichts tut, gegenüber denen er ganz passiv bleibt. Sind solche Menschen außerdem noch unbekannt mit den einfachsten Anforderungen an wissenschaftliches Erfassen eines Tatbestandes, dann sehen sie in Seelen-Inhalten oder Seelen-Hervorbringungen, bei denen die Seele unter den Grad von bewußter Eigenbetätigung herabgedrückt ist, der im&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|219}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sinneswahrnehmen und im willkürlichen Tun vorliegt, eine objektive Offenbarung eines nicht sinnlichen Wesenhaften. Solche Seelen-Inhalte sind die visionären Erlebnisse, die mediumistischen Offenbarungen. Was aber durch solche Offenbarungen zutage tritt, ist keine übersinnliche, es ist eine untersinnliche Welt. Das menschliche bewußte Wachleben verläuft nicht völlig in dem Leibe; es verläuft vor allem der bewußte Teil dieses Lebens an der Grenze zwischen Leib und physischer Außenwelt; so das Wahrnehmungsleben, bei dem, was in den Sinnesorganen vorgeht, ebensogut das Hineinragen eines außerleiblichen Vorganges in den Leib ist wie ein Durchdringen dieses Vorganges vom Leibe aus; und so das Willensleben, das auf einem Hineinstellen des menschlichen Wesens in das Weltenwesen beruht, so daß, was im Menschen durch seinen Willen geschieht, zugleich Glied des Weltgeschehens ist. In diesem an der Leibesgrenze verlaufenden seelischen Erleben ist der Mensch in hohem Grade abhängig von seiner Leibesorganisation; aber es spielt die denkerische Betätigung in dieses Erleben hinein, und in dem Maße, als das der Fall ist, macht sich in Sinneswahrnehmung und Wollen der Mensch vom Leibe unabhängig. Im visionären Erleben und im mediumistischen Hervorbringen tritt der Mensch völlig in die Abhängigkeit vom Leibe ein. Er schaltet aus seinem Seelenleben dasjenige aus, was ihn in Wahrnehmung und Wollen vom Leibe unabhängig macht. Und dadurch werden Seelen-Inhalte und Seelen-Hervorbringungen bloße Offenbarungen des Leibeslebens. Visionäres Erleben und mediumistisches Hervorbringen sind die Ergebnisse des Umstandes, daß der Mensch bei diesem Erleben und Hervorbringen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|220}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
mit seiner Seele weniger vom Leibe unabhängig ist als im gewöhnlichen Wahrnehmungs- und Willensleben. Bei dem Erleben des Übersinnlichen, das in dieser Schrift gemeint ist, geht nun die Entwickelung des Seelen-Erlebens gerade nach der entgegengesetzten Richtung gegenüber der visionären oder mediumistischen. Die Seele macht sich fortschreitend unabhängiger vom Leibe, als sie im Wahrnehmungs- und Willensleben ist. Sie erreicht diejenige Unabhängigkeit, die im Erleben reiner Gedanken zu fassen ist, für eine viel breitere Seelenbetätigung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für die hier gemeinte übersinnliche Seelenbetätigung ist es außerordentlich bedeutsam, in voller Klarheit das Erleben des reinen Denkens zu durchschauen. Denn im Grunde ist dieses Erleben selbst schon eine übersinnliche Seelenbetätigung. Nur eine solche, durch die man noch nichts Übersinnliches schaut. Man lebt mit dem reinen Denken im Übersinnlichen; aber man erlebt nur dieses auf eine übersinnliche Art; man erlebt noch nichts anderes Übersinnliches. Und das übersinnliche Erleben muß sein eine Fortsetzung desjenigen Seelen-Erlebens, das schon im Vereinigen mit dem reinen Denken erreicht werden kann. Deshalb ist es so bedeutungsvoll, diese Vereinigung richtig erfahren zu können. Denn von dem Verständnisse dieser Vereinigung aus leuchtet das Licht, das auch rechte Einsicht in das Wesen der übersinnlichen Erkenntnis bringen kann. Sobald das Seelen-Erleben unter die Bewußtseinsklarheit, die im Denken sich auslebt, heruntersinken würde, wäre sie für die wahre Erkenntnis der übersinnlichen Welt auf einem Irrwege. Sie würde erfaßt von den Leibesverrichtungen; was sie erlebt und hervorbringt, ist dann nicht Offenbarung des Übersinnlichen durch sie,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|221}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sondern Leibesoffenbarung im Bereich der untersinnlichen Welt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;*&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sobald die Seele mit ihren Erlebnissen in das Feld des Übersinnlichen eindringt, sind diese Erlebnisse von einer solchen Art, daß sich die sprachlichen Ausdrücke für sie nicht in so leichter Art finden lassen wie für die Erlebnisse im Bereiche der sinnlichen Welt. Man muß oftmals bei Beschreibungen des übersinnlichen Erlebens sich bewußt sein, daß gewissermaßen die Entfernung des sprachlichen Ausdrucks von dem ausgedrückten wirklichen Tatbestande eine größere ist als im physischen Erleben. Man muß sich ein Verständnis dafür erwerben, daß mancher Ausdruck wie eine Verbildlichung in zarter Weise auf das nur hinweist, auf das er sich bezieht. So ist es auf Seite 30 dieser Schrift gesagt: «Ursprünglich werden nämlich alle Regeln und Lehren der Geisteswissenschaft in einer sinnbildlichen Zeichensprache gegeben.» Und auf Seite 78 f. mußte von einem «bestimmten Schriftsystem» gesprochen werden. Es kann nun leicht jemandem beikommen, solche Schrift in einer ähnlichen Art lernen zu wollen, wie man Lautzeichen und deren Zusammenfügungen für die Schrift einer gewöhnlichen physischen Sprache erlernt. Nun muß allerdings gesagt werden: es hat gegeben und gibt geisteswissenschaftliche Schulen und Vereinigungen, welche im Besitze symbolischer Zeichen sind, durch die sie übersinnliche Tatbestände zum Ausdruck bringen. Und wer in die Bedeutung dieser Sinnbilder eingeweiht wird, der hat dadurch ein Mittel, sein Seelen-Erleben zu den in Frage kommenden übersinnlichen Wirklichkeiten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|222}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
hinzulenken. Aber ein für das übersinnliche Erleben Wesentliches ist vielmehr, daß im Laufe eines solchen übersinnlichen Erlebens, wie es durch die Verwirklichung des Inhaltes dieser Schrift von der Seele erreicht werden kann, diese Seele in der Anschauung des Übersinnlichen die Offenbarung einer solchen Schrift durch ihre eigene Erfahrung gewinnt. Das Übersinnliche sagt der Seele etwas, das sich diese in verbildlichende Zeichen übersetzen muß, damit sie es vollbewußt überschauen kann. Es kann gesagt werden: was in dieser Schrift mitgeteilt ist, das kann von jeder Seele verwirklicht werden. Und im Laufe der Verwirklichung, den sich nach den gemachten Angaben die Seele selbst bestimmen kann, stellen sich die Ergebnisse ein, die beschrieben sind. Man nehme doch ein solches Buch, wie dieses ist, wie ein Gespräch, das der Verfasser mit dem Leser führt. Wenn gesagt ist: der Geheimschüler bedürfe der persönlichen Anweisung, so fasse man dies doch so auf, daß das Buch selbst eine solche persönliche Anweisung ist. In früheren Zeiten gab es Gründe, solche persönliche Anweisungen dem mündlichen Geheim-Unterrichte vorzubehalten; gegenwärtig sind wir auf einer Entwickelungsstufe der Menschheit angelangt, in der das geisteswissenschaftliche Erkennen eine viel größere Verbreitung erfahren muß als früher. Es muß in ganz anderem Maße jedem zugänglich sein als in alter Zeit. Da tritt eben das Buch an die Stelle der früheren mündlichen Unterweisung. Der Glaube, daß man durchaus über das in dem Buche Gesagte hinaus noch eine persönliche Unterweisung brauche, hat nur eine bedingte Richtigkeit. Der eine oder der andere kann ja freilich ein persönliches Nachhelfen brauchen, und ein solches kann ihm bedeutungsvoll&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|223}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sein. Aber es führte in die Irre, wenn man meinte, es gäbe Hauptsachen, die man im Buche nicht finde. Man findet sie, wenn man recht und namentlich wenn man vollständig liest.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;*&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Schilderungen dieses Buches nehmen sich so aus, als ob sie Anweisungen wären zum völligen Anderswerden des ganzen Menschen. Wer sie richtig liest, wird aber finden, daß sie nichts anderes sagen wollen, als in welcher inneren Seelenverfassung ein Mensch sein muß in denjenigen Augenblicken seines Lebens, in denen er der übersinnlichen Welt gegenüberstehen will. Diese Seelenverfassung entwickelt er als eine zweite Wesenheit in sich; und die gesunde andere Wesenheit läuft in der alten Weise ihren Gang fort. Er weiß beide Wesenheiten in Vollbewußtheit auseinanderzuhalten; er weiß sie in rechter Art miteinander in Wechselwirkung zu setzen. Er macht sich nicht dadurch für das Leben unbrauchbar und untüchtig, daß er Interesse und Geschicklichkeit für dieses verliert und «den ganzen Tag Geistesforscher ist». Allerdings muß gesagt werden, daß die Erlebnisweise in der übersinnlichen Welt ihr Licht auf das ganze Wesen des Menschen ausstrahlen wird; aber dies kann nicht in einer von dem Leben ablenkenden Art sein, sondern in einer dieses Leben tüchtiger, fruchtbarer machenden Weise. Daß trotzdem die Schilderung so gehalten werden mußte, wie es der Fall ist, das rührt davon her, daß allerdings jeder auf das Übersinnliche gerichtete Erkenntnisvorgang den ganzen Menschen in Anspruch nimmt, so daß in dem Augenblicke, in dem der Mensch an einen solchen Erkenntnisvorgang&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|224}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
hingegeben ist, er dies mit seinem ganzen Wesen sein muß. Soviel der Farbenwahrnehmungsvorgang nur die Einzelheit des Auges mit seiner Nervenfortsetzung in Anspruch nimmt, soviel nimmt ein übersinnlicher Erkenntnisvorgang den ganzen Menschen in Anspruch. Dieser wird «ganz Auge» oder «ganz Ohr». Weil dies so ist, deshalb sieht es so aus, daß, wenn man von der Bildung von übersinnlichen Erkenntnisvorgängen Mitteilung macht, man von einer Umwandlung des Menschen spräche; man meine, der gewöhnliche Mensch sei nichts Rechtes; er müsse etwas ganz anderes werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;*&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu dem auf Seite 115 ff. «Über einige Wirkungen der Einweihung» Gesagten möchte ich noch etwas hinzufügen, was mit einiger Abänderung auch für andere Ausführungen dieses Buches gelten kann. Es könnte wohl jemand auf den Gedanken kommen: wozu solche Beschreibung von bildhaften Ausgestaltungen übersinnlichen Erlebens; könnte man nicht dieses Erleben in Ideen ohne solche Versinnlichung schildern? Darauf muß erwidert werden: Es kommt für das Erleben der übersinnlichen Wirklichkeit in Betracht, daß der Mensch sich im Übersinnlichen selbst als ein Übersinnliches weiß. Ohne das Hinblicken auf seine eigene übersinnliche Wesenheit, deren Wirklichkeit in der hier gegebenen Schilderung der «Lotusblumen» und des «ätherischen Leibes» vollkommen in ihrer Art zur Offenbarung kommt, erlebte sich der Mensch im Übersinnlichen so, wie wenn er im Sinnlichen nur so drinnen stände, daß ihm die Dinge und Vorgänge um ihn her sich offenbarten, er aber von seinem eigenen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|225}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Leibe nichts wüßte. Was er in «Seelenleib» und «Ätherleib» als seine übersinnliche Gestaltung schaut, das macht, daß er seiner selbst bewußt im Übersinnlichen steht, wie er durch die Wahrnehmung seines Sinnenleibes seiner selbst bewußt in der Sinnenwelt steht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;notiz center&amp;quot;&lt;br /&gt;
|&amp;lt;small&amp;gt;[[GA 9|vorige GA ◁]] [[Die Rudolf Steiner Gesamtausgabe|&amp;amp;nbsp;&amp;amp;nbsp;■&amp;amp;nbsp;&amp;amp;nbsp;]] [[GA 11|▷ nächste GA]]&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Glossar ==&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|A}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|A}}AUFMERKSAMKEIT&lt;br /&gt;
{{GS|[[…]] die Aufmerksamkeit der Seele auf gewisse Vorgänge in der uns umgebenden Welt zu lenken. Solche Vorgänge sind das sprießende, wachsende und gedeihende Leben einerseits, und alle Erscheinungen, die mit Verblühen, Verwelken, Absterben zusammenhängen, andererseits.|10|43}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|B}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|B}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|C}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|C}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|D}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|D}}DEVOTION&lt;br /&gt;
{{GS|Eine gewisse Grundstimmung der Seele muß den Anfang bilden. Der Geheimforscher nennt diese Grundstimmung den Pfad der Verehrung, der Devotion gegenüber der Wahrheit und Erkenntnis. [[…]]  Man glaube nur ja nicht, daß solche Anlagen den Keim zur Unterwürfigkeit und Sklaverei bilden.|10|20}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|E}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|E}}EINWEIHUNG&lt;br /&gt;
{{GS|Denn es gibt ein natürliches Gesetz für alle Eingeweihten, das sie dazu veranlaßt, keinem suchenden Menschen ein ihm gebührendes Wissen vorzuenthalten.|10|18}}&lt;br /&gt;
ERKENNTNIS DER HÖHEREN WELTEN&lt;br /&gt;
{{GS|Nur das eine muß freilich sich jeder klarmachen, daß derjenige, der ganz in der veräußerlichten Zivilisation unserer Tage darinnen steckt, es sehr schwer hat, zur Erkenntnis der höheren Welten vorzudringen.|10|22}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|F}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|F}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|G}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|G}}GEDANKEN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|[…] daß Gefühle und Gedanken wirkliche Tatsachen sind, genau so wie Tische und Stühle in der physisch-sinnlichen Welt [[…]] daß ein verkehrter Gedanke    so verheerend wirken kann wie eine blindlings losgeschossene Flintenkugel für die physischen Gegenstände, die sie trifft.|10|47}}{{GS|An die Stelle kleinlicher Gefühlsschwelgerei und spielerischer Gedankenverknüpfung treten bedeutsame Gefühle und fruchtbare Gedanken. Und diese Gefühle und Gedanken führen den Menschen dazu, sich in der geistigen Welt zu orientieren.|10|48}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
GEFAHREN GEISTIGEN STREBENS&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Es wird in unserer Zeit von vielen Menschen der Weg zur Geheimwissenschaft gesucht. Auf mancherlei Art wird das getan; und viele gefährliche, ja verwerfliche Prozeduren werden probiert. [[…]] Durch die hier vorgezeichneten Wege kann niemand Schaden nehmen, der nichts forciert.|10|57}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
GEFÜHL&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|[…] daß Gefühle und Gedanken wirkliche Tatsachen sind, genau so wie Tische und Stühle in der physisch-sinnlichen Welt [[…]] daß ein verkehrter Gedanke    so verheerend wirken kann wie eine blindlings losgeschossene Flintenkugel für die physischen Gegenstände, die sie trifft.|10|47}}{{GS|An die Stelle kleinlicher Gefühlsschwelgerei und spielerischer Gedankenverknüpfung treten bedeutsame Gefühle und fruchtbare Gedanken. Und diese Gefühle und Gedanken führen den Menschen dazu, sich in der geistigen Welt zu orientieren.|10|48}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
GEHEIMSCHÜLER&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Der Geheimschüler muß die Kraft suchen, sich selbst in gewissen Zeiten wie ein Fremder gegenüberzustehen.|10|31}}{{GS|Was für die Ausbildung des Geheimschülers ganz besonders wichtig ist, das ist die Art, wie er anderen Menschen beim Sprechen zuhört. Er muß sich daran gewöhnen, dies so zu tun, daß dabei sein eigenes Innere vollkommen schweigt. [[…]] In der Geistesforschung wird solches planmäßig geübt.|10|50}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
GEHEIMSCHULUNG&lt;br /&gt;
{{GS|Es hat, seit es ein Menschengeschlecht gibt, auch immer eine Schulung gegeben, durch die solche, die höhere Fähigkeiten hatten, denen Anleitung gaben […] Man nennt solche Schulung Geheimschulung […] heißt geheimwissenschaftlicher oder okkulter Unterricht.|10|16}}&lt;br /&gt;
GEIST/GEISTIGES&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Er muß lieben lernen, was ihm der Geist da zuströmt. Bald hört er dann auch auf, diese Gedankenwelt als etwas zu empfinden, was unwirklicher sei als die Dinge des Alltags, die ihn umgeben.|10|37}}{{GS|Alles beruht schließlich darauf, daß der Mensch fortwährend Leib, Seele und Geist mit sich herumträgt, daß er sich aber nur seines Leibes im ausgesprochenen Sinne bewußt ist, nicht seiner Seele und seines Geistes. Und der Geheimschüler wird sich der Seele und des Geistes bewußt, wie sich der gewöhnliche Mensch seines Leibes bewußt ist.|10|60}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
GELASSENHEIT (Innere Ruhe)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine der ersten dieser Regeln kann nun etwa in die folgenden Worte der Sprache gekleidet werden: «Schaffe dir Augenblicke innerer Ruhe und lerne in diesen Augenblicken das Wesentliche von dem Unwesentlichen unterscheiden.»&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Es gehört gewiß in mancher Lebenslage eine große Kraft dazu, sich Augenblicke innerer Ruhe zu schaffen. Aber je größer die notwendige Kraft, desto bedeutender ist auch das, was erreicht wird.|10|36}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
GENUSS&lt;br /&gt;
{{GS|Der Geheimschüler betrachtet den Genuß nur als ein Mittel, um sich für die Welt zu veredeln. Der Genuß ist ihm ein Kundschafter, der ihn unterrichtet über die Welt; aber er schreitet nach dem Unterricht durch den Genuß zur Arbeit vorwärts. Er lernt […] um das Gelernte in den Dienst der Welt zu stellen.|10|27}}&lt;br /&gt;
GOTT&lt;br /&gt;
{{GS|Die Außenwelt ist in allen ihren Erscheinungen erfüllt von göttlicher Herrlichkeit; aber man muß das Göttliche erst in seiner Seele selbst erlebt haben, wenn man es in der Umgebung finden will.|10|26}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|H}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|H}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|I}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|I}}INNENWELT&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|So erst verlegt er den Mittelpunkt seines Wesens in sein Inneres. Er hört auf die Stimmen in seinem Innern, die in den Augenblicken der Ruhe zu ihm sprechen; er pflegt im Innern Umgang mit der geistigen Welt.|10|37}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|J}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|J}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|K}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|K}}KIND&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Nützlich ist es für jeden, in solcher Art Kindern zuzuhören. Auch der Weiseste kann unermeßlich viel von Kindern lernen. So bringt es der Mensch dazu, die Worte des anderen ganz selbstlos zu hören, mit vollkommener Ausschaltung seiner eigenen Person, deren Meinung und Gefühlsweise.|10|51}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
KRAFT&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Der Geheimschüler muß die Kraft suchen, sich selbst in gewissen Zeiten wie ein Fremder gegenüberzustehen.|10|31}}{{GS|Es gehört gewiß in mancher Lebenslage eine große Kraft dazu, sich Augenblicke innerer Ruhe zu schaffen. Aber je größer die notwendige Kraft, desto bedeutender ist auch das, was erreicht wird.|10|36}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|L}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|L}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|M}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|M}}MUT&lt;br /&gt;
{{GS|Mut und Selbstvertrauen sind aber zwei Lichter, die auf dem Wege zur Geheimwissenschaft nicht erlöschen dürfen. Wer es nicht über sich bringen kann, eine Übung, die scheinbar unzähligemal mißglückt ist, immer wieder und wieder geduldig fortzusetzen, der kann nicht weit kommen.|10|59}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|N}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|N}}NATUR&lt;br /&gt;
{{GS|Die ganze Natur fängt an, dem Menschen durch ihr Ertönen Geheimnisse zuzuraunen. Was vorher seiner Seele unverständlicher Schall war, wird dadurch sinnvolle Sprache der Natur. Und wobei er vorher nur Ton gehört hat, beim Erklingen des sogenannten Leblosen, vernimmt er jetzt eine neue Sprache der Seele. [[…]]  Er fängt an, mit der Seele zu hören.|10|49}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|O}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|O}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|P}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|P}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|Q}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|Q}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|R}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|R}}REGELN&lt;br /&gt;
{{GS|Die Geisteswissenschaft gibt nun auch praktische Regeln an die Hand [[…]]  Eine der ersten dieser Regeln […] : «Schaffe dir Augenblicke innerer Ruhe und lerne in diesen Augenblicken das Wesentliche von dem Unwesentlichen unterscheiden.»|10|29}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|S}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|S}}SCHWEIGEN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Was für die Ausbildung des Geheimschülers ganz besonders wichtig ist, das ist die Art, wie er anderen Menschen beim Sprechen zuhört. Er muß sich daran gewöhnen, dies so zu tun, daß dabei sein eigenes Innere vollkommen schweigt. [[…]] In der Geistesforschung wird solches planmäßig geübt.|10|50}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
SEELE&lt;br /&gt;
{{GS|[…] die Aufmerksamkeit der Seele auf gewisse Vorgänge in der uns umgebenden Welt zu lenken. Solche Vorgänge sind das sprießende, wachsende und gedeihende Leben einerseits, und alle Erscheinungen, die mit Verblühen, Verwelken, Absterben zusammenhängen, andererseits.|10|43}}{{GS|Die ganze Natur fängt an, dem Menschen durch ihr Ertönen Geheimnisse zuzuraunen. Was vorher seiner Seele unverständlicher Schall war, wird dadurch sinnvolle Sprache der Natur. Und wobei er vorher nur Ton gehört hat, beim Erklingen des sogenannten Leblosen, vernimmt er jetzt eine neue Sprache der Seele. [[…]]  Er fängt an, mit der Seele zu hören.|10|49}}{{GS|Alles beruht schließlich darauf, daß der Mensch fortwährend Leib, Seele und Geist mit sich herumträgt, daß er sich aber nur seines Leibes im ausgesprochenen Sinne bewußt ist, nicht seiner Seele und seines Geistes. Und der Geheimschüler wird sich der Seele und des Geistes bewußt, wie sich der gewöhnliche Mensch seines Leibes bewußt ist.|10|60}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
SELBSTVERTRAUEN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Mut und Selbstvertrauen sind aber zwei Lichter, die auf dem Wege zur Geheimwissenschaft nicht erlöschen dürfen. Wer es nicht über sich bringen kann, eine Übung, die scheinbar unzähligemal mißglückt ist, immer wieder und wieder geduldig fortzusetzen, der kann nicht weit kommen.|10|59}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
SPRECHEN&lt;br /&gt;
{{GS|Was für die Ausbildung des Geheimschülers ganz besonders wichtig ist, das ist die Art, wie er anderen Menschen beim Sprechen zuhört. Er muß sich daran gewöhnen, dies so zu tun, daß dabei sein eigenes Innere vollkommen schweigt. [[…]] In der Geistesforschung wird solches planmäßig geübt.|10|50}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|T}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|T}}TON&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Die ganze Natur fängt an, dem Menschen durch ihr Ertönen Geheimnisse zuzuraunen. Was vorher seiner Seele unverständlicher Schall war, wird dadurch sinnvolle Sprache der Natur. Und wobei er vorher nur Ton gehört hat, beim Erklingen des sogenannten Leblosen, vernimmt er jetzt eine neue Sprache der Seele. [[…]]  Er fängt an, mit der Seele zu hören.|10|49}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|U}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|U}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|V}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|V}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|W}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|W}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|X}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
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{{GlossarNavigationArtikel|Z}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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{{GlossarNavigationArtikel|0-9}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|0-9}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Literatur =&lt;br /&gt;
* [[a:Rudolf Steiner|Rudolf Steiner]]: &#039;&#039;Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?&#039;&#039;, [[GA 10]] (1993), ISBN 3-7274-0100-1; &#039;&#039;&#039;Tb 600&#039;&#039;&#039;, ISBN 978-3-7274-6001-2 {{Schriften|10}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GA}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Originalausgaben ==&lt;br /&gt;
* [https://www.odysseetheater.org/ftp/anthroposophie/Rudolf_Steiner/Faksimiles/GA010_1904.pdf Ausgabe 1904]&lt;br /&gt;
* [https://www.odysseetheater.org/ftp/anthroposophie/Rudolf_Steiner/Faksimiles/GA010_1907.pdf Ausgabe 1907]&lt;br /&gt;
* [https://www.odysseetheater.org/ftp/anthroposophie/Rudolf_Steiner/Faksimiles/GA010_1909.pdf Ausgabe 1909]&lt;br /&gt;
* [https://www.odysseetheater.org/ftp/anthroposophie/Rudolf_Steiner/Faksimiles/GA010_1910.pdf Ausgabe 1910]&lt;br /&gt;
* [https://www.odysseetheater.org/ftp/anthroposophie/Rudolf_Steiner/Faksimiles/GA010_1914.pdf Ausgabe 1914]&lt;br /&gt;
* [https://www.odysseetheater.org/ftp/anthroposophie/Rudolf_Steiner/Faksimiles/GA010_1918.pdf Ausgabe 1918]&lt;br /&gt;
* [https://www.odysseetheater.org/ftp/anthroposophie/Rudolf_Steiner/Faksimiles/GA010_1919.pdf Ausgabe 1919]&lt;br /&gt;
* [https://www.odysseetheater.org/ftp/anthroposophie/Rudolf_Steiner/Faksimiles/GA010_1922.pdf Ausgabe 1922]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:GA 10 Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?|!]] [[Kategorie:GA|GA 010]] [[Kategorie:GA (Schriften)|GA 010]] [[Kategorie:Gesamtausgabe|GA 010]] [[Kategorie:Taschenbücher|GA 010]]&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
{{Artikel unten}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>ElkeJura</name></author>
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&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Artikel oben}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;notiz1 centered&amp;quot; width=&amp;quot;100%&amp;quot;&lt;br /&gt;
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| &amp;lt;center&amp;gt;&amp;lt;span class=&amp;quot;Unicode&amp;quot; style=&amp;quot;font-family: &#039;Baar Zeitgeist&#039;; font-size: 120%;&amp;gt;[https://anthro.world/Die_Apokalypse_des_Johannes_-_alle_Vorträge_von_Wolfgang_Peter Vortragsreihe rund um die «Apokalypse des Johannes» von Wolfgang Peter]&amp;lt;/span&amp;gt;&amp;lt;/center&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jeden &#039;&#039;&#039;Dienstag&#039;&#039;&#039; live ab &#039;&#039;&#039;19h&#039;&#039;&#039;. Die Vorträge sind frei zugänglich und können wenig später auch als Video, Audio und als transkripierter Text abgerufen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;center&amp;gt;Mehr Infos dazu auf auf [[Datei:Rosenfenster-gelb.png|20px|link=https://anthro.world/Die_Apokalypse_des_Johannes_-_alle_Vorträge_von_Wolfgang_Peter|anthro.world]]&amp;amp;nbsp;[https://anthro.world/Die_Apokalypse_des_Johannes_-_alle_Vorträge_von_Wolfgang_Peter anthro.world]&amp;lt;/center&amp;gt;&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
[[Datei:GA104.jpg|thumb|{{RSV|104}}]]&lt;br /&gt;
__NOTOC__&lt;br /&gt;
&amp;lt;div class=&amp;quot;center&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;h3&amp;gt;RUDOLF STEINER&amp;lt;/h3&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;h3&amp;gt;VORTRÄGE&amp;lt;/h3&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;h4&amp;gt;VORTRÄGE VOR MITGLIEDERN&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
DER ANTHROPOSOPHISCHEN GESELLSCHAFT&amp;lt;/h4&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;h3&amp;gt;Die Apokalypse des Johannes&amp;lt;/h3&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;h5&amp;gt;Ein Zyklus von zwölf Vorträgen&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
mit einem einleitenden öffentlichen Vortrag&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
gehalten in Nürnberg&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
vom 17. bis 30. Juni 1908&amp;lt;/h5&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;h3&amp;gt;GA 104&amp;lt;/h3&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;h3&amp;gt;1985&amp;lt;/h3&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Inhaltsverzeichnis =&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;font-family: &#039;Baar Zeitgeist&#039;; font-size: 100%;&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
* [[GA 104#Aus dem Geleitwort von Marie Steiner zur ersten Buchauflage von 1945|Aus dem Geleitwort von Marie Steiner zur ersten Buchauflage von 1945]]&lt;br /&gt;
* [[GA 104#Öffentlicher Vortrag, Nürnberg, 17. Juni 1908|Öffentlicher Vortrag, Nürnberg, 17. Juni 1908]]&lt;br /&gt;
** [[GA 104#Geis­tes­wis­sen­schaft, Evan­ge­li­um und Men­schen­heits­zu­kunft|Geis­tes­wis­sen­schaft, Evan­ge­li­um und Men­schen­heits­zu­kunft]]&lt;br /&gt;
* [[GA 104#ERSTER VORTRAG, Nürnberg, 18. Juni 1908|ERSTER VORTRAG, Nürnberg, 18. Juni 1908]]&lt;br /&gt;
* [[GA 104#ZWEITER VORTRAG, Nürnberg, 19. Juni 1908|ZWEITER VORTRAG, Nürnberg, 19. Juni 1908]]&lt;br /&gt;
* [[GA 104#DRITTER VORTRAG, Nürnberg, 20. Juni 1908|DRITTER VORTRAG, Nürnberg, 20. Juni 1908]]&lt;br /&gt;
* [[GA 104#VIERTER VORTRAG, Nürnberg, 21. Juni 1908|VIERTER VORTRAG, Nürnberg, 21. Juni 1908]]&lt;br /&gt;
* [[GA 104#FÜNFTER VORTRAG, Nürnberg, 22 Juni 1908|FÜNFTER VORTRAG, Nürnberg, 22 Juni 1908]]&lt;br /&gt;
* [[GA 104#SECHSTER VOTRAG, Nürnberg, 23. Juni 1908|SECHSTER VOTRAG, Nürnberg, 23. Juni 1908]]&lt;br /&gt;
* [[GA 104#SIEBENTER VORTRAG, Nürnberg, 24. Juni 1908|SIEBENTER VORTRAG, Nürnberg, 24. Juni 1908]]&lt;br /&gt;
* [[GA 104#ACHTER VOTRAG, Nürnberg, 25. Juni 1908|ACHTER VOTRAG, Nürnberg, 25. Juni 1908]]&lt;br /&gt;
* [[GA 104#NEUNTER VORTRAG, Nürnberg, 26. Juni 1908|NEUNTER VORTRAG, Nürnberg, 26. Juni 1908]]&lt;br /&gt;
* [[GA 104#ZEHNTER VORTRAG, Nürnberg, 27. Juni 1908|ZEHNTER VORTRAG, Nürnberg, 27. Juni 1908]]&lt;br /&gt;
* [[GA 104#ELFTER VORTRAG, Nürnberg, 29. Juni 1908|ELFTER VORTRAG, Nürnberg, 29. Juni 1908]]&lt;br /&gt;
* [[GA 104#ZWÖLFTER VORTRAG, Nürnberg, 30. Juni 1908|ZWÖLFTER VORTRAG, Nürnberg, 30. Juni 1908]]&lt;br /&gt;
* [[GA 104#Hinweise|Hinweise]]&lt;br /&gt;
* [[GA 104#Sonderhinweis zur Ent­wick­lung der Zahl 666 im 1. Vor­trag|Sonderhinweis zur Ent­wick­lung der Zahl 666 im 1. Vor­trag]]&lt;br /&gt;
* [[GA 104#Zeichen und Entwicklung der drei Logoi in der Mensch­heit|Zeichen und Entwicklung der drei Logoi in der Mensch­heit]]&lt;br /&gt;
** [[GA 104#Nie­der­schrift für Edu­ard Schu­ré im Mai 1907|Nie­der­schrift für Edu­ard Schu­ré im Mai 1907]]&lt;br /&gt;
* [[GA 104#Korrekturen für die 6. Aufla­ge 1979 ge­gen­über der 5. Aufla­ge 1952|Korrekturen für die 6. Aufla­ge 1979 ge­gen­über der 5. Aufla­ge 1952]]&lt;br /&gt;
* [[GA 104#Ausführliche Inhaltsangaben von Marie Steiner|Ausführliche Inhaltsangaben von Marie Steiner]]&lt;br /&gt;
* [[GA 104#Über die Vortragsnachschriften Rudolf Steiners|Über die Vortragsnachschriften Rudolf Steiners]]&lt;br /&gt;
* [[GA 104#Glossar|Glossar]]&lt;br /&gt;
* [[GA 104#Literatur|Literatur]]&lt;br /&gt;
&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|9}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Aus dem Geleitwort von Marie Steiner zur ersten Buchauflage von 1945 =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Pri­vat­druck in Ma­schi­nen­schrift ist die­ser in die Apo­ka­lyp­se ein­füh­r­en­de Vor­trags­zy­k­lus schon in zwei Aufla­gen er­schie­nen. Lan­ge Zeit ha­ben die Her­aus­ge­ber, trotz vie­ler Bit­ten, ge­zö­gert, ihn als Buch her­aus­zu­brin­gen, weil je­ne, die 1908 das ge­spro­che­ne Wort ge­hört ha­ben, in der Nach­schrift durch die Kür­zun­gen ge­stört wur­den, wel­che der Ste­no­graph nicht hat­te um­ge­hen kön­nen, wenn er bis zum Schluß durch­hal­ten soll­te. So wur­de et­was von der er­leb­ten Er­schüt­te­rung ver­mißt: das Zün­den­de des im geis­ti­gen Feu­er er­strah­len­den Wor­tes. Jetzt, nach vie­len Jah­ren, fällt das nicht mehr so stö­rend auf; es tre­ten die ge­wal­ti­gen In­hal­te in ih­rer ob­jek­ti­ven Grö­ße her­vor, und die Sch­licht­heit der Spra­che scheint dem Drän­gen der su­chen­den See­le ent­ge­gen­zu­kom­men, oh­ne der Be­deut­sam­keit des Stof­fes Ab­bruch zu tun. Wie­der­ho­lun­gen und er­läu­tern­de Zwi­schen­be­trach­tun­gen hel­fen dem Ver­ständ­nis wei­ter rei­chen gleich­sam dem Wan­de­rer, der die stei­len Höhen er­k­lim­men will, ei­ne geis­ti­ge Hand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|10}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|11}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Öffentlicher Vortrag, Nürnberg, 17. Juni 1908 =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Geis­tes­wis­sen­schaft, Evan­ge­li­um und Men­schen­heits­zu­kunft ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nürn­berg kann im Herbst die­ses Jah­res ei­ne sc­hö­ne Jahr­hun­dert­fei­er be­ge­hen. Denn es war im Herbst 1808, als die­se Stadt in ih­ren Mau­ern ei­nen der größ­ten deut­schen Geis­ter auf­ge­nom­men hat, ei­nen der­je­ni­gen deut­schen Geis­ter, von de­nen frei­lich heu­te nicht ge­ra­de viel ge­spro­chen wird, des­sen Wer­ke noch we­ni­ger ver­stan­den wer­den, der aber für die Zu­kunft des men­sch­li­chen Geis­tes­le­bens, wenn er einst ver­stan­den wer­den wird, sehr viel be­deu­ten wird. Er ist al­ler­dings schwer zu ver­ste­hen, und des­halb mag es ei­ni­ge Zeit dau­ern, bis die Men­schen ihn wie­der be­g­rei­fen wer­den. Im Herbst 1808 wur­de He­gel Di­rek­tor des Kö­n­ig­li­chen Gym­na­si­ums in Nürn­berg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
He­gel hat ei­nen Aus­spruch ge­tan, den wir vi­el­leicht ge­ra­de heu­te als ei­nen Richt­spruch an die Spit­ze un­se­rer Be­trach­tun­gen set­zen dür­fen. He­gel sag­te: Der tiefs­te Ge­dan­ke ist mit der Ge­stalt Chris­ti: mit dem Ge­schicht­li­chen und Äu­ßer­li­chen ve­r­ei­nigt, und das ist eben das Gro­ße der christ­li­chen Re­li­gi­on, daß sie bei al­ler die­ser Tie­fe leicht vom Be­wußt­sein in äu­ßer­li­cher Hin­sicht auf­zu­fas­sen ist und zu­g­leich zum tie­fe­ren Ein­drin­gen auf­for­dert. Sie ist so für je­de Stu­fe der Bil­dung und be­frie­digt zu­g­leich die höchs­ten An­for­de­run­gen. Das sind Wor­te He­gels, des deut­schen Phi­lo­so­phen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daß die christ­li­che Re­li­gi­on, daß die Ver­kün­di­gung des Evan­ge­li­ums für je­de Stu­fe des Be­wußt­seins be­g­reif­lich ist, das hat ei­ne Zeit ge­lehrt, die fast schon nach Jahr­tau­sen­den zu rech­nen ist. Daß sie auf­for­dert zu den tiefs­ten Ge­dan­ken, zu dem tiefs­ten Ein­drin­gen in die Weis­heits­leh­ren des Men­schen­tums über­haupt, das zu zei­gen wird ei­ne der Auf­ga­ben sein der an­thro­po­so­phi­schen Geis­tes­strö­mung, der Geis­tes­wis­sen­schaft, wenn die­se in ih­rem rich­ti­gen Sinn,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|12}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
in ih­ren in­ners­ten Im­pul­sen er­faßt und zum Herrn des men­sch­li­chen Le­bens ge­macht wer­den wird. Man wür­de die heu­ti­ge Be­trach­tung mißv­er­ste­hen, wenn man des Glau­bens wä­re, An­thro­po­so­phie oder Geis­tes­wis­sen­schaft sei in ir­gend­ei­ner Be­zie­hung ei­ne neue Re­li­gi­on, wol­le ir­gend­ein neu­es Re­li­gi­ons­be­kennt­nis an die Stel­le ei­nes al­ten set­zen. Man möch­te so­gar, um nur ja nicht mißv­er­stan­den zu wer­den, sa­gen: Wird ein­mal Geis­tes­wis­sen­schaft rich­tig ver­stan­den wer­den, dann wird man sich klar sein dar­über, daß sie als sol­che zwar die fes­tes­te, die si­chers­te Stüt­ze des re­li­giö­sen Le­bens ist, daß sie selbst aber kei­ne Re­li­gi­on ist, daß sie da­her auch kei­ner Re­li­gi­on je­mals als sol­cher wi­der­sp­re­chen wird. Et­was an­de­res ist es aber, daß sie das In­stru­ment sein kann, das Werk­zeug, um die tiefs­ten Wei­s­tü­mer und Wahr­hei­ten und die erns­tes­ten und le­bens­volls­ten Ge­heim­nis­se der Re­li­gio­nen zu er­klä­ren und zum Ver­ständ­nis zu brin­gen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es liegt vi­el­leicht et­was fern, wenn man, um das Ver­hält­nis von der An­thro­po­so­phie zu den Ur­kun­den die­ser oder je­ner Re­li­gi­on zu schil­dern und heu­te wer­den wir es mit den re­li­giö­sen Ur­kun­den des Chris­ten­tums zu tun ha­ben, den Ver­g­leich macht: An­thro­po­so­phie ver­hält sich zu den re­li­giö­sen Ur­kun­den wie die ma­the­ma­ti­sche Leh­re zu den Ur­kun­den, wel­che im Lau­fe der ge­schicht­li­chen Ent­wi­cke­lung der Mensch­heit als ma­the­ma­ti­sche Lehr­bücher oder Bücher über­haupt auf­ge­t­re­ten sind. Da ha­ben wir ein al­tes Buch, das ei­gent­lich nur der mit der Ma­the­ma­tik be­wan­der­te Ge­schichts­for­scher näh­er ins Au­ge faßt: die Geo­me­trie des Eu­k­lid. Sie ent­hält zum ers­ten­mal in ei­ner schul­mä­ß­i­gen Wei­se das­je­ni­ge aus der Ma­the­ma­tik und Geo­me­trie, was heu­te die Kin­der in der Schu­le schon ler­nen. Wie we­ni­ge aber die­ser Kin­der wer­den sich des­sen be­wußt, daß al­les das, was sie über paral­le­le Li­ni­en, über das Drei­eck, über die Win­kel und so wei­ter ler­nen, in je­nem al­ten Bu­che steht, daß es da zum ers­ten­mal der Mensch­heit ge­schenkt wor­den ist! Mit Recht er­weckt man im Kin­de das Be­wußt­sein, daß man die­se Din­ge aus sich selbst ein­se­hen kann, daß, wenn der men­sch­li­che Geist sei­ne Kräf­te in Be­we­gung setzt und sie an­wen­det auf die For­men des Rau­mes, daß er die­se For­men ein­zu­se­hen&lt;br /&gt;
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im­stan­de ist ganz oh­ne Rück­sicht auf je­nes al­te Buch. Ei­ner aber, der vi­el­leicht gar nichts ge­wußt hat von die­sem Buch und die ma­the­ma­ti­schen und geo­me­tri­schen Leh­ren in sich auf­ge­nom­men hat, er wird, wenn er es ein­mal ken­nen­lernt, es in dem rich­ti­gen Sin­ne wür­di­gen und ver­ste­hen. Er wird zu schät­zen wis­sen, was der­je­ni­ge der Mensch­heit ge­ge­ben hat, der die­ses Buch zum ers­ten­mal vor ih­ren Geist hin­ge­s­tellt hat.&lt;br /&gt;
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So möch­te man das Ver­hält­nis der Geis­tes­wis­sen­schaft zu den re­li­giö­sen Ur­kun­den cha­rak­te­ri­sie­ren. Die Qu­el­len der Geis­tes­wis­sen­schaft sind so, daß die Geis­tes­wis­sen­schaft auf kei­ner­lei Ur­kun­den, auf kei­ner­lei Über­lie­fe­rung an­ge­wie­sen sein soll, wenn sie ih­rem rich­ti­gen Im­pul­se nach ver­stan­den wird. So wie uns das an­de­re Wis­sen der Mensch­heit die Er­kennt­nis der um­lie­gen­den Sin­nes­welt da­durch ver­schafft, daß der Mensch sei­ne Kräf­te frei ge­braucht, so ver­schaf­fen uns die tie­fer­lie­gen­den, zu­nächst in der Men­schen­see­le schlum­mern­den geis­ti­gen, über­sinn­li­chen Kräf­te und Fähig­kei­ten die Er­kennt­nis des­sen, was als Über­sinn­li­ches, als Un­sicht­ba­res al­lem Sicht­ba­ren zu­grun­de liegt. Eben­so wie der Mensch, wenn er sei­ne Sin­nes­werk­zeu­ge ge­braucht, im­stan­de ist, das, was sich dem äu­ße­ren Sin­nes­schei­ne dar­bie­tet, wahr­zu­neh­men, wie er im­stan­de ist, das Wahr­ge­nom­me­ne mit sei­nem Ver­stan­de zu ver­bin­den und zu ver­knüp­fen, eben­so ist der Mensch, wenn er die durch die Geis­tes­wis­sen­schaft ihm über­lie­fer­ten Me­tho­den ge­braucht, im­stan­de, hin­ter die Ku­lis­sen des sinn­li­chen Da­seins zu schau­en, dort­hin, wo die geis­ti­gen Ur­sa­chen lie­gen, wo die We­sen we­ben und ar­bei­ten, die das sinn­li­che Au­ge nicht sieht, die das sinn­li­che Ohr nicht hört, wohl aber das über­sinn­li­che. So liegt im frei­en Ge­brauch der men­sch­li­chen Kräf­te, wenn sie auch bei ei­nem gro­ßen Teil der heu­ti­gen Mensch­heit als über­sinn­li­che Kräf­te noch schlum­mern, die Qu­el­le, die un­ab­hän­gi­ge freie Qu­el­le geis­ti­gen Wis­sens, wie im frei­en Ge­brauch der auf die Sin­nes­welt ge­rich­te­ten Kräf­te die Qu­el­le des äu­ße­ren Wis­sens liegt. Dann aber, wenn auf ir­gend­ei­ne Wei­se der Mensch sich in den Be­sitz der Er­kennt­nis­se ge­setzt hat, wel­che ihn ein­füh­ren in das Über­sinn­li­che hin­ter dem Sinn­li­chen, in das Un­sicht­ba­re hin­ter dem Sicht­ba­ren, wenn er sich da­von ein&lt;br /&gt;
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eben­sol­ches Wis­sen er­wirbt, wie es das sinn­li­che Wis­sen von den äu­ße­ren Ge­gen­stän­den und Ge­scheh­nis­sen ist, dann mag er, aus­ge­rüs­tet mit die­sem über­sinn­li­chen Wis­sen, eben­so an die Über­lie­fe­rung ge­hen, an die Bücher und Do­ku­men­te, an die Ur­kun­den, durch die im Lau­fe der Ent­wi­cke­lung Kun­de zu den Men­schen ge­kom­men ist über das über­sinn­li­che Ge­biet, wie der Geo­me­ter her­an­tritt an die Geo­me­trie des Eu­k­lid. Und dann prüft er sie von ei­nem ähn­li­chen Stand­punkt aus, wie der heu­ti­ge Geo­me­ter die Geo­me­trie des Eu­k­lid prüft. Dann kann er die­se Ur­kun­den ih­rem wah­ren Wert nach schät­zen und an­er­ken­nen. Und der­je­ni­ge, der die­sen Weg geht, der wir­k­lich aus­ge­rüs­tet mit den Er­kennt­nis­sen der über­sinn­li­chen Welt her­an­tritt an die Ur­kun­den der christ­li­chen Ver­kün­di­gung, für den ver­lie­ren die­se Ur­kun­den wahr­haf­tig nicht an Wert. Ja, im Ge­gen­teil, sie er­schei­nen in höhe­rem Glanz, als sie erst dem bloß gläu­bi­gen Ge­müt er­schie­nen sind. Sie zei­gen, daß sie tie­fe­re Wei­s­tü­mer ent­hal­ten, als der Mensch früh­er vor der an­thro­po­so­phi­schen Er­kennt­nis ge­ahnt hat.&lt;br /&gt;
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Aber noch über ei­ne Fra­ge müs­sen wir uns klar wer­den, da­mit wir die rich­ti­ge Stel­lung ge­win­nen ge­gen­über dem Ver­hält­nis der An­thro­po­so­phie zu den re­li­giö­sen Ur­kun­den. Fra­gen wir uns ein­mal: Wer ist der bes­se­re Be­trach­ter der Geo­me­trie des Eu­k­lid, der­je­ni­ge, der die Wor­te des Bu­ches wört­lich über­set­zen kann und, oh­ne erst ein­ge­drun­gen zu sein in den Geist der Geo­me­trie, den In­halt des Bu­ches ent­hül­len will, oder der­je­ni­ge, wel­cher erst Geo­me­trie ver­steht und da­her auch die Geo­me­trie in je­nem Buch zu fin­den weiß? Den­ken wir uns ei­nen blo­ßen Phi­lo­lo­gen ge­gen­über dem Geo­me­trie­buch des Eu­k­lid, ei­nen, der nichts ver­stün­de von Geo­me­trie: wie­viel Un­rich­ti­ges wür­de da her­aus­kom­men, wenn er den Sinn des Bu­ches ent­hül­len woll­te! So ha­ben es vie­le mit den re­li­giö­sen Ur­kun­den ge­macht, selbst sol­che, die be­ru­fen sein soll­ten, den wah­ren Sinn der­sel­ben zu er­grün­den. Sie sind an die­se Ur­kun­den her­an­ge­gan­gen, oh­ne daß sie erst, un­ab­hän­gig von ih­nen, et­was wuß­ten von dem, was über das Über­sinn­li­che zu er­grün­den ist. So ha­ben wir heu­te recht sorg­fäl­ti­ge Er­klär­un­gen der re­li­giö­sen Ur­kun­den, Er­klär­un­gen, die al­les zu­sam­men­tra­gen aus&lt;br /&gt;
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der Zeit­ge­schich­te her­aus, wie die­se Ur­kun­den zum Bei­spiel ent­stan­den sind, aber die Er­klär­un­gen neh­men sich eben­so aus wie die Er­klär­un­gen der Geo­me­trie des Eu­k­lid durch ei­nen Nicht­geo­me­ter.&lt;br /&gt;
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Er­kennt­nis der Re­li­gi­on das wol­len wir fest­hal­ten ist et­was, was man nur ge­win­nen kann, wenn man es mit Hil­fe der auf geis­tes­wis­sen­schaft­li­chem We­ge ge­won­ne­nen Er­kennt­nis­se be­trach­tet, ob­wohl An­thro­po­so­phie nur ein Werk­zeug des re­li­giö­sen Le­bens sein kann, nie­mals ei­ne Re­li­gi­on sel­ber. Re­li­gi­on wird cha­rak­te­ri­siert am bes­ten durch den In­halt des men­sch­li­chen Her­zens, des men­sch­li­chen Ge­mü­tes, je­ner Sum­me von Emp­fin­dun­gen und Ge­füh­len, durch die der Mensch hin­auf­schickt das Bes­te, was er an Emp­fäng­lich­keit in sei­ner See­le hat, zu den über­sinn­li­chen We­sen­hei­ten und Kräf­ten. Von dem Feu­er die­ses Ge­müts­in­hal­tes, von der Stär­ke die­ser Emp­fin­dun­gen, von der Art die­ser Ge­füh­le hängt der Cha­rak­ter der Re­li­gi­on ei­nes Men­schen ab, so wie von dem war­men Puls­schlag in un­se­rer Brust, von dem Ge­füh­le für Sc­hön­heit es ab­hängt, wie der Mensch ei­nem Bil­de ge­gen­über­tritt. Der In­halt des re­li­giö­sen Le­bens ist ge­wiß das, was wir die geis­ti­ge, die über­sinn­li­che Welt nen­nen. Aber eben­so­we­nig wie äst­he­tisch-künst­le­ri­sches Emp­fin­den das­sel­be ist wie das, was wir nen­nen geis­ti­ges Er­fas­sen der in­ne­ren künst­le­ri­schen Ge­set­ze ob­wohl das geis­ti­ge Er­fas­sen der­sel­ben das Kunst­ver­ständ­nis er­höhen wird , eben­so­we­nig ist je­ne Weis­heit, je­ne Wis­sen­schaft, wel­che in die geis­ti­gen Wel­ten ein­führt, und Re­li­gi­on sel­ber das glei­che. Die­se Wis­sen­schaft wird das re­li­giö­se Emp­fin­den, das re­li­giö­se Füh­len erns­ter, wür­di­ger, grö­ß­er, um­fang­rei­cher ma­chen, aber sel­ber Re­li­gi­on will sie nicht sein, wenn sie im rich­ti­gen Sin­ne ver­stan­den wird, ob­wohl sie zur Re­li­gi­on füh­ren mag.&lt;br /&gt;
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Wenn wir nun­mehr von die­sem geis­tes­wis­sen­schaft­li­chen Stand­punkt die Kraft und Be­deu­tung, den Sinn und den Geist der christ­li­chen Re­li­gi­ons­ver­kün­di­gung ver­ste­hen wol­len, dann müs­sen wir weit im geis­ti­gen Le­ben aus­g­rei­fen. Wir müs­sen den Blick wer­fen in Zei­ten ur­fer­ner Ver­gan­gen­heit, mit an­de­ren Wor­ten, wir müs­sen zu­rück­g­rei­fen bis in die vor­re­li­giö­se Zeit der Mensch­heit, wir müs­sen&lt;br /&gt;
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ver­su­chen, die Ent­ste­hung der Re­li­gi­on ins Au­ge zu fas­sen. Gibt es ei­ne vor­re­li­giö­se Zeit der Mensch­heit? Ja, es war ein­mal ei­ne Zeit auf der Er­de, in der es kei­ne Re­li­gi­on ge­ge­ben hat. Auch die Geis­tes­wis­sen­schaft muß ei­ne sol­che Fra­ge be­ja­hen, ob­wohl in ei­nem ganz an­de­ren Sin­ne, als die ma­te­ria­lis­ti­sche Kul­tur­weis­heit es tut. Was be­deu­tet die Re­li­gi­on für die Mensch­heit? Re­li­gi­on war und wird noch lan­ge für die Mensch­heit das sein, was schon ihr Wort aus­drückt. Das Wort Re­li­gi­on be­deu­tet: Ver­bin­dung des Men­schen mit sei­nem Gött­li­chen, mit der geis­ti­gen Welt. Und im we­sent­li­chen sind die re­li­giö­sen Zei­ten sol­che, in de­nen der Mensch sich nach der Ve­r­ei­ni­gung mit dem Gött­li­chen sehn­te, sei es aus den Qu­el­len ei­nes Wis­sens oder aus ei­ner ge­wis­sen Emp­fin­dung her­aus, oder des­halb, weil er fühl­te, daß sein Wil­le nur stark sein kann, wenn er von gött­li­cher Kraft durch­strömt ist. Sol­che Zei­ten, in de­nen der Mensch so­zu­sa­gen mehr in sich ahn­te, als daß er et­was Äu­ße­res wuß­te, in de­nen er die über­sinn­li­che Welt mehr ahn­te, denn daß er sie ge­schaut, daß er sie um sich ge­habt hät­te, das sind die re­li­giö­sen Zei­ten un­se­rer Er­de. Und vor die­sen Zei­ten gab es an­de­re Zei­ten, wo der Mensch ein solch ah­nen­des, lech­zen­des Ver­bin­den mit der geis­tig-über­sinn­li­chen Welt nicht brauch­te, des­halb nicht brauch­te, weil er von die­ser über­sinn­li­chen Welt, von die­ser geis­ti­gen Welt wuß­te, wie der Mensch der Ge­gen­wart weiß von den sinn­li­chen Din­gen. Braucht der Mensch über­zeugt zu wer­den, daß es Stei­ne, Bäu­me, Tie­re gibt? Braucht er ir­gend­ei­ne Ur­kun­de, ei­ne Leh­re dar­über, die ihm be­zeugt oder ihn ah­nen läßt, daß es Stei­ne, Pflan­zen, Tie­re gibt? Nein, denn er sieht sie, er er­schaut sie um sich her­um, und des­halb braucht er ei­ne sol­che Re­li­gi­on des Sinn­li­chen nicht. Den­ken wir uns ei­nen Men­schen, der in ganz an­de­ren Wel­ten leb­te, mit ganz an­de­ren Sin­ne­s­or­ga­nen, Er­kennt­ni­s­or­ga­nen aus­ge­rüs­tet, der nicht die Stei­ne, Pflan­zen, Tie­re se­hen wür­de, weil sie un­sicht­bar wä­ren für ihn, den­ken wir uns ei­nen sol­chen Men­schen, dem durch Schrif­ten oder sonst­wie die Kun­de ge­ge­ben wür­de von Stei­nen, Pflan­zen, Tie­ren: Was wä­re das­je­ni­ge, was für Sie An­schau­ung, Er­fah­rung, un­mit­tel­ba­res Wis­sen ist, was wä­re das für ihn? Re­li­gi­on wä­re es für die­sen Men­schen. Wenn&lt;br /&gt;
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ir­gend­wo in ei­nem Bu­che ste­hen wür­de, es gibt Stei­ne, Pflan­zen, Tie­re, dann wä­re das für die­sen Men­schen Re­li­gi­on, denn er hat es nie­mals ge­se­hen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gab für den Men­schen ei­ne Zeit, wo er in­mit­ten der­je­ni­gen geis­ti­gen We­sen­hei­ten und Tat­sa­chen schon ge­lebt hat, von de­nen ihm heu­te die Re­li­gio­nen und die Weis­heits­leh­ren Kun­de tun.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Wort Ent­wi­cke­lung ist heu­te auf vie­len Ge­bie­ten der Wel­t­an­schau­ung ein Zau­ber­wort ge­wor­den, aber es wird von der äu­ße­ren Wis­sen­schaft doch nur an­ge­wen­det auf äu­ße­re, sinn­li­che Tat­sa­chen. Für den­je­ni­gen, der geis­tes­wis­sen­schaft­lich die Welt be­trach­tet, für den ist al­les, al­les in Ent­wi­cke­lung, vor al­len Din­gen das men­sch­li­che Be­wußt­sein. Der Zu­stand des men­sch­li­chen Be­wußt­seins, in dem Sie heu­te le­ben, durch den Sie, wenn Sie des Mor­gens auf­wa­chen, ver­mö­ge Ih­rer Sin­ne­s­or­ga­ne die Sin­nen­welt se­hen und be­g­rei­fen, die­ser Zu­stand des Be­wußt­seins hat sich aus ei­nem an­de­ren ent­wi­ckelt. In der Geis­tes­wis­sen­schaft nen­nen wir die­sen Be­wußt­s­eins­zu­stand das so­ge­nann­te hel­le Ta­ges­be­wußt­sein. Aber die­ses hel­le Ta­ges­be­wußt­sein hat sich her­aus­ent­wi­ckelt aus ei­nem ural­ten an­de­ren Be­wußt­sein, das wir das däm­mer­haf­te Bil­der­be­wußt­sein der Mensch­heit nen­nen. Da kom­men wir al­ler­dings auf frühe Ent­wi­cke­lungs­zu­stän­de der Mensch­heit zu­rück, von de­nen ei­ne äu­ße­re An­thro­po­lo­gie nichts mel­det, aus dem Grun­de nicht, weil sie sich nur der sinn­li­chen In­stru­men­te und der Me­tho­den des Ver­stan­des be­di­ent. Sie glaubt, daß der Mensch Zu­stän­de durch­ge­macht ha­be in ur­fer­ner Ver­gan­gen­heit, die ei­gent­lich die­sel­ben sind, wie sie heu­te un­se­re tie­ri­schen We­sen durch­ma­chen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In frühe­ren Vor­trä­gen wur­de schon dar­auf hin­ge­wie­sen, wie wir uns geis­tes­wis­sen­schaft­lich das Ver­hält­nis des Men­schen zu den tie­ri­schen We­sen zu den­ken ha­ben. Nie­mals war der Mensch ein sol­ches We­sen wie das heu­ti­ge Tier es ist. Er stammt nicht von We­sen­hei­ten ab, die so wa­ren wie die heu­ti­gen Tie­re. Die Ent­wi­cke­lungs­for­men, aus de­nen sich der Mensch her­aus­ge­bil­det hat, die wür­den, wenn wir sie schil­dern woll­ten, sich sehr un­ähn­lich den heu­ti­gen Tie­ren er­wei­sen. Die heu­ti­gen Tie­re sind gleich­sam auf frühe­ren Ent­wi­cke­lungs­stu­fen zu­rück­ge­b­lie­be­ne We­sen­hei­ten, die die­se&lt;br /&gt;
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frühe­ren Ent­wi­cke­lungs­stu­fen kon­ser­viert und sie in die Ver­här­tung ge­bracht ha­ben. Der Mensch ist über sei­ne frühe­ren Ent­wi­cke­lungs­stu­fen hin­aus­ge­wach­sen, die Tie­re sind dar­un­ter her­un­ter­ge­wach­sen. So se­hen wir in der Tier­welt et­was wie zu­rück­ge­b­lie­be­ne Brü­der der Mensch­heit, die aber nicht mehr die Form die­ser frühe­ren Ent­wi­cke­lungs­stu­fen tra­gen. Die frühe­ren Ent­wi­cke­lungs­stu­fen ver­lie­fen in ei­ner Zeit, wo die Er­de an­de­re Le­bens­be­din­gun­gen hat­te, in der noch nicht die Ele­men­te so ver­teilt wa­ren wie heu­te, wo nicht der Mensch mit ei­nem sol­chen Kör­per be­haf­tet war wie heu­te und doch Mensch war. Er hat war­ten kön­nen, bild­lich ge­spro­chen, inn­er­halb des Ent­wi­cke­lungs­gan­ges mit sei­nem He­r­ein­s­tei­gen in das Fleisch, hat war­ten kön­nen bis zu der Zeit, wo die­se flei­sch­li­che Ma­te­ria­li­tät so hat wer­den kön­nen, daß er die Kraft des heu­ti­gen Geis­tes ent­wi­ckeln konn­te. Die Tie­re ha­ben nicht war­ten kön­nen, sie sind auf frühe­rer Stu­fe ver­här­tet wor­den, ha­ben früh­er Fleisch an­ge­nom­men, als es am Plat­ze war. Da­her muß­ten sie zu­rück­b­lei­ben. So wer­den wir uns vor­s­tel­len kön­nen, daß der Mensch un­ter an­de­ren Be­din­gun­gen und in an­de­ren Be­wußt­s­eins­for­men ge­lebt hat als heu­te. Wenn wir die­se Be­wußt­s­eins­for­men Tau­sen­de und Tau­sen­de von Jah­ren zu­rück­ver­fol­gen, wer­den wir im­mer an­de­re fin­den. Was wir heu­te lo­gi­sches Den­ken nen­nen, In­tel­lekt und Ver­stand, das hat sich erst spä­ter in der Mensch­heit ent­wi­ckelt. Viel stär­ker wa­ren Kräf­te der Men­schen, die heu­te schon im Ab­neh­men be­grif­fen sind, zum Bei­spiel das Ge­dächt­nis. Das war in ei­ner frühe­ren Zeit un­ge­heu­er viel mehr ent­wi­ckelt als heu­te. Durch die zu­neh­men­de Ver­stan­des­kul­tur der Mensch­heit ist das Ge­dächt­nis we­sent­lich in den Hin­ter­grund ge­t­re­ten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer mit ei­ni­ger­ma­ßen se­hen­den prak­ti­schen Au­gen in die Welt blickt, kann heu­te noch er­ken­nen, daß das­je­ni­ge, was so aus der Geis­tes­wis­sen­schaft her­aus ge­sagt wird, nicht in der Luft schwebt. Man könn­te sa­gen: Wenn das wahr ist, dann müß­ten die heu­ti­gen Men­schen, die durch ir­gend­ei­nen Zu­fall zu­rück­ge­b­lie­ben sind, zei­gen, daß sie ge­ra­de im Ge­dächt­nis am we­nigs­ten zu­rück­ge­b­lie­ben sind. Sie müß­ten auch zei­gen, daß, wenn man bei künst­lich zu­rück­ge­hal­te­nen Men­schen sich be­müht, ih­nen In­tel­lek­tua­li­tät bei­zu­brin­gen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
das Ge­dächt­nis dar­un­ter lei­det. Hier in die­ser Stadt konn­te man ei­nen cha­rak­te­ris­ti­schen Fall die­ser Art be­trach­ten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der nicht hoch ge­nug zu schät­zen­de Pro­fes­sor Dau­merhat die­sen Fall gut be­o­b­ach­tet an je­nem für vie­le so rät­sel­haf­ten Men­schen, der ein­mal auf ge­heim­nis­vol­le Wei­se in die­se Stadt hier he­r­e­in­ver­setzt wor­den ist, und der auf eben­so ge­heim­nis­vol­le Wei­se in Ans­bach den Tod ge­fun­den hat; der­sel­be, von dem ein Schrift­s­tel­ler sagt, um das Ge­heim­nis­vol­le sei­nes Le­bens an­zu­deu­ten, daß, als man ihn hin­aus­ge­tra­gen hat, ein Tag war, wo an der ei­nen Sei­te am Ran­de des Him­mels die Son­ne un­ter­ging und auf der ent­ge­gen­ge­setz­ten Sei­te der Mond auf­s­tieg. Sie wis­sen, daß ich von Ka­s­par Hau­ser re­de. Wenn Sie ab­se­hen von al­lem Pro und Kon­t­ra, das in be­zug auf die­sen Fall gel­tend ge­macht wor­den ist, wenn Sie nur auf das se­hen, was un­ter al­len Um­stän­den be­legt ist, so wer­den Sie wis­sen, daß die­ser Find­ling, der ein­fach ein­mal da war auf der Stra­ße, der, weil man nicht wuß­te, wo­her er ge­kom­men war, das Kind Eu­ro­pas ge­nannt wor­den ist, daß er nicht le­sen, nicht rech­nen konn­te, als man ihn fand. Er hat­te in ei­nem Al­ter von zwan­zig Jah­ren nichts von dem, was durch den In­tel­lekt er­wor­ben wird, aber merk­wür­di­ger­wei­se hat­te er ein wun­der­ba­res Ge­dächt­nis. Als man an­fing ihn zu un­ter­rich­ten, als die Lo­gik in sei­ne See­le trat, schwand das Ge­dächt­nis. Die­ser Über­gang im Be­wußt­sein war auch noch mit et­was an­de­rem ver­bun­den. Ei­ne un­be­g­reif­li­che, ge­ra­de­zu ein­ge­bo­re­ne Wahr­haf­tig­keit war ur­sprüng­lich in ihm, und ge­ra­de an die­ser Wahr­haf­tig­keit wur­de er im­mer mehr und mehr ir­re. Je mehr er an der In­tel­lek­tua­li­tät na­schen durf­te, des­to mehr schwand sie da­hin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir könn­ten man­ches stu­die­ren, wenn wir in die­se See­le uns ver­tief­ten, die künst­lich zu­rück­ge­hal­ten wor­den war. Und gar nicht so un­be­grün­det ist für den­je­ni­gen, der auf dem Bo­den der Geis­tes­wis­sen­schaft steht, die Volkstra­di­ti­on, die die ge­lehr­ten Leu­te von heu­te nicht glau­ben und die da be­rich­tet, daß Ka­s­par Hau­ser, als er noch gar nichts wuß­te, noch gar kei­ne Ah­nung da­von hat­te, daß es We­sen au­ßer ihm von ver­schie­de­ner Ge­stalt ge­be, daß er da ei­ne merk­wür­di­ge Wir­kung aus­üb­te, wenn er mit ganz wü­ten­den&lt;br /&gt;
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Tie­ren zu­sam­men­ge­bracht wur­de. Die wil­den Tie­re duck­ten sich und wur­den ganz sanft­mü­tig. Es ström­te von ihm et­was aus, was be­wirk­te, daß solch ein Tier, das je­den an­de­ren zor­nig an­fiel, sanft wur­de. Wie ge­sagt, wir könn­ten, weil sich solch ein Fall dar­bie­tet, der aus der Geis­tes­wis­sen­schaft her­aus ver­stan­den wer­den kann, tief in die See­le die­ser merk­wür­di­gen und für vie­le so rät­sel­haf­ten Per­sön­lich­keit ein­drin­gen, und es wür­de sich Ih­nen ein Fall vor­ma­len, aus dem Sie se­hen könn­ten, daß al­les das, was aus dem ge­wöhn­li­chen Le­ben nicht zu er­klä­ren ist, durch die Geis­tes­wis­sen­schaft zu­rück­ge­führt wird auf geis­ti­ge Tat­sa­chen. Frei­lich kön­nen sol­che geis­ti­gen Tat­sa­chen nicht durch Spe­ku­la­ti­on, son­dern nur durch geis­ti­ge Be­o­b­ach­tung ge­won­nen wer­den, aber ver­ständ­lich sind sie für das all­sei­tig um­fas­sen­de und lo­gi­sche Den­ken.&lt;br /&gt;
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Das al­les soll­te nur ge­sagt sein, um Ih­nen zu zei­gen, wie Sie den Weg fin­den kön­nen zu dem Ge­dan­ken, daß sich der heu­ti­ge Be­wußt­s­eins­zu­stand her­aus­ent­wi­ckelt hat aus ei­nem ural­ten an­de­ren Be­wußt­s­eins­zu­stand, in dem der Mensch nicht in ei­ner un­mit­tel­ba­ren Be­rüh­rung mit den Sin­nes­ge­gen­stän­den im heu­ti­gen Sin­ne stand, da­für aber mit den geis­ti­gen Tat­sa­chen und We­sen in Be­zie­hung war. Da sah der Mensch nicht die phy­si­sche Ge­stalt des an­de­ren, die es ja auch in der heu­ti­gen Form da­mals noch gar nicht ge­ge­ben hat. Wenn sich ihm ei­ne an­de­re We­sen­heit näh­er­te, stieg in sei­ner See­le et­was wie ein Traum­bild auf. Je nach­dem, wie es ge­stal­tet und ge­färbt war, zeig­te es ihm an, ob die We­sen­heit ihm sym­pa­thisch oder an­ti­pa­thisch ge­sinnt war. Ein sol­ches Be­wußt­sein nahm die geis­ti­gen Tat­sa­chen und da­durch die geis­ti­ge Welt über­haupt wahr. So wie der Mensch heu­te mit flei­sch­li­chen We­sen zu­sam­men ist, so leb­te er in je­ner Zeit, wenn er den Blick auf sich sel­ber rich­te­te und sich selbst See­le und Geist war, un­ter geis­ti­gen We­sen­hei­ten. Sie wa­ren vor­han­den für ihn. Er war ein Geist un­ter Geis­tern. Wenn er auch nur ei­ne Art Traum­be­wußt­sein hat­te, so wa­ren doch die Bil­der, die in ihm auf­s­tie­gen, in ei­nem le­ben­di­gen Ver­hält­nis zu sei­ner Um­ge­bung. Das war die al­te Zeit, in wel­cher der Mensch noch in ei­ner geis­ti­gen Welt leb­te, aus der er spä­ter her­un­ter­ge­s­tie­gen ist, um sich ei­ne sinn­li­che Flei­sch­lich­keit zu&lt;br /&gt;
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schaf­fen für das für ihn pas­sen­de heu­ti­ge Be­wußt­sein. Die Tie­re wa­ren schon da als phy­si­sche We­sen­hei­ten, als der Mensch noch in geis­ti­gen Re­gio­nen wahr­nahm. Der Mensch leb­te da­zu­mal un­ter geis­ti­gen We­sen, und eben­so­we­nig wie Sie ei­nes Be­wei­ses be­dür­fen, um über­zeugt zu sein vom Da­sein des Stei­nes, der Pflan­zen, der Tie­re, eben­so­we­nig brauch­te der Mensch in die­ser Ur­zeit ein ir­gend­wie ge­ar­te­tes Zeug­nis, um von geis­ti­gen We­sen über­zeugt zu sein. Er leb­te un­ter Geis­tern und Göt­tern, des­halb brauch­te er kei­ne Re­li­gi­on. Das war die vor­re­li­giö­se Zeit.&lt;br /&gt;
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Dann ist der Mensch her­un­ter­ge­s­tie­gen, die frühe­re Be­wußt­s­eins­form hat sich in die heu­ti­ge ver­wan­delt. Der Mensch sieht nicht mehr im Rau­me schwe­ben­de Far­ben und For­men, son­dern die Far­ben sind über die Ober­flächen der sinn­li­chen Din­ge hin­ge­legt. In dem­sel­ben Ma­ße, wie der Mensch lern­te, sei­ne äu­ße­ren Sin­ne auf die äu­ße­re Sin­nes­welt zu rich­ten, in dem­sel­ben Ma­ße zog sich die­se äu­ße­re Sin­nes­welt wie ein Sch­lei­er, wie die gro­ße Ma­ja hin über die geis­ti­ge Welt, und der Mensch muß­te durch die­se Hül­le hin­durch Kun­de er­hal­ten von der geis­ti­gen Welt. Re­li­gi­on wur­de not­wen­dig.&lt;br /&gt;
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Es gibt aber auch ei­nen Zu­stand zwi­schen der Zeit, die dem re­li­giö­sen Be­wußt­sein vor­an­geht, und der des ei­gent­li­chen re­li­giö­sen Be­wußt­seins; es gibt ei­nen sol­chen Zwi­schen­zu­stand. Aus ihm her­aus stam­men die My­tho­lo­gi­en, die Sa­gen, die Ge­schich­ten der Völ­ker von den geis­ti­gen Wel­ten. Es ist ei­ne Ge­lehr­sam­keit vom grü­nen Tisch, die nichts von den wir­k­li­chen geis­ti­gen Vor­gän­gen ahnt, die da be­haup­tet, die Ge­stal­ten der nor­di­schen oder deut­schen My­tho­lo­gie, der grie­chi­schen My­tho­lo­gie, al­le die Ur­kun­den von den Göt­tern und Göt­ter­ta­ten sei­en Er­dich­tun­gen der Volks­phan­ta­sie. Das sind nicht Er­dich­tun­gen der Volks­phan­ta­sie. Das Volk dich­tet nicht so, daß es sagt, wenn man ein­zel­ne Wol­ken hin­st­rei­chen sieht, das sei­en Schäf­chen. Daß das Volk so dich­te, ist ei­ne Dich­tung un­se­rer heu­ti­gen Ge­lehr­sam­keit, die voll leb­haf­ter Phan­ta­sie in sol­chen Din­gen ist. Die Wahr­heit ist ei­ne ganz an­de­re. Al­les, was in den al­ten Göt­ter­sa­gen und Ge­schich­ten ent­hal­ten ist, sind die letz­ten Über­b­leib­sel, die letz­ten Er­in­ne­run­gen aus dem vor-&lt;br /&gt;
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re­li­giö­sen Be­wußt­sein. Kun­de ist den Men­schen ge­b­lie­ben von dem, was sie selbst ge­se­hen ha­ben. Die­se Men­schen, die Wo­tan, Thor, Zeus und so wei­ter be­sch­rei­ben, sie ha­ben es des­halb ge­tan, weil in ih­nen ei­ne Er­in­ne­rung da­ran vor­han­den war, daß man sol­ches ein­mal er­lebt hat­te. Bro­cken, zum Teil ab­ge­ris­se­ne Stü­cke von dem, was man einst er­lebt hat­te, das sind die My­tho­lo­gi­en.&lt;br /&gt;
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Noch in an­de­rer Be­zie­hung war der Zwi­schen­zu­stand vor­han­den. Auch in der Zeit, als die ge­schei­ten Men­schen, sa­gen wir ein­mal, schon sehr ge­scheit wa­ren, da gab es noch im­mer sol­che, die we­nigs­tens in Aus­nah­me­zu­stän­den nen­nen Sie sie Ent­rückt­heit oder auch Ver­rückt­heit, wie Sie wol­len hin­ein­schau­en konn­ten in die geis­ti­gen Wel­ten, die noch wahr­neh­men konn­ten, was früh­er die Men­schen in ih­rer Mehr­heit sa­hen. Die er­zähl­ten, daß sie selbst noch et­was ge­se­hen ha­ben von der geis­ti­gen Welt. Das ver­band sich so mit den Er­in­ne­run­gen, daß ein le­ben­di­ger Glau­be leb­te in den Völ­kern. Das war ein Über­gangs­zu­stand zu dem ei­gent­lich re­li­giö­sen Zu­stand.&lt;br /&gt;
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Und wie wur­de der ei­gent­lich re­li­giö­se Zu­stand an­ge­bahnt in der Mensch­heit? Da­durch, daß der Mensch die Mit­tel und We­ge fand, sein In­ne­res so zu ent­wi­ckeln, daß er die Wel­ten, aus de­nen er her­aus­ge­wach­sen ist, die er im dump­fen Be­wußt­sein einst­mals ge­se­hen hat­te, wie­der­um se­hen, wie­der­um schau­en kann. Da kom­men wir auf ein Ka­pi­tel, das für man­chen mo­der­nen Men­schen recht we­nig Wahr­schein­li­ches ent­hält, zu dem Ka­pi­tel von den Ein­ge­weih­ten. Was sind Ein­ge­weih­te der Mensch­heit? Ein­ge­weih­te wa­ren die­je­ni­gen Men­schen, wel­che ihr ei­ge­nes see­li­sches und geis­ti­ges In­ne­re so ent­fal­te­ten durch ge­wis­se Me­tho­den, daß sie wie­der hin­ein­wuch­sen in die geis­ti­ge Welt. Ein­wei­hung gibt es! Es schlum­mern in je­der See­le über­sinn­li­che Kräf­te und Fähig­kei­ten. Es gibt oder kann we­nigs­tens ge­ben für je­den Men­schen solch ei­nen gro­ßen, ge­wal­ti­gen Au­gen­blick, wo die­se Kräf­te er­wa­chen. Die­sen Au­gen­blick kön­nen wir vor un­se­re See­le rü­cken, wenn wir uns vor­s­tel­len, wie die an­de­re men­sch­li­che Ent­wi­cke­lung war. Sp­re­chen wir mit Goe­thes Wor­ten, so kön­nen wir sa­gen: Wir schau­en zu­rück in Zei­ten fer­ner Ver­gan­gen­heit, in de­nen im heu­ti­gen phy­si­schen Men-&lt;br /&gt;
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schen­lei­be noch kein sol­ches phy­si­sches Au­ge vor­han­den war, kein sol­ches phy­si­sches Ohr wie heu­te. Zu­rück schau­en wir in je­ne Zei­ten, in de­nen an den Stel­len, wo die­se Or­ga­ne jetzt sind, gleich­gül­ti­ge Or­ga­ne wa­ren, die nicht se­hen und hö­ren konn­ten. Es gab für den phy­si­schen Men­schen ei­ne Zeit, wo sol­che blin­de Or­ga­ne zu Leucht­punk­ten sich ent­wi­ckel­ten, wo sie sich all­mäh­lich mehr und mehr ent­fal­te­ten, bis für sie das Licht auf­tauch­te. Eben­so gab es ei­nen Zeit­punkt, wo des Men­schen Ohr so weit war, daß die vor­her stum­me Welt sich in Tö­nen und Har­mo­ni­en of­fen­bar­te. Eben­so wie die Son­ne mit ih­ren Kräf­ten da­ran ar­bei­te­te, sei­ne Au­gen aus sei­nem Or­ga­nis­mus her­aus­zu­bil­den, eben­so kann der Mensch heu­te sei­nem Geis­te nach so le­ben, daß sich die viel­fach für ihn heu­te gleich­gül­ti­gen geis­tig-see­li­schen Or­ga­ne in ähn­li­cher Wei­se ent­wi­ckeln. Der Au­gen­blick ist mög­lich, ist für vie­le schon da­ge­we­sen, wo sich ih­re See­le und ihr Geist so um­bil­den, wie sich ein­mal um­ge­bil­det hat die äu­ße­re phy­si­sche Or­ga­ni­sa­ti­on. Neue Au­gen und neue Oh­ren ent­ste­hen, durch die aus dem geis­tig fins­te­ren und stum­men Um­kreis her­aus das Licht hin­ein­scheint und die Tö­ne hin­ein­k­lin­gen. Ent­wi­cke­lung ist mög­lich, auch zum Hin­ein­le­ben in die höhe­ren Wel­ten. Das ist Ein­wei­hung. Und in den Mys­te­ri­en­schu­len wer­den eben­so die Me­tho­den die­ser Ein­wei­hung den Men­schen an die Hand ge­ge­ben wie in der äu­ße­ren Welt die Me­tho­den, sa­gen wir, des che­mi­schen La­bo­ra­to­ri­ums oder der bio­lo­gi­schen For­schung. Der Un­ter­schied zwi­schen den Me­tho­den der äu­ße­ren Wis­sen­schaft und der Ein­wei­hung ist nur, daß die äu­ße­re Wis­sen­schaft sich In­stru­men­te und äu­ße­re Hilfsap­pa­ra­te zu­recht­zu­rich­ten hat. Für den­je­ni­gen aber, der Ein­ge­weih­ter wer­den will, gibt es nur ein ein­zi­ges In­stru­ment, das er aus­bil­den muß, und das ist er selbst in al­len sei­nen Kräf­ten. So wie im Ei­sen die mag­ne­ti­sche Kraft schlum­mern kann, so schlum­mert in der men­sch­li­chen See­le die Kraft, ein­zu­drin­gen in die geis­ti­ge Licht- und Ton­welt. So kam die Zeit, wo nur das Phy­sisch-Sinn­li­che im Nor­ma­len ge­se­hen wur­de und wo die Füh­rer der Mensch­heit aus sol­chen Ein­ge­weih­ten be­stan­den, die hin­ein­schau­en konn­ten in die geis­ti­gen Wel­ten, die Mit­tei­lung ma­chen, Er­klär­ung ge­ben konn­ten über die&lt;br /&gt;
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Tat­sa­chen der geis­ti­gen Welt, in wel­cher der Mensch früh­er ge­lebt hat­te.&lt;br /&gt;
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Die ers­te Stu­fe der Ein­wei­hung, wo­hin führt sie? Wie stellt sie sich dar der men­sch­li­chen See­le? Glau­ben Sie nicht, daß die­se Ent­wi­cke­lung nur in phi­lo­so­phi­schem Spe­ku­lie­ren, im Aus­spin­ti­sie­ren von Be­grif­fen, im Ver­fei­nern der Be­grif­fe be­steht. Das, was der Mensch an Be­grif­fen hat über die äu­ße­re Sin­nes­welt, das ver­wan­delt sich in dem Men­schen, der hin­ein­wächst in die geis­ti­ge Welt. Es wird so, daß der Mensch jetzt nicht mehr durch scharf kon­tu­rier­te Be­grif­fe be­g­reift, son­dern durch Bil­der, durch Ima­gi­na­tio­nen. Denn der Mensch wächst hin­ein in das geis­ti­ge, welt­sc­höp­fe­ri­sche Ver­fah­ren. So be­stimmt und fest um­ris­sen wie die Ge­gen­stän­de der Sin­nes­welt sind eben nur die­se sinn­li­chen Ge­gen­stän­de. Im welt­sc­höp­fe­ri­schen Ver­fah­ren ha­ben Sie nicht das Tier mit den fes­ten Um­ris­sen. Da ha­ben Sie et­was wie ein Bild zu­grun­de ge­legt, aus dem die ver­schie­de­nen äu­ße­ren Ge­stal­ten ent­ste­hen kön­nen, ei­ne le­ben­di­ge, in sich ge­g­lie­der­te Wir­k­lich­keit. Man muß sich st­reng auf den Bo­den des Wor­tes Goe­thes stel­len: «Al­les Ver­gäng­li­che ist nur ein Gleich­nis.» In Bil­dern lernt der Ein­ge­weih­te zu­nächst er­ken­nen und be­g­rei­fen, lernt er hin­auf­s­tei­gen in die geis­ti­ge Welt. Da muß sein Be­wußt­sein be­we­g­li­cher wer­den als das­je­ni­ge, das uns di­ent zum Be­g­rei­fen der um uns lie­gen­den Sin­nes­welt. Des­halb nennt man die­se Stu­fe der Ent­wi­cke­lung das ima­gi­na­ti­ve Be­wußt­sein. Es führt den Men­schen wie­der hin­ein in die geis­ti­ge Welt, aber nicht in däm­mer­haf­ter Wei­se. Die­ses zu er­rin­gen­de Wei­he­be­wußt­sein ist klar und hell, wie es der Mensch im hel­len Ta­ges­be­wußt­sein hat, wie die­ses Ta­ges­be­wußt­sein selbst. Der Mensch wird da­durch be­rei­chert, daß er zu dem Ta­ges­be­wußt­sein das Be­wußt­sein der geis­ti­gen Welt hin­zu­ge­winnt. So lebt er in dem ima­gi­na­ti­ven Be­wußt­sein in der ers­ten Ein­wei­hungs­stu­fe. Und was die­je­ni­gen, die so ein­ge­weiht wa­ren, in den geis­ti­gen Wel­ten er­fuh­ren, da­von ist in den Ur­kun­den, in den Do­ku­men­ten der Mensch­heit Mit­tei­lung ge­sche­hen, ge­ra­de­so wie von der nie­d­ri­gen Wis­sen­schaft der Geo­me­trie durch Eu­k­lid der Mensch­heit Mit­tei­lung ge­macht wor­den ist. Wir wis­sen, was in die­sen Ur­kun­den steht, wir&lt;br /&gt;
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er­ken­nen es, wenn wir zu­rück­ge­hen auf die Qu­el­le, auf das Schau­en der Ein­ge­weih­ten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So war es inn­er­halb der Mensch­heit bis zu der Er­schei­nung der größ­ten We­sen­heit, die über den Erd­ball ge­schrit­ten ist, des Chris­tus Je­sus. Mit sei­ner Er­schei­nung tritt ein neu­es Ele­ment in die Ent­wi­cke­lung ein. Wenn wir uns klar­ma­chen wol­len, wo­rin das we­sent­lich Neue, das der Mensch­heit durch den Chris­tus Je­sus ge­schenkt wor­den ist, be­steht, dann müs­sen wir be­ach­ten, daß in al­len vor­christ­li­chen Ein­wei­hungs­stät­ten der Mensch so ein­ge­weiht wur­de, daß ein völ­li­ges Her­aus­ge­hen aus der üb­ri­gen mensch­heit­li­chen Ent­wi­cke­lung not­wen­dig war, ein Ar­bei­ten an sei­ner See­le in Stät­ten des tiefs­ten Ge­heim­nis­ses. Und wir müs­sen uns vor al­len Din­gen klar­ma­chen, daß noch im­mer et­was vor­han­den war im Be­wußt­sein des Men­schen von ei­nem Über­rest, wenn er sich wie­der­um her­auf­hob in die geis­ti­ge Welt, je­nes al­ten, bloß traum­haf­ten Bil­der­be­wußt­seins. Der Mensch muß­te hin­we­gei­len aus die­ser Welt der Sin­ne, um in die geis­ti­ge Welt ein­t­re­ten zu kön­nen. Daß das heu­te nicht mehr not­wen­dig ist, das wur­de her­bei­ge­führt durch die Er­schei­nung des Chris­tus Je­sus auf der Er­de. Da­durch, daß das Chris­tus-Prin­zip in die Mensch­heit ein­ge­t­re­ten ist, ist das Zen­tral­we­sen, das Mit­tel­punkts­we­sen der geis­ti­gen Welt ge­schicht­lich, his­to­risch in ei­nem Men­schen ein­mal auf die­ser Er­de da­ge­we­sen, das­sel­be We­sen, nach dem sich ge­sehnt ha­ben al­le die­je­ni­gen, die ein re­li­giö­ses Le­ben ent­wi­ckelt ha­ben, die ge­schaut ha­ben in den Ein­wei­hungs­stät­ten, die weg­ge­schrit­ten sind von der sinn­li­chen Welt, um in die geis­ti­ge Welt ein­zu­t­re­ten. Das We­sen, von dem ver­kün­det wor­den ist, daß ihm der Mensch als sei­nem Höchs­ten ge­gen­über­steht, das ist mit dem Chris­tus Je­sus in die Mensch­heits­ge­schich­te ein­ge­t­re­ten. Und der­je­ni­ge, der et­was ver­steht von ech­ter Geis­tes­wis­sen­schaft, weiß, daß al­le re­li­giö­se Ver­kün­di­gung vor dem Er­schei­nen des Chris­tus Je­sus ei­ne Vor­ver­kün­di­gung des Chris­tus Je­sus ist.&lt;br /&gt;
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Wenn die al­ten Ein­ge­weih­ten von dem Höchs­ten ha­ben sp­re­chen wol­len, was ih­nen in der Geis­tes­welt zu­gäng­lich war, was sie ha­ben schau­en kön­nen als den Ur­grund al­ler Din­ge, dann ha­ben&lt;br /&gt;
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sie in den ver­schie­dens­ten Na­men von dem Chris­tus Je­sus ge­spro­chen. Wir brau­chen uns nur an ein Bei­spiel, an das Al­te Te­s­ta­ment zu er­in­nern, das auch ei­ne Vor­her­ver­kün­di­gung ist. Wir er­in­nern uns da­ran, wie Mo­ses, als er sein Volk füh­ren soll­te, den Auf­trag er­hielt: Sa­ge dei­nem Vol­ke, daß das, was du tun sollst, der Herr, der Gott, dir ge­sagt hat. Da sagt Mo­ses: Wie wer­den mir die Leu­te glau­ben, wie wer­de ich ih­nen ei­ne Über­zeu­gung bei­brin­gen kön­nen? Was muß ich sa­gen, wenn sie mich fra­gen: Wer hat dich ge­schickt? Und es wird ihm der Auf­trag: Sa­ge, der «Ich-bin», der hat dich ge­schickt. Le­sen Sie es nach und ver­g­lei­chen Sie es, so ge­nau Sie kön­nen, mit dem Ur­text. Sie wer­den se­hen, um was es sich da­bei han­delt. Der «Ich-bin», was soll das hei­ßen? Der «Ich-bin» ist der Na­me für die gött­li­che We­sen­heit, das Chris­tus-Prin­zip des Men­schen, für die We­sen­heit, die der Mensch ei­nem Trop­fen, ei­nem Fun­ken nach in sich spürt, wenn er «Ich bin» sa­gen kann. Der Stein kann nicht «Ich bin» sa­gen, die Pflan­ze kann nicht «Ich bin», das Tier kann nicht «Ich bin» sa­gen. Der Mensch ist die Kro­ne der Sc­höp­fung da­durch, daß er zu sich «Ich bin» sa­gen kann, daß er ei­nen Na­men sp­re­chen kann, der für kei­nen an­de­ren gül­tig ist als für den, der ihn aus­spricht. «Ich» kön­nen Sie sich nur selbst nen­nen. Kein an­de­rer kann Sie «Ich» nen­nen. Hier spricht die See­le mit sich selbst, in je­nem Wor­te, wo hin­ein nur ein We­sen Zu­gang hat, das durch kei­nen äu­ße­ren Sinn, auf kei­nem äu­ße­ren Weg zu der See­le kommt. Hier spricht der Gott. Da­her wur­de der Na­me «Ich-bin» der Gott­heit, wel­che die Welt er­füllt, ge­ge­ben. Sa­ge, der «Ich-bin» hat es dir ge­sagt! so soll­te Mo­ses sei­nem Vol­ke sa­gen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nur lang­sam ler­nen die Men­schen den tie­fen Sinn die­ses «Ich-bin» völ­lig ver­ste­hen. Nicht gleich ha­ben sich die Men­schen als Ein­zel­men­schen ge­fühlt. Sie kön­nen es fin­den noch im Al­ten Te­s­ta­ment: da fühl­ten sich die Men­schen noch nicht als Ein­zel­men­schen. Auch die An­ge­hö­ri­gen der deut­schen Stäm­me, selbst noch in den Zei­ten der christ­li­chen Kir­che, fühl­ten sich nicht als Ein­zel­men­schen. Den­ken Sie zu­rück an die Che­rus­ker, Teu­to­nen und so wei­ter, an die deut­schen Stäm­me, in de­ren Land nun das heu­ti­ge&lt;br /&gt;
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Deut­sch­land ist. Der ein­zel­ne Che­rus­ker fühl­te mehr das Stam­mes-Ich, dem ge­gen­über er sich als Glied er­schi­en. Der ein­zel­ne hät­te nicht in der schar­fen Wei­se, wie heu­te, «Ich bin» ge­sagt. Er fühl­te sich zu­sam­men­ge­fügt zum ei­ni­gen Or­ga­nis­mus der­je­ni­gen, die bluts­ver­wandt wa­ren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den wei­tes­ten Um­kreis nimmt die­se Bluts­ver­wandt­schaft bei den Be­ken­nern des Al­ten Te­s­ta­ments ein. Der ein­zel­ne fühlt sich ge­bor­gen im gan­zen Volk. Die­ses ist für ihn von ei­nem Ich be­herrscht. Er weiß es, was es heißt: «Ich und der Va­ter Abra­ham sind eins», denn er ver­folgt die Bluts­ver­wandt­schaft durch die Ge­ne­ra­tio­nen hin­auf bis Abra­ham. Er weiß sich ge­bor­gen, wenn er über sein Ein­zel-Ich hin­aus­ge­hen will, in dem Va­ter Abra­ham, von dem all das Blut, das der äu­ße­re Trä­ger für das ge­mein­sa­me Volks-Ich ist, hin­un­ter­f­ließt in die Ge­ne­ra­tio­nen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun, wenn wir mit dem Aus­spruch, der je­dem Be­ken­ner des Al­ten Te­s­ta­men­tes ein Ho­hes be­deu­tet, ver­g­lei­chen, was der Chris­tus Je­sus hin­ge­s­tellt hat, dann ha­ben wir wie blitz­ar­tig be­leuch­tet den gan­zen Fort­schritt, der durch die christ­li­che Ent­wi­cke­lung her­vor­ge­ru­fen wur­de. «Ehe denn Abra­ham war, war das Ich-bin.» Was heißt das: Vor Abra­ham war das «Ich-bin»? So ist näm­lich die rich­ti­ge Über­set­zung und In­ter­pre­ta­ti­on der be­tref­fen­den Bi­bel­s­tel­le. Das heißt: Geht zu­rück durch al­le Ge­ne­ra­tio­nen, ihr fin­det et­was in euch selbst, in eu­rer Ein­ze­l­in­di­vi­dua­li­tät, das noch ewi­ger ist als das, was durch al­le bluts­ver­wand­ten Ge­ne­ra­tio­nen fließt. Ehe die Ahn­her­ren wa­ren, war das «Ich-bin», je­nes We­sen, das in je­den Men­schen hin­ein­zieht, von dem je­de Men­schen­see­le et­was un­mit­tel­bar füh­len kann in sich selbst. Nicht ich und der Va­ter Abra­ham, nicht ich und ein zeit­li­cher Va­ter, son­dern ich und der geis­ti­ge Va­ter, der an nichts Ver­gäng­li­ches ge­bun­den ist, wir sind eins. «Ich und der Va­ter sind eins.» In dem ein­zel­nen Men­schen fin­det sich der Va­ter. Das gött­li­che Prin­zip lebt in ihm, et­was, was da war, was da ist, was da sein wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Men­schen wer­den, nach­dem sie durch fast zwei Jahr­tau­sen­de ei­gent­lich erst an­ge­fan­gen ha­ben die Kraft die­ses Wel­ten­im­pul­ses zu füh­len, in künf­ti­gen Zei­ten voll er­ken­nen, was die­ser Sprung&lt;br /&gt;
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inn­er­halb der Er­den­mis­si­on und Er­den­ent­wi­cke­lung für den Men­schen be­deu­tet. Das­je­ni­ge, was man nur ein­se­hen konn­te, wenn man hin­weg­ging über das Ein­zel­da­sein, über den ein­zel­nen Men­schen, wenn man den Geist ei­nes gan­zen Stam­mes faß­te, das war es, was die al­ten Ein­ge­weih­ten er­rei­chen woll­ten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn in der ge­wöhn­li­chen Welt ir­gend­ein Mensch das hör­te, so sag­te er: Das Ich ist et­was Ver­gäng­li­ches, das an­fängt mit der Ge­burt und auf­hört mit dem To­de. Wur­de er aber ein­ge­weiht in das Ge­heim­nis der Mys­te­ri­en, dann sah er das­je­ni­ge, was der an­de­re spür­te und emp­fand, als das­sel­be, was durch das Blut der Ge­ne­ra­tio­nen rollt, was ein wir­k­li­ches We­sen ist, dann sah er sei­nen Stam­mes­geist. Was nur im geis­ti­gen Reich, aber nicht in der äu­ße­ren Wir­k­lich­keit er­reich­bar ist, das konn­te er schau­en. Ei­nen Gott, der durch das Blut der Ge­ne­ra­tio­nen rinnt, konn­te er schau­en. Geis­te­sau­ge ge­gen­über Geis­te­sau­ge vor die­sem Got­te ste­hen, das konn­te man nur in den Mys­te­ri­en.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die­je­ni­gen, die mit dem vol­len Ver­ständ­nis als sei­ne inti­men Schü­ler um den Chris­tus Je­sus wa­ren, sie hat­ten das Be­wußt­sein, daß ein We­sen geis­tig-gött­li­cher Na­tur für die äu­ße­ren Sin­ne in ei­ner ge­sch­los­se­nen flei­sch­lich-men­sch­li­chen Per­sön­lich­keit vor ih­nen stand. Als den ers­ten emp­fan­den sie den Chris­tus Je­sus, als den ers­ten, der im ein­zel­nen Men­schen ei­nen sol­chen Geist in sich hat­te, wie ihn sonst nur zu­sam­men­ge­hö­ri­ge Men­schen­mas­sen in sich fühl­ten und wie er sonst nur in der geis­ti­gen Welt für die Ein­ge­weih­ten zu schau­en war. Der Erst­ling un­ter den Men­schen war er.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Je mehr der Mensch in­di­vi­du­ell wird, des­to mehr kann er Lie­be-trä­ger wer­den. Wo das Blut die Men­schen zu­sam­men­ket­tet, da lie­ben die Men­schen aus dem Grun­de, weil sie durch das Blut hin­ge­führt wer­den zu dem, was sie lie­ben sol­len. Wird dem Men­schen die In­di­vi­dua­li­tät zu­er­teilt, hegt und pf­legt er den Got­tes­fun­ken in sich, dann müs­sen die Im­pul­se der Lie­be, die Wel­len der Lie­be von Mensch zu Mensch ge­hen aus frei­em Her­zen her­aus. Und so hat der Mensch mit die­sem neu­en Im­puls das al­te Band der Lie­be, die an das Blut ge­bun­den ist, be­rei­chert. Die Lie­be geht nach und nach über in die geis­ti­ge Lie­be, die von See­le zu See­le fließt, die zu­letzt&lt;br /&gt;
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die gan­ze Mensch­heit um­fas­sen wird mit ei­nem ge­mein­schaft­li­chen Band all­ge­mei­ner Bru­der­lie­be. Der Chris­tus Je­sus aber ist die Kraft, die le­ben­di­ge Kraft, durch die, so wie sie in der Ge­schich­te war, wie sie sich äu­ße­ren Au­gen zeig­te, zum ers­ten­mal die Mensch­heit zur Ver­brü­de­rung ge­bracht wor­den ist. Und die Men­schen wer­den ler­nen, die­ses Band der Bru­der­lie­be als das vol­l­en­de­te, als das ver­geis­tig­te Chris­ten­tum auf­zu­fas­sen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man sagt heu­te leicht: Die Theo­so­phie soll den ein­heit­li­chen Wahr­heits­kern in al­len Re­li­gio­nen su­chen, denn al­le Re­li­gio­nen ent­hal­ten ja ganz das glei­che. Die Men­schen, die so sa­gen, die die Re­li­gio­nen nur ver­g­lei­chen, um das ab­strakt Glei­che zu su­chen, ver­ste­hen nichts vom Ent­wi­cke­lung­s­prin­zip. Nicht um­sonst ent­wi­ckelt sich die Welt. Wahr ist es, in je­der Re­li­gi­on ist die Wahr­heit ent­hal­ten, aber in­dem sie sich von Form zu Form ent­wi­ckelt, ent­wi­ckelt sie sich zu höhe­ren For­men. Der Wahr­heit nach kön­nen Sie al­ler­dings, wenn Sie tief ge­nug for­schen wol­len, das, was das Chris­ten­tum an Leh­ren ent­hält, in den an­de­ren Re­li­gio­nen auch fin­den. Neue Leh­ren hat das Chris­ten­tum nicht ge­bracht. Aber das We­sent­li­che im Chris­ten­tum liegt nicht in den Leh­ren. Neh­men Sie die vor­christ­li­chen Re­li­gi­ons­s­tif­ter. Bei ih­nen kommt es dar­auf an, was sie ge­lehrt ha­ben. Den­ken Sie sich, die­se Re­li­gi­ons­s­tif­ter wä­ren un­be­kannt ge­b­lie­ben; was sie ge­lehrt ha­ben, das wä­re ge­b­lie­ben. Da­mit hät­te die Mensch­heit ge­nug. Beim Chris­tus Je­sus aber kommt es nicht dar­auf an. Bei ihm kommt es dar­auf an, daß er da war, daß er im phy­si­schen Lei­be hier auf die­ser Er­de ge­lebt hat. Nicht der Glau­be an sei­ne Leh­re, son­dern an sei­ne Per­sön­lich­keit ist das Aus­schlag­ge­ben­de, daß man hin­ge­schaut hat dar­auf, daß er der Erst­ge­bo­re­ne un­ter de­nen war, die da ster­ben kön­nen, bei dem man fragt: Wür­dest auch du in der La­ge, in der ich mich be­fin­de, so füh­len wie ich? Wür­dest auch du so den­ken, wie ich nun den­ke, so wol­len, wie ich will? Das ist das Wich­ti­ge, daß er das größ­te Vor­bild als Per­sön­lich­keit ist, bei dem es nicht dar­auf an­kommt, hin­zu­hö­ren auf sei­ne Leh­ren, son­dern dar­auf, ihn selbst an­zu­schau­en, wie er es ge­tan hat. Da­her sa­gen die inti­men Schü­ler des Chris­tus Je­sus et­was ganz an­de­res als die Schü­ler und Jün­ger&lt;br /&gt;
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an­de­rer Re­li­gi­ons­s­tif­ter. Die­se sa­gen: Der Herr hat die­ses, hat je­nes ge­lehrt. Die Schü­ler des Chris­tus Je­sus aber sa­gen: Nicht aus­ge­klü­gel­te My­then et­wa und Leh­ren sa­gen wir euch, son­dern das sa­gen wir euch, was un­se­re Au­gen selbst ge­se­hen, un­se­re Oh­ren selbst ge­hört ha­ben. Wir ha­ben die Stim­me ge­hört, un­se­re Hän­de ha­ben be­rührt den Qu­ell des Le­bens, da­mit wir Ge­mein­schaft ha­ben mit euch. Und Chris­tus Je­sus sel­ber sprach: Zeu­gen sollt ihr mir sein in Je­ru­sa­lem, in Ju­däa, bis ans En­de der Welt. Da­mit ist et­was sehr Wich­ti­ges ge­sagt: Zeu­gen sollt ihr mir sein bis ans En­de der Welt. Das heißt: Es wer­den im­mer sol­che da sein je­der­zeit, die eben­so wie je­ne in Ju­däa und Ga­li­läa aus dem un­mit­tel­ba­ren Wis­sen her­aus sa­gen kön­nen, wer Chris­tus war im Sin­ne des Evan­ge­li­ums.&lt;br /&gt;
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Im Sin­ne des Evan­ge­li­ums, was be­deu­tet das? Nichts an­de­res, als daß er von An­fang an das Prin­zip war, das in al­lem Schaf­fen leb­te. Er sagt es: Glaubt ihr nicht an mich, so glaubt we­nigs­tens an Mo­ses, denn wenn ihr an Mo­ses glaubt, so glaubt ihr an mich, denn Mo­ses hat von mir ge­spro­chen. Wir ha­ben es heu­te schon ge­se­hen, von ihm hat Mo­ses ge­spro­chen, als er hin­ge­wie­sen hat dar­auf: Der «Ich-bin» hat es mir ge­sagt der «Ich-bin», der aber nur geis­tig wahr­nehm­bar war bis da­hin. Daß der Chris­tus sicht­bar in die Er­schei­nung, sicht­bar in die Welt ge­t­re­ten ist als Mensch un­ter Men­schen, das ist es, was den Un­ter­schied des Chris­tus-Evan­ge­li­ums aus­macht ge­gen­über der gött­li­chen Ver­kün­di­gung von an­de­ren Re­li­gio­nen. Denn bei die­sen war al­le geis­ti­ge Weis­heit auf et­was ge­rich­tet, was au­ßer­halb der Welt war. Jetzt, mit Chris­tus Je­sus, kam et­was in die Welt, was als Sin­ne­s­er­schei­nung selbst be­grif­fen wer­den soll­te. Was emp­fan­den die ers­ten Jün­ger als das Ideal ih­rer Weis­heit? Nicht mehr bloß zu be­g­rei­fen, wie die Geis­ter im Geis­ter­lan­de le­ben, son­dern wie das höchs­te Prin­zip in die­ser ge­schicht­li­chen Per­sön­lich­keit des Chris­tus Je­sus hat auf Er­den vor­han­den sein kön­nen.&lt;br /&gt;
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Es ist viel leich­ter, die­ser Per­sön­lich­keit die Gott­heit ab­zu­leug­nen, als so zu emp­fin­den. Da­rin be­steht der Un­ter­schied ei­ner ge­wis­sen Leh­re der ers­ten Zeit des Chris­ten­tums von dem, was man&lt;br /&gt;
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in­ne­res Chris­ten­tum nennt, der Un­ter­schied zwi­schen Gno­sis und eso­te­ri­schem Chris­ten­tum. Die Gno­sis er­kennt Chris­tus in sei­ner Gött­lich­keit zwar an, aber sie hat­te sich nie auf­schwin­gen kön­nen bis zu der An­schau­ung, daß das «Wort» Fleisch ge­wor­den ist und un­ter uns ge­wohnt hat, so wie es der Sch­rei­ber des Jo­han­nes-Evan­ge­li­ums be­tont. Er sagt: Nicht nur als et­was, was bloß im Un­sicht­ba­ren zu be­g­rei­fen ist, sollt ihr den Chris­tus Je­sus an­se­hen, son­dern als das Wort, das Fleisch ge­wor­den ist und un­ter uns ge­wohnt hat. Ihr sollt wis­sen, daß mit die­ser men­sch­li­chen Per­sön­lich­keit ei­ne Kraft er­schie­nen ist, die in ferns­te Zu­kunft hin­ein wir­ken wird, die die wir­k­li­che, geis­ti­ge Lie­be als ei­ne Kraft um den Erd­kreis her­um­spin­nen wird, die da wirkt und lebt in al­lem, das in die Zu­kunft hin­ein lebt. Und über­gibt sich der Mensch die­ser Kraft, dann wächst er in die geis­ti­ge Welt hin­ein, aus der er her­un­ter­ge­s­tie­gen ist. Wie­der hin­auf­s­tei­gen wird er bis da­hin, wo­hin­ein der Ein­ge­weih­te heu­te schon schau­en kann. Ab­st­rei­fen wird der Mensch das Sinn­li­che, wenn er in die geis­ti­ge Welt ein­dringt.&lt;br /&gt;
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Wie der Schü­ler, der in al­ten Zei­ten ein­ge­weiht wur­de, ei­nen Rück­blick ha­ben konn­te auf die al­ten, auf die ver­gan­ge­nen Zei­ten des Geis­tes­le­bens, so er­hal­ten die­je­ni­gen, wel­che im christ­li­chen Sin­ne ein­ge­weiht wer­den, durch die Teil­nah­me an den Im­pul­sen des Chris­tus Je­sus die Fähig­keit zu se­hen, was aus die­ser un­se­rer Er­den­welt wird, wenn die Men­schen im Sin­ne des Chris­tus-Im­pul­ses wir­ken. Wie man zu­rück­bli­cken kann auf die frühe­ren Zu­stän­de, so kann man, von dem An­fangs­punk­te der Er­schei­nung des Chris­tus aus­ge­hend, hin­bli­cken in die ferns­te Zu­kunft. Man kann sa­gen: So wird das Be­wußt­sein sich wie­der ve­r­än­dern, so wird der Mensch ste­hen im Ver­hält­nis der geis­ti­gen zur Sin­nen­welt. Wäh­rend so die frühe­re Ein­wei­hung ei­ne Ein­wei­hung in die Ver­gan­gen­heit, in ural­te Weis­heit ist, geht die christ­li­che Ein­wei­hung da­hin, dem Ein­zu­wei­hen­den die Zu­kunft zu ent­hül­len. Das ist das Not­wen­di­ge, daß der Mensch nicht nur ein­ge­weiht wird für sei­ne Weis­heit, für sein Ge­müt, son­dern daß er ein­ge­weiht wird für sei­nen Wil­len. Denn da­durch weiß er, was er tun soll, daß er sich Zie­le set­zen kann für die Zu­kunft. Der sinn­li­che All­tags­mensch setzt sich Zie­le&lt;br /&gt;
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für den Nach­mit­tag, für den Abend, den Mor­gen. Der geis­ti­ge Mensch ver­mag aus den geis­ti­gen Prin­zi­pi­en her­aus fer­ne Zie­le sich zu set­zen, die sei­nen Wil­len durch­pul­sen, sei­ne Kräf­te le­ben­dig ma­chen. So der Mensch­heit Zie­le set­zen, das heißt im wah­ren höchs­ten Sinn, im Sinn des ur­sprüng­li­chen christ­li­chen Prin­zips, das Chris­ten­tum eso­te­risch er­fas­sen. So hat es der­je­ni­ge ver­stan­den, der das gro­ße Prin­zip der Ein­wei­hung des Wil­lens ge­schrie­ben hat, der die Apo­ka­lyp­se ge­schrie­ben hat. Man ver­steht die Apo­ka­lyp­se sch­lecht, wenn man sie nicht ver­steht als den Im­puls­ge­ber für die Zu­kunft, für das Han­deln, für die Tat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Al­le die Din­ge, die wir heu­te an uns vor­über­zie­hen lie­ßen, sie sind aus der an­thro­po­so­phisch ori­en­tier­ten Geis­tes­wis­sen­schaft her­aus zu ver­ste­hen. Nur Skiz­zen­haf­tes konn­te ich heu­te ge­ben. Wenn man aus der Geis­tes­wis­sen­schaft her­aus be­g­reift, was hin­ter dem Sinn­li­chen steht, dann sieht man auch hin mit dem Ver­ständ­nis auf das, was ver­kün­det wor­den ist in den Evan­ge­li­en, was ver­kün­det wor­den ist im apo­ka­lyp­ti­schen Werk. Und je wei­ter man geht in dem Ein­drin­gen, in der Ver­tie­fung nach den über­sinn­li­chen Wel­ten hin, des­to Tie­fe­res wird man in den christ­li­chen Ur­kun­den fin­den. Mit höhe­rem Glanz, mit tie­fe­rem Wahr­heits­ge­halt und In­halt er­schei­nen ei­nem die christ­li­chen Ur­kun­den, wenn man, ge­schärft mit dem geis­ti­gen Blick, wie er ge­won­nen wer­den kann mit Hil­fe der An­thro­po­so­phie, hin­geht zu die­sen Ur­kun­den. Wahr ist es: Das ein­fachs­te Ge­müt kann ah­nen, wel­che Wahr­hei­ten im Chris­ten­tum ste­cken. Nicht im­mer aber wird sich das Be­wußt­sein mit ei­ner Ah­nung begnü­gen kön­nen, es wird sich höh­er ent­wi­ckeln und wis­sen, er­ken­nen wol­len. Doch auch dann, wenn es sich zu den höchs­ten Weis­hei­ten er­hebt, wird es im­mer noch tie­fe Ge­heim­nis­se ge­ben im Chris­ten­tum. Es ist für das ein­fachs­te Ge­müt, aber auch für die höchst­ent­wi­ckel­te In­tel­lek­tua­li­tät. Der Ein­ge­weih­te er­lebt es wie­der als Bil­der. Da­her mag das nai­ve Be­wußt­sein ah­nen, wel­che Wahr­hei­ten da­rin schlum­mern, aber der Mensch wird nach Er­kennt­nis ver­lan­gen und nicht nach Glau­ben, und auch dann wird er im Chris­ten­tum Be­frie­di­gung fin­den. Er wird im Chris­ten­tum den vol­len be­frie­di­gen­den In­halt fin­den kön­nen, wenn ihm durch&lt;br /&gt;
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die Geis­tes­wis­sen­schaft die Er­klär­un­gen der Evan­ge­li­en ge­ge­ben wer­den. Da­her wird die Geis­tes­wis­sen­schaft an die Stel­le selbst der höchs­ten al­ten Phi­lo­so­phi­en tre­ten. Sie wird Zeug­nis ab­le­gen von dem uns ein­gangs vor­ge­führ­ten sc­hö­nen He­gel­wort: Der tiefs­te Ge­dan­ke ist mit der Ge­stalt des Chris­tus Je­sus, mit der ge­schicht­li­chen und äu­ßer­li­chen, ver­knüpft, und je­de Art von Be­wußt­sein das ist das Gro­ße am Chris­ten­tum kann der Äu­ßer­lich­keit nach die­ses Chris­ten­tum be­g­rei­fen. Zu­g­leich aber wer­den die tiefst ein­drin­gen­den Weis­hei­ten durch das Chris­ten­tum her­aus­ge­for­dert. Für je­de Stu­fe der Bil­dung ist das Chris­ten­tum, aber es kann ge­recht wer­den den höchs­ten An­for­de­run­gen.&lt;br /&gt;
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= ERSTER VORTRAG, Nürnberg, 18. Juni 1908 =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es wird uns nun­mehr durch ei­ne Rei­he von Ta­gen ein sehr be­deut­sa­mes, sehr tie­fes an­thro­po­so­phi­sches The­ma be­schäf­ti­gen. Be­vor wir an un­se­re Be­trach­tun­gen her­an­ge­hen, las­sen Sie mich die tiefs­te Be­frie­di­gung dar­über aus­sp­re­chen, daß wir vor Freun­den aus so vie­ler­lei Ge­gen­den Deut­sch­lands, ja Eu­ro­pas über die­ses, tie­fe und be­deut­sa­me The­ma hier Be­trach­tun­gen an­s­tel­len dür­fen. Vor al­len Din­gen gilt es, die­se Be­frie­di­gung aus­zu­sp­re­chen un­se­ren lie­ben Nürn­ber­ger Freun­den, die ih­rer­seits ge­wiß nicht min­der froh sein wer­den als der­je­ni­ge, der zu ih­nen spricht, hier in die­ser Stadt durch ei­ne ver­hält­nis­mä­ß­ig län­ge­re Zeit an­thro­po­so­phi­sches Le­ben ge­mein­sam mit den aus­wär­ti­gen Freun­den zu pf­le­gen. Es ist ja ge­ra­de in die­ser Stadt ne­ben dem eif­rigs­ten St­re­ben nach Er­kennt­nis der gro­ßen geis­tes­wis­sen­schaft­li­chen Wahr­hei­ten im­mer auch so sehr gel­tend ge­we­sen und mit so tie­fem Ver­ständ­nis zur Dar­stel­lung ge­bracht wor­den, was an­thro­po­so­phi­sche Ge­sin­nung, was wahr­haft an­thro­po­so­phi­sches Le­ben ist, die­ses an­thro­po­so­phi­sche Le­ben, das wir nur dann ver­ste­hen, wenn die geis­tes­wis­sen­schaft­li­chen Leh­ren uns nicht bloß et­was sind, was uns theo­re­tisch be­schäf­tigt, son­dern wenn sie uns et­was wer­den, was un­ser ei­ge­nes Le­ben bis in die tiefs­ten Tie­fen der See­le hin­ein durch­geis­tigt, durch­feu­ert, hebt, was uns aber auch in en­ge­ren Ban­den zu­sam­men­sch­lingt mit un­se­ren Mit­men­schen, mit der gan­zen Welt. Es be­deu­tet viel für den Men­schen, zu füh­len, daß al­les, was uns äu­ßer­lich in der sinn­li­chen Welt, im sinn­lich-sicht­ba­ren Da­sein ent­ge­gen­tritt, so er­schei­nen kann wie die äu­ße­re Phy­siog­no­mie ei­nes zu­grun­de lie­gen­den un­sicht­ba­ren, über­sinn­li­chen Da­seins. Die Welt mit al­lem, was da­r­in­nen ist, wird ja sch­ließ­lich dem, der die An­thro­po­so­phie ins Le­ben ein­führt, im­mer mehr und mehr ein phy­siog­no­mi­scher Aus­druck des gött­lich-geis­tig We­sen­haf­ten, und wenn er die Welt des Sicht­ba­ren um sich her­um be­trach­tet, wird es&lt;br /&gt;
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ihm sein, wie wenn er von den Zü­gen ei­nes Men­schen­ant­lit­zes durch­dringt zu dem Her­zen, zu der See­le des Men­schen. Ge­gen­über al­le­dem, was äu­ßer­lich ihm ent­ge­gen­tritt in Ber­gen und Fel­sen, in dem Pflan­zen­k­leid der Er­de, in Tie­ren und Men­schen, was ihm ent­ge­gen­tritt in al­ler uns um­ge­ben­den Welt, in al­len Be­schäf­ti­gun­gen der Men­schen, wird es ihm sein, als ob es ein phy­siog­no­mi­scher Aus­druck, als ob es die Mie­ne wä­re ei­nes zu­grun­de lie­gen­den gött­lich-geis­ti­gen Da­seins. Und neu­es Le­ben er­sprießt ihm aus all die­ser Be­trach­tungs­wei­se und durch­dringt ihn, und ei­ne an­de­re, ed­le Art von Be­geis­te­rung be­feu­ert das, was er un­ter­neh­men will.&lt;br /&gt;
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Nur ei­nes klei­nen symp­to­ma­ti­schen Bei­spiels mei­ner letz­ten Er­fah­run­gen auf ei­ner mei­ner Vor­trags­rei­sen las­sen Sie mich ge­den­ken. Das Bei­spiel, das ich Ih­nen an­füh­ren will, zeigt, wie die Welt­ge­schich­te, wenn man sie als Aus­druck des Gött­lich-Geis­ti­gen be­trach­tet, übe­rall be­deut­sam er­scheint, übe­rall ei­ne neue Spra­che zu uns re­det. Da konn­te ich vor ei­ni­gen Wo­chen in Skan­di­na­vi­en wahr­neh­men, wie in dem gan­zen Le­ben un­se­res eu­ro­päi­schen Nor­dens al­les noch ei­nen Nach­klang je­nes al­ten Da­seins der nor­di­schen Welt ver­rät, wo al­les Geis­ti­ge durch­setzt war von dem Be­wußt­sein der We­sen­hei­ten, die hin­ter den nor­di­schen Göt­ter­ge­stal­ten der My­the ste­hen. Man möch­te sa­gen, daß in je­nen Län­dern aus al­lem, was ei­nem ent­ge­gen­tritt, Nach­klän­ge zu ver­neh­men sind des­sen, was als das al­te nor­di­sche Geis­tes­le­ben die Ein­ge­weih­ten der Drui­den­mys­te­ri­en, der Drot­ten­mys­te­ri­en ih­ren Schü­l­ern mit­teil­ten. Da wird man ge­wahr, wie der Zau­ber­hauch je­nes Geis­tes­le­bens den Nor­den durch­setzt, und man sieht et­was wie den Aus­druck sc­hö­ner kar­mi­scher Zu­sam­men­hän­ge. Man sieht sich, wie mir das ge­stat­tet war in Upp­sa­la, so­zu­sa­gen mit­ten hin­ein­ge­s­tellt in al­les das, wenn man vor sich hat die ers­te der ger­ma­ni­schen Bi­bel­über­set­zun­gen, den Sil­ber­nen Ko­dex des Ul­fi­las. Er ist hin­ge­kom­men nach Upp­sa­la wie durch kar­mi­sche Ver­wi­cke­lun­gen ei­ge­ner Art. Er war ja vor­her in Prag. Im Schwe­di­schen Krieg wur­de er er­beu­tet und nach Upp­sa­la ge­bracht, und da liegt er nun, ein Wahr­zei­chen für das, was den durch­dringt, der ein bißchen tie­fer hin­ein­zu­bli­cken ver­mag in das al­te Mys­te­ri­en­we­sen. Es ist ja die­ses&lt;br /&gt;
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Mys­te­ri­en­we­sen, die­ses Ein­drin­gen in die geis­ti­ge Welt inn­er­halb der al­ten eu­ro­päi­schen Kul­tu­ren durch­setzt und durch­zo­gen von ei­nem ge­mein­sa­men merk­wür­di­gen Zug, den tie­fer spür­ten die­je­ni­gen, wel­che die Wei­he er­hal­ten ha­ben in je­nen al­ten Zei­ten. Wie ein tra­gi­scher Zug ging es durch ih­re Her­zen, wenn ih­nen klar­ge­macht wur­de, daß sie zwar hin­ein­bli­cken könn­ten in die Ge­heim­nis­se des Da­seins, daß aber in der Zu­kunft et­was kom­men wer­de, das wie ei­ne vol­l­en­de­te Rät­sel­lö­sung er­scheint. Im­mer und im­mer wie­der wur­den sie dar­auf hin­ge­wie­sen, daß he­r­ein­strah­len sol­le ein höhe­res Licht in je­nes Wis­sen, das man in den al­ten Mys­te­ri­en er­kun­den konn­te. Man darf sa­gen, daß pro­phe­tisch hin­ge­wie­sen wur­de in al­len die­sen al­ten Mys­te­ri­en auf das, was da kom­men soll­te in der Zu­kunft, auf die Er­schei­nung des Chris­tus Je­sus. Der Ton, die Ge­sin­nung der Er­war­tung, die Stim­mung der Pro­phe­tie lag in die­sem nor­di­schen Mys­te­ri­en­we­sen.&lt;br /&gt;
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Wir müs­sen solch ei­nen Satz, wie ich ihn jetzt aus­sp­re­chen wer­de, nicht zwän­gen und nicht drän­gen, nicht pres­sen und nicht zu scharf in Kon­tu­ren den­ken. Er soll nur symp­to­ma­tisch aus­sp­re­chen, was als tie­fe­re Wahr­heit zu­grun­de liegt. Aber es ist in dem, was wie ein letz­tes Blatt ge­b­lie­ben ist aus den Tra­di­tio­nen der alt­ger­ma­ni­schen Mys­te­ri­en, es ist in der Sieg­fried­sa­ge et­was wie ein Hin­ein­ge­heim­nis­sen je­ner Ge­sin­nung vor­han­den. Wenn wir dar­auf hin­ge­wie­sen wer­den, daß Sieg­fried wir­k­lich der Re­prä­sen­tant ist der altnor­di­schen Ein­wei­hung, wenn wir hin­ge­wie­sen wer­den dar­auf, daß an der Stel­le, wo er ver­wund­bar ist, ein Blatt liegt, daß die­se Stel­le am Rü­cken sich be­fin­det, dann fühlt der, der so et­was symp­to­ma­tisch zu füh­len ver­mag: Das ist die Stel­le, wo et­was an­de­res lie­gen wird beim Men­schen, wenn je­ne Ver­wun­dung ihn nicht mehr tref­fen kann, die die Ein­ge­weih­ten der altnor­di­schen Mys­te­ri­en noch er­lei­den konn­ten. Die Stel­le soll zu­hül­len das Kreuz. Da soll es lie­gen, das Kreuz des Chris­tus Je­sus; da lag es noch nicht beim Ein­ge­weih­ten der altnor­di­schen Mys­te­ri­en. Dar­auf wird hin­ge­deu­tet in den al­ten Mys­te­ri­en der ger­ma­ni­schen Völ­ker in der Sieg­fried­sa­ge. Und so wird selbst da noch symp­to­ma­tisch an­ge­deu­tet, wie zu­sam­men­stim­mend ge­dacht wer­den sol­len die&lt;br /&gt;
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al­ten Ein­wei­hun­gen der Drui­den, der Drot­ten, mit den Mys­te­ri­en des Chris­ten­tums. Da­ran er­in­nert wie ein phy­siog­no­mi­scher Aus­druck die­ses Hin­ge­s­tellt­sein der ers­ten ger­ma­ni­schen Bi­bel­über­set­zung in die nor­di­sche Welt hin­ein. Und daß es wie ei­ne kar­mi­sche Ver­ket­tung ist, das mag Ih­nen noch der Um­stand wie­der­um sym­bo­li­sie­ren, daß einst­mals elf Blät­ter aus die­sem Sil­ber­nen Ko­dex ge­stoh­len wor­den sind, und daß der spä­te­re Be­sit­zer der­sel­ben sol­che Ge­wis­sens­bis­se emp­fun­den hat, daß er die­se elf Blät­ter nicht be­hal­ten woll­te, son­dern sie wie­der­um zu­rück­gab. Wie ge­sagt, man soll sol­che Din­ge nicht pres­sen und drän­gen, son­dern sie als bild­li­che Dar­stel­lun­gen auf­fas­sen je­ner kar­mi­schen Ver­wi­cke­lun­gen, die sich phy­siog­no­misch zum Aus­druck brin­gen in dem Hin­ein­ge­s­tellt­sein der ers­ten ger­ma­ni­schen Bi­bel­über­set­zung in die nor­di­sche Welt. Und wie hier die­ses Er­eig­nis der Ge­schich­te, so wird uns al­les, was uns im Le­ben ent­ge­gen­tritt, Gro­ßes und Klei­nes, ver­tieft und mit ei­nem neu­en Licht durch­strahlt durch die an­thro­po­so­phi­sche Ge­sin­nung, die sich da­rin be­kun­det, daß man in al­lem phy­sisch Wahr­nehm­ba­ren den phy­siog­no­mi­schen Aus­druck ei­nes Über­sinn­lich-Geis­ti­gen er­blickt.*)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daß es sich so ver­hält, die­se Über­zeu­gung mö­ge uns durch­drin­gen ge­ra­de wäh­rend die­ses Kur­sus. Und aus solch ei­ner Über­zeu­gung her­aus mag der Geist, mö­gen die Ge­füh­le strö­men, die wäh­rend der zwölf apo­ka­lyp­ti­schen Vor­trä­ge in un­se­re See­le flie­ßen, die un­se­re Her­zen durch­drin­gen sol­len. Inn­er­halb die­ser Ge­sin­nung wol­len wir an die­sen Kur­sus her­an­t­re­ten, der das tiefs­te Do­ku­ment des Chris­ten­tums, die Apo­ka­lyp­se des Jo­han­nes, zum An­knüp­fungs­punk­te nimmt, weil an die­ses Do­ku­ment die tiefs­ten Wahr­hei­ten des Chris­ten­tums wir­k­lich zwang­los an­ge­sch­los­sen wer­den kön­nen. Denn es ist nichts Ge­rin­ge­res in die­sem Do­ku­ment ent­hal­ten als ein gro­ßer Teil der Mys­te­ri­en des Chris­ten­tums, es ist da­rin ent­hal­ten das Tiefs­te von dem, was wir als das eso­te­ri­sche Chris­ten­tum zu be­zeich­nen ha­ben. Kein Wun­der da­her, daß von al­len christ­li­chen Do­ku­men­ten auch ge­ra­de die­ses Do­ku­ment am al­ler­meis­ten mißv­er­stan­den wor­den ist. Es ist fast vom An­be­ginn der christ­li­chen Geis­tes­strö­mung an mißv­er­stan­den wor­den von al­len&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
__________&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;*&amp;lt;/nowiki&amp;gt;) Re­dak­tio­nel­ler Hin­weis:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An die­ser Stel­le war ur­sprüng­lich der nach­ste­hend kur­siv ge­setz­te Ab­satz ein­ge­fügt. Er fand sich in ei­ner «deutsch-rus­si­schen On­li­ne-Aus­ga­be» und wur­de vom Ru­dolf-Stei­ner-Ver­lag Dor­nach of­fen­bar ab der 4. Aufla­ge 1954 er­satz- und kom­men­tar­los ge­s­tri­chen. Sie­he auch den re­dak­tio­nel­len Hin­weis un­ter »Kor­rek­tu­ren« auf S. 271&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
«Und es ist mißv­er­stan­den wor­den in den ver­schie­dens­ten Zei­ten im­mer in dem Sin­ne, in dem Sti­le, wie die­se ver­schie­de­nen Zei­ten ge­dacht und ge­son­nen ha­ben. Mißv­er­stan­den ist es wor­den von den Zei­ten, die, man darf sa­gen, spi­ri­tu­ell-ma­te­ria­lis­tisch ge­dacht ha­ben, von den Zei­ten, die gro­ße Re­li­gi­ons­strö­mun­gen hin­ein­ge­zwängt ha­ben in ein­sei­ti­ges fa­na­ti­sches Par­tei­ge­trie­be, und es ist mißv­er­stan­den wor­den in der neue­ren Zeit von den­je­ni­gen, wel­che im gro­ben, im sinn­lichs­ten Ma­te­ria­lis­mus glaub­ten die Rät­sel der Welt lö­sen zu kön­nen.»&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
de­nen, die nicht zu den ei­gent­li­chen christ­li­chen Ein­ge­weih­ten ge­hör­ten. Und es ist mißv­er­stan­den wor­den in den ver­schie­dens­ten Zei­ten im­mer in dem Sin­ne, in dem Sti­le, wie die­se ver­schie­de­nen Zei­ten ge­dacht und ge­son­nen ha­ben. Mißv­er­stan­den ist es wor­den von den Zei­ten, die, man darf sa­gen, spi­ri­tu­ell-ma­te­ria­lis­tisch ge­dacht ha­ben, von den Zei­ten, die gro­ße Re­li­gi­ons­strö­mun­gen hin­ein­ge­zwängt ha­ben in ein­sei­ti­ges fa­na­ti­sches Par­tei­ge­trie­be, und es ist mißv­er­stan­den wor­den in der neue­ren Zeit von den­je­ni­gen, wel­che im gro­ben, im sinn­lichs­ten Ma­te­ria­lis­mus glaub­ten die Rät­sel der Welt lö­sen zu kön­nen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ho­hen geis­ti­gen Wahr­hei­ten, die im Aus­gangs­punk­te des Chris­ten­tums ver­kün­det wor­den sind und zu de­ren An­schau­ung die­je­ni­gen ge­bracht wur­den, die sie ver­ste­hen konn­ten, sie lie­gen an­ge­deu­tet, so­weit das in ei­ner Schrift ge­sche­hen kann, in der Apo­ka­lyp­se des Jo­han­nes, in der so­ge­nann­ten ka­no­ni­schen Apo­ka­lyp­se. Aber schon in den ers­ten Zei­ten des Chris­ten­tums wa­ren die Exo­te­ri­ker we­nig ge­eig­net, das tief Spi­ri­tu­el­le, das ge­meint ist im eso­te­ri­schen Chris­ten­tum, zu ver­ste­hen. Und so trat denn in den al­le­r­ers­ten Zei­ten des Chris­ten­tums in der Exo­te­rik die An­schau­ung auf, daß sich Din­ge, die sich zu­nächst für die Welt­ent­wi­cke­lung ab­spie­len im Geis­tig-Spi­ri­tu­el­len, die er­kenn­bar und er­schau­bar sind für den, der hin­ein­schau­en kann in die geis­ti­gen Wel­ten, daß sich sol­che rein spi­ri­tu­el­len Vor­gän­ge äu­ßer­lich in dem ma­te­ri­el­len Kul­tur­le­ben ab­spie­len soll­ten. Und so kam es, daß, wäh­rend der Sch­rei­ber der Apo­ka­lyp­se die Er­geb­nis­se sei­ner Ein­wei­hung, sei­ner christ­li­chen In­i­tia­ti­on da­rin zum Aus­dru­cke brach­te, die an­de­ren sie nur exo­te­risch ver­stan­den und der Mei­nung wa­ren, daß sich das, was der gro­ße Se­her ge­schaut und wo­von der Ein­ge­weih­te weiß, daß es sich in Jahr­tau­sen­den spi­ri­tu­ell er­kenn­bar ab­spielt, in der al­ler­nächs­ten Zeit ab­spie­len müs­se im äu­ßer­lich sinn­lich-sicht­ba­ren Le­ben. So kam denn die An­schau­ung zu­stan­de, als ob für die sinn­lich nächs­te Zeit der Sch­rei­ber et­was ge­meint hät­te wie ein in den sinn­lich-phy­si­schen Wol­ken statt­fin­den­des Her­ab­kom­men, Wie­der­kom­men des Chris­tus Je­sus. Als das nicht ein­t­rat, da ver­län­ger­te man ein­fach die Frist und sag­te: Nun ja, es hat für die&lt;br /&gt;
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Er­de mit der Er­schei­nung des Chris­tus Je­sus ei­ne neue Zeit be­gon­nen ge­gen­über dem, was als al­te Re­li­gio­si­tät da war. Aber es wird und jetzt faß­te man das wie­der­um sinn­lich auf tau­send Jah­re dau­ern, da wer­den sich die nächs­ten Er­eig­nis­se phy­sisch-sinn­lich voll­zie­hen, die in der Apo­ka­lyp­se dar­ge­s­tellt sind. So kam es, daß tat­säch­lich, als he­r­ein­zog das Jahr 1000, vie­le Leu­te auf das Her­an­kom­men ir­gend­ei­ner dem Chris­ten­tum feind­li­chen Macht war­te­ten, auf ei­nen Antichrist, der in der sinn­li­chen Welt auf­t­re­ten soll­te. Und als das wie­der­um nicht ein­t­rat, da wur­de so­zu­sa­gen ei­ne neue Frist­ver­län­ge­rung an­ge­setzt, zu glei­cher Zeit aber die gan­ze Vor­her­sa­gung der Apo­ka­lyp­se in ei­ne ge­wis­se Sym­bo­lik hin­auf­ge­rückt, wäh­rend man sich bei den gro­ben Exo­te­ri­kern die­se Vor­her­sa­gung ziem­lich greif­bar vor­ge­s­tellt hat­te. Mit dem Her­aufrü­cken ei­ner ma­te­ria­lis­ti­schen Wel­t­an­schau­ung kam man für die­se Din­ge in ei­ne ge­wis­se Sym­bo­lik hin­ein. Man sah in den äu­ße­ren Er­eig­nis­sen sym­bo­li­sche An­deu­tun­gen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So kam her­auf im zwölf­ten Jahr­hun­dert der Mann, der an­fangs des drei­zehn­ten Jahr­hun­derts starb, Joa­chim von Flo­ris, der ei­ne denk­wür­di­ge Er­klär­ung die­ser ge­heim­nis­vol­len Ur­kun­de des Chris­ten­tums gab. Er war näm­lich der An­sicht, daß im Chris­ten­tum ei­ne tie­fe spi­ri­tu­el­le Macht ru­he, daß die­se Macht im­mer mehr und mehr zur Aus­b­rei­tung kom­men müs­se, daß aber das äu­ße­re Chris­ten­tum im­mer die­ses eso­te­ri­sche Chris­ten­tum ve­r­äu­ßer­licht ha­be. Und so kam bei man­chem die An­schau­ung die­ses Man­nes zur Gel­tung, wo­nach in der Papst­kir­che, in die­ser Ve­r­äu­ßer­li­chung der Spi­ri­tua­li­tät des Chris­ten­tums, et­was Antichrist­li­ches, et­was Feind­li­ches zu su­chen sei. Und be­son­ders ge­nährt wur­de in den nächs­ten Jahr­hun­der­ten die­se An­schau­ung da­durch, daß auf den Spi­ri­tua­lis­mus des Chris­ten­tums, auf das ge­müt­lich-geis­ti­ge Ele­ment bei ge­wis­sen Or­den ein ho­her Wert ge­legt wor­den ist. So fand Joa­chim von Flo­ris An­hän­ger inn­er­halb der Krei­se der Fran­zis­ka­ner, die im Paps­te et­was wie die Sym­bo­li­sie­rung des Antichrist sa­hen. Dann ging in der Zeit des Pro­te­s­tan­tis­mus die­se An­schau­ung auf die­je­ni­gen über, die in der Rö­mi­schen Kir­che ei­ne Ab­trün­ni­ge des Chris­ten­tums sa­hen, die inn­er­halb des Pro­te­s­tan­tis­mus die&lt;br /&gt;
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Ret­tung des Chris­ten­tums er­blick­ten. Sie sa­hen erst recht im Papst das Sym­bo­lum des Antichrists, und der Papst zahl­te es da­durch heim, daß er wie­der­um in Lu­ther den Antichrist sah.&lt;br /&gt;
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So ver­stand man die Apo­ka­lyp­se in ei­ner Wei­se, daß je­de Par­tei sie in den Di­enst ih­rer ei­ge­nen An­schau­ung, ih­rer ei­ge­nen Mei­nung rück­te. Die an­de­re Par­tei war im­mer der Antichrist, und die­je­ni­ge, der man selbst an­ge­hör­te, iden­ti­fi­zier­te man mit dem wah­ren Chris­ten­tum. Das ging her­auf bis in die neue­re Zeit, wo der mo­der­ne Ma­te­ria­lis­mus kam, mit dem sich an Grob­heit selbst je­ner Ma­te­ria­lis­mus nicht ver­g­lei­chen läßt, den ich Ih­nen für die ers­ten Jahr­hun­der­te des Chris­ten­tums ge­schil­dert ha­be. Denn da­mals be­stand noch ein spi­ri­tu­el­ler Glau­be, ei­ne ge­wis­se spi­ri­tu­el­le Auf­fas­sung. Die Men­schen konn­ten es nur nicht ver­ste­hen, weil sie kei­ne Ein­ge­weih­ten un­ter sich hat­ten. Es war ein ge­wis­ser spi­ri­tu­el­ler Sinn da, denn wenn man sich auch grob­sinn­lich vor­s­tell­te, daß sich ein We­sen in ei­ner Wol­ke her­ab­sen­ken wür­de, so ge­hör­te doch da­zu ein spi­ri­tu­el­ler Glau­be. Ein sol­ches spi­ri­tu­el­les Le­ben war bei dem gro­ben Ma­te­ria­lis­mus des neun­zehn­ten Jahr­hun­derts nicht mehr mög­lich. Die Ge­dan­ken, die sich so ein rech­ter Ma­te­ria­list des neun­zehn­ten Jahr­hun­derts von der Apo­ka­lyp­se macht, kann man et­wa so cha­rak­te­ri­sie­ren: In die Zu­kunft se­hen kann kein Mensch, denn ich selbst kann es nicht. Et­was an­de­res, als was ich se­he, kann ein an­de­rer auch nicht se­hen. Da­von zu re­den, daß es Ein­ge­weih­te gibt, das ist ein al­ter Aber­glau­be. So et­was gibt es nicht. Al­so gilt als Norm das, was ich weiß. Ich se­he kaum das, was in den nächs­ten zehn Jah­ren ge­schieht, al­so kann kein Mensch et­was dar­über aus­sa­gen, was über Jahr­tau­sen­de ge­sche­hen soll. Fol­g­lich muß der, der die Apo­ka­lyp­se ge­schrie­ben hat, wenn er über­haupt als ehr­li­cher Mensch ge­nom­men wer­den will, et­was ge­meint ha­ben, was er schon ge­se­hen hat, denn ich weiß auch nur von dem, was sich schon ab­ge­spielt hat und was durch Do­ku­men­te ver­mit­telt ist. Al­so konn­te auch der Sch­rei­ber der Apo­ka­lyp­se nichts an­de­res se­hen. Was kann er dem­nach er­zäh­len? Nur das, was bis zu ihm ge­sche­hen war. Fol­g­lich ist es selbst­ver­ständ­lich, daß man in den Er­eig­nis­sen der Apo­ka­lyp­se, in den Kon­f­lik­ten&lt;br /&gt;
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zwi­schen der gu­ten, der wei­sen, der sc­hö­nen Welt und der häß­li­chen, der törich­ten, der bö­sen Welt, daß man in je­nem dra­ma­ti­schen Ge­gen­über­s­tel­len nichts an­de­res zu se­hen hat als et­was, was der Mann selbst er­lebt hat, was schon ge­sche­hen war. So spricht der mo­der­ne Ma­te­ria­list. Er meint: Der Apo­ka­lyp­ti­ker schil­dert so, wie ich schil­de­re.&lt;br /&gt;
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Was war denn un­ge­fähr das Sch­reck­lichs­te für ei­nen Chris­ten der ers­ten Jahr­hun­der­te? Die­ses Sch­reck­lichs­te muß­te für ihn sein das Tier, das sich auf­bäumt ge­gen die geis­ti­ge Macht des Chris­ten­tums, ge­gen das wah­re Chris­ten­tum. Un­glück­se­li­ger­wei­se ha­ben nun ei­ni­ge Men­schen die Glo­cken et­was läu­ten hö­ren, ha­ben aber nicht ver­spürt das rich­ti­ge Zu­sam­men­schla­gen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Inn­er­halb ge­wis­ser eso­te­ri­scher Schu­len hat­te man ei­ne Art von Zah­len­schrift. Ge­wis­se Wor­te, die man nicht in ge­wöhn­li­cher Schrift mit­tei­len woll­te, brach­te man durch Zah­len zum Aus­dru­cke. Und es war ja, wie vie­les an­de­re, so auch et­was von den tie­fen Ge­heim­nis­sen der Apo­ka­lyp­se in Zah­len hin­ein­ge­heim­nißt, be­son­ders je­nes dra­ma­ti­sche Er­eig­nis in die Zahl 666. Man wuß­te, daß man Zah­len in be­son­de­rer Wei­se zu be­han­deln hat, na­ment­lich aber, wenn so gründ­lich dar­auf hin­ge­wie­sen wird wie mit den Wor­ten: «Hier ist &#039;Weis­heit.» «Die Zahl des Tie­res ist 666.» Bei sol­chen Hin­wei­sen wuß­te man, daß man für Zah­len ge­wis­se Buch­sta­ben ein­zu­set­zen hat, um zu wis­sen, was ge­meint ist. Die­je­ni­gen nun, die et­was ge­hört hat­ten und doch nichts wir­k­lich wuß­ten, ha­ben in ih­rer ma­te­ria­lis­ti­schen An­schau­ung her­aus­ge­kriegt, daß, wenn man statt der Zahl 666 Buch­sta­ben ein­setzt, das Wort «Ne­ro» oder «Cae­sar Ne­ro» her­aus­kommt. Und heu­te kön­nen Sie in ei­nem gro­ßen Teil der Li­te­ra­tur, die sich mit der Ent­hül­lung der Apo­ka­lyp­se be­faßt, le­sen: Da wa­ren früh­er die Leu­te so töricht, daß sie al­les mög­li­che in die­se Stel­le hin­ein­ge­heim­nißt ha­ben, aber jetzt ist das ein ge­lös­tes Pro­b­lem. Jetzt wis­sen wir, daß nichts an­de­res ge­meint ist als Ne­ro, «Cae­sar Ne­ro», und es ist klar, daß die Apo­ka­lyp­se zu ei­ner Zeit ge­schrie­ben wor­den ist, als Ne­ro schon ge­lebt hat­te, und daß der Sch­rei­ber mit all dem hat sa­gen wol­len, daß in Ne­ro der Antichrist auf­ge­t­re­ten sei; daß al­so das,&lt;br /&gt;
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was in die­sem dra­ma­ti­schen Ele­ment liegt, ei­ne Stei­ge­rung vor­her­ge­hen­der Ele­men­te ist. Nun darf man nur nach­for­schen, was un­mit­tel­bar vor­her ge­sche­hen ist. Dann kommt man dar­auf, was der Apo­ka­lyp­ti­ker hat schil­dern wol­len. Es wird be­rich­tet, daß in Klei­na­si­en Erd­be­ben statt­ge­fun­den ha­ben, als der Kampf zwi­schen Ne­ro und dem Chris­ten­tum wü­te­te. Al­so sind das die Erd­be­ben, die der Apo­ka­lyp­ti­ker er­wähnt bei der Er­öff­nung der Sie­gel und beim Er­tö­nen der Po­sau­nen. Er spricht auch von Heu­sch­re­cken­pla­gen. Rich­tig, es wird ja mit­ge­teilt, daß zur Zeit der Chris­ten­ver­fol­gung durch Ne­ro auch Heu­sch­re­cken­pla­gen auf­t­ra­ten. Al­so er­zählt er von die­sen. So hat es das neun­zehn­te Jahr­hun­dert da­hin ge­bracht, das tiefs­te Do­ku­ment des Chris­ten­tums zu ver­ma­te­ria­li­sie­ren, da­rin nichts zu se­hen als die Schil­de­rung des­sen, was man eben durch die ma­te­ria­lis­ti­sche Be­trach­tung der Welt fin­den kann. Das soll­te nur ge­sagt wer­den, um an­zu­deu­ten, wie gründ­lich ge­ra­de die­ses tiefs­te, be­deut­sams­te Do­ku­ment des eso­te­ri­schen Chris­ten­tums mißv­er­stan­den wor­den ist.&lt;br /&gt;
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Und nun­mehr wol­len wir al­les, was über das His­to­ri­sche der Apo­ka­lyp­se zu sa­gen ist, uns für die Zeit auf­spa­ren, wo wir das, was in der Apo­ka­lyp­se liegt, be­grif­fen ha­ben, das heißt, wir wol­len es auf die letz­ten Vor­trä­ge ver­schie­ben. Für den, der sich schon ein we­nig in die An­thro­po­so­phie hin­ein­ge­fun­den hat, kann es kei­nen Zwei­fel dar­über ge­ben, daß schon mit den Ein­lei­tungs­wor­ten der Apo­ka­lyp­se dar­auf hin­ge­wie­sen wird, was sie sein soll. Wir brau­chen uns nur zu er­in­nern, daß es heißt: Der, von dem der In­halt der Apo­ka­lyp­se her­rührt, ist hin­ver­setzt wor­den in ei­ne In­sel-Ein­sam­keit, die von je­her mit ei­ner Art hei­li­ger At­mo­sphä­re durch­drun­gen war, an ei­ne Stät­te al­ter Mys­te­ri­en­kul­tur. Und wenn uns ge­sagt wird, daß der­sel­be, der den In­halt der Apo­ka­lyp­se gibt, im Geis­te war und daß er das, was er gibt, im Geis­te wahr­ge­nom­men hat, so mag uns das zu­nächst ein Hin­weis dar­auf sein, daß der In­halt der Apo­ka­lyp­se ei­nem höhe­ren Be­wußt­s­eins­zu­stand ent­stammt, den der Mensch durch die Ent­wi­cke­lung der in­ne­ren See­len­sc­höp­fungs­fähig­keit er­reicht, durch die Ein­wei­hung. Was man nicht inn­er­halb der Sin­nes­welt se­hen und hö­ren kann, nicht mit äu­ße­ren&lt;br /&gt;
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Sin­nen wahr­neh­men kann, ist in der Wei­se, wie es durch das Chris­ten­tum der Welt mit­ge­teilt wer­den konn­te, in der so­ge­nann­ten ge­hei­men Of­fen­ba­rung des Jo­han­nes ent­hal­ten. Al­so die Schil­de­rung ei­ner Ein­wei­hung, ei­ner christ­li­chen Ein­wei­hung ha­ben wir in der Apo­ka­lyp­se des Jo­han­nes vor uns. Wir brau­chen uns nur ein­mal, man möch­te sa­gen, flüch­tig vor die See­le zu ru­fen, was Ein­wei­hung ist. Wir wer­den ja im­mer tie­fer ein­drin­gen in die­ses The­ma, in die Fra­ge: Was geht inn­er­halb der Ein­wei­hung vor? und im­mer tie­fer wer­den wir die Fra­ge be­han­deln: Wie ver­hält sich Ein­wei­hung zu dem In­halt der Apo­ka­lyp­se? Aber wir wer­den zu­nächst et­was wie ei­ne Koh­len­zeich­nung in gro­ben Stri­chen hin­s­tel­len, und dann erst wer­den wir an die Aus­ma­lung der Ein­zel­hei­ten ge­hen.&lt;br /&gt;
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Ein­wei­hung ist Ent­wi­cke­lung der in je­der See­le schlum­mern­den Kräf­te und Fähig­kei­ten. Will man sich ein Bild da­von ma­chen, wie sie im Rea­len vor sich geht, dann muß man vor al­len Din­gen sich klar vor Au­gen stel­len, wie das Be­wußt­sein des heu­ti­gen nor­ma­len Men­schen ist; dann wird man auch er­ken­nen, wie das Be­wußt­sein des Ein­ge­weih­ten sich un­ter­schei­det von dem des heu­ti­gen Men­schen. Wie ist denn das Be­wußt­sein des nor­ma­len heu­ti­gen Men­schen? Es ist ein wech­seln­des. Zwei ganz ver­schie­de­ne Be­wußt­s­eins­zu­stän­de wech­seln mit­ein­an­der ab, der im Tag­wa­chen und der im nächt­li­chen Schlaf. Das Be­wußt­sein, das wir im Tag­wa­chen ha­ben, be­steht da­rin, daß wir um uns her­um die sinn­li­chen Ge­gen­stän­de wahr­neh­men und sie ver­knüp­fen durch Be­grif­fe, die auch nur durch ein sinn­li­ches Werk­zeug ge­bil­det wer­den kön­nen, durch das men­sch­li­che Ge­hirn. Dann tritt je­de Nacht her­aus aus den nie­d­rigs­ten Glie­dern der men­sch­li­chen We­sen­heit, aus dem phy­si­schen und Äther­leib, der as­tra­li­sche Leib und das Ich, und da­mit ver­sin­ken für das Be­wußt­sein des heu­ti­gen Men­schen die sinn­li­chen Ge­gen­stän­de um ihn her­um in Dun­kel­heit, und nicht nur die­se, denn bis zum Wie­der­auf­wa­chen ist, was man völ­li­ge Be­wußt­lo­sig­keit nennt, vor­han­den. Fins­ter­nis brei­tet sich aus um den Men­schen. Denn der as­tra­li­sche Leib des Men­schen ist heu­te im nor­ma­len Zu­stan­de so or­ga­ni­siert, daß er für sich sel­ber nicht wahr­zu­neh­men ver­mag,&lt;br /&gt;
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was in sei­ner Um­ge­bung ist. Er muß In­stru­men­te ha­ben. Die­se In­stru­men­te sind die phy­si­schen Sin­ne. Da­her muß er mor­gens un­ter­tau­chen in den phy­si­schen Leib und sich der sinn­li­chen Werk­zeu­ge be­die­nen. Warum sieht der as­tra­li­sche Leib nichts, wenn er wäh­rend des Nacht­schla­fes in der Geist­welt ist? Warum nimmt er nicht wahr? Aus dem­sel­ben Grun­de, warum ein phy­si­scher Leib, in dem kein Au­ge und kein Ohr wä­re, nicht phy­si­sche Far­ben und phy­si­sche Tö­ne wahr­neh­men könn­te. Der as­tra­li­sche Leib hat kei­ne Or­ga­ne zum Wahr­neh­men in der as­tra­li­schen Welt. Der phy­si­sche Leib war in grau­er Vor­zeit in der­sel­ben La­ge. Er hat­te auch das noch nicht, was spä­ter plas­tisch in ihn hin­ein­ge­ar­bei­tet wor­den ist als Ohr und Au­ge. Die äu­ße­ren Ele­men­te und Kräf­te mei­ßel­ten ihn aus, bil­de­ten ihm die Au­gen und die Oh­ren, und da­mit wur­de die­se Welt für ihn of­fen­bar, die vor­her für ihn auch ge­heim war. Den­ken wir uns ein­mal, es könn­te der as­tra­li­sche Leib, der heu­te in der­sel­ben La­ge ist wie der phy­si­sche Leib früh­er, so be­han­delt wer­den, daß man ihm Or­ga­ne ein­g­lie­der­te in der Wei­se, wie das Son­nen­licht die phy­si­schen Au­gen, wie die ton­vol­le Welt die phy­si­schen Oh­ren plas­tisch hin­ein­ge­ar­bei­tet hat in die wei­che Mas­se des phy­si­schen Men­schen­lei­bes. Den­ken wir uns, in die plas­ti­sche Mas­se des As­tral­lei­bes könn­te man Or­ga­ne hin­ein­ar­bei­ten, dann wür­de der as­tra­li­sche Leib in die­sel­be La­ge kom­men wie der heu­ti­ge phy­si­sche Leib. Dar­um han­delt es sich, daß man in die­sen as­tra­li­schen Leib hin­ein­ar­bei­tet wie ein Plas­ti­ker, der den Ton formt, die Wahr­neh­mung­s­or­ga­ne für die über­sinn­li­che Welt. Das muß das ers­te sein. Wenn der Mensch se­hend wer­den will, muß sein as­tra­li­scher Leib so be­han­delt wer­den wie ei­ne Ton­mas­se von dem Bild­hau­er: Man muß Or­ga­ne hin­ein­ar­bei­ten. Das war in der Tat je­der­zeit das, was in den Ein­wei­hungs­schu­len und in den Mys­te­ri­en ge­tan wur­de. In den as­tra­li­schen Leib wur­den plas­tisch die Or­ga­ne hin­ein­ge­ar­bei­tet.&lt;br /&gt;
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Wo­rin be­steht nun die Tä­tig­keit, durch wel­che in den as­tra­li­schen Leib plas­tisch hin­ein­ge­ar­bei­tet wer­den die Or­ga­ne? Es könn­te je­mand auf den Ge­dan­ken kom­men, man müs­se doch die­sen Leib erst vor sich ha­ben, be­vor man die Or­ga­ne in ihn hin­ein­ar­bei­ten&lt;br /&gt;
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kann. Man könn­te sa­gen: Wenn ich den as­tra­li­schen Leib her­aus­neh­men und vor mir ha­ben könn­te, dann könn­te ich die Or­ga­ne hin­ein­ar­bei­ten. Das wä­re nicht der rich­ti­ge Weg, und das ist vor al­len Din­gen nicht der Weg der mo­der­nen Ein­wei­hung. Ge­wiß, ein Ein­ge­weih­ter, der im­stan­de ist, in den geis­ti­gen Wel­ten zu le­ben, könn­te, wenn in der Nacht der as­tra­li­sche Leib drau­ßen ist, wie ein Bild­hau­er hin­ein­ar­bei­ten die Or­ga­ne. Aber das hie­ße mit dem Men­schen et­was vor­neh­men, wo­von er selbst nichts weiß, das hie­ße in sei­ne Frei­heits­sphä­re ein­g­rei­fen, mit Aus­sch­lie­ßung sei­nes Be­wußt­seins. Wir wer­den se­hen, warum das schon seit län­ge­rer Zeit und ins­be­son­de­re in der heu­ti­gen Zeit nie­mals ge­sche­hen darf. Des­halb muß­te auch schon in sol­chen eso­te­ri­schen Schu­len wie in der py­tha­go­räi­schen oder alt­ä­gyp­ti­schen Schu­le al­les ver­mie­den wer­den, wo­durch die Ein­ge­weih­ten et­wa von au­ßen ge­ar­bei­tet hät­ten an dem as­tra­li­schen Leib, der aus dein phy­si­schen und Äther­lei­be des Ein­zu­wei­hen­den her­aus­ge­nom­men war. Das muß­te schon beim ers­ten An­g­rei­fen der Sa­che weg­b­lei­ben. Es muß­te eben der ers­te Schritt zur Ein­wei­hung un­ter­nom­men wer­den am Men­schen in der ganz ge­wöhn­li­chen phy­si­schen Welt, in der­sel­ben Welt, wo der Mensch mit sei­nen phy­si­schen Sin­nen wahr­nimmt. Aber wie das ma­chen, da ja doch ge­ra­de das phy­si­sche Wahr­neh­men, als es in der Er­de­ne­vo­lu­ti­on ein­t­rat, ei­nen Sch­lei­er über die geis­ti­ge Welt ge­zo­gen hat, die der Mensch früh­er, wenn auch bei dump­fem Be­wußt­sein, hat wahr­neh­men kön­nen, wie al­so von der phy­si­schen Welt aus auf den as­tra­li­schen Leib wir­ken?&lt;br /&gt;
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Da müs­sen wir uns vor die See­le füh­ren, wie es ist mit die­sem ge­wöhn­li­chen sinn­li­chen Wahr­neh­men des Ta­ges. Was ge­schieht denn, wäh­rend der Mensch tags­über wahr­nimmt? Den­ken Sie ein­mal an Ihr täg­li­ches Le­ben, ver­fol­gen Sie es von Schritt zu Schritt. Bei je­dem Schritt drin­gen Ein­drü­cke der Au­ßen­welt an Sie heran. Sie neh­men sie wahr, Sie se­hen, hö­ren, rie­chen und so wei­ter. Die Ein­drü­cke bei die­ser oder je­ner Ar­beit stür­men den gan­zen Tag an Sie heran, Sie ver­ar­bei­ten sie mit Ih­rem In­tel­lekt. Der Dich­ter, der nicht selbst ein In­spi­rier­ter ist, durch­dringt sie mit sei­ner Phan­ta­sie. Das ist al­les wahr. Aber al­les dies kann zu­nächst nicht da­zu&lt;br /&gt;
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füh­ren, daß das Über­sinn­lich-Geis­ti­ge, das hin­ter dem Sinn­li­chen und Ma­te­ri­el­len ist, dem Men­schen zum Be­wußt­sein kommt. Warum kommt es ihm nicht zum Be­wußt­sein? Weil die­se gan­ze Tä­tig­keit, die der Mensch ge­gen­über der Um­welt aus­übt, dem as­tra­li­schen Leib des Men­schen, so wie er heu­te sei­ner ei­gent­li­chen We­sen­heit nach ist, nicht ent­spricht. Da­mals, als in ur­fer­ner Ver­gan­gen­heit der as­tra­li­sche Leib, der dem Men­schen ei­gen war, die Bil­der der as­tra­li­schen Wahr­neh­mun­gen auf­s­tei­gen sah, je­ne Bil­der von Lust und Leid, von Sym­pa­thie und An­ti­pa­thie, da wa­ren die in­ne­ren Im­pul­se vor­han­den, die geis­ti­gen Im­pul­se, die im Men­schen auf­s­tei­gen lie­ßen, was Or­ga­ne form­te. Die­se sind er­tö­tet wor­den da­mals, als der Mensch fähig wur­de, al­le Ein­flüs­se von au­ßen auf sich zu­s­trö­men zu las­sen. Heu­te ist es nicht mög­lich, daß aus all den Ein­drü­cken, die der Mensch wäh­rend des Ta­ges er­hält, im as­tra­li­schen Leib et­was bleibt, was bild­sam, plas­tisch für ihn ist.&lt;br /&gt;
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Der Vor­gang des Wahr­neh­mens ist so: Den gan­zen Tag über kom­men die. Ein­drü­cke der Au­ßen­welt an uns heran. Die­se wir­ken durch die phy­si­schen Sin­ne auf den Äther­leib und as­tra­li­schen Leib, bis sie dem Ich be­wußt wer­den. Im as­tra­li­schen Leib drü­cken sich die Wir­kun­gen des­sen aus, was auf den phy­si­schen Leib aus­ge­übt wird. Wenn Licht­ein­drü­cke statt­fin­den, so emp­fängt das Au­ge Ein­drü­cke. Der Licht­ein­druck gibt ei­nen Ein­druck auf den Äther- und As­tral­leib, und das Ich wird sich die­ses Ein­dru­ckes be­wußt. So ver­hält es sich auch mit den Ein­drü­cken auf das Ohr und die an­de­ren Sin­ne. Die­ses gan­ze Ta­ges­le­ben wirkt da­her den gan­zen Tag über auf den As­tral­kör­per ein. Der As­tral­kör­per ist im­mer tä­tig un­ter der Ein­wir­kung der Au­ßen­welt. Jetzt tritt er abends her­aus. Da hat er in sich kei­ne Kräf­te, um die Ein­drü­cke be­wußt wer­den zu las­sen, die jetzt in sei­ner Um­ge­bung sind. Die al­ten Kräf­te des Wahr­neh­mens in der ur­fer­nen Ver­gan­gen­heit sind er­tö­tet wor­den beim ers­ten Wahr­neh­men der ge­gen­wär­ti­gen Sin­nes­welt. In der Nacht hat er kei­ne Kräf­te, weil das gan­ze Ta­ges­le­ben un­ge­eig­net ist, et­was im as­tra­li­schen Leib zu­rück­zu­las­sen, was bil­dend auf den As­tral­leib wir­ken könn­te. Al­le Din­ge, wie Sie sie rings­her­um an­schau­en, üben Wir­kun­gen bis auf den As­tral­leib aus. Aber was da be­wirkt&lt;br /&gt;
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wird, ist nicht in der La­ge, Ge­stal­tun­gen zu schaf­fen, die zu as­tra­len Or­ga­nen wer­den könn­ten. Das muß der ers­te Schritt der Ein­wei­hung sein: den Men­schen wäh­rend des Ta­ges­le­bens et­was tun zu las­sen, in sei­ner See­le sich et­was ab­spie­len zu las­sen, was fort­wirkt, wenn der as­tra­li­sche Leib in der Nacht her­aus­ge­zo­gen wird aus dem phy­si­schen und Äther­leib. Al­so den­ken Sie sich, bild­lich ge­spro­chen, es wür­de, wäh­rend der Mensch bei vol­lem Be­wußt­sein ist, ihm et­was ge­ge­ben, was er zu tun hät­te, was er ab­spie­len las­sen soll­te und was so ge­wählt wä­re, so ge­g­lie­dert, daß es nicht auf­hör­te zu wir­ken, wenn der Tag vor­über ist. Den­ken Sie sich die­se Wir­kung als ei­nen Ton, der fort­k­lingt, wenn der As­tral­leib her­aus ist; die­ses Fort­k­lin­gen wä­ren dann die Kräf­te, die nun an dem as­tra­li­schen Leib so wirk­ten, so plas­tisch ar­bei­te­ten, wie einst­mals die äu­ße­ren Kräf­te am phy­si­schen Kör­per ge­ar­bei­tet ha­ben. Das war im­mer der ers­te Schritt der Ein­wei­hung: den Men­schen wäh­rend des Ta­ges­le­bens et­was tun zu las­sen, was nach­k­lingt im Nacht­le­ben. Al­les das, was man ge­nannt hat Me­di­ta­ti­on, Kon­zen­t­ra­ti­on und die sons­ti­gen Übun­gen, die der Mensch vor­ge­nom­men hat wäh­rend sei­nes Ta­ges­le­bens, sie sind nichts an­de­res als Ver­rich­tun­gen der See­le, die nicht in ih­ren Wir­kun­gen ers­ter­ben, wenn der As­tral­leib her­aus­geht, son­dern die nach­k­lin­gen und in der Nacht zu bil­den­den Kräf­ten wer­den im as­tra­li­schen Leib.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das nennt man die Rei­ni­gung des As­tral­lei­bes, die Rei­ni­gung von dem, was dem As­tral­leib nicht an­ge­mes­sen ist. Das war der ers­te Schritt, der auch die Kathar­sis ge­nannt wur­de, die Rei­ni­gung. Sie war noch kei­ne Ar­beit in über­sinn­li­chen Wel­ten. Sie be­stand in Übun­gen der See­le, die der Mensch tags­über mach­te, wie ei­ne Trai­nie­rung der See­le. Sie be­stand in der An­eig­nung ge­wis­ser Le­bens­for­men, ge­wis­ser Le­bens­ge­sin­nun­gen, ei­ner ge­wis­sen Art, das Le­ben zu be­han­deln, so daß es nach­k­lin­gen konn­te, und das ar­bei­te­te am as­tra­li­schen Leib, bis er sich um­ge­wan­delt hat­te, bis sich Or­ga­ne in ihm ent­wi­ckelt hat­ten.&lt;br /&gt;
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Wenn der Mensch so weit war, daß die­se Or­ga­ne aus dem as­tra­li­schen Leib her­aus­ge­g­lie­dert wa­ren, dann war das nächs­te, daß al­les das, was so in den as­tra­li­schen Leib hin­ein­ge­stal­tet wor­den&lt;br /&gt;
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war, sich im Äther­leib ab­druck­te. Wie sich die Schrift ei­nes Pet­schaft ab­druckt im Sie­gel­lack, so muß­te sich al­les, was in den As­tral­leib hin­ein­ge­ar­bei­tet war, im Äther­leib ab­dru­cken. Die­ses Ab­dru­cken ist der nächs­te Schritt der Ein­wei­hung: Er­leuch­tung nann­te man das. Denn da­mit war zu glei­cher Zeit ein be­deu­tungs­vol­ler Mo­ment in der Ein­wei­hung ge­kom­men. Da trat ei­ne geis­ti­ge Welt in der Um­welt des Men­schen auf, so wie vor­her die sinn­li­che Welt da war. Die­se Stu­fe ist zu glei­cher Zeit cha­rak­te­ri­siert da­durch, daß die Vor­gän­ge der äu­ße­ren geis­ti­gen Welt sich nicht so aus­drü­cken, wie es die phy­sisch-sinn­li­chen Din­ge tun, son­dern in Bil­dern. Die geis­ti­ge Welt drückt sich auf die­ser Stu­fe der Er­leuch­tung zu­erst in Bil­dern aus. Der Mensch sieht Bil­der. Den­ken Sie an den al­ten Ein­ge­weih­ten, von dem ich ges­tern an­ge­deu­tet ha­be, daß er die Volks­grup­pen­see­le ge­se­hen hat. Wenn er so weit war, dann sah er die­se Grup­pen­see­le, zu­nächst in Bil­dern. Den­ken wir zum Bei­spiel an ei­nen Ein­ge­weih­ten, wie Eze­chiel ei­ner war. Als die Er­leuch­tung für ihn be­gann, tra­ten ihm geis­ti­ge We­sen­hei­ten als Volks-, als Grup­pen­see­len ent­ge­gen. Er fühl­te sich in ih­rer Mit­te. Grup­pen­see­len in Form vier sym­bo­li­scher Tie­re tra­ten ihm ent­ge­gen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So kam in be­deu­tungs­vol­len Bil­dern zu­nächst die geis­ti­ge Welt an den Men­schen heran. Das war die ers­te Stu­fe. Dann folg­te das Wei­ter­hin­ein­le­ben in den Äther­leib. Dem, was zu­nächst wie ein Sie­ge­l­ab­druck vor­han­den war, folg­te ein wei­te­res Hin­ein­le­ben in den Äther­leib. Da be­ginnt zu den Bil­dern hin­zu­zu­t­re­ten das, was man die Sphä­ren­mu­sik ge­nannt hat. Die höhe­re geis­ti­ge Welt wird als Ton wahr­ge­nom­men. Der höhe­re Ein­ge­weih­te be­ginnt, nach­dem er durch die Er­leuch­tung die geis­ti­ge Welt in Bil­dern wahr­ge­nom­men hat, geis­tig hin­zu­lau­schen auf je­ne Tö­ne, die für das geis­ti­ge Ohr wahr­nehm­bar sind. Dann kommt man an die spä­te­re Um­wand­lung des Äther­lei­bes, und da tritt uns in ei­ner noch höhe­ren Sphä­re noch et­was an­de­res ent­ge­gen. Tö­ne kön­nen Sie noch hö­ren, wenn Sie zum Bei­spiel hier ei­nen Wand­schirm ha­ben und hin­ter ihm ein Mensch spricht, den Sie nicht se­hen. So et­wa ist es mit der geis­ti­gen Welt. Zu­erst tritt sie in Bil­dern auf, dann tönt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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sie her­über, und es fällt die letz­te Hül­le weg so­zu­sa­gen wie wenn wir ei­nen Schirm weg­tä­ten, hin­ter dem der Mensch steht und spricht: Wir se­hen den Men­schen selbst : Wir se­hen die geis­ti­ge Welt selbst, die We­sen der geis­ti­gen Welt. Zu­erst neh­men wir wahr die Bil­der, dann die Tö­ne, dann die We­sen und end­lich das Le­ben die­ser We­sen. Man kann ja oh­ne­dies das, was als Bil­der in der so­ge­nann­ten ima­gi­na­ti­ven Welt ist, nur an­deu­ten, in­dem man Bil­der aus der sinn­li­chen Welt als Sym­bo­le ge­braucht. Man kann nur ei­ne Vor­stel­lung von der Sphä­ren­har­mo­nie ge­ben durch Ver­g­lei­che mit der sinn­li­chen Mu­sik. Was läßt sich nun ver­g­lei­chen mit dem we­sen­haf­ten Aus­druck auf der drit­ten Stu­fe? Da­mit läßt sich nur ver­g­lei­chen das, was heu­te das In­ners­te des Men­schen aus­macht, sein Wir­ken im Sin­ne des gött­li­chen Wel­ten­wol­lens. Wirkt der Mensch im Sin­ne des Wil­lens je­ner geis­ti­gen We­sen­hei­ten, die un­se­re Welt vor­wärts­brin­gen, dann wird das We­sen in ihm die­sen We­sen ähn­lich wer­den, dann wird er wahr­neh­men in die­ser Sphä­re. Das, was in ihm wi­der­st­rebt der Wel­te­ne­vo­lu­ti­on, was die Welt zu­rück­hält in ih­rem Fort­schritt, das nimmt er wahr als et­was, was aus­ge­schal­tet wer­den muß in die­ser Welt, was wie ei­ne letz­te Hül­le fal­len muß.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So nimmt der Mensch erst ei­ne Bil­der­welt wahr als den sym­bo­li­schen Aus­druck der geis­ti­gen Welt, dann ei­ne Welt der Sphä­ren­har­mo­nie als den sym­bo­li­schen Aus­druck ei­ner höhe­ren geis­ti­gen Sphä­re, dann ei­ne Welt von geis­ti­gen We­sen­hei­ten, von de­nen er heu­te nur da­durch sich ei­ne Vor­stel­lung ma­chen kann, daß er sie mit dem In­ners­ten sei­nes ei­ge­nen We­sens ver­g­leicht, mit dem, was in ihm wirkt im Sin­ne der gu­ten Kräf­te oder aber im Sin­ne der bö­sen geis­ti­gen Kräf­te.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die­se Stu­fen macht der Ein­zu­wei­hen­de durch und die­se Stu­fen sind ge­treu­lich ab­ge­bil­det in der Apo­ka­lyp­se des Jo­han­nes. Aus­ge­gan­gen wird da von der phy­si­schen Welt. Ge­sagt wird das­je­ni­ge, was zu­nächst zu sa­gen ist mit den Mit­teln der phy­si­schen Welt, in den sie­ben Brie­fen. Was man inn­er­halb der phy­si­schen Kul­tur tun will, was man de­nen sa­gen will, die in der phy­si­schen Welt wir­ken, man sagt es ih­nen in Brie­fen. Denn das Wort, das im Brie­fe aus-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|50}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ge­drückt wird, das kann inn­er­halb der sinn­li­chen Welt sei­ne Wir­kung tun. Die ers­te Stu­fe gibt Sym­bo­le, die be­zo­gen wer­den müs­sen auf das, was sie in der geis­ti­gen Welt aus­drü­cken: Nach den sie­ben Brie­fen kommt die Welt der sie­ben Sie­gel, die Welt der Bil­der, der ers­ten Stu­fe der Ein­wei­hung. Dann kommt die Welt der Sphä­ren­har­mo­nie, die Welt, wie sie der­je­ni­ge wahr­nimmt, der geis­tig hö­ren kann. Sie ist dar­ge­s­tellt in den sie­ben Po­sau­nen. Die nächs­te Welt, wo der Ein­ge­weih­te We­sen­hei­ten wahr­nimmt, ist dar­ge­s­tellt durch das, was als We­sen­hei­ten auf die­ser Stu­fe auf­tritt und was ab­st­reift die Scha­len der Kräf­te, die den gu­ten ge­gen­tei­lig sind. Das Ge­gen­teil der gött­li­chen Lie­be ist der gött­li­che Zorn. Die wah­re Ge­stalt der gött­li­chen Lie­be, die die Welt vor­wärts­bringt, wird in die­ser drit­ten Sphä­re wahr­ge­nom­men von de­nen, die für die phy­si­sche Welt ab­ge­st­reift ha­ben die sie­ben Zor­nes­scha­len.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So wird der Ein­zu­wei­hen­de stu­fen­wei­se hin­auf­ge­führt die Ein­wei­hungs­sphä­ren. In den sie­ben Brie­fen der Apo­ka­lyp­se des Jo­han­nes ha­ben wir das, was den sie­ben Ka­te­go­ri­en der phy­si­schen Welt ge­hört, in den sie­ben Sie­geln, was der as­tra­lisch-ima­gi­na­ti­ven Welt ge­hört, in den sie­ben Po­sau­nen das, was der de­vacha­ni­schen höhe­ren Welt ge­hört, und in den sie­ben Zor­nes­scha­len das, was ab­ge­wor­fen wer­den muß, wenn der Mensch sich er­he­ben will in das höchs­te Geis­ti­ge, das zu­nächst für un­se­re Welt zu er­rei­chen ist, weil die­ses höchs­te Geis­ti­ge noch mit un­se­rer Welt zu­sam­men­hängt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nur die äu­ße­re Struk­tur woll­ten wir heu­te hin­s­tel­len von dem, was die Apo­ka­lyp­se des Jo­han­nes ist. Flüch­ti­ge und we­ni­ge Stri­che sind es, die uns hin­deu­ten konn­ten dar­auf, daß die Apo­ka­lyp­se ein Ein­wei­hungs­buch ist. Mor­gen wer­den wir da­ran ge­hen, die ers­ten Schrit­te zur Aus­füh­rung die­ser flüch­ti­gen Zeich­nung zu ma­chen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|51}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= ZWEITER VORTRAG, Nürnberg, 19. Juni 1908 =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In ei­ner Art Ein­lei­tung ha­ben wir ges­tern den Geist der Apo­ka­lyp­se des Jo­han­nes im all­ge­mei­nen cha­rak­te­ri­siert. Wir ver­such­ten ei­ni­ge gro­ße Richt­li­ni­en hin­zu­s­tel­len, durch die uns klar­wer­den kann, daß in die­ser Apo­ka­lyp­se das­je­ni­ge ge­schil­dert ist, was man nen­nen kann ei­ne christ­li­che Ein­wei­hung oder ei­ne christ­li­che In­i­tia­ti­on. Es wird heu­te mei­ne Auf­ga­be sein, Ih­nen das We­sen der Ein­wei­hung oder In­i­tia­ti­on im all­ge­mei­nen dar­zu­s­tel­len, Ih­nen zu schil­dern, was vor­geht im Men­schen, wenn er durch die Ein­wei­hung in die La­ge ver­setzt wer­den soll, sel­ber hin­ein­zu­schau­en in je­ne geis­ti­gen Wel­ten, die hin­ter den sinn­li­chen Wel­ten lie­gen, und es wird fer­ner mei­ne Auf­ga­be sein, in ei­ni­gen grö­ße­ren Zü­gen zu schil­dern, wel­cher Art die Er­leb­nis­se inn­er­halb der Ein­wei­hung sind. Denn nur da­durch, daß wir uns ein we­nig ge­nau­er ein­las­sen auf das We­sen der Ein­wei­hung, nur da­durch kön­nen wir die­se be­deu­ten­de re­li­giö­se Ur­kun­de der Apo­ka­lyp­se nach und nach zu un­se­rem Ver­ständ­nis brin­gen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu­nächst müs­sen wir noch ein­mal die bei­den Be­wußt­s­eins­zu­stän­de des Men­schen ge­nau be­trach­ten, al­so je­nen Be­wußt­s­eins­zu­stand, der vom Mor­gen, wenn der Mensch auf­wacht, dau­ert bis zum Abend, wenn er ein­schläft, und den an­de­ren Be­wußt­s­eins­zu­stand, der mit dem Ein­schla­fen be­ginnt und mit dem Auf­wa­chen en­digt. Wir ha­ben uns oft vor die See­le ge­führt, daß der Mensch, so wie er uns in sei­ner heu­ti­gen Ge­stalt ent­ge­gen­tritt, zu­nächst ei­ne vier­fa­che We­sen­heit ist, daß er be­steht aus dem phy­si­schen Leib, dem Äther­leib, dem as­tra­li­schen Leib und dem Ich. In der äu­ße­ren Form er­schei­nen dem hell­se­hen­den Be­wußt­sein die­se vier Glie­der so, daß zu­nächst, wie ei­ne Art Kern, in der Mit­te der phy­si­sche Men­schen­leib ist. Las­sen Sie uns nur ganz sche­ma­tisch die Sa­che vor un­se­re Au­gen stel­len (es wird ge­zeich­net). Die­ser phy­si­sche Leib ist durch­drun­gen wäh­rend des Ta­ges von dem so­ge­nann­ten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|52}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Äther­leib, der nur ganz we­nig, zu­nächst um den Kopf her­um, wie ein hel­ler Licht­schein her­vor­ragt, der aber den Kopf ganz durch­dringt. Wei­ter nach un­ten wird der Äther- oder Le­bens­leib im­mer ne­bel­haf­ter und un­deut­li­cher, und je mehr wir uns den un­te­ren Glie­dern des Men­schen näh­ern, des­to we­ni­ger zeigt er die Form des phy­si­schen Lei­bes in so st­ren­gem Sin­ne.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die­se zwei Glie­der der men­sch­li­chen We­sen­heit sind nun wie­der­um bei Ta­ge ein­ge­hüllt von dem, was wir den as­tra­li­schen Leib nen­nen, der nach al­len Sei­ten wie ein El­lip­so­id, wie ei­ne Ei­form her­aus­ragt und in sei­ner Grund­form leuch­ten­de Strah­len hat, die ei­gent­lich so aus­se­hen, wie wenn sie von au­ßen nach in­nen lau­fen und von au­ßen nach in­nen den Men­schen durch­drin­gen wür­den. In die­sen As­tral­leib sind hin­ein­ge­zeich­net ei­ne Un­sum­me von ver­schie­de­n­er­lei Fi­gu­ren, al­le mög­li­chen Ar­ten von Li­ni­en und Strah­len, man­che blitz­ar­tig, man­che in son­der­ba­ren Win­dun­gen. Das al­les um­gibt in den man­nig­fal­tigs­ten Lich­t­er­schei­nun­gen den Men­schen. Der as­tra­li­sche Leib ist der Aus­druck sei­ner Lei­den­schaf­ten, sei­ner In­s­tink­te, Trie­be und Be­gier­den, aber auch al­ler sei­ner Ge­dan­ken und Vor­stel­lun­gen. In die­sem as­tra­li­schen Leib sieht das hell­se­he­ri­sche Be­wußt­sein al­les ab­ge­bil­det, was man see­li­sche Er­leb­nis­se nennt, von dem nie­ders­ten Trie­be an bis hin­auf zum höchs­ten sitt­li­chen Idea­le. Und dann ha­ben wir das vier­te Glied der men­sch­li­chen We­sen­heit, das man so zeich­nen möch­te, als ob et­was Strah­len he­r­ein­sen­det an den Punkt, der et­wa ei­nen Zenti­me­ter hin­ter der Stir­ne liegt. Das wür­de die sche­ma­ti­sche Dar­stel­lung des vier­g­lie­d­ri­gen Men­schen sein. Wir wer­den im Lau­fe die­ser Vor­trä­ge se­hen, wie sich die ein­zel­nen Tei­le im Gan­zen aus­neh­men.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das al­so ist der Mensch wäh­rend des Ta­ges, vom Mor­gen, wenn er auf­wacht, bis zum Abend, wenn er ein­schläft. Abends nun, wenn er ein­schläft, blei­ben im Bet­te lie­gen der phy­si­sche und der Äther­leib, und es zeigt sich ei­ne Art Her­aus­strö­men des­sen, was wir als den as­tra­li­schen Leib be­zeich­net ha­ben. Das «Her­aus­strö­men» ist et­was un­ge­nau aus­ge­drückt. Ei­gent­lich ist es, wie wenn ei­ne Art Ne­bel sich bil­de­te, so daß wir al­so in der Nacht den aus dem&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
phy­si­schen und äthe­ri­schen Leib her­aus­ge­gan­ge­nen as­tra­li­schen Leib wie ei­ne Art von spi­ra­li­gem Ne­bel um den Men­schen her­um se­hen, wäh­rend­dem das vier­te Glied der men­sch­li­chen We­sen­heit nach der ei­nen Sei­te hin fast ganz ver­schwin­det, das heißt ins Un­be­stimm­te ver­läuft. Der nach un­ten ver­lau­fen­de Teil des As­tral­lei­bes ist nur sehr schwach zu se­hen, der obe­re Teil wird als der her­aus­ge­t­re­te­ne as­tra­li­sche Leib an­ge­spro­chen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun ha­ben wir schon ges­tern be­tont, was für den Men­schen zu ge­sche­hen hat, wenn er die Ein­wei­hung emp­fan­gen soll. Wenn der Mensch sich nur mit dem be­schäf­tigt, wo­mit sich die Men­schen in un­se­rem Zei­tal­ter ge­mei­nig­lich be­fas­sen, so kann er kei­ne Ein­wei­hung er­hal­ten. Der Mensch muß so vor­be­rei­tet wer­den, daß er wäh­rend des ge­wöhn­li­chen Ta­ges­le­bens je­ne Übun­gen macht, die ihm von den Ein­ge­weih­ten­schu­len vor­ge­schrie­ben wer­den, Me­di­ta­ti­on, Kon­zen­t­ra­ti­on und so wei­ter. Die­se Übun­gen sind im Grun­de ge­nom­men in be­zug auf ih­re Be­deu­tung für den Men­schen bei al­len Ein­wei­hungs­schu­len die­sel­ben. Sie sind nur in­so­fern ein we­nig von­ein­an­der ver­schie­den, als sie, je wei­ter wir zu­rück­ge­hen in die vor­christ­li­chen Ein­wei­hungs­schu­len, mehr dar­auf ge­rich­tet sind, das Den­ken, die Denk­kräf­te zu üben, zu trai­nie­ren. Je mehr wir uns den christ­li­chen Zei­ten näh­ern, des­to mehr sind sie dar­auf ge­rich­tet, die Ge­müts­kräf­te zu schu­len, und je näh­er wir den neue­ren Zei­ten kom­men, des­to mehr se­hen wir, wie in den so­ge­nann­ten Ro­sen­k­reu­zer­schu­lun­gen, durch die For­de­run­gen und Be­dürf­nis­se der Mensch­heit be­dingt, ei­ne be­son­de­re Art der Wil­lens­kul­tur, der Wil­lens­übun­gen ein­ge­führt wird. Wenn auch die Me­di­ta­tio­nen zu­nächst ähn­li­che sind wie in den an­de­ren vor­christ­li­chen Schu­len, so herrscht doch übe­rall auf dem Grun­de der Ro­sen­k­reu­zer­übun­gen ei­ne be­son­de­re Schu­lung des Wil­lens­e­le­men­tes. Wor­auf es aber an­kommt und was eben­so er­reicht wur­de durch die Übun­gen der ori­en­ta­li­schen Mys­te­ri­en­schu­lung, wie bei der ägyp­ti­schen und der py­tha­go­räi­schen Schu­le und so wei­ter, und was auch die Wir­kung je­ner Übun­gen aus­macht, die vor­zugs­wei­se von der Me­di­ta­ti­on des Jo­han­nes-Evan­ge­li­ums aus­ge­hen, das ist, daß auf den Men­schen wäh­rend des Ta­ges­le­bens, wenn auch nur&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
durch kur­ze Zeit, mei­net­we­gen nur fünf oder fünf­zehn Mi­nu­ten, so ge­wirkt wird, daß die Wir­kung auch dann bleibt, wenn je­ner Zu­stand beim schla­fen­den Men­schen ein­tritt, wo der as­tra­li­sche Leib her­aus­geht. Bei ei­nem Men­schen, der sol­che, sa­gen wir, ok­kul­te Übun­gen macht, bei dem zeigt nach und nach der as­tra­li­sche Leib in der Nacht die man­nig­fal­tigs­ten Ve­r­än­de­run­gen. Er weist an­de­re Lich­t­er­schei­nun­gen auf, er zeigt je­ne plas­ti­sche Glie­de­rung der Or­ga­ne, von der wir schon ge­spro­chen ha­ben; und dann wird das im­mer deut­li­cher und deut­li­cher. Der as­tra­li­sche Leib be­kommt nach und nach ei­ne in­ne­re Or­ga­ni­sa­ti­on, wie sie der phy­si­sche Leib in sei­nen Au­gen, Oh­ren und so wei­ter hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das wür­de aber noch im­mer nicht da­hin füh­ren, viel zu schau­en, ins­be­son­de­re nicht beim heu­ti­gen Men­schen. Al­ler­dings, ei­ni­ges nimmt der Mensch schon wahr, wenn sei­ne in­ne­ren Or­ga­ne ei­ne Wei­le aus­ge­bil­det sind. Dann be­ginnt er, wäh­rend des Schla­fes ein Be­wußt­sein zu ha­ben. Geis­ti­ge Um­wel­ten däm­mern her­aus aus der sons­ti­gen all­ge­mei­nen Fins­ter­nis. Was da der Mensch wahr­neh­men kann, was na­ment­lich in den äl­te­ren Zei­ten der Mensch wahr­ge­nom­men hat, denn heu­te ist es schon sel­te­ner, das sind wun­der­ba­re Bil­der pflanz­li­chen Le­bens. Das sind die pri­mi­tivs­ten Er­run­gen­schaf­ten des Hell­se­her­tums. Wo früh­er nur die Fins­ter­nis der Be­wußt­lo­sig­keit war, steigt et­was wie ein traum­haft Le­ben­di­ges, aber Wir­k­li­ches von ei­ner Art Pflan­zen­ge­bil­de auf. Und vie­les von dem, was Ih­nen ge­schil­dert ist in den My­tho­lo­gi­en der al­ten Völ­ker, ist auf die­se Art ge­se­hen wor­den. Wenn ge­schil­dert wird in Sa­gen, daß Wo­tan, Wi­le und We ei­nen Baum am Stran­de fan­den und daß sie dar­aus den Men­schen ge­bil­det ha­ben, so weist das dar­auf hin, daß es zu­erst in ei­nem sol­chen Bil­de ge­schaut wor­den ist. In al­len My­tho­lo­gi­en kön­nen Sie die­se pri­mi­ti­ve Art des Schau­ens, des pflanz­li­chen Schau­ens wahr­neh­men. Die Schil­de­rung ei­nes sol­chen Schau­ens ist auch das Pa­ra­dies, na­ment­lich mit sei­nen bei­den Bäu­men der Er­kennt­nis und des Le­bens; das ist das Er­geb­nis die­ses as­tra­li­schen Schau­ens. Und nicht um­sonst wird Ih­nen in der Ge­ne­sis sel­ber an­ge­deu­tet, daß das Pa­ra­dies und das, was über­haupt in dem Be­ginn der bib­li­schen Dar­stel­lung ge­schil­dert wird,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
ge­schaut wor­den ist. Man muß nur erst die Bi­bel le­sen ler­nen, dann wird man schon ver­ste­hen, wie tief und be­deut­sam sie die­sen ge­heim­nis­vol­len Zu­stand fest­hält in ih­ren Schil­de­run­gen. So wie man heu­te lehrt über das Pa­ra­dies, über den Be­ginn der Bi­bel, hat man früh­er nicht ge­lehrt. Da hat man hin­ge­wie­sen dar­auf: Adam ver­fiel in ei­nen Schlaf und das war je­ner Schlaf, so sag­te man den ers­ten Chris­ten, in wel­chem Adam rück­schau­end die Er­schei­nun­gen wahr­nahm, die im Be­gin­ne der Ge­ne­sis ge­schil­dert wer­den. Erst heu­te glaubt man, daß sol­che Wor­te wie «Adam ver­fiel in ei­nen Schlaf» zu­fäl­lig da­ste­hen. Sie ste­hen nicht zu­fäl­lig da. Je­des Wort in der Bi­bel ist von ei­ner tie­fen Be­deu­tung, und erst der­je­ni­ge kann die Bi­bel ver­ste­hen, der je­des ein­zel­ne Wort zu wür­di­gen weiß.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist al­so das Ers­te. Dann aber muß­te in den vor­christ­li­chen Mys­te­ri­en noch et­was Be­son­de­res ein­t­re­ten. Wenn der Mensch al­so lan­ge Zeit hin­durch und das dau­er­te sehr lan­ge sei­ne Übun­gen ge­macht hat­te, wenn er das un­ge­fähr auf­ge­nom­men hat­te, was nö­t­ig war, um Ord­nung zu schaf­fen in sei­ner See­le, wenn er in sich auf­ge­nom­men hat­te das, was wir et­wa heu­te An­thro­po­so­phie nen­nen, dann wur­de er zu­letzt der ei­gent­li­chen al­ten In­i­tia­ti­on teil­haf­tig. Wo­rin be­stand die­se al­te Ein­wei­hung?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ge­nügt nicht, daß im as­tra­li­schen Leib die Or­ga­ne aus­ge­bil­det wer­den. Sie müs­sen sich ab­dru­cken im Äther­leib. Wie das Pet­schaft sei­ne Buch­sta­ben ab­druckt im Sie­gel­lack, so müs­sen die Or­ga­ne des as­tra­li­schen Lei­bes ab­ge­druckt wer­den im Äther­leib. Zu die­sem Zwe­cke wur­de in al­ten Ein­wei­hun­gen der ein­zu­wei­hen­de Schü­ler in ei­ne ganz be­son­de­re La­ge ge­bracht. Er wur­de näm­lich drei­ein­halb Ta­ge hin­durch in ei­nen tod­ähn­li­chen Zu­stand ge­bracht. Wir wer­den im­mer mehr er­ken­nen, daß je­ner Zu­stand heu­te nicht mehr durch­ge­führt wer­den kann und darf, son­dern daß man jetzt an­de­re Mit­tel der Ein­wei­hung hat. Ich schil­de­re jetzt die vor­christ­li­che Ein­wei­hung. In die­ser wur­de der Ein­zu­wei­hen­de durch drei­ein­halb Ta­ge von dem, der das ver­stand, in ei­nen tod­ähn­li­chen Zu­stand ge­bracht. Ent­we­der wur­de er in ei­ne Art klei­nen Ge­ma­ches ge­legt, in ei­ne Art Gr­ab. Da ruh­te er in ei­nem Zu­stand von To­des­schlaf. Oder aber er wur­de in ei­ner be­son­de­ren La­ge an ein Kreuz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
ge­bun­den mit aus­ge­st­reck­ten Hän­den, denn das för­dert das Ein­t­re­ten je­nes Zu­stan­des, den man er­zie­len woll­te.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir wis­sen aus den man­nig­fal­tigs­ten Vor­trä­gen, daß der Tod beim Men­schen da­durch ein­tritt, daß der Äther­leib mit dem as­tra­li­schen Leib und dem Ich her­aus­geht und nur der phy­si­sche Leib zu­rück­b­leibt. Da tritt et­was im To­de ein, was nie­mals sonst zwi­schen Ge­burt und Tod im re­gel­mä­ß­i­gen Ver­lauf des Le­bens ein­ge­t­re­ten ist. Der Äther­leib hat nie­mals, auch im tiefs­ten Schla­fe nicht, den phy­si­schen Leib ver­las­sen, son­dern war im­mer da­r­in­nen. Im To­de ver­läßt der Äther­leib den phy­si­schen Leib. Wäh­rend je­nes to­de­s­ähn­li­chen Zu­stan­des nun ver­ließ we­nigs­tens ein Teil des Äther­lei­bes auch den phy­si­schen Leib, so daß al­so ein Teil des Äther­lei­bes, der sonst da­r­in­nen war, in die­sem Zu­stand sich drau­ßen be­fand. Man schil­dert das, wie Sie wis­sen, in mehr exo­te­ri­schen Vor­trä­gen da­durch, daß man sagt, der Äther­leib wer­de her­aus­ge­zo­gen. Das ist nicht ei­gent­lich der Fall. Aber die­se fei­nen Un­ter­schei­dun­gen kön­nen wir erst jetzt ma­chen. So al­so ha­ben wir wäh­rend die­ser drei­ein­halb Ta­ge, wäh­rend wel­cher der Pries­ter-In­i­tia­tor den Ein­zu­wei­hen­den wohl über­wach­te, den Men­schen in ei­nem Zu­stan­de, daß nur sein un­te­rer Teil mit dem Äther­leib ve­r­ei­nigt war. Das ist der Mo­ment, wo sich der as­tra­li­sche Leib mit all dem, was er an Or­ga­nen in sich aus­ge­bil­det hat, ab­druckt im Äther­lei­be. In die­sem Mo­ment tritt die Er­leuch­tung ein. Wenn der Ein­zu­wei­hen­de nach drei­ein­halb Ta­gen er­weckt wur­de, dann war bei ihm das ein­ge­t­re­ten, was man die Er­leuch­tung nennt, das­je­ni­ge, was fol­gen muß­te auf die Rei­ni­gung, die bloß in der Aus­bil­dung der Or­ga­ne des as­tra­li­schen Lei­bes be­steht. Jetzt war der Schü­ler ein Wis­sen­der in der geis­ti­gen Welt. Was er früh­er ge­se­hen hat­te, war nur ei­ne Vor­stu­fe des Schau­ens. Die­se Welt, die aus ei­ner Art von Ge­bil­den be­stand, die vor­zugs­wei­se Pflan­zen nach­bil­de­te, sie er­gänz­te sich jetzt durch we­sent­lich neue Ge­bil­de.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun kom­men wir da­hin, ge­nau­er zu cha­rak­te­ri­sie­ren, was der Ein­ge­weih­te an­fing zu schau­en. Jetzt, wo er bis zur Er­leuch­tung ge­führt war, da war es ihm klar, wenn er er­weckt wur­de, daß er et­was ge­se­hen hat­te, was er vor­her nie­mals in sein Wis­sen hat­te&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
auf­neh­men kön­nen. Was hat­te er denn ge­se­hen? Was konn­te er sich in ge­wis­ser Be­zie­hung als be­deut­sa­mes Er­in­ne­rungs­bild sei­nes Schau­ens vor die See­le ru­fen? Wenn wir uns klar­ma­chen wol­len, was der Be­tref­fen­de ge­se­hen hat­te, dann müs­sen wir ein we­nig hin­bli­cken auf die Ent­wi­cke­lung des Men­schen. Wir müs­sen uns er­in­nern, daß erst all­mäh­lich der Mensch je­nen Grad in­di­vi­du­el­len Be­wußt­seins be­kom­men hat­te, den er heu­te hat. Daß er in ei­ner sol­chen Wei­se zu sich Ich sa­gen kann, wie er es heu­te tut, das war nicht im­mer der Fall. Wir brau­chen nur zu­rück­zu­ge­hen in die Zeit, als die Che­rus­ker, He­ru­ler und so wei­ter in den Ge­gen­den wohn­ten, wo heu­te die Deut­schen le­ben. Da fühl­te sich der ein­zel­ne nicht als Ein­zel­men­schen-Ich, son­dern als Glied sei­nes Stam­mes. Wie die Fin­ger sich nicht füh­len als et­was für sich Be­ste­hen­des, so fühl­te der ein­zel­ne Che­rus­ker nicht in der Wei­se, daß er zu sich un­be­dingt Ich sag­te. Das Ich war das Ich des gan­zen Stam­mes. Der Stamm stell­te ei­nen Or­ga­nis­mus dar, und zu­sam­men­ge­hö­ri­ge Grup­pen von Men­schen, die in der Bluts­ver­wandt­schaft ver­bun­den wa­ren, hat­ten so­zu­sa­gen ei­ne ge­mein­schaft­li­che Ich-See­le. &#039;Wie heu­te Ih­re zwei Ar­me zu Ih­rem Ich ge­hö­ren, so wa­ren Sie selbst Glie­der ei­ner grö­ße­ren Ge­mein­schaft in je­nen Zei­ten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist ja noch deut­lich aus­ge­spro­chen bei dem Vol­ke, das sich be­kennt zum Al­ten Te­s­ta­men­te. Da fühl­te sich als ein Glied des Vol­kes je­der ein­zel­ne. Es ist so, daß der ein­zel­ne nicht im höchs­ten Sin­ne von sich sprach, wenn er das ge­wöhn­li­che Ich aus­sprach, son­dern daß er et­was Tie­fe­res fühl­te, wenn er sag­te: «Ich und der Va­ter Abra­ham sind eins.» Denn für ihn ging bis Abra­ham hin­auf ein ge­wis­ses Ich-Be­wußt­sein, das durch al­le Ge­ne­ra­tio­nen von Abra­ham bis zum ein­zel­nen her­un­ter­kam. Was bluts­ver­wandt war, das war in ei­nem Ich be­sch­los­sen. Es war wie ei­ne ge­mein­sa­me Ich-Grup­pen­see­le, die das gan­ze Volk um­faß­te, und die­je­ni­gen, die die Din­ge durch­schau­ten, sag­ten sich: Das, was wir­k­lich un­ser in­ners­tes, un­ver­gäng­li­ches We­sen aus­macht, das wohnt nicht im ein­zel­nen, das wohnt im gan­zen Vol­ke. Al­le ein­zel­nen Glie­der ge­hö­ren zu die­sem ge­mein­sa­men Ich. Da­her war sich auch je­der sol­cher Be­ken­ner klar: Stirbt er, dann ve­r­ei­nigt er sich mit ei­ner un­sicht-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|58}}&lt;br /&gt;
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ba­ren We­sen­heit, die hin­auf­geht bis zum Va­ter Abra­ham. Wir­k­lich fühl­te der ein­zel­ne, daß er hin­auf­kam in den Schoß Abra­hams. Da fühl­te er sich wie im Un­ver­gäng­li­chen ge­bor­gen in der Grup­pen­see­le des Vol­kes. Die­se Grup­pen­see­le des gan­zen Vol­kes konn­te nicht her­un­ter­s­tei­gen auf den phy­si­schen Plan. Da sa­hen sie nur ein­zel­ne Men­schen­ge­stal­ten. Aber die wa­ren ih­nen nicht die Wir­k­lich­keit, son­dern die Wir­k­lich­keit war in der geis­ti­gen Welt. Sie ahn­ten, daß das, was durch das Blut fließt, das Gött­li­che sei. Und weil sie den Gott se­hen muß­ten in Je­ho­va, nann­ten sie die­ses Gött­li­che Jah­ve, oder auch sein Ant­litz: Mi­cha­el. Als geis­ti­ge Grup­pen­see­le des Vol­kes be­trach­te­ten sie Jah­ve.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der ein­zel­ne Mensch hier konn­te die­se geis­ti­gen We­sen­hei­ten nicht se­hen. Der Ein­ge­weih­te, der den gro­ßen Mo­ment er­leb­te, wo der as­tra­li­sche Leib in den Äther­leib hin­ein­ge­druckt wur­de, der be­kam zu­erst die wich­tigs­ten Grup­pen­see­len zu schau­en. Wenn wir näm­lich zu­rück­schau­en in die al­ten Zei­ten der Mensch­heit, so fin­den wir übe­rall, daß das ge­gen­wär­ti­ge Ich sich her­aus­ent­wi­ckelt hat aus sol­chem Grup­pen­be­wußt­sein, Grup­pen-Ich, so daß für den Se­her, wenn er zu­rück­schaut, die ein­zel­nen Men­schen im­mer mehr zu­sam­men­strö­men in die Grup­pen­see­len. Nun gibt es haupt­säch­lich vier Ty­pen von Grup­pen­see­len, vier Ur­bil­der von Grup­pen­see­len. Wenn man al­le ver­schie­de­nen Grup­pen­see­len der ver­schie­de­nen See­len nimmt, so ha­ben sie ei­ne ge­wis­se Ähn­lich­keit, aber auch Ver­schie­den­hei­ten. Teilt man sie ein, so er­hält man vier Grup­pen, vier Ur­bil­der. Man be­kommt sie deut­lich zu se­hen, wenn man hell­se­he­risch zu­rück­schaut in je­ne Zeit, als der Mensch noch nicht im Flei­sche war, noch nicht her­ab­ge­s­tie­gen war auf die Er­de. Denn jetzt müs­sen wir uns ge­nau­er dar­s­tel­len den Mo­ment, wo der Mensch her­ab­ge­s­tie­gen ist ins Fleisch aus den geis­ti­gen Re­gio­nen. Wir kön­nen die­sen Mo­ment nur in gro­ßen Sym­bo­len schil­dern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein­mal gab es ei­ne Zeit, wo un­se­re Er­de ei­ne viel wei­che­re Ma­te­rie hat­te als heu­te, wo noch nicht Fels und Stein so ver­fes­tigt wa­ren wie heu­te, wo die Pflan­zen­for­men noch an­ders aus­sa­hen, wo das Gan­ze wie ein Ur­meer in Wass­er­höh­len ein­ge­bet­tet war, wo Luft und Was­ser nicht ge­schie­den wa­ren, wo von all den We­sen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
die heu­te auf der Er­de woh­nen, Tie­re und Pflan­zen im Was­ser aus­ge­bil­det wa­ren. Als die mi­ne­ra­li­schen We­sen an­fin­gen ih­re heu­ti­ge Form zu be­kom­men, da konn­te man sa­gen: Der Mensch trat aus der Un­sicht­bar­keit her­vor. So stell­te er sich dem Ein­zu­wei­hen­den dar. Au­ßen mit ei­ner Art von Scha­le um­ge­ben, stieg er aus den Re­gio­nen her­un­ter, die heu­te die Luft­re­gio­nen sind. Der Mensch war noch nicht dicht phy­sisch da, als das Tier schon im Fleisch vor­han­den war. Er war ei­ne fei­ne Luft­we­sen­heit, selbst in den le­mu­ri­schen Zei­ten noch. Und er hat sich so her­aus­ge­g­lie­dert, daß sich das hell­se­he­ri­sche Bild dar­s­tellt mit den vier Grup­pen­see­len: auf der ei­nen Sei­te wie ein Löw­en­bild, auf der an­de­ren wie das Bild ei­nes Stie­res, oben wie das ei­nes Ad­lers, und in der Mit­te un­ten et­was, was schon men­sche­n­ähn­lich ist. So zeigt sich das hell­se­he­ri­sche Bild. So kommt aus dem Dun­kel des Geis­ter­lan­des her­aus der Mensch. Und das, was ihn an Kraft aus­ge­bil­det hat, das er­scheint in ei­ner Art Re­gen­bo­gen­bil­dung. Die mehr phy­si­schen Kräf­te um­ge­ben die gan­ze Bil­dung die­ses Men­schen wie ein Re­gen­bo­gen. Man muß auf den ver­schie­dens­ten Ge­bie­ten und in der ver­schie­dens­ten Wei­se die­ses Men­sch­wer­den schil­dern. Jetzt wird es ge­schil­dert, wie es dem For­scher im Rück­blick er­scheint: wie die­se vier Grup­pen­see­len sich her­aus­ge­stal­tet ha­ben aus dem ge­mein­sa­men Gött­lich-Men­sch­li­chen, das her­un­ter­s­teigt. Man hat von je­her die­sen Mo­ment sym­bo­lisch in die Form ge­bracht, die Sie auf dem zwei­ten der so­ge­nann­ten sie­ben ok­kul­ten Sie­gel dar­ge­s­tellt fin­den. Das ist die sym­bo­li­sche Dar­stel­lung, sie ist aber mehr als ein blo­ßes Sym­bo­lum. Da ha­ben Sie her­aus­kom­mend aus dem un­be­stimm­ten Geis­ti­gen die­se vier Grup­pen­see­len, den Re­gen­bo­gen rings­her­um und ei­ne Zwölf­zahl. Wir müs­sen auch ver­ste­hen, was die­se Zwölf­zahl be­deu­tet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn Sie das her­aus­kom­men se­hen, was eben ge­schil­dert wor­den ist, so ha­ben Sie hell­se­he­risch das Ge­fühl: Das ist von et­was um­ge­ben, was ganz an­de­rer We­sen­heit und Art ist als das, was da her­au­s­tritt aus dem un­be­stimm­ten Geis­ti­gen. Und das, wo­von es um­ge­ben ist, das sym­bo­li­sier­te man in al­ten Zei­ten in dem Tier­kreis, in den zwölf Zei­chen des Tier­k­rei­ses. Der Mo­ment des Ein-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
tre­tens in das Hell­se­hen ist noch mit man­cher­lei an­de­ren Er­leb­nis­sen ver­knüpft. Das ers­te, was der, des­sen Äther­leib her­au­s­tritt, wahr­nimmt, ist: er kommt sich vor, wie wenn er grö­ß­er und grö­ß­er wür­de und sich aus­dehn­te über das, was er da wahr­nimmt. Es kommt der Mo­ment, wo der Ein­ge­weih­te sich sagt: Ich se­he nicht bloß die­se vier Ge­stal­ten, son­dern ich bin da drin­nen, ich ha­be mein We­sen dar­über aus­ge­dehnt. Er iden­ti­fi­ziert sich da­mit. Er nimmt das wahr, was durch die zwölf Stern­bil­der, durch die Zwölf­zahl sym­bo­li­siert wird. Was sich da aus­dehnt rings­her­um um das, was sich ent­hüllt, das wer­den wir am bes­ten ver­ste­hen, wenn wir uns wie­der da­ran er­in­nern, daß un­se­re Er­de frühe­re Ver­kör­pe­run­gen durch­ge­macht hat. Wir wis­sen ja: Be­vor die Er­de Er­de wur­de, ging sie durch den Zu­stand des Sa­turns, dann durch den der Son­ne, dann durch den des Mon­des, und dann erst wur­de sie Er­de im heu­ti­gen Sin­ne. Das war not­wen­dig. Denn nur da­durch war es mög­lich, daß auf der heu­ti­gen Er­de die We­sen­hei­ten her­aus­ka­men, die eben her­aus­ge­kom­men sind. Die muß­ten sich all­mäh­lich durch sol­che Ver­wand­lungs­for­men hin­durch­ar­bei­ten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir al­so in ur­fer­ne Ver­gan­gen­heit zu­rück­bli­cken, so schau­en wir auf den ers­ten Zu­stand un­se­rer Er­de, den des al­ten Sa­turns, der im An­fan­ge sei­nes Da­seins noch nicht ein­mal leuch­te­te. Er war ei­ne Art Wär­m­e­zu­stand. Sie hät­ten ihn nicht so se­hen kön­nen wie ei­ne glän­zen­de Ku­gel, son­dern wenn Sie sich dem Sa­turn ge­näh­ert hät­ten, wür­den Sie in ei­nen wär­me­ren Raum hin­ein­ge­kom­men sein, weil er eben bloß in ei­nem Wär­m­e­zu­stand war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun könn­te man fra­gen: Hat denn mit dem Sa­turn das Welt­wer­den be­gon­nen? Ha­ben nicht an­de­re Zu­stän­de vi­el­leicht erst das her­bei­ge­führt, was Sa­turn ge­wor­den ist? Gin­gen dem Sa­turn nicht noch an­de­re Ver­kör­pe­run­gen voran? Es wür­de schwer sein, vor den Sa­turn zu­rück­zu­ge­hen, weil näm­lich erst beim Sa­turn et­was be­ginnt, oh­ne das wir gar nicht hin­ter den Sa­turn zu­rück­ge­hen kön­nen. Mit dem Sa­turn be­ginnt näm­lich erst das, was wir Zeit nen­nen. Vor­her gab es an­de­re For­men des Seins, das heißt, ei­gent­lich kön­nen wir gar nicht von vor­her sp­re­chen, weil noch kei­ne&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Zeit da war. Die Zeit hat auch ein­mal an­ge­fan­gen. Vor dem Sa­turn gab es kei­ne Zeit, da gab es nur Ewig­keit, Dau­er. Da war al­les gleich­zei­tig. Daß die Vor­gän­ge ein­an­der fol­gen, das trat erst mit dem Sa­turn ein. In der­je­ni­gen Wel­ten­la­ge, wo nur Ewig­keit, Dau­er ist, da gibt es auch kei­ne Be­we­gung. Denn zur Be­we­gung ge­hört Zeit. Da gibt es kei­nen Um­lauf, da ist Dau­er und Ru­he, wie man auch sagt im Ok­kul­tis­mus: Da ist se­li­ge Ru­he in der Dau­er. Das ist der Aus­druck da­für. Se­li­ge Ru­he in der Dau­er ging dem Sa­turn­zu­stand voran. Die Be­we­gung der Wel­ten­kör­per trat erst mit dem Sa­turn ein, und man faß­te die Bahn, die an­ge­deu­tet wird durch die zwölf Zei­chen des Tier­k­rei­ses, als An­zei­chen da­für auf. Und wäh­rend ein Pla­net in ei­nem sol­chen Stern­bil­de lief, sprach man von ei­ner Wel­ten­stun­de. Man be­trach­te­te das als ei­ne Wel­ten­stun­de. Zwölf Wel­ten­stun­den, Tag­stun­den zwölf und Nacht­stun­den zwölf! Ei­nem je­den Wel­ten­kör­per, dem Sa­turn, der Son­ne und dem Mon­de wird zu­ge­zählt ei­ne Au­f­ein­an­der­fol­ge von Wel­ten­stun­den, die sich zu Wel­ten­ta­gen grup­pie­ren, und zu­letzt so, daß von die­sen zwölf Zei­träu­men sie­ben äu­ßer­lich wahr­nehm­bar sind und fünf mehr oder we­ni­ger äu­ßer­lich un­wahr­nehm­bar ver­lau­fen. Man un­ter­schei­det da­her sie­ben Sa­turn­k­reis­läu­fe oder sie­ben gro­ße Sa­turn­ta­ge und fünf gro­ße Sa­turn­näch­te. Sie kön­nen auch sa­gen, fünf Ta­ge und sie­ben Näch­te, denn der ers­te und letz­te Tag sind Däm­me­rungs­ta­ge. Man ist ge­wohnt, sol­che sie­ben Kreis­läu­fe, sie­ben Wel­ten­ta­ge «Man­van­ta­ra» zu nen­nen und die fünf Wel­ten­näch­te «Prala­ya». Wenn man es ganz ent­sp­re­chend un­se­rer Zei­ten­zäh­lung ha­ben will, dann zählt man je zwei pla­ne­ta­ri­sche Zu­stän­de zu­sam­men, al­so Sa­turn und Son­ne, Mond und Er­de. Dann er­hält man je vier­und­zwan­zig Kreis­läu­fe. Die­se vier­und­zwan­zig Kreis­läu­fe bil­den wich­ti­ge Epo­chen in der Wel­ten­dar­stel­lung, und die­se vier­und­zwan­zig Epo­chen denkt man sich ge­re­gelt durch We­sen­hei­ten im Wel­te­nall, die Ih­nen in der Apo­ka­lyp­se als die vier­und­zwan­zig Äl­tes­ten an­ge­deu­tet wer­den, die vier­und­zwan­zig Reg­ler der Wel­te­n­um­läu­fe, der Wel­ten­zei­ten. Auf dem Sie­gel­bild sind sie an­ge­deu­tet als die Wel­ten­uhr. Die ein­zel­nen Zif­fern der Uhr sind hier nur un­ter­bro­chen durch die Dop­pel­kro­nen der Äl­tes­ten, um an­zu­deu­ten,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
daß das die Zei­ten­kö­n­i­ge sind, weil sie die Um­läu­fe der Wel­ten­kör­per re­geln. (Sie­he das zwei­te Sie­gel­bild.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So sieht der Ein­ge­weih­te zu­nächst zu­rück in die­ses Bild der Vor­zeit. Nun aber müs­sen wir uns fra­gen: Warum sieht der Ein­ge­weih­te die­ses Bild? Weil in die­sem Bil­de sym­bo­lisch-as­tra­lisch dar­ge­s­tellt wer­den die Kräf­te, die in sei­ner heu­ti­gen Ge­stalt den men­sch­li­chen Äther­leib und da­nach den phy­si­schen ge­bil­det ha­ben. Wie das ist, kön­nen Sie sich leicht den­ken. Den­ken Sie sich, der Mensch liegt im Bet­te, ver­läßt mit sei­nem As­tral­leib und Ich den phy­si­schen Leib und Äther­leib. Nun ge­hö­ren aber zum phy­si­schen Leib und Äther­leib, wie sie heu­te sind, zum heu­ti­gen phy­si­schen Men­schen­leib und Äther­leib der as­tra­li­sche Leib und das Ich. Für sich kann die­ser phy­si­sche Leib und kann die­ser Äther­leib nicht be­ste­hen. Sie sind so ge­wor­den, weil ih­nen der as­tra­li­sche Leib und das Ich ein­ge­g­lie­dert sind. Nur ein phy­si­scher Leib, in dem kein Blut fließt und kein Ner­ven­sys­tem ist, kann oh­ne as­tra­li­schen Leib und Ich sein. Des­halb kann die Pflan­ze oh­ne as­tra­li­schen Leib und Ich sein, weil sie kein Blut und kein Ner­ven­sys­tem hat. Denn das Ner­ven­sys­tem hängt zu­sam­men mit dem as­tra­li­schen Leib und das Blut mit dem Ich. Kein We­sen hat im phy­si­schen Leib ein Ner­ven­sys­tem, das nicht durch­drun­gen ist von ei­nem as­tra­li­schen Lei­be, und kein We­sen hat im phy­si­schen Lei­be ein Blut­sys­tem, in das nicht das Ich ein­ge­zo­gen ist. Den­ken Sie, was Sie je­de Nacht tun. Sie ver­las­sen schnö­de Ih­ren phy­si­schen und Äther­leib und über­las­sen sie mit dem Blut- und Ner­ven­sys­tem sich sel­ber. Wenn es bloß auf Sie an­kä­me, wür­de in je­der Nacht da­durch, daß Sie Ihr Ner­ven- und Blut­sys­tem ver­las­sen, der phy­si­sche Leib zu­grun­de ge­hen müs­sen. Er wür­de in dem­sel­ben Au­gen­bli­cke ster­ben, wo der as­tra­li­sche Leib und das Ich den phy­si­schen und den Äther­leib ver­las­sen. Aber der hell­se­hen­de Blick sieht, wie dann an­de­re We­sen­hei­ten, höhe­re geis­ti­ge We­sen­hei­ten ihn aus­fül­len. Er sieht, wie sie in ihn hin­ein­ge­hen und das tun, was der Mensch in der Nacht eben nicht tut: das Blut- und Ner­ven­sys­tem ver­sor­gen. Das sind die­sel­ben We­sen­hei­ten aber, wel­che den Men­schen, so­weit er aus ei­nem phy­si­schen und Äther­leib be­steht, ge­schaf­fen ha­ben; nicht&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
bloß heu­te, von In­kar­na­ti­on zu In­kar­na­ti­on. Es sind die glei­chen We­sen­hei­ten, die auf dem al­ten Sa­turn die ers­te An­la­ge des phy­si­schen Lei­bes ent­ste­hen lie­ßen und die auf der Son­ne den Äther­leib her­aus­ge­bil­det ha­ben. Die­se We­sen­hei­ten, die ge­wal­tet ha­ben vom Ur­be­ginn des Sa­turn- und Son­nen­da­seins an im phy­si­schen und Äther­leib, sie wal­ten in ihm je­de Nacht, wäh­rend der Mensch schläft und den phy­si­schen und den Äther­leib schnö­de ver­läßt, so­zu­sa­gen sie dem To­de preis­gibt; sie drin­gen hin­ein und ver­sor­gen sein Ner­ven- und Blut­sys­tem.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da­her ist es auch be­g­reif­lich, daß in dem Mo­ment, wo der As­tral­leib den Äther­leib be­rührt, um sich in ihm ab­zu­dru­cken, daß, da der Mensch von die­sen Kräf­ten, die ihn ge­bil­det ha­ben, durch­drun­gen ist, daß er da das Bild die­ser Kräf­te sieht, die in dem zwei­ten Sie­gel sym­bo­li­siert sind. Was ihn er­hält und zu­sam­men­hän­gend macht mit dem gan­zen kos­mi­schen Wel­tall, das leuch­tet auf in die­sem Mo­ment der Ein­wei­hung. Er sieht das­je­ni­ge, was die bei­den Glie­der sei­ner We­sen­heit, den phy­si­schen und den Äther­leib, ge­bil­det hat, was sie je­de Nacht in ih­rem Le­ben auf­recht er­hält. Er selbst aber hat noch kei­nen An­teil da­ran, denn er kann noch nicht in die­se bei­den Glie­der sei­nes We­sens hin­ein­ar­bei­ten. Dem Men­schen nach wür­de der phy­si­sche und der Äther­leib, die in der Nacht im Bet­te lie­gen, zum Pflan­zen­da­sein ver­dammt sein, denn er über­läßt bei­de sich selbst. Da­her ist für den Men­schen der Schlaf­zu­stand ein un­be­wuß­ter, wie ihn die Pflan­ze im­mer hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie steht es nun mit dem, was wäh­rend des Schla­fes her­aus­ge­rückt ist beim ge­wöhn­li­chen Men­schen, wie steht es mit dem as­tra­li­schen Leib und dem Ich? Die­se sind ja auch nicht be­wußt in der Nacht. Beim ge­wöhn­li­chen Men­schen wird wäh­rend des Nacht­schla­fes nichts inn­er­halb des as­tra­li­schen Lei­bes er­fah­ren. Aber den­ken Sie jetzt ein­mal, Sie üb­ten die sie­ben Stu­fen der Jo­han­nes-Ein­wei­hung, die­se be­deu­tungs­vol­len Mo­men­te der christ­li­chen Ge­müts­ein­wei­hung. Dann wür­de für Sie nicht bloß das auf­t­re­ten, was bis­her ge­schil­dert wor­den ist. Ganz ab­ge­se­hen da­von, daß Sie bei der Be­rüh­rung des as­tra­li­schen Lei­bes mit dem Äther­lei­be hell­se­he­ri­sche Kraft ent­wi­ckeln kön­nen, wür­de noch et­was&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
an­de­res auf­t­re­ten. Der Mensch wird sich be­wußt der see­li­schen Ei­gen­hei­ten, der see­lisch-men­sch­li­chen Ei­gen­schaf­ten der as­tra­li­schen Welt und der de­vacha­ni­schen Welt, aus der er ei­gent­lich her­aus­ge­bo­ren ist sei­ner See­le nach. Und es tritt zu die­sem Bil­de ein noch höhe­res Sym­bo­lum, das die gan­ze Welt zu er­fül­len scheint. Zu die­sem Sym­bo­lum der al­ten Ein­wei­hung tritt für den, der durch die Jo­han­nes-Ein­wei­hungs­stu­fen geht, et­was hin­zu, was am bes­ten durch das ers­te Sie­gel dar­ge­s­tellt wird. Als ei­ne hell­se­he­ri­sche Er­schei­nung sieht er den Pries­ter­kö­n­ig mit gol­de­nem Gür­tel, mit Fü­ß­en, die aus Me­tall­guß zu be­ste­hen schei­nen, das Haupt be­deckt mit Haa­ren wie von wei­ßer Wol­le, aus dem Mun­de ein feu­ri­ges Schwert flam­mend und in der Hand die sie­ben Wel­tens­ter­ne: Sa­turn, Son­ne, Mond, Mars, Mer­kur, Ju­pi­ter, Ve­nus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ge­stalt, die in der Mit­te auf dem zwei­ten Sie­gel­bild ist, war in der al­ten Ein­wei­hung nur als die fünf­te der Grup­pen­see­len an­ge­deu­tet. Sie ist das, was in der Mensch­heit der al­ten Zeit erst in der Keim­an­la­ge vor­han­den war und erst in der christ­li­chen Ein­wei­hung her­aus­ge­kom­men ist als das, was man auch als Men­schen­sohn be­zeich­net, der die sie­ben Ster­ne be­herrscht, wenn er völ­lig in sei­ner wah­ren Ge­stalt vor dem Men­schen auf­tritt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So al­so soll uns durch die­se zu­nächst sym­bo­li­sche Art der Dar­stel­lung vor al­len Din­gen klar sein, daß man das­je­ni­ge, was beim heu­ti­gen Men­schen als Tren­nung der ver­schie­de­nen Glie­der auf­tritt phy­si­scher und Äther­leib auf der ei­nen Sei­te, as­tra­li­scher Leib und Ich auf der an­de­ren, so be­han­deln kann, daß bei­des so­zu­sa­gen zur Ein­wei­hung sein Stück bei­tra­gen kann, zu­nächst durch die Ein­wei­hungs­form bei der Be­rüh­rung des as­tra­li­schen Lei­bes mit dem Äther­leib, wo die vier Grup­pen­see­len auf­leuch­ten, dann bei der Be­hand­lung des As­tral­lei­bes, so daß die­ser im be­son­de­ren se­hend wird. Früh­er war ein ei­gent­li­ches Se­hen in der über­sinn­li­chen Welt höchs­tens bis zu ei­ner Art pflanz­li­cher Durch­le­bung der Welt ge­kom­men. Durch die christ­li­che Ein­wei­hung ist das ge­ge­ben, was ei­ne höhe­re Ein­wei­hungs­stu­fe im as­tra­li­schen Leib be­deu­tet und was sym­bo­lisch an­ge­deu­tet wird durch das zwei­te Bild.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|65}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da ha­ben Sie die bei­den Din­ge aus dem Ein­wei­hung­s­prin­zip her­aus sel­ber ge­schil­dert, die Sie an der Spit­ze der Apo­ka­lyp­se ge­schil­dert fin­den. Nur hat der Apo­ka­lyp­ti­ker sie in um­ge­kehr­ter Rei­hen­fol­ge ge­schil­dert, und dies mit Recht. Er hat ge­schil­dert zu­erst das Ge­sicht des Men­schen­soh­nes, das Ge­sicht des­sen, der da ist, der da war und der da sein wird, und dann das an­de­re. Bei­de sind Sym­bo­le für das, was der Ein­ge­weih­te wäh­rend der Ein­wei­hung er­lebt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So ha­ben wir vor un­se­re See­le tre­ten las­sen, was in ge­wis­sen Fäl­len der Ein­wei­hung ge­schieht und zu­nächst er­lebt wird. Mor­gen wol­len wir zu den Ein­zel­hei­ten wei­ter­sch­rei­ten die­ser rea­len wir­k­li­chen Er­leb­nis­se, und wir wer­den sie sich spie­geln se­hen in der gran­dio­sen Dar­stel­lung der Apo­ka­lyp­se des Jo­han­nes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|66}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= DRITTER VORTRAG, Nürnberg, 20. Juni 1908 =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ges­tern konn­ten wir am En­de un­se­rer Be­trach­tung hin­wei­sen auf das, was spe­zi­fisch christ­li­che und was spä­te­re, al­so et­wa christ­lich-ro­sen­k­reu­ze­ri­sche Ein­wei­hung zu­nächst in ei­nem gro­ßen be­deut­sa­men Sym­bo­lum gibt. Wir ha­ben auf die Be­deu­tung die­ses Sym­bo­l­ums hin­ge­wie­sen, die­ses Ein­wei­hungs­zei­chens, das man auch als den Men­schen­sohn be­zeich­net, der die sie­ben Ster­ne in sei­ner rech­ten Hand hat, der das schar­fe zwei­schnei­di­ge Schwert hat in sei­nem Mun­de. Wir ha­ben ge­se­hen, daß die­se Ein­wei­hung den Men­schen in ei­nem ge­wis­sen höhe­ren Gra­de se­hend macht inn­er­halb sei­nes Ich und sei­nes as­tra­li­schen Lei­bes, au­ßer­halb des phy­si­schen und des Äther­lei­bes. Wir wer­den al­les dies noch ge­nau­er be­sp­re­chen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch ei­ne je­g­li­che Ein­wei­hung aber ge­langt der Mensch da­zu, das, was man nur mit geis­ti­gem Bli­cke, mit geis­ti­gen Au­gen über­schau­en kann, was nur für das über­sinn­li­che Wahr­neh­men durch­sich­tig ist, das nun wir­k­lich zu über­schau­en, zu er­ken­nen. Nun ge­hört zu dem ers­ten und wich­tigs­ten, was der im christ­li­chen Sin­ne Ein­zu­wei­hen­de zu er­ken­nen hat, die Ent­wi­cke­lung der Mensch­heit in un­se­rem Zei­tal­ter, da­mit ein je­der im höhe­ren Ma­ße die Auf­ga­ben des Men­schen ein­se­hen kann. Denn al­les, was höhe­re Er­kennt­nis, was höhe­re Voll­kom­men­heit dem Men­schen ge­ben soll, hängt mit der Fra­ge zu­sam­men: Was bin ich und wo­zu bin ich be­stimmt in un­se­rem Zei­tal­ter? Die Be­ant­wor­tung die­ser Fra­ge ist es, die zu­nächst von gro­ßer Wich­tig­keit ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Je­de Ein­wei­hungs­stu­fe führt auf ei­nen er­höh­ten Stand­punkt der men­sch­li­chen Be­trach­tung. Schon in der ers­ten Stun­de konn­ten wir ja dar­auf hin­wei­sen, wie stu­fen­wei­se der Mensch hin­auf­geht, zu­erst in das, was wir die ima­gi­na­ti­ve Welt nen­nen, wo er im christ­li­chen Sin­ne die sie­ben Sie­gel er­ken­nen lernt, dann bis zu dem, was wir die in­spi­rier­te Er­kennt­nis nen­nen, wo er die «Po­sau­nen» hört, und end­lich zu ei­ner noch höhe­ren Stu­fe, wo er die wah­re Be­deu­tung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
und We­sen­heit der Geist­we­sen zu durch­schau­en ver­mag, die Stu­fe der so­ge­nann­ten Zor­nes­scha­len. Jetzt aber müs­sen wir so­zu­sa­gen ei­ne be­stimm­te Ein­wei­hungs­stu­fe ins Au­ge fas­sen. Wir den­ken uns den Men­schen ge­ra­de bis zu je­ner Stu­fe der Ein­wei­hung ge­langt, wo das mit ihm ge­sche­hen ist, was am Schluß des letz­ten Vor­tra­ges ge­schil­dert wur­de. Wir den­ken uns ihn ge­ra­de an der Gren­ze, wo ihm, zwi­schen den feins­ten We­sen­hei­ten un­se­rer phy­si­schen Welt und der nächst­höhe­ren, der as­tra­li­schen Welt, ge­stat­tet ist, wie auf ei­nem Gip­fel zu ste­hen und her­un­ter­zu­schau­en. Was kann der Mensch auf die­sem ers­ten Gip­fel der Ein­wei­hung er­schau­en?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:GA104 067.png|center|900px|Tafelzeichnung aus GA 104, S. 67]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da sieht er im Geis­te al­les das, was ge­sche­hen ist, sei­ner in­ne­ren We­sen­heit nach, seit­dem die at­lan­ti­sche Flut die al­te At­lan­tis zer­stört hat und der nachat­lan­ti­sche Mensch ins Da­sein ge­t­re­ten ist. Da sieht er, wie sich die Kul­tur­k­reis­läu­fe ein­an­der fol­gen bis zu dem Zeit­punkt, wo auch un­ser Zei­tal­ter ei­nen Un­ter­gang neh­men wird, um ein neu­es her­auf­zu­füh­ren. Durch das Was­ser der at­lan­ti­schen Flut ist zu­grun­de ge­gan­gen die al­te At­lan­tis. Durch das, was wir nen­nen den Krieg al­ler ge­gen al­le, durch furcht­bar ver­hee­ren­de mo­ra­li­sche Ver­wi­cke­lun­gen wird un­ser Zei­tal­ter sei­nen Un­ter­gang fin­den. Und die­ses gro­ße Zei­tal­ter von der at­lan­ti­schen Flut an bis zum ge­wal­ti­gen Krieg al­ler ge­gen al­le, das tei­len wir wie­der ein in sie­ben au­f­ein­an­der­fol­gen­de Haupt-Kul­tu­re­po­chen, in&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
sie­ben Kul­tur­zei­träu­me, wie aus dem vor­ste­hen­den Sche­ma er­sicht­lich ist. An dem ei­nen En­de den­ken wir uns die gro­ße at­lan­ti­sche Flut, am ent­ge­gen­ge­setz­ten En­de den gro­ßen Welt­krieg, und das tei­len wir in sie­ben Un­ter­zei­tal­ter, in sie­ben Kul­tu­re­po­chen. Die gan­ze Epo­che, die die­se sie­ben Un­ter­zei­tal­ter ent­hält, ist wie­der der sie­ben­te Teil ei­nes län­ge­ren Zei­tal­ters, so daß Sie sich vor­zu­s­tel­len ha­ben sie­ben sol­che Glie­der wie un­ser Zei­tal­ter zwi­schen Flut und Krieg, zwei nach vorn, nach dem gro­ßen Krieg, und vier nach rück­wärts vor der at­lan­ti­schen Flut. Un­ser Zei­tal­ter, das nachat­lan­ti­sche, ist al­so das fünf­te gro­ße Zei­tal­ter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man muß wie­der­um auf ei­nen noch höhe­ren Gip­fel der Ein­wei­hung hin­auf­s­tei­gen, dann über­sieht man die­se sie­ben­mal sie­ben Zei­tal­ter. Sie sind zu über­schau­en, wenn man an der Gren­ze der as­tra­li­schen und der geis­ti­gen, der de­vacha­ni­schen Welt an­ge­langt ist. Und so geht es stu­fen­wei­se hin­auf. Wir wer­den se­hen, wel­ches die noch höhe­ren Stu­fen sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt müs­sen wir fest­hal­ten, daß man zu­nächst ei­nen Gip­fel er­rei­chen kann, auf dem uns, wie von ei­nem Ber­ge aus die wei­te Ebe­ne, die sie­ben Kul­tur­zei­tal­ter der nachat­lan­ti­schen Zeit sicht­bar wer­den. Wir al­le ken­nen sie ja schon, die­se Kul­tur­zei­tal­ter. Wir wis­sen, daß, als die at­lan­ti­sche Flut die al­te At­lan­tis hin­weg­ge­schwemmt hat­te, als ers­tes die alt­in­di­sche Kul­tur auf­blüh­te und daß sie ab­ge­löst wur­de von der ur­per­si­schen Kul­tur. Wir wis­sen, daß die as­sy­risch-ba­by­lo­nisch-chal­däisch-ägyp­tisch-jü­di­sche Kul­tur dar­auf folg­te, auf die­se das vier­te Kul­tur­zei­tal­ter, das grie­chisch-latei­ni­sche, und dar­auf das fünf­te, das uns­ri­ge, in dem wir le­ben. In dem sechs­ten, das auf das uns­ri­ge fol­gen wird, wird in ei­ner ge­wis­sen Be­zie­hung in der Frucht auf­ge­hen müs­sen, was wir an geis­ti­ger Kul­tur zu bau­en ha­ben. Das sie­ben­te Kul­tur­zei­tal­ter spielt sich ab vor dem Krieg al­ler ge­gen al­le. Da se­hen wir die­se furcht­ba­re Ver­wüs­tung der Kul­tur her­an­kom­men und se­hen das klei­ne Häuf­lein von Men­schen, das ver­stan­den hat, das spi­ri­tu­el­le Prin­zip in sich auf­zu­neh­men und das sich hin­weg­ret­ten wird ge­gen­über der all­ge­mei­nen Zer­trüm­me­rung durch den Ego­is­mus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir le­ben al­so in dem fünf­ten der Un­ter­zei­tal­ter, wie ge­sagt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|69}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie Städ­te und Dör­fer und Wäl­der vom Gip­fel ei­nes Ber­ges aus, so er­scheint von dem Gip­fel der Ein­wei­hung aus die Fol­ge die­ser Kul­tur­zei­tal­ter. Ih­re Be­deu­tung se­hen wir ein. Sie stel­len dar, was sich aus­dehnt auf un­se­rem phy­si­schen Plan als Mensch­heits­kul­tur. Des­halb sp­re­chen wir auch von Kul­tur­zei­tal­tern im Ge­gen­satz zu Ras­sen. Al­les das, was et­wa ver­knüpft ist mit dem Ras­sen­be­griff, ist noch Über­b­leib­sel des Zei­trau­mes, der dem un­se­ren vor­an­ge­gan­gen ist, des at­lan­ti­schen. Wir le­ben im Zei­traum der Kul­tu­re­po­chen. Die At­lan­tis war der Zei­traum, wo sich nach und nach sie­ben au­f­ein­an­der­fol­gen­de gro­ße Ras­sen bil­de­ten. Na­tür­lich, die Früch­te die­ser Ras­sen­bil­dung ra­gen he­r­ein auch in un­ser Zei­tal­ter, da­her spricht man auch heu­te noch von Ras­sen. Das sind aber schon Ver­wi­schun­gen je­ner schar­fen Tren­nun­gen in der at­lan­ti­schen Zeit. Heu­te hat schon der Kul­tur­be­griff den Ras­sen­be­griff ab­ge­löst. Da­her sp­re­chen wir von der al­ten in­di­schen Kul­tur, von wel­cher die Kul­tur, die uns in den Ve­den an­ge­kün­digt wird, nur ein Nach­klang ist. Die uralt-hei­li­ge in­di­sche Kul­tur ist die ers­te Mor­gen­rö­te der nachat­lan­ti­schen Kul­tur, sie folgt un­mit­tel­bar auf die at­lan­ti­sche Zeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ver­ge­gen­wär­ti­gen wir uns noch ein­mal, wie der Mensch leb­te in je­ner Zeit, die jetzt mehr als acht- oder ne­un­tau­send Jah­re hin­ter uns liegt. Wenn wir von den rea­len Zei­träu­men sp­re­chen, so gel­ten die­se Zah­len. Die­se Kul­tur, von der wir hier sp­re­chen, stand un­mit­tel­bar un­ter dem Ein­fluß der at­lan­ti­schen Flut oder der gro­ßen Eis­zei­te­po­che, wie sie in der mo­der­nen Wis­sen­schaft ge­nannt wird. Die At­lan­tis war un­ter­ge­gan­gen nach und nach, ein Bro­cken nach dem an­dern war ver­sch­lun­gen wor­den von der Flut. Und nun leb­te ein Men­schen­ge­sch­lecht auf der Er­de, von dem sich ein Teil zu der höchs­ten Ent­wi­cke­lungs­stu­fe her­auf­ge­ar­bei­tet hat­te, die zu er­rei­chen war. Das war das uralt in­di­sche Volk, ein Men­schen­ge­sch­lecht, das da­mals dr­ü­b­en im fer­nen Asi­en wohn­te und mehr in der Er­in­ne­rung an al­te ver­gan­ge­ne Zei­ten leb­te als in der Ge­gen­wart. Das ist das Gro­ße und Ge­wal­ti­ge je­ner Kul­tur, von der die schrift­li­chen Auf­zeich­nun­gen wie die Ve­den und die Bha­ga­vad Gi­ta nur noch Nach­klän­ge sind, daß die Men­schen in der Er­in­ne­rung an das leb­ten,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
was sie in der at­lan­ti­schen Zeit sel­ber er­lebt hat­ten. Den­ken Sie an den ers­ten Vor­trag die­ses Zy­k­lus. Da wur­de ge­sagt, daß die Men­schen in je­ner Zeit zum gro­ßen Teil be­fähigt wa­ren, ein ge­wis­ses däm­mer­haf­tes Hell­se­hen zu ent­wi­ckeln. Die Men­schen wa­ren nicht be­schränkt auf die­se phy­sisch-sinn­li­che Welt. Sie leb­ten zwi­schen gött­lich-geis­ti­gen We­sen­hei­ten. Sie sa­hen die­se gött­lich-geis­ti­gen We­sen­hei­ten um sich. Da­rin be­stand der Über­gang von der at­lan­ti­schen Zeit zur nachat­lan­ti­schen, daß der Blick der Men­schen von der geis­ti­gen, as­tra­lisch-äthe­ri­schen Welt ab­ge­sch­los­sen und be­schränkt wur­de auf die­se phy­si­sche Welt. Die ers­te Kul­tu­re­po­che zeich­ne­te sich da­durch aus, daß die Men­schen Sehn­sucht hat­ten, tie­fe Sehn­sucht nach dem, was ih­re Vor­fah­ren in der al­ten At­lan­tis ge­schaut, wo­vor sich aber das Tor zu­ge­sch­los­sen hat­te. Ural­te Weis­heit ha­ben un­se­re Vor­fah­ren mit ih­ren geis­ti­gen Au­gen, wenn auch däm­mer­haft, ge­schaut. Sie wohn­ten un­ter Geis­tern, gin­gen mit Göt­tern und Geis­tern um. So fühl­ten sie, die­se Men­schen der uralt-hei­li­gen in­di­schen Kul­tur: sie sehn­ten sich mit al­len ih­ren Fa­sern dar­nach, zu­rück­zu­schau­en, zu se­hen das, was die Vor­fah­ren ge­se­hen hat­ten, wo­von ural­te Weis­heit kün­de­te. Und so er­schi­en das Land, das eben auf­ge­t­re­ten war vor den phy­si­schen Bli­cken der Men­schen die Fel­sen der Er­de, die jetzt erst sicht­bar ge­wor­den wa­ren, die früh­er noch geis­tig ge­schaut wur­den , all das Äu­ße­re er­schi­en ih­nen ge­rin­ger als das, woran sie sich er­in­nern konn­ten. Ma­ja, die gro­ße Il­lu­si­on, wur­de al­les das ge­nannt, was die phy­si­schen Au­gen se­hen konn­ten, die gro­ße Täu­schung, aus der man her­aus woll­te. Und die Bes­ten die­ses ers­ten Zei­tal­ters soll­ten durch je­ne Ein­wei­hungs­me­tho­de, von der es ei­ni­ge Über­b­leib­sel im Yo­ga gibt, hin­auf­ge­ho­ben wer­den zu der Stu­fe ih­rer Vor­fah­ren. Dar­aus ging ei­ne re­li­giö­se Grund­stim­mung her­vor, die mit den Wor­ten wie­der­ge­ge­ben wer­den kann: Wert­lo­se eit­le Täu­schung ist das, was uns hier um­gibt im äu­ße­ren Sin­nen­schein. Das Wah­re, Ech­te ist oben in der geis­ti­gen Welt, die wir ver­las­sen ha­ben. Die geis­ti­gen Füh­rer des Vol­kes wa­ren die­je­ni­gen, wel­che sich hin­auf­ver­set­zen konn­ten in die Re­gio­nen, in de­nen man früh­er leb­te.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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Das war die ers­te Epo­che der nachat­lan­ti­schen Zeit. Und al­le Epo­chen der nachat­lan­ti­schen Zeit sind da­durch cha­rak­te­ri­siert, daß der Mensch im­mer mehr ver­ste­hen lern­te die äu­ße­re sinn­li­che Wir­k­lich­keit, im­mer mehr er­ken­nen lern­te: Was uns hier ge­ge­ben ist für die äu­ße­ren Sin­ne, ist nicht als blo­ßer Schein zu be­han­deln, es ist ei­ne Ga­be der geis­ti­gen We­sen, und nicht um­sonst ha­ben uns die Göt­ter die Sin­ne ge­ge­ben. Das, was hier auf der Er­de ei­ne Kul­tur der ma­te­ri­el­len Welt be­grün­det, muß nach und nach ein­ge­se­hen wer­den.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was der al­te In­der noch als Ma­ja an­ge­spro­chen hat, wo­vor er ge­f­lo­hen ist, wo­von er sich zu­rück­sehn­te, das spra­chen die­je­ni­gen, die der zwei­ten Epo­che an­ge­hör­ten, als ihr Ar­beits­feld an, als et­was, was sie zu be­ar­bei­ten hat­ten. Und so ha­ben wir jetzt die uralt-per­si­sche Epo­che, die et­wa fünf­tau­send Jah­re zu­rück­liegt, je­ne Kul­tu­re­po­che, in wel­cher den Men­schen das Land um sie her­um zwar zu­nächst wie feind­lich er­schi­en, aber nicht mehr wie früh­er als Il­lu­si­on, die man zu flie­hen ha­be, son­dern als ein Ar­beits­feld, dem man den ei­ge­nen Geist ein­zu­prä­gen hat. Vom Bö­sen, von ei­ner dem Gu­ten geg­ne­ri­schen Macht ist die­se Er­de be­herrscht in ih­rer ma­te­ri­el­len Be­schaf­fen­heit, von dem Got­te Ah­ri­man. Er be­herrscht sie, aber der gu­te Gott Or­muzd hilft den Men­schen in sei­nen Di­enst stel­len sich die Men­schen. Wenn sie sei­nen Wil­len aus­füh­ren, dann ver­wan­deln sie die­se Welt in ei­nen Acker der obe­ren geis­ti­gen Welt, dann prä­gen sie der sinn­lich-wir­k­li­chen Welt das ein, was sie selbst im Geist er­ken­nen. Ein Ar­beits­feld war für die zwei­te Epo­che die phy­sisch-rea­le, die sinn­lich-rea­le Welt. Für den In­der war die sinn­li­che Welt noch Täu­schung, Ma­ja. Für den Per­ser war sie zwar von bö­sen Dä­mo­nen be­herrscht, aber doch ei­ne sol­che Welt, aus der der Mensch aus­zu­t­rei­ben hat­te die bö­sen und der er ein­zu­g­lie­dern hat­te die gu­ten geis­ti­gen We­sen­hei­ten, die Die­ner des Licht­gotts Or­muzd.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und in der drit­ten Epo­che kommt der Mensch noch näh­er der äu­ße­ren sinn­li­chen Wir­k­lich­keit. Da ist sie ihm nicht mehr ei­ne bloß feind­li­che Macht, die er zu über­win­den hat. Der In­der hat hin­auf­ge­schaut zu den Ster­nen und sich ge­sagt: Ach, al­les was da&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|72}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ist, was ich mit äu­ße­ren Au­gen se­hen kann, ist doch nur Ma­ja, Täu­schung. Die chal­däi­schen Pries­ter sa­hen den Lauf, die Stel­lun­gen der Ster­ne und sag­ten sich: In­dem ich die Stel­lun­gen der Ster­ne se­he und ih­ren Lauf ver­fol­ge, wird mir das zu ei­ner Schrift, aus der ich den Wil­len der gött­lich-geis­ti­gen We­sen er­ken­ne. Ich er­ken­ne das, was die Göt­ter wol­len, in dem, was sie ge­tan ha­ben. Nicht mehr Ma­ja war ih­nen die phy­sisch-sinn­li­che Welt, son­dern wie die Schrift des Men­schen der Aus­druck sei­nes Wil­lens ist, so war ih­nen das, was in den Ster­nen am Him­mel steht, was in den Kräf­ten der Na­tur lebt, ei­ne Göt­ter­schrift. Und mit Lie­be be­gan­nen sie zu ent­zif­fern die Schrift der Na­tur. So ent­steht je­ne wun­der­ba­re Ster­nen­kun­de, die die Men­schen heu­te kaum mehr ken­nen. Denn was man heu­te als As­tro­lo­gie kennt, ist durch ein Mißv­er­ste­hen der Tat­sa­chen ent­stan­den. Tie­fe Weis­heit in der Ster­nen­schrift ist es, was dem al­ten Chal­däer­pries­ter als As­tro­lo­gie ge­of­fen­bart wur­de, als die Ge­heim­nis­se des­sen, was er mit Au­gen sah. Das be­trach­te­te er als Of­fen­ba­rung ei­nes In­ne­ren, Durch­geis­tig­ten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und was wur­de die Er­de für den Ägyp­ter? Wir brau­chen nur auf die Er­fin­dung der Geo­me­trie hin­zu­deu­ten, wo der Mensch lern­te die Er­de ein­zu­tei­len nach den Ge­set­zen des Rau­mes, nach den Re­geln der Geo­me­trie. Da wur­den die Ge­set­ze in der Ma­ja er­forscht. In der uralt per­si­schen Kul­tur hat man die Er­de um­ge­a­ckert, jetzt lern­te man sie ein­tei­len nach den Ge­set­zen des Rau­mes. Die Ge­set­ze be­ginnt man zu er­for­schen und man tut noch mehr. Man sagt sich: Nicht um­sonst ha­ben die Göt­ter in den Ster­nen uns ei­ne Schrift hin­ter­las­sen, nicht um­sonst ha­ben die Göt­ter uns ih­ren Wil­len kund­ge­ge­ben in den Na­tur­ge­set­zen. Wenn der Mensch durch sein ei­ge­nes Ar­bei­ten das Heil be­wir­ken will, dann muß er in den Ein­rich­tun­gen, die er hier macht, ei­ne Nach­bil­dung schaf­fen des­sen, was er aus den Ster­nen er­for­schen kann. Oh, könn­ten Sie zu­rück­se­hen in die Ar­beits­kam­mern der ägyp­ti­schen Ein­ge­weih­ten! Das war ein an­de­res Ar­bei­ten als heu­te auf dem Ge­bie­te der Wis­sen­schaft. Da wa­ren die Ein­ge­weih­ten die Wis­sen­schaf­ter. Sie er­forsch­ten den Gang der Ster­ne und er­kann­ten die Re­gel­mä­ß­ig­keit in dem Stand und Lauf der Ster­ne und in der Ein­wir­kung ih­rer&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Stel­lun­gen auf das, was un­ten auf der Er­de sich voll­zog. Sie sag­ten sich: Wenn die­se oder je­ne Kon­s­tel­la­ti­on am Him­mel ist, so muß un­ten die­ses oder je­nes vor sich ge­hen im Staats­le­ben, und wenn ei­ne an­de­re Kon­s­tel­la­ti­on kommt, muß auch et­was an­de­res ge­sche­hen. Nach ei­nem Jahr­hun­dert wer­den ge­wis­se Kon­s­tel­la­tio­nen da sein, sag­ten sie, und dann muß ein dem Ent­sp­re­chen­des vor sich ge­hen. Und für Jahr­tau­sen­de hin­aus wur­de vor­aus­be­stimmt, was zu tun ist. So ent­stand das, was man als die Si­byl­li­ni­schen Bücher be­zeich­net. Was da­r­in­nen­steht, ist kein Wahn. Nach sorg­fäl­ti­gen Be­o­b­ach­tun­gen ha­ben die Ein­ge­weih­ten nie­der­ge­schrie­ben, was für Jahr­tau­sen­de hin­aus zu ge­sche­hen hat, und ih­re Nach­fol­ger wuß­ten: Das ist ein­zu­hal­ten. Und sie ta­ten nichts, was nicht in die­sen Büchern für die Jahr­tau­sen­de hin­aus nach dem Lauf der Ster­ne vor­ge­zeich­net war. Sa­gen wir, es ha­be sich dar­um ge­han­delt, ir­gend­ein Ge­setz zu ma­chen. Da hat man nicht ab­ge­stimmt wie bei uns, da hol­te man Rat bei den hei­li­gen Büchern, in de­nen auf­ge­schrie­ben war, was hier auf der Er­de ge­sche­hen muß, da­mit es ein Spie­gel des­sen sei, was in den Ster­nen ge­schrie­ben ist, und was in den Büchern stand, das führ­te man aus. Der ägyp­ti­sche Pries­ter wuß­te, als er die­se Bücher schrieb: Mei­ne Nach­fol­ger wer­den aus­füh­ren, was da­r­in­nen­steht. Von der Not­wen­dig­keit der Ge­setz­mä­ß­ig­keit wa­ren sie über­zeugt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die vier­te Kul­tu­re­po­che hat sich aus die­ser drit­ten her­aus­ent­wi­ckelt. Es ha­ben sich nur spär­li­che Res­te die­ser pro­phe­tisch wir­ken­den Kunst der Ägyp­ter be­wahrt. Ei­nen sol­chen Rest kön­nen Sie noch se­hen. Man hat näm­lich, wenn man die­se pro­phe­tisch wir­ken­de Kunst im al­ten Ägyp­ter­land hat üben wol­len, den nächs­ten Zei­traum in sie­ben Tei­le ein­ge­teilt und ge­sagt: Der ers­te muß dies ent­hal­ten, der zwei­te das, der drit­te je­nes und so wei­ter. Da­nach ver­folg­ten die Nach­kom­men, was zu ge­sche­hen hat. Aber das war eben das Haupt­cha­rak­te­ris­ti­kum der drit­ten Kul­tu­re­po­che. Die vier­te zeig­te nur noch schwa­che Nach­klän­ge da­von. Sie kön­nen nun die­se schwa­chen Nach­klän­ge noch er­ken­nen, wenn Ih­nen der Ur­sprung der al­ten rö­mi­schen Kul­tur er­zählt wird. Äneas, Sohn des An­chi­ses aus Tro­ja, ei­ner Stät­te der drit­ten Epo­che, wan­dert&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
aus und kommt zu­letzt nach Al­ba Lon­ga. In die­sem Na­men ist an­ge­deu­tet ei­ne Stät­te ural­ter hei­li­ger Pries­ter­kul­tur: Al­ba Lon­ga oder die lan­ge Al­ba, die Stadt ei­ner Pries­ter­kul­tur, von der die Kul­tur Roms aus­ge­hen soll­te. Im Meßk­leid der ka­tho­li­schen Pries­ter ha­ben wir noch ei­nen Nach­klang da­von er­hal­ten. Da wur­de vor­aus­ge­zeich­net noch in al­ter Pries­ter­wei­se ei­ne sie­ben­g­lie­d­ri­ge Kul­tu­re­po­che. Oh, die­se sie­ben rö­mi­schen Kö­n­igs­zei­ten wa­ren vor­aus­ge­zeich­net! Und die Ge­schichts­sch­rei­ber des neun­zehn­ten Jahr­hun­derts ha­ben wie­der ein­mal sich ei­nen bö­sen St­reich spie­len las­sen im Hin­blick auf die­se sie­ben Kö­n­igs­zei­ten. Sie sind dar­auf ge­kom­men, daß in dem pro­fa­nen ma­te­ri­el­len Sinn es mit die­sen rö­mi­schen Kö­n­i­gen nichts ist; aber was da­hin­ter­steckt, daß hier ei­ne nach der hei­li­gen Sie­ben­zahl pro­phe­tisch vor­aus­ge­g­lie­der­te Kul­tur der Si­byl­li­ni­schen Bücher nach­ge­zeich­net ist, dar­auf konn­ten sie nicht kom­men.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier ist nicht der Ort, uns ein­zu­las­sen auf die ein­zel­nen Kö­n­i­ge. Sie wür­den an den ein­zel­nen Kö­n­i­gen se­hen kön­nen, an Ro­mu­lus, Nu­ma Pom­pi­li­us, Tul­lus Ho­s­ti­li­us und so wei­ter, wie sie ge­nau dem ent­sp­re­chen, was die au­f­ein­an­der­fol­gen­den Kul­tu­re­po­chen nach den sie­ben Prin­zi­pi­en sind, die sich uns auf so ver­schie­de­nen Ge­bie­ten zei­gen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So hat­te man all­mäh­lich in der drit­ten Epo­che die Ma­ja zu durch­drin­gen ver­mocht mit dem Men­schen­geist. Vol­l­en­det wur­de das in der vier­ten Kul­tu­re­po­che. Se­hen Sie sich die grie­chisch-latei­ni­sche Kul­tur an, wo in den wun­der­ba­ren Kunst­wer­ken der Mensch in der äu­ße­ren ma­te­ri­el­len Welt ein völ­li­ges Ab­bild sei­ner selbst schafft, wo er im Dra­ma sei­ne men­sch­li­chen Schick­sa­le ent­ste­hen läßt wie bei Ai­schy­los. Se­hen Sie sich da­ge­gen an, wie man in der ägyp­ti­schen Kul­tur noch den Göt­ter­wil­len er­forscht. Je­ne Er­obe­rung der Ma­te­rie, wie wir sie in der grie­chi­schen Zeit se­hen, be­deu­tet noch ei­ne Stu­fe mehr, auf der der Mensch das ma­te­ri­el­le Da­sein lieb­ge­winnt, und vol­l­ends ist der Mensch in der rö­mi­schen Zeit auf den phy­si­schen Plan her­aus­ge­t­re­ten. Wer das ver­steht, der weiß auch, daß wir da­rin das völ­li­ge Her­au­s­t­re­ten des Per­sön­lich­keit­s­prin­zips zu er­bli­cken ha­ben. Da­her trat in Rom zu­erst das auf, was&lt;br /&gt;
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wir den Rechts­be­griff nen­nen, wo wir den Men­schen zu­erst als Bür­ger vor uns ha­ben. Nur ei­ne ver­wor­re­ne Wis­sen­schaft kann die Ju­ri­s­pru­denz zu­rück­füh­ren auf al­ler­lei vor­her­ge­hen­de Zei­ten. Was man vor­her un­ter Recht ver­stand, war et­was an­de­res. Viel rich­ti­ger schil­dert das Al­te Te­s­ta­ment in den Zehn Ge­bo­ten das al­te Ge­setz. Was da der Gott be­fahl, das ge­hör­te zu dem, was die Rechts­be­grif­fe ent­hielt. Es ist ein Un­ding in un­se­rer Zeit, daß man die Rechts­be­grif­fe zu­rück­füh­ren will bis Ham­mu­ra­bi und so wei­ter. In Rom zu­erst wird das ei­gent­li­che Recht, wird der ei­gent­li­che Be­griff des Men­schen als Bür­ger zur Gel­tung ge­bracht. In Grie­chen­land noch war der Bür­ger Mit­g­lied des Stadt-Staa­tes. Der Athe­ner, der Sparta­ner war als Bür­ger viel mehr denn als Ein­zel­mensch. Er fühl­te sich als Glied des Stadt-Staa­tes. In Rom erst wur­de der ein­zel­ne Mensch der Bür­ger, da konn­te er es erst wer­den. Das lie­ße sich in al­len Ein­zel­hei­ten nach­wei­sen. Das, was wir heu­te ein Te­s­ta­ment nen­nen, gab es in die­ser Be­deu­tung nicht vor der al­ten Rö­mer­zeit. Das Te­s­ta­ment in sei­ner heu­ti­gen Be­deu­tung ent­stand da­mals erst, weil da erst der ein­zel­ne Mensch maß­ge­bend sein soll­te in sei­nem ego­is­ti­schen Wil­len, um die­sen Wil­len auf sei­ne Nach­kom­men über­ge­hen zu las­sen. Vor­her wa­ren an­de­re Im­pul­se als der per­sön­li­che Wil­le da, die das Gan­ze zu­sam­men­hiel­ten. So lie­ße sich an vie­len Bei­spie­len nach­wei­sen, wie der Mensch her­au­s­t­rat auf den phy­si­schen Plan.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir le­ben jetzt im fünf­ten, in je­nem Zei­traum, wo die Kul­tur noch tie­fer als bis zum Men­schen her­un­ter­ge­s­tie­gen ist. Wir le­ben in der Zeit, wo der Mensch der Skla­ve ist der äu­ße­ren Ver­hält­nis­se, des Mi­lieus. In Grie­chen­land wur­de der Geist da­zu ver­wen­det, um die Ma­te­rie zu ver­geis­ti­gen, und die ver­geis­tig­te Ma­te­rie tritt uns ent­ge­gen in ei­ner Apol­lo-Ge­stalt, ei­ner Zeus-Ge­stalt, in den Dra­men ei­nes So­pho­k­les und so wei­ter. Da ist der Mensch hin­aus­ge­s­tie­gen auf den phy­si­schen Plan, aber noch nicht hin­un­ter­ge­s­tie­gen un­ter den Men­schen. Auch in Rom noch ist das der Fall. Das tie­fe Her­un­ter­s­tei­gen un­ter die Sphä­re des Men­sch­li­chen ist jetzt erst ge­sche­hen. In un­se­rer Zeit ist der Geist der Skla­ve der Ma­te­rie ge­wor­den. Un­end­lich viel Geist ist ver­wen­det wor­den in un­se­rem&lt;br /&gt;
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Zei­traum, um den äu­ße­ren Plan in sei­nen Na­tur­kräf­ten zu durch­drin­gen, um die­sen äu­ße­ren phy­si­schen Plan so­zu­sa­gen zu ei­ner mög­lichst be­que­men Stät­te für den Men­schen zu ma­chen.&lt;br /&gt;
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Ver­g­lei­chen wir ein­mal die al­ten Zei­ten mit un­se­rer Zeit. In die­sen al­ten Zei­ten sah der Mensch die gro­ße Ster­nen­schrift der Göt­ter, aber mit welch pri­mi­ti­ven Mit­teln wur­den die Kul­tu­r­er­run­gen­schaf­ten je­ner Zeit, die Py­ra­mi­den, die Sphin­xe her­ge­s­tellt! Wie nähr­te sich der Mensch! Und was hat er sich al­les an äu­ße­ren Kul­tur­mit­teln bis heu­te er­obert! Wel­che Kraft des Geis­tes ge­hör­te da­zu, um die Dampf­ma­schi­ne zu er­sin­nen und her­zu­s­tel­len, um die Ei­sen­bahn, den Te­le­gra­phen, das Te­le­phon und so wei­ter aus­zu­den­ken! Un­ge­heu­re Kräf­te des geis­ti­gen Le­bens muß­ten ver­wen­det wer­den, um die­se rein ma­te­ri­el­len Kul­tur­mit­tel zu er­fin­den und her­zu­s­tel­len. Und wo­zu wer­den sie ver­wen­det? Ist es für das spi­ri­tu­el­le Le­ben im we­sent­li­chen ein Un­ter­schied, ob in ei­ner Ur­kul­tur ein Mensch zwi­schen zwei Stei­nen das Ge­t­rei­de zer­rieb, wo­zu na­tür­lich sehr ge­rin­ge geis­ti­ge Kräf­te ver­braucht wur­den, oder ob wir im­stan­de sind, nach Ame­ri­ka zu te­le­gra­phie­ren, um von dort­her gro­ße Ge­t­rei­de­men­gen zu be­kom­men und sie durch wun­der­bar aus­ge­dach­te Müh­len zu Mehl zu zer­rei­ben? Ein­fach für den Ma­gen ist der gan­ze Ap­pa­rat in Be­we­gung ge­setzt. Ma­chen wir uns klar, wel­che Un­sum­men geis­ti­ger Le­bens­kräf­te hin­ein­ge­steckt wer­den in die bloß ma­te­ri­el­le Kul­tur. Von der spi­ri­tu­el­len Kul­tur wird noch sehr we­nig durch die äu­ße­ren Kul­tur­mit­tel be­för­dert. Der Te­le­graph wird in, sa­gen wir, an­thro­po­so­phi­schen An­ge­le­gen­hei­ten sehr sel­ten ver­wen­det. Wenn Sie ei­nen sta­tis­ti­schen Ver­g­leich auf­s­tel­len wür­den zwi­schen dem, was für die ma­te­ri­el­le Kul­tur ver­wen­det wird, und dem, was dem spi­ri­tu­el­len Le­ben zu­gu­te kommt, dann wür­den Sie be­g­rei­fen, daß der Geist un­ter das Men­sch­li­che hin­un­ter­ge­taucht ist, ein Skla­ve ge­wor­den ist des ma­te­ri­el­len Le­bens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So ha­ben wir im ent­schie­dens­ten Sin­ne ei­nen ab­s­tei­gen­den Kul­tur­weg bis in un­se­re Zeit, in die fünf­te Kul­tu­re­po­che hin­ein, und im­mer tie­fer und tie­fer wür­de es hin­un­ter­ge­hen. Des­halb muß vor dem völ­li­gen Hin­un­ter­g­lei­ten in die Ma­te­rie die Mensch­heit durch ei­nen neu­en Im­puls be­wahrt wer­den. So tief ist vor­her noch nie­mals&lt;br /&gt;
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das We­sen des Men­schen hin­un­ter­ge­s­tie­gen in die Ma­te­rie. Ein star­ker, der stärks­te der Er­den­im­pul­se muß­te kom­men. Das war die Er­schei­nung des Chris­tus Je­sus, die den An­stoß gab zu neu­em spi­ri­tu­el­lem Le­ben. Was wir im geis­ti­gen Le­ben wäh­rend des Ab­s­tie­ges an auf­wärts­s­tei­gen­den Kräf­ten ha­ben, das ver­dan­ken wir je­nem ge­wal­ti­gen Im­pul­se, der durch Chris­tus Je­sus kam. Inn­er­halb die­ses Ab­s­tie­ges in die Ma­te­rie wa­ren im­mer spi­ri­tu­el­le Im­pul­se vor­han­den. Da ent­fal­te­te sich, zu­erst lang­sam, dann mehr und mehr das christ­li­che Le­ben, das heu­te erst im An­fang ist, das aber in der Zu­kunft zu ei­ner un­ge­heu­ren Glo­rie em­por­s­tei­gen wird, weil die Mensch­heit erst in der Zu­kunft die Evan­ge­li­en be­g­rei­fen wird. Wenn man sie aber voll­stän­dig ver­ste­hen wird, dann wird man se­hen, wel­che Un­sum­me spi­ri­tu­el­len Le­bens in die­sen Evan­ge­li­en vor­han­den ist. Je mehr sich das Evan­ge­li­um in sei­ner wah­ren Ge­stalt aus­b­rei­ten wird, um so mehr wird die Mensch­heit wie­der­um die Mög­lich­keit ha­ben, trotz al­ler ma­te­ri­el­len Kul­tur ein spi­ri­tu­el­les Le­ben zu ent­fal­ten, hin­auf­zu­s­tei­gen wie­der­um in die geis­ti­gen Wel­ten.&lt;br /&gt;
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Was sich nun al­so von Zei­traum zu Zei­traum in der nachat­lan­ti­schen Kul­tur ent­wi­ckelt, das stellt sich der Apo­ka­lyp­ti­ker so vor, daß es sich aus­drückt in klei­ne­ren Ge­mein­schaf­ten, und so wer­den ihm die­se klei­ne­ren Ge­mein­schaf­ten, die auf der äu­ße­ren Er­de im Raum ver­teilt sind, zu Re­prä­sen­t­an­ten die­ser Kul­tu­re­po­chen. Wenn er spricht von der Ge­mein­de oder Kir­che zu Ephe­sus, so meint er: Ich neh­me an, daß zu Ephe­sus ei­ne sol­che Ge­mein­de leb­te, die in ge­wis­ser Be­zie­hung wohl das Chris­ten­tum an­ge­nom­men hat. Aber weil sich al­les nach und nach ent­wi­ckelt, so bleibt im­mer von je­der Kul­tu­re­po­che et­was zu­rück. In Ephe­sus ha­ben wir zwar ei­ne Ein­ge­weih­ten­schu­le, aber wir ha­ben die christ­li­che Leh­re da so ge­färbt, daß man noch übe­rall die alt­in­di­sche Kul­tur er­ken­nen kann. Er will uns zei­gen die ers­te Epo­che in der nachat­lan­ti­schen Zeit. Die­se ers­te Epo­che in der nachat­lan­ti­schen Zeit ist al­so re­prä­sen­tiert in der ephe­si­schen Ge­mein­de, und das, was zu ver­kün­den ist, soll in ei­nem Brie­fe an die Ge­mein­de von Ephe­sus ver­kün­det wer­den. Wir müs­sen uns das un­ge­fähr so vor­s­tel­len: Der Cha­rak­ter je­ner fer­nen&lt;br /&gt;
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in­di­schen Kul­tu­re­po­che blieb na­tür­lich, er setz­te sich fort in ver­schie­de­nen Kul­tur­strö­mun­gen. In der Ge­mein­de von Ephe­sus ha­ben wir noch et­was von die­sem Cha­rak­ter. Von die­ser Ge­mein­de wur­de das Chris­ten­tum so er­faßt, daß es noch von dem ty­pi­schen Cha­rak­ter der alt­in­di­schen Kul­tur be­stimmt wur­de.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So ha­ben wir in je­dem die­ser Brie­fe ei­nen Re­prä­sen­t­an­ten ei­ner der sie­ben nachat­lan­ti­schen Kul­tu­re­po­chen an­ge­spro­chen. In je­dem Brie­fe wird ge­sagt: Ihr seid so und so! Die­se und je­ne Sei­te eu­res We­sens ent­spricht dem, was im Sin­ne des Chris­ten­tums ist, das an­de­re muß an­ders wer­den. So sagt der Apo­ka­lyp­ti­ker zu ei­ner je­den Kul­tu­re­po­che, was bei­be­hal­ten wer­den kann und was nicht mehr stimmt und an­ders wer­den soll.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ver­su­chen wir ein­mal, ob nun wir­k­lich in den sie­ben au­f­ein­an­der­fol­gen­den Brie­fen et­was ent­hal­ten ist von dem Cha­rak­ter der sie­ben au­f­ein­an­der­fol­gen­den Kul­tu­re­po­chen. Ver­su­chen wir ein­mal zu ver­ste­hen, wie die­se Brie­fe ge­hal­ten sein muß­ten, wenn sie dem ent­sp­re­chen soll­ten, was eben ge­sagt wor­den ist. Der Apo­ka­lyp­ti­ker denkt sich: In Ephe­sus ist ei­ne Ge­mein­de, ei­ne Kir­che. Sie hat das Chris­ten­tum an­ge­nom­men, aber sie zeigt das Chris­ten­tum in ei­ner Fär­bung, wie die ers­te Kul­tu­re­po­che noch war, fremd dem äu­ße­ren Le­ben, nicht von Lie­be er­füllt für das, was die ei­gent­li­che Auf­ga­be ist des nachat­lan­ti­schen Men­schen. Daß sie die An­be­tung der gro­ben Sinn­lich­keit ver­las­sen hat, daß sie sich ge­wandt hat zum geis­ti­gen Le­ben so sagt der, der die Brie­fe an die Ge­mein­de rich­tet , das ge­fal­le ihm an ihr. Wir er­ken­nen, was der Apo­ka­lyp­ti­ker da­mit sa­gen woll­te, in dem Um­stand, daß Ephe­sus die Stät­te war, wo der Mys­te­ri­en­di­enst der keu­schen Dia­na gepf­legt wur­de. Er deu­tet dar­auf hin, daß die Ab­kehr von der Ma­te­rie dort in be­son­de­rer Blü­te stand, die Ab­kehr vom sinn­li­chen Le­ben und die Hin­wen­dung zum Geis­ti­gen. «Aber ich ha­be wi­der dich, daß du die ers­te Lie­be ver­las­sen hast», die Lie­be, die die ers­te nachat­lan­ti­sche Kul­tur ha­ben muß, die da­rin sich äu­ßert, die Er­de als Acker an­zu­se­hen, in den hin­ein verpflanzt wer­den muß der gött­li­che Sa­me.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie cha­rak­te­ri­siert sich denn der­je­ni­ge, der die­sen Brief dik­tiert?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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Er cha­rak­te­ri­siert sich als Vor­läu­fer des Chris­tus Je­sus, gleich­sam als Füh­rer der ers­ten Kul­tu­re­po­che. Der Chris­tus Je­sus spricht gleich­sam durch die­sen Füh­rer oder Meis­ter der ers­ten Kul­tu­re­po­che, je­ner Epo­che, wo der Ein­ge­weih­te hin­auf­sah zu den jen­sei­ti­gen Wel­ten. Er sagt von sich, daß er die sie­ben Ster­ne in sei­ner Rech­ten hält und die sie­ben gol­de­nen Leuch­ter. Die sie­ben Ster­ne sind nichts an­de­res als Sym­bo­le für die sie­ben höhe­ren geis­ti­gen We­sen­hei­ten, wel­che die Füh­rer der gro­ßen Kul­tu­re­po­chen sind. Und von den sie­ben Leuch­tern ist es im be­son­de­ren aus­ge­drückt, daß es geis­ti­ge We­sen­hei­ten sind, die man nicht in der sinn­li­chen Welt se­hen kann. So ist auch in der Jo­ga-Ein­wei­hung in kla­ren Wor­ten auf sie hin­ge­deu­tet, hin­ge­deu­tet aber auch dar­auf, daß nie­mals der Mensch im Sin­ne der Ent­wi­cke­lung wirkt, wenn er die äu­ße­ren Wer­ke haßt, wenn er von der Lie­be zu den äu­ße­ren Wer­ken abläßt. Die Ge­mein­de zu Ephe­sus hat die Lie­be zu den äu­ße­ren Wer­ken ver­las­sen. So wird ganz rich­tig in der Apo­ka­lyp­se des Jo­han­nes an­ge­ge­ben: Du has­sest die Wer­ke der Ni­ko­lai­ten. «Ni­ko­lai­ten» ist nichts an­de­res als ei­ne Be­zeich­nung für die­je­ni­gen Men­schen, die das Le­ben bloß in der sinn­li­chen Ma­te­rie zum Aus­druck brin­gen. Es gab in der Zeit, auf die sich die­ser Brief be­zieht, ei­ne Sek­te der Ni­ko­lai­ten, die al­les, was dem Men­schen wert sein soll, nur in dem äu­ße­ren, flei­sch­li­chen, sinn­li­chen Le­ben sa­hen. Das sollst du nicht, sagt der­je­ni­ge, der den ers­ten Brief in­spi­riert. Aber nicht von der ers­ten Lie­be las­sen, sagt er auch, denn da­durch, daß du die Lie­be zur äu­ße­ren Welt hast, be­lebst du die­se äu­ße­re Welt, holst du sie hin­auf zum geis­ti­gen Le­ben. Der­je­ni­ge, der Oh­ren hat zu hö­ren, der hö­re: Wer über­win­det, dem wer­de ich zu es­sen ge­ben, nicht bloß vom ver­gäng­li­chen Baum, son­dern vom Baum des Le­bens , das heißt, der wird im­stan­de wer­den, zu ver­geis­ti­gen, was hier im Sinn­li­chen ist, um es hin­auf­zu­füh­ren zum Al­tar des geis­ti­gen Le­bens.&lt;br /&gt;
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Der Re­prä­sen­tant der zwei­ten Kul­tu­re­po­che ist die Ge­mein­de oder Kir­che zu Smyr­na. Die­se re­det der Füh­rer der Mensch­heit an in sei­nem zwei­ten Vor­fah­ren, in dem In­spi­ra­tor und Meis­ter der uralt-per­si­schen Kul­tur. Die Ge­sin­nung der uralt-per­si­schen Kul­tur&lt;br /&gt;
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ist die­se: Einst­mals ist der Gott des Lich­tes ge­we­sen, der hat­te ei­nen Feind, die äu­ße­re Ma­te­rie, den fins­te­ren Ah­ri­man. Zu­erst war ich ver­bun­den mit dem Licht­geist, mit dem ers­ten, der da war. Da wur­de ich ein­ge­g­lie­dert in die Welt der Ma­te­rie, in wel­che sich ein­füg­te die zu­rück­ge­b­lie­be­ne feind­li­che Ge­walt: Ah­ri­man. Und nun wer­de ich ge­mein­sam mit dem Licht­geist be­ar­bei­ten die Ma­te­rie und ihr den Geist ein­g­lie­dern; dann wird nach Be­sie­gung der bö­sen Gott­heit die gu­te, die Licht-Gott­heit wie­der er­schei­nen. «Ich bin der­je­ni­ge, der der Ers­te ist und der Letz­te», der­je­ni­ge, der tot wird im ma­te­ri­el­len Le­ben und wie­der­um le­ben­dig in der geis­ti­gen Au­f­er­ste­hung. So le­sen wir im zwei­ten Brief: «Ich bin der Ers­te und der Letz­te, der da ist und der da war und der da kommt, der wie­der le­ben­dig ge­wor­den ist» (Of­fen­ba­rung Jo­han­nis 2, 8). Es wür­de zu weit füh­ren, je­den Satz in die­ser Wei­se durch­zu­ge­hen, aber den ei­nen müs­sen wir doch noch ge­nau­er an­füh­ren, den Satz, der uns da ge­nau cha­rak­te­ri­siert, wie man sich als Mit­g­lied der Ge­mein­de zu Smyr­na ver­hält, wenn man sie um­ge­stal­tet ins christ­li­che Prin­zip. Da heißt es, daß man dem To­de Le­ben gibt, daß man das To­te durch­geis­tigt. Man geht nicht un­ter in dem To­ten. Gin­ge man un­ter, dann wür­de der Tod ein Er­eig­nis für den Men­schen sein, das ihn zu ei­nem geis­ti­gen Le­ben führt, in dem sich nicht die Früch­te die­ses ir­di­schen Le­bens fin­den könn­ten. Neh­men wir ei­nen Men­schen, der sein Le­ben nicht so an­ge­wen­det hat, daß er die ech­ten Früch­te her­aus­zie­hen kann. Er nimmt kei­ne Früch­te mit ins geis­ti­ge Le­ben. Aber nur von die­sen Früch­ten kann er im geis­ti­gen Da­sein le­ben. Wenn er al­so kei­ne Früch­te mit­bräch­te, so wür­de er den «zwei­ten Tod» er­le­ben. Da­durch, daß er die­ses ir­di­sche Feld be­ar­bei­tet, da­durch wird er ge­ret­tet vor dem «zwei­ten Tod»: «Wer Oh­ren hat zu hö­ren, der hö­re, was der Geist den Ge­mein­den sagt. Wer über­win­det, dem soll kein Leid ge­sche­hen von dem zwei­ten Tod» (Of­fen­ba­rung Jo­han­nis 2, 11).&lt;br /&gt;
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Nun ge­hen wir wei­ter, zur Ge­mein­de zu Per­ga­mus. Sie ist der Re­prä­sen­tant je­ner Epo­che der Mensch­heit, die mehr und mehr her­au­s­t­rat auf den phy­si­schen Plan, wo der Mensch in der Ster­nen­schrift sah, was sein Geist er­grün­den konn­te. Das ist dem Men­schen&lt;br /&gt;
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in der drit­ten Kul­tu­re­po­che ge­ge­ben. Der Mensch wirkt durch das, was in sei­nem In­nern ist. Da­durch, daß er ein In­ne­res hat, kann er das Äu­ße­re er­for­schen. Nur weil er mit ei­ner See­le be­gabt war, konn­te er die Ster­nen­bahn er­for­schen, die Geo­me­trie er­fin­den. Das nann­te man die Er­for­schung durch das Wort, das in der Apo­ka­lyp­se des Jo­han­nes aus­ge­drückt ist durch «das Schwert des Mun­des». Der­je­ni­ge, der die­sen Brief sch­rei­ben läßt, deu­tet da­her dar­auf hin, daß die Ge­walt die­ser Epo­che ein schar­fes Wort ist, ein schar­fes, zwei­schnei­di­ges Schwert. Das ist das Her­mes-Wort der al­ten Pries­ter, ist das Wort, durch das man die Na­tur­kräf­te und Ster­ne er­forsch­te im al­ten Sinn, das ist die­je­ni­ge Kul­tur, die vor­zugs­wei­se durch die in­ne­ren as­tra­lisch-see­li­schen Kräf­te des Men­schen ge­won­nen wird hier auf dem phy­si­schen Plan. Wenn sie noch in je­ner al­ten Form ge­won­nen wird, ist sie wir­k­lich ein sehr zwei­schnei­di­ges Schwert. Da steht die Weis­heit hart an der Kan­te zwi­schen dem, was wei­ße und schwar­ze Ma­gie ist, zwi­schen dem, was in die Se­lig­kei­ten führt, und dem, was ins Ver­der­ben mün­det. Des­halb sagt er, daß er wohl weiß, daß da, wo die Re­prä­sen­t­an­ten die­ser Epo­che woh­nen, auch des Sa­t­ans Stuhl ist. Das deu­tet auf al­les das hin, was hin­weg­füh­ren kann von den wir­k­li­chen gro­ßen Zie­len der Ent­wi­cke­lung. Und die «Leh­re Ba­laams» ist kei­ne an­de­re als die Leh­re der schwar­zen Zau­be­rer, denn das ist die Leh­re der Volks­ver­sch­lin­ger. Die Volks­ver­sch­lin­ger, die Volks­zer­stö­rer sind die schwar­zen Ma­gi­er, die nur im Di­ens­te ih­rer ei­ge­nen Per­sön­lich­keit ar­bei­ten und al­le Ge­mein­schaft zer­stö­ren, da­her al­les, was im Vol­ke lebt, ver­sch­lin­gen. Aber das Gu­te die­ser Kul­tur be­steht da­rin, daß der Mensch ge­ra­de da be­gin­nen kann, sei­nen As­tral­leib zu rei­ni­gen und zu ver­klä­ren. Das nennt man das «ver­bor­ge­ne Man­na». Das­je­ni­ge, was bloß für die Welt ist, um­ge­än­dert in Got­tes­spei­se, was nur für den ego­is­ti­schen Men­schen ist, um­ge­wan­delt in Gött­li­ches, das nennt man «ver­bor­ge­nes Man­na». Al­le die Sym­bo­le hier zei­gen an, daß der Mensch sei­ne See­le rei­nigt, um zum rei­nen Trä­ger von Ma­nas sich zu ma­chen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da­zu ist es al­ler­dings noch not­wen­dig, durch­zu­ge­hen durch die vier­te Kul­tu­re­po­che. Da er­scheint der Er­lö­ser, Chris­tus Je­sus, sel­ber.&lt;br /&gt;
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{{SE|82}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist die Ge­mein­de zu Thya­ti­ra. Da kün­digt er sich an als der «Sohn Got­tes, der Au­gen hat wie Feu­er­flam­men und sei­ne Fü­ße gleich wie Mes­sing». Jetzt kün­digt er sich an als Sohn Got­tes, jetzt ist er der Füh­rer der vier­ten Kul­tu­re­po­che, wo der Mensch her­un­ter­ge­s­tie­gen ist auf den phy­si­schen Plan, wo er selbst in den äu­ße­ren Kul­tur­mit­teln sein Ab­bild ge­schaf­fen hat. Jetzt ist die Pe­rio­de ge­kom­men, wo die Gott­heit sel­ber Mensch, sel­ber Fleisch, sel­ber Per­son wird, das Zei­tal­ter, in dem der Mensch bis zu dem Gra­de der Per­sön­lich­keit her­un­ter­ge­s­tie­gen ist, wo in den Bild­hau­er­wer­ken der Grie­chen die in­di­vi­dua­li­sier­te Gott­heit als Per­sön­lich­keit er­scheint, wo im rö­mi­schen Bür­ger die Per­sön­lich­keit auf den Wel­ten­plan tritt. Die­ses Zei­tal­ter muß­te zu glei­cher Zeit ei­nen Im­puls da­durch er­hal­ten, daß das Gött­li­che in Men­schen­ge­stalt er­scheint. Der her­ab­ge­s­tie­ge­ne Mensch konn­te nur ge­ret­tet wer­den da­durch, daß der Gott sel­ber als Mensch er­scheint. Der «Ich-bin» oder das Ich im as­tra­li­schen Leib muß­te den Im­puls des Chris­tus Je­sus er­hal­ten. Was früh­er nur im Keim sich zeig­te, das Ich oder «Ich-bin», soll­te auf den äu­ße­ren Plan der Welt­ge­schich­te tre­ten. Der Sohn Got­tes darf da­her als Füh­rer der Zu­kunft sa­gen: «Und al­le Ge­mein­den sol­len er­ken­nen den Ich-bin, der die Her­zen und Nie­ren prü­fet» (Of­fen­ba­rung Jo­han­nis 2, 23). Auf das «Ich-bin», auf das vier­te Glied der men­sch­li­chen We­sen­heit, wird hier Ge­wicht ge­legt. «Wie ich von mei­nem Va­ter emp­fan­gen ha­be; und ich will ihm ge­ben den Mor­gens­tern» (Of­fen­ba­rung Jo­han­nis 2, 28).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was be­deu­tet hier «Mor­gens­tern»? Wir wis­sen, die Er­de geht hin­durch durch den Sa­turn, die Son­ne, den Mond, die Er­de, den Ju­pi­ter, die Ve­nus und den Vul­kan. So spricht man es ge­wöhn­lich aus und so ist es auch rich­tig. Ich ha­be aber auch schon dar­auf hin­ge­wie­sen, daß die Er­den­ent­wi­cke­lung zer­fällt in die Mars­zeit und in die Mer­kur­zeit we­gen des ge­heim­nis­vol­len Zu­sam­men­hangs, der da in der ers­ten Hälf­te des Erd­zu­stan­des zwi­schen Er­de und Mars und in der zwei­ten Hälf­te zwi­schen Er­de und Mer­kur be­steht. Da­her setzt man an Stel­le der Er­de auch Mars und Mer­kur. Man sagt, die Er­de geht durch in ih­rer Ent­wi­cke­lung durch Sa­turn, Son­ne, Mond,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|83}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mars, Mer­kur, Ju­pi­ter, Ve­nus. So ha­ben wir al­so als das Ge­s­tirn, das als das ei­gent­lich Ton­an­ge­ben­de, als die Kraft im zwei­ten Zei­traum der Er­de sich dar­s­tellt, den Mer­kur. Der Mer­kur ist der Stern, der uns re­prä­sen­tiert die rich­tung­ge­ben­de Kraft, als Rich­tung nach auf­wärts, die der Mensch ein­schla­gen muß.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier kom­me ich an ei­ne Stel­le, wo wir so­zu­sa­gen ein klei­nes Ge­heim­nis lüf­ten müs­sen, das im Grun­de ge­nom­men nur an die­ser Stel­le ge­lüf­tet wer­den darf. Man hat näm­lich im Ok­kul­tis­mus für die­je­ni­gen, die die Geis­tes­wis­sen­schaft nur mißbrau­chen wür­den und na­ment­lich in äl­te­ren Zei­ten mißbraucht hät­ten, im­mer ge­habt das, was man nen­nen möch­te ei­ne Mas­ke. Man hat sich nicht di­rekt aus­ge­drückt, son­dern hat hin­ge­s­tellt et­was, was die wah­re Sachla­ge ver­hül­len soll­te. Nun hat sich die mit­telal­ter­li­che Eso­te­rik nicht an­ders zu hel­fen ge­wußt als durch gro­be Mit­tel. Sie hat den Mer­kur Ve­nus ge­nannt und die Ve­nus Mer­kur. In Wahr­heit müß­ten wir, wenn wir im Sin­ne der Eso­te­rik sp­re­chen wol­len, wie es der Apo­ka­lyp­ti­ker ge­tan hat, den Mer­kur als Mor­gens­tern an­sp­re­chen. Er meint mit Mor­gens­tern den Mer­kur: Ich ha­be dei­nem Ich ge­ge­ben die Rich­tung nach auf­wärts, durch den Mor­gens­tern, den Mer­kur. Sie kön­nen auch noch in ge­wis­sen, wir­k­lich die Sachla­ge tref­fen­den Büchern des Mit­telal­ters fin­den, daß die Ster­ne un­se­res Pla­ne­ten­sys­tems so auf­ge­zählt wer­den: Sa­turn, Ju­pi­ter, Mars, und auf die Er­de fol­gen nicht wie jetzt Ve­nus, Mer­kur, son­dern um­ge­kehrt Mer­kur, Ve­nus. Da­her heißt es hier: «Wie Ich von mei­nem Va­ter emp­fan­gen ha­be; und will ihm ge­ben den Mor­gens­tern.»&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt müß­ten wir kom­men in un­se­re Epo­che he­r­ein, der wir an­ge­hö­ren, und wir müß­ten uns fra­gen: Er­füllt sich denn die­se Of­fen­ba­rung des Apo­ka­lyp­ti­kers bis in un­se­re Zeit he­r­ein? Wenn sie sich er­fül­len wür­de, müß­te zu uns sp­re­chen der­je­ni­ge, der durch die vier vor­her­ge­hen­den Epo­chen ge­spro­chen hat, und wir müß­ten sei­ne Stim­me ver­ste­hen ler­nen, müß­ten uns hin­ein­fin­den kön­nen in das, was un­se­re Auf­ga­be ist für das spi­ri­tu­el­le Le­ben. Soll es ei­ne spi­ri­tu­el­le Geis­tes­strö­mung ge­ben und soll sie Welt­mys­tik ver­ste­hen, dann muß die­se Strö­mung, in­so­fern sie übe­r­ein­stim­men soll mit der Apo­ka­lyp­se des Jo­han­nes, das er­fül­len, was der Sp­re­cher,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|84}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der gro­ße In­spi­ra­tor, for­dert von die­ser Epo­che. Was for­dert er, und wer ist er? Kön­nen wir ihn er­ken­nen? Ver­su­chen wir es.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
«Und dem En­gel der Ge­mein­de zu Sar­des sch­rei­be» wir selbst müs­sen uns hier an­ge­spro­chen füh­len : «Das sagt, der die sie­ben Geis­ter Got­tes hat und die sie­ben Ster­ne» (Of­fen­ba­rung Jo­han­nis 3, 1). Was sind sie hier, die sie­ben Geis­ter und die sie­ben Ster­ne? Im Ton des Apo­ka­lyp­ti­kers ist der Mensch, wie er uns hier er­scheint, ein äu­ße­rer Aus­druck der sie­ben men­sch­li­chen Prin­zi­pi­en, die wir auf­ge­zählt ha­ben. Das Prin­zip des phy­si­schen Lei­bes, von dem der äu­ße­re phy­si­sche Leib der Aus­druck ist, das Prin­zip des Le­bens­lei­bes, des­sen Aus­druck der Äther­leib ist, das Prin­zip des as­tra­li­schen Lei­bes, der um­ge­wan­delt Ma­nas er­gibt, Buddhi oder der um­ge­wan­del­te Äther­leib, At­ma oder der um­ge­wan­del­te phy­si­sche Leib, und mit­ten drin­nen­ste­hend das Ich-Prin­zip: das sind die sie­ben geis­ti­gen In­g­re­di­en­zi­en, in wel­che die gött­li­che We­sen­heit des Men­schen wie in Glie­der ei­nes Fächers au­s­ein­an­der­ge­legt ist. Nach dem tech­ni­schen Aus­druck des Ok­kul­tis­mus nennt man die­se sie­ben Prin­zi­pi­en die sie­ben Geis­ter des Got­tes im Men­schen. Und die sie­ben Ster­ne, das sind die Ster­ne, nach de­nen wir ver­ste­hen, was der Mensch heu­te ist und was er in der Zu­kunft wer­den soll. Wenn wir sie auf­zäh­len, die au­f­ein­an­der­fol­gen­den Ster­ne der Er­den­ver­kör­pe­rung: Sa­turn, Son­ne, Mond, Er­de, Ju­pi­ter, Ve­nus und Vul­kan, dann sind das die sie­ben Ster­ne, die uns die Ent­wi­cke­lung des Men­schen ver­ständ­lich ma­chen. Der Sa­turn hat dem Men­schen die An­la­ge zu sei­nem phy­si­schen Lei­be, die Son­ne die zu sei­nem äthe­ri­schen, der Mond je­ne zum as­tra­li­schen Leib und die Er­de hat ihm das Ich ge­ge­ben. Die drei nächst­fol­gen­den, Ju­pi­ter, Ve­nus, Vul­kan, bil­den die geis­ti­gen We­sens­g­lie­der des Men­schen aus. Ver­ste­hen wir den Ruf des Geis­tes, der die­se sie­ben Ster­ne und die sie­ben Geis­ter Got­tes, die sie­ben­g­lie­d­ri­ge Na­tur in der Hand hat, dann trei­ben wir im Sin­ne des Apo­ka­lyp­ti­kers An­thro­po­so­phie. Nichts an­de­res heißt An­thro­po­so­phie trei­ben, als zu wis­sen, daß hier hin­ge­deu­tet wird auf die fünf­te men­sch­li­che Ent­wi­cke­lung­s­e­po­che der nachat­lan­ti­schen Zeit, zu wis­sen, daß wir in un­se­rer Zeit, wo man am tiefs­ten her­un­ter­ge­s­tie­gen ist in die Ma­te­rie, in das spi­ri­tu­el­le Le­ben&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|85}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wie­der hin­auf­sch­rei­ten sol­len im Ge­fol­ge der gro­ßen In­di­vi­dua­li­tät, wel­che die sie­ben Geis­ter Got­tes und die sie­ben Ster­ne uns zur Füh­r­er­schaft gibt, da­mit wir uns zu­recht­fin­den auf dem We­ge.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und wenn wir die­sen Weg ge­hen, brin­gen wir in den sechs­ten Zei­traum hin­ein das rich­ti­ge spi­ri­tu­el­le Le­ben der Weis­heit und der Lie­be. Dann wird das, was wir uns er­ar­bei­ten als an­thro­po­so­phi­sche Weis­heit, zum Lie­be­s­im­puls des sechs­ten Zei­trau­mes, der re­prä­sen­tiert wird durch die Ge­mein­de, die schon in ih­rem Na­men sich als Re­prä­sen­tant des sechs­ten Zei­trau­mes aus­drückt: die Ge­mein­de der Bru­der­lie­be, Phi­la­del­phia. Al­le die­se Na­men sind nicht um­sonst ge­wählt. Der Mensch wird sein Ich ent­wi­ckeln zur rich­ti­gen Höhe, so daß er selb­stän­dig wird und in Frei­heit die Lie­be je­dem an­de­ren We­sen ent­ge­gen­bringt im sechs­ten Zei­traum, der re­prä­sen­tiert ist durch die Ge­mein­de Phi­la­del­phia. Das soll als spi­ri­tu­el­les Le­ben des sechs­ten Zei­trau­mes vor­be­rei­tet wer­den. Da wer­den wir das in­di­vi­du­el­le Ich in höhe­rem Gra­de in uns ge­fun­den ha­ben, so daß kei­ne äu­ße­re Kraft mehr in uns hin­ein­spie­len kann, wenn wir es nicht wol­len; so daß wir zu­sch­lie­ßen kön­nen und nie­mand oh­ne un­se­ren Wil­len auf­sch­ließt, und wenn wir auf­sch­lie­ßen, kei­ne ent­ge­gen­ge­setz­te Macht zu­sch­ließt. Das ist der «Schlüs­sel Da­vids». Des­halb spricht der­je­ni­ge, der den Brief in­spi­riert, daß er den Schlüs­sel Da­vids hat. «Und dem En­gel der Ge­mein­de zu Phi­la­del­phia sch­rei­be: Das sagt der Hei­li­ge, der Wahr­haf­ti­ge, der da hat den Schlüs­sel Da­vids, der auf­tut und nie­mand sch­ließt zu, der zu­sch­lie­ßet und nie­mand tut auf» «Sie­he, ich ha­be vor dir ge­ge­ben ei­ne of­fe­ne Tür, und nie­mand kann sie zu­sch­lie­ßen» das Ich, das in sich selbst sich ge­fun­den hat (Of­fen­ba­rung Jo­han­nis 3, 7).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und der sie­ben­te Zei­traum wird die­je­ni­gen, die ge­fun­den ha­ben die­ses spi­ri­tu­el­le Le­ben, scha­ren um den gro­ßen Füh­rer; er wird sie ve­r­ei­ni­gen um die­sen gro­ßen Füh­rer. Sie wer­den be­reits so weit dem spi­ri­tu­el­len Le­ben an­ge­hö­ren, daß sie sich un­ter­schei­den wer­den von de­nen, die ab­ge­fal­len sind, von de­nen, die lau sind, «nicht kalt und nicht warm». Das Häuf­lein, wel­ches die Spi­ri­tua­li­tät ge­fun­den hat, wird ver­ste­hen den, der da sa­gen darf, in­dem er sich zu er­ken­nen gibt: Ich bin der­je­ni­ge, der in sich sch­ließt das wir­k­li­che&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|86}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
End­we­sen, nach dem al­les zu­steu­ert. Denn die­ses End­we­sen, das be­zeich­net man mit dem Wor­te «Amen». Da­her Ka­pi­tel 3, 14: «Und dem En­gel der Ge­mein­de zu Lao­di­zea sch­rei­be: Das sa­get der Amen» der­je­ni­ge, der in sei­ner We­sen­heit die We­sen­heit des En­des dar­s­tellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So se­hen wir, wie in der Apo­ka­lyp­se des Jo­han­nes ge­ge­ben ist der In­halt ei­ner Ein­wei­hung. Und die ers­te Stu­fe schon die­ser Ein­wei­hung, wo wir den in­ne­ren Fort­gang der sie­ben nachat­lan­ti­schen Zei­ten se­hen, wo wir noch den Geist des phy­si­schen Pla­nes se­hen, zeigt uns, daß wir es zu tun ha­ben mit ei­ner Ein­wei­hung des Wil­lens. Denn bis in un­se­re Zeit he­r­ein kann die­ser In­halt be­feu­ernd wir­ken auf un­se­ren Wil­len, wenn wir er­ken­nen, daß wir hin­hor­chen sol­len auf die In­spi­ra­to­ren, die uns leh­ren, wenn wir ver­ste­hen ler­nen, was die sie­ben Ster­ne und die sie­ben Geis­ter Got­tes be­deu­ten, wenn wir ver­ste­hen ler­nen, daß wir die spi­ri­tu­el­le Er­kennt­nis in die Zu­kunft hin­ein­tra­gen sol­len.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|87}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= VIERTER VORTRAG, Nürnberg, 21. Juni 1908 =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es hat sich uns ges­tern er­ge­ben, in­wie­fern die Apo­ka­lyp­se des Jo­han­nes pro­phe­tisch hin­weist auf den Zy­k­lus der Men­schen­ent­wi­cke­lung, der da liegt zwi­schen je­ner gro­ßen Um­wäl­zung auf un­se­rer Er­de, wel­che die ver­schie­de­nen Völ­ker als Sint­flut be­zeich­nen, wel­che die Geo­lo­gen cha­rak­te­ri­sie­ren als die Eis­zeit, und je­ner Epo­che, die wir als die des Krie­ges al­ler ge­gen al­le be­zeich­nen. In dem Zei­traum zwi­schen die­sen bei­den Epo­chen liegt al­les das, wor­auf das apo­ka­lyp­ti­sche Buch mit den sie­ben Send­sch­rei­ben pro­phe­tisch hin­weist, die­ses Buch, das uns die We­sen­hei­ten der ver­gan­ge­nen Zei­ten zeigt, um dar­aus her­zu­lei­ten, was un­se­ren Wil­len, un­se­re Im­pul­se be­feu­ern soll für die Zu­kunft. Und wir ha­ben ge­se­hen, wie wir selbst inn­er­halb der spi­ri­tu­el­len Be­we­gung, in der wir ste­hen, die Wor­te des so­ge­nann­ten fünf­ten Send­sch­rei­bens als ei­ne Auf­for­de­rung be­trach­ten sol­len, zu han­deln, zu wir­ken. Wir ha­ben ge­se­hen, wie dar­auf hin­ge­wie­sen wird, daß wir fol­gen sol­len je­ner We­sen­heit mit den sie­ben Geis­tern Got­tes und den sie­ben Ster­nen. Und wir ha­ben ge­se­hen, wie durch die­se spi­ri­tu­el­le geis­ti­ge Be­we­gung der nächst­fol­gen­de Zei­traum vor­be­rei­tet wird, der re­prä­sen­tiert ist durch die Ge­mein­de von Phi­la­del­phia, der Zei­traum, in dem herr­schen soll bei al­len de­nen, wel­che das Wort der Auf­for­de­rung ver­stan­den ha­ben, je­ne Bru­der­lie­be über die gan­ze Er­de hin, die vor­ge­zeich­net ist im Evan­ge­li­um des Jo­han­nes. Dar­auf wird noch ein an­de­rer, der sie­ben­te Un­ter­zei­traum fol­gen, der da­durch be­zeich­net wird, daß uns auf der ei­nen Sei­te hin­ge­s­tellt wird al­les das, was sch­limm ist in der Ge­mein­de, die den sie­ben­ten Zei­traum re­prä­sen­tiert, was lau ist, nicht heiß und nicht kalt, was sich nicht er­wär­m­en konn­te für das spi­ri­tu­el­le Le­ben und da­her ab­fal­len muß, und auf der an­de­ren Sei­te wer­den die­je­ni­gen ge­zeigt, die das Wort der Auf­for­de­rung ver­stan­den ha­ben, die die Ge­folg­schaft bil­den wer­den des­sen, der da sagt, Ich bin das Amen das&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|88}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
heißt: Ich bin der, der das Ziel der men­sch­li­chen We­sen­heit in sich ve­r­ei­nigt, der das Chris­tus-Prin­zip in sich sel­ber ent­hält.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir wol­len nun al­les das, was noch zur wei­te­ren Er­klär­ung der ein­zel­nen Send­sch­rei­ben, was noch zur Recht­fer­ti­gung der ein­zel­nen Na­men der Städ­te hin­zu­zu­fü­gen wä­re, für ei­nen spä­te­ren Zeit­punkt auf­be­wah­ren. Heu­te wol­len wir wei­ter­sch­rei­ten in un­se­rer Be­trach­tungs­wei­se zu dem, was sich dem Men­schen bie­tet, wenn er die nächs­te Stu­fe der Ein­wei­hung be­sch­rei­tet. Die sie­ben Un­ter­zei­träu­me un­se­res Mensch­heits­zy­k­lus tra­ten uns ent­ge­gen, und wir ha­ben ge­sagt, daß die­ser gan­ze Zy­k­lus mit sei­nen sie­ben Un­ter­k­reis­läu­fen selbst wie­der­um ein klei­ner Zy­k­lus ist in ei­nem gro­ßen um­fas­sen­den Zei­ten­lauf, der gleich­falls sie­ben ein­zel­ne Epo­chen ent­hält. Un­se­rem Zy­k­lus von sie­ben Zeit­läu­fen ging der at­lan­ti­sche voran, in dem sich die Ras­sen, de­ren Nach­klän­ge jetzt noch vor­han­den sind, aus­ge­bil­det ha­ben. Un­se­rem jet­zi­gen Zy­k­lus, das heißt des­sen sie­ben­tem Un­ter­zy­k­lus, wird un­mit­tel­bar fol­gen ein an­de­rer, wie­der­um aus sie­ben Glie­dern be­ste­hen­der Zei­traum. Die­sen Zei­traum, den be­rei­tet der jet­zi­ge auch mit­tel­bar vor. So daß wir sa­gen kön­nen: Nach und nach wird sich un­se­re Kul­tur hin­ein­le­ben in ei­ne Kul­tur der Bru­der­lie­be, wo ein ver­hält­nis­mä­ß­ig klei­ner Teil der Men­schen ver­stan­den ha­ben wird das spi­ri­tu­el­le Le­ben, vor­be­rei­tet ha­ben wird den Geist und die Ge­sin­nung der Bru­der­lie­be. Die­se Kul­tur wird dann wie­der­um ei­nen klei­ne­ren Teil von Men­schen aus­son­dern, und der wird hin­über­le­ben über je­nes Er­eig­nis, das so zer­stö­rend auf un­se­ren Kreis­lauf wir­ken wird, über den Krieg al­ler ge­gen al­le. Bei die­sem all­ge­mein zer­stö­ren­den Ele­men­te wer­den übe­rall ein­zel­ne sein, die sich her­aus­he­ben aus der üb­ri­gen, sich ge­gen­sei­tig be­krie­gen­den Mensch­heit, ein­zel­ne, die das spi­ri­tu­el­le Le­ben ver­stan­den ha­ben und die den Grund­stock bil­den wer­den für ei­ne neue, an­de­re Epo­che, die Epo­che des sechs­ten Zei­trau­mes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So ging es auch beim Her­über­le­ben vom vier­ten Zeit­lauf in un­se­re Zeit he­r­ein. Der­je­ni­ge, der mit hell­se­he­ri­schen Bli­cken den Zei­ten­lauf zu­rück­ver­fol­gen kann, der kommt, wenn er hin­durch­ge­gan­gen ist durch die Zei­träu­me, die wir be­trach­tet ha­ben den&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|89}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
grie­chisch-rö­mi­schen, den ägyp­tisch-ba­by­lo­ni­schen, den alt­per­si­schen und den alt­in­di­schen , wenn er hin­durch­ge­gan­gen ist auch durch die Zeit der gro­ßen Flut, er kommt dann in die at­lan­ti­sche Zeit hin­ein. Wir brau­chen sie nicht aus­führ­lich zu be­trach­ten, aber wir müs­sen uns we­nigs­tens klar­ma­chen, wie sich die­se at­lan­ti­sche Kul­tur her­über­ent­wi­ckelt hat. Auch da war es so, daß der gro­ße Teil der at­lan­ti­schen Be­völ­ke­rung un­reif war, sich wei­ter­zu­ent­wi­ckeln, un­fähig war, her­über­zu­kom­men in un­se­re Zei­ten. Ein klei­ner Teil, der in ei­nem Ge­bie­te in der Nähe des heu­ti­gen Ir­land leb­te, ent­wi­ckel­te sich zur höchs­ten Kul­tur­blü­te des at­lan­ti­schen Lan­des und zog ge­gen Os­ten. Wir müs­sen uns klar sein, daß dies nur der Haupt­zug ist. Im­mer wan­der­ten Völ­ker von Wes­ten nach Os­ten, und al­le die spä­te­ren Völ­ker in eu­ro­päi­schen Ge­gen­den, im nörd­li­chen und im mitt­le­ren Eu­ro­pa, al­le die­se rühr­ten her von je­nem Zug, der da ging von Wes­ten nach Os­ten. Nur war un­ter der Lei­tung ei­nes gro­ßen Füh­rers der Mensch­heit der­je­ni­ge Teil der Be­völ­ke­rung, der es zur höchs­ten Blü­te ge­bracht hat­te, am wei­tes­ten vor­ge­schrit­ten. Der sie­del­te sich in Mit­te­la­si­en an als ein ganz klei­ner Volks­stamm von au­s­er­wähl­ten Men­schen, und von da aus ging die Ko­lo­nie nach je­nen Kul­tur­ge­bie­ten, die wir an­ge­führt ha­ben, von da aus ging die Kul­tur­strö­mung nach Alt-In­di­en, nach Per­si­en, Ägyp­ten, Grie­chen­land und so wei­ter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie kön­nen nun leicht fra­gen: Ist das nicht ein un­ge­heu­er har­ter Ge­dan­ke, daß gan­ze Völ­ker­mas­sen un­reif wer­den und nicht die Fähig­kei­ten ent­wi­ckeln, sich zu ent­fal­ten, daß nur ei­ne klei­ne Grup­pe fähig wird, den Keim zur nächs­ten Kul­tur ab­zu­ge­ben? Aber die­ser Ge­dan­ke wird für Sie nicht mehr et­was Be­ängs­ti­gen­des ha­ben, wenn Sie un­ter­schei­den zwi­schen Ras­sen­ent­wi­cke­lung und See­len­ent­wi­cke­lung. Denn kei­ne See­le ist da­zu ver­dammt, inn­er­halb ir­gend­ei­ner Ras­se zu blei­ben. Die Ras­se kann zu­rück­b­lei­ben, ei­ne Völ­ker­ge­mein­schaft kann zu­rück­b­lei­ben, die See­len aber sch­rei­ten über die ein­zel­nen Ras­sen hin­aus. Wenn wir uns die Sa­che ganz ge­nau vor­s­tel­len wol­len, so müs­sen wir uns sa­gen: Al­le See­len, wel­che heu­te in den Kör­pern der zi­vi­li­sier­ten Län­der woh­nen, wa­ren einst in at­lan­ti­schen Kör­pern ver­kör­pert. Dort ent­wi­ckel­ten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|90}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sich ei­ni­ge in ent­sp­re­chen­der Wei­se wei­ter. Sie blie­ben nicht bei den at­lan­ti­schen Kör­pern. Weil sie sich wei­ter­ent­wi­ckelt hat­ten, konn­ten sie die See­len der auch wei­ter fort­ge­schrit­te­nen Lei­ber wer­den. Nur die­je­ni­gen See­len, die als See­len zu­rück­ge­b­lie­ben wa­ren, muß­ten Kör­per be­zie­hen, die als Lei­ber auf ei­ner nie­d­ri­gen Stu­fe zu­rück­ge­b­lie­ben wa­ren. Wür­den al­le See­len ent­sp­re­chend vor­wärts­ge­schrit­ten sein, so wür­de die zu­rück­ge­b­lie­be­ne Ras­se ent­we­der in sehr ge­rin­ger Zahl vor­han­den ge­b­lie­ben sein, oder es wür­den von neu hin­zu­kom­men­den nie­d­ri­gen See­len ih­re Lei­ber noch be­wohnt wor­den sein. Denn es gibt im­mer See­len, die zu­rück­ge­b­lie­be­ne Lei­ber be­woh­nen kön­nen. Kei­ne See­le ist an ei­nen zu­rück­ge­b­lie­be­nen Leib ge­bun­den, wenn sie sich nicht sel­ber bin­det.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie sich See­len- und Ras­sen­ent­wi­cke­lung ver­hält, das ist uns auf­be­wahrt in ei­nem wun­der­ba­ren My­thus. Den­ken wir uns Ras­se auf Ras­se fol­gen, Kul­tur­ge­mein­schaft auf Kul­tur­ge­mein­schaft. Die See­le, die ih­re Er­den­mis­si­on in der rich­ti­gen Wei­se durch­läuft, ist ver­kör­pert in ei­ner Ras­se. Sie st­rebt inn­er­halb die­ser Ras­se, die Fähig­keit die­ser Ras­se eig­net sie sich an, um das nächs­te­mal in ei­ner höhe­ren Ras­se ver­kör­pert zu sein. Nur die­je­ni­gen See­len, wel­che un­ter­ge­hen in der Ras­se, die nicht her­aus­st­re­ben aus der phy­si­schen Ma­te­ria­li­tät, die wer­den so­zu­sa­gen durch ih­re ei­ge­ne Schwe­re in der Ras­se zu­rück­ge­hal­ten. Sie er­schei­nen ein zwei­tes Mal in der­sel­ben Ras­se, ein drit­tes Mal even­tu­ell im Lei­be gleich­ge­stal­te­ter Ras­sen. Sol­che See­len wir­ken auf­hal­tend auf die kör­per­li­che Ras­se. In ei­ner Sa­ge hat sich uns das sc­hön er­hal­ten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir wis­sen ja, daß der Mensch da­durch wei­ter­sch­rei­tet in der Bahn der Er­den­mis­si­on, daß er den gro­ßen Füh­r­ern der Mensch­heit folgt, die ihr die Zie­le an­wei­sen. Stößt er sie von sich, folgt er ih­nen nicht, dann eben muß er bei sei­ner Ras­se zu­rück­b­lei­ben, dann kann er nicht hin­aus über sie. Den­ken wir uns ein­mal ei­ne Per­sön­lich­keit, die das Glück hat, ei­nem gro­ßen Füh­rer der Mensch­heit ge­gen­über­zu­ste­hen, den­ken wir uns ei­ne sol­che Per­sön­lich­keit zum Bei­spiel, die dem Chris­tus Je­sus sel­ber ge­gen­über­steht, die sieht, wie er al­le Zei­chen tut, um die Mensch­heit vor­wärts­zu­füh­ren, die aber nichts wis­sen will von die­sem Auf­s­tieg, die hin­weg­stößt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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den Mensch­heits­füh­rer. Ei­ne sol­che Per­sön­lich­keit, ei­ne sol­che See­le wür­de ver­ur­teilt sein, in der Ras­se zu blei­ben. Und wenn wir uns das ra­di­kal aus­ge­stal­tet den­ken, so müß­te ei­ne sol­che See­le im­mer wie­der und wie­der in der­sel­ben Ras­se er­schei­nen, und wir ha­ben die Sa­ge von Ahas­ver, der im­mer wie­der in der­sel­ben Ras­se er­schei­nen muß, weil er den Chris­tus Je­sus von sich stieß.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In sol­chen eher­nen Sa­gen­ta­feln wer­den uns die gro­ßen Wahr­hei­ten der Mensch­heits­ent­wi­cke­lung hin­ge­s­tellt. See­len­ent­wi­cke­lung und Ras­sen­ent­wi­cke­lung müs­sen wir tren­nen. Kei­ne See­le hat un­ver­di­ent in al­ten Kör­pern blei­ben müs­sen, kei­ne See­le wird un­ver­di­ent blei­ben in den Lei­bern un­se­res Zei­tal­ters. Die See­len, die hö­ren wer­den die Stim­me, die da ruft, um vor­wärts­zu­sch­rei­ten, sie wer­den über die gro­ße Zer­stör­ungs­pe­rio­de des Krie­ges al­ler ge­gen al­le hin­über­le­ben und in neu­en Lei­bern er­schei­nen, in Lei­bern ganz an­de­rer Art als die heu­ti­gen. Denn es ist sehr kurz­sich­tig, wenn man sich zum Bei­spiel die at­lan­ti­schen Lei­ber der Men­schen so denkt wie die heu­ti­gen Lei­ber. Im Lau­fe von Jahr­tau­sen­den än­dern sich die Men­schen auch der äu­ße­ren Phy­siog­no­mie nach, und der Mensch, der nach dem gro­ßen Krie­ge al­ler ge­gen al­le kom­men wird, wird ganz an­ders ge­stal­tet sein als der heu­ti­ge. Heu­te ist der Mensch so ge­stal­tet, daß er in ei­ner ge­wis­sen Be­zie­hung in sich ver­ber­gen kann sein Gu­tes und sein Bö­ses. Zwar ver­rät die Phy­siog­no­mie des Men­schen schon viel, und der­je­ni­ge, der sich dar­auf ver­steht, wird man­ches aus den Ge­sichts­zü­gen le­sen kön­nen. Aber es ist heu­te doch mög­lich, daß der Schur­ke hold­se­lig lächelt mit der un­schul­digs­ten Mie­ne und für ei­nen Eh­ren­mann ge­hal­ten wird. Und auch das Um­ge­kehr­te ist mög­lich, daß un­er­kannt bleibt, was in der See­le lebt an gu­ten Trie­ben. Es ist mög­lich, daß al­les das, was in der See­le an Ge­scheit­heit und Dumm­heit lebt, an Sc­hön­heit und Häß­lich­keit, daß es sich ver­birgt hin­ter der all­ge­mei­nen Phy­siog­no­mie, die die­ser oder je­ner Men­schen­schlag hat. Sol­ches wird in je­nem Zei­traum, der dem uns­ri­gen fol­gen wird nach dem gro­ßen Krieg al­ler ge­gen al­le, nicht mehr der Fall sein. Auf der Stir­ne und in der gan­zen Phy­siog­no­mie wird dem Men­schen ge­schrie­ben sein, ob er gut ist oder bö­se. Das In­ners­te der See­le wird der Mensch als&lt;br /&gt;
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Phy­siog­no­mie in sei­nem Ant­litz tra­gen, ja, der gan­ze Leib wird ein Ab­bild sein des­sen, was in sei­ner See­le lebt. Wie sich der Mensch in sich selbst ent­wi­ckelt hat, ob er die gu­ten oder bö­sen Trie­be ent­fal­tet hat, das wird an sei­ner Stir­ne ge­schrie­ben sein. Und zwei­er­lei Men­schen wer­den nach dem gro­ßen Krieg al­ler ge­gen al­le vor­han­den sein. Die­je­ni­gen, die sich vor­her be­müht hat­ten, dem Ruf zu fol­gen, der zum spi­ri­tu­el­len Le­ben aufrief, die der Spi­ri­tua­li­sie­rung, der Ve­r­ed­lung des see­lisch-geis­ti­gen Le­bens folg­ten, sie wer­den die­ses see­lisch-geis­ti­ge Le­ben auf ih­ren Ant­lit­zen tra­gen und in ih­ren Ges­ten, in ih­ren Hand­be­we­gun­gen zum Aus­dru­cke brin­gen. Und je­ne, die sich ab­ge­kehrt ha­ben von dem spi­ri­tu­el­len Le­ben, wie sie uns re­prä­sen­tiert sind durch die Ge­mein­de zu Lao­di­zea, die da lau wa­ren, nicht warm und nicht kalt, die wer­den hin­über­le­ben in das an­de­re nächs­te Zei­tal­ter als sol­che, die die Mensch­heit­se­vo­lu­ti­on ver­zö­gern, die die rück­stän­di­gen Kräf­te der Ent­wi­cke­lung be­wah­ren. Sie wer­den die bö­sen, die dem Geis­ti­gen feind­li­chen Lei­den­schaf­ten und Trie­be und In­s­tink­te auf dem häß­li­chen, un­in­tel­li­gen­ten, auf dem bö­se­bli­cken­den Ant­litz tra­gen. Sie wer­den in ih­ren Ges­ten und der Hand­ha­bung von al­lem, was sie tun, ein äu­ße­res Ab­bild bil­den des­sen, was an Häß­li­chem in ih­rer See­le lebt. Wie sich die Men­schen au­s­ein­an­der­ge­t­rennt ha­ben in Ras­sen, in Kul­tur­ge­mein­schaf­ten, so wer­den sie sich in zwei gro­ße Strö­mun­gen schei­den, in die gu­te und in die bö­se. Und man wird es ih­nen an­se­hen nicht mehr wer­den sie es ver­leug­nen kön­nen, die ein­zel­nen Men­schen , wo­zu sie ih­re See­le ge­bracht ha­ben.&lt;br /&gt;
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Wenn wir zu­rück­schau­en, wie sich die Mensch­heit bis­her ent­wi­ckelt hat im Gang un­se­rer Er­de, so wer­den wir die­se eben cha­rak­te­ri­sier­te Zu­kunfts­ent­wi­cke­lung durch­aus da­mit im Ein­klan­ge fin­den. Schau­en wir zu­rück auf den Ur­sprung un­se­rer Er­den­ent­wi­cke­lung, nach­dem Sa­turn, Son­ne, Mond und ein län­ge­rer Zwi­schen­raum vor­über wa­ren. Da tauch­te die Er­de neu her­aus aus dem Wel­ten­dun­kel. Da­mals, in der ers­ten Zeit der Er­den­ent­wi­cke­lung, wa­ren noch kei­ne an­de­ren Ge­sc­höp­fe auf der Er­de als der Mensch. Er ist der Erst­ge­bo­re­ne. Er war ganz geis­tig. Denn die Ver­leib­li­chung be­steht in ei­ner Ver­dich­tung. Den­ken wir uns ein­mal ei­ne&lt;br /&gt;
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Was­ser­mas­se, die frei schwe­ben könn­te. Durch ir­gend­ei­nen Vor­gang in die­ser Was­ser­mas­se wer­den Tei­le kri­s­tal­li­siert. Wir den­ken uns zu­erst ei­nen klei­nen Teil des Was­sers kri­s­tal­li­siert zu Eis, und dann, daß der­sel­be Vor­gang sich im­mer wie­der­holt. Und nun den­ken wir uns, daß ein Teil der Was­ser­mas­sen die klei­nen Eis­stück­chen, die her­aus­kri­s­tal­li­siert sind, hat fal­len las­sen, so daß die­se klei­nen Eis­stück­chen nun ab­ge­t­rennt sind von der gan­zen Was­ser­mas­se. Weil nun je­des klei­ne Eis­stück­chen sich nur so lan­ge ver­grö­ß­ern kann, als es inn­er­halb der gan­zen Was­ser­mas­se ist, so bleibt es, wenn es her­aus­ge­fal­len ist aus die­ser Mas­se, auf der Stu­fe, auf der es steht. Den­ken wir uns ei­nen Teil der Was­ser­mas­sen als klei­ne Eis­stück­chen aus­ge­son­dert, den­ken wir uns wei­ter fort­sch­rei­tend das Ge­frie­ren der Was­ser­mas­sen und auf ei­ner nächs­ten Stu­fe wie­der­um sich an­sch­lie­ßend an die klei­nen Eis­klümp­chen neue Was­ser­mas­sen, die­se dann wie­der­um her­aus­fal­lend, und so fort, bis zum Schluß ein ganz gro­ßer Teil aus der Was­ser­mas­se sich her­aus­kri­s­tal­li­siert und Eis­ge­stalt an­nimmt. Die­ser letz­te­re hat am meis­ten her­aus­ge­nom­men aus der Was­ser-Mut­ter­sub­stanz, er hat am längs­ten war­ten kön­nen, be­vor er sich ge­t­rennt hat von die­ser Was­ser-Mut­ter­sub­stanz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So ist es mit der Ent­wi­cke­lung. Die nie­ders­ten tie­ri­schen We­sen ha­ben nicht war­ten kön­nen, ha­ben zu früh ver­las­sen ih­re geis­ti­ge Mut­ter­sub­stanz und sind da­her auf ei­ner frühe­ren Evo­lu­ti­ons­stu­fe ste­hen­ge­b­lie­ben. Und so be­deu­ten die stu­fen­wei­se her­auf­s­tei­gen­den nie­de­ren We­sen in der Ent­wi­cke­lung ste­hen­ge­b­lie­be­ne Stu­fen. Der Mensch hat bis zu­letzt ge­war­tet, zu­letzt erst hat er sei­ne geis­tig-gött­li­che Mut­ter­sub­stanz ver­las­sen und ist her­ab­ge­s­tie­gen als dich­te Mas­se in flei­sch­li­che Ge­stalt. Die Tie­re sind früh­er her­ab­ge­s­tie­gen und da­her ste­hen­ge­b­lie­ben. Wes­halb das ge­sche­hen ist, wer­den wir spä­ter se­hen, jetzt in­ter­es­siert uns die Tat­sa­che, daß sie her­un­ter­ge­s­tie­gen sind und frühe­re Stu­fen der Ent­wi­cke­lung fest­ge­hal­ten ha­ben. Was ist al­so ei­ne Tier­ge­stalt? Ei­ne Ge­stalt, die, wenn sie mit dem Geist, aus dem sie her­vor­ge­gan­gen ist, ver­bun­den ge­b­lie­ben wä­re, sich bis zur heu­ti­gen Mensch­heit her­au­f­ent­wi­ckelt hät­te. So aber sind sie ste­hen­ge­b­lie­ben, so ha­ben sie den geis­ti­gen Keim ver-&lt;br /&gt;
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las­sen, sie ha­ben sich ab­ge­spal­ten und ste­hen heu­te im Nie­der­gang, stel­len dar ei­nen Zweig des gro­ßen Mensch­heits­bau­mes. Der Mensch hat gleich­sam die Tier­heit in sich ge­habt in al­ten Zei­ten, hat sie aber als Sei­ten­zwei­ge her­aus­ge­spal­ten. Al­le Tie­re in ih­ren ver­schie­de­nen For­men stel­len nichts an­de­res dar als zu früh ver­dich­te­te ein­zel­ne men­sch­li­che Lei­den­schaf­ten. Was der Mensch heu­te noch geis­tig hat in sei­nem As­tral­leib, das stel­len die Tier­ge­stal­ten ein­zeln phy­sisch dar. Er hat das im As­tral­leib be­wahrt bis zum spä­tes­ten Zei­traum im Er­den­da­sein. Da­her konn­te er am höchs­ten hin­auf­sch­rei­ten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch jetzt hat der Mensch et­was in sich, was als ein ab­wärtsge­hen­der Zweig, wie die an­de­ren Tier­ge­stal­ten, her­aus muß aus der all­ge­mei­nen Ent­wi­cke­lung. Was der Mensch in sich hat als An­la­gen zum Gu­ten und Bö­sen, zum Ge­schei­ten und Dum­men, zum Sc­hö­nen und Häß­li­chen, das stellt die Mög­lich­keit ei­nes Auf­wärts­gan­ges und ei­nes Zu­rück­b­lei­bens dar. Wie die Tier­ge­stalt sich her­aus­ent­wi­ckelt hat, wird sich die Ras­se der Bö­sen mit den häß­li­chen An­ge­sich­tern her­aus­ent­wi­ckeln aus der fort­sch­rei­ten­den Mensch­heit, die der Spi­ri­tua­li­sie­rung ent­ge­gen­geht und das spä­te­re Mensch­heits­ziel er­reicht. So wird ei­ne Zu­kunft nicht nur die Tier­ge­stal­ten se­hen, die ver­kör­per­te Ab­bil­der der men­sch­li­chen Lei­den­schaf­ten sind, son­dern es wird in ei­ner Ras­se le­ben, was der Mensch jetzt in sei­nem In­nern als Teil des Bö­sen birgt, was er heu­te noch ver­ber­gen kann, was aber spä­ter er­schei­nen wird. Was de­r­einst haupt­säch­lich er­schei­nen wird, das wird uns durch ei­ne Be­trach­tung klar wer­den, die Ih­nen vi­el­leicht selt­sam dün­ken wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es muß uns klar sein, daß die­se Ab­son­de­rung der Tier­ge­stal­ten tat­säch­lich für den Men­schen not­wen­dig war. Je­de Tier­ge­stalt, die sich in der ver­f­los­se­nen Zeit vom all­ge­mei­nen Strom ab­ge­son­dert hat, be­deu­tet, daß der Mensch um ein Stück wei­ter­ge­schrit­ten ist. Den­ken Sie sich, daß al­le Ei­gen­schaf­ten, die in der Tier­heit zer­st­reut sind, im Men­schen wa­ren. Er hat sich da­von ge­r­ei­nigt. Da­durch konn­te er sich höher­ent­wi­ckeln. Wenn wir ei­ne tr­ü­be Flüs­sig­keit vor uns ha­ben und das Gro­be der­sel­ben sich als Bo­den­satz set­zen las­sen, so bleibt das Fei­ne­re oben üb­rig. Eben­so hat sich in&lt;br /&gt;
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den Tier­ge­stal­ten das Gröbe­re, das der Mensch nicht zu sei­nem heu­ti­gen Ent­wi­cke­lungs­zu­stand hät­te brau­chen kön­nen, wie Bo­den­satz ab­ge­setzt. Da­durch, daß der Mensch die­se Tier­ge­stal­ten als sei­ne äl­te­ren Brü­der aus sei­ner Ent­wi­cke­lungs­rei­he hin­aus­ge­wor­fen hat, ist er zu sei­ner jet­zi­gen Höhe ge­kom­men. So steigt die Mensch­heit, in­dem sie die nie­de­ren Ge­stal­ten aus sich her­aus­son­dert, um sich zu rei­ni­gen. Und wei­ter wird die Mensch­heit stei­gen, in­dem sie wie­der­um ein Na­tur­reich, das Reich der bö­sen Ras­se, aus­son­dern wird. So steigt die Mensch­heit auf­wärts. Und je­de Ei­gen­schaft, die der Mensch heu­te hat, ver­dankt er dem Um­stan­de, daß er ei­ne be­stimm­te Tier­ge­stalt her­aus­ge­setzt hat. Wer mit dem Bli­cke des Hell­se­hers die ver­schie­de­nen Tie­re an­sieht, der weiß ge­nau, was wir dem ein­zel­nen Tie­re ver­dan­ken. Da se­hen wir auf die Löw­en­ge­stalt und sa­gen uns: Wä­re der Löwe nicht, dann hät­te der Mensch die­se oder je­ne Ei­gen­schaft nicht, denn da­durch, daß er ihn her­aus­ge­setzt hat, hat er sich die­se oder je­ne Ei­gen­schaft an­ge­eig­net. Und so ist es bei al­len üb­ri­gen Ge­stal­ten der Tier­welt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun sind un­se­re gan­zen fünf Mensch­heits­ent­wi­cke­lung­s­e­po­chen, die ver­schie­de­nen Kul­ture­tap­pen von der alt­in­di­schen bis her­auf zu der uns­ri­gen, ei­gent­lich da­zu da, um die In­tel­li­genz, den Ver­stand und al­les, was mit zu die­sen zwei Fähig­kei­ten und Kräf­ten ge­hört, zu ent­wi­ckeln. Das al­les war in der at­lan­ti­schen Zeit nicht da. Ge­dächt­nis war vor­han­den und auch an­de­re Ei­gen­schaf­ten, aber die In­tel­li­genz zu ent­wi­ckeln mit dem, was da­zu ge­hört, mit dem Zu­ge­wandt­sein des Bli­ckes auf die äu­ße­re Welt, das ist die Auf­ga­be des fünf­ten Zei­trau­mes. Der­je­ni­ge, der den Hell­se­her­blick auf die Um­welt rich­tet, fragt: Wel­cher Tat­sa­che ver­dan­ken wir, daß wir Men­schen in­tel­li­gent ge­wor­den sind? Wel­che Tier­ge­stalt ha­ben wir her­aus­ge­setzt, um in­tel­li­gent zu wer­den? So son­der­bar, so gro­tesk es er­schei­nen mag, so wahr ist es: Wä­ren um uns nicht die Tie­re, die re­prä­sen­tiert sind durch die Pfer­de­na­tur, der Mensch hät­te sich nie­mals die In­tel­li­genz an­eig­nen kön­nen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das fühl­te noch der Mensch in frühe­rer Zeit. Al­le die inti­men Ver­hält­nis­se, die sich zwi­schen ge­wis­sen Men­schen­ras­sen und dem Pfer­de ab­spie­len, rüh­ren her von ei­nem Ge­fühl, das sich ver­g­lei-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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chen läßt mit dem ge­heim­nis­vol­len Ge­fühl der Lie­be zwi­schen den bei­den Ge­sch­lech­tern, von ei­nem ge­wis­sen Ge­fühl da­für, was der Mensch die­sem Tie­re ver­dankt. Des­halb, als her­auf­kam die neue Kul­tur in der alt­in­di­schen Zeit, war es ein Pferd, das ei­ne ge­heim­nis­vol­le Rol­le im Kul­tus, im Göt­ter­di­ens­te bil­de­te, und al­les, was sich an Ge­bräu­chen an das Pferd an­knüpft, führt auf die­se Tat­sa­che zu­rück. Wenn Sie bei Völ­kern, die noch na­he dem al­ten Hell­se­hen wa­ren, bei den al­ten Ger­ma­nen zum Bei­spiel, Um­schau hal­ten und se­hen, wie sie Pfer­de­schä­d­el vor ih­ren Häu­s­ern an­ge­bracht ha­ben, so führt Sie das zu­rück auf die­ses Be­wußt­sein: der Mensch ist hin­aus­ge­wach­sen über den un­in­tel­li­gen­ten Zu­stand da­durch, daß er die­se Form ab­ge­son­dert hat. Es ist ein tie­fes Be­wußt­sein vor­han­den da­für, daß die Er­lan­gung der Klug­heit da­mit zu­sam­men­hängt. Sie brau­chen sich nur an Odys­seus zu er­in­nern, an das höl­zer­ne Pferd von Tro­ja. Oh, in sol­chen Sa­gen liegt tie­fe Weis­heit, viel tie­fe­re Weis­heit als in un­se­rer Wis­sen­schaft. Nicht um­sonst ist ein sol­cher Ty­pus ver­wen­det in der Sa­ge wie der Pfer­de­ty­pus. Her­aus­ge­wach­sen ist der Mensch aus ei­ner Ge­stalt, die so­zu­sa­gen das, was im Pfer­de ver­kör­pert ist, noch in sich hat­te, und in der Ge­stalt des Ken­tau­ren hat die Kunst noch hin­ge­s­tellt ei­nen Men­schen, wie er ver­bun­den war mit die­sem Tier, um an die Ent­wi­cke­lungs­stu­fe des Men­schen zu er­in­nern, aus der er her­aus­ge­wach­sen ist, von der er sich los­ge­run­gen hat, um der heu­ti­ge Mensch zu wer­den.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was so sich ab­ge­spielt hat in der Vor­zeit, um zu un­se­rer ge­gen­wär­ti­gen Mensch­heit zu füh­ren, das wie­der­holt sich auf höhe­rer Stu­fe in der Zu­kunft. Es ist aber nicht et­wa so, als ob sich nun in der Zu­kunft das­sel­be in der phy­si­schen Welt ab­spie­len müß­te. Für den­je­ni­gen Men­schen, der an der Gren­ze zwi­schen dem as­tra­li­schen und dem De­vach­an­plan hell­se­hend wird, zeigt es sich, wie der Mensch im­mer mehr und mehr ve­r­e­delt und aus­bil­det, was er der Ab­son­de­rung der Pfer­de­na­tur ver­dankt. Die Spi­ri­tua­li­sie­rung der In­tel­li­genz wird er be­wir­ken. Was heu­te blo­ßer Ver­stand, blo­ße Klug­heit ist, wird er zur Weis­heit, zur Spi­ri­tua­li­tät er­he­ben nach dem gro­ßen Krieg al­ler ge­gen al­le. Das wer­den die­je­ni­gen er­le­ben, die dann das Ziel er­reicht ha­ben wer­den. Was sich in­fol­ge der&lt;br /&gt;
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Ab­son­de­rung der Pfer­de­na­tur in der Mensch­heit ent­wi­ckeln konn­te, das wird sich in sei­ner Frucht zei­gen.&lt;br /&gt;
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Und jetzt den­ken wir uns ei­nen Hell­se­her, der hin­ein­schaut in die Men­schen­zu­kunft. Was wird sich ihm zei­gen? Al­les, was der Mensch vor­be­rei­tet hat durch die sie­ben Kul­tur­zei­träu­me denn sei­ne See­le war ver­kör­pert in den ver­gan­ge­nen Kul­tu­ren und wird es auch in den zu­künf­ti­gen sein , al­les das wird in ei­nem fol­gen­den Zei­traum ver­kör­pert sein und hin­über­le­ben über den gro­ßen Krieg al­ler ge­gen al­le in das spi­ri­tu­el­le­re Zei­tal­ter hin­ein. In je­dem Zei­traum nahm er auf, was auf­zu­neh­men war. Den­ken Sie sich zu­rück mit Ih­rer See­le, wie Sie ge­lebt ha­ben in der alt­in­di­schen Kul­tur. Da ha­ben Sie auf­ge­nom­men die wun­der­ba­ren Leh­ren von den hei­li­gen Ris­his; wenn Sie sie auch ver­ges­sen ha­ben, spä­ter wer­den Sie sich ih­rer er­in­nern. Und wei­ter sind Sie ge­schrit­ten von ei­ner Ver­kör­pe­rung zur an­de­ren. Sie ha­ben ler­nen kön­nen, was die per­si­sche, die ägyp­ti­sche, die grie­chisch-rö­mi­sche Kul­tur er­mög­lich­ten. Das ist heu­te in der See­le da­r­in­nen. Heu­te zeigt es sich im Ant­litz noch nicht als äu­ße­rer Aus­druck. Sie wer­den wei­ter­le­ben in die Zeit hin­ein von Phi­la­del­phia, Sie wer­den wei­ter­le­ben in die Zeit, die be­herrscht wer­den wird von dem Amen, und im­mer mehr und mehr wird sich ei­ne Mensch­heits­ge­mein­schaft ent­wi­ckeln, wel­che in den Ant­lit­zen der Men­schen zei­gen wird, was sich in un­se­ren Zei­träu­men vor­be­rei­tet hat. Was jetzt in Ih­rer See­le schon ar­bei­tet, was Sie auf­ge­nom­men ha­ben durch den in­di­schen Zei­traum, wird sich in Ih­rer Phy­siog­no­mie zei­gen in dem ers­ten Un­ter­zei­traum der nächst­fol­gen­den Pe­rio­de, nach dem gro­ßen Krieg al­ler ge­gen al­le, und was sich der Mensch an­ge­eig­net hat im alt­per­si­schen Zei­trau­me, wird das Ant­litz ve­r­än­dern auf der zwei­ten Stu­fe, und so Stu­fe für Stu­fe. Al­les das, was Sie, wie Sie jetzt hier sit­zen, mit Ih­ren See­len auf­neh­men, die spi­ri­tu­el­len Leh­ren von heu­te, die sich mit Ih­ren See­len ver­bin­den, das wird sei­ne of­fen­ba­ren Früch­te tra­gen in der Zeit nach dem gro­ßen Krie­ge. Heu­te ve­r­ei­ni­gen Sie das, was die sie­ben Geis­ter Got­tes ge­ben und die sie­ben Ster­ne, mit dem Le­ben ih­rer See­le. Sie tra­gen es nach Hau­se. In Ih­ren Ant­lit­zen wird nie­mand es heu­te le­sen und auch noch nicht nach Jahr­hun-&lt;br /&gt;
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der­ten, aber nach je­nem gro­ßen Krieg al­ler ge­gen al­le wird es her­aus­kom­men. Da wird ein fünf­ter Zei­traum kom­men und da wer­den Sie in Ih­rem Ant­litz das Ab­bild da­von tra­gen. An Ih­rer Stir­ne wird es Ih­nen ge­schrie­ben sein, was Sie sich jetzt er­ar­bei­tet ha­ben, was jetzt Ih­re Ge­dan­ken und Ge­füh­le sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So wird stu­fen­wei­se nach dem gro­ßen Krie­ge al­ler ge­gen al­le her­aus­kom­men, sich ent­hül­len, was jetzt in die See­le hin­ein­ver­bor­gen wird. Den­ken wir uns den An­bruch des gro­ßen Krie­ges: Die See­le, die ge­hört hat den Ruf, den von Pe­rio­de zu Pe­rio­de das Chris­tus-Prin­zip hat er­tö­nen las­sen, sie wird hin­über­le­ben in al­les das­je­ni­ge, was in den Send­sch­rei­ben an­ge­deu­tet ist. Sie­ben Zei­träu­me hin­durch ist hin­ein­ge­legt wor­den, was die­se Zei­träu­me ge­ben kön­nen. Stel­len wir uns die See­le vor, wie sie war­tet, wie sie hin­über­war­tet. Sie­ben­mal ver­sie­gelt ist sie. Je­der Kul­tur­zei­traum hat ihr ein Sie­gel an­ge­legt. Ver­sie­gelt ist in Ih­nen das, was die In­der in die See­le ge­schrie­ben ha­ben, ver­sie­gelt ist in Ih­nen, was die Per­ser, Ägyp­ter, Grie­chen, Rö­mer in die See­le ge­schrie­ben ha­ben und was un­se­re Kul­tu­re­po­che hin­ein­sch­reibt. Ge­löst wer­den die Sie­gel, das heißt äu­ßer­lich of­fen­bar er­schei­nen die Din­ge, die hin­ein­ge­schrie­ben wer­den, nach dem gro­ßen Krie­ge al­ler ge­gen al­le. Und das Prin­zip, die Kraft, wel­che die Men­schen da­hin führt, daß die wah­ren Früch­te un­se­rer Kul­tur­zei­träu­me er­schei­nen auf den Ant­lit­zen, die­ses Prin­zip, die­se Kraft ha­ben wir zu se­hen im Chris­tus Je­sus. Sie­ben Sie­gel müs­sen ge­löst wer­den von ei­nem Buch. Wel­ches ist dies Buch? Wo ist es?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir wol­len uns klar­ma­chen, was im Sin­ne der Schrift ein Buch, ei­ne Bi­bel ist. Das Wort «Buch» kommt in der Bi­bel nur an ganz we­ni­gen Stel­len vor. Das darf man nicht über­se­hen. Es kommt vor, wenn Sie auf­schla­gen im Al­ten Te­s­ta­ment 1. Buch Mo­se 5, 1: «Dies ist das Buch von des Men­schen Ge­sch­lecht. Da Gott den Men­schen schuf, mach­te er ihn nach dem Gleich­nis Got­tes und schuf sie ei­nen Mann und ein Weib», und so wei­ter. Dann kön­nen Sie auf­schla­gen, wo Sie wol­len, Sie fin­den das Wort «Buch» erst wie­der­um im ers­ten Evan­ge­li­um, Ka­pi­tel 1: «Dies ist das Buch von der Ge­burt Je­su Chris­ti, der da ist ein Sohn Da­vids, des Soh­nes&lt;br /&gt;
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Abra­hams. Abra­ham zeug­te Isaak, Isaak zeug­te Ja­kob» und so wei­ter. Wie­der­um wer­den die Ge­sch­lech­ter auf­ge­zählt. Es wird auf­ge­zählt, was durch lan­ge Rei­hen hin­durch­f­ließt. Und wie­der­um er­scheint der Aus­druck «Buch» hier in der Apo­ka­lyp­se des Jo­han­nes. Er er­scheint da, wo ge­sagt wird, daß das Lamm al­lein wür­dig ist, das Buch mit den sie­ben Sie­geln zu öff­nen. Der Aus­druck «Buch» wird im­mer ein­heit­lich, nie an­ders ge­braucht. Nun muß man eben die Ur­kun­den wört­lich ver­ste­hen. Ein Buch in un­se­rem heu­ti­gen Sin­ne ist nicht da­mit ge­meint. Viel eher hat der Aus­druck «Grund­buch» die al­te Be­deu­tung des Wor­tes Buch be­wahrt. Das Wort Buch wird da an­ge­wen­det, wo au­f­ein­an­der­fol­gend et­was ein­ge­tra­gen wird, das eins von dem an­de­ren ab­hängt, wo al­so der Be­sitz ein­ge­tra­gen wird, da­mit er sich for­ter­ben kann. Wir ha­ben es mit ei­ner sol­chen Ur­kun­de zu tun, wo­durch ei­ne Grund­la­ge ge­schaf­fen wird für das­je­ni­ge, was sich fortpflanzt. Für das Al­te Te­s­ta­ment ha­ben wir es bei dem Wor­te Buch mit ei­ner Ur­kun­de zu tun, in der die Ge­sch­lech­ter, die durch das Blut sich ver­er­ben, auf­ge­zeich­net wer­den. In kei­nem an­de­ren Sin­ne wird es da ge­braucht, als daß die Ge­sch­lech­ter auf­ge­zeich­net wer­den. Eben­so ist es nach­her im ers­ten Evan­ge­li­um an­ge­wandt für die Auf­zeich­nung von Ge­sch­lech­ter­fol­gen. Was al­so sich in der Zeit folgt, das ist in ei­nem «Bu­che» auf­ge­schrie­ben. Nie ist mit Buch et­was an­de­res ge­meint als die Auf­zeich­nung des­sen, was in der Zeit folgt, al­so un­ge­fähr in dem Sin­ne von Chro­nik, Ge­schich­te.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Le­bens­buch, das jetzt an­ge­legt wird in der Mensch­heit, in der von Kul­tur­zei­traum zu Kul­tur­zei­traum in dem Ich des Men­schen ein­ge­schrie­ben wird, was je­der Zei­traum gibt, die­ses Buch, das in die See­len der Men­schen ge­schrie­ben ist und das ent­sie­gelt wird nach dem gro­ßen Krieg al­ler ge­gen al­le, dies Buch ist auch hier in der Apo­ka­lyp­se ge­meint. In die­sem Buch wer­den sie ste­hen, die Ein­tra­gun­gen der Kul­tur­zei­träu­me. So wie durch die Ge­ne­ra­tio­nen die Ein­tra­gun­gen ge­macht wor­den sind in die Ge­sch­lechts­re­gis­ter der al­ten Bücher, so ist es auch hier, nur daß jetzt das ein­ge­tra­gen wird, was sich der Mensch geis­tig er­wirbt. Und da er sich durch Klug­heit er­wirbt, was in un­se­rem Zei­traum zu er­wer­ben ist,&lt;br /&gt;
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so wird nach und nach das Fort­sch­rei­ten die­ser Ent­wi­cke­lung ima­gi­na­tiv dar­zu­s­tel­len sein durch das Sym­bo­lum, das der Klug­heit ent­spricht. Da­durch, daß der Mensch den in­di­schen Zei­traum durch­lebt hat in ei­ner Stim­mung, in der er ab­sah von der phy­si­schen Welt und den Blick hin­auf­rich­te­te nach dem Geis­ti­gen, da­durch wird er in dem ers­ten Zei­traum nach dem Krie­ge al­ler ge­gen al­le über das Phy­sisch-Sinn­li­che sie­gen. Sie­ger wird der Mensch sein da­durch, daß er sich an­eig­net, was sich im ers­ten Zei­traum in sei­ne See­le ge­schrie­ben hat. Und wei­ter: Was sich im zwei­ten Kul­tur­zei­traum her­aus­s­tell­te, die Über­win­dung der Ma­te­rie durch die Ur­per­ser, die­se Über­win­dung er­scheint uns im zwei­ten Zei­traum nach dem Krie­ge al­ler ge­gen al­le: das Schwert, das da be­deu­tet das In­stru­ment zum Be­sie­gen der äu­ße­ren Welt. Was sich der Mensch an­ge­eig­net hat in der ba­by­lo­nisch-ägyp­ti­schen Kul­tu­re­po­che, als er die Ma­ße lern­te, als er lern­te al­les ge­recht ab­zu­mes­sen, das tritt uns im nächs­ten Zei­traum nach dem gro­ßen Krie­ge al­ler ge­gen al­le ent­ge­gen als das­je­ni­ge, was an­ge­zeigt wird durch die Waa­ge. Und der vier­te Zei­traum zeigt uns an, was zum Wich­tigs­ten ge­hört, das, was der Mensch im vier­ten Zei­traum un­se­res Zy­k­lus durch den Chris­tus Je­sus und sein Er­schei­nen sich an­ge­eig­net hat: das geis­ti­ge Le­ben, die Uns­terb­lich­keit des Ich. Daß al­les, was nicht zur Uns­terb­lich­keit ge­eig­net ist, was dem To­de ge­weiht ist, ab­fällt, das muß sich für die­sen vier­ten Zei­traum zei­gen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So kommt nach­ein­an­der al­les das her­aus, was sich in un­se­ren Zei­träu­men vor­be­rei­tet hat, und es kommt her­aus da­durch, daß es uns durch das Sym­bo­lum an­ge­deu­tet wird, das der In­tel­li­genz ent­spricht. Le­sen wir die Ent­sie­ge­lung der ers­ten vier Sie­gel im sechs­ten Ka­pi­tel der Apo­ka­lyp­se des Jo­han­nes, wir wer­den se­hen, das, was hier ent­hüllt wird, drückt uns Stu­fe für Stu­fe in ge­wal­ti­ger Sym­bo­lik aus, was einst of­fen­bar wer­den wird. «Und ich sah, und sie­he, ein weiß Pferd» das ist die An­deu­tung, daß die spi­ri­tua­li­sier­te In­tel­li­genz her­aus­kommt «und der dar­auf saß, hat­te ei­nen Bo­gen; und ihm ward ge­ge­ben ei­ne Kro­ne, und er zog aus zu über­win­den, und daß er sieg­te. Und da es das an­de­re Sie­gel auf­tat, hör­te ich das an­de­re Tier sa­gen: Komm! Und sie­he, es ging her­aus ein an­der&lt;br /&gt;
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Pferd, das war rot, und dem, der dar­auf saß, ward ge­ge­ben, den Frie­den zu neh­men von der Er­de, und daß sie sich un­te­r­ein­an­der er­wür­ge­ten» daß zu­grun­de ge­he, was nicht wert ist mit­zu­ge­hen im Auf­s­tieg der Mensch­heit «und ihm ward ge­ge­ben ein groß Schwert. Und da es das drit­te Sie­gel auf­tat, hö­re­te ich das drit­te Tier sa­gen: Komm! Und ich sa­he, und sie­he, ein schwarz Pferd, und der dar­auf saß, hat­te ei­ne Waa­ge in sei­ner Hand. Und ich hö­re­te ei­ne Stim­me un­ter den vier Tie­ren sa­gen: Ein Maß Wei­zen um ei­nen Gro­schen und drei Maß Gers­te um ei­nen Gro­schen» Maß und Gro­schen, um hin­zu­deu­ten auf das, was die Mensch­heit ge­lernt hat inn­er­halb des drit­ten Zei­traums: die Früch­te wer­den hin­über­ge­tra­gen und ent­sie­gelt. Und im vier­ten Zei­traum ist Chris­tus Je­sus er­schie­nen, um den Tod zu über­win­den, und es zeigt sich die Of­fen­ba­rung die­ser Er­run­gen­schaft: «Und da es das vier­te Sie­gel auf­tat, hö­re­te ich die Stim­me des vier­ten Tie­res sa­gen: Komm! Und ich sa­he, und sie­he, ein fahl Pferd, und der dar­auf saß, des Na­me hieß Tod, und die Höl­le fol­ge­te ihm nach.» «Sie­he, ein fahl Pferd»: all das fällt ab, ver­fällt in die Ras­se der Bö­sen; was aber den Ruf ge­hört hat, was den Tod über­wun­den hat, macht das spi­ri­tu­el­le Le­ben mit. Die das «Ich-bin» und sei­nen Ruf ver­stan­den ha­ben, das sind die­je­ni­gen, die den Tod über­wun­den ha­ben. Sie ha­ben die In­tel­li­genz spi­ri­tua­li­siert. Und jetzt kann das, was sie ge­wor­den sind, nicht mehr durch das Pferd sym­bo­li­siert wer­den. Ein neu­es Sym­bo­lum muß auf­t­re­ten für die­je­ni­gen, die ver­stan­den ha­ben zu fol­gen dem Ru­fe des­sen, der da hat die sie­ben Geis­ter Got­tes und die sie­ben Ster­ne. Sie er­schei­nen jetzt un­ter dem Sym­bo­lum de­rer, die da mit wei­ßen Klei­dern an­ge­tan sind, die da die Hül­le des uns­terb­li­chen, des ewi­gen geis­ti­gen Le­bens an­ge­nom­men ha­ben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und wei­ter wird uns nun er­zählt, wie her­aus­kommt al­les das, was hin­auf­geht ins Gu­te, was hin­un­ter­geht ins Bö­se. Das wird uns klar zum Aus­dru­cke ge­bracht. «Und da es das fünf­te Sie­gel auf­tat, sa­he ich un­ter dem Al­tar die See­len de­rer, die er­wür­get wa­ren um des Wor­tes Got­tes wil­len und um des Zeug­nis­ses wil­len, das sie hat­ten. Und sie schrie­en mit gro­ßer Stim­me und spra­chen: Herr, du Hei­li­ger und Wahr­haf­ti­ger, wie lan­ge rich­test du nicht und&lt;br /&gt;
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rächest nicht un­ser Blut an de­nen, die auf der Er­de woh­nen? Und ih­nen wur­de ge­ge­ben ei­nem je­g­li­chen ein weiß Kleid, und ward zu ih­nen ge­sagt, daß sie ru­he­ten noch ei­ne klei­ne Zeit, bis daß vol­l­ends da­zu­kä­m­en ih­re Mit­knech­te und Brü­der, die auch soll­ten noch er­tö­tet wer­den gleich wie sie» der äu­ße­ren Ge­stalt nach er­tö­tet wer­den und im Spi­ri­tu­el­len wie­der auf­le­ben. Wie kommt das zum Aus­druck?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ver­ge­gen­wär­ti­gen wir uns, was aus der äu­ße­ren sinn­li­chen Welt wird im rech­ten an­thro­po­so­phi­schen Le­ben. Wie ha­ben wir sie ge­schil­dert, die sie­ben Ster­ne? Wir sind zu­rück­ge­gan­gen zum Sa­turn und ha­ben ge­zeigt, wie der phy­si­sche Men­schen­leib ent­stan­den ist, wie er aus Wär­me zu­sam­men­ge­fügt war. Wir ha­ben ge­se­hen, wie die Son­ne her­aus­kam. Im Geis­te ha­ben wir nach­ge­zeich­net die­se Welt. Die Son­ne ist für uns nicht bloß ei­ne phy­si­sche Son­ne, sie ist die Brin­ge­rin des Le­bens, das als geis­ti­ges Le­ben in sei­ner höchs­ten Form er­schei­nen wird in der Men­schen­zu­kunft. Der Mond ist für uns das Ele­ment, das den Sturm­schritt des Le­bens auf­hält und den Men­schen so weit ver­lang­s­amt, wie es nö­t­ig ist. So se­hen wir geis­ti­ge Mäch­te in Son­ne und Mond. Und das, was wir als an­thro­po­so­phi­sche Weis­heit uns an­eig­nen, auch das er­scheint im zu­künf­ti­gen Zei­traum rich­tig sym­bo­li­siert: Son­ne und Mond er­schei­nen vor un­se­rem geis­ti­gen Blick als das­je­ni­ge, was uns Men­schen au­f­er­baut hat. Sym­bo­lisch ver­schwin­det der äu­ße­re phy­si­sche Son­nen­ball, der äu­ße­re Mond, und wird wie ein men­sch­li­ches We­sen, aber in Ele­men­tar­form. «Und ich sa­he, daß es das sechs­te Sie­gel auf­tat, und sie­he, da ward ein gro­ßes Erd­be­ben, und die Son­ne ward schwarz wie ein hä­re­ner Sack, und der Mond ward wie Blut.» Das al­les ist die sym­bo­li­sche Er­fül­lung des­sen, was wir su­chen im spi­ri­tu­el­len Le­ben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So se­hen wir, daß in be­deut­sa­men Bil­dern für den nächs­ten Zei­traum pro­phe­zeit wird, was sich in die­sem Zei­traum vor­be­rei­tet. Heu­te tra­gen wir un­sicht­bar in uns je­ne Ver­wand­lung, die wir mit Son­ne und Mond vor­neh­men, wenn sich das Phy­si­sche ver­wan­delt in die geis­ti­gen Ele­men­te. Wenn der hell­se­he­ri­sche Blick sich in die Zu­kunft wen­det, dann ver­schwin­det in der Tat das Phy-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
si­sche, und das Sym­bol der Spi­ri­tua­li­sie­rung der Mensch­heit tritt vor uns hin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In et­was ge­wag­ten Zü­gen ha­ben wir heu­te an­ge­deu­tet, was die sie­ben Sie­gel und ih­re Ent­hül­lung in der Apo­ka­lyp­se uns sa­gen sol­len. Wir müs­sen al­ler­dings noch tie­fer dar­auf ein­ge­hen, dann wird uns man­ches von dem, was uns heu­te un­wahr­schein­lich er­schei­nen könn­te, voll­stän­dig deut­lich. Aber wir se­hen schon, wie in­ner­lich sich zu­sam­men­ord­nen die ge­wal­ti­gen Bil­der, die der Se­her ge­se­hen hat von Ge­gen­wart und Zu­kunft der Mensch­heits­ent­wi­cke­lung, wie das hin­ein­geht in ei­ne wei­te­re Zu­kunft und uns da­durch im­mer stär­ke­re Im­pul­se gibt, selbst hin­ein­zu­le­ben in die Zu­kunft, Hand an­zu­le­gen zur Spi­ri­tua­li­sie­rung des Men­schen­le­bens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
= FÜNFTER VORTRAG, Nürnberg, 22 Juni 1908 =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ges­tern ha­ben wir ge­se­hen, wie das Men­schen­ge­sch­lecht sich ent­wi­ckeln wird, wenn un­ser ge­gen­wär­ti­ger Zei­ten­zy­k­lus einst ab­ge­lau­fen sein wird; wie es sich so­zu­sa­gen spal­ten wird in zwei Strö­mun­gen, in die gu­te und die bö­se Ras­se, und wie uns die Ge­heim­nis­se die­ser Zu­kunft ent­sie­gelt wer­den durch die sie­ben Sie­gel, die bild­lich ge­löst wer­den in der Apo­ka­lyp­se des Jo­han­nes. Nach die­ser all­ge­mei­nen Au­s­ein­an­der­set­zung über das Her­au­s­t­re­ten des­sen in der äu­ße­ren Phy­siog­no­mie, was sich in un­se­rem Zei­ten­zy­k­lus in den See­len der Men­schen vor­be­rei­tet, könn­te nun leicht je­mand fra­gen: Wie kommt es, daß der Apo­ka­lyp­ti­ker in so furcht­ba­ren Bil­dern ge­ra­de die ers­ten der Sie­gel be­spricht? Die­se Fra­ge wer­den wir uns am bes­ten da­durch be­ant­wor­ten, daß wir heu­te in un­se­re gan­ze apo­ka­lyp­ti­sche Au­s­ein­an­der­set­zung ei­ne Zwi­schen­be­trach­tung ein­schie­ben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bis jetzt ha­ben wir den Satz zu er­här­ten ver­sucht, daß die Apo­ka­lyp­se des Jo­han­nes dar­s­tellt ei­ne Ein­wei­hung, die christ­li­che Ein­wei­hung, und daß durch die­se christ­li­che Ein­wei­hung die Zu­kunft der Mensch­heit zur Ent­hül­lung kommt. Wir wer­den nun al­les Wei­te­re am bes­ten da­durch vor un­se­re See­le füh­ren, daß wir heu­te ein­mal zu­rück­bli­cken und uns noch ein­mal die Zei­ten ver­gan­ge­ner Mensch­heits­ent­wi­cke­lung vor die See­le rü­cken. Und ge­ra­de so weit wol­len wir das tun, als wir es zur Er­klär­ung der Apo­ka­lyp­se brau­chen. Die Grund­zü­ge, um die es sich da­bei han­delt, ken­nen Sie schon. Sie wis­sen, daß un­se­re Er­de, so wie sie heu­te den Wohn­platz der Men­schen bil­det, ein­mal in ur­fer­ner Ver­gan­gen­heit ih­ren An­fang ge­nom­men hat, daß sie aber als Er­de die Wie­der­ver­kör­pe­rung ei­ner an­de­ren pla­ne­ta­ri­schen We­sen­heit war, die man ge­wöhn­lich den al­ten Mond nennt, oder auch den Kos­mos oder den Pla­ne­ten der Weis­heit, im Ge­gen­satz zu un­se­rer heu­ti­gen Er­de, die wir be­zeich­nen als den Kos­mos oder den Pla­ne­ten der Lie­be. Aber auch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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die­ser Kos­mos der Weis­heit oder der al­te Mond ist nur die Wie­der­ver­kör­pe­rung ei­nes noch frühe­ren Zu­stan­des, den wir den Son­nen­pla­ne­ten nen­nen, al­so nicht den Fixs­tern Son­ne, son­dern den Son­nen­pla­ne­ten. Und die­ser Son­nen­pla­net ist die Wie­der­ver­kör­pe­rung des al­ten Sa­turn. So daß wir vier au­f­ein­an­der­fol­gen­de Zu­stän­de un­se­res pla­ne­ta­ri­schen Da­seins zu un­ter­schei­den ha­ben, die wir nen­nen Sa­turn, Son­ne, Mond und Er­de.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun­mehr wol­len wir, so­weit wir das brau­chen für die Er­klär­ung der Apo­ka­lyp­se des Jo­han­nes, die­se vier Zu­stän­de un­se­res pla­ne­ta­ri­schen Da­seins be­sch­rei­ben. Wenn Sie hell­se­he­risch zu­rück­ge­hen bis zum al­ten Sa­turn­da­sein, dann kom­men Sie an ei­nen merk­wür­di­gen Pla­ne­ten. Die­ser al­te Sa­turn ist ein Welt­kör­per, auf dem noch nichts zu fin­den ist von dem, was wir heu­te Mi­ne­ra­li­en, fes­te, er­di­ge Stof­fe nen­nen. Nichts ist vor­han­den von un­se­rer heu­ti­gen Tier­welt und Pflan­zen­welt, nichts von dem, was wir heu­te Was­ser oder flüs­si­ge Stof­fe nen­nen, nichts von dem, was wir als Luft­strom oder Ga­se ken­nen. Wenn Sie sich vor­s­tel­len wür­den, daß Sie mit den heu­ti­gen Au­gen die es ja da­mals noch nicht ge­ge­ben hat ir­gend­wo im Wel­ten­raum wä­ren und sich die­sem Sa­turn näh­er­ten, Sie wür­den in sei­nem An­fangs­zu­stand nichts se­hen kön­nen, denn er leuch­tet noch nicht. Al­so mit Ih­ren Au­gen könn­ten Sie von au­ßen die­sen Sa­turn in der ers­ten Hälf­te sei­nes Da­seins noch nicht se­hen. Wenn Sie sich ihm näh­ern wür­den und in den Raum ein­drän­gen, den er aus­füll­te, wür­den Sie et­was, wenn Sie die heu­ti­gen Sin­ne da schon ge­brau­chen könn­ten, wahr­neh­men, wie wenn Sie in ei­nen ge­heiz­ten Bac­k­o­fen hin­ein­krie­chen wür­den. Sie wür­den die­sen Raum nur da­durch vom an­de­ren un­ter­schei­den kön­nen, daß die­ser ku­gel­för­mi­ge Raum wär­m­er ist als sei­ne Um­ge­bung. Wär­me ist von un­se­ren jet­zi­gen Zu­stän­den der ein­zi­ge, den wir im al­ten Sa­turn an­tref­fen. Aber es ist ei­ne merk­wür­di­ge Art von Wär­me. Die­se Wär­me wür­de Ih­nen nicht so vor­kom­men, als ob sie an al­len Stel­len gleich­mä­ß­ig wä­re. Sie könn­ten fin­den, daß sie an ein­zel­nen Stel­len wär­m­er, an an­de­ren käl­ter ist, so daß, wenn Sie die glei­chen Wär­m­e­s­tel­len ver­bin­den wür­den durch Li­ni­en, dann Fi­gu­ren her­aus­kä­m­en, die nur durch die Ver­schie­den­heit der Wär­m­e­zu­stän­de&lt;br /&gt;
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wahr­nehm­bar sind. Al­les ist Wär­me, aber or­ga­ni­sier­te, dif­fe­ren­zier­te Wär­me. Sie wür­den, wenn Sie auf die­se Wei­se den gan­zen Sa­turn durch­f­lie­gen wür­den, sich sa­gen: Da ist schon et­was, aber et­was, was ich nur durch die ver­schie­de­nen Wär­m­e­zu­stän­de wahr­neh­men kann.&lt;br /&gt;
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Die­se dif­fe­ren­zier­ten Wär­m­e­zu­stän­de sind das ein­zi­ge, was von den ge­gen­wär­ti­gen Merk­ma­len un­se­rer Er­de schon vor­han­den war, und in sol­cher Wär­me war da­zu­mal aus­ge­drückt die ers­te An­la­ge des phy­si­schen Men­schen­lei­bes. Das, was da vor­han­den war, das ha­ben Sie heu­te noch in sich, nur hat es sich aus dem äu­ße­ren rä­um­li­chen Da­sein in Ihr In­ne­res zu­rück­ge­zo­gen. Es ist Ih­re Blut­wär­me. Wenn Sie aus Ih­rer Blut­wär­me Fi­gu­ren bil­den wür­den, so hät­ten Sie die Nach­klän­ge des­sen, was von Ih­rem phy­si­schen Leib vor­han­den war auf dem al­ten Sa­turn. Die Wär­me, die Sie heu­te im Blu­te tra­gen, ist die ers­te An­la­ge des phy­si­schen Lei­bes, der äl­tes­te Teil des­sel­ben, so daß Sie auch sa­gen kön­nen: Der gan­ze Sa­turn be­stand aus Blut­wär­me. Aber Sie wür­den auch so et­was Ähn­li­ches fin­den kön­nen wie Fi­gu­ren, die sich heu­te zeich­nen lie­ßen, wenn Sie die ver­schie­de­nen Bah­nen Ih­res Blu­tes ver­folg­ten nach den ver­schie­de­nen Wär­m­e­zu­stän­den. Das ist das phy­si­sche Da­sein die­ses al­ten Sa­turn. Er hat von un­se­ren heu­ti­gen Stoff­ver­hält­nis­sen le­dig­lich die Wär­me. Von all den We­sen, die heu­te die Er­de be­völ­kern, war nur der Mensch und von ihm nur die­se An­la­ge des phy­si­schen Lei­bes vor­han­den. Der Sa­turn be­stand nur aus sol­chen An­la­gen phy­si­scher Men­schen­lei­ber, die aus Wär­me ge­bil­det wa­ren. Wie heu­te ei­ne Brom­bee­re zu­sam­men­ge­setzt ist aus ein­zel­nen Kü­gel­chen, so war der Sa­turn da­mals zu­sam­men­ge­setzt, aber aus sol­chen Men­schen, wie sie nun ge­schil­dert wor­den sind. Da­ge­gen war er zu­nächst um­ge­ben von geis­ti­gen We­sen­hei­ten. Wie heu­te die Er­de von Luft, so war der Sa­turn um­hüllt von geis­ti­ger At­mo­sphä­re. Da leb­ten We­sen­hei­ten, die ver­schie­de­ne Gra­de der Aus­bil­dung hat­ten, aber die al­le zu ih­rer da­ma­li­gen Da­s­eins­stu­fe die­sen Wohn­sitz des Sa­turns brauch­ten. Der war ih­nen not­wen­dig. Oh­ne die­sen Wohn­sitz wä­ren die­se We­sen­hei­ten nicht aus­ge­kom­men. Da wa­ren zum Bei­spiel sol­che, wel­che auch sie­ben Prin­zi­pi­en&lt;br /&gt;
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hat­ten, aber nicht so wie der heu­ti­ge Mensch. Die­ser hat sei­ne sie­ben Prin­zi­pi­en, die wir die sie­ben Geis­ter Got­tes nen­nen, so, daß man beim phy­si­schen Leib an­fängt. So wa­ren je­ne We­sen nicht. Es gab zum Bei­spiel We­sen­hei­ten, die zu ih­rem un­ters­ten Prin­zip ei­nen Äther­leib hat­ten. Den phy­si­schen Leib hat­ten sie da­durch, daß sie mit ih­rem Äther­leib hin­ein­an­ker­ten in die phy­si­schen Lei­ber des Sa­turns und so die­se be­nütz­ten. Al­so die­ser Sa­turn ist im Ver­hält­nis zur heu­ti­gen Er­de ein sub­stan­ti­ell sehr fei­ner Wel­ten­kör­per. Er hat­te von un­se­ren Stof­fen noch nicht ein­mal die fei­ne Luft, die Ga­se. Die wa­ren schon für ihn zu grob. Er hat­te nur Wär­me, und in der Um­ge­bung der Wär­me geis­ti­ge We­sen­hei­ten.&lt;br /&gt;
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Nun mach­te die­ser Sa­turn da­durch, daß sich die We­sen in sei­ner Um­ge­bung wei­ter­ent­wi­ckel­ten, ver­schie­de­ne Wand­lun­gen durch. Ei­ne die­ser Ver­wand­lun­gen ist leicht da­durch an­zu­ge­ben, daß in der Mit­te sei­ner Ent­wi­cke­lung er tat­säch­lich an­fängt, au­ßen auf­zu­leuch­ten. So daß, wenn man ihn ver­folgt, er sich an­fangs als dunk­ler Wär­m­e­kör­per zeigt, dann aber an­fängt auf­zug­lim­men und ge­gen das En­de zu ei­nen schwa­chen Licht­glanz aus­sen­det in die Welt. Die­se geis­ti­ge At­mo­sphä­re um den Sa­turn her­um, die ver­schie­de­ne We­sen­hei­ten ent­hält, sie ent­hält un­ter an­de­ren auch ei­ne ganz be­stimm­te Art von We­sen, die für uns vor al­len Din­gen in Be­tracht kom­men. Die­se We­sen­hei­ten ma­chen un­ge­fähr um die Mit­te der Sa­turn­ent­wi­cke­lung die Stu­fe durch, die der Mensch jetzt auf der Er­de durch­macht. Das sind die Geis­ter der Per­sön­lich­keit. Sie sind auf die­sem al­ten Sa­turn in des­sen Mit­te un­ge­fähr so weit, daß sie da Mensch sind. Sie wer­den na­tür­lich nicht in den Feh­ler ver­fal­len, zu fra­gen: Ja, ha­ben sie denn sol­che Lei­ber ge­habt wie die heu­ti­gen Men­schen? Das wä­re ein ganz ge­wal­ti­ger Feh­ler, wenn Sie sich vor­s­tel­len wür­den, daß die­se Men­schen men­sch­lich-flei­sch­li­che Lei­ber ge­habt hät­ten. Man kann die Mensch­heits­stu­fe in den ver­schie­dens­ten For­men durch­ma­chen. Und die­se Geis­ter der Per­sön­lich­keit mach­ten auf dem Sa­turn ih­re Mensch­heits­stu­fe in der Wei­se durch, daß sie zu­erst als phy­si­schen Leib das­je­ni­ge be­nutz­ten, was da un­ten auf dem Sa­turn als Wär­me vor­han­den war, daß sie als Äther­leib denn auch den hat­ten sie noch nicht &lt;br /&gt;
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das­je­ni­ge be­nutz­ten, was in der At­mo­sphä­re war, und end­lich auch das be­nutz­ten, was als as­tra­le Sub­stanz vor­han­den war. Das hat­ten sie al­les noch nicht sel­ber. Sie hat­ten im we­sent­li­chen da­zu­mal ei­nen Ich-Trä­ger, ein Ich, und die­ses Ich, das auf der Mensch­heits­stu­fe stand, das ge­ra­de­so leb­te wie das heu­ti­ge Men­schen-Ich auf der Er­de, das mach­te da­zu­mal die­se ver­schie­de­nen Stu­fen der Mensch­heit auf dem Sa­turn durch in an­de­rer Form, in an­de­rer Art und Wei­se. Al­so wir ha­ben un­ge­fähr in der Mit­te der Sa­turn­ent­wi­cke­lung die Geis­ter der Per­sön­lich­keit, die Ur­kräf­te als Men­schen. Wenn man so zählt, so ist das, was ich eben auf­ge­zählt ha­be, die mitt­le­re Stu­fe der Sa­turn­ent­wi­cke­lung. Der ge­hen drei an­de­re vor­aus und drei an­de­re fol­gen ihr. Man nennt sie Sa­turn­k­reis­läu­fe oder Sa­turne­po­chen. Wenn Sie sich den gan­zen Sa­turn in sei­ner Ent­wi­cke­lung vor­s­tel­len, so kön­nen Sie sich ihn so den­ken:&lt;br /&gt;
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In der Mit­te ( X ) ste­hen die Geis­ter der Per­sön­lich­keit. Auf je­der der drei vor­her­ge­hen­den und der drei nach­fol­gen­den Stu­fen ge­ra­de wie un­se­re Er­de nach der Sie­ben­zahl in Epo­chen ge­teilt wer­den kann, so auch die­se Sa­turn­ent­wi­cke­lung , in je­der die­ser Epo­chen wer­den ent­sp­re­chen­de We­sen­hei­ten Men­schen, auf je­der Stu­fe ir­gend­wel­che We­sen­hei­ten, und zwar im­mer dann, wenn ge­ra­de für sie der Zeit­punkt ge­kom­men ist, wo sie das, was sich fin­det auf dem Sa­turn, brau­chen kön­nen, um die Er­fah­run­gen des Men­schen durch­zu­ma­chen. So ha­ben wir sie­be­n­er­lei Ge­sc­höp­fe auf dem Sa­turn, die dort ih­re Men­schen­stu­fe durch­ge­macht ha­ben, die bis zur Men­schen­stu­fe auf­ge­rückt sind, die al­so in den fol­gen­den Stu­fen nicht mehr not­wen­dig ha­ben, bis zum Men­schen erst her­auf­zu­kom­men. Der heu­ti­ge Mensch ist noch nicht Mensch auf dem Sa­turn. Die­je­ni­gen We­sen­hei­ten, die hier auf dem Sa­turn Men­schen ge­wor­den sind, de­ren Re­prä­sen­t­an­ten die Geis­ter der Per­sön­lich­keit sind, die­se We­sen rü­cken wei­ter auf und sind heu­te er­ha­ben über&lt;br /&gt;
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den Men­schen, sie ha­ben so­zu­sa­gen den Men­schen in sich. Den tra­gen sie als ei­ne für sie ver­gan­ge­ne Ent­wi­cke­lungs­stu­fe in sich.&lt;br /&gt;
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Nach­dem der Sa­turn nun sei­ne Ent­wi­cke­lung ei­ne Zeit­lang durch­ge­macht hat­te, ging die gan­ze Evo­lu­ti­on in ei­ne geis­ti­ge Sphä­re über, in ei­nen Zu­stand, der äu­ßer­lich nicht wahr­nehm­bar war für Sin­ne wie die heu­ti­gen men­sch­li­chen, und dann trat her­vor die zwei­te Ver­kör­pe­rung un­se­res Erd­pla­ne­ten, der Son­nen­pla­net. Er zeich­ne­te sich da­durch aus, daß er ver­hält­nis­mä­ß­ig früh in sei­ner Ent­wi­cke­lung schon so weit war, daß er Licht aus­strahl­te. Das kam da­von her, weil er nicht nur aus Wär­me be­stand, son­dern daß die Wär­me­ma­te­rie be­reits ver­dich­tet war zur gas-, zur luft­för­mi­gen Ma­te­rie. Er hat­te noch kein Was­ser, noch nichts Fes­tes, er be­stand aus luft- und gas­för­mi­ger Mas­se. Aber da­durch war er auch schon im­stan­de, ein leuch­ten­der Kör­per zu sein. Da­durch war er, für ein heu­ti­ges Au­ge ge­se­hen, be­reits ein in den Wel­ten­raum hin­aus­strah­len­der Pla­net. Jetzt, da die­ser Pla­net so weit sich ent­wi­ckelt hat­te, war es mög­lich, daß der ers­ten An­la­ge des men­sch­lich-phy­si­schen Lei­bes ein­ge­g­lie­dert wur­de der Äther­leib. Nun be­stand al­so der Mensch aus dem phy­si­schen und dem Äther­leib, wäh­rend er auf dem Sa­turn nur erst die ers­te An­la­ge des phy­si­schen Lei­bes hat­te. Der Mensch war aber noch nicht so weit, ei­nen ei­ge­nen As­tral­leib zu ha­ben. Die For­men der Men­schen sa­hen da­her ganz an­ders aus als heu­te. Der Mensch hat­te die Form des Pflan­zen­da­seins. Er be­saß phy­si­schen und Äther­leib wie die Pflan­ze, hat aber auf der Son­ne ganz an­ders aus­ge­se­hen als die Pflan­ze heu­te.&lt;br /&gt;
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Die­ses Fort­sch­rei­ten der Ent­wi­cke­lung war da­mit ver­bun­den, daß ei­ne zwei­te Art von We­sen­hei­ten auf­t­rat auf der Son­ne. Auf dem Sa­turn gab es nur Men­schen, kei­ne an­de­ren We­sen­hei­ten. Er be­stand nur aus Men­schen, wie die Brom­bee­re aus klei­nen Bee­ren be­steht. Jetzt wa­ren aber von die­sen Men­schen­an­la­gen ei­ni­ge zu­rück­ge­b­lie­ben auf der Sa­turn­stu­fe; die hat­ten nicht al­les er­reicht, was zu er­rei­chen war. Die­se zu­rück­ge­b­lie­be­nen We­sen­hei­ten, die vom Sa­turn kom­men, kön­nen sich des­halb kei­nen Äther­leib an­eig­nen und müs­sen noch im­mer auf der Son­ne bloß mit phy­si­schem Leib be­gabt sein. Sie sind al­so erst so weit wie die Men­schen auf&lt;br /&gt;
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dem Sa­turn. Die­se We­sen­hei­ten nun, die bloß den phy­si­schen Leib auf der Son­ne ha­ben, sind die ers­ten An­la­gen zu un­se­ren heu­ti­gen Tie­ren. So daß wir auf der Son­ne Men­schen­an­la­gen mit phy­si­schem und Äther­leib ha­ben, und Tier­an­la­gen mit bloß phy­si­schem Lei­be.&lt;br /&gt;
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Wie­der­um ist es so, daß in der Mit­te des Son­nen­da­seins ge­wis­se We­sen­hei­ten die Mensch­heits­stu­fe durch­ma­chen. Der heu­ti­ge Mensch konn­te das noch nicht. Die geis­ti­gen We­sen­hei­ten aus dem Um­kreis der Son­ne, die jetzt die Mensch­heits­stu­fe durch­ma­chen, nen­nen wir Feu­er­geis­ter, Erz­en­gel. Sie sind heu­te zwei Stu­fen über dem Men­schen. Den Men­schen tra­gen sie in sich. Sie ha­ben in an­de­rer Form das­sel­be er­fah­ren, was der Mensch heu­te in dem ir­di­schen Da­sein er­fährt. Aber auch die Son­ne macht sie­ben Epo­chen durch, und auf je­der Stu­fe gibt es We­sen­hei­ten, die den Grad er­reicht ha­ben zur Mensch­heits­stu­fe, so daß wir wie­der­um wäh­rend des Son­nen­da­seins sie­ben Ent­wi­cke­lungs­pha­sen ha­ben. Wenn sie in ih­rer ei­ge­nen Ver­gan­gen­heit zu­rück­ge­hen, se­hen sie gleich­sam auf ein kos­mi­sches Le­bensal­ter, von dem sie sa­gen kön­nen: Wenn auch un­ter mir kein fes­ter Erd­bo­den war und kei­ne flüs­si­ge Erd­ku­gel, ich ha­be da­mals doch er­fah­ren, was der Mensch heu­te er­fährt. Ich kann al­so mit­füh­len und mi­t­er­le­ben, was der Mensch er­lebt auf der Er­de. Das kön­nen die­se We­sen heu­te sa­gen. Sie ha­ben Ver­ständ­nis da­für, weil sie auch in sich er­fah­ren ha­ben, was der Mensch heu­te in sei­nem Er­den­da­sein er­fährt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun kommt wie­der­um ei­ne Art von Zwi­schen­zu­stand, in dem der leuch­ten­de Pla­net nach und nach ab­g­limmt für die äu­ße­re Be­o­b­ach­tung wenn die­se schon da sein könn­te , auch für ge­wis­se hell­se­he­ri­sche Be­o­b­ach­tung ver­schwin­det und nur noch für die höchs­ten For­men des hell­se­he­ri­schen Be­o­b­ach­tens vor­han­den ist. Dann tritt er wie­der­um her­aus zu ei­ner neu­en Form des Da­seins, zu ei­nem drit­ten Zu­stand, den wir den Mon­den­zu­stand nen­nen. Das ist die drit­te Ver­kör­pe­rung un­se­res Pla­ne­ten, der al­te Mond. Der ist jetzt so weit in sei­ner Sub­stanz­ent­wi­cke­lung, daß er das, was früh­er auf der Son­ne bloß Gas war, ver­dich­tet hat zu Was­ser. Da­durch, daß das wäs­se­ri­ge Ele­ment sich ein­ge­la­gert hat, kann dem Men­schen, der all­mäh­lich sich wie­der her­aus­ent­wi­ckelt wie&lt;br /&gt;
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die Pflan­ze aus dem Sa­men, der as­tra­li­sche Leib ein­ge­g­lie­dert wer­den, so daß der Mensch jetzt aus drei Tei­len be­steht, aus dem phy­si­schen, dem Äther- und dem as­tra­li­schen Leib. Er ist noch nicht ei­gent­lich Mensch, denn er hat in die­sen drei Lei­bern noch kein Ich ein­ge­g­lie­dert.&lt;br /&gt;
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Im­mer blei­ben auf al­len Stu­fen ge­wis­se We­sen­hei­ten zu­rück. Die We­sen­hei­ten, wel­che auf der Son­ne zu­rück­ge­b­lie­ben sind, die nicht die Mond­stu­fe er­rei­chen konn­ten und auf dem Mond erst ih­re Son­nen­stu­fe durch­ma­chen, die ha­ben da­her kei­ne Mög­lich­keit, sich jetzt den as­tra­li­schen Leib ein­zu­g­lie­dern, sie be­ste­hen auch auf dem Mon­de nur aus phy­si­schem und Äther­leib. Es sind das na­ment­lich sol­che, die schon auf der Son­ne zu­rück­ge­b­lie­ben wa­ren, die aber sich in­zwi­schen so weit ent­wi­ckelt hat­ten, daß sie sich ei­nen Äther­leib ein­g­lie­dern konn­ten. Das sind wie­der­um die Vor­fah­ren von heu­ti­gen Tie­ren. Die We­sen, die aber noch nicht so weit wa­ren auf dem Mon­de, daß sie sich ei­nen Äther­leib ein­g­lie­dern konn­ten, das sind die Vor­fah­ren von noch tie­fer­ste­hen­den We­sen­hei­ten: von der heu­ti­gen Pflan­zen­welt. Wir ha­ben al­so drei Rei­che auf dem Mon­de: das Men­schen­reich, be­ste­hend aus phy­si­schem Leib, Äther­leib und as­tra­li­schem Leib, das Tier­reich, be­ste­hend aus phy­si­schem und Äther­leib, und das Pflan­zen­reich, nur aus phy­si­schem Leib be­ste­hend.&lt;br /&gt;
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Wie­der­um sind es ge­wis­se We­sen­hei­ten, wel­che un­ge­fähr in der Mit­te des Mon­den­da­seins ih­re Men­schen­stu­fe durch­ma­chen. Es sind die Geis­ter, die man ge­wöhn­lich in der geis­tes­wis­sen­schaft­li­chen Li­te­ra­tur die Geis­ter der Däm­me­rung nennt, die En­gel. Auch sie tra­gen als Er­in­ne­rung den Men­schen in sich. Und wie­der­um hat der Mond sie­ben sol­cher Stu­fen. Auf je­der Stu­fe sind We­sen­hei­ten, die ge­ra­de das Men­schen­da­sein durch­ma­chen kön­nen. Es ist im­mer so, daß ei­ni­ge We­sen­hei­ten vor­au­s­ei­len und an­de­re zu­rück­b­lei­ben. Wir ha­ben al­so auch auf dem Mon­de sie­ben We­sen­heits­stu­fen, die ih­re Mensch­heit durch­ge­macht hat­ten, als der Mond mit sei­ner Ent­wi­cke­lung zu En­de war.&lt;br /&gt;
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Nun müs­sen wir al­ler­dings, um den Mond ganz zu ver­ste­hen, et­was Wich­ti­ges er­wäh­nen, was sich in der Ent­wi­cke­lung des al­ten&lt;br /&gt;
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Mon­des ab­spiel­te. Als die­ser al­te Mond sei­ne Ent­wi­cke­lung be­gann, war er, we­nigs­tens bald nach dem Be­ginn, ei­ne flüs­si­ge Ku­gel. Wür­de er sich so wei­ter­ent­wi­ckelt ha­ben durch sei­ne sie­ben Sta­di­en, dann wä­re er nicht da­zu ge­kom­men, dem Men­schen die rich­ti­ge Grund­la­ge für sei­ne Wei­te­r­ent­fal­tung zu ge­ben. Er wur­de nur da­durch ge­eig­net, ei­ne Vor­stu­fe der Er­den­mensch­heit zu sein, daß er sich zu­nächst in zwei Wel­ten­kör­per spal­te­te. Der ei­ne von die­sen war der Vor­läu­fer der heu­ti­gen Son­ne und der an­de­re, der sich ab­t­ren­nen­de, war der Vor­läu­fer der heu­ti­gen Er­de, aber so, daß Sie sich die­ser Er­de den heu­ti­gen Mond da­zu­ge­mischt den­ken, so daß Er­de und Mond von heu­te da­mals eins wa­ren. Sie den­ken sich al­so die­se zwei Kör­per, Er­de plus Mond ei­ner­seits und die Son­ne an­de­rer­seits, jetzt von­ein­an­der ge­t­rennt, den al­ten Mond als wäs­se­ri­gen Kör­per und die al­te Son­ne auf dem We­ge, ein Fixs­tern zu wer­den. Mit die­ser Spal­tung war et­was sehr We­sent­li­ches ver­knüpft. Vor al­len Din­gen war es die Son­ne, wel­che die Ab­spal­tung voll­zog und die feins­ten Tei­le, die äthe­rischs­te Ma­te­rie mit sich nahm, wäh­rend im Mon­de, das heißt in der heu­ti­gen Er­de plus dem heu­ti­gen Mon­de, die gröbs­te Ma­te­rie zu­rück­b­lieb. Da­her ist die Son­ne mit un­ge­heu­er fei­ner Ma­te­rie aus­ge­stat­tet, wäh­rend der Mond ein viel dich­te­rer Kör­per, ei­ne wäs­se­ri­ge Mas­se wird. Da­durch, daß die Son­ne die feins­ten und geis­tigs­ten Kräf­te mit sich nahm, konn­te sie nun auch der Schau­platz sein für viel höh­er ent­wi­ckel­te We­sen­hei­ten. In der Tat wä­ren vie­le von je­nen ho­hen We­sen­hei­ten, die noch das Sa­turn­da­sein er­tra­gen konn­ten, ge­hemmt ge­we­sen in ih­rer Ent­wi­cke­lung, wenn sie län­ger an den Mond ge­fes­selt ge­b­lie­ben wä­ren. Sie brauch­ten ei­nen Schau­platz mit feins­ten Stof­fen; nur da konn­ten sie sich ent­wi­ckeln. So hat­ten sie sich den ge­eig­ne­ten Schau­platz her­aus­ge­zo­gen und ent­wi­ckel­ten sich auf der Son­ne wei­ter. Da­ge­gen wa­ren ver­knüpft ge­b­lie­ben mit dem Mon­de, der durch das Her­aus­ge­hen der fei­ne­ren Ma­te­rie ei­ne Ver­di­ckung er­lit­ten hat­te, je­ne Men­schen­an­la­gen, die aus phy­si­schem Lei­be, Äther­leib und as­tra­li­schem Leib be­stan­den, und auch Tier- und Pflan­zen­an­la­gen.&lt;br /&gt;
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Die­ser al­te Mond sieht nun ganz son­der­bar aus. Da wür­den Sie&lt;br /&gt;
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noch nicht so et­was fin­den wenn er auch sei­ne Son­ne schon um­k­reis­te wie Fel­sen, wie Acker­er­de. Mi­ne­ra­li­sches gab es da noch nicht. Die Haupt­mas­se die­ses Mon­des, auf der die­se We­sen­hei­ten her­um­hüpf­ten so­zu­sa­gen, war ei­ne Art Brei, ei­ne rich­ti­ge Art Brei, so et­wa wie Koch­sa­lat oder wie ge­koch­ter Spi­nat. Solch ein Brei war die Grund­mas­se die­ses Mon­des, so wie die Grund­mas­se un­se­rer Er­de Acker­er­de ist. Es wa­ren da­rin ein­ge­la­gert ähn­li­che Mas­sen wie, sa­gen wir, Holz und Bor­ke der Bäu­me. Wenn Sie heu­te auf ei­nen Berg stei­gen, ge­hen Sie auf Fel­sen. Da­mals wä­ren Sie auf ei­nem Grund ge­gan­gen, der, wenn er fest war, wie Holz­ma­te­rial, wie ein Holz­pla­teau war. Statt Granit hät­ten Sie Stump­fen ge­fun­den, die et­wa mit Holz ver­g­leich­bar wä­ren. Das ist na­tür­lich nur ver­g­leichs­wei­se ge­spro­chen. So war die Grund­mas­se, und aus ihr her­aus wuch­sen fort­wäh­rend Wu­che­run­gen. Das war al­so das un­ters­te Reich, das heu­ti­ge Mi­ne­ral­reich, das da­mals mit­ten drin­nen­stand zwi­schen dem heu­ti­gen Mi­ne­ral- und Pflan­zen­reich. Das leb­te in ei­ner ge­wis­sen Wei­se. Es war so, daß es da fort­wäh­rend Wu­che­run­gen gab. Es war nicht wie heu­te. Wenn Acker­er­de da­liegt, so muß man sie, wenn man sie weg­ha­ben will, auf äu­ßer­li­che Wei­se weg­tra­gen. Die­se Mas­se des al­ten Mon­des starb ab aber nicht wie ein­zel­ne Pflan­zen und bil­de­te sich wie­der neu. Fort­wäh­rend war sie in in­ne­rer le­ben­di­ger Re­gung und Be­we­gung. In ste­tem Abs­ter­ben und fort­wäh­ren­dem Wu­chern war die Grund­mas­se des al­ten Mon­des. Und aus die­sem Grund­bo­den wuchs ein an­de­res Reich her­aus. Durch das Her­au­s­t­re­ten des Mon­des aus der Son­ne hat­ten sich näm­lich die frühe­ren Rei­che ve­r­än­dert. Auf der Son­ne ent­spra­chen sie un­ge­fähr un­se­ren Rei­chen. Durch das Her­aus­rü­cken des Mon­des war das al­te Pflan­zen­reich her­un­ter­ge­drückt wor­den um ei­ne hal­be Stu­fe und eben­so die an­de­ren Rei­che, so daß al­so das nächs­te Reich ei­ne Art von Tier-Pflan­zen­reich war. Es wuchs al­ler­dings aus dem Bo­den her­aus, es wuch­sen her­aus sol­che Tier-Pflan­zen. Sie wa­ren pflan­zen­för­mig, aber wenn man sie an­griff, hat­ten sie Emp­fin­dun­gen, sie qu­ietsch­ten und der­g­lei­chen. Sie wa­ren ei­gent­lich halb Tier und halb Pflan­ze, Pflan­ze in­so­fern, als sie eben auf dem Bo­den wuch­sen, zum gro­ßen Teil in dem Bo­den&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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fest­wur­zel­ten, und Tie­re in­so­fern, als sie et­was von Emp­fin­dungs­fähig­keit hat­ten. Und das Reich, das dem uns­ri­gen vor­an­ging, wa­ren Men­schen-Tie­re, We­sen­hei­ten, die zwi­schen dem heu­ti­gen Men­schen und dem heu­ti­gen Tie­re mit­ten drin­nen­ste­hen, höh­er als der heu­ti­ge Af­fe, aber noch nicht so hoch wie der heu­ti­ge Mensch. Das war un­ge­fähr die Ge­stalt der Men­schen­vor­fah­ren auf dem Mon­de.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ge­ra­de Sa­gen und My­then ha­ben wun­der­bar die­se Din­ge er­hal­ten. Den­ken Sie nur ein­mal, wie ei­ne deut­sche Sa­ge die­ses Ge­heim­nis, das sich hin­ter all­dem ver­birgt, er­hal­ten hat. Im­mer blei­ben ge­wis­se We­sen­hei­ten zu­rück. Auch die­se We­sen­hei­ten, die zwi­schen den heu­ti­gen Pflan­zen und den heu­ti­gen Tie­ren mit­ten drin­nen­stan­den, die nur auf ei­nem pflanz­li­chen Bo­den wur­zeln konn­ten, wie der Mond­bo­den ei­ner war, die sind zu­rück­ge­b­lie­ben und in un­se­rer heu­ti­gen Er­den­bil­dung des­halb auch nicht fähig, auf mi­ne­ra­li­schem Bo­den zu gedei­hen. Da kön­nen un­se­re heu­ti­gen Pflan­zen wach­sen, aber je­ne, die zwi­schen Pflan­zen und Tie­ren mit­ten­d­rin­nen wa­ren, die ei­nen le­ben­di­gen Bo­den brauch­ten, die kön­nen nicht, wenn sie zu­rück­ge­b­lie­ben sind, im Mi­ne­ra­li­schen wach­sen. Die Mis­tel ist ei­ne sol­che Pflan­ze. Sie muß des­halb in der heu­ti­gen Pflan­zen­welt schma­rot­zen, weil sie ein zu­rück­ge­b­lie­be­nes We­sen ist. Sie hat kei­ne Emp­fin­dung mehr, ob­wohl der um­hül­len­de As­tral­leib der Mis­tel ganz an­ders ist wie der der üb­ri­gen Pflan­zen. Und das fühl­te die deut­sche Sa­ge, daß die Mis­tel ei­gent­lich nicht in un­ser Er­den­we­sen hin­ein­ge­hört, daß sie ihm fremd ist. Die Sa­ge fei­ert im Gott Bal­dur den Gott der Er­den­son­ne, der Er­den­kraft. Kein We­sen der Er­de wird ihm et­wa feind­lich na­hen kön­nen. Da­her kann auch der Gott, von dem die deut­sche Sa­ge das Be­wußt­sein hat­te, daß er so ein Nach­züg­ler sei, da­her kann Lo­ki den Bal­dur mit kei­nem Ge­sc­höpf der Er­de tö­ten. Er muß ihn mit dem Mi­s­telzweig tö­ten las­sen, weil der fremd ist un­ter den Er­den­ge­sc­höp­fen und des­halb dem Nach­züg­ler Lo­ki die­nen kann, der nicht ver­wandt ist mit den Er­den­göt­tern. Tie­fe Weis­heit ver­birgt sich hin­ter sol­chen Sa­gen. In die­ser Bal­dur-Lo­ki-Sa­ge spü­ren wir übe­rall die­se al­te Weis­heit, auch in den Ge­bräu­chen, die sich an die&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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Mis­tel knüp­fen. Wenn Sie sie stu­dier­ten, so wür­den Sie fin­den, daß das­je­ni­ge, was man über sie sagt, aus ural­ter Weis­heit her­rührt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann kam in der zwei­ten Hälf­te der Mon­den­ent­wi­cke­lung die Zeit, wo so­wohl die auf der Son­ne wie auch die auf dem Mon­de sich ent­wi­ckeln­den We­sen­hei­ten das er­reicht hat­ten, was sie wäh­rend der al­ten Mon­den­zeit hat­ten er­rei­chen sol­len. Und dann ve­r­ei­nig­ten sie sich wie­der­um. Son­ne und Mond gin­gen wie­der als ein Leib in ih­rer Ent­wi­cke­lung ei­ne St­re­cke zu­sam­men.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann ver­dun­kel­te sich der Ent­wi­cke­lungs­zu­stand, ging durch den rein geis­ti­gen Zu­stand hin­durch, den man­che ge­wohnt sind Prala­ya zu nen­nen, und nun däm­mer­te un­se­re Er­den­ent­wi­cke­lung auf. Im An­fang ent­hält der auf­däm­mern­de Wel­ten­kör­per nicht nur un­se­re heu­ti­ge Er­den­sub­stanz, son­dern das, was Sie be­kom­men wür­den, wenn Sie die Sub­stanz von der heu­ti­gen Son­ne, der heu­ti­gen Er­de und dem heu­ti­gen Mond zu­sam­men­neh­men und in ei­nem rie­si­gen Topf durch­ein­an­der­rüh­ren wür­den. So un­ge­fähr kön­nen Sie sich den Ent­wi­cke­lungs­zu­stand un­se­rer Er­de bei ih­rem Be­ginn vor­s­tel­len. Die­ser Ent­wi­cke­lungs­zu­stand ist zu­nächst ei­ne Art Wie­der­ho­lung des Sa­turn­zu­stan­des, dann des Son­nen- und des Mon­den­zu­stan­des. Was für uns nun vor al­len Din­gen wich­tig ist, das ist, daß der Mensch ei­gent­lich erst im heu­ti­gen Sin­ne Mensch wird in der Mit­te der Er­den­ent­wi­cke­lung. Auch in un­se­rer Er­den­ent­wi­cke­lung müs­sen wir sie­ben Zu­stän­de un­ter­schei­den. Wir ste­hen im vier­ten. Drei sind vor­an­ge­gan­gen, drei wer­den fol­gen. Der vier­te Haupt­k­reis­lauf war der­je­ni­ge, in wel­chem un­ser heu­ti­ges Men­schen­ge­sch­lecht Mensch wer­den soll­te. So wie nun in al­len die­sen Kreis­läu­fen auf dem Sa­turn, auf der Son­ne und auf dem Mond ge­wis­se We­sen­hei­ten die Mensch­heits­stu­fe er­reich­ten auf dem Sa­turn die Asu­ras oder Ur­kräf­te, auf der Son­ne die Erz­en­gel, auf dem Mon­de die En­gel , so wa­ren auch im­mer We­sen­hei­ten zu­rück­ge­b­lie­ben. Und so gab es auch We­sen­hei­ten, die nicht mehr auf dem Mond die Men­schen­stu­fe er­rei­chen konn­ten, zu­rück­ge­b­lie­be­ne En­gel et­wa, die erst jetzt auf dem Er­den­pla­ne­ten in den ers­ten drei Er­den­zei­träu­men ih­re Mensch­heits­stu­fe nach­ho­len konn­ten. Der Mensch kam in der vier­ten Stu­fe da­ran. Vor dem Men-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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schen ha­ben noch drei an­de­re We­sen­hei­ten auf der Er­de die Mensch­heits­stu­fe durch­ge­macht. Und die vier­te der We­sen­hei­ten, die auf der Er­de die Mensch­heits­stu­fe durch­ma­chen, ist der Mensch sel­ber. In dem Au­gen­blick der kos­mi­schen Ent­wi­cke­lung, als der Mensch sich eben an­schickt, Mensch zu wer­den, da ha­ben Sie al­so al­le die We­sen­hei­ten, die durch Sa­turn, Son­ne, Mond und Er­de bis zum Men­schen hin die Mensch­heits­stu­fe ha­ben durch­ma­chen kön­nen, als mehr oder we­ni­ger über den Men­schen hin­aus­ge­schrit­te­ne We­sen­hei­ten. Aber al­le sind so, daß sie zu­rück­bli­cken kön­nen, sich er­in­nern kön­nen an die Stu­fe, auf der sie selbst die Mensch­heits­stu­fe durch­ge­macht ha­ben. Sie konn­ten hin­un­ter­schau­en auf den wer­den­den Men­schen und sich sa­gen: Der wird jetzt et­was, was wir schon ge­we­sen sind, wo­für wir Ver­ständ­nis ha­ben, wenn wir es auch un­ter an­de­ren Um­stän­den ge­we­sen sind. Sie konn­ten des­halb sei­ne Ent­wi­cke­lung lei­ten und re­geln vom geis­ti­gen Wel­ten­raum aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zäh­len wir zu­sam­men, wie vie­le sol­cher We­sen­hei­ten es sind, die auf die Men­schen­stu­fe zu­rück­bli­cken kön­nen, die Ver­ständ­nis ha­ben kön­nen für den wer­den­den Men­schen: sie­ben von der Sa­turn­ent­wi­cke­lung plus sie­ben von der Son­nen- plus sie­ben von der Mon­den­stu­fe plus drei von der Er­den­ent­wi­cke­lung, das sind vier­und­zwan­zig We­sen­hei­ten. Vier­und­zwan­zig «Men­schen» bli­cken her­un­ter auf den heu­ti­gen Men­schen. Es sind die We­sen­hei­ten, wel­che wir aus gu­ten Grün­den die Re­gu­la­to­ren der Ent­wi­cke­lung ge­nannt ha­ben, die Re­gu­la­to­ren der Zeit. Zeit hängt mit Ent­wi­cke­lung zu­sam­men. Es sind die vier­und­zwan­zig Äl­tes­ten, die uns in der Apo­ka­lyp­se des Jo­han­nes be­geg­nen. Das sind die­sel­ben We­sen­hei­ten, die uns be­schrie­ben wer­den da, wo wir her­an­t­re­ten an das Ge­heim­nis der sie­ben Sie­gel. Sie wer­den uns als die ei­gent­li­chen Len­ker der Ge­schi­cke be­schrie­ben, das ei­gent­li­che Al­pha und Ome­ga. So ha­ben wir die vier­und­zwan­zig Äl­tes­ten auch hier wie­der­um ge­fun­den, und Sie se­hen, wie der Apo­ka­lyp­ti­ker, der die­se wich­ti­ge Ur­kun­de ge­schrie­ben hat, in sei­ne Bil­der wun­der­bar hin­ein­ge­heim­nißt hat, was wir aus der Be­trach­tung der geis­ti­gen Wel­ten­ent­wi­cke­lung sel­ber fin­den kön­nen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun wa­ren aber ge­wis­se We­sen­hei­ten zu­rück­ge­b­lie­ben auf je­der&lt;br /&gt;
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Stu­fe, so daß die auf der Son­ne zu­rück­ge­b­lie­be­nen Sa­turn­we­sen als die ers­ten An­la­gen des jet­zi­gen Tier­rei­ches her­aus­ka­men und die auf der Mond­stu­fe zu­rück­ge­b­lie­be­nen Son­nen­we­sen als ers­te An­la­gen des heu­ti­gen Pflan­zen­rei­ches. Auf der Er­de erst kam ei­ne Ent­wi­cke­lungs­stu­fe her­aus als das Mi­ne­ral­reich. Wir ha­ben her­vor­ge­ho­ben, daß es auf dem Mon­de noch kein Mi­ne­ral­reich ge­ge­ben hat. Auf Fel­sen hät­te man auf dem Mon­de noch nicht her­um­ge­hen kön­nen. In der­je­ni­gen Zeit, wo die heu­ti­gen Men­schen an­fin­gen, ih­re Mensch­heits­stu­fe durch­zu­ma­chen, dran­gen aus dem Wel­ten­kör­per, der jetzt zwi­schen der Sub­stanz des Mon­des und der heu­ti­gen Sub­stanz stand, die mi­ne­ra­li­schen Mas­sen, die ers­ten Kri­s­tal­le her­aus. Das war der Au­gen­blick, wo das Mi­ne­ral­reich her­vor­schoß. Und Sie fin­den die­ses Her­vor­schie­ßen in ganz ein­zi­ger Wei­se in der Apo­ka­lyp­se des Jo­han­nes ge­schil­dert, wo er sagt: Da war es kri­s­tal­li­siert um den Stuhl her­um wie ein glä­s­er­nes Meer. Die­ses «glä­s­er­ne Meer» soll uns an­deu­ten das Her­vor­schie­ßen, das Her­vor­kei­men des Mi­ne­ral­rei­ches in sei­ner ers­ten Ge­stalt. So se­hen wir auch die­ses Ge­heim­nis der kos­mi­schen Ent­wi­cke­lung in der Apo­ka­lyp­se des Jo­han­nes an­ge­deu­tet. Und wir ha­ben da­mit auch ein­se­hen ge­lernt, daß bis zu die­sem Gra­de der Apo­ka­lyp­ti­ker uns in sei­nen ge­wal­ti­gen Bil­dern nichts an­de­res dar­s­tel­len will als das, was wir aus dem geis­ti­gen Le­ben her­aus in der Ent­wi­cke­lung der Er­de selbst er­ken­nen kön­nen. Da­mit hat uns aber der Apo­ka­lyp­ti­ker gleich im An­fang sei­nes Bu­ches bis zu den Höhen hin­auf­ge­führt, wo der Mensch die Bil­der der zu­künf­ti­gen Ent­wi­cke­lungs­stu­fen schau­en kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und nun ha­ben wir ei­ne gu­te Grund­la­ge, um wie­der an das an­zu­knüp­fen, was wir schon als die ers­ten Epo­chen zu­künf­ti­ger Mensch­heits­ent­wi­cke­lung ken­nen­ge­lernt ha­ben. Jetzt ha­ben wir als Zwi­schen­be­trach­tung ei­nen Blick ge­wor­fen in die Ver­gan­gen­heit bis da­hin, wo der Mensch be­reit ist, Mensch zu wer­den, wo das Mi­ne­ral­reich her­aus­schießt. Und nun wer­den wir se­hen, wie es bis zu un­se­rer Zeit wei­ter­geht, und von da bis in die Zu­kunft hin­ein. Wir wer­den den An­schluß fin­den zum Ge­heim­nis der sie­ben Sie­gel und ih­rer Ent­sie­ge­lung bis zur Aus­gie­ßung der Zor­nes­scha­len.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
= SECHSTER VOTRAG, Nürnberg, 23. Juni 1908 =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist in der ma­te­ria­lis­ti­schen Wis­sen­schaft all­ge­mein ge­bräuch­lich, mit Aus­nah­me ei­ni­ger Krei­se, die sich in der letz­ten Zeit zu ei­ner an­de­ren Er­klär­ung ent­sch­los­sen ha­ben, die Ent­ste­hung un­se­res ge­gen­wär­ti­gen Son­nen­sys­tems so dar­zu­s­tel­len, daß es sich her­aus­ge­bil­det hat aus ei­ner Art von Ur­ne­bel, der ei­nen Raum um­faßt hat bis über die Nep­tun­g­ren­ze hin­aus, al­so bis an die Bahn des äu­ßers­ten Pla­ne­ten un­se­res Son­nen­sys­tems. Und da, so nimmt man an, hat sich durch ei­nen Ver­dich­tung­s­pro­zeß nach und nach her­aus­ge­bil­det un­se­re Son­ne und die sich um sie her­um­be­we­gen­den Pla­ne­ten. Wie ge­sagt, ei­ni­ge we­ni­ge Er­klä­rer ha­ben heu­te ei­ne et­was an­ders lau­ten­de An­schau­ung, aber sie brin­gen auch noch nichts We­sent­li­ches für uns, die wir auf dem Bo­den ei­ner spi­ri­tu­el­len Wel­t­an­schau­ung ste­hen. Al­so es hät­te sich her­aus­ge­ballt un­se­re Son­ne mit den um sie krei­sen­den Pla­ne­ten. Da­bei wur­de ja im­mer und wird auch heu­te noch in den Schu­len ein nied­li­cher Ver­g­leich ge­bracht, der so recht an­schau­lich ma­chen soll, wie ein gan­zes Pla­ne­ten­sys­tem so durch Dre­hung ent­ste­hen kann. Da nimmt man ei­ne öli­ge Sub­stanz, die in Was­ser schwimmt, und macht sie ku­gel­för­mig. Dann schnei­det man ein klei­nes Blätt­chen, das man ganz in der Äqua­tor­li­nie so durch­drü­cken kann durch die­se öli­ge Ku­gel, daß sie in zwei Hälf­ten ge­teilt wird. Man steckt oben hin­ein ei­ne Steck­na­del, und dann gibt man das in Was­ser, so daß es schwimmt. Man sieht als­dann, wenn man nun die­se klei­ne Ku­gel dreht, wie sich zu­erst ein Trop­fen ab­spal­tet und gleich­sam als ein äu­ße­rer Kör­per die grö­ße­re Ku­gel um­k­reist, wie sich dann ein zwei­ter, drit­ter Trop­fen ab­spal­tet und end­lich in der Mit­te ein gro­ßer Trop­fen üb­rig­b­leibt, um den sich vie­le klei­ne­re dre­hen. Ein Pla­ne­ten­sys­tem im klei­nen! sagt man. Warum, so meint man, kön­ne nicht aus je­nem Ur­ne­bel einst­mals durch sol­che Ab­dre­hung un­ser Son­nen-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
sys­tem ent­stan­den sein, wenn man es doch jetzt nach­ma­chen kann bei ei­nem sol­chen Mi­nia­tur-Son­nen­sys­tem?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es er­scheint ge­wöhn­lich die­ser Ver­g­leich den Men­schen un­ge­heu­er ein­leuch­tend, und jetzt be­g­rei­fen sie, wie einst­mals aus sol­chem Ur­ne­bel sich her­aus­ge­spal­tet ha­ben Sa­turn, Ju­pi­ter, Mars, Er­de, Ve­nus, Mer­kur. Aber die gan­ze Ge­schich­te, nicht nur der Ver­g­leich, son­dern über­haupt die gan­ze An­schau­ung geht her­vor aus der Kurz­at­mig­keit al­les Den­kens der Ge­gen­wart. Denn die be­tref­fen­den, zu­wei­len recht ge­lehr­ten Män­ner, die die­sen Ver­g­leich so ein­leuch­tend hin­s­tel­len, ver­ges­sen da­bei nur ei­nes: daß sie näm­lich selbst da­bei sind und oben die­se Na­del dre­hen! Nun ist ja Selbst­ver­ges­sen­heit in ge­wis­sen Ge­bie­ten des Le­bens sehr gut, aber in die­sem Fall ist ge­ra­de mit dem Ex­pe­ri­men­ta­tor das Al­ler­wich­tigs­te ver­ges­sen, oh­ne das der Öl­trop­fen sich über­haupt nicht dre­hen wür­de. Min­des­tens müß­te der Ge­lehr­te, der mit sol­chem Aber­glau­ben aus­ge­stat­tet ist Kant-La­place­sches Sys­tem ist die­ser Aber­glau­be be­nannt , we­nigs­tens ein klein bißchen Kon­se­qu­enz im Den­ken ha­ben. Er müß­te we­nigs­tens an­neh­men, daß sich da­mals ir­gend­ein We­sen ei­nen Rie­sen­stuhl in den Wel­ten­raum hin­aus­ge­s­tellt und ei­ne Rie­se­nach­se in Be­we­gung ge­setzt hät­te. Das müß­te man min­des­tens vor­aus­set­zen. Aber es hat sich all­mäh­lich das men­sch­li­che Den­ken so sehr da­ran ge­wöhnt, nur das Ma­te­ri­el­le ins Au­ge zu fas­sen, daß man den Wi­der­spruch ei­nes sol­chen Ver­g­lei­ches gar nicht mehr be­merkt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Tat ist ja ei­ne ge­wis­se Wahr­heit in die­sem so­ge­nann­ten Kant-La­place­schen Wel­ten­sys­tem, wenn sich auch die­se Wahr­heit an­ders ver­hält, als die ma­te­ria­lis­ti­sche Er­klär­ung die Sa­che hin­s­tellt. Es ist ei­ne ge­wis­se Wahr­heit da­r­in­nen, weil dem hell­se­he­ri­schen Blick al­les, was un­ser heu­ti­ges Son­nen­sys­tem ent­hält, tat­säch­lich er­scheint als aus solch ur­sprüng­li­cher Ne­bel­mas­se her­vor­ge­gan­gen. Al­lein dem­je­ni­gen, der wir­k­lich ge­schicht­lich for­schen kann, dem wird klar, daß das Gu­te an der Kant-La­place­schen Hy­po­the­se von den ok­kul­ten Tra­di­tio­nen her­rührt. Das hat man ver­ges­sen, als das Wort «Ok­kul­tis­mus» et­was wur­de, wo­vor man sich fürch­te­te wie Kin­der vor dem schwar­zen Mann. Aber das, was&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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bei der Bil­dung un­se­res Son­nen­sys­tems wir­k­lich ge­sche­hen ist, das ist nicht oh­ne den Ein­fluß von geis­ti­gen We­sen­hei­ten und Mäch­ten ge­sche­hen. Die Ma­te­rie tut nichts, oh­ne daß geis­ti­ge We­sen zu­grun­de lie­gen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es wür­de uns heu­te zu weit füh­ren, wenn wir, an­knüp­fend an das Ges­t­ri­ge, die gan­ze Er­klär­ung un­se­res Son­nen­sys­tems auf­neh­men woll­ten. Wir wol­len au­ßer Be­tracht las­sen die Pla­ne­ten wie Sa­turn, Ju­pi­ter und so wei­ter und nur ins Au­ge fas­sen, was vor al­len Din­gen für un­ser men­sch­li­ches Le­ben und die men­sch­li­che Ent­wi­cke­lung von Be­deu­tung ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Tat war ein­mal ein sol­cher Ur­ne­bel, und in die­sem wa­ren, wie auf­ge­löst, al­le Tei­le un­se­res Son­nen­sys­tems. Aber mit die­sem Ur­ne­bel ver­bun­den, so daß sie da­zu ge­hör­ten, wa­ren die We­sen­hei­ten, wel­che wir im Lau­fe der ges­t­ri­gen Be­trach­tung ken­nen­ge­lernt ha­ben. Zum Bei­spiel wa­ren mit je­nem Wel­ten­ne­bel, mit je­nem kos­mi­schen Ne­bel ver­bun­den al­le die We­sen, die in den 24 Stu­fen durch­ge­macht ha­ben die Men­schen­stu­fe. Auch noch an­de­re We­sen­hei­ten wa­ren mit ihm ver­bun­den. Sie al­le wohn­ten in je­nem Ur­ne­bel, der, wenn man ihn nicht im Zu­sam­men­hang mit die­sen We­sen­hei­ten denkt, ei­ne phan­tas­ti­sche Ab­strak­ti­on ist. Wie ihn sich der ma­te­ria­lis­ti­sche Che­mi­ker et­wa denkt, ist er un­mög­lich. So ist er nur in Ge­dan­ken, von der Wir­k­lich­keit ab­ge­son­dert. In Wir­k­lich­keit ist er so vor­han­den, daß er be­wohnt ist von ei­ner Rei­he von geis­ti­gen We­sen­hei­ten. Denn als je­ner Ur­ne­bel auf­s­tieg zu sei­ner neu­en Sicht­bar­keit, da wa­ren ver­bun­den mit ihm al­le die We­sen­hei­ten, die einst den al­ten Sa­turn be­wohn­ten, die dann die ver­schie­de­nen Ent­wi­cke­lungs­stu­fen durch Son­ne, Mond durch­ge­macht ha­ben bis her­auf zur Er­de, wo nach lan­ger Zwi­schen­pau­se der Er­den-Ur­ne­bel so­zu­sa­gen auf­s­tieg. Und auch die an­de­ren We­sen­hei­ten, die wir erst auf der Son­ne ken­nen­ge­lernt ha­ben, wa­ren ver­bun­den mit die­sem Ur­ne­bel. Und die­se We­sen­hei­ten, der gan­ze Cho­rus, der da­r­in­nen war, der die­sen Ur­ne­bel durch­setz­te, die­se sind es, wel­che die Be­we­gun­gen her­vor­rie­fen. Denn die We­sen­hei­ten sind es, die sich ih­ren Schau­platz schaf­fen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da wa­ren zum Bei­spiel We­sen­hei­ten, die ei­nen ganz an­de­ren&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|121}}&lt;br /&gt;
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Wohn­platz brauch­ten als die Men­schen, wenn sie die ih­nen ent­sp­re­chen­de Ent­wi­cke­lung durchlau­fen woll­ten. Die Men­schen, die auf dem al­ten Mon­de als die Vor­fah­ren der jet­zi­gen Men­schen ge­lebt ha­ben, hat­ten erst phy­si­schen Leib, Äther­leib und As­tral­leib. Mit die­sen drei Glie­dern ih­rer We­sen­heit ka­men sie im Be­gin­ne der Er­den­ent­wi­cke­lung aus dem so­ge­nann­ten Prala­ya wie­der­um her­aus wie ei­ne Pflan­ze aus dem Sa­men. So, wie nun die­ses gan­ze Sys­tem im An­fang war, war es un­ge­eig­net für die We­sen­hei­ten, die die An­la­gen mit­ge­bracht hat­ten zum heu­ti­gen Men­schen. Wä­re je­ne Sch­nel­lig­keit der Ent­wi­cke­lung bei­be­hal­ten wor­den, die un­ser Son­nen­sys­tem im An­fang hat­te, als es her­aus­kam aus der kos­mi­schen Däm­me­rung, so hät­te der Mensch sei­ne Ent­wi­cke­lung nicht fin­den kön­nen. Es wä­re ei­ne Ent­wi­cke­lung ge­we­sen, als ob Sie jetzt ge­bo­ren wür­den und dann in kür­zes­ter Zeit schon Grei­se wä­ren. Wür­de je­ne Sch­nel­lig­keit der Ent­wi­cke­lung bei­be­hal­ten wor­den sein, die der Son­ne ei­gen war, so wür­den Sie al­le rasch al­tern. Sie wür­den nicht je­nen lang­sa­men Gang durch die Jahr­zehn­te ma­chen kön­nen, wie Sie es wir­k­lich tun. Nach kur­zer Zeit wür­den Sie wei­ße Haa­re ha­ben. Kaum daß Sie Kind ge­we­sen sind, wür­den Sie schon Grei­se sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So hat es nicht sein dür­fen. Es wa­ren al­so We­sen­hei­ten vor­han­den, die ein sch­nel­le­res Tem­po brauch­ten. Die­se We­sen­hei­ten mach­ten nur ei­nen Teil der Ent­wi­cke­lung mit, nah­men sich dann je­nen Wel­ten­kör­per her­aus, der heu­te als Son­ne am Him­mel steht, und mach­ten die­se Son­ne zu ih­rem Wohn­platz. Sie zo­gen mit ih­rer We­sen­heit die Son­nen­ma­te­rie her­aus. Denn die­se Son­ne, die heu­te ihr Licht uns zu­schickt, ist eben­so von geis­ti­gen We­sen­hei­ten be­wohnt wie un­se­re Er­de. Mit je­dem Son­nen­strahl, der her­un­ter­dringt, ge­hen auf die Er­de her­un­ter die Ta­ten je­ner geis­ti­gen We­sen­hei­ten, die sich im Ver­lauf der Sa­turn-, Son­nen-, Mon­den­ent­wi­cke­lung da­hin ge­bracht ha­ben, daß sie ei­ne so ra­sche Ent­wi­cke­lung durch­ma­chen kön­nen, wie sie auf der heu­ti­gen Son­ne statt­fin­det. Ho­he, er­ha­be­ne We­sen­hei­ten sind ver­knüpft mit die­sem Son­nen­da­sein im Be­gin­ne un­se­rer Er­den­ent­wi­cke­lung, und sie spal­ten sich ab. Und was dann zu­rück­ge­b­lie­ben ist, müs­sen Sie sich so&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
vor­s­tel­len, als wenn Sie den heu­ti­gen Mond und die heu­ti­ge Er­de in ei­nem gro­ßen Topf zu­sam­men­ge­rührt hät­ten und die­se zu­sam­men­ge­rühr­ten Er­de und Mond zu­nächst ei­ne Zeit­lang die Son­ne um­k­reis­ten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So ha­ben wir, be­vor wir den Punkt er­rei­chen, den wir ges­tern als Men­sch­wer­dung be­zeich­net ha­ben, zu­nächst die Tren­nung der Son­ne von der Er­de, das heißt der heu­ti­gen Er­de plus dem heu­ti­gen Mon­de fest­zu­s­tel­len. Auf der Son­ne blie­ben woh­nen die We­sen­hei­ten, wel­che die geis­ti­gen Len­ker der ir­di­schen Er­eig­nis­se sind. Als sie vom Mon­de her­über­ka­men, da wa­ren es sie­ben sol­cher We­sen­hei­ten. Die Ge­ne­sis nennt sie Elo­him, Licht­geis­ter. Sie ha­ben ei­ne Wei­le ih­re Ent­wi­cke­lung mit der Er­de zu­sam­men durch­ge­macht und dann die Son­ne her­aus­ge­zo­gen, so daß sie nun von der Son­ne her­aus auf die Er­de wir­ken kön­nen. Die­se Elo­him, die­se Licht­geis­ter wa­ren al­so ih­rer sie­ben. Sechs von ih­nen wa­ren so, daß sie ihr Da­sein mit der ei­gent­li­chen kos­mi­schen Son­ne ver­ban­den. Ei­ner son­der­te sich aus von ih­nen, ei­ner, den das Al­te Te­s­ta­ment Jah­ve nennt. Der son­der­te sich aus und blieb zu­nächst mit der Er­de ver­bun­den. Der lei­te­te und lenk­te die Er­den­ent­wi­cke­lung von in­nen her­aus, wäh­rend die an­de­ren von au­ßen he­r­ein wirk­ten. So war es ei­ne Wei­le.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber schon nach dem, was ges­tern für den al­ten Mond an­ge­deu­tet wor­den ist, wer­den Sie es be­g­reif­lich fin­den, daß mit dem Her­aus­ge­hen der Son­ne ei­ne Ver­dich­tung al­les des­sen ver­bun­den war, was als Er­de plus Mond zu­rück­b­lieb. Es kam ei­ne Pe­rio­de über die Erd­ent­wi­cke­lung, wo al­le We­sen­hei­ten, und nicht nur die Sub­stanz, ei­ne Ver­gröbe­rung durch­mach­ten. Die We­sen­hei­ten zum Bei­spiel, die spä­ter die Men­schen wur­den, die da­mals noch sehr weich und fein wa­ren, mach­ten da­durch ei­ne Ver­gröbe­rung durch, daß sie scheuß­li­che In­s­tink­te an­nah­men. Ei­ne Ver­gröbe­rung des gan­zen Le­bens fand statt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber so durf­te die Ent­wi­cke­lung nicht blei­ben, wenn der Mensch ent­ste­hen soll­te. Es wür­de ei­ne Ver­gröbe­rung ein­ge­t­re­ten sein, dich­ter und dich­ter wä­re al­les ge­wor­den, und die Men­schen wä­ren zu Mu­mi­en er­starrt. Mu­mi­fi­ziert wä­ren die Men­schen ge­wor­den, und&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Sie hät­ten sehr bald ei­nen Pla­ne­ten ge­habt, auf dem so et­was wie nicht ge­ra­de sc­hö­ne, aber men­sche­n­ähn­li­che Mu­mi­en, wie Sta­tu­en, sich an­ge­sam­melt hät­ten. Mu­mi­fi­ziert wä­re die Er­de ge­wor­den. Es muß­te ein an­de­res Er­eig­nis ein­t­re­ten. Ge­ra­de durch die Re­gie­rung des kos­mi­schen Geis­tes Jah­ve wur­de nun aus die­ser Ge­samt­mas­se Er­de plus Mond das­je­ni­ge ab­ge­son­dert, her­aus­ge­holt, was Sie jetzt als Mond, als die­se aus­ge­brann­te Mond­schla­cke am Him­mel se­hen. Da wur­den nicht nur die gröbs­ten sub­stan­ti­el­len Be­stand­tei­le, son­dern auch die gröbs­ten We­sen­hei­ten aus­ge­son­dert. So war durch das Weg­ge­hen der Son­ne zu­erst be­wirkt wor­den, daß der Mensch nicht ei­ne zu ra­sche Ent­wi­cke­lung nimmt, und durch das Weg­ge­hen des Mon­des wur­de nun be­wirkt, daß der Mensch nicht ei­ne Ent­wi­cke­lung nach dem Ver­dor­ren, nach dem Ver­dich­ten, nach dem Mu­mi­fi­zie­ren hin nimmt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So war die Er­de her­aus­ge­son­dert aus der gan­zen Mas­se, und jetzt wird der Gang der men­sch­li­chen Ent­wi­cke­lung un­ter dem Ein­flus­se die­ser zwei Him­mels­kör­per über die Er­de ge­lei­tet, das heißt na­tür­lich nicht un­ter dem Ein­fluß der Him­mels­kör­per, son­dern ih­rer We­sen­hei­ten, der sechs Son­nen­geis­ter und des Mon­den­geis­tes, der sich zum Heil der Men­schen ab­ge­son­dert hat­te. Und sie wird so ge­lei­tet, daß im we­sent­li­chen die­se bei­den Kräf­te sich die Waa­ge hal­ten. Durch das Her­au­s­t­re­ten bei­der, der Son­nen­kräf­te und der Mond­kräf­te, wur­de ge­ra­de das rich­ti­ge Tem­po der Mensch­heits­ent­wi­cke­lung er­zielt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den­ken Sie ein­mal um Ih­nen das durch et­was an­de­res na­he­zu­füh­ren , daß nur die Son­ne wirk­sam wä­re für den Men­schen. Sie wis­sen, die Men­schen ma­chen ih­re Ent­wi­cke­lung auf der Er­de in vie­len, vie­len In­kar­na­tio­nen durch. Sie ha­ben ein­mal mit der ers­ten Ver­kör­pe­rung auf der Er­de an­ge­fan­gen und be­kom­men im­mer wie­der neue Lei­ber, bis sie die letz­te Ver­kör­pe­rung durch­ma­chen wer­den. Ei­ne Rei­he von In­kar­na­tio­nen macht der Mensch durch. Da­durch ent­wi­ckelt er sich lang­sam und geht von Ver­kör­pe­rung zu Ver­kör­pe­rung auf­wärts. Als wah­re geis­ti­ge Ba­bies be­t­ra­ten die Men­schen un­se­re Erd­ober­fläche. Seit der Tren­nung von Son­ne und Mond von un­se­rer Er­de stie­gen sie her­auf bis zur&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
heu­ti­gen Stu­fe. Al­le die­se See­len wer­den wie­der­kom­men in an­de­ren Lei­bern bis zum En­de der Er­den­ent­wi­cke­lung. Nun den­ken Sie sich, daß nur die Son­ne wirk­sam wä­re für den Men­schen. Dann wür­den die Men­schen al­les das, was sie in so vie­len In­kar­na­tio­nen durch­ma­chen, in ei­ner ein­zi­gen durchlau­fen müs­sen. Daß das rich­ti­ge Tem­po in die vie­len In­kar­na­tio­nen hin­ein­kommt, das wird be­wirkt durch das Sich-die-Waa­ge-Hal­ten der Kräf­te zwi­schen Son­ne und Mond von au­ßen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Zeit, in wel­cher al­so Son­ne und Mond hin­aus­ge­t­re­ten sind, be­ginnt all­mäh­lich der heu­ti­ge Mensch. Da wird die ers­te An­la­ge zum heu­ti­gen Men­schen ge­schaf­fen. Das war in ei­ner Zeit, wo der Mensch kei­nes­wegs et­wa schon wie heu­te auf die­ser Er­de her­um­wan­del­te. Sie dür­fen durch­aus nicht glau­ben, daß, als der Mond drau­ßen war, der Mensch so wie heu­te in Fleisch­ge­stalt auf die­ser Er­de her­um­ge­wan­delt ist. Es kom­men zu­erst all die For­men, die früh­er schon da­ge­we­sen wa­ren, wie in ei­ner Wie­der­ho­lung wie­der. Und als die Er­de be­f­reit war von der Son­ne und dem Mond, da sah sie un­ge­fähr so aus wie der al­te Mond, war so­gar noch wei­cher. Und wenn ein Au­ge, das so or­ga­ni­siert ist wie das heu­ti­ge, hin­ge­se­hen hät­te auf die Er­de, es hät­te den Men­schen noch nicht se­hen kön­nen. Da­ge­gen wa­ren ge­wis­se an­de­re We­sen­hei­ten da, wel­che nicht reif ge­nug wa­ren, ab­zu­war­ten die spä­te­re Zeit. Sie muß­ten, wäh­rend die Ent­wi­cke­lungs­stu­fe noch un­voll­kom­men war, sich her­aus­ent­wi­ckeln, muß­ten kör­per­li­che Ge­stalt an­neh­men, so daß ge­wis­se For­men der nie­de­ren Tie­re da­zu­mal, ei­ni­ge Zeit nach dem Weg­gan­ge des Mon­des von der Er­de, schon in phy­si­scher Ver­dich­tung zu se­hen wa­ren. Der Mensch war noch nicht her­ab­ge­s­tie­gen, noch nicht ein­mal die höhe­ren Säu­ge­tie­re. Der Mensch war noch ein Geist­we­sen, er um­schweb­te noch als geis­ti­ges We­sen die Er­de. Aus der Um­ge­bung der Er­de hat er die feins­te Ma­te­rie an­ge­nom­men. Nach und nach ver­dich­te­te sich der Mensch so weit, daß er her­un­ter­s­tei­gen konn­te, da, wo die Er­de schon fest ge­wor­den war und ein­zel­ne In­seln ge­bil­det hat­te.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So se­hen wir, daß die ers­ten Men­schen ver­hält­nis­mä­ß­ig spät auf­t­re­ten und daß sie da­mals ganz an­de­re Be­schaf­fen­heit hat­ten als&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
der heu­ti­ge Mensch. Ich kann Ih­nen nicht die Ge­stal­ten je­ner Men­schen schil­dern, die so­zu­sa­gen sich zu­erst her­aus­kri­s­tal­li­sier­ten aus dem Geis­ti­gen. Wenn Sie auch schon viel von schwer zu Glau­ben­dem über sich ha­ben er­ge­hen las­sen müs­sen, Sie wür­den doch zu stark scho­ckiert wer­den, wenn ich Ih­nen schil­dern wür­de die gro­tesk aus­schau­en­den Ge­stal­ten der Lei­ber, in de­nen Ih­re See­len in­kar­niert wa­ren. Sie wür­den solch ei­ne Schil­de­rung nicht er­tra­gen kön­nen. In ei­ner spä­te­ren Zeit je­doch, wenn die­se Din­ge, die heu­te durch die an­thro­po­so­phi­sche Geis­tes­strö­mung erst be­gin­nen zum Be­wußt­sein der Men­schen zu kom­men, im­mer mehr und mehr die­ses Be­wußt­sein der Men­schen er­obern, dann wird ein­mal das be­kannt ge­ge­ben wer­den müs­sen, und es wird ei­nen un­ge­heu­ren Er­folg ha­ben, ei­ne un­ge­heu­re Be­deu­tung für das gan­ze Le­ben der Men­schen. Denn nur da­durch, daß der Mensch ken­nen­ler­nen wird, wie er sich auch leib­lich ent­wi­ckelt hat, wie die­je­ni­gen Or­ga­ne, die jetzt vor­han­den sind, all­mäh­lich aus ganz an­de­ren For­men sich her­aus­ge­bil­det ha­ben, wird er je­ne merk­wür­di­ge Ver­wandt­schaft zwi­schen Or­ga­nen im men­sch­li­chen Lei­be füh­len, die heu­te schein­bar weit au­s­ein­an­der­lie­gen. Da wird er die Kor­res­pon­denz ein­se­hen, die zwi­schen ge­wis­sen Or­ga­nen be­steht, zum Bei­spiel zwi­schen dem Blind­darm und der Luf­tröh­re, die in ih­rer frühe­ren Form bei je­nen merk­wür­di­gen Ge­stal­ten zu­sam­men­ge­wach­sen wa­ren. Das al­les, was heu­te der Mensch ist, das ist das au­s­ein­an­der-ge­roll­te Frühe­re, das in der man­nig­fal­tigs­ten Wei­se au­s­ein­an­der­ge­nom­men ist. Or­ga­ne, die heu­te au­s­ein­an­der­lie­gen, wa­ren früh­er zu­sam­men­ge­wach­sen, sie ha­ben aber ih­re Ver­wandt­schaft wohl be­wahrt. In Krank­hei­ten zeigt sich oft die­se Ver­wandt­schaft, da zeigt sich, wie die Er­kran­kung ei­nes Or­ga­nes not­wen­di­ger­wei­se die ei­nes an­de­ren nach sich zie­hen muß. Da wer­den die­je­ni­gen, die wir­k­lich Me­di­zin stu­die­ren wer­den, man­cher­lei Ent­de­ckun­gen zu ma­chen ha­ben, von de­nen sich die heu­ti­ge Me­di­zin, die nur ei­ne No­ti­zen­samm­lung ist, nichts träu­men läßt. Da wird die­se Me­di­zin erst wir­k­lich et­was ler­nen über die wah­re men­sch­li­che Na­tur. Das al­les nur, um hin­zu­wei­sen, wie ganz an­ders die frühe­re Men­schen­ge­stalt war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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Erst nach und nach ha­ben sich ein­ge­g­lie­dert in die­se men­sch­li­che Ge­stalt die fes­ten Tei­le. Ur­sprüng­lich wa­ren im Men­schen­lei­be, auch als er sich schon her­un­ter­ge­senkt hat­te, noch kei­ne Kno­chen. Die Kno­chen ent­wi­ckel­ten sich aus wei­chen, knor­pel­ar­ti­gen Din­gen, die wie Strän­ge den men­sch­li­chen Leib durch­setz­ten, und die­se wie­der­um wa­ren aus ganz wei­chen Sub­stan­zen ent­stan­den, und die­se wei­chen Sub­stan­zen aus flüs­si­gen, die­se aus luft­för­mi­gen, die luft­för­mi­gen aus äthe­ri­schen und die äthe­ri­schen aus as­tra­li­schen, die sich aus geis­ti­ger Sub­stan­tia­li­tät ver­dich­tet hat­ten. Al­les Ma­te­ri­el­le ist zum Schluß aus dem Geis­ti­gen her­aus ent­spran­gen. Im Geis­te ist al­les vor­ge­bil­det. Erst in der Zeit, die wir schon an­ge­deu­tet ha­ben als den at­lan­ti­schen Zei­traum, ist der Mensch nach und nach da­zu ge­kom­men, sein Kno­chen­sys­tem, das schon früh­er ver­an­lagt war, her­aus­zu­bil­den.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun müs­sen wir uns die­sen le­mu­ri­schen Men­schen ge­nau­er an­schau­en, da­mit wir den Sch­rei­ber der Apo­ka­lyp­se bes­ser ver­ste­hen ler­nen. Nur hin­zu­deu­ten brau­che ich, daß in der ers­ten Zeit, wo der Mond weg war von der Er­de und der Mensch sich her­un­ter­senk­te, daß da der Mensch in be­zug auf sei­ne Wil­lens­kraft ganz an­de­rer Na­tur war als spä­ter. Die Wil­lens­kraft des Men­schen wirk­te da­zu­mal ma­gisch. Der Mensch konn­te durch sei­nen Wil­len auf das Wachs­tum der Blu­men wir­ken. Wenn der Mensch sei­nen Wil­len an­st­reng­te, konn­te er ei­ne Blu­me rasch in die Höhe schie­ßen las­sen, ei­ne Fähig­keit, die heu­te nur durch ei­ne abnor­me Ent­wi­cke­lung­s­pro­ze­dur zu er­rei­chen ist. Da­her war da­mals die gan­ze na­tür­li­che Um­ge­bung ab­hän­gig da­von, wie der Wil­le des Men­schen be­schaf­fen war. War er gut, so wirk­te er be­sänf­ti­gend auf das Wo­gen der Was­ser­mas­sen, auf den Sturm und auf die da­mals in wei­tem Um­kreis herr­schen­den feu­ri­gen Ge­bil­de, denn es war die Er­de da­mals zum gro­ßen Teil vul­ka­ni­scher Na­tur. Der Mensch wirk­te be­sänf­ti­gend auf das al­les durch ei­nen gu­ten, und zer­stö­rend durch ei­nen bö­sen Wil­len. Gan­ze In­seln konn­ten zer­schla­gen wer­den durch den bö­sen Wil­len. So war durch­aus des Men­schen Wil­le im Ein­klang mit sei­ner Um­ge­bung. Im we­sent­li­chen gin­gen die Län­der­mas­sen, in de­nen der Mensch da­mals ge­wohnt hat, durch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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den bö­sen Wil­len der Men­schen zu­grun­de, und nur ein klei­ner Teil der da­ma­li­gen Men­schen hier müs­sen wir wie­der zwi­schen Ras­sen- und See­len­ent­wi­cke­lung un­ter­schei­den ret­te­te sich hin­über in den Zei­traum, den wir rich­tig be­sch­rei­ben kön­nen, weil wir da aus un­se­rer Spra­che her­aus Wor­te fin­den, die die hell­se­he­ri­sche Wahr­neh­mung wie­der­ge­ben kön­nen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir kom­men nach die­ser Ka­tastro­phe in die al­te at­lan­ti­sche Zeit, in je­ne Zeit, in wel­cher sich das Men­schen­ge­sch­lecht im we­sent­li­chen auf ei­nem Kon­ti­nent ent­wi­ckel­te, der heu­te den Bo­den des At­lan­ti­schen Oze­ans bil­det, zwi­schen dem heu­ti­gen Eu­ro­pa und Ame­ri­ka. Un­ter ganz an­de­ren phy­si­ka­li­schen, un­ter ganz an­de­ren Ver­hält­nis­sen über­haupt leb­te da­mals der Mensch. An­fangs war er durch­aus ein Ge­bil­de, das ganz an­ders wahr­nahm als der heu­ti­ge Mensch. Wir ha­ben schon dar­auf hin­ge­deu­tet im ers­ten Vor­trag und spä­ter wie­der­um. Heu­te wol­len wir noch­mals et­was ge­nau­er hin­wei­sen auf die­se ganz an­de­re Art der An­schau­ung des da­ma­li­gen Men­schen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Mensch hat­te noch ei­ne Art al­ten Hell­se­hens aus dem Grun­de, weil das Ge­fü­ge sei­ner Lei­bes­g­lie­der an­ders war als heu­te. Es war noch nicht in so en­ger Wei­se der Äther- mit dem phy­si­schen Lei­be ver­bun­den. Der Äther­leib des Kop­fes war weit her­au­ßen aus dem phy­si­schen Lei­be. Erst ge­gen das letz­te Drit­tel der at­lan­ti­schen Zeit ging der her­aus­hän­gen­de Äther­leib zu­rück und be­kam die Form des heu­ti­gen phy­si­schen Men­schen­kop­fes. Da­durch, daß die­ser al­te At­lan­tier so ganz an­ders ge­stal­tet war als der heu­ti­ge Mensch und an­ders im Ge­fü­ge sei­ner Glie­der war, war auch das gan­ze Be­wußt­s­eins­le­ben, das gan­ze See­len­le­ben die­ses al­ten At­lan­tiers ein an­de­res. Und hier müs­sen wir noch, wenn wir rich­tig ver­ste­hen wol­len den Apo­ka­lyp­ti­ker, ein sehr wich­ti­ges, aber auch sehr ge­heim­nis­vol­les Ka­pi­tel be­rüh­ren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn Sie in die­se al­te At­lan­tis kom­men wür­den, wür­den Sie fin­den, daß sie nicht von solch rei­ner Luft um­ge­ben war wie die heu­ti­ge Er­de, son­dern von ei­ner Luft, die durch­schwän­gert war mit Ne­bel-, mit Was­ser­mas­sen. Die­se Luft wird durch­sich­ti­ger, kla­rer, je wei­ter sich die At­lan­tis ent­wi­ckelt. Aber die Ne­bel sind am&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
stärks­ten dort, wo sich die er­wähn­te höher­ent­wi­ckel­te at­lan­ti­sche Kul­tur ent­fal­tet hat. Da wa­ren die ärgs­ten Ne­bel Vor­han­den, und aus die­sen Ne­beln her­aus ent­wi­ckel­te sich die Grund­la­ge für die spä­te­ren Kul­tu­ren. Die At­lan­tis war weit und breit mit sol­chen Ne­beln durch­zo­gen. Ei­ne sol­che Ver­tei­lung von Re­gen und Son­nen­schein wie heu­te hat es nicht ge­ge­ben. Da­her konn­te in der al­ten At­lan­tis das nicht ent­ste­hen, was Sie als den Re­gen­bo­gen ken­nen. Sie kön­nen die gan­ze At­lan­tis ab­su­chen, Sie fin­den ihn kaum. Erst als die Ver­dich­tung der Was­ser zur Über­flu­tung ge­führt hat­te, als die Sint­flut hin­ge­gan­gen war über die Er­de, da erst konn­te der Re­gen­bo­gen phy­si­ka­lisch ent­ste­hen. Und hier ha­ben Sie ei­nen Mo­ment, wo Ih­nen aus der Geis­tes­wis­sen­schaft her­aus die höchs­te Ehr­furcht kom­men wird vor den re­li­giö­sen Ur­kun­den. Denn wenn Ih­nen er­zählt wird, daß nach der Flut Noah, der Re­prä­sen­tant von de­nen, die das Men­schen­ge­sch­lecht hin­über­ge­ret­tet ha­ben, den Re­gen­bo­gen zu­erst auf­ge­rich­tet sieht, so ist das wir­k­lich ein his­to­ri­sches Er­eig­nis. Nach der Flut sieht die Mensch­heit den ers­ten Re­gen­bo­gen. Früh­er war er phy­si­ka­lisch nicht mög­lich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da se­hen Sie, wie tief, wie buch­stäb­lich wahr die re­li­giö­sen Ur­kun­den sind. Heu­te quält es man­chen, wenn man sagt, die re­li­giö­sen Ur­kun­den sei­en buch­stäb­lich wahr. Man­che zi­tie­ren ein Sprich­wort, das wahr ist, aber von den Be­qu­em­lin­gen nicht als wah­res Wort, son­dern aus Be­qu­em­lich­keit zi­tiert wird. Es ist das Wort: Der Buch­sta­be tö­tet, der Geist aber macht le­ben­dig. Dar­aus lei­ten sie die Be­rech­ti­gung ab, über­haupt gar nicht mehr auf das hin­zu­schau­en, was in den Ur­kun­den da­steht, gar nicht mehr den Wil­len ha­ben zu müs­sen, zu er­ken­nen, was da wir­k­lich steht, denn das ist der tö­t­en­de Buch­sta­be, sa­gen sie. Und so las­sen sie ih­ren Geist glän­zen, der al­les mög­li­che zu­sam­men­phan­ta­siert. Sie kön­nen ja sehr gei­st­reich sein, die­se Men­schen in ih­ren Er­klär­un­gen, aber dar­auf kommt es nicht an, son­dern dar­auf, daß wir wir­k­lich das se­hen in den Ur­kun­den, was in ih­nen drin­nen­steht. «Der Buch­sta­be tö­tet, der Geist aber macht le­ben­dig», die­ses Wort hat die­sel­be Be­deu­tung in der mys­ti­schen Spra­che wie das Goe­the­sche Wort:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|129}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;margin-left:20px;&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
Und so lang du das nicht hast,&lt;br /&gt;
Die­ses: Stirb und wer­de!&lt;br /&gt;
Bist du nur ein tr­üb­er Gast&lt;br /&gt;
Auf der dun­k­len Er­de.&lt;br /&gt;
&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die­ses Wort heißt nicht: Wenn du je­mand zur höhe­ren Er­kennt­nis füh­ren willst, mußt du ihn er­schla­gen, son­dern das heißt: Der Mensch muß ge­ra­de durch die Kul­tur der phy­si­schen Welt sich er­he­ben zu der Geis­tig­keit. So ist auch der Buch­sta­be der Leib des Geis­tes, und erst muß man ihn ha­ben und ver­ste­hen, dann mag man sa­gen, man kön­ne aus ihm her­aus den Geist fin­den. Der Buch­sta­be, der be­grif­fe­ne Buch­sta­be soll dann abs­ter­ben, auf daß der Geist aus ihm au­f­er­ste­he. Nicht ei­ne An­wei­sung ist je­nes Wort, be­lie­big zu phan­ta­sie­ren ge­gen­über dem, was in den re­li­giö­sen Ur­kun­den steht. Ge­ra­de wenn wir die wah­re Be­deu­tung die­ses Re­gen­bo­gens zum Bei­spiel, wie wir sie dar­ge­s­tellt ha­ben, er­ken­nen, dann zieht et­was ein in un­se­re See­le wie tie­fe Ehr­furcht vor den re­li­giö­sen Ur­kun­den, und wir be­kom­men ei­nen Be­griff, wie durch je­ne Ver­tie­fung der Auf­fas­sung durch die an­thro­po­so­phi­sche Wel­t­an­schau­ung der Mensch erst zur wah­ren, ech­ten Emp­fin­dung und zum wah­ren Wil­lens­ver­ständ­nis der re­li­giö­sen Ur­kun­den vor­sch­rei­tet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun wol­len wir zu­rück­schau­en in die al­te At­lan­tis. Wir ha­ben schon ge­sagt, daß der Mensch da in ei­nem an­de­ren Be­wußt­s­eins­zu­stand leb­te, daß sein Ge­dächt­nis an­ders war als heu­te. Aber der Un­ter­schied ist noch viel be­trächt­li­cher. Wenn wir weit zu­rück­ge­hen, nicht bloß bis in die End­zeit der At­lan­tis, son­dern in die An­fangs­zeit, dann fin­den wir das men­sch­li­che Be­wußt­sein sehr ver­schie­den von dem, was wir heu­te ha­ben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Füh­ren wir uns noch ein­mal vor die See­le, was heu­te da ist. Wäh­rend des Ta­ges be­di­ent sich der Mensch der Sin­ne. Abends schläft er ein. Im Bet­te lie­gen der phy­si­sche Leib und der äthe­ri­sche Leib, der as­tra­li­sche Leib und das Ich tre­ten her­aus. Die Be­wußt­s­eins­sphä­re ver­dun­kelt sich. Der Mensch von heu­te sieht .nichts, hört nichts. Mor­gens, wenn der as­tra­li­sche Leib mit dem Ich un­ter­taucht in den phy­si­schen und Äther­leib, dann tre­ten die phy­si­schen Din­ge&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
wie­der­um her­vor. Wie war es in der ers­ten at­lan­ti­schen Zeit? Neh­men wir je­nen Zeit­punkt, wo mor­gens der Mensch hin­un­ter­tauch­te in den phy­si­schen und Äther­leib. Da hat­te er da­mals nicht ei­ne sol­che phy­si­sche Welt um sich wie heu­te. All die Ge­gen­stän­de von heu­te, die Sie mit kla­ren Gren­zen se­hen, die wür­den Sie wie mit ei­ner Au­ra, mit Far­ben­säu­men um­ge­ben, ganz ver­schwom­men ge­se­hen ha­ben, so, wie Sie auch bei ei­nem star­ken Ne­bel abends die Lich­ter auf den Stra­ßen nicht klar se­hen, da­für aber sol­che Far­ben­säu­me um die Lich­ter der La­ter­ne her­um. So war es in der al­ten At­lan­tis. Al­le Ge­gen­stän­de sah man nur ver­schwom­men, nichts mit den Gren­zen und Ober­flächen von heu­te, al­les wie in Ne­bel­far­ben ein­ge­hüllt. Erst nach und nach hat sich das her­aus­ge­bil­det, was fes­te Gren­ze ist. Wenn wir ei­ne Ro­se vor uns ge­habt hät­ten, so hät­ten wir in den ers­ten Zei­ten der al­ten At­lan­tis ge­se­hen, wie da ein Ne­bel­ge­bil­de auf­geht, wie in der Mit­te ein rosa­ro­ter Kreis ist, und nach und nach erst hät­ten sich die äu­ße­ren Far­ben gleich­sam hin­über­ge­legt über die Ober­fläche. Die Ge­gen­stän­de ha­ben erst spä­ter kla­re Um­ris­se be­kom­men.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Al­so Sie se­hen, ganz an­ders ist jetzt die phy­si­sche Um­welt als in der al­ten At­lan­tis. Da­für war es auch an­ders, wenn Sie des Abends her­aus­ge­s­tie­gen sind aus Ih­rem phy­si­schen Leib und, sa­gen wir, ein­ge­schla­fen sind. Ei­gent­lich war es ja kein Ein­schla­fen im heu­ti­gen Sin­ne. Al­ler­dings, die gan­ze Welt der ne­bel­haf­ten phy­si­schen Ge­bil­de blieb un­ter Ih­nen, aber auf ging ei­ne geis­ti­ge Welt. Oh­ne fes­te Gren­zen leb­ten Sie sich in ei­ne geis­ti­ge Welt hin­ein. Die geis­ti­gen We­sen­hei­ten wa­ren Ih­re Mit­be­woh­ner. So wech­sel­ten Tag und Nacht in der ers­ten at­lan­ti­schen Zeit mit­ein­an­der ab. Wenn der Mensch un­ter­tauch­te in sei­nen phy­si­schen Leib, hat­te er nur un­deut­li­che, ver­schwom­me­ne Bil­der des Phy­si­schen, aber wenn er des Nachts den phy­si­schen Leib ver­ließ, hat­te er die Mög­lich­keit, wenn auch et­was ver­schwom­men, geis­tig un­ter Geis­tern zu le­ben, un­ter Geis­tern zu wan­deln. Und vor al­len Din­gen war das gan­ze Emp­fin­dungs­le­ben des Men­schen auch ein an­de­res in der al­ten at­lan­ti­schen Zeit. Wenn Sie, sa­gen wir, her­aus­ge­gan­gen sind aus dem In­nern Ih­res phy­si­schen und Äther­lei­bes, da hät­ten Sie nicht&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Er­mü­dung ge­fühlt, kein Be­dürf­nis nach Ru­he ge­habt. Sie hät­ten auch die Ru­he nicht ge­fun­den; Sie muß­ten ein­t­re­ten in die geis­ti­ge Welt, da war die Sphä­re des Wir­kens. Wenn es da­ge­gen Mor­gen wur­de, fühl­ten Sie Ru­he­be­dürf­nis, und da such­ten Sie so­zu­sa­gen Ihr Bett auf, das Ihr ei­ge­ner Leib war. Da blie­ben Sie ru­hig lie­gen. Sie ver­kro­chen sich in Ih­ren ei­ge­nen Leib und ruh­ten ge­ra­de bei Ta­ge.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der ers­ten Zeit der At­lan­tis war es al­so durch­aus an­ders als jetzt. Die at­lan­ti­sche Zeit ver­läuft so, daß der Mensch sich all­mäh­lich her­über­gebt aus den ganz ent­ge­gen­ge­setz­ten Zu­stän­den in die spä­te­ren. Er lebt sich in dem Ma­ße her­über, als sein Äther­leib mehr und mehr hin­ein­ge­trie­ben wird in den phy­si­schen Leib. Im letz­ten Drit­tel der at­lan­ti­schen Zeit wur­de der Äther­leib hin­ein­ge­trie­ben in den phy­si­schen Leib. Vor die­sem Er­eig­nis fühl­te sich der Mensch oben in der geis­ti­gen Welt als Wa­chen­der. Aber als sol­cher sag­te er nicht zu sich Ich, hat­te er nicht das Selbst­be­wußt­sein. Wenn er her­aus­ging aus dem phy­si­schen und Äther­leib, um in die Hel­lig­keit der Nacht sich hin­ein­zu­be­ge­ben, da fühl­te er sich so recht als Glied der Geis­tig­keit, die da oben war, fühl­te sich so­zu­sa­gen hin­einge­bor­gen in sei­ne al­te Grup­pen­see­le. Je­des­mal wur­de es um ihn hell in der Nacht, aber er fühl­te sich un­selb­stän­dig. Wie un­se­re Fin­ger zu un­se­rem Ich, so fühl­ten sich die Men­schen hin­zu­ge­hö­rig zu den Grup­pen­see­len, die hell­se­he­risch so ge­se­hen wer­den, wie sie in den vier Köp­fen des Löw­en, Och­sen, Ad­lers und Men­schen in der Apo­ka­lyp­se des Jo­han­nes ge­schil­dert sind. In ir­gend­ei­ne sol­che Grup­pen­see­le hin­ein­ver­setzt fühl­te sich der Mensch. Und erst wenn er in sei­nem Lei­bes­schne­cken­haus war, fühl­te er, daß er et­was Ei­ge­nes hat­te. Denn daß der Mensch ein selb­stän­di­ges We­sen wur­de, das kam da­von, daß er sich ein­sch­lie­ßen konn­te in sei­nen Leib. Er muß­te al­ler­dings die­ses Ein­sch­lie­ßen in sei­nen Leib da­mit be­zah­len, daß sich nach und nach die geis­ti­ge Welt für ihn ver­fins­ter­te, daß sie sich ganz und gar von ihm zu­rück­zog. Da­für aber wur­de im­mer hel­ler und kla­rer die Welt, die er un­ten sah, wenn er im phy­si­schen Lei­be war. Da­mit däm­mer­te im­mer mehr und mehr in ihm auf, daß er ein Ich sei, daß er in sich selbst ein Selbst­be­wußt­sein tra­ge. Er lern­te zu sich Ich sa­gen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Wenn wir cha­rak­te­ri­sie­ren wol­len, was da­mals ge­schah, so den­ken wir uns den Men­schen, wie er gleich­sam hin­aus­kriecht aus sei­nem Lei­bes­schne­cken­haus, in die geis­ti­ge Welt hin­ein. Er ist da un­ter geis­tig-gött­li­chen We­sen­hei­ten. Da tönt ihm sein Na­me, das was er ist, von au­ßen ent­ge­gen. Der ei­nen Grup­pe tönt ent­ge­gen das Wort, das in der Ur­spra­che das Wort war für die­se Grup­pe, der an­de­ren das Wort für die an­de­re Grup­pe. Der Mensch konn­te sich nicht von in­nen her­aus be­nen­nen, er muß­te von au­ßen sei­nen Na­men ent­ge­gen­ge­tönt er­hal­ten. Wenn er so her­aus­kroch aus sei­nem Lei­bes­schne­cken­haus, wuß­te er, was er war, weil es ihm in die See­le hin­ein­ge­ru­fen wur­de. Jetzt, da er lern­te, in sei­nem Lei­be wahr­zu­neh­men die phy­si­sche Um­ge­bung, da lern­te er sich als Ich emp­fin­den, da lern­te er die gött­li­che Kraft, die ihm früh­er von au­ßen ein­ge­tönt war, in sich selbst füh­len. Er lern­te den Gott in sich sel­ber füh­len. Der ihm der nächs­te war, die­ser Gott, der zu glei­cher Zeit sein Ich an­deu­te­te, den nann­te er Jah­ve, der war der Ich-Lei­ter. Die Kraft die­ses Got­tes fühl­te der Mensch zu­nächst in sei­nem Ich auf­ge­hen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da­mit wa­ren äu­ße­re Er­eig­nis­se ver­bun­den. Wenn der al­te At­lan­tier so un­ter­tauch­te in sei­nen phy­si­schen Leib, dann sah er wohl auch hin­aus in den Him­mels­raum, und da sah er, wie ge­sagt, ei­nen wir­k­li­chen Re­gen­bo­gen nicht, aber so et­was wie ein Kreis aus Far­be ge­bil­det war da, wo spä­ter die Son­ne auf­tauch­te. Die Son­ne drang noch nicht durch mit ih­rer Kraft, aber sie wirk­te durch den Ne­bel hin­durch. Ge­hin­dert, auf­ge­hal­ten durch den Ne­bel wirk­te sie mit ih­rer Kraft auf die Er­de. Im­mer mehr und mehr kam sie her­aus, so daß al­les, was ge­schil­dert wor­den ist, die­ser Auf­gang des äu­ße­ren Be­wußt­seins, ver­knüpft war mit dem Her­aus­kom­men der Son­ne aus dem Ne­bel. Was da oben war, wo ih­ren Wohn­sitz hat­ten die sechs an­de­ren Geis­ter, die mit Jah­ve zu­sam­men die Er­den­ent­wi­cke­lung zu len­ken hat­ten, das drang all­mäh­lich her­aus, das schi­en her­un­ter in sei­nen Ta­ten auf die Er­de.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was war mit dem Men­schen vor­ge­gan­gen? Der Mensch war früh­er, sei­ner ei­gent­li­chen See­le, sei­nem Geis­te nach, wenn er aus dem Lei­be her­aus­ge­s­tie­gen war, wenn es so­zu­sa­gen Nacht war, in&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
in­ne­re, as­tra­li­sche Hel­lig­keit ge­t­re­ten, zu der die äu­ße­re Son­ne nicht not­wen­dig ist. Die­se Hel­lig­keit war um ihn her­um. Es war das­sel­be Licht von mäch­ti­gen geis­ti­gen We­sen­hei­ten, das spä­ter phy­sisch her­un­ter­schi­en von der Son­ne. Als er im­mer mehr sich in sein phy­si­sches Be­wußt­sein ein­sch­loß, da wur­de das Tor des in­ne­ren Schau­ens zu­ge­sch­los­sen. Fins­ter­nis um­gab ihn, wenn er des Nachts sei­nen phy­si­schen und sei­nen Äther­leib ver­ließ und in die geis­ti­ge Welt ein­t­rat. In dem­sel­ben Ma­ße, in dem er sich ein­sch­loß, stieg das äu­ße­re Licht auf, das die Ta­ten der geis­ti­gen We­sen­hei­ten der Son­ne dar­s­tellt. Das Licht der geis­ti­gen We­sen­hei­ten schi­en äu­ßer­lich her­un­ter auf die Er­de. Der Mensch be­rei­te­te sich vor, das äu­ße­re Licht als et­was Ma­te­ri­el­les an­zu­se­hen. In sein jet­zi­ges ver­fins­ter­tes In­ne­re schi­en das Licht, das Licht aber wur­de von sei­nen Fins­ter­nis­sen zu­nächst nicht be­grif­fen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist ein welt­ge­schicht­li­cher, kos­mi­scher Vor­gang. Der Mensch hat sich in der da­ma­li­gen Zeit durch die geis­ti­ge Ver­fins­te­rung sein Selbst­be­wußt­sein er­kauft. So ist der Mensch her­aus­ge­wach­sen aus der Grup­pen­see­len-Hel­lig­keit. Aber es war nur das al­le­r­ers­te Auf­däm­mern der In­di­vi­dua­li­tät. Lan­ge, lan­ge dau­er­te es noch, bis wahr­haft die In­di­vi­dua­li­tät über den Men­schen kam. Es ver­ging die letz­te at­lan­ti­sche Zeit; die Flut brach he­r­ein. Die nachat­lan­ti­sche Zeit be­gann, die uralt in­di­sche Kul­tur ver­ging. Das Selbst­be­wußt­sein war da noch nicht ge­die­hen. Dann kam die per­si­sche, die ägyp­tisch-ba­by­lo­ni­sche Zeit. Im­mer mehr reif­te der Mensch da­zu heran, das Selbst­be­wußt­sein in sich zu ent­wi­ckeln. End­lich kam der vier­te Zei­traum. Da voll­zog sich et­was von un­ge­heu­rer Wich­tig­keit, zu dem das vor­her Ge­sche­he­ne die Vor­be­rei­tung war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den­ken Sie sich ein­mal hin­weg­ge­ho­ben von der Er­de an ei­nen fer­nen Stern und mit hell­se­he­ri­schem Au­ge be­gabt her­un­ter­schau­end auf die Er­de von je­nem fer­nen Ster­ne aus. Da wür­den Sie se­hen, daß die­se Er­de als phy­si­scher Leib eben nur phy­si­scher Leib ist und daß zu ihr ge­hö­ren Äther­leib und as­tra­li­scher Leib wie zum Men­schen. Das al­les hat auch die Er­de. Sie wür­den die Er­de von ih­rer Au­ra um­ge­ben se­hen, und Sie wür­den durch Jahr­tau­sen­de von je­nem Stern aus ver­fol­gen kön­nen die Ent­wi­cke­lung der ir­di­schen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Au­ra. Sie wür­den die­se Er­de ein­ge­sch­los­sen se­hen von al­ler­lei Far­ben: in der Mit­te den phy­si­schen Kern, und dar­um her­um flu­tend die Au­ra in ver­schie­de­nen For­men und Far­ben, die ver­schie­dens­ten Ge­bil­de da­r­in­nen in die­ser geis­ti­gen At­mo­sphä­re der Er­de. Sie wür­den die­se Far­ben und For­men im Lau­fe der Jahr­tau­sen­de sich man­nig­fal­tig ve­r­än­dern se­hen, aber es wür­de ein Zeit­punkt ein­t­re­ten, ein Zeit­punkt von gro­ßer Wich­tig­keit: da nimmt die gan­ze Au­ra ei­ne an­de­re Form und Far­be an. Die Er­de er­scheint in ei­nem neu­en Lich­te, zu­nächst von au­ßen ge­se­hen. Und das ge­schieht mit un­ge­heu­rer Sch­nel­lig­keit, so daß man sich sa­gen muß: Von die­sem Au­gen­blick an ist ei­ne Grund­ver­wand­lung mit der Er­de vor sich ge­gan­gen, die Er­denau­ra hat sich völ­lig ver­wan­delt. Wel­cher Zeit­punkt ist das? Das ist der Zeit­punkt, wo auf Gol­ga­tha das Blut aus den Wun­den des Er­lö­sers floß. Die­ser Au­gen­blick ist ein höchst wich­ti­ger, der wich­tigs­te Au­gen­blick der gan­zen Er­den­ent­wi­cke­lung. Der Au­gen­blick, wo das Blut aus den Wun­den des Er­lö­sers fließt, ist der­sel­be, wo die Au­ra der Er­de sich neu­ge­stal­tet. Es tritt ei­ne ganz neue Kraft ein, je­ne Kraft, die der wich­tigs­te Im­puls für die Er­den­ent­wi­cke­lung ist, zu der al­les, was wir bis­her ge­se­hen ha­ben, nur Vor­be­rei­tung war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den Che­mi­ker ist das Blut auf Gol­ga­tha das­sel­be wie an­de­res Blut auch. Aber die­ses Blut ist ein ganz an­de­res. Es be­deu­tet, daß die Ma­te­rie des Blu­tes hin­un­ter­f­ließt auf den Erd­bo­den und daß der Geist, der dem Blu­te ent­spricht, die Er­denau­ra er­füllt mit neu­en Im­pul­sen und neu­en Kräf­ten, die ih­re Be­deu­tung ha­ben für die zu­künf­ti­ge Mensch­heits­ent­wi­cke­lung. Von da strah­len die Kräf­te aus, wel­che die Er­de um­än­dern, von da strah­len sie durch den Men­schen. Nur ein klei­ner Teil des­sen, was ein­ge­f­los­sen ist in je­nem Mo­men­te, hat sich bis heu­te er­füllt. Im­mer mehr und mehr wer­den die Men­schen ler­nen, zu ver­ste­hen, was die Er­de durch je­nen Mo­ment von Gol­ga­tha ge­wor­den ist, was der Mensch wer­den kann in dem Be­wußt­sein, das er sich auf die ge­schil­der­te Art er­run­gen hat seit der At­lan­tis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was hat sich denn der Mensch er­run­gen seit der At­lan­tis? Zwei­er­lei: das Ich-Be­wußt­sein und die Fähig­keit, au­ßen in der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
äu­ße­ren Welt zu se­hen. Zu­ge­sch­los­sen hat sich vor ihm, was früh­er of­fen für ihn war, die geis­ti­ge Welt. Wahr­haf­tig, die­se frühe­ren Men­schen, sie ha­ben ge­se­hen, was die spä­te­ren My­then er­zäh­len: Wo­tan Mer­kur, Ju­pi­ter Zeus, all die Ge­stal­ten ha­ben sie des Nachts ge­se­hen. Sie wa­ren in der Nacht mit­ten un­ter ih­nen. Das Tor zu die­sen geis­ti­gen We­sen­hei­ten hat sich zu­ge­sch­los­sen. Da­für hat der Mensch sich er­obert die heu­ti­ge Welt um ihn her­um. Die Geis­ter sind vor ihm zu­rück­ge­t­re­ten. Al­les, was er da­mals hat se­hen kön­nen, ist zu­rück­ge­t­re­ten. Früh­er hat er das Gött­li­che ge­se­hen, wenn er hin­aus­ge­schlüpft ist aus dem Schne­cken­haus sei­nes phy­si­schen Lei­bes; jetzt muß­te er inn­er­halb des Lei­bes das Gött­li­che se­hen, wenn es vor ihm auf­t­re­ten soll­te. Das heißt nichts an­de­res, als daß wir das Gött­li­che in leib­lich-sicht­ba­rer Ge­stalt an­neh­men müs­sen, weil das Men­schen­be­wußt­sein so ge­wor­den war, daß es hin­ge­ord­net war auf das phy­si­sche Schau­en. Des­halb muß­te das Gött­li­che selbst leib­lich-phy­si­sche Ge­stalt an­neh­men. Dar­um er­schi­en das Gött­li­che ein­mal in der Zeit­ent­wi­cke­lung im flei­sch­li­chen Lei­be. Es muß­te so er­schei­nen, weil der Mensch bis zu die­ser Stu­fe des Wahr­neh­mens vor­ge­drun­gen war. Es muß­te so sei­ner Wahr­neh­mung ge­ge­ben wer­den, da­mit er es ver­ste­hen konn­te. Und es muß­ten all die Er­schei­nun­gen, die früh­er ein­ge­t­re­ten wa­ren für an­de­re Stu­fen der Ent­wi­cke­lung, sich zu­sam­men­sch­lie­ßen in je­nem größ­ten Er­eig­nis der Er­den­ent­wi­cke­lung, das uns Licht wer­fen wird auf al­le Zu­kunft, die wir nun­mehr aus der Apo­ka­lyp­se ent­hül­len wer­den: in je­nem Er­eig­nis, das sich phy­sisch so aus­nimmt, daß die Bluts­trop­fen nie­der­ström­ten zur Er­de; das, hell­se­he­risch wahr­ge­nom­men, aber als et­was auf­s­teigt, was die Au­ra der Er­de ve­r­än­dert. Die Kraft, die da ein­f­loß, wird zu­sam­men­wir­ken mit der Er­de in al­le Zu­kunft hin­ein. Da­mit war der Er­den­see­le, dem Geist der gan­zen Er­de, et­was Neu­es ein­ge­impft wor­den. Was das Chris­tus-Prin­zip ist, hat sich da­mals mit der Er­de ver­bun­den, und die Er­de ist der Leib die­ses Chris­tus-Prin­zips ge­wor­den, so daß wört­lich wahr ist: «Wer mein Brot is­set, der tritt mich mit Fü­ß­en.» Wenn der Mensch das Brot der Er­de ißt, so ißt er den Leib der Er­de, und das ist der Leib des Erd­geis­tes, der seit je­nem Er­eig­nis auf Gol­ga­tha als&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Chris­tus-Geist mit der Er­de ver­bun­den ist. Und der Mensch wan­delt auf die­sem Er­den­leib her­um, er tritt die­sen Leib mit Fü­ß­en. Al­les ist wört­lich zu ver­ste­hen, wenn wir uns erst die Mög­lich­keit ver­schaf­fen, den Wort­laut in der wir­k­li­chen Wei­se auf­zu­fas­sen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für ei­nen sol­chen Men­schen wie den Sch­rei­ber des Jo­han­nes-Evan­ge­li­ums wur­de al­les, was er wuß­te, was er im hell­se­he­ri­schen Schau­en er­fas­sen konn­te, zu ei­ner Auf­for­de­rung, das größ­te Er­eig­nis der Er­den­ent­wi­cke­lung zu ver­ste­hen. Was er ler­nen konn­te hell­se­he­risch, von dem sag­te er sich: Ich muß es ge­brau­chen, um die Ge­stalt des Chris­tus zu ver­ste­hen und ih­re Wir­kung. Al­le Ge­heim­wis­sen­schaft zur Er­klär­ung des Er­eig­nis­ses von Gol­ga­tha zu ver­wen­den, ist die Ten­denz des­sen ge­we­sen, der die Apo­ka­lyp­se ge­schrie­ben hat. Nichts an­de­res woll­te er in dem er­bli­cken, was er in der Ge­heim­wis­sen­schaft ler­nen konn­te, als ei­ne die­nen­de Weis­heit, um die­ses Er­eig­nis zu ver­ste­hen, das er in so großar­ti­ger Wei­se vor un­se­re See­le ge­s­tellt hat und von dem wir se­hen wer­den, was es für ihn ge­wor­den ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
= SIEBENTER VORTRAG, Nürnberg, 24. Juni 1908 =&lt;br /&gt;
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Es hat für den Men­schen der Ge­gen­wart im­mer et­was Be­denk­li­ches, wenn ei­ne pro­phe­ti­sche Vor­her­sa­gung zu­künf­ti­ger Er­eig­nis­se auf­tritt. Nun ha­ben wir ja ge­se­hen, daß wir schon bei den sie­ben Sie­geln hin­wei­sen muß­ten auf ge­wis­se Ent­wi­cke­lung­s­tat­sa­chen der Mensch­heit, die da ein­t­re­ten wer­den, daß wir al­so so­zu­sa­gen pro­phe­ti­sche Küns­te üben muß­ten. Wir wer­den, wenn wir die Apo­ka­lyp­se des Jo­han­nes selbst im­mer mehr und mehr ent­hül­len, sol­che pro­phe­ti­sche Küns­te in aus­gie­bigs­tem Ma­ße an­zu­wen­den ha­ben. Nun fragt es sich: Aus wel­chen Grün­den her­aus darf man über­haupt über die­se Din­ge sp­re­chen? Wir ha­ben zum Teil, was da zu­grun­de liegt, gleich im An­fan­ge un­se­rer Vor­trä­ge er­wähnt. Wir ha­ben näm­lich ge­sagt, daß sich auf ge­wis­ser Ein­wei­hungs­stu­fe dem Ein­ge­weih­ten in der geis­ti­gen Welt das zeigt, was dann her­un­ter­s­teigt und phy­si­sches Er­eig­nis wird. Aber wir ha­ben mit den zwei Be­trach­tun­gen, die wir an­ge­s­tellt ha­ben, mit der letz­ten und vor­letz­ten, noch ei­ne an­de­re Grund­la­ge ge­schaf­fen für sol­che pro­phe­ti­sche Küns­te. Wir ha­ben näm­lich dar­ge­s­tellt, wie der Mensch sich aus geis­ti­gen Sphä­ren her­aus­ent­wi­ckelt hat zu sei­nem heu­ti­gen Da­sein. Und nun ist al­le Zu­kunft in ei­ner ge­wis­sen Be­zie­hung auch ei­ne Wie­der­ho­lung der Ver­gan­gen­heit. Nicht so, daß sich die Din­ge der Ver­gan­gen­heit in glei­cher Wei­se noch ein­mal ab­spie­len, aber in ei­nem ve­r­än­der­ten Sinn wie­der­ho­len sich ver­gan­ge­ne Er­eig­nis­se in zu­künf­ti­gen Zei­ten.&lt;br /&gt;
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Wenn wir in den letz­ten Be­trach­tun­gen dar­auf hin­ge­wie­sen ha­ben, daß der Mensch in der al­ten at­lan­ti­schen Zeit ei­ne Art Hell­se­hen hat­te, daß er na­ment­lich wäh­rend sei­nes Nacht­zu­stan­des be­wußt hin­auf­s­tieg in geis­ti­ge Wel­ten, so müs­sen wir uns klar dar­über sein, daß die­ser Zu­stand ei­nes ge­wis­sen Hell­se­hens sich für die Mensch­heit wie­der­ho­len wird. Wir ha­ben zwi­schen die­ser at­lan­ti­schen Zeit und der­je­ni­gen, die nach dem Krie­ge al­ler ge­gen al­le&lt;br /&gt;
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lie­gen wird, un­se­ren Zei­traum, den wir ja be­schrie­ben ha­ben. In ei­ner ge­wis­sen Wei­se wird sich nach un­se­rem Zei­traum das­je­ni­ge, was vor­her war, was in der at­lan­ti­schen Zeit war, wie­der­ho­len, nur mit ei­nem ge­wal­tig gro­ßen Un­ter­schied. Da­mals in der al­ten at­lan­ti­schen Zeit hat­te der Mensch ein traum­haf­tes, däm­mer­haf­tes hell­se­he­ri­sches Be­wußt­sein, und wenn er hin­auf­s­tieg in höhe­re Wel­ten, ver­sank sein hel­les Selbst­be­wußt­sein; dann fühl­te er sich wie in der Grup­pen­see­le da­r­in­nen. Nach dem gro­ßen Krie­ge al­ler ge­gen al­le wird der Mensch wie­der­um in ge­wis­ser Art hin­ein­se­hen in die höhe­re Welt. Das, was er da­zu­mal hat­te als däm­mer­haf­tes Hell­se­hen, wird er wie­der ha­ben nach dem gro­ßen Krie­ge, aber er wird zu die­sem Hell­se­hen hin­zu­ge­fügt ha­ben, was er sich jetzt in der äu­ße­ren phy­si­schen Welt nach und nach er­wor­ben hat.&lt;br /&gt;
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Der Mensch hat zwi­schen der at­lan­ti­schen Flut und dem gro­ßen Krieg al­ler ge­gen al­le ei­ne Zeit­lang ver­zich­ten müs­sen auf das Hin­ein­schau­en in die geis­ti­gen Wel­ten. Er hat sich begnü­gen müs­sen da­mit, nur das­je­ni­ge zu se­hen, was im so­ge­nann­ten Tag-Wach­be­wußt­sein für ihn zu se­hen ist, was um ihn in der phy­si­schen Welt ist. Das ist jetzt der Nor­mal­zu­stand. Da­für aber ist dem Men­schen mög­lich ge­wor­den, in die­ser Zeit sein Selbst­be­wußt­sein, sein in­di­vi­du­el­les Ich voll zu ent­wi­ckeln, sich so­zu­sa­gen inn­er­halb sei­ner Haut als ei­ne ab­ge­sch­los­se­ne Ich-Per­sön­lich­keit zu füh­len. Das hat er sich er­obert. Nun be­hält er die­se In­di­vi­dua­li­tät, auch wenn er wie­der hin­auf­s­teigt in höhe­re geis­ti­ge Wel­ten, und die­ses Hin­auf­s­tei­gen wird ihm mög­lich sein nach dem gro­ßen Krie­ge al­ler ge­gen al­le. Aber es wür­de ihm die­ses Hin­auf­s­tei­gen nicht mög­lich sein, wenn er nicht in der Mit­te un­se­res in der phy­si­schen Welt ablau­fen­den Zei­trau­mes teil­haf­tig ge­wor­den wä­re je­nes gro­ßen kos­mi­schen Er­eig­nis­ses, das wir ges­tern vor un­se­re See­le hin­ge­s­tellt ha­ben. Der Mensch hät­te in ei­ne Art Ab­grund hin­un­ter­sin­ken müs­sen, wenn er nicht be­wahrt wor­den wä­re vor die­sem Hin­un­ter­sin­ken durch das He­r­ein­t­re­ten des Chris­tus in un­se­re Welt. Wir müs­sen uns so vor­s­tel­len, daß der Mensch in die­sem un­se­rem Zei­traum ganz her­un­ter­ge­s­tie­gen ist in die phy­si­sche Welt hin­ein.&lt;br /&gt;
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Den­ken Sie sich ein­mal in ei­nem Strich den phy­si­schen Plan und&lt;br /&gt;
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dar­über das, was man die geis­ti­ge, die himm­li­sche Welt nennt. Dar­un­ter ist das­je­ni­ge, was man nennt den Ab­grund. Ei­gent­lich er­reicht der Mensch die Li­nie, wel­che die geis­ti­ge Welt vom Ab­grund trennt, ge­nau in dem vier­ten Zei­traum, den wir be­schrie­ben ha­ben.&lt;br /&gt;
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Wir ha­ben be­schrie­ben die alt­in­di­sche Zeit; da war der Mensch ver­hält­nis­mä­ß­ig noch in ei­ner geis­ti­gen Sphä­re. Vor­her war er oben in der geis­ti­gen Welt. In der At­lan­tis hat­te er noch ein däm­mer­haf­tes Hell­se­hen. Jetzt kommt er her­un­ter und er­reicht die Li­nie, als von Rom aus das Wel­ten­reich sich aus­b­rei­tet und in die­sem Wel­ten­reich der Mensch sich voll be­wußt wird als äu­ße­res sinn­li­ches We­sen, als Per­sön­lich­keit. Das war da­zu­mal, als der rö­mi­sche Rechts­be­griff in die Welt kam, als je­der ei­ne Ein­zel­per­sön­lich­keit, ein Ein­zel­bür­ger sein woll­te. Da hat­te der Mensch die­se Li­nie er­reicht. In die­sem Punkt war es mög­lich, ent­we­der um­zu­keh­ren oder aber hin­un­ter­zu­sin­ken.&lt;br /&gt;
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Jetzt sind wir in der Tat und al­les, was ich sa­ge, ent­spricht durch­aus der Dar­stel­lung der Apo­ka­lyp­se an ei­nem Punk­te der Mensch­heits­ent­wi­cke­lung an­ge­langt, wo die Mensch­heit vor ei­ner Ent­schei­dung steht in ge­wis­ser Be­zie­hung. Wir ha­ben ja schon ge­zeigt, wie in un­se­rem Zei­traum un­ge­heu­re Geis­tes­kräf­te da­zu ver­wen­det wer­den, um für die nie­ders­ten Be­dürf­nis­se zu sor­gen. Wir ha­ben ge­zeigt, wie Te­le­phon, Te­le­graph, Ei­sen­bahn, Dampf­schiff und an­de­re Din­ge, die noch kom­men wer­den, un­ge­heu­re Geis­tes­kräf­te ab­sor­biert ha­ben und ab­sor­bie­ren wer­den, die nur zur blo­ßen Be­frie­di­gung der nie­de­ren men­sch­li­chen Be­dürf­nis­se ver­wen­det wer­den. Der Mensch hat aber nur ei­ne ge­wis­se Sum­me von Geis­tes­kräf­ten. Be­trach­ten Sie ein­mal fol­gen­des: Der Mensch hat ei­ne un­ge­heu­re Sum­me von Geis­tes­kräf­ten da­zu ver­wen­det, um Te­le­gra­phen zu er­fin­den und zu kon­stru­ie­ren, Ei­sen­bah­nen, Dampf-&lt;br /&gt;
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schif­fe, Luft­bal­lons und so wei­ter zu bau­en, um die äu­ße­re Kul­tur zu för­dern. Das muß­te so sein. Es wür­de der Mensch­heit sch­lecht er­gan­gen sein, wenn es nicht so ge­kom­men wä­re. Der Mensch hat die­se Geis­tes­kräf­te aber noch zu vi­e­lem an­de­ren be­nützt. Den­ken Sie nur, wie der Mensch nach und nach da­zu ge­kom­men ist, auch al­le ge­sell­schaft­li­chen Zu­sam­men­hän­ge in ein un­ge­heu­er fei­nes Ver­stan­des­netz ein­zu­spin­nen. Was ha­ben für Geis­tes­kräf­te da­zu ge­hört, es so weit zu brin­gen, daß man ei­nen Scheck aus­s­tel­len kann in Ame­ri­ka und wie­der ein­lö­sen kann in Ja­pan. Un­ge­heu­re Kräf­te des Geis­tes sind hin­ein­ge­f­los­sen in die­se Tä­tig­keit. Die­se Kräf­te muß­ten ein­mal so­zu­sa­gen hin­un­ter­s­tei­gen un­ter die Li­nie des phy­si­schen Plans, die das geis­ti­ge Reich vom Ab­grund trennt. Denn tat­säch­lich ist der Mensch in ge­wis­ser Wei­se schon hin­ein­ge­s­tie­gen in den Ab­grund, und wer vom geis­tes­wis­sen­schaft­li­chen Stand­punkt aus die Zeit stu­diert, kann an den pro­fans­ten Er­schei­nun­gen se­hen, wie das von Jahr­zehnt zu Jahr­zehnt wei­ter­geht, wie im­mer ein ge­wis­ser Punkt er­reicht wird, wo ge­ra­de noch die Per­sön­lich­keit sich selbst fan­gen kann. Über­läßt sie sich an die­sem Punk­te dem Hin­ab­sin­ken, dann ver­liert sich die Per­sön­lich­keit, dann wird die Per­sön­lich­keit nicht ge­ret­tet, um hin­auf­zu­s­tei­gen in die geis­ti­gen Wel­ten.&lt;br /&gt;
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Selbst in den welt­lichs­ten Din­gen kann man das nach­wei­sen. Zum Bei­spiel könn­te ich es Ih­nen an den Ein­zel­hei­ten der Ent­wi­cke­lung des Bank­we­sens in der zwei­ten Hälf­te des neun­zehn­ten Jahr­hun­derts nach­wei­sen. Es ist näm­lich vi­el­leicht erst den zu­künf­ti­gen Ge­schichts­sch­rei­bern vor­be­hal­ten, zur Klar­heit zu brin­gen, daß da ei­ne gründ­li­che Ve­r­än­de­rung ein­ge­t­re­ten ist, die wir da­mit be­zeich­nen kön­nen: Im Bank­we­sen ist die Per­sön­lich­keit all­mäh­lich zer­s­p­lit­tert. Da wür­de ich Sie hin­wei­sen müs­sen auf je­nen Zeit­punkt, wo die vier Roth­schilds in die Welt aus­ge­zo­gen sind von Frank­furt aus, der ei­ne nach Wi­en, der an­de­re nach Nea­pel, der drit­te nach Lon­don, der vier­te nach Pa­ris, und wie da das gan­ze Bank­we­sen durch die eben dar­auf ge­rich­te­te per­sön­li­che Be­ga­bung in ei­ne per­sön­li­che Sphä­re hin­ein­ge­bracht wor­den ist. Da hat sich die Per­sön­lich­keit ein­ge­setzt für das Geld­we­sen. Heu­te se­hen Sie&lt;br /&gt;
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das gan­ze Bank­we­sen un­per­sön­lich wer­den. Das Ka­pi­tal geht an die Ak­ti­en­ge­sell­schaf­ten über, es wird nicht mehr von der Ein­zel­per­sön­lich­keit ver­wal­tet. Das Ka­pi­tal fängt an, sich selbst zu ver­wal­ten. Wir ha­ben rein ob­jek­ti­ve Kräf­te, die inn­er­halb des Ka­pi­tals wirt­schaf­ten, und so­gar schon Kräf­te inn­er­halb die­ses Ge­bie­tes, die al­len Wil­len der Per­sön­lich­keit an sich zie­hen, so daß die Per­sön­lich­keit ohn­mäch­tig ge­wor­den ist. So kann man mit se­hen­den Au­gen bis hin­ein in die­se welt­li­chen Din­ge die Sa­che ver­fol­gen und wird übe­rall se­hen kön­nen, wie die Mensch­heit in be­zug auf die Per­sön­lich­keit zu ei­nem tiefs­ten Punkt her­un­ter­s­tieg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun kann sich die Per­sön­lich­keit ret­ten und wie­der hin­auf­s­tei­gen. Sie kann sich da­durch ret­ten, daß sie zum Bei­spiel durch Stär­kung der in­ne­ren see­li­schen Kräf­te wir­k­lich lernt, sich auf sich selbst zu stel­len, sich un­ab­hän­gig zu ma­chen von den ob­jek­ti­ven Ka­pi­tals­mäch­ten. Die Per­sön­lich­keit kann sich aber auch hin­ein­wer­fen in die­se Kräf­te, kann in ge­wis­ser Wei­se hin­ein­se­geln und hin­un­ter­drin­gen in den Ab­grund, sich um­gar­nen las­sen von den im Ka­pi­tal wirk­sa­men Kräf­ten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der wich­tigs­te Punkt, wo die men­sch­li­che Per­sön­lich­keit her­un­ter­s­teigt bis auf die Er­de und wo sie um­keh­ren müß­te, ist der Punkt der Er­schei­nung des Chris­tus Je­sus auf der Er­de. Der gab der Er­de die Kraft, die der Mensch­heit es mög­lich mach­te, wie­der hin­auf­zu­s­tei­gen. Und in dem­sel­ben Ma­ße steigt die Mensch­heit hin­auf, als sie Ge­mein­schaft hat mit Chris­tus Je­sus. In dem Ma­ße, wie für ei­nen grö­ße­ren Teil der Mensch­heit das Ver­ständ­nis auf­geht da­für, was die­ses Er­eig­nis war, wie für sol­che Men­schen der Chris­tus-Im­puls zum ei­ge­nen Im­puls in ih­rer in­ne­ren We­sen­heit wird, aus dem her­aus sie wir­ken und ihr Da­sein we­ben, in dem­sel­ben Ma­ße wird die Mensch­heit nach auf­wärts stei­gen. Im­mer mehr und mehr muß der Mensch ver­ste­hen ler­nen, was Pau­lus ge­sagt hat: Nicht ich bin es, der wirkt, son­dern Chris­tus wirkt in mir.&lt;br /&gt;
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Wenn al­so der Im­puls, der da­mals in der vier­ten Pe­rio­de her­un­ter­ge­s­tie­gen ist auf un­se­ren phy­si­schen Plan, sich ein­lebt in die Her­zen der Men­schen, wenn er zum An­trieb ih­res Han­delns wird,&lt;br /&gt;
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dann ge­schieht der Auf­s­tieg nach oben. Und all die See­len, die die­sen An­schluß fin­den, die den Zu­sam­men­schluß mit dem Chris­tus-Prin­zip voll­zie­hen, sie fin­den den Weg nach oben. Al­le See­len aber, die die­sen Zu­sam­men­schluß nicht fin­den wür­den, müß­ten nach und nach in den Ab­grund hin­ab­tau­chen. Sie wür­den das Ich, den Ego­is­mus sich er­obert ha­ben, aber nicht im­stan­de sein, mit die­sem Ich wie­der­um hin­auf­zu­s­tei­gen in die geis­ti­ge Welt. Und die Fol­ge für ei­nen sol­chen Men­schen, der kei­nen An­schluß an das Chris­tus-Prin­zip fin­det, wür­de sein, daß er sich los­löst von dem geis­ti­gen Auf­s­tieg. Er wür­de, statt hin­auf­zu­s­tei­gen, hin­un­ter­s­tei­gen und sich im­mer mehr ver­här­ten in sei­nem Ich. Statt in der Ma­te­rie nur die Ge­le­gen­heit ge­fun­den zu ha­ben, um das Ich zu er­wer­ben, und dann wie­der­um hin­auf­zu­s­tei­gen, wür­de er nur im­mer tie­fer hin­ab­tau­chen in die Ma­te­rie.&lt;br /&gt;
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Ja, al­les wie­der­holt sich. Der Mensch ist in die La­ge ge­kom­men, in un­se­re phy­si­sche Welt he­r­ein­zu­t­re­ten. Da­durch, daß er die at­lan­ti­sche Flut über­dau­ert hat, ist ihm die Mög­lich­keit ge­wor­den, sein heu­ti­ges Men­schen­ant­litz her­aus­zu­bil­den. Das ist wir­k­lich ein Ab­bild der im Men­schen woh­nen­den geis­ti­gen Ich-Gott­heit. Nur da­durch, daß ge­gen das En­de der at­lan­ti­schen Zeit der Äther­leib sich mit dem phy­si­schen zu­sam­men­ge­sch­los­sen hat und die Kräf­te des Äther­lei­bes in den phy­si­schen Kopf ein­ge­zo­gen sind, hat er sein heu­ti­ges Men­schen­ant­litz er­hal­ten, das schon den Got­tes­geist durch­spie­geln läßt. Neh­men wir an, er wür­de das ver­leug­nen, daß der Geist es ist, der ihm das Men­schen­ant­litz ge­ge­ben hat. Dann wür­de er den Leib nicht be­nüt­zen als ei­ne Ge­le­gen­heit, um zum Ich-Be­wußt­sein zu kom­men und sich wie­der zu ver­geis­ti­gen, son­dern er wür­de mit dem Lei­be ver­wach­sen, die­sen so lieb­ge­win­nen, daß er nur in ihm sich da­heim füh­len wür­de. Er wür­de ver­bun­den blei­ben mit dem Leib und hin­un­ter­ge­hen in den Ab­grund, und es wür­de, weil er nicht be­nützt hat die Kraft des Geis­ti­gen, auch die äu­ße­re Ge­stalt wie­der­um ähn­lich wer­den der frühe­ren Ge­stalt. Tier­ähn­lich wür­de der Mensch wer­den, der in den Ab­grund hin­un­ter­s­teigt. So wird die Mensch­heit das voll­zie­hen, was wir schon an­ge­deu­tet ha­ben: Hin­un­ter­s­tei­gen in den Ab­grund wer­den die-&lt;br /&gt;
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je­ni­gen, die das Woh­nen im Lei­be nicht bloß als Ge­le­gen­heit be­nüt­zen, um da­durch zum Ich-Be­wußt­sein zu kom­men, und sie wer­den die Ras­se bil­den. Sie ha­ben sich ab­ge­wen­det von dem Im­puls des Chris­tus Je­sus, und aus der Häß­lich­keit ih­rer See­le her­aus wer­den sie wie­der­um die Tier­ge­stalt her­aus­bil­den, die der Mensch in frühe­ren Zei­ten ge­habt hat, und un­ten im Ab­grund wird die Ras­se der Bö­sen mit den wil­den Trie­ben in Tier­ge­stalt sein. Und wenn oben die Ver­geis­tig­ten, die das Chris­tus-Prin­zip in sich auf­ge­nom­men ha­ben, ver­kün­den, was sie zu sa­gen ha­ben in be­zug auf ih­ren Zu­sam­men­schluß mit dem Na­men Chris­tus Je­sus, so wer­den hier un­ten er­tö­nen Na­men der Läs­te­rung, des Hin­weg­wol­lens von dem, was als geis­ti­ge Ver­wand­lung auf­tritt.&lt;br /&gt;
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Ein Mensch, der nur halb den­ken wür­de, könn­te jetzt sa­gen: Ja, es ha­ben aber doch so vie­le ge­lebt, die nichts von dem Chris­tus-Im­puls er­fah­ren ha­ben, warum soll­ten die­se des Im­pul­ses des Chris­tus Je­sus nicht teil­haf­tig ge­wor­den sein? Das wird von ma­te­ria­lis­tisch den­ken­der Sei­te ein­ge­wen­det: Warum soll­te das Heil erst mit Chris­tus Je­sus ge­kom­men sein? Wenn das die Men­schen sa­gen, wel­che kei­ne An­thro­po­so­phen sind, so ist es be­g­reif­lich. Wenn aber die An­thro­po­so­phen das sa­gen, dann ist es un­be­g­reif­lich, denn die müß­ten wis­sen, daß der Mensch im­mer wie­der und wie­der­kehrt. Und die See­len, die vor­her ge­lebt ha­ben, sie wer­den in der Zeit nach der Er­schei­nung Chris­ti in neu­en Lei­bern wie­der­keh­ren, so daß es kei­ne Men­schen gibt, de­nen das Er­eig­nis des Chris­tus Je­sus ent­ge­hen könn­te. Nur wer nicht an Wie­der­ver­kör­pe­rung glaubt, kann sol­che Ein­wän­de er­he­ben, wie sie oben ge­kenn­zeich­net wor­den sind.&lt;br /&gt;
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So se­hen wir, wie die Spal­tung sich voll­zieht und daß ei­ne Zeit kom­men wird, wo die­je­ni­gen, die nach Ver­geis­ti­gung ge­st­rebt ha­ben, fähig sein wer­den, in der geis­ti­gen Welt zu le­ben; ei­ne Zeit, wo her­au­s­t­re­ten wird, was sie sich früh­er an­ge­eig­net ha­ben, wo sie den Na­men Chris­tus an ih­rer Stirn tra­gen wer­den, weil sie ge­lernt ha­ben, zu ihm auf­zu­schau­en. Nun wird, nach­dem die Sie­gel ent­sie­gelt sein wer­den, der Mensch in der äu­ße­ren Fi­gur das ab­ge­bil­det ha­ben, was er in­ner­lich im Her­zen trägt. Der­je­ni­ge, der in­ner­lich&lt;br /&gt;
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in der See­le den Chris­tus trägt, wird nach der Ent­sie­ge­lung in sei­nem Ant­litz das Mal­zei­chen des Chris­tus Je­sus tra­gen, er wird äu­ßer­lich in der Ge­stalt dem Chris­tus Je­sus ähn­lich sein. Die­je­ni­gen aber, die blei­ben wer­den bei den Kul­tu­ren, wel­che vor der Er­schei­nung des Chris­tus Je­sus lie­gen, die wer­den an­de­res er­le­ben müs­sen. Die­se vier Kul­tu­ren, die alt­in­di­sche, die alt­per­si­sche, die as­sy­risch-ba­by­lo­nisch-chal­däisch-ägyp­tisch-jü­di­sche und die grie­chisch-latei­ni­sche Kul­tur, wa­ren vor­be­rei­ten­de Zei­ten. Die See­le hat durch die Lei­ber die­ser Kul­tu­ren hin­durch­ge­hen müs­sen, um sich vor­zu­be­rei­ten für das gro­ße Er­eig­nis der Er­schei­nung des Chris­tus Je­sus auf der Er­de. Da­mals, in der Zeit der Vor­be­rei­tung, wa­ren zwei Kräf­te gel­tend. Die Kräf­te, wel­che die Men­schen zu­sam­men­ge­führt ha­ben, das sind Kräf­te, die ih­re ma­te­ri­el­le Grund­la­ge in dem Blu­te ha­ben. Wenn die Men­schen ein­fach in ih­rer jet­zi­gen Ge­stalt her­ein­ge­s­tellt wor­den wä­ren ne­ben­ein­an­der, nie­mals wür­de sich das her­aus­ge­bil­det ha­ben, was sich in der Mensch­heit ent­wi­ckeln soll­te.&lt;br /&gt;
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Vor der Er­de war der Mond der Trä­ger un­se­rer Ge­sc­höp­fe. Die­ser al­te Mond war der Kos­mos der Weis­heit, un­se­re Er­de ist der Kos­mos der Lie­be. Un­se­re Ent­wi­cke­lung geht dar­auf hin, die Men­schen in Lie­be zu­sam­men­zu­füh­ren. Wenn einst­mals die Er­de sich auflö­sen wird, nach­dem die sie­ben­te Po­sau­ne er­tönt ist, wenn sie ih­re phy­si­sche Sub­stan­tia­li­tät ver­lie­ren und sich in ei­nen as­tra­li­schen Him­mels­kör­per um­wan­deln wird, dann wird ein­ge­flößt sein dem gan­zen Men­schen­ge­sch­lecht die Lie­be, die Kraft der Lie­be, die sie ent­wi­ckelt hat an al­lem Ir­di­schen. Denn die­se Kraft der Lie­be ist es, was als die Er­den­mis­si­on der Mensch­heit ein­ge­flößt wer­den muß, ge­ra­de­so, wie Sie jetzt in ih­rer Um­ge­bung die Kraft der Weis­heit se­hen. Es wur­de schon oft dar­auf hin­ge­wie­sen: Wenn Sie nur ein Stück Ober­schen­kel­k­no­chen an­se­hen, welch ein wun­der­ba­res Ge­bil­de ist das! Es be­steht nicht aus ei­ner kom­pak­ten Mas­se, son­dern aus vie­len fei­nen Ge­rüst­fä­den, die so wun­der­bar zu­sam­men­ge­ord­net sind, daß un­ter Auf­wand der ge­rings­ten Stoff­mas­se die größ­te Trag­fähig­keit er­zielt ist, wie es kein In­ge­nieur heu­te im­stan­de wä­re her­zu­s­tel­len. Und wenn wir al­les durch­su­chen wür­den,&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
wir wür­den fin­den, daß das­je­ni­ge, was sich der Mensch im Lau­fe sei­ner Er­den­ent­wi­cke­lung als sei­ne Weis­heit er­obert, vor­her schon der Er­de ein­ge­impft war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im­mer wie­der im Lau­fe des ge­schicht­li­chen Un­ter­richts wird uns ge­sagt, wie der Mensch Fort­schritt auf Fort­schritt ge­macht hat, im­mer wei­ser und wei­ser ge­wor­den ist. Sie er­in­nern sich, wie Ih­nen die ein­zel­nen Etap­pen des Wei­se­wer­dens vor­ge­führt wor­den sind, wie Ih­nen zum Bei­spiel ge­zeigt wor­den ist, daß im Be­ginn der neue­ren Zeit der Mensch da­hin ge­langt ist, das Schieß­p­ul­ver zu er­fin­den, das Lei­nen­pa­pier, das Holz­pa­pier und so wei­ter zu er­fin­den. Da hat sich Ih­re See­le ge­f­reut dar­über, wie die Men­schen auf­ge­s­tie­gen sind. Die Men­schen ha­ben aus ih­rem In­tel­lekt her­aus das Pa­pier be­rei­ten ge­lernt; sie ha­ben es völ­lig neu er­fun­den, so könn­te man mei­nen. Wer aber die Welt in ih­rem gro­ßen Zu­sam­men­han­ge über­schaut, dem er­scheint das in an­de­rem Lich­te. Die We­s­pen konn­ten das schon viel früh­er, denn das We­s­pen­nest ist ge­nau das­sel­be wie das Pa­pier. So war Jahr­tau­sen­de vor­her im We­s­pen­nes­te be­reits vor­han­den, was sich der Mensch hin­ter­her in sei­ner sub­jek­ti­ven Weis­heit er­obert hat. Nicht die ein­zel­ne We­s­pe kann Pa­pier er­zeu­gen, aber die Grup­pen­see­le, das Ich, das die gan­ze Grup­pe der We­s­pen um­faßt, das ist so wei­se, wie der Mensch erst ge­wor­den ist. Und übe­rall, wo­hin Sie se­hen, wenn Sie nicht blind, son­dern se­hend sind, wird Ih­nen die Weis­heit aus den Din­gen ent­ge­gen­t­re­ten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Glau­ben Sie nicht, daß die­se Weis­heit nicht hat ent­ste­hen müs­sen. Oh, die Welt war nicht im­mer so durch­tränkt von Weis­heit. Wäh­rend der Mond­ent­wi­cke­lung ist nach und nach die­se Weis­heit ein­ge­f­los­sen in das, was uns heu­te um­gibt. Wäh­rend der Mond­ent­wi­cke­lung hat sich das, was chao­tisch durch­ein­an­der­wirk­te, so aus­ge­stal­tet, daß es wei­se wur­de. Könn­ten Sie den Blick hin­wen­den auf den al­ten Mond, so wür­den Sie da al­les noch so­zu­sa­gen dr­un­ter und dr­üb­er fin­den, gar noch nicht wei­se. Im Lau­fe der Mond­ent­wi­cke­lung wur­de die Weis­heit den We­sen und Ge­sc­höp­fen ein­ge­gos­sen, ein­ge­flößt, und sie war da, als die Er­de her­vor­ging aus dem Däm­mer­dun­kel. Jetzt er­schie­nen al­le Din­ge mit Weis­heit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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ge­tränkt. Und wie der Mensch heu­te auf sei­ne Um­ge­bung schaut und übe­rall die Weis­heit her­vor­sprie­ßen sieht, so wird er, wenn er auf dem Ju­pi­ter an­ge­langt sein wird, al­le We­sen, die um ihn her­um sind, in ei­ner merk­wür­di­gen Wei­se schau­en: sie wer­den et­was aus­gie­ßen wie den Duft be­se­li­gen­der Lie­be. Lie­be wird aus al­len Din­gen strö­men, und es ist die Mis­si­on der Er­den­ent­wi­cke­lung, die­se Lie­be zu ent­fal­ten. Lie­be wird dann durch al­le Din­ge flie­ßen, wie jetzt Weis­heit in al­len Din­gen wal­tet. Und die­se Lie­be wird ein­ge­gos­sen der Er­den­ent­wi­cke­lung da­durch, daß der Mensch nach und nach die Lie­be ent­wi­ckeln lern­te.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber der Mensch hat nicht gleich die geis­ti­ge Lie­be ha­ben kön­nen, ihm muß­te zu­erst die­se Lie­be auf dem un­ters­ten Ge­bie­te ein­gepflanzt wer­den. Ei­nen ma­te­ri­el­len Trä­ger muß­te die Lie­be ha­ben: das ist die Bluts­ver­wandt­schaft. Die Lie­be auf dem Ge­bie­te der Bluts­ver­wandt­schaft zu üben, das war die ers­te Schu­le. Da­durch wur­den die ge­t­renn­ten Men­schen zu­sam­men­ge­führt, daß das­je­ni­ge, was als ge­mein­sa­mes Blut in den Adern rann, sich lieb­te. Das war die Vor­schu­le der Lie­be, das war die gro­ße Schu­le der Lie­be. Und der gro­ße Im­puls, der die­se Lie­be ver­geis­tigt, der sie nicht nur da läßt, wo sie phy­sisch wirkt als des­sen Grund­la­ge, son­dern sie dem See­li­schen mit­teilt, das ist der Chris­tus-Im­puls in der Welt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun wür­de es die gan­ze Vor­zeit hin­durch dem Men­schen son­der­bar ge­gan­gen sein, wenn nur die­ser ei­ne Im­puls der Lie­bes­ge­mein­schaft im Blu­te ge­wirkt hät­te. Die We­sen­hei­ten, wel­che die Len­ker der al­ten Zei­ten wa­ren, vor al­len Din­gen Jah­ve, führ­ten die Men­schen in Lie­be zu­sam­men, daß sie sich ve­r­ei­nig­ten in der Bluts­ver­wandt­schaft. Wenn aber der Mensch vor der Er­schei­nung des Chris­tus Je­sus nur ve­r­ei­nigt wor­den wä­re durch die Bluts­ver­wandt­schaft, so hät­te der ein­zel­ne nie zur Per­sön­lich­keit fort­sch­rei­ten kön­nen. Der ein­zel­ne wä­re im Volk un­ter­ge­gan­gen. Es ist ja auch der ein­zel­ne tat­säch­lich recht sehr un­ter­ge­gan­gen in dem Gan­zen. Wir­k­lich war das Be­wußt­sein, daß man Ein­zel­mensch ist, et­was, was sich erst nach und nach her­an­bil­de­te. In der at­lan­ti­schen Zeit konn­te noch kei­ne Re­de da­von sein, daß der Mensch als ein­zel­ner sich fühl­te, aber auch spä­ter klang das noch nach. Die Men­schen&lt;br /&gt;
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ver­ste­hen nur nicht die al­te Na­men­ge­bung, sonst wür­den sie dar­auf kom­men, wie die Men­schen sich fühl­ten. Den­ken Sie an die Be­ken­ner des Al­ten Te­s­ta­ments: sie fühl­ten in der vor­christ­li­chen Zeit ihr Ich, wenn sie es so recht füh­len woll­ten, gar nicht in ih­rer Ein­zel­per­sön­lich­keit. Je­der, der ganz fühl­te den Im­puls, der aus dem Al­ten Te­s­ta­men­te strömt, der sag­te sich: «Ich und der Va­ter Abra­ham sind eins.» Denn er fühl­te sich ge­bor­gen in die­ser Ge­mein­schaft, die hin­auf­reich­te bis Abra­ham, des­sen Blut bis her­un­ter zum jüngs­ten Glie­de durch al­le Adern floß. Und da sag­te er: Da füh­le ich, daß ich nicht ein ver­lo­re­nes Glied bin, wenn ich spü­re, daß mein Blut das­sel­be ist wie das des Va­ters Abra­ham.&lt;br /&gt;
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Und noch wei­ter hin­auf ver­such­te man zu­rück­zu­ver­fol­gen die Ge­mein­schaft. In der Grup­pen­see­le fühl­te man sich ge­bor­gen. Man wies hin auf Noah, auf Adam. Die Men­schen wis­sen nicht mehr, was die­se Na­men be­deu­ten. Sie wis­sen nicht, daß in je­nen al­ten Zei­ten noch im­mer das Be­wußt­sein der Men­schen an­ders war als heu­te. Der Mensch kann sich heu­te zur Not an das er­in­nern, was in sei­ne Kind­heit zu­rück­reicht, und si­cher reißt al­le Er­in­ne­rung mit der Ge­burt ab. Da­zu­mal, in der Pa­tri­ar­chen­zeit, in der Zeit der al­ten Erz­vä­ter, war das nicht so. Da er­in­ner­te sich der Mensch nicht nur an das, was er selbst, son­dern was sein Va­ter, Großva­ter, Ur­großva­ter er­lebt hat­te. Das war ihm so in der Er­in­ne­rung wie Ih­nen die Er­in­ne­rung Ih­rer Kind­heit. Er wuß­te nicht, daß sein Le­ben be­son­ders an­fing mit sei­ner Ge­burt. Durch Jahr­hun­der­te ging das Ge­dächt­nis hin­auf. Man gab dem ab­ge­son­der­ten Be­wußt­sein kei­nen Na­men, man hät­te da­rin kei­nen Sinn ge­fun­den. Weil man sich er­in­ner­te an Va­ter, Großva­ter, Ur­großva­ter und so wei­ter, so um­faß­te ein Ge­samt­na­me die gan­ze Ket­te. «Adam», «Noah» be­deu­ten die Er­in­ne­rung durch die Ge­ne­ra­tio­nen. So­weit man sich er­in­ner­te an Noah, nann­te man die Ket­te Noah. Das war ein in­ne­rer Mensch, ein geis­ti­ges We­sen, das durch die Ge­ne­ra­tio­nen leb­te. Dem äu­ße­ren Men­schen ei­nen Na­men zu ge­ben, hät­te man sinn­los ge­fun­den. So um­faßt der Na­me Adam ein geis­ti­ges We­sen.&lt;br /&gt;
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Es war al­so der Ein­zel­mensch sich noch nicht sei­nes Ichs be­wußt. Er wä­re auf­ge­gan­gen in der Ge­mein­schaft, wenn nicht Im­pul­se&lt;br /&gt;
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da­ge­we­sen wä­ren, die fort­wäh­rend An­grif­fe rich­te­ten ge­gen die­ses Ver­schwim­men in der Ge­mein­schaft, die dar­auf hin­ar­bei­te­ten, den Men­schen her­aus­zu­rei­ßen aus den Bluts­ban­den, die ihn zur Selb­stän­dig­keit brin­gen soll­ten. In sei­nen As­tral­leib ha­ben sich ein­ge­nis­tet sol­che geis­ti­ge We­sen­hei­ten, die ihm die Im­pul­se ga­ben, sein Be­wußt­sein nicht ver­schwim­men zu las­sen. Die­se We­sen­hei­ten sind die lu­zi­fe­ri­schen We­sen­hei­ten. Sie wa­ren es, die in der vor­christ­li­chen Zeit ent­ge­gen­ge­wirkt ha­ben der ei­gent­li­chen Ve­r­ein­heit­li­chung, de­nen der Mensch sei­ne Selb­stän­dig­keit, die wer­den­de Per­sön­lich­keit ver­dankt. Es ist durch­aus wich­tig, ein­zu­se­hen, daß das­je­ni­ge, was zu­sam­men­st­reb­te, dem Jah­ve zu ver­dan­ken ist, und das, was au­s­ein­an­der­st­reb­te, den lu­zi­fe­ri­schen Geis­tern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den ers­ten Zei­ten des Chris­ten­tums hat­te man ei­nen Spruch, der lau­te­te: «Chris­tus ve­r­us Lu­ci­fer», Chris­tus ist der wah­re Licht­trä­ger , denn Lu­ci­fer heißt Licht­trä­ger. Warum wird Chris­tus der wah­re Licht­trä­ger ge­nannt? Weil jetzt durch ihn be­rech­tigt wor­den ist, was früh­er un­be­rech­tigt war. Früh­er war es ein Au­s­ein­an­der­rei­ßen; die Men­schen wa­ren noch nicht reif zur Selb­stän­dig­keit. Jetzt wa­ren die Men­schen durch den Ich-Im­puls, den sie durch den Chris­tus Je­sus be­kom­men ha­ben, so weit, daß sie trotz des Ichs sich in Lie­be zu­ein­an­der ent­wi­ckeln konn­ten. So wur­de das, was Lu­zi­fer so­zu­sa­gen vor­aus­neh­mend der Mensch­heit ge­ben woll­te, als die­se noch un­reif war, durch den wah­ren Licht­trä­ger, durch den Chris­tus Je­sus, der Mensch­heit ge­bracht. Er brach­te den Im­puls zur Ver­selb­stän­di­gung, aber auch die geis­ti­ge Lie­be, die zu­sam­men­führt, was nicht bluts­ver­wandt ist. Durch ihn kam die Epo­che, wo die Mensch­heit her­an­reif­te zu dem, was Lu­zi­fer früh­er schon be­wir­ken woll­te. Die­ser Aus­spruch: «Chris­tus ve­r­us Lu­ci­fer» ist spä­ter nicht mehr ver­stan­den wor­den. Der­je­ni­ge al­lein, der ihn rich­tig ver­steht, lernt die ers­ten Leh­ren des Chris­ten­tums ken­nen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So al­so ha­ben wir die­sen Im­puls auf­zu­fas­sen, so ha­ben wir ein­zu­se­hen, wie die Mensch­heit vor­be­rei­tet wur­de zu dem Stand­punkt, zu dem sie ge­lan­gen soll­te. So wa­ren die­se vier Zei­ten, die in­di­sche, per­si­sche, ägyp­ti­sche, grie­chisch-latei­ni­sche, Zei­ten der Vor­be­rei­tung, der Hin­wei­sung auf das gro­ße christ­li­che Er­eig­nis. Es ist&lt;br /&gt;
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aber mög­lich für den Men­schen, sich so­zu­sa­gen zu ver­s­tei­fen. Den­ken wir uns ei­nen Men­schen zur Zeit des Chris­tus Je­sus le­bend, und stel­len wir uns vor, er könn­te mit Be­wußt­sein ent­schei­den über das, was er will. Da könn­te er, wenn der Chris­tus Je­sus kä­me, so sp­re­chen: Oh, mir ist das ge­nü­gend, was vor­her war. Ich will nichts von ihm wis­sen, ich will kei­ne Ge­mein­schaft ha­ben mit dem Chris­tus Je­sus. Da wür­de er in sei­ner See­le ha­ben die­je­ni­gen Kräf­te, die­je­ni­gen Im­pul­se, die man in der Zeit vor dem Chris­tus Je­sus ge­win­nen konn­te. Er wür­de al­le Im­pul­se ha­ben, die man durch die in­di­sche, per­si­sche, ägyp­ti­sche, grie­chisch-latei­ni­sche Kul­tur er­lan­gen konn­te. Aber man darf im kos­mi­schen Wer­de­gang sol­che Im­pul­se nur so lan­ge ha­ben, bis ein neu­er Im­puls kommt. Bleibt man ste­hen, dann bleibt man eben auf die­ser Stu­fe zu­rück. Al­so darf man nicht Un­ver­ständ­nis für die ge­schicht­li­che Ent­wi­cke­lung an den Tag le­gen, man darf nicht sa­gen: Es ist in al­len Kul­tu­ren das­sel­be Prin­zip. Nicht um­sonst wird ei­ne Kul­tur auf der an­de­ren auf­ge­baut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neh­men wir an, es hät­te so je­mand ver­schla­fen wol­len die christ­li­che Ent­wi­cke­lung, dann wür­de er hin­über­le­ben in die zu­künf­ti­ge Zeit bis nach dem gro­ßen Krie­ge al­ler ge­gen al­le. Da aber wür­de er nichts ha­ben von dem gro­ßen Lie­be-Prin­zip des Chris­tus, das die Iche zu­sam­men­führt, das aus den Men­schen Ge­mein­schaf­ten macht. Er wür­de al­les das ha­ben, was die Iche ge­ra­de hin­un­ter­führt in den Ab­grund. Er wür­de die au­s­ein­an­der­t­rei­ben­den Kräf­te ha­ben, die au­s­ein­an­der­s­p­lit­tern­den Kräf­te. Und das zeigt uns der ei­ne Um­stand, der uns zu der Fra­ge füh­ren kann: Warum gibt uns die Ent­hül­lung der ers­ten vier Sie­gel ein so trost­lo­ses Bild? Weil da her­aus­kom­men die­je­ni­gen Men­schen, die ste­hen­b­lei­ben wol­len bei die­sen vier vor­be­rei­ten­den Kul­tu­ren, in de­nen die al­te Form des Lu­zi­fer drin­nen ist, die sie au­s­ein­an­der­t­reibt. Da­her wird uns ge­zeigt durch die Ent­hül­lung der Sie­gel, wie sie auch die Ge­stalt be­kom­men, die sie sich er­wor­ben ha­ben. Sie ha­ben ver­schla­fen das Er­eig­nis des Chris­tus Je­sus, sie wer­den wie­der­ge­bo­ren in den Ge­stal­ten, die ih­nen ge­ge­ben wer­den kön­nen oh­ne den Ein­fluß des Chris­tus-Prin­zi­pes. Da­her er­scheint wie­der das­je­ni­ge, was die blo­ße&lt;br /&gt;
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In­tel­li­genz, den blo­ßen Ver­stand an­zeigt: Vier­mal hin­te­r­ein­an­der er­scheint das Pferd! Es er­scheint die al­te Ge­stalt des Men­schen, die er da­durch be­kom­men hat, daß er die Pfer­de­na­tur an­ge­nom­men hat. Die­se Ge­stalt er­scheint bei der Ent­sie­ge­lung der ers­ten vier Sie­gel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und in dem Au­gen­blick, wo das fünf­te Sie­gel ent­sie­gelt wird, wor­auf wer­den wir da auf­merk­sam ge­macht? Auf die­je­ni­gen, die im vor­her­ge­hen­den Zei­traum er­fas­sen ge­lernt ha­ben das Er­eig­nis des Chris­tus Je­sus. Sie sind mit wei­ßen Klei­dern an­ge­tan, sie sind un­be­rück­sich­tigt ge­b­lie­ben, sie sind bild­lich er­würgt wor­den, sie sind die­je­ni­gen, die auf­be­wahrt wer­den für die Ver­geis­ti­gung der Welt. So ist es die Ver­bin­dung mit dem Chris­tus Je­sus-Prin­zip, wel­che die Men­schen da­hin bringt, die­se wei­ßen Klei­der an­zu­ha­ben und zu er­schei­nen, wenn das fünf­te Sie­gel ge­löst wird. Da se­hen wir, wie uns klar und deut­lich an­ge­deu­tet wird, daß in die­sem Zeit­punkt, wo der Chris­tus Je­sus er­scheint, ei­ne wich­ti­ge Epo­che der Mensch­heit ist, je­ne Epo­che, die da be­wirkt, daß nach dem Krie­ge al­ler ge­gen al­le die vier Zei­träu­me wie­der er­schei­nen, wo die­je­ni­gen, die zu­rück­ge­b­lie­ben sind, ge­plagt wer­den von der Ma­te­ria­li­tät, die mit der Ent­wi­cke­lung mit­ge­gan­gen ist und an die sie sich ge­fes­selt ha­ben, wo sie ge­plagt wer­den von all den Übeln und Qua­len der ver­här­te­ten, in sich ver­gröb­er­ten Ma­te­ria­li­tät. Und al­les, was uns nun wei­ter be­schrie­ben wird bei der Ent­hül­lung der Sie­gel, stellt nichts an­de­res dar als das Hin­ein­ge­hen in den Ab­grund. Wäh­rend wir im fünf­ten Zei­traum nur kurz hin­ge­wie­sen wer­den auf die­je­ni­gen, die au­s­er­wählt sind, wer­den uns im üb­ri­gen al­le je­ne ge­zeigt, die in der Ma­te­ria­li­tät blei­ben, die in den Ab­grund hin­ein­ge­hen, die je­ne Ge­stal­ten, die vor­her da wa­ren, an­neh­men, weil sie nicht mit­ge­kom­men sind, weil sie nicht die Kraft in sich auf­ge­nom­men ha­ben, die­se Ge­stal­ten um­zu­wan­deln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie kön­nen sich ein Bild da­von ma­chen: Den­ken Sie sich heu­te al­le Ih­re Men­schen­ge­stal­ten aus Kaut­schuk und inn­er­halb die­ser Kaut­schuk-Men­schen­lei­ber Ih­re in­ne­re See­len­kraft, die die­sen Kaut­schu­k­le­i­bern Ih­re Men­schen­ge­stalt gibt. Den­ken Sie sich, wir neh­men die See­len­kraft her­aus: Da wür­den die Kaut­schu­k­le­i­ber&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
zu­sam­men­schrump­fen, Tier­ge­stal­ten wür­den die Men­schen er­hal­ten. In dem Au­gen­bli­cke, wo Sie die See­le her­aus­zie­hen aus dem Men­schen-Kaut­schu­k­le­i­be, da wür­de der Mensch Ih­nen die Tier­ge­stalt zei­gen. Was der Mensch sich er­run­gen hat, ist wie et­was, was er durch sei­ne ei­ge­ne Kraft heu­te her­vor­bringt. Wenn Sie das, was er früh­er im as­tra­li­schen Leib er­zeugt hat, be­trach­ten könn­ten, dann wür­den Sie se­hen, wie die­se Tier­ähn­lich­keit vor­han­den ist. Es ist wir­k­lich et­was wie solch ei­ne in­ner­li­che Kraft, die dem Kaut­schuk­men­schen die heu­ti­ge Ge­stalt gibt. Den­ken Sie sich die­se Kraft ent­fernt, den­ken Sie sich den Men­schen nicht be­fruch­tet von der Chris­tus-Kraft und der Mensch zuckt zu­rück in die Tier­ge­stalt. So wird es sol­chen er­ge­hen, die zu­rück­fal­len. Die wer­den nach­her ei­ne Welt bil­den, die so­zu­sa­gen un­ter der heu­ti­gen Welt liegt, ei­ne Welt des Ab­grun­des, wo der Mensch wie­der­um Tier­ge­stalt an­ge­nom­men ha­ben wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So ler­nen wir be­g­rei­fen, wie in der Tat die Ent­wi­cke­lung sein wird. Stück um Stück wird das­je­ni­ge her­aus­kom­men, was jetzt vor­be­rei­tet wird, wie in un­se­rer Zeit auch Stück für Stück her­aus­ge­kom­men ist, was in der at­lan­ti­schen Zeit sich ver­an­lagt hat. Ich ha­be er­zählt, daß im letz­ten Drit­tel der at­lan­ti­schen Zeit sich ei­ne klei­ne Ko­lo­nie ge­bil­det hat, von der un­se­re Kul­tu­ren sich ab­ge­lei­tet ha­ben, von de­nen auch noch die spä­te­ren zwei Kul­tu­ren, die fol­gen wer­den, ab­stam­men. Für den nächs­ten Zei­traum, der al­le die­se Kul­tu­ren ablö­sen wird, wird das et­was an­ders sein. Da wird nicht ei­ne auf ei­nen Ort be­schränk­te Ko­lo­nie sein, son­dern es wer­den aus der ge­sam­ten Mas­se der Men­schen sich übe­rall die­je­ni­gen her­aus­re­kru­tie­ren, die reif sind, die gu­te, die ed­le, die sc­hö­ne Sei­te der nächs­ten Kul­tur nach dem Krie­ge al­ler ge­gen al­le zu bil­den. Das ist wie­der­um der Fort­schritt ge­gen­über der frühe­ren at­lan­ti­schen Zeit, daß da­mals an ei­nem klei­nen Or­te die Ko­lo­nie sich ent­wi­ckel­te, bei uns aber die Mög­lich­keit ge­ge­ben ist, daß über die gan­ze Er­de hin aus al­len Stäm­men sich die­je­ni­gen her­aus­re­kru­tie­ren, die wir­k­lich den Ruf der Er­den­mis­si­on ver­ste­hen, die es ver­ste­hen, den Chris­tus in sich le­ben­dig zu ma­chen, das Prin­zip der Bru­der­lie­be zu ent­fal­ten über die gan­ze Er­de hin, und zwar ent-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
fal­ten im rich­ti­gen Sinn, nicht im Sin­ne der christ­li­chen Kon­fes­sio­nen, son­dern im Sin­ne des wah­ren eso­te­ri­schen Chris­ten­tums, das aus al­len Kul­tu­ren her­vor­ge­hen kann. Die­je­ni­gen, die die­ses christ­li­che Prin­zip ver­ste­hen, die wer­den da sein in je­ner Zeit, die dem gro­ßen Krie­ge al­ler ge­gen al­le fol­gen wird. Auf un­se­re jet­zi­ge Kul­tur, auf un­se­re rei­ne Ver­stan­des­kul­tur, auf al­les das, was sich in der Ge­gen­wart im­mer mehr und mehr nach dem Ab­grund des Ver­stan­des hin ent­wi­ckelt und das kön­nen Sie auf al­len Ge­bie­ten des Le­bens er­fah­ren , wird ei­ne Zeit kom­men, in wel­cher der Mensch ein Skla­ve der In­tel­li­genz sein wird, in der er als Per­sön­lich­keit un­ter­ge­hen wird. Es gibt heu­te nur ein ein­zi­ges Mit­tel, die Per­sön­lich­keit zu be­wah­ren, das ist die Spi­ri­tua­li­sie­rung. Die­je­ni­gen, die es ver­ste­hen, das spi­ri­tu­el­le Le­ben zu ent­wi­ckeln, wer­den zu dem Häuf­lein der Wohl­ver­sie­gel­ten aus al­len Na­tio­nen und Stäm­men ge­hö­ren, wel­che er­schei­nen wer­den in den wei­ßen Klei­dern nach dem gro­ßen Krie­ge al­ler ge­gen al­le.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt fan­gen wir an, aus un­se­rer un­mit­tel­bar ge­gen­wär­ti­gen Kul­tur des Ver­stan­des her­aus die geis­ti­ge Welt zu be­g­rei­fen. Das ist das wah­re an­thro­po­so­phi­sche St­re­ben, aus der heu­ti­gen Ver­stan­des­kul­tur her­aus zu be­g­rei­fen die spi­ri­tu­el­le Welt, zu sam­meln die Men­schen, die den Ruf nach Spi­ri­tua­li­sie­rung der Welt ver­ste­hen kön­nen. Nicht ei­ne ab­ge­sch­los­se­ne Ko­lo­nie wer­den die­se bil­den, son­dern aus al­len Na­tio­nen her­aus wer­den sie sein, und nach und nach wer­den sie hin­über­le­ben in den sechs­ten Zei­traum, al­so noch nicht et­wa über den gro­ßen Krieg hin­über, son­dern zu­nächst in den sechs­ten Zei­traum hin­ein. Da sind vor­läu­fig noch im­mer Not­wen­dig­kei­ten vor­han­den, die mit al­ten Ras­sen­not­wen­dig­kei­ten zu­sam­men­hän­gen. In un­se­rem Zei­traum spie­len ja Ras­se- und Kul­tu­re­po­che noch durch­ein­an­der. Der ei­gent­li­che Ras­se­be­griff hat sei­ne Be­deu­tung ver­lo­ren, aber er spielt noch im­mer hin­ein. Es ist kei­nes­wegs mög­lich, daß ei­ne je­de Mis­si­on in gleich­wer­ti­ger Wei­se von ei­nem je­den Volk bei uns schon aus­ge­übt wird. Man­ches Volk ist be­son­ders da­zu prä­d­es­ti­niert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Na­tio­nen, die heu­te die Kul­tur­trä­ger des Wes­tens sind, wa­ren au­s­er­se­hen, den fünf­ten Zei­traum auf die Höhe zu füh­ren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|153}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das wa­ren die Na­tio­nen, die den Ver­stand aus­bil­den soll­ten. Da­her ha­ben wir da, wo die­se west­li­che Kul­tur sich aus­b­rei­tet, vor­zugs­wei­se die Ver­stan­des­kul­tur, und die ist noch nicht zu En­de. Die­se In­tel­li­genz wird sich noch aus­b­rei­ten. Noch mit viel mehr geis­ti­gen Kräf­ten wer­den die Men­schen das, was für des Lei­bes Not­durft ist, er­rin­gen, mit viel mehr geis­ti­gen Kräf­ten wer­den sie sich ge­gen­sei­tig er­wür­gen vor dem gro­ßen Krie­ge al­ler ge­gen al­le. Vie­le Ent­de­ckun­gen wer­den ge­macht wer­den, um die Krie­ge bes­ser füh­ren zu kön­nen, un­end­li­che In­tel­li­genz wird auf­ge­bo­ten wer­den, um den nie­d­ri­gen Trie­ben Ge­nü­ge zu leis­ten. Aber es be­rei­tet sich mit­ten­d­rin­nen doch das­je­ni­ge vor, wo­zu ge­wis­se Na­tio­nen des Os­tens, des nörd­li­chen Os­tens ver­an­lagt sind. Es be­rei­ten sich Na­tio­nen vor, aus ei­ner ge­wis­sen Stumpf­heit auf­zu­er­ste­hen und in gro­ßen ge­wal­ti­gen Im­pul­sen zu brin­gen, was ein spi­ri­tu­el­ler Im­puls sein wird, et­was wie der ent­ge­gen­ge­setz­te Pol zur In­tel­li­genz. Wir wer­den vor dem sechs­ten Kul­tur­zei­traum, der re­prä­sen­tiert ist durch die Ge­mein­de zu Phi­la­del­phia, et­was er­le­ben wie ei­ne ge­wal­ti­ge Völ­ker­e­he, ei­ne Ehe zwi­schen In­tel­li­genz und Ver­stand und Spi­ri­tua­li­tät. Heu­te er­le­ben wir erst die Mor­gen­rö­te die­ser Ehe, und nie­mand soll das, was eben ge­sagt wird, wie ein Lob­lied auf un­se­re Zeit auf­fas­sen, denn man singt nicht Lob­lie­der auf die Son­ne, wenn erst die ers­ten An­zei­chen der Mor­gen­rö­te da sind. Aber wir ha­ben doch merk­wür­di­ge Er­schei­nun­gen, wenn wir Os­ten und Wes­ten ver­g­lei­chen, wenn wir da in die Tie­fen und Un­tie­fen und Un­ter­grün­de der Na­tio­nen hin­ein­schau­en.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fas­sen wir das nicht auf wie ein Par­tei-Er­g­rei­fen-Wol­len. So fern wie nur mög­lich sind die­se Vor­trä­ge, die ob­jek­tiv sein wol­len, von ir­gend­ei­nem Par­tei-Er­g­rei­fen. Aber ob­jek­tiv kön­nen Sie ver­g­lei­chen das, was im eu­ro­päi­schen Wes­ten als Wis­sen­schaft, als Phi­lo­so­phie er­reicht wird, mit dem­je­ni­gen, was im Os­ten auf­taucht, sa­gen wir bei Tol­stoi. Man braucht nicht An­hän­ger von Tol­stoi zu sein, aber das ei­ne ist wahr: In ei­nem sol­chen Buch wie Tol­stois Buch «Über das Le­ben» kön­nen Sie ei­ne Sei­te le­sen, wenn Sie zu le­sen ver­ste­hen, und das ver­g­lei­chen mit gan­zen Bi­b­lio­the­ken im west­li­chen Eu­ro­pa. Und Sie kön­nen sich dann fol­gen­des&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|154}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sa­gen: In We­st­eu­ro­pa macht man mit dem Ver­stan­de geis­ti­ge Kul­tur, man zi­se­liert aus Ein­zel­hei­ten zu­sam­men ir­gend­wel­che Din­ge, wel­che die Welt ver­ständ­lich ma­chen sol­len. Und in die­ser Be­zie­hung hat die we­st­eu­ro­päi­sche Kul­tur sol­ches ge­leis­tet, daß es kein Zei­tal­ter mehr über­bie­ten wird. Aber Sie kön­nen das, was durch drei­ßig Bän­de sol­cher we­st­eu­ro­päi­scher Bi­b­lio­the­ken ge­sagt wer­den kann, manch­mal in zehn Zei­len zu­sam­men­ge­drängt er­hal­ten, wenn Sie so ein Buch wie «Über das Le­ben» von Tol­stoi ver­ste­hen. Da wird mit pri­mi­ti­ver Kraft et­was ge­sagt, aber da ha­ben we­ni­ge Zei­len Stoßkraft, die gleich­kommt dem­je­ni­gen, was dort aus den Ein­zel­hei­ten zu­sam­men­zi­se­liert wird. Da muß man be­ur­tei­len kön­nen, was aus der Tie­fe des Geis­tes dringt, was spi­ri­tu­el­le Un­ter­grün­de hat und was nicht. Ge­ra­de­so wie über­rei­fe Kul­tu­ren et­was Ver­dor­ren­des ha­ben, so ha­ben sol­che auf­ge­hen­de Kul­tu­ren fri­sches Le­ben und neue Stoßkraft in sich. Tol­stoi ist ja ei­ne vor­zei­ti­ge Blü­te ei­ner sol­chen Kul­tur, viel früh­er ge­kom­men, als daß es mög­lich wä­re, jetzt schon aus­ge­bil­det wer­den zu kön­nen. Da­her ist er mit al­len Feh­lern ei­ner un­zei­ti­gen Ge­burt be­haf­tet. All das, was er auf­bringt an gro­tes­ker Dar­stel­lung man­cher we­st­eu­ro­päi­scher Din­ge, was un­be­grün­det ist, al­les das, was er auch auf­bringt an törich­ten Ur­tei­len, zeigt eben, daß gro­ße Er­schei­nun­gen die Feh­ler ih­rer Tu­gen­den ha­ben, daß gro­ße Ge­scheit­heit die Tor­heit ih­rer Weis­heit hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das soll­te nur als Symp­tom hin­ge­s­tellt wer­den für die zu­künf­ti­ge Zeit, wo sich zu­sam­men­sch­lie­ßen wer­den das Spi­ri­tu­el­le des Os­tens und das In­tel­lek­tu­el­le des Wes­tens. Aus die­sem Zu­sam­men­fluß wird her­vor­ge­hen die Zeit von Phi­la­del­phia. Al­le die­je­ni­gen wer­den sich in die­se Ehe hin­ein­fin­den, die in sich auf­neh­men den Im­puls des Chris­tus Je­sus, und sie wer­den die gro­ße Bru­der­schaft bil­den, wel­che hin­über­le­ben wird über den gro­ßen Krieg, wel­che an­ge­fein­det sein wird, die man­nig­fal­tigs­ten Ver­fol­gun­gen er­le­ben wird, aber die Grund­la­ge ab­ge­ben wird zu der gu­ten Ras­se. Nach­dem die­ser gro­ße Krieg ge­bracht ha­ben wird den Auf­gang der Tier­heit inn­er­halb de­rer, die in den al­ten For­men ge­b­lie­ben sind, wird die­se gu­te Ras­se er­ste­hen. Sie wer­den hin­über­tra­gen in die&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|155}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
künf­ti­ge Zeit das­je­ni­ge, was die geis­tig er­höh­te Kul­tur die­ser künf­ti­gen Zeit sein soll. So wer­den wir auch er­le­ben, daß in un­se­rer Zeit zwi­schen der gro­ßen at­lan­ti­schen Flut und dem gro­ßen Krie­ge al­ler ge­gen al­le, in dem Zei­traum, der durch die Ge­mein­de zu Phi­la­del­phia re­prä­sen­tiert wird, ei­ne Ko­lo­nie sich bil­det, die nicht aus­wan­dern wird, son­dern übe­rall sein wird, so daß übe­rall im Sinn der Ge­mein­de von Phi­la­del­phia, im Sinn des Zu­sam­men­schlus­ses der Mensch­heit, im Sin­ne des christ­li­chen Prin­zips ge­wirkt wer­den wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|156}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= ACHTER VOTRAG, Nürnberg, 25. Juni 1908 =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn jetzt schon wie­der­holt da­von ge­spro­chen wor­den ist, daß un­se­re sie­ben Kul­tur­stu­fen ihr En­de fin­den wer­den durch den Krieg al­ler ge­gen al­le, so müs­sen wir uns ei­nen sol­chen Krieg al­ler ge­gen al­le ei­gent­lich ganz an­ders vor­s­tel­len, als man bis jetzt ge­wohnt ist, sich Krie­ge vor­zu­s­tel­len. Wir müs­sen nur ein­mal ins Au­ge fas­sen, was die Grund­la­ge, die ei­gent­li­che Ur­sa­che die­ses Krie­ges ist. Die­se Grund­la­ge oder Ur­sa­che ist das Über­hand­neh­men des Ego­is­mus, der Ich­sucht, der Selbst­heit der Men­schen. Und wir sind ja nun­mehr in un­se­ren Be­trach­tun­gen so weit fort­ge­schrit­ten, daß wir ge­se­hen ha­ben, welch zwei­schnei­di­ges, schar­fes Schwert die­ses Ich des Men­schen ist. Wer nicht be­g­reift, daß die­ses Ich ein zwei­schnei­di­ges Schwert ist, der wird kaum den gan­zen Sinn der Mensch­heits- und Wel­ten­ent­wi­cke­lung ver­ste­hen. Auf der ei­nen Sei­te ist die­ses Ich die Ur­sa­che des­sen, daß die Men­schen in sich selbst sich ver­här­ten, daß sie al­les, was ih­nen zur Ver­fü­gung ste­hen kann an äu­ße­ren Din­gen und in­ne­ren Gü­tern, in den Di­enst die­ses ih­res Ichs ein­be­zie­hen wol­len. Es ist die­ses Ich die Ur­sa­che, daß sich al­le Wün­sche des Men­schen dar­auf rich­ten, die­ses Ich als sol­ches zu be­frie­di­gen. Wie die­ses Ich da­nach st­rebt, ei­nen Teil des ge­mein­sa­men Er­den­be­sit­zes an sich her­an­zu­brin­gen als sein Ei­gen­tum, wie die­ses Ich da­nach st­rebt, aus sei­nem Ge­bie­te al­le an­de­ren Iche hin­weg­zu­t­rei­ben, sie zu be­krie­gen, zu be­kämp­fen: das ist die ei­ne Sei­te des Ichs. Aber auf der an­de­ren Sei­te dür­fen wir nicht ver­ges­sen, daß die­ses Ich zu­g­leich das­je­ni­ge ist, was dem Men­schen sei­ne Selb­stän­dig­keit, sei­ne in­ne­re Frei­heit gibt, was den Men­schen im wahrs­ten Sin­ne des Wor­tes er­höht. In die­sem Ich ist sei­ne Wür­de be­grün­det. Es ist die An­la­ge zum Gött­li­chen im Men­schen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die­ser Ich-Be­griff macht vie­len Men­schen Schwie­rig­keit. Es ist uns ja klar ge­wor­den, daß sich das Ich des Men­schen her­au­sent-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
wi­ckelt hat aus ei­ner Grup­pen­see­len­haf­tig­keit, aus ei­ner Art um­fas­sen­den All-Ichs, aus dem es sich her­aus­dif­fe­ren­ziert hat. Un­rich­tig wä­re es, wenn der Mensch wie­der das Ver­lan­gen ha­ben wür­de, mit sei­nem Ich un­ter­zu­ge­hen in ir­gend­ein All­be­wußt­sein, in ir­gend­ein Ge­samt­be­wußt­sein. Al­les, was den Men­schen st­re­ben läßt, sein Ich zu ver­lie­ren, mit ihm auf­zu­ge­hen in ein All­be­wußt­sein, ist ein Er­zeug­nis der Schwäche. Nur der al­lein ver­steht das Ich, der da weiß, daß, nach­dem er sich die­ses Ich er­run­gen hat im Lau­fe der kos­mi­schen Ent­wi­cke­lung, es nun­mehr un­ver­lier­bar ist, und der Mensch muß vor al­len Din­gen nach der star­ken Kraft st­re­ben, wenn er die Wel­ten­mis­si­on ver­steht, die­ses Ich im­mer in­ner­li­cher, im­mer gött­li­cher zu ma­chen. Die wah­ren An­thro­po­so­phen ha­ben nichts von je­ner Phra­se in sich, die da im­mer wie­der be­tont das Auf­ge­hen des Ichs in ei­nem All-Ich, das Zu­sam­men­sch­mel­zen in ir­gend­ei­nen Ur­b­rei. Die wah­re an­thro­po­so­phi­sche Wel­t­an­schau­ung kann nur als End­ziel die Ge­mein­schaft der selb­stän­dig und frei ge­wor­de­nen Iche, der in­di­vi­du­ell ge­wor­de­nen Iche hin­s­tel­len. Das ist ja ge­ra­de die Er­den­mis­si­on, die sich durch die Lie­be aus­drückt, daß das Ich dem Ich frei ge­gen­über­ste­hen lernt. Kei­ne Lie­be ist voll­kom­men, die her­vor­geht aus Zwang, aus dem Zu­sam­men­ge­ket­tet­sein. Ein­zig und al­lein dann, wenn je­des Ich so frei und selb­stän­dig ist, daß es auch nicht lie­ben kann, ist sei­ne Lie­be ei­ne völ­lig freie Ga­be. Das ist so­zu­sa­gen der gött­li­che Wel­ten­plan, die­ses Ich so selb­stän­dig zu ma­chen, daß es aus Frei­heit selbst dem Gott die Lie­be als ein in­di­vi­du­el­les We­sen ent­ge­gen­brin­gen kann. Es wür­de hei­ßen, die Men­schen an Fä­den der Ab­hän­gig­keit füh­ren, wenn sie ir­gend­wie zur Lie­be, wenn auch nur im ent­fern­tes­ten, ge­zwun­gen wer­den könn­ten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So wird das Ich das Un­terp­fand sein des höchs­ten Zie­les des Men­schen. So ist es aber zu glei­cher Zeit, wenn es nicht die Lie­be fin­det, wenn es sich in sich ver­här­tet, der Ver­füh­rer, der ihn in den Ab­grund stürzt. Dann ist es das­je­ni­ge, was die Men­schen von­ein­an­der trennt, was sie auf­ruft zum gro­ßen Krieg al­ler ge­gen al­le, nicht nur zum Krieg der Völ­ker ge­gen die Völ­ker denn der Volks­be­griff wird dann gar nicht mehr die Be­deu­tung ha­ben, die&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|158}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
er heu­te hat, son­dern zum Krie­ge des ein­zel­nen ge­gen den ein­zel­nen auf den man­nig­fal­tigs­ten Ge­bie­ten des Le­bens, zum Krie­ge der Stän­de ge­gen die Stän­de, der Kas­ten ge­gen die Kas­ten, der Ge­sch­lech­ter ge­gen die Ge­sch­lech­ter. Auf al­len Ge­bie­ten des Le­bens wird al­so das Ich zum Zank­ap­fel wer­den, und da­her dür­fen wir sa­gen, daß das Ich auf der ei­nen Sei­te zum Höchs­ten und auf der an­de­ren zum Tiefs­ten füh­ren kann. Des­halb ist es ein schar­fes, zwei­schnei­di­ges Schwert. Und der­je­ni­ge, der da den Men­schen ge­bracht hat das vol­le Ich-Be­wußt­sein, der Chris­tus Je­sus, er wird, wie wir ge­se­hen ha­ben, sym­bo­lisch in un­se­rer Apo­ka­lyp­se mit Recht dar­ge­s­tellt als der­je­ni­ge, der das schar­fe, zwei­schnei­di­ge Schwert im Mun­de hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir ha­ben es ja als ho­he Er­run­gen­schaft des Men­schen hin­ge­s­tellt, daß er zu die­sem frei­en Ich-Be­griff ge­ra­de durch das Chris­ten­tum hat auf­s­tei­gen kön­nen. Der Chris­tus Je­sus hat die­ses Ich in vol­lem Um­fan­ge ge­bracht. Da­her muß die­ses Ich ge­ra­de durch das schar­fe, zwei­schnei­di­ge Schwert aus­ge­drückt wer­den, das Sie aus dem ei­nen un­se­rer Sie­gel ken­nen. Und daß die­ses schar­fe, zwei­schnei­di­ge Schwert aus dem Mun­de des Men­schen­soh­nes geht, das ist wie­der be­g­reif­lich, denn als der Mensch mit vol­lem Be­wußt­sein aus­sp­re­chen ge­lernt hat das Ich, da war es ihm ge­ge­ben, auf das Höchs­te hin­auf­zu­s­tei­gen, in das Tiefs­te hin­un­ter­zu­sin­ken. Das schar­fe, zwei­schnei­di­ge Schwert ist ei­nes der wich­tigs­ten Sym­bo­le, die uns in der Apo­ka­lyp­se ent­ge­gen­t­re­ten. (Ers­tes Sie­gel.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir nun uns klar sind über das, was am Schlus­se der letz­ten Be­trach­tung an uns her­an­ge­t­re­ten ist, daß auf un­se­re jet­zi­ge Kul­tur die­je­ni­ge fol­gen wird, die in den Send­sch­rei­ben cha­rak­te­ri­siert ist durch die Stadt Phi­la­del­phia, so müs­sen wir uns vor al­len Din­gen mer­ken, daß aus die­ser sechs­ten Kul­tur­stu­fe die­je­ni­gen Men­schen­see­len ge­nom­men wer­den, die hin­über­zu­le­ben ha­ben in das fol­gen­de Zei­tal­ter. Da, nach dem Krie­ge al­ler ge­gen al­le wie wir oft schon be­tont ha­ben , wird sich ja aus­le­ben in den Ge­sich­tern, was sich in der See­le der Men­schen in un­se­rer Zeit vor­be­rei­tet. Von ganz ge­rin­ger Wich­tig­keit wird die so­ge­nann­te sie­ben­te Kul­tur­stu­fe sein. Wir le­ben al­so in der fünf­ten Kul­tur­stu­fe,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|159}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dann folgt die sechs­te, aus der her­aus­ge­hen wird ei­ne An­zahl von Men­schen voll Ver­ständ­nis für die spi­ri­tu­el­le Welt, durch­drun­gen von je­ner Ge­sin­nung der Bru­der­lie­be, die ge­ra­de aus der spi­ri­tu­el­len Er­kennt­nis folgt. Die reifs­te Frucht un­se­rer ge­gen­wär­ti­gen Kul­tur wird in die­ser sechs­ten Epo­che er­schei­nen. Und was dar­auf folgt, wird sein, was lau ist, was nicht warm und nicht kalt ist. Was als sie­ben­te Stu­fe folgt, ist so­zu­sa­gen in der ge­sam­ten Kul­tur et­was wie ei­ne über­rei­fe Frucht, wie et­was, was hin­über­lebt über den gro­ßen Krieg al­ler ge­gen al­le, aber kein Prin­zip des Fort­schrit­tes in sich ent­hält.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So war es auch, als un­se­re Kul­tur ent­stan­den ist. Den­ken wir zu­rück an die Zeit vor der at­lan­ti­schen Flut. Wir ha­ben ge­sagt: Es war im letz­ten Drit­tel der at­lan­ti­schen Zeit, die die Men­schen ja auf dem Bo­den durch­leb­ten, der heu­te vom At­lan­ti­schen Oze­an be­deckt ist, als sich ein klei­nes Häuf­lein in der Nähe des heu­ti­gen Ir­land bil­de­te, das zur höchs­ten Kul­tur­stu­fe der At­lan­tis ge­kom­men war und das dann aus­zog nach dem Os­ten, von wo aus al­le spä­te­ren Kul­tu­ren aus­ge­gan­gen sind. Fas­sen wir das so recht ins Au­ge, den­ken wir uns die­sen Fleck Er­de, der heu­te je­nes Meer bil­det im Wes­ten von Ir­land, den­ken wir uns von da aus­ge­hend ei­nen Volks­strom, der nach Os­ten wan­dert und von dem aus ei­ne Men­ge Volks­stäm­me zie­hen, die dann Eu­ro­pa be­völ­kern. Al­les, was an eu­ro­päi­scher Be­völ­ke­rung da ist, das ist von da­her ge­kom­men. Der be­gab­tes­te Teil der At­lan­tier zog nach Zen­trala­si­en; von da gin­gen die ver­schie­de­nen Kul­tu­ren aus, die wir be­schrie­ben ha­ben, bis zu uns he­r­ein. So al­so se­hen Sie, daß von ei­nem klei­nen Häuf­lein at­lan­ti­scher Leu­te un­se­re ge­gen­wär­ti­ge Kul­tur ih­ren Ur­sprung ge­nom­men hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber auch die­se at­lan­ti­sche Kul­tur hat­te sie­ben au­f­ein­an­der­fol­gen­de Stu­fen, ge­ra­de­so wie un­se­re Kul­tur sie­ben Stu­fen hat, die wir ken­nen als die alt­in­di­sche, alt­per­si­sche, as­sy­risch-ba­by­lo­nisch-chal­däisch-ägyp­tisch-jü­di­sche, die grie­chisch-latei­ni­sche, die uns­ri­ge und zwei wei­te­re. Und es war in der fünf­ten at­lan­ti­schen Kul­tur­stu­fe, als die­se Wan­de­rung be­gann, so daß die au­s­er­le­sens­te Be­völ­ke­rung der al­ten At­lan­tis, die un­se­rer Kul­tur zu­grun­de liegt, aus&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|160}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der fünf­ten at­lan­ti­schen Ras­se in der At­lan­tis dür­fen wir von Ras­sen sp­re­chen ge­nom­men ist. Es folg­te noch ei­ne sechs­te und ei­ne sie­ben­te Ras­se. Das wa­ren so­zu­sa­gen die lau­en Ras­sen. Auch sie über­dau­er­ten die gro­ße Flut, aber in ih­nen war nicht le­ben­dig sprie­ßen­de Kraft. Sie ver­hiel­ten sich et­wa so zu der fünf­ten Kul­tur, wie sich die Rin­de, die ver­holzt, ver­här­tet ist, zum saf­ti­gen Sten­gel ver­hält. So wa­ren die zwei Ras­sen, die auf die ei­gent­li­che Stamm­ras­se folg­ten, nicht ent­wi­cke­lungs­fähig; über­reif so­zu­sa­gen wa­ren sie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie se­hen heu­te noch Nach­züg­ler die­ser al­ten über­rei­fen Ras­sen, na­ment­lich im chi­ne­si­schen Volk. Das chi­ne­si­sche Volk ist da­durch cha­rak­te­ri­siert, daß es sich nicht an­ge­sch­los­sen hat dem, was in der fünf­ten Ras­se, der Stamm­ras­se, ge­of­fen­bart wor­den war. Da­mals, als der Äther­leib hin­ein­ging in den phy­si­schen Leib, war es, wo der Mensch die ers­te An­la­ge zum Ich-sa­gen emp­fing. Sie hat­ten die­sen Zei­traum verpaßt. Sie hat­ten al­ler­dings da­durch je­ne ho­he Kul­tur ent­wi­ckelt, die be­kannt ist, die aber nicht bil­dungs­fähig war. Die fünf­te at­lan­ti­sche Ras­se schick­te übe­rall­hin ih­re Kul­tur­trä­ger, die neue, im­mer mehr sich ver­voll­komm­nen­de, wach­sen­de Volks­kul­tu­ren schu­fen. Ja, das wächst al­les, von der alt­in­di­schen Kul­tur bis zur uns­ri­gen. Die sechs­te und sie­ben­te Ras­se der At­lan­tis hat­ten sich in die Ver­här­tung be­ge­ben und wa­ren da­her in ei­nen sta­tio­nä­ren Zu­stand ge­kom­men. Wie ge­sagt, die chi­ne­si­sche Kul­tur ist ein Über­b­leib­sel da­von. Sie kann nicht aus sich her­aus­kom­men. Sie hat­te in der al­ten chi­ne­si­schen Kul­tur ei­ne wun­der­ba­re al­tat­lan­ti­sche Erb­schaft an­ge­t­re­ten, aber sie konn­te über ih­ren Höh­e­punkt nicht hin­aus. Nichts bleibt un­be­ein­flußt vom an­dern. Sie dür­fen die alt­chi­ne­si­sche Li­te­ra­tur an­se­hen: von übe­rall­her ist sie be­ein­flußt wor­den, aber ih­re Grund­far­be zeigt durch­aus den at­lan­ti­schen Cha­rak­ter. Die­ses In­sich­ge­sch­los­sen­sein, die­ses Er­fin­dun­gen-ma­chen und Da­bei­b­lei­ben, nie­mals sie über ei­nen ge­wis­sen Grad hin­aus­brin­gen kön­nen, das rührt al­les noch von dem Cha­rak­ter der At­lan­tis her.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie es da­zu­mal mit der fünf­ten Ras­se ge­gan­gen ist, daß sie die Bil­dungs­fähi­gen ge­lie­fert hat, und mit der sechs­ten und sie­ben­ten, daß sie in den Nie­der­gang ka­men, so wird es auch in un­se­rer Zeit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|161}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sein. Jetzt le­ben wir noch mit al­ler Sehn­sucht hin zur sechs­ten Kul­tur, zu dem, was so ge­schil­dert wer­den muß, daß es aus der spi­ri­tu­el­len Ehe zwi­schen dem Wes­ten und dem Os­ten sich bil­det. Da wird die sechs­te Kul­tur­stu­fe die Grund­la­ge sein für das, was nach dem gro­ßen Krie­ge al­ler ge­gen al­le als neue Kul­tu­ren auf­ge­hen wird, eben­so wie nach der at­lan­ti­schen Zeit un­se­re Kul­tu­ren auf­ge­gan­gen sind. Da­ge­gen wird die sie­ben­te Kul­tur­stu­fe durch die Lau­en re­prä­sen­tiert wer­den. Die­se sie­ben­te wird so hin­über­le­ben in die neue Zeit, wie die sechs­te und sie­ben­te Ras­se der at­lan­ti­schen Zeit als ver­här­te­te und sich ver­s­tei­fen­de Ras­sen in un­se­re Epo­che her­über­ge­lebt ha­ben. Nach dem Krie­ge al­ler ge­gen al­le wird es zwei Strö­mun­gen un­ter den Men­schen ge­ben: auf der ei­nen Sei­te die von Phi­la­del­phia mit dem Prin­zip des Fort­schrit­tes, der in­ne­ren Frei­heit, der Bru­der­lie­be, ein klei­nes Häuf­lein, aus al­len Stäm­men und Na­tio­nen sich zu­sam­men­set­zend, und auf der an­de­ren Sei­te die gro­ße Mas­se de­rer, die da lau sein wer­den, die Über­b­leib­sel de­rer, die jetzt lau sein wer­den, die Strö­mung von Lao­di­zea. Und es wird sich nach dem gro­ßen Krie­ge al­ler ge­gen al­le dar­um han­deln, daß nach und nach durch die gu­te Ras­se, durch die gu­te Strö­mung die bö­se Strö­mung hin­über­ge­führt wird zum Gu­ten. Das wird ei­ne der Haupt­auf­ga­ben sein nach dem gro­ßen Krie­ge al­ler ge­gen al­le: zu ret­ten, was zu ret­ten ist aus den­je­ni­gen, die nach dem gro­ßen Krie­ge nur das Be­st­re­ben ha­ben wer­den, ein­an­der zu be­kämp­fen, das Ich aus­le­ben zu las­sen im äu­ßers­ten Ego­is­mus. Inn­er­halb der Sphä­re des Ok­kul­tis­mus wird für al­le sol­che Din­ge im­mer vor­ge­sorgt in der Welt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Be­trach­ten Sie es nicht als ei­ne Här­te des Sc­höp­fungs­pla­nes, nicht als et­was, wes­we­gen man rech­ten kön­ne mit dem Sc­höp­fungs­plan, daß al­so die Mensch­heit ge­spal­ten wird in sol­che, die zur Rech­ten und die zur Lin­ken ste­hen wer­den, be­trach­ten Sie es viel­mehr als et­was, was im höchs­ten Gra­de wei­se im Sc­höp­fungs­pla­ne ist. Denn be­den­ken Sie ein­mal, daß ge­ra­de da­durch, daß so das Bö­se sich von dem Gu­ten trennt, das Gu­te sei­ne Haupt­stär­ke im Gu­ten er­hal­ten wird, denn es wird das Gu­te sich nach dem gro­ßen Krie­ge al­ler ge­gen al­le je­de nur mög­li­che An­st­ren­gung ge­ben&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
müs­sen, um die Bö­sen in dem Zei­traum, in dem es noch mög­lich sein wird, wie­der her­über­zu­zie­hen. Das wird nicht ei­ne Er­zie­hungs­auf­ga­be sein, wie heu­te die Er­zie­hungs­auf­ga­ben sind, son­dern da wer­den ok­kul­te Kräf­te mit­wir­ken, denn die Men­schen wer­den in die­sem nächs­ten gro­ßen Zei­traum ok­kul­te Kräf­te in Be­we­gung zu set­zen ver­ste­hen. Die Gu­ten wer­den die Auf­ga­be ha­ben, auf ih­re Mit­brü­der der bö­sen Strö­mung zu wir­ken. Und in den ok­kul­ten Wel­ten­strö­mun­gen wird die­ses al­les vor­be­rei­tet. Nur ver­steht man die tiefs­te al­ler ok­kul­ten Wel­ten­strö­mun­gen am al­ler­we­nigs­ten. Die Wel­ten­strö­mung, die das vor­be­rei­tet, sagt fol­gen­des zu ih­ren Schü­l­ern: Da re­den die Men­schen von Gut und Bö­se, und sie wis­sen nicht, daß es im Wel­ten­plan not­wen­dig ist, daß das Bö­se auch zu sei­ner Spit­ze kommt, da­mit die­je­ni­gen, die die­ses Bö­se über­win­den müs­sen, ge­ra­de in der Über­win­dung des Bö­sen die Kraft so nüt­zen, daß ein um so grö­ße­res Gu­tes her­aus­kommt. Aber es müs­sen die au­s­er­le­sens­ten Men­schen dar­auf vor­be­rei­tet wer­den, daß sie hin­über­le­ben über das Zei­tal­ter des gro­ßen Krie­ges al­ler ge­gen al­le, wo Men­schen ih­nen ent­ge­gen­ste­hen wer­den, die in ih­rem Ant­litz ha­ben wer­den die Zei­chen des Bö­sen, sie müs­sen vor­be­rei­tet wer­den dar­auf, daß so­viel als mög­lich gu­te Kraft ein­f­lie­ßen muß in die Mensch­heit. Es wird noch mög­lich sein, daß die bis zu ei­nem ge­wis­sen Gra­de wei­chen Lei­ber nach dem gro­ßen Krie­ge al­ler ge­gen al­le um­ge­formt wer­den durch die be­kehr­ten See­len, durch die See­len, die noch in die­sem letz­ten Zei­traum zu dem Gu­ten hin­über­ge­führt wer­den. Da­mit wird viel er­reicht wer­den. Das Gu­te wür­de nicht ein so gro­ßes Gu­tes sein, wenn es nicht al­so wach­sen wür­de durch die Über­win­dung des Bö­sen. Die Lie­be wür­de kei­ne so in­ten­si­ve sein, wenn sie nicht ei­ne so gro­ße Lie­be wer­den müß­te, um selbst das Häß­li­che im Ant­lit­ze der bö­sen Men­schen zu über­win­den. Das wird schon vor­her vor­be­rei­tet, und den Schü­l­ern wird ge­sagt: Al­so dürft ihr nicht glau­ben, daß das Bö­se nicht im Sc­höp­fer­plan be­grün­det sei. Es ist da­r­in­nen, daß durch es ein­mal das gro­ße Gu­te sei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die­je­ni­gen, die vor­be­rei­tet wer­den in ih­ren See­len durch sol­che Leh­ren, da­mit sie einst­mals die­se gro­ße Er­zie­hungs­auf­ga­be lö­sen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
kön­nen, das sind die Schü­ler je­ner Geis­tes­rich­tung, die man nennt das Ma­nichäer­tum. Die Ma­nichäer­rich­tung wird ge­wöhn­lich falsch ver­stan­den. Wo Sie ir­gend et­was hö­ren oder le­sen dar­über, da ver­neh­men Sie ei­ne phra­sen­haf­te Re­de. Da heißt es, die Ma­nichäer glaub­ten, es ge­be von An­fang der Welt an zwei Prin­zi­pi­en, das Gu­te und das Bö­se. So ist es nicht, son­dern es ist die Leh­re, die Ih­nen eben au­s­ein­an­der­ge­setzt wor­den ist. Sol­che Leh­re und ih­re Um­set­zung für die Zu­kunft und die Schü­ler, die an­ge­lei­tet wer­den so, daß sie in künf­ti­gen Ver­kör­pe­run­gen solch ei­ne Auf­ga­be leis­ten kön­nen, das ist es, was man un­ter dem Na­men Ma­nichäer­tum ver­steht. Ma­nes ist je­ne ho­he In­di­vi­dua­li­tät, die im­mer und im­mer wie­der auf der Er­de ver­kör­pert ist, die der lei­ten­de Geist ist de­rer, die zur Be­keh­rung des Bö­sen da sind. Wenn wir von den gro­ßen Füh­r­ern der Men­schen sp­re­chen, so müs­sen wir auch die­ser In­di­vi­dua­li­tät ge­den­ken, wel­che sich die­se Auf­ga­be ge­setzt hat. Es wird, wenn auch in der Ge­gen­wart die­ses Prin­zip des Ma­nes sehr in den Hin­ter­grund hat tre­ten müs­sen, weil we­nig Ver­ständ­nis für den Spi­ri­tua­lis­mus da ist, es wird die­ses wun­der­bar herr­li­che Ma­nichäer-Prin­zip mehr und mehr Schü­ler ge­win­nen, je mehr wir dem Ver­ständ­nis des spi­ri­tu­el­len Le­bens ent­ge­gen­ge­hen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So se­hen Sie, wie hin­über­lebt die ge­gen­wär­ti­ge Mensch­heit in die neue, spä­te­re Zeit über den Krieg al­ler ge­gen al­le hin­aus, eben­so wie je­ne Stamm­ras­se der At­lan­tier her­über­ge­lebt hat in un­se­re Zeit und un­se­re Kul­tur be­grün­det hat. In sie­ben au­f­ein­an­der­fol­gen­den Stu­fen wird sich nach dem gro­ßen Krie­ge al­ler ge­gen al­le die Mensch­heit ent­fal­ten. Und wir ha­ben schon ge­se­hen, wie das­je­ni­ge, was über die Ent­sie­ge­lung der sie­ben Sie­gel ge­sagt wird in der Apo­ka­lyp­se des Jo­han­nes, uns den Cha­rak­ter an­gibt der au­f­ein­an­der­fol­gen­den sie­ben Stamm­kul­tu­ren, der sie­ben Kul­tur­stu­fen nach dem gro­ßen Krie­ge. Dann, wenn die­se Kul­tur, die der heu­ti­ge Mensch nur als Ein­ge­weih­ter in der as­tra­li­schen Welt und in der Sym­bo­lik der­sel­ben zu schau­en ver­mag, ab­ge­lau­fen sein wird, dann wird ei­ne neue Pe­rio­de für un­se­re Er­den­ent­wi­cke­lung be­gin­nen, in der wie­der­um neue For­men auf­t­re­ten wer­den. Und die­se neue Pe­rio­de, die dann folgt auf die eben be­schrie­be­ne, die wird uns&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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sym­bo­li­siert in der Apo­ka­lyp­se des Jo­han­nes durch die sie­ben Po­sau­n­en­klän­ge. Eben­so wie die Kul­tur nach dem gro­ßen Krie­ge al­ler ge­gen al­le durch die sie­ben Sie­gel cha­rak­te­ri­siert wird, weil sie der Se­her heu­te nur von der as­tra­li­schen Welt aus se­hen kann, so wird durch die Po­sau­n­en­klän­ge die Kul­tur­stu­fe, die auf je­ne folgt, aus dem Grun­de so cha­rak­te­ri­siert, weil der Mensch sie nur wahr­neh­men kann von der ei­gent­lich geis­ti­gen Welt aus, wo die Sphä­ren­klän­ge er­tö­nen. Wie der Mensch in Bil­dern, in Sym­bo­len die Welt wahr­nimmt auf dem as­tra­li­schen Plan, so nimmt er in der in­spi­rie­ren­den Sphä­ren­mu­sik die Welt im De­vachan wahr, und in die­sem De­vachan liegt auch so­zu­sa­gen der Gip­fel von dem, was sich auf den gro­ßen Krieg al­ler ge­gen al­le fol­gend ent­hül­len wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So ha­ben wir, wenn wir es noch ein­mal dar­s­tel­len, in dem ne­ben­ste­hen­den Sche­ma un­se­re sie­ben Kul­tur­stu­fen in der Li­nie ab, und zwar so, daß wir die al­te in­di­sche Kul­tur als ers­te ha­ben, die al­te per­si­sche als die zwei­te, die as­sy­risch-ba­by­lo­nisch-chal­däisch-ägyp­tisch-jü­di­sche als drit­te, die grie­chisch-latei­ni­sche als vier­te und die uns­ri­ge als fünf­te Kul­tur­stu­fe der nachat­lan­ti­schen Zeit. Die Li­nie IV wä­re die at­lan­ti­sche Zeit, a die gro­ße Flut, durch die die­se ihr En­de fin­det, und b der gro­ße Krieg al­ler ge­gen al­le. Dann folgt ei­ne Kul­tur von sie­ben Stu­fen (VI), die re­prä­sen­tiert wird durch die sie­ben Sie­gel, und dann folgt ei­ne Kul­tur von sie­ben Stu­fen, die re­prä­sen­tiert wird durch die sie­ben Po­sau­nen. Hier liegt dann über­haupt die Gren­ze un­se­rer phy­si­schen Er­den­ent­wi­cke­lung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun gin­gen der at­lan­ti­schen Kul­tur, der­je­ni­gen Kul­tur, die der uns­ri­gen vor­an­ging, auch wie­der­um Kul­tur­stu­fen voran. Denn die uns­ri­ge, die auf die at­lan­ti­sche folgt, ist auf un­se­rer Er­de be­reits die fünf­te Kul­tur­stu­fe. Es ge­hen ihr vier Kul­tur­stu­fen voran. Die ers­te kön­nen wir aber kaum ei­ne Kul­tur­stu­fe nen­nen. Da ist al­les noch fein äthe­risch-geis­tig, al­les noch so, daß, wenn es sich so wei­ter fort­ent­wi­ckelt hät­te, es über­haupt nicht für Sin­ne­s­or­ga­ne un­se­rer Art sicht­bar ge­wor­den wä­re. Die ers­te Kul­tur­stu­fe ent­wi­ckel­te sich, als noch nicht ein­mal die Son­ne sich von der Er­de ent­fernt hat­te. Da gab es ganz an­de­re Ver­hält­nis­se, da kann man nicht sp­re­chen von et­was, was un­se­ren Din­gen ähn­lich sah. Dann&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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folgt ei­ne Zeit, die da­durch cha­rak­te­ri­siert wird, daß die Son­ne sich weg­be­wegt, dann ei­ne, die da­durch cha­rak­te­ri­siert wird, daß der Mond aus der Er­de her­aus­geht. Das ist die drit­te Stu­fe, was wir die al­te le­mu­ri­sche Zeit nen­nen. Da tritt der jet­zi­ge Mensch in sei­nen al­le­r­ers­ten An­fän­gen auf un­se­rer Er­de auf, von de­nen ich Ih­nen an­ge­deu­tet ha­be, daß es solch gro­tes­ke Kör­per­for­men wa­ren, daß es Sie scho­ckie­ren wür­de, wenn Sie sie ge­schil­dert er­hiel­ten. Auf die­se, die le­mu­ri­sche Zeit, folg­te dann die at­lan­ti­sche und end­lich die uns­ri­ge.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So se­hen Sie, daß wir sie­ben Kul­tur­stu­fen ha­ben auf un­se­rer Er­de, sie­ben Ent­wi­cke­lungs­pe­rio­den der Er­de. Auf zwei se­hen wir zu­rück als ganz und gar un­ähn­lich un­se­rer Zeit, auf ei­ne drit­te so, daß sie sich zum Teil ab­ge­spielt hat auf ei­nem Platz zwi­schen dem heu­ti­gen Afri­ka und dem heu­ti­gen Asi­en und Aus­tra­li­en, auf dem al­ten Le­mu­ri­en. Da gab es wie­der­um un­ter den da­ma­li­gen Men­schen ei­ne klei­ne Grup­pe, wel­che die Vor­ge­rück­tes­ten in sich faß­te. Die­se Grup­pe war die al­ler­letz­te der Ras­sen. Al­so, die al­ler­letz­te der le­mu­ri­schen Ras­sen hat­te ein klei­nes Häuf­lein, das aus­wan­dern konn­te und das nach­her die sie­ben Ras­sen der At­lan­tier be­grün­de­te. Die letz­te der le­mu­ri­schen Ras­sen be­grün­de­te die at­lan­ti­schen Ras­sen. Die fünf­te der at­lan­ti­schen Ras­sen be­grün­de­te un­se­re Kul­tur. Die sechs­te der uns­ri­gen Kul­tu­ren be­grün­det die zu­künf­ti­ge Kul­tur nach dem gro­ßen Krie­ge al­ler ge­gen al­le, und die al­ler­letz­te die­ser Kul­tu­ren wird die­je­ni­ge zu be­grün­den ha­ben, die durch die sie­ben Po­sau­nen an­ge­deu­tet wird.&lt;br /&gt;
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Und nach die­ser Kul­tur, was wird dann ge­sche­hen? Da ist un­se­re Er­de zu­nächst am Ziel ih­rer phy­si­schen Ent­wi­cke­lung an­ge­langt. Da wer­den sich al­le Din­ge und We­sen­hei­ten auf un­se­rer Er­de um­ge­än­dert ha­ben. Denn wenn wir schon sa­gen müs­sen, daß in dem sechs­ten Zei­traum die Men­schen auf ih­rem Ant­lit­ze ihr&lt;br /&gt;
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Gu­tes und ihr Bö­ses tra­gen wer­den, dann wer­den wir um so mehr von je­nem sie­ben­ten sa­gen müs­sen, daß der Mensch in sei­ner Ge­stalt und al­le We­sen in ih­rer Ge­stalt ein Aus­druck sein wer­den des Gu­ten und des Bö­sen in viel höhe­rem Ma­ße noch als in dem sechs­ten Zei­traum. Al­les, was Ma­te­rie ist, wird den Stem­pel des Geis­tes tra­gen. Nichts, nichts wird in die­sem sie­ben­ten Zei­traum so sein, daß es ir­gend­wie ver­hüllt wer­den könn­te. Es ist schon für die Be­woh­ner des sechs­ten Zei­trau­mes nicht mög­lich, daß sie dem­je­ni­gen, der den Blick da­für hat, et­was ver­hül­len. Der Bö­se wird aus­drü­cken das Bö­se, der Gu­te das Gu­te. Aber in dem sie­ben­ten Zei­traum wird es nicht ein­mal mög­lich sein, durch die Spra­che zu ver­hül­len, was in der See­le ist. Der Ge­dan­ke wird nicht mehr ein stum­mer Ge­dan­ke sein, der ver­bor­gen wer­den kann. Wenn die See­le denkt, wird sie auch den Ge­dan­ken nach au­ßen er­k­lin­gen las­sen. Er wird dann so sein, wie die­ser Ge­dan­ke schon heu­te ist für den Ein­ge­weih­ten. Für den Ein­ge­weih­ten er­k­lingt der Ge­dan­ke heu­te im De­vachan. Aber die­ses De­vachan wird her­un­ter­ge­s­tie­gen sein bis in die phy­si­sche Welt, so wie die as­tra­li­sche Welt her­un­ter­ge­s­tie­gen sein wird bis in die phy­si­sche im sechs­ten Zei­traum. Heu­te schon ist der sechs­te Zei­traum zu fin­den in der as­tra­li­schen Welt, der sie­ben­te in der himm­li­schen Welt. Der sechs­te Zei­traum ist die her­un­ter­ge­s­tie­ge­ne as­tra­li­sche Welt, das heißt die Ab­bil­der, die Aus­drü­cke, die Of­fen­ba­run­gen da­von. Der sie­ben­te wird sein die her­un­ter­ge­s­tie­ge­ne himm­li­sche Welt, der Aus­druck der­sel­ben. Und dann wird die Er­de am Zie­le ih­rer phy­si­schen Ent­wi­cke­lung an­ge­langt sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann ver­wan­delt sich die Er­de in ei­nen as­tra­li­schen Him­mels­kör­per. Al­les, was an der Er­de ist als We­sen, ver­wan­delt sich in ei­nen as­tra­li­schen Him­mels­kör­per. Die phy­si­sche Sub­stanz ver­schwin­det als phy­si­sche Sub­stanz, sie geht in dem Teil, der bis da­hin die Mög­lich­keit ge­fun­den hat sich zu ver­geis­ti­gen, über in den Geist, in die as­tra­li­sche Sub­stanz. Al­so den­ken Sie wohl: Al­le die­je­ni­gen We­sen­hei­ten der Er­de, wel­che bis da­hin die Mög­lich­keit ge­fun­den ha­ben, in ih­rer äu­ße­ren ma­te­ri­el­len Ge­stalt aus­zu­drü­cken das Gu­te, das Ed­le, das In­tel­lek­tu­el­le, das Sc­hö­ne, die in ih­rem&lt;br /&gt;
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Ant­litz ei­nen Ab­druck zei­gen wer­den des Chris­tus Je­sus, die in ih­ren Wor­ten ei­nen Aus­druck zei­gen wer­den des Chris­tus Je­sus, die da tö­nen wer­den als tö­nen­de Ge­dan­ken, al­le die wer­den die Macht ha­ben, das, was sie an phy­si­scher Ma­te­rie in sich ha­ben, auf­zu­lö­sen, wie lau­es Was­ser Salz auflöst. Al­les Phy­si­sche wird über­ge­hen in ei­ne as­tra­li­sche Wel­ten­ku­gel. Das­je­ni­ge aber, was bis da­hin es nicht so weit ge­bracht hat, in dem Ma­te­ri­el­len, in dem Kör­per­li­chen ein Aus­druck des Ed­len, Sc­hö­nen, In­tel­lek­tu­el­len, des Gu­ten zu sein, das wird nicht die Kraft ha­ben, die Ma­te­rie auf­zu­lö­sen. Für das wird die Ma­te­rie be­ste­hen blei­ben, das wird sich ver­här­ten in die Ma­te­rie, das wird be­hal­ten ma­te­ri­el­le Ge­stalt. Es wird an die­ser Stel­le der Er­den­ent­wi­cke­lung statt­fin­den ein Auf­s­tieg ins Geis­ti­ge mit lau­ter Ge­stal­ten, die in die­sem As­tra­li­schen le­ben wer­den und die aus­schei­den wer­den aus sich ei­ne an­de­re ma­te­ri­el­le Ku­gel, ei­ne Ku­gel, wel­che die We­sen ent­hal­ten wird, die un­brauch­bar sind für den Auf­s­tieg, weil sie nicht das Ma­te­ri­el­le auflö­sen kön­nen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So wird un­se­re Er­de ih­rer Zu­kunft ent­ge­gen­le­ben. So wird sie in ih­rer Ma­te­rie sich im­mer mehr ver­fei­nern, in­dem die See­le von in­nen her­aus die­se Ma­te­rie all­mäh­lich ver­fei­nert, bis sie die Kraft er­hält, sie auf­zu­lö­sen. Dann wird die Zeit kom­men, wo das Nicht­auflös­ba­re her­aus­ge­trie­ben wird in ei­ner be­son­de­ren Wel­ten­ku­gel. Sie­ben Zei­träu­me wer­den ver­ge­hen, wäh­rend das her­aus­ge­trie­ben wird, was in der Ma­te­rie sich ver­här­tet hat, und die Kraft, die das her­aus­ge­trie­ben, wird die ge­gen­tei­li­ge Kraft sein von der, wel­che die gu­ten We­sen hin­auf­ge­trie­ben ha­ben wird. Was wird sie denn zum Auflö­sen der Ma­te­rie brin­gen? Das ist eben die Kraft der Lie­be, die durch das Chris­tus-Prin­zip ge­won­nen wird. Die We­sen wer­den fähig, die Ma­te­rie auf­zu­lö­sen da­durch, daß sie die Lie­be in ih­re See­le auf­neh­men. Je wär­m­er die See­le wird durch die Lie­be, des­to in­ten­si­ver wird sie wir­ken kön­nen auf das Ma­te­ri­el­le. Sie wird die gan­ze Er­de ver­geis­ti­gen, ve­ras­tra­li­sie­ren, in ei­ne As­tral­ku­gel ver­wan­deln. Aber eben­so wie die Lie­be die Ma­te­rie auflöst wie lau­es Was­ser das Salz, so wird das Ge­gen­teil von Lie­be hin­un­ter­drü­cken, wie­der­um durch sie­ben Stu­fen, al­les, was nicht fähig ge­wor­den ist, die­se Er­den­mis­si­on zu er­fül­len.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Das Ge­gen­teil der gött­li­chen Lie­be nennt man den gött­li­chen Zorn. Das ist der tech­ni­sche Aus­druck. Wie die­se Lie­be im Lau­fe der vier­ten Kul­tur­stu­fe der Mensch­heit ein­ge­prägt wor­den ist, wie sie im­mer wär­m­er und wär­m­er wird durch die letz­ten Kul­tur­stu­fen un­se­rer Zeit, durch die sechs­te und sie­ben­te, so wächst an auf der an­de­ren Sei­te das­je­ni­ge, was die Ma­te­rie um sich ver­här­tet: der gött­li­che Zorn. Und die­ses Wir­ken des gött­li­chen Zor­nes, die­ses Hin­aus­sto­ßen der Ma­te­rie, wird uns an­ge­deu­tet in der Apo­ka­lyp­se des Jo­han­nes durch das Aus­gie­ßen der sie­ben gött­li­chen Zor­nes-scha­len. Stel­len Sie sich vor, wie das Gan­ze so­zu­sa­gen fi­gür­lich sein wird: Die Er­de wird im­mer fei­ner und fei­ner in der Ma­te­rie, der Mensch auch im­mer geis­ti­ger in sei­ner Ma­te­rie, und die gröbs­ten Tei­le wer­den nur sicht­bar sein in dem Fei­nen wie Scha­len, wie zum Bei­spiel die Rep­ti­li­en sie ab­wer­fen oder die Schne­cken. So wer­den die har­ten Tei­le im­mer mehr und mehr an­ge­g­lie­dert sein der sich ver­fei­nern­den Ma­te­rie. In dem letz­ten Zei­traum, dem Zei­traum der Po­sau­n­en­klän­ge, wür­den Sie schon se­hen mit hell­se­he­ri­schen Au­gen, wie die Men­schen aus fei­nen Lei­bern be­ste­hen, aus durch­geis­tig­ten Lei­bern, und wie die­je­ni­gen, die in sich ver­här­tet ha­ben das ma­te­ri­el­le Prin­zip, das in sich be­wahrt ha­ben, was heu­te die wich­tigs­ten Be­stand­tei­le der Ma­te­rie sind, und wie das wie Hül­sen her­un­ter­fal­len wird in die­se ma­te­ri­el­le Ku­gel, die als Über­b­leib­sel sein wird nach die­sem Zei­traum, der durch die Po­sau­n­en­klän­ge an­ge­deu­tet wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist es, was uns die Apo­ka­lyp­se des Jo­han­nes als Pro­phe­tie gibt. Und es ist wich­tig, daß wir uns mit un­se­rer See­le in die­se Pro­phe­tie ein­füh­len, so daß sie be­feu­ernd auf un­se­ren Wil­len wirkt. Denn was hat als­dann der Mensch aus sich ge­macht, wenn die­ser sechs­te und sie­ben­te Zei­traum vor­über sein wer­den? Was hat der Mensch dann aus sei­nem Lei­be ge­macht? Wenn wir jetzt den men­sch­li­chen Leib an­se­hen, so ist er noch nicht der Aus­druck der in­ne­ren See­le. Aber im­mer mehr und mehr wird der Leib ein Aus­druck des­sen wer­den, was die See­le in ih­rem In­nern er­lebt. Da­durch wird das äu­ße­re Leib­li­che ein Aus­druck des Gu­ten, daß der Mensch auf­nimmt die höchs­te Bot­schaft, die höchs­te Leh­re, die es&lt;br /&gt;
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{{SE|169}}&lt;br /&gt;
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auf die­ser Er­de gibt, und die­se höchs­te der Leh­ren ist die Bot­schaft von dem Chris­tus Je­sus auf der Er­de. Das Höchs­te, das uns ge­ge­ben wer­den kann, ist die Bot­schaft von Chris­tus Je­sus. Wohl müs­sen wir sie auf­neh­men, und nicht bloß mit dem Ver­stand. Wir müs­sen sie in un­ser In­ners­tes auf­neh­men, wie man die Nah­rung im phy­si­schen Lei­be auf­nimmt. Und in­dem die Mensch­heit sich durch die­se Kul­tur­stu­fe hin­über­ent­wi­ckelt, wird sie im­mer mehr und mehr die fro­he Bot­schaft in ihr In­ne­res auf­neh­men, und ge­ra­de die Auf­nah­me der Bot­schaft der Lie­be wird sie als das Er­geb­nis der Er­den­mis­si­on zu be­trach­ten ha­ben. In den Evan­ge­li­en, in dem «Bu­che», ist die Kraft der Lie­be ent­hal­ten, al­le Kraft der Lie­be. Und der Se­her kann nichts an­de­res sa­gen als: Ich se­he im Geis­te ei­ne Zeit vor mir, wo das­je­ni­ge, was im Evan­ge­li­um ist, nicht mehr in ei­nem Bu­che drau­ßen sein wird, son­dern wo das ver­sch­lun­gen sein wird vom Men­schen sel­ber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Un­se­re Er­den­ent­wi­cke­lung be­ruht auf zwei­er­lei. Un­se­rer Er­de ist vor­an­ge­gan­gen das­je­ni­ge, was wir nen­nen den Kos­mos der Weis­heit, und ihm ist vor­an­ge­gan­gen das­je­ni­ge, was wir nen­nen das Wort sagt frei­lich nicht viel, aber wir müs­sen es ge­brau­chen, weil es ge­bräuch­lich ge­wor­den ist den Kos­mos der Stär­ke, der Kraft. Weis­heit und Stär­ke ist es, was die Er­de als Erb­schaft von frühe­ren Ent­wi­cke­lungs­stu­fen, vom al­ten Mond und der al­ten Son­ne über­nom­men hat. Wir wer­den se­hen, wie inn­er­halb un­se­rer Er­den­ent­wi­cke­lung das auch zum Aus­druck kommt da­durch, daß wir die ers­te Hälf­te der Er­den­ent­wi­cke­lung nach dem Ver­t­re­ter der Son­nen­kraft, dem Mars, be­nen­nen. Denn jetzt brau­chen wir nur zu be­den­ken, daß wir inn­er­halb un­se­rer Er­den­ent­wi­cke­lung im Mars das­je­ni­ge ha­ben, was der Er­de ein­gepflanzt hat das Ei­sen. Wir se­hen im Mars den Brin­ger von Stär­ke. Und in dem, was die zwei­te Hälf­te der Er­den­ent­wi­cke­lung be­herrscht, ha­ben wir den Stell­ver­t­re­ter der al­ten Mon­den­ent­wi­cke­lung, den Mer­kur, wel­cher der Er­de die al­te Erb­schaft des Mon­des, die Weis­heit, ein­ver­leibt. So setzt sich uns die Er­den­ent­wi­cke­lung zu­sam­men aus Mars- und Mer­kur­ent­wi­cke­lung. Sie hat als Erb­schaft über­nom­men zwei star­ke, ge­wal­ti­ge Kräf­te. Das, was sie er­erbt hat vom Kos­mos der Stär­ke,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
drückt sich aus im Mars, und was sie er­erbt hat vom Kos­mos der Weis­heit, drückt sich im Mer­kur aus. Sie, die Er­de sel­ber, soll hin­zu­brin­gen die Lie­be durch ih­re Mis­si­on. Die­se Lie­be soll als das Er­geb­nis der Er­den­ent­wi­cke­lung sich herr­lich of­fen­ba­ren. Das ist ein sehr tie­fer Ge­dan­ke des Apo­ka­lyp­ti­kers. Das ist der tie­fe Ge­dan­ke, der au­ßer­dem an­knüpft an die gan­ze üb­ri­ge Er­den­ent­wi­cke­lung. (Sie­he das vier­te Sie­gel­bild.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch ein­mal ver­set­zen Sie sich mit mir zu­rück in die äl­tes­te at­lan­ti­sche Zeit, in je­ne Zeit, von der wir ge­sagt ha­ben, daß die Luft noch durch­setzt war von Was­ser. Der Mensch war noch für das Was­ser ge­baut. In der Mit­te der At­lan­tis erst ist er so weit, daß er sich dem Was­ser en­t­reißt und den fes­ten Bo­den be­tritt. Bis zu der Zeit, wo die Er­de in der Mit­te ih­rer Ent­wi­cke­lung war, müs­sen wir das Was­ser eben­so als den Trä­ger der men­sch­li­chen Ent­wi­cke­lung auf­fas­sen wie spä­ter die fes­te Er­de. Die fes­te Er­de wur­de so­zu­sa­gen erst spät der Schau­platz der Men­schen. Es ist nur halb rich­tig, wenn man von der gan­zen At­lan­tis wie von ei­nem tro­cke­nen Lan­de spricht. Sie ist in vie­ler Be­zie­hung nicht et­wa vom Mee­re be­deckt, aber von ei­nem sol­chen Mit­tel­ding, wie Luft, die von Was­ser dicht er­füllt ist, und die­se Was­ser-Luft ge­hört zu dem Ele­men­te, in dem der Mensch leb­te. Erst spä­ter wur­de er fähig, in der frei­en Luft zu le­ben und auf dem fes­ten Bo­den zu ste­hen. Das ist ver­hält­nis­mä­ß­ig noch nicht lan­ge her. So daß wir sa­gen, wenn wir die Er­den­ent­wi­cke­lung über­bli­cken, sym­bo­lisch aus­ge­drückt: Wir ha­ben auf der ei­nen Sei­te Er­de und auf der an­de­ren Sei­te Was­ser. Das ist die frühe­re Zeit. Und aus dem Was­ser ragt her­vor die ei­ne der Kräf­te bis zur ers­ten Hälf­te der Ent­wi­cke­lung, und aus der Er­de ragt her­vor die an­de­re der Kräf­te. Bis zur Mit­te der vier­ten Pe­rio­de sp­re­chen wir von den Mars­kräf­ten, von den Kräf­ten, die so­zu­sa­gen das Was­ser gibt, und wir sp­re­chen von den Mer­kur­kräf­ten in der spä­te­ren Zeit, wo die fes­te Er­de die Stütz­kräf­te gibt. Das glie­dert sich so recht zu­sam­men in die Vor­stel­lung, daß der Mensch ge­stützt wird in sei­ner gan­zen Er­den­mis­si­on durch zwei Säu­len, je­ne zwei Säu­len, die Sie sym­bo­lisch ge­se­hen ha­ben beim Mün­che­ner Kon­g­reß im Saa­le. Die­se zwei Säu­len stel­len dar die&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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zwei Tei­le der Er­den­mis­si­on, die zwei Erb­schaf­ten, die der Mensch ge­macht hat von frühe­ren Zei­ten. Und über ih­nen sym­bo­li­siert sich das­je­ni­ge, was durch die Er­de sel­ber er­reicht wer­den soll: die Lie­be, die sich dar­lebt, herr­lich sich of­fen­ba­rend, die ge­stützt wird durch die­se Erb­schaf­ten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So schil­dert der Apo­ka­lyp­ti­ker es wir­k­lich so, wie es sich dar­s­tellt für den Men­schen, der auf­s­teigt in geis­ti­ge Re­gio­nen. Des­halb wird das­je­ni­ge, was uns ent­ge­gen­tritt, wenn wir an­schau­en, was über die Er­de hin­aus liegt, was uns ent­ge­gen­tritt in dem Mo­men­te, wo die Er­den­sub­stanz ih­re Ma­te­rie auflöst ins Geis­ti­ge, sym­bo­lisch an­ge­deu­tet durch das, was wir in dem vier­ten Sie­gel se­hen. Selbst­ver­ständ­lich muß es jetzt um­ge­kehrt er­schei­nen, weil es Zu­künf­ti­ges dar­s­tellt. Es er­schei­nen uns die zwei Kräf­te, wel­che die Er­de als Erb­schaft über­nom­men hat vom Kos­mos der Weis­heit und der Stär­ke, und es er­scheint uns al­les, was als Er­fül­lung der Er­den­mis­si­on sich zeigt als die Kraft der Lie­be, die der Mensch aus­bil­det, und das Gan­ze er­scheint uns wie die Per­so­ni­fi­ka­ti­on des zu­künf­ti­gen Men­schen, so daß der Mensch der Zu­kunft, ge­stützt von die­sen bei­den Kräf­ten, durch­drun­gen von die­ser Kraft der Lie­be, uns sym­bo­lisch hier ent­ge­gen­tritt. Die Bot­schaft der Lie­be, das Buch, das er vor sich hat, ist ein Buch, das nicht nur von au­ßen wirkt, son­dern das er ver­sch­lin­gen soll. Da se­hen wir vor uns hin­ge­s­tellt das ge­wal­ti­ge Bild, das hier uns er­scheint. «Und ich sah ei­nen an­de­ren Kraf­ten­gel» das heißt ein We­sen, das so dar­ge­s­tellt wird, weil es schon über dem heu­ti­gen Men­schen steht «von den geis­ti­gen Sphä­ren her­ab­kom­men», so sieht es der Se­her, «der war mit ei­ner Wol­ke be­k­lei­det und sein Ant­litz war wie die Son­ne und sei­ne Fü­ße wie Pfei­ler, feu­ri­ge Pfei­ler.» Das sind die zwei Kräf­te, von de­nen wir ge­spro­chen ha­ben, wel­che die Er­de als Erb­schaft emp­fan­gen hat. «Und er hat­te in sei­ner Hand ein Büch­lein auf­ge­tan; und er setz­te sei­nen rech­ten Fuß auf das Meer und den lin­ken auf die Er­de.» Und Jo­han­nes sprach zum En­gel: «Gib mir das Büch­lein.» «Und er sprach zu mir: Nimm hin und ver­sch­lin­ge es; und es wird dich im Bau­che grim­men, aber in dei­nem Mun­de wird es süß sein wie Ho­nig. Und ich nahm das Büch­lein&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
von der Hand des En­gels und ver­schlang es; und es war süß in mei­nem Mun­de wie Ho­nig.»&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da ha­ben wir das, was uns ge­sagt wer­den muß als die Emp­fin­dung, die auf­tritt im Se­her, wenn er sei­nen Blick hin­rich­tet auf den Punkt, wo die Er­de aus dem Phy­sisch-Ma­te­ri­el­len ins As­tra­lisch-Geis­ti­ge über­geht, wo die Er­den­mis­si­on er­reicht ist. Und wenn der Se­her dies sieht, dann lernt er, was wir­k­lich mit die­ser Bot­schaft der Lie­be zu­sam­men­hängt, die als Im­puls auf der vier­ten Kul­tur­stu­fe her­ein­ge­zo­gen ist: er lernt schon im heu­ti­gen Le­ben, wie der Apo­ka­lyp­ti­ker es ge­lernt hat, was Se­lig­keit ist und was der Mensch­heit als Se­lig­keit vor­an­ge­s­tellt wer­den kann. Aber er lernt es eben im heu­ti­gen Lei­be; denn wenn auch ein noch so ho­hes We­sen mit Men­schen le­ben woll­te, müß­te es sich flei­sch­lich ver­kör­pern. Und in man­cher Be­zie­hung gibt der heu­ti­ge Leib ge­ra­de da­durch, daß er dem Geist die Mög­lich­keit bie­tet, hoch hin­auf­zu­s­tei­gen, auch die Mög­lich­keit zu lei­den. Wäh­rend al­so die See­le des Se­hers, die der Apo­ka­lyp­ti­ker ge­schil­dert hat, in geis­ti­ge Re­gio­nen hin­auf­s­tei­gen kann, um das Evan­ge­li­um der Lie­be zu emp­fan­gen, und im Geis­te die Se­lig­keit süß wie Ho­nig emp­fin­den kann, lebt der Se­her doch in ei­nem heu­ti­gen Lei­be, und dem­ent­sp­re­chend muß er aus­drü­cken, daß das Hin­auf­s­tei­gen im heu­ti­gen Lei­be in vie­ler Be­zie­hung das Ge­gen­stück je­ner Se­lig­keit her­vor­ruft. Das drückt er da­durch aus, daß er sagt, das Büch­lein ma­che ihm, ob es gleich süß sei wie Ho­nig, als er es ver­schluckt hat, grim­mi­ge Sch­mer­zen im Bau­che. Aber das ist nur ein klei­ner Ab­glanz von dem, «im Lei­be ge­k­reu­zigt» zu sein. Je höh­er der Geist steigt, des­to schwie­ri­ger wird ihm das Woh­nen im Lei­be. Und das ist zu­nächst der sym­bo­li­sche Aus­druck für die­se Sch­mer­zen: «Ge­k­reu­zigt sein im Lei­be.»&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da­mit ha­ben wir skiz­zen­haft an­ge­deu­tet, was ge­sche­hen wird inn­er­halb un­se­rer Er­den­ent­wi­cke­lung, was dem Men­schen in der Er­den­ent­wi­cke­lung be­vor­steht. Wir sind her­an­ge­kom­men bis zu dem Punkt, wo der Mensch ver­wan­delt wird, ver­wan­delt wird ins As­tra­li­sche, wo die Er­de in ih­ren bes­ten Tei­len als phy­si­sche Er­de ver­schwin­den und ins Geis­ti­ge über­ge­hen wird, wo nur et­was wie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
ein ab­ge­son­der­ter Teil durch den gött­li­chen Zorn ab­fal­len wird in den Ab­grund. Und wir wer­den se­hen, daß selbst da noch nicht die letz­te Stu­fe er­s­tie­gen ist, aus der nicht Ret­tung mög­lich wä­re, ob­zwar das­je­ni­ge, was sich gel­tend macht in dem Ab­grund, durch die furcht­bars­ten Sym­bo­le ge­kenn­zeich­net wird: durch das sie­ben­köp­fi­ge und zehn­hör­ni­ge und durch das zwei­hör­ni­ge Tier.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
= NEUNTER VORTRAG, Nürnberg, 26. Juni 1908 =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ges­tern sind wir in un­se­rer Schil­de­rung von der Ent­wi­cke­lung des Men­schen bis zu dem Punk­te ge­langt, wo nach je­ner Zeit, die durch die sie­ben Po­sau­n­en­stö­ße cha­rak­te­ri­siert wird, die Er­de mit all ih­ren We­sen­hei­ten über­geht in ei­nen an­de­ren Zu­stand, wo so­zu­sa­gen das Phy­si­sche sich auflöst und ver­wan­delt in Geis­ti­ges, zu­nächst in As­tra­li­sches. Es ent­steht ei­ne as­tra­li­sche Er­de, und in die­se as­tra­li­sche Er­de ge­hen al­le die­je­ni­gen We­sen­hei­ten ein, wel­che da­zu reif ge­wor­den sind, das heißt, wel­che fähig ge­wor­den sind, selbst ihr Ma­te­ri­el­les zu über­win­den, zu ver­wen­den im Di­ens­te des Geis­ti­gen. Da­ge­gen wird al­les das, was nicht im­stan­de ist, das Leib­li­che, das Ma­te­ri­el­le in Geis­ti­ges zu ver­wan­deln, was haf­tet am Ma­te­ri­el­len, aus­ge­wor­fen wer­den und ei­ne Art Ne­be­n­er­de bil­den, de­ren Be­trach­tung recht lehr­reich ist, um das Schick­sal der zu­künf­ti­gen Mensch­heit zu er­ken­nen. Da­zu ist es aber vor al­len Din­gen nütz­lich, daß wir uns ein­mal klar­ma­chen, was bei die­ser As­tra­li­sie­rung un­se­rer Er­de aus den­je­ni­gen Men­schen ge­wor­den ist, die den Rei­fe­grad er­langt ha­ben, die das Chris­tus-Prin­zip in sich auf­ge­nom­men und wirk­sam ha­ben wer­den las­sen. Was aus dem Men­schen wer­den kann, das soll uns nun ein­mal be­schäf­ti­gen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir wer­den am bes­ten ver­ste­hen, was aus dem Men­schen wer­den kann, wenn wir die Ge­duld ha­ben, den Men­schen noch­mals zu be­trach­ten, wie er ge­wor­den ist und wel­che Ent­wi­cke­lungs­mög­lich­kei­ten für die Zu­kunft in ihm sind. Wenn wir den Men­schen heu­te be­trach­ten, so steht er vor uns als ein vier­g­lie­d­ri­ges We­sen. Das ers­te, was wir am Men­schen er­ken­nen, ist der so­ge­nann­te phy­si­sche Leib. Das ist das­je­ni­ge Glied, das der Mensch ge­mein­schaft­lich hat mit al­len heu­ti­gen Ge­sc­höp­fen des Mi­ne­ral­rei­ches, das man am Men­schen mit Au­gen se­hen, mit Hän­den grei­fen kann. Es ist das nie­ders­te Glied der men­sch­li­chen We­sen­heit, das­je­ni­ge, was al­lein zu­rück­b­leibt als Leich­nam im To­de. Aber die­ser phy­si­sche&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Leib wür­de je­den Au­gen­blick das Schick­sal ha­ben, das der Leich­nam im To­de hat, er wür­de zer­fal­len, wenn er nicht durch­drun­gen wä­re von dem, was wir nen­nen den Äther- oder Le­bens­leib. Die­sen Äther­leib hat der Mensch nicht mehr ge­mein­schaft­lich mit den Ge­sc­höp­fen des mi­ne­ra­li­schen Rei­ches, er hat ihn ge­mein­schaft­lich mit den We­sen des Pflan­zen­rei­ches auf der Er­de. Der Äther­leib ist in je­dem Men­schen ein Kämp­fer ge­gen den Tod, der zwi­schen Ge­burt und Tod die Tei­le des phy­si­schen Lei­bes, die sich fort­wäh­rend tren­nen wol­len, zu­sam­men­hält. Was ist in Wahr­heit des Men­schen phy­si­scher Leib? Das, was er nach ei­ni­ger Zeit wird, wenn der Tod die Ge­stalt zer­stört hat: Asche, ein Häuf­lein Asche, das nur so künst­lich in sei­nen Tei­len hin­ein­ge­ord­net ist in den Le­bens­leib, daß das Gan­ze des Men­schen den Ein­druck macht, den es heu­te auf den Be­schau­er aus­übt. Das zwei­te Glied al­so ist der Äther- oder Le­bens­leib. Das drit­te, das der Mensch mit al­len Tie­ren ge­mein hat, ist der so­ge­nann­te as­tra­li­sche Leib, der Trä­ger von al­len In­s­tink­ten, Lei­den­schaf­ten, Be­gier­den, von al­len Ge­dan­ken und Vor­stel­lun­gen und so wei­ter, das, was man ge­wöhn­lich das See­li­sche nennt im Men­schen. Dann ha­ben wir als vier­tes je­nes Glied der men­sch­li­chen We­sen­heit, das den Men­schen zur Kro­ne der Er­den­sc­höp­fung macht, wel­ches ver­ur­sacht, daß er hin­aus­ragt über al­le üb­ri­gen We­sen­hei­ten der Er­den­sc­höp­fung und das den Men­schen vor­zugs­wei­se da­zu be­fähigt, sich als Ich, als in­di­vi­du­el­les, selbst­be­wuß­tes We­sen des Er­den­da­seins zu ent­wi­ckeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Zu­kunft wird die Ent­wi­cke­lung des Men­schen so ver­lau­fen, daß der Mensch nach und nach von sei­nem Ich aus die nie­de­ren Tei­le, die un­ter dem Ich lie­gen, be­ar­bei­tet, durch­ar­bei­tet, daß er das Ich zum Herrn der an­de­ren Tei­le macht. Wenn das Ich durch­ge­ar­bei­tet, zu sei­nem Ei­gen­tum ge­macht hat den as­tra­li­schen Leib, so daß nichts mehr von un­be­wuß­ten und un­be­wach­ten Trie­ben, In­s­tink­ten und Lei­den­schaf­ten in die­sem As­tral­leib ist, dann hat es aus­ge­bil­det, was wir Geist­selbst oder Ma­nas nen­nen. Das ist nichts an­de­res, als was der as­tra­li­sche Leib auch ist, nur ist die­ser eben vor sei­ner Um­wand­lung durch das Ich das drit­te Glied. Wenn das Ich dann auch den Äther­leib um­wan­delt, so ent­steht Buddhi&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
oder Le­bens­geist, und wenn das Ich einst­mals in ur­fer­ner Zu­kunft den phy­si­schen Leib um­wan­delt, so daß die­ser durch das Ich selbst ganz ver­geis­tigt ist und das ist die schwie­rigs­te Ar­beit, weil der phy­si­sche Kör­per der dich­tes­te ist , dann hat sich der phy­si­sche Leib zum höchs­ten Glied der men­sch­li­chen We­sen­heit ent­wi­ckelt, zu At­ma oder Geist­mensch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So ha­ben wir, wenn wir uns die­sen Men­schen vor­s­tel­len in sei­ner Sie­ben­g­lie­d­rig­keit, den phy­si­schen Leib, den Äther- oder Le­bens­leib, den as­tra­li­schen Leib, das Ich, fer­ner das­je­ni­ge, was der Mensch in der Zu­kunft ent­wi­ckelt, Geist­selbst oder Ma­nas, Le­bens­geist oder Buddhi und Geist­mensch oder At­ma. Das ist der sie­ben­g­lie­d­ri­ge Mensch. Doch wird der Mensch die­se höhe­ren Glie­der erst in ur­fer­ner Zu­kunft ent­wi­ckeln. Auf un­se­rer Er­de ist es dem Men­schen noch nicht be­schie­den, so weit auf sich zu wir­ken, daß er al­le die­se höhe­ren geis­ti­gen Tei­le zur Aus­bil­dung bringt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir so die­sen sie­ben­g­lie­d­ri­gen Men­schen be­trach­ten, dann ha­ben wir aber den Men­schen, der heu­te vor uns steht, doch noch nicht ganz be­grif­fen. Zwar ist es rich­tig, daß, wenn wir im gro­ßen und gan­zen den Men­schen über­schau­en, wir von die­sen sie­ben Glie­dern re­den kön­nen. Aber wir müs­sen, wenn wir den heu­ti­gen Men­schen ver­ste­hen wol­len, noch ge­nau­er re­den.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie wer­den sich er­in­nern, daß der phy­si­sche Leib auf dem Sa­turn ent­wi­ckelt wor­den ist, der Äther­leib auf der Son­ne, der as­tra­li­sche Leib auf dem Mon­de, und daß das Ich auf der Er­de sich aus­bil­den&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|177}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
soll und sich bis zu ei­nem be­stimm­ten ho­hen Grad schon aus­ge­bil­det hat. Nun aber müs­sen wir die­se Er­den­ent­wi­cke­lung des Men­schen noch et­was ge­nau­er ins Au­ge fas­sen. Das­je­ni­ge, was man Geist­selbst, um­ge­wan­del­ten As­tral­leib nennt, daß der Mensch ganz voll­kom­men be­wußt inn­er­halb die­ses Geist­selbs­tes, sei­nes as­tra­li­schen Lei­bes, wirkt und ar­bei­tet, das wird für die gro­ße Zahl der Men­schen erst am En­de der Er­den­ent­wi­cke­lung er­reicht sein. Da­ge­gen muß­te der Mensch wäh­rend un­se­rer Er­den­ent­wi­cke­lung ei­ne Art Vor­be­rei­tung durch­ma­chen, die es schon im Lau­fe der Er­den­ent­wi­cke­lung mög­lich mach­te, so­zu­sa­gen halb be­wußt und halb un­be­wußt an sei­nen drei nie­d­ri­gen Glie­dern zu ar­bei­ten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die­ses halb be­wuß­te und halb un­be­wuß­te Ar­bei­ten be­gann in der le­mu­ri­schen Zeit, auf die wir ja schon hin­ge­wie­sen ha­ben. Da­mals fing das Ich im ganz dump­fen Be­wußt­sein an zu ar­bei­ten, und zwar zu­nächst an dem as­tra­li­schen Leib. Wenn Sie al­so die Er­den­ent­wi­cke­lung ver­fol­gen von der le­mu­ri­schen Zeit aus in die ers­te at­lan­ti­sche he­r­ein, dann wer­den Sie fin­den, daß das Ich zu­erst halb un­be­wußt, nur däm­mer­haft be­wußt, an sei­nem as­tra­li­schen Leib ar­bei­te­te. Was da­mals zu­erst auf der Er­de als Um­wand­lung­s­pro­dukt des as­tra­li­schen Lei­bes er­schie­nen ist, nen­nen wir Emp­fin­dungs­see­le. Dann ar­bei­te­te wäh­rend der at­lan­ti­schen Zeit, wäh­rend­dem die Luft durch­zo­gen war von Ne­bel­was­ser­mas­sen, das Ich im dump­fen Be­wußt­sein am Äther­leib und ar­bei­te­te das­je­ni­ge aus, was man Ver­stan­des- oder Ge­müts­see­le nennt. Und von dem Zeit­punk­te an, wo von der Ge­gend in der Nähe des heu­ti­gen Ir­lands aus der gro­ße Im­puls ge­kom­men ist, der die Völ­ker vom Wes­ten nach dem Os­ten ge­trie­ben und her­über­ge­führt hat über die gro­ße at­lan­ti­sche Flut zu un­se­rer neu­en Kul­tur, von dem Be­ginn des letz­ten Drit­tels der at­lan­ti­schen Zeit an ar­bei­te­te das Ich un­be­wußt am phy­si­schen Leib, und es ar­bei­te­te das­je­ni­ge hin­ein, was man die Be­wußt­s­eins­see­le nennt, was dem Men­schen die An­la­ge gab, ein mehr oder we­ni­ger selbst­be­wuß­tes Ich aus der Grup­pen­see­len­haf­tig­keit her­aus­zu­ar­bei­ten, das erst mit der Er­schei­nung des Chris­tus Je­sus den gro­ßen Im­puls der völ­li­gen In­di­vi­dua­li­tät er­lang­te. Da wur­de der Mensch ei­gent­lich erst fähig zu dem, was man&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|178}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ar­bei­ten im as­tra­li­schen Leib mit mehr oder we­ni­ger Be­wußt­sein nen­nen kann. Wir ha­ben ei­gent­lich erst seit der Ein­prä­gung des Chris­ten­tums auf der Er­de da­mit be­gon­nen, be­wußt an un­se­rem as­tra­li­schen Lei­be zu ar­bei­ten. So daß, wenn wir heu­te vom Men­schen sp­re­chen, wir sa­gen müs­sen: Der Mensch hat ent­wi­ckelt phy­si­schen Leib, Äther­leib, As­tral­leib, dann Emp­fin­dungs­see­le, den einst­mals im däm­mer­haf­ten Be­wußt­sein um­ge­wan­del­ten As­tral­leib, die Ver­stan­des­see­le, den in der at­lan­ti­schen Ur­zeit däm­mer­haft um­ge­wan­del­ten Äther­leib, und die Be­wußt­s­eins­see­le, den in der letz­ten at­lan­ti­schen Zeit däm­mer­haft um­ge­wan­del­ten phy­si­schen Leib, so daß er sich all­mäh­lich her­an­bil­de­te, um nach und nach Ma­nas so weit zu ent­wi­ckeln, wie es heu­te im Men­schen zu be­o­b­ach­ten ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist heu­te im Men­schen übe­rall der An­fang von Ma­nas da. Der ei­ne hat es mehr, der an­de­re we­ni­ger. Man­che müs­sen noch durch vie­le Ver­kör­pe­run­gen hin­durch­ge­hen, um Ma­nas so weit aus­ge­bil­det zu ha­ben, daß sie sich be­wußt wer­den des­sen, woran sie inn­er­halb ih­rer men­sch­li­chen We­sen­heit ar­bei­ten. Aber wenn die Er­de an ih­rem Ziel an­ge­langt sein wird, wenn al­so die sie­ben­te Po­sau­ne zu klin­gen be­ginnt, dann wird fol­gen­des ein­t­re­ten: Das, was vom phy­si­schen Leib vor­han­den ist, wird auf­ge­löst wie Salz von war­mem Was­ser. Das men­sch­li­che Ma­nas, Geist­selbst, wird in ho­hem Gra­de ent­wi­ckelt sein, so daß der Mensch sich im­mer wie­der die Wor­te des Pau­lus sa­gen wird: Nicht ich, son­dern Chris­tus in mir tut al­les. So wird der Mensch le­ben. Da­durch wird er das Phy­si­sche an sei­nem We­sen auflö­sen und das äthe­risch Ve­r­e­del­te zu ei­nem We­sen ma­chen, wel­ches inn­er­halb der as­tra­li­sier­ten Er­de le­ben kann. So wird der Mensch als ein neu­es We­sen hin­über­le­ben in die­se geis­tig ge­wor­de­ne Er­de.&lt;br /&gt;
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Wir dür­fen sa­gen, daß die­ser gro­ße Mo­ment des Hin­über­le­bens in die geis­tig ge­wor­de­ne Er­de uns in der Bi­bel in ei­ner wun­der­ba­ren Wei­se aus­ge­drückt wird, in­dem uns ge­sagt wird, daß al­les, was der Mensch jetzt wäh­rend der Er­den­zeit im phy­si­schen Leib sich er­ar­bei­tet, wie ei­ne Saat ist, die auf­ge­hen wird als Frucht, wenn die Er­de geis­tig ge­wor­den sein wird. 1. Korin­ther 15, 37: «Und das du säest, ist ja nicht der Leib, der wer­den soll, son­dern&lt;br /&gt;
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ein bloß Korn, näm­lich Wei­zen oder der an­de­ren eins. Gott aber gibt ihm ei­nen Leib, wie er will, und ei­nem je­g­li­chen von den Sa­men sei­nen ei­ge­nen Leib», das heißt den Leib, wel­cher der Aus­druck ist des See­li­schen, der In­di­vi­dua­li­tät. «Und es sind himm­li­sche Kör­per und ir­di­sche Kör­per. Aber ei­ne an­de­re Herr­lich­keit ha­ben die himm­li­schen und ei­ne an­de­re die ir­di­schen.» Die ir­di­schen Kör­per wer­den auf­ge­löst, die himm­li­schen er­schei­nen als der licht­vol­le Aus­druck des­sen, was die See­le ist. «Es wird ge­säet ver­wes­lich und wird au­f­er­ste­hen un­ver­wes­lich.» Der un­ver­wes­li­che Leib, der wird dann au­f­er­ste­hen. «Es wird ge­säet ein na­tür­li­cher Leib und wird au­f­er­ste­hen ein geis­ti­ger Leib.» «Geis­ti­ger Leib» nennt Pau­lus den Äther- oder Le­bens­leib, nach­dem das Phy­si­sche sich auf­ge­löst hat und der Äther­leib sich in die as­tra­li­sche Er­de hin­ein­be­wegt. Da sieht Pau­lus vor­aus den un­ver­wes­li­chen, geis­ti­gen Leib, wie er ihn nennt.&lt;br /&gt;
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Und jetzt be­trach­ten wir das­je­ni­ge, was der Mensch hin­ein­legt als Aus­druck sei­ner ei­ge­nen Chris­tus-Fähig­keit. Es ist das­sel­be, was Pau­lus im Geis­te vor­schwebt und was er nennt den «letz­ten Adam», wäh­rend er den ers­ten Men­schen, der in ei­nem phy­sisch sicht­ba­ren Lei­be ins Da­sein ge­t­re­ten ist, den «ers­ten Adam» nennt. In der le­mu­ri­schen Zeit, an der Gren­ze des le­mu­ri­schen Zei­tal­ters, fin­den wir un­ten schon ver­schie­de­ne Tie­re, der Mensch aber ist noch nicht für äu­ße­re Au­gen sicht­bar, er ist noch äthe­risch. Er ver­dich­tet sich, nimmt mi­ne­ra­li­sche Be­stand­tei­le auf, er er­scheint in sei­ner ers­ten Ge­stalt. Wie wenn Was­ser sich ver­dich­tet zu Eis, so kommt der phy­si­sche Mensch her­aus. Dann geht die phy­si­sche Ent­wi­cke­lung so weit, daß sich auflö­sen kann, was ir­disch ist, und da ent­schwin­det das Ir­di­sche. Da­her er­scheint der Mensch, der den äthe­ri­schen Leib hat, als der «letz­te Adam». Der «ers­te Adam» hat die Fähig­keit, im phy­si­schen Leib durch die phy­si­schen Sin­ne auf die Er­de zu se­hen, der letz­te Adam, der ei­nen geis­ti­gen Leib an­nimmt, ist ei­ne Phy­siog­no­mie der in­ne­ren Chris­tus-Fähig­keit. Chris­tus wird da­her auch von Pau­lus der «letz­te Adam» ge­nannt. So sch­ließt sich das­je­ni­ge, was die Men­sch­wer­dung ent­hält, zu­sam­men. Wir se­hen im Geis­te auf­leuch­ten, was aus dem Men­schen&lt;br /&gt;
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einst wer­den wird, wäh­rend wir vor­her ge­se­hen ha­ben, wie der Mensch her­un­ter­s­tieg auf un­se­re Er­de.&lt;br /&gt;
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Um nun das Fol­gen­de zu ver­ste­hen, müs­sen wir noch ein we­nig tie­fer in die Mys­te­ri­en der Men­sch­wer­dung hin­ein­schau­en. Wenn Sie den Men­schen ver­fol­gen könn­ten bis vor sei­ner phy­si­schen Leib­wer­dung, al­so bis in die Zeit, wo er noch nicht für phy­si­sche Au­gen sicht­bar ge­we­sen wä­re, wo er so­zu­sa­gen aus dem Äthe­ri­schen erst her­un­ter­s­tieg, in­dem er erst ein luft­för­mig-wäs­se­ri­ges Ge­bil­de wur­de, dann ein knor­pe­li­ges, wenn Sie ihn so ver­fol­gen könn­ten, dann wür­den Sie se­hen, wie auch un­se­re Er­de noch ganz an­ders war. In je­ner Zeit, be­vor der Mensch her­un­ter­ge­s­tie­gen ist, gab es ei­gent­lich noch kein Mi­ne­ral­reich. Die Er­de hat­te erst die Erb­schaft des Mon­des an­ge­t­re­ten. Das nie­ders­te Reich war das Pflan­zen­reich so­zu­sa­gen. Die Er­de war viel wei­cher. Al­le Ver­tei­lung der flüs­si­gen, der gas­för­mi­gen Stof­fe war ei­ne ganz an­de­re. Wenn Sie die Er­de al­so ge­schaut hät­ten in je­ner Zeit, be­vor der Mensch aus ih­rem at­mo­sphäri­schen Um­kreis zum fes­ten Grund her­un­ter­ge­s­tie­gen war, so wür­de sie Ih­nen nicht vor­ge­kom­men sein wie das, was in der heu­ti­gen Geo­lo­gie und so wei­ter ab­strakt be­schrie­ben wird, son­dern un­se­re Er­de als Gan­zes war da­zu­mal viel näh­er, man möch­te sa­gen, ei­nem Or­ga­nis­mus. Es war die­se Er­de durch­zo­gen von al­ler­lei re­gel­mä­ß­i­gen Strö­mun­gen. Die Er­de glich eher ei­nem le­ben­di­gen We­sen als dem, was sie heu­te ist. Und der Mensch, der mehr als geis­tig-äthe­ri­sches We­sen in je­ner al­ten Zeit vor­han­den war, wur­de da­mals nicht so ge­bo­ren wie heu­te, son­dern er wur­de so­zu­sa­gen her­aus­ge­bo­ren aus der Mut­ter Er­de sel­ber. Die Mut­ter Er­de sel­ber war es, die die­sen Men­schen, die­sen noch geis­tig-äthe­ri­schen Men­schen, wer­den ließ, und der Mensch war, be­vor er sich ab­son­der­te von der gan­zen Er­de, ein We­sen, das wir­k­lich mit der gan­zen Er­de ver­bun­den war. Den­ken Sie sich ein­mal, wie in ir­gend­ei­nem Kör­per, der weich ist, ver­här­te­te Stel­len ent­ste­hen, dann wür­den Sie ein Bild ha­ben, wie da­zu­mal aus der Mut­ter Er­de sel­ber die Men­schen her­aus­ge­bo­ren wur­den. Ja, die Men­schen wa­ren durch al­ler­lei Strö­mun­gen mit der Er­de ver­bun­den, blie­ben mit ihr ver­bun­den.&lt;br /&gt;
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Es war al­so ein ganz an­de­res Le­ben der Men­schen. Das­je­ni­ge, was Sie heu­te zum Bei­spiel als Blut­k­reis­lauf im Men­schen drin­nen ha­ben, ab­ge­sch­los­sen im In­nern von sei­ner Haut, das hat­te sei­ne Fort­set­zung es war in Form na­tür­li­cher Kräf­te vor­han­den übe­rall hin­aus in die um­lie­gen­de Er­de. Woll­ten wir uns ein Bild da­von ent­wer­fen, wie es da­mals war, so müß­ten wir sa­gen: Nicht für das phy­si­sche Au­ge, aber dem hell­se­he­ri­schen Blick fühl­bar, ent­stand inn­er­halb der Er­de ei­ne Stel­le, wel­che sich ab­hob und sich un­ter­schei­den ließ von der üb­ri­gen Um­ge­bung; aber das­je­ni­ge, was da als Kräf­te drin­nen wal­te­te, hing an zahl­rei­chen Fä­den zu­sam­men mit der gan­zen üb­ri­gen Er­de. Das war der An­fang ei­nes phy­si­schen Men­schen.&lt;br /&gt;
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Es gab ei­ne Zeit, in der so die Men­schen mit Fä­den zu­sam­men­hin­gen mit der üb­ri­gen Er­de. Wir be­rüh­ren, wie ge­sagt, da ein be­deut­sa­mes und erns­tes Mys­te­ri­um, das Mys­te­ri­um, wel­ches sei­ne letz­ten Spu­ren hin­ter­las­sen hat da­durch, daß der Mensch, wenn er heu­te in die Welt tritt, den Zu­sam­men­hang mit dem müt­ter­li­chen Or­ga­nis­mus in der Na­bel­schnur ge­löst er­hält. Die­ser Zu­sam­men­hang mit dem müt­ter­li­chen Or­ga­nis­mus ist der letz­te Rest je­nes Zu­sam­men­han­ges, den der Mensch hat­te mit der Mut­ter Er­de. Und wie der Mensch heu­te ein Men­schen­sohn ist, vom Men­schen ge­bo­ren, so ist der Mensch einst­mals ein Er­den­sohn ge­we­sen, von der Er­de ge­bo­ren, da die Er­de noch ein le­ben­di­ges We­sen war. Und da­mit wur­de der Mensch selb­stän­dig, daß die Na­bel­schnur, an der er zu­sam­men­hing mit der gan­zen Er­de, so­zu­sa­gen für ihn ab­ge­schnit­ten wur­de. Da­durch wur­de er ein We­sen, das von sei­nes­g­lei­chen ge­bo­ren wur­de.&lt;br /&gt;
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Klar müs­sen wir uns sein dar­über, daß die Bluts­bah­nen, die heu­te im Men­schen sind, nichts an­de­res sind als die Fort­set­zun­gen von Strö­mun­gen, die in dem al­ten Er­den­zu­stand die gan­ze Er­de durch­dran­gen. Eben­so die Ner­ven­bah­nen: al­les, was Sie als Ner­ven ha­ben, er­hielt sei­ne Fort­set­zung hin­aus in die Mut­ter Er­de. Das ist gleich­sam jetzt her­aus­ge­schnit­ten von dem, was die gan­ze Er­de als Ner­ven durch­ström­te. Und eben­so die an­de­ren Glie­der der men­sch­li­chen We­sen­heit. Her­aus­ge­bo­ren aus der Mut­ter Er­de ist der Mensch. Was heu­te ab­ge­sch­los­sen ist im Men­schen durch sei­ne Haut, ist hin­ein­ge­zo­gen in ihn aus der gan­zen Er­de. Aus der Er­de ist des Men­schen We­sen­heit ge­nom­men und hin­ein­ge­zo­gen in ihn. Der Mensch war, be­vor er Men­schen­sohn wur­de, ein Er­den­sohn. Und «Er­den­sohn» heißt ei­gent­lich «Adam». Al­le die­se al­ten Na­men wei­sen auf be­deut­sa­me Ge­heim­nis­se hin. Wenn wir uns aber des­sen be­wußt sind, so wer­den wir be­g­rei­fen, daß die Er­de, be­vor auf ihr der sicht­ba­re Mensch ent­stand, schon al­le Kräf­te die­ses sicht­ba­ren Men­schen in sich ent­hielt. Be­vor der Mensch ein Mensch wur­de, war die Er­de die Trä­ge­rin al­ler men­sch­li­chen Kräf­te. Die Er­de ist al­so die Ge­bä­re­rin des Men­schen­ge­sch­lech­tes. Eben­so­we­nig wie Sie sich den­ken kön­nen, daß aus der heu­ti­gen stei­ner­nen Er­de je­mals der Mensch ent­springt, eben­so­sehr konn­te der Mensch ent­sprin­gen aus der Er­de, als sie noch ein Le­be­we­sen war. In der le­mu­ri­schen Zeit ist das vor sich ge­gan­gen, was wir mit we­ni­gen Wor­ten an­deu­ten konn­ten.&lt;br /&gt;
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Wenn Sie sich nun fra­gen: Hat­te denn nun nicht die­se Er­de ei­ne un­ge­heu­re Wich­tig­keit für den Men­schen? so müs­sen wir sa­gen: Ja, denn sie ent­hielt in ih­rer Ur­an­la­ge al­les, was der Mensch spä­ter in sich auf­ge­nom­men hat. Ir­gend­wo war das Herz vor­ge­bil­det, ir­gend­wo das Ge­hirn, je­der Ner­ven­strang war vor­be­rei­tet in un­se­rer Er­de. Eben­so aber wie vor­be­rei­tet war un­se­re In­ner­lich­keit in der Er­de, eben­so tra­gen wir in dem, was wir als un­se­re neue Leib­lich­keit aus­ge­bil­det ha­ben wer­den, wenn die Er­de an ih­rem Zie­le ist, die Ge­stalt in uns, wel­che der künf­ti­ge Pla­net, die künf­ti­ge Ver­kör­pe­rung un­se­rer Er­de an­neh­men muß. Heu­te ar­bei­tet der Mensch an sei­ner See­le; da­durch macht er sich sei­nen Leib im­mer ähn­li­cher&lt;br /&gt;
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und ähn­li­cher der See­le. Er wird, wenn die Er­de am En­de ih­rer Bahn, ih­rer Mis­si­on an­ge­langt sein wird, sei­nen Leib so ge­stal­tet ha­ben, daß er ein äu­ße­res Ab­bild der See­le ist, die den Chris­tus in sich auf­ge­nom­men hat. Die­ser Mensch wird hin­über­le­ben und wird sei­ne so ge­bil­de­ten Kräf­te der nächs­ten Ver­kör­pe­rung un­se­rer Er­de einpflan­zen. Der Ju­pi­ter wird so aus­schau­en, wie der Mensch ihn ma­chen kann, in­dem er ihn aus sei­nen ei­ge­nen Lei­bern zu­sam­men­setzt. Die­ser Ju­pi­ter wird zu­nächst sei­ne Ge­stalt von dem er­hal­ten, was der Mensch aus sich selbst ge­macht hat. Den­ken Sie sich, daß all die Lei­ber, die sich so ge­bil­det ha­ben, sich zu­sam­men­fü­gen zu ei­ner ein­zi­gen Wel­ten­ku­gel: das wird der Ju­pi­ter sein. Sie ha­ben als An­la­ge in Ih­rer See­le das­je­ni­ge, was die Ge­stalt des Ju­pi­ters sein wird, was er an Kräf­ten in sich ent­hal­ten wird. Und aus dem Ju­pi­ter wer­den her­aus­ge­bo­ren wer­den die Ju­pi­ter-We­sen. So ar­bei­tet der Mensch heu­te vor für die Ge­burt der Ju­pi­ter-Kör­per.&lt;br /&gt;
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Was muß der Mensch al­so tun, da­mit er der künf­ti­gen Ver­kör­pe­rung un­se­rer Er­de ei­ne wür­di­ge Ge­stalt gibt? Er muß da­für sor­gen, daß die Ar­beit, die er jetzt be­wußt leis­ten kann, in der Chris­tus-ge­mä­ß­en Wei­se vor sich geht, da­mit der äthe­ri­sche Leib, der ein Ab­bild die­ser Ar­beit sein wird, in wür­di­ger Wei­se sich hin­ein­lebt in die ver­geis­tig­te Er­de. Al­le Tei­le die­ses Lei­bes wer­den so sein, wie der Mensch sie ge­macht hat. Was der Mensch ge­macht ha­ben wird aus sei­nem phy­si­schen Lei­be, das wird er in die­se geis­ti­ge Er­de hin­ein­brin­gen, und das­je­ni­ge, was dar­aus sich ge­stal­ten wird, das wird die Grund­la­ge sein für sei­ne Wei­ter­ent­wi­cke­lung. Wie sich Ih­re heu­ti­ge See­le in Ih­rem heu­ti­gen Lei­be, den Sie vom Mon­de er­erbt ha­ben, ent­wi­ckelt, so wird sich die künf­ti­ge See­le in dem­je­ni­gen ent­wi­ckeln, was Sie sel­ber aus ih­rem Lei­be ma­chen. Da­her be­zeich­net man den Leib, das­je­ni­ge, was die See­le, das Ich um­k­lei­det, um­hüllt, was von die­sem Ich be­wohnt wird, als den Tem­pel der im In­nern be­find­li­chen Ich­heit, den Tem­pel der im Men­schen le­ben­di­gen Gött­lich­keit, den Tem­pel Got­tes. In­dem Sie al­so die­sen Leib ge­stal­ten, bau­en Sie ei­nen künf­ti­gen Tem­pel, das heißt die neue Ver­kör­pe­rung der Er­de, auf. Sie bau­en in den rich­ti­gen Ma­ßen den Ju­pi­ter auf, in­dem Sie den men­sch­li­chen Leib in&lt;br /&gt;
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der rich­ti­gen Wei­se aus­ge­stal­ten. Was muß da­her zum Vor­schein kom­men, wenn die Er­de am Ziel an­ge­kom­men sein wird? Ein in al­len Ma­ßen stim­men­der Tem­pel der See­le. Da­her wird dem Ein­ge­weih­ten der Auf­trag ge­ge­ben, die­sen Tem­pel, den der Mensch dann ge­baut ha­ben wird, zu un­ter­su­chen. Daß die See­le das Rich­ti­ge ge­macht hat, wird da­durch zum Vor­schein kom­men, daß er ge­mes­sen wird, die­ser Tem­pel Got­tes. «Und es ward mir ein Rohr ge­ge­ben, ei­nem Ste­cken gleich, und er sprach: Ste­he auf und miß den Tem­pel Got­tes und den Al­tar und die da­r­in­nen an­be­ten. Aber den Vor­hof au­ßer­halb des Tem­pels wirf hin­aus!» (Ka­pi­tel 11, 1.) Das heißt: Al­les das­je­ni­ge muß hin­aus­ge­wor­fen wer­den aus dem Tem­pel, was zur Vor­be­rei­tung da war. Der Mensch muß­te erst phy­si­schen Leib und Äther­leib ha­ben, be­vor er drin­nen ar­bei­ten konn­te. Die­ser phy­si­sche Leib und der Äther­leib, die sind der Vor­hof: die müs­sen ab­fal­len, die wirf hin­aus. Das­je­ni­ge, was der Mensch al­lein ge­macht hat, das be­hält er. Das ist der Tem­pel, in dem woh­nen sol­len neue We­sen zur Zeit des Ju­pi­ter-Da­seins.&lt;br /&gt;
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Al­so wir le­ben da inn­er­halb ei­ner geis­tig ge­wor­de­nen Er­de. Wir se­hen, wie sich schon vor­be­rei­tet vor­bild­lich die­se Ju­pi­ter-Zeit. Wie die Men­schen mit­brin­gen die Früch­te des Er­den­da­seins, das al­les se­hen wir vor­ge­bil­det. Und jetzt müs­sen wir uns klar sein dar­über, daß inn­er­halb die­ses geis­ti­gen Zu­stan­des der Er­de auf ei­ner höhe­ren Ent­wi­cke­lungs­stu­fe al­les das wie­de­r­er­scheint, was früh­er da war. Vor al­len Din­gen er­schei­nen die Trä­ger der geis­ti­gen Strö­mun­gen wie­der, auf de­nen die Er­de fest­steht, aus de­nen sie her­vor­ge­gan­gen ist. Die Trä­ger die­ser Strö­mun­gen er­schei­nen le­ben­dig wie­der. Es wer­den in Eliasund Mo­ses, wenn wir der christ­li­chen Tra­di­ti­on fol­gen, die per­sön­li­chen Ver­t­re­ter des­sen ge­se­hen, was uns ges­tern in den zwei Säu­len er­schie­nen ist. Die, wel­che die Leh­ren der zwei Säu­len ge­ben, wer­den in der christ­li­chen Eso­te­rik an­ge­se­hen als Elias und Mo­ses. Elias war der­je­ni­ge, der dem Men­schen die Kund­schaft und Bot­schaft brach­te von der ei­nen Säu­le, der Säu­le der Stär­ke, Mo­ses der­je­ni­ge, der sie brach­te von der Säu­le der Weis­heit. «Mo­ses» heißt: Weis­heit oder Wahr­heit, und «Elias» heißt ja es ist schwer, das Wort im Deut­schen aus­zu­drü­cken die wei-&lt;br /&gt;
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sen­de Kraft, das, was die Rich­tung, den Im­puls gibt. So se­hen wir die­se bei­den in der geis­tig ge­wor­de­nen Welt auf­t­re­ten, und zwar auf der Ent­wi­cke­lungs­stu­fe, zu der sie es dann ge­bracht ha­ben wer­den. Denn wie bei der «Ver­klär­ung» nach der christ­li­chen Tra­di­ti­on der Chris­tus er­schie­nen ist zwi­schen Mo­ses und Elias, so er­scheint der gan­ze Vor­gang am En­de der Er­den­ent­wi­cke­lung so, daß die Son­ne, die geis­ti­ge Son­ne der Lie­be, die Of­fen­ba­rung der Er­den­mis­si­on der Lie­be er­scheint, ge­stützt durch Son­ne-Mars und Mond-Mer­kur, durch Elias und Mo­ses. Wie wir ges­tern ge­se­hen ha­ben die bei­den Säu­len, die zu­nächst vor dem Ein­ge­weih­ten er­schei­nen als die Sym­bo­le von Stär­ke und Weis­heit, und dar­über die Son­ne der Lie­be, so kön­nen wir uns jetzt ein Stück wei­ter die Er­den­ent­wi­cke­lung vor­s­tel­len, und in sei­ner Le­ben­dig­keit, in sei­nem Per­sön­li­chen wird uns das­je­ni­ge, was die ei­ne Säu­le ist, als Elias er­schei­nen, und die an­de­re als Mo­ses, und was dar­über ist, als das ei­gent­li­che Chris­tus-Prin­zip.&lt;br /&gt;
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Wenn wir nun­mehr den Blick ein we­nig hin­weg­wen­den von der Er­de sel­ber, von dem, was auf ihr ist, und sie im Zu­sam­men­hang mit dem gan­zen Him­mels­raum be­trach­ten, so sind wir ge­ra­de in dem Zeit­punkt, den wir jetzt be­sp­re­chen, bei ei­ner sehr wich­ti­gen Sa­che an­ge­langt. Er­de und Son­ne wa­ren ein Kör­per. Die Er­de hat sich aus der Son­ne her­aus­ent­wi­ckelt und der Mond hat sich ab­ge­spal­ten. Wir ha­ben ge­sagt, daß das hat ge­sche­hen müs­sen we­gen des rich­ti­gen Ma­ßes der Ent­wi­cke­lung. Nun aber, wo der Mensch die­se Ent­wi­cke­lungs­stu­fen durch­ge­macht hat, nach­dem er sich ver­geis­tigt hat, ist er reif, sich wie­der­um mit den Kräf­te­ver­hält­nis­sen zu ve­r­ei­ni­gen, wel­che auf der Son­ne sind. Er kann das Tem­po der Son­ne mit­ma­chen. Es fin­det nun ein wich­ti­ger Wel­ten­vor­gang statt: die Er­de ve­r­ei­nigt sich wie­der­um mit der Son­ne. Wäh­rend das­je­ni­ge vor­geht, was wir be­spro­chen ha­ben, ve­r­ei­nigt sich die Er­de mit der Son­ne. Wir ha­ben ge­sagt, daß die Son­nen­geis­ter auf die Er­de her­ab­ge­s­tie­gen sind bei dem Er­eig­nis von Gol­ga­tha. Wir ha­ben ge­sagt, daß die­ses Chris­tus-Prin­zip es so weit brin­gen wird, wie wir es ha­ben be­sch­rei­ben kön­nen. Jetzt wird die Er­de reif, sich mit der Son­ne zu ve­r­ei­ni­gen. Und das, was not­wen­dig war, da­mit&lt;br /&gt;
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die Ent­wi­cke­lung nicht zu sch­nell vor sich geht, der Mond, der wird über­wun­den sein, den braucht der Mensch nicht mehr. Der Mond wird in sei­nen Kräf­ten über­wun­den wer­den. Der Mensch kann sich in die­ser Zeit mit der Son­ne ve­r­ei­ni­gen. Er wird in der ver­geis­tig­ten Er­de drin­nen le­ben und zu glei­cher Zeit ver­bun­den sein mit der Kraft der Son­ne, und er wird der Über­win­der des Mon­des sein. Das wird, in­dem es ge­schaut wird, dar­ge­s­tellt durch die­se sym­bo­li­sche Fi­gur des fünf­ten Sie­gels: das Weib, das die Son­ne in sich trägt und den Mond zu ih­ren Fü­ß­en hat. Wir sind an dem Zeit­punkt an­ge­kom­men, da der Mensch ver­geis­tigt ist, da der Mensch sich wie­der­um mit den Kräf­ten der Son­ne ver­bin­det, da Er­de und Son­ne ein Kör­per ist und die Mon­den­kräf­te über­wun­den sein wer­den. (Sie­he das fünf­te Sie­gel­bild.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und nun­mehr müs­sen wir uns er­in­nern, daß nur der fort­ge­schrit­te­ne­re Teil der We­sen­hei­ten, der vom Prin­zip des Chris­tus im­präg­nier­te Teil, die­se Ent­wi­cke­lung durch­ge­macht hat. Der ist so weit ge­kom­men; die­je­ni­gen aber, die in der Ma­te­rie ver­här­tet sind, sind her­aus­ge­fal­len, ha­ben so­zu­sa­gen ei­ne Art Ne­ben­pla­ne­ten von ver­här­te­ter, ver­f­lei­sch­lich­ter Ma­te­rie ge­bil­det. Nun er­in­nern wir uns ein­mal, wie, as­tra­lisch ge­se­hen, für den Hell­se­her der Mensch her­vor­t­rat, be­vor er auf die Er­de her­un­ter­s­tieg als phy­si­sches We­sen. Er­in­nern wir uns, daß wir ge­nau hin­ge­wie­sen ha­ben dar­auf, daß der Mensch in den vier Ty­pen sei­ner Grup­pen­see­le er­schi­en, in der Ge­stalt des Löw­en, des Ad­lers, des Och­sen und des Men­schen. Die­se vier Ty­pen der Grup­pen­see­le tre­ten uns so­zu­sa­gen ent­ge­gen, be­vor der Mensch her­un­ter­s­teigt ins Phy­si­sche, be­vor er in­di­vi­dua­li­siert wird. Die­se vier ty­pi­schen Ge­stal­ten, die der Mensch ge­habt hat, be­vor er in den phy­si­schen Leib her­ein­ge­t­re­ten ist, sind am heu­ti­gen phy­si­schen Men­schen nicht sicht­bar; die sind in der Ge­walt der See­le. Wie Kaut­schuk ist es her­ein­ge­p­reßt in die men­sch­li­che Form. In der Tat ist es so: Wenn der Mensch sich nicht in sei­ner Ge­walt hat, wenn sei­ne See­le schweigt, ent­we­der da­durch, daß er schläft oder sonst in ei­nem mehr oder we­ni­ger be­wußt­lo­sen Zu­stand ist, dann sieht man heu­te noch, wie der ent­sp­re­chen­de Tier­ty­pus her­aus­kommt. Aber der Mensch hat im&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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Grun­de ge­nom­men da­durch, daß er her­un­ter­ge­s­tie­gen ist auf den phy­si­schen Plan, die­sen Tier­ty­pus über­wun­den. Wann ist dem Men­schen die Fähig­keit ge­ge­ben wor­den, im As­tra­li­schen den Tier­ty­pus zu über­win­den?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er­in­nern wir uns, daß wir ge­spro­chen ha­ben von den sie­ben Zei­träu­men der at­lan­ti­schen Ent­wi­cke­lung. Die­se sie­ben Zei­träu­me um­fas­sen vier ers­te und drei letz­te. Die vier ers­ten wa­ren so, daß der Mensch noch durch­aus Grup­pen­see­le war. Dann, im fünf­ten Zei­traum, ist der ers­te Im­puls zur Ich-See­le ent­stan­den. Wir ha­ben al­so vier Ent­wi­cke­lungs­stu­fen in der At­lan­tis, in de­nen der Mensch erst als Grup­pen­see­le aufrückt, und je­der der vier ers­ten at­lan­ti­schen Ras­sen ent­spricht ei­ne der ty­pi­schen Tier­ge­stal­ten, Löwe, Ad­ler, Kalb oder Stier, und Mensch. Das geht in den Men­schen über im fünf­ten Zei­traum, da ver­lie­ren sich die­se ty­pi­schen Ge­stal­ten. Den­ken Sie sich nun ein­mal, daß der Mensch in sei­ner jet­zi­gen Zeit sich durch­dringt mit dem Chris­tus-Prin­zip und da­durch im­mer mehr und mehr über­win­det das Tie­ri­sche. Wenn er sich aber nicht durch­dringt mit dem Chris­tus-Prin­zip, dann über­win­det er das Tie­ri­sche nicht. Die vier ty­pi­schen Köp­fe, Löwe, Ad­ler, Stier und Mensch, die blei­ben so­zu­sa­gen als et­was, was sei­ne Ge­stalt wie­der­um an­nimmt, wenn es nun wie­der­um her­vor­t­re­ten kann, und da­zu kom­men noch drei an­de­re, die von den drei letz­ten Ras­sen der at­lan­ti­schen Ent­wi­cke­lung, wo der Mensch schon an­ge­fan­gen hat­te, Mensch zu sein. Die­se drei blei­ben auch, wenn der Mensch nicht durch sei­ne See­le da­ran ar­bei­tet, daß die­ses Tie­ri­sche ver­schwin­det. Wie wird al­so der Mensch, der wäh­rend un­se­rer Zeit das Chris­tus-Prin­zip nicht auf­ge­nom­men hat, auf der ver­geis­tig­ten Er­de er­schei­nen? Er wird in der Ma­te­ria­li­tät er­schei­nen; in den Ge­stal­ten, aus de­nen er ge­kom­men ist, wird er sich wie­der zei­gen. Er hat die­se Tier­ge­stal­ten ge­habt und hat noch drei da­zu durch­ge­macht. Das, was die Tier­heit hät­te über­win­den kön­nen, ist nun von ihm un­be­nützt ge­las­sen wor­den. Die Tier­heit springt wie­der her­vor, und zwar in sie­ben Ge­stal­ten. &amp;quot;Wie einst in At­lan­tis die vier Köp­fe auf­tauch­ten, der Tier-Mensch, so wer­den auf­tau­chen aus der ver­wan­del­ten Er­de, aus der as­tra­li­sier­ten Er­de sie­ben sol­che ty­pi­sche Köp­fe,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
und es wird sich das Schau­spiel wie­der­ho­len, wel­ches sich da­zu­mal ab­ge­spielt hat. Der geis­ti­ge Mensch war in sei­ner An­la­ge vor­han­den, aber er konn­te noch nicht ei­ne in­di­vi­du­el­le Ge­stalt aus­bil­den, er bil­de­te die vier Tier­köp­fe aus. Der geis­ti­ge Mensch in sei­ner An­la­ge wird dar­ge­s­tellt auch für die da­ma­li­ge Zeit durch das Weib, das den Men­schen ge­biert. Es wird auch der Mensch der Zu­kunft dar­ge­s­tellt durch das Weib, das den geis­ti­gen Men­schen ge­biert. Aber das­je­ni­ge, was im Fleisch ge­b­lie­ben ist, wird auf der Ne­be­n­er­de dar­ge­s­tellt durch das Tier mit den sie­ben Köp­fen. Wie da­mals vier Köp­fe da wa­ren, be­vor der Mensch die Mög­lich­keit hat­te, die Tier­heit zu über­win­den, so er­schei­nen die­je­ni­gen, die in der Tier­heft ge­b­lie­ben sind, als ei­ne Ge­samt­heit, als das Tier mit den sie­ben Köp­fen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So al­so tritt tat­säch­lich in der Zu­kunft ein­mal, nach­dem sich die Er­de mit der Son­ne ve­r­ei­nigt hat, wäh­rend oben die ver­geis­tig­te Er­de ist, un­ten al­les das­je­ni­ge auf, was nicht in sich auf­ge­nom­men hat das geis­ti­ge Prin­zip, und es er­schei­nen wie­der­um die Tier­köp­fe, die einst­mals da wa­ren, nur daß sie jetzt au­ßer ih­rer Zeit sind. Jetzt sind sie die Wi­der­sa­cher; vor­her, in der Zeit der Vor­be­rei­tung, wa­ren sie in der rich­ti­gen Zeit. So se­hen wir, daß, wie da­mals aus dem phy­si­schen, jetzt aus dem as­tra­li­schen Meer auf­s­teigt die Son­ne ist auch as­tra­li­siert das Un­ge­heu­er mit den sie­ben Köp­fen, das sie­ben­köp­fi­ge Tier. Al­les das­je­ni­ge, was im Men­schen ver­an­lagt wird durch den äthe­ri­schen Leib bit­te das zu be­ach­ten , das nennt man in der Mys­te­ri­en­spra­che, der sich auch der Apo­ka­lyp­ti­ker be­di­ent, ei­nen «Kopf» oder ein Haupt, weil es ei­ne sol­che ty­pi­sche Haupt­ge­stalt wie den Löw­en­kopf her­vor­ruft, wenn man es hell­se­he­risch sieht. Da­ran müs­sen wir­ken die äthe­ri­schen Kräf­te. Wenn wir die at­lan­ti­sche Ent­wi­cke­lung ver­fol­gen, so war da der Äther­leib noch au­ßer­halb des Kop­fes. Das, was vom Äthe­ri­schen aus im Men­schen ver­an­lagt wird, nennt man in der Spra­che der apo­ka­lyp­ti­schen Mys­te­ri­en «Kopf». Da­mit meint man al­so das, was dem hell­se­he­ri­schen Blick vor­zugs­wei­se als Kopf er­scheint. Das­je­ni­ge aber, was phy­sisch im Men­schen be­wirkt wird durch ir­gend­ein Glied des Äther­lei­bes, das nennt man ein «Horn». Ein «Horn»&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
ist in der Spra­che der Mys­te­ri­en al­so ei­ne sehr ge­heim­nis­vol­le Sa­che. Das­je­ni­ge, was zum Bei­spiel im Men­schen phy­sisch be­wirkt wor­den ist da­durch, daß er ein­mal durch­ge­gan­gen ist durch die­je­ni­ge Ras­se der at­lan­ti­schen Zeit, in wel­cher ty­pisch der Löwe als Grup­pen­see­le da war, das nennt man ein Horn. Al­so das Phy­si­sche, das von ir­gend­ei­nem Glied des Äther­lei­bes her­kommt, nennt man ein «Horn». Ein Horn ist zum Bei­spiel das Or­gan, wel­ches der äu­ße­re phy­si­sche Aus­druck für ir­gend et­was Äthe­ri­sches ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun will ich Ih­nen kon­k­ret sp­re­chen. Al­le phy­si­schen Or­ga­ne des Men­schen sind ei­gent­lich ver­dich­te­te Äther­or­ga­ne, sind aus dem ver­dich­te­ten Äther­leib her­vor­ge­gan­gen. Be­trach­ten wir das men­sch­li­che Herz. Es ist heu­te ein phy­si­sches Or­gan, aber es ist aus ei­nem Äther­or­gan her­aus ver­dich­tet. Die­ses heu­ti­ge men­sch­li­che Herz hat sei­ne An­la­ge er­hal­ten da­mals, als der Mensch durch die Grup­pen­see­len­haf­tig­keit hin­durch­ge­gan­gen ist, die mit dem Löw­en be­zeich­net wird. Al­so ist das Herz das «Horn» des Löw­en­kop­fes, denn als der Äther­leib so weit war, daß der Mensch er­schi­en mit der Grup­pen­see­le, die im Löw­en­kopf sym­bo­li­siert wird, da hat sich die An­la­ge ge­bil­det, die spä­ter das phy­si­sche Herz wur­de. Aus die­ser An­la­ge des Löw­en­men­schen ent­stand die heu­ti­ge men­sch­li­che phy­si­sche Her­z­an­la­ge. Wäh­rend wir al­so den Äther­leib zu­rück­füh­ren in sei­ner Ent­ste­hung auf die Ver­wand­lung ei­nes «Kop­fes» in den an­de­ren, auf das Hin­zu­fü­gen des ei­nen Kop­fes zum an­de­ren, fas­sen wir den men­sch­lich phy­si­schen Leib auf als das Hin­zu­fü­gen ei­nes «Hor­nes» zum an­dern. Tat­säch­lich be­steht der men­sch­li­che Äther­leib aus «Köp­fen», der men­sch­li­che phy­si­sche Leib aus «Hör­nern». Das ist die Spra­che der Mys­te­ri­en. Al­le Or­ga­ne des Men­schen sind aus dem Äther­leib her­aus­ge­bil­det, sind al­so lau­ter «Hör­ner».&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und nun ha­ben wir al­les das, was wir ge­hört ha­ben, ein­mal zu über­den­ken, denn das ist et­was, wo­zu selbst der Apo­ka­lyp­ti­ker sagt: Hier ist Weis­heit. Wir wer­den erst ver­ste­hen die­se Weis­heit, die der Apo­ka­lyp­ti­ker hin­ein­ge­legt hat in die Er­schei­nung des sie­ben­köp­fi­gen Tie­res, das aber zehn Hör­ner hat, wenn wir uns ge­nau über­le­gen, was ei­gent­lich «Horn» in be­zug auf «Kopf» in der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Mys­te­ri­en­spra­che ist. Wir wer­den se­hen, daß die­je­ni­gen We­sen­hei­ten, wel­che sich die­se sie­ben Köp­fe be­wahrt ha­ben, weil sie ste­hen­ge­b­lie­ben sind in der Ent­wi­cke­lung, daß die in der Tat im Ab­grund ei­nen phy­si­schen Leib an­ge­nom­men ha­ben, der aus zehn ver­här­te­ten phy­si­schen Lei­bes­g­lie­dern be­steht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
= ZEHNTER VORTRAG, Nürnberg, 27. Juni 1908 =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daß wir in der Apo­ka­lyp­se des Jo­han­nes ei­ne Be­sch­rei­bung der Ein­wei­hungs­vor­gän­ge ha­ben, oder vi­el­leicht bes­ser ge­sagt, der Ein­wei­hung­s­er­leb­nis­se des christ­lich Ein­zu­wei­hen­den, das ha­ben wir ge­se­hen. Nach­dem wir in den letz­ten Vor­trä­gen den gan­zen Stoff der Apo­ka­lyp­se an un­se­rer See­le ha­ben vor­über­zie­hen las­sen, wer­den wir noch auf die Fra­ge zu ant­wor­ten ha­ben: Was ist denn ei­gent­lich, ge­schicht­lich ge­nom­men, die­se Ur­kun­de? Warum exis­tiert sie als ei­ne sol­che Ur­kun­de? Jetzt aber, wo wir bei je­nem wich­ti­gen Punkt an­ge­langt sind, der sich uns das letz­te­mal ent­hüllt hat, bei dem Über­gang un­se­rer Er­de in ei­nen geis­ti­gen, zu­nächst in ei­nen as­tra­li­schen Zu­stand, bei dem Auf­t­re­ten ge­wis­ser merk­wür­di­ger We­sen­hei­ten in dem, was sich al­so in der Ma­te­rie ver­dich­tet und ab­ge­spal­ten hat von dem nor­ma­len Fort­gan­ge un­se­rer Er­den­ent­wi­cke­lung, jetzt wird es gut sein, be­vor wir vor­wärts­sch­rei­ten, uns so­zu­sa­gen ei­ne Art von Ge­ne­ral­über­blick zu ver­schaf­fen über ge­wis­se Din­ge, die im Grun­driß un­se­rer an­thro­po­so­phi­schen Welt­be­trach­tung lie­gen. Denn Sie ha­ben ge­se­hen, daß bei al­le­dem, was wir zu be­trach­ten hat­ten, ge­wis­se Zah­len­be­grif­fe ei­ne Rol­le spie­len. Und jetzt ste­hen wir da­bei, uns ei­nen Be­griff von dem zu ver­schaf­fen, was das sie­ben­köp­fi­ge und zehn­hör­ni­ge Tier ist und was das zwei­hör­ni­ge Tier ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir müs­sen uns ein­mal ori­en­tie­ren über den Grun­driß der Wel­ten­ent­wi­cke­lung. Die ver­läuft näm­lich durch­aus in Ge­mäß­h­eit ganz be­stimm­ter Zah­len­ver­hält­nis­se. Der Laie in sol­chen Din­gen wird sehr leicht sa­gen, wenn er hört, daß die Sie­ben­zahl und an­de­re Zah­len ei­ne so gro­ße Rol­le spie­len in un­se­ren Be­trach­tun­gen: Nun ja, die­se An­thro­po­so­phen wär­m­en wie­der je­nen al­ten Aber­glau­ben auf, der sich an die Sie­ben­zahl, an die Zwölf­zahl und der­g­lei­chen knüpft. Und schon wenn un­se­re lie­ben Zeit­ge­nos­sen von so et­was hö­ren, was in ei­ner re­gel­mä­ß­i­gen Wei­se nach der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|192}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie­ben­zahl vor­wärts­sch­rei­tet, dann sp­re­chen sie von Aber­glau­ben, ob­wohl die­se un­se­re Zeit­ge­nos­sen ei­gent­lich in be­zug auf das, wo­von sie et­was ver­ste­hen, in ge­nau dem­sel­ben Aber­glau­ben le­ben, denn un­se­re Zeit­ge­nos­sen sp­re­chen zum Bei­spiel da­von, daß der Re­gen­bo­gen sie­ben Far­ben hat, die Tons­ka­la sie­ben Tö­ne, da der ach­te nur ei­ne Wie­der­ho­lung der Prim ist. Und noch auf manch an­de­rem Ge­bie­te spricht man von der Sie­ben­zahl, und mit Recht. In kei­nem an­de­ren Sin­ne als der Phy­si­ker es tut, wenn er von der Sie­ben­zahl der Far­ben spricht, und eben­so wie man in der Ton­leh­re spricht von den sie­ben Tö­nen, so sp­re­chen wir, wenn wir die gro­ßen Wel­ten­ver­hält­nis­se be­trach­ten in be­zug auf die Sie­ben­zahl. Die Sie­ben­zahl ist uns da­bei gar nichts an­de­res als ein Er­geb­nis der ok­kul­ten Er­fah­rung. So wie sich der Mensch hin­s­tellt und die sie­ben Far­ben zählt, so zählt der Ok­kul­tist sie­ben au­f­ein­an­der­fol­gen­de Zu­stän­de der Wel­ten­ent­wi­cke­lung. Und weil die Weis­heit der Welt im­mer von die­sen Din­gen wuß­te und sprach, des­halb ging das in das all­ge­mei­ne Be­wußt­sein über und man fand et­was be­son­ders Be­deu­tungs­vol­les in die­ser Sie­ben­zahl. Ge­ra­de weil die Sie­ben­zahl zum Bei­spiel in den Welt­ver­hält­nis­sen be­grün­det war, ging sie in den all­ge­mei­nen Glau­ben, na­tür­lich auch Aber­glau­ben, über.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir uns da­ran er­in­nern, was wir ge­sagt ha­ben über das Ge­heim­nis der sie­ben Po­sau­nen, der sie­ben Sie­gel, der sie­ben Send­brie­fe, was wir über die sie­ben au­f­ein­an­der­fol­gen­den Pe­rio­den der at­lan­ti­schen Zeit ge­sagt ha­ben, so se­hen wir schon, daß wir ei­gent­lich in der Wel­ten­ent­wi­cke­lung fort­lau­fend Pe­rio­den ha­ben, die sich in Ge­mäß­h­eit der Sie­ben­zahl wie­der­ho­len, und wie ei­nen Grun­driß der Wel­ten­ent­wi­cke­lung wol­len wir uns vor Au­gen rü­cken, daß die Sie­ben­zahl al­le Tei­le der Wel­ten­ent­wi­cke­lung be­herrscht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir ha­ben ge­hört, daß die Er­de, be­vor sie Er­de war, Mond war, be­vor sie Mond war, Son­nen­pla­net und be­vor sie Son­ne war, Sa­turn war. Die Er­de wird, nach­dem sie Er­de ge­we­sen sein wird, in den Ju­pi­ter­zu­stand, dann in den Ve­nus- und zu­letzt in den Vul­k­an­zu­stand über­ge­hen, so daß wir sie­ben au­f­ein­an­der­fol­gen­de pla­ne­ta­ri­sche Ver­kör­pe­run­gen un­se­rer Er­de ha­ben, Sa­turn, Son­ne, Mond,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|193}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er­de, Ju­pi­ter, Ve­nus und Vul­kan. Das sind nun die größ­ten Ab­tei­lun­gen inn­er­halb un­se­rer gan­zen Ent­wi­cke­lung, die wir bis zu ei­nem ge­wis­sen Gra­de hell­se­he­risch über­schau­en kön­nen. Wir ha­ben ja die drei der Er­de vor­an­ge­hen­den Zu­stän­de be­schrie­ben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt wol­len wir uns klar sein dar­über, was denn der Sinn der gan­zen Ent­wi­cke­lung ist, warum die Er­de durch die­se sie­ben Zu­stän­de durch­geht. Die­se sie­ben Zu­stän­de fal­len näm­lich zu­sam­men mit der Ent­wi­cke­lung des men­sch­li­chen Be­wußt­seins. Je­der die­ser Zu­stän­de, Sa­turn, Son­ne, Mond, Er­de, Ju­pi­ter, Ve­nus und Vul­kan, cha­rak­te­ri­siert ei­nen be­stimm­ten men­sch­li­chen Be­wußt­s­eins­zu­stand. Rich­ten wir den Blick zu­rück in die ural­te Sa­turn­zeit. Wir wis­sen, was ge­gen­wär­tig vom Men­schen vor­han­den ist, war da­mals noch nicht vor­han­den, son­dern erst die al­le­r­ers­te An­la­ge sei­nes phy­si­schen Lei­bes. Die­se ers­te An­la­ge konn­te selbst­ver­ständ­lich beim Men­schen nicht ein sol­ches Be­wußt­sein ent­wi­ckeln, wie es heu­te der Mensch hat. An­de­re We­sen hat­ten ein men­sch­li­ches Be­wußt­sein; der Mensch hat­te da­mals ein Be­wußt­sein, wie es heu­te die mi­ne­ra­li­sche Welt hier auf dem phy­si­schen Plan hat. Wir nen­nen das ein tie­fes Tran­ce­be­wußt­sein. Das hat­te die ers­te Men­schen­an­la­ge auf dem Sa­turn. Die­se Sa­turn­ent­wi­cke­lung ist aus dem Grun­de durch­ge­macht wor­den, da­mit der Mensch nach und nach aufrü­cken kann zu sei­nen höhe­ren Be­wußt­s­eins­zu­stän­den. Da­mals hat er den ers­ten durch­ge­macht. Al­so ha­ben wir die Sa­turn­ent­wi­cke­lung zu­sam­men­fal­lend mit dem tie­fen Tran­ce­be­wußt­sein. Das ist die ers­te Be­wußt­s­eins­stu­fe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Na­tür­lich müs­sen Sie sich nicht vor­s­tel­len, daß der Grad des Be­wußt­seins durch die gan­ze Sa­turn­ent­wi­cke­lung der­sel­be bleibt, aber im we­sent­li­chen ist es so, daß der Be­wußt­s­eins­grad des Men­schen auf dem Sa­turn mit tie­fem Tran­ce­be­wußt­sein cha­rak­te­ri­siert wer­den kann. Es ist dump­fer als selbst das, was heu­te der Mensch im tra­um­lo­sen Schla­fe hat, denn da hat heu­te der Mensch das Be­wußt­sein, das er durch­ge­macht hat auf der zwei­ten Stu­fe, wäh­rend der Son­nen­ent­wi­cke­lung. Al­so wäh­rend der zwei­ten Stu­fe, wäh­rend der Son­nen­ent­wi­cke­lung, hat der Mensch durch­ge­macht das tra­um­lo­se Schlaf­be­wußt­sein. Es ist das­sel­be Be­wußt­sein, das&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|194}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
heu­te die Pflan­zen­welt um uns her­um auf dem phy­si­schen Plan hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann kam die Mon­den­stu­fe in der Ent­wi­cke­lung. Da hat der Mensch ein Be­wußt­sein durch­ge­macht, wel­ches schon leich­ter zum Ver­ständ­nis ge­bracht wer­den kann, weil der Mensch im Traum­be­wußt­sein we­nigs­tens ei­nen letz­ten Rest hat von die­sem Mon­den­be­wußt­sein. Das Traum­be­wußt­sein von heu­te ist ja ein Zwi­schen­zu­stand zwi­schen tra­um­lo­sem Schlaf und dem ge­wöhn­li­chen, vom Mor­gen bis zum Abend dau­ern­den hel­len, wa­chen Ta­ges­be­wußt­sein. Al­so der drit­te Zu­stand des Be­wußt­seins wur­de er­reicht auf dem Mond, und er läßt sich ver­g­lei­chen mit dem heu­ti­gen trau­mer­füll­ten Schlaf, aber mit ei­ner ganz an­de­ren Le­ben­dig­keit und Leb­haf­tig­keit. Der trau­mer­füll­te Schlaf gibt ein Be­wußt­sein, das sich aus ein­zel­nen Vor­stel­lungs­fet­zen und Bil­dern zu­sam­men­setzt und nur ei­nen ge­rin­gen Grad von Be­zie­hung hat zur rea­len Au­ßen­welt. Das Mon­den­be­wußt­sein, das ein Traum­bil­der­be­wußt­sein war, hat­te sehr be­deut­sa­me Be­zie­hun­gen zur Au­ßen­welt. Es ent­sprach ge­nau dem, was in der see­lisch-geis­ti­gen Um­welt vor­han­den war. Ei­ne Wie­der­ho­lung hat das wäh­rend der at­lan­ti­schen Zeit des Men­schen ge­fun­den. Wir nen­nen es das Traum­bil­der­be­wußt­sein, könn­ten es auch das som­nam­bu­le Be­wußt­sein nen­nen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das vier­te Be­wußt­sein wird er­reicht und durch­ge­macht auf un­se­rer Er­de, und es ist das­je­ni­ge Be­wußt­sein, wel­ches wir das hel­le Ta­ges­be­wußt­sein oder Ge­gen­stands­be­wußt­sein nen­nen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu ei­nem er­höh­te­ren Be­wußt­s­eins­grad, von dem die meis­ten Men­schen von heu­te kei­ne Ah­nung ha­ben, wer­den die Men­schen auf­s­tei­gen wäh­rend der Ju­pi­ter­zeit, wenn das al­les ge­sche­hen ist, was wir schon be­schrie­ben ha­ben und was im An­schluß an die Apo­ka­lyp­se des Jo­han­nes noch zu be­sch­rei­ben ist. Dann, wenn der Mensch so­zu­sa­gen ge­ret­tet vom Ab­grund her­vor­ge­gan­gen und dem Ver­fall ent­gan­gen ist, wenn er hin­auf­ge­s­tie­gen ist in die as­tra­li­sier­te und ver­geis­tig­te Er­de, dann wird das die Grund­la­ge da­für sein, daß er auf dem Ju­pi­ter das­je­ni­ge Be­wußt­sein er­langt, das wir nen­nen kön­nen das be­wuß­te Bil­der­be­wußt­sein. Wenn man es schil­dern soll, so kann das nur aus den Er­fah­run­gen der Ein­ge­weih­ten her­aus ge­sche­hen. Denn die Ein­wei­hung ist ja nichts an­de­res als&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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die An­eig­nung der Fähig­keit, in ei­ner frühe­ren Ent­wi­cke­lungs­stu­fe zu er­rei­chen, was die nor­ma­le Mensch­heit auf ei­ner spä­te­ren Stu­fe er­reicht. Im be­wuß­ten Bil­der­be­wußt­sein ist der Mensch ge­nau eben­so selbst­be­wußt wie heu­te vom Mor­gen bis zum Abend, aber er nimmt nicht nur wahr die äu­ße­ren Ge­gen­stän­de, son­dern im Blick­feld sei­ner See­le hat er Bil­der, und zwar Bil­der, die nicht et­wa mit ei­ner ge­wis­sen Dumpf­heit ver­knüpft sind, die viel­mehr ein­ge­bet­tet sind in das hel­le Ta­ges­be­wußt­sein. Al­so hel­les Ta­ges­be­wußt­sein und Mon­den­be­wußt­sein zu­sam­men, das gibt das Ju­pi­ter­be­wußt­sein. Der Mensch er­hält sich, was er jetzt hat und er­wirbt sich da­zu die Fähig­keit, das See­lisch-Geis­ti­ge wahr­zu­neh­men.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heu­te ist es so, daß der Ein­ge­weih­te nicht nur den Men­schen sieht, wie er phy­sisch ist, son­dern daß er wahr­nimmt um den Men­schen her­um, ihn um­strah­lend, al­ler­lei geis­ti­ge Ge­bil­de, die der Aus­druck sind der Lei­den­schaf­ten, In­s­tink­te, Ge­dan­ken, mit ei­nem Wort: die Au­ra. Sie um­glänzt, um­glüht den Men­schen wie fei­ne Flam­men, zum Teil wie ein Licht­ne­bel. Al­les das, was so im men­sch­li­chen As­tral­leib ge­se­hen wer­den kann vom Ein­ge­weih­ten, eben­so wie von dem ge­wöhn­li­chen phy­si­schen Au­ge der phy­si­sche Leib mit sei­nen Gren­zen ge­se­hen wird, al­les das ist Bild des­sen, was in den See­len vor­geht. In ei­ner sol­chen Ein­ge­weih­ten­see­le ist ein Be­wußt­sein vor­han­den, das wir be­zeich­nen kön­nen als Mon­den­be­wußt­sein plus Er­den­be­wußt­sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann kommt auf der Ve­nus ein sechs­ter Be­wußt­s­eins­zu­stand, den wir be­zeich­nen kön­nen als das in­spi­rier­te Be­wußt­sein, das Be­wußt­sein der In­spi­ra­ti­on, Be­wußt­sein der In­spi­ra­ti­on aus dem Grun­de, weil auf die­ser Be­wußt­s­eins­stu­fe der Ein­ge­weih­te nicht bloß wahr­zu­neh­men ver­mag, was der See­le an Ge­füh­len, Trie­ben, Lei­den­schaf­ten und so wei­ter ei­gen ist, son­dern weil er da den gan­zen in­ne­ren Cha­rak­ter der See­le in ei­nem ein­heit­li­chen Ton wahr­nimmt. Er fängt an wahr­zu­neh­men das­je­ni­ge, was die Welt der, sa­gen wir, Far­ben- und For­men­ge­bil­de wie ei­ne Sphä­ren­mu­sik durch­dringt, so daß je­de ein­zel­ne We­sen­heit inn­er­halb des­sen, was früh­er als as­tra­li­sches Bild wahr­ge­nom­men wor­den ist, wie ein Ton­ge­bil­de er­scheint.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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Die sie­ben­te Be­wußt­s­eins­stu­fe, die auf dem Vul­kan vor­han­den sein wird, wir kön­nen sie nen­nen das in­tui­ti­ve Be­wußt­sein. In­tui­ti­on ist nicht je­nes Tri­via­le, was ge­wöhn­lich heu­te dar­un­ter ver­stan­den wird, wo je­mand durch dun­k­les Ge­fühl et­was glaubt er­ken­nen zu kön­nen; das ist ein Mißbrauch des Wor­tes. In den Ein­ge­weih­ten­schu­len wird In­tui­ti­on für je­ne denk­bar höchs­te Be­wußt­s­eins­stu­fe an­ge­wen­det, wo die See­le eins ist, iden­tisch ist mit den We­sen­hei­ten, wo sie da­r­in­nen ist im In­nern der We­sen­hei­ten und sich mit ih­nen iden­ti­fi­ziert. Trotz­dem die See­le voll­stän­dig in­di­vi­du­ell bleibt, steckt sie in all den Din­gen und We­sen­hei­ten ih­res Blick­fel­des drin­nen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So stel­len uns die sie­ben Stu­fen die­ser gan­zen Er­den­ent­wi­cke­lung sie­ben au­f­ein­an­der­fol­gen­de Be­wußt­s­eins­zu­stän­de dar. Je­der Be­wußt­s­eins­zu­stand nun muß sei­ner­seits in sie­ben Stu­fen er­reicht wer­den. Die­se sie­ben Stu­fen, die je­des­mal durch­ge­macht wer­den müs­sen, nen­nen wir Le­bens­stu­fen, so daß wir un­ter­schei­den sie­ben Be­wußt­s­eins­stu­fen und in je­der Be­wußt­s­eins­stu­fe sie­ben Le­bens­stu­fen. Es ist schwer, aus un­se­rer Spra­che her­aus Wor­te zu fin­den für die­se sie­ben Le­bens­stu­fen. Wenn wir bloß auf un­se­re Er­de Rück­sicht neh­men, so kön­nen wir die Le­bens­stu­fen da­durch be­zeich­nen, daß wir re­den von den sie­ben Rei­chen, denn es fal­len die Le­bens­stu­fen auf der Er­de zu­sam­men mit den sie­ben Rei­chen. Da be­zeich­nen wir die ers­te Le­bens­stu­fe als das ers­te Ele­men­tar­reich, die zwei­te als das zwei­te, die drit­te als das drit­te Ele­men­tar­reich, die vier­te als das Mi­ne­ral­reich, die fünf­te als das Pflan­zen­reich, die sechs­te als das Tier­reich und die sie­ben­te als das Men­schen­reich. Nun könn­ten wir ja sa­gen: Auf je­der die­ser Be­wußt­s­eins­stu­fen wer­den sie­ben sol­che Le­bens­stu­fen durch­ge­macht oder sie­ben Rei­che ab­sol­viert. Aber wenn wir die sie­ben Le­bens­stu­fen des Sa­turn eben­so be­zeich­nen wür­den, als ers­tes, zwei­tes, drit­tes Ele­men­tar­reich, als Mi­ne­ral-, Pflan­zen-, Tier- und Men­schen­reich, so wür­de das nur fal­sche Vor­stel­lun­gen wach­ru­fen, denn die Aus­drü­cke für die­se Rei­che sind ge­prägt nach un­se­ren Er­den­er­fah­run­gen und es wa­ren eben die Rei­che ganz an­ders ge­stal­tet in die­ser ural­ten Zeit, als das heu­te bei den Erd­rei­chen der Fall ist. Wir kön­nen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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nur sa­gen: Ana­log die­sen Rei­chen gab es sie­ben Rei­che auf dem Sa­turn, sie­ben auf der Son­ne. Schon näh­er ka­men die sie­ben Rei­che des Mon­des, und was die sie­ben Le­bens­stu­fen der Er­de sind, das sind eben die sie­ben Rei­che auf der Er­de ge­wor­den. Und auf der Er­de kön­nen wir sie schon leich­ter be­sch­rei­ben, ob­wohl es heu­te au­ßer­or­dent­lich schwer ist, dem Men­schen ei­ne Vor­stel­lung von den drei Ele­men­tar­rei­chen zu ge­ben. Von Mi­ne­ral-, Pflan­zen-, Tier- und Men­schen­reich glaubt ja der Mensch ei­ne ge­sun­de Vor­stel­lung zu ha­ben, ob­wohl das auch nicht der Fall ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vi­el­leicht wird es Ih­nen ge­lin­gen, sich ei­ne Art Vor­stel­lung von den drei Ele­men­tar­rei­chen zu bil­den, wenn Sie sich fol­gen­des sa­gen. Al­so Sie den­ken sich Stei­ne, Me­tal­le und so wei­ter, und die­se Glie­der des Mi­ne­ral­rei­ches im­mer fei­ner und fei­ner wer­dend, so daß Sie im­mer we­ni­ger und we­ni­ger se­hen, daß sie sich so­zu­sa­gen auflö­sen in im­mer fei­ne­re Sub­stan­tia­li­tät. Neh­men wir an, Sie las­sen sie al­le ver­duns­ten, so daß sie ei­gent­lich nur noch ganz fei­ne Sub­stan­tia­li­tät hät­ten, durch die Sie hin­durch­schau­en könn­ten, die Ih­nen nicht mehr sicht­bar wä­re. Aus sol­chen Ge­bil­den wür­de, wenn man sie zu noch im­mer grö­ße­rer Ver­fei­ne­rung bräch­te, et­was her­vor­ge­hen, was sch­ließ­lich nicht mehr ein mi­ne­ra­li­sches Reich ist, son­dern das drit­te Ele­men­tar­reich. Dann wür­den wir zum zwei­ten, zum ers­ten Ele­men­tar­reich auf­s­tei­gen. Es ist für die heu­ti­gen Emp­fin­dungs­qua­li­tä­ten schwer, sich Vor­stel­lun­gen zu ma­chen von die­sen Rei­chen, die hin­ein­ge­heim­nißt, ver­dich­tet sind in un­se­re Welt. So ist es näm­lich, wie wenn die­se Ele­men­tar­rei­che ver­dich­tet in un­se­re Welt hin­ein, sa­gen wir, ver­schwun­den wä­ren. Sie ge­hen un­se­rem Mi­ne­ral­reich voran. Wir ha­ben ja ge­se­hen, wann die­ses Mi­ne­ral­reich sel­ber sich ge­bil­det hat. In frühe­ren Pe­rio­den der Er­den­ent­wi­cke­lung war die­ses Mi­ne­ral­reich eben im Zu­stan­de der Ele­men­tar­rei­che vor­han­den.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun die an­de­ren vier Rei­che. Das mi­ne­ra­li­sche Reich se­hen Sie um sich her­um und eben­so das pflanz­li­che, das tie­ri­sche und das men­sch­li­che. Aber wir wer­den uns klar sein müs­sen, daß die­se Be­nen­nun­gen im ei­gent­li­chen ge­heim­wis­sen­schaft­li­chen Sinn doch nicht ganz rich­tig sind. Der Laie nennt die heu­ti­gen Mi­ne­ra­li­en als&lt;br /&gt;
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dem Mi­ne­ral­reich an­ge­hö­rig, die Pflan­zen als dem Pflan­zen­reich an­ge­hö­rig, die Tie­re als dem Tier­reich und die Men­schen als dem Men­schen­reich an­ge­hö­rig. Das ist zwar lai­en­haft ge­spro­chen rich­tig, das ist für al­le tri­via­len Din­ge des Le­bens durch­aus aus­rei­chend, aber im ok­kul­tis­ti­schen Sinn ist es un­rich­tig. Denn es ist heu­te der Mensch erst im Mi­ne­ral­reich vol­l­en­det. Er wird erst auf­s­tei­gen in künf­ti­gen Ent­wi­cke­lungs­pe­rio­den zum Pflan­zen-, Tier- und Men­schen­reich. Wir kön­nen den Men­schen heu­te, weil er ein Ich-Be­wußt­sein hat, durch­aus Mensch nen­nen, aber wir dür­fen noch nicht sa­gen, er sei im Sin­ne der Ge­heim­wis­sen­schaft im Men­schen­reich ver­kör­pert, denn da­zu ist et­was an­de­res not­wen­dig. Das müs­sen wir be­sp­re­chen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was kann der Mensch heu­te be­g­rei­fen? Dar­auf kommt es an. Er kann heu­te bloß das mi­ne­ra­li­sche Reich ver­ste­hen. So­wie er an das Pflan­zen­reich kommt, ver­steht er es nicht mehr. Das Mi­ne­ral­reich kann er ver­ste­hen, aus den Kräf­ten des Mi­ne­ral­reichs kann er Ma­schi­nen, Häu­ser und so wei­ter zu­sam­men­set­zen. Daß er eben­so durch­schau­en lernt, was in ei­ner Pflan­ze die Kräf­te sind, die die­se Pflan­ze groß wer­den las­sen, das erst wird ihn mit sei­nem Be­wußt­sein ins Pflan­zen­reich er­he­ben. Und daß er be­g­rei­fen lernt, wie ein Tier emp­fin­den kann jetzt kann er nur ei­ne äu­ßer­li­che An­schau­ung da­von be­kom­men , das macht ihn zum An­ge­hö­ri­gen des Tier­reichs. Und wenn er nicht nur sein ei­ge­nes Ich be­g­reift, son­dern ein an­de­res, wenn er ei­nen Men­schen in­ner­lich ganz be­g­reift, dann erst ge­hört er dem Men­schen­reich an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie wer­den am bes­ten ver­ste­hen, daß der Mensch heu­te erst das mi­ne­ra­li­sche Reich be­g­rei­fen kann, wenn Sie fol­gen­de Be­trach­tung ma­chen. Den­ken Sie ein­mal, daß ei­ne gro­ße An­zahl von Ge­lehr­ten sagt: Ja, die Pflan­zen und die Tie­re sind nichts an­de­res als kom­p­li­zier­te Mi­ne­ra­li­en. Und die­se Ge­lehr­ten war­ten dar­auf, daß sie die Stof­fe so zu­sam­men­fü­gen kön­nen, daß sie Pflan­zen und Tie­re wer­den. Sie ge­ben sich der Il­lu­si­on hin, man kön­ne die Pflan­zen als mi­ne­ra­li­sche We­sen be­g­rei­fen, weil sie kei­ne Vor­stel­lung da­von ha­ben, daß es au­ßer dem Mi­ne­ral­reich noch et­was an­de­res gibt. Es sa­gen ja vie­le: Ihr An­thro­po­so­phen träumt da­von, daß es&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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ei­nen Äther­leib gibt, et­was, was über das bloß Mi­ne­ra­li­sche hin­aus­geht, aber ihr sollt nicht mehr träu­men, wenn es uns ge­lin­gen wird, im La­bo­ra­to­ri­um so, wie man heu­te Schwe­fel­säu­re zu­sam­men­setzt, aus den ein­zel­nen Stof­fen, aus Koh­len­stoff, Stick­stoff, Sau­er­stoff, Was­ser­stoff und so wei­ter, ein le­ben­di­ges We­sen auf­zu­bau­en. Man glaubt, das Le­ben­di­ge läßt sich eben­so auf­bau­en, wie sich et­wa Schwe­fel­säu­re zu­sam­men­set­zen läßt; man glaubt, die rein ma­te­ria­lis­ti­sche Wis­sen­schaft wird das ein­mal kön­nen. Man glaubt, die An­thro­po­so­phen wä­ren so töricht, da­ran zu zwei­feln, daß einst­mals die Zeit kom­men wird, wo tat­säch­lich in der Re­tor­te die Pflan­zen er­zeugt wer­den.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die­se Zeit wird kom­men. Das ha­ben aber die­je­ni­gen, die auf ok­kul­tem Bo­den ste­hen, schon im­mer ge­sagt. Sie wis­sen, daß die Zeit kom­men wird, wo der Mensch die Pflan­zen­heit so in die ei­ge­ne Na­tur auf­neh­men wird, wie er heu­te das Mi­ne­ral­reich auf­ge­nom­men hat. Und wie er aus Mi­ne­ra­li­en Häu­ser auf­baut, wie er die Kräf­te des Mi­ne­ral­rei­ches heu­te be­nutzt, so wird er einst­mals aus den ihm dann wohl­be­kann­ten Kräf­ten des Pflan­zen­rei­ches, oh­ne zum Sa­men zu grei­fen, oh­ne die Na­tur­kräf­te in ih­rer un-be­grif­fe­nen Wei­se zu Hil­fe ru­fen zu müs­sen, das Pflan­zen­ge­bil­de und Höhe­res noch im La­bo­ra­to­ri­um er­zeu­gen. Aber wür­de die­se Mög­lich­keit, im La­bo­ra­to­ri­um ein le­ben­di­ges We­sen zu er­zeu­gen, vor­zei­tig ein­t­re­ten, so wä­re sie für den auf dem wah­ren Bo­den der Ge­heim­wis­sen­schaft Ste­hen­den das, was man schwar­ze Ma­gie nennt. Die Men­schen müs­sen für je­den Schritt der Ent­wi­cke­lung erst reif wer­den.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt ei­nen ok­kul­ten Satz, der lau­tet: Erst dann wer­den die Men­schen auf dem Ex­pe­ri­men­tier­tisch le­ben­de We­sen er­zeu­gen, wie sie heu­te mi­ne­ra­li­sche Pro­duk­te her­s­tel­len, wenn der La­bo­ra­to­ri­ums­tisch zum Al­tar und die che­mi­sche Ver­rich­tung zu ei­ner sa­kra­men­ta­len Hand­lung ge­wor­den ist. Das ist ein ok­kul­ter Satz, der im­mer aus­ge­spro­chen wor­den ist. Wahr­lich, so­lan­ge man ins La­bo­ra­to­ri­um geht und glaubt, daß man mit un­hei­li­gen Ge­füh­len das­sel­be tun kann wie mit hei­li­gen, so lan­ge wird man mit dem Wil­len der­je­ni­gen, die in rech­ter Wei­se die Ent­wi­cke­lung lei­ten,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
nie­mals im La­bo­ra­to­ri­um ein le­ben­di­ges We­sen er­zeu­gen kön­nen. Erst dann wird das mög­lich sein, wenn man wis­sen wird, daß ein mi­ne­ra­li­sches Pro­dukt zwar er­zeugt wer­den kann, wenn auch am La­bo­ra­to­ri­ums­tisch ein Schur­ke steht, daß aber nie­mals ein le­ben­di­ges We­sen her­vor­ge­bracht wer­den kann, wenn dies der Fall ist. Denn in das le­ben­di­ge We­sen fließt, wenn es zu­sam­men­ge­baut wird, et­was, was in dem Men­schen selbst drin­nen ist. Wür­de der Mensch ein Schur­ke sein, so wür­de das Schur­ki­sche hin­über­f­lie­ßen und das ent­stan­de­ne We­sen wä­re ein Ab­druck der Schur­ke­rei. Erst wenn man be­g­rei­fen wird, was es heißt, daß der Mensch als gan­ze We­sen­heit mit sei­nem gan­zen In­nern wirkt in dem, was er er­zeugt, erst dann wird die Welt reif sein, das Le­ben­di­ge, das Pflanz­li­che, Tie­ri­sche und Men­sch­li­che, in frei­er Tä­tig­keit zu er­zeu­gen. Dann wird der Mensch auf­ge­s­tie­gen sein in das Pflan­zen­reich, wenn er das Pflanz­li­che eben­so­gut durch­schau­en wird, wie er heu­te das Mi­ne­ra­li­sche durch­schaut. Zum Tier­reich wird er auf­ge­s­tie­gen sein dann, wenn er die Emp­fin­dung so durch­schaut, daß er eben­so ein emp­fin­den­des We­sen ma­chen kann durch sei­ne ei­ge­ne Geis­tes­kraft, wie er heu­te ei­nen Ge­gen­stand her­s­tellt. Und zum Men­schen­reich wird er auf­ge­s­tie­gen sein, wenn er den Men­schen in frei­er Tä­tig­keit neu ge­stal­ten kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So ist der Mensch heu­te in dem mi­ne­ra­li­schen Reich vor­han­den, und die­ses We­sen als Mensch, das wir sind, ist im Grun­de ge­nom­men das ein­zi­ge We­sen, wel­ches schon ganz im mi­ne­ra­li­schen Reich sich aus­ge­bil­det hat, wäh­rend die an­de­ren Rei­che in vie­ler Be­zie­hung auf viel nie­d­ri­ge­rer Stu­fe ste­hen als die­je­ni­ge ist, die man im Ok­kul­tis­mus mit dem Mi­ne­ral­reich be­zeich­net. So zei­gen uns die Pflan­zen ei­ne Art Vor­stu­fe des­sen, was der Mensch er­le­ben wird, wenn er ein­mal selbst im Pflan­zen­reich sein wird. Aber die Pflan­zen sind nicht im Pflan­zen­reich, son­dern höchs­tens Vor­bil­der, nicht Ur­bil­der, son­dern Hin­wei­se auf ein künf­ti­ges Reich, in dem der Mensch sein wird, in dem er die Pflan­zen­na­tur in­ner­lich durch­le­ben wird wie heu­te die mi­ne­ra­li­sche Na­tur.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die­ses Pflan­zen­reich, in dem der Mensch sein wird, das wird noch durch an­de­re Din­ge sich aus­zeich­nen. Es wird vor al­len Din­gen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
durch ei­nen heu­te zwar manch­mal mit dem Ver­stand ge­sag­ten, aber noch lan­ge nicht be­grif­fe­nen mo­ra­li­schen Satz aus­ge­zeich­net sein. Heu­te lebt der Mensch so, daß man sa­gen kann: Der ein­zel­ne, wenn er sich es auch nicht ge­steht, ist über­zeugt da­von, daß das Glück des ein­zel­nen mög­lich ist, wenn da­ne­ben auch das Un­glück ei­nes an­de­ren herrscht. Es ist durch­aus mög­lich, daß heu­te sich ei­ner glück­lich fühlt, trotz­dem an­de­re Men­schen un­glück­lich sind. Wenn es auch dem Ver­stan­de nach zu­ge­stan­den wird, daß die höchs­te Mo­ral die­je­ni­ge sei, die al­le Men­schen be­glückt, in der Pra­xis ist der Mensch über­zeugt, daß das Glück des ein­zel­nen ganz gut mög­lich ist, oh­ne daß der an­de­re eben­so glück­lich sei wie er. Der Mensch wird, wenn er im Pflan­zen­reich sein wird, ei­ne Ent­wi­cke­lungs­stu­fe in mo­ra­li­scher Be­zie­hung er­reicht ha­ben, wo es ihm un­mög­lich sein wird, sich als Ein­zel­ner glück­lich zu füh­len, wenn an­de­re sei­nes­g­lei­chen un­glück­lich sind. «Das Glück des ein­zel­nen ist un­t­renn­bar mit dem Glück al­ler ver­bun­den»: die­ser Satz wird herr­schen, wenn der Mensch in das Pflan­zen­reich auf­ge­nom­men sein wird. Es könn­te sich kein Mensch ir­gend glück­lich füh­len, wenn sein Glück her­aus­fal­len wür­de aus dem Glü­cke al­ler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So se­hen Sie, daß für so fei­ne Be­grif­fe, wie wir sie im Ok­kul­tis­mus ha­ben müs­sen, wenn wir al­les ver­ste­hen wol­len, heu­te sehr we­nig Emp­fin­dungs­mög­lich­kei­ten be­ste­hen. Aber Sie se­hen auch, daß der Mensch lan­ge Ent­wi­cke­lungs­rei­hen noch vor sich hat. Das al­les muß er er­rei­chen, und es ist noch sehr we­nig da­von vor­han­den.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir sp­re­chen al­so von sie­ben Rei­chen, durch die der Mensch sel­ber hin­durch­geht. Auf dem Ju­pi­ter wird es wie­der sie­ben Rei­che ge­ben, die noch et­was ähn­lich sind den sie­ben Er­den­rei­chen, aber sich doch schon sehr von die­sen un­ter­schei­den. Auf der Ve­nus wer­den es wie­der sie­ben sein und auf dem Vul­kan wie­der. Hier kann man sie gar nicht mehr Rei­che nen­nen, der Be­griff Reich paßt hier nicht mehr. Wenn wir das al­les ins Au­ge fas­sen, müs­sen wir sa­gen: Wir ha­ben zu­nächst sie­ben Ent­wi­cke­lungs­stu­fen des Be­wußt­seins, die Sa­turn-, Son­nen-, Mond-, Er­den-, Ju­pi­ter-, Ve­nus- und Vulk­an­stu­fe, und auf je­der Be­wußt­s­eins­stu­fe sie­ben Le­bens­stu­fen, durch die sich hin­durch­ent­wi­ckeln muß je­g­li­ches We­sen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|202}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
das durch die Be­wußt­s­eins­gra­de hin­durch­geht. Je­de Le­bens­stu­fe muß wie­der­um sie­ben For­men­stu­fen durchlau­fen, und zwar so, daß Sie die so­ge­nann­te phy­si­sche Form­stu­fe, die Sie jetzt um sich ha­ben, als die mit­tels­te zu be­trach­ten ha­ben. Be­vor et­was phy­sisch wird, ist es as­tra­lisch, be­vor es as­tra­lisch wird, ist es auf ei­ner ge­wis­sen geis­ti­gen Stu­fe, die man das nie­de­re De­vachan nennt, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:GA104 202.png|center|550px|Zeichnungaus GA 104, S. 202]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und be­vor et­was zu die­ser Stu­fe hin­ab­s­teigt, ist es in ei­ner höhe­ren De­vach­an­stu­fe. Da ha­ben wir drei Form­stu­fen. Die ers­te kann man noch form­los nen­nen, dann ist die nächs­te ei­ne Form­stu­fe, die wir als die nie­de­re De­vach­an­stu­fe be­zeich­nen, dann kom­men wir zur as­tra­li­schen Stu­fe. Wenn sich das As­tra­li­sche ver­dich­tet, wird es phy­sisch. Dann löst sich das Phy­si­sche wie­der auf und geht zu­rück zu ei­nem voll­kom­me­ne­ren As­tra­li­schen, das geht zu ei­nem voll­kom­me­ne­ren nie­de­ren De­vacha­ni­schen und dies zum höhe­ren De­vacha­ni­schen. Der phy­si­sche Form­zu­stand ist der mitt­le­re.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|203}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie­ben Form­zu­stän­de durch­läuft ein je­des Reich. Sie müs­sen un­ter­schei­den zwi­schen Phy­si­schem und Mi­ne­ra­li­schem; das ist nicht das­sel­be. Man kann, weil heu­te das Phy­si­sche mit dem Mi­ne­ra­li­schen im An­blick zu­sam­men­fällt, bei­de leicht mit­ein­an­der ver­wech­seln. Das mi­ne­ra­li­sche Reich geht durch al­le Form­stu­fen hin­durch. Es kann als mi­ne­ra­li­sches Reich oben in der höchs­ten De­vach­an­stu­fe ver­an­lagt sein. Es steigt dann her­un­ter in die nie­de­re geis­ti­ge Stu­fe und ist im­mer Mi­ne­ral­reich, dann ins As­tra­li­sche, da ist es as­tra­lisch vor­ge­bil­det, und dann ver­dich­tet es sich zum Phy­si­schen. So al­so ha­ben wir in je­dem Reich sie­ben Form­zu­stän­de (sie­he Sche­ma).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Je­der Be­wußt­s­eins­zu­stand kann nur so durchlau­fen wer­den, daß er in sie­ben Le­bens­zu­stän­den ver­läuft. Je­der Le­bens­zu­stand ver­läuft in sie­ben Form­zu­stän­den. Das gibt 7 mal 7 mal 7 Zu­stän­de. In der Tat geht ei­ne gan­ze Ent­wi­cke­lung, wie die Er­de ei­ne hat, durch 7 mal 7 mal 7 Zu­stän­de hin­durch. Un­se­re Er­de war einst­mals Sa­turn; der hat 7 Le­bens­zu­stän­de durch­ge­macht, je­der Le­bens­zu­stand 7 Le­bens­for­men oder Form­zu­stän­de. Da ha­ben Sie 49 Form­zu­stän­de auf dem Sa­turn, 49 auf der Son­ne, 49 auf dem Mon­de und so wei­ter, 7 mal 49 = 343 Form­zu­stän­de. Durch 343 Zu­stän­de läuft der Mensch durch. Als der Sa­turn ganz im An­fang sei­ner Ent­wi­cke­lung war, be­gann er zu­erst im höchs­ten Geis­ti­gen, das wir er­rei­chen kön­nen, als ein Ge­bil­de, das da war im obers­ten De­vachan. Das war der ers­te Form­zu­stand; der war ganz mi­ne­ra­lisch. Er stieg her­un­ter als sol­ches We­sen bis in das phy­si­sche Reich, stieg wie­der hin­auf bis zum obe­ren de­vacha­ni­schen. Und hier be­ginnt die gro­ße Schwie­rig­keit, denn Sie müß­ten jetzt sa­gen, wenn Sie die ge­nann­ten Aus­drü­cke ge­brau­chen wol­len: Der Mensch geht in das nächs­te Reich über. Aber es pas­sen auf den Sa­turn die­se Aus­drü­cke nicht. Es geht der Mensch auf dem Sa­turn auf die­se Wei­se durch 49 Zu­stän­de hin­durch. Das Son­der­ba­re ist nur, daß Sie jetzt fra­gen kön­nen: Da müß­te der Mensch doch auf dem Sa­turn durch Le­bens­zu­stän­de durch­ge­hen. Nun be­kommt er aber erst auf der Son­ne ei­nen Äther­leib. Wie kann man da sa­gen, daß er durch Le­bens­zu­stän­de geht? -- Sie sind nur noch nicht so&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|204}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wie spä­ter, wo er ei­nen Le­bens­leib hat, sie sind stell­ver­t­re­tend. Das wird da­durch be­wirkt, daß höhe­re We­sen he­r­ein­wir­ken. Der Mensch hat kein selb­stän­di­ges Le­ben auf dem Sa­turn, aber höhe­re We­sen durch­drin­gen ihn mit ih­rem Äther­leib, mit ih­rem As­tral­leib, Ich und so wei­ter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Je­den­falls müs­sen Sie be­g­rei­fen, daß der Mensch auf dem Sa­turn 49, auf der Son­ne 49, auf dem Mon­de 49 Zu­stän­de durch­ge­macht hat. Auf der Er­de hat der Mensch von die­sen 49 Zu­stän­den erst die drei ers­ten Le­bens­zu­stän­de durch­ge­macht. Er steht heu­te in dem vier­ten Le­bens­zu­stand, eben im Mi­ne­ral­reich. Er war im ers­ten Le­bens­zu­stand im ers­ten Ele­men­tar­reich und hat da sie­ben Form­zu­stän­de durch­ge­macht, er war im zwei­ten Le­bens­zu­stand im zwei­ten Ele­men­tar­reich und hat da sie­ben Form­zu­stän­de durch­ge­macht, er war im drit­ten Ele­men­tar­reich und hat die sie­ben Form­zu­stän­de durch­ge­macht und ist jetzt im vier­ten Ele­men­tar­reich, wel­ches das­sel­be ist wie das Mi­ne­ral­reich, und ist in die­sem un­ge­fähr in der Mit­te da­r­in­nen. Er ist et­was über die Mit­te hin­aus in dem Mi­ne­ral­reich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Je­den­falls ha­ben Sie aus al­le­dem, das wir da wie ei­nen Grun­driß be­trach­tet ha­ben, ge­se­hen, daß die gan­ze Er­de durch 343 Zu­stän­de hin­durch­geht. Dies bit­te ich Sie jetzt so sich vor­zu­s­tel­len: Der Sa­turn ent­steht und geht durch 49 Zu­stän­de hin­durch. Der Sa­turn ist zu­erst ei­ne feu­ri­ge, ei­ne Wär­me­mas­se und macht ver­schie­de­ne Zu­stän­de durch, aber es ist im­mer die­sel­be Ku­gel, die die­se 49 Zu­stän­de durch­macht. Eben­so ist die Son­ne im­mer wie­der ein und die­sel­be Ku­gel, wel­che die 49 Zu­stän­de durch­macht. Nur gibt es Zwi­schen­zu­stän­de. Es ist, wie wenn zwi­schen den ein­zel­nen Ver­kör­pe­run­gen ei­ne Art von geis­ti­gem Zwi­schen­raum wä­re. Es ist beim Pla­ne­ten wie beim Men­schen. So ma­chen auch die Pla­ne­ten ei­ne sol­che geis­ti­ge Zwi­schen­stu­fe durch; die liegt übe­rall zwi­schen die­sen Zu­stän­den drin­nen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn Sie sich al­so klar wer­den, daß wir im Ver­lauf un­se­rer Ent­wi­cke­lung sie­ben Be­wußt­s­eins­zu­stän­de ha­ben, so wer­den Sie auch durch­schau­en, wie das zu­sam­men­hängt mit dem, was Sie in ver­schie­de­nen Büchern der theo­so­phi­schen Li­te­ra­tur be­schrie­ben&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|205}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
er­hal­ten. Das sind kos­mi­sche Sys­te­me. Es wird ge­sagt, daß un­se­re Er­de ein­mal ei­nen An­fang ge­nom­men hat und aus ei­nem al­ten pla­ne­ta­ri­schen Sys­tem sich ent­wi­ckelt hat, was als Mond be­zeich­net wird. Man müß­te wei­ter zu­rück­ge­hen von dem Mond zur Son­ne, von der Son­ne zum Sa­turn. Je­der die­ser Zu­stän­de zer­fällt in die sie­ben Le­bens­zu­stän­de, ge­wöhn­lich «Run­den» ge­nannt. «Run­den» ist das­sel­be wie Le­bens­zu­stän­de. Und das, was hier Form­zu­stän­de ge­nannt wird, wird ge­wöhn­lich «Glo­ben» ge­nannt. Das ist un­ge­heu­er ir­re­füh­r­end. Es ha­ben sich Men­schen die Vor­stel­lung ge­macht, als wenn die­se sie­ben Glo­ben ne­ben­ein­an­der­lie­gen­de Ku­geln wä­ren:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:GA104 205.png|center|350px|Zeichnung aus GA 104, S. 205]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die­se Zu­stän­de von der äu­ßers­ten, noch ans Form­lo­se gren­zen­den Form durch das Phy­si­sche bis wie­der­um hin­auf zum Form­lo­sen sind kei­ne sie­ben ne­ben­ein­an­der be­ste­hen­den Ku­geln, son­dern das sind sie­ben au­f­ein­an­der­fol­gen­de Zu­stän­de. Erst war das­je­ni­ge, was heu­te phy­sisch ist, als die­sel­be Ku­gel geis­tig, dann wur­de es dich­ter und dich­ter. Es ist die­sel­be Ku­gel, ein­fach ver­dich­tet. Dann wur­de ein Teil as­tra­lisch, dann ein Teil phy­sisch; das ist im­mer die­sel­be Ku­gel. Sie löst sich wie­der auf wie Salz im lau­en Was­ser, wird wie­der­um as­tra­lisch. Zu die­sem As­tra­li­schen sind wir auf­ge­s­tie­gen da, wo uns in der Apo­ka­lyp­se die «Zor­nes­scha­len» be­schrie­ben wer­den. Da wird die Er­de wie­der as­tra­lisch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So se­hen Sie, wie die Sie­ben­zahl die gan­ze Ent­wi­cke­lung be­herrscht, und was wir in den ver­f­los­se­nen Ta­gen ge­schil­dert ha­ben durch man­cher­lei Bil­der manch­mal mit recht gro­tes­ken Bil­dern und je­den­falls mit sol­chen, die weit ab­wei­chen von dem, was heu­te der Mensch in der phy­si­schen Welt se­hen kann , das ha­ben wir jetzt dar­ge­s­tellt als ein Ge­rip­pe, als ein Ge­rüst. Wenn Sie das so dar­s­tel­len, ist es un­ge­fähr so, wie wenn Sie das Ge­rüst von ei­nem Haus auf­füh­ren, das al­le­r­äu­ßers­te, das für die Mau­rer be­stimm­te.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|206}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das hat noch nichts mit der Sa­che zu tun, das sind so­zu­sa­gen erst Ge­dan­ken über die Sa­che. Wir müs­sen auf­s­tei­gen von die­sem rei­nen Ge­dan­ken­sche­ma, das uns ja zum Ver­ständ­nis hilft, zu dem le­ben­di­gen Auf­bau, in­dem wir zum Bei­spiel für die ver­schie­de­nen Zu­stän­de die Bil­der ge­brau­chen, die zu se­hen sind im As­tra­li­schen; dann ha­ben wir erst das­je­ni­ge, was man über­haupt ok­kul­te Weis­heit nennt. So­lan­ge Sie solch ein Ge­rüst auf­bau­en, blei­ben Sie bei dem Den­ken, das Sie ge­wohnt sind, in der phy­si­schen Welt zu ha­ben. Das gan­ze Sche­ma, das wir hin­zeich­ne­ten, ist nur phy­si­sches Den­ken. Das ver­hält sich zur vol­len Wir­k­lich­keit nicht ein­mal wie das in­ne­re Ge­rüst ei­nes Hau­ses zum voll auf­ge­führ­ten Bau, son­dern nur wie das Ge­rüst au­ßen, auf dem die Mau­rer ste­hen. Das muß wie­der ab­ge­ris­sen wer­den, wenn der Bau fer­tig ist. Und so muß das Ge­dan­ken­ge­rüst wie­der ab­ge­ris­sen wer­den, wenn man die Wahr­heit, wie sie sich in Wir­k­lich­keit ver­hält, vor sich ha­ben will. Be­trach­tet man die­se Ab­strak­ti­on schon als das Wir­k­li­che, dann spricht man gar nicht vom wir­k­li­chen Ok­kul­tis­mus, son­dern nur von der Vor­stel­lung, die sich der Mensch in der ge­gen­wär­ti­gen Zeit von den ok­kul­ten Tat­sa­chen ma­chen kann. Wie sich der Mensch heu­te die ok­kul­ten Tat­sa­chen zu­recht­schnei­det, das ist in solch ei­nem Sche­ma ent­hal­ten. Das ist aber un­frucht­bar. Ich muß­te es hin­s­tel­len, weil wir ein sol­ches Sche­ma auch brau­chen. Aber im Grun­de ge­nom­men hilft es dem, der auf wir­k­lich ok­kul­ter Bahn vor­sch­rei­ten will, gar nichts. Wenn Sie die gan­ze Welt bis hin­auf in die höchs­ten ok­kul­ten Tat­sa­chen durch sol­che Sche­men be­sch­rei­ben, so hat das nur ei­ne Be­deu­tung für Ih­re ge­gen­wär­ti­ge In­kar­na­ti­on. In der nächs­ten müs­sen Sie solch ein Sche­ma wie­der ler­nen. Das kann man nur da­durch den­ken, daß man sich des Ge­hirns be­di­ent, das ist nur für das Ge­hirn zu­ge­schnit­ten. Da die­ses aber ab­ge­baut wird beim To­de, so wird die­se gan­ze Be­sch­rei­bung nach dem Sche­ma da ganz zer­st­reut. Wenn Sie da­ge­gen das­je­ni­ge, was wir­k­lich ge­schieht, was wir be­schrie­ben ha­ben als die Au­f­ein­an­der­fol­ge der Sie­gel­bil­der, was das hell­se­he­ri­sche Be­wußt­sein gibt, wenn Sie das er­fas­sen, im Phan­ta­sie­ge­bil­de zu­nächst, so ist das et­was, was nicht ge­bun­den ist an Ihr phy­si­sches Ge­hirn,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|207}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
was Ih­nen bleibt nach dem To­de, weil es nicht dem phy­si­schen Den­ken ent­springt, son­dern die Tat­sa­chen hell­se­he­risch gibt. Man muß sich al­so hü­ten, das­je­ni­ge, was heu­te an­ge­st­rebt wird nach dem Mus­ter phy­si­scher Be­g­reif­lich­keit, was auch die höhe­ren Wel­ten sche­ma­ti­sie­ren will, für wir­k­li­chen Ok­kul­tis­mus zu hal­ten. Das ist Be­sch­rei­bung mit den Mit­teln des ge­wöhn­li­chen phy­si­schen Ver­stan­des. Na­tür­lich muß der phy­si­sche Ver­stand ei­ne Rol­le spie­len. Es ist des­halb auch nütz­lich, ein sol­ches Sche­ma hin­zu­s­tel­len, und wir kön­nen noch wei­ter­ge­hen in un­se­rem Sche­ma.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir ha­ben ge­se­hen, daß wir durch 343 Zu­stän­de hin­durch­ge­hen. Aber nun wird die Sa­che erst kom­p­li­ziert, wenn wir uns klar­ma­chen, daß es da­mit noch nicht sein Be­wen­den hat, daß viel­mehr der Mensch inn­er­halb ei­nes Form­zu­stan­des auch noch durch ver­schie­de­ne Zu­stän­de hin­durch­ge­hen muß. Dem jet­zi­gen phy­si­schen Form­zu­stand sind drei an­de­re vor­an­ge­gan­gen und drei an­de­re fol­gen nach. Jetzt geht aber der phy­si­sche wie­der­um durch sie­ben Zu­stän­de durch, und das sind erst die sie­ben, von de­nen wir in den vor­her­ge­hen­den Ta­gen ge­spro­chen ha­ben: der ers­te, wo die Son­ne noch mit der Er­de ver­bun­den ist, der zwei­te, wo sie sich her­aus­löst, der drit­te, wo der Mond weg­geht, der vier­te der­je­ni­ge der at­lan­ti­schen Mensch­heit. Die at­lan­ti­sche Mensch­heit lebt in der vier­ten Ent­wi­cke­lungs­pe­rio­de des phy­si­schen Form­zu­stan­des. Und da­mit ha­ben Sie für je­den Form­zu­stand wie­der­um sie­ben so­ge­nann­te Ras­sen­zu­stän­de, ob­wohl der Aus­druck «Ras­se» nur von un­se­rem mitt­le­ren Zu­stand gilt. Und jetzt ha­ben wir selbst den fünf­ten Zu­stand, den, in dem wir le­ben: die nachat­lan­ti­sche Zeit zwi­schen der gro­ßen at­lan­ti­schen Flut und dem gro­ßen Krie­ge al­ler ge­gen al­le. In die­ser Pe­rio­de le­ben wir. Dann folgt ei­ne an­de­re, die sechs­te, dann die sie­ben­te. Die sechs­te Pe­rio­de wird uns an­ge­deu­tet in der Apo­ka­lyp­se des Jo­han­nes durch die sie­ben Sie­gel, die sie­ben­te durch die sie­ben Po­sau­nen. Dann geht es über in das As­tra­li­sche. Das ist ein neu­er Form­zu­stand, der wie­der­um sie­ben Zu­stän­de ha­ben wird. Un­ser Sche­ma ist noch nicht zu En­de. Wir müs­sen je­den sol­chen Zu­stand, wie er ver­f­ließt zwi­schen ei­nem sol­chen Er­eig­nis, wie die gro­ße Flut ei­nes war, und dem gro­ßen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Krie­ge al­ler ge­gen al­le, wir müs­sen je­den sol­chen Zu­stand wie­der­um in sie­ben Zu­stän­de zer­tei­len. Für den fünf­ten Zu­stand hei­ßen die­se: in­di­sche Kul­tu­re­po­che, per­si­sche Kul­tu­re­po­che, chal­däisch-ba­by­lo­nisch-as­sy­risch-ägyp­tisch-jü­di­sche Epo­che, grie­chisch-latei­ni­sche Epo­che, un­se­re Epo­che, dann die sechs­te, an­ge­deu­tet in der Apo­ka­lyp­se durch die Ge­mein­de von Phi­la­del­phia, und die sie­ben­te Kul­tu­re­po­che, die die­se wie­der­um ablöst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Al­so wenn wir uns den­ken die gan­ze Evo­lu­ti­on aus lau­ter sol­chen klei­nen Zu­stän­den die aber noch im­mer lang ge­nug sind be­ste­hend, so ha­ben wir 7 mal 7 mal 7 mal 7 mal 7 sol­che Ent­wi­cke­lungs­stu­fen wie die alt­in­di­sche oder die alt­per­si­sche. So vie­le ver­schie­de­ne sol­che Zu­stän­de macht der Mensch zwi­schen Sa­turn und Vul­kan durch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:GA104 208.png|center|200px|Zeichnung aus GA 104, S. 208]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So se­hen Sie, wie die Sie­ben­zahl in au­f­ein­an­der­fol­gen­den Pe­rio­den auf­bau­end die gan­ze Ent­wi­cke­lung be­herrscht. Wie die mu­si­ka­li­schen Tö­ne von Ok­ta­ve zu Ok­ta­ve wei­ter­sch­rei­ten, so ver­f­ließt das gan­ze Wer­den in Wer­de-Ok­ta­ven.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun wol­len wir uns ein­mal da­ran er­in­nern, daß wir sie­ben die­ser Zu­stän­de von den 16807 in un­se­rer Zeit zwi­schen der gro­ßen at­lan­ti­schen Flut und dem gro­ßen Krie­ge al­ler ge­gen al­le ha­ben, daß wir vor­her auch sie­ben hat­ten in der at­lan­ti­schen Zeit. Aber wir er­in­nern uns auch, daß der Mensch vier von die­sen sie­ben Zu­stän­den der at­lan­ti­schen Zeit un­ter ganz an­de­ren Ver­hält­nis­sen durch­ge­macht hat als die drei spä­te­ren. Al­so jetzt wis­sen wir, was das für Zu­stän­de sind, wie wir sie zu zäh­len ha­ben. Vier von die­sen Zu­stän­den der gro­ßen Zahl hat der Mensch wäh­rend der at­lan­ti­schen Zeit so durch­ge­macht, daß er sich fühl­te als ei­ne Grup­pen­see­le, wie wir sie an­ge­ge­ben ha­ben als Ad­ler, Löwe, Stier und Mensch. Die­se vier Grup­pen­see­len bil­de­te er nach und nach aus wäh­rend die­ser vier Grun­dras­sen der at­lan­ti­schen Zeit. Weil nun&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
im­mer Ras­sen üb­rig­b­lei­ben, wie die in­di­sche zum Bei­spiel übrig­ge­b­lie­ben ist, ob­wohl sich spä­te­re ent­wi­ckelt ha­ben die Din­ge le­ben in­ein­an­der , dar­um blie­ben auch die vier Köp­fe, wel­che die Grup­pen­see­len an­ga­ben am Be­ginn der fünf­ten at­lan­ti­schen Kul­tu­re­po­che. Wir ha­ben die­ses vier­köp­fi­ge Tier.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun bil­de­te sich der Mensch zu glei­cher Zeit, als er be­gann sich vom Äthe­ri­schen ins Phy­si­sche zu ver­här­ten, ge­mäß sei­ner vi­er­grup­pi­gen See­le vier­er­lei ver­schie­de­ne Kör­per­g­lie­der aus. Und da­durch, daß sich das­je­ni­ge, was früh­er Grup­pen­see­len­be­wußt­sein war, ins In­di­vi­dual­be­wußt­sein ver­wan­delt hat, da­durch hat der Mensch bei Be­ginn des fünf­ten Zei­traums der At­lan­tis ei­nen Zu­sam­men­fluß der frühe­ren Vier­heit. Er trägt die vier Köp­fe in sich, die sich sum­mie­ren in sei­nem Kop­fe, der all­mäh­lich ent­steht. Der ist aus den vier Grup­pen­köp­fen zu­sam­men­ge­setzt, wie er im Ver­lau­fe der fünf­ten Pe­rio­de sich her­aus­ent­wi­ckelt. Die­sen vier Köp­fen ent­sp­re­chend hat der Mensch vier Tei­le sei­nes phy­si­schen Lei­bes. Das sind zu­nächst die vier «Hör­ner», so daß Sie sich den­ken kön­nen: Weil der Mensch ein äthe­ri­scher Mensch war, hat­te er vier Köp­fe, vier Tier­köp­fe nur der letz­te ist schon Men­schen­tier , denn das ist da­mit ge­meint. Er war vier­köp­fig, und je­des Kraft­sys­tem, das ei­nem die­ser Köp­fe ent­spricht, bil­de­te phy­si­sche Or­ga­ne. Wir ha­ben ges­tern ge­se­hen, daß es ein Kraft­sys­tem war, das un­ser Herz bil­de­te, näm­lich das­je­ni­ge, das mit dem Löw­en­kopf zu­sam­men­hängt. Es sind die ein­zel­nen Or­ga­ne des Men­schen wie Ver­dich­tun­gen der ent­sp­re­chen­den Glie­der des äthe­ri­schen Lei­bes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So denkt der Apo­ka­lyp­ti­ker. Er sagt sich: Das­je­ni­ge, was phy­sisch ist, ist Ver­di­ckung des Äthe­ri­schen. So wie Sie sich den­ken wür­den: Die­se Haut ver­dickt sich und bil­det ei­ne Schwie­le, so denkt sich der Apo­ka­lyp­ti­ker: Der Mensch ist vor­han­den äthe­risch, und das ver­dickt sich, wird phy­sisch. Und weil der Mensch vier­fach vor­han­den ist als vier Grup­pen­see­len, bil­den sich vier sol­che Ver­di­ckun­gen. Die set­zen sei­nen phy­si­schen Leib zu­sam­men. Das ist der Grund, warum man das­je­ni­ge, was im phy­si­schen Leib dem Äther­leib ent­spricht, als «Horn» be­zeich­net. Horn ist ei­ne schwie­li­ge Ver­di­ckung. Man be­zeich­net den Men­schen, wie er ge­ra­de in&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|210}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der vier­ten Pe­rio­de der at­lan­ti­schen Zeit ge­wor­den ist, als ein Tier mit vier Köp­fen und vier Hör­nern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt ent­wi­ckelt er sich zum in­di­vi­du­el­len Men­schen wei­ter. Das be­ginnt dann in der Nähe des heu­ti­gen Ir­land. Der Mensch geht durch drei letz­te Pe­rio­den durch, und zwar so, daß er die An­la­ge zum Ich-Men­schen hat. Da bil­det er zu­nächst, wenn Sie äu­ßer­lich sei­nen phy­si­schen Ent­wi­cke­lungs­gang ver­fol­gen, kei­nen Tier­kör­per mehr aus, son­dern ist zum Men­schen auf­ge­s­tie­gen. Er bil­det die Mensch­heit im­mer mehr aus, bis er das Chris­tus-Prin­zip auf­nimmt. Wenn wir den heu­ti­gen Men­schen an­se­hen, so wer­den wir sa­gen: Wie er heu­te vor uns steht, war er einst­mals nicht. Da­mit er das wer­den konn­te, muß­te er durch vier tie­ri­sche Grup­pen­see­len hin­durch­ge­hen, muß­te er ver­kör­pert wer­den in Kör­pern, die der heu­ti­gen Löw­en­ge­stalt, der Stier­ge­stalt, der Ad­ler- und der Men­schen­ge­stalt ent­sp­re­chen. Dann stieg er höh­er her­auf und wur­de im­mer men­sche­n­ähn­li­cher, und die Ge­stalt der frühe­ren Grup­pen­see­le ver­schwand. Die ist nicht mehr da, der Mensch ist men­sche­n­ähn­lich ge­wor­den.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt müs­sen Sie sich aber auch klar­wer­den über ein wich­ti­ges Er­eig­nis, das da­mals ein­t­rat, als der Mensch men­sche­n­ähn­lich wur­de, und oh­ne des­sen Ver­ständ­nis man nim­mer­mehr be­g­rei­fen kann die Apo­ka­lyp­se des Jo­han­nes, ein Er­eig­nis von größ­ter Wich­tig­keit. Bis zu die­sem Er­eig­nis, wo der Mensch über­ging in die Men­schen­see­len­haf­tig­keit, da war den Bli­cken der Men­schen to­tal ver­bor­gen, was spä­ter of­fen­bar ge­wor­den ist. Der Mensch hat­te ei­ne Art dump­fen, däm­mer­haf­ten Be­wußt­seins. Wenn er mor­gens auf­wach­te, sah er al­les so­zu­sa­gen wie von Ne­bel­ge­bil­den um­ge­ben, und wenn er ein­sch­lief, war er in der geis­ti­gen Welt. Die er­schi­en ihm in Bil­dern, denn das ist die Na­tur der geis­ti­gen Welt. Nun will ich Ih­nen et­was be­sch­rei­ben, was sich ab­spiel­te, be­vor der Mensch phy­sisch in den Men­schen­zu­stand über­ge­gan­gen ist, be­vor er ein­ge­t­re­ten ist aus der Grup­pen­see­len­haf­tig­keit zum vol­len Ich-Be­wußt­sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was der Mensch hier auf der Er­de er­leb­te, das be­stand nur in ei­ner An­zahl von Er­fah­run­gen. Dann sch­lief er ein und war wäh­rend des Schla­fes in dump­fem Be­wußt­sein in ei­ner geis­ti­gen Welt,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|211}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wo er zwi­schen Göt­tern und Geis­tern leb­te, wo­von ein Nach­klang in den My­then und Sa­gen vor­han­den ist. Da er­leb­te er ge­wal­ti­ge Bil­der, zum Bei­spiel das Bild, daß er zwei an­de­ren We­sen be­geg­ne­te, daß die bei­den Stei­ne hin­ter sich war­fen und daß aus den Stei­nen, die hin­ge­wor­fen wa­ren, an­de­re gleich­ge­ar­te­te We­sen aus der Er­de her­aus­wuch­sen, We­sen, wie sie sel­ber wa­ren. Das wa­ren Er­leb­nis­se, wie sie der Mensch noch die gan­ze vier­te Pe­rio­de der at­lan­ti­schen Zeit hin­durch hat­te. Wenn wir das deut­lich aus­sp­re­chen wol­len, so müs­sen wir sa­gen: Al­le Fortpfl­an­zung des Men­schen ge­schah nicht im Be­wußt­sein des Wa­chens, son­dern im Be­wußt­sein des Schla­fes. Wenn der Mensch au­ßer sei­nem phy­si­schen Leib und in der geis­ti­gen Welt war, da brach­te er so­zu­sa­gen in die­sem Be­wußt­s­eins­zu­stand, wo ihm al­les in Bil­dern er­schi­en, das­je­ni­ge, was an Tat­sa­chen für die Fortpfl­an­zung zu ge­sche­hen hat­te, in Be­we­gung, und der gan­ze Fortpfl­an­zungs­akt war in Geis­ti­ges ge­hüllt, er­schi­en ihm in dem Bil­de des Stein­wer­fens hin­ter sich. Der gan­ze Fortpfl­an­zungs­akt war ge­hüllt in geis­ti­ges Be­wußt­sein, lag hin­ter dem Ta­ges­be­wußt­sein. Der Mensch wuß­te nichts vom Ge­sch­lecht­li­chen. Im Ta­ges­be­wußt­sein sah er sich nicht so, als ob er in zwei Ge­sch­lech­tern vor­han­den wä­re, und sei­ne See­le war un­be­rührt von je­dem Ge­dan­ken an das Ge­sch­lecht­li­che. Nicht, als ob es nicht vor­han­den ge­we­sen wä­re. Es war vor­han­den, aber es ruh­te im Dun­kel ei­nes geis­ti­gen Be­wußt­seins. Es war für den Men­schen wäh­rend des Ta­ges­be­wußt­seins nicht vor­han­den.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit der Er­rin­gung der ers­ten An­la­ge zum Ich-Be­wußt­sein wird dem Men­schen die Ge­sch­lecht­lich­keit erst be­wußt. Das ist der Mo­ment, der uns in der Bi­bel dar­ge­s­tellt wird, wo Adam und Eva ge­wahr wer­den, daß es et­was wie ei­ne Ge­sch­lecht­lich­keit gibt. Die­sen be­deu­tungs­vol­len dra­ma­ti­schen Mo­ment, hier­her ha­ben wir ihn in der Er­den­ent­wi­cke­lung zu set­zen. Und wenn Sie hell­se­he­risch zu­rück­bli­cken auf die Zeit, die vor­an­ging, so se­hen Sie von dem Men­schen eben nur das­je­ni­ge, was die Werk­zeu­ge des Geis­tes sind. Das an­de­re war über­haupt nicht zu se­hen. Der Mensch war nur sei­ner obe­ren Ge­stalt nach zu se­hen. Und von dem ge­nann­ten Zeit­punkt an fing man an, den Men­schen ganz zu se­hen. Es ist uns jetzt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|212}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
be­g­reif­lich, warum die Men­schen sich nun ver­hüll­ten. Vor­her sa­hen sie nichts, was sie hät­ten ver­hül­len sol­len. So trat der Mensch all­mäh­lich ins Äu­ße­re her­aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir die äu­ße­re Men­schen­ge­stalt als das Ver­dich­te­te des Äthe­ri­schen be­trach­ten, so ha­ben wir in der vier­ten at­lan­ti­schen Stu­fe zu den vier Grup­pen­see­len­köp­fen die vier Hör­ner. Jetzt aber be­ginnt sich für die drei letz­ten at­lan­ti­schen Epo­chen im Phy­si­schen ein Dop­pel­tes aus­zu­bil­den. Für je­de Stu­fe, wo sich wei­ter ein Grup­pen­see­len­kopf aus­bil­den soll­te, bil­de­te sich ein dop­pel­tes Phy­si­sches, männ­lich und weib­lich, aus. Sie ha­ben für die vier ers­ten Stu­fen den Men­schen ge­bil­det mit vier Köp­fen, das ver­dick­te Äthe­ri­sche mit vier Hör­nern. Jetzt ha­ben wir drei fol­gen­de Köp­fe, die nicht sicht­bar sind, weil die äu­ße­re Men­schen­ge­stalt sie auf­nimmt, weil sie nicht zur Dar­stel­lung kom­men. Die­se drei sind nur für den Hell­se­her wahr­zu­neh­men, drei äthe­ri­sche Köp­fe, die Haupt­men­schen­köp­fe, und da­zu je zwei Hör­ner, die wie Schat­ten ne­ben ihm sind, wie Dop­pel­schat­ten. So ha­ben wir, als die at­lan­ti­sche Flut he­r­ein­brach, sie­ben Gat­tungs- oder Grup­pen­see­len­köp­fe, wo­von die drei letz­ten im­mer so er­schei­nen, daß sie ihr Phy­si­sches in zwei­fa­cher Ge­stalt ha­ben, im­mer als Männ­li­ches und Weib­li­ches. Dar­aus se­hen Sie, daß die gan­ze Grup­pen­see­len­haf­tig­keit des Men­schen am En­de der at­lan­ti­schen Zeit, wenn auch das Spä­te­re un­sicht­bar bleibt, sie­ben Köp­fe und zehn Hör­ner hat. Die vier ers­ten Köp­fe be­kom­men kein Männ­li­ches und Weib­li­ches ge­t­rennt an Hör­nern, die drei letz­ten be­kom­men aber Männ­li­ches und Weib­li­ches ge­t­rennt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die sie­ben Köp­fe und zehn Hör­ner hat der Mensch in sich. Das muß er nun so be­ar­bei­ten durch die Auf­nah­me des Chris­tus-Prin­zi­pes, daß sie so­zu­sa­gen ver­nich­tet wer­den. Denn je­des­mal, wenn heu­te der Mensch stirbt, ist in sei­nem as­tra­li­schen Lei­be sehr wohl zu se­hen die Sie­ben­köp­fig­keit und Zehn­hör­nig­keit. Das wird nur zu­sam­men­ge­hal­ten wie Kaut­schuk, der ent­sp­re­chend ge­bil­det wird. Neh­men Sie an, der Mensch ver­här­te­te sich wäh­rend un­se­rer Zeit ge­gen das Chris­tus-Prin­zip und kä­me an in der Zeit des gro­ßen Krie­ges al­ler ge­gen al­le, oh­ne das Chris­tus-Er­leb­nis ge­habt zu&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|213}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ha­ben, kä­me an und hät­te den Chris­tus von sich ge­sto­ßen, dann wür­de, wenn die Er­de ins As­tra­li­sche über­geht, das­je­ni­ge, was da war, wo­zu er es ge­bracht hat, was er hät­te um­wan­deln sol­len, her­vor­sprin­gen, her­vor­sprin­gen in sei­ner al­ten Ge­stalt. Das Tier wür­de er­schei­nen mit den sie­ben Köp­fen und zehn Hör­nern, wäh­rend für die­je­ni­gen, die das Chris­tus-Prin­zip auf­ge­nom­men ha­ben, die Ge­sch­lecht­lich­keit wie­der­um über­wun­den sein wird. Die Ver­här­te­ten wer­den die sechs­hör­ni­ge Ge­sch­lecht­lich­keit wohl be­wah­ren und wer­den in ih­rer Ganz­heit er­schei­nen als das Tier mit den sie­ben Köp­fen und zehn Hör­nern, die ver­an­lagt wor­den sind in der at­lan­ti­schen Zeit. Sie kön­nen um­ge­wan­delt wer­den durch die Auf­nah­me des Chris­tus-Im­pul­ses. Wenn aber der Chris­tus zu­rück­ge­wie­sen wird, wer­den sie blei­ben und wie­der er­schei­nen in je­ner Zeit, die da­mit an­ge­deu­tet wird, daß die Zor­nes­scha­len aus­ge­gos­sen wer­den und die Er­de so­zu­sa­gen ge­spal­ten er­scheint in zwei Tei­le: in den Teil, wo die Chris­tus-Men­schen mit wei­ßen Klei­dern er­schei­nen als die Au­s­er­wähl­ten, schon zur Zeit der Sie­gel, und in den an­de­ren Teil, wo die Men­schen er­schei­nen in der Ge­stalt des Tie­res mit den sie­ben Köp­fen und zehn Hör­nern. Dann er­scheint auch ein an­de­res Tier mit zwei Hör­nern, sym­bo­li­siert durch die Zahl 666.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|214}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= ELFTER VORTRAG, Nürnberg, 29. Juni 1908 =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ent­wi­cke­lung un­se­rer Er­de ha­ben wir so weit ver­folgt, daß wir ge­se­hen ha­ben, wie nach ver­schie­de­nen be­deut­sa­men Er­eig­nis­sen, die uns durch die Auf­sch­lie­ßung der sie­ben Sie­gel, durch das Er­tö­nen der sie­ben Po­sau­nen cha­rak­te­ri­siert sind, in der Zu­kunft die Er­de über­geht in ei­ne Art geis­ti­gen Zu­stand mit al­len ih­ren We­sen­hei­ten. Aus­ge­nom­men wer­den nur die­je­ni­gen sein, die sich wei­ger­ten, das Chris­tus-Prin­zip auf­zu­neh­men, wo­bei wir das «Wei­gern» durch­aus in dem Sinn ei­ner en­er­gi­schen, bös­wil­li­gen und un­in­tel­li­gen­ten geis­ti­gen Op­po­si­ti­on zu den­ken ha­ben. Na­tür­lich wer­den auch die­se We­sen­hei­ten dann, wenn die Er­de ih­re as­tra­li­sche, ih­re geis­ti­ge Form an­ge­nom­men ha­ben wird, nicht in ei­nem derb ma­te­ri­el­len, sa­gen wir, er­di­gen Stoff da sein kön­nen, son­dern auch sie wer­den für die Zeit, die dann folgt nach den Po­sau­n­en­klän­gen, für die Zeit, die wir cha­rak­te­ri­siert ha­ben durch das Aus­gie­ßen der Zor­nes­scha­len, in as­tra­li­sche For­men über­ge­hen, aber ih­re nie­de­rer ge­wor­de­ne Na­tur, das, was ih­nen ei­gen ist, weil sie nicht auf­ge­nom­men ha­ben das Chris­tus-Prin­zip, das wird sich im As­tra­li­schen da­durch au­s­prä­gen, daß sie im we­sent­li­chen je­ne Tier­ge­stalt tra­gen, die wir als das Tier mit den sie­ben Köp­fen und zehn Hör­nern cha­rak­te­ri­siert ha­ben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun ha­ben Sie ja aus al­lem, was ge­sagt wor­den ist, ent­neh­men kön­nen, wie die Be­zie­hung ist zwi­schen dem, was wir da Köp­fe und was wir Hör­ner nen­nen. Aber es wird Ih­nen da­bei noch im­mer ei­ne Fra­ge so­zu­sa­gen auf der See­le sein, die Fra­ge: Warum nennt man denn just das­je­ni­ge, was im phy­si­schen Leib als die­ses oder je­nes Or­gan auf­tritt, ei­gent­lich Horn? Warum be­zeich­net man denn die phy­si­schen Or­ga­ne und ih­re Über­b­leib­sel im As­tra­li­schen, wenn die Er­de as­tra­lisch ge­wor­den sein wird, als Hör­ner? Das ist ja leicht ver­ständ­lich, daß die­je­ni­gen Men­schen, wel­che das Prin­zip des Chris­tus nicht in sich auf­ge­nom­men ha­ben, wie­der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|215}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
zu­rück­fal­len müs­sen in den Zu­stand, in dem der Mensch war, be­vor er des Chris­tus-Prin­zi­pes teil­haf­tig wer­den konn­te. Der Mensch war vor­her ein un­in­di­vi­du­el­les We­sen mit ei­ner Grup­pen­see­le, und wir ha­ben ge­se­hen, daß er durch die vier ers­ten Zei­träu­me der at­lan­ti­schen Zeit mit den Grup­pen­see­len aus­ge­stat­tet war, die in rich­ti­ger Wei­se sym­bo­lisch dar­ge­s­tellt wer­den durch den Stier­kopf, Löw­en­kopf, Ad­ler­kopf und den Men­schen­kopf, wo­bei wir uns die­sen letz­te­ren als Tier­men­schen­kopf vor­zu­s­tel­len ha­ben. Wir ha­ben uns al­so durch­aus zu den­ken, daß, wenn der Mensch wie­de­r­er­scheint in der ver­geis­tig­ten Er­de und un­be­nutzt ge­las­sen hat das Chris­tus-Prin­zip wäh­rend un­se­rer Epo­che, er dann, weil er eben nichts da­zu bei­ge­tra­gen hat, sei­ne frühe­re Ti­er­grup­pen­see­len­haf­tig­keit höh­er aus­zu­bil­den, wie­der­um in der al­ten Ge­stalt er­scheint, und nicht nur in die­ser Ge­stalt, son­dern mit wei­te­ren drei Köp­fen, die er durch die spä­te­ren Zei­träu­me sich noch zu­ge­zo­gen hat. Be­vor die gro­ße Flut von At­lan­tis her­ein­ge­bro­chen ist, wa­ren ja auf die ers­ten vier Zei­träu­me noch drei ge­folgt. In die­sen drei Zei­träu­men ha­ben ja die­je­ni­gen, wel­che spä­ter das Chris­tus-Prin­zip auf­ge­nom­men ha­ben, auch in ei­ner ge­wis­sen Wei­se die Mög­lich­keit in sich ge­habt, wei­te­re drei Grup­pen­see­len­köp­fe in sich auf­zu­neh­men, aber sie ha­ben sie um­ge­stal­tet, sie ha­ben das Tie­ri­sche im Men­schen auf ein Höhe­res hin­auf­ge­ho­ben. Sie er­schei­nen in ver­geis­tig­ter Ge­stalt, wenn die Er­de ver­geis­tigt sein wird. Die an­de­ren, die das Chris­tus-Prin­zip von sich ge­wie­sen ha­ben, er­schei­nen mit sie­ben Köp­fen, weil es sie­ben Zei­träu­me gab, inn­er­halb wel­cher vor der Flut das Tie­ri­sche aus­ge­bil­det wor­den ist. Und weil in den letz­ten drei at­lan­ti­schen Zei­ten die Zwei­ge­sch­lech­tig­keit ge­wal­tet hat im Ge­gen­satz zu den vier ers­ten, er­scheint so­zu­sa­gen je­der Kopf mit zwei Mög­lich­kei­ten nach dem Tie­ri­schen hin, mit männ­li­cher und weib­li­cher Mög­lich­keit, so daß je­der Kopf für die­se drei letz­ten Zei­ten mit zwei Hör­nern er­scheint, im gan­zen der Mensch al­so mit zehn Hör­nern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun kann je­mand sa­gen: Ich ver­ste­he wohl, daß die­je­ni­gen Men­schen, die nichts an sich ar­bei­ten, um die Ge­stalt, die sie ha­ben, ab­zu­st­rei­fen, um sie ins Men­sch­li­che her­auf­zu­he­ben, wie­de­r­er­schei­nen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|216}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
in der tie­ri­schen Ge­stalt, aber nicht, warum man nun von Hör­nern spricht. Daß man von Köp­fen spricht, das ist leicht zu ver­ste­hen, warum aber von Hör­nern? Nun will ich er­klä­ren, warum man von Hör­nern nicht nur spricht, son­dern sp­re­chen muß. Nicht bloß sym­bo­lisch ist der Aus­druck zu ver­ste­hen, son­dern es ist Wir­k­lich­keit. Tat­säch­lich wer­den die Men­schen, die ver­feh­len, das Chris­tus-Prin­zip in sich auf­zu­neh­men, ja auch in as­tra­li­scher Ge­stalt er­schei­nen. &#039;Weil sie aber ih­re Trie­be so ge­stal­tet ha­ben, daß sie so­zu­sa­gen an der tie­ri­schen Grup­pen­see­le fest­ge­hal­ten ha­ben, er­schei­nen die ent­sp­re­chen­den Trie­be in dem as­tra­li­schen Lei­be, den die Men­schen dann ha­ben wer­den, in Form von hör­ner­ar­ti­gen Fort­set­zun­gen. Es ist ei­ne wir­k­li­che Ge­stalt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich will es an ei­nem Or­gan er­klä­ren, wie es kommt, daß der Mensch, der das Chris­tus-Prin­zip nicht in sich auf­nimmt, tat­säch­lich mit Hör­nern er­scheint, wenn die Er­de sich ver­geis­tigt ha­ben wird. Neh­men Sie das Or­gan des men­sch­li­chen Kehl­kop­fes und die Luf­tröh­re. Sie at­men fort­wäh­rend in die­ser Luf­tröh­re Luft ein und aus. Das ist ei­ne Tä­tig­keit, die der Mensch aus­übt. Die­se Tä­tig­keit steht bei dem Men­schen, der sich ver­geis­tigt, im Di­ens­te des Geis­ti­gen, bei dem Men­schen aber, der nicht sei­ne Hin­nei­gung, sei­ne Hin­ord­nung zum Chris­tus-Prin­zip nimmt, steht sie in Be­zie­hung zu den al­ten, zu den sie­ben Köp­fen ge­hö­ri­gen Kräf­ten. Set­zen wir al­so den Fall, daß wir es sche­ma­tisch so auf­zeich­nen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:GA104 216.png|center|400px|Zeichnung aus GA 104, S. 216]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fort­wäh­rend geht die Luft durch den Kehl­kopf hin­ein von au­ßen. Sie wis­sen aber, daß der as­tra­li­sche Leib des Men­schen ihn um­gibt. Der Strom der Luft, der hin­ein­geht, wird im­mer in Ver­bin­dung sein mit dem As­tra­li­schen. Wenn die Er­de nun sich ver­geis­tigt, zeigt es sich, ob die At­mung bei ei­nem Men­schen ein&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|217}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die­ner des Chris­tus-Prin­zips oder ob sie ein Die­ner der nie­de­ren Kräf­te war, die schon vor dem Chris­tus-Prin­zip in der Welt wa­ren. War sie ein Die­ner des Chris­tus-Prin­zips, dann ver­liert sie je­ne Form, die sich dem heu­ti­gen Lei­be anpaßt. Der Mensch hat dann selbst die Ge­walt, al­les, was as­tra­lisch ist, in ei­ne höhe­re, ver­geis­tig­te Form um­zu­wan­deln. Nimmt er das Chris­tus-Prin­zip nicht auf, dann ist er au­ßer­stan­de, das­je­ni­ge, was der heu­ti­gen flei­sch­li­chen Form an­gepaßt ist, aus die­ser flei­sch­li­chen Form her­aus­zu­brin­gen. Und die Fol­ge da­von ist, daß, nach­dem das Flei­sch­li­che ab­ge­fal­len, ver­schwun­den ist, nach­dem der phy­si­sche Kehl­kopf fort­ge­gan­gen ist, die­se Form des as­tra­li­schen Lei­bes bleibt, die da sich im­mer­fort mit dem Atem hin­ein­steckt in den Kehl­kopf. Die­se Form bleibt in der Ge­stalt ei­nes Hor­nes vor­han­den. Übe­rall, wo am Men­schen die äu­ße­ren as­tra­li­schen Kräf­te ein- und aus­ge­hen, blei­ben sie an­gepaßt der vor­her­ge­hen­den tie­ri­schen Ge­stalt, wenn der Mensch in die as­tra­li­sche Form über­geht, das heißt es er­scheint der Mensch dann mit wah­ren as­tra­li­schen Hör­nern. Das sind wir­k­li­che as­tra­li­sche Ge­stal­ten, sie ent­sp­re­chen ge­nau dem Ein­drin­gen der as­tra­li­schen Sub­stan­tia­li­tät wäh­rend des Er­den­le­bens. Es ist so, daß uns in die­sen Bil­dern nicht be­lie­bi­ge Sym­bo­le hin­ge­s­tellt wer­den, son­dern daß sie die wah­re Ge­stalt des­sen ha­ben, was einst er­scheint. Das gilt es auf­zu­fas­sen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun wol­len wir ein­mal an der Hand des­sen, was wir neu­lich be­trach­tet ha­ben, an der Hand je­nes et­was un­be­hag­li­chen Sche­mas mit den vie­len Zah­len, den Platz in der Welt­ent­wi­cke­lung be­stim­men, an dem wir ste­hen. Da sind wir uns klar dar­über, daß die 49 gro­ßen Ver­wand­lungs­for­men des Sa­turn vor­bei sind, die sie­ben Le­bens­for­men des Sa­turn, die in theo­so­phi­schen Büchern auch «Run­den» ge­nannt wer­den, mit je sie­ben Form­zu­stän­den, «Glo­ben», daß fer­ner vor­über sind die 49 ent­sp­re­chen­den Son­nen­zu­stän­de und die 49 Mond­zu­stän­de. Die hat der Mensch in sei­ner bis­he­ri­gen Ent­wi­cke­lung durch­ge­macht, im gan­zen al­so 147 Zu­stän­de. Da­zu kom­men nun die Zu­stän­de, die der Mensch schon wäh­rend un­se­rer Er­den­ent­wi­cke­lung durch­ge­macht hat. Da sind vor­über die drei ers­ten Le­bens­rei­che, die man auch die drei ers­ten Run­den nennt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|218}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir le­ben im vier­ten Le­bens­reich, in der vier­ten Run­de. Weil nun je­de sol­che Run­de wie­der­um sie­ben Zu­stän­de der Form um­faßt, so ha­ben wir 3 mal 7 Zu­stän­de wäh­rend der drei ers­ten Run­den ab­sol­viert. Zu den 147 kom­men al­so 21 hin­zu. Das vier­te Le­bens­reich ha­ben wir noch nicht ab­sol­viert, aber wir ha­ben ei­nen Teil von die­sem hin­ter uns. Wir ha­ben die drei ers­ten Form­zu­stän­de ab­sol­viert, den fast noch form­lo­sen geis­ti­gen Zu­stand oder Aru­pa-Zu­stand, den Ru­pa- und den as­tra­li­schen Zu­stand. Im phy­si­schen ste­hen wir. So kom­men zu den 147 plus 21 noch 3 hin­zu. Wir ha­ben al­so ab­sol­viert 171 Form­zu­stän­de von den 343 der sie­ben Pla­ne­ten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie müs­sen vor al­len Din­gen ins Au­ge fas­sen, daß wir jetzt in dem 172. Form­zu­stand ste­hen, und das ist die phy­si­sche Er­de. 171 Zu­stän­de hat sie schon durch­ge­macht. Wäh­rend die­ses 172. Zu­stan­des hat sich al­les das zu­ge­tra­gen, was wir ge­schil­dert ha­ben. Als er be­gon­nen hat, die­ser Zu­stand, war die Er­de ver­bun­den mit Son­ne und Mond. Wäh­rend die­ses Zu­stan­des ist die Son­ne, ist der Mond her­aus­ge­gan­gen, und nach­dem Son­ne und Mond her­aus­ge­gan­gen wa­ren, er­schi­en der Mensch als heu­ti­ger Mensch auf der phy­si­schen Er­de. Und es be­gann dar­auf die at­lan­ti­sche Zeit, von der wir ge­spro­chen ha­ben, und wir ha­ben ge­sagt: Die­sen Zei­traum, der der 172. ist, den müs­sen wir wie­der ein­tei­len in sie­ben Zei­träu­me. Der ers­te liegt weit zu­rück, da war am An­fang noch die Son­ne bei der Er­de. Et­was sehr un­ei­gent­lich ist man ge­wohnt wor­den, die­sen Zei­traum die po­la­ri­sche Men­schen­ras­se zu nen­nen. Von die­ser kann man kaum ei­ne Vor­stel­lung ge­ben. Dann folgt, wäh­rend des Hin­aus­ge­hens der Son­ne, die Ras­se der Hy­per­bo­räer, dann, wäh­rend des Hin­aus­ge­hens des Mon­des, ei­ne drit­te, die so­ge­nann­te le­mu­ri­sche Men­schen­ras­se. Das sind drei Zu­stän­de, und der vier­te inn­er­halb die­ses 172. Zu­stan­des ist die at­lan­ti­sche Ras­se. Die fünf­te Ras­se ist die­je­ni­ge, in der wir selbst ste­hen. Nach der vier­ten war die gro­ße at­lan­ti­sche Flut. Nach der un­se­ri­gen folgt die­je­ni­ge, die in der Apo­ka­lyp­se des Jo­han­nes durch die sie­ben Sie­gel aus­ge­drückt ist, und dann die­je­ni­ge, die durch die sie­ben Po­sau­nen aus­ge­drückt ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|219}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun wis­sen wir, daß je­der die­ser Zei­träu­me wie­der in sie­ben zer­fällt, denn wir ha­ben den un­se­ri­gen, den fünf­ten inn­er­halb des 172. Form­zu­stan­des, zer­teilt in die alt­in­di­sche, alt­per­si­sche, chal­däisch-ba­by­lo­nisch-as­sy­risch-ägyp­tisch-jü­di­sche, in die grie­chisch-latei­ni­sche, in un­se­re, in ei­ne sechs­te und ei­ne sie­ben­te Kul­tu­re­po­che. Dann folgt der gro­ße Krieg al­ler ge­gen al­le. Das, was nach dem gro­ßen Krie­ge kommt, zer­fällt wie­der in sie­ben Glie­der, aus­ge­drückt durch die sie­ben Sie­gel, und das­je­ni­ge, was durch die sie­ben Po­sau­nen aus­ge­drückt ist, ist wie­der­um in sie­ben Glie­der ge­teilt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn Sie nun in Be­tracht zie­hen, daß 171 noch zu­künf­ti­ge Form­zu­stän­de zu den be­reits ver­f­los­se­nen hin­zu­ge­zählt wer­den müs­sen, dann ha­ben Sie 342, ein wei­te­rer da­zu, der ge­gen­wär­ti­ge, gibt al­le 343, aber in die­sem le­ben wir drin­nen, er steht in der Mit­te. Nun kann je­mand sa­gen: Das ist ei­gent­lich ei­ne ganz wun­der­ba­re Sa­che, daß wir ge­ra­de das Glück ha­ben, in der Mit­te der Welt­ent­wi­cke­lung zu le­ben. Das muß in der Tat man­chem, der nicht wei­ter dar­über nach­denkt, als son­der­ba­re Tat­sa­che er­schei­nen, daß wir so mit­ten in der Ent­wi­cke­lung le­ben. Ja, für den­je­ni­gen, der die Sa­che ganz durch­schaut, ist es gar nicht so son­der­bar. Es ist nicht wun­der­ba­rer, als wenn je­mand, der auf frei­em Fel­de in ebe­ner Ge­gend steht, wo er nach hin­ten und vorn gleich weit sieht, sich in der Mit­te des Ge­sichts­fel­des be­fin­det. Wenn er ein Stück wei­ter­geht, blickt er wie­der gleich weit nach hin­ten und nach vor­ne. Ganz an­de­re Zu­stän­de in der Welt­ent­wi­cke­lung wür­den sich er­ge­ben, wenn wir uns an ei­nen an­de­ren Punkt stel­len wür­den. Wir sind im­mer in der Mit­te. Der Mensch kann nach hin­ten und vor­ne im­mer gleich viel se­hen, auch mit noch so hell­se­he­ri­schen Or­ga­nen. Et­was an­de­res könn­te vi­el­leicht noch auf­fäl­lig sein. Es könn­te je­mand sa­gen: Wie kommt es, daß du uns nicht sagst, auch im üb­ri­gen sei­en wir ganz ge­nau in der Mit­te. Denn jetzt stimmt es nicht mehr. Wir zäh­len da den 172. Form­zu­stand. Die ge­naue Mit­te wä­re im vier­ten Zei­traum des­sel­ben, wir ste­hen aber im fünf­ten, al­so et­was über der Mit­te drau­ßen. Das stimmt al­so nicht ge­nau da­mit, daß wir wir­k­lich in der Mit­te sind. Da liegt ei­ne ei­gen­tüm­li­che Tat­sa­che zu­grun­de. Durch ei­nen Ver­g­leich kön­nen Sie es sich klar­ma­chen. Wenn Sie ihn&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
ge­nau er­fas­sen, so se­hen Sie, daß das ei­ne wich­ti­ge Tat­sa­che ist. Es ist wir­k­lich so: In be­zug auf die gro­ßen Haupt­zu­stän­de, Form­zu­stän­de ste­hen wir in der Mit­te, aber in be­zug auf die­je­ni­gen Zu­stän­de, die uns am al­ler­nächs­ten an­ge­hen, ste­hen wir et­was über die Mit­te hin­aus. Warum ist das so?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den­ken Sie sich ein­mal, Sie wür­den in ei­ner ganz ebe­nen Ge­gend auf ei­ner Ei­sen­bahn­st­re­cke fah­ren und in der La­ge sein, nicht im Wag­gon sit­zen zu müs­sen, son­dern in ei­nem für Sie be­son­ders zu­ge­rich­te­ten Wa­gen, und zwar so, daß Sie nach al­len Sei­ten hin ei­nen frei­en Blick hät­ten. Neh­men wir an, Sie wä­ren im­stan­de, das lan­ge Zeit hin­durch zu ma­chen. Sie hät­ten wir­k­lich ei­nen frei­en Aus­blick, und wenn Sie in ir­gend­ei­nem Punk­te Ih­rer Fahrt sehr rasch ein Bild ent­wer­fen könn­ten von der ge­sam­ten Um­ge­bung, so wür­de die­ses Bild voll­stän­dig kreis­för­mig ab­ge­sch­los­sen sein. Nur in ei­nem Fal­le wür­de dies nicht der Fall sein. Den­ken Sie sich ein­mal, Sie sit­zen in dem da­hin­fah­ren­den Zug und fi­xie­ren das Bild, das Sie vor sich ha­ben. In die­sem Au­gen­blick, wo Sie es fi­xie­ren, schla­fen Sie ein und fah­ren ei­ne Zeit­lang schla­fend, und dann, wenn Sie schla­fen, wer­den Sie ei­ne St­re­cke hin­durch nicht ge­wahr, wie das Bild sich ve­r­än­dert. Sie wa­chen auf, und in dem Zeit­punkt, wo Sie auf­wa­chen, da den­ken Sie sich das Bild, das Sie vor­her fi­xiert ha­ben, rasch wie­der auf­le­ben. Jetzt stimmt es nicht, und der Grund da­von ist, daß Sie ei­ne ge­wis­se Zeit­st­re­cke ver­schla­fen ha­ben. Jetzt fällt nicht zu­sam­men Ihr Bild mit dem Blick, der nach al­len Sei­ten gleich ist, denn Sie ha­ben da­zu ein Stück, das Sie ver­schla­fen ha­ben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun fra­gen wir: Ist das wir­k­lich so, daß der Mensch von der Mit­te sei­ner Ent­wi­cke­lung bis in un­se­re Zeit he­r­ein ge­schla­fen hat? Es wä­re uns vi­el­leicht er­klär­lich, daß das Bild bis da­hin voll­stän­dig stim­men muß­te, jetzt, wo wir über die Mit­te hin­aus­ge­kom­men sind, wür­de, wenn wir ge­schla­fen hät­ten, es mög­lich sein, daß das Bild sich ein Stück ver­scho­ben hat. Hat der Mensch ge­schla­fen? Im ok­kul­ten Sinn hat die Mensch­heit seit der Mit­te der at­lan­ti­schen Zeit ge­schla­fen, weil das die Zeit ist, wo dem gan­zen Men­schen­ge­sch­lecht als sol­chem ab­han­den ge­kom­men ist das&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
al­te däm­mer­haf­te Hell­se­hen. Die Men­schen tau­chen un­ter für das Geis­ti­ge wie in ei­nen Schlaf­zu­stand. Sie fan­gen an, ih­ren Blick auf die sinn­li­che Welt zu rich­ten und ge­hen al­so für die geis­ti­ge Welt in ei­nen Schlaf­zu­stand über. Und erst wenn der Mensch wie­der­um das Hell­se­hen er­langt hat, dann wird er so­zu­sa­gen nach al­len Sei­ten ei­nen frei­en Aus­blick ha­ben. Es wird nicht mehr die­se Ver­schie­bung der Evo­lu­ti­on sein, es wird nach vor­ne und hin­ten die­sel­be St­re­cke er­schei­nen. Tat­säch­lich hat der Mensch seit der Mit­te der at­lan­ti­schen Zeit ge­schla­fen da­durch, daß er nicht teil­haf­tig war der An­schau­ung der geis­ti­gen Wel­ten als nor­ma­ler Mensch. Wenn wir von den Ein­ge­weih­ten oder auch von Som­nam­bu­len mei­net­we­gen ab­se­hen, so müs­sen wir sa­gen: Die Men­schen se­hen nicht, denn «se­hen» be­deu­tet, wir­k­lich in die Welt hin­ein­schau­en. Ge­gen­über der geis­ti­gen Welt schläft die Mensch­heit und sie wird noch ei­ne Zeit­lang schla­fen. Seit je­ner at­lan­ti­schen Zeit gilt der Aus­spruch des Jo­han­nes-Evan­ge­li­ums: «Und das Licht schi­en in die Fins­ter­nis, aber die Fins­ter­nis hat es nicht be­grif­fen.»&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So al­so ver­birgt sich in die­ser Ein­tei­lung doch ei­ne wich­ti­ge Wahr­heit, die Wahr­heit, daß die Mensch­heit in ei­nem fins­te­ren Zei­tal­ter lebt, in dem Zei­tal­ter der Fins­ter­nis. Und in die­ses Zei­tal­ter wur­de das Chris­tus-Prin­zip he­r­e­in­ver­setzt, da­mit die Mensch­heit hin­aus­ge­führt wer­de in das Zei­tal­ter des Lichts. Des­halb muß­te ich Ih­nen mit Recht den ge­gen­wär­ti­gen Stand der Ent­wi­cke­lung nicht in die Mit­te, son­dern hin­ter die Mit­te le­gen, weil in At­lan­tis das fins­te­re Zei­tal­ter be­ginnt, das bis in das sechs­te Zei­tal­ter hin­ein­geht, bis da­hin, wo die au­s­er­le­se­ne Schar in wei­ßen Klei­dern er­scheint, wo die­se Schar er­scheint als die ers­ten, die wie­der im­stan­de sind, in den ge­wöhn­li­chen nor­ma­len Ver­hält­nis­sen die geis­ti­ge Welt um sich her­um zu ha­ben. Da ist der Zei­traum der Fins­ter­nis ab­ge­lau­fen, da er­scheint der Zei­traum, von dem es hei­ßen muß: «Das Licht scheint in die Fins­ter­nis und die Fins­ter­nis be­g­reift das Licht.» Das schwar­ze Zei­tal­ter wird des­halb auch die Zeit ge­nannt, in wel­cher der Mensch sei­nen Blick nur auf die phy­sisch-ma­te­ri­el­le Welt rich­tet und im nor­ma­len Zu­stand nicht die geis­ti­ge Welt da­hin­ter sieht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|222}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun­mehr wol­len wir aber an­knüp­fen an das, was wir wei­ter über die Ent­wi­cke­lung ge­sagt ha­ben. Wenn die Ent­wi­cke­lung bis nach dem sie­ben­ten Zei­traum vor­ge­schrit­ten sein wird, nach der Zeit, wel­che durch die Po­sau­n­en­klän­ge an­ge­deu­tet ist, dann ver­geis­tigt sich die Er­de, und die Er­de geht zu­nächst ins As­tra­li­sche, dann ins De­vacha­ni­sche und in den fei­ne­ren de­vacha­ni­schen Zu­stand über. Und sie geht dann wie­der­um zu­rück in die­sel­ben Zu­stän­de, in­dem sie sich von dem feins­ten Geis­ti­gen im­mer mehr ver­dich­tet und in den­je­ni­gen Zu­stand kommt, wel­chen man ge­wöhn­lich in theo­so­phi­schen Hand­büchern die fünf­te Run­de nennt, die wie­der­um sie­ben Form­zu­stän­de ha­ben wird, und in der Mit­te wie­der­um durch ei­ne sol­che Ent­wi­cke­lung von sie­ben au­f­ein­an­der­fol­gen­den, mei­net­we­gen Ras­se­zu­stän­den cha­rak­te­ri­siert wer­den müß­te.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun wol­len wir uns ein­mal, wenn es uns auch schwer wird, doch in die nächs­ten Zu­stän­de un­se­rer Er­den­ent­wi­cke­lung ein we­nig ver­tie­fen. Wir wol­len ei­nen ganz be­stimm­ten Punkt un­se­rer Ent­wi­cke­lung in der Zu­kunft ins Au­ge fas­sen, eben­so wie wir un­se­ren jet­zi­gen Punkt ins Au­ge ge­faßt ha­ben. Fas­sen wir noch ein­mal un­se­ren jet­zi­gen Ent­wi­cke­lungs­punkt ins Au­ge, und zwar so, daß wir bloß an­fan­gen mit un­se­rem jet­zi­gen 172. Zu­stand. Von die­sem 172. Zu­stan­de hat die Er­de drei Un­ter­zu­stän­de schon ab­sol­viert. Der 172. Zu­stand ist der phy­si­sche Form­zu­stand, die Er­de selbst. Drei [Form­zu­stän­de] hat sie vor­her schon ab­sol­viert. Sie ist jetzt im vier­ten die­ser Zu­stän­de. Wir fas­sen al­so zu­nächst nur ins Au­ge die Form­zu­stän­de [der Er­de]. Wir rech­nen, daß wir in dem vier­ten Le­bens­reich oder der vier­ten Run­de sind. Die be­trach­ten wir als ge­ge­ben und sa­gen: Von die­ser vier­ten Run­de, von die­sem vier­ten Le­bens­reich ha­ben wir durch­ge­macht drei Form­zu­stän­de, und wir sind im vier­ten die­ser Form­zu­stän­de. Fra­gen wir uns nun wei­ter: Wie­viel ha­ben wir von den Un­ter­zu­stän­den durch­ge­macht? Den ers­ten, zwei­ten, drit­ten, vier­ten. Der letz­te war die at­lan­ti­sche Zeit. Die­se letz­te, die at­lan­ti­sche Ent­wi­cke­lungs­zeit, ist al­so ab­ge­sch­los­sen. Wir sa­gen: Wir ha­ben vier Zu­stän­de durch­ge­macht und ste­hen jetzt im fünf­ten. Von die­sem fünf­ten ha­ben wir wie­der­um vier durch­ge­macht an Un­ter­zu­stän­den, näm­lich den alt-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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in­di­schen, alt­per­si­schen, ägyp­ti­schen, grie­chisch-latei­ni­schen. Im fünf­ten ste­hen wir. So daß wir sa­gen: Vor un­se­rer un­mit­tel­bar jet­zi­gen Ent­wi­cke­lungs­stu­fe ha­ben wir 3, 4, 4 Zu­stän­de ab­sol­viert. Die­se 3, 4, 4 Zu­stän­de, die wir da ab­sol­viert ha­ben, die be­zeich­net man in der Spra­che des Apo­ka­lyp­ti­kers als die Zahl der Ent­wi­cke­lung. Wenn man al­so fragt: Wel­ches ist die Zahl der Ent­wi­cke­lung, un­se­rer Ent­wi­cke­lung? dann heißt die Ant­wort: Die­se Zahl un­se­rer Ent­wi­cke­lung ist «344» (ge­le­sen drei, vier, vier). Es ist das nicht im Sin­ne des Zeh­ner­sys­tems, son­dern des Sie­be­n­er­sys­tems ge­le­sen. Drei Zu­stän­de von sie­ben sind durch­ge­macht, vier Zu­stän­de von den nächs­ten, klei­ne­ren sie­ben sind durch­ge­macht, und vier Zu­stän­de von aber­mals sie­ben klei­ne­ren sind durch­ge­macht. Das be­deu­tet ei­gent­lich die­se «344». Man darf sie nicht wie an­de­re Zah­len ein­fach ab­le­sen, son­dern sie ent­hält ne­ben­ein­an­der ge­schrie­ben die Zahl der Zu­stän­de, die man durch­ge­macht hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun den­ken wir uns fol­gen­des:*) Wenn die Er­de sich ver­geis­tigt und sich in ih­re nächs­ten Zu­stän­de hin­über­ent­wi­ckelt ha­ben wird, dann wer­den im­mer mehr und mehr Stu­fen durch­ge­macht sein. Und ein­mal muß ei­ne Zeit kom­men, wo durch­ge­macht sein wer­den: von der ers­ten Gat­tung 6, von der zwei­ten 6 und von der drit­ten 6 Zu­stän­de. Ge­nau wie wir jetzt als Zahl der Ent­wi­cke­lung 344 ha­ben, so muß ein­mal in der Zu­kunft, in dem Zeit­punkt, wo 6 Le­bens­rei­che oder Run­den, 6 Hauptras­sen und 6 Un­ter­ras­sen durch­ge­macht sind, die Zahl «666» (ge­le­sen sechs, sechs, sechs) gel­ten un­ei­gent­lich ge­le­sen, aber das ist die rich­ti­ge Art und Wei­se der Sch­rei­bung des Apo­ka­lyp­ti­kers. Al­so es wird ein­mal ei­ne Zeit kom­men, wo die Zahl «666» die Zahl der Ent­wi­cke­lung ist. Das wird erst in ei­ner sehr fer­nen Zu­kunft sein, aber die­se Zu­kunft wird schon vor­be­rei­tet in un­se­rer Zeit. Nach­dem drei gro­ße Haupt­zu­stän­de [Hauptras­sen] durch­ge­macht sind, le­ben wir in un­se­rer Zeit im vier­ten. Aber wenn die Zeit vor­über­ge­gan­gen sein wird, wel­che nach dem gro­ßen Krie­ge al­ler ge­gen al­le durch die sie­ben Sie­gel be­zeich­net ist, wenn wir an­ge­langt sein wer­den [beim&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
__________&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;*&amp;lt;/nowiki&amp;gt;) Sie­he den Son­der­hin­weis auf Sei­te 263.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Zei­tal­ter der sie­ben Po­sau­nen], dann wer­den wir von die­ser mitt­le­ren Gat­tung sechs durch­ge­macht ha­ben. Wenn die ers­te Po­sau­ne er­k­lin­gen wird, wer­den wir 6 sol­che Hauptras­sen durch­ge­macht ha­ben, und wenn wir dann hin­über­le­ben in die Zeit der Po­sau­n­en­klän­ge und die Zei­ten vor­über sein wer­den, die durch die ers­ten sechs Po­sau­nen ge­kenn­zeich­net sind, dann ha­ben wir «66» er­lebt. Bis da­hin hat die Mensch­heit Zeit ge­habt, sich vor­zu­be­rei­ten auf den furcht­ba­ren Zeit­punkt, der einst viel spä­ter folgt, da näm­lich, wo nicht nur 66, son­dern «666» er­reicht sein wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Al­les Zu­künf­ti­ge wird schon ge­gen­wär­tig vor­be­rei­tet. Die Zeit, die nach dem gro­ßen Krie­ge al­ler ge­gen al­le ein­ge­t­re­ten sein wird, die Zeit des sie­ben­ten Po­sau­n­en­klan­ges, wird Men­schen se­hen, die da­durch, daß sie sich vom Chris­tus-Prin­zip aus­ge­sch­los­sen ha­ben, ei­nen ho­hen Grad der Bos­heit, der An­la­ge, in den Ab­grund hin­un­ter­zu­sin­ken, er­langt ha­ben wer­den. Bis da­hin wer­den die­se Men­schen da­für ge­sorgt ha­ben, daß sie, wenn der Zeit­punkt 666 kommt, so recht tief in das Bö­se, in den Ab­grund hin­ein­s­tei­gen kön­nen. Die An­la­ge zu die­sem Hin­un­ter­s­tei­gen in den Ab­grund in ur­fer­ner Zu­kunft neh­men die Men­schen schon nach dem gro­ßen Krie­ge al­ler ge­gen al­le in dem Zei­tal­ter [der Po­sau­nen), wenn die sie­ben­te Po­sau­ne er­k­lingt, in sich auf. Zwar wird es noch lan­ge Zeit mög­lich sein, daß die Men­schen, die sol­che An­la­ge dann in sich auf­ge­nom­men ha­ben, um­keh­ren, sich be­keh­ren kön­nen, daß sie zu­rück­keh­ren in ih­rer Ent­wi­cke­lung, um dann noch das Chris­tus-Prin­zip auf­zu­neh­men. Aber die ers­te An­la­ge ist ge­schaf­fen, und die­je­ni­gen, die bei die­ser An­la­ge blei­ben, die wer­den dann, wenn je­ne ur­fer­ne Zu­kunft kom­men wird, die nicht durch 466, son­dern durch 666 an­ge­deu­tet wird, die­se An­la­ge nicht mehr um­wan­deln kön­nen in gu­te An­la­gen. Sie wer­den je­nem furcht­ba­ren Schick­sal er­lie­gen, von dem wir noch zu sp­re­chen ha­ben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So se­hen wir, daß mit die­ser Sechs-Zahl, ob sie nun ein­fach oder dop­pelt oder drei­fach auf­tritt, et­was Sch­lim­mes für die Mensch­heits­ent­wi­cke­lung ver­knüpft ist. Wir le­ben im fünf­ten Haupt- und im fünf­ten Un­ter­zei­traum. Wir wer­den hin­über­le­ben nach dem gro­ßen Krieg in den sechs­ten Zei­traum hin­ein. Aber be­vor der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|225}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gro­ße Krieg kommt, kommt un­mit­tel­bar hin­ter un­se­rem fünf­ten Un­ter­zei­trau­me der sechs­te Un­ter­zei­traum, cha­rak­te­ri­siert durch die Ge­mein­de Phi­la­del­phia. Nun wis­sen wir, daß heu­te die Zeit ist, in wel­cher der Ma­te­ria­lis­mus sich in der Mensch­heit aus­ge­b­rei­tet hat. Wir ha­ben ge­se­hen, wie durch die Jahr­hun­der­te her­auf die Men­schen im­mer ma­te­ria­lis­ti­scher ge­wor­den sind, aber die­ser Ma­te­ria­lis­mus ist ein sol­cher, daß Um­kehr je­der­zeit mög­lich ist. Der ma­te­ria­lis­ti­sche Mensch hat heu­te noch Zeit zur Um­kehr. Da­her muß aber auch in un­se­rer Ge­gen­wart ei­ne spi­ri­tu­el­le Wel­t­an­schau­ung Platz grei­fen, je­ne Wel­t­an­schau­ung, wel­che ein klei­nes Häuf­lein von Men­schen eben zu die­ser ok­kul­ten, spi­ri­tu­el­len Auf­fas­sung der Welt hin­führt. Die­je­ni­gen, die den gro­ßen Bru­der­bund in sei­ner ers­ten An­la­ge be­grün­den wer­den im sechs­ten Zei­traum, der da fol­gen wird auf un­se­re Zeit und der gar nicht so fern liegt, des­sen Be­ginn in ei­ner Zeit liegt, die nur nach Jahr­tau­sen­den zählt, die wer­den die al­le­r­ers­te Ab­spal­tung der Men­schen be­wir­ken. Die­je­ni­gen, die hart­nä­ckig ver­har­ren im Ma­te­ria­lis­mus, und auch die an­de­ren, die ge­neigt sein wer­den, ei­ne spi­ri­tu­el­le An­schau­ung in sich auf­zu­neh­men, die den Bru­der­bund im klei­nen Häuf­lein aus­bil­den, bei­de wer­den schon auf­t­re­ten in un­se­rem sechs­ten Zei­traum. Die­se ein­fa­che 6, sie kann schon für vie­le Men­schen ver­häng­nis­voll wer­den, aber nicht letzt­gül­tig, denn Um­kehr wird auch dann noch mög­lich sein. Aber es wer­den die Men­schen hin­über­le­ben über den gro­ßen Krieg al­ler ge­gen al­le. [Das Zei­tal­ter der sie­ben Sie­gel und] fünf Zei­träu­me [des Po­sau­n­en­zei­tal­ters] wer­den ver­ge­hen, die Sechs­zahl wird wie­der ein­t­re­ten. Nach­her wer­den neu­er­dings die Ver­lo­ckun­gen und Ver­füh­run­gen kom­men, um die ma­te­ria­lis­ti­sche An­la­ge wei­ter aus­zu­bil­den, sie hin­über­zu­tra­gen in die Zeit der Po­sau­n­en­klän­ge, und wenn 6 gro­ße und 6 wei­te­re klei­ne­re Zei­träu­me ver­lau­fen sind, nach 66, da wer­den schon sehr be­trächt­li­che An­la­gen in der Mensch­heit vor­han­den sein, die nicht so leicht gut­zu­ma­chen sind wie un­se­re.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So se­hen wir, daß tat­säch­lich im­mer mehr und mehr die Welt der sch­lech­ten An­la­gen inn­er­halb der Mensch­heit wirkt und daß sich im­mer deut­li­cher und kras­ser die gu­ten Men­schen von den&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|226}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
bö­sen, im Sin­ne der Dar­stel­lung des Apo­ka­lyp­ti­kers, von­ein­an­der schei­den. Die letz­te gro­ße Schei­dung wird sein, wenn nicht nur für die kür­ze­ren, son­dern für die län­ge­ren Zei­träu­me die Sechs­zahl er­füllt sein wird. Das wird dann der Fall sein, wenn un­se­re Er­de ab­sol­viert hat ih­re sechs Le­bens­rei­che oder sechs Run­den und inn­er­halb der sie­ben­ten Run­de wie­der­um sechs Form­zu­stän­de. Wenn sie das ab­sol­viert hat, dann wer­den die An­la­gen der Mensch­heit ins Bö­se sich aus­ge­bil­det ha­ben in ei­ner furcht­ba­ren Ge­stalt. Mit furcht­bar ver­hee­ren­der Ge­walt wird dann das Bö­se nur bei de­nen auf­t­re­ten, die bö­se ge­b­lie­ben sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir fra­gen uns al­so: Wie oft hat inn­er­halb un­se­rer Er­de die Mensch­heit Ge­le­gen­heit, der Ver­füh­rung zum Bö­sen zu un­ter­lie­gen? Zu­nächst in dem­je­ni­gen Zei­traum, der auf den uns­ri­gen folgt, vor dem gro­ßen Krie­ge. Dann hat sie ein zwei­tes und ein drit­tes Mal Ge­le­gen­heit da­zu. Es bil­det sich al­so die­ser Her­ab­s­tieg zum Bö­sen nach und nach aus. Für den Zei­traum nun, wo die Er­de zu­erst über­ge­gan­gen ist in ei­nen geis­ti­gen Zu­stand, für die­sen Zei­traum ha­ben wir es zu­nächst mit zwei Mög­lich­kei­ten zu tun. Wenn die Er­de sich wie­der­um mit der Son­ne ver­bun­den ha­ben wird, da wer­den die­je­ni­gen, die das Chris­tus-Prin­zip in sich auf­ge­nom­men ha­ben, reif sein, auf­zu­ge­hen in die Kräf­te der Er­de, die sich mit der Son­ne ve­r­ei­ni­gen; aus­ge­sch­los­sen wer­den die­je­ni­gen sein, wel­che die Mög­lich­keit zum Bö­sen in sich auf­ge­nom­men ha­ben. Die­se sind gleich­sam so, daß sie die Son­ne von sich sto­ßen, daß sie das­je­ni­ge, was sie be­fähi­gen wür­de, sich mit den Kräf­ten der Son­ne zu ve­r­ei­ni­gen, von sich sto­ßen. Sie sind die Geg­ner der Ve­r­ei­ni­gung mit der Son­ne. Des­halb be­zeich­net der Apo­ka­lyp­ti­ker die­je­ni­ge Ge­walt, das­je­ni­ge We­sen, wel­ches die Men­schen da­hin führt, sich so zu ver­geis­ti­gen, daß sie sich mit der Son­ne ve­r­ei­ni­gen kön­nen, als den Chris­tus in ganz rich­ti­gem Sinn, und, wie wir hö­ren wer­den, als das Lamm. Man be­zeich­net die Chris­tus-We­sen­heit als den Ge­ni­us der Son­ne, der sich mit der Er­de ve­r­ei­nigt und auch der Ge­ni­us der Er­de wird. Er hat schon be­gon­nen, es zu wer­den seit dem Er­eig­nis von Gol­ga­tha.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber es gibt auch ein geg­ne­ri­sches Prin­zip die­ses Lam­mes: Es&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|227}}&lt;br /&gt;
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ist auch ein Son­nen­dä­mon da, das so­ge­nann­te Dä­mo­ni­um der Son­ne, das­je­ni­ge, was in den bö­sen Kräf­ten der Men­schen wirkt, zu­rück­sto­ßend die Kraft des Lam­mes. Und es wirkt so; daß ein ge­wis­ser Teil des men­sch­li­chen Ge­sch­lech­tes aus­ge­sto­ßen wird von der Ent­wi­cke­lung, die zur Son­ne führt. Das sind die geg­ne­ri­schen Kräf­te der Son­ne, die in Op­po­si­ti­on zur Son­ne ste­hen. Das sind zu glei­cher Zeit die­je­ni­gen Kräf­te, die die An­la­ge ha­ben, wenn die 666 Ent­wi­cke­lungs­zu­stän­de ver­f­los­sen sein wer­den, ganz hin­aus­ge­wor­fen zu wer­den aus un­se­rer Ent­wi­cke­lung; sie wer­den dann letzt­gül­tig aus­ge­sto­ßen sein in den Ab­grund. So daß wir sa­gen müs­sen: In je­ner Zeit, wo die Er­de mit der Son­ne ve­r­ei­nigt ist, wird nicht nur das­je­ni­ge aus­ge­sto­ßen sein, was durch das Tier mit den sie­ben Köp­fen und zehn Hör­nern sym­bo­li­siert wird, son­dern auch das, was mit Kräf­ten aus­ge­stat­tet ist, die der Son­ne ge­gen­tei­lig sind. Das al­les ist be­stimmt, in den Ab­grund hin­ein­zu­ver­schwin­den, wenn die 666 er­füllt sein wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun hat man die­se 666 im­mer in ei­ner sehr ge­heim­nis­vol­len Wei­se auf­ge­schrie­ben. Wir wer­den noch se­hen, daß al­ler Grund vor­han­den ist, die­se Tat­sa­chen, die wir jetzt be­sp­re­chen, ins Mys­te­ri­um der Ge­heim­nis­se zu hül­len; al­ler Grund ist da­zu vor­han­den. Und weil das der Fall ist, so hüll­te man sie in sol­ches Mys­te­ri­um und schrieb 666. In den Mys­te­ri­en, aus de­nen der Apo­ka­lyp­ti­ker sei­ne Ein­wei­hung er­hal­ten hat, schrieb man 400 200 6 60. Das ist durch­aus in ei­ner Wei­se ge­schrie­ben, daß es der Laie nicht er­ken­nen kann. Man hat ver­bor­gen die­se 666; als ein Ge­heim­nis soll­te es be­wahrt blei­ben, in­dem Sie hier 400 200 6 60 ha­ben. Und da­durch, daß al­les um­ge­s­tellt wird, ist ein Blend­werk ge­schaf­fen. Nun gibt es in der Schrift der Ein­ge­weih­ten ein ge­wis­ses Prin­zip, das da­rin be­steht, Buch­sta­ben durch ent­sp­re­chen­de Zah­len zum Aus­druck zu brin­gen. Auf die­ses Prin­zip sind ei­ni­ge der merk­wür­di­gen Leu­te ge­kom­men, wel­che im Lau­fe des neun­zehn­ten Jahr­hun­derts das Ge­heim­nis der Zahl 666 ha­ben ent­hül­len wol­len, aber so, wie sie dar­auf ge­kom­men sind, kann man sa­gen: sie ha­ben zwar läu­ten, aber nicht zu­sam­men­schla­gen hö­ren. Denn sie ha­ben sich das, was ich Ih­nen jetzt hier au­s­ein­an­der­ge­setzt ha­be und was&lt;br /&gt;
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eso­te­risch im­mer ge­lehrt wor­den ist, in un­ge­nau­er Art an­ge­eig­net. Sie ha­ben ge­fun­den, daß, wenn man für die­se Zah­len Buch­sta­ben des He­bräi­schen setzt, man «Ne­ro» her­aus­kriegt; sie ha­ben al­so ge­sch­los­sen, das 666 be­deu­te Ne­ro.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist nicht der Fall. 666 muß erst so auf­ge­schrie­ben wer­den: 400 200 6 60, dann be­kommt man her­aus, um was es sich han­delt. Dann muß man sch­rei­ben: 400 als {{He|ת}}, 200 als {{He|ר}}, 6 als {{He|ו}} und 60 als {{He|ס}}. Die­se vier Buch­sta­ben drü­cken die vier Zah­len 400 200 6 60 aus. Sie sind durch ei­ne wun­der­ba­re Art und Wei­se ge­ra­de in die­ses Ge­heim­nis hin­ein­ge­zo­gen wor­den, wun­der­bar durch den Scharf.. Sinn de­rer, die sie hin­ein­ge­zo­gen ha­ben, weil zu glei­cher Zeit die­se vier Buch­sta­ben als Lau­te wie­der­um ganz be­son­de­re ok­kul­te Be­deu­tung hat­ten. Den­ken Sie nur ein­mal, was muß denn ei­gent­lich die Zahl 666 be­deu­ten, wenn sie aus­drü­cken soll, was wir an­ge­führt ha­ben? Sie muß be­deu­ten das Prin­zip, das den Men­schen zur völ­li­gen Ver­här­tung führt im äu­ße­ren phy­si­schen Le­ben, so daß er ge­ra­de­zu von sich stößt, was ihn be­fähigt, die nie­de­ren Prin­zi­pi­en ab­zu­st­rei­fen und hin­auf­zu­s­tei­gen zu den höhe­ren. Was der Mensch be­kom­men hat an phy­si­schem Leib, Äther­leib, as­tra­li­schem Leib und nie­de­rem Ich, be­vor es sich zum höhe­ren hin­auf er­hebt, die­se vier Prin­zi­pi­en wer­den zu glei­cher Zeit durch die­se vier Buch­sta­ben aus­ge­drückt: durch das Sa­mech der phy­si­sche Leib, durch das Waw der Äther­leib, durch das Resch der as­tra­li­sche Leib und durch das Taw das nie­de­re Ich. So se­hen wir, daß das Ver­här­te­te in die­sen vier Prin­zi­pi­en, be­vor sie ih­re gött­li­che Ent­wi­cke­lung be­gin­nen, durch die vier Buch­sta­ben aus­ge­drückt wird. Der Apo­ka­lyp­ti­ker kann wahr­haft sa­gen: «Hier ist Weis­heit!», denn Weis­heit ist da­r­in­nen. «Wer Ver­stand hat, der über­le­ge die Zahl, die Zahl 666!»&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt wol­len wir ein­mal le­sen. Man liest das so, selbst­ver­ständ­lich um­ge­kehrt, von rechts nach links:&lt;br /&gt;
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[[Datei:GA104 228.png|center|400px|Zeichnung aus GA 104, S. 228]]&lt;br /&gt;
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Dann hat man noch zu er­gän­zen die Vo­ka­le, und es heißt «So­rat». So­rat ist der Na­me des Son­nen­dä­mons, des Geg­ners des Lam­mes. Und je­des sol­ches geis­ti­ge We­sen hat man be­zeich­net nicht nur mit sei­nem Na­men, son­dern auch mit ei­nem ganz be­stimm­ten Sinn­bild, mit ei­nem sym­bo­li­schen Zei­chen. Für So­rat, den Son­nen­dä­mon, gab es die­ses Zei­chen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:GA104 229.png|center|200px|Zeichnung aus GA 104, S. 229]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ei­nen di­cken Strich, der in sich selbst zu­rück­ge­bo­gen ist und vor­ne zwei ge­bo­ge­ne Spit­zen hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und nun müs­sen wir aber den Apo­ka­lyp­ti­ker rich­tig ver­ste­hen. Er sagt ja gleich im An­fang ein merk­wür­di­ges Wort, das ge­wöhn­lich falsch über­setzt wird. Der Ein­gang der Apo­ka­lyp­se heißt doch: «Dies ist die Of­fen­ba­rung Je­su Chris­ti, die ihm Gott ge­ge­ben hat, sei­nen Knech­ten zu zei­gen, was in Kür­ze ge­sche­hen soll, und hat sie in Zei­chen ge­setzt und uns ge­ge­ben durch sei­nen En­gel dem Knecht, dem Die­ner Jo­han­nes.» «In Zei­chen ge­setzt»: al­so wir müs­sen uns dar­auf ge­faßt ma­chen, daß er den wich­ti­gen, den ei­gent­li­chen Mys­te­rien­in­halt in Zei­chen setzt. Er hat das­je­ni­ge, was 666 aus­drückt, in Zei­chen ge­setzt. Was er be­sch­reibt, ist das Zei­chen, und er be­sch­reibt es so (Ka­pi­tel 13, 11): «Und ich sah ein an­der Tier auf­s­tei­gen aus der Er­de, das hat­te zwei Hör­ner gleich­wie ein Lamm.» Das sind nichts an­de­res als die zwei Stri­che oben an der Zeich­nung, und um das zu ver­hül­len, nennt er ein­fach die zwei Stri­che hier «Hör­ner». Das war im­mer so im Ge­brauch der Mys­te­ri­en­spra­che, daß man ein Wort viel­deu­tig ge­braucht hat, um den Un­ein­ge­weih­ten nicht so oh­ne wei­te­res die Mög­lich­keit zu ge­ben, die Sa­che zu ver­ste­hen. Was er al­so hier be­sch­reibt «das hat­te zwei Hör­ner wie ein Lamm», das ist das Zei­chen des Son­nen­dä­mons, das in der Mys­te­ri­en­spra­che aus­ge­drückt wird durch das Wort «So­rat», und das, wenn wir für die ein­zel­nen Buch­sta­ben&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
ih­re Zah­len ein­set­zen, aus­ge­drückt wird durch die vier Zah­len 400 200 6 und 60. Das gibt 666 in sehr ver­hüll­ter Aus­drucks­wei­se.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So se­hen wir, daß der Apo­ka­lyp­ti­ker auf den Geg­ner des Lam­mes hin­deu­tet. Un­ten er­schei­nen da, wo die Er­de ins Geis­ti­ge über­geht, die Ge­stal­ten der Men­schen so, daß sie ih­re al­te Tier­form er­hal­ten. Es er­scheint das Tier mit den sie­ben Köp­fen und zehn Hör­nern, aber es er­scheint auch ihr Ver­füh­rer, der die star­ke Kraft hat, sie nicht zu­rück­kom­men zu las­sen zur Son­ne, der Geg­ner des Chris­tus. Die Men­schen sel­ber kön­nen kei­ne Geg­ner des Chris­tus sein, kön­nen nur so­zu­sa­gen durch das, was in ih­nen an fal­scher Kraft ist, ver­säu­men, das Chris­tus-Prin­zip in sich auf­zu­neh­men. Aber es gibt ei­nen sol­chen Geg­ner: das Son­nen­dä­mo­ni­um. Das er­scheint, so­bald et­was da ist, das ihm zur Beu­te fal­len kann. Be­vor die Beu­te da ist, be­vor die Men­schen da sind mit den sie­ben Köp­fen und zehn Hör­nern, da ist nichts zu ver­füh­ren, da hat auch der Ver­füh­rer nichts zu su­chen. Dann aber, wenn der Mensch mit sol­chen An­la­gen er­scheint,, dann kommt der Ver­füh­rer. Und er er­scheint als das zwei­te der Tie­re und ver­führt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dem Au­gen­blick al­so, wo die Er­de in den as­tra­li­schen Zu­stand über­geht, er­scheint vom Men­schen das­je­ni­ge, was an ihm vor­han­den war, als die Er­de noch mit ei­ner Was­ser­hül­le um­k­lei­det war. Es steigt auf das Men­schen­tier. Aus dem Was­ser sieht man sich er­he­ben das Tier mit den sie­ben Köp­fen und den zehn Hör­nern. Daß die­ses Tier un­be­nützt ge­las­sen hat die Er­de, das macht, daß jetzt aus der Er­de auf­s­tei­gen kann So­rat, der Son­nen­geg­ner, der Ver­füh­rer, der da­durch sich dem Men­schen na­hen und ihn mit al­ler Kraft in den Ab­grund hin­un­ter­rei­ßen kann. So se­hen wir ein We­sen an die Men­schen sich sch­mie­gen von die­sem Zeit­punkt an, das ei­ne furcht­ba­re Ge­walt hat. Was tut denn die­ses We­sen, um die Men­schen in solch schau­der­haf­te Din­ge hin­ein­zu­füh­ren, wie wir sie ah­nen kön­nen? Da­mit die Men­schen ver­führt wer­den zur blo­ßen Un­mo­ral, zu dem, was sie schon als Nor­mal­men­schen ken­nen, da­zu brauch­te es die­ses Un­ge­heu­ers nicht, das als Son­nen­dä­mon er­scheint. Erst wenn das­je­ni­ge, was im gu­ten Sin­ne die We­sen aus­zeich­net, die dem Men­schen­ge­sch­lecht Ret­tung brin­gen, erst wenn&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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die spi­ri­tu­el­le Er­he­bung in ihr Ge­gen­teil ver­wan­delt wird, wenn die spi­ri­tu­el­le Kraft in den Di­enst des nie­de­ren Ich-Prin­zips ge­s­tellt wird, dann kann sie die Mensch­heit so weit brin­gen, daß das Tier, das dar­ge­s­tellt wird mit zwei Hör­nern, über sie Ge­walt er­langt. Der Mißbrauch der spi­ri­tu­el­len Kräf­te hängt zu­sam­men mit je­ner ver­füh­re­ri­schen Kraft des Tie­res mit den zwei Hör­nern. Und wir nen­nen die­sen Mißbrauch der spi­ri­tu­el­len Kraft die schwar­ze Ma­gie im Ge­gen­satz zum. rich­ti­gen Ge­brauch, den wir die wei­ße Ma­gie nen­nen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So wird das Men­schen­ge­sch­lecht da­durch, daß es sich spal­tet, sich dar­auf vor­be­rei­ten, auf der ei­nen Sei­te in im­mer geis­ti­ge­re Zu­stän­de zu ge­lan­gen und da­durch in den Ge­brauch der geis­ti­gen Kräf­te, in die wei­ße Ma­gie hin­ein­zu­kom­men, und auf der an­de­ren Sei­te wird das­je­ni­ge, was Mißbrauch treibt mit den spi­ri­tu­el­len Kräf­ten, sich vor­be­rei­ten für die wil­des­te Kraft des zwei­hör­ni­gen Tie­res, die schwar­ze Ma­gie. Es wird sich letz­ten En­des die Mensch­heit spal­ten in We­sen, wel­che die wei­ße, und in sol­che, wel­che die schwar­ze Ma­gie trei­ben. So ist in dem Ge­heim­nis von 666 oder So­rat das Ge­heim­nis der schwar­zen Ma­gie ver­bor­gen. Und der Ver­füh­rer zur schwar­zen Ma­gie, je­nes furcht­bars­ten Ver­b­re­chens in der Er­den­ent­wi­cke­lung, dem kein Ver­b­re­chen gleich­kom­men kann, er wird vom Apo­ka­lyp­ti­ker dar­ge­s­tellt durch das zwei­hör­ni­ge Tier. So tritt so­zu­sa­gen in un­se­ren Ho­ri­zont ein die Spal­tung der Mensch­heit in ur­fer­ner Zu­kunft: die Au­s­er­wähl­ten des Chris­tus, die zu­letzt sein wer­den die wei­ßen Ma­gi­er, und die Geg­ner, die wil­den Zau­be­rer, die schwar­zen Ma­gi­er, die nicht los kön­nen von der Ma­te­rie und die der Apo­ka­lyp­ti­ker dar­s­tellt als die­je­ni­gen, die mit der Ma­te­rie Un­zucht trei­ben. Da­her wird die­ses gan­ze Trei­ben von schwar­zer Ma­gie, al­les, was da an Ehe ent­steht zwi­schen dem Men­schen und der Ver­här­tung in der Ma­te­rie, ihm zur An­schau­ung ge­bracht vor sei­ner Se­her­see­le in der gro­ßen Ba­by­lon, in der Ge­mein­schaft, die al­le die­je­ni­gen ve­r­eint, die schwar­ze Ma­gie trei­ben, in der furcht­ba­ren Ehe oder viel­mehr wil­den Ehe zwi­schen dem Men­schen und den Kräf­ten der her­ab­ge­kom­me­nen Ma­te­rie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und so se­hen wir in ei­ner ur­fer­nen Zu­kunft zwei Kräf­te ein­an­der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|232}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ge­gen­über­ste­hen: auf der ei­nen Sei­te die­je­ni­gen, die hin­ein­se­geln in die Be­woh­ner­schaft der gro­ßen Ba­by­lon, und auf der an­de­ren die­je­ni­gen, die sich er­he­ben über die Ma­te­rie, die sich als Men­schen ve­r­ei­ni­gen mit dem, was als Prin­zip des Lam­mes hin­ge­s­tellt wird. Wir se­hen, wie auf der ei­nen Sei­te das Schwär­zes­te sich ab­son­dert in der Ba­by­lon, ge­führt von all den der Son­ne ent­ge­gen­ge­setz­ten Kräf­ten, von So­rat, dem zwei­hör­ni­gen Tier, und wir se­hen die Mensch­heit, die sich ent­wi­ckelt hat aus den Au­s­er­wähl­ten, die sich ve­r­ei­ni­gen mit dem ih­nen er­schei­nen­den Chris­tus, dem Lamm: die Hoch­zeit des Lam­mes auf der ei­nen Sei­te, die der Ba­by­lon, der un­ter­ge­hen­den Ba­by­lon auf der an­dern Sei­te. Und wir se­hen hin­un­ter­sin­ken in den Ab­grund Ba­by­lon und auf­s­tei­gen zu der Hand­ha­bung der Kräf­te der wei­ßen Ma­gie die Au­s­er­wähl­ten, die Hoch­zeit ge­hal­ten ha­ben mit dem Lamm. Und weil sie die geis­ti­gen Kräf­te nicht nur er­ken­nen, son­dern auch die­se geis­ti­gen Kräf­te ma­gisch zu hand­ha­ben ver­ste­hen, kön­nen sie vor­be­rei­ten das, was sie an der Er­de ha­ben, zu der nächs­ten pla­ne­ta­ri­schen Ver­kör­pe­rung, zu dem Ju­pi­ter. Sie zeich­nen so­zu­sa­gen die gro­ßen Grun­d­ris­se, die der Ju­pi­ter ha­ben soll. Wir se­hen sich her­au­s­er­he­ben aus der Kraft der wei­ßen Ma­gi­er die vor­be­rei­ten­den Ge­stal­ten, die hin­über­le­ben sol­len als die Ge­stal­ten der nächs­ten Er­den­ver­kör­pe­rung, des Ju­pi­ters: das neue Je­ru­sa­lem se­hen wir aus der wei­ßen Ma­gie sich er­he­ben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor­her aber muß aus­ge­sto­ßen wer­den, was cha­rak­te­ri­siert ist durch So­rat, 666. Aus­ge­sto­ßen wird, was ver­fal­len ist dem Prin­zip des zwei­hör­ni­gen Tie­res und sich da­her ver­här­tet hat zum Tier mit den sie­ben Köp­fen und zehn Hör­nern. Die Kraft, durch wel­che der Son­nen­ge­ni­us über­win­den läßt die­se Aus­ge­sto­ße­nen, die sie hin­un­ter­t­reibt in den Ab­grund, die­se Kraft wird ge­nannt das Ant­litz des Son­nen­ge­ni­us. Und das Ant­litz des Son­nen­ge­ni­us ist Mi­cha­el, der so­zu­sa­gen als Stell­ver­t­re­ter des Son­nen­ge­ni­us das Tier mit den zwei Hör­nern, den Ver­füh­rer, den man auch den gro­ßen Dra­chen nennt, über­win­det. Das wird dar­ge­s­tellt durch das dem Se­her er­schei­nen­de Bild von Mi­cha­el, der den Schlüs­sel zum Ab­grund und die Ket­te in sei­ner Hand hat, der bei Gott steht und die ent-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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ge­gen­ge­setz­ten Kräf­te ge­fes­selt hält. So wird in der christ­lich-ro­sen­k­reu­ze­ri­schen Eso­te­rik das Hin­weg­sto­ßen der­je­ni­gen, die zu 666 ge­hö­ren, und die Über­win­dung des Dra­chens, des Ver­füh­rers, cha­rak­te­ri­siert. So taucht heu­te vor un­se­rem Bli­cke auf, was der Apo­ka­lyp­ti­ker in Ge­heim­nis­se ge­hüllt hat, was man erst durch die Ent­hül­lung her­aus­ho­len muß, und wo­zu er sagt: «Hier ist Weis­heit! Wer Ver­stand hat, der über­le­ge die Zahl des Tie­res», das heißt des zwei­hör­ni­gen Tie­res, «denn die­se Zahl ist 666» (Of­fen­ba­rung Jo­han­nis 13, 18).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die­je­ni­gen, die sie auf Ne­ro be­zo­gen ha­ben, ha­ben die­se Auf­for­de­rung des Apo­ka­lyp­ti­kers sch­lecht er­füllt. Denn Sie se­hen, aus wel­chen Tie­fen der Wel­te­n­er­klär­ung die Weis­heit, die zur Zahl 666 führt, ge­holt wer­den muß. Wenn Sie sich auch heu­te an­zu­s­t­ren­gen hat­ten, um zur Cha­rak­te­ri­sie­rung die­ses Mo­men­tes auf­zu­s­tei­gen, so dür­fen Sie nicht ver­ges­sen, daß An­st­ren­gung da­zu ge­hört, um die tiefs­ten Ge­heim­nis­se zu ver­ste­hen. Und die­se tiefs­ten Ge­heim­nis­se der Welt­ent­wi­cke­lung hat der Apo­ka­lyp­ti­ker hin­ein­ge­legt. Er hat sie ver­hüllt, weil es gut ist für die Men­schen, wenn die wich­tigs­ten Mys­te­ri­en in Zei­chen ge­setzt wer­den. Denn ab­ge­se­hen von al­lem üb­ri­gen: durch je­ne Kräf­te, wel­che an­ge­st­rengt wer­den, die Zei­chen zu ent­hül­len, wird viel von dem er­reicht, was uns zu glei­cher Zeit hin­auf­hebt zu den gu­ten Kräf­ten sel­ber. So las­sen wir es uns nicht ver­drie­ßen, daß wir uns durch ein Zah­len­sche­ma ha­ben hin­durch­win­den müs­sen. Hät­ten Sie in den al­ten Schu­len das auf­fas­sen sol­len, was da über­haupt an sol­chen Zah­len ge­heim ge­ge­ben wor­den ist, be­vor ir­gend et­was Wei­te­res ge­ge­ben wur­de, dann wür­den Sie noch viel an­de­res er­fah­ren ha­ben. Da ha­ben die Schü­ler lan­ge schwei­gen und ru­hig zu­hö­ren müs­sen, wie ih­nen lau­ter Zah­len, 777, 666 und so wei­ter im­mer und im­mer wie­der zu­nächst in ih­rer for­ma­len Be­deu­tung klar­ge­macht wur­den. Und wenn sie die­se Be­deu­tung er­faßt hat­ten, dann erst durf­ten sie das ei­gent­lich In­halt­vol­le er­ken­nen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
= ZWÖLFTER VORTRAG, Nürnberg, 30. Juni 1908 =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es könn­te dem­je­ni­gen, der sich mit sei­nem Ge­füh­le die Aus­füh­run­gen über­legt, die uns am En­de der ges­t­ri­gen Be­trach­tung ent­ge­gen­ge­t­re­ten sind, ein ge­wis­ser An­flug von Ban­gig­keit kom­men über das Schick­sal der zu­künf­ti­gen Mensch­heit. Es muß­te ges­tern vor Ih­re See­le hin­ge­s­tellt wer­den ein Bild die­ser Men­schen­zu­kunft, wie es auf der ei­nen Sei­te al­ler­dings groß, ge­wal­tig und mit Se­lig­keit er­fül­lend ist, ein Bild, das dem Da­sein je­nes zu­künf­ti­gen Men­schen ent­spricht, wel­cher die Mis­si­on un­se­rer Ge­gen­wart auf der Er­de be­grif­fen hat, der den Chris­tus-Geist in sich auf­ge­nom­men hat und da­durch Schritt hat hal­ten kön­nen mit der not­wen­di­gen Ver­geis­ti­gung un­se­rer Er­de, ein herr­li­ches, be­se­li­gen­des Bild der­je­ni­gen Men­schen, die man ge­wöhn­lich im exo­te­ri­schen Chris­ten­tum die «Er­lös­ten» oder auch mit ei­nem nicht ganz zu­tref­fen­den Aus­druck die «Au­s­er­wähl­ten» nennt. Aber auch das Ge­gen­bild muß­te vor Ih­re See­le hin­ge­s­tellt wer­den, je­nes Bild des Ab­grunds, in dem sich ei­ne Mensch­heit fin­det, wel­che nicht in der La­ge war, auf­zu­neh­men die­sen Chris­tus-Geist, die in der Ma­te­rie ste­cken­ge­b­lie­ben ist, sich so­zu­sa­gen von dem in die Zu­kunft hin­ein­ge­hen­den Ver­geis­ti­gung­s­pro­zeß aus­ge­sch­los­sen hat, die her­aus­ge­fal­len ist aus der ver­geis­tig­ten Er­de und in ge­wis­ser Be­zie­hung ab­seits da­von ei­nem furcht­ba­ren Schick­sal ent­ge­gen­geht. Wenn uns aus dem Ab­grund her­auf an­starrt das Tier mit den sie­ben Köp­fen und den zehn Hör­nern, ver­führt durch das an­de­re furcht­ba­re We­sen, das zwei­hör­ni­ge Tier, so er­scheint uns al­ler­dings die­ses Bild Furcht und Sch­re­cken er­re­gend, und man­cher könn­te sich fra­gen: Ist es denn nicht von ei­ner Vor­se­hung hart und un­wei­se, ei­ne An­zahl von Men­schen ei­nem so furcht­ba­ren Schick­sal ent­ge­gen­zu­füh­ren, ei­ne An­zahl von Men­schen ge­wis­ser­ma­ßen zu ver­dam­men zum Ab­grund des Bö­sen?&lt;br /&gt;
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Und es könn­te die Fra­ge auf­tau­chen: Hät­te es sich nicht für&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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ei­ne wei­se Vor­se­hung bes­ser ge­ziemt, von vorn­he­r­ein die­ses furcht­ba­re Schick­sal ab­zu­wen­den?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Ant­wort kann man auf die­se Fra­gen zu­nächst et­was ab­strakt, et­was theo­re­tisch sa­gen, und wer die­ses Theo­re­ti­sche füh­len kann, für den be­deu­tet dies ei­gent­lich schon sehr viel: Es ist au­ßer­or­dent­lich wei­se, daß die Vor­se­hung da­für ge­sorgt hat, daß die­ses furcht­ba­re Schick­sal als ei­ne Mög­lich­keit vor ei­ner An­zahl von Men­schen ste­hen kann. Denn wä­re es un­mög­lich, daß der Mensch in die Ab­grün­de des Bö­sen hin­ein­se­gelt, dann wä­re auch das für den Men­schen nicht er­reich­bar, was wir auf der ei­nen Sei­te Lie­be und auf der an­de­ren Sei­te Frei­heit nen­nen, denn für den Ok­kul­tis­ten ist die Frei­heit un­t­renn­bar ver­knüpft mit dem Be­griff der Lie­be. Frei­heit wä­re für den Men­schen un­mög­lich, und Lie­be wä­re für den Men­schen un­mög­lich, wenn nicht die­ses Hin­ab­se­geln mög­lich wä­re. Ein Mensch, der nicht die Mög­lich­keit hät­te, aus ei­ge­nem frei­en Ent­schluß das Gu­te oder auch das Bö­se zu wäh­len, der wä­re ein We­sen, das nur am Gän­gel­band zu ei­nem not­wen­dig zu er­rei­chen­den Gu­ten ge­führt wür­de, in des­sen Wahl es nicht stän­de, das Gu­te aus vol­lem, in sich sel­ber ge­läu­ter­tem Wol­len aus ei­ner der Frei­heit ent­sprin­gen­den Lie­be zu wäh­len. Für ei­nen Men­schen, dem es nicht mög­lich wä­re, die Ge­folg­schaft des Un­ge­heu­ers mit den zwei Hör­nern ein­zu­schla­gen, für den wä­re es auch nicht mög­lich, aus ei­ner selb­s­t­ei­ge­nen Lie­be dem Got­te zu fol­gen. Es lag im Sin­ne der wei­sen Vor­se­hung, der sich durch un­ser Pla­ne­ten­sys­tem hin­durch ent­wi­ckeln­den Mensch­heit die Mög­lich­keit der Frei­heit zu ge­ben, und die­se Mög­lich­keit der Frei­heit war un­ter kei­ner an­de­ren Be­din­gung zu ge­ben als da­durch, daß der Mensch selbst die freie Wahl zu tref­fen hat zwi­schen dem Gu­ten und dem Bö­sen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist aber doch nur, man möch­te sa­gen, ei­ne lee­re The­o­rie, und die Men­schen schwin­gen sich ja nur lang­sam da­zu auf, so et­was nicht nur mit Wor­ten zu sa­gen und in theo­re­ti­schen Au­gen­bli­cken als ei­ne Art Er­klär­ung zu fin­den, son­dern auch im Ge­füh­le zu ha­ben. Sel­ten schwin­gen sich die Men­schen heu­te schon auf zu dem Ge­dan­ken: Ich dan­ke dir, o wei­se Vor­se­hung, daß du es mög­lich ge­macht hast, daß ich dir nicht ei­ne von dir selbst ab­ge­zwun­ge­ne,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|236}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
son­dern frei in mei­ner Brust ent­sprie­ßen­de Lie­be ent­ge­gen­brin­ge; daß du mich nicht zwingst, dich zu lie­ben, son­dern daß du mir es in Wahl ge­s­tellt hast, dir zu fol­gen. Al­ler­dings, zu die­ser Emp­fin­dung müß­te sich der Mensch auf­schwin­gen, wenn er die­se theo­re­ti­sche Er­klär­ung wir­k­lich füh­len könn­te.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber man kann auch aus der hell­se­he­ri­schen Be­trach­tung der Welt her­aus ei­nen an­de­ren Trost oder bes­ser ge­sagt ei­ne an­de­re Be­ru­hi­gung ge­ben. Denn ges­tern schon wur­de be­rührt, daß ei­ne fast un­ab­än­der­li­che An­la­ge für den Ab­grund nur der­je­ni­ge hat, der heu­te schon ir­gend­wie ver­s­trickt wird in die Fang­ar­me des zwei­hör­ni­gen Tie­res, des gro­ßen Ver­füh­rers zu den Küns­ten der schwar­zen Ma­gie. Und selbst für sol­che Men­schen, die heu­te auf die Küns­te der schwar­zen Ma­gie he­r­ein­fal­len, gibt es in der Zu­kunft noch ein­mal ei­ne Mög­lich­keit, um­zu­keh­ren. Die­je­ni­gen aber, und das sind ja vor­läu­fig die meis­ten Men­schen, wel­che über­haupt gar nicht in die La­ge kom­men, ir­gend­wel­chen Küns­ten der schwar­zen Ma­gie zu ver­fal­len, für die ist wohl in dem, was auf den gro­ßen Krieg al­ler ge­gen al­le folgt, ei­ne ge­wis­se An­la­ge zum end­gül­ti­gen Bö­sen vor­han­den, aber die Mög­lich­keit, in der Zu­kunft wie­der um­zu­keh­ren und sich dem Gu­ten zu­zu­wen­den, wird viel grö­ß­er sein als der Zwang, un­be­dingt dem Bö­sen zu fol­gen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus den Vor­trä­gen geht ja her­vor, daß für die­je­ni­gen Men­schen, die sich heu­te ei­ner spi­ri­tu­el­len Wel­t­an­schau­ung zu­wen­den, um hin­über­zu­le­ben über den gro­ßen Krieg in die sechs­te Pe­rio­de hin­ein, die durch die Ent­sie­ge­lung der Sie­gel dar­ge­s­tellt wird, daß für je­ne Schar es mög­lich ist, das Chris­tus-Prin­zip auf­zu­neh­men. Sie wer­den auf­neh­men kön­nen die geis­ti­gen Ele­men­te, die in der durch die Ge­mein­de zu Phi­la­del­phia be­zeich­ne­ten Zeit ver­an­lagt wer­den, sie wer­den sich aus­le­ben kön­nen in der nächs­ten Zeit mit ei­ner star­ken Ver­an­la­gung zur Ver­geis­ti­gung. Es neh­men heu­te die­je­ni­gen, die sich ei­ner spi­ri­tu­el­len An­schau­ung zu­wen­den, ge­wal­ti­ge An­la­gen auf, um die auf­wärts­ge­hen­de Bahn ein­zu­schla­gen. Es darf durch­aus nicht ver­kannt wer­den, wie wich­tig es ist, daß heu­te schon ei­ne An­zahl von Men­schen nicht taub ist ge­gen die Ver­kün­di­gung der so­ge­nann­ten an­thro­po­so­phi­schen Wel­t­an­schau­ung,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|237}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wel­che die ers­ten An­la­gen zum spi­ri­tu­el­len Le­ben in be­wuß­ter Wei­se in die Mensch­heit bringt, wäh­rend es früh­er un­be­wußt ge­schah. Das ist das Wich­ti­ge, daß die­ser Teil der Men­schen die ers­te be­wuß­te An­la­ge zur Auf­wärts­be­we­gung auf­nimmt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber da­durch, daß heu­te ein Häuf­lein sich aus­son­dert, um ei­nen gro­ßen Bru­der­bund zu be­grün­den, der hin­über­le­ben wird in die Zeit der sie­ben Sie­gel, da­durch wird ge­ra­de für die an­de­ren Men­schen, die heu­te noch ein tau­bes Ohr ha­ben für die Ver­kün­di­gung der an­thro­po­so­phi­schen Wel­t­an­schau­ung, auch Rat ge­schaf­fen. Denn wir ha­ben ja bis zum gro­ßen Krie­ge al­ler ge­gen al­le noch vie­le Ver­kör­pe­run­gen der ge­gen­wär­ti­gen See­len durch­zu­ma­chen und wie­der­um bis zum ent­schei­den­den Punk­te nach dem gro­ßen Krie­ge. Und auch nach­her für die Zeit der Sie­gel ha­ben wir vie­le Ver­wand­lun­gen durch­zu­ma­chen, und die Men­schen wer­den oft und oft Ge­le­gen­heit ha­ben, ihr Herz auf­zu­sch­lie­ßen der spi­ri­tu­el­len Wel­t­an­schau­ung, die heu­te durch die an­thro­po­so­phi­sche Be­we­gung fließt. Oft und oft wird Ge­le­gen­heit sein, und Sie dür­fen nicht glau­ben, daß die Ge­le­gen­hei­ten in der Zu­kunft nur sol­che sein wer­den, wie sie heu­te da sind. Oh, die Art und Wei­se, wie wir heu­te in der La­ge sind, ge­gen­über den an­de­ren Men­schen die spi­ri­tu­el­le Wel­t­an­schau­ung zu ver­kün­den, ist et­was noch sehr Schwa­ches. Und wür­de heu­te ein Mensch selbst so re­den, daß sei­ne Stim­me un­mit­tel­bar wie Feu­er des Geis­tes er­tö­nen wür­de, so wä­re das noch et­was Schwa­ches ge­gen­über den Mög­lich­kei­ten, die in spä­te­ren, ent­wi­ckel­te­ren Lei­bern da sein wer­den, um die Mit­men­schen hin­zu­wei­sen auf die­se spi­ri­tu­el­le Be­we­gung. Wenn die Mensch­heit im gan­zen in den fol­gen­den Zei­ten im­mer höh­er und höh­er ent­wi­ckelt sein wird, dann wer­den sich noch ganz an­de­re Mit­tel er­ge­ben, durch wel­che die spi­ri­tu­el­le Wel­t­an­schau­ung in die Her­zen wird drin­gen kön­nen, und das flam­mends­te Wort von heu­te wird ge­ring und schwach sein ge­gen das, was in der Zu­kunft wir­ken wird, um all den See­len die Mög­lich­keit zur spi­ri­tu­el­len Wel­t­an­schau­ung zu ge­ben, die heu­te noch in Lei­bern le­ben, in de­nen kein Herz schlägt für die­se spi­ri­tu­el­le Wel­t­an­schau­ung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir ste­hen im An­fang der spi­ri­tu­el­len Be­we­gung, und sie wird&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|238}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wach­sen, und es wird viel Ver­stockt­heit, viel Ver­här­tung da­zu ge­hö­ren, ge­gen­über den ge­wal­ti­gen Ein­drü­cken der Zu­kunft die Her­zen und See­len zu ver­sch­lie­ßen. Die­je­ni­gen See­len, die heu­te in Lei­bern le­ben, wel­che Her­zen ha­ben, um die an­thro­po­so­phi­sche Wel­t­an­schau­ung zu hö­ren und zu füh­len, die­se See­len be­rei­ten sich da­durch vor, künf­tig in Lei­bern zu le­ben, in de­nen ih­nen Kraft ge­ge­ben sein wird, um ih­ren Mit­men­schen zu die­nen, wel­che bis da­hin nicht die Mög­lich­keit hat­ten, die Her­zen so in sich sel­ber schla­gen zu füh­len. Erst die Vor­be­rei­ter der Vor­be­rei­ter sind wir, wei­ter noch nichts. Ein ganz klei­nes Flämm­chen erst ist heu­te die spi­ri­tu­el­le Be­we­gung, und sie wird sich zu ei­nem ge­wal­ti­gen geis­ti­gen Feu­er in der Zu­kunft ge­stal­ten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir die­ses an­de­re Bild vor un­se­re See­le hin­s­tel­len, wenn wir es so recht durch­emp­fin­den, dann wird ein ganz an­de­res Ge­fühl, ei­ne ganz an­de­re Er­kennt­nis­mög­lich­keit die­ser Tat­sa­che in uns auf­le­ben. Heu­te ist es das, was wir schwar­ze Ma­gie nen­nen, dem die Men­schen in ge­wis­ser Wei­se be­wußt oder un­be­wußt ver­fal­len kön­nen. Die­je­ni­gen, die heu­te so da­hin­le­ben in den Tag hin­ein, die heu­te gar nicht be­rührt wer­den von der spi­ri­tu­el­len Wel­t­an­schau­ung, die in ih­rem be­que­men All­tags­du­sel da­hin­le­ben und sa­gen: Was küm­mert mich, was die­se Träu­mer von An­thro­po­so­phen sp­re­chen , die ha­ben die ge­rings­te Mög­lich­keit, in die Krei­se der schwar­zen Ma­gie hin­ein­zu­kom­men. Für sie ist es so, daß sie heu­te nur die Ge­le­gen­heit ver­säu­men, um einst­mals ih­ren Mit­men­schen zu hel­fen in den Be­st­re­bun­gen zur Er­lan­gung des spi­ri­tu­el­len Le­bens. Für sie selbst kann noch nicht sehr viel ver­lo­ren sein. Die­je­ni­gen aber, die heu­te be­gin­nen, auf ei­ne un­recht­mä­ß­i­ge Wei­se sich an das spi­ri­tu­el­le Le­ben her­an­zu­ma­chen, die neh­men ei­gent­lich in den al­le­r­ers­ten An­fän­gen in sich die An­la­ge auf von et­was, was man schwar­ze Ma­gie nen­nen könn­te. Und nur ganz we­ni­ge In­di­vi­du­en gibt es, die heu­te schon der schwar­zen Ma­gie in je­nem furcht­ba­ren Sinn ver­fal­len sind, in dem ei­gent­lich von die­ser scheuß­li­chen Kunst der Mensch­heit ge­spro­chen wer­den muß.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie wer­den am bes­ten ver­ste­hen, daß es wir­k­lich so ist, wenn ich Ih­nen nur ganz lei­se An­deu­tun­gen ma­che dar­über, wie in sys­te-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|239}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ma­ti­scher Wei­se schwar­ze Ma­gie gepf­lo­gen wird, und dann wer­den Sie schon se­hen, daß Sie Um­schau hal­ten kön­nen hin­auf und hin­ab un­ter all Ih­ren Be­kann­ten, und daß Sie nie­mand fin­den wer­den, dem Sie zu­trau­en könn­ten, daß er sol­chen Küns­ten heu­te schon zu­neigt. Al­les üb­ri­ge ist im Grun­de ge­nom­men nur purs­ter Di­let­tan­tis­mus, der in den fol­gen­den Pe­rio­den sehr leicht wird aus­ge­trie­ben wer­den kön­nen. Es ist ja sch­limm ge­nug, daß in un­se­rer Zeit manch­mal Din­ge an­ge­prie­sen wer­den, um die Men­schen zu über­vor­tei­len und so wei­ter, die in ge­wis­ser Be­zie­hung auch der An­fang sind schwar­zer ma­gi­scher Kunst. Sch­limm ist es auch, daß ge­wis­se An­schau­un­gen he­r­ein­spie­len, wel­che, wenn sie auch durch­aus nicht zur schwar­zen Kunst ge­hö­ren, doch ei­ne ge­wis­se Ver­füh­rung bil­den. Es sind das An­schau­un­gen, die heu­te die Welt be­herr­schen in ge­wis­sen Krei­sen und al­ler­dings un­ter den ma­te­ria­lis­ti­schen Ge­dan­ken wu­chern kön­nen, die aber, wenn sie auch durch­aus nicht un­ge­fähr­lich sind, doch nicht un­heil­bar sein wer­den für die nächs­ten Epo­chen. Erst wenn ein­mal be­gon­nen wird da­mit, daß der Mensch so­zu­sa­gen das Abc der schwar­zen Ma­gie ab­sol­viert, dann ist er auf dem ge­fähr­li­chen We­ge nach dem Ab­grund. Und die­ses Abc be­steht da­rin, daß ein Mensch, der der Schü­ler ei­nes schwar­zen Ma­gi­ers wird, da­zu an­ge­hal­ten wird, in ganz be­wuß­ter Wei­se das Le­ben zu er­tö­ten, dem Le­ben vor al­len Din­gen in der Er­tö­t­ung so­viel Sch­merz als mög­lich zu­zu­fü­gen, und in die­sem Zu­fü­gen des Sch­mer­zes ei­ne ge­wis­se Be­frie­di­gung zu füh­len. Wenn die Ab­sicht be­steht, in ein Le­be­we­sen zu ste­chen oder zu schnei­den mit der Ab­sicht, in dem Sch­mer­ze des­sel­ben Se­lig­keit zu füh­len, dann liegt da­rin das Abc der schwar­zen Küns­te. Was dar­über hin­aus­geht, kann nicht ge­st­reift wer­den. Aber Sie wer­den es schon scheuß­lich ge­nug fin­den, wenn Ih­nen ge­sagt wird, daß der schwarz­ma­gi­sche An­fän­ger zu schnei­den und zu ste­chen hat in le­ben­di­ges Fleisch, nicht so wie der Vi­vi­sek­tor schnei­det es ist dies auch schon et­was Sch­lim­mes, doch fin­det das We­sen der Vi­vi­sek­ti­on sei­ne Über­win­dung in den Vi­vi­sek­to­ren sel­ber, in­dem die­se in Ka­ma­lo­ka an sich selbst die Sch­mer­zen wer­den zu spü­ren ha­ben, die sie ih­ren Op­fern zu­ge­fügt ha­ben, und des­halb die Vi­vi­sek­ti­on in Zu­kunft las­sen wer­den,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|240}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
son­dern wer in sys­te­ma­ti­scher Wei­se ins Fleisch schnei­det und dar­aus Be­frie­di­gung emp­fin­det, der fängt an, auf die ab­schüs­si­ge Bahn der schwar­zen Ma­gie zu kom­men. Und da­durch ist die Mög­lich­keit ge­ge­ben für ihn, im­mer mehr und mehr sich je­nem We­sen zu näh­ern, dem zwei­hör­ni­gen Tier.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die­ses We­sen selbst, das wir als das zwei­hör­ni­ge Tier cha­rak­te­ri­siert ha­ben, brau­chen wir uns durch­aus nur so vor­zu­s­tel­len, daß es als ver­füh­r­en­des We­sen von ganz an­de­rer Art als der Mensch ist. Es stammt aus an­de­ren Welt­pe­rio­den, hat an­de­rer Welt­pe­rio­den Nei­gun­gen an­ge­nom­men und wird sich tief be­frie­digt füh­len, wenn es auf We­sen stößt, wie die­se bö­sen We­sen sein wer­den, die sich ge­wei­gert ha­ben, in­ner­lich an­zu­neh­men, was als Gu­tes aus der Er­de flie­ßen kann. Die­ses We­sen hat nichts von der Er­de ha­ben kön­nen. Es hat kom­men se­hen die Er­den­ent­wi­cke­lung, aber es hat sich ge­sagt: Ich bin nicht mit der Er­de so fort­ge­schrit­ten, daß ich von dem ir­di­schen Da­sein ir­gend et­was ha­ben kann. Die­ses We­sen hät­te nur da­durch et­was ha­ben kön­nen von der Er­de, wenn es in ei­nem be­stimm­ten Au­gen­blick die Herr­schaft hät­te er­lan­gen kön­nen, näm­lich da, wo das Chris­tus-Prin­zip her­un­ter­ge­s­tie­gen ist auf die Er­de. Wenn die­ses Chris­tus-Prin­zip da­mals im Keim er­stickt wor­den wä­re, wenn der Chris­tus von dem Wi­der­sa­cher hät­te über­wun­den wer­den kön­nen, dann al­ler­dings wä­re es mög­lich ge­we­sen, daß die Er­de in ih­rer Ganz­heit die­sem So­rat-Prin­zip ver­fal­len wä­re. Das ist nicht der Fall ge­we­sen, und so muß sich die­ses We­sen begnü­gen mit den Ab­fäl­len, die sich nicht hin­ge­neigt ha­ben zum Chris­tus-Prin­zip, mit je­nen Men­schen, die in der Ma­te­rie ste­cken­ge­b­lie­ben sind. Die wer­den in der Zu­kunft sei­ne Heer­scha­ren sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun müs­sen wir, um die­se Heer­scha­ren noch ge­nau­er zu be­g­rei­fen, uns be­kannt­ma­chen mit zwei Be­grif­fen, die Ih­nen in ge­wis­ser Be­zie­hung ein Schlüs­sel sein kön­nen zu be­stimm­ten Ka­pi­teln der Apo­ka­lyp­se. Wir müs­sen uns be­kannt­ma­chen mit den Be­grif­fen «ers­ter Tod» und «zwei­ter Tod». Was ist der ers­te Tod, und was ist der zwei­te Tod des Men­schen oder der Mensch­heit? Wir müs­sen uns ein ge­nau­es Bild ma­chen von den Be­grif­fen, die der Apo­ka­lyp­ti­ker mit die­sen Wor­ten ver­bun­den hat. Da­zu müs­sen wir noch ein-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|241}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
mal vor un­se­re See­le die ele­men­ta­ren Wahr­hei­ten über das Men­schen­da­sein hin­s­tel­len.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neh­men Sie den Men­schen von heu­te, wie Sie sel­ber ei­ner sind. Er lebt so, daß er vom Mor­gen, wenn er auf­wacht, bis zum Abend, wo er ein­schläft, aus vier Glie­dern be­steht, aus dem phy­si­schen Leib, dem Äther­leib, dem As­tral­leib und dem Ich. Wir wis­sen auch, daß der Mensch wäh­rend sei­nes Er­den­da­seins von sei­nem Ich aus die nie­de­ren Glie­der sei­ner We­sen­heit be­ar­bei­tet und daß es ihm ge­lin­gen muß, wäh­rend des Er­den­da­seins den as­tra­li­schen Leib un­ter die Herr­schaft des Ich zu brin­gen. Wir wis­sen, daß die Er­de ab­ge­löst wer­den wird von dem Ju­pi­ter, ih­rer nächs­ten Ver­kör­pe­rung. Wenn der Mensch auf dem Ju­pi­ter an­ge­langt sein wird, dann wird er als ein an­de­res We­sen vor uns ste­hen. Die­ser Ju­pi­ter­mensch wird von sei­nem Ich aus durch­ge­ar­bei­tet ha­ben sei­nen as­tra­li­schen Leib. Und wenn wir heu­te sa­gen, der Er­den­mensch, der im wa­chen Zu­stand vor uns steht, hat aus­ge­bil­det zu­nächst phy­si­schen Leib, Äther­leib, As­tral­leib und Ich, so müs­sen wir vom Ju­pi­ter­men­schen sa­gen, er wird aus­ge­bil­det ha­ben phy­si­schen Leib, Äther­leib, As­tral­leib und Ich, aber sei­nen as­tra­li­schen Leib wird er um­ge­stal­tet ha­ben zu Geist­selbst. Er wird auf ei­ner höhe­ren Stu­fe des Be­wußt­seins le­ben, auf ei­ner Stu­fe, die fol­gen­der­wei­se cha­rak­te­ri­siert wer­den kann. Je­nes al­te, dump­fe Bil­der­be­wußt­sein des Mon­des, das auch noch in den ers­ten Zei­ten des Er­den­be­wußt­seins da war, das wird in sei­nen Bil­dern als hell­se­he­ri­sches Be­wußt­sein wie­der da sein, aber es wird aus­ge­stat­tet sein mit dem men­sch­li­chen Ich, so daß der Mensch so lo­gisch über­le­gend sein wird mit die­sem Ju­pi­ter­be­wußt­sein, wie er es heu­te mit dem Ta­ges­be­wußt­sein der Er­de ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Ju­pi­ter­mensch wird al­so in ge­wis­ser Be­zie­hung ein nie­d­ri­ger Hell­se­her sein. Es wird ein Teil der see­li­schen Welt für ihn of­fen­lie­gen. Er wird Wohl und We­he sei­ner Um­ge­bung in Bil­dern emp­fin­den, die auf­s­tei­gen inn­er­halb sei­nes ima­gi­na­ti­ven Be­wußt­seins. Die­ser Ju­pi­ter­mensch wird da­her in ganz an­de­ren mo­ra­li­schen Ver­hält­nis­sen le­ben. Den­ken Sie sich, daß Sie als Ju­pi­ter­mensch ei­ne men­sch­li­che See­le vor sich ha­ben: Der Sch­merz, die Lust die­ser&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|242}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
See­le wird auf­s­tei­gen in Bil­dern vor Ih­rer See­le, und die Bil­der des Sch­mer­zes der an­de­ren See­le wer­den Sie quä­len, und Sie wer­den, wenn Sie den Sch­merz der an­de­ren See­le nicht be­sei­ti­gen, un­mög­lich den Sch­merz der an­de­ren See­le mit Ih­rem ei­ge­nen Wohl­sein ve­r­ei­ni­gen kön­nen. Oh, die Bil­der des Lei­des wür­den ei­ne Qual sein für den Ju­pi­ter­men­schen mit dem er­höh­ten Be­wußt­sein, wenn er nichts tun wür­de, um die­ses Leid zu mil­dern und so sei­ne ei­ge­nen quä­len­den Bil­der, die nichts an­de­res sind als der Aus­druck des Lei­des um ihn her­um, gleich­falls weg­zu­schaf­fen. Nicht wird das Wohl und We­he des ein­zel­nen mög­lich sein oh­ne das des an­de­ren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So se­hen wir, wie der Mensch zu sei­nem ge­gen­wär­ti­gen Be­wußt­sein, dem Ich-Be­wußt­sein, ei­nen ganz neu­en Be­wußt­s­eins­zu­stand hin­zu­er­obert. Wenn wir ver­ste­hen wol­len, was das für ei­ne Trag­wei­te hat in der Welt­ent­wi­cke­lung, so müs­sen wir den schla­fen­den Men­schen noch ein­mal vor un­se­re See­le füh­ren. Im Schla­fe liegt im Bet­te Ihr phy­si­scher und Äther­leib, und au­ßer­halb ist das Ich und der as­tra­li­sche Leib. In der Nacht ist es so, daß er wenn wir et­was, sa­gen wir, un­ge­nau re­den schnö­de sei­nen phy­si­schen und Äther­leib ver­läßt. Da­durch aber, daß der Mensch in der La­ge ist, in der Nacht­zeit frei zu wer­den von sei­nem phy­si­schen und Äther­leib, da­durch, daß der Mensch in der Nacht­zeit le­ben kann in ei­ner geis­ti­gen Welt, ist die Mög­lich­keit her­bei­ge­führt, daß er ge­ra­de hier in die­sem Er­den­da­sein von sei­nem Ich aus um­ge­stal­tend wir­ken kann auf sei­nen as­tra­li­schen Leib. Wie ge­schieht nun die­se Wir­kung?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir es an­schau­lich be­sch­rei­ben wol­len, kön­nen wir sa­gen: Neh­men wir den Men­schen in sei­nem tag­wa­chen Zu­stand. Neh­men wir an, er fin­de ne­ben sei­nen Be­rufs­ar­bei­ten und Pf­lich­ten ei­ne wenn auch kur­ze Zeit, um sich höhe­ren Be­trach­tun­gen hin­zu­ge­ben, um sich die gro­ßen Im­pul­se zu ei­gen zu ma­chen, die et­wa aus dem Jo­han­nes-Evan­ge­li­um flie­ßen, aus den Wor­ten: «Im Ur­be­gin­ne war das Wort, und das Wort war bei Gott.» Neh­men wir an, er las­se so in sich er­ste­hen die gro­ßen Bil­der, die ihm durch das Jo­han­nes-Evan­ge­li­um vor­ge­führt wer­den, er sei im­mer von dem Ge­dan­ken er­füllt: Da­mals, im Be­gin­ne un­se­rer Zeit­rech­nung, leb­te&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|243}}&lt;br /&gt;
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in Pa­läs­t­i­na ei­ne We­sen­heit, der ich nach­fol­gen will. Ich will mein Le­ben so ein­rich­ten, daß al­les vor die­ser We­sen­heit be­ste­hen kann, daß ich mich be­trach­ten kann als ei­nen Men­schen, der die­se Per­sön­lich­keit sich zum Ideal ge­nom­men hat. Da­bei brau­chen wir aber nicht in In­to­le­ranz nur an das Jo­han­nes-Evan­ge­li­um zu den­ken. Auf manch an­de­re Wei­se ist es mög­lich, sich hin­ein­zu­ver­tie­fen in das­je­ni­ge, was die See­le mit sol­chen Bil­dern er­fül­len kann. Und wenn wir auch in ge­wis­ser Wei­se das Jo­han­nes-Evan­ge­li­um als das Größ­te be­zeich­nen müs­sen, was inn­er­halb der Mensch­heit ent­stan­den ist, was die ge­wal­tigs­te Wir­kung aus­ü­ben kann, so dür­fen wir doch sa­gen: Der an­de­re, der hin­ge­bungs­voll in der Leh­re der Ve­dan­ta-Weis­heit auf­geht oder sich in die Bha­ga­vad Gi­ta oder in das Dham­ma­pa­da ver­tieft, auch für den wird ge­nü­gend Ge­le­gen­heit vor­han­den sein, in fol­gen­den Ver­kör­pe­run­gen ge­ra­de durch das, was er so auf­ge­nom­men hat, zum Chris­tus-Prin­zip zu kom­men. Neh­men wir al­so an, ein Mensch durch­drin­ge tags­über sei­ne See­le mit sol­chen Bil­dern und Vor­stel­lun­gen, dann wird sein as­tra­li­scher Leib von die­sen Ge­dan­ken, Ge­füh­len und Bil­dern er­grif­fen, und sie bil­den Kräf­te in sei­nem as­tra­li­schen Leib, er­zeu­gen in ihm die ver­schie­den­ar­tigs­ten Wir­kun­gen. Wenn dann der Mensch aus sei­nem phy­si­schen und Äther­leib des Nachts her­aus­rückt, blei­ben die­se Wir­kun­gen im as­tra­li­schen Lei­be drin­nen, und der­je­ni­ge, der bei Tag sich hat ver­tie­fen kön­nen in die Bil­der und Ge­füh­le des Jo­han­nes-Evan­ge­li­ums, hat et­was ge­schaf­fen in sei­nem as­tra­li­schen Leib, das in der Nacht als ge­wal­ti­ge Wir­kung da­rin auf­tritt. So, müs­sen wir sa­gen, wirkt der Mensch heu­te wäh­rend des tag­wa­chen­den Be­wußt­seins auf sei­nen as­tra­li­schen Leib.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sich be­wußt wer­den die­ser Wir­kun­gen kann heu­te nur der Ein­ge­weih­te; aber der Mensch ent­wi­ckelt sich ja all­mäh­lich hin zu die­sem Be­wußt­sein. Die­je­ni­gen Men­schen, die das Ziel der Er­den­ent­wi­cke­lung er­rei­chen wer­den, wer­den dann ei­nen ganz und gar vom Ich mit dem geis­ti­gen In­halt, den sie sich er­ar­bei­tet ha­ben, durch­drun­ge­nen as­tra­li­schen Leib ha­ben, sie wer­den die­ses Be­wußt­sein als ein Er­geb­nis, als ei­ne Frucht der Er­den­ent­wi­cke­lung ha­ben und hin­über­tra­gen in die Ju­pi­ter­ent­wi­cke­lung. Wir möch­ten sa­gen,&lt;br /&gt;
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daß der Mensch, wenn die Er­den­zeit so zu En­de ge­gan­gen, ist, Fähig­kei­ten er­langt hat, die sym­bo­lisch dar­ge­s­tellt wer­den durch die Er­bau­ung des neu­en Je­ru­sa­lem. Da wird der Mensch schon hin­ein­bli­cken in je­ne Bil­der­welt des Ju­pi­ter, das Geist­selbst ist dann aus­ge­bil­det in ihm. Das ist das Ziel der Er­den­ent­wi­cke­lung. Was al­so soll der Mensch im Ver­lau­fe der Er­den­ent­wi­cke­lung er­lan­gen? Was ist das ers­te Ziel? Die Um­wand­lung des as­tra­li­schen Lei­bes. Oh, die­ser as­tra­li­sche Leib, der heu­te des Nachts im­mer frei wird vom phy­si­schen und Äther­leib, der wird in Zu­kunft als ein um­ge­bil­de­ter Teil der men­sch­li­chen We­sen­heit er­schei­nen. Da hin­ein trägt der Mensch, was ihm auf der Er­de ge­ge­ben wird. Aber das wür­de noch nicht ge­nü­gen für die Er­den­ent­wi­cke­lung. Den­ken Sie sich, daß der Mensch je­de Nacht her­aus­kom­men wür­de aus dem phy­si­schen und Äther­leib und je­de Nacht sei­nen as­tra­li­schen Leib durch­drin­gen wür­de mit dem, was er auf­ge­nom­men hat tags­über, daß aber der phy­si­sche und der Äther­leib gar nicht da­von be­rührt wür­den, dann wür­de der Mensch das Er­den­ziel den­noch nicht er­rei­chen. Es muß noch et­was an­de­res ein­t­re­ten. Es muß mög­lich sein, daß der Mensch wäh­rend der Er­den­ent­wi­cke­lung im­mer und im­mer wie­der we­nigs­tens in den Äther­leib hin­ein­prägt das­je­ni­ge, was er al­so in sich auf­ge­nom­men hat. Es ist not­wen­dig, daß die­ser Äther­leib auch Wir­kun­gen emp­fan­gen kann von dem, was der Mensch im as­tra­li­schen Leib her­an­bil­det.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Mensch kann noch nicht durch sich selbst in die­sen Äther­leib hin­ein­wir­ken. Auf dem Ju­pi­ter, wenn der Mensch sei­nen as­tra­li­schen Leib um­ge­bil­det ha­ben wird, wird er fähig wer­den, auch in die­sen Äther­leib hin­ein­zu­wir­ken. Heu­te aber kann er das nicht, heu­te braucht er so­zu­sa­gen noch Hel­fer. Auf dem Ju­pi­ter wird der Mensch fähig wer­den, die ei­gent­li­che Ar­beit am Äther­lei­be zu be­gin­nen. Auf der Ve­nus wird er am phy­si­schen Lei­be ar­bei­ten; das ist der am schwers­ten zu über­win­den­de Teil. Heu­te aber muß der Mensch noch die bei­den, den phy­si­schen und den Äther­leib, nachts im Bett lie­gen las­sen und her­aus­kom­men. Daß aber den­noch zu­nächst der Äther­leib sei­ne Wir­kun­gen emp­fängt, so daß der Mensch all­mäh­lich lernt hin­ein­zu­ar­bei­ten in den Äther­leib, da­zu braucht er&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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ei­nen Hel­fer. Und die­ser Hel­fer, der das er­mög­licht, ist kein an­de­rer wie­der­um als die Chris­tus-We­sen­heit, wäh­rend wir die­je­ni­ge We­sen­heit, die dem Men­schen hilft, in den phy­si­schen Leib hin­ein­zu­ar­bei­ten, als den «Va­ter» be­zeich­nen. Be­vor aber nicht der Hel­fer kommt, der es er­mög­licht, in den Äther­leib hin­ein­zu­ar­bei­ten, kann der Mensch nicht in sei­nen phy­si­schen Leib hin­ein­ar­bei­ten: «Nie­mand kommt zum Va­ter, denn durch mich.» Nie­mand er­langt die Fähig­keit, in den phy­si­schen Leib hin­ein­zu­ar­bei­ten, der nicht durch das Chris­tus-Prin­zip hin­durch­ge­gan­gen ist. So wird der Mensch dann, wenn er am Zie­le der Er­den­ent­wi­cke­lung an­ge­langt sein wird, durch die Fähig­keit, sei­nen as­tra­li­schen Leib aus ei­ge­nen Kräf­ten um­zu­bil­den, auch die Fähig­keit ha­ben, bis hin­un­ter auf den Äther­leib zu wir­ken. Das ver­dankt er dem le­ben­di­gen Da­sein des Chris­tus-Prin­zips auf der Er­de. Hät­te sich die­ses nicht als Le­ben­di­ges ve­r­ei­nigt mit der Er­de, wä­re es nicht hin­ein­ge­kom­men in die Au­ra der Er­de, dann wür­de das, was im as­tra­li­schen Leib aus­ge­bil­det ist, sich nicht hin­ein­bil­den in den Äther­leib. Wir se­hen al­so, daß der­je­ni­ge, der sich ver­sch­ließt, in­dem er sich ab­kehrt von dem Chris­tus-Prin­zip, sich der Mög­lich­keit ent­zieht, in sei­nen Äther­leib so hin­ein­zu­ar­bei­ten, wie es schon wäh­rend der Er­den­ent­wi­cke­lung not­wen­dig ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So al­so wer­den wir in ei­ner an­de­ren Wei­se cha­rak­te­ri­sie­ren kön­nen die zwei Ar­ten von Men­schen, die am Ziel der Er­den­ent­wi­cke­lung vor uns ste­hen: Wir ha­ben sol­che Men­schen, wel­che in sich das Chris­tus-Prin­zip auf­ge­nom­men ha­ben, wel­che da­durch ih­ren as­tra­li­schen Leib um­ge­bil­det und von Chris­tus die Hil­fe er­langt ha­ben, auch den Äther­leib um­zu­wan­deln, und an­de­re ha­ben wir, die nicht hin­ge­kom­men sind zum Chris­tus-Prin­zip, die auch nicht in der La­ge wa­ren, ir­gend et­was im Äther­leib zu ve­r­än­dern, denn sie konn­ten nicht den Hel­fer fin­den, den Chris­tus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun schau­en wir ein­mal hin auf die­se Men­schen­zu­kunft. Die Er­de ver­geis­tigt sich, das heißt der Mensch muß et­was voll­stän­dig ver­lie­ren, was er jetzt in sei­nem phy­si­schen Da­sein als zu ihm ge­hö­rig be­trach­tet. Wir kön­nen uns ein Bild da­von ma­chen, was da mit dem Men­schen ge­schieht, wenn wir schon den ge­wöhn­li­chen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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Ver­lauf sei­nes Le­bens nach dem To­de be­trach­ten. Der Mensch ver­liert den phy­si­schen Leib nach dem To­de. Die­sem phy­si­schen Lei­be ist es zu­zu­sch­rei­ben, daß der Mensch Be­gier­den und Nei­gun­gen hat, die sich an das ge­wöhn­li­che Le­ben knüp­fen, und wir ha­ben es ge­schil­dert, was der Mensch nach dem To­de er­lebt. Neh­men wir ei­nen Men­schen an, der ir­gend­ei­ne le­cke­re Spei­se be­son­ders lieb­te. Im Le­ben kann er sich den Ge­nuß ver­schaf­fen, nach dem To­de nicht. Die Be­gier­de hört aber nicht auf, denn sie hat nicht im phy­si­schen, son­dern im As­tral­leib ih­ren Sitz. Weil nun aber das phy­si­sche Werk­zeug fehlt, so fehlt auch die Mög­lich­keit, die­se Be­gier­de zu be­frie­di­gen. Sol­che Men­schen schau­en im Ka­ma­lo­ka hin­un­ter in die phy­si­sche Welt, die sie ver­las­sen ha­ben, sie schau­en da, was ih­nen jetzt noch Ge­nuß ma­chen könn­te von al­le­dem, was un­ten auf der phy­si­schen Welt ist, aber sie kön­nen es nicht ge­nie­ßen, weil sie kein phy­si­sches In­stru­ment da­zu ha­ben, und da­durch kommt je­ner bren­nen­de Durst in sie. So ist es mit al­len Be­gier­den, die im Men­schen ge­b­lie­ben sind nach dem To­de und die hin­ge­ord­net sind nach der phy­si­schen Welt, weil sie nur durch phy­si­sche Werk­zeu­ge be­frie­digt wer­den kön­nen. So ist es je­des­mal nach dem To­de: Der Mensch sieht je­des­mal sei­nen phy­si­schen Leib ab­fal­len, und da­durch, daß ihm von die­sem phy­si­schen Leib et­was ge­b­lie­ben ist, da­durch drängt es ihn noch hin zur ge­wöhn­li­chen Welt un­se­res phy­si­schen Pla­nes und es wird, bis er sich das ab­ge­wöhnt hat in der geis­ti­gen Welt, für ihn die Zeit der Be­gier­denglut da sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den­ken Sie sich nun die letz­te ir­di­sche Ver­kör­pe­rung vor der Ver­geis­ti­gung der Er­de, das Ab­le­gen des letz­ten phy­si­schen Lei­bes. Die Men­schen, die heu­te auf der Er­de le­ben, wer­den so weit sein durch das Chris­tus-Prin­zip, daß ih­nen in ge­wis­ser Wei­se die­ses Ab­le­gen des al­ler­letz­ten phy­si­schen Lei­bes kei­ne be­son­de­ren Schwie­rig­kei­ten macht. Aber sie wer­den doch et­was ver­las­sen müs­sen, denn von der ver­geis­tig­ten Er­de ist hin­ge­schwun­den ein für al­le­mal das­je­ni­ge, was Freu­de ge­ben kann aus den Ge­gen­stän­den die­ser Er­de. Den­ken Sie an den letz­ten Tod, der mög­lich ist in der Er­den­ent­wi­cke­lung, an das letz­te Ab­le­gen des phy­si­schen Lei­bes. Die­ser&lt;br /&gt;
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letz­te Tod der Ver­kör­pe­run­gen, das ist es, was in der Apo­ka­lyp­se der ers­te Tod ge­nannt wird. Und die­je­ni­gen, die das Chris­tus-Prin­zip auf­ge­nom­men ha­ben, se­hen die­sen phy­si­schen Leib so­zu­sa­gen wie ei­ne ab­fal­len­de Scha­le. Für sie hat jetzt der Äther­leib Be­deu­tung. Der ist mit Hil­fe des Chris­tus so or­ga­ni­siert, daß er dem as­tra­li­schen Leib vor­der­hand an­gepaßt ist, daß er nicht mehr Lust und Be­gier­de hat nach dem, was da un­ten in der phy­si­schen Welt ist. Nur mit all dem, was durch die Hil­fe des Chris­tus in den Äther­leib hin­ein­ge­bracht wor­den ist, le­ben die Men­schen jetzt wei­ter in der ver­geis­tig­ten Er­de. Sie ha­ben sich ei­ne Har­mo­nie ge­schaf­fen zwi­schen ih­rem as­tra­li­schen Leib und ih­rem Äther­leib. Das Chris­tus-Prin­zip hat eben die­sen Ein­klang ge­schaf­fen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da­ge­gen gibt es die an­de­ren, die das Chris­tus-Prin­zip nicht in sich auf­ge­nom­men ha­ben. Die­se an­de­ren ha­ben sol­chen Ein­klang nicht. Den phy­si­schen Leib müs­sen auch sie ver­lie­ren, denn ei­nen phy­si­schen Leib gibt es zu­nächst in der ver­geis­tig­ten Er­de nicht. Al­les Phy­si­sche muß zu­nächst auf­ge­löst wer­den. Es bleibt zu­rück als Be­gier­de nach dem Phy­si­schen, als das un­ge­läu­ter­te Geis­ti­ge, als das in der Ma­te­rie ver­här­te­te Geis­ti­ge. Ein Äther­leib bleibt zu­rück, dem nicht der Chris­tus ge­hol­fen hat, dem as­tra­li­schen Leib an­gepaßt zu sein, der hin­ge­ord­net ist nach dem phy­si­schen Leib. Das sind die­je­ni­gen Men­schen, die hei­ße Be­gier­denglut emp­fin­den wer­den nach der phy­si­schen Sinn­lich­keit. Un­ge­s­till­te, bren­nen­de Be­gier­denglut wer­den sie im Äther­leib emp­fin­den durch das, was sie im phy­si­schen Le­ben ge­habt ha­ben und was sie jetzt ent­beh­ren müs­sen. So ha­ben wir in die­ser nächs­ten Zeit, nach­dem das Phy­si­sche ab­ge­sch­mol­zen ist, Men­schen, die in ih­rem Äther­leib als in ei­nem We­sens­g­lie­de le­ben, das har­mo­nisch zu­sam­men­k­lingt mit dem as­tra­li­schen Lei­be, und wir ha­ben die an­de­ren Men­schen, de­ren Äther­leib in Mißklang lebt, weil sie Be­gier­de nach dem ha­ben, was ab­ge­fal­len ist im phy­si­schen Lei­be.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann tritt in der wei­te­ren Ent­wi­cke­lung ein Zu­stand ein, wo die Ver­geis­ti­gung der Er­de so fort­sch­rei­tet, daß es auch kei­nen Äther­leib mehr ge­ben kann. Die­je­ni­gen, de­ren Äther­leib ganz im Ein­klang ist mit dem as­tra­li­schen Leib, die wer­fen oh­ne Sch­mer­zen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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die­sen Äther­leib ab, denn sie blei­ben in ih­rem as­tra­li­schen Lei­be, der er­füllt ist von der Chris­tus-We­sen­heit, und sie emp­fin­den es als Ent­wi­cke­lungs­not­wen­dig­keit, daß der Äther­leib ab­ge­st­reift wird. Denn sie füh­len in sich die Fähig­keit, ihn wie­der­um selbst auf­zu­bau­en, weil sie Chris­tus in sich auf­ge­nom­men ha­ben. Die­je­ni­gen aber, die in die­sem Äther­leib die Be­gier­de nach dem ha­ben, was ver­gan­gen ist, die kön­nen die­sen Äther­leib auch nicht be­hal­ten, wenn al­les as­tra­lisch wird. Er wird ih­nen ge­nom­men wer­den, wird aus ih­nen ge­ris­sen wer­den, und jetzt emp­fin­den sie das als ein zwei­tes Ster­ben, als den «zwei­ten Tod». Die­ser zwei­te Tod geht an den an­de­ren, die ih­ren Äther­leib mit dem as­tra­li­schen Leib durch Auf­nah­me des Chris­tus-Prin­zips har­mo­nisch ge­macht ha­ben, un­ver­merkt vor­über. Über sie hat der zwei­te Tod kei­ne Macht. Die an­de­ren emp­fin­den aber den zwei­ten Tod beim wei­te­ren Hin­über­le­ben in je­ne fol­gen­de as­tra­li­sche Ge­stalt. Dann ist die Mensch­heit in je­nem Zu­stand, wo die­je­ni­gen, die das Ziel der Ent­wi­cke­lung er­reicht ha­ben, ih­ren as­tra­li­schen Leib ganz durch­drun­gen ha­ben mit Chris­tus. Sie sind reif, hin­über­zu­le­ben nach dem Ju­pi­ter, sie ent­wer­fen auf un­se­rer Er­de den Plan zur Ju­pi­ter­ent­wi­cke­lung. Das ist der Plan, der ge­nannt wird das neue Je­ru­sa­lem. Sie le­ben in ei­nem «neu­en Him­mel» und ei­ner «neu­en Er­de»: das ist Ju­pi­ter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die­ser neue Ju­pi­ter wird be­g­lei­tet sein wie von ei­nem Tra­ban­ten von den­je­ni­gen, die aus­ge­sch­los­sen sind von dem Le­ben im Geis­ti­gen, die den zwei­ten Tod er­lebt ha­ben, die da­her kei­ne Mög­lich­keit ha­ben, das Ju­pi­ter­be­wußt­sein zu er­lan­gen. Wir ha­ben al­so sol­che Men­schen, die zum Ju­pi­ter­be­wußt­sein vor­ge­rückt sind, die Ma­nas er­langt ha­ben, und sol­che We­sen­hei­ten, wel­che von sich ge­sto­ßen ha­ben die Kräf­te, die ih­nen die­ses Be­wußt­sein ge­ge­ben hät­ten. Das sind die­je­ni­gen, wel­che auf dem Ju­pi­ter erst das Ich-Be­wußt­sein der Er­de er­langt ha­ben, die al­so so­zu­sa­gen da­ste­hen, wie heu­te der Mensch auf der Er­de da­steht mit sei­nen vier Glie­dern. Aber ein sol­cher Mensch kann sich nur inn­er­halb der Er­de ent­wi­ckeln, nur die Er­de hat die Um­ge­bung den Bo­den, die Luft, die Wol­ken, die Pflan­zen, die Mi­ne­ra­li­en , die not­wen­dig ist für den Men­schen, wenn er das er­rei­chen will, was inn­er­halb der vier Glie­der zu&lt;br /&gt;
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er­rei­chen ist. Der Ju­pi­ter wird ganz an­ders ge­stal­tet sein, ei­ne «neue Er­de» wird er sein. An­ders wer­den Bo­den, Luft, Was­ser, an­ders wird ein je­g­li­ches We­sen sein, und nicht wird die Mög­lich­keit vor­han­den sein, ein Nor­mal­le­ben zu füh­ren für We­sen, die erst das Er­den­be­wußt­sein er­langt ha­ben. Sie wer­den die zu­rück­ge­b­lie­be­nen We­sen­hei­ten sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber nun kommt et­was, was wie­der­um zu un­se­rer Be­ru­hi­gung ge­hört. Selbst auf die­sem Ju­pi­ter gibt es noch ei­ne letz­te Mög­lich­keit, durch die star­ke Kraft, wel­che die Vor­ge­rück­te­ren ha­ben, die­se al­so Hin­un­ter­ge­sun­ke­nen noch ein­mal zur Um­kehr zu be­we­gen und auch ei­ne An­zahl zur Um­kehr zu brin­gen. Erst bei der Ve­nus­ver­kör­pe­rung wird die al­ler­letz­te Ent­schei­dung fal­len, die un­ab­än­der­li­che Ent­schei­dung. Wenn wir das al­les über­den­ken, dann wird der Ge­dan­ke, den wir neu­lich be­spro­chen ha­ben, doch ei­ne an­de­re Fär­bung er­lan­gen. Da wird er un­mög­lich Ban­gig­keit und Be­un­ru­hi­gung her­vor­ru­fen, son­dern nur das ei­ne St­re­ben: Ich will al­les tun, was nö­t­ig ist, um die Er­den­mis­si­on zu er­fül­len.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir uns das al­les in ent­sp­re­chen­der Wei­se vor die See­le rü­cken, dann er­öff­net sich ein gro­ßes, ge­wal­ti­ges Bild der Mensch­heits­zu­kunft, und wir ah­nen, was al­les in der er­leuch­te­ten See­le des Apo­ka­lyp­ti­kers war, der nie­der­ge­schrie­ben hat, was wir eben in die­sen Be­trach­tun­gen stam­melnd her­aus­fin­den konn­ten aus der Apo­ka­lyp­se. Je­des Wort des Apo­ka­lyp­ti­kers ist von Be­deu­tung, ja je­de Wen­dung. Wir müs­sen sie nur klar zu ver­ste­hen su­chen. So wird uns hin­ge­wie­sen, im Sin­ne der ges­t­ri­gen Be­trach­tung, in 666 auf das Tier mit den zwei Hör­nern, und dann wird ge­sagt ein merk­wür­dig Wort: «Hie ist Weis­heit! Wer Ver­stand hat, der über­le­ge die Zahl des Tie­res, denn es ist ei­nes Men­schen Zahl.» Ein schein­ba­rer Wi­der­spruch, aber ei­ner von den vie­len Wi­der­sprüchen, die durch­aus in je­der ok­kul­ten Schrift und Be­trach­tung zu fin­den sind. Sie kön­nen näm­lich des­sen ge­wiß sein, daß ei­ne Be­trach­tung, die so glatt ver­läuft, daß man mit dem ge­wöhn­li­chen Men­schen-All­tags­ver­stand kei­nen Wi­der­spruch fin­den kann, ge­wiß nicht auf ok­kul­tem Bo­den steht. Was in der Welt sich ent­wi­ckelt, ist nicht so flach und tri­vial wie das, was der men­sch­li­che Ver­stand, die&lt;br /&gt;
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ge­wöhn­li­che In­tel­li­genz als Wi­der­spruchs­lo­sig­keit emp­fin­det. Man muß eben tie­fer in die Un­ter­grün­de men­sch­li­cher Be­trach­tung hin­un­ter­tau­chen, dann ver­schwin­den schon die Wi­der­sprüche. Der­je­ni­ge, der ei­ne Pflan­ze be­trach­tet, wie sie wächst von der Wur­zel bis zur Frucht, wie das grü­ne Blatt sich ver­wan­delt in das Blu­men­blatt, das Blu­men­blatt in die Staub­ge­fä­ße und so wei­ter, der kann sa­gen: Hier ha­ben wir wi­der­sp­re­chen­de Ge­stal­ten, das Blu­men­blatt wi­der­spricht dem Sten­gel­blatt. Wer aber tie­fer sieht, wird die Ein­heit er­bli­cken, die tie­fe­re Ein­heit im Wi­der­spruch. So ist es mit dem, was der Ver­stand in der Welt se­hen kann. Er sieht ge­ra­de in den tiefs­ten Weis­hei­ten Wi­der­sprüche. Da­her darf es uns nicht be­rüh­ren, wenn uns hier in der Apo­ka­lyp­se ein schein­ba­rer Wi­der­spruch ent­ge­gen­tritt: «Wer Ver­stand hat, der über­le­ge die Zahl des Tie­res, denn es ist ei­nes Men­schen Zahl.»&lt;br /&gt;
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Wir müs­sen da noch ein­mal be­trach­ten, wo­durch der Mensch hin­ein­kom­men kann in die Mög­lich­keit, von dem zwei­hör­ni­gen Tier ver­führt zu wer­den. Wir ha­ben dar­auf hin­ge­wie­sen, daß der Mensch seit der Mit­te der at­lan­ti­schen Zeit so­zu­sa­gen die höhe­re geis­ti­ge Ent­wi­cke­lung ver­schla­fen hat. Die­se Schla­fens­zeit ist die heu­ti­ge Zeit. Sie war aber not­wen­dig. Wenn sie nicht ein­ge­t­re­ten wä­re, wä­re nie­mals das ge­kom­men, was wir in un­se­rem heu­ti­gen Sinn Ver­stand nen­nen. Die Men­schen vor un­se­rer Zeit ha­ben das nicht ge­habt. Die ha­ben aus an­de­ren Im­pul­sen her­aus ge­han­delt. Ih­re Bil­der ha­ben sie hin­ge­trie­ben zu ih­ren Hand­lun­gen oh­ne Über­le­gung. Die­se al­te Hell­se­her­ga­be hat der Mensch ver­lo­ren, und da­für hat er den Ver­stand ein­ge­tauscht und ist her­un­ter­ge­s­tie­gen in die Ma­te­rie. Da­durch ist ihm der Sch­lei­er ge­wo­ben wor­den vor die geis­ti­ge Welt, da­durch aber hat er sich gleich­zei­tig den Ver­stand er­wor­ben. Die­ser kann ei­ne wich­ti­ge Hem­mung sein für die spi­ri­tu­el­le Ent­wi­cke­lung. Nichts an­de­res wird es zu­letzt sein, was den Men­schen da­von ab­hal­ten kann, gründ­lich da­von ab­hal­ten kann, zum Chris­tus-Prin­zip zu kom­men, als die­ser ver­führ­te Ver­stand, die­se ver­führ­te In­tel­li­genz. Und wenn die­je­ni­gen, die zu­letzt dem zwei­hör­ni­gen Tier ver­fal­len wer­den, zu­rück­bli­cken könn­ten auf das, was ih­nen ei­gent­lich den bö­ses­ten St­reich ge­spielt hat,&lt;br /&gt;
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dann wür­den sie sa­gen: Zwar ist die An­la­ge zum Ab­grund erst spä­ter ge­kom­men, aber was mir ver­fins­tert hat das Chris­tus-Prin­zip, das ist der Ver­stand. Oh, der­je­ni­ge, der die­sen Ver­stand hat, der über­le­ge die Zahl des Tie­res! Denn ge­ra­de da­durch, daß der Mensch Mensch ge­wor­den ist, das heißt mit die­sem Ich-Ver­stand be­gabt wor­den ist, da­durch kann er ver­fal­len dem Tie­re 666. Denn die Zahl des Tie­res ist zu­g­leich ei­nes Men­schen Zahl, und daß es ei­nes Men­schen Zahl ist, kann kein an­de­rer ein­se­hen als der­je­ni­ge, der Ver­stand hat: Des­je­ni­gen Men­schen Zahl ist es, der sich durch sei­nen Ver­stand hat ver­füh­ren las­sen. Sol­che tie­fen Wahr­hei­ten ste­cken da­rin in die­sen Din­gen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So se­hen Sie, daß der Apo­ka­lyp­ti­ker Ih­nen vie­les gibt, wenn Sie die ein­zel­nen An­deu­tun­gen, die wir ge­macht ha­ben, in sich auf­neh­men. Vie­les gibt er, was wir heu­te an­thro­po­so­phi­sche Wahr­hei­ten nen­nen. Er gibt, was er ver­spricht. Er führt den Men­schen hin zur An­schau­ung des­sen, was kom­men wird: zur An­schau­ung der We­sen­hei­ten und Mäch­te, wel­che die Welt len­ken. Er führt uns zu dem Geis­te, der uns auf dem ers­ten Sie­gel, zu der Ge­stalt, die uns auf dem letz­ten Sie­gel ge­ge­ben wird. Da sieht man, wie ihm hell­se­he­risch die Re­gel­mä­ß­ig­keit des neu­en Je­ru­sa­lem sich aus­drückt. Das ist das Se­he­ri­sche da­ran. Die Re­gel­mä­ß­ig­keit des neu­en Je­ru­sa­lem drückt sich da­bei aus; Sie kön­nen im 21. Ka­pi­tel se­hen, wie so­zu­sa­gen die­ses neue Je­ru­sa­lem be­schrie­ben wird als Wür­fel (Vers 16). Zu be­sch­rei­ben, was auf die­sem letz­ten Bil­de ist, wür­de uns zu weit füh­ren. (Sie­he das sie­ben­te Sie­gel­bild.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt ist es not­wen­dig, daß wir dar­auf hin­wei­sen, zu wel­chem Zwe­cke die Apo­ka­lyp­se ge­schrie­ben ist. Ich müß­te frei­lich viel sp­re­chen, wenn ich aus­führ­lich be­sch­rei­ben woll­te, wo­zu sie ge­schrie­ben ist. Aber ei­ne An­deu­tung we­nigs­tens sol­len Sie mit nach Hau­se neh­men, ei­ne An­deu­tung, die sich uns er­gibt aus ei­ner ganz be­stimm­ten Stel­le der Apo­ka­lyp­se. Der­je­ni­ge, der die Apo­ka­lyp­se ge­schrie­ben hat, sagt, daß ei­ne Zeit kom­men wird, wo wir­k­lich je­ner ho­he Be­wußt­s­eins­grad sich ent­wi­ckelt ha­ben wird, wo die Men­schen se­hen wer­den in er­höh­tem Be­wußt­sein die We­sen­hei­ten, wel­che die Welt lei­ten, die We­sen­hei­ten, die durch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|252}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
das Lamm, die durch das Er­schei­nen des Men­schen­soh­nes mit dem flam­men­den Schwert cha­rak­te­ri­siert wur­den. Wir wer­den hin­ge­wie­sen dar­auf in Tö­nen, die schon in sich sch­lie­ßen je­ne Be­ru­hi­gung, von der wir ge­spro­chen ha­ben. Der Apo­ka­lyp­ti­ker, der tie­fer Hell­se­her ist, weiß, daß in al­ten Zei­ten die Men­schen be­gabt wa­ren mit ei­nem däm­mer­haf­ten Hell­se­hen. Wir ha­ben es ja cha­rak­te­ri­siert und ge­se­hen, wie die Men­schen da­mals so­zu­sa­gen Ge­nos­sen wa­ren der gött­li­chen Geis­ter­welt, wie sie selbst ge­se­hen ha­ben die gött­lich-geis­ti­ge Welt. Aber wer hat sie ver­lo­ren, die­se Se­her­ga­be, wer? Das müs­sen wir jetzt als wich­ti­ge Fra­ge hin­s­tel­len. Wir ha­ben ge­se­hen, daß sie im Grun­de die­je­ni­gen Men­schen ver­lo­ren ha­ben, die her­aus­ge­führt sind auf den phy­si­schen Plan, zum phy­si­schen Le­ben, da­mals, als die zwei­te Hälf­te der at­lan­ti­schen Zeit be­gann. Die Men­schen sa­hen auf die fes­ten Ge­bil­de un­se­rer Er­de, auf die be­g­renz­ten Ge­gen­stän­de un­se­rer Er­de. Das al­te Hell­se­hen ver­schwand. Selbst­be­wußt wur­den die Men­schen, aber vor ih­nen ver­sch­loß sich die geis­ti­ge Welt. Die Ge­bil­de, wel­che in al­ten Zei­ten die Luft durch­drun­gen ha­ben wie ein Ne­bel­meer, ver­schwan­den, die Luft wur­de rein, der Bo­den frei. Die Men­schen tra­ten her­aus auf die freie Er­de. Das ist ver­hält­nis­mä­ß­ig spät ge­sche­hen; es fällt zu­sam­men mit dem Er­lan­gen des ge­gen­wär­ti­gen Ver­stan­des, des jet­zi­gen Selbst­be­wußt­seins des Men­schen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt er­in­nern wir uns, was wir ge­sagt ha­ben von die­ser Er­de. Wir er­in­nern uns da­ran, daß wir den gro­ßen Mo­ment von Gol­ga­tha hin­ge­s­tellt ha­ben vor un­se­re See­le. Wenn je­mand da­mals die Er­de von fer­ne be­trach­tet hät­te mit hell­se­he­ri­schem Blick, so hät­te er wahr­ge­nom­men in dem Au­gen­blick, wo das Blut aus den Wun­den des Er­lö­sers floß, daß die gan­ze as­tra­li­sche Au­ra der Er­de sich ve­r­än­der­te. Da ist die Er­de durch­drun­gen wor­den von der Chris­tus-Kraft. Durch die­ses Er­eig­nis kann sich die Er­de de­r­einst wie­der mit der Son­ne ve­r­ei­ni­gen. Die­se Kraft wird wach­sen. Das ist die Kraft, die un­se­ren Äther­leib vor dem zwei­ten To­de be­wahrt. Chris­tus wird im­mer mehr und mehr der Erd­geist, und der­je­ni­ge, der ein rech­ter Christ ist, ver­steht die Wor­te: «Wer mein Brot is­set, der tritt mich mit Fü­ß­en», der be­trach­tet den Leib der Er­de als&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|253}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
den Leib des Chris­tus. Die Er­de als pla­ne­ta­ri­scher Kör­per ist der Leib des Chris­tus, frei­lich erst im An­fan­ge. Es wird erst der Chris­tus Erd­geist, er wird sich völ­lig mit der Er­de ve­r­ei­ni­gen. Und wenn sich die Er­de spä­ter mit der Son­ne ve­r­ei­ni­gen wird, wird der gro­ße Erd­geist Chris­tus Son­nen­geist sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Leib der Er­de wird der Leib des Chris­tus sein. Und die Men­schen müs­sen die­sen Leib be­ar­bei­ten. Sie ha­ben da­mit be­gon­nen, als sie her­au­s­t­ra­ten auf die Er­de; sie ha­ben die­se Er­de mit ih­ren Kräf­ten be­ar­bei­tet. In al­len Tra­di­tio­nen kann man et­was fin­den, was we­nig be­ach­tet wird, weil man es we­nig ver­steht. So zum Bei­spiel in der per­si­schen Tra­di­ti­on, daß die Men­schen seit je­ner Zeit, seit der sie her­aus­ge­t­re­ten sind aus dem hell­se­he­ri­schen Be­wußt­sein, We­sen ge­wor­den sind, wel­che die Er­de durch­sto­chen ha­ben. Wäh­rend die Men­schen in der Pha­se le­ben, daß sie die Er­de durch­s­te­chen, das heißt die Er­de be­ar­bei­ten, wäh­rend die­ser Zeit al­so, wo sie den Leib des Chris­tus durch­s­te­chen, se­hen sie nicht im hell­se­he­ri­schen Be­wußt­sein die lei­ten­den Kräf­te, vor al­len Din­gen nicht den Chris­tus, von An­ge­sicht zu An­ge­sicht. Aber der Apo­ka­lyp­ti­ker weist auf die Zeit hin, wo nicht nur die Hell­se­her von da­mals das Geis­ti­ge se­hen, son­dern wo die Mensch­heit wie­der an­ge­kom­men sein wird auf der Stu­fe, die es ihr er­mög­licht, das Chris­tus We­sen sel­ber zu se­hen. Se­hen wer­den ihn al­le We­sen, und die­je­ni­gen, die ihn durch­sto­chen ha­ben, wer­den ihn auch se­hen; die­je­ni­gen, die ei­nen Teil ih­rer Ent­wi­cke­lung durch­ma­chen muß­ten im Be­bau­en der Er­de, im Durch­s­te­chen der Er­de, sie wer­den den Chris­tus se­hen. Denn sol­che Wor­te sind so, daß sie den­je­ni­gen, der sie all­mäh­lich ent­hül­len lernt, tief hin­ein­füh­ren in die Vor­stel­lungs­welt der Mys­te­ri­en, der apo­ka­lyp­ti­schen Spra­che.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was hat al­so der Apo­ka­lyp­ti­ker sch­rei­ben wol­len, was hat er dar­s­tel­len wol­len? Die­se Fra­ge be­ant­wor­tet sich uns da­mit, daß wir kurz hin­wei­sen auf den Ur­sprung der Apo­ka­lyp­se. Wo ist zu­erst ent­hal­ten das, was in der Apo­ka­lyp­se ge­schrie­ben ist? Könn­ten Sie zu­rück­ge­hen in die Mys­te­ri­en des al­ten Grie­chen­lands, in die Or­phi­schen, die Eleusi­ni­schen Mys­te­ri­en, zu­rück­ge­hen in die Mys­te­ri­en der al­ten Ägyp­ter, Chal­däer, Per­ser und In­der, all­übe­rall&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|254}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wür­den Sie die Apo­ka­lyp­se fin­den. Sie ist vor­han­den ge­we­sen, sie war da. Sie war nicht ge­schrie­ben, aber sie leb­te von Pries­ter­ge­ne­ra­ti­on zu Pries­ter­ge­ne­ra­ti­on, durch die Ge­ne­ra­tio­nen der In­i­tia­to­ren hin­durch, wo das Ge­dächt­nis so le­ben­dig war, daß man so rei­che Stof­fe be­wäl­ti­gen konn­te. Das Ge­dächt­nis war ja auch in viel spä­te­ren Zei­ten noch weit bes­ser als bei uns. Man er­in­ne­re sich nur an die Sän­ger der Ilia­de, wie sie her­um­ge­zo­gen sind und aus dem Ge­dächt­nis ih­re Ge­sän­ge sin­gen konn­ten. Es ist ver­hält­nis­mä­ß­ig noch nicht so lan­ge Zeit, daß das Ge­dächt­nis so sehr zu­rück­ge­gan­gen ist. In den Mys­te­ri­en wur­den die­se Wahr­hei­ten nicht auf­ge­schrie­ben, aber sie leb­ten von Ge­ne­ra­ti­on zu Ge­ne­ra­ti­on der In­i­tia­to­ren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was hat­te sie für ei­ne Auf­ga­be, die Apo­ka­lyp­se? Sie hat­te die Auf­ga­be, ei­ne In­struk­ti­on zu sein für den­je­ni­gen, der die Schü­ler zur Wei­he brach­te. Da­mals war es so, daß der Mensch, an dem die Ein­wei­hung voll­zo­gen wer­den soll­te, her­aus­ge­führt wur­de aus sei­nem phy­si­schen Lei­be und wie tot blieb. Aber wenn er her­aus­ge­führt war, dann ließ ihn der In­i­tia­tor in sei­nem äthe­ri­schen Lei­be se­hen, was nach­her durch den Chris­tus-Im­puls im phy­si­schen Leib hell­se­he­risch hat ge­se­hen wer­den kön­nen. So wa­ren die al­ten Ein­ge­weih­ten die Pro­phe­ten, die hin­wei­sen konn­ten auf Chris­tus. Und sie ha­ben es ge­tan, sie ha­ben es tun kön­nen, weil der Chris­tus in die­ser Apo­ka­lyp­se ge­zeigt wor­den ist als et­was, was in der Zu­kunft er­scheint. Noch nie hat­te sich das Er­eig­nis von Gol­ga­tha ab­ge­spielt, in wel­chem ein Mensch im phy­si­schen Lei­be das gan­ze In­i­tia­ti­ons­dra­ma vor der Ge­schich­te dar­ge­lebt hät­te.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wo war al­so die Mög­lich­keit, die­ses Er­eig­nis von Gol­ga­tha zu be­g­rei­fen? Auf ge­wis­ser Stu­fe hat­ten es die Ein­ge­weih­ten au­ßer­halb ih­res Lei­bes be­grif­fen. In ei­nem an­de­ren Be­wußt­sein war vor­ge­gan­gen, was auf Gol­ga­tha sich ab­spiel­te. Tau­sen­de hät­te es ge­ben kön­nen, und das Er­eig­nis von Gol­ga­tha hät­te an ih­nen vor­bei­ge­hen kön­nen. Was wä­re es ih­nen ge­we­sen? Der Tod ei­nes ge­wöhn­li­chen Ver­ur­teil­ten! Die Mög­lich­keit, das zu be­g­rei­fen, was sich auf Gol­ga­tha voll­zog, war nur dort, wo man den In­halt der Mys­te­ri­en kann­te. Die In­i­tia­to­ren konn­ten sa­gen: Der­je­ni­ge, den&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|255}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wir euch ge­zeigt ha­ben wäh­rend der drei­ein­halb Ta­ge, den die Pro­phe­ten euch ver­kün­digt ha­ben, den könnt ihr be­g­rei­fen, wenn ihr die Mit­tel aus den Mys­te­ri­en nehmt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Apo­ka­lyp­ti­ker hat die münd­li­che Über­lie­fe­rung der Mys­te­ri­en in sich auf­ge­nom­men, er sag­te sich: Wenn ich mich durch­drin­ge mit dem, was man in den Mys­te­ri­en hat er­fah­ren kön­nen, dann er­scheint mir der Chris­tus. So war die Apo­ka­lyp­se nichts Neu­es, aber die An­wen­dung auf das ein­zi­ge Er­eig­nis von Gol­ga­tha, das war et­was Neu­es. Das war das We­sent­li­che, daß für die­je­ni­gen, die Oh­ren hat­ten zu hö­ren, es ei­ne Mög­lich­keit gab, mit Hil­fe des­sen, was in der Apo­ka­lyp­se des Jo­han­nes steht, nach und nach zum wir­k­li­chen Ver­ständ­nis des Er­eig­nis­ses von Gol­ga­tha vor­zu­drin­gen. Das war die Ab­sicht des Apo­ka­lyp­ti­kers. Aus den al­ten Mys­te­ri­en hat­te er die Apo­ka­lyp­se; sie ist ein uralt-hei­li­ges Buch der Men­schen und ist nur äu­ßer­lich der Mensch­heit ge­schenkt wor­den durch den Jün­ger, den der Herr lieb hat­te und dem er te­s­ta­men­ta­risch ver­macht hat­te, sei­ne wah­re Ge­stalt zu ver­kün­den. Er soll blei­ben, bis Chris­tus kommt, so daß die­je­ni­gen, die mit er­leuch­te­tem Be­wußt­sein aus­ge­stat­tet sind, ihn er­fas­sen kön­nen. Er ist der gro­ße Leh­rer des wah­ren Er­eig­nis­ses von Gol­ga­tha. Er hat den Men­schen die Mit­tel über­ge­ben, das Er­eig­nis von Gol­ga­tha wir­k­lich zu ver­ste­hen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Ein­gang der Apo­ka­lyp­se sagt der Apo­ka­lyp­ti­ker ich ha­be ver­sucht, die ers­ten Wor­te so zu über­set­zen, wie sie über­setzt wer­den müs­sen, wenn sie rich­tig sein sol­len : «Dies ist die Of­fen­ba­rung Je­su Chris­ti, die Gott dar­ge­bo­ten hat sei­nem Die­ner, zu ver­an­schau­li­chen in Kür­ze, wie sich das Not­wen­di­ge voll­zie­hen soll. Dies ist in Zei­chen ge­setzt und ge­sandt durch sei­nen En­gel sei­nem Die­ner Jo­han­nes, und die­ser hat es zum Aus­dru­cke ge­bracht.» Er will «in Kür­ze» schil­dern. Was ist da­mit ge­meint? Das heißt so­viel, wie wenn man aus­drü­cken woll­te: Wenn ich euch im ein­zel­nen schil­dern woll­te al­les, was sich von jetzt bis zum Ziel der Er­den­ent­wi­cke­lung ab­spielt, dann müß­te ich vie­les, vie­les sch­rei­ben. Ich will es euch in ei­nem kur­zen Abriß dar­s­tel­len. Das ha­ben dann die Über­set­zer, die nicht ein­drin­gen konn­ten in den&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|256}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Geist der Apo­ka­lyp­se, so über­setzt, daß sie sag­ten: «zu zei­gen, was in der Kür­ze ge­sche­hen soll». Sie wa­ren der Mei­nung, was sich da ab­spielt, was da ge­schil­dert ist, das soll in kur­zer Zeit ge­sche­hen. Es soll aber hei­ßen: in kur­zem Abriß soll ge­schil­dert wer­den, was sich da voll­zieht. Der ur­sprüng­li­che Text hat ei­ne Wen­dung, die durch­aus als rich­ti­ge Über­set­zung das zu­läßt, was ich in der Ein­lei­tung der «Bil­der ok­kul­ter Sie­gel und Säu­len» in rich­ti­ger Wei­se zu ge­ben ver­sucht ha­be.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun ha­ben wir in ei­ner Rei­he von Be­trach­tun­gen man­ches über die­se uralt-hei­li­ge Ur­kun­de des Men­schen­ge­sch­lech­tes ge­sagt, man­ches über das­je­ni­ge, was als sei­ne Ge­heim­nis­se der Herr mit­ge­teilt hat der Mensch­heit durch den Jün­ger, den er lieb hat­te. Sie ha­ben vi­el­leicht da­durch ah­nen ge­lernt, daß die­se Apo­ka­lyp­se ein tie­fes Buch ist, vol­ler Weis­heit, und ha­ben vi­el­leicht manch­mal wäh­rend die­ser Be­trach­tun­gen Ban­gig­keit ge­habt dar­über, daß man­ches in ihr so schwer ver­ständ­lich ist. Nun möch­te ich Ih­nen ei­nes sa­gen am En­de un­se­rer Be­trach­tun­gen: Al­les, was ich Ih­nen sa­gen konn­te, ent­spricht ganz ge­nau den In­ten­tio­nen des Apo­ka­lyp­ti­kers und wur­de im­mer so in den Schu­len, wel­che die Ab­sicht des Apo­ka­lyp­ti­kers be­wahrt ha­ben, ge­lehrt. Aber es ist nicht al­les, lan­ge nicht al­les, was zu sa­gen wä­re, und man kann noch viel tie­fer in die Wahr­hei­ten, in die Un­ter­grün­de der Apo­ka­lyp­se ge­hen. Und wenn wir in al­le Tie­fen ein­drin­gen wür­den, dann wür­de Ih­nen das, was ich Ih­nen ha­be sa­gen kön­nen, so er­schei­nen, daß man es nur als ei­ne ers­te ober­fläch­li­che Dar­stel­lung cha­rak­te­ri­sie­ren könn­te. Das geht nicht an­ders, man kann zu­erst nur ei­ne ober­fläch­li­che Dar­stel­lung ge­ben. Durch die­se muß man hin­durch­ge­hen. Man muß ein­mal mit dem Ele­men­ta­ren an­fan­gen, dann wird sich schon, wenn man ein klei­nes Stück ge­gan­gen ist, auch die Tie­fe er­ge­ben. Denn es liegt viel, viel un­ter der Ober­fläche, die ein klein we­nig zu lüf­ten, ein klein we­nig zu ent­hül­len wie­der­um mög­lich war. Und wenn Sie die Bahn wei­ter­sch­rei­ten, die Sie in ge­wis­ser Wei­se be­gon­nen ha­ben, in­dem Sie Ih­re Auf­merk­sam­keit der Er­läu­te­rung der Apo­ka­lyp­se des Jo­han­nes zu­ge­wen­det ha­ben, so wer­den Sie all­mäh­lich in die Tie­fen des geis­ti­gen Le­bens hin-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|257}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ein­kom­men. Sie wer­den in Tie­fen hin­ein­kom­men, die heu­te gar nicht mög­lich sind aus­zu­sp­re­chen, weil sie nicht be­wußt wer­den könn­ten, weil eben noch nie­mand Oh­ren hät­te, sie zu hö­ren. Es müs­sen erst durch sol­che Er­klär­un­gen, wie sie nun ge­ge­ben wor­den sind, die Oh­ren vor­be­rei­tet wer­den, zu hö­ren. Dann wer­den sie all­mäh­lich da sein, die Oh­ren, Oh­ren, die hö­ren kön­nen das Wort, das so tief durch die Apo­ka­lyp­se fließt. Wenn Sie al­so ei­ni­ges auf­ge­nom­men ha­ben von dem, was ge­sagt wer­den konn­te, so sei­en Sie sich be­wußt, daß doch nur die ers­te Ober­fläche ge­ge­ben wer­den konn­te, und von die­ser nur ein­zel­ne Be­mer­kun­gen. Las­sen Sie es ei­nen Im­puls wer­den, im­mer tie­fer und tie­fer in das ein­zu­drin­gen, was durch die­se Vor­trä­ge nur ge­ahnt wer­den kann. Wenn ich selbst nur das­je­ni­ge sa­gen woll­te, was über die Ober­fläche ge­sagt wer­den kann, dann müß­te ich Ih­nen noch vie­le, vie­le Wo­chen lang Vor­trä­ge hal­ten. Nur ei­ne An­re­gung konn­ten die­se Vor­trä­ge sein, und der­je­ni­ge, der sie so emp­fin­det, daß er sich sagt: Ich muß tie­fer und tie­fer ein­drin­gen , der wird in rich­ti­gem Sin­ne die­se Vor­trä­ge auf­ge­nom­men ha­ben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|258}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
= Hinweise =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Text­ge­stal­tung: Die von Ru­dolf Stei­ner frei ge­hal­te­nen Vor­trä­ge wur­den von Wal­ter Ve­ge­lahn, Ber­lin, ste­no­gra­phisch mit­ge­schrie­ben. Für die zwei­te bis fünf­te Aufla­ge stand nur der ge­druck­te Text der ers­ten Aufla­ge zur Ver­fü­gung. Erst im Jah­re 1971 er­hielt die Ru­dolf Stei­ner-Nachlaßv­er­wal­tung aus dem Nachlaß von Wal­ter Ve­ge­lahn des­sen teil­wei­se noch vor­han­den ge­we­se­ne Ori­gi­nal­un­ter­la­gen für den Erst­druck. Aus dem Ver­g­leich der­sel­ben mit dem bis­her ge­druck­ten Text er­ga­ben sich die auf Sei­te 270 nach­ge­wie­se­nen Kor­rek­tu­ren ge­gen­über der fünf­ten Aufla­ge. Es bleibt trotz­dem zu be­rück­sich­ti­gen, was schon aus dem Ge­leit­wort von Ma­rie Stei­ner zur ers­ten Buch­aus­ga­be her­vor­geht, daß das Ste­no­gramm hie und da Lü­cken ent­hal­ten ha­ben muß, die je­doch in den+ Über­tra­gun­gen von dem Ste­no­gra­phen nicht näh­er ge­kenn­zeich­net wor­den sind. Dar­aus mag die ei­ne oder an­de­re schwer­ver­ständ­li­che Pas­sa­ge re­sul­tie­ren; zum Bei­spiel in be­zug auf die Zahl 666. Sie­he hier­zu den Son­der­hin­weis Sei­te 263.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Zeich­nun­gen zu den Vor­trä­gen wur­den auf­grund der in den Text­un­ter­la­gen wie­der­ge­ge­be­nen Ta­fel­zeich­nun­gen Ru­dolf Stei­ners aus­ge­führt von Leono­re Uh­lig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu der Zeit, als Ru­dolf Stei­ner die­se Vor­trä­ge hielt, stand er mit sei­ner an­thro­po­so­phisch ori­en­tier­ten Geis­tes­wis­sen­schaft noch inn­er­halb der da­ma­li­gen Theo­so­phi­schen Ge­sell­schaft und ge­brauch­te die Be­zeich­nun­gen «Theo­so­phie» und «theo­so­phisch» im Sin­ne sei­ner selb­stän­di­gen Geis­tes­for­schung. Ei­ner spä­te­ren An­ga­be von ihm selbst zu­fol­ge sind die­se Be­zeich­nun­gen durch «An­thro­po­so­phie» oder «Geis­tes­wis­sen­schaft», «an­thro­po­so­phisch» oder «geis­tes­wis­sen­schaft­lich» er­setzt wor­den, es sei denn, daß aus­drück­lich auf die von H. P. Bla­vats­ky aus­ge­gan­ge­ne theo­so­phi­sche Strö­mung Be­zug ge­nom­men wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer­ke Ru­dolf Stei­ners inn­er­halb der Ge­sam­t­aus­ga­be (GA) wer­den in den Hin­wei­sen mit der Bi­b­lio­gra­phie-Num­mer an­ge­ge­ben. Sie­he auch die Über­sicht am Schluß des Ban­des.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu Sei­te:&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|width=&amp;quot;50px&amp;quot;|11&lt;br /&gt;
|He­gel sag­te: Wört­lich: «Der tiefs­te Ge­dan­ke ist mit der Ge­stalt Chris­ti, mit  dem Ge­schicht­li­chen und Äu­ßer­li­chen ve­r­ei­nigt, und das ist eben das  Gro­ße der christ­li­chen Re­li­gi­on, daß sie bei al­ler die­ser Tie­fe  leicht vom Be­wußt­sein in äu­ßer­li­cher Hin­sicht auf­zu­fas­sen ist und zu­g­leich  zum tie­fe­ren Ein­drin­gen auf­for­dert. Sie ist so für je­de Stu­fe der Bil­dung  und be­frie­digt zu­g­leich die höchs­ten An­for­de­run­gen.» In «Vor­le­sun­gen  über die Phi­lo­so­phie der Ge­schich­te».&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|19&lt;br /&gt;
|Pro­fes­sor Dau­mer: Ge­org Fried­rich Dau­mer, Nürn­berg 18001875: «Ka­s­par Hau­ser.  Sein We­sen, sei­ne Un­schuld, sei­ne Er­dul­dun­gen und sein Ur­sprung», Re­gens­burg  1873 u. a.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|ein Schrift­s­tel­ler sagt: Ge­meint sein dürf­te Ja­kob Was­ser­mann (18731934) mit sei­nem Ro­man  «Ca­s­par Hau­ser oder Die Träg­heit des Her­zens», 1907/1908. Zu der da­rin&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|{{SE|260}}&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|an­ge­führ­ten be­son­de­ren Kon­s­tel­la­ti­on  beim Be­gräb­nis Ka­s­par Hau­sers ver­g­lei­che Karl He­y­er: « Ka­s­par Hau­ser  und das Schick­sal Mit­te­l­eu­ro­pas im 19. Jahr­hun­dert». Bei­trä­ge zur  Ge­schich­te des Abend­lan­des, IX. Band, 1958.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|22&lt;br /&gt;
|Goe­thes Wor­te: Wört­lich: «Das Au­ge hat sein Da­sein dem Licht zu dan­ken. Aus  gleich­gül­ti­gen tie­ri­schen Hilf­s­or­ga­nen ruft sich das Licht ein Or­gan  her­vor, das sei­nes­g­lei­chen wer­de, und so bil­det sich das Au­ge am Lich­te  fürs Licht, da­mit das in­ne­re Licht dem äu­ße­ren ent­ge­gen­t­re­te.» Aus  «Goe­thes Na­tur­wis­sen­schaft­li­chen Schrif­ten», her­ausg. und kom­men­tiert  von Ru­dolf Stei­ner in Kür­sch­ners «Deut­sche Na­tio­nal-Lit­te­ra­tur»,  Band III, Bibl.-Nr.lc, Nach­druck Dor­nach 1975, «Ent­wurf ei­ner Far­ben­leh­re.  Ein­lei­tung», S. 88.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|24&lt;br /&gt;
|Goe­the «Al­les Ver­gäng­li­che ist nur ein  Gleich­nis»: Faust  II, Schlußchor.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|26&lt;br /&gt;
|wie Mo­ses den Auf­trag er­hielt: 2. Mo­ses, Kap. 3, 14.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|27&lt;br /&gt;
|«Ehe denn Abra­ham war»: Jo­han­nes 8, Vers 58.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|29&lt;br /&gt;
|Man sagt heu­te leicht: Die Theo­so­phie soll den ein­heit­li­chen Wahr­heits­kern in al­len  Re­li­gio­nen su­chen: Be­zieht sich auf den zwei­ten Grund­satz der Theo­so­phi­schen  Ge­sell­schaft.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|30&lt;br /&gt;
|Die Schü­ler des Chris­tus  Je­sus aber sa­gen: Ver­g­lei­che den I. Brief  des Jo­han­nes, 1, 1-4: «Was von An­fang war, was wir ge­hört, was wir mit un­se­ren  Au­gen ge­se­hen, was wir ge­schaut und un­se­re Hän­de be­tas­tet ha­ben von  dem Wor­te des Le­bens, ja, das Le­ben hat sich of­fen­bart, und wir ha­ben  ge­se­hen und be­zeu­gen und ver­kün­di­gen euch das ewi­ge Le­ben, wel­ches  bei dem Va­ter war und uns er­schie­nen ist; was wir ge­se­hen und ge­hört ha­ben,  ver­kün­di­gen wir euch, da­mit auch ihr Ge­mein­schaft mit uns ha­bet und un­se­re  Ge­mein­schaft ei­ne Ge­mein­schaft sei mit dem Va­ter und mit sei­nem Soh­ne,  Je­sus Chris­tus.»&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|Zeu­gen sollt ihr mir sein: Apo­s­tel­ge­schich­te  I, 8.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|Glaubt ihr nicht an mich: Jo­han­nes 5, Vers 46 «Wenn ihr Mo­ses glaub­tet, so glaub­tet ihr  auch mir, denn er hat von mir ge­schrie­ben.»&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|35&lt;br /&gt;
|auf ei­ner mei­ner Vor­trags­rei­sen  vor ei­ni­gen Wo­chen in Skan­di­na­vi­en: Im  März und April 1908 hielt Ru­dolf Stei­ner in Lund, Mal­mö, Stock­holm, Upp­sa­la,  Kris­tia­nia (Os­lo), Gö­t­e­borg und Ko­pen­ha­gen ins­ge­s­amt zwan­zig Vor­trä­ge,  von de­nen sich je­doch kei­ne Nach­schrif­ten er­hal­ten ha­ben.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|Drui­den- und Drot­ten­mys­te­ri­en:  Die alts­kan­di­na­vi­sche Pries­ter­schaft hieß  die «Drot­ten».&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|Der Sil­ber­ne Ko­dex des Ul­fi­las:  Der go­ti­sche Bi­schof Wul­fi­la (grie­chisch Ul­fi­las)  über­trug im vier­ten Jahr­hun­dert n. Chr. die Bi­bel ins Go­ti­sche. Die  ehr­wür­digs­te al­ler ger­ma­ni­schen Hand­schrif­ten ist mit sil­ber­nen  und gol­de­nen Let­tern auf pur­pur­ge­färb­tes Per­ga­ment ge­schrie­ben.  Sie ist nur noch teil­wei­se er­hal­ten, wur­de im sech­zehn­ten Jahr­hun­dert  in der Ab­tei Wer­den an der Ruhr ent­deckt, kam nach Prag, dann nach Schwe­den,  wur­de von da nach Hol­land ver­sch­leppt und dort mit ei­nem kost­ba­ren Sil­be­r­ein­band  ver­se­hen (da­her der Na­me Co­dex ar­genteus). Heu­te in der Uni­ver­si­täts­bi­b­lio­thek  Upp­sa­la.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|{{SE|261}}&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|39&lt;br /&gt;
|Joa­chim von Flo­ris: Abt von Flo­ris oder Fio­re, gest. 1202. Sei­ne Schrif­ten: Evan­ge­li­um  ae­ter­num, wel­che die bib­li­schen Weis­sa­gun­gen deu­ten. Galt spä­ter  als Pro­phet Ita­li­ens.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|41&lt;br /&gt;
|«Hier ist Weis­heit»: Apo­ka­lyp­se 13, Vers 18.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|42&lt;br /&gt;
|ei­ne In­sel-Ein­sam­keit: Pat­mos. Apo­ka­lyp­se 1, Vers 9. im Geis­te war: Apo­ka­lyp­se  1, Vers 10.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|59&lt;br /&gt;
|dem Zwei­ten der so­ge­nann­ten sie­ben ok­kul­ten  Sie­gel: Sie­he  Ta­fel II und Hin­weis zu den Ta­feln.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|60&lt;br /&gt;
|daß un­se­re Er­de frühe­re  Ver­kör­pe­run­gen durch­ge­macht hat: Ver­g­lei­che  auch Ru­dolf Stei­ner, «Aus der Aka­sha-Chro­nik», Bibl.-Nr. 11, GA 1973 so­wie  «Die Ge­heim­wis­sen­schaft im Um­riß», Bibl.-Nr. 13, GA 1977.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|64&lt;br /&gt;
|das ers­te Sie­gel: Sie­he Ta­fel I. In den frühe­ren Aufla­gen be­fand sich hier ei­ne  Fuß­no­te : «Die christ­li­che Ein­wei­hung hat dies als Sym­bo­lum für die  al­te Ein­wei­hung ge­habt. Hier sind die Din­ge dar­ge­s­tellt vom Stand­punk­te  des Chris­ten­tums aus. Das Chris­ten­tum muß­te die­se Din­ge auf­neh­men,  hat sie aber dann mit an­de­ren ver­mischt.»&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|82&lt;br /&gt;
|daß die Er­den­ent­wi­cke­lung  zer­fällt in die Mars­zeit und in die Mer­kur­zeit: Sie­he Ru­dolf Stei­ner, «Bil­der ok­kul­ter Sie­gel und Säu­len. Der  Münch­ner Kon­g­reß Pfings­ten 1907 und sei­ne Aus­wir­kun­gen», Bibl.-Nr.  284/85, GA 1977, Tex­theft Sei­te 70 im Vor­trag vom 21. Mai 1907.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|91&lt;br /&gt;
|die Sa­ge von Ahas­ver: oder der Ewi­ge Ju­de, nach der Le­gen­de der Schuh­ma­cher Ahas­ve­r­us  von Je­ru­sa­lem, der Chris­tus auf dem We­ge nach Gol­ga­tha von sei­nem Hau­se,  wo er aus­ru­hen woll­te, fort­stieß und zur Stra­fe da­für bis zum Jüngs­ten  Ta­ge ru­he­los um­her­wan­dern muß. Das Volks­buch vom Ewi­gen Ju­den er­schi­en  zu­erst 1602, doch stam­men die ers­ten be­kann­ten Be­le­ge der Le­gen­de  aus dem 13. Jahr­hun­dert.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|114&lt;br /&gt;
|in die­ser Bal­dur-Lo­ki -Sa­ge: Sie­he hier­zu die bei­den Vor­trä­ge Dor­nach, 2. und 3. April  1915, in «We­ge der geis­ti­gen Er­kennt­nis und der Er­neue­rung künst­le­ri­scher  Wel­t­an­schau­ung», GA Bibl.- Nr. 161.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|115&lt;br /&gt;
|die Asu­ras oder Ur­kräf­te:  Wenn hier die Asu­ras mit den Ur­kräf­ten, den Ar­chai,  gleich­ge­s­tellt wer­den, wäh­rend sie spä­ter von Ru­dolf Stei­ner als Geis­ter  cha­rak­te­ri­siert wer­den, die den Men­schen zum Bö­sen ver­füh­ren (Vor­trag  Ber­lin, 22. März 1909 in «Geis­tes­wis­sen­schaft­li­che Men­schen­kun­de»,  GA Bibl.-Nr. 107), so ist zu be­rück­sich­ti­gen, daß even­tu­ell die Nach­schrift  hier ei­nen Man­gel auf­weist, oder Ru­dolf Stei­ner ver­kür­zend hier die Ur­kräf­te  und Asu­ras zu­sam­men nennt, weil die Asu­ras ur­sprüng­lich eben­falls zur  Hier­ar­chie der Ur­kräf­te oder Ar­chai ge­hör­ten. Erst da­durch, daß sie  in der Ent­wick­lung zu­rück­ge­b­lie­ben sind, sind sie zu Kräf­ten ge­wor­den,  die den Men­schen zum Bö­sen ver­füh­ren wol­len. Das er­klärt auch der Na­me,  denn im In­di­schen lau­tet die Be­zeich­nung für Göt­ter «Su­ras» (von Asu =  Atem); A = Vern­ei­nung. Die Su­ras wur­den al­so zu A-Su­ras, zu Un­göt­tern.  In bis­her un­ge­druck­ten No­ti­zen ei­nes Vor­tra­ges von Ru­dolf Stei­ner  (Ber­lin, 17. Ok­tober 1904) heißt es da­zu: «Die im An­fan­ge geis­ti­ge We­sen­hei­ten  wa­ren, die er­schie­nen nun als die Em­pö­rer, die Aufrüh­rer, die sich  jetzt ih­re Un­ab­hän­gig­keit er­obern woll­ten. Su­ras wur­den jetzt zu Asu­ras.»&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|{{SE|262}}&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|118&lt;br /&gt;
|ein nied­li­cher Ver­g­leich:  Der Pla­teau­sche Ver­such. «Es wird ei­ne Mi­schung  aus Was­ser und Al­ko­hol be­rei­tet, die ge­nau das spe­zi­fi­sche Ge­wicht  des rei­nen Oli­ven­ö­les hat, und in die­se Mi­schung dann ein ziem­lich  star­ker Trop­fen Öl ge­gos­sen. Die­ser schwimmt nicht auf der Flüs­sig­keit,  son­dern sinkt bis in die Mit­te der­sel­ben, und zwar in Ge­stalt ei­ner Ku­gel.  Um die­se nun in Be­we­gung zu set­zen, wird ein Scheib­chen aus Kar­ten­pa­pier  im Zen­trum mit ei­ner lan­gen Na­del durch­sto­chen und vor­sich­tig in die  Mit­te der Öl­ku­gel ge­senkt, so daß der äu­ßers­te Rand des Scheib­chens  den Äqua­tor der Ku­gel bil­det. Die­ses Scheib­chen nun wird in Dre­hung ver­setzt,  an­fangs lang­sam, dann im­mer sch­nel­ler und sch­nel­ler. Na­tür­lich teilt  die Be­we­gung sich der Öl­ku­gel mit, und in Fol­ge der Flieh­kraft lö­sen  von die­ser sich Tei­le ab, wel­che nach ih­rer Ab­son­de­rung noch ge­rau­me  Zeit die Dre­hung mit­ma­chen, zu­erst Krei­se, dann Kü­gel­chen. Auf die­se  Wei­se ent­steht ein un­se­rem Pla­ne­ten­sys­tem oft über­ra­schend ähn­li­ches  Ge­bil­de: in der Mit­te näm­lich die größ­te, un­se­re Son­ne vor­s­tel­len­de  Ku­gel, und um sie her­um sich be­we­gend klei­ne­re Ku­geln und Rin­ge, wel­che  uns die Pla­ne­ten samt ih­ren Mon­den ver­sinn­li­chen kön­nen.» Zi­tiert  nach Vin­cenz Knau­er «Die Haupt­pro­b­le­me der Phi­lo­so­phie», Wi­en und  Leip­zig 1892, Sei­te 281. J. A.F. Pla­teau, Phy­si­ker, 1801-1883.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|125&lt;br /&gt;
|die­je­ni­gen, die wir­k­lich  Me­di­zin stu­die­ren: Sie­he Ru­dolf Stei­ner,  «Geis­tes­wis­sen­schaft und Me­di­zin», zwan­zig Vor­trä­ge für Ärz­te und  Me­di­zin­stu­die­ren­de in Dor­nach vom 21. März bis 9. April 1920,  Bibl.-Nr. 312, GA 1976.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|129&lt;br /&gt;
|Und so lang du das nicht  hast: Goe­the, West-öst­li­cher Di­wan, «Se­li­ge  Sehn­sucht», Schlußs­tro­phe.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|140&lt;br /&gt;
|die vier Roth­schilds: Der Va­ter, May­er Am­schel Roth­schild, 17431812, in Frank­furt a.  M., Sa­lo­mon R. 1816, Chef des Wie­ner Hau­ses, Nat­han, der die Fir­ma 1813  von Man­ches­ter nach Lon­don ver­leg­te; Karl be­grün­de­te 1820 in Nea­pel  die Fir­ma; Ja­kob wur­de 1812 Chef des Hau­ses Ge­brü­der Roth­schild in Pa­ris.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|141&lt;br /&gt;
|Was Pau­lus ge­sagt hat: Ga­la­ter 2, 20.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|153&lt;br /&gt;
|Tol­stoi, 18281910.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|163&lt;br /&gt;
|von den gro­ßen Füh­r­ern  der Men­schen: Sie­he Ru­dolf Stei­ner, «Der Ori­ent  im Lich­te des Ok­zi­dents. Die Kin­der des Lu­zi­fer und die Brü­der Chris­ti»,  neun Vor­trä­ge und ei­ne An­spra­che in Mün­chen vom 23.-31. Au­gust 1909,  Bibl.-Nr. 113.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|170&lt;br /&gt;
|je­ne zwei Säu­len beim  Münch­ner Kon­g­reß im Saa­le: Sie­he Hin­weis zu  Sei­te 82, fer­ner «Welt­we­sen und Ich­heit», sie­ben Vor­trä­ge in Ber­lin  zwi­schen dem 6. Ju­ni und 18. Ju­li 1916, Bibl.-Nr. 169, GA 1963.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|197&lt;br /&gt;
|schwer ist [es], dem Men­schen  ei­ne Vor­stel­lung von den drei Ele­men­tar­rei­chen zu ge­ben: Sie­he hier­zu den Vor­trag Ru­dolf Stei­ners, Mün­chen, 4. Dez. 1907  in «Über das Zu­sam­men­wir­ken un­se­rer sicht­ba­ren Welt mit geis­ti­gen  We­sen­hei­ten», Frei­burg i.Br. 1952, vor­ge­se­hen für Bibl.-Nr. 98.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|227&lt;br /&gt;
|Nun hat man die­se 666 im­mer in ei­ner sehr  ge­heim­nis­vol­len Wei­se auf­ge­schrie­ben: Sie­he auch die be­kann­te Dar­stel­lung  bei Agrip­pa von Net­tes­heim, Okk. Phil. II, 22.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|228&lt;br /&gt;
|Waw wird vo­ka­lisch als 0 ge­le­sen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|256&lt;br /&gt;
|in der Ein­lei­tung der «Sie­gel und Säu­len»: Sie­he den fol­gen­den  Hin­weis.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|colspan=&amp;quot;2&amp;quot;|Zu den Ta­feln nach Sei­te 284:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|Die sie­ben Sie­gel: Die ge­mal­ten Ta­feln di­en­ten  der Aus­k­lei­dung des In­nen­rau­mes, in dem der Kon­g­reß der «Fö­d­e­ra­ti­on  eu­ro­päi­scher Sek­tio­nen der Theo­so­phi­schen Ge­sell­schaft » Pfings­ten  1907 Zu Mün­chen statt­fand. Sie wa­ren nach Skiz­zen Ru­dolf Stei­ners durch  Cla­ra Rettich, Stutt­gart, in Far­ben aus­ge­führt, Sie­he «Bil­der ok­kul­ter  Sie­gel und Säu­len. Der Münch­ner Kon­g­reß 1907 und sei­ne Aus­wir­kun­gen»,  Bibl.-Nr. 284/85, GA 1977.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|263}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Sonderhinweis zur Ent­wick­lung der Zahl 666 im 1. Vor­trag =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der ge­druckt vor­lie­gen­de Text stimmt mit der Nach­schrift des Ste­no­gra­phen übe­r­ein. Er hat aber durch den Ste­no­gra­phen of­fen­sicht­lich doch Kür­zun­gen er­lit­ten. Da­durch ist ei­ne be­son­de­re Ver­ständ­nis­schwie­rig­keit ver­bun­den mit der Fra­ge, an wel­chen Punkt der Ge­samt­ent­wi­cke­lung die Zahl 666 ge­nau zu stel­len ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn auf Sei­te 222/223 die Zahl der Ent­wi­cke­lung 344 be­rech­net wird aus Formzu­stän­den, Hauptras­sen und Un­ter­ras­sen, und es auf Sei­te 223 heißt: «Ge­nau wie wir jetzt als Zahl der Ent­wi­cke­lung 344 ha­ben, so muß ein­mal in der Zu­kunft die Zahl 666 gel­ten», dann wür­de lo­gi­scher­wei­se dar­aus fol­gen, daß die Zahl 666 ana­log der Zahl der Ent­wik­ke­lung 344 am En­de der Form­zu­stän­de des vier­ten Le­bens­zu­stan­des und nicht wie im Text am En­de der Le­bens­zu­stän­de auf­t­re­ten müß­te, Das ist aber dem Text zu­fol­ge nicht der Fall. Denn es heißt auf Sei­te 223, 24. Zei­le in be­zug auf die Zahl 666 nicht 6 Form­zu­stän­de, 6 Hauptras­sen und 6 Un­ter­ras­sen, son­dern es heißt: 6 Le­bens­rei­che, 6 Hauptras­sen und 6 Un­ter­ras­sen. Und so wird es auch auf Sei­te 226, 3. Zei­le noch ein­mal wie­der­holt. Das heißt al­so: für die Zahl 666 wer­den die Form­zu­stän­de über­gan­gen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Fra­ge, ob der Text hier rich­tig oder falsch ist, muß of­fen­b­lei­ben, Ei­ne ge­wis­se Er­klär­ung gibt je­doch die nach­fol­gen­de schrift­li­che Auf­zeich­nung Ru­dolf Stei­ners vom Mai 1906. Nach die­ser tritt die Zahl 666 end­gül­tig auf im 6. Form­zu­stand des 6. Le­bens­zu­stan­des des 6. Pla­ne­ten (Ve­nus), aber auch sonst, nur eben in klei­ne­rem Maß­stab, wenn das Evo­lu­ti­ons­ver­hält­nis 666 ist, Als Bei­spiel da­für wird an­ge­führt: in der 6, Un­ter­ras­se der 6, Wur­zel­ras­se des 6. Pla­ne­ten (wo­bei mit 6. Pla­ne­ten nicht die Ve­nus, son­dern die Er­de in ei­ner be­stimm­ten Glie­de­rung ge­meint ist; ver­g­lei­che hier­zu den Text selbst). Ob­wohl auch bei die­sem Bei­spiel die Fra­ge of­fen­b­leibt, wann die drit­te Sechs ge­nau auf­tritt, so geht aus der Auf­zeich­nung doch klar her­vor, daß es sich um Aspek­te han­delt. Aus die­sem Grun­de braucht auch der Text im 11. Vor­trag nicht falsch zu sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
H.W.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|264}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Zeichen und Entwicklung der drei Logoi in der Mensch­heit =&lt;br /&gt;
== Nie­der­schrift für Edu­ard Schu­ré im Mai 1907 ==&lt;br /&gt;
Die Kon­sti­tu­ti­on der Welt geht auf die Drei­heit zu­rück. Im men­sch­li­chen Evo­lu­ti­ons­sys­tem sind von der ers­ten An­la­ge des Men­sch­wer­dens bis zur voll­kom­me­nen Ent­fal­tung die­ser An­la­ge zu un­ter­schei­den:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
drei Be­wußt­s­eins­zu­stän­de als die ers­te Drei­heit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der ers­te die­ser Be­wußt­s­eins­zu­stän­de ist ein mehr oder we­ni­ger dump­fer (schla­far­ti­ger) Be­wußt­s­eins­zu­stand, weil das «Ich» noch nicht ge­bo­ren ist. Der Mensch ist auf die­ser Stu­fe noch ein Glied ei­nes über­ge­ord­ne­ten «Ich»; er ist hell­se­hend, aber er kann die In­hal­te sei­nes Hell­se­hens nicht als die sei­ni­gen an­se­hen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der zwei­te Be­wußt­s­eins­zu­stand wird her­bei­ge­führt durch die Ge­burt des «Ich». Die­ser höhe­re Zu­stand wird her­bei­ge­führt da­durch, daß das Hell­se­hen ver­lo­ren geht. Das Schau­en ei­ner Au­ßen­welt be­ginnt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der drit­te Be­wußt­s­eins­zu­stand wird da­durch her­bei­ge­führt, daß im «Ich» das Hell­se­hen wie­der auf­tritt, so daß der Mensch selbst­be­wuß­ter Hell­se­her wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der ok­kul­ten Schrift­spra­che wird be­zeich­net der ers­te Be­wußt­s­eins­zu­stand durch  d. h. es strahlt von dem Ab­so­lu­ten = das Be­wußt­sein aus, die Welt durch­flu­tend  (Kreis).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun hat man in je­dem die­ser drei Be­wußt­s­eins­zu­stän­de wie­der drei Un­ter­stu­fen zu un­ter­schei­den; al­so:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ers­te Be­wußt­s­eins­stu­fe ist ganz sub­jek­tiv, d. h. der Mensch nimmt nichts von au­ßen wahr, son­dern nur das, was die Gott­heit in ihn einpflanzt. Die­se Be­wußt­s­eins­stu­fe ar­bei­tet sich durch die obi­gen 3 Un­ter­stu­fen der ers­ten Epo­che hin­durch, da­für das Zei­chen: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|265}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die drit­te Be­wußt­s­eins­stu­fe ist ganz ob­jek­tiv, d. h. der Mensch wird die gan­ze Welt als gött­lich wahr­neh­men: &lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|Die mitt­le­re Stu­fe hat da­her das Zei­chen&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Nun geht aber die ers­te Be­wußt­s­eins­stu­fe kon­ti­nu­ier­lich in die zwei­te über; eben­so die zwei­te in die drit­te; da­durch grei­fen die ent­sp­re­chen­den Un­ter­stu­fen III und IV und VI und VII in ein­an­der über, so daß fol­gen­des Bild ent­steht: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So ent­steht aus der Neun­zahl die Sie­ben­zahl. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es wer­den nun ab­sol­viert die­se 7 Be­wußt­s­eins­stu­fen: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1* auf dem Sa­turn&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2* auf der Son­ne&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3* auf dem Mond&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
4* auf der Er­de&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
5* auf dem Ju­pi­ter&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
6* auf der Ve­nus&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
7* auf dem Vul­kan. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ge­gen­wär­tig ist der Mensch in 4*. Man sieht: dem ist vor­an­ge­gan­gen 3*, das aus zwei Un­ter­stu­fen zu­sam­men­ge­f­los­sen ist, und es wird fol­gen 5*, das wie­der aus zwei Un­ter­stu­fen zu­sam­men­f­lie­ßen wird. Be­zeich­net man das rei­ne Mon­den­be­wußt­sein mit III und das rei­ne Er­den­be­wußt­sein mit V, so liegt zwi­schen bei­den et­was, was man als Mars­be­wußt­sein zu be­zeich­nen hat. Es rührt dies da­von her, daß be­vor die Er­de sich von Mond und Son­ne los­ge­ris­sen hat, sie ei­ne Be­geg­nung mit dem Mars hat­te. Ei­ne eben­sol­che Be­geg­nung fin­det statt mit Mer­kur; VI ist das Mer­kur­be­wußt­sein. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|266}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man neh­me nun die Sum­me der Be­wußt­s­eins­stu­fen, wel­che der Mensch bis jetzt durchlau­fen hat. Es sind V bis zum Er­den­be­wußt­sein. Da­her das Zei­chen: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist ein ge­sch­los­se­nes, weil der Mensch oh­ne das Da­zu­kom­men des Mer­kur­be­wußt­seins sich in sich selbst ver­här­ten wür­de. Er kä­me, oh­ne sich dem gött­li­chen Füh­rer (Mer­kur) auf die­ser Stu­fe an­zu­ver­trau­en, in ei­ne Sack­gas­se sei­ner Ent­wi­cke­lung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun hat ein je­der die­ser 7 Be­wußt­s­eins­zu­stän­de sie­ben Le­bens­zu­stän­de zu ab­sol­vie­ren. Das gibt für &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das sind 7 x 7 Le­bens­zu­stän­de durch die gan­ze men­sch­li­che Evo­lu­ti­on hin­durch: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
7 x 7 = 49 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun aber hat man sich die Sa­che so vor­zu­s­tel­len, daß wäh­rend der ers­ten Be­wußt­s­eins­zu­stän­de das, was Men­schen­keim ist, noch nicht sein ei­ge­nes Le­ben ent­fal­ten kann. Es ist da­bei noch das aus frühe­ren Evo­lu­tio­nen üb­rig ge­b­lie­be­ne Le­ben, das lang­sam ab­flu­tet und durch das rein men­sch­li­che Le­ben er­setzt wird. Dies ist im Sin­ne des fol­gen­den Bil­des: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wo das vor­men­sch­li­che Le­ben ganz über­wun­den und das rein men­sch­li­che Le­ben das der Men­schen-Evo­lu­ti­on wird. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|267}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt al­so in der men­sch­li­chen Evo­lu­ti­on ei­nen Punkt, wo inn­er­halb des gan­zen pla­ne­ta­ri­schen Sys­tems das ei­ge­ne Le­ben die­ses Sys­tems an die Stel­le al­les von ei­nem frühe­ren Sys­tem tritt. Die­ser Punkt ist in der Ge­schich­te die Er­schei­nung C h r i s t i .&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie be­zeich­net in die­ser Be­zie­hung die Mit­te der Mensch­heit­se­vo­lu­ti­on. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Le­bens­zu­stän­de ver­lau­fen nun wie­der in Form­zu­stän­den; je­der der 49 Le­bens­zu­stän­de hat sie­ben Form­zu­stän­de durch­zu­ma­chen, das sind für die gan­ze Evo­lu­ti­on &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
49 x 7 = 343 Stu­fen = 7 x 7 x 7. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber auch die Form­zu­stän­de sind nicht vom An­fan­ge an die ei­gen-men­sch­li­chen. Es sind die von ei­nem frühe­ren Sys­tem her­über­ge­brach­ten. Al­les, was sich auf sol­che von ei­nem frühe­ren Sys­tem stam­men­den Form­zu­stän­de be­zieht, be­zeich­net man als Ma­kro­kos­mos. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Form­zu­stän­de, wel­che der Mensch selbst schafft, bil­den den Mi­kro­kos­mos. Von ei­nem Mi­kro­kos­mos kann man erst sp­re­chen, wenn der Men­schen­geist form­schaf­fend wird, wie vor­her der gött­li­che Geist (Welt­geist) form­schaf­fend war. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Über­gang ist die Welt­see­le der gött­li­che Geist, der lang­sam sich in­di­vi­dua­li­siert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es er­gibt sich nun fol­gen­de Über­sicht der Evo­lu­ti­on, wenn man noch be­denkt, daß &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der 1. Lo­gos sich im Men­schen of­fen­bart als At­ma,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der 2. Lo­gos sich im Men­schen of­fen­bart als Budhi,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der 3. Lo­gos sich im Men­schen of­fen­bart als Ma­nas. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|268}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn von die­sen 343 = 7 x 7 x 7 Stu­fen 666 = 6 x 6 x 6 = 216 ver­gan­gen sein wer­den, al­so nach 5 Pla­ne­ten (Sa­turn, Son­ne, Mond, Er­de, Ju­pi­ter) in der Ve­nus,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wenn in die­ser wie­der 5 Le­bens­zu­stän­de ver­f­los­sen sind, al­so im 6. Le­bens­zu­stand der Ve­nus&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und im 6. Form­zu­stand die­ses 6. Le­bens­zu­stan­des, dann wird al­les aus­ge­son­dert sein von der Er­de­ne­vo­lu­ti­on, was nicht zur Voll­kom­men­heit kom­men kann; die Zahl 666 = 216 ist da­her die kri­ti­sche Zahl der Evo­lu­ti­on (Apo­ka­lyp­se).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|269}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein kri­ti­scher Zu­stand tritt aber (wenn auch ein klei­ne­rer als im be­zeich­ne­ten Zeit­punk­te) auch sonst ein, wenn das Evo­lu­ti­ons­ver­hält­nis 666 ist, z. B.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
in der 6. Un­ter­ras­se der 6. Wur­zel­ras­se des 6. Pla­ne­ten, wo­bei Mars und Mer­kur mit­ge­rech­net wer­den, al­so fol­gen­der Zy­k­lus ent­steht:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1. Sa­turn&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2. Son­ne&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3. Mond&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
4. Mars&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
5. Er­de&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
6. Mer­kur die­ser Ein­fluß ist dann in der nächs­ten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
6. Un­ter­ras­se schon ein gro­ßer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Mensch­heit wird al­so dann schon an ei­nen kri­ti­schen Punkt ih­rer Ent­wi­cke­lung kom­men.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|270}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Korrekturen für die 6. Aufla­ge 1979 ge­gen­über der 5. Aufla­ge 1952 =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus dem auf Sei­te 259 be­schrie­be­nen Text­ver­g­leich mit den Ori­gi­nal-Un­ter­la­gen er­ga­ben sich die hier nach­ge­wie­se­nen Än­de­run­gen. In ecki­gen Klam­mern ste­hen­de Ein­fü­gun­gen im Buch­text stam­men vom Her­aus­ge­ber und wer­den im fol­gen­den nicht be­rück­sich­tigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|width=&amp;quot;50px&amp;quot;|Sei­te:&lt;br /&gt;
|width=&amp;quot;75px&amp;quot;|Zei­le:&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|21&lt;br /&gt;
|4 v.o.&lt;br /&gt;
|«eben­so­we­nig wie Sie ei­nes  Be­wei­ses be­dür­fen» statt früh­er «kei­nes Be­wei­ses».&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|28&lt;br /&gt;
|7 v.o.&lt;br /&gt;
|«Das Ich ist et­was  Ver­gäng­li­ches», das Wort «Ich» fehl­te früh­er.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 Sinn­ge­mä­ße Er­gän­zung.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|64&lt;br /&gt;
|1 v.u.&lt;br /&gt;
|«zwei­te Bild» statt  «ers­te Bild». Kor­rek­tur ge­mäß Nach­schrift.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|102&lt;br /&gt;
|1 v.o.&lt;br /&gt;
|«rächest nicht un­ser  Blut», Ein­fü­gung von «nichts» ge­mäß Nach­schrift.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|115&lt;br /&gt;
|5 v.o.&lt;br /&gt;
|«sich ent­wi­ckeln­den» statt «zu­rück­ge­b­lie­be­nen».  Sinn­ge­mä­ße Kor­rek­tur. In der Nach­schrift lü­cken­haft.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|177&lt;br /&gt;
|18 v.o.&lt;br /&gt;
|«nur däm­mer­haft be­wußt»  statt «däm­mer­haft be­wußt, nur an ». Sinn­ge­mä­ße Um­stel­lung des Wört­chens  «nur».&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|185&lt;br /&gt;
|4 v.o.&lt;br /&gt;
|«bei der Ver­klär­ung nach  der christ­li­chen Tra­di­ti­on». Sinn­ge­mä­ße Ein­fü­gung von «nach».&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|185&lt;br /&gt;
|6 v.o.&lt;br /&gt;
|«Er­den­ent­wi­cke­lung so, daß  die Son­ne», statt früh­er: «Er­den­ent­wi­cke­lung: die Son­ne». Kor­rek­tur  ge­mäß Nach­schrift.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|212&lt;br /&gt;
|16/17 v.o.&lt;br /&gt;
|«Haupt­men­schen­köp­fe, und da­zu je zwei Hör­ner,  die wie Schat­ten ne­ben ih­nen sind», statt früh­er: «Haupt­men­schen­köp­fe,  und da­zwi­schen zwei, die wie Schat­ten ne­ben ihm sind». Sinn­ge­mä­ße Kor­rek­tur.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|218&lt;br /&gt;
|11 v.u.&lt;br /&gt;
|«Vor­stel­lung» statt früh­er «Dar­stel­lung».  Kor­rek­tur ge­mäß Nach­schrift.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|219&lt;br /&gt;
|10-12 v.o.&lt;br /&gt;
|«daß 171 noch zu­künf­ti­ge  Form­zu­stän­de zu den be­reits ver­f­los­se­nen hin­zu­ge­zählt wer­den müs­sen, dann ha­ben Sie 342, ein wei­te­rer da­zu, der ge­gen­wär­ti­ge, gibt al­le 343». Die her­vor­ge­ho­be­nen­Wor­te  wur­den ge­mäß Nach­schrift ein­ge­fügt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|220&lt;br /&gt;
|2 v.o.&lt;br /&gt;
|«die gro­ßen Haupt­zu­stän­de, Form­zu­stän­de», Ein­fü­gung von «Form­zu­stän­de» ge­mäß  Nach­schrift.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|222&lt;br /&gt;
|16 v.u.&lt;br /&gt;
|«Von die­sem 172. Zu­stand»  statt früh­er «Vor die­sem ». Sinn­ge­mä­ße Kor­rek­tur.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|222&lt;br /&gt;
|14 v.u.&lt;br /&gt;
|«Der 172. Zu­stand ist der  phy­si­sche Form­zu­stand, die Er­de selbst». Ein­fü­gung von «der phy­si­sche  Form­zu­stand» ge­mäß Nach­schrift.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|222&lt;br /&gt;
|12 v.u.&lt;br /&gt;
|«al­so zu­nächst» statt früh­er «aber zu­nächst».  Sinn­ge­mä­ße Kor­rek­tur.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|223&lt;br /&gt;
|2. v.u.&lt;br /&gt;
|«wel­che nach dem gro­ßen  Krie­ge al­ler ge­gen al­le durch die sie­ben Sie­gel be­zeich­net ist, wenn  wir an­ge­langt sein wer­den » statt früh­er «wel­che durch die sie­ben Sie­gel  be­zeich­net ist, wenn wir an­ge­langt sein wer­den beim  gro­ßen Krie­ge al­ler ge­gen al­le». Sinn­ge­mä­ße Kor­rek­tur.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|224&lt;br /&gt;
|19/20 v.o.&lt;br /&gt;
|«neh­men die Men­schen schon nach dem gro­ßen  Krie­ge al­ler ge­gen al­le, in&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|{{SE|271}}&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|dem Zei­tal­ter [der Po­sau­nen]» statt früh­er:  «neh­men die Men­schen schon in dem Zei­tal­ter nach dem gro­ßen Krie­ge al­ler  ge­gen al­le, wenn die sie­ben­te Po­sau­ne er­k­lingt». Sinn­ge­mä­ße Um­stel­lung.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|225&lt;br /&gt;
|20 v.o.&lt;br /&gt;
|«in un­se­rem sechs­ten  Zei­traum» statt früh­er «im sechs­ten Zei­traum».  Kor­rek­tur ge­mäß Nach­schrift.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|230&lt;br /&gt;
|3 v.u&lt;br /&gt;
|«brauch­te» statt früh­er «braucht». Kor­rek­tur  ge­mäß Nach­schrift.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|H. W.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|* *&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 *&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|37&lt;br /&gt;
|15 v.u.&lt;br /&gt;
|Re­dak­tio­nel­ler Hin­weis:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der nach­ste­hend kur­siv  ge­setz­te, ein­ge­scho­be­ne Text­ab­satz aus dem ERS­TEN VOR­TRAG vom 18.  Ju­ni 1908 fand sich in ei­ner «deutsch-rus­si­schen On­li­ne-Aus­ga­be» und  wur­de vom Ru­dolf-Stei­ner-Ver­lag Dor­nach of­fen­bar ab der 4. Aufla­ge  1954 er­satz- und kom­men­tar­los ge­s­tri­chen. Wir zi­tie­ren hier je­weils  noch ei­nen Ab­satz da­vor und da­nach:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|«Und wie hier die­ses Er­eig­nis der Ge­schich­te, so wird uns al­les, was uns im Le­ben ent­ge­gen­tritt, Gro­ßes und Klei­nes,  ver­tieft und mit ei­nem neu­en Licht durch­strahlt durch die an­thro­po­so­phi­sche  Ge­sin­nung, die sich da­rin be­kun­det, daß man in al­lem phy­sisch Wahr­nehm­ba­ren  den phy­siog­no­mi­schen Aus­druck ei­nes Über­sinn­lich-Geis­ti­gen er­blickt.»&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|«Und es ist mißv­er­stan­den wor­den in den  ver­schie­dens­ten Zei­ten im­mer in dem Sin­ne, in dem Sti­le, wie die­se  ver­schie­de­nen Zei­ten ge­dacht und ge­son­nen ha­ben. Mißv­er­stan­den ist  es wor­den von den Zei­ten, die, man darf sa­gen, spi­ri­tu­ell-ma­te­ria­lis­tisch  ge­dacht ha­ben, von den Zei­ten, die gro­ße Re­li­gi­ons­strö­mun­gen  hin­ein­ge­zwängt ha­ben in ein­sei­ti­ges fa­na­ti­sches Par­tei­ge­trie­be, und es ist mißv­er­stan­den wor­den in der neue­ren Zeit von den­je­ni­gen,  wel­che im gro­ben, im sinn­lichs­ten Ma­te­ria­lis­mus glaub­ten die Rät­sel  der Welt lö­sen zu kön­nen.»&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|Daß es sich so ver­hält, die­se Über­zeu­gung  mö­ge uns durch­drin­gen ge­ra­de wäh­rend die­ses Kur­sus. Und aus solch ei­ner  Über­zeu­gung her­aus mag der Geist, mö­gen die Ge­füh­le strö­men, die wäh­rend  der zwölf apo­ka­lyp­ti­schen Vor­trä­ge in un­se­re See­le flie­ßen, die un­se­re  Her­zen durch­drin­gen sol­len. Inn­er­halb die­ser Ge­sin­nung wol­len wir  an die­sen Kur­sus her­an­t­re­ten, der das tiefs­tes Do­ku­ment des Chris­ten­tums,  die Apo­ka­lyp­se des Jo­han­nes, zum An­knüp­fungs­punk­te nimmt, weil an die­ses  Do­ku­ment die tiefs­ten Wahr­hei­ten des Chris­ten­tums wir­k­lich zwang­los  an­ge­sch­los­sen wer­den kön­nen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|(https://www.anthroposophie.net/ru/ApokalypseRD.htm)&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|272}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Ausführliche Inhaltsangaben von Marie Steiner =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
zur ers­ten Buch­aus­ga­be der Vor­trä­ge &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
===== ÖF­F­ENT­LI­CHER VOR­TRAG, Nürn­berg, 17. Ju­ni  1908 =====&lt;br /&gt;
|[[GA 104#11|11]]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Geis­tes­wis­sen­schaft, Evan­ge­li­um und  Mensch­heits­zu­kunft. Die vor­re­li­giö­se Zeit, die My­tho­lo­gi­en, der re­li­giö­se Zu­stand. Die ver­schie­de­nen Be­wußt­s­einse­tap­pen  und das Ich-Bin.&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
===== ERS­TER VOR­TRAG, Nürn­berg, 18. Ju­ni 1908 =====&lt;br /&gt;
|[[GA 104#34|34]]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Cha­rak­te­ri­sie­rung des Geis­tes der Apo­ka­lyp­se  im All­ge­mei­nen. Was geht inn­er­halb der Ein­wei­hung vor und wie ver­hält sich Ein­wei­hung zu dem We­sen der Apo­ka­lyp­se?&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
===== ZWEI­TER VOR­TRAG, 19. Ju­ni 1908 =====&lt;br /&gt;
|[[GA 104#51|51]]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Ei­ni­ges über das We­sen der Ein­wei­hung  durch Schu­lung der Denk­kräf­te (vor­christ­li­che Zeit),  der Ge­müts­kräf­te (christ­li­che Zeit) und der Wil­lens­kul­tur in den ro­sen­k­reu­ze­ri­schen Schu­lun­gen. Sym­bo­li­sche Dar­stel­lun­gen für die spe­zi­fisch-christ­li­che und christ­lich-ro­sen­k­reu­ze­ri­sche  Ein­wei­hung.&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
===== DRIT­TER VOR­TRAG, 20. Ju­ni 1908 =====&lt;br /&gt;
|[[GA 104#66|66]]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Was ist der­ Mensch? und wo­zu ist er be­stimmt  in un­se­rem Zei­tal­ter? Stu­fenwei­ses Hin­auf­ge­hen in die ima­gi­na­ti­ve, in­spi­rier­te  und in­tui­ti­ve Er­kennt­nis. Der in­ne­re  Fort­gang der sie­ben nachat­lan­ti­schen Kul­tu­ren drückt sich aus in den sie­ben Sie­geln, sie­ben Po­sau­nen, sie­ben Zor­nes scha­len. Die sie­ben Ge­mein­den sind die Re­prä­sen­t­an­ten der sie­ben nachat­lan­ti­schen Kul­tu­re­po­chen; an je­de rich­tet der Apo­ka­lyp­ti­ker ein Send­sch­rei­ben, in wel­chem er sagt, was bei­be­hal­ten wer­den kann vo­m Al­ten und was an­ders wer­den soll.&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
===== VIER­TER VOR­TRAG, 21. Ju­ni 1908 =====&lt;br /&gt;
|[[GA 104#87|87]]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Was die sie­ben Zei­träu­me der nachat­lan­ti­schen  Kul­tur in die See­len her­ein­ge­legt und ver­sie­gelt ha­ben, wird hin­über­le­ben in die sie­ben Zei­träu­me der Zu­kunft. Sie­ben Mal wer­den die See­len ent­sie­gelt wer­den; sie­ben Sie­gel  müs­sen ge­löst wer­den aus dem Buch. In die­sem Buch, das her­ein­ge­schrie­ben ist in die See­len der Men­schen, wer­den die Ein­tra­gun­gen der Kul­tur­zei­träu­me drin­nen ste­hen. Was nicht zur Uns­terb­lich­keit  ge­eig­net ist und ab­fällt, was sich in un­se­ren Zei­ten neu vor­be­rei­tet hat, kommt her­aus, und wird durch das Sym­bo­lum  an­ge­deu­tet, das der In­tel­li­genz ent­spricht: es ist das Pferd. Der Ruf des Ich-Bin über­win­det den Tod. Sym­bo­li­sches Er-&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|{{SE|273}}&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|­schei­nen de­rer, de­nen wei­ße Klei­der ge­ge­ben wer­den. Sym­bo­li­sche Er­fül­lung des­sen, was das äu­ße­re Le­ben gibt im Ver­schwin­den  und der Um­wand­lung von Son­ne und Mond, Spi­ri­tua­li­sie­rung der Mensch­heit.&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
===== FÜNF­TER VOR­TRAG, 22. Ju­ni 1908 =====&lt;br /&gt;
|[[GA 104#104|104]]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Zwi­schen­be­trach­tung. Die vier Zu­stän­de  un­se­res pla­ne­ta­ri­schen Da­seins. Die Apo­ka­lyp­se stellt dar, wie durch die christ­li­che Ein­wei­hung die Zu­kunft der Mensch­heit zur Ent­hül­lung kommt durch das­ Her­au­s­t­re­ten des­sen, was sich in der Ver­gan­gen­heit in den See­len vor­be­rei­tet hat. In der Mit­te der Er­den­ent­wick­lung wird der Mensch erst Mensch. Al­le an­dern  We­sen, die bis da­hin die Mensch­heits­stu­fen ha­ben durch­ma­chen kön­nen, sind über ihn hin­aus­ge­schrit­ten, kön­nen des­halb sei­ne Ent­wick­lung lei­ten; die sind die Re­gu­la­to­ren der Zeit,  die 24 Äl­tes­ten. Von den zu­rück­ge­b­lie­be­nen We­sen­hei­ten stammt die An­la­ge zu dem Tier-, Pflan­zen- und Men­schen­reich. Das glä­s­er­ne Meer deu­tet an das Her­vor­schie­ßen des Mi­ne­ral­reichs in sei­ner ers­ten Ge­stalt. Von da an zeigt uns der Apo­ka­lyp­ti­ker die Bil­der zu­künf­ti­ger Ent­wick­lungs­stu­fen.&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== SECHS­TER VOR­TRAG, 23. Ju­ni 1908 =====&lt;br /&gt;
|[[GA 104#118|118]]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Fort­set­zung der Zwi­schen­be­trach­tung. Mit dem Wel­ten-Ur­ne­bel, von wel­chem der Ok­kul­tis­mus  spricht, wa­ren die 24 Ka­te­go­ri­en von We­sen ver­bun­den, wel­che die Men­schen­stu­fe durch­ge­macht hat­ten, und auch an­de­re We­sen­hei­ten.  Von je­nen ho­hen We­sen, die mit der Son­ne her­aus­gin­gen, den sie­ben Elo­him, son­der­te sich Jah­ve her­aus. Er blieb mit der  Er­de ver­bun­den. In die erst geis­ti­ge men­sch­li­che Ge­stalt ha­ben sich erst nach und nach die fes­ten Tei­le ein­ge­g­lie­dert. Noch der al­te At­lan­tier war ganz an­ders ge­stal­tet und hat­te ein  ganz an­de­res See­len­le­ben. Erst als die Ver­dich­tung der­ Was­ser zur Über­flu­tung ge­führt und der Re­gen­bo­gen her­aus­ge­t­re­ten war, lern­te der Mensch Ich zu sich sa­gen. Früh­er war er in der Geis­tig­keit der Grup­pen­see­le ge­bor­gen; jetzt lern­te er den Gott in sich  selbst füh­len; Jah­ve war der Ich-Lei­ter. Das war das ers­te Auf­däm­mern der In­di­vi­dua­li­tät. Es hat sich der Mensch durch die geis­ti­ge  Ver­fins­te­rung sein Selbst­be­wußt­sein er­kauft. Durch drei Kul­tur­zei­träu­me bis in den vier­ten hin­ein voll­zog sich die­se Ent­wick­lung. Dann wur­de die Er­de von ei­ner neu­en Kraft durch­strömt, ih­re gan­ze Au­ra än­der­te sich durch das Blut, das auf Gol­ga­tha floß. Das Chris­tus-Prin­zip hat­te sich mit der Er­de ver­bun­den.&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|{{SE|274}}&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
===== SIE­BEN­TER VOR­TRAG, 24. Ju­ni 1908 =====&lt;br /&gt;
|[[GA 104#137|137]]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|In ei­nem ve­r­än­der­ten Zu­stand ist aber die Zu­kunft ei­ne Wie­der­ho­lung der Ver­gan­gen­heit: das frühe­re däm­mer­haf­te Hell­se­hen wird sich zu dem er­wor­be­nen hel­len Selbst­be­wußt­sein hin­zu­fü­gen. Durch das He­r­ein­t­re­ten des Chris­tus in die Welt ist der Mensch be­wahrt wor­den vor dem Hin­un­ter­sin­ken in ei­ne Art Ab­grund. Jetzt steht er vor ei­ner Ent­schei­dung. In ge­wis­ser Wei­se ist er schon in den Ab­grund hin­un­ter­ge­s­tie­gen; über­läßt er sich dem Hin­ab­sin­ken, dann wird die Per­sön­lich­keit nicht ge­ret­tet, um in die geis­ti­gen Wel­ten hin­auf­zu­s­tei­gen. In dem Ma­ße als sich im Men­schen das Ver­ständ­nis für den Chris­tus-Im­puls ent­wi­ckelt und zum ei­ge­nen Im­puls wird, wird  die Mensch­heit auf­wärts stei­gen. Nach und nach tau­chen die­je­ni­gen in den Ab­grund hin­ein, die sich das Ich in Form des  Ego­is­mus er­obert ha­ben, aber nicht im­stan­de sind, sich zum Geist zu er­he­ben, der ih­nen das Men­schen­ant­litz ge­ge­ben hat. Die­se wer­den Tierähn­lich, die bö­se Ras­se: nach der Ent­sie­ge­lung wird der Mensch das im Ant­litz ha­ben, was er im Her­zen  trägt. Bei den Er­lös­ten wird sich das Mal­zei­chen, der Na­me des  Chris­tus im Ant­litz aus­drücken. Wir bli­cken auf die Ver­gan­gen­heit als die gro­ße Schu­le der Lie­be und ih­rer zwei Kräf­te; sie führt den St­re­ben­den zu Chris­tus dem wah­ren Licht­trä­ger. Die Ket­te Noah und der geis­ti­ge Adam. Bei der Ent­hül­lung der vier Sie­gel er­scheint vier­mal nach­ein­an­der das Pferd, Sym­bol der blo­ßen In­tel­li­genz. Bei der fünf­ten Ent­sie­ge­lung er­schei­nen in wei­ßen  Klei­dern die­je­ni­gen, die auf­be­wahrt wor­den sind für die Ver­geis­ti­gung, die den Ruf der Er­den­mis­si­on ver­ste­hen und da  sein wer­den, wenn die Skla­ven der Per­sön­lich­keit in den Ab­grund ver­sin­ken. Der sechs­te Kul­tur­zei­traum wird den zur In­tel­li­genz ent­ge­gen­ge­setz­ten  Pol brin­gen in dem Häuf­lein aus al­len Na­tio­nen, das die Bru­der­schaft dar­le­ben wird im Sin­ne der Ge­mein­de von Phi­la­del­phia.&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
===== ACH­TER VOR­TRAG, 25. Ju­ni 1908 =====&lt;br /&gt;
|[[GA 104#156|156]]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Die Ur­sa­che des sich vor­be­rei­ten­den Krie­ges al­ler ge­gen al­le ist das Über­hand­neh­men des Ego­is­mus, der Ich­sucht der Menschen. Die zwei Sei­ten des Ich. In ihm liegt die  Ur­sa­che der Ver­här­tung, wenn es die Lie­be nicht fin­det, es  ist der Ver­füh­rer, der in den Ab­grund stürzt. Es ist aber Un­terp­fand des höchs­ten Zie­les der Men­schen. Des­halb ist Sym­bol für das Ich­be­wußt­sein in der Apo­ka­lyp­se: das schar­fe zwei­schnei­di­ge Schwert im Mun­de des Mensch­heils­re­prä­sen­t­an­ten. Das Bö­se ist im Sc­höp­fungs­plan be­grün­det, da­mit durch es ein­mal  das gro­ße Gu­te da sei. Es ist das Ma­nichäer-Prin­zip. Die&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|{{SE|375}}&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Ent­sie­ge­lung der sie­ben Sie­gel gibt an den Cha­rak­ter der sie­ben  Stam­mes­kul­tu­ren, die sich nach dem gro­ßen Krie­ge bil­den wer­den: der Ein­ge­weih­te schaut sie in der Sym­bo­lik der as­tra­li­schen­Welt. Wenn je­ne Kul­tur ab­ge­lau­fen sein wird, be­ginnt ei­ne neue Pe­rio­de, die sym­bo­li­siert wird durch die sie­ben Po­sau­n­en­klän­ge: sie nimmt der Mensch wahr von der ei­gent­li­chen geis­ti­gen Welt aus, wo die Sphä­ren klän­ge er­tö­nen. Im himm­li­schen Reich er­k­lingt der Ge­dan­ke. Die­ses himm­li­sche Reich wird im sie­ben­ten Zei­traum  her­un­ter­ge­s­tie­gen sein bis in die phy­si­sche­ Welt, wie die as­tra­li­sche im sechs­ten Zei­traum. Die Er­de ver­wan­delt sich in ei­nen as­tra­li­schen Him­mels­kör­per; ei­ne ma­te­ri­el­le Ku­gel wird aus­ge­schie­den  mit den We­sen, die für den Auf­s­tieg un­brauch­bar sind. Das Hin­aus­sto­ßen der Ma­te­rie wird in der Apo­ka­lyp­se an­ge­deu­tet  durch das Aus­gie­ßen der sie­ben gött­li­chen Zor­nes scha­len. Die Auf­nah­me des Höchs­ten, was der Mensch auf­neh­men kann, die in  den Evan­ge­li­en ent­hal­te­ne Bot­schaft der Lie­be, muß nicht nur den Ver­stand, muß das In­ners­te des Men­schen durch­drin­gen: die­ses Buch wird vom Men­schen ver­sch­lun­gen. Die Mars­kräf­te und Mer­kur­kräf­te, sym­bo­li­siert in den zwei Säu­len, sind die Erb­schaft der Ver­gan­gen­heit, nun durch­drun­gen von der Kraft der Lie­be, ent­hal­ten im Buch.&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
===== NE­UN­TER VOR­TRAG, 26. Ju­ni 1908 =====&lt;br /&gt;
|[[GA 104#174|174]]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Ent­ste­hung ei­ner as­tra­li­schen Er­de nach den sie­ben Po­sau­n­en­stö­ß­en mit den­ We­sen, die zu ihr ge­hö­ren. Zwi­schen­be­trach­tung über die Ent­wick­lungs­mög­lich­kei­ten des Men­schen. Das zu­nächst un­be­wuß­te Ar­bei­ten des Ich am as­tra­li­schen,  äthe­ri­schen und phy­si­schen Lei­be. Zu­letzt wird ein mehr oder we­ni­ger selbst­be­wuß­tes Ich aus der Grup­pen­see­len­haf­tig­keit her­aus­ge­ar­bei­tet, das mit der Er­schei­nung des Chris­tus den Im­puls der völ­li­gen In­di­vi­dua­li­tät er­langt. Heu­te ist der An­fang von Geist­selbst da. Wenn die sie­ben­te Po­sau­ne er­k­lingt, wird der Mensch das Phy­si­sche an sei­nem We­sen auflö­sen und als äthe­ri­sches We­sen hin­über­le­ben in die as­tra­lisch ge­wor­de­ne  Er­de. - Rück­blick auf den ers­ten Adam und den ver­wes­li­chen Leib. Der un­ver­wes­li­che Leib des letz­ten Adam trägt die Chris­tus-Auf­nah­me­fähig­keit im Ant­litz: es ist das Mys­te­ri­um der Men­sch­wer­dung. - Blick auf die al­te Er­de als ein von re­gel­mä­ß­i­gen Strö­mun­gen durch­zo­ge­ner Or­ga­nis­mus, aus dem der an­fäng­li­che Mensch her­aus­ge­bo­ren wur­de wie ei­ne Stel­le, wel­che sich  von der Er­de ab­hob, aber doch an zahl­rei­chen Fä­den mit ihr zu­sam­men­hing. Adam heißt Er­den­sohn. In der al­ten Er­de war al­les vor­ge­bil­det: Blut­bah­nen, Ner­ven­bah­nen, al­le Or­ga­ne. Heu­te ar­bei­tet der&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|{{SE|276}}&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Mensch an sei­ner See­le und wird sei­nen Leib zum Ab­bild der See­le ma­chen, die den Chris­tus in sich auf­ge­nom­men hat; er wird sei­ne so ge­bil­de­ten Kräf­te der nächs­ten Ver­kör­pe­rung un­se­rer Er­de einpflan­zen, dem Ju­pi­ter, aus wel­chem die Ju­pi­ter­we­sen einst her­aus­ge­bo­ren wer­den. Der Leib ist in Wahr­heit der Tem­pel der im In­nern be­find­li­chen Ich­heit. Wird  er rich­tig aus­ge­stal­tet, so wird der Ju­pi­ter nach den rich­ti­gen Ma­ßen ge­baut. Inn­er­halb die­ses geis­ti­gen Zu­stan­des der Er­de er­scheint wie­der, was früh­er da war. Elias und Mo­ses, die geis­ti­gen  Ver­t­re­ter des­sen, was wir in den zwei Säu­len ge­se­hen ha­ben. Nach­dem der Mensch sich ver­geis­tigt hat, die Er­de die rich­ti­gen Ma­ße  der Ent­wick­lung durch­ge­macht hat, ist er reif, sich mit den Kräf­te­ver­hält­nis­sen wie­der zu ve­r­ei­ni­gen, die auf der Son­ne sind. Als Über­win­der des Mon­des ve­r­ei­nigt er sich mit der Son­ne: der bild­li­che Aus­druck da­für ist das Weib, das die Son­ne in sich trägt und den Mond zu Fü­ß­en hat. Der nicht vom Chris­tu­s­prin­zip im­präg­nier­te her­aus­ge­fal­le­ne Teil der Mensch­heit hat ei­ne Art Ne­ben­pla­ne­ten ge­bil­det: Es er­schei­nen da die vier Ty­pen der  Grup­pen­see­le in ih­ren Tier­ge­stal­ten und noch drei an­de­re. Was im Fleisch  ge­b­lie­ben ist, wird auf der Ne­be­n­er­de dar­ge­s­tellt durch das Tier mit sie­ben Köp­fen. Jetzt sind sie die sie­ben Wi­der­sa­cher. Was vom Äthe­ri­schen aus im Men­schen ver­an­lagt ist, nennt man im Ok­kul­tis­mus Kopf; was phy­sisch be­wußt wird durch ein Glied des Äther­lei­bes, nennt man Horn.&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
===== ZEHN­TER VOR­TRAG, 27. Ju­ni 1908 =====&lt;br /&gt;
|[[GA 104#191|191]]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Der Grun­driß der­Welt­ent­wick­lung ver­läuft in Zah­len­ver­hält­nis­sen; die Sie­ben­zahl be­herrscht al­le Tei­le der Welt­ent­wick­lung. Sie­ben Zu­stän­de der pla­ne­ta­ri­schen Ver­kör­pe­run­gen fal­len zu­sam­men mit der Ent­wick­lung des men­sch­li­chen  Be­wußt­seins. Um­wand­lung der vier durch­ge­mach­ten Be­wußt­s­eins­zu­stän­de in die drei künf­ti­gen: be­wuß­tes Bil­der-Be­wußt­sein  = Ju­pi­ter; in­spi­rier­tes, wo je­de We­sen­heit wie ein Ton­ge­bil­de  er­scheint des­sen, was früh­er as­tra­li­sches Bild war, das ver­k­lingt jetzt; in­tui­ti­ves Be­wußt­sein, wo die See­le in­di­vi­du­ell bleibt  und doch in al­len Din­gen und We­sen­hei­ten drin­nen steckt. Je­de  die­ser Stu­fen hat sieben Le­bens­stu­fen, die zu­sam­men­fal­len mit den sie­ben Rei­chen. Das den sie­ben Rei­chen der Er­de Ana­lo­ge sind auf den vor­an­ge­gan­ge­nen Pla­ne­ten die Ele­men­tar­rei­che, die in un­se­re Welt hin­ein ver­schwun­den sind. Ganz ge­hört der  Mensch nur dem Mi­ne­ral­reich an, weil er nur die­ses be­g­rei­fen kann. Die an­dern Rei­che sind Vor­stu­fen des­sen, was der  Mensch einst er­le­ben wird; sie sind Vor­bil­der, Hin­wei­se auf ein&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|{{SE|277}}&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|künf­ti­ges Reich, in wel­chem der Mensch einst sein wird. Auf dem Ju­pi­ter wird es et­was den sie­ben Erd­rei­chen noch Ähn­li­ches ge­ben, auf Ve­nus und Vul­kan paßt der Be­griff Reich nicht mehr. Die Le­bens­stu­fen müs­sen wie­der sie­ben Form­stu­fen durchlau­fen; der phy­si­sche ist der mitt­le­re. Er löst sich auf und geht dann wie­der zu­rück zu ei­nem voll­kom­me­nen As­tra­li­schen und nie­de­ren und höhe­ren De­vacha­ni­schen. Von die­sem Ge­dan­ken­sche­ma müs­sen wir auf­s­tei­gen zum le­ben­di­gen Auf­bau mit Hil­fe von Bil­dern, die im As­tra­li­schen zu se­hen sind. Die­se ent­sprin­gen nicht dem Ge­hirn­den­ken, son­dern die Tat­sa­chen ge­ben sie hell­se­he­risch. Auch die Form­zu­stän­de ge­hen durch sie­ben Stu­fen durch und er­ge­ben die Ras­sen- oder Kul­tur­zu­stän­de. Wir le­ben im fünf­ten; der sechs­te wird in der Apo­ka­lyp­se  an­ge­deu­tet durch die sie­ben Sie­gel; der sie­ben­te durch die sie­ben Po­sau­nen. Dann geht das Phy­si­sche in das As­tra­li­sche über. Durch vier tie­ri­sche Grup­pen­see­len muß­te der Mensch hin­durch­ge­hen bis er das In­di­vi­dual­be­wußt­sein er­lang­te, und bil­de­te da­bei vier­er­lei Kör­per­g­lie­der aus: vier Köp­fe, ent­sp­re­chend den vier Kör­per­tei­len; die Hör­ner Ver­di­ckun­gen der äthe­ri­schen  Kraft­sys­te­me. Seit­dem der Ich­mensch das Chris­tu­s­prin­zip auf­nimmt, wer­den kei­ne Tier­köp­fe mehr aus­ge­bil­det. Der Mensch ist men­sche­n­ähn­lich ge­wor­den und er­scheint in wei­ßen  Klei­dern. Ver­nich­tet wer­den die sie­ben Köp­fe und zehn Hör­ner, die von der at­lan­ti­schen Zeit über­nom­men sind. Wer den Chris­tus von sich stößt, wür­de die al­te Ge­stalt zur Er­schei­nung brin­gen: das Tier mit den sie­ben Köp­fen und zehn Hör­nern, wie zur Zeit der Sie­gel, so jetzt in der Zeit, wo die Zor­nesscha­len aus­ge­gos­sen wer­den und die Er­de sich in zwei Tei­le spal­tet.&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
===== ELF­TER VOR­TRAG, 29. Ju­ni 1908 =====&lt;br /&gt;
|[[GA 104#214|214]]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Nach der Zeit, wel­che durch die Po­sau­n­en­klän­ge  an­ge­deu­tet ist, ver­geis­tigt sich die Er­de. Rück­blick auf die Form­zu­stän­de und die Zahl der Ent­wick­lung. Jetzt ist  die­se für uns 344. Ein­mal in der Zu­kunft wird die Zahl 666 gel­ten;  die­se Zu­kunft ist vor­be­rei­tet in un­se­rer Zeit. Die Zeit der sie­ben Po­sau­n­en­klän­ge wird Men­schen se­hen, die tief in das Bö­se  hin­ein­s­tei­gen. Und wenn je­ne ur­fer­ne Zu­kunft kom­men wird, die nicht durch 466, son­dern durch 666 an­ge­deu­tet wird, wer­den sie die­se An­la­ge nicht mehr um­wan­deln kön­nen. Das geg­ne­ri­sche Prin­zip der Chris­tus-Son­nen­we­sen­heit oder des Lam­mes ist der Son­nen­dä­mon: So­rat, das Prin­zip, das den Men­schen zur völ­li­gen Ver­här­tung führt. Im Blend­werk der Zahl liegt  ein Zei­chen des Chris­tus­geg­ners. Der Mißbrauch der spi­ri­-&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|{{SE|278}}&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|tu­el­len Kräf­te, die schwar­ze Ma­gie ist das Ver­füh­rungs­mit­tel des zwei­hör­ni­gen Tie­res. Die Ver­här­tung der Ma­te­rie wird dem Apo­ka­lyp­ti­ker zur An­schau­ung ge­bracht in der gro­ßen Ba­by­lon. Auf der an­dern Sei­te ste­hen die­je­ni­gen, die sich ve­r­ei­ni­gen mit dem Prin­zip  des Lam­mes und die gro­ßen Um­ris­se be­rei­ten zu dem, was der Ju­pi­ter wer­den soll: das neue Je­ru­sa­lem. Die Kraft, durch wel­che der Son­nen­ge­ni­us das zwei­hör­ni­ge Tier, den gro­ßen Dra­chen über­win­det, sie wird in der christ­lich-ro­sen­k­reu­ze­ri­schen Eso­te­rik ge­nannt: der An­blick des Son­nen­ge­ni­us, des Mi­cha­el, der die Schlüs­sel hat und den Dra­chen ge­fes­selt hält.&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
===== ZWÖLF­TER VOR­TRAG, 30. Ju­ni 1908 =====&lt;br /&gt;
|[[GA 104#234|234]]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Durch das Hin­ein­ge­s­tellt­sein in den Ab­grund des Bö­sen ist für den Men­schen erst er­reich­bar Frei­heit und Lie­be. Das So­rat­prin­zip stammt aus an­dern Wel­ten­pe­rio­den, muß sich mit den Ab­fäl­len begnü­gen, mit je­nen, die auf der Er­de in der Ma­te­rie ste­cken ge­b­lie­ben sind. Das wer­den des So­rats Heer­scha­ren sein. Was sind für den Apo­ka­lyp­ti­ker die Be­grif­fe «ers­ter» und «zwei­ter» Tod? Der hell­se­he­ri­sche Ju­pi­ter­mensch wird mit sei­nem Be­wußt­sein in an­de­ren mo­ra­li­schen Ver­hält­nis­sen le­ben. Der schon vom Ich aus um­ge­stal­te­te as­tra­li­sche Leib wird fähig sein, in den Äther­leib hin­ein­zu­wir­ken. Der Hel­fer, der das er­mög­licht, ist die Chris­tus-We­sen­heit. Erst  nach­her kann der Mensch in den phy­si­schen Leib he­r­ein­ar­bei­ten mit der Hil­fe des Va­ters. Das Ab­le­gen des al­ler­letz­ten phy­si­schen Lei­bes ist das, was in der Apo­ka­lyp­se der ers­te Tod ge­nannt wird. Die Men­schen le­ben jetzt wei­ter in der ver­geis­tig­ten Er­de mit all dem, was durch die Hil­fe des Chris­tus in den Äther­leib hin­ein­ge­bracht wor­den ist. Sie le­ben im Ein­klang mit dem Chris­tu­s­prin­zip. Der Äther­leib de­rer, die es zu­rück­ge­wie­sen ha­ben, ist hin­ge­ord­net nach dem phy­si­schen Leib, lebt in Mißklang und Be­gier­denglut. In der wei­te­ren Ver­geis­ti­gung der Er­de wird es auch kei­nen Äther­leib mehr ge­ben. Die, wel­che den Chris­tus in sich auf­ge­nom­men  ha­ben, wer­den ihn oh­ne Mühe ab­st­rei­fen; die an­dern wer­den ihn als ein zwei­tes Ster­ben emp­fin­den in je­der  fol­gen­den as­tra­li­schen Ge­stalt. Das ist der zwei­te Tod. Die das Ziel er­reicht ha­ben, ent­werfen auf der Er­de den Plan zur Ju­pi­ter-Ent­wick­lung: das ist das neue Je­ru­sa­lem. Die­je­ni­gen, die von sich ge­sto­ßen ha­ben die Kräf­te, die ih­nen das Ju­pi­ter-Be­wußt­sein ge­ben kann, wer­den die Zu­rück­ge­b­lie­be­nen, Hin­un­ter­ge­sun­ke­nen sein. Aber es wird noch mög­lich sein, ei­ne An­zahl zur Um­kehr zu brin­gen. Erst bei der Ve­nus-Ver­kör­pe­rung fällt die un­ab­än­der­li­che Ent­schei­dung. -&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|{{SE|279}}&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Die ver­führ­te In­tel­li­genz, das ist das­je­ni­ge, was dem Tie­re ver­fällt; des­halb ist die Zahl des Tie­res ei­nes Men­schen Zahl. Die Re­gel­mä­ß­ig­keit des neu­en Je­ru­sa­lem wird be­schrie­ben im Wür­fel des letz­ten Bil­des.&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|280}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|281}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Über die Vortragsnachschriften Rudolf Steiners =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus Ru­dolf Stei­ners Au­to­bio­gra­phie »Mein Le­bens­gang« (35. Kap., 1925) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es lie­gen nun aus mei­nem an­thro­po­so­phi­schen Wir­ken zwei Er­geb­nis­se vor; ers­tens mei­ne vor al­ler Welt ver­öf­f­ent­lich­ten Bücher, zwei­tens ei­ne gro­ße Rei­he von Kur­sen, die zu­nächst als Pri­vat­druck ge­dacht und ver­käuf­lich nur an Mit­g­lie­der der Theo­so­phi­schen (spä­ter An­thro­po­so­phi­schen) Ge­sell­schaft sein soll­ten. Es wa­ren dies Nach­schrif­ten, die bei den Vor­trä­gen mehr oder we­ni­ger gut ge­macht wor­den sind und die we­gen man­geln­der Zeit nicht von mir kor­ri­giert wer­den konn­ten. Mir wä­re es am liebs­ten ge­we­sen, wenn münd­lich ge­spro­che­nes Wort münd­lich ge­spro­che­nes Wort ge­b­lie­ben wä­re. Aber die Mit­g­lie­der woll­ten den Pri­vat­druck der Kur­se. Und so kam er zu­stan­de. Hät­te ich Zeit ge­habt, die Din­ge zu kor­ri­gie­ren, so hät­te vom An­fan­ge an die Ein­schrän­kung «Nur für Mit­g­lie­der» nicht zu be­ste­hen ge­braucht. Jetzt ist sie seit mehr als ei­nem Jah­re ja fal­len ge­las­sen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier in mei­nem «Le­bens­gang» ist not­wen­dig, vor al­lem zu sa­gen, wie sich die bei­den: mei­ne ver­öf­f­ent­lich­ten Bücher und die­se Pri­vat­dru­cke in das ein­fü­gen, was ich als An­thro­po­so­phie aus­ar­bei­te­te.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer mein ei­ge­nes in­ne­res Rin­gen und Ar­bei­ten für das Hin­s­tel­len der An­thro­po­so­phie vor das Be­wußt­sein der ge­gen­wär­ti­gen Zeit ver­fol­gen will, der muß das an Hand der all­ge­mein ver­öf­f­ent­lich­ten Schrif­ten tun. In ih­nen setz­te ich mich auch mit al­le dem au­s­ein­an­der, was an Er­kennt­nis­st­re­ben in der Zeit vor­han­den ist. Da ist ge­ge­ben, was sich mir in «geis­ti­gem Schau­en» im­mer mehr ge­stal­te­te, was zum Ge­bäu­de der An­thro­po­so­phie al­ler­dings in vie­ler Hin­sicht in un­voll­kom­me­ner Art wur­de.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ne­ben die­se For­de­rung, die «An­thro­po­so­phie» auf­zu­bau­en und da­bei nur dem zu die­nen, was sich er­gab, wenn man Mit­tei­lun­gen aus der Geist-Welt der all­ge­mei­nen Bil­dungs­welt von heu­te zu über­ge­ben hat, trat nun aber die an­de­re, auch dem voll ent­ge­gen­zu­kom­men, was aus der Mit­g­lied­schaft her­aus als See­len­be­dürf­nis, als Geis­tes­sehn­sucht sich of­fen­bar­te.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da war vor al­lem ei­ne star­ke Nei­gung vor­han­den, die Evan­ge­li­en und den Schrift-In­halt der Bi­bel über­haupt in dem Lich­te dar­ge­s­tellt zu hö­ren, das sich als das an­thro­po­so­phi­sche er­ge­ben hat­te. Man woll­te in Kur­sen über die­se der Mensch­heit ge­ge­be­nen Of­fen­ba­run­gen hö­ren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|282}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In­dem in­ter­ne Vor­trags­kur­se im Sin­ne die­ser For­de­rung ge­hal­ten wur­den, kam da­zu noch ein an­de­res. Bei die­sen Vor­trä­gen wa­ren nur Mit­g­lie­der. Sie wa­ren mit den An­fangs-Mit­tei­lun­gen aus An­thro­po­so­phie be­kannt. Man konn­te zu ih­nen eben so sp­re­chen, wie zu Vor­ge­schrit­te­nen auf dem Ge­bie­te der An­thro­po­so­phie. Die Hal­tung die­ser in­ter­nen Vor­trä­ge war ei­ne sol­che, wie sie eben in Schrif­ten nicht sein konn­te, die ganz für die Öf­f­ent­lich­keit be­stimmt wa­ren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich durf­te in in­ter­nen Krei­sen in ei­ner Art über Din­ge sp­re­chen, die ich für die öf­f­ent­li­che Dar­stel­lung, wenn sie für sie von An­fang an be­stimmt ge­we­sen wä­ren, hät­te an­ders ge­stal­ten müs­sen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So liegt in der Zwei­heit, den öf­f­ent­li­chen und den pri­va­ten Schrif­ten, in der Tat et­was vor, das aus zwei ver­schie­de­nen Un­ter­grün­den stammt. Die ganz öf­f­ent­li­chen Schrif­ten sind das Er­geb­nis des­sen, was in mir rang und ar­bei­te­te; in den Pri­vat­dru­cken ringt und ar­bei­tet die Ge­sell­schaft mit. Ich hö­re auf die Schwin­gun­gen im See­len­le­ben der Mit­g­lied­schaft, und in mei­nem le­ben­di­gen Drin­nen­le­ben in dem, was ich da hö­re, ent­steht die Hal­tung der Vor­trä­ge.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist nir­gends auch nur in ge­rings­tem Ma­ße et­was ge­sagt, was nicht reins­tes Er­geb­nis der sich auf­bau­en­den An­thro­po­so­phie wä­re. Von ir­gend ei­ner Kon­zes­si­on an Vor­ur­tei­le oder Vor­emp­fin­dun­gen der Mit­g­lied­schaft kann nicht die Re­de sein. Wer die­se Pri­vat­dru­cke liest, kann sie im volls­ten Sin­ne eben als das neh­men, was An­thro­po­so­phie zu sa­gen hat. Des­halb konn­te ja auch oh­ne Be­den­ken, als die An­kla­gen nach die­ser Rich­tung zu drän­gend wur­den, von der Ein­rich­tung ab­ge­gan­gen wer­den, die­se Dru­cke nur im Krei­se der Mit­g­lied­schaft zu ver­b­rei­ten. Es wird eben nur hin­ge­nom­men wer­den müs­sen, daß in den von mir nicht nach­ge­se­he­nen Vor­la­gen sich Feh­ler­haf­tes fin­det.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Ur­teil über den In­halt ei­nes sol­chen Pri­vat­dru­ckes wird ja al­ler­dings nur dem­je­ni­gen zu­ge­stan­den wer­den kön­nen, der kennt, was als Ur­teils-Vor­aus­set­zung an­ge­nom­men wird. Und das ist für die al­ler­meis­ten die­ser Dru­cke min­des­tens die an­thro­po­so­phi­sche Er­kennt­nis des Men­schen, des Kos­mos, in­so­fern sein We­sen in der An­thro­po­so­phie dar­ge­s­tellt wird, und des­sen, was als «an­thro­po­so­phi­sche Ge­schich­te» in den Mit­tei­lun­gen aus der Geist-Welt sich fin­det.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Glossar ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|A}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|A}}ALBA LONGA&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Al­ba Lon­ga oder die lan­ge Al­ba, die Stadt ei­ner Pries­ter­kul­tur, von der die Kul­tur Roms aus­ge­hen soll­te. Im Meßk­leid der ka­tho­li­schen Pries­ter ha­ben wir noch ei­nen Nach­klang da­von er­hal­ten.|104|74}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ANTHROPOSOPHIE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Man wür­de die heu­ti­ge Be­trach­tung mißv­er­ste­hen, wenn man des Glau­bens wä­re, An­thro­po­so­phie oder Geis­tes­wis­sen­schaft sei in ir­gend­ei­ner Be­zie­hung ei­ne neue Re­li­gi­on, wol­le ir­gend­ein neu­es Re­li­gi­ons­be­kennt­nis an die Stel­le ei­nes al­ten set­zen.|104|12}}ASTRALLEIB&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|In die­sen As­tral­leib sind hin­ein­ge­zeich­net ei­ne Un­sum­me von ver­schie­de­n­er­lei Fi­gu­ren, al­le mög­li­chen Ar­ten von Li­ni­en und Strah­len, man­che blitz­ar­tig, man­che in son­der­ba­ren Win­dun­gen.|104|52}}{{GS|Der as­tra­li­sche Leib ist der Aus­druck sei­ner Lei­den­schaf­ten, sei­ner In­s­tink­te, Trie­be und Be­gier­den, aber auch al­ler sei­ner Ge­dan­ken und Vor­stel­lun­gen.|104|52}}ASTROLOGIE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Tie­fe Weis­heit in der Ster­nen­schrift ist es, was dem al­ten Chal­däer­pries­ter als As­tro­lo­gie ge­of­fen­bart wur­de, als die Ge­heim­nis­se des­sen, was er mit Au­gen sah. Das be­trach­te­te er als Of­fen­ba­rung ei­nes In­ne­ren, Durch­geis­tig­ten.|104|72}}{{GS|So ent­steht je­ne wun­der­ba­re Ster­nen­kun­de, die die Men­schen heu­te kaum mehr ken­nen. Denn was man heu­te als As­tro­lo­gie kennt, ist durch ein Mißv­er­ste­hen der Tat­sa­chen ent­stan­den.|104|72}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ATLANTIS&lt;br /&gt;
{{GS|Des­halb sp­re­chen wir auch von Kul­tur­zei­tal­tern im Ge­gen­satz zu Ras­sen. Al­les das, was et­wa ver­knüpft ist mit dem Ras­sen­be­griff, ist noch Über­b­leib­sel des Zei­trau­mes, der dem un­se­ren vor­an­ge­gan­gen ist, des at­lan­ti­schen. Wir le­ben im Zei­traum der Kul­tu­re­po­chen.|104|69}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|B}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|B}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|C}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|C}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
CHRISTUS &lt;br /&gt;
{{GS|So ha­ben wir im ent­schie­dens­ten Sin­ne ei­nen ab­s­tei­gen­den Kul­tur­weg bis in un­se­re Zeit, in die fünf­te Kul­tu­re­po­che hin­ein, und im­mer tie­fer und tie­fer wür­de es hin­un­ter­ge­hen. Des­halb muß vor dem völ­li­gen Hin­un­ter­g­lei­ten in die Ma­te­rie die Mensch­heit durch ei­nen neu­en Im­puls be­wahrt wer­den. So tief ist vor­her noch nie­mals das We­sen des Men­schen hin­un­ter­ge­s­tie­gen in die Ma­te­rie.|104|77}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|D}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|D}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|E}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|E}}EGOISMUS&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Das sie­ben­te Kul­tur­zei­tal­ter spielt sich ab vor dem Krieg al­ler ge­gen al­le. Da se­hen wir die­se furcht­ba­re Ver­wüs­tung der Kul­tur her­an­kom­men und se­hen das klei­ne Häuf­lein von Men­schen, das ver­stan­den hat, das spi­ri­tu­el­le Prin­zip in sich auf­zu­neh­men und das sich hin­weg­ret­ten wird ge­gen­über der all­ge­mei­nen Zer­trüm­me­rung durch den Ego­is­mus.|104|68}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
EINWEIHUNG&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Ein­wei­hung ist Ent­wi­cke­lung der in je­der See­le schlum­mern­den Kräf­te und Fähig­kei­ten.|104|43}}{{GS|Das muß der ers­te Schritt der Ein­wei­hung sein: den Men­schen wäh­rend des Ta­ges­le­bens et­was tun zu las­sen, in sei­ner See­le sich et­was ab­spie­len zu las­sen, was fort­wirkt, wenn der as­tra­li­sche Leib in der Nacht her­aus­ge­zo­gen wird aus dem phy­si­schen und Äther­leib.|104|47}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ERKENNTNIS DER HÖHEREN WELTEN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Denn al­les, was höhe­re Er­kennt­nis, was höhe­re Voll­kom­men­heit dem Men­schen ge­ben soll, hängt mit der Fra­ge zu­sam­men: Was bin ich und wo­zu bin ich be­stimmt in un­se­rem Zei­tal­ter?|104|66}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ESOTERISCHES CHRISTENTUM&lt;br /&gt;
{{GS|Denn es ist nichts Ge­rin­ge­res in die­sem Do­ku­ment ent­hal­ten als ein gro­ßer Teil der Mys­te­ri­en des Chris­ten­tums, es ist da­rin ent­hal­ten das Tiefs­te von dem, was wir als das eso­te­ri­sche Chris­ten­tum zu be­zeich­nen ha­ben. Kein Wun­der da­her, daß von al­len christ­li­chen Do­ku­men­ten auch ge­ra­de die­ses Do­ku­ment am al­ler­meis­ten mißv­er­stan­den wor­den ist.|104|37}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|F}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|F}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|G}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|G}}GEISTESWISSENSCHAFT&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Man wür­de die heu­ti­ge Be­trach­tung mißv­er­ste­hen, wenn man des Glau­bens wä­re, An­thro­po­so­phie oder Geis­tes­wis­sen­schaft sei in ir­gend­ei­ner Be­zie­hung ei­ne neue Re­li­gi­on, wol­le ir­gend­ein neu­es Re­li­gi­ons­be­kennt­nis an die Stel­le ei­nes al­ten set­zen.|104|12}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
GEISTIGE WELT&lt;br /&gt;
{{GS|Was be­deu­tet die Re­li­gi­on für die Mensch­heit? Re­li­gi­on war und wird noch lan­ge für die Mensch­heit das sein, was schon ihr Wort aus­drückt. Das Wort Re­li­gi­on be­deu­tet: Ver­bin­dung des Men­schen mit sei­nem Gött­li­chen, mit der geis­ti­gen Welt.|104|16}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|H}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|H}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|I}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|I}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|J}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|J}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|K}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|K}}KRIEG ALLER GEGEN ALLE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Das sie­ben­te Kul­tur­zei­tal­ter spielt sich ab vor dem Krieg al­ler ge­gen al­le. Da se­hen wir die­se furcht­ba­re Ver­wüs­tung der Kul­tur her­an­kom­men und se­hen das klei­ne Häuf­lein von Men­schen, das ver­stan­den hat, das spi­ri­tu­el­le Prin­zip in sich auf­zu­neh­men und das sich hin­weg­ret­ten wird ge­gen­über der all­ge­mei­nen Zer­trüm­me­rung durch den Ego­is­mus.|104|68}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
KULTUREPOCHEN{{GS|Des­halb sp­re­chen wir auch von Kul­tur­zei­tal­tern im Ge­gen­satz zu Ras­sen. Al­les das, was et­wa ver­knüpft ist mit dem Ras­sen­be­griff, ist noch Über­b­leib­sel des Zei­trau­mes, der dem un­se­ren vor­an­ge­gan­gen ist, des at­lan­ti­schen. Wir le­ben im Zei­traum der Kul­tu­re­po­chen.|104|69}}1. KULTUREPOCHE, EPHESOS&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Die­se ers­te Epo­che in der nachat­lan­ti­schen Zeit ist al­so re­prä­sen­tiert in der ephe­si­schen Ge­mein­de, und das, was zu ver­kün­den ist, soll in ei­nem Brie­fe an die Ge­mein­de von Ephe­sus ver­kün­det wer­den.|104|77}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2. KULTUREPOCHE  SMYRNA&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Der Re­prä­sen­tant der zwei­ten Kul­tu­re­po­che ist die Ge­mein­de oder Kir­che zu Smyr­na. Die­se re­det der Füh­rer der Mensch­heit an in sei­nem zwei­ten Vor­fah­ren, in dem In­spi­ra­tor und Meis­ter der uralt-per­si­schen Kul­tur.|104|79}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3. KULTUREPOCHE PERGAMON&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Nun ge­hen wir wei­ter, zur Ge­mein­de zu Per­ga­mus. Sie ist der Re­prä­sen­tant je­ner Epo­che der Mensch­heit, die mehr und mehr her­au­s­t­rat auf den phy­si­schen Plan, wo der Mensch in der Ster­nen­schrift sah, was sein Geist er­grün­den konn­te.|104|80}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
4. KULTUREPOCHE  THYATIRA&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|[…] die vier­te Kul­tu­re­po­che. Da er­scheint der Er­lö­ser, Chris­tus Je­sus, sel­ber.&lt;br /&gt;
Es ist die Ge­mein­de zu Thya­ti­ra. Da kün­digt er sich an als der «Sohn Got­tes, der Au­gen hat wie Feu­er­flam­men und sei­ne Fü­ße gleich wie Mes­sing». Jetzt kün­digt er sich an als Sohn Got­tes, jetzt ist er der Füh­rer der vier­ten Kul­tu­re­po­che […]|104|82}}{{GS|So ha­ben wir im ent­schie­dens­ten Sin­ne ei­nen ab­s­tei­gen­den Kul­tur­weg bis in un­se­re Zeit, in die fünf­te Kul­tu­re­po­che hin­ein, und im­mer tie­fer und tie­fer wür­de es hin­un­ter­ge­hen. Des­halb muß vor dem völ­li­gen Hin­un­ter­g­lei­ten in die Ma­te­rie die Mensch­heit durch ei­nen neu­en Im­puls be­wahrt wer­den. So tief ist vor­her noch nie­mals das We­sen des Men­schen hin­un­ter­ge­s­tie­gen in die Ma­te­rie.|104|77}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Das sie­ben­te Kul­tur­zei­tal­ter spielt sich ab vor dem Krieg al­ler ge­gen al­le. Da se­hen wir die­se furcht­ba­re Ver­wüs­tung der Kul­tur her­an­kom­men und se­hen das klei­ne Häuf­lein von Men­schen, das ver­stan­den hat, das spi­ri­tu­el­le Prin­zip in sich auf­zu­neh­men und das sich hin­weg­ret­ten wird ge­gen­über der all­ge­mei­nen Zer­trüm­me­rung durch den Ego­is­mus.|104|68}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|L}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|L}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|M}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|M}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
MATERIE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|So ha­ben wir im ent­schie­dens­ten Sin­ne ei­nen ab­s­tei­gen­den Kul­tur­weg bis in un­se­re Zeit, in die fünf­te Kul­tu­re­po­che hin­ein, und im­mer tie­fer und tie­fer wür­de es hin­un­ter­ge­hen. Des­halb muß vor dem völ­li­gen Hin­un­ter­g­lei­ten in die Ma­te­rie die Mensch­heit durch ei­nen neu­en Im­puls be­wahrt wer­den. So tief ist vor­her noch nie­mals das We­sen des Men­schen hin­un­ter­ge­s­tie­gen in die Ma­te­rie.|104|77}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
MYSTERIEN&lt;br /&gt;
{{GS|Denn es ist nichts Ge­rin­ge­res in die­sem Do­ku­ment ent­hal­ten als ein gro­ßer Teil der Mys­te­ri­en des Chris­ten­tums, es ist da­rin ent­hal­ten das Tiefs­te von dem, was wir als das eso­te­ri­sche Chris­ten­tum zu be­zeich­nen ha­ben. Kein Wun­der da­her, daß von al­len christ­li­chen Do­ku­men­ten auch ge­ra­de die­ses Do­ku­ment am al­ler­meis­ten mißv­er­stan­den wor­den ist.|104|37}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|N}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|N}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|O}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|O}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|P}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|P}}PRIESTER&lt;br /&gt;
{{GS|Al­ba Lon­ga oder die lan­ge Al­ba, die Stadt ei­ner Pries­ter­kul­tur, von der die Kul­tur Roms aus­ge­hen soll­te. Im Meßk­leid der ka­tho­li­schen Pries­ter ha­ben wir noch ei­nen Nach­klang da­von er­hal­ten.|104|74}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|Q}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|Q}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|R}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|R}}RASSEN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Des­halb sp­re­chen wir auch von Kul­tur­zei­tal­tern im Ge­gen­satz zu Ras­sen. Al­les das, was et­wa ver­knüpft ist mit dem Ras­sen­be­griff, ist noch Über­b­leib­sel des Zei­trau­mes, der dem un­se­ren vor­an­ge­gan­gen ist, des at­lan­ti­schen. Wir le­ben im Zei­traum der Kul­tu­re­po­chen.|104|69}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
RELIGION&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Man wür­de die heu­ti­ge Be­trach­tung mißv­er­ste­hen, wenn man des Glau­bens wä­re, An­thro­po­so­phie oder Geis­tes­wis­sen­schaft sei in ir­gend­ei­ner Be­zie­hung ei­ne neue Re­li­gi­on, wol­le ir­gend­ein neu­es Re­li­gi­ons­be­kennt­nis an die Stel­le ei­nes al­ten set­zen.|104|12}}{{GS|Was be­deu­tet die Re­li­gi­on für die Mensch­heit? Re­li­gi­on war und wird noch lan­ge für die Mensch­heit das sein, was schon ihr Wort aus­drückt. Das Wort Re­li­gi­on be­deu­tet: Ver­bin­dung des Men­schen mit sei­nem Gött­li­chen, mit der geis­ti­gen Welt.|104|16}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|S}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|S}}SIBYLLINISCHE BÜCHER&lt;br /&gt;
{{GS|Nach ei­nem Jahr­hun­dert wer­den ge­wis­se Kon­s­tel­la­tio­nen da sein, sag­ten sie, und dann muß ein dem Ent­sp­re­chen­des vor sich ge­hen. Und für Jahr­tau­sen­de hin­aus wur­de vor­aus­be­stimmt, was zu tun ist. So ent­stand das, was man als die Si­byl­li­ni­schen Bücher be­zeich­net.|104|73}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|T}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|T}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
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{{BS|Z}}ZAHLEN&lt;br /&gt;
{{GS|Inn­er­halb ge­wis­ser eso­te­ri­scher Schu­len hat­te man ei­ne Art von Zah­len­schrift. Ge­wis­se Wor­te, die man nicht in ge­wöhn­li­cher Schrift mit­tei­len woll­te, brach­te man durch Zah­len zum Aus­dru­cke.|104|41}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|0-9}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|0-9}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
7. KULTUREPOCHE&lt;br /&gt;
{{GS|Das sie­ben­te Kul­tur­zei­tal­ter spielt sich ab vor dem Krieg al­ler ge­gen al­le. Da se­hen wir die­se furcht­ba­re Ver­wüs­tung der Kul­tur her­an­kom­men und se­hen das klei­ne Häuf­lein von Men­schen, das ver­stan­den hat, das spi­ri­tu­el­le Prin­zip in sich auf­zu­neh­men und das sich hin­weg­ret­ten wird ge­gen­über der all­ge­mei­nen Zer­trüm­me­rung durch den Ego­is­mus.|104|68}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Literatur =&lt;br /&gt;
* [[a:Rudolf Steiner|Rudolf Steiner]]: &#039;&#039;Die Apokalypse des Johannes&#039;&#039;, [[GA 104]] (1985), ISBN 3-7274-1040-X {{Vorträge|104}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GA}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:GA 104 Die Apokalypse des Johannes|!]] [[Kategorie:Taschenbücher]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:GA]] [[Kategorie:GA (Mitgliedervorträge)]]  [[Kategorie: GA (Zyklus)]] [[Kategorie:Gesamtausgabe]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Apokalypse des Johannes]]&lt;br /&gt;
[[en:GA 104]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Artikel unten}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>ElkeJura</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://steiner.wiki/index.php?title=Gesamtglossar_U&amp;diff=11244</id>
		<title>Gesamtglossar U</title>
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		<updated>2025-08-03T16:08:33Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;ElkeJura: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Artikel oben}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
UNIVERSUM{{GS|So ist das ganze Universum der Erbauer der Sinnesorgane|99|90}}URINDISCHE KULTUR [URALTINDISCHE KULTUR]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Dem uralten Inder, wenn er ganz besonders heilig sein will, ist die Welt der Maja wertlos. Diese physische Welt ist ihm eine Illusion […]“ ([[GA 103#Literatur|Lit.]]: [[GA 103#145|GA 103, S. 145]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Wir haben darauf hingewiesen, wie diese uralt-indische Kultur dadurch zu charakterisieren ist, daß die Gemüter der Menschen beherrscht waren von Sehnsucht und Erinnerung […] Die Erinnerung bestand darin, daß lebendige Überlieferungen geblieben waren von […] der atlantischen Flut […] eine Art dämmerhaften hellseherischen Zustandes […] durch den er hineinblicken konnte in die geistige Welt […]“ ([[GA 103#Literatur|Lit.]]: [[GA 103#153|GA 103, S. 153]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Alle Weisheit richtete innerhalb der indischen Kultur den Blick hinweg von der physischen Welt und blickte hinauf in die geistigen Welten, die als Erinnerung vorhanden waren, und unwert erschien ihr das Studium und die Bearbeitung der physischen Wirklichkeit.“ ([[GA 103#Literatur|Lit.]]: [[GA 104#155|GA 104, S. 155]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„In der altindischen Kultur war gegenüber der eigenen Geistigkeit noch eine sonderbare Stimmung. Man sagte: Wollen wir in die geistige Welt eindringen, uns über die Illusion erheben, dann müssen wir uns selbst verlieren in der geistigen Welt, müssen möglichst auslöschen das «Ich-bin» und aufgehen in dem All-Geist, in dem Brahman.“ ([[GA 103#Literatur|Lit.]]: [[GA 103#157|GA 103, S. 157]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
URPERSISCHE KULTUR&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„In jener Kultur, die wir die urpersische nennen […] , in dieser zweiten Kulturepoche sahen wir die Menschen den ersten Schritt tun, um hinauszuwachsen aus dem alten indischen Prinzip und sich die physische Wirklichkeit zu erobern.“ ([[GA 103#Literatur|Lit.]]: [[GA 103#155|GA 103, S. 155]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
URSACHE UND WIRKUNG&lt;br /&gt;
{{GS|Damit in der Welt der Erscheinungen, in der leblosen Welt, die wir zunächst um uns herum haben, eine Wirkung auf eine Ursache folge, ist stets notwendig, daß dieser Ursache etwas entgegenkommt. Und ohne daß etwas der Ursache entgegenkommt, ist niemals von dem Folgen einer Wirkung auf eine Ursache zu sprechen.|120|12}}{{GS|Die Erkenntnis eines solchen Zusammenhanges zwischen Ursachen und Wirkungen in unseren einzelnen Lebensabschnitten, die wir durch unser gewöhnliches Bewußtsein überschauen können, kann uns schon im höchsten Grade förderlich sein im Leben.|120|22}}{{GS|Wir werden aber zu einer Erklärung des Menschenlebens nicht kommen, wenn wir Zusammenhänge zwischen Ursache und Wirkung nur in diesem einzelnen Menschenleben suchen.|120|21}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Artikel unten}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>ElkeJura</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://steiner.wiki/index.php?title=Gesamtglossar_U&amp;diff=11243</id>
		<title>Gesamtglossar U</title>
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		<updated>2025-08-03T16:03:17Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;ElkeJura: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Artikel oben}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
UNIVERSUM{{GS|So ist das ganze Universum der Erbauer der Sinnesorgane|99|90}}URINDISCHE KULTUR [URALTINDISCHE KULTUR]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Dem uralten Inder, wenn er ganz besonders heilig sein will, ist die Welt der Maja wertlos. Diese physische Welt ist ihm eine Illusion […]“ ([[GA 103#Literatur|Lit.]]: [[GA 103#145|GA 103, S. 145]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Wir haben darauf hingewiesen, wie diese uralt-indische Kultur dadurch zu charakterisieren ist, daß die Gemüter der Menschen beherrscht waren von Sehnsucht und Erinnerung [[…]] Die Erinnerung bestand darin, daß lebendige Überlieferungen geblieben waren von […] der atlantischen Flut […] eine Art dämmerhaften hellseherischen Zustandes […] durch den er hineinblicken konnte in die geistige Welt […]“ ([[GA 103#Literatur|Lit.]]: [[GA 103#153|GA 103, S. 153]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Alle Weisheit richtete innerhalb der indischen Kultur den Blick hinweg von der physischen Welt und blickte hinauf in die geistigen Welten, die als Erinnerung vorhanden waren, und unwert erschien ihr das Studium und die Bearbeitung der physischen Wirklichkeit.“ ([[GA 103#Literatur|Lit.]]: [[GA 104#155|GA 104, S. 155]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„In der altindischen Kultur war gegenüber der eigenen Geistigkeit noch eine sonderbare Stimmung. Man sagte: Wollen wir in die geistige Welt eindringen, uns über die Illusion erheben, dann müssen wir uns selbst verlieren in der geistigen Welt, müssen möglichst auslöschen das «Ich-bin» und aufgehen in dem All-Geist, in dem Brahman.“ ([[GA 103#Literatur|Lit.]]: [[GA 103#157|GA 103, S. 157]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
URPERSISCHE KULTUR&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„In jener Kultur, die wir die urpersische nennen […] , in dieser zweiten Kulturepoche sahen wir die Menschen den ersten Schritt tun, um hinauszuwachsen aus dem alten indischen Prinzip und sich die physische Wirklichkeit zu erobern.“ ([[GA 103#Literatur|Lit.]]: [[GA 103#155|GA 103, S. 155]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
URSACHE UND WIRKUNG&lt;br /&gt;
{{GS|Damit in der Welt der Erscheinungen, in der leblosen Welt, die wir zunächst um uns herum haben, eine Wirkung auf eine Ursache folge, ist stets notwendig, daß dieser Ursache etwas entgegenkommt. Und ohne daß etwas der Ursache entgegenkommt, ist niemals von dem Folgen einer Wirkung auf eine Ursache zu sprechen.|120|12}}{{GS|Die Erkenntnis eines solchen Zusammenhanges zwischen Ursachen und Wirkungen in unseren einzelnen Lebensabschnitten, die wir durch unser gewöhnliches Bewußtsein überschauen können, kann uns schon im höchsten Grade förderlich sein im Leben.|120|22}}{{GS|Wir werden aber zu einer Erklärung des Menschenlebens nicht kommen, wenn wir Zusammenhänge zwischen Ursache und Wirkung nur in diesem einzelnen Menschenleben suchen.|120|21}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Artikel unten}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>ElkeJura</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://steiner.wiki/index.php?title=Gesamtglossar_M&amp;diff=11242</id>
		<title>Gesamtglossar M</title>
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		<updated>2025-08-03T15:29:06Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;ElkeJura: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Artikel oben}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
MANAS [GEISTSELBST]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Man hat sich gewöhnt, in der morgenländischen Weisheit den Teil des astralischen Leibes, der vom Ich schon umgestaltet ist, Manas zu nennen, deutsch: Geistselbst.“ ([[GA 103#Literatur|Lit.]]: [[GA 103#34|GA 103, S. 34]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Am Ende der Erdenlaufbahn ist der Mensch durchdrungen von seinem Ich; und dieses sein Ich wohnt selber in dem Astralleib, wenn es als Manas oder Geistselbst den astralischen Leib durchzogen hat. “ ([[GA 103#Literatur|Lit.]]: [[GA 103#35|GA 103, S. 35]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Das Ich ist berufen dazu, den astralischen Leib nach und nach zu läutern, zu reinigen, auf eine höhere Stufe zu heben. Wenn der ganze astralische Leib durchläutert, durchkraftet sein wird mit der eigenen Kraft des Ich, wird er sein das Geistselbst oder Manas.“ ([[GA 103#Literatur|Lit.]]: [[GA 103#127|GA 103, S. 127]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Aber in unserer nachatlantischen Kulturepoche muß schon wieder etwas anderes kommen: da muß langsam hineingehen in den Menschen Manas oder das Geistselbst.“ ([[GA 103#Literatur|Lit.]]: [[GA 103#170|GA 103, S. 170]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Das ist Manas-Kultur, wenn immer mehr empfunden werden die Quellen der Wahrheit in dem stark gewordenen Individuellen, Persönlichen des Menschen und wenn zu gleicher Zeit das, was empfunden wird als höhere Wahrheit, auch von Mensch zu Mensch übereinstimmt wie die mathematischen Wahrheiten.“ ([[GA 103#Literatur|Lit.]]: [[GA 103#174|GA 103, S. 174]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
MARIA&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Nirgends steht im Johannes-Evangelium etwas davon, daß die Mutter Jesu «Maria» heißt. Es steht überall, wo davon die Rede ist … nur die «Mutter Jesu».“ ([[GA 103#Literatur|Lit.]]: [[GA 103#165|GA 103, S. 165]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
MARS{{GS|Vorher hatte die Erde kein Eisen, gab es kein Eisen im Blut; ... Der Mars hat der Erde das Eisen gegeben ...|99|82}}MATERIE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Oft ist betont worden, daß es für den Okkultisten etwas Äußeres, bloß Materielles nicht gibt. Alles Materielle ist für ihn der Ausdruck eines Seelisch-Geistigen.“ ([[GA 103#Literatur|Lit.]]: [[GA 103#90|GA 103, S. 90]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„In demselben Maße, als sich die Erde verfestigte, vermaterialisierte sich auch der Mensch […] Alles, was ihn in die Materie hineingebracht hat, hat ihn verunreinigt.“ ([[GA 103#Literatur|Lit.]]: [[GA 103#94|GA 103, S. 94]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|So ha­ben wir im ent­schie­dens­ten Sin­ne ei­nen ab­s­tei­gen­den Kul­tur­weg bis in un­se­re Zeit, in die fünf­te Kul­tu­re­po­che hin­ein, und im­mer tie­fer und tie­fer wür­de es hin­un­ter­ge­hen. Des­halb muß vor dem völ­li­gen Hin­un­ter­g­lei­ten in die Ma­te­rie die Mensch­heit durch ei­nen neu­en Im­puls be­wahrt wer­den. So tief ist vor­her noch nie­mals das We­sen des Men­schen hin­un­ter­ge­s­tie­gen in die Ma­te­rie.|104|77}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
MATERIALISMUS&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Viel, viel weniger gefährlich für die geistige Entwickelung der Menschheit ist der Materialismus in bezug auf die äußeren naturwissenschaftlichen Tatsachen als in bezug auf die Auffassung der religiösen Geheimnisse.“ ([[GA 103#Literatur|Lit.]]: [[GA 103#16|GA 103, S. 16]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„So sehen Sie, wie in der Tat der materialistische Sinn in der Menschheit heraufgezogen ist und wie dadurch das wahre, echte, wirkliche Verständnis für die religiösen Urkunden verlorengegangen ist.“ ([[GA 103#Literatur|Lit.]]: [[GA 103#19|GA 103, S. 19]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„So bloß egoistisch, so unidealistisch wie heute war die Kultur noch nie, und sie wird es noch immer mehr werden in der nächsten Zeit. Denn heute ist der Geist ganz heruntergestiegen in die materielle Kultur.“ ([[GA 103#Literatur|Lit.]]: [[GA 103#148|GA 103, S. 148]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
MAYA&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„… was den Menschen so umgibt, das ist nur äußerer Schein; er hat die Wahrheit seit uralten Zeiten verloren und lebt jetzt in einer Welt des Scheins, der Illusion, der Maja. Und so wurde die Welt des Physischen die Welt der Maja für die altindische Kultur.“ ([[GA 103#Literatur|Lit.]]: [[GA 103#145|GA 103, S. 145]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Dem uralten Inder, wenn er ganz besonders heilig sein will, ist die Welt der Maja wertlos. Diese physische Welt ist ihm eine Illusion …“ ([[GA 103#Literatur|Lit.]]: [[GA 103#145|GA 103, S. 145]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Eines aber hatten diese Menschen der uralt-persischen Kultur erreicht: sie hatten angefangen, Maja oder die Illusion zu schätzen […] Lieb war dem Perser diese Wirklichkeit immer noch nicht; aber er floh sie nicht mehr, wie der alte Inder es tat.“ ([[GA 103#Literatur|Lit.]]: [[GA 103#146|GA 103, S. 146]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Der Mensch ist heruntergelangt bis zum Begreifen der Materie, bis zu der Ehe zwischen der Maja und dem Geiste. Es ist der Zeitpunkt, wo der Mensch auch bis zum Begreifen der Persönlichkeit gekommen war.“ ([[GA 103#Literatur|Lit.]]: [[GA 103#151|GA 103, S. 151]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Unter dem Eindruck dieser Sehnsucht und Erinnerung bildete sich eben innerhalb der uralt-indischen, vorvedischen Kultur vorzüglich jene Stimmung aus, welche in der äußeren Wirklichkeit Maja oder Illusion sah. […] Diese Welt der geistigen Wesen und Vorgänge ist wirklich, was der Mensch mit seinen Augen sieht, ist unwirklich, ist Illusion, ist Maja.“ ([[GA 103#Literatur|Lit.]]: [[GA 103#154|GA 103, S. 154]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Das war die erste religiöse Grundempfindung in der nachatlantischen Zeit, und Yoga war die erste Form der Einweihung in der nachatlantischen Zeit.“ ([[GA 103#Literatur|Lit.]]: [[GA 103#154|GA 103, S. 154]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
MEDITATION&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Das Licht formt heraus das Auge, der Ton bildet heraus das Ohr. Was der Mensch durch Meditation, Konzentration übt, und was er dadurch innerlich erlebt, wirkt so wie Licht auf das Auge, Ton auf das Ohr. Dadurch wird der astralische Leib umgeformt, und dadurch werden herausgeholt die Erkenntnisorgane.“ ([[GA 103#Literatur|Lit.]]: [[GA 103#65|GA 103, S. 65]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„… Meditation, Konzentration oder Kontemplation. Das sind Übungen, die ebenso streng vorgeschrieben sind in den entsprechenden Schulen wie in den Laboratorien das Mikroskopieren und so weiter. Wenn ein Mensch solche Übungen macht, wirken sie so intensiv auf ihn ein, daß der astralische Leib, wenn er herausrutscht während des Schlafes, sich plastisch umgestaltet.“ ([[GA 103#Literatur|Lit.]]: [[GA 103#189|GA 103, S. 189]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
MEDIZIN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Wer ähnliche Vorträge von mir gehört hat, wird wissen, wie wenig es mir darum zu tun ist, einzustimmen in den Chor, der heute das, was man als «Schulmedizin» bezeichnet, diskreditieren will.|120|55}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
MENSCH&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|So wie eine Kuh dasselbe Aussehen hat wie ihre Nachkommen …  weil da die Gruppenseele zugrunde liegt, so sahen auch die Menschen ihren Vorfahren zum Verwechseln ähnlich … Woher kommt nun die Tatsache, daß die Menschen sich nicht mehr ähnlich sind?|99|127}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Gehen wir zurück in der Entwickelung, so finden wir in früheren Zuständen den noch stummen Menschen, der nicht des Wortes fähig war; aber … so kommt der stumme Menschensame von dem sprechenden, wortbegabten Gotte im Urbeginn her.“ ([[GA 103#Literatur|Lit.]]: [[GA 103#24|GA 103, S. 24]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Wir wissen, daß der Mensch besteht aus dem physischen Leib, dem Äther- oder Lebensleib, dem Astralleib und dem Ich.“ ([[GA 103#Literatur|Lit.]]: [[GA 103#26|GA 103, S. 26]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Unser physischer Menschenleib hat seine allererste Anlage erhalten auf dem alten Saturn. Damals … bildete sich eine von dem heutigen menschlichen Leibe freilich ganz verschiedene erste Anlage des physischen Menschenleibes.“ ([[GA 103#Literatur|Lit.]]: [[GA 103#28|GA 103, S. 28]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„der Mensch ist noch nicht am Ende seiner Entwickelung angelangt, wo er von seinem Ich aus bis in den physischen Leib hinein arbeiten wird.“ ([[GA 103#Literatur|Lit.]]: [[GA 103#36|GA 103, S. 36]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Der Mensch verläßt jede Nacht ruhig seinen physischen Leib und seinen Ätherleib. Würde er den physischen Leib verlassen, ohne daß ein Göttlich-Geistiges dafür sorgen würde, dann würde er am Morgen seinen physischen Leib zerstört wiederfinden.“ ([[GA 103#Literatur|Lit.]]: [[GA 103#37|GA 103, S. 37]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Als der Mensch vor seiner ersten Inkarnation war, da war das Ich noch nicht verbunden mit den drei Gliedern, physischem Leib, Ätherleib und astralischem Leib.“ ([[GA 103#Literatur|Lit.]]: [[GA 103#37|GA 103, S. 37]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Das Aussprechen des inneren Seelenhaften in Worten wurde dem Menschen erst auf der Erde zuteil. Vorher waren die Menschen stumm.“ ([[GA 103#Literatur|Lit.]]: [[GA 103#38|GA 103, S. 38]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Der Mensch war … seinem physischen Leibe nach einmal so, daß er keine Augen und Ohren hatte wie heute, sondern gleichgültige Organe an dieser Stelle; wie Tiere, die nie dem Licht ausgesetzt waren, keine Augen haben. Das Licht formt heraus das Auge, der Ton bildet heraus das Ohr.“ ([[GA 103#Literatur|Lit.]]: [[GA 103#65|GA 103, S. 65]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Das ist der große Vorzug des Menschen vor den Tieren, daß der Mensch ein individuelles Ich hat. Aber das individuelle Ich entwickelt sich erst nach und nach. Der Mensch fing auch an mit einem Gruppen-Ich …“ ([[GA 103#Literatur|Lit.]]: [[GA 103#71|GA 103, S. 71]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„auch heute sind die Menschen noch nicht in allen Dingen über die Gruppen-Iche hinaus. In wie vielen Dingen ist der Mensch heute durchaus nicht individueller Mensch, sondern ein Gruppenwesen.“ ([[GA 103#Literatur|Lit.]]: [[GA 103#80|GA 103, S. 80]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„… dazumal [Atlantis], als der Mensch noch eingebettet war in die göttlich-geistigen Wesenheiten, hatte er in der Nacht ein dämmerhaftes, astralisches Bewußtsein. Wenn er bei Tag untertauchte in seinen flüssigen physischen Leib, da wurde es für ihn Nacht; und wenn er wieder heraus war aus seinem physischen Leibe, da ging ihm das blendende astralische Licht auf.“ ([[GA 103#Literatur|Lit.]]: [[GA 103#113|GA 103, S. 113]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„… erst gegen die Mitte der atlantischen Zeit ist der Mensch so weit verdichtet, daß er Fleisch und Bein wird, nachdem sich zuerst die Knorpel verdichtet haben, die Knochen nach und nach herauskommen.“ ([[GA 103#Literatur|Lit.]]: [[GA 103#113|GA 103, S. 113]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„… der Mensch ist einstmals nicht geboren worden aus Fleisch und Erde, sondern aus Luft und Wasser. Und er muß später im Geiste wirklich wiedergeboren werden aus Luft und Wasser.“ ([[GA 103#Literatur|Lit.]]: [[GA 103#114|GA 103, S. 114]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Der Mensch ist heruntergelangt bis zum Begreifen der Materie, bis zu der Ehe zwischen der Maja und dem Geiste. Es ist der Zeitpunkt, wo der Mensch auch bis zum Begreifen der Persönlichkeit gekommen war.“ ([[GA 103#Literatur|Lit.]]: [[GA 103#151|GA 103, S. 151]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
MENSCHENSOHN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Menschensohn ist Ich und astralischer Leib, wie sie herausgeboren sind im Laufe der Erdenevolution aus dem physischen und Ätherleibe. Dafür ist der technische Ausdruck «Menschensohn».“ ([[GA 103#Literatur|Lit.]]: [[GA 103#116|GA 103, S. 116]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Dieser «Menschensohn» [astralischer Leib und Ich], der sich losgeschnürt hat aus dem Schoße der Gottheit, der sich losgelöst hat aus dem Zusammenhange, worin er früher war, aber dafür sich das physische Bewußtsein erobert hat, er soll durch die Kraft des Christus, der auf der Erde erschienen ist, wiederum zum Bewußtsein der Geistigkeit kommen.“ ([[GA 103#Literatur|Lit.]]: [[GA 103#117|GA 103, S. 117]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Der Mensch muß heute schon nach und nach in sich die Kräfte entwickeln, seinen höheren Menschen aus dem niederen Menschen zu entwickeln.“ ([[GA 103#Literatur|Lit.]]: [[GA 103#128|GA 103, S. 128]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Und der hellseherische Forscher wird bei einem Krankheitsfall immer in Betracht ziehen müssen, welches in dem betreffenden Falle der Anteil sein kann des physischen Leibes auf der einen Seite und des Ätherleibes und des astralischen Leibes auf der andern Seite; denn alle drei Wesensglieder des Menschen können an der Erkrankung beteiligt sein.|120|60}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
MENSCHHEITSENTWICKLUNG&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Wenn die Menschen mit unbefangenem Sinn hineinsehen würden in den Lauf der Entwickelung, so würden sie sehen, daß alle kosmische Weisheit am Anfange so weit war, wie die menschliche Weisheit erst am Ende der Erde sein wird.“ ([[GA 103#Literatur|Lit.]]: [[GA 103#48|GA 103, S. 48]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Ganz im Anfange der Menschheitsentwickelung auf der Erde wurde überhaupt nur geheiratet in ganz engen Kreisen, in ganz blutsverwandten Familien. Die «Nah-Ehe» war das, woran man im Anfange der Menschheitsentwickelung festgehalten hat.“ ([[GA 103#Literatur|Lit.]]: [[GA 103#89|GA 103, S. 89]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„… der Alkohol hat eine ganz bestimmte Wirkung auf den menschlichen Organismus. Er hatte nämlich eine Mission im Laufe der Menschheitsentwickelung …sozusagen den menschlichen Leib so zu präparieren, daß dieser abgeschnitten wurde von dem Zusammenhang mit dem Göttlichen, damit das persönliche «Ich-bin» herauskommen konnte.“ ([[GA 103#Literatur|Lit.]]: [[GA 103#92|GA 103, S. 92]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Aus der Erde, die noch Wasser war, wird der Mensch herausgeboren, aber da ist er noch ganz mit der Gottheit verbunden. Alles, was ihn in die Materie hineingebracht hat, hat ihn verunreinigt“ ([[GA 103#Literatur|Lit.]]: [[GA 103#94|GA 103, S. 94]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„… daß der physische Mensch verhältnismäßig spät den Boden unserer Erdoberfläche betrat. Er stieg aus dem Wasser-Luftraum herab, kristallisierte sich aus dem Wasser-Luftraum nach und nach heraus“ ([[GA 103#Literatur|Lit.]]: [[GA 103#107|GA 103, S. 107]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„… Ehemals, als der Mensch noch bei den Göttern war, war der physische Leib und Ätherleib wässerig und luftförmig, und nach und nach hat er sich erst mit der Verdichtung der Erde verdichtet zu seiner heutigen Materialität. Das ist der Abstieg.“ ([[GA 103#Literatur|Lit.]]: [[GA 103#114|GA 103, S. 114]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Da war ursprünglich Ihr ganzes Astralisches eingebettet in das allgemeine Astralische, und durch … Vorgänge … bildeten sich das Physische und Ätherische wie Schalen herum. Dadurch wurden die einzelnen Menschen als abgesonderte Partien aus dem allgemein Astralischen herausgeschnürt, wie wenn Sie eine flüssige Substanz vor sich haben, und Sie schöpfen Teile heraus.“ ([[GA 103#Literatur|Lit.]]: [[GA 103#115|GA 103, S. 115]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Dieser «Menschensohn» [astralischer Leib und Ich], der sich losgeschnürt hat aus dem Schoße der Gottheit, der sich losgelöst hat aus dem Zusammenhange, worin er früher war, aber dafür sich das physische Bewußtsein erobert hat, er soll durch die Kraft des Christus, der auf der Erde erschienen ist, wiederum zum Bewußtsein der Geistigkeit kommen.“ ([[GA 103#Literatur|Lit.]]: [[GA 103#117|GA 103, S. 117]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Wie geschieht seine [Mensch] Entwickelung? Dadurch, daß der Mensch von seinem Ich aus nach und nach die drei anderen Glieder durcharbeitet, durchläutert, durchkraftet.“ ([[GA 103#Literatur|Lit.]]: [[GA 103#127|GA 103, S. 127]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Der Mensch muß heute schon nach und nach in sich die Kräfte entwickeln, seinen höheren Menschen aus dem niederen Menschen zu entwickeln.“ ([[GA 103#Literatur|Lit.]]: [[GA 103#128|GA 103, S. 128]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
MENSCHHEIT auf dem Saturn{{GS|Sie waren wirklich in dem den Saturn umgebenden Weltenraum, unten war ihre Werkstätte. Da arbeiteten sie die Typen für Augen und Ohren und für die anderen Sinnesorgane aus|99|94}}MERKUR{{GS|...und der Merkur- Einfluß zeigt sich auf der Erde dadurch, daß er die Menschenseele immer freier macht, so daß sie immer unabhängiger werden kann|99|82}}MINERALIEN{{GS|Solches Bewusstsein [Anm.: der erste Bewusstseinszustand], das dumpf ist … hat der Mensch einstmals auf der ersten Verkörperung unserer Erde gehabt. Man nennt es tiefes Trancebewusstsein. Es gibt Wesen in unserer Umgebung, die solches Bewusstsein noch jetzt haben; das sind die Mineralien|99|85}}„Genau ebenso wie der physische Leib … hat auch das Mineral nicht bloß physischen Leib, sondern auch Ätherleib, astralischen Leib und Ich; nur befinden sich diese höheren Glieder seiner Wesenheit in höheren Welten.“ ([[GA 103#Literatur|Lit.]]: [[GA 103#30|GA 103, S. 30]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Dieser physische Menschenleib hat sein Urbild in dem Worte oder dem Logos; der Logos oder das Wort wirkte von Anfang an im physischen Menschenleibe.“ ([[GA 103#Literatur|Lit.]]: [[GA 103#39|GA 103, S. 39]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
MOND, okkult{{GS|Wenn wir Erde und Mond mit allen Substanzen und Wesenheiten zusammenrühren könnten, dann bekämen wir das, was wir den Vorgänger der Erde nennen, den okkulten Mond ...|99|81}}MOND [PLANETARISCHE VERKÖRPERUNG]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Der Mond ist das Symbolum für Jahve oder Jehova, und die Sonne ist nichts anderes als das Symbolum für den Logos, der die Summe der anderen sechs Elohim ist.“ ([[GA 103#Literatur|Lit.]]: [[GA 103#55|GA 103, S. 55]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Also sehen wir neben dem Menschen sich förmlich herausbilden ein Reich von Organismen, die durch das Beibehalten des Mondcharakters unfähig geworden waren, Träger menschlicher Individualitäten zu sein. Diese Organisationen sind im wesentlichen die, welche die Organisationen unserer heutigen Tiere wurden.|120|48}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
MOND [STOFFLICHE ERSCHEINUNG]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Der Mond ist das Symbolum für Jahve oder Jehova, und die Sonne ist nichts anderes als das Symbolum für den Logos, der die Summe der anderen sechs Elohim ist.“ ([[GA 103#Literatur|Lit.]]: [[GA 103#55|GA 103, S. 55]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Denn eine Zeitlang war die Erde von der Sonne getrennt, aber mit dem Mond noch vereinigt. Erst in der lemurischen Zeit trennte sich der Mond von der Erde, und da entstanden die Beziehungen zwischen den drei Körpern Sonne, Mond und Erde, wie sie heute sind.“ ([[GA 103#Literatur|Lit.]]: [[GA 103#124|GA 103, S. 124]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
MOSES&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Aber vorherverkündet wurde durch Moses, als einen im alten Sinne Eingeweihten, daß der Christus kommen werde, mit anderen Worten, daß es ein Gottesprinzip gibt, das höher ist als das durch die Generationen hinunterrinnende Blutsprinzip.“ ([[GA 103#Literatur|Lit.]]: [[GA 103#118|GA 103, S. 118]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Als Moses den Ruf hört: «Sage, wenn du meinen Namen verkünden wirst, der Ich-bin habe dir das gesagt!», da ertönt zum erstenmal die Kunde und Offenbarung des Logos, des Christus.“ ([[GA 103#Literatur|Lit.]]: [[GA 103#159|GA 103, S. 159]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
MUT&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Mut und Selbstvertrauen sind aber zwei Lichter, die auf dem Wege zur Geheimwissenschaft nicht erlöschen dürfen. Wer es nicht über sich bringen kann, eine Übung, die scheinbar unzähligemal mißglückt ist, immer wieder und wieder geduldig fortzusetzen, der kann nicht weit kommen.|10|59}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
MYSTERIUM VON GOLGATHA&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Dieser physische Vorgang, das Ereignis von Golgatha, ist der Ausdruck, die Offenbarung für einen geistigen Vorgang, der im Mittelpunkte alles Erdengeschehens steht.“ ([[GA 103#Literatur|Lit.]]: [[GA 103#121|GA 103, S. 121]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Dieses Mysterium von Golgatha in esoterischer Weise verstehen, heißt zu gleicher Zeit den tiefen Sinn des Johannes-Evangeliums enträtseln.“ ([[GA 103#Literatur|Lit.]]: [[GA 103#121|GA 103, S. 121]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Die Aura der Erde, Astralleib und Ätherleib bieten einen gewissen Anblick von Farben und Formen vor dem Ereignis von Golgatha; dann aber würde er sehen, wie die ganze Aura ihre Farben ändert … Das ist derselbe Zeitpunkt, wo auf Golgatha das Blut aus den Wunden des Christus Jesus floß. Alle geistigen Verhältnisse der Erde als solche veränderten sich in diesem Augenblicke.“ ([[GA 103#Literatur|Lit.]]: [[GA 103#122|GA 103, S. 122]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„… durch das Ereignis von Golgatha, durch das die Kraft der Elohim in der Sonne oder die Kraft des Logos sich mit der Erde verband, wurde der Impuls gegeben, der Logoskraft zu Logoskraft wiederum hintreibt und die beiden Sonne und Erde zuletzt wieder zusammenbringen wird.“ ([[GA 103#Literatur|Lit.]]: [[GA 103#125|GA 103, S. 125]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„… man hätte sehen können, wenn man von einem fernen Stern auf die Erde geblickt haben würde, daß das ganze Aussehen der Erde mit dem Ereignis von Golgatha sich veränderte. Es sollte sich der Sonnenlogos mitteilen der Erde, ein Bündnis mit der Erde schließen …“ ([[GA 103#Literatur|Lit.]]: [[GA 103#208|GA 103, S. 208]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
MYSTISCHER TOD [5. STUFE CHRISTLICHER EINWEIHUNGSWEG]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Die fünfte Stufe besteht in dem, was man nennt den «mystischen Tod». Durch die Gefühle, die man den Schüler auf dieser Stufe erleben läßt, erlebt er etwas, was sich ihm so darstellt, als ob sich in einem Augenblick vor alles physisch Sichtbare ein schwarzer Vorhang stellt und als ob alles verschwände … Man erlebt dann, daß man hinuntertauchen kann in die Urgründe des Bösen, des Schmerzes, des Kummers und Leides. … Das ist das «Niedersteigen in die Hölle».“ ([[GA 103#Literatur|Lit.]]: [[GA 103#192|GA 103, S. 192]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
MYTHEN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Diese Göttersagen sind nichts anderes als die Überbleibsel von wirklichen Vorgängen, welche die Menschen in früheren Zeiten hellseherisch wirklich gesehen haben […] , ist der Inhalt der Mythen und Sagen, namentlich der germanischen.“ ([[GA 103#Literatur|Lit.]]: [[GA 103#142|GA 103, S. 142]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Artikel unten}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>ElkeJura</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://steiner.wiki/index.php?title=GA_10&amp;diff=11241</id>
		<title>GA 10</title>
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		<updated>2025-08-03T15:28:57Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;ElkeJura: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Artikel oben}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:GA10.jpg|thumb|{{RSV|010}}]]&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;notiz center&amp;quot;&lt;br /&gt;
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__NOTOC__&lt;br /&gt;
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&amp;lt;h3&amp;gt;RUDOLF STEINER&amp;lt;/h3&amp;gt; &lt;br /&gt;
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= Inhaltsverzeichnis =&lt;br /&gt;
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* [[GA 10#VORREDE ZUM ACHTEN BIS ELFTEN TAUSEND|VORREDE ZUM ACHTEN BIS ELFTEN TAUSEND]]&lt;br /&gt;
* [[GA 10#VORREDE ZUR FÜNFTEN AUFLAGE|VORREDE ZUR FÜNFTEN AUFLAGE]]&lt;br /&gt;
* [[GA 10#VORREDE ZUR DRITTEN AUFLAGE|VORREDE ZUR DRITTEN AUFLAGE]]&lt;br /&gt;
* [[GA 10#WIE ERLANGT MAN ERKENNTNISSE DER HÖHEREN WELTEN?|WIE ERLANGT MAN ERKENNTNISSE DER HÖHEREN WELTEN?]]&lt;br /&gt;
** [[GA 10#Bedingungen|Bedingungen]]&lt;br /&gt;
** [[GA 10#Innere Ruhe|Innere Ruhe]]&lt;br /&gt;
* [[GA 10#DIE STUFEN DER EINWEIHUNG|DIE STUFEN DER EINWEIHUNG]]&lt;br /&gt;
** [[GA 10#Die Vorbereitung|Die Vorbereitung]]&lt;br /&gt;
** [[GA 10#Die Erleuchtung|Die Erleuchtung]]&lt;br /&gt;
** [[GA 10#Kontrolle der Gedanken und Gefühle|Kontrolle der Gedanken und Gefühle]]&lt;br /&gt;
* [[GA 10#DIE EINWEIHUNG|DIE EINWEIHUNG]]&lt;br /&gt;
* [[GA 10#PRAKTISCHE GESICHTSPUNKTE|PRAKTISCHE GESICHTSPUNKTE]]&lt;br /&gt;
* [[GA 10#DIE BEDINGUNGEN ZUR GEHEIMSCHULUNG|DIE BEDINGUNGEN ZUR GEHEIMSCHULUNG]]&lt;br /&gt;
* [[GA 10#ÜBER EINIGE WIRKUNGEN DER EINWEIHUNG|ÜBER EINIGE WIRKUNGEN DER EINWEIHUNG]]&lt;br /&gt;
* [[GA 10#VERÄNDERUNGEN IM TRAUMLEBEN DES GEHEIMSCHÜLERS|VERÄNDERUNGEN IM TRAUMLEBEN DES GEHEIMSCHÜLERS]]&lt;br /&gt;
* [[GA 10#DIE ERLANGUNG DER KONTINUITÄT DES BEWUSSTSEINS|DIE ERLANGUNG DER KONTINUITÄT DES BEWUSSTSEINS]]&lt;br /&gt;
* [[GA 10#DIE SPALTUNG DER PERSÖNLICHKEIT WÄHREND DER GEISTESSCHULUNG|DIE SPALTUNG DER PERSÖNLICHKEIT WÄHREND DER GEISTESSCHULUNG]]&lt;br /&gt;
* [[GA 10#DER HÜTER DER SCHWELLE|DER HÜTER DER SCHWELLE]]&lt;br /&gt;
* [[GA 10#LEBEN UND TOD. DER GROSSE HÜTER DER SCHWELLE|LEBEN UND TOD. DER GROSSE HÜTER DER SCHWELLE]]&lt;br /&gt;
* [[GA 10#NACHWORT ZUM ACHTEN BIS ELFTEN TAUSEND|NACHWORT ZUM ACHTEN BIS ELFTEN TAUSEND]]&lt;br /&gt;
* [[GA 10#Glossar|Glossar]]&lt;br /&gt;
* [[GA 10#Literatur|Literatur]]&lt;br /&gt;
** [[GA 10#Originalausgaben|Originalausgaben]]&lt;br /&gt;
&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|7}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= VORREDE ZUM ACHTEN BIS ELFTEN TAUSEND =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An dem Inhalte dieser Neuauflage des vorliegenden Buches schienen mir heim neuerlichen Durcharbeiten nur geringe Änderungen notwendig. Dagegen habe ich dieser Ausgabe ein «Nachwort» hinzugefügt, durch das ich mich bemüht habe, manches deutlicher als früher zu sagen, was die seelischen Grundlagen betrifft, auf welche die Mitteilungen des Buches gestellt werden müssen, damit sie ohne Mißverständnis entgegengenommen werden. Ich glaube, daß der Inhalt dieses Nachwortes auch geeignet sein könnte, manchen Gegner der anthroposophischen Geisteswissenschaft darüber Aufzuklären, daß er sein Urteil nur dadurch aufrechterhalten kann, weil er sich unter dieser Geisteswissenschaft etwas ganz anderes vorstellt, als sie ist; während er, was sie ist, gar nicht ins Auge faßt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mai 1918 Rudolf Steiner&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|8}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= VORREDE ZUR FÜNFTEN AUFLAGE =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für diese Neuauflage von «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» ist die vor mehr als zehn Jahren niedergeschriebene Darstellung in allen Einzelheiten wieder durchgearbeitet worden. Das Bedürfnis nach solcher Durcharbeitung entsteht naturgemäß bei Mitteilungen über Seelenerlebnisse und Seelenwege von der Art, wie sie in diesem Buche gegeben sind. Es kann ja keinen Teil innerhalb des Mitgeteilten geben, mit dem die Seele des Mitteilers nicht innig verbunden bliebe und der nicht etwas enthielte, das an dieser Seele fortdauernd arbeitet. Es ist wohl auch kaum anders möglich, als daß mit diesem seelischen Arbeiten sich ein Streben nach erhöhter Klarheit und Deutlichkeit der vor Jahren gegebenen Darstellung verbindet. Diesem Streben ist entsprungen, was ich für das Buch bei dieser Neuauflage zu tun bemüht war. Zwar sind alle wesentlichen Glieder der Auseinandersetzungen, alle Hauptsachen so geblieben, wie sie waren; und doch sind wichtige Änderungen vollzogen worden. Ich konnte für eine genauere Charakterisierung im einzelnen an vielen Stellen manches tun. Und dies schien mir wichtig. Will jemand das in dem Buche Mitgeteilte in dem eigenen Geistesleben anwenden, so ist es von Bedeutung, daß er die Seelenwege, von denen die Rede ist, in möglichst genauer Charakterisierung ins Auge zu fassen vermag. In einem viel höheren Maße als an die Schilderung der Tatsachen der physischen Welt können sich an diejenige innerer geistiger Vorgänge Mißverständnisse knüpfen. Das Bewegliche des Seelenlebens, die Notwendigkeit, diesem Leben gegenüber nie aus dem Bewußtsein&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|9}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
zu verlieren, wie verschieden es ist von allem Leben in der physischen Welt, und vieles andere, machen solche Mißverständnisse möglich. Ich habe bei dieser Neuauflage die Aufmerksamkeit darauf gerichtet, die Stellen des Buches aufzufinden, wo solche Mißverständnisse entstehen können; und ich habe mich bemüht, bei der Abfassung ihrem Entstehen entgegenzuarbeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als ich die Aufsätze schrieb, aus welchen das Buch zusammengesetzt ist, mußte über manches auch aus dem Grunde anders gesprochen werden als gegenwärtig, weil ich auf den Inhalt dessen, was ich in den letzten zehn Jahren über Tatsachen der Erkenntnis geistiger Welten veröffentlicht habe, damals anders hinzudeuten hatte, als es jetzt, nach der Veröffentlichung, zu geschehen hat. In meiner «Geheimwissenschaft», in der «Führung des Menschen und der Menschheit», in «Ein Weg zur Selbsterkenntnis» und besonders in «Die Schwelle der geistigen Welt», auch in anderen meiner Schriften sind geistige Vorgänge geschildert, auf deren Vorhandensein dieses Buch vor mehr als zehn Jahren zwar schon hindeuten mußte, dies aber doch mit anderen Worten, als es gegenwärtig richtig scheint. Ich mußte damals von vielem, das in dem Buche noch nicht geschildert wurde, sagen, es könne durch «mündliche Mitteilung» erfahren werden. Gegenwärtig ist nun vieles von dem veröffentlicht, was mit solchen Hinweisen gemeint war. Es waren aber diese Hinweise, die irrtümliche Meinungen bei den Lesern vielleicht nicht völlig ausschlossen. Man könnte etwa in dem persönlichen Verhältnis zu diesem oder jenem Lehrer bei dem nach Geistesschulung Strebenden etwas viel Wesentlicheres sehen, als gesehen werden soll. Ich hoffe, daß es&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|10}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
mir gelungen ist, in dieser neuen Auflage durch die Art der Darstellung mancher Einzelheiten schärfer zu betonen, wie es bei dem, der Geistesschulung sucht im Sinne der gegenwärtigen geistigen Bedingungen, viel mehr auf ein völlig unmittelbares Verhältnis zur objektiven Geistes-Welt als auf ein Verhältnis zur Persönlichkeit eines Lehrers ankommt. Dieser wird auch in der Geistesschulung immer mehr die Stellung nur eines solchen Helfers annehmen, die der Lehrende, gemäß den neueren Anschauungen, in irgendeinem anderen Wissenszweige innehat. Ich glaube genügend darauf hingewiesen zu haben, daß des Lehrers Autorität und der Glaube an ihn in der Geistesschulung keine andere Rolle spielen sollten, als dies der Fall ist auf irgendeinem anderen Gebiete des Wissens und Lebens. Mir scheint viel darauf anzukommen, daß immer richtiger beurteilt werde gerade dieses Verhältnis des Geistesforschers zu Menschen, die Interesse entwickeln für die Ergebnisse seines Forschens. So glaube ich das Buch verbessert zu haben, wo ich das Verbesserungsbedürftige nach zehn Jahren zu finden in der Lage war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An diesen ersten Teil soll sich ein zweiter anschließen. Dieser soll weitere Ausführungen über die Seelenverfassung bringen, welche den Menschen zum Erleben der höheren Welten führt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Neuauflage des Buches lag fertig gedruckt vor, als der große Krieg begann, den die Menschheit gegenwärtig erlebt. Diese Vorbemerkungen habe ich zu schreiben, während meine Seele tief bewegt ist von dem schicksaltragenden Ereignisse.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Berlin, 7. September 1914 Rudolf Steiner&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|11}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= VORREDE ZUR DRITTEN AUFLAGE =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es erscheinen hiermit als Buch meine Ausführungen, welche ursprünglich als einzelne Aufsätze unter dem Titel «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» abgedruckt waren. Zunächst wird dieser Band den ersten Teil bringen; ein folgender wird die Fortsetzung enthalten. Diese Arbeit über die Entwickelung des Menschen zum Erfassen der übersinnlichen Welten soll nicht in neuer Gestalt vor die Welt treten ohne einige Geleitworte, welche ihr hiermit vorgesetzt werden. Die in ihr enthaltenen Mitteilungen über die Seelenentwickelung des Menschen möchten verschiedenen Bedürfnissen dienen. Zunächst soll denjenigen Personen etwas gegeben werden, welche sich hingezogen fühlen zu den Ergebnissen der Geistesforschung und welche die Frage aufwerfen müssen: Ja, woher haben diejenigen ihr Wissen, welche behaupten, etwas über hohe Rätselfragen des Lebens sagen zu können? Die Geisteswissenschaft sagt über solche Rätsel etwas. Wer die Tatsachen beobachten will, welche zu diesen Aussagen führen, der muß zu übersinnlichen Erkenntnissen aufsteigen. Er muß den Weg gehen, welcher in dieser Schrift zu schildern versucht wird. Doch wäre es ein Irrtum, zu glauben, daß die Mitteilungen der Geisteswissenschaft für den wertlos seien, der nicht Neigung oder Möglichkeit hat, diesen Weg selbst zu gehen. Um die Tatsachen zu erforschen, muß man die Fähigkeit haben, in die übersinnlichen Welten hineinzutreten. Sind sie aber erforscht und werden sie mitgeteilt, so kann auch derjenige, welcher sie nicht selber wahrnimmt, sich eine hinreichende Überzeugung von der Wahrheit der Mitteilungen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|12}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
verschaffen. Ein großer Teil derselben ist ohne weiteres dadurch zu prüfen, daß man die gesunde Urteilskraft in wirklich unbefangener Weise auf sie anwendet. Man wird sich nur nicht in dieser Unbefangenheit stören lassen dürfen durch alle möglichen Vorurteile, die einmal im Menschenleben so zahlreich vorhanden sind. Es wird zum Beispiel leicht vorkommen, daß jemand findet, dies oder jenes vertrage sich nicht mit gewissen wissenschaftlichen Ergebnissen der Gegenwart. In Wahrheit gibt es kein wissenschaftliches Ergebnis, welches der geistigen Forschung widerspricht. Doch kann man leicht glauben, daß dieses oder jenes wissenschaftliche Urteil zu den Mitteilungen über die höheren Welten nicht stimme, wenn man nicht allseitig und unbefangen die wissenschaftlichen Ergebnisse zu Rate zieht. Man wird finden, daß, je unbefangener man die Geisteswissenschaft gerade mit den positiven wissenschaftlichen Errungenschaften zusammenhält, um so schöner die volle Übereinstimmung erkannt werden kann. Ein anderer Teil der geisteswissenschaftlichen Mitteilungen wird sich allerdings mehr oder weniger dem bloßen Verstandesurteile entziehen. Aber es wird unschwer derjenige ein rechtes Verhältnis auch zu diesem Teile gewinnen können, welcher einsieht, daß nicht nur der Verstand, sondern auch das gesunde Gefühl ein Richter über die Wahrheit sein kann. Und wo dieses Gefühl sich nicht durch Sympathie oder Antipathie für diese oder jene Meinung treiben läßt, sondern wirklich unbefangen die Erkenntnisse der übersinnlichen Welten auf sich wirken läßt, da wird sich auch ein entsprechendes Gefühlsurteil ergeben. Und noch manch anderen Weg gibt es zur Bewahrheitung dieser Erkenntnisse&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|13}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
für diejenigen Personen, welche den Pfad in die übersinnliche Welt nicht beschreiten können und wollen. Solche Menschen können aber gleichwohl fühlen, welchen Wert diese Erkenntnisse für das Leben haben, auch wenn sie sie nur aus den Mitteilungen der Geistesforscher erfahren. Ein schauender Mensch kann nicht ein jeder augenblicklich werden; eine rechte gesunde Lebensnahrung sind aber die Erkenntnisse des schauenden Menschen für jedermann. Denn anwenden im Leben kann sie jeder. Und wer es tut, wird bald einsehen, was das Leben mit ihnen auf allen Gebieten sein kann und was es entbehrt, wenn man sie ausschließt. Die Erkenntnisse der übersinnlichen Welten erweisen sich, richtig im Leben angewendet, nicht unpraktisch, sondern im höchsten Sinne praktisch. Wenn aber auch jemand den höheren Erkenntnispfad nicht selbst betreten will, so kann er doch, wenn er Neigung für die auf demselben beobachteten Tatsachen hat, fragen: Wie kommt der schauende Mensch zu diesen Tatsachen? Denjenigen Personen, welche ein Interesse an dieser Frage haben, möchte diese Schrift ein Bild von dem geben, was man unternehmen muß, um die übersinnliche Welt wirklich kennenzulernen. Sie möchte den Weg in dieselbe so darstellen, daß auch derjenige, der ihn nicht selbst geht, Vertrauen gewinnen kann zu dem, was ein solcher sagt, der ihn gegangen ist. Man kann ja auch, wenn man gewahr wird, was der Geistesforscher tut, dies richtig finden und sich sagen: die Schilderung des Pfades in die höheren Welten macht auf mich einen solchen Eindruck, daß ich verstehen kann, warum die mitgeteilten Tatsachen mir einleuchtend erscheinen. So soll also diese Schrift jenen dienen, welche in ihrem Wahrheitssinn und&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|14}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wahrheitsgefühl für die übersinnliche Welt eine Stärkung und Sicherheit wünschen. Nicht minder möchte sie aber auch denjenigen etwas bieten, welche den Weg zu den übersinnlichen Erkenntnissen selbst suchen. Diejenigen Personen werden die Wahrheit des hier Dargestellten am besten erproben, welche sie in sich selbst verwirklichen. Wer solch eine Absicht hat, wird gut tun, sich immer wieder zu sagen, daß bei Darstellung der Seelen-Entwickelung mehr notwendig ist als ein solches Bekanntwerden mit dem Inhalte, wie es bei anderen Ausführungen oftmals angestrebt wird. Ein intimes Hineinleben in die Darstellung ist notwendig; die Voraussetzung soll man machen, daß man die eine Sache nicht nur durch das begreifen soll, was über sie selbst gesagt wird, sondern durch manches, was über ganz anderes mitgeteilt wird. Man wird so die Vorstellung erhalten, daß nicht in einer Wahrheit das Wesentliche liegt, sondern in dem Zusammenstimmen aller. Wer Übungen ausführen will, muß das ganz ernstlich bedenken. Eine Übung kann richtig verstanden, auch richtig ausgeführt sein; und dennoch kann sie unrichtig wirken, wenn nicht von dem Ausführenden ihr eine andere Übung hinzugefügt wird, welche die Einseitigkeit der ersten zu einer Harmonie der Seele auslöst. Wer diese Schrift intim liest, so daß ihm Lesen wie ein innerliches Erleben wird, der wird sich nicht nur mit dem Inhalte bekannt machen, sondern auch an dieser Stelle dieses, an einer anderen jenes Gefühl haben; und dadurch wird er erkennen, welches Gewicht für die Seelenentwickelung dem einen oder dem anderen zukommt. Er wird auch herausfinden, in welcher Form er diese oder jene Übung, nach seiner besonderen Individualität, gerade bei&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|15}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sich versuchen sollte. Wenn, wie hier, Beschreibungen in Betracht kommen von Vorgängen, welche erlebt werden sollen, so erweist sich als notwendig, daß man auf den Inhalt immer wieder zurückgreife; denn man wird sich überzeugen, daß man manches erst dann für sich selbst zu einem befriedigenden Verständnis bringt, wenn man es versucht hat und nach dem Versuche gewisse Feinheiten der Sache bemerkt, die einem früher entgehen mußten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch solche Leser, welche den Weg, der vorgezeichnet ist, nicht zu gehen beabsichtigen, werden in der Schrift manches Brauchbare für das innere Leben finden: Lebensregeln, Hinweise, wie dies oder jenes sich aufklärt, was rätselhaft erscheint und so weiter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und mancher, der durch seine Lebenserfahrung dieses oder jenes hinter sich hat, in mancher Beziehung eine Lebenseinweihung durchgemacht hat, wird eine gewisse Befriedigung finden können, wenn er im Zusammenhange geklärt findet, was ihm im einzelnen vorgeschwebt hat; was er schon wußte, ohne vielleicht dies Wissen bis zu einer für ihn selbst hinreichenden Vorstellung gebracht zu haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|16}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= WIE ERLANGT MAN ERKENNTNISSE DER HÖHEREN WELTEN?=&lt;br /&gt;
== Bedingungen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es schlummern in jedem Menschen Fähigkeiten, durch die er sich Erkenntnisse über höhere Welten erwerben kann. Der Mystiker, der Gnostiker, der Theosoph sprachen stets von einer Seelen- und einer Geisterwelt, die für sie ebenso vorhanden sind wie diejenige, die man mit physischen Augen sehen, mit physischen Händen betasten kann. Der Zuhörer darf sich in jedem Augenblicke sagen: wovon dieser spricht, kann ich auch erfahren, wenn ich gewisse Kräfte in mir entwickele, die heute noch in mir schlummern. Es kann sich nur darum handeln, wie man es anzufangen hat, um solche Fähigkeiten in sich zu entwickeln. Dazu können nur diejenigen Anleitung geben, die schon in sich solche Kräfte haben. Es hat, seit es ein Menschengeschlecht gibt, auch immer eine Schulung gegeben, durch die solche, die höhere Fähigkeiten hatten, denen Anleitung gaben, die ebensolche Fähigkeiten suchten. Man nennt solche Schulung Geheimschulung; und der Unterricht, welcher da empfangen wird, heißt geheimwissenschaftlicher oder okkulter Unterricht. Eine solche Bezeichnung erweckt naturgemäß Mißverständnis. Wer sie hört, kann leicht zu dem Glauben verführt werden, daß diejenigen, die für solche Schulung tätig sind, eine besonders bevorzugte Menschenklasse darstellen wollen, die willkürlich ihr Wissen den Mitmenschen vorenthält. Ja, man denkt wohl auch, daß vielleicht überhaupt nichts Erhebliches hinter solchem Wissen stecke. Denn, wenn es&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|17}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ein wahres Wissen wäre so ist man versucht zu denken , so brauchte man daraus kein Geheimnis zu machen: man könnte es öffentlich mitteilen und die Vorteile davon allen Menschen zugänglich machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diejenigen, welche in die Natur des Geheimwissens eingeweiht sind, wundern sich nicht im geringsten darüber, daß die Uneingeweihten so denken. Worin das Geheimnis der Einweihung besteht, kann nur derjenige verstehen, der selbst diese Einweihung in die höheren Geheimnisse des Daseins bis zu einem gewissen Grade erfahren hat. Nun kann man fragen: wie soll denn der Uneingeweihte überhaupt irgendein menschliches Interesse an dem sogenannten Geheimwissen unter solchen Umständen erlangen? Wie und warum soll er etwas suchen, von dessen Natur er sich doch gar keine Vorstellung machen kann? Aber schon einer solchen Frage liegt eine ganz irrtümliche Vorstellung von dem Wesen des Geheimwissens zugrunde. In Wahrheit verhält es sich mit dem Geheimwissen nämlich doch nicht anders als mit allem übrigen Wissen und Können des Menschen. Dieses Geheimwissen ist für den Durchschnittsmenschen in keiner anderen Beziehung ein Geheimnis, als warum das Schreiben für den ein Geheimnis ist, der es nicht gelernt hat. Und wie jeder schreiben lernen kann, der die rechten Wege dazu wählt, so kann jeder ein Geheimschüler, ja ein Geheimlehrer werden, der die entsprechenden Wege dazu sucht. Nur in einer Hinsicht liegen die Verhältnisse hier noch anders als beim äußeren Wissen und Können. Es kann jemandem durch Armut, durch die Kulturverhältnisse, in die er hineingeboren ist, die Möglichkeit fehlen, sich die Kunst des Schreibens anzueignen; für die Erlangung von Wissen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|18}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und Können in den höheren Welten gibt es kein Hindernis für denjenigen, der diese ernstlich sucht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele glauben, man müsse die Meister des höheren Wissens da und dort aufsuchen, um von ihnen Aufschlüsse zu erhalten. Aber zweierlei ist richtig. Erstens wird derjenige, der ernstlich nach höherem Wissen trachtet, keine Mühe, kein Hindernis scheuen, um einen Eingeweihten aufzusuchen, der ihn in die höheren Geheimnisse der Welt einführen kann. Aber andererseits kann auch jeder sich klar darüber sein, daß ihn die Einweihung unter allen Umständen finden wird, wenn ernstes und würdiges Streben nach Erkenntnis vorliegt. Denn es gibt ein natürliches Gesetz für alle Eingeweihten, das sie dazu veranlaßt, keinem suchenden Menschen ein ihm gebührendes Wissen vorzuenthalten. Aber es gibt ein ebenso natürliches Gesetz, welches besagt, daß niemandem irgend etwas von dem Geheimwissen ausgeliefert werden kann, zu dem er nicht berufen ist und ein Eingeweihter ist um so vollkommener, je strenger er diese beiden Gesetze beobachtet. Das geistige Band, das alle Eingeweihten umfaßt, ist kein äußeres, aber die beiden genannten Gesetze bilden feste Klammern, durch welche die Bestandteile dieses Bandes zusammengehalten werden. Du magst in intimer Freundschaft mit einem Eingeweihten leben: du bist doch so lange von seinem Wesen getrennt, bis du selbst ein Eingeweihter geworden bist. Du magst das Herz, die Liebe eines Eingeweihten im vollsten Sinne genießen: sein Geheimnis wird er dir erst anvertrauen, wenn du reif dazu bist. Du magst ihm schmeicheln, du magst ihn foltern: nichts kann ihn bestimmen, dir irgend etwas zu verraten, von dem er weiß, daß es dir nicht verraten werden darf,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|19}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
weil du auf der Stufe deiner Entwickelung dem Geheimnis noch nicht den rechten Empfang in deiner Seele zu bereiten verstehst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Wege, die den Menschen reif zum Empfange eines Geheimnisses machen, sind genau bestimmte. Ihre Richtung ist mit unauslöschbaren, ewigen Buchstaben vorgezeichnet in den Geisteswelten, in denen die Eingeweihten die höheren Geheimnisse behüten. In alten Zeiten, die vor unsrer «Geschichte» liegen, waren die Tempel des Geistes auch äußerlich sichtbare; heute, wo unser Leben so ungeistig geworden ist, sind sie nicht in der Welt vorhanden, die dem äußeren Auge sichtbar ist. Aber sie sind geistig überall vorhanden; und jeder, der sucht, kann sie finden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nur in seiner eigenen Seele kann der Mensch die Mittel finden, die ihm den Mund der Eingeweihten öffnen. Gewisse Eigenschaften muß er in sich bis zu einem bestimmten hohen Grade entwickeln, dann können ihm die höchsten Geistesschätze zuteil werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine gewisse Grundstimmung der Seele muß den Anfang bilden. Der Geheimforscher nennt diese Grundstimmung den Pfad der Verehrung, der Devotion gegenüber der Wahrheit und Erkenntnis. Nur wer diese Grundstimmung hat, kann Geheimschüler werden. Wer Erlebnisse auf diesem Gebiete hat, der weiß, welche Anlagen bei denen schon in der Kindheit zu bemerken sind, welche später Geheimschüler werden. Es gibt Kinder, die mit heiliger Scheu zu gewissen von ihnen verehrten Personen emporblicken. Sie haben eine Ehrfurcht vor ihnen, die ihnen im tiefsten Herzensgrunde verbietet, irgendeinen Gedanken aufkommen zu lassen von Kritik, von Opposition. Solche Kinder wachsen zu Jünglingen und Jungfrauen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|20}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
heran, denen es wohltut, wenn sie zu irgend etwas Verehrungsvollem aufsehen können. Aus den Reihen dieser Menschenkinder gehen viele Geheimschüler hervor. Hast du einmal vor der Türe eines verehrten Mannes gestanden und hast du bei diesem deinem ersten Besuche eine heilige Scheu empfunden, auf die Klinke zu drücken, um in das Zimmer zu treten, das für dich ein «Heiligtum» ist, so hat sich in dir ein Gefühl geäußert, das der Keim sein kann für deine spätere Geheimschülerschaft. Es ist ein Glück für jeden heranwachsenden Menschen, solche Gefühle als Anlagen in sich zu tragen. Man glaube nur ja nicht, daß solche Anlagen den Keim zur Unterwürfigkeit und Sklaverei bilden. Es wird später die erst kindliche Verehrung gegenüber Menschen zur Verehrung gegenüber Wahrheit und Erkenntnis. Die Erfahrung lehrt, daß diejenigen Menschen auch am besten verstehen, das Haupt frei zu tragen, die verehren gelernt haben da, wo Verehrung am Platze ist. Und am Platze ist sie überall da, wo sie aus den Tiefen des Herzens entspringt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir nicht das tiefgründige Gefühl in uns entwickeln, daß es etwas Höheres gibt, als wir sind, werden wir auch nicht in uns die Kraft finden, uns zu einem Höheren hinaufzuentwickeln. Der Eingeweihte hat sich nur dadurch die Kraft errungen, sein Haupt zu den Höhen der Erkenntnis zu erheben, daß er sein Herz in die Tiefen der Ehrfurcht, der Devotion geführt hat. Höhe des Geistes kann nur erklommen werden, wenn durch das Tor der Demut geschritten wird. Ein rechtes Wissen kannst du nur erlangen, wenn du gelernt hast, dieses Wissen zu achten. Der Mensch hat gewiß das Recht, sein Auge dem Lichte entgegenzuhalten; aber er muß dieses Recht erwerben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|21}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im geistigen Leben gibt es ebenso Gesetze wie im materiellen. Streiche eine Glasstange mit einem entsprechenden Stoffe, und sie wird elektrisch, das heißt: sie erhält die Kraft, kleine Körper anzuziehen. Dies entspricht einem Naturgesetz. Hat man ein wenig Physik gelernt, so weiß man dies. Und ebenso weiß man, wenn man die Anfangsgründe der Geheimwissenschaft kennt, daß jedes in der Seele entwickelte Gefühl von wahrer Devotion eine Kraft entwickelt, die in der Erkenntnis früher oder später weiter führen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer in seinen Anlagen die devotionellen Gefühle hat, oder wer das Glück hat, sie durch eine entsprechende Erziehung eingepflanzt zu erhalten, der bringt vieles mit, wenn er im späteren Leben den Zugang zu höheren Erkenntnissen sucht. Wer eine solche Vorbereitung nicht mitbringt, dem erwachsen schon auf der ersten Stufe des Erkenntnispfades Schwierigkeiten, wenn er nicht durch Selbsterziehung die devotionelle Stimmung energisch in sich zu erzeugen unternimmt. In unserer Zeit ist es ganz besonders wichtig, daß auf diesen Punkt die volle Aufmerksamkeit gelenkt wird. Unsere Zivilisation neigt mehr zur Kritik, zum Richten, zum Aburteilen und wenig zur Devotion, zur hingebungsvollen Verehrung. Unsere Kinder schon kritisieren viel mehr, als sie hingebungsvoll verehren. Aber jede Kritik, jedes richtende Urteil vertreiben ebensosehr die Kräfte der Seele zur höheren Erkenntnis, wie jede hingebungsvolle Ehrfurcht sie entwickelt. Damit soll gar nichts gegen unsere Zivilisation gesagt sein. Es handelt sich hier gar nicht darum, Kritik an dieser unserer Zivilisation zu üben. Gerade der Kritik, dem selbstbewußten. menschlichen Urteil, dem «Prüfet alles und das Beste&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|22}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
behaltet», verdanken wir die Größe unserer Kultur. Nimmermehr hätte der Mensch die Wissenschaft, die Industrie, den Verkehr, die Rechtsverhältnisse unserer Zeit erlangt, wenn er nicht überall Kritik geübt, überall den Maßstab seines Urteils angelegt hätte. Aber was wir dadurch an äußerer Kultur gewonnen haben, mußten wir mit einer entsprechenden Einbuße an höherer Erkenntnis, an spirituellem Leben bezahlen. Betont muß werden, daß es sich beim höheren Wissen nicht um Verehrung von Menschen, sondern um eine solche gegenüber Wahrheit und Erkenntnis handelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nur das eine muß freilich sich jeder klarmachen, daß derjenige, der ganz in der veräußerlichten Zivilisation unserer Tage darinnen steckt, es sehr schwer hat, zur Erkenntnis der höheren Welten vorzudringen. Er kann es nur, wenn er energisch an sich arbeitet. In einer Zeit, in der die Verhältnisse des materiellen Lebens einfache waren, war auch geistiger Aufschwung leichter zu erreichen. Das Verehrungswürdige, das Heiligzuhaltende hob sich mehr von den übrigen Weltverhältnissen ab. Die Ideale werden in einem kritischen Zeitalter herabgezogen. Andere Gefühle treten an die Stelle der Verehrung, der Ehrfurcht, der Anbetung und Bewunderung. Unser Zeitalter drängt diese Gefühle immer mehr zurück, so daß sie durch das alltägliche Leben dem Menschen nur noch in sehr geringem Grade zugeführt werden. Wer höhere Erkenntnis sucht, muß sie in sich erzeugen. Er muß sie selbst seiner Seele einflößen. Das kann man nicht durch Studium. Das kann man nur durch das Leben. Wer Geheimschüler werden will, muß sich daher energisch zur devotionellen Stimmung erziehen. Er muß überall in seiner Umgebung,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|23}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
in seinen Erlebnissen dasjenige aufsuchen, was ihm Bewunderung und Ehrerbietung abzwingen kann. Begegne ich einem Menschen und tadle ich seine Schwächen, so raube ich mir höhere Erkenntniskraft; suche ich liebevoll mich in seine Vorzüge zu vertiefen, so sammle ich solche Kraft. Der Geheimjünger muß fortwährend darauf bedacht sein, diese Anleitung zu befolgen. Erfahrene Geheimforscher wissen, was sie für eine Kraft dem Umstande verdanken, daß sie immer wieder allen Dingen gegenüber auf das Gute sehen und mit dem richtenden Urteile zurückhalten. Aber dies darf nicht eine äußerliche Lebensregel bleiben. Sondern es muß von dem Innersten unsrer Seele Besitz ergreifen. Der Mensch hat es in seiner Hand, sich selbst zu vervollkommnen, sich mit der Zeit ganz zu verwandeln. Aber es muß sich diese Umwandlung in seinem Innersten, in seinem Gedankenleben vollziehen. Es genügt nicht, daß ich äußerlich in meinem Verhalten Achtung gegenüber einem Wesen zeige. Ich muß diese Achtung in meinen Gedanken haben. Damit muß der Geheimschüler beginnen, daß er die Devotion in sein Gedankenleben aufnimmt. Er muß auf die Gedanken der Unehrerbietung, der abfälligen Kritik in seinem Bewußtsein achten. Und er muß geradezu suchen, in sich Gedanken der Devotion zu pflegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jeder Augenblick, in dem man sich hinsetzt, um gewahr zu werden in seinem Bewußtsein, was in einem steckt an abfälligen, richtenden, kritischen Urteilen über Welt und Leben: jeder solcher Augenblick bringt uns der höheren Erkenntnis näher. Und wir steigen rasch auf, wenn wir in solchen Augenblicken unser Bewußtsein nur erfüllen mit Gedanken, die uns mit Bewunderung, Achtung,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|24}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verehrung gegenüber Welt und Leben erfüllen. Wer in diesen Dingen Erfahrung hat, der weiß, daß in jedem solchen Augenblicke Kräfte in dem Menschen erweckt werden, die sonst schlummernd bleiben. Es werden dadurch dem Menschen die geistigen Augen geöffnet. Er fängt dadurch an, Dinge um sich herum zu sehen, die er früher nicht hat sehen können. Er fängt an zu begreifen, daß er vorher nur einen Teil der ihn umgebenden Welt gesehen hat. Der Mensch, der ihm gegenübertritt, zeigt ihm jetzt eine ganz andere Gestalt als vorher. Zwar wird er durch diese Lebensregel noch nicht imstande sein, schon das zu sehen, was zum Beispiel als die menschliche Aura beschrieben wird. Denn dazu ist eine noch höhere Schulung nötig. Aber eben zu dieser höheren Schulung kann er aufsteigen, wenn er vorher eine energische Schulung in Devotion durchgemacht hat.*&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Geräuschlos und unbemerkt von der äußeren Welt vollzieht sich das Betreten des «Erkenntnispfades» durch den Geheimschüler. Niemand braucht an ihm eine Veränderung wahrzunehmen. Er tut seine Pflichten wie vorher; er besorgt seine Geschäfte wie ehedem. Die Verwandlung geht lediglich mit der inneren Seite der Seele vor sich, die dem äußeren Auge entzogen ist. Zunächst überstrahlt das ganze Gemütsleben des Menschen die eine Grundstimmung der Devotion gegenüber allem wahrhaft Ehrwürdigen. In diesem einen Grundgefühle findet sein ganzes Seelenleben den Mittelpunkt. Wie die Sonne durch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- - -&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;#&amp;lt;/nowiki&amp;gt;FN010-024-* In übersichtlicher Art findet man den «Pfad der Erkenntnis» im letzten Abschnitt meiner «Theosophie, Einführung in übersinnliche Weltanschauung und Menschenbestimmung». Hier sollen im einzelnen praktische Gesichtspunkte angegeben werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|25}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ihre Strahlen alles Lebendige belebt, so belebt beim Geheimschüler die Verehrung alle Empfindungen der Seele.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es wird dem Menschen anfangs nicht leicht, zu glauben, daß Gefühle wie Ehrerbietung, Achtung und so weiter etwas mit seiner Erkenntnis zu tun haben. Dies rührt davon her, daß man geneigt ist, die Erkenntnis als eine Fähigkeit für sich hinzustellen, die mit dem in keiner Verbindung steht, was sonst in der Seele vorgeht man bedenkt dabei aber nicht, daß die Seele es ist, welche erkennt und für die Seele sind Gefühle das, was für den Leib die Stoffe sind, welche seine Nahrung ausmachen. Wenn man dem Leibe Steine statt Brot gibt, so erstirbt seine Tätigkeit ähnlich ist es mit der Seele. Für sie sind Verehrung, Achtung, Devotion nährende Stoffe, die sie gesund, kräftig machen; vor allem kräftig zur Tätigkeit des Erkennens. Mißachtung, Antipathie, Unterschätzung des Anerkennenswerten bewirken Lähmung und Ersterben der erkennenden Tätigkeit. Für den Geistesforscher ist diese Tatsache an der Aura ersichtlich. Eine Seele, die sich verehrende, devotionelle Gefühle aneignet, bewirkt eine Veränderung ihrer Aura. Gewisse als gelbrote, braun-rote zu bezeichnende geistige Farbentöne verschwinden und werden durch blaurote ersetzt. Dadurch aber öffnet sich das Erkenntnisvermögen; es empfängt Kunde von Tatsachen in seiner Umgebung, von denen es vorher keine Ahnung hatte. Die Verehrung weckt eine sympathische Kraft in der Seele, und durch diese werden Eigenschaften der uns umgebenden Wesen von uns angezogen, die sonst verborgen bleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wirksamer noch wird das, was durch die Devotion zu erreichen ist, wenn eine andere Gefühlsart hinzukommt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|26}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie besteht darinnen, daß der Mensch lernt, sich immer weniger den Eindrücken der Außenwelt hinzugeben, und dafür ein reges Innenleben entwickelt. Ein Mensch, der von einem Eindruck der Außenwelt zu dem andern jagt, der stets nach «Zerstreuung» sucht, findet nicht den Weg zur Geheimwissenschaft. Nicht abstumpfen soll sich der Geheimschüler für die Außenwelt; aber sein reiches Innenleben soll ihm die Richtung geben, in der er sich ihren Eindrücken hingibt. Wenn ein gefühlsreicher und gemütstiefer Mensch durch eine schöne Gebirgslandschaft geht, erlebt er anderes als ein gefühlsarmer. Erst was wir im Innern erleben, gibt uns den Schlüssel zu den Schönheiten der Außenwelt. Der eine fährt über das Meer, und nur wenig innere Erlebnisse ziehen durch seine Seele; der andere empfindet dabei die ewige Sprache des Weltgeistes; ihm enthüllen sich geheime Rätsel der Schöpfung. Man muß gelernt haben, mit seinen eigenen Gefühlen, Vorstellungen umzugehen, wenn man ein inhaltvolles Verhältnis zur Außenwelt entwickeln will. Die Außenwelt ist in allen ihren Erscheinungen erfüllt von göttlicher Herrlichkeit; aber man muß das Göttliche erst in seiner Seele selbst erlebt haben, wenn man es in der Umgebung finden will. Der Geheimschüler wird darauf verwiesen, sich Augenblicke in seinem Leben zu schaffen, in denen er still und einsam sich in sich selbst versenkt. Nicht den Angelegenheiten seines eigenen Ich aber soll er sich in solchen Augenblicken hingeben. Das würde das Gegenteil von dem bewirken, was beabsichtigt ist. Er soll vielmehr in solchen Augenblicken in aller Stille nachklingen lassen, was er erlebt hat, was ihm die äußere Welt gesagt hat. Jede Blume, jedes Tier, jede Handlung wird ihm in solchen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|27}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
stillen Augenblicken ungeahnte Geheimnisse enthüllen. Und er wird vorbereitet dadurch, neue Eindrücke der Außenwelt mit ganz anderen Augen zu sehen als vorher. Wer nur Eindruck nach Eindruck genießen will, stumpft sein Erkenntnisvermögen ab. Wer, nach dem Genusse, sich von dem Genusse etwas offenbaren läßt, der pflegt und erzieht sein Erkenntnisvermögen. Er muß sich nur daran gewöhnen, nicht etwa nur den Genuß nachklingen zu lassen, sondern, mit Verzicht auf weiteren Genuß, das Genossene durch innere Tätigkeit zu verarbeiten. Die Klippe ist hier eine sehr große, die Gefahr bringt. Statt in sich zu arbeiten, kann man leicht in das Gegenteil verfallen und den Genuß nur hinterher noch völlig ausschöpfen wollen. Man unterschätze nicht, daß sich hier unabsehbare Quellen des Irrtums für den Geheimschüler eröffnen. Er muß ja hindurch zwischen einer Schar von Verführern seiner Seele. Sie alle wollen sein «Ich» verhärten, in sich selbst verschließen. Er aber soll es aufschließen für die Welt. Er muß ja den Genuß suchen; denn nur durch ihn kommt die Außenwelt an ihn heran. Stumpft er sich gegen den Genuß ab, so wird er wie eine Pflanze, die aus ihrer Umgebung keine Nahrungsstoffe mehr an sich ziehen kann. Bleibt er aber beim Genusse stehen, so verschließt er sich in sich selbst Er wird nur etwas für sich, nichts für die Welt bedeuten. Mag er in sich dann noch so sehr leben, mag er sein «Ich» noch so stark pflegen: die Welt scheidet ihn aus. Für sie ist er tot. Der Geheimschüler betrachtet den Genuß nur als ein Mittel, um sich für die Welt zu veredeln. Der Genuß ist ihm ein Kundschafter, der ihn unterrichtet über die Welt; aber er schreitet nach dem Unterricht durch den Genuß zur Arbeit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|28}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
vorwärts. Er lernt nicht, um das Gelernte als seine Wissensschätze aufzuhäufen, sondern um das Gelernte in den Dienst der Welt zu stellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist ein Grundsatz in aller Geheimwissenschaft, der nicht übertreten werden darf, wenn irgendein Ziel erreicht werden soll. Jede Geheimschulung muß ihn dem Schüler einprägen. Er heißt: Jede Erkenntnis, die du suchst, nur um dein Wissen zu bereichern, nur um Schätze in dir anzuhäufen, führt dich ab von deinem Wege; jede Erkenntnis aber, die du suchst, um reifer zu werden auf dem Wege der Menschenveredelung und der Weltenentwickelung, die bringt dich einen Schritt vorwärts. Dieses Gesetz fordert unerbittlich seine Beobachtung. Und man ist nicht früher Geheimschüler, ehe man dieses Gesetz zur Richtschnur seines Lebens gemacht hat. Man kann diese Wahrheit der geistigen Schulung in den kurzen Satz zusammenfassen: Jede Idee, die dir nicht zum Ideal wird, ertötet in deiner Seele eine Kraft; jede Idee, die aber zum Ideal wird, erschafft in dir Lebenskräfte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Innere Ruhe ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf den Pfad der Verehrung und auf die Entwickelung des inneren Lebens wird der Geheimschüler im Anfange seiner Laufbahn gewiesen. Die Geisteswissenschaft gibt nun auch praktische Regeln an die Hand, durch deren Beobachtung der Pfad betreten, das innere Leben entwickelt werden kann. Diese praktischen Regeln entstammen nicht der Willkür. Sie beruhen auf uralten Erfahrungen und uraltem Wissen. Sie werden überall in der gleichen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|29}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Art gegeben, wo die Wege zur höheren Erkenntnis gewiesen werden. Alle wahren Lehrer des geistigen Lebens stimmen in bezug auf den Inhalt dieser Regeln überein, wenn sie dieselben auch nicht immer in die gleichen Worte kleiden. Die untergeordnete, eigentlich nur scheinbare Verschiedenheit rührt von Tatsachen her, welche hier nicht zu besprechen sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kein Lehrer des Geisteslebens will durch solche Regeln eine Herrschaft über andere Menschen ausüben. Er will niemand in seiner Selbständigkeit beeinträchtigen. Denn es gibt keine besseren Schätzer und Hüter der menschlichen Selbständigkeit als die Geheimforscher. Es ist (im ersten Teile in dieser Schrift) gesagt worden, das Band, das alle Eingeweihten umfaßt, sei ein geistiges, und zwei naturgemäße Gesetze bilden die Klammern, welche die Bestandteile dieses Bandes zusammenhalten. Tritt nun der Eingeweihte aus seinem umschlossenen Geistgebiet heraus, vor die Öffentlichkeit: dann kommt für ihn sogleich ein drittes Gesetz in Betracht. Es ist dieses: Richte jede deiner Taten, jedes deiner Worte so ein, daß durch dich in keines Menschen freien Willensentschluß eingegriffen wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer durchschaut hat, daß ein wahrer Lehrer des Geisteslebens ganz von dieser Gesinnung durchdrungen ist, der kann auch wissen, daß er nichts von seiner Selbständigkeit einbüßt, wenn er den praktischen Regeln folgt, die ihm gebeten werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine der ersten dieser Regeln kann nun etwa in die folgenden Worte der Sprache gekleidet werden: «Schaffe dir Augenblicke innerer Ruhe und lerne in diesen Augenblicken das Wesentliche von dem Unwesentlichen unterscheiden.»&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|30}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es wird hier gesagt, diese praktische Regel laute so in «Worte der Sprache gefaßt». Ursprünglich werden nämlich alle Regeln und Lehren der Geisteswissenschaft in einer sinnbildlichen Zeichensprache gegeben. Und wer ihre ganze Bedeutung und Tragweite kennenlernen will, der muß erst diese sinnbildliche Sprache sich zum Verständnis bringen. Dieses Verständnis ist davon abhängig, daß der Betreffende bereits die ersten Schritte in der Geheimwissenschaft getan hat. Diese Schritte aber kann er durch die genaue Beobachtung solcher Regeln gehen, wie sie hier gegeben werden. Jedem steht der Weg offen, der ernstliches Wollen hat&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einfach ist die obige Regel bezüglich der Augenblicke der inneren Ruhe. Und einfach ist auch ihre Befolgung. Aber zum Ziele führt sie nur, wenn sie ebenso ernst und streng angefaßt wird, wie sie einfach ist. Ohne Umschweife soll daher hier auch gesagt werden, wie diese Regel zu befolgen ist&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Geheimschüler hat sich eine kurze Zeit von seinem täglichen Leben auszusondern, um sich in dieser Zeit mit etwas ganz anderem zu befassen, als die Gegenstände seiner täglichen Beschäftigung sind. Und auch die Art seiner Beschäftigung muß eine ganz andere sein als diejenige, mit der er den übrigen Tag ausfüllt. Das ist aber nicht so zu verstehen, als ob dasjenige, was er in dieser ausgesonderten Zeit vollbringt, nichts zu tun habe mit dem Inhalt seiner täglichen Arbeit. Im Gegenteil: der Mensch, der solche abgesonderten Augenblicke in der rechten Art sucht, wird bald bemerken, daß er durch sie erst die volle Kraft zu seiner Tagesaufgabe erhält. Auch darf nicht geglaubt werden, daß die Beobachtung dieser Regel jemandem&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|31}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wirklich Zeit von seiner Pflichtenleistung entziehen könne. Wenn jemand wirklich nicht mehr Zeit zur Verfügung haben sollte, so genügen fünf Minuten jeden Tag. Es kommt darauf an, wie diese fünf Minuten angewendet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dieser Zeit soll der Mensch sich vollständig herausreißen aus seinem Alltagsleben. Sein Gedanken-, sein Gefühlsleben soll da eine andere Färbung erhalten, als sie sonst haben. Er soll seine Freuden, seine Leiden, seine Sorgen, seine Erfahrungen, seine Taten vor seiner Seele vorbeiziehen lassen. Und er soll sich dabei so stellen, daß er alles das, was er sonst erlebt, von einem höheren Gesichtspunkte aus ansieht. Man denke nur einmal daran, wie man im gewöhnlichen Leben etwas ganz anders ansieht, was ein anderer erlebt oder getan hat, als was man selbst erlebt oder getan hat. Das kann nicht anders sein. Denn mit dem, was man selbst erlebt oder tut, ist man verwoben; das Erlebnis oder die Tat eines anderen betrachtet man nur. Was man in den ausgesonderten Augenblicken anzustreben hat, ist nun, die eigenen Erlebnisse und Taten so anzuschauen, so zu beurteilen, als ob man sie nicht selbst, sondern als ob sie ein anderer erlebt oder getan hätte. Man stelle sich einmal vor: jemand habe einen schweren Schicksalsschlag erlebt. Wie anders steht er dem gegenüber als einem ganz gleichen Schicksalsschläge bei seinem Mitmenschen? Niemand kann das für unberechtigt halten. Es liegt in der menschlichen Natur. Und ähnlich wie in solchen außergewöhnlichen Fällen ist es in den alltäglichen Angelegenheiten des Lebens. Der Geheimschüler muß die Kraft suchen, sich selbst in gewissen Zeiten wie ein Fremder gegenüberzustehen. Mit der inneren Ruhe&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|32}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
des Beurteilers muß er sich selbst entgegentreten. Erreicht man das, dann zeigen sich einem die eigenen Erlebnisse in einem neuen Lichte. Solange man in sie verwoben ist, solange man in ihnen steht, hängt man mit dem Unwesentlichen ebenso zusammen wie mit dem Wesentlichen. Kommt man zur inneren Ruhe des Überblicks, dann sondert sich das Wesentliche von dem Unwesentlichen. Kummer und Freude, jeder Gedanke, jeder Entschluß erscheinen anders, wenn man sich so selbst gegenübersteht. Es ist, wie wenn man den ganzen Tag hindurch in einem Orte sich aufgehalten hat und das Kleinste ebenso nahe gesehen hat wie das Größte; dann des Abends auf einen benachbarten Hügel steigt und den ganzen Ort auf einmal überschaut. Da erscheinen die Teile dieses Ortes in anderen gegenseitigen Verhältnissen, als wenn man darinnen ist. Mit gegenwärtig erlebten Schicksalsfügungen wird und braucht dies nicht zu gelingen; mit länger vergangenen muß es vom Schüler des Geisteslebens erstrebt werden. Der Wert solcher inneren, ruhigen Selbstschau hängt viel weniger davon ab, was man dabei erschaut, als vielmehr davon, daß man in sich die Kraft findet, die solche innere Ruhe entwickelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denn jeder Mensch trägt neben seinem wir wollen ihn so nennen Alltagsmenschen in seinem Innern noch einen höheren Menschen. Dieser höhere Mensch bleibt so lange verborgen, bis er geweckt wird. Und jeder kann diesen höheren Menschen nur selbst in sich erwecken. Solange aber dieser höhere Mensch nicht erweckt ist, so lange bleiben auch die in jedem Menschen schlummernden höheren Fähigkeiten verborgen, die zu übersinnlichen Erkenntnissen führen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|33}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Solange jemand die Frucht der inneren Ruhe nicht fühlt, muß er sich eben sagen, daß er in der ernsten strengen Befolgung der angeführten Regel fortfahren muß. Für jeden, der so verfährt, kommt der Tag, wo es um ihn herum geistig hell wird, wo sich einem Auge, das er bis dahin in sich nicht gekannt hat, eine ganz neue Welt erschließen wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und nichts braucht sich im äußeren Leben des Geheimschülers zu ändern dadurch, daß er anfängt, diese Regel zu befolgen. Er geht seinen Pflichten nach wie vorher; er duldet dieselben Leiden und erlebt dieselben Freuden zunächst wie vorher. In keiner Weise kann er dadurch dem «Leben» entfremdet werden. Ja, er kann um so voller den übrigen Tag hindurch diesem «Leben» nachgehen, weil er in seinen ausgesonderten Augenblicken ein «höheres Leben» sich aneignet. Nach und nach wird dieses «höhere Leben» schon seinen Einfluß auf das gewöhnliche geltend machen. Die Ruhe der ausgesonderten Augenblicke wird ihre Wirkung auch auf den Alltag haben. Der ganze Mensch wird ruhiger werden, wird Sicherheit bei all seinen Handlungen gewinnen, wird nicht mehr aus der Fassung gebracht werden können durch alle möglichen Zwischenfälle. Allmählich wird sich solch angehender Geheimschüler sozusagen immer mehr selbst leiten und weniger von den Umständen und äußeren Einflüssen leiten lassen. Ein solcher Mensch wird bald bemerken, was für eine Kraftquelle solche ausgesonderte Zeitabschnitte für ihn sind. Er wird anfangen, sich über Dinge nicht mehr zu ärgern, über die er sich vorher geärgert hat; unzählige Dinge, die er vorher gefürchtet hat, hören auf, ihm Befürchtungen zu machen. Eine ganz neue&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|34}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lebensauffassung eignet er sich an. Vorher ging er vielleicht zaghaft an diese oder jene Verrichtung. Er sagte sich: Oh, meine Kraft reicht nicht aus, dies so zu machen, wie ich es gerne gemacht hätte. Jetzt kommt ihm nicht mehr dieser Gedanke, sondern vielmehr ein ganz anderer. Nunmehr sagt er sich nämlich: Ich will alle Kraft zusammennehmen, um meine Sache so gut zu machen, als ich nur irgend kann. Und den Gedanken, der ihn zaghaft machen könnte, unterdrückt er. Denn er weiß, daß ihn eben die Zaghaftigkeit zu einer schlechten Leistung veranlassen könnte, daß jedenfalls diese Zaghaftigkeit nichts beitragen kann zur Verbesserung dessen, was ihm obliegt. Und so ziehen Gedanke nach Gedanke in die Lebensauffassung des Geheimschülers ein, die fruchtbar, förderlich sind für sein Leben. Sie treten an die Stelle von solchen, die ihm hinderlich, schwächend waren. Er fängt an, sein Lebensschiff einen sicheren, festen Gang zu führen innerhalb der Wogen des Lebens, während es vorher von diesen Wogen hin und her geschlagen worden ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und solche Ruhe und Sicherheit wirken auch auf das ganze menschliche Wesen zurück. Der innere Mensch wächst dadurch. Und mit ihm wachsen jene inneren Fähigkeiten, welche zu den höheren Erkenntnissen führen. Denn durch seine in dieser Richtung gemachten Fortschritte gelangt der Geheimschüler allmählich dahin, daß er selbst bestimmt, wie die Eindrücke der Außenwelt auf ihn einwirken dürfen. Er hört zum Beispiel ein Wort, durch das ein anderer ihn verletzen oder ärgern will. Vor seiner Geheimschülerschaft wäre er auch verletzt worden oder hätte sich geärgert. Da er nun den Pfad der Geheimschülerschaft betreten hat, ist er imstande, dem Worte seinen verletzenden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|35}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
oder ärgerlichen Stachel zu nehmen, bevor es den Weg zu seinem Innern gefunden hat. Oder ein anderes Beispiel. Ein Mensch wird leicht ungeduldig, wenn er warten soll. Er betritt den Pfad des Geheimschülers. Er durchdringt sich in seinen Augenblicken der Ruhe so sehr mit dem Gefühl von der Zwecklosigkeit vieler Ungeduld, daß er fortan bei jeder erlebten Ungeduld sofort dieses Gefühl gegenwärtig hat. Die Ungeduld, die sich schon einstellen wollte, verschwindet, und eine Zeit, die sonst verlorengegangen wäre unter den Vorstellungen der Ungeduld, wird vielleicht ausgefüllt von einer nützlichen Beobachtung, die während des Wartens gemacht werden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun muß man sich nur die Tragweite von alledem vergegenwärtigen. Man bedenke, daß der «höhere Mensch» im Menschen in fortwährender Entwickelung ist. Durch die beschriebene Ruhe und Sicherheit wird ihm aber allein eine gesetzmäßige Entwickelung ermöglicht. Die Wogen des äußeren Lebens zwängen den inneren Menschen von allen Seiten ein, wenn der Mensch nicht dieses Leben beherrscht, sondern von ihm beherrscht wird. Ein solcher Mensch ist wie eine Pflanze, die sich in einer Felsspalte entwickeln soll. Sie verkümmert so lange, bis man ihr Raum schafft. Dem inneren Menschen können keine äußeren Kräfte Raum schaffen. Das vermag nur die innere Ruhe, die er seiner Seele schafft. Äußere Verhältnisse können nur seine äußere Lebenslage ändern; den «geistigen Menschen» in ihm können sie nie und nimmer erwecken. In sich selbst muß der Geheimschüler einen neuen, einen höheren Menschen gebären.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser «höhere Mensch» wird dann der «innere Herrscher»,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|36}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der mit sicherer Hand die Verhältnisse des äußeren Menschen führt. Solange der äußere Mensch die Oberhand und Leitung hat, ist dieser «innere» sein Sklave und kann daher seine Kräfte nicht entfalten. Hängt es von etwas anderem als von mir ab, ob ich mich ärgere oder nicht, so bin ich nicht Herr meiner selbst, oder noch besser gesagt : ich habe den «Herrscher in mir» noch nicht gefunden. Ich muß in mir die Fähigkeit entwickeln, die Eindrücke der Außenwelt nur in einer durch mich selbst bestimmten Weise an mich herankommen zu lassen; dann kann ich erst Geheimschüler werden. Und nur insoweit der Geheimschüler ernstlich nach dieser Kraft sucht, kann er zum Ziel kommen. Es kommt nicht darauf an, wie weit es einer in einer bestimmten Zeit bringt; sondern allein darauf, daß er ernstlich sucht. Schon manchen hat es gegeben, der jahrelang sich angestrengt hat, ohne an sich einen merklichen Fortschritt zu bemerken; viele von denen aber, die nicht verzweifelt, sondern unerschütterlich geblieben sind, haben dann ganz plötzlich den «inneren Sieg» errungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gehört gewiß in mancher Lebenslage eine große Kraft dazu, sich Augenblicke innerer Ruhe zu schaffen. Aber je größer die notwendige Kraft, desto bedeutender ist auch das, was erreicht wird. Alles hängt in bezug auf die Geheimschülerschaft davon ab, daß man energisch, mit innerer Wahrheit und rückhaltloser Aufrichtigkeit sich selbst, mit allen seinen Handlungen und Taten, als ein völlig Fremder gegenüberstehen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber nur eine Seite der inneren Tätigkeit des Geheimschülers ist durch diese Geburt des eigenen höheren Menschen gekennzeichnet. Es muß dazu noch etwas anderes&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|37}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
kommen. Wenn sich nämlich der Mensch auch selbst als ein Fremder gegenübersteht, so betrachtet er doch nur sich selbst; er sieht auf diejenigen Erlebnisse und Handlungen, mit denen er durch seine besondere Lebenslage verwachsen ist. Er muß darüber hinauskommen. Er muß sich erheben zu einem rein Menschlichen, das nichts mehr mit seiner besonderen Lage zu tun hat. Er muß zu einer Betrachtung derjenigen Dinge übergehen, die ihn als Mensch etwas angingen, auch wenn er unter ganz anderen Verhältnissen, in einer ganz anderen Lage lebte. Dadurch lebt in ihm etwas auf, was über das Persönliche hinausragt. Er richtet damit den Blick in höhere Welten, als diejenigen sind, mit denen ihn der Alltag zusammenführt. Und damit beginnt der Mensch zu fühlen, zu erleben, daß er solchen höheren Welten angehört. Es sind das Welten, über die ihm seine Sinne, seine alltägliche Beschäftigung nichts sagen können. So erst verlegt er den Mittelpunkt seines Wesens in sein Inneres. Er hört auf die Stimmen in seinem Innern, die in den Augenblicken der Ruhe zu ihm sprechen; er pflegt im Innern Umgang mit der geistigen Welt. Er ist dem Alltag entrückt. Der Lärm dieses Alltags ist für ihn verstummt. Es ist um ihn herum still geworden. Er weist alles ab, was ihn an solche Eindrücke von außen erinnert. Die ruhige Beschaulichkeit im Innern, die Zwiesprache mit der rein geistigen Welt füllt seine ganze Seele aus. Ein natürliches Lebensbedürfnis muß dem Geheimschüler solche stille Beschaulichkeit werden. Er ist zunächst ganz in eine Gedanken-Welt versenkt. Er muß für diese stille Gedankentätigkeit ein lebendiges Gefühl entwickeln. Er muß lieben lernen, was ihm der Geist da zuströmt. Bald hört er dann auch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|38}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
auf, diese Gedankenwelt als etwas zu empfinden, was unwirklicher sei als die Dinge des Alltags, die ihn umgeben. Er fängt an, mit seinen Gedanken umzugehen wie mit den Dingen im Raume. Und dann naht für ihn auch der Augenblick, in dem er das, was sich ihm in der Stille innerer Gedankenarbeit offenbart, als viel höher, wirklicher zu fühlen beginnt als die Dinge im Raume. Er erfährt, daß sich Leben in dieser Gedankenwelt ausspricht. Er sieht ein, daß sich in Gedanken nicht bloße Schattenbilder ausleben, sondern, daß durch sie verborgene Wesenheiten zu ihm sprechen. Es fängt an, aus der Stille heraus zu ihm zu sprechen. Vorher hat es nur durch sein Ohr zu ihm getönt; jetzt tönt es durch seine Seele. Eine innere Sprache ein inneres Wort hat sich ihm erschlossen. Beseligt im höchsten Grade fühlt sich der Geheimschüler, wenn er diesen Augenblick zum ersten Male erlebt. Über seine ganze äußere Welt ergießt sich ein inneres Licht. Ein zweites Leben beginnt für ihn. Der Strom einer göttlichen, einer gottbeseligenden Welt ergießt sich durch ihn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Solches Leben der Seele in Gedanken, das sich immer mehr erweitert zu einem Leben in geistiger Wesenheit, nennt die Gnosis, die Geisteswissenschaft Meditation (beschauliches Nachdenken). Diese Meditation ist das Mittel zu übersinnlicher Erkenntnis. Aber nicht schwelgen in Gefühlen soll der Geheimschüler in solchen Augenblicken. Er soll nicht unbestimmte Empfindungen in seiner Seele haben. Das würde ihn nur hindern, zu wahrer geistiger Erkenntnis zu kommen. Klar, scharf, bestimmt sollen sich seine Gedanken gestalten. Dazu wird er einen Anhalt finden, wenn er sich nicht blind an die Gedanken hält, die ihm aufsteigen. Er soll sich vielmehr mit den&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|39}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
hohen Gedanken durchdringen, welche vorgeschrittene, schon vom Geist erfaßte Menschen in solchen Augenblicken gedacht haben. Er soll zum Ausgangspunkte die Schriften nehmen, die selbst solcher Offenbarung in der Meditation entsprossen sind. In der mystischen, in der gnostischen, in der geisteswissenschaftlichen Literatur von heute findet der Geheimschüler solche Schriften. Da ergeben sich ihm die Stoffe zu seiner Meditation. Die Geistsucher haben selbst in solchen Schriften die Gedanken der göttlichen Wissenschaft niedergelegt; der Geist hat durch seine Boten sie der Welt verkündigen lassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch solche Meditation geht eine völlige Verwandlung mit dem Geheimschüler vor. Er fängt an, über die Wirklichkeit ganz neue Vorstellungen sich zu bilden. Alle Dinge erhalten für ihn einen anderen Wert. Immer wieder muß es gesagt werden: nicht weltfremd wird der Geheimschüler durch solche Wandlung. Er wird auf keinen Fall seinem alltäglichen Pflichtenkreis entfremdet. Denn er lernt einsehen, daß die geringste Handlung, die er zu vollbringen hat, das geringste Erlebnis, das sich ihm darbietet, im Zusammenhang stehen mit den großen Weltwesenheiten und Weltereignissen. Wird ihm dieser Zusammenhang durch seine beschaulichen Augenblicke erst klar, dann geht er mit neuer vollerer Kraft an seinen täglichen Wirkungskreis. Denn jetzt weiß er: was er arbeitet, was er leidet, das arbeitet, leidet er um eines großen, geistigen Weltzusammenhanges willen. Kraft zum Leben, nicht Lässigkeit quillt aus der Meditation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit sicherem Schritt geht der Geheimschüler durch das Leben. Was es ihm auch bringen mag, läßt ihn aufrecht schreiten. Vorher hat er nicht gewußt, warum er arbeitet,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|40}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
warum er leidet: jetzt weiß er dies. Einzusehen ist, daß solche Meditationstätigkeit besser zum Ziele führt, wenn sie unter Anleitung erfahrener Menschen geschieht. Solchen Menschen, die von sich aus wissen, wie alles am besten zu machen ist. Man sehe daher den Rat, die Anweisung solcher Menschen sich an. Man verliert dadurch wahrlich nicht seine Freiheit. Was sonst nur unsicheres Tappen sein kann, wird durch solche Anleitung zum zielsicheren Arbeiten. Wer sich um solche kümmert, die in dieser Richtung Wissen, Erfahrung haben, wird niemals vergeblich anklopfen. Er sei sich nur bewußt, daß er nichts anderes sucht als den Rat eines Freundes, nicht die Übermacht eines solchen, der herrschen will. Man wird immer finden, daß diejenigen, die wirklich wissen, die bescheidensten Menschen sind, und daß ihnen nichts ferner liegt als dasjenige, was die Menschen Machtgelüste nennen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer sich durch die Meditation erhebt zu dem, was den Menschen mit dem Geist verbindet, der beginnt in sich das zu beleben, was ewig in ihm ist, was nicht durch Geburt und Tod begrenzt ist. Nur diejenigen können zweifeln an einem solchen Ewigen, die es nicht selbst erlebt haben. So ist die Meditation der Weg, der den Menschen auch zur Erkenntnis, zur Anschauung seines ewigen, unzerstörbaren Wesenskernes führt. Und nur durch sie kann der Mensch zu solcher Anschauung kommen. Gnosis, Geisteswissenschaft sprechen von der Ewigkeit dieses Wesenskernes, von der Wiederverkörperung desselben. Oft wird gefragt, warum weiß der Mensch nichts von seinen Erlebnissen, die jenseits von Geburt und Tod liegen? Aber nicht so sollte gefragt werden. Sondern vielmehr so: wie gelangt man zu solchem Wissen? In der richtigen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|41}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Meditation eröffnet sich der Weg. Durch sie lebt die Erinnerung auf an Erlebnisse, die jenseits von Geburt und Tod liegen. Jeder kann dieses Wissen erwerben; in jedem liegen die Fähigkeiten, selbst zu erkennen, selbst zu schauen, was echte Mystik, Geisteswissenschaft, Anthroposophie und Gnosis lehren. Er muß nur die richtigen Mittel wählen. Nur ein Wesen, das Ohren und Augen hat, kann Töne und Farben wahrnehmen. Und auch das Auge kann nichts wahrnehmen, wenn das Licht fehlt, das die Dinge sichtbar macht. In der Geheimwissenschaft sind die Mittel gegeben, die geistigen Ohren und Augen zu entwickeln und das geistige Licht zu entzünden. Als drei Stufen können die Mittel der geistigen Schulung bezeichnet werden: 1. Die Vorbereitung. Sie entwickelt die geistigen Sinne. 2. Die Erleuchtung. Sie zündet das geistige Licht an. 3. Die Einweihung. Sie eröffnet den Verkehr mit den höheren Wesenheiten des Geistes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|42}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= DIE STUFEN DER EINWEIHUNG =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die folgenden Mitteilungen sind Glieder einer geistigen Schulung, über deren Namen und Wesenheit jeder sich klar wird, der sie richtig anwendet. Sie beziehen sich auf die drei Stufen, durch welche die Schule des geistigen Lebens zu einem gewissen Grade der Einweihung führt. Aber nur so viel von diesen Auseinandersetzungen wird man hier finden, als eben öffentlich gesagt werden kann. Es sind dies Andeutungen, welche aus einer noch viel tieferen, intimen Lehre herausgeholt sind. In der Geheimschulung selbst wird ein ganz bestimmter Lehrgang befolgt. Gewisse Verrichtungen dienen dazu, die Seele des Menschen zum bewußten Verkehr mit der geistigen Welt zu bringen. Diese Verrichtungen verhalten sich etwa zu dem, was im folgenden mitgeteilt wird, wie der Unterricht, den man jemandem in einer höheren streng geregelten Schule gibt, zu der Unterweisung, die man ihm gelegentlich auf einer vorbereitenden Schule zuteil werden läßt. Doch kann die ernste und beharrliche Verfolgung dessen, was man hier angedeutet findet, zur wirklichen Geheimschulung führen. Allerdings, das ungeduldige Probieren, ohne Ernst und Beharrlichkeit, kann zu gar nichts führen. Von Erfolg kann das Geheimstudium nur sein, wenn dasjenige zunächst eingehalten wird, was bereits gesagt worden ist, und auf dieser Grundlage fortgeschritten wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Stufen, welche die angedeutete Überlieferung angibt, sind die folgenden drei: 1. Die Vorbereitung, 2. die Erleuchtung, 3. die Einweihung. Es ist nicht durchaus notwendig, daß diese drei Stufen sich so folgen, daß man&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|43}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die erste ganz durchgemacht hat, bevor die zweite, und diese, bevor die dritte an die Reihe kommen. Man kann in bezug auf gewisse Dinge schon der Erleuchtung, ja der Einweihung teilhaftig werden, wenn man in bezug auf andere sich noch in der Vorbereitung befindet. Doch wird man eine gewisse Zeit in Vorbereitung zu verbringen haben, bevor überhaupt eine Erleuchtung beginnen kann. Und wenigstens für einiges wird man erleuchtet sein müssen, wenn der Anfang mit der Einweihung gemacht werden soll. In der Beschreibung aber müssen, der Einfachheit wegen, die drei Stufen hintereinander folgen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Vorbereitung ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Vorbereitung besteht in einer ganz bestimmten Pflege des Gefühls- und Gedankenlebens. Durch diese Pflege werden Seelen- und Geistesleib mit höheren Sinneswerkzeugen und Tätigkeitsorganen begabt, wie die Naturkräfte den physischen Leib aus unbestimmter lebendiger Materie mit Organen ausgerüstet haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Anfang muß damit gemacht werden, die Aufmerksamkeit der Seele auf gewisse Vorgänge in der uns umgebenden Welt zu lenken. Solche Vorgänge sind das sprießende, wachsende und gedeihende Leben einerseits, und alle Erscheinungen, die mit Verblühen, Verwelken, Absterben zusammenhängen, andererseits. Überall, wohin der Mensch die Augen wendet, sind solche Vorgänge gleichzeitig vorhanden. Und überall rufen sie naturgemäß auch in dem Menschen Gefühle und Gedanken hervor. Aber nicht genug gibt sich unter gewöhnlichen Verhältnissen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|44}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der Mensch diesen Gefühlen und Gedanken hin. Dazu eilt er viel zu rasch von einem Eindruck zum anderen. Es handelt sich darum, daß er intensiv die Aufmerksamkeit ganz bewußt auf diese Tatsachen lenke. Er muß, wo er Blühen und Gedeihen einer ganz bestimmten Art wahrnimmt, alles andere aus seiner Seele verbannen und sich kurze Zeit ganz allein diesem einen Eindrucke überlassen. Er wird sich bald überzeugen, daß ein Gefühl, das in einem solchen Falle durch seine Seele früher nur durchgehuscht ist, anschwillt, daß es eine kräftige und energische Form annimmt. Diese Gefühlsform muß er dann ruhig in sich nachklingen lassen. Er muß dabei ganz still in seinem Innern werden. Er muß sich abschließen von der übrigen Außenwelt und ganz allein dem folgen, was seine Seele zu der Tatsache des Blühens und Gedeihens sagt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dabei soll man nur ja nicht glauben, daß man weit kommt, wenn man seine Sinne etwa stumpf macht gegen die Welt. Erst schaue man so lebhaft, so genau, als es nur irgend möglich ist, die Dinge an. Dann erst gebe man sich dem in der Seele auflebenden Gefühle, dem aufsteigenden Gedanken hin. Worauf es ankommt, ist, daß man auf beides, im völligen inneren Gleichgewicht, die Aufmerksamkeit richte. Findet man die nötige Ruhe und gibt man sich dem hin, was in der Seele auflebt, dann wird man nach entsprechender Zeit das Folgende erleben. Man wird neue Arten von Gefühlen und Gedanken in seinem Innern aufsteigen sehen, die man vorher nicht gekannt hat. Je öfter man in einer solchen Weise die Aufmerksamkeit auf etwas Wachsendes, Blühendes und Gedeihendes und damit abwechselnd auf etwas Welkendes, Absterbendes&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|45}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
lenkt, desto lebhafter werden diese Gefühle werden. Und aus den Gefühlen und Gedanken, die so entstehen, bauen sich die Hellseherorgane ebenso auf, wie sich durch Naturkräfte aus belebtem Stoffe Augen und Ohren des physischen Körpers aufbauen. Eine ganz bestimmte Gefühlsform knüpft sich an das Wachsen und Werden; eine andere ganz bestimmte an das Verwelken und Absterben. Aber nur dann, wenn die Pflege dieser Gefühle auf die beschriebene Art angestrebt wird. Es ist möglich, annähernd richtig zu beschreiben, wie diese Gefühle sind. Eine vollständige Vorstellung kann sich davon jeder selbst verschaffen, indem er diese inneren Erlebnisse durchmacht. Wer oft die Aufmerksamkeit auf den Vorgang des Werdens, des Gedeihens, des Blühens gelenkt hat, der wird etwas fühlen, was der Empfindung bei einem Sonnenaufgang entfernt ähnlich ist. Und aus dem Vorgang des Welkens, Absterbens wird sich ihm ein Erlebnis ergeben, das in ebensolcher Art mit dem langsamen Aufsteigen des Mondes im Gesichtskreis zu vergleichen ist. Diese beiden Gefühle sind zwei Kräfte, die bei gehöriger Pflege, bei immer lebhafter werdender Ausbildung zu den bedeutsamsten geistigen Wirkungen führen. Wer sich immer wieder und wieder planmäßig, mit Vorsatz, solchen Gefühlen überläßt, dem eröffnet sich eine neue Welt. Die Seelenwelt, der sogenannte astrale Plan, beginnt vor ihm aufzudämmern. Wachsen und Vergehen bleiben für ihn nicht mehr Tatsachen, die ihm solch unbestimmte, Eindrücke machen wie vorher. Sie formen sich vielmehr zu geistigen Linien und Figuren, von denen er vorher nichts ahnte. Und diese Linien und Figuren haben für die verschiedenen Erscheinungen auch verschiedene Gestalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|46}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine blühende Blume zaubert vor seine Seele eine ganz bestimmte, Linie, ebenso ein im Wachsen begriffenes Tier oder ein im Absterben befindlicher Baum. Die Seelenwelt (der astrale Plan) breitet sich langsam vor ihm aus. Nichts Willkürliches liegt in diesen Linien und Figuren. Zwei Geheimschüler, die sich auf der entsprechenden Stufe der Ausbildung befinden, werden bei dem gleichen Vorgange stets dieselben Linien und Figuren sehen. So gewiß zwei richtig sehende Menschen einen runden Tisch rund sehen, und nicht einer rund und der andere viereckig, so gewiß stellt sich vor zwei Seelen beim Anblicke einer blühenden Blume dieselbe geistige Gestalt. So wie die Gestalten der Pflanzen und Tiere in der gewöhnlichen Naturgeschichte beschrieben werden, so beschreibt oder zeichnet der Kenner der Geheimwissenschaft die geistigen Gestalten der Wachstums und Absterbensvorgänge nach Gattungen und Arten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn der Schüler so weit ist, daß er solch geistige Gestalten von Erscheinungen sehen kann, die sich seinem äußeren Auge auch physisch zeigen: dann wird er auch nicht weit entfernt sein von der Stufe, Dinge zu sehen, die kein physisches Dasein haben, die also dem ganz verborgen (okkult) bleiben müssen, der keine, Unterweisung in der Geheimlehre erhalten hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu betonen ist, daß der Geheimforscher sich nicht in ein Nachsinnen verlieren soll, was dieses oder jenes Ding bedeutet. Durch solche Verstandesarbeit bringt er sich nur von dem rechten Wege ab. Er soll frisch, mit gesundem Sinne, mit scharfer Beobachtungsgabe in die Sinnenwelt sehen und dann sich seinen Gefühlen überlassen. Was die Dinge bedeuten, das soll nicht er mit spekulierendem Verstande&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|47}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ausmachen wollen, sondern er soll es sich von den Dingen selbst sagen lassen.*&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Weiteres, worauf es ankommt, ist das, was die Geheimwissenschaft die Orientierung in den höheren Welten nennt. Man gelangt dazu, wenn man sich ganz von dem Bewußtsein durchdringt, daß Gefühle und Gedanken wirkliche Tatsachen sind, genau so wie Tische und Stühle in der physisch-sinnlichen Welt. In der seelischen und in der Gedankenwelt wirken Gefühle und Gedanken aufeinander wie in der physischen die sinnlichen Dinge. Solange jemand nicht lebhaft von diesem Bewußtsein durchdrungen ist, wird er nicht glauben, daß ein verkehrter Gedanke, den er hegt, auf andere Gedanken, die den Gedankenraum beleben, so verheerend wirken kann wie eine blindlings losgeschossene Flintenkugel für die physischen Gegenstände, die sie trifft. Ein solcher wird sich vielleicht niemals erlauben, eine physisch sichtbare Handlung zu begehen, die er für sinnlos hält. Er wird aber nicht davor zurückschrecken, verkehrte Gedanken oder Gefühle zu hegen. Denn diese erscheinen ihm ungefährlich für die übrige Welt. In der Geheimwissenschaft kann man aber nur vorwärtskommen, wenn man auf seine Gedanken und Gefühle ebenso achtet, wie man auf seine Schritte in der physischen Welt achtet. Wenn jemand eine Wand sieht, so versucht er nicht, geradewegs durch dieselbe durchzurennen; er lenkt seine Schritte seitwärts. Er richtet&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- - -&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;#&amp;lt;/nowiki&amp;gt;FN010-047-* Bemerkt soll werden, daß künstlerisches Empfinden, gepaart mit einer stillen, in sich versenkten Natur, die beste Vorbedingung für die Entwickelung der geistigen Fähigkeiten ist. Dieses Empfinden dringt ja durch die Oberfläche der Dinge hindurch und gelangt dadurch zu deren Geheimnissen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|48}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sich eben nach den Gesetzen der physischen Welt. Solche Gesetze, gibt es nun auch für die Gefühls- und Gedankenwelt. Nur können sie dem Menschen da nicht von außen sich aufdrängen. Sie müssen aus dem Leben seiner Seele selbst fließen. Man gelangt dazu, wenn man sich jederzeit verbietet, verkehrte Gefühle und Gedanken zu hegen. Alles willkürliche, Hin- und Hersinnen, alles spielerische Phantasieren, alle zufällig auf- und abwogenden Gefühle muß man sich in dieser Zeit verbieten. Man macht sich dadurch nicht gefühlsarm. Man wird nämlich bald finden, daß man reich an Gefühlen, schöpferisch in wahrer Phantasie erst wird, wenn man in solcher Art sein Inneres regelt. An die Stelle kleinlicher Gefühlsschwelgerei und spielerischer Gedankenverknüpfung treten bedeutsame Gefühle und fruchtbare Gedanken. Und diese Gefühle und Gedanken führen den Menschen dazu, sich in der geistigen Welt zu orientieren. Er kommt in richtige Verhältnisse zu den Dingen der Geisteswelt. Eine ganz bestimmte Wirkung tritt für ihn ein. Wie er als physischer Mensch seinen Weg findet zwischen den physischen Dingen, so führt ihn jetzt sein Pfad zwischen Wachsen und Absterben, die er ja auf dem oben bezeichneten Weg kennenlernt, hindurch. Er folgt dann allem Wachsenden, Gedeihenden und auch andererseits allem Verwelkenden und Absterbenden so, wie es zu seinem und der Welt Gedeihen erforderlich ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine weitere Pflege hat der Geheimschüler der Welt der Töne angedeihen zu lassen. Man unterscheide da zwischen dem Tone, der durch das sogenannte Leblose (einen fallenden Körper, eine Glocke oder ein Musikinstrument) hervorgebracht wird, und dem, welcher von Lebendigem&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|49}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(einem Tiere oder Menschen) stammt. Wer eine Glocke hört, wird den Ton wahrnehmen und ein angenehmes Gefühl daran knüpfen; wer den Schrei eines Tieres hört, wird außer diesem Gefühl in dem Tone noch die Offenbarung eines inneren Erlebnisses des Tieres, Lust oder Schmerz, verspüren. Bei der letzteren Art von Tönen hat der Geheimschüler einzusetzen. Er soll seine ganze Aufmerksamkeit darauf lenken, daß der Ton ihm etwas verkündet, was außer der eigenen Seele liegt. Und er soll sich versenken in dieses Fremde. Er soll sein Gefühl innig verbinden mit dem Schmerz oder der Lust, die ihm durch den Ton verkündet werden. Er soll darüber hinweg sich setzen, was für ihn der Ton ist, ob er ihm angenehm oder unangenehm ist, wohlbehaglich oder mißfällig; nur das soll seine Seele erfüllen, was in dem Wesen vorgeht, von dem der Ton kommt. Wer planmäßig und mit Vorbedacht solche Übungen macht, der wird sich dadurch die Fähigkeit aneignen, mit einem Wesen, sozusagen, zusammenzufließen, von dem der Ton ausgeht. Einem musikalisch empfindenden Menschen wird solche Pflege seines Gemütslebens leichter sein als einem unmusikalischen. Doch darf niemand glauben, daß der musikalische Sinn schon diese Pflege ersetzt. Man muß, als Geheimschüler, in dieser Art der ganzen Natur gegenüber empfinden lernen. Und dadurch senkt sich in Gefühls und Gedankenwelt eine neue Anlage. Die ganze Natur fängt an, dem Menschen durch ihr Ertönen Geheimnisse zuzuraunen. Was vorher seiner Seele unverständlicher Schall war, wird dadurch sinnvolle Sprache der Natur. Und wobei er vorher nur Ton gehört hat, beim Erklingen des sogenannten Leblosen, vernimmt er jetzt eine neue Sprache der Seele.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|50}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schreitet er in solcher Pflege, seiner Gefühle vorwärts, dann wird er bald gewahr, daß er hören kann, wovon er vorher nichts vermutet hat. Er fängt an, mit der Seele zu hören.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dazu muß dann noch etwas anderes kommen, um zum Gipfel zu gelangen, der auf diesem Gebiete zu erreichen ist. Was für die Ausbildung des Geheimschülers ganz besonders wichtig ist, das ist die Art, wie er anderen Menschen beim Sprechen zuhört. Er muß sich daran gewöhnen, dies so zu tun, daß dabei sein eigenes Innere vollkommen schweigt. Wenn jemand eine Meinung äußert, und ein anderer hört zu, so wird sich im Innern des letzteren im allgemeinen Zustimmung oder Widerspruch regen. Viele Menschen werden wohl auch sofort sich gedrängt fühlen, ihre zustimmende und namentlich ihre widersprechende Meinung zu äußern. Alle solche Zustimmung und allen solchen Widerspruch muß der Geheimschüler zum Schweigen bringen. Es kommt dabei nicht darauf an, daß er plötzlich seine Lebensart so ändere, daß er solch inneres, gründliches Schweigen fortwährend zu erreichen sucht. Er wird damit den Anfang machen müssen, daß er es in einzelnen Fällen tut, die er sich mit Vorsatz auswählt. Dann wird sich ganz langsam und allmählich, wie von selbst, diese ganz neue Art des Zuhörens in seine Gewohnheiten einschleichen. In der Geistesforschung wird solches planmäßig geübt. Die Schüler fühlen sich verpflichtet, übungsweise zu gewissen Zeiten sich die entgegengesetztesten Gedanken anzuhören und dabei alle Zustimmung und namentlich alles abfällige Urteilen vollständig zum Verstummen zu bringen. Es kommt darauf an, daß dabei nicht nur alles verstandesmäßige Urteilen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|51}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
schweige, sondern auch alle Gefühle des Mißfallens, der Ablehnung oder auch Zustimmung. Insbesondere muß sich der Schüler stets sorgfältig beobachten, ob nicht solche Gefühle, wenn auch nicht an der Oberfläche, so doch im intimsten Innern seiner Seele vorhanden seien. Er muß sich zum Beispiel die Aussprüche von Menschen anhören, die in irgendeiner Beziehung weit unter ihm stehen, und muß dabei jedes Gefühl des Besserwissens oder der Überlegenheit unterdrücken. Nützlich ist es für jeden, in solcher Art Kindern zuzuhören. Auch der Weiseste kann unermeßlich viel von Kindern lernen. So bringt es der Mensch dazu, die Worte des anderen ganz selbstlos zu hören, mit vollkommener Ausschaltung seiner eigenen Person, deren Meinung und Gefühlsweise. Wenn er sich so übt, kritiklos zuzuhören, auch dann, wenn die völlig entgegengesetzte Meinung vorgebracht wird, wenn das «Verkehrteste» sich vor ihm abspielt, dann lernt er nach und nach mit dem Wesen eines anderen vollständig zu verschmelzen, ganz in dasselbe aufzugehen. Er hört dann durch die Worte hindurch in des anderen Seele hinein. Durch anhaltende Übung solcher Art wird erst der Ton das rechte Mittel, um Seele, und Geist wahrzunehmen. Allerdings gehört dazu die allerstrengste Selbstzucht. Aber diese führt zu einem hohen Ziele. Wenn diese Übungen nämlich in Verbindung mit den anderen getrieben werden, die angegeben worden sind bezüglich des Tönens in der Natur, so erwächst der Seele ein neuer Hörsinn. Sie wird imstande, Kundgebungen aus der geistigen Welt wahrzunehmen, die nicht ihren Ausdruck finden in äußeren Tönen, die für das physische Ohr wahrnehmbar sind. Die Wahrnehmung des «inneren Wortes» erwacht. Dem&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|52}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Geheimschüler offenbaren sich allmählich von der Geisteswelt aus Wahrheiten. Er hört auf geistige Art zu sich sprechen.* Alle höheren Wahrheiten werden durch solches «inneres Einsprechen» erreicht. Und was man aus dem Munde eines wahren Geheimforschers hören kann, das hat er durch diese Art in Erfahrung gebracht. Damit aber soll nicht gesagt sein, daß es unnötig sei, sich mit geheimwissenschaftlichen Schriften zu befassen, bevor man selbst in solcher Weise «inneres Einsprechen» vernehmen kann. Im Gegenteil: das Lesen solcher Schriften, das Anhören der Geheimforscherlehren sind selbst Mittel, auch zu eigener Erkenntnis zu gelangen. Jeder Satz der Geheimwissenschaft, den der Mensch hört, ist geeignet, den Sinn dahin zu lenken, wohin er gelangen muß, soll die Seele wahren Fortschritt erleben. Zu all dem Gesagten muß vielmehr eifriges Studium dessen treten, was die Geheimforscher der Welt mitteilen. Bei aller Geheimschulung gehört solches Studium zur Vorbereitung. Und wer alle sonstigen Mittel anwenden wollte, er käme zu keinem Ziele, wenn er nicht die Lehren der Geheimforscher in sich aufnähme. Denn weil diese Lehren aus dem lebendigen «inneren Worte», aus der «lebendigen Einsprechung» geschöpft sind, haben sie selbst geistiges Leben. Sie sind nicht bloß Worte. Sie sind lebendige Kräfte. Und während du den Worten eines Geheimkundigen folgst, während du ein Buch liest, das einer wirklichen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- - -&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
FN010-052-* Nur wer durch selbstloses Zuhören es dahin bringt, daß er wirklich von innen aufnehmen kann, still, ohne Regung einer persönlichen Meinung oder eines persönlichen Gefühls, zu dem können die höheren Wesenheiten sprechen, von denen man in der Geheimwissenschaft spricht. Solange man noch irgendeine Meinung, irgendein Gefühl dem zu Hörenden entgegenschleudert, schweigen die Wesenheiten der Geisteswelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|53}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
inneren Erfahrung entstammt, wirken in deiner Seele Kräfte, welche dich ebenso hellsehend machen, wie die Naturkräfte aus lebendigem Stoffe deine Augen und Ohren gebildet haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Erleuchtung ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Erleuchtung geht von sehr einfachen Vorgängen aus. Auch dabei handelt es sich darum, gewisse Gefühle und Gedanken zu entwickeln, die in jedem Menschen schlummern und die erwachen müssen. Nur wer mit voller Geduld, streng und anhaltend die einfachen Vorgänge durchnimmt, den können sie zur Wahrnehmung der inneren Lichterscheinungen führen. Der erste Anfang wird damit gemacht, in einer bestimmten Art verschiedene Naturwesen zu betrachten, und zwar zum Beispiele: einen durchsichtigen, schön geformten Stein (Kristall), eine Pflanze und ein Tier. Man suche zuerst seine ganze Aufmerksamkeit auf einen Vergleich des Steines mit dem Tier in folgender Art zu lenken. Die Gedanken, die hier angeführt werden, müssen von lebhaften Gefühlen begleitet, durch die Seele ziehen. Und kein anderer Gedanke, kein anderes Gefühl dürfen sich einmischen und die intensiv aufmerksame Betrachtung stören. Man sage sich: «Der Stein hat eine Gestalt; das Tier hat auch eine Gestalt. Der Stein bleibt ruhig an seinem Ort. Das Tier verändert seinen Ort. Es ist der Trieb (die Begierde), welcher das Tier veranlaßt, seinen Ort zu ändern. Und die Triebe sind es auch, denen die Gestalt des Tieres dient. Seine Organe, seine Werkzeuge, sind diesen Trieben gemäß ausgebildet. Die Gestalt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|54}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
des Steins ist nicht nach Begierden, sondern durch begierdelose Kraft gebildet.»* Wenn man sich intensiv in diese Gedanken versenkt und dabei mit gespannter Aufmerksamkeit Stein und Tier betrachtet: dann leben in der Seele, zwei ganz verschiedene, Gefühlsarten auf. Aus dem Stein strömt die eine Art des Gefühls, aus dem Tiere die andere Art in unsere Seele. Die Sache wird wahrscheinlich im Anfange nicht gelingen: aber nach und nach, bei wirklicher geduldiger Übung, werden sich diese Gefühle einstellen. Man muß nur immerfort und fort üben. Erst sind die Gefühle nur so lange vorhanden, als die Betrachtung dauert, später wirken sie nach. Und dann werden sie zu etwas, was in der Seele lebendig bleibt. Der Mensch braucht sich dann nur zu besinnen: und die beiden Gefühle steigen immer, auch ohne Betrachtung eines äußeren Gegenstandes, auf. Aus diesen Gefühlen und den mit ihnen verbundenen Gedanken bilden sich Hellseherorgane. Tritt dann in der Betrachtung noch die Pflanze hinzu, so wird man bemerken, daß das von ihr ausgehende Gefühl, seiner Beschaffenheit und auch seinem Grade nach, in der Mitte liegt zwischen dem vom Stein und dem vom Tier ausströmenden. Die Organe, welche sich auf solche Art bilden, sind Geistesaugen. Man lernt mit ihnen allmählich etwas wie seelische und geistige Farben zu sehen. Solange man nur das sich angeeignet hat, was als&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- - -&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;#&amp;lt;/nowiki&amp;gt;FN010-054-* Die hier gemeinte Tatsache, insofern sie sich auf Kristallbeobachtung bezieht, ist von solchen, die nur in äußerlicher Weise (exoterisch) davon gehört haben, in mancherlei Art verdreht worden, woraus Verrichtungen wie «Kristallsehen» und so weiter entstanden sind. Derlei Manipulationen beruhen auf Mißverständnissen. Sie sind in vielen Büchern beschrieben worden. Aber sie bilden niemals den Gegenstand wahren (esoterischen) Geheimunterrichtes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|55}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
«Vorbereitung» beschrieben worden ist, bleibt die geistige Welt mit ihren Linien und Figuren dunkel; durch die Erleuchtung wird sie hell. Auch hier muß bemerkt werden, daß die Worte «dunkel» und «hell» sowie die anderen gebrauchten Ausdrücke nur annähernd aussprechen, was gemeint ist. Will man sich aber der gebräuchlichen Sprache bedienen, so ist nichts anderes möglich. Diese Sprache ist ja nur für die physischen Verhältnisse geschaffen. Die Geheimwissenschaft bezeichnet nun das, was für das Hellseherorgan vom Stein ausströmt, als «blau» oder «blaurot». Dasjenige, was vom Tier empfunden wird, als «rot» oder «rotgelb». In der Tat sind es Farben «geistiger Art», die da gesehen werden. Die von der Pflanze ausgehende, Farbe ist «grün», das nach und nach in ein helles ätherisches Rosarot übergeht. Die Pflanze ist nämlich dasjenige Naturwesen, welches in höheren Welten in einer gewissen Beziehung ihrer Beschaffenheit in der physischen Welt gleicht. Nicht dasselbe ist aber bei Stein und Tier der Fall. Nun muß man sich klar sein, daß mit den obengenannten Farben nur die Hauptschattierungen des Stein-, Pflanzen- und Tierreiches angegeben sind. In Wirklichkeit sind alle möglichen Zwischenschattierungen vorhanden. Jeder Stein, jede Pflanze, jedes Tier hat seine ganz bestimmte Farbennuance. Dazu kommen die Wesen der höheren Welten, die niemals sich physisch verkörpern, mit ihren oft wundervollen, oft auch gräßlichen Farben. In der Tat ist der Farbenreichtum in diesen höheren Welten unermeßlich viel größer als in der physischen Welt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hat der Mensch einmal die Fähigkeit erworben, mit «Geistesaugen» zu sehen, so begegnet er auch, über kurz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|56}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
oder lang, den genannten höheren, zum Teil auch tieferen Wesen, als der Mensch ist, die niemals die physische Wirklichkeit betreten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hat der Mensch es so weit gebracht, wie hier beschrieben ist, so stehen ihm die Wege zu vielem offen. Aber es ist keinem anzuraten, noch weiter zu gehen ohne sorgfältige Beachtung des vom Geistesforscher Gesagten oder sonst von ihm Mitgeteilten. Und auch für das schon Gesagte ist eine Beachtung solcher kundigen Führerschaft das Allerbeste. Hat übrigens der Mensch in sich die Kraft und Ausdauer, es so weit zu bringen, wie es den angegebenen elementaren Stufen der Erleuchtung entspricht, so wird er ganz gewiß auch die rechte Führung suchen und finden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Vorsicht ist aber unter allen Umständen notwendig, und wer sie nicht anwenden will, der soll am besten alle Schritte, in die Geheimwissenschaft unterlassen. Es ist notwendig, daß der Mensch, der Geheimschüler wird, nichts verliere von seinen Eigenschaften als edler, guter und für alles physisch Wirkliche empfänglicher Mensch. Er muß im Gegenteile seine moralische Kraft, seine innere Lauterkeit, seine Beobachtungsgabe während der Geheimschülerschaft fortwährend steigern. Um ein Einzelnes zu erwähnen: Während der elementaren Erleuchtungsübungen muß der Geheimschüler dafür sorgen, daß er sein Mitgefühl für die Menschen- und Tierwelt, seinen Sinn für Schönheit der Natur immerfort vergrößere. Sorgt er nicht dafür, so stumpfen sich jenes Gefühl und dieser Sinn durch solche Übungen fortwährend ab. Das Herz würde hart, der Sinn stumpf. Und das müßte zu gefährlichen Ergebnissen führen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie sich die Erleuchtung gestaltet, wenn man im Sinne&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
der obigen Übungen über Stein, Pflanze und Tier zum Menschen heraufsteigt, und wie, nach der Erleuchtung, der Zusammenschluß der Seele mit der geistigen Welt unter allen Umständen sich einmal einstellt und zur Einweihung hingeleitet: davon wird in den nächsten Abschnitten gesprochen werden, soweit das sein kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es wird in unserer Zeit von vielen Menschen der Weg zur Geheimwissenschaft gesucht. Auf mancherlei Art wird das getan; und viele gefährliche, ja verwerfliche Prozeduren werden probiert. Deshalb sollen diejenigen, die etwas Wahrhaftes von diesen Dingen zu wissen meinen, anderen die Möglichkeit geben, einiges aus der Geheim-Schulung kennenzulernen. Nur soviel ist hier mitgeteilt worden, als solcher Möglichkeit entspricht. Es ist notwendig, daß etwas von dem Wahren bekanntwerde, damit nicht das Irrtümliche großen Schaden anrichte. Durch die hier vorgezeichneten Wege kann niemand Schaden nehmen, der nichts forciert. Nur das eine muß beachtet werden: niemand darf mehr Zeit und Kraft auf solche Übungen verwenden, als ihm nach seiner Lebensstellung, nach seinen Pflichten zur Verfügung stehen. Niemand darf durch den Geheimpfad irgend etwas in seinen äußeren Lebensverhältnissen augenblicklich ändern. Will man wirkliche Ergebnisse, dann muß man Geduld haben; man muß nach wenigen Minuten der Übung aufhören können und ruhig seiner Tagesarbeit nachgehen. Und nichts darf sich von Gedanken an die Übungen in die Tagesarbeit mischen. Wer nicht im höchsten und besten Sinne warten gelernt hat, der taugt nicht zum Geheimschüler und wird auch niemals zu Ergebnissen kommen, die einen erheblichen Wert haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
== Kontrolle der Gedanken und Gefühle ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn jemand die Wege zur Geheimwissenschaft in der Art sucht, wie es in dem vorhergehenden Kapitel beschrieben worden ist, dann darf er nicht versäumen, sich während der ganzen Arbeit durch einen fortwirkenden Gedanken zu stärken. Er muß sich nämlich stets vor Augen halten, daß er nach einiger Zeit schon ganz erhebliche Fortschritte gemacht haben kann, ohne daß sie sich ihm in der Weise zeigen, wie er es vielleicht erwartet hat. Wer dies nicht bedenkt, wird leicht die Beharrlichkeit verlieren und nach kurzer Zeit alle Versuche aufgeben. Die Kräfte und Fähigkeiten, welche man zu entwickeln hat, sind anfänglich von sehr zarter Art. Und ihre Wesenheit ist etwas ganz anderes als das, wovon sich der Mensch vorher Vorstellungen gemacht hat. Er war ja nur gewohnt, sich mit der physischen Welt zu beschäftigen. Die geistige und seelische entzog sich seinen Blicken und auch seinen Begriffen. Es ist daher gar nicht zu verwundern, daß er jetzt, wo sich in ihm geistige und seelische Kräfte entwickeln, diese nicht sogleich bemerkt. Darinnen liegt die Möglichkeit einer Beirrung für den, welcher sich, ohne sich an die Erfahrungen zu halten, welche kundige Forscher gesammelt haben, auf den Geheimpfad begibt. Der Geheimforscher kennt die Fortschritte, welche der Schüler macht, lange bevor dieser sich selbst ihrer bewußt wird. Er weiß, wie die zarten geistigen Augen sich heranbilden, ehe der Schüler etwas davon weiß. Und ein großer Teil der Anweisungen dieses Geheimforschers besteht eben darinnen, das zum Ausdrucke zu bringen, was bewirkt, daß der Schüler das Vertrauen, die Geduld, die Ausdauer nicht verliere,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
bevor er zur eigenen Erkenntnis seiner Fortschritte gelangt. Geben kann ja der Geheimkundige seinem Zögling nichts, was in diesem nicht auf verborgene Art schon liegt. Er kann nur anleiten zur Entwickelung von schlummernden Fähigkeiten. Aber, was er aus seinen Erfahrungen mitteilt, wird eine Stütze sein dem, der sich aus dem Dunkel zum Lichte durchringen will.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gar viele verlassen den Pfad zur Geheimwissenschaft bald, nachdem sie ihn betreten haben, weil ihnen ihre Fortschritte nicht sogleich bemerklich werden. Und selbst, wenn die ersten für den Zögling wahrnehmbaren höheren Erfahrungen auftreten, so betrachtet sie dieser oft als Illusionen, weil er sich ganz andere Vorstellungen von dem gemacht hat, was er erleben soll. Er verliert den Mut, weil er entweder die ersten Erfahrungen für wertlos hält oder weil sie ihm doch so unscheinbar vorkommen, daß er nicht glaubt, sie könnten ihn in absehbarer Zeit zu irgend etwas Erheblichem führen. Mut und Selbstvertrauen sind aber zwei Lichter, die auf dem Wege zur Geheimwissenschaft nicht erlöschen dürfen. Wer es nicht über sich bringen kann, eine Übung, die scheinbar unzähligemal mißglückt ist, immer wieder und wieder geduldig fortzusetzen, der kann nicht weit kommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viel früher als eine deutliche Wahrnehmung von den Fortschritten tritt ein dunkles Gefühl auf, daß man auf dem rechten Wege sei und dieses Gefühl sollte man hegen und pflegen. Denn es kann zu einem sicheren Führer werden. Vor allem muß man den Glauben ausrotten, als ob es ganz absonderliche, geheimnisvolle Verrichtungen sein müßten, durch die man zu höheren Erkenntnissen gelangt. Man muß sich klarmachen, daß von den Gefühlen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|60}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und Gedanken ausgegangen werden muß, mit denen der Mensch ja fortwährend lebt, und daß er diesen Gefühlen und Gedanken nur eine andere Richtung geben muß, als die gewohnte ist. Ein jeder sage sich zunächst: in meiner eigenen Gefühls- und Gedankenwelt liegen die höchsten Geheimnisse verborgen: ich habe sie bisher nur noch nicht wahrgenommen. Alles beruht schließlich darauf, daß der Mensch fortwährend Leib, Seele und Geist mit sich herumträgt, daß er sich aber nur seines Leibes im ausgesprochenen Sinne bewußt ist, nicht seiner Seele und seines Geistes. Und der Geheimschüler wird sich der Seele und des Geistes bewußt, wie sich der gewöhnliche Mensch seines Leibes bewußt ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deshalb kommt es darauf an, die Gefühle und Gedanken in die rechte Richtung zu bringen. Dann entwickelt man die Wahrnehmungen für das im gewöhnlichen Leben Unsichtbare. Hier soll einer der Wege angegeben werden, wie man das macht. Eine einfache Sache ist es wieder, wie fast alles, was bisher mitgeteilt worden ist. Aber von den größten Wirkungen ist sie, wenn sie beharrlich durchgeführt wird und wenn der Mensch vermag, mit der nötigen intimen Stimmung sich ihr hinzugeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man lege ein kleines Samenkorn einer Pflanze vor sich hin. Es kommt darauf an, sich vor diesem unscheinbaren Ding die rechten Gedanken intensiv zu machen und durch diese Gedanken gewisse Gefühle zu entwickeln. Zuerst mache man sich klar, was man wirklich mit Augen sieht. Man beschreibe für sich Form, Farbe und alle sonstigen Eigenschaften des Samens. Dann überlege man folgendes. Aus diesem Samenkorn wird eine vielgestaltige Pflanze entstehen, wenn es in die Erde gepflanzt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Man vergegenwärtige sich diese Pflanze. Man baue sie sich in der Phantasie auf. Und dann denke man: Was ich mir jetzt in meiner Phantasie vorstelle, das werden die Kräfte der Erde und des Lichtes später wirklich aus dem Samenkorn hervorlocken. Wenn ich ein künstlich geformtes Ding vor mir hätte, das ganz täuschend dem Samenkorn nachgeahmt wäre, so daß es meine Augen nicht von einem wahren unterscheiden könnten, so würde keine Kraft der Erde und des Lichtes aus diesem eine Pflanze hervorlocken. Wer sich diesen Gedanken ganz klar macht, wer ihn innerlich erlebt, der wird sich auch den folgenden mit dem richtigen Gefühle bilden können. Er wird sich sagen: in dem Samenkorn ruht schon auf verborgene Art als Kraft der ganzen Pflanze das, was später aus ihm herauswächst. In der künstlichen Nachahmung ruht diese Kraft nicht. Und doch sind für meine Augen beide gleich. In dem wirklichen Samenkorn ist also etwas unsichtbar enthalten, was in der Nachahmung nicht ist. Auf dieses Unsichtbare lenke man nun Gefühl und Gedanken.* Man stelle sich vor: dieses Unsichtbare wird sich später in die sichtbare Pflanze verwandeln, die ich in Gestalt und Farbe vor mir haben werde. Man hänge dem Gedanken nach: das Unsichtbare wird sichtbar werden. Könnte ich nicht denken, so könnte sich mir auch nicht schon jetzt ankündigen, was erst später sichtbar werden wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- - -&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;#&amp;lt;/nowiki&amp;gt;FN010-061-* Wer da einwenden wollte, daß bei einer genaueren mikroskopischen Untersuchung sich ja doch die Nachahmung von dem wirklichen Samenkorn unterscheide, der zeigte nur, daß er nicht erfaßt hat, worauf es ankommt. Es handelt sich nicht darum, was man genau wirklich in sinnenfälliger Weise vor sich hat, sondern darum, daß man daran seelisch-geistige Kräfte entwickele.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Besonders deutlich sei es betont: Was man da denkt, muß man auch intensiv fühlen. Man muß in Ruhe, ohne alle störenden Beimischungen anderer Gedanken, den einen oben angedeuteten in sich erleben. Und man muß sich Zeit lassen, so daß sich der Gedanke und das Gefühl, das sich an ihn knüpft, gleichsam in die Seele einbohren. Bringt man das in der rechten Weise zustande, dann wird man nach einiger Zeit vielleicht erst nach vielen Versuchen eine Kraft in sich verspüren. Und diese Kraft wird eine neue Anschauung erschaffen. Das Samenkorn wird wie in einer kleinen Lichtwolke eingeschlossen erscheinen. Es wird auf sinnlich-geistige Weise, als eine Art Flamme empfunden werden. Gegenüber der Mitte dieser Flamme empfindet man so, wie man beim Eindruck der Farbe Lila empfindet; gegenüber dem Rande, wie man der Farbe bläulich gegenüber empfindet. Da erscheint das, was man vorher nicht gesehen hat und was die Kraft des Gedankens und der Gefühle geschaffen hat, die man in sich erregt hat. Was sinnlich unsichtbar war, die Pflanze, die erst später sichtbar werden wird, das offenbart sich da auf geistig sichtbare Art.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist begreiflich, daß mancher Mensch das alles für Illusion halten wird. Viele werden sagen: «Was sollen mir solche Gesichte, solche Phantasmen?» Und manche werden abfallen und den Pfad nicht fortsetzen. Aber gerade darauf kommt es an: in diesen schwierigen Punkten der menschlichen Entwickelung nicht Phantasie und geistige Wirklichkeit miteinander zu verwechseln. Und ferner darauf, den Mut zu haben, vorwärts zu dringen und nicht furchtsam und kleinmütig zu werden. Auf der anderen Seite aber muß allerdings betont werden, daß der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|63}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gesunde Sinn, der Wahrheit und Täuschung unterscheidet, fortwährend gepflegt werden muß. Der Mensch darf während all dieser Übungen nie die volle bewußte Herrschaft über sich selbst verlieren. So sicher, wie er über die Dinge und Vorgänge des Alltagslebens denkt, so muß er auch hier denken. Schlimm wäre es, wenn er in Träumerei verfiele. Verstandesklar, um nicht zu sagen: nüchtern, muß er in jedem Augenblicke bleiben. Und der größte Fehler wäre gemacht, wenn der Mensch durch solche Übungen sein Gleichgewicht verlöre, wenn er abgehalten würde, so gesund und klar über die Dinge des Alltagslebens zu urteilen, wie er das vorher getan hat. Immer wieder soll sich der Geheimschüler daher prüfen, ob er nicht etwa aus seinem Gleichgewicht herausgefallen ist, ob er derselbe geblieben ist innerhalb der Verhältnisse, in denen er lebt. Festes Ruhen in sich selbst, klarer Sinn für alles, das muß er sich bewahren. Allerdings ist streng zu beachten, daß man sich nicht jeder beliebigen Träumerei hingeben soll, sich nicht allen möglichen Übungen überlassen soll. Die Gedankenrichtungen, die hier angegeben werden, sind seit Urzeiten in den Geheimschulen erprobt und geübt. Und nur solche werden hier mitgeteilt. Wer solche anderer Art anwenden wollte, die er sich selbst bildet oder von denen er da oder dort hört und liest, der muß in die Irre gehen und wird sich bald auf dem Pfade uferloser Phantastik befinden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine weitere Übung, die sich an die beschriebene anzuschließen hat, ist die folgende. Man stelle sich einer Pflanze gegenüber, die sich auf der Stufe der vollen Entwickelung befindet. Nun erfülle man sich mit dem Gedanken, daß die Zeit kommen werde, wo diese Pflanze abstirbt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Nichts wird von dem mehr sein, was ich jetzt vor mir sehe. Aber diese Pflanze wird dann Samenkörner aus sich entwickelt haben, die wieder zu neuen Pflanzen werden. Wieder werde ich gewahr, daß in dem, was ich sehe, etwas verborgen ruht, was ich nicht sehe. Ich erfülle mich ganz mit dem Gedanken: diese Pflanzengestalt mit ihren Farben wird künftig nicht mehr sein. Aber die Vorstellung, daß sie Samen bildet, lehrt mich, daß sie nicht in Nichts verschwinden werde. Was sie vor dem Verschwinden bewahrt, kann ich jetzt ebensowenig mit Augen sehen, wie ich früher die Pflanze im Samenkorn habe sehen können. Es gibt also in ihr etwas, was ich nicht mit Augen sehe. Lasse ich diesen Gedanken in mir leben und verbindet sich das entsprechende Gefühl in mir mit ihm, dann entwickelt sich wieder, nach angemessener Zeit, in meiner Seele eine Kraft, die zur neuen Anschauung wird. Aus der Pflanze wächst wieder eine Art von geistiger Flammenbildung heraus. Diese ist natürlich entsprechend größer als die vorhin geschilderte. Die Flamme kann etwa in ihrem mittleren Teile grünlichblau und an ihrem äußeren Rande gelblichrot empfunden werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es muß ausdrücklich betont werden, daß man, was hier als «Farben» bezeichnet wird, nicht so sieht, wie physische Augen die Farben sehen, sondern daß man durch die geistige Wahrnehmung ähnliches empfindet, wie wenn man einen physischen Farbeneindruck hat. Geistig «blau» wahrnehmen heißt etwas empfinden oder erfühlen, was ähnlich dem ist, was man empfindet, wenn der Blick des physischen Auges auf der Farbe «Blau» ruht. Dies muß berücksichtigen, wer allmählich wirklich zu geistigen Wahrnehmungen aufsteigen will. Er erwartet sonst, im&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|65}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Geistigen nur eine Wiederholung des Physischen zu finden. Das mußte ihn auf das bitterste beirren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer es dahin gebracht hat, solches geistig zu sehen, hat viel gewonnen. Denn die Dinge enthüllen sich ihm nicht nur im gegenwärtigen Sein, sondern auch in ihrem Entstehen und Vergehen. Er fängt an, überall den Geist zu schauen, von dem die sinnlichen Augen nichts wissen können. Und damit hat er die ersten Schritte dazu getan, um allmählich durch eigene Anschauung hinter das Geheimnis von Geburt und Tod zu kommen. Für die äußeren Sinne entsteht ein Wesen bei der Geburt; es vergeht im Tode. Dies ist aber nur deshalb, weil diese Sinne den verborgenen Geist des Wesens nicht wahrnehmen. Für den Geist sind Geburt und Tod nur eine Verwandlung, wie das Hervorsprießen der Blume aus der Knospe eine Verwandlung ist, die sich vor den sinnlichen Augen abspielt. Will man das aber durch eigene Anschauung kennenlernen, so muß man in der angedeuteten Art erst den geistigen Sinn dafür erwecken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um gleich noch einen Einwand hinwegzunehmen, den manche Menschen machen könnten, die einige seelische (psychische) Erfahrung haben, sei dieses gesagt. Es soll gar nicht bestritten werden, daß es kürzere, einfachere Wege gibt, daß manche aus eigener Anschauung die Erscheinungen von Geburt und Tod kennenlernen, ohne erst alles das, was hier beschrieben wird, durchgemacht zu haben. Es gibt eben Menschen, welche bedeutende psychische Anlagen haben, die nur eines kleinen Anstoßes bedürfen, um entwickelt zu werden. Aber das sind Ausnahmen. Der hier angegebene Weg ist jedoch ein allgemeiner und sicherer. Man kann sich ja auch einige chemische&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|66}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kenntnisse auf einem ausnahmsweisen Weg erwerben; will man aber Chemiker werden, dann muß man den allgemeinen und sicheren Weg gehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein folgenschwerer Irrtum würde sich ergeben, wenn jemand glauben wollte, er könne, um bequemer zum Ziele zu gelangen, sich das besprochene Samenkörnchen oder die Pflanze bloß vorstellen, bloß in der Phantasie vorhalten. Wer dies tut, kann wohl auch zum Ziele kommen, doch nicht so sicher wie auf die angegebene Art. Die Anschauung, zu der man kommt, wird in den meisten Fällen nur ein Blendwerk der Phantasie sein. Bei ihr müßte dann die Umwandlung in geistige Anschauung erst abgewartet werden. Denn darauf kommt es an, daß nicht ich in bloßer Willkür mir Anschauungen schaffe, sondern darauf, daß die Wirklichkeit sie in mir erschafft. Aus den Tiefen meiner eigenen Seele muß die Wahrheit hervorquellen; aber nicht mein gewöhnliches Ich darf selbst der Zauberer sein, der die Wahrheit hervorlocken will, sondern die Wesen müssen dieser Zauberer sein, deren geistige Wahrheit ich schauen will.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hat der Mensch durch solcherlei Übungen in sich die ersten Anfänge zu geistigen Anschauungen gefunden, so darf er aufsteigen zur Betrachtung des Menschen selbst. Einfache Erscheinungen des menschlichen Lebens müssen zunächst gewählt werden. Bevor man aber dazu schreitet, ist es notwendig, besonders ernstlich an der vollen Lauterkeit seines moralischen Charakters zu arbeiten. Man muß jeden Gedanken daran entfernen, daß man etwa auf diese Art erlangte Erkenntnis zum persönlichen Eigennutz anwenden werde. Man muß mit sich darüber einig sein, daß man niemals eine Macht über seine Mitmenschen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|67}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die man etwa erlangen werde, im Sinne des Bösen ausnutzen werde. Deshalb muß jeder, der Geheimnisse über die menschliche Natur durch eigene Anschauung sucht, die goldene Regel der wahren Geheimwissenschaften befolgen. Und diese goldene Regel ist: wenn du einen Schritt vorwärts zu machen versuchst in der Erkenntnis geheimer Wahrheiten, so mache zugleich drei vorwärts in der Vervollkommnung deines Charakters zum Guten. Wer diese Regel befolgt, der kann solche Übungen machen, wie nunmehr eine beschrieben werden soll.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man vergegenwärtige sich einen Menschen, von dem man einmal beobachtet hat, wie er nach irgendeiner Sache verlangt hat. Auf die Begierde soll die Aufmerksamkeit gerichtet werden. Am besten ist es, den Zeitpunkt in der Erinnerung wachzurufen, in dem die Begierde am lebhaftesten war und in dem es ziemlich unentschieden war, ob der Mensch das Verlangte erhalten werde oder nicht. Und nun gebe man sich der Vorstellung an das, was man in der Erinnerung beobachtet, ganz hin. Man stelle die denkbar größte innere Ruhe der eigenen Seele her. Man versuche so viel, als nur möglich ist, blind und taub zu sein für alles andere, was ringsherum vorgeht. Und man achte besonders darauf, daß durch die angeregte Vorstellung in der Seele ein Gefühl erwache. Dieses Gefühl lasse man in sich heraufziehen wie eine Wolke, die an dem sonst ganz leeren Horizont heraufzieht. Es ist ja nun natürlich, daß in der Regel die Beobachtung dadurch unterbrochen wird, daß man den Menschen, auf den man die Aufmerksamkeit lenkt, nicht lange genug in dem geschilderten Seelenzustand beobachtet hat. Man wird wahrscheinlich Hunderte und Aberhunderte von vergeblichen Versuchen anstellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|68}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man darf eben die Geduld nicht verlieren. Nach vielen Versuchen wird man es dahin bringen, daß man in der eigenen Seele ein Gefühl erlebt, das dem Seelenzustand des beobachteten Menschen entspricht. Dann wird man aber auch nach einiger Zeit bemerken, daß durch dieses Gefühl in der eigenen Seele eine Kraft erwächst, die zur geistigen Anschauung des Seelenzustandes des anderen wird. Im Gesichtsfelde wird ein Bild auftreten, das man wie etwas Leuchtendes empfindet. Und dieses geistig leuchtende Bild ist die sogenannte astrale Verkörperung des beobachteten Seelenzustandes der Begierde. Wieder als flammenähnlich empfunden kann dieses Bild beschrieben werden. Es wird in der Mitte wie gelbrot sein und am Rande wie rötlichblau oder lila empfunden werden. Viel kommt darauf an, daß man mit solcher geistigen Anschauung zart umgehe. Man tut am besten, wenn man zunächst zu niemand davon spricht als nur etwa zu seinem Lehrer, wenn man einen solchen hat. Denn versucht man eine solche Erscheinung durch ungeschickte Worte zu beschreiben, so gibt man sich meistens argen Täuschungen hin. Man gebraucht die gewöhnlichen Worte, die doch für solche Dinge nicht bestimmt und daher für sie zu grob und schwerfällig sind. Die Folge ist dann, daß man durch den eigenen Versuch, die Sache in Worte zu kleiden, verführt wird, sich in die wahren Anschauungen allerlei Phantasieblendwerke hineinzumischen. Wieder ist eine wichtige Regel für den Geheimschüler: Verstehe über deine geistigen Gesichte zu schweigen. Ja, schweige sogar vor dir selber darüber. Versuche nicht, was du im Geiste erschaust, in Worte zu kleiden oder mit dem ungeschickten Verstande zu ergrübeln. Gib dich unbefangen deiner&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
geistigen Anschauung hin und störe sie dir nicht durch vieles Nachdenken darüber. Denn du mußt bedenken, daß dein Nachdenken anfangs ganz und gar nicht deinem Schauen gewachsen ist. Dieses Nachdenken hast du dir in deinem bisherigen, bloß auf die physisch-sinnliche Welt beschränkten Leben erworben; und was du dir jetzt erwirbst, geht darüber hinaus. Suche also nicht, an das neue Höhere den Maßstab des alten anzulegen. Nur wer schon einige Festigkeit hat im Beobachten innerer Erfahrungen, der kann darüber reden, um durch solches Reden seine Mitmenschen anzuregen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu der beschriebenen Übung mag eine ergänzende kommen. Man beobachte in der gleichen Art, wie einem Menschen die Befriedigung irgendeines Wunsches, die Erfüllung einer Erwartung zuteil geworden ist. Gebraucht man dabei dieselben Regeln und Vorsichten, die eben für den anderen Fall angegeben worden sind, so wird man auch da zu einer geistigen Anschauung gelangen. Man wird eine geistige Flammenbildung bemerken, die in der Mitte als gelb sich fühlt und die wie mit einem grünlichen Rande empfunden wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Leicht kann der Mensch durch solche Beobachtung seiner Mitmenschen in einen moralischen Fehler verfallen. Er kann lieblos werden. Daß dies nicht der Fall sei, muß eben mit allen nur erdenkbaren Mitteln angestrebt werden. Beobachtet man so, dann soll man eben durchaus schon auf der Höhe stehen, in der es einem zur völligen Gewißheit geworden ist, daß Gedanken wirkliche Dinge sind. Man darf sich da nicht mehr gestatten, über seinen Mitmenschen so zu denken, daß die Gedanken mit der höchsten Achtung der Menschenwürde, und der Menschenfreiheit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|70}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nicht verträglich wären. Daß ein Mensch nur ein Beobachtungsobjekt für uns sein könnte: dieser Gedanke darf uns nicht einen Augenblick erfüllen. Hand in Hand mit jeder Geheimbeobachtung über die menschliche Natur muß die Selbsterziehung dahin gehen, die volle Selbstgeltung eines jeden Menschen uneingeschränkt zu schätzen und das als etwas Heiliges, von uns Unantastbares auch in Gedanken und Gefühlen zu betrachten, was in dem Menschen wohnt. Ein Gefühl von heiliger Scheu vor allem Menschlichen, selbst wenn es nur als Erinnerung gedacht wird, muß uns erfüllen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nur an den zwei Beispielen sollte vorläufig hier gezeigt werden, wie man sich zur Erleuchtung über die menschliche Natur durchringt. Daran konnte aber wenigstens der Weg gezeigt werden, der zu betreten ist. Wer die notwendige innere Stille und Ruhe findet, die zu solcher Beobachtung gehören, dessen Seele wird schon dadurch eine große Verwandlung durchmachen. Das wird bald so weit gehen, daß die innere Bereicherung, die sein Wesen erfährt, ihm Sicherheit und Ruhe gibt auch in seinem äußeren Verhalten. Und dieses verwandelte äußere Verhalten wird wieder zurückwirken auf seine Seele. Und so wird er sich weiter helfen. Er wird Mittel und Wege finden, immer mehr von der menschlichen Natur zu Entdecken, was den äußeren Sinnen verborgen ist; und er wird dann auch reif werden, einen Einblick zu tun in die geheimnisvollen Zusammenhänge zwischen der Menschennatur und all dem, was sonst noch im Weltall vorhanden ist. Und auf diesem Wege naht sich der Mensch immer mehr dem Zeitpunkte, wo er die ersten Schritte der Einweihung bewerkstelligen kann. Bevor diese aber getan&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|71}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
werden können, ist noch eines notwendig. Es ist dies etwas, dessen Notwendigkeit der Geheimschüler zunächst vielleicht am wenigsten einsehen wird. Später aber wird er dies.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was nämlich der Einzuweihende mitbringen muß, ist ein in gewisser Beziehung ausgebildeter Mut und Furchtlosigkeit. Der Geheimschüler muß geradezu die Gelegenheiten aufsuchen, durch welche diese Tugenden ausgebildet werden. In der Geheimschulung sollten sie ganz systematisch herangebildet werden. Aber auch das Leben selbst ist namentlich nach dieser Richtung hin eine gute Geheimschule; vielleicht die beste. Einer Gefahr ruhig ins Auge schauen, Schwierigkeiten ohne Zagen überwinden wollen: solches muß der Geheimschüler können. Er muß zum Beispiel einer Gefahr gegenüber sich sofort zu der Empfindung aufraffen: meine Angst nützt nach gar keiner Seite; ich darf sie gar nicht haben; ich muß nur an das denken, was zu tun ist. Und er muß es so weit bringen, daß für Gelegenheiten, in denen er vorher ängstlich war, «Angsthaben», «Mutloswerden» für ihn wenigstens im eigentlichen innersten Empfinden unmögliche Dinge werden. Durch die Selbsterziehung nach dieser Richtung entwickelt nämlich der Mensch in sich ganz bestimmte Kräfte, die er braucht, wenn er in höhere Geheimnisse eingeweiht werden soll. So wie der physische Mensch Nervenkraft braucht, um seine physischen Sinne zu benutzen, so bedarf der seelische Mensch jener Kraft, die nur entwickelt wird in mutvollen und furchtlosen Naturen. Wer zu den höheren Geheimnissen vordringt, der sieht nämlich Dinge, welche dem gewöhnlichen Menschen durch die Täuschungen der Sinne verborgen bleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|72}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denn, wenn die physischen Sinne uns auch die höhere Wahrheit nicht schauen lassen, so sind sie eben dadurch auch des Menschen Wohltäter. Durch sie verbergen sich für ihn Dinge, welche ihn, unvorbereitet, in maßlose Bestürzung versetzen müßten, deren Anblick er nicht ertragen könnte. Diesem Anblick muß der Geheimschüler gewachsen werden. Er verliert gewisse Stützen in der Außenwelt, die er eben dem Umstande verdankte, daß er in Täuschung befangen war. Es ist wirklich und buchstäblich so, wie wenn man jemand auf eine Gefahr aufmerksam machte, in der er schon lange geschwebt hat, von der er aber nichts gewußt hat. Vorher hatte er keine Angst: jetzt aber, nachdem er weiß, überkommt ihn die Angst, obwohl die Gefahr durch sein Wissen nicht größer geworden ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kräfte der Welt sind zerstörende und aufbauende: das Schicksal der äußeren Wesenheiten ist Entstehen und Vergehen. In das Wirken dieser Kräfte, in den Gang dieses Schicksals soll der Wissende blicken. Der Schleier, der im gewöhnlichen Leben vor den geistigen Augen liegt, soll entfernt werden. Der Mensch selbst aber ist mit diesen Kräften, mit diesem Schicksal verwoben. In seiner eigenen Natur sind zerstörende und aufbauende Kräfte. So unverhüllt die anderen Dinge vor das sehende Auge des Wissenden treten, so unverhüllt zeigt die eigene Seele sich selbst. Solcher Selbsterkenntnis gegenüber darf der Geheimschüler nicht die Kraft verlieren. Und sie wird ihm nur dann nicht fehlen, wenn er einen Überschuß an ihr mitbringt. Damit dieses der Fall sei, muß er lernen, in schwierigen Lebensverhältnissen die innere Ruhe und Sicherheit zu bewahren; er muß in sich ein starkes Vertrauen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|73}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
in die guten Mächte des Daseins erziehen. Er muß darauf gefaßt sein, daß manche Triebfedern ihn nicht mehr leiten werden, die ihn bisher geleitet haben. Er wird ja einsehen müssen, daß er bisher manches nur getan und gedacht hat, weil er in Unwissenheit befangen war. Solche Gründe, wie er sie bisher gehabt, werden wegfallen. Er hat manches aus Eitelkeit getan; er wird sehen, wie unsäglich wertlos alle Eitelkeit für den Wissenden ist. Er hat manches aus Habsucht getan; er wird gewahr werden, wie zerstörend alle Habsucht ist. Ganz neue Triebfedern zum Handeln und Denken wird er entwickeln müssen. Und eben dazu gehören Mut und Furchtlosigkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorzüglich handelt es sich darum, im tiefsten Innern des Gedankenlebens selbst diesen Mut und diese Furchtlosigkeit zu pflegen. Der Geheimschüler muß lernen, über einen Mißerfolg nicht zu verzagen. Er muß zu dem Gedanken fähig sein: «Ich will vergessen, daß mir diese Sache schon wieder mißglückt ist, und aufs neue versuchen, wie wenn nichts gewesen wäre.» So ringt er sich durch zu der Überzeugung, daß die Kraftquellen in der Welt, aus denen er schöpfen kann, unversieglich sind. Er strebt immer wieder nach dem Geistigen, das ihn heben und tragen wird, wie oft auch sein Irdisches sich als kraftlos und schwach erwiesen haben mag. Er muß fähig sein, der Zukunft entgegenzuleben, und in diesem Streben sich durch keine Erfahrung der Vergangenheit stören lassen. Hat der Mensch die geschilderten Eigenschaften bis zu einem gewissen Grade, dann ist er reif, die wahren Namen der Dinge zu erfahren, die der Schlüssel zu dem höheren Wissen sind. Denn darin besteht die Einweihung, daß man lernt, die Dinge der Welt bei demjenigen Namen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|74}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
zu benennen, die sie im Geiste ihrer göttlichen Urheber haben. In diesen ihren Namen liegen die Geheimnisse der Dinge. Deshalb sprechen die Eingeweihten eine andere Sprache als Uneingeweihte, weil die ersteren die Bezeichnung der Wesen nennen, durch welche diese selbst gemacht sind. Soweit von der Einweihung (Initiation) selbst gesprochen werden kann, soll das im nächsten Kapitel folgen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|75}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= DIE EINWEIHUNG =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Einweihung ist die höchste der Stufen einer Geheim­schulung, über welche in einer Schrift noch Andeutungen gegeben werden können, die allgemein verständlich sind. Über alles, was darüber liegt, sind Mitteilungen schwer verständlich. Aber auch dazu findet jeder den Weg, der durch die Vorbereitung, Erleuchtung und Einweihung bis zu den niederen Geheimnissen vorgedrungen ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Wissen und Können, das einem Menschen durch die Einweihung zuteil wird, könnte er ohne eine solche erst in einer sehr fernen Zukunft nach vielen Verkörpe­rungen auf einem ganz anderen Wege und auch in einer ganz anderen Form erwerben. Wer heute eingeweiht wird, erfährt etwas, was er sonst viel später, unter ganz anderen Verhältnissen, erfahren würde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Mensch kann von den Geheimnissen des Daseins nur so viel wirklich erfahren, als dem Grade seiner Reife entspricht. Nur deshalb gibt es Hindernisse zu den höhe­ren Stufen des Wissens und Könnens. Der Mensch soll ein Schießgewehr nicht früher gebrauchen, als bis er ge­nügende Erfahrung hat, um durch den Gebrauch nicht Unheil anzurichten. Würde heute jemand ohne weiteres eingeweiht, so würde ihm die Erfahrung fehlen, die er durch die Verkörperungen in der Zukunft noch machen wird, bis ihm die entsprechenden Geheimnisse im regelmäßigen Verlauf seiner Entwickelung zuteil werden. Deshalb müssen an der Pforte der Einweihung die Erfah­rungen durch etwas anderes ersetzt sein. In einem Ersatz für künftige Erfahrungen bestehen daher die ersten Unter­weisungen des Einweihungskandidaten. Es sind das die&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|76}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sogenannten «Proben», die er durchzumachen hat und die sich als regelmäßige Folge des Seelenlebens ergeben, wenn Übungen, wie die in den vorhergehenden Kapiteln geschilderten, richtig fortgesetzt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von diesen «Proben» wird ja auch in Büchern oft ge­sprochen. Aber es ist nur natürlich, daß von ihrer Natur durch solche Besprechungen in der Regel ganz falsche Vorstellungen hervorgerufen werden müssen. Denn wer nicht durch die Vorbereitung und Erleuchtung hindurch­gegangen ist, hat ja nichts von diesen Proben jemals erfahren. Ein solcher kann sie auch nicht sachgemäß beschreiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dem Einzuweihenden müssen sich gewisse Dinge und Tatsachen ergeben, die den höheren Welten angehören. Er kann sie aber nur sehen und hören, wenn er die gei­stigen Wahrnehmungen wie Figuren, Farben, Töne und so weiter empfinden kann, von denen bei Besprechung der «Vorbereitung» und «Erleuchtung» berichtet worden ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die erste «Probe» besteht darinnen, daß er eine wah­rere Anschauung erlangt von den leiblichen Eigenschaften der leblosen Körper, dann der Pflanzen, der Tiere und des Menschen, als sie der Durchschnittsmensch besitzt. Damit ist aber nicht das gemeint, was man heute wissen­schaftliche Erkenntnis nennt. Denn nicht um Wissen­schaft, sondern um Anschauung handelt es sich. In der Regel ist der Vorgang so, daß der Einzuweihende erken­nen lernt, wie sich die Naturdinge und Lebewesen für das geistige Ohr und geistige Auge kundgeben. In einer gewissen Weise stehen diese Dinge dann unverhüllt nackt vor dem Beschauer. Dem sinnlichen Auge und dem sinnlichen Ohre verbergen sich die Eigenschaften,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|77}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die man da hört und sieht. Sie sind für dieses sinnliche An­schauen wie mit einem Schleier verhüllt. Daß dieser Schleier für den Einzuweihenden wegfällt, beruht auf einem Vorgang, den man als «geistigen Verbrennungsprozeß» bezeichnet. Deshalb wird diese erste Probe die «Feuerprobe» genannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für manche Menschen ist das gewöhnliche Leben selbst schon ein mehr oder weniger unbewußter Einweihungs­prozeß durch die Feuerprobe. Es sind das diejenigen, wel­che durch reiche Erfahrungen von solcher Art durch­gehen, daß ihr Selbstvertrauen, ihr Mut und ihre Stand­haftigkeit in gesunder Weise groß werden und daß sie Leid, Enttäuschung, Mißlingen von Unternehmungen mit Seelengröße und namentlich mit Ruhe und in ungebro­chener Kraft ertragen lernen. Wer Erfahrungen in dieser Art durchgemacht hat, der ist oft schon, ohne daß er es deutlich weiß, ein Eingeweihter; und es bedarf dann nur eines wenigen, um ihm geistige Ohren und Augen zu öffnen, so daß er ein Hellsehender wird. Denn das ist fest­zuhalten: es handelt sich bei einer wahren «Feuerprobe» nicht darum, daß die Neugierde des Kandidaten befriedigt werde. Gewiß, er lernt außergewöhnliche Tatsachen ken­nen, von denen andere Menschen keine Ahnung haben. Aber dieses Kennenlernen ist nicht das Ziel, sondern nur das Mittel zum Ziel. Das Ziel aber ist, daß sich der Kan­didat durch die Erkenntnis der höheren Welten größeres und wahreres Selbstvertrauen, höheren Mut und eine ganz andere Seelengröße und Ausdauer erwerbe, als sie in der Regel innerhalb der niederen Welt erlangt werden kön­nen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der «Feuerprobe» kann jeder Kandidat noch umkehren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|78}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er wird gestärkt in physischer und seelischer Be­ziehung dann sein Leben fortsetzen und wohl erst in einer nächsten Verkörperung die Einweihung fortsetzen. In sei­ner gegenwärtigen aber wird er ein brauchbareres Glied der menschlichen Gesellschaft sein, als er vorher war. In welcher Lage er sich auch befinden mag: seine Festigkeit, seine Umsicht, sein günstiger Einfluß auf seine Mitmen­schen, seine Entschlossenheit werden zugenommen haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Will der Kandidat nach vollbrachter Feuerprobe die Geheimschulung fortsetzen, so muß ihm nunmehr ein bestimmtes Schriftsystem enthüllt werden, wie solche in der Geheimschulung üblich sind. In diesen Schriftsystemen offenbaren sich die eigentlichen Geheimlehren. Denn das­jenige, was in den Dingen wirklich «verborgen» (okkult) ist, kann weder mit den Worten der gewöhnlichen Spra­che unmittelbar ausgesprochen, noch kann es mit den ge­wöhnlichen Schriftsystemen aufgezeichnet werden. Die­jenigen, welche von den Eingeweihten gelernt haben, übersetzen die Lehren der Geheimwissenschaft in die ge­wöhnliche Sprache, so gut das geht. Die okkulte Schrift offenbart sich der Seele, wenn diese die geistige Wahrneh­mung erlangt hat. Denn diese Schrift steht in der geisti­gen Welt immer geschrieben. Man lernt sie nicht so, wie man eine künstliche Schrift lesen lernt. Man wächst viel­mehr in sachgemäßer Weise der hellsichtigen Erkenntnis entgegen, und während dieses Wachsens entwickelt sich wie eine seelische Fähigkeit die Kraft, welche die vorhan­denen Geschehnisse und Wesenheiten der geistigen Welt wie die Charaktere einer Schrift zu entziffern sich gedrängt fühlt. Es könnte sein, daß diese Kraft und mit ihr das Erleben der entsprechenden «Probe» mit der fortschreitenden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|79}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seelenentwickelung wie von selbst erwa­chen. Doch sicherer gelangt man zum Ziele, wenn man die Anweisungen der erfahrenen Geheimforscher befolgt, die Gewandtheit haben im Entziffern der okkulten Schrift.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Zeichen der Geheimschrift sind nicht willkürlich ersonnen, sondern sie entsprechen den Kräften, welche in der Welt wirksam sind. Man lernt durch diese Zeichen die Sprache der Dinge. Dem Kandidaten zeigt sich alsbald, daß die Zeichen, die er kennenlernt, den Figuren, Farben, Tönen und so weiter entsprechen, die er während der Vor­bereitung und Erleuchtung wahrzunehmen gelernt hat. Es zeigt sich ihm, daß alles Vorhergehende nur wie ein Buchstabieren war. Jetzt erst fängt er an, in der höheren Welt zu lesen. In einem großen Zusammenhang erscheint ihm alles, was vorher nur vereinzelte Figur, Ton, Farbe war. Jetzt erst gewinnt er die rechte Sicherheit im Beob­achten der höheren Welten. Vorher konnte er nie mit Be­stimmtheit wissen, ob die Dinge, die er gesehen hat, auch richtig gesehen waren. Und jetzt erst kann eine geregelte Verständigung zwischen dem Kandidaten und dem Ein­geweihten auf den Gebieten des höheren Wissens statt­finden. Denn wie auch das Zusammenleben eines Einge­weihten mit einem anderen Menschen im gewöhnlichen Leben gestaltet sein mag: von dem höheren Wissen in unmittelbarer Gestalt kann der Eingeweihte nur in der erwähnten Zeichensprache etwas mitteilen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch diese Sprache wird der Geheimschüler auch be­kannt mit gewissen Verhaltungsmaßregeln für das Leben. Er lernt gewisse Pflichten kennen, von denen er vorher nichts gewußt hat. Und wenn er diese Verhaltungsmaßregeln kennengelernt hat, so kann er Dinge vollbringen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|80}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die eine Bedeutung haben, wie sie niemals die Taten eines Uneingeweihten haben können. Er handelt von den höhe­ren Welten aus. Die Anweisungen zu solchen Handlun­gen können nur in der angedeuteten Schrift verstanden werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es muß aber betont werden, daß es Menschen gibt, die solche Handlungen unbewußt auszuführen vermögen, trotzdem sie nicht eine Geheimschulung durchgemacht haben. Solche «Helfer der Welt und Menschheit» schreiten segnend und wohltuend durchs Leben. Ihnen sind durch Gründe, die hier nicht zu erörtern sind, Gaben ver­liehen worden, die übernatürlich erscheinen. Was sie von dem Geheimschüler unterscheidet, ist lediglich das, daß dieser mit Bewußtsein, mit voller Einsicht in den ganzen Zusammenhang handelt. Er erringt eben durch Schulung, was jenen von höheren Mächten zum Heile der Welt beschert worden ist. Die Gottbegnadeten kann man aufrich­tig verehren; aber deswegen darf man die Arbeit der Schu­lung nicht für überflüssig halten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hat der Geheimschüler die erwähnte Zeichenschrift ge­lernt, dann beginnt für ihn eine weitere «Probe». Durch diese muß sich erweisen, ob er sich frei und sicher in der höheren Welt bewegen kann. Im gewöhnlichen Leben wird der Mensch durch Antriebe von außen zu seinen Handlungen bewogen. Er arbeitet dieses oder jenes, weil ihm die Verhältnisse, diese oder jene Pflichten auferlegen. Es braucht wohl kaum erwähnt zu werden, daß der Ge­heimschüler keine seiner Pflichten im gewöhnlichen Le­ben versäumen darf, weil er in höheren Welten lebt. Keine Pflicht in einer höheren Welt kann jemanden zwin­gen, eine einzige seiner Pflichten in der gewöhnlichen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|81}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
außer acht zu lassen. Der Familienvater bleibt ebenso guter Familienvater, die Mutter ebenso gute Mutter, der Beamte wird von nichts abgehalten, ebensowenig der Soldat oder ein anderer, wenn sie Geheimschüler werden. Im Gegen­teil: alle die Eigenschaften, die den Menschen im Leben tüchtig machen, steigern sich bei dem Geheimschüler in einem Maße, von dem sich der Uneingeweihte keinen Begriff machen kann. Und wenn das dem Uneingeweihten auch oft nicht immer, sogar selten nicht so erscheint, dann rührt das nur davon her, daß er den Eingeweihten nicht immer richtig zu beurteilen vermag. Was letzterer tut, ist manchmal dem anderen nicht sogleich durchsich­tig. Aber auch das ist, wie gesagt, nur in besonderen Fäl­len zu bemerken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den auf der genannten Stufe der Einweihung An­gelangten gibt es nun Pflichten, zu denen kein äußerer Anstoß vorhanden ist. Er wird in diesen Dingen nicht durch äußere Verhältnisse,, sondern nur durch jene Maßregeln veranlaßt, welche ihm in der «verborgenen» Spra­che offenbar werden. Nun muß er durch die zweite «Probe» zeigen, daß er, geführt von einer solchen Maßregel, ebenso sicher und fest handelt, wie etwa ein Beamter seine ihm obliegenden Pflichten vollführt. Zu die­sem Zwecke wird durch die Geheimschulung der Kandi­dat sich vor eine bestimmte Aufgabe gestellt fühlen. Dieser soll eine Handlung ausführen infolge von Wahr­nehmungen, die er macht auf Grund dessen, was er auf der Vorbereitungs- und Erleuchtungsstufe gelernt hat. Und was er auszuführen hat, das muß er erkennen durch die gekennzeichnete Schrift, die er sich angeeignet hat. Er­kennt er seine Pflicht und handelt er richtig, dann hat er&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|82}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die Probe bestanden. Man erkennt den Erfolg an der Ver­änderung, die sich mit den als Figuren, Farben und Tönen empfundenen Wahrnehmungen der Geistesohren und -augen durch die Handlung vollzieht. In den Fortschrit­ten der Geheimschulung wird ganz genau angegeben, wie diese Figuren und so weiter nach der Handlung aussehen, empfunden werden. Und der Kandidat muß wissen, wie er eine solche Veränderung hervorzubringen vermag. Man nennt diese Probe die «Wasserprobe», weil bei der Tätigkeit in diesen höheren Gebieten dem Menschen die Stütze durch die äußeren Verhältnisse so fehlt, wie beim Bewegen im Wasser, dessen Grund man nicht erreicht, die Stütze fehlt. Der Vorgang muß so oft wiederholt werden, bis der Kandidat völlige Sicherheit hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch bei dieser Probe handelt es sich um das Erwerben einer Eigenschaft; und durch die Erfahrungen in der höhe­ren Welt bildet der Mensch diese Eigenschaft in kurzer Zeit in einem solch hohen Grade aus, daß er im gewöhn­lichen Verlaufe der Entwickelung wohl durch viele Ver­körperungen hindurchgehen müßte, um ihn zu erreichen. Worauf es nämlich ankommt, ist das Folgende. Der Kan­didat darf, um die angegebene Veränderung auf dem höheren Gebiet des Daseins hervorzubringen, lediglich dem folgen, was sich ihm auf Grund seiner höheren Wahrnehmung und als Folge seines Lesens der verbor­genen Schrift ergibt. Würde er während seiner Handlung irgend etwas von seinen Wünschen, Meinungen und so weiter einmischen, folgte er nur einen Augenblick nicht den Gesetzen, die er als richtig erkannt hat, sondern seiner Willkür: dann würde etwas ganz anderes geschehen, als geschehen soll. In diesem Falle verlöre der Kandidat sofort&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|83}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die Richtung auf sein Ziel der Handlung, und Ver­wirrung träte ein. Daher hat der Mensch durch diese Probe in reichlichstem Maße Gelegenheit, seine Selbst­beherrschung auszubilden. Und darauf kommt es an. Wie­der kann daher diese Probe von denen leichter bestanden werden, die vor der Einweihung durch ein Leben gegan­gen sind, das ihnen die Erwerbung der Selbstbeherrschung gebracht hat. Wer sich die Fähigkeit erworben hat, hohen Grundsätzen und Idealen mit Hintansetzung der persön­lichen Laune und Willkür zu folgen, wer versteht, die Pflicht auch immer da zu erfüllen, wo die Neigungen und Sympathien gar zu gerne von dieser Pflicht ablenken wol­len, der ist unbewußt schon mitten im gewöhnlichen Le­ben ein Eingeweihter. Und nur ein Geringes wird notwen­dig sein, damit er die geschilderte Probe bestehe. Ja, es muß sogar gesagt werden, daß ein gewisser schon im Le­ben unbewußt erlangter Grad von Einweihung in der Regel durchaus notwendig sein wird, um die zweite Probe zu bestehen. Denn wie es vielen Menschen, die in der Ju­gend nicht richtig schreiben gelernt haben, schwer wird, dies nachzuholen, wenn sie einmal die volle Lebensreife erlangt haben, so wird es auch schwer, den notwendigen Grad von Selbstbeherrschung beim Einblicke in die höhe­ren Welten auszubilden, wenn man nicht schon vorher darinnen einen gewissen Grad im alltäglichen Leben sich angeeignet hat. Die Dinge der physischen Welt ändern sich nicht, was wir auch wünschen, begehren, was immer wir auch für Neigungen haben. In den höheren Welten aber sind unsere Wünsche, Begierden und Neigungen von Wirkung für die Dinge. Wollen wir da auf die Dinge in entsprechender Weise wirken, so müssen wir uns ganz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|84}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
in unserer Gewalt haben, müssen lediglich den richtigen Maßregeln folgen und keinerlei Willkür unterworfen sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Eigenschaft des Menschen, die auf dieser Stufe der Einweihung ganz besonders in Betracht kommt, ist eine unbedingt gesunde und sichere Urteilskraft. Auf die Her­anbildung einer solchen muß schon auf allen früheren Stufen gesehen werden; und auf dieser muß es sich erwei­sen, ob der Kandidat sie so handhabt, daß er für den wah­ren Erkenntnispfad geeignet ist. Er kann nur dann weiter­kommen, wenn er Illusion, wesenlose Phantasiegebilde, Aberglauben und alle Art von Blendwerk von der wahren Wirklichkeit unterscheiden kann. Und auf den höheren Stufen des Daseins ist das zunächst schwieriger als auf den niederen. Da muß jedes Vorurteil, jede liebgewordene Meinung schwinden in bezug auf die Dinge, auf die es ankommt; und einzig und allein die Wahrheit muß Richt­schnur sein. Vollkommene Bereitschaft muß vorhanden sein, einen Gedanken, eine Ansicht, eine Neigung sofort aufzugeben, wenn das logische Denken solches fordert. Gewißheit in höheren Welten ist nur zu erlangen, wenn man nie die eigene Meinung schont.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Menschen mit einer Denkungsart, die zur Phantastik, zum Aberglauben neigt, können auf dem Geheimpfade keinen Fortschritt machen. Ein kostbares Gut soll ja der Geheimjünger erringen. Alle Zweifel an den höheren Welten werden von ihm genommen. Diese enthüllen sich in ihren Gesetzen vor seinen Blicken. Aber er kann dieses Gut nicht erringen, solange er sich von Blendwerken und Illusionen täuschen läßt. Schlimm wäre es für ihn, wenn seine Phantasie, seine Vorurteile mit seinem Verstande&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|85}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
durchgingen. Träumer und Phantasten sind für den Ge­heimpfad ebenso ungeeignet wie abergläubische Perso­nen. Das alles kann nicht genug betont werden. Denn in Träumerei, Phantastik und Aberglauben lauern die schlimmsten Feinde auf dem Wege zu Erkenntnissen in höheren Welten. Es braucht aber auch niemand zu glauben, daß dem Geheimjünger die Poesie des Lebens, die Begeisterungsfähigkeit verlorengehe, weil über dem Tore, das zur zweiten Probe der Einweihung führt, die Worte stehen: «Alle Vorurteile müssen von dir fallen», und weil er an der Eingangspforte zur ersten Probe bereits lesen muß: «Ohne gesunden Menschenverstand sind alle deine Schritte vergebens.»&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ist der Kandidat in dieser Art weit genug vorgeschrit­ten, so wartet die dritte «Probe» auf ihn. Bei dieser wird ihm kein Ziel fühlbar. Es ist alles in seine eigene Hand gelegt. Er befindet sich in einer Lage, wo ihn nichts zum Handeln veranlaßt. Er muß ganz allein aus sich seinen Weg finden. Dinge oder Personen, die ihn zu etwas bewegen, sind nicht da. Nichts und niemand kann ihm jetzt die Kraft geben, die er braucht, als nur er selbst. Fände er diese Kraft nicht in sich selbst, so stände er sehr bald wie­der da, wo er vorher gestanden hat. Doch muß man sagen, daß nur wenige von denen, welche die vorigen Proben bestanden haben, hier diese Kraft nicht finden werden. Man bleibt entweder schon vorher zurück, oder man besteht auch hier. Alles, was nötig ist, das besteht darinnen, rasch mit sich selbst zurecht zu kommen. Denn man muß hier sein «höheres Selbst» im wahrsten Sinne des Wortes finden. Man muß sich rasch entschließen, auf die Ein­gebung des Geistes in allen Dingen zu hören. Zeit zu&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|86}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
irgendwelchen Bedenken, Zweifeln und so weiter hat man hier nicht mehr. Jede Minute Zögerung würde nur beweisen, daß man noch nicht reif ist. Was abhält, auf den Geist zu hören, muß kühn überwunden werden. Es kommt darauf an, Geistesgegenwart in dieser Lage zu be­weisen. Und das ist auch die Eigenschaft, auf deren voll­kommene Ausbildung es auf dieser Entwickelungsstufe abgesehen ist. Alle Verlockungen zum Handeln, ja selbst zum Denken, an die ein Mensch vorher gewöhnt war, hören auf. Um nicht untätig zu bleiben, darf der Mensch sich selbst nicht verlieren. Denn nur in sich selbst kann er den einzigen festen Punkt finden, an den er sich zu hal­ten vermag. Niemand, der dies hier liest, ohne weiter mit den Sachen vertraut zu sein, sollte eine Antipathie emp­finden gegen dieses Zurückgewiesensein auf sich selbst. Denn es bedeutet für den Menschen die schönste Glück­seligkeit, wenn er die geschilderte Probe besteht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und nicht weniger als in den anderen Fällen ist auch für diesen Punkt das gewöhnliche Leben für viele Menschen schon eine Geheimschule. Personen, die es dahin gebracht haben, daß sie, vor plötzlich an sie herantretende Lebensaufgaben gestellt, ohne Zögern, ohne viel Beden­ken eines raschen Entschlusses fähig sind, ihnen ist das Leben eine solche Schulung. Die geeigneten Lagen sind diejenigen, wo ein erfolgreiches Handeln sofort unmög­lich wird, wenn der Mensch nicht rasch eingreift. Wer rasch bei der Hand ist, zuzugreifen, wenn ein Unglück in Sicht ist, während durch einige Augenblicke Zögerung das Unglück bereits geschehen wäre, und wer eine solche rasche Entschlußfähigkeit zu einer bleibenden Eigen­schaft bei sich gemacht hat, der hat unbewußt die Reife&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|87}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
für die dritte «Probe» erworben. Denn auf die Heranbildung der unbedingten Geistesgegenwart kommt es bei ihr an. Man nennt sie in den Geheimschulen die «Luftprobe», weil der Kandidat bei ihr sich weder auf den festen Boden der äußeren Veranlassungen stützen kann noch auf dasjenige, was sich aus den Farben, Formen und so weiter ergibt, die er durch Vorbereitung und Erleuch­tung kennengelernt hat, sondern ausschließlich auf sich selbst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hat der Geheimjünger diese Probe bestanden, dann darf er den «Tempel der höheren Erkenntnisse» betre­ten. Was darüber weiter zu sagen ist, kann nur die aller­spärlichste Andeutung sein. Was jetzt zu leisten ist, wird oft so ausgedrückt, daß man sagt: der Geheimjünger habe einen «Eid» zu leisten, nichts von den Geheimlehren zu «verraten». Doch sind die Ausdrücke «Eid» und «ver­raten» keineswegs sachgemäß und sogar zunächst irreführend. Es handelt sich um keinen «Eid» im gewöhn­lichen Sinne des Wortes. Man macht vielmehr auf dieser Stufe der Entwickelung eine Erfahrung. Man lernt, wie man die Geheimlehre anwendet, wie man sie in den Dienst der Menschheit stellt. Man fängt an, die Welt erst recht zu verstehen. Nicht auf das «Verschweigen» der höheren Wahrheiten kommt es da an, sondern vielmehr auf die rechte Art, den entsprechenden Takt, sie zu ver­treten. Worüber man «schweigen» lernt, das ist etwas ganz anderes. Man eignet sich diese herrliche Eigenschaft nämlich in bezug auf vieles an, worüber man vorher ge­redet hat, namentlich auf die Art, wie man geredet hat. Ein schlechter Eingeweihter wäre der, welcher nicht die erfahrenen Geheimnisse in den Dienst der Welt stellte, so&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|88}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gut und soweit dies nur möglich ist. Es gibt kein anderes Hindernis für die Mitteilung auf diesem Gebiete als allein das Nichtverstehen von seiten dessen, der empfangen soll. Zum beliebigen Reden darüber eignen sich allerdings die höheren Geheimnisse nicht. Aber es ist niemandem etwas «verboten» zu sagen, der die beschriebene Stufe der Ent­wickelung erlangt hat. Kein anderer Mensch und kein Wesen legt ihm einen dahingehenden «Eid» auf. Alles ist in seine eigene Verantwortlichkeit gestellt. Was er lernt, ist, in jeder Lage ganz durch sich selbst zu finden, was er zu tun hat. Und der «Eid» bedeutet nichts, als daß der Mensch reif geworden ist, eine solche Verantwortung tra­gen zu können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ist der Kandidat reif geworden zu dem Beschriebenen, dann erhält er dasjenige, was man sinnbildlich als den «Vergessenheitstrunk» bezeichnet. Er wird nämlich in das Geheimnis eingeweiht, wie man wirken kann, ohne sich durch das niedere Gedächtnis fortwährend stören zu las­sen. Das ist für den Eingeweihten notwendig. Denn er muß stets das volle Vertrauen in die unmittelbare Gegen­wart haben. Er muß die Schleier der Erinnerung zerstören können, die sich in jedem Augenblick des Lebens um den Menschen ausbreiten. Wenn ich etwas, was mir heute be­gegnet, nach dem beurteile, was ich gestern erfahren habe, so bin ich vielfachen Irrtümern unterworfen. Natür­lich ist damit nicht gemeint, daß man seine im Leben ge­wonnene Erfahrung verleugne. Man soll sich sie immer gegenwärtig halten, so gut man kann. Aber man muß als Eingeweihter die Fähigkeit haben, jedes neue Erlebnis aus sich selbst zu beurteilen, es ungetrübt durch alle Ver­gangenheit auf sich wirken zu lassen. Ich muß in jedem&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|89}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Augenblicke darauf gefaßt sein, daß mir ein jegliches Ding oder Wesen eine ganz neue Offenbarung bringen kann. Beurteile ich das Neue nach dem Alten, so bin ich dem Irrtum unterworfen. Gerade dadurch wird mir die Erinnerung an alte Erfahrungen am nützlichsten, daß sie mich befähigt, Neues zu sehen. Hätte ich eine bestimmte Erfahrung nicht, so würde ich die Eigenschaft eines Din­ges oder eines Wesens, die mir entgegentreten, vielleicht gar nicht sehen. Aber eben zum Sehen des Neuen, nicht zur Beurteilung des Neuen nach dem Alten soll die Er­fahrung dienen. In dieser Beziehung erlangt der Ein­geweihte ganz bestimmte Fähigkeiten. Dadurch enthül­len sich ihm viele Dinge, die dem Uneingeweihten ver­borgen bleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der zweite «Trank», der dem Eingeweihten verabreicht wird, ist der «Gedächtnistrank». Durch ihn erlangt er die Fähigkeit, höhere Geheimnisse stets im Geiste gegenwär­tig zu haben. Dazu würde das gewöhnliche Gedächtnis nicht ausreichen. Man muß ganz eins werden mit den höheren Wahrheiten. Man muß sie nicht nur wissen, son­dern ganz selbstverständlich in lebendigem Tun hand­haben, wie man als gewöhnlicher Mensch ißt und trinkt. Übung, Gewöhnung, Neigung müssen sie werden. Man muß gar nicht über sie in gewöhnlichem Sinne nachzu­denken brauchen; sie müssen sich durch den Menschen selbst darstellen, durch ihn fließen wie die Lebensfunk­tionen seines Organismus. So macht er sich in geistigem Sinne immer mehr zu dem, wozu ihn im physischen die Natur gemacht hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|90}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= PRAKTISCHE GESICHTSPUNKTE =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn der Mensch seine Ausbildung in bezug auf Gefühle, Gedanken und Stimmungen so durchmacht, wie dies in den Kapiteln über Vorbereitung, Erleuchtung und Einweihung beschrieben worden ist, so bewirkt er in sei­ner Seele und in seinem Geist eine ähnliche Gliederung, wie sie die Natur in seinem physischen Leibe bewirkt hat. Vor dieser Ausbildung sind Seele und Geist ungegliederte Massen. Der Hellseher nimmt sie wahr als ineinandergreifende, spiralige Nebelwirbel, die vorzugsweise wie rötliche und rötlichbraune oder auch rötlichgelbe Farben matt glimmend empfunden werden; nach der Ausbildung beginnen sie wie die gelblichgrünen, grünlichblauen Far­ben geistig zu erglänzen und zeigen einen regelmäßigen Bau. Der Mensch gelangt zu solcher Regelmäßigkeit und damit zu höheren Erkenntnissen, wenn er in seine Ge­fühle, Gedanken und Stimmungen solche Ordnung bringt, wie sie die Natur in seine körperlichen Verrichtungen gebracht hat, so daß er sehen, hören, verdauen, atmen, sprechen und so weiter kann. Mit der Seele atmen und sehen und so weiter, mit dem Geiste hören und sprechen und so weiter lernt der Geheimschüler allmählich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es sollen hier nur noch einige praktische Gesichts­punkte genauer ausgeführt werden, die zur höheren See­len- und Geisteserziehung gehören. Es sind solche, die im Grunde jeder, ohne auf andere Regeln Rücksicht zu nehmen, befolgen kann und durch die er in der Geheimwis­senschaft eine Strecke weit gelangt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine besondere Ausbildung muß man in der Geduld anstreben. Jede Regung der Ungeduld wirkt lähmend, ja&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|91}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ertötend auf die im Menschen schlummernden höheren Fähigkeiten. Man soll nicht verlangen, daß sich von heute auf morgen unermeßliche Einblicke in die höheren Wel­ten eröffnen. Denn dann kommen sie in der Regel ganz gewiß nicht; Zufriedenheit mit dem Geringsten, das man erreicht, Ruhe und Gelassenheit sollen sich der Seele immer mehr bemächtigen. Es ist ja begreiflich, daß der Lernende ungeduldig die Ergebnisse erwartet. Dennoch erlangt er nichts, solange er diese Ungeduld nicht be­meistert. Es nützt auch nichts, wenn man diese Ungeduld nur in gewöhnlichem Sinne des Wortes bekämpft. Dann wird sie nur um so stärker. Man täuscht sich dann über sie hinweg, und in den Tiefen der Seele sitzt sie nur um so stärker. Nur wenn man sich einem ganz bestimmten Gedanken immer wieder hingibt, ihn ganz sich zu eigen macht, erreicht man etwas. Dieser Gedanke ist: «Ich muß zwar alles tun zu meiner Seelen- und Geistesausbildung; aber ich werde ganz ruhig warten, bis ich von höheren Mächten für würdig befunden werde zu bestimmter Er­leuchtung.» Wird dieser Gedanke im Menschen so mäch­tig, daß er zur Charakteranlage sich gestaltet, dann ist man auf dem rechten Wege. Schon im Äußerlichen prägt sich dann diese Charakteranlage aus. Der Blick des Auges wird ruhig, die Bewegungen sicher, die Entschlüsse be­stimmt, und alles, was man Nervosität nennt, weicht all­mählich von dem Menschen. Scheinbar unbedeutende, kleine Regeln kommen dabei in Betracht. Zum Beispiel es fügt uns jemand eine Beleidigung zu. Vor unserer Geheimerziehung wenden wir unser Gefühl gegen den Be­leidiger. Ärger wallt in unserem Innern auf. In dem Ge­heimschüler aber steigt sofort bei einer solchen Gelegenheit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|92}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der Gedanke auf: «Eine solche Beleidigung ändert nichts an meinem Werte»; und er tut dann, was gegen die Beleidigung zu unternehmen ist, mit Ruhe und Gelassen­heit, nicht aus dem Ärger heraus. Es kommt natürlich nicht darauf an, etwa jede Beleidigung einfach hinzuneh­men, sondern darauf, daß man so ruhig und sicher in der Ahndung einer Beleidigung der eigenen Person gegen­über ist, wie man wäre, wenn die Beleidigung einem anderen zugefügt worden wäre, bei dem man das Recht hat, sie zu ahnden. Immer muß berücksichtigt werden, daß sich die Geheimschulung nicht in groben äußeren Vorgängen, sondern in feinen, stillen Umwandlungen des Gefühls­- und Gedankenlebens vollzieht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Geduld wirkt anziehend auf die Schätze des höheren Wissens. Ungeduld wirkt auf sie abstoßend. In Hast und Unruhe kann nichts auf den höheren Gebieten des Daseins erlangt werden. Vor allen Dingen müssen Verlan­gen und Begierde schweigen. Das sind Eigenschaften der Seele, vor denen sich alles höhere Wissen scheu zurückzieht. So wertvoll auch alle höhere Erkenntnis ist: man darf sie nicht verlangen, wenn sie zu uns kommen soll. Wer sie haben will um seiner selbst willen, der erlangt sie nie. Und das erfordert vor allem, daß man in tiefster Seele wahr gegen sich selbst sei. Man darf sich in nichts über sich selbst täuschen. Man muß seinen eigenen Feh­lern, Schwächen und Untauglichkeiten mit innerer Wahr­haftigkeit ins Antlitz schauen. In dem Augenblicke, wo du irgendeine deiner Schwächen vor dir selbst entschul­digst, hast du dir einen Stein hingelegt auf den Weg, der dich aufwärts führen soll. Solche Steine kannst du nur durch Selbstaufklärung über dich beseitigen. Es gibt nur&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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einen Weg, seine Fehler und Schwächen abzulegen, und der ist: sie richtig zu erkennen. Alles schlummert in der Menschenseele und kann erweckt werden. Auch seinen Verstand und seine Vernunft kann der Mensch verbessern, wenn er sich in Ruhe und Gelassenheit darüber aufklärt, warum er in dieser Beziehung schwach ist. Solche Selbsterkenntnis ist natürlich schwierig, denn die Ver­suchung zur Täuschung über sich selbst ist eine unermeß­lich große. Wer sich an Wahrheit gegen sich selbst ge­wöhnt, öffnet sich die Pforten zu höherer Einsicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schwinden muß beim Geheimschüler eine jegliche Neugierde. Er muß sich soviel wie möglich das Fragen abgewöhnen über Dinge, die er nur zur Befriedigung sei­nes persönlichen Wissensdranges wissen will. Nur das soll er fragen, was ihm zur Vervollkommnung seiner We­senheit im Dienste der Entwickelung dienen kann. Dabei soll in ihm aber die Freude, die Hingabe an das Wissen in keiner Weise gelähmt werden. Auf alles, was zu sol­chem Ziele dient, soll er andächtig hinhorchen und jede Gelegenheit zu solcher Andacht aufsuchen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Insbesondere ist zur Geheimausbildung eine Erziehung des Wunschlebens notwendig. Man soll nicht etwa wunschlos werden. Denn alles, was wir erreichen sollen, sollen wir ja auch wünschen. Und ein Wunsch wird immer in Erfüllung gehen, wenn hinter ihm eine ganz besondere Kraft steht. Diese Kraft kommt aus der richtigen Erkennt­nis. «In keiner Art zu wünschen, bevor man das Richtige auf einem Gebiete erkannt hat», das ist eine der goldenen Regeln für den Geheimschüler. Der Weise lernt zuerst die Gesetze der Welt kennen, dann werden seine Wünsche zu Kräften, welche sich verwirklichen. Ein Beispiel, das&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
deutlich wirkt, soll hier angeführt werden. Gewiß wün­schen viele, aus eigener Anschauung über ihr Leben vor ihrer Geburt etwas zu erfahren. Solcher Wunsch ist ganz zwecklos und ergebnislos, solange der Betreffende sich nicht die Erkenntnis der Gesetze durch geisteswissen­schaftliches Studium angeeignet hat und zwar in ihrem feinsten, intimsten Charakter von dem Wesen des Ewi­gen. Hat er sich aber diese Erkenntnis wirklich erworben, und will er dann weiterkommen, so wird er es durch sei­nen veredelten, geläuterten Wunsch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es nützt auch nichts, zu sagen: Ja, ich will ja ge­rade mein vorhergehendes Leben übersehen und zu dem Zwecke eben lernen. Man muß vielmehr imstande sein, diesen Wunsch ganz fallenzulassen, ganz von sich auszuschalten, und zunächst ganz ohne diese Absicht lernen. Man muß die Freude, die Hingebung an dem Gelernten entwickeln ohne die genannte Absicht. Denn nur da­durch lernt man zugleich den entsprechenden Wunsch so zu haben, daß er seine Erfüllung nach sich zieht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;*&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn ich zornig bin oder mich ärgere, so richte ich einen Wall in der Seelenwelt um mich auf, und die Kräfte können nicht an mich herantreten, welche meine seeli­schen Augen entwickeln sollen. Ärgert mich zum Beispiel ein Mensch, so schickt er einen seelischen Strom in die Seelenwelt. Ich kann diesen Strom so lange nicht sehen, als ich noch fähig bin, mich zu ärgern. Mein Ärger ver­deckt ihn mir. Nun darf ich auch nicht glauben, daß ich sofort eine seelische (astralische) Erscheinung haben werde, wenn ich mich nicht mehr ärgere. Denn dazu ist&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
notwendig, daß sich erst in mir ein seelisches Auge ent­wickele. Aber die Anlage zu einem solchen Auge liegt in jedem Menschen. Es bleibt unwirksam, solange der Mensch fähig ist, sich zu ärgern. Aber es ist auch noch nicht sogleich da, wenn man ein wenig das Ärgern be­kämpft hat. Man muß vielmehr fortfahren in dieser Be­kämpfung des Ärgers und in Geduld immer wieder fort­fahren; dann wird man eines Tages bemerken, daß sich dieses seelische Auge entwickelt hat. Allerdings ist nicht der Ärger das einzige, was man zu solchem Ziele zu bekämpfen hat. Viele werden ungeduldig oder zweifelnd, weil sie jahrelang einige Eigenschaften der Seele bekämpft haben und das Hellsehen doch nicht eintritt. Sie haben dann eben einige Eigenschaften ausgebildet und andere um so mehr überwuchern lassen. Die Gabe des Hellsehens tritt erst dann ein, wenn alle Eigenschaften unterdrückt sind, welche die entsprechenden schlummernden Fähigkeiten nicht herauskommen lassen. Allerdings stellen sich Anfänge des Schauens (oder Hörens) schon früher ein; aber das sind zarte Pflänzchen, die leicht allem möglichen Irrtum unterworfen sind und die auch leicht absterben, wenn sie nicht sorgfältig weiter gehegt und ge­pflegt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu den Eigenschaften, die zum Beispiel ebenso be­kämpft werden müssen wie Zorn und Ärger, gehören Furchtsamkeit, Aberglaube und Vorurteilssucht, Eitelkeit und Ehrgeiz, Neugierde und unnötige Mitteilungssucht, das Unterschiedmachen in bezug auf Menschen nach äußerlichen Rang-, Geschlechts-, Stammeskennzeichen und so weiter. In unserer Zeit wird man recht schwer begreifen, daß die Bekämpfung solcher Eigenschaften etwas&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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zu tun habe mit der Erhöhung der Erkenntnisfähigkeit. Aber jeder Geheimwissenschafter weiß, daß von solchen Dingen viel mehr abhängt als von der Erweiterung der Intelligenz und von dem Anstellen künstlicher Übungen. Insbesondere kann leicht ein Mißverständnis darüber ent­stehen, wenn manche glauben, daß man sich tollkühn machen solle, weil man furchtlos sein soll, daß man sich vor den Unterschieden der Menschen verschließen soll, weil man die Standes-, Rassen- und so weiter Vorurteile bekämpfen soll. Man lernt vielmehr erst richtig erkennen, wenn man nicht mehr in Vorurteilen befangen ist. Schon in gewöhnlichem Sinne ist es richtig, daß mich die Furcht vor einer Erscheinung hindert, sie klar zu beurtei­len, daß mich ein Rassenvorurteil hindert, in eines Men­schen Seele zu blicken. Diesen gewöhnlichen Sinn muß der Geheimschüler in großer Feinheit und Schärfe bei sich zur Entwickelung bringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen Stein in den Weg der Geheimerziehung wirft dem Menschen auch alles, was er sagt, ohne daß er es gründlich in seinen Gedanken geläutert hat. Und dabei muß etwas in Betracht kommen, was hier nur durch ein Beispiel erläutert werden kann. Wenn mir jemand zum Beispiel etwas sagt und ich habe darauf zu erwidern, so muß ich bemüht sein, des anderen Meinung, Gefühl, ja Vorurteil mehr zu beachten, als was ich im Augenblicke selbst zu der in Rede stehenden Sache zu sagen habe. Hiermit ist eine feine Taktausbildung angedeutet, welcher sich der Geheimschüler sorgfältig zu widmen hat. Er muß sich ein Urteil darüber aneignen, wie weit es für den anderen eine Bedeutung hat, wenn er der seinigen die eigene Mei­nung entgegenhält. Nicht zurückhalten soll man deshalb&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
mit seiner Meinung. Davon kann nicht im entferntesten die Rede sein. Aber man soll so genau als nur irgend mög­lich auf den anderen hinhören und aus dem, was man ge­hört hat, die Gestalt seiner eigenen Erwiderung formen. Immer wieder steigt in einem solchen Falle in dem Ge­heimschüler ein Gedanke auf; und er ist auf dem rechten Wege, wenn dieser Gedanke in ihm so lebt, daß er Cha­rakteranlage geworden ist. Dies ist der Gedanke: «Nicht darauf kommt es an, daß ich etwas anderes meine als der andere, sondern darauf, daß der andere das Richtige aus Eigenem finden wird, wenn ich etwas dazu beitrage.» Durch solche und ähnliche Gedanken überströmt den Charakter und die Handlungsweise des Geheimschülers das Gepräge der Milde, die ein Hauptmittel aller Geheimschulung ist. Härte verscheucht um dich herum die Seelengebilde, die dein seelisches Auge erwecken sollen; Milde schafft dir die Hindernisse hinweg und öffnet deine Organe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und mit der Milde wird sich alsbald ein anderer Zug in der Seele ausbilden: das ruhige Achten auf alle Feinheiten des seelischen Lebens in der Umgebung bei völli­ger Schweigsamkeit der eigenen Seelenregungen. Und hat es ein Mensch zu diesem gebracht, dann wirken die Seelenregungen seiner Umgebung auf ihn so ein, daß die eigene Seele wächst und wachsend sich gliedert, wie die Pflanze gedeiht im Sonnenlichte. Milde und Schweigsam­keit in wahrer Geduld öffnen die Seele der Seelenwelt, den Geist dem Geisterlande. «Verharre in Ruhe und Ab­geschlossenheit, schließe die Sinne für das, was sie dir vor deiner Geheimschulung überliefert haben, bringe alle Gedanken zum Stillstand, die nach deinen vorherigen Ge­wohnheiten in dir auf- und abwogten, werde ganz still&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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und schweigsam in deinem Innern und warte in Geduld, dann fangen höhere Welten an, deine Seelenaugen und Geistesohren auszubilden. Du darfst nicht erwarten, daß du sogleich siehst und hörst in der Seelen- und Geisterwelt. Denn was du tust, trägt nur bei, deine höheren Sinne aus­zubilden. Seelisch sehen und geistig hören aber wirst du erst, wenn du diese Sinne haben wirst. Hast du eine Weile so in Ruhe und Abgeschlossenheit verharrt, so gehe an deine gewohnten Tagesgeschäfte, indem du dir vorher noch tief den Gedanken eingeprägt: es wird mir einmal werden, was mir werden soll, wenn ich dazu reif bin. Und unterlasse es streng, etwas von den höheren Gewalten durch deine Willkür an dich zu ziehen.» Das sind Anwei­sungen, die jeder Geheimschüler von seinem Lehrer im Beginne des Weges erhält. Beobachtet er sie, dann ver­vollkommnet er sich. Beobachtet er sie nicht, dann ist alles Arbeiten vergebens. Aber sie sind nur für den schwie­rig, der nicht Geduld und Standhaftigkeit hat. Es gibt keine anderen Hindernisse, als diejenigen sind, die sich ein jeder selbst in den Weg wirft und die auch jeder vermei­den kann, wenn er wirklich will. Das muß immer wieder betont werden, weil sich viele eine ganz falsche Vorstel­lung bilden über die Schwierigkeiten des Geheimpfades. Es ist in gewissem Sinne leichter, die ersten Stufen dieses Pfades zu überschreiten, als ohne Geheimschulung mit den alleralltäglichsten Schwierigkeiten des Lebens fertig zu werden. Außerdem durften hier nur solche Dinge mitgeteilt werden, die von keinerlei Art von Gefahren begleitet sind für die körperliche und seelische Gesundheit. Es gibt ja auch andere Wege, die schneller zum Ziele füh­ren; aber mit diesen hat, was hier gemeint ist, nichts zu&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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tun, weil sie gewisse Wirkungen auf den Menschen haben können, die ein erfahrener Geheimkundiger nicht anstrebt. Da einiges von solchen Wegen doch immer wieder in die Öffentlichkeit dringt, so muß ausdrücklich davor gewarnt werden, sie zu betreten. Aus Gründen, die nur der Eingeweihte verstehen kann, können diese Wege nie in ihrer wahren Gestalt öffentlich bekanntgegeben wer­den. Und die Bruchstücke, die dort und da erscheinen, können zu nichts Gedeihlichem, wohl aber zur Untergrabung von Gesundheit, Glück und Seelenfrieden füh­ren. Wer sich nicht ganz dunklen Mächten anvertrauen will, von deren wahrem Wesen und Ursprung er nichts wissen kann, der vermeide es, sich auf solche Dinge ein­zulassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es kann noch einiges gesagt werden über die Um­gebung, in welcher die Übungen der Geheimschulung vorgenommen werden sollen. Denn darauf kommt einiges an. Doch liegt die Sache fast für jeden Menschen anders. Wer in einer Umgebung übt, die nur von selbstsüchtigen Interessen, zum Beispiel von dem modernen Kampfe ums Dasein, erfüllt ist, der muß sich bewußt sein, daß diese Interessen nicht ohne Einfluß bleiben auf die Ausbildung seiner seelischen Organe. Zwar sind die inneren Gesetze dieser Organe so stark, daß dieser Einfluß nicht ein allzu schädlicher werden kann. Sowenig eine Lilie durch eine noch so unangemessene Umgebung zu einer Distel wer­den kann, so wenig kann sich das seelische Auge zu etwas anderem bilden, als wozu es bestimmt ist, auch wenn die selbstsüchtigen Interessen der modernen Städte darauf einwirken. Aber gut ist es unter allen Umständen, wenn der Geheimschüler ab und zu den stillen Frieden und die&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
innere Würde und Anmut der Natur zu seiner Umgebung macht. Besonders günstig liegt die Sache bei dem, der seine Geheimschulung ganz in der grünen Pflanzenwelt oder zwischen sonnigen Bergen und dem lieben Weben der Einfalt vornehmen kann. Das treibt die inneren Organe in einer Harmonie heraus, die niemals in der modernen Stadt entstehen kann. Etwas besser als der bloße Stadtmensch ist auch schon derjenige gestellt, welcher wenigstens während seiner Kindheit Tannenluft atmen, Schneegipfel schauen und das stille Treiben der Waldtiere und Insekten beobachten durfte. Keiner derjenigen aber, denen es aufgegeben ist, in der Stadt zu leben, darf es unterlassen, seinen in Bildung begriffenen Seelen- und Geistesorganen als Nahrung die inspirierten Lehren der Geistesforschung zuzuführen. Wessen Auge nicht jeden Frühling die Wälder Tag für Tag in ihrem Grün verfol­gen kann, der sollte dafür seinem Herzen die erhabenen Lehren der Bhagavad-Gita, des Johannes-Evangeliums, des Thomas von Kempen und die Darstellungen der gei­steswissenschaftlichen Ergebnisse zuführen. Viele Wege gibt es zum Gipfel der Einsicht; aber eine richtige Wahl ist unerläßlich. Der Geheimkundige weiß gar manches über solche Wege zu sagen, was dem Uneingeweihten ab­sonderlich erscheint. Es kann zum Beispiel jemand sehr weit auf dem Geheimpfade sein. Er kann sozusagen un­mittelbar vor dem Öffnen der seelischen Augen und gei­stigen Ohren stehen; und dann hat er das Glück, eine Fahrt über das ruhige oder vielleicht auch das wildbewegte Meer zu machen, und eine Binde löst sich von seinen See­lenaugen: plötzlich wird er sehend. Ein anderer ist eben­falls so weit, daß diese Binde sich nur zu lösen braucht;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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es geschieht durch einen starken Schicksalsschlag. Auf einen anderen Menschen hätte dieser Schlag wohl den Einfluß gehabt, daß er seine Kraft lähmte, seine Energie untergrübe; für den Geheimschüler wird er zum Anlaß der Erleuchtung. Ein dritter harrt in Geduld aus; Jahre hindurch hat er so geharrt, ohne eine merkliche Frucht. Plötzlich in seinem ruhigen Sitzen in der stillen Kammer wird es geistig Licht um ihn, die Wände verschwinden, werden seelisch durchsichtig, und eine neue Welt breitet sich vor seinem sehend gewordenen Auge aus oder erklingt seinem hörend gewordenen Geistesohre.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
= DIE BEDINGUNGEN ZUR GEHEIMSCHULUNG =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bedingungen zum Antritt der Geheimschulung sind nicht solche, die von irgend jemand durch Willkür festgesetzt werden. Sie ergeben sich aus dem Wesen des Ge­heimwissens. Wie ein Mensch nicht Maler werden kann, der keinen Pinsel in die Hand nehmen will, so kann nie­mand eine Geheimschulung empfangen, der nicht erfül­len will, was die Geheimlehrer als notwendige Forderung angeben. Im Grunde kann der Geheimlehrer nichts geben als Ratschläge. Und in diesem Sinne ist auch alles aufzu­nehmen, was er sagt. Er hat die vorbereitenden Wege zum Erkennen der höheren Welten durchgemacht. Er weiß aus Erfahrung, was notwendig ist. Es hängt ganz von dem freien Willen des einzelnen ab, ob er die gleichen Wege wandeln will oder nicht. Wenn jemand verlangen wollte, daß ihm ein Lehrer eine Geheimschulung zukommen ließe, ohne die Bedingungen erfüllen zu wollen, so gliche eine solche Forderung eben durchaus der: lehre mich ma­len, aber befreie mich davon, einen Pinsel zu berühren. Der Geheimlehrer kann auch niemals etwas bieten, wenn ihm nicht der freie Wille des Aufzunehmenden entgegen­kommt. Aber es muß betont werden, daß der allgemeine Wunsch nach höherem Wissen nicht genügt. Diesen Wunsch werden natürlich viele haben. Wer nur diesen Wunsch hat, ohne auf die besonderen Bedingungen der Geheimschulung eingehen zu wollen, von dem kann zunächst nichts erreicht werden. Das sollen diejenigen be­denken, die sich darüber beklagen, daß die Geheimschu­lung ihnen nicht leicht wird. Wer die strengen Bedingun­gen nicht erfüllen kann oder will, der muß eben vorläufig&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
auf Geheimschulung verzichten. Zwar sind die Bedingun­gen streng, aber nicht hart, da ihre Erfüllung nicht nur eine freie Tat sein soll, sondern sogar sein muß.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer das nicht bedenkt, für den können die Forderun­gen der Geheimschulung leicht als Seelen- oder Gewissenszwang erscheinen. Denn die Schulung beruht ja auf einer Ausbildung des inneren Lebens; der Geheimlehrer muß also Ratschläge erteilen, die sich auf dieses innere Leben beziehen. Aber nichts kann als Zwang aufgefaßt werden, was als Ausfluß eines freien Entschlusses gefor­dert wird. Wenn jemand von dem Lehrer forderte: teile mir deine Geheimnisse mit, aber lasse mich bei meinen gewohnten Empfindungen, Gefühlen und Vorstellungen, so verlangt er eben etwas ganz Unmögliches. Er will dann nichts weiter als die Neugierde, den Wissenstrieb befrie­digen. Bei einer solchen Gesinnung kann aber Geheimwissen nie erlangt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es sollen nun der Reihe nach die Bedingungen für den Geheimschüler entwickelt werden. Es muß betont wer­den, daß bei keiner dieser Bedingungen eine vollständige Erfüllung verlangt wird, sondern lediglich das Streben nach einer solchen Erfüllung. Ganz erfüllen kann die Be­dingungen niemand; aber sich auf den Weg zu ihrer Er­füllung begeben kann jeder. Nur auf den Willen, auf die Gesinnung, sich auf diesen Weg zu begeben, kommt es an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die erste Bedingung ist: man richte sein Augenmerk darauf, die körperliche und geistige Gesundheit zu fördern. Wie gesund ein Mensch ist, das hängt zunächst natürlich nicht von ihm ab. Danach trachten, sich nach dieser Richtung zu fördern, das kann ein jeder. Nur aus einem gesunden Menschen kann gesunde Erkenntnis&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|104}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
kommen. Die Geheimschulung weist einen nicht gesun­den Menschen nicht zurück; aber sie muß verlangen, daß der Schüler den Willen habe, gesund zu leben. Dar­innen muß der Mensch die möglichste Selbständigkeit erlangen. Die guten Ratschläge anderer, die zumeist un­gefragt jedem zukommen, sind in der Regel ganz überflüssig. Ein jeder muß sich bestreben, selbst auf sich zu achten. Vielmehr wird es sich in physischer Beziehung darum handeln, schädliche Einflüsse abzuhalten, als um anderes. Um unsere Pflichten zu erfüllen, müssen wir uns ja oft Dinge auferlegen, die unserer Gesundheit nicht för­derlich sind. Der Mensch muß verstehen, im rechten Falle die Pflicht höher zu stellen als die Sorge um die Gesund­heit. Aber was kann nicht alles unterlassen werden bei einigem guten Willen! Die Pflicht muß in vielen Fällen höher stehen als die Gesundheit, ja oft höher als das Le­ben; der Genuß darf es bei dem Geheimschüler nie. Bei ihm kann der Genuß nur ein Mittel für Gesundheit und Leben sein. Und es ist in dieser Richtung durchaus not­wendig, daß man ganz ehrlich und wahrhaftig gegen sich selbst sei. Nichts nützt es, ein asketisches Leben zu führen, wenn dieses aus ähnlichen Beweggründen entspringt wie andere Genüsse. Es kann jemand an dem Asketismus ein Wohlgefallen haben wie ein anderer am Weintrinken. Er kann aber nicht hoffen, daß ihm dieser Asketismus etwas zu höherer Erkenntnis nütze. Viele schieben alles, was sie scheinbar hindert, sich nach dieser Richtung zu för­dern, auf ihre Lebenslage. Sie sagen: «Bei meinen Lebensverhältnissen kann ich mich nicht entwickeln.» Es mag für viele in anderer Beziehung wünschenswert sein, ihre Lebenslage zu ändern; zum Zwecke der Geheimschulung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|105}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
braucht dies kein Mensch zu tun. Zu diesem Ziele braucht man nur gerade in der Lage, in der man ist, so viel für seine leibliche und seelische Gesundheit zu tun, als mög­lich ist. Eine jegliche Arbeit kann dem Ganzen der Mensch­heit dienen; und es ist viel größer von der Menschenseele, sich klarzumachen, wie notwendig eine kleinliche, viel­leicht häßliche Arbeit für dieses Ganze ist, als zu glauben:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
«Diese Arbeit ist für mich zu schlecht, ich bin zu ande­rem berufen.» Besonders wichtig für den Geheimschü­ler ist das Streben nach völliger geistiger Gesundheit. Un­gesundes Gemüts- und Denkleben bringt auf alle Fälle von den Wegen zu höheren Erkenntnissen ab. Klares, ruhiges Denken, sicheres Empfinden und Fühlen sind hier die Grundlage. Nichts soll ja dem Geheimschüler ferner liegen als die Neigung zum Phantastischen, zum aufgeregten Wesen, zur Nervosität, zur Exaltation, zum Fana­tismus. Einen gesunden Blick für alle Verhältnisse des Lebens soll er sich aneignen; sicher soll er sich im Leben zurechtfinden; ruhig soll er die Dinge zu sich sprechen und auf sich wirken lassen. Er soll sich bemühen, überall, wo es nötig ist, dem Leben gerecht zu werden. Alles Überspannte, Einseitige soll in seinem Urteilen und Empfin­den vermieden werden. Würde diese Bedingung nicht er­füllt, so käme der Geheimschüler statt in höhere Welten in diejenige seiner eigenen Einbildungskraft; statt der Wahrheit machten sich Lieblingsmeinungen bei ihm gel­tend. Besser ist es für den Geheimschüler, «nüchtern» zu sein als exaltiert und phantastisch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die zweite Bedingung ist, sich als ein Glied des ganzen Lebens zu fühlen. In der Erfüllung dieser Bedingung ist viel eingeschlossen. Aber ein jeder kann sie nur auf seine&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|106}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
eigene Art erfüllen. Bin ich Erzieher und mein Zögling entspricht nicht dem, was ich wünsche, so soll ich mein Gefühl zunächst nicht gegen den Zögling richten, son­dern gegen mich selbst. Ich soll mich so weit als eins mit meinem Zögling fühlen, daß ich mich frage: «Ist das, was beim Zögling nicht genügt, nicht die Folge meiner eige­nen Tat?» Statt mein Gefühl gegen ihn zu richten, werde ich dann vielmehr darüber nachdenken, wie ich mich selbst verhalten soll, damit in Zukunft der Zögling mei­nen Forderungen besser entsprechen könne. Aus solcher Gesinnungsart heraus ändert sich allmählich die ganze Denkungsart des Menschen. Das gilt für das Kleinste wie für das Größte. Ich sehe aus solcher Gesinnung heraus zum Beispiel einen Verbrecher anders an als ohne die­selbe. Ich halte zurück mit meinem Urteile und sage mir: «Ich bin nur ein Mensch wie dieser. Die Erziehung, die durch die Verhältnisse mir geworden ist, hat mich vielleicht allein vor seinem Schicksale bewahrt.» Ich komme dann wohl auch zu dem Gedanken, daß dieser Menschenbruder ein anderer geworden wäre, wenn die Lehrer, die ihre Mühe auf mich verwendet haben, sie hätten ihm an­gedeihen lassen. Ich werde bedenken, daß mir etwas zuteil geworden ist, was ihm entzogen war, daß ich mein Gutes gerade dem Umstand verdanke, daß es ihm ent­zogen worden ist. Und dann wird mir die Vorstellung auch nicht mehr ferne liegen, daß ich nur ein Glied in der ganzen Menschheit bin und mitverantwortlich für alles, was geschieht. Es soll hier nicht gesagt werden, daß ein solcher Gedanke sich sofort in äußere agitatorische Taten umsetzen soll. Aber still in der Seele soll er gepflegt wer­den. Dann wird er sich ganz allmählich in dem äußeren&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|107}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verhalten eines Menschen ausprägen. Und in solchen Dingen kann doch jeder nur bei sich selbst zu reformieren anfangen. Nichts fruchtet es, im Sinne solcher Gedanken allgemeine Forderungen an die Menschheit zu stellen. Wie die Menschen sein sollen: darüber ist leicht ein Urteil ge­bildet; der Geheimschüler aber arbeitet in der Tiefe, nicht an der Oberfläche. Es wäre daher ganz unrichtig, wenn man die hier angedeutete Forderung der Geheimlehrer mit irgendeiner äußerlichen, etwa gar einer politischen Forderung in Verbindung brächte, mit der die Geistesschulung nichts zu tun haben kann. Politische Agitatoren «wissen» in der Regel, was von anderen Menschen zu «fordern» ist; von Forderungen an sich selbst ist bei ihnen weniger die Rede.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und damit hängt die dritte Bedingung für die Geheimschulung unmittelbar zusammen. Der Zögling muß sich zu der Anschauung emporringen können, daß seine Ge­danken und Gefühle ebenso Bedeutung für die Welt haben wie seine Handlungen. Es muß erkannt werden, daß es ebenso verderblich ist, wenn ich meinen Mitmenschen hasse, wie wenn ich ihn schlage. Dann komme ich auch zu der Erkenntnis, daß ich nicht nur für mich etwas tue, wenn ich mich selbst vervollkommene, sondern auch für die Welt. Aus meinen reinen Gefühlen und Ge­danken zieht die Welt ebensolchen Nutzen wie aus mei­nem Wohlverhalten. Solange ich nicht glauben kann an diese Weltbedeutung meines Innern, so lange tauge ich nicht zum Geheimschüler. Erst dann bin ich von dem rechten Glauben an die Bedeutung meines Inneren, mei­ner Seele erfüllt, wenn ich an diesem Seelischen in der Art arbeite, als wenn es zum mindesten ebenso wirklich&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
wäre wie alles Äußere. Ich muß zugeben, daß mein Ge­fühl ebenso eine Wirkung hat wie eine Verrichtung meiner Hand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit ist eigentlich schon die vierte Bedingung aus­gesprochen: die Aneignung der Ansicht, daß des Menschen eigentliche Wesenheit nicht im Äußerlichen, son­dern im Inneren liegt. Wer sich nur als ein Produkt der Außenwelt ansieht, als ein Ergebnis der physischen Welt, kann es in der Geheimschulung zu nichts bringen. Sich als seelisch-geistiges Wesen fühlen ist eine Grundlage für solche Schulung. Wer zu solchem Gefühle vordringt, der ist dann geeignet zu unterscheiden zwischen innerer Ver­pflichtung und dem äußeren Erfolge. Er lernt erkennen, daß das eine nicht unmittelbar an dem anderen gemessen werden kann. Der Geheimschüler muß die rechte Mitte finden zwischen dem, was die äußeren Bedingungen vor­schreiben, und dem, was er als das Richtige für sein Ver­halten erkennt. Er soll nicht seiner Umgebung etwas auf­drängen, wofür diese kein Verständnis haben kann; aber er soll auch ganz frei sein von der Sucht, nur das zu tun, was von dieser Umgebung anerkannt werden kann. Die Anerkennung für seine Wahrheiten muß er einzig und allein in der Stimme seiner ehrlichen, nach Erkenntnis ringenden Seele suchen. Aber lernen soll er von seiner Umgebung, soviel er nur irgend kann, um herauszu­finden, was ihr frommt und nützlich ist. So wird er in sich selbst das entwickeln, was man in der Geheimwissen­schaft die «geistige Waage» nennt. Auf einer ihrer Waage­schalen liegt ein «offenes Herz» für die Bedürfnisse der Außenwelt, auf der anderen «innere Festigkeit und un­erschütterliche Ausdauer».&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Und damit ist auf die fünfte Bedingung gedeutet: die Standhaftigkeit in der Befolgung eines einmal gefaßten Entschlusses. Nichts darf den Geheimschüler dazu brin­gen, von einem gefaßten Entschluß abzukommen, als lediglich die Einsicht, daß er im Irrtume befangen ist. Jeder Entschluß ist eine Kraft, und wenn diese Kraft auch nicht einen unmittelbaren Erfolg da hat, wohin sie zu­nächst gewandt ist, sie wirkt in ihrer Weise. Der Erfolg ist nur entscheidend, wenn man eine Handlung aus Begierde vollbringt. Aber alle Handlungen, die aus Begierde voll­bracht werden, sind wertlos gegenüber der höheren Welt. Hier entscheidet allein die Liebe zu einer Handlung. In dieser Liebe soll sich ausleben alles, was den Geheimschü­ler zu einer Handlung treibt. Dann wird er auch nicht erlahmen, einen Entschluß immer wieder in Tat umzusetzen, wie oft er ihm auch mißlungen sein mag. Und so kommt er dazu, nicht erst die äußeren Wirkungen sei­ner Taten abzuwarten, sondern sich an den Handlungen selbst zu befriedigen. Er wird lernen, seine Taten, ja sein ganzes Wesen der Welt zu opfern, wie auch immer diese sein Opfer aufnehmen mag. Zu solchem Opferdienst muß sich bereit erklären, wer Geheimschüler werden will.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine sechste Bedingung ist die Entwickelung des Ge­fühles der Dankbarkeit gegenüber allem, was dem Menschen zukommt. Man muß wissen, daß das eigene Dasein ein Geschenk des ganzen Weltalls ist. Was ist alles not­wendig, damit jeder von uns sein Dasein empfangen und fristen kann! Was verdanken wir der Natur und anderen Menschen! Zu solchen Gedanken müssen diejenigen ge­neigt sein, die Geheimschulung wollen. Wer sich ihnen nicht hingeben kann, der vermag nicht in sich jene Allliebe&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|110}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
zu entwickeln, die notwendig ist, um zu höherer Er­kenntnis zu kommen. Etwas, das ich nicht liebe, kann sich mir nicht offenbaren. Und eine jede Offenbarung muß mich mit Dank erfüllen, denn ich werde durch sie reicher.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle die genannten Bedingungen müssen sich in einer siebenten vereinigen: das Leben unablässig in dem Sinne aufzufassen, wie es die Bedingungen fordern. Dadurch schafft sich der Zögling die Möglichkeit, seinem Leben ein einheitliches Gepräge zu geben. Seine einzelnen Le­bensäußerungen werden miteinander im Einklang, nicht im Widerspruche stehen. Er wird zu der Ruhe vorbereitet sein, zu welcher er kommen muß während der ersten Schritte in der Geheimschulung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hat jemand den ernsten und ehrlichen Willen, die an­gegebenen Bedingungen zu erfüllen, dann mag er sich zur Geistesschulung entschließen. Er wird sich dann bereitfinden, die angeführten Ratschläge zu befolgen. Es mag gar manchem vieles an diesen Ratschlägen wie etwas Äußerliches erscheinen. Ein solcher wird vielleicht sagen, er hätte erwartet, daß die Schulung in weniger strengen Formen verlaufen sollte. Aber alles Innere muß sich in einem Äußeren ausleben. Und ebensowenig, wie ein Bild schon da ist, wenn es bloß im Kopf des Malers existiert, ebensowenig kann eine Geheimschulung ohne äußeren Ausdruck sein. Nur diejenigen achten die strengen For­men gering, welche nicht wissen, daß im Äußeren das Innere zum Ausdruck kommen muß. Es ist wahr, daß es auf den Geist einer Sache ankommt und nicht auf die Form. Aber so wie die Form ohne den Geist nichtig ist, so wäre der Geist tatenlos, wenn er sich nicht eine Form erschüfe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|111}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die gestellten Bedingungen sind geeignet, den Geheim­schüler stark genug zu machen, um auch die weiteren Forderungen zu erfüllen, welche die Geistesschulung an ihn stellen muß. Fehlen ihm diese Bedingungen, dann wird er vor jeder neuen Anforderung mit Bedenken stehen. Er wird ohne sie das Vertrauen nicht zu den Menschen haben können, das für ihn notwendig ist. Und auf Vertrauen und wahre Menschenliebe muß alles Wahr­heitsstreben gebaut sein. Es muß darauf gebaut sein, ob­gleich es nicht daraus entspringen, sondern nur aus der eigenen Seelenkraft quellen kann. Und die Menschenliebe muß sich allmählich erweitern zur Liebe zu allen Wesen, ja zu allem Dasein. Wer die genannten Bedingungen nicht erfüllt, wird auch nicht die volle Liebe zu allem Aufbauen, zu allem Schaffen haben, und die Neigung, alle Zerstörung, alles Vernichten als solche zu unterlas­sen. Der Geheimschüler muß so werden, daß er nie etwas vernichtet um des Vernichtens willen, nicht in Handlun­gen, aber auch nicht in Worten, Gefühlen und Gedanken. Für ihn soll es Freude am Entstehen, am Werden geben; und nur dann darf er die Hand bieten zu einer Vernich­tung, wenn er auch imstande ist, aus und durch die Ver­nichtung neues Leben zu fördern. Damit ist nicht gemeint, daß der Geheimschüler zusehen darf, wie das Schlechte überwuchert; aber er soll sogar am Schlechten diejenigen Seiten suchen, durch die er es in ein Gutes wandeln kann. Er wird sich immer klarer darüber, daß die richtigste Be­kämpfung des Schlechten und Unvollkommenen das Schaffen des Guten und Vollkommenen ist. Der Geheim­schüler weiß, daß aus dem Nichts nicht etwas geschaffen werden kann, daß aber das Unvollkommene in ein Vollkommenes&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|112}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
umgewandelt werden kann. Wer in sich die Neigung zum Schaffen entwickelt, der findet auch bald die Fähigkeit, sich dem Schlechten gegenüber richtig zu verhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer in eine Geheimschulung sich einläßt, muß sich klarmachen, daß durch sie gebaut und nicht zerstört werden soll. Er soll daher den Willen zur ehrlichen, hinge­bungsvollen Arbeit, nicht zur Kritik und zum Zerstören mitbringen. Er soll der Andacht fähig sein, denn man soll lernen, was man noch nicht weiß. Man soll andächtig zu dem blicken, was sich erschließt. Arbeit und Andacht: das sind Grundgefühle, die von dem Geheimschüler gefor­dert werden müssen. Mancher wird erfahren müssen, daß er in der Schulung nicht vorwärtskommt, trotzdem er, nach seiner Ansicht, rastlos tätig ist. Es kommt davon her, daß er die Arbeit und Andacht nicht im rechten Sinne er­faßt hat. Diejenige Arbeit wird den geringsten Erfolg haben, die um dieses Erfolges willen unternommen wird, und dasjenige Lernen wird am wenigsten vorwärtsbrin­gen, das ohne Andacht verläuft. Die Liebe zur Arbeit, nicht zum Erfolg, bringt allein vorwärts. Und wenn der Lernende gesundes Denken und sicheres Urteilen sucht, so braucht er sich nicht durch Zweifel und Mißtrauen die Andacht zu verkümmern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man braucht nicht zu sklavischer Abhängigkeit im Ur­teilen zu kommen, wenn man einer Mitteilung, die man empfängt, nicht zuerst die eigene Meinung, sondern eine ruhige Andacht und Hingabe entgegenbringt. Diejenigen, welche in der Erkenntnis einiges erlangt haben, wis­sen, daß sie nicht dem eigensinnigen persönlichen Urteile, sondern dem ruhigen Hinhorchen und Verarbeiten alles&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|113}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
verdanken. Man soll stets im Auge behalten, daß man das nicht mehr zu lernen braucht, was man schon beurtei­len kann. Will man also nur urteilen, so kann man über­haupt nicht mehr lernen. In der Geheimschulung kommt es aber auf das Lernen an. Man soll da ganz und gar den Willen haben, ein Lernender zu sein. Kann man etwas nicht verstehen, dann urteile man lieber gar nicht, als daß man verurteile. Man lasse sich dann das Verständnis für eine spätere Zeit. Je höher man die Stufen der Erkennt­nis hinansteigt, desto mehr hat man dieses ruhige, andäch­tige Hinhorchen nötig. Alles Erkennen der Wahrheit, alles Leben und Handeln in der Welt des Geistes wird auf höheren Gebieten subtil, zart im Vergleich mit den Ver­richtungen des gewöhnlichen Verstandes und des Lebens in der physischen Welt. Je mehr sich die Kreise des Men­schen erweitern, desto feiner werden die Verrichtungen, die er vorzunehmen hat. Weil dies so ist, deshalb kom­men die Menschen in bezug auf höhere Gebiete zu so ver­schiedenen «Ansichten» und «Standpunkten». Allein, es gibt auch über höhere Wahrheiten in Wirklichkeit nur eine Meinung. Man kann zu dieser einen Meinung kom­men, wenn man sich durch Arbeit und Andacht dazu er­hoben hat, die Wahrheit wirklich zu schauen. Nur der­jenige kann zu einer Ansicht kommen, die von der einen wahren abweicht, der, nicht genügend vorbereitet, nach seinen Lieblingsvorstellungen, seinen gewohnten Gedan­ken und so weiter urteilt. Wie es nur eine Ansicht über einen mathematischen Lehrsatz gibt, so auch über die Dinge der höheren Welten. Aber man muß sich erst vor­bereiten, um zu einer solchen «Ansicht» kommen zu kön­nen. Wenn man das bedenken wollte, so würden für niemand&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|114}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die Bedingungen der Geheimlehrer etwas Über­raschendes haben. Es ist durchaus richtig, daß die Wahr­heit und das höhere Leben in jeder Menschenseele woh­nen und daß sie ein jeder selbst finden kann und muß. Aber sie liegen tief und können nur nach Hinwegräu­mung von Hindernissen aus ihren tiefen Schächten heraufgeholt werden. Wie man das vollbringt, darüber kann nur raten, wer Erfahrung in der Geheimwissenschaft hat. Solchen Rat gibt die Geisteswissenschaft. Sie drängt nie­mand eine Wahrheit auf, sie verkündet kein Dogma; sie zeigt aber einen Weg. Zwar könnte jeder vielleicht aber erst nach vielen Verkörperungen diesen Weg auch allein finden; doch ist es eine Verkürzung des Weges, was in der Geheimschulung erreicht wird. Der Mensch gelangt da­durch früher zu einem Punkte, auf dem er mitwirken kann in den Welten, wo das Menschenheil und die Menschenentwickelung durch geistige Arbeit gefördert wer­den.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit sind die Dinge angedeutet, welche zunächst über die Erlangung höherer Welterfahrung mitgeteilt werden sollen. Im nächsten Kapitel sollen diese Ausführungen dadurch fortgesetzt werden, daß gezeigt wird, was in den höheren Gliedern der Menschennatur (im Seelenorganis­mus oder Astralleib und im Geiste oder Gedankenleib) vorgeht während dieser Entwickelung. Dadurch werden diese Mitteilungen in eine neue Beleuchtung gerückt, und es wird in einem tieferen Sinne in sie eingedrungen wer­den können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|115}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= ÜBER EINIGE WIRKUNGEN DER EINWEIHUNG =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gehört zu den Grundsätzen wahrer Geheimwissenschaft, daß derjenige, welcher sich ihr widmet, dies mit vollem Bewußtsein tue. Er soll nichts vornehmen, nicht üben, wovon er nicht weiß, was es für eine Wirkung hat. Ein Geheimlehrer, der jemand einen Rat oder eine An­weisung gibt, wird immer zugleich sagen, was durch die Befolgung in Leib, Seele oder Geist desjenigen eintritt, der nach höherer Erkenntnis strebt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier sollen nun einige Wirkungen auf die Seele des Geheimschülers angegeben werden. Erst wer solche Dinge kennt, wie sie hier mitgeteilt werden, kann in vollem Be­wußtsein die Übungen vornehmen, welche zur Erkenntnis übersinnlicher Welten führen. Und nur ein solcher ist ein echter Geheimschüler. Alles Tappen im dunkeln ist bei wirklicher Geheimschulung streng verpönt. Wer nicht mit offenen Augen seine Schulung vollziehen will, mag Medium werden; zum Hellseher im Sinne der Geheimwissenschaft kann er es nicht bringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei dem, welcher in diesem Sinne die in den vorher­gehenden Abschnitten (über Erwerbung übersinnlicher Erkenntnisse) beschriebenen Übungen macht, gehen zunächst gewisse Veränderungen im sogenannten Seelenorganismus vor sich. Dieser ist nur für den Hellseher wahrnehmbar. Man kann ihn mit einer mehr oder weni­ger geistig-seelisch leuchtenden Wolke vergleichen, in deren Mitte der physische Körper des Menschen sich be­findet.* In diesem Organismus werden die Triebe, Begier­den, Leidenschaften, Vorstellungen und so weiter geistig&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- - -&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;#&amp;lt;/nowiki&amp;gt;FN010-115-* Eine Beschreibung findet man in des Verfassers «Theosophie».&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|116}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sichtbar. Sinnliche Begierde zum Beispiel empfindet man darinnen wie dunkelrötliche Ausstrahlungen von bestimmter Form. Ein reiner, edler Gedanke findet seinen Ausdruck wie in einer rötlichvioletten Ausstrahlung. Der scharfe Begriff, den der logische Denker faßt, fühlt sich wie eine gelbliche Figur mit ganz bestimmten Umrissen. Der verworrene Gedanke des unklaren Kopfes tritt als Figur mit unbestimmten Umrissen auf. Die Gedanken der Menschen mit einseitigen, verbohrten Ansichten erschei­nen in ihren Umrissen scharf, unbeweglich, diejenigen solcher Persönlichkeiten, welche zugänglich für die An­sichten anderer sind, sieht man in beweglichen, sich wan­delnden Umrissen und so weiter, und so weiter.*&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Je weiter nun der Mensch in seiner Seelenentwicke­lung fortschreitet, desto regelmäßiger gegliedert wird sein Seelenorganismus. Beim Menschen mit einem unentwickelten Seelenleben ist er verworren, ungegliedert. Aber auch in einem solchen ungegliederten Seelenorganismus kann der Hellseher ein Gebilde wahrnehmen, das sich deutlich von der Umgebung abhebt. Es verläuft vom In­nern des Kopfes bis zur Mitte des physischen Körpers. Es nimmt sich aus wie eine Art selbständiger Leib, welcher gewisse Organe hat. Diejenigen Organe, die hier zunächst besprochen werden sollen, werden in der Nähe folgender&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- - -&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;#&amp;lt;/nowiki&amp;gt;FN010-116-* Man muß bei allen folgenden Schilderungen darauf achten, daß zum Beispiel beim »Sehen» einer Farbe geistiges Sehen (Schauen) ge­meint ist. Wenn die hellsichtige Erkenntnis davon spricht: »ich sehe rot», so bedeutet dies: «ich habe im Seelisch-Geistigen ein Erlebnis, welches gleichkommt dem physischen Erlebnis beim Eindruck der roten Farbe.» Nur weil es der hellsichtigen Erkenntnis in einem solchen Falle ganz naturgemäß ist, zu sagen: «ich sehe rot», wird dieser Ausdruck ange­wandt. Wer dies nicht bedenkt, kann leicht eine Farbenvision mit einem wahrhaft hellsichtigen Erlebnis verwechseln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|117}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
physischer Körperteile geistig wahrgenommen: das erste zwischen den Augen, das zweite in der Nähe des Kehlkopfes, das dritte in der Gegend des Herzens, das vierte liegt in der Nachbarschaft der sogenannten Magengrube, das fünfte und sechste haben ihren Sitz im Unterleibe. Diese Gebilde werden von den Geheimkundigen «Räder» (Chakrams) oder auch «Lotusblumen» genannt. Sie hei­ßen so wegen der Ähnlichkeit mit Rädern oder Blumen; doch muß man sich natürlich klar darüber sein, daß ein solcher Ausdruck nicht viel zutreffender ist, als wenn man die beiden Lungenteile «Lungenflügel» nennt. Wie man sich hier klar ist, daß man es nicht mit «Flügeln» zu tun hat, so muß man auch dort nur an eine vergleichsweise Bezeichnung denken. Diese «Lotusblumen» sind nun beim unentwickelten Menschen von dunklen Farben und ruhig, unbewegt. Beim Hellseher aber sind sie in Bewe­gung und von leuchtenden Farbenschattierungen. Auch beim Medium ist etwas Ähnliches der Fall, doch in an­derer Art. Darauf soll hier nicht näher eingegangen wer­den. Wenn nun ein Geheimschüler mit seinen Übungen beginnt, so ist das erste, daß sich die Lotusblumen aufhel­len; später beginnen sie sich zu drehen. Wenn dies letztere eintritt, so beginnt die Fähigkeit des Hellsehens. Denn diese «Blumen» sind die Sinnesorgane der Seele.* Und ihre Drehung ist der Ausdruck dafür, daß im Übersinn­lichen wahrgenommen wird. Niemand kann etwas Übersinnliches schauen, bevor sich seine astralen Sinne in die­ser Art ausgebildet haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- - -&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;#&amp;lt;/nowiki&amp;gt;FN010-117-* Auch in bezug auf diese Wahrnehmungen des «Drehens», ja der «Lotusblumen» selbst, gilt, was in der vorigen Anmerkung über das «Sehen der Farben» gesagt worden ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|118}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das geistige Sinnesorgan, welches sich in der Nähe des Kehlkopfes befindet, macht es möglich, hellseherisch die Gedankenart eines anderen Seelenwesens zu durch­schauen, es gestattet auch einen tieferen Einblick in die wahren Gesetze der Naturerscheinungen. Das Organ in der Nachbarschaft des Herzens eröffnet eine hellseherische Erkenntnis der Gesinnungsart anderer Seelen. Wer es ausgebildet hat, kann auch bestimmte tiefere Kräfte bei Tieren und Pflanzen erkennen. Durch den Sinn in der Nähe der sogenannten Magengrube erlangt man Kennt­nis von den Fähigkeiten und Talenten der Seelen; man kann durchschauen, welche Rolle Tiere, Pflanzen, Steine, Metalle, atmosphärische Erscheinungen und so weiter im Haushalte der Natur spielen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Organ in der Nähe des Kehlkopfes hat sechzehn «Blumenblätter» oder «Radspeichen», das in der Nähe des Herzens deren zwölf, das in der Nachbarschaft der Magengrube liegende deren zehn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun hängen gewisse seelische Verrichtungen mit der Ausbildung dieser Sinnesorgane zusammen. Und wer diese Verrichtungen in einer ganz bestimmten Weise aus­übt, der trägt etwas bei zur Ausbildung der betreffenden geistigen Sinnesorgane. Von der «sechzehnblätterigen Lotusblume» sind acht Blätter auf einer früheren Entwickelungsstufe des Menschen in urferner Vergangenheit be­reits ausgebildet gewesen. Zu dieser Ausbildung hat der Mensch selbst nichts beigetragen. Er hat sie als eine Na­turgabe erhalten, als er noch in einem Zustande traumhaften, dumpfen Bewußtseins war. Auf der damaligen Stufe der Menschheitsentwickelung waren sie auch in Tätigkeit. Jedoch vertrug sich diese Art von Tätigkeit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|119}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
eben nur mit jenem dumpfen Bewußtseinszustande. Als dann das Bewußtsein sich aufhellte, verfinsterten sich die Blätter und stellten ihre Tätigkeit ein. Die anderen acht kann der Mensch selbst durch bewußte Übungen ausbil­den. Dadurch wird die ganze Lotusblume leuchtend und beweglich. Von der Entwickelung eines jeden der sech­zehn Blätter hängt die Erwerbung gewisser Fähigkeiten ab. Doch, wie bereits angedeutet, kann der Mensch nur acht davon bewußt entwickeln; die anderen acht erschei­nen dann von selbst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Entwickelung geht in folgender Art vor sich. Der Mensch muß auf gewisse Seelenvorgänge Aufmerksam­keit und Sorgfalt verwenden, die er gewöhnlich sorglos und unaufmerksam ausführt. Es gibt acht solche Vor­gänge. Der erste ist die Art und Weise, wie man sich Vorstellungen aneignet. Gewöhnlich überläßt sich in die­ser Beziehung der Mensch ganz dem Zufall. Er hört dies und das, sieht das eine und das andere und bildet sich da­nach seine Begriffe. Solange er so verfährt, bleibt seine sechzehnblätterige Lotusblume ganz unwirksam. Erst wenn er seine Selbsterziehung nach dieser Richtung in die Hand nimmt, beginnt sie wirksam zu werden. Er muß zu diesem Zwecke auf seine Vorstellungen achten. Eine jede Vorstellung soll für ihn Bedeutung gewinnen. Er soll in ihr eine bestimmte Botschaft, eine Kunde über Dinge der Außenwelt sehen. Und er soll nicht befriedigt sein von Vorstellungen, die nicht eine solche Bedeutung ha­ben. Er soll sein ganzes Begriffsleben so lenken, daß es ein treuer Spiegel der Außenwelt wird. Sein Streben soll da­hin gehen, unrichtige Vorstellungen aus seiner Seele zu entfernen. Der zweite Seelenvorgang betrifft in einer&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|120}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ähnlichen Richtung die Entschlüsse des Menschen. Er soll nur aus gegründeter, voller Überlegung selbst zu dem Unbedeutendsten sich entschließen. Alles gedankenlose Han­deln, alles bedeutungslose Tun soll er von seiner Seele fernhalten. Zu allem soll er wohlerwogene Gründe ha­ben. Und er soll unterlassen, wozu kein bedeutsamer Grund drängt. Der dritte Vorgang bezieht sich auf das Reden. Nur was Sinn und Bedeutung hat, soll von den Lippen des Geheimschülers kommen. Alles Reden um des Redens willen bringt ihn von seinem Wege ab. Die ge­wöhnliche Art der Unterhaltung, wo wahllos und bunt alles durcheinander geredet wird, soll der Geheimschüler meiden. Dabei aber soll er sich nicht etwa ausschließen von dem Verkehr mit seinen Mitmenschen. Gerade im Verkehr soll sein Reden sich zur Bedeutsamkeit entwic­keln. Er steht jedem Rede und Antwort, aber er tut es gedankenvoll, nach jeder Richtung überlegt. Niemals redet er unbegründet. Er versucht nicht zuviel und nicht zuwenig Worte zu machen. Der vierte Seelenvorgang ist die Regelung des äußeren Handelns. Der Geheimschüler versucht sein Handeln so einzurichten, daß es zu den Handlungen seiner Mitmenschen und zu den Vorgängen seiner Umgebung stimmt. Er unterläßt Handlungen, welche für andere störend sind oder die im Widerspruche stehen mit dem, was um ihn herum vorgeht. Er sucht sein Tun so einzurichten, daß es sich harmonisch eingliedert in seine Umgebung, in seine Lebenslage und so weiter. Wo er durch etwas anderes veranlaßt wird zu handeln, da beobachtet er sorgfältig, wie er der Veranlassung am besten entsprechen könne. Wo er aus sich heraus handelt, da erwägt er die Wirkungen seiner Handlungsweise auf&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|121}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
das deutlichste. Das fünfte, was hier in Betracht kommt, liegt in der Einrichtung des ganzen Lebens. Der Geheimschüler versucht natur- und geistgemäß zu leben. Er über­hastet nichts und ist nicht träge. Übergeschäftigkeit und Lässigkeit liegen ihm gleich ferne. Er sieht das Leben als ein Mittel der Arbeit an und richtet sich dementsprechend ein. Gesundheitspflege, Gewohnheiten und so weiter rich­tet er für sich so ein, daß ein harmonisches Leben die Folge ist. Das sechste betrifft das menschliche Streben. Der Geheimschüler prüft seine Fähigkeiten, sein Können und verhält sich im Sinne solcher Selbsterkenntnis. Er ver­sucht nichts zu tun, was außerhalb seiner Kräfte liegt; aber auch nichts zu unterlassen, was innerhalb derselben sich befindet. Anderseits stellt er sich Ziele, die mit den Idealen, mit den großen Pflichten eines Menschen zusam­menhängen. Er fügt sich nicht bloß gedankenlos als ein Rad ein in das Menschentriebwerk, sondern er sucht seine Aufgaben zu begreifen, über das Alltägliche hinauszu­blicken. Er strebt danach, seine Obliegenheiten immer besser und vollkommener zu machen. Das siebente in seinem Seelenleben betrifft das Streben, möglichst viel vom Leben zu lernen. Nichts geht an dem Geheimschüler vorbei, was ihm nicht Anlaß gibt, Erfahrung zu sammeln, die ihm nützlich ist für das Leben. Hat er etwas unrichtig und unvollkommen verrichtet, so wird das ein Anlaß, ähnliches später richtig oder vollkommen zu machen. Sieht er andere handeln, so beobachtet er sie zu einem ähnlichen Ziele. Er versucht, sich einen reichen Schatz von Erfahrungen zu sammeln und ihn stets sorgfältig zu Rate zu ziehen. Und er tut nichts, ohne auf Erlebnisse zu­rückzublicken, die ihm eine Hilfe sein können bei seinen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|122}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Entschlüssen und Verrichtungen. Das achte endlich ist: der Geheimschüler muß von Zeit zu Zeit Blicke in sein Inneres tun; er muß sich in sich selbst versenken, sorg­sam mit sich zu Rate gehen, seine Lebensgrundsätze bil­den und prüfen, seine Kenntnisse in Gedanken durchlau­fen, seine Pflichten erwägen, über den Inhalt und Zweck des Lebens nachdenken und so weiter. Alle diese Dinge sind ja in den vorhergehenden Abschnitten schon besprochen worden. Hier werden sie nur aufgezählt im Hinblick auf die Entwickelung der sechzehnblätterigen Lotus­blume. Durch ihre Übung wird diese immer vollkomme­ner und vollkommener. Denn von solchen Übungen hängt die Ausbildung der Hellsehergabe ab. Je mehr zum Beispiel dasjenige, was ein Mensch denkt und redet, mit den Vorgängen in der Außenwelt zusammenstimmt, desto schneller entwickelt sich diese Gabe. Wer Unwahres denkt oder redet, tötet etwas in dem Keime der sechzehnblätte­rigen Lotusblume. Wahrhaftigkeit, Aufrichtigkeit, Ehr­lichkeit sind in dieser Beziehung aufbauende, Lügenhaf­tigkeit, Falschheit, Unredlichkeit sind zerstörende Kräfte. Und der Geheimschüler muß wissen, daß es hierbei nicht allein auf die «gute Absicht», sondern auf die wirkliche Tat ankommt. Denke und sage ich etwas, was mit der Wirklichkeit nicht übereinstimmt, so zerstöre ich etwas in meinem geistigen Sinnesorgan, auch wenn ich dabei eine noch so gute Absicht zu haben glaube. Es ist wie mit dem Kinde, das sich verbrennt, wenn es ins Feuer greift, auch wenn dies aus Unwissenheit geschieht. Die Ein­richtung der besprochenen Seelenvorgänge in der charak­terisierten Richtung läßt die sechzehnblätterige Lotus­blume in herrlichen Farben erstrahlen und gibt ihr eine&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|123}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gesetzmäßige Bewegung. Doch ist dabei zu beachten, daß die gekennzeichnete Hellsehergabe nicht früher auftreten kann, als ein bestimmter Grad von Ausbildung der Seele erlangt ist. Solange es noch Mühe macht, das Leben in dieser Richtung zu führen, so lange zeigt sich diese Gabe nicht. Solange man auf die geschilderten Vorgänge noch besonders achten muß, ist man nicht reif. Erst wenn man es so weit gebracht hat, daß man in der angegebenen Art lebt, wie es der Mensch sonst gewohnheitsmäßig tut, dann zeigen sich die ersten Spuren des Hellsehens. Die Dinge dürfen dann nicht mehr mühevoll sein, sondern müssen selbstverständliche Lebensart geworden sein. Man darf nicht nötig haben, sich fortwährend zu beobachten, sich anzutreiben, daß man so lebe. Alles muß Gewohn­heit geworden sein. Es gibt gewisse Anweisungen, wel­che die sechzehnblätterige Lotusblume auf andere Art zur Entfaltung bringen. Alle solchen Anweisungen verwirft die wahre Geheimwissenschaft. Denn sie führen zur Zer­störung der leiblichen Gesundheit und zum moralischen Verderben. Sie sind leichter durchzuführen als das Ge­schilderte. Dieses ist langwierig und mühevoll. Aber es führt zu sicherem Ziele und kann nur moralisch kräftigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die verzerrte Ausbildung einer Lotusblume hat nicht nur Illusionen und phantastische Vorstellungen im Fall des Auftretens einer gewissen Hellsehergabe zur Folge, sondern auch Verirrungen und Haltlosigkeit im gewöhnlichen Leben. Man kann durch eine solche Ausbildung furchtsam, neidisch, eitel, hochfahrend, eigenwillig und so weiter werden, während man vorher alle diese Eigen­schaften nicht hatte. Es ist gesagt worden, daß acht von den Blättern der sechzehnblätterigen Lotusblume bereits&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|124}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
in urferner Vergangenheit entwickelt waren und daß diese bei der Geheimschulung von selbst wieder auftreten. Es muß nun bei der Bestrebung des Geheimschülers alle Sorgfalt auf die acht anderen Blätter verwendet werden. Bei verkehrter Schulung treten leicht die früher entwickelten allein auf und die neu zu bildenden bleiben verkümmert. Dies wird insbesondere der Fall sein, wenn bei der Schulung zu wenig auf logisches, vernünftiges Den­ken gesehen wird. Es ist von der allergrößten Wichtigkeit, daß der Geheimschüler ein verständiger, auf klares Den­ken haltender Mensch ist. Und von weiterer Wichtigkeit ist, daß er sich der größten Klarheit befleißigt im Sprechen. Menschen, die anfangen etwas vom Übersinnlichen zu ahnen, werden gern über diese Dinge gesprächig. Dadurch halten sie ihre richtige Entwickelung auf. Je weniger man über diese Dinge redet, desto besser ist es. Erst wer bis zu einem gewissen Grade der Klarheit gekommen ist, sollte reden. Im Beginne des Unterrichts sind Geheimschüler in der Regel erstaunt, wie wenig «neugierig» der schon geistig Geschulte ist gegenüber den Mitteilungen ihrer Erlebnisse. Am heilsamsten für sie wäre es eben, wenn sie sich über ihre Erlebnisse ganz ausschweigen und weiter nichts besprechen wollten, als wie gut oder wie schlecht es ihnen gelingt, ihre Übungen durchzuführen oder die Anweisungen zu befolgen. Denn der schon geistig Ge­schulte hat ganz andere Quellen zur Beurteilung der Fortschritte als ihre direkten Mitteilungen. Die acht in Frage kommenden Blätter der sechzehnblätterigen Lotusblume werden durch solche Mitteilungen immer etwas verhärtet, während sie weich und biegsam erhalten werden sollten. Es soll ein Beispiel angeführt werden, um das zu erläutern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|125}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dies möge nicht vom übersinnlichen, sondern der Deutlichkeit halber vom gewöhnlichen Leben hergenom­men werden. Angenommen, ich höre eine Nachricht und bilde mir darüber sogleich ein Urteil. In einer kurzen Zeit darauf bekomme ich über dieselbe Sache eine weitere Nachricht, die mit der ersteren nicht stimmt. Ich bin dadurch genötigt, das schon gebildete Urteil umzubilden. Die Folge davon ist ein ungünstiger Einfluß auf meine sechzehnblätterige Lotusblume. Ganz anders wäre die Sache, wenn ich zuerst mit meinem Urteil zurückhaltend gewesen wäre, wenn ich zu der ganzen Angelegenheit in­nerlich in Gedanken und äußerlich in Worten «geschwiegen» hätte, bis ich ganz sichere Anhaltspunkte für mein Urteil gehabt hätte. Behutsamkeit im Bilden und Ausspre­chen von Urteilen wird allmählich zum besonderen Kennzeichen des Geheimschülers. Dagegen wächst seine Empfänglichkeit für Eindrücke und Erfahrungen, die er schweigsam an sich vorüberziehen läßt, um möglichst viele Anhaltspunkte sich zu schaffen, wenn er zu urteilen hat. Es sind bläulichrötliche und rosenrote Nuancen in den Lotusblumenblättern, die durch solche Behutsamkeit auftreten, während im anderen Falle dunkelrote und orangefarbige Nuancen auftreten. In einer ähnlichen Art wie die sechzehnblätterige* wird auch die zwölfblätterige Lotusblume, in der Nähe des Herzens, gestaltet. Auch von&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- - -&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;#&amp;lt;/nowiki&amp;gt;FN010-125-* Der Kundige wird in den Bedingungen für die Entwickelung der «sechzehnblätterigen Lotusblume» wiedererkennen die Anweisungen, welche der Buddha seinen Jüngern für den «Pfad» gegeben hat. Doch handelt es sich hier nicht darum, «Buddhismus» zu lehren, sondern Ent­wickelungsbedingungen zu schildern, die aus der Geisteswissenschaft selbst sich ergeben. Daß sie mit gewissen Lehren des Buddha übereinstimmen, kann nicht hindern, sie an sich für wahr zu finden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|126}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ihr war die Hälfte der Blätter in einem vergangenen Ent­wickelungszustande des Menschen bereits vorhanden und in Tätigkeit. Diese sechs Blätter brauchen daher bei der Geheimschulung nicht besonders ausgebildet zu werden; sie erscheinen von selbst und beginnen sich zu drehen, wenn an den anderen sechs gearbeitet wird. Wieder muß, um diese Entwickelung zu fördern, der Mensch gewissen Seelentätigkeiten in bewußter Weise eine bestimmte Richtung geben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man muß sich nun klarmachen, daß die Wahrneh­mungen der einzelnen geistigen oder Seelensinne einen verschiedenen Charakter tragen. Die Lotusblume mit zwölf Blättern vermittelt eine andere Wahrnehmung als die sechzehnblätterige. Diese letztere nimmt Gestalten wahr. Die Gedankenart, die eine Seele hat, die Gesetze, nach denen eine Naturerscheinung sich vollzieht, treten für die sechzehnblätterige Lotusblume in Gestalten auf. Das sind aber nicht starre, ruhige Gestalten, sondern be­wegte, mit Leben erfüllte Formen. Der Hellseher, bei dem sich dieser Sinn entwickelt hat, kann für jede Gedankenart, für jedes Naturgesetz eine Form nennen, in denen sie sich ausprägen. Ein Rachegedanke zum Beispiel kleidet sich in eine pfeilartige, zackige Figur, ein wohlwollender Gedanke hat oft die Gestalt einer sich öffnenden Blume und so weiter. Bestimmte, bedeutungsvolle Gedanken sind regelmäßig, symmetrisch gebildet, unklare Begriffe haben gekräuselte Umrisse. Ganz andere Wahrnehmungen treten durch die zwölfblätterige Lotusblume zutage. Man kann die Art dieser Wahrnehmungen an­nähernd charakterisieren, wenn man sie als Seelenwärme und Seelenkälte bezeichnet. Ein mit diesem Sinn ausgestatteter&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|127}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hellseher fühlt von den Figuren, die er durch die sechzehnblätterige Lotusblume wahrnimmt, solche Seelenwärme oder Seelenkälte ausströmen. Man stelle sich einmal vor, ein Hellseher hätte nur die sechzehnblätterige, nicht aber die zwölfblätterige Lotusblume ent­wickelt. Dann würde er bei einem wohlwollenden Ge­danken nur die oben beschriebene Figur sehen. Ein ande­rer, der beide Sinne ausgebildet hat, bemerkt auch noch diejenige Ausströmung dieses Gedankens, die man eben nur mit Seelenwärme bezeichnen kann. Nur nebenbei soll bemerkt werden, daß in der Geheimschulung nie der eine Sinn ohne den anderen ausgebildet wird, so daß das obige nur als eine Annahme zur Verdeutlichung anzusehen ist. Dem Hellseher eröffnet sich durch die Aus­bildung der zwölfblätterigen Lotusblume auch ein tiefes Verständnis für Naturvorgänge. Alles, was auf ein Wach­sen, Entwickeln begründet ist, strömt Seelenwärme aus; alles, was in Vergehen, Zerstörung, Untergang begriffen ist, tritt mit dem Charakter der Seelenkälte auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ausbildung dieses Sinnes wird auf folgende Art gefördert. Das erste, was in dieser Beziehung der Geheimschüler beobachtet, ist die Regelung seines Gedanken­laufes (die sogenannte Gedankenkontrolle). So wie die sechzehnblätterige Lotusblume durch wahre bedeutungsvolle Gedanken zur Entwickelung kommt, so die zwölf­blätterige durch innere Beherrschung des Gedankenver­laufes. Irrlichtelierende Gedanken, die nicht in sinngemäßer, logischer Weise, sondern rein zufällig anein­andergefügt sind, verderben die Form dieser Lotusblume. Je mehr ein Gedanke aus dem anderen folgt, je mehr allem Unlogischen aus dem Wege gegangen wird, desto&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|128}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
mehr erhält dieses Sinnesorgan die ihm entsprechende Form. Hört der Geheimschüler unlogische Gedanken, so läßt er sich sogleich das Richtige durch den Kopf gehen. Er soll nicht lieblos sich einer vielleicht unlogischen Um­gebung entziehen, um seine Entwickelung zu fördern. Er soll auch nicht den Drang in sich fühlen, alles Unlogische in seiner Umgebung sofort zu korrigieren. Er wird viel­mehr ganz still in seinem Innern die von außen auf ihn einstürmenden Gedanken in eine logische, sinngemäße Richtung bringen. Und er bestrebt sich, in seinen eigenen Gedanken überall diese Richtung einzuhalten. Ein zweites ist, eine ebensolche Folgerichtigkeit in sein Han­deln zu bringen (Kontrolle der Handlungen). Alle Unbeständigkeit, Disharmonie im Handeln gereichen der in Rede stehenden Lotusblume zum Verderben. Wenn der Geheimschüler etwas getan hat, so richtet er sein folgen­des Handeln danach ein, daß es in logischer Art aus dem ersten folgt. Wer heute im anderen Sinn handelt als gestern, wird nie den charakterisierten Sinn entwickeln. Das dritte ist die Erziehung zur Ausdauer. Der Geheimschüler läßt sich nicht durch diese oder jene Einflüsse von einem Ziel abbringen, das er sich gesteckt hat, solange er dieses Ziel als ein richtiges ansehen kann. Hindernisse sind für ihn eine Aufforderung, sie zu überwinden, aber keine Abhaltungsgründe. Das vierte ist die Duldsam­keit (Toleranz) gegenüber Menschen, anderen Wesen und auch Tatsachen. Der Geheimschüler unterdrückt alle überflüssige Kritik gegenüber dem Unvollkommenen, Bösen und Schlechten und sucht vielmehr alles zu begreifen, was an ihn herantritt. Wie die Sonne ihr Licht nicht dem Schlechten und Bösen entzieht, so er nicht seine&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|129}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
verständnisvolle Anteilnahme. Begegnet dem Geheimschüler irgendein Ungemach, so ergeht er sich nicht in abfälligen Urteilen, sondern er nimmt das Notwendige hin und sucht, soweit seine Kraft reicht, die Sache zum Guten zu wenden. Andere Meinungen betrachtet er nicht nur von seinem Standpunkte aus, sondern er sucht sich in die Lage des anderen zu versetzen. Das fünfte ist die Unbefangenheit gegenüber den Erscheinungen des Lebens. Man spricht in dieser Beziehung auch von dem «Glauben» oder «Vertrauen». Der Geheimschüler tritt jedem Menschen, jedem Wesen mit diesem Vertrauen entgegen. Und er erfüllt sich bei seinen Handlungen mit solchem Vertrauen. Er sagt sich nie, wenn ihm etwas mit­geteilt wird: das glaube ich nicht, weil es meiner bisherigen Meinung widerspricht. Er ist vielmehr in jedem Augenblicke bereit, seine Meinung und Ansicht an einer neuen zu prüfen und zu berichtigen. Er bleibt immer empfänglich für alles, was an ihn herantritt. Und er ver­traut auf die Wirksamkeit dessen, was er unternimmt. Zaghaftigkeit und Zweifelsucht verbannt er aus seinem Wesen. Hat er eine Absicht, so hat er auch den Glauben an die Kraft dieser Absicht. Hundert Mißerfolge können ihm diesen Glauben nicht nehmen. Es ist dies jener «Glaube, der Berge zu versetzen vermag». Das sechste ist die Erwerbung eines gewissen Lebensgleichgewichtes (Gleichmutes). Der Geheimschüler strebt an, seine gleichmäßige Stimmung zu erhalten, ob ihn Leid, ob ihn Er­freuliches trifft. Das Schwanken zwischen «himmelhochjauchzend, zu Tode betrübt» gewöhnt er sich ab. Das Un­glück, die Gefahr finden ihn ebenso gewappnet wie das Glück, die Förderung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|130}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Leser von geisteswissenschaftlichen Schriften fin­den das Geschilderte als die sogenannten «sechs Eigenschaften» aufgezählt, welche der bei sich entwickeln muß, der die Einweihung anstrebt. Hier sollte ihr Zusammen­hang mit dem seelischen Sinne dargelegt werden, welcher die zwölfblätterige Lotusblume genannt wird. Die Ge­heimschulung vermag wieder besondere Anweisungen zu geben, welche diese Lotusblume zum Reifen bringen, aber auch hier hängt die Ausbildung der regelmäßigen Form dieses Sinnesorganes an der Entwickelung der auf­gezählten Eigenschaften. Wird diese Entwickelung außer acht gelassen, dann gestaltet sich dieses Organ zu einem Zerrbilde. Und es können dadurch bei Ausbildung einer gewissen Hellsehergabe in dieser Richtung die genannten Eigenschaften sich statt zum Guten zum Schlechten wen­den. Der Mensch kann besonders unduldsam, zaghaft, ab­lehnend gegen seine Umgebung werden. Er kann zum Beispiel eine Empfindung erhalten für Gesinnungen an­derer Seelen und diese deswegen fliehen oder hassen. Es kann so weit kommen, daß er wegen der Seelenkälte, die ihn bei Ansichten überströmt, welche ihm widerstreben, gar nicht zuhören kann oder in abstoßender Art sich ge­bärdet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kommt zu allem Gesagten noch die Beobachtung ge­wisser Vorschriften hinzu, welche Geheimschüler von Ge­heimlehrern nur mündlich empfangen können, so tritt eine entsprechende Beschleunigung in der Entwickelung der Lotusblume ein. Doch führen die hier gegebenen An­weisungen durchaus in die wirkliche Geheimschulung ein. Nützlich aber ist auch für den, der nicht eine Geheimschulung durchmachen will oder kann, die Einrichtung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|131}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
des Lebens in der angegebenen Richtung. Denn die Wir­kung auf den Seelenorganismus tritt auf alle Fälle ein, wenn auch langsam. Und für den Geheimschüler ist die Beobachtung dieser Grundsätze unerläßlich. Würde er eine Geheimschulung versuchen, ohne sie einzuhalten, so könnte er nur mit mangelhaftem Gedankenauge in die höheren Welten eintreten; und statt die Wahrheit zu er­kennen, würde er dann nur Täuschungen und Illusionen unterworfen sein. Er würde in einer gewissen Beziehung hellsehend werden; aber im Grunde nur größerer Blindheit unterliegen als vorher. Denn ehedem stand er wenig­stens innerhalb der Sinnenwelt fest und hatte an ihr einen bestimmten Halt; jetzt aber sieht er hinter die Sinnenwelt und wird an dieser irre, bevor er sicher in einer höheren Welt steht. Er kann dann vielleicht überhaupt nicht mehr Wahrheit von Irrtum unterscheiden und verliert alle Richtung im Leben. Gerade aus diesem Grunde ist Ge­duld so nötig in diesen Dingen. Man muß immer beden­ken, daß die Geisteswissenschaft nicht weiter mit ihren Anweisungen gehen darf, als volle Willigkeit zu einer geregelten Entwickelung der «Lotusblumen» vorliegt. Es würden sich wahre Zerrbilder dieser Blumen entwickeln, wenn sie zur Reife gebracht würden, bevor sie in ruhiger Weise die ihnen zukommende Form erlangt haben. Denn die speziellen Anweisungen der Geisteswissenschaft bewirken das Reifwerden, die Form aber wird durch die ge­schilderte Lebensart ihnen gegeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von besonders feiner Art ist die Seelenpflege, die zur Entwickelung der zehnblätterigen Lotusblume notwendig ist. Denn hier handelt es sich darum, die Sinnes­eindrücke selbst in bewußter Weise beherrschen zu lernen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|132}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den angehenden Hellseher ist das ganz beson­ders nötig. Nur dadurch vermag er einen Quell zahlloser Illusionen und geistiger Willkürlichkeiten zu vermeiden. Der Mensch macht sich gewöhnlich gar nicht klar, von welchen Dingen seine Einfälle, seine Erinnerungen beherrscht sind und wodurch sie hervorgerufen werden. Man nehme folgenden Fall an. Jemand fährt in der Eisen­bahn. Er ist mit einem Gedanken beschäftigt. Plötzlich nimmt sein Gedanke eine ganz andere Wendung. Er erin­nert sich an ein Erlebnis, das er vor Jahren gehabt hat, und verspinnt es mit seinen gegenwärtigen Gedanken. Er hat nun aber gar nicht bemerkt, daß sein Auge zum Fen­ster hinausgerichtet und der Blick auf eine Person gerich­tet war, welche Ähnlichkeit hatte mit einer anderen, die in das erinnerte Erlebnis hineinverwickelt war. Was er gesehen hat, kommt ihm gar nicht zum Bewußtsein, son­dern nur die Wirkung. So glaubt er, daß ihm die Sache «von selbst eingefallen» sei. Wieviel im Leben kommt nicht auf solche Art zustande. Wie spielen in unser Leben Dinge hinein, die wir erfahren und gelesen haben, ohne daß man sich den Zusammenhang ins Bewußtsein bringt. Jemand kann zum Beispiel eine bestimmte Farbe nicht leiden; er weiß aber gar nicht, daß dies deshalb der Fall ist, weil der Lehrer, der ihn vor vielen Jahren gequält hat, einen Rock in dieser Farbe gehabt hat. Unzählige Illusio­nen beruhen auf solchen Zusammenhängen. Viele Dinge prägen sich der Seele ein, ohne daß sie auch dem Bewußt­sein einverleibt werden. Es kann folgender Fall vorkom­men. Jemand liest in der Zeitung von dem Tode einer bekannten Persönlichkeit. Und nun behauptet er ganz fest, er habe diesen Todesfall schon «gestern» vorausgeahnt,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|133}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
obgleich er nichts gehört und gesehen habe, was ihn auf diesen Gedanken hätte bringen können. Und es ist wahr, wie «von selbst» ist ihm «gestern» der Gedanke aufgetaucht: die betreffende Person werde sterben. Er hat nur eines nicht beachtet. Er ist ein paar Stunden, bevor ihm «gestern» der Gedanke aufgestoßen ist, bei einem Bekannten zu Besuch gewesen. Auf dem Tisch lag ein Zeitungsblatt. Er hat darin nicht gelesen. Aber unbewußt fiel doch sein Auge auf die Nachricht von der schweren Erkrankung der in Rede stehenden Persönlichkeit. Des Eindruckes ist er sich nicht bewußt geworden. Aber die Wirkung war die «Ahnung». Wenn man sich solche Dinge überlegt, so kann man ermessen, was für eine Quelle von Illusionen und Phantastereien in solchen Verhältnissen liegt. Und diese Quelle muß derjenige ver­stopfen, der seine zehnblätterige Lotusblume ausbilden will. Denn durch diese Lotusblume kann man tief verbor­gene Eigenschaften an Seelen wahrnehmen. Aber Wahrheit ist diesen Wahrnehmungen nur dann beizumessen, wenn man von den gekennzeichneten Täuschungen ganz frei geworden ist. Es ist zu diesem Zwecke notwendig, daß man sich zum Herrn über das macht, was von der Außen­welt auf einen einwirkt. Man muß es dahin bringen, daß Eindrücke, die man nicht empfangen will, man auch wirk­lich nicht empfängt. Solch eine Fähigkeit kann nur durch ein starkes Innenleben herangezogen werden. Man muß es in den Willen bekommen, daß man nur die Dinge auf sich wirken läßt, auf die man die Aufmerksamkeit wen­det, und daß man sich Eindrücken wirklich entzieht, an die man sich nicht willkürlich wendet. Was man sieht, muß man sehen wollen, und worauf man keine Aufmerksamkeit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
wendet, muß tatsächlich für einen nicht da sein. Je lebhafter, energischer die innere Arbeit der Seele wird, desto mehr wird man das erreichen. Der Geheimschüler muß alles gedankenlose Herumschauen und Herumhören vermeiden. Für ihn soll nur da sein, worauf er Ohr und Auge richtet. Er muß sich darin üben, daß er im größten Trubel nichts zu hören braucht, wenn er nicht hören will; er soll sein Auge unempfänglich machen für Dinge, auf die er nicht besonders hinschaut. Wie mit einem seeli­schen Panzer muß er umgeben sein für alle unbewußten Eindrücke. Besonders auf das Gedankenleben selbst muß er nach dieser Richtung hin Sorgfalt verwenden. Er setzt sich einen Gedanken vor, und er versucht nur das weiterzudenken, was er ganz bewußt, in völliger Freiheit, an diesen Gedanken angliedern kann. Beliebige Einfälle weist er ab. Will er den Gedanken mit irgendeinem andern in Beziehung setzen, so besinnt er sich sorgfältig, wo dieser andere an ihn herangetreten ist. Er geht noch weiter. Wenn er zum Beispiel eine bestimmte Antipathie gegen irgend etwas hat, so bekämpft er sie und sucht eine bewußte Beziehung zu dem betreffenden Dinge herzu­stellen. Auf diese Art mischen sich immer weniger un­bewußte Elemente in sein Seelenleben hinein. Nur durch solche strenge Selbstzucht erlangt die zehnblätterige Lo­tusblume die Gestalt, die sie haben sollte. Das Seelenleben des Geheimschülers muß ein Leben in Aufmerksamkeit werden, und worauf man keine Aufmerksamkeit verwen­den will oder soll, das muß man sich wirklich fernzuhal­ten wissen. Tritt zu einer solchen Selbstzucht eine Me­ditation, welche den Anweisungen der Geisteswissen­schaft entspricht, dann kommt die in der Gegend der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|135}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Magengrube befindliche Lotusblume in der richtigen Weise zum Reifen, und das, was durch die vorher geschilderten geistigen Sinnesorgane nur Form und Wärme hatte, erhält geistig Licht und Farbe. Und dadurch enthül­len sich zum Beispiel Talente und Fähigkeiten von Seelen, Kräfte und verborgene Eigenschaften in der Natur. Die Farbenaura der belebten Wesen wird dadurch sichtbar; das, was um uns ist, kündigt dadurch seine seelenhaften Eigenschaften an. Man wird zugeben, daß gerade in der Entwickelung auf diesem Gebiete die allergrößte Sorgfalt notwendig ist, denn das Spiel unbewußter Erinnerungen ist hier ein unermeßlich reges. Wäre das nicht der Fall, so würden viele Menschen gerade den hier in Frage kom­menden Sinn haben, denn er tritt fast sogleich auf, wenn der Mensch wirklich die Eindrücke seiner Sinne ganz und gar so in seiner Gewalt hat, daß sie nur mehr seiner Auf­merksamkeit oder Unaufmerksamkeit unterworfen sind. Nur solange die Macht der äußeren Sinne diesen seeli­schen Sinn in Dämpfung und Dumpfheit erhält, bleibt er unwirksam.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schwieriger als die Ausbildung der beschriebenen Lo­tusblume ist diejenige der sechsblätterigen, welche sich in der Körpermitte befindet. Denn zu dieser Ausbildung muß die vollkommene Beherrschung des ganzen Menschen durch das Selbstbewußtsein angestrebt werden, so daß bei ihm Leib, Seele und Geist in einer vollkommenen Harmonie sind. Die Verrichtungen des Leibes, die Nei­gungen und Leidenschaften der Seele, die Gedanken und Ideen des Geistes müssen in einen vollkommenen Einklang miteinander gebracht werden. Der Leib muß so ver­edelt und geläutert werden, daß seine Organe zu nichts&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|136}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
drängen, was nicht im Dienste der Seele und des Geistes geschieht. Die Seele soll durch den Leib nicht zu Begier­den und Leidenschaften gedrängt werden, die einem rei­nen und edlen Denken widersprechen. Der Geist aber soll nicht wie ein Sklavenhalter mit seinen Pflichtgeboten und Gesetzen über die Seele herrschen müssen; sondern diese soll aus eigener freier Neigung den Pflichten und Geboten folgen. Nicht wie etwas, dem er sich wider­willig fügt, soll die Pflicht über dem Geheimschüler schweben, sondern wie etwas, das er vollführt, weil er es liebt. Eine freie Seele, die im Gleichgewichte zwischen Sinnlichkeit und Geistigkeit steht, muß der Geheimschüler entwickeln. Er muß es dahin bringen, daß er sich sei­ner Sinnlichkeit überlassen darf, weil diese so geläutert ist, daß sie die Macht verloren hat, ihn zu sich herabzuziehen. Er soll es nicht mehr nötig haben, seine Leiden­schaften zu zügeln, weil diese von selbst dem Rechten folgen. Solange der Mensch es nötig hat, sich zu kasteien, kann er nicht Geheimschüler auf einer gewissen Stufe sein. Eine Tugend, zu der man sich erst zwingen muß, ist für die Geheimschülerschaft noch wertlos. Solange man eine Begierde noch hat, stört diese die Schülerschaft, auch wenn man sich bemüht, ihr nicht zu willfahren. Und es ist einerlei, ob diese Begierde mehr dem Leibe oder mehr der Seele angehört. Wenn jemand zum Beispiel ein be­stimmtes Reizmittel vermeidet, um durch die Entziehung des Genusses sich zu läutern, so hilft ihm dies nur dann, wenn sein Leib durch diese Enthaltung keine Beschwer­den erleidet. Ist letzteres der Fall, so zeigt es, daß der Leib das Reizmittel begehrt, und die Enthaltung ist wertlos. In diesem Falle kann es eben durchaus sein, daß der Mensch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|137}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
zunächst auf das angestrebte Ziel verzichten muß und warten, bis günstigere sinnliche Verhältnisse vielleicht erst in einem anderen Leben für ihn vorliegen. Ein vernünftiger Verzicht ist in einer gewissen Lage eine viel größere Errungenschaft als das Erstreben einer Sache, die unter gegebenen Verhältnissen eben nicht zu erreichen ist. Ja, es fördert solch ein vernünftiger Verzicht die Ent­wickelung mehr als das Entgegengesetzte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer die sechsblätterige Lotusblume entwickelt hat, der gelangt zum Verkehr mit Wesen, die den höheren Welten angehören, jedoch nur dann, wenn deren Dasein sich in der Seelenwelt zeigt. Die Geheimschulung empfiehlt aber nicht eine Entwickelung dieser Lotusblume, bevor der Schüler nicht auf dem Wege weit vorgeschritten ist, durch den er seinen Geist in eine noch höhere Welt erheben kann. Dieser Eintritt in die eigentliche Geisteswelt muß nämlich immer die Ausbildung der Lotusblumen beglei­ten. Sonst gerät der Schüler in Verwirrung und Unsicher­heit. Er würde zwar sehen lernen, aber es fehlte ihm die Fähigkeit, das Gesehene in der richtigen Weise zu beurtei­len. Nun liegt schon in dem, was zur Ausbildung der sechsblätterigen Lotusblume verlangt wird, eine gewisse Bürgschaft gegen Verwirrung und Haltlosigkeit. Denn nicht leicht wird jemand in diese Verwirrung zu bringen sein, der das vollkommene Gleichgewicht zwischen Sinn­lichkeit (Leib), Leidenschaft (Seele) und Idee (Geist) er­langt hat. Dennoch ist noch mehr notwendig als diese Bürgschaft, wenn durch Entwickelung der sechsblätterigen Lotusblume dem Menschen Wesen mit Leben und Selbständigkeit wahrnehmbar werden, welche einer Welt angehören, die von derjenigen seiner physischen Sinne so&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|138}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
durchaus verschieden ist. Um Sicherheit in diesen Welten zu haben, genügt ihm nicht das Ausbilden der Lotusblu­men, sondern er muß da noch höhere Organe zu seiner Verfügung haben. Es soll nun über die Entwickelung die­ser noch höheren Organe gesprochen werden; dann kann auch von den anderen Lotusblumen und der anderweiti­gen Organisation des Seelenleibes* die Rede sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;*&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ausbildung des Seelenleibes, wie sie eben geschil­dert worden ist, macht dem Menschen möglich, übersinn­liche Erscheinungen wahrzunehmen. Wer sich aber in die­ser Welt wirklich zurechtfinden will, der darf nicht auf dieser Stufe der Entwickelung stehenbleiben. Die bloße Beweglichkeit der Lotusblumen genügt nicht. Der Mensch muß in der Lage sein, die Bewegung seiner geistigen Or­gane selbständig, mit vollem Bewußtsein zu regeln und zu beherrschen. Er würde sonst ein Spielball äußerlicher Kräfte und Mächte werden. Soll er das nicht werden, so muß er sich die Fähigkeit erwerben, das sogenannte «in­nere Wort» zu vernehmen. Um dazu zu kommen, muß nicht nur der Seelenleib, sondern auch der Ätherleib ent­wickelt werden. Es ist dies jener feine Leib, der sich für den Hellseher als eine Art Doppelgänger des physischen Körpers zeigt. Er ist gewissermaßen eine Zwischenstufe&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- - -&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;#&amp;lt;/nowiki&amp;gt;FN010-138-* Es ist selbstverständlich, daß, dem Wortsinne nach, der Ausdruck «Seelenleib» (wie mancher ähnliche der Geisteswissenschaft) einen Widerspruch enthält. Doch wird dieser Ausdruck gebraucht, weil das hellseherische Erkennen etwas wahrnimmt, was so im Geistigen erlebt wird, wie im Physischen der Leib wahrgenommen wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|139}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
zwischen diesem Körper und dem Seelenleib.* Ist man mit hellseherischen Fähigkeiten begabt, so kann man sich mit vollem Bewußtsein den physischen Körper eines Men­schen, der vor einem steht, absuggerieren. Es ist das auf einer höheren Stufe nichts anderes als eine Übung der Aufmerksamkeit auf einer niedrigeren. So wie der Mensch seine Aufmerksamkeit von etwas, das vor ihm ist, ablen­ken kann, so daß es für ihn nicht da ist, so vermag der Hellseher einen physischen Körper für seine Wahrneh­mung ganz auszulöschen, so daß er für ihn physisch ganz durchsichtig wird. Vollführt er das mit einem Menschen, der vor ihm steht, dann bleibt vor seinem seelischen Auge noch der sogenannte Ätherleib vorhanden, außer dem Seelenleibe, der größer als beide ist und der auch beide durchdringt. Der Ätherleib hat annähernd die Größe und Form des physischen Leibes, so daß er ungefähr auch den­selben Raum ausfüllt, den auch der physische Körper ein­nimmt. Er ist ein äußerst zart und fein organisiertes Ge­bilde.** Seine Grundfarbe ist eine andere als die im Re­genbogen enthaltenen sieben Farben. Wer ihn beobach­ten kann, lernt eine Farbe kennen, die für die sinnliche Beobachtung eigentlich gar nicht vorhanden ist. Sie läßt sich am ehesten mit der Farbe der jungen Pfirsichblüte vergleichen. Will man den Ätherleib ganz allein für sich betrachten, so muß man auch die Erscheinung des Seelenleibes&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- - -&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;#&amp;lt;/nowiki&amp;gt;FN010-139-1-* Man vergleiche zu dieser Darstellung die Schilderung in des Ver­fassers «Theosophie».&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;#&amp;lt;/nowiki&amp;gt;FN010-139-2-** Den Physiker bitte ich, sich an dem Ausdruck «Ätherleib» nicht zu stoßen. Mit dem Worte «Äther» soll nur die Feinheit des in Betracht kommenden Gebildes angedeutet werden. Mit dem «Äther» der physika­lischen Hypothesen braucht das hier Angeführte zunächst gar nicht zusammengebracht zu werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|140}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
für die Beobachtung auslöschen durch eine ähnlich geartete Übung der Aufmerksamkeit wie die oben gekennzeichnete. Tut man dies nicht, dann verändert sich der Anblick des Ätherleibes durch den ihn ganz durchdringenden Seelenleib.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun sind beim Menschen die Teilchen des Ätherleibes in einer fortwährenden Bewegung. Zahllose Strömungen durchziehen ihn nach allen Seiten. Durch diese Strömun­gen wird das Leben unterhalten und geregelt. Jeder Kör­per, der lebt, hat einen solchen Ätherleib. Die Pflanzen und die Tiere haben ihn auch. Ja, selbst bei den Minera­lien sind Spuren für den aufmerksamen Beobachter wahr­nehmbar. Die genannten Strömungen und Bewegungen sind zunächst von dem Willen und Bewußtsein des Men­schen ganz unabhängig, wie die Tätigkeit des Herzens oder Magens im physischen Körper von der Willkür nicht abhängig ist. Und solange der Mensch seine Ausbildung im Sinne der Erwerbung übersinnlicher Fähigkeiten nicht in die Hand nimmt, bleibt diese Unabhängigkeit auch bestehen. Denn gerade darin besteht die höhere Entwicke­lung auf einer gewissen Stufe, daß zu den vom Bewußt­sein unabhängigen Strömungen und Bewegungen des Ätherleibes solche hinzutreten, welche der Mensch in be­wußter Weise selbst bewirkt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn die Geheimschulung so weit gekommen ist, daß die in den vorhergehenden Abschnitten gekennzeichne­ten Lotusblumen sich zu bewegen beginnen, dann hat der Schüler auch bereits manches von dem vollzogen, was zur Hervorrufung ganz bestimmter Strömungen und Bewe­gungen in seinem Ätherkörper führt. Der Zweck dieser Entwickelung ist, daß sich in der Gegend des physischen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|141}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herzens eine Art Mittelpunkt bildet, von dem Strömun­gen und Bewegungen in den mannigfaltigsten geistigen Farben und Formen ausgehen. Dieser Mittelpunkt ist in Wirklichkeit kein bloßer Punkt, sondern ein ganz kompliziertes Gebilde, ein wunderbares Organ. Es leuchtet und schillert geistig in den allerverschiedensten Farben und zeigt Formen von großer Regelmäßigkeit, die sich mit Schnelligkeit verändern können. Und weitere Formen und Farbenströmungen laufen von diesem Organ nach den Tei­len des übrigen Körpers und auch noch über diesen hinaus, indem sie den ganzen Seelenleib durchziehen und durchleuchten. Die wichtigsten dieser Strömungen aber gehen zu den Lotusblumen. Sie durchziehen die einzelnen Blät­ter derselben und regeln ihre Drehung; dann strömen sie an den Spitzen der Blätter nach außen, um sich im äuße­ren Raum zu verlieren. Je entwickelter ein Mensch ist, desto größer wird der Umkreis, in dem sich diese Strömungen verbreiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einer besonders nahen Beziehung steht die zwölf­blätterige Lotusblume zu dem geschilderten Mittelpunkte. In sie laufen unmittelbar die Strömungen ein. Und durch sie hindurch gehen auf der einen Seite Strömungen zu der sechzehnblätterigen und der zweiblätterigen, auf der an­deren (unteren) Seite zu den acht-, sechs- und vierblätte­rigen Lotusblumen. In dieser Anordnung liegt der Grund, warum auf die Ausbildung der zwölfblätterigen Lotus­blume bei der Geheimschulung eine ganz besondere Sorg­falt verwendet werden muß. Würde hier etwas verfehlt, so müßte die ganze Ausbildung des Apparates eine unordentliche sein. Man kann aus dem Gesagten ermes­sen, von wie zarter und intimer Art die Geheimschulung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|142}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ist und wie genau man vorgehen muß, wenn alles in ge­höriger Weise sich entwickeln soll. Ohne weiteres ist hieraus auch ersichtlich, daß nur derjenige über Anweisung zur Ausbildung übersinnlicher Fähigkeiten reden kann, der alles, was er an einem anderen ausbilden soll, selbst an sich erfahren hat und der vollkommen in der Lage ist zu erkennen, ob seine Anweisungen auch zu dem ganz richtigen Erfolge führen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn der Geheimschüler das ausführt, was ihm durch die Anweisungen vorgeschrieben wird, dann bringt er sei­nem Ätherleib solche Strömungen und Bewegungen bei, welche in Harmonie stehen mit den Gesetzen und der Entwickelung der Welt, zu welcher der Mensch gehört. Daher sind die Anweisungen stets ein Abbild der großen Gesetze der Weltentwickelung. Sie bestehen in den er­wähnten und ähnlichen Meditations- und Konzentrationsübungen, welche, gehörig angewendet, die geschilderten Wirkungen haben. Der Geistesschüler muß in gewissen Zeiten seine Seele ganz mit dem Inhalte der Übungen durchdringen, sich innerlich gleichsam ganz damit ausfül­len. Mit Einfachem beginnt es, was vor allem geeignet ist, das verständige und vernünftige Denken des Kopfes zu vertiefen, zu verinnerlichen. Dieses Denken wird dadurch frei und unabhängig gemacht von allen sinnlichen Ein­drücken und Erfahrungen. Es wird gewissermaßen in einen Punkt zusammengefaßt, welchen der Mensch ganz in seiner Gewalt hat. Dadurch wird ein vorläufiger Mit­telpunkt geschaffen für die Strömungen des Ätherleibes. Dieser Mittelpunkt ist zunächst noch nicht in der Herzgegend, sondern im Kopfe. Dem Hellseher zeigt er sich dort als Ausgangspunkt von Bewegungen. Nur eine&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|143}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
solche Geheimschulung hat den vollen Erfolg, welche zu­erst diesen Mittelpunkt schafft. Würde gleich vom Anfang an der Mittelpunkt in die Herzgegend verlegt, so könnte der angehende Hellseher zwar gewisse Einblicke in die höheren Welten tun; er könnte aber keine richtige Einsicht in den Zusammenhang dieser höheren Welten mit unserer sinnlichen gewinnen. Und dies ist für den Menschen auf der gegenwärtigen Stufe der Weltentwickelung eine unbedingte Notwendigkeit. Der Hellseher darf nicht zum Schwärmer werden; er muß den festen Boden unter den Füßen behalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Mittelpunkt im Kopfe wird dann, wenn er gehö­rig befestigt ist, weiter nach unten verlegt, und zwar in die Gegend des Kehlkopfes. Das wird im weiteren Anwen­den der Konzentrationsübungen bewirkt. Dann strahlen die charakterisierten Bewegungen des Ätherleibes von die­ser Gegend aus. Sie erleuchten den Seelenraum in der Umgebung des Menschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein weiteres Üben befähigt den Geheimschüler, die Lage seines Ätherleibes selbst zu bestimmen. Vorher ist diese Lage von den Kräften abhängig, die von außen kom­men und vom physischen Körper ausgehen. Durch die weitere Entwickelung wird der Mensch imstande, den Ätherleib nach allen Seiten zu drehen. Diese Fähigkeit wird durch Strömungen bewirkt, welche ungefähr längs der beiden Hände verlaufen und die ihren Mittelpunkt in der zweiblätterigen Lotusblume in der Augengegend ha­ben. Alles dies kommt dadurch zustande, daß sich die Strahlungen, die vom Kehlkopf ausgehen, zu runden For­men gestalten, von denen eine Anzahl zu der zweiblätterigen Lotusblume hingehen, um von da aus als wellige&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|144}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Strömungen den Weg längs der Hände zu nehmen. Eine weitere Folge besteht darin, daß sich diese Ströme in der feinsten Art verästeln und verzweigen und zu einer Art Geflecht werden, das wie ein Netzwerk (Netzhaut) zur Grenze des ganzen Ätherleibes sich umbildet. Während dieser vorher nach außen keinen Abschluß hatte, so daß die Lebensströme aus dem allgemeinen Lebensmeer unmittelbar aus- und einströmten, müssen jetzt die Einwir­kungen von außen dieses Häutchen durchlaufen. Dadurch wird der Mensch für diese äußeren Strömungen empfind­lich. Sie werden ihm wahrnehmbar. Nunmehr ist auch der Zeitpunkt gekommen, um dem ganzen Strom- und Bewegungssystem den Mittelpunkt in der Herzgegend zu geben. Das geschieht wieder durch die Fortsetzung der Konzentrations- und Meditationsübung. Und damit ist auch die Stufe erreicht, auf welcher der Mensch mit dem «inneren Wort» begabt wird. Alle Dinge erhalten nun­mehr für den Menschen eine neue Bedeutung. Sie werden gewissermaßen in ihrem innersten Wesen geistig hörbar; sie sprechen von ihrem eigentlichen Wesen zu dem Men­schen. Die gekennzeichneten Strömungen setzen ihn mit dem Innern der Welt in Verbindung, zu welcher er ge­hört. Er beginnt das Leben seiner Umgebung mitzuerle­ben und kann es in der Bewegung seiner Lotusblumen nachklingen lassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit betritt der Mensch die geistige Welt. Ist er so weit, so gewinnt er ein neues Verständnis für dasjenige, was die großen Lehrer der Menschheit gesprochen haben. Buddhas Reden und die Evangelien zum Beispiel wirken jetzt in einer neuen Art auf ihn ein. Sie durchströmen ihn mit einer Seligkeit, die er vorher nicht geahnt hat. Denn&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|145}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der Ton ihrer Worte folgt den Bewegungen und Rhyth­men, die er nun selbst in sich ausgebildet hat. Er kann es jetzt unmittelbar wissen, daß ein solcher Mensch wie Buddha oder die Evangelienschreiber nicht ihre Offen­barungen, sondern diejenigen aussprechen, welche ihnen zugeflossen sind vom innersten Wesen der Dinge. Es soll hier auf eine Tatsache aufmerksam gemacht werden, die wohl nur aus dem Vorhergehenden verständlich wird. Den Menschen unserer gegenwärtigen Bildungsstufe sind die vielen Wiederholungen in Buddhas Reden nicht recht begreiflich. Dem Geheimschüler werden sie zu etwas, worauf er gern mit seinem inneren Sinne ruht. Denn sie entsprechen gewissen Bewegungen rhythmischer Art im Ätherleib. Die Hingabe an sie in vollkommener innerer Ruhe bewirkt auch ein Zusammenklingen mit solchen Bewegungen. Und weil diese Bewegungen ein Abbild sind bestimmter Weltrhythmen, die auch in gewissen Punkten Wiederholung und regelmäßige Rückkehr zu früheren darstellen, so lebt sich im Hinhören auf die Weise Bud­dhas der Mensch in den Zusammenhang mit den Weltgeheimnissen hinein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Geisteswissenschaft wird von vier Eigenschaften gesprochen, welche sich der Mensch auf dem sogenannten Prüfungspfade erwerben muß, um zu höherer Erkenntnis aufzusteigen. Es ist die erste davon die Fähigkeit, in den Gedanken das Wahre von der Erscheinung zu scheiden, die Wahrheit von der bloßen Meinung. Die zweite Eigen­schaft ist die richtige Schätzung des Wahren und Wirk­lichen gegenüber der Erscheinung. Die dritte Fähigkeit besteht in der schon im vorigen Kapitel erwähnten Ausübung der sechs Eigenschaften: Gedankenkontrolle,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|146}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kontrolle der Handlungen, Beharrlichkeit, Duldsamkeit, Glaube und Gleichmut. Die vierte ist die Liebe zur inne­ren Freiheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein bloßes verstandesmäßiges Begreifen dessen, was in diesen Eigenschaften liegt, nützt gar nichts. Sie müssen der Seele so einverleibt werden, daß sie innere Gewohn­heiten begründen. Man nehme zum Beispiel die erste Eigenschaft: Die Unterscheidung des Wahren von der Er­scheinung. Der Mensch muß sich so schulen, daß er bei jeglichem Dinge, das ihm gegenübertritt, ganz wie selbst­verständlich unterscheidet zwischen dem, was unwesent­lich ist, und dem, was Bedeutung hat. Man kann sich so nur schulen, wenn man in aller Ruhe und Geduld bei seinen Beobachtungen der Außenwelt immer wieder die dahingehenden Versuche macht. Zuletzt haftet in natür­licher Weise der Blick ebenso an dem Wahren, wie er vor­her an dem Unwesentlichen sich befriedigt hat. «Alles Vergängliche ist nur ein Gleichnis»: diese Wahrheit wird zu einer selbstverständlichen Überzeugung der Seele. Und so wird es mit den anderen der genannten vier Eigen­schaften zu halten sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun verwandelt sich tatsächlich der feine Ätherleib des Menschen unter dem Einfluß dieser vier Seelengewohn­heiten. Durch die erste «Unterscheidung des Wahren von der Erscheinung» wird der gekennzeichnete Mittelpunkt im Kopfe erzeugt und der im Kehlkopf vorbereitet. Zur wirklichen Ausbildung sind dann allerdings die Konzen­trationsübungen notwendig, von denen oben gesprochen worden ist. Sie bilden aus, und die vier Gewohnheiten bringen zur Reife. Ist der Mittelpunkt in der Gegend des Kehlkopfes vorbereitet, dann wird jene angedeutete&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|147}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
freie Beherrschung des Ätherleibes und sein Überziehen und Begrenzen mit dem Netzhautgeflecht bewirkt durch die richtige Schätzung des Wahren gegenüber der unwe­sentlichen Erscheinung. Bringt es der Mensch zu solcher Schätzung, dann werden ihm allmählich die geistigen Tat­sachen wahrnehmbar. Er soll aber nicht glauben, daß er bloß Handlungen zu vollziehen hat, welche vor einer ver­standesmäßigen Schätzung als bedeutungsvoll erscheinen. Die geringste Handlung, jeder kleine Handgriff hat etwas Bedeutungsvolles im großen Haushalte des Weltganzen, und es kommt nur darauf an, ein Bewußtsein von dieser Bedeutung zu haben. Nicht auf Unterschätzung, sondern auf richtige Einschätzung der alltäglichen Verrichtungen des Lebens kommt es an. Von den sechs Tugenden, aus denen sich die dritte Eigenschaft zusammensetzt, ist be­reits gesprochen worden. Sie hängen zusammen mit der Ausbildung der zwölfblätterigen Lotusblume in der Herzgegend. Dahin muß ja, wie gezeigt worden ist, in der Tat der Lebensstrom des Ätherleibes geleitet werden. Die vierte Eigenschaft: das Verlangen nach Befreiung, dient dann dazu, das Ätherorgan in der Nähe des Herzens zur Reifung zu bringen. Wird diese Eigenschaft zur Seelengewohnheit, dann befreit sich der Mensch von allem, was nur mit den Fähigkeiten seiner persönlichen Natur zu­sammenhängt. Er hört auf, die Dinge von seinem Sonderstandpunkte aus zu betrachten. Die Grenzen seines engen Selbst, die ihn an diesen Standpunkt fesseln, verschwin­den. Die Geheimnisse der geistigen Welt erhalten Zu­gang zu seinem Innern. Dies ist die Befreiung. Denn jene Fesseln zwingen den Menschen, die Dinge und Wesen so anzusehen, wie es seiner persönlichen Art entspricht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|148}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von dieser persönlichen Art, die Dinge zu betrachten, muß der Geheimschüler unabhängig, frei werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man sieht hieraus, daß die Vorschriften, welche von der Geisteswissenschaft ausgehen, tief in die innerste Men­schennatur hinein bestimmend wirken. Und die Vorschrif­ten über die vier genannten Eigenschaften sind solche Vorschriften. Sie finden sich in der einen oder der anderen Form in allen mit der Geisteswelt rechnenden Welt­anschauungen. Nicht aus einem dunklen Gefühl heraus haben die Begründer solcher Weltanschauungen solche Vorschriften den Menschen gegeben. Sie haben das viel­mehr aus dem Grunde getan, weil sie große Eingeweihte waren. Aus der Erkenntnis heraus haben sie ihre sittlichen Vorschriften geformt. Sie wußten, wie diese auf die feinere Natur des Menschen wirken, und wollten, daß die Beken­ner diese feinere Natur allmählich zur Ausbildung brin­gen. Im Sinne solcher Weltanschauungen leben heißt an seiner eigenen geistigen Vervollkommnung arbeiten. Und nur wenn der Mensch das tut, dient er dem Weltganzen. Sich vervollkommnen ist keineswegs Selbstsucht. Denn der unvollkommene Mensch ist auch ein unvollkommener Diener der Menschheit und der Welt. Man dient dem Ganzen um so besser, je vollkommener man selbst ist. Hier gilt es: «Wenn die Rose selbst sich schmückt, schmückt sie auch den Garten.»&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Begründer der bedeutungsvollen Weltanschauun­gen sind dadurch die großen Eingeweihten. Das, was von ihnen kommt, fließt in die Menschenseelen hinein. Und dadurch kommt mit der Menschheit die ganze Welt vor­wärts. Ganz bewußt haben die Eingeweihten an diesem Entwickelungsprozeß der Menschheit gearbeitet. Nur&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|149}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dann versteht man den Inhalt ihrer Anweisungen, wenn man beachtet, daß diese aus der Erkenntnis der tiefinnersten Menschennatur heraus geschöpft sind. Große Erken­ner waren die Eingeweihten, und aus ihrer Erkenntnis heraus haben sie die Ideale der Menschheit geprägt. Der Mensch aber kommt diesen Führern nahe, wenn er sich in seiner eigenen Entwickelung zu ihren Höhen erhebt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn bei einem Menschen die Ausbildung des Ätherleibes in der Art begonnen hat, wie das im Vorangegangenen beschrieben ist, dann erschließt sich ihm ein völlig neues Leben. Und er muß durch die Geheimschulung zur richtigen Zeit die Aufklärungen erhalten, welche ihn befähigen, sich in diesem neuen Leben zurechtzufinden. Er sieht zum Beispiel durch die sechzehnblätterige Lotus­blume geistig Gestalten einer höheren Welt. Nun muß er sich klarmachen, wie verschieden diese Gestalten sind, je nachdem sie von diesen oder jenen Gegenständen oder Wesen verursacht sind. Das erste, worauf er die Aufmerk­samkeit wenden kann, ist, daß er auf eine gewisse Art die­ser Gestalten durch seine eigenen Gedanken und Emp­findungen einen starken Einfluß ausüben kann, auf andere gar nicht oder doch nur in geringem Maße. Eine Art der Figuren ändert sich sofort, wenn der Betrachter bei ihrem Auftreten den Gedanken hat: «das ist schön», und dann im Laufe der Anschauung diesen Gedanken ändert in die­sen: «das ist nützlich». Besonders haben die Gestalten, welche von Mineralien oder künstlich gemachten Gegen­ständen herrühren, die Eigentümlichkeit, daß sie sich durch jeden Gedanken oder jedes Gefühl, das ihnen der Beschauer entgegenbringt, ändern. In geringerem Maße ist das schon der Fall bei den Gestalten, welche Pflanzen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|150}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
zukommen; und noch weniger findet es statt bei denen, welche Tieren entsprechen. Auch diese Gestalten sind beweglich und voll Leben. Aber diese Beweglichkeit rührt nur zum Teil von dem Einfluß der menschlichen Gedan­ken und Empfindungen her, zum anderen Teile wird sie durch Ursachen bewirkt, auf welche der Mensch keinen Einfluß hat. Nun tritt aber innerhalb dieser ganzen Ge­staltenwelt eine Sorte von Formen auf, welche der Ein­wirkung von seiten des Menschen selbst zunächst fast ganz entzogen sind. Der Geheimschüler kann sich davon überzeugen, daß diese Gestalten weder von Mineralien noch von künstlichen Gegenständen, auch nicht von Pflanzen oder Tieren herrühren. Er muß nun, um völlig ins klare zu kommen, die Gestalten betrachten, von denen er wissen kann, daß sie durch die Gefühle, Triebe, Leiden­schaften und so weiter von anderen Menschen verursacht werden. Aber auch diesen Gestalten gegenüber kann er finden, daß seine eigenen Gedanken und Empfindungen noch einigen, wenn auch verhältnismäßig geringen Ein­fluß haben. Es bleibt innerhalb der Gestaltenwelt immer ein Rest, auf den dieser Einfluß verschwindend gering ist. Ja, dieser Rest bildet im Anfange der Laufbahn des Ge­heimschülers sogar einen sehr großen Teil dessen, was er überhaupt sieht. Über die Natur dieses Teiles kann er sich nun nur aufklären, wenn er sich selbst beobachtet. Da fin­det er, welche Gestalten durch ihn selbst bewirkt worden sind. Das, was er selbst tut, will, wünscht und so weiter, kommt in diesen Gestalten zum Ausdruck. Ein Trieb, der in ihm wohnt, eine Begierde, die er hat, eine Absicht, die er hegt, und so weiter: alles das zeigt sich in solchen Ge­stalten. Ja, sein ganzer Charakter prägt sich in einer solchen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|151}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gestaltenwelt aus. Der Mensch kann somit durch seine bewußten Gestalten und Gefühle einen Einfluß auf alle Gestalten ausüben, welche nicht von ihm selbst ausgehen; auf diejenigen Figuren aber, die er durch sein eigenes Wesen in der höheren Welt bewirkt, hat er keinen Einfluß mehr, sobald sie durch ihn geschaffen worden sind. Es geht nun aus dem Gesagten auch hervor, daß in der höheren Anschauung das menschliche Innere, die eigene Trieb-, Begierden- und Vorstellungswelt sich ge­nauso in äußeren Figuren zeigt wie andere Gegenstände und Wesenheiten. Die Innenwelt wird für die höhere Er­kenntnis zu einem Teile der Außenwelt. Wie wenn man in der physischen Welt von allen Seiten mit Spiegeln um­geben wäre und so seine leibliche Gestalt beschauen könnte, so tritt in einer höheren Welt die seelische Wesen­heit des Menschen diesem als Spiegelbild entgegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf dieser Entwickelungsstufe ist für den Geheimschüler der Zeitpunkt eingetreten, in dem er die Illusion, wel­che aus der persönlichen Begrenztheit stammt, überwin­det. Er kann jetzt das, was innerhalb seiner Persönlichkeit ist, beobachten als Außenwelt, wie er früher als Außen­welt betrachtete, was auf seine Sinne einwirkte. So lernt er allmählich durch die Erfahrung sich so behandeln, wie er früher die Wesen um sich her behandelte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Würde des Menschen Blick in diese Geisteswelten geöffnet, ehe er in genügender Art auf deren Wesen vorbe­reitet worden ist, so stünde er zunächst vor dem charak­terisierten Gemälde seiner eigenen Seele wie vor einem Rätsel. Die Gestalten seiner eigenen Triebe und Leiden­schaften treten ihm da entgegen in Formen, welche er als tierische oder seltener auch als menschliche empfindet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|152}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zwar sind die Tiergestalten dieser Welt niemals ganz gleich denen der physischen Welt, aber sie haben doch eine entfernte Ähnlichkeit. Von ungeübten Beobachtern werden sie wohl auch für gleich gehalten. Man muß sich nun, wenn man diese Welt betritt, eine ganz neue Art des Urteilens aneignen. Denn abgesehen davon, daß die Dinge, die eigentlich dem menschlichen Innern angehö­ren, als Außenwelt erscheinen, treten sie auch noch als das Spiegelbild dessen auf, was sie wirklich sind. Wenn man zum Beispiel eine Zahl da erblickt, so muß man sie um­gekehrt als Spiegelbild lesen. 265 zum Beispiel bedeutet in Wahrheit hier 562. Eine Kugel sieht man so, wie wenn man in ihrem Mittelpunkte wäre. Man hat sich dann diese Innenansicht erst in der richtigen Art zu übersetzen. Aber auch seelische Eigenschaften erscheinen als Spiegelbild. Ein Wunsch, der sich auf etwas Äußeres bezieht, tritt als eine Gestalt auf, die zu dem Wünschenden selbst sich hin­bewegt. Leidenschaften, welche in der niederen Natur des Menschen ihren Sitz haben, können die Form von Tieren oder ähnliche Gestaltungen annehmen, die sich auf den Menschen losstürzen. In Wirklichkeit streben ja diese Lei­denschaften nach außen; sie suchen den Gegenstand ihrer Befriedigung in der Außenwelt. Aber dieses Suchen nach außen stellt sich im Spiegelbild als Angriff auf den Träger der Leidenschaft dar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn der Geheimschüler, bevor er zu höherem Schauen aufsteigt, durch ruhige, sachliche Selbstbeobachtung seine eigenen Eigenschaften selber kennengelernt hat, dann wird er auch in dem Augenblicke, da ihm sein Inneres im äußeren Spiegelbilde entgegentritt, Mut und Kraft finden, um sich in der richtigen Art zu verhalten. Menschen, welche&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|153}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sich durch solche Selbstprüfung nicht genügend mit dem eigenen Innern bekannt gemacht haben, werden sich in ihrem Spiegelbilde nicht erkennen und dieses dann für fremde Wirklichkeit halten. Auch werden sie durch den Anblick ängstlich und reden sich, weil sie die Sache nicht ertragen können, ein, das Ganze sei nur phantastisches Er­zeugnis, das zu nichts führen könne. In beiden Fällen stünde der Mensch durch sein unreifes Ankommen auf einer gewissen Entwickelungsstufe der eigenen höheren Ausbildung verhängnisvoll im Wege.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist durchaus notwendig, daß der Geheimschüler durch den geistigen Anblick seiner eigenen Seele hindurchgehe, um zu Höherem vorzudringen. Denn im eige­nen Selbst hat er ja doch dasjenige Geistig-Seelische, das er am besten beurteilen kann. Hat er sich von seiner Per­sönlichkeit in der physischen Welt zunächst eine tüchtige Erkenntnis erworben und tritt ihm zuerst das Bild dieser Persönlichkeit in der höheren Welt entgegen, dann kann er beides vergleichen. Er kann das Höhere auf ein ihm Bekanntes beziehen und vermag so von einem festen Bo­den auszugehen. Wenn ihm dagegen noch so viele andere geistige Wesenheiten entgegenträten, so vermöchte er sich doch über ihre Eigenart und Wesenheit zunächst kei­nen Aufschluß zu geben. Er würde bald den Boden unter den Füßen schwinden fühlen. Es kann daher gar nicht oft genug betont werden, daß der sichere Zugang zur höheren Welt derjenige ist, der über die gediegene Erkenntnis und Beurteilung der eigenen Wesenheit führt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Geistige Bilder sind es also, welchen der Mensch zu­nächst auf seiner Bahn zur höheren Welt begegnet. Denn die Wirklichkeit, welche diesen Bildern entspricht, ist ja&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|154}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
in ihm selbst. Reif muß demnach der Geheimschüler sein, um auf dieser ersten Stufe nicht derbe Realitäten zu ver­langen, sondern die Bilder als das Richtige zu betrachten. Aber innerhalb dieser Bilderwelt lernt er bald etwas Neues kennen. Sein niederes Selbst ist nur als Spiegelgemälde vor ihm vorhanden; aber mitten in diesem Spiegelgemälde erscheint die wahre Wirklichkeit des höheren Selbst. Aus dem Bilde der niederen Persönlichkeit her­aus wird die Gestalt des geistigen Ich sichtbar. Und erst von dem letzteren aus spinnen sich die Fäden zu anderen höheren geistigen Wirklichkeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und nun ist die Zeit gekommen, um die zweiblätterige Lotusblume in der Augengegend zu gebrauchen. Fängt sie an sich zu bewegen, so findet der Mensch die Möglichkeit, sein höheres Ich mit übergeordneten geistigen Wesen­heiten in Verbindung zu setzen. Die Ströme, welche von dieser Lotusblume ausgehen, bewegen sich so zu höheren Wirklichkeiten hin, daß die entsprechenden Bewegungen dem Menschen völlig bewußt sind. Wie das Licht dem Auge die physischen Gegenstände sichtbar macht, so diese Strömungen die geistigen Wesen höherer Welten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch Versenkung in der Geisteswissenschaft entstam­mende Vorstellungen, welche Grundwahrheiten enthalten, lernt der Schüler die Strömungen der Augenlotus­blume in Bewegung setzen und dirigieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was gesunde Urteilskraft, klare, logische Schulung ist, das erweist sich ganz besonders auf dieser Stufe der Ent­wickelung. Man muß nur bedenken, daß da das höhere Selbst, das bisher keimhaft, unbewußt im Menschen ge­schlummert hat, zu bewußtem Dasein geboren wird. Nicht etwa bloß im bildlichen, sondern in ganz wirklichem&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|155}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sinne hat man es mit einer Geburt in der geistigen Welt zu tun. Und das geborene Wesen, das höhere Selbst, muß mit allen notwendigen Organen und Anlagen zur Welt kommen, wenn es lebensfähig sein soll. Wie die Natur vorsorgen muß, daß ein Kind mit wohlgebildeten Ohren und Augen zur Welt komme, so müssen die Gesetze der Eigenentwickelung eines Menschen Sorge tra­gen, daß sein höheres Selbst mit den notwendigen Fähig­keiten ins Dasein trete. Und diese Gesetze, welche die Ausbildung der höheren Organe des Geistes selbst besor­gen, sind keine anderen als die gesunden Vernunft- und Moralgesetze der physischen Welt. Wie im Mutterschoße das Kind reift, so im physischen Selbst der geistige Mensch. Die Gesundheit des Kindes hängt von normaler Wirksamkeit der Naturgesetze im Mutterschoße ab. Die Gesundheit des geistigen Menschen ist in gleicher Art von den Gesetzen des gewöhnlichen Verstandes und der im physischen Leben wirksamen Vernunft bedingt. Niemand kann ein gesundes höheres Selbst gebären, der nicht in der physischen Welt gesund lebt und denkt. Natur- und vernunftgemäßes Leben sind die Grundlage aller wahren Geistesentwickelung. Wie das Kind im Schoße der Mut­ter schon nach den Naturkräften lebt, die es nach seiner Geburt mit seinen Sinnesorganen wahrnimmt, so lebt das höhere Selbst des Menschen nach den Gesetzen der gei­stigen Welt schon während des physischen Daseins. Und wie das Kind aus einem dunklen Lebensgefühl heraus sich die entsprechenden Kräfte aneignet, so kann es der Mensch mit den Kräften der geistigen Welt, bevor sein höheres Selbst geboren wird. Ja, er muß dies tun, wenn dies letztere als vollentwickeltes Wesen zur Welt kommen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|156}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
soll. Es wäre nicht richtig, wenn jemand sagte: ich kann die Lehren der Geisteswissenschaft nicht annehmen, bevor ich nicht selbst sehe. Denn ohne die Vertiefung in die Geistesforschung kann er überhaupt nicht zu wahrer hö­herer Erkenntnis kommen. Er wäre dann in derselben Lage wie ein Kind im Mutterschoße, das verweigerte, die Kräfte zu gebrauchen, die ihm durch die Mutter zukom­men, und warten wollte, bis es sich dieselben selbst ver­schaffen kann. So wie der Kindeskeim im Lebensgefühl die Richtigkeit des Dargereichten erfährt, so der noch nicht sehende Mensch die Wahrheit der Lehren der Gei­steswissenschaft. Es gibt eine Einsicht, die auf Wahrheitsgefühl und klare, gesunde, allseitig urteilende Vernunft gebaut ist, in diese Lehren, auch wenn man die geistigen Dinge noch nicht schaut. Man muß die mystischen Er­kenntnisse zuerst lernen und sich eben gerade durch dieses Lernen zum Schauen vorbereiten. Ein Mensch, der zum Schauen käme, bevor er in dieser Art gelernt hat, gliche einem Kinde, das wohl mit Augen und Ohren, aber ohne Gehirn geboren wäre. Es breitete sich die ganze Farben- und Tonwelt vor ihm aus; aber es könnte nichts damit an­fangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was also dem Menschen vorher durch sein Wahrheits­gefühl, durch Verstand und Vernunft einleuchtend war, das wird auf der geschilderten Stufe der Geheimschülerschaft eigenes Erlebnis. Er hat jetzt ein unmittelbares Wis­sen von seinem höheren Selbst. Und er lernt erkennen, daß dieses höhere Selbst mit geistigen Wesenheiten höhe­rer Art zusammenhängt und mit ihnen eine Einheit bil­det. Er sieht also, wie das niedere Selbst aus einer höheren Welt herstammt. Und es zeigt sich ihm, daß seine höhere&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|157}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Natur die niedere überdauert. Er kann nunmehr selbst sein Vergängliches von seinem Bleibenden unterscheiden. Das heißt nichts anderes, als er lernt die Lehre von der Einkörperung (Inkarnation) des höheren Selbst in ein nie­deres aus eigener Anschauung verstehen. Es wird ihm jetzt klar, daß er in einem höheren geistigen Zusammenhange darinnen steht, daß seine Eigenschaften, seine Schicksale durch diesen Zusammenhang verursacht sind. Er lernt das Gesetz seines Lebens, Karma, erkennen. Er sieht ein, daß sein niederes Selbst, wie es gegenwärtig sein Dasein ausmacht, nur eine der Gestalten ist, die sein höhe­res Wesen annehmen kann. Und er erblickt die Möglich­keit vor sich, von seinem höheren Selbst aus an sich zu arbeiten, auf daß er vollkommener und immer vollkom­mener werde. Er kann nunmehr auch die großen Unter­schiede der Menschen hinsichtlich ihrer Vollkommen­heitsgrade einsehen. Er wird gewahr, daß es über ihm ste­hende Menschen gibt, welche die noch vor ihm liegenden Stufen schon erreicht haben. Er sieht ein, daß die Lehren und Taten solcher Menschen von den Eingebungen aus einer höheren Welt herrühren. Dies verdankt er seinem ersten eigenen Blick in diese höhere Welt. Was man «große Eingeweihte der Menschheit» nennt, wird jetzt beginnen, für ihn Tatsache zu werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das sind die Gaben, die der Geheimschüler dieser Stufe seiner Entwickelung verdankt: Einsicht in das höhere Selbst, in die Lehre von der Einkörperung oder Inkarna­tion dieses höheren Selbst in ein niederes, in das Gesetz, wonach das Leben in der physischen Welt geregelt wird nach geistigen Zusammenhängen Karmagesetz , und endlich in das Dasein großer Eingeweihter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|158}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man sagt deshalb auch von einem Schüler, der diese Stufe erreicht hat, daß ihm der Zweifel völlig geschwunden sei. Konnte er sich vorher einen auf Vernunftgründe und gesundes Denken gebauten Glauben aneignen, so tritt jetzt an die Stelle dieses Glaubens das volle Wissen und die durch nichts zu erschütternde Einsicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Religionen haben in ihren Zeremonien, Sakramen­ten und Riten äußerlich sichtbare Abbilder höherer geistiger Vorgänge und Wesen gegeben. Nur wer die Tiefen der großen Religionen noch nicht durchschaut hat, kann diese verkennen. Wer aber in die geistige Wirklichkeit selbst hineinschaut, der wird auch die große Bedeutung jener äußerlich sichtbaren Handlungen verstehen. Und für ihn wird dann der religiöse Dienst selbst ein Abbild seines Verkehrs mit der geistig übergeordneten Welt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man sieht, in welcher Art der Geheimschüler durch Erreichung dieser Stufe wirklich ein neuer Mensch gewor­den ist. Er kann nun allmählich dazu heranreifen, durch die Strömungen seines Ätherkörpers das eigentliche hö­here Lebenselement zu dirigieren und damit eine hohe Freiheit von seinem physischen Körper zu erlangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|159}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= VERÄNDERUNGEN IM TRAUMLEBEN DES GEHEIMSCHÜLERS =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Ankündigung, daß der Geheimschüler die im vori­gen Kapitel beschriebene Stufe der Entwickelung erreicht hat oder doch bald erreichen werde, ist die Veränderung, die mit seinem Traumleben vorgeht. Vorher waren die Träume verworren und willkürlich. Nun fangen sie an, einen regelmäßigen Charakter anzunehmen. Ihre Bilder werden sinnvoll zusammenhängend wie die Vorstellun­gen des Alltagslebens. Man kann in ihnen Gesetz, Ur­sache und Wirkung erkennen. Und auch der Inhalt der Träume ändert sich. Während man vorher nur Nach­klänge des täglichen Lebens, umgeformte Eindrücke der Umgebung oder der eigenen Körperzustände wahrnimmt, treten jetzt Bilder aus einer Welt auf, mit der man vorher unbekannt war. Zunächst bleibt allerdings der allgemeine Charakter des Traumlebens bestehen, insofern sich der Traum vom wachen Vorstellen dadurch unterscheidet, daß er sinnbildlich dasjenige gibt, was er ausdrücken will. Einem aufmerksamen Beurteiler des Traumlebens kann ja diese Sinnbildlichkeit nicht entgehen. Man träumt zum Bei­spiel davon, daß man ein häßliches Tier gefangen und ein unangenehmes Gefühl in der Hand hat. Man wacht auf und merkt, daß man einen Zipfel der Bettdecke mit der Hand umschlossen hält. Die Wahrnehmung drückt sich also nicht ungeschminkt aus, sondern durch das gekenn­zeichnete Sinnbild. Oder man träumt, daß man vor einem Verfolger flieht; man empfindet dabei Angst. Beim Aufwachen zeigt sich, daß man von Herzklopfen wäh­rend des Schlafes befallen war. Der Magen, welcher mit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|160}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
schwerverdaulichen Speisen erfüllt ist, verursacht beäng­stigende Traumbilder. Auch Vorgänge in der Umgebung des schlafenden Menschen spiegeln sich im Traume als Sinnbilder. Das Schlagen einer Uhr kann das Bild eines Soldatentrupps hervorrufen, der bei Trommelschlag vorbeimarschiert. Ein umfallender Stuhl kann die Veranlassung zu einem ganzen Traumdrama sein, in dem der Schlag sich als Schuß widerspiegelt und so weiter. Diese sinnbildliche Art des Ausdruckes hat nun auch der gere­gelte Traum des Menschen, dessen Ätherkörper sich zu entwickeln beginnt. Aber er hört auf, bloße Tatsachen der physischen Umgebung oder des eigenen sinnlichen Leibes widerzuspiegeln. So wie diejenigen Träume regelmäßig werden, welche diesen Dingen ihren Ursprung verdan­ken, so mischen sich auch solche Traumbilder ein, die Ausdruck von Dingen und Verhältnissen einer anderen Welt sind. Hier werden zuerst Erfahrungen gemacht, wel­che dem gewöhnlichen Tagesbewußtsein unzugänglich sind. Nun darf man keineswegs glauben, daß irgendein wahrer Mystiker die Dinge, die er in solcher Art traum­haft erlebt, zur Grundlage irgendwelcher maßgebenden Mitteilungen einer höheren Welt schon macht. Nur als die ersten Anzeichen einer höheren Entwickelung hat man solche Traumerlebnisse zu betrachten. Bald tritt auch als weitere Folge die Tatsache ein, daß die Bilder des träu­menden Geheimschülers nicht mehr wie früher der Lei­tung des besonnenen Verstandes entzogen sind, sondern von diesem geregelt und ordnungsgemäß überschaut wer­den wie die Vorstellungen und Empfindungen des Wachbewußtseins. Es verschwindet eben immer mehr und mehr der Unterschied zwischen dem Traumbewußtsein und diesem&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|161}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wachzustand. Der Träumende ist im vollen Sinne des Wortes während des Traumlebens wach; das heißt, er fühlt sich als Herr und Führer seiner bildhaften Vorstel­lungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während des Träumens befindet sich der Mensch tat­sächlich in einer Welt, welche von derjenigen seiner phy­sischen Sinne verschieden ist. Nur vermag der Mensch mit unentwickelten geistigen Organen sich von dieser Welt keine anderen als die gekennzeichneten verworre­nen Vorstellungen zu bilden. Sie ist für ihn nur so vorhanden, wie die sinnliche Welt für ein Wesen da wäre, das höchstens die allerersten Anlagen von Augen hat. Deshalb kann der Mensch auch nichts sehen in dieser Welt als die Nachbilder und Widerspiegelungen des gewöhnlichen Lebens. Diese kann er aber aus dem Grunde im Traume sehen, weil seine Seele ihre Tageswahrneh­mungen selbst als Bilder in den Stoff hineinmalt, aus dem jene andere Welt besteht. Man muß sich nämlich klar darüber sein, daß der Mensch neben seinem gewöhn­lichen bewußten Tagesleben noch ein zweites, unbewuß­tes, in der angedeuteten anderen Welt führt. Alles, was er wahrnimmt und denkt, gräbt er in Abdrücken in diese Welt ein. Man kann diese Abdrücke eben nur sehen, wenn die Lotusblumen entwickelt sind. Nun sind bei jedem Menschen gewisse spärliche Anlagen der Lotusblumen immer vorhanden. Während des Tagesbewußtseins kann er damit nichts wahrnehmen, weil die Eindrücke auf ihn ganz schwach sind. Es ist dies aus einem ähnlichen Grunde, warum man während des Tages die Sterne nicht sieht. Sie kommen für die Wahrnehmungen gegenüber dem mächtig wirkenden Sonnenlicht nicht auf. So kommen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|162}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die schwachen geistigen Eindrücke gegenüber den machtvollen Eindrücken der physischen Sinne nicht zur Geltung. Wenn nun im Schlaf die Tore der äußeren Sinne geschlossen sind, so leuchten diese Eindrücke verworren auf. Und der Träumende wird dann der in einer anderen Welt gemachten Erfahrungen gewahr. Aber, wie gesagt, zunächst sind diese Erfahrungen nichts weiter als das­jenige, was das an die physischen Sinne gebundene Vor­stellen selbst in die geistige Welt eingegraben hat. Erst die entwickelten Lotusblumen machen es möglich, daß Kundgebungen, welche nicht der physischen Welt angehören, dort verzeichnet werden. Und durch den ent­wickelten Ätherleib entsteht dann ein volles Wissen von diesen aus anderen Welten herrührenden Einzeichnun­gen. Damit hat der Verkehr des Menschen in einer neuen Welt begonnen. Und der Mensch muß jetzt durch die Anleitungen der Geheimschulung ein Doppeltes zunächst erreichen. Zuerst muß es ihm möglich werden, ganz vollständig wie im Wachen die im Traume gemach­ten Beobachtungen zu gewahren. Hat er dies erreicht, so wird er dazu geführt, dieselben Beobachtungen auch während des gewöhnlichen Wachzustandes zu machen. Seine Aufmerksamkeit auf geistige Eindrücke wird da einfach so geregelt, daß diese Eindrücke gegenüber den physischen nicht mehr zu verschwinden brauchen, son­dern daß er sie neben und mit diesen immerfort haben kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hat der Geheimschüler diese Fähigkeit erlangt, dann tritt eben vor seinen geistigen Augen etwas von dem Ge­mälde auf, das im vorigen Kapitel beschrieben worden ist. Er kann nunmehr wahrnehmen, was in der geistigen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|163}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Welt vorhanden ist als die Ursache für die physische. Und er kann vor allem sein höheres Selbst innerhalb dieser Welt erkennen. Seine nächste Aufgabe ist nun, in die­ses höhere Selbst gewissermaßen hineinzuwachsen, das heißt, es wirklich als seine wahre Wesenheit anzusehen und auch sich dementsprechend zu verhalten. Immer mehr erhält er nun die Vorstellung und das lebendige Gefühl davon, daß sein physischer Leib und was er vorher sein «Ich» genannt hat nur mehr ein Werkzeug des höhe­ren Ich ist. Er bekommt eine Empfindung gegenüber dem niederen Selbst, wie es der auf die Sinnenwelt beschränkte Mensch gegenüber einem Werkzeug oder Fahrzeug hat, deren er sich bedient. So wie dieser den Wagen, in dem er fährt, nicht zu seinem «Ich» rechnet, auch wenn er sagt: «Ich fahre» wie «Ich gehe», so hat der entwickelte Mensch, wenn er sagt: «Ich gehe zur Tür hinein», eigent­lich die Vorstellung: «Ich trage meinen Leib zur Tür hinein.» Nur muß das für ihn ein so selbstverständlicher Begriff sein, daß er nicht einen Augenblick den festen Boden der physischen Welt verliert, daß niemals ein Ge­fühl von Entfremdung deshalb gegenüber der Sinnenwelt auftritt. Soll der Geheimschüler nicht zum Schwärmer oder Phantasten werden, so muß er durch das höhere Be­wußtsein sein Leben in der physischen Welt nicht ver­armen, sondern bereichern, so wie es derjenige bereichert, der sich statt seiner Beine eines Eisenbahnzuges bedient, um einen Weg zu machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hat es der Geheimschüler zu einem solchen Leben in seinem höheren Ich gebracht, dann oder vielmehr schon während der Aneignung des höheren Bewußtseins wird ihm klar, wie er die geistige Wahrnehmungskraft in dem&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|164}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
in der Herzgegend erzeugten Organ zum Dasein erwecken und durch die in den vorigen Kapiteln charakterisierten Strömungen leiten kann. Diese Wahrnehmungskraft ist ein Element von höherer Stofflichkeit, das von dem ge­nannten Organ ausgeht und in leuchtender Schönheit durch die sich bewegenden Lotusblumen und auch durch die anderen Kanäle des ausgebildeten Ätherleibes strömt. Es strahlt von da nach außen in die umgebende geistige Welt und macht sie geistig sichtbar, wie das von außen auf die Gegenstände fallende Sonnenlicht diese physisch sichtbar macht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie diese Wahrnehmungskraft im Herzorgane erzeugt wird, das kann nur allmählich im Ausbilden selbst ver­standen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deutlich als Gegenstände und Wesen wahrnehmbar wird die geistige Welt eigentlich erst für einen Menschen, der in solcher Art das charakterisierte Wahrnehmungs­organ durch seinen Ätherleib und nach der Außenwelt senden kann, um damit die Gegenstände zu beleuchten. Man sieht daraus, daß ein vollkommenes Bewußtsein von einem Gegenstande der geistigen Welt nur unter der Bedingung entstehen kann, daß der Mensch selbst das Geisteslicht auf ihn wirft. In Wahrheit wohnt nun das «Ich», welches dieses Wahrnehmungsorgan erzeugt, gar nicht im physischen Menschenkörper, sondern, wie ge­zeigt worden ist, außerhalb desselben. Das Herzorgan ist nur der Ort, wo der Mensch von außen her dieses geistige Lichtorgan entfacht. Würde er es nicht hier, sondern an einem anderen Orte entzünden, so hätten die durch dasselbe zustande gebrachten geistigen Wahrnehmungen keinen Zusammenhang mit der physischen Welt. Aber&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|165}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der Mensch soll ja alles höhere Geistige eben auf die physische Welt beziehen und durch sich in die letztere hereinwirken lassen. Das Herzorgan ist gerade dasjenige, durch welches das höhere Ich das sinnliche Selbst zu sei­nem Werkzeug macht und von dem aus dies letztere ge­handhabt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun ist die Empfindung, welche der entwickelte Mensch gegenüber den Dingen der geistigen Welt hat, eine andere als die, welche dem Sinnenmenschen gegen­über der physischen Welt eigen ist. Der letztere fühlt sich an einem gewissen Orte der Sinnenwelt, und die wahr­genommenen Gegenstände sind für ihn «außerhalb». Der geistig entwickelte Mensch dagegen fühlt sich mit dem geistigen Gegenstande seiner Wahrnehmung wie vereinigt, wie «im Innern» desselben. Er wandelt in der Tat im Geistesraume von Ort zu Ort. Man nennt ihn deshalb in der Sprache der Geheimwissenschaft auch den «Wanderer». Er ist zunächst nirgends zu Hause. Bliebe er bei dieser bloßen Wanderschaft, dann könnte er keinen Gegenstand im geistigen Raume wirklich bestimmen. Wie man einen Gegenstand oder Ort im physischen Raume dadurch bestimmt, daß man von einem gewissen Punkte ausgeht, so muß das auch in der erreichten ande­ren Welt der Fall sein. Man muß sich auch da irgendwo einen Ort suchen, den man zunächst ganz genau erforscht und geistig für sich in Besitz nimmt. In diesem Orte muß man sich eine geistige Heimat gründen und dann alles andere zu dieser Heimat in ein Verhältnis setzen. Auch der in der physischen Welt lebende Mensch sieht ja alles so, wie es die Vorstellungen seiner physischen Heimat mit sich bringen. Ein Berliner beschreibt unwillkürlich Lon­don&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|166}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
anders als ein Pariser. Nur ist es mit der geistigen Heimat doch anders als mit der physischen. In die letztere ist man ohne sein Zutun hineingeboren, in ihr hat man während der Jugendzeit eine Reihe von Vorstellungen instinktiv aufgenommen, von denen fortan alles unwill­kürlich beleuchtet wird. Die geistige Heimat hat man sich aber mit vollem Bewußtsein selbst gebildet. Man ur­teilt von ihr ausgehend deshalb auch in voller lichter Freiheit. Dieses Bilden einer geistigen Heimat nennt man in der Sprache der Geheimwissenschaft «eine Hütte bauen».&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das geistige Schauen auf dieser Stufe erstreckt sich zu­nächst auf die geistigen Gegenbilder der physischen Welt, soweit diese Gegenbilder in der sogenannten astralen Welt liegen. In dieser Welt befindet sich alles dasjenige, was seinem Wesen nach gleich den menschlichen Trie­ben, Gefühlen, Begierden und Leidenschaften ist. Denn zu allen den Menschen umgebenden Sinnesdingen gehören auch Kräfte, die mit diesen menschlichen verwandt sind. Ein Kristall zum Beispiel wird in seine Form gegos­sen durch Kräfte, die sich der höheren Anschauung gegen­über ausnehmen wie ein Trieb, der im Menschen wirkt. Durch ähnliche Kräfte wird der Saft durch die Gefäße der Pflanze geleitet, werden die Blüten zur Entfaltung, die Samenkapseln zum Aufspringen gebracht. Alle diese Kräfte gewinnen Form und Farbe für die entwickelten geistigen Wahrnehmungsorgane, wie die Gegenstände der physischen Welt Form und Farbe für das physische Auge haben. Der Geheimschüler sieht auf der geschilder­ten Stufe seiner Entwickelung nicht nur den Kristall, die Pflanze, sondern auch die gekennzeichneten geistigen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|167}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kräfte. Und er sieht die tierischen und menschlichen Triebe nicht nur durch die physischen Lebensäußerungen ihrer Träger, sondern auch unmittelbar als Gegenstände, wie er in der physischen Welt Tische und Stühle sieht. Die ganze Instinkt-, Trieb-, Wunsch-, Leidenschaftswelt eines Tieres oder Menschen wird zu der astralen Wolke, in welche das Wesen eingehüllt wird, zur Aura.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weiter nimmt der Hellseher auf dieser Stufe seiner Ent­wickelung auch Dinge wahr, die sich der sinnlichen Auf­fassung fast oder vollständig entziehen. Er kann zum Bei­spiel den astralen Unterschied merken zwischen einem Raume, der zum großen Teile mit niedrig gesinnten Men­schen erfüllt ist, und einem solchen, in dem hochgesinnte Personen anwesend sind. In einem Krankenhause ist nicht nur die physische, sondern auch die geistige Atmosphäre eine andere als in einem Tanzsaale. Eine Handelsstadt hat eine andere astrale Luft als ein Universitätsort. Zunächst wird das Wahrnehmungsvermögen des hellsehend gewor­denen Menschen für solche Dinge nur schwach entwickelt sein. Es wird sich zu den zuerst genannten Gegenständen so verhalten wie das Traumbewußtsein des Sinnenmen­schen zu seinem Wachbewußtsein. Aber allmählich wird er auch auf dieser Stufe voll erwachen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die höchste Errungenschaft des Hellsehers, der den charakterisierten Grad des Schauens erreicht hat, ist diejenige, auf welcher sich ihm die astralen Gegenwirkun­gen der tierischen und menschlichen Triebe und Leiden­schaften zeigen. Eine liebevolle Handlung hat eine an­dere astrale Begleiterscheinung als eine solche, die vom Hasse ausgeht. Die sinnlose Begierde stellt außer sich selbst noch ein häßliches astrales Gegenbild dar, die auf&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|168}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hohes gerichtete Empfindung dagegen ein schönes. Diese Gegenbilder sind während des physischen Menschenlebens nur schwach zu sehen. Denn ihre Stärke wird durch das Leben in der physischen Welt beeinträchtigt. Ein Wunsch nach einem Gegenstande erzeugt zum Beispiel ein solches Spiegelbild außer dem, als welches dieser Wunsch selbst in der astralen Welt erscheint. Wird aber der Wunsch durch das Erlangen des physischen Gegen­standes befriedigt oder ist wenigstens die Möglichkeit zu solcher Befriedigung vorhanden, so wird das Gegenbild nur ein sehr schwacher Schein sein. Zu seiner vollen Gel­tung gelangt es erst nach dem Tode des Menschen, wenn die Seele noch immer, ihrer Natur nach, solchen Wunsch hegen muß, ihn aber nicht mehr befriedigen kann, weil der Gegenstand und auch das physische Organ dazu fehlen. Der sinnlich veranlagte Mensch wird auch nach seinem Tode zum Beispiel die Gier nach Gaumengenuß haben. Ihm fehlt jetzt aber die Möglichkeit der Befriedigung, da er doch keinen Gaumen mehr hat. Das hat zur Folge, daß der Wunsch ein besonders heftiges Gegenbild erzeugt, von dem die Seele dann gequält wird. Man nennt diese Erfahrungen durch die Gegenbilder der niederen Seelennatur nach dem Tode die Erlebnisse im Seelenreich, be­sonders in dem Orte der Begierden. Sie schwinden erst, wenn die Seele sich geläutert hat von allen nach der phy­sischen Welt hinzielenden Begierden. Dann steigt diese Seele erst in das höhere Gebiet (Geisteswelt) auf. Wenn auch diese Gegenbilder beim noch physisch lebenden Menschen schwach sind: sie sind doch vorhanden und begleiten ihn als seine Begierden-Anlage, wie den Ko­meten sein Schweif begleitet. Und der Hellseher kann sie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|169}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sehen, wenn er die entsprechende Entwickelungsstufe er­reicht hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In solchen Erfahrungen und in allen denen, welche da­mit verwandt sind, lebt der Geheimschüler in dem Stadium, das beschrieben worden ist. Bis zu noch höheren geistigen Erlebnissen kann er es auf dieser Entwickelungs­stufe noch nicht bringen. Er muß von da an noch höher aufwärts steigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|170}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= DIE ERLANGUNG DER KONTINUITÄT DES BEWUSSTSEINS =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Leben des Menschen verläuft im Wechsel von drei Zuständen. Diese sind: Wachsein, traumerfüllter Schlaf und traumloser tiefer Schlaf. Man kann verstehen, wie man zu den höheren Erkenntnissen der geistigen Welten gelangt, wenn man sich eine Vorstellung davon bildet, was für Veränderungen in bezug auf diese drei Zustände bei demjenigen Menschen vorgehen müssen, der solche Erkenntnis suchen will. Bevor der Mensch eine Schulung für diese Erkenntnis durchgemacht hat, wird sein Bewußtsein fortwährend unterbrochen von den Ruhepausen des Schlafes. In diesen Pausen weiß die Seele nichts von der Außenwelt und auch nichts von sich selbst. Nur für gewisse Zeiten tauchen aus dem allgemeinen Meere der Bewußtlosigkeit die Träume auf, welche anknüpfen an Vorgänge der Außenwelt oder an Zustände des eigenen Leibes. Zunächst sieht man in den Träumen nur eine besondere Äußerung des Schlaflebens, und man spricht daher wohl überhaupt nur von zwei Zuständen: Schlafen und Wachen. Für die Geheimwissenschaft aber hat der Traum eine selbständige Bedeutung neben den beiden anderen Zuständen. Es ist im vorigen Kapitel beschrieben worden, welche Veränderung in dem Traumleben des Menschen vorgeht, der den Aufstieg zu höherer Erkenntnis unternimmt. Seine Träume verlieren den bedeutungslosen, unregelmäßigen und zusammenhanglosen Charakter und werden immer mehr und mehr zu einer regelerfüllten, zusammenhängenden Welt. Bei weiterer Entwickelung gibt dann diese aus der Traumwelt geborene neue Welt der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|171}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
äußeren sinnlichen Wirklichkeit nicht nur an innerer Wahrheit nichts nach, sondern in ihr offenbaren sich Tatsachen, die im vollen Sinne des Wortes eine höhere Wirklichkeit darstellen. In der sinnlichen Welt sind nämlich überall Geheimnisse und Rätsel verborgen. Diese Welt zeigt wohl die Wirkungen gewisser höherer Tatsachen; allein der Mensch, der seine Wahrnehmung bloß auf seine Sinne beschränkt, kann nicht zu den Ursachen dringen. Dem Geheimschüler offenbaren sich in dem geschilderten, aus dem Traumleben herausgebildeten, aber keineswegs etwa bei ihm stehenbleibenden Zustande diese Ursachen teilweise. Er darf ja allerdings diese Offenbarungen so lange nicht als wirkliche Erkenntnisse ansehen, als sich ihm noch nicht während des gewöhnlichen wachen Lebens dieselben Dinge zeigen. Aber auch dazu gelangt er. Er entwickelt sich dazu, den Zustand, den er erst aus dem Traumleben sich geschaffen hat, in das wache Bewußtsein herüberzunehmen. Dann ist für ihn die Sinnenwelt um etwas ganz Neues bereichert. Wie ein Mensch, der, blind geboren und operiert, nach seinem Sehendwerden die Dinge der Umgebung um all die Wahrnehmungen des Auges bereichert erkennt, so schaut der auf obige Art hellsehend gewordene Mensch die ganze ihn umgebende Welt mit neuen Eigenschaften, Dingen, Wesen und so weiter. Er braucht nunmehr nicht auf den Traum zu warten, um in einer anderen Welt zu leben, sondern er kann sich zu höherer Wahrnehmung immer, wenn es angemessen ist, in den geschilderten Zustand versetzen. Bei ihm hat dann dieser Zustand eine ähnliche Bedeutung, wie im gewöhnlichen Leben eine solche das Wahrnehmen der Dinge bei tätigen Sinnen gegenüber&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|172}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dem bei nicht tätigen Sinnen hat. Man kann eben in wahrem Sinne sagen: der Geheimschüler öffnet die Sinne seiner Seele, und er schaut die Dinge, welche den leiblichen Sinnen verborgen bleiben müssen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Zustand bildet nun nur einen Übergang zu noch höheren Stufen der Erkenntnis des Geheimschülers. Setzt dieser die ihm bei seiner Geheimschulung dienenden Übungen fort, so wird er nach angemessener Zeit finden, daß nicht nur mit seinem Traumleben die beschriebene durchgreifende Veränderung vorgeht, sondern daß sich die Verwandlung auch auf den vorher traumlosen tiefen Schlaf ausdehnt. Er merkt, daß die völlige Bewußtlosigkeit, in welcher er sich früher während dieses Schlafes Befunden hat, unterbrochen wird von vereinzelten bewußten Erlebnissen. Aus der allgemeinen Finsternis des Schlafes tauchen Wahrnehmungen von einer Art auf, die er vorher nicht gekannt hat. Es ist natürlich nicht leicht, diese Wahrnehmungen zu beschreiben, denn unsere Sprache ist ja nur für die Sinneswelt geschaffen, und man kann daher nur annähernd Worte für das finden, was gar nicht dieser Sinneswelt angehört. Doch muß man die Worte zur Beschreibung der höheren Welten zunächst verwenden. Das kann nur dadurch geschehen, daß vieles in Gleichnissen gesagt wird. Aber da alles in der Welt mit anderem verwandt ist, so kann dies auch geschehen. Die Dinge und Wesen der höheren Welten sind mit denen der Sinneswelt wenigstens so weit verwandt, daß bei gutem Willen immerhin eine Vorstellung von diesen höheren Welten auch durch die für die Sinneswelt gebräuchlichen Worte erzielt werden kann. Man muß sich nur immer dessen bewußt bleiben, daß vieles bei solchen Beschreibungen übersinnlicher&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|173}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Welten Gleichnis und Sinnbild sein muß. Die Geheimschulung selbst vollzieht sich daher nur zum Teil in den Worten der gewöhnlichen Sprache; im übrigen lernt der Schüler zu seinem Aufstieg noch eine sich wie selbstverständlich ergebende sinnbildliche Ausdrucksart. Man muß sie sich während der Geheimschulung selbst aneignen. Dies hindert aber nicht, daß man auch durch gewöhnliche Beschreibungen, wie sie hier gegeben werden, etwas über die Natur der höheren Welten erfährt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Will man eine Vorstellung geben von den obenerwähnten Erlebnissen, die zunächst aus dem Meere der Bewußtlosigkeit während des tiefen Schlafes auftauchen, so kann man sie am besten mit einer Art von Hören vergleichen. Von wahrgenommenen Tönen und Worten kann man sprechen. Wie man die Erlebnisse des Traumschlafes zutreffend als eine Art des Schauens im Vergleiche mit den Wahrnehmungen der Sinne bezeichnen kann, so lassen sich die Tatsachen des tiefen Schlafes mit den Eindrücken des Ohres vergleichen. (Als Zwischenbemerkung soll nur gesagt werden, daß das Schauen auch für die geistigen Welten das Höhere ist. Farben sind auch in dieser Welt etwas Höheres als Töne und Worte. Aber das, was der Geheimschüler von dieser Welt bei seiner Schulung zuerst wahrnimmt, sind eben noch nicht die höheren Farben, sondern die niederen Töne. Nur weil der Mensch nach seiner allgemeinen Entwickelung für die Welt schon geeigneter ist, die sich im Traumschlaf offenbart, nimmt er da sogleich die Farben wahr. Für die höhere Welt, die sich im Tiefschlaf enthüllt, ist er noch weniger geeignet. Deshalb offenbart sich diese ihm zunächst in Tönen und Worten;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|174}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
später kann er auch hier zu Farben und Formen aufsteigen.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn nun der Geheimschüler merkt, daß er solche Erlebnisse im tiefen Schlafe hat, dann ist es zunächst seine Aufgabe, sich dieselben so deutlich und klar wie möglich zu machen. Anfangs fällt das sehr schwer; denn die Wahrnehmung des in diesem Zustande Erlebten ist zunächst eine außerordentlich geringe. Man weiß nach dem Erwachen wohl, daß man etwas erlebt hat; was es aber gewesen ist, darüber bleibt man völlig im unklaren. Das Wichtigste während dieses Anfangszustandes ist, daß man ruhig und gelassen bleibt und nicht einen Augenblick in irgendwelche Unruhe und Ungeduld verfällt. Diese müßten unter allen Umständen nur schädlich wirken. Vor allem können sie die weitere Entwickelung nie beschleunigen, sondern müssen sie verzögern. Man muß sich ruhig sozusagen dem überlassen, was einem gegeben oder geschenkt wird; alles Gewaltsame muß unterbleiben. Kann man in einem Zeitpunkte Schlaferlebnisse nicht gewahr werden, so warte man geduldig, bis dieses möglich sein wird. Denn dieser Augenblick kommt gewiß einmal. Und war man vorher geduldig und gelassen, so bleibt dann die Wahrnehmungsfähigkeit ein sicherer Besitz, während sie bei einem gewaltsamen Vorgehen zwar einmal auftreten, aber sich dann wieder für längere Zeit vollständig verlieren kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ist die Wahrnehmungsfähigkeit einmal eingetreten und stehen einem die Schlaferlebnisse vollkommen klar und deutlich vor dem Bewußtsein, dann hat man auf folgendes die Aufmerksamkeit zu richten. Unter diesen Erlebnissen sind ganz genau zweierlei Arten zu unterscheiden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|175}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die eine Art wird ganz fremd sein gegenüber all dem, was man vorher jemals kennengelernt hat. An diesen Erlebnissen mag man zunächst seine Freude haben; man mag sich an ihnen erbauen; aber man lasse sie im übrigen vorläufig auf sich beruhen. Sie sind die ersten Vorboten der höheren geistigen Welt, in welcher man sich erst später zurechtfinden wird. Die andere Art von Erlebnissen aber wird dem aufmerksamen Betrachter eine gewisse Verwandtschaft mit der gewöhnlichen Welt zeigen, in welcher er lebt. Worüber er während des Lebens nachdenkt, was er begreifen möchte an den Dingen seiner Umgebung, aber mit dem gewöhnlichen Verstande nicht begreifen kann, darüber geben ihm diese Schlaferlebnisse Aufschluß. Der Mensch denkt während des Alltagslebens über das nach, was ihn umgibt. Er macht sich Vorstellungen, um den Zusammenhang der Dinge zu begreifen. Er sucht das durch Begriffe zu verstehen, was seine Sinne wahrnehmen. Auf solche Vorstellungen und Begriffe beziehen sich die Schlaferlebnisse. Was früher dunkler, schattenhafter Begriff war, gewinnt etwas Klangvolles, Lebendiges, das man eben nur mit den Tönen und Worten der Sinneswelt vergleichen kann. Es wird dem Menschen immer mehr so, wie wenn ihm die Lösung der Rätsel, über die er nachdenken muß, aus einer höheren Welt in Tönen und Worten zugeraunt würde. Und er vermag dann dasjenige, was ihm aus einer anderen Welt zukommt, mit dem gewöhnlichen Leben zu verbinden. Was vorher nur sein Gedanke erreichen konnte, ist jetzt für ihn Erlebnis, so lebendig und inhaltvoll wie nur irgendein Erlebnis der Sinneswelt sein kann. Die Dinge und Wesen dieser Sinneswelt sind eben durchaus nicht bloß&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|176}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
das, als was sie der Sinneswahrnehmung erscheinen. Sie sind der Ausdruck und Ausfluß einer geistigen Welt. Diese vorher verborgene Geisteswelt tönt jetzt für den Geheimschüler aus seiner ganzen Umgebung heraus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist leicht einzusehen, daß ein Segen in dieser höheren Wahrnehmungsfähigkeit für den Menschen nur dann liegen kann, wenn in den seelischen Sinnen, die sich ihm eröffnet haben, alles in Ordnung ist, wie ja der Mensch auch seine gewöhnlichen Sinneswerkzeuge zur wahren Beobachtung der Welt nur gebrauchen kann, wenn sie gesetzmäßig eingerichtet sind. Nun bildet sich der Mensch selbst diese höheren Sinne durch die Übungen, die ihm die Geheimschulung anweist. Zu diesen Übungen gehört die Konzentration, das ist das Richten der Aufmerksamkeit auf ganz bestimmte mit den Weltgeheimnissen zusammenhängende Vorstellungen und Begriffe. Und es gehört ferner dazu das Meditieren, das ist das Leben in solchen Ideen, das vollkommene Versenken in dieselben in vorgeschriebener Art. Durch Konzentrieren und Meditieren arbeitet der Mensch an seiner Seele. Er entwickelt dadurch in ihr die seelischen Wahrnehmungsorgane. Während er den Aufgaben der Konzentration und Meditation obliegt, wächst innerhalb seines Leibes seine Seele, wie der Kindeskeim im Leibe der Mutter wächst. Und wenn dann während des Schlafes die geschilderten einzelnen Erlebnisse eintreten, dann rückt der Moment der Geburt heran für die freigewordene Seele, die dadurch buchstäblich ein anderes Wesen geworden ist, das der Mensch in sich zur Keimung und Reifung bringt. Die Anstrengungen für das Konzentrieren und das Meditieren müssen deshalb sorgfältige sein, und sie müssen genau eingehalten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|177}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
werden, weil sie ja die Gesetze für die Keimung und das Reifwerden des gekennzeichneten höheren Menschenseelenwesens sind. Und dieses muß bei seiner Geburt ein in sich harmonischer, richtig gegliederter Organismus sein. Wird aber in den Vorschriften etwas verfehlt, so kommt nicht ein solches gesetzmäßiges Lebewesen, sondern eine Fehlgeburt auf geistigem Gebiet zustande, die nicht lebensfähig ist&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daß die Geburt dieses höheren Seelenwesens zunächst im tiefen Schlafe erfolgt, wird begreiflich erscheinen, wenn man bedenkt, daß der zarte, noch wenig widerstandsfähige Organismus bei einem etwaigen Erscheinen während des sinnlichen Alltagslebens durch die starken, harten Vorgänge dieses Lebens ja gar nicht zur Geltung kommen könnte. Seine Tätigkeit käme nicht in Betracht gegenüber der Tätigkeit des Leibes. Im Schlafe, wenn der Körper ruht, soweit seine Tätigkeit von der sinnlichen Wahrnehmung abhängt, kann die im Anfang so zarte, unscheinbare Tätigkeit der höheren Seele zum Vorschein kommen. Wieder aber muß beachtet werden, daß der Geheimschüler die Schlaferlebnisse so lange nicht als vollgültige Erkenntnisse ansehen darf, solange er nicht imstande ist, die erwachte höhere Seele auch in das Tagesbewußtsein herüberzunehmen. Ist er das imstande, so vermag er auch zwischen und innerhalb der Tageserlebnisse die geistige Welt nach ihrem Charakter wahrzunehmen, das heißt, er kann die Geheimnisse seiner Umgebung seelisch als Töne und Worte erfassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun muß man sich auf dieser Stufe der Entwickelung klarwerden, daß man es ja zunächst mit einzelnen mehr oder weniger unzusammenhängenden geistigen Erlebnissen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|178}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
zu tun hat. Man muß sich daher hüten, sich aus ihnen irgendein abgeschlossenes oder auch nur zusammenhängendes Erkenntnisgebäude aufbauen zu wollen. Da mußten sich allerlei phantastische Vorstellungen und Ideen in die Seelenwelt einmischen; und man könnte sich so sehr leicht eine Welt zusammenbauen, die mit der wirklichen geistigen gar nichts zu tun hat. Strengste Selbstkontrolle muß ja von dem Geheimschüler fortwährend geübt werden. Das richtigste ist, über die einzelnen wirklichen Erlebnisse, die man hat, immer mehr und mehr zur Klarheit zu kommen und abzuwarten, bis sich neue ergeben in völlig ungezwungener Art, die sich wie von selbst mit den schon vorhandenen verbinden. Es tritt da nämlich bei dem Geheimschüler durch die Kraft der geistigen Welt, in die er nun einmal gekommen ist, und bei Anwendung der entsprechenden Übungen eine immer mehr um sich greifende Erweiterung des Bewußtseins im tiefen Schlafe ein. Immer mehr Erlebnisse treten hervor aus der Bewußtlosigkeit und immer kleinere Strecken des Schlaflebens werden bewußtlos sein. So schließen sich dann die einzelnen Schlaferfahrungen eben immer mehr von selbst zusammen, ohne daß dieser wahre Zusammenschluß durch allerlei Kombinationen und Schlußfolgerungen gestört würde, die doch nur von dem an die Sinneswelt gewöhnten Verstande herrühren würden. Je weniger aber von den Denkgewohnheiten dieser sinnlichen Welt in unberechtigter Weise hineingemischt wird in die höheren Erlebnisse, desto besser ist es. Verhält man sich so, dann nähert man sich immer mehr und mehr derjenigen Stufe auf dem Wege zu höherer Erkenntnis, auf welcher Zustände, die vorher nur unbewußt im Schlafleben vorhanden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|179}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
waren, in vollständig bewußte umgewandelt werden. Man lebt dann, wenn der Körper ruht, ebenso in einer Wirklichkeit, wie dies beim Wachen der Fall ist. Es wird überflüssig sein, zu bemerken, daß während des Schlafes selbst zunächst man es mit einer anderen Wirklichkeit zu tun hat, als die sinnliche Umgebung ist, in welcher sich der Körper befindet. Man lernt ja und muß um fest auf dem Boden der Sinneswelt stehenzubleiben und nicht Phantast zu werden lernen, die höheren Schlaferlebnisse an die sinnliche Umgebung anzuknüpfen. Aber zunächst ist eben die im Schlaf erlebte Welt eine vollkommen neue Offenbarung. Man nennt in der Geheimwissenschaft die wichtige Stufe, die in der Bewußtheit des Schlaflebens besteht, die Kontinuität (Ununterbrochenheit) des Bewußtseins.*&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei einem Menschen, der diese Stufe erreicht hat, hört das Erleben und Erfahren in solchen Zeiten nicht auf, in denen der physische Leib ruht und der Seele keine Eindrücke durch die Sinneswerkzeuge zugeführt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- - -&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;#&amp;lt;/nowiki&amp;gt;FN010-179-* Was hier angedeutet wird, ist für eine gewisse Stufe der Entwickelung eine Art «Ideal», das am Ende eines langen Weges liegt. Was der Geheimschüler zunächst kennenlernt, sind die zwei Zustände: Bewußtsein bei einer seelischen Verfassung, in welcher ihm vorher nur regellose Träume, und in einer solchen, in der nur bewußtloser, traumloser Schlaf möglich war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|180}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= DIE SPALTUNG DER PERSÖNLICHKEIT WÄHREND DER GEISTESSCHULUNG =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während des Schlafes empfängt die menschliche Seele nicht die Mitteilungen von seiten der physischen Sinneswerkzeuge. Die Wahrnehmungen der gewöhnlichen Außenwelt fließen ihr in diesem Zustande nicht zu. Sie ist in Wahrheit in gewisser Beziehung außerhalb des Teiles der menschlichen Wesenheit, des sogenannten physischen Leibes, welcher im Wachen die Sinneswahrnehmungen und das Denken vermittelt. Sie ist dann nur in Verbindung mit den feineren Leibern (dem Ätherleib und dem Astralleib), welche sich der Beobachtung der physischen Sinne entziehen. Aber die Tätigkeit dieser feineren Leiber hört im Schlafe nicht etwa auf. So wie der physische Leib mit den Dingen und Wesen der physischen Welt in Verbindung steht, wie er von ihnen Wirkungen empfängt und auf sie wirkt, so lebt die Seele in einer höheren Welt. Und dieses Leben dauert während des Schlafes fort. Tatsächlich ist die Seele während des Schlafes in voller Regsamkeit. Nur kann der Mensch von dieser seiner eigenen Tätigkeit so lange nichts wissen, als er nicht geistige Wahrnehmungsorgane hat, durch welche er während des Schlafes ebensogut beobachten kann, was um ihn herum vorgeht und was er selber treibt, wie er das mit seinen gewöhnlichen Sinnen im Tagesleben für seine physische Umgebung kann. Die Geheimschulung besteht (wie in den vorhergehenden Kapiteln gezeigt worden ist) in der Ausbildung solcher geistigen Sinneswerkzeuge.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verwandelt sich nun durch die Geheimschulung das Schlafleben des Menschen in dem Sinne, wie es im vorigen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|181}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kapitel beschrieben worden ist, so kann er alles, was in diesem Zustande um ihn herum vorgeht, bewußt verfolgen; er kann sich willkürlich in seiner Umgebung zurechtfinden, wie das mit seinen Erlebnissen während des wachen Alltagsiebens durch die gewöhnlichen Sinne der Fall ist. Dabei ist allerdings zu beachten, daß die Wahrnehmung der gewöhnlichen sinnlichen Umgebung schon einen höheren Grad des Hellsehens voraussetzt. (Es ist darauf schon im vorigen Kapitel hingedeutet worden.) Im Beginn der Entwickelung nimmt der Geheimschüler nur Dinge wahr, die einer anderen Welt angehören, ohne deren Zusammenhang mit den Gegenständen seiner alltäglichen sinnlichen Umgebung bemerken zu können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was an so charakteristischen Beispielen des Traum- und Schlaflebens anschaulich wird, findet fortwährend beim Menschen statt. Die Seele lebt ohne Unterbrechung in höheren Welten und ist innerhalb der letzteren tätig. Sie schöpft aus diesen höheren Welten heraus die Anregungen, durch welche sie immerwährend auf den physischen Leib wirkt. Nur bleibt für den Menschen dieses sein höheres Leben unbewußt. Der Geheimschüler aber bringt es zum Bewußtsein. Dadurch wird sein Leben überhaupt ein anderes. Solange die Seele nicht im höheren Sinne sehend ist, wird sie von übergeordneten Weltwesen geführt. Und wie das Leben eines Blinden, der durch Operation sehend geworden ist, ein anderes wird, als es vorher war, da er sich auf seine Führerschaft verlassen mußte, so ändert sich das Leben des Menschen durch die Geheimschulung. Er wird der Führerschaft entwachsen und muß fortan seine Leitung selbst übernehmen. Sobald dies eintritt, ist er, wie begreiflich, Irrtümern unterworfen, von&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|182}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
denen das gewöhnliche Bewußtsein nichts ahnt. Er handelt jetzt aus einer Welt heraus, aus der ihn früher höhere Gewalten, ihm selbst unbewußt, beeinflußten. Diese höheren Gewalten sind durch die allgemeine Weltharmonie geordnet. Aus dieser Weltharmonie tritt der Geheimschüler heraus. Er hat nunmehr selbst Dinge zu tun, die vorher für ihn ohne sein Zutun vollzogen worden sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weil dies letztere der Fall ist, deshalb wird in den Schriften, die von solchen Dingen handeln, viel von den Gefahren gesprochen, welche mit dem Aufstieg in die höheren Welten verbunden sind. Die Schilderungen, die da zuweilen von solchen Gefahren gemacht werden, sind wohl geeignet, ängstliche Gemüter nur mit Schaudern auf dieses höhere Leben blicken zu lassen. Doch muß gesagt werden, daß diese Gefahren nur dann vorhanden sind, wenn die notwendigen Vorsichtsmaßregeln außer acht gelassen werden. Wenn dagegen wirklich alles beachtet wird, was wahre Geheimschulung als Ratschläge an die Hand gibt, dann erfolgt der Aufstieg zwar durch Erlebnisse hindurch, die an Gewalt und Größe alles überragen, was die kühnste Phantasie des Sinnesmenschen sich ausmalen kann; aber von einer Beeinträchtigung der Gesundheit oder des Lebens kann nicht die Rede sein. Der Mensch lernt grausige, das Leben an allen Ecken und Enden bedrohende Gewalten kennen. Es wird ihm möglich, sich selbst gewisser Kräfte und Wesen zu bedienen, welche der sinnlichen Wahrnehmung entzogen sind. Und die Versuchung ist groß, sich dieser Kräfte im Dienste eines eigenen unerlaubten Interesses zu bemächtigen oder aus mangelnder Erkenntnis der höheren Welten in irrtümlicher Weise solche Kräfte zu verwenden. Einige von solchen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|183}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
besonders bedeutsamen Erlebnissen (zum Beispiel die Begegnung mit dem «Hüter der Schwelle») sollen noch in diesen Aufsätzen geschildert werden. Aber man muß doch bedenken, daß die lebenfeindlichen Mächte auch dann vorhanden sind, wenn man sie nicht kennt. Wahr ist allerdings, daß dann deren Verhältnis zum Menschen von höheren Kräften bestimmt wird und daß dieses Verhältnis sich auch ändert, wenn der Mensch mit Bewußtsein in diese ihm vorher verborgene Welt eintritt. Aber es wird dafür auch sein eigenes Dasein gesteigert, sein Lebenskreis um ein ungeheures Feld bereichert. Eine wirkliche Gefahr liegt nur dann vor, wenn der Geheimschüler durch Ungeduld oder Unbescheidenheit sich gegenüber den Erfahrungen der höheren Welt zu früh eine gewisse Selbständigkeit beimißt, wenn er nicht abwarten kann, bis ihm die zureichende Einsicht in die übersinnlichen Gesetze wirklich zuteil wird. Auf diesem Gebiete sind eben Demut und Bescheidenheit noch viel weniger leere Worte als im gewöhnlichen Leben. Sind diese aber dem Schüler im allerbesten Sinne eigen, so kann er sicher sein, daß sich sein Aufstieg ins höhere Leben gefahrlos für alles das vollzieht, was man gewöhnlich Gesundheit und Leben nennt. Vor allen Dingen darf keine Disharmonie aufkommen zwischen den höheren Erlebnissen und den Vorgängen und Anforderungen des alltäglichen Lebens. Des Menschen Aufgabe ist durchaus auf dieser Erde zu suchen. Und wer den Aufgaben auf dieser Erde sich entziehen und in eine andere Welt flüchten will, der mag sicher sein, daß er sein Ziel nicht erreicht Aber was die Sinne wahrnehmen, ist nur ein Teil der Welt und im Geistigen liegen die Wesenheiten, welche sich in den Tatsachen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|184}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der sinnlichen Welt ausdrücken. Man soll teilhaftig werden des Geistes, damit man seine Offenbarungen in die Sinneswelt hineintragen kann. Der Mensch gestaltet die Erde um, indem er ihr einpflanzt, was er von dem Geisterlande her erkundet. Darinnen liegt seine Aufgabe. Nur weil die sinnliche Erde von der geistigen Welt abhängt, weil man wahrhaftig auf der Erde nur wirken kann, wenn man Teilhaber an jenen Welten ist, in denen die schaffenden Kräfte verborgen sind, deshalb soll man zu diesen letzteren aufsteigen wollen. Tritt man mit dieser Gesinnung an die Geheimschulung heran und weicht man keinen Augenblick von der dadurch vorgezeichneten Richtung ab, dann hat man nicht die allergeringsten Gefahren zu befürchten. Niemand sollte sich von den in Aussicht stehenden Gefahren von der Geheimschulung abhalten lassen; für einen jeden aber sollte diese Aussicht eine strenge Aufforderung sein, sich durchaus jene Eigenschaften anzueignen, welche der wahre Geheimschüler haben soll.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach diesen Voraussetzungen, die wohl alles Schreckhafte beseitigen, soll nun hier an die Schilderung einiger sogenannter «Gefahren» geschritten werden. Große Veränderungen gehen allerdings mit den obengenannten feineren Leibern beim Geheimschüler vor sich. Solche Veränderungen hängen mit gewissen Entwickelungsvorgängen der drei Grundkräfte der Seele, mit Wollen, Fühlen und Denken zusammen. Diese drei Kräfte stehen vor der Geheimschulung des Menschen in einer ganz bestimmten, durch höhere Weltgesetze geregelten Verbindung. Nicht in beliebiger Weise will, fühlt oder denkt der Mensch. Wenn zum Beispiel eine bestimmte Vorstellung im Bewußtsein auftaucht, so schließt sich an sie nach&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|185}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
natürlichen Gesetzen ein gewisses Gefühl oder es folgt auf sie ein gesetzmäßig mit ihr zusammenhängender Willensentschluß. Man betritt ein Zimmer, findet es dumpfig und öffnet die Fenster. Man hört seinen Namen rufen und folgt dem Rufe. Man wird gefragt und gibt Antwort. Man sieht ein übelriechendes Ding und bekommt ein Gefühl von Unlust. Das sind einfache Zusammenhänge zwischen Denken, Fühlen und Wollen. Wenn man aber das menschliche Leben überschaut, so wird man finden, daß sich alles in diesem Leben auf solche Zusammenhänge aufbaut. Ja, man bezeichnet das Leben eines Menschen nur dann als ein «normales», wenn man in demselben eine solche Verbindung von Denken, Fühlen und Wollen bemerkt, die in den Gesetzen der menschlichen Natur begründet liegt. Man fände es diesen Gesetzen widersprechend, wenn ein Mensch zum Beispiel beim Anblick eines übelriechenden Gegenstandes ein Lustgefühl empfände oder wenn er auf Fragen nicht antwortete. Die Erfolge, die man sich von einer richtigen Erziehung oder einem angemessenen Unterricht verspricht, beruhen darauf, daß man voraussetzt, man könne eine der menschlichen Natur entsprechende Verbindung zwischen Denken, Fühlen und Wollen beim Zögling herstellen. Wenn man diesem gewisse Vorstellungen beibringt, so tut man es in der Annahme, daß sie später mit seinen Gefühlen und Willensentschlüssen in gesetzmäßige Verbindungen eingehen. Alles das rührt davon her, daß in den feineren Seelenleibern des Menschen die Mittelpunkte der drei Kräfte, des Denkens, Fühlens und Wollens, in einer gesetzmäßigen Art miteinander verbunden sind. Und diese Verbindung in dem feineren Seelenorganismus hat auch ihr Abbild in dem groben&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|186}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
physischen Körper. Auch in diesem stehen die Organe des Wollens in einer gewissen gesetzmäßigen Verbindung mit denen des Denkens und Fühlens. Ein bestimmter Gedanke ruft regelmäßig daher ein Gefühl oder eine Willenstätigkeit hervor. Bei der höheren Entwickelung des Menschen werden nun die Fäden, welche die drei Grundkräfte miteinander verbinden, unterbrochen. Zuerst geschieht diese Unterbrechung nur in dem charakterisierten feineren Seelenorganismus; bei noch höherem Aufstieg aber erstreckt sich die Trennung auch auf den physischen Körper. (Es zerfällt bei der höheren geistigen Entwickelung des Menschen tatsächlich zum Beispiel sein Gehirn in drei voneinander getrennte Glieder. Die Trennung ist allerdings eine solche, daß sie für die gewöhnliche sinnliche Anschauung nicht wahrnehmbar und auch durch die schärfsten sinnlichen Instrumente nicht nachweisbar ist. Aber sie tritt ein, und der Hellseher hat Mittel, sie zu beobachten. Das Gehirn des höheren Hellsehers zerfällt in drei selbständig wirkende Wesenheiten: das Denk-, Fühl- und Willensgehirn.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Organe des Denkens, Fühlens und Wollens stehen sodann ganz frei für sich da. Und ihre Verbindung wird nunmehr durch keine ihnen selbst eingepflanzten Gesetze hergestellt, sondern muß durch das erwachte höhere Bewußtsein des Menschen selbst besorgt werden. Das ist nämlich die Veränderung, welche der Geheimschüler an sich bemerkt, daß kein Zusammenhang zwischen einer Vorstellung und einem Gefühl oder einem Gefühl und einem Willensentschluß und so weiter sich einstellt, wenn er nicht selbst einen solchen schafft. Kein Antrieb führt ihn von einem Gedanken zu einer Handlung, wenn er&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|187}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
diesen Antrieb nicht frei in sich bewirkt. Er kann nunmehr völlig gefühllos vor einer Tatsache stehen, die ihm vor seiner Schulung glühende Liebe oder ärgsten Haß eingeflößt hat; er kann untätig bleiben bei einem Gedanken, der ihn vorher zu einer Handlung wie von selbst begeistert hat. Und er kann Taten verrichten aus Willensentschlüssen heraus, für welche bei einem nicht durch die Geheimschulung hindurchgegangenen Menschen auch nicht die geringste Veranlassung vorliegt. Die große Errungenschaft, welche dem Geheimschüler zuteil wird, ist, daß er die vollkommene Herrschaft erlangt über das Zusammenwirken der drei Seelenkräfte; aber dieses Zusammenwirken wird dafür auch vollständig in seine eigene Verantwortlichkeit gestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst durch diese Umwandlung seines Wesens kann der Mensch in bewußte Verbindung treten mit gewissen übersinnlichen Kräften und Wesenheiten. Denn es haben seine eigenen Seelenkräfte zu gewissen Grundkräften der Welt entsprechende Verwandtschaft. Die Kraft zum Beispiel, die im Willen liegt, kann auf bestimmte Dinge und Wesenheiten der höheren Welt wirken und diese auch wahrnehmen. Aber sie kann das erst dann, wenn sie frei geworden ist von ihrer Verbindung mit dem Fühlen und Denken innerhalb der Seele. Sobald diese Verbindung gelöst ist, tritt die Wirkung des Willens nach außen hervor. Und so ist es auch mit den Kräften des Denkens und Fühlens. Wenn mir ein Mensch ein Haßgefühl zusendet, so ist dieses für den Hellseher sichtbar als eine feine Licht-Wolke von bestimmter Färbung. Und ein solcher Hellseher kann dieses Haßgefühl abwehren, wie der Sinnes-Mensch einen physischen Schlag abwehrt, der gegen ihn&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|188}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
geführt wird. Der Haß wird in der übersinnlichen Welt eine anschaubare Erscheinung. Aber nur dadurch kann ihn der Hellseher wahrnehmen, daß er die Kraft, die in seinem Gefühle liegt, nach außen zu senden vermag, wie der Sinnesmensch die Empfänglichkeit seines Auges nach außen richtet. Und so wie mit dem Haß ist es mit weit bedeutungsvolleren Tatsachen der sinnlichen Welt. Der Mensch kann mit ihnen in bewußten Verkehr treten durch die Freilegung der Grundkräfte seiner Seele.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch die geschilderte Trennung der Kräfte des Denkens, Fühlens und Wollens ist nun, bei Außerachtlassung der geheimwissenschaftlichen Vorschriften, eine dreifache Verirrung auf dem Entwickelungsgange des Menschen möglich. Eine solche kann eintreten, wenn die Verbindungsbahnen zerstört werden, bevor das höhere Bewußtsein mit seiner Erkenntnis so weit ist, daß es die Zügel, die ein freies harmonisches Zusammenwirken der getrennten Kräfte herstellen, ordentlich zu führen vermag. Denn in der Regel sind nicht alle drei Grundkräfte des Menschen in einem bestimmten Lebensabschnitt gleich weit in ihrer Entwickelung vorgeschritten. Bei dem einen Menschen ist das Denken dem Fühlen und Wollen vorangeschritten, bei einem zweiten hat eine andere Kraft die Oberhand über ihre Genossen. Solange nun der durch die höheren Weltgesetze hergestellte Zusammenhang der Kräfte aufrechterhalten bleibt, kann durch das Hervorstechen der einen oder der anderen keine im höheren Sinne störende Unregelmäßigkeit eintreten. Beim Willensmenschen zum Beispiel wirken Denken und Gefühl durch jene Gesetze doch ausgleichend, und sie verhindern, daß der überwiegende Wille in besondere Ausartungen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|189}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
verfällt. Tritt ein solcher Willensmensch aber in die Geheimschulung ein, so hört der gesetzmäßige Einfluß von Gefühl und Gedanke auf den zu ungeheuren Kraftleistungen unausgesetzt drängenden Willen vollständig auf. Ist dann der Mensch in der vollkommenen Beherrschung des höheren Bewußtseins nicht so weit, daß er selbst die Harmonie hervorrufen kann, so geht der Wille seine eigenen zügellosen Wege. Er überwältigt fortwährend seinen Träger. Gefühl und Denken fallen einer vollkommenen Machtlosigkeit anheim; der Mensch wird durch die ihn sklavisch beherrschende Willensmacht gepeitscht. Eine Gewaltnatur, die von einer zügellosen Handlung zur anderen schreitet, ist entstanden. Ein zweiter Abweg entsteht, wenn das Gefühl in einer maßlosen Art sich von den gesetzmäßigen Zügeln befreit. Eine zur Verehrung anderer Menschen neigende Person kann sich dann in grenzenlose Abhängigkeit bis zum Verluste jedes eigenen Willens und Gedankens begeben. Statt höherer Erkenntnis ist dann die erbarmungswürdigste Aushöhlung und Kraftlosigkeit das Los einer solchen Persönlichkeit. Oder es kann bei solch überwiegendem Gefühlsleben eine zu Frömmigkeit und religiöser Erhebung neigende Natur in eine sie ganz hinreißende Religionsschwelgerei verfallen. Das dritte Übel bildet sich, wenn das Denken überwiegt. Dann tritt eine lebensfeindliche, in sich verschlossene Beschaulichkeit auf. Für solche Menschen scheint dann die Welt nur mehr insoweit Bedeutung zu haben, als sie ihnen Gegenstände liefert zur Befriedigung ihrer ins Grenzenlose gesteigerten Weisheitsgier. Sie werden durch keinen Gedanken zu einer Handlung oder einem Gefühl angeregt. Sie treten überall als teilnahmslose, kalte Naturen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|190}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
auf. Jede Berührung mit Dingen der alltäglichen Wirklichkeit fliehen sie wie etwas, das ihnen Ekel erregt oder das wenigstens für sie alle Bedeutung verloren hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das sind die drei Irrpfade, auf welche der Geheimschüler geraten kann: das Gewaltmenschentum, die Gefühlsschwelgerei, das kalte, lieblose Weisheitsstreben. Für eine äußerliche Betrachtungsweise auch für die materialistische der Schulmedizin unterscheidet sich das Bild eines solchen auf Abwegen befindlichen Menschen, vor allen Dingen dem Grade nach, nicht viel von demjenigen eines Irrsinnigen oder wenigstens einer schwer «nervenkranken Person». Ihnen darf natürlich der Geheimschüler nicht gleichen. Es kommt bei ihm darauf an, daß Denken, Fühlen, Wollen, die drei Grundkräfte der Seele, eine harmonische Entwickelung durchgemacht haben, bevor sie aus der ihnen eingepflanzten Verbindung gelöst und dem erwachten höheren Bewußtsein unterstellt werden können. Denn ist einmal der Fehler geschehen, ist eine Grundkraft der Zügellosigkeit anheimgefallen, so tritt die höhere Seele zunächst als eine Fehlgeburt zutage. Die ungebändigte Kraft füllt dann die ganze Persönlichkeit des Menschen aus; und für lange ist nicht daran zu denken, daß alles wieder ins Gleichgewicht kommt. Was als eine harmlose Charakterveranlagung erscheint, solange der Mensch ohne Geheimschulung ist, nämlich ob er eine Willens-, Gefühls- oder Denkernatur ist, das steigert sich beim Geheimschüler so, daß sich das zum Leben notwendige Allgemeinmenschliche demgegenüber ganz verliert. Zu einer wirklich ernsten Gefahr wird das allerdings erst in dem Augenblicke, in welchem der Schüler die Fähigkeit erlangt, Erlebnisse wie im Schlafbewußtsein&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|191}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
so auch im wachen Zustande vor sich zu haben. Solange es bei der bloßen Erhellung der Schlafpausen verbleibt, wirkt während des Wachzustandes das von den allgemeinen Weltgesetzen geregelte Sinnesleben immer wieder ausgleichend auf das gestörte Gleichgewicht der Seele zurück. Deshalb ist es so notwendig, daß das Wachleben des Geheimschülers in jeder Richtung ein regelmäßiges, gesundes sei. Je mehr er den Anforderungen entspricht, welche die äußere Welt an eine gesunde, kräftige Gestaltung von Leib, Seele und Geist stellt, desto besser ist es für ihn. Schlimm dagegen kann es für ihn werden, wenn das alltägliche Wachleben aufregend oder aufreibend auf ihn wirkt, wenn also zu den größeren Veränderungen, die in seinem Innern vorgehen, irgendwelche zerstörende oder hemmende Einflüsse des äußeren Lebens hinzutreten. Er soll alles aufsuchen, was seinen Kräften entsprechend ist und was ihn in ein ungestörtes, harmonisches Zusammenleben mit seiner Umgebung hineinbringt. Und er soll alles vermeiden, was dieser Harmonie Eintrag tut, was Unruhe und Hast in sein Leben bringt. Dabei kommt es weniger darauf an, diese Unruhe und Hast sich in einem äußerlichen Sinne abzuwälzen, als vielmehr darauf, zu sorgen, daß die Stimmung, die Absichten und Gedanken und die Gesundheit des Leibes darunter nicht fortwährenden Schwankungen ausgesetzt werden. All das fällt dem Menschen während seiner Geheimschulung nicht so leicht wie vorher. Denn die höheren Erlebnisse, die nunmehr in sein Leben hineinspielen, wirken ununterbrochen auf sein ganzes Dasein. Ist innerhalb dieser höheren Erlebnisse etwas nicht in Ordnung, so lauert die Unregelmäßigkeit unausgesetzt und kann ihn bei jeder Gelegenheit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|192}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
aus den geordneten Bahnen herauswerfen. Deshalb darf der Geheimschüler nichts unterlassen, was ihm stets die Herrschaft über sein ganzes Wesen sichert. Nie sollte ihm Geistesgegenwart oder ein ruhiges Überblicken aller in Betracht kommenden Situationen des Lebens mangeln. Aber eine echte Geheimschulung erzeugt im Grunde alle diese Eigenschaften durch sich selbst. Und man lernt während einer solchen die Gefahren nur kennen, indem man zugleich in den richtigen Augenblicken die volle Macht erlangt, sie aus dem Felde zu schlagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|193}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= DER HÜTER DER SCHWELLE =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wichtige Erlebnisse beim Erheben in die höheren Welten sind die Begegnungen mit dem «Hüter der Schwelle». Es gibt nicht nur einen, sondern im wesentlichen zwei, einen «kleineren» und einen «größeren» «Hüter der Schwelle». Dem ersteren begegnet der Mensch dann, wenn sich die Verbindungsfäden zwischen Willen, Denken und Fühlen innerhalb der feineren Leiber (des Astral- und Ätherleibes) so zu lösen beginnen, wie das im vorigen Kapitel gekennzeichnet worden ist. Dem «größeren Hüter der Schwelle» tritt der Mensch gegenüber, wenn sich die Auflösung der Verbindungen auch auf die physischen Teile des Leibes (namentlich zunächst das Gehirn) erstreckt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der «kleinere Hüter der Schwelle» ist ein selbständiges Wesen. Dieses ist für den Menschen nicht vorhanden, bevor die entsprechende Entwickelungsstufe von ihm erreicht ist. Nur einige der wesentlichsten Eigentümlichkeiten desselben können hier verzeichnet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es soll zunächst versucht werden, in erzählender Form die Begegnung des Geheimschülers mit dem Hüter der Schwelle darzustellen. Erst durch diese Begegnung wird der Schüler gewahr, daß Denken, Fühlen und Wollen bei ihm sich aus ihrer ihnen eingepflanzten Verbindung gelöst haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein allerdings schreckliches, gespenstisches Wesen steht vor dem Schüler. Dieser hat alle Geistesgegenwart und alles Vertrauen in die Sicherheit seines Erkenntnisweges notwendig, die er sich während seiner bisherigen Geheimschülerschaft aber hinlänglich aneignen konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|194}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der «Hüter» gibt seine Bedeutung etwa in folgenden Worten kund: «Über dir walteten bisher Mächte, welche dir unsichtbar waren. Sie bewirkten, daß während deiner bisherigen Lebensläufe jede deiner guten Taten ihren Lohn und jede deiner üblen Handlungen ihre schlimmen Folgen hatten. Durch ihren Einfluß baute sich dein Charakter aus deinen Lebenserfahrungen und aus deinen Gedanken auf. Sie verursachten dein Schicksal. Sie bestimmten das Maß von Lust und Schmerz, das dir in einer deiner Verkörperungen zugemessen war, nach deinem Verhalten in früheren Verkörperungen. Sie herrschten über dir in Form des allumfassenden Karmagesetzes. Diese Mächte werden nun einen Teil ihrer Zügel von dir loslösen. Und etwas von der Arbeit, die sie an dir getan haben, mußt du nun selbst tun. Dich traf bisher mancher schwere Schicksalsschlag. Du wußtest nicht warum? Es war die Folge einer schädlichen Tat in einem deiner vorhergehenden Lebensläufe. Du fandest Glück und Freude und nahmest sie hin. Auch sie waren die Wirkung früherer Taten. Du hast in deinem Charakter manche schöne Seiten, manche häßliche Flecken. Du hast beides selbst verursacht durch vorhergehende Erlebnisse und Gedanken. Du hast bisher die letzteren nicht gekannt; nur die Wirkungen waren dir offenbar. Sie aber, die karmischen Mächte, sahen alle deine vormaligen Lebenstaten, deine verborgensten Gedanken und Gefühle. Und sie haben danach bestimmt, wie du jetzt bist und wie du jetzt lebst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun aber sollen dir selbst offenbar werden alle die guten und alle die schlimmen Seiten deiner vergangenen Lebensläufe. Sie waren bis jetzt in deine eigene Wesenheit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|195}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
hineinverwoben, sie waren in dir, und du konntest sie nicht sehen, wie du physisch dein eigenes Gehirn nicht sehen kannst. Jetzt aber lösen sie sich von dir los, sie treten aus deiner Persönlichkeit heraus. Sie nehmen eine selbständige Gestalt an, die du sehen kannst, wie du die Steine und Pflanzen der Außenwelt siehst. Und ich bin es selbst, die Wesenheit, die sich einen Leib gebildet hat aus deinen edlen und deinen üblen Verrichtungen. Meine gespenstige Gestalt ist aus dem Kontobuche deines eigenen Lebens gewoben. Unsichtbar hast du mich bisher in dir selbst getragen. Aber es war wohltätig für dich, daß es so war. Denn die Weisheit deines dir verborgenen Geschickes hat deshalb auch bisher an der Auslöschung der häßlichen Flecken in meiner Gestalt in dir gearbeitet. Jetzt, da ich aus dir herausgetreten bin, ist auch diese verborgene Weisheit von dir gewichen. Sie wird sich fernerhin nicht mehr um dich kümmern. Sie wird die Arbeit dann nur in deine eigenen Hände legen. Ich muß zu einer in sich vollkommenen, herrlichen Wesenheit werden, wenn ich nicht dem Verderben anheimfallen soll. Und geschähe das letztere, so würde ich auch dich selbst mit mir hinabziehen in eine dunkle, verderbte Welt. Deine eigene Weisheit muß nun, wenn das letztere verhindert werden soll, so groß sein, daß sie die Aufgabe jener von dir gewichenen verborgenen Weisheit übernehmen kann. Ich werde, wenn du meine Schwelle überschritten hast, keinen Augenblick mehr als dir sichtbare Gestalt von deiner Seite weichen. Und wenn du fortan Unrichtiges tust oder denkst, so wirst du sogleich deine Schuld als eine häßliche, dämonische Verzerrung an dieser meiner Gestalt wahrnehmen. Erst wenn du all dein&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|196}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
vergangenes Unrichtiges gutgemacht und dich so geläutert hast, daß dir weiter Übles ganz unmöglich ist, dann wird sich mein Wesen in leuchtende Schönheit verwandelt haben. Und dann werde ich mich zum Heile deiner ferneren Wirksamkeit wieder mit dir zu einem Wesen vereinigen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Meine Schwelle aber ist gezimmert aus einem jeglichen Furchtgefühl, das noch in dir ist, und aus einer jeglichen Scheu vor der Kraft, die volle Verantwortung für all dein Tun und Denken selbst zu übernehmen. Solange du noch irgendeine Furcht vor der selbsteigenen Lenkung deines Geschickes hast, so lange ist in diese Schwelle nicht alles hineingebaut, was sie erhalten muß. Und solange ihr ein einziger Baustein noch fehlt, so lange müßtest du wie gebannt an dieser Schwelle stehenbleiben oder stolpern. Versuche nicht früher diese Schwelle zu überschreiten, bis du ganz frei von Furcht und bereit zu höchster Verantwortlichkeit dich fühlst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bisher trat ich nur aus deiner eigenen Persönlichkeit heraus, wenn der Tod dich von einem irdischen Lebenslauf abberief. Aber auch da war meine Gestalt dir verschleiert. Nur die Schicksalsmächte, welche über dir walteten, sahen mich und konnten, nach meinem Aussehen, in den Zwischenpausen zwischen dem Tode und einer neuen Geburt, dir Kraft und Fähigkeit ausbilden, damit du in einem neuen Erdenleben an der Verschönerung meiner Gestalt zum Heile deines Fortkommens arbeiten konntest. Ich selbst war es auch, dessen Unvollkommenheit die Schicksalsmächte immer wieder dazu zwang, dich in eine neue Verkörperung auf die Erde zurückzuführen. Starbest du, so war ich da; und meinetwegen bestimmten die Lenker&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|197}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
des Karma deine Wiedergeburt. Erst wenn du durch immer wieder erneuerte Leben in dieser Art mich unbewußt ganz zur Vollkommenheit umgeschaffen gehabt hättest, wärest du nicht den Todesmächten verfallen, sondern du hättest dich ganz mit mir vereint und wärest in Einheit mit mir in die Unsterblichkeit hinübergegangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So stehe ich heute sichtbar vor dir, wie ich stets unsichtbar neben dir in der Sterbestunde gestanden habe. Wenn du meine Schwelle überschritten haben wirst, so betrittst du die Reiche, die du sonst nach dem physischen Tode betreten hast. Du betrittst sie mit vollem Wissen und wirst fortan, indem du äußerlich sichtbar auf Erden wandelst, zugleich im Reiche des Todes, das ist aber im Reiche des ewigen Lebens, wandeln. Ich bin wirklich auch der Todesengel; aber ich, ich bin zugleich der Bringer eines nie versiegenden höheren Lebens. Beim lebendigen Leibe wirst du durch mich sterben, um die Wiedergeburt zum unzerstörbaren Dasein zu erleben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Reich, das du nunmehr betrittst, wird dich bekannt machen mit Wesen übersinnlicher Art. Die Seligkeit wird dein Anteil in diesem Reiche sein. Aber die erste Bekanntschaft mit dieser Welt muß ich selbst sein, ich, der ich dein eigenes Geschöpf bin. Früher lebte ich von deinem eigenen Leben; aber jetzt bin ich durch dich zu einem eigenen Dasein erwacht und stehe vor dir als sichtbares Richtmaß deiner künftigen Taten, vielleicht auch als dein immerwährender Vorwurf. Du konntest mich schaffen; aber du hast damit auch zugleich die Pflicht übernommen, mich umzuschaffen.»&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was hier, in eine Erzählung gekleidet, angedeutet ist, hat man sich nicht etwa als etwas Sinnbildliches vorzustellen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|198}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sondern als ein im höchsten Grade wirkliches Erlebnis des Geheimschülers.*&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Hüter soll ihn warnen, ja nicht weiter zu gehen, wenn er nicht die Kraft in sich fühlt, den Forderungen zu entsprechen, die in der obigen Anrede enthalten sind. So schrecklich die Gestalt dieses Hüters auch ist, sie ist doch nur die Wirkung des eigenen vergangenen Lebens des Schülers, ist nur sein eigener Charakter, zu selbständigem Lehen außer ihm erweckt. Und diese Erweckung geschieht durch die Auseinanderlösung von Wille, Denken und Gefühl. Schon das ist ein Erlebnis von tief bedeutungsvoller Art, daß man zum ersten Male fühlt, man habe einem geistigen Wesen selbst den Ursprung gegeben. Es muß nun die Vorbereitung des Geheimschülers dahin zielen, daß er ohne eine jegliche Scheu den schrecklichen Anblick aushält und daß er im Augenblicke der Begegnung seine Kraft wirklich so gewachsen fühlt, daß er es auf sich nehmen kann, die Verschönung des «Hüters» mit vollem Wissen auf sich zu laden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- - -&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;#&amp;lt;/nowiki&amp;gt;FN010-198-* Es ist aus obigem klar, daß der geschilderte «Hüter der Schwelle» eine solche (astrale) Gestalt ist, welche dem erwachenden höheren Schauen des Geheimschülers sich offenbart. Und zu dieser übersinnlichen Begegnung führt die Geheimwissenschaft. Es ist eine Verrichtung niederer Magie, den «Hüter der Schwelle» auch sinnlich sichtbar zu machen. Dabei handelte es sich um die Herstellung einer Wolke feinen Stoffes, eines Räucherwerkes, das aus einer Reibe von Stoffen in bestimmter Mischung hergestellt wird. Die entwickelte Kraft des Magiers ist dann imstande, gestaltend auf das Räucherwerk zu wirken und dessen Substanz mit dem noch unausgeglichenen Karma des Menschen zu beleben. Wer genügend vorbereitet für das höhere Schauen ist, braucht dergleichen sinnliche Anschauung nicht mehr; und wem sein noch unausgeglichenes Karma ohne genügende Vorbereitung als sinnlich lebendiges Wesen vor Augen träte, der liefe Gefahr, in schlimme Abwege zu geraten. Er sollte nicht danach streben. In Bulwers «Zanoni» wird romanhaft eine Darstellung dieses «Hüters der Schwelle» gegeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|199}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Folge der glücklich überstandenen Begegnung mit dem «Hüter der Schwelle» ist, daß der nächste physische Tod dann für den Geheimschüler ein ganz anderes Ereignis ist, als vorher die Tode waren. Er erlebt bewußt das Sterben, indem er den physischen Körper ablegt, wie man ein Kleid ablegt, das abgenutzt oder vielleicht auch durch einen plötzlichen Riß unbrauchbar geworden ist. Dieser sein physischer Tod ist dann sozusagen eine erhebliche Tatsache nur für die anderen, welche mit ihm leben und die mit ihren Wahrnehmungen noch ganz auf die Sinnenwelt beschrankt sind. Für sie «stirbt» der Geheimschüler. Für ihn ändert sich nichts von Bedeutung in seiner ganzen Umgebung. Die ganze übersinnliche Welt, in die er eingetreten ist, stand vor dem Tode schon in entsprechender Art vor ihm, und dieselbe Welt wird auch nach dem Tode vor ihm stehen. Nun hängt der «Hüter der Schwelle» aber noch mit anderem zusammen. Der Mensch gehört einer Familie, einem Volke, einer Rasse an; sein Wirken in dieser Welt hängt von seiner Zugehörigkeit zu einer solchen Gesamtheit ab. Auch sein besonderer Charakter steht damit im Zusammenhange. Und das bewußte Wirken der einzelnen Menschen ist keineswegs alles, womit man bei einer Familie, einem Stamme, Volke, einer Rasse zu rechnen hat. Es gibt ein Familien-, Volks- (und so weiter) Schicksal, wie es einen Familien-, Rassen- (und so weiter) Charakter gibt. Für den Menschen, der auf seine Sinne beschränkt ist, bleiben diese Dinge allgemeine Begriffe, und der materialistische Denker in seinem Vorurteil wird verächtlich auf den Geheimwissenschafter herabsehen, wenn er hört, daß für diesen letzteren der Familien- oder der Volkscharakter, das&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|200}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stammes- oder Rassenschicksal ebenso wirklichen Wesen zukommen, wie der Charakter und das Schicksal des einzelnen Menschen einer wirklichen Persönlichkeit zukommen. Der Geheimwissenschafter lernt eben höhere Welten kennen, von denen die einzelnen Persönlichkeiten ebenso Glieder sind, wie Arme, Beine und Kopf Glieder des Menschen sind. Und in dem Leben einer Familie, eines Volkes, einer Rasse wirken außer den einzelnen Menschen auch die ganz wirklichen Familienseelen, Volksseelen, Rassengeister. Ja, in einem gewissen Sinne sind die einzelnen Menschen nur die ausführenden Organe dieser Familienseelen, Rassengeister und so weiter. In voller Wahrheit kann man davon sprechen, daß sich zum Beispiel eine Volksseele des einzelnen zu ihrem Volke gehörigen Menschen bedient, um gewisse Arbeiten auszuführen. Die Volksseele steigt nicht bis zur sinnlichen Wirklichkeit herab. Sie wandelt in höheren Welten. Und um in der physisch-sinnlichen Welt zu wirken, bedient sie sich der physischen Organe des einzelnen Menschen. Es ist in einem höheren Sinne gerade so, wie wenn sich ein Bautechniker zur Ausführung der Einzelheiten des Baues der Arbeiter bedient. Jeder Mensch erhält im wahrsten Sinne des Wortes seine Arbeit von der Familien-, Volks- oder Rassenseele zugeteilt nun wird der Sinnesmensch jedoch keineswegs in den höheren Plan seiner Arbeit eingeweiht. Er arbeitet unbewußt an den Zielen der Volks-, Rassenseelen und so weiter mit. Von dem Zeitpunkte an, wo der Geheimschüler dem Hüter der Schwelle begegnet, hat er nicht bloß seine eigenen Aufgaben als Persönlichkeit zu kennen, sondern er muß wissentlich mitarbeiten an denen seines Volkes, seiner Rasse. Jede Erweiterung seines&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Gesichtskreises legt ihm unbedingt auch erweiterte Pflichten auf. Der wirkliche Vorgang dabei ist der, daß der Geheimschüler seinem feineren Seelenkörper einen neuen hinzufügt. Er zieht ein Kleid mehr an. Bisher schritt er durch die Welt mit den Hüllen, welche seine Persönlichkeit einkleiden. Und was er für seine Gemeinsamkeit, für sein Volk, seine Rasse und so weiter zu tun hatte, dafür sorgten die höheren Geister, die sich seiner Persönlichkeit bedienten. Eine weitere Enthüllung, die ihm nun der «Hüter der Schwelle» macht, ist die, daß fernerhin diese Geister ihre Hand von ihm abziehen werden. Er muß aus der Gemeinsamkeit ganz heraustreten. Und er würde sich als einzelner vollständig in sich verhärten, er würde dem Verderben entgegengehen, wenn er nun nicht selbst sich die Kräfte erwürbe, welche den Volks- und Rassengeistern eigen sind. Zwar werden viele Menschen sagen: «Oh, ich habe mich ganz frei gemacht von allen Stammes- und Rassenzusammenhängen; ich will nur «Mensch» und «nichts als Mensch» sein.» Ihnen muß man aber sagen: Wer hat dich zu dieser Freiheit gebracht? Hat dich nicht deine Familie so hineingestellt in die Welt, wie du jetzt darinnen stehst? Hat dich nicht dein Stamm, dein Volk, deine Rasse zu dem gemacht, was du bist? Sie haben dich erzogen; und wenn du über alle Vorurteile erhaben, einer der Lichtbringer und Wohltäter deines Stammes oder selbst deiner Rasse bist, du verdankst das ihrer Erziehung. Ja, auch wenn du von dir sagst, du seiest «nichts als Mensch»: selbst daß du so geworden bist, verdankst du den Geistern deiner Gemeinschaften. Erst der Geheimschüler lernt erkennen, was es heißt, ganz verlassen sein von Volks-, Stammes-, Rassengeistern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|202}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst er erfährt an sich selbst die Bedeutungslosigkeit aller solcher Erziehung für das Leben, das ihm nun bevorsteht. Denn alles, was an ihm herangezogen ist, löst sich vollständig auf durch das Zerreißen der Fäden zwischen Wille, Denken und Gefühl. Er blickt auf die Ergebnisse aller bisherigen Erziehung zurück, wie man auf ein Haus blicken müßte, das in seinen einzelnen Ziegelsteinen auseinanderbröckelt und das man nun in neuer Form wieder aufbauen muß. Es ist wieder mehr als ein bloßes Sinnbild, wenn man sagt: Nachdem der «Hüter der Schwelle» über seine ersten Forderungen sich ausgesprochen hat, dann erhebt sich von dem Orte aus, an dem er steht, ein Wirbelwind, der all die geistigen Leuchten zum Verlöschen bringt, die bisher den Lebensweg erhellt haben. Und eine völlige Finsternis breitet sich vor dem Geheimschüler aus. Sie wird nur unterbrochen von dem Schein, den der «Hüter der Schwelle» selbst ausstrahlt. Und aus der Dunkelheit heraus ertönen seine weiteren Ermahnungen: «Überschreite meine Schwelle nicht, bevor du dir klar bist, daß du die Finsternis vor dir selbst durchleuchten wirst; tue auch nicht einen einzigen Schritt vorwärts, wenn es dir nicht zur Gewißheit geworden ist, daß du Brennstoff genug in deiner eigenen Lampe hast. Die Lampen von Führern, welche du bisher hattest, werden dir in der Zukunft fehlen.» Nach diesen Worten hat der Schüler sich umzuwenden und den Blick nach hinten zu wenden. Der «Hüter der Schwelle» zieht nunmehr einen Vorhang hinweg, der bisher tiefe Lebensgeheimnisse verhüllt hat. Die Stammes-, Volks- und Rassengeister werden in ihrer vollen Wirksamkeit offenbar; und der Schüler sieht ebenso genau, wie er bisher geführt worden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|203}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ist, als ihm anderseits klar wird, daß er nunmehr diese Führerschaft nicht mehr haben wird. Dies ist eine zweite Warnung, welche der Mensch an der Schwelle durch ihren Hüter erlebt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unvorbereitet könnte den hier angedeuteten Anblick allerdings niemand ertragen; aber die höhere Schulung, welche dem Menschen überhaupt möglich macht, bis zur Schwelle vorzudringen, setzt ihn zugleich in die Lage, im entsprechenden Augenblicke die notwendige Kraft zu finden. Ja, diese Schulung kann eine so harmonische sein, daß dem Eintritt in das neue Leben jeder erregende oder tumultuarische Charakter genommen wird. Dann wird für den Geheimschüler das Erlebnis an der Schwelle von einem Vorgefühl jener Seligkeit begleitet sein, welche den Grundton seines neu erwachten Lebens bilden wird. Die Empfindung der neuen Freiheit wird alle anderen Gefühle überwiegen; und mit dieser Empfindung werden ihm die neuen Pflichten und die neue Verantwortung wie etwas erscheinen, das der Mensch auf einer Stufe des Lebens übernehmen muß.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|204}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= LEBEN UND TOD. DER GROSSE HÜTER DER SCHWELLE =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist geschildert worden, wie bedeutsam für den Menschen die Begegnung mit dem sogenannten kleineren Hüter der «Schwelle» dadurch ist, daß er in diesem ein übersinnliches Wesen gewahr wird, das er gewissermaßen selbst hervorgebracht hat. Der Leib dieses Wesens ist zusammengesetzt aus den ihm vorher unsichtbaren Folgen seiner eigenen Handlungen, Gefühle und Gedanken. Aber diese unsichtbaren Kräfte sind die Ursachen geworden seines Schicksals und seines Charakters. Es wird nunmehr dem Menschen klar, wie er in der Vergangenheit selbst die Grundlagen für seine Gegenwart gelegt hat. Sein Wesen steht dadurch bis zu einem gewissen Grade offenbar vor ihm. Es sind zum Beispiel bestimmte Neigungen und Gewohnheiten in ihm. Jetzt kann er sich klarmachen, warum er diese hat. Gewisse Schicksalsschläge haben ihn getroffen; nun erkennt er, woher diese kommen. Er wird gewahr, weshalb er das eine liebt, das andere haßt, warum er durch dies oder jenes glücklich oder unglücklich ist. Das sichtbare Leben wird ihm durch die unsichtbaren Ursachen verständlich. Auch die wesentlichen Lebenstatsachen, Krankheit und Gesundheit, Tod und Geburt, entschleiern sich vor seinen Blicken. Er merkt, daß er vor seiner Geburt die Ursachen gewoben hat, die ihn notwendig wieder ins Leben hereinführen mußten. Er kennt nunmehr die Wesenheit in sich, welche in dieser sichtbaren Welt aufgebaut ist auf eine unvollkommene Art und die auch nur in derselben sichtbaren Welt ihrer Vollkommenheit zugeführt werden kann. Denn&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
in keiner anderen Welt gibt es eine Gelegenheit, an dem Ausbau dieser Wesenheit zu arbeiten. Und ferner sieht er ein, daß der Tod ihn zunächst nicht für immer von dieser Welt trennen kann. Denn er muß sich sagen: «Ich bin dereinst zum ersten Male in diese Welt gekommen, weil ich damals ein solches Wesen war, welches das Leben in dieser Welt brauchte, um sich Eigenschaften zu erwerben, die es sich in keiner anderen Welt hätte erwerben können. Und ich muß so lange mit dieser Welt verbunden sein, bis ich alles in mir entwickelt habe, was in ihr gewonnen werden kann. Ich werde dereinst nur dadurch ein tauglicher Mitarbeiter in einer anderen Welt werden, daß ich mir in der sinnlich sichtbaren alle die Fähigkeiten dazu erwerbe.» Es gehört nämlich zu den wichtigsten Erlebnissen des Eingeweihten, daß er die sinnlich sichtbare Natur in ihrem wahren Werte besser kennen und schätzen lernt, als er dies vor seiner Geistesschulung konnte. Diese Erkenntnis wird ihm gerade durch seinen Einblick in die übersinnliche Welt. Wer einen solchen Einblick nicht getan hat und sich deshalb vielleicht nur der Ahnung hingibt, daß die übersinnlichen Gebiete die unendlich wertvolleren sind, der kann die sinnliche Welt unterschätzen. Wer aber diesen Einblick getan hat, der weiß, daß er ohne die Erlebnisse in der sichtbaren Wirklichkeit ganz ohnmächtig in der unsichtbaren wäre. Soll er in der letzteren leben, so muß er Fähigkeiten und Werkzeuge zu diesem Leben haben. Die kann er sich aber nur in der sichtbaren erwerben. Er wird geistig sehen müssen, wenn die unsichtbare Welt für ihn bewußt werden soll. Aber diese Sehkraft für eine «höhere» Welt wird durch die Erlebnisse in der «niederen» allmählich ausgebildet. Man kann ebensowenig&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
in einer geistigen Welt mit geistigen Augen geboren werden, wenn man diese nicht in der sinnlichen sich gebildet hat, wie das Kind nicht mit physischen Augen geboren werden könnte, wenn diese sich nicht im Mutterleibe gebildet hätten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von diesem Gesichtspunkte aus wird man auch einsehen, warum die «Schwelle» zur übersinnlichen Welt von einem «Hüter» bewacht wird. Es darf nämlich auf keinen Fall dem Menschen ein wirklicher Einblick in jene Gebiete gestattet werden, bevor er dazu die notwendigen Fähigkeiten erworben hat. Deshalb wird jedesmal beim Tode, wenn der Mensch, noch unfähig zur Arbeit in einer anderen Welt, diese betritt, der Schleier vorgezogen vor ihren Erlebnissen. Er soll sie erst erblicken, wenn er ganz dazu reif geworden ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Betritt der Geheimschüler die übersinnliche Welt, dann erhält das Leben für ihn einen ganz neuen Sinn, er sieht in der sinnlichen Welt den Keimboden für eine höhere. Und in einem gewissen Sinne wird ihm diese «höhere» ohne die «niedere» als eine mangelhafte erscheinen. Zwei Ausblicke eröffnen sich ihm. Der eine in die Vergangenheit, der andere in die Zukunft. In eine Vergangenheit schaut er, in welcher diese sinnliche Welt noch nicht war. Denn über das Vorurteil, daß die übersinnliche Welt sich aus der sinnlichen entwickelt habe, ist er längst hinweg. Er weiß, daß das Übersinnliche zuerst war und daß sich alles Sinnliche aus diesem entwickelt habe. Er sieht, daß er selbst, bevor er zum ersten Male in diese sinnliche Welt gekommen ist, einer übersinnlichen angehört hat. Aber diese einstige übersinnliche Welt brauchte den Durchgang durch die sinnliche. Ihre Weiterentwickelung wäre&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
ohne diesen Durchgang nicht möglich gewesen. Erst wenn sich innerhalb des sinnlichen Reiches Wesen entwickelt haben werden mit entsprechenden Fähigkeiten, kann die übersinnliche wieder ihren Fortgang nehmen. Und diese Wesenheiten sind die Menschen. Diese sind somit, so wie sie jetzt leben, einer unvollkommenen Stufe des geistigen Daseins entsprungen und werden selbst innerhalb derselben zu derjenigen Vollkommenheit geführt, durch die sie dann tauglich sein werden zur Weiterarbeit an der höheren Welt. Und hier knüpft der Ausblick in die Zukunft an. Er weist auf eine höhere Stufe der übersinnlichen Welt. In dieser werden die Früchte sein, die in der sinnlichen ausgebildet werden. Die letztere als solche wird überwunden; ihre Ergebnisse aber einer höheren einverleibt sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit ist das Verständnis gegeben für Krankheit und Tod in der sinnlichen Welt. Der Tod ist nämlich nichts anderes als der Ausdruck dafür, daß die einstige übersinnliche Welt an einem Punkte angekommen war, von dem aus sie durch sich selbst nicht weitergehen konnte. Ein allgemeiner Tod wäre notwendig für sie gewesen, wenn sie nicht einen neuen Lebenseinschlag erhalten hätte. Und so ist dieses neue Leben zu einem Kampf gegen den allgemeinen Tod geworden. Aus den Resten einer absterbenden, in sich erstarrenden Welt erblühten die Keime einer neuen. Deshalb haben wir Sterben und Leben in der Welt und langsam gehen die Dinge ineinander über. Die absterbenden Teile der alten Welt haften noch den neuen Lebenskeimen an, die ja aus ihnen hervorgegangen sind. Den deutlichsten Ausdruck findet das eben im Menschen. Er trägt als seine Hülle an sich, was sich aus jener alten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Welt erhalten hat; und innerhalb dieser Hülle bildet sich der Keim jenes Wesens aus, das zukünftig leben wird. Er ist so ein Doppelwesen, ein sterbliches und ein unsterbliches. Das Sterbliche ist in seinem End-, das Unsterbliche in seinem Anfangszustand. Aber erst innerhalb dieser Doppelwelt, die ihren Ausdruck in dem Sinnlich-Physischen findet, eignet er sich die Fähigkeiten dazu an, die Welt der Unsterblichkeit zuzuführen. Ja, seine Aufgabe ist, aus dem Sterblichen selbst die Früchte für das Unsterbliche herauszuholen. Blickt er also auf sein Wesen, wie er es selbst in der Vergangenheit aufgebaut hat, so muß er sich sagen: Ich habe in mir die Elemente einer absterbenden Welt. Sie arbeiten in mir, und nur allmählich kann ich ihre Macht durch die neuauflebenden unsterblichen brechen. So geht des Menschen Weg vom Tode zum Leben. Könnte er mit vollem Bewußtsein in der Sterbestunde zu sich sprechen, so müßte er sich sagen: «Das Sterbende war mein Lehrmeister. Daß ich sterbe, ist eine Wirkung der ganzen Vergangenheit, mit der ich verwoben bin. Aber das Feld des Sterblichen hat mir die Keime zum Unsterblichen gereift. Diese trage ich in eine andere Welt mit hinaus. Wenn es bloß auf das Vergangene ankäme, dann hätte ich überhaupt niemals geboren werden können. Das Leben des Vergangenen ist mit der Geburt abgeschlossen. Das Leben im Sinnlichen ist durch den neuen Lebenskeim dem allgemeinen Tode abgerungen. Die Zeit zwischen Geburt und Tod ist nur der Ausdruck dafür, wieviel das neue Leben der absterbenden Vergangenheit abringen konnte. Und die Krankheit ist nichts als die Fortwirkung der absterbenden Teile dieser Vergangenheit.»&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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Aus all dem heraus findet die Frage ihre Antwort, warum der Mensch erst allmählich sich aus Verirrung und Unvollkommenheit zu der Wahrheit und dem Guten durcharbeitet. Seine Handlungen, Gefühle und Gedanken stehen zunächst unter der Herrschaft des Vergehenden und Absterbenden. Aus diesem sind seine sinnlich-physischen Organe herausgebildet. Daher sind diese Organe und alles, was sie zunächst antreibt, selbst dem Vergehen geweiht. Nicht die Instinkte, Triebe, Leidenschaften und so weiter und die zu ihnen gehörigen Organe stellen ein Unvergängliches dar, sondern erst das wird unvergänglich sein, was als das Werk dieser Organe erscheint. Erst wenn der Mensch aus dem Vergehenden alles herausgearbeitet hat, was herauszuarbeiten ist, wird er die Grundlage abstreifen können, aus welcher er herausgewachsen ist und die ihren Ausdruck in der physisch-sinnlichen Welt findet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So stellt der erste «Hüter der Schwelle» das Ebenbild des Menschen in seiner Doppelnatur dar, aus Vergänglichem und Unvergänglichem gemischt. Und klar zeigt sich an ihm, was noch fehlt bis zur Erreichung der hehren Lichtgestalt, welche wieder die reine geistige Welt bewohnen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Grad der Verstricktheit mit der physisch-sinnlichen Natur wird dem Menschen durch den «Hüter der Schwelle» anschaulich. Diese Verstricktheit drückt sich zunächst in dem Vorhandensein der Instinkte, Triebe, Begierden, egoistischen Wünsche, in allen Formen des Eigennutzes und so weiter aus. Sie kommt dann in der Angehörigkeit zu einer Rasse, einem Volke und so weiter zum Ausdruck. Denn Völker und Rassen sind nur die verschiedenen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Entwickelungsstufen zur reinen Menschheit hin. Es steht eine Rasse, ein Volk um so höher, je vollkommener ihre Angehörigen den reinen, idealen Menschheitstypus zum Ausdrucke bringen, je mehr sie sich von dem physisch Vergänglichen zu dem übersinnlich Unvergänglichen durchgearbeitet haben. Die Entwickelung des Menschen durch die Wiederverkörperungen in immer höher stehenden Volks- und Rassenformen ist daher ein Befreiungsprozeß. Zuletzt muß der Mensch in seiner harmonischen Vollkommenheit erscheinen. In einer ähnlichen Art ist der Durchgang durch immer reinere sittliche und religiöse Anschauungsformen eine Vervollkommnung. Denn jede sittliche Stufe enthält noch die Sucht nach dem Vergänglichen neben den idealistischen Zukunftskeimen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun erscheint in dem geschilderten «Hüter der Schwelle» nur das Ergebnis der verflossenen Zeit. Und von den Zukunftskeimen ist nur dasjenige darinnen, was in dieser verflossenen Zeit hineingewoben worden ist. Aber der Mensch muß in die zukünftige übersinnliche Welt alles mitbringen, was er aus der Sinnenwelt herausholen kann. Wollte er nur das mitbringen, was in sein Gegenbild bloß aus der Vergangenheit hinein verwoben ist, so hätte er seine irdische Aufgabe nur teilweise erfüllt. Deshalb gesellt sich nun zu dem «kleineren Hüter der Schwelle» nach einiger Zeit der größere. Wieder soll in erzählender Form dargelegt werden, was sich als Begegnung mit diesem zweiten «Hüter der Schwelle» abspielt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem der Mensch erkannt hat, wovon er sich befreien muß, tritt ihm eine erhabene Lichtgestalt in den Weg. Deren Schönheit zu beschreiben ist schwierig in den Worten unserer Sprache. Diese Begegnung findet statt,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|211}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wenn sich die Organe des Denkens, Fühlens und Wollens auch für den physischen Leib so weit voneinander gelöst haben, daß die Regelung ihrer gegenseitigen Beziehungen nicht mehr durch sie selbst, sondern durch das höhere Bewußtsein geschieht, das sich nun ganz getrennt hat von den physischen Bedingungen. Die Organe des Denkens, Fühlens und Wollens sind dann die Werkzeuge in der Gewalt der menschlichen Seele geworden, die ihre Herrschaft über sie aus übersinnlichen Regionen ausübt. Dieser so aus allen sinnlichen Banden befreiten Seele tritt nun der zweite «Hüter der Schwelle» entgegen und spricht etwa folgendes:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
«Du hast dich losgelöst aus der Sinnenwelt. Dein Heimatrecht in der übersinnlichen Welt ist erworben. Von hier aus kannst du nunmehr wirken. Du brauchst um deinetwillen deine physische Leiblichkeit in gegenwärtiger Gestalt nicht mehr. Wolltest du dir bloß die Fähigkeit erwerben, in dieser übersinnlichen Welt zu wohnen, du brauchtest nicht mehr in die sinnliche zurückzukehren. Aber nun blicke auf mich. Sieh, wie unermeßlich erhaben ich über all dem stehe, was du heute bereits aus dir gemacht hast. Du bist zu der gegenwärtigen Stufe deiner Vollendung gekommen durch die Fähigkeiten, welche du in der Sinnenwelt entwickeln konntest, solange du noch auf sie angewiesen warst. Nun aber muß für dich eine Zeit beginnen, in welcher deine befreiten Kräfte weiter an dieser Sinnenwelt arbeiten. Bisher hast du nur dich selbst erlöst, nun kannst du als ein Befreiter alle deine Genossen in der Sinnenwelt mitbefreien. Als einzelner hast du bis heute gestrebt; nun gliedere dich ein in das Ganze, damit du nicht nur dich mitbringst in die übersinnliche&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Welt, sondern alles andere, was in der sinnlichen vorhanden ist. Mit meiner Gestalt wirst du dich einst vereinigen können, aber ich kann kein Seliger sein, solange es noch Unselige gibt! Als einzelner Befreiter möchtest du immerhin schon heute in das Reich des Übersinnlichen eingehen. Dann aber würdest du hinabschauen müssen auf die noch unerlösten Wesen der Sinnenwelt. Und du hättest dein Schicksal von dem ihrigen getrennt. Aber ihr seid alle miteinander verbunden. Ihr mußtet alle hinabsteigen in die Sinnenwelt, um aus ihr heraufzuholen die Kräfte für eine höhere. Würdest du dich von ihnen trennen, so mißbrauchtest du die Kräfte, die du doch nur in Gemeinschaft mit ihnen hast entwickeln können. Wären sie nicht hinabgestiegen, so hättest es auch du nicht können; ohne sie fehlten dir die Kräfte zu deinem übersinnlichen Dasein. Du mußt diese Kräfte, die du mit ihnen errungen hast, auch mit ihnen teilen. Ich wehre dir daher den Einlaß in die höchsten Gebiete der übersinnlichen Welt, solange du nicht alle deine erworbenen Kräfte zur Erlösung deiner Mitwelt verwendet hast. Du magst mit dem schon Erlangten dich in den unteren Gebieten der übersinnlichen Welt aufhalten; vor der Pforte zu den höheren stehe ich aber und wehre dir den Eintritt so lange, als du noch Kräfte hast, die unangewendet geblieben sind in der sinnlichen Welt. Und willst du die deinigen nicht anwenden, so werden andere kommen, die sie anwenden; dann wird eine hohe übersinnliche Welt alle Früchte der sinnlichen aufnehmen; dir aber wird der Boden entzogen sein, mit dem du verwachsen warst die geläuterte Welt wird sich über dich hinausentwickeln. Du&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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wirst von ihr ausgeschlossen sein. So ist dein Pfad der schwarze, jene aber, von welchen du dich gesondert hast, gehen den weißen Pfad.»&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So kündigt sich der «große Hüter» der Schwelle bald an, nachdem die Begegnung mit dem ersten Wächter erfolgt ist. Der Eingeweihte weiß aber ganz genau, was ihm bevorsteht, wenn er den Lockungen eines vorzeitigen Aufenthaltes in der übersinnlichen Welt folgt. Ein unbeschreiblicher Glanz geht von dem zweiten Hüter der Schwelle aus; die Vereinigung mit ihm steht als ein fernes Ziel vor der schauenden Seele. Doch ebenso steht da die Gewißheit, daß diese Vereinigung erst möglich wird, wenn der Eingeweihte alle Kräfte, die ihm aus dieser Welt zugeflossen sind, auch aufgewendet hat im Dienste der Befreiung und Erlösung dieser Welt. Entschließt er sich, den Forderungen der höheren Lichtgestalt zu folgen, dann wird er beitragen können zur Befreiung des Menschengeschlechts. Er bringt seine Gaben dar auf dem Opferaltar der Menschheit. Zieht er seine eigene vorzeitige Erhöhung in die übersinnliche Welt vor, dann schreitet die Menschheitsströmung über ihn hinweg. Für sich selbst kann er nach seiner Befreiung aus der Sinnenwelt keine neuen Kräfte mehr gewinnen. Stellt er ihr seine Arbeit doch zur Verfügung, so geschieht es mit dem Verzicht, aus der Stätte seines ferneren Wirkens selbst für sich noch etwas zu holen. Man kann nun nicht sagen, es sei selbstverständlich, daß der Mensch den weißen Pfad wählen werde, wenn er so vor die Entscheidung gestellt wird. Das hängt nämlich ganz davon ab, ob er bei dieser Entscheidung schon so geläutert ist, daß keinerlei Selbstsucht ihm die Lockungen der Seligkeit begehrenswert erscheinen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
läßt. Denn diese Lockungen sind die denkbar größten. Und auf der anderen Seite sind eigentlich gar keine besonderen Lockungen vorhanden. Hier spricht gar nichts zum Egoismus. Was der Mensch in den höheren Regionen des Übersinnlichen erhalten wird, ist nichts, was zu ihm kommt, sondern lediglich etwas, das von ihm ausgeht: die Liebe zu seiner Mitwelt. Alles, was der Egoismus verlangt, wird nämlich durchaus nicht entbehrt auf dem schwarzen Pfade. Im Gegenteil: die Früchte dieses Pfades sind gerade die vollkommenste Befriedigung des Egoismus. Und will jemand nur für sich die Seligkeit, so wird er ganz gewiß diesen schwarzen Pfad wandeln, denn er ist der für ihn angemessene. Es darf daher niemand von den Okkultisten des weißen Pfades erwarten, daß sie ihm eine Anweisung zur Entwickelung des eigenen egoistischen Ich geben werden. Für die Seligkeit des einzelnen haben sie nicht das allergeringste Interesse. Die mag jeder für sich erreichen. Sie zu beschleunigen ist nicht die Aufgabe der weißen Okkultisten. Diesen liegt lediglich an der Entwickelung und Befreiung aller Wesen, die Menschen und Genossen des Menschen sind. Daher geben sie nur Anweisungen, wie man seine Kräfte zur Mitarbeit an diesem Werke ausbilden kann. Sie stellen daher die selbstlose Hingabe und Opferwilligkeit allen anderen Fähigkeiten voran. Sie weisen niemand geradezu ab, denn auch der Egoistischste kann sich läutern. Aber wer nur für sich etwas sucht, wird, solange er das tut, bei den Okkultisten nichts finden. Selbst wenn diese ihm nicht ihre Hilfe entziehen; er, der Suchende, entzieht sich den Früchten der Hilfeleistung. Wer daher wirklich den Anweisungen der guten Geheimlehrer folgt, wird nach dem Übertreten der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|215}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schwelle die Forderungen des großen Hüters verstehen; wer diesen Anweisungen aber nicht folgt, der darf auch gar nicht hoffen, daß er je zur Schwelle durch sie kommen werde. Ihre Anweisungen führen zum Guten oder aber zu gar nichts. Denn eine Führung zur egoistischen Seligkeit und zum bloßen Leben in der übersinnlichen Welt liegt außerhalb der Grenzen ihrer Aufgabe. Diese ist von vornherein so veranlagt, daß sie den Schüler so lange von der überirdischen Welt fernhält, bis dieser sie mit dem Willen zur hingebenden Mitarbeit betritt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|216}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= NACHWORT ZUM ACHTEN BIS ELFTEN TAUSEND =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Weg zu übersinnlicher Erkenntnis, der in dieser Schrift gekennzeichnet wird, führt zu einem seelischen Erleben, demgegenüber es von ganz besonderer Wichtigkeit ist, daß, wer es anstrebt, sich keinen Täuschungen und Mißverständnissen über dasselbe hingibt und es liegt dem Menschen nahe, sich über dasjenige zu täuschen, was hier in Betracht kommt. Eine der Täuschungen, die besonders schwerwiegende, entsteht, wenn man das ganze Gebiet des Seelenerlebens, von dem in wahrer Geisteswissenschaft die Rede ist, so verschiebt, daß es in der Umgebung des Aberglaubens, des visionären Träumens, des Mediumismus und mancher anderer Entartungen des Menschenstrebens eingereiht erscheint. Diese Verschiebung rührt oft davon her, daß Menschen, welche in ihrer von echtem Erkenntnisstreben abliegenden Art sich einen Weg in die übersinnliche Wirklichkeit suchen möchten und die dabei auf die genannten Entartungen verfallen, mit solchen verwechselt werden, die den in dieser Schrift gezeichneten Weg gehen wollen. Was auf dem hier gemeinten Wege von der Menschenseele durchlebt wird, das verläuft durchaus im Felde rein geistig-seelischen Erfahrens. Es ist nur dadurch möglich, solches zu durchleben, daß sich der Mensch auch noch für andere innere Erfahrungen so frei und unabhängig von dem Leibesleben machen kann, wie er im Erleben des gewöhnlichen Bewußtseins nur ist, wenn er sich über das von außen Wahrgenommene oder das im Innern Gewünschte, Gefühlte, Gewollte Gedanken macht, die nicht aus dem Wahrgenommenen, Gefühlten, Gewollten selbst herrühren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Es gibt Menschen, die an das Vorhandensein solcher Gedanken überhaupt nicht glauben. Diese meinen: der Mensch könne nichts denken, was er nicht aus der Wahrnehmung oder dem leiblich bedingten Innenleben herauszieht und alle Gedanken seien nur gewissermaßen Schattenbilder von Wahrnehmungen oder von inneren Erlebnissen. Wer dieses behauptet, der tut es nur, weil er sich niemals zu der Fähigkeit gebracht hat, mit seiner Seele das reine, in sich beruhende Gedankenleben zu erleben. Wer aber solches erlebt hat, für den ist es Erfahrung geworden, daß überall, wo im Seelenleben Denken waltet, in dem Maße, als dieses Denken andere Seelenverrichtungen durchdringt, der Mensch in einer Tätigkeit begriffen ist, an deren Zustandekommen sein Leib unbeteiligt ist. Im gewöhnlichen Seelenleben ist ja fast immer das Denken mit anderen Seelenverrichtungen: Wahrnehmen, Fühlen, Wollen und so weiter vermischt. Diese anderen Verrichtungen kommen durch den Leib zustande. Aber in sie spielt das Denken hinein. Und in dem Maße, in dem es hineinspielt, geht in dem Menschen und durch den Menschen etwas vor sich, an dem der Leib nicht mitbeteiligt ist. Die Menschen, welche dieses in Abrede stellen, können nicht über die Täuschung hinauskommen, welche dadurch entsteht, daß sie die denkerische Betätigung immer mit anderen Verrichtungen vereinigt beobachten. Aber man kann im inneren Erleben sich seelisch dazu aufraffen, den denkerischen Teil des Innenlebens auch abgesondert von allem andern für sich zu erfahren. Man kann aus dem Umfange des Seelenlebens etwas herauslösen, das nur in reinen Gedanken besteht. In Gedanken, die in sich bestehen, aus denen alles ausgeschaltet ist, was&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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Wahrnehmung oder leiblich bedingtes Innenleben geben. Solche Gedanken offenbaren sich durch sich selbst, durch das, was sie sind, als ein geistig, ein übersinnlich Wesenhaftes. Und die Seele, die mit solchen Gedanken sich vereinigt, indem sie während dieser Vereinigung alles Wahrnehmen, alles Erinnern, alles sonstige Innenleben ausschließt, weiß sich mit dem Denken selbst in einem übersinnlichen Gebiet und erlebt sich außerhalb des Leibes. Für denjenigen, welcher diesen ganzen Sachverhalt durchschaut, kann die Frage gar nicht mehr in Betracht kommen: gibt es ein Erleben der Seele in einem übersinnlichen Element außerhalb des Leibes? Denn für ihn hieße es in Abrede stellen, was er aus der Erfahrung weiß. Für ihn gibt es nur die Frage: was verhindert die Menschen, eine solche sichere Tatsache anzuerkennen? Und zu dieser Frage findet er die Antwort, daß die in Frage kommende Tatsache eine solche ist, die sich nicht offenbart, wenn der Mensch sich nicht vorher in eine solche Seelenverfassung versetzt, daß er die Offenbarung empfangen kann. Nun werden zunächst die Menschen mißtrauisch, wenn sie selbst etwas erst rein seelisch tun sollen, damit sich ihnen ein an sich von ihnen Unabhängiges offenbare. Sie glauben da, weil sie sich vorbereiten müssen, die Offenbarung zu empfangen, sie machen den Inhalt der Offenbarung. Sie wollen Erfahrungen, zu denen der Mensch nichts tut, gegenüber denen er ganz passiv bleibt. Sind solche Menschen außerdem noch unbekannt mit den einfachsten Anforderungen an wissenschaftliches Erfassen eines Tatbestandes, dann sehen sie in Seelen-Inhalten oder Seelen-Hervorbringungen, bei denen die Seele unter den Grad von bewußter Eigenbetätigung herabgedrückt ist, der im&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Sinneswahrnehmen und im willkürlichen Tun vorliegt, eine objektive Offenbarung eines nicht sinnlichen Wesenhaften. Solche Seelen-Inhalte sind die visionären Erlebnisse, die mediumistischen Offenbarungen. Was aber durch solche Offenbarungen zutage tritt, ist keine übersinnliche, es ist eine untersinnliche Welt. Das menschliche bewußte Wachleben verläuft nicht völlig in dem Leibe; es verläuft vor allem der bewußte Teil dieses Lebens an der Grenze zwischen Leib und physischer Außenwelt; so das Wahrnehmungsleben, bei dem, was in den Sinnesorganen vorgeht, ebensogut das Hineinragen eines außerleiblichen Vorganges in den Leib ist wie ein Durchdringen dieses Vorganges vom Leibe aus; und so das Willensleben, das auf einem Hineinstellen des menschlichen Wesens in das Weltenwesen beruht, so daß, was im Menschen durch seinen Willen geschieht, zugleich Glied des Weltgeschehens ist. In diesem an der Leibesgrenze verlaufenden seelischen Erleben ist der Mensch in hohem Grade abhängig von seiner Leibesorganisation; aber es spielt die denkerische Betätigung in dieses Erleben hinein, und in dem Maße, als das der Fall ist, macht sich in Sinneswahrnehmung und Wollen der Mensch vom Leibe unabhängig. Im visionären Erleben und im mediumistischen Hervorbringen tritt der Mensch völlig in die Abhängigkeit vom Leibe ein. Er schaltet aus seinem Seelenleben dasjenige aus, was ihn in Wahrnehmung und Wollen vom Leibe unabhängig macht. Und dadurch werden Seelen-Inhalte und Seelen-Hervorbringungen bloße Offenbarungen des Leibeslebens. Visionäres Erleben und mediumistisches Hervorbringen sind die Ergebnisse des Umstandes, daß der Mensch bei diesem Erleben und Hervorbringen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
mit seiner Seele weniger vom Leibe unabhängig ist als im gewöhnlichen Wahrnehmungs- und Willensleben. Bei dem Erleben des Übersinnlichen, das in dieser Schrift gemeint ist, geht nun die Entwickelung des Seelen-Erlebens gerade nach der entgegengesetzten Richtung gegenüber der visionären oder mediumistischen. Die Seele macht sich fortschreitend unabhängiger vom Leibe, als sie im Wahrnehmungs- und Willensleben ist. Sie erreicht diejenige Unabhängigkeit, die im Erleben reiner Gedanken zu fassen ist, für eine viel breitere Seelenbetätigung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für die hier gemeinte übersinnliche Seelenbetätigung ist es außerordentlich bedeutsam, in voller Klarheit das Erleben des reinen Denkens zu durchschauen. Denn im Grunde ist dieses Erleben selbst schon eine übersinnliche Seelenbetätigung. Nur eine solche, durch die man noch nichts Übersinnliches schaut. Man lebt mit dem reinen Denken im Übersinnlichen; aber man erlebt nur dieses auf eine übersinnliche Art; man erlebt noch nichts anderes Übersinnliches. Und das übersinnliche Erleben muß sein eine Fortsetzung desjenigen Seelen-Erlebens, das schon im Vereinigen mit dem reinen Denken erreicht werden kann. Deshalb ist es so bedeutungsvoll, diese Vereinigung richtig erfahren zu können. Denn von dem Verständnisse dieser Vereinigung aus leuchtet das Licht, das auch rechte Einsicht in das Wesen der übersinnlichen Erkenntnis bringen kann. Sobald das Seelen-Erleben unter die Bewußtseinsklarheit, die im Denken sich auslebt, heruntersinken würde, wäre sie für die wahre Erkenntnis der übersinnlichen Welt auf einem Irrwege. Sie würde erfaßt von den Leibesverrichtungen; was sie erlebt und hervorbringt, ist dann nicht Offenbarung des Übersinnlichen durch sie,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
sondern Leibesoffenbarung im Bereich der untersinnlichen Welt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;*&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sobald die Seele mit ihren Erlebnissen in das Feld des Übersinnlichen eindringt, sind diese Erlebnisse von einer solchen Art, daß sich die sprachlichen Ausdrücke für sie nicht in so leichter Art finden lassen wie für die Erlebnisse im Bereiche der sinnlichen Welt. Man muß oftmals bei Beschreibungen des übersinnlichen Erlebens sich bewußt sein, daß gewissermaßen die Entfernung des sprachlichen Ausdrucks von dem ausgedrückten wirklichen Tatbestande eine größere ist als im physischen Erleben. Man muß sich ein Verständnis dafür erwerben, daß mancher Ausdruck wie eine Verbildlichung in zarter Weise auf das nur hinweist, auf das er sich bezieht. So ist es auf Seite 30 dieser Schrift gesagt: «Ursprünglich werden nämlich alle Regeln und Lehren der Geisteswissenschaft in einer sinnbildlichen Zeichensprache gegeben.» Und auf Seite 78 f. mußte von einem «bestimmten Schriftsystem» gesprochen werden. Es kann nun leicht jemandem beikommen, solche Schrift in einer ähnlichen Art lernen zu wollen, wie man Lautzeichen und deren Zusammenfügungen für die Schrift einer gewöhnlichen physischen Sprache erlernt. Nun muß allerdings gesagt werden: es hat gegeben und gibt geisteswissenschaftliche Schulen und Vereinigungen, welche im Besitze symbolischer Zeichen sind, durch die sie übersinnliche Tatbestände zum Ausdruck bringen. Und wer in die Bedeutung dieser Sinnbilder eingeweiht wird, der hat dadurch ein Mittel, sein Seelen-Erleben zu den in Frage kommenden übersinnlichen Wirklichkeiten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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hinzulenken. Aber ein für das übersinnliche Erleben Wesentliches ist vielmehr, daß im Laufe eines solchen übersinnlichen Erlebens, wie es durch die Verwirklichung des Inhaltes dieser Schrift von der Seele erreicht werden kann, diese Seele in der Anschauung des Übersinnlichen die Offenbarung einer solchen Schrift durch ihre eigene Erfahrung gewinnt. Das Übersinnliche sagt der Seele etwas, das sich diese in verbildlichende Zeichen übersetzen muß, damit sie es vollbewußt überschauen kann. Es kann gesagt werden: was in dieser Schrift mitgeteilt ist, das kann von jeder Seele verwirklicht werden. Und im Laufe der Verwirklichung, den sich nach den gemachten Angaben die Seele selbst bestimmen kann, stellen sich die Ergebnisse ein, die beschrieben sind. Man nehme doch ein solches Buch, wie dieses ist, wie ein Gespräch, das der Verfasser mit dem Leser führt. Wenn gesagt ist: der Geheimschüler bedürfe der persönlichen Anweisung, so fasse man dies doch so auf, daß das Buch selbst eine solche persönliche Anweisung ist. In früheren Zeiten gab es Gründe, solche persönliche Anweisungen dem mündlichen Geheim-Unterrichte vorzubehalten; gegenwärtig sind wir auf einer Entwickelungsstufe der Menschheit angelangt, in der das geisteswissenschaftliche Erkennen eine viel größere Verbreitung erfahren muß als früher. Es muß in ganz anderem Maße jedem zugänglich sein als in alter Zeit. Da tritt eben das Buch an die Stelle der früheren mündlichen Unterweisung. Der Glaube, daß man durchaus über das in dem Buche Gesagte hinaus noch eine persönliche Unterweisung brauche, hat nur eine bedingte Richtigkeit. Der eine oder der andere kann ja freilich ein persönliches Nachhelfen brauchen, und ein solches kann ihm bedeutungsvoll&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|223}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sein. Aber es führte in die Irre, wenn man meinte, es gäbe Hauptsachen, die man im Buche nicht finde. Man findet sie, wenn man recht und namentlich wenn man vollständig liest.&lt;br /&gt;
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&amp;lt;nowiki&amp;gt;*&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Schilderungen dieses Buches nehmen sich so aus, als ob sie Anweisungen wären zum völligen Anderswerden des ganzen Menschen. Wer sie richtig liest, wird aber finden, daß sie nichts anderes sagen wollen, als in welcher inneren Seelenverfassung ein Mensch sein muß in denjenigen Augenblicken seines Lebens, in denen er der übersinnlichen Welt gegenüberstehen will. Diese Seelenverfassung entwickelt er als eine zweite Wesenheit in sich; und die gesunde andere Wesenheit läuft in der alten Weise ihren Gang fort. Er weiß beide Wesenheiten in Vollbewußtheit auseinanderzuhalten; er weiß sie in rechter Art miteinander in Wechselwirkung zu setzen. Er macht sich nicht dadurch für das Leben unbrauchbar und untüchtig, daß er Interesse und Geschicklichkeit für dieses verliert und «den ganzen Tag Geistesforscher ist». Allerdings muß gesagt werden, daß die Erlebnisweise in der übersinnlichen Welt ihr Licht auf das ganze Wesen des Menschen ausstrahlen wird; aber dies kann nicht in einer von dem Leben ablenkenden Art sein, sondern in einer dieses Leben tüchtiger, fruchtbarer machenden Weise. Daß trotzdem die Schilderung so gehalten werden mußte, wie es der Fall ist, das rührt davon her, daß allerdings jeder auf das Übersinnliche gerichtete Erkenntnisvorgang den ganzen Menschen in Anspruch nimmt, so daß in dem Augenblicke, in dem der Mensch an einen solchen Erkenntnisvorgang&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|224}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
hingegeben ist, er dies mit seinem ganzen Wesen sein muß. Soviel der Farbenwahrnehmungsvorgang nur die Einzelheit des Auges mit seiner Nervenfortsetzung in Anspruch nimmt, soviel nimmt ein übersinnlicher Erkenntnisvorgang den ganzen Menschen in Anspruch. Dieser wird «ganz Auge» oder «ganz Ohr». Weil dies so ist, deshalb sieht es so aus, daß, wenn man von der Bildung von übersinnlichen Erkenntnisvorgängen Mitteilung macht, man von einer Umwandlung des Menschen spräche; man meine, der gewöhnliche Mensch sei nichts Rechtes; er müsse etwas ganz anderes werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;nowiki&amp;gt;*&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu dem auf Seite 115 ff. «Über einige Wirkungen der Einweihung» Gesagten möchte ich noch etwas hinzufügen, was mit einiger Abänderung auch für andere Ausführungen dieses Buches gelten kann. Es könnte wohl jemand auf den Gedanken kommen: wozu solche Beschreibung von bildhaften Ausgestaltungen übersinnlichen Erlebens; könnte man nicht dieses Erleben in Ideen ohne solche Versinnlichung schildern? Darauf muß erwidert werden: Es kommt für das Erleben der übersinnlichen Wirklichkeit in Betracht, daß der Mensch sich im Übersinnlichen selbst als ein Übersinnliches weiß. Ohne das Hinblicken auf seine eigene übersinnliche Wesenheit, deren Wirklichkeit in der hier gegebenen Schilderung der «Lotusblumen» und des «ätherischen Leibes» vollkommen in ihrer Art zur Offenbarung kommt, erlebte sich der Mensch im Übersinnlichen so, wie wenn er im Sinnlichen nur so drinnen stände, daß ihm die Dinge und Vorgänge um ihn her sich offenbarten, er aber von seinem eigenen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SE|225}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Leibe nichts wüßte. Was er in «Seelenleib» und «Ätherleib» als seine übersinnliche Gestaltung schaut, das macht, daß er seiner selbst bewußt im Übersinnlichen steht, wie er durch die Wahrnehmung seines Sinnenleibes seiner selbst bewußt in der Sinnenwelt steht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;notiz center&amp;quot;&lt;br /&gt;
|&amp;lt;small&amp;gt;[[GA 9|vorige GA ◁]] [[Die Rudolf Steiner Gesamtausgabe|&amp;amp;nbsp;&amp;amp;nbsp;■&amp;amp;nbsp;&amp;amp;nbsp;]] [[GA 11|▷ nächste GA]]&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Glossar ==&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|A}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|A}}AUFMERKSAMKEIT&lt;br /&gt;
{{GS|[…] die Aufmerksamkeit der Seele auf gewisse Vorgänge in der uns umgebenden Welt zu lenken. Solche Vorgänge sind das sprießende, wachsende und gedeihende Leben einerseits, und alle Erscheinungen, die mit Verblühen, Verwelken, Absterben zusammenhängen, andererseits.|10|43}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|B}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|B}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|C}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|C}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|D}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|D}}DEVOTION&lt;br /&gt;
{{GS|Eine gewisse Grundstimmung der Seele muß den Anfang bilden. Der Geheimforscher nennt diese Grundstimmung den Pfad der Verehrung, der Devotion gegenüber der Wahrheit und Erkenntnis. […]  Man glaube nur ja nicht, daß solche Anlagen den Keim zur Unterwürfigkeit und Sklaverei bilden.|10|20}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|E}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|E}}EINWEIHUNG&lt;br /&gt;
{{GS|Denn es gibt ein natürliches Gesetz für alle Eingeweihten, das sie dazu veranlaßt, keinem suchenden Menschen ein ihm gebührendes Wissen vorzuenthalten.|10|18}}&lt;br /&gt;
ERKENNTNIS DER HÖHEREN WELTEN&lt;br /&gt;
{{GS|Nur das eine muß freilich sich jeder klarmachen, daß derjenige, der ganz in der veräußerlichten Zivilisation unserer Tage darinnen steckt, es sehr schwer hat, zur Erkenntnis der höheren Welten vorzudringen.|10|22}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|F}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|F}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|G}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|G}}GEDANKEN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|… daß Gefühle und Gedanken wirkliche Tatsachen sind, genau so wie Tische und Stühle in der physisch-sinnlichen Welt […] daß ein verkehrter Gedanke    so verheerend wirken kann wie eine blindlings losgeschossene Flintenkugel für die physischen Gegenstände, die sie trifft.|10|47}}{{GS|An die Stelle kleinlicher Gefühlsschwelgerei und spielerischer Gedankenverknüpfung treten bedeutsame Gefühle und fruchtbare Gedanken. Und diese Gefühle und Gedanken führen den Menschen dazu, sich in der geistigen Welt zu orientieren.|10|48}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
GEFAHREN GEISTIGEN STREBENS&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Es wird in unserer Zeit von vielen Menschen der Weg zur Geheimwissenschaft gesucht. Auf mancherlei Art wird das getan; und viele gefährliche, ja verwerfliche Prozeduren werden probiert. […] Durch die hier vorgezeichneten Wege kann niemand Schaden nehmen, der nichts forciert.|10|57}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
GEFÜHL&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|… daß Gefühle und Gedanken wirkliche Tatsachen sind, genau so wie Tische und Stühle in der physisch-sinnlichen Welt […] daß ein verkehrter Gedanke    so verheerend wirken kann wie eine blindlings losgeschossene Flintenkugel für die physischen Gegenstände, die sie trifft.|10|47}}{{GS|An die Stelle kleinlicher Gefühlsschwelgerei und spielerischer Gedankenverknüpfung treten bedeutsame Gefühle und fruchtbare Gedanken. Und diese Gefühle und Gedanken führen den Menschen dazu, sich in der geistigen Welt zu orientieren.|10|48}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
GEHEIMSCHÜLER&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Der Geheimschüler muß die Kraft suchen, sich selbst in gewissen Zeiten wie ein Fremder gegenüberzustehen.|10|31}}{{GS|Was für die Ausbildung des Geheimschülers ganz besonders wichtig ist, das ist die Art, wie er anderen Menschen beim Sprechen zuhört. Er muß sich daran gewöhnen, dies so zu tun, daß dabei sein eigenes Innere vollkommen schweigt. […] In der Geistesforschung wird solches planmäßig geübt.|10|50}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
GEHEIMSCHULUNG&lt;br /&gt;
{{GS|Es hat, seit es ein Menschengeschlecht gibt, auch immer eine Schulung gegeben, durch die solche, die höhere Fähigkeiten hatten, denen Anleitung gaben … Man nennt solche Schulung Geheimschulung … heißt geheimwissenschaftlicher oder okkulter Unterricht.|10|16}}&lt;br /&gt;
GEIST/GEISTIGES&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Er muß lieben lernen, was ihm der Geist da zuströmt. Bald hört er dann auch auf, diese Gedankenwelt als etwas zu empfinden, was unwirklicher sei als die Dinge des Alltags, die ihn umgeben.|10|37}}{{GS|Alles beruht schließlich darauf, daß der Mensch fortwährend Leib, Seele und Geist mit sich herumträgt, daß er sich aber nur seines Leibes im ausgesprochenen Sinne bewußt ist, nicht seiner Seele und seines Geistes. Und der Geheimschüler wird sich der Seele und des Geistes bewußt, wie sich der gewöhnliche Mensch seines Leibes bewußt ist.|10|60}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
GELASSENHEIT (Innere Ruhe)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine der ersten dieser Regeln kann nun etwa in die folgenden Worte der Sprache gekleidet werden: «Schaffe dir Augenblicke innerer Ruhe und lerne in diesen Augenblicken das Wesentliche von dem Unwesentlichen unterscheiden.»&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Es gehört gewiß in mancher Lebenslage eine große Kraft dazu, sich Augenblicke innerer Ruhe zu schaffen. Aber je größer die notwendige Kraft, desto bedeutender ist auch das, was erreicht wird.|10|36}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
GENUSS&lt;br /&gt;
{{GS|Der Geheimschüler betrachtet den Genuß nur als ein Mittel, um sich für die Welt zu veredeln. Der Genuß ist ihm ein Kundschafter, der ihn unterrichtet über die Welt; aber er schreitet nach dem Unterricht durch den Genuß zur Arbeit vorwärts. Er lernt … um das Gelernte in den Dienst der Welt zu stellen.|10|27}}&lt;br /&gt;
GOTT&lt;br /&gt;
{{GS|Die Außenwelt ist in allen ihren Erscheinungen erfüllt von göttlicher Herrlichkeit; aber man muß das Göttliche erst in seiner Seele selbst erlebt haben, wenn man es in der Umgebung finden will.|10|26}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|H}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|H}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|I}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|I}}INNENWELT&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|So erst verlegt er den Mittelpunkt seines Wesens in sein Inneres. Er hört auf die Stimmen in seinem Innern, die in den Augenblicken der Ruhe zu ihm sprechen; er pflegt im Innern Umgang mit der geistigen Welt.|10|37}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|J}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|J}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|K}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|K}}KIND&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Nützlich ist es für jeden, in solcher Art Kindern zuzuhören. Auch der Weiseste kann unermeßlich viel von Kindern lernen. So bringt es der Mensch dazu, die Worte des anderen ganz selbstlos zu hören, mit vollkommener Ausschaltung seiner eigenen Person, deren Meinung und Gefühlsweise.|10|51}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
KRAFT&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Der Geheimschüler muß die Kraft suchen, sich selbst in gewissen Zeiten wie ein Fremder gegenüberzustehen.|10|31}}{{GS|Es gehört gewiß in mancher Lebenslage eine große Kraft dazu, sich Augenblicke innerer Ruhe zu schaffen. Aber je größer die notwendige Kraft, desto bedeutender ist auch das, was erreicht wird.|10|36}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|L}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|L}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|M}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|M}}MUT&lt;br /&gt;
{{GS|Mut und Selbstvertrauen sind aber zwei Lichter, die auf dem Wege zur Geheimwissenschaft nicht erlöschen dürfen. Wer es nicht über sich bringen kann, eine Übung, die scheinbar unzähligemal mißglückt ist, immer wieder und wieder geduldig fortzusetzen, der kann nicht weit kommen.|10|59}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|N}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|N}}NATUR&lt;br /&gt;
{{GS|Die ganze Natur fängt an, dem Menschen durch ihr Ertönen Geheimnisse zuzuraunen. Was vorher seiner Seele unverständlicher Schall war, wird dadurch sinnvolle Sprache der Natur. Und wobei er vorher nur Ton gehört hat, beim Erklingen des sogenannten Leblosen, vernimmt er jetzt eine neue Sprache der Seele. […]  Er fängt an, mit der Seele zu hören.|10|49}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|O}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|O}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|P}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|P}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|Q}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|Q}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|R}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|R}}REGELN&lt;br /&gt;
{{GS|Die Geisteswissenschaft gibt nun auch praktische Regeln an die Hand […]  Eine der ersten dieser Regeln … : «Schaffe dir Augenblicke innerer Ruhe und lerne in diesen Augenblicken das Wesentliche von dem Unwesentlichen unterscheiden.»|10|29}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|S}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|S}}SCHWEIGEN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Was für die Ausbildung des Geheimschülers ganz besonders wichtig ist, das ist die Art, wie er anderen Menschen beim Sprechen zuhört. Er muß sich daran gewöhnen, dies so zu tun, daß dabei sein eigenes Innere vollkommen schweigt. […] In der Geistesforschung wird solches planmäßig geübt.|10|50}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
SEELE&lt;br /&gt;
{{GS|… die Aufmerksamkeit der Seele auf gewisse Vorgänge in der uns umgebenden Welt zu lenken. Solche Vorgänge sind das sprießende, wachsende und gedeihende Leben einerseits, und alle Erscheinungen, die mit Verblühen, Verwelken, Absterben zusammenhängen, andererseits.|10|43}}{{GS|Die ganze Natur fängt an, dem Menschen durch ihr Ertönen Geheimnisse zuzuraunen. Was vorher seiner Seele unverständlicher Schall war, wird dadurch sinnvolle Sprache der Natur. Und wobei er vorher nur Ton gehört hat, beim Erklingen des sogenannten Leblosen, vernimmt er jetzt eine neue Sprache der Seele. […]  Er fängt an, mit der Seele zu hören.|10|49}}{{GS|Alles beruht schließlich darauf, daß der Mensch fortwährend Leib, Seele und Geist mit sich herumträgt, daß er sich aber nur seines Leibes im ausgesprochenen Sinne bewußt ist, nicht seiner Seele und seines Geistes. Und der Geheimschüler wird sich der Seele und des Geistes bewußt, wie sich der gewöhnliche Mensch seines Leibes bewußt ist.|10|60}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
SELBSTVERTRAUEN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Mut und Selbstvertrauen sind aber zwei Lichter, die auf dem Wege zur Geheimwissenschaft nicht erlöschen dürfen. Wer es nicht über sich bringen kann, eine Übung, die scheinbar unzähligemal mißglückt ist, immer wieder und wieder geduldig fortzusetzen, der kann nicht weit kommen.|10|59}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
SPRECHEN&lt;br /&gt;
{{GS|Was für die Ausbildung des Geheimschülers ganz besonders wichtig ist, das ist die Art, wie er anderen Menschen beim Sprechen zuhört. Er muß sich daran gewöhnen, dies so zu tun, daß dabei sein eigenes Innere vollkommen schweigt. […] In der Geistesforschung wird solches planmäßig geübt.|10|50}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|T}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|T}}TON&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Die ganze Natur fängt an, dem Menschen durch ihr Ertönen Geheimnisse zuzuraunen. Was vorher seiner Seele unverständlicher Schall war, wird dadurch sinnvolle Sprache der Natur. Und wobei er vorher nur Ton gehört hat, beim Erklingen des sogenannten Leblosen, vernimmt er jetzt eine neue Sprache der Seele. […]  Er fängt an, mit der Seele zu hören.|10|49}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|U}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|U}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|V}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|V}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|W}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|W}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|X}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|X}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|Y}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|Y}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|Z}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|Z}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
{{GlossarNavigationArtikel|0-9}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{BS|0-9}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Literatur =&lt;br /&gt;
* [[a:Rudolf Steiner|Rudolf Steiner]]: &#039;&#039;Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?&#039;&#039;, [[GA 10]] (1993), ISBN 3-7274-0100-1; &#039;&#039;&#039;Tb 600&#039;&#039;&#039;, ISBN 978-3-7274-6001-2 {{Schriften|10}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GA}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Originalausgaben ==&lt;br /&gt;
* [https://www.odysseetheater.org/ftp/anthroposophie/Rudolf_Steiner/Faksimiles/GA010_1904.pdf Ausgabe 1904]&lt;br /&gt;
* [https://www.odysseetheater.org/ftp/anthroposophie/Rudolf_Steiner/Faksimiles/GA010_1907.pdf Ausgabe 1907]&lt;br /&gt;
* [https://www.odysseetheater.org/ftp/anthroposophie/Rudolf_Steiner/Faksimiles/GA010_1909.pdf Ausgabe 1909]&lt;br /&gt;
* [https://www.odysseetheater.org/ftp/anthroposophie/Rudolf_Steiner/Faksimiles/GA010_1910.pdf Ausgabe 1910]&lt;br /&gt;
* [https://www.odysseetheater.org/ftp/anthroposophie/Rudolf_Steiner/Faksimiles/GA010_1914.pdf Ausgabe 1914]&lt;br /&gt;
* [https://www.odysseetheater.org/ftp/anthroposophie/Rudolf_Steiner/Faksimiles/GA010_1918.pdf Ausgabe 1918]&lt;br /&gt;
* [https://www.odysseetheater.org/ftp/anthroposophie/Rudolf_Steiner/Faksimiles/GA010_1919.pdf Ausgabe 1919]&lt;br /&gt;
* [https://www.odysseetheater.org/ftp/anthroposophie/Rudolf_Steiner/Faksimiles/GA010_1922.pdf Ausgabe 1922]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:GA 10 Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?|!]] [[Kategorie:GA|GA 010]] [[Kategorie:GA (Schriften)|GA 010]] [[Kategorie:Gesamtausgabe|GA 010]] [[Kategorie:Taschenbücher|GA 010]]&lt;br /&gt;
[[en:GA 10]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Artikel unten}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>ElkeJura</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://steiner.wiki/index.php?title=Gesamtglossar_S&amp;diff=11240</id>
		<title>Gesamtglossar S</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://steiner.wiki/index.php?title=Gesamtglossar_S&amp;diff=11240"/>
		<updated>2025-08-03T15:24:26Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;ElkeJura: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Artikel oben}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
SAGEN [MYTHEN]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Diese Göttersagen sind nichts anderes als die Überbleibsel von wirklichen Vorgängen, welche die Menschen in früheren Zeiten hellseherisch wirklich gesehen haben […] , ist der Inhalt der Mythen und Sagen, namentlich der germanischen.“ ([[GA 103#Literatur|Lit.]]: [[GA 103#142|GA 103, S. 142]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
SAMARITER [VOLK]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„ Darauf wird hingewiesen, daß es etwas Besonderes ist, daß der Christus zu einem Volke geht [Samariter], dessen Iche aus der Gruppenseele herausgehoben, entwurzelt sind.“ ([[GA 103#Literatur|Lit.]]: [[GA 103#99|GA 103, S. 99]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
SAMEN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Doch war das Tönen im Samen verborgen; es entwickelte sich erst aus dem Samen, so wie die ganze Pflanze im Samen verborgen ist und sich aus ihr entwickelt.“ ([[GA 103#Literatur|Lit.]]: [[GA 103#38|GA 103, S. 38]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Wie eine Art Same kam von dem alten Monde herüber auf die Erde eine Wesenheit, bestehend aus physischem Leib, hervorgegangen aus dem göttlichen Urworte, aus Äther- oder Lebensleib, hervorgegangen aus dem göttlichen Leben, aus astralischem Leib, hervorgegangen aus dem göttlichen Lichte. Im Innern dieser Wesenheit wurde während des Erdendaseins das Licht des Ich selbst entzündet.“ ([[GA 103#Literatur|Lit.]]: [[GA 103#43|GA 103, S. 43]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
SATURN{{GS|Die Saturnmasse hatte die Eigenschaft, in allen ihren Teilen das, was von außen als Licht, als Ton, als Geruch, als Geschmack herankam, zu spiegeln.|99|94}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
SCHICKSALSSCHLAG&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Schicksalsschlag …  wenn wir ihn an den Anfang der nachfolgenden Ereignisse stellen und ihn als Ursache betrachten […] Wir werden vielleicht traurig sein […] Betrachten wir ihn dagegen als Ursache eines Späteren, dann können wir vielleicht froh sein und Freude darüber empfinden.|120|18}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
SCHLAF{{GS|Der Schlaf ist eine Art von höherer chemischer Scheidung des Astralleibes im Verein mit den höheren Gliedern der Menschennatur von dem ätherischen und physischen Leibe.|99|19}}„... ist gemeint als ein hellseherischer Schlaf, und was erzählt wird, ist das, was man erfährt in einem höheren Bewußtseinszustand; daher fällt Adam «in einen Schlaf».“ ([[GA 103#Literatur|Lit.]]: [[GA 103#18|GA 103, S. 18]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„… daß während des Schlafzustandes in der Nacht der Mensch im Grunde genommen eine ganz andere Wesenheit ist … Wenn der Mensch schläft, liegen der physische Leib und der Ätherleib im Bette; der Astralleib und das Ich sind in einer gewissen Weise losgelöst aus dem Zusammenhang mit dem physischen Leibe und dem Ätherleibe …“ ([[GA 103#Literatur|Lit.]]: [[GA 103#26|GA 103, S. 26]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Nun aber treten wir an den schlafenden Menschen heran … Da haben wir physischen Leib und Ätherleib im Bette liegen, und Astralleib und Ich sind draußen.“ ([[GA 103#Literatur|Lit.]]: [[GA 103#31|GA 103, S. 31]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Wenn der Mensch nämlich im heutigen Entwickelungszyklus im gewöhnlichen Sinne schläft, so liegen sein physischer Leib und Ätherleib im Bette, das Ich mit dem Astralleib ist herausgehoben. Der Mensch kann dann nicht irgendwelche geistigen Ereignisse um sich herum wahrnehmen, weil sein Astralleib noch nicht die geistigen Sinnesorgane hat, um in der Welt, in der der Mensch dann ist, wahrzunehmen“ ([[GA 103#Literatur|Lit.]]: [[GA 103#65|GA 103, S. 65]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
SCHLAF, traumerfüllt{{GS|...wenn der Astralleib zwar schon ganz seine Verbindung mit dem physischen Leib gelöst hat, gleichsam seine Fühlfäden aus dem physischen Leib herausgezogen hat, aber noch mit dem Ätherleib verbunden ist|99|34}}{{GS|Der dritte Zustand, der immer noch dämmerhaft und dumpf ist im Verhältnis zu unserem Tagesbewusstsein, ist der des Bilderbewusstseins, und davon haben wir  … einen Nachklang im traumerfüllten Schlafe … allerdings nur ein Rudiment von dem, was auf dem Monde das Bewusstsein aller Menschen war|99|86}}SCHLANGEN [OKKULT]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Die hineinschauen durften in die göttlich-geistige Welt und Zeugen werden konnten für sie, nannte man die «Schlangen». «Schlangen» sind diejenigen Menschen in alten Zeiten, die auf diese Weise in den Mysterien eingeweiht wurden. Diese «Schlangen» waren die Vorläufer der Tat des Christus Jesus.“ ([[GA 103#Literatur|Lit.]]: [[GA 103#117|GA 103, S. 117]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
SCHÖPFUNGSGESCHICHTE [SIEHE GENESIS]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
SCHÖPFUNGSTAGE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Glauben Sie nicht, daß in irgendeiner der maßgebenden Erklärungen der «Schöpfungsgeschichte» im Mittelalter die sechs Schöpfungstage so genommen worden sind als Tage, wie sie heute sind, als Tage von vierundzwanzig Stunden.“ ([[GA 103#Literatur|Lit.]]: [[GA 103#17|GA 103, S. 17]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
SCHWEIGEN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Was für die Ausbildung des Geheimschülers ganz besonders wichtig ist, das ist die Art, wie er anderen Menschen beim Sprechen zuhört. Er muß sich daran gewöhnen, dies so zu tun, daß dabei sein eigenes Innere vollkommen schweigt. […] In der Geistesforschung wird solches planmäßig geübt.|10|50}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
SECHSTE KULTUREPOCHE [SIEHE SLAVISCHE KULTUREPOCHE]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
SEELE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Wirklich waren unsere Seelen in einer dreigliedrigen Wesenheit, bestehend aus physischem Leibe, Ätherleibe und astralischem Leibe, wie wir sie kennengelernt haben, zum erstenmal in der lemurischen Zeit verkörpert.“ ([[GA 103#Literatur|Lit.]]: [[GA 103#44|GA 103, S. 44]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|… die Aufmerksamkeit der Seele auf gewisse Vorgänge in der uns umgebenden Welt zu lenken. Solche Vorgänge sind das sprießende, wachsende und gedeihende Leben einerseits, und alle Erscheinungen, die mit Verblühen, Verwelken, Absterben zusammenhängen, andererseits.|10|43}}{{GS|Die ganze Natur fängt an, dem Menschen durch ihr Ertönen Geheimnisse zuzuraunen. Was vorher seiner Seele unverständlicher Schall war, wird dadurch sinnvolle Sprache der Natur. Und wobei er vorher nur Ton gehört hat, beim Erklingen des sogenannten Leblosen, vernimmt er jetzt eine neue Sprache der Seele. […]  Er fängt an, mit der Seele zu hören.|10|49}}{{GS|Alles beruht schließlich darauf, daß der Mensch fortwährend Leib, Seele und Geist mit sich herumträgt, daß er sich aber nur seines Leibes im ausgesprochenen Sinne bewußt ist, nicht seiner Seele und seines Geistes. Und der Geheimschüler wird sich der Seele und des Geistes bewußt, wie sich der gewöhnliche Mensch seines Leibes bewußt ist.|10|60}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
SEELENLEBEN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Der Mensch kann einen in sich regen Geist bis an sein Lebensende dadurch haben, daß wir ihn als Kind in der Weise erzogen haben, wie es jetzt eben beschrieben worden ist: daß wir auf sein Seelenleben, auf alles, was lebendig in ihm sitzt, Rücksicht genommen haben.|120|20}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
SELBSTBEWUSSTSEIN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„… daß wir in einer gewissen Weise die Entwickelung der Erde nennen können die Entwickelung des «Ich-bin», des Selbstbewußtseins des Menschen … diese Fähigkeit des vollen Selbstbewußtseins kam im Laufe der Entwickelung der Erdenmenschheit langsam …“ ([[GA 103#Literatur|Lit.]]: [[GA 103#43|GA 103, S. 43]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Aber wir dürfen nicht vergessen, daß ein wirkliches echtes Selbstbewußtsein, wie es sich der Mensch während des Erdendaseins erringen soll, nur zu erringen ist durch ein Untertauchen in den physischen Leib. Nicht als ein selbständiges Wesen hat sich der Mensch früher gefühlt, sondern als ein Glied der göttlich-geistigen Wesenheiten, denen er entsprossen ist.“ ([[GA 103#Literatur|Lit.]]: [[GA 103#46|GA 103, S. 46]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Als die atlantische Flut eintrat, war der physische Leib des Menschen von der Gewalt dieses «Ich-bin» durchdrungen; das heißt, der Mensch war damals so weit, das physische Werkzeug vorbereitet zu haben für das Ich-Bewußtsein oder das Selbstbewußtsein.“ ([[GA 103#Literatur|Lit.]]: [[GA 103#170|GA 103, S. 170]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
SELBSTVERTRAUEN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Mut und Selbstvertrauen sind aber zwei Lichter, die auf dem Wege zur Geheimwissenschaft nicht erlöschen dürfen. Wer es nicht über sich bringen kann, eine Übung, die scheinbar unzähligemal mißglückt ist, immer wieder und wieder geduldig fortzusetzen, der kann nicht weit kommen.|10|59}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
SIBYLLINISCHE BÜCHER&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„… ich könnte Ihnen leicht zeigen, wie in den sieben römischen Königen, die schon bei dem Ausgangspunkt der römischen Zeit in den «Sibyllinischen Büchern» eingeschrieben waren, prophetische Geschichtstabellen hineingeheimnißt sind […] bei gewichtigen Ereignissen hat man in den heiligen Büchern nachgeschaut; daher die Heilighaltung und auch Geheimhaltung der Sibyllinischen Bücher.“ ([[GA 103#Literatur|Lit.]]: [[GA 103#148|GA 103, S. 148]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Nach ei­nem Jahr­hun­dert wer­den ge­wis­se Kon­s­tel­la­tio­nen da sein, sag­ten sie, und dann muß ein dem Ent­sp­re­chen­des vor sich ge­hen. Und für Jahr­tau­sen­de hin­aus wur­de vor­aus­be­stimmt, was zu tun ist. So ent­stand das, was man als die Si­byl­li­ni­schen Bücher be­zeich­net.|104|73}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
SINNESORGANE{{GS|So ist das ganze Universum der Erbauer der Sinnesorgane|99|90}}„Der Mensch war … seinem physischen Leibe nach einmal so, daß er keine Augen und Ohren hatte wie heute, sondern gleichgültige Organe an dieser Stelle; wie Tiere, die nie dem Licht ausgesetzt waren, keine Augen haben. Das Licht formt heraus das Auge, der Ton bildet heraus das Ohr.“ ([[GA 103#Literatur|Lit.]]: [[GA 103#65|GA 103, S. 65]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„… aus diesen gleichgültigen Organen ist nach und nach herausplastiziert, herausgeformt worden, was Auge und Ohr ist. Das ist hineingearbeitet worden in die plastische Substanz des physischen Leibes …“ ([[GA 103#Literatur|Lit.]]: [[GA 103#187|GA 103, S. 187]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
SINTFLUT&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Wenn Sie dies nun aus der Geheimwissenschaft mitgeteilt erhalten und sich erinnern, daß die atlantische Flut in den verschiedenen Sagen und Mythen als Sintflut erhalten ist, daß Noah hervortritt und nach der Sintflut zuerst den Regenbogen sieht, dann werden Sie einen Begriff bekommen, wie tief wahr … die religiösen Urkunden sind … daß erst nach der atlantischen Flut die Menschen zum ersten Male ansichtig wurden des Regenbogens.“ ([[GA 103#Literatur|Lit.]]: [[GA 103#139|GA 103, S. 139]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
SLAVISCHE KULTUREPOCHE [SECHSTE KULTUREPOCHE]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„So wird, wenn im Verlauf der sechsten Kulturepoche das Geistselbst in die Menschen einziehen wird, tatsächlich eine geistige Sonne da sein, der sich alle Menschen zuneigen und in der sie übereinstimmen werden.“ ([[GA 103#Literatur|Lit.]]: [[GA 103#175|GA 103, S. 175]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
SONNE, okkult{{GS|Bevor die Erde Mond wurde, war sie, wie wir im Okkultismus sagen, selbst Sonne, und diese Sonne bestand aus allen Substanzen und Wesenheiten, die heute Sonne, Mond und Erde bilden.|99|81}}{{GS|Während der Sonnenzeit der Erde waren alle Pflanzen durchdrungen von Milchsäften. Da ist die Ernährung tatsächlich so bewirkt worden, daß der Mensch aus den Pflanzen die Milchsäfte sog wie heute das Kind aus der Mutter. Die Pflanzen, die heute noch Milchsäfte enthalten, sind letzte Nachzügler aus jener Zeit …|99|127}}{{GS|So haben wir es zu tun auf der Sonne mit einem Sonnenleib, gleichsam mit einem Leibe des Sonnenplaneten, mit Ich-Geistern, die Feuergeister sind, und mit einem Regenten dieser Sonne, dem höchstentwickelten Sonnengeist, dem Christus. Während die Erde Sonne war, war dieser Geist der Zentralgeist der Sonne.|99|100, 101 ff.}}SONNE [PLANETARISCHE VERKÖRPERUNG]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Wie der Mensch die Erde bewohnt und die Liebe nach und nach sich aneignet, so bewohnen die Sonne andere, höhere Wesen, weil die Sonne auf einer höheren Stufe des Daseins angekommen ist.“ ([[GA 103#Literatur|Lit.]]: [[GA 103#53|GA 103, S. 53]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Da ist im Beginne der Erdenentwickelung der kindliche Mensch, der die Liebe aufnehmen sollte und bereit war zur Aufnahme des Ich, und auf der anderen Seite die Sonne, die sich abspaltete und zu einem höheren Dasein aufstieg.“ ([[GA 103#Literatur|Lit.]]: [[GA 103#53|GA 103, S. 53]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Die Sonne ist die erste Verkörperung unseres Planeten, die gasig ist.“ ([[GA 103#Literatur|Lit.]]: [[GA 103#108|GA 103, S. 108]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
SONNE [STOFFLICHE ERSCHEINUNG]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Der Mond ist das Symbolum für Jahve oder Jehova, und die Sonne ist nichts anderes als das Symbolum für den Logos, der die Summe der anderen sechs Elohim ist.“ ([[GA 103#Literatur|Lit.]]: [[GA 103#55|GA 103, S. 55]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Dann kam eine Zeit, da trennte sich die Sonne heraus von der Erde … trennte sich heraus mit ihren geistig-seelischen Wesenheiten, an deren Spitze die Elohim, die eigentlichen Lichtgeister, die Bewohner der Sonne, stehen …“ ([[GA 103#Literatur|Lit.]]: [[GA 103#124|GA 103, S. 124]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
SONNENFLECKEN{{GS|Dasjenige, was in der damaligen Sonnenmasse vorhanden war als Reste vom Saturn, hat seine Rudimente in der heutigen Sonne in den sogenannten Sonnenflecken. Sie sind die letzten Rudimente des Saturn, die als dunkle Einschiebsel in der leuchtenden Sonnenmasse verblieben.|99|102}}SONNENGEFLECHT{{GS|…Diese Lichtströmungen verteilten sich baumartig. Die letzten Rudimente dieser Einströmungen auf der Sonne, die sich später verdickten und äußerliche Form erhalten haben, sind das Organ, das man das Sonnengeflecht nennt. Es ist der letzte verdichtete Nachklang alter, zur Substantialität verdichteter Einstrahlungen auf der Sonne. Daher der Name Plexus solaris, Sonnengeflecht.|99|102, 103}}SONNENLICHT&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Wie Ihr Leib [Menschenleib] sich zu Ihrer Seele verhält, so verhält sich das Sonnenlicht zu dem Logos. In dem Sonnenlichte strömt ein Geistiges der Erde zu.“ ([[GA 103#Literatur|Lit.]]: [[GA 103#52|GA 103, S. 52]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
SONNEN-LOGOS&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Der Sonnenlogos, der hineinscheinen kann durch die Erleuchtung in den Menschen, er selbst, der Heilige Geist, tritt ein, das Welten-Ich, das kosmische Ich tritt ein, und es spricht fortan der Sonnenlogos in diesen drei Jahren aus dem Jesuskörper.“ ([[GA 103#Literatur|Lit.]]: [[GA 103#207|GA 103, S. 207]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Es sollte sich der Sonnenlogos mitteilen der Erde, ein Bündnis mit der Erde schließen, der Geist der Erde werden. Der Weg, durch den er das getan, besteht darin, daß er im dreißigsten Jahre des Jesus von Nazareth in dessen Leiber eingezogen ist, drei Jahre darin gewirkt hat und dann für die Erde erhalten worden ist.“ ([[GA 103#Literatur|Lit.]]: [[GA 103#208|GA 103, S. 208]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
SPEKTREN oder GESPENSTER{{GS|Ebenso durchsetzen den Ätherleib Wesenheiten, von denen sich der Mensch frei machen muß, das sind die Spektren oder Gespenster,...|99|71}}SPRECHEN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Was für die Ausbildung des Geheimschülers ganz besonders wichtig ist, das ist die Art, wie er anderen Menschen beim Sprechen zuhört. Er muß sich daran gewöhnen, dies so zu tun, daß dabei sein eigenes Innere vollkommen schweigt. […] In der Geistesforschung wird solches planmäßig geübt.|10|50}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
STAMM&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Es wird dahin kommen, daß alle Rassen- und Stammeszusammenhänge wirklich aufhören. Der Mensch wird vom Menschen immer verschiedener werden. […] Diese Unterschiede werden immer mehr verschwinden, je mehr das individuelle Element die Oberhand gewinnt.|99|129}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
STOFF, Licht{{GS|Das Licht, das die Erde umspült, ist Stoff für die Wesen, die im Devachan leben.|99|49}}STOFF, STOFFLICH&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Je weiter wir in der Erdenentwickelung zurückgehen, desto mehr finden wir, daß die festen Stoffe immer mehr unter dem Einfluß von wärmeren Zuständen in Flüssiges übergehen.“ ([[GA 103#Literatur|Lit.]]: [[GA 103#94|GA 103, S. 94]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
STREITER [3. EINWEIHUNGSGRAD]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Man unterschied zum Beispiel in einer gewissen Form morgenländischer Einweihung sieben Grade der Einweihung, und diese sieben Grade der Einweihung benannte man mit allerlei symbolischen Namen … der dritte [Grad] der des «Streiters» […] der Grad des «Streiters» bedeutet nicht einen Menschen, der da streitet, sondern einen, der für die okkulten Lehren eintreten darf …“ ([[GA 103#Literatur|Lit.]]: [[GA 103#85|GA 103, S. 85]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
SYNOPTIKER&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„So ist der Anblick der drei Evangelisten, der Synoptiker Matthäus, Markus, Lukas, gegenüber dem des Johannes, der nur von einer andern Stelle aus die Sache beschreibt.“ ([[GA 103#Literatur|Lit.]]: [[GA 103#20|GA 103, S. 20]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Artikel unten}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>ElkeJura</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://steiner.wiki/index.php?title=Gesamtglossar_G&amp;diff=11239</id>
		<title>Gesamtglossar G</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://steiner.wiki/index.php?title=Gesamtglossar_G&amp;diff=11239"/>
		<updated>2025-08-03T15:21:08Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;ElkeJura: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Artikel oben}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
GALILÄA, GALILÄER&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Galiläa war das Gebiet, wo Völker aus allen möglichen Stämmen und Völkern gemischt waren. Der «Galiläer» bedeutet der «Mischling»“ ([[GA 103#Literatur|Lit.]]: [[GA 103#90|GA 103, S. 90]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Christus geht zu den Galiläern, die zusammengewürfelt sind aus allerlei Nationen, die nicht durch Blutsbande verknüpft sind, und tut da das erste Zeichen seiner Mission; und er schickt sich so weit in ihre Lebensgewohnheiten, daß er ihnen das Wasser in Wein verwandelt.“ ([[GA 103#Literatur|Lit.]]: [[GA 103#96|GA 103, S. 96]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
GEDÄCHTNIS&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Aber es gab eine Zeit, in der noch ein anderes Gedächtnis vorhanden war, wo sich der Mensch nicht nur an seine Taten erinnerte, sondern wo er sich auch an die Taten seines Vaters, seines Großvaters erinnerte wie an seine eigenen. Das Gedächtnis reichte hinüber, weit in die Blutsverwandtschaft der Ahnen bis zum Stammvater.“ ([[GA 103#Literatur|Lit.]]: [[GA 103#72|GA 103, S. 72]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
GEDANKEN{{GS|Wer aber die Welt wirklich kennt, der weiß, daß viel, viel stärkere Wirkungen ausgehen von einem haßerfüllten Gedanken, als je durch einen Steinwurf erregt werden können ...|99|63}}{{GS|An die Stelle kleinlicher Gefühlsschwelgerei und spielerischer Gedankenverknüpfung treten bedeutsame Gefühle und fruchtbare Gedanken. Und diese Gefühle und Gedanken führen den Menschen dazu, sich in der geistigen Welt zu orientieren.|10|48}}{{GS|… daß Gefühle und Gedanken wirkliche Tatsachen sind, genau so wie Tische und Stühle in der physisch-sinnlichen Welt […] daß ein verkehrter Gedanke    so verheerend wirken kann wie eine blindlings losgeschossene Flintenkugel für die physischen Gegenstände, die sie trifft.|10|47}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
GEFAHREN GEISTIGEN STREBENS&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Es wird in unserer Zeit von vielen Menschen der Weg zur Geheimwissenschaft gesucht. Auf mancherlei Art wird das getan; und viele gefährliche, ja verwerfliche Prozeduren werden probiert. […] Durch die hier vorgezeichneten Wege kann niemand Schaden nehmen, der nichts forciert.|10|57}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
GEFÜHL&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|… daß Gefühle und Gedanken wirkliche Tatsachen sind, genau so wie Tische und Stühle in der physisch-sinnlichen Welt […] daß ein verkehrter Gedanke    so verheerend wirken kann wie eine blindlings losgeschossene Flintenkugel für die physischen Gegenstände, die sie trifft.|10|47}}{{GS|An die Stelle kleinlicher Gefühlsschwelgerei und spielerischer Gedankenverknüpfung treten bedeutsame Gefühle und fruchtbare Gedanken. Und diese Gefühle und Gedanken führen den Menschen dazu, sich in der geistigen Welt zu orientieren.|10|48}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
GEHEIMSCHÜLER&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Der Geheimschüler muß die Kraft suchen, sich selbst in gewissen Zeiten wie ein Fremder gegenüberzustehen.|10|31}}{{GS|Was für die Ausbildung des Geheimschülers ganz besonders wichtig ist, das ist die Art, wie er anderen Menschen beim Sprechen zuhört. Er muß sich daran gewöhnen, dies so zu tun, daß dabei sein eigenes Innere vollkommen schweigt. […] In der Geistesforschung wird solches planmäßig geübt.|10|50}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
GEHEIMSCHULUNG&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Es hat, seit es ein Menschengeschlecht gibt, auch immer eine Schulung gegeben, durch die solche, die höhere Fähigkeiten hatten, denen Anleitung gaben … Man nennt solche Schulung Geheimschulung … heißt geheimwissenschaftlicher oder okkulter Unterricht.|10|16}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
GEHIRN&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Das Bewußtsein, … das sich ausdehnt …  auf unser Leben zwischen Geburt und Tod, das entsteht dadurch, daß sich der Mensch des Instrumentes seines Gehirns bedienen kann. Wenn der Mensch durch die Pforte des Todes schreitet, tritt ein andersgeartetes Bewußtsein auf, das unabhängig ist vom Gehirn und an wesentlich andere Bedingungen gebunden ist.|120|24}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
GEISSELUNG [2. STUFE CHRISTLICHER EINWEIHUNGSWEG]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Die zweite Stufe besteht darin, daß dem Schüler gesagt wird: … Du mußt dir vorstellen, wie es wäre, wenn alle möglichen Schmerzen und Leiden der Welt herantreten an dich … wenn du ausgesetzt wärest dem Ansturm aller möglichen Hindernisse, und du mußt dich in das Gefühl versetzen, daß du aufrecht stehen mußt, wenn auch alles Elend der Welt an dich herankommt!“ ([[GA 103#Literatur|Lit.]]: [[GA 103#191|GA 103, S. 191]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
GEIST im Schatten{{GS|Wenn das Auge des Sehers sich entwickelt ... oft eine eigentümliche Wahrnehmung. ... Der Körper hält auf das Licht, doch nicht den Geist, und im Schatten, den der Körper wirft, kann man den Geist entdecken.|99|49}}GEIST, GEISTIGES&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Wenn der Mensch nämlich im heutigen Entwickelungszyklus im gewöhnlichen Sinne schläft, so liegen sein physischer Leib und Ätherleib im Bette, das Ich mit dem Astralleib ist herausgehoben. Der Mensch kann dann nicht irgendwelche geistigen Ereignisse um sich herum wahrnehmen, weil sein Astralleib noch nicht die geistigen Sinnesorgane hat, um in der Welt, in der der Mensch dann ist, wahrzunehmen.“ ([[GA 103#Literatur|Lit.]]: [[GA 103#65|GA 103, S. 65]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„… im Verwesen oder Verbrennen des physischen Leibes, wenn sich die Teile auseinanderbewegen, sich auflösen, da zeigt sich zu gleicher Zeit im Geistigen das Entgegengesetzte, da zeigt sich das Entstehen eines geistigen Bewußtseins. Physische Auflösung ist geistige Geburt.“ ([[GA 103#Literatur|Lit.]]: [[GA 103#131|GA 103, S. 131]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Der Sprachgebrauch der Zeiten, als die Evangelien entstanden sind, den wir auch studieren müssen, ist so, daß man «Wasser» auch Wasser genannt hat; aber «Pneuma», was heute als «Geist» gebraucht wird, war «Luft»“ ([[GA 103#Literatur|Lit.]]: [[GA 103#114|GA 103, S. 114]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Der Mensch kann einen in sich regen Geist bis an sein Lebensende dadurch haben, daß wir ihn als Kind in der Weise erzogen haben, wie es jetzt eben beschrieben worden ist: daß wir auf sein Seelenleben, auf alles, was lebendig in ihm sitzt, Rücksicht genommen haben.|120|20}}{{GS|Alles beruht schließlich darauf, daß der Mensch fortwährend Leib, Seele und Geist mit sich herumträgt, daß er sich aber nur seines Leibes im ausgesprochenen Sinne bewußt ist, nicht seiner Seele und seines Geistes. Und der Geheimschüler wird sich der Seele und des Geistes bewußt, wie sich der gewöhnliche Mensch seines Leibes bewußt ist.|10|60}}{{GS|Er muß lieben lernen, was ihm der Geist da zuströmt. Bald hört er dann auch auf, diese Gedankenwelt als etwas zu empfinden, was unwirklicher sei als die Dinge des Alltags, die ihn umgeben.|10|37}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
GEISTESMENSCH [ATMAN]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„… soviel er [Mensch] am physischen Leib vom Ich aus umgestaltet, nennen wir dies Atman oder den Geistesmenschen.“ ([[GA 103#Literatur|Lit.]]: [[GA 103#34|GA 103, S. 34]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Am Ende der Erdenlaufbahn ist der Mensch durchdrungen von seinem Ich; und dieses sein Ich wohnt selber in dem Astralleib, wenn es als Manas oder Geistselbst den astralischen Leib durchzogen hat. Dieses Ich hat dann den Ätherleib durchzogen, er ist ganz und gar durchsetzt von der Buddhi oder dem Lebensgeiste; und der physische Leib ist ganz und gar durchzogen von Atman oder dem Geistesmenschen, den Produkten des Ich.“ ([[GA 103#Literatur|Lit.]]: [[GA 103#35|GA 103, S. 35]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Wenn der physische Leib ganz und gar überwunden, besiegt sein wird vom Ich, wird er sein Atma oder der Geistesmensch.“ ([[GA 103#Literatur|Lit.]]: [[GA 103#127|GA 103, S. 127]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
GEISTESWISSENSCHAFT&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Das gerade ist die Art, wie die rosenkreuzerische Methode das Geistige behandeln will: weniger Abstraktion, dafür die Betrachtung der alltäglichen Lebensfragen. Darauf kommt es nicht an, daß man sagt: Geisteswissenschaft ist Geisteswissenschaft , sondern daß man im unmittelbaren Leben ernst damit macht.|99|144}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Wenn die Geisteswissenschaft ihre wirkliche Aufgabe gegenüber dem modernen Menschengeist erfüllen will, dann muß sie zeigen, daß der Mensch, wenn er nur seine inneren Kräfte und Fähigkeiten gebrauchen lernt … eindringen kann in die Geheimnisse des Daseins …“ ([[GA 103#Literatur|Lit.]]: [[GA 103#9|GA 103, S. 9]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Geisteswissenschaft aber liefert aus sich die Erkenntnisse der geistigen Welten, die im Johannes-Evangelium aufgezeichnet sind.“ ([[GA 103#Literatur|Lit.]]: [[GA 103#12|GA 103, S. 12]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Wir werden … sehen, wie das, was wir Geisteswissenschaft nennen, wahrhafte Wiedergabe ist des Johannes-Evangeliums.“ ([[GA 103#Literatur|Lit.]]: [[GA 103#25|GA 103, S. 25]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Es dürfte aus den drei bisherigen Vorträgen einigermaßen hervorgegangen sein, daß man im Johannes-Evangelium die geisteswissenschaftlichen Wahrheiten wiederzufinden in der Lage ist. Aber ebenso dürfte klar geworden sein, daß es notwendig ist, um diese Wahrheiten zu finden, jedes Wort dieses Johannes-Evangeliums wirklich auf die Goldwaage zu legen.“ ([[GA 103#Literatur|Lit.]]: [[GA 103#62|GA 103, S. 62]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Versuchen wir, immer mehr uns damit bekannt zu machen, daß Geisteswissenschaft etwas ist, was mannigfaltig ist, nicht ein Glaubensbekenntnis, sondern ein Weg zur Erkenntnis, daß sie daher die Mannigfaltigkeit erträgt.“ ([[GA 103#Literatur|Lit.]]: [[GA 103#215|GA 103, S. 215]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|… Geisteswissenschaft nicht eine abstrakte Theorie sein soll […] erfüllt erst dann ihre Aufgabe, wenn … etwas hineinfließt in unsere Seelen … was unsere Seelen tüchtiger und tatkräftiger machen kann.|120|9}}{{GS|Man wür­de die heu­ti­ge Be­trach­tung mißv­er­ste­hen, wenn man des Glau­bens wä­re, An­thro­po­so­phie oder Geis­tes­wis­sen­schaft sei in ir­gend­ei­ner Be­zie­hung ei­ne neue Re­li­gi­on, wol­le ir­gend­ein neu­es Re­li­gi­ons­be­kennt­nis an die Stel­le ei­nes al­ten set­zen.|104|12}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
GEISTIGE WELT&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Was be­deu­tet die Re­li­gi­on für die Mensch­heit? Re­li­gi­on war und wird noch lan­ge für die Mensch­heit das sein, was schon ihr Wort aus­drückt. Das Wort Re­li­gi­on be­deu­tet: Ver­bin­dung des Men­schen mit sei­nem Gött­li­chen, mit der geis­ti­gen Welt.|104|16}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
GEISTSELBST [MANAS]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Man hat sich gewöhnt, in der morgenländischen Weisheit den Teil des astralischen Leibes, der vom Ich schon umgestaltet ist, Manas zu nennen, deutsch: Geistselbst.“ ([[GA 103#Literatur|Lit.]]: [[GA 103#34|GA 103, S. 34]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Am Ende der Erdenlaufbahn ist der Mensch durchdrungen von seinem Ich; und dieses sein Ich wohnt selber in dem Astralleib, wenn es als Manas oder Geistselbst den astralischen Leib durchzogen hat. Dieses Ich hat dann den Ätherleib durchzogen, er ist ganz und gar durchsetzt von der Buddhi oder dem Lebensgeiste; und der physische Leib ist ganz und gar durchzogen von Atman oder dem Geistesmenschen, den Produkten des Ich.“ ([[GA 103#Literatur|Lit.]]: [[GA 103#35|GA 103, S. 35]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Das Ich ist berufen dazu, den astralischen Leib nach und nach zu läutern, zu reinigen, auf eine höhere Stufe zu heben. Wenn der ganze astralische Leib durchläutert, durchkraftet sein wird mit der eigenen Kraft des Ich, wird er sein das Geistselbst oder Manas.“ ([[GA 103#Literatur|Lit.]]: [[GA 103#127|GA 103, S. 127]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Aber in unserer nachatlantischen Kulturepoche muß schon wieder etwas anderes kommen: da muß langsam hineingehen in den Menschen Manas oder das Geistselbst.“ ([[GA 103#Literatur|Lit.]]: [[GA 103#170|GA 103, S. 170]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Solange die Menschen noch nicht vom Geistselbst vollständig überschattet sind, gibt es Meinungen, die voneinander verschieden sind. Diese Meinungen sind noch nicht im wahren Innersten des Menschen empfunden.“ ([[GA 103#Literatur|Lit.]]: [[GA 103#174|GA 103, S. 174]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„So wird, wenn im Verlauf der sechsten Kulturepoche das Geistselbst in die Menschen einziehen wird, tatsächlich eine geistige Sonne da sein, der sich alle Menschen zuneigen und in der sie übereinstimmen werden.“ ([[GA 103#Literatur|Lit.]]: [[GA 103#175|GA 103, S. 175]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
GELASSENHEIT (Innere Ruhe)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Eine der ersten dieser Regeln kann nun etwa in die folgenden Worte der Sprache gekleidet werden: «Schaffe dir Augenblicke innerer Ruhe und lerne in diesen Augenblicken das Wesentliche von dem Unwesentlichen unterscheiden.»|10|29}}{{GS|Es gehört gewiß in mancher Lebenslage eine große Kraft dazu, sich Augenblicke innerer Ruhe zu schaffen. Aber je größer die notwendige Kraft, desto bedeutender ist auch das, was erreicht wird.|10|36}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
GENESIS&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Daß aber Sonne und Erde in solchen Verhältnissen zueinander gestanden haben, wird in der Genesis erst vom vierten Zeitraum, vom vierten «Tage» der Schöpfung erzählt. «Tage» können daher überhaupt erst am vierten Tage der Schöpfungsgeschichte anfangen.“ ([[GA 103#Literatur|Lit.]]: [[GA 103#18|GA 103, S. 18]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
GENUSS&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Der Geheimschüler betrachtet den Genuß nur als ein Mittel, um sich für die Welt zu veredeln. Der Genuß ist ihm ein Kundschafter, der ihn unterrichtet über die Welt; aber er schreitet nach dem Unterricht durch den Genuß zur Arbeit vorwärts. Er lernt … um das Gelernte in den Dienst der Welt zu stellen.|10|27}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
GEOMETRIE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Warum wurden die Ägypter die Lehrmeister der Geometrie? Weil sie glaubten, daß man durch den Gedanken, der die Erde abteilt, die Materie auch bezwingen kann und daß sich umformen läßt die Materie, die der Geist des Menschen erfassen kann.“ ([[GA 103#Literatur|Lit.]]: [[GA 103#156|GA 103, S. 156]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
GESPENSTER oder SPEKTREN{{GS|Ebenso durchsetzen den Ätherleib Wesenheiten, von denen sich der Mensch frei machen muß, das sind die Spektren oder Gespenster, ...|99|71}}GNADE&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Als Gnade bezeichnete man im christlichen Sinne die Fähigkeit der Seele, aus dem Innern heraus das Gute zu tun. Die Gnade und die im Innern erkannte Wahrheit ist durch Christus entstanden.“ ([[GA 103#Literatur|Lit.]]: [[GA 103#80|GA 103, S. 80]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
GNOSIS&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Die Gnosis kennt den Christus ebenso wie das esoterische Christentum, aber nur als eine geistige Wesenheit, und sieht höchstens in dem Jesus von Nazareth einen mehr oder weniger an diese geistige Wesenheit gebundenen menschlichen Verkünder.“ ([[GA 103#Literatur|Lit.]]: [[GA 103#57|GA 103, S. 57]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
GOETHE{{GS|… Leipziger Zeit dem Tode recht nahestand. …  hatte er ein wichtiges Erlebnis, eine Art von Initiation. Goethe war sich dieser zunächst nicht bewußt, sie wirkte als eine Art poetischer Strömung in seiner Seele, … Solch einen Lichtblitz finden wir in dem Gedicht «Die Geheimnisse», das die intimsten Freunde Goethes als eine seiner tiefsten Schöpfungen bezeichnet haben … niemals die Kraft wiederfinden konnte, zu diesem Fragmente den Schluß zu gestalten|99|13}}{{GS|… Goethe konnte endlich, nachdem er sich dieser Initiation mehr und mehr bewußt geworden war, jene merkwürdige Prosadichtung entstehen lassen, die wir als das «Märchen von der grünen Schlange und der schönen Lilie» kennen|99|13}}GOTIK&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Die gotische Kirche ist nicht bloß das Wohnhaus Gottes, sondern zu gleicher Zeit der Versammlungsort der zum Gotte betenden Menge.“ ([[GA 103#Literatur|Lit.]]: [[GA 103#163|GA 103, S. 163]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
GOTT&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Wenn es auch Tierwesen gibt, welche heute schon tönen können, so ist das doch etwas anderes; sie stehen noch in ganz anderen Zuständen, zwar tönen sie, aber es tönt die Gottheit in ihnen.“ ([[GA 103#Literatur|Lit.]]: [[GA 103#38|GA 103, S. 38]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GS|Die Außenwelt ist in allen ihren Erscheinungen erfüllt von göttlicher Herrlichkeit; aber man muß das Göttliche erst in seiner Seele selbst erlebt haben, wenn man es in der Umgebung finden will.|10|26}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
GOTT-MENSCH&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Deshalb zerfällt für das christliche Bewußtsein das ganze Menschenwerden in eine vorchristliche und in eine nachchristliche Zeit. Der Gott-Mensch konnte nur in einer bestimmten Zeit von dem Menschen begriffen werden.“ ([[GA 103#Literatur|Lit.]]: [[GA 103#164|GA 103, S. 164]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
GRABLEGUNG UND AUFERSTEHUNG [6. STUFE CHRISTLICHER EINWEIHUNGSWEG]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Das Sechste ist das, was man die «Grablegung und Auferstehung» nennt. Das ist die Stufe, wo der Schüler sich eins fühlt mit dem ganzen Erdenleib … Sein Leben hat sich erweitert zu planetarischem Leben.“ ([[GA 103#Literatur|Lit.]]: [[GA 103#193|GA 103, S. 193]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
GRIECHISCHER TEMPEL&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Dieses Mitfühlen mit den Linien des Raumes, das heißt «den lebendigen Geist geometrisierend fühlen». Das ist, was Plato gemeint hat, als er den ungeheuren Ausdruck gebrauchte: «Gott geometrisiert fortwährend.» Diese Linien im Raum sind vorhanden, und danach baute der Grieche seinen Tempel.“ ([[GA 103#Literatur|Lit.]]: [[GA 103#163|GA 103, S. 163]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Was ist denn der griechische Tempel? Er ist mit Notwendigkeit ein Wohnhaus des Gottes […] In dem griechischen Tempel wohnte der Gott selbst darinnen.“ ([[GA 103#Literatur|Lit.]]: [[GA 103#163|GA 103, S. 163]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
GRIECHISCH-LATEINISCHE KULTUR [VIERTE KULTUREPOCHE]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„In der vierten Kulturepoche, der griechisch-lateinischen, setzt der Mensch zunächst sein inneres Wesen in die Außenwelt hinaus. Da sehen Sie zunächst, wie in Griechenland der Mensch sich selbst in der Materie, in den Formen objektiviert.“ ([[GA 103#Literatur|Lit.]]: [[GA 103#150|GA 103, S. 150]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Die vierte Kultur, die griechisch-lateinische, ist die mittlere und innerhalb der Zeit dieser mittleren der nachatlantischen Kulturen tritt der Christus Jesus auf der Erde auf.“ ([[GA 103#Literatur|Lit.]]: [[GA 103#150|GA 103, S. 150]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Die vierte Zeitepoche ist die, wo der Mensch das, was er in seinem Geiste erfaßt, restlos der Materie einverleibt.“ ([[GA 103#Literatur|Lit.]]: [[GA 103#162|GA 103, S. 162]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Wir sehen die Werke der griechischen Plastiker, der griechischen Dramatiker, wo der Mensch das, was er sein seelisches Eigentum nennt, sich verkörpert vor die Seele hinstellt.“ ([[GA 103#Literatur|Lit.]]: [[GA 103#161|GA 103, S. 161]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Für den, der etwas davon versteht, gibt es sogar keine bedeutendere, keine vollendetere Architektur als die griechische, die der reinste Ausdruck ist der inneren Raumgesetzlichkeit.“ ([[GA 103#Literatur|Lit.]]: [[GA 103#162|GA 103, S. 162]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Der Grieche hatte sie architektonisch vor sich; er empfand die Horizontale nicht bloß als Linie, sondern er empfand sie als Druckkraft, und er empfand die Säule nicht bloß als Stock, sondern empfand sie als Tragkraft.“ ([[GA 103#Literatur|Lit.]]: [[GA 103#163|GA 103, S. 163]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Dieses Mitfühlen mit den Linien des Raumes, das heißt «den lebendigen Geist geometrisierend fühlen». Das ist, was Plato gemeint hat, als er den ungeheuren Ausdruck gebrauchte: «Gott geometrisiert fortwährend.» Diese Linien im Raum sind vorhanden, und danach baute der Grieche seinen Tempel.“ ([[GA 103#Literatur|Lit.]]: [[GA 103#163|GA 103, S. 163]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Die griechische Kulturepoche war die schönste Durchdringung des in sich entdeckten Bewußtseins der Menschheit und dessen, was draußen im Raume als das Göttliche empfunden wurde. Der Mensch war ganz und gar zusammengewachsen mit der physisch-sinnlichen Welt in dieser Kulturepoche.“ ([[GA 103#Literatur|Lit.]]: [[GA 103#164|GA 103, S. 164]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Eine Logik, das, was Nachdenken im Ich selber ist, wo man im Ich Begriffe verbindet und trennt, wo man also logisch urteilt, nicht abliest von den Dingen, das tritt erst in der vierten Kulturepoche ein. Daher nennen wir diese vierte Epoche die Epoche der Verstandesseele.“ ([[GA 103#Literatur|Lit.]]: [[GA 103#173|GA 103, S. 173]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
GRUPPEN-ICH&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Aus dem Gruppenseelencharakter hat sich auch der Mensch entwickelt und nach und nach sich hinaufgeschwungen dazu, in der Einzelpersönlichkeit das Ich zu empfinden. Wir können gewisse Dinge, besonders die religiösen Urkunden, nur verstehen, wenn wir dies Geheimnis von den Gruppenseelen, von den Gruppen-Ichen wissen.“ ([[GA 103#Literatur|Lit.]]: [[GA 103#72|GA 103, S. 72]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Die Menschen leben ja doch, insofern sie sichtbare Menschen waren, als einzelne. Sie fühlen zwar das Gruppen-Ich, aber für die Sinne waren sie einzelne. Da sie sich noch nicht als einzelne fühlten, konnten sie auch noch nicht die Liebe in vollem Maße innerlich haben.“ ([[GA 103#Literatur|Lit.]]: [[GA 103#79|GA 103, S. 79]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„auch heute sind die Menschen noch nicht in allen Dingen über die Gruppen-Iche hinaus. In wie vielen Dingen ist der Mensch heute durchaus nicht individueller Mensch, sondern ein Gruppenwesen.“ ([[GA 103#Literatur|Lit.]]: [[GA 103#80|GA 103, S. 80]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Erst wenn er zu dem eigentlichen Ich des Tieres kommen will, kann er nicht in der physischen Welt bleiben, da muß er hinaufsteigen in die astralische Welt. Da ist die Gruppenseele oder das Gruppen-Ich der Tiere.“ ([[GA 103#Literatur|Lit.]]: [[GA 103#137|GA 103, S. 137]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
GRUPPENSEELE&lt;br /&gt;
{{GS|So wie eine Kuh dasselbe Aussehen hat wie ihre Nachkommen …  weil da die Gruppenseele zugrunde liegt, so sahen auch die Menschen ihren Vorfahren zum Verwechseln ähnlich … Woher kommt nun die Tatsache, daß die Menschen sich nicht mehr ähnlich sind?|99|127}}„Aus dem Gruppenseelencharakter hat sich auch der Mensch entwickelt und nach und nach sich hinaufgeschwungen dazu, in der Einzelpersönlichkeit das Ich zu empfinden. Wir können gewisse Dinge, besonders die religiösen Urkunden, nur verstehen, wenn wir dies Geheimnis von den Gruppenseelen, von den Gruppen-Ichen wissen.“ ([[GA 103#Literatur|Lit.]]: [[GA 103#72|GA 103, S. 72]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Innerhalb der Bekenner des Alten Testamentes sehen wir im vollsten Sinne noch das ausgedrückt, was wir die Zugehörigkeit zur Gruppenseele als die Grundlage des einzelnen Ichs im Gesamt-Ich nennen können.“ ([[GA 103#Literatur|Lit.]]: [[GA 103#89|GA 103, S. 89]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Darauf wird hingewiesen, daß es etwas Besonderes ist, daß der Christus zu einem Volke geht [Samariter], dessen Iche aus der Gruppenseele herausgehoben, entwurzelt sind.“ ([[GA 103#Literatur|Lit.]]: [[GA 103#99|GA 103, S. 99]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Erst wenn er zu dem eigentlichen Ich des Tieres kommen will, kann er nicht in der physischen Welt bleiben, da muß er hinaufsteigen in die astralische Welt. Da ist die Gruppenseele oder das Gruppen-Ich der Tiere.“ ([[GA 103#Literatur|Lit.]]: [[GA 103#137|GA 103, S. 137]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Artikel unten}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>ElkeJura</name></author>
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